Abendausgabe Rr. 558 B278 45. Jahrgang Bochentlich 853f, monatfid 3,60 TL. tm voraus zahlbat, Postbezug 4,32 m. einscht Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat. * Der Borwärts erfcheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Sllustrierte Beilagen Boll und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen Stimme". Sechni?"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Montag 26. November 1928 10 Pfennig Die einipaftige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reiche mert. Kleine Anzeigen" das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Bjennig. Stellengeluche bas erste Bort 15 Pfennig, jedes wettere Vort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Aüblen für zwel Worte. Urbeitsmart Beile 60 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägt von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts Berlag G. m. b. H. Kernipreder Donbofi 292-297 Telegramm- er: Sozialdemokrat Berlin Bostichedlonto: Berlin 87 536. GROUP Bantlonto: Bant der Arbeiter, Augeftelten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft. Depofitenfaffe Lindenstr. 2 Der Ozean in Aufruhr. 21 Schiffe verloren.- Schulschiff ,, Dommern" gesunken. Der nun bereits den vierten Zag ununterbrochen an haltende Sturm hat während des Wochenendes der Schiffahrt ungeheuren Schaden zugefügt. Nicht weniger als 21 Schiffe sind verloren gegangen. Die Besatzungen wurden zum größten Teil gerettet. Die Meteorologen haben für den ungeheuren Sturm feine einwandfreie Erklärung und führen ihn auf eine mögliche Verbindung mit unterirdischen vulkanischen Ausbrüchen zurüd. Der Splier Damm gefährdet. Der Hindenburgdamm, der die Injel Sylt mit dem Festland verbindet, ist an zwei Stellen in einer Länge von mehreren hundert Metern erheblich beschädigt worden. Die von Südwest heranbraufenden Wassermassen haben dort die Bajaltfüllung ausgehöhlt und den Rasenbelag, der noch nicht völlig festgewachsen rear, herausgerissen. Hunderte von Arbeitern arbeiten Tag und Nacht, um die Auswaschungen mif fausenden von Sandjäden auszufüllen und weitere Jerftörungen zu verhindern. Die Berbindung mit dem Jeffland über den Damm ist nicht unterbrochen und die Züge verkehren regelmäßig. Die Sturmflut auf der Insel Sylt hat dort ungeheuren Echaden angerichtet. Wie in der Sonntagsausgabe berichtet, wurde durch einen 100 Meter breiten Flutstrom die Halbinsel Ellenbogen von der Mutterinjel Sylt abgetrennt. Gewaltige Waffermengen überfluteten den Damm, der zum Ellenbogen- Reuchtfeuer führt, beim alten Rettungshaus und rissen alles mit fidh. Eine tiefe Bucht breitete sich bei der Artillerie- Telephonzentrale bis zum westlichen Leuchtfeuer aus und die Insassen des D- Leuchtfeuers fönnen den Turm nicht verlassen. Der Hoernumer Bahndamm weist fünf Bruchstellen auf, durch die gewaltige Wasserfluten sich über die Wiesen ergoffen und den füdlichen Teil der Stadt Westerland unter Basser feiten, aus dem die Häuser wie Inseln herausragen. Tinumburg steht einsam in der weiten Wasserwüßle, desgleichen das Rettungshaus. Ein Haus in Westerland- Süd wurde eingedrückt, in Wenningstedt wurden 12 Meter Kliff abgerissen. Das Restaurant steht nur noch einen Meter von der Abbruchkante entfernt. Die Strandbuchhand lung hängt zu Dreiviertel über dem Abhang und wird mit Trojjen gehalten. Biele Westerländer Kinder fönnen das Elfern nicht erteichen, da die Häuser durch Wasser voneinander abgeschnitten sind. Die Infel Enit ift durch die Eturmflut in drei Teile geteilt. Rettung der Pommern": Besatzung. Das deutsche Schulschiff Pommern", das vor der französischen Süfte in Seenot gerief, fandte SQS- Rufe aus, beruhigte dann aber wieder durch ein Telegramm, daß es gelungen fei, die Behädigungen zu reparieren. Nach späteren Nachrichten befand sich das Schijf in 25 Meilen Entfernung von der Insel Guernesey erneut Im Sinfen. " ROME List SYLT Wenningstedt Westerland= Koyer Tinnum Hornum FAMRUM Keitum Morsum Archsum Damm FOHRE Orkan über Sylt. NORD- FRIESLAND అ 20298 Eine Reihe von weiteren Schiffsunfällen ist inzwischen bekanntgeworden. Der norwegische Dampfer„ Simla" ist von Ymuiden in Hamburg eingetroffen. Das Schiff hat auf der Herreise nicht weniger als fünf Wrads passiert. Der norwegische Dampfer Ulstad", mit Ballast nach Blyth bestimmt, mußte wegen des Sturmes nach Curhaven zurückkehren. Ebenso mußte der von Harburg ausgelaufene französische Dampfer„ Antinea" wieder nach dort zurückkehren. Der von Stettin aufkommende deutsche Dampfer „ Annemarie" hat vier Seemeilen Ostsüdost vom Gjedser Feuerschiff eine treibende start bewachsene Miene angetroffen. Amsterdam, 26. November. www Der griechische Dampfer Eugenie" ist bei Heiden gescheitert. Man befürchtet, daß die 25 Mann starte Besagung verloren ist. Der deutsche Dampfer Heinrich Bolens" hat sich von seiner Anfertette losgeriffen und treibt in der Nähe von Scheveningen ab. Der schwedische Dampfer„ Barn" ist bei Helder in Seenot geraten. Es gelang cinem Rettungsboot, an das Schiff heranzukommen. Der Kapitän und der Steuermann find meiter an Bord geblieben. Bis jetzt war es nicht möglich, das Schiff flott zu machen. Der ,, Heinrich Bodeus" hatte auf See einen Maschinendefekt erlitten und befand sich ohne Ladung auf dem Wege zur Reparatur nach Rotterdam. Bon dem norwegischen Dampfer ,, Christian Michelsen", der sich am Sonntag nachmittag an der Küste bei Rotterdam in Scenot befand und später 2000 Meter nördlich von Waterweg strandete, wurden abends 24 Mann der Besatzung gerettet. Drei Mann, darunter der Lotse, sind ert runten. Der Kapitän und der zweite Maschinist befinden sich noch an Bord. Sie sind nicht in unmittelbarer Lebensgefahr. Während der Rettung stieß das Rettungsboot mit dem Dampfer zusammen und wurde schwer beschädigt. " Bei Ymuiden wurden Notsignale von dem 3000 Meilen entfernt befindlichen Dampfer Rodelsheim", wahrscheinlich deutscher Herkunft, aufgefangen. Auch der Dampfer Salinto" auf 52,30 Grad nördlicher Breite und 410 Grad westlicher Länge gab Noifigmale. 29 Wie aus Breft gemeldet wird, hat der französische Dampfer Admiral Ponty( 6000 Tonnen) einen SOS- Ruf ausgefandt. Der Dampfer teilte mit, daß er 30 Meilen von der französischen Küfte entfernt led geworden sei. Ein Schlepper ist von Brest aus zur Hilfeleistung ausgelaufen. Der griechische Dampfer Virginia", der von seiner Besayung verlassen wurde, und der nach Aussage des geretteten Kapitäns gesunken sein soll, wurde von einem portugiefischen Schiff in den Hafen geschleppt. Der portugiesische Rapitän verlangt für die Bergung des Dampfers, der eine Erzladung an Bord hatte, ein Bergegeld von 70 000 englischen Pfund. Wie aus Algier gemeldet wird, ist gestern der Küstendampfer ,, Césarée" von 400 Tonnen etwa 10 kilometer westlich von Algier gescheitert. Bon den 19 Mann der Befahung find 15, darunter der Kapitän, erfrunken. Die Matrosen hatten sich an die Schiffstrümmer angeflammert und wurden von den Wogen zwischen den Riffen hin und her geschleudert, ohne daß es möglich gewesen wäre ihnen Schlepper, an die Unfallstelle heranzukommen und die dier lleberHilfe zu bringen. Erst mehrere Stunden später gelang es einem lebenden zu bergen. Das Sturmwetter in Frankreich. Den heutigen Tag über stand Paris unter dem Zeichen des in ganz Frankreich wütenden Sturmes. Zahlreiche Schornsteine wurden niedergerissen und Dächer abgedeckt. Someit bis jetzt befannt, find durch eine vom Sturm fortgeriffene Mauerkrone zwei Bersonen ziemlich schwer und eine weitere leichter verletzt worden. Bon der Küste her lauten die Nachrichten weiterhin ungünstig. Der Hafen von Bordeaux ist gleichsam blockiert. Wegen des außer ordentlich hohen Seeganges fönnen die Schiffe ihn nicht anlaufen und sind gezwungen, draußen zu freuzen. Aus Reims wird berichtet, daß die Marne und die Aisne und ihre Nebenflüsse infolge eines seit 24 Stunden niedergehenden wolfenbruchartigen Regens treten sind. Rapitän weigerte sich jedoch, fein Schiff zu verlassen und befahl auch bedenklich angeschwollen und stellenweise bereits über die Ufer geder Besatzung an Bord zu bleiben. Nur ein Matrose, der über Bord sprang, wurde von dem Rettungsboot aufgenommen. Die übrigen 16 Mann der Bejahung dürften verloren sein. Sonnabend nachmittag ist der deutsche Schlepper Fair Play" mit fünf Berletzten an Bord im Hafen von Helder angekommen. Das Schiff Nach Meloungen, die furz nach 11 Uhr nachts in London ein trafen, hat der deutsche Schleppdampfer Heros" 84 Mann von der Bejahung des deutschen Schulschiffes„ Pommern" gerettet. Bier britische Dampfer maren zur Hilfeleistung herbeigekommen. Einer bon ihnen, die Lancastrio", sezte ein Rettungsbost aus, das aber infolge des schweren Seeganges die„ Pommern" nicht erreichenhafen nach Zaandam und ist am Freitag an der holländischen Küste lonnie und zurückkehren mußte. Als die Mannschaft wieder an Bord Benommen war, zerschellte das Boot. Die Rettung der Befagung durch den deutschen Schleppdampfer Heros" wurde dadurch unter fügt, daß Del auf das Wasser gegossen wurde. Es ist noch nicht bekannt, ob der heros" nach einem englischen Hafen oder nach Cherbourg fahren wird. ,, Daily Mail" zufolge meldete der Dampfer Lancastria" drahtlos, daß der Heros" die ganze Be bung von 84 Röpfen einschließlich des Kapiiäns gerettet hat und aß alle zu Hilfe geeilten Schiffe ihre Fahrten fortsetzen. An der Nordseeküste. Der Weftsturm über Hamburg und dem Küstengebiet hat auch un Sonnabendabend und in der Nacht zum Sonntag angehalten. Im Sonnabend betrug die Windstärke 7 bis 8, der Wasserstand 14 fuß 8 Boll. Die niedriger gelegenen Stadtteile Hamburgs hatten folgedessen wieder start unter Wasserschaden zu leiden. Bährend der Nacht zum Sonntag flaute der Sturm unter dauernen starten Regenfällen etwas ab, um sich gegen Morgen dann zu Ben. Der Hochwasserstand ging auf 12 Fuß 7 Sol zurück, bie Dindstärke auf 8 bis 4 Heute morgen war der Wasserstand auf Fuß meiter gejunten. Nach wie vor hängt jedoch bas Sturm. barnungsfignal Südwest auf der Deutschen Seewarte aus. Sehr mierig geftaltete fich das Berfegen der Lotsen in der Elbmündung. war mit einem Salzschiff im Schlepptau auf dem Weg von Curin das Unwetter geraten. Die Schleppiaue rissen. Mit Lebensgefahr versuchte man bei haushohen Wellen die Mannschaft des Salzschiffes zu retten. Fünf Perfonen wurden dabei ernstlich verleht. Erst ofs der Schlepper selbst sein Steuer verloren hatte und arg beschädigt war, wurden die Versuche aufgegeben. Ueber das Schicksal der auf dem Salzschiff zurückgebliebenen drei Mann ist man besorgt. Auch die Rettung der Mannschaft des deutschen Dampfers Heinrich Bodeus" war mit großen Schwierigkeiten verbunden. Es war unmöglich, mit Schleppern an das Schiff heranzukommen, das, nachdem es seine beiden Anter verloren hatte, hilflos nach Norden getrieben wurde. Sonnabend wurde es vom Sturm bei Zandvoort auf den Strand geworfen. Das Rettungsboot von Noordwyk mußte nach sechs Stunden den Kampf gegen den Sturm aufgeben. Nach langen Bemühungen gelang es dem Rettungsboot, mit Hilfe einer Leine an das Schiff heranzukommen und sechs Mann der Besagung an Land zu bringen. Tausende von und sechs Mann der Besagung an Land zu bringen. Tausende von Zuschauern wohnten am Strande dem Rettungswert bei. Der Die Aussperrung geht weiter. Admiral Schcer gestorben. Berichte 2. Seite. Admiral Scheer gestorben. Auf der Reise von Dresden nach Mannheim. Admiral a. D. Scheer, der sich auf einer Reise von Dresden nach Mannheim befand, ist in der Nacht zu Montag plötzlich gestorben. Admiral Scheer hat seinen Ruhm erlangt als der Sieger von Stagerrad. Er verlor seine Popularität, als er bessere Erfenntnis beiseite drängend das juristisch unhaltbare Todesurteil gegen die Matrosen Köbis und Reichpietsch vollstreden ließ. Nach dem Zusammenbruch ist feine Bersönlichkeit in einem gewissen Helldunkel geblieben. Er gehörte nicht zu jenen unbelehrbaren militaristischen Engschädeln, die alles nur auf Berrat und Niedertracht vom Feinde bestochener Meuterer zurückführten. Er hat manche der vorhandenen Mängel erkannt, er hat sich der Einsicht nicht gänzlich verschlossen, daß die Männer, die damals die Macht ergriffen, nach Gesehen historischer Notwendigkeit handelten, er hot jogar für den allen Haudegen und Schlagetots meistverhaßten Erzberger nach dessen Ermordung vernünftige Worte der Verteidigung gefunden. Aber alles in allem war Scheer doch zu feſt in alten Traditionen vermurzelt, um sich, wie das ein Deimling und andere vermocht haben, zum neuen Stact zu bekennen. Man sprach davon, daß er der Deutschen Volkspartei nabestände. Ganz ficher ist das nie gewesen. Mitunter schrieb er in demokratischen Sei tungen, mitunter hielt er beim Stahlheim oder gar bei d Hitler Leuten Borträge. Die Geeschlacht am Stagerrad bebeutete den Höhepunft( ilitärischen Laufbahn. Wenn fie dudh fein entscheidender Sieg ar, so hatte fich doch die deutsche Gotte bravourös geschlagen, die iglifchen Berluste überfliegen die deutschen bei weitem. Scheer tber aber erfannie am besten die Begrenztheit feines Sieges, is er nach der Schlacht an den Raiser Berichtete, daß durch eine neue ochseeschlacht der Gegner zmar empfindlich gefädigt werden inne, ,, frozdem tann fein zweifel effehen, daß selbst der glücklichste Ausgang einer Hochfeeldlady Englaid in diefent Kriege nicht zum Frieden zwingen wird". Die Aussperrung geht weiter. Weitere Besprechungen bei Bergmann. Das Urteil des Candesarbeitsgerichts Duisburg hat bisher noch feinerlei prafische Veränderung der Cage im nordmefilichen Mas Sperrungegebiet bewitft. Die Ausfperrung geht zunädil welfez und die Lage ist unverändert Eine zweite Auflage der Slagerradschlacht ist denn auch unter lieben, bis gegen Kriegsenbe die Scheer, Irntha, Bevego ws Die Gewerkschaften fehen der weiteren Entwidiung der Dinge fw. fich in das verbrecherische Abenteuer des Indesrittes" stürzten, mit aller Ruhe cnigegen. Sie fönnen dies um jo mehr, als das er den Anstoß zum Ausbruch der Revolution geben follie. Die Urteil des Landesarbeitsgerichts ble juriffischen Einmünde der norduch von Scheer in seinem Buch„ Bom Segelschiff zum U- Boot" aufwefilichen Gruppe des Arbeitgeberverbandes gegen den Schiedsjurus estellte Behauptung, daß es in dieser Seeschlad für Deutschland surüdgewiesen hat. Siegeschancen gegeben hätte, ift durch die Berbefferung und Berärfung der englischen Flotte feit Stagerrad ols, abjolut widerlegt 1 betrachten. An der Meuterei der Admirale gegen die Reichs egierung im Ottober 1918 mar Scheer hauptbeteiligt. Man vereht, wenn er bald nach der Revolution an den Ritter pon Rann recht mehleidig schrieb, er hoffe, mit einem blauen Tuge aus der Geschichte herauszuforamen. Troßdem muß anerkannt werden, daß Scher im Gegenjag 1 anderen Militärgrößen nicht mit unauslöschlichem Haß verolten hat, daß man ihn damals hat zittern sehen. Nach der Erorbung Erzbergers schrieb er in der Roffischen Beitung": " " Um gerecht au fein, muß doch darauf hingewiesen werden, ob Erzberger der Hauptschuldige mar ober nicht einsa diejenigen, die trog ihrer Sagtenntnisse Berhält. niffe fchufen, in denen ein Mann ohne jegliches militäri. jches Sachurteil wie Erzberger zu einer so bedeutsamen Rolle sich aufschwingen konnte Wo blieben die zur Führung der schwierigen Waffenstillstandsverhandlungen Sachkundigen und Befferbefähigten, als fo unerwartet der militärische Zufammenbruch eingestanden wurde und das Volk aus allen Himmeln ftürzte?" Ausdrücklich nennt Scheer den politischen Mord ein größe es Berbrechen als den feigen, hinterliftigen Ueber all auf eine einzelne Berfon aus Rauflust oder sonstigen Belüften, nachdrücklichst warnte er die Jugend Deutschlands, ihre Hoffnung auf Brutalität und Gewalt im Innern zu sehen". ir selbst hat sich denn auch nicht dem Chor der demagogischen schreier angeschlossen, die sein tragisches Geschid zu Anflagen gegen te Republit ausnujen mallien, als gemeine Berbrecher seine Frau ermordeten. Daß er persönlich nach der Revolution oft erfucht hat, gerecht zu fein, foll poll anerkannt werden. Um fo rschütternder bleibt es, daß sein Gerechtigkeitsgefühl durch militaiftische Erwägungen erftidt wurde, als er auf dem Höhepunkt einer Macht durch den Sieg feines Rechtsempfindens zwei Menschenleben hätte retten tönnen mub nicht gerettet hat. Hauseinsturz in Wien. Im neunten Wiener Gemeindebezirk ist heute mittag in zweistödiges, über hundert Jahre altes 5aus, gegenüber dem türzlich eröffneten Schubert Brunnen teilweise eingestürzt. Ob Menschen verunglückt sind, ist bisher noch nicht bekannt. ste Rosa Luxemburgs und Liebknechts Tod. Zu der Erflärung bes Genoffen Dittmann in der Sonnabendtummer vom 24. november des bend fchreibt uns Genoffe Jermann Müller: 22 Meine Darlegungen über die pon Haafe gewünschte Sonder. ommiffion zur Untersuchung der Borgänge, die zur Ermordung buremburgs und Liebknechts führten, gründen sich auf die Aus prache, die ich damals mit Haase hatte. Dittmann irrt, wenn er neint, daß Haase nur gegen die Einrichtung von Standgerichten jewesen sei. Haafe war in jener Zeit auch fiets gegen die Einfegung on Revolutionstribunalen, sobald aus Kreisen des Bollzugsrats die Sinfegung von Sondergerichten zur Abwehr gegenrevolutionärer jandlungen" gefordert wurde. Tatsächlich find folche Sondergerichte um Schuße der Revolution" damals auch nicht eingefeßt morden. Die Einfegung der Untersuchungsfommission in der Sache contra thyffen und Genoffen steht dazu nicht in Widerspruch. Denn in iefem Falle handelte es sich nicht inn einen Eingriff in ein ordnungsjemäß eingeleitetes gerichtliches Berfahren, sondern darum, den ille. jalen Aft eines Arbeiter und Soldatenrates nachzuprüfen, mas zur Freilaffung der Berhafteten führte. Politische Mordgerüchte. Aber wahrscheinlich Gelbstmord eines fommunistischen Hafenkreuzlers. Dortmund, 25. November. In der Nachi zum Sonntag wurde der in fommunistischen Preisen befannte 27jährige Willy Kersting in seiner Bohnung in ser Heroldstraße erigholfen aufgefunden. Während er sich zustleidete, find zwet Schüsse auf ihn abgegeben worden. Eine Rugel ging in die Band, die andere brang Kersting in den Kopf und führte seinen sofortigen Tod herbei. Kersting war früher Mit glied der Kommunistischen Partei und wegen politischer Bergehen vorbestraft. U. a. war er auch an dem tommunistischen Bergehen vorbestraft. U. a. war er auch an dem tommunistischen Anschlag gegen das Dortmunder Bismard Denkmal beteiligt. Später trat er zur Hitler- Partei über. Die Kriminalpolizei verhaftete ben 20jährigen Arbeiter Gustas Dembromiti, der in der fraglichen Racht mit Kersting zusammen in dessen Wohnung war. Nach den Aussagen Dembrowitis foll Kersting zunächst einen Schuß in die Band abgefeuert und dann sich selbst eine Rugel in ben Ropf gef offen haben. Auch die Kriminalpolizei ist der An ficht, daß die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordes sehr nahe liegt. Die Baffe, mit der die Tot verübt murde, fonnte bisher troß eifrigfler Durafudhung der Wohnung nicht aufgefunden werden. Dean vermutet, daß die Mutter Kerstlings sie entfernt hat, um nicht ben Gedanken an einen Selbstmord auftommen zu laffen. Die Annahme eines Freitodes wird dadurch bestärkt, daß Kersting, der Binchopat war und besonders in der Truntenheit zu Gewalttätigkeiten neigte, in tester Beit wiederholt Selbstmord. abfichten geäußert hat. iußerdem haben sich für die Annahme, daß es sich um einen Morb aus politischen Motiven handelt, stichhaltige Gründe bisher nicht ergeben 9 Marianos Heimreife. Kapitän Mariane, einer der Ueber Den der Malmgreen Gruppe, ift von seiner Beinion in der Stocholmer linif someit geheilt, daß er die Helme treten tonnie. Er wird nach furzem Aufenthalt in Berlin tenstagabend mit dem Gotthard- Schnellzug in Mailand ein Ob der Arbeitgeberverband das Ergebnis feiner Berujung an das Reichsarbeitsgericht abwarten und bis dahin jich auf seinen Machandpunki flüßen will, auf den er sich nach dem Enischeld des Candesarbeitsgerichts zunächst wieder zurüdgezogen bat, mit anderen Worten: ob er die Aussperrung noch weiter aufrecht erhalten will, bleibt abzumarten. Die Ausgesperrten find selbstverständlich jederzeit berell, unter den Bedingungen des verbindlich erklärten Schiedsspraches, d. h. des ab 1. November geltenden neues Tarifvertrags, die Arbeit wieder aufzunehmen, sobald die feit faff vier Wochen geschlossenen Betriebe wieder geöffnet werden. Neue Verhandlungen. Für den verbindlichen Schiedspruch. fo fonett wie möglich wieder in Gang gebracht werden müßten. Sollten die Unternehmer dazu nicht fre willig bereit fein, fo müßten fie nötigenfalls durch ein ote geleg dazu gezwungen werden. Die Forderung nach einem oigefeß foll in den nächsten Lagen mit Nachdrud beim Reichstag und der Reichsregierung er hoben werden. Eine Entschließung befagt u. a.: Wie auch immer die höchste Instanz, das Reichsarbeitsgericht, entscheiben mag, die weitere Aufrechterhaltung ber Aussperrung wäre eine Ungeheuerligteit Schiedsspruch Hagen- Schwelm angenommen. Sagen i Belif., 26. November. Der Deutsche Retallarbeiternerband beschloß. bek für die Martilhe Cilenindustrie( Hagen- Schwelm) gefällten Schiebsfpruh anaunehmen, und hat bem staatlichen Schlichter in Dortmund von seinem Beschluß Kenninis gegeben. Die Entscheidung des Christlichen Metallarbeiterverbandes unb des Hirsch- Dunderschen Gewerkvereins jomie des Märkischen Arbeiigeberverbandes wird heute abend fallen, Entlastungsoffenfive der Metallindußrieilen. Der Gesamtverband ber Metallindustriellen leuchtet alle Tarif winkel in Deutschland ab, um ber verlorenen Position der Mafer ausfperrer an der Ruhr burch Tariffündigungen, verbunden mi verftedten Aussperrungsbrohungen, wieder aufzuhelfen. Bochum, 26. November.( Elgenbericht) Am Montag vormittag, 10 Uhr, hat Regierungspräsident Bergenächst finden wieder getrennte Berhandlungen mit den Vertretern mann die Bermifflungsverhandlungen wieder aufgenommen. 3uWie in Mitteldeutschland und Hannoner, so haben auch die Mrder Partelen statt, um nach Möglichkeit eine neue Grundlage tallindustriellen in Riel ben Arbeitern zum 31. Dezember gefündigt. weiterer gemeinsamer Besprechungen zu finden. Da die Berhand- tit ben gleichen Ergumenten wie in anderen Lelien des Reiches lungen ffreng vertraulich sind und zur Stunde noch andauern, war suchen sie die Rotwendigkeit einer Lohnherablegung zu beweise. Die rügängige Ronjunttur muß babel natürlich auch herhalten. über deren Berlauf noch nichts Näheres zu erfahren. Boller Gnade erklären fich die Unternehmer aber bereit, auf te arbeiterverbände teinem Ablommen zustimmen fönnten, Lohnberabjegung zu verzichten, wenn die Arbeiter bereit sind, fo Bon gewertschaftlicher Seite wird miigeteilt, daß die Metallbas ber Annulierung des verbindlich erklärten zwei Jahre von jeder Cohnaufbefferung abzusehen und fich mit den heutigen niedrigen Söhnen zufrieden zu geben. Nach der zweiten Instanz. EW coo Der Eiseninduftrielle: Abgeschmettert! 3nfam obgefdmettert! Jetzt laffe ich durch Z. U. verfünden, daß der Konflift für mich night rechtlicher, fo.dern rein wirt. schaftlicher Ratür ist!" Schiedsspruches gleichfommi ticht nur, daß damit dem Reichsarbeitsminister, ber Die Behublic, feitserklärung ausge [ prochen hat, ein Schlag perfekt wurde, die Gewerkschaften würden dann durch ihr Einverständnis ausdrüdlich befunden, daß der Schieds fpruch etwas Unhaltbares oder Untragbares fei Better aber würde es fich fünftig jeder Schlichter dreimal über legen, mit feinem Spruch höher zu gehen, als es die Unternehmer für tragbar halten. Und schließlich würden die Gewerkschaften burch ihre Zustimmung, den Schiedsspruch zur Distuffton zu stellen, mant feftieren, daß die Aussperrung und die Stillegung des michtigsten deutschen Industriegebietes gerechtfertigt wäre. Im übrigen wird betoni, daß die Metallarbeiter des Ruhrgebiets nicht nur für ihre eigene Sache, sondern für bie aller Gewerkschaften fämpfen, um den Schlag auf das Schlichtungsmelen abzuwehren. daß zurzeit fehr schmer gesagt werden könne, ob der Bermittlungs Zur Lage wird vom Deutschen Metallarbeiterverband mitgeteilt, versuch gelingt. Der vom vermittelnden Regierungspräsidenten geiponnene saben sei sehr dünn. Die Schädigung des Ruhrbergbaus. Ein Notgefeh gefordert. In einer Eingabe der chriftlichen Bergarbeiter an die Reichs regierung wird feftgestellt, deß bereits in der Zeit vom 2. September bis 3. November megen blagmangel 406 686 eierschichten und megen Betriebsftärung 20 030, insgesamt 518 896 eterschichten im rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbau eingelegt wurden, wodurch die Bergarbeiter einen Lohnausfall in Höhe von 4 400 000 mark er. litten. Für die Arbeiter der Hüttenwerfe ift infolge der Metall. arbeiteraussperrung die Lage jest geradezu fatastrophal geworden. Bei den Stillegungsverhandlungen zmeier Erzbergbaubetriebe am 9. November wurde mitgeteilt, bağ von den monatlich 73 000 bis 80 000 Tonnen geförderten Erzen von den Siegerländer Hütten nur 15000 Tonnen abgenommen wurden. In der Eingabe wird es als Pflicht der Reichsregierung bezeich net, den Bergarbeitern im Ruhrgebiet und im Siegerland schnellstens zu helfen. Eine Konferenz der Bertrouenstcute. bes Chriftlichen Metall erbeiterverbandes am Sonntag in Duisburg, en der auch führende Barlamentarier teilnahmen, forderte, daß numnehr die Betriebe Daß die Rieler Metallarbeiter auf diefe propofatorische Forbe rung, bie, mie fich beutlich zeigt, som ejamtverband ter Metallindustriellen ausgeht, nicht eingehen merben, ist felbftver ständlich. Bon einem etwaigen Arbeitsfampf in Riel würden 14 Betriebe mit 2364 rbeltern betroffen. Raubmord in Werder. Sunfimeter Corts tot aufgefunden. Die Rande hon einem schweren Berbrechen ereilte uus turz vor Schluss des Whendblattes. Ju feinour Sandhaus in Werber a. S. wurde heute mittag bez Kunstmaler Corts, ber in Berber seit einigen Jahres fein Domizil aufgefchlagen hat mit fchweren Robfberlesungen ini aufgefunden. Die Polizei in Berber glaubte Mubeltspunte dafür zu haben, bak Corts ben Zob son frember Sand gefunden hat, unb benachrichtigte bie erfiner ebfommissio jowie die Staatsanwaltschaft Botsdam. Zurzeit meilt bie Morbkommission em Zetort. Furchtbarer Roheitsaft. Der politische Gegner wird vor den Zug geworfen. Zu einem Uft unglaublicher Rohelf tam es in der Mads zum Sonntag auf dem Bahnhof Hermannffrage ix Neuföln. Der Rohlinge haffen einen polififchen Gegner, mit den fie im Bahnabteil erst in Disfuffion gekommen und dann in Streit geraten waren, furzerhand auf das Bahngiels vor einen einfahrenden Jug geworfen. Der Zugführer fornis nur mit Mühe den Jug zum Hallen bringen. Die vier Uamenschen find leider wieder einmal enffommen. Der 45 Jahre alte Somieb Guftan 3. ans ber Kreuzbergstraße hatte zusammen mit einem Befannten um 19 Uhr 23 Minuten auf dem Bahnhof Oberschoneweide einen Zug bestiegen.. der von Bildau tam und in Richtung Hermannstraße fuhr. Ja demselben Ubteil befanden sich vier Männer, mit benen balh ein Gespräch in Gang fam. Seim Erörtern politischer Fragen ge rieten die Reifegenossen in so lebhaften Streit, daß die vier über herfielen und auf ihn einschlugen. Seinen Befannten gelang es zwar, die Rämpfenden zu trennen, die Etimmung blieb aber ge spannt unb feindlich. Als der Zug auf dem Bahnhof Here nannstraße einlief, rerließen alle feds das Abteil und S. roollie feine Angreifer feststellen lassen. Sie padten ihn aber und warfen ihn vom Bahnsteig herunter auf bes Freund und ein zufällig anwesender Arbeiterfemoriter Gleis. Er fiel so hart, baß er betäubt liegen blieb. Sein sprangen ihm nach und wollten ihn heraufholen. In diesem ugen blid rollte ein Ringbahnzug Don Lempelhof ber tommend heran. Zurufe aus dem Bublifum machten ben Botamotin führer auf die drei Männer aufmertfam. Es gelang dem Lotomotie führer, der mit aller Macht bremfte, den 3ug etwa 1% eter vor den Menschen auf dem Gleis zum Salten zu bringen. Яur der Geiftesgegenwart des Lotomotivführers ift es zu banten, daß ber Borfall nicht brei Menschenleben gefnftet hat. 3, ber erheb fiche Berlegungent tanongetragen hatte, urbe nor einem rate freut unb fonnte fich dann in feine Wohnung begeben. Die Rrimis naipolizei von Neukölln und das 211. Revier haben safort bie adforschungen nach ben Tätern aufgenommen; fie fonnten aber bis zur Stunde noch nicht ermittelt werben. Die Internationale ohne Gplifier. Die polnischen Sonderbünd er abgewiesen. Die abgefplitterten Biffubfti freundlichen Sozialisten, bie eine eigene Grafton gebildet haben, hatten an das Sekretariat der Sozia listischen Arbelterinternationale ein Schreiben gerichtet, in welchem fle unter die Parteien der Internationale eingereiht zu werden eze ludten. Darauf erhielt die Graftian etne a bichlägige Antwort. Sekretär Friedrich Adler fügte hinzu, daß die totine des Ent scheids in nächster Zeit mitgeteilt werden. 131 hi 45 2XURE 31 fu Der Tag der Toten. Auf dem Garnisonfriedhof in der ffasenheide veranstaltete der Reichsband der Kriegs' beschädigten am Totensonntag eine Gedächtnisfeier an den Gräbern der unbekannten Soldaten. Landtagsabgeordneter Kuttner, einer der Gründer des Reichsbundes, hielt die Gedenkrede. Unser Bild zeigt den Aufmarsch auf dem Friedhot.— im Vordergrund Kriegskrüppel in ihren Handwagen. Totensountag,&tr Tay. da die Verstummten uns zu Gaste laden. -till kommen wir. in dunklen Kleidern. Und alles trauert, auch das Firmament. Aus schwerem, dicht verhangenem Gewölk löste sich ichon in den ersten Nachmittagsstunden«in feiner, rieselnder Regen und ein unfreundlicher, feuchtkalter Nooemberwind fegte durch die Äroßen. Die Züge noch dem Friedhofzwald Stahnsdorf �rächten vom Morgen an Taufende und aber Tausend« von Fried- Iwfsbesuchern. Die Eisenbahnverwaltung beziffert ihre Zahl auf eiwa 25 000. Am Bahnhof, wo stch Ankommend« und Abfahrende begegneten, gab es«in lebensgefährliches Gedränge. Arme und Hände vollgepackt mit Kränzen und Tannenreisig schob sich der dichte -Renschentnäuel dem Ausgang zu. Vor dem Bahnhof«in Blumen- Hain im Riesenformat. Borne und rückwärts, rechts und lieks, über» »ll liegen Kränze und Sträuße zum Kauf. Aber da ist kein rechtes, iarbiges Mühen drin. Mles«in wenig kalt und starr und steif. Keift find es präparierte, gewachste Rosen, die den Winter über» ■'«nu» ein unübersehbarer Menschenschwarm zwischen zwei Reihen" rvallerie. Kaum abgestiegen, gerat« ich unter die Lausenden. Es d die soeben aus den Buttes-Ehoumont Gefangenen, die in «dern zu je fünf marschieren, vereinzelte Fronen darunter.„Es d ihrer sechstausend: fünfhundert sind gletch zu Anfang erschossen »den,' sagt mir ein Berittener aus der Eskorte. Zwffchsn ihnen bemerkt man Deserteure, die ihre Dassenröcke ige kehrt tragen, so daß das graue Futter der Taschen lose heraus- vgt. Sie schein«, schon halb entkleidet, um erschossen zu werden. Man geht durch Rauch, man atmet eine Lust, die brenzlich cht und zugleich noch Wohnungssirnis, und hört von allen Seiten s Zischen von Feuerspritzen. An manchen Orten finden stch noch »uren. grauenvoll« Ueberrest« des Kampfes: dort, neben den lastersteinen einer halbzerstörten Barrikade schwimmen Käppis einer Blutlache.' Mötzlich sehe ich, wie die Menge zu lausen anfängt, als würde an einem Tage de» Straßenkampfes angegriffen. Beritten« 'engen heran, drohend, den Säbel in der Faust, sie lassen ihre erde sich bäumen, und durch ihr Ausschlagen drängen dies« die mziergänger von dem Fahrdamm aus die Bürgcrsteige zurück. oischen ihnen bewegt sich ein Trupp von Mannern, an deren Spitze > schwarzbärtiger Mensch geht, dessen Stirn mit einem Taschen- ch wmounde» ist. Roch ein sicherer fällt mir auf. der von zwei aneradea unter den Armen gestützt wird, als ob er nicht die In biessm«ugenhlick tritt aus ties Tür. gleich ein« Schar Be> trunkener, dos Bollstreckungskommando, Blut an der Spitze einiger Basonatta. Ilnh mährend zw« gedeckte Bagagewagen in den Hof «mfahren., schlüpft«in Geistlicher heraus, desien mager« Rücken. Regenschirm und beim Gehen versagende Beine ein« Zeitlang on d« Umfaflungsmauer der Käsern« sichtbar sind." lok Diese» Bild vom Untergang der Pariser Kommune zeichnet« am Sonntag, dem 28. Mai 1871, E dm o nd d e Goncourt m fein Tagebuch Er ist Aristokrat, olles ander« als ein Revolutionär. Aber er hatte Augen, zu sehen. Ein Menschenalter Frankreich, von seinem Mittelpunkt Parts aus gesehen,(piegtli sich in den Tage- büchern, di« die Brüder Edmond und Jules Goncourt von 18)1 bis 1896 führten. Flaubert, Baudelaire, Turgeniew, Zola, George Sand, Daudet. Hugo, Gautier— in viel längerer Reihe noch ziehen die Berühmtheiten vorüber, nie ist für den Leser klar und scharf umrissen. Madame Reeamier, deren in der Zeit des Direktorium? berühmt« Schönheit David in dem bekannten Bild« festgehalten hat, wird nach ein« Aeußerung des Zeichners Garvani oug dem Jahr« 1855 geschildert:„Man sah da(dei den Empfängen der Herzogin Abrantes)... ein ganzes Bataillon aller� Damen, die sich ober dos gewiss« Etwas von Frauen erhallen hatten, die schön gewesen sind. Eines Taoges traf Garvani da eins klein«, reichlich gewöhnlich» Frau, in«, wie fem Ausdruck lautete,„nach Klejnbiirgerlichkeit roch". Er fragt«, wer dos wäre, man antwortete ihm:„Frau Räeamier." Die Entwicklungen der Literatur, der Ruhm des Dichiergreises Victor Hugo, das Aufsteigen Zolas, di« Blüte und das End» der klafiffchen impressionistischen Dichtergeneration sind in diestn Tage- buchblättern festgehalten, die von Olga Sigall verdeutscht, von Paul Wiegler kritisch ausgewählt und erläutert, fetzt bei Albert Langen. München, erschienen sind. Man kann kaum müheloser in«in Men schenatter französischer Kulturgeschichte eindringen, als an Hand ineses Tagebuches. T. E. S. Theater im Palmenhaus. Tihamär, Komödie von Dengyel. Tihanier ist in Budapest wo« In Berlin Bibi l»28 ist: Don Juan mit Bügelfalten. Hochstapler, Tanz palastblüte, Liebling aller fio« o'clocks. Jen« Damen, die mit Lippenstift, Cotypuderguoste und dem schlanken Inholt ihres Seidenpqjamas die ganze Und halbe Well regieren, stehen von Tiham�rs Hotelzimmer Polonaise. Lilyords Budapest»ersagt auf Tihams H, Rußlands Ausverkauf Der Letter der Aliteilung für Kunst im Sowjetunterrichtskam- mistariat, S w i d e r f k y, erklärt« dem Moskauer Korrespondenten des.stdbserver", die Sowjetregierung sei bereit, außer den vsrschie- denen Kunstwerken, die vor kurzem in Berlin verkaust wurden und ungefähr drei Millionen Mark erzielten, fünf oder sechs wertvoll« Origlnalgemald« von Rubens, Roffael, Rembrandt und Leonardo da Vinci zu verkaufen, vorausgesetzt daß Käuser ge- funden werden könnten, die den geschätzten Wert dieser Bilder. nämlich 10 bi« 15 Millionen Rubel zu zahlen in der Lag« seien Eine solch« Transaktion werde nicht auf einer öffentlichen Auktion stallfinden sondern werde auf dem Wege von Verhandlungen mit auswärtigen staatlichen Museen oder privaten Sammlern erfolgen Kraft besäße, zu gehen. Diese Männer haben ein« seltsame Bläffe und einen unsicheren Blick, der mir in der Erinnerung hastet. Ich höre, wie«in« sich eilig davonmachende Frau ausruft:„Ein Unglück, daß ich hierher gekommen bin!' Reben mir zählt ein friedfertiger Zivilist:„Eins, zwei, drei... e» sind sechsuvd.zwanzig.' Auf Befehl der Eskorte machon dies« Männer den Weg bis zur Lobaukaserne im Laufschritt. Dort schlägt das Tor hinter ihnen allen mit befremdlicher Sewall und Eil« zu. Ich begriff noch nicht, hatte aber in mll«in unerklärliches Gesichl von Angst. Mein Zivilist, der eben gezählt hatte, sagt«»m zu seinen! Nachbar:„Das dauert nicht lang«, Sie werden WH>[ den ersten Trommelwirbel höret».' „Was für einen Tromrnel wirbel?" „Sie wissen nicht? Man erschießt sie!' Fast im selben Augenblick setzt, wie«in heftiges, durch Mauern gedämpfte» Geräusch, ein jkleingewehrfeuer ein. das etwa» von der regelmäßigen Gleichförmigkeit einer Mitraillcuse hat. Es ertönt ein erstes, ein zweites, ein dritte»,«in viertes,«in fünftes mörderisches„rrara"— nun eine große Paus«— dann ein sechstes, und noch rasch zwei aufeinanderfolgend« Trommel» Wirbel. Es Ist, als ob diese» Geräusch niemals aufhöre» würde. Endlich verstummt es. Alles fühlt sich erleichtert und atmet auf. als endlich ein Krachen erfolgt, da» die klaffende Tür der Kaserne in ihren wankenden Angeln erschüttert, dann noch«in», endlich da» letzt«. Das sind, sagt man. die Gmrdenschüff«, die«in Polizei beamter denen gibt, die noch nicht wt sind. in Ktflel und«ieeb-de» baben w. oaliw I937/C8 an«Innabmtn eine Summ« von 8 5ä7r00«DJ ,u atc cetchnen. Tie«uegaden betrugen indesseu 16 881 700 M..(n da»«üt su- ichutz notwendig«ft von 7 P54 700 TO, 9{»» ''»'«eq'e S».»sp,,I«.?lachwor»«t.vn, von.D i» Verbrecher« ttn Deutschen Theater findet Dienstag, nach!» tl,4S Uhr statt Bokanowskis Ttachfolger. Oer Kommunist an der Spihc- der Woc nationoi onrO gewinnen. lparish 26. November. tTigenbericht.) In Asnieres, einem Vorort von Pari», fand am Sonntag die Nachwahl zur Kammer um den Sitz des im Flugzeug verunglückten Handelsministers Bokanowski statt. Nicht weniger al» 11 Äondi- daten sind aufgetreten. Der kommunistische Kandidat liegt mit etwa 200 Stimmen Mehrheit an der Spitze, dicht gesolgt von einem halben Dutzend bürgerlicher Kandidaten au» den gemäßigten Mittel- und Rechtsparteien. Aller Voraussicht nach wird der u n a b» hängige Republikaner Blacque Beloir das Renne« wachem Er erhielt nicht nur die meisten Stimmen unter den bürgerlichen Kandidaten, sondern auch ebenso, wie einst Polanowski. die kostbar« Unterstützung de» Senators Billiet, de» bekannten Wahlfinanz- «nannee de» hloc national. Wer war Columbus? Ein von der Madrider Zeitung„ABC" ausgeschriebener Dell- bewerb, in dem für den Nachweis der spanischen A b st a m- mung von Christoph Columbu»«in Preis non 50000 Pesetas ausgesetzt wird, ist ergebnislos verlaufen. Es wußten 18 Arbeiten von' spanischen, englischen und ameritonischen Der- faffern eingesandt, die aber, obwohl sie zahlreich« Indizien sffr die Richtigkeit der spanischen These anführten,«inen einwandfreien Beweis nicht beizubringen vermochten. Gleichzeitig melden die Blätter, daß ein Geistlicher, der unlängst ankündigt«, un widerleg. lich« Beweise dafür in Händen zu hoben, daß B a j a d o z d!« Ge- burtsstaht von Christoph Columbus sei, vom Gouverneur mit einer Geldstrose von 250 Peseten belegt wurde, weil er sich weigerte, di« angeblich in seinem Besitze befindlichen Beweisstück« vorzulegen. Eine furchtbare Chronit. Gelbstmorde und Gelbstmordversuche am Totensonntag. Auffallend hoch ist wieder die Zahl der Lebensmüden, die am geftrigen Totensonntag und in der Nacht zum Montag den Freitod fuchten, oder infolge eigener Invorsichtigfeit den Gastod fanden. Begen schwerer Rrantheit vergiftcte sich die 37jährige Frau Anna St. mit ihrem 9jährigen Sohn Werner in ihrer Bohrung Carmen- Sylva- Straße 128 durch Gas. Der Hahn der Gaslampe im Schlafzimmer mar weit geöffnet. Ein schweres Gasunglück wurde am Weidenweg 6 entdeckt. Dort fand man die 35jährige Bite Angelita G. und ihre beiden Kinder, den siebenjährigen Günther und die zweijährige Ruth, durch Gas vergiftet leblos auf. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren nur bei der Mutter von Erfolg. Das Unglüd ist infolge Loslösens des Gasfchlauches vom Rocher verursacht worden. Auf dem Grundstück des Bumpmerfes 11 in der Carmen Sylva Straße erhängte sich in einer Laube der 52jährige Arbeiter Rudolf M. aus der Naugarder Straße 10. Aus Lebens überdruß vergiftete fich der 45jährige Arbeiter Johann S, in seiner Wohnung Admiralstraße 24 durch Gas. Der 70jährige ehemalige Omnibusfutscher Karl G. wurde in seiner Wohnung in der Marienburger Straße 7 ebenfalls durch Gas vergiftet aufgefunden. Der Greis hat mahrscheinlich schon 8 Tage tot in der Stube gelegen. Bon heim fehrenden Familienangehörigen wurde der 57jährige Stellmacher Friedrich W. mit dem Gasschlauch im Munde tot aufgefunden. Aus unbekannten Gründen vergiftete sich in ihrer 2ohmung Niebuhrstraße 3 zu Charlottenburg die 29jährige Frau Martha M. durch Gas. Begen Krankheit schied der 26jährige Arbeiter Karl K. in seiner Wohnung Braunsberger Straße 41 durch Einatmen Don Gas aus dem Leben. In der Wohnung ihres Arbeitgebers Schulstraße 28 fand man die 17jährige Haus angestellte Irene Sch. tot auf. Das Zimmer war mit Gas gefüllt. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, fonnte noch nicht festgestellt werden. In einigen Fällen blieb es glücklicherweise nur bei einem Bersuch und durch die rechtzeitige Entdedufig fonnten die Selbst mordfandidater wieder ins Leben zurückgerufen werden. Alex- Friedrichsfelde. Zehn U- Bahnhöfe werden 1929 eröffnet. Der Pilz am Schäfersee. Am Schäfersee in Reinickendorf sieht ein Erfrischungshäuschen, das die Gestalt eines Pilzes hat. Ein menschliches Wrack. Aber Aerzte und Richter des RVG. denten anders darüber. Wehrmacht und Wehrmachtpolitif. " Der 10. Kreis Zehlendorf- Bannsee- Dahlem hielt im Lindenpark in Zehlendorf eine außerordentlich gut besuchte, vom Genossen Schneider geleitete Kreismitgliederversammlung ab, in der Reichs tagsabgeordneter Genosse Franz Künstler zu dem zeitgemäßen Thema Wehrmacht und Sozialdemokratie" sprach. Der Vortrag gemann dadurch Bedeutung, daß Genosse Künstler sich auf authentisches Material stüßte, und an Hand der neuesten Beröffentlichungen des Generaloberst Seedt, des Militär- Wochenblattes" u. a. einwandfrei nachwies, daß sich in militärischen Kreijen eine fachliche Beurteilung der wahren Gründe des militärischen Zusammenbruches in der Erkenntnis des völligen Versagens der CHL. anbahnt. Weiterhin aber zog der Redner auf Grund vor züglichen Zahlenmaterials interessante Parallelen zwischen dem Reichswehretat und dem Reichssozialetat. Er betonte die Bedeutung der viel zu wenig beachteten Heeresergänzungsbestimmungen des Reichswehrministeriums und sah eine der wichtigsten Aufgabe der Sozialdemokratie in den unausgefekten. Bemühungen dafür zu sorgen, daß der Reichswehrerjag weiterhin nicht mehr von Stahlhelm und Bismard Bund, sondern von verfassungstreuen Jungrepublikanern gestellt wird. In die Debatte griffen u. a. die Genossen Gustav hoch und Donau ein, die betonten, daß unbeschadet des unbedingten Friedenswillens die Partei realpolitische Erwägungen hinsichtlich ihrer Wehrmachtpolitit niemals außer acht laffen darf. RUNDFUNK AM ABEND Montag, 26. November. Berlin. 16.00 Ingenieur Joachim Boehmer: Technische Wochenplauderei. 16.30 Konzert. 17.30 Novellen ,,, Die Künstler" Eine Novelle von Wsjewoloff Garschia.( Gelesen von Jaques Burg.) 18.30 Hans- Bredow- Schule, Abteilung Sprachunterricht: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 19.00 Staatssekretär z. D. Freiherr von Rheinbaben:„ Die Revision des DawesPlanes in ihren weitpolitischen und weltfinanziellen Zusammenhängen". Hans- Bredow- Schule, Abteilung Philosophie: Prof. Max Dessoir,., Ein19.25 führung. in die moderne Psychologie". V.: Die Assoziation der Vorstellungen. 20.00 Jahrgang 1900." 1. Einführung: Erich Franzen. 2. Ernst Glaeser liest aus seinem Roman Jahrgang 1902". 20.30 Internationaler Programmaustausch. Uebertragung nach Wien, Prag, Warschau. Orchesterkonzert. Dirigent: Dr. Heinz Unger. 1. Mozart: Largo Allegretto Les petits riens, Ouvertüre( Allegro) dantino Larghetto Pantomime Presto Andante- Adagio Gavotte( Allegro). 2. Mendelssohn- Bartholdy: Konzert für Violine mit Orchester e- moll, op. 64, Allegro molto appassionato Andante Allegro molto vivace( Max Rostal)... 3. Wagner: Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde"( Berliner Funk- Orchester). Die allgemeine Kriegsbegeisterung, richtiger gesagt, die Kriegspsychose, hatte den als Kläger vor dem Reichsversorgungsgericht Auftretenden veranlaßt, fich noch mit 54 Jahren als Kriegsfreiwilliger zu melden. Die Dienste des Mannes wurden gern angenommen. Man verwendete ihn, da er als friegsfähig erachtet wurde, zuerst an der Front in Belgien, später als Bauführer in der Türfei. Als der Krieg zu Ende ging und er zur Entlassung fam, wurde bei ihm Rückenmartschwindsucht festgestellt, die er sich in den Tropen geholt hat. Er wurde zunächst 50prozentig ermerbsunfähig geschrieben. Inzwischen ist nun der Kläger 68 Jahre alt geworden und es haben sich bei ihm außer einer Berschlimmerung seines Leidens noch andere Krankheiten eingestellt, die er alle auf seinen Kriegsdienst in den Tropen zurüdführt. Er verlangt jezt Erhöhung jeiner Rente und weiterhin Er. Anstellung finden fann. Beide Anträge wurden abgewiesen. Die Erteilung eines Beamtenscheins tommt bei dem Alter des Klägers nicht mehr in Frage, da Beamte im Alter von 68 Jahren sämtlich Anschließend bis 00.30 Tanzmusik, Kapelle Gerhard Hoffmann. pensioniert sind. Daß der Prozeß aber schon sieben Jahre Königswusterhausen. dauert, und daß der Kläger vor 7 Jahren auf Grund des Beamtenfcheins eine Anstellung mit späterer Pensionsberechtigung hätte er halten können, wird bei der Entscheidung nicht berücksichtigt. Was die Verschlimmerung des Leidens anbetrifft, so stellt sich hier das Gericht auf den Standpunkt, taß eine natürliche Abnuzung" des Antragstellers, begründet in deffen hohem Alter, vorliegt. Die Bauarbeiten auf der neuen 11- Bahnstrede Alexanderplatzteilung eines Beamtenscheins, da er in Privatbetrieben feine Friedrichsfelde find jetzt someit fortgeschritten, daß mit der Inbetriebnahme der neuen Strede im Laufe des nächsten Jahres geredmet werden kann. Die Linie führt vom Alexanderplatz bis Friedrichsfelde und wird 10 Bahnhöfe aufweisen. Die Namen, die man beabsichtigt einzuführen, find nach den Hauptkreuzungspunkten der Strede ausgewählt. Es sind vorläufig folgende vorgesehen: Alexanderplatz, Kaiserstraße, Strausberger Blak, Memeler Straße, Petersburger Straße, Mainzer Straße, Lichtenberg- West Ringbahn, Lichtenberg- Mitte, Lichtenberg- Oft, Friedrichsfelde. In diesem Jahre ist nicht mehr mit der Eröffnung eines neuen Bahnhofs auf den übrigen Berlängerungsstrecken zu rechnen. Anfang nächsten Jahres wird voraussichtlich als erster neuer Bahnhof Rubleben auf der Verlängerungsstrede über Stadion hinaus nach Spandau in Betrieb genommen werden. Um die gleiche Zeit wird auch der Bahnhof Tempelhof der Nord- Süd- Strede fertig gestellt jein. Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Montag, d. 26. 11. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 149 19 Uhr Der ferne Klang Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 210 19% Uhr Montag, d. 26. 11. Städtische Oper Bismarckstr. 19. Uhr Geschlossene Vorstellung Staatl. Schauspielb. Am Gendarmenmarkt R.-S. 70 20 Uhr Freischütz Egmont Täglich 8 Uhr Friederife Musik von Franz Lehar Käthe Dorich Richard Sauber Hilde Borner Bespermann Arnstaebt Starnburg Dora Reg Limburg Die Kaffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Uhr CASINO- THEATER 8, Uni 20 Uhr Der Londoner verlorene Sohn SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Jack Hylton, der unumstrittene Jazz- König Europas, mit seinen 18 Solisten und weitere zum ersten Male in Berlin auftretende internationale Stars. Großes Schauspielhaus 8 CASANOVA mit Michael Bohnen. Regie: Charel!. Renaissance- Theater 8% Heute 814 Ton in des Töpfers Hand von Theodore Dreiser. Deutsch von Paul Eger. Regie: Gust. Hartung. WALHALLA. THEATER 14 Varieté Attraktionen und Tanz, abends 8 Uhr. Bintritt 30 Pt Lothringer Straße 37. Vom 22. bis 27. November Stöpsel Mittwoch, 28. Nov. zum ersten Male: August, die Kanone! Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Komische Oper 8% Auch heute James- Klein- Revue: Tausend Frauen!! Die große Revue der ,, Freien Liebe" Parkett nur 4,50 Mk. Winter Garten Tägi. 8 Uhr 4 Runaways neueste amerikanische ExcentricSensation und weitere Varieté- Neuheiten. Rauchen gestattet Der„ Dant des Vaterlandes" fieht manchmal, wie auch diese Berhandlung wieder gezeigt hat, doch recht eigenartig aus. Die Rechtsprechung des Reichsversicherungsgerichts, für die nicht nur die Richter dieses Gerichts, sondern auch die Aerzte verantwortlich sind, sollten weit mehr als bisher die Deffent lichkeit beschäftigen.. CIRCUS BARUM Massiver Winterbau mit Dampfheizung. Bin.- Neukölln, Rütli-, Ede Wasers'r. 8U.abds. D.Rekord- Programm Reichshallen- Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Steffiner Sänger Neu! Neu! Hamlet im Heringsladen Burleske v. Meysel Hachm. halbe Preise, volles Progr. Donhol Brett'i: Varieté- Konzert- Tanz. Theater a.KottbusserTor Kottbusser Str. 6 Tel.: Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachi 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger mit ,, Dietrich, benerrsche Dich!" Waldeinsamkeit Stammtisch ,, Hutlos Volkspreise: Mk 0.50 b. 2.00, Logen 2.50 Vorverkauf Au16.00 Stud.- Rat Völcker. 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Der Sternhimmel Agnes Esterhazy, Paul Marz. Licha, Zesch- jallet, Thiam, Traufshold. Theater am Nollendorfplatz Täglich 8, Uhr Alb. Bassermann, Wiener Bluf Lucie Mannheim Herr Lamberthier" Drama von Louis Verneuil. Oper v. Joh. Strauß Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Volksbühne auch im Pavilion d Th in der Lutzowstr. Die Ehre Theater am Balowplatz 8 Uhr U- Boot S4 Theater am Schiffbauerdamm Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Kurf. 9209. Ecke Uhlandstraße Täglich 81, Uhr Bismarck 448 u. 449. L. M. Lommel Deutsches Theater Norden 12 310 8 U., Ende nach 10% Täglich 8 Uhr Die Verbrecher Die Drei- GroschenOper Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: HeinzHilpert Thalia- Theater Kammerspiele 8 Uhr: Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Der Londoner verlorene Sohn Staatsoper sm Platz der Republik 7% Uhr Freischütz Norden 12310 8, U. Ende geg. 10 99 in: ,, Runxendori auf Welle 0.5" Rundfunkhörei halbe Preise R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8 Uhr: Die Ratten! 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Bon diesem Bauvolf der kommenden Bell", von den Kinder den und Roten Falfen, von ihrem Leben und Treiben in der Republik erzählt ein neues Buch:„ Die Rote Kinder Relir", das im Auftrag der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinder de im Arbeiterjugend- Verlag erschienen ist und mit dem Buch etwas ganz Besonderes. Das hat nicht irgendein Erwachsener Rinder geschrieben. Biele Arbeiterfinder haben zusammen gedies Buch für Arbeiterkinder zu schaffen. Aus Gruppen n, Rinderbriefen, fleinen Berichten, Tagebuchaufzeichnungen, rn von Kindern und vom Zeltlagerleben ist da ein Kinderbuch anden, das so eigenartig schön und padend und so ganz auf das tertind eingestellt ist, daß man wünschen möchte, es in jeder terfamilie zu fehen. Ster uf 72 Seiten Quartformat ift die Rinder Republit cingefangen ganzen Buntheif und Sonnigfeit, mit off ihrer Greute, mit Ernst und ihrem Spiel. Und 40 vorzügliche Bildfeiten lassen gefchriebene Bort lebendig merden: Photos, Filmausschnitte, zeichnungen und Karikaturen. Alles auf gutem Kunstdrud mit modernsten Mitteln hergestellt. So präsentiert sich dies auch technisch als eine Musterleistung und man wundert sich, nur 3,30 m. foftet.( Organisationspreis 2,50 M.) Aber so et ife nicht viel toften, damit sie für den Arbeiterhaushalt erschwinglich find. Es gibt noch nicht viel sozialistische Kinderbücher. Und von den bereits erschienenen wird feines so star? auf Arbeiterfinder mirfen, wird sie feines so sehr fesseln, wie gerade ,, Die Rote Kinder Republit". Geschicht hat Gant( Kiel) das Buch zusammengestellt, mit guter Einfühlung in die Kinderfeele. Do ist nichts Lehrhaftes, nichts Infindliches. Boll sprudelnder Lebendigkeit ist dies Buch. Es läßt die fleinen Leser die Kinderrepublik miterleben und führt sie damit zu gleich mitten hinein in eine sozialistische Kindergemeinschaft, mitten unter das ,, Bauvolf der kommenden Belt". Sie erleben den Aufbau der Kinderrepublik mit, das Lagerparlament, den verantwortungs nollen und doch so schönen Dienst der Zagermache, fie sehen die fleinen Kinderrepublikaner bei der Arbeit, fahren mit ihnen in See, Sepe ring spricht zu ihnen, und dann die vielen lustigen Spiele und Erlebnisse, von denen da erzählt wird: Wie Rajperl rotes Kinderland sucht, oder„ Der deutsche Spießer in der Kinderrepublik" und das aufregend abenteuerliche Spiel mit den Roten Freibeutern". Den Jungen und das Mädel möchte ich sehen, die du nicht dabei gemesen sein möchten. Und was es da alles zum Lachen gibi! Benn der ,, Rote Münchhausen" anfängt aufzuschneiden, oder gar erst die habylonische Sprachenverwirrung! Arbeiterfinder aus allen Eden Deutschlands, bazu noch aus der Tschechoslowakei, aus Desterreich und aus Dänemarf sind in der Kinderrepublit. Kein Wunder, daß die Bayern die Kiefer Jungs nicht gleich verstehen. Das führt zu gar lustigen Mißverständnissen. Aber es soll hier nicht alles ausge ploubert werden, was in dem schönen Buch steht. Gebt es euren Kindern und ihr werdet sehen, welch jubelnde Freude ihr damit auslöst. Felix Fechenbach. Die Sprache des Herzens. Die lage, die gleiche düftere Gemütsfärbung. Wir begegnen hier den höchsten Graden der Angst, die schon als Bernichtungsgefühl zu bea zeichnen ist Schreckensstarre, Todesahnen, ein vorweggenomme nes Sterben, stemmesgeschichtliche Anklänge an den Ursprung aller Angst! In psychologischer Hinsicht tönnen wir resümieren, daß Rhythmus. störungen und Herzkrämpje die beiden Wegweiser sein dürften, die uns zu einer Psychologie der Angst und ihrer seelischen Folgeerfcheinungen führen. Was aber läßt sich praktisch für diese Unglüdlichen tun, die gleichsam von Angst getränft, in Angst getaucht ihr Leben hinbringen? Gibt es einen Weg von biologischer Persönlichkeitsdiagnostik zu hilfreicher Therapie? Soweit diese Ertranfungen des Herzens organisch bedingt find, laffen sich sehr mohl durch Wenderung der Lebensweise, durch Vermeidung von Anstrengungen und Herzgiften, wie Altohol und Nikotin, Regulierung der Ernährung, Bermeidung zu großen Flüffigkeitsfonfums, fernerhin auch durch medikamente Behandlung erhebliche Besserungen erzielen. Vielfach aber sind gerade bei diesen Herzerkrankungen schwere Konflikte, feruelle Schädlichfeiten oder Sorgen im Spiel, und gerade dann sind durch Beseitigung folcher Momente, Beränderungen des Milieus, durch suggestive, beruhigende oder sonstige pinchothera peutische Maßnahmen oft wahre Wunder an eil. erfolgen zu vollbringen! Eine noch größere Rolle spielen diese Mittel naturgemäß in den Fällen, die rein jeelisch oder, wie man zu sagen pflegt, rein nervös bedingt sind. Hier sind alle diätetischen oder meditamentöjen Mittel Dom Uebel, weil sie den Patienten nur in feinem Glau. ben, herzfrant zu fein, bestärfen; vielmehr sind Diese Beiben eine Hauptdomäne und eines der bantbarsten Gebiete der Binchotherapie, Dr. Lily Herzberg. Warum geprügelt werden muß. Eine Petition des Neuen Preußischen Lehrervereins. Der Neue Breußische Lehrerverein" nimmt in einer Eirgabe ( Betition) an den preußischen Kultusminister vom 25 September 1928 Stellung zur Frage der förperlichen Züchtigung. Anlaß dazu ist der Runderlaß U III. Nr. 710, 1 U II. Auf Drängen der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, die bei allen Gelegenheiten Anträge auf Abschaffung des Züchtigungsrechts stellte, hat fich der Rultusminister endlich im Frühjahr 1928 zu diesem Era laß bewegen lassen. Zwar werden nicht alle unsere Forderungen und Wünsche erfüllt; doch ist ein wesentlicher Schritt zum völligen Berbot der Prügelstrafe getan. Das zeigen folgende Güze des Erlaffes: Ohne zurzeit ein Berhot auszusprechen, neranlasse ich daher alle Schulnussichtsbehörden unter Beachtung der früherent Bestimmungen bei der Beurteilung unangebrachter förperlicher Züchtigungen zu berücksichtigen daß es grundsäglich von mir mißbilligt wird und dementsprechend disziplinarisch zu ahnden ist: 1. menn Mädchen förperlich gestraft werden; 2. menn Kinder im ersten und zweiten Schuljahr geschlagen merden( weil dadurch die Anbahnung des Berfrauensverhältniffes des Kindes zum Lehrer gehindert wird); 3. wenn Unaufmertfamkeit und mangelhafte Leistungen durch förperliche Büchtigung befämpft werden sollen..." Im Neuen Preußischen Zehrerverein müssen sich nun wohl alle pädagogischen Realtionäre zujammengefunden haben, denn dieser Erlaß ist ihnen zu fortschrittlich. Der Bereinsvorsigende, Reftor Bentert Colbiz bei Magdeburg, bittet den Minister in der genannten Petition um Aufhebung des Erlasses, meil sich der Berein mit der Abschaffung der Brügelstrafe nur einverstanden erflären fann, wenn folgende Borqusjetungen erfüllt find: ,, a) Soziale: Beseitigung des Wohnungselends, Ein schränkung der Bergnügungen und des Alkoholgenusses, Einschränkung der Kinderarbeit, Beachtung der Hygiene durch alle Volksschichten. b) Schultechnische: Niedrige Klassenfrequenz, gute und ausreichende Schulräume, genügende Lehr- und Lernmittel, Aus fonderung der Schwachbegabten und fittlich Gefährdeten, Herabjegung der Stundenzahl des Lehrers und Aenderung des Lehrund Stundenplans. c) Pädagogische: Pädogogisierung der Elternschaft, gutes, erzieherisches Verhältnis der Eltern zum Kind, Unterftügung der Schule durch das Elternhaus, mehr Teilnahme der Erwachsenen an Jugendfragen, pädagogische, praktische Betätigung der Schulaufsichtsbeamten im Klassenunterricht, beste Borbildung für den Lehrer.. elends, von der Einschränkung" der Kinderarbeit, von der Herab. Es flingt hier sehr schön von der Bejeitigung des Wohnungs fegung der Kiaffenfrequenz und ähnlichen guten Dingen, bedeutet aber leider nicht, daß der Neue Breußische Lehrerverein nun tatträftig und ernsthaft an die Beseitigung der aufgezählten lleber ftände herangehen wird. Ganz im Gegenteil. Es ist eine Ausrede. Einige unserer Forderungen werden zusammengestellt, mit einer rethorischen Phrase verbunden und sollen nun pädagogische Fort. burcht und Angst - bei der Nachlässigkeit unseres Sprach Laien häufig als„ Aussehen des Herzens" bezeichnet( die Ertrasystole) Fouches oft gleichsinnig gebraucht oder miteinander verwechselt. und der Herzframpf"( Angina pectoris). Das Charakteristische doch zwei ganz verschiedene Phänomene unseres Bewußtseins. beim Aussegen ist, daß eine unter normalen Verhältnissen unfurcht hat immer ein Objekt der Außenwelt, auf das fie fich bewußte Tätigkeit sich plöglich und aufdringlich den Eintritt ins Be man fürchtet ein wildes Tier, eine Krankheit, feindliche wußtsein verschafft. Der normale Herzrhythmus ist ein unchen; die Angst aber ist gegenstandlos, wir selbst produzieren bewußter Borgang; sobald Störungen eintreten, wird der ellen fie aus uns heraus. Furcht ist ein Gefühl, das fid) an Borgang be mußt und beeinflußt unliebsam unser ganzes Seelennehmungen oder Borstellungen fnüpft und auf unfuftvolle Erleben. Das Aussehen stört den regelmäßigen Ablauf der Herzzurückgeht; Angst ein Affeft, in dem vor allem Organ tätigkeit, der Hauptrhythmus wird vorübergehend ausgeschaltet und indungen, Empfindungen von Enge, Eingeschnürisein, Be- untergeordnete Rhythmen gewinnen die Oberhand. Kein Wunder, menheit sich in den Bordergrund drängen. Das Organ aber, daß dieje Störungen des Rhythmus eine Störung des pfychischen dem aus die Angitgefühle ausgelöst werden, dessen spezifiche Gleichgewichts zur Folge haben; ist der Rhythmus doch eine Grundindungen, deffen Sprache sie fozusagen find, ist das er 3. Dieles eigenschaft alles Lebendigen, die uns lief im Blut jigt. Das Herauf fommen sonst verschütteter und überlagerter rhythmischer Tendenzen im allgemeinen feine Funktion, den Blutkreislauf zu unter ohne sich bemerkbar zu machen. Das Bemerken des Her stört das ganze, oft mühsam erhaltene seelische Gleichgewicht und la das bloße Darandenken bewirkt schon, daß sich im Herzen ein zerrt Urphänomene ans Licht aus verflungenen Zeiten. anntes bunfles Etwas regt, das sich als Angst bezeichnen läßt. Empfindung von dieser Gleichgewichtsstörung ist die Angst. Reiner bleibt wohl von dieser Herzangst ganz verschont; vom ben bis zum schwer Herzfranken läuft die ganze Stala der Roch tieferen Einblick in die Psychologie des Herzfranken genden befällt bisweilen nach förperlicher oder geistiger Ueber währt uns die Betrachtung des anderen Krankheitsbildes. des Herz schritte fabotieren. empfindungen ab, in immer intensiverem Grade. Selbst den engung ganz spontan jenes charakteristische Unbehagen, jenes frampfes, der von Prof. Braun in padender Weise beschrieben wird: nungs- und Dehnungsgefühl im Herzen, jene Art innerer tak Empfindung, die stets ein unheimliches Gefühl auslöst. Auch Bergsteiger ist diese Angstempfindung nicht unbekannt; den wanderer befällt sie fast regelmäßig, wenn er eine Höhe von Meter über dem Meeresspiegel erflommen hat; ein unehmes Ermüdungsgefühl steigt dann auf, gleichsam als wäre iner Ohnmacht nahe, die sicher hereinbräche, wollte man verauch nur einen Schritt weiterzugehen. Und doch ist dieses nur ein blaffes Vorspiel zu der Tragödie, die eintritt, wenn der es Lebens, das Herz, wirklich ertranft ist. Herz und Seele. Engste Beziehungen bestehen zwischen dem Herzen des Menschen einem gesamten Seelenleben Beziehungen, die die Symbolik Sprache zu allen Zeiten aufzuspüren gewußt hat und die von Nophen und Dichtern jederzeit geahnt, erkannt und beschrieben en ist. Die Schulmedizin hat diese wichtigen Zusammenhänge vernachlässigt, und erst in neuester Beit beginnt man von Seite her fie fyftematisch aufzudecken, jo Brof. L. Braun, in feiner Arbeit über die Psyche der Herzfranten in ber Die tiefften Einblicke in die Berift für Psychologie". gen zwischen Herz und Psyche bieten uns danach zwei Arten herzfrankheiten, die geeignet sind, das Wesen der Angst zu bie Unregelmäßigkeiten in der Schlagfolge des Herzens, vom " Der Herzkrampf. Aus tiefem Schlafe hat den Patienten ein furchtbarer Schmerz in der Herzgegend aufgeschreckt, und dieser Schmerz hält seither an. Es ist so, als ob ein Messer in sein Herz gesenft morden wäre und fich darin unaufhörlich herumbrehe, oder als ob eine schwere Eisen flammer fein Herz erfaßt hätte und immer fester und fester zu gezogen würde. Was aber noch furchtbarer ist als der Schmerz, furchtbar im wahrsten Sinne des Wortes, ist eine Empfindung, die in unverkennbarer Weise unmittelbar aus dem Herzen kommt, beflemmend, beengend, bedrückend, niederwerfend, entfräftend und lähmend, ein Gefühl der Bernichtung, die unzmeifelhafte Empfindung, daß es ans Leben geht, daß fo das Sterben ist. Und diese Empfindung, die den ganzen Menschen im Augenblicke ihres Erscheinens beherrscht, seine ganze Persönlichkeit in sich aufnimmt, durchtränkt und färbt, ist, wie der Kranke selbst sagt, die Angst, die Todesangst, die Empfindung des bevorstehenden Herzstillstandes, das Gefühl des Versagens aller Kräfte, es ist eine ganz spezifische Empfindung, die immer und überall, wo sie auftritt, wie in unserem Falle, einem Symptomentomplex angehört, den wir als angina pectoris bezeichnen." Das Ahnen des Todes. Auch da, wo die Anfälle mit viel geringerer Heftigfeit auftreten, schließt sich doch ein ähnlicher Zustand an: die gleiche Aenderung der Bersönlichkeit tritt ein, die gleiche. anhaltend ängstliche Stimmungs. Es ist eine starte Heuchelei und zeugt von wenig Mitgefühl, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß die Arbeiterkinder, die in der heutigen tapitalistischen Profitwirtschaft in elenden Wohnlöchern hausen müssen und durch anstrengende Arbeiten den ge ringen Berdienst vergrößern müssen, nun auch noch mit Prügeln bedacht werden sollen. Solange es den armen Arbeiter tindern schlecht und dreckig geht, müssen sie auch noch Prügel abendrein bekommen Wir Sozialdemokraten und mit uns die große Zahl der fortschrittlichen Pädagogen sagen gerade umgefehrt: Weil den Arbeiterrindern heute so wenig Freude und Frohsinn gegönnt wird, sollen sie in der Schule einen Menschen, einen Freund auf dem Katheder finden, der mit viel Liebe und warmem Herzen ihre Psyche versteht und ihre Leistungen beurteilt. Da darf der Lehrer fein Schulmeister im üblen oder im Sinne des Neuen Preußischen Lehrer. vereins sein, sondern muß ein Mensch sein, der des Arbeiters Los tennt und versteht und Not und Elend der Kinder lindern hilft. Humoristisch ist bei der ganzen Angelegenheit noch, daß der Herr Borsitzende Benfert ausgerechnet der sozialdemokratischen Landtagsfraktion eine Abschrift der Betition schickt mit der Bitte, dieselbe tatkräftig unterstüßen zu wollen". Die fozialdemokratische Graftion, davon fann der Herr Bor figende überzeugt sein, wird sich der Eingabe wärmstens annehmen. und zu erreichen wissen, daß die frommen Wünsche des Vereins nit erfüllt werden. Willi Wolff. QOMANvo« EDGAR. WALLTACE «NS DEUTSCHE OBER: (8. Fortsetzung.) (£5 dauert« einig« Zeit, bevor Jim den beleidigten Mann be» ruhigen konnte. Tann erfuhr er aus der Unterhaltung mit ihm, daß Selengers offenbar bevorzugt« Mieter waren. Wegen einer Beschwerde dieser Firma war sein Vorgänger entlassen worden und die Neugierde einer Reinemachefrau über die späte Tätigkeit dieser Leute führte zu der sofortigen Entlassung der Vorwitzigen. „Ich glaube, sie handeln mit ausländischen Aktien/ sagte der Portier. E» kommen viele Auslandstelegramme hier an, aber ich habe den Inhaber des Geschäfts noch niemals gesehen. Cr kommt stets durch den Seiteneingang herein/ Dieser zweite Eingang zu den Bureauräumen der Firma ging von einem kleinen Hofe aus. Selenger u. Co. war die einzige Firma in diesem Gebäude, die zwei Zugänge zu ihren Bureaus hatte. Und außerdem war es nur ihnen gestattet, die ganze Rocht hindurch zu arbeiten. „Selbst die Bankagenten in der zweiten Etage müfle» um 8 Uhr schließen/ erklärte der Partier.„Und das ist sehr hart für ste. besonders wenn«ine chouste tn Aktien ist. Dann haben st« ge- wohnlich soviel Arbeit, daß ste bis zwölf aufhatten könnten. Aber um acht wird ganz streng geschlossen. Die Mieten find hier nicht besonders hoch und es ist«in« große Nachfrage nach Bureau» in der City heutzutage. Die Zeiten werden hier strikt innegehalten, das war schon so zu Dr. Danton» Zeit." „Mr. Danton» Zeit?" fragt« Jim schnell.„Par er denn der Eigentümer des Gebäudes? Sie meinen doch den Schiffsreeder Danton, der ein große Millionenvermögen befaß?" Der Mann nickte. ./sowohl, mein Herr." sagte der Portier, der scheinbar mit der Wirkung seinsr Wort« sehr zufrieden war.„Aber er hat es ver- kauft oder sonstwie veräußert— schon vor einigen Iahren. Ich weiß es zufällig, weit— ich damals als Bureaubote in demselben Hause angestellt war. Ich kann mich sehr genau auf Mr. Danton besinnen— sein Bureau lag in der ersten Etage, es war ganz berrlich dort/ .Wer bewohnt die Räume denn jetzt?" .Ein Ausländer. Levens?'. Er ist ab« auch niemals hier/ Jim hielt die Nachrichten, die er hier erhalten hatte, für fo wichtig, daß er sich aufmachte, um Mr. Salter in feiner Wohnung zu besuchen Abar er erfuhr nur, daß der Rechtsanwalt nicht» von diesem Geschäftshaus in der Krade Street mußte Er konnte sich nur darauf besinnen, daß es sin« Privatspekulatlon Danton» war. kam in seinen Besitz, als hie früheren Eigentümer in Konkurs gerieten. Er hatte das Gebäude später ohne Rücksprache mit seinem Anwalt veräußert. Jim stand wieder vor einem neuen Rätsel. ./ich kann heute nicht im Bureau blechen, ich Hab« verschiedene wichtige Ding« zu erledigen/ sagte Jim. Mr. Saller sah auf. „Geschäft«, Steel«?" fragte er höflich. „Nicht nur Geschäfte." Jim hatte den Eindruck, daß Mr. Satter wußte, um was es sich handelte. „Es ist gut." Salter fetzte feil«! Brille wieder auf und wandte sich der Arbeit zu. „Ich möchte Sie aber noch etwa» fragen, Mr. Salter. Des- wegen kam ich ja eigentlich hierher, sonst hätte ich Ihnen ja meine Abwesenheit auch telephonisch erklären können." Der Rechtsanwalt legt« geduldig die Feder wieder hin. ./Ich oerstehe nicht recht, worum dieser Mr. Groat so viele spanische Freunde hat? Da ist zum Beispiel ein« junge Dame, die er sehr häufig sieht. Komtessa Manzana. Haben Sie schon von ihr gehört?" .Lch lese ihren Namen gelegentlich in der Zeitung." „Es oerkehren noch mehrere andere Spanier bei ihm. besonder» ein gewisser Dilla. Auch habe ich erfahren, daß Mr. Groat flie- ßend spanisch spricht." „Das ist merkwürdig." Mr. Salter lehnte sich in seinen Sessel zurück.„Sein Großvate?" hatte auch viel« spanische Freunde. Diel' leicht ist irgendwie eine spanische Derwandtschaft in Per Familie. Der alte Danton, ich mein« damit Jonathan Danwns Bater, verdient« den größten Teil feines Benypgens in Spanien und Zentral- amerika. Die Dantons waren eigentlich ein« sonderbar« Familie. Sie lebten olle jchr zurückgezogen und für sich, und ich glaub«. Jonathan Danton hat während seiner letzten zwanzig Jahr« nur ein Dutzend Worte mit seiner Schwester gewechselt. Sie waren nicht döse miteinander, das war nur«in« feiner Eigentümlichtesten. Ich kenne auch ander« Familien, in denen dergleichen vorkommt. Schweigsam« Leute, aber sehr ehrenhast." .Au der Großoater Dantons Mrs. Groat irgendein Vermögen hinterlassen? Er hatte doch nur zwei Kinder? Einen Sohn und diese Tochter?" Septimu» Saller nickt«. „Er hat ihr keinen Pfennig vermacht. Sie labte in Wirklichkeit von der Mildtätigkeit ihres Bruders. Ich weiß nicht, aus welchem Grund sie der alle Mann nicht leiden mochte. Jonathan wußte ebensowenig darüber wie ich. denn der Alt« sprach nie darüber. Jonathan hat sich verschiedene Male mit mir darüber unterhallen, was fein« Schwester wohl getan haben mochte, daß fi« sich die Abneigung ihre» Vaters zuzog. Diese Abneigung, um nicht zu sagen Feindschaft, war auch der Grund, warum er sein? Tochter in seinen, Testament vollständig überging. Vielleicht ärgert« sich der olle Mann über ihre Heirat mit Mr. Groat, denn dieser hatte kein« große gesellschaftlich« Stellung. Er war nur ein Angestellter tn Dantons Lioerpooler Bureau. Er wußte sich in Gesellschaft nicht zu bewegen, hatte ein unfreundliches Wesen und stand mit seiner grau niemals auf gutem Fuß. Die arme Lady Mary war die einzige, dl« immer gut zu ihm war. Sein« Frau haßte ihn aus einem Grund«, den ich nicht näher kenn? Als er starb, hinterließ er sein ganzes Geld einem entfernten Vetter. Es waren ungefähr fünftausend Pfund. Der Himmel mag wissen. «»her er das hatte.— Aber mm wachen Sie, daß Sie fortkommen. RAVEN D RO Steele!" sagte Mr. Salter verzweifelt. wieder auf dies« allen Geschichten." Jim ging gn diesem Morgen zuerst zu dem Ministerium des Innern. Er wollte da» Geheimnis aufklären, das über Madge Benson lag. Weder das Polizeipräsidium noch die Zentraldirektion der Gefängnisse war gewillt gewesen,«mem Privatmann irgend- welch« Auskunft zu geben, und in seiner Verzweiflung hatte er sich direkt an das Bureau des Unterfiaotssekretärs gewandt. Glücklicher- weis« hall« er dort einen Freund,«inen Mann von mittlerem Alter. mit dem er während des Krieges in Frankreich war. Er empfing ihn in seinem Durem, mit Wärm«, die Jim zeigte. daß er nicht vergessen war. „Nehmen Sie Platz, Steele. Ich kann Ihnen leider nur wenig in dieser Angelegenheit mllleilen/ Er nahm ein Blast Papier von feinem Schreibtisch aus.„Eigentlich dürfte ich Ihnen ja über- Haupt nicht» darüber sagen ober hier ist die Auskunst, dl« mir die Gefänflnisdirektion gesandt hat." Ilm las die wenigen Zeilen, die darauf standen. „Madge Benson. 26 Jahre oll, Hausmädchen. Ein Monat Zucht- faus für begangenen Diebstahl. Verurteilt vom Polizetgericht t» Marqlebone. ki. Juni 1898. lleberführt nach Holloway-Gefängnis. Entlassen am 2. Juli 1898/ „Wegen Diebstahls?" sagte Jim nachdenklich.„Man weih mstürlich nicht, was sie gestohlen hat?" Der Dewnte schüttelle den Kops. „Ich würde Ihnen den Rat gebe», den Gefängniswärter in Marqlebone aufzusuchen. Dies« Leute hab«n oft«in außerordent- lich gute» Gedächtnis für Personen. Außerdem könnten Sie ja auch noch die Akten über ihre Verurteilung einsehen. Aber es wäre besser, wenn Sie Mr. Salter darum bitten,«inen Antrag zu stellen. Einem Rechtsonmolt wird man die Auskunft nicht ver- wehren." Aber das war ja gerade das, was Jim nicht tun wollte. 16. Eunice Weldou gewöhnt« sich rofch an ihr» neue Umgebung. Durch die Krankheit ihrer Herrin bekam st« mehr Arbeit, al» st« erwartet hatte. E, war richtig, wie Digbq Grvat ihr gesagt haste, daß sie»och viel zu tun bekomme««ötche. St Heß sie■ Inhalt war sehr kurz: .Ich hinll-rlofle meinem Sohl« Digby Franc,» Groat ein'■> in Höhe von zwanzigtausend Pfund, außerdem mein London. OS, Grosvenor Square, mll der gesamten E'nr.A Mein ganze» anderes Vermögen vermach« ich Romonez. M?" von Estremeda, in Madrid." Die Namen der Zeugen, die da« Testament unteri'chö hatten, waren Eunice irtfecformi. ustd da fi» ihren Stand ah» boten angegeben hatten, war«s möglich pnd höchstwohrs� daß fie schon seit langem ihr« Stellung aufgegeben hallen. Mrs. Groat behielt ihre Dienstboten gewShnl»ch nicht sehr bei sich. Was sollte sie mit diesem Dokument machen? Si««>'«' sich. Digby zu fragen. ,» Als ste später die Schubladen ihre» Schreibtische» durch? entdeckt« sie ein« kleine Miniatur, dt« eine schöne Frau daN> Nach der Kleidung und der Frisur mußt« da, Bild in den i>� Jahren angefertigt worden sein. Die Gesichtszüge waren kühn. sehr schön, und di« dunklen Augen sprühten vor ßebensfceui» *««««« qftn-h/lMna Jvi« f#in#n einerum tftKtl.• Gesicht eine, Mädchens, da» seinen eigenen Weg ging. Eunice, al, si« da» feste, runde Kinn betrachtete. �Fortsetzung f« WAS DER TAG BRINGT. Br gönnt anderen nichts als KaiserhiJder. Zu unserer Glosse im„Abend" vom 20. November.Ietztsind sieollesatt" schreibt uns ein Leser, der in Grünthal gebore» ist: „Ich möchte Ihnen beipflichten und noch«ine kleine Ergänzung liesern. Der Spender jene« famosen Geschenke» wird wohl der jüngste Sprößling der Familie sein, der Herr Graf„August von der Schulen- bürg". Bor etwa ZS Iahren war er allerding» noch nicht der Herr Graf, sondern„Lude" oder Grafens Andel Da verschmähte es der Junge auch nicht, mst uns Kindern au» einer Schüssel zu essen ohne «ingeladen zu sein, es hat ihm auch besser anscheinend geschmeckt als an dem gräflichen Mittagstisch seiner Ellern. Heute bekommt es dieser Herr fertig, harmlosen Ausjlüglern, die sich untermeg» einig« Pilze oder Beeren gesucht haben, das Gesammelle au» der Hand zu reißen und aus die Erde zu werfen. Der Herr ist immer schwer be- wossnet und in Begleitung von mehreren Hunden." So wahren edle Spender von Kaiserbildern„ihre heiligsten Güter". Sie scheinen doch selber ein paar Beeren für wertvoller zu hallen, al»«ine ganze Serie von Ex-Kaiser-Bildnissen? Freund und Weggenosse Mark Twains. Ein originelles Zeitungsinserat führte mich auf seine Spur: „Brieflicher Unterrickst im Larikaturenzeichnen. Referenz westbe. kannte deutsche und amerikanisch« Zeltschriften/ Das klang so leicht amerikanisch-abenteuerlich. In der Gegend des Bayerischen Platzes trete ich in ein reich mll überseeischen Trophäen geschmücktes Zimmer. Amerika. Mexiko, Afrika grüßen von den Wänden. Do reitet Bufialo B'll auf seinem tänzelnden Schimmel, wie ihn Richards, der bekannte amerikanisch« Karikaturist früherer Tag« an fein«»„Bräuten" angeeignet worden v raren? Irptzdern b< ihn laut Gesetz seine Kinder. Di« Erben seiner Opier beabsif jedoch, auf gerichtlichem Wege diese» die Recht« strittig zu ist Ein Fortschritt der Televi$Ion. Dr. Gray von der Graham Best Telephone Eompanst Dr. Herberl Joes haben im Bureau of Standard» über neu« schritte mit ihpen Tehmisivneversijchen berichtet. Danach I' künftig möglich sein. Szenen, die sich im Freien absp'elen, dst zu übermitteln. Notivenbig ist für solch? drahtlosen Film« dino» helle» Sounrnlicht, so, vi? man c« bei nicht besonder» storkcn photogrephischen Apparaten für Ausnahmen braucht. besser sind die Bilder bei leicht bedecktem Himmel. Dr. Öf