75 50 75 Albendausgabe idausgab Nr. 524. B 261 45.Jahrgang Böchentlich 851, monatlich 3,60 TR. tm voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat, * Der Bormärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit bem Titel„ Der Ubend", Illuftrierte Beilagen Balt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen ftimme". Technit"," Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Montag 5. November 1928 10 Pfennig Die etnip alttge Ronparetegells 80 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. ,, Kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgedrudte Borte), jedes weitere Mort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben aählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden.. Straße 3, wochentagl. von 8/2 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Abr.: Eoztaldemokrat Berlin Vorwärts Verlag G. m. b. H. Bostschedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbetter, Angestellten und Beamten Ballstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depositenkaffe Lindenstr. 8 35 35 35 30 11 0 50 30 Zeppelin in Staaten. Nach schwierigen Manövern am Anfermast festgemacht. Das Luftschiff„ Graf Zeppelin" hat trok des so ungünstigen regnerischen Wetters den offiziellen Bejuch der Reichshauptstadt nach seiner Amerikareise nicht länger hinausgeschoben. Nachdem das Schiff heute früh 2 Uhr 17 Minuten in Friedrichshafen ge. startet war, nahm es seinen Weg über Stuttgart, Darmstadt, Frankfurt a. M., Gießen, Kassel, das um 6 Uhr 30 Minuten überflogen wurde. 7,45 Uhr wurde das Luftschiff bereits südöstlich von Braunschweig gesichtet. Auf der letzten Etappe nach Berlin wurde die Fahrt vom scharfen Westwind begünstigt, so daß die Stundengeschwindigkeit des Zeppelin" zuletzt minde. ftens 180 kilometer betrug. Nachdem um 8,35 Uhr Nauen passiert war, erschien der Luftriese zur allgemeinen Reberraschung um 8,45 11hr über Staaten, woman ihn so früh gar nicht erwartet hatte und mo mon nodi mit ben lekten Vorbereitungen beschäftigt war. 8.50 Uhr traf der Graf Zeppelin" dann über der Reichs, hauptstadt selbst ein. In den tiefhängenden Regenwolfen mar der jilbergraue Riesenleib des Schiffes nur immer bon Zeit zu Zeit sichtbar. 11 ut 3m Flugzeug dem Luftschiff entgegen. Die Luft lebles, unangenehmes, regnerisches. Better! hansa hat die Vertreter der Presse eingeladen, im Flugzeug die Begrüßung des Luftschiffs Graf Zeppelin" mitzuerleben, aber der Bettergott war weder dem Zeppelin noch der Lufthansa heute wohlgefinnt. Kurz vor 9 Uhr starten mir in Tempelhof in einem dreimotorigen Flugzeug, das von dem alten bemährten Biloten Cutschmidt gesteuert wird. Der Flugplatz unter uns, die Loubenkolonien non Tempelhof, liegen i diefigem Nebel. Bir fliegen in der Richtung auf Rauen, und wieder hat man das oft gefchene, oft geschilderte Bild des Spielzeugfästchens Erde mit den Häuschen, den Eisenbähnchen aus der Kinderstube. Plöglich reden fich die Hälfe der neun Bressemänner: Da, linfs von uns, taucht fie auf, die riesengroße jilberne 3igarre L. Z. 127". Suerft mirit fie im Rebel des Herbstmorgens verschwommen, unflar, mie ein Bhantom, ein Phantasiebild Dann aber, als wir naber herankommen, sehen mir das ruhig dahingleitende Luftschiff in feiner ganzen, jeden fühlenden Menschen irgendwie tief berühren. ben Echönheit. Dem Riesen voraus fliegen die flinten 3merge, das Ehrengeschwader der Flugzeuge. Unfer Kollege von der Photographie eilt von Fenster zu Fenster, die günstigste Sicht zu erfaffen. ir maden uns Rotizen, schnell und flüchtig, als Anhaltspunkte. Wir sind über Staaten. Unten sieht man den weiten Flugplay mit seinen verschiedenen Markierungen, den berühmten 2n fermast, die Reihen der interessierten Zuschauer und den riesiget Autopart, ficht anan die Zufahrtstraße, auf der Kraftfahrzeuge, Radfahrer, Fußgänger mit aus der Bogelperspektive gefehen radezu märchenhafter, um nicht zu sagen affenartiger Gej hwindig Leit heraneisen. Verblüffend ist für alle, daß der„ Graf Zeppelin" beinahe lenfrecht zur Erde geht, in einem Winkel von faum 20 Grad, fomeit mir dies non oben schägen fönne.1. Unten erblidt man die Menschen, die mit den Taschentüchern winfen; selbst den Lärm der Motoren übertönend, schalt der Willkommensgruß der Berliner an den Ozeanbezwinger zu uns empor. Das Luftschiff dreht sich langsam um sich selbst. Noch ist es nicht am Anfermast befestigt, und der liebenswürdige Bärenführer von der Lufthansa brüllt uns Laien ins Ohr, daß dieses Manöver mindestens eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen werde. Aber schon stehen leben fie förmlich„ maitäfern" in nächster Nähe des Schiffes feierli gefieidete Herren bereit, die Bertreter der Behörden, die ihre Begrüßungsansprachen vom Stapel laffen wollen. Wir aber tehren nach Tempelhof zurüd. geVon den amtlichen Gebäuden grüßen uns die schwarzrotgolbe nen Farben der Republif. Man fann nicht sagen, daß die Be böfferung Berlins, wenigstens in den Bierteln, die wir fahen, der Aufforderung, zu flaggen, mit übermäßigem Cifer gefolgt ist. Ciner der Breffeleute meint:„ Es muß ba irgendetwas vorliegen, was gerade dem skeptischen Berliner ein starkes Stud Begeisterung Leber Berlin. nimmt. Die Zehntausende auf den Straßen und Pläßen, die bei dem Dröhnen der Motoren stehen blieben und in dem Dunst das LuftSchiff zu erspähen fuchten, tamen nur wenig auf ihre Rechnung, denn die Regenwollen verhinderfen jede Sicht auf größere Entfer. nung. Aber während der Zeppelin über der Stadt feine Schleifen 30g, besserte sich die Sicht zusehends, es wurde heller, und mun fonnte man auch das langsam über der Innenstadt nach dem Osten und Norden kreuzende Luftschiff beffer erkennen. Dichtgedrängt standen die Passanten auf Straßen und Plägen, auf Hausdächern und an den Fenstern, während das Schiff nom Osten der Stadt in langsamer Fahrt sich nach Süden, nach dem Tempelhofer Feld und von hier aus nach den westlichen Bororten wandte. Schwierige Landung. Als das Luftschiff sich in ganz langsamer Fahrt in geringer Höhe dem Flugfeld näherte, fortwährend umringt von den Flugzeugen, glaubte man in Staaten bereits, daß es zur Landung un mittelbar ansege. Die Landemannschaft verteilte sich auf dem Gelände, um im gegebenen Augenblid die von der Spize fallenden haltetaue zu erfolien, aber der Zeppelin eß, über dem Luftschiffhafen angekommen, doch och einmal die Matoren anspringen, um abermals eine Schleife zu ziehen. Gleich darauf wurde durch Funt. spruch vom Bord; befannt, daß die Schiffsleitung fich entschlossen habe, zunächst ein Abflauen des starten Westwindes abzuwarten, da bei den ungünstigen, Windverhältnissen eine. Landung mit einer ungeübten Haltemannschaft als zu gefährlich erachtet werde. Nach einer weiteren Schleife zeigte dann aber das Luftschiff die Lande. flagge an der Führergondel und feste gegen 9,45 Uhr zur Lan bung on. Kurz vor% 10 1hr senfte fich die Spize des Schiffes über dem Blag, dröhnend sprangen die Motoren in Rückwärtsgang ein, das Schiff stand fast still, und im nächsten Moment fielen von der Spitze die Haltetaue auf das Feld hinab, murden sofort von der Saltemannschaft ergriffen, und langfam wurde der Bug des Zeppelins hinabgezogen. llm 9,45 Uhr packte die Landemannschaft die Haltestangen der großen Führergondel: Das Schiff war in der Reichshauptstadt gelandet. In wenigen Minuten war das Landungs manover glatt durchgeführt, auch vom Hed maren die Haltetaue ge fallen, langjam fenfte sich das Heck, bis die Landemannschaft auch an der hinteren Motorengondel anpaden und nun das Schiff festhalten fonnte. Die Zufahrtsstraßen nach Staaten, Der Hauseinsturz in Paris. Die von der Polizei starf befeßt waren, wiesen Leere und Dede auf. Nur wenige Wagen fuhren zum Flugfeld in Staaten und die Heer Unser Bild zeigt die Ruine des Theaterbaues, der dieser ( Fortlegung auf der 2. Seite.) Tage in Paris zusammenstürzte. Auf der Suche nach dem Ausweg Der große Kampf im Ruhrgebiet. Bochum, 4. November.( Eigenbericht.) Allem Anschein nach werden die nächsten Tage des Kampfes in der Metallindustrie im Zeichen der Vorbereitung einer von dritter Seite angebahnten Ber mittlungsaktion stehen. Die Reichsregierung wird zweifelsohne alles daran segen, um einen sozialen Kampf bis zum Weißbluten, der die ganze deutsche Wirtschaft erschüttert und bei längerer Dauer im Falle eintretender Notlage der Ausgesperrten sowie der von dem Arbeitskampf direkt und indirekt Betrof fenen zu Unruhen im Revier und zu schweren Romplikationen der innerpolitischen Lage führen müßte, zu verhindern. zutragen, verlautet hier, daß Stegerwald am Freitag in das Inbu striegebiet gekommen ist, um an einer schon vor drei Wochen einberufenen Sizung einer Bank teilzunehmen. Er ist am Sonnabendvormittag über Köln nach Nürnberg weitergereist und hat während feines Aufenthaltes im Industriegebiet feinerlei Verbindungen mit irgendwelchen Arbeitgebern gehabt oder gesucht, sondern hat sich völlig neutral verhalten. Die Hungerpeische knallt! Effen, 5. November.( Eigenbericht.) Eine befonders rigorose Affion des Arbeitgeberverbandes hat in der Metallarbeiterschaft großen Unwillen hervorgerufen. Bei fämtWie verlautet, steht das Reichsarbeits. lichen Arbeitern wurden bei Infrafttreten der Aussperrung die Beministerium sowie das Reichswirtschafts. träge für Miete, Hausbrand und Urlaubsgelder restlos einbehalten, ministerium in enger Fühlung mit den Spigen fo daß ein großer Teil der ausgesperrten Arbeiter Sierneben sollen offizielle Besprechungen zwischen der Gewerkschaften und der Unternehmerseite. fast mittellos entlassen wurde. Führern aus dem Gewerkschaftslager des Zentrums mit Auf welcher Berhandlungsbasis die zustänbigen Berliner Instanzen ihre Bermittlungsaktion zu führen gedenken, steht noch nicht fest. ,, Stegerwald hat sich neutral verhalten." Effen, 4. November. Gegenüber Zeitungsmeldungen, daß Stegerwald in das In duftriegebiet gefommen sei, um zur Schlichtung im Eisentonflitt bei Auf die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes entfallen ungefähr 25 Mart pro Mitglied der wöchentlich von dem ftügung. Die Unorganisierten fahren zurzeit sehr schlechf, da bekanntlich bisher keine Arbeitslofenunterstützung für die Ausgesperrten gezahlt wird. ( Siehe auch 2. Seite.) Bauunglück in der Schönhauser Allee Bericht 4. Seite. \ Zeppelin itt Rerlin. (Fortsetzung von der 1. Seite.) f ■! i [trotze bot. kaum«5n anderes Bild als sonst an den Wochentage». Auf dem KugplasK Staaken säumt« freilich eine au» mehreren hundert Wage» bestehende Auto kette den Parkplatz ein. aber immer- hin waren es doch mtr vielleicht 10 000 Menschen, die den weg nach Spandau gefunden hatten. In strömendem Regen harrten Unentwegte schon seit 8 Uhr morgens aus und ih'rt Geduld sollte belohnt werden. Gegon%9 Uhr ertönte aus dez»-grauen Wolken, die dicht über dem Bälden dahinflogen, das unoerkennbare Knattern und Fauchen. Schon im nächsten Augenblick wurde das im Regen grau schimmernde Schiff gesichtet. In hoher Fahrt kam es aus südlicher Richtung, machte dann«inen weiten Boge« und verlang- samte die Fahrt Rmr�wei Motoren arbeiteten noch. Es schien so, al» ob die Führung des Luftschiffes sich vergewissern wollte, daß all« Landeoorbereitungen in Staaken auch getroffen seien. Die Nachricht, daß„(Bros Zeppelin"' doch seinen Weg durch Nacht und Regen finden wurde, hatte in der letzten Stund« in Berlin alarmierend gewirkt. Segen%9 Uhr setzte deshalb«ine I a g d o u f alle verfügbaren Autodroschke» und Privatwagen ein. und nun rollte«ine lange Kolonne von Fahrzeugen die DSkxritzer cheerftratze hinunter. Wer der Landung selbst nicht bei- wohnen konnte, wollte wenigstens das an den Ankermast gefesselte Lustschiff sehen. Die Sontrollbeamten am Flugplatz hatten gegen 10 Uhr oll« Hände voll zu tun, um die ankommenden Besucher abzufertigen. Begrüßung in Staaken. In der Nähe des Ankenmastes wird das Lustschiff zunächst fest- gehalten und der Konus an der Spitze des Luftschiffes frei- gemacht. Aus der Spitze des Konus wird ein Drahtseil herab- gelassen und an diesem das Lufffchiff bis zum Ankermost gezogen. Die Verankerung des Luftschisfes dauert über anderthalb Stunden. Die Borderkojütc wird dann mit Ballost behängt und an der Schwanzgondel der Radwagen befestigt. Da die Räder dieses Wagens in dem aufgeweichten Boden zu verstnken drohen, werden lange Bohlen herangeschleppt, um den Radwagen zu stützen. Die Geduld der Zuschauer wird aber immer noch auf«ine lange Probe gestellt. Von Dr. Eckener und seiner Mannschaft ist zunächst nichts zu sehen. Zuerst steigen die Passagiere aus, darunter auch das zehnjährige Mädchen des ersten Steuermannes, dem die Fahrt gut bekommen ist. Nachdem die Passagirre, darunter auch die amerikanischen Marineoffiziere, das Schiff verlassen haben, erscheint in der Kajütentür Dr. Eckener im blauen Mantel und Schirmmütze. Ihm folgen in kurzen Abständen seine Steuerleute und dann die Mannschaft, alle in brauner Lederjacke und Schirmmütze. Fort- während muh Dr. Eckener sich den Photographen stellen. Nur langsam kommt er, unterstützt durch eine Schupokette, über den Plag zur Ehrentribüne, wo er vom Reichsoerkehrsminister v. G u ä ra rd und vom Handelsminister Dr. Schreiber und vom Reichstagspräfidenten Löbe begrüßt wird. Dr. Eckener und sein« Mannschaft nehmen auf der Ehrentribüne Aufstellung, wo Minister v. Guärard die ersten Begrüßungsworte spricht. Im Anschluß daran feiert Oberbürgermeister Dr. Böß den Lusffchifs- führ«? und dann spricht Dr. Eckener selbst zu den Zehntausenden. Er macht kein langes Wesen von seinen Erfolgen. Er spricht davon, daß zum Transozeanflugverkehr noch ein weiter Weg ist. Sofort nach diesen Reden nehmen die Ehrengäste in Autos Platz, die ste nach Berlin entführen. Das Flugfeld ist noch Stunden nachher be- fetzt von Tausenden von Autos, die nur langsam den Weg zurück- finden können. Oer Empfang im Radio. Es ist kaum möglich, daß die Besucher in Staaken, selbst die Tribünengäst«. besser über die Landung orientiert worden sind ol» die Radiohörer. Bor neun Uhr setzt die Berichter» stattung«in. Zuerst schildert Braun knapp und sachlich den Flug de« Zeppelin über die Stadt, und dann beginnen die Schwierigkeiten der Landung. Ueber eine Stund« lang dauern die Bemühungen. und der Hörer wird zum Zeugen dieser schweren und gefährlichen Arbeit. Broun, der ausgezeichnete Improvisator, belebt die Szene außerordentlich dramatisch, weiß zu steigern wie auf dem Theater. Gespannt und atemlos folgt der Hörer den Versuchen, erlebt im Geiste mit da» Arbeiten an den Tauen und an dem Ankermast, fühlt die Gefahr, in der sich öfters die Arbeiter am Mast befinden, und man empfindet es direkt als eine Befreiung von drückender Last, wenn die Verankerung endlich gelungen ist. Dazwischen hört man das Brummen der Motor«, kurz abgerissene Befehle, die Ruf« der Be- dienunqsmannschaften. Befehle der Polizei, entserntes Pfeifen einer Lokonttive und gewissermaßen in Großaufnahme das Wiehern eines Pferdes, dann das Jubeln der Mass«, als Eckener erscheint, die Begrüßungsreden. * Wie wir am Sonntag mitteilten, hat das Provinz ialfchulkol- legium es abgelehnt, den Schulen anläßlich der Ankunft des Zeppe- lins frei zu geben. Mit Recht wurde hervorgehoben, daß es für die größte Angahl aller Schüler nicht möglich fein wird, zur An- kunft des Zeppelins nach Staaken zu fahren. Dies« Verfügung wurde von einer großen Anzahl höherer Schulen umgangen, indem dieser Tag einfach als obligatorischer Aus- flugstag angesetzt wund«. Nach den behördlichen Bestimmungen soll der Aussiugstag natürlich in erster Linie dazu dienen, die Schüler auf größeren Wanderungen mit der Umgebung Berlins vertraut zu machen, ihren Sinn für Naturschönheiten zu stärken ufw. Es erscheint unglaublich. Tausend« von Schülern«inen ganzen Vormittag auf die Straße zu schicken, nur damit sie eventuell einige Minuten lang ein Stückchen des Luftschiffes ans einer grauen Wal- kemoand hervortreten sehen. » Kurz vor 1 Uhr fand im Palais des Reichspräsiden- ten der Empfang Dr. Ecken« rs und der Besatzung statt. Der Reichspräsident drückte seine lebhafte Freude darüber aus, daß der Doppelflug nach und von Amerika so glücklich gelungen sei.und daß er auch die gesamte Mannschaft des Schiffes begrüßen könne. Auf der Wilhelmstroß« hatte sich ein« große Menschenmenge zusammen- gebunden, die die Gäste stürmisch begrüßte. Der Reichspräsident ließ sich jeden der Besatzungsmannschast persönlich vorstellen. Im Anschluß- daran fand der Empfang beim Reichskanzler statt. 82. Abl. Steglitz. Heute, S. November, 80 Uhr, Frauenabevd im«üdender Hof, Südende, Lichterfelder Str. 1, Ecke Stephanstraße. Bericht über die Bezirkssrauenkonserenz. Weitere wichtig« Tagesordnung. Städtische C«er. Tie Stadt Berlin wird Dr. Eckener und die Zeppelin- Beiodunzdurch eine Festporstellung ebren. An Stelle der angesetzten Prophet- Aufführung wird Flgaroj Hochzeit gegebe». Beginn 7 Uhr. Die WomrementS behalte» ihr« Eüllizkett. Der Sturm aufs Schlichtungswesen. Unternehmer enthüllen ihre Absichten. Es ist noch in aller Erinnerung, daß gleich nach dem Re- gierungswechsel im Reich in einem großen Teil der bürgerlichen Presse ein Feldzug zur„Reform des Schlichtungswesens' einfetzt«. der von der„Deutschen Allgemeinen Zeitung' geführt wurde. Man begründete die Resonnwünsche auf der angeblich allseitig an- erkannten Minderung des Berantwortlichkeitsgesühls der Beteiligten durch die gegenwärtige Form des Schlichtungswesens mid stellte eine Reihe von Forderungen für seine Aenderung aus, die die Ber- antwortung der Parteien stärken sollt«. Schlagworte wie „Schlichttingskrise' und„Schlichtungsreform' wurden geprägt und wurden ohne Prüfung ihrer Berechtigung anfgenonmien. Da kam etwa- den Führern des Kampfes vielleicht Unerwartetes: der neue Arbeitsminister lud die Spitzenverbände der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu sich ein, um von ihnen selbst ihre Klagen und Wünsche zu hören. Die rnrnmehr in der resorm hungrigen Presse in großer Auf- machimg als Wendepuittt des deutschen Sästichtungswesens an- gekündigte Konferenz fand am 16. Ottober d. I. statt. Aber sie verlief wirttich nicht sensationell, wenigstens nicht in dem Sinne dieser Ankündigungen. Es zeigte sich nämlich, daß die Träger des Arbeitslebens teils keine Reformnorschläge nvachen wollten, teils keine machen konnten. Die Gewerkschaften erklärten in voller Einmütigkeit, daß sie gewiß mancherlei an einzelnen Schlichtungsergebnissen auszusetzen hätten, daß ihnen auch gefühls- mäßig oft genug der Zwang der Derbindlichkeitserklärung wider- streb«, daß sie aber gleichwohl anerkennen müßten, daß die Schlichtungsgesetzgebung mit ihrem Zweck der Herbeiführung von Tarifverträgen die folgerichtige Ausführung des Artikels 165 der Reichsverfassung sei, der die gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeit- nehmer- und Arbeitgeberverbände bei der Regelung der Arbeits- bedingungen festgelegt hat. Sie wünschten deshalb keine Aenderung des Schlichtungsrechts, auch keine Abschaffung oder Einschränkung der Berbindlichkettserklärung, die mir zur Erschütterung des Tarifgedankens führen würde. Die Unternehmer sind schweigsam. Die Unternehmer verhielten sich in dieser Besprechung merk- würdig„diplomatisch'. Sie betonten einerseits innner wieder ihr« „positive Einstellung zu Tarifvertrag und Schlichtung', verlangten nb«r die„Beseitigung der generellen Möglichkeit der Berbintstieh- lichkeitserttärung'. Trotz aller Fragen der Gewerkschaften und auch des Arbeitsmimsters gelang es nicht, ihnen das Geheimnis zu entlocken, was es eigentlich mit dieser Forderung auf sich hob«: denn daß es noch dem geltenden Recht keine„generelle' Möglichkeit der Verbindlichkeitserklärung gibt, ist allen Kennern dieses Rechts bekannt. Die Aufnahme der„Reform'- Forderungen der Presse wiesen die Unternehmer weit von sich! Sie würden ihre Wünsche später schriftlich erläutern: offenbar vor dem Zeitraum von zweiundeinenhalben Monat, der zwischen der Einladung und der Besprechung lag, für eine so tiefgründige Abhandlung viel zu kurz. Zu derselben Zeit ob», als die Besprechung im Reichsorbeits- Ministerium stattfand, beFitworteten die Unternehmer eines nach wirtschaftlicher Bedeutung und Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer besonders wichtigen Industriegebiets, die sogenannte„nordwestlich« Gruppe', eine Lohnforderung mit der Kündigung ihrer sämtlichen Arbeitnehmer für den 1. November, um zu diesem Zeitpunkt ein« Gesamtaussperrung zu Zwecken des Arbeitskampfes durchführen zu können, zu einer Zeit, als die Schlichtungsbehörden sich mit dem Streit über- Haupt noch nicht beschäftigt hatten. Das war die prok- tische Illustration zu der„Verantwortungsfreudigkeit' und zur Bejahung des Tarifvertrags- und Schlichtungswesens, wie sie die Unter- nehmer in der Besprechung immer wieder betonten! Die Disziplin der Gewerkschaften, ihr ernster Wille zum Tarifvertrag unter Vermeidung unnötiger Wir ffchofts kämpfe. nahen die ungewöhnlich« Provokation unbeantwortet hin. Dos Schlichtungsverfahren nahm seinen Lauf. Ein Schiedsspruch erging und brachte den Arbeitnehmern nicht die erhoffte Lohnerhöhung, sondern nur«ine kaum merkliche Verbesserung ihrer Lage, zugleich eine Bindung aus anderthalb Jahr«. Trotz des Geschreis der Kommunisten nahmen die Gewerkschaften den unzulänglichen Schiedsspruch an, um durch die Tat den Willen zum Tarifvertrag und das Verantwortungsgefühl für die Gesamtwirts chast zu bezeugen, von dem auf der anderen Seit« soviel die Rede war. Die Unternehmer lehnten rundweg ab. Als die Gcwerk- schasten nunmehr, ohne Rücksicht auf ihr„Prestige', nur um den schweren Kampf zu vermeiden, die Derbindlichkeitserklärung beantragten, kam es zu neuen Verhandlungen im Rerchsarbeits» minffterium. Alle Vermittlungsvorschläge des Arbeitsministers scheiterten an der Ablehnung der Unternehmer. So blieb ihm, wenn er„verantwortungsbewußt' einen für die deutsche Wirtschaft gefährlichen Kampf oer- meiden wollte, nichts weiter übrig als der Z w a n g s a k t der Verbindlichkeitserklärung, dessen Erforderlichtett im öffentlichen Interesse in diesem Fall von niemandem geleugnet werden konnte. Nun zeigte sich das wahre Gesicht der llnlernehmer. Obwohl durch die Verbindlichkeitserklärung nach dem geltenden Recht ein Tarifvertrag zustandegekommen war, voll- zogen sie die Aussperrung und brachen damit den Vertrag, eine Rechtsverletzung, da sie nach dem Gesetz zum Schadensersatz verpflichtet, zu einem Schadensersatz, der nach Lage der Sache in die Millionen gehen muß. In einer ftadenscheimgen Begründung suchten sie ihr Verholten damit vor der Oeffentlichkett zu erklären, daß die Lohnerhöhung des Schiedsspruchs für sie untragbar und daß der Schiedsspruch auch nicht rechtmäßig zustondegekomme» und darum seine Derbindlichkeitserklärung rechtsungültig sei. Der gegen die Gültigkeit des Schiedsspruches angeführten rechtlichen Bedenken widersprechen dem Gesetz und den geltenden Rahmentarifvortrog: sie können nicht ernst gemeint sein und werden von niemand ernst genommen. Zudem bestand für die Unternehmer die Möglichkeit sofortiger Klarstellung durch die Arbeitsgericht«- behörden ohne daß es dazu eines Arbeitskompfes bedürft«. Wie konnte es umer diesen Umständen so fragt sich jeder Ber- ständige, zu der gewalligen Aussperrung mit all ihren Wirtschaft- lichen und rechtlichen Folgen kommen? Die Lösung dieses Rätsels ist nach unserer Aufassung nicht in den Berhällmssen der nordwestdeutschen Eisenindustrie zu finden. Es handelt sich vielmehr, wie von uns bereits mehrfach angedeutet, um einen grundsätzlich en Kampf, um den Kamps gegen das staatlich« Schlichlungsweseir, für den sicheren vernehmen nach schon seit längerer Zeil von der Gesamlunlernehmerschasl Riesensummen zur Verfügung gestelli sind. Sollte er einmal durch di« Tat geführt l werden, so mußte es in diesem Augenblick geschehe«: den« setzt ist veroittwortlicher Reichsarbeitsminister ein Sazialdetnakrot. so daß die bisherigen Hemmungen der dem Zentrum nahe- stehenden Großindustriellen gegenüber ihrem Parteifreund Dr. Brmtßs, fortgefallen Jetzt kann man zwei Fliegen mit einer Mappe schlagen, das verhaßte Schlichtungswesen und die noch verhaßtere republikanische Regierung unter maßgebender Beteiligung der Sozialdemokraten. Was sie wollen. Gerade an dem Tage, an dem die Aussperrung vollzogen wurde, übersandte die Bereinigung der Deutschen Arbettgeber verbän-de dem Reichsarbeitsministerium die in der Besprechung am 16. Oktober angekündigte Denkschrift über die von ihnen gewünscht«„Reform des Schlichtungswesens'. Die ganze bürger- llch« Presse wurde in efner besonders von der Vereinigung ein- berufenen Konferenz über ihren InHall unterrichtet, eh« sie dem Empfänger zugegangen war. Und wo» stüeühüt im» afodüiüeüfü« Empfänger zugegangen war. Und was steht t« dieser Denkschrift nach der eigenen Angabe des Geschäftsführers der Bereinigung? Nichts anderes als die Uebernahms der Bor» schlägt der„DAZ.', dt« in der Besprechung am 16. Oktober von den Vertretern der Unternehmer audrücklich al» ihnen fernstehend bezeichnet worden waren! Nur. daß diese Borschläge jetzt in eine Form gebracht worden sind, die begründete Zweifel an ihrer Ernstlichkeit auskommen lassen. Denn welche Regierung kann wohl darauf eingehen, Derbindtichkettserklärungen unter ihrer Verantwortung auszusprechen, über denen Zulässigkeit und Angebrachtheit zuvor eine„unabhängige Schiedsstelle' bindend entschieden hat? Die Schiedsstelle sollte also Über der Reichs- regierung stehen: daß diese zu ihrer Amtsführung nach der Ber- fasstmg des Bertvauens des Parlament» bedarf und deshalb rechtmäßige Vertreterin des deutschen Dolkes ist; ficht die Unternehmer wenig an. Die Denkschrift zeigt deutlich, was die Unter«ehmer wollen: die praktische Abschaffung der Verbind- lichteitserklärung. deren Bestehen ihnen mit Recht als eine Sicherung des verfassungsmäßigen Anspruchs der Arbeitnehmer auf den Abschluß von. Tarisoerträgen erscheint. Durch die Aus- sperr ung in der Eisenindustrie soll für diese Abschaffung da- durch Stimmung gemacht werden, daß man dem deutschen Spieß- bürger rechts und links zeigt, daß die Verbindlichkeitserklärung za im Einzelfall doch keine Wirkung hat. Dann soll der General- stürm auf Gesetzesänderung, wohloorbereilet durch dos Trommelfeuer der Aussperrung, beginnen. Die Presseoorbereitung hat. wie die Konferenz am 16. Oktober gezeigt hat. oersagt, trotz der „objektiven' Aufsätze in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung', als deren Verfasser übrigens in Presjekreisen eine Persönlichkell ge- nannt wird, die im Reichswirtschastsministerium be- schästigt ist: jetzt kommt schweres Geschütz! Die Arbeitnehmerschaft muß aus diesen Borgängen erkennen. „was ist'. Sie darf sich von ihrer richtigen Haltung zum Tarif- Vertrags- und Schlichtungswesen nicht abbringen lassen. Die neu- geschaffenen Arbeitsgerichtsbehörden werden in dem Streit über die Unrechtmäßigtell der Aussperrung ihre Feuerprobe zu bestehen haben: sie sollen in einem grundsätzlichen Falle zeigen, daß sie die Schützer der Reichsoerfassung und des neuen Arbeitsrechts sind. Kommt es so, dann wird der Ansturm der Unternehmer auf die Arbeiterrechte der Republik ab- geschlagen. Dann ist der Kanipf, den heute eine Biertelmillion Ar- beiter unter größten Entbehrungen führen müssen, der unsere Wirt- schaft vielleicht um Jahre zurückwirst, ei« Kampf um die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse. Ole Angestellten erttären sich solidarisch. Gclseokirchen, 5. November.(Eigenbericht.) Die Aussperrung der Metallarbeiterschaft hal inzwischen zu nicht unerheblichen vetriebseiaschräakungen auch im Rnhrbergban geführt. Nachdem im Gelsenkirchener Bezirk bereit» die den Vcr- einigten Slahlwerkea gehörenden Schachlanlagen der Gewerkschaften Bonisalin, und Zollverein Feierschichten eingelegt hatten, haben seht auch die Schachlanlagen Alma- Rheinelb«. Pluto. Thie» und Holland mit Feierschichten wegen plötzlicher Ab- satzstockuogen begonnen. Die Alma-Kokerei hat ihre ftafs- produklion auf ein Mindestmaß eingeschränkt. 3n der gesamten Bergarbeiterschaf l hat der Besihlnß der vereinigten Stahl- werke, ans ihren Bergwerk»betrieben im Gelsenkirchener Bezirk nur noch drei Schichten wöchentlich verfahren zu lassen, be- grelsliche Erregung hervorgerufen. Die Angestellten sollen Notstandsarbeite« ver- richten. Die Unternehmer wollen selbst diese Ar- beiten nicht nach dem neuen Tarif bezahlen. Essen, 5. November.(Eigenbericht.) Im ganzen Aussperrungsbezirk folgen die Arbeiter den Wei» jungen der Gewerkschaften, die die Verrichtung von Notstands- arbeiten durch Arbeiter von der Anwendung de» neuen Tarifs abhängig gemacht haben. Die Angestellten schaft der Metallindustrie hat sich durchweg geweigert, der Aufforderung zur Verrichtung von Notstandsarbeiten Folg« zu leisten. Die An- gestelltenorganisationen haben sich in dieser Sache bereit» beschwert»«- führend an ihre Spitzenorgonisationen gewandt. Bochum, 5. November.(Eigenbericht.) Di« Funttionärkonferenz des AfA-Vundes nahm am Sonntag zu der Lage in der Metallindustrie Stellung. Sie faßte eine Eni- schließung, in der sie das Vorgehen des Arbettgeberverbandes als schwerst« Schädigung der Allgemeinheft und unverhüllte Auflehnung gegen die sozial« Gesetzgebung brandmarkt und das Vorgehen des AfA-Bezirkstartells begrüßt, das die Fühlung, mft dem Metall- arbeiterverband herstellt und es seinen Mftgliedern zur Pflicht macht. nur den Anweisungen der Bezirksleitung Folge zu leisten, besonder« da, wo Werksleitungen von den Angestellten Arbeiten verlangen, die außerhalb ihres Aufgabenkreises liegen.(Notstandsarbeiten.) Am Rednerpult zusammengebrochen. Duisburg. 8. November. Während einer vom Christlichen Metallarbeiterverband biet veranstalteten Versammlung, in der zur Aussperrung in der Nord« westgruppc Stellung genommen wurde, brach der Reichsiazs- abgeordnete Franz Wieber- Duisburg plössich während seiner Ausführungen infolge großer seelische, Erregung bewußtlos am Rednerpult zusammen, Beilage Montag, 5. November 1928. D Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Wohnstätten für die Angestellten. Die Dewog als Förderin des Angestellten- Wohnungsbaues. . gut vertragen tönnten, daß es aber in einer formfremden Umgebung eine Frage des fünstlerischen Geschmacks verbunden mit großem Berantwortungsgefühl ist, welche Form endgültig gewählt wird, schreibt er: Immer breiter und fester wird die große Front der Arbeit| Dachformen, steiles oder flaches Dach, sich unter Umständen sehr nehmerschaft. Der Ruf:" Reiht euch ein!" ist auch bei der Angestellten- und Beamtenschaft nicht ungehört verhallt. Der große AA- Kongreß, der erst fürzlich in Hamburg tagte, wurde zu einem gewaltigen Bekenntnis der Solidarität zwischen Angestellten und Arbeitern. Beide, Kopf- wie Handarbeiter, leiden neben all den anderen Sorgen in gleich starkem Maße unter der noch immer furchtbar herrschenden Wohnungsnot. Diese kann durch Selbsthilfe der Arbeiterschaft nur dann wirklich durchgreifend und umfassend bekämpft werden, wenn die beiden großen Arbeitnehmergruppen sich auch zur Lösung dieser Frage 3u gemeinsamer Tat zusammenfinden. Die ersten Schritte auf diesem Wege sind ja bereits gemacht und haben Erfolge gehabt, an die noch vor zwei Jahren fein Mensch hätte glauben wollen. Im Falle der Fischtalsiedlung hat dieses Berantwortungsgefühl versagt. Die Gagfah betont, ausschließlich die Wohnformen behandeln zu wollen und vermeidet ausdrücklich jedes Experimentieren". Unter der Maste dieser Objektivität" hat sie aber Partei ergriffen und hat, jedes städtebauliche Gefühl ver spottend, aus einem politischen Sentiment heraus, das steile Dach vorgeschrieben, ohne vorher zu untersuchen, ob nicht gerade das steile Dach in diesem Falle ein unverantwortliches Experimen= tieren im städtebaulischen Sinne war. Sie hat damit ihre Architeften vor eine Aufgabe gestellt, die im Rahmen des Städtebaulich bereits Gegebenen: der nach der Niederung des Fischtale grundes orientierten Gehag- Siedlung und der landschaftlichen Beschaffenheit des Fischtals selbst, nicht zu lösen war. Daß Architekten von Ruf dennoch die Verantwortung für das Unverantmortbare der Gagfah abgenommen haben, bleibt eines der unverständlichsten Kapitel der Baugeschichte dieser Siedlung." Biele Besucher, denen sich die städtebauliche Berschandelung ohne weiteres aufdrängt, glauben sie damit entschuldigen zu fönnen, daß eben die Frage des Grundrisses zu neuen, guten Ergebnisses geführt worden ist. Was aber sagt der Fachmann, der Architett? Wir lesen: " Wesentlich Neues auf wohnungstechnischem Gebiet ist nicht geboten. Bautechnisch sind neue Methoden bei der Erstellung der Häuser, nicht angewandt worden. Was bezwedte diese ganze Ausstellung? Der Leiter der Gagfah selbst hat in seinen Einleitungsworten in der Baumelt" angegeben, daß die Ausstellung Bauen und Wohnen" den Fachleuten und vor allem dem Laienpublikum das Wohnungsproblem näherbringen sollte. Für die Fachleute wären genaue, in großem Maßstab gezeichnete Baupläne ausreichend gewesen. Allein als Uebersicht verschiedener Wohnungstypen für den Laien dürfte sich eine Ausstellung in diefem Ausmaß nicht rechtfertigen lassen. Man fonnte dem Boh nungsbau feine neuen Wege meisen, man fonnte nicht einmal lehte schon beschrittene Wege aufzeigen." Wir tehren zu unserem Ausgangspunkt zurüd. Das Moh. nungsproblem ift ein Massenproblem und muß durch Maffenproduttion gelöst werden. Die Massenproduttion fann nur in Großsiedlungen angemandt werden, fie erfordert grundsätzlich andere Baumethoden als die bisherigen.. Hier ist keine Mustersiedlung fondern eine Siedlung von Mustern. Die Berechnungen des Gewerkschafters. Das Interessanteste der Bublikationen find jedoch für uns die Darlegungen des Bewertschafters. Er belegt seine Aus Richtefest der neuen Afa- Wohnungsbauten in Hamburg. führungen mit einem außerordentlich gut zufammengestellten Die freigemertschaftlich- genossenschaftliche Zentralstelle für das Klein wohnungswesen ist die Demog, Deutsche Wohnungsfürsorge AL- G. für Beamte, Angestellte und Arbeiter, Berlin. Schon aus ihrem Namen geht hervor, daß sowohl der Allgemeine Deutsche Beamtenbund( ADB.) und der freie Angestelltenbund( Af2) mie auch ber Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund( ADGB.) zu den Gründern diefer gemeinnüßigen bauwirtschaftlichen Zentralftelle gehören. Arbeiter und Angestellte gehören zusammen. Die großen Wohnhausblocks in Hamburg, von denen wir hier zwei Bilder bringen, und in Berlin z. B. die imposanten Siedlungsanlagen Brig und Zehlendorf atmen den Geist einer neuen Zeit und Gemeinschaft. Für Arbeiter und Angestellte in großen Wohnhausblods und Siedlungsanlagen freundliche und gesunde Bohnstätten zu schaffen, das ist die Aufgabe eines wirklich fortschrittlichen Wohnungsbaues. Es mar daher erfreulich, daß der AfA- Kongreß dies Problem durch einen Vortrag des Leiters der Dewog mit in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellte. Die Zusammenarbeit von Arbeitern und Angestellten ist natürlich nicht nach dem Geschmad unserer Gegner. Man sieht dort das Ideal darin, möglichst viele einzelne Baustellen zu schaffen, jedem sein Häuschen mit recht vielen individuellen„ Motivchen" auszuschmücken und womöglich in jedem Haus eine den persönlichen Wünschen des Bewohners angepaẞte Badewanne hinzustellen. Es wäre ja auch ein unglaublicher Zu stand, wenn Frau Oberschreibergehilfe Schmidt z. B. denselben Küchentyp benußen müßte wie Frau Oberbuchhaltervertreter Schulz! Nur: der Angestellte, der nachher solch eine individuelle Bohnung zugewieſen erhält, wird ein langes Geficht machen. Denn er tönnte die Miete erst bezahlen, wenn er zweiter Direktor gemorden ist. Bis dahin wird er hübsch in seiner Kellerwohnung mieder bei seiner lieben Schwiegermutter wohnen müssen. Die Dewog dagegen erflärt von vornherein, daß es nicht ihre Aufgabe sein fann, etwa bei der Errichtung des einzelnen Hauses auf einer Einzelbaustelle behilflich zu sein. Das ist rein technisch zu schwierig, unwirtschaftlich und kostspielig. Angestelltengruppen, Orts fartelle des AfA- Bundes oder des ADB., die an ihren Orten den freigewerkschaftlichen Wohnungsbau betreiben wollen, werden dagegen von der Dewog unterstüßt und ihre Bauvorhaben nach entsprechender Prüfung betreut und finanziert. Eins jedoch hat die vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband beherrschte Gagfah allen anderen Bauorganisationen voraus, die großartige Reflametrommel. Die Reflameausstellung der Gagfah. Zahlenmaterial Für die Gagfah- Wohnungen fämen überhaupt mur Angestellte mit einem Gehalt von 350 M. aufmärts in Betracht und von diesen von der Gesamtausstellung im ganzen acht Bohnungen, die ganze 3,4 Broz. der Gesamtwohnfläche in Anspruch nehmen. Er fagt dann weiter: „ Wenn aber die Ausstellung in Wahrheit den 3med verfol gen sollte, die ideale Grundrißlösung für das Angestelltenheim zu finden, dann hätte in ihr feine Wohnung über 90 Quadratmeter groß sein dürfen, denn nur solche tönnen immer unter Bor auslegung einer außergewöhnlich starten Ermederung der Kosten von Angestellten bezahlt werden. Die Ausstellung zeigt aber fol gendes Bild: Anz d. Angest. i.Proz.d. fir betr. mietfähigen Wohngröß Angestellten 0 150 000 Der Wohnungen Anzahl Gesamt wohn- in fläche Prozent leber 90 bis 194 qm 35 4 383,3 44,7 0 " 70 60 " 90 70 44 3 431,14 35 7,5 23 1413,96 14,4 250 000 12,5 " " 14 30 13 573,8 5,9 600 000 30 " 300 0 0 1 000 000 50 群 " 115 ° 9 802,2 100 2 000 000 100 " 50 Gesamtwohnfläche ว ના જેવું Man braucht nur die Augen aufzumachen. Gegenüber der mißglückten Gagfah- Siedlung steht in Zehlendorf die in Form und Farbe harmonische Siedlung der Gehag, eine GroßfiedJung, ganz von kollektivistischem Geiſt erfüllt, in allem beherrscht Neubau der Gemeinnützigen Wohnungsfürsorge im Reichsbund Deutscher Mieter e. V., G. m. b. H., Hamburg. von jenen Tendenzen, die wir bei der Gagfah vermissen. In den Gehag- Wohnungen Zehlendorf, Briz usw. wohnen laut Statistik in den bis 1927 erbauten Häusern über 85 Broz. Arbeiter, Angestellte und tleine Beamte. Gibt es einen deutlicheren Wegmeiser dafür, welcher Weg rüdwärts und welcher in das schöne Land sozialen Fortschritts führt?" Diesen treffenden Ausführungen brauchen wir nichts hinzuzu fügen. Die Angestellten aber sollten aus solchen Experimenten lernen. Sie müssen erkennen, wer der Wohnungsnot wirklich ener gisch zu Leibe geht und mo nicht nur Reklame getrieben wird. WAS DER TAG BRINGT. Mitteilung an alle Verbündeten. Mazdaznan!" schreien grellfarbige Biolate an der LitfaßSäulen. Mazdaznan bringt Rettung aus Leibes und Seelennat! Grundsätzliche Erörterungen über diese Lehre, einem Gemisch aus Lebensreform- Ideen und Mystizismus, mögen an dazu geeigneten Orten ausgetragen werden; zu allgemeiner Ergögung sei hier nur eine Mitteilung an alle Berbündeten und Besinnungsgenossen" wiedergegeben, die ein MazdaznanUnternehmen verschickt: Seid glücklich und freudig! Auf Meisters Geheiß und nach seinen Angaben und Bor schriften stellen wir jetzt eine Drüsen Rahrung zur Lebenserneuerung in Pulverform her. Auf Meifters Wunsch nennen wir das Mittel: Sepita. Er sagt: Sepita deckt alle Krankheiten, auch Zucker, Nierenfrankheiten, Krebs und sämtliche Blutkrankheiten. Es ist im stande, in 3 bis 9 Monaten, je nach dem beabsichtigten Rejultat, den ganzen Organismus zu erneuern, so man fich varietas risch( ftreng wissenschaftlich vegetarisch) ernährt, Altohol, Nifo tin, Fleisch und tierische Fette vollständig meidet und alle Regeln der Rörperpflege, der Eugenit- und Drüsenübungen gewissenhaft befolgt. Meister sagt felbft: Resultate schon nach 3 Tagen erfenntlich, doch darf man nicht aufhören, sondern muß regelmäßig alle Regeln befolgen." Man weiß nicht, ist das mun„ varietarisch" nder ist das Scharla tanerie in Reinfultur? Mazbaznan?- Laß das man! Schlangestehen in Moskau. Die Zeitung ,, Das arbeitende Mostau" schildert mit großer Der letzte große Reflamezug war die Ausstellung Bauen Anschaulichkeit das Schlangestehen, wie wir es vom Kriege her und Wohnen" in Berlin- Zehlendorf. Die ganze Beranstaltung fennen und wie es in Rußland nach beendetem Krieg und bedeute jedoch einen Schlag ins Wasser. Die Zeitschrift Boh. Bürgerkrieg, elf Jahre nach der Dficberevolution, noch heute besteht. nungs- Wirtschaft"( 3entralorgan der Dewog- Bewegung) bat breilleber die Straße", schreibt das Blatt, zieht sich ein endloser nöllig unabhängige Fachleute um ihre Stellungnahme zu dieser Schweif hin. Er bewegt sich, schlängelt sich, zittert, ganz wie ein - ist aber eine Butter, hlange". Es gibt Siedlung gebeten, die sie in Heft 19/20, das als Sonderheft zum Kazenschwanz, auch andere Schlangen: Brot- Schlangen, Be 2f2- Kongreß erschienen ist, veröffentlicht. Es handelt sich um aber Untersuchungen nach der städtebaulichen, mohnungs- troleum, Schnaps Glangen; fogar Marmelade Schlangen technischen und sozialpolitischen Seite hin. Rahbem der Städtebauer erklärt hat, daß die beiden Es ist langweilig in der Schlange stehen. In der Haupt sache sind es Hausfrauen, die alles tönnen müssen: nähen, tochen maschen, Kinder warten, mit dem Hausverwalter sich herumzanten sparen, erfinderisch sein... Sie müssen auch in der Schlange aushalten. Geht man die Schlange ab, so sieht man unzufrieden finstere Gefichter. Die Schlangesteher halten ihre Reihenmumme fest in Händen. In manchen Schlangen werden aber auch di Nummern einfach mit Kreide auf den Paletot geschrieben, oder m Kopierstift auf die Handfläche..." Die Zutaten eines ,, Sandkuchens". Durch die französische Presse geht eine interessante Not Monfieur D., ein Bakteriologe, kommt, auf den für ihn eigentl naheliegenden Gedanken, den Sandtuchen, den sein kleiner Spre ling im Garten gebaden hat, auf Bakterien zu untersuchen. fand dabei die Kleinigkeit von rund 3 millionen Erreg der Muskelstarre, 2½ Millionen Masernerrege 2 Millionen Erreger der Diphtherie, je 1 Million Erreger Ruhr und der Poden und Millionen Tuberkelbazille Gehör der Vögel. Entgegen einer vielfach verbreiteten Annahme haben auch Vögel Ohren und verfügen über ein sehr scharfes Gehör, wenn ih auch die äußeren Mer? male des Gehörfinns, so die Ohrmusd fehlen. Insbesondere vermögen die Bögel nod) sehr hohe mahrzunehmen, deren Schwingungszahl so groß ist, daß mensch Ohren sie nicht aufzufangen vermögen. Daraus erflärt sich auchi Fehlen der Ohrmuscheln. Diese sind beim Menschen und den me Tieren zur Aufnahme von Tönen mit niedriger Schwingungs eingerichtet, die für die Bögel indeffen gewöhnlich nicht in Bet tommen. Der amerikanische Ohrenspezialist Dr. Shope iſti Ansicht, daß der Orientierungsfinn der Zugvögel in engster bindung mit dieser Fähigkeit steht, die für den Menschen unhörb hohen Zone. wahrzunehmen. Die bestohlenen Tankstellen. Die American Automobile Association stellt in einem 2 fest, daß durch unrechtmäßige Entnahme von Benzin aus Tankstellen die Gesellschaft einen Jahresverlust von 2 000 000 babe, in die allerdings auch die Verluste einbegriffen fini durch Fehler in den Tantstellen entstehen tönnen. 3)rei flahre in SotvpHrujßland. Erlebnisse eines deutschen Arbeiters. 1 vor einige» Woche» erschien der Arbeiter Z r a o z V a k o s ch Hilfe suchend auf unserer Redaktion. Er war erst unlängst aus Sowjetrußlaad zurückgekehrt. Etwas mehr als drei Zahre hat er sich dort aufgehalten, wie es ihm ergangen ist. das erzählen die nachfolgenden Auszeichnungen. l. Ohne AuslckndSpaß auf die Walz. Es war im Anfang des Jahres 1324. Eine Unmenge Ber» 'amrnlungen wurden abgehalten, in denen kommunistische Redner mit Begeisterung von den Zuständen in Sowjetrußland sprachen. Russische Delegationen erschienen in diesen Versammlungen und oersuchten, Spezialisten zur Auswanderung nach der Sowjetunion zu oeranlassen. Meine Hoffnung, in Deutschland ein erträgliches Fortkommen zu finden, war längst dahin. Ich wollte nach Sowjet» rußland. Obwohl ich wußte, daß es nach Rußland keine Pässe gab, ging ich' doch in mein« oberschlesische Heimatstadt zum Bürgermeister und»er langte einen solchen. Der Herr fragte mich, ob ich ver» rückt sei. In meiner Ehre gekränkt, gab ich ihm eine knorrige Ant- wart. Der Bürgern, eiste? packte mich am Kragen und warf mich hinaus. Ohne Paß ging ich nun mit meinem Freunde noch Ratibor, um oon da aus über die Grenze zu kommen. Hinter der Stadt Tesche» kamen wir an einem großen Gasthaus vorbei. Dort standen viele Leute mit Fahr, ädern. Mein Freund beging die Unvorsichtig» keit, sich in seinem Berliner Platt noch dem richtigen Weg zu er» kundigen. Ein Mann fuhr auch sofort mit seinem Rad« vor uns her, und als wir eine hohe Eisenbahnbrücke passieren wollten, kamen uns tschechoslowakische Gendarmen entgegen, die uns freundlich begrüßten und uns ein achttägiges Quartier besorgten. Nach schwerem Kohldampfschieben brachten sie uns über die tschecho- slowakische Grenze nach Deutschland zurück. Nun faßten wir den Plan, über Litauen und Lettland das gelobte Land zu erreichen. Mit dem Güterzug fuhren wir bis zum polnischen Korridor. Das Geld für die Ueberfahrt hatten wir uns besorgt, und von Marien» Nfg ging es auf Schusters Rappen der litauischen Grenze zu, die mir auch ohne Schwierigkeiten überschritten. Wir kamen bis Kowno urfh versorgten uns tüchtig mit Proviant. Gleichzeitig gingen wir in die dortige sowjetrussische Gesandtschaft, um Papiere für die Grenze zu bekommen. Der nissische Konsul tröstete uns mit den Worten, daß für solche Proletarier wie wir die russische Grenze intmex offen sei. Wir sollten ruhig hingehen. Weiter ging es zur lifouischen Grenzstadt Alexandra wo, wo uns«in schwerer Gewitter- regen überraschte, der uns völlig durchnäßte. Mein Kolleg« konnte seinen Hunger nicht mehr bezwingen und versuchte, etwas zum Essen aufzutreiben. Kaum war er in einem Haus verschwunden, so kam er mir auch schon mit zwei litauischen Gendarmen entgegen, die un» in das dortige Polizeigesängnis einlieferten. Jeder kam in eine besondere Zelle, weil man uns zuerst für Spione hielt. Noch«in paar Tagen wurden wir zu Fuß von Dorf zu Dorf nach der deutschen Grenze zurücktransportiert. Was wir während dieses achtwöchigen Transportes an Hunger ausgehalten haben, ist hier nicht möglich zu schildern. Endlich erreichten wir die deutsche Grenz- stadt Eydtkuhnen. wo die litauischen Gendarmen uns dem deutschen Grenzposten übergaben. Zu Fuß quer durch polen. � Nun waren wir wieder zu Hause. Die deutsche Grenz- polizei brachte uns noch am selben Tage mit der Eisenbahn nach dem nächsten Amtsgerichtsgefängni» Stallupönen. Nach oierzehn- togiger Rast wurden wir wieder an die srasche Luft geseßt. Meinem Kollegen war die Lust nach dem russischen Paradies für immer vergangen. Er macht« nicht mehr mit. Aber mein Vorsatz, 'ach Rußland zu gehen, blieb unerschütterlich. Denselben Weg, den ch bereit» mit meinen, Kollegen gemacht hatte, ging ich nun allein. vkit meiner oberschlesisch. polnischen Sprache hoffte ich ganz bestimmt, -urch Polen die Sowjergrenze zu erreichen. Bei Knurow, in der Nähe von Gleiwitz, setzt« ich über die eutsche Grenze nach Polen und schlug die Richtung Krakau, irzemysl, Lemberg bis Rowno ein. Zu damaliger Zell konnte ich as als Deutschoberschlesier noch riskieren, iveil mir die Sprache und e oberschlesische,, Papiere von großem Nutzen waren. Ueber die rt, wie ich die polnische Polizei manchmal anführte, muß ich heute ,ch lachen. Ich bat die Polizei um Feuer, ja sogar um Zigaretten ibe ich die Gendarmen angefochten, um sie zu verblüffen und so ner gründlichen Kontroll« zu entgehen. In der Nacht wählte ich wptsächlich die Eisenbahnstrecke, die nach Kriwil führte. Die rhnstationen mußt« ich natürlich umgehen. Je mehr ich mich der iwsetgrenze näherte, desto schwerer war es für mich einer Ver- ftung zu entgehen. Eines Abends, als ich die Elsenbahnlinie ssierte, faßten mich polnische Gendarmen, die mich im Mondschein a weitem hatten komnien sehen. Ick) wurde in großes Verhör wmmen. Der eine Kendarm war ein Posener, der andere«in lizier. Der Posener wollte mich laufen lassen, aber dem Galizier r ich zu verdächtig. Schließlich einigten sie sich, und ich mußte h dem nächsten Dorf zum Gemeindevorsteher. Dort konnte ich rnochten. Erst am Morgen sollt« ich meinen Weg fortsetzen, l es des Nachts für einen Fremden verboten war, den Eisen» nkörper zu passieren. Da ich beobachtet wurde, muhte ich mich Nächtliche Flucht. Man wies mir ein Zimmer an, aber ich tonnt« keinen Schlaf ?n. Ich überlegte, od man mich oft, nächsten Morgen auch n lassen würde, oder ob es wieder dasselbe Theater gäbe wie itauen. Sicher ist sicher, dachte ich, uird pruste die Widerstands- ikeit des Fensters, das nach den Kornfeldern hinausging. Das ter hatte Mitleid mit mir und kapitulierte nach einem kleinen . In der Dunkelheit sprang ich in ein« mit Jauche gefüllte zrub« und kletterte dann über einen ziemlich hohen Zaun. Ein der im Hose gerade Patrouillengang hatte, zweifelte an meiner chkeit und wollte meinen Fluchtversuch verhindern. Das gelang zwar nicht, aber ein Stück von meiner Hose behielt er doch Andenken. Ich lief, was die Beine hergeben wollten. Im ck ging es zwischen hohen Kornfeldern querfeldein. Nur weiter. nel wohin. Die Hauptsache war mir, einen großen Vorsprung »innen. Der polnische Köter, so ausgehungert er auch aussah, einen ohrenbetäubenden Lärm, und seine sämtlichen Kollegen ,rs« stimmten mit ein. a weiter Entfernung hörte ich rufen:„»toi, stoil" Gleich r fielen Gewehrschüsse die Geschosse pfiff« mir am Ohr vor. tfea abet nicht, Sieb«, hl« acht«lometer liej ich t» MelPao Tempo auf die Eisenbahnlinie zu. Erst ol» ich am Waldrand war, brach ich vor Müdigkeit und Erschöpfung zusammen. Ich konnte kamn eine Viertelstunde gelegen haben, da sah Ich hinter mir eine Lokomotive in ganz ruhigem Tempo fahren. Mit ihren Schein- werfern leuchtete sie rechts und links und noch vorn die Strecke ab. Das galt mir. Man suchte mich. Ich verkroch mich flugs im Wold und ließ das ftiuchende Ungeheuer an mir vorbeifahren. Kurz darauf schlief ich«in. Nach drei Stunden setzte ich meinen Marsch zur Sowsetgrenze fort, weil ich noch die Dunkelheit zum Grenz- übertritt benutzen wollte. Ich war aber kaum ein paar Kilometer gelaufen, da glaubte ich den Weg verfeljlt zu haben. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis es anfing zu tagen. Dann sah ich in einiger Ent- fernung zwei Männer bei ihren Pferden liegen. Im Nu war ich in einem kleinen Erlengebüsch verschwunden. II. Die Sowjetgrenze erreicht. Von einer Höh« aus, die mit Knieholz bewachsen war. sah ich bei heranrückender Tageshelle die mit Strohbösen bezeichnet« Grenze. Weit und breit war kein polnischer Grenzposten zu sehen. Ich steuerte einem Erbsenfeld zu und stopft« mir die Taschen»oll, denn ich konnte vor Hunger kaum mehr kriechen. Als ich die ersten Schoten in den Mund gesteckt hatte, schaute ich mich noch einmal nach ollen Seiten um, ob die Lust auch rein ist. Jetzt sah ich erst, daß rechts von mir in einer Entfermmg von etwa zehn Metern zwei blaue Gestalten ganz ruhig lagen. Sie schnarchten wie die Ratten und hatten ihr« Gewehre bei sich. Ich ließ die Grenzposten schnarchen und schlich mich behutsam über die Sowsetgrenze. Nun war ich endlich in dem oon mir so heißt ersehnten gelobten Lande. Gleich an der Grenze traf ich Kinder, die ihr Vieh hüteten. Ich erkundigte mich, so gut ich tonnte, noch der Eisenbahnlinie, die nach Kiew sührt. An der Bahnstrecke entlang wollte ich weiter nach dem Innern Sowjetrußlands wandern. Die Kinder sagten zu mir „Towarifchtsch", d. h. aus Deutsch„Genosse"'. Aber wir konnten uns nicht iveiter oerständigen, und ich macht« mich aus den mir von den Kindern bezeichneten Weg. Als ich im Wald verschwunden war, fiel ich zuallererst auf die Knie, küßt« die Sowjeterde und ver- richtete«in Dankgebet für den Eintritt ins gelobt« Land. Dann begab ich mich auf die Suche noch der Eisenbahnlinie. Einen unend- lich langen Wold mußte ich durchqueren. Keine Menschenseele be- gegnete mir. Der Hunger quälte mich unbeschreiblich. Endlich kam ein kleine» Fuhrwerk, und ich erkundigte mich, so gut es gehen N i A iei nch wollt«, nach der Bahnstrecke. Viele Fragen mußte ich de« Man» wr beantworten. So wollte er wissen, ob ich«in politischer Emigravl wäre. Als ich ihm sagte, ich sei Kommunist durch und durch, macht« er dreimal«in Kreuzzeichen und fuhr mst dem Gaul los. Noch langem Kreuz- und Querwandern erwischte ich endlich die Eise»' hei bahnlini«. E» war schon dunkel. Vor Hunger und Müdigkeit sirnl ich um und schlief ein. Als ich aufwachte, dämmerte es bereit«. itb an « did eis Von Banditen überfallen. Ich zog wieder los. Rechts und links am Cisenbahndamw wuchsen Himbeersträucher, und ich oerschlang die Beeren, obwohl sie noch nicht vollkommen reif wären. Bon weitem sah ich«in Bahnwärterhäuschen und freute mich schon, dort ein Stück Brot zu bekommen. Aber alles lag noch in festem Schlaf, ja selbst der Hund war zu foul, mich anzumelden. Da war es also wieder nichts mit Brot, und ich ging zu einem nahen Kirschbaum und aß von den reisen Früchten. Von 2 Uhr morgens bis Mittag marschiert« ich. und der Wald nahm immer noch kein Ende. Ich wußte, daß es im Wald Himbeersträucher gab und stieg vom Bahndamm her- unter. Kaum war ich im Wald, da hörte ich rufen:„Stoj: Iub Awoja Bogo Mal!" Ich drehte mich um und sah einen Mann mit angelegtem Gewehr auf mich zukommen und hinter ihm zwei andere, ebenfalls mit Gewehren. Ich mußt« olles, was ich hotte, vor mir auf die Erde niederlegen und mich nachher ganz nackt aus- ziehen. Ein Schwärm hungriger Mücken labte sich an meinem Blute. Mir wurde alles abgenommen, die Kleidung gründlich durchsucht, die Stieselabsätze revidiert, ich mußt« den Mund aus- machen, ob ich nicht etwa goldene Zähne darin hätte, ja sogar mein edles 5)intert«il wurde gründlich durchgesehen. Ich war Banditen in die Hände gefallen. Sie drohten mir, mich sofort nieder- zuschießen, wenn ich auch nur einen Laut von mir geben würde. Als ich dann den Kerlen sagte, daß ich schon viele Tag« nichts gc- gcsscn hätte, konnte ich mich endlich anziehen. Sie gaben mir ein Stück Schwarzbrot und ließen mich gehen, schärften mir aber«in, daß ich mich nicht umsehen dürfe. Ich wollte wissen, mit wem ich denn die Ehre hätte. Sie sagten mir, sie seien sowjettstische Wald. gendannen. Da bat ich, mir eine Bescheinigung auszustellen, für den Fall, daß ich unterwegs noch einmal revidiert werden sollte. Sie sagten aber, das sei nicht nötig, ich solle nur sagen, ich wäre schon durchsucht worden. Dann gaben sie mir den guten Rat, nach Tscherpetoska zu gehen und mich dort bei der Quarantäne zu melden Dort gäbe es gute Berpsl?gung. Ich war glücklich, mit heiler Haut davongekommen zu sein.(Fortsetzung folgt.) i a lepi Kit dibi »n* die »eil ich die hei Vorsidrt in T czew! Die Menschenfalle Im polnischen Kovrldor« Tczew: weißt du, lieber Leser, wer und was Tczew ist? Da kaum anzunehmen ist, daß du das weißt,— will ich es dir sagen: Tezew ist eine Stadt im polnischen Korridor. Die Stadt hieß früher Dir schau. Außer dem Namen hat sich an dieser Stadt kaum etwas geändert: mir hat sie für alle Deutschen, die von Berlin nach Dan zig oder umgekehrt reisen wollen, eine ganz erhebliche Be- deutung. Ganz abgesehen davon, daß es leichter ist, nach Holland, Dänemark oder noch der Schweiz als nach Donzig zu kommen, vermerkt das Kursbuch immerhin, daß man owf viererlei Wegen von Berlin nach Dan.; ig reisen kann. Man kann den Seeweg be- nutzen, man kann über Stettin— Stargard fahren, man kami über Tczew und man kann auch über Marienburg reisen. Der Weg über Tczen, ist der kürzeste. Da Zeit Geld ist. wird man meist diesen Weg wählen, obgleich man hierzu eines polnischen Durch- reisevisum» bedarf, das allerdings heute nur noch 80 Pfennige kostet. Man gewinnt dadurch etwa 1)4 bis 2 Stunden. Auch der Schreiber dieser Zeilen, der vor kurzem in.berufticher Angelegenheit oon Berlin noch Danzig zu reisen hatte, fuhr darum über Tczew. Die Hinfahrt oerlief vorschriftsmäßig und ereignislos. Ich langte pünktlich in Danzig an, nahm dort an einigen Konfe- renzen teil und trat am anderen Tag die Rückreise nach Berlin an. Danziger Freunde, die in Marienburg zu tun hatten, begleiteten mich. Der Zug fährt von Danzig über Tczew nach Marienburg. Unterweg« erörterten wir die Frage, ob e» denn für mich nicht geradezu unsinnig wäre, bi» noch Marienburg zu fahren, weil ich ja nachher von Marienburg mit dem V-Zug wieder zurück nach Tczew müßte. Der D-Zug hält in Tczew vorschriftsmäßig, und so beschloß ich, bereits in Tczew auszusteigen und dort aus den von Marienburg kommenden D-Zug zu warten. Das Durchreisevisum für den Korridor hatte ich ja auch für die Rückreise genommen. Pünktlich trifft der D�Zug, oon Marienburg kommend, in Tczew«in; jedoch als ich einsteigen will, ergreift mich der starke Arm der polnischen Regierimg, und ein athletisch gebauter Kerl donnert mich mit einem „Zurück. Sie dürfen hier nicht einsteigen!" an. Ich wurde dann freundlich gebeten, mich nach der Polizei- wach« im Bahndienstgebäude zu begeben, die sich im Kellergeschoß befand. Dort wurde mir klar gemacht, daß i ch nicht das Recht habe, in Tczew umzusteigen. Ich hätte müssen bis nach Marien- bürg fahren Und dort den Zug, der ja in Tczew hält, besteigen. Auf meine Frag«, was ich denn nun hier auf der Polizeiwache soll«, konnte mir eine bestimmte Antwort nicht gegeben werden. Ich wollte den Kommandeur der Wache sprechen, aber der war ab- wesend. Ich durste mich nun auf eine Holzbank setzen und der Dinge harren, die da kommen sollten. Der fahrplanmäßig« Zug war inzwischen abgefahren, und ich hott« nun. mehr Zeit, Betrachtungen darüber anzustellen, wie ich wieder zurück auf deutsches Gebiet kommen könnte. Inzwischen hatte man noch einen gefangen, der aber einfach wieder aus die Bahn nach Danzig gesetzt wurde, weil er überhaupt keinen ordentlichen Pah bei sich führte. Ich glaubte nunmehr, mich in den Wartesaal begeben zu dürfen, um dort ein« Tasse Kaffee zu trinken. Do« wurde mir ver- weigert, und ebenso wurde«, mir nicht gestattet, daß ich mir irgend etwa» zu meiner Erfrischung quf die Polizeiwache kommen ließ. Nicht etwa, daß die Polizeibeamten unhöftich gewesen wären. Im Gegenteil. Einer von ihnen, der sehr gut deutsch sprach und auch iWÜjche Vechäittlijj« der Lorkrtqgszest tonnte. nersuchCf mich freundlichst darüber aufzuklären, wie notwendig und zweckmäßig die Einrichtung dieses Korridors fei. In irgendeiner Form mußt- eben die Zeit ausgefüllt werden. Ich erkundigte mich ebenso freund- lich nach dem Befinden der ehedem deutschen Bevölkerung. Ich machte einen Scherz und sagte, die Spatzen und die Krähen hier im Korridor sprächen dieselbe Sprache wie in Hinterpommern und in Ostpreußen. Sie richteten sich auch nicht nach den Grenzen. Nur die Menschen seien so unvernünftig und machten sich gegenseitig das Leben schwer.„Ja," sagte mir der Pvlizeibeamte"freundlich lächelnd,„wenn man aber Sperling in Käfig sperrt, schlägt er sich Flügel kaputt!" Worauf ich erwiderte:„Sie meinen wohl, daß Danzig und Ostpreußen sich jetzt in der Log« diese» Sperlings be. finden?" Da winkt« er aber ab und meinte, nein. Polen wäre es so gegangen. So saß ich nun schon gegen drei Stunden auf der Holzbonk; vor mir die kahlen Wände der Polizeiwach«, und oben spielte sich der Zugverkehr ab. Meine Frage, ob ich ein Automobil nach Marienburg bekommen könne, wurde bejaht. Es müsse aber ein Begleiter mit zur Grenze und mst dem Automobst wieder zurück- fahren, und ob ich von der Grenze nach Marienburg wieder Fahr- gelegenheit habe, das wisse man nicht. Nach einigem Studium des Kursbuches stellte ich fest, daß gegen 4 Uhr ein D-Zug nach Marienburg Tczew passieren würde, und forderte, daß man mich in diesen Zug einsteigen und nach Marienburg fahren lasse. Dieser Wunsch wurde mir gewährt, und damit war der unfreiwillige Aufenthalt in Tczew beendet. Ich hatte allerdings das Vergnügen. am Sonntag abend bei strömendem Regen in Marienburg einzu- treffen und bis gegen 11 Uhr dieses Städtchen zu besichtigen oder Aufenthalt im Wartesaal des Bahnhofs oder in einer Kneipe zu nehmen. Nachdem ich die Feststellung gemacht hatte, daß der Regen allmählich durch meinen'Wasserdichten hindurchtam, entschloß ich mich, in ein Kino zu gehen. Dort genoß ich einen blutriinstig- rührseligen Film und fuhr endlich abends zu einer Zeit oon Marien- bürg ab. zu der ich schon in Berlin hätte sein können, wenn Tczew nicht gewesen wäre. Di- Moral von der Geschichte ist: Fährst du nach Danzig und du hast wenig Zeit und ein Durchreisevisum, dann steige in Tczew um nach Danzig. Wenn du aber von Danzig wieder zurück willst, dann oerfalle nicht in den Irrtum onzu- nehmen, daß du den gleichen Weg auch zurückfahren könntest, sondern dann mache einen Bogen um die polnische Polizei und die polnischen Bahnbeamten und fahre nach Marien» bürg Bon dar, kommst du ja wieder nach Tczew, wo der Zug hott Aussteigen darfst d» allerdings nicht, aber du kannst dann die ent- tauschten Gesichter derjenigen sehen, die sich, wie ich später erfahren habe, stets darauf freuen, einen gefangen zu haben, der der Meinung war. man könne ein« Reiseroute auf der Rückfahrt genau so inne» halten wie auf der Hmfahrt. Es wäre wirNich an der Zeit, daß d.escm Unfug e», End« gemacht wird. Zum Mindesten müßte man verlongen, daß in ranzig und auch auf anderen Bahnhöfen und schließlich auch in den entsprechenden Zügen die Reisenden daraus aufmerksam gemacht werden, daß sie in Tczew nicht aussteigen dürfen, wenn sie nicht weiter im polnischen Gebiet verbleiben wollen. Niemand kann oll« Bersügungen und Bestimmungen kennen. Es liegt mir auch fern, den polnischen Beamten Vorwürfe �machen, rncil ich annehme, daß sie lediglich ihre Dienstordnung befolgt haben. Aho nochmals: Vorsicht in Tczew! «F ritz Miintncr Sorftesbct des Verbandes der«ch t Arbeitersport am Sonntag. Das Kinderturnen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin am trigen Sonntag stand wieder im Zeichen der Leistungsfähigkeit Vereins. Pünktlich um 15 Uhr begannen die Vorführungen t einem Einmarsch der 600 Kinder. Hier erwies es sich eich wieder, daß die Prinzenturnhalle nicht mehr den heutigen nforderungen entspricht, denn auch die 1000 Zuschauer mußten nt it beengten Plätzen vorlieb nehmen. Ein Prolog, gesprochen von de mer fleinen Turnerin, war der Gruß an die Gäste, die dann noch hit furzen Worten von dem Vorsitzenden Kosei willkommen heißen wurden. Er betonte die Notwendigkeit der Erziehung des indes zum solidarischen Handeln, was auch durch gemeinsame tur5. erische Uebungen erreicht werden kann. Flottes Geräteturnen und rhythmische llebungen allen Arten hinterließen starten Eindrud. Eine gut gewählte apelle sorgte dafür, daß Kinder und Gäste eine einzige fröhliche Bemeinschaft maren. Der Tatendrang und der Frohsinn der tribbelnden und wibbelnden Schar waren fast nicht zu bändigen. Eine ee Note brachte die Darstellung von rhythmischen Freiübungen, die durch die ausgewählte bunte Kleidung und die interessante Auf tellung in Fächerform ein lebendiges Farbenspiel ergaben. Boll befriedigt verließen die jungen Mitwirkenden und die Erwachsenen bie Halle nach einem fröhlichen Schlußlind, vom kräftigen Frei Heil der Kinder begleitet. Pur meiter so in der FTGB., und mit Stolz wird die Arbeiterhaft auf ihre Leistungen sehen und sie zu der ihrigen rechnen! Berlin- Luckenwalde 4: 1. Das Spiel im Morast. Das mit großer Spannung erwartete Spiel der beiden Städte mannschaften von Luckenwalde und Berlin fand gestern unter ben ungünstigsten Witterungsverhältnissen statt. Die Spielfläche hatte mit einem Fußballplatz feine Aehnlichkeit mehr, sie glich einem Moorbad. Trotzdem ließen sich die Spieler nicht abhalten, das Spiel auszutragen. Die fünfhundert Zuschauer, die sich troß des mal in Fahrt, ist nicht mehr zu halten. Durch gute Kombination liegen die Berliner immer wieder vor dem Tor der Luckenwalder, so daß die Hintermannschaft überlastet ist. Noch zweimal kann Berlin einsenden, um somit den Sieg mit dem Resultat 4: 1 sicherzustellen. Am Bußtag, 21. November, wird das Rückspielin Luden malde ausgetragen. Ob es den Berlinern möglich sein wird, ihren Sieg zu wiederholen, ist allerdings sehr fraglich. Die Luckenwalder werden auf eigenem Boden mit stärkerer Mannschaft als hier antreten. Städte- Schwimmkampf. Berlin- Görlitz- Leipzig. Das Gestern veranstalteten die Freien Schwimmer Groß- Berlin im Stadtbad Neukölln ihr Winter Schwimmfest, das ausgetragen wurde als Städtewettkampf, zu dem Görlig und Leip3ig neben„ Sellas" und„ Groß- Berlin" erschienen waren. Fest wurde eröffnet durch eine Ansprache des Vorsitzenden der Freien Schwimmer Groß- Berlin, dem eine Rede des Kreisvor sizenden Reichert folgte. Beide Redner streiften die Vorgänge im 1. Kreis und wünschten der Veranstaltung einen vollen sportlichen und propagandistischen Erfolg. Der Kreisvorsitzende weihte das neue Banner der Freien Schwimmer. Schauer, die sich am Sonntagabend eingefunden hatten, tamen nicht auf ihre Kosten. Abgesehen von 10- Uhr- und 2- Uhr Nachtmertungen gab es nichts von Bedeutung. Nach 55 Stunden, in denen von der Spize 1435,666 Kilometer zurückgelegt worden waren, ergab fich folgendes Klassement: Dorn- Maczinsty 69 P., Blattmann- Richli 65 P. Eine Runde zurück: Rausch- Hürtgen 117 P., LouetBucheron 90 P., Frankenstein- Buschenhagen 74 P., Goossens- Stocke lynd 48 P. Drei Runden zurück: Mouton- Steger 51 P., Oszmella Schorn 50 P., Tonani- Bestetti 38 B., Goebel- Bragard 21 P. Sechs Runden zurück: Dewolf- Maes 32 P., Rieger Erfagmann. Deutscher Sechstagesieg in Amerika. Die ersten a meritanischen Sechstagerennen dieser Saison sind gefahren. Der junge westdeutsche Rennfahrer Franz Dülberg aus Dortmund konnte mit dem Amerikaner Jimmy Walthour als Partner in Detroit gegen starte internationale Konkurrenz einen Sieg herausfahren. Das als ,, wilde Veranstaltung" bezeichnete Sechstagerennen in Chicago ergab den Sieg der Mannschaft Piet van Kempen- Rodat mit 530 Buntien und 3813,610 Kilometern. Fußball Berlin- Oslo. Der Fußballstädtekampf Berlin Oslo hatte ganz außer ordentlich unter der Witterung zu leiden. Wenn sich trotzdem 15 000 Menschen auf dem Spielplatz eingefunden hatten, so zeugt das von dem Interesse, das diesem Städtespiel entgegengebracht mird. Das Ergebnis des flotten und anregenden Kampfes war der Sieg Berlins mit 2: 0. Nach der Qualität der Spieler 3u urteilen, hätte das Resultat doppelt so hoch lauten fönnen. Strausberg im Regen. Nach zwei Renntagen, die dem Strausberger Berein Gewinn und Erfolg in jeder Hinsicht brachten, fiel der Sonntag völlig ins Wasser. Eine finanzielle Einbuße hatte der Veranstalter dennoch nicht zu beklagen, die kleinen Tribünen waren nämlich brechend voll. Der Sport mußte natürlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Regens eingefunden hatten, konnten mit den gezeigten Leistungen fich zu bringen, Leipzig und Görlig eine Bahnlänge zurücklassend. Auf dem tiefen, zum Teil völlig aufgeweichten Geläuf liefen solche bollauf zufrieden sein. Mit dem Anstoß von Luckenwalde beginnt das Spiel, sofort geht es dem Tor der Berliner zu. Hier steht allerdings eine schier unübermindliche Verteidigung, die im Verein mit dem Torwart alle Angriffe zunichte macht. Selbst zwei hintereinander folgende Eden fönnen die Luckenwalder nicht ausnuten. Verschiedene Male sah es aus, als jäße der Ball bereits im Nez. Der letzte Mann der Berliner rettete aber immer noch in der entscheidenden Sekunde. Nach viertelstündigem Spiel machte sich Berlin frei, aber auch Berlins Angriffsreihe kann sich bei der sehr guten Hintermannschaft der Luckenwalder nicht durchsetzen. In der 35. Minute erhält Berlin einen Elfmeter zugesprochen, der in sportlicher Manier nicht vermandelt wird. Trog der beiderseitigen Angriffe geht es forlos und ohne Pause zur zweiten Halbzeit. Nun versuchen beide Mannschaften, die Führung an sich zu reißen. Den Luckenwaldern gelingt der erste Erfolg durch einen Fehler des sonst sehr guten Berliner Torwarts. Der Torwart lief dem Ball entgegen, merkte aber nicht, daß sich auf dem unter Wasser stehenden Platz auch noch einige feste Stellen befanden. Der Ball fiel auf eine solche feste Stelle und sprang dem Torwart über den Kopf ins leere Tor. Luckenwalde führt 1: 0. Durch diesen Erfolg der Luckenwalder angespornt. zeigt Berlins Sturm eine Kombination, der die Hintermannschaft von Luckenwalde nicht gewachsen ist. Gutes Suspielen zwischen Halblints und Halbrechts verschafft den Berlinern in der 12. Minute durch Halbrechts den Ausgleich. Nur einige Minuten dauert es, dann hat Berlin die Führung an sich gerissen, um sie nicht wieder abzugeben. Wohl versucht Luckenwalde durch Zurückziehen des vierten Läufers dem Berliner Sturm Einhaít zu gebieten, ohne jedoch damit Erfolg zu haben. Berlins Sturm, ein Premiere im Sportpalast. Auftakt zur kurzen Radrennsaison.- BehrendtManthey gewinnen die Zwei Stunden". Um es vorwegzunehmen: der Sportpalast hat seine Premiere zu der Winter Radrennsaison November- Dezember gut bestanden. Das Haus wies starken Besuch auf, die Fahrer sorgten für lebendige Rennen, so daß alle Teile auf ihre Kosten famen. Die einleitenden Fliegertämpfe sahen im ersten Lauf Hahn fiegend vor Lorenz und Schrage und im zweiten Lauf Horan vor Jan van Kempen und Rouyer. Die Endläufe dieses Wettbewerbes brachten folgende Sieger: Endlauf der Dritten: Rouyer vor Schrage, Endlauf der Zweiten: van Kempen vor Lorenz. Der Endlauf der Ersten führte Hahn und Horan zu sammen. Mar Hahn, der ja oft in Treptow ſein großes können zeigte, jedoh später wieder zurückfiel, wartete hier mit einer recht bravourösen Fahrweise auf. Er fertigte Horan überlegen ab. Es folgten zwei 50- Runden- Punktefahren, die flott abgewickelt wurden und das eine Mal von A. Standaert, das andere Mal von Dobe, der gestern in außerordentlich angenehmer Weise überraschte und gute Arbeit tat, gewonnen wurden. Den Beschluß des Abends bildete ein mit 12 Mannschaften international besetztes 3 wei stundenrennen, das schon bald nach Beginn lebhafte Jagden brachte. Drei Spizenpaare vermoch ten fich hier herauszuschälen: Nachdem Dobe wiederholt Borstöße unternommen hatte, gelang es ihm sicher, gemeinsam mit seinem Bartner Dahms, vom Felde loszutommen. Behrendt- Manthen folgten hart. Beide Mannschaften nahmen dann dem Felde eine Runde ab. Der tüchtigen Mannschaft Wette- Beinert gelang es später ebenfalls, in die Spitzengruppe zu fommen. Dann wurde es ruhiger im Felde. Nach 10 Uhr gaben die sechs Runden zurüdliegenden Schrage- Nörenberg auf. In der letzten halben Stunde jezten wieder Borstöße ein, die aber in der Spizengruppe feine Veränderungen brachten. Die Fahrt endete mit dem Siege Behrendt Manthey, die 33 Buntte zusammengeholt hatten. 3weite wurden Dobe- Dahms( 22 Punkte); Dritte: Beinert- Wette ( 7 Bunkte); eine Runde zurück und Bierte: Goris- van Kempen ( 29 Punkte); Fünfte: Rouner- Bauer( 26 Punkte); Sechste: HahnLongardt( 24 Punkte); Siebente: Kühl- Mühlbach( 14 Punkte); Achte: Kantorowicz- Kedzierski( 11 Punkte); zwei Runden zurüd und Neunte: Horan Lorenz( 13 Puntte); 3ehnte: Gebrüder Standaert ( 10 Buntte); drei Runden zurüd und Elfte: Bener- Feder. Zurüd gelegt wurden 85,230 Kilometer. 4 Freie Sanu Union Groß- Berlin. Dienstag. 6. November, Haupt Mitgliederversammlung jämtlicher Abteilungen. Referent: Robert Deblichläger, Lotal: deal- louie, Reutolla, Marejdir. 14 Beginn 20.30 Uhr. Gleich die zu Anfang geschwommene 6 X 50- Meter- Freistilstafette für Männer brachte einen scharfen Kampf. Hellas führt bis zum zweiten Mann, doh dann schiebt sich Groß- Berlin nach vorn und gewinnt in 3:14 Minuten vor Hellas( 3: 23/10), während Leipzig knapp Dritter vor Görlig wird. Die Frauenlagenftafette fah Groß- Berlin in 5: 01/10 Minuten vor Hellas ( 5: 22/10) mit großem Vorsprung siegreich. Bei der Männerlagenstafette 4X 100 Meter waren wieder Groß- Berlin und Hellas die Hauptgegner. Die beiden ersten Schwimmer lagen Kopf an Kopf. Der Rückenschwimmer von Hellas holt für seinen Verein einen Vorsprung von 5 Metern heraus, den aber der Schluß schwimmer von Groß- Berlin wieder aufholt, um überlegen den Sieg für Groß- Berlin in 5: 23/10 Minuten vor Hellas( 5:26) an Groß- Berlin übernimmt in der 3 X 100- Meter- Frauenbruststaffette die Führung vor Hellas und Görlig, Groß- Berlin fällt zurück und Görlitz sezt sich vor Hellas und Groß- Berlin. Den errungenen Vorsprung gibt Görlig nicht wieder her und gewinnt trop starken Aufrückens von Groß- Berlin in 5: 4310 Minuten. Wegen Distanzierung wurde aber Groß- Berlin Erster in 5: 443/10 Minuten. Groß- Berlin jetzt sich gleich nach dem Start in der 3 X 100- meterMännerbruststafette in Führung vor Hellas, Leipzig und Görliz; die Reihenfolge bleibt bis zum Schluß. Groß- Berlin 4: 258/10 Minuten, Hellas 4: 36/10. In ganz überlegener Weise siegte Groß- Berlin in der Frauenfreiftifftafette 3 X 50 Meter durch die legte Schwimmerin, die vom letzten Platz das anfangs eingebüßte Terrain aufholte und in 2: 19/10 Minuten vor Leipzig( 2: 2510) ans Ziel anschlug. Die Männerfreistil stafette 6X 100 Meter brachte das gleiche Bild wie die 6 X 50- Meter- Stafette; Groß- Berlin fiegt vor Hellas, Görlitz und Leipzig in 7:37 Minuten. Den Schluß des Festes bildeten drei Wasserballspiele, die gleich starte Gegner zusammenbrachte. Hellas siegte gegen Görlig mit 5: 3 Toren, Halbzeit 3: 2, und Leipzig und Groß- Berlin trennten sich unentschieden 4: 4, Halbzeit 3: 1 für Leipzig. Leipzig hatte etwas mehr vom Spiel, doch Groß- Berlin glich dies durch schnelleres Schwimmen und gute Torwächterarbeit aus. Die Jugend der Gruppe Neukölln gewann gegen Lichtenberg 6: 2. Annähernd 600 Zuschauer waren erschienen, um die guten Leistungen der über 200 Startenden mit anzusehen. Das Gesamtergebnis des Städtekampfes zeigte folgendes Resultat: 1. GroßBerlin 28 Punkte; 2. Hellas 18 Bufte; 3. Leipzig und Görlit je 10 Punkte. Kölner Sechstagerennen. Dorn- Maczinsky Spitzengruppe. Bei der Sonnabendabendwertung im Kölner Sechstagerennen tam es zu den lang erwarteten. I agden. Das Fazit war eine Verlustrunde für Louet- Boucheron, Mouton- Steger, Oszmella- Schorn, Bragard- Goebel, Dewolf- Maes und Tonani- Bestetti. Die restlichen Stunden bis zur Neutralisation verliefen wenig aufregend; 872,500 Kilometer waren bis zu diesem Zeitpunkt gefahren. Goossens- Stockelynck Am Sonntagnachmittag ging es recht lebhaft zu. Schon im ersten Teil der Wertung wurden die Fahrer durch fortgesetzte Scheinborstöße in ständiger Bewegung gehalten. tonnten durch überraschenden Antritt eine Verlustrunde gutmachen. Das gleiche Manöver glückte im Anschluß daran den Berlinern DornMaczinsky, die nunmehr mit Frankenstein- Buschenhagen und Gooffens-- Stocelynd die Spikengruppe bildeten und durch höhere Punktzahl auch die Führung an sich rissen. Tonani- Bestetti und Dewolf- Maes erhielten wegen Ablösens auf lange Sicht" je eine Strafrunde aufgebrummt und fielen dadurch auf vier Runden hinter die Spizenreiter zurück. behagt. Bei fast völliger Dunkelheit wurde das letzte Rennen gelaufen. Rideriti- Hürdenrennen: † 1. Gladiator( Sauser), † 1. Mosellaner( Mitschen), 3. Hans Thoma. Toto 23:10( Gladiator). Toto: 20:10( Mosellaner). Blag: 15, 14, 15:10. Ferner liefen: Bonbonniere( 4), Falkenfelder, Onena, Sternkunde, Fertrott, Sturmbraut. Ruage Jagbrennen: 1. Felsenrose( Bismark), 2. Lichtstrahl, 3. Friemersheim.. Toto: 31:10. Plag: 19, 53, 26:10. Ferner liefen: Dame( 4), Hardinac, Steinhäger, Diamant, Heliade, Fantasca, Sonechilde. Lycaon- Hürbenrennen: 1. Palladio( Lüder), 2. Ball, 3. Perlenfischer. Tots: 73:10. Blag: 25, 25, 15:10. Ferner liefen: Logarithmus( 4), Neuland, Tarnheim, Montagne Russe, Alerander der Große, Hazard, Parioli. Großes Strausberger Jagbrennen: 1. Lagenburg( H. Lewidi), 2. Werden, 3. Quo vadis. Toto: 88:10. Plak: 21, 14, 17:10. Ferner liefex: Treu und Glauben( 4), Schwertlilie, Romreise, Automedon. Hubertus Jagdrennen: 1. Prosigt( Hauser), 2. Piotr, 3. Perfeverantia. Tabs: 31:10. Blag: 12, 12, 12:10. Ferner liefen: Verwechslung( 4), Du, Dudelmann, Königstrone, Caractarus. Glüdsfec- Rennen: 1. Abt. 1. Jawajch( Kreuz), 2. Sturmbraut, 3. Ottogebe Toto: 18:10. Blag: 11, 14, 13:10. Ferner liefen: Fegefeuer( 4), Cumberland m, Belifar, Griff, Reifende Frucht, Flaminia. 2. Abt. 1. Easter Lily( S. Lemini). 2. Florida, 3. Gaffel. Toto: 87:10. Blag: 23, 23, 59:10. Ferner Tiefen: Parabenia ( 4), Die Treue, Basto, Mana, Hörfelberg, Gerald, Balant Serapis Ausgleich: 1. Leichte Isabell( Bachmeier), 2. Clothilde, 3. Rebates phal. Toto: 106: 10. Blag: 24, 18, 16:10. Ferner liefen: Ofterbingen( 4), Boliffet, Angulimala, Ping- Pong, Erinnerung, Lieblos, Medina. Die„ Einheit". In der kommunistischen M. 3." ist eine ellenlange Refp. lution der Roten Sportinternationale im Neu- Moskauer Deutsch abgedruckt, der man trotz eifrigem Studium nur soviel entnehmen fann, daß wieder einmal ein Kampf um die Einheit der Arbeiter sportbewegung" geführt werden soll. Die sozialistisch gesinnten Sportler haben diesen Stamps längst, längst beendet; das Ergebnis heißt: Organisierung der sozialisti schen Sportler in den einzelnen Verbänden und Bünden, die in der Zentralfommission für Arbeitersport und Körperpflege zusam mengefaßt sind. Wer sich zu deren Satzungen bekennt und sie hält, der ist in der Einheit! Welche Einheit" die deutschen und russischen Bolschewicki meinen, ahnen wir nur: Wahrscheinlich ist. es eine Einheit auf der Linie der Stalinschen Parteipolitit, die von den Thalheimer, Brandler, Madlow, Fischer, Ebert, Bied, Trotti und Konsorten hundertmal unterbrochen ist und deshalb notgedrungen zum Transport arbeiter Thälmann führt! Der soll, sicherem Vernehmen nach, bereits die Leitung der Radfahrer: organisationen übernommen haben, weil er nach oben einen fo schönen trummen Buckel machen und nach unten so wunderbar treten kann! Turner und Sportler von Weißenfee. Dienstag, 6. Rovember, 20 Uhr, treffen sich alle bundestreuen Arbeitersportler in Weißen see, Lothringenstr. 32, bei Minge zur Neugründung eines Turn und Sportvereins. Interessenten und Anhänger aller Leibes übungen, Männer, Frauen und Jugendliche, sowie alle Barteimit glieder und die sozialistischen Jugendverbände sind dazu eingeladen Eltern, deren Kinder bei uns turnen wollen, find willkommen. FTGB., Bezirk Nordring. Hockenspieler. Mittwoch, 7. No vember, 20 Uhr, Versammlung bei Förster, Dänen- Ede Schön Die dritte Nacht verlief sehr ruhig. Die zahlreichen Bu- fließer Straße. Bei den Kindern der FTGB. fi EA D „ Wir ,, Wir machen den Erfolg!" s Bestellte Locher, Klatscher und Miesmacher. Der Mensch folgt gern und willig seinem sichtbaren oder unfichtbaren Leithammel. Suggeftivkraft, Fluidum nennt sich jene Begabung, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen; sofern es sich hierbei um Vorgänge innerhalb eines scharf umgrenzten Gebietes handelt, bedarf es soll das Experiment gelingen aller dings des Vorhandenseins bestimmter Kräfte psychischer Natur.„ Die Menschen sind wie die Kinder," sprach neben vielen Gleichgesinnten irgendwann und irgendwo ein findiger Theaterpraftifer und er erschuf den sogenannten Claque chef samt seinem Stab. Dieser Herr ist, wie schon sein Titel besagt, das Oberhaupt einer Gruppe Menschen. Der Claquechef steht bei dem jeweiligen Theaterunter nehmen entweder in festem Sold, oder er erhält seine Entlohnung in Ware, in diesem Falle also in Freibilletts, die er durch Weiterveräußerung wieder in bares Geld umsetzt. Er hat die Verpflichtung, sich feinen„ Stab". bestehend aus 8 bis 10 Männlein selbst zu engagieren, denselben zu bezahlen und die Leute dahin zu organisieren, daß die dem Publikum zur gefälligen Nachahmung zu übermittelnden Empfindungsausbrüche wie„ Bravo, hähähä, pst oder pfui" genau nach seinen Weisungen ausgeführt werden. Es bedarf für die Ausübenden hierzu feines besonderen Studiums, denn der Chef stimmt den gewünschten Ton an und der Stab fällt während bei Herrn Schulze der Beifall etappenweise, immer wieder aufs neue, einzusetzen hat. Oder: ein bestimmtes Mufitstüd ist zum Schlager auserforen. Da muß mit unermüdlicher Begeisterung das Bublifum unentwegt auf diese Piéce hingewiesen werden. Bitze, Erlempori usw. werden wieder durch den Borlacher" mundgerecht serviert. Soweit die Tätigkeit der Claque von direttorialer Seite aus. Nun bleibt es aber auch dem Künstler, sofern er Luft dazu verspürt, unbenommen, sich Bravorufer für seine Person, und Pfuirufer für seinen Rivalen zu dingen. Da ja naturgemäß nirgends der rein äußere Erfolg eines Menschen so ausschlaggebend ist, wie beim Theater, so ist hier auch der Konkurrenzneid am stärksten entwickelt und es wird darum nicht selten nach besten Kräften corriger la fortune gespielt. So passierte zum Beispiel folgender Fall: Der Tenor des Abends, Herr B., kommt an die Theaterfasse und will 200 Karten erstehen, um sie unter seine Getreuen zu verteilen; mit bedauerndem Lächeln bedeutet ihm der Kassierer, daß er foeben die letzten 400 Karten an seinen Kollegen, Herrn C., weggegeben hätte. Diese Stimmenſchlacht und die daraus folgernden Rivalitätsfämpfe nahmen oft derartige Dimensionen an, daß die Opernbehörde einer Großstadt einmal ein Claqueverbot erließ. Nicht alle Künstler wissen jedoch um die Existenz dieser für ihren Die abgelehnte Totenfeier. Aus dem Potsdamer Gtadtparlament. Der Verband für Freidenfertum, und Feuerbestattung, getragener Berein Botsdam, beabsichtigte zum Totenfonntag proletarische Totenfeier zu veranstalten und trat zu diesem 3 an die Schauspielhausgesellschaft m. b. 5. in Botsdam heran mit 译 Bitte, die Räume des Schauspielhaufes für diesen Tag zur fügung zu stellen. Die Schauspielhausgesellschaft Lehnte diejes finnen ab mit der Begründung, daß für diese Feier die Räume Die Kommunisten brachten am Frei zur Verfügung ständen. in der Potsdamer Stadtverordnetenfißung folgenden Antrag Da das Theater mit städtischen Mitteln subventioniert refp. im Haushaltsplane steht es mit 26 000 m. zu Buch halten wird beantragt der Unterzeichnete Elflein, die Räume des Schauspielhau dem Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung zu fein Totenfeier zur Verfügung zu stellen. Nach einer langen ichar Debatte stimmten die Sozialdemokraten dem Antrage zu, die Rech dagegen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. der Sigung der Stadtverordnetenversammlung vom 5. Oftober hatt Um die Potsdamer Pressevertreter bei Punkt 9 der Tagesordning geftaltung des Wilhelmplatzes den Saal verlaffen, meil fie f gestaltung des Wilhelmplatzes durch Ausführungen des deutschnationalen Stadtverordneten D verdunt verletzt fühlten. In der jetzigen Sizung gab be Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rozbund eine Erklärung ab, nad der die Pressevertreter wieder die Arbeit aufgenommen haben, da de Konflikt beigelegt ist. prompt und träftigſt ein. Der„ Tonangebende" ſelbſt erhält seine Erfolg immerhin nicht unwichtigen Persönlichkeit. So erlebte ein Pleite der„ Baterländischen" in Bayern. Information wiederum vom Regisseur oder vom Direktor. Diese Direktiven können allgemeiner, oder spezieller Natur sein. So tommt es oft vor, daß der Claquechef das Textbuch zur Lektüre erhält, um sich seine Stichworte also jene Stellen, an denen er und sein Stab in Aktion zu treten haben genau einzuprägen. Gar mannigfacher Art sind die ihm zuteil gewordenen Instruktionen. Hier hat ein langanhaltendes Bravo einzusetzen, das solange währen muß, bis das Publikum einfällt, um dann langsam abzuebben, dort ist Fräulein Lehmann feste und andauernd herauszuapplaudieren, Aus den Annalen von Kyritz. Kyritz an der- Jägelik. Der märkische Ort, der durch die Landbund- Revolte in aller Leute Mund gekommen ist, hat lange Jahre hindurch die bequeme Ziels heiße für fragwürdige Wize abgegeben: das„ Kyritz an der Knatter" schien unsterblich zu sein. Bis die Kyritzer dem letzten lebeltäter die Berichtigung aufnötigten, daß ihr Flüßchen einst Gügelig, jetzt aber schon längst Jägelig genannt sei. Wer die alten Chroniken durchstudiert hat, weiß, daß in jenen alten Zeiten, wo ein Knuppeldamm das Neueste auf dem Gebiet der Techynit mar, das bescheidene Wasser aufgestaut wurde, damit flache Boote den Verkehr mit den Hansastädten aufrechterhalten fonnten. Kyrig mar, wie fast alle ansehnlichen Städtchen zwischen Nordsee und Riesengebirge, durch Tuchmachergewerbe und Bierbrauerei rasch zu Wohlstand gelangt; 1237. hatte es Stadtrecht und Schiffahrt bis zur Havel zugebilligt bekommen, dann im 14. Jahrhundert seine Stellung gegenüber dem beutelüsternen Adel behauptet. Die Leiden stellten sich erst mit dem Dreißigjährigen Kriege ein. Im 17. Jahrhundert find zehn Stadtbrände, Pest( 1626) und Plünderung zu verzeichnen, so daß Handel und Gewerbe start litten. 1800 war gerade ein Tuchmacher vorhanden. In der Napoleonszeit ist Kyriß durch ein blutiges Ereignis berühmt geworden: ein„ Wachtmeister" eines Freikorps setzte sich Ende März 1807 auf Grund einer gefälschten Order von Schill in den Besitz von Militärtuch und Bargeld, ein unter dem Deckmantel des Patriotismus ausgeführter Banditenstreich, der von Napoleon in seiner Erbitterung gegen die Freiforps aufs schwerste geahndet wurde. Der Kämmerer der Stadt und der Kaufmann, von dem der Wachtmeister" das deponierte französische Geld erpreßt hatte, wurden nach einem in französischer Sprache geführten Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt und ershoffen. Die Erekutive vollführte ein Kommando des als Hilfs truppe ausgehobenen Regiments Nassau- Ulfingen. " Die vielen Brände haben die alten Baulichkeiten fast restlos vernichtet; von dem Franziskanerkloster ist nur noch eine Brandmauer vorhanden, wohl aber find sonderbarer Beise einige schöne Fachwerkhäuser erhalten geblieben, die sich dur h stattliche Breite und Höhe sowie durch verzierte und bemalte Trageballen auszeichnen. Sie stehen in der Nähe des Marktes, dessen eine Seite mit dem„ kastellartig turmgeschmückten" Rathaus abschließt, ein Beispiel architektonischen Unfugs, wie er nach 1870 als„ Heldentil" sich breit machte. Auch die Kirche, dreischiffig, mit stattlichem rhöhten Mittelschiff, anfangs des 18. Jahrhunderts auf den alten Branitteilen erbaut, hat durch zwei schlanke, dünn wirkende Türme on 1849 feine Erhöhung ihrer Wirkung erfahren. Zu loben ist die verständige Ausmuzung freien Stadtgebietes Anlagen, leider gibt das Wasser der Jägelig nicht viel zur Befbung des Stadtbildes her. Fabriftätigkeit ist nur wenig vornden; das schmucke Aussehen des Städtchens weist auf eine geriffe Behaglichkeit des Lebens hin. Die Stadt an der Jägeliz hat fineswegs das Aussehen, als seien Bauernrevolten dort eine turnotwendige Erscheinung. Unserem Freund und Genossen Eduard Zameck km 70. Geburtstag heral. Glüdwunsch Petersburger Str. 5 Für die überaus große Teilahme bei der Einäscherung meines hannes, unferes guten Baters rechen mir auf diesem Bege len Bekannten, Freunden und arteigenoffen unseren herzlichsten inf aus. Helene Boehm u. Kinder. hlaf- Chaiselongue mit Bettfaffen nur 87.- Mt. attenhaus Moabit Birtexitrake 21. Engelh Engelhardt Caramel- Makójar BETISCHES GESUNDHEITSAR VOLLBIER Engelhardt- Brauere befannter Schauspieler folgendes heitere Intermezzo: Allabendlich, wenn er das Theater verließ, grüßte ihn ein wohlbeleibter Herr mit jovial- verbindlichem Lächeln. Eines Tages tam er sogar auf ihn zu, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen, worauf ihn der Ahnungslose mit den Worten„ Was geht das Sie an?" einfach stehen ließ. Als der andere dann jedoch schmunzelnd sein Inkognito lüftete, da ward der Mime um mehrere Grade wärmer zu dem Mann, denn schließlich: Erfolg ist alles im Leben. Und nach dem Wie frägt teiner! C1. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Wolkig mit fortdauernder Neigung zu Niederschlägen bei menig veränderten Temperaturen. Für Deutschland: Im Norden feine wesentliche Aenderung, im Süden zeitweise heiter und ziemlich fühl. Am Fuße des Eiffelturms. Unser Bild, das die Wiedergabe einer Radierung des bekannten Graphiters Helmut Krommer ist, zeigt einen der vier Füße" des Eiffelturms. Gerade dieser Ausschnitt aus dem großen Bauwert läßt die gewaltigen Ausmaße des 300 Meter hohen Turmes empfinden. Das Bauwert, von dessen höchster Plattform eine herr liche Fernsicht über die Seinestadt möglich ist, foll leider in der nächsten Zeit abgebrochen werden. Es wurde 1889 vollendet. Die verwirrend vielen Eisenteile waren damals zur Erhaltung der nötigen Stabilität des Ganzen notwendig, da Baustoffe von fo großer Festigkeit, wie sie heute infolge der wissenschaftlichen Ma terialprüfung zur Anwendung fommen, noch nicht befannt waren. EngelhardtCaramelMalzbier nahrhaft wohlschmeckend bekömmlich erfrischend Aerztlich empfohlen für Kinder, junge Mütter, Erholungsbedürftige, Sportler München, 5. November.( Eigenbericht.) Daß die sogenannten vaterländischen Verbände selbst in Bayern ihren Einfluß und ihre Zugkraft zum großen Teil eingebüßt haben, bewiesen ihre am Sonntag im ganzen Lande abgehaltenen Kund gebungen, die mit großen Phrasen als Antigedenttag ber Revolution angekündigt worden sind. In München brachten die Verbände, die einmal die bayerische Politik beherrscht haben, taum 2000 Demonftranten" auf die Beine. Der Demonstrationszug blieb vom Publikum völlig unbeachtet. Es tam auch nirgends zu Zwischenfällen. Pfarrer Schnoor außer Verfolgung gesezt. Durch Berufung des Landgerichts Neuruppin ift der Pfarrer Snoor aus Königshorst( Kreis Osthavelland) wegen Mangel Gegen an Beweisen außer Verfolgung gesetzt worden. Pfarrer Schnoor mar die aufsehenerregende Beschuldigung erhoben worden, daß er vor einer Reihe von Jahren feinen Schwager getötet habe, Es mar gegen ihn Voruntersuchung wegen Tote fchlags eingeleitet worden. RUNDFUNK AM ABEND Montag, 5. November. Berlin. 16.00 Professor Dr. Adolf Marcuse: Der Sternhimmel im Monat November, 16.30 Künstlernachwuchs. 1. F. Liszt- Mendelssohn: a) Nocturne( Liebestraum); b) Konzertpolonaise ( George Hardy, Cello).- 2. G. Verdi: a) Es glänzte schon das Sternen heer"; b) In deines Kerkers tiefe Nacht" aus der Oper. Der Tronbadour"( Margarete Olbrich, Sopran). 3. P. Sarasate: Carmend Faalasie für Violine( Boris Liftmann). 4. F. Liszt- Busoni: Drež Paganini- Etuden für Klavier: a) Andantino capriccioso; b) Arpeggio -W c) Campanella( Günther Rathke; am Flügel: Heinz Laman), 17.30 Novellen. 1. Lehrermord. 2. Der Schlafhändler. 3. Der Hundemensch( Oskar A. H. Schmitz)( gelesen vom Autor). 18.30 Hans- Bredow- Schule, Sprachunterricht. Mann: Englisch für Anfänger. Studienrat Friebel und Lektor 19.00 Dr. med. Gustav Muskat: Wie wir wachsen. 19 25 Hans- Bredow- Schule, Philosophie. Prof. Dr. Max Dessoir: Einführung in die moderne Psychologie. II. Das Verhältnis von Leib und Seele. 20.00 Franz Ludwig Hörth, Emil Pirchau; Einführung zu der nachfolgendes Uebertragung. 20.30 Uebertragung aus der Staatsoper( Unter den Linden). Die Walküre von Richard Wagner. II. Akt. Dirigent: Leo Blech. Regie: Frang Ludwig Horth. Anschließend: Uebertragung der Unterhaltungsmusik aus dem Hotel Kaiserhof, ausgeführt von der Kapelle Géza Komor. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik.( Kapelle Otto Kermbach.) Königswusterhausen16.00 Stud.- Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch( kulturkundlich- literarische Stunde). 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Berlin. 17.30 Dr. Friedrich Luther: Die Nachbilder und ihre Bedeutung, 18.00 Hans Tessmer: Bücherstunde.„ Borgia" von Klabund. 18.30 Stud.- Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. A. Gabriel: Beurteilung und Bewertung von Silofutter. 19.20 Min.- Rat Horstmann: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Mechanik und Festigkeitslehre. Ab 20.00 Uebertragung von Berlin. Finger". Auf Wunden, Kwiet Kwiet'sches Pflaster die von Schmerz bewegt, man stets ein legt. Jedoch achte dabei immer auf den Patentschutz, Schlimmer Gutachten über Seit 80 Jahren käuflich in Apotheken& 45 Pl Frostschäden. 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