Abendausgabe Ttr. 570 B 264 45. Jahrgang BJdjnrffltfi SS? L«»»«illch(.60% tm Borau» gsOltal Poftd-,uzd»ad»iui» mau fl.— M. pro Stonat Set.Banpirt«* er(4etBt wach entig» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Nbendausgaken für Berlin und im Sandel mit dem Titel.Set llldend". illustrierte Beilagen.Volt and Zeit" und.Ainderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wiflen".»Frauen- stimme".»Technik".»Blick in die Bücherwelt" und»Iugend-D orwürls" Nerltner Volksblatt Moniag 3. Dezember 192S 10 Pfennig Sie etnlpalttge Nonpareille, eil, 10 Bfennlg. Reklamezeile 5.— BeriS». mark,„ftletac anzeigen" da» ienge- ft ruckte Wort U Pfennig(zulassig zwei iettgedruckle Worte), lede» weitere Wort 12 Pfennig. Ltellengeluchr da, erste Wort Ii Pfennig, fede, weitere Doo lO Pfennig. Worte üde» 1d Buchftaden »iylen für zwei Worte. Brdeitsmarkl Zeile(SO Pfennig. Familien anzeigen für Vdonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen» annahm, im Sauptgefchäft Linden. straste Z. wochrnlägl. van 6 /, hia llUhr. Jentralovgan der Soziawemokratifchen Partei DeutsGlandS Redaktion und Verlag: Berlin SD 88. Lindenstrohe 3 kserrifprrlber Döudott 292—207 ielegiamm.abt.: EoztoldrrnoKak Berlin Vonväris-Verlag G. m. b. H. Bostlchecktomo: verlw S?S5v— Bankkonto: Bant der Srdetler,«ngestrUlen und Beamten Sallstr. 66 Tttkonio-Gelellichaft. Devosilentast« Linden Irr d Die Entscheidung gefallen! Die Metallarbeiterverbände nehmen den Mgierungsvorschlag an. Die Erdbebenkatastrophe in Chile Bisher SOO Tote gezählt.— Mehrere Städte zerstört. Essen. 2. Dezeuiber. sEigenbericht.) Am Tönning trat in Essen der erwetterte Bei» rat des Deutsche« Metallarbeiterberbandeä Zu einer interne« Beratung über die von der Reichsregie- rung vorgeschlagene Vermittluugsaktiou zusammen. Die Debatte innerhalb des Beirats gestaltete sich äußerst be» wegt. Erst nach einer nahezu sechsstündige« Beratung fiel die Entscheidung. In der mit großer Mehrheit angenommene« Entschließung verweist der Beirat nochmals auf die Rechtslage und erNärt dann wit Rücksicht auf die vertrauenswürdige Persönlichkeit des Vermittlers, daß er sich„außerstande sieht, die Ber» «ittlungsaktion abzulehnen". Diese Entschließung wurde am Nachmittag von der Revierkonferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes nach einer 2M{ifln» digen Debatte mit 27 gegen 14 Stimmen i» folgendem Wortlaut angenommen: „Die Aussperrung ist von den Unleruehmern unter ab ficht- lich er verlehuug de» gellende» Recht» oorge- Carl Serering, der die verantwortungsschwere Aufgabe übernahm, im rheinisch-westläüschen Arbeitskampf du letzte Entscheidung zu fällen. « o m m e n: ist ei» Sampf gegen die Schlichwngsorduung und ihre Anwendung durch die Regierung: ist ein Kampf gegen da» Recht des Staate, auf Seeinslussung der Wirtschaft. Daraus ergib, fich für die»eichsregierung die Pflicht, dem Recht und dem Gesetz auch gegen die Unternehmer Gelhing zu ver- schaffen zur künftigen Sicherung de, ganzen Rechtsleben». Nicht nur um die im Schiedsspruch ausgesprocheue Lohn. -rhöhung hat der Deutsche Metallarbeiterverband den ausge- zwungenen Sampf geführt, sondern zugleich um die tkrhal- tung dieses öffentlichen Recht». Um so mehr mutzte feine Aufgabe von der Reichsregierung anerkannt und unterstützt werden. Die von der Regieruag fetzt unternommene VerstSadi- gungsakllou kann al» eine Unterstützung de» Rechts nicht anerkannt werden. Aür die sich notwendigerweife ergebenden Folgen für da, gesamte Recht, leben lehnt der Deutsche Metallarbeiterverband die Verantwortung ab. weil aber der Deutsche Metallorbeiterverband dem in Aussicht genommenen Vermittler, dem Reichsmtnister Severin g, mit größtem vertrauen gegenüberftehl. sieht er sich a u tz e r- stände, die vermiktlungsaktion abzulehnen. 2» dieser Zwangslage wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der materielle Inhalt des verbindlich erklärten Schied,- fpruche, erhalten bleibt." * Der Revierkonferenz erstattet« der Borsitzend« des Deutschen Metallarbeiterverbandes Brandes den Bericht: Die Entscheidung, vor der wir jetzt stehen, ist durch eine» Kabinettsbeschlutz hervorgerufen worden, an dem auch unsere Minister teilgenommen haben, ohne sich vorher mit uns oder wst anderen gewerkschaftlichen Instanzen in Verbindung zu setzen. Dieser bedauerliche Vorgang kann ernste Konse- »Uenzen nach sich ziehen. Die Stellungnahme de« Kanzlers hat auherordentliche Ueberrafchang jowohl in politischen wie in gewerkschaftlichen Kreisen der Arbeiter- ,(tfortjefcunö auf der 2. Seite.) Nach den letzten Meldungen aus den» chilenischen Erdbebengebiet sind bisher rund 2 00 Tote gezählt worden. Die Zahl der Verletzten ist außerordentlich groß. Man befürchtet, daß noch weit mehr Opfer zu beklagen sein werden� Infolge Unterbrechung der Drahtleitungen kommen nur spärlich Nachrichten durch. Die Städte Talea, Ehillan. Santa ttruz und Barahoua find ganz oder teilweise zerstört. Unter den vernichteten Gebäuden befinden sich mehrere Kirchen und Bahnhöfe. Der Belagerungszustand wurde verhLngt, da unsaubere Elemente die allgemeine Ver> wirruug zu Plünderungen benutzten. Der Staatspräsi- deut nnd der Kriegsminister haben sich in einem Alug- zeug in das Unglücksgebiet begeben.— Das Erdbeben hatte ferner verschiedene Tammbrüche zur Folge, die Uederfchwemmungen verursachten. Auch mehrere Berg» Werke find zerstört worden. Santiago, 3. Dezember. Zwölf Städte von Südchile sind in Mitleidenschaft gezogen. Besonders schwer hat Talea gelitten, wo die Zahl der Toten IVO überschreitet. Der Kriegsminister, der im Flugzeug dort «ingetroffen ist, beschreibt Talea als eine Ruinenstadt. deren Straßen mit Toten und verletzten gefüllt feien. Wer fliehen könne, suche Zuflucht auf den Feldern. Auch die Stadt Santa Cruz ist zerstört. Der Schaden auf dem Lande ist noch unübersehbar, da. die Brücken und Straßen zerstört sind und der Verkehr dadurch behindert ist. Das Arbeiterlager des Teniente-Bergwerks einer onierikani- schen Kupfergefellschaft ist durch die W a s s e r m o s s e n eines Reservoirs v« rn i cht et worden, die infolge eines Damm- bruchs talabwärts fluteten und Brücken und chauser mitrissen. Die Zahl der Toten in diesem Tal wird aus 50 geschätzt. Weitere durch Flieger und einen improvisierten Funkdienst eingehende Berichte melden, daß die Erdflöhe in Talen fortdonern, wo noch lZ Stunden nach den, Beginn des Erdbebens Gebäude durch Erdstöße zum Einsturz gebracht worden sind. Präsident Ibanez ist in die von der Katastropl)« heimgesuchte Gegend abgereist, wohin, wie bereits gc-' meldet, Kriegsschiffe, Truppen und Flieger zur Hilfeleistung entsandt worden sind. Aus Santa Cruz werden bisher 13 Todesopfer gemeldet mit sehr bedeutendem Sachschaden. Auch in Peralillo sind die Erdbebenschäden sehr bedeutend. In Barahonct wird die Zahl der Toten mit 45 angegeben. Reisende des ersten vom Süden nach Rorden abgegangenen Zuges sprechen davon, daß in Tatca wenigstens 200 Tote oder verletzte seien, während in Curico keine Menstyenorrfuste-zw beklagen sind. Ein in Santiago de Chile von einer Form in der Nähe von Curiro eingetroffener Farmer berichtet. daß die Regierungsgebäude in Curico und der Unionklub zerstört wurden Eine genaue Zahl der Opfer könne er nicht angeben, glyub« aber, daß das Erdbeben ebenso heftig gewesen sei wie das im Jahre l 000, bei dem 1500 Personen getätet wurden. Aus diese Annahm« gehen offenbar die Gerüchte zurück, die bereits in bestimmter Form von l500 Toten sprachen. Santiago, 3. Dezember. Die nur bruchstückweise eintreffenden Berichte aus der Erd- bebenzone inochon vorläufig die Feststsllung der Gesamtzahl der Opfer unmöglich, doch wird der Sachschaden der Slads Talea allein aus über 12 Millionen Dollar geschätzt. Die Einwohner, die eine Wiederkehr der Erdstöße befürchten, wagen nach der Schreckens-. nacht, in der ganze Familien unter den Haustrümmern begraben wurden, nicht zurückzukehren Das Krankenhaus in Talea geriet während des Erdbebens in vrand, das Gefängnis stürzte gleichfalls ein. Andere Städte der Erdbcbenzon« litten weniger, doch werden aus mehreren Städten 10 bis 20 Tote gemeldet. Nach der Stadt Constitucion gingen drei Kreuzer ob. Der Botschafter von Argen- tinien und die Gesandten von Uruguay und Paraguay haben Hilfe angeboten. Von der Scholle vertrieben. In der Transvaolstroße 12 wohnen seil vier Jahren zwei Fa- Milien in Lauben; Seit einigen Wochen wird dort gebaut und ausgeschachtet, die Lauben find deshalb von Schuttmassen und Bau- «aterialicn so umgeben, daß die Bewohner kaum noch ein- und aus- gehen können. Di« beiden Familien haben keine ander«. Unterkunft. seit vier Jahren ist Wohnungsnot angemeldet. Es ist zu hoffen, daß durch das zuständige Wohnungsamt mit Beschleunigung eingegriffen und dem unhaltbaren Zustand ein Ende gemacht wird. Oer Ziuhrkampf beendet. (Fortsetzung von der 1. Seite.) bewegung hervorgerufen. Als Gründe für diese Entscheidung wur- den uns dargelegt: t. Es gäbe gegenwärtig zwei entgegengesetzte arbeitsgerichtliche Entscheidungen, und es ist zweifelhaft, wie die Entscheidung de? letzten Instanz aussallen würde. Daher sei ein Friedensversuch notwendig. S. Die Unterstützungsaktion, die vom Reichstag beschlossen wurde, sei nach Ansicht von Mitgliedern der Regierung und von Abgeordneten im Reichstag über den Beschluß des Reichstage hinausgegangen. Das sei allerdings nicht die Ansicht unserer Genossen in der Regierung. Es stehe aber nicht fest, ob unsere Ge nassen, wenn es darüber zur Entscheidung kommen würde, die Mehr hcit der Regierung und des Reichstags hinter sich hoben würden. ?. Die Unternehmer haben erklärt, daß sie auch bei einer ungünstigen reichsarbeitsgerichtlichen Entscheidung die Betriebe ge schlössen halten würden. Die Frage, ob der Reichstag und die Regierung zu Zwangsmaßnahmen greisen müßten, kann nicht beantwortet werden, weil es keinesfalls feststeht, ob die R« gierung im Reichstag eine Mehrheit für solche Zwangsmaß nahmen habe. Dazu kämen noch die Gründe außenpolitischer Natur im Hinblick auf die Reparationsoerhandlungen. Unser Kollege Seoering hat sich � nicht als Schiedsrichter angeboten. Er hat erklärt, daß er sich der Schwer« der Verantwortung eines derartigen Aintes bewußt sei. Aber er würde sich als Feiglinz vorkommen, wenn er wegen der Schwere dieser Verantwortung dieses Schiedsrichtcramt ablehnen würde. Die Bedingungen für einen Schiedsspruch würden sein: sofortige Wieder- eröffnung der Betriebe, keine Maßregelungen und daß das Arbeitsverhältnis nicht als unterbrochen angesehen wird, d. h. daß die Betriebsräte auf ihrem Platz bleiben. Severing würde dann ins Ruhrgebiet fahren und sich erst genau informieren. bevor er seinen Schiedsspruch fälle. Das könne unter Umständen bis zur Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts dauern. Die Frag«, vor der wir stehen, ist also: Sollen wir S e v e- ring ermächtigen, ohne Bedingungen von der einen oder der anderen. Seite anzunehmen, das Amt als Schiedsrichter auszuüben? Wir haben erklärt, daß wir nicht über den Kopf des Hauptvorstande- und der Beteiligten selbst entscheiden können und haben hinzu- gefügt, daß wir un» ein« Vermittlungsattion der R e- gierung ganz anders vorgestellt haben. Die Christlichen und Hirsch-Dunckerfchen haben dem Vorschlag zugestimmt und uns ersucht, gleichfalls zuzustimmen. Si« haben gleichzeitig erklärt, daß sie bis zum Ende mit uns solidarisch bleiben wollen, auch über den eventuellen Entscheid Severings hinaus. Bisher hoben wir in diesem Kampfe eine Presse gehabt, bis weil in die linternehmertreise hinein, wie wir es noch nie in einem Kampfe gesehen haben. Die Oessenllichkeit war für uns und gegen die Unternehmer. Diese Oefsentllchkeit brauchen wir in unserem Kampfe. Wenn wir ablehnen und in der Regierung keine Mehrheit für die Fortsetzung\>er Zahlung der Unterstützung ist, wenn diese Me- gierung zusammenbricht— was noch zu ertragen wäre— aber dann keine Unter st ützung mehr an die Unorgani» fierten gezahlt wird, dann kann kein Mensch voraussehen, was dann geschehen wird. Für die Unternehmer handelt es sich ja nicht um einen Kampf um den Lohn, sondern um einen Kampf gegen das Schlichtungswesen. Severing hat erklärt, wenn nur e i n Teil— also in diesem Falle wir— ablehnen. würde er auf keinen Fall ein Schiedsrichteramt annehmen. Wir müssen uns aber auch fugen, fügt Brandes hinzu, daß«ine Acnderung des Schiedsspruches die Erledigung des Schlichtungswesens bedeutet.(Allgemeine Zustim- mung.) Denn man kann doch nicht von den Arbeitern verlangen. sich einer Berbindlichkeitserklörung zu beugen, wenn hier die Unternehmer die Entscheidung gewaltsam außer Kraft setzen oürfen. Die Unternehmer haben, das können wir feststellen, neun Zehntel ihrer Forderungen preisgeben müssen, denn sie haben gesagt, daß sie die Betriebe nur öffnen werden zu ihren Bedingungen, daß sie Schluß machen wollen mit der Einmischung des Staates. Di« S t o a t s a u t o r i t ä t, die wir auch verteidigt haben, ist allerdings zu einem Teil preisgegeben, über es ist in erster Linie nicht unsere Sache, sondern Sache der Regierung, diese Staatsautorität zu wahren. Wir müssen, wenn es in unserer Macht ist, olles tun, damit die Bewegung so geschlossen abgebrochen wird, wl« sie gesührt worden ist. Die Unternehmer glaubten, die Arbeiter auf die Knie zu zwingen.„Schluß mit den Lohnbewegungen." haben sie erklärt, „Schluß mit der Einmischung des Staates, Schluß mit dem Schlich- tungswesen." Dieser Wille der Unternehmer ist ver- n i ch t e t worden. Deshalb, wenn wir auch nicht einen hundert- prozentigen Erfolg haben, wollen wir. der Missio?! Severings zustimmen. Die Aussprache dmierte 2)1 Sluirdcn und war getragen von dem Bewußtsein der Schwere dieser Entscheidung. Alle Redner waren sich der politi- schen Tragweite ihres Entschlusses bewußt. Die Ansichten gingen allerdings sehr weit auseinander. Eine erheblich« Anzahl von Rednern war gegen die Annahm« des Schiedsspruches, vor allen Dingen aus dem Gefühl heraus, daß mit der Annahme des Schieds« spruches des Reichsinnenminlsters ein Abweichen vom klaren Rechts ftandpunit verbunden sei. Unter den Rednern, die für die Annahm« sprachen, wies Hermes- Dortmund darauf hin, daß dt« Unternehmer sich nicht nur gegen das Schlichtungswesen, sondern gegen jede Einmischung von außen bei Festsetzung der Löhne und der Arbeitszeit gewandt hatten und sich nunmehr gezwungen sehen, sich ohne die Möglichkeit einer Einwirkung dem Schiedsspruch eines Mannes wie Severins; zu unterwerfen. Wir leben in einer revolutionären Zeit, in der die Gesetze nicht ausreichen, in der wir aber noch nicht die Macht haben, die Gesetze nach unserem Willen zu ändern. Wirde- finden uns also in einer Zwangslage. Es ist un- möglich, daß ausgerechnet wir den Schiedsspruch eines Manne» ob» lehnen, der unser Kvllege ist, während alle anderen Beteiligten ihn annehmen. Reichel, Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiterverbondee, erklärt: Es ist in der Geschichte des Metallarbeiterverbandes noch nicht dagewesen, daß wir gleichzeitig zwei so schwere kämpfe gesührt haben wie die in den Seeschiffswerften und an der Ruhr. Jetzt Ist ein Wendepunkt eingetreten. Das„Herrentum" und die A u s- iperrungswutderUnternehmer haben einen tödlichen S ch.l a g erhalten. Nie wieder werden die Unternehmer den Ver- -'.ich wichen, gegen die veffvitlichkeit, den Staat und da» Gesetz .uiezusperren. Gewiß, das Schlichtungswesen hat einen Stoß erlitten, Gemeindewahlen in Thüringen. Sozialdemokratische Fortschritte, bürgerliche Verluste. Weimar, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Räch der Uebersicht der Resultate der k o m m u- nalen Wahlen in den größeren Städten und Ge- meinden Thüringens hat sich die Sozialdemokratie nahe- zu überall nicht nur behauptet, sondern an zahl- reichen Stellen gute Erfolge erzielt. In Saalfeld und Gera wurde die bürgerliche, in Gräfenroda die kommunistische Mehrheit g e« krochen, in Pößneck, Arnstadt, Zella- Mehlis gewann die Partei mehrere Mandate. In Sonne» b e r g, wo wir bisher die Mehrheit hatten, ist ein Rück- gang zu verzeichnen. Tie Wahlbeteiligung wird durch« schnittlich auf vv Proz. geschäht. Die genauen amtlichen Resultate werden erst nach einer Woche bekanntgegeben. Zn Weimar standen nicht weniger als lZ Listen zur Wahl. Die sozialdemokratische gewann gegenüber der früheren Wahl von lSZS 206 Stimmen und wahrscheinlich ein Wando l.(vis- her sieben, in Zukunft acht.) kommunistische und bürgerliche Par- teien sind gleich stark geblieben, die Ralianalsozialislen haben ihre Ssimmenzahl van lg25 verdreifacht. Zn Apolda gelang es der Sozialdemokratischen Partei, zwei Mandate zu gewinnen. die den Bürgerlichen abgenommen wurden. Die bisher schon sozio- listisch nerwaltele Gemeinde h e r m s d o r s ist roi geblieben. Ruhla ist kommunistisch geblieben. Die vergarbeilerstadl Meuselwitz, in der bisher die Sozialdemokratie eine sehr starke Minderheit darstellte, Ist in Zukunft sazialdemokratisch� Jena, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Am Sonnlag fanden in Thüringen die kreis-, Stadt- und Gemeindewahlen statt, vorläufig liegen die Resultate des Stadtkreises Zeno vor. Da unter besonderem Wahlrecht gewählt wurde, werden hier nur die Gemeinderatswahlen von l925 in klammern herangezogen: Sozialdemokratie SlS4(6S72) KPD....... 3 657(4 370) Bürgerlich«.... 9860(10 280) Nationalsozialisten. 791(—) Demokraten... 3 174(3 169) Die Sozialdemokratie hat hier einen erfreulichen Zuwachs erzielt, während der bürgerliche Mischmasch der Rechtsparteien und die Kommunisten erheblich einbühlen. aber das Schlichtungswesen ist auch in unseren Augen nichts Voll- kommenes. Es unterliegt der Umformung Wenn wir annehmen, haben wir die beste Machtstellung, dies« Umformung in unseren, Willen zu beeinflussen. Es geht nicht nur um Lohn, auch um die Arbeitszeit. Seoering Hot schon für den Achtstunden- tag gekämpft, als hier an der Ruhr noch nicht an feine Durchführung gedacht werden konnte. Die Stellung Severings zum Achtstundentag gibt uns auch hier eine Garantie. Die Schwächung unserer Position liegt darin, daß wir noch nicht aus eigener Kraft hier an der Ruhr unsere Forderungen durchsetzen könne». Wenn wir ee könnten, brauchten wir keinen Schiedsrichter. Schlagt in dieser Stunde, rief Reichel aus, die Hand, die euch die Regierung und die euch Severing bietet, nicht zurück. Höher als jedes Gefühlemoment steht uns die Zukunft der Organisation.(Lebhafter Veiiall.) Wolff-Essen teilt mit, daß sowohl die christlichen wie die Hirsch-Dunckerschen Metallarbeiter beschlossen haben, den Vorschlägen zuzustimmen. In seinem Schlußwort erklärt Brandes: Dieser Kampf hat beiden Seiten die Augen geöffnet. Die Unternehmer haben begriffen, daß sie nicht mehr diktieren können. Die Arbeiter haben ge- sehen, daß, wenn sie geschlossen und einig sind, auch an der Ruhr eine Bewegung gemacht werden kann. Es liegt an den Ar- b e i t e r n— das werden sie auch, daraus gelernt haben— die Machtmittel, die Stärke der Gewerkjchastsorgonisation zu schassen. Di« Konsequenz dieses Kampfes ist aber nicht nur, daß die Wirt- schaftsdemokratie einen Schritt vorwärts gegangen ist, sondern daß dieeisenschasfendeIndsstrie, eine Schlüsielindustrie genau wie ändere lebenswichtige Industrien in die öffent- liche Hand überführt werden muß. Die Abstimmung brachte, wie oben mitgeteilt, für die Annahme der Beauftragung � Severings eine Mehrheit von 27 gegen 14 Stimmen. Damit ist die Entscheidung gefallen. Aufhebung der Aussperrung. Düsseldorf. 3. Dezember. Die Arbeilgebergruppe Nordwest teilt mit: Nachdem die bei- den Parteien de» bisherigen Arbeilskampses auf Vorschlag des Herrn Reichskanzlers vereinbart haben, die endgültige Entscheidung über Arbeitslohn und Arbeitszeit dem Herrn Reichsminister Severing zu überlassen, hat der unlerzeichnele Arbeilgeberverband unter Aushebung der Aussperrung beschlossen: l. Die Betriebe werden wieder erössnet. 2. Die Einstellung erfolgt nach Maßgabe der Betriebs mög. Uchkeit., Arbeitgeberoerband Nordwest. Die Wiederaufnahme des Betriebes im Gange Bochum, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Die ersten Arbeiten zur Vorbereitung der Wiederausnahme der Betriebe wurden bereits am Montag vormittag in Angriff ge- nommen. Es ist damit zu rechnen, daß in einigen Tagen die übergroße Mehrzahl der in Durchführung der Aussperrung»- aktion stillgelegten Werke die Arbelt wieder ausnehmen werden. vollkommen unübersehbar ist zurzeit, in welchem Umfange es den Betrieben, die unter Berufung aus die Folgen der Aussperrung Stillegungsanzeigen au die zuständigen Regicrungspräfidenlen ge- richtet haben, möglich Ist. fofarl oder in absehbarer Zeil die pro- duklion wieder auszunehmen. Die Wiedereinstellung der Arbeiter. Essen, 3. Dezember. Durch Anschlag an den Werkstoren bzw. durch per- sönliche Benachrichtiglmg tverden die Arbeiter im bisherigen Aus- sperrungsgebiet zur Wiederaufnahm« der Arbeit am Dienstag vormittag bei Schichtbeginn aufgefordert. Di« Wirdereinstel- lung wird nach der Betriebsmäglichkeit erfolgen, da in den meisten Werten die einzelnen Produktionszweige voneinander abhängen und erst nach und nach in Gang gebracht werden können. Man hofft, daß in den ersten Tagen der nächsten Woche olle Betrieb« wieder voll lausen. Bei den großen Unternehmungen, die insbesondere Hochöfen wieder anzublasen haben, dürften die Vorbereitungen hierzu aber teilweis« noch bis zu 14 Tagen in Anspruch nehmen, so daß erst nach und noch mit dem vollen Wiederbegin» der Arbeit zu rechnen ist._ Ruhrepidemie in Herzberge. 110 Personen erkrankt. Der Polizeipräsident teilt folgendes mit: In der Irrenanstalt H e r z b e r g« ist eine Ruhrepidemi« ausgebrochni, von der bisher, bei einer Gesamtzahl van etwa 1600 Insassen, insgesanck l 1 0 Per- svnen betroffen worden sind. Die staatlichen Medizinalbehörden haben im Einvernehmen mit dem städtischen Gesundheitsamt und der Anftaltslettung alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern: doch ist mit dem Austreten weiterer Krankheitsfälle zu rechnen. Sämtliche Erkrankungen verlaufen leicht. Di« Untersuchungen über dft An- steckungsquelle sind sofort eingeleitet worden, sind jedoch»och nicht abgeschlossen. Vormarsch deutscher Sozialdemokraten Wahlsiege bei den tschechischen Landeswahlen. P r a g. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Am Sonntag fanden in der ganzen Republik die Wahlen>n die Landes- und Vezirksvertretungen statt. Ein verläßlicher lleberblick über das Ergebnis Ist bis zur Stunde noch nicht möglich. Immerhin aber läßt sich bereits mit Sicherheit sagen, daß die K v a l l t i o n s p a r t« i e n insbesondere Im deutschen Lager empfindliche Einbuße erlitten haben, vor allem die deutschen Ehrisllichsozialen haben in sämtlichen Gebieten verloren. ihre Einbuße dürfte 20 Proz. der Stimmen betragen. Auch der Bund der Landwirte und die deutschen Gewerbeparleien, die gleichfalls in der Koalition sind, gehen geschwächt aus den Wahlen hervor. Die tschechischen Nationalsozialisten und die Sazialdemakratle sind überall im Vormarsch, anscheinend auf Kosten der Komm»- nisten. Die deutsche Sozialdemokratie Hai gut abgefchnitte«. Sie hat in einzelnen Gebieten bis zu 20 Proz. an Stimmen gewonnen. in anderen Gebieten allerdings ihre Position nur behauptet, was in dem erhöhten wahlalter ein« feiner Hauptursachen haben dürste. Eine schwere Niederlage haben die Deutschnalionalen erlitten und dies auf Kosten der neuen Gemeindearbeiler- und Wirtschaftsgemeinschaft. Die Dculschnationalen sind beispielsweise in Reichen- berg von 7000 aus 3000 Stimmen zurückgegangen, verlieren in Warnsdorf zwei Drittel ihres Besitzstandes. Vi« deutsche« Sozialdemokraten gewannen In Aussig 3000 Stimmen, während die Deutschnationalen 2500 Stimmen verloren. Sehr gut ist das Wahl- ergebnls für dl« deuffch« Sazialdemakratle«. a. auch in den Stödten E g e r. Olmütz, Zägerndorf. Bodenbach und T e l s ch e u. In Prag gewannen die tschechischen Sozialdemokraten 12 000 Stimmen, die die Kommunisten verlieren. Die deutschen Sozialdemokraten gewinnen hier etwa 1300 Stimmen. Außer- ordentlich gut ist das Wahlergebnis in B r ü n n. wo gleichzeitig auch die Gemcindewahlen stattfinden. Die deutschen Sozialdemokraten gewinnen hier zu ihren bisherigen fünf Mandaten noch zwei hinzu und haben gegen ll 000 Stimmen erreicht. Oer Hauseinsturz vor Gericht. Oie Explosion in der Landsberger Allee. Im Nelnen Schwurgerichtssaal begann heute vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mille die Verhandlung wegen der folgenschweren Gasexplosion, die sich in der Nacht vom 4. zum 5. Januar in dem häufe Landsberger Allee ll5/lS ereignete, und die in ihren Ausmaßen all« Unglücksfälle ähnlicher Art, die sich in den letzten Jahrzehnten ereignet haben, weit überbietet. Während bei dem ähnlich liegenden Unglücksfall genau zwei Jahre vorher in der Kirch st rohe 9 die Ursach« nicht mehr ermittelt werden kannte, war es möglich, in diesem Falle den Gründen naäzzugehen und Anklage zu erheben. Die von Staatsanwallschastsrat Dr. K a i l« r vertreten« Anklage wirft den bei der Städtischen Gasanstalt beschäftigten Angestellten, dem Vorarbeiter Franz Bilak, den, Rohrleger Friedrich Geste und dem Werkmeister Otto K u r z n e r vor. durch Fahrlässigkeit bei ihren Arbeiten an der neuen Gasleitung Ende 1927 und An- fang 1928 den Tod von 17 Menschen verursach» zu haben. Di« Ruin« in der Landsberger Allee bildet nach heute «ine„Sehenswürdigkeit" Berlins. Zu der Lerhandiunz sind 36 Zeugen, darunter ein« große Anzahl van Hausbewohnern und Gasarbeitern, geladen, sowie eine ganze Schar von Such- verständigen, medizinisch«, chemiiche und ander*. Im Gegensatz zu der Anklage vertritt die Verteidigung, die die Rechtsanwälte Dr. Steinitz. Obernicker und Gottfried S a m t« r führen, den Standpunkt, daß das Unglück nicht durch ein« Gasexplosion, sondern durch«in« A m m o n i a k ex p l o s i o n, die in der ent- sprechenden Anlage der im Haus« befindlichen Fleischwarenfabrik eiilstanden, verursacht worden sei. Eine Reih« van Hausbewohnern haben nach der Explosion einen starken Ammoniakgenich wahr- genommen. Die Anklage stützt sich jedoch auf die Gulachlen der medizinischen Sachverständigen, die die Leichen obduziert haben. Danach sind u. a. der Schankwirt Scheithouer und desien Ehefrau, die sofort den Tod ge- slinden haben, da sie über den KellevrrnmKN schliefen, in denen der Herd der Erplosion war. durch Gasvergiftung gestorben. Wenn bei anderen Opfern, die erst später verstorben sind, auch Ammoniak in den Lungen gefunden worden ist, so wird das darauf zurückgeführt. daß von jener Explosion auch die Ammnniakanlag« zerstört worden ist, die Ammoniakgeruch entwickelte. Di« ersten Zeugen haben zunächst auch nur«inen Gasgeruch wahrgenommen. Als Ursache der Explosion wird«ine dreifach« Fahrlässigkeil der Angeklagten angenommen. In erster Reihe kommt dabei der sagenannte Ab» sperrungstopf in Frage. Dieser soll im Laufe der Sitzung in den Gerichtesaal geschafft weiden. Er hat ein Gewicht von vier Zentnern. Zwei Hausbewohner haben sich dem Verfahren al» Nebenkläger angeschlossen. Der Verbandsvorsigende des Verbandes der Deutschen Buch- druck«, Josef Seitz, wurde am Sonnabend von einer Lungen- »krankung befallen, die den noch rüstigen 64jährigen Mann rasch Jjphinrafst«. Heute früh 9% Uhr ist Josef Seitz gestorben. s�r war am 18. Oktober 1864 in Metenlöblitz geboren, wurde Schrift- �tzer und betätigte sich in seinem Verbände in hervorragender so daß er im Jahre 1904 als Gauleiter des Ver- davbes für Bayern angestellt wurde. Seme objektive und »ermittelnde Art, die besonders auf den Verbandswgen hervortrat, '»»chie ihn ollgemein beliebt. Noch dem Heimgang Döblins wurde Josef Seitz als fein Nachfolger gewählt. Vor 16 Jahren trat er sein Aint als Der- d a n d s v o r s i tz e n d e r an. Als der Vorläufige Reichswirt- schoftsrat gebildet wurde, trat auch Seitz als Mitglied ein. Noch außen trat der bescheidene Mann weniger hervor. Seine Stellung in der Arbeiterbewegung war auch weit weniger um- I Loses Sech] Theater und Musik Krenek-Abend. Republikoper. Drei Einakter: eine tragische Oper„Der Diktator": eine Märchenoper„Dos geheime Königreich":«ine burleske Operette„Schwergewicht" oder„Die Ehr« der Nation". Ernst Krenek, der Textautor und Musikverfasser, zeigt sich von vielen Seiten. Von keiner gewinnenden: das Gesamtbild ist höchst unerfreulich. Beim ersten Stück hat er, wie er im Programmheft ausplaudert, an Shakespeares Richard III. gedacht: beim zwecken an König Lear. Wir vermögen diesen Gedankengängen nicht leicht zu folgen. Müssen aber bald ans Kino, bald an das Kabarett der Komiker denken: im ersten Stück: bald an Strauß, bald an Purcini, bald an Humperdinck im zweiten Stück— und zugleich daran,'daß es vor wenigen Jahren kaum drei Musikernamen gab, die für Krenek und seine Anhänger tiefer im Kurs standen als etwa diese drei. An das dritte Stück möchten wir am liebsten überhaupt nicht denken. Held der„tragischen Oper" ist der„Diktator eines kriegführen- den Landes". Eine Art Ludendorff ist gemeint: ein Mann, dem, kaum daß er die Bühne betritt,„Rraftraujch" hochkommt. Er soll ermordert werden: leider erliegt die Attentäterin seiner Männlichkeit. Das burleske Motiv stammt aus Georg Kaiser-Kurt Weills Zarenoperette. Hier wird es, mit Hilfe einer eifersüchtigen Gemahlin, ins Hochdramatische umgebogen. Durch Hinzutun von etwas Pazifismus soll die peinliche Sache aktualisiert werden. In der Märchenoper gibt es Revolution hinter der Szene: auch das Wort„Genossen" kommt einmal vor. Was sonst olles vorkommt, ist schwer zu ent- wirren. Ein Schwachkopf von sogenanntem König entäußert sich seiner Krone und entschlummert im Schatten eines Baumes, in den. aus völlig unbekanntem Grund, soeben die lüsterne Königin ver- wandelt worden ist. Im„Geheimen Königreich" hat immerhin der Musiker mehr zu sagen als im„Diktator": aber die Unehrlichkeit des Stils ist nicht zu unterbinden. Dem künstlerischen entspricht der weltanschauliche Gesinnungsmangel.„Echt" ist Krenek nur in der Operette. Thema: der nationalistische Sportrummel wird verulkt, der Meisterboxer Adam Ochsenschwanz sozusagen als Boxertropf heroisiert. Der Autor macht das, unbelastet von Geschmockshemmungen, frei von Selbst- kritik, doch nicht ohne Witz und Laune: auf der Bühne und im Orchester hat er Einfälle, ein großer Teil des Premierenpublikums lacht und unterhält sich. Auch die Märchenoper findet viel Beifall, Krenek will der Mann des großen Publikums werden, und er Hot dafür zweifellos Anlage. Doch in der Aufführung der Republik- oper ist der größte Teil des Erfolgs Klemperer und seinen Mit- arbeitern anzurechnen, unter ihnen an erster Stell« dem Maler Oskar Strnad- Das Sänger- und Darstellerensemble, durch drei Gäste (darunter einen von der Städtischen Oper) ergänzt, zeigt sich auf ge- wohnter Höhe. Wird es in diesem Hause ein dauernder Erfolg werden?„Das Proletariat ist heute weder so weit, Kunst zu ver- langen, noch sie zu verstehen," spricht Ernst Krenek.(Die Wocrte sind in den Blättern der Staatsoper abgedruckt.) An den Abenden der Volksbühne wird sich erweisen, ob er das Kunstverständnis des „Proletariats" nicht unterschätzt hat. Klaus Pringsheim. Lustspiel-Ragout. Lessing-Thealer:„Sünden der Jugend." Noel Eowards„Sünden der Jugend" verschaffen einen hübschen Ueberblick über die lustigen Einfälle aus der Schwank- fabrikation der letzten zwanzig Jahre. Jede dritte Szene erinnert man sich erfreut, dasselbe oder etwas Aehnliches irgendwo schon mal gehört zu haben. Zwei alte Jugendfreunde, die allerhand hinter sich haben, wollen aus ihren Kindern«in Paar machen, womit die jungen Leute aber durchaus nicht einverstanden find. Da stellt sich heraus, daß sie nicht von den standesamtlich ermächtigten Ehefrauen, sondern von einer illegitimen Mutter stammen, und zwar von ein und derselben. Die Väter haben von dem nahen verwandtschaftlichen Verhältnis ihrer Kinder keine Ahnung gehabt. Die Liebschaft von damals haben sie voreinander geheim gehalten. Und die Kinder sind als Geschwister der Unannehmlichkeit überhoben, sich heiraten zu müssen. Sogar das Grundmotiv des Eowardschen Stückes ist eine alte Kamelle. In den„Kindern" von Hermann Bohr ergeben sich spaßige Kombinationen aus der Tatsache, daß zwei befreundete Väter un- vollständig darüber orientiert sind, von wem ihre Frauen Kinder in die Welt gesetzt haben. Vahrs Komödie ist auch schon etwas bau- fällig, aber viel liebenswürdiger, heiterer und feiner als Eowards Lustspiel. Es zeugt von schöner Ritterlichkeit gegen das Ausland, wenn das Lessingtheater von zwei ziemlich übereinstimmenden Stücken das schlechtere aus England wählt. Unter Erich Pabsts Regie wird das Lustspiel flott und munter dahergespielt. Albert Bassermann, der eine Vater, hat sich zwei Akte lang herumzuärgern. Die üble Stimmungsloge umglänzt er mit seinem Humor und die UnHöflichkeit gegen die frühere Dame seines Herzens mit seiner Noblesse. Erst im dritten Akt spielt er die Trümpse seiner prächtigen Kunst aus. Er trinkt sich da einen Schwips an, und es ist der scharmanteste Schwips, den wir seit lange mgesehen haben. Die Bombenrolle der gemeinsamen Mama ist aus unerNärlichen Gründen Else Bassermann in den Schoß gefallen. Es ist bewundernswert, mit welcher Unbc- fangenheit sie die Pointen unter den Tisch rollen läßt. Sie bewegt sich auf der Bühne mit solcher Sicherheit, daß man glauben könnte, st« wäre Schauspielerin. Hertha Schroeter spielt die Liebes- nöte der Tochter jugendfrisch, voller Uebermut und mit Grazie. Famos auch die sprudelnde und dabei zurückhaltende Komik des alten Dieners Paul K e m p. In den brausenden Schlußbeifall mischten sich Pfiffe einiger Zuschauer, die irrtümlicherweise eine literarische Offenbarung er- wartet hatten. Lrnst Degner. sirittei� als dies der Fall war, bevor die Taktik und die Einrich- sangen des Buchdruckerverbandes allgemein als richtig uud vor- »ildlich anerkannt war. So konnte sich denn Seitz mehr den inne- Angelegenheiten seines Verbandes widmen. Unter feiner Leitung erfolgte der Bau des Buchdrucker- Dauses in der Dreibundstraße, und mit berechtigtem Stolz zeigte i tz den zahlreichen Besuchern aus den verschiedenen Kreisen die schönen und zweckmäßig eingerichteten Arbeits- und Beratungs- F?Umc seines Derbandshaufes. Die Schaffung des Hauses war �»rbedingwrg für die U e b e r si ed l u ng des Verbands- ?»8an»�ives„Korrespondent", von Leipzig nach Berlin, die ein Mnigez Zusammenarbeiten zwischen VerbaNdsvorstand und Redak- '•on auch technisch begünstigte. War Josef Seitz auch in der Oeffenllichkeit wsmger be- ■onnt, so um so mehr bei seinen Buchdruckern und im Aus- schuß des ADGB. Ein arbeitsreiches Leben im Dienst« k» freigewerkschastlichen Arbeiterbewegung ist mit seinem Plötz- ''che» Tode beendet. Und wenn sein Tod keine unersetzliche Lücke wi Buchdruckerverbande riß, so deshalb, weil mit unter der Leitung Seitz alles geschehen ist, um die Organisation nach innen und °uben zu festigen. Mit den Buchdruckern werden alle, die ihn "atnten, Josef Seitz ein ehrendes And etilen be- wahren. Um die �eparaiions-Kormaliiäien. Die Einschaltung der Replo. Pari». 3. Dezember.(Eigenbericht.) � Die Unterredung des deutschen Botschafters von Hoesch mit rpfnisterpräsident Poincare am Sonnabend hat, wie in informierten Weisen verlautet, erheblich zur Klärung der Situation beigetragen. �s« Erklärung Herrn von Hoeschs, daß feine Regierung sich nicht i>ner Ernennung der Sachverständigen durch die Reparationskom- Mission widersetzte, falls die volle Unabhängigkeit der Sach- �rständigm garantiert sei und die deutschen Sachverständigen von deutschen Regierung ernannt würden, dürfte in der Tat erheblich beitragen, die hier auf Grund ungenauer und falscher Mel- �ngen in der letzten Zeit aufgekommenen Mißverständnisse zu be- Mgen. Wie weiter berichtet wird, werden auch die«nglisch-sranzö- Wchen Verhandlungen weitergeführt. Der französische Botschafter Fleurieu überreichte dem englischen«chatzkanzler das sranzö- ''(che Gegenprojekt der Antwort an Deutschland. Fleurieu hatte gleichzeitig eine länger« Unterredung mit dem Generalagenten für Reparationszahlungen. Im allgemeinen wird f,tt Fortschritt in den Verhandlungen verzeichnet. Nugzeugkaiastrophe in Amerika. Brennend abgestürzt— fünf Personen getötet. London. 3. Dezember. Wie aus Spur in Texas gemeldet wird, ist ein drei- '"»toriges Flugzeug auf dem Fluge von San An- °Nio nach Denver in der Nähe von Spur abgestürzt, nach- es in 360 Metern Höhe Feuer gefangen hatte. Fünf Per- �»en wurden dabei getötet. � Deutsche Gefängnisse und Zuchthäuser' Ernst Toller. Felix Achenbach. Ministerpräsident o. D. Dr. Zeigner und Karl ?>ättn«r werden im Rahmen einer öffentlichen Versammlung �„Deutschen Liga für Menschenrechte" am Dienstag, dem 4. De- �ber. abends 20 Uhr, im Langenbeck-Virchow-Haus(Großer Saal), �'I-nstrahe 68/59, Nähe Karlplatz, über deutsche Gefängnisse und Zuchthäuser spreench. Plöttner wird die Sexuolnot der Straf. iisangenen behandeln. „ Der frühere norwegische Ministerpräsident Gunnar Knudsen. der i; i?11 1913 bis 1920 und während des Weltkrieges mit großen, Geschick � norwegische Politik leitete, starb im Alter von 86 Jahren. i i, Die Sparta«« der Bank der Arbeiter. Angestellte» und Seaiute» Jr®- Berlin, wallftr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Eonnabend wU Uhr und 4—6 Uhr. Eonnabend» von»—1 Uhr geöffnet. Matinee der Palucca-Gruppe. Volksbühne. Man muß b« dem Bericht über diese Polucca-Mattnee mit einer Reportage beginnen: In später Mittagsstunde, nach VjZ Uhr, ist diese Matinee zu'Ende. Das Publikum steht wie ein Wall: klatscht, klatscht, klatscht. Die Palucca muß hervor, immer wieder. Längst vor Beginn der Matinee waren alle Plätze ausverkauft. Di« Palucca ist der Liebling des tan.zbegeisterten und tanzverstän- digen Dolksbühnenpublikums. Bei der Palucca liebt man nicht nur den Tanz, man liebt den Menschen. Wenn sie„Technisch« Improvisationen" tanzt, so ergeben diese überhaupt keine ge- schlössen« Tanzdarbietung. Sie scheinen nichts anderes als fröhliche Spicker ei, die mehr die Ausführende selber als die Zuschauer ver- gnügen soll. Aber der natürliche, kindlich zarte Uebermut entzückt die Menschen, weil si« hier in der Kunst eben die schöne Mensch- lichkeit fühlen. Wir erlebten an diesem Vormittag wieder die alte, vergnügt« Palucca mit ihrer. Gruppe. In körperfroher Beweglichkeit wurde getanzt. Doch es scheint fast, als haben manche der Palucca-Tänze, die uns schon bekannt waren, einen neuen Akzent erhalten. „Leicht II* schien noch unirdischer als sonst, eine Fröhlichkeit, die befreit über dem Lärm der Welt schwebt, himmlische Aufgelöstheit aller Bewegungen in lautlose Harmonie. Das Solo„In leichter Bewegung", das Duett„Verhalten", das die Palucca mit der Gos- lar tanzt, waren uns kein« neuen Darbietungen. Aber man steht sich diese Vollkommenheit nicht über. In fröhlicher Wildheit tollte ihre Gruppe auf der Bühne, tech- nisch geschult wie die Meisterin, am besten jedoch dann, wenn sie von ihr geführt wird, oder wenn sie Darbietungen zeigt, deren Charakter etwas von dem der Palucca-Tänze abweicht, die derber. erdenschwerer sind. Das Duett zweier Schülerinnen, als Einzel- leistung gewiß beachtenswert, lockte zu sehr Vergleiche heraus mit der Kunft der Palucca und konnte daher nicht voll zur Wirkung kommen._ T®8- Oer Kürst der Abenteurer. „Universum". Ramon Raoorro— der Ben Hur und der Prinz in Aü-Heidel- derg— ist auf dem besten Wege, der erklärte international« Film- Liebling zu werden. Daher ist jeder Film, mag er auch noch so veraltet sein, als geschäftliche Spekulation erwünscht, wenn der neue Schwann der Kinobesucherinnon die Hauptrolle dabei spielt. Diesmal muß sich Ramon Navarro als personifizierte Kühnheit durchs Leben prügeln, damit ihm zum Schluß Serasina, eine spa- nische Adelige, in den muskulösen Armen-liegt. Inzwischen spiele» noch Piraten und ein ungetreuer, königlich spanischer Statthalter Milieu. Die ganze Angelegenheit ist aber nicht Edelkitsch, sondern Kitsch, der noch unterm üblichen Durchschnitt ist. Zu allem lieber- fluß ist auch noch der Regisseur John S. Robertson in dieses Manuskript vernarrt. Er gestaltet es aus, doch hätte er es beiseite schieben müssen, um wenigstens durch malerische Bildeindrück« oder Spannungsmomente zu wirken. Ramon Navarro ist, ganz gleich, ob an- oder ausgezogen, inuner der schöne Mann. Seine Partnenn Marcelina Day ist so steis, daß man sie sich in Berlin nicht als wächserne Schaufensterpuppe gefallen lassen würde. Das Premierenpublikum veranstaltete ein recht melodiöses Pfeifkonzert. Dennoch verließ man befriedigt das Harre, denn die Direktton hatte klugerweise die 4 R u» a w a y s und Togan und Ge- neva, Zwei der besten Baritcnummern der Welt, an das End« gckegt. d. „Gistfchränke." In manchen größeren Büchereien gibt es eine Geheimabteilung, die nur Bevorzugken zugänglich fst, die ein besonderes Wissenschaft-'" liches Interesse für die hier bewahrten Dinge nachweisen können Obgleich dies« Abteilungen meist sehr viel mehr Bücher und Zeih- nungen ausweisen, als ein einfacher Schrank bewahren kann, so haben sie doch den Namen„Der Giftschrank" erhalten. In der Hauptsache sind es pornographische Schriften, die hier zusammen- kommen, und diese Sammlungen haben manchmal eine intercsiante Geschichte, wie Dr. Paul Englisch in der Wiener Zeitschrift für Bücherfreunde„Philobiblon" ausführt. Der„Giftschrank" des Londoner Britischen Museums umfaßt z. B. eine ganze Anzahl von Sälen, war aber lange Zeit vollständig verschlossen. Erst in neuerer Zeit erhält bisweilen ein Auserwählter Zutritt. Das prüde Albion ist zu diesem Schatz an erotischen Schriften ganz zusällig gekommen. Einer der bedeutendsten Sammler auf diesem Gebiet, Sir Spencer Ashbee, der unter dem Namen Pisanus Fraxi schrieb, hinterließ detz, Britischen Museum«ine große Don-Quixote-Samm- lung. aber nur unter der Bedingung, daß man auch sein« Samm- lung erotischer Schriften annehme. So blieb dem Museum nichts anderes übrig. Auch der„Giftschrank" der Pariser Nationalbibliothek, dem man den romantischen Titel„Die Hölle" gegeben hat, verdankt seineoEnt- stehung nicht der Sammeltätigkeit der Bibliothekar«, sondern einem Machtfpruch Napoleons, der eines Tages in Paris alle pornogra- phifchen Schriften beschlagnahmen ließ. Diese Bücher wurden ver- nichtet: von jedem Werk blieben nur zwei Exemplare erhalten, die der Nattono lbiblioihek überwiesen wurden. Unter den deutschen Bibliotheken hat die Bayerische Staatsbibliothek den am besten aus- gestatteten Giftschrank. Die Bücher stonnnen aus einer Privat- bibllothek und gelangten aus ihr in den Besitz des Staates. Di« Preußisch« Staatsbibliochek besitzt nur wenig von derarttgen Wer- ken. aber man verfuhr dafür bei der Aufnahme von neuen Werken in den Giftschrank so weitherzig, daß selbst wissenschaftliche Werke, die ini Buchhandel anstandslos zu haben sind, der allgemeinen Le- Nutzung entzogen wurden. Erst vor wenigen Iahren hat man sich dazu entschlossen, die Bücher harmloserer Art wieder jedermann zu- gänglich zu machen. Die Deutsch« Bücherei in Leipzig, die ja das gesamte deutsche Schrifttum seit dem Weltkriege in ihren Mauern vercknigt, enthält mich alle seit dieser Zeit erschienenen Erottka in annähernder Bollständigkeit. Die größte Sammlung aus diesem anzügliche» Gebiet wird aber beim Berliner Polizeipräsidium bewahrt. In sechs riesigen Doppelschränken sind hier die Erzeugnisse untergebracht, die auf Grund des Einschreitens der Staatsonwaltschost beschlagnahmt wur- den: es sind etwa 8266 Nummern. Dazu kommt noch eine Unmenge an Graphik und Photographien.„Es ist aber leichter," so schließt der Verfasser,„zum Doloi Lama, als zu den Schätzen der Gift- schränke im Berliner Polizeipräsidium vorzudringen." Kunstmaler Gros Kalkreuth gestorben. Im Aller von 73 Iahren isc am Sonnabend in Eddelsen im Landkreise Harburg der Kunst- mal« Graf Kalckreuth einem Gehirnschlag erlegen. Der Berstorbene war Lorsitzender des Deutschen Künstlerbundes. Kalckreuth, der seine künstlerische Ausbildung in Weimar und München erhalten Halle, gehört zu den Künstlern, die die entschieden« Wendung zum Naturalismus einschlugen. In der Farbe blieb er frei- lich schwer und unaufgehellt. Er liebte das große Format. In ollen größeren Galerien hängen Gemälde von ihm, von denen die„.Drei Lebensalter".„Fahrt ins Leben".„Acl,renlescrinn.«n" zu den bekanntesten gehören. Nach Wilhelms Terminologie gehört Kalckreuth zu den Rinnsteinkünstlern.. Polizeiauto verunglückt. Fünf Beamte verletzt. Gestern nachmittag wurde in der Irankfurker l l e e ein mit acht Polizeibeamten besetztes Auto von einem schweren Unfall betrossen. Der Wagen, der in Korlshorst zu einem politischen Deman- sti-otianszug als Bcgleitauto eingesetzt war, befand sich noch Vcendigung der Ncronstoltimg auf dem cheimiveg. An der Eck« Frankfurter Allee und chubcrtusstrotze geriet das Auto auf dem schlüpfrigen Pflaster ins Schleudern und fuhr mit oraster Heftigkeit gegen«inen Stapel Holzschwellen, die bei dem U-Bahnbau Verwendung finden. Dos Auto stürzte u m und fünf Polizeibeamte gerieten unter den Wogen. Die Der- glückten wurden zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo der Arzt nur leichtere Verletzungen feststellte. Roch Anlegung von Rot- verbänden tonnten die Verletzten wieder entlassen werden. Anläßlich eknes Propogandaumzugcs des Stahl- Helms auf dem W c d d i n g kam es am Sonntag nachmittag mehrmals zu Zwischenfällen. Die Polizei mußte insgesamt L? Zwangsgestellungcn wegen Richtbrsolgung vornehmen. Die Festgenommenen wurden der Abtcilungl.X imPolizei- Präsidium zugeführt. Eine Gchüleriragödie in Koiibus. Weil er das Reifezeugnis nicht erhalten sollte. Kolsbus. 3. Dezember. ?n der elterlichen Wohnung wurde heute srüh der Zlljöhrige Lberrcalschüler Fritz(Besch von seinen Eltern, die von einer Feierlichkeit noch Hause kamen, leblos aufgefunden. Er hotte «Vt Leuchtgas seinem Leben ein Ende gemacht. Als Ursache zu der unseligen Tat dürfte ein Tadel anzusehen sein, der ihm deswegen ausgesprochen worden war, weil er zu Ostern das Reifezeugnis nicht erhalten sollte. Wie verlautet, hatte sich(Besch an seinen in Berlin studierenden älteren Bruder gewandt, und beide sollen beschlossen haben, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Bereits am Totensonntag wollten sie die Tat vollbringen, die ober durch irgendwelche Umstände vereitelt wurde. In einem hinterlossenen Brief an die Eltern hat Besch den Ent- sebluß. gemeinsam mit seinem Bruder in den Tod zu gehen, mit- getei t. Wiederbelebungsversuche waren erfolglas. Ob der in Berlin studierende Bruder ebenfalls den Tod gesucht hat, ist hier nicht bekannt. Friedensvertrages verlangen. Dieser Paragraph oer- pflichtet Deutsälland, allen Reichsangehörigen wegen der Liqui- dotion oder Einbehaltung ihrer Güter, Rechte oder Interessen in den alliierten oder asioziierten Ländern vollen Ersatz zu leisten. In der von der Bersammlung angenommenen Resolution heißt es dar- über:„Wir verlangen, daß die deutsche Regierung im Interesse der gesamten Steuerzahler des Reiches unsere über 8 Milliarden Galdmork hohen Ansprüche an die ehemaligen Feindstoaien gemäß § 297 i. des Versailler Vertrages rechtzeitig und nachdrücklich fordert. Diese Summe muß als innere Schuld von den Feindstaoten aner< lannt werden.� Die Resolution verlangt weiter ein« Hinzuziehung von l bis 2 Vertretern aus den Geschöd-igtenkreiien zu den Beratungen über die Abänderung des Dowes-Planes. Als vierter Redner der Vevsammlung bestieg der kommunistische Reichstagsabgeordnet« I a d d a s ch die Rednertribüne,»m die Gelegenheit zu einer robusten Agitationsrede auszunutzen. Di« Geschädigten, deren Schicksal man nur mit größtem Verständnis gegenüberstehen kann, sind sich scheinbor nicht bewußt, wie paradox es ist, wenn ausgerechnet ein Kommuni st als Anwalt des Privateigentums auf tritt. Die Führer der an dieser Kundgebung beteiligten Orgovi satinnen sollten stch endlich darüber klar werden, daß nicht jene ihre wahren Freunde sind, die keine Gelegenheit vorübergehen losten, um ihr Parteisüppchen an der schwelenden Glut der Verzweiflung zu wärmen._ widmete. Thiestens Dann kamen fröhliche Wanderlieder und „Herrlicher Baikal" und„Brüder zur S zifl« Ionnc' Schlü Großdachstuhlbrand in Lichtenberg. Durch«in Großfeuer wurde Sonntag früh der Dachstuhl des Dorderhauses Schreinerst?. 2K in Lichtenberg vernichtet. Das Feuer wurde kurz vor 6 Uhr bemerkt, als bereits ein großer Teil des Dachstuhls in Flammen stand. Di« alarmierte Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen einen ausgedehnten Brandherd vor. Es mußten zahlreiche Schlauchleitungen großen Kalibers in Tätigkeit gesetzt werden, um ein U e b e r g r e i s e n des Feuers auf die Rachbargnrndstücke, die eine Zeitlang stark bedroht waren, zu verhindern. Das Feuer fand an den Bodenver- schlügen, Gerumpel usw. reiche Nahrung und erst nach zweistündiger angestrengter Tätigkeit war die Gewalt der Flammen gebrochen. Die Wohnungen der oberen Stockwerke haben unter Wasser st a r k- g« l i t t« n. Als Entstehungs- Ursache wird fahrlässige Brandstiftung vermutet. Lim den H 297» des Frledensverirags. Kundgebung der Liquidationsgeschädigten. Der„Reichsbund der ihres Privateigentums beraubten und ent- rechteten Auslands-, Kolonial- und Grenzlanddeutschen", dem zahl- reiche Verbände der Liquidationsgeschädigten und Verdrängten ange- schlosien sind, deren Mitglieder sich nicht mit der durch das Kriegs- sä.ädenfchlußgesctz erfolgten Regelung ihrer an das Reich gestellten Ansprüche zufriedengeben wollen, hatte am Sonntagvormittag zu einer in der„Reuen Welt" in der Hasenheide»eranstalteten Kund- gebung geladen. Die Ausführungen der drei Redner— Herr Trapp, Herr Dr.— H.a.nse.n unh Herr D o r e n d or f � gipfelten in der Forderung, chgß bei.den bevorstehenden Beratungen über eine Äenderung des Dawes-Planes die deutschen Vertreter vän dcn Ententemächten die endliche Berücksichtigung des§ 2 97 i des Volksliederabend des Ztätli-Ehors. In der Auto des Realgymnasiums, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße, stehen 50 jung« Menschen- kinder. Jungen und Mädel und singer». Hell und freudig blicken ihre Augen, hell klingen ihre Stimmen. Man merkt, das sind nicht bloß einstudierte Jravourgesänge, das sind Lieder, die sie oft in die freie, frohe Natur hinausschmettern. Proletarische Jugend, die nach des Tages Last Entspannung sucht im fröhlichen Gesang. Das sind da beileibe keine Wandervögel mit Klampfen und ewigem Dideldum. Das sind junge, fertig« Menschen, die etwas können. In der Ein- ladung bitten' sie zwar um„nochsichtige Beurteilung", aber was diese Dilettanten leisten und was ihnen vor allem ihr Chorleiter Walter Rhode an präzisem, wohl diszipliniertem Charge fang bei- gebracht hat, das kann man schlechtweg bewundernswert nennen. Sehr sorgfällig die Zusammenstellung des Programms. Kein« Schablone. Volkslieder aus dem lö. und 1k. Jahrhundert von Hasler, Cecard, Donoti, drei- und vierstimmige Kanons von Cheru- bini und Hoydn, den launigen Metronoinkonon, den Beethoven dem Erfinder des Metronoms, dem Wiener Mechaniker Mäßet, In der Hochschule für Musik veranstallcte am gestrig Sonntag die G e sa n g s g e m e i n s cha f t der Rcicheschen Chöre, die Vereine„Morgengrouen"-Berlin,„Hostnung"-Spandou und der„Volkschor" Hermsdorf ein« Schubert-Fcier. Unterstützt durch die prächtige Akustik des Saales hallten all die Männer- Frauen- und.Kinderstimmen in einem schönen volltönenden Akkord wider. Unter kundiger Leitung ihres Chormeisters Eduard Reich« sangen die Männerchöre zu Anfang mit schönem Vortrag„Di« Rocht" und„Nochtgesang im Walde". Es folgten hierauf �ver- schieden« Orchester- und Gesangsportien aus„Rosamunde". Sehl sauber brachte ein 30 Mann starkes Tonkünstlerorchester die Ouoel- türe, die Zwischenaktsmusik nach dem 2. und 3. Aufzug und di« Vallettmusik zu Gehör. Mit angenehmer, schmiegsamer Altstimm« sang Lotte Wöllmann die Romanze. Die Jäger und Hirlenchü«,j in dem sich di« gesamten Stimmen zu einem wohlklingenden Ganze» vereinten, bildeten den Schluß der Gedenkfeier. Di« zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten herzlichen Beifall. Mutter und Kind spurlos verschwunden. Seit Sonnabend mittag ist die 31 Jahre alle Ehefrau Margarete H o e h n e geb. Preuße mit ihrer im August 1925 geborene» Tochter Gisela verschwunden. Frau Hoehne, di« in ZehlendoN wohnt, besuchte dort am Sonnabend vormittag um 11 Uhr im Burca»! des Krankenhauses ihren Mann, der hier als Stadtinspektor b«- schäftigt ist, und übergab ihm die Wohnungeschlüsiel, weil sie mit dem Kinde in di« Stadt fahren wolle, um einzukaufen. Don diesen« Ausgong ist sie nicht zurückgekehrt. Hoehne suchte Muttel und Kind am Sonnabend abend und gestern den ganzen Tag vergelv lich und wandte sich in der Nacht auch um Hilfe an die Polizei. Die Eh« war glücklich und die Frau hatte keine Beranlassung, di« Häuslichkeit zu verlassen und sich etwa das Leben zu nehmen. Es ist möglich, daß sie verunglückt und mit dem Kinde in ei« Krankenhaus ausgenommen worden ist. Zu dem Mord an dem Kunstmaler Professor kurz wird wette» gemeldet, daß der Zimmermann Schlucke, gegen den von Zeuge» schwere Beschuldigungen erhoben wurden, so daß er von der Mord kamrnission festgenommen werden mußte, nach Berlin gebracht worden war. Das von ihm aufgestellt« Alibi ist nachgeprüft war- den. Auf Grund der Ermittlungen ist Schlucke nunmehr wiede» auf freien Fuß gesetzt und nach Werder zurückgebracht worden. welkerberlchk der ösfenttichen Wetterdicuststcllc Berlin und llid gegend: Ziemlich trübe, zeitweise neblig, ohne wesentliche Riedel- schlöge, Temperaturen lvenig verändert. Für Deutschland: I«» Osten nach leichte Niederschliig«, auch im Westen ziemlich trübe d» nicht«oesentlich veränderten Temperaturen. - Cna» Dragee, Berlln: Anzeigen: ld. Sl-ck» Verlag: Vonnärt« Vertag®. B« b K.. Veelin. Druck: Borwärt» Bu und Berlagaanltoll Paul Singer& Ca.. Berlin SB SS. Lindenilrak« Verantwortlich für die Redaktion: Berlin. druckmt__ WWW. »lerza 1 Beiiao« t Kwlet tche Pflastef Ha»« Du njn| QCtOr feritsit irgendwo will LQuICIz nie das Jedoch achte dabei immer auf den Patentschutz.Sehlimme' Finger*.' Seit 80 Jahren käuflich in Apotheken ä iö Pf. Outachten üb« Krampfadern, BHnlHden. Hiihnernnpren gratis durch ilans Kwlei's Ptla-ter-raorik. Uerliu SW od, Alera.idria jnstraOe 2" .on ag, d. 3. 12. staats-Cper Jnter d. Linden - A.-V, ISS I?-,, Uhr Cavalleria « usficana itaals-Oper A n Pl.d. Republ. R.-S. 21« 19', Uhr Montag, d. 3 12. Stidtisdie Oper Bismarckstr Turnus II 19V. Dhr Die KMsW aDiiMrail Stutl. Sdensplelh. in jralamnairkl R.-S. 74 20 Uhr �allJdiiileMlieater.Cliarlttig. 20 Uhr Fladismann als Erzieher 1 lettopsl-IMt Xflgltd)•>/< Ahr >1 Fneöenke Musik von Franz Lehar KWt Sorsch Mlmrd Zauber Hilde Warner» Befperauna Xrnftatbt» Starabscg Tora Rex Limburg Die Ratze ist den ganzen Tag geaffnel. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 l sv.uhr CASINO-THEATER s'.«ji» Lothrln-cer Straße 37. Der neue Posse-Schlager! Anflisi. die Kanone! Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1— ♦ Per?. Fauieuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. �onstice Preise- Parkett u. Ran* n.«h M Winrer Garren Täglich 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Sensation auf Sensation _j MosKaner litdlsdies« utademlsdies Thealer KSnttl. Ug- A. Granovsky im Zentral-Thealer Alle Jakobstr. M-iZ Id. DM. 2U7/U Montaj, J.Det, Dienst.,!. 0«., B'l* Reise Benjamins III, Musikalische Komödie Vorvcrk.a. d. Kasse ununterbroch. sowie a. d. Bbl. Vorverkauisstellen .Bcjubcl es Spiel, rasend. 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Ibuter des Vestas Täglich 8V4 Uhr: UtititTintillufn! Jtsephioe Btker in der neuen Revue Mns.v.Fr.HolIindcr mit Hai Sherman. Rundjunk höre i Preise Siltiiiiri'iiilit« DU. Kflustler-Th. 8 Uhr DieHerzodiii von cnicügo lea.«n tnnriih liinn utssing.Theatcr 8»/. Uhr Alb. Bassermanr. Loeis Mannheim „Herr UnMier' Drama von Louis Vfrneui'. filelDBs TDeatei Täglich 8". Uhr Mai Rdalbfiri Der Diekkopf Sandrock. Landa. Slerler, Sikl«. Planetarinn an Zoe « Ii-. Jndiinttliln m Noll. IZ7 16 Uhr >er Sternbimm« im Winter 18 Uhr ide nd Veltasraim. 20 Uhr Sonne Q.Sterne Theater tu der Stadl Kmautatasn. S7 Dönh.919 SV, Uhr (Jebcr MO Muli Spiel im Schloß takMi na f ran lalair, tegie Eugen Roben inefttakoT. Fnllin. UdM. tetl-'ilht, Ikjen, TmluM. R ose-Thnter WrntlirhT>1.13! «V« Uhr Die Ratten niutar am Nollendorfplatz Täglich SV. Uhr Wiener Binl Oper v.Joh. Streu P nvMnkj-aUin ri.Kiinlggräle. bi, Täglich 8»/, Uhi Der Frauenarzt Schauspiel von Hnns I. 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Artisten, sie ziehen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, sie sind überall und nirgendwo zu chause. Und dieses unruhoolle Leben, es wird sehr oft falsch dargestellt, von der erkünstelt angeregten Phantasie der Kasfeehousliteraten, von den um eine Knallsensation verlegenen geschäftstüchtigen. Filmregisseuren und von den sogenannten soziolempsindcndcn Menschen, die immer Mitleid für die Artisten erregen möchten. Jedoch ist das Leben romanhafter als die Roman« und dos Dasein der Artisten ist grauer im Elend und glanzvoller auf seinen Höhepunkten, als olle Durch- schnittsschilderungen es erfassen. Bon den Leiden und Erfolgen des fahrenden Dolkes, das den Weg vom Weltbummler zum Staats- bürger ging, gibt Auskunft die Arbeit der Internationalen Artistenlog«. Die Artisten bezahlen die„Landestrauer". Der Artist, der bald in dieser, bald in jener Stadt sein Brot sucht, der bald in diesem, bald in jenem Lande seinen Wohnort Hot, er muß, selbst wenn er noch so glänzend bezahlt wird, sich vor Willkür zu schützen wissen. Darum auch besannen sich an«inem spiel- freien Karfreitag, am S. April l90l, berühmte Artisten auf die Macht, die im treuen Zusammenhalten verankert liegt und gründeten die Internationale Artistenloge in Berlin, in der„chopfcnblüte". Unter den Linden 27. Ihr Kampf galt in erster Linie der Rechts- Unsicherheit im Beruf. Uns, die wir heute schon mit dem Arbeitsschutzgcdanke» eng vertraut sind, muten Kontrakte aus da- maliger Zeit einfach grotesk an. Die Artisten waren eben tatsächlich das rechtlose fahrende Volk. Es wurden wohl Bcrtröge geschloffen, ober sie steckten so voller Klauseln, daß der Unternehmer bei nur «in bißchen Gerissenheit der absolute Herrscher war. Zudem muß man bedenken: zur folgerichtigen Erkenntnis eines Vertrages gc- hören Sprachkenntniffe und Rcchtskenntniffe. Hinzu kommt, daß ein Artist womöglich 24 Kontrakte in einem Jahr abschließt. Da fällt natürlich von selbst allzu vieles Ueberlegen fort. Welchen Auslegungskunststückchen man sich gelegentlich hingab, mag an einem Beispiel erläutert sein. So wurden beim Ableben der Kaiserin Friedrich im August 1001 aus zehn Tage Land es- Iraner befohlen. Do löste schleunigst eine der größten Direktionen Deutschlands Verträge, die sie für Februar und März 1902, also für sieben bis acht Monate später, abgeschlossen hatte. Dies« Patrioten durften sich so den Arbeitnehmern gegenüber verhalten, denn sie waren im Recht, weil Landestrauer Kontrakte brach. Der Direktor durfte überhaupt unbegründet kündigen. Don dieser Kündigungsmöglichkeit wurde namentlich in den ersten drei Tagen des Engagements überreicher Gebrauch gemacht. Wenn also eine Rummer, die in Paris, in London und in Berlin gut gefallen hätte, in.irgendeinen* Krähwinkel irgendeinem schlecht gekhünten- Direktpr nicht zusagte, so durfte der sie fristlos entloffen. Es ist vorgekommen — und die Prominenten unter den Artisten setzen sich mit ihrem Zeugnis dasür ein—, daß man einfach, nur damit der Konkurrent sie nicht bekam, Nummern engagierte, um sie nach zdaei bis drei Tagen skrupellos auf die Straße zu setzen. Denn für den Kon- kurrentcn waren sie vorher und nachher unzugänglich, dank der Konkurrenzklausel. JLes trat» helles Danolses." Und wie diese Konkurrenzklausel ausgelegt wurde, dafür an Beispiel. Ein großes Hamburger Variete hatte einen Kontrakt, der das Auftreten in den drei Hansestädten Hamburg, Lübeck. Bremen und der ganzen Provinz Schleswig-Holstein von, Abschluß des Vertrages bis zu sechs Monaten nach dessen Ablauf oerbot. Nun waren Januar 190?„L e s t r o i s belle» Danoises", eine weltbekannte Damengymnastikertruppe, an diesem Variete engagiert. Fristlos und ohne jede Begründung wurde die Truppe entlassen, die sofort, wegen ihres großen Könnens, bei einem anderen Hamburger Variete Engagement fand. Nun klagte die Direktion, die in dem Vertrag dreitägige Kündigung ausgemacht hotte. Da entschieden das Landgericht Hamburg sowohl wie das hanseatische Oberlandesgericht, daß trotz der Entlassung das Auftreten im M.-Theater eine Verletzung der Konkurrenzklausel des H.-Theaters und somit eine Zuwiderhandlung gegen den Vertrag darstelle. Also nicht einmal ein Ersatzengagement durfte diese Truppe absolvieren, sie konnte auch nicht in«inem Zirkus Arbeit annehmen, falls dieser auf seinen ausgedehnten Reisen in das für sie gesperrte Gebiet kam. Mithin hätten die drei Dämen(sie bekamen anderweitig gute Engagements), verhungern dürfen, weil es einem Herrn Direktor Spaß mochte. Wer im eigenen Leben die Unsicherheit einer wirtschaftlichen Existenz kennengelernt hat. weiß was das bedeutet. Ebenso kurios waren die E n tl a ssu n g s k la us e ln bei Mißfallen des Publikums oder der Presse. In die Zuschauermenge können schnell ein paar Radaubrüder gesetzt werden, und was die deutsch« Presse anbelangt, so kemu sie bis auf den hemigen Tag so gut wie gar kein« ernsthaft» Kritik oder Würdigung artistischer Arbeit. Natürlich hätte sich bei diesen unsicheren Rechtsverhältnissen der ein« ober der ander« Prozeß gelohnt. Aber wer sollte ihn führen? Wenn zum Beispiel ein deutscher Artist in London unge- bührlich behandelt worden war, der Kläger inzwischen in Paris«in Engagement angenommen hatte und sein Hauptzeuge womöglich in Buenos Aires gastierte? Durch Kampf zur Rechtssicherheit. Der feit 1901 geführte Kampf wurde wesentlich verscharst, als Konorah. der international berühmt« Artist, im Interesse der Lrtistenschast seinen Beruf aufgab. Konorah, der Gedankenleser und Rechenkünstler, den seine Engagements noch Indien, Japan und China geführt hatten und der bereits ehrenamtlich an der Spitze der Internationalen Artistenlog« stand, wurde nunmehr 1904 beruslich ihr Präsident. Roch am 14. April 1901 Holle der Artist in Düffel- darf warnend a» d«e Artisten geschrieben:„Seid vorsichtig schafft kein« Kampforganisation, denn ihr müßt in einem Kampfe mit dem Kapital unterliegen." Konorah aber wußte, daß nur durch aller- schwerste Kämpf« der Weg bergan geht. Die IAL. führte Hunderte von Prozessen mit den UmerneHincrn, die sich eigentümlicher Gkjchäjtsxraktiten befleißigten. Der sehr vorsichng jchätzcnde Konorah rechnet, daß für die Artisten eine Million Goldmark gerettet wurde. Noch 1908 schloß eine süddeutsche Direktion Verträge mit 41 Kündigungsmöglichkeiten, denen nur die eine gesetzmäßige Kündigungsmöglichkeit des Artisten gegenüberstand. Es ging hart auf hart gegen selbstherrliche Direktoren, gegen unkollegiale Zlrtisten Zudem kam noch ein Ringen um den B e- griff Artist. Nach diesen Kämpfen, die oft auch die Loge selbst erschütterten, wurde endlich, obwohl noch gegenwärtig für den Artistcnberuf im Bürgerlichen Gesetzbuch„Vertragsfreiheit" besteht, ein R c i ch» t a r i f durchgesetzt. So bekommt der Artist heutigen Tages seine Reise mit Gepäck bis auf 500 Kilometer ersetzt. Am 17. Dezember 1919 wurde die Internationale Artistenloge in den ADGB. aufgenommen. Den Schutz der Artistenarbest Hot st« zu er- kämpfen verstanden, sie Hot sogar, um berechtigte Forderungen durchzudrücken, als Mittel der Selbsthilfe den Streik gebraucht, der im Jahr« 1923 in 53 Städten durchgeführt wurde. Heut« gibt es kein rechtloses fahrende» Volk mehr, in Selbsthilfe ging es den Weg vom Weltbummler zum Staatsbürger. Gegenwärtig haben die deutschen Artisten eine mächtige Organisation mit rund 4000 Mitgliedern. Das ist ein Aufstieg und ein Stück Zeit- geschichtc im Artistentum. Von ihr zeugen die Dokument« der Internationalen Artistcnlog«. Erna Büsins. Die Heiligen Ballen des Sprediiilins. In den Vereinigten Staaten hat man sich mit größter Pro- duktionsmut auf den Sprech- und Musikfilm,„tallies",„movie- tones" usw. genannt, gestürzt. Ein erheblicher Teil der amerika- irischen Filmindustrie hat sich mit Haut und Haar der neuen Film- kunst verschrieben, die in die Ateliers«ine ganz neue Rot« gebrocht hat. Wie fn einem Rundfunksenderaum, so muß auch in den Ateliers des Sprech- und Mustkfilms jeder unerwünschte Laut fern- geholten, die Akustik verbessert werden. Selbst das zischende Geräusch der großen Bogenlampen ist störend, große, schweigsamer« Lampen mit riesigen Reflektoren haben ihren Platz«ingenommen. Ebenso ging ein Requisit, das eigentlich unvermeidlich mit dem Film verbunden zu sein schien, das Megaphon, ist den Weg alles Der. gänglichen gewandelt. Die Mikrophone für die Aufnahme von Musik, Sprache, Geräuschen hängen direkt über den Käpfen der Filmschauspieler. Diese Mikrophone sind die schärfsten Ohren, di« man sich nur denken kann, sie vertausendfachen jedes noch so leise Geräusch. Daher, sind die Filmkameras in schalldichte Gehäuse ein- gebaut worden, vor der Optik befinden sich dicke Glasscheiben, damit nicht etwa dos Quietschen«jner widerspenstigen Kurbel oder das Schnarren einer Feder die Mikrophyn« erreich«! In dieser neuen UmkleibunK- gleichen die ZlufMhweappätatc eher Zanks, und dies?« Nomon hat mim ihnen auch, schnell im Atelierjqrgon gegeben. Die Mikraphne leiten dos Aufgenommene in einen besonderen Raum, wo die Registrierapparate stehen. Damit nun der Gleichlauf zwischen Bild und Ton erreicht wird, werden diese Ausnahme- opparate durch geniale Vorrichtungen mit der Kamera synchronisiert (auf gleiche Zeit eingestellt). Während der Aufnahme steht der jkurbelmann durch Kopfhörer ständig mit der Aufnahmeleiwng in Verbindung. Außerhalb des Ausnahmeraumes ist ein umfangreiches Schaltbrett angebracht, mit dem all« möglichen Signole für die Operateure und Schauspieler gegeben werden können, denn selbst der Regisseur ist wahrend solcher Aufnahmen zum Schweigen ver» dämmt— was manche Filmschauspieler für ein wahres Glück bc- zeichnen! Der Beginn der Aufnahme wird jedesmal durch«inen schrillen Pfiff angekündigt, der Schluß durch zwe, Pfiffe! Wehe, wenn zwischen diesen zwei Zeichen andere,»ücht zur Aufnahme gehörige Laut« ertönen! Einmol war es der Schlag eines Zimmer- monnsbeiles, der die heilige Stille störte, ein andermal ein recht kräftiges Hatfchie-Hatfchi«. Und— der Film war futsch! Die neu« Filmindustrie hat auch neue Berufe geschaffen: den„Monitor" und den„Mixer". Der Monitor ist sozusagen der Berkchrsschutzmann des Sprechfilms. Er Hot nn't Luchsaugen und-ohrcn alles zu über- wachen, was im Aufnohmeroum vor sich geht und durch die kam- plizierte Signalanlage den Verkehr mit den außen arbeitenden Operateuren zu unterhallen, die Anweisungen für Beleuchtung, für die Stimmstärke usw. zu geben. Der„Mixer" wiederum ist ein Techniker, dessen Aufgabe darin besteht, die einzelnen Stimmen in ihrer Stärk« auszugleichen,>he das Gesprochene oder Gesungene aus Film oder Plallen gebracht wird. Die einzelnen Filmateliers hüten in diesem Anfangsstadium ängsllich ihre Geheimnisse, und war es früher nicht schwierig, in die Glashäuser zu kommen— in die Aufnahmeräum« des Sprechfilm» gelangt ein Unberufener ebenso leicht wie das biblisch« Kamel durch ein Nadelöhr... W. Emil Schröder. dsontaK, 3. Dezember. Berlin. 16 30 KfinsÜer-KadrwTjclw,(KoMervatorlom der Müsiic Kimd�orth-Schnnp-enlÄ). 1. NiköUeff: Sonate für Vieline und Klavier(Jancu S. Marco und Edgar Weinkanf).—?. a> Qrieg: Maigarctens Wiegenlied: b) Heimkehr vom Fc&te; c) Blecb: Wirte-voll schlafen; d) Anders: Sonnenschein(Ellen Avenarius, Sopran).— 3. Ercscobaldi-Cassadö: Toccata für Violoncell (Danfei Hofmekler).—< Chopin; a) Etode op. 10 Nr. 3; b) Polonaise As-Dur op. 53(Max Janowsky, Klavier).— 5. a) Händel-Hubay: Targhetto: b) Vietixfemps: RÄvcric(Träumerei); c) Cni: Appassionato; d) Cui: Perpetuum mobile(Basia Polischuk, Violine; am Flügel: Grete KannengieBcr und Edgar Weinkauf). 17.30 Carl Busse. Zum 10. Togcstage. 1. Einleitende Worte; Dr. Rudolf Prcsbcr.— 2. Vorlesung aus den Werken: Theodor Loos. 18.00 Ueberfragung der Tecmusik aus dem Hotel Esplanade, ausgeführt von der Kapelle Barnabas von Odcry. 18.30 Hans-Bredow-Schule. Studienrat Friebcl und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 19.00 Hans-Bredow-Schale. Philosophie, Prof. Dr. Max Dessoir; Einführung in die moderne Psychologie. VT. Das Unbewußte. 19.30 Ueberfragung aus der Städtischen Oper Cbarl offen barr, Spielzeit 1928/29, ».Die Entführung aus dem Serail*4, Komische Oper in drei Akten von W. A. Mozart. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik(Kapelle Dajos Bdla), K 6 M g s w iir s t e r b a o s c ö. 16.00 Stud.-Rat Frfebel. Lektor Mann; Englisch(kultarkandllcli-literarische Stande). W.30 Ucbertraranir des Kachmfttagskonzertes Berlin. 17.30 Dr. Emst Herrmann: Die Geologie Deutschlands(Tl.). 18.00 Dichterstande. Rudolf Paulsen. Rezitation: Käte Graber. 18.30 Stnd.-Rat Fricbel. Lektor Mann; Englisch für Anfänger. 18.55 Prof Dr. Ries: Welche Maschinen machen sich im bürgerlichen• Be* triebe bezahlt? Ab 19.35 Uebcrtragnng voo Berlin. Musik auf der Straße. Beim Herabsteigen van der Hochbahnstativn in Paris ver- nimmt man Plötzlich Musik und Gesang. Zwischen den Pfeilern der Hochbahn hat sich im Kreis ein Publikum versammell. da» auf dem Heimweg von der Arbeit noch rasch ein paar neue Schlager anhören will. Arbeiter, auf dem Kopf die typische Schirmmütze, um den Hals einen bunten Schal, Lodenmädchen, einfach und doch schick gekleidet, lauschen interessiert den Chansons, die ein hagerer Bursche durch einen Schalltrichter zum besten gibt. Wenig« Schritt« von ihm sitzt sein« Kapell«. Ein Geigenspieler, ein Mandolinenspieler, der mit dem Fuß gleichzeitig dos Schlagwerk bedient, endlich«in Meister der Zieh- Harmonika. Alle drei qualmen während ihrer musikalischen Tätigkeit seelenruhig ihre Zigaretten. Sie sind gut eingearbeitet, dies« Straßenmissikonten. Kaum hat der Sänger sein Lied begonnen, so fallen sie schon mit der Begleitung ein, in einem aufpeitschenden, prickelnden Rhythmus, der immer mehr Vorübergehend« zum Zu- hören lockt. Laut und deutlich singt der Bursche durch den Schall- trichter sein« Chansons, in denen natürlich die Liebe die Haupt- roll« spielt. Da lernt ein junger Student der Medizin eine hübsche Austrägerin kennen, seine reichen Eltern sind gegen die Heirat, sie lieben sich, bis der junge Mann in die Kolonien muß und dem Mäd- che» ein hübsches, rosiges Bäbi als Trost bleibt, für dos es nun Tag und Nacht arbeiten muß. Humor- voller ist das folgende Chanson, das sich auf einen jungen Mann bezieht, der nach einer reichlichen Bohnenmahlzeit mit seiner Renette auf'einem Geselligkeitsball Char- leston tanzt, bis ihm ein Malheur passiert. Aber auch die Schwieg««- mütter müssen herhalten und ein ganz langes Chanson ist der Der- männlichung der Frau gewidmet. die den Mann aus dem Beruf drängt, raucht, trinkt, alle Arten Sport treibt und am liebsten auch das Stillen der Kleinsten dem Manne überlassen möchte. Alle zwei Minuten donnert die Hoch- bahn über di« musikalische Idylle dahin. Nun setzt der Sänger seinen Schalltrichter ob, ergreift aus einem bereitstehenden Kästchen ein« Handvoll auf schlechtem Pa- pter gedruckt« Liedertexte— worauf sich die Hälft« der Zuhörer verdrückt— und sucht sie an die Musikenchufiasten zu verkaufen, di« sich noch immer nicht von dem Zauber trennen können. Bold stehen sie mit dem Text in der Hand da und fingen unter Anleitung des unermüdlichen Schalltrichtervirtuosen den Refrain mit. Plötzlich aber geht mit dem Quartett eine Veränderung vor sich. Irgendwoher ist ein Wachmann in kurzer Pelerine aufgetaucht und verlangt von dem Kapellmeister die Papier«. Di« Menge zerstreut sich und wenig« Minuten später trabt das Häuslein der Musikanten in das nächste Restaurant, um sich mit einigen Apäritifs zu stärken. Krcmuner. I Vt>iv» EDGAR WALLTACE INS OEUTSCHE d BE RTRAOE.IM VON RAVI RAVEN DRO (14. Fortsetzung.) „Wollen Sie denn nicht—* begann er. „Sie müssen nicht so viele neugierige Fragen stellen, Jackson!" Digby schaute seinen Diener wütend an.„Sie kümmern sich ein wenig zu sehr um meine Angelegenheiten, mein Freund. Da wir nun gerade einmal dabei sind, so möchte ich Ihnen eins sagen: Lassen Sie Ihr verfluchtes Grinsen, wenn Sie Miß Weldon an- reden und benehmen Sie sich so. wie sich ein Diener einer Dame gegenüber zu benehmen hat! Haben Sie mich verstanden?" „Ich bin kein Diener." erwiderte der Mann düster. „Diese Rolle haben Sie aber jetzt zu spielen— und zwar gut," sagte Digby.„Fangen Sie nicht an, hier mit mir zu rechten, sonst—" Er reichte nach einem Brett an der Wand, wo mehrere Jagd- peitschen hingen. Jackson schrak zurück. „Ich habe ja gar nichts sagen wollen," entgegnete er ein- geschüchtert, aber sein Gesicht zuckte.„Ich habe die Dame immer respektvoll behandelt.—" „Bringen Sie mir die Morgenpost ins Speisezinmier," befahl Digby kurz. Eunice kam gleich darauf. „Guten Morgen, Miß Weldon," sagte Digby und schob ihr einen Stuhl an den Tisch.„Haben Sic sich gestern abend gut amüsiert?" „O, ganz ausgezeichnet," erwiderte sie, sprach aber dann über etwas anderes. Sie war ängstlich, daß er noch mehr über den vergangenen Abend fragen konnte und war froh als das Frühstück zu Ende war. Digbys Haltung ihr gegenüber war aber sehr korrekt. Er sprach über allgemeine Dinge und berührte den gestrigen Abend nichr mehr. Als sie zu Mrs. Groats Zimmer ging, um ihre Arbeit auf- zunehmen, folgte er ihr nicht, wie sie anfänglich gefürchtet hotte. Es war noch zu wenig zu tun, die schwere Arbeit halte sie hinter sich. Digby wartete, bis der Ar.zt von seiner Mutter.zurückkam. Er erfichr, daß sie vollständig wieder hergestellt sei. Der Doktor sagte allerdings, daß ein Rückfall eintreten könnte, jedoch hielt er das im Augenblick für unwahrscheinlich. Digby wollte aber seine Mutter heute morgen unter ollen Umständen sprechen. Sie saß am Fenster in einem Fahrstuhl, eine zusammen- gekauerte, unansehnliche Gestalt. Ihre dunklen Augen betrachteten gleichgültig das Teppichmuster, dann schweifte ihr Blick nach draußen ins Grüne. Der Wechsel der Iahreszeif�edeulete' fur'sie'niiW mehr als einen Wechsel der Kleidung. Ihr wildes Herz, das früher im Frühling so überlaut jauchzte und so heftig schlug, war jetzt schwach geworden, und ihr einst so schöner Körper war durch häßliche Leidenschaften zerstört. Und doch hatten ihre jetzt so unschönen Hände einst beglückt und bezaubert, aber auch Unheil und Fluch verbreitet. Ihre Gedanken beschäftigten sich augenblicklich mit Eunice Weldon. Sie hatte gar kein Mitgefühl mit ihr. Wenn Digby sie haben wollte, mochte er sie nehmen. Ihr Schicksal interassierte die alte Frau nicht mehr als das Schicksal der Fliege, die eben an der Fensterscheibe summte und die sie durch einen Schlag ihrer Hand vernichten konnte. Aber aus einem anderen wichtigen Grund wäre es besser gewesen, wenn das Mädchen nicht hier wäre. Sie runzelte die Stirn. Die Narbe an dem Handgelenk war doch bedeutend größer als ein Halbjchillingftück. Es war wahrscheinlich nur ein reiner Aufall. Sie hoffte, daß sich Digby jetzt mit ihr beschäftigen würde. Dann hatte sie ja Ruhe. Er hatte dann keine Zeit, zu ihr zu kommen und sich um sie zu kümmern. Sie fürchtete sich entsetzlich vor ihm. Sie wußte, daß seil, Wille unbeugsam war und daß ihr eigenes Leben wie das Licht einer Kerze verlöschen würde, wenn Digby es für vorteilhaft hielt, sie aus dem Weg zu räumen. Als sie nach dem Zusammenbruch das Bewußtsein wiedererlangte und in dos Gesicht der Krankenschwester schaute, die sich über sie neigte, wunderte sie sich darüber, daß Digby sie hatte weiterleben lassen. Er wußte, wie sie gtorbte, nichts von dem Testament, und ein spöttisches Lächeln huschte über ihr gerötetes Gesicht. Das würde eine böse Ueberraschung für ihn sein. Es war nur schade, daß sie nicht dabei sein konnte, um es zu sehen. Aber sie konnte sich schon vorher daran weiden, wenn sie daran dachte, wie er sich ärgern und in nutzloser Wut oerzehren würde. Die Tür wurde einen Spalt geöffnet, jemand unterhielt sich mit der Krankenschwester im Flüsterton und dann trat Digby ins Zimmer. „Wie geht es dir heute, Mutter?" fragte er liebenswürdig. Sie blickte ihn scheu und erregt an. „Sehr gut, mein Junge, es geht mir wirtlich vorzüglich." sagte sie mit zitternder Stimme.„Willst du nicht Platz nehmen?" Sie sah sich ängstlich nach der Krankenschwester um, aber sie hatte das Zimmer verlassen.„Würdest du nicht die Pflegerin rufen? Ich brauche sie, mein Junge." „Das kann warten." erwiderte er kühl.„Ich möchte noch einiges mit dir besprechen, bevor sie zurückkommt. Zunächst möchte ich einmal wissen, warum du ein Testament zugunsten Estremedas gemacht und mich mit einer lumpigen Summe von zwanzigtausend Pfund abgefunden hast?" Sie wäre unter diesem Schlage beinahe zusammengebrochen. „Ein Testament, mein Junge?" Sie sprach kläglich, fast winselnd. „Wovon sprichst du denn in aller Welt?" „Von dem Testamsnf das du gemacht und in deinem Geheim- fach versteckt hast. Aber Jage mir jetzt nur bloß nicht, daß ich träume, oder daß e» ein Scherz von dir war, oder daß du nickst bei Verstand warst, als du«s tatest. Ich möchte die reine Wahrheit hören!" „Ich habe das Testament schon vor langen Iahren gemacht," sagte sie zitternd vor Furcht„Damals dachte ich daß mein ganzes Vermögen nicht mehr als zwanzigtausend Pfund betrüge." . Das lürst du." entgegnete Digby ruhig.„Du hast das Tefta- r.ent gemacht, um dich an mir zu räche», du alter verfluchter Teufel!" Sic sah cha bleich vor Schrecken an. Digby war am gefährlichsten, wenn er in diesem kühlen, gleich- gültigen Ton zu ihr sprach. „Ich habe das wertvolle Dokument verbrannt" fuhr Digby fort. „Und wenn du Miß Weldon sehen solltest, die dabei war, als ich es vernichtete, würde ich wünschen, daß du ihr erzähltest, das Testament sei gemacht worden, als du nicht ganz richtig im Kopfe warft." Mrs. Groat konnte nicht sprechen. Ihr Unterkinn zitterte und sie dachte nur daran, wie sie die Aufmerksamkeit der Krankenpflegerin auf sich lenken konnte. „Stelle meinen Stuhl ans Bett, Digby," bat sie schwach,„das Licht ist hier zu grell." Er zögerte zunächst, aber dann erfüllte er ihren Wunsch. Als sie nach der Klingel tastete, die neben dem Bett angebracht war, lachte er. „Du brauchst nicht zu erschrecken, Muner," sagte er spöttisch. „Ich habe nicht die Absicht, dir etwas zu tun. Denke daran, daß deine verdammte Krankenpflegerin nicht ewig hier fein wird und tue, was ich wünsche. Ich werde Miß Weldon in ein paar Minuten unter dem Vorwand zu dir hinaufschickeii, daß du ihr Austräge geben willst und daß sie einige Briefe für dich zu beantworten hat, die heute mit der Morgenpost kamen. Hast du mich verstanden?" Sie nickte. Als Eunice in das Äronkepzimmer trat, fand sie Mrs. Groat schlechter au-fchend als früher. Gehässige Blicke trafen sie, als sie an den Krankenstuhl herantrat. Die alle Frau vermutete, daß Eunice das Testament gefunden hatte und haßte sie deshalb. Aber die Furcht vor ihrem Sohn war dach größer. Nachdem ein paar Briefe beantwortet waren, hielt sie Eunice zurück, die das Zimmer wieder verlassen wollte. „Nehmen Sie noch einmal Platz, Miß Weldon. Ich wollte noch ein paar Worte mit Ihnen über das Testament sprechen, dos Sie gefuirde» haben. Ich freue mich sehr, daß Sie es entdeckten, denn ich hatte schon ganz vergessen, daß ich es aufsetzte." Es fiel Mrs. Groat schwer zu sprechen. Sie mußte sich fönnlich zu jedem Wort zwingen. „Sehen Sie, mein liebes, junges Fräulein, ich leide manchmal � an einer merkwürdigen Gedächtnisschwäche, tlnd vnd»» dack Testament habe ich aufgefetzt, als ich eine* solchen Anfall hatte.—" Eunice hatte ihre zögernden und abgerissenen Worte gehört und glaubte, daß sie zu schwach sei, um fließend sprechen zu können. „Ich oerstehe Sie vollkommen, Mrs. Groat," sagte sie mit- leidig.„Ihr Sohn hat mir olles erklärt." „So, der hat Ihnen schon alles gesagt?" Sie schaute nach- denklich zum Fenster hinaus. Eunice wartete darauf, daß sie das Zimmer verlassen konnte. Aber unvermutet fragte Mrs. Groat: „Sind Sic mit meinem Sohn sehr befreundet?" Eunice lächelte. „Nicht besonders, Mrs. Groat." „Nun, das wird noch kommen, mehr als Sie es sich jetzt denken." Es lag eine solche Niedertracht und Gemeinheit in ihren Worten und in ihrem Ton, daß Eunice zusammenfuhr. 17. Jim liebte London, seine geräuschvolle Geschäftigkeit, das leb- haste Treiben in den Straßen, den brandenden Berkehr und den unzerstörbaren Humor seiner Bevölkerung. Paris deprimierte ihn durch seine Vergnügungssucht und den harten Kampf um» Dasein, der hier besonders deutlich in Erscheinung trat. In dieser Großstadt gab es kein beschauliches Ausruhen und kein Besinnen, un- barmherzig ging hier das Leben vor sich, dauernd mußte verdient werden. Brüssel war nur ein schwaches Abbild hiervon, ein kleines Paris. Berlin war ein Stück Gomorra und Madrid ein erloschener Krater, unter dessen Oberfläche sich neue Glütströme angesammelt hatten, die.zu einem Ausbruch drängten. Er liebte auch New Pork, diese Stadt aus Stahl und Beton, wo sentimentale Menschen lebten, die sich das Ansehen von Tyrannen gaben. Nichts in der Well tonn dem Leben in New Pork gleichen. Dantes ausschweifende Phomasi« mochte von dieser Riesenstadl gettäumt haben, ein Leonardo da Vinci mochte sie in seinen kühnsten Träumen entworfen hoben. Aber London blieb London, es war unvergleichlich schön. Es verkörperte ihm die Geschichte der Welt und war ihm das Symbol der Zivilisation. Er macht« einen Umweg und ging durch den Covent Garden. Die farbenfreudige Umgebung stimmte ihn fröhlich. Er hätte den ganzen Morgen hier zubringen können, aber«r mußt« zum Bureau, um Mr. Saller zu sprechen. „Haben Sie Nachforschungen noch der Firma Selenger an- gestellt?" war die erste Frage, die er an Jim richtete. Mr. Steele mußte zugeben, daß er vergessen hatte, dieses Geheimnis auszutlären. „Es wäre ober sehr wichtig, wenn Sie wüßten, wer die Leute sind. Sie werden wahrscheinlich entdecken, daß Digby Groat oder seine Mutter dahinter stecken. Ich komme daraus, weil diese Häuser doch früher das Eigentum von Jonathan Danton waren— oder auf Vermutungen können wir uns nicht verlassen!" Jim stimmte ihm bei. Es war in der letzten Zeit soviel passiert, daß er diese wichtig« Suche vergessen hotte. „Je länger ich über den Fall nachdenke, desto nutzloser kommt mir meine Rochsorschung vor, Mr. Salter, und wenn ich selbst Lady Mary gefunden habe, so sogen Sie ja selbst, daß ich meinem Ziel, den Groats das Vermögen abzujagen, nicht nähergekom» m«n bin."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. amiiitiiiiiiiiiiniitiHmniiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiUiniiiiiniujumuniunuiiniiitiiiiinntiiniiiiiniiuJiiiiiiiiiiiiiiiitnniiiiiiitiNnuiiiiiniiiniiiiiniMHuuNiiiiinnfnnmiiiwummnmHinmii«» Wilhelm IL und Forkenbeck. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlichte kürzlich zwei auch von uns wiedergegebene Briefe, die Wilhelm II. als Kronprinz schrieb, und in denen er den Berliner Oberbürgermeister Forkenbeck, der zuvor der erste Präsident des neuen deutschen Reichstags gewesen war, als„Ferkelbeck" bezeichnete. Das weckt die Erinnerung an em anderes Vorkommnis, das sich nach dem Regierungßantritt des da- maligen Kaisers zutrug. Die Stadt Berlin schenkte ihm damals den Neptunbrunnen am Schlosse, den der Dolkswitz dann nach Forken- deck das„Forkenbecken" taufte, mit Beziehung darauf, daß der Neptun eine Gabel, eine„Forke" trug. Forkenbcck überreichte mit einer Deputation städtischer Bertreter das Modell des Brunnens in einer Audienz, aber Wilhelm, anstatt sich zu bedanken, wie es sonst bei Geschenken üblich ist, benutzte die Gelegenheit, Forkenbeck und die städtischen Vertreter gründlich herunterzuputzen wegen irgendwelcher Verhandlungen in der Berliner Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat, die ihm mißliebig waren. Da entstand in Berlin das geflügelte Wort, das bald in aller Munde war:„Seien Sie doch nicht so grob, ich habe Ihnen doch keinen Brunnen geschenkt." Damit wurde ein wenig auch die künstlerische Qualität des Brunnens, die sehr bestritten war, verspottet. Heil! Das nationalsozialistische Jahrbuch kündet stolz unter der Rubrik Völkische Verbände: „Bon allen Seiten schwer bekämpft in zähem Daseinskampsc mit seinen Gegnern, besteht in unserem engeren Vaterlande seit vielen Jahren'ein Verband, der sich den Zusammenschluß aller Briefmarkensammler deutscher Art und germanischer Ab- stammung zum Ziel gesetzt hat.... Unter Ausschallung des jüdischen Zwischenhandels und des ausländischen Krämergeistes ermöglicht der Verband den Ausbau der Briefmarkensammlungen. Juden und Judenknecht werden keine im Verband geduldet." Zwar ist es mit dem Deutsch dieses„Vaterländischen Berbandes Deutscher Briefmarkensammler E. V." nicht weit her, aber immer- hin wissen wir nun doch, daß ein Verband besteht, der auf rein arischer Grundlage der Pflege des so notwendigen Briefmarken- sammelsports seine Aufmerksamkeit zuwendet. Heil! Nachtruhe im Schaufenster. Zwei Engländer reisten kürzlich durch Oesterreich, gleich sehr vielen ihrer Landsleute so gut wie ohne jede Kenntnis der deutschen Sprache. Spät abend trafen sie in Innsbruck ein. Bei der Suche nach einer Unterkunft stellte es sich heraus, daß alle Gasthöfe über- füllt waren. Schließlich wurden die Reisenden in ein Privatquartier gewiesen. Man führte sie in einen langen, schmalen Raum, in dem allerlei Möbel herumstanden. Die eine Schmalwand war von einem Borhang vollkommen abgeschlossen. Verständigen konnten sich Gäste und Wirt nicht, doch aus dosten Gebärden entnahmen die beiden Eng- länder, daß ste nicht hinter den Vorhang gehen sollten, wenn ihnen der Zweck des Verbots auch unklar blieb. Die müden Wanderer gingen zur Ruhe. Ihre Lagerstötten erwiesen sich aber bald als außerordentlich hart und unbequem, so daß einer der Engländer aufstand und im Zimmer herumwandernd nach Abhilfe suchte. So geriet er auch hinter den geheimnisvollen Vorhang, wo er zu feiner Uederraschüng ein schönes,, großes, weiches Bttt entdeck'«, in das er sich— unbekümmert um das Verbot seines Wirtes— sofort legte. Er schlief herrlich bis in den hellen Tag hinein. Als er endlich er- wachte, merkte er, warum man ihm untersagt hatte, hinter den Vorhand zu treten. Dieser schloß nämlich das Schaufenster eines Bettgeschäftes ab, und der schlafende Engländer hatte einer nur durch eine Glasscheibe von ihm getrennten, höchlichst amüsierten Menge die Bortresslichkcit der Ware seines Wirtes in der Prari« vor Augen geführt. Amerika hat 283 Millionäre. Die Zahl der Millionäre in den Vereinigten Staaten ist gegen- über dem Jahre 192S um 52 gestiegen, so daß sie gegenwärtig M3 beträgt. Man kann das allerdings bei dem starken Aus und Ab an der Rew-Porker Börse nicht so genau wissen, ob die Zahl nicht schon wieder größer oder auch kleiner geworden ist... Die An- zahl jener Millionäre, die über 5 Millionen Dollar jährlich Ein- kommen haben, hat sich von 14 auf IE vermindert! Da dos Jahr 1927 kein besonders günstiges Geschäftsjahr war, vor allem im Vergleich mit 1926, ist das Steueraufkommen auch bedeutend geringer, und zwar insgesamt um 1144W)f>OOt1 Dollar. Allein die Körperschaftssteuer brachte eine Mindereinnahme von 175 Mil- livnen Dollar! Damit steht in Zusammenhang di« Abnahme der Einkommen unter IE EEE Dollar jährlich, während in anderen Ein- kommengruppen eine Zunahme zu verzeichnen war. Die Gcsamtbevölkening der Bereinigten Staaten beträgt über 12E Millionen, das Nationalvermögen wird zwischen 5EE und 325 Milliarden Dollar geschätzt, außerdem werden jährlich für etwa 20 Milliarden Dollar landwirtschaftliche und für 6E Milliarden Dollar andere Produkte hergestellt. Die Bankdepositen belauien sich aus etwa 50 Milliarden Dollar, die Auslandskredite auf etwa 14 Milliorden Dollar. Die gefährdeten Telegraphenstangen. Seit geraumer Zeit werden an den Telephon- und Telegraphen» stangen in den Bereinigten Staaten schwer« Schäden verursacht, und zwar zumeist durch Spechte. Bor ollem ist es der Weißspecht, der sich das ziemlich weiche Holz der Telephon- und Telegraphen- stangen für seine Holzhackerarbeiten aussucht und in Löchern oft Nahrung verbirgt. Diese verfault und bietet wieder den Larven und Würmern anderer Holzschädlinge Nahrung. In Washington will man jetzt besondere Patrouillen schaffen, die ihr Augenmerk auf die Tele- graphen- und Telephonlinien zwischen dem Staate Washington und Kalifornien richten sollen, wo sie besonders schwer unter den Deschä'- gungen zu leiden haben 8000 Dollar für verlorenes Haarl Die 74 Jahre alte Frau Forlcy aus Boston wollt« sich Dauer- wellen brennen lasten, aber infolge schlechter Konstruktion des Appo- rates brannten nicht mir die Wellen, sondern das ganze Haar ab. Das Gericht hat Frau Forlcy einen Schadenersatz von 3000 Dollar zugebilligt. Einer macht schlapp... In einer öffentlichen Versammlung hatte ein Berichterstatter gerade vor der Rednertribüne Platz genommen und schrieb eifrig, wodurch der Redner nervös wurde und immer schneller zu sprechen begann. Doch je schneller er sprach, desto schneller schrieb auch der Berichterstotter vor ihm. Schließlich beugte sich der Redner erschöpft über das Pult und schrie:»Nicht so schnell! Ich komme nicht mehr mit!" Arbeitersport am Sonnta Testern veranstalteten die Freien Schwimmer Pots» da m ihr diesjähriges Hallenschwimmfest, zu dem lZ Der- «in« erschienen waren. Den sportlichen Teil füllten Stafetten und Einzelschwimmen aus, wobei sich zeigt«, daß die Schwimmhalle des Werner-Alfred- Bades sich für Wettkämpfe nicht eignet. Bei fast allen Konkurrenzen hielten die Schwimmer nur sehr selten ihr« Bahn inne, was auf die ovale Form des Bassins zurückzuführen ist. Es fanden auch bei den sehr zahlreich erschienenen Zuschauern die volkstümlichen Brogrammnummern mehr Beifall. Der Höhepunkt war das ttigurenliegen der Frauenkreismannschaft. Selten wurde ein Reigen so exakt gezeigt wie hier. Wegen der vorgeschrittenen Zeit fielen die Rettungsvorführungen leider aus. Den Schluß des Festes bil- beten drei Wasserballspiel«, in denen die Männennann- ichast des Leranftalters mit 8:4(4:2) Taren Spandau das Nach- sehen gab. Die Iugendmannfchaften von Potsdam und Siemens- stadl trennten sich unentschieden 3: 3. Di« Freien Schwimmer können mit dem propagandistischen Erfolg zufrieden sein. ü&rMUoCUV Ergebnisse vom 1. Dezember. Der am Sonntag niedergegangene Regen verdarb wieder einig« gute Spiele. Einige Mannschaften zogen es vor, nicht anzu- treten. In Velten sta irden die ersten Männer ohne Gegner da, da Klausdorf nicht erfchienon war. Die Frauen verloren gegen Freie Turnerschaft Groß-Berlin. Wedding, mit 6:0(3:0). Leiten zeigte großen Eifer, konnte ober gegen das überlegen« und planmäßige Spiel Weddings nicht aufkommen. Di« Torhüterin und die Verteidigung Vellens zeigten gut« Leistungen. Auch bei den zweiten Männer-Mannschaften gewann Wadding mit 7: 1 (1: 0). FTGB.-Norden III weilte in Friedrichsthal bei Oranien- bürg und gewann 5: 2. Weißensee und FTGB.-Pankow trennten sich unentschieden 3: 3. Weißensee führte bis zur Pause mit 1: 0, aber in der zweiten Halbzeit holte Pankow auf und stellte dos Resultat auf 3: 1. Die Pankower Verteidigung verursachte einige Deckungsfehler, so daß Weißensee das Spiel unentschieden gestalten konnte. Es wurde von beiden Mannschaften hart um den Sieg gekämpft, aber der nasse Boden verhinderte weiteres. FTGB.- Spandau konnte gegen Schwimmverein Nepwn-Weißensee nur einen knappen Sieg von 3: 2 herausholen. Turnverein Sokol- Falte gewann gegen Ruder- und Kanuoerein 1924 mit 4: 0(2: 0). Einige Sokolspieler betätigten sich in etwas unfairer Weise. ArbciieivHockcyspicle vom Sonntag. Di« Freie Turnerschaft Groß-Berlin(Tennis Rot I) mußte sich dem Athletik Sport Klub II 1: 5 beugen. Bei Tennis Rot I macht« sich die schwache Läuferreihe besonders bemerkbar. Wenn auch das Stärungsspiel einigermaßen kloppte, so fehlte es um so mehr am Aufbau. Der Athletik Sport Klub fand sich zusammen und führte ein schnelles und flüssiges Spiel vor.— Der Sportverein Moabit I tonnte gegen den Athletik Sport Klub I ein Un- entschieden 2: 2 herausholen. Er hat es vor allem seiner koin- pletteren Mannschaft urd größerem Spieleifer zu verdanken. Der Athletik Sport Klub spielte mit größter Aufopferung, ober in un- gleichem Kräfteverhältnis. Innnerhin waren sie technisch oollkom- mener und konnten durch«in gutes Stellungsspicl gefallen.— Groß-Berlin Nordring III gewann 2: 0 gegen Groß-Berlin Pan- low mit viel Glück. Das Spiel litt stark unter dem aufgeweichten und schlüpfrigen Boden.— Sportverein Moabit II und Athletik Sport Klub Jugend trennten sich 3: 0. Heute, Montag, B e r t r e t e r t a g, bei Förster, Dänenftraße, Ecke Schönfließer Straße, 20 Uhr. Sozialer Sport. Der Unterschied! Der Sport ist eine moderne Sache. Gerad« so wie die Bubi- köpfe und kurzen Röcke bei den Frauen und die zierlich gestutzten Kärtchen bei den Männern. Früher war das Lange modern, heute öas Kurze. Die Sportbewegung hat sich in den letzten Jahrzehnten gleich- talls stark modernisiert. Das alte kollektivistische Turnen mit seinen volkstümlichen Lauf- und Sprungübungen erscheint in obigem Sinne ols die veraltete„lange* Mode. Der neu« Sport bevorzugt das surze Tempp unter Ausschaltung des Kollektivistischen. Die individuelle Geltendmachung bei den Ballspielen und Läusen ist niodern. An die Stelle eines kunstvoll ausgebauten Systems von Geräteübungen sind Spiel und Sport in natürlicher Form getreten. Die Wettkämpfe üben hierbei eine besondere Anziehungskraft aus öie Jugend aus. Im neuen„Vorturner*, herausgegeben vom Arbeller-Turn- "nd Sportbund, empfiehlt P. Seifert-Leipzig die Einführung von Monatlichen Leiftungsprüfungen. um durch Hebung des Wettkampfgedankens � da? Kerätetlsrn�n wieder konkurrenzfähig gegenüber dem Sport zu machen. Der einzelne Turner— auch An- könger— soll aktiver Wettkämpfer werden. Die Turnleitung be- i'immt in jedem Monat drei Hebungen, die zu erlernen sind. Ge- wertet wird nicht die Qualität der Ausführung, sondern es wird k�digljch festgestellt, ob der Turner die Uebung fertigbrachte oder oicht. Also wie beim Sport, wo auch nicht die schöne Haltung usw., sondern lediglich die Tatsache gewertet wird, ob der Ball vorschrifts- v'äßjg jus Tor ging oder wer als Erster durchs Ziel lief. Bei dieser Feststellung sind daher auch die früheren turnerischen Kampf- fichter und die Wertung nach Punkten überflüssig. Es wäre sehr interessant, wenn auch in Berlin die von Seifert vorgeschlagene Monatliche Leistungsprüfung«inmal ausprobiert und über die Er- lahrungen berichtet würde. Wichtiger als die Streitfrage„Turnen oder Sport" erscheint aber das Grundprinzip, die gesamten Leibesübungen auf das G e- >n e i n w o h l einzustellen! Der Wettkampf braucht keineswegs zur Gegnerschaft gegen das Allgemeinwohl zu führen. Aber was wir kotzt im bürgerlichen Sport erleben, ist eine Karikatur auf den Be- Srifs Leibesübungen. Der Wettkampf wird aus seiner natürlichen Berechtigung herausgehoben und zum Geschäft gemacht. Der sozialdemokratisch« Reichstagsabgeordnete Karl S ch reck öot diese Frage in einem Vortrag:„Sozialer Sport"(ver- östentlicht in der Broschüre der Zentralkommission:„18 Monate deutsche Arbeitersportbewegung") zur Diskussion gestellt, sozial ist der Sport dann, wenn er auf dos Wohl der Gesellschaft, der Allge- Reinheit eingestellt ist.„Hier osfenbart sich bereits der Gegensatz zwischen bürgerlichem und Arbeitersport. Im bürgerlichen Sport ist der Egoismus, die Förderung d«r Kräfte des einzelnen dos Eni- 'cheidende. Beim Arbeitersport ist das Ma �gebende die Stärkung der Gemeinschaft durch die Schulung vller." Mit dem Allgemeinwohl unvereinbar ist der Personen- kult einzelner, während die Masie DUettant bleibt. Der Arbeiter- Iport wird die Durchschnittsleistung der Masse zu heben bestrebt lein müssen, um den sozialen Sport zur Durchführung zu bringen. „Mir der«infachen Unterscheidung zwischen egoistischem und 'vziolistischem Sport konnnen wir weder an d»e Vorstellungen heran, "och an die Ausgabe." Der Arbeitersport ist freilich im Kampfe 'btstanden, weil di« bürgerliche Klasie keine eigen« Kultur— wie wich eigenen Sport—' der Arbeiterschaft dulden wollte. Er ist als �eil der sozialistischen Bewegung enlstanden. war damit aber nicht seinen Anfängen bereits sozialer Sport. Di« Losläsung aus der bürgerlichen Ideologie des Egoismus und der Aufbau einer neuen �lellschaft guf der Grundlage des Sozialismus braucht seine Zeit. Bienn heut4 noch weiter erwerbstätige Schichten sich im bürger- bchen Sportlager befinden, so ist das ein Beweis dafür, daß unser« "bee noch nicht die tragende geworden ist. Unsere heutige Arbeitsweise mit ihrer Rationalisierung und b«m jagenden Tempo läßt den meisten kaum Zeit zur Selbstb«sin- ""ng. Hier ergibt sich eine der Hauptaufgaben des Arbeitersports, Gtspgnnend und ausgleichend zu wirken. Die sportliche Tätigkeit wll nicht Fortsetzung des Fabrittempos fein, sondern zur Freude Und Gesundung führen. Der menschliche Körper, der in der Fabrik "nr Maschine ist. soll im Sport eine Kulturarbeit sehen. Der � e tz« des Tage» soll die Erholung und Selbst- �rsinnung folgen. Der sozial« Sport fördert den Gemeinsinn Und bereitet die Bahn für den Sozialismus. Unser« Jugend wird .nrch ihn von der Bahn des Egoismus abgelenkt und zu Kämpfern Uir das allgemein« Wohl erzogen. In der Durchsetzung dieser Ideengonge liegt die groß- Sc- Ortung des Arbeitersports. Seine Fortschrttte werden gleichlaufend »i» mit de? sozialistischen Erkenntnis der Mass»! 5t, Norwegen— Deutschland. Der Landerkampf im Boxen. In Stettin wurde der Länderkampfim Boxen zwischen den Mannschaften von Deutschland und Norwegen aus- getrag«». Er endet« mit einem überlegenen Siege der deutschen Amateurboxer. Die Schwergewichtter, Europameister Piswlla und Askevold, trennten sich mit einem Siege des erster«». Im Halb- schwergewicht beherrschte Reidor Thorsen den Stettiner Spörkel vollkommen und gewann sehr hoch nach Punkten. Ebenbürtig waren sich die Mittelgewichte Walter und Rolf Thorsen. Der Deutsche erhielt einen knappen Punktsieg. Im Weltergewicht siegte Nietschc über den Norweger Iohonnsion, der deutsche Leichtgewichtler Düb- bers ferttgt« Dobbertin sich«r ab. Eine Enttäuschung bereitete Brösa zi.Hannover im Federg«wichtstamps seinen Freunden, indem er gegen Bj«rke unterlag. Im Bantanrgewicht konnte Jieglarski einen Sieg über Nielsen nach Haus« bringen. Ganz überlegen war her Erfolg, de» Zlusböck-Münche» im Fliegengewicht gegen Sigurd Larfen davontrug._ Trabrennen zu Mariendorf. Kezemter-P«!»: 1. Lachms»!cl(Saug sr.), 2. Aldis«, S. KljarTic M. Toto: 41:10. Platz: 20, A, 20:10. Kerner Hefen: Nedellappe, gahrenheit, Moden n, L»r, Nuohaga Bon, Hellebarde, Luintessen,, Selamtik, Holosernes, Mio Halle, Erilee Seehofer, Meisterstück, Chamifso, Haga Burton, Hella Timoko, Rehoferin. Athener. Preis»o» Odessa: I. Tizian sCH. Mills), 2. Lebemann, 3. Lindowlind. Toto: 33:10. Platz: 15, 24, 14:10. gerner liefen: Ellen, stinoster», Ilona W., Peter Harvester, Sphinx I, Sohlentönigin, Armenier, Mentor I, Ida Palos, Rubin, Rudi, Peraltton, Antenne, TenlmÜnze. Preis»on Eberswalde: 1.«ldisa(stnijpnadel sr.), Crispa, 3. Struwelpeter. Toto: 49:10. Platz: 21, 40, 30:10. Denier tiefen: Linier I, Landrat, Schwär.'. waldmiidel, Linn«, Kroschel, Daneing Girl, Salome, Campanula, Galeere, Baron Gabler, Ties irae. Preis«oa Witzleben: 1. Linsen Sarnester(Retzli), 2. Quintessenz, 3. Heinichen. Toto: 63:10. Platz: 29, 36, 18:10. sserner liefen: Artifer, Adeline, Franl, Mirabelis l, stinolbniain, Wintermärchen, Lesfing. Winter Preis: 1. Cslsncl Pasworth((£<). Mills). 2. Leroftraios, 3. Trotteur Toto: 23:10. Platz: 13, 13, 31:10. gerner liefen: Florian, Kapellmeister, Will» A., Ehrenberg, Königsadler. Preis ,o» Hohen-Finnw: I. Kellina(Bes.), 2. Lu, 3. Möglich. Toto: 270:10. Platz: 74, 52, 40:10. sserner liefen: Kakadu 1, griedrichsdor, Beate, O'Captai» Leerderg, Petronella A., Friedrich Rex, Minni Salle, Minz� Imvorteur, Del' Marion. Ingrid Salle, Angriff(o. W.),v Deweyphine, Per afpera, Erifa. T'iviiionär, Barmaid. Preis von Buchholz: 1. Maroline(Eberl), Z. Niederländer. 3. Rotkäppchen. Toto: 38:10. Platz: 21, 26, 22:10. Ferner liefen: Eillp Dillon. Lombarde!, Wagner, Erbprinz jr., ttiirafster, Harfenmädchen, Eleinnelle, Einstedler, Annie Goudster. 'Preis»on Fallen borg: 1. Nebelkappe(Begall), 2. Pro Patria. 8. Long Albert. Toto: 112:10. Platz: 26, 15, 46:10. sserner liefen: Vinn de Bai, Rofemarie, Primadonna, Geroisteiner. Heini Dussp, Olan, Teave, Maimoraen. Preis von«arlsbad: l. Doler'I(M. Siingius). 2. Bildlatze, 3.»luck. Toto: 43:10. Platz: 19, 21, 15:10. fserner liefen; Interessent, Seideprinz l, Good Boy, Arnfried, Earl Alexander, Sultan S., Hauptmann, Wainfea, Fels. Der Deutsche Fußballbund l>«tt aus seiner Vorsiandstaguug in Bertin seinen Klubs 16.Lehrspiele mit Berufsfußbali- Mannschaften" genehmigt. Aus Siiddeutschland entfallen 9, auf Mitteldeutschland 3, für Brandenburg wurden 2 und für Süd- Ostdeutschland ebenfalls 2 Spiele genehmigt. Mussolini wird saniert! Aus Mailand wird gemeldet, daß die Leitung des italienischen Fußballverbandcs der Staatsverwaltung eine Summe von einer Million Lire zur Ver- sügung gestellt l>at, die zum Zwecke d«r Sanierung des Staatshaushaltes Verwendung finden soll. I«»risten»erei»„Die Ratnefreunde", Zentrale Wien. Abt. Friedrichshain: Dienstag, 4. Dezember, 20 Uhr, Edertnstr. 12. Geschäftliches.— Abt. Norden: Dienstag. 4. Dezember, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 30, Brettspielabend.— Abt. Wedding: Dienstag, 4. Dezember, 20 Uhr, Eeestraste Ecke Turiner Siraste, Lichtbildervortrag:„Schwarzwald".— Abt. Treptow: Dienstag. 4. Dezember, 20 Uhr. Elfenftr. 3, Gefangsabenb.— Abt. Pankow: Die»«lag, 4. Dezember. 20 Uhr, Görschstr. 14, Zehn-Minuten-Referate.— Abt. Prenztaner Berg: Donnerstag. 6. Dezember, 20 Uhr, Altersheim Danziger Sir. 62, Baracke 2, Gefchäftliches, Liederabend.— Abt. Gesundbrnnnen: Donnerstag, 6. Dezember, 20 Uhr, Pank. Ecke Wiesenstrasse, Geschäftliches.— Abt. Gefnndbrnnnen. Ingens grnppe. Dienstag. 4. Dezember, 20 Uhr. Ledigenheim Schönftedtstrasse. Zimmer 22. 8. Abend.„Die russlichen Revolutionen'-(Ref. Dr. Mar Schütte). zugleich Bezirksvortrag der TB.-Iugend, Bezirk Norden.— Abt. Ziergarte» l Donnerstag, 6. Dezember, 20 Uhr, Lehrtee Str. 18—19. Geschäftliches. Eingang — Abt. Südwest: Donnerstag, 6. Dezember, 20 Uhr, Yorckstr. 11. Kartentechnil. — Abt Spanbau: Donnerstag, 6. Dezember. 20 Uhr. Lindetzufer 1. Monat'.',. Versammlung.— Abt. Schöneberg: Donnerstag, 8. Dezember. 20 Uhr. Sauvi- strasse 15. Zehn-Minuten-Referate.— Ratnrwissenichaftliche Abteilung: Donners, tag, 6. Dezember. 20 Uhr, Iohonnisstr. 15. Wind und Wetter. Arbeiter-Schwimmverei».Kellas". Nach der Neuregelung der Uebungsabende badet der Verein außer Freitags noch Dienstags von 20-51—22 Uhr im Stod! bad Wedding. Am Dienstag üben nur Erwachsene und Jugend. Sport in der Potsdamer Strafe. Langweilige 6 Stunden!— Das Hallenfest des YB AY. Von Mal zu Mal hat die Direktion des Sportpalostes in dieser Rennsaison die Radrennen verlängert. Gestern waren wieder Ränge und Parkett dicht besetzt, als das zwölf, Paare stark« Feld an den Start zum„6- S t u n d« n- R c n n e n" ging. Im Verlauf des Rennens erwiesen sich einzelne Paarungen als zu stark, als daß sie in ihren Positionen hätten erschüttert werden können. Darunter litt das Rennen ganz ungeheuer. In den langen öden Zeiten zwischen den Wertungen vermochten auch die schönen Pfeiskonzerte des verärgertet, Publikunes nicht das Feld aus der Reserv« heraus zu bringen. Eine einzige Ausnahme war Manthey. Der sportlich« Verlauf konnte gar nicht befriedigen, die erst« Jagd fetzte«rst nach drei Stunden ein. Gegen die starte französische Mannschaft Faudet-Marcillac waren Frankenst«in- Buschenhagen und Tietz-Kroll die stärksten deutschen Waffen. Tietz- Kroll wurden aber nach der sechsten Wertung durch das Ausscheiden von Kroll, den ärztlicher Rat dazu veranlaßte, getrennt.„Oskar" lag lang« Zeit als bedauernswerter Ersatzmann auf der Bahn. Manthey, dessen Partner Behrendt noch an seinen Sturzsolgen litt. wurde nach desicn Ausscheiden mit Tietz mit einer Verlustrunde ins Rennen geschickt. Oskar Tietz war auch immer da zu finden, wo sich ihm eine Chance bot, aber an der Achtsamkeit des Feldes scheitern all« Versuche. In der letzten Stunde, die alle 10 Minuten eine Doppelwertung brachte, rückte di« ausgezeichnete Mannschaft aus den vierten Patz. Die schwächeren Paare verloren noch weitere Runden: Bmier-Sutcrs�Rundenverlufte zwang sie, ganz auszuscheiden. Eine sich in den Sportpalast verirrt« Prämie fällt an den gerade führenden Miethe. Nur neun Paar«„kämpften" noch in der letzten Stunde um die Lorbeeren:' An den 32 Wer- tungen hatten Frankenstein-Buschenhagen den größten Anteil. Das Siegerpaar lag nur im ständigen Duell mit den Franzosen Faudei- Marcillac. die ein blendend«? Rennen lieferten und mit ihrer schneidigen Fahrt das Publikum rasch gewannen. Bei Schluß des Rennens(240,160 Kilometer) lagen dann Frankenstein-Buschenhagen mit 103 Punkten weit vor den Franzosen Faudet-Marcillac, 80 Punkte: den dritten Platz de- legte dos deutsch-französisch« Paar Mouton-Miethe mit IV�Punkten. Das 17. Berliner Hallensportfest des Verbandes Brandenburgischer Athletikvereine nn Sportpalast war«in voller Erfolg. In der 3 X 1000-Meter-Stafsel, die nach hartem Kampfe an Preußen-Stettin siel, übernahm Dr. Peltzer den Stab, an dritter Stelle liegend. Trotzdem ging er an seinen Vordermännern vorbei und beendete das Rennen in einem glänzenden Endspurt. Der S. E. Charlottenburg brachte die 4 X 4000 Meter-Stasfel überlegen gegen Teutonia und den Polizcisportverein nach Hause. Troßbach holte sich rrwartungsgemäß den Hürdenlauf. Im Sprinter- Dreikampf gi�g im ersten Lauf Schlößk« vor dem hohen Favoriten Körnig durchs Ziel, stürzte aber und zog sich einen Bluterguß im Fuß zu, so daß er ausscheiden mußte. In den anderen beiden Läufen war dann Körnig sicherer Sieger. Im 1000-Meter-Laufen erschien noch in letzter Minute der Meister der Deutschen Turner- schoft. Wichmann. Er führte fast das ganze Rennen hindurch und siegte zum Schluß vor Schoemann und Dr. Peltzer. Ein« sichere Beute für den Hamburger Bolze wurde das 3000-Meter-Laufeit. Klarheit hei den Arheiterathleten! kirnt Kreisvorstandsmitglieder tür den Bund.- Seilheim scheidet aus! Als letzter der Verbände der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege hat der Arbeiter-Athletenbund an den gänzlich ins kommunistische Fahrwasser abgerutschten Kreis Berlin- Brandenburg das Verlangen gestellt, sich klar für oder gegen die Beschlüsse der Zentralkommission als oberster Instanz im deutschen Arbeitersport zu erklären. In der„Roten Fahne" haben die Leute um den kommunistischen Gauleiter S e l l h e i m herum heftigen Lärm geschlagen, wobei es ihnen allerdings nicht gelang, etwas Neues zur Verteidigung ihres Mißbrauchs der Arbeitersportler hervorzubringen. Nun Hot gestern «in« Kreisvorstandssigung der Berlin-Brandenburgcr Arbeiterathleten getagt, und auf dieser Kr«isoorstandssitzung ist Herr Sellheim mit seinem Anhang ollein geblieben. Von den zehn Mit- gliedern des Vorstandes haben sich fünf für das Verbleiben im allen Kartell erklärt, womit ihr Ausschluß aus dem Arbeiter-Athletenbund besiegelt sein dürft«. � Für den Bund erklärten sich neben dem Leiter der Bundes- artistensparte Brüller. der Kreiskassierer und ferner der Redakteur de» Kreisblatt» Halter(der allerding» nicht zum Kreisvorstand gehört). Treu zum Bunde stehen welter der zweite Sreisvor. fitzende Zeiler und die Beisitzer Heinrich und Schünzke. Anerkennenswert ist, daß sich sowohl Brüller wie der Kreiskassrerer und der Redakteur zum Bunde bekannten, obwohl sie der Kommu- nistischen Partei angehören. Sie haben das wahrgemacht, was sie stets— im Gegensatz zu den Sellheim-Leuten aus ehrlichem Herzen— betonten, daß ihnen die Sportorbeit im Interesse des Bundes höher steht als Phrasendrescherei und kommunistische Parteiarbeit. Während sich dann Sellheim und seine Getreuen zu einer kommunistischen Fraktionssitzung zurückzogen, bereiteten die bundestrcuen Vor- standsmitglicder sogleich die Arbeit zum Neuausbau des Kreises vor. Die Vereine in Berlin und der Provinz Brandenburg hoben nunmehr nach dem Schreiben des Bundesvorstandes bis zum IS. Dezember Gelegenheit, sich zu erklären, ob sie den kdmmunistischen Parteisportlern oder dem- Bund und seinen Funktionären folgen wollen. Es haben sich schon eine ganze Anzahl Vereine, deren Namen wir zu gegebener Zeit veröffentlichen werden, beim Kartellvorsitzen- den Robert Oehlschläger, Hochftädter Straße 10, gemeldet. , Mit der Bereinigung des Arbeiter-Aihletenbundes dürfte die Wühlarbeit der Kommunisten im Arbeitersport beendet sein.' Mussolini vor Gericht. Kaschistische Empörung gegen Frankreich. Aus Paris wird uns geschrieben: Am 12. September vorigen Jahres tötete der Maurer M o d u g n o, ein ilalienischcr Emigrant, mit zwei Revolver- schüssen den Bizekonsul Mussolinis, Graf N a r d i n i. Nach vier- lägiger Verhandlung sprachen jetzt die Pariser Geschworenen den Angeklagten der leichten Körperverletzung schuldig. Das Gericht verurteilte Modugno zu der höchst zulässigen Strafe, zu zwei Jahren Gefängnis. Es war eine politische Geste der Entschuldigung sür den Beherrscher Italien.... Weshalb hatte Modugno ge- schössen? Warum wurde der Prozeß des unbekannten Maurers zu einem politischen Ereignis? Der alte Kämpfer und bewährte Führer der italienischen Delegation auf den internationalen sozialistischen Kongressen, Modigliani, der Redakteur d«s sozialistischen „Aoanti", N e n n i, der Generalsekretär der französischen Gewert- schaften, Jouhaux, und viele andere waren erschienen, um vor Gericht für den„Mörder"— denn die Anklage lautete auf Mord— und gegen das saschistisch« Italien zu zeugen. Modugno war gleich tansenden seiner Klassengenossen Opfer des faschistischen Regimes geworden. Er hatte es mit ansehen müssen, wie in seiner Vaterstadt, deren Verwaltung einst in Arbeiterhän- den gelegen halt«, die Arbeilerbörse von den Schwarzhemden gestürmt, das Ge- werkschaflshaus vernichtet, Achtzehn Monate saß Modugno in Untersuchungshast. Zwei Tage nach seiner Tat wurde seine Frau von den Faschisten ins Gefängnis geworfen, im November mit dem Kind« nach der Insel Lipari verbannt, im Februar dieses Jahres auf fünf Jahre nach der Insel Conza— hier leben Mussolinis politische Opfer zu- sammen mit gemeinen Verbrechern. Das war die persönliche Tragödie Modugnos. Die letzten beiden Verhondlungstage galten dem Schicksal Italiens, der Tragödie des italienischen Proletariats. Auf der Anklagebank saß nicht mehr Modugno, sondern Mussolini. Vergeblich versuchte der Vertreter des Getöteten sich zum Sprecher des Faschismus aufzuspielen, vergeblich mühten sich Vorsitzender und Staatsanwalt, den Zeugen das Wort abzuschneiden. Das Gericht wurde zum politischen Tribunal gegen den Faschismus. seine Genossen faschistischen Gewaltakten preisgegeben waren. Er selbst wurde verhaftet und nach Rom gebracht. Nach einigen Monaten wieder sreigelassen, fand er in seinem Heimatort keine Arbeit mehr. Aus Furcht vor Represialien verweigerte man sie ihm allerorts. Da verließ er seine Heimatstadt, ließ Frau und Kind zurück, überschritt heimlich die schweizerische Grenze und kam noch Paris. Hier fand er Arbeit, aber keine Ruhe. Die Sehnsucht nach Frau und Kind lenkte seine Gedanken imin«r wieder nach Italien. Er begab sich ins italienische Konsulat. Er bat um ein Visum für Frau und Kind. Man verweigerte es ihm. Nochmals ging er hin. Auch sein zweiter Besuch war vergebens. Aus seiner Vaterstadt kamen Klage- briefe, die Frau werde um seinetwillen verfolgt. Sollte er etwa nach Italien zurückkehren, sich in die Hände seiner Schergen be- geben? Hätte er damit Frau und Kind genutzt? Verzweiflung packte den italienischen Proletarier, Selbstmordgedanken kamen ihm. Er erwarb einen Revolver, suchte den Friedhof Pcre la Ehaise auf. Dann kam ihm der Gedanke: noch einen Versuch zu machen, den letzten. Er eilte ins Konsulat, wartete zwei Stunden, wurde cnd- kich vorgelassen...„Intervenieren Sie, daß meine Frau und mein Kind nicht verfolgt werden," bat er.„Schreiben Sie nach Rom," erhielt er zur Antwort.„Ist es wirklich nicht möglich, daß ich für beide ein Visum bekomme?"„Es ist unmöglich, ich kann nichts machen."„Unmöglich..." und zwei tödliche Schüsse trafen den Bizekonsul. Modigliani, der Verteidiger der Witwe Matteottis, beschwor Matteottis Geist herauf. Pietro Nenni erinnerte, wie die Schwarz- Hemden bei der Zerstörung seines Hauses zu seinen Kindern sagten: „Wenn euer Vater zu Hause gewesen wäre, ihn hätte das Schicksal Matteottis ereilt." Jouhaux schilderte das Martyrium der italie- nischen Landarbeiter: weigern sie sich, den faschistischen Ge- werkschaften beizutreten, so werden sie gewissermaßen zu häuslichen Zwangsarbeiten verdammt. Der Sekretär der italienischen Sektion des Internationalen Gewerkschaftsbundes C a p o r a l i erzählte, wie die italienischen Arbeiter in Frankreich von Spionen umgeben sind: der Journalist Z o l e t t i, wie auch er für die Frau kein Visum er- halten konnte: Margarete Durand, die gemeinsam mit Rossi über die italienische Grenze geschleppt worden war, wie sie 36 Stunden, obgleich Französin, der Freiheit beraubt war. Jeder neue Zeuge eine neue Anklage gegen den Faschismus. Modugnos Hand, die den Revolver gegen Nardini abdrückte, leitete wohl die Sehnsucht nach seiner Frau, der gerechte Zorn gegen die Verfolger. Aus den Schüssen hallten aber die Qualen feiner Klassengenossen wieder. Das faschistische Italien faßt den Spruch— zwei Jahre Gefängnis — als ein« Beleidigung auf. Die Ohrfeige hat gesessen. Die Faschistenwut. Rom. 1. Dezember. Di« Studenten der faschistischen Universitätsgruppen haben im Hof der Universität eine Protestversommlung gegen das Urteil des Pariser Gerichtshofes im Prozeß Modugno abgeholten. Die Blätter melden, daß im Lande immer noch der schmerzliche Eindruck anhalte, daß der Prozeß sich in eine herausfordernde Propaganda gegen den Faschismus verwandelt habe. Die Blätter melden aus Bologna, daß ein höherer italienischer Heeresoffizier, der in Frankreich gekämpft hat, aiff die Nachricht von dem Urteil dem Präsidenten der französischen Republik alle Auszeichnungen wieder zur Verfügung gestellt habe. Jmpero fordert alle Frontkämpfer, die im Weltkrieg fran- zöstsche Auszeichnungen erhalten haben, auf, diese wegen des-Pa- riser Urteils im Prozeß gegen die Mörder Nardinis zurückzuschicken. Das Echwarzwaldmädel. Llnd die Verlmer„Herrschast. Ein Berliner Ehepaar H. lernte während des Sommcraufent- Halts im Schwarzwald ein junges Mädchen kennen, das dort als Hausangestellt« tätig war. Sie malten dem Mädchen ein Bild von den Annehmlichkeiten, die es bei einer Stellung in Berlin haben könnte und überredeten es, bei ihnen in Berlin' in Stellung zu treten. Daß Fräulein Emma in der Hausarbeit tüchtig ist, daß wußten H.'s ja aus eigener Anschauung. Daß das junge Mädchen auch anspruchslos sein würde, das setzten sie bei der Provinzleriii als selbstverständlich voraus. Die Anspruchslosigkeit ist nämlich sür das Ehepaar H. sehr wesentlich, denn als kleine Geschäftsleute, die sich selbst etwas leisten wollten, haben sie für ein Mädchen nicht viel übrig. Fräulein E m m a zog nach Berlin. Aber trotz ihrer bescheidenen Ansprüche fühlte sie sich in ihrer neuen Stellung so enttäuscht, daß sie schon am zweiten Tage kündigte und nach vier- zehn Tagen— bevor die gesetzliche Kündigungsfrist erfüllt war— die Stellung verließ. Beim Arbeitsgericht klagte Fräulein Emma um ihren Lohn »nd das Reisegeld. Der Beklagte H. machte eine noch etwas höhere Gegenforderung geltend für die Aushilfe, die er nach dem Abgange der Klägerin eingestellt hatte. Fräulein Emma schildert« in ihrer heimischen Mundart, wie es Ihr bei H.'s ging und weshalb f i e esdanicht längeraus- halten konnte: Sie haben mir vorgeredet, wie gut ich es bei ihnen haben würde. Ei»„schönes Zimmer" sollt' ich be- kommen. Was ich bekommen Hab', das ist kein Zimmer, das ist«in Loch, ein elendes Loch. Ein Gestell steht darin, das soll ein Kleiderschrank sein, aber da kann ich meine Kleider nit hineinhängen und für meine Wäsch' ist kein Behälter da. Ein Bett hat nicht Platz in dem Loch. Da mußt ich abends in der Küche ein zu- sammenlegbares Bett aufstellen. Da ist kei' Feder- Kode drin, bloß Bretter und ein Leintuch drüber. Das war«in hartes Lager und in der Nacht sind mir die Federn um die Ohren gefloge, weil das Bettzeug zerrisse war„Jede anständige Herrschast gibt doch dem Mädchen ein anständiges Zimmer mit Bett, Kleiderschrank und eine Kommod' sür die Wäsch'. So bin ich's gewohnt. Und dann alles haben fi«. ver- schlössen und zugesperrt. Ich bin mir vorkommen wie im Zuchthaus und das Essen..." Darüber können Sie doch nicht klagen— warf H. ein— der Schlüssel zum Speiseschrank war Ihnen doch zugänglich. Ja— fährt die Klägerin fort— aber wenn ich mal e Scheibel Brot genommen Hab', dann is nachgeschaut und gered' worn, da Hab' ich mich schon nicht mehr getraut, was anzurühren. Als mir gesagt wurde, ich muß noch bis zum Ersten bleiben, da wollte ich fa auch bleiben, aber Herr H. hat mich ausgeschimpft, ein v e r- dammtes Frauenzimmer hat rtr mich genannt. Das brauch ich rnir doch nicht gefall«' zu lasse'." Herr und Frau H. bestreiten, daß dies Schimpfwort gefallen sei, daraus erklärt die Klägerin: Bei uns im Badischen kennt man das Wort„Frauenzimmer" nicht, darum weiß ich bestimmt, daß er es gefügt hat. Das Gericht kam zu der Auffassung: Di« Klägerin hat die Stellung ohne Einhaltung der Aündigungs- f r i st verlassen, sie würde also auch für den dadurch ver- ursachten Schaden auskommen müssen. Wenn sie als„verdammtes Frauenzimmer" beschimpft worden ist, dann durfte sie ohne K«»dlgu»g geh«« und chrerfgits Anspruch aus Schadenersatz stellen. Da die Beschimpfung nicht bewiesen werden kann, ist die Rechtslage zweiselhaft. Das Gericht riet deshalb zu einem Vergleich, der auch angenommen wurde und-- der Klägerin einen Teil ihrer Forderung gewährt. Nicht nur Zentralheizung. Gegen die Verdrängung des Kachelofens. Vor einigen Tagen hielt die Fachgruppe der Töpfer ein« Mitgliederversammlung ab. Es wurde neben der Erledigung von Fachgruppenangelegcnheiten eine Resolution einstimmig ange- nommcn, die besogt:„Die Stadt Berlin will größere Wohnhaus- bauten in Angriff nehmen, die nur mit Zentralheizung versehen werden sollen. Die Versammlung eiche bt dagegen Protest und erwartet, daß auch Kachclofenheizung angewendet wird. Die Fochqruppenleitung wird beauftragt, mst den zuständigen In- stanzen in Verbindung zu treten und eine Aendcrung des beao- sichtigtcn � Vorhabens unter Berücksichtigung der Kachel- o s e n l> e h e i z u n g herbeizuführen." Eine zweite Resolution billigt die Bestrebungen des Orts- ousschusscs des ADGB. auf Vereinheitlichung des Sibirische Aerze im Zoo. Sibirische Nerze, im Pelzmantel unter dem Namen Kolinst bekannt, wurden vom Berliner Zoologischen Garten erworben. Die rötlichbraunen Tiere stammen aus einein ostsibirischen Tier- tronsport.«ie verdienen das größte Interesse, da der deutsch« Nerz oder Sumpfotter allzu selten beobachtet und kaum in Gefangen- schaff gehalten wird. Krankenkassenwesens.„Gevode i�e Berliner Öf � find es, die iniolge des zwangsläufigen häusigen Wechsels ih Arbeitsstellen mit am meisten unter der Zersplitterung des Kraul' kassenwesens zu leiden lzaben. Durch den häufigen Wechsel der A bestsstellen erlangen die Berliner Ofensetzer nie die vollen Anrechn auf die Leistungen der Krankenkasse, trotzdem sie ihre Besträge genaN so wie andere Mitglieder leisten.. Di« Verschiedcnart der Beitragserhebung schädigt ebensalU außerordentlich. Hinzu kommt noch, daß Kronkenkassen, die die Bei« träge in Höhe des wirklichen Arbeitsverdienstes erheben, die Ben träge zur Erwerbslosenfürsorge ebenfalls prozentual zuiii� wirtlichen Arbeitsverdienst erheben. Die Bcrsammesten fordern, daß hier d«� Evwerbslosenversicherungsgeseiz Geltung verschafft wird,«ie sin» dern ein einheitliches Krankenkassenwcscii sür Berlin, gleiche Be» träge und gleiche Leistungen unter Beseitigung der vielen Betriebs« und Jnnungstrankentassen."_ Eindringlichkeit der Vildstatistik. Ein wertvolles Mittel der Volksbelehrung. Bon den Arbeiten des Wiener Gesellschafts- und Wirtschaflsmuseums, das. über soziale Zustände und Eni« Wicklungen durch das Verfahren der Bildstotistit unterrichtet, war im „Vorwärts" schon mehrfach die Red«. Dem Gedanken, etwas Achn- liches auch in Berlin zu schassen, ist dos Bezirksamt Kreuzbcrg näher« getreten. Geplant ist, eine bildstotistisch« Abteilung dem Gesund« heitshaus Kreuzberg anzugliedern, das weit über den Be» zirt hinaus als Stätte sozialhygienischcr Belehrung geschätzt wird. Diesem Antrag des Bezirksamtes hat die Bezirksversammlung Kreuz- berg schon vor einigen Monaten grundsätzlich zugestimmt, doch ist über die Ausführung noch keine nähere Entscheidung getroffen worden. WiedicBildstatistitsichpädagogischverwerten läßt, darüber sprach Dr. Otto N e u r o t h, der Direktor de> Wiener Gesellschofts- und Wirtschofismuscums, vor Berliner Berufs« ichullchrern in einer Versammlung, die im Haus« des Bczirksomies Kreuzberg(im Stodverordnctensitzungssaol> statffand. Auch Bürgermeister Dr. Herz, Stadtrot Morskc und andere Mitglieder der Bezirkskörporschaften nahmen an der Versammlung teil. Dr. Neurath erläutert« die sogenannte Wiener Methode der Bildstotistit und faßte die Darzüge dieser„Zeichensprache" in den Satz zusammen: „Vereinfachte Mengcnbildcr sich merken ist besser als— genau« Zahlen vergessen." Die Anwendung der Bild statt st ik er» fordert Abwägen der Wirkung und ist ein Stück Pädagogik. Das Wiener Gesellschofts- und Wirtschastsmuseum als Volksbildunqs- onstolt für soziale Ausklärung steht aus demselben Baden, wie die Wiener Schulrcsorni. Eine Auswahl hildstotistischer Tafeln des Museums, die der Bortragende in Lichtbildern zeigte, wirkte iehr eindringlich und überzeugend. In den Toseln und in dem Vortrag trat überoll der pädagogische Grundgedanke die.«! Arbeit des Museums hervor. Eine Quelle reicher Belehrung bietet sich hier den Erwachsenen wie den Jugendlichen. Neurath erwähnte, daß in Wien dos Museum rasch zu einer vielbesuchten Bildungsstätte der Bevölkerung geworden ist. Die sonst bei Laien so unbeliebt« und von ihnen meist abgelehnte Statistik wird in dieser durch ihre Anschaiilichteit wirkenden Darbietung zu einem erfolgreichen Hilfs- mittel der Volksbildmig. Das Wiener Museum wird jetzt getragen von der Gemeinde Wien, der Wiener Arbciterkammer, den Soziolnersicherungsinsti- tuten und anderen Körperschaften. Es will der Ausklärung dienen auch durch Vorträge. Veröffentlichung von Schritten, Beschickung internationaler Ausstellungen, Veranstaltung eigener Wanderaus- stellungen in Oesterreich und in Deutschland. Die schon seit längerer' Zeit geplante Wanderaus st ellunginBerlin soll im Jahr«! 1929 zustande kommen._ Wer will eine« Dauerkarten? j Am Lichterfelder Parksriedhos hat der Bezirk Zehlendors etwa lODOOil Quadratmeter Dauergärten ausgewiesen, ans dem 262 Kolonisten Platz finden sollen. j Die Pachtzeit wird aus ll) Jahre abgesckilossen. Die Pocht der 390 Quadratmeter großen Parzelle beträgt 3!4 Pi. pro Quadrat meter. Genossen, die gewillt sind, von dieser günstigen Gelegenheit Gebrauch zu machen und sich ein Stück Douergarten erwerben wollen, mögen sich bei dem Kreisvorsitzenden Genossen Otto Klose. Berlin-Steglitz, Schildhornstraße 3, melden. Bad Flinsberg. der größte Wintersportpllitz und Winterkurort des schlesischen Iscrqebirges, Hai soeben sein Wintcrsportpro« gramm herausgebracht. Von den großen Veranstaltungen, die dort ausgetragen werden, sind zu nennen: 20. Januar: III. Deutsches Ski-Motorrennen in Verbindung mit der Wintersahrt des ADAE.I 27. Januar: Schlesische Skimeisterichast: 3. Februar: Norddeutsch« Skimeisterschait.— Die Pensionepreiic bewegen sich in den Fremden- beimen von 3 bis 6 M., in den Hotels von 7 bis 9 M Eine groß: Zahl von Verbesserungen bietet Bad Flinsberg dieses Jahr seinen Gästen: die Sprungschanzen wurden nach den neueston olympischen Erfahrungen umgebaut, desgleichen Bob- vn» Rodelbahnen, neu angelegt wird eine Eisbahn. Bäde« und Brunnen bleiben während des Winters geöffnet. Berobfolgt werden Stahl-, Moor-, Fichtenrinden- und kohlensaure Bäder. Sozialdemokralie und Pazifismus. Der 10. kontradiktorisch« Auibauobend der Gefellschost der Freunde der„Sozialistischen Monatshefte" stellt am 3. Dezember(Reichswirtschastsrat, 8 Uhr) das Wehrproblem durch ein Referat des ehemaligen General« stabsofsiziers Karl M a y r.zur Diskussion. In der Rednerliste sind Vertreter aller politischen Anschauungen, von der Volkspartci bis zu den Kommunisten, vorgemerkt, u. a- Brüninghmis, Eohen-Reuß, Erfing, Paul Lern, Mahraun. Schützin ger, W. Schwarz und G. Seger. Für die Frühiahrsjugendweihen �929 werden schon jetzt die Aufnahmen in folgenden Anmeldestellen untek Zahlung der Einschreibegebühr von 50 Pf. angenommen: Berlin:«r»he» Schaus»Iclha»»: Iug<:itt>srkrM»r>ot, 6®. 88, Lindenstr 3> 2. Hos, 2 Icd, links, Zimmer 2, acöflnct von»—17 Uhc. Miinvoch, u. Zcritag» von»—1» Uhc. S. Iosrnh, ZIW. 2l. Williclmshovrnrc Sti.<8 sBocwijct»- Lrekut-onV. P. 9toD, N.«3, Utrrdjtrr Str. 21 lR-st-urant): A. HSnis», R. 8-. Milllec. ede Utreditct Sic.(Verwäcis-Sptkitlon); W. Hostmonn, St. 88, Lycli«« tiei« fi n f\• I? nt c* r» rre IT« t vv* x d» ncc Sit. 8 sZtcstaucant): E. Lehmann, R. 8t. Ackrcstc. ti< lDorwiicIs-Lpd) Ii P.?obcot>laa>, 8}. 37, lEromcmünbrt Sit. U sNrstancant): it. .._______________________ Ändrcllon, vi. SU Steallundre Str. 19; Q Nreth, Zt. 113, Gcrilenhaatnrr Str. 22 tBocwäc!«« Eprbit'on): s. Mschec. N 20, Bast'anstc. 7 sLocwact�Sprdition): P. DSIi- RS. Sä. Immannclk'cchstc. 24(Borroärts-cDfbOum); 33.©Übe, 3IC. 18, Lanbs- beeflft-OTf» 45, I: M. Waetmann. S 34.»Snigsbregee Sie. 37 sMoloartchiisO! Ä. SDlcDr, O. 34, Prtrrobucjiec Sie 5«Nesta: rant): js. Äcnbt. v. 27. Ractur- stcaße 38 l3>orvacts.Sprbit,on): ff. Prtke.©0. 36,©loyauec Sie. 36. vorn©"! V. Lire. SO. 26. Naunvnsti. 9 sZIrslaucantI:.3'ocwarts".SDcbition. S. 81. Väcmalbstr. 47(an bei Gnrisrnaustrahet: Otto Jfcnfclau, Dribrnser, Rrnnbatw» Orali« 17,: W.©alias, Banmichulrnwra, Schcaberstc. 1«, vorn ttl; e. Meckrl- bueg, Terptow,(StotMir. 50(9iorn>arts.cDcbition): Zcau Slawlttrc, SchSno- breg. Apostel. 3?anIu»-Strab« 7; R. Petrir. schonrbor«. Ebec-fle. 70; Z-atlimanN.. Schönebre«. Bol,i->er Sir. 27(T'.ocwärts.Cprb's'on):or- wärts-Sorbition). Schul,,©barlottrr.burg. Ironien ftr. 12, I,©arten bau- litt Dulemak.©bafottenburg, Augeburger Str. 47. rort.; Zs. Srfmibt.©barlo-i n- bürg 9" ofinenftt. 4(Laben): DenNcher»crkfbrsbunb.©bor ottrnbuM, lan- reufber Strafte 31.— Pankow: Ly,enm: flonfumnrrfoufeftra-n in Pankow. Wollankstr. 102. Berliner Str. 47. BreNe Sir. 18.«'Ning-nftrafte; Mar S©ar!- stebt, Pankow. Silb, Sp'ekermannstr. 30: ponsumoerkaufoftellen in Jltebetf©'«« bansen, flo' Ter. 931 Ibdm. Strafte 79 unb Naiserwea 60.—»öpen'ck:»örnerl©«!-! Lebtet©rieb Müller. Saiser-Wilbelm-Strafte 03;©tniT S»uberi. Memm nch strafte 19: Max lolksbork.©lienicker Str. 3o: Butzke, 3>arristu«str 25- Pirw'I» fiiftzcr Str. 6(zigarrengesckäst).-«öpenick.Ztor», Ilblenbost nnb lammfrO! ssrlebrlch S