Morgenausgabe Ar. SZ7 A26Z 4S.Iahrgang Wöchentlich BSTf- monatlich 3,60 9t Im voraus zahlbar. Postbezug/, bi» 17 Utzr. Jentrakorgan de« Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrohe 3 t!trnftiTtd>et: Tönboff 292—297 lelegramm-Zldr.: Soztalbemokrai verli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkcmo: Berlin 37 SZS— BanNonio: Bank der Arbeiter.«ngeftetUen vnd Beamten Wallstr. SS. Tittonio-Eesellschaii. Debosilenkafie Lindenstr. I Gegen den Rechtsbmch! Besprechung des Eifenkonflikts im Landtag. Gerade in diesen Tagen wird die Frage viel erörtert, ob wir vor zehn Jahren eine Revolution gehabt haben oder nicht. Wer den Preußischen Landtag noch aus der. Zeit vor dem Kriege kennt und die gestrige Debatte miterlebt hat, der wird sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß sich in Preußen � Deutschland doch sehr viel geändert hat. Eine Situation wie die gegenwärtige, wäre in der Zeit, in der Junker und Scharfmacher vom preußischen Dreiklasienhaus aus das Reich regierten, ganz undenkbar gewesen— und könnte man sie sich überhaupt vorstellen, so wäre eine Haltung zu ihr, wie sie gestern von den Parteien eingenommen wurde, erst recht undenkbar. Damals saßen im Landtag sechs Sozialdemokraten: gestern sprach Genosse Müller-Duisburg für die stärkste Fraktion, die den Kern einer seit Jahren unerschütter- lichen Regierungsmehrheit bildet. Damals hätten alle bürger- lichen Parteien mehr oder weniger brutal die Partei der Unternehmer genommen: gestern schien es der Zentrums- abgeordnete H e b b o r n darauf anzulegen, an Entschieden- heir im Eintreten für die Arbeiter hinter dem Sozialdemo- kraten nicht zurückzustehen. Damals hätte als Vortreter der .Rechten ein preußischer Konservativer Feuer und Schwefel auf die aufsässigen Arbeiter niedergeredet: gestern hat der deutschnationole Herr Deerberg einen Eiertanz zwischen Einerseits und Andererieits aufgeführt und einer„Verständi- gung"— wie er sie auffaßt, aber immerhin einer Per- ftändigung— das Wort geredet. Hat es Herr Deerberg auch fertig gebracht, als preußischer Richter, den sogenannten Rechtsstandpunkt der Unternehmer zu verteidigen, so merkte man seinen Ausführungen doch deutlich an, wie wenig wohl selbst den Deutsch- notionalenbeider Sachet st.„Block oder Brei?'"— Herr Hugenberg hat die Frage aufgeworfen. Herrn Deer- bergs Rede sah mehr nach Brei als noch Block aus. Und schließlich hat es noch eine Aondcrung gegenüber der alten Zeit gegeben: Es existiert heute eine sogenannte „Arbeiterpartei", deren Beruf es ist, der Arbeiterklasse in allen entscheidenden Kampfsituationen in den Rücken zu fallen. Heute kämpfen, wie jedermann sieht, die Unternehmer gegen das Schlichtungswesen, während die Arbeiter es verteidigen. Und was tut Herr Schubert lKPD.)? Er kämpft mit den Unternehmern gegen das Schlichtungswesen! Was das ist, sagt die Opposition in den Reihen der Kom- munistcn selbst. Sie nennt das eine„Politik der Isolierung von der Arbeiterklasie". Heute spricht der demokratische Handelsminister Dr. Schreiber. Für die Sozialdemokratie wird als zweiter Genosse Hansmann das Wort nehmen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen tritt da» Haus in die erste Lesung des Entwuns über das Dienfteintommen der Leiter und Lehrer an den nichtstaailichcn, ossentlicken höheren Schulen sStudienrats-Diensteinkommensgejeg) ein. Die Vorlage ist vom Staatsrat abgelehnt worden. In der Aussprache erklärt Abg. Frau Wegscheider-Zieg- l e r(Soz) für ihre Fraktion die Zustimmung zu dem Entwurf und bedauert die ablehnende Haltung des Staatsrats. Die Vorloge wird dem Hauptausschuß überwiesen. Es folgt die Aussprache über die von den Fraktionen der Re> gierungspartcien und den Kommunisten eingebrachten Anträge über die Metallarbeiieraussperrung Zur Begründung des kommunistischen Antrages erhält zunächst das Wort Abg. Schubert(Komm.): Es handelt sich bei dieser Aussperrung weniger um einen Kamps des Unternehmertums gegen den Staat als um einen politischen Machtkampf der Arbeitgeber gegen die Arbeiter- schast. Sonst müßten die staatlichen Machtiaktoren aus feiten der Arbeitcrschasr stehen gegen ein Unternehmertum, das Ruhe und Ordnung gröhlich verletzt hat. Mitschuldig an dem brutalen Vor- gehen der Unternehmer sind die Eewejrkschaiten und die Sozialdemokraten.(Gelächter bei den Soz.) sozialdemokratische Gcwerk- schaftler sitzen mit in dem Vorstand der Erwcrbslasenfürsorge, die jetzt deshalb keine Erwcrbslosenuiitcrstützung an die Metallarbeiter zahlt, weil es sich angeblich um keine Eiülassungen, sondern um eine Aussperrung handelt. Dabei steht fest, daß die Metallarbeiter die Vapiere erhalten haben, also entlassen sind. Sie sind auch mit- schuldig deshalb, weil sie dieses Erwerbslofengesetz gemacht Haben, genau so. wie sie für die Schlichtungsordnung verantwortlich sind. lZuruf bei den Soz.: Damit verteidigt er die Unternehmer!) Wäh- end die Sozialdemokraten in Einheitsfront mit den Unternehmern fiehen, werden wir den oijencn Kamps wagen und die Arbeiter dazu ufolsen. Der sozialdemokratische Redner Müller-Duisburg erhielt darauf dos Wort zur Begründung des sozialdemokrittislhen Urantrags, in dem dos Slaalsministerium ausgeforderl wird, mit allem Hochdruck aus die Reichsrcgierong einzuwirken,„daß sie dem Schiedsspruch ihrer Organe Achtung vcrschafsl und den rechtswidrigen Tarif- bruch der Unternehmer zurückweist", serner„mit der Rctchsregierung gemeinsam zu prüfen, wie der durch die frivole Mossenentlassung enlstandencn riesengroßen Rot entgegengewirkt werden kann". Insbesondere soll auch geprüft werden, wie der durch dos gewaltige Ansteigen der kvohlfohrkslosten für Gemeinden und Gemetndever- bände entstehenden Gefahr seitens Reich und Staat rechtzeitig vorgebeugt werden könne. Abg. Müller- Duisburg(Goz): Der durch die Aussperrung der Metallorbeiter durch die Unter- nehmer im Westen Deutschlands provozierte Konflikt ist wohl die größte Auseinandersetzung der Nachkriegszeit, die auf diesem Gebiet zwischen Unternehmern und Arbeitern entbrannt ist Ganz Deutsch- lond ist am Ausgang diefes Kampfes interessiert, der mit den An- gehörigen der Ausgesperrten rund eine Million Menschen mit den Folgen dieser rigorosen Maßnahm« bedroht. Auch die Bergarbeiterschaft wird durch die Stillegungen der Zechen in die Auseinandersetzung mit hineingezogen und darüber hinaus die Geschäftsleute, der M i t t e l st a n d. Die Metallarbeiter sind zu ihren bescheidenen Lohnforderungen durch die ständigen Preissteigerungen gezwungen worden. 99 Pf. Stundenlohn im Durchschnitt für über Ztjährig« Arbeiter ist durchaus kein angemessener Lohn.(Sehr wahr! bei den Soz.) In anderen Gebieten des Reichs werden seit langem bereits 1,30 M. pro Stunde an Durchschnittslohn für dicsetbe Arbeit bezohlt. Achnlich ist es mit der Regelung der Arbeitszeit, die im Westen Deutschlands viel schlechter ist als in anderen Landestelleu. 49 Proz. der Metallarbeiterschast im Ruhrgebiet arbeitet!>? Stun- den, 49 Proz. 52 Stunden, 5 Proz. 69 Stunden, 5 Proz. 5 4 Stunden und nur lv Proz. 48 Stunden pro Woche. Wer guten Willens ist. muß die Forderungen der Metnllarbeitersctzaft nach besseren Arbeitsbedingun- gen begreifen. (Sehr wahr! bei den Soz.) schasten blieben ergebnislos. Aber alle Verhandlungen der Gewerk- Trotz Derbindlichkcitserklärung wurde ii i' i ii Poincore zurückgetreten. Die Kolgen der radikalen Varieitagsbeschlüffe. Paris, 6. November(Eigenbericht.) Der Rücktritt der vier radikalen Minister hat, wie zu erwarten war, die Demission des Gefamtkabi- netts nach sich gezogen. Nach einstündiger Beratung haben die um Poincarö vereinigten Mitglieder des Rumpfkabinetts beschlossen, dem Präsidenten der Repu- blik ihre Aemter zur Verfügung zu stellen. Poineare begründet in dem Demissionsschreibe» den Rücktritt mit der von ihm für unerläßlich gehaltenen Aufrecht- erhaltnng der„nationalen Einigkeit", die durch den Rücktritt der radikal-fozialen Minister gebrochen sei. Katzenjammer und Spaliungsstimmung bei den Radikalen. Paris, 6. November.(Eigenbericht.) Die Demission des Kabinetts Poineare, die am Dienstag s a unerwartet erfolgte, hat in allen politischen Kreisen in Paris wie eine Bombe gewirkt. Es läßt sich zwar nicht bestreiten, daß die Grundlage des Kabinetts, die„nationale Einig- k e i t", so wurm st ichig geworden war, daß das Kabinett sich nach allgemeiner Ansicht gerode noch knapp bis über die An- nalhne des Budgets hinaus, also bis zum neuen Jahre, hätte retten können. Heute kommt die Krise zu früh. Der linke Flügel der Radikalen Partei hat in Angers übereilt und damit un> geschickt manövriert. Cr hat sich die Verantwortung für die Krise ausgebürdet, er hat die Bildung einer entschiedenen Linksmehrheit damit verbaut, ja, er hat wahrjcheinlich sogar zu einer Spaltung in der Radikalen Partei selbst Anlaß gegeben. Zahlreiche radikale Abgeordnete haben am Dienstag in der Kammer die Absicht geäußert, eine Frattionssitzung einzuberufen und darin die Parteibeschlüsse von Angers als nichtig zu erklären, weil sie unter unregelmäßigen Bedin- gungen erfolgt seien. Dieser rechte Flügel der Radikalen stützt sich daraus, daß in der Machtsitzung des Parteitages in Angers, wo die entscheidende Programmentschliehung angenommen worden war, nur ein Viertel der Porteidelegierten anwesend war. P o i n c a r ä dagegen, daß muß man ihm lassen, hat eine sehr geschickt« Taktik verfolgt. Sein Kabinett war tatsächlich ab- genutzt, dadurch aber, daß es ein« Minute vor seinem natürlichen Tode freiwillig demissionieren konnte, scheidet poincart mlt ungebrochenem Prestige aus seinem Amt. Sein Rücktritt wird bis well in die Kreise der Linken hinein auf- richtig bedauert. Poincart Hütte,'wenn er am Dienstag mittag mit der Denrauensfrage vor die beiden Häuser des Parlaments ge- treten wäre, sicherlich in der Kammer eine Dreiviertelmehrheit, im Senat sogar ein« beinahe einstimmige Mehrheit erhalten können. Was er mit seinem politischen Programm und seinem politischen Werk nicht zu erreichen vermochte, das wird er jetzt vielleicht mit seiner Demtjjilm erzielen: die Spaltung der Radikalen. Die parlamentarische Lage ist vorläufig noch vollkommen ungeklärt. Die„nationale Einigkeit" ist nun, wo sie einmal ouseinandergefalleii ist, endgültig iot und begraben. Da sich Poincare in seinem Dcmijsionsfchreiben aber nochmals auf sie als die einzige gongbare politische Formel festgelegt hat, scheidet er vorläufig als Kandidat für die neue Regienmgsbildung aus. Trotzdem wird natürlich der Präsident der Republik, Doiimergue, da« U»- mäglrchc versuchen, ihn wieder zur Annahme zu bewegen. Die meisten Aussichten mißt man in parlamentarischen Kreisen einem Kabinett Vriand-lardini zu. Briond würde dabrn die Ministerprsidentschaft und dos Außen- Ministerium übernehmen, Tardieu die Finanzen. Die Mehrheit, auf die sich diese neue Bindung stützen könnte, schließt aber endlich die reaktionäre Gruppe Marin aus. Sie ginge von der rechten republikanischen Gruppe Maginot-Franrois-Poncet bis zu.den Radi- kclen, aus denen vielleicht die Gruppe Montignn ausgeschlossen würde. Diese Mehrheit würde etwa 359 von Kl 2 Stimmen in der Kammer um sich scharen können. Sie würde sich im Bedarfsfälle die Unterstützung der Sozialisten oder der bürgerlichen Rechten zu sichern suchen. Aber das sind vorläufig noch Kombinotionen. Der Prä? sident der Republik ist bisher in seinen Besprechungen noch nicht über die Befragung der Präsidenten von Kammer und Senat hin- ausgekommen. Irgendein aussichtsreicher Kandidat für ck>ie Nach- folge Poincaräs ist bisher noch nicht nach dem Elysee berufen worden.' Die Parlamentssession wieder eröffnet. Paris, 6. November.(Eigenbericht.) Die Eröfsnungssitzung der Kammer, die am Diens- tag mittag unter lebhafter Erregung erfolgte, brachte gleich einen Zwischenfall. Nach dem üblichen Nachruf aus die verstor- denen Abgeordneten, wobei er besonders des verunglückten Handels- Ministers Lokanowski eingehend gedachte, stellte der Kammer- Präsident Bouisson den Antrag der alten Regierung zur Debatte, wonach die beiden outonomistischen Abgeordneten R i ck l I n und R o s s ä ihrer Abgeordnetenwürdc entkleidet werden sollten. Als Begründung war angeführt, daß ihr« Berurteilung in Colmar die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folg« gehabt habe. Sofort erhob sich der elsässische Abg. W o l I h e r lind ver- langte volle A m n e st i e für alle verurteilten Autyiiomisten. Bei den letzten Keneralratswahlen habe das Elsaß Ricklin und Roste wieder sein vollstes Vertrauen ausgesprochen. Es wäre ein Unrecht und eine furchtbare Ungeschicklichkeit, die beiden Abgeordneten nun ihres Amtes zu entsetzen. Das Elsaß habe, so erklärte Walther unter heftigen Protesten der Versammlung, kein Vertrauen mehr zu der Regier ii n g Poincarä gehabt. Solle es nun auch das Vertrauen zum französischen Parlament verlieren? Der kom- munistische Abg. B« r t h o n suchte Walther zu unterstützen. Die Regierung, die den Antrag gestellt Hab«, existiere nicht mehr, daher sei auch ihr Antrag hinfällig. Trotz ollem beschloß die Kammer, den Antrag auf Ausschluß von Ricklin und Rost-' de: z'istölidigen Kommijswn zu übenveisen. Abg. Sebborn( 3tr.). Maßgebend für die Beurteilung der Rechtslage ist ber Schiebsspruch, den die Unternehmer anertemmen müssen. Die Arbeiter haben sonst zweifellos das Recht, auf 3 ahlung eines Bierwochenlohnes zu flagen. In anderen Fällen haben die Unternehmer sonst immer noch einem Schiebespruch die sofortige Aufnahme der Arbeit verlangt. Diese Auseinandersetzung zeigt aber, daß die Unternehmer sich schon vorher au Kampfmaßnahmen ent schloffen hatten.. der Schiedsspruch von den Unternehmern abgelehnt, ja, ehe das gegen den Staat noch um politische Motive. Mer glaubt, mit solchen Schlichtungsverfahren zu Ende mar, hatten die Unternehmer die Maßnahmen angefichts einer so start organisierten und gefchloffen Kündigungen bereits ausgesprochen. Dabei find die Forderungen stehenden Arbeiterschaft etwas erreichen zu fönnen, gehört ins 3rren der Metallarbeiter außerordentlich bescheiden; nur ein Teil davon haus. Der Redner verbreitet sich sodann über die Lage der deutschen Wirtschaft auf dem Inlandsmartt und hofft, daß auch jest Gelegen würde an den Lohnerhöhungen beteiligt fein. Unter solchen Umheit ifi, baß sich die streitenden Parteien an einen Tisch feben, um ständen fonnten sich die Gewerkschaften unter feinen Umständen mit zu einer Berständigung zu kommen. ben Unternehmern auf Kompromisse einlassen, die über die be Scheibenen Forderungen hinausgingen. Dafür hören mir nun überall das Stöhnen und Klagen des Unternehmertums über die schlechte Wirtschaftslage. Ein Blid in die Bilanzen aber zeigt uns, daß die einzelnen Konzerne mit guten Gewinnen gearbeitet haben, dah die Preise ihrer Produkte in einem Maße in die Höhe geklettert find, daß diese Steigerungen überhaupt nicht mit dem bescheidenen Hinaufgehen der Arbeiterlöhne in Bergleich zu fetzen sind. Das ist namentlich bei dem Klöckner- Konzern der Fall. Dabei gehört dieser nur zu den mittelmäßigen Konzernen. Wie mag es da erst bei den ganz großen Unternehmern aussehen!( Sehr wahr! bei den Soz.) Es kommt den Unternehmern nicht darauf an, daß sie, wie sie jekt jagen, mit dieser Maßnahme der Wirtschaft helfen wollen. Sie fagen, der Schiedspruch sei deshalb rechtsungültig. weil der Schlichter ohne die Beisiger nicht allein in der Lage jei, einen Schiedsspruch zu fällen. Ich weise darauf hin, daß in der Bergangenheit ein solches Berfahren sehr oft üblich und als Recht anerkannt worden ist, wenn aus den Beisigern keine Mehr heit zu erhalten war. Aehnlich liegt es mit dem Rahmentarit. Aber die Unternehmer glauben ja fdließlich selbst nicht an die Stichhaltigkeit ihrer Einwände. Sie haben zwar die Feststellungs. flage eingereicht, aber ausgerechnet bei dem Arbeitsgericht in Duisburg und nicht in Effen. Sie find angeblich deshalb nach Duisburg gegangen, weil dort der Christliche Metall. arbeiterverband als Hauptbeteiligter am Kampf seinen Siz hat. Wir gehen aber nicht fehl, wenn wir die Erklärung für die Wahl Duisburgs in dem Borsigenden bes dortigen Arbeitsgerichts suchen, der sich beim letzten Rheinschifferstreif u. a. durch das Berbot des Streitposten stehens rühm lichst hervorgetan hat. Statt schnell zu handeln, hat dieser Mann den Verhandlungstermin erst auf den 16. November festgesetzt! ( Stürmisches Hört, hört! bei den Soz.) Es ist kein Wunder, wenn durch solche Berschleppungen auch die Arbeitsgerichte in Ar beiterfreifen in Mißtredit gebracht werden!( Sehr wahr! bei den Goz.) Aus der dem Arbeitsminister eingereichten Denti chrift der Unternehmer geht hervor, daß sie lediglich eine angeblich harmlose Reform des Schlichtungswesens wünschen. Aber die Dinge liegen anders: In Wahrheit soll der Einfluß des Staates ausgeschaltet werden.( Sehr wahr! links.) 3u diesem Zwecke sind seit langem große Summen augesammelt worden und man hat gewartet, bis ein Sozialdemokrat Arbeitsminister war. Und darüber hinaus geht es politisch gegen die ganze Reichsregierung!( Stürmische Zustimmung links.). Es handelt sich hier um eine offene Rebellion einer fleinen machtlüfternen Unternehmergruppe gegen Staat und Gefehe. Wie würden wohl die Gesetzesverächter von rechts, wenn der Fall umgekehrt läge, nach der Staatsautorität schreien!( Sehr wahr! bei den Goz.) Um den perhaßten Sozialbemotraten in der Reichsregierung zu Beibe zu rücken, übernehmen die Unternehmer fogar durch die Ausperrung einen möchentlichen Produktionsausfall pon 80 millionen, obwohl die ganze Lohnerhöhung pro Jahr Fur- 26 Millionen beträgt! Diese offene Rebellion gegen den Staat und seine Gesetze( Lebh. Zustimmung links!) erfordert einen Eingriff des Staates mit seinen schärften Mitteln!( Beifall links!) Alle Anzeichen deuten jest schon barauf hin, daß die Unter nehmer fampfes müde find, nachdem sie mit einer Frivolität ohnegleichen diese Auseinandersetzung heraufbeschmoren haben. Diese Herren sind einstmals bei der Ruhrbefegung geflüchtet. Hinterher strömten fie da vor Dant über, weil die Arbeiter schaft die Betriebe gerettet hat. Heute bebenfen fie dafür dieselben Arbeiter mit Fußtritten.( Sehr wahr! bei den S03.) Aber die Einheit und Geschlossenheit der ausgesperrten Arbeiter wird den Stampf zu ihren Gunsten entscheiden. Ich hoffe dabei, daß auch die christlichen Gemerlschaften bis zuletzt durchhalten werden und an diesem Fall ertennen mögen, daß es einen Klassenkampf gibt, ber bpn oben her rücksichtslos und brutal geführt wird. Selbst wenn die Arbeiter auf den erhöhten Lohn Ver zicht leisten, sind die Unternehmer entschlossen, den Kampf nicht aufzugeben.( hört, hört! links und in der Mitte.) Das ist der., Herr- im- Hause- Standpunkt!" hr Hauptziel ift der Rampf gegen bie ftaatliche Autorität, um die Unterordnung des Staates unter den größeren Geldbeutel, Der Gesamtverband der chriftlichen Gewerkschaften verlangt baher häriften Rampf zur Aufrechterhaltung der staatlichen Mutorität Der Rebner forbert Durch. führung des für verbindlich erklärten Solebsfprugs mit allen Mitteln und Erias des durch die Aussperrung verursachten Schadens, Dhe Lohnerhöhungen des Schiedsspruches find wirklich nicht erschütternb. Bei der gesteigerten Broduktion in der Eisen. und Stahlindustrie find auch bie Gewinne erheblich geftiegen. Durch foziale Maßnahmen muß die Bage der entlassenen Arbeiterschaft gebeffert werden. Der Rebner forbert ferner Erwerbslofenunterstütung für die entlassenen Arbeiter; ihre Verweigerung ist ein Unrecht. Er verlangt in einem Antrag, die Staatsregierung zu ersuchen, auf die Reichsregierung dahin einzuwirken, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter nicht nur wieder eingestellt werden, sondern daß ste auch ihre rechtmäßige Arbeitslosenunterstühung erhalten. Er spricht zum Schluß die Hoffnung aus, daß die Maßnahmen der Reichsregierung so schnell fommen, daß sie zum Segen für die Arbeiterschaft werden. Abg. Wontkowski( Komm.): Die Arbeiterschaft steht geschlossen der Aussperrungsmaßnahine gegenüber und wird den Widerstand der Unternehmer brechen. Nicht eher wird die Arbeiterschaft in die Betriebe zurückkehren, bis die 15 Pfennig Lohnerhöhung durchgesetzt sind. Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch, den 7. Nopember, mittags 12 Uhr. Tagesordnung: Fortfegung der Aussprache über ben Rubrtampi Mehr foziale Gesichtspunkte im Recht! Debatte über die Strafbemeffungsgründe im Strafgesetzausschuß. Der Strafgefeßausschuß des Reichstages beriet gestern zunächst die Bestimmungen, die für den Fall vorgesehen sind, daß jemand mit derfelben Iat mehrere Strafgelege ber letzt oder durch die Tat sich gegen dasselbe Strafgefeh mehrmals ver. legt oder durch die Tat sich gegen dasselbe Strafgefeh mehrmals ver geht. Der Gefeßentwurf sieht vor, daß in solchem Falle das höchst maß der Strafe, das in dem anzuwendenden Strafgesetz vorzusehen ift, um die Hälfte überschritten werden darf. Gegen diefe letzteren Bestimmungen wandte sich Genoffe Dr. Marum, in bem er namens der Jozialdemokratischen Frattion einen Antrag begründete, der in den Fällen, in denen jemand durch eine Handlung mehrere Strafgelege verlegt hat, diese Erhöhung des Strafmaßes nicht ein trefen foll. Auch Genosse Landsberg wandte sich gegen den Borschlag, den der Gejegentwurf enthält. Er erklärte die von diefem getroffene Regelung für nicht billig und bat ebenfalls um die Un nahme des fozialdemokratischen Antrages. Diefer wurde alsdann mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen. Herr Kahl stimmte mit der Linken, Frau Lüders.( Demokrat) enthielt sich der Abstimmung. Der Ausschuß trat dann in die Beratung der Strafbemessungsgründe. ein. Nach dem Gefehentwurf hat das Gericht bei Bemessung der Strafe hauptsächlich abzuwägen, inwieweit die Tat auf einer ver. werflichen Willensrichtung des Täters und inmiemeit fie auf Umstände beruht, die dem Täter nicht zum Borwurf gereichen, Es soll dabei berücksichtigen die Beweggründe und den, Anreis zur Tat. den 3wed, die Nachhaltigkeit des zur Tat au gewandten. Mittels und die angewandten Mittel das Maß der Einsicht des Täters, fein Borleben und seine Verhältnisse, die verschuldete Folge der Tat und das Verhalten des Täters nach der Tat. Genoffe Sollmann begründete einen fozialdemokratischen Antrag, ber es dem Richter nicht anheimstelle, sondern den, Richter zwingen will, in allen Fällen zu prüfen, ob einzelne Strafmilde rungsgründe vorhanden seien. Außerdem will ein sozialdemotra. tischer Untrag statt des Bortes: verwerflich" das Wort„ ber brecherisch" fezen. Genoffe Sollmann führte aus, daß eine Besse rung des Verhältnisses zwischen Bott und Recht iprechung unbedingt notwendig fei. Dazu werde beitragen, wenn die Richter durch Annahme des sozialdemokratischen Antrages gezwungen würden, foziale Gesichtspunkte bei der Beurteilung der Taf mehr als bisher zu berücksichtigen. Bleibe es bei der Formulierung verwerfliche Gesinnung". fo fei die Gefahr eines Mißbrauches gegeben, denn dann begebe man sich auf Die gesamte deutsche Arbeiterschaft steht hinter den Aus dem kommunistischen Herenfeffel. Ausgesperrten, und es wird ihr fein Opfer groß genug sein, um ihnen in diefem aufgezwungenen Kampf zu helfen. NO Die Kommunisten haben sich zwar heute wieder bemüht, den Sozialdemokraten neben den Unternehmern die Schuld an der Ausfperrung in die Schuhe zu schieben. Es ist überflüffig, diese Angriffe zu widerlegen. Wenn die Unternehmer mit. fchuldige haben, so sind es die Kommunisten, die durch ihre Spaltungstaktit und durch ihre ewige Zellenbauerei die Ge wertschaften gelähmt haben. Eine Einheitsfront mit Mostau tann es in diefem Kampf nicht geben. Die Arbeiterschaft ist der ewigen Barolenschusterei der Kommunisten müde geworden.( Sehr mahr! bei den Goz.) de Die Unternehmer aber mögen bedenken, daß die Zeiten der Willkür und der Unterdrückung vorbei sind. Sie werden erkennen müssen, daß, ganz gleich wie der Kampf ausgeht, auch dem letzten Arbeiter die Augen geöffnet werden, wo seine wahren Feinde figen.( Stürmischer Beifall bei den Soz.) Inzwischen ist ein Urantrag der Deutschynationalen Bolfspartei eingegangen: Der Landtag wolle beschließen, die Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß mit größter Beschleunigung Schritte unternominen werben, die zu der im Intereffe unseres gefamten. Boltes notwendigen Berständi gung in der westlichen Eisenindustrie führen können. Abg. Dr. Deerberg( Dntl.): Es ist nicht richtig, von einer Rebellion der Unternehmer gegen die Gefeße zu sprechen. Wenn ich als preußischer Richter objektiv den Tatbestand feststelle, so mußte der Schiedsspruch, der erst am 1. November in Kraft treten sollte, deshalb ins Leere fallen, weil die Unternehmer bereits am 13. Oftober zum 31. Otto ber den Arbeitern gefündigt hatten. Es handelt sich um eine wirtschaftliche Kampfmaßnahme der Unternehmer mit dem Biele, günstigere Arbeitsbedingungen für die Arbeitgeber zu er reichen. Die Unternehmer haben schließlich dasselbe Recht wie die Arbeiter. In diesem Sinne sind die Kündigungen vom 13. Oftober als wirtschaftliche Rampfmaßnahme zu bezeichnen, Die Unternehmer haben weder vorfäglich noch widerrechtlich Resistenz gegen die Rechtsfraft geltender Geseze geübt. Der Schiedsspruch follte zu einem Seitpunkt in Kraft treten, als die Arbeiter bereits entlassen waren. Es ist natürlich eine andere Frage, ob die Aussperrung von Hunderttausenden fachlich berechtigt war oder nicht. Die 13ftündigen Beratungen der Arbeitgeber haben bewiesen, daß die Lohnerhöhung nicht zu tragen ift. Dagegen gibt der Schiedsspruch zu den stärksten Bebenten Anlaß. Es handelt sich alle meder um eine Auflehmung Geheime 3 rfularbriefe der Opposition. Die Kommunistische Partei ist von inneren Rämpfen zerftreffen. Die Zentrale ftellt die Thalheimer und Brandler als Der merfliche Subjefte hin, und die jo Gebrandmartten bleiben ihr nichts schuldig. Thalheimer gehörte neben Rosa Luremburg zu den Gründern des Spartatusbundes, bes Borläufers der heutigen Stommmunistischen Partei. Er ist aus der Kriegszeit gewohnt, mit geheimen 3irtularbriefen zu arbeiten. Deshalb segt er fich auch jetzt mit der im fommmunistischen Zentralfomitee herrschen den Unfähigkeit auf dem Wege solcher Briefschreiberei auseinander. In einem Rundschreiben, das mit der Frage beginnt: Was wirb gespielt?", erklärt er den Barteimitgliedern, daß der tommu nistischen Barteiführung das Baffer am Halfe ftebe und daß die enttäuschten und emporten Barteimitglieber im Begriffe feien, von der Führung Rechenschaft zu fordern, bie politisch und teilweise auch moralisch am Rande des Banterotts" stehe. Thalheimer spricht weiter von der Dunkeltammer des 3K., Don grobem Schwindel, von wiespältigen, bunflen und lächerlichen Manövern, die vam 3.R. angewandt wurden, non bureaukratischer Mißwirtschaft und von der Ausschaltung der Mitgliedschaft von der politischen Mitbe ftimmung". Er bescheinigt der Zentrale weiterhin..bureaukratische Entartung" und charakterlofes Mamelufentum". $ Der Zufall( pielte uns dieser Tage ein meiteres Geheime rundschreiben in die hand, bas bie Lage in der Kommunisti. schen Partei noch rücksichtsloser beleuchtet als der Thalheimer- Brief. aus ihm geht hervor, daß die Opposition fich trop aller bolichewift fchen Hentersmethoden der Thälmanner im ganzen Reiche eine ge heime Berbindung geschaffen hat und sich, ba thr bie tom munistische Bresse verschlossen ist, auf dem Wege des Brief dienstes zu verständigen fucht. Man erfährt aus dem Rund schreiben, daß das 3. über eine ganze Reihe von Bezirken den Belagerungszustand verhängt habe, daß es ebenso demagogische wie verlogène Behauptungen" aufstelle, daß seine öffentlichen Mitteilungen ein einziger Schwindel feien, baß sich eine Reihe von Bezirksorganisationen gegen das 3 R.. aber für die Opposition ausgesprochen habe, daß die 8 e meine estampagne einer forrumpierten& üh rerclique" dazu benugt wird, um alle bewährten Funktionäre ihres Poftens zu entheben", bas Gebiet der allgemeinen Moral, die sehr verschieden definiert werden könne. Es sei dringend zu wünschen, daß mit der Abstellung auf die verbrecherische Willensrichtung eine beffere Borschrift eingeführt werde, Ministerialbirettor Bumfe erflärte sich mit den Auffaffungen, die in den sozialdemokratischen Abänderungsanträgen niedergelegt felen, durchaus einverstanden. Der fozialdemokratische Antrag tönnte jedoch leicht zu einer Schematisierung führen und deshalb fönne bie Regierung fich nicht für ihn aussprechen. Genaffe Saenger frat für den fozialdemokratischen Antrag ein; ebenso Abg. 2obe, wobei er der Auffaffung derjenigen ent gegentrat, die meinten, daß die Richter auch die Soll- Borschri ten immer forgfältig beachten. Er erklärte, daß er auf Grund feiner Erfahrungen als Mitglied des Reichsgerichts bas Zutrauen nicht haben könne, daß der Richter die Sollvorschrift beachte, Im Drange der Geschäfte und oft aus Bequemlichkeit und Nachläffigkeit werden Sollvorschriften einfach nicht beachtet. Justisminister och wies darauf hin, daß die durch den sozialdemokratischen Antrag gegebenen Anregungen im Einführungsgefeß, bas neue Bestimmungen über den Strafprozeß bringen mürde, gewürbigt würden. Bei der Abstimmung murbe der sozialdemokratische Antrag pon allen bürgerlichen Barteien abgelehnt. Der Ausschuß beschäftigte sich dann mit den Grundsägen für die Bemessung der Geldstrafe. Genoffe Saenger begründete einen fozialdemokratischen 3ufazantrag, der noch ausbrüdlich ausgesprochen miffen wollte, daß bei der Bemessung einer Geldstrafe auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Tälers zu berücksichtigen feien. Benoffe Saenger hob bernor, daß ein reicher Mann, ber noch bazu aus Gelbsucht handle, ganz anders bestraft werden müſſe mie ein Unbemittelter. Ueberhaupt dürfe ein Minderbemittelter niemals zu einer Geldstrafe verurteilt werden, die er nicht bezahlen tann. Justizminister Roch erwiderte, daß er sich in noller Ueberein stimmung mit den Gesichtspuntten befinde, bie 2bg. Soenger hervor. gehoben habe. Es sei aber nicht mehr erforderlich, dies ausdrücklich in das Gesetz hineinzuschreiben, da es schon in der Vorschrift des § 69 enthalten sei. Nachdem dies als Meinung des ganzen Ausschusses festgestellt worden war, fonnte der sozialdemokratische Antrag zurüdgezogen werden. Nächste Sigung Mittmoch. Die Führer der PD. find fämtlich überzeugt, daß fie alle miteinander forrumpiert und politisch perleucht find. Defto lauter schreien fie gegen die Sozialdemokratie, und biefe Tätigkeit ist die einzige, in der sie ausnahmsweise einig sind! Thüringen hat eine Regierung. Demokratischer Miniffer von Dintere Gnaden. Weimar, 6. November.( Eigenbericht.) In der Bandtagsfizung am Dienstag mirbe ble von dem Boltsparteiler Bauer vorgelegte Ministerliste, die sich mit dem bisherigen Minifterium bis auf den Juftigminister Leutheuser bedt, mit 28 Stimmen der Rechten und Dinters angenommen. Dagegen stimmten bei vollbefejtem Hause 27 Sozialbemotra. ten, Rommunisten und ber einzige nationalsoziali ftische Abgeorbnete; der Sparer enthielt sich der Stimme, Die Regierung hat also eine Mehrhelt non einer Stimme erhalten. Die Regierung besteht aus folgenden Ministern: Dr. Baulffen, Minister für Wolfsbildung und Wirtschaft. Dr. Rtedel Jena, Minister für Justiz und Inneres, Toelle, Finanzen. Deutsche Reichsangehörigkeit. Ein Entwurf über eine Abänderung des Staatsangehörigkeitsgefeßes von 1913, entsprechend wiederholt zum Ausbrud gebrachten Bünschen des Reichstags, ist, wie der Soz. Breffedienst hört. fertiggestellt. Die Beratungen mit den Ländern werden demnächst zum Abschluß gelangen. Mit den Ländern foll eine Einigung dar. über erzielt werben, an Stelle ber Staatsangehörigteit die deutsche Reichsangehörigteit zu feßen. Ferner soll eine deutsche Frau, die durch Helrat Ausländerin wird, ihrer deutfchen Reichsangehörigkeit nicht verlustig gehen. Sihung der Bolkspartel. Die Frattionen der Deutschen Boffs. partei aus dem Reichstag und aus dem preußischen Landtag traten gestern nachmittag um 3 Uhr zu einer gemeinsamen Sigung im außenminister Dr. Stresemann und wurde mit lebhaftem Beifall Reichstagsgebäude zufammen. In der Sigung erschien der Reichsempfangen. In der Aussprache wurden die bedeutendsten schwebenden Fragen, die Ruhraus perrung, die Roalitionsfragen, Schulfrage ufm. behandelt. Rr. 52745. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Folgenschwerer Wohnungsbrand. Sieben Rauchvergiftete.- Rettung aus Lebensgefahr. Jm Quergebäude des Hauses Cant wigfit. 5 im Südwesten Berlins entstand gestern abend ein folgenschweres Großfeuer Der Brand war in einem Lagerfeller ausgebrochen und nach wenigen Minuten auf eine Parterrewohnung übergeiprungen. Die Treppenhäuser des Quergebäudes und des linken Seitenflügels, fowie die auf beiden Ausgängen liegenden Wohnungen waren in furzer Zeit derart verqualmt und mit Rauchgalen angefüllt, daß die Feuerwehr, die mit einem großen Aufgebot zur Stelle war, Mühe hatte, eine Panik zu verhindern. Fünf Hausbewohner, darunter zwei Kinder, wurden bewußilos aus den Wohnungen geholt. 3wel Feuerwehrleute erlitten bei dem schwierigen Rettungswerk schmere Rauchvergiftungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. In dem geräumigen Ragerfeller eines Obsthändlers, der sich in einem Winkel vom Quergebäude zum linten Seitenflügel erftredt, mar gegen 48 Uhr aus noch völlig ungeflärter Ursache Feuer ent. standen Die Flammen fanden an Kisten, Stellagen und den Ber schlägen reiche Ndhrung, so daß, als das Feuer von Hausbewohnern bemerkt wurde, bereits ein umfangreicher Zeil des Rellerslichterloh brannte. Als die Feuerwehr nach knapp fünf Minuten an der Brandstelle eintraf, war der Hof schon so start verqualmt, daß die Feuerwehrleute faum die Hand vor Augen segen fonnten. Aus den Kellerfenstern schlugen meterhobe Flammengarben hervor. Der Mieter des Quergebäudes und Seitenfiügels, das von 26 Parteien bewohnt wird, bentächtigte sich eine begreifliche Ere regung. Die Treppen waren völlig verqualmt. Allen Hausbewohnern war der Rüdzug abgeschnitten. Die Situation nahm sehr bedrohliche Formen an. Die Rauchmaffen maren in Wohnungen einge drungen Zahlreiche Mieter gerieten ernstlich in Erstidungs: gefahr. Den Leuten wurde von der Feuerwehr zugerufen, fich nicht zu Unbelonnenheiten hinreißen zu laffen, alle würden bald in Sicher. heit gebracht werden. Inzwischen maren mehrere Trupps Feuer mehrleute, die mit Rauchmasten ausgerüstet wurden, fiber die total verqualmien Treppenhäufer nach oben norgedrungen. Alles Augen mer? mußte natürlich darauf gerichtet werden, die gefährdeten Menschen zu retten. Zwei Frauen und ein Mann wurden bereits bewußtlos in der Küche ihrer Wohnungen vorgefunden. Da wurde bekannt, daß sich im dritten Stoffwerf in der Wohnung der abmejenden Eltern noch zwei fleine Kinder befinden. Baurat Dr. Molte und Oberfeuerwehrmann Knobloch eilten, nur durch Gasmasten geschützt, nach oben. Sie schlugen die Tür ein und entbedten die beiden Kinder, die in der verqualmien Küche bewußtios auf dem Boden lagen. Rach furzer Zeit erschienen Dr. Nolte und Knobloch auf dem letzten Treppenpodeft mit den Kinderg im Arm. Plöhlich brachen auch die tapieren Lebensretter bewußtlos zufammen. Die für derartige 3wede ungenügenden Gasmasken hatten die Mauchgaje nicht abhalten fönnen und bei beiden eine schwere Rauchvergiftung hervorgerufen. Zusammen mit den übrigen Rauchvergifteten wurden die Beamten sofort ins Krankenhaus über geführt. Auch die übrigen Mieter wurden aus ihren Wohnungen herausgeholt, nachdem sämtliche Treppen- und Bodenfenster eingeschlagen waren, um dem Rauch Abzug zu verschaffen. Außer den Rauchvergifteten wurden insgesamt 24 Personen ins Freie geschafft. Berschiedene Wohnungen, in denen die Mieter abwesend waren, mußten gewaltsam erbrochen werden, da man nicht mußte, ob sich in den Räumen noch Menschen befinden würden. Bon den Löschmannschaften waren in der Zwischenzeit zehn Schlauchleitungen angelegt worden, da das Feuer an Um 21] Soldat Suhren. Roman von Georg von der Vring. Copyright 1927 by J. M. Spaeth Verlag, Berlin. Kennen Sie Bödlin? Regentage fommen. 1 fang gewonnen hatte und auf eine Parterre mohnung übergesprunget mar. Die Dede über dem Hauptbrandherd brach plötzlich zusammen und die Flammen sekten sofort das Mobiliar in Brand. 3mei Stuben und die angrenzende Küche bildeien bald nur noch ein einziges Feuermeer; die Räume brannten völlig aus. Ein Teil der Möbel stürzte brennend in die Tiefe. Fort gefeßt ergoffen sich gewaltige Wassermengen in die Glut der Keller Mittwoch, 7. November 1928 räume, in denen die bis zur Erschöpfung arbeitenden Feuerwehrleute in ihren Rauchschutzheimen nur Schritt für Schritt vordringen fonnten. Erst gegen 9 Uhr abends, nachdem eine Ablösung der übermüdeten Feuerwehrmänner im Keller vorgenommen mar, fonnte die Gewalt des Brandes soweit gebrochen werden, daß die starke Rauchentwicklung nachließ und die schlimmste Gefahr beseitigt mar. Kurz nach 9 Uhr konnten dann mehrere Züge abrücken. Die Aufrännamngs- und Ablöschungsarbeiten dagegen nehmen ein großes Aufgebot von Feuerwehrleuten noch bis in die Nachtstunden hinein in Anspruch. Das Befinden der an Rauchvergiftung schwer ertranfien Feuermehrbeamten Dr. Nolte und Knobloch besserte sich im UrbanKrankenhaus, doch dauerte es geraume Zeit, bis sie das Bewußtsein völlig wiedererlangt hatten. Zwei Groß- Berliner Städtebauprojekte. Am Wannsee und am Alexanderplatz. Die Großgemeinde Berlin ist bemüht, Unterlaffungsfünden gut die Ruder- und Motorboote aufnehmen soll, ist die südliche Ecke zu machen, durch die in früheren Jahrzehnten die Entwicklung der des Sees in der Nähe des Bahnhofs Wannsee ausersehen. Einen Stadt aufgehalten und städtebauliche Fortschritte verhindert worden Ulferweg zwischen beiden Hafen anzulegen, ist nicht möglich, weil die sind. Ueber zwei große Projekte, von deren Ausführung Erleichte. Grandstücke im Privatbesig sind. Es soll aber durch den See rungen des Berkehrs in der Innenstadt und Berbesserungen einer ein langer Steg gebaut werden, der parallel dem Ufer läuft und beide Hafen miteinander verbindet. lleber diesen Plan find Erholungsstätte in einem Außenbezirk erwartet werden, noch Berhandlungen mit der staatlichen Wafferbauverwaltung zu äußerte sich gestern Stadtbaurat Dr. Wagner. führen. Der Wannsee ein Mittelpunkt des Wassersports Ordnung auf dem Alexanderplatz. Der Wannsee, der den älteren Berlinern noch als meit draußen" liegend galt, gehört heute zu Berlin. Er liegt nicht nur innerhalb der jetzigen Weichbildgrenze unserer Großgemeinde Berlin, fondern ist mehr und mehr auch zu einer der meist aufgefestigungswerfen entstanden ist. Der Zickzacklauf ihrer Wälle und fuchten Erholungsstätten der Berliner Bevölte. rung geworden. Als vor einer mun schon ziemlich langen Reihe Don Jahren am Wannsee das Freibad als ein zunächst wildes" Gemächs entstand, shrte mohl niemand, melche Entwicklung einmal diese Stätte der Körperpflege und des Schroimmsports nehmen würde. Heute ist das Freibad Wannsee on schönen Sommerfonn tagen das Ziel von Zehntausenden. Die Notwendigkeit, solche Be fuchermassen unterzubringen, zwingt bereits zu einer neuen Ermeiterung des Badegeländes. Der Wannsee ist aber aud eine be dautente Stätte des Bootssports, und auch für diesen wird an fördernde Verbesserungen gedacht. Stadtbaurat Dr. Wagner mies gestern in einer Besprechung mit Bertretern der Bresse darauf hin, daß die Aufgabe, die Umgebung des Wannsees und anderer Teile der Havel für die Bevölkerung zu fichern, gelöst merden muß, ehe es dazu zu spät ist. Diese Stätten der Erholung müssen babor bewahrt werden, Besiz und Mechtbereich privater Eigentümer zu werden. Die Erweiterung des Freibades Wannsee is glücklicherweise dadurch erleichtert, daß die Stadt dort eigenen Grundbesitz hat. Das Badegelände soll bis in die Nachbarschaft des Wassermertes der Charlottenburger Industrie- und Waffermerte 2.-G. ausgedehnt werden. Auch werden die Bauten des Freibades, die Auskleideräume, die Restaurationsräume usw. nach und nach erneuert und noch amedmäßiger gestaltet. Die Ausführung dieser Pläne ist eine Arbeit der nächsten Zeit und zum Teil ist sie bereits im Gange. In weiterer Ferne liegt der andere Plan, im Bannfee zwei Bootshafen zu schaffen, die von dem durch gehenden Schiffahrtsverkehr möglichst weit entfernt sein merden. Der eine soll für Segelboote in der östlichen Ecke des Sees nicht weit von den Wasserwerfen angelegt werden. Für den anderen, der Ich schließe die Augen und atme ruhig die füße RegenLuft. Es ist dunkel, von der Tür her scheint ein wenig Tages licht, das frösteln macht. Der Meyer denkt mohl, ich höre zu. Er flüstert, daß er auch malt. Er hat ein Delbild angefertigt: unten ist eine Landschaft, sozusagen eine ideale Landschaft, über diese und durch das ganze Bild spannt sich ein Regenbogen, mitten auf dem Regenbogen aber steht eine Frauengestalt in violettem fliegenden Gewande. Das Bild heißt: ,, Die Welt". Bei solchen Visionen fann niemand schlafen. Hahn fann Den Alexanderplatz haben schon seit vielen Jahrzehnten die Berkehrstechniker als eine Unmöglichkeit empfunden. Seine finnlose Gestaltung erklärt sich daraus, daß er auf früheren BeGräben beeinflußte die Baufluchtlinien des Platzes und der ihn überquerenden Alexanderstraße sehr ungünstig. Jezt wird eine vollständige Umgestaltung des Plages geplant, die endlich Ordnung auf ihm schaffen soll. Man will dem Play die Gestalt einer Kreisfläche geben, die an der Stadtbahn abgeplattet ist. Es würde dann der Berkehr um eine in der Playmitte liegende freisrunde Rafenfläche herumgeführt werden können. Die Fahrbahn soll zunächst 12 Meter breit werden, sie könnte aber durch Hinzunahme eines Streifens der Rasenfläche, die einen Durchmesser von 100 Meter haben wird, bei Bedarf verbreitert werden. Die den Platz umgebenden Gebäude mit Ausnahme des Polizeipräsidiums und des Warenhauses Tiez fallen diesem Plan sämtlich zum Opfer. Dafür soll um den Play herum eine einheitliche HäuserFeihe von etwa sieben bis neun Stockwerken errichtet werden, die eine geschlossene. Btazwandung bildet. Die Straße An Königsgraben, die Landsberger Straße und die Neue Königstraße wären zu überbauen, so daß diese Berkehrswege durch die Playwandung mit hohen Einfahrtstoren in Straßenbreite hindurchgeführt werden müßten. Auf dem der Stadtbahn benachbarten Teil des Alexanderplates soll die Einmündung der Königstraße an den Eden der Dircksenstraße durch beiderseitige Hodybauten von etwa 15 Stod werten betont werden. Diese Grundstücke gehören der Stadt. Einstweilen handelt es sich bei diesem Plan um einen Entmurf, den Stadtbaurat Dr. Wagner gestern den Vertretern der Bresse vorlegte und erläuterte. Die städtischen Körperschaften haben zu der baulichen Neugestaltung noch nicht Stellung genommen. Die Abänderung der Baufluchtlinien ist von der Siedlungsdeputation und vom Magistrat bereits genehmigt worden und die Stadtverordnetenversammlung wird um ihre Zustimmung ersucht. | greulich von den leeren Wänden zurüd, find faum zu verstehen, denn der Widerhall durchstößt sich hundertmal. Wir machen mechanisch die befohlenen Griffe, hauptsächlich Gewehr über, Gewehrab, und starren dabei steif geradeaus auf das Gewehrschloß des Gegenüberstehenden, ich auf Meyers. über!" ,, GewehrDas geht zackig. Der Meyer ist ein Vorbild. Er faßt den Kolben mit eiserner Hand, macht eine tadellose Bause und schnellt auf über" die Hand bligartig an die Hosennaht. Seine fernigen Beine bilden eine fanfte Schwingung nach wie feines geschorenen Kopfes. Wir liegen auf unseren Drahtbetten. Birte duftet, und fühle Regenluft ftreicht in die Kajematte. Die Graupenfuppe es allerdings, ich höre seine ruhigen Atemzüge. Sein heller ist gegessen, und die meisten schlafen. Hahn verzehrt ein Schnurrbart glänzt im Halbdunkel wie ein ostfriesischer Die Zähne liegen aufeinander. Die Augen bliden stier wie großes Stüd ostfriesischen Schinken als Nachtisch, er bekommt faft täglich Lebensmittelpakete, deren Kartons durchgefettet find wohl ihm! Leider gibt er nicht das geringste her. ,, Ich interessiere mich brennend für Kunst," versichert eine leise Stimme von links. Es ist Meyer, der Soldat, wie er im Buche steht. Solche Soldaten haben schmupps! die Gefreitenknöpfe weg und verdienen es. Aber, mein Gott - jetzt intereffiert er sich für Kunst! Dann kann man nichts machen. Er will Leutnant werden, wünscht sich einen größeren Attionsradius. Er ist sozusagen seiner Behörde schuldig, Leutnant zu werden, als höherer Zollbeamter. Ich denke Dabei an Labatpatete, die er verzollen muß, oder an Frauen, die unter ihren Röden Seidenstoffe über die Grenze ichmuggeln und in ihren Achselhöhlen Goldfiligran. Da muß er freilich ein Leutnant sein, auf daß die Damen auch mit ihm verfehren fönnen. Auch die Damen interessieren sich oft für Kunst, ich weiß es. Rennen Sie Bödlin?"- so sagen die Damen zu einem, so sagen die Damen zu einem, lächeln, als hätten sie Pfefferminzpläßchen auf der Zunge, und denten- na, mas Damen bei dieser Frage denken. ..Rennen Sie Böcklin?" Aber es ist teine Dame, die dies fragt, es ist der Meyer. Er wartet nicht auf meine Antwort, sondern verbreitet sich über die enorme Konzentrationstraft Böcklinscher Träume. Ich weiß nicht, ob die Damen es ebenso machen. Ich will auch nicht darüber reben. Nur. daß ich immer höflich fizen blieb, wenn sie sprachen, und ihnen warm und mitfühlend in die fladernden Augen sah. Dem Mener aber will ich entgehen. Höflich bin ich nur gegen Rameraden, aber dieser 3olljüngling mit den zukünftigen Achselstücken unter seinen Ohrmuscheln, der ist mir Quft. Komet. sprochen? Aber wie tommt es nur? Hat er nicht über Kunst ge,, Die Kunst ist etwas Wunderschönes," sagt Feldwebel Bloiboom. Aber er spricht ja gar nicht mehr von Kunst! Er spricht pon einer Schülernerbindung, der er angehörte; seine vor: dem falbungsvolle Stimme mird plöglich abgehadt und flingt wie das klirren von Rapieren. Ich flöhne. Blöglich zischt eine wütende Stimme aus dem Dunkel: ,, Halt die Schnauze sonst fliegt mas!" So schweigt Meyer, und Ruhe tritt ein. Da er aber nicht schlafen mag, steigt er vom Bett und setzt sich in die helle Türöffnung. Dort sehe ich seinen geschorenen Sträflingsfopf in ein Buch geneigt. Sein Bild„ Die Welt" wird sicher gut in jenes Zollftübchen passen, wo er den Damen die galdenen KorsettStangen aus dem Busen ziehen muß. Der Regenbogen darauf ift der Weg über die Grenze- und so flattern die violetten Damen ohne Korsettstangen eilig in die ideale Landschaft hinunter, höchstens noch den Ausruf zurücklaffend:„ Kennen Sie Bödlin, Herr Zollinspektor?" Unteroffizier Tielbürger läßt zum Dienst antreten. Wir marschieren, da immer noch Regen fällt, in die leere Rase matte unter Bastion IV. Meine Augen sind in den Luftschacht gerichtet, den der Eisenbolz hinaufgeflettert ist. Er geht dicht über mir in die Höhe, aber feine Blutbahn ist darin zu entdecken. Vor mir, in der anderen Reihe, sehe ich den Kunstfreund Mener. Jene Reihe hat ihre Front zu der unfrigen gefehrt, und zwischen beiden steht Tielbürger und gibt mit starter Stimme Kommandos ab. Sie hallen Bruder erschlagen hat. Wenigstens hat ihn Corinth so beim Kain, dem das Bewußtsein dämmert, daß er seinen gemalt. ,, Gewehr über!" Ein Klirren: ,, Eins, zwei, drei und vier!" Kennen Sie Corinth, Fräulein? ,, Eins, zwei, drei und pier!" Kennen Sie Meyer, Corinth? ,, Eins, zmei, drei und Dier!" Kennen Sie Corinth, Böcklin? ,, Eins, zwei, drei und vier!" Kennen Sie die Dame, Meŋer? ,, Eins, zwei, drei und pier!" Kennen Sie Meyer, Hindenburg? ,.Eins, zwei, drei und pier!" Kennen Sie Hindenburg, Rembrandt? ,.Eins, zwei, drei und vier!" Kennen Sie Dürer, Deutschland? , Eins, zwei, drei und vier!" Kennen Sie Deutschland, Frankreich? Eins, zwei, drei und vier!" Kennen Sie Frankreich, Deutschland? ,, Eins, zwei, drei und vier!" Mener tennt das Gewehr. Das Gewehr ist seine Braut. Und wie er mit ihr umgeht! Schneidig! Mener ist der Mann, der alles tennt. Er fennt Corinth und Böcklin, Hindenburg und Rembrandt, Frankreich und Deutschland. Meyer ist im Bilde, die Dame ist entzückt. Die Dame ist feine Braut, er faßt sie mit eisernen Händen und macht ihr Gewehr über. ,, Eins, zwei, drei und- pier!" ( Fortjehung foigt.) In Friedrichshafen gelandet. Glatte Heimfahrt des Zeppelin. Nachdem„ Graf Zeppelin" auf der Heimfahrt von Berlin no um 1.30 Uhr im passiert hatte, traf er gegen 3 Uhr nachmittags wieder über Friedrichshafen ein und landete nach einer längeren Schleifenfahrt über dem Bodenfee glatt um 3.28 Uhr. Bei schönem fonnigen Herbstwetter mar das Schiff dann bald wieder in der Halle geborgen. Beber das weitere Fahrprogramm des Zeppelin mirb nature gemäß erst nach der Rücklehr Dr. Edeners nach Friedrichshafen enthieben werden. Bekanntlich ist vorläufig eine ganze Reihe fürzerer Berfuchsfahrten unter Teilnahme von Bertretern des Reichsverkehrsminifteriums und der Deutschen Verfuchs anstalt für Luftfahrt vorgesehen, die mit der beabsichtigten 11m mandlung der vorläufigen Zulaffung des Luftschiffes in eine end gültige im 3ufammenhang stehen. Es ist taum damit zu rechnen, Reichsbahnprozeß vor dem Einzelrichter. Reichsbahnoberrat Schulze auf der Anklagebank. Der einsame Richter. Paß hinsichtlich des Brenngales, das sich namentlich bei den Atlanti barauf zu sprechen, daß in der Presse dem Befremden Ausbrud milie Schulze zu zwei Bäderreisen nay Westerland Bor Eintritt in die Berhandlung tam Amtsgerichtsrat Wolff 16 arquerungen in jeber Weise bewährt hat, trgendwet he ernstlichen gegeben worden sei, daß ein Prozeß wie der vorliegende in Tin. Bedenken geltend gemacht werden. Der Racheaft des Schießmeisters. Die zwei Dynamitattentate in Barmen. betracht der höchft michtigen Belange der Reichsbahn und daher auch der Allgemeinheit vor dem Einzelrichter und nicht vor dem Schöffengericht zur Aburteilung gelange. Radh ben heutigen straf. prozessualen Bestimmungen ist für diesen Prozeß aber die ausschließ fiche Zuständigkeit des Einzelrichters gegeben, Der mit Spannung erwartete fogenannte Reichsbahnprozeß, der, Freund im Haufe ein und aus. Wir haben uns gegenfeitig be dem Reichsbahnoberrat Erich Schulze einfache Bestechung zur Laft schenkt. Amtsgerichtsrat Wolff: Der Hauptgegenstand der legt, begann Dienstagfrüh nor dem Amtsgericht Berlin- Mitte. Der Antlage gegen Sie betrifft mun die Annahme von Geschenken durch große Schwurgerichtsiaal, in dem dieser Riefenprozeß zur Bere den Zeugen Galaner. Es sollen dirette Gefchenfe, Darlehen und handlung gelangt, bat ein eigenartiges Bild. An dem Richtertisch, Anschaffungen für den Haushalt gewesen sein, die Golzner für Sie an dem sonst drei Richter und sechs Gefchworene Blaz haben, faß gemacht hat. at Gafzner 3hnen Gefchenle gemacht? einfam der Einzelrichter, nur mit einem Gerichtsschreiber Angeff: Jawohl. Weihnachten 1924 hat Galzner mir ein Buch als Brotofollführer zur Seite. geschenkt. Es foftete 28 Mt. Wie ich später erfuhr, schrieb er seiner Firma dafür 200 M. auf. Gegen meinen Willen hat er meiner Frou cinen Staubsauger getauft und Weihnachten 1923 zwei Jahrräder. Es tam weiter zur Sprache, daß Galzner die Faeingeladen, daß er Möbelstücke für die Famille Schulze angeſchafft und einen Beitrag von 2000 m für den Bau eines Wochenend hauses geleistet hatte. Der Angetfagte erklärte, als er seine ganzen Erfindungsgedanken ber Firma Reifert zu treuen Händen gegeben habe und feine Entschädigung erhalten tonnte, habe Galzner bann immer gefagt:„ Erlauben Sie mir, daß ich zu Basten In dem Gröffnungsbellus, der jet perfefen wurde, brer sizenzgebühren die Zahlungen übernehme. Auf wird angellagt, in Berlin in den Jahren 1923 bis 1928 fortgefeßt Mart bezahlt. Simmer fagte Galaner, er lege die Lizenzgebühren bandelnd als Beamter für in sein Amt einschlagende, an sich nicht nur var. Borf.: Das bestreitet Galzner aber ariſchieben. Rechtspflichtmidrige Handlungen Geschente oder andere Bor. anmalt Dr. rep: G. hat aber ausdrücklich gefagt, feine Zahlungen tette angenommen zu haben." Diefe Antlage fügt sich auf die an Schprize und Müller maren reine Lizenzgebühren. Dieses Strafe Berbindung des Angeklagten mit der Firma Meijeri u. Co. verfahren ift fa dadurch in Fuß gekommen, daß Galzner feine in Köln, um nach seinen Versuchen und Erfindungen durch Firma um 97 000 M. gebracht hatte und baß mun ber Berbiefe Firma armierte Lagerschafen für Gütermagen in verbesserter bacht auftauchte, die Sumune sei zur Bestechung des Reichsbahn. Form für die Zwede der Reichsbahn herzustellen und zu liefern. oberrats Schulze nermendet worden. Staatsanwaltschaftsrat Schulze hatte mit der Kölner Firma 1927, nachdem feine Bersuche gegenwärtigen Antlage nitte zu tun. Barf.: Che Sie Unfprüde Herrmanns: Dieler Fehlbetrag von 87 000 m. hat mit der zu einem brauchbaren Ergebnis geführt hatten, einen Bertrag ge fchloffen, durch den ihm Bizenzgebühren zugefchert worden hatten, bezahlte Galzner z. B. 1600 M für Renaissancemöbel. waren. Er hat dann auch erhebliche Beträge aus biejem Bertragen gett: Ich hatte nie die Absicht, die Möbel zu faufen, habe erhalten. Hieraus wird dem Angeklagten jedoch von der Antlage dann aber das Geld an Galzner zurüdgezahlt. Barf.: Das ist fein Borwurf gemacht. Das strafbare Berschulden soll barin liegen, auch die einzige Rüdaabiung, die Sie gemacht haben. Der daß Schulze fich während der Dauer feiner Bersuche ständig von Angeklagte gab weiterhin zu, daß ihm Galzner bei den Einfäufen dem Berliner Bertreter der Käiner Firma Gelchente und ble sur Amerikareise 1000 M. in die hand gedrückt habe. Bors: Wie verschiebenartigsten Zuwendungen machen ließ. Es ist das mit den Batentgebühren gewefen, die Galzner für Sie war dem Zeugen barauf angekommen, durch diese Sumendungen bezahlt hat? UngerL: 3ch batte ihm die Idee gegeben und er Schulze bei feinen Berfuchen in Stimmung zu halten, mie er bat das Batent ausgearbeitet und auf feinen Namen angemeldet. in der Boruntersuchung ausgefagt hat. Dann tommt die Angelegenheit mit den Lagerfchalen zur Sprache. Staatsanwalt Herrmanns: Herr Reichsbahnaberrat Schulze hätte, wenn die Bagerschalen zur Ausführung gelangten, mit einem Auftrag von eminenter Bedeutung rechnen fönnen. Es handelte sich bei der Ausstattung fämtlicher Güterwagen um etwa 2% iionen Siüd. Also ein enormes Geschäft. Die AnMage nimint an, daß der Angeklagte auch einen gewiffen Einflußs auf die Aufträge für Lagerfchalen gehabt haba ie nunmehr einwandfrei feststeht, find Sie beiden gestern ger heißt es unter anderem: Reichsbahnoberrat Erich Shulze diefe Beile habe G. die ganzen Arbeiten in Höhe von etwa 1700 meldeten Explosionen als Racheaft des Schießmeisters Meistoch anzusehen, der seit längerer Zeit mit feiner Frau in Unfrieden leble Er hatte beschlossen, seine Wohnung und sein Gefchäftstotal in die Luft zu sprengen. Er brachte von seiner Arbeitsstelle im Laufe der letzten Wochen regelmäßig fleine Mengen Dynamit mit nach Haufe, bis er genügend zusammen hatte, worauf er gestern früh die Tat verübte. Das Haus in der Oberdörner Straße ist faft sollfommen zusammengestürzt, während das Edhaus Adler- und Hochstraße, wo das Geschäftstotal liegt, fehr fhmer befchädigt murde. Es muß als ein Wunder bezeichnet werden, daß bei diesen Grplosionen nur vier Personen verletzt wurden; allerdings steht noch nicht feft, ob sich unter den Trümmern noch Berunglückte be finden. Meisloch ist mit, wie zuerst angenommen wurde, geflüchtet, fandern bei Ausführung seines furchtbaren Racheaftes zu Tode getommen. Er wurde bei den Aufräumungsarbeiten in dem zerstör ten Wohnhaus Oberdörner Str. 1a gestern mittag als Leiche geborgen. Gizilien vor einer Bulfanfatastrophe. Schreckensnachrichten aus dem Meinagebiet. In den legten Tagen famen beunruhigende Nachrichten son Ausbrüchen des Aetna, die aber durch weitere Mitteilungen ab. geschmächt wurden, daß feine Gefahr bestehe. Die legten Rach richten lauten jedoch bedrohlich. Die ministerratstigung murde Dienstag vormittag abgebrochen, damit der Arbeits. minifter Giuriati Gelegenheit hat, fofort nach Sizilien abzureisen, um den durch den Ausbruch des Aetna verursachten Schaden perfönlich in Augenschein zu nehmen und alle Maßnahmen für die Bevölferung anzuordnen. In der Tat treffen vom Weinaaus bruch stündlich schlimmere Nachrichten ein. Einige Dörfer mußten schleunigt ganz geräumt werden. Der Sushruch nimmt dauernd zu und ruit unter der Bevölkerung große Besorgnis hervor. Der neue Auswurfstrichter befindet fich in einer Höhe von 2000 Metern. Am Abhang des Berges hat fi eine gewaltige Spalte geöffnet, aus der in großen Maffen glühende Lava fließt. In der ganzen Provinz Catania werden bie Lastwagen requiriert zum Abtransport der Bevölterung und ihrer Habe. Durch die Lava ist jetzt auch die Rundbahn um den eina ge fährdet forie die Provinzstraße Piedimonte- Nunziata. Die Schnelligkeit des Bavastromes hat sich verdoppelt. Sie bedroht jetzt auch die Orte Mertoli, Nardelli und Pietruccelli. Republikanische Feierstunde in Treptow. Die Arbeiter, Angeftefften und Beamten des Begirtsamtes Treptow haben am Sonntag in einer ausgezeich neten Feierstunde ihr Treugelöbnis zur Repubiit befräftigt. Unter bem Mattoehn Jahre Republi" baben sie eine Beranstaltung durchgeführt, die bewies, daß der Berwaltungsappa. rat des Bezirtes Treptow zum überwiegenden Teile mit Männern belegt ist, die freudig und zielbewußt an ihrer Stelle für den republitanischen Aufbau arbeiten. Der große, reich mit Fahnen und Blumen ausgeschmückte Sigungsfaal des Rat pauses mar lange par Beginn der Beranstaltung überfüllt, bis in Sen Borraum hinein standen die Teilnehmer. Mu dem Intermezzo aus dem Quartett op. 13 von Mendelsohn, von Mitgliedern der Staatlichen Hochschule für Mufit meisterlich gespielt, begann die mürdige Feierstunde. Der Männerchor harmonia" ieberichöneweide, fang unter ihrem Dirigenten Griebel bas Opferfied Bon Beethoven. Dann stand Bürgermeister Grunam om feftlich geschmidten Badium. Bom Zusammenbruch der Militärfamarilla und von der opfermilligen Arbeit der Bater landslosen", die aus einem Chans die deutige Re publit gezimmert haben, sprach er. Zehn Jahre Republif haben euch unserm ärgsten Gegner die Erfenntnis gebracht, daß Deutsch R'eine Geschenfe. Auf Ersuchen des Richters schildert der Angelfagte sein Ber. hältnis zu Galaner, dem Berliner Generalvertreter der Firma Reifert u. Co. in Köln. Der Berfehr. in berichtet Shulze, fegte mitte 1923 ein. Galzner war regelmäßig unfer Gaft. Er ging als land allein durch die Aufbauarbett beberater Republiforderung, bar Republit meiter bie Treue au balten, schloß Bürger. taner politisch und wirtschaftlich gefunden fonnte. Mit der auf meifter Grunom under ftürmischem Beifoll mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf ble Republit. Borträge des Quartetts der Hochschule für Musik und Gelangsbarbietungen schloffen bas Programm der eindrucksvollen feier ab. Die Braut war die Mörderin! Aufklärung des Falles Kosch in Magdeburg. Magdeburg, 6. November. tags 5.49 Uhr. Ebenfalls ab 15. Rovember wird die Linie 63, Görlitzer Bahnhof- Schleftfcher Bahnhof- Belßenfee- Unionplat die bisher von Brig( Rathaus) über Neufälln- Berliner Straße bis zur Gogfomitystraße verlängert. Schönhauser Allee bis Stettiner Bahnhof fuhr. über diesen hinaus Republikfeier des Reichsbanners. 10 Jahre Deutsche Republit" nennt sich die Gedenkfeier, die das Berliner Reichsbanner am fommenden Donnerstag, 8. November, abends 8 Uhr, auf dem Gendarmenmarft veranstaltet und an der teilzunehmen auch die republikanischen Parteien auffordern. Die Kundgebung wird durch gemeinsames Spiel der Mufiftorps des Reichsbanners eröffnet, morauf für die Sozialdemokra fer, für bie Bentrumspartei Rettor Kellermann und für die Staatstheater sprechen Gebidhe, die die Erinnerung an die Tage por Demofraten Reichstagsabgeordneter Gearg Bernhard fureden werden. Die Schauspieler Albert Floroth und 5. Bitte pom 10 Jahren wecken. Alle Reden und Borträge werden durb Bautfprecher übertragen. Mit bem gemeinsamen Gefang des Bundesliedes schließt die Feier. Der Abmarsch der Züge nach den einzelnen Stadtteilen erfolgt mit Mufit und Fadeln. Der Fall des Reichsmehrunteroffigiers Rosh fann jetzt als aufgeklärt gelten. Seine Braut, Anni Nath. hat nach nierstündiger Bernehmung durch den Untersuchungsrichter ein Getische Partei Reichstagsabgeordneter Genoffe Franz Kuftständnis abgelegt. Sie will die Absicht gehabt haben, aus dem Einfall gefomunen sein, ihren Berlobten mit ins Jen Beben zu scheiden, nor der Ausführung dieser Abficht aber auf den feits zu nehmen. Sie hat den Unteroffizier of er offen und war dann in die Elbe gegangen, um sich felbft bas Leben zu nehmen. Hieran wurde sie bekanntlich von Baslanten gehindert. Straßenbahulinie 6„ Südring" ab 15. November. Die fchon nor längerer Sett angefündigte Ringlinie 6 her Straßenbahn mirb nunmehr am 15. November in Betrieb ge nommen werden, nachdem das noch zu bauende Berbindungsftud für die Ringlinie fertiggestellt ist. Am felben Tage merben bie inien 11 und 52, deren Bahrstreden die Linie 6 übernimmi, aus bem Bertehr gezogen. Die Linie 6 fährt vom Wartburgplag über Zempelhof- Briz- Bahnhof Reutoun- Treptam- Alexanderplat Stettiner Bahnhof- Turm Ede Beuffelstraße- Bilhelmplay Bahnhof 300 bis Wartburgplag Der erfte Wagen vertebri ab Wart burgplag in Richtung Briz Bochentags ab 4.40, Gonntags 5.21 Uhr: in umgelehrter Richtung ab Beuffelstraße Wochentags 3.08, Sonn| * Wegen der Rundgebung auf dem Gendarmenmarti am 8. No. nember, 20 Uhr, muß der Bortrag von Herrn Profeffor Hobohm in der öffentlichen Werbepersammlung des Drisvereins Iterfreunde bes Reichsbanners Tiergarten werben gebeten, fidh an der garten ausfallen Alle passinen Mitglieder und Gesinnungs Veranstaltung auf dem Gendarmenmarkt zu beteiligen. Bund entschiedener Schulreformer. Große öffentliche Rund gebung am Donnerstag, dem& Movember, im Lehrernereinshaus am Alexanderplat 3ehn Jahre republitanische kulturpolitit, eine Bilanz. Redner: Gertrud Bäumer, Md.; Johannes Tews; Fleißner. MoR.; Alwin Saenger, MbR.; Prof. Baul Oestreich. DEUTSCHE KRAFTFAHRZEUGE DEUTSCH SIND DIENER DER WIRTSCHAFT. DURCH QUALITAT UND ANPASSUNG AN DIE WELTMARKTPREISE BESTEKLASSE PROFEN SIE SACHLICH UND GERECHTI EHREN SIE DEUTSCHE ARBEIT! Die letzte Fahrt der„Italia�. Ein Vortrag Professor Behooueks. Man«wrv« es dem Praseflar»«hounek. dem JUss««. schostl«?, der d«n General Rabil« aus seiner Uorppolsqhrt be« gleitete und gestern io der Philharmonie üb«? seine Srlebnifle vortrug, an. daß er aus onerkennensipertem Saweradschoftsgesühl manches verschwieg, was im Lauf« der verhZngni, vollen Expedition geschehen ist. Trotzdem verriet«r viekes. So god der sympathische tschechische Gelehrte ossen zu. daß die» a l i a' sür die Nordpol� fahrt völlig ungeeignet war. Mit unfreiwilliger, ober bitterer Ironie erzählt er. daß seine wisienschqstlichen Instrumente sich in einer Kabine— der Führertabin«— besairden. in der sieben Menschen stch gegenseitig aus den Fiihen herumswnden und ein Sitzen vollkommen unmöglich mar. Man schlies sestgeschnallt aus dem schmalen Laussteg und hätte, märe man nicht sestgeschnallt gewesen, mit Leichtigkeit beim cherumwllhlen im Schlos die dünne Hülle des Lustschisse» durchstoßen können, um dann kläglich in die Tiefe zu talle». Der einzige Senner der Arktis an Sord war der schwedisch« Professor Molmgreen. der Dozent sür Meeres. Wissenschaft in U p sa la. Ueber seine Begleiter aus dem grauen- vollen Todesweg im Eis«, die italienischen Ossizleee Zappi und M a r i o n o. sagt« Dehaunek, haß sie in diesen Togen nicht mehr als normal« Mensch«» hätten angesprochen werden können. Dos Hilssschifs, hl«„E i t t a d i M I l a n o". war«och der Ansicht des Professors gleichsolls für Arbeiten im Polorgebiet voll» kommen ungeeignet. Tragik und Komik oermischen stch, wenn Bchounek erzählt, wie über dem Nordpol italienische Lieder, Foschistenmärsch« aus dem Sromwophov g«spi«it sowie Flagge und Kreuz abgeworfen wurden, und wie dann nach zwei Togen, am N. Mai, die Satostroph« de» unzulänglichen Fahrzeuges eintrat. Behaunek befand stch bei' der Gruppe Nobile. die mit der Führergondel auf dem Eis« landete. Di« Bustschisshüll« mit der Gruppe Alessandrini wurde weiter getrieben. Der Italiener Zappi hat nach seiner Rettung durch den russischen Eis- brecher �Krasstn" erklärt,— und dies« Erklärung hat besonder« Empörung erregt.— daß nach seiner Ansicht di« Abgetriebenen verbrannt oder aus andere TM« umgekommen seien. Behaunek Hab« verlangt, daß Vtaltm«in« neu« Htlss«xp«dition ausrüste. Monatelang könnten sich die Derschollenen, falls si« un- verletzt zur Erd« gelangt seien, am Leben erholten, denn sie»er- mgten reichlich üb»? Leben, mittel und Ausrüstungen, di« si« be- fähigten, auch di« Polarnacht zu überstehen. Interessant« LichtbUder verlebendigten da«, was der n'chechisch« Gelehrte uns vortrug. D«n tapseren Mann«, der nebe« dem Funk« V l a g i im roten Z«lt auf d«m Eis« immer wieder feinen Kameraden Mut einflößte und Hoffnung gab. dankt« d«r verdient« B«isall der zuhlrdchin Auhärerschast. HerbfieMesse der Lufettenfeemiöe. Fweimol st» Hahr«, an Frühjahr und tm Horbst. treffen sich hiesige und auswärtig« Züchter und Liebhaber der kleinen und lleinftau Lebewesen, dar Schmetterling« und Insekten, zur Kauf» und Tauschbörs« in Berlin.?w den Nesvenz- iestsSllm, Landsberger Straß«, herrscht« schon in den früh«, Morgenstunde« geschäftiges Lebe« und Treiben. Im strömenden Negen, triefend vor Säst«, kamen die Aussteller an. sorgsam und ängstlich hatte ein seder seine Schätze, da, Produkt mühevollster, langjähriger Arbeit, unter dem Mantel verwahrt, damit«» durch die Nässe keinen Schaden leid«. Aus Brandenburg, au» Sachsen kamen die Teilnehm«, ja. ein Schmetterlingszüchter aus Wies- baden, b-r die gleichzeitig in Basel stattfindende Entomologen schau besucht hatte, traf am frühen Morgen ol» einer d« ersten au, Basel«in. Gegen 9X Uhr waren all« Tische besetzt und dt« Schau bot«in ebenso schönes, wie reichhaltiges Material. Besonders wertvoll« Exemplar«, de? Glanzpunkt der diesmaligen Schmetterlings- schau, war«, drei Schmetterling« au« der Marnosfiussormli«. Eversmens. BarietSt Moni aus dem vst.Sinoja.Gehirg«: sie unter- scheiden sich von ihren Artgenosten durch eine absolut« Gelbfärbung. Prächtig« Faller aus de» brasilianischen Wäldern gab«« zu sehen. dann sehr viel und sehr schänes, heimisch«» Zuchtmaterial, bei dem vor allem de« Fachmann allerlei interestarü« Kreuzungen, z B. Melanismus, auffielen. All Kästen mit ivlmdsrschRnen, spanischen Schmetterlingen erregten allgemein Bewunderung. Aus daß auch der Materialismus ein wenig zu seinem Recht komm«, hott« ein ganz Schlauer«in- ganze Meng« Zigorrenststen für die Käufer mitgebracht, die dann di« erworbenen Exemplare gut verpackt nach chaus« tragen konnten. Mit viel Freud« stellten dt« Aussteller fest, daß die Lugend sich wieder stfr di« Schmetterlingszucht mehr zu interessiere» beginnt. Hauptsächlich heimisch« Schmetterlinge, deren Erwach kein all« tesistMg«? mar � für eine Mark gab es schon »in« sein zusammen gestellt« Kollektion— fanden bei den fügend- lichen Jnterestenten starken Adjotz." Die Q'quiöaiionsgeschaöigien kämpfen veiier. Unabhängig von dar Modilifierungsokticn, der Rcichsschuldbuch. sorderungcn der Krieg», und Ltquidoiionsgeschädigten sind die im .Jiingverband der geschädigten Ausländsdeutschen und Verdrängten" organisierten Geschädigten nach wie vor entschlossen. Pen Kamps für ihre Forderungen—- die bekanntlich in einer voll entschädigung gipfeln— fortzusetzen. Daß man«» nunmehr mit oerschärstcn Mitteln tun will, bewies di« am Montag adend vom..S ch u tz v« r- band geschädigter Ausländsdeutsche r. Kolonial- deutscher und Verdrängter E. L. im Schubert-Sool per- anstallet« Mitgliederversammlung, die sehr gut besucht war. Di« Mitgliedschaft der ip dem genannten Ringverband vertretenen Or- gonisationen besteht vorwiegend aus Kk«ing«schSdigt»n. die sich durch die Schadenseststellungen. wie si« in dem sogenannten Kriegsschädenschlußgeseh vorgesehen sind, benachteiligt fühlen. DI« Führung dies« Bewegung siegt vorwiegend st, den Händen der Herren Trapp, Dr. Füll und Dr. Hansen. Di« Genannten wandten sich in ihren mit starkem Beifall aufgenommenen- Aus- führungen gegen die zu langsame Abwicklung der Geschäfte in der Reichsschuldbuchoerwallung, die ihr« Ursache in dem veralleten Grundbuchgesetz von<88? Hab«, das durch«in« nom Reichstag b«> schlosten« Notverordnung ersetzt werden müste. Erwähnenswert sind die Ausführungen des Herrn Dvrendorf. d«r bei den bevor- stehenden Verhandlungen über d!« Revision de» Dawe»-Gutachtens die endlich, Beachtung des Paragraphen ZS7s de» Friedensvertrages «ordert«. Dieser Paragraph sogt fügendes:-Deutschland verpflichtet sich, feinen Angehörigen wegen der Liguidaiion oder Sinbehavung ihrer Güte. Rechte oder ynteresten in den alliierten od« assoziierten Länder» vollen Ersatz zu leisten.� Sine Bestimmung, der di, Ge- schädigten»erständsich, Sympathie entgegenbringen. Die Berliner Funkstund« sucht im Schweiß« ihre» für die neu eingeführten Abendunterholtungen«in««ndgü lerisch, Form. Diesmal soll«in« vornehm« Gesellschaft im Westen gemimt«erden, aus der Fried« Weber-Fleß bürg mit schön« Kolvroturbegabima Nedda» Bogestied au» dein Bajazzo singt. Danach erörtert Alfred Dödli» und Prafestor Heil« fron furistnch« Fragen, linfc hier geschieht beinahe da, Wunder. daß lvh her Rundfunk gegen die Tod«»stras««insetzt. Allerdings ganz schüchtarn in einem R-bensatz. nur mit zarter An- deutung. Dann aber betont plötzlich Heitsr VN. di« Tod«»- st ras« müsse eigentlich, bei rechtem Licht« besehen, doch deid, halten«erben. Die Begründung wird durch ZZulius Berger» stimmim-�oallen Vortrag her Rubinfieinschen„Melodie" und durch Lina Losten» Salongeplauder unterdrochen Döbktn Rechtsfragen im Rundfunk, detont hier au» sozialen Gründen di« Beibehaltung der Todesstrai«. Di« sozialen Gründe nehmen sich allerdina» siort mittelalterlich heran». Roch einmal«r- sucht vöblin«lne Einwendung und Lina Losten unterstützt ihn mit dem vortrog der herrlichen Worte über di« Gnade an» Shakespeare» .Kaufmann von Venedig". Das Problem wird dann mit Schumanns„Träumerei" und der Käniyinan« aus Weyerkesr» .Hugenotten"«ndgültta zu den Akten gelegt. Der versuch ist viel- leicht usreulich. daß»ttuell« Togessrogen endlich in gefälliger Farm im Rundfunk dtskutiert werden, und«an kann dekennen daß in rein formaler Beziehung Befriedigendes geleistet wird. Leider nicht in inhaltlicher, und die» bleibt entscheidend. Es bestebt«in großer Unterschied, ob di« Herren Döbsin und Heilfron auf einer prwaten Abendgesellschast über da» Thema der Todesstrafe ganz private Kmtversatton betreiben oder ob die» vor dem Mikrophon geschieht und dadurch endgültig« öffentlich« Betonung«fährt. Ei«« ,nt« schieden« Stellungnahm« bringt der Rundfunk nicht,»der d« Ton macht die Mvsik. und dies« klingt sehr reaktionär. Di« meisten Rundfunkhörer verlangen ein« Ab- schasfung dieser mittelalterlichen Einrichtung. Warum schlägt ihnen der Rundfunk in» Gesicht? F. S. Gefängnis für Friedrich Holländer. Vor dem Crmeiterteu Schöffengericht heim Amtsgericht Nürnberg mußte sich der bekannte Komponist Friedrich Holländer au? Berlin wegen eines Bergehen» der fahrlässigen Tötung verantworten. Er mar an, Nachmittag de» 4. April d. I. i» seinem Kraftwagen mit seiner Begleiterin, der Schauspielerin Warion Baisi. van Nürnberg kommend durch Cibach gesahren. Vor der dortigen Kirch« standest neben zwei Personenautos mehrere Leute, darunter auch Kinder, die fortwährend über die Straße liefen. Holländer hatte trotzdem beim Herannohen an die Gruppe sein Tempo nicht vorschriftsmäßig vermindert, so daß er seinen Wagen nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen konnte. Al? ein achtjähriges Mädchen in II) Meter Entjernung vor feinem Wagen die Straße überqueren wollle, überfuhr Holländer das Kind, das an den erlittenen Verletzungen starb. Holländer, der jede Schuld bestreitet, wurde auf Grund der Zeugenaussagen zu zwei Monate« Gefängnis verurteilt. Ärefmarfenoussiellung der Jugend. Zu einem Fest für uns«« 8n«nd gestaltet« sich die Jugend- Werbe-Briesmartenousstellung. die die Sammlervor. ein« Berlin, Lichtenderg und Köpenick in Schwarz' Fest» sÄep in Bertin-Lichtenberg veranstaltet haben. Was hier an philo- telWschsr Arbeit geleistet worden ist. verdient« eigentlich in einem größeren Rahmen gewürdigt zu werden. Insbesondere sei den Berliner Schulen her Besuch der groß angelegten Ausstellung emv sohlen: er«setzt mindesten» divers, Geographiestunden. Die Aus- stellung bezweckt, d«r Jugend, soweit sie schon sammell oder zu sammeln beginnt,«in« richtige Anweisung zu geben und darüber binnus den ethischen uich praktischen Wert des Briefmarkensow melns zu porgnlchaullchen. Di« Jugendgruppen der genannten Verein« hatten reichlich ausgestellt. Neben den sogenomtten Raritäten kommt doch mehr der ileißlge Sport zum Ausdruck, der sich im soudera, Aufziehen der Marten und in d« Dollständigkeit ganzer Satzreihen kundgibt. So möge man den veranstallern recht gehen, wenn sie sagen, daß da» Brieswarkensammckn der Jugend belehrend aus dem Gebiet der Völler» und Länderkunde wirkt, daß«» Sprach« nkund« vermittelt, den Farbensinn weckt und den Ordnungesw» schärst, wunderschön« Disziplinen, die wir uns«« houtigen Jugend nicht warm aenug empfehlen können. ,Wottanks Weinbergs soll Freifläche werden. Die im inneren Berlin noch«hallen gebliebenen Grünanlagen »rwater Eigentümer werden jetzt nach Möglichkeit vor der droheichen Vernichtung bewahrt. Die Stadt sorgt dafür, solche Löichereien als Freiflächen auszuweisen, womit sie zunächst der Bebauung entzagen werden. Der Aokaus durch di« Stadt, der später einmal folgen muß, erfordert Geldopser. aber diese Aufwendungen dienen der Voitsgesundheit. In früheren Jahrzehnten hat man in dieser Hin- ficht wenig oder nicht» getan, so daß von dem ehemaligen Reichtum Berlin? an Gärten heute nur noch ganz geringe Reste übrig sind. Bor dem Rosenthaler Tor wird jetzt eine Freislächenous- Weisung geplant, die van der dort wohnenden Bevölkerung freudig begrüßt werden wirst. Am Weinbergsweg liegt dos W o f s a n k s ch« Dillen- und Porkgr und stück, ein Rest de» auegedehyten Grundbesttzes. den dt« Familie Wallank da draußen einmal gehobt berg der Graf Sparr. Er stellte aus dem höchsten Punkt ein ete unten neben dem Weiichera eine aröfsnete her damalige Besitzer rd dort oben ein Kaffeehau», und der Weinberg wurde nun eine deltedt, Au»slugsstätte für dt« Berliner. Später kam das WeinbergsgeNtndc japst Kaffeehaus und Meierei in den Besitz der Familie Wollank, di« vor dem Rosenthaler ..' erweiterte. einzweiten Hälfte des Ist. Jahrhunderts w»rd«n beim vrtschrstt der Bebauung von Berlin-Nord die Ländereien Wollonks allnchhlüh ausgeteilt und al, Baustellen verkauft. Nur dos Villen- und Parkgrundsiii ck am Weinbergsweg ist«hallen geblieben und soll nun dauernd erhalten bleiben. Der Magistrat betreibt Ausmerfung de» Grundstück» al» Freifläche. Nach der Fa mäste Wollank wurde übrigen, der außerhalb ster Stadtmauer vom Rosen thaler Tor zum Schönhauser Tor führende Weg im Jahr« 1832 amtlich..Wollankstrab«" benannt. Erst«ach 1870/71, als man die neuesten Kri« dsmühte WMI ten Namen rücksichtslos beseitigt«, wurde aus der„Wollankstraßr" die„Lothringer Straße". Der Straßenname„Wollankstrab," ent- stand später neu in Pankow, wo dl» Familie Wollank gleichfalls Grundbesitz hott«. Dl« Wollanks waren im Norden neben den Bötzow» die größten Grundbesitz«. sss Kill (si an, DO�enStanjbi,- ger Begriff für IRADIIIÖN ,1 ff � AHE KULTUR I unlb neuzeiilicl/e TECHNIK Ii Mlillllli #«i««i««-m«-««i«i»■'.»»«»«»>«»mwumn'tvtmi sc�affere unien diesem. Signum. unibWappea -»«».n-ch-M eolenr GENUSSES- dasö die Ci�areüi; ,i|| KURMflRK SPEZiAU-MACEDONEN-MtSCHUHC» für je�ea Raucher em � Privileg seiner Art Mittwoch Kindert Nachdruck von Wort und Bild verboten! Jetzt ande HERREN KLEIDUNG genan so vorteilhaft! C& A C& A GEHEN SIE ZU Oranienstr. 40 Am Oranienplatz Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bhi. Königstraße 33 Am Bbf. Alexanderplatz C& A BRENNINKMEYER Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Mittwoch, d. 7.11. Mi twoch, d.7.11. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 131 20 Uhr Städtische Oper Bismarckst Turnus III 19 Uhr Der Rigoletto Prophet taals- Oper An Pl.a. Repub. R.-S. 156 19% Chr Staat. Schauspielh. miendarmenmarkt A.-V. 195 20 Uhr Carmen Gespenster Sraati. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr GAS SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Jack Hylton, der unumstrittene Jazz- König Europas, mit seinen 18 Solisten und weitere zum erste Male in Berlin austretende internationale Stars. Großes Schauspielhaus 8 CASANOVA mit Michael Bohnen, Regie: Charell Sonntag 1 Machmittags- Vorstell Die ganze Vorst. zu halben Preisen. 81, Uhr CASINO- THEATER 8, Uhi Lothringer Straße 37. Neu! Neu! Stöpsel Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Laser Gutschein tür 1-4 Pers Fauteuil nur 1.15 M., Sesse! 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Renaissance- Theater 8% Heute& Ton in des Töpfers Hand van Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Erer. Regie: Gust. Hartung. Täglich 8, he Volksbühne Die Komödie Kleines Theater Theater am Bülowplatz 8 Uhr Der lebende Friederike Lecham Mufi von Franz Lehar Käthe Dorich Richard Sauber Hilde Borner Bespermann Arnftaebt Garnburn Dora Reg Vimburg Raiser- t B Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon Zentrum 378 u. 9393 Komische Oper James Kiein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der ,, Freien Liebe" Parkett nur 4,50 Mk. Theater am Schiffbagerdamm 8 Uhr Die Crei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr GAS Th. am Schiffbauerdamm Täglich,& Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. Telephon: Norden 1141 c.281 Theater a.Kottbusser Tor Deutsches Theater Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger mit ,, Dietrich, be errsche Dich!" Waldeinsamkeit Stammtisch ,, Hutlos" Volkspreise: Mk 0,5 h. 2.00. Lowen 7.50 Reichshallen Theater 3 Abends& Sonnt. nchm. Steffiner Sänger Neu! Neu! Hamlet im Heringsladen Burleske v. Meysel fachm. halbe Preise. volles Progr. Donho Brett' Varleté Konzert Tanz. Winter Garten Tagi. Uhr Ir ternat. Varieté Rauchen gestattet Norden 12 310 Vorverkauf auch im Pavillon d Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448 u. 449. 8 Uhr, Ende cegen 11 Die Verbrecher Schauspiel von FerdinandBruckner Kammerspiele Norden 12310 84 U. Ende nach 10 Ehen werden im Himmel geschlossen! Komödie vonWalter Hasenclever Abend- Kenzert Bismarck 2414/7516 Täglich 81, Uhr Max Adalbert Ende 11, Uhr Eltern und Kinder in Komödie Der Dickkopf von Bernard Shaw Sandrock, Landa, Sterler, Sikla. HALLER- REVUE ,, Schön and schick" Admiralspatest Täglich 81 Uhr Trianon- Th. Täglich 8 Uhr Skandal um Olly Erika Glässner. Heinz Saliner Rundfunk höre halbe Preise Sonnabend und Sonntag 4 Uhi Schneeweißchen und Rosenrot Barnowsky- Bühnen 1. Königerätz Täglich 8, Uh Der Frauenarzt Schauspiel von Hans J. Rehfisch Stg. nachm. 31/ Uhr Kleine Preise Der rote General matendo Tgl. 8 Ende 10¹/ 6 Perlenkomödie alt- ahmen Ots. Künstler- Th. 8 Uhr: Die Herzogin von Chicago Joer. ven Emmerich Ralman Lessing- Theater 8 Uhr Alb. Bassermann. Lucie Mannheim Herr Lamberthier Drama von Louis Verneuil. Theater des Westens Th. in der Lutzowstr. Thalla- Theater Krause- Pianos Täglich 8 Uhr Kurf. " Tgl. 81, Sonnt. 4 U. resdener Str. 72-7. Uhr Bitte einsteigen L. M. Lommel Schneider Wibbels zur Miete Revue in 2 Bildern Musik v. Holländer mit Josephine Baker in: Auferstehung Runzendorf Kenckels. Grodtczinski. auf Welle 0,5" Hal Sherman. Rundtunk höre Theater halbe Preise Sonnabend 4 Uhr in der Stadt Klein Hackepuck. Kommandantenstr. 57 Dönh. 919. 8 Uhr Theater am KLEINE ANZEIGEN Nollendorfplatz in der Gesamtauflage Ueber 500 Mal: Spiel im Schloßraglich 8, Uh Anekdote von Franz Molnar. Schwarzwaldmädel Planetarium am Zoo Regie Eugen Rober Agnes Esterhazy, Arthur Fering. Joachimsthaler Straße Schröder. Licho.esch- allet. Thiers. Marx Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimme im Winter 18 Uhr von Bruno Franke and Weltenraum. Stg nachm 31 kleine Preise Mein Vater hat Recht gehabt 20 Uhr Sonneu.Sterne Volksglaube unc Wissenschaft Sil .astspielnaus Täglich 8 hr Arm wie eine Kirchenmaus Leela Englisch, maer, Zum Bleichen ohnegleichen! Ratsweinkeller Schöneberg, luttus Schwenk Hefträume für Privatfeste. Hochzeiten Cute Küche mit Einziger Ratskeller Regieweinen Ananasbowle. Statiküche liefert in allerbester Aus brand festessen. Neu eröffnet! Operette in 3 Akten Mittwoch u. Sonnab. nac mittags 4 Uhr Das neugierige des Vorworts sind besonders wirksam W50, Ansbacherstr. 1 Mal- u. Zeichen Bedarf and trotzdem L- Juergens Alexanderplatz sehr billig! Neue Königstr.43 Das neugierige Seehen erschienen! Seehen erschienen! Sterniein ose- Theater R r. Frankfurter St.132 8 Uhr: D.Verschwender AM Bierabteilung Vereinszimmer :-: Plisener Urquell.... zo M.-. 75 Menchener Lowenbräu. 20 M. 60 Schultheiß- Patzenhofer 20 M.-. 30 Adolph Hoffmanns Erzählungen“ Gesammelte Erinnerungen aus Sozialistengesetzlicher Zelt mit Anhang 200 Seiten stark auf holzfr. Papier in Ganzleinen geb.mit Titelpressung 3.- RM. Bes. geeignet zu Geschenkzwecken Selbstverlag von Adolph Hofmann Berlin 0 17, Koppenstraße 6 II Bestellungen nehmen alle Vorwärts- Bo enfrauen entgegen KRONLEUCHTERFABRIK Prinzenstr. nur33 EGEL L Mk 30 20 M.-, 50 M.-. 50 20 M.-. 40 Grösstes Lager Berlins Sonntag großes Mittagessen. Abendkarte gat and billig. Bestellungen Stephan 888 Teilzahlung pointaräs(Znischluß. CEnft« der„Nationalen Einigkeit". Das Ministerium der„nationalen Einigkeit", dos Poincarmin eine widernatürliche Koalition, die nur aus den b e i o n- deren Umständen erklärt werden tonnte, in der sie ge- boren wurde. Damals befand sich ganz Frankreich in einem Ausland der Panik. Die Sorge um den französischen Zranken, der eine ähnliche Entw cklung zu nehmen schien wie die deutsche Papiermark, lieh Poincar� als den Retter erscheinen der allein genug Autorität besitze, um dem weiteren Sturz der Währung EinHast zu gebieten. Da aber in der damaligen Deputiertenkammer ohne die Radikalen nicht re- giert werden konnte, entschlossen sich H e r r i o t und einige seiner radikalen Freunde, m ein Ministerium der„natio- nalen Einigkeit" unter Poincards Borsitz einzutreten. Dieser Entschluß Herriots ist von einem großen Teil der radikalen Partei schon damals entschieden mißbilligt worden Aber die Mehrheit der radikalen Kammerfraktion stellte sich auf den Standpunkt, daß eine andere Lösung doch nicht möglich gewesen wäre, da sich die Sozialisten an einer Koalition der Linksparteien nicht beteiligen wollten. Dos Ministerium Poincar6 hatte den einzigen Zweck, die Inflation zu verhindern und die S t a b i» lisierung de? Währung durchmführen. Es war für Poincarei nicht allzu schwer, feine Mehrheit zusammenzu- halten, solange er mit der Gefahr eines neuen Sturzes der Währung als Folge des Sturzes des Kabinetts drohen konnte. Daher gelang es ihm auch, einen Zerfall feines Ministeriums vor den letzten Parlamentswahlen zu oer- hindern, obwohl gerade damals die Radikalen das Bedürfnis nach Wiedererlangung ihrer politischen Unabhängigkeit be- sonders stark empfanden. Sogar nach den Wahlen versuchte Poincar» gefährlichen Kanten der eingebrachten Resolutionen abzurunden und eine Vertrauens- erklärung für sich und seine parteigenössilchen Minister- kolleaen herbeizuführen. Im sicheren Gefühl der überwunde- neu Gefahr reiste cherriot am Montag abend nach Paris zurück. Aber es kam anders. In einer N a ch t s i tz u n g, in der die tradstianelle programmatische Kundgebung der radikalen Partei beschlossen werden sollte, brachten die Freunde C a i l l a u x'«ine schärfere Note in den Entwurf hinein, als es di« Reg'isieure des Parteitages vorgesehen hatten. Der entscheidende Satz, der di« Krise verursacht hat. besagt, daß die radikale Partei überzeugt ist. daß ihr Programm im Rahmen einer Regierung der nationalen Einigkeit nicht verwirklicht werden kann. Es st durchaus denkbar, daß die Verfasser dieser Reso- lution und ein großer Teil derer, die sie angenommen haben, einen sofortigen Rücktritt der vier radikalen Minister ga,r nicht beabsichtigten. Wahrscheinlick hätten die meisten sogar einen günstigeren Zeitpunkt fü? die Eröffnung einer Regierungskrise gewünscht. Man erfährt übrigens, daß die Initiative zur Rücktrittserklärung keineswegs von cherriot selbst ausgegangen ist. lim so entschiedener bat P 0 i n c a r die durchaus logische Konsequenz aus dem Be- scbluß von Angers gezogen. Er ist es gewesen, der am frühen Morgen cherriot zu sich destellte und ihm den Rücktritt der vier radikalen Kabinettsmitglieder nahelegte. Durch dieses Vorgehen hat Poincar«� nur an Prestige gewonnen, denn er ist nicht gestürzt worden, sondern er hat selber den Äugenblick bestimmt, der ihm ein weiteres�gedeihliches Zusammenarbeiten der„nationalen Einigkeit" unmöglich er- scheinen ließ. Es hat den Anschein, als ob diese Initiative Polncanis b?i den Radikalen eine beträchtliche Verwirrung erzeugt hat. Weit davon entfernt, sich als die Sieger zu füllen und zu gebärden, stecken sie nunmehr die ÄLpse zu- sammen und machen sich gegenseitig Vorwürfe wegen der Beschsüsse von Angers und ihrer Unerwarteten Folgen. Gerade aber, weil die Ministertrise unerwartet ausgebrochen ist, erscheint ihre Entwirrung zunächst recht schwierig. Eine Wiederbctrauung Poincaräs ist nicht sehr wahrscheinlich, denn Poincarc� hatte sich bis zuletzt auf die Formel der„Nationalen Einigkeit" festgelegt, und diese ist nun einmal durch die Beschlüsse der Radikalen er- l e d i g t. Eine Koalition der Mitte mit dem Schwckgew'cht auf der Pnken Seite, die sogenannte.Konzentration nach links." kommt schon eher in Frage, und dafür werden bereits die Namen B r i a n d und T a r d i e u in den Vordergrund gerückt. Endlich gäbe es noch die theoretische Möglichkeit einer Regierung des Kartells der Linken, die der radikale Parteitag von Angers ausdrücklich- als wünschens- wert bezeichnet hat. Solange ober die französischen Sozia- l i st e n ihre früheren Parteitagsbeschlüsse, die nur eine Unterstützung bürgerlicher Lmksregierungen. nicht aber eine i direkt« Koalitionspolitit zulassen, nicht revidieren, erscheint eine derartige Lösung höchst unwahrscheinlich. 1 Cmheiisswni— gegen wen? Oer Unternehmer: Oer Kommunist: »5ort mit dem Schlichtungswesen! Kort mit den Sewertschasten? Kort mit der Sozialdemokratie?� Thronrede/ Macdonalds Vorstoß. Scharfe Kritik am Klottenkompromiß.— Baldwin weiß nichts zu antworten. Conbon. 6. November. tSigenbericht.Z Di» letzt« Session des gegenwärtigen Parlaments und die letzte Session der Regierung Baldwin, falls sich di» wohlberechtigten Hoffnungen der Arbeiterpartei erfüllen sollten, wurde am Dienstag mit aller traditionellen Feierlichkeit eröffnet. Die vom König oer- lesen« Thronrede war ungewöhnlich kurz. Sie begann mit der Feststellung, daß die Beziehungen zwischen Großbritannien und den auswärtigen Mächten weiter freundlich seien. Die Regierung habe gemäß ihrer bisherigen Politik auch während der süngsten Aergangenhcir den Aölkerbund nach Kräften unter- stützt und besonders versucht, dem K S de« Lölkerbundsstatut» im Hinblick aus die Herabsetzung der Bewaffnung des Landes nach- zukommen.(?) Mit Belgien, Frankreich, Deutschland, Jtasien und Lapan sei eine Einigung über die Notwendigkeit der Aus- nahm» von Verhandlungen zum Zwecke der Festsetzung der "i nT) g imtgrir- Repurratto n» summ» zustandegetommen: es sei des ferneren von Großbritannien anerkannt worden, daß Verhandlungen bezüglich der Räumung de» Rhelnlande, aufgenommen werden sollten. Hinsichtlich China stellt die Thron« rede fest-, die Bestrebung de» Landes,«in« zentral« Regierung zu schössen, sei von großer Bedeutung, nicht nur für di« Sicherheit der britischen Staatsbürger in China, sondern für den Frieden der Welt. Der in Vorbereitung befindliche Militär- etat würde unter Berücksichtigung de» Zwange» der Sparsamkeit cntworscn. Die Thronrede zählt weiter die in der kommenden Parlamentssession geplanten gesetzlichen Mohnahmen, darunter die Arbeitslosenversicherung und die Reform der lokalen Selbstverwal- tung auf. In einer unmittelbar nach Verlesung der Thronrede abgeholte- nen Sitzung der Arbeiterpartei wurde beschlosien,«in« Reih« von Abänderungsanträgen einzubringen, in denen das Versagen der Regierung in der Frage der Behebung der Arbeitslosigkeit, sowie die Untätigkeit der Regierung bei der Behebung der wirtschaftlichen Krise getadelt, und das Be- dauern darüber ausgesprochen wird, daß die Regierung da» geplant« Fabritgesetz, nicht einzubringen gedenk«. Di« Arbeiterpartei wird ferner einen Antrag einbringen, in dem dos anglo-sranzöstsche Floitenkompromiß tifar scharfen Krück unterzogen wird, das als ein..erste« Abweichen vom Geiste und Zweck des Völkerbundes" bezeichnet wird, das gccigMt sci,„den Ersolg des Ariegsächtungspatte» in Frage zu stellen und die Verwirklichung eines dauernden Friedens durch inter- nosiopale Entwaffnung hinauszuschieben". Die erste Debatte des Unterhauses wurde durch ein« Rede Ramsay Macdonalds erölfnet, in der der Führer der Arbeiterpartei di« Regierung wegen ihrer inner- und außenpolitischen Haltung aus»- schärfst« angriff. Er vergllch di«'Worte der Thronrede ironisch- mst de» wirk- lichen Taten der Regierung, der er vorwarf, sie habe ihr Beste» getan, um die Bedeutung des Kellogg. Paktes zunichte zu machen und die Tätigkeit des Dölterbundc» einzuschränken. Ei« habe weiterhin ihr Bestes getan, um der vor- bereitenden Abrüstungskommilsioo Hindernisse in den Weg zu legen. Ueber das e ng l i s ch- f r 0 n z ö f i s ch« F l 0 t t e n a b t 0 m in e n sagt« Macdonatd, er könne nicht glauben, daß die Leute, die dieses Abkommen zustand« brachten, sich nicht der Tatsache bewußt waren, daß es nicht einen einzigen neuen Punkt eiühallc und daß jeder Punkt, tn dem man Frankreich entgegen- konir»«, bereits von Amerika, Italien oder Deutschland oer» warfen worden sei. E» sei nicht ein Abkommen zur Beschränkung von Rüstungen gewclen. sondern eine Vereinbarung, die Rüstungen nicht ein- zuschränken. Außerdem betonte Maedonold, daß die Telegramme de« Foreign Ossi«, in denen dieses Abkommen Washington. Tokio und Rom mitgeteilt wurde, die Landseite des Abkommens überhaupt nicht erwähnten. Man hätte nach- den Telegrammen denken können, daß die Frage der ausgebildeten tziescrveu niemals erwähnt worden sei, und die erste Mitteilung darüber sei durch das „alarmierende" Telegramm des britischen Botschafter» im Berlin ge- kommen. Maedonold fragt« den Premierminister, ob da» Ab- kommen über die Reserven nach einer vorherigen Derein- b a r» n g geschlosicn worden sei. Lord Cushendun, führte er weiter aus, habe versucht, die amerikanische Regierung zu übet« zeugen, daß, als die Franzosen mit den Engländern über du» Floitentompromiß verhandelten, England an kein« Verein- barung mit Frankreich über die Landstreitkräsle, insbe- sondere über ausgebildete Reserven, dachte. Die» sei jedoch Vriand zufolge nicht wahr gewesen. Maedonold fragte. wer recht Hab«, vriand oder Cushendun. und betont«, daß niemals «in von einer Regierung einer anderen gemachter Dorschlag so summarisch, so bündig und aus so bewundernswerten Gründen oer- worsen worden sei. wie dieses Abkommen von der amerikanischen Ragierung. Maedonold erkundigte sich nach der jetzigen Log« des cnglisch-französtschen Flottenabkommcns und fragte, od et überhaupt noch am Leben' oder vollständig fallen gelassen' worden sei. Sei irgendein«. Antwort aus die, amerikonijch«.. Rate«jolgt!....Habe»in roeiterer Gedankenaustausch mii Frankreich über diese Frage zjtqstl- gesunken? Und wenn Mitteilungen zwischen England und Front« reich gewechjelt worden seien, tonn« sie der Premiernnnister v«r» öffentlichen? Zum Schluß seiner Red« bemerkt« Macdonald— bezugnehmend auf di« Tatsache, daß die» die letzte Parlamentetagung vor den Neu- wählen ist—, der Vorhang gehe hoch über dem letzte« Akt eines sehr traurigen Drama». das die tonservatio« Regierung während der letzten vier Jahre gespielt habe. Es schwind« auch das geringe Vertrauen, das im Lande für die Valdwin-Regierung bestanden Hab«. Baldwin Hab« seine Versprechen gebrochen und goldene Gelegenheiten verpaßt, um den Nationen Europa» Sicherheit zu geben, damit sie aus vollem Herzen zu einer gemeinsamen Vereinbarung über die Abrüstung gelangen und das Werk des Frieden, in Angriff nehmen könnten. Baldwin bemerkte in seiner Erwiderung, keine Fragen seien schwieriger im Unterhau» zu erörtern als solche, di« auswärtige Beziehungen b«- treffen, da man sich dabei dauernd„auf Glatteis bewege". Es könnten Worte verdreht und«ntstellt werden und könnten in der ganzen Weü. Schaden anrichten. Ander« wiederum tonnten falsch verstanden werden. Der Premienpinister nahm hieraus aus die Bemerkung Macdonalds Bezug, daß die in der Thronred« gebrauchten Worte über di« auswärtigen Beziehungen nicht mit den Toten der Regierung übereinstimmten. Der Angriff der Opposition sei während, der letzten Monate so allgemein gewesen, daß«s für die Regierung unmöglich sei, zu erwidern, bevor sie nicht außer dem Standpunkt des Führers der Arbeiterpartei, Macdonald, auch den des Führers der Liberalen Partei, Lloyd George, gehört habe. Es wäre unhöflich gegenüber der Liberalen Partei, jetzt eine Erörterung vorzunehmen. Wenn der AbänderungsaNtrog «ingebracht sei. so werde-dle Regierung Ihr Bestes tun, um darauf zu antworten.'' c Im Haus« herrschte einige Ueber raschung, al» zutage trat, daß dl«s alles war. wa, der Premlsrminister zu sogen hatte. Maedonold erhob sich sosort und fragte, ob dl« Regierung denn gar kein« Ausführungen über auswärtige Angelegenheiten und über das englisch-fronzösische Abkommen zu machen habe, die ihr« Haltung klarstellen, ohne Rücksicht darauf, was Lloyd George oder er selbst dazu zu sagen hätten. Boldwln erwiderte:„Wir hoben ein Weißbuch perösfentlicht. Wir wissen, daß wir in dieser Frage«inen Mißtrouensantrog zu gewärtigen hoben. Dies wird die Gelegenheit sein, de! d«r die Regierung ihren Standpunkt klar machen wird." Macdonald. fragte hierauf,, ob es denn nicht-angebracht sei. daß der Premierminister aus Höflichkeit gegenüber dem Haus« ein« eingehende Eröffnungserklärung abgebe. Saowde» deklagte sich darüber, daß Baldwin das Haue mit «och nie dagewesener Unhösiichkcil behandelt habe. Es habe sehr wenig Wert, die Erörterung heute fort- zusetzen, wenn di« Regierung unwillig oder unfähig sei, eine Erwiderung auf die Verurteilung ihver Außenpolitik zu geben. Snowden beantragt« daher die Vertagung der Debatte auf morgen, In der Hoffnung, daß der Premierminister die Zwischenzeit dazu verwenden werde, eine Antwort vorzubereiten. Baldwin nahm diesen Vorschlag an, worauf sich dos Haus l*' tagte. Der ADGB. zum Ruhrkampf. Eine Gegenschrift. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes nimmt in einer Gegenschrift Stellung zur Dentschrift der Bereinigung der Arbeitgeberverbände über eine Reform des Schlichtungswesens und zur Rechtslage bei der Aussperrung in der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie. Dabei erklärt der ADGB. vorweg, daß es auf die Rechtslage in diesem großen Arbeitstampi tatsächlich nicht in erster Linie ankommt". ,, Ausschlaggebend ist vielmehr allein die Tatsache, daß der materielle Inhalt des gefällten Schiedsspruches dem Reichs. arbeitsminister bei der Verbindlicherflärung vorgelegen hat. Der Reichsarbeitsminister hat diesen materiellen Inhalt des Schieds. spruches aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen für angemessen und tragbar gehalten. Die Verbindlicherflärung ist ausgesprochen worden. Neben dieser eindeutigen Tatsache spielen Rechtsfragen nur eine untergeordnete Rolle. Es kommt bei dem Schlichtungswesen nicht ausschlaggebend auf den Inhalt der Paragraphen oder auf die Alenderung bzw. Ausgestaltung der Baragraphen der Schlichtungsverordnung an, sondern vor allem darauf, wie die Schlichtungsinstanzen materiell entscheiden. In dem vorliegenden Streitfalle hat der Reichsarbeitsminister die Verantwortung für den materiellen Inhalt des Schieds. fpruches gegenüber der deutschen Deffentlichkeit übernommen. Damit ist aber bereits die Rechtslage für die Deffentlichkeit, Die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaften eindeutig geflärt soweit man sich nicht nur auf rein formale Gründe Stützen will." In seinen weiteren Ausführungen stellt der ADGB. fest, daß die Handlungsweise des Arbeitgeberverbandes einen Tarifbruch darstelle, so daß fowohl die betroffenen Gewerkschaften als auch die Arbeiter, soweit sie Gewerkschaftsmitglieder sind, Schadenersaz ansprüche geltend machen tönnten. Im weiteren werden einzeln die Gründe der Unternehmer untersucht und es wird festgestellt, daß diese Rechtsgründe nicht stichhaltig find. Im übrigen wird betreffend des dritten Einwandes, wonach die Schlichtungsinstanzen durch Festlegung des Affordzuschlages ihre Zuständigkeit bestritten hätten, noch bemerkt: ,, Die Erhöhung der Akkordstundenlöhne beträgt zwei Reichspfennige. Das würde bei 48 Wochenstunden für den Arbeiter 96 Reichspfennige, bei 54 Wochenstunden für den Arbeiter 108 Reichspfennige ausmachen. Selbst wenn die Arbeitgeber der Meinung wären, daß sie nicht verpflichtet sind, diese Beträge zu bezahlen, wären fie ohne weiteres in der Lage, das den Arbeitern bei den Lohnzahlungen mitzuteilen. Die Arbeiter könnten dann die Arbeitsgerichtsbehörden anrufen, damit diese entscheiden, wer im Rechte ist. Auch die Verbände könnten diesen reinen Rechtsstreit um die Gültigkeit einer Bestimmung des Tarifvertrages friedlich vor den Arbeitsgerichtsbehörden austragen. Aus einem derartigen Grunde eine Aussperrung von hundert. tausenden Arbeitern vorzunehmen, ist in gar feiner Weise zu rechtfertigen." Zu den Borschlägen der Vereinigung der Arbeitgeberverbände zur Reform der Schlichtungsordnung wird erklärt, daß diese Borschläge genau so wie die vorgeschobenen Rechtsgründe der Schwerindustriellen eine Bemäntelung der Tatsache darstellen, daß in Wirklichkeit der Kampf gegen die Staatsautorität gerichtet ist". Nach den Vorschlägen der Unternehmer soll die Berbindlichkeitserklärung nur noch ausgesprochen werden bei Arbeitsstreitigkeiten in den sogenannten lebenswichtigen Betrieben und zweitens bei Streitig keiten, die die deutsche Volkswirtschaft so start treffen, daß die Lebensmöglichkeiten der Gesamtbevölkerung bedroht sind. Ueber den ersten Bunft bestehen feinerlei Streit, höchstens über die Abgrenzung des Begriffs ,, lebenswichtiger Betrieb". Der zweite Vorschlag sei aber so mehr deutig, daß die Unternehmer ihn immer nach ihren Profitinteressen auslegen fönnten, um zu entscheiden. wo und wann die Lebensmöglichkeiten der Gesamtbevölkerung bedroht seien. Ueberdies soll durch die Schaffung eines Reichsschiedsamtes eine weitere Verschleppung der Entscheidung erfolgen und darüber hinaus der Reichsarbeitsminister an die Vorentscheidung des Reichsschiedsamtes gebunden sein. Es sei daher unbedingt notwendig, das Schlichtungswesen, unter Berücksichtigung der Grundsäge, die der Reichsarbeitsminister in der Aussprache am 16. Oftober aufgestellt hat, in der bisherigen Weise beizubehalten. Keine Vermittlungsaktion! Auch feine Aussicht darauf. Zu den Gerüchten über eine Vermittlungsaftion zweds Beilegung des Konfliktes in der Metallindustrie Nordwest wird von der Führung des Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärt, daß die Bemühungen, durch vermittelndes Eingreifen Möglichkeiten zur Beilegung des Konfliktes zu schaffen, nach der Entwicklung der letzten Tage als aussichtslos erscheinen müßten. Die Regierung bestehe auf Anerkennung des verbindlich erklärten Schiedsspruches, der einen vertraglichen 3ust and geschaffen habe. Die Gewerkschaften könnten den Standpunkt der Regierung nur unterstützen. Möglichkeiten zu Berhandlungen über den verbindlich erklärten Schiedspruch bestünden nicht. Eine Vermittlungsaffion fönne nur von neutraler dritter Seite ausgehen. Angesichts der zwischen den beiden Parteien bestehenden unüberbrüdbaren Gegenfäße seien jedoch zurzeit faum Aussichten dafür vorhanden, daß eine derartige Affion auch Erfolg habe. Die verletzte Friedenspflicht. Metallarbeiterverbände an Unternehmerverband. Duisburg, 6 November. Die Bertreter der drei Metallarbeiter verbände versammelten sich heute nachmittag in Duisburg und richteten folgenden Brief an den Arbeitgeberverband Nordwest: Am 31. Ottober 1928 wurde der Schiedsspruch vom 26. Oftober 1928 für den Bereich der nordwestlichen Gruppe vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt. Die Mitglieder Ihres Verbandes haben am 1. November 1928 auf Ihre Veranlassung den Arbeitern wurden Ihre Mitglieder bisher nicht angehalten, das Lohn die Möglich feit zur Arbeit genommen. Ihrerseits abfommen zu erfüllen. Die tarifliche Friedenspflicht haben Sie dadurch verlegt, für deren Folgen Sie verantwortlich sind." Zentrumspartei und Eisenfonflift. Die Reichstagsfraktion der Zentrumspartei ist auf Mittwoch, den 7. November, zu einer Sigung nach Berlin berufen, um Stel lung zu der durch den Konflikt in der Eisenindustrie geschaffenen politischen Lage zu nehmen. " Deutschland"( Zentralorgan des Desterreichisch- Deutschen VolksOesterreich- Deutschland. Das Novemberheft ,, Desterreichbundes) ist der Erinnerung an die Staatsgründung Desterreichs im November 1918 als Bestandteil der Deutschen Re publi" gewidmet. Defterreichs erster Staatskanzler Dr. Karl Renner, Reichstagspräsident Löbe, Abg. Dr. Mittelmann, Abg. Erkelenz u. a. haben wertvolle Beiträge zur Verfügung gestellt. Das Heft ist zu beziehen im: Heim ins Reich- Berlag, Berlin N 40, Kronprinzenufer 19. ( Stuttgart), der sein Mandat niedergelegt hat, tritt der VerbandsMandatsniederlegung. An Stelle des Abgeordneten Andre geschäftsführer Johannes Groß, Stuttgart( Sentrumspartei) in den Reichstag ein. Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egkorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lotales and Sonstiges: Frig Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin GW 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Wohlfeile Woche Taschentücher für Herren, weiss Linon, bunt kariert, gute Qual.., Dutzd, 1,25, Stück S Taschentücher für Damen, weiss und handgestickter Ecke, 3 Stück im Geschenkkarton Trikotagen Damen- Schlüpfer mit angerauhtem Futter... Wir bringen in dieser Woche wohlfeile Waren aus fast allen Abteilungen, die sich durch ihre Preiswürdigkeit schon jetzt zum Einkauf für das Weihnachtsfest ganz besonders eignen. Domen- Bekleidung Pf. Kleider 145 195 145 Damen- Hemdhosen 195 145 feine Baumwolle, mit Bandträgern. Damen- Schlüpfer Kansiseide, mit warmem Futter.. 345 275 Trikot- Oberhemden for Herren mit modernem Einsatz 2,95 Herren- Futterhosen Grosse 4 Jede weitere Grösse 25 Pf. mehr Herren- Garnituren Jacke und Beinkleid, einfarbig Leinenwaren Küchenhandtücher grauweiss Drellgewebe, gesäumt und gebändert..... Küchenhandtücher balbleinenes Daipergewebe, Mäntel Mäntel aus Waschsamt, mit Lackgürtel und hellem Ueberkragen. aus Ottomane, ganz gefüttert, auf Kunstseide, mit modernem gezogenen Nutriakanin- Pelzkragen.... aus schwerem Ottomane, ganz gefüttert, mit Pelzkragen und-Manschetten, moderne Bückenpartie Mustern 1550 4950 5900 Lumberjak Wolle mit Kunstreide, in verschiedenen 690 Pullover Wolle mit Kunstseide, Gürtel, in guter Ausführung 975 Jumper aus Tricot charmeuse( Kunstseide), bedruckt, 1475 Jumper 265 1590 195 490 48RL weiss.fbg Kante, abgep., ges.u.geb., ca.48/ 100cm Pf. Stubenhandtücher Drellgewebe, vollweiss gebleicht, abgep, ges. und geb., ca. 50/100 cm.. Stubenhandtücher weiss Jacquardgewebe, schwere halbl. Qualität, abgep., ges. und geb., ca. 48/100 cm Stichdecken gewebt, doppelseitig zu decken, geschmackvolles ....... ca. 125/155 cm dunkles Blumenmuster.... Kunstseide, moderne Dekors...... ea. 125/155 cm Siichtücher 135 vollweiss gebleicht, 495 Servletten 130/225 4,75, 195 daz. passend, 130/160 3,25, 130/130 2,65, 110/110 ca.55/ 55cm 58Pf. mit fesch aus reinwollenem Trikot, mit Säumchen und Taschen gut verarbeitet ***** 90' மெய gute Qualität Gummiplattenſchürzen 145 Damen- Heffellittel Grösse 42-48 Strümpfe Damen- Strümpfe oder Herren- Socken gate Qualitäten......... Paar Damen- Strümpfe Seidenflor oder Mako oder Herren- Socken Mako m.Kunstseide, gemust., Paar Damen- Strümpfe kstl. Seide oder reine Wolle oder Herren- Socken reine Wolle................. Paar Unsere Hertie- Extra"-Strümpfe G 474 Di p 295 on erg er ba 95PL Di St re 145 7 1 KA 195 te 11 D 250 R nz n. 233 ad die Herbst- Seidenflorstrümpfe( auch für starke Damen geeignet) ..Paar Damen- Strümpfe Kaschmir, reine Wolle oder Herren- Socken original- englisch..... 2.95 Paar 125.95 PL. Kinder- Gamaschen 145 6 Morgenröcke 30 Morgenröcke Morgenröte Morgenrötte aus Flauschstoff, mit Applikation a. Flauschstoff, m. gesteppt.Atlas- Schalkrg. u. Aermelaufschlägen 7.50 975 1050. a.Flauschstoff, m.reich Stickerei und langem einfarbigen Schal schw. Flauschstoff, m. reich. frottéart. Stickerei u. Tasche Damen- Wäsche Trägerhemden 95PL. mit Stickerei.. Nachthemden schöne Form.. Schlüpfer Kunstseidene reiche Farbenauswahl Unterkleider 295 195 Opal- Hemdhosen 375 mit Spitzengarnierung. 195 Flanellpyjamas gute Qualität... 750 Bubl- Nachthemden 295 Kunstseid.Complets 790 farbig.. moderne Ausstattung. reine Wolle....... 7-8, Paar 4-6, Paar Bettwäsche Kopffiffenbezüge Grösse 00, Linon Deckbeltbezüge Grösse 130/200, Linon Damastgarnituren Bettinken 190 1 Deckbett, 2 Kissen Nessel. 225 195 35 135 775 590 475 1,50, 16,50, Dowlas.. id D te eite I b Jerr ch Fili u tr fraz 50 edyt 1275 395 275 Bettlaken 425 335 225 Schlafdeffen 245 bran gran.. Kopffiffenbezüge gestickt, mit breit. Hohlsaum. 80/80 295 45 kariert 65 Uberlaken 265 hierzu, 150/250 795 HERMANN TIETZ Fum belf Jed Di bitb anz Salte ezt