Abendausgabe 3Tr.516 B 257 45. Zahrgang WSchesMch monaMch Z/O A. nn voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. -toschl. Bestellgeld. Auslandsadona— ment 6.— M. pro Monat. ver„vorwärts� erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgoden für Berti» und im Handel mit dem Xitel.Der Abend". Illustrierte Beilogen„Dolt und Zeit" und„Klnderfreund". Ferne? .Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in bis Bücherwelt" und.Jugend-Bor» irts� Berliner VolkSblatt Mittwoch 51. Oktober 1928 10 Pfennig Die e t n j p a l tt g e Nonpareillezeil» 80 Pfennig. Reklamezeile S.— Reich» mark.„Kleine Anzeige»" das fettge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort IS Pfennig, jedes wettere Wort !l) Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» »Shlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen fü? Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annähme im Hauptgeschäft Linde»« straße 3. wochentägl. von 8'/z bis Jentralovgan der Sozialdemokratischen tSavtei Deutschlands ltedakiion und Berlog: Berlin SA? 68. Lindenstraße 8 Strnfmdxr lönljof) 292— 297 Telegramm.«dr: Eaztaldemotra« Berlw Dorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto! Berlin Z7K3S�— Bankkonto: Bank der Lrdetter> Ängestellt» nnt Beamten Wallstr. 65. Dtikomo-Gelellschast. Depositenkast« Lindenftr. 6 eberdem euwpäischen Festland Landung abends oder nachts in Fn'edrichshafen. Die Fortschritte, die das Zeppelin-Luftschiff in der letzten Nacht und am heutige« Vormittag gemacht hat, lind recht beträchtlich. Um 10 Uhr vormittags etwa befand sich das Luftschiff schon südlich der irisch- englischen Küsten, so daß es in den Mittagsstunde« bereits über dem europäischen Festland sei« dürfte. Das Luftschiff ist heute seit seinem Start in Lakuhurst über 50 Stunde« in der Luft. Aus Friedrichshasen wird gemeldet: Da sich die Wetterlage östlich der irischen Küste zum Besieren gewendet hat um, für die Fahrt des Lustschisfes nach Osten günstige Westwinde wehen, hat der..Graf Zeppelin' in den Abendstunden des Dienstag noch Nordosten gedreht und fährt bei einer Windstärke von 2l) Sekunden-Mctern mit etwa 150 Kilometer Geschwindigkeit «stwärt». Eine frühere Standortsmeldung von Bord des Luftschisies, nach der sich da» Luftschiff 50 Grad 20 Minunten nördlicher Breit« vnd 31 Grad 29 Minuten westlicher Länge befand, wird durch einen Funkspruch der Funkstation Norddeich bestätigt, die außerdem in der ersten Morgenstund« des Mittwoch dem..Graf Zeppelin' auf seinen Anruf eurapälsche WeitttMeldungea üb«» «itteltt. Falls die lumosphanjchen Verhältnisse eüugermaßeu gut find, wird die FT.-Gtatton de» Luftschiffbau«, in der Sag« sei», in den frühen Morgenstunden des Mittwoch das Schiff zu hären. Als- dann wird man, fälTs Meldungen von Bord des Schiffes gegeben werden, in der Lage sein, dea letzten Abschnitt de» Luftschiffe» genau zu verfolgen und den jeweiligen Standort feststellen können. Eine Landung de,..Gros Zeppelin' am Mittwoch abend in Friedrichshasea hält man an zuständiger Stelle des Luftschiff- baues nach wie vor für wahrscheinlich. Eine überraschende Ztauie. Nach den zwischen 12 und I Uhr nachte beim Lustschiffbau ein- gegangenen Meldungen hat der„Graf Zeppelin'«ine überraschende Route eingeschlagen, indem er zwischen dem 40 und 30 Grad west- licher Länge nach Norden abgebogen ist. statt, wie bisher auf Grund der letzten Meldungen beim Luflschiffbau angenommen wurde, den Kurs nach Südosten zu halten. In der Tat scheint es sich zu bestätigen. daß das Schiff sich über dem 50. Grad nördlicher Breite befindet, also auf einer Route, die auf Irland zugeht. Dr. Eckener hat also offenbar den Versuch gemacht, doch auf den kürzesten W e g zu kommen, der bekanntlich über Irland führt. Direkt« Nach- richten vom Luftschiff liegen nach Angabe des Luftschiffbaues über. Haupt nicht vor. Man muß den Eindruck hoben, daß der Luftschiff- bau selbst durch den Mangel an Standortnachrichten irrege- führt worden ist. Nach einer kurz nach 2 Uhr nacht» von der Funkstation der Werst aufgefangenen Meldung von Bord befand sich„Graf Zeppelin' gestern abend 10 Uhr Greenwicher Zeit aus 26,25 Grad AHi und 50,20 Grad Nord. Das bedeutet also, daß Dr. Eckener tatsächlich auf der letzten chälfte der Fahrt die kürze st«Strecke gewonnen hat und jetzt wahrscheinlich südlich von Zrland vorbei den direkten Kurs aus Friedrichshosen hat. Obwohl diese I Route dem widerspricht, was gestern nachmittag von der Werft als I wahrscheinlich angesehen wurde, ist doch anzunehmen, daß das ! Ein'ressen des Luftschiffes in Friedrichshofen schon am I Mittwochabend erfolgt, wenn der starke Mitwind weiter I so anhält. Nach einer Mitteilung der englischen Küstenfunkstelle D e v i z e s Radio befand sich„Graf Zeppelin' um 10 Uhr vormittags mitteleuropäischer Zeit schähungriveise auf 10 Grad westlicher Länge. Damit hat sich das Luftschiff zur angegebenen Zeit südlich der irischen Westküste befunden. Die Entfernung bis zur Süd- west spitze Englands beträgt vom Standort des Luftschiffes aus noch etwa 330 Kilometer. A» zuständiger Stell« des Luftschifsbaues Zeppelin in Friedrichs- Hafen glaubt man immer noch, daß das Luftschifs bis abends 22 Uhr in Friedrichshofen eintreffen wird. Ob allerding» Dr. Eckener eine Landung in der Nacht wagt, ist bei den fchiechien weiter verhöllnisiea noch sehr fraglich. Jedenfalls steht eine Reih« Scheinwerfer zur Verfügung und es ist alles vorbereitet, um eine Landung auch während der Nacht zu ermöglichen. Lei der augenblicklichen Fahrt- geschwindigkeit des Schiffes— etwa 130 Kilometer pro Stunde— könnte es unter diesen Umständen noch am frühen Nachmittag die Küste der K i r o n d e erreichen. Da westlich von Irland ein äußerst starkes Tiefdruckgebiet liegt, wird ein genauer Ostkur» für den letzten Fahrtabschnitt nach Irland kaum in Frage kommen, sondern das Luftschiff wird etwa» südöstlich abbiegen und vielleicht die Gironde ansteuern. Die Feier im Arbeitsministerium. Unser Bild zeigt die große Festversammlung, dfe aus Anlaß des Zehnjahrestages im Reichsarbeitsministerium tagte. Im Vordergrund: Reichskanzler Müller, die Minister Wissel!, Hilterding, Hirtsiefer, Brauns, Dr. David, Bauer und Schlichen. Scharfmacherspiel der Eisenbarone Oer Schiedsspruch für verbindlich erklari. Der Schiedsspruch im Lohnkonslikl bei der nordwestlichen Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie ist heute mittag vom Reich». arbeitsmlnislerium als verbindlich erklärt worden. Bochum. 31. Oktober.(Eigenberichl.) Auf den Anschlagbrettern der Hüttenwerke erschienen im Laufe de» Diensiag Bekanntmachungen, daß die Arbeiter alles aus den Ausgaben entnommene werkzeug abzugeben haben, weiter werden sie aufgefordert, alle ihnen gehörenden Gegenstände am Mittwoch mit helmzunehmen, da ihnen der Zuirittzum Werk am Donnerstag nicht mehr gestattet wird. Die Entlassungen sind soweit ausgefertigt, daß ihre Aushöndi- gung am Mittwoch erfolgen kann. Es sind auch bereit» Maß- nahmen getroffen, um die besonders in den ersten Tagen der Werkstillegung notwendigen Notstandsarbeiteo durch Beamte verrichten zu lasiea. Bochum. 31. Oktober.(Eigenbericht.) wie von Unternehmerselte mitgeteilt wird. muß. nachdem die gestrigen Verllaer Verhaadlungen gescheitert sind, die zum 1. Novem- der angekündigte Generalaussperruug in der Metallindustrie VazzerroiirvkUili iiäpcnldtcr Slraste Berlins VerweKungserganSsaton. Berichte 2, Seite. der nordwestlichen Gruppe als beschlossene T a l s a ch e betrachtet werden. Der Gang der Ereignisse sei nicht mehr auszuhallen, es fei denn, daß die Mctallarbeiterverbändc sich in letzter Minute zu einer Vereinbarung mii den Arbeitgebern bereit fänden. Auch im Falle einer verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches würde die Aussperrungsaktion durch- geführt werden müssen, da durch die verbindlichkeiisertlärung des von der Arbeilgeberfeite abgelehnten Schiedsspruches ein tarifiofer Zustand entstehen würde, mil dem sich die Unternehmer unter keinen Umständen abfinden könnlen. Der größte Teil der hüllenwerke des Tarifgebiets arbeitet bereits mit stark verringerter Produktion. Seil Anfang dieser Woche arbeilen die hoch- und Mariinrösen nur»och gedämpft, so daß die Roheisen- und Rohsiahlproduklion aus einen Bruchteil der normalen Erzeugung zurückgegangen ist. Von gewerkschaftlicher Seite wird erklärt, daß die Metall- arbeiterverbände alle Vorbereitungen getroffen haben, um der Enlwickelung der Dinge mil voller Ruhe entgegensehen zu können. Die Gewerkschaften' seien finanziell gerüstet. „Das ist die Kampsstraiegie.. Weil die Eisen- und Stahlherren der nordwestlichen Gruppe den Zeitpunkt günstig halten. 200 000 Metallarbeiter in Rheinland- Westfalen auszusperren, hat der Deutsche Metallarbeiter- verband samt der christlichen und der Hirsch-Dunckerschen Organisa- tion— nach der kommunistischen Parolenstrategie— die Verpfiich. hing, sich jetzt dem Unternehmertum zu stellen. Weil nun die Organisationen der Mctallarbester e» abgelehnt haben, den EisengenxMgen den Gefallen zu tun und deshalb dem ntTbefnedlgeröen Schiedsspruch zugestimmt haben, suchr die KPD. die organisierte Metollarbeiterschaft mit allen Finessen gegen ihre Organisationen aufzuhetzen, sie zum Disziplinbruch zu treiben und sie für die Parole einzusaugen: Kamps auf der ganzen Linie. Sie sollen an der Forderung von 15 Pf. festhalten, sich aussperren lassen, und damit sa nicht etwa der Kampf„abgewürgt� wird, selbst wenn diese Lohnforderung bewilligt würde, soll die Bewegung kam« pliziert werden durch die Aufrollung des Kampfes um den Acht- stundentag. DI« Unternehmer versuchten noch im letzten Augenblick dasselbe, die Arbeitszeitfrage mit der Lohnsrage zu verquicken. Di« sreigewerkschastlichen, christlichen und unorgantsier- tcn Arbeiter der einzelnen Betriebe sollen— Immer noch der Kampfstrategie der KPD.— gemeinschaftliche Streikleitungen bilden, die Gewerkschaflen übergehe», die Arbeiter der Betriebe zu einem Kampsbündnis zusammenzuschlietzen, dieses Kampfbündnis durch Einbeziehung der Bergarbeiter, Eisenbahner und Transportarbeiter zu erweitern, die Unterstützung organisieren, auch mit chilf« der Kommunen—„das ist die Kampf st rategie, die ollein den Kampf der Hüttenarbeiter erfolgreich gestalten kann". Für den Fall, daß der Kampf der Dutzende von Streikleitungen. denen die KPD. allerding» die Oberleitung stellen würde, nicht erfolgreich endet, sieht dies« Strategie zwar nicht» vor, allein sie birgt al» Selbstverständlichkeit in sich, für diesen Fall die Kampf« front noch weiter zu verbreitern bis zum Generalstreik. Es käme dann nur noch darauf an, wie weit der IAH.-Speck reichte, um die Unorganisierten bei der Stange zu halten. Wenn irgendwelche fragwürdigen Subjekt« von den Unter- nehmeroerbänhen- dafür bezahlt würden, um die Arbeiterschaft zu provoziere», einer derartigen Niederlagenstrategie zu folgen, dann könnte den Anforderungen ihrer Auftraggeber niemand besser ge« iriigen als die„Niederl", und Niederlagenstrategen der KPD. in der„Roten Fahne" es tun. Ist e» auch Wahnsinn, so ist e» doch Moskauer Parole, die die Moskaupresse zu propagieren Hot. Zum Kreispruch Husmanns. Lehren und Schlüsse. Husrnrnm ist freigesprochen! Ein anderes Ergebnis war kaum zu erwarten. Ist er unschuldig, so wird er sich nur schwer von dem Unrecht erholen, daß an ihm geschehen: Unrecht in der Derdächti- gung, die vom ersten Augenblick an gegen ihn auegesprochen wurde, Unrecht in der Vernehmung der Kriminalpolizei, Unrecht in der Vor- Untersuchung, Unrecht in der Anklageerhebung, der Eröffnung de» hauptoersahren», in dein unzureichenden Freispruch. Wird er do zum Menschenverächter— wer wollte ihm daraus»inen Bor- wurf machen? Dann entsteht aber dl» Frage: Durch wessen Schuld ist hu, mann Opfer der Zustizmafchiae geworden? Bloß durch«in« unselig« Verkettung von Umständen oder durch menschliche Unvollkommcnheit, die unter normalen Bedingungen, durch Organisation wettzumachen gewesen wäre? Es wäre zu unter. suchen, in welchem Maße die Kriminalpolizei oersagt hat, daß das der Fall war. unterlicgt ja keinem Zweisek. Mag sein, daß dies« Unfähigkeit Husmann, Glück gewesen ist, weil sonst von vornherein Spuren sestgestellt worden wären, die sein« vollkommen» lieber- sührung möglich gemacht hätten. War aber.diese Unsähigleit Hu»- Manns Unglück, so war st« für dt« O«ss«nUicht»it«in doppeUee. Ein« ,-mal,.weil sie ein« Zeitlang die Oefientlichkeit glauben ließ, daß Husmann der Täter sei. zum anderen Mal, well die Kriminalpolizei, geblendet durch dl« Husmannsch« Spur, sich vielleicht ander« richtig« entgehen ließ. Mehr Wort« über die Gladbeck«? Kriminolpollz«i zu yerlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Da» preußisch« Innen« Ministerium, da» tm Augenblick um die Reorganisation und Au»« bildung der Kriminalpolizei bemüht ist, wird im Essener Prozeß reiches Material finden. Da« Problem der Dchaffung von Landes. kriminalpolizeien, die große Gebiete umfassen, erhält durch den Hu». mann-Proz«ß eine weiter« Förderung. Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer die Behauptung auf» gestellt, daß der Husmann-Prozeß nur eine individuell« Angelegen. beit der unglücklichen Veranlagung de» Angetlagten sei, für die die Allgcmeinheil nicht» könne. Nicht» gefährlicher und falscher al» dieser Standpunkt. Verbrechen sind?llarmstgnal« und wehe der Gesell. jchast, die ihrer nicht achtet. Da» verbrechen ist nie bloß Ausfluß einer bestimmten konstitutionellen Veranlagung: Im Hintergrund« steht die soziale Umwelt. Erst da» Zusammentreffen ihrer Ein- Wirkungen aus die Anlage gebiert die gemeingefährliche Tat. D I e soziale Umwelt in diesem Fall« zu verschleiern, war man im Prozeß Husmann eifrig bemüht: auf sie sollte nichts fallen. Wie in der Kcheller.Krang.Tragödi«, so spielte auch in der Hu»- monn-Daube-Trngödie der Alkohol vielleicht eine entscheidende Rolle. Man verwehrt den jungen Leuten den normalen Verkehr mit dem anderen Geschlecht, man legt den größten Wert darauf, daß sie„rein" blieben, man findet ee aber in bester Ordnung, daß sie durch Altoholsxzesse die Sexualsphäre In gefährliche Schwingungen bringen. Die Klasse kneipt in Gegenwart de» Direktors tagelang während einer Fahrt, Kneipabende sind von der Schule und vom Laufe geduldete Veranstaltungen. Kneipereien, Skatspielen, Zoten- reißen— das mar es, das zu einem großen Teile die geistige Physiognomie der sungen Leute ausmacht«. Und da« soll kein Köpenicker Straße unter Wasser. Zahlreiche Keller überflutet.— Häuserblocks ohne Waffer.— U-Bahnarbeitev eingestellt. Durch einen Wasserrohrbruch von gewalligen Ausmaßen wurden in der vergangenen Dacht in der Köpenick»? Straße sowie in mehreren Nebenstraßen schwer« Verheerungen angerichtet. Die Feuerwehr und die städtischen Wasserwerke waren die ganze Docht hindurch bis gegen 7 Uhr morgen» damit beschäftigt, den Wassermassen Abzug zu verschassen und ein« große Zahl ocn Kellerwohnungen und Kellern, in dl« da» Wasser eingedrungen war. leerzupompen. Ein Wasserrohrbruch, der von solchen katastrophalen Folgen begleite« war. ist. wie dl« zuständigen Stellen sagen, in Berlin in den letzten Zahlen nicht zu verzeichnen gewesen. Wenige Minuten vor 1 Uhr stürzt» tn der vergongenen Nacht plötzlich der Bürgersteig vor dem Hause Köpenicker Straß« IIS in einer Läng» von etwa acht bi« zehn Metern ein und gleich daraus schoß«in« stark« Wass«rsontäne an die Ober- fläche. In wenigen Minuten war die Köpenicker Straße von der Michaelkirchstraße bzw. bis zum Nordrand d«s Michae'kirchplatzes und nach der anderen Seite bis zur Brücken- und Neanderstroßc völlig überflutet. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert und rückte unter Leitung de» Baurates Maeder mit drei Löschzügen, mehreren Spezialfahrzeugen und zwei Diaphragma-Saugpumpen an. Die Wehr war vor eine sehr schwierig« Ausgabe ge- stellt. Der Bürgersteig war aus viele Meter eingestürzt, die schweren Granitplatten waren In dem Wasserstrudel verschwunden und man tonnte zunächst dt« Sicherheitsschieber nicht aussind«», um durch Einschaltungen ein weiteres Ausstromen des Wasser» zu v«r- hindern. Inzwischen kamen von Bewohnern der von der Wasserflut überschwemmten Straße die ersten Hilferufe. Di« Wasser- mengen hatten die Bürgersteige überschwemmt und große Sturzbäch« ergossen ist in die Keller. Mehrere Kellerwohnungen muhten sofort geräumt werden. Unermüdlich waren mehrere Saugpumpen In Tätigkeit, um die überschwemmten Keller lerrzupumpen. Besonders stark wurde dl« Baugrub« der U-Bahn an der Ncandcr- und Brückenftrahe in Mit- leidenschaft gezogen. Ungeheure Wossermengcn hatten sich in t«u Schacht ergossen, der av einigen Stellen einzustürzen drohte. Die Arbeiten mußten deshalb an dieser Stell« bi» auf weitere» eingestellt werden.. GcAen 2 Uhr rückte eine Arbeiterkolonne der städtischen Wasserwerk« an. Das Hauptwosserrohr kann!« nun abgesperrt und ein weiteres Ausströmen der Wasser- Massen verhindert werden. Die Bruchstelle zieht sich quer über das Rohr hin und ist fast«inen halben Meter breit. In der Nacht nmßle ein großes Schupoausgebot eingesetzt werden, lim- fangreiche Zlbsperrungcn wurden vorgenommen. Die Köpenick« Straß« war zum Teil noch heute vormittag geiperrt. Durch den Borsall sind mehrere Häuserblrcks ohne Wasser— Die Ursachc'des Bruches tonnte noch nicht geklärt werden, man»er- mutet aber, daß er durch die U-Bahnarbeiten verursacht wurde. Problem sein, daß der Allgemeinheit nahegehen dürft«? Der Hus- mann-Prozeß hat noch eine ander« Frage im höchsten Grade aktuell gemacht: dos Problem der Sachverständigengutachten in kriminal-psychologifch verwickelten Prozessen. Ein Glück, daß die Sadisten in diesem Falle nicht ausgereicht haben, um den Angeklagten zu oerurteilen. Wenn sie aber ausreichend gewesen wären, dann wären aber gegen die Sachverständigen die schwersten Vorwürfe laut geworden. Sie haben ein Gutachten erstattet nicht nach ein- gehender Durchforschung de» Angeklagten, nicht auf Grund von Tat- fachen, die von Zeugen in der Gerichtsverhandlung zusammengebracht wurden. Die Frag» der Alkoholioleranz de» jungen Menschen ist überhaupt nitch geprüft worden. Die ander« Frage, ob in diesem Falle doch nicht ein krankhafter Zustand vorgelegen hat. fall, er. die Tat begangen haben sollt«. Es wird zu prüfen sein, ob in ähnlichen Prozessen nicht Gutachten medizinischer amtlicher Behörden einzufordern seien. E» Ist nicht zum ersten Male, daß in hervorragenden Kriminalprozessen. die außerhalb der Hauptstädte stattsinden— man denke an den Angerstein-Prozeß— die Sachverständigengutachten tn keiner Weis« befriedigen. Da» Gericht im Husmann.Prozeß hat da« einzig möglich« Urteil gefällt.(Es ist zu einem non liquet gekommen, d. h. es hat, da Zweifel vorlagen, zugunsten de» Angeklagten entschieden, nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war«in anderes Urteil nicht möglich. Leo Roeenthai. Die ganze Geschichte ist, rnori wird es uns zugeben müssen, ein � wenlg verzwickt. Sic erinnert an die Anekdote von der Schlanr«. I die sich in dsn eigenen Schwanz beißt. Oder on das jüdische Osler- � lied von dem Lämmchen, in dem man sich gegenseitig tot schlägt ; oder auffrißt, bi» zuletzt der liebe Gott kommt und Gericht über Schuldig« und Unschuldige hält. Wir fürchten, baß auch für die Kommunistisch« Partei Deutschland« der lieb« Gvti aus Moskau nicht mehr weit tst. kein (er brci er i bcz der red M de- st' sii, ID To V A, a i Ai Kinanzminister Henrich gestorben. Ein aufrechter Demokrat. Tageschronik. Gne verzwickte Geschichte. vi,.Rote Fahne' bringt heut» endlich, was sie schon längst hätte tun müssen, ein« Abhandlung über di».richtige" Anwardung der Beschlllss« des ,6. Weltkongresses der Komintern". E»»rzlbt sich daraus, fv erfahren wir,.«in klarer, entschlossen«?, bolschewistischer Kur»'. Dies«? klar« Kur» sieht ab«? so au»: Di« wichtigst» Aufgab» ist d«? Kampf gegen di« Kriegs- gefahr: b« v o r aber di« Lösung dies«? Aufgab« in Angriff genommen werden kann, muh die verschärfte Bekämpfung der Goziatdsmo- krati« durchgeführt werden: bevor an di««rfchärst« Bekämpfung der Sozialdemokratie herangegangen werden kann, müssen di« Mass«»«rob«rt werden: bevor di« Massen erobert werden können, ist der f ü h- r«nd« Einfluß in den Wirtschaftstämpfen zu er- ringen: bevor dieser führend« Einfluß errungen werden kann, müssen neu« Methoden der Einheitsfronttaktik angewendet werden: bevor di« neuen Methoden der Einheitsfronttaktik ange- wendet werden können, ist di« rücksichtslos« Zerfchla« gung de« rechten Liquidatorentum» vorzunehmen: bevor das recht« Liquidatorentum zerschlagen werden kann, ist d«r systematische Kampf gegen di« Versöhnler zu deginnen. .Dos ist di« Kominternlim«, di« es zu verteidigen und zu verwirklichen gilt." Die Rückfahrt des Zeppelin. Dem gork, 31. Oktober. Die Blätter heben dir Schnelltgkiit hervor, die der„Graf Zeppelin" bei seiner Rückfahrt entwickelte, und betonen, daß dl« Fahrt des Luftschiffes in anbetracht der zu- nächst wenig günstigen Wetterlage«ine er- staunliche Leistung s«i. Dem blinden passagler Clarenc« Terhune wird welker ein bckrächllicher Raum in der presse gewidmet. Man Ist allge- mein der Ansicht, daß er sich durch feinen Streich eine schön« Zukunft geschaffen Hab«. Die Marinefnnkstotionen haben gestern nachmittag den Kontakt mit dem custschlss verloren. Die Dachrichten über den verlaus der Fahrt treffen jetzt aus Europa ein. Darmstadl. Sl. Oktober.(Eigenbericht) Der früher» hessische Finanzminster Dr. Eonrad Henrich sst gestern noch längerem Krankenlager im 63. Lebensjahr gestorben. Er war mehrere Jahrzehnte der Führer der sreisinnigen Bewegung in Hessen. Im Jahre llUS trat er der Demokratischen Partei bei. Seit lült gehörte er dem Hessischen Landtag an. ltiiv wurde er in di« Nationalversammlung gewählt. Im Jahr» lülg haue er al» einer der ersten sich den Arbeiter- und Saldatenröien zur Aer- fügung gestellt und da» Finanzministerium übernommen. Er stand während der Zeit seiner Ministerschaft im Mittelpunkt der palitisÄin Kämpf« in Hessen. Bei der legten Landtagswahl 192? lehnte er au» Gesundheitsrücksichten»in« Wiederwahl ab und trat mit dsN übrigen Mitgliedern det Kabinstt» Ulrich von seinem Minister' Posten zurück. � � Berlin kaust Rittergui Schönelche. Da» Dochrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Der Magistrat stimmte in feiner heutigen Sitzung dem Ankauf de» Rittergute» Schönetch«(Kreis Diederbarnim) zur(EnociUv rung der Rieselfelder Tasdorf und Münchehof« zu. Parteikassierer a. O. König. »Klassenkampf" eines kommunistischen Unternehmers. Artur König, ehemals R«ich»tassier»r der KPD., wrgcn zweckwidrigen Umgang» mit Parteigeldern vorübergehend abgcsäg:. betreibt setzt«in umjongrelche» Inserate ngeschäjt für kam- munlstisch« Zeitungen. Dazu brauch« er Aqutsiteur«. Denen gegen- über vertritt er rücksichtslos und egoistisch sein« tapitalistischen Änier- essen. König wird deshalb öfter» von Aquifitsuren, di« sich durch ihn geschädigt fühlen, beim Arbeitsgericht verklagt. Auch jetzt war das wieder der Fall.« König hatte mit einem Aquisiteur E.«inen Anstellung-- oertrog abgeschlossen, wonach E. a l» alleiniger Vertreter in Hamburg Aufträge für eine Jnseratenbciloge kom- munistischer Zeitungen sammeln sollt». Aber König sühlte sich a» den Bertrag so wenig gebunden, daß er noch«inen zweiten Aquisiteur in Hamburg arbeiten ließ. E., der sich durch dies« Per- tragsoerlegung schwer geschädigt suhlte, stellt« König, dcr daraus sann, wie er von dem Vertrage mit E. loskommen könnt«, zur Red,:. Es gab«ine Auseinandersetzung, di« nicht in parlamentarischen Formen geführt wurde. Al» König erklärte, er habe mit E. nichcs mehr zu tun, entgegnet« dieser: Ich kenne dich ja von früher her und die ganz« KPD. kennt dich wegen deiner llnregclmäß.g- leiten und Schiebungen. Dabei klopft« E. den König auf die S ch u l t er. König oerbat sich diese Berührung. Darauf bemtrtte E.:„Ganz recht, König, wer dich ansaßt, der beschmutzt sich." Nun reckte sich König empor. Jeder Zoll«in kapitalistischer Unternehmer. Sein Ange st eilte? hatte ihn beleidigt und dadurch Grund zur sri st losen Entlassung, also zur Auslösung de» Anstcllungsvertrages gegeben. Um das auch Hand- greisiich darzutun, warf König die Altenmappe de» E. zur Tür hinaus und fordert« diesen auf, der Tasche schleunigst zu solgrn. Nun stürzle sich E. auf König, packte ihn. und der.Klassenkampf" zwischen dem kommunistischen Kapitalisten und seinem Angestell.cn wurde beiderseits mit Fäusten ausgefochlen. Jetzr aber traten andere Angestellt« Königs, di« sich gerade im Bureau befanden, tn„Ein- heitssront" mit ihrem„Arbeitgeber". Sie mischten sich zwischen die Kämpfenden und drängten Ihren Kollegen zur Tür hinaus. Sein Hut wurde ihm nachgeworfen. Di« Episode de»„Klasienkompfes" endete also mit dem Siege des kommunistischen Kapitalisten. Dar den Schranken des Arbeitsgericht, sahen sich di« beiden Gegner wieder. E. forderte 176S M. Schadenersatz wegen des durch König gebrochenen Arbeitsvertrages. In stundenlangen, zähen und erbitterten Rede- kämpfen verfocklen der Vertreter des Klägers und der des Be- tlaglln die Jniercssen ihrer Mandanten. Unter anderem betonte der Bertreter de« Klägers, solche Uebervortellungen der Angestellten, wie sie König ausübe, seien in kommunistischen Zeitungsbetrieben«ine all- tägliche Erscheinung. In keinem bürgerlichen und i» fetnem fofllaflwmofrotifäen Zettungsverlage fomme dergl«Ichen vor.' In h«ftig«r(Erregung rief der Kläger E. aus. diese Burschen (er meint« König und seinen Anhangs feien.ftalunken und Ber- brccher. er wünsche, daß sie ihn mcgen Beleidigung verklagen, damit er das vor Gericht beweisen könne. Der Richter bemühte sich, eine Einigung herbei., usiihre». Er bezeichnete einen Vergleich aus lGOO M. für angemessen. Das lehnte der Vertreter Königs entschieden ad. Nach langem Hin» und cher- reden stimmte der Kläger schließlich einem Vergleich ans 150 Mark zu. damit er von Giesen Burschen' loskomm«. Todesstrafe abgelehnt. Aber nur vorläufig. Zu der heutigen Sihung de» Strafrechtsausschusses des Reichstags wurde in einer vorläufigen Abstimmung die Todesstrafe abgelehnt. Zur die Abschaffung der Todesstrafe stimmten die Sozialdemokraten, Kommunisten, Zrau Lüders ivem.) und Dr. Kahl(D. vp.s. Die Gegner der Abschaffung der Todesstrafe enthielten sich aus geschäflsordnungsmähigen Grändeu der Abstimmung, v o r der Abstimmung halle der Vorsitzende des Ausschustes, Dr. Kahl, erklärt, daß er uur unter der Vor. o u» s e tz u n g für die Abschajsung der Todesstrafe stimme, daß die Annahme seines Antrages zur Sicherungsverwahrung an- genommen werde. Kabmeiisfchlachi um die Kirchengüter. Herriot droht seine Kollegen öffentlich anzugreifen. Pari». ZI. Oktober.(Eigenbericht.) In der gestrigen Sitzung des Kabinetts sind schwer« Mdnungs- Verschiedenheiten ausgebrochen, die unter Umständen zu einer R«- rierungsfrisc fuhren können. Unter dem Eindruck der blutigen Zwischenfälle in Pvns und angesichts des bevorstehenden Partei. Hinter den Kulissen der Puppenspiele Die Puppenspiele des Bolkebühnenverband«». die wir zuerst auf der Deutschen Theaterausstellung in Magdeburg sahen. geben jetzt in Berlin eine Reihe von Borstellungen, nachdem sie innerhalb eines Jahres Deutschland durchzogen und über 200 Bar- stellungen herausgebracht haben. Das Ist eine sehr große Anzahl. Wir lasten uns dem Leiter dieser Puppenspiele vorstellen, Robert Adolf Stemmle, einem Studenten de» cheoterwisscnschaftlichen Instituts. Ja. wir dürfen ruhig einer Vorstellung hinter dem Vor- hang im Theater zuschauen und zuhören Aber Im Wege dürsen wir nicht sein. Der Zeichner beginnt zu Ikiz.zteren, und ich schaue mich um. Das Handpuppeniheater, das größte, das es wohl gibt, ist acht U nsere Erzählung„Giganten der Land* ttraßo" geht am Sonnabend zu Ende. Ah nächstes größeres Romanroerk kommt im„Abend" eine der besten Arbeiten des bekannten eng- lisdien Dichter» Edgar IV a II ace zur V er- öffenilichung. Vorher bringen mir nodi zroei kleinere Arbeiten. Zuerst, am kommenden Montag beginnend, die außerordenihdi interessante Sdiilderung der Erlebnisse des deutschen Arbeiters Franz F a k o s c h in S o m j e t r u ß l n n d. E» folgt dann eine sehr aktuelle Sooelle nort Albert Ii a gi n» k y: ,D er Fliege r." tage» der radikalen Partei, Hot H e r r I o t einen neuen Vorstoß gegen die Artikel 70 und 71 im ssinanzgesetz unternommen, die die Rückgabe der beschlagnahmten Kirchengüter und die Zulassung der religiösen Orden noch Frankreich verlangen. Di« Diskusston soll sofort in einem außerordentlich scharfen persönlichen Streit ausgeartet sein. Herrlot habe gedroht, nicht nur auf dem Parteitag, sindern auch in der Kammer offiziell gegen die Regierung auszutreten. Seiner Ansicht hatte sich der Kolonialminister Petrier, der Acherbauminister Ä u e u s l I e und der Krieg». minister P a i U l« v t angeschlosten. Di« Diskussion hat»« endlich nach stundenlanger Dauer abgebrochen werken mästen. Ei« »erb« heut«. iktaiitmortliiJl fllt Sie Sebaftien: I»e»n Vka druck»»»» ynb SulusMnftalt Paul Sin«»& 5»..$*XlU BS M. eutbenftcall» „Zungborn der Menschheit." Revue der Ladesitten. Wenn das Zeigen der weiblichen Filmstars ln der Badewanne | die hygienischen Bedürfnisse der Mast« befriedigen würde, dann vir. diente der deutsch« Spielfilm mehrer« golden« Medaillen. Doch die Spielfilmdemonstrotlonen tn der Badewanne sind nur etwa« für'« Auge, st« haben nicht» mit Belehrung zu tun. darum nimmt sich jetzt der Kulturfilm der Badeszenen an. Als Einleitung bringt er, freilich ohne Badewanne, das Märchen vom Iungborn. Sodann folgt etne kulturhistorische Schau von Bodesttten und Ladedräuchen der ver» schiedensten Zeitalter und Völker. Wlr werden darüber belehrt, daß zur selben Zelt, wo dt« reiche Römerin einen Teil ihre» mit Schön- keitopflegc ausgefüllten Tages in den prunkvollsten Bädern zu- brachte, der Germane noch Im aiirgehohlten Baumstamm badete. Wir sehen das Bad verbunden mit religiösen Bräuchen, wie z. 58. am Ganges, wir sehen, wie aus reinem Naturtrieb heraus Menschen und Tiere da» erfrischend« Naß aussuchen, und wir gewahren, daß die Badesttte mit zur richtigen Einschätzung der Kulturstuf««Ines Volkes beiträgt., Dr. Ulrich K a q s e r hatte diesen Film in Regie. Cr formt viel« hochinterestante Bilder, namentlich au» dem badefreudigen Mittel- aller, doch mischt er wirklich Wertvolles mit manch« Untermittet- Mäßigkeit. Er zeigt Behelfsartikel für den kleinen Mann, weil er nicht den Mut hat. auch für den kleinen Mann da« Bad im Haus« zu fördern. Ein» arge Entgleisung Ist aber da« Bild der arbeitenden Frau von heut«, die mit meterlangen Perlenschnüren behängt und kostboren Gummibadctieren als Spielzeug, ln die Wanne steigt. Das Ist der Typ des Luxustierchens, jedoch nicht der einer berufstätigen Frau.__«. b. „Razzia." Titania-palast. Der Kampf zwischen Verbrechertum und Krimtnalpokizei ist hier mit allen Schrecken und Spannung« schaudern de» auf Tempo gestellten Kolportogeroman» ausgewalzt. Der Verbrecher ist als ein wildes Tier gskennzelchnet, das es zu erlegen gilt. Das besorgt die Tochter des vornehmen Hauses, die Ihren unschuldig zum Tode verurteilten Bruder um jeden Preis retten will und zu dem Zweck ein« Halbweltdame spielt. Sie bringt so auch— natürlich unter Wahrung ihrer Reinheil—, unter Assistenz des in sie verliebten Polizeileutnants, der die ZZerbrecherband« bespitzelt, den wirklichen Mörder zum Geständnis und Zu Fall. Im letzten Augenblick wird der unschuldige Bruder, der schon den Weg zum elektrischen Stuhl antritt, gerettet. Die Geschichte ist von der haarsträubendsten lln- wahrscheinlichkeil, psychologisch unmöglich und gewinnt Reiz Nur durch di« Spannungsgesuhi« und die knalligen Ejjekte der Schlacht Zwischen Polizei unh Verbrechern. Myrna Loy ist das Mädchen öus bestem Haus», die gleichzeitig die kesse Halbweltlenn spielt. Reichhaltig und gut Ist da» übrige Programm: ein Kulturfilm (lpapiersabrikatiön),«in« mit ollen Tollheiten gejpickte Groteske „Der Farm lehr ling'; ausgiebiger akrobatrfeher tanz des Paares E r n e st und P v o n n e und virtuoser Lautcnvortrag von K i« ß l i ch._ r. Die Komödie des Hochkapiiatismus. Im Erfurter Stadttheater gelangte Herbert Beckers Komödie der Zivilisation„Regeneration' zur Uraufführung. Becker zeigt die Menschheit Im Jahre 1930. Der Kapitalismus treibt sein wüstes Spiel. Nur noch Geld regiert die West. Alles führt den Tanz ums goldne Kalb auf. Dl« Technik hat die groß!- möglichen Fortschrit!« gemacht. Wo» kann die Menschheit retten» Regeneration, Rückkehr zum Tier. Professor Ivanafs in Buchara hat»inen neuen Edelmenschen gezüchtet. Asfenblut soll der Mensch- hell neue Kraft geben. Da» neue Wefen Tapp wird von allen Menschen ferngehalten und von seinem Erfinder erzogen. Aber ln Taop meldet sich die Sehnsucht nach den Menschen. Er will nicht mehr Mechanismus sein: er will etwas von der Welt sehen. Hirn. «in raffinierter amerikanischer Agent, stiehlt Tapp und bringt ihn »ach Amerika. Dort will er ihn an Iris verkaufen. Iris,«in« reiche Amerikanerin, ist ihre» bisherigen Lebens überdrüssig. Sie sucht da» Erlebnis der Eva. da sie erotisch ühersättlgt Ist. Wer ist für diesen Zweck geeigneter als Tapp, der noch nicht« von der Differenzierung der Geschlechter weiß? Er wild mit Iris zusammengebracht. Aber sein Tierblut macht sich bemerkbar, und im Liebes- rausch durchbeißt er Irl» die Kehle. Selbstmord rettet ihn vor der Tötung durch die Mass«.„Der letzte Funke Menschheitszukunft Ist verloschsn'. Herbert Becker, der Gedankenwelt des Sozialismus nahestehend. hat hier das Thema.Kommunismus oder Untergang tn der Bat- barei' auf grotesk« Art gestattet und dabei sein Zeitalter verhöhnt. Sicherlich«ine brillant« Idee, die nur teilweis« durch die noch in expressionistischer Manier verzerrt« Sprach« de» Stück«» beein- trächtigt wird. In Erfurt spielle man unter Karl Löwenbergs Regie ausgezeichnet und hatte das Bühnenbild noch durch Filmbilder belebt. Der jung« Autor wurde lebhalt gefeiert� Woltgsng Benning. Roch eine»»vogt.Ai» stell lwa Prpiisfckr Job. bleich macht den in ieinrm Haust Budapeber Str. 8i«23 von Max Slevont anSrieinallen Ga len- vavillou den Vrrllrrr Runnfteunbrn zugänglich und zwar vom l. bi« 3. Ro». von 11 bis 15 Uhr. vie Le'ucher der haller-Revne werden am TonnerStag für einen neuen Film gefilmt. »anfick-ronit. DI»«unftlammer«aiiervagel. ikelvziger Str. 28, et* Öflnei beut««in««uSstellung von Gemälden und Zeichnungen von Anton von GtaeUß \ mit Mlchatl Bohnen. Eegie: Cht roh Soontai; SU.: Hochmlltage-Vorotall s-hnlb. Prein.(nn.�rkOritteVornTell.) I iHemlsdicOper«''! 1 9ames>Kletn>f)cvuc:| Tausend — fWKkie Frauenil Die preSo Revue der| „Freien liebe" Pirkatt nur 4y50 Mlu TÄg«. 8 Uhr Heute zum letzten Male das he-l geistert autgenommene Ok| tober-Prosramm. Morgen Premiere: Original tngliachesl Terrler-Rennenl 4 Runawaysl Amerikas beliebtestel Ezzentriks. Nemdilnowa n. Dolln) mit 9 Halle' Inen und weitere Variete-NenhcUcn.l Raachen?e«tat?e» Neat Neat Stöpsel IMMWIMM h r»gttch#>/, Ahr mttmh Musik von Kranz Lehar Kölke Sorsch Mar» Zauber HUdr Womrr» Vespermann Arnftaedt» Diegelmaan Dorn Rex Limburg» Natser-Ti t Die Nasse ist den ganzen Zag geSfwet. Telephon- Zentrum 378 u. 9393 | 8 Uhr BS Barbarossa 9256 j Meule lefater'Cag| Das sensationelle | OktoberaProgramtn I GroBes Schauspielhaus 8 I CASANOVA Theater a. KottbusserTor Kottbusser Str. 6 Tel.: Moritzpl. 16077 TB glich 8 Uhr, auch Sonntags nachm. 3 Uhr(ertnäß Preise) Elite-SSnqer mit Volkspreise I 00 b. 3 00 M.. l ogen 3,5t. RenaissanceaTheater 8'. Heule»>', Tim in des Töpfers inil von Theodore Dreiser.— Deutsch von Paul E�er. Regie; Gust. Härtung. (.astspieHiaur Täglich SV, l ht Arm wie eine Kirdienmaus f. ThellmanJ. �.ifmanp. i. Mat'nfl Perisrt1 Klein» loeaier Täglich 8V, Uhr Mai Adalben Der Dickkopf sandrock, Landa, Stcrler. Sikla. MllEK-REIDT ..SdiOn and sdUdt" h. n imnlrslspilast Täglich 8V, Uhr. fhalia-Theater >resdcner Str. 73-). s Uhr SehneiderWibbels tafersiehonq IltidiiK. Cmdfninski. Berliner lllk-TriO Maukölin. RR Ubnstr.TUni Groe-Desfliialion Paul Gruhl" RitterstraBe 126 Im Hl VolKsbQline fhüt« aBtülotpläti 8 Uhr Der lebende Leichnain Tbutu im Sduifkinirtsmm 8 Uhr Die Drei-Onsdiin- Oper IDalia-Ilieater 8 Uhr Sdiwider Wibbels ÜDfeisteliong Staat). Idsiller-Ib. t I hr GAS Tk. ib SdnfftaoeriJfflB Täglich 8 Uhr� W Paulsen, Valetb, Ander. Gerron.■ Schaufuß. Kühl. Lenja. •'JOkoo: HirSa 11(1 1.AI Dentidi» Theater Norden 12310 Vorverkauf auch im Pavillon d ReinhardtbUhnen. Ku'iürstendamm. Ecke Uhlandstraße Bismarck 448 u 449. SUhr.Endegegen II DleVerbreflter Schauspiel von FcrdinandBruckner Kammerspiele Norden 13310 3", U. Ende nach 10 „Eben fsrien in Hinnel geschlossen 1" Komödie vonWalter Hasenclever Die Komödie Bismarck 3414/7516 8 V, Ende 11 V, Uhr Eltern und Kindar Komödie von Bernard Shaw Theater des Westens iVLosfcauer j&d* akad. Theater IbMdsMtslIiingl Sv, Uhr KrBieiitZtti S«m altta Harkt Fre tag 7 Uhr Revue.Pi emlere: JosephiDE Bäk» „litte einstelgen" s%unrCASlNO THEATER 8-. uh. Lothria�er Straße 37« luu un erslkltsiiger bunter Teil. FurunsereLeser uutschein tür i— t Hers. Fauieui nur l.is M., Sessel 1A5 M. Sonstige Preise Parkett u. Rang OJIO M Ol in der Utzevstr. Kurf. 9309. Tgl. 8' Sonnt. 4 U. Donnstg., 35. Vor ig. L H. Lommei in: Rnnxendori ur feile OJ' Rundiunkhorer P'eise Maicnsnaiian«iheaicv toends nTT Sonnt, nchm.l d| SicUlner sanier Zorn 76. Male: „Traumbilder*1?. Hessel Dazu das andere wundet- tj volle Oktober-Programm tidifi.lulHPme Ullis Pragr. An»tn? i> u ir h o<• ö r e 1 1',. Varicft, Tanz, Stimmun?! ihrS nfi'aw» S1- Uhr Theater am Mollendorfplatz Täglich 8V. Uhr Sdiwarzwald- mädel Operette in 3 Akten Mittwoch 4 Uhr Kindervorstellung Das neugierige Sternlein Burowikj-Bähntn rn.Khnlggräli. St. SV, Uhr, Ende 10' Letzte AuKGhrg.: öEf ntE liBDEral, Freitag, 2. Nov. Zum 1 Male: Der Franemrzl Schauspiel von Hans|. Rehfisch Stg. ridnn.BV'.llbr Kleine Preise Oer rete General li oixi � ü nen n a u* Tgl. 8 ,. Ende 10V PBriEDkODlÖlliE von Bruno Frank Stg nachm S'vL. kleine Preise MelnVaferhai Recht gehabt R: ow-Thaatar ji�riittirar il.tS! 8'', Uhr: D.Versdirniiei Trianon-Th. Täglich«>. Uhr Skandal umOlly Erika Glassner. Heinz Saliner Rundfunk höre i tialUc Preise isItfDSunrJatain Oft. Künstlcr-Th. 8 Uhr Ole Herzodin von CHlcofo Jxr. im temia Kilsw cessIng-Tneaicr 8V, Uhr Alb. Bassermanr. Luclr Mannheim „Herr lamberthier" Drama von Louis Verncuil. Thealer In der Stadl Kcniuitulasti.$) Oönh.919. SV, Uhr Debtr 500 Mal: Spiel im Schloß (mIMi im Fräst tUlnir. regle Eugen Rober (im fittrliUT.(ttkir fctirNv. LitM. Zmt-.iUtt Tkim. Mit flaDrtanüB an Zu« 'tr.lM. Judiiailtille Sinti Noll. 1578 16 Uhr 3er Sternhimmel im Herbst 18 Uhr -rit und Weltenraoni 2u Uhr w Eiafluß t Gestirne Volksglaube uno kVi<:cg»n4;rhaft Slttmenspenäeu ' ebet Ar U li' gr>» w, l'nnl(Jollctz. ooera. ran-.«,»> Marlannenstraß« lidt Slmtnpnfttafef Am' itlertnpl. 10803 M OBEL-FABRIK A S s RIESENAUSWAHL Ig kosnpf.Speisa*, Schfaf- ilmmern.Kilctisn�inxeiiRÖbaln Verkauf nur Im Fabrikgebäude, kein Laden Facltmänn. Beraiung Zablungscrlelchtcrung: 'B«I»UH. BBUHWeWSTR. 35 Wittenburgs BUrgersäle Neukölln, Bergstr. 147 I Bürgerlicher Mittagstüch I zo dU.lden Preisen| G-F 23 GntgeoOsgte Blere and Weine| Moderne Kegelbahnen Großer schattiger Garten Hocbzeiissd e and Vereinszimmer I GENOSSENSCHAFT BERLIN U.UMGEGEND E.G.M.B.H. Ausnahmetag tür GEG- Wurstwaren Donnerstag, den 1. 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Wenn man in den Jahren 1917 und 1918 durch die Vorstädte fid die entfernleren Bezirke Wiens ging, so tonnte man dort, wie I�-ch in anderen Städten Oesterreichs, die Bevölkerung in endlosen Zeihen anstehen sehen, um vielleicht eine Handvoll Mehl, ein Stück iW oder in der Woche einmal ein paar Gramm Fleisch zu erhalten. pchrte man dann in die innere Stadt zurück und berührte den Platz Der der Hofburg, so genoß man den Eindruck tiefsten Friedens. ||urch die weitgeöffneten Fenster der Burgküch«, die freilich auf höhere Reifung hin gegen Ende des Kriege» geschlosten gehallen werden Mußten, sah man weißgekleidete Köche an großen Herden stehen, um „die Umgebungen der höchsten Herrschaften" auserlesene Speisen �'zurichten, und es liegt ein grimmiger Humor in der Tatsache, daß Sucher der ausgehungerten Vorübergehenden vor den Fenstern Wien blieb, auch als sie geschlossen waren, um wenigstens den �üchongeruch in sich ausnehmen zu können. In diese durch Hunger, Entbehrungen und zahllose Verluste �erreizte Zeit platzte am Sonntag, 27. Ottober, die Nachricht, daß Deutschland sich zum Angebot eines Waffenstillstandes und zur Ein- Wiking von Friedensverhandlungen gezwungen gesehen habe. Seit öligem war die Stimmung gegen Deutschland erbittert, dem man '»rwarf, jede Friedensmöglichkeit zu verhindern; sie wurde es noch "'ehr, als bekannt geworden war, daß sich deutsche Truppen in keines- �egs friedlicher Absicht auf österreichischem Boden aufhielten,„um e Oesterreicher bei der Stange zu halten, die sonst krumm geschlagen bürden", wie sich«in höherer deutscher Offizier in einem Wiener sthause kameradschaftlich äußerte. Nun war alles zu Ende. An jenem Sonntag glich Wien einem fgescheuchten Ameisenhaufen. Für die Walzermelodien, die der «hn von Johann Strauß im Stadtpark geigte, hatte man kein Ohr ehr, es lag in der Luft und war mit Händen zu greifen, daß jetzt Abrechnung mit allen denen folgen werde, die das Volt ins glück gestürzt hatten. Der Anstifter all dieses Elends war freilich längst über alle rge. Noch im Sommer konnte man das widerlich abstoßende stokratengesicht des Grafen B e r ch t o l d, der das Verhängnis- e Ultimatum nach Belgrad gesandt hatte, im Ministerium des ßeren auftauchen sehen, jetzt aber saß er vor jeder Vergeltung er auf seinen Gütern in Böhmen, bis ihn von dort die Revolution Scheuchte und ihn fein Gewissen durch zahlreiche Länder Europas eb. Nun fand es auch Kaiser Karl an der Zeit, zu seinen„treuen tienern" zurückzukehren, ober über das, was in diesen letzten Tagen £r habsburgischen �Koiserherrlichkeit in der Burg besprochen und be- ossen wurde, ging der souverän gewordene Will» des Voltes hin, und warf zu den Toten, was das Recht zu leben verwitkt hatte. der der Kaiser noch sein in letzter Stunde berufener Minister 'ras Andrasiy, sondern der Sozialistenführer Vittor Adler te über das Schicksal und die Zukunft Oesterreichs zu entscheiden. Geburtstaa des neuen Oesterreich. Der 31. Oktober 1918 ist der Tag, an dem dasneuevester» iich geschaffen wurde. Schon am Abend vorher hatten sich in Straßen der inneren Stadt, vor allem vor dem Ministerium «s Auswärtigen größere Menschenansammlungen gezeigt, die >�n vergebens zu beschwichtigen suchte. Die Enttäuschung war zu '°ß geworden; auf Versprechungen und Vertröstungen ließ man sich 't mehr ein. Am Morgen des 31. Oktober wurde das mächtige äude des Ministeriums, das sich bis zum Minoritenplatz aus- .hnie, bis unter das Doch mit Wachleuten besetzt(die «h bei Tabak und Kartenspiel dort behaglich einrichteten), als ob '"k die menschlichen Antiquitäten, die in diesem Gebäude Jahre und Hrzehnte hindurch verrostet und verkalkt waren, etwas zu be- Achten wäre— doch ließ sich nicht leugnen, daß eine schwere Kimmung über der Stadt lag, die der nebeldunkle Ottoberhimmel H mehr verdüsterte. Aber trotz der wachsenden Erbitterung hielt �3 Volt Ordnung und Zucht— auch die maflenhaft in die Stadt kämenden Soldaten, die mit der roten Kokarde ge- Jh m ü ck t waren und zum Zeichen ihrer Abneigung gegen den "Neg und die Fortsetzung der Menschenschlächtcrei ohne Waffen schienen. Alles schob und drängte zur Herrengasie, wo das öfter- fische Ständehaus sich befand und wo im Laufe des Nachmittags e Republik ausgerufen werden sollte. Die Tore der Hofburg waren fest verriegelt, aber auch sie trug *3 Zeichen der Revolution: die rote Fahne am Kaiser- �rral des Michaelerplatzes. Noch am Vormittag war dort der Mahnte Verkehr gewesen, aber ängstlich und unruhig stand die ■tydienerschaft beieinander und ein grauköpfiger Lakai meinte �dmervoll zu dem vorübergehenden Burgpfarrer:„Alles wäre gut �langen, wenn nur das Militär treu geblieben wäre!" Aber gerade § Militär war während dieses furchtbaren Krieges, der nach einem tVtc Wilhelms II. im Juli 1914 zu einer Ehrenfrage des öfter- hischen Heeres geworden war, zu viel gesündigt worden, als daß diesem System hätte treu bleiben können. Viktor Adler rust die Republik aus. , Und dann kam der entscheidende Moment, dem man mit spannen- kk Erwartung entgegensah. Ilm drei Uhr nachmittags öffneten sich 1 Flügeltüren des Balkons und, umgeben von den bekannten !%ern der österreichischen Sozialdemokratie, trat Viktor Adler 11 die Brüstung, um mit lauter Stimme das Haus Habsburg 'r abgesetzt zu erklären und die Republik Oesterreich "izurufen. Kein Kanonendonner, kein Glockengeläute begrüßt« die �ge Republik, aber der jubelnde Zuruf, der den Worten Adlers �te, kam aus dem Herzen eines Volkes, das in den furchtbaren kiegsjahren mehr getragen hatte, als ein Volt zu tragen vermochte. 'k Vorsichtsmaßregeln, die von ängstlichen Gemütern ergrissen stben waren, als würde nun, nach Verkündigung der Republik �ord und Brand durch die Gassen Wiens fegen, erwiese» sich als �rfiüsstg: es war überflüssig gewesen, die Läden zu schlietzen, die »ilieserantenschilder zu verhängen, die Kirchentüren zu verrammeln ' das Volk ließ sich nütits zuschulden kommen, nur gegen die liizicrc und die militärischen Vorgesetzten der niederen Grade ent- sich die allgemeine Wut. Wo sich ein solcher sehen lieh, riß man ihm, wenn er sie nicht freiwillig ablegte, die Kokarde von der Mütze und die Chargensterne vom Kragen— das alte österreichische Militär mit seiner überlebten Härte und seinen barbarischen Etrafan- drohungen verkörperte sich in den Vorgesetzten, und mit dem allen Oesterreich sollte auch die Zeit der Profoßen untergehen. Schweres hatte das österreichische Volk getragen, Schweres stand ihm noch bevor. Als am Abend des 3. November zahllose Extra- bläller den zwischen Oesterreich und Italien abgeschlossenen Waffen st ill st and verkündeten, ging es wie ein Ausatmen durch die Stadt und das ganze Land, bald aber kam die Nachricht, daß das gesamte österreichische Heer, das an der Südgrenze der jetzt verflossenen Monarchie, vor allem an dem Piave stand, i n i talienische Gefangenschaftabgesührt worden sei. In den Schwefelgruben Siziliens, in den vergifteten Malariagegenden Sardiniens, auf der„Toteninsel" Asinara liegen zu Hunderten und Tausenden die österreichischen Gefangenen verscharrt, die damals gegen den Wortlaut des Waffen st ill st an dsver- träges von den„siegreichen" Italienern bis in die entferntesten Winkel des Landes verschleppt wurden. Die wenigen aber, die zu entkommen gewußt hatten, überschritten unter unsäglichen Mühen zur Winterzeit die Alpen; einzeln und in versprengten Trupps, zer- fetzt und abgerisien, so hiellen sie chren Einzug in Wien: viel anders werden die Franzosen, die ein Jahrhundert vorher aus Rußland heimkehrten, wahrscheinlich auch nidst ausgesehen haben. H. Entsetzen— jüdische Pfarrer. Schreckensruf« durchhallen feit einiger Zell die deutschnationale und völkisch« Presi«, der evangelische Pfarrerberuf sei jüdisch verseucht. Nicht weniger als 599 Pfarrer jüdischer Rasse wurden in der„Deutschen Zeiwng" gemeldet, während der oerdinterte„Bartelsbund" sogar auf die Zahl von 699 kam. Die Panik zu beschwichtigen, hat sich nun ein Pfarrer Otto Fischer aus Neukölln aufgemacht. Er verkündet als Ergebnis seiner For- schungen im„Deutschen Herold", daß die Zahl von 599 bis 699 zu hoch gegriffen fei. Allerdings muß sich der völkische Pfarrer Fischer zu dieser Be- schwichtigung gar nicht völkisch anmutender Methoden bedienen! Frei nach Pontius PUatus fragt er: W a s i st jüdisch« Abkunft? Und erzähll, daß eigentlich durch die Judentaufen sell der Refor- mation mehr oder weniger in alle deutschen Familien jüdische» Blut gekommen sei.(Heiliger Dinier, wie soll man da noch von Langschädeln sprechen?)„Nur wird man dann»ich. mehr von jüdischer Abkunft reden können." so meint Herr Fischer, „wenn der Fall 159 oder 299 Jahre zurückliegt." (Wir wußten noch nicht, daß die Giftigkeit der Sem'tokokken in dieser Zeit nachläßt.) Herr Fischer will jedenfalls von jüdischer Ab- kunst nur dann sprechen, wenn sich unter den Eltern bzw Groß- eltern des Betreffenden eine Person rein jüdischer Herkunft be- findet.(Das Herr Fischer die Urgroßeltern aussckst eßt, ge- schicht wahrscheinlich mit Rücksicht auf General Ludendorss und seinen Urgroßvater Abraham Weyland.) Bei dieser Begrenzung jüdischer Abkunft nur au; Eltern und Großeltern kann Pfarrer Otto Fischer die beruhigende Versicherung abgeben, daß seit der Reformation bis zur Gegenwart nur 44 Pfarrer jüdischer Abkunft von ihm festgestellt seien. Unter den gegenwärtig lebenden Pfarrern gebe es 29, bei denen die jüdische Abkunft erwiesen sei. Und tröstend setzt Pfarrer Fischer hinzu, daß dies auf die Gesamtzahl der Pfarrer nur 1 pro 1999 sei. Den Fortschritt mag jeder daraus ersehen, daß sicherem Ver- nehmen nach unter den zwölf Aposteln sich noch 199 Pro z. Juden befunden haben. tAlttvocd. 31. Oktober. Berlin. 16X0 Dr. Otto Lance;„Wae der Chemiker hei der Schönheitsptlece mitzoredea hat." 16.30 JngendhShne, Unterhaltongsstonde. Für die QrftBeren. 17.00 Ortelkonzert(Uehertragung aus der Versöhnongskirche). 18.30 Dr. Willy Biumemhal:„Mensch nnd Mitmensch". I.; Menschlich« Schwachen. 19-00 Beigeordneter Dr. LOser:„Städte nnd Lander zur Reichsreform." 19.30 Einführung zu dem nachfolgenden Sendespiel„Die Troianer". 20.00 Sendespiel„Die Trojaner in Karthago", Lyrische Dichtung in drei Teilen von Hector Berlioz. Neu übersetzt von Selmar Meyrowltz. Leitung: Cornelia Bronsgeest. Dirigent: Qeneralmusikdirektor Prof. Dr. Max v. Schillings. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik(Kapelle Marek Weber). Königswnsterhausen. 16.00 Rektor Spielhagen; Freie Kinderarbeit und ihre Bedeutung für die Erziehung zur Klassengemcinschalt. 16.30 Vizepräsident Dr. Hausmann: Was muß jeder Staatsbürger von der Staatsverwaltung wissen?(IV). 17.00 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 18.00 Staatssekretär a. D. Dr. August Müller: Der Volkswirtschaftsfnnk der Deutschen Welle. 18-30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Fortgeschrittene. 18X8 Ob.-Stud.-Dir. Dipl-Ing Volt: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter; Die Werkstoff« im Maschinenbau. 19.20 Prot. Dr. Baschin: James Coock zum 200. Geburtstag. Ab 20X0 Uebertragung vph Berlin.. t i......''......" i im i)HM i Aus Naphtalis Stamm. Aus der Geschichte des Hohenzollerngeschlechts. Wenn man interessante Ausgrabungen machen will, muß man nicht immer gleich nach Aegypten gehen und die Pharaonen in ihrem tausendjährigen Totenschlaf stören. Auch die Hohenzollern- Pharaonen haben sich mit interessanten Dingen umgeben, manchmal sind sie sehr traurig, manchmal aber auch putzlustig. Und zu den urkomischsten Deröfsentlichungen. die im Auftrag« der Hohenzollern jemals erschienen sind, gehört wohl die längst vergessen« Schrift mit dem langen Titel:„Versuch einer gründlichen Unter- suchung der Antiquität von der Genealogie des allevdurch- lauchtigsten Königlichen Preußischen Hauses vom Anfang der Well bis auf diese Zeit; aus bewährten Skribenten getan und dem oller- durchlauchtigsten und großmächtigsten König und Herrn Fridericum Wilhelmum, König in Preußen, Ehursürsten von Brandenburg, ufs. an dem hohen Gedächtnistage der königlichen Krönung allerunter- tänigst überreichet und durch den Druck- publizieret von Johann Christian Reh ring, der Gemeinde Gottes zll Norl bei Halle Pastore". Oer erste preußenköniq zahlte ein gutes Honorar dafür. So langatmig der Titel ist. so kurzweilig liest sich diese Stammes- geschichte. Sie ist dem ersten König von Preußen so viel wert ge- wesen daß er dem glücklichen Autor 2999 Taler dafür auszahlen l ieß. Das ist das ansehnlichste Autorenhonorar. das in Deutschland wohl jemals gezahlt worden ist; denn bei zum Teil riesenhasten Lettern umfaßt das Buch nur 49 Seiten, so daß also jede dieser aus kaum 29 Zeilen bestehenden Seiten mit 59 Talern honoriert worden ist. Das sind wohl nominell 150 M.. dem Geld- werte und der Kaufkraft des Geldes entsprechend aber mindestens 7.59 M so daß der Gollesmann für diese Stammgeschicht« ein Ver- mögen erhalten hat. Er wußte vermutlich, daß dem ersten preußischen König sehr viel daran gelegen hat. die Hohenzollern von dem Vor- wurf. sie seien ein Parvenügeschlecht. reinzuwaschen. Der König, der es fertig brachte, aus seinem kleinen und wirtschaftlich schwachen Lande über 6 Millionen Taler allein an Bestechungsgeldern zur Erlangung der Königswürde herauszupressen, mußte mit Leichtigkell 2999 Taler Hinwersen für den Versuch, das Hohenzollerngeschlecht als besonders allehrwürdig herauszustreichen. Zurück zu Meihusalem. Der Verfasser übertrumpft denn auch alles, was vor ihm auf diesem Gebiete geleistet worden ist und führt die Hohenzollern in direkter Linie gleich auf die drei jüdischen Erzväter Mraham, Isaak und Jakob zurück. Diese noble Abstammung von den feinsten und bekanntesten Juden der biblischen Geschichte fiel dem Hohenzollern nicht auf die Nerven, obwohl de» Antisemitismus in der Zell der ersten preußischen Könige auch ganz ohne Hakenkreuz einen Gipset erreicht hatte. Grade gar nicht weil zurückliegende Dorsahrcn des ersten Königs hatten Juden massenhaft verbrennen lasten, damit der verschuldete Adel und die Herrscher selbst ihre Geldsorgen loswerden und neue Pumpereien bei verängstigten jüdischen Bankiers auf- nehmen konnten. Aber für den Abstammungsdünkel spiell« es kein« Roll«, daß die Erzväter doch fchließlich Juden waren. Also Herr Nehring taucht zunächst einmal tief in die Zeiten «in und schreitet von dem ersten König zurück nach dem letzten Hohenzollerngrafen. Dabei kommt er leidlich big in das Jahr 899 zurück. Jetzt wird die Sache brenzlig: die Grafen o. Hohenzollern sind alle geworden. Ueber einen gewissen Bayern-Thassllo, der „aus der Jagd nach einem wilden Schwein" umgebracht worden ist, schlängelt er sich dann aber in einen bayerischen Adelsstamm ein, von denen er erst angebliche Könige und dann Herzöge aufstellt, an diesen Leuten zieht er sich bis an das Jahr 499 hinunter. Jetzt ist die Sache ganz schwierig, aber der Pastor kann glücklicherweise hebräisch. Zunächst erklärt er, daß die Dayernsürsten ja doch von den Hunnen abstammen, worauf das uralte bayerische Schloß Schiren Hinweis«, das heute Scheyern heiße. Das Wort habe eine erstaunliche Aehn- lichkeit mit Schiras in Persien, das ebenfalls«in« Gründung der Hunnen sei. Attila habe sich König der Hunnen, Gqten und Meden genannt und deshalb könnte man die Hohenzollern zweisellos auf den Hunnenkönig Attlla als Ahnherrn zurückführen. Nun würden die Hunnen auch Euthalitae genannt: richtiger aber heiße es Naphtalita«. Zu dieser Auffassung berechtige auch die Tatsache, daß Scheyern Schiras und Scyri dieselbe Wurzel hätten und Scyri und Syrien„einerlei" sei. Syrier hätten aber auch immer in dem Teil Kleinasiens gelebt, der auch zu Palästina gehöre. Es> könne kein Zweifel daran bestehen, daß der hunnisch« Stamm der Nophtalitoe auf den jüdischen Stamm N a p h t a l i zurückgehen müsse. Iakob meinte die Hohenzollern! Gerade von Naphtali Hab« Jakob gesagt:„N a p h t a l i ist(in schneller Hirsch und gibt schöne Rede." Wer erkenn« nicht in diesem Naphtali den Stammvater der schnellen und rede- lustigen Hohenzollern mieber? Aus der sogenannten„mystischen" Bibel, die bei den Theologen sonst nicht in besonderer Achtung steht, wird nun noch weiter klar gemacht, daß Naphtali als„eine aus- gelassene Hindin" nicht Hündin, sondern Hirschkuh, als schnell, schön- rednerisch und kriegerisch hingestellt wird. Naphtali sei also der richtig« Stammvater der Hohenzollern. Von mm ab ist die Sache natürlich sehr einfach. Don Naphtali kommt der Verfasser beinah« mtt Blitzesschnelle zu Jakob, Isaak und Abraham, Sem und Noah. Nun brauchen nur noch Methusalem und ein paar andere all« biblische Knacker herzuhalten, und dann haben wir Adam als ersten Hohenzollern. Wenn man sich» richtig überlegt, sind 2999 Taler beinah noch zu wenig für diesen mühevollen monarchistischen Unsinn. Nur einer in Deutsch- land wird diese Starmneslehre der Hohenzollern mit inniger Freude aufnehmen: L u d« n d o r f f! Cr hat nun neues Beweismaterial für seine These, daß der Wellkrieg eine jüdische Intrige war: Die Hshenzollern kommen vom Stamm NaphtaliI Na also! Dr. Michel Brand. Ein Rennfahrer-Roman von Andrä Reuze. Obersetzl von F. A. Angermayer GspyrighfbyBüchergild« Gutanberg, Berlm (30. Fortsetzung.) Unter dem Dormo nd, vor dem Mittagbrot noch«rwas frische Lust schnappen zu wollen, ging der Monager Bartholin mit seinen Fahrern in Gcx spa, zieren. Di« Begleiter, die in dem kleinen Nest nicht alle unterkommen konnten und teilweise nach Dioonne-les» Bains weiter mutzten, saßen in den oerschiedenen Kaffeehäusern herum. In jeder Straße begegnete man dem bekannten Gesicht eines Fahrers, eines Pflegers, eines Mechanikers oder eines Bericht- «rstatters. „Dort werden wir hingehen!" sagte Bartholin.„Da sind wir ungestört" Es war ein unbebauter Platz, der zwischen zwei Fabriken lag. Die Erde war von den gestrigen Wolkenbrüchen noch immer naß. Auf einem Baumstamm nahmen si« Platz. .La, hier kann man reden!" sagte Tampier. ,Lm Hotel gibt'« zu viele Lauscher!" ..Kinder, tut ihr aber geheimnisvoll!" spottet« Eheoillard. „Mein Junge, wir können nicht vorsichtig genug sein!" erwiderte Bartholin.„Ich bin mit euch hierhergegangen, um einmal ernst über unsere Lage im Rennen zu sprechen. Darum.. Eheoillard entgegnet«: „Das hört sich ja so an, als ob unsere Lag« brenzlig wäre!... Bin ich nicht gestern trog Regen und Koste gut gefahren?... Labou. reur hat zwar die Etappe gewonnen, und Vorbist hat seinen Vor- sprung vor mir auf 10 Minuten S Sekunden ausgedehnt, aber ich bin sicher, daß ich bis Straßburg mindestens 10 Minuten aufholen kann!" Der Manager zuckt« die Achseln. Blanc-Mesnil, Bouarr« und Denioulder konnten ein mitleidiges Lächeln nicht unterdrücken „Das ist ja olles Quatsch, Kleiner, und deswegen sind wir doch nicht hier!" sagte Tampier.„Vorbist fährt stärker als je zuvor, und du hällst dich eben mit vorne, weil du klammerst wie«in Wahn- finniger!... Nur nicht leichtsinnig und verblendet sein, mein Junge!... So überlegen warst du den anderen nicht, du hast eben mal Schwein gehabt, da» ist alle»! Oder bildest du dir etwa ein, vu wärst vor mir, wenn mich die„Riva" mchr oerglstet hätte?.. Wer hat dich denn wieder hochgerappelt vor ein paar Tagen, auf dem Isoard?... Vergiß mal nicht, daß ich seit dem Tourmolet nicht etwa westersahre, um vorn Publikum beklatscht zu werden!... Kommt gar nicht in Frag«!... In deinem Jnlerefle begnüge ich mich diesmal mit einer Nebenroll«, mein Jung«'" „Na und ich?" sagte nun Blanc-Mesnil.„Glaubst du vielleicht, daß ich gestern aus Sportbegeisterung«inen Rekord von Saint- Silene nach Anney aufgestellt Hab«?... Und noch dazu auf einer ollen, verrosteten Psarrerskarre?... Als ich in(Bex ankam, lag ich schön« anderthalb Stunden hinter der Spitz« und habe geochst wie ein Blödsinniger!... Ich kann dir nur sagen, wenn da» nicht für unsere Fabrik und für dich gewesen wäre...*.,: „Ich bin dir ja sehr dankbar!" sagte CHeviflart. detekdi gt.„Aber da» erzählst du mir jetzt fest gestern ununterbrochen!... Wenn das bis Paris so weitergehen soll..." „Nanu, streitet euch bloß nicht!" fuhr der Manager dazwischen. „Wir wissen alle, daß du hergibst, was du drin hast. Kleiner!.. Trotzdem aber muß jeder Eventualität vorgebeugt werden, verstehft du? Bis jetzt hat dich die.,Riva".Mannschast noch nicht aufs Korn genommen, aber das kann noch kommen!... Die haben Robert verladen, haben Lucien drangekriegt und wahrscheinlich auch Argen- teto, drum heißt es aufpassen... Borbist ist zwar ollein, denn der Spanier kann ihn kaum unterstützsn, aber weiß man denn, ob „Riva" nicht die„Stella", und.F)pal"-Fahrtr gekauft hat?... Ihr habt wenigstens noch da» Glück, daß fünf von euch im Rennen liegen... Und das muß unbedingt ausgenutzt werden!" Chevlllard starrt« in» Weit«, wo die blau« Kette des Iura schimmert«. Man schi«n ihn ja für halbtot zu halt«n und überhaupt nicht zu glauben, daß er das Rennen bis zu End« fahren könnt«. „iiebrigens hätten wir vier allein es auch nicht geschafft!" sagte Tampier zu Eheoillard.„Es genügt nicht, daß du bloß auf uns vier zählen kannst, wir mußten die anderen auch erst rumkriegen!" „Wieso... rumkriegen?" „Na. glaubst du oi«llttcht, wir haben erst aus dich gewartet, um wichtige Entschlüsse zu fassen?... Loboureur will natürlich nicht« davon wissen, aber Mojotte, der ja doch aussichtslos tm Rennen liegt, hat mit sich reden lassen. Grimpart paßt aus, wenn Vorbift Reifen- schaden hat, und Habermacher kurbell für un« bis Parts, wenn wir ihn morgen in seiner Heimat dt« Etappe gewinnen lassen!" „Saloandint hält auch zu uns," sagte Bouarr«. Dann sah er Demoulder und Blanc-Mesnil mit vielsagendem Lächeln an.„Ich habe alles arrangiert!" sagte Tampier.„Wenn olles gut geht, kannst du schon in Straßburg, spätesten» aber in Metz. das gelbe Trikot anziehn! Na, mach' doch nicht fo'n dämliches Gesicht!... Hättest du denn keine Freud«, wenn du deiner Kleinen telegraphieren könntest, daß du allein an der Spitz« stehst?" .La. ja!... Das schon... Aber was tuschelt ihr denn immer?... Was habt Ihr denn bloß mit mir vor?" Kümmer« dich nicht darum!... Das geht dich nichts an!.. Jetzt paß' mal aus!... Morgen wirb Habermacher wie gewöhnlich versuchen, in Straßburg al» erster anzukommen!.. r Nun habe ich aber gehört, daß Salvandini, der ln den Bergen gar nichts machen konnte, wenigsteits eine Etappe gewinnen möchte. Darum ist«« möglich, daß Salvandini vor Habermacher mit der Post abgehen will, oerstehst du?.. Natürlich wird sich dann Vorbist sofort an sein Hinterrad klammern, um sich bi» ans Ziel ziehen zu lassen und ihn dann im Spurt zu schlagen!... Laß mal vorbist ruhig ab- fahren!..." „Aber.. .Laß ihn abfahren, sag' ich dir!... Unglaublich welchen Dick- fchäde! dieser Lausbub hat!... Du nimmst einfach das Hinterrad von M.-zotte oder von Grimpart oder auch von Hobcrmocher! Aber kümmer« dich nicht um Salvandini!" „Was ihr aber für sonderbare Sachen macht!" „Befolge nur seinen Rat!" sagte Bartholin.„Wir handeln in deinem Interesse! Wir haben doch all« ein Interesse daran, daß du gewinnst, verstehst du? Die Fabrik wird sich schon nicht lumpen lassen!" „Ja. aber aus diese An will ich nicht gewinnen!" „Dann hättest du eben größere Klasse sein müsien!" sagte Bouarr«. Hättest dem ganzen Feld in den Pyrenäen eine Stund« abnehmen müsien, wie ich es noch vor vier Jahren feriigbekommen habe!" Nachdem sie tags darauf die Faucillesspitze, da» letzte große Hindernis, überwunden und das Iuramassiv hinter sich gelassen harten, kamen sie in die olsässische Ebene. Wieder wechselte die Landschaft. Längs der Landstraßen, die von Pappelbäumen umsäumt waren, lagen heilere Dörfer, deren weiße Häuser Rosen und Hopfenblüten bekränzten. Hier gab«» noch mehr Kinder als in der Bretagne. All« Lauern saßen vor der Haustür und rauchten lang« Porzellanpfeisen. Hinler Ostheim be- merkte Eheoillard, daß Habermacher wegen eines wirklichen oder vorgetäuschten Reifenschaden» vom Rad stieg. Salvandini blieb mit Die Faiut im Felsenmeer. seiner Riesemebersetzung etwas hinterm Feld zurück. Vorbist hing zäh an seinem Hinterrad. All« anderen belauerten sich und waren bereit, jedem Angriff zu begegnen. Aus dies« Weise mochten sie einige fünfzehn Kilometer gefahren sein. Schon schimmerte SÄestat mit seinem gotischen Turm durch die Bäum«. Plötzlich jagt« Salvandini- davon. Blitzschnell hatte er«inen Vor- sprung von fast 60 Meter gewonnen. Vorbist folgte dem Italiener mit gesenktem Kops. Im Feld organisierte Tampier die Verfolgung. Am Eingang der Ortschaft standen einige Neugierige neben einem Wegweiser. Wie ein Rasender bog Saloandmi un 40er Tempo links ab, dicht gefolgt vom Mann im gelben Trikot. Berzweifell schrien die wenigen Zuschauer: „Falsch« Richtung!... Falsche Richtung!... Geradeaus geht's!" „Los!" brüllte Tampier...„Spurten!" Und nun flogen sie, wie aus einer Pistole geschossen, aus der Basler Landstraß«, die direkt nach Straßburg führt, dahin. Ab- wechselnd übernahmen Bouarr«, Majotte, Habermacher. Blanc- Mesnil und Tampier die Führung. Eheoillard, der ihnen folgte. trat für fein Leben. Nun begriff er endlich den Trick. Dem Italiener muhte dos ein schönes Stück Geld einget'.agen haben! Bi» Borbill endlich angehalten, den richtigen Weg eingeschlagen und d: 13, e Visitenkartenrätsel: Deutschnationale Volttpartei Magisches Dreieck: Bremen. Remu», Emir Mur, es t Silbenrätsel: l. Venden: 2. Ederle: 3. Resormoymm sium: 4. Resud: 5 Isolde: 6 Chihuahuo: 7 loska: 8 Satnr7 9. Wechsel: 10. Arie: 11. Genua: 12 Tasel: l3. Derwisch: 14. El«*' 15. Red«.— Wer nichts wagt, der darf nichts Höften. Man tagt im bürgerlichen Sport! Berufsfufjballspiele verboten— aber erlaubt./ Die neue schwär zwei(jrote Flagge der Ruderer. Dic Leitung des bürgerlichen Deutschen Fuhbollbun- des hat kein Finyerspigengefühl. was schließlich verständlich ist. Aber diesmal haben sich kuriose Folgen gezeigt. Ausgerechnet in der allen Goethe, und Äunststadl Weimar fand der Fußball- bundestag des DFB. statt. Dadurch wurden die VerHand- lungen von vornherein ungünstig beeinflußt, da der bürgerliche Fußballspieler geistig exklusiv und lediglich auf das Geschästemachcn eingestellt ist. Das Milieu der Verhandlungen wird durch folgend« Beschlüsse gekennzeichnet: t. D'e i» Hannover beschlossene Sperre gegen Spiele mit Berufsspielern bleibt bestehen! 2. Spiele mit Berufsspielern sind gestattet, wenn st« nachweislich») Lehrzwecken dienen sollen, b) repräsentativen Ldorakter tragen, c) sportliche Beziehungen erhalten sollen! Unsere Leser werden diese Beschlüsie nicht gleich verstehen, des- halb wollen wir sie ins deutsche übersetzen: Laut Absatz t sind Spiele mit Berufsspielern nach wie vor o e r b o t e n, weil sonst der Deutsche Fußballbund nicht mehr als Amaleurverband gelten »u'.d' behördliche Unterstützung erhallen würde. Nach Absatz 2 sind Spiele mit Berusespielern gestattet, da natürlich eine der Voraussetzungen zu s, b oder c immer zutreffen wird. D'e Berhantlung obiger Anträge halte die Länge von vier Fußballspielen gleich sechs Stunden, wobei auch die Spielpausen divebalten wurden, um die erregte Stimmung zu beruhigen. Der erste Antrag wurde mit �8 zu 42 Stimmen gegen Süddcutschland, Südosideuischland und Berlin angenommen. Nach einstündiaer Unterbrechung legte der Vorstand den Antrag zwei vor. Der Be- richt sogt dazu: „Dieser Antrag des Bundesvorstandes war für dic Gegner der Profisptele ein« derartige Ueberraschung, daß sich neuerdings eine lebhaft« Debatte entwickelte. West- und Mitteldeutschland lehnten jedes roeitere Eingehen auf diesen Vorschlag rundweg ab. Der Vorsitzende des Baktenvcrbandes zog einen humorist'schen Vergleich und lehnte die Vermittlung des Vorstandes„etwas allzu scharf* ab. was eine scharfe persönliche Note in die Verhandlung brachte und die Erregung noch steigerte. Nur mit Mühe konnten die erhitzten Gemüter beruhigt werden.* Nun wurde nochmals eine Pause angesetzt, um die„feindlichen Brüder� zu einigen. Und dann blühte der Erfolg! Der Antrag zwei des Vorstandes fand«ine Mehrheit. Wie große diese war, wird nicht angegeben. Diese Verhandlungen zeigen, drh der Deutsche Fußballbund weiterhin als„Amateur verband* gelten will, um sich die behördlichen Unterstützungen für Jugendpflege zu sichern. Andererseits will man auf die hohen Einnahmen aus den Spieken mit„Professionals* nicht verzichten, weil dadurch erst das Kaufen von erstklassigen Fußballspielern, deren Einkleidung, Unterhaltung und Rcisespesen bezahll werden tonn. Der deutsche bürgerliche Fußballsport geht den gleichen Weg wie in England und Amerika. Wenn in Deutschland nicht die behördlichen Gelder gar zu verlockend wären, so hätte der Antrag eins gegen die Vcrufsfpiele ntcht hie knappe Mehrheit von sechs Stimmen gefunden, sondern wäre glatt unter den Tisch gefallen. In Kürze wird der Arbeiter-Turn- und Sportbund der einzige Verband i» Deutschland sein, der das Fußballspiel als Amateursport betreibt. Der l. Kreis Hot bereit» in kurzer Zeit hü Mannschaften aufgestellt. Bei allsettiger Unterstützung wird es gelingen, diese Zahl auf das Mehrfach« zu erhöhen und einen mustergültigen Spielbetrieb durchzuführen. Der 22. Vcrbandstag des Deutschen Ruderverbandes in Dresden verlief so wie es die reaktionäre Einstellung der Mit- gliedschast erwarten ließ. Es sollte die Einführung einer B e r> bandst logge beschlossen werden, durch welche die Boote als zum DRV. gehörend nicht dem staatlichen Nummernzwang unter- warfen sind. Di« Vcrbandslettung hatte vorgeschlagen: blaues ?tzimpeltuch mit einen, schwarzen Adler mit roten Flügeln im goldenen Kreis. Obwohl der Verbandsvor- sitzende den Delegierten die Farbenzufammenstcklung mit dem Hin- weis zur Annahme empfahl, daß sie kein Entgegenkam men gegenüber den rupubllkanischen Neichsfarben s e i, wuchs sich dic Diskussion darül>«r zu einer politischen Dcmon- stration aus. Mit offenen und versteckten Ansp'el'mgen wurde gegen Schwarzrotgold operiert, der gelbe Grund im Kreis mit der „Pest flagge* verglichen: selten kam est, Ttediier der ohne solch« und ähnlich« beleidigende Auzsührungen auskam. Mit 487: 40? Stimmen wurde die vorgeschlagene Farbenzusammenstcilung ob- gelehnt und unter einer Art Siegecgeheul anstatt des goldenen, ein weißer Grund im Kreis beschlossen, so daß die Farben Im Kreis schwarz weißrot sind. Diese parteipolitische Aktion des Deutschen Ruderoerbandes ist nur ein neues Glied in der Kett» feiner reaktionären Handlungen. Erinnert fei nur kurz daran, daß der Mainzer Ruderverein bei seiner Regatta die Beseitigung der Reichsslagge von der Stadthalle forderte und daß die mecklenburgisch« Reaierung ihren Vertreter von den deutschen Rudennzisterschasien zurückzog, weil der Deran- stalier schwarzwcißrot flaggte und sich weigerte, die Reichssarben zu Hillen. Gesuch« von Dereinen wegen Erlaubnis„Zum Führen spart- lichen Verkehrs mit Sportlern ehemaliger Feindbund- st a a t e n* lehnte der Verbandstag ab. Hierin ist der Deittsch« Ruderocrband ebenso konsequent und inkonsequent wie die Deutsche Turnerschaft, die das ihren Vereinen auch nicht gestattet und trotz- dem mit dem DRV. an der Amsterdamer Olympiade teilnahm. Der Ehrenvorsitzende des Deutschen Ruderverbandes, Dr. Rupert!, saß sogar im olympistben Komitee und heuckelte mit so vielen anderen In Amsterdam Völkerversöhnung. l9?Z zur Olympiade in Los Angeles mill der DRV. dicselb« Heuchlerrclle übernehmen. Zehntausend Mark stehen ihm dafür noch aus dem Amsterdamer Olympiafonds zur Verfügung. Sicher wäre der DRV. in Arn"e''dam nicht mit dabei gewesen, hätten nickt die Tausend« von Mark da- bivgelockt, mit denen es sich sogar bl» 1932 arbeiten läßt. Er läßt sich sogar geheuchelte Ueberzeugung bezahlen. m,- nfc Jflotc Fahne*' und Kreistag. Betrüger als Schützlinge der Kommunisten. Das Berliner Balschewistendlatt die„Rote Fahne* findet heute morgen etwas Platz, um über den Kreistag der bundestreuen Arbestersportler vom Sonntag zu schimpfen. Wir lassen ihr gern das Vergnügen, nur Kerze sachlich« Richtig st ellungen seien gestattet. Zum ersten hatte der Bundesvorsitzend« Geliert nicht nöt'.g, den Kreistag in eine„arUifommunifUstfje Stimmung* zu versetzen. Di« Anwesenheit von 18 kommunistischen„Oppositionellen* zeugt von der westgehenden Toleranz der Bundestreuen, die stets gegenüber Arbeitersportlern aller politischen Richtungen geübt wurde. Allerding» gibt e» keine Toleranz mehr gegen berusemäßig« Radau- brüder und deren Anhang. Di« werden auch weiterhin hinaus- geschmissen. Dann noch eins: der lkreisvorsstzende Reichert hat ntcht davon gesprochen, daß man.Fppositionell« Redner in der Provinz mit Ochsenziemer» aus dem Dorfe hinaushauen solle*. Wohl aber hat Reichert festgestellt, daß Kommunisten mst dem Ausweis der lfl. Abteilung vom Monopolhosen-Verein„Fichte* aus die Dörfer zogen, dort Säle für„Werbeoersammlungen* sogar mit Verpflegung für die Teilnehmer bestellten, ohne daß sich zu dem angesetzten Termin irgend jemand sehen ließ. Man pumpte sogar die Wirte noch an. Es ist verständlich, daß die Wirte bei solchen Irreführungen gegen die gesamte Arbeitersportbewsgung ausgebracht > werden und daß sie den kleinen Vereinen, die auf den Dörfern die Säle al» Turnhallen benutz?» müssen, die Benutzung verweigern. � Gegenüber solchen Hochstaplern und Betrügern hat Reichert allerdings den Ochscnzb-mcr empfohlen. Di«„Rote Fahne* nimmt dtes« Leute ober in Schuß! Heber d!« Zusammensetzung her Familienznsammenkunft der. Oppositionellen* im Bsrliner Rathaus auch Kreistag ge. nanist— können wir interessant« Zahlen bringen. Danach waren von d«n 193 Delegierten ganz« 70 parteipolitisch or. ganisiert. 117 gehörten keiner politischen Partei an. Di« resferenden secbs Teilnehmer waren offenbar noch klassenbewußter als die 117 politisch Unorganisierten. 32 Teilnehmer hatten sogar nickt einmal den Weg zu einer gewerksckasilicken Organisation ge- sin.dcn. Heber das Organisaiionsverhällnis der Deleaierten� des Brandenburger Kreistages kann sich die„Rote Fahne* bei ■ den oppositionellen Tellnehinsrn erkundigen. Sie wird dann merken, daß die Ausklärung in den bundertreuen Arbeiiersportvcreinen nicht nur nach der sportlichen Seite hin betrieben wird. ■'•J— ijg Berliner Schwimmer in Halle. Zwei neue Bundesbestzeiten. J Der dem neuen Kartell in Halle angehörende„Regatta klub* at am» Sonntag mit seinem ersten bundcsoffenen S ch w i m m f e st i die Oefsentlichkest. Ein sportlich schönes Programm veranlahlc ) Vereine, u. a. auch Gera, Magdeburg. Halberstadl, Hildesheim. annooer. Verlin. wit ihren besten Schwimmern an den Start zu !hen. Eine vorausgegangene rührig« Propaganda erzielte ein olles Hyus. so daß auch"»ch dieser Richtung hin ein Erfolg zu hen war. «ine SxS0.Vet»'Freiftilstas«tte wurde vom Groß-Berlin sich-r vor Magdeburg-Fennersleben gecjomw.. Beim Männerbrust. schwimmen über 100 Meter schält« sich Becker-Groß-Verlitt' von 17 Teilnehmern als Sieger heraus. In derselben Konkurrenz für Frauen übernahm Frohn, ebenfalls Groh-Deylin, die Führung und gab sie nicht mehr ab. Das Männerspringen. da, mit 11 Tell- nehmern btsetzt war. Host« sich Krabel-Verlin. Luch in den übrigen Konkurrenzen tonnten sich die Berliner dic ersten Plätze sichern. War in den Stafetten die Ueberlegenheit deutlich sichtbar, so war dies in den Einzelrennen nicht der Fall. Göike-Groß-Verlin hatte alle Mühe, den jungen Eger-Hildesheim, der sogar aus der dritten Bahn beim 100-Mcter-Freistilschwimmen führte, zu schlagen. Das Männerschwimmen hotte sich Koszuta-Groß-Berssn in guter Zest aber nur mit Vi« Sekunden vor Richter-Dcssau. Beim Frauen- Freistllschwimmen über 100 Meter gelang L. Frohn ein« neue Bundesbestzeit von 1:21.Z herauszuschwimmen. Auch die Männer warteten mit einer solchen in der 4X100-Meter-Ä»gen- stafette auf. Den Beschluß des schnell abgewickelten Feste« bildete das Wasserballspiel Hannover-Linden(Rordwestdeulscher Meister) gegen Groß-Berlin. Trotz besserer Kombination gelang es den Hannoveranern nur mst einem Hnemschieden 1: 1 abzuschneiden. te&ndJocUßj Resulteie vom Sonntag. Der erste Seri«nsönn4ag brachte reichliche Spielbetätigung und große Torunterschicdc. Den Sieg von Nowawe, über Luckenwalde mit 10: 2(5: 0) hatte niemand erwartet. Luckenwaldes reichlicher Ersatz schien da viel mitgcholscn zu haben. Den blitz? schnellen Vorstößen des Rowawejer Sturmes war die Luckenwalder D-riechigung nicht gewachsen. Ebensalle 10 Tore konnte Groß- Berlin-Wedding über Schöneberg buche», mutzte aber trotzdem süns- maj den Ball passieren lassen. Wcdding zeigte ein gutes Fang- und Stellungsspiel. Erkner behieli von Mahlsdorf die Punkte mit 8: 2 (S: 0). Groß-Berlin trennte sich von Eb«rsw>ilde mit 7: 7 und gewann in Steinfurtb mit 9: 1 Toren. Groß Berlin-Rosenthal mußte von Hennigsdorf eine R edettagc von 5:2(4:1) hinnehmen. Bei den Frauen hoste sich Wcdding über Hennigsdorf ein für Frauen hohes Resultat von 8:0(2: 0). Schöneberg hatte viel Arbeit, um vom Sportverein Moabit mit 2:1(1:1) dic Punkt« zu erhalten. Sonst zwei gleichwertige Mannschaften, denen aber noch viel Stellungsspiel fehlt. Nowawcs gewann gegen Tegel mit 1: 0(0: 0). Weitere Resultate: Männer: Grotz-Bcrlin-Norden I gegen Moabit I 0:2(0:1). Norden I 2 gegen Moabit 0:3(0:2). Wilmersdorf gegen Potsdam 4:2(1: 0). Grunewald-Eichkainp I gegen Groß-Bcrlin-Wcdding IV 5:3(1:3). Schöneberg II gegen Groß-Berliu-Südosten l 2:9(1:6). Groß-Berlin-Wedding ll l gegen Fürstenwald« I 5:0(2:0). Mahlsdorf I l gegen Groß- Berlin-Baumschulcnweg I 2:1(2:0). Jugend: Nowawes gegen Wedding 2: 5(1: 1) Groß-Berlin-Ostrlng gegen Ketzin 7:1(3:0). Moabit gegen Schöneberg 2:0(1? 0). Chancenausgleich bei Radrennen Ungleicher Rollenabstand vorgeschlagen. Der Sportausschuß des Bundes Deutscher Radfahrer hat die Absicht, den Berufssportverbänden eine Aendenrng der B« stimmungen für Daucrrennen vorzuschlagen. In Anlehnung an den im Pferdesport üblichen Chancenansgleich will der Bund durch Veränderung des R o l l c n a b st a n d c s einen Ausgleich der Chancen der Dauerfahrer schassen. Es wird beabsichtigt, drei Gruppen zu bilden. Gruppe A umfaßt die Sieher der ersten Klasse mit einem Rollenabswnd von 60 Zentimetern, Gruppe L die Fahrer der Mittelklasse mit 50 Zentimetern Rollenabstand, Gruppe C di« Nachwuchsfahrer mit einem Rollenabstand von 40 Zentimetern. Durch diesen Ausgleich hofft der BDR. nicht nur eine gerechtere Verteilung der Gewinnchancen. sondern eine stärkere und interessantere Besetzung und damit einen kampsreichcren Verlauf der Daucrrennen zu erzielen. Bei dem gegenwärtigen System ist da» Schicksal der schwächeren Fahrer im Kampf gegen die A-Klasse von vornherein besiegelt, wodurch nicht nur das Intercsse an den Rennen, sondern auch das Interesse an leistungsfähigen, aber durch die ungerechten Bestimmungen erfolglosen Nachwuchsfahrern verloren geht.— Die Versetzung von Fahrern der B. und E-Klasse wird nach einem besonderen System vorgenommen werden. Die in Deutschland startenden Ausländer will der Bund ohne Ausnahm« in Gruppe A(60-Zentime!er-Rolle) ausnehmen, da er der Ansicht ist, daß zweit- und drittklassige Aus- lönder iki Deutschland edensawenig erwünscht sind, wie zwest. unö drittklassige Deutsche im Ausland.' iJ.'.— ; ,0» 1000 Kilometer im Freiballon. Von Berlin nach Finnland. Bon allen vier Bewerbern am Freiballon- Wettflug des Deutschen Lustfahriverbandes. die am Sonntag auf dem Flug- platz Tempclhof ausgestiegen sind, liegen nunmehr die Landungs- Meldungen vor. Neben P« t s ch o w- Berlin mit dem Ballon.„Herford* vom Bitterfelder Verein für Lustsahri, der nach 220 Kilometer bei Treptow a. d. Rega landet«, gingen auch Schütz« mst dem Ballon„Darmstadi* vom gleichen Verein und Kaulen s r.- Elber- seid mit dem Ballon„Etberjeld* des Niederrheinischen Vereins für Lujtsohrt in Pommern herunter. Beide landeten auf der Insel W o l l i n nach Zurücklegung von rund 185 Kilometer. Weit geschickter manövrierte dagegen Prehm vom Erzgebirgischen Der- ei» für Luftfahrt mit dem Ballon„Leipziger Messe*. Es glückte ihm. In dic 20 Minuten noch Petschows Landung aufgetretene starke nordöstliche Windströmung hineinzukommen und so wurde er schnell über die Ostsee abgetrieben und landet« nach 800 Kilometer langem Sccflug« an der Südspitze Finnlands, 18 Kilometer nörd- lich von Hangö. Prehm hat also mst etwas mehr als 100 0 Kilometer ein« erheblich bessere Leistung auszuweisen als feine Konkurrenten. Sein Sieg steht daher vorbehastlich der Landungsprüfung, bei der festzustellen ist, daß der Ballon ohne fremd« Hilf« landet«, fest.__ Wer will mitturnen? Arbeitersportler und Parteigenossen im Nordosten Berlin», die an der Gründung einer Turnabteilimg(auch für Kinder) in der Nähe des K ö n i g s i o r c» Interesse haben, ttessen sich heute, Mitt woch. lg.zo Uhr im Altersheim Danziger Straße, nähe Prenzlauer I Allee.—' In Lankwitz eröffnen die bundcstreucn Arbeitersportler' ihren Turnbetrieb Dannerstag. 1. November in der Turnhalle der � 16. Gemcindeschuie. Seydlitzstraße. Jugend und Männer von 20 bis S1�0 Hhr: die Kinder üben ab 5. November Montags und Donners- tags von iL bis 20 Uhr. Neues vom Boxsport, Dar beul schs Leichtgewichis-Boxmeister Paul E Z i r s o n hm au» Buenos Aires«in telcgraphifches Angebot erhallen, mit dem dort befindlichen Spanier Luis Roys zu boxen. Außer- dem sind ihm zwei westere Kämpfe zugesichert worden. Ezirson hat sein Einverständnis sofort zurückgekabelt. Es ist damit zu rechnen, daß der deutsche Meister schon in den nächsten Tagen die Reis« nach Südamerika antritt. Leider kann es in diesem Kampf nicht um die Europameisterschaft gehen, da dem Svanier der Titel aberkannt worden ist. » «lue Schwergewicht sahnhof.— Bu rt grlrSrichs- h«i»! Dic Monairvrrlawmiuny ssnSri von nun oä jrdcn liweitcn?onn«r»- tog im Monat i». Novcmblc! im Alien Pnhcnhofrr, Lanhebcrgrr ÄNcc\5t. SU Uhr, statt. ij Nrh«it»plai> fK« Jtfitn kir»«rknlt»rk»rilr, Nrrlio Drandrndurq für Stove»» de«. Sonnabend, S. November. 2» Uhr, im Urdungoraum her KiirpntuIIur. schilt» 9;bol| Noch, ssrirtnichstr 218, Lichtbiioeruorlrag Rotl(Echuih:..5ug-d im neuen Rustland, ssijr Mtiglieder her Lchul» unentgeNIlch, sonst Ä Vi. Untostenbeitrag. Lonnabend, 24. November. 20 Uhr, im Lihungosaal Vezirts. amt greuidero. Poretstr. lt. gilmol>rn<>!„Erstchung", h>« Nlnderrcvubiik See. tomp. Monlegorl-Isilm ilber»itgcmtistc NIeinkindercrziehuiia. Dnüu Vortrag tttara Erunwaid. Uukostcnbettroa stir Mitglirber M Pf., illr©äste 40 Pf.. Arbeit«!»:» trei. Donnerstag, Ä. Roocmber, SO Uhr, Aula Oberreallchutr Lpanbau-Ärst, Moilkestraß». ö�ckttitdcrrortrao:.Naiktlieit, Nvrocrknltur und Erziehung-. Aererent Adolf doch. Irden Montag 20� Uhr Nacktbaden Im lbt.ab Daermaldf! roste,"utrili nur mit LietndNdauswei« für Miialirber. Siraufen für Srmochscne, ftintlnfti j.tme Uindcr. Jeden Dienstag 10—12 Uhr ngc, lilclntlndcr und Mlitter. beben Donnerstag It'i.— 18 Uhr Cnranaftit für«leinkinder. Jeden Motitag Pfmtosogie bei Arlur Eehrke, It>'� Uhr. Jeden Dienctog Cor oioaie bei ssrist Welgelt, 20 Uhr. Jede» ssrriwa Niastage. iehraAnge, 18>-h und Ä'e, Ilde bei Nur« lTaltenhagen. Jeden Tonnaben». Zetchenlehrgang, nnarmanbte Pfockotogie und strcigcstaNuno-arnvve ab>8 Ilbr uo.tt V!-n bei Adolf roch und IZran., parfcwiil. Irden Montan und 9K:tf. iroJ> besonderer S«u:inari-i!lc-r>cht bei Dr. Pesier und Artur Dehrlc. Aerzt. licke Untersuchungen ad 10 Uhr(Dr. iSraatz: Doiinerotag. b. Nonriilber, lsrri- tag. 0. Nooember. Dienstag. 18. November?ahnlir«tltchr Uniersieibungen ad t» Uhr(Dr. Scmmrl): Donnerstag, 22. Novrmber, gretiag, 28. November. Wantag,'JH. November. �(fafchäffa-Jtn&iger /r4 (Bezirk f Udert-IVeften. Bauhütte ® Berlin S:h: Gesellschaft fUr Bau» ausfiihrungen aller Art Berlin SW 48. Wielmstr.lOG Fernsprecher t Zentrum 3205—3307, 3284|Z3 ,'-V f-'"C■ X/rafl die anerkannt uorzüglidien Qualitäten dor Vereinigisn Pommersdien ~ Meiereien Up fitialen in allen Stadtteilen Cafö Serno Neukölln, Berliner Straße 80/81 Tag- und Nacht-Betrieb von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachts Tag und Nacht Musik lg. f. I4d Berliner Töpf erhütte Ga IHs ba Ma baut Pfen jeder Art Jede Neuanfertigung und Reparatur Kostenlose heiztechnische Beratung BERLIN SO. 36» WaldemarstraOe 14 Telephon: Morltxp'atz OS14 Alfred Wildegans Kontesslon. Buchmicber.— Neukölln, Hermannstr. 10 Fernsprecher: Neukölln 7771 NcbcBttelle: CharloHenburg, Berliner Str. 79 Charlottenburg. 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