Morgenausgabe Nr. 533 A 270 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bt., monatlich 3,60 m. im poraus zahlbar, Bostbezug 4,32 MR. einfchl. Bestellgeld, Buslandsabonne. thent 6,- pro Monat, * Der Bormorts erscheint modentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die bendausgaben für Berlix und im Handel mit bem Titel Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", FrauenStimme". Technife, Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 10. November 1928 Groß Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpattige Nonpareillegeile 80 Pfennig. Reflame eile- Reichs. mort. Aleine Anzeigen das leitge druckte Bort 25 Pfennig( zuläffig ge fettgebrudte Borte), jedes weitere Bor 12 Pfennig. Stefiengesuche das erfte Bort 15 Bfennig, jedes weitere Mori 10 Pfennig. Morte über 15 Buchitaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarts Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Uraße 3, mochentägt, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SB 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Postichedkonto: Berlin 37586. Bankonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3 Gegenklage der Gewerkschaften. Behn Jahre Deutſchöſterreich. Aufhebung der Aussperrung, Schadenersatz gefordert. Bochum, 9. November.( Eigenbericht.) ! Vom Selbstbestimmungsrecht ausgenommen. Schon vor dem Weltkrieg und erst recht während seiner Dauer hatte das Regieren in Altösterreich einen betont deutschen Kurs genommen. Je mehr unter den Tschechen Die Bestimmung des§ 21 drittlegter Absatz letzter Sah ist und Südslawen die Auflehnung zur Lossagung wuchs, desto Die vor dem Arbeitsgericht Duisburg erhobene aber nicht nur rechtsgültig, sondern auch außerordentlich zweckmäßig.„ deutscher" wurde der herrschende Kurs, den die deutsche Schadenersaktlage der drei an der Aussperrung bleiben, da die Nachprüfung der 3medmäßigkeit eines Gesezes nicht und Großgrundbefizer um so mehr bestimmten, als man mit Eine nähere Darlegung dieses Gedankenganges, tann hier unter: Dynastie, der deutsche Generalstab, die deutschen Industriellen in der Metallindustrie Nordwest beteiligten Metall- Aufgabe des erkennenden Gerichtes ist. Gesetzt den Fall, die Erdem deutschen Kaiserreich auf Gedeih und Lerderb verarbeiterorganisationen hat folgenden Wortlaut: hebung der Arbeitgeberseite wäre zutreffend, so wäre es auch die bündet, der Barlamentarismus aber ausgeschaltet war. So „ Wir ,, Wir beantragen, das Gericht wolle den Beklagten Kammer, d. h. im vorliegenden Falle der Vorsitzende und die 14 Bei ist Deutschösterreich nicht aus geheimer Verschwörung und fizer oder mindestens in Summa 8 Mann, die gleichzeitig die Ber durch ausländisches Wirken seiner nationalen Führer ent1. in Erfüllung der tarifvertraglichen tündung des Schiedsspruches vornehmen müßten. Deshalb hat die standen, sondern als notwendige Folge der Lossagung an Friedenspflicht a) die Aussperrungsanweisung zweite Ausführungsverordnung zur Schlichtungsverordnung im§ 21 derer von dem alten Bielvölkerstaat. Das Reich zerfiel, und zurückzuziehen, b) es zu unterlassen, die im Abs. 6 vorgeschrieben, daß die Berfündung des Schiedsspruches durch da blieb den deutschen Siedlungsgebieten gar nichts anderes Kampf befindlichen Werke durch direkte oder indirekte den Vorsitzenden zu erfolgen hat. Will die Gegenseite unter übrig, als ihr eigenes Haus zu errichten. Das geschah am Bezugnahme auf Artifel 1§ 5 der Schlichtungsverordnung auch 21. Oftober 1918, als die deutschen. Abgeordneten aller ParteiMaßnahmen finanzieller, ideeller oder sonstiger Art zu die Rechtsgültigkeit der Ausführungsbestimmung soweit bestreiten. richtungen aus den Alpen und den Sudetenländern im unterstüßen, c) die Herausgabe namentlicher Listen als die Berkündung durch den Vorsitzenden allein und nicht die im niederösterreichischen Landhaus zu Wien als deutschöfterder ausgesperrten Arbeiter zurückzuziehen und Sprechchor vorgetragene Verkündung in Frage fomint?" reichische Staatsversammlung zusammentraten. Noch war die Weitergabe dieser oder neuer Listen zu unterlassen, man sich über die Staatsform unflar, aber mit wenigen d) die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes Nordwest Worten überzeugte Biftor Adler alle, daß es mit Habsburg norbei und die Zeit der Republik gekommen war. So be= mit allen zu Gebote stehenden Mitteln anzuhalten, dic stimmte die provisorische Verfassung, die am 12. November getroffenen Kampfmaßnahmen rückgängig zu verfündet wurde, daß Deutschösterreich eine Republik jei; machen und neue zu unterlassen; 2. an die Kläger Den fampffreudigen Herren von der Ruhr ist wegen der mirtjie vermied jedoch, von einer Eigenstaatlichkeit zu sprechen Schadenersak zu zahlen." schaftlichen Folgen ihres Kriegszuges fehr menig wohl. Sie wissen und erklärte in ihrem ersten Saz: die ausländische Konkurrenz auf der Lauer, gönnen der nicht aus: iperrenden inländischen Konkurrenz nicht die dieser jezt zufallenden Aufträge und sind insgeheim in größter Angst, daß der Kampf noch lange dauern fönnte. Wie schofel die Gesinnung der Ruhrherren ist, wie brutal zugleich die Methoden sind, die sie ihren Kunden gegenüber anwenden, das zeigt ein Rundschreiben, das die nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindu strieller über die Aussperrung an ihre Abnehmer versandt hat. Die Antwort der Gewerkschaffen. Die Feststellungsflage rechtlich unerheblich. Effen, 9. Nopember.( Eigenbericht.) Die Klagebeantwortung der drei Metall arbeiterverbände liegt nunmehr vor. Sie lautet im wesentlichen: Die Ruhrherren bitten... und bedrohen zugleich ihre Kundschaft. Der Kampf werde von den Unternehmern im Interesse des deutschen Boltes" und zum Schuße der deut Der Reichsarbeitsminister hat die in der Klage vor- schen Währung" geführt! Mit dieser faustdicken und ungebrachten und vor Verbindlichkeitserklärung von den Gegnern geschickten Lüge sucht man die Wachsamteit der Kundschaft einzu vorgetragenen Bedenken geprüft und als unerheblich zurüd schläfern. Dann wird an die Kundschaft die dringende Bitte gegewiesen, Rach außen hin liegt hier ein ordnungsrichtet, wegen der Ausführung der Aufträge nicht zu drängen. Die gemäßer, von der zuständigen Behörde innerhalb ihres Zu Aufträge trog unrechtzeitiger Lieferung nicht zu streichen oder ständigkeitsbereichs vorgenommener hoheitsaft vor. Nach dies: anderweitig zu vergeben, fällige Ratenzahlungen wegen fehlender seitiger Ansicht ist das Gericht nicht befugt, einen äußerlich ord. Weiterlieferung ja nicht zu unterlassen, die Geschäftsverbindungen nungsgemäßen staatlichen Hoheitsaft auf die sonstigen Voraus nicht abzubrechen und weiterhin auch neue Aufträge an die Mitnicht abzubrechen und weiterhin auch neue Aufträge an die Mit fegungen feiner rechtlichen Gültigkeit hin nachzuprüfen. Wie ein glieder der Nordwestgruppe zu erteilen. richterliches Urteil, das von einem ordnungsgemäß zusammen gefeßten Gericht innerhalb der Gerichtsbarkeit erlaffen ist, in feiner rechtlichen Wirksamkeit nicht angezweifelt werden tann, ebenso muß auch der Spruch einer Schlichterfammer, wenn diese im Rahmen des Schlichtungsverfahrens einen Schiedsspruch mit ordnungs gemäßer Befeßung erlaffen und verfündet hat, als gültig und nicht nachprüsbar angesprochen werden. Ein folcher Schiedsspruch ist für die Berwaltung und Gerichtsbehörde als ordnungsgemäßer en ,, Deutsch österreich ist ein Glied der deutschen Republit." Die Machthaber des Kriegsausgangs erzwangen später, daß dieser Saz, ja sogar das Wort deutsch aus dem Staatsnamen gestrichen werde: Den Krieg hatten fie im Namen der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker geführt, aber nur soweit die neuen Staaten als Filialen dieser Partei aufzutun sich verpflichteten, wurde ihnen die Selbstbestimmung erlaubt den Deutschen Altösterreichs wurde sie verwehrt und eine eigene Mauer für die Zukunft aufgerichtet; nur wenn der Bölkerbundrat einmütig zustimmt, darf Deutschösterreich sich der Deutschen Republit angliedern. Jeder beliebige Querfopf im Rat zu Genf fann es verhindern! Borher schon hatte man nicht nur die judetendeutschen Gebiete von der freigewählten Gemeinschaft losgerissen und fremdnationaler Herrschaft unterstellt, hatte nicht nur gleich auch einen breiten Streifen Niederösterreich mitgehen heißen, man hatte auch Südtirol an Italien gegeben und es damit der schlimmsten Gewaltherrschaft überantwortet. Achtel seiner Industrie und ihrer Abjazgebiete über Nacht So ging Deutschösterreich in den Frieden ein: Sieben verloren, durch fremde Staaten vom Meer und dem überseeischen Rohstoffbezug getrennt, auch für den Bezug con Kohle und Zucker fast ganz auf das Ausland angewiesen, dabei mit einer rasch ins Bodenlose stürzenden Währung. Der Dollar, bei Kriegsausbruch 4.91 Kronen, stand 1922 Bersicherungsprämien, Pensionen, dazu weitestgehende Entan Bargeld, Wertpapieren. Bank und Sparkassenkonten, blößung an Sachwerten, die man entweder hatte gegen Papiergeld ,, verkaufen" oder den Landwirten gegen ein paar Lebensmittel hatte ausliefern müssen. Etaatsaft bindend. Die Anerkennung der gegnerischen behandelt werden als die gefügigen. Aber damit nicht genug. auf 70 000 kronen! Bollständige Bernichtung allen Besizes Ansicht läuft auf eine Bernichtung des geltenden Tarif wefens, soweit es auf das Schlichtungsverfahren beruht, hinaus. Auch positiv rechtlich ist die Ansicht der Gegenseite un be= gründet. Die Schlichtungsverordnung, die auf Grund des ersten Ermächtigungsgesetzes erlaffen ist, ist eine reine Rahmenverordnung. die ohne Ausführungsbestimmungen überhaupt nicht lebensfähig ist Deshalb ist im Artikel 3§ 1 ausbrüdlich vorgesehen, daß der Reichs: arbeitsminister die zur Durchführung dieser Verordnung erforderlichen Ausführungsbestimmungen erläßt. Die Delega: tion des Reichsarbeitsministers ist daher so aufzufaffen, daß der Reichsarbeitsminister berechtigt ist, alle ihm zweckmäßg erscheinenden Ausführungsbestimmungen zur Durchführung des Schlichtungswesens zu erlassen, soweit nicht 1. die Reichsverfassung, 2. die Schlichtungsverordnung felbst dem entgegensteht. Man sieht aus diesen dringenden Bitten, daß in der Scharfmachergruppe Nordwest eine lebhafte Grundeisbildung vor sich geht. Da Geschäft Geschäft ist, könnte sich die Deffentlichkeit damit abfinden. Aber die vornehmen Herren von der Ruhr versäumen es nicht, ihre so dringend um Rücksicht gebetene Kundschaft für den Fall der 3uwiderhandlung zu bedrohen. Diejenigen Kunden, die ihre Aufträge anderswo vergeben oder sonstwie den„ Bitten" der Ruhrherren zuwiderhandeln, sollen nach Abbruch des Kampfes bei Wiederaufnahme der Lieferungen schlechter Es gibt große Eisenfirmen an der Ruhr, beispielsweise den Rödner- Ronzern und Firmen des Otto Wolff- Konzerns, die nicht Mitglied der Nodwestgruppe sind und infolgedessen als Außenseiter zu gelten haben. Die Nordwestgruppe bittet nun ausdrücklich ihre Rundschaft, nach Abschluß des Kampfes Aufträge in verstärktem Umfang an diejenigen Firmen zu erteilen, die den Kampf nicht nur für sich, sondern auch für die Allgemeinheit durch geführt haben"! Es werden mit dieser Aufforderung, nachdem man unter der Kundschaft schon die Böde von den Schafen gesondert hat, auch die Ruhrunternehmer in Böde und Schafe eingeteilt, um die dem Arbeitgeberverband Nordwest fernstehenden Firmen für ihre Außenseiterschaft zu bestrafen. Das geschieht, obwohl die meisten dieser außenstehenden Firmen mit ausgesperrt haben. Trauriger als in diesem Dokument kann die schofle Gesinnung der Ruhraristokraten wohl nicht zum Ausdrud fommen. Sie proEs wäre nun Sache des Gegners gewesen, diejenige positiv der Ruhraristokraten wohl nicht zum Ausdrud kommen. Sie proflamieren einen großen Kampf im Dienste des Volkes und der rechtliche Vorschrift der Reichsverfassung oder der Schlichtungsver: Währung, es bangt ihnen aber vor den damit verbundenen Berordnung vorzutragen, gegen die§ 21 der zweiten Ausführungs- luften und fürchten jedes Opfer, sie greifen schließlich, da sie ja die bestimmungen zur Schlichtungsverordnung angeblich verstößt. Ein schlüssiges Vorbringen dieser Art fann nicht erbracht werden. unbeschränkte Macht ihrer Monopolstellung gegenüber den Abnehmern in ruhigeren Berhältnissen fennen, zu unfairen Erpresser: Insbesondere ist der Hinweis auf Artikel 1§ 5 der Schlichtungsmethoden. Das ist ein Bild der Ruhrherren, das nur zu gut zu verordnung hinfällig. Die angezogene Bestimmung schreibt im dem Bilde paßt, das die Deffentlichkeit vom ersten Tage des Absatz 3 vor, daß die Sache vor einer Schlichterkammer zu DerRampfes on empfangen hat. handeln ist, und weiter, wie diese Schlichterfammer gebildet wird. Im Absatz 4 des§ 5 ist bestätigt, daß für den Fall des Nichizustande. Lemmens einer Einigung die Kammer den Parteien einen Borschlag Drohende Stillegung der Opel Werke. für den Abschluß einer Gesamtvereinbarung zu machen hat. Wie dieser Borschlag intern zustandekommt, darüber bejagt§ 5 der Schlichtungsverordnung ebenso wenig etwas wie eine sonstige Beftimmung der Schlichtungsverordnung. Infolgedessen hatte der Reichsarbeitsminiffer die Freiheit und die Pflicht, diejenigen Bestimmungen zu treffen, die ihm unter Berüdsichtigung der Besonderheit des Echlichtungswesens erkenntlich und notwendig erschienen, um das Zustandekommen eines Schiedsspruches zu gewährleisten. Als Folge der Eisenaussperrung. Frankfurt a. M., 9. November. Wie WIB.- Handelsdienst von maßgebender Stelle hört, wird die Leitung der Opel- Werke, die in erheblichem Maße von der Rohstoffbelleferung durch die Nordwestdeutsche Eisenindustrie abhängig jind, in absehbarer Zeit der Frage der Stil. legung der gesamten Anlagen nähertreten müssen, falls nicht bald eine Beilegung im Lohnffreit der Nordwestgruppe erfolgt. Rede. Bodenschäßen, seiner ungeheuren Industrie und LandwirtWährend das größere Deutschland mit seinen reichen schaft sich aus dem tiefsten Sturz wieder aufraffen fonnte ist in Deutschöfterübrigens auch nicht ohne Auslandshilfe reich auch von der geringsten Guthabenaufwertung nicht die saniert, muß aber auf Reparationszahlungen, die man Man hat seine Währung durch Auslandskredit auch diesem Unglücksstaat auferlegt hat, dauernd verzichten, muß auch das Generalpfandrecht auf Besiz und Unternehmungen des Staates immer wieder suspendieren, denn nur durch immer neue Darlehen kann man diesen Staat wirtschaftlich am Leben erhalten, und wenn man ihn nichts be 6.5 Millionen Deutschösterreicher auch als Abnehmer von sien läßt, friegt er auch nichts geliehen! Schließlich sind die Brodukten der Nachbarländer nicht geringfügig. aber dazu muß man sie doch kauffräftig erhalten. Bei alledem hat die Republik ständig über eine Viertelmillion Arbeitslose! Auf diesen dunklen Brund erstrahlt desto heller das Wert der Rathausmarriten" in Wien und den menigen Industriestädten, sowohl an Gemeindebauten wie an Ge werbeförderung und an Fürsorge. Davon ist hier immerhin soviel berichtet worden, daß für heute die Erwähnung genügt. Auch die Länder und der Bund tun viel für den Fremdenverkehr, der zu einem Hauptwirtschaftsfaktor des Landes geworden ist. Dem trefflichen, Desterreichischen Jahrbuch", das der Bund herausgibt, ist darüber InterEine gewisse Rückständigkeit, die essantes zu entnehmen. man übernehmen mußte, hat Gelegenheit gegeben, beim Ausbau gleich das Neueste anzuwenden, Zwischenstufen zu Anklage gegen den Thälmann-Kurs Ein Brief der �Rechten" an das Ekki. Zu kommonistische« Kreisen zirkuliert ein Protest schreiben. ba» im Zusammenhang mit der Thölmanu.Assckre an da, Ekki in ZNoikau gerichtet worden ist. va, umsaugreiche Schreiben ist vielleicht die furchtbarste Anklageschrisl. die jemol» gegen eine Partei von innen heraus gerichtet ist. wir geben aus. dem umfangreichen Schriftstück, das vom 11. Oktober dotiert ist, die eolschcidenden Stellen wieder. .Wir hallen es für unsere Pflicht, den s ch ä r s st e n Pro» t e st gegen den Befchluh zu erheben, den Ihr am S. vtiober d.?. im Falle Thülmonn-Wittors gefaßt habt. Wir erblicken in diesem Beschluß eine schwere Schädigung der Interesien der Komintern und der russischen Revolution. Durch diesen Beschluß deckt di» leitende Körperschaft der Komintern öffentlich nachgewiesene Korruption in der Füh> rung einer der w'chtigsten Sektionen der Komintern. Dieser Be- schluß hebt einen vorhergegangenen Beschluß des AK. der KPD. auf. der die Parteimitglieder und darüber hinaus die deutsche Ar- beiterkiosse erwarten ließ, daß die Kommunistisch« Partei... Fälle von Korruption in den Porteispißen schnellstens und unnochsichtlich ahnden würde. Die Rücksichtslosigkeit, mit der die Kommunistische Partei Fehler und Schwächen in ihren eigenen Reihen abstellt, diese Rücksichtslosigkeit war bisher in der Arbeiterkloss««ine der stärksten Stützen des Einflusses und der Autorität der KPD. und der Werbe» kraft der kommunistischen Grundsätze. Ein Beschluß der leitenden Körperschaft der Komintern, der vorhandene Korrupttoo in der Parteispitze deckt, muß dos Vertrauen der Parteimit. alieder zur Führung der deutschen Partei und darüber hinaus das Ansehen der KPD. und der Komintern in der Arbeiterklasse aufs tiefste erschüttern. Der Derbetrost des kommuni. siischen Gedanken» wird dadurch«in furchtbarer Schlag versetzt... Der vorliegend« Beschluß wird, wenn er nicht korrigiert«vird, not« wendigerweis« weitere schwer« Fehler zur Folg« hoben und droht so in seiner Auswirkung nicht nur die deutsche Partei. sondern auch» die Komintern völlig zugrunde zu richten. Denn de? Fall Lhälmann-Wittors und seine Erledigung durch die Führung der KPD und der Komintern ist kein Zufall und kein Einzel all. Cr»st«in Symptom,«in besonders grelles.« in die Augen fallendes Symptom einer tiefen Krankheit der K P D. und der Komintern. Wir betrachten es als unsere revolutw- när« Pflicht, die Krankheit aufzudecken, deren Auswirkung der Fall Thälmann-Wittorf ist, und mit der größten Energie auf die Ausmerzung der faulen Stellen und auf die Schaffung gesunder Grundlagen für die Wirksamkeit der deutschen Partei und der Komintern zu dringen/ Der Brief wendet sich nun zunächst dem Falle Dhälmann direkt zu. Er bezeichnet die Ekki-Behauptung, Thälmann Hab« von seinem Wissen um die Korruption nur deshalb geschwiegen, um während einer Aktion den Parteigegnern nicht Material zu liefern, als«in Kindermärchen, dem man nur die Tatsachen gegenüberzu- stellen brauche, um die Wahrheit zu erkennen: .Die Korruption im Hamburger Parteiapparat, chre B e- günstigung und Deckung durch Thälmann datlert nicht er st seit diesem Jahre. Der frühere Sekretär des chamburger Bezirks. Rudolf Lindau, hat bereits in den Jahren lllAv'Z? vierzehn der en gsten politischen Freuvd« T h ä l m a n n s wegtn Illorruptton aus der Partei a u s g e» schlösse«. So z. B. v. Borstel, Köppen. Rosendahl, Möller. Als Linda u aber an die allerengst'« Umgebung Thälmann« in Hamburg herankam, wurde er vom AK., d. h. von Thälmann abberufen, und an seine Stelle trat Wittorf. der chcld des letzten kjomburger Skandals, als besonderer Vertrauensmann von Thälmann. Bereits im August lll?7 beging Wistors eine Unterschlagung von ISSO M. Es steht fest, daß Thälmann von dieser Unterschlagung spätestens im M a i d. I., wahrscheinlich(jder schon früher wußte. Trotzdem wurde dieser Wittors auf Druck von Thälmann hin gegen starken Widerstand in der Mitgliedschaft als Reichstagskandidat aufgestellt. In der Sitzung der chamburger Bezirksleitung beschuldigte Wittorf den Kassierer Dehmel der Unterschlagung, die er selber begangen hatte. Dehme! wurde daraufhin seiner Stellung eniljoben. Es ist«in« feststehende Tatsach«, daß dieser ganz ungewöhnliche Gaunerstreich wMorss rnil wissen und mit Zustimmung Thälmann» verübt und trotz Kenntnis des wahren Sachverhalts durch ihn gegenüber dem AK. gedeckt wurde... Thälmann schwieg weiter, als bereits in der Hamburger Arbeiterfchost Ge- rächte kursierten, und als durch die Bericht« in der sozial- demokratischen Presse und im Urbahn-Blättchen die Partei gezwungen war. ein« Untersuche ngskammission einzusetzen. Cr hat. wie«« seine Pflicht als Parteimitglied und erst recht als Bor- sitzender der Partei gewesen wäre, auch in diesem Moment, wo die Aufdeckung der kzamburger Korruption nur noch«in« Frag« von Togen war. nicht« getan, um der Untersuchung». kommission die Arbeit zu erleichtern, ja im Gegenteil, er schwieg und leugnete seine Mitwisserschast bi» zum letzten Augenblick, bis ihm feine Schuld auf den Kopf zugesagt wurde. Warum hat er nicht in diesem Augenblick der Untersuchung?« kommission seine guten Absichten verraten? Als er übersübrt war. äußerte er kein Wort über das Interesse der Partei, er winselte oielmebr sür sich als Person um Gnade und äußerte nur die Besürchtuna, daß der Partei durch den Derlust seiner Person als.Führer" ein Schoden erwachsen werde. Dos Bild, das die Tatsachen zeigen, ist nicht das eines Partei führers, der im vermeinilichcn Parteiinteresi« einen Fehler begeh«, sondern dos des tiauptes einer Clique von Partei«? bureaukroten, l>e, sicher vor seder Kontrolle durch die Mitgliedschost, im Bewußtsein der Unantastbarkeit durch die Deckung der Exekutive zu ganz gewöhnlichen Gaunereien herabsinkt, von der einer den anderen deckt, die ihr« Gesellschaft auf gegenseitige Persicherung durch die linke Phrase verbrämt und jeden Versuch, den Sumpf aus, zu decke», mit einer Hetze gegen.Rechts' beantwortet. Diese Clique arbeitet mit ousgesprcuh.'nen fraktionellen Methoden... Thälmann selbst hat in seiner Tolpatschigkeit in einer der Fraktion?- sitzungen seiner Anhänger offen heraus gesagt, daß«von Stalin beauftragt worden sei, ein« Stalinsraktion in Deutschland auszubauen../ Der Brief wendet sich weiter gegen den Versuch, den Kampf gegen Korruption als ein Fraktionsmanöver der.Rechten* zu bezeichnen, und fährt dann fort: .Das Hausen forderte und was wir fordern, tft ein« radi» kal« Reform der Partei, aber auch der gesamten Ko° m i n t e r n an Haupt und Gliedern. Denn der Fall Thälmann ist, wie schon oesagt. nicht ,zusolliq. sondern das logische Ergebnis einer falschen Politik. Der .kakaflrophalc Ausgang der Paazerkrenzer-Sampagae* wird zum Anlaß genommen, die.politische Unfähigkeit* der gegenwärtigen Leitung der KPD. im einzelnen zu zerpflücken. Besonders wird ihr zum Vorwurf gemacht, daß sie die Sozial- demokroten, anstatt sie zu spalten, noch fester ver- � einigt habe. Die politische unsähigkeit der Parteiführung habe die Volksbegehren- Kampagne unrettbar sestgesohren. Der Beschluß des Ekki zugunsten Thälmanns habe der Aktion.vollends den Genicksang' gegeben: ,Rie notwendige Folge dieser falschen Politik ist die Sto- gnarion und der Ruck gang sowie die ungeheure Fluktuation des Mitgliederbestandes der Partei. Und das in einer' Situation, die olle Voraussetzungen für«inen kräftigen organi- satorischen Aufschwung der Partei enthält. Ein krasses Baispiel dafür ist der Zustand der relativ bestan. dar Berliner Partei- orgauisation. In dieser ist die Zahl der abgerechneten Mit- g l t e d« r tn der Zeit vom Dezember 192? bis zum Juni 1ö?.-> von lSOstst aus 12000 zurückgegangen bei massen haften Rcuanmrloungen zur Partei. Laßt euch nicht durch die .einstimmig* gefaßten Beschlüsse in vielen Parteiorganisationen täuschen. Ihr dürft nicht auf die schauen, dt« mit den Händen für die vorgelegten Resolutionen stimmen, sondern müßt auch jene betrachten. die mit den Füßen dagegen stimmen, indem sie im taufe der Jahre zu Hunderl taufenden aus der Partei gelaufen sind. Je falscher dl« politische' Linie der Partrtsührung wurde, je mehr sie zu Widerstand und Krttik heraussordbrt«.. jjnv so hichlyr schloß sich die P a r teib u r e a u k r a j i c zu e in c r..0 e fc(l sch o s t auf gegenseitige D e r s i ch e r u» g, zu einer wahren Clique zusammen. Di« materielle Korruption ging.Hand in Hand mit der ideellen, mit der Charottcrtosigkeii und Prinzipienlosigkeit, mit der blinden Willsährigtcit gegen- über der nächsthöheren Instanz und der Brutaliiät nach unten Do? Fehlen einer Kontrolle von unten mußte schwache Charok- tere direkt zur Korruption stimulieren. Die wichrigsten politischen und organisatorischen Beschlüsse bleiben als Geheimnisse in dem Besitz des führenden Klüngels. Ab und zu dringt etwas in dir MUgliedschast durch die ultralinken und sozialdemokratischen presieorgau«, die seit geraumer Zeit über die Vorgänge in den Spitzen der Partei besser unterrichtet sind als die vlilgsieder. Di« Riechts'hetze, sagt der Brief weiter, richte sich gegen die- Fnigen. die sür die Gesundung und Reinigung der Partei«intreten. Dadurch würde aber nur bewiesen, daß die linke Phrase der ideologische Deckmantel für die Entartung der Bureau- knatie und die Korruptionswirtschaft ist. Mahnend rufen die Brief- schreiber dem Ekki zu:.Beharrt Ihr aus Eurem Beschluß zum Fall Thälmann-Wittors, so bedeutet das, daß Ihr den Weg zum Ruin der KPD. und der Komintern beschreitet. Wir fordern von Euch die sofortige Aufhebung des Beschlusses/ «> Das Schriftstück, das schlleßlich einen aufzerordenMchen Parteitag und Neuwahl des Zmtralkomllecs fordert, trägt die llnlerschtlfien A. Thalheime r, Paul Frölich, A. Cnderle, 3. Dalcher, A. Schreiner und Mar Köhler. Einige darunter, wie Thal- hclmcr. gehören zu den Gründern der parlel. Frölich Ist Mitglied der kommunistischen Rcichslagsfrakliou. überspringen. So nimmt zum Beispiel das Verkehrsmittel der Ueberland- Autobusse drüben einen besonderen Auf- schwung und— um etwas ganz anderes zu erwähnen— die neue Wiener Schule, das Werk unseres Genossen G l ö ck e l und seiner Mitarbeiter, wird von Sachverständi- gen aus aller Welt hochgeschätzt. Im Gegensatz zu anderen, vom Dersailler Schicksal mehr begünstigten Nachfolgestaaten hat unser Bruderstaat nur ganz geringfügige Minderheitsoölker: Tschechen in Wien, Slowenen in Kärnten, Kroaten und Madjaren im Burgen- lond. Ihnen allen wird in Schule und Amt so Rechnung getragen, daß von irgendwelchen Klagen selbst ihrer chauvi- nistischsten Volksgenossen jenseits der Grenze nichts zu hören ist, während die losgetrennten Deutschösterreicher in allen Nachfolgestaaten auf das Schwerste benachtelligt werden! Der innerpolitische Zustand Doutschösterreichs ist ein- jacher als bei uns. Konfessioneller Unterschied und Gegensatz hat im Reich die Zentrumspartei geschaffen— in Dentschösterreich ist alles katholisch, soweit es nicht kon- sessionslos oder mosaisch ist. So hat sich drüben die einfache Front Besitz gegen Proletariat herausgebildet. Die Besitz- front ist gegliedert in die klerikal-reaktionären Christlich- Sozialen, die nationalistisch-reaktionären Großdcutschen und den wirr-reaktionären Landbund: dos Proletariat ist in den Parlamenten des Bundes, der Länder und Gemeinden so geschlossen sqzialdemokratisch vertreten, daß die ganz wenigen Kommunisten in ein paar Industrieorten gar nichts"be- deuten. Mit 420 000 sozialdemokratischen Parteimitgliedern von 1 800 000 Gesamtbewohnern steht Wien einzig in der Welt da. Am Morgen des 12. November 1918, der seither Staats- feiertog ist, starb Viktor Adler. Das letzte Wort dieses großen Mannes war die mühsam hervorgestoßene, sorgen- volle Frage:.Was ist in Deutschland?* Er, der Einiger des österreichischen Proletariats nach jahrelangem Bruderkrieg, litt schwer unter der Spaltung in Deutschland, deren schlimmste Folgen mitzuerleben ihm wenigstens er- spart geblieben ist... Zehn Jahre darauf wird auf der Wiener Ringstraße das Denkmal der Republik«nt- hüllt. Es zeigt außer Viktor Adler den Soziolminister der Revolution Ferdinand Hanusch und den ersten Bürgermeister des roten Wien Jakob Reumann. Die Stadt Wien übernimmt das Denkmal in ihre Obhut und ! Hunderttausende marschieren unter roten Fahnen stramm vorüber R. Be. Heimwehr-Steidle sollte die Republik feiern? Wien, 9. November.(Eigenbericht.) Die Mehrheitsparteien des Bundesrats wollten am Montag. dem Staatsfeiertag, eine Festsitzung des Bundesrats abhalten. Als Festredner war der augenblickliche Präsident des Bundesrats, der Heimwehrführer Dr. S t e i d l e ausersehen. Die Sozialdemo- traten erklärten daraufhin, daß sie an einer Festsitzung, in der der ' Führer der Heimwehr die Komödie einer Festrede für die Re- publik vorführ«, nicht teilnehmen würden. Infolgedessen mußte die Festsitzung des Bundesrates abgesagt werden. Ruhraussperrung und Zenirum. Oer„Deutsche" gegen die„Germania". , Große Klassenkämpfe sind stets für Parteien, die die verschiedenen Klassen in sich vereinigen wollen, gefährlich. So stehen die deutschnationalen Arbeiter des Westens heute in offenem Gegensatz zu dem Parteiführer Hugenberg; Volkspartei und Demokraten sehen sich vor arge Schwierig- ketten gestellt— aber auch das Zentrum ist von inneren Spannungen nicht frei. Beweis dafür ein Aufsatz„aus Zen- trumsarbeiterkreisen*, den der„Deutsche*, das Organ der christlichen Gewerkschaften, veröffentlicht. Darin heißt es: Getreu ihrer Einstellung hat die Zentrnmspartei sich entschlossen t auf den Boden des Rechts gestellt und zugunsten der Arbeiter ent- • sprechende parlamentarische Aktionen eingeleitet. Um so mebr muß es verwundern, daß dos führende Organ der Zenlramspartei. die „Germania*, im Gegensatz zur Provinzprrsse bi, heute nicht den Mut gesunden hak. offen gegen den Tarisbrnch auszutreten. Die wenigen redaktionellen Artikel, die bivher zur Aussperrung ge- , schrieben wurden, sind weder warm noch kalt. Im Unterton lassen si« weitestgehend« Sympathien mit den Werksleitungen erkennen... > Dazu«in ernstes Wort! Im Ruhrgebiet liegen SSO 000 Arbeiter 1«ruf der Straße. Ist der„Germania* unbekannt, daß darunter ' wohl an die Hälfte Anhänger der Zentrumspartei sind? Dank der vorsichtigen Halbing der führenden Organisation im i Ruhrgebiet, dem Christlichen Metallorbeiierverbond, insbesondere , seine? verdienten Führers, Reichstagsabgeordneten Wieber, sind alle Klippen in den vergangenen Iahren glucklich umschifft worden. Gegen den Willen der christlich organisierten Arbeiterschaft wird ihr nun von einem ontichristlichen Unternehmertum der Kampf aufgezwungen, wiegen die 100 000 Zentrnmsarbeller weniger als zmei oder drei schwerlndustrtelle Aktionäre der„Germania*, auf die man glaubt, Rücksicht nehmen zu müssen? Die Zuschrift erinnert schließlich daran, daß frühere , Halbheiten der Zentrumspartei schon eine halbe Mil- , lion Stimmen gekostet haben, und warnt vor der Fort- i setzung einer so verhängnisvollen Taktik. Oer Zustand des Eugen Schmahl. Bekenntnisse eines„Kreuz-Zeitungs"- Redakteurs. Eugen Sch mahl, stellvertretender Chef der �lrcuz.Zciwnq*. schreibt im deutschnationalcn Diskussionsorgan, der„Politischen Wochenschrist* unter der Ueberschrist.Zustand': Müde, mürbe und verwirrt. Resignation. Für alle, haben wir eine Begriffsbezeichnung sofort bei der Hand. Und beruhigen uns damit... Immerhin, wir sind müde. Um dieses Eingeständnis kommen wir nicht herum. Und wir sind im Begriff zu resignieren..., Dagegen bäumt sich unser Selbstbewußtsein auf. Die H«m. mungen de»„wenn und aber* schaffen Komplexe. Komplexe werden im Rausch« frei. Die ohne Rang bleiben stumm und überlassen sich wehrlos der Verkümmerung. Die anderen i schreien aus. Ab und zu. Sie schreien hysterisch nach Tat und Führer. Der Führer läßt schon lange aus sich! warten. Die„Tat* erschöpft sich in— Volksbegehren und Volks. entscheid... Machen wir uns nichts vor. Wir sind dem verfallen. Wissen Sie, Herr Schmahl, was sie uns können? Leid können Sie uns tpn? /..Zeder gegen jeden Jakob Walcher ohrfeigt Heinz Neumann Der linkskommunistische„Bolkswille* berichtet: Zsllensitzung in der Zell«„AEG.>Turbin«* m Moabit am Dienstag, dem ft. November. Referent: Heinz Neumann. In der Zell« ist auch Jakob Wolcher organisiert. AI» Heinzwürst- chen Neumann, der.ckopfere* Chma-Kampser. sieht, daß«r die Mehrheit der Zell« hinter sich hat. wird er, wie immer in solchen Fällen, frech und provokatorisch. Ader der gute Walcher, der zwar ein Rechter, aber ein anständiger Kerl ist, weiß, was sich für«in solches Subjekt als„Beaufrragten der Exekutiv«* geziemt und haut dem Reumann ein« gewaixige Maulschell« herunter. Darauf„st«,« Diskusiion*. 3eder gegen jeden und immer feste druss. Zwar„siegte* schließlich auch dos Ekki, aber Neumann mit seinem typischen Obrfeigengesicht hatte seinen Denk- zett«l weg. Mag er in der„Korruptions-Fahnc* hinterher schimpfen. Während das deutsche Proletariat unter Führung der Sozialdemokratie in einem gigantischen Entschei» dungskampf steht, wissen die Kommunisten nicht« Besseres zu tun als einander zu ohrfeigen..Zeder gegen jeden und immer feste druffl* Was danach noch an Kraft übrig bleibt, dient zu lieberfällen auf das Reichsbanner und Lungengymnastik aegen„die verräterische SPD.". Das Ganze nennt sich„Arbeiterpartei". Der sapanlsche Kaiser wird gekrönt. Vierzehn Bau«rnjunaen werden seinen Wogen ziehen. Hunderte f'izen derweil in„Schutzhast*. Ein neuer Zustizstandal? Vor mehr als 4 Jahren hatte der Oesterreicher Karl Beck seine Schwiegermutter beleidigt. Er stand damals im Begriff sich scheiden zu lassen und erklärte vor Gericht:.Zch bin von meiner Schwiegermutter mtt meiner Frau direkt verkuppelt war- den.' Di« Schwlegermuster tat erzürnt und zeigt« ihren Schwieger. sahn von gestern an. Die Staatsanwalischost m Köln kam ihr zu Hilf«, indem sie gegen Beck ein Offizialversahren einleitete. Inzwischen war Beck, ohne von diesem Bersahren zu wissen, nach Wien zurückgekehrt und hatte dprt eine Stellung angenommen. Das war vor 4 Iahren. Bor wenigen Monaten bot ihm nun sein Bruder, «in hochangesehener Mann in Magdeburg, eine Stellung an. Beck entschloß sich, dem Angebot Folge zu leisten, meldete sich in Magd«- bürg polizeilich a» und mar gerade im Begriff, seinen neuen Wirkungskreis anzutreten, als«r mir nichts dir nichts verhaftet wurde. Di« Kölner Stoatsanwaltschast hatte wegen der vor vier Iahren erfolgten Anzeige der Schwiegermutter einen Steckbrief hinter Beck erlassen. Beck sitzt nunmehr bereits vier Wochen im Magdeburger Gerichlsgesängnis. All« Haftbeschwerden wurden bisher von der Strafkammer des Kölner Landgerichts„wegen Fluchtverdachts* abgelehnt! Im allgemeinen verweist man beleidigte Schwiegermütter auf den Weg der Privatklage. Aber selbst wenn dos Ofsizlolverfahren in diesem Falle berechtigt gewesen sein sollt«, bleibt der Fall skan« dalös. Aus das„Verbrechen* des Beck steht nach dem Strafgesetz- buch ein« G e l d st r a s«, im härtesten Falle kann Beck zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt werden. Au» diesen fünf Tagen sind setzt bereits vier Wochen geworden und es dürften Monate werden, wenn die Aufsichtsbehörde nicht endlich eingreift. �r. 533» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 40. Rooember 4925 Revolutionsfeier im Sportpalast. Zur Zn'eöen, Zreiheit und Recht. ?tov«nb«nve�er. I« dtn notzlaün» Strogen slattern die roten Nohn«», di« ziiw Festtag der Sicoolutian ausgezogen worden sind. Hochbetrieb in der Potsdamer Straße. Die Sozialdeniokratie feiert zehnten Jahrestag de? Revolution. Alle Berkehrsmittel haben Zu tun. um den Menfchenftrsm zum Sportpalast zu bringen. Als um llhr die Tor» sich öffnen, warten im Borgarten schon Meie. die«inen guten Platz haben wollen. In immer dichteren Gruppen ftrömt e» heran. Halb acht: Ein erfrischende» Marschlied verkündet d«n Anmarsch der Jugend. Weither leuchten die roten Banner. Kampflieder brausen aus. durchhallen die Straße und locken de« �rvnz der Neugierigen herbei. Au Tausenden ist die Iugend dem �us der Partei gefolgt. Gruppe für Gruppe marschiert mit wehen- hen Fahnen, lind während die Iugend langsam den Saal füllt. �rsammeln sich draußen die Bannerträger. Seltsames Bild durch den Herbstabend hin: der Borgarten ein Meer von roten Fahnen. �cht fkhr: die ersten Takte des Einzugsmarsches schallen heraus aus Sportpalast. Das Fahnenmeer teilt sich: die Träger bringen "'e Fahnen ein. Begeisterung und Jubel. Ote Feier im Sportpalast. Es war ein« Stund« tiefen Erleben«, voll von ernstem Gedenken froher Zuversicht und überreich an. künstlerischem Erleben. Der Festakt, den die Sozialdemokratische Partei zur Er- 'nnerung an den st November oeronstallete. hatte dos weit« Rund de, Sportpalast«» bis auf den letzten Platz ge- füllt. Das rot« Tuch der Revolution schmückt« die Wände, und es war«in prächtige» Bild, als auf der Balustrade sich die Alten und Jungen mit roten Fahnen und den geschmückten Bannern d«r Partei aufgestellt hatten. Mit besonderem Beifall wurden die P»t«n Falken in ihren schmucken blauen Hemden und die Sportler begrüßt. Beethovens Egmont-Ouverlüve, vom Llüthner-Orchester unter der Leitung des trefflichen Dirigenten Knöchel oorgetrazen, gab den Uustakt zur eigentlichen Feier. Uthmana»»Heilige« Feuer', gemeinsam von Orchester und feinen aus Arbeiter- sängern gebildeten Chor dargebracht, schloß stch an. Heinrich Witte vom Staatsiheoter sprach vor einer ergriffenen Zuhörer- schaff Franz Rothenfelders vollendetes„Matrosen standen «ff schwankem Schiff'. Bon Adscheütt zu Abschnitt arbeitet« der Künstler den packenden Sehrreim zu innner größerer Wucht, immer Tfftrafsterer Wirkung heraus. Dehmei-Fried»„Erntelied' endete den äfften Teil. Reichstagsobgsordneter Genosse CISmflim hotte seiner Fast- schwache die Sorte Wilhelm Teils zugrunde gelegt: ..Gö« Goenze hat TuviurnemnachL See« der Gedrückte nirgends Recht tan« finden. Wenn unerträglich wird hi« Last, greift ex\■ Hinauf getrost« Mut» in don Himmel Uud holt herunter seine ewigen Rechte Di« drohe» hange» unvaräußerlich SU. S..------.- e.».----- uno UHDer�lnrgKoj wst att aeerKc 7«vffr: Hat Schiller mir diesen Wort« nicht dem Streb-n der go- kffickten Arbeiterschast einfachen Aaren Ausdruck gegeben?..Revo- lvtionen sind die Lokomotiven d«r Weltgeschichte' sagt« Karl Marx, sie stürzen Daraus im Geschehen der Mensch. h«t. st« reißen die Dan«« nicher. die den Waisen den Aufstieg Zur Freiheit, zur ftulter. zur Sonne versperren sollen. Auch die Pbnvdltion nor zch« Iahren hatte ihr« Ursache darin, daß alte. uberlebte Einrichtungen des Staates und semer Gewalthaber auf- rechtechalte» werden sollten gegen de« Willen de» Bosse?. Di« Kaste der Großnchrfftri-llen und der Landfunker hatte die Macht in Händen, sie bedrückte, knechtete da» Volk und raubt« ihm seine stcatsbürgerstchen Recht«. So trat das deutsche Volk 19U in den SncgT Und wie es oft im Weltgeschehen ist: der Krieg löste die Revolution aus! Millionen Menschen wurden immer wieder auf das Schlachtfeld geführt für Ziel«, die ihnen fremd waren. Die Regierung war die Gefangen« der Mst'itörmochthaber, die önentlich« Meinung geknebelt, die Presse, die eine« Frieden ohne Annexionen forderte, verboten? Kriegsgewinnler und Lebensmittelhamsterer beherrschten Deutsch- lond, aber das Dolk verlumpt« und verhungert«. Millionen verbluteten im Kriege, da» Volk wurde baital nieder» gehalten. Hier und da kam es schon zu Hungerrevolten im Heer, in der Marine, in der Zivilbevölkerung. Gefängnis und Festung waren die Antwort. So wuchs die Revolution heran. Amerikas Eintritt tn den Krieg brachte die Entscheidung«m F«Id«: Mit einem Mal« stand die Militarkcmcrilla vor dem Zusammenbruche Hol» über Kopf mürbe der Waffenstillstand gefordert— man floh mich Schmede«. Holland. Di« Matrosen in Kiel und in Wilhelmshaven waren die ersten, die den eisernen Bann brachen, überall züngelte die Flamm, ber Revolution hervor, am S. Ro» nember auch in Berlin. Dreiundzwanzig Monarchien ver« schwanden vom Erdboden. Heb«oll wurde die Rqjuoltf ausgerufen. Arbeiter- und Soldatenritt« setzten sich an die Spitz« der Soldaten und des Volkes. Sechs Lolksbeauftragte verkörperten zunächst die Staatsgewalt. Das erste Dekret dieser sechs bracht« das allgemeine, gleiche, geheime und direkt« Wahlrecht, um dos das Volk lange be- trogen mar. Der Achtfwi'dentag wurde Gesetz. Da, war der Wand«! des Systems! Nunmehr ging die Staatsgewalt vom Volk« aus, die Revolution von lNtz hat die Bahn dafür freigemocht. Wo etwa antisoziale Kräfte den demokratischen Swat beseitigen»vollen. wird da» Volk aufstehe» und ihn schütze«:« läßt sich nicht mehr zurüikdrängen in die alten Zeit«« stoat bürgerlicher und persönlicher Knechtschaft. Di» Lrbettskrnst ist geschützt, und wo[ das Kapital, wie jetzt an der Ruhr, gegen da» gesetzliche Schlich- j tungswesen rebelliert, rebeviert e» damit gegen den Staat. Geiviß. wir sind noch mitten drin im Klaff«»kämpf gegen den Kapitalismus, aber je gesdjtofiejwr die Front de? kämpfenden Proletariat, ist, um so«nergischer und um so rascher wird es feinen Willen im denn»- kratifchen Bolksfwat durchsetzen können. Allzeit bereit, all, Angriff« abzuschlagen! Borwart, zu starken Kämpfen für de» SoziallSinu»— so grüße« nur dich, Mutter de? Freiheit: Revolution! An die Festrede schloß stch. mtt besonderer Begeisterung«ff- gegengMiosumen. das alte Trutzlied dar Sozialdemokratie: Uthrnau»,„Tord Fobefon'. Der Sprechchor für pro- letarif che Feierstunde» unter de» Genossen Albert Florath, bewährter Führung durfte gaster»«inen ganz besondere« Erfolg buchen: Franz Rachewftfder, jüngste, Chorwerk.Ä November' wurde in gestrasstom. künstlerischem Allsbau zu Gehör gebracht. Di« Lieder der Arbeverfchaft? Wsternaffanole. Nrbestermon«N-ffst und „Arüder zur Soim«. zur Frech elt',»an Knöchel zu eine« einheit- lichen OrchersteruKrk gestaltet, schloffen dl« erhebende Bevanftaltung, die in gemeinsam«« Gesang aus klang in einem Gelöbnis, weiter zu arbeiten fllr Republik, Sozialismus und Demokratie. * Der Abmarsch aus dem Sportpalast verlief»oll« kommen ruhig. Ein starkes Polizeiaufgebot sorgte dafür, daß die Menschenmassen schnell und sicher bis zu den Perlehrsmittcln geleitet wurden. Knacker an der Arbeit. Bei der„Kodak" und der Karlühorsier Steuerkasse. Ein« balsk.rech-rrlche Kletterparti« unternahmen Geldschrank- einbrecher in der Rächt zum Freivag. um an den Schrank der Kodak-Aktiengesellschaft in den Bureauräumen nn Merten Stock in der Markgrafen st roße 7S heranzukommen. Wie heut« die Ortsbesichticpmg durch die Beamten der Dienst- stell« kl S ergab, kamen sie von dem Grundstück Markgrafen- ltraß« 7< über die Däche? heran. Nachdem sie«ine Luke aus dem Dach gebrochen hatten, stiegen st« auf einer vier Meter langen fast neuen Leiter aus der Luke heraus in ein chemisches Labora» torium«in, das stn S. Stock über den Kodakbureaus liegt, von hier m« ließen sie einen Mann an einem Strick bi» in die Hiche des Toilettenfensters herunter. Dieser stieg durch die Toilette in das Bureau ein, öffnete von innen die Türen, so daß die übrigen Mitglieder der Bande von der anderen Seite herankommen konnten. Nachdem sie die Fenster mit Teppichen und dergleichen abgeblendet hatten, schweißten die Verbrecher den Don zer schrank aus. fanden darin l0 000 AI. bare, Geld und nahmen den Rückweg wieder über die Dächer.— In Karlshorst hatten es Knacker auf die Städtisch« Eteuerkaffe abgesehen, die«m der Ecke der Trestow- und Roedernalle« im 2. Stock des großen Gebäudetom-- pleres, dos auch da» Knaben- und Mädchengymmfftum und das Rarhous umfaßt, untergebracht ist. Während in den Sälen über den Kaffenräumen eine Festlichkeit stattfand, schlichen stch die Knacker ein und machten sich mit dem Schweißapparat an den Schweren Panzerschrank heran. Eine Stohlplatt« hatten sie berest» bewältigt- Sie stießen jetzt auf eine Bei o»platte und mußte» nun bohren Dos Auf- und Abgehen in den Fefträmnen machte fi« aber wohl unficher. So gaben ff« denn die Arbeit auf und verließen dos Hau, ohne Beute.— In der Zigorrenhandlung von Boenicke in der Französischen Straß« hotte eine andere Kolonne auch kein Glück. Mit Nachschlüsseln eingedrungen, bearbeitete sie einen älteren Schrank mit dem Knobber. Sie hatten nur noch eine Zuholtung zu überwinden, als fie augenscheinlich durch das Bellen des Wachhundes gestört wurden und die Flucht ergriffen. Schulze und die Lagerschalen. Ver Vesiechungsprozeß gegen den Reichsbahnoberrai. Zn de« Nachmittag ssißvng de» Bestechungsprozesse» gegen den Zteichsbahnoberrat Schulz, wurde als Zeug, der Letter der Defchaffungsablellong beim Zenlralaml, Reichsbahn. direklsr Reu manu, vernommen. Neumann erklärte, daß bei der Vergebung der Lieferungen von Lagerschalen«in« Bevorzugung einer Firma nicht vorgekommen sei. Di« eisten Aufträge wurden gleichmäßig unter die beiden Gruppen der konkurrierenden Firmen verteilt, und später erfolgten di« Auf- träge noch einem Schlüssel, den di« Firmen unter sich selbst ausge- macht hatten Dann verlangten die anderen Firmen auch, daß sie nach dem System Reifert arbeiten dürsten. Das wurde aber von Reichsbahnvberrat Schulze abgelehnt, und zwar mit der Begrün- dung, daß beide Konstruktionen sich bewährt hätten und im Betrieb« beibehalten werden sollten. Westerhin wurde Ministerialrat a. D. Reichsbahndirektor Lindermcyer. der auch als Zeuge benannt worden st, zunächst nur in letzterer Eigenschaft vernommen. Er sollte süß Über den Ausgadenkreie des Angeklagten als Werkstätten- referent beim Zentralamt äußern. Nach dem Geschästoplon hatte Schulze mit der Lagerschalenkonstruktton nicht zu tun. Er hatte sich aber auf metallurgischem Gebiet eine große Erfahrung erworben, so daß es nicht zu verwundern war, daß«r sich dieses Arbeits- zebiet aneignete. Im Jahrs lSZ4 führte Schulze dem Zeugen zu keiner Uaberrofchung eine Stahllager schal« im Heißlaus vor. st) daß er stch veranlaßt sab. deren Einführung zu befürworten. Es sei allerdings bisher«in« einheiiLche Lagerichale«och nicht eingeführt. sondern es würden immer noch neue Dsnuche angestellt. Gegen- über der gegenteiligen Behaupbmg von R.>A. Dr. Frey bestritt der Zeug« entschieden, daß er früher verneint Habe, daß d!« von Schulz« ang-'stellten Versuche mit den Lagerschalen nicht unter seine dienstlichen Obliegenheiten gefallen wären. Wenn aiist an sich ein andere« Deznerncst zuständig war. so hatte Schulze sich doch auch um die Konstruktion mit zu kümmern. Di» Verhandlungen werden heute fortgejührt.> -> Soldat Surren. Otonfan von Georg vor» der Vrltig. Copyright I92T by J. H. Spsetb Ter! sc, Berlin. Er möchte mich gern im Jette sehen,' sage ich zum an- deren. „Mich nicht.' antwortet der,„er sagt, ich verdrecke sie ihm mit meiner Krankheit, und dazu'st die Wäsche heute zu teuer." „Siecht hat er.' „Bohl, kann auch in der chose schlafen, bw's gewöhnt vom Graben der.'.... „chaft du den» nickt an dein« Kinder gedacht? Was soll den» nun mit dir werden?' „Wohl, habe daran gedacht, manches liebe Mal. Gr schweigt und zwirbelt die Spitze seines Banes. Sein Gesicht ist von Falten zerschnitten. Dann ichsägt er vor: „Doch laß uns noch mal von meinem Schießergebnis sprechen, Li Ringe hatte ich.'.... So sprechen wir lange und ausführlich von kernem Schießsrgebnrs, welches wirklich erstaunlich gewesen sein muß, bei einer so unvollkommenen Scheibe. * Der Sergeant tritt wieder ein. geschwollen von Bosheit, und mit ihm«in Gefreiter, welcher lacht. Der Dick« fagt. Mit dem Finger auf dem Plakat, das immer noch mff meinem Bette liegt:„Siel Lernen Sie das auswendig, heut« nach- mittag wird abgefragt, der Gefreite ist Zeuge." Der Gefrett« bestätigt es und zeigt goldene Zahn- Plomben in Masse. Sie gehen hinaus. „Kannst du gut behalten?' fragt der Spitzbarttge lest«. ,�d) werde mich beherrschen, das zu lernen.' „Dann kommt die Wut über ihn. Er beherrscht stch nicht, gibt Fuß— trti— te.' ,Jt g k e i t a u f den Handwagen a u f, der völlig zertrümmert wurde. Die beiden Männer wurden mehrere Bieter weit fortgeschleudert und blieben mit schweren Ler- letzumMN bewußtlos auf dem Fohrdamm liegen. Die Verunglückten wurden durch die alarmierte Feuerwehr ins Städtische Krankenhaus Spandau gebracht, wo Flügel«ine Stunde später starbt mich Borow liegt so schwer danieder, daß an feinem Auf- kommen gezweifelt tveiHen muß. Sozialistische Erziehung. Werbeln,«dgebung der sozialistischen Studenten. Vor einigen Tagen hatte der Sozialistisch« Hochschul- uusschuß an der Berliner Universität zu einer Kundgebung auf- gerufen, um die Massen der Studentenschaft, besonders die mit Be- ginn des Wintersemesters zum erstenmal hier studierenden Akademiker, mit den Zielen und Bestrebungen des Sozialistischen Hochschulausschusses bekannt zu machen. Das einführeiche Referat hielt Genosse cami. für. Heinz Krüger. Der Sozialistische Hochschulausschuß hat als Nachfolger der früheren Fraktion„Sozialisten" in der inzwischen durch Schuld der »och imnier reaktionären Mehrheit der Studenten aufgelösten staal- lich anerkannten studentischen Selbstverwaltung die Wahrung der Interessen der minderbemittelten Studenten übernommen und eine rege Kleinarbeit zur Verbesserung ihrer Lage begonnen. Er kämpft für den Ausbau der sozialen Einrichtung der Studentenschost, gegen das Bildungsprivileg der Besitzenden. Er weist aber darauf hin, daß dieser Kampf zum vollen Erfolg nur führen kann, wenn er sich nicht auf das enge Feld der Hochschule beschränkt, sondern Hand in Hand mit dem politischen und wirtschaftlichen Kampf der sozialisti- schen Arbeiterbewegung geht. Durch den politischen und wirtschaftlichen Sieg der Arbeiterklasse wird auch die Bildung wahrhast frei und allgemein werden. Denselben Gedankengong führte Genosse. Studiendirektor Dr. K a r s e n-Reukölln, in seinem Referat über „Sozialistische Erziehung" weiter und zeigte die Der- bundenheit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung mit dem gesellschaftlich außerordentlich wichtigen Gebiet des Erziehungswesens. Die sormal und inhaltlich durch die geschichtliche Entwicklung er- zwungenen Veränderungen des Schulwesens haben sich unter der Herrschaft des Bürgertums bereits vorbereitet, wurden aber stets im Sinne und im Interesse des Bürgertums ausgenützt. Di« Ent- scheidung, die allen Staatsbürgern, unabhängig von ihrer Klassen- Herkunft gleiches Bildungsrecht gewährleiste, die Schule zugleich zu einer wirklichen Lorbereitung auf das Leben durch kollektives Ar- beiten und aus einem Drill zu einer wahren Bildungsstätte der ?ugenb mache, falle auch hier auf politischem Gebiet, durch den Machtgewinn der Arbeiterklasse. Die Ausführungen beider Referenten fanden Beftav und reges Interesse.__ Das Huldigungsfenster der Konsumgenossenschaft. In der Oranienstraße stauen sich die Pasianten. Rufe der Anerkennung und Bewunderung sind zu hören. In dichten Scharen umlagern sie dos große Eckfenster des Warenhauses der Konsumgenossenschaft, das am S. November Festschmuck trägt und in eigen- und einzigartiger Weif« dekoriert ist. Man sieht folgendes: Ein junger Ardeiter im Festlagskleid, zu beiden Seiten flaiikiert von machligen Säulen, schwingt hoch die Fahne der Republik. Oben bricht aus dichtem Gewölk leuchtend die Sonne hrroor. Im Hintergrund sieht man das Bild des erste« Reichspräsidenten. Di« Konsumgenossenschaft ist also das einzige Unternehmen der V i e r m f l l i o n.e n st o d t, dos ftch frei und offen zu dem neuen Staat bekennt. Berliner Festspiele 1929. Da» bereits lange gehegte Projekt einer Neubelebung der Berliner Saison im Sommer, das bisher an Ungelöstheiten tünst- lerischer und finanzieller Natur krankte, reist nunmehr seiner Vei> wirklichung entgegen. In einer Borbesprechung im Berliner Rathaus verkündete Oberbürgermeister B ö ß den offiziellen Auf- takt der Berliner Festspiele für Ende Mai kommenden Jahres. Die Zeitdauer der ganzen Veranstaltungen ist bis Ende Juni geplant. Das künstlerische Programm umfaßt eine ganze Reihe interessanter Ereignisse. Generalintendant Tietjen legte das Opernreperwire vor. das verschiedene Neueinstudierungen und Reu» «stfvhnmg« alter und neuer Meister in den beiden Staatsopern MMktn Muff •iUUj.vn"»tny umBultn mtcom�rra nnii•JCdüF x in# I»— Ein versuchter Holzmann, Q'iwinow und dl Der vom Vartels-prozeßher bekannke Michael holz mann beschäftigt wieder einmal die Berliner und Pariser SriminalpoNzei. Als vor einigen Monate« durch die Berliner presse die Meldung ging, daß Michael holzmann plötzlich zu vielen Millionen gekommen sei, sich in Paris im Besitze mehrerer Häuser und Autos befinde und ein Laak. geschäsk eröffnet habe, war der erste Gedanke derer, die ihn vom Sutisker- und Vartels-Prozeß her kannten: Da muß es wohl nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Nun wird Holzmanns Jtame im Zusammenhang mit einem versuchten Riesenbetrug au der russischen Handelsvertretung genannt. Eingeweihte Kreis« wußten schon seit längerer Zeit, daß sich ein« größere Anzahl Wechsel im Umlauf befindet, deren Girant die russische Handelsvertretung und deren Ursprung unbekannt war. Der Verdacht, daß es sich um gefälschte Wechsel handeln müsse, kam auf, als«in Wechsel in Höhe von 5000 Pfund Sterling(100 000 M.), der die Unterschriften eines gewisien Litwinow als Akzeptanten und neben dem Stempel der Handelsvertretung auch als Giranten trug, zum Protest ging. Dieser Litwinow. Bruder des bekannten russischen Volkskommissars — allerdings haben beide Brüder schon seit langem jegliche Beziehun- gen abgebrochen—. hotte im Jahre 1926 ein« Vollmacht von der Berliner Handelsvertretung: er war als ihr Agent in Moskau tätig. Die Vollmacht ist jedoch längst erloschen. So besaß er kein Recht, für die Handelsvertretung Wechsel auszustellen. Der Wechsel selbst ist auch nicht in den Besitz der Handelsvertretung gelangt. Die Berliner Kriminalpolizei, die in Gemeinschaft mit der Pariser Kriminalpolizei eingehende Nachforschungen unternommen hat, war gleichfalls nicht in der Lage, dieses Wechsels habhaft zu werden. Soviel scheint jedoch im Augenblick festzustehen: Litwinow muß etwa zwanzig Wechsel im Gesamtwerte von vier Millionen Mark ausgestellt haben, die in der Hauptsache auf englische Pfundbeträga lauteten und auf denen er selbst als Akzeptant und die russische Handelsvertretung als Girant bezeichnet wurden. Diese Wechsel sind bei einem angesehenen Pariser Anwalt deponiert worden. Ob die Wechsel in Umlauf gebracht sind, und, wenn dies der Fall sein sollte, wieviel solcher Wechsel sich in Umlauf befinden, konnte bis heute n'cht festgestellt werden. Mag sein, daß die bloße Deponie- rung der Wechsel für die erste Zeit genügt hat, um das Geld zu erhalten. Bor einiger Zeit teilte jedoch Litwinow der russischen .Handelsdelegation mit, daß ein Wechsel über 5000 Pfund bei der Handelsvertretung präsentiert werden würde, da dieses Akzept in bühne die ganze Saison durchspielen. Wie Intendant Dr. Eger berichtete, werden auch verschiedene andere Theater, so das Staat- lich« Schauspielhaus, die Volksbühne und einige Privattheaier mit Neuinszenierungen und Uraufführungen klassischen und modernen Neportoires aufwarten. An Konzerten sind Austauschgost spiele zwischen den prominentesten Berliner und Wiener Orchestern vor- gesehen, außerdem Thorkonzerte des Arbeitcrsängerbundes und des Deutschen Sängerbundes. Im Eharlottenburgcr Schloß und im Potsdamer Palais werden kammermustkalisch« Ausführungen im historischen Rahnien stattfinden. Auch die leichte Muse, die Operette und die Revue, sollen zu Worte kommen. Kulturfortfchritie in der Republik. Der Bund entschiedener Schulreformer hatte zu einer Kundgebung„Zehn Jahre republikanische Kulturpolitik— eine Bilanz" ins Lehrerocreinshaus eingeladen. Di« Erziehung des tom- wenden Geschlechts ist eine Frage, die den Republikanern sehr am Herzen siegt. In richtiger Erkenntnis der Lag« hat sich die Der- faffung von Weimar in mehreren Paragraphen auch mit Schul- fragen beschäftigt. Die Redner des Abends berichteten darüber, wie weit dies« Bestimmungen bisher zur Anwendung gelangt sind. Ge- nasse Alwin S a« n g e r, M. d. R., konnte aus dem Freistaat Bayern nicht gerade von vielen Fortschriften berichten. Aber die Möglich- keilen zu einer Umgestaltung sind auch dort gegeben, und mit ge- nügender Energie wird die Macht der Klerikalen zu brechen sein. Optimistrfcher äußerte sich Herr T« w s, Generalsekretär der Gesellschaft für Volksbildung. Er würdigte besonders die Schwierigkeiten, die die Umgestaltung des Schulwesens mit sich bring«. Um kul- tirrell« Fortschritte zu erreichen, braucht man viel« Jahrzehnte. Er erinnerte ckn den§ 1„Die Gewalt geht vom Volke aus". Wenn sich joder seiner Macht bewußt wird, kann viel erreicht werden. Vor allen Dingen appellierte er an die Eltern, die von ihrem Mit- bestimmungsrecht Gebrauch machen sollen. Wirksicha Fortschritte oermochte der ehemalig« sächsische Ministerpräsident Fleißner auszuweisen. In Sachsen, wo bis Airfang 1924 die Sozialisten aus- schlaggebend an der Regierung beteiligt waren, ist eine vollkommene Trennung von Staat und Kirche durchgeführt, es gibt keine Senn- nare mehr, sondern nur Ausbau- und Oberschulen usw. In seinem Schlußwort forderte Paul Oestreich all« aus. auszuharren an dem großen Werk: der Erziehung zum repubsikanifchen Menschen. In einer Entschließung ruft der Bund all« Gutwilligen zum Kampf gegen die herrschsüchtigen Mächte einer überhalten Periode, zum Bündnis für die.Kultivierung der Menschheit in unseren Reihen aus. Dienstag Urteilsverkündung im Bergmanu-Prozeß. Nachdem Rechtsanwalt Dr. Alsberg in seinem mehr als vier« stündigen großangelegten Plädoyer versucht hatte, alle Anklage- punkte gegen Staatsonwaltschaftsrat Dr. Walter Iacoby zu widerlegen und den Nachweis zu führen, daß der Angeklagte durch Bergmann selbst getäuscht worden sei und im guten Glauben ge- handelt habe, wurde den Angeklagten das letzte Wort er- teilt. Während Bergmann nichts zu sagen hatte, erhob sich der An» geklagte Dr. Iacoby und sagte mit einer leichten Berbeuguna zum Gerichtshof:„Ich bitte um meine Freisprechung. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Wartenberge r, setzte den Termin zur Derkündung des Urteils auf nächsten Dienstag, 10 Vi Uhr vormittags, an.__ Tagung der Landgemeinde«. In der Zeit vom 15. bis 17. November d. I. finden in Berlin die Tagungen der Landgemeinden, der 4. Deutsche Landgemcindetog und der 5. Preußische Landge- m e i n d e t o g, zum erstenmal gemsinschastlich starr. Aus der ge- meinsamen Haupttagung am 16. November in der Staatsoper wird der preußisch« Minister de« Innern, S r z e s i n s k i, sprechen. Don den hierauf folgenden Borträgen sei der de» Neichssinanzmimsters Dr. AilkßrdUg über„Finanzausgleich" genannt. Ziiesenbefrug. ! russische Handelsvertreiung. Paris zu Protest gegangen sei. Es verlautet, daß auch Holzmam» seine Fühler ausgestreckt haben soll, um sestzustellen, ob die Hcm- delsvertretung gewillt sei, den Wechsel einzulösen. So nimmt man an, daß holzmonn mit der Belrugsassäre in Verbindung steht. da er von seiner Berliner geschäftlichen Tätigkeit Litwinow gut ge« könnt hat. Möglicherweise hat sein Bankinstitut bei der Ausstellung dieser Wechsel eine gewisse Rolle gespielt. Sollten allerdings die Litwinowlchen Wechsel aus dem Depot des Pariser Anwalts bereits in Umlauf gebracht worden sein und sich in Händen von gut- gläubigen Besitzern befinden, so könnte die Handelsoertrewng unter Umständen von letzteren in Anspruch genommen werden. Im großen und ganzen herrscht über dies« Betrugsafiäre noch völliges Dunkel. Sowohl die Berliner als die Pariser Kriminal- polizei konnten in Wirklichkeit bis zum letzten Augenblick nichts ab- solut Positives feststellen. Es unterliegt jedoch keine ry Zweifel, daß Litwinow über kurz oder lang von der Polizei gestcW wird. Es scheint auch nicht ausgeschlossen, daß die Affäre schon frecher restlose Ausklärung findet._ Kunstschahe in Moskau gestohlen. Dilder von Nembrandt, Tizian, Correggio. Aus den Beständen des S t a a t s m u s e u m s für bildende Künste in Moskau wurden von noch unbekannten Dieben fünf überaus wertvolle Gemälde gestohlen, ohne daß es bisher gelungen ist. eine Spur der Verbrecher oder ihrer Beute zu finden. Es handelt sich um das Gemälde Jße Christ" von Rembrandt, um den ,�E c c e Homo" von Tizian, der früher in der Eremitage bei Leningrad hing und im Jahre 1924 nach Moskau gebracht wurde, drittens um jia s a i n t e F a in i l l«" von Corrcggio, von der eine Kopie in der Galerie Malest pina in Pavio zu sehen ist, viertens um„Saint Jean Evangelist«" von Carlo D o l c i und fünftens um„La Flaggelation du Christ" von Giunta P i s a n o. Dieses Kunstwerk ist aus Leinwand ge« malt und auf Holz geklebt, während die anderen nur auf Lein« wand gemalt sind. Alles sind Originale von unschätz-- barem Werte. Offenbar sind aber die Diebe keine Kenner ge- wesen, sie haben beim Herausnehmen der Gemälde arge B e r- stümrnelungcn angerichtet. So ist z. B. bei dem Rembrandt das Oval des Ehnsiuskopses unregelmäßig herausgeschnitten und bei dem Pisano sind die Hand des Henkers und die Hand und der Kopfputz des Pilatus im Rahmen zurückgeblieben. Jedem Kunst- kenner werden diese Mängel sofort auffallen, wenn die Diebe die Gemälde anbieten. Mitteilungen über das Auftauchen bei Händler» oder Sammlern nimmt in Berlin die Dienststelle B 3 im Polizeipräsidium entgegen. Booiskaiastrophe auf dem Nil. 23 Mädchen ertrunken. Bei einer Booksfahrt einer Gesellschaft junger Mädchen über den Ril ereignete sich eine schreckliche Solastrophe. Dos Baal sank wegen zu starker Belastung in der Mftte des.Stromes. ZS Mädchen ertrankest. v" '- y Hindenburg-Goldstücke keine Reichsmünze. Eine süddeutsche Firma vertreibt Medaillen aus Gold mit dem Bildnis dos Reichspräsidenten unter der Bezeichnung.�Hindenburg-Goldstücke". Es wird daraus hingewiesen, daß diese bei der preußischen Staats- münze als Privotauftraz hergestellten Medaillen keine Reichsmünzen, also keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind. Scala. Den größten Teil des Novemberprogranmrs füllt Jack H y l t o n, der„unumstrittene Jazz-König Europas", aus. Jack diri- giert nicht nur, er tanzt, hüpft, singt vor seinem Orchester. Er üben- trägt sein Musikantenbild förmlich aus die Solisten. Was daraus enfftehr, ist eine Symphonie musikolffchen Lärms, die man im Rahmen eines Darietcprogramms wohl gelten lassen kann. Daß aber jeder einzelne dies« Orchesters ein Meister seines Instrumentes ist. wird an Soteroorträgen gezeigt. Vorher gab es wie immer«in erstklassiges artistisches Programm. Den Reigen eröffnete die G el n e r- Truppe mit ihren Wintersporff'vielen. gut anzusehen in ihrer fröhlichen Buntheit. Ein« gymnastische Spitzeulesstung sind dir beiden Dewers in ihrer Nummer: Plastische Gymnastik. Ruhe und Eleganz verbergen das Komplizierte der Arbeit. L. M o riß zeigt neue Tricks mit Fahr- und Motorrädern auf dem Drahtseil. Als lebend« Gummibälle zeigen sich IN o r» r o e B r o t h e r s auf ihrem Sprungteppich. Auch die Jackson- Girls hüpfen über die Bühne. Guypjy Rhouma Ist zeigt eine neue Art des Groresktanzcs. die viel Beifall fand. Der Gedächtnis» künstler Emanuel Steiner operiert mit Zahlen von schwindelnder Höhe, zum Staunen der Nornialrechncr, die oft nicht einmal mit dem Einmaleins fertig werden. . Wmkergarlen. Im Ottober zwei Zauberkünstler, im November wieder Zwei. Bißchen viel, nicht wahr? Also sieht man dem ersten. Herrn Steffin, etwas gelangweilt entgegen. Ms er dann endlich abtritt, ist man vollkommen munter und sagt: Schade, daß es schon zu End« ist. Der zweit« Zauberer heißt E t t e. Mit Vornamen Bernard. Jedermann kennt dieses ausgekaut« Lied: Trink, trink, Brüderlein. Jedermann wird übel, wenn er, an Herrn Meyer auf dem Himalaya erinnert wird. Dieser Bernhard Efts bekommt es aber mit seiner» 15 Iozzleuten fertig, daß mau sowohl vor dem Brüderlein als auch vor dem Herrn Meyer mit atemloser Andacht fitzt. Herrlich musizieren diese Musikanten, fort- während befeuert von diesem Zauberer Että, der jetzt endlich wieder aufgetaucht ist. Nur sind seine Musikanten alle so furchtbar ernst.— Unser Publikum ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf. Es erkennt durchaus richtig, daß der Luftakt der drei Kie- wings etwas Unerhörtes ist. Diese drei famosen Burschen spielen herzlich lachend mit dem Tod. Die vier Fellers verlegen den bekannten Schleuderbrettakt auf das Drahtseil, und Fox- trott tanzen sie auf dem Seil besser als mancher Gent auf dein Parkett. Was soll man zu den vier amerikanischen Ru» naway Excentrics sagen? Lassen wir den Berliner sprechen: Mensch, da lachst« dir'n Bruch. Der Unsinn, den die vier treiben, ist so ungeheuerlich, daß man sich«in Reservezwerchfell mitnehmen müßte. Die Handstandkünste der Helders sind staunenerregend, ebenso die Eowboyspiele der Dakotas, die leider als Entreenummer gehen. Das Rennen der englischen Terrier» nach der(künstlichen) Rotte löst Stürme der Heiterkeit aus. Das Ballett Remchinova bringt atte Tanzkunst in bester Technil und vornehmer Rahmung. »«Herbaicht der öffentlichen weNerdieaststeUe Berlin und«»geaend, lNachdr. oeie.). Zeitweise geringere Bewöltuna. Temperaturiückgana, Nacht- stötle, keine wesenUichen Niederschläge.- Aür veulschlaod: Im Süden und Südosten tiow verbreitele Niederschläge, in Norddeutschland wollig bi« heiler mit Nachtir ästen. ..... SSSS--—._.iJ---------------» --- gegen Schnupfen &Orm€tn Wirkung fcppan/ daß unsere Einkaufsorganisation mehr als ein Sechstel der gesamten Tabakernte Ma- cedoniens aufgekauft hat. In den Rest teilt Theater, Lichtspiele usw. Somяb., d. 10. 11. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 132 19½ Uhr Ein Sonnb., d. 10. 11. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 19% Uhr Maskenball Troubadour Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 184 19 Uhr Staafl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 193 20 Uhr Freischütz Egmont Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 28 Uhr Der Londoner verlorene Sohn. SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Jack Hylton, der unumstrittene Jazz- König Europas, mit seinen 18 Solisten und weitere zum ersten Male in Berlin auftretende internationale Stars. wwwnnu Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigt. Preisen das ganze Programm. Metropol- Theater Täglich 8, 2hr Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Zum 50. Male Der lebende Leichnam Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Der Lon'oner verlorene Sohn Th. am Schiffbanerdamm Täglich 8 Uhr Die Drel- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lenja. Telephon: Herdes 1141.281 Deutsches Theater Norden 12310 Vorverkauf auch im Pavillon d. Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448 u. 449. 8 Uhr, Ende gegen 11 Die Verbrecher Schauspiel von FerdinandBruckner Friederife Kammerspiele Franz Lebar birigiert! Käthe Dorsch Richard Tauber Silbe Berner Befpermann Arnsteebt Starnburg Dara Reg Limburg Raiser- Zig Die Raffe ift den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Großes Schauspielhaus 8 CASANOVA mit Michael Behnen. Begie: Charell. Bonntag 3 U.: Nachmittags- Vorstell Norden 12310 3 U. Ende nach 10 „ Ehen werden im Himmel geschlossen!" Komödie von Walter Hasenclever Die Komödie Bismarck 2414/7816 8% Ende 11%, Ukr Letzte 4 Aufführg Eltern und Kinder Komödie von Bernard Shaw Mittwoch, den 14 7 Uhr Deutsche Urauffüh rung Olympia" von Franz Molnar Regie: Forster Larrinaga ule ganze Vorst. zu halben Preisen. HALLER- REVUE 81/ Ubr CASINO- THEATER SU Lothringer Straße 37. Neu! Neu! 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Lichs, Zesah- dallet, Thiem, Trasisdield, 8 Uhr: Theater in der Stadt Die Herzogin Sonntg. nachmittag von Chicago par. van Emmerich Kaimas 31 Uhr Spiel im Schless In d. Abendbesetzg Kleine Preise von 50 Pl. bis 3 M. Th. in der Lafzowstr. Kurt. 9209. Tgl.8%, Sonnt. 4 U. L. M. Lomme! " in: Runxendori auf Welle 0,5" Rundfunk hörer halbe Preise Sonnabend 4 Uhr Lessing- Theater 8 Uhr Alb. Bassermann, Lucie Mannheim Herr Lamberthier Louis Verneuil. Drama von R ose- Theater Gr.Frankfurier St.132 4 Uhr Aschenbrädel 8 Uhr Klein Hockepuck. Der Verschwender Neukölln. Lahnstr.74/ 75 Winter Garten Tägi. 8 Uhr 4 Runaways neueste amerikanische Excentric- Sensation und weltere VarietéNeuheiten. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 and 8 Uhr 3.30 kleine Preise Rauchen gestattet 30 PE 100 MARK Gafftungs-, RabattC& A BRENNINKMEYER Königstraße 33 Chausseestr. 113 6m 8hf. 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Im Rundfun? hielt der Reichsminister des Innern, Genosse Karl Severing, die Gedächtnisrede auf den 9. November. Er führte u. a. aus: Für alle Einsichtigen stand fest, daß der militärische Mißerfolg einen innerpolitischen Umsturz nach sich ziehen würde. Jeden Augen. blid wartete man seit den Oktobertagen auf die Katastrophe, und niemand in den monarchistischen Kreisen fand den Mut zur Berteidigung. Der 9. November war nicht das Wert einzelner Verschwörer, fondern es war das Signal für die Selbstbestimmung des Boltes. Es bedeutet Geschichtsflitterung schlimmster Art, diesen Tag als Tag des Berrats zu bezeichnen. Die neue Verfassung des deutschen Volkes geht nicht von Fürften oder Diftatoren aus, sondern vom Bolt. Und dies ist um so höher anzuschlagen, da das alte System alles um die politische Erziehung verfäumt hat. Nur durch Selbstbildung wurde das Resultat erreicht. Man jagt öfters in nationalistischen Kreisen, der neue Staat hätte teine Führer, aber haben nicht die Männer, die so oft verlästert worden sind, Deutschland ge rettet? Sie haben das Chaos verhindert und den wirtschaft. lichen und fulturellen Aufbau des Landes gefördert. Durch die Revolution ift tein Idealzustand geschaffen worden. Aber war dieser nach einem Kriege möglich, der Raub bau an allen Kräften des Bolles trieb? Deutschland stand unter doppeltem Drud, nämlich unter der Diftatur des Auslandes und im Innern unter der des politischen Abenteurertums. Rur weil jeber Volksgenoffé wußte, daß es sich um seinen Staat, um seine eigene Schöpfung hanbelte, murden Anschläge jeder Art auf ihn abgewehrt. Finanzielle Laften brängen immer mehr zum Einheits. staat. Es ist zu bedauern, baß der 9. November nicht auch hierin Bandel schuf, denn die Kleinstaaterei ist im Grunde dieselbe ge blieben. Die Landsplitter müßten zu einem geeinten Bolle deutscher Nation zusammengeschmeißt werden. Jeder deutsche Republifaner weiß, daß er nicht zuerst als Deutscher, sondern als Mensch zur Welt gekommen ist. Deshalb mill er feinen Böfterhaß, sondern den Frieben, deshalb ist er gegen Krieg, Dittatur und jegliche Art von Terror. Sein Haß gilt allein dem Haß und seine Unduldjamfeit nur der Unduldjamfeit. Und aus diesem Grunde fordert er auch bie soziale Republit. Die Ereignisse der legten Zeit zeigen uns, daß so wenig wie in der Politif auch in der Wirtschaft das„ So mill ich, so befehle ich!" Geltung behalten darf. Hätten die Träger des alten Systems nicht das Bolf von jeber Eigenverwaltung abgefchloffen, wer weiß, ab der Ausgang des Arieges nicht ein anderer gewesen sein würde! Auch der 9. November hat nicht alles beseitigen fönnen, was morsch und frank in Deutsch land war. Aber das Balf meiß jezt, daß sein Recht seine Verfassung ift. Dem Ziele der höchsten Menschenideale zugewendet, werden schließlich Recht und Bernunft doch siegen. leber bie glänzend verlaufene Revolutionsfeier im Sportpalast wird im totalen Teil des Blattes berichtet. Die Weltrevolution, laum erwähnt Mit Schlangestehen feiert Moskau den Revolutionstag Mosfau, 9. November. Ludendorffs Novemberjubiläum. Juden + +-9 1-9 18. 8= 1+ m T 2+3.15 -19 Jesuiten 4 -Poincaré betraut. Doch wenig Erfolgsausfichten.- Gozialisten und Koalitionsfrage. Paris, 9. November.( Eigenbericht.) Der Präsident der Republit hat am Freitag Poincaré mit ber Reubildung der Regierung beauftragt. Die Unterhaltung zwischen Doumergue und Boincaré dauerte nicht meni ger als zwei Stunden. Poincaré hat den Auftrag noch nicht endgültig angenommen. Er hat sich lebiglich bereit erflärt, feine Freunde um Rat zu fragen. Boincaré meiß genau, daß die Wiederholung der Rationalen Einigkeit", feine alte politische Formel, an der er auch heute noch aus Gründen der Selbftachtimg festhalten will, unmöglich geworden ist. In einem Kommuniqué, das er nach seinem Be fuch bel Doumergue ausgegeben hat, erklärt er, daß die Ereignisse der letzten Tage ihm die Wiederaufnahme seiner alten Aufgabe nicht erleichtert haben. Jeder andere Bolitiker fönne eine andere Linie verfolgen. Er aber dürfe die Mitarbeiter night vergessen, die er seit dem Jahre 1926 in feinem Kabinett der„ Nationalen Einig feit gefunden habe. Er müffe fich also bemühect, miederum ein breites Kabinett der„ nationalen Eintracht" aufzustellen, mie es bie Bollenbung der Finanzierung und die Regelung der schwebenden außenpolitischen Fragen perlange. Leider zeigten die Entschließungen von Augers fowie die Resolutionen der Rabilalen Kammerfraktion und der Gruppe Marin einen für feine Plane jehr ungünstigen Geisteszustand. Dazu tamen noch die Differenzen mit der Finanzkommission über das Budget für Heer und Marine sowie über die Steier reformen, die geeignet feien, die Annahme des Budgets zu verspäten. Deshalb habe ihm die Kommission, wenn auch vollkommen zu Unrecht, vorgeworfen, daß er das Budget zu spät eingebracht habe. Die rechtzeitige Erledigung des Budgets jei aber für ihn eine Vertrauensfrage. Er werde unter feinen Umständen die Birtschaft mit den Budgetzwölftein wieder beginnen. Auch könne es fich für ihn nicht darum handeln, ein Kabinett nur für sechs Wochen zusammenzustoppeln. Trotz aller Schymierigkeiten wolle er sich ernstlich bemühen, eine tragfähige Regierung zu bilder. Diese Erklärungen Boincarés flingen äußerst ernst, aber Erfolg dürfte seinen Bemühungen faum bef hieben sein. Die Linksparteien bis zur Gruppe der radikalen Cinten ( Coucheur) haben sich bereits prinzipiell auf das Mindestprogramm von Angers festgelegt. titel 70 und 71 aus dem Finanzgefez, Ermäßigung her Strebite für Heer und Marine, Steuerreformen durch Entlastung der fleinen Steuerzahler, Fortfegung der friedlichen Außen politif Briands und vor allem der Abrüstung, Schaffung der Einheitsschule, Annahme des sozialpolitischen Programms des aff. gemeinen Gemertschaftsbundes. 3ma übrigen hat sich die Sozialistische Kammerfraffion am Freitag bereit erklärt, jede Regierung, die fich diefes Programm zu eigen macht, auf das entschiedenste zu unterstützen, ja fle hat fogar die Möglichkeit einer affiven Beteiligung der Soziafiffifchen Partei, an einer derartigen Regierung in Aussicht. gestellt. zu diesem Zmede soll am Sonntag der erweiterte Bartei. borstand einberufen werden. Die Graftion begründet diesen Beschluß damit, daß unter allen Umständen das Zustandekommen jeder Regierung der Rationalen Einigkeit" oder der republikanischen Konzentration, die nur ein Dedmantel für die Herrschaft der Reaffion märe, verhindert werden müsse. Es gehe nicht an, heißt es in der Resolution, daß die Reaktion wiederum mie bisher ihren Einfluß unter falscher Flagge in übertriebenem Maße geltend machen tonne Poincaré fonferiert mit dem Rumpffabinett und Foch. Paris, 9. November. Zu den Besprechungen, die Poincaré nach dem Empfang bei Doumergue mit seinen früheren Ministern( ausschließlich der vier Radikalen und des Nationalisten Marin) aufnahm, wurden nach einstündiger Dauer auch die Minister Sarrait und Marin hinzugezogen. Minister Sarrait, der mit Minister Marin die Sizung nach zehn Minuten wieder verlassen hat, erklärte, Poincaré habe ihn nur um feine Ansicht befragt. Kurz benor Sarrait das Finanzministerium, mo die Konferenz ftattfand, verließ, ist Marshall och angefommen. Man nimmt an, daß ihn Poincaré über die Frage der militärischen Kredite, über die es zu einem Konflikt zwischen Poincaré und der Finanzkommission gekommen ist, hat hören wollen. Die Beratungen Poincarés mit seinen bisherigen Mitarbeitern hatten gegen 7 Uhr abends ihr Ende erreicht. Poincaré wird morgen seine Besprechung fortseßen. Er Die Feier des 11. Jahrestages der bolschemistischen Revolution murde zwar mit demselben 3eremoniell gefeiert wie in früheren Jahren, doch trat undertennbar eine gewisse Zurüdhaltung Im Gesamtdharafter der Festlichkeiten hervor, wie sie sonst wicht zu bemerken már. Schon die äußere Ausschmückung der Stadt Mos fau war sparsamer als im vorigen Jahr. Besonders auffallend ist die Reserve, die man sich hinsichtlich der Reben cuferlegt hatte. Statt der erwarteten langen Reihe von Kundgebungen der Regie rungs und Parteiführer gab es in der traditionellen Festfizung des Mostauer Somjets nur eine Festrede des Bildungs tommiffars Lunarticharsti. In dieser wurde die Außenpolitit fast gar nicht erwähnt, nur die Frage der Kriegsgefahr furz gestreift. Im übrigen tonzentrierte er sich auf die innere Lage und wandte sich gegen die Feinde des Sowjetsystems, die von wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine nahe Veränderung des Regimes erhoffen. Auch bei der großen Parade übten Regierung und Bartei eine ähn. Dieses Brogramm meist folgende Buntte auf: Entfernung der Ar hat auf 10% Uhr vormittags eine neue Beratung einberufen. liche Zurüdhaltung und die sonst üblichen Reben vor der Parade fielen fort, wobei es besonderes Aufsehen erregte, daß die tradi tionelle Ansprache eines Vertreters der Komintern unterblieb. Der Sowjetpräsident Safinin hielt eine furze Rede. Die Belt repolution, auf die bei dieser Gelegenheit sonst immer be fonders ausführlich eingegangen wird, ist in diesem Jahr taum erwähnt worden, die Platate der Demonstrationszüge zeigten nur wenige Losungsmorte dieser Art. Ueberhaupt wurden Hinweise auf die Außenpolitif in den Umzügen und Karnevalsgruppen ver mieden. Im ganzen tann man sagen, daß in diesem Jahr das Fehlen des revolutionären Bathos mit entsprechenden Reden der Feier eine besondere Färbung gab. Am Borabend des Festes ftanden vor fast allen Läden große Schlangen. Auf diese Erscheinung gehen auch einige Sowjetblätter ein: diese Ansamm lungen seien weniger durch wirklichen Warenmangel zu erklären als durch die psychologische Einstellung" der Massen. Zehn Jahre Polenstaat. Die Nichtpolen feiern nicht mit. mit alleiniger Die Nachfolgeftaaten des Weltfriegs haben mit alleiniger Ausnahme Deutschösterreichs- das eine gemeinsam, ihre Minderheitenvölker mit dem Staat zumeist nicht verföhnt, sondern in tiefste Unzufriedenheit mit ihm getrieben zu haben. Wie das Zehnjahrjeft der Tschechoslowakischen Republik von den Nichitschechen gemieden murde, so geht es erft recht auch in Polen. An der Festfißung des Sejms am 10. November merben bie nationalen Minderheiten nicht teilnehmen. Die Graftionen der Utrainer und ber Weißruffen werden dies dem Sejmmarschall schriftlich bekanntgeben. Die deutsche Fraktion hat folgendes geschrieben: Die deutsche Minderheit aner fennt stets, daß der polnische Staat sein Eigengepräge durch das polnische Rolf erhält, doch bemeisen die Maßnahmen der Gefeß gebung und der Berwaltungsbehörden und auch die Kundgebungen polnischer Regierungsvertreter, daß die Deutschen als uner. wünschter Fattor im Staatsleben betrachtet werden; man begegnet ihnen entweder mit Ignorierung ihrer Eristenz und ihres Heimatrechts oder mit Duldung und attiver Förde rung des gegen das deutsche Boltstum gerichteten Bernich. tungsmillens. Die Deutschen in Bolen sind fern davon, lich gegen die Staatsautorität aufzulehnen und die deutschen Schulfinder merden daher zu den Schulfeiern am 10. Nonember fommen. Die deutsche Gejmfraftion jedoch sieht sich außerftanbe, an der Festigung des Gejms teilzunehmen, ba trog ber in ber Verfassung enthaltenen Zusicherungen und ungeachtet der internationalen Berträge die Parole der Entbeutschung des Landes weiterhin bestimmend geblieben ist. Die deutsche Fraftion gibt ber Ueberzeugung Ausdrud, daß der 3mang ber unaufhaltsamen Ent midlung des Rechts die Ketten der geistigen Knechtschaft sprengen wird und daß Bolen dasselbe, was es für das Polentum in anderen Staaten fordert, auch den Deutschen in Polen wird gewähren müffen. Die ukrainische Bewegung. Die blutigen Borfälle in Oftgalizien find im Sejm in Barschau besprochen worden. Eine herausfordernde Rede des Innenministers General Stlabtomsti beantworteten die Ufrainer nach stürmischen Szenen mit dem Gesang ihrer Nationalhymne. Der Führer des Regierungsblods, Oberst Slomit, beleidigte den allgemein hochangesehenen polnischen Sozialisten Dr. Maret Krafau in gemeiner Weise, was neuen Krawall hervorriej. Das Lemberger Utrainerblatt„ Rownj Tichas"( Neue Zeit) teilt mit, daß der von den ukrainischen Institutionen erlittene Sachschaden in die mit lionen geht. In der zerstörten Buchbinderei des Kulturver: bandes Broswita" find alte Manuftripte von unschab barem Wert verloren gegangen, die Eigentum des ukrainischen Nationalmuseums in Lemberg waren. Die Verschleppung Roffis. Bern, 9. Rovember.( Eigenbericht.) Der Bundesrat teilt mit, daß er den Notenmechsel mit Italien anläßlich der Roffi- Affäre für abgeschlossen betrachte. Als positives Ergebnis hat die Schmeiz die Abberufung eines Be amten der italienischen Gesandtschaft in Bern und die Aus= weisung von zwei italienischen Spizeln zu verzeichnen. Der Beamte leitete den faschistischen Nachrichtendienst in der Schweiz. Die Beigerung Rome, die an der Berhaftung Roffis beteiligten italienischen Bolizeibeamten und die Behörde, die den italienischen Spigeln falsche Bäffe ausgestellt hat, zu desavonieren, muß der Bundesrat hinnehmen. Bauernregierung in Rumänien. Keine Fortsetzung des alten Regimes! Butareft, 9. November.( Eigenbericht.) fchafter in London und oftmalige Außenminister der Junterregle Der mit der Regierungsbildung beauftragte rumänische Bote rungen, Titulescu, hat seinen Auftrag an den Regentschaftsrat als gefcheitert zurüdgegeben. Am Nachmittag wurde Maniu, der Führer der National- und Bauernpartei, vom Regentschaftsrat mit der Kabinettsbildung beauftragt. Danziger Bolfsentscheide. Leber Berfaffungsänderung. Danzig, 9. November.( Eigenbericht.) Der Bottstag nahm die entscheidende Schlußabstimmung über die duráj das Boltsbegehren eingeleitete demokratische Berfassungsänderung vor. Da die Kommunisten sich in Gemeinschaft mit den Deutschnationalen der Stimme enthielten, wurde die erforderliche Anwesenheit von zwei Dritteln der Abgeord netenzahl nicht erreicht. lleber den Entwurf fommt es nunmehr zum Bolfsentscheid. Inamischen hat auch das von den Rechtsparteien durchgeführte Boltsbegehren über eine reattionare Berfassungsände. rung die erforderlichen 21 000 Einzeichnungen aufgebracht. Diefer Entmurf wird ebenfalls im Boltstag zur Abstimmung kommen. Da er teine Aussichten auf Annahme hat, wird er ehenfalls einem Bolfsentscheid unterliegen. Die erforderliche Mehrheit beim Boltsentscheib beträgt 107 000 Stimmen. der Philippinen die Iagalen. Bei einem Kampf mit der Polizei Auch Nordamerita beherricht 2liaten, und zwar auf den Inseln murben zwei Eingeborene getötet, piele verwundet; auch mei Enibaten und ein Bolizist. Ursache des Rampfes foll Ungu friedenheit über zwei Verfügungen sein, die die Erhebung der Steuern und den Schulbesuch regeln, Unternehmersturm gegen den Staat Nach den Eisen: die Zementbarone. Für die Thüringer 3ementinbustrie ist ein Schieds Spruch gefällt worden, der den bereits am 30. September 1928 ab= gelaufenen Manteltarifvertrag mit verschiedenen Abänderungen, die Den Verhältnissen etwas mehr Rehmung trugen, wieder in Kraft jezte und eine Neuregelung der Löhne brachte. Die Unternehmer lehnten den Schiedsspruch ab, die Arbeiter nahmen ihn an und beantragten Verbindlichfeitserflärung. Diese wurde am 18. Oftober ausgesprochen. Damit maren in der Thüringer Zementindustrie die Tarifverhältnisse neu festgelegt. Bas geschah aber? Die Unternehmer fetzten sich über Recht und Gefeß hinweg, wie folgende Bekanntmachung zeigt. Sie murde allen Arbeitnehmern zugesandt, von denen die Leitung des Brüssing Konzerns annimmt, daß sie Mitglieder der freien Gewerkschaften sind, und lautet in ihrem Hauptteil: ,, Denjenigen Belegschaftsmitgliedern, welche dem Fabritarbeiter verband, dem Deutschen Metallarbeiterverband oder dem Zentral verband der Maschinisten und Heizer als Mitglieder angehören, teilen mir hierdurch mit, daß wir mit Wirkung von heute ab aus dem Arbeitgeberverband der Thüringer Zementindustrie ausgetreten sind und daß wir mit sofortiger Wirkung die Arbeitsver träge mit den Angehörigen der genannten drei Gemerki haften auffündigen. Dabei beziehen wir uns auf das Urteil des Reichs arbeitsgerichts vom 8. Februar 1928( RAG. 68/1927). Wir beab fichtigen, unsere Belegschaft von morgen ab zu den von uns bis zu der Berbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche gehandhabten Arbeitsbedingungen( Mantel und Löhne) zu beschäftigen. Den gefündiglten Arbeitnehmern bieten wir an, bei uns ebenfalls inter diesen genannten Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Diejenigen Gefündigten, die diesen Borschlag nicht annehmen wollen, fönnen in den Tagen vom 31. Oftober bis 2. November 1928 ihre Papiere und ihre Schlußlohnredynung in Empfang nehmen. Infolgedeffen gilt für jeden unserer Arbeiter, der die Arbeit fortsetzt, Der Verband der Fabritarbeiter Gau Thüringen in Erfurt die federführende Organisation ehielt vom Arbeitgeberverband der Thüringer Zementindustrie ein Schreiben, morin mitgeteilt mird, welche Werke aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten sind. Die genannten Werfe stellen so ziemlich den ganzen Arbeit geberverband für die Thüringer 3ementindustrie dar. Die Belegschaften haben sofort in Betriebsversammlungen gegen die Maßnahmen der Arbeitgeber Stellung genommen. Sie betra hten die Kündigungen als rechtsunwirksam und halten ihre Ansprüche aus dem Schiedsspruch aufrecht. Mit den Sementbaronen wird das Reichsarbeitsministerium ist von den Borgängen bereits unterrichtet ein sehr ernstes Wort gesprochen merden müssen. Sie glauben, wem fie fich über Recht und Gesetz hinwegsetzen, von dem Tarifverhältnis mit den freien Gemertschaften Loszukommen. Sie diftieren einfach und ver langen, daß die Arbeiterschaft sich ihrem Dittat fügt und unter den Bedingungen des ebenfalls dittierten Werfvertrags, den sie mit den Gelben abgeschloffen haben, arbeitet. Die Staatsautorität wird mißachtet. mobei Der Dreh, aus der Organisation einfach auszutreten wir es dahingestellt fein laffen, ob ein folher Austritt von heute auf morgen nach den Gaßungen zulässig ist-, um sich von den Pflichten des Tarifvertrags freizumachen, ist überschlau. Ob die einzelnen Werte besser fahren werden, wenn sie jedes für sich die ganze Kraft der Gewerkschaft zu fühlen bekommen werden, steht auch auf einem anderen Blatt. An sich aber ist das Borgehen der Thüringer Zementindustriellen bezeichnend für die Stellung der Unternehmer zum Staat. Die Republif mit ihrer paritätischen Wahriehmung der Are beiterinteressen, ihre grundsägliche Stellung zum follettiven Arbeitsvertrag ist den Unternehmern in tiefster Seele ver: haßt. Wenn diese Unternehmer aber glauben, fie fönnen mit einem der von uns angebotene Arbeitsvertrag als angenommen und Federstrich diesen Staat schachmatt jegen und ihre Arbeiter unter verbindlich. ihre Botmäßigkeit zwingen, damn werden sie schnell eines anderen Wir geben vollständig anheim, unser Angebot bis 31. Oftober 1928 belehrt werden. Dem staatsfeindlichen Unternehmeranarhismus muß anzunehmen aber nicht." das Rüdgrat gebrochen werden! Um den Reichstarif der Chemigraphen. sen eit ihrer Arbeitszeit an den Generatoren tätig find: Gruppen, sofern sie ausschließlich ober den überwiegen Teil Das Verhandlungsergebnis in Berlin abgelehnt. Seit 25 Jahren sind im Chemigraphie, Kupfer, Licht und Tiefdrudgewerbe die Arbeitsverhältnisse tariflich geregelt. Ob es im 26. Jahre genau so bleiben wird, ist eine Frage, die sich in den nächsten Wochen entscheiden wird und die nicht zuletzt van der meiteren Haltung der Unternehmer abhängt. In den Verhandlungen, die fürzlich in Hannover geführt wurden, ist es zu einer Berständigung beider Parteien über den Neuabschluß des am 31. De zember ablaufenden Reichstarifes nicht gekommen. Die Gehilfen schaft hatte einige Abänderungsanträge zum Tarif gestellt, mie 3. B. in der Frage der Arbeitszeit, der Ueberstundenregelung, der Irlaubsgewährung usw., die aber von den Unternehmern dahin be antwortet wurden, daß der jezige Tarifvertrag so vollkommen fei, daß es an ihm nichts mehr zu ändern gabe. Troß des energischen Widerspruchs der Verhandlungstommiffion waren die Unternehnter zum Aufgeben ihres ablehnenden Standpunktes nicht zu bewegen. Die Verhandlungen beschränkten sich dann bald nur noch auf den fogenannten Organisationsvertrag innerhalb des Tarifvertrages, der den Gehilfen untersagt, bei Unternehmern zu arbeiten, die nicht einem der vertragschließenden Arbeitgeberverbände angehören und umgekehrt die Unternehmer perpflichtet, nur solche Gehilfen einzustellen, die im Verband der Litho graphen und Steindrucker organisiert sind. Die Verhandlungskommission der Gehilfen war bereit, trog vieler Bedenken diese Klausel wieder in den Bertrag aufzunehmen, menn der Gehilfenschaft ein Mitbestimmungsrecht bei der Preiskaltulation eingeräumt und vor allem die Lehr lingszufuhr durch Berminderung der Lehrlingszahlen verringert werde. Das lehnten die Unternehmer glatt ab. Ihr letztes Angebot" war, den Tarifpertrag ohne die Zwangsorganisationstlaufel, aber auch ohne jede Verbesserung auf ein Jahr zu verlängern.. Dieses negative Verhandlungsergebnis wird jezt vom Vorstand des Berbands der Lithographen und Steindruder zur Urob stim= mung gestellt. Die Berliner Chemigraphen, Kupfer, Licht und Tiefbruder nahmen am Donnerstag in einer überfüllten Bersammlung im Gemertschaftshaus dazu Stellung. Wie nicht andes zu ermarten mar, lehnte die Bersammlung nach einer verhältnismäßig furzen Diskussion in geheimer Abstimmung das An. gebot der Unternehmer fast einstimmig a b. In den übrigen Städten dürfte das Abstimmungsverhältnis nicht anders ausfallen. Wie sich die überaus ernste Situation meiter entmideln wird, hängt, wie schon Eingangs erwähnt, von der weiteren Haltung der Unternehmer ab. in Betrieben der Gummiindustrie: Arbeitnehmer in der Gummischleiferei und Lacksprigerei, sofern nicht für genügende Absaugevorrichtungen gesorgt ist: ferner die Arbeiter in den Mischräumen, soweit nicht Einrichtungen ge troffen sind, um Schädigungen der Gesundheit der Arbeitnehmer durch die zur Mischung verwandten Stoffe zu vermeiden; die Arbeitszeit der unter die Bekanntmachung vom 1. März 1902, betr. die Einrichtung und den Betrieb gewerblicher Anlagen zur Bulfanifierung von Gummimaren fallenden Arbeiten darf auch unter Anrechnung anderer Arbeiten acht Stunden täglich nicht überschreiten; in der Kunstseideindustrie: Arbeitnehmer an Sulfidier. fesseln und am Spinnbade, sofern nicht ausreichende Borrichtungen zur Absaugung der Schwefeltohlenstoff- und Schwefel wasserstoffdämpfe vorhanden sind; die Blellöter in der dheinischen Industrie; in Reparaturwertstätten der chemischen Industries Repara turhandwerker, soweit diese unter den gleichen Vorausjegun gen, und zwar während des überwiegenden Teiles ihrer Schicht mit Reparaturarbeiten in Betrieben beschäftigt werden, in denen die übrigen Arbeiter dem§ 7 der A3B. unterstellt sind; die Arbeiter in den Thomasichladenmühlenanlagen; in Karbidbetrieben: Dienarbeiter und karbidab stecher, sofern nicht durch technische Einrichtungen die durch Size und Strahlung entstehende Gefährdung der Gesundheit beseitigt wird; in den Chromjäure- und Altalichromatbetrieben die Arbeiter, die an den Handschmelzöfen beschäftigt sind; in Phosphorbetrieben diejenigen Arbeiter, die mit Ab füllung des gelben Phosphors an den Phosphor öfen, feiner Kondensation, feinem Transport und der Einfüllung in die Kalzinieröfen beschäftigt find; in den Betrieben zur Herstellung von fünftlichem Stifftoffdünger: die Arbeiter in den Lagerfilos; ferner die Arbeiter in Chromfarbenfabriken. Diefe 60 Hochöfen find nunmehr familie ausgebfefe Was das bezüglich der deutschen Gesamtproduktion an Eisen Stahl bedeutet, ergibt sich aus einem Bergleich der in ander r. Bezirten vorhandenen Hochöfen. Den 106 Hochöfen Rheinlan Westfalen stehen nämlich nur noch 30 Hochöfen im übrigen Deut land gegenüber. Mon fann also wohl sagen, daß gut zmei Drit der deutschen Hochofenproduktion nunmehr lahmgelegt ist. Bezüglich der Betriebe der Sprengstoff- und Bulverindustrie empfiehlt der Ausschuß, daß der Erlaß des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe und des Preußischen Ministeriums des Innern vom 25. Mai 1925, betreffend Berbot der Akkord arbeit und der leberschreitung des Achtstundentages in den Sprengstoffabriten, auf jämtliche Betriebe im Deutschen Reich ausgedehnt wird. Schiedsspruch im Friseurgewerbe. Die Mitglieder des Arbeitnehmerverbandes des Frise gewerbes nahmen am Donnerstag zu dem vom Schlichtungsau schuß gefällten Schiedsspruch Stellung. Namens der Tariffommiffi berichtete Bumblat eingehend über die Verhandlungen. Be auch der Spruch alle Bünsche bezüglich befferer Regelung der 1 beitszeit unberücksichtigt laffe, so empfehle er doch Ramens Verwaltung die Annahme. Nach dem Spruche erhöhen fich Urlaubstage nach zwei Jahren um einen, nach drei Jahre um zwei und nach fünf Jahren um drei Arbeitstage. Auch die ftimmungen des Schlichtungswesens haben eine andere Regelu Die Mindestlohne für Herrenfriseure sind erfahren. 5. November auf 38 Mart und ab 1. April 1929 auf 40 M Rolle wöchentlich festgesetzt worden. Der Manteltarif läuft bis ihre 30. September 1930. Das Lohnabkommen bis zum 30. Septemb 1929. Nach eingehender Diskussion wurde der Vorschlag der Be inner waltung angenommen. Sollte dies bis 30. Juni 1929 nicht zu erreichen sein, so empfiehlt der Ausschuß dem Reichsarbeitsminister, nach Anhörung des Reichsmirischaftsrats eine entsprechende. Reichsverordnung zu erlassen und dabei auch zu prüfen, ob die Betriebe zur Herstellung von Feuerwertstörpern und zur Herstellung und Berarbeitung von Schwarz- und Jagdpulver der Berordnung Verzeichnis zum§7 der Arbeitszeitverordnung zu unterstellen find. Borschläge des Gozialpolitischen Ausschusses. Der Sozialpolitische Ausschuß des Borläufigen Reichswirtschaftsrats beschäftigte sich in seinen Sigungen am 6. und 7. November mit den Berichten des Arbeitsausichujies zur Beratung des Entwurfs eines Verzeichnisses zum§ 7 de r Arbeitszeitverordnung über die Anwendung des§ 7 diefer Berordnung auf eine Reihe von Betriebszweigen. Der Ausfchuß beschloß nach eingehender Aussprache, der Reichsregierung vorzuschlagen, in das Berzeichnis zum§ 7 der Arbeitszeitverordnung aufzunehmen: In Leerdeftillationen die Arbeiter, die auf dem Pechhof und in der Naphtalintammer beschäftigt werden; in Gasgeneratorenanlagen der chemischen Industrie die Arbeiter, die mit dem Abstich und dem Transport der Schladen beschäftigt werden, sowie Fullbodenarbeiter, insoweit die Füllung nicht automatisch erfolgt, beide Bezüglich derjenigen Betriebe der chemischen Industrie, deren Unterstellung vom Ausschuß nicht behandelt worden war, wurde folgende Entschließung angenommen: Der Reichswirtschaftsrat gibt der Anschauung Ausdrud, daß etwaige spätere Ergänzungen der unter§ 7 zu stellenden Betriebe oder Arbeitergruppen der chemischen Industrie nur durch Berordnung des Reichsarbeitsministers nach Anhörung des Reichswirtschaftsrats erfolgen sollen." 60 Hochöfen ausgeblafen! Effen, 9. November. Ein gewerkschaftliches Arbeitsprogramm. Mod bahn Sta Schu amet ( Mi Die Berliner Ortsgruppe des 3entralverbandes de Angestellten hat jetzt einen neuen Weg beschriften, um ih Mitglieder und Funktionäre auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen um Sie hat vor furzem jedem Mitglied ein Programmbeit zug ſtellt, das in übersichtlicher Form alle Veranstaltungen enthält, b für das vierte Quartal d. 3. vorgefehen find. Jedes Mitglied un jeder Funktionär erfährt dadurch schon einige Wochen oder soga Monate vorher, für welche Bersammlungen, Konferenzen ode sonstigen Beranstaltungen er fich freihalten muß. fchiff merti Rou einig Leid Eife cine In diesem Programmheft find jedoch nicht nur die allgemeine mad Funktionär, Mitglieder-, Bezirks- und Fachgruppenversammlungen bie angezeigt, sondern auch die Herbstwanderungen, die Veran Schr staltungen der Jugendgruppe und die Bildungskurse de Organisation. Gerade dieser lekte Abschnitt zeigt, in wie große meto Maße der Zentralverband der Angestellten nicht nur für die ge wertschaftliche Schulung seiner Mitglieder sorgt, sondern auch fi den berufskundlichen Arbeitsgemeinschaften werben die Erweiterung und Vertiefung ihres beruflichen Wissens. Fragen der Sozialpolitit, des Handels, Gesellschafts: und Steuer rechts behandelt, Unterricht in der Buchführung, Materialkunde mieg Plakat und Rundschrift, Stenographie und in fremden Sprache Bal erteilt usw. Hinzu kommt eine Anzahl Besichtigungen voroich Kraftwerken, Funtstationen und anderen sehenswerten Einrichtungen vies Die Mitglieder des 3dA. werden die Herausgabe diefes Programm pre heftes bestimmt begrüßen und es nicht wieder missen wollen. Wie der Deutsche Handelsdienst meldet, sind von den im Aus sperrungsbereich, d. h. also im Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller vorhandenen Forderungen der englischen Bergarbeiter. London, 9. November. Gen 3 c riur ( is fit fpez retr in t Der Vollzugsrat der englischen Bergarbeitergemerfichait hatte Fon Freitag im Bergbauministerium eine Aussprache mit dem Stellver siffe treter des Arbeitsministers. Die Wünsche der Gemertschaften laufen im wesentlichen auf fünf Forderungen hinaus: 1. Wiederherstellung des Achtstunden- Arbeitstages. 2. Sicherstellung aller Bergarbeiter über 60 Jahre durch bestimmte Abgaben auf jede geförderte Toure Kohle und Staatszuwendungen, 3. Ausschluß von Personen unter 16 Jahren. 4, Berpflanzung arbeitsloser. Bergarbeiter aus den not Tur leibenden Bezirken.in andere Gebiete. 5. Echarfe gefeßliche B Län fchränkungen für die Aufnahme von Arbeitern aus andern In neu dustrien in den Bergbau. Alu 100. Die ein Der Vertreter des Arbeitsministers wies in seiner Erwiderung darauf hin, daß die Regierung die Notwendigkeit des nationalen Zusammenschlusses erfenne und fie fördere. Die Zeit für inter nationale Abkommen sei noch nicht gefommen, folange Hoffnungen beständen, die ausländischen Märkte in größerem Umfange als bisher für die britische Bergbauerzeugnisse zurüd zugewinnen. Die Wiedereinführung des Achtstundentages maje die Regierung ablehnen. Dagegen verspreche sie sich günstige Di Birkungen non den Fortschritten der wissenschaftlichen Arbeiten für die Ausnutzung der Kohle. Die gro Er es Für die Kölner Kraftfahrer wurde ein Schiebsfpruch ge fällt, der einen Wochenlohn von 30 bis 33 m. plus 10 Pro3. der al Bruttoeinnahme vorsteht. Die Arbeitszeit soll täglich 12 Stunden Id betragen. Wöchentlich sollen Tag und Nachtschicht wechseln; ebenso soll ein freier Tag in der Woche gewährt werden. Die Neuregelung ni bedeutet eine Lohnerhöhung von 3 bis 4 M. pro Woche. Die Ar beiter haben den Schiedsspruch angenommen, die Unternehmer abgelehnt. Die Organisation hat Berbindlichkeitserklärung beantragt. Achtung, AEG., Zurbine! Am Montag, 12. November, 15 Uhr, bei Dehlschläger, Berlichingenstr. 3, Fraftionsfigung aller SPD.- Ge noffen. Tagesordnung sehr wichtig. Bollzähliger Besuch wird erwartet. Der Frattionsvorstand. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß: Berlin Seute, Connabend, folgende Beranstaltungen: Achtung, Gruppenleiter! Gebt die breffen der Photoamateure und Bibliothefore an. Cüb freis: Areistreffen am Sonntag, 11. Stov., in der Jugendherberge Roen. Treffpunkt der Gruppe Güdosten um 7½ the Potsdamer Bahnhof. Treffpunkt der Gruppe Südwesten um 7 Uhr Görliger Pahnhof Boranzeige! Bu fammenkunft der Referenten und Gruppenleiter am Montag, 12. November, im Jugendheim des Deutschen Berkehrsbundes, Engelufer 24-25, Aufgang B, parterre. Juaendaruppe des Zentralverbandes der Anaeffellten Heute, Connabend, findef um 19 Uhr eine Revolutionsgebeutleier in der Aula bes Leibniz- Gymnasiums, Mariannenplas, statt. fit, Rezitationen, Ansprache. Sprechcor:„ Der Morgen" von Karl Bröger. Eintritt gegen Borgeigung des Mitgliedsbuches frei. Berantwortlich für Tolitif: Dr. Curt Gener: Birtschaft: 6. Alingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: r. Eglora; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lotalcs and Sonstiges: Fri Rarfläbt: Anzeigen: Tb. Glede. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag Gm. b S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet Co. Berlin G 68. Lindenstraße 106 Hochöfen vor der Arbeitsaussetzung 60 in Betrieb gewesen. und Berlansanfall aul Singer u Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen": HERBST- HAUSTRINKKUREN MIT NATÜRLICHEN HEILQUELLEN Zu beziehen durch sämtliche Apotheken und Drogerien. Prospekte, Auskunft durch die Hauptniederlage Brunnenvertriebs- AG., Berlin SW 61, Yorckstr. 59 Telephon: Amt Bergmann 3536-3538, 6177, மாரஷ் D bie de f Ie hi ne 3 In FOX afe It benr. 533 45. Jahrgang nlar euti Drit ife saus 211 15 b b obro mb 25 2. Beilage des Vorwärts Das Elektron- Metall. Leicht: gegen Schwermetalle- Chemische statt Montanindustrie Neues Monopol der JG.- Farben. Unser Zeitalter ist eisern, seit Jahrhunderten und Jahrtausenden. I an der Luft erhitzt, so entzündet es sich sehr leicht und verbrennt mit och immer sind alle unsere Werkzeuge, Geräte, Maschinen, Eisen einer meißen, sehr stark leuchtenden Flamme. Es wird aber sofort bahnen, Schiffe, Krane usw. in der Hauptsache aus Eisen und zu einem sehr brauchbaren und abfolut feuerfesten Metall, wenn es elu Stahl, aus Schwermetall. Neben Eisen spielen als weitere mit anderen Bestandteilen vermischt wird. Die wichtigste Legierung Schwermetalle Kupfer, Blei, 3inn, 3int und nidel eine ist das bereits erwähnte Elettrometall. Es besteht zu etwa Ma Rolle; ihren anderen chemischen Eigenschaften entsprechend ist auch vier Fünfteln aus Magnesium, den Rest bildet in der Hauptsache ihre Berwendung eine andere als die des Eisens. Aluminium, doch finden sich daneben noch geringe Zuschläge von Be Die Schwermetalle herrschen jedoch nicht mehr unumschränft; Kupfer, Mangan, Nidel, 3inf und Silizium. Die Zugfestigkeit des ihnen beginnen die Leichtmetalle Konkurrenz zu machen, insbesondere Elettrommetalls ist noch höher als die des Aluminiums. Es ist mei: Aluminium und Magnesium sowie Legierungen amar gegenüber Basser und Bafferdampf night befonders haltbar, ( Milchungen) diefer beiden Metalle mit anderen Stoffen. mohl aber im Gegensatz zum Aluminium gegenüber Laugen und Gäuren. Das Metall ist sehr elastisch, nicht porös und tann leicht bearbeitet werden, man fann es viel leichter als etwa Eifen hämmern, malzen, feilen, polieren ufm. 1. be Eibr joga Woher die Verwendung von Leichtmetallen? Die Ursache ist die Leichtigkeit. Je leichter das Gewicht, cije um fo geringer die Betriebstoften, fagt Henry Ford. Im Bau von Motoren, Automobilen, Flugzeugen, Luft. Schiffen werden darum Leichtmetalle in zunehmendem Umfang ver, mendet. Selbst im Eisenbahnbau fangen. Leichtmetalle an, eine Rolle zu spielen, man hat Versuche und Anfänge damit in den Vereinigten Staaten, in Frankreich und jetzt auch in Deutschland geeiner macht. Sonstige Verwendungsgebiete sind die optische Industrie, nge die Herstellung von Haushaltsgeräten aller Art, Herstellung von ran Schreibmaschinen und Uhren usw. ode e der Вен ge Don tgen mm Um die Borteile und die Bermendungsfortschritte der Leicht metalle ziffernmäßig farzumachen: Französische Eisenbahnzüge mit Leichtmetall Bestandteilen wiegen nur 60 Broz. der vollständig aus Cijen gebauten. An sich beträgt jedoch das Leichtmetallgewicht nur rber cinen Bruchteil des Schwermetallgewichts. Man sagt: das spezifische suer Gewicht des Eisens beträgt fast 8, d. h. ein Rubitzentimeter Eisen inde miegt beinahe 8 Gramm, während bekanntlich ein Rubitzentimeter theaffer nur 1 Gramm miegt. Dagegen beträgt das spezifische Ge roicht des Aluminiums nur 2,7, d. h. ein Kubitzentimeter Aluminium iegt nur 2,7 Gramm. Beim Elektronmetall, von dem mir noch fprechen, ist das spezifische Gewicht sogar noch geringer: mur 1,8. Die machsende Bedeutung geht schon aus den gesteigerten Berbrauchsziffern hervor. Der Weltverbrauch von Alumirium stieg von 66 000 Tonnen 1913 auf etwa 200 000 Tonnen 1927. sift also etwa eine Berdreifachung eingetreten. Bergleichsweise T. fi bemerkt, daß die Roheisenproduktion der Welt 1913 faft 80 Mil atte lonen Tonnen betrug, 1926 etwas weniger. Aus diesen Bergleichs per ziffern geht hervor, daß selbst bei Berücksichtigung des geringen afen fpezifischen Gewichts des Aluminiums gegenwärtig die Leichtmetall retmenbung gegenüber dem Eisen immer noch gering ist und noch in den ersten Anfängen stedt. ung iter une nter Es ist aber fein Zweifel, daß die Leichtmetallentwid not fung eine große 3utunft für sich hat. In zahlreicher Ländern, Jo in Spanien, Italien, Ungarn, auch in Rußland werden 3n neue Aluminiumwerte gebaut oder geplant. Der amerikanische Aluminiumtrust errichtet auf kanadischem Gebiet eine Riefenanlage, oo. jährlich 100 000 Tonnen Aluminium hergestellt werden sollen. Die zunehmende Berwendung der Leichtmetalle bringt aber zugleich nge eine wichtige Berschiebung mit sich: ung ien er itie ige ten Heber die Bermenbungsmöglichkeiten bestanden bis por turzem geteilte Meinungen. Vor einigen Tagen wurde bekannt, daß die J. G. Farbenindustrie zusammen mit der Deutschen Verfuchsanstalt für Luftfahrt das Elektronblech für den Flugzeugbau jahrelang mit Erfolg ausprobiert hat. Das Ergebnis ist, daß sich dies Metall bei Landflugzeugen für Berkleidungen des Motors, des Sonnabend, 10. November 1928 Kühlers usm., für die Herstellung von Flugzeugrädern, Propeller= hauben usm. sehr gut bemährt haben soll. Dies geht auch daraus hervor, daß die J. G. Farbenindustrie schon heute Elektronblech an eine große Anzahl deutscher Firmen, ferner an die Stodamerke in der Tschechoslomakei, an eine italienische Firma usm. liefert und daß fie in Berhandlungen über größere Lieferungen an zwei französische Flugzeugfirmen steht. Als vor einiger Zeit die Aluminiumpreise herabgesezt wurden, hat die 3. G. Farbenindustrie auch den Preis für Elektronmetall sofort start zurückgesetzt. Der einzige Produzent für dies Metall ist die Firma Griesheim Elektron, die bekanntlich ein Bestandteil des arb entrusts ist. Diese Firma besitzt als einzige das Batent zur Durchführung des Herstellungsverfahrens. Dieser Broduktionszweig bedeutet schon deswegen für die J. G. Farben industrie einen besonderen Borteil, weil magnesiumhaltige Salze verwendet werden, die als Nebenprodukte bei der Kaliverarbeitung entstehen; doch ist auch sonst Magnesium nicht schwer erhältlich. Mant hat festgestellt, daß im Durchschnitt die gesamte Erbrinde zu 3,5 Proz aus Magnesium besteht, daß also praktisch die Magnesiumvorräte der Erde fast unerschöpflich groß sind. Benn auch vorläufig die Montanindustrie die Konkurrenz der Leichtmetalle noch nicht ernstlich zu befürchten braucht, so ist es doch technisch möglich, einen sehr erheblichen Teil des heute permendeten Eisens durch Leichtmetalle zu ersetzen. Gerade weil die Aussichten der Leichtmetalle und speziell des Elettrommetalls so groß sind, ist es von wachsender Bedeutung, daß die Herstellung eines fo michtigen Stoffes von vornherein von einem einzigen Trust monopolisiert worden ist. Zugleich ist dieser Borgang ein Beispiel dafür, in melchem limfang immer mehr wichtige Produktionsgebiete bei der chemischen Großzindustrie tonzentriert werden. Schwarzkopff sammelt Gewinne. 4 Auf Verteilung von Dividenden demonstrativ verzichtet. Der Geschäftsbericht der Berliner Maschinenbau 2. G. vorm. 2. Schwarztopff zum 30. Juni 1928 ist jetzt veröffentlicht. Die Schwarzkopff Bilanz ist für Berlin immer wichtig. Dies liegt an der Größe des Betriebes. Daß Schmarzkopff darüber hinaus in der deutschen Lokomotivenindustrie eine führende Stellung einnimmt, daß die Lokomotivenindustrie wegen der übersteigerten Leistungsfähigkeit jest endgültig große Zusammenlegungen vor. nehmen muß, daß lange herumgeraten worden ist, ob Schwartzkopff wie im Vorjahre cine Dividende verteilt oder nicht, das macht ben diesmaligen Geschäftsabschluß für die Deffentlichkeit besonders intereffant, Das Unternehmen, das einmal, wie Borsig, aus fleinen Anfängen durch den ständig wachsenden Weltbedarf an Lokomotiven groß geworden war, und dann durch den Torpedobau an den Riesenaufträgen der deutschen Rüstungsindustrie vor dem Kriege in erheblichem Maße profitieren konnte, sah sich nach dem Kriege zu einer weitgehenden Umstellung gezwungen. Eine zweite Umftellungsperiode für Schwarzkopff fegte nach der Inflation ein, als die laufenden Serienaufträge für den Lokomotivbau aus dem Auslande und von der Reichsbahn aufhörten. Schneller als die meisten anderen Betriebe gleicher Art hat Schwarzkopff durch die Aufnahme neuer Probuftionszweige diese Aufgabe gelöft. So fam es, daß Schwarzkopff auch in der Krisenzeit seit 1924 die Minderbeschäftigung in den Stammwerfen durch Bollarbeit in den neuen Produktionsstätten ausgleichen konnte. ein wachsender Teil der Metallgewinnung wandert von der Montanindustrie zur chemischen Großinduftrie. Die Leichtmetallproduktion bedarf feiner Hochöfen, feiner Kohle; vielmehr find große chemische Anlagen notwendig, die einen sehr großen Bedarf an elettrischer Energie haben. Durchweg ist die Errichtung mit hohen Produktionskosten verknüpft, ein Umstand, der größenteils erklärt, warum die Produktion der Leichtmetalle in er ellen Ländern auf ein oder zwei große Gefell- friebsjahr nichts zu tun, sondern ist nur eine Demonstration der Berhaften tonzentriert ist. ge Den чет gt. es bie der 3 ατήρ In Deutschland stammen z. B. 80 Proz. des erzeugten Aluminiums aus Unlagen, die dem reichseigenen Biagkonzern gehören, reftlichen 20 Pro3. entfallen größtenteils auf eine Anlage, an wei chemische Gesellschaften interessiert sind, nämlich die J. G. Farbenindustrie und der Metallbanttonzern. Reben Aluminium werden eine Anzahl Aluminium legierungen verwendet, so z. B. Aludur, Duralumin, Lautal um., alles Metalle, bei denen Aluminium den Hauptbestandteil bildet, die aber außerdem Zuschläge anderer Metalle( Eisen, Magnefum, Rupfer, 3int ufm.) enthalten. Außerdem fängt seit einiger Beit auch Magnesium an, eine größere Rolle zu spielen. MagRefium ist ein sehr leichtes, hellglänzendes Metall, das durch ElektroInfe" aus verschiebenen Verbindungen, in denen es in der Natur borfommt( Dolomit, Magnesit usw.), gewonnen wird. Wird es r! にて 、 B CITANA ft Schmarklopff hat im vorigen Jahre 6 Proz. verteilt. Diesmal läßt Schwarzkopff die Dividende ausfallen. Dieser Dividendenausfall hat aber mit einem schlechteren Ergebnis für das abgelaufene Bewaltung. Die Gewinne für 1927/28 fonnten im Gegenteil noch gefteigert werden. Während bei erhöhten Umfäßen die Generaluntosten mit 2,9 millionen ft a biblieben, wuchs der Be triebsüberschuß um 400 000 m. auf 4,7 Millionen. Obwohl die Abschreibungen auf die Wertsanlagen um mehr als 300 000 m. auf über eine million heraufgeschraubt wurden, wird ein mit 0,73 mill. Mart noch etwas erhöhter Reingewinn als im Borjahr ausgewiesen. Einschließlich des Gewinnvortrages aus dem legten Jahr und unter Ansehung normaler Abschreibungen wäre Schwarklopff in der Lage gewesen, seine Borjahrsdividende von 6 Broz. auf mindestens 7 Broz. zu erhöhen. Abgesehen von neuen Zugängen an Maschinen in Höhe von 1,3 Mill, Mart, die Schwarklopff wie gewöhnlich aus Ueberschüssen bezahlte, und nicht auf Krebit nahm, haben sich die Anlagewerte in der Bilanz nicht wesentlich verändert. Die Schulden fonnten die Gesellschaft im Laufe des letzten Jahres ganz erheblic) non 7,7 auf 6 Mill. fenten, so daß auch die Geldverhältnisse des Unternehmens bei einem Bestand von mehr als 8,5 Mill. Forderungen und Bank guthaben erheblich verbessert sind. Vorräte und in Arbeit befindliche Aufträge sind um 1,6 auf weit über 7 Mill. angewachsen. Die Schwarzkopff- Berwaltung muß in ihrem Geschäftsbericht felbst zugeben, daß sie ein günstiges Betriebsjahr hinter fich hat. Bemerkenswert ist, daß bis auf den Lokomotinbau jämtiliche Abteilungen auch in dem ab 1. Juli laufenden neuen Geschäfts jahr gut beschäftigt sind. An den Aufträgen ist das Ausland start beteiligt. Es ist verständlich, daß sich bei dem tatastrophalen Auftrags mangel im deutschen Lokomotivenbau der Schwarzkopff- Bericht eingehend mit diesem Problem bejaht. So hat nach dem Geschäftsbericht die Gesellschaft während des ganzen letzten Betriebsjahres nur sieben Lokomotiven von der Reichsbahn in Auftrag erhalten, während seit dem Oftober 1927 teine einzige Lokomotive mehr von der Reichsbahn in Bau gegeben wurde. Die Schwarzkopff- Berwaltung, die durchaus den Standpunkt der Reichsbahn teilt, daß eine starte Einschränkung der Fabrikationsstätten im deutschen Cokomotivbau nofimendig sei, bemerft in ihrem Geschäftsbericht nicht mit Unrecht, daß der Plan der Reichsbahn, die Latomotivindustrie pöllig phne Aufträge zu laffen, am schnellsten zu diesem Ziele führe. Die von der Reichsbahn in der Denkschrift vom 20. September gemachte Fest stellung, daß fie bei einem lleberschuß von 1600 Lokomotiven fast drei Jahre ohne neue Bestellungen auskommen fönne, findet dagegen die schärffte Kritik von Schwarzkopff. Die Lösung der schwierigen Frage, wie der deutsche Lokomotivbau wieder zur Gefundung gebracht werden könnte, liegt, wie dies im Auguft bereits von der Reichsregierung und von der Reichsbahn betont wurde, einzig und allein bei der Industrie selbst. Die einzelnen Lokomotivwerte handeln also im eigenen Intereffe, wenn fie die Berständigung und Zusammenfassung untereinander so schnell mie möglich durchführen. Ist die Zusammenlegung in der Lofomotio industrie dann in einem Ausmaß erfolgt, daß die Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe den fünftigen laufenden Jahresbestellungen der Reichsbahn einschließlich eines bestimmten Anteiles an Auslands aufträgen angepakt ist, dann könnte die Frage erwogen werden, ob die Reichsbahn nicht einen Teil ihres fünftigen Bedarfs im voraus bestellt, um der rationalisierten Lokomotivindustrie die Uebergangszeit zu erleichtern. Diese Frage wird aber erst spruchreif, wenn die Lokomotivindustrie ihren Willen zur gründlichen Rationalifierung bewiesen hat. Auch Schwarzkopff muß erst zeigen, daß es ihm seinerseits mit der Durchführung dieser Aufgaben Ernst ist. fitte t, ; MARKE SALP AMANDE DIESE MARKE GARANTIERT besten Sitz und erstklassige Verarbeitung SALAMANDER DAS ERZEUGNIS DER GROSSTEN DEUTSCHEN SCHUH FABRIK Wie fängt man Dumme? Eine Aftion der Deutschnationalen für niedrigere Dünge: mittelpreise. Unsere Forderung nach der Senfung der Düngemittelpreise zu gunsten der Landwirtschaft hat die Deutschnationalen zu einer Gcheinaftion im Preußischen Landtag veranlaßt. Die Deutschnationalen wissen ganz genau, daß die Regulierung der Düngemittelpreise in erster Linie dort erfolgt, mo bie die Düngemittel nerteilenden landwirtschaftlichen Genossenschaften figen, nämlich in den betreffenden Düngemittelfynditaten. Dennoch werden die deutschnationalen Bertreter im Breußischen Landtag gegen die preußische Regierung vorgeschickt, daß diese bei der Reichsregierung darauf hinwirken foll, daß die Preise der Düngemittel gefenft merden. Das sieht gut aus, das fönnte die preußische Regierung ärgern und verpflichtet zu gar nichts. Darum mird diese Aktion von den Deutjánationalen vorgenommen. Die Bauern werden sich aber von den Herren Deutschhnationalen faum täuschen laffen. In der Tat fönnen vor allem die Stickstoffwerfe ganz bedeutend ihre Breise senten und die Kaliinduftrie hat in den fezten Jahren bei riefigen Gewinnen den Lohnanteil so außerordentlich schnell und start fenten fönnen, daß nicht nur eine Senfung der Breise, sondern auch eine erhebliche Berbefferung der Arbeitsbedin gungen möglich wäre. Rentabilität in der Landwirtschaft. schreibt Die Feststellungen des Enqueteausschusses. 3u unserem Artikel Zusammengebrochene Beweise uns Reichstagsabgeordneter Genosse Schmidt- Köpenid: J Bormärts vom 7. November 1928 with die neue Folge der Veröffentlichungen des Enqueteausschusses über die Buch führungsergebnisse in der Landwirtschaft besprochen. Es ist fehr erfreulich, wenn der Bormärts" darauf hinmeist, daß die Beweis traft der Buchführungsergebnisse über die Lage der Landwirtschaft nicht so erheblich ist, wie dies immer von agrarischer Seite behauptet mird. Bor einem Jahr hat der damalige deutschmationale Reichs Landwirtschaftsminister Schiele sich bei jeder Gelegenheit auf die ..unwiderlegbaren Beweise" der Buchführungsergebnisse bezogen. Im Vorwärts" vom 30. Dezember 1927 und 12. Jammor 1928 habe ich darauf hingewiesen, daß die Buchführungsergebnisse sehr fritisch zu merten sind. Daher ist es wichtig, daß der Enquete ausschuß in feinen diesmaligen Schlußfolgerungen auf bie sozial hentofratische Strifif Rücksicht nehmen mußte. JP Borträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". AbGeiättstelle: Berlin G 14, Sebaftianftr. 87/88, Sof 2 t. Bebbing( Drisverein): Conntag, 11. November, non 13-17 Uhr Webung auf dem Sportplag Friedrichsfelde. Montag, 12. Rovem ben: Mitte: 20 Uhr Jungbanner, Sirditr. 18, Bottrog 2. Bach über tüftung". Friedrichshain, Ramerabschaft Petersburg: 19% Uhr Rugverfamm lungen: 1. ug bei Thiele, Ebertnftr. 43; 2. Bug bei Deidert, Matternsir. 1; 3. ug hel Bufch, Tilsiter Str. 27: 4. Bug bei Cule, Wilhelm- Stolze, Ede Bizzbuschitz. 90. Rochhannstraße. Steglit( Romerabfchaft): 20 Uhr Bersammlung bei Schula, Ruberriege: Eonnabend, 10. Rovember, 21 Uhr, Raften. rubern in Moerners Blumengarten, Oberschöneweibe, Ostendstraße.. Freireligiöse Gemelube, Conntag 11 Uhr, Bappefallee 15, Bortrag bes Berrn Dr. A. Rofenberg: Die Entstehung der Moral". Harmonium: Vorfpiel Der Corregidor"( 5. Wolf). Gäfte willkommen. Arbeiter- Cameriter- Bund, c. B., Kolonne Berlin. Monatsverfammlungen baben folgende Abteilungen: Schöneberg: Montag, 12./ November, Lotal Rofen Funkwinkel. that, bersite. 65.- Beißenfee: Montag, 12. Sovember, total tacte, Tottenftr. 3. Areuzberg: Montag, 12. November, Lotal Buhr, Blüchert. Reutöln: Montag, 12. Ronenther, Lofal Schilling, Kirchhofftt. 41. Se borf: Dienstag, 13. November, Turnhalle Roonftraße. Bedding: Diens 18. Rovember, Botal Bellin, Schulstr. 12. Friedrichshagen: Dienstag, 13. pember, 2ola! Busch, Eiffiter Str. 27.- Ablershof: Dienstag, 13. Novem Lofal Biege, Bismardstraße. Röpenid: Donnerstag. 15. Rovember, 2 Stippekohl, Schönerlinder Str. 5. Treptow: Donnerstag, 15. Rovemb Lotal Zehlmann, Graez, Ede Wildenbruchstraße. Charlottenburg: Donn tag, 15. November, 2ofal Reinter, Bilmersdorfer Str. 21. Prenzlauer Be Gonnabend, 17. Rovember, Gdjule Raftanienallee 81-85. Beginn der fammlungen 19% Uhr. Freibenter- Ballshochschule, Berlin E., slanisches Gymnasium, Halle Str. 26. Dienstag, 18. Rovember, 17% Uhr, Bortrag Peter Betroff: Gru gebanten bes Margismus". Bund Entschiebener Schulreformez. Deffentliche Bersammlung Diens 13. November, 19% Uhr, Werner- Siemens- Realgymnasium, Hohenstauf ftraße 47-48( U- Bahn Bittoria- Luife- Blag). Die Erziehung der förperlig hinderten." 1. Ir. med. Taul Cohn- Guben:" Der Mensch als Krüppel fet felbft." 2. Friedrich Malilosti:„ Tas Menschentum des Krippels." Unfo beitrag am Eaaleingang erbeten. Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure. Im Anschluß an die Sig des Technischen Ausschusses spricht om Mittwoch, 14. Rovember, 2014 Uhr, großen Gaal des Ingenieurbauses, Dr.- Ing. e. h. Dito Did, Eklingen, bie Entwidlungsgeschichte der Feile". Mitglieder und Gäfte find zur nahme eingeladen. Berbanb ber la der Bohlfahrtspflege ehrenamtlich tätigen Bezioner Bezirts 7( Charlottenburg). Donnerstag, 13. Sovember, um 20 Uhr, findel Rathaus Charlottenburg, Cigungszimmer 5, bie diesjährige Sauptverfammi mit Neuwahl des Vorstandes ftatf, Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 69 68, Sindenitrage a für Groß- Berli frets an Das Beatrisjefretar 2. Bot. 2 Trep. rechts, su richi Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Bir treffen uns um 10 Uhr im Jugendheim Briger Straße. Gruppe Gübot: Morgen, Sonntag, Befuch bes Friedhofs im Friedrichshai Geburtstage, Jubiläen usw. 18. hi. Unferem langjährigen Genoffen und Barwärts- Sieferant Selomo 3pleph, Giramiz. 38, an feinem beutigen 60. Geburtst bie herzlichsten Glüdwünsche. Die llebertragung der Cinmeihung des neuen Regie. rungsgebaubes in Schneidemüht, bei der unter anderen auch der preußische Finanzminister spricht, verschiebt das Nachmittags Parteinachrichten programm um eine halbe Stunde. Trotzdem lieft Ernst Weiß aus feinem neuesten Roman Boetius von Orlamünde". Eine glüd: fiche Wahl der Kapitel bei einer Vorlesung bedeutet immer einen 3fallstreffer, den Weiß nicht für sich verzeichnen fann. Der Roman felbft ift tereffant und gewinnt über den Tageserfolg hinaus Be beutung, da er ein allgemeines Thema in sehr prägnanter Faffung behandelt. Ein verarmier Adliger, in allen Borurteilen feines Stanbes höchft feudal erzogen, fieht die Lächerlichkeit dieser Lebens. haftung ein und wandelt fich allmählich in ein nützliches Mitglied ber arbeitenden, menschlichen Gesellschaft. Es ist ein 3chroman, der aber völlig auf Sachlichkeit gestellt bleibt. Der erste Teil des Abendprogramms gilt dem Gebenfendes 9. November. Ueber die Senering, wird hier an anderer Stelle eingehend berichtet. Die Rebe des Reichsministers des Junern, Genoffen Egmont Duvertüre und die H- Moll- Sinfonie Schuberts bilden das Festprogramm. Seibler Winkler dirigiert mit feiner befonnten limficht und Genauigkeit, und die gleichen Eigenschaften zeigen fich in dem folgenden, polfstümlichen Orchesterkonzert, das sich diesmal von allzu Bekanntem fernhält und unterhält und gleichzeitig auch wertvolle Mufit liefert. Julius Berger erweist sich wieder als ein ausgezeichneter Cellist von hoher Mufitalität. f. G. In einer Schrift Blanmäßige Albjahgestaltung in der Band mirtschaft von Dr. Otto Jung ft. herausgegeben vom Reichs furatorium für Wirtschaftlichkeit, wird unter Bezugnahme auf die Buchführungsergebnisse folgendes gesagt: Bon allen deutschen Landwirtschaftsbetrieben haben gearbeitet 1912-1914 mit Gewinn 93 Broz, mit Berlust 7 Pro3., dagegen 1924-1926 mit Gewinn 48 Broz, mit Berlust 52 Broz. Obwohl in den früheren Ber öffentlichungen des Enqueteausschusses schon gesagt murde, daß es fich nur um Stichproben handele, wurde auch von Dr. Otto Jüngst mieber nerallgemeinert. Es ist bedauerlich, daß in einer Arbeit, in her gute Borschläge über eine neuzeitliche Abjaggeftaltung in der Landwirtschaft gemacht werden, derartige Zahlen tritiflos über nommen und dazu noch in Schonbildern besonders hervorgehoben merben. Bon dem Reichsturatorium für Wirtschaftlichkeit mußte man eigentlich eine gründlichere Prüfung der artiger Bahlen erwarten. Bekanntlich gelten Zahlen als sehr bemeisträftig, und man fann darüber meniger als über Worte streiben. Jedoch muß man fich die Menschen erst ansehen, die derartige Zahlen ausrechnen und zusammenstellen. Das gilt ganz besonders für die Quelle, moher die Zahlen der landwirtschaftlichen Buchführungsergebnisse stammen, nämlich für den Deutschen Landwirtschaftsrat. Berdoppelte deutsche Automobilproduktion. Die Leistungssteigerungen der Belegschaften. Die gesamte deutsche Automobilproduktion betrug nach den En hebungen des Statistischen Reichsamts im letzten Jahr 125 226 Wagen gegen 51 302 im Vorjahr. Im Laufe eines Jahres tonnte also die Autofabrikation mehr als verdoppelt werden. Hiervon ent fielen auf Personenwagen 72,8 Proz, auf Lastkraftwagen 17,6 Broz und der Reft auf Sonderfahrzeuge. Die Entmidlung der Belegschaftsziffern in den letzten Jahren zeigt, in welchem Ausmaß die Leistungen der in der Autoinduftrie beschäftigten Arbeiter gestiegen find. So waren 1925 numb 80 400 Mann im Kraftfahrzeugbau tätig gegen nur 77 643 im legten Jahre. Während also die Gesamtbelegschaft sich um rund 3,5 Broz vez minderte, erhöhte fich im letzten Jahre die Automobilprobuftion gegen 1925 non 70 117 auf 125 226, aljo um 78 Broz und die Kraft räderproduktion von 55 980 auf 84 256, alfo um 50 Broz. Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des deutschen Automobilfach arbetters stieg also in den letzten Jahren um rund 66 Proz Wiederaufnahme der deutsch- russischen Wirtschaftsverhandlungen. Die anläßlich des Donezprozesses unterbrochenen deutsch ruj fifchen Wirtschaftsverhandlungen werden voraussichtlich Ende diefes Monats wieder aufgenommen. Borauslegung hierzu ist aber, daß inzwischen der Nachfolger für den Berstorbenen deutschen Bot schafter in Mostan ernannt ist. Die Verhandlungen werden fich ausschließlich auf die Regelung gemisier Bunfte im deutsch russischen Handelsvertrag beiranten und fich nicht mit Fragen des laufenden deutsch- russischen Wirtschaftsverkehrs befaffen. Großer Spanienauftrag für Bamag- Meguin. Die Bamag Meguin Alt.- Gef. in Berlin- Moabit hat von der For Brothers Gesellschaft einen bedeutenden Auftrag für den geplanten Zeppelin dienst Spanien- Südamerika erhalten. Die Gesellschaft wird eine elektrolytische Wasserstoffanlage bauen, die in Sevilla aufgestellt und das zur Füllung der Zeppelinluftschiffe erforderliche Wafferstoffgas erzeugen wird. Der Auftrag war von der gesamten ausländischen Konturrenz, besonders der amerikanischen, heiß umfämpft. Die Blüte des mitteldeutschen Braunfohlenbergbaus. Die Ab. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für biefe Jubril nur an bos Jugendfefretariat Berlin S 68, Lindenstraße 3 sie Revolutionsfeier im Seim Ranner Straße, e bisher beteiligten Genoffe Berbebeg' Neuföln: Seute, Sonnabens, 10. Rovember, Generalprobe müssen unbedingt erscheinen Morgen, Conntag, LL November, 11 Revolutionsfeier im Gaalban Bergstraße. Eintritt 80 B. Biz bitten d Barteigenoffen, zet sahlreich zu erfcheinen. Um 30 Uhr beteiligen wir u an ber Filmvorstellung des Boltsbildungsamtes in Gaalbau Bergstraße. 8 Aufführung gelangt ber Film Chang". Cintritt 30 f. Was sagt der Bär? AB JOSETTI JOSETTI JUNO 30SETTI JOFETI JOSETTI KON UNOV JOSETTI INTERNATIONALE AUTOMOBIL AUSSTELLUNG BERLIN 8-18. NOVEMBER 1922 Eine bekannte Erscheinung im Berliner Stadtbild sind die aus deutschen Werken hervorgegan= genen Joseffi- Automobile. Jm Dienste der Erzeugung, des Verkaufs und der Versorgung des Marktes bringen sie täglich nach allen Stadtteilen viele Millionen köstlich frischer Stinetaed ſchlüſſe der im mitteldeutschen Revier gelegenen Brauntohlengewert 19 pia schaften Michel- Befta, Leonhardt und Gute Hoffnung, die im Michelfonzern zufammengefaßt find, miesen mit 4,3 mill Tonnen Roh. tohleförderung und 1,4 mill. Tonnen Britettfabrikation die höchften Leistungsziffern seit dem Bestehen der Berte auf. Die Reforbziffern des Borjahres wurden in der Rohfohlenförderung noch um 300 000 Tonnen übertroffen. Die finanzielle Ausbeute in den einzelnen Gewerkschaften erhöhte sich um durchschnittlich 25 Broz. Der Weltkampf General Motors- Jord. Bie aus New Dort ge meldet wird, hat die General Motors- Corporation mit Rüdsicht auf die schnell steigende Brobuftion der Forbmerte beschloffen, ihr neues Chevrolet den ursprünglichen Josetti Juno Berlins meistgerauchter 48 Cigarette fichten schon vor der im Januar ſtatiſfindenden AutomobilausstellsTUNG MET28095 90 PRO 200 herauszubringen. Sonnabend 10. November 1928 Unterhaltung und Wissen Die Orang- Witwe. Bon Josef Delmont. Ban Balmenbang auf Sumatra fuhr ich 1891 mit Empfehlungen des Gouverneurs der Insel den Moefistrom flußaufwärts. In Selajoe, an der Mündung des Ramas in den Moeft, wurden die legten Anschaffungen gemacht. Dort erwartete mich der alte Choba Rapiah, der mir bei meiner letzten Expedition so vortreffliche Dienste geleistet hatte. Mein indischer Boy, ein durchtriebener Halumfe, aber mir gegen über grundehrlich, belog den alten Malaien, um ihn auf neue Ge schichten, gegen entsprechende Bezahlung, hungrig zu machen. Choba Ramah berichtete, daß ich diesmal Wälder und Dschungeln voll von Bestern finden würde. Ich brauchte hauptsächlich Drang- Iltans und Riesenschlangen. Choba erklärte, daß sich die Orangs berart vermehrt hätten, daß fie die Felder der Eingeborenen überfielen. Bon Sefajoe ging es in den Moeft weiter flußaufwärts gegen Mocar Bhti am Fuße des Barisangebirges. Im Dorfe Choba Ramahs fchallte mir überall das„ Tabega Thuan" entgegen. Tabegg- Thuan ist das„ Serous" Südwestfumatras. Gleich am Tage nach der Ankunft wurden die Käfige aus Bambusrohr für meine noch frei herumlaufenden Drangs angefartigt. Ich gab zwölf in Auftrag. Der ganze Fang betrug aber nach vier Wochen mir fieben Stüid.. Bier Tage später ging es in drei Booten stromaufwärts. Nach einigen Stunden harten Ruderns durch wunderbare Tropelandschaft erreichten wir eine pon Choba bezeichnete Lichtung cm Ufer. Zum Aufschlagen des Lagers ein idealer Blazz. Wir waren um drei Uhr früh aufgebrochen. Jetzt war es furz mach halb acht. Das Lager war in Kürze errichtet und die Ladung aus den Booten ans Ufer gebracht. 3wei Boote traten sofort den Heimmeg ant. Noch am Vormittag wurden die Follen für die Affen gestellt. Schon furz nach dem Eindringen in den Urwald hatten wir eine flüchtende Drangmutter mit ihrem am Leibe hängenden Kinde gesehen. Der Bald mimmelte von allerhand Raubzeug und zahmem Bieh. Ein Dorado für den Tierfänger. Ich war aber dieses Mal nur auf Drang- lltans hungrig. Ein Orang brachte den vierfachen Preis eines Panthers. Die Fallenfäfige murden in den Baumkronen nerfstedt. Der Mechanismus der Falle ist sehr primitiv. Im Innern, an der Mitte der Dede des Käfigs, ist eine große Frucht meist nimmt man die Durian oder einen Bündel fleinerer Früchte starf befestigt. Darüber ist ein Brett, das auf einer Rolle rubt. An diefer Rolle find Schnure, welche die Faltüren halten Reißt das Tier en den Früchten, so schwingt das Brett, die Schnüre ziehen sich auf die Rolle und die Falltüren faufen herab. Der Raum in dem Käfig ist nicht sehr groß, damit das gefangene Tier nicht die Möglichkeit hat, sich zu beschädigen. Am folgenden Morgen erlebte ich die erfte Enttäuschung. Alle Käfige enthielten Gefangene, nur mar fein Drang- Utan darunier. In fünf Käfigen saßen blödsinnige, für mich wertlose Affen, in dem sechsten Käfig ein Zwergwildschwein, dessen Anwesenheit auf dem Baum mir ein Rätsel war. Die größte lleberraschung wartete meiner im fiebenten Käfig. Beilage des Borwärts Treppengeländer& Bauchgewitter! Ach, sehen Sie mur mal diese ultige Firma." rief mir meine Begleiterin auf einer Meinen Tour durch das Berfiner Ghettoniertel zu, ist das nicht zum totlachen, wie tann man mur Treppengeländer und Bauchgewitter heißen." 2 Ja, das ist wirklich zum tailachen, mur nicht für die, die als Träger dieser Ramen Generationen hindurch dem Spott und Hohn ihrer Mitmenschen ausgefeßt sind. Bie tamen diese Menschen zu diesen überaus seltsamen Ramen? Jofeph II. eine Berfügung erließ, daß aus Gründen der StaatsEs sind jetzt gerade 141 Jahre her, als der damalige Raiser raison( um die Erhebung der Geld und Bluffteuern sowie eine geordnete Verwaltung und Gerichtspflege zu ermögli hen), aber auch zum Zwecke befferer Erfallung für den Militärdienst, die Juden in Galizien und der Bukowina deutsche Namen zu erhalten haben. militärischer Raschheit dieser Aufgabe entledigte. Bisher hatten die Die damit beauftragte Behörde war der Hoffriegsrat, der sich mit Juben sich immar nach dem Bater bezeichnet, hatten ihrem Namen höchstens eine Drisbezeichnung angehängt, zum Beispiel: Mofche ben Anruham Achteraft", was bedeutete: Mofes, Sohn des Abraham, dessen Familie aus Deutschland stammt". Nunmehr sollte eine Kommiffion, bestehend aus einem Rittmeister, einem Leutnant, einem uditeur und zwei Unteroffizieren als Schreiber den Juden neue, deutsche Namen geben. Die Durchführung der Maßregel follte innerhalb 18 Tagen erfolgen, was sich als unmöglich erwies, doch murden die Kommissionen durch diese Hast gezwungen, nach mill fürlicher und oberflächlicher zu arbetten. Es läßt sich im Rahmen eines furzen Artikels nicht die ganze Willfürlichkeit, mit der bei ter mun folgenden Namensgebung perfahren wurde, schildern, Kar! Emil rangos berichtet darüber ausführlich in einem Aufsatz: ,, Namensstudien". Wir wollen uns hier nur mal pergegenwärtigen, mic eine solche Kommission arbeitete. Die Juden wurden straßenweise und den Haushaltungen nach vor die Kommiffion berufen und befragt, der darauf antmortende Jude tommie gewiß sein, einen besonders mie sie heißen mollten. Diese Frage mar nur eine Formalität und schimpflichen Namen zu erhalten. Beinte jemand, erhielt er den Namen„ Weinstein", mar er flein, wurde er bestimmt mit dem Namen„ Groß" oder„ Riefe" bedacht. Ueberhaupt ließen die Herren Auditeure ihren Geist, leuchten, ein frammer Mann bekam den Namen„ Gottlos", ein Bahmer murde„ Schnelläufer" genannt, einen Namen„ Gottlos", ein Bahmer murde Schnelläufer" genannt, einen Bucherer tauften sie„ Ehrlich" und ein nach Knoblauh Duftender des Brachtorangs, die versteckt im Baume gefeffen hatte, den Käfig trägern gefolgt. Nur ein Junge war zur Aufsicht bei den Tieren in dem ihr Mann gefangen faß. Der Wächter schlief und wachte zurückgeblieben. Das Drangmeibchen griff plößlich den Käfig on, erst auf, als das Weibchen eine Breiche in den Käfig geschlagen hatte. Der Junge fuchte nach einer Baffe, hob den Knüppel vom Boden und hielt sich damit die angreifende Heffin vom Leibe. Das Männchen steckte den Kopf durch die Oeffnung, die seine Eheliebste gerissen, und erhielt im gleichen Augenblick einen Schlag mit dem Knüppel, der es mit roller Gewalt im Nacken traf und ihm die Wirbelsäule brach. Bunden an Beinen, Armen und Brust zurückfaffend. Es fieß sich Das Weibchen biß den Jugen einige Mafe fräftig, fläffende nicht vertreiben. Der Junge fom uns schreiend und blutüberströmt nachgelaufen. Ich tehrte fofort um, da ich ihn nicht verstehen fonnte. Ein Leopard! Was diese Bestie in den Käfig gefodt hatte, war mir unerklärlich. Schon als ich näher fam hörte ich, mie der Häftling sich zu beherauszuziehen. Sie zischte drohend bei unserem Rahen. Ich ver freien fuchte. Er riß mit feinen Krallen an den Bambusstangen Der schmale Innenraum ließ ihm feinen Platz zur Entfaltung feiner Kraft. Eiligst wurden die Augenwände des Käfigs mit Lianenfeilen umwidelt, um Herrn Fled" am Ausbrechen zu verhindern. Ich hatte zwar nicht auf Leoparden gerechnet, doch wenn sie einen der art in den ,, Schoß" springen, muß man sie nicht wegwerfen.. Die bummen Affen wurden in Freiheit gesetzt und die Käfige tiefer im Baldinnern placiert. Tags darauf hatte ich mehr Glüd: ein Drangmännchen und eine Mutter mit einem Orangbaby maren in den ersten zwei Räfigen. 3mei andere Käfige maren zugeklappt, ohne daß sich darin ehmas gefangen hätte. Wahrscheinlich war wieder eine Herde dieser kleinen idiotischen Affen vorbeigezogen und hatte auf den Säfigen einen Kriegstanz aufgeführt. Mieder horrte meiner eine leberraschung. In einem Käfig hatte sich abermals ein Leopard gefangen. Im ben Leib des Tieres lag eine halbitarte Boa. Der Räuber war bereits tot, aber noch warm. Die Boa fieß ich samt ihrem Opfer in dem Käfig. Jetzt hielt das Glüid an. Immer weiter 30g ich mit meinen Leuten. In der Gluthige des Tages raftete man, nur morgens und abends wurde geschafft. Tagsüber herrschte im Walde eine wundersame Stille, die nur manchmal von dem häßlichen Geträchz des Nashornvogels oder was felten vortam, von dem leisen Singen fleiner Bögel unter brochen wurde. Oft schreckte man im Dahindrufeln auf, wenn eine Affenherde Dorbeizog, furzen Aufenthalt nahm und mit großem Geschnatter gegeneinander losschimpfte oder Gericht über einen der ihren hielt. Es war die wohlgelungene Nachahmung einer europäischen Barlamentsfigung. Ein intereffantes Abenteuer wartete unjer, als mir eines Morgens einen Tiger ertappten, ber einen nom Baum gefallenen Räfig, in dem fich ein großer Drang- lltan gefangen hatte, bearbeitete. Der Gestreifte war in seiner Arbeit so vertieft, daß er unser Herannahen zu spät bemerkte. Der erste Schuß ging durch feinen Hals. Er taumelte, drehte sich herum, wollte seinen, die Menschen erstarren machenden Schrei ausstoßen, aber der Schuß hatte feine Stimmbänder lädiert. Noch bevor er springen tonnte, legte ihn bie zweite Rugel um. Ein Prachtfert, ben die Eingeborenen jetzt be. Schimpften und anfpien, fag vor mir. Im Käfig faß ein behäbiger Orang- tan- Herr. ber infolge des Tigerabenteuers noch fehr aufgeregt mar. Es mar bos schönste Drang- lltan Männchen, das ich je gesehen. Leider fam es eine Stunde später. ums Leben. Ich hatte die Käfige mit den gefangenen teren zufammentragen laffen und mar mit meinen Leuten weitergewandert. Ohne daß einer von uns etwas bemerkt hatte, mar die Ehefrau Bor dem Käfig faß die effin und suchte ihren toten Gatten trieb sie mit einem Schredschuß und öffnete den Käfig. Von einen Baum aus beobachtete uns die Witwe. Der tote Orang- lian war im Räfig festgemacht, die zerfeßte Tür ausgebeffert und die Falle neu gestellt, daß im Augenblic, wo die Witwe hineinkroch, die Türen zuklappen mußten. Am Boden war die„ Wage"( der Mechanismus) angebracht. Bir zogen uns zurüd. Lange brauchten wir nicht zu marien. Koum waren pir außer Sichtmeite, als das Drangweibchen eifight pom Baum tam und ohne 3ögern in den Käfig fief. Die Fangfüren Klappten zu. Das Glüd mit diesem Fang war mir nicht hold. Die Bitwe trauerte im vollsten Sinne des Wortes. Ich mußte ihr den toten Gatten nehmen. Sie fraß nichts und faß betrübt in dem größeren Käfig, den ich ihr eingeräumt hatte. Ich gab ihr einen neuen Gatten. Sie begann sofort zu raufen und brachte dem Drang utan häßliche Bigmunden bei. Ich mußte sie wieder allein laffen. Dem toten Gatten hatte ich das Fell abgezogen, es selbst präpariert und der trauernden Witwe in den Käfig gelegt. Sie fab in ber entferntesten Ede und riß heftig die Affenhaut an fich. Aeußerst interessant mar es, ihr Tun zu beobachten. Sie blickte auf das rotbraune Fell, zog die Luft durch die Nase ein und öffnete die Augen weit. Schließlich rieb sie mit der Hand darüber und rodh an dem Finger. Diefer Borgang wiederholte sich niele Male. Dabei bemegte fie die Lippen mie im Selbstgefpröds. Run feste fie sich gerade auf, schmiegte sich daran, breitete es auf dem Boden aus und wälzte sich darauf. Endlich legte sie sich das Kleid ihres verstorbenen Mannes um die Schultern und hüllte sich darin ein. Ich freute mich, daß der Bann gebrochen war, trotzdem sie auch an diesem Abend feine Nahrung zu sich nahm. Am folgenden Morgen fand ich die Bitme tot auf dem Fell thres feligen Gatten. bauer Licht, des Beljes Feind. Jede Belzart hat eine gewiffe Lebens Sn berechnet man die Lebensbauer der Raninchen- und Safenfelle auf etwa fünf Jahre, die der Reh, und Hermelinfelle auf 25 Jabre und die des Chinchillapelzes auf 30 Jahre. Stunts, pelae follen es auf 70 und Secotterfelle fogar auf 90 Jahre bringen. Die Haltbarkeit der einzelnen Bellarten hängt jedoch auch sehr von äußeren Einflüssen ab. Die Lebensdauer jedes tierischen Feafleides fteht nach den Angaben von Braßler im engsten Zusammenhang mit den Fettmengen, die der betreffende Betz auch nach dem Labe bes Tieres noch enthält. Soll ber Bela allo lange lein( chônes gesundes Aussehen bewahren, fo foll ben haaren der natürliche eligehalt möglichst lange erhalten bleiben. Da sich nun das geit unter dem Einfluß mormer und gleichzeitig feuchter Luft vermindert, so ist ber starter Lichteinfluß, fo nor allem die start leuchtende Sommerfonne, schwächt die Lebensdauer der Belze, weshalb die Mode des Pelz tragens im Sommer ficher für viele Belze sehr schädlich war. erhielt den Namen„ Wohlgeruch". Im allgemeinen aber strengten die Herren sich nicht sonderlich an, waren die Zusammensetzungen mit Gold, also Goldberg, Goldstrom, Goldblüht, Goldregen, Gol baum, Goldfluß usw. vorüber, dann tamen eben andere Metalle beran, danach die Blumen, die ein sehr ergiebiges Feld für die Namensgebung abgaben. Man nahm die Steine, Farben und schließlich die Tiere, bei denen man endlich auch zu folgenden Kombinationen fam: Kuhschwanz, Ochsenschwanz und Schwalbenschwanz, fäfer und Singvogel. Bohlhabende Leute konnten nachweisli aber auch zu vornehmer flingenden Namen mie Tagfalter, Rajen gegen entsprechende Bezahlung ihren Namen geändert erholten, Franzos nennt einige aftenmäßig festgestellte Fälle, wo aus einem „ Hurenwirth" ein Birth" und aus einem„ Blutjauger" ein Säugling" wird. Und nun noch einige der Fantasieblüten der Herren Auditenre aus jener fängst vergangenen Epoche, die sich zum Teil bis in die heutige Seit erhalten haben. So erzählt Frangos von einem Brozek. bei dem angeklagt maren: Moses Bulverbestandtheil und feine Gat fin geborene Rebenwurzel. Die Gegenpartei hieß: Chaim Mas schinendrath und Frau geborene Blum. Die Zeugen beider Barteien hatten folgende Namen: Nathan Feingold und Frau geborene Nußfnader, dann Sarah Schultlopfer und Frau Mariam Weisheits born. Nun die Entlastungszeugen: Jofeph Ehrlich, Simon Goldtreu und Ruben Keinmascher. Diese schon durch ihren Namen präbefti nierten Entlastungszeugen errangen den Sieg. 21s weitere Namen feien erwähnt: Artur Stinker, dem ein Schördufter gegenübersteht, barn gibt es Galgennogel, Tajd; engreifer, Wanzentnicer. Gerichtsaften werden genannt: Chain Temperaturmechsel, Saul Afterduit, Sarah Boismeingeld, Riffa Erdenjammer, Joseph Was gebisbichan, Eiset Mathematit, Leib Tränennergießer, Mener Fal Sherbimd, Chaim Rabelschmücker, Leib Schweinebringer und Soul Hostiens hlucker. Aus Diese Liste tönnte noch ins Endlose vermehrt werden, dod dürf ten auch schon die genannten Beispiele genügen, um die beispielfoſe Millkür bei der Namensverteilung zu illustrieren. Wer alfo heute den Träger eines solchen„ fomischen" Ramens fennen lernt, lächle nicht darüber, sondern bedente, daß an diesem Namen vielleicht die Tränen schwerer Generationen hängen. Db: gleich es heute möglich ist. Namensänderungen vorzunehmen, ist es die Bietät gegen die Borjahren, die häufig einen derartigen Antrag verhindert. 3. B. Der Krieg ist zu Ende. Erinnerung einer 3wanzigjährigen. Mas, der Krieg ist zu Ende? Du, höre mal, der Krieg soll zu Ende sein. Da tommen ja unsere Väter! Mein Baterie tommt heim? Und Mutti braucht nicht mehr in die Granatenfabrit. Danit tocht sie mir selbst meine Morgeniuppe, und so gelb wird sie auch du, der Krieg soll zu Ende nicht mehr lange aussehen, und ich sein? Glaubst du das?- So wir zehnjährigen während der Schulstunde im November 1918. Schufschluß. Schnell die Mappe über und hinunter: Der Krieg ist zu Ende! Aufregung überall. Alles sieht anders aus. Die blaffen Frauen schleichen gar nicht mehr so wie sonst. Alle lächeln. Friebe? Ob Bater morgen schon tommt? Suck mal, ba steht eine Straßenbahn ohne Schaffner ganz still mitten auf der Straßen schiene, rührt und rüdt sich nicht. Flint hingerannt. Ein paar Jungens wiffen alles: Die fireiten. Revolution. Der Kaiser ist mie mir fleinen Zuhörer. Aber daß es bedeutete, Ende des Krieges, weggejagt." Sie wußten gemiß ebensowenig vom Sinn ihrer Worte das ahnten wir allesamt. Atemlos tommt ein Junge: Kinder, die ganze R.- Straße ist von der Polizei abgesperrt, bloß Erwachsene dürfen durch, wir sind weggejagt worden." Mir sperren Mund und Augen auf. Was?? a, auf der Schulmauer da steht ein Mann, ber redet zu den riefen Beuten, denn der Krieg ist zu Ende, hat mir eine Frau vorhin erzählt. Meine Mutter ist auch da." Meine Mutter, me ist sie eigentlich? Schnell nach Hause. Adh, stimmt ja, Mutter hatte doch Nachtdienst und darum wird fie noch schlafen. Aber ich muß ihr trotzdem erzählen, daß der Krieg zu Ende ist. Mit dem eigenen Schlüffel( hamals hatten spir Kinder alle unseren eigenen Schlüffel am Band um den Hols gehängt) aufgeschlossen. Mutter ist bereits aufgeftanden; sie wäicht Strümpfe. Ich atemfos: Mutti, Krieg zu Ende, Straßenbahn ftreitt, Reveletion ober so ähnlich sagen die Kinder. In der R.. Straße ist ein Mann auf die Mauer geklettert und spricht. Wir Kinder dürfen aber nicht hin." Schon hat meine Mutter das marme Tuch umgeschlagen. Hinunter hören fehen: Ist's mahr? Auch fie hat dem Redner zugehört. An der Straßenede stehen meine Spieltameraben. Ich hin. Ma's schreien denn die? Sefarden ab, Ketarden ab!" Natürlich brülle ich mit, Jeber, der vorbeikommt, wird angeschrien. De fommt ein großer Junge zu mir und sagt:„ Mensch, bu fannst doch nicht jeden anbrüllen! Blog Soldaten, die da oben an der Müge fon Knopf haben, das ist die Rotarde. Ach foo! Da tommt schon einer. Im Chor: Rofarbe ab!" Bir lange und wie oft merben mir wohl gerufen haben? Ich meiß nur noch, daß meine Mutter fam und fagte: So, nun mußt du nach Hause ins Bett. Und sie fah so froh aus wie früher, als ich noch ganz flein war. Run lag ich im Bett. Mutti, ber Unteroffizier son brei Ireppen hat aber noch die Rofarbe bran.„ Die macht er morgen Mutti, mann fommt denn unser ab, nun schiafe mur ein." Bater?" Jeẞt fommt er bald, liebes Rind. Und ich befam einen warmen Kuß. Bas, hatte ich dann für einen schönen Traum! 3 weiß ihm mirtlich heute noch: Alle Fenster waren hell mit Lichtern, nom Parterre bis zum vierten Stod. Und dann bin ich mit Muttt burch die Straße gegangen. Da hat mir ein Mann eine ganz große Beintraube geichenft ganz genau folche, pie bas Bild in meinem Belebuch zeigte Nachher mar der Mann mein Bater. Und das mar ber Frieben. Der Krieg ist zu Ende! Gertrud inte. NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN 3 Frühlingsfahrten Mittelmeer Mit D. ,, Lützow" 8716 Br.-Reg.-Ts. ( Phaleron Bucht) -UR I. ORIENTFAHRT 1929 vom 8. März bis 2. April Genua- Messina- Catania- Konstantinopel- Athen Haifa( Jerusalem)-Jaffa Port Said( Cairo)-Korfu- Cattaro Bucht- Venedig Fahrpreise von Mk. 680, an aufwärts II. ORIENTFAHRT 1929 vom 5. April bis 2. 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