Abendausgabe Ar. 542 B 270 45. Jahrgang Bkteaffld) SS�T, nasattdi SjUJt tat gorauf j ab Iba?, Poftdozug 432 SR. tütJdjL»ertettjtli. 31u5lanb«aiiaaa» nunt 6,— SR. pa SÄonat. Der.Satsfate* er{db«tet moitjeittip. lich zweimal. Sonntag« und Montag» einmal. Mc Abendausgaden für Berlin und im Bande! mit dem Titel.See Abend". Illustrierte Seilagen.Voll und Zeit" und.Zlinderiteunb". Ferner .Unterhaltung und Biflen*..Fraurn»- Wmme", JfebnU",.Sliif in die Vstchertveü" und.Äugend» Lartvart»" Berliner Volksblatt Donnerstag 15. November 1928 1V Pfennig Sie einspaltige NongareillezeNe >0 Siennig. Zlletiamezeile S.— Seiche» mark...Kleine Anzeigen" da« settge» drutfte Bort 2i Pfennig(zulöffig zwei fettgedruckte Borte), jede» weitere Wart 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, fede» wettere Watt 10 Pfennig. Worte über lö Buchstabe» «Shleu für zwei Sorte. Drdeit»morIt Seile 60 Pfennig. Fomttlen anzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im chauptgefchäft Linden» straste 2, wocheniagl. von S'/j bi» 11 Uhr, Jeutrawegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redoktion und Verlag: Verlin SD 68. Lindenstratze 3 iwitfpreiber:»SnWf»B— WJ. telegtaatm-Abr.: SoMdemokra« gttlbt Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Beilm S? b36.— Banklomo: Sank der»rdriter. Sogestellleti uitd Bemnie» Eallftr. KS. Diikouio-Geselllchaft. Deposttnikasi« Linden fir a Agrarier gegen Zölle. Neue Erkenntnisse der Führertagung des Landbundes. Tie veraniwortlichrn Männer hn Reichslandbmid scheinen ertlich eingesehen zu haben, daß ste mit Demagogie und mit der Politik der Faust, die noch die letzte Landbundtagung im Januar beherrschte. weder bei der Masse der Bauern noch in der deutschen Oeffentlich- lest überhaupt etwa» ausrichten können. So war die Tonart auf tar jetzt in Berlin abgehaltenen Führertagung des Reichs» landbundes schon ein« erheblich mildere und. was hervorge- hoben werden muß, entschieden sachlichere gegenüber der Tagung � Anfang des Jahres. . fwar konnte es sich der Präsident des Reichslandbundes, '�Schiele, auch diesmal nicht oersagen, als reiner I n t e r- cj"tt politifer scharf gegen die polnisch« Schweineeinfuhr bei künftigen deutsch-polmschen Handelsvertrag zu polemisieren. stemühte auch er sich, von dieser Entgleisung abgesehen, die Pfimärtige Lage der Landwirtschaft und ihre künftigen Probleme Hcf) zu schildern. Jjcfonbm Erwähnung veidient im Rahmen dieser Tagung der �ag von Professor Beckmann über landwirtschaftliche Selbst- sozialdemokratische Werbewoche. Erfreuliche Ergebnisse. Heber da« Resultat der sozialdemokratischen Werbe- wo che von: 21. bis 27. Oftobet wird uns aus dem Partei- bureau mitgeteilt: 44 634 neue Mitglieder twd dtzoziddemoknitische« Partei beigekrcken. 34 677 neue Leser der ft7ld«mokraklschen Ieiku Ilgen wurden zw» 1. Itovember Seinen Diglelduugen umfassen 32 parieibezirte. eln Bezirk steht noch w'l demeldung aus. von den Zeitungen stehen noch K5 mit den Vngobi aus. ve|j«,irk Berlin meidet 3327 neue MvgNeder und 2177 neue «vormä,".x�grt So zhefe der Kamps gegen die Zozialdemokraiische Partei Deuischlq». den die Sommunlsten durch ihren volksbegehrrummel °nges«ellt,ouen. Di« sozialdemokratische Fraktion und Partei««. Sliedschas,. der seslgesügteste Block in der denlschen RepubNk. Mi! Stolz blw, wir aus di? geleistete Arbeit der treue« Funktionäre. Aus zur weiter erkv erbearbeit! Kamps den Feinden der Ar. bciterbewegnng! hilf« auf absotzorganisatorischem G>iet. Der Redner erklärte, daß die Stellung der deutschen Landwischast aus dem Inlandsmarkt sich dadurch grundsätzlich verändert Hai, daß bei den meisten indu- striellen Gruppen durch die fortso,'e>tende Kortellie- rung Preisbindungen oorhondei. seien, während bei des Landwirtschaft etwa drei Millimen Produzenten in freier Konkurrenz ihre Erzeugest abzusetzen versuchten. Dadurch wäre zwangsläufig«ine Erweitermg der Preisschere auf dem Tinnenmarkt über das Maß der Weltwirichast hinaus dic� Folge. Was der Redner über die Ituhlosigkeil der schuhzoll Politik für land- wirsschaflllche Erzeugnisse oorbrachtn kann nur unterstrichen werden. Danach können Zölle nur die Konkurrenz des Aus- lande s abhallen, aber keineswezs in die Konkurrenz der ein- heimischen Produzenten regelnd eingreisen. Sie wirken sich daher höchsten» in dem Falle aus, wen» sie nichl durch ein unorgauifierte» ptassenaagebot im Znoern. wie es in de« letzten Zähren In Deutsch. land mit Schweinen und mit Boggen der Fall war, unwirksam ge» inocht werden. E» sei nicht zu bestreiten, daß de r Zoll allein heute nur in den seltensten Fällen für die Preisbildung durchschlagend ist, weil h>e Konkorren; im Innern häusig strrkcr ist als die Konkurren; des Auslandes. Do ein Kartell für die Landwirtschaft u»durch- sü h r b a r sei, könnte nur- eine andeie Form des Zusammenschlusses, die Genossenschaft, ein« beso»dere Stellung im Markt« ev- Zeichen. Sie könnte durch Verringerung der Anbieter ünd die Ausschollung unwirtschaftlicher Moments beim Berkaus. sowie durch zeitliche und örtliche Verteilung der angebotenen Waren den Markt für landwirtschafLichs Produkte verbessern. Daher ist nicht mehr die Arbeiisersparung und die Der- �Fortsetzung auf der 2. Teste.) Kritische Lage im Zkuhrgebiet. Besprechung des Reichsarbeitsministers Wissell mit Bergemann. Bochum, tS. Tlovember.(Eigenbericht.) vi« Spannung im Revier wächst von Tag zu Tag. von den Auswirkungen der Generalaussperrung In der rheinijch-westsälischen Zkelolliadustcie werden alle Geschäflszweigc betroffen. Die Gerüchle, daß die vermillwngsaktion des Regierungspräsidenten Bergemann infolge der bei den ersten Aussprachen in Erscheinung getretenen unnachgiebigen Haltung der Parteien auf die denkbor größten Schwierigkeiten stoße und der Erfolg der Bemühungen Bergemanns schon jetzt als höchst zweifelhaft beurteilt werden müsse. steigern die Rervojität. Der Deutsche Mctollarbeiterverband teilt mit, daß die Lage außerordentlich ern st sei. Reichsarbeiksminister wissell ist am Donnerstag vormittag lm Ausspcrrnngsgebiet eingetroffen. Er hak sich zunächst noch Düssel- darf begeben, wo er mit dem Regierungspräsidenten Vergemann verhandelt, lieber das weitere Programm der vermittln ngsoklion des Düsseldorfer RegiernngsprSsidenlen läßt sich zurzeit noch nicht« sagen. Vi» Donnerstag vormittag liegt noch keine Einladung Vergemann« zu neuen Verhandlungen an die Parteien vor. «.Mißbrauch der politischen Macht." Wenn sie dm Unternehmern nicht ganz zvr Verfügung steht. In der Dolloersammlung der Industrie- und.Handelskammer zu Bochum führt« der voUeparteiliche Abgeordnete Dr..Hugo im Wirtschaftsbericht u. a. aus. daß die Ungültigkeitserklärung des Schiedsspruches und damit der Berbindlichkeitserklärung in dem Lohnkampf der Eisenindustrie Nordwest die Voraussetzung dafür ge- schaffen habe, daß nunmehr mit größerer Einsicht die wirtschaftliche Neuregelung der Arbeitsverhältnisse in der Eisenindustrie unter Ein- Arbeit in Lebensgefahr Die meisten Arbeiter verdienen ihren kärglichen Lohn nur uniwr ständiger Lebensgefahr, sei es an den ratternden Maschinen der Großbetriebe, sei es auf Bauten oder, wie unser Bild zeigt, in schwindelnder Höhe unter der Brücke, die sie renovieren müssen. schluß der Arbeitszeitfrage erfolgen könne. Der große Konflikt hobck wohl allen Teilen, die es angehe, gezeigt, daß die sozial« Eni, Wicklung aus der Krisenhöhe in Deutschland angelangt sei und daß der bisherige Mißbrauch der politischen! Macht zur Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse u n b e, dingt eine Abänderung erfahren müsse. Nämlich dieser Mißbrauch der politischen Macht beginnt noch dem Syndikus der Handelskammer, wenn nicht alle Forderungen der Unternehmerrechnung erfüllt und nichi alle Forderungen der Arbeiter abgelehnt werden. Die Staatsgewalt hat. nach Ansicht der Schwerindustriellen, ein Mochtinstrument der Unternehmer zu sein, was darüber ist, ist„Mißbrauch". Den Schwerindustrietlen muß gezeigt werden, daß der Satz in der Dersossung:„Die Staats, gcwalt geht vom Volke aus", nicht nur auf dem Papier steht. Ruhrkampf und Arbettslofenvefficherung. Oer Entscheid des Spruchsenats. Wie wir bereits kurz gemeldet haben, hat der Spruchsenat deq Reichsversicherungsamtes die Frage verneint, od die Aus, gesperrten nn Ruhrkampf Anspruch aus A r be i t s l a s e n u n t e r. stützung hoben. Dagegen hat er betreffs der Wartezeit den Rechtsgrundsatz ausgestellt, daß Beginn und Ablauf der Wortezeit des jj 110 nicht gehindert wird dadurch, daß für die Dauer de? Aussperrung selbst Arbeitslosenunterstützung nicht gezahlt wird. Also mit der Aufhebung der Aussperrung tritt vom ersten Tag mittelba» der Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung in Kraft. Da die Ar, beitsämter die Anmeldung der Ausgesperrten als vollzogen betrachten, haben somit diejenigen, die nach Abbruch der Aussperrung noch einige Zeit arbeitslos bleiben, was schon ans rein technischen Gründen bei vielen der Fall sein wird, für diese Zeit vom ersten Tage ohne fede Wartezeit Anspruch aus Arbeitslosenunterstützung. Dieser Entscheid ist sehr wichtig, und zwar nicht nur für die groß« Aussperrung im Ruhrgebiet. Ruhn'ndustn'ette als Lehrmeister. Katholische Arbeiter fordem Sozialisierung. Bochum, 15. November.(Eigenbericht.) Der Sekretär des Verbandes der Katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands fordert in einem von ihm in der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" veröffentlichten Artikel energisches Eingreisen der Reichsregierung gegen die sich gegen die Staatsautorität auflehnenden Schwerindustnellea. Die Arbeiterschaft wolle keinen Nachtwächterstaat. Sie fordere, daß die Reichsregierung dem verbindlich erklärten Schiedsspruch Geltung verschaffe. Die Reichsregierung habe ihr Recht oerwirkt, Hüter der Staatsmacht zu sein, wenn sie jetzt nicht mit aller Entschiedenheit gegen die Schwerindustriellen einschreite. Unter allen Umständen erwart« die Arbeiterschaft, daß die Regierung bereit sei, zum mindesten für die Dauer des gegenwärtigen Konfliktes die V e r- waltung der Betriebe der infolge rechtswidriger Maß- nahmen der Industriekapitäne stillgelegte» Werke st a a t l i ch z i» übernehmen. Bor der panzerkreuzerdebatie. Die letzten Iraksionssitzungen. Im Reichstag traten heute mittag die meisten Fraktionen zu Sitzungen zusammen, in denen die Stellungnahme für die Aus» spräche über den Panzerkreuzer A endgültig festgelegt werden soll. Die Deutschnationalen haben ihre Fraktionssitzuug auf 12 Uhr un» beraumt. Deutsche und Bayerische Volkspartei treten um 2 Uhr. die Demokrakeu und 1 Uhr zusammen. Sozialdemokraten und Zentrum haben, da ihre entscheidende« Sitzungen bereits gestern abend statt. fanden, für heute mittag neue Fraktionssihuugen nicht angesetzt. Die Plenarsitzung des Reichstages beginnt um 3 Uhr. Zn der großen Aussprache haben zuerst die Sozialdemokraten das wort, für die der parleivorfitzende w e l» spricht. Ob Reich». wehrminister Groener gleich zu Beginn der Aussprache da» Wort nehmen wird, steht n«ch nichl fest. Man nimmt jedoch an. daß er erst im späteren verlaus der Debatte eingreise« wird. I Auch eine„Gemeinschastsschule /> S ringerung der Händlerspannc die alleinige Ausgabe der Genassen- schasten, ssndern grundsätzlich die Beeinflussung der Preise durch die Organisierung des Marktes. Es erscheint uns von grundsätzlicher Bedeutung, daß auf einer Tagung des Reichslandbundes, der bisher in hohen Schutz- zollen die alleinige Rettung aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten sah, die Jtuhlosigkeit dieser Zölle sür eine gesunde Preisbildung im Znnern anerkannt wurde. Wenn auch nicht zu erwarten ist, daß sich diese Erkenntnis bei der Mehrheit der Mitglieder sehr schnell Bahn trichr, so haben diese Ausführungen auf der Führerltagung de» Reichsh ld- bundes immerhin das bestehende Dcgma v.>n den rettenden Srin tz- zollen gebrochen. Mittelalterliches mit neuem Namen. Wieder ein Justizirrtum. Jahrelang unschuldig im Zuchthaus. Am 11. Februar ISZO oerurteilte das damalig« Schwurgericht Köln die Arbeiter Gerhard H ü p p e l« r und Nikolaus I ö b g e s wegen Raubüberfalls an einem Angestellten einer Bausirrna aus Elsdorf zu fünf und sieben Jahren Zuchthaus. Die Höhe der ge- raubten Geldsumme betrug 10 3M M. Ein dritter Angeschuldigter. der Arbeiter Böhmer, hat die Gerichtsoerhandlung nicht er- lebt: er war in der Untersuchungshaft gestorben. Die Angeklagten bestritten vom ersten Tage an jede Schuld. Sie blieben auch vor Gericht bei ihren Unschuldbeteuerungen. Es half aber alles nichts. Sie wurden auf Grund eines umfangreichen Indizienbeweises ver- urteilt. Aus dem Zuchthaus heraus versuchlc» sie immer wieder eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. Dergbelich Die neuen Totsachen, die sie anführten, schienen dem Gericht wenig stich- haltig. So verbüßten beide ihre Strafen: Der eine die vollen fünf Jahre Zuchthaus, der andere sechseinhalb Jahr. Jöbges oerließ das Gefängnis im Herbst 192k. Sowohl er als� auch Hüppeler glaubten nicht mehr daran, daß es ihnen gelingen würde, ihre Unschuld festzustellen. Da kam aber eines Tages zur Kenntnis eines Polizeibeamten, daß zwei andere Personen, die ebenso wie Hüppeler und Jöbge» aus Quadrath bei Köln stamm- ten, als Täter in Frage kämen. Die Polizei nahm die neuen Spuren auf: es gelang ihr festzustellen, daß der Verdacht gegen die beiden berechtigt sei. Sie wurden in Haft genommen und einer von ihnen war geständig. Außer diesen haben aber auch andere belastete Personen das Geständnis abgelegt, den Raub begünstigt zu haben. Die unschuldig verurteilten Hüppeler und Jöbges werden nun erneut das Wiederaufnahmever- fahren beantragen. Diesmal wohl mit Erfolg. Eine Entschädigungssumme, die sie eventuell erhalten würden, dürften sie schwerlich für ihre Zuchthausleiden entschädigen. Dem in Untersuchungshast gestorbenen Böhmer ist aber das Leben nicht wiederzugeben. Die Geschichte der Justizirrtümer ist um einen Fall reicher geworden. Die beschimpften Reichsfarben. Ein Monat Gefängnis. Das erweiterte Schöffengericht Neukölln verurteilte den Arbeiter Paul M e i l« r t aus Neukölln zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat und zu den Kosten des Verfahrens, weil er öffentlich wieder- holt die Reichsfarben beschimpft hatte. Am 19. Mai dieses Jahres, dem Sonnabend vor der Reichs- tagswahl, zog eine größere Abteilung von SPD.-Mitgiiedern unter Führung einer Reichsbannerkapcllc durch die Katser-Friedrich-Stooße in Neukölln. In dem Zuge befanden sich zahlreiche rote Fahnen und eine schwarzrotgolden«, worüber sich der Angeklagte so erregt haben will, daß er die Worte:„Schwarz, rot, sch.. ausrief, da »r das Mitführen der roten Fahnen als eine„unerhörte Provokation" aufsable. Er will der Auffassung fern, daß dt« SPD. sich der schwarzrotgoldenen Farben zu bedienen, und rot« Fahnen der „klassenbewußten" Arbeiterschaft zu überlassen habe. Mit dem Aus- ruf:„Schwarzrotsch..." will er die SPD. zu treffen versucht haben? Bon dem Zeugen Gebert zur Rede gestellt, wiederholte Meilert die Beschimpfung, indem er hinzufügte:„Und nun erst recht-- 1" Nunmehr ließ ihn der Zeuge feststellen. Ueber den Antrag des Staatsanwalts, der eine Woche Ge- fängnis bzw. 70 M. Geldstrafe beantragt hatte, ging das Gericht noch hinaus und verurtcilt« den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Braune, aus: Es sei zu verlangen, daß jedermann soviel Achtung vor den Reichsfarben beweise, daß er nicht öffentlich und zu wiederholten Malen die Reichsfarben de- schimpfe: möge er mm die Fahne selbst, ein« Partei oder sonst etwas damit treffen wollen. Der Angeklagte war daher wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu ver- urteilen. zz. zz. Sachverständige im Lamiar? Einigung in Paris.— Amerikaner erwünscht. Paris, 15. November.(Eigenbericht.) Die gestrige Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter in Paris und dem Ministerpräsidenten Poincarö scheint dem Streit um die Zusammensetzung der Sachverständigenkommission für die Revision des Dawes-Planes ein Ende bereitet zu haben. Wie der „Matin" ausdrücklich versichert, herrscht nun vollständige Ein- m ü t i g k« i t darüber, daß die Kommission aus unabhängigen Sachverständigen.zusammengesetzt werde. Die logische Kon- sequenz sei nun aber, daß die interessierten Regierungen dos Recht erhalten müßten, das Resultat dieser unabhängigen Sachverstündtgen- arbeiten anzllnehmen, abzuändern oder zu verwerfen. Poincare Hobe im übrigen, so meldet der„Matin" weiter, dem deutschen Bot- schaster gestern ein Memorandum übergeben, worin er die bekannten französischen Mindestforderungen festlegt. Deutsch- lond wisse nun also, was es nach der Revision des Dawes-Planes mojnmal zu leisten l)c>be. Man darf ober hassen, daß die Sachoer- I ständigen einen Weg finden werden, um die alliierten Maximal- i sorderungen herabzusetzen. Es könne dies durch die Art der Zahiung, durch ihre Beschleunigung, mit einem Wort«, durch die Kommerzialisierung der deutschen Schuld geschehen. Die ungelöst« Frag« sei nun noch das Datum des Zusammentritts der Sachr£.111 LLf I|| C L ITC LTL'VIU/l.V-l* k/Wlt xV-il IVHi> UM-r J ein junges Mädchen über das Getänder der Böschung fl«'?. sich in die Spree stürzte. Der Mann macht« sein >t los und es gelang ihm, die Lebensmüde im letzten Aug�.,, retten. Sie wurde in bewußtlosem Zustande zur nV, ____ n-#*-__ v:---------------------- an:. Ö �* i C Hier ird Städtische Arbeiter im Streik. 8« Breslau, 15. Raven/' Die städtischen Arbeiter, die sich mit dem Magistrat in"��- Tarifoerhondlungen befinden, beschlossen gestern abend in tirWr gut besuchten Versammlung gegen 35 Stimmen in denlilt �i? �'Ni 'dlfl fett >« ♦in«, Lächle, Leser! 'ämi bi, "mt feiii An der Ecke Berg- und Prinz-Handjery-Straße in Neukölln stieß heute früh ein Straßenbahnwagen der Lini« 15 L mit einem L a st a u t o zusammen. Der Anprall war so heftig, daß beide Fahrzeuge ineinander geschoben wurden. Wie> durch ein Wunder blieben die Fahrgäste der Straßenbahn u n- o e r l e tz t. Lediglich der Führer des Lastautos trug erhebliche Ber- letzungen davon. Die alarmierte Feuerwehr hatte fast ein« halb« Stunde zu tun. um die zusammengefahrenen Vehikel wieder auseinander zu bringen. Revision im Wordprozeß Sravse. Der gestern vom Schwur- gericht I zweimal zum Tode verurteilt« öoppelmörber Uugust Krause hat durch Rechtsanwalt Themal Revision beim Reichsgericht anmelden lassen. ?!«ulich hatte ich einen seltsamen Traum. W» träumt bekanntlich nicht ohne Anlaß... aber ich w Tatsachen referieren: Mir träumte also, daß sich über die Natu des Meerwassers heiliger Streit erhoben hätte. Zwei Partei« bildeten sich: Die eine behauptete, dos Meer bestände aus W,er, die andere, es bestände aus Salz. Jeder Partei sekuyirte eine mächtige Presse. Jeden Tag bekam ich sie ins Haus liefert. Die Zeitung der Salzportei schrieb: „Wer nicht glaubt, da�das Meer hundertprozentig aus Salz besteht, ist ein Trottel. 5tte, kosten Sie doch einmal das Meer- wasser! Ueberall schmeckt» bitter. Schmeckt Wasser vielleicht bitter? Nein, Wasser ist gsfchmckloz. Nur Salz schmeckt bitter, und da das Meer überoll bitter schieckt, so besteht es allein au» Salz und nicht aus Wasser." Darauf erwiderte te Wafserparte«: „Es ixmß schon eintr irrenhausreif sein, um anzunehmen, daß unser Meerwasser Salz enthielte. Litte, untersuchen Sie an einer beliebigen Stelle dos Meerwasser. Ueberall ist es flüssig. Ist Salz vielleicht flüssig? Nein, Salz ist fest. Nur Wasser ist flüssig. Also besteht das Meer allein au» Messer." Beide Zeitungen hotten eilen Leserkreis auf ihrer Seit«. d«r fest zu seinem Organ hielt, jede? Wort seiner Zeitung glaubte und ebenso überzeugt die Gegenseite für gemeine Lügner erklärte. Zwischen beiden Parteien gab es Schlägereien schlimmster Art. Ich wurde in eine solche verwickelt, kam dazu, wie die Wasserpartei das Zeitungsgebäude der Salzleub in Brand steckten, hörte noch d'e Feuerwehr heranrasseln und'rwachte vom Schrillen des ffieckers. So etwas ist Traum. Die Wirtlichkeit sieht folgendermaßen aus: „Herr Wisiell hat gestern gezeigt, daß er sich lediglich als An- walt der Gewerkschaften fühlt" „Deutsche Zeitung" vom 13. November 1928. „Wissell machte sich den Standpunkt des Unternehmertums rest- los zu eigen."„Rote Fahne" vom 13. November 1928. Jeaatban. fem fei Ari lein fei den Uni St. fön fei in, «Ol ?n an m IftQ fe 30» da »-> fe fe biet i b et' Helden des Bruderkampfes. Dos Messer gegen die eigenen Befreier! Vor einigen Tagen ist der„Soffronffämpfet" crit ist beldle zieht aus zum Volksbegehren. Elendsquartiere im Buhrgebiet. Der Kommunist:»Oer lernt auch nichts aus meinem "fall!- lstn herum, zertracht Fenster und Türen, londstreichert von neuem. Pk zweiinal beim Diebstahl gesaßt und verurteilt. Dann kommt sWr Politik. Und mit einem Male ist einer mehr da, der k r ä t« r I" schreit und mit dem Messer über Leben und Tod "scheidet. Mit Freunden übt er sich im Messerwersen. Man zielt nach Uinen. Aug Spielerei, sagt er vor Gericht. Als der Demon- ouongzug der Sozialdemokraten sich nähert, saßt er nach seinem Kser und ruft den anderen zu:„Wer hat ein Messer bei sich?" fagt das selbst vor den Geschworenen. Begründung:«r habe �'sse der Ueberzahl gesürchtet. Es gab keinen Anlaß dazu. "nd dann marschierten die Genossen an, marschierten an, um ..r Sache des Proletariats zu werben, und im nächsten Augen- 'ck ü>g jhx Führer tot in seinem Blute. «ber«s ist bitter nötig, sich endlich zu besinnen. ,c Verteidiger kamen daher und fußten auf der Vergangenheit des �klagten. Der Dater Säufer, viel Prügel zu Haus, wenig Brot, c'nc Arbeit, keine Liebe. Jawohl, ein Opfer der Gesell- ?flft auch dieserl Und dennoch das Messer gegen diejenigen ge- die den wirksamsten, unermüdlichsten Kampf gegen eben � Gesellschast führen! Die Stein für Stein abtragen von Bau, der stürzen muß, wenn ein anderes Leben erblühen soll! "s Messer gegen d i e eigenen Beflseicr! Es gibt nichts Tragischeres in diesen Zeitläuften, als dieses gegen sich selbst. Ein dummer, wilder Bengel, der niibt drei denken kann, als Rickftcr über die Stützen einer weit- �wÄzendcn Bewegung! Ein Strolch ohne sozial« Leistung für Klasse als die eines leichtfertigen, mörderischen Messers. . Armes Proletariat, wenn es sich dieser Piraten des Klassen- �wpse-i nicht erwehrt! Und wehe uns allen, wenn da» die Gene- ot'0n ist, die auf uns folgt! Paul Schulze gestorben. Am 12. November erlag Genosse Paul Schulze im Alter von Jahren einem schweren Leberlciden nach längerem Kranken- "Zer. Als gelernter Zigarrenmacher trat er sehr früh mit der stkbeiterbewegung in Fühlung. In seinen Wanderjahren war er für lEmc Organisation in den Städten Langensalza, Erfutt und Leipzig '8- Auch als freier Turner versuchte er in Sportkreisen stets für Sozialismus zu wirken. Später wurde Schulze Gastwirt in "lm. mußt« aber aus Gesundheitsrücksichten den Beruf aufgeben '"b verzog nach Lichtenberg. Hier wurde er bald Parteifunktionär, kidtverordneter und unbesoldeter Stadtrat bis zur Neugestaltung Berline. In der 117. Abteilung war er als Abteilungskolsierer Mit Paul Schulze ist einer jener stillen Genosien dahin- fangen, die aus dem Sozialistengesetz herauswuchsen und treu bis � Todesstunde auch in schwerster Zeit das Banner hochhielten. Vortrogsabend in der Vereinigung: Die Freuade der iuter- pönalen Sleinarbett. Am Montag. 19. November, pünktlich um Uhr. spricht in der Aula des Köllnischen Gymnasiums. Insel-, e Wallstrahe(zwischen Spittelmorkt und Jannowitzbrücke) ein «r?ter der indischen Jugendbewegung. A. A. S h a i k h »Bombay in englischer Sprache über„Terror ok Impenalisv», lndia*. Der Dortrag. der übersetzt wird, soll die Hörer vertraut � fachen mit den furchtbaren Leiden des indischen Volkes und dem Hillen zur Befreiung. Genossinnen und Genosien, sreigewerkschait- "h Organisierte und Sympachisierend«. die den Freiheitskampf des �»'Millionen-Volkes mit vollem Herzen versolgen und wünschen. «k>°s sein Ziel hold erreichen möge, sind willkommen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und ftm �Send.(Nachdruck oerboten.) Stark wolkig dir trübe und ziemlich mit etwas Regen.— Für Deulschlaad: Im Westen zahlreiche, "�iter östlich nur vereinzelle Regenfälle, am Tag« ziemlich mild. Fast jede Stadt im Ruhrgebiet hat mehrer« Wohnviertel, in denen sich der Geist des Kapitalismus, der noch der menschlichsten Einrichtung, der Wohnung, den Stempel hemmungsloser Profitgier ausdrückte, in krasser Nacktheit offenbart. In diesen Vierteln gibt es keine gepflasterten Straßen, kaum die Andeutung eines Bürger- steigcs. Wozu auch? Di« Autos der Herren kommen nicht hierher, und der Bergmann, der Hochofenarbefter trägt keine Lackschuhe, wenn er zur Arbeit geht, die den Schmutz nicht vertragen können. Unverputzt sind meist die Häuserfronten, in deren Ziegel sich der Ruß hineinfraß, bis sie grau und schwarz wurden wie dos ganze Revier. Kein Grün vor den Häusern. Keine Blume an den Fenstern. Keine Farbe an Tür- oder Fensterrahmen. Roter Bettbarchend. der zum Trocknen an den Fenstern hängt, bringt die einzig« Farbe in die Eintönigkeit dieser Häuserreihen. Da und dort blickt ein nicht ganz entkleidetes Weib durch das Fenster und ruft»och den im Schmutz der Straße spielenden Kindern, durch deren zerrissen« Kleider dünne Aermchen und Beinchen blicken. Manchmal verirrt sich ein armseliger Gemüsehändler mit seiner Karre hierher, um ein paar Pfennig« zu verdienen. Dann kommen, kaum, daß die rasselnde Schelle ertönt, ungekämnfte Frauen in Pantoffeln und nhne Strümps« aus ihren Wohnhäusern heraus, um ein wenig Gemüse zu erstehen. Junge Männer in geschlossenem Hemd, doch ohne Kragen stehen herum oder gehen durch die engen Straßen. Da und dort lockt eine rauchige Schenk«, in der mehr Schnaps als Bier verkauft wird, Rachenkratzer nennen die Ruhr- arbeiter diese» Getränk, ohne das viele unter ihnen nicht leben können, denn die Arbeit in der Grub« und auf der Hütte ist staubig. Und eille Kohlenlunge hoben schon die Kinder, die, kaum, daß sie gehen können, schon sortgeschickt werden mit Karre und Schaufel, daß sie Pferdedung von der Straße kragen für dos kleine Gärtchen, das längst nicht mehr in der Näh« der Häuser liegt. Da und dort ist noch ein« Schenke zu finden, seltener fast noch sind Kaufläden in diesem Viertel. Hier wohnen wirklich keine Leute, von denen ein Geschäftsmann bestehen kann. Ganz selten ein Kon- sumverkaufslokal, Werkskonfume zumeist, denn die Konsum« der Arbeiter läßt der Herr dieses Viertels nicht zu, dessen Werk dunkel über den Häusern steht. Manches dieser Viertel wäre wohl schon lange abgerissen und zum Lagerplatz geworden, wenn nicht die Wohnungen so knapp wären, daß sich auch für den schlechtesten Raum in diesen Häusern noch hundert finden, die ihn verzinsen und ihre Gesundheit noch obendrauf zahlen, um ein Dach über dem Kops zu haben. Denn krank sind sie hier alle. Die Männer, die Frauen, die Kinder. Hohlwangig und schwindsüchtig, wie sie sind, laufen sie als lebendige Käthe-Kollwitz-Typen durch dies Revier. Und wie sollten sie auch nicht krank werden in diesen Wohnungen, in die man durch unbehangene Fenster von der Straß« hinein zu sehen vermag wie in einen Guckkasten. Grauen packt einen, wenn man sieht, mit welcher Nüchternheit jedes Eckchen ausgenutzt ist. Noch sind zwischen je zwei Häuserreihen groß« Plätze zu sehen, die festgestampft vom Tritt vieler Kinder und vom Regen, der aus der dicken Staubmasie«in« feste Schicht buk, dem Auge sich bieten als trostlos« Flächen. Einst waren dies Gärten, in denen die Be- wohner der Kolonie nach der Arbeit des Tages noch die Freuden des Landmannes genossen. Aber sie sind nicht lange Gärten ge- blieben. Das Werk rückte der Siedlung immer näher auf die Pelle, immer dichter wurde der Rauch, der seinen Ruß und seinen Eisen- staub niedersenkte, bis die dünne Humusschicht erstickt war und nichts mehr wuchs auf diesem Fleckchen Erde, dos jetzt trostlos und sinnlos erscheint in seiner Leer«. An diese Flächen grenzen die niederen Stallgebäud«, in denen die Bewohner der langzeiligen Wohnhäuser ihr bißchen Vieh halten, für das die Kinder in der ganzen Stadt Gemüse- und Speisereste zusammenholen. Selten jedoch, daß-ein Schwein den Vorüber- gehenden angrunzt. Häufiger sind Ziegen, die den Kindern der glücklichen Besitzer ihre sehr verdünnte Lebenskraft spenden. Struppig« Hühner lausen herum, denen man ansieht, daß sie in mehr als einer Nacht einen Kampf bestehen mußten mit den Ratten, die durch die Kaninchen angelockt wurden. Zwischen Stallungen und Wohngebäuden liegt meist ein schmaler Hof. der von Dutzenden von Leinen überspannt ist, an denen frischgewaschene Wäsche hängt. Weiß« Hemden und bunte Handtücher, blaue Arbeitshosen und derbe Unterhosen, rot« Betten und zerschlissene Bezüge. Proletariers Schützenfest heißt dieses bunte Durcheinander wäschebehangener Leinen, das an das bunte Gewirr Venedigs und Neapels erinnert, wenn nur der dunkle Himmel nicht über ollem läge, der schon in wenigen Minuten die mühsam gereinigt« Wäsche grau werden läßt durch seinen Ruß und Staub. Noch durch die geschlossenen Fenster hindurch dringt dieser Quälgeist, der alles Leben tötet, das ihm nicht rechtzeitig entrinnt. Und wer könnte das? Diese Wohnungen schon sind leuer für den Arbeiter und so versucht jeder durch die Ausnahme von Kostgängern sich eine Erleichterung zu schaffen, die ihm seinen besten Raum nimmt. S ch l a f st e l l« frei, heißt das'Schild, das draußen hängr. Und eine Schlafstelle, dos ist ein Bett, dos tags vom Vater benutzt wird, der Nachtschicht hat und in das am Abend der Besitzer einer Schlafstelle hineinkriechen darf. Wenn er Glück hat. darf er zu drei oder vier andern aus ein besonderes Zimmer ziehen, aber dann be- zahlt er statt zwei oder drei, vier oder sechs Mark die Woche. Sei- tener gibt es in diesen Häusern ein einfaches möbliertes Zimmer an zwei Freund« zu vermieten. Der Arbeiter hat allenfalls Geld genug, um sich ein Exemplar der Verfassung zu kaufen, in der er sich gelegentlich den schönen Satz von dem Recht auf eine Wohnung, das jeder Deutsche hat, nachlesen kamt. Aber dafür gehört er mit zur Familie. Die Eng« des Zu- sammcnlebens bringt das mit sich und weil es auf den Hütten- werken und Zechen oft der Fall ist, daß der Schlafbursche zu Hause ist, wenn der Dater auf Schicht ist, hat er nicht selten auch den ab- wesenden Mann in dessen eigensten Rechten zu vertreten.„Volle Kost, voll!" nennt man im Ruhrgebiet diesen Brauch, der schon mancher glücklichen Ehe zum Verhängnis wurde und manches junge Mädchen, das im Heim für gefallene Mädchen unter der Aufsicht strenger Schwestern die Wäsche anderer Leute wäscht, verdankt den Verlust ihrer Mädchensrische der Enge der elterlichen Wohnung. Auch das ist«in« Seite des Lebens in diesem Gebiet, in dem vi«! Elend und wenig Glück zu finden ist. Und doch ist wenig Klage hinter den Stirnen der Menschen zu finden, die hier wohnen. Nicht das dumpfe Jammern schlesischer Weber, es muß einmal anders werden, ist hier zuhause, sondern viel«her ein trotzige» Auf- bäumen, das in jedem Gespräch in den Worten:„Es wird einmal anders werden", wiederkehrt. Und das ist gewiß, daß es durch die Kraft der kämpfenden Arbeiterklasse anders und besser wenden wird. Aber wir müsien Sorge tragen, daß es bald anders und besser wird damit nicht noch ein« Generation unter unseren Augen verdirbt. Erich Grisar. Ein beanstandeies Buch. Die Dunkelmänner regen sich. So wurde dieser Tage gegen den Verlag Gustav Kiepenheuer in Potsdam auf Grund des Gottes- läfterungsparogrophen eine Denunziatton gerichtet wegen Herausgabe des neuen Buches von Werner Hegemann:„Der ge- rettete Christus." Die Wege der Bibelkritik sind, wie man weiß, mit Opfern übersät, aber daß es heut noch möglich ist, ein Werk von der geistigen Höhe des vorliegenden unter Berufung auf einen Gefetzesparagraphen zu oerunglimpsen. ruft schärfsten Pro- test heraus. Hegemann, einer der kritischsten Köpfe unserer Zeit, hat es sich bekanntlich mehrsach zur Ausgabe gemacht, Heroengestalten der Ge- schichte, wie den Preußenkönig Friedrich II. und Napoleon ihres von falscher Anbetung erdichteten Nimbus zu entkleiden. In seinem Christusbuch unternimmt er den schon vor ihn' von Strauß, Renan und anderen gemachten Versuch, die Menschlichkeit Christi als das einzig Göttliche zu zeigen. Hermann als moderner, psychologisch durchgebildeter Kritiker oenügt überdies in seiner an antiken Bor- bilde rn geschulten Dialektik über ein Instrument, um die feinsten Verästelungen einer Gestalt bloßzulegen und deren wahren Wesens- kern herauszuschälen. Wir kennen seine blendende Methode aus dem Buch über Friedrich. Ein« Gruppe geistig bedeutsamer Zeitgenossen trifft sich in einer erdichteten Umgebung und unterhält sich über den zum Thema erwähtten Charakter. Es ist begreiflich, daß eine von mehrtausendjährigem Mythos umkleidete Gestalt wie die Christi hierbei im Glanz von zahllosen Facetten funkelt. Der Opfertod Christt steht im Mittelpunkt der Unterhaltung. Wir wissen, daß unsere- größten Geister, wie Goethe und Nietzsche, die Vorstellung des Blutopfers verabscheuten. Hegemann weist an zahlreichen Bei- spielen die Uebereinstimmung christlicher und barbarischer Vor- stellungen nach. Ans den Berichten spanischer Jesuiten ergibt sich, daß die Mexikaner jenen Menschenopfern, die sie zu Ehren irgend- einer Gotcheit schlachteten, vorher, gewissermaßen als Stellver- tretern des göttlichen Wesens, überirdische Verehrung spendeten. Es würde zu weit führen, die überlegen« Kritik im einzelnen anzu- führen, womit der Verfasser in die verborgensten Schlupfwinkel religiöser Vorstellungen leuchtet. Für manche Behauptungen über- läßt er anderen die Verantwortung, so dem redend eingeführten Dichter Arnold Zweig für die Auslegung, daß nicht den Mörder Barrabas oder Barwasch freizugeben vom Volk verlangt worden sei, sondern den Verurteilten Barnasch, was Menschensohn bedeute. In der Tat sei Christus nicht hingerichtet worden, was bekanntlich auch Mauthner aus den entsprechenden Bibelstellen folgert, sondern der Zimmermonnssohn, der bedeutende Mensch und Sozialrevolutionär habe sich, ähnlich wie Upton Sinclair in seinem:„Man nennt mich Zimmermann" es darstellt, sozial betätigt, sich vor den Machthaber» zurückgezogen und im stillen sein« Lehre verkündet. Die Darstellung Hegemanns, die durchweg von einem hohen silt- lichen Ernst getragen ist, nimmt das Recht jeder objektiven Ge- schichtsschreibung für sich in Anspruch. Es kann heut« nicht mehr erwachsenen Menschen vorgeschrieben werden, worin sie das Göttliche zu erblicken haben, in dem mit Wundern durchflochtenen Mythenkranz aus allerhand vergangenen Zeiten oder in dem schlichten Erdenwankel eines vom Geist erleuchteten und mit Be- kennermut beseelten Proletariers. Manchem von uns wird das ganze Problem wenig bedeuten, aber jeder Freund geistiger Klarheit wird das mit o erblüftendem Scharffrnn. Ironie, Satire und moralischem Feingefühl geschriebene Buch gegenüber dem plumpen Zugreifen fanattscher Unduldsamkeit zu verteidigen suchen. Paul Gutmann „Oer Engel der Giraße". Gloria-palast. Die Geschichte dieses armen Mädchens ist zu schön, um wahr zu sein: dieses Attentat auf die Tränendrüsen ist zu durchsichtig, um zu erschüttern. Die Macht, die das Unglück der Ausgestoßenen benutzt, um daraus Sensationen zu machen, ist widerlich. Aber trotzdem: dieser Fox-Film ist fabelhaft gekonnt. Der Regisseur— Frank Borzage— weiß, wie man einen Reißer spannend und rührend aufbaut, er holt aus dem Gewirr der Gassen und Höfe Neapels interessantes Milieu: er gibt der Schaulust lohnende Beute: nächtliche Straßenbilder, eine packende Gerichtsszenc. Heileres und Ernstes vom Wanderzirkus, das Glück der jungen Liclic, Arbefts- haus und Wiedervereinigung des durch die Tücke des Strafgesetzes getrennten Paares. Die Photographie sckwelgt in Licht- und Schäften- spielen und bringt ganze Szenen im nächtlichen Nebel(noch dazu im sonnigen Neapel!). Die Darstellung spielt zwei erste Trümpfe aus: Charles F a r r e l und Ianet G o y n o r. Dieses Paar entzückt Parterre wie Olymp. Die Gaynor macht aus diesem armen, dürftigen Kinde, das ihrer kranken Mutter zu liebe aus die Straß« geht und die ganze Tücke der Iustizbarbarei erfahren muß, nachdem sie ihr Liebesglück gesunden hat,«in so frisches, interessantes und rührendes Geschöpf, daß man dieses ganze Rührei zu allen Teufeln und ihr einen wahren Filmdichter wünscht. r. „Ltnfug der Liebe." Mozartsaal. Gütiges Filnischickjal! Wenn«in Mann au» reiner Leschästi- gungslosigkeit fein Vermögen durchgebracht hat. dann kommt eine Millionärin aus Südamerika und will nichts weiter, als ihn heiraten, und well sie sich vorher mit einem adligen Mitgiftjäger verlobt«, er- hält dieser noch einen unglaublich hohen Dollarscheck als Abfindung. Dazu goldene Wott« über Arbeiten und nicht Verzweifeln und so ähnlich. Der Zuschauer glaubt keinen Augenblick, daß der ver- krachte Lebemann als Chauffeur sein Erdenwallen beschließen wird. Im Hintergrund drohen von Anfang an der Goldfisch, dos Dollar- konto, die Villa. Es gibt noch Liebe auf den ersten Blick und die Welt ist für Mitglieder der besitzenden Klaffen entzückend eingerichtet. Um diese» Liebespaar, das Max(Blaß aus einem Roman Alexander Eastells herausdestilliert hat. verbreitet der Regisseur Robert Wien« mit Hllfe von Eintänzern, mondänen Bädern und Bars kultivierte Longeweile. Die Handlung siecht dahin, ist zu ein- fältig, um zu fesseln. Die Situationen bieten den Schauspielern nur Gelegenheit, hundertmal Gespieltes zu wiederholen. Maria Iacobini umgibt ihr Dollarkind mit müden, dekadenten Gesten und sanftem Salomeschanollen, während Betty Astor ihr Tem- perament fast zu stark beansprucht. Jack Trevor ist der junge Mann, der nach kurzem proletarischen Intermezzo die Millionen heiratet. Er macht wie immer einen liebenswürdigen und gepflegten Eindruck und spielt mit künstlerischer Reserve. Der Titel heißt„Unfug der Liebe", er sollt« heiß«„Unfug de» Film»". gl. 6. W dkfchäfte-Jtnsriger yf &ezir& JZorden- Cften. 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Eins davon hatte ein Leck und sank in etwa 50 ZuH Entfernung vom Schiff. Soweit sich beobachten iieß, wurden die Insassen jedoch von anderen Booten wieder auf- Aefischt. Zwei Rettungsboote, in deren Nähe ich mich befand, konnten infolge des Ueberliegens des Schiffes überhaupt nicht freigemacht werden, eins rih sich los. ehe es srei- gemacht war, zwei kenterten, als sie das Wasser berührten. Ich befand mich mit etwa AI anderen Passagieren und Mannschaften nach an Bord, als das Schiff sich plötzlich umlegte, wir sprangen über Bord und schwammen dann etwa zwei Stunden, bis wir von einem Rettungsboot aufgenommen wurden. Während der ganzen 5eit, die wir im Boot verbrachten, waren wir damit beschäftigt. boz eindringende Wasser auszuschöpfen. Alle Boote leckten anscheinend. Nachts sahen wir die Lichter der Rettungs- bampfer. Wir hatten jedoch selbst keine Rakete. Wir riefen aus Leibeskräften, blieben aber zunächst unbemerkt. Beim Verlasien des Schiffes waren die meisten Boote überfüllt. Der zweite Steward schwamm zwischen den einzelnen Fahrzeugen hin und her. um eine bessere Verteilung der Insassen zu erreichen und die Ueberbelastung einzelner Boote zu vermindern. Die Flottille der Rettungsboote belnühte sich zunächst, in der Nacht zusammen zu bleiben. Wir wurden ober bald von der Strömung auseinandergetrieben. Endlich erschien die„Berlin" und nahm uns an Bord. Eine Anzahl der an Bord des„American Shipper"«ingetroffe- Nen Ueberlebenden der„Vestris" muhte ins Krankenhaus gebracht werden, darunter der New-Porker Korrespondent der Zeitung„La Nacion", Buenos Aires. William D a o i« s. der über seine Erlebnisse berichtete: Wir ließen die Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote, ober viele Angehörige der Besatzung gingen gleichfalls in die ersten Boote. In unserem Boot befand sich kein Offizier. Wir hotten große Schwierigkeiten, von dem sinkenden Schiff loszukommen. Als dies endlich gelungen war, zeigte es sich, daß unser Boot keine Riemen an Bord hatte, so daß wir vollständig hilflos waren. Wir mußten dos eindringende Wasier mit chüten ausschöpfen. Ich hatte nur mein Nachtzeug an und war beinahe tot. als wir gerettet wurden. Der Ouartiermalter der„Vestris" Licorice, ein Neger, er- klärt, dos Schiff habe bereit» merrige Stunden noch der Abfahrt t>on?!ew V�k Wasser gezogen. Eine Steuerbordluke sei nicht fest verschlossen gewesen und habe dem Woiser Sinloß gewährt. Auch aus anderen Berichten der Ueberlebenden der„Vestris" ist die Aussage eines Passagiers noch hervorzuheben, wonach ein Rettungsboot«in derartiges Lock) aufwies, daß es mit Brettern vernagelt werden mußte: als es dann ins Wasser gelösten wurde. ging es soiort unter.— Nock der Erzählung einer Frau Devor« ha: sich die aus Negern bestehende Besatzung ihres Rettungsbootes geweigert, den Insasien eine» sinkenden Retwngsböotc», in dem sich ihr Gatte befand, zu helfen, mft der Begründung, es sei gefährlich, ihr eigenes Boot z»l überladen.— Nach einem weiteren Bericht des Zvgenievrs Mack ist dieser z«. sammen mit dem Zngentbur Ol Najey zweieinhalb Stooden hinter dem von Negern bemannten Rettungsboot Nr. lZ her�Ichwommen. «he es dem Chefingenieur Adams gelang, die Neger zur Auf- »ahme der Schwimmenden zu bewegen. Wie Mack betont, ist es nur dem warmen Golfstrom zu verdanken, daß nicht mehr Personen umgekommen sind. Der Seemann Sadowsti, der der Lesatzung des Schiffes angeharte, erklärt«, jede Luke des Schifies sei schadhaft gewesen. Di« Speigatten, die dos Ablaufen des im Sturm auf Deck schlagenden Wasser? sichern sollen, seien verstopft gewesen. Auch die Schottentüren im Schifisinnern feien nicht wasserdicht gewesen. klebereinsttmmend berichten die Passagiere über Heldentaten der Mannschaft. Der Quarlermaster L i e o r i c a, unter dessen Kommando das Rettungsboot 14 stand, Hab« ollein 20 Personen gerettet. Er sprang wiederholt in» Meer, um Hilflos treibende Passagiere Zu retten und um die dem Boot fehlenden Ruder zu beschossen. Der Telegraphist O'Loughlin, blieb bis zum letzten Augenblick den Hilferuf aussendend, an seinem Apparat und ist mit dem Schiff ver- funken.— Der Passagier Dona und die Stewardeß Clara Ball trieben Z4 Standen an wrackstück« geklammert aus dem Meer, ehe sie geretlet wurden. Wie die„Vestris" versank. Nach weiteren Berichten der Ueberlebenden ist die„Vestris" bereits zn einem Zeitpunkt gesunken, al» erst SO der 528 an Bord befindlichen Personen in den Rettungsbooten untergebracht waren. Den alten Tradittonen des Seelebens getreu wurden in die beiden ersten Rettungsboote 37 Frauen und 13 Kinder geschafft. Als die Mannschaft sich anschickte, diese heoabzulassen, mochte der Körper des sinkenden Schiffes ein« ruckartig« Bewegung. Die beiden Boot« schlugen gegen die Schisfsseite und schleuderten die Frauen und Kinder in di, stürmische See: anscheinend sind alle Kinder ertrunken und nur 10 Frauen gerettet worden. Di« lieber- lebenden sind der Anficht, däß die Mannschaft der„Vestris" ihr Bestes getan Hot. dagegen kritisieren sehr viele mißer Fem Verhallen des Kapitäns, der den Hilferuf außerordentlich spät ergehen ließ, die mangelhaften Vorbereitungen für den Fall einer Katastrophe. So erklärten sie, daß die Flaschenzüge zum herablassen der Rettungsboote defekt waren und daß das Ab- fieren der Boote Stunden beanspruchte. Tatsächlich sind auch»ur zwei Boote ordnungsgemäß herabgelassen worden. Die anderen rissen sich, als das Schiff versank, von selbst los, und den im Wasser schwimmenden Schiffbrüchigen gelang e» erst nachträgstch, hinein. zukleltern. Die Mehrzahl der Pasiagiere hat die Boote nicht an Bord des Schifses besteigen können, sondern mußte ins Meer springen. Man oermutet, daß viel« der Vermißten diesen Sprung nicht gewagt haben und von dem sinkenden Wrack mft in die Tief« gezogen worden sind. Von den im Wasier schwimmenden Schiff- brüchigen, die gerettet wurden, gehörte die Mehrzahl der Besitzung an, was darauf zurückgeführt wird, daß sich die Seeleute infolge ihrer größeren Abhärtung länger in dem eiskalten Wasier hatten konnte» als die Pasiagiere. „Associated Preß" erhält folgenden Drohtbericht von Carlos Quiros, dem Kanzler des argentinischen Konsulats in New Tork, der sich auf der„Vestris" befand, und von dem Lloyddermpfer„Berlin" ausgenommen wurde: Von Sonnabend an gerieten wir in einen leichten Sturm, der eine Steuerbordschlogseite herbeiführt«, die sich allmählich bis zu 30 Grad steigerte. Damals konnte jeder ver- Dünstige einsehen, daß es unmöglich sein würde, ein Unglück zu ver. meidev. Ich weiß nicht, wann die SOS-Rufe gegeben wurden. Der Dampfer„Berlin" fing sie 1S0 Meilen östlich von Nantucket auf. Infolge des Abftandes der„Berlin" vom Wrack wurde Zeit ver- laren. Die Ueberlebenden wurden auf der„Berlin" von Kapitän o. Thueler und seiner Mannschaft, d>e Hobes Lob verdienen, herzlich aufgenommen. In dem Bericht von Quiros heißt es weiter: Die Haltung der Mannschaft der„Vestris" war ausgezeichnet. Der Kapitän, dein man die Anstrengung ansah, gab in Ruhe fein« An- Weisungen. Jeder hatte den Eindruck, daß die einzig« Störung durch die in angelnde Bertraülheit mit der Hand- habung der Rettungsboote entstand. Einige wurden zu stark befetzt, so daß die darin befindlichen Männer und Frauen ins Wasser springen mußten, während die Mannschaft die Boote nicht losmachen konnte. Der Chefingenieur legte am Montag frühzeitig alle Moschinen mit Ausnahme oer Dynaniomoioren still und vermied dadurch eine Kesielexplosion, bei der kaum jemand mit dem Leben davongekonnneii wäre. Der zweite Steward ging ins Wasser, um von dort aus zu raten, was zu tun fei. Die Passagiere der..Vestris" bewahrten die Fassung, weil sie den Ernst der Lage erst erkannten, als sie ausgebootet waren. Dann fingen die Frauen zu weinen an und zeigten Angst und Schrecken wegen des Schicksals derjenigen, die sich von ihnen getrennt hatten. Quiros gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß bei derartigen Schisssunsällen kein einziges Leben und kein einziges Gepäckstück verloren zu gehen brauchte. Es sei reichlich Zeit vorhanden gewesen, um jeden Verlust zu vermeiden. Künstig müßte jedes Schiff«ine Bescheinigung uneigennütziger, nur vom n, enschlichen Standpunkt urteilender Sachverständiger besitzen, daß bei Gefahr alle Passagier« in Sicherheit gebracht werden können. Amerikanische Kritik am Llntergang. Dos Verhallen des Kapitäns der„Vestris" wird in Amerika scharf kritisiert. Man wirft ihm vor SOS-Rufe erst nach Aufforde- rung der Passagiere ousgesandt zu haben. Die Mannschaft habe aus Schwarzen, Weißen und Gelben bestanden. D'e Rettungsboote feien zum Teil seeuntüchtig gewesen und ohne Offiziere heruntergelassen worden. Man nimmt daher an, daß der Kapitän freiwillig den Tod gesucht Hot. Bundesdistriktsanwalt Titttle erklärte, daß er am Donnerstag die Untersuchung über die Katastrophe der„vestris" eröffnen werde. Von der Reederei Lamport u. Holl wurde gestern abend die erste amtliche Erklärung über den Untergang des Damp- fers„Vestris" gegeben. Donach kamen infolge des hohen Seeganges in Kisten verpackle Kraftwagen ins Rutschen, stießen gegen eine SlaHlwand, die sie eindrückten, und fielen nach der Steuerbordseite des Schiffes, dos sich dann nach dieser Seite neigte. Wi« jetzt be- könnt wird, befand sich der Dampfer„Montoso" 25 Meilen von dem Ort der Katastrophe entfernt, als die„Vestris" sank, da er aber keine Funkanlage besitzt, hörte er nicht die SOS-Rufe des untergehenden Schifies. Line schwierige Frage: Wo licgi der Vcrsaillcr Vertrag? Ich Holle mir ungefähr gedacht: In einer feuersicheren Kasiette, die in einem Stahlgewölbe eingebaut ist, das von schwerbewaffneten Polizisten bewacht wird, die vom Herrn Minister des Aeuhern persönlich kontrolliert werden. Ich hatte mir weiter gedachk, daß es sich sehr schön über die Polizisten, dos Gewölbe und die Kasiette (vom Herrn Minister des Aeußern ganz zu schweigen) müsse schreiben lassen und es kam jetzt nur noch darauf an, in Erfahrung zu bringen, wo das Gewölbe sich befinde. Ich holte mir Rot bei einem meiner Bekannten, einem ausgesprochen politischen Kops mit univerfalgenialcm Einschlag.„Der Bersailler Vertrag," sagte er, „der Dersoiller Vertrag liegt natürlich im Reichsarchiv in Potsdam. Wo denn sonst soll er liegen!" Ich rief beim Reichsarchiv in Potsdam an.„Bei uns liegt der Bersailler Vertrag keineswegs," jagte di« Stimme am Telephon. „Er ist ein laufender Staalsvertrag. Bei uns liegen nur die erledigten Bertrage. Der D-rsailler Vertrag wird sich im Aus- wältigen Amt befinden, Wilhelmstr. 75." Ich setzte mich in Verbindung mft Wilhelmstr. 75.„Der Ver- sailler Vertrag.. murmelt« nachdenklich der Herr am Telephon. ,cha muß ich Ihnen mal einen maßgeblichen Herrn geben." Ich bekam den maßgeblichen Hern,. Auch er konnte mir zwar nicht sagen, wo der Bersailler Vertrag aufbewahrt ist, aber er wußte, welcher noch maßgeblicherer Herr es wissen müsse. Er schlug mir vor, an einem der kommenden Tage im Auswärtigen Amt vor- zusprechen und mich an Herrn Konsul X zu wenden, der derlei Dinge bearbeite. Ich pilgerte zu Herrn Konsul X, der derlei Dinge bearbeitet. Er war sehr ttett und sehr auskunftsbereit. Vom Dersoiller Vertrag wußte er jedoch nur zu sagen, daß er„irgendwo hier im Hause herumliegen müsse". Er werde sich mal eingehend erkundigen. In einigen Tagen könnte ich ihn dann wieder anläuten. Ich läutet« an. Herr Konsul X erössnete mir, daß er sich nun- mehr eingehend erkundigt habe. Zuständig sei Herr Geheimrat P, der Bibliothekar des Auswärtigen Amtes. Ich suchte Herrn Geheimrat P aus. Er selbst erwies sich zwar leider ebenfalls als unorientiert über den Aufbewahrungsort des welthistorischen Dokumentes, aber«r schien meiner Frage rege, persönliches Interesse abzugewinnen und setzte liebenswürdigerweise das Haustelephon in emsigen Betrieb. Nach etwa halbstündigem, aufvegendem Recherchieren löste sich dann das Problem auf sensatio- nellste Weise. Herr Geheimrat P bracht« in Erfahrung, daß über. Haupt kein Originalexemplar des Bersailler Vertrages in Berlin auf- bewohn werde. Sondern in Paris. Eigentlich ging mir diese Enthüllung ein wenig nahe. Sie wäre. sozusagxn, vorauszuahnen gewesen. Aber wieso muß«in schlichter Journalist in Dingen, die die Aufbewahrung von Staatsverträgen betreffen, sachkundiger als da» Auswärtige Amt sein? Ich bin übrigen« fest davon überzeugt, daß in Paris nicht weniger als in Berlin die Stimmen am Telephon, die derlei Dinge bearbeitenden Konsuln und die zuständigen Geheimräte keinerlei Bescheid über den Verbleib des Vertrages zu geben wissen. Den Gedanken an die in das schwerbewachte Gewölbe eingemauerte Kasiette habe ich längst fallen gelassen. Wenn es den Vertrag überhaupt geben sollte, wird er sich Heimatlos unter irgendwelchen Papieren eines Subaltern- beantten herumtreiben oder die Reinmachefrau hat ihn gerade wieder einmal versehentlich auf den Müll geworfen.' Hsn» Bauer. Hohe Schule. Es gab einmal ein« Zeit— und sie ist ga» nicht allzu long« verschwunden—, da hotte der Z i r k u s ein Stanimpublikum, das mft großer Begeisterung bei der Sache war. Alljährlich zur Winter- foison begrüßte mo-n alle Bekannte und freute sich voller persön» lichster Alfteilnahme, wenn ein bekannter Artist etwas Neues brachte. Dieser alte Stamm ist, wenigstens was Deutschland anbelangt, aus- gestorben. Die Leute, die heute das Geld haben, schwärmen sür möglichst ausgezogene Girls und für schicke Eintänzer. Beim Zirkus- Publikum vollzog sich eine Umschichtung, heut« ist der sogenannte kleine Mann der treueste Anhänger zirzensischer Küi,st«. Dem Zirkus fit der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er Glanz- leistunge.n von früher nicht aufrechtzuerhalten verstand. So scheint der Schulleiter ganz auf dem Aussterbcatot zu stehen. Die paar Könner unter den Zllkusichulreiten, der Gegenwart kann man an den Fingern auszählen. Und da der Altmeister Karl Reinsch, der in diesem Monat 50 Jahr« alt wurde, gerade jetzt wieder in, Ziickus Busch reitet, seien hier einige Datei, aus einem 30jährig«i, Schüttre itetteben ausgezählt. 1889 wagte es Reinsch, als der Zirkus August Deike, bei dem er bisher tötig gewesen war, eiirging, die Manege mit der Bühne zu vertauschen. Er erschien dort mit Pferden und chunden, obwohl ängstliche Sachverständige sagten, Pferde würden im Orchesterraum landen und zumindest in die Pauk« sollen. Doch die Pferde blieben schon oben und die Numnwr gefiel so gut, daß durch sie dem Schuh reiter und dem Pferde d!« Varietebühne erobert wurde. Von den Pferden, die Karl Reinsch fertigmachte, wurde„Eulenspiegel" unter dem Namen„Das Potkopferd" volkstümlich.„Euletfipiegel", der «in sagenhaftes Pferdealter erreichte, kam als schiotterndes Geschöpf, daß nur noch aus Haut und Knochen bestand, aus dem Weltkrieg« zurück. Sein Herr selbst kehrt« aus russischer Gefangenschost heim. Nun hatten die beiden sich wieder. Karl Reinsch putzte und fütterte seinen langjährigen Geiährten zwei Monate persönlich, felsenfest war sein Vertrauen zu„Eulenspiegel". Ohne eigentliche Probe ging er mit ihm in die Vorstellung, und als das treue Pferd den Sand d«r Manege witterte, die Lichter sah, die Musik Härte, da strafst« es sich unter dem Sattel, wurde ganz Aufmerksamkeit und tanzt« Vieder die Polka. Kart Reinsch war auch der erste deufiche Echulreiter, der noch dem Weltkriege ein Engagement in Parts an- nahm. Er hatte vollen Erfolg und obwohl damals noch viel Bitterkeit herrschte, wurden ihm nicht die geringsten Schwierigkeiten be- reitet, denn di« gute Leiftung setzte sich durch. Das gilt auch für jeden Schulreiter für heute. Er benötigt als Rohmen für seine Arbeft nicht ein großes glanzvolles gesellschaft- Kch» Bild, er gebraucht ein gutes Pferd, eigenes Können und gc- Nügend Zeit, um das Tier richtig fertig zu machen. Geht er so in die Manege und das Pferd gibt unterm Sattel etwas her, fit durch- gearbeitet und die Hinterhand geht wirklich mft. dann findet er auch bei einem anders geschichteten Publikum Beifall. Denn wahre Arbeit kann letzten Endes doch nur der einschätzen, der selbst schwere Arbeft leistet. Brno Büswig. Ein trockener Tag in Japan. Am 1. September, dem Jahrestag des großen Erdbebens, das Japan im Jahr« 1923 heimsuchte, wurde im ganzen Lande ein trockener Tag abgehalten oder, wie die Japaner sagen, ein Tag ohne sslcö(Reisbranntwein). Zum erstenmal sandte die Regierung den Provinzbehörden Anweisungen zur Einhaltung des Verbotes. Bei- nahe überall wurden durch die alkoholgegnertschen und Bölkswoh'- fohrtsvereine große Kundgebungen veranstaltet. COMAN�o« EDGAR WALL'ACE »NS DEUTSCHE Q B E RTC�O E IN f VDN' RAV/I RAVEN DRO 1. Mr. Septunus Satter drückte schon zum drittenmal die elektrische Klingel auf seinem Tisch und brummte unzufrieden. Er war ein gefetzter, ätterer cherr mit großem, roten Gesicht und weißen Koteletten und sah mehr wie ein wohlhabender Land- wirt als ein erfolgreicher Rechtsanwalt aus. Es gab keinen ge- scheiteren und tüchtigeren Rechtsanwalt in London, ober in seiner Kleidung und seinem Aeußeren blieb er der Aeit treu, in der er jung gewesen war. Er drückte ungeduldig noch einmal auf den Knopf. „Verdammter Kerl/ murmelte er oor sich hin, erhob sich und ging in den kleinen Raum seines Sekretärs. Er hatte eigentlich erwartet, das Zimmer leer zu finden, aber er irrte sich. Seitwärts von dem alten, tintenbeklecksten Tisch stand ein Stuhl, auf dem ein junger Mann kniete. Er hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt und war in das Studium eines Schriftstückes oertieft. „Steele/ sagte Mr. Salter scharf. Der junge Mann schnellte auf und sprang auf die Füße. Er war groß und hatte breite Schultern, aber trotzdem waren seine Bewegungen geschmeidig und biegsam. Sein gebräuntes Gesicht erzählte von Tagen, die er draußen sin Freien verbracht hatte. Eine gerade Nase, ein fester Mund und ein hartes Kinn gaben ihm das charakteristische Aussehen eines früheren Offiziers, der vier Jahre lang an der Front alle Härten des Krieges mit- gemacht hatte. Nun war er etwas veranrrt und sah wie ein bei einer Un- aufmerksamkeit ertappter Schüler aus. „Sie sind wirNich zu unaufmerksam, Steele. Ich habe nun viermal vergeblich nach Ihnen geklingelt/ sagte Mr. Salter oor- wurssnoll. „Cs tut mir furchibar leid/ entschuldigte sich Jim Steele und sah Mr. Salter mit dem Lächeln an, dem dieser nicht widerstehen konnte. „Was machen Sie denn hier?" brummte der Rechtsanwali und besah sich die Dokumente, die auf dem Tisch lagen.„Haben Sie denn immer noch nicht genug von dem Fall Danton?" fragte er dann mit einem ungeduldigen Seufzer. „Nein, noch nicht/ war die gelassene Antwort.„Ich habe das Gefühl, daß Lady Mary Danton gefunden werden kann. Und wenn man sie erst gefunden hat, wird sich auch ihr damaliges, plätzliches Verschwinden befriedigend aufklären lassen. Dann würde jemand sehr außer Fassung geraten—" er hielt plötzlich inne. aus Ftncht, eine Indiskretion zu begehen. Mr. Salter sah ihn scharf an und nahm eine Prise. „Sie mögen Mr. Groat nicht?" fragte er. Jim lachte. „Es ist nicht meine Sache, ihn sympathrsch oder unsympathisch zu finden. Persönlich kann ich solche Leute nicht leiden. Als einzige Entschuldigung für einen Mann von dreißig Jahren, der nicht im Felde war, kann ich nur gelten lassen, daß er zu der Zeit tot war." „Er hatte doch ein schwaches Herz," meinte Mr. Salter, aber er sprach ohne große Ueberzeugung. „Das wird schon stimmen/ entgegnete Jim etwas ironisch. „An der Front nannten wir solche Menschen Drückeberger." Mr. Salter sah wieder auf die Papiere, die auf dem Tisch umherlagen. „Legen Sie das ruhig weg, Steele. Sie werden doch keinen Erfolg damit haben, wenn Sie eine Frau suchen wollen, die ver- schwvnden ist, als Sie noch ein Junge von fünf Jahren waren." „Ich möchte"— begann Steele, zögerte dann aber.„Sie haben recht, es ist nicht meine Sache," sagte er dann lächelnd.„Ich habe kein Recht, Sie zu fragen, aber ich möchte gern mehr Einzelheiten über das Derschwinden jener Frau hören— wenn Sie einmal freie Zeit hätten und dazu aufgelegt wären. Ich hatte früher niemals den Mut, Sie dirett zu fragen— wie verschwand sie denn eigentlich?" Mr. Satter runzelte erst die Stirn, aber dann hellten sich seine Gesichtszüge wieder auf. „Steele, Sie sind der schlechteste Sekretär, den ich jemals hatte/ sagte er.„Und wenn ich nicht Ihr Patenonkel wäre und mich moratfsch verpflichtet fühlte, Ihnen zu helfen, würde ich Ihnen einen kleinen, höflichen Brief schreiben, daß Ihre Dienste am Ende dieser Woche nicht mehr benötigt werden." Jim Steele lachte. „Das habe ich schon immer erwartet!" Der alte Rechtsanwalt zwinkerte freundlich mit den Augen. Er hatte Jim Steele außerordentlich gern, obwohl er es nach außen hin nicht eingestehen wollte. Der junge, hübsche Mensch war ihm viel mehr ans Herz gewachsen, als er selbst ahnte. Al>er nicht allein aus Freundichatt und einem gewisje» Peranttvottlichfeits aefuhl beraus behielt der alt« Salter Jim in seinen D-cnsten, sondern der junge Mann mar ihm auch sebr nützlich. Und obgleich er die traurige Veranlassung Halle, elektrisch« Klingelzeichen zu überhören, wenn er sich mit seinem Lieblmgssrudium belchäftigte. mar er doch iebr vertayenswürdig. „Schließen Sie die Tür," sagle Satter etwas schross. „Wenn ich Ihnen diese Geschichte erzähle/— er hob warnend den Zeigennger—„so tue ich es nicht, um Ihre Neugierde zu befriedigen, sondern weil ich hoffe, daß ich Ihr Interesse an dem geheimnieoollen Fall Danton damit für immer beieiiige! Lady Mary Danton war die einzige Tochter des Lord Plim- stock— ein Adelsprädilat, dos jetzt erloschen ist. Sie heiratete als junges Mädchen Jonathan Danton, einen Reeder, der ein Millionen- vermögen besaß. Aber die Ehe war nicht glücklich. Der ätt« Danton war ein harter, unangenehmer und auch kranker Mann. Wir sprachen ebon davon, daß Digby Groat herzkrank sei.. Jonathan ''ztte aber wirklich kein gesundes Herz. Seine Krankheit war wohl auch teilweise dafür verantwortlich, daß er seine Frau so schlecht behandelte. Auch das lleine Mädchen, das ihnen gehören wurde, '"-achte ste etnatcher nicht näher»nch fie wurden sich immer frencher. Danton mußte eine Geschäftsreise nach Amerika antreten. Vor seiner Abreise kam er zu meinem Bureau, und an diesem Tisch hier unterzeichnete er ein Testament, das eins der seltsamsten und merk- würdigsten war, die ich jemals aufgefetzt habe. Er hinterließ fein ganzes Vermögen feiner kleinen Tochter Dorothy, die damals drei oder vier Monate alt war. Im Fall ihres Todes sollte das Geld an feine Schwester, Mrs. Groat, fallen, aber erst zwanzig Jahre nach dem Tode des Kindes. In der Zwischenzeit sollte Mrs. Groat nur die Einnahmen aus feinem Landgut erhatten." „Warum hat er denn diese merkwürdige Bestimmung ge- troffen?" fragte Jim verwundert. „Das ist doch leicht zu oerstehen Er wollte vor allen Dingen verhindern, daß das Kind in früher Jugend beiseite geschafft wurde. Auf der anderen Seite sah er voraus, daß das Testament von Lady Mary angefochten würde. So wie das Testament aufgesetzt war— ich habe nicht all« Details erwähnt— konnte es während zwanzig Iahren nicht angefachten werden. Und«s ist auch kein Einspruch dagegen erhoben worden. Während Danton in Amerika war, oerschwand Lady Mary mit ihrer Tochter Dorothy. Niemand wußte, wohin sie gegangen war, aber die Spur der kleinen Dorothy und ihres Kindermädchens führte nach Margate. Bielleicht war Lady Mary auch dort. Es steht aber jedenfalls fest, daß das Kindermädchen, die Tochter eines dortigen Fsschers, die sehr gut rudern konnte, an einem schönen Sommertage das Kind in einem Baot mit auf Meer nahm. Dort wurde sie vom Nebel überrascht. Allem Anschein nach wurde sie von einem Passagierdampfer überranM. Die Ueberrcste des zertrümmerten Bootes wurden aufgefischt und eine Woche später wurde die Leiche des Sindermädchens ans Ufer gespült. Man hat aber niemals erfahren, was aus Lady Mary wurde. Danton kam zwei Tag« nach dem Unglücksfall zurück und feine Schwester, Mrs. Groat, brachte ihm die Nachricht von dem Unglücksfall. Das gab ihm den Rest. Er staib." „Und Lady Mary hat man nie wieder gesehen?" Satter schüttelte den Kopf. „Sie sehen also, mein liebr Junge, selbst wenn Sie durch ein Wunder Lady Mary finden würden, könnte da» doch nicht � geringsten Einfluß auf die Position der Mrs. Groat oder ih-as Sohnes haben. Nur Dantons Tochter könnte die Erbschaft an» treten— und die liegt wahrscheinlich auf dem Meeresgrund." Die letzten Worte hatte er leise und traurig gesogt. Ein tiefes Schweigen trat ein. „Ich verstehe jetzt die Zusammenhänge." sagte Jim Steel« ruhig,„nur—" „Was haben Sie noch'?" „Ich habe den starken Eindruck, daß an der ganzen Sache etwas nicht stimmt, und ich bin fest davon überzeugt, daß das Geheimnis gelöst werden könnte, wenn ich meine Zeit dieser Aus- gäbe widmen könnte." Mr. Satter sah seinen Sekretär scharf an, aber Jim Steele hielt seinem Blick stand. „Sie sollten eigentlich ein Detektiv werden," meinte der Reckts- anwalt ironisch. „Ich wünsche nur, ich wäre einer," erwiderte Jim.„Bor zwei Jahren, als ich aus dem Krieg« zurückkam, Hab« ich Scotland Pard (der Londoner Geheimpolizei) meine Dienst« angeboten, als die Bande der Dreizehn die Bauten beraubt«, ohne daß man einen dieser verwegenen Verbrecher fassen konnte." „Sehen Sie einmal an," sagte Salier«in wenig spöttisch und öffnete die Tür, um zu gehen. Aber plötzlich wandte er sich wieder um.„Warum habe ich Ihnen denn eigentlich geklingelt? Ach so, ich brauche alle Pachtverträge, die sich auf den Grundbesitz des alten Danton in Cumberland beziehen." „Will Mrs. Groat die Ländereien verkaufen?" „Sie kann sie jetzt noch nicht verkaufen. Erst am dreißigsten Mai erhält sie die Verfügung über das Millionenvermösen Jonathan Dantons, oarausgesetzt, daß kein Einspruch dagegen erhoben wird." „Oder ihr Sohn erhält das große Devnögen/ meinte Jim bedeutungsvoll. Er war feinem Chef in dessen Bureau gefolgt. An den Wänden standen viele Aktenregale. Abgenutzte Möbel und ein schon etvoas fadenscheiniger Teppich bildeten außer ihnen di« Ausstattung des Raumes, in dem es nach staubigen Akten roch. „Ein Detektiv möchten Sie werden?" fragte Mr. Satter un- wirsch, als er sich an seinem Schreibtisch niederließ.„Und welche Ausrüstung bringen Sie denn für diesen neuen Berus mit?" Jim lächelte, aber in seinem Blick lag Bogeistenmg. „Glauben," sagte er ruhig. „Was nützt Ihnen ein Glaube als Detektiv?" „Es ist aber der Glaube eine gewiss« Zuversicht des, das man Hofset, und nicht zweifelt an dem, das man nicht siehe!." Jim zitierte diesen Bibelspruch feierlich, und Mr. Salter schwieg eine Weile. Dann nahm er ein Stück Papier, auf dos er einige Notizen geschrieben hatte, und reichte es Jim. „Sehen Sie einmal, ob Sie mit dem Spürsinn eines Detettiocn diese Aktenstück« auffinden können, sie liegen unten in der Sialss- kammer." Aber trotzdem er scherzte, harten Jims Wort« doch Ein- druck auf ihn gemacht. „Sicherlich, aber Mrs. Fane scheint es nichts mehr auszu- machen. Man gewöhnt sich daran, wenn man schon sieben Jahre krank liegt." Es kamen Schritt« die Treppe herunter, und sie schäme hinaus. (Fortsetzung folgt.i Neues über die Epilepsie;• Bis vor kurzem sah man in der Epilepsie eine Erkrankung des Gehirns. Wie nun vr. meä. I. Haas in der„Umschau" mitteilt, sucht man heute den eigentlichen Grund der Krankheit in Giststossen, die durch ungenügende Funktion der L e b« r jn das Blut gelangten. Die Leber bildet in diesem Falle nicht genügend Glykogen, das ist tierische Stärke, die als Filter wirkt. Die Giftstosse, die als Ursache der Epilepsie angesehen werben, sind Lbbauprodukte, die bei der Verdauung des Fleisches entstehen. Das Gehirn soll bei der Epilepsie nur gewisse Mechanismen auslösen, die den Krampfanfall in Gang bringen. Eine Reichs-Unfallverhütungs- Woche wird vom 20. bis 26. Januar 1929 von den Verbänden der Berufs- genossenschasten unter Mitarbeit aller an Unsalloerhütung und Bolks- gesundheit beteiligten Behörden und Berbände veranstaltet werden. In den Richttinien wird auch der Alkoholgefahr gedacht, die für die persönliche Seite dieser hochwichtigen Frage von großer Bedeutung ist. Hat doch die Erfahrung gezeigt, daß überall mit dem Rückgang des Altoholverbrauchs auch die Unfallhäusigkeit abgenommen Hot. So ist nach amtlichen Berichten in den Großbrauereien von Frankfurt a. TO. in dem einen Jahre von 1903 auf 1904 nach Abschaffung des Freittunks die Unfallhäufigkeit der Brauer von 184 aus 117 ge- fallen. Und bei der Ilseder Hütte, di« im Jahre 1897 auf 100 Ar- WAS DER TAG BRINGT. | beiter 15,1 Proz. Unfälle zählte, oerminderte sich dieses Zahl, Hand in Hand mit starker Einschränkung des Bierverbrauchs durch Genuß alkoholfreier Getränke aus 9,47 im Jahr« 1900 und 3,2 im Jahre ' 1904. Sicher haben dabei auch noch andere Verbesserungen des Ar- beitsoorgangs mitgewirkt. Aber die Mitwirkung gerade dieses Um- ! standes, den der Bericht der Gewerbeaufsicht auch ausdrücklich hervor- hebt, ist zweifellos dabei nicht ohne Einfluß gewesen. interessante Zahlen. Folgende amtlich« Statistik zeigt di« Zahl der Ehescheidungen in Deutschland: 1913.... 16 657 I 1925.... 35451 1924.... 35936 I 1926.... 34 105 Das sind nur die durch Gerichte geschiedenen Ehen. Die Zahl der zerrütteten Ehen ist natürlich weit gräß-r. Ein Zahlenbeispiel i zum Thema:„Heiligkeit der Ehe!" Sportgrillen. Das kämpfende Tier bot seit undenklichen Zeiten dem Menschen Anreiz, es zu sportlichen Spielereien, die allerdings oft genug nichts anderes als Quälereien find, zu benutzen, und so finden wir in Südamerika, Spanien und Mexiko die Stierkämpfe als„Dolks- sport", in England, Irland und hier und da auch in Italien sind es wieder die Hahnenkämpf«, die beliebt sind, in Mexiko läßt man Schlangen aufeinander los, in Japan kleine Kampffische China bevorzugt die Grillenkämpfe. Dort herrscht nämlich der Glaube, daß in den Grillen der Geist tapferer verstorbener Krieger verkörpert sei, und so läßt man den für solche Kämpfe bestimmten Grillen alle erdenkliche Pflege angedeihen. Sie werden vielfach in kostbaren Gefäßen gehalten, die reich geschmückt sind. Auch der Deckel, durchlöchert, um der Luft reichlichen Zuttitt zu gewähren, ist kunstvoll geschnitzt und bemalt: er besteht au» Holz, Jade oder gar aus Elfenbein. Speise und Trank wird der Grille in zierlich kleinen Porzellangefäßen gereicht und selbst ein Ruhebett fehlt nicht. Ihre Nahrung besteht aus Fisch, Bohnen, Reis und Lattich. Vor dem Kampf wird jede Grille sorgfältig geprüft und gewogen. Man bringt nack» Mögsichkeit Grillen von gleichem Gewicht in die Arena, die alt» einer qraßen?ottichal« besieht, um die sich die Zu- tchauer lagern. Die Spielleidenichaft de» Chinesen ist groß, ein Grillenkompi ohne Wetten hott« für ihn keinen Reiz� Das Zollprnhlem des Sprechtilms. Die amerikaniichen Zollbehörden sind einigermaßen in Ver- legenheit geraten, in welche Taritklosie— Sprechsilme zu bringen sind. Gehnren sie zu den Filmen und sind fie noch der Länge zu verzollen? Oder gehören sie zur Klasse der Sprochapparaie, aui die eine Zollgebühr von 30 Proz. zu entrichten Ist? Aisher ist diese Frage noch nicht gelöst worden. Mark Twain als Prophet des Plugzeugs. In seinem Buche„Tom Sawyer Abroad" hgt vor 50 Igh- ren bereit? der geistreiche amerikanische Schriftsteller Mark Twain einen Flug Tom Sgtpyers und seiner Freunde van St. Louis über den— transatlantischen Ozean ge- schildert. Eine Neuausggbe Tom Sawyers ist gegenwärtig er- schienen und mit einem Borwort von LyrA, der jetzt zu einer Süd- pulexpedttton.ausgebrochen ist, oe�ehen. 16.00 Donnerstag, IS. November. Berlin. Lothar Brieger: Meisterwerke als Spiegel der Volkskultur. IV.: WW_ Dürer und Deutsehland. Kaw-Tnermusik. 1. Pocclni: Zwei Menuette.— 2 Dvorak: Llcbeftlicder'.ur Streicbquar tc:t; Hier hast du. U�bSKr einst b) Am �ildbach sieh' i:h sinnend; c) 0 einzig teure Se?le. du: MaiendSrnmer über d*r Au. " Borchdlti: S-reichquartett D-Dur: Mlegro moclnato— Scherro— Votttjrno— Finale(Prof Issav Barmas, 1. Violine; Karl Knagk. ?• Violjn«; Otto Klust Vioia; Fritr- Deohert, Cello). � JugeodjjLhrc im Dschungci. Vor T>. Q. MukerdscÄi.(Gelesen von Wilhelm Lcyhiuscn.) Stadfarrt Dr. S. Drueker: Ist Trnnk�ucHt heilfear? Dipl.-lrx. F. Kreide: Die techni«cHe FinricMunjr der Vi iemoWI-Pepa- raturwertetfttt Prof. Tarachaud Roy: ülinitthriiuc zu, dem ili»cbfdlg#nde;i St!'de>i):ol. Stndcspiaic:„Bimaia'. Heiteres Spiel in drri Teilen nach HaHyyscher Musfk frei bearbeitet von Benno Bardi. Leitung: Cornelis Broiisgceit. Dirigent: Benno Bardi. Der Journalist Aorteht. Am Mikrophon: Dr. G. Schuhte. Pfselner. Anschließend: PresÄe-Um-chtu de« Drahtlosen Dienstes, Anschließend bis 00.30: Tansmusik(Artur Outtmanns Jtzr Sinfoniker) 17.30 IPAi iwe MM 21 30 Königswusterhausen. 16/0 Oberin von Thctr irius: Bcrufifceratung. Di« Krankenpflegerin.. 16.30 Uebtrtragung de» Nachmittagskongertes Barlin. 17.30 Mtlhniliaa Miiller-Jabusch: Waltpoütische Stunde. 18.00 Dr. Job. Günther; tmftlbrang in da* Verittndinc des Drtmaa(Arbeits- ift). i Das genormte Automobil. Unter den Ständen der internationalen Automobilaus- >t e l l u n g am Kaiserdamm fällt der Stand des Fachnormen- »usschusses auf. der hier zum ersten Mole dem Automobilisten vorführt, was Normung ist und mos sie praktisch für die Haltung i>es Kraftsohrzeugs bedeutet. Normung bedeutet, die Unterhaltung und den Betrieb des Kraftfahrzeuges zu verbilligen. Normung ist nicht Typisterung, mit der sie oft verwechselt wird: sie will die ein- heitliche Festlegung von Mähen und Baustoffen an gewissen Einzel- testen. Für das Automobilwesen besorgt diese Arbeilen ein beson- öerer Fach-Normenousschuh, abgekürzt �Fatra" genannt. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden in Normentaseln niedergelegt und allen beteiligten Fabriken, Händlern, Verbänden und Körper- ichasten lausend zugestellt. Etwa 20V solcher Normentaseln wurden bereits ausgegeben: weitere sind in Bearbeitung. Die Ausstellung der Jakra am Kaiserdamm >>t geeignet, auch den weiteren Kreisen der Selbstfahrer die Le- beuwng und außerordentlich« Wichtigkeit dieser Maßnahmen nahe- Zubringen und sie zu veranlassen, nun ihrerseits aus den Gebrauch Senormter Wagen Wert zu legen. Welchen praktischen Vorteil hat nun für den Krastsohrzeug- Halter die Normalisierung aller dieser Einzelteil«? Jedem alten Kraftfahrer ist es schon vorgekommen, daß bei einer elligen Nepa- rawr beispielsweise kein passender Kolbenbolzen zu beschaffen war und erst langwierig und nicht sehr zuverlässig angefertigt werden wußte. Oder es kommt vor, daß beschädigte Teil« des Chassis wie »twa oerbogen« Vorderachsen, Lenkgestäng« usw. in der Werkstatt warm ausgerichtet werden, wodurch das Material in seiner Struktur bei unsachgemäßer Behandlung Veränderungen erfahren kann und alsdann für den gedachten Zweck nicht mehr geeignet ist. Di« Fokra hat, um solchen Sünden der Reparaturwerkstätten zu be- kegnen, die Wärmebehandlung genau vorgeschrieben. In der Nor- wung des Materials begann mit den Edelstahlsorten, deren 1925 nicht weniger als 18V verschiedene gab. Heute hat man h'c im Kraftsahrzeugbau vorwiegend verwendeten Nickel- und Chrom- nickelstahle aus 7 Sorten herabgemindert. Dadurch wird in Kon- Üruktionsbureaus und Werkstätten viel gespart, und der einzeln« �ugen ist in Betrieb und Reparattir zuverlässiger und billiger Seworben. Aber auch die Anordnung des Bremspedals, der Kuppelung, Schaltung und Apparatur werden nunmehr von der internationalen Normung erfaßt mit dem Ziel, für den Fahrer eine Verwechslungsgefahr bei der Bedienung auszuschalten. sehnlich steht es etwa um die Benennung und Anordnung der .'i'indkabel. Hier sorgt die Normung ebenfalls dafür, daß sich der Fahrer auch bei fremden Woge» rasch zurechtfindet. Wenn jemand einen Vergaser auswechseln wollte, so hotte er vor der Normung Mühe, unter den etwa 18 0 F l a n s ch s o r in e n die für ein« Rohrverbindung notwendig« Größe zu beschossen. Durch die Normalisierung ist heute die Zahl der Flanschverdichtungen aus neun Größen herabgemindert worden. Aehnlich hat man bei den so wichtigen Kolbenringen verfahren. Welche Schwierigkeiten verur- sacht z. B. so häufig allein schon die Beschaffung eines passen- den Reisens oder Lustschlauches, und wie oft mußte eine Fahrt deshalb unliebsam unterbrochen werden. Gab es im Jahr« 1924 noch 35 v«rsch»edene Personenkroftwagenreisen, so wurde die Anzahl 1925 auf 16 gesenkt, heut« beträgt sie nur noch 8! Das gleiche gitt für die Z u b« h ö r i n d u st r i e. Hier herrscht« vor Einführung der Normung ein« wahre Anarchie. Ungemein wichtig ist im Betriebe des Krastjahrzeugs die Frag« der Reparatur und der raschen Ersatzteilbeschasfung. Die Fakra weist mit Recht darauf hin, daß vor ollem jenen Fahrzeughaltern, die Betriebsgewinn erzielen müssen, wie z. B. Droschkenunternehmungen, die Normung große Vorteile bietet. Die Nornialisierungsarbeiten zielen darauf hin, die Haupt- und Anschlußmaße von Vorder- und Hinter- ochsen, von Motor, Kupplung und Getriebe festzulegen. Kurz, alle auswechselbaren Einbauaggregate ist man zu vereinheitlichen be- strebt, um einerseits die mit der Reparatur verbundenen Arbeiten auf«in Mindestmaß zu beschränken und andererseits den Werk- stätten die Möglichkeit zu geben, die Ersatzteile in ollen vorkommen- den Größen auf Lager z» halten. Aehnlich sollte es sich dann auch mit den Motorgruppen usw. verhalten. Dieser Gedanke mag heute noch kühn erscheinen, aber er muß und wird sich durchsetzen. In der letzten Zeit sind auch im Ausland Normausschüsie entstanden, denen die deutschen Arbeiten vielfach als Vorbild dienen. Das ist ein Zeichen dafür, daß ma» sich bei uns aus dem vichtigen Wege befindet. Deutschland ist neben England in der Normung heute von allen Staaten Europas am meisten fortgeschritten. Wenn die internationale Normung sich weiter ausdehnt, wird sie dem großen Touristenverkehr unschätzbar« Dienste leisten. Je mehr sie durchgreift, um so mehr wird der Krastfahrbetrieb oer- einsacht und verbilligt. Das scheinbar so trocken« und wissenschastlich anmittende Ge- biet wurde durch die populäre Darstellung aus der Ausstellung vielen näher gebracht, die ihm bisher interesselos gegenüberstanden, sicherlich zum Nutzen für die Entwicklung und die zunehmend« Volkstümlichkeit des Automobilismus. �crlcsport oder nicht? Wo« sagt d?c Gewerkschaft rum Betriebssport 7 „Der frei« Angestellte", das Organ des Zentralverbandes der Angestellten nimmt in einer seiner Ausgaben Stellung zur Ar- bcitszeiteinteilung des Personals im Einzelhandel. Im Zujam- Umhang mit der Behandlung der Mittagspause, die insbesondere für die Angestellten in der Großstadt nicht der Ruhe, sondern der �t>st dient, schreibt„Der freie Angestellte" ..Unter diesen erschwerenden Umständen wirkt es geradezu lächerlich, daß auch Firmen des Einzelhandels versuchen, die Ange- stellten zur Teilnahme an einem Betriebssportverein zu liewinnen. Soweit dieser lediglich Gymnastikstundcn veranstoltet, ä'e kurz vor der Arbeit liegen, kann er noch als verhältnismäßig »armlos betrachtet werden, wenn wir auch der Ansicht sind, daß der �ttrieb als solcher sich um die privaten Angelegenheiten seiner An- tiestellten— und die sportliche Betätigung gehört immerhin noch nicht zur Arbeitsleistung— keinesfalls zu bekümmern hat. Bollends äassenhost muß aber die Mitteilung wttken, daß die Mitglieder eines laichen Betrisbssportvereins, es handelt sich um ein Großunter- nehmen des Schuhhandels, an einem Winterabend um 21 Uhr einen Waldlauf veranstaltet haben. Hier sieht man, wozu die Nachäfsung »an Bestrebungen der grohindustriellen Betriebe führen muß: Zu einer weiteren Anstrengung der Angestellten, die gesundheitlich un- nerantwortlich ist, wenn man sich die körperliche Beanspruchung Serade der Schuhverkäuferin vorstellt. Die Angestellten des Einzel- Rondels haben allen Anlaß, sich gegen derarttge Dereine zu wenden. �i« dienen meist.zu nichts anderem, als zu einer Beeinflussung und Bespitzelung des Personals, zumal die Mitgliedschaft, wie fir genau wissen, nicht immer ganz freiwillig zu- ftande kommt, solcher» oftmals diktiert von der Angst ist, sich bfrch Zurückhaltung zu schädigen. Also Hände weg von allen Betriebsoereinigungen!" Der Werksport in Deutschland. Darüber schreibt die deutsche Zentraltommission für Arbeiter- fport und Körperpflege: „Der bürgerliche Sport hat mit dem Werksport seinen Frieden Semacht. Während man onsänglich aus Gründen der finanziellen Begünstigungen dieser Bewegung durch das Kapital sich sehr ab- Ahnend verhielt, hat man fltäter wohl erkannt, daß hier im Grunde boch eine Hilfsquelle für den bürgerlichen Sport üöffnet worden ist. Der Zlrbeitersportbewegung ist bisher ein Schoden daraus nicht entstanden: das geht schon aus der Tatsache fürvor, das Klag«» darüber in letzter Zeit ganz verstummt sind. ist auch nicht anzunehmen, daß die Bewegung in Zukunft eine größere Bedeutung erlangen wird. Der Werksport ist nur ein Teil äe? bürgerlichen Sports, der im wesentlichen nur die Angestellten- fchem erfaßt Hat.* Der„nationale Fneden»" sport. Der Kampf her Landesverbände im Deutschen Fußball�und für tind gegen die Oefsnung der Landtsgren-en für die ouslnndiichen Be- �ttsspielermannschasten war dem amtlichen Blatt des Westdeutschen Aerbondes«ine günstige Gelegenheit, einmal in unverblümter Weise „nationalen Standpunkt" klnrznleoen. Dt. Neuen- biüss, einer der größten Reaktionäre der Deutschen Turnerschost Aurde dazu ol» Vorbild benutzt. Das westdeutsche Amtsblatt schreibt '» Nr. 42: „Und wie Neuendorff, sogen auch wir:„W ir machenden Widersinn nicht mit, daß Deutsche heut« Fron- Zo sen, Sen eg a l n« ger, Ja po n e r für ihr« Brüder erkläret, und ihnen ewige Freundschott schwören, ober den Deutschen beschimpfen, mißhandeln-- oder für ihn kein« �eit hoben." Diese Einhgttssronttundgebung mit der als reaktionär bekannten ist deutlich und unmißverständlich. Wir wissen noch sehr gut. b»ß d« DEB�Lorsitzende und der Lochtzeade der DT. jene» be- rüchtigten Torgauer Brief an das Reichswehrministerium unter- zeichneten, in dem oersichert wurde, daß wenn es gilt, d i e Sportler die freiwillige Kerntrupp« derReichs- wehr stellen würde. In nationalen Dingen will man sich im DFB. nicht hinter der DT. verstecken. Gleiche Brüder sind es, mit gleichen Kappen.— Und dafür sollen sie noch am Nobei-Frtedens- preis teilnehmen! Die Arbeiter-Leichtathleten. Von Leipzig 19X2 Ms Nürnberg 1929. Dl« Tage des 1. Bundesfestes des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes 1922 in Leipzig waren Tage ber Werbung für die A r b e i t« r- L« i ch t a t h l e t i k. 513 Leichtathletikteilnehiner au» allen Kreisen des Bundes rangen m Leipzig um die ersten Plätze. Die Auswirkung des Bundessestes aus die Leichtathletik machte sich schon im Jahr« 1923 bemerkbar. Zu den ersten Bundesmeister- schoften, die in Berlin stattfanden, traten gegen 60v Teilnehmer an. Auch waren die Leistungen wesentlich besser als in Leipzig. Als letzte Bundes-Leichtathletikveranstaltungen sind die dritten Bundes- Meisterschaften 1927 in Hannover zu nennen. Die Beteiligung war leider nur 430 Teilnehmer. Das zweite Bundesfest, das in den Tagen vom 18. bis 21. Juli 1929 in Nürnberg stattfindet, muß wieder ein Fest zur weiteren Verbreitung und Vertiefung der Arbeiter-Leichtathletik werden. Die Leichtathletik im Arbeiter-Turn- und-Sporrbund hat seit dem ersten Bundesfest 1922 nicht nur stark an Anhängern gewonnen, auch die Leistungen haben sich bedeutend gebessert. Das zeigen die nach- stehenden Vergleiche der Leistungen von 1922 mit den von 1927/2H. 100 Meter 11,6 Sek.— 10,8 Sek.: 400 Meter 54,8 Sek.— 53,3 Sek.: 1500 Meter 4:27,3 Min.— 4:05,5 Min.: 5000 Meter 16:41 Min.— 15:17,7 Min.: Hochsprung 1,62 Meter— 1,76 Meter: Weitsprung 6 Meter— 6,93 Meter: Stabhochsprung 3,10 Meter— 3,70 Meter: Speerwersen 42,90 Meter— 50,66 Meter: Kugelstoßen 10,62 Meter — 12,43 Meter. Der Weltstreit der Leichtathleten in Nürnberg 1929 verspricht einen sehr interessanten und abwechselungsreichen Verlauf. Zur Steuer der Wahrheit! Kommunisten gegen Arbeiterschützen. Vom Vorstand der neugebildeten bundestreuep Ortsgruppe Berlin des Arbeiterjchützenbundes werden wir tint Ver- ösfentlichung folgender Zuschrift gebeten: Der Artikel im„A b e n d" vom 9. November„Auch die Schützen sind frei" ist den Kommunisten schwer aus die Nerven gefallen. Nach kommunistischem Rezept, reichliche Anwendung von„List, Lüge, Verleumdung, Verschweigen der Wahrheit", versuchen sie in der „Roten Fahne" m einem„Sozialdemokratische Hetze gegen oppositio- nelle ArbetlerschUgeit" bezeichneten Artikel, die'Angaben des„Abend" als unwahr hinzustellen. Bar allem leugnen sie Beitragsschulden zu haben. Am 23. April dieses Jahres schrieb die„Rote Fahne":„Die Abrechnungssroge ist in bester Ordnung", aber eine Woche später gestand sie:„Wir sind der Auffassung, daß die sinanziclle Regelung zwischen Bund und Ortsgruppe notwendig ist" Auf dem Bundestag in Kassel versuchte der kommunillische Ort'gruppenvorsitzende Thormann die Schulden der früheren Ortsgruppe Saemcrow anzuhängen. Dazu erklärte der Bundeskassierer zur Richtigstellung:„Saemerow hat das Material vollständig abgerechnet: er schuldet dem Bund nichts mehr." Eine schamlos« Lüge ist es weiter zu behaupten, der Bundesvorsitzend« Flegel hätte sich an die Berliner Vertreter wegen Aufbesserung seines Gehalts gewandt. Während die Kommunisten aus der einen Sette gegen das Zusammenwirken mit Bürgerlichen sind, wandte sich der Delegierte Gabel!N jfrietrich-hain statt. Wir bitten um recht zahl reichen Besuch, um d.n Bewci»»u erdrtnaen. daß e» ohne die Spalter besser xeht. Besonder? 7arteig>-v»js«n find herzlichst einaeladen. «rbeiter-NobtohreroereiB Sroß-Beeliu. Sonntag. 18. November. 18 Uhr Karioffel- und Seringstour nach Hirschgarten, Wilhelm-hof. Mittwoch, 21. Ro. vember lBuktag). 13 Uhr, Streif, züge durch den Südosten, Endziel Treptow. Bariftr. 2, Bhilipp Hau». Start: Waldemarstrafe. Ecke Mariannenplah.«iiste williommen. - eranlwortlich für die Nedattion: Enge» Brauer. Berlin: Anzeigen: Th. Sloite Berlin,«erlag: Borwört?«erlag®.«. d Berlin. Druck:«orwärto Buch. druckerei und«erlagsanftalt Paul Singer je Co.. Berlin SB 68. 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