nb ge Tarif Ange gs un ände! hreiben 1928 ommu Die ihr nichts n. Wir en Be Au fe bewußt DON ftlichen n Ber eben , daß Mamen Albendausgabe Nr. 514 B256 45. Jahrgang Böchentlich 8531, monatli 3,60 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4.32. einschl Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6,- M. pro Monat * Der Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendousgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bol und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauen. ftimme". Techni!"." Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 30. Oftober 1928 10 Pfennig Die einipaltige Renporeillezetts 80 Bfennig. Reflamezeile 5- Reichs mart kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Ahlen für amet Borte. Arbeitsmartt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wodjentägl. von 8% bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands uffung Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 8 Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- Abr.: Cozialdemokrat Berlin nd, Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Bostichedkonto: Berlin 87 586. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenkr. 8 DON en ber feftge ani tfchen erlin Flag: is bet Sugend Sum Der Gaule erialis Zeppelin in rauhem Wetter. Das Luftschiff nimmt südöstlichen Kurs. Der RüdfIug des Graf Zeppelin" über den Atlantik nach Deutschland scheint unter einem günstigeren Stern zu stehen als der so hindernisreiche Hinflug. Immerhin hat das Luftschiff auch diesmal ein weit ausEngel gedehntes Tiefbrudtgebiet zu passieren, das ihn seit Stun ben in rauhem Wetter hält. Am frühen Nachmittag Redes heutigen Tages war der Zeppelin fast 30 tun den unterwegs. ts de dheim ortrag roweit: in be ingen elffen Heute früh 250 Meilen nordöstlich Neufundland. Beim Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen ging um 9,30 Uhr eine Standortmeldung ein, wonach sich das Luftschiff um 24 Uhr amerikanischer Zeit( 6 Uhr mitteleuropäische Zeit) 250 Meilen nordöstlich kap Race befand. An Bord sei alles wohl. Es herrsche Starter Südoffffurm. Damit find alle Meldungen, die von einem Surs füblich von Neufundland sprechen, überholt. Das Luftschiff scheint durch den starken Südostwind wieder nach Norden abgetrieben zu sein. Lhöfee Botales lin. Cudere Be& ze en Der Hapagdampfer Deutschland", der, mie gemeldet, mit bem„ Graf Zeppelin" in Funfverfehr getreten mor, fonnte dis Luftschiff nicht sehen. Aus Halifar wird berichtet, daß die dortige Blattenfunkstation einen Funtspruch der Station Canso auffing, monach diese gegen 6.50 Uhr New- Yorker Zeit einen Augenblic lang mit dem Luftschiff in Verbindung gestanden hat, wobei jedoch schlechter atmosphärischer Bedingungen megen eine Die Betterberichte bePositionsangabe nicht zu erhalten war. sagen, daß der Graf Zeppelin" zwar eine Bone stürmischen Wetters werde durchfahren müssen, doch werde die Windrichtung seine Fahrtgeschwindigkeit erhöhen. Das Sturmzentrum. Das Seeflugreferat der Hamburger Geewarte gibi um fieben Ihr morgens nachstehenden Betterbericht über die Better. Lage auf dem Atlantik bekannt: Die Wetterlage auf dem nordatlantischen Ozean verändert sich nur langsam. Noch immer wird fie von zwei Tiefdruckgebieten beherrscht, von denen das eine menig verändert über dem Nordosten von Labrador liegt, das zweite im Raum zwischen Island und Schottland. Südlich von dieser Tief drudrinne hat sich der mittelatlantische Hochdrucgürtel etmas weiter nordwärts ausgebreitet. Sein Kern liegt heute früh mit Baromelerständen von 772 Millimeter im Raume der Azoren Bon Labrador greift ein Liefausläufer weit füdmarts in Richtung auf die Bermudas. Auf seiner Borderseite herrschen im Raum zwischen 45 und 55 Westlänge auffrischende füdliche bis füdwestliche Winde. Westlich von 55 Grad mehen nordwestliche Winde. lleber der öft. lichen Hälfte vom atlantischen Ozean wehen nördlich von 45 Nord breite schwachmehige westliche bis nordwestliche Winde, die auf dem Schiffahrtsturs Kanal- New York vielfach Sturmstärfe erreichen. Dabei gehen aus niedrigen Wolfen verbreitet Regenschauer nieder. Stellenweise fällt auch Hagel. Der an Bord des Luftschiffes befindliche Baffagier Paul Marto telegraphierte an die YMCA. in Brooklyn am Montag um 13.11 Uhr amerikanischer Zeit: Wärmste Grüße aus den Wolfen über dem Nordatlantik." Der Passagier Casto telegraphierte um 6.45 Uhr amerikanischer Zeit, also mehr als vier Stunden vorher: Tagesanbruch über dem Nordatlantit vorwärtsreifend, Motore perfett, wundervolles Wetter." Nach aus Neufundland vorliegenden Meldungen herrschte dort im Gegensatz zu den frühen Tagesstunden des Montags gegen abend ziemlich rauhes Wetter. Regen und starter Südwestwind gingen über das Küftengebiet. Ein Funkspruch der Canso- Station verzeich neie um 18.50 1hr amerikanischer Zeit ebenfalls äußerst schlechte atmosphärische Berhältnisse, die es ihr nur für wenige Augenblide ermöglichte, mit dem Luftschiff in Berbindung zu treten. Dr. Edener sandte von Bord des Luftschiffes an Präsident Coolidge folgendes Dantelegramm: Anäßlich unseres Abfluges aus Ihrem Lande gestatten wir uns, unserer tiefften Dankbarfeit für den herzlichen Empfang Ausdrud zu geben, den Sie und das amerikanische Bolt uns bereiteten. Die Nacht über dem Atlantik. Es wird in new Dort angenommen, daß der„ Graf Zeppelin" 4tis bis etwa 6 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit ungefähr ein Drittel der Gesamtftrede Lakehurst Friedrichshafen zurüdgelegt hat. Die Fahrtgeschwindigkeit in der Nähe der Küste von Neufundland wird 30 mer doch Berlin baut um! Links oben und unten: Die Bauarbeiten an der Jannowitzbrücke. Rechts unten: Das Häuschen des Verkehrspolizisten auf der Waisenbrücke. Zuchthaus für Husmann beantragt Das Plädoyer des Staatsanwalts: Acht Jahre Zuchthaus wegen Totschlags. Effen, 30. Oktober. Um heutigen 12. Verhandlungstag wurde die Beweis aufnahme in dem Prozeß gegen den Primaner Husmann vom Vorsitzenden, Landgerichtscat Anger, offiziell geschlossen, nachdem sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch der Berteidiger auf weitere Beweisanträge verzichtet hatten. Dann erteilte der Vorsitzende nach Wiederherstellung der vollen Deffentlichkeit dem Hauptvertreter der Anklage, Staatsanwaltschaftsrat Rosenbaum das Wort zu seinem Plädoyer: Der Staatsanwalt spricht. ,, Seit zwei Wochen sind wir in diesem Saal versammelt, um die Schleier zu lüften von einem der furchtbarsten Verbrechen, das die Menschheit fennt. Bir find in unserer Arbeit unterstützt worden von einem ganz ungeheurem Interesse der ganzen deutschen Bevölkerung und wenn wir uns fragen, ob diefes Interesse berechtigt war, so müssen wir mit Ja und Rein antmorten. Diejenigen, die erwartet hatten, daß dieser Prozeß un gewöhnliche Sensationen bringen würde, dürften enttäuscht fein. Rein Sturm hat diese Bersammlung durchbrauft, dank der glänzen. den Verhandlungsleitung des Borsigenden. Aber auch die sind nicht auf ihre Kosten gefommen, die da glaubten, daß in diesem Saal bie Sexualnot unserer Jugend in breitester Beise aufgerollt werden würde, daß besonders verderbte Zustände in unseren höheren würde, daß besonders verderbte Zustände in unseren höheren auf zeitweilig 160 Kilometer geschäßt, wobei man ben ſtarten Jubiläum des Arbeitsministeriums. Rüdenmind in Rechnung ftellt, both wird aus den zuweilen Der verschwundene Page gefunden. miderspruchsvollen Positions- und Kursmeldungen geschlossen, daß ( Fortlegung auf der 2. Seite) Berichte 2. und 4. Seite. Schulen festgestellt werden würden. Auch die Sachverständigen haben sich ja zu diesem Thema eingehend geäußert und wir können uns ihrem Urteil getrost anschließen. Es ist wohl nichts Ungewöhnliches, wenn in einer Prima über seruelle Dinge gesprochen wird. Wenn man Bücher lieft mit dem furchterregenden Titel wird. Die Segualtatastrophe", wenn hier und da eine Zote oder eine Gemeinheit ausgesprochen wird. Auch aus den Aussagen der 3eugen, wenn wir ihnen glauben dürfen, ist nicht hervor. gegangen, daß die Prima, die hier vor uns aufmarschiert ist, etma besonders verderbt war. Das Verbrechen, der Mord an dem jungen Daube hier ist, wenn Husmann der Täter gewesen sein sollte, nicht das Produkt einer auf niedrigstem Niveau stehenden Schülergemeinschaft, sondern es ist das Produkteiner unglücklichen in sich nicht gefestigten Persönlichkeit. Des furchtbarsten Verbrechens beschuldigt ist ein junger noch nicht 20jähriger Mann, mit einer abgeschlossenen Gymnafia! bildung und einer ausgezeichneten Erziehung. Hier drängt sich nun die Frage auf: Rann ein folcher Mann eines Verbrechens fähig sein oder nicht? Diese Frage habe ich vor allem den Sachverständigen vorgelegt und sie haben sich hierzu flar und deutlich geäußert: Bildung und Erziehung find nur Firnis, fie find tein Schuh gegen das Berbrechen. Bo verbrecherische Triebe vorhanden sind, da fann ich die Bildung nur bezeichnen als Bfropfen auf einer Flasche mit gärender Flüssigkeit. Vielleicht hält der Pfropfen, vielleicht auch nicht. Halten wir den Angeklagten individuell der Tat fähig, so müssen ir bie Motive zu dem Morde suchen.„ Wenn wir aber alles gue zu jammenfaffen, was hier gesagt und vorgetragen worden ist, so müssent wir bodh fagen, baß, wenn auch ftritte Beweiſe fehlen, mindeſtens Anzeichen für die Anormalität Susmanns Dor= handen find." Der Staatsanwaltschaftsrat, wandte sich dann der Zehn Lahre Arbeitsministerium. Oer Schuh des Menschen das höchste Ziel! Im Lestsoal des Reichsarbeilsminisleriums wurde heule mittag von einer auherordcntlich beweglen Versammlung, an der alle Spitzen der Reichs- und tänderregierungen, der Porlamenle. der wlrtjchafllichen Sörperjchosien usw. teil- nahmen, da» zehnjährige Jubiläum de» Rcichsarbellsminisle- riums festlich begangen. Es ehrl die Republik, daß sie da« zehnjährige Bestehen des Reich-arbeiisministeriums besonder» feiert, de» Ministeriums, da», mas der Reichsarbeitsminister. der Sozialdemokrat V l s f e l l. in seiner Rede hervorhob, für die Arbeiterklasse da» Recht zum Ausstieg verkörpert. Viffell führte aus: Die entscheidende Errungenschaft der Sozialpolitik der Noch- kriegsjohre sieht der Minister in der Tatsache, dah der Mensch wieder in den Mittelpunkt der Wirtschast gerückt ist. 2n der Sozial- Politik der Vorkriegszeit war der Mensck) nur Mittel zur Erfüllung staotspol�ischer Aufgaben. Die Staatsumwälzung bs- seitigte mit einem«chlag« Hindernisse, zu deren Ueberwindung bei ruhiger Entwicklung viele Jahrzehnte nötig gewesen wären. Di« Verfassung der Deutschen Republik schuf die positiven Grund- lagen, woraus das neue Gebäude der deutschen Sozialpolitik errichtet werden konnte, schuf die gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeiterschaft an der Regelung seiner Arbeitsbcdingun- gen. Betriebsrätegesetz. Schlichtungzordnung, Arbeitsgerichtsgesetz sind Schöpfungen dieses neuen Geistes. hoben Fürsorge in Recht vsrwandett. Der k l e t t i v« Arbeitsvertrag verdrängt den individuellen. In der Schlich- tungstammer, in den Arbeitsvermittlungsbehörden, in der Ler- wollung der Sozialversicherung sind die Parteien des Arbeitslebens selbst an der Lösung der neuerstehenden Ausgaben beteiligt. Um dem„Arbeitsbürger" eine Existenzsicherung zu bieten, wurde die alte Sozialversicherung ausgebaut, wurden Unfall- und Krankenversicherung erweitert, die Pen- sionen im Bergbau den hohen Anforderungen und dem früh- zeitigen Krästeverbrouch in diesem Berufe angepatzt, wurden Familienhilf«, Wochenhilse, Krankenpflege der An- gehörigen zu Pflicht- oder mindestens zu freiwilligen Leistungen der Kassen. Mit Einführung der Arbeitslosenversicherung wurde schliehlich auch der schrecklichste Druck im Proletarierleben gemildert. Der Minister betonte, dah trotz ollem noch recht viel, noch allzuviel Rot und Elend zu tilgen übrig geblieben sei. So tonnte nur ein Teil der Kriegsbeschädigten wieder in geregctte Berufstätigkeit eingegliedert werden. Aehnlich liegen die Berhölt- nisse beim früheren Mittelstand«, dessen Ersparnisse In der Inflation oder durch wirtschaftliche Verschiebung der Nachkriegszeit verloren gegangen find. Aber oll« diese Bedauernswerten stehen heute in ihren staatsbürgerlichen Rechten keinem Volksgenossen mehr nach. Di« neue deutsche Sozialgesetzgebung hat die frühere sogenannte Armenunterstützung mit ihren staatsbürgerlich entrechtenden Folgen beseitigt. Der Betriebsschutz wurde ausgebaut, umfassende gewerbehygienisch« Untersuchungen sind eingeleitet worden. Durch Heil- fürsorge, Umschulung, Berufsberatung versuchte man virn Unfall oder Krankheit Betroffene wieder in ein geregeltes Berufsleben einzuschalten. Auch die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gehört zu der grohen Aufgabe der vorbeugenden Sozialpolitik. Da, Reichsarbeitsministerium hat durch eine umfassend« Organisa- tion der Arbeitsvermittlung die Reibungen und Stockungen auf dem Arbeitsmarkt zu verringern versucht. Sozialpolitiker und Wirtschastspolitiker sind oftmals hart auf- einander geftohen: aber das Reichsarbeitsministerium Hot sich be° müht, niemals zu vergessen, datz der Anteil der Arbeiterschaft am Ertrage der Wirtschast nur dann steigen kann, wenn dieser Ertrag selbst steigt.— dah jede gute Sozialpolitik auch ein Stück Produk- tionspolitik darstellt. War nicht z. B. di« Soziowersicherung ebenso ein« Entlastung der Wirtschaft wie eine Belastung? Und Arbeitsmarktpolitik. Arbeitsnachweis, Berufsberatung, auch sie waren schliehlich nicht ollein Mittel, um dem Arbeiter di« geeignete Existenzmöglichkeit zu schaffen, sondern auch um der Wirtschaft die geeigneten Arbeitskräfte zuzuführen. In der produktiven Erwerbs- loscnfürsorge versuchte man mit Staatsmitteln Leistungen voll- bringen zu lassen, für die privates Kapital nur schwer aufzubringen ist: Wegebau. Oedlandkuttur. Bau von Londarbeiterwohnungcn und dergleichen mehr. Wohin wäre wohl die übrige Wirtschast gelangt, wenn man dem berühmten Spiel der Kräfte auf dem Vohnungsmorkl freien Lauf gelassen hott«? ,?ur Lohnpolitik des Reichsarbcitsministeriums übergehend bemerkt de? Minister: Wird durch di« stootliche Sozialoer- sicherung dem Arbelinehmsr das Minimum seiner Existenz gc- währleiftet, so ist die Lohnpolitik auf dos Maximum gerichtet. In besonderen Fällen hat der Staat die richtige Grenze zwischen dem sozialpolitisch Erwünschten und dem wirischosrlich Möglichen auch unmittelbar zu sinden versucht. Der Minister er- innert an die dreiEtappsn dieses Weges: Kriegsend«, Demobil- mochung und Inflation. Auf d>« Inflation folgte die grohe Reinigung?- und Rationalisierungskrise. Au» dieser Krise ist da» Tariflohnniveau der deutschen Arbeiterschaft so gut wie unbeschädigt hervorgegangen. In dieser Totsach« liege vielleicht da» sichtbore Leichen für den Geist, der di« Lohnpolitik, der dl« ganze Sozial- Politik des Reichsorbcitsminsteriums beherrscht Hot:„Nicht dah das Mimsterium verkannt hätte, wie sehr gerade die deutsche Wirtschasr unter dem Zwange steht, zu einer Aussuhrsteigerung. Aber e- war und ist ihm bitterer Ernst mit dem Grundsatz, dah Konkurrenz- sähigkeit auf dem Weltmarkt nicht ans Kosten sozialer Errungenschaften erzielt wcrden darf." Di« notwendigen Folgerungen aus diesem Grundsatz hob« das Ministerium auch international gezogen. In longjähriger Mitarbeit im Genfer Internationalen Arbeitsamt Hab« es den Beweis eines ebenso guten wie energischen Willens zur internationalen Sozialpolitik erbracht. Für eine bessere und freiere Zukunft? Nach dem Reickzsarbeitsminister Wissell nahm als Vertreier de? Rejchsrsgierung Reichskanzler Hermann Müller das Wort. „Zehn Jahre," führte er aus.„sind gewih eine kurze Zeit im Völkerleben, aber es waren schicksalsschwer« Jahre,, in denen dos Menschenmögliche geleistet wurde zum Wieder- ousbau. Sie hoben die Notwendigkeit eines Reichsarbeits- Ministeriums mit Deutlichkeit erwiesen. E» ist lein Ministerium eines besonderen Berussstandes, es dient bei tatkräftiger Zusammen- arbeit aller Dolkskreis« der Allgemeinheit. Dos Ergebnis der kommenden Reparationsoerhandliingen wird uns schwere Be- lostungen nicht ersparen. Deshalb müssen wir mit erhöhter Auf- merksamkeit darauf dringen, das höchste Gut eines Volkes, ssine Arbeitskraft, zu schützen und zu erhalten. Möge da» Mini- sterium erfolgreich in diesem Sinne weiter wirken an der Schaffung einer besseren und ireieren Zukunft!" Di« Glückwünsche des Reichstages überbrachte Reichstagsprä- sident Paul Lobe. Humorvoll berichtete er, dah der Sozial« politisch« Ausschuh de» Reichstags erwogen hotte, für sich ein Arbeiterfchutzgefetz gegen das Rcichsorbeitsministerium em- zubringen: denn 1926 feien von 1090 Vorlogen 346, 1927 von!0fi8 316 vom Reichsarbeitsministerium im Reichstag eingebracht worden. Aber der Schutz de» Menschen, seiner Arbeitskraft und seiner Gc- sundhell fei eine» der höchsten Ziele jeder Gesetzgebung. Deshalb seien die Summen für das Rcichsorbeitsministerium nicht um- sonst ausgegeben. Höchste Ausgabe sei es, im arbeitenden Men- fchcn das löhinend« Gefühl zu töten, dah er nur Werlzeug und nicht Mitträgcr der Produktion fei, und in diesem Sinne wünsch« der Rcichsiagspräsident dem Rcichsorbeitsministerium weitere Jahre erfolgreicher Arbeit für dos deutsche Volk. Für den Reichsrat sprach der preuhisch« Volkswohlfahrtsministcr Hirt fieser, fük den Vorläufigen Rcichswirkschost-rat d-r Prösi- dent o. Siemens. Die Glückwünsch« des Internationalen bcitsamts überbrachte der stellvertretende Direktor de» Internatio- nalen Arbeitsamts H. B. Butler, der dem Bedauern des Direktors Albert Thomas Zlusdruck gab, nicht selbst der Jubiläumsfeier beiwohnen zu können. Die Beziehungen zwischen dem Internationalen Arbellsaml in Gens und dem Reichsorbeiismiolflerlum in Berlin seien immer höchst harmonischer Rakur gewesen. In seder Weise sei man dam ILA. entgegengekommen, wertvoll« Kräfte Hab« da» Ministerium für di« Genfer Arbeit zur Verfügung gestellt. Herr Butler gab der festen lleberzeugung Andruck, dah die» auch in Zukunft so bleiben werde zum Segen der internationalen Zu- sommenarbeit und zum Segen aller Mitarbeiter in der inter- nationr'en Wirtschast. Mit dem Deutschlandlied« schloß di- Feier. Beurteilung de» Charakters des ermardeien Daube zu. Vor allen Dingen stützt««r sich auf die Angaben des Zeugen Kappen, der bekanntlich angegeben hat, dah während der Eifelsahrt Husmonn dem Daube sich unsittlich genähert hat, und er hielt als«in de- lastendes Indiz die Tatsache, daß Husmann die bekannte Nacht in der Eiset in seinen Kalender eingetragen habe. Auf dieser Eifel- fahrt habe die Freundschaft zwischen Daube und Husmonn«inen tödlichen Stoß erhalten, wenigstens soweit Daube in Frag« kam. „Zusammenfassend muh ich sogen, dah dieser Fall ebenso wie ander« kleinere Fälle den Verdacht erwecken, dah Husmann? Sexualität eine anormale ist, und haben wir auch keinen vollen Beweis, fo besteht doch mindesten« ein außerordentlich starker Verdacht. Daraus allerdings kann man noch nicht fchliehen, daß Husmann nun auch der Mörder Daube» gewesen sein muß." Zu welchem Schluß muh aber die Tatsache führen, dah dieser Mann Huf der Anklagebank am Marbmorgen sein« Schuhe mit Blut be- fleckt hat, das nicht seinein Körper entstammt, daß er nicht ge- schlafen hat. dah er ein Messer unter verdächtigen Umständen finden lieh, dah er sein Toschentuch nicht vorzeigen konnte, sollte sich einem da nicht der Verdocht aufdrängen: Husmann ist der Täter! Seltsam diese Schlaflosigkeit in der Mordnacht bei einem jungen Menschen, der 12 Gla» Bier getrunken und«in« ermüdende Fußtour hinter sich hat. Seltsam, daß dieser übermüdete Junge beim ersten Telephononruf an den Fernsprecher eilt. Muß einem hier nicht der Verdacht aufkommen, dah der Angeklagte überhaupt nicht ge- schlafen hat. daß er die Stunden von bis 6 Uhr morgen» benutzt hat. um seine Kleider und Schuh« vom Blut des Opfers zu reinigen! t Am Schluß feines Plildotzees. das in einem„schul- big" für Husmann ausklang, beantragte der Staats- anwalt eine Zuchthausstrafe von acht Jahren, Aberkennung der(Ehrenrechte auf bie Tauer von zehn Jahren und Anrechnung der erlittenen Untersuchungs- Haft. Die Anklage Wege» Mordes hat der Staats- anwalt fallen gelaffe« und hat nur auf Dot« schlag plädiert. Dem Angeklagten seien mildernde Um- stände zu versage». Oer Flug des„Zeppelin". (Fortsetzung von der 1. Seite.) der„Gros Zeppelin" mehrfach intensiveren Sturmzonen auswich und auf einem Zickzack-Kurs günstigere Wind« suchte. Ossenbar litt da» Luftschiss in der höhe von Reusundlond unter Slurmwetter, da» in der Presse als„Wilde Nacht über der Küste von Neufundland" ge- schildert wird. Nach einigen Meldungen sollen sogar rollend« oder Kreisbewegungen des Luftschiffes festgestellt worden fein. Indessen äußerte der Sekretär des Marineamts und Leiter des Marinxflug- wefens, Warner, der den„Graf Zeppelin" eingehend besichtigt hat, er sei überzeugt, dah da» Luftschiff, da» sein« Stabilität bereit» auf der Fahrt nach Amerika bewiesen habe, nach den vorgenommenen Ausbesserungen durchaus flugtüchtig fei. Der Sekretär de» Marineanit» Warner betonte in einer Unter- redung, der„Graf Zeppelin" werde die Rückfahrt sicherlich gut b e st e h« n, lstichstens könnte sie durch widrige Wind« verlangsamt werden. Den Washingtoner Wetterberichten zufolg« wirb da» Luft- schiff mindestens 400 Meilen von der Küste seewärts Sturmwetter haben. Auf Grund der verschiedenen Wetterberichte wird vielfach erwartet, dah da» Luftschiff sich einem Zentrum konvergierender Stürme nähere. Die Blätter bringen einen ausführlichen Ueberblick über den Verlauf des ersten Tages feit der Abfahrt von Lakehurst. Viel Raum wird auch Elarence T« r h u n« gewidmet, der sich den Ruhm gesichert habe, der erste blind« Passagier eine« Luft- schisses zu fein.„World" bringt feine ausführlich« Lebensgeschicht« und schildert di« früheren Erlebmsie Terhune» als blinder Passagler. Oer Landbundprozeß. Vie sollen der Herren v. Lena und Langhoff.- Kyritz, 30. Oktober. Im Kyritzer Prozeß ist zur Dienstagverhandlung auch der A n- geklagte Stoffehl wieder erschienen, der am Montag gefehlt hotte. Al» erster Zeuge wurde der Oberlondjäger Sommer- seid vernommen. Er sagt« au»:„Bor dem Finanzamt ertönten Ruf«:„Da ist ja Schupo drin." Darauf sagte Herr v. Jena wörtlich:„Wir marschieren jetzt zum Katosteramt. und wenn Schupo drin Ist, haue» mir sie raus." Herrn L a n g h o f f suchte ich zu beruhigen und sagte ihm:„Da wcrden ja unnötig Fensterscheiben eingeworfen."„Ja," erwiderte er,„es soll auch wo» zu sehen sein." Auch bei Klein« hatte ich zunächst Erfolg mit der Beruhigung, aber nachher ging die Raserei wieder los. Herr v. Jena forderte immer wieder auf. zum katosteramt zu ziehen. Als ich darauf den Demonstranten sagt«,„die Führer sagen doch. Sie sollen zum Katosteramt gehen, so gehen Sie doch endlich", wurtu mir erwidert:„Die Führer haben zu machen, was wir wollen." Vors.: Andere Zeugen hoben ausgesagt, nicht Herr v. Jena, sondern Herr Staffehl habe davon gesprochen, die Schupo solle rausgehauen wer- den. Zeuge: Ich bin fest überzeugt, dah e» Herr v. Jena war. Der nächste Zeuge, Steoersekretä'r Griesinger, be- kündete, dah der Bericht In der..Steuenoacht" aus Veranlassung von Amtmann Görden unter Hinzuziehung mehrerer anderer Be- omter niedergeschrieben worden sei. Der Zeuge hielt e» für möglich, dah gesagt wurde, die erste Fassung de» Berichtes sei zu landbiind- freundlich. Auch an dem zweiten Bericht ist der Zeug« gleichfalls nicht beteiligt gewesen. R.-A. Bloch: Ich habe den Eindruck, dah bei Pen Herren vom Finanzamt«ine gewisse Psychose gegen Major Cordes besteht. Zeuge: Das würde verständlich sein, nachdem man un» di« Fensterscheiben eingeschlagen hatte. R.-A. Bloch: Also, weil man Ihnen die Fensterscheiben einwarf, waren Sie geladen aus die Fishrer! Aul wettere Fragen bekundete der Zeuge»och. dah der Angekl. Langhoff wegen einer Straf« von 1000 Mgrk bei ihm erschienen sei, die über seinen soeben verstorbenen Dater verhängt worden war, weil dieser«in neygekauste» Auto noch nicht versteuert hatte. Langhosf habe sich Ihm al» Ritterschaftsrat vorgestellt. tAuslachen auf der Anklagebank, da» vom Vorsitzenden gerügt wird.) Er hah« sich wie zu Haus« benommen, fei hinter dem Stuhl des Zeugen herum zum Fenster gelaufen und Hab« sich wenig anständig bewegt. Langhoss erwidert« daraus, er sei allerdings unruhig hin« und hergegangen, weil kurz vorher sein Bater gestorben sei, und er durch di« viele Arbett, dl« daraus gefolgt war, sehr mitgenommen gewesen sei. Griesinger habe ihn in brutaler Art und Weise an- gefahren:„Da, ist sa«ine ganz gemein« Steuerhinterziehung Ihre» Vaters gewesen." Daraufhin sei er selbst ohne Gruß fortgegangen. Der Zeuge Griesinger erwiderte darauf: Ich Hab« den alten Herrn sehr geschätzt, es ist ausgeschlossen, dah ich über diesen ein solches Urteil gefällt habe. Tageschronik. Tlicht einmal Freizügigkeit für Kommunisten? Die„Rote Johne" berichtet über die Versammlung der Liga für Menschenrechte, in der die Frage diskutiert wurde, ob es in Sowjetruhland Menschenrechte gäbe. Für die„Rote Fahne" Ist da» natürlich keine Frage. Gleich im Anschluß bringt das Konmm- nistenblalt eine Stellungnahme zu der von uns gemeldeten Rück- kehr Heinrich Brandlers nach Deulfchland. Diese lautet: Brandler stellte vor«inigen Tagen, als di« Rechten um Thalheimer bereits ihre,, Kampf gegen die Partei und die Kam- intern begonnen hatten, beim ZK. der KPSll„ deren Mitglied Brandler seit 1924 ist, den Antrag, nach Deutschland be- u rlaubt zu werden. Das ZK. der KPSU. lehnt« auf Grund des gegenwärtigen Kampfe» der Anhänger Brandlers gegen die KPD. und der Komintern diesen Antrag ob. Do Brandler bei Stellung seines Antrages zu verstehen gab, dah er bei Nichtannohme seines Antrages auch ahne Zustimmung de» Z"?. der KPSU.. unter Zuhilfenahme d-r deutschen Botschaft in Moskau reisen würde, wurde er auf di« Kon» sequenz eines solch-n Schritte? oerwiesen, dl« nur Ausschluß au» der Sommuoistiichen Partei sein kann. Wenn die Nachricht des„Abend" zutrifft, hat sich Brandler außerhalb der Reihen der kommunistischen Bewegung gestellt. Mit dieser Darlegung dürft« die Frage der Menschenrechte in Sowjetruhland auch für den Begriffsstutzigsten entschieden sein. Nicht einmal für«ingeschrieben« kommunistische Partetmitglieder existiert da» primitivste aller Menschenrechte, existiert die feit Abschaffung der Leibeigenschast in ganz Europa eingeführt« Frei, zügigteit! Meinungsfreiheit. In einer Sitzung der gesamten Bezirksleitung Berlin- Brandenburg der Kommunistischen Porlei. an der„die Nesiort- leiter, Sekretäre, Abgeordneten. Instrukteur«, Pol.- und Org.-Leiter der Verwaltungsbezirk«� Unterbezirksletter" teilgenommen haben, wurde zuerst ein« lange Resolution der engeren Bezirksleitung angenommen. Dann beschloß man eine Ausatzresolution, in der„eine tiefgehende ideologische Klärung" gefordert wird. Ferner sollen die „notwendigen organisatorischen Sicherungen" zur praktischen Durch- sührung der Linie der Partei geschosten werden, besonder» im Gewertschafts» und Frauenapparot der Berliner Or- ganisation. Schliehlich soll ein« Ueberprüsung der personellen Zusammensetzung des leitenden Funktionärftabes vorgenom- men werden, um die fraktionelle Tätigkeit der„Rechten" und„Der- söhnler" zu verhindern. Aus dem Bericht der„Roten Fahne" er» sahren wir auherdem: Die Bezirksleitung beschloh ferner, dah die Beschlüsse der Gesaml-Bezlrksleitung zur Hamburger Angelegenheit und di« Beschlüsse der Exekutive von allenMitgliedernder DL. In den umeren Orgomsationen einheitlich zu vertreten sind. wie es das Parteistatut vorsieht und im Beschluß der Exekutiv« festgelegt ist. Demnach sind keine Korreferat« zulässig. Die Referenten zu Parteiorbeiterkvnferenzen, Zellen-. Orts- qruppcn-Mttgliaderveriommlmtzlen usw. smd vom Sekretariat der Bezirksleitung rechtzeitig, mindestens drei Tage vorher, onzu- fordern. Für die Mitglieder der Kommunistischen Partei heißt es jetzt also: Stillgestanden! Hände an die Hosennaht! E» darf niemonö «in« eigen« Meinung haben. Rur d i« Meinung gilt, die jeweils von Moskau au» kommandiert wird. VI« Kunst de» Kopieren». In der Besprechung de»„VorwZrts* Nr. 511 vom 28. Oktober mit der ileberschrft:„Die Kunst de, Kopieren»" über«in« Ausstellung kopierender Künstler lw Neuen Schoneberger Rathaus ist der Name der Genossin Charlotte Bernstein vergessen worden. Di« Genossin Bernstein ist au» früheren Reproduktionen, die in der„Neuen Welt" ausgestellt wor- den sind, wie aus Bildern au» dem Arbeiterleben und durch ein Porträt August Bebel» gut bekannt. Sie ist auch in der Ausstellung mit drei Rcmbrandt-Kopien vertreten, die sowohl ein tiefes Ein- sühlungsoermögen als ein gute« technisches Können zeigen. Ihr Name wird daher unter den kopierenden Künltlern mit Recht ge- schützt. ९ t, t. C G e $ t S # S I t t S Oper und Konzert im Hause. Schallplattenschau von Klaus Pringsheim. Orchelier. Nicht ohne Kopfschütteln ist vor ein paar Monaten hier ver erft worden, daß mehr und mehr die Schallplattenproduktion fich em flüchtigen Bedürfnis des Tages, der Nachfrage nach immer Bechselnder Attualität" anpaßt; die Platte erfüllt sozusagen die junttion der täglich erscheinenden Zeitung- anstatt, ihrem Wesen emäß, nur bleibende Werte zu vermitteln. Stellen wir aber heute t Befriedigung fest, daß bleibend Wertvolles in reicher Auswahl r Belpredung vorliegt. D. G.*) bringt in einer Folge von fünf Blatten Ifaitomitys fünfte Sinfonie, eins der besten Beipiele der ruffifchen Sinfonit ohne Zweifel, und die Wiedergabe urch das Dr chefter der Städtischen Oper steht durchaus uf hoher Stufe. Dem Dirigenten Alexander Kitschin danken pir auch eine andere bedeutsame Neuerscheinung: Glazounams jeften ehörte Tondichtung Stenta Rafin", ein groß aufgebautes Stück, em das Balgaschifferlieb einen wesentlichen Teil des thematischen Materials liefert, fehr russisch in Kalorit und Charakter( D. G.) Richard Strauß Don Juan", pon Bruno Walther hinreißend nterpretiert( C.), bedarf feines empfehlenden Hinweises; Klangfülle nd Reichtum des Strauß- Orchesters fommen fast überraschend zur Birtung. Daß sich das Mozart- Orchester in seiner wunderbaren Durchfichtigkeit besonders für die Schallplatte eignet, ist hier öfters etont worden; die Es- Dur- Sinfonie, von der Staatstapelle uter Rleiber in schönem Ebenmaß des Tons, menn auch hie nd da im Zusammenflang ein wenig loder, gespielt( EL), mird s Bereicherung des flassischen Repertoires willkommen sein. Und pilkommen ist nicht nur dem Fachmann die Möglichkeit, durch Die Schallplatte alle ersten Orchester der Welt kennenzulernen; prachtvoll spielt und flingt in Berlioz' Ouvertüre Römischer Karneal"( D.) das berühmte Colonne.Orchester( Paris). In pernaufnahmen mit Gesang, insbesondere bei Wagner, fommt das Orchester mur selten zu voller Geltung; mun ohne Gesang läßt Shillings die Schlußizene aus der Götterdämmerung"- Brünildens Tod spielen( P.); vor allem im zweiten Teil ist das randiose Partiturbild eindrucksvoll wiedergegeben. Besonders geungen ferner die Reproduktion der Tannhäuser- Duvertüre: Staatsapelle unter Artur Bodanzky( D.); nicht minder zu empfehlen: Ouvertüre zu Verdis„ Macht des Schicksals"; für die Qualität bürgt er Name des Dirigenten Leo Blech( El); und Vorspiel zum ersten nd zum vierten Aft" Carmen", Dirigent Dr. Weißmann( D.). Doch eine Frage endlich: Ist es notwendig, fünstlerisch undistutierare Dinge mie die landläufigen Opernpotpourris, phantasien, paraphrafen, derengleichen als Klavierliteratur für den dilettan ichen Hausgebrauch leider nicht auszurotten ist, auch auf Platten u bringen? Bon gemischten" Potpourris, die in zehn Minuten in buntes Gemenge aus allem Möglichen und Unmöglichen durch tinander rühren, ganz zu schweigen. Operngejang. 44 ( und idealer Reproduktion: E1.). Liszts Es- Dur- Klavierkonzert ist ein Wert von solchem Gewicht; aber glänzendste Gelegenheit, den großen Virtuosen glänzen zu lassen; Allegander Brailowsky hat dafür Format, Technik und gestalterische Ueberlegenheit( D. G.). Und ein Pianist von gleichem Wuchs, Ignaz Friedmann, läßt sich in dem freilich schon ein wenig verblaßten, doh äußerlich mir fungsstarken Grieg- Konzert hören( C.). In seiner sehr persönlichen Art spielt Konrad Ansorge zwei Romanzen von Schu mann; energisch, charaktervoll die erste, verträumt, mit zartem Ton die zweite( B.). Und pianistisch sehr Reizpalles gibt Karol Szreter in seinen Konzert- Transstriptionen Straußscher Walzer( D.). Josef Wolfsthal bestätigt sich in Saint- Saens' Introduktion und Rondo" als Geiger von phänomenalem Können( Ho.). Martha in z bietet in Altfranzösischem( D.), Boris Schwarz( mit seinem Bater Josef Schwarz am Flügel) in Alt- Italienischem( So.) geigerisch wertvolles. Eine schöne Sache endlich, der Hamburger Profeffor Sittard spielt auf der Orgel Bachs Toccata und Fuge in D- Moll( D. G.). Und ein fammermusikalishes Ereignis: in einem Haydn- Trio drei Künstler von Beltruf vereinigt- Alfred Cortot, Jacques Thibaud, Pablo Casals( E1.). Lon Chaneys neuester Film. „ Loch, Clown, lady'," im Ufa Palast am 300. Wieder einmal das Bajazzothema, ein wenig variiert und start überzudert. Lon Chaney ist der große Clown, über den alle Welt lacht und der selbst todestraurig bleibt, weil er seine AdoptivDer alternde Mann und das junge Mädchen, untochter liebt. zählige Male im Roman, Drama und im Film behandelt, hier in amerikanischer Magazinverleger geschen. Je weniger der Zirkus das Zirkus- und Varietémilieu hineingestellt und mit den Augen in der Wirklichkeit gilt, desto stärker seine Anziehungskraft für den Film. Dieselbe Geschichte tönnte auch in anderen Kreisen spielen, und die Melodie flänge dann nicht so abgegriffen. lichkeit, den genialen Gestalter in sich am besten in Szene zu setzen. Aber Chaney hat gerade durch die Maste des Clowns die Möger spielt ihm den Auftritt nach, indem er mit weißem Clowngesicht zusammenbricht und wo sich die lachende Frage zum Ausdruck tiefsten Schmerzes wandelt? Bielleicht reizte ihn die zwiespältigkeit im Menschen, wenn auch diese Zwiespältigkeit zu den bekanntesten Dingen gehört. Birtuosität in der Mastenkunst und auf der anderen Seite große und stille Menschengestaltung, Gegenfäße, die in Chanen überbrückt werden. Der Clown ist die Zugabe, die Hauptsache der langsame Verfall eines Menschen, das Aufgehen in einer Leidenschaft, das Berlorensein in einen Schmerz. Um Chaney geschieht wenig Erfreuliches. Die anderen Darsteller sind zu klein im fünstlerischen Format, um über den Kitsch der Handlung hinwegtäuschen zu können. Schade, daß Nils Asther, der in Deutschland verheißungsvoll begann, durch Hollymood auf einen faden Lebemannstyp stilisiert worden ist. Die Regie fommt aus dem üblichen Schema nicht hinaus. Herbert Brenon begnügt sich damit, unpersönlich zu sein. Nur Bernard Siegel zeigt in einer kleinen Rolle sein Talent für prägnant gezeichnete Chargen, Zum Bürgermeister befohlen! Aus der Praxis fommunistischer Aemterbefehung. Bor kurzem gaben mir Kenntnis davon, daß der bisherige fommunistische Bürgermeister Unger aus Der fleinen Harzstadt Cochstedt seiner Partei den Rücken gelehrt habe und zur Sozialdemokratie übergetreten sei. Die kommunistische Bezirksleitung von Magdeburg- Anhalt und ihr folgend die kommunistische Presse becilten sich daraufhin, Unger als ein ,, focruptes Subjeft" zu bezeichnen. Wegen dieser Beleidigung hat Unger Strafantrag ge stellt. Inzwischen aber veröffentlicht der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ferl in ter Magdeburger Boltsstimme" Einzelheiten darüber, wie Unger seinerzeit zum Bürgermeister gema di murde: Im November 1927 wurde die Stelle des Bürgermeisters ausgeschrieben. Da sich die Stadtperordnetenversammlung in Cochstedt aus 5 Bürgerlichen, 1 Sozialdemokraten und 5 Kommnisten zusammensetzte, verlangte die tommunistische Fraktion einen Bewerber aus den Reihen der Kommunistischen Partei. Die tommunistische Bezirksleitung schrieb an das Zentralfomitee in Berlin. Trotzdem meldete sich aus dem Reiche fein Bewerber. Die Kommunisten in Cochstedt drängten. Daraufhin beschloß die Bezirksleitung, daß sich der unbefoldete Stadtrat Unger( Magdeburg) zu bewerben habe! Unger wurde vorher nicht gehört. Als linger dieser Beschluß zur Kenntnis gebracht wurde, machte er darauf aufmerksam, daß sich der Kommunist Wall: ft ab aus Staßfurt bereits beworben habe. Darauf wurde ihmi geantwortet, Wallstab hätte sich ohne Wissen der Beairfsleitung gemeldet und müsse feine Bewerbung zurückziehen. Das ist auch tatsächlich geschehen. " llnger machte ausdrücklich darauf aufmertfam, daß er die Sache erst betrachten würde. Er lehnte infolgedessen auch ab, die von der Bezirksleitung diffierte Programmrede zu halten. Bezirkssekretär Grube sagte darauf: Bildest du dir etwa ein, gewählt zu werden? Wenn du gewählt wirst, dann wirst du niemals bestätigt werden, denn dann fliegt die ganze preußische Koalitionsregierung auseinander. Eventuell wird der Landtag fogar aufgelöst." zu Er Grube hatte also die Absicht, ein Speftafelstüc veranstalten. Er rechnete weder mit der Wahl noch mit der Bestätigung Ungers. Nun tat ihm allerdings der eine Sozialdemokrat in Cooftebt nicht den Gefallen, sondern mählte im zweiten Wahlgang den damaligen Kommumisten Unger, und dieser bekam die Mehrheit. Jetzt hoffte man in der kommunistischen Bezirksleitung auf die nicht bestäti gung lingers. Jedoch entrüstete sich die„ ,, Tribüne" nach außen hin darüber, daß die Bestätigung folange ausbleibe. den Gefallen, die Bestätigung zu verjagen. Inger fuchte recht Tatsächlich tat aber die Regierung den Kommunisten nicht und schlecht in dem kleinen Städtchen Ordnung zu halten und meigerte sich auch, mie ihm der Bezirksjetietär emp pfohlen hatte, in vier Wochen die ganze Stadt auf den Schluß gezogen, daß er der forrupten Partei den Rücken kehren Kopf zu stellen". Aus dem, was er dann erlebte, hat er den müsse. Er hat in diefer Beziehung gerade im Bezirk MagdeburgAnhalt eine Reihe von Gefährten. Es traten neben ihm aus der Kommunistischen Partei in letzter Zeit aus: In Staßfurt die Mitglieder des Magistrats bzw. der Stadtverordnetenperfammlung ampel und Fromme; in Aschersleben Stadtrat 20 renz und Stadtverordneter Brieger; in Cochstedt auße Unger drei der fominunistischen Stadfoerordneteftin Thale a. H. trat der Kreistagsabgeordnete Jordan, der fü Eine der schönsten Aufnahmen, die mir befigen: Quartett aus Rigoletto" und Sextett aus„ Lucia di Lammermoor"( Donizetti); on Italienern gefungen, führend der Tenor Benjamino Giglis; Einzeltfang und Zusammenklang der Stimmen gleich außerordent ich; eine Bollkommenheit( El). Dasselbe„ Rigoletto"-Quartett gibt es auch noch von einem anderen italienischen Ensemble zu hören, hier bei dem( mur in unserem Land noch unbekannten). Tenor Aureiano Bertile, der freilich nicht Giglis Charme und fültivierte Reichtigkeit des Gingens, aber an stimmlichem Glanz und mitreißen Kalifornien bekanntgibt, wird gegenwärtig ein neues Riefenteleskop feine kommunistische lleberzeugung jogar ins Gefängnis gegangen Der Leidenschaft des Temperaments taum feinesgleichen hat. Mit hm wird in einer Serie von Fonotipia".Platten( bei D.) eine usgezeidmete italienische Operntruppe dem deutschen Publikum orgestellt: als meiblicher Star Rosa Bampanini, wundervoll h einer Butterfly"-Arie; und der Baffist Tancredi Pasero in der Berleumdungsarie aus Rossinis Barbier"; und die dramatische Sängerin Irene Minghini- Cataneo; und der Scala Chor als Zigeunerchor( Troubadour") und Soldatenchor( Marga rethe"); unb, noch einmal, Pertilie: als Rhadames, Manrico und Cavaradoffi( Tosca") hier am stärksten im Abschied vom Leben lnb es bligen die Sterne"), der Barabenummer aller italienischen Kenöre. Und noch ein Puccini- Sänger, Tenor der großen" Klasse, inter Lebenden vielleicht der Caruso nächste: Alfred Biccaner ingt Bruhftüde aus Madame Butterfly" und dem( auf der deuthen Bühne nicht heimisch gewordenen) Mädchen aus dem goldenen Beften"( D. G.). Und noch eine ungemöhnliche Sängererscheinung: Per Scala Bariton Umberto Urbano, faszinierend in Gesangs tücken leichten Charakters( D. G.); und Carlo Galeffi bringt die Figaro- Urie aus dem„ Barbier" mit jener Bravour, die dem deuthen Sänger unerreichbar scheint( C.). Doch auch bei unseren Rünstlern italienischer Operngesang auf hoher Stufe. Der Kunst Der Italiener am nächsten vielleicht fommt Herbert Janssen, mit Peffen üppigem Bariton Latte Schönes schmebender Sopran fió) n einem Rigoletto" Duett glücklich verbindet( EI.). Und Meta Seinemener, die in der Auftrittsarie der Butterfly und in der Chorfantate aus Tosca" sich gesanglich auf gewohnter Höhe zeigt, hit Tino Battiera in dem musikalisch überreichen Duett aus Othello": eine sehr schöne Leistung( P.) Aber vor allem, Felicie Süni Rihaczet hat für die Arie der Rosine( ,, Barbier") die eltenfte Bereinigung von virtuofer Koloratur und inniger Beseeltelt des Tons; ihr persönlich timbrierter Sopran gibt, neben dem Tenor Roswaenges, dem Quartett aus„ Bohème" Wohllaut nd Wärme( D. G.). Spezialgebiet des deutschen Opernfängers bleibt: Wagner. 3. bringt das erfte und das zweite Lohengrin"-Finale in guter Belegung aller Partien mit großem Chor und Orchester; Lohengrin: Sigismund Bifins? n, der auch im Abschied von Elsa sehr schöne Momente hat. Aber eine der tiefsten Eingebungen Bagners die tufif gemerdenen Borte, die bei der ersten Begegnung mit Senta er Fliegende Holländer findet, oder sozusagen nicht findet- bringt Friedrich Scharr in wahrhaft ergreifender Berklärtheit des Aus ruds( EL). Leo Schügendorf, mehr Charakteristiker als Sänger, hat für Mephistos Ständchen und Rondo( Margarethe") one pon theaterhafter Eindringlichkeit( 2.). Ein anderes Stand Ben", aus Mozarts Don Juan", gibt Hermann Schey mit be. Peutendem Können doch allzusehr als Konzertnummer( El.). Mit Sepflegtem Tenortlang und idlichtem Ausdrud betreut Richard Fauber( D.) Lorkings Lied Bater, Mutter, Schmeſtern, Brüber" us, Undine.( Also nicht mit jenem zu verwechseln, mit dem Hubert on Meyerind alabendlich die Besucher der Haller- Revue erheitert.) Inftrumentalisten. Eine Gipfelleistung auch hier: Brahms Biolinkonzert, non Frizz treißler gespielt; ein Meisterwert in meisterlicher Darstellung *) Abkürzungen: C. Columbia; D. G.= Deutsche Gram mophon; El. Electrola; Ho. Homocord; O. Odeon P. Barlophon; B= Box. Mchech F. S. Ein neues Riefenteleskop. Wie das Technologische Institut von gebaut, das an Größe alle bisher vorhandenen übertrifft. Der Standort des Teleskops, in das ein Spiegel mit einem Durchmesser von 5 Metern eingebaut werden soll, wird in der Nähe des bisher größten Teleftops der Welt auf Mount Wilson fein. Galerie Ferdinand Möller, Schöneberger User 38. Die Sonderaus. ftellungen mit Berlen von. Randinsty, Erich Sedel und Alexander 3ichette bleiben nur noch bis Freitag, den 2. November bestehen. Am und Aquarellen von Karl Ehmidt- Rottluff eröffnet. Sonntag, dem 4. November, wird eine Ausstellung mit neuen Gemälden war, aus. Alle diese Personen haben in ihrer praktischen Betätigung als Kommunalpolitiker gesehen, daß mit den kommunistischen Methoden auf die Dauer nichts anderes erreicht wird als der 3 miespalt auch in dem Bewußtsein der kommunistischen Funktionäre. Das ganze ist ein Symptom für die innere 3ersezung der Kommunistischen Partei, die deshalb ihre Schwäche durch um so größeren Lärm nach außen verdecken möchte. Jubiläum in der Tschechoslowakei. DELSE U Y T- G- MASARYK. PRVNÍ PRESIDENT RPVBLIKY ČESKOSLOVENSKE. . Dem Präsidenten der Republik wurde zur Erinnerung an das zehnjährige Bestehen des Staates eine Piakette mit seinem Bildnis überreicht. Rearse See a A. Sobrang Report Rab bale Jew lei Saxigrafic Sozialdemokrat Zentralorgan bez Deufchen fagiolbematratilben rbeiterparter Sehn Jahre. #ttens sub riis The hint in ber deshaliamefiches Republit Saule, 23. Daber 1928 257, als ein let me 28. Ditabez. red her by ww -Doo Shad Bew St. Se ukt were signes es hee wir wurde edig yes, i fore, ber Wateng l Bang inahin d So sah das Zentralorgan der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei am Tage des Jubiläums der Republik aus. ise Der verschwundene Page gefunden. Mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Das geheimnisvolle Berschwinden der 15jährigen Pagen Rudolf Koselowsky aus der Gollnowstraße 33 hat eine überraschende Aufklärung gefunden. Der junge Menich wurde jeht im Augufte. Bittoria-& ranfenhaus ermittelt, wo er bereits am Sonnabend mit einer Gehirnerschütterung eingeliefert worden war. Der junge Roselowffŋ war, wie wir berichteten, im Expreß Café im Europa- Haus am Anhalter Bahnhof als Page angestellt. Am Sonnabend vergangener Woche entfernte er sich pon feiner Arbeitsstelle und blieb seit dem Tage spurlos ver schwunden. Man befürchtete, daß Koselowsky von Angehörigen gewisser Kreise verschleppt worden sei. Die polizeilichen Ermille lungen haben gestern abend zur Auffindung des Pagen geführt. Er war am Sonnabend mit einer Gehirnerschütterung in das Augusta- Bifforia- Krankenhaus als unbekannt" eingeliefert worden. Erst gestern wurde die Polizei vom Krankenhaus davon in Kenntnis gesetzt, daß. dort Aufnahme gefunden habe. Der junge Mann, der noch im Krankenhaus daniederliegt, war am Sonnabend von einem Polizeibeamten am Potsdamer Plaz, wo er halb besinnungslos herumtorfelte, angetroffen worden. Der Beamte brachte ihn zur Rettungsmache in der Eichhornstraße und der Arzt stellte eine schwere Gehirnerschütterung fest und ordnete die Ueberführung des Pagen ins Krankenhaus an. Wie weiter ermittelt wurde, hat sich Koselowsky, wie er Arbeitsfollegen gegenüber geäußert hatte, die Gehirnerschütterung burch einen Sturz zugezogen. Es mutet sonderbar an, daß weder vom Krantenhaus, noch von dem Polizeibeamten eine entsprechende Meldung gemacht worden ist, so daß erst ein großer Polizeiapparat in Be megung gesetzt werden mußte und die Eltern des Jungen mehrere Tage über das Schicksal ihres Kindes in Angst und Sorge waren. Zum Mord in der Gerichtstraße. Wichtige Befundung eines Hausbewohners. Zur Aufklärung des Verbrechens in der Gerichtstraße haben die Kriminalkommissare Dr. Wächter und Nebe bis in die späte Nacht hinein noch zahlreiche Zeugen vernommen, namentlich die Bewohner des Hauses. Einer von diesen hat nun eine weitere wichtige Betundung gemacht. Der Mann suchte am Freitag nachmittag, als es schon dunkel war, und auf der Haustreppe das Licht bereits brannte, das eine halbe Treppe unter der Wohnung der Greisin gelegene Klosett auf. Weil es nicht beleuchtet ist, ließ er die Tür ein wenig auf, und hörte mun, wie die Wohnungstür der Frau Gebhardt zu getlappt wurde. Gleich darauf tam jemand die Treppe hinunter, dessen Schritt ihm unbekannt war. Er machte den Türspalt etwas weiter auf, um die Person besser sehen zu fönnen und nahm mahr, daß es ein Mann war. Als der Fremde, der etwa 25 bis 30 Jahre alt sein mochte, von mittlerer Größe war und einen grau blauen Filzhut trug, merfte, daß er beobachtet wurde, lief er mit Mordtommission verfolgt diese Spur weiter. Bon Bedeutung sind auch weitere Befundungen von Hausgenossen. Hiernach wurde am Freitag vormittag ein jüngerer Bettler in dem Hause gesehen. Nachmittags sprach bei verschiebenen Wohnungsinhabern ein älterer Bettler vor, der dort, wo er nichts erhielt sehr frech auftrat. Beide sind sicher auch bei Frau Gebhardt gewesen. Gefunden wurde in der Wohnung ein altes zerriffenes Taschentuch mit Blutspuren. Mit hin hat sich der Mörder die blutigen Hände abgewischt, bevor er die Schublade öffnete und das Geld herausnahm. Profeftfundgebung der Ladenfleischer. und Unternehmern des Bergbaus in einem frühen Stadium der Arbeiten des Bölferbundes. Serruns nahm die Wünsche der Berg arbeiter mohlwollend auf, wies aber darauf hin, daß die Struttur eine besondere Mitarbeit von Wirtschaftsgruppen wie der Arbeit des Völkerbundes und die Beschlüsse der Völkerbundsversammlung nehmer nicht vorsehe und sich die Arbeitnehmer bis auf weiteres nur unmittelbar durch die Teilnahme des Internationalen Ar beitsamts an den Kohlenverhandlungen beteiligen könnten. RUNDFUNK 16.00 Stunde mit Büchern. AM ABEND Dienstag, 30. Oktober. Berlin. 16.30 Unterhaltungsmusik. Kapelle Emil Roósz. 1. W. A. Mozart: Ouverture zu ,, Mitridate".. 2. P. Tschaikowsky: Barcarole aus den ,, Jahreszeiten". 3. Fr. Smetana: Böhmische Tänze. 4. P. Mascagni: Fantasie aus der Oper..Cavalleria rusticana". 5. J. Hubay: Violinsolo aus der Oper ,, Der Geigenmacher von Cremona".- 6. L. v. Beethoven: Menuett G- Dur. 7. J. Haydn: Allegro und Menuetto aus der C- Dur- Sinfonie ( Militär), Nr. 100. 8. G. de Micheli: Italienisches Ständchen( Serenata ambulante). 9. H. Wieniawski: Kuyawiak, polnischer Nationaltanz. 10. P. Kacsób: Rácóczy megtérése, ungarisches Lied. Im Lehrervereinshaus standen die Ladenfleischer Groß- Berlins in Front gegen die Berliner Fleischgrossisten. Gegenstand der Verhandlungen war der von den Großschlächtern eingebrachte Antrag auf Ausfall des fonnabendlichen Fleischmarktes. Wie Stadt verordneter Arndt als Mitglied der gewerblichen Deputation aus, führte, soll der Ausfall des Sonnabendmarktes in der Hauptsache bezwecken, die Spitzentage des Fleischmarftes( Mittwoch und Sonnabend) zugunsten eines ausgeglicheneren Bochenmarttes abzuschwächen. Während nämlich an diesen beiden Tagen, hauptsächlich Sonnabend, ein übermäßig starter Marktbetrieb herrscht, würde an den übrigen Markttagen fast mit Leerlauf gearbeitet. Daraus entsteht übermäßige Berlängerung der Arbeitszeit am Großmarft, die sich oft bis in die spätesten Abendstunden hin zieht, was einen Berstoß gegen die Bestimmungen der Gewerbe aufsicht bedeute. Die Ladenfleischer protestieren gegen den gestellten Antrag, den fie als eine starke wirtschaftliche Schädigung ihres Gewerbes betrachten; fie begründen dies damit, daß sie finanziell nicht start genug wären, ihre Einfäufe für das erhöhte Sonnabendgeschäft bereits am Freitag zu tätigen. Größere Aufträge, die oft erst im Laufe des Sonnabends einliefen, gingen ihnen dadurch verforen, auch fürchteten sie Erhöhung der Warenpreise, durch wilde 20.45 Dialoge der Weltliteratur. II.: Germanisches Mittelalter. Die Edda. Be Berkaufsstände usw. In einer einstimmig gefaßten Refolution forderten die Ladenfleischer Beibehaltung des Sonnabend marties. der Kohlenfrage und Bergarbeiter. Genf, 30. Oftober.( Eigenbericht.) Der Präsident und der Bizepräsident des Wirtschaftskomitees des Bölkerbundes, der Franzoje Serruŋs und Staatssekretär Trendelenburg empfingen am Montag eine Delegation Bergarbeiterinternationale, die die Wünsche der Bergarbeiter zur Behandlung der Kohlenfrage durch den Bölferbund vortrug. Die Bergarbeiterinternationale mar durch ihren Präsidenten Smith England sowie den Gefretär Delattre Belgien, Vigny Frankreich und den Bolkswirt des Deutschen Bergarbeiterverbandes Berger ver treten. Albert Thomas führte die Delegation. Smith wies darauf hin, daß die wachsende Arbeitslosigkeit im Bergbau die internationale Be= reinigung der Kohlenfrage durch den Völkerbund dringlich mache. Der Bölferbund fönne hier ein großes wirtschaftliches und soziales Bert leisten. Berger betonte die zweckmäßig 18.30 Prof. Dr. Gotthold Well: Orientalische Hauptstädte", VI.: Konstanti 19.00 Hans Hirschstein. Dozent an der Handels- Hochschule Berlin: ,, Minera nopel. lische Rohwaren". IV.: Das Aluminium. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Abteilung Physiologie: Prof. Dr. W. Liepmann: ..Bedeutung und Ziele der Frauenkunde", III.: Die körperliche Eignung der Frau. 20.00 Abendunterhaltung. Mitwirkende: Lore Braun, Walter Franck. arbeitung und Regie: Karl Hagemann. 3. Die 1. Gripirs Weissagung. 2. Das Lied vom Drachenhort. Heidreksrätsel. 4. Das Skirnirlied. Mitwirkende: Max Bing, Rose Lichtenstein, Meinhart Maur, Lothar Müthel, Otto Wollmann. Begleitende Musik: Karl Wiener. Einleitende Worte: Karl Hagemann.) 21-40 Auf dem Weg zur neuen Schule." 3. Oberschulleiter Berthold Otto ..Beobachtungsschule statt Beibringerschule." Königswusterhausen. 16.00 Fr. Dr. Bernhard: Ein Beitrag zum Lebens- und Berufsproblem der Landa jugend. 16.30 Paul Markwald- Caro: Die volks- und privatwirtschaftliche Bedeutung des Sparens. 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. anschließend Schall plattenkonzert. 18.00 Dr. Harald Braun: Aktuelle Romanstoffe: Der Kriminalfall. 18.30 Lektor Claude Grander. Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Hapke: Der Werdegang der deutschen Wirtschaft( III und IV). 20.00, 20.45 Uebertragung von Berlin. 21.40 Dr. Roeseler: Der deutsche Osten( II). Anschließend von Berlin: PresseBerantwortlich für die Redaktion: Engen Brager, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SB 68, Lindenstraße& Sierzu 1 Beilage. üblen Mundgeruch häßlich gefärbten 3ahnbelag gefentiem Kopf Ionell die Treppe hinunter. Die feit der Anhörung von Arbeitnehmern, Berbraucher Chlorodont beitigt ble under Theater, Lichtspiele usw. Dienstg., d.30.10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 123 20 Uhr Dienstg., d.30.10. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Wozzek Der Barbier von Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 178 19 Uhr Sevilla Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 188 20 Uhr Weh' dem Freischütz der lagt Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Die Weber CIRCUS 8 Uhr! BUSCH 8 Uhr! Nur noch 2 Tage! Zum Schluss: „ Perlen gestohlen" und das erstklassige Spitzen- Progr.! In Vorbereitung: Neue Revue! Renaissance- Theater 8 Heute 814 Ton in des Töpfers Hand von Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. metropol- Theater Friederike Täglich 8, 2hr Musik von Franz Lehar Käthe Dorsch Richard Tauber Silbe Worner Befpermann Arnstaedt Diegelmann Dora Reg Limburg Raiser- Zig Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 SCALA & Uhr B 5. 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R Perlenkomödie von Bruno Frank ose- Theater Stg. nachm. 3,. kleine Preise Gr.Frankfurter St.132 Mein Vater hat 8 Uhr: Recht gehabt D.Verschwender Eine Weltreise für alle Leser des„ Vorwärts" einen großen Handatlas gratis Ber möchte nicht erfahren, wie die weite Belt| von Land zu Land, von Dri zu Drt reisen. Wir| Gebirge, Ströme, Seen, die besucht werden. Es mit all den Wundern der Natur aussieht und wie versprechen unseren Lesern genußreiche Stunden erhalten daher alle Abonnenten in Lieferungen bie Menschen darauf leben. Aber zum Reifen gehört Zeit und Geld. Soll darum der Wunsch, die fremden Länder und Böller fennen zu lernen, für meite Streise auf immer unerfüllbar bleiben? Nein! Reisende und Künstler find deshalb hinaus gengen, tief in die entlegenften Länder hincin, um uns in Wort und Bild von dem zu berichten, was schön und lebensmert ist. Sie werden mit uns und wollen ihnen ein freundlicher, aufmerksamer Führer sein. Trete jeder mit uns getrost die Weltreise an und ferne durch unsere Zeitschrift ,, Durch alle Welt" die Pracht der Natur, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Menschenrassen ohne Reisebeschwerden, teure Ausrüstungen und Reise. gelder fennen. Zu einer Reise gehört aber auch eine allgemeine Orientierung über Sänder, Städte, Sobald Sie den angefügten Anmeldeschein aus. gefüllt und eingesandt haben, wird die Reise angetreten. Spiel im Schloß Dresdener Str. 72-73 Anekdote von Franz Molnar, Regie Eugen Robert Schneider Wibbels Täglich bis über 900 Anmeldungen Anmeldeschein für die Lefer des Borwärts" An die Expedition ,, Durch alle Welt" Berlin- Schönebera& 15 Jch abonniere hiermit Durch alle Bet" auf Reb 1 Jahr, jede Woche ein Heft für 30 Pfg frei erhe ins Haus. Birte Name:.. Ort und Straße:.. Beilage Dieasiag, 30. Oktober 1928. sivAhmZ Sjia/auifa&eas& Was kostet die Präsidentenwahl? Was in den Vereinigten Staaten für den Wahlkampf ausgegeben wird. Ein« flemoftipe Summe ticrjd)iingt alle nicr?ohre der Präsidcnt- schaftswohlkomps in den Vereinigten Ztnatcn von Amerika. Er beginnt ioft«in Johr vor dein Wahltag, die Stimmung muß Geschäftsleute der Low er Wall Street in New' York haben Plakate über die Straße gezogen, die den Bürgern die Wahl des demokratischen Kandidaten AI Smith empfehlen. tvährend dieser ganzen Zeit auf einer bestimmte» Höhe gehalten, die Gemüter dümn nur langsam erhitzt werden/bis auf die letzten zwei Monate, wo das ganze Land ein einziger Rummelplatz wird. Zwei ölauptwahlburcaus werden errichtet, die sich erbittert bekämpfen; das tun aber auch die beiden großen Pbefscagenturen mit ihren un- zähligcn, von ihnen abhängigen Blättern und den Millionen ihrer Leser! D«n Tankecs geht es dabei oft weniger um den Präsidenten, als um die Wahl selbst. Sie woll«n sich amüsieren,«s werden richtige Volksvergnügen veranstaltet und die Leute, die zu den Veranstaltungen der beiden bürgerlichen Parteien hingehen, sind die gleichen, die sonst den Weltmeisterschaften im Boxen oder Fuß. i ball beiwohnen und sie miterleben. Aus diesem Wege suchen die . Partcigrößen aus das Volk einzuwirken. Und tatsächlich lassen die Leute jetzt feierliche Ansprachen über sich ergehen, bis die Ohren steif werden: sie kommen in 5?urrastiminung und disputieren, sie " überwerfen sich mit ihren besten Freunden. Der erste Kampf beginnt damit, sich die Abgeordneten der Staaten zu kapern, die die N o m i n i e r u n g des Präsiden- t c n vorzunehmen haben. Und da die Machtverhältnisse in manchen Staaten zwischen Demokraten und Republikanern nahezu gleich sind. so ist zu verstehen, daß diese Vorwahlen viel Staub aufwirbeln und oft so kostspielig werden wie die chauptwohlen. Coolidges Kandidatur lllZZ war'«in vorher gefaßter Beschluß, so das; kein horter Kampf entbrannte. Aber im Jahre ISSv war das Theater, dos die Delegierte» Clevelands spielten, sehr kostspielig.� So mußten die Freunde des Generals Leonard Wood 1 173 000 Dollar ausgeben, um seine Nominierung durch die Republikaner zu er- reichen. Die Kosten der Durchsührung der Vorwahl, die Be- Zahlung der Wahlleiter, das Mieten der Wahlräume, das Drucken der Wahlzettel, das Aimoncieren der Wahltage und Wahlbureaus, alle diese Kosten müssen von den örtlichen Behörden ge- tragen werden. So kostet z. B. die Vorwahl in New York 175 000 Dollar, in einer kleineren Stadt wie Baltimore 75 000 Dollar. Eine bescheidene Schätzung all dieser Ausgaben bringt uns auf 2000 000 Dollar Wahlunkosten, noch eh« die Nominierungskongresse zusammengetreten sind. Zu den Nominierungekongr-sscn eilen die Dcle- vierten aller Staaten herbei, die zumeist ihre Spesen selbst bezähle». Die Parteiburcaus schätzen die Ausgaben der Staatcndelegicrten für Eisenbahn, Hotel und Verpflegung auf 200 000 Dollar. Die Stadt, die die Ehre hat. in ihren Mauern den Kongreß zu beherbergen, Muß ebenfalls an 250 000 Dollar ausgeben. Natürlich wissen die Städte, daß sie dieses Geld wieder hereinbekommen, durch den großen' Umsatz der Hotels. Restaurants. Theater und Berkaufsläden Und durch ein« Sündflut von Anzeigen. Erst nach der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten fängt der eigentliche Wahlkampf an. Die Auserwählten der beiden bürgerlichen Parteien werden allen Ainerrkonern bestens «mpfohlen, ober auch die nisderträchtigsten Wahllügen tauchen auf. Skandalaffären gibt es bei jedem Wahlkampf, die sich meistens auf Geldangelegenheiten beziehen. Die umfassende Untersuchung de? Senators Kenyon über die Kosten während der Harding-Wahl 1920 ergab Zahlen, die sich seitdem nicht viel geändert haben werden. Das Republikanische Komitee gab über 4 Millionen Dollar aus, die Demokraten 1,3 Millionen. Hierzu kommen aber noch die Unkosten der republikanischen Kongresse und der Senotorenkomiiecs. die etwa Millionen ausmachen. Nebenbei werden von den Komitee» in den einzelnen Staaten noch erhebliche Summen aufgebracht, um die von ihnen vertretenen Be- �jirtc zu halte», so von den Republikanern 1920 2 Millionen Dollar. Was die örtlichen Parteiorganisationen ausgeben, ist nicht direkt zu ermitteln. Am Wahltage haben jedoch nur sie die Kosten der Aufbringung der Wahlstimmen zu tragen, was ohne Zweifel eine ungeheure Summe erfordert, die weit über den Ausgaben der Bezirkspartcibureaus steht. Außer den Parteien gibt es noch zahl- reiche politische Vereine, die ebenfalls 1 Million Dollar beisteuern. Auch Privatpersonen stellen große Summen für Wahlzwecke zur Verfügung, ohne daß solche Summen unter der Rubrik„Wahlkosten" erscheinen; sie mache» schätzungsweise 1 Mil- linn Dollar aus. Noch nicht erwähnt find die gewaltigen Kosten, die die Staats- und Kreisbehärden auszuwerfen haben, um die Wahl vorzubereiten und durchzuführen. Di« ollerkost- spieligste Angelegenheit ist die Vorbereitung der Wohl- l i st e n, nämlich die Registrierung. Eine durchaus nicht über- triebene Schätzung führt uns auf 15 Millionen Dollar. Die Anteile der einzelnen Staaten sind dabei recht verschieden. Jetzt beginnt die Wahl selbst. Es gibt über 100 000 Wahlnrte im Lande, überall müssen Wahlbcamtc, Bevollmächtigte und Schreiber sein. Diele Staaten benutzen transportable Wahl- Häuschen und Schulgebäude. Trotzdem müssen viele W a h l- räume gemietet werden, was für jeden 10 bis 15 Dollar täglich ausmacht. Die Gesamtkosten dieser Wahlräume betrogen etwa 5 Millionen Dollar. Die beiden bürgerlichen Parteien errichten eigene Pressebureaus: Wahlplokat« und Zeichnungen wollen bezahlt sein, dann die Kosten der gedruckten Referentensührer, des Wahl- und Agitationsmaterials. 1920 brauchte ein einziges Komitee allein 20 000 Dollar an Porto! Die meisten Redner find zwar Partei- redner, aber es gibt auch viele, die sich bezahlen lassen. Gewöhnlich erhalten sie 50 bis 100 Dollar die Woche, die„Kanonen" verlangen natürlich mehr.(Durch Gesetze einzelner Staaten sind allerdings bezahlte Wahlredner verboten.) Die größte Attraktion sind natürlich die Kandidaten selb st, jeder will sie sehen und hören. So reist der demokratische Kandidat im Sondcrzug durch das ganze Land, überall sein« Ansprachen haltend. Der republikanische dagegen zieht es vor, sich zu Haus von Deputationen bewundern zu lassen. In der letzten Woche der Wahlbegeisterung, im Endkampf kommen auch die Musikkapellen bei den Umzügen zur Geltung, die nicht weniger als 5 Proz. der Wahlkoste» verschlingen. Dann die Wahlzigarren!� Genau sind sie natürlich nicht zu berechnen, aber die Statistik sogt uns, daß im Wahljahre 1920 der Wert der Zigarrenproduktion um 20 Millionen höher war, als im Jahre davor und im Jahr« danach. Und der Erfolg? Die Wahlbeteiligung ich durch- aus nicht bedeutend! Daraus geht hervor, daß in Amerika trotz des ungeheuren Tamtams, dos wirkliche Interesse der Be- völkerung an den Wahlen nicht groß ist. Es handelte sich bisher ja auch immer nur um den Mochtkampf zweier kapitalistischer Kan- didaten. Die Stellung der Sozialisten im Wahl- kamps ist natürlich'sehr' schiver. Sic lzaben weder eine um- sangreiche Presse noch Nachrichtenagenturen, noch verfügen sie über ähnliche Geldsummen wie die gegnerischen Parteien. So waren es bisher nur Achtungserfolge, die sich die Sozialisten erringen kannten. Doch auch dies wird anders worden. Die brutale Be- kämpfung des Bergarbeitcrstreiks in Colorado, wo die Streikführer verhaftet, die Streikenden mit Maschinengewehren von Flugzeuge» aus beschossen wurden, die immer wachsende An.zohl der Betrieb?« spitzet, Pinkertons genannt, die zunehmende Brutalität des Aus- beutungssystems,— oll dos trägt dazu bei, daß die amerikanische» Gewerkschaften die gleichen Kampfformen annehmen wie die«uro- päische» und damit von ihrer bisherigen dogmatifch-zünftlerischen Einstellung abgehen. In diesem Wahlkompf wird sich der Kandidat Ein festlich geschmückter Wolkenkratzer in Topeka, Kansas, tür die Präsidentschaftswahl. der Sozialisten noch nicht gegen seine übermächtigen kapitalistischen Gegner durchsetzen können, ober dieser Prösidentschosiswohlkampf wird lehren, daß auch in den Vereinigten Staate» trotz aller bru- talen Verfolgungen eine neue Macht heranwächst: dke des ongam- sierten Proletariats. Fluß in der Nacht Eine Fahrt auf einem Wasserpolizeiboot. Sonderbare Struktur zeigt dieser Osten Berlins. Wahllos durcheinandcrgewürsclt Speicher, Fabriken, Arbeiterkasernen und Villen, Kirchen und historische Baulichkeiten, Laubenkolonien und Parkanlagen. Die Spree, die diese Anlogen bedingt, die das Land schaftliche beherrscht, zieht die Biergärten der vielen Restaurants bis an ihre Ufer hinab, es ist, als könnten die Menschen dem Fluß gar nicht nahe genug kommen. Dann aber wechseln idyllische Ufer Promenaden, die sommertags ein heiteres, unvergleichbar schönes Bild geben, wenn man vom Stralauer Ufer jenseits gegen den grünen Hintergrund des Waldes die Menschen in bunten Kleidern lust- wandeln sieht und das blaugrüne Bond der Spree sich dazwischen legt. Nachts aber ist der Fluß ein böses Tier, dos sich scheut, durch die Brücken zu kriechen und sich in dos enge Bett zwischen den Straßen Berlins zu zwängen. Hier draußen windet und baucht sie sich, klatscht an die Ufer, spült an den Wurzeln des Plentermaldes und ruft nach den uralten heidnischen Opfern, den heiligen Feuern, die einst hier stammten. Freibäder, Spielwiesen, Volksfeste, wimpel- geschmückte Boote und Segelregatten— gewiß, das ist dos Leben von heute, gewiß, auch heute kommen die Menschen zu chr. mehr noch als ehedem, aber in der Nacht, wenn die Dinge unwirklich werden, liegt«in schwerer böser Alp auf dem Wasser, ein« Ahnung von den Instinkten der großen ungnädigen Natur. Die Feuer der neuen 3,it. Vor einer Krümmung im Walde hält die elektrische Bahn. Man tappt durch einen Sandweg. wenige Meter nur, dann steht man an der unbeleuchteten Fahre. Gegenüber dem Wege ein Bretterzaun, ein Licht vor einer Tür:„Reichswasserschutz". Vom Wasser weht es kalt herauf, in der Wachstube stehen drei Beamte zur Abfahrt bereit. Am Steg schaukelt das Boot, die Lichter flammen auf, der Motor wird angeworfen. Schon sind wir in der Strom- mitte und drehen ob, aufwärts nach Köpenick zu. Gespenstig recken sich die Sühouetten der gewaltigen Fabrikanlagen des E l e k t r i z i- tätswerks Klingenberg, der AEG.. NAG. und sonst der vielen A— ges am User hin. Nachts sind sie leuchtende Transpa- renke, sind sie die Feuer der neuen Zeit, die auf ihre Art auch am Flusse opfert.„Nie Zeit, nie Zeit!" schnurren die Treibriemen. „Gebunden, gebunden!" klirren die Hämmer und rasseln die Ketten. Menschliche Schatten eilen an den Fenstern dahin: drohend recken sich Kräne am Ufer wie Galgen empor. Dunkel fließt der Fluß, auf dem wir gleiten. Im Lichte des Scheinwerfers. Bold haben wir die hellen Stätten hinter uns gelassen, wir winden uns durch die Brücke. Eine Stadt mit erleuchteten Straßen und schlafenden Häusern breitet sich am User. Der Scheinwerser auf unserem Boot flammt auf, Licht tastet dos Wasser hinauf, hüpft rund umher und bleibt am User hängen, läßt für Sekunden eine Fota morgona erscheinen: Flach, wie Kulissen hingebaut, mit dünnen klaren Anstrichfarben hingepinselt, werden die Häuser mit ihren Gärten sichtbar, Bootsanlegestellen, Restaurants und die Wände eines Schlosses. Aber diese Dinge sind wie unwirklich, die Nacht verschluckt sie ins Wesenslos«, wenn der Scheinwerser varübergleitct. Selbst der Wald an der Mllggcl ist wie eine Jrrstätte hingestellter Stangen, er hat keine Tiefe, wo das Licht nicht hindrängt. Und doch haben wir ein Fuhrwerk auf dem Wege zwischen den Bäumen entdeckt, «inen armseligen Einspänner.„Sie sind'?," flüsterten die Beamten. Ein eigenartiges Gewerbe. Am Müggclschlößchen werden wir angerufen. Wir legen an und nehmen zwei Kriminalbeamte auf, die das Boot hierher bestellt haben. Sie sind auf der Suche nach einer Leiche: die sollen wir aus dem Schilf fischen. Am User wartet das Kleppergespann mit einem Blechkastcn aus dem Wagen. Zum erstenmal erfährt man oa» dem eigenartigen Gewerbe, das dieser Fuhrmann als Existenz erwählt hat. Er holt die Leichen ab. die der See ihm zuwirft. Für diesen Zweck hat er sich einen Zinkkasten in Form eines Sarges konstruiert: find es aber mehrere Tote, die er fährt, so müssen sie sich mit dam blanken Wageninncrn b«gnügen. Unverdrossen wartet das Bäuerlein am Ufer, der Lohn für seine nächtliche Fahrt ist ihm sicher. Mittlerweile haben wir das rechte Ufer abgefahren und leuchten mit dem Scheinwerfer im Schilf umher, untersuchen kleine Buchten, jagen verschlafene Nachthühner auf, denn hier im Schilf soll der Ertrunkene hocken, und zwar in sitzender Stellung, wie ihn Leute am Tage gesehen haben. Eine vergebliche Suche. Es muß ein ganz verschlagener Geselle sein— er läßt sich nicht finden. Allzunahe können wir auch nicht an das seichte User heran, um nicht mit unserem großen Boot auf Strand zu geraten. Träge schleppt uns der Fluß dahin, man fühlt es, wie er mißlaunig uns sein Opfer verbirgt. Ja, dieser Tote ist überall und nirgends, es ist. als ob er unter die ölig« schwarze Decke tauchte, wenn der Lichtkegel des Scheinwerfers ihm nahe kommt, als ob er mit schadenfroher Grimasse herübergrinse. wenn das Licht vorüber ist. Die Sache Hot keinen Zweck mehr, wir wenden um, heimwärts zu. Die Krimino- listen fluchen wegen dieser vergeblichen nächtlichen Expedition. Die Wasscrpolizisten vertrösten auf den nächsten Morgen. Nochmals lauscht man hinaus zum Se«, war es nicht wie ein Kichern, dos herüberklang von dort aus dem Schilf? Plötzlich ist es sehr kalt geworden. Man sehnt sich'herunter vom Wasser, noch dem Bett, nach Sicherheit und Ruhe. Man soll die Taten nicht nach Mitternacht noch beunruhigen. Vom User her klingt dos Klappern eines leeren Kastens auf dem Wege. Lichterwann, roten Feuerschein gegen den Himmel werfend, kündet Berlin sich an. Friedrich Natteroth. Ein Rennfahrer-Roman von Andre Reuze. übersetz) von F. A. Angermayer (29. Forts-tzmig.) Nuch©srarbof, der sich trntz aller Willenskraft nicht mehr auf dem Rod hallen konm«, schied aus. Mainguy war sehr traurig, als er so viele starte Fahrer aus dem Rennen gehen sah, die für ihre grohe Tapferkeit ein besseres ill»? oerdient Höllen. Nun regnete es, und der ganz« chimmel war mit grauem Gewölk bedeckt. Mißgestimmt hatten die Fohrer ihre Gummipelerinen umgelegt. Auf dem Galibier versanken die Straßen in einem Katmeer. Als die ersten Fahrer die Steigung nehmen wallten, mußten sie sofort wieder von den Rädern absteigen, da die Maschinen in diesem Schlamm keinen Zentimeter zu rollen per» mochten. Es war nun das reinste Querfeldeinrennen. Wöhrend es den Autos nach vielen fruchtlosen Versuchen allmählich gelang, die schwere Steigung anzufahren, mußten sich die Menschen im strö- menden Regen mühselig den Weg bahnen. Sie schoben ihre Räder vor sich her, wateten oft durch tiefe Wasserpfützen und verschwanden langsam hinter den tiefliegenden Wolken, aus denen das riesig« Schneemassio des Meigegipfels herausragte. Noch vielen nutzlosen Versuchen, und nachdem er bereits dabei mar, llaber den weiten Umweg über©renoble zu riskieren, war es Baust endlich gelungen, die steile Steigung emporzukommen. Langsam kroch das Auto über den schmalen Felsboden, den zahl- reiche Wasscrrinnen durchschnitten, deren schmutziger Inholl gegen die Wagenröder spritzte. Obwohl Ravenelle und Mainguy in Decken gehüllt waren uich Regerrkapuzeu trugen, zitterten sie vor Kälte. „Leider werden wir heute von der schönen Gegend wenig sehen!" rief Boust dein Maler zu.„Dafür werden wir ober Spott erleben!" Mainguy schaute nach den Fahrern aus und wundert« sich, daß man sie noch immer nicht eingeholt hotte. Obwohl si« alle zu Fuß gingen, hatten sie einen ganz beträchtlichen Vorsprung. „Oben aus dem Gipfel führt der Weg in 26SS Meter Höhe durch einen Tunnel. Da dürfte es nicht allzu warm sein, chierous sind es nach 2Zll Kilometer mit vielen Steigungen bis ans Ziel. Wer die heutig« Etappe gewinnt, muß ein ganzer Kerl sein!" sagte Raoenell«. „Da kommen ja endlich die„Touristen"," rief Mainguy...Ach, diese armen Teufel!" Sie sahen wirklich bemitleidenswert aus. In dicken Klumpen hing Schmutz an ihren Schuhen. Sie kamen nur ganz langsam vor- wärts und keuchten doch den Berg hinan, als flöhen sie vor irgend- einer Invasion. Distribue Amadöe sah wi« eine Leiche aus. Eroi- maus konnte sein« Bein« kaum mehr bewegen. Die ander«, ächzten und fluchten und suchten hinter dem Nebelvorhang den Gipfel des Berges, der sie zu fliehen schien. Jetzt war der Weg so eng und gefährlich, daß kein Chauffeur ans Ueberholen denken konnte. Wie ein Leichenzug fuhren alle Wagen hintereinander. Nachdem sie über ein« Stunde emporgeklettert waren, durchfuhren sie endlich den stockdunklen Tunnel. chiertwar. eisglatter Boden, und Grabeskühle legt« sich einem feucht um- hie Schultern. Als sie dann bergab fuhren, lauerten neue Gefahren auf Schritt und Tritt. Der starte Nebel verbarg die zahl- reichen Kurven. Die Autos rutschten über geschmolzenen Schnee. Kein Schutz- geländer erhob sich am Wegrand. Von den Fohrern, die bereits bergab ins graue llniiekanrne rasten, war nichts mehr zu sehen. Ab und zu tauchten, mit der Geschwindigkeit eines Spuks, niedrige chäuser auf und wurden ebenso schnell- wieder vom Nebel verschluckt. „Wir werden auch vom schönen Maurienne-Panorama nichts sehen, ebensowenig vom Montblanc, der gerade van hier aus wundervoll anzuschauen ist!" sagt« Ravenelle.„Fahren Sie bloß langsam. Baust, ganz langsam, wir kommen schon wieder in einen Tunnel!" Der Nebel war inzwischen so dicht geworden, daß vom Weg fast gar nichts mehr zu sehen mar. Ein Gefühl der Unsicherhell legt« sich auf olle Gemüter. Unsichtbar niederbrausend« Gäbirgs. bäche trugen durch ihr trauriges Gcplätscher zur Eintönigkeit des Regens bei. In der Kontroll« van Saint. Michel. sur-Mau nenne erfuhren si«, daß drei Mann mit einem Varfprung von 5 Minuten an der Spitze lagen: Bouarre, Majotte und Mirroles. „Der arm« Chevillard hat nichts zu lochen!" sagt« Rovenelle. „cheute ist ein Wetter für ganz hatte Leute wi« Bouarre oder Laboureur. Die nahmen es mit der Kälte noch am ehesten auf!..." Der Wagen glitt an einer Gruppe„Touristen", die über und über mll Schmutz bedeckt waren, vorbei. Die armen Burschen fuhren hoffnungslos durch den hattnäckigen Nebel, und man mußt« schon sc)« an ihre Sitzatt oder an ihren Tritt gewöhnt sein, um im T- Obeifahren zu erkennen, daß dott Clapisfon, dort Grivcl und d»rt Crolmans kurbelt«. Als sich der Nebel etwas zu lichten begann, fing das Wasser erst richtig an zu strömen und kam nicht nur von oben, sondern auch vom Boden und von den Seiten. Ab und zu donnerten Wasser- fälle mit solchem Getöse nieder, daß man an ein Erdbeben denken mußte. Mainguy rief ganz unvermittelt aus: „Würde man glauben, daß wir einem Radreimen beiwohnen. das eigentlich zur Unterhalwng des Publikum» dienen soll?... Dos ist doch schauderhaft!" „Noch mehr, wenn man daran denkt, daß der Sieger dieser Etappe 1209 Franken verdient! Bei den„Touristen" bekommt der erste nur 200 Franken!" „Die richtige Mooschenschinderei!" stieß Mainguy hervor. Denn der Wagen einmal«in Dörfchen durchfuhr, spritzt«« die Räder den gelben Schlammschmutz bis an die lhäusermauern. und die Bauern schlugen ein Kreuz und rannten in ihre Stuben. Ein abgefallener Berufsfahrer quälte sich allein auf der Chaussee. Es war Samda-Takorö. Cr klapperte mll den Zähnen und jagt«: „5ch Hab« chunger'" „Hast du denn nichts mehr im Brotsack?" fragte Baust. „Doch, aber ich kann weder die steifen Arm« noch die erfrorenen Finger mehr bewegen. Ich bin erledigt!" Seine sonst immer so lustigen Augen drückten Bestürzung aus. Mainguy dachte daran, wie er in der glutheißen Crau im 35er Tempo dahinsauste und alle Gegner abschüttelte, da er weder die chitze noch den Durst fürchtete. Wie doch die Straße früher oder fxoter jede» einmal Moqarjl_______ „Ich kann nicht mehr!... Airsgeschlossen!" stähni« der Neger. .„Kopf hoch, Alter!... Du wirst doch jetzt, wo das chötteste überstanden ist, nicht den Mut verlieren?" sagte Raoenelle.„Warte. bis der Wagen von Ballu vorbei ist, dann kriegst du von uns zu trinken!" Doch es hatte den Anschein, als ob Ballu und Auzias etwas gemerkt hatten. Es war unglaublich, daß der Senegalneger noch Sie kamen nur ganz langsam vorwärts... weiter kurbeln konnte. Bor einer Herberge flieg er ab und wankte hinein. Schon machte muh Ballu Haft. Da fuhr Boust, wohl oder übel, weiter. „Wem, der heut abend noch noch Gex kommt, muß ihn feine Alte rein betrügen!" sogt« Boust. Etwas weiter fuhren sie an Demoukder, Grimpart und dem Elsäsier Habermacher vorüber, die sich nicht einmal noch ihnen um- mandtcn. Nun ging es ein starkes Gefälle hinab. Vouft zog die Bremsen an. An einer Kurve stand ein Fahrer neben seinem Rad. Es mnr Blanc-Mesnil. „Was hast du denn. Robett?" schrie ihm Rovenelle zu. Lopvri�Wd�öö�eeziltte� Cutenberg. Berlin „Pedolkurbelbruch!... Ein Glück, daß ich nicht Kopfstand ge- macht habe!" „Was wollen Sie denn jetzt tun?" fragt« ihn Mainguy. „Aufgeben! Bis Albertville find's gerode noch 15 Silometer. bis dahin werde ich wohl bei dem Sauwetter gute zweieinhalb Stunden brauchen! Am besten ist's, Sie nehmen mich in den Wagen!" „Ueberlegen Sie es gut!" sagt« Raoenell«.„Wer weiß, vielleicht finden Sie schneller eine Ersatzmaschine, als Sie denken! Sie sind doch immerhin vierter in der Gefamtwettung, und es find nur noch vier Etappen zu fahren! Wenn Sie in unseren Wogen einsteigen, werden Sie mll 500 Franken bestrast!" „Das ist mir gleichgültig!... Zwar ist es viel Geld für 15 Kilo- meter, aber ich hob's satt!" Cr suchte schon, wie er sein Rad am besten am Auto fest- machen konnte. ..Nein, Robett, das dürfen Sie nicht tun!... In zehn Minuten sind wir mit dem Auto in Albettvill« und werben sofort den Leuten dott sagen, daß Sie ein Rad brauchen! Sie«erden zwar kostbare Zeit verlieren, aber es wäre doch Wahnsinn, jetzt, wo Sie über 4000 Kilometer gefahren haben, auszusteigen! Und schließlich könnt- Sie der kleine Chevillard vielleicht noch sehr dringend brauchen!.. Er hob den Kopf: „Stimmt ja!... Der Kleine ist ja auch noch da.. Cr stellte sein Rod wieder auf die Straße. „Also, versuchen Sie, mir unterwegs eine Karre aufzutreiben, aber bloß kein„Brillant'-Rad." Das Zliito fuhr weller. Mainguy mußte lachen. „Das war kein Witz, lieber Freund!" sagte Rovenelle.„Z>ie Fahrer dürfen sich keine Maschine ausleihen, die ihre Fabrikmarke trägt!" In Soint-Helene-sur-Isire erfuhren sie. daß der Dorfpsarrer das beste Rod in der ganzen Umgegend habe. Rasch eilten si« zu ihm. Der Pfarrer war ein robuster Fünfziger, mit rotem Gesicht und ergrauenden Schläfen. „Für Blanc-Mesnil?... Aber selbstverständlich, meine Herren!... Der ist ja mein persönlicher Favorit in der Rund- iahrt... Zwar dürfte ihm mein Rad etwas schwer vorkommen. und auch die Dorberradbremse zieht nicht besonders gut, aber in der Not..." „Sie dürfen aber nicht so tun. als ob Sie ihn erwarten würden. Hockpoürden. Tun Sie, als ob Sie ganz zufällig uuterwegs wären..." „Keine Sorge!"' Es regnete noch immer. Si« brauchte» ei« gut« halbe Stunde, eh« sie das Feld am Fuße des Aravisberges eingeholt hatten. Zwischen manchen Fahrern lag«in Abstand von einigen Kilo- meiern. In einer rasch und gleichmäßig dahinrvil enden Gruppe sahen sie Tampier, Majotte, Chevillard, Bouarre und Mirrales. „Na. Jean, geht's gut?" Er nickte und schien viel frischer zu fein, als Rovrvev« an» genommen hatte. „Ist noch wer vor uns?" fragt« Baust. „Laboureur und Bottnst," rief Tampier.„Denn Sie die sehen, Herr Ravenell«, dann bestellen Si«. bitte,«ine» schönen Gruß und sagen Sie. es wäre gar nicht schön von ihnen, den anderen bei einer kleinen Landpattie auf und davon zu fahren!" (Fortsetzung folgt.) lVXS DER TAG BRINGT. Die Dauergrammophonmaslk ist dal Die Grammophonindustrie ist von der Erfindung des Rund- iunks keineswegs auf der Stelle erschlagen worden, sie ist nicht müßig gewesen, sondern hat sich in den letzten Jahren unablässig bemüht, mit dem Rundfunk Schtttt zu holten. In England hat man jetzt eine neue Erfindung gemacht: An die Stelle der Plot- len oder Walzen tritt ein bespielter Faden, und eine solche Spule enthält ebensoviel Musik wie zehn Platten! Jede Spule wiegt nur wenige Gramm. Die neue Erfindung, die an jedem Sprechapparat angebracht werden kann, eröffnet manche neue Möglichkeit. Ein Geschäftsmann kann seine umfangreich« Kor- respondenz zu Hause diktieren und sie am nächsten Tage von seiner Stenotypistin im Bureau abhören und schreiben lassen. Man kann Freunden im Auslande künftig an Stelle eines Brieses eine solche besprochene Spule senden, so daß der Empfänger den Absender persönlich sprechen hött. Der Faden hat gegenüber der Platte den Vorzug, daß er in unbegrenzter Läng» hergestellt werden kann. Die Einwirkungen der Musik oder Sprache auf den besonders prä- parierten Faden, de» kastln dicker als ein Haar ist, sind nur unter einem starten Mikroskop sichtbar. „Schlechte fiotfnunz"— guter Fund. Ein Diamant von 292 Karat in Größe eine» DogeleU» ist auf den„Schlechte.Hosfnung"-Feldern in Larkly-West von einem Eingebarenen g(stunden worden. Die» ist der größte Diamant, der je auf alluvialen Feldern angetroffen wurde. Er wurde für 4500 Pfund an einen Kaufmann in Kllnberleq verkauft. Di« „ Schlecht«t dem Gewitter der Patient wieder imstande ist. zu sehen. Das Skelett im Wandschrank. Eine gruselige Geschichte berichtet der.New Park Herold' au» Schanghai. Ein dort wohnhafter Tabakhändler, Joseph Gaine», hotte sich schon wiederholt darüber geärgett, daß seine Frau, oisen- bar von einer fixen Idee beseflen, immer wieder von einem.Skelett im Wandschrank" sprach. Als sie diel« Wendung wieder einmal nicht weniger als fünfmal in einer einzigen Viertelstunde gebrauchte, beschloß er, ihr enblich"den Gefallen zu tun. Kurze Zeit daraus hörten Nachbarn einen gellenden Schrei, und als sie bestürzt herbei- eilten, lag Frau Gaines bewußtlos vor einem Kleiderschrank, den sie eben geöffnet hatte. Aus dem dunklen Rahmen aber grinste- schauerlich anzusehen, ein Skelett höhnisch auf die Leblose herob- Frau Gaines liegt mit einem schweren Nervenschock im Kranken- Haus: für den Ehemann hatte die Angelegenheit aber auch noch ei» unangenehmes Nachspiel, denn er wurde verhaftet und Hot bis zu seiner Aburteilung Muße, über die Zweckmäßigkeit von Nerven« kuren noch der Art des berühmten Dr. Eisenbart nachzudenken. Eine übervölkerte Erde. Trotz Geburtenrückgang Hot die Menschheit sich seit Anfang b-k vergangenen Jahrhunderts nach den Beobachtungen amerikanischer Gelehtter verdoppelt. Es taucht daher wieder einmal die Befüröl« tung auf. daß wir in ungefähr hundert Iahren ein« übervölkert« Erde hoben iverden: denn schon jetzt genüge der ständige Menschern Überschuß, um jährlich zwei Länder von der Größe Oesterreichs zu bevölkern. Diese Tatsache lege der West nun die Sorge auf, jede» Jahr 15 000 bis 20 000 Millionen Pfund Lebensmittel mehr Z'l produzieren. Nimmt man nun den besten Stand der Landwirt' schoft als Durchschnitt an. so ist es möglich, daß man 3200 Million«» Menschen durch sie ernähren kann. Was aber werde z. B. im Jahre 2030 sein, wenn die Erde 5200 Millionen Menschen ernähren soll? Es handest sich da um ein« alte Furcht, die sich noch immer al» unnötig erwiesen hat. sobald die„Zukunft" Gegenwart geword«" war. Man sollte sich lieber um ein« gerechtere Verteilung Sorge machen, damit nicht, wie es im Kapitalismus der Fall ist bei genügender Produktion und zuviel Produktion di» Massen hungern! Was die Uebervölkerung angeht, so gilt no4 immer Heine» Wort:..E» wächst auf Erden Brot genug für all» Msvj cheuktuder." hadeg«cht all« de» gleiche» Zstttsü dara» Frauentreffen in Velten. Ein Wander- und Festtag der FTGB. 2 Ajährlich im Herbst rüsten die Frauen und Jungmädchen der FIGB. zum Turnerinnen Treffen. Das ist ein allgemeiner Freudentag, den tein meibliches Mitglied versäumen möchte. Wenn dann noch ein Better wie das des legten Sonntages hinaus: lodt, dann wird das Treffen immer eine jener Beranstaltungen sein, die lange im Gedächtnis haften. Gilt an solchem Tage der Bormittag den Banderungen, so strömt gegen Mittag alles zum gemeinfamen Treffpunkt zusammen. Es war eine ftattliche Zahl, die sich auf dem Gemeindesportplat in der Ofenstadt Belten sammelte. Das war ein freudiges BeARBEITER FUSSBALL Resultate vom Sonntag. Auch am letzten Sonntag blieben die leberraschungen nicht aus, angenehme und unangenehme. Unangenehm für den Berlierer, an genehm für die Gewinner. Das erftere mußten die Lichtenberger erfahren. Sie hatten wohl schon den sicheren Sieg in der Tasche. Luckenwalde II machte ihnen allerdings einen diden Strich durch die Rechnung. Mit 3: 2 mußte Lichtenberg sich geschlagen bekennen. Neukölln und Weißensee, zwei neugegründete Abteilungen lieferten sich einen äußerst interessanten Kampf. Hier blieben die Beißenseer mit 4: 2 fiegreich. Werder mußte mit 0: 3 die Ueberlegenheit der es ihnen, ihren Rörper in fo Herporragender Beise zu stählen. Der Wert der Uebung ist längst missenschaftlich festgestellt. Ein intereffantes Experiment hat der Arzt Dr. Manca an sich vorge nommen. Er hob täglich zwei Hanteln a 5 Kilogramm mit zwei Armen hoch. Am ersten Tage des Versuchs gelang es ihm, die Hantel fünfundzwanzigmal hintereinander zu heben. Mit der täglich fortgefeßten llebung wuchsen die Leistungen; nach siebzig Tagen regelmäßigen Trainings fonnte er die Hanteln hundertsechsundzwanzigmal hintereinander heben! Nur die Uebung allein hatte es vermocht, in diesem Fall die förperliche Leistung um das Fünffache zu steigern! Wenn auch bereits viele Menschen den Wert der Hebung erkannt haben, so fehlt es ihnen doch in manchen Fällen an Energie, ausdauernd bei der Sache zu bleiben. Da ist es gut, sich Organisationen, wie sie die Arbeitersportbewegung tes lleben der Anreiz gegeben, nicht nachzulaffen in der Stärkung des Leibes. grüßen und Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden. Luftig Brizer Wader anerkennen. Karow, auch ein Neuling der 1. Klaſſe, aufweist, anzuschließen. Hier wird durch gemeinschaftliches, geregelund lebhaft wie Tumerinnen und Sportlerinnen nun einmal find und fangesfreudig dazu tamen sie, Wanderlieder schmetternd, die roten Fahnen voran, am Sammelpunkt an. Schnell umgezogen, und flint und behende spielen sie schon mit dem Medizinball. Die Gruppe bort arbeitet den Körper bei gymnastischen Lebungen durch, während in der Laufbahn scheat zu den Stafetten angetreten wird. Die Hand ballspielerinnen fehren vom beendeten Spiel zurüd, alles tritt zu ben allgemeinen Baltstänzen an, um sich dann zum gemeinsamen Abmarsch zu rüsten. Waren vorher zu den allgemeinen Freiübungen etwa 250, angetreten, so hatte sich jetzt diese Zahl auf nahezu 400 Teilnehmerinen erhöht. Unter Borantritt der Beltener Turnerkapelle durchzogen die Jungmädchen und Frauen in schmucker Sportfleidung die Stadt. Die Einwohner, zum überwiegenden Teil Arbeitsschweitern und Gleichgefinnie, begrüßten mit Tücherichmenten md Freiseil- Rufen die Groß- Berliner. Die Freie Turnerschaft Belten bepies durch sehr gute Teilnahme, daß sie den Besuch der Gäste zu schäzen mußten. Hoten die Vormittagsstunden gezeigt, in welcher Weise das arte, Geschlecht" Sport und Spiel treibt, so bewies der Nachmittag, daß die Turnerinnen und Jungmädchen auch Geselligfeit piegen fönnen. Der Saal war gefüllt bis auf den letzten Blaz, und immerfort famen noch Nachzügler. Der Bertreter der Beltener Vrbeiterschaft, Wendtland, hieß alle Gäste herzlich willkommen und verstand es dabei, die Anwesenden mit der Entwicklung und Geschichte der Ofenindustrie bekanntzumachen. Er tam auf die be sonderen Berhältnisse der Arbeiterschaft zu sprechen und betonte, daß es durch die rührige Tätigkeit aller möglich war, 90 Proz. der gesamten Arbeiterschaft gemertschaftlich zu organisieren. Ein Zeichen der Solidarität ist es, wenn an diesem Erfolg auch die Mitglieder des Arbeiter Turn- und Sportbundes in erheblichem Maße beteiligt sind. Die zu Herzen gehenden Worte schlossen mit dreifachem Frei Heil auf die Gäste. Als Vertreter der FIGB. erwiderte Kohl mit Worten des Dantes, die ausklangen in den Bundesgruß! Dann folgte ein pausenloser Reigen von Vorführungen, die von allen freudig aufgenommen und anerkant wurden. Frauen und Jungmädchen, die Interesse an der fnste: matischen Pflege von Leibesübungen haben, erhalten jede gemünschte Auskunft durch die FIGB.- Geschäftsstelle: Berlin NO. 18, Lichten berger Str. 3( am Landsberger Blaz), Telephon E 3, Rönigstadt 3656. Abteilungen für Jungmädchen in allen Stadtteilen. Besondere Abteilungen für weibliche Mitglieder über 25 Jahre: im Süden: Montags 20-22 Uhr, Kaiser- Friedrich- Str. 4( Hermannplaẞ), Freitags 20-22 Uhr, Berliner Str. 10( Hermannplag); Often: Montags und Donnerstags, 20-22 Uhr, Rigaer Str. 8; Neufälln: Dienstags, 20-22 11hr, Lessingstraße: Bedding, Dienstags und Freitags, 20-22 Uhr, Ruheplatzstraße; Lichtenberg: Mittwochs, 20-22 Uhr, Bfarrstraße. Sport im Sportpalast. Die ersten Radrennen. Nach Stuttgart, Breslau, Leipzig und Köln wird nun auch in Berlin die Hallenradrennsaison aufgenommen. Der Einbau der Holzbahn in den Sportpalast geht programmäßig nor fich, so daß die Eröffnungsrennen wie vorgesehen am fommenden Sonntagabend stattfinden können. Das Programm umfaßt els Attraktion ein Zweistundenmannschaftsrennen, daneben fommen zwei Einzelpunktefahren über je 50 Runden und ein Fliegertampi zum Austrag. Für das Zweistundenrennen sind als erste die Belgier Gebr. Standaert( Belgien), die beim lezten Mannschaftsfahren in Brüssel eine sehr gute Figur machten, ferner der Belgier Jan van Kempen, ein Bruder des aus Deutschland verbannten Sechstagetönigs" Piet van Kempen verpflichtet worden. Und wieder Boxkämpfe. Nach einigen Radrennen im Berliner Sportpalast merden am Freitag, 23. Nopember, die ersten Borfämpfe folgen, für die ber bekannte Beranstalter Baul Damiti verantwortlich zeichnet. Jum Gegensatz zu dem Septemberprogramm martet der Kampftag am 23. Nopember mit einer Reihe bedeutender Baarungen auf, die in der Hauptsache den schweren Gewichtsklassen entnommen werden Jollen. Wie wir hören, sind die ersten Abschlüsse mit Rudi Wagner und Ernst Rosemann bereits erfolgt. Schmeling in Amerika. vermochte gegen die Ruhlsdorfer einen 4: 0 Erfolg zu buchen. Damit haben sich die Karower gut in die 1. Klasse eingeführt. Brandenburg( Havel) und Ludenwalde I find zmei alte Gegner. Mit Treffen schieden die Gegner mit einem Unentschieden 2: 2. Clodows wechselnden Erfolgen endeten die bisherigen Spiele. Beim letzten erste Monnschaft bezog von den„ Alten Herren Brandenburgs eine 1: 5 Niederlage. Der Wert der Uebung. Die Leibesübungen müssen ständig geübt werden, sollen fie ihren 3med erfüllen. Die beste Beranlagung nußt nichts, menn nicht ständige Uebung die Leistungen erhält und steigert. Borzüglich neranlagte Sportler, die auf ihre Kraft bauten und das Training vernachläffigten, mußten oft zu ihrer Bestürzung mahrnehmen, daß es ihnen Sportler zunartaten, die ihre schwächere Veranlagung burch eifriges lleben ausgeglichen hatten. Zahlreiche bekannte Sportsleute, mie I. P. Müller oder Tunney, der Berufsbogermeltmeister, maren von Jugend an durch aus nicht athletisch oder auch nur fräftig gebaut; nur dadurch, daß fie eifrig an ihrer förperlichen Vervollkommnung arbeiteten, gelang Der Bezirk kaulsdorf( Süd) der Freien Turnerschaft GroßAufschwung genommen hat, eröffnet Donnerstag, 1. November, in Berlin, der in der kurzen Zeit seines Bestehens einen erfreulichen der Turnhalle der neuen Schule in der Ulmenstraße eine Kinderabteilung. An alle mit der Arbeiter- Turn- und Sportbewegung sympathisierenden Arbeitereltern ergeht der Ruf: Schickt eure Rinder zu uns!" Für eine zuverlässige Leitung ist Sorge getragen. Die Turnstunden finden jeden Montag und Donnerstag in der Zeit non 18 bis 20 Uhr in obengenannter Halle für Kinder und von 20 bis bis 22 Uhr für Erwachsene statt. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Felthostfahrer Berlin. Zusammenkunft Donnerstag, 1. November, 20 Uhr, Schule Beinmeifterftraße. Fahrten zum Sonntag werden dort be. Freie Rann- Union Groß- Berlin. Die für Dienstag, 30. Ottober, angelegte Borstandsfigung fällt aus. Reuer Termin wird in der am 6. November tanntgegeben. Sandballspieler missen erscheinen, Sonntag erstes Spiel. stattfindenden Mitgliederversammlung bekanntgegeben. Wie ich ,, Binnenschiffer" wurde. Erinnerungen von Paulchen. Shon als fleiner Junge interessierte ich mich lebhaft für den Wassersport. Baute mir Kähne aus Borte und ließ sie im Rinnstein meiner Baterstadt Berlin schwimmen. Kam ein Sprengmagen, liefen wir hinterher, bis die Hosen pitschnaß waren. Manchmal hat einer die Straßenpumpe zugehalten, mährend der andere pumpie und ging dann einer vorbei, den wir gut leiden fonnten, dann ließen mir zwei Finger los, daß es bis auf den halben Damm sprigte. Als Stift ging es dann fast jeden Sonntag nach den 3Belten" oder in die„ Eierhäuser", um dort zu rudern, die Stunde für 60 Pf.. mit Rollsig 80 Bf. Die„ Selten" haben mir später gemieben, da mußien mir immer unter Brüden durch und da spuckten sie uns öfter auf die Köpfe oder schmissen mit„ Bepfeln". Diese Mietruder boote, beinahe so breit wie lang, sind bei den Berlinern sehr beliebt und werden Schmalz gondeln" genannt. Der Steuermann ist meist eine Dame, die immer mir ihren Begleiter ansieht und der Sie ganze Umgebung Wurscht ist. Daher sind diese Booie von den Sportruderern jehr gefürchtet. Werden die Schmalzgondeln wegen der meist falschen Fahrtrichtung angerufen, dann wedt die Holde aus ihren Träumen, zieht ebenso furz entschlossen wie heftig, aber ohne lleberlegung an einer der beiden Steuerleinen, reißt dadurch den ganzen Kahn aus der Fahrtrichtung und rennt dem gerade norüberfahrenden leicht gebauten Sportboot in die Flanke. Mit folchen„ Borkommnissen" ausgerüstet und ungeachtet der Warnun gen mütterlicherseits, daß Wasser teine Balten habe, trat ich als Achtzehnjähriger zum Ruder, sport" über und wurde Mitglied eines Arbeiterudervereins. meiter; diesmal alle vier Mann. Wir wackelten alle furchtbar mit den Köpfen. Die Backbordmannschaft ließ sie lints und die Steuerbordmannschaft rechts halb aus dem Boot hängen. Wir schwangen so träftig, daß wir mit den Ellenbogen fast das Wasser berühren, und da schreit der Steuermann noh:" Mehr schwingen!" Einer jetzt zu früh, der andere zu spät mit dem Ruder ins Wasser ein, so daß mir beianahe vor lauter Schaufelei seekrank wurden. Da macht der Fluß eine Biegung, und der Steuermann schreit aus Leibeskräften:„ Achtung, Badbord fräftig, Steuerbord halbe Kraft!" und dann nach einer Weile:„ Frei meg!" Wir waren wie durchgedreht und hatten teine Ahnung, mas nun wieder los war. Nach fast einstündigem leben fahren wir zum Bootsplag zurück. Liebenswürdige Kameraden eilen herbei und heben uns aus dem Boot. Ich bin ziemlich mitgenommen und fasse zuerst an meine allerwerteste Siggelegenheit, die mir wie Hackepeter vorkam. Man reißt sich die Glieder fast aus dem Leibe, man verbiegt und verrenkt sich, daß einem der Schweiß übers Angesicht läuft und das soll Sport sein. Gesund ist das nicht, dachte ich bei mir. Und Außenstehende behaupten ja auch, die Kinder der Ruderer be fämen davon entweder trumme Beine oder einen Wasserkopfana, es dauerte eine ganze Weile, bis ich den ganzen Krempel so einiger maßen weg hatte. Und weil wir gerade bei den Kindern sind. Die meisten Ruderer sind ledig, meil sie feine Zeit zum Heiraten haben. Aber manche hatten damals doch eine Braut. Sie fauften sich ein eigenes Boot, das man Privatboot nennt, und tauften es auf den Namen ihrer Angebeteten. Da jah man Namen wie. " Friedel",„ Hedy",„ Liselotte" usw. Es soll auch vorgekommen sein, daß einige Boote jedes Jahr einen anderen Namen trugen! Andere waren vorsichtiger, sie wählten neutralere Namen, wie 3. B.„ Rautenbelein"," Spreenige" oder„ Loreley". Ein ganz Biiffiger nannte sein Boot Mein Liebling", wobei ich immer im Zweifel mar, ob er damit seine Braut oder seinen Kahn meinte. Wenn man Sonntags jah, wie die Lieblinge" in Decken eingehüllt und besonders ihre Beine eingewickelt wurden, da fonnte einem ganz. schmummrig dabei werden. Mir haben die jungen Dinger mandhmal leid getan, die sich da für den Sport opferten. Wenn sie morgens abfuhren, sahen sie alle so zart und fein aus, tamen fie aber abends wieder, maren sie ganz zerzauft und rot und braun. Aber das fam natürlich nur von der heißen Sonne und vorm scharfen Wind, der auf dem Wasser weht. Ach, was die alles im Kahn jo mitschleppten. Ein Zelt, drei bis vier Deden, ein halbes Dugend Kissen eine Kochtiste, einen Korb mit Essen und Getränken ( das besorgte alles der Liebling"), Tisch und Stühle, eine große Korbflasche mit Wasser, Spirituskocher usw. usw. Ich glaubte zuerst immer, die machen eine Ferientour und blieben mehrere Wohen: meg. Dann nunderte ich mich aber immer, wenn sie an demselben Abend schon wieder angegondelt kamen. Von den Privatbooten sind manche offen und manche gedeckt. Die gedeckten Boote haben den Vorteil, daß man nie richtig hineinsehen kann, ob sie auch ordentlich sauber sind. Deshalb sind die Vereinsboote alle offen. Dafür kam man auch einen Kasten Bier und allerlei andere Sportgeräte mitnehmen. Bei eintretender Dunkelheit muß das Boot beleuchtet werden. Die Backbordseite mit rotem, die Steuerbordjeite mit grünem Licht. Diese Laternen nennt man in Schiffahrtskreisen Positionslampen. Bo die rote und wo die grüne Lampe hinkommt, merft man sich so: Grüne Baden gibt es nie, aber rote! Alles, was ich da jah, mar für mich nöllig neu. Da gab es Achter, Riemen und Doppelvierer, Stullboote, Kähne mit und ohne Steuermann, Doppelzweier, Stiffs, Einer und die verschedenen Sorten Boddelboote. In einer Ede des großen Bootshauses standen in Reih und Glied die Ruder, richtig Riemen oder Stulls genannt, die waren so lang, daß fie fast bis unter die Decke des Bootshauses reichen. An einer anderen Stelle wieder waren die anderen Einrichtungsgegenstände der Boote, mie Laufbretter, Heck und Bugbretter, Stemmbretter, Steuer, Flaggen, Laternen, alles an seinem bestimmten Play in musterhafter Ordnung. Unser Inftrutteur, wie man damals die Ruderlehrer nannte, war ein gutmütiger Mann. Er belehrte uns über Back und Steuerbord, über Bug und Hed und zeigte, mie die Boote eingeräumt werden. Daß ma die Riemen por jeder Fahri einsetien und die Dollen schmieren müsse und wie die Ruder in die Dollen eingelegt werden. Wir Neuen standen auf dem Bootsplage herum und sahen zu, wie das alles vor sich ging. Einer schleppte die meterlangen Laufbretter herbeit, ein anderer die mächtig langen Riemen, ein dritter hatte fich mit Rollfizen bepadt, während der vierte die Stemmbretter, an denen die Ruderer festges hnallt" werden, herbeiholte, bis das ganze Boot tomplett eingeräumt war. Endlich sind wir dran am leben. Ich muß jagen, ich hatte einen mächtigen Bamunel. Daher heißt fiberlich auch eine vorspringende Spike an der Dahme in der Nähe von Grünau Bammelede. Damals gab es nody feinen Ruderkasten, der am Bootssteg festgemacht wurde. Wir mußten gleich rein ins Boot. 3mei ältere Komerden, die schon etwas von der Kunst meg hatten, mußten Balance halten, während wir zwei Renen loslegien. Bie das schaufelte, schmippie und fullerte. Faßte der eine auf Steuerbord zu tief ins Wasser, fam der andere auf der Badborbseite mit seinem langen Ruberlöffel hoch in die Luft, Außer den Privatbootbesitzern gibt es auch noch Regattadaß es mie Windmühlenflügel aussah. Rollte der Vordermann mannschaften oder Raceleute genannt. Die erkennt man daran, mit feinem Rollsik zu früh nach hinten, betam er non seinem daß sie ein Racetrikot tragen, das aus einem Stück ist und bei dem intermonn mit dem Ruber einen Buff ins Kreuz. Bir schwubberten und latidhten mit dem Löffel der Ruderer jagt Blatt bazu bie Sizfläche immer schwarz aussieht. Die Raceleute müssen sich übers Waffer, hieben dann mit dem langen Riemen von oben hinein, nerflichten, mährend der Trainingszeit nichts Scharfes oder Gebaß es meterhoch sprizte und dann eistalt auf unsere Rüden nieder. mürztes zu essen, nicht zu rauchen und den Alkohol und die reizen. fiel mas den anderen mieber meiblich Anlaß zum Schimpfen gab. den Mädchen zu meiden. Daher sind sie auch sehr reizbar. Aber Der Steuermann, der jetzt im Boote stand, um unsere Arbeit beffer die Zeit wird nicht überschritten, menn man sieht, wie die fich jo #bephantem auch mahl, damit er nom far beffer zu sehen jeben Abend abjachtern, da ist rein das Ende non meg, ortentlich leid fönnen fie einem bin. Und der Steuermann der meist ein Die Entscheidung um ben Titel bes Berliner Mann mar, plagte nux los: Rummer eins( das mar ich!) nicht in tief Ichaftsmeisters im Bogen ist gefallen. Seros" fonnte Waffer faffen. Nummer zwei, Ropf body, Arme geradeaus, Händää feiner Mann ist, hat immer eine mächtig große Schnauze. Wenn feinen alten Rivalen Teutonia" mit 11: 5 überlegen abfertigen. met!" Sam eine Dampferwelle, hieß es ebel runter!" Dann die fo richtig loslegen mit dem Regattaspurtschlag, fliegt der SteuerDie Stampfftätte im Saalbau Friedrichshain war ausverkauft, viele wieber: Nummer eins, mehr auslegen! Nummer zwei, mehr mann immer nach hinten und muß sih, um nicht aus dem Boot zu Einmal fam eine Regatta? erhielten teinen Einlaß mehr. fallen, an der Steuerleine festhalten. fhmingen!" Dann fam noch eine Dampfermelle und mas für eine. Das Boot schautelte mächtig. Ich muß mohl mein Ruber nicht feft mannidaft mit einer eingebrüdten Blante nach Hause. Sie sagte, genug gehalten haben, furg und gut, bie Belle schlägt gegen meinen die ist vom Wind eingebrüdt morben, weil fie fo schnell gefahren Rubertoffet, breht ihn nach hinten, so daß mir der lange Riemen find. Die ganze Bande lachte. Ich hielt das für bare Münze, weil gegen den Bauch schlägt, und ehe wir uns verfehen, tippe ich aus doch die Boote aus ganz dünnem Zedernholz gebaut sind. Auf beinahe ins Wasser. In der Ruder- meine naive Frage, was denn mit den alten Booten und dem dem Rollsig und alle Mann Bebernholz geschehe, antmoriete ein ganz Schlauer: Daraus werden fprade nenni man bas einen Krebs" fangen. Redben wir unseren Animauzer meg bother, res ir Bleifrifte gemety, was ich aber hente wicht mehr globe. jures Nach fünf Monate langem Aufenthalt in den Bereinigten Staaten steht Europameister Mag Schmeling nunmehr vor feinem erften Ameritatampf. Nachdem die verlegte Hand ausgeheilt war, machte sich eine Nierenentzündung störend bemerkbar, die den Meister abermals zur Schonung und Ruhe zwang. Nunmehr steht aber einem Stampie Schmelings nichts mehr im Wege. Am 23. November will sich der Meister im Ring des Nem- Dorfer Madison Square Garden dem amerikanischen Bogsportpublifum erstmalig vorstellen. Der Termin ist fest, nur der Gegner noch nicht endgültig ausgewählt. Am gleiche Tage foll auch der Berliner Mittelgewichtler Hermann Herse, der jetzt Schmelings Trainings. gefährte ift, sein Debut geben. Schmeling ist dem Halbschwergenicht bollfommen entwachfen, so daß er seine beiden Titel ols Europa und Deutscher Meister nicht mehr verteidigen wird. Schmeling hat daher auf beide Titel verzichtet. Heros" Mannschaftsmeister. 4 Fußballbörse! Die Börse am Mittwoch fält aus, die nächste indet am 7. November bei Engel, Swinemünder Straße 65, statt. Sierzu haben alle Spielführer der Groß- Berliner Abteilungen und Bereine zu erscheinen. Bässe und Mitgliederlisten nicht vergessen! We in der letzten Woche neugegründeten Bereine, mie Nomames, Richterfelbe, Bantow, Al- Landsberg, Hoppegarten senden je einen Bertreter -w Das Koppe- Denkmal am Koppenplatz Berlin ist reich an Denkmälern von Monarchen und ihren An| gehörigen, von Heerführern und Staatsmännern, sehr viel weniger reich an Denkmälern von Großen der Kunst und der Wissenschaft, arm aber an Denkmälern von Persönlichkeiten, die in sozialer Arbeit Führer gewesen find. Am Koppenplay, unweit der Elends quartiere von Berlin- Nord, ist ein Denkmal erhalten geblieben, das vor langer Zeit einem schlichten Berliner Bürger errichtet amt und erfuhr daselbst, daß die Che nur auf Grund eines richten lichen Urteils für nichtig erklärt merden könnte. Da erstattete et Strafanzeige. Das Ergebnis mar, daß seine Frau", Freund Schnabel, Halsband und die Arbeiterin Mahler sichh megen Bee truges und intellektueller Urfundenfälschung zu verantworten. hatten. Frau Müller war nicht erschienen. Da sie für die Polizet als Frau Müller" gilt, für das Gericht aber als Frau Schmach", so konnte ihr die Ladung nicht ausgehändigt merden, obgleich sie auch heute noch mit Herrn Müller zusammens lebt und dieser die Ladung als Zeuge erhalten hat! Herr Müller erklärte, daß er Frau Müller nicht nur nicht als seine Frau, sondern felbft als Verlobte nicht mehr betrachte und überhaupt ,, fein Interesse mehr an ihr habe". Dann sagte er wieder nersehentlich ,,, meine Frau". Das Gericht verurteilte Halsband zu 5 Monaten Ge. fängnis, Schnabel zu 3 Monaten und die Arbeiterin Mahler zu 3 Wochen Gefängnis. Die beiden letzteren er hielten Bewährungsfrist. Müller aber erklärte, mit seiner Frau nur bis zum Augenblick zusammen wohnen zur wollen, bis die Ehe für nichtig erflärt werden würde. Frau Müller wird dann wieder die Kriegermitme Schmach sein, die ehelichen Kinder werden un ehelich werden, und das Versorgungsamt wird die Abfindung zu rüdverlangen. Herr Müller wird aber auf so einfacher Weise seine Frau" los geworden sein. Eine Geschichtsfälschung. In dem fommunistischen ,, Arbeiter- Berlag" erscheint seit turzer Zeit in Fortsetzungen eine Illustrierte Geschichte der deutschen Re polution" unter der Redaktion von P. Fröhlich, Lindau u. a. Während sich das erste Heft noch einer verhältnismäßigen Objeftinität befleißigte und damit auch eine Anzahl von Nichtkommu nisten zu Beziehern gemann und Referenzen von Thomas Mann, A. Kerr u. a. erhielt, enthüllen die weiteren Hefte immer mehr ihren wahren Charakter. Das Ganze ist eine Geschichts falihung übelster Art und einzig zu dem Zwed ge Vor dem Bezug schrieben, die Sozialdemokratie zu verleumden. muß dringend gewarnt merden, zumal die kommunistischen Berber, versuchen, sich unter neutraler Maste Kunden zu verschaffen. murde, ein Grabmal für den im Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete ihm hier im Jahre 1855 ein Denkmal. Es steht auf dem Lohnbewegung der Bergarbeiter Lothringens. in Berlin tätigen Ratsverwandten und und Stadthauptmann" Christian Koppe, dessen Sorge dem Armenwesen Berlins gegolten hatte. Der Koppenplatz ist ein ehemaliger Armenfried. hof, der auf einem von Chriftian Roppe im Jahre 1705 der Armenverwaltung geschenkten Gelände im Jahre 1708 angelegt und noch bis Ende des Jahres 1839 zur Bestattung Armer benutzt murde. In der benachbarten Auguststraße, die früher ,, Armenstraße" hieß, stand das Koppesche Hospital für Frauen. Es war Halsband als„ Müller". Eine Scheinheirat und was sich daraus ergab. Der Werkzeugmacher Müller lebt seit 1923 mit der Krieger witme dh wá ch. Als ein Kind unterwegs ist, bestellt Müller für den 7. November das Aufgebot; seinen Freund Schnabel bittet er zum Trauzeugen. Am 4. November wird er aber plötzlich verhaftet; ,, nun wirst du ein paar Tage auf mich warten müssen," jagt er zu feiner Berlobten. Diese aber hat es außerordentlich eilig; ihrer Wirtin schuldet sie 150 Mart, die Zwangsräumung droht; auch fonft hat sie Schulden. Die Kriegerwitmenabfindungs summe wäre da eine Rettung. So bittet sie den Freund Schnabel, irgendeinen Ausweg zu finden, damit die Trauung auf dem Standesamt am 7. November doch stattfinden könne. Und Freund Schnabel findet tatsächlich einen Ausweg. Durch die Tochter seiner Wirtin, der Arbeiterin Mahler, läßt er seinen Freund Halsband holen, erklärt ihm, daß er auf Wunsch seines Freundes Müller, der ganz plöglich ins Gefängnis abberufen worden sei, ihn beim Standesamt vertreten und an seiner Statt die wenigen notwendigen Formalitäten erledigen soll. Am 7. November feiert man zuerst Hochzeit, dann begibt man sich zum Standesamt, und Halsband, der sich als ,, Müller" PROGRAMM für die Zeit vom 30. Oktober bis 1. Nov. BTL Potsdamer Straße 38 Das Spiel mit der Liebe mit Harry Liedtke Das gute Belprogramm Rheinstraße 14 Verlängert: Die Carmen von St. Pauli mit Jenny Jugo, Willy Fritsch, W. Zilzer Odeon, Potsdamer Str. 75 Die Dame mit der Maske mit Arlette Marchall, WI. Galdarow Als Dreijähriger durch Afrika 6 Akte von Colin Ross Turmstraße 12 Die Dame mit der Maske mit Arlette Marchail, WI. Gaidarow Monty, der Wüstling 6 Akte mit Monty Banks Alexanderstraße 39-40 ( Passage) Die Seeschlachten bei Coronel und den Palklandsinseln Die letzten Tage v.San Franzisko mit Anna May- Wong Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. 5, 6.30, 9 Uhr, Stg. ab 4 Uhr. Die Dame mit der Maske Die letzten Tage v.San Franzisko Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Ein Mädel vom Zirkus Der Teufelsjunge mit Buzz Barton gleichfalls im Jahre 1708 entstanden und diente lange Zeit auch als eine Art Leichenschauhaus zur Unterbringung der Leichen von Berunglückten und Selbstmordern. Der Friedhof wurde im Jahre 1853 als öffentlicher Platz freigegeben und erhielt damals zur Er innerung an Koppe seinen Namen. Auf dem Armenfriedhof mar auch die Grabstätte der Familie Koppe, hier angelegt auf Christian Koppes eigenen Wunsch. Die Stadt Berlin Bürgersteig des Koppenplages und lehnt mit der Rückseite an die Hausfront des Grundstücks Ede Roppenplatz und Auguftstr. 60. Die Inschrift lautet: Herr Christian Roppe, Ratsvermandter und Stadthauptmann zu Berlin, midmete diesen Platz und dessen Umgebung im Jahre 1705 als Ruhestätte den Armen und Waisen, in deren Mitte er selbst mit den Seinigen ruhen wollte und rüht. Sein Andenken ehrt dankbar die Stadt Berlin 1855." die legitimiert, erklärt sich bereit, Frau Schwach zu ehetchen, unterschreibt als ,, Müller" den Trauungsaft und die Ehe ist in Butter. Man zecht noch hinterher in verschiedenen Lokalen, und beim Abschied erhält Halsband von der Neuvermählten einen 10- Mart- Schein in die hand gedrüt. Am nächsten Tage eilt sie mit dem Trauschein zum Versorgungsamt und erhält die Als Abfindungssumme in Höhe von 950 Mart ausgezahlt. Müller 14 Tage später nach Hause tommt, erflärt ihm denn Frau Schwach ist sie jagen wir seine Lebensgefährtin ja nicht mehr und Frau Müller ist sie noch nicht, daß sie bereits verheiratet seien. Er will das nur als Scherz aufgefaßt und geglaubt haben, auch weiter in wilder Ehe zu leben. In Wirklichkeit wird es wohl anders gewesen sein. Solange alles flappte, wird er wohl nichts dagegen gehabt haben, als Ehemann der Frau zu leberdies war furz gelten, die er doch sowieso heiraten wollte. darauf ein Knäblein zur Welt gefommen; 1% Jahre später folgte ein zweites Kind. Beide wurden natürlich als gut ehelich in das Geburtsregister eingetragen- sollte er da von der Sache noch viel Aufhebens machen? Eines Tages entdeckte er aber unter der Kommodendecke den Abfindungsschein des Versorgungsamtes. Also auch das noch: das Geld erhalten und er feinen Pfennig davon abbekommen. Das var doch zu viel! Auch sonst war das„ Ehe glüd" bereits start getrübt. Müller lief zum StandesParis, 30. Oktober.( Eigenbericht.) Im Industriegebiet von Lothringen und dem Becken vast Brien droht ein schwerer Lohnfonjlift auszubrechen. Die Berg arbeiter der Erzgruben stehen seit Beginn dieses Jahres in Lohnverhandlungen, die jedoch von den Arbeitgebern immer wieder verschleppt wurden. Die Gewerkschaftsdelegationen sind am Mantag zu einer Sigung zusammengetreten und haben beschlossen, noch einen legten Einigungsversuch zu unternehmen. Sollte auch dieser scheitern, dann soll der Streit erklärt werden. Jur Frage 9. und 10. Schuljahr" veranstaltet die Arbeits gemeinschaft jozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen eine Vollversammlung am Mittwoch, dem 31. Oftober, abends 8 Uhr pünktlich, in der Aula des Köllnischen Gym nafiums( U- Bahnhof Inselstraße). Reichstagsabgeordneter Stadtrat Gen. Dr. Löwenstein spricht über den 2ehrplan für das 9. und 10. Schuljahr. Der Rahmenplan ist von den Vorständen der Gewerkschaft, der Freien Schulgemeinde, der Arbeitsgemein schaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen zusammengestellt als Gegenentwurf gegen den Plan des Lehrervereins. Eltern beiräte, Gewertschaftsvertreter und Stadtver ordnete sind eingeladen. Die Münchener Kunsteisbahn ist wieder eröffnet worden. Da mit der Wiederaufnahme des Eislaufbetriebes im Berliner Sport palast faum zu rechnen sein wird, verfügt also München über die einzige fünstliche Eisbahn in Deutschland. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge, später Abfühlung. Für Deutschland: Im Nordosten leichte Regenfälle, im übrigen Deutschland wechselnd wolfig, langsame westoftwärts fortschreitende Abkühlung. KINO TAFEL Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr S.: 3.30 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof = Charlottenburg Wasser hat Balken mit Buster Schlüter- Theater Keaton Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Neukölln Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Woch. 5, ca. 7 u. 8,45, Stg. 3, ca. 5,7 u. 8,45 U. Die kleine Sklavin Soldatenleben, das heißt lustig sein mit Laura La Plante Bühnenschau Südwesten Film- Palast Kammersåle feltower Str. 1-4. W. 6, Sbd. 5, Stg. 4 U. Die seltsame Nacht der Helga Wangen mit Lee Parry Kaczmarek. Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Tempelhof, Berliner Str. 97 Anfang: W. 6.30, 8.45 U., S. 4, 6.30, 8.45 U. Sein letzter Befehl mit Emil Jannings Gaunerliebchen mit La Jana, Charlotte Ander, Harry Halm. Siegfried Arno Bühnenschau Schöneberg Alhambra Beg. W. 6.30 u. 39 S. ab 3 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Stephan 1505 Des Riesenerfolges weg. verlängert: Sein letzter Befehl mit Emil Jannings Große Bühnenschau früher Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 43 630, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 U Looping the Loop ( Die Todesschleife) mit Jenny Jugo, Werner Krauß Was eine schöne Frau begehrt Schlüterstr. 17. W. 7, 9.15, Stg, ab 4 U. Die schwache Stunde einer Frau Susannes erstes Abenteuer mit Moore Steglitz Titania- Palast Beginn: 6.30, 9 U. Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsst. Uraufführung: Razzia Auf der Bühne: Ernest u. Yvonne, Kurt das mondäne Tanzpaar. Wolfgang Kietlich, Laute. Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Soldatenleben, das heißt lustig sein mit Laura la Plante Auf der Bühne: Die große Operetten- Revue: Wie einst im Mai Jugendliche haben Zutritt Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7 u.ca. 8,45, Stg. 3, ca. 5, 7 u. 8.45 Looping the Loop ( Die Todesschleife) U. Der Garten Eden mit Corinne Griffith Bühnenschau Concordia- Palast Andreasstraße 64 Die kleine Sklavin mit Grete Mosheim Der Unüberwindliche mit Luc. Albertini Bühnenschau LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Heimliche Ehe mit Harry Liedtke Die Waise vom Wedding Metro- Palast Kosmos- Lichtspiele Chausseestraße 30 Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Der Fall des Staatsanwalts M. Dyckerpotts Erben Bühne: Gastspiel Gebr. Emmé, Sein Doppelgänger Bühnenschau Friedrichsfelde Kino Busch Beginn täglich 5, 7, 9 Uhr Alt- Friedrichsfelde 3, Ecke Rosenf. Str. Moulin Rouge mit Olga Tschechowa El en Jux will er sich machen Große Bühnenschau Nordosten ,, Elysium" Prenzlauer Allee 58 Sein letzter Befehl m. E.Janninzs Bühne: Revue der Komiker: So wird's gemacht, Gg. Erich Schmidt Weißensee Schloßpark Film- Bubne Berliner Allee 205-210 Sonne, Süden, Leidenschaft Der fliegende Bräutigam Bühnenschau Norden Viktoria Lichtbild- Th. Alhambra Frankfurter Allee 48 Woch. 5,7 u. ca. 8.45, Stg. 3, ca. 5, 7u.8.45 U Unter der Laterne ( Trink, trink, Brüderlein, trink...) Bühnenschon Müllerstraße, Ecke Seestraße Nur 3. Tage: Kaczmarek Auf der Bühne die gr. Ausstattungsrevue: Hurra Revuet Wetterleuchten( Der rote Sturm) Der erste KuB mit Anny Ondra PROGRAMM für die Zeit vom 30. Oktober bis 1. Nov. Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Revolutionshochzeit mit Fritz Kortner und Diomira Jacobini Große Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Angst ( Die schwache Stunde einer Frau) Die Mädchenräuber von Kansas Große Bühnenschau Pharus- Lichtspiele Prinzen- Palast Müllerstr. 142 Alt- Heidelberg. Regie: Ernst Lubitsch, mit Ramon Novarro und Norma Sherrer Zirkusbaby Jugendliche haben Zutritt Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Der Mann mit der eisernen Faust Kaczmarek Gesundbrunnen ,, Alhambra" Badstraße 58 Gaunerliebchen Großes Belprogramm Große Bühnenschau Prinzenallee 42-43 Die seltsame Nacht der Helga Wangen mit Lee Parry Die letzten Tage von San Franzisko mit A. May Wong Bühnenschau Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Beg. 6.30, 9 U Die Seeschlachten bei Coronel Die Dame mit der Maske Große Bühnenschau Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Eine Frau von Format mit Mady Christians Auf der Bühne die große Revue: Liebe, Jazz und schöne Frauen Nieder- Schönhausen Film- Palast Ballschmieder- Lichtsp. Blankenburger Str. 4 Badstraße 16 Zuflucht mit Henny Porten Null Uhr mit Lionel Barrymore Große Bühnenschau Lotte, das Warenhausmädchen Die Kamellendame Reinickendorf- Ost Humboldt- Theater Bürgergarten- Lichtsp Badstraße 19 Nachtpatrouille Durch Feuer und Flammen Große Bühnenschau Hauptstr. 51 u. Lindauer Straße. Beg. 630 Versuchung der Liebe Fürst oder Clown Bühnenschau