Nr. 303. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei tu's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz☐ Vorwärts band: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. 12. Jahrg. Jufertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernfyrecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Abonnements- Einladung. Mit deni 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „ Vorwärts" mit der illustrirten Sonntags- Beilage Die Neue Welt". Es ist die Pflicht eines jeden Parteigenoffen, für die Weiterverbreitung des Zentralorgans der Partei nach Kräften thätig zu sein. Daß unser Blatt in bezug auf politische Dinge vortrefflich informirt und häufig in der Lage ist, Nachrichten zu bringen, die keinem anderen Blatte zur Verfügung stehen, das ist allseitig anerkannt. = Sonntag, den 29. Dezember 1895. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Man schreibt uns: § 95.*) macht; und auch im ureigensten Interesse des Herrschers nicht, der den allgemein menschlichen Gesezen unterworfen ist wie alle anderen Menschen, ja der gerade durch die Die sozialdemokratische Fraktion des deutschen außerordentliche Schwierigkeit seiner Stellung um so mehr Reichstages hat einen Antrag auf Beseitigung des in Gefahr ist, Frrungen zu erliegen. Majestätsbeleidigungs- Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch Das ist die subjektive Seite der Sache; und objektiv gestellt. Der Anlaß dazu ist männiglich bekannt. Die wird die Werth schäßung einer Person oder Sache geradezu Anwendung des Majestäts Paragraphen als politisches her abgesetzt, wenn man sie jeglicher Kritik entzieht. Man Kampfmittel gegen die unbequeme Opposition und die fagt sich: Ja, wenn man nur untersuchen und diskutiren dürfte, „ Gepflogenheit des Hauses", der gefeßgebenden Körperschaft, da möchte die glänzende Aureole, der schöne Heiligenschein welche einen, man mag denten wie man will, immerhin doch wohl erblassen! Was immer der Kritik entzogen wird, wirkungskräftigen Faktor unseres Verfassungslebens auch noch dazu unter Strafandrohung, hat sofort den Zweifel vor der höchsten Instanz des öffentlichen Staatslebens zu an seiner unbedingten Güte gegen sich. Und je weniger der einem absoluten Noli me tangere zu machen. Beide Dinge Zweifel sich in Worte kleiden darf, desto tiefer frißt er widersprechen durchaus der Joee eines Rechtsstaates. sich ein. Das Gefühl der Rechtlosigkeit ist das schlimmste Gift, was man den Staatsbürgern einimpfen kann. Und dieses Gefühl wird gesteigert, wenn nicht nur die Kritik der Mächtigen im Staat, sondern sogar die Gegenkritik unterbunden wird. Die vollständige Beseitigung des vielberufenen ParaUeber dem politischen und wirthschaftlichen graphen ist die zweckentsprechendste Lösung aller Schwierig Theil werden aber die lokalen Vorkommnisse Berlins keiten. In der That beseitigt man gewisse Bergehen am feineswegs vernachläffigt. Die Besprechungen unsrer tom besten dadurch, daß man ihren Ursprung: gewiffe Gesetze munalen Angelegenheiten sowie die ausführlichen Berichte beseitigt. Denn so paradox es flingen mag, giebt es Gefeße, über die Verhandlungen der Stadtverordneten- Versammlung die gewisse Vergehen oder Verbrechen erst schaffen. Und: die Gedanken sind zollfrei! Zudem hat man ge bringen den Leser in die Lage, die Erscheinungen auf diesem Das Höchstgesetz, die salus publica, die öffentliche Wohl- sagt, daß auch unausgesprochene Gedanken so dicht die Atmos wichtigen Gebiet des öffentlichen Lebens genau zu verfolgen. fahrt wird zuweilen gerade durch Geseze gefährdet, vor sphäre erfüllen, daß sie die Gesellschaft beherrschen, ja, ohue Der lokale Theil des Vorwärts" verzeichnet alle Be- nehmlich durch Ausnahmegeseze. Und der Majeftäts- fich in Worte zu kleiden, unmittelbar zu instinktiven gebenheiten des Tages und giebt ein getreues Bild des paragraph ist durchaus als ein Ausnahmegesetz zu be Thaten sich verkörpern. Läßt man sie jedoch sich Vereins- und Bersammlungslebens, welches trachten, das bestimmte ganz besonders mächtige Personen zu Worten verdichten, läßt man sie diskutiren, so führen in Berlin besonders starke Wellen schlägt. in einer Weise schüßt, so daß die salus publica geradezu sie zu reineren, vernünftigeren, fittlicheren Thaten, als wenn Ebenso widmen wir dem Feuilleton die größte Auf- darunter leidet. diese normale Entwickelungsstufe unterschlagen wird. Das merksamkeit. Jegt veröffentlichen wir einen Original: gilt von guten wie von üblen Gedanken. Alle gewaltsamen Roman aus der Gegenwart: Clotilde", von Eingriffe in die normale natürliche Entwickelung rächen sich, 5. W. M. von Walthausen, der in einer deutschen das ist nicht anders. Residenzstadt spielt und tiefe Blicke in das Leben der guten Gesellschaft" thun läßt. " Den neuen Abonnenten wird der bereits gedruckte Anfang dieses höchst spannenden Romans gratis nachgeliefert. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von 3,30 M. für die Monate Jannar, Februar und März Denn was ist das für ein Zustand, wenn es eine Stelle giebt, von der aus gegen Personen und Parteien alle mögLichen Angriffe gerichtet werden dürfen, auf welche zu ant worten den angegriffenen Personen und Parteien nur unter der Gefahr schwerster Strafe möglich ist? Welche Summe von Groll und Erbitterung muß sich da nicht nur bei minderwerthigen, sondern gerade bei tüchtigen Naturen, die etwas auf die Meinung anderer halten, die ihre persönliche Ehre hochzuhalten suchen durch untadelige Lebensführung anhäufen! ** Eine derart privilegirte Stelle darf es nicht geben in einem Staatswesen, das auf sittlichen Charakter Anspruch *) Zu obigem Artikel haben wir eine Bemerkung zu machen. Unser Mitarbeiter behandelt die Frage auch von dem Intereffen Standpunkt des Fürsten. Dies ist unseres Erachtens Aufgabe der Personen, die dazu berufen sind, das Intereffe des Monarchen zu wahren. Wenn diese Personen ihres Amtes nicht walten, so entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1896 ist es nicht an uns, sie an ihre Pflicht zu erinnern. Wenn der unter Nummer 7277.) Monarch persönliche Politit treibt und in den Parteikampf fich einmischt, so würden wir dies beiläufig keineswegs als ein Unglück, sondern als einen entschiedenen Fortschritt betrachten. R. d. V." 17 Redaktion und Expedition des ,, Vorwärts". Clotilde. ( Nachdruck verboten.) Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen. Da plötzlich drückte Blanka an einer Feder am Spiegel. Der Spiegel verdeckte eine Tapetenthür, die sich mit ihm zugleich aufthat. Ein mächt.ger, tiefer Wandschrank wurde sichtbar. In diesem war eine reichhaltige Bibliothek auf gestellt. Auch das Album befand sich darin. Blauta nahm es heraus, es war groß und schwer, der Einband mit funstvoller Schnitzerei verziert, und trug es auf den großen Tisch, dasselbe öffnend. Clotilde drängte sich zu ihr mit dem Ausrufe: ,, wie reizend!" Diesen Moment schien Georgine abgepaßt zu haben. Sie trat unbemerkt an den Schrank, zog einen der alten Folianten vor, schob ein bereitgehaltenes, unscheinbares Backet dahinter und drückte das Buch wieder in Reih und Glied, zugleich wieder nach einem andern Buche fassend. Was suchst Du denn da?" fragte Blanka über Clotilde weg nach Georgine blickend. " Ist das nicht die Hofrangordnung? Ich möchte gern für Clotilden etwas darin nachschlagen," antwortete Georgine, das Buch Blanka entgegentragend. „ Der Major". " Was Du sagst! Den habe ich ja heute Morgen noch mit Haune sprechen hören." Und Hanne war diejenige, welche uns die Schreckeusnachricht bei offener Tafel ganz verstört herstammelte:" Der Major ist todt!" Und so plöglich? Das kommt mir verdächtig vor, da wird wohl der Doktor wenig Schuld haben. Er sprach doch schon seine Verwunderung aus, daß Hanne so lange beim Major verweilt habe." Im modernen europäischen Staatsleben, Staatsleben, wo die Herrscher sich nicht wie altorientalische Despoten des Alterthums in den innersten Gemächern ihrer Paläste einschließen und sich den Blicken der Deffentlichkeit entziehen, geht es ihnen wie allen anderen Menschen, es gilt von ihnen das alte Sprichwort: Wer sein Haus baut an die Straßen Muß die Leute reden lassen. Was ist auch eine so strafrechtlich erzwungene Verehrung der Majestät werth? Moralisch gar nichts! Ja, sie wirki sittlich verwüstend, wenn sie erzwungen geleistet wird, da sie offenbar die elendeste Heuchelei und Lüge fördert. Nur persönliche Tugenden und Verdienste können Dankbarkeit, Verehrung, Liebe erzeugen, nimmermehr aber Strafgesetze. Der Grundsatz: oderint, dum metuant ſie mögen mich hassen, nur mögen sie mich fürchten, entspricht altrömischer Anschauung, und ist Tyrannen gemäß, wie dem altrömischen Kaiser, dem das Blanka stand noch immer vor dem Album, denn das Bild, welches sie aufgeschlagen fand, erregte aufs Neue ihre Selbstbetrachtungen und ihren Unwillen. Das ist ja der Bösewicht-grollte sie mit sich selbst der uns aus dem Adelstand gebracht. Das Bild des Großvaters. Er, der uns das„ von" verscherzte! Das schlimmste aber ist, daß dies Georgine weiß, daß ich sie empfangen muß, weil sie meine Vergangenheit fennt. Ich muß fie bei guter Laune erhalten, ihren Umgang pflegen, damit ihr nicht in den Sinn kommt, zu verrathen: Ich führe das „ von" unberechtigt weiter. " Wer kann da etwas behaupten. Ich gehe heute mit Granen nach Hause und doch muß ich nun eilen. Komm, Dwelche Erinnerungen werden in mir wach!" stöhnte Clotilde", rief Georgine. sie, nahm das Album, das sie heftig zuklappte und legte es in den Schrank. Sie schien etwas unter den Büchern zu suchen. Was? Da darf ich Dich wohl nicht länger zurückhalten, so gerne ich mit Dir weiter geplaudert hätte", bedauerte Blanka, ihren Besuch durch die weite Flügelthür bis zur breiten, mit Teppichen belegten Treppe geleitend und freundlich- gnädig entlassend. 12. Indeß sie sucht, finden wir Zeit, uns mit ihrer Vergangenheit und dem Großvater" zu beschäftigen. Wie wir bereits wissen, erzählte Georgine ihrem Manne eine Ge schichte, wie sie der Vater Georginen's, Franz Boheimb, seinem Kinde in schonender Weise mitgetheilt haben mochte. Danach sollte der Großvater als junger Offizier wegen eines unglücklichen Duells landesflüchtig geworden sein und des Adels verlustig gegangen sein. Daß man solches Volk überhaupt empfangen muß, ist schrecklich, murmelte Blanka vor sich hin, als sie wieder allein war. Und daß sie gar hoffähig geworden- ist mir fehr fatal, fügte sie hinzu, wie leicht fann man sich verschnappen, flatschen, um sich hier bei Hofe beliebt zu machen. Ein unüberlegtes Wort von ihr könnte mich hier unmöglich machen, meinen fünstlich großgezogenen Abuenstolz in seiner Brambach hätte wissen müssen, daß ein Offizier wegen „ Nein, weiter links, bei den Grafen- Kalendern. Ich Nichtigkeit zeigen und herabziehen in Schmach. O wenn eines Duells nie den Adel verlieren kann. will es Dir suchen; und Georginen das Buch abnehmend, ich ihn umsonst gepflegt, wenn sich fein Mann finden sollte, Es gab aber noch eine andere Lesart, welche Blauka ging fie selbst das Verlangte herausgreifend und sagte: der mich oder meinen Namen heirathete, das wäre gräßlich! nur zu gut kannte. Hier ist es. Ich könnte Dir zwar alles, was darin sieht, Wie gern kehrte ich diesem glänzenden Elende hier den Der Lieutenant Conrad von Boheimb hatte sich, so aus dem Kopfe hersagen, da Dein Mann und Du aber Rücken. Wenn nur der Doktor hieß es im Kriege gegen Napoleon 1806 der Feigheit nun in die dritte Hofrangordnung eingerüdt sind, ist es schuldig gemacht und war zum Gemeinen degradirt worden. gut, Du nimmst das Buch mit nach Hause zur Titulatur Da er später der Spionage für den Feind und des Landesfunde. Und eine Papierhülle darum schlagend, fragte Blanka, verraths überführt worden war, sollte er vor das Kriegsdas Buch Georginen überreichend: ,, War denn Dr. Langengericht gestellt werden. Er entzog sich aber diesem Urtheilsberg auch bei dem Festessen?" spruche durch die Flucht. Das Kriegsgericht verurtheilte Boheimb in contumaciam zum Tode, verlustig aller Güter und des Adels. Nein! Du warst ja auch nicht da, aber er hat auch Unglück gehabt." 11 Wie? der Doktor Langenberg?" 1 Sie vollendete ihr Selbstgespräch nicht, fie trat vor das Album, um es zusammen zu schlagen und wieder in den Wandschrank zu legen. Warum mußte Blanta Georgine empfangen? Welches Wort, welche Entdeckung fürchtete sie? Welche Bewandtniß hatte es damit, daß sie sich immer mehr in ihren Ahnenstolz hineinredete und mit ihm prahlte, da er doch ein Geheimniß zu verschleiern schien? Wie war sie überhaupt an " Ja", sagte Georgine leiser, es ist ihm ein Patient den Hof gekommen? schnell gestorben." Wer denn?" Diese Fragen drängen sich uns unwillkürlich auf, und verlangen ihre Lösung. Wie wir gehört haben, ließ Boheimb nach vielen Jrrfahrten im Auslande das von" vor seinem Namen weg, wurde Lohnkellner und verheirathete sich mit einer Schänk wirthstochter. Aus dieser Ehe erwuchsen ihm zwei Söhne, Wort in den Mund gelegt wird. Ursprünglich ist das ansehens bezogen wurden, wie denn Wilderer oft die besten Die Kreuz- Zeitung beschäftigt in dieser trüben Gegetts Wort ja ein Zitat aus einem römischen Trauerspiel- Förster abgeben sollen. wart sich vorwiegend mit der Vergangenheit und Zukunft. dichter( Accius in seiner Tragödie Atreus), wie denn gerade Aber auch der Nimbus des Gottesgnadenthums mußte So widmete sie gestern dem Pariser Bimetallisten die verworfensten römischen Kaiser gern mit ihrer Kunst- verbleichen mit der wachsenden Erkenntniß und fort Kongreß" einen Leitartikel. Vergangenheits. freundschaft und mit eigenem Dilettantismus prunkten, und schreitenden Forschung insonderheit auf dem Gebiete der Musit. Unmittelbar vorher hatte sie sich in zwei Artikeln dadurch eben verriethen, wie wenig gleichgiltig ihnen der vergleichenden Religionswissenschaft und naturwissenschaftlich mit der Deportationsfrage beschäftigt. 8= Beifall der öffentlichen Meinung war. Die alt- römischen betriebenen Kulturgeschichts- Forschung. tunftsmusit. Auf Deportation der unzufriedenen Anschauungen haben aber keinen Anspruch auf Giltigkeit in Allgemeine Anerkennung kann heute nur die allgemein Elemente zielt doch die ganze Politik Reichs- Deutschlands der modernen Welt. menschliche Sittlichkeit erlangen, die höher und umfassender hin. Und wenn alle unzufriedenen Deutschen deportirt ist als die Ethit jeder, auch der christlichen Religion. werden, dann werden auch unsere Kolonien zur Blüthe geSittliches und gemeinnütziges Handeln allein kann heute langen. Freilich in Deutschland wird niemand übrig Ansehen im echten Wortsinn verleihen. Wo dieses fehlt, greift bleiben, außer dem König Stumm und einer Handvoll von Gleichgiltigkeit play, wo das Gegentheil stattfindet, ist Schlot- und Krautjunkern. Es liegt nahe, darauf zu verweisen, daß erzwungenes Schweigen abfälliger Kritit ebenso wenig werth ist, wie der Beifall einer erkauften Klique. fammer in der Provinz Posen: " Man sage nicht, daß unter einem solchen Zustand die Majestät nicht leide, weil ja der Herrscher nicht selbst, weder allgemeines, noch besonders ausgezeichnetes Ansehen Als einen Sieg des Bundes der Landwirthe" sondern der Staatsanwalt aus seiner Amtspflicht heraus zu erwarten. Strafgesete ändern darin nicht den Deut, und des Deutschthums preist die Deutsche Tageszeitung" das, was er für eine Majestätsbeleidigung ansieht, verfolgt sondern machen die an sich schon schlimme Lage nur noch die nunmehr abgeschlossenen Wahlen zur Landwirthschaftsund zur Bestrafung bringt. In den Urtheilen steht dann schlimmer. doch allemal an der Spitze: im Namen des Königs! Und stände auch einmal nur da: Im Namen des Reiches, der gemeine Mann wird immer glauben, die Krone habe Mittel und Wege, durch den Minister staatsanwaltlichen Uebereifer zu zügeln. Politische Uebersicht. Von den 70 Abgeordneten sind 18 Polen, 52 Deutsche. Diese 52 Deutsche sind bis auf drei sämmtlich Mitglieder des Bundes der Landwirthe" und, wenn man so sagen darf, strammste Agrarier. Die drei Nichtmitglieder sind dem Bunde Berlin, 28. Dezember. durchaus freundlich gesinnt. Von den lauen und matten Leuten, Majestätsbeleidigung. In Barmen wird eines die bisher die Führung in Posen zu haben glaubten oder be Der sozialdemokratische Antrag hat den Zweck, das auf Abends ein Arbeiter von zwei Nacht wachleuten haupteten, ist fein einziger gewählt. Auch die 18 gewählten dem Wege der Gesetzgebungsänderung zu erzielen, was mißhandelt; die Beamten werden ihres Amtes in Polen find übrigens gut agrarisch gesinnt." als eine Forderung der öffentlichen Moral nothwendig Barmen entlassen, aber als Polizisten in anderen Da ist nicht viel Wunderbares darin, daß die erscheint. Drten wieder angestellt; in der Straffammer Deutschen bei den Wahlen zu der posener LandwirthschaftsEin christlicher Staat verträgt sich, das darf man wohl Verhandlung werden sie ihrer rohen That überführt fammer die Mehrheit behalten haben, da im Großgrundbehaupten, wenn man das älteste Christenthum recht be- und zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. besit das deutsche Element überwiegt. Aber ob Deutscher, trachtet, gar nicht mit einem Strafgesetz- Paragraphen, der Sie reichen ein Gnadengeſuch an den Monarchen ob Bole bleibt sich hier vollkommen gleich. Für die sogenannte Majestätsbeleidigungen unter Strafe stellt. In ein und ihre Strafe wird auf je 50 M. ermäßigt. Ueber Großgrundbefizer Interessen tritt sowohl der polnische wie der vom Christenthum gelehrten Gotteskindschaft sind alle diesen, in der deutschen Rechtspflege keineswegs vereinzelten der deutsche Junker ein. Das Deutschthum" sollten die Chriften gleiche Brüder und keiner kann eine besondere Vorgang bringt der„ Vorwärts" in etwa sechs Beilen eine agrarischen Trompeter doch lieber aus dem Spiel laffen. Majestas beanspruchen:„ Wir sind allzumal Sünder" heißt Mittheilung. Der Staatsanwalt ahnt wir leben nun Wie die deutschen Junker das Deutschthum" pflegen, zeigt cs im Evangelium. einmal in einer nervösen" Zeit in ihr eine sich wohl am besten dadurch, daß sie massenhaft polnische Der heilige Ambrofius von Mailand schrieb:" Es ist Majestätsbeleidigung," stellt Strafantrag, das Landgericht und russische Landarbeiter ins Land ziehen, weil deren nicht kaiserlich, die Freiheit der Rede zu beschränken, und es lehnt die Eröffnung des Verfahrens ab, da keine Majestäts- niedrige Lebenshaltung ihnen gestattet, billiger zu arbeiten ist nicht priesterlich, seine Meinung nicht zu sagen. Das beleidigung vorliegt; die Staatsanwaltschaft, findet beim als ihre deutschen Konkurrenten. Der Großgrundbesitz bringt dem Priester vor Gott die höchste Gefahr und vor Kammergericht mehr Entgegenkommen und so wird ein Prozeß hat Italien ruinirt," ist das Urtheil der Geschichte über den Menschen die größte Schande, wenn er nicht frei wegen Majestätsbeleidigung endlich anhängig gemacht, der, wie die Verfallszeit Roms.„ Der Großgrundbesitz entuationaheraussagt, was er denkt." Der Brief, in dem diese Worte unsere Leser aus dem Gerichtsbericht des weiteren ersehen lifirt Deutschlands östliche Provinzen," wird das Urtheil ftehen, ist an den Raiser Theodofius gerichtet, dessen Zornes mögen, mit einer Verurtheilung des verantwortlichen Re- der Geschichte über das heutige Deutsche Reich lauten ausbrüche man allgemein ängstlich fürchtete und zu erregen bakteurs des„ Vorwärts" zu drei Monaten Gefängniß wenn nicht der Sozialismus diesem volksverderberischen sorgsamst mied. Schließt. Treiben rechtzeitig Einhalt gebietet. So lehrte ein großes Kirchenlicht im„ chriftlichen Staate" des vierten Jahrhunderts. -nach Wieder, wie so oft schon in dieser Zeit des Septemberkurses, ist die Tendenz des vertretenen Blattes in den Strick Freiherr v. Hammerstein ist vorgestern Abend auf Die Ansicht des heiligen Ambrosius hat fleißige An- mit hineingeflochten, an dem der Preßsünder gehenkt wurde; Ersuchen der deutschen Behörden in Athen verhaftet worden. nahme gefunden unter seinen Glaubensgenossen. War wieder wurde der Redakteur für das verantwortlich gemacht doch auch vorher schon die Majestätsbeleidigung Nach einer anderen Meldung soll der frühere Chef nicht was er geschrieben oder zum Druck eine Spezialität der Christen von Anbeginn. Wohl gegeben hat der deutschkonservativen Partei schon auf dem Wege sondern was die Leser sich der Stifter der christlichen Religion gelehrt: etwa dabei denken könnten. Nicht weil er kritisir Zufalls den verflossenen Kämpfer für Religion, Ordnung Sollte Deutschland sein. das Spiel des Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was hat, ist weil sondern Gottes ist; aber daneben hatte er auch gesagt, daß man er nicht kritisirt hat. Herr Landgerichtsrath wird der lezte Akt des Abenteurerdramas ein schwerer und Sitte nicht noch vor der letzten Schmach bewahren, so Gott mehr fürchten und ihm mehr dienen solle als den Braun hat dem Redakteur einen Rath gegeben, wie er, Schlag für die fonservative Partei sein. - und die römischen Cäsaren waren und blieben ohne sich strafbar zu machen, berechtigte Kritikan Komitee der Kreuz- Zeitung" wird gegen ben geistigen einer Regierungshandlung des Monarchen hätte üben hatte Menschen Menschen. er verurtheilt worden, Das Nun erklärte aber das kaiserlich römische Staatsgeset tönnen; vielleicht werden in der Folge diese Anweisungen Leiter ihres Organs, der konservativen Korrespons das Staatsoberhaupt für ein gott ähnliches Wesen, von deutschen Richtern noch vervollständigt und damit denz und der konservativen Partei zeugen müssen, die das man anbeten und dem man opfern müsse wie einem endlich das schon lange schmerzlich vermißte Regelbuch für ältesten Namen der preußischen Geschichte werden in engster Gott. Das zu thun weigerten sich die ersten Christen, verantwortliche Redakteure" geschaffen. Beziehung zu dem Manne mit der langen Anklageweil sie nur ihrem Gott göttliche Ehren zugestanden und schrift gebracht werden und Freiherr von HammerMenschenanbetung für heidnischen Gözendienst und Tod- Herr Wittkowski, genannt May Harden, bringt stein wird sich auf seine Art wehren und mit der sünde hielten. Unwidersprechlich war diese Weigerung in einem Sibyllenartikel 1896 folgende geschmackvolle Geist bei ihm bekannten Rücksichtslosigkeit niemanden schoneu. ein Einbruch in die staatliche Ordnung", war reichigkeit: So können die Tage der Verhandlung gegen den Freiherrn Majestätsbeleidigung, und in unzähligen Einzelfällen Herr Liebknecht wird aus Plößenfee die Kunde nach Berlin v. Hammerstein zu bedeutungsvollen für die Geschichte der der juristische Grund, Anhänger der neuen Gette gelangen laffen, daß er starkes Nasenbluten gehabt hat, und preußischen Junker werden, wenn sich auch der Prozeß blos stumm zu machen für immer, um ihnen die Verder Vorwärts wird die gute Gelegenheit benutzen, um zu einer um Wechselfälschungen, Beruntreuungen, Betrug, Untreue, breitung ihrer staatsgefährlichen Heilswahrheiten" zu verNationalspende für das fiebenzigjährige Opfer des September Unterschlagungen u. dergl. drehen wird. turses aufzurufen. hindern. Nun, der Thron der römischen Cäsaren ging in Trümmer, und das Kreuz des Galiläers siegte! Ja, die Kronen schlossen einen Kompromiß mit dem Kreuz, um mit feiner Hilfe neuerlich wieder ein mystisches Ansehen und Privileg zu erlangen, wie das aus Gesetzesauslegungen tonftruirte der römischen Kaiser. Das ist die Dialektik der Weltgeschichte, daß aus dem ehemaligen feindlichen Heerlager Stüßen des alten MajestätsFranz und Camillo. Er ließ sie, um sich nicht zu verrathen, bürgerlich taufen, verschaffte ihnen aber eine gute Erziehung. Diesen beiden Söhnen gestand Boheimb in der Sterbestunde sein Bergehen und seinen Verlust, sein letzter Wunsch war: sie möchten den Adel wieder zu erlangen suchen. Franz und Camillo boten alles auf, den vollen Namen wieder zu gewinnen, aber ihre Bemühungen scheiterten.-Beide verheiratheten sich. Bei dem ewigen Antichambriren in Friedrichsruhe In den Vereinigten Staaten hat sich die Aufregung scheint der Herausgeber der Zukunft" von dem dortigen wegen der Venezuela- Frage bereits so sehr gelegt, daß am Seiste bereits so sehr durchtränkt worden zu sein, daß er Freitag im Repräsentantenhause von Mitgliedern ver des Hausmeiers schmutzige Verquickung von Politik und schiedener Parteien eine gemeinsame Resolution Geldbeutel als selbstverständlich erachtet und die Gier nach gebracht werden konnte, wonach der Präsident der Union Ottopfennigen kurzerhand verallgemeinert. Die egalitäre Demokratie ist die konsequent durchgeführte Des organisation des Staates." ein ermächtigt werden soll, zum Zwecke der Regelung von Grenz ftreitigkeiten eine Konferenz aller Nationen, welche Gebiet in Amerika besigen, einzuberufen. Die Konferenz folle im Jahre 1896 in Washington zusammen treten. Gegen die Revolution in jeder Form zu eifern, hat augenscheinlich das Bindterblatt gemessenen Auftrag er halten und unterzieht sich diesem Auftrage in bekannter Weise mit einem Mindestmaß von Geschick. Dem albernen Bergleiche des Hofpredigers Stöcker mit Babeuf Schwierigkeiten. Kommt Zeit, tommt Rath. Bis dahin Das wäre eine sehr glückliche Lösung der nächsten läßt das Blatt jetzt eine allgemeine Charakteristit wird man sich auch in Südamerika beruhigt haben. der Revolution" folgen, zu der ihr der einstige Philosoph der preußischen Reaktion, der selige Professor Präsident der Finanzkommission Dingley den Bericht Jm Repräsentantenhause legte ferner am Freitag der Stahl bas Material hat liefern müssen. Zum Schluß ver- dieser Kommission über die Vorlage, betreffend steigt sich der Artikelschreiber zu folgendem Sat: die Ausgabe von Bonds, vor und theilte Auf jeden Fall werden diejenigen, welche die Entwicklung mit, die Kommission habe der der Vorlage einen aller Boltsträfte zur staatlichen, d. h. allen zu gute kommen Artikel zugefügt, in welchem erklärt wird, es handle fich den Gesammtwirtung als Ziel und Aufgabe betrachten, stets nach Franz Boheimb, Georginen's Vater, hatte es bis zum Organisation streben, die Feinde des Volkes und Water- nicht um die Zurückziehung der Greenbacks. Das Haus nahm Premierlieutenant gebracht. landes nach Desorganisation. mit 195 gegen 101 Stimmen eine Resolution dahin an, Camillo, Blanta's Vater war vom Waldwärter zum Sonnabend über die beiden Fragen der Ausgabe von 50 Mill. Bonds und des Vorschlages einer unbegrenzten Bondsausgabe herzoglichen Oberförster emporgestiegen. Er sah bei den Hof Den ersten dieser beiden Säge unterschreiben wir gern. abzustimmen. Dingley eröffnete hierauf die Diskussion und jagden oft in seinem abgelegenen Forsthause den Herzog und sein Gefolge bei sich eintreten. Seine Tochter Blanka war Denn weil die Sozialdemokratie wie keine andere Partei sprach zu gunsten der Vorlage, welche den Schazsekretär damals ein junges, hübsches Mädchen und wurde der Zug- die Entwickelung aller Volfskräfte zur höchsten staatlichen, ermächtigt, im Inlande dreiprozentige Bonds auszugeben. und Zielpunkt der Jagd- und Hoffavaliere. Jeder wollte das heißt allen zu gute kommenden Gesammtwirkung als Dem Vernehmen nach sollen Cleveland und seine Rathgeber die schöne Waldfee", wie Blanta allgemein genannt wurde, Biel und Aufgabe betrachtet, strebt sie stets nach Organisation. gegen diese Vorlage sein. Auch Schatsekretär Carlisle ist sehen. Es war daher nicht zu verwundern, daß einer der Unsere Gegner, die Gegner gleichzeitig des Volkes und gegen die Bondsvorlage. In einem Interview mit einem Herren vom Hofe, der Kammerherr Kurt von Bergkuhn, Vaterlandes, wirken desorganisirend. Wir konstatiren nur Bertreter der Presse erklärte der Schatzsekretär seine Beein Adonis und Nimrod zugleich, sich in die im Ver- den staatlichen Zersehungsprozeß, den das verwüstende denken gegen die Bondsvorlage des Repräsentantenhauses. borgenen aufgeblühte Wunderblume sterblich verliebte. Treiben unserer Gegner zu Wege bringt. Unser Ziel aber Er erblicke in der Befürchtung Schwierigkeiten, daß die schließlich außer stande sein Aber Camillo war ebenso hart gegen den Hof, wie ist die Organisation, eine höhere allerdings als die heutige Unionftaaten schließlich dieser gegen ihn. Er untersagte den Höfling jeglichen Ver- Gesellschafts- und Staatsorganisation, die sich auf dem Maffen- genügend Geld zur Einlösung der Noten zu beschaffen. Diese Befürchtung könne nicht eher gänzlich beseitigt tehr mit seiner Tochter. von Bergtuhn hatte indeß viel elend auferbaut. werden, ehe der Kongreß durch entsprechendes Vorgehen seine Einfluß und neben seinen schönen Aeußeren auch WeltAuf ein neues Kartell ist es abgesehen bei den Absicht kund gebe, alle Verbindlichkeiten in Gold zu zahlen. fenntniß genug, als daß er sich ohne weiteres hätte ab- mittelparteilich- gouvernementalen Bestrebungen zur Säuberung Wiewohl kein wesentlicher Grund für ein Mißtrauen gegen schrecken lassen. Nur zu bald erforschte ihr liebenswürdiger ber konservativen Partei von chriftlich- sozialen Elementen. Die Beschaffenheit der Noten vorliege, so verhindere doch Kurt von der verliebten Waldfee, was ihren Vater will- Jetzt kommt das Bismarckblatt, die Hamburger Nachrichten", das Fehlen einer legislativen Erklärung den vortheilhaften fährig machen könnte. offen mit der Sprache heraus: Eines Tages wurde dem Oberförster eröffnet: daß„ Ginerlei, was Stöcker der konservativen Partei in der Ver- Verkauf des Bonds und vermehre die Goldnachfrage. seine Tochter unter dem Namen Fräulein von Boheimb gangenheit gewesen was er ihr jetzt und in Zukunft noch sein scharfen Handelskonkurrenz zwischen Engländern und Amerikanern in den Hofdienst einzutreten befohlen werde. Camillo traute fann, ist weniger als Null. Dagegen ist er ein unheil in Caracas die ersteren stets die Oderhand behalten hätten. Hierzu der Sache nicht recht, weil von Bergkuhn als Roué bekannt volles Hinderniß für jede Wiederannäherung schreibt der„ Franks. 3tg." eine mit den Handelsverhält= war. Als aber am anderen Tage eine Hofequipage vor zwischen den Konservativen und jenen geniffen in Venezuela seit Jahrzehnten wohl vertraute fuhr, die vom herzoglichen Hofmarschallamt fam, da stutte mäßigten Glementen, mit welchen vereint jie persönlichkeit, daß diese Behauptung ganz falsch sei. Es heißt Camillo. In einem Schreiben hieß es: Das gnädige Fräu- einst die zuverlässige Stüße der nationalen dann in dem Briefe weiter: Wie in immer zunehmendem Maße in Politit gewesen sind. Lediglich die Ueberzeugung, ganz Süd- und Zentral- Amerika die englischen und französischen lein von Boheimb solle abgeholt werden, um Aufnahme in folche Wiederannäherung dem Vaterlande noth Handlungshäuser durch deutsche zurückgedrängt werden, so der Familie des Hofmarschalls von Körnick zu finden, all- thut, zwingt uns dazu, an die fonfervative Partei von ist es auch in Venezuela während der legten 47 Jahre wo sie Unterweisungen für die neue Stellung als Hofdame neuem die Frage zu richten, wie lange noch sie zögern will, den und zwar in ausgedehntester Weise geschehen. Der Handel mit erhalten sollte. Aft der Säuberung vorzunehmen, den ihr die Pflicht der europäischen Waaren in Venezuela und die Ausfuhr venezolaniSelbsterhaltung gebietet." Uns könnte ja nichts lieber sein als ein neues Kartell cher Landesprodukte nach Europa ist fast vollständig in Händen deutscher und venezolanischer unter der Aegide Bismarck- Stumm- Bennigsen. Anein- Firmen, welch lettere wiederum vorwiegend mit andergekettet rollt diese Sippe um so leichter bergab.- deutschem Kredit arbeiten. Hamburg ist durch seine Camillo fühlte seine Eitelkeit geschmeichelt, die Erfüllung seines Herzenswunsches näher gerückt. Er willigte ein, da auch seine Stellung in Frage fam. ( Fortsetzung folgt. daß eine würden, In englischen Blättern war behauptet worden, daß in der über ganz Venezuela verzweigten Filialen einerseits, durch die Kredit- Fundirung andererseits, das Handelszentrum Venezuela's in Europa. Ein grobes amerikanisches Hand- lungshans mit einer Anzahl Filialen in Venezuela be- herrscht in Caracas den Handel mit Amerika, während es im übrigen wieder fast ausschließlich deutsche und venezolanische Firmen sind, welche den Handel zwischen Venezuela und Amerika vermitteln�jSine Konkurrenz zwischen Engländern und Amerikanern exislirt ürfthaupt nicht in Caracas." J** Jr* ß Deutsches Reich. ß- Ueber die Prügelstrafe in Gefängnissen und (»erin Zwangsanstalte» hat sich ein Fachmann, Geheimrath Strohn e folgendermaßen ausgesprochen: ~„In Kulturländern, wo e l b st die Thiers gegen Mißhandlung unter strafrechtlichen Schutz gestellt find, und jeder, der seinen Hund oder sein Pferd in der Weise behan- dein wollte, wie es diese Disziplinar- strafe zuläßt, eine Anklage wegen Thier» quälerei gewärtigen müßte, wo Strafe und Straf- Vollzug auf sittliche Grundlage gestellt und die Strafvollzugs- einrichtungen dementsprechend gestattet sind, hat die Prügel st rase eineBerechtigung nicht... Der Zweck der körperlichen Züchtigung soll sein, in hohem Grade abschreckend zu wirken, schon durch die Möglichkeit, ihrer Verhängung von schwerer Auflehnung gegen die Ordnung des Hauses ab- zuhalten und den Widerstand gewaltsamer, ganz besonders«roher Verbrechernaturen" gewallsam zu brechen. Dazu bedarf es der Prügelstrafe nicht. Eine wohlgeordnet« Disziplin, wachsame, tüchtige, kräftige Aussichtsbeamte, die entschlossen und befugt sind, jede gewaltsame Auflehnung mit Gewalt— wenn es sein muß mit der Waffe— niederzuwerfen, in Verbindung mit den übrigen Disziplinarstrafen reichen dazu vollständig aus. Es ist ei» vollständiges Verkennen der„rohen Verbrechernaturen", »renn man glaubt, daß die Aussicht auf eine intensive körper« liche Strafe sie von einem Ausbruch ihrer Bosheit oder Leiden- schaft abhalten würde. Sie haben gewöhnlich in ihrem Leben vo» Kindheit auf schon so viel Prügel bekommen, haben sich in Raushändeln Köpfe und Gliedmaßen dermaßen zerschlagen lassen, daß die Furcht vor einer neuen Tracht Prügel, und wäre sie auch mit blutigen Striemen verbunden, sie nicht abhält oder ihren bösen Willen bricht. Im Zaume hält sie nicht die Furcht vor der nachfolgenden Strafe, sondern die Aussichtslosigkeit jeder Auflehnung. Hat die Auflehnung doch statt- gefunden, so wird der böse Wille nicht gebrochen durch die rasch vorübergehende Tracht Prügel, sondern, durch die einsame Ein- sperrung... Das Alleinsei» mit sich selbst und die ohnmächtige Wuth, niemanden zu haben, an dem der giftige Zorn aus- gelaffen werden kann, auch nicht einmal init Worten, das voll- ständige Nichtbeachtetwerden, das Hinbrüten Tage und Rächte lang, das sind seelische Schmerzen, unter denen gerade die rohesten Naturen am ehesten zusammenbrechen." Geheimrath Krahne schildert dann die Ausführung der Prügel- strafe:„Der letzte Funken Ehrgefühl ist heraus- und grimmiger Haß hineingeprügelt. Und die Wirkung auf die Beamten! Auf die Zuschauenden ein unglaublicher Ekel, auf den Hauenden ein Gefühl unwilligen Zornes, daß er dazu verdammt ist, mit kaltem Blute auf das wehrlos vor ihm liegende Menschenkind los zu schlagen. Wird er öfter dazu kommandirt, so sinkt er in der Achtung seiner Kameraden, verroht und verkommt." — Ein Renommir-Antisemit. Der Reichstags-> Abgeordnete B i e l h a b e n suchte sich im Reichstage, als bei Gelegenheit der Etatsberathung auch die Thätigkeit der Ham- burger Sozialdemokraten zur Cholerazeit zur Sprache kam, als den muthigen Mann hinzustellen, der während der Unglückszeil mitten im Kampfe mit dem Bazillus gestanden hat. Er rühmte namentlich, verhindert zu haben, daß die im ganzen Reiche ge- sammelten Nothstandsgelder bei der Vertheilung in unrechte Arbeilerhände gcriethen. Jetzt erhält das„Hamburger Echo" eine Zuschrift, nach der Herr Bielhabcn einer der ersten war, die vor dem Kommabazillus Reißaus nahmen und Hamburg den Rücken kehrten. Er flüchtete sich mit seiner Familie nach Bremerhaven, wo er unter ärztliche Beobachtung gestellt werden mußte.— — Die„Deutsche Tageszeitung" will es nicht einsehen, daß Vereine der Großgrundbesitzer thatsächlich politische Vereine sind. Aber ist denn irgend etwas heute mehr politischer als das Eintreten für den Antrag Kanitz? Daß wir nicht allein dieser Ansicht sind, dafür liefert den Beweis folgende Notiz, die wir der„Freis. Ztg." entnehmen: „In der„Deutschen Tageeztg." lesen wir, daß inMettmann kürzlich eine Versammlung der Vorstände von fünf landwirth- schastlichen Kasinos stattfand, in welcher eine Resolution für den Aulrag Kanitz angenommen wurde zur Uebersendung an den Vor- stand der Lokalabtheilung und an den Zentralvorstand des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen.— Hier wird also in einem landwirthschaftlichen Verein Politik getrieben, ohne daß die Versammlung vorher polizeilich angemeldet ist. Zugleich liegt hier der Fall vor, wo eine Verbindung mehrerer Vereinigungen zu politischen Zwecke» erfolgt. Wenn gleiches Recht für alle gilt, so müßte hier ebenso strafrechtlich eingeschritten werden, wie jüngst gegenüber den sozialdemokratischen Vereinigungen in Berlin."— — Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist nach Wie» gereist, wo er niit den üblichen Preß- Glückwünschen für das Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich empfangen wird. Eine Wiedergabe dieser Kannegießereien können wir uns und unfern Lesern sparen.— —„Alte Herren" als Jnstruktoren über soziale Fragen. Aus Leipzig kommt die sonderbare Nachricht, es habe die Vereinigung alter Burschenschafter, welche un- längst in Leipzig tagte, den Beschluß gefaßt, den aktiven Burschen- schaftern„über die unsere Zeit beivegenden sozialen Fragen, mit denen sie sich im späteren Leben so ernst zu beschäftigen haben würden", durch alte Herren Vorträge halten zu lassen. Das ist auch ein Zeichen der Zeit. Allzuviel Verständniß für„soziale Fragen" werden die aktiven Burschenschafter wohl nicht aus den Vorträgen ihrer„allen Herren" gewinnen. Das wird wohl alles im schneidigsten Stumm- Stile hergeschnarrt werden. Aber auch das ist ein Erfolg der Sozialdemokratie, daß man das ängstliche Bedürfniß empfindet, schon die Füchse „scharf zu machen" zur Bekämpfung des Umsturzes.— — I n E s s e n ist der„Allg. Beobachter" am Sonnabend, den 14. Dezember, konsiszirt worden. Anlaß zu dieser Maßnahme der Essener Staatsanwallschaft bot ein Artikel des„Allg. Beob.", geschrieben von Herrn Schmidt-Duisburg, eine ehemaliger Gewerke. Schmidt hat in einer Artikelserie sehr bekannte Grubenbesitzer de? Ruhrreviers der schwersten Verbrechen geziehen. Er behauptet, die Herren Funke. Grillo, Waldhausen, Liebrecht u. a. m. hätten ihn durch allerhand geschäftliche Betrügereien um sein ganzes Vermögen gebracht. Meineid, Diebstahl, Fälschung, alles ivirft Schmidt in den ersten 4 Artikel» des„Allg. Beob." seinen srüheren Geschäftsfreuden vor. Diese Artikel wurden nicht beanstandet, die Blätter nicht konsiszirt. Im fünften Artikel greift Schmidt die Staats» n wallschaft an und»un erfolgte die Beschlagnahme. Hiermit ist die Sache aber nicht abgeschloffen, sondern es steht inis ein Sensations- prozeß ersten Ranges bevor, in dem die berufensten Vertreter von Besitz und Bildung im Ruhrrevier als handelnd» Personen auftreten. Vielleicht erfährt die Welt dann noch manches, was dem gutgesinnten Bürgerthum nicht angenehm ist. — Ein Wachtposten ist kürzlich von zwei Mar- burger Studenten, wie die„Pöss. Ztg." berichtet, ohne Beranlaffung beschimpft worden. AlZ der Posten, der Jäger Gläser, auf sie zuging und sie verhaften wollte, habe der eine Student mit dem Stock ans den Posten eingeschlagen, während der andere einen Revolver hervorzog, mit dem er den Jäger nieder- zuschießen drohte, wenn er sich nicht in fein Schilderhaus zurückbegebe. Der Posten habe darauf den einen Studenten gepackt und niedergeschlagen, während der andere Student, der angetrunken war, durch einen Revolver- schuß den Soldaten verwundet und dann die Flucht ergriffen habe. Der Jäger Glaser konnte sich noch bis ins Schilderhaus schleppen, wurde von der Ablösung der Wache blutend vorgefunden und dann gleich ins Lazareth getragen, wo er sich jetzt in ärztlicher Behandlung befindet. Oesterreich. — DiePolitikdes GrafenBadeni scheint in der Prager Landstube einer sehr schweren Niederlage entgegen zu gehen. Der polnische Ministerpräsident war dem Jungczechen so sehr entgegengekommen, er zeigte sich ihnen so sehr von der liebenswürdigsten Seite, daß man aus seinem Benehmen auf ge- Heime Abmachungen mit den Jungczechen, ja auf ihren Eintritt in die Regierungspartei schließen mußte. Nun aber der Landtag zusammengetreten ist, zeigt sich, daß alle Liebes Müh umsonst war. Die Jungczechen unterbrachen die Eröffnungsrede des ihnen und anderen Leuten mit Recht verhaßten Statthalters Thun in stürmischer Weise und verließen prolestirend den Saal. Damit hat die Politik des Grafen Badem«inen schweren Schlag erfahren. Es bleiben ihm nur zwei Wege übrig, entweder dem Wunsche der Jungczechen zu entsprechen und den Grafen Thun abzuberufen oder zur feindlichen Stellung des Koalitions- kabinets gegen die Jungczechen zurückzukehren. In jedem der beiden Fälle würde der polnische Gras keine Lorbeeren ernten.— — Ueber den Inhalt der W a h Ire f o rm-V o r- läge, welche dem Reichsrathe nach seinem Wiederzusammentritte vorgelegt werden soll, weiß ein jungczechisches Blatt zu berichten, daß dieselbe eine Vermehrung der Abgeordneten um zweiund- siebzig enthalten werde. Den Landtagen soll es anheimgestellt werden, zu entscheiden, ob in dem betreffenden Kronlande die Wahlen in der süuften Kurie direkt oder indirekt vor sich gehen iverden, doch wird für Wien und Prag die Vorlage selbst die direkte Wahl unter allen Umständen vorschreiben.— Wien, LS. Dezember. Die Landtage von Nieder-Oesterreich. Steiermark, Krain, Mähren, Schlesien, Görz und Gradisca sind in üblicher Weise eröffnet worden.— — Die Wiener Arbeiter und die Gemeinde- r a t h s w a h l e n. Die Resolution, welche die elf Wiener Volks- versanunlunge» über die bevorstehenden Gemeinderathswahlen gesaßt haben, lautet: Angesichts der neuerlich bevorstehenden Gemeinderathswahlen protestirt die Arbeiterschaft von Wien dagegen, daß mehr als zwei Drittel der Bevölkerung rechtlos sind in derGemeinde, wie sie es im Staate sind. Der zu wählende Gemeinderalh kann nichts anderes sein als die Vertretung einer privilegirten Minorität und wird wie bisher die Gemeindeverwaltung ausschließlich im Interesse der Besitzenden führen. Die Wiener Arbeiterschaft hat mit Genugthuung die endgiltige und unwiderrufliche Be- seitignng des liberalen Gemeinde- Regini e n t s, der Willkürherrschast einer kleinen Klique ge- sehen, aber sie protestirt mit Entschiedenheit dagegen, daß die größere antisemitische Klique, die nun definitiv ans Ruder gelangt ist, sich als„Volk von Wien" aufspiel», ivozu ihr jede Berechtigung mangelt. Das wirkliche Volk von Wien, die Ausgebeuteten aller Art und jeden Grades, wird die kommenden Gemeinderaths-Wahlen dazu ausnützen, uni laut und deutlich sein Recht zu ver- langen. Die Arbeiter wollen in der Gemeinde, deren Lasten sie zu tragen haben und deren Größe ihr Werk ist, als heimaths- berechtigte Vollbürger den ihnen gebührenden Antheil an der Verwaltung durch Beseitigung der Wahllörper und Gewährung des Wahlrechtes für jeden in Wien wohnenden Inländer. Sie verlangen, daß die Gemeinde für eine gerechte und vernünftige Reform des Hei mathsgesetzes eintrete; daß die G e w e r b e p o l i z e i. die Gefundheils- und Wohnungspolizei der Kommune im Interesse der Gesamnithett gründ- lich umgestaltet werde, daß für die Darbietung von billigen und unverfälschten Nahrungsmitteln gesorgt, daß insbesondere bei Brot und Fleisch der Wucher ausgeschlossen werde. Die Arbeiterschaft verlangt, daß die Kommune die Wiener Bevölkerung als Konsumenten schütze, daß sie aber auch, wo sie Arbeiter direkt oder indirekt als Produzenten be- schästigt, ihnen anständigen Lohn und ver- »ünftige Arbeitsbedingungen sichere.— Wir ver- langen weiter die Entlastung der arbeitenden Bevölkerung durch Beseitigung der Verzehrungsstenern auf die unentbehrlichen Lebensmittel und durch Aufhebung der Gemeindezuschläge zur Hauszins st euer und der Zinskreuzer für dre kleinen Woh- n u n g e n. Die Bedürfniffe der Gemeinde sind durch ein« progressive Einkommen- und Vermögenssteuer zu decken. Angesichts der Nichtbestätigung eines vom Gemeinde- ralhe gewählten Bürgenneislers fordern wir vor allem: Er- Weiterung der Gemeinde-Autonomie nach der Richtung, daß alle gesetzlichen Bestimmungen aufgehoben >» erden, die die Giltigkeit der Wahl der Gemeindefunktionäre einschränken und von der kaiserlichen Bestätigung und dem Wohlwollen der Regierung abhängig niachen. Die Arbeiterschaft Wiens protestirt euer- gisch gegen die Verschleppung der Wahlreform und wird auch anläßlich der Gemeinderathswahlen ihre Forde- rung nach dem allgemeine», gleichen und direkten Wahlrecht er- heben, nach der Beseitigung zedes Wahlnnrcchts in Reich, Land und Gemeinde. Frankreich. — Der Etat wurde nie so schnell durchberathen wie diesmal unter dem radikalen Kabinet Bourgeois. Die Kon« servativen und Opportnnisten im Senat, die über diesen und die anderen Erfolge des Kabinets Bourgeois erbittert sind, haben durch Ablehnung und Aenderung einiger Etatsposten die Er- ledigung des Etats verzögert, derselbe muß deshalb der Depu- tirtenkammer nochmals vorgelegt werden.— Paris, 27. Dezember. In der Budgetkommission sprachen heute der Kriegsminiiter, der Kolonialminister und der Finanz- minister über die Nachtragskredite von 17 Millionen Franks für die Madagaskarexpedition und die Ausgaben für die Okkupation bis zum 30. Juni 1896. Die Kommission beschloß, die Kredite zu bewilligen, jedoch nur für die Zeit bis zum 30. April 1896. Die Minister des Krieges, der Kolonien und der Finanzen er- klärten im parlamentarischen Ausschuß, daß auf Madagaskar demnächst französische Gerichtshöfe eingeführt werden sollen. — Der Panama-Sumpf treibt imnier neue Blasen. Das Pariser Blatt„France" begann gestern mit der Vcröffent- lichung der Liste der 104 Panama- Cheque- Empfänger und er- bietet sich, eventuell vor Gericht den Beweis der Echtheit zu er- bringen. Die Liste weist hauptsächlich die Namen von Radikalen, so von Floquet, Boissy d'Anglas, Tony Rövillon, Maret. Camille Dreyfus, Anlide Boyer und andere auf; dieselbe ent- stammt angeblich einer Aufzeichnung von Cornelius Herz, wird aber vielfach für apokryph angesehen. Die in der Liste nanihaft gemachten Deputirten gedachten zuerst, die Angelegenheit von der Tribüne der Kammer aus zur Sprache zu bringen, standen aber davon ab und beschlossen, gegen daS Blatt die Klage wegen Ver- leumdung zu erheben. Di« meisten Pariser Blätter erklären, die Lifte der 104 nicht ernst nehmen zu können; sie hielten die Veröffentlichung der- selben für eine Mystifikatkon.— Di« Blätter veröffentlichen neu» Protesterklärungen der beschuldigten Deputirten, deren größerer Theil die gerichtliche Verfolgung der„France" einleitet. Anderer- seits erklärt der Chefredakteur der„France", er besitze genügende Dokumente, um den Beweis für die Richtigkeit seiner Beschuldi- gungen beizubringen. Infolge der bei der Staatsanwaltschaft eingebrachten Klagen wurde heute Vormittag in den Geschäftsräumen der Zeitung „La France" eine Hanssuchung abgehalten, die aber zu keinem Ergebniß führte.— — O, diese Franzoseni In Frankreich starb vor einigen Tagen ein zwanzigfacher Millionär im Militär» Hospital. Der Aermste hatte das Unglück gehabt, den reichsten Mann und größten Spitzbuben Frankreichs(neben Casimir- Perier), den Zuckcrsieder L e b a u d y zum Vater zu haben, der seinen Erben die Kleinigkeit von 226 Millionen hinterließ. Einer der Söhne, Max, beim Tod des Vaters 18 Jahre.alt, erhielt sofort 26 Millionen Franks. Schlecht erzogen— die Eltern hatten in dieser Muster-Ehe von Muster-Bourgeois wie Hund und Katze gelebt— fiel der junge Max Lüdrianen, Schwindlern und Dirnen in die Hände und hauste so toll daraus los, daß man ihn unter Kuratel stellte, waS jedoch nicht hinderte, daß er nun toll daraus los Schulden machte. Als er 21 Jahre alt war, sollte er als Soldat dienen. Er erklärte sich für körperlich untauglich— die Militärärzte nahmen chn aber an. Der Dienst war für den entnervten Schwächling zu hart— Lebaudy meldete sich krank, allein die Aerzte betrachteten ihn alS Simulant, bis er schließlich in einem Militär-Hofpital starb. Der Todte war keine Simulation. Und nun warfen die Blätter der Rechten den Militärbehörden Grausamkeit vor, und zwar Grausamkeit aus Feigheit. Man habe gefürchtet, parteilich für den reichen jungen Mann zu erscheinen. Diesen Vorwurf, der zum Gegenstand einer Interpellation in der Kammer gemacht wurde, wies der Kriegsminister Cavaignac gestern als gänzlich unbegründet zurück. Daß die Behörden und gar Militärbehörden in den Verdacht kommen können, reiche Leute aus Furcht vor der öffentlichen Meinung schlechter zu behandeln als arme, daS ist auch nur bei diesen verkommenen Franzosen möglich!— — Die Arbeiter-Glashütte vonCarmaux ist nicht Gegenstand von Streitigkeiten geworden, wie die Bourgeoisblätter behauptet hatten. In bezng auf Einzelheiten, der Anlage und Einrichtung walten allerdings verschiedene Anschauungen ob, dies kann jedoch nicht hemmend wirken, weil man sich dahin geeinigt hat, jede Differenz von einem bereits ernannten Schiedsmann, dessen Spruch bindend ist, schlichten zu lassen. Die gesammte sozialistische Kammerfraktion— also Vertreter aller sozialistischen Gruppen Frankreichs— haben einen ge- meinsamen Aufruf für die Arbeiter-Glashütte erlassen. Und statt sich zu zanken, sammeln die französischen Sozialisten Geld für das neue Unternehmen, zu dessen Ausführung 300 000 Franks nothwendig sind. Der Bauplatz, um den ein gewaltiger Kamps entbrannt sein sollte, ist bereits erworben. Ueber die Art, wie das Geld aufgebracht wird, schreibt man uns: Nunmehr sind auch die„TicketS"— der Franzose bedient sich in diesem Falle, wie in so vielen anderen, hier veS Fremd- worts— für die Arbeiterglashütte in C a r m a u x in Umlauf gesetzt worden. Dieselben wurden in Heften von 26 Stück ä 20 Cts. ausgegeben und berechtigen zum freien Eintritt in die Versamm- lungen und die zu gunsten der Glasbläser bon den Arbeitervereinen, die Anhänger der?lrbeiterglashütte sind, veranstalteten Festlich. leiten. Sie sind in Alan auf weißes Papier gedruckt und weisen ein« bebaute Landschaft mit Schornsteinen im Hintergrunde auf. Im Vordergrunde steht ein Landmann und ein Hüttenarbeiter. die sich die Hand reichen, während sich an beide eine Frauen- gestall— die sozialistische Republik— anlehnt.— Belgien. — Eine Rekonstruktion de? Ministeriums steht bevor. Der Gesundheitszustand des Ministerprästdeuten läßt seinen Rücktritt unabänderlich erscheinen. Eine Reihe anderer Minister, so vor allem der Kriegsminister, werden jedenfalls auch zurücktreten.— Holland. Haag, LS. Dezember. Die erste Kammer genehmigte den Gesehentwurf, betreffend die Konvertirung der SVe prozentigen Staatsschuld in eine Sprozentige.— Italien. Rom, 27. Dezember. Nach Meldungen der„Agenzia Stefani" aus Massauah vom heutigen Tage sind bis jetzt von den 1320 regulären Soldaten außer de» irregulären Truppen, welche am Kampfe von Amba Aladii theilgenomme» haben, einschließlich der Verwundeten 673 zurückgekehrt. — Eine gehörige Heimzahluug an Crispi. CriSpi halte im Senat gesagt, daß der sozialistische Deputirte vo» Reggio, Salsi, welcher schon infolge der Ausnahmegesetze zu Zwangsvomizil vernrtheilt war, die Kruzifixe vor der Schul- jngeud tanzeu ließ, um zu zeigen, daß die Gottheit durchaus keine Macht aus den Mensche» ausübt. Salst veröffentlicht jetzt de» folgenden offenen Brief an den Ministerpräsidenten: „Herr Crispi! Ich erfahre aus den Zeitungen die unverschämte Verleun» dung, welche Sie— hinterlistiger Weise den Schluß der Kammer benutzend,— gegen mich im Senate geschleudert haben. Da ich erst bei Wiedereröffnung des Parlaments im stände sein»verde, diese freche Lüge zu ersticken, so sage ich inzwischen laut in Gegenwart ganz Italiens, daß, wenn Sie dieselbe nicht zurück- ziehen, Sie der gemeinste Verleumder sind."— Rußland. — Kolportageverbote. Die stets zunehmende Ver- breitung von kleinere» Werken der beliebtesten russischen Schrift- steller unter den russischen Bauern und Arbeitern hat daS Ministerium des Innern veranlaßt, das Hallen in öffentlichen Bibliotheken und den Verlaus aus Straßen und öffentlichen Plätzen einiger Schriften von Garschin(Der Feigling, Vier Tage auf dem Schlachtfelde, und Aus dem Tagebuche des Sol- baten Iwanow) und von Tolstoi(Gehl im Lichte, Die Religion und die Moral, Drei Briefe Madzini's über die Unsterblichkeit. Das Kaffeehans von Surat, Karma, Fransvise, Drei Parabel») zu verbieten. Da diesen Schriften somit der neue Reiz einer verbotenen Frucht verliehen wird, so ist zu hoffen, daß sie jetzt erst recht einen großen Leserkreis finden und die Wirkimg aus denselben nicht verfehlen werden.— Bulgarien. Sofia, 27. Dezember. Gelegentlich der Budgetdebatte in der Sobranje verlangten mehrere Redner die Ablehnung des Kredites für den Tribut an dieTürkei sürOst- r u m e l i e n. Die Redner der Majorität erklärten zwar die Abschaffung desselben für wünschenswerlh. meinten aber, der Tribut müsse bis zur Erreichung einer Verständigung bezahlt werden.— Kuba. — Vom Ausstandsgebiet wird beute bestätigt, daß die„Rebellen" 30— englische— Meilen, also nicht ganz 60 Kilometer weit von Havannah die Spanier unter Martinez Campos geschlagen haben und auf die schwach de- festigte Hauptstadt Havannah losmarschiren. Dieses Treffen, in welchem 11 000 Anfständische mit 6 Kanonen kämpften, wird von den spanischen Behörde» als Sieg ausposaunt. Allein da auch nach der spanischen Meldung Martinez Campos die an- geblich aufs Haupt Geschlagenen gar nicht verfolgte, so kann kein Zweifel bestehen, daß die Spanier den Kürzeren gezogen haben.— Japan. " " " hier der Vorwärts" mit dem Bitiren Bech gehabt, denn meine Bolizeiliches, Gerichtliches ze. Yokohama, 28. Dezember. Heute wurde das japanische qu. Ausführung bezieht sich auf einen Truft in Monopolstellung, Frau Rohrlad aus Berlin tritt am 8. Januar in Parlament eröffnet. Die Thronrede spricht die Freude des nicht aber auf die Attiengesellschaften schlechthin, noch Sachfen die viermonatige Gefängnißstrafe an, die ihr wegen Ves Kaisers über die ruhmreiche Beendigung des Krieges mit China weniger aber eine Aktiengesellschaft wie die Berliner Elektrizitäts- leidigung des Dresdener Fabritinspektors Siebdrat vom Leipziger aus und erklärt, daß die Ordnung in Formosa wieder hergestellt werke, die durch den harten Konkurrenzkampf mit den Gaswerken Landgericht auferlegt worden ist. ist, sowie daß die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sich dazu gezwungen sind, unausgesetzt Berbesserungen einzuführen Beschlagnahmt wurde gestern auf Requisition des intimer gestalten. Ferner betont die Thronrede den hervor und den Konsumenten möglichst große Vortheile zu bieten. Magdeburgischen Landgerichts nach Antrag des dortigen Staats. ragenden Kulturfortschritt des Reiches; dieses habe jedoch noch Auf einem ganz anderen Blatte steht freilich die Frage, ob anwalts die Nummer 47 der Neuen Welt". Inkriminirt eine große und schwierige Aufgabe vor sich. Schließlich werden speziell die Berliner Stadtverwaltung die geeignete Behörde ist die dort abgedruckte Novelle„ Der neue Lazarus" wegen der Vorlagen zur Vermehrung der Bertheidigung 3- zum Betriebe der Elektrizitätswerte ist. In meinem angegriffenen darin enthaltenen Verse aus Herwegh's Bet' und arbeit, ruft werke des Landes angekündigt. Artifel habe ich des breiteren ausgeführt, wie in der Elektro- die Welt". Wegen derselben Sache erhielt der Redakteur der technik fich noch alles in Gährung und im Werdeprozeß befindet, Neuen Welt", Genoffe Rofosty in Berlin den Besuch Ueber Stepniak's Tod erfahren wir noch aus dem Bericht Elektro- handene daß auf keinem Gebiete der Technik so kostspielige Experimente zweier Kriminalbeamten, die abgesandt waren, um etwa vors über das Coroner's Inquest( die Untersuchung des Leichen- gemacht werden müssen, als gerade auf dem Gebiete der Elektro- handene Gremplare jener Nummer zu konfisziren. Ihr Besuch beschauers), daß unser Genosse, der in Gedanken versunken, wie technit. Ich kenne aber die Berliner Stadtverwaltung zur genüge, war aber vergeblich. und auch die Leser des Vorwärts" kennen sie aus zahlreichen-Wegen Aufnahme eines Inserats, das den Boykott eines das seine Gewohnheit war, beim Uebergang den nahenden Zug Angriffen des Vorwärts" recht genau, als daß nicht sehr begründete Lokals betraf, soll der Expedient der„ Märkischen Volksstimme", nicht bemerkt hatte, auf dem Flecke getödtet wurde. Die Bweifel gegen die Fähigkeit der Berliner Stadtverwaltung auf Genosse Buder in Frankfurt a. D., laut Strafbefehl des UmtsMaschine schlug gegen ihn und der Zug ging über den tauchen follten, ein industrielles Unternehmen im Sinne der gerichts 10 M. bezahlen, weil er durch die Aufnahme des JuGefallenen weg, jedoch ohne den Körper viel zu verGefallenen weg, jedoch ohne den Körper viel zu ver- rapiden elektrotechnischen Entwickelung gedeihlich weiter zu ferats groben Unfug verübt habe. lezen; als dieser aufgehoben ward, war das war das Leben fördern. Der Bureaukratismus, die schematische Behandlung Der verantwortliche Redakteur des Voltsblatt bereits entflohen. Der Eisenbahnübergang, wo das Unglück statt der wichtigsten wirthschaftlichen und sozialpolitischen Fragen für Halle", Genoffe Lehmann, war vom Schöffengericht fand, ist auf freiem Feld und hat keinen Wächter, weil die Linie durch die Berliner Stadtverwaltung, an der auch die wegen Beleidigung der Elberfelder Polizei zu 150 M. Geld oder von dort je auf einen Kilometer rechts und links zu übersehen tüchtigsten Ingenieure 2c. nicht zu ändern vermögen, sind nachgerade 30 Tagen Gefängnißftrafe und wegen Beleidigung des Pfarrers ist. Die Zugführer hatten aber Weisung, die Dampfpfeife in an- berüchtigt geworden und da sollte ich nicht mein begründetes Paasche in Dieskau zu 20 M. Geldstrafe oder 4 Tagen Gegemeffener Entfernung ertönen zu lassen, was auch in diesem Mißtrauen gegen die Fähigkeit der Berliner Stadtverwaltung fängniß verurtheilt worden. Seine Berufung gegen diese Urtheile Falle geschah. Der Berstorbene, der sich gewöhnt hatte, auch beim aussprechen, die Elektrizitätswerte ohne Benachtheiligung der wurde vom Landgericht verworfen. ärgsten Lärmen zu arbeiten, hörte aber nicht, und als er, durch Elektrizitäts- Konsumenten und der Steuerzahler zu fördern? Die Sozialdemokratische Flugblätter hat der das Getöse des trotz alles Bremsens heranbraufenden Zuges Berliner Bevölkerung hat bereits mehr als ein Haar in der Gutsbesiger Richter durch seine beiden Kinder zur Landtagsaus seinem Sinnen emporgeschreckt, bei Seite springen wollte, war städtischen Verwaltung der Berliner Gaswerke gefunden wahl in Lückendorf, Oybin und Hagen i. S. austragen laffen es zu spät. Die Coroner's Jury erkannte, da von Selbstmord und wver die Berliner Gaswerke int rein technischer und war deshalb von der Amtshauptmannschaft Zittau mit einer die Rede nicht sein kann, auf Verunglückung, ohne das jemandem Weise zu beurtheilen vermag, weiß recht genau, daß Berlin Geldstrafe belegt worden. Richter beantragte richterliche Ent eine besondere Schuld trifft. Es wurde jedoch der Wunsch aushier von kleineren Kommunen, 3. B. von Charlotten- scheidung. Das Schöffengericht bestätigte das Strafmandat, die gesprochen, an jenem Eisenbahnübergang Schuhvorrichtungen burg, weit überflügelt ist. Die Mühlendamm- Brücke, die ver- gegen das schöffengerichtliche Urtheil eingelegte Berufung wurde anzubringen. Und die Wittwe Stepniak's wird auf Entschädigung pfuschte Schleusenanlage am Mühlendamm, Blankenstein's Hoch- dieser Tage vom Landgericht verworfen. feitens der Eisenbahngesellschaft Anspruch haben. bauten, der traurige Stand der Berliner öffentlichen Beleuchtung find drastische Belege für die Fähigkeiten der Berliner Verwaltung. Aktiengesellschaft oder städtische Regie? Gewerkschaftliches. Kurzum, mehr als ein durchschlagender Grund ist gegen die Berstädtlichung der Berliner Elektrizitätswerke anzubringen. Sämmtliche Mittheilungen von Organisationen, vor allem folche über Rein einziger Grund dafür oder dagegen Ausstände oder Aussperrungen, müffen stets den Stempel der betreffenden Unter dieser Ueberschrift schleudert der Vorwärts" in at aber etwas mit den Prinzipien der Organisation tragen. Mr. 301 den offiziellen Partei- Bannstrahl gegen mich und wirft Sozialdemokratie zu thun. In jedem Falle In der Sattlerei von Rätzer in Kaffel, Wolfhagerstraße, mich, ohne mich vorher auch nur gehört zu haben, zu den Sold- handelt es sich nur um ein Abwägen der Frage, baben 25 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Das schreibern des Kapitalismus und des Manchesterthums. was für die Kommune, was für die Steuer- Voltsblatt für Hessen" schreibt darüber: Die Arbeiter waren mit zahler vortheilhafter fei. der Anfertigung von Tornistern beschäftigt. Während nun überall für einen Tornister 5,20 M. gezahlt werden, wollte Heir Räger nur 4 M. bezahlen. Die Arbeiter verhielten sich erit entgegenkommend und gingen in ihrer Forderung bis auf 4,75 M. zurück, also auf 45 Pf. weniger als anderwärts. Trotzdem blieben die Unterhandlungen erfolglos. Und warum dies? " 1 Die Vorwürfe des Vorwärts" gegen meine Ehre als Parteigenoffe fallen alfo in sich zusammen und so wenig der Borwärts" mir diese Ehre geben kann, fann er sie mir nehmen, und wäre die Form der Angriffe gegen mich, die in der Luft hängen, noch unqualifizirbarer, als die der Angriffe am Weihnachtstage. Dr. H. Lux. * und vortheilhafter als tommunale Werte hält gerade Weil ich in einer bestimmten Frage, nämlich in der Frage der Verstadtlichung der Berliner Elektrizitätswerke den Nachweis zu führen gesucht habe, daß rein daß rein vom Zweckmäßigkeitsstandpunkte der Betrieb durch eine Aktiengesellschaft für die Etadt Berlin ein größerer Vortheil als die eigene Regie sei. Weder handelt es sich hier um eine Prinzipienfrage des In Send in Frankreich haben die Schuhmacher Programms, noch überhaupt um eine sozialistische Frage; der großen Schuhfabrik von Marchand die Arbeit eingestellt, denn bisher hat noch niemand den Nachweis zu bringen vermocht, daß unter der Aera des Kapitalismus der Staat oder um den Tarif wieder zur Geltung zu bringen, den sie durch Unser Mitarbeiter schreibt uns zu obigem Artikel: In der ebenso langen als beweislosen Erwiderung sucht Dr. Lur einen früheren Ausstand errangen, der aber von dem Unternehmer eine Stadtverwaltung weniger tapitalistisch als eine Aktiengesell- meine Behauptungen zu entfräften, indem er in weitschichtigen später fortgesetzt mißachtet wurde. Marchand lehnte es ab, schaft zu produziren vermögen. Es handelt sich hier Auseinandersetzungen erklärt, die Unfähigkeit der Berliner Stadt- hierüber mit den Arbeitern zu verhandeln und soll beabsichtigen, vielmehr lediglich 1111 eine Frage des größeren Vor- verwaltung sei der Grund für seine Abneigung, die Elektrizitäts- seine Werkstätten zu schließen. theiles; nach bestem Wissen und und nach meiner Ueber zeugung habe ich diese Frage in dem Sinne beantworten müssen, werke in flädtische Regie zu nehmen. Ich bin der letzte, der der Der englische Streikbrecherverein, die von Unternehmern daß unter gegenwärtigen Verhältnissen die Stadt Berliner Kommunalverwaltung, Lorbeerkränze windet, warum und damit die Steuerzahler einen Nachtheil von der Verstädt. aber wenn Lux nicht prinzipiell Aktiengesellschaften für besser gegen die Gewerkschaften ins Leben gerufene" National Free Labour Association" hat wieder ein Pamphlet zur Diskreditirung lichung der Berliner Elektrizitätswerke haben würden. der Trades Unions losgelassen, das mit Behagen von der deut Die Sache liegt einfach so, daß zur Zeit die Erwerbung der Berlin unfähiger für Kommunalwirthschaft sein soll als andere schen Unternehmerpresse nachgedruckt wird, obgleich oder vielmehr Elektrizitätswerke durch die Stadt einen Kapitalaufwand erfordert, Großstädte, das vermag ich allerdings nicht einzusehen. Wenn weil es an Seichtheit der Auffassung sozialer Rämpfe das dessen Verzinsung und Tilgung den gegenwärtig von der Stadt jedem selbsturtheilenden Parteigenoffen überläßt", ſo thut es zur Beit 100 000 beschäftigungslose Arbeiter, von denen 300 000 Dr. Lur den Richterspruch über meine Kritit seines Artikels erzielten Gewinnantheil aus den Elektrizitätswerken illusorisch jedem selbsturtheilenden Parteigenoffen überläßt", so thut Menschenmögliche leistet. Es heißt darin:" In London allein giebt er genau daffelbe, was ich durch meine Bemerkungen gegen seine Frauen und Kinder für ihr täglich Brot abhängig find. Im Jahre 1894/95 bezog die Stadt aus den Eletrizitäts- Berherrlichung der Aktiengesellschaften veranlassen wollte. Lux Woher kommt das? Von den fortwährenden Streits der letzten merten einschließlich der Steuern eine Einnahme von sirfa hält seine jezigen Ansichten über Aktiengesellschaften mit dem fünf Jahre in allen Gewerken. Tausende von Tons Schiffsraum fozialdemokratischen Prinzip für vereinbar- ich habe eine 23 Millionen Mart), nämlich 405 435 M. Abgaben vom Brutto- andere Ansicht, und die Richtigkeit derselben ergiebt sich find in die Hände der Ausländer gelangt. 220 000 Menschen sind gewinn, 197 006 M. Gewinnantheil und ca. 44 000 M. Gemeindefeuern, zusammen ca. 646 000 m. Wollte die Stadt jest nicht wie obige Rechtfertigung nur die Stadt Berlin als unfähig die Männer sich in einer Schlaffpelunke einquartirten. In den Wollte die Stadt jeht zwingend aus dem von mir angegriffenen Auffage, der dadurch um ihr Brot gekommen. Tausende von fleißigen Frauen und Kindern baben ins Arbeitshaus wandern müssen, während die Elektrizitätswerte übernehmen, so hätte sie zu dem Tagwerthe für kommunalen Betrieb erklärt, sondern diese Meinung ganz legten fünf Jahren haben die Streits den Arbeitern des Vervon ca. 20 Millionen Mart noch einen vertragsmäßigen allgemein für Gemeindeverwaltungen ausspricht. Wie wären einigten Königreiches 50 952 000 ftrl. allein an entgangenen Bufchlag zu bezahlen, der in diesem Jahre 631/3 pGt. be: denn sonst folgende Sätze der Lur'schen Arbeit zu verstehen. Löhnen gekostet. Wer regt diese Streits mit ihrem nachfolgen trägt, so daß sie in Wirklichkeit einen Kapitalaufwand von zirka Er sagt: 20-35 Mill. Mark zu machen hätte. Dieser horrende Kaufpreis den Hunger und Elend an? Die Beamten der Gewerkvereine! Das alles waren und sind so weit ausschauende stellt die Rentabilität der Elektrizitätswerke in Frage und be= Sie erheben einen wöchentlichen Zoll von 2 Pence sie nur von den größten und sicher bis 2 Shilling 6 Pence für das Vorrecht zu arbeiten, Denn sie haben sie machen würde. Tastet in fundirten Experimente, daß fann meinen, daß die heutige Dividende von 121/2 pCt., die heute daß sie aber eine Stadtverwaltung nie ristiren darf, weil während Ihr keine Arbeit finden könnt. auf ein Aktienkapital von 9 Milionen Mark gezahlt wird, sofort hier der Stadthaushalt nur durch die sichersten Einnahmen selbst aus dem gande getrieben. Schaut Such dieſe Streits auch als ein ebenso hoher Gewinn bei einem viermal so hohen balanziren kann." Anlagekapital herausspringen würde. Das ist der leitende Gesichtspunkt meiner Darlegungen gewesen und darum werde ich Berräther am Parteiprinzip gescholten! Die Stritit an einem solchen Vorgehen kann ich ruhig jedem selbst. urtheilenden Parteigenoffen überlassen. Bei der Verstaatlichung der Schweizer Nordost- Bahn stimmte die schweizerische Sozialdemokratie gegen die Verstaatlichung, weil der Bund die Bahn zu theuer kaufen sollte. In Berlin ſcheint die kommunal- kapitalistische Ausbeutung der Elektrizitätswerke auch dann von dem Verfasser des Angriffes gegen mich als Prinzipienfrage aufgefaßt zu werden, wenn die Stadt das denkbar schlechteste Geschäft macht. Hätte anläßlich der Debatte über das Agrarprogramm der Vorivärts" ebenso leichtfertig den Bannstrahl geschleudert, wie gegen mich, so würde ich mich in sehr illustrer Gesellschaft befinden Und weiter. Wie ganz anders die Sache bei einem frisch- fröhlichen onkurrenzkampfe zwischen zwei verschiedenen Unternehmungen liegt, zeigt am besten Berlin." Also hier gilt Berlin immer nur an und fragt Euch, ob Freiheit des einzelnen, Freiheit der Handlung, Freiheit zu arbeiten, ohne Einmischung Arbeitsmarkt belebt und die Lage des Arbeiterstandes geanderer, nicht das einzige Mittel bilden, wodurch der bessert wird." Daß der Nugen der Streits weniger in ihren direkten, als in ihren mittelbaren Wirkungen besteht, wollen oder In der Lux'schen Antwort auf meine Kritik spielt auch ein Arbeiter hätten heute weder ihre im Vergleich zu anderen können diese Gewerkschaftsfeinde nicht einsehen. Die englischen Druckfehler eine Hauptrolle. Hierzu bemerke ich folgendes: Lux Ländern hohen Löhne noch ihre fürzere Arbeitszeit, wenn im hatte behauptet, die Stadt erhielte eine Abgabe von 2-3 Millionen Laufe dieses Jahrhunderts sie stets nach dem Rezept des Streitvon den Berliner Elektrizitätswerfen. Ich hatte nachgewiesen, daß die Abgabe nur mit 550 000 m. in den Gtat für 1894/95 einbrechervereins verfahren wären. Weiter aber geben die gleichen gesetzt ist. Jetzt führt Lux aus, daß in dem ersten Artikel durch ebenfalls zum besten. Wo aber bleibt denn dann die angeblich Salbadereien die Unternehmer aller anderen Industrieländer einen Druckfehler die von ihm im Manuskript vermerkten aus dem Lande getriebene Arbeit? 2/3 Millionen in 2-3 Millionen verwandelt worden seien. Der betreffende Satz lautet in dem ersten Artikel: Somit Soziale Rechtspflege. Zum Konflikt im britischen Schiffsbangewerbe wird befindet sich die Stadt in einer Lage, wie sie günstiger aus Belfast telegraphirt, daß dort ein Delegirter der Ausnicht gedacht werden kann" erzielt die ständigen am Clyde eintreffen werde, um sich darüber zuverlässig und damals hätte der Vorwärts" weit mehr Grund Stadt seiner Zeit einen Gewinn aus den Berliner Elektrizitäts- zu informiren, wie sich die Streikenden Belfasts zum sofortigen zu vernichtenden Kritiken gehabt als in dem vorliegenden Falle, werken in der sehr respektablen Höhe von etwa 2-3 Millionen Abschluß eines Vergleichs mit den Unternehmern stellen. Wlan 100 es fich nur die Wahl zwischen privat- und Mart." glaube, der Konflikt werde in wenigen Tagen beendet sein. tommunal- tapitalistischer Ausbeutung handelt. Und an einer anderen Stelle fagt Lur: Heute bereits hat An feiner Stelle meines Aufsatzes, der sich ausschließlich mit die Stadt einen horrenden Gewinnantheil an den Berliner den Berliner Verhältnissen befaßt, habe ich mich überdies prin. Elektrizitätswerken." zipiell gegen den Betrieb von Elektrizitätswerken unter städtischer Regie überhaupt ausgesprochen und auch für die Berliner Kom mune wird der Fall eintreten, wo es für sie wirthschaftlich von Vortheil sein wird, die Elektrizitätswerte in eigene Hegie zu übernehmen troß des für fie so außerordentlich ungünstigen Stauf- Bertrages. Während nämlich für jedes Jahr vor 1900 dem 50prozentigen Zuschlag zum Tarwerthe noch 31/3 pCt. zugezogen werden, werden na ch 1900 für jedes Jahr 31/3 pet. abgezogen, so daß es nur eine Frage der Kalkulation ist, wann der günstigste Zeitpunkt für die Erwerbung gekommen ist. " Sehr respektabel" und" horrenden Gewinnantheil" 2/3 Millionen? Ein Glück, daß es Druckfehler giebt. Partei- Nachrichten. wegen Gemeindewahlen. In dem hannöverschen Dorse Achim wurde in der fünften Wählerklaffe der Parteigenoffe Gottlieb Behr mit 207 Stimmen in den Gemeinde- Ausschuß gewählt. Damit aber hat nichts, absolut nichts meine prinzipielle In Leipzig ist dem sozialdemokratischen Stadtverordneten Stellung zu den Aktiengesellschaften zu thun, die ich heute noch Adé vom Stadtrath mitgetheilt worden, daß er aus dem Stadtgenau ebenso formuliren würde, wie vor drei Jahren, als ich verordneten- Kollegium auszuscheiden oder sich als ausgeschieden die vom Vorwärts" zitirte Auslaffung in meinem Sozial zu betrachten habe, weil er in Leipzig nicht seinen wesentlichen politischen Handbuche niederschrieb. Beiläufig bemerkt hat auch ohnsitz hätte; insbesondere sei festgestellt, daß er in seinem dem *) In meinem Aufsatze in Nr. 2 der Welt am Montage" beiße. Genosse Abé beſteitet die Richtigkeit der stadträthlichen ſleht 2-3 Millionen". Daß ein Druckfehler vorliegen muß, Argumentirung und wird gegen den Ausschluß Beschwerde hätte auch dem Verfasser des Angriffes gegen mich einleuchtend führen. sein können, denn er wird mir kaum den Unsinn zutrauen, daß ich unmittelbar aufeinanderfolgend schreiben tann: Aus Italien. In Rom und vielen anderen Städten wurden Der Gewinnantheil der Stadt beträgt 2-3 Millionen, dieser Tage zahlreiche Verhaftungen von Anarchisten während der Rohgewinn von dem der Gewinnantheil und Sozialisten vorgenommen. Dieses Vorgehen hat den abgeht- zirka 3 Millionen und der Reingewinn 1,6 Millionen eigentlichen Zweck, diejenigen Anarchisten und Sozialisten in Sicherheit" zu bringen, von denen die Regierung vermuthet, beträgt." Ich muß dem Verfasser des Angriffes gegen er mit voller Absicht daß sie sich den Ablauf der Ausnahmegeſetze zu Nußen machen mich den Vorwurf machen, daß ten Druckfehler als solchen verkannte, um daran in billiger fönnten. Die Inhaftirten werden im Gefängniß bis zur Annahme Weise sein Verdikt gegen mich zu begründen. Denn unmittelbar des neuen Gesetzes zurückgehalten, das Crispi der Kammer zu im Anschluß an die Notiz betreffend den städtischen Gewinn- unterbreiten beabsichtigt. Viele der Verhafteten wurden bereits antheil heißt es in meinem Auffage:" Der Reingewinn( für die zu Zwangsdomizil verurtheilt. Stadt bei eigener Regie) schrumpft deshalb sofort auf 0,8 Mil- Todtenliste der Partei. Ein braver, treuer Genosse, der lionen zusammen... und fönnte leicht unter ihren heutigen Schmied Wilhelm Meier in Lüneburg, ist am 25. d. Mis. geGewinnantheil( von 2/3 Millionen) heruntersinken." storben. Reichs Versicherungsamt. Frist versäumniß. Der Arbeiter Schulz beabsichtigte, gegen einen ablebenden Bescheid der nordöstlichen Eisen und Stahl- Berufsgenossenschaft die Be. rufung einzulegen. Da er sich selbst nicht fähig fühlte, den bezüglichen Schriftsah zu verfassen, wandte er sich an einen Konfulenten. Dieser erkrankte, bevor er den Auftrag ausführen fonnte, und erlag bald seiner Krankheit. Als der Kläger nach mehrfachen Bemühen, seine dem Verstorbenen an vertrauten Papiere( Bescheid der Berufsgenossenschaft zc.) von dessen Familie zurückerstattet bekommen hatte, war die gefegliche, vierwöchentliche Berufungsfrist verstrichen. Das Schiedsgericht der beklagten Berufsgenossenschaft hielt die angeführten Thatsachen für geeignet, die Friftversäumniß zu entschuldigen, und würdigte deshalb die Klage auch in materieller Beziehung, in welcher der Reichs- Versicherungsamt war indessen der Meinung, daß der Unspruch auf Rente schon wegen Versäumung der Berufungsfrist zurückzuweisen sei; es hielt die Beziehung auf die obengenannten Thatsachen für keine genügende Entschuldigung. Depeschen und lehte Nachrichten. Paris, 28. Dezember.( W. Z. B.) Die Deputirtenkammer nahm ohne Debatte den Ergänzungskredit für Madagaskar an. Finanzminister Doumer legte das Budget vor. Die Kammer nahm mehrere vom Senat eingefügte Abänderungen an und ver= warf die anderen. Die Sigung wurde sodann bis zum Abend verschoben. San Sebastian, 28. Dezember.( W. T. B.) Ein beftiges Feuer zerstörte gestern Abend die Plaza de los Toros vollständig. Der Schaden wird auf eine halbe Million Pesetas geschätzt. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Echöneberg- Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag ven Wing Wading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 303. Sonntag, den 29. Dezember 1895. -FOO " " " 12. Jahr. Der Vorsitzende habe gebeten, die Politik aus dem Spiele gebe; seiner Ansicht nach liege hier nun einmal eine MajestätsMajestätsbeleidigungs- Prozek zu lassen; er willfahre gerne dieser Bitte, weil er die Hoff beleidigung vor. nung habe, daß auch der Gerichtshof sich von der Nach langer Berathung verkündete der Gerichtshof das gegen Kunert. tendenziösen Betrachtung des Falles fernhalten Urtheil, das auf 3 Monate Gefängniß lautet, und Vor der vierten Strafkammer des Landgerichts Berlins I und sich lediglich an den allein maßgebenden Wortlaut der begründet es etwa folgendermaßen: Es sei nicht zweifelwurde heute in öffentlicher Sigung gegen den verantwortlichen Notiz balten werde. Dann könne aber das Urtheil nicht zweifel- haft, daß die Spitmarke der Notiz ironisch aufzufassen Redakteur des Vorwärts", Genossen Friß Kunert, wegen haft sein. sei und damit ausgedrückt werden solle, den Beamten Majestätsbeleidigung verhandelt, die begangen sein Der Staatsanwalt Oppermann begann sein Plaidoyer habe keine Gnade gebührt, dennoch sei sie ihnen gewährt worden. foll durch eine Notiz in Nr. 260 unseres Blattes von diesem ganz entgegen der Mahnung des Prä Hierin licge aber eine Majestätsbeleidigung. Dazu brauche Jahre. Es war dort den Lefern in sechs Zeilen mitgetheilt, daß fidenten gleich mit der Bemerkung, man müsse davon man gar keine Politik. Wenn der Angeklagte hätte kritisiren zwei Polizeibeamte in Barmen wegen Körperverletzung im Amte ausgehen, daß die Notiz im Vorwärts" gestanden wollen, so hätte er ganz einfach sagen müssen:" Diesen Leuten zu je 3 Monaten Gefängniß verurtheilt, dann aber nach ein- habe. Dieses Blatt dente bekanntlich" von vornherein gebührt eigentlich keine Begnadigung, denn u. s. w." Das hat gereichtem Begnadigungsgesuche zu je 50 Mark Geldstrafe be- nicht daran, Regierungsaften und namentlich Handlungen des der Angeklagte aber gar nicht gewollt; er sei darauf gar nicht gnadigt feien. In dieser Notiz und ihrer Ueberschrift fand die Ber- Kaisers Anerkennung zu zollen, sondern sei immer bestrebt, die eingegangen und habe gerade dadurch seine Absicht liner Staatsanwaltschaft den Thatbestand der Majestätsbeleidigung, felben zu verhöhnen und herabzuwürdigen. zu erkennen gegeben, die Majestät zu ver eine Ansicht, der die 3. Kammer des Landgerichts nicht beitrat, Beweis: die vielen Prozesse. Aus diesem Gesichtspunkte legen. Damit feien aber alle Requisiten der Majestätsdie die Eröffnung eines Verfahrens vielmehr ablehnte. Erst das heraus sei es unzweifelhaft, daß hier nicht die Thatsache einer beleidigung gegeben. Wenn man noch die Politit in Kammergericht verfügte endgiltig die Eröffnung eines Ver- Begnadigung einfach mitgetheilt werden sollte, sondern daß Betracht ziehe, so sei es für jeden Leser des fahrens aus§ 95 R.-St.-G.-B. gegen Kunert. ein besonderer 3wed verfolgt wäre. Dieser Zweck Vorwärts" offenbar, daß der Inhalt der Notiz werde in der Ueberschrift der Notiz auf das prägnanteste aus- bezwecke, die Person des Kaisers lächerlich und gedrückt: es habe sich darum gehandelt, den Gnadenatt als be- verächtlich zu machen. wußt ungerecht und parteiisch hinzustellen und die Person In Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten sei auf des Kaisers dadurch verächtlich zu machen und 3 Monate Gefängniß erkannt worden, obwohl die Beleidigung zu verhöhnen. Auch die Form sei beleidigend: denn aus keine sehr schwere gewesen sei. der Einkleidung der Notiz in ein ironisches, höhnisches Gewand gehe die Absicht hervor, nicht fachlich zu kritisiren, sondern persönlich zu verlegen. Demi Angeklagten, der mit der Tendenz des Vorwärts" vertraut sei, hätte diese Absicht nicht entgehen können, ebensowenig die Thatsache, daß auch im Lesertreise die Notiz im verächtlich machenden Sinne aufgefaßt werden würde. " Lokales. In Grünau sind folgende Lokale für die Arbeiter zu haben: R. Liedtke, Friedrichstr. 1; Duchaufour, Röpniderstr. 78; Lindenhayn, Friedrichstr. 2; Niggemann, Röpnickerstr. 108; Jahnke, Friedrichstr. 3 a und Schuchholz, Friedrich- und Köpnicker ftraßen- Ecfe. Der grobe Unfugs- Paragraph geht rüstig weiter um. In Nr. 257 des Vorwärts" hatte der Vorsitzende der aufgelösten Lokalkommission, Genosse Schola bekannt gegeben, daß der erein der Bierfahrer und Berufsgenossen ant 27. November in den Konkordia- Sälen, Andreasstraße 64, Inhaber Säger), welches Lokal für Arbeiterversammlungen bekanntlich gesperrt ist, sein Stiftungsfest abhalte. bekanntlich gesperrt ist, fein Stiftungsfest abhalte. Wegen dieser Veröffentlichung sollen Scholz und unser Nedakteur Runert jeder 50 Mart Strafe sowie 4 M. 20 Bfg. Rosten an die Gerichtskasse blechen, denn, so heißt es im grausamsten Deutsch: Der Vorsitzende, Landgerichtsrath Braun, verlas zu Beginn der Sitzung den ablehnenden Bescheid der dritten Straf fammer, in dem es heißt, eine Majestätsbeleidigung sei in der betreffenden Notiz nicht enthalten, sondern nur eine Ehrfurcht verlegung, die aber gesetzlich straffrei bleiben müsse; sodann bat er darum, in der ganzen Verhandlung möglichst die Politik aus dem Spiele zu lassen, vielmehr wenn es irgend angängig sei, die politische Seite der Frage gar nicht zu berühren. Genosse Kunert beftritt in seinen Ausführungen zunächst, daß er Bewußtsein und Vorsatz der Rechtswidrigkeit seiner Handlung gehabt habe, als er die Notiz in den Vorwärts" auf nahm. Er wies auf die ungemein schwere Arbeit eines verant wortlichen Redakteurs hin, der in ganz kurzer Zeit den ungeheuer Mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung beantrage er reichhaltigen Stoff einer modernen Tageszeitung durchsehen und 6 Monate Gefängniß. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Herz auf seine strafrechtliche Folgen hin prüfen müsse. Der Staatsanwalt habe wohl eben so viel Tage und Stunden zur Nachfeld erinnerte im Eingang seiner wirkungsvollen Rede an die prüfung der Notiz und zur Formulirung der Anklage gebraucht, neuliche Debatte im Reichstag, wo darauf hingewiesen sei, daß als ihm( Kunert) im hastigen Betriebe der täglichen Arbeit Minuten allmälig jeder Prozeß gegen einen Sozialdemokraten auf einen und Sefunden zur Kontrolle geblieben seien. Nichtsdestoweniger reinen Tendenzprozeß hinauslaufe: Der Sozialdemokrat würde glaube er zuverlässig gearbeitet zu haben und habe auch zur Auf- verurtheilt, eben weil er ein Sozialdemokrat sei. So habe der nahme der fraglichen Zeilen seine Einwilligung gegeben, da von Staatsanwalt wieder erklärt, der Angeklagte hätte den ironischen einer Majestätsbeleidigungsabficht auch nicht im mindeſten hätte Charakter der Notiz erkennen müssen. Es sei aber doch keine die Rede sein können. Die Anklageschrift rede von einem Kontrast, Spur von Fronie darin enthalten; auch ein Vorwärts: den man hätte ausmalen wollen, aber zur Erzielung eines solchen Redakteur müsse sich in seinen Urtheilen an Effektes hätte der Vorwärts" viel besser den Bericht irgend einer die Regeln der deutschen Sprache halten. Da der gedachte Aufruf geeignet erscheint, nicht allein dem Elberfelder Zeitung abdrucken können. Ganz im Gegentheil ver- Die ganze Anklage sei nichts weiter als ein Phantasiemeide der Vorwärts" prinzipiell die Majestätsbeleidigungen, flückchen der Staatsanwaltschaft, denn wenn man sage, jemandem eft zu besuchen beabsichtigten zu beunruhigen, sondern auch Juhaber Säger und diejenigen, welche das erwähnte Stiftungser brächte noch lange nicht alles, was von anderen gebühre eine Begnadigung nicht, so liege darin noch lange keine fest zu besuchen beabsichtigten zu beunruhigen, sondern auch andere Gewerbetreibende zu belästigen und in Unruhe zit deutschen, geschweige denn von den ausländischen Zeitungen Beleidigung des Begnadigenden, auch keine Ehrfurchtverletzung, versetzen, indem er in ihnen den Glauben hervorruft, daß auch über den deutschen Kaiser geschrieben würde. Zum Beweise wie die dritte Kammer gemeint habe, sondern höchstens eine ihnen eine gleiche Beeinträchtigung ihres Gewerbes in Aussicht steht, dafür legte Kunert einige Fahnen" und Zeitungsblätter vor. völlig berechtigte Kritik. Zu einer Beleidigung gehöre außerdem sobald sie den Wünschen und dem Willen der Partei, von deren AnIn dieser Zeit der Majestätsbeleidigungen hätten die Redakteure das Bewußtsein derselben. Das habe aber der Angeklagte gehörigen die Aufforderung ausgeht, entgegenhandeln, so haben des„ Vorwärts" alles nur irgend Denkbare gethan, um ihren zweifellos nicht gehabt; im Gegentheil würde er unbedingt Sie sich durch die Veröffentlichung des Aufrufs der Verübung Lesern die nothwendigen Nachrichten in einer strafrechtlich un- und kraft seines Amtes die Notiz verändert haben, wenn er in anfechtbaren Form zu übermitteln. Und so handele es sich auch ihr auch nur eine Spur von Majestätsbeleidigung entdeckt hätte. groben Unfugs schuldig gemacht. hier um eine einfache, konstatirende Mittheilung an die Lefer. Aber nicht nur der Angeklagte habe die Notiz Die Anklageschrift interpretire freilich in die Worte hinein,„ daß für unverfänglich gehalten, sondern auch die drei hier unzweideutig zum Ausdruck gebracht sei, daß das Be- gelehrten Richter des Landgerichts. gnadigungsrecht zu Ungebühr und parteiisch ausgeübt sei", Das Begnadigungsrecht sei ein Hoheitsrecht des Staates und aber das werde eben von der Staatsanwaltschaft in die nicht mit der Person des Monarchen per se verbunden. Seine Worte hineingelegt, wie denn das Kammergericht sogar fage, in der Notiz sei der Kaiser einer ungebührlichen Handlung geziehen. Wenn man die Kunst der Aus legung aber foweit treibe, dann gäbe es schließlich für diese Art für diese Art von Phantasie. fpielen gar teine Grenzen mehr. " " Und darum 50 M. Geldstrafe. Scholz und Kunert werden vorläufig wohl nicht blechen und die sozialdemokratische Arbeiterschaft wird für ihre Feste nach wie vor diejenigen Säle benügen, welche ihnen auch zu ihren Bersammlungen zur Verfügung stehen. Ausübung sei ein Regierungsakt und an die Gegenzeichnung Bei den Omnibus: und Pferdebahn- Gesellschaften hat eines Minifters gebunden. Sie unterliege selbstverständlich der das Personal mit die längste Arbeitszeit. Das Berliner öffentlichen Kritif, wie jede andere Regierungsbandlung, etwa Statist. Jahrbuch" bringt in seinem neuesten Bande zum ersten Minister- Ernennungen, Thronreden u. a. Zum Beweise sitirte Male einige Mittheilungen darüber. Die Allgemeine Omnibus. Dr. Herzfeld die Ausführungen von Laband, und von Bruder, eines Gesellschaft hat die Arbeitszeit für die im Außendienst angestellten anderen Staatsrechtslehrers, über das Begnadigungsrecht. Wahr- Kutscher und Schaffner mit 161/4 Stunden im Sommer und Nun behaupte die Staatsanwaltschaft, es läge Ironie vor. scheinlich handele es sich hier außerdem noch um eine selbst. 153/4 Stunden im Winter angegeben Die dazwischen Angenommen einmal, das sei der Fall: was sei dann der Sinn ständige Ausübung des Begnadigungsrechtes durch den Justiz liegenden Pausen sollen durchschnittlich 3 Stunden betragen. des Gesagten? Doch nichts anderes als eine sehr ab- minister, dessen Vernehmung über diesen Punkt er beantrage. Die Sie bestehen bekanntlich aus lauter fleinen, über den ganzen Tag geschwächte und durchaus berechtigte ritit. Rritit der Regierungshandlung sei nun in die aller mildeste vertheilten Abschnitten von wenigen Minuten, die nur ein furzes Wenn man darüber hinaus eine bestimmte Person hätte treffen Form gebracht worden und doch werde hier der Verfuch gemacht Verschnaufen, aber kein Ruben gestatten. Bei Verspätungen wollen, so hätte der Wortlaut des fleinen Artikels ganz anders entgegen unserer ganzen politischen Entwickelung von 1848 ab infolge von Schneefällen oder Straßenabsperrungen werden die Iauten müffen. Ueberdies sei es eine durch nichts erwiesene sie durch Richterspruch unmöglich zu machen. furzen Pausen überdies noch weiter gefürzt, soweit es die Rücksicht Annahme des Anklägers, daß hier wirklich Fronie vorläge. Man stabilire auf diese Weise eine Art auf die theuren Pferde gestattet. Bezahlte Ruhetage giebt Sei dem übrigens wie ihm wolle: Die öffentliche Meinung unantastbarkeit, nicht etwa nur der höchsten es vier im Monat. Die Große Pferdebahn- Gesellgehe dahin, daß der Monarch in allen solchen Fällen, wo es sich Person, sondern aller Regierungsatte, die schaft hat die Arbeitszeit folgendermaßen angegeben: von um Begnadigungen handele, nicht selbständig ein Urtheil finden weit über ein vernünftiges Maß hinausginge. morgens um 6 bis abends 11111 6 mit einer Stunde könne, sondern auf seine Berather, hier Staatsanwalt und Justiz- Da nach alledem von einer Majestätsbeleidigung ganz und Mittagspause, oder von morgens um 6 bis mittags um 12 minister, angewiesen sei; die" Berliner Abendpost" habe sogar gar nicht die Rede sein könne, so beantrage er die tostenlose und von abends um 6 bis nachts um 12, oder von mittags um unlängst behauptet, daß sich der Kaiser diese Sachen gar nicht Freisprechung seines Klienten. 12 bis nachts um 12. Die Zeitangaben sind überall mit einem einmal ansehen und nicht immer Vortrag darüber halten lassen In einer furzen Replit bemerkte der Staatsanwalt, etwa" versehen; die Arbeitsdauer fann also unter Umständen könne; nun, dann richte sich auch die Kritik nicht gegen den noch, aus den Ausführungen des Vertheidigers gehe hervor, daß noch länger sein. Auf den Monat kommen auch hier 4 freie Monarchen, sondern gegen irgend eine andere Stelle. es eben verschiedene Anschauungen über die Sache Tage ohne Die. Lohnabzug. übrigen Transport GeMomentbilder aus der Berliner Arbeiter Geschichte des Jahres 1895. Ein ereignißreiches Jahr vollendet feinen Lauf, ein Jahr des Kampfes und der Verfolgungen gegen unsere Partei und unsere Parteigenossen, so scharf und schwer, wie schon seit langem nicht. In den Annalen der Berliner Arbeiter- Geschichte wird das Jahr 1895 als ein ruhmreiches verzeichnet stehen, nicht für die Berfolger, wohl aber für die Verfolgten! follte. Am 18., dem Gedenktage der Friedrichshain- Affäre, fanden acht Arbeitslosen Versammlungen statt, welche in deffen kein polizeiliches Nachspiel hatten. Wegen Verrufserklärung wurden I am 20. die Maurer Schulz und Wegener zu je 3 Monaten Gefängniß ver urtheilt. Am 20. und 21. tagte in Berlin der B. deutsche Bäcker. Der Monat Februar schloß ab mit 8 am 28. stattgehabten Protestversammlungen gegen die Tabatsteuer und einer Voltsversammlung in Charlottenburg, welche die Einführung der Parteifpedition beschloß. Wegen Verrufserklärung wurden am 24. der Töpfer Richard Topf und der verantwortliche Redakteur des Vor- Rongreß. wärts", DierI( Roland) zur Verantwortung gezogen und mit einer Gefängnißstrafe von 1 Monat bezw. 3 Tagen belegt. Redakteur Dr. Braun vom Vorwärts" hatte eine Zeugniß verweigerung mit 50 M. Strafe zu büßen. " Ein Vergehen gegen das Vereinsgesetz mußten am 26. die Genossen Kelle und Löwenstein mit je 15 M. fühnen. Am selben Tage fand in Nixdorf eine Arbeitslosen Versammlung statt und am 28. veranstalteten eine solche die Da ch deder in Berlin. Im Monat März, und zwar am 10. wurde ein gleicher Beschluß für Lankwiz, Mariendorf, Marienfelde und Tempelhof gefaßt. Der 13. brachte dem Genossen Ernst wegen Vergehen gegen Friede tönte ihm bei seiner Geburt entgegen, denn Friede das Preßgesetz 6 Wochen Gefängniß ein. war furz zuvor geschlossen in dem großen Bierkriege, der Der Monat Januar endete mit zwei gerichtlichen Ber- Ronfiszirt wurde am 14. die Nummer 61 des„ Vorin Berlin getobt hatte, Friede war geschlossen worden, um urtheilungen. Am 29. erhielt der Schantwirth Hermerwärts" und am 16. als Vorspiel zum 18. März die übliche andere Feinde zu betriegen, au besiegen die Umsturzvorlage, fch midt wegen Bergehens gegen§ 166( Heligionsstörung) rothe Nummer. mit welcher die Sozialdemokratie gänzlich todt gemacht werden 1 Monat Gefängniß und am 31. Genosse Friz Kaspar Die März feier am 18. ging ohne Störung von statten. ( Steyli) wegen Beleidigung( Bierboykott) 50 M. Geldstrafe Neben der Feier auf dem Friedhofe der Märzgefallenen im Mit dem neuen Jahre trat im 6. Wahlkreise auch die neue event!, 10 Tage Gefängniß zudiktirt. Friedrichshain fanden 12 Wolfsversammlungen statt. Einrichtung der Parteispedition in kraft. Die in der Am 21. wurde wieder einmal gehaussucht in der Expedition Der Monat Februar brachte an seinem ersten Tage ArLederfabrikation beschäftigten Arbeiter( Weißgerber 2c.) beitslosen- Versammlungen in Schöneberg und des Vorwärts" nach dem Flugblatt: Sklamerei in Deutschland rüfteten fich zu einer Lohnbewegung. Am 5. Jannar brach der Charlottenburg. oder die Rechtlosigkeit des Gesindes und der ländlichen ArStreit aus; damit wurden die gewerkschaftlichen Kämpfe eröffnet, Am 4. wurden verurtheilt wegen Polizeibeleidigung beiter. die im Laufe dieses Jahres ganz besonders zahlreich geführt der Dreher Endrikatis zu 1 Monat, der Arbeiter Wittmann zu 4 Mo- Wegen Verbreitung einer beschlagnahmten Schrift wurde naten Gefängniß. Von der Frauen- Agitationstommission am 22. der Metallschleifer Roth zu einem Monat Gefängniß Der Reichstag nahm nach den Weihnachtsferien am 8. Januar wurden am 5. und 6. je zwei Voltsversammlungen verurtheilt. feine Thätigkeit wieder auf und trat in die Berathung der veranstaltet, deren Tagesordnung lautete: Fordern die Frauen Umsturz vorlage ein. An demselben Tage bildete das das politische Wahlrecht?( Referenten: Bebel, Liebknecht, Frau Regel'sche Liederbuch den Gegenstand von Haussuchungen Ihrer, Fräulein Baader.) in den Buchhandlungen des Vorwärts", von A. Hoffmann und Am 7. hatten die Maler und Lackirer eine Arbeit&= J. Münz. In der ersteren wurden 211 Exemplare beschlag- Iosen- Versammlung. Am gleichen Tage fand auch das nahmt. Weitere Haussuchungen und Konfistationen Begräbniß der Genoffin Anna Schulz geb. Niederstraß( vierter folgten am 10. und 11., diefelben betrafen Corvin's Pfaffenspiegel. Wahlkreis, Often) statt. Gegen die Umsturzvorlage wurde am 11. in 16 Volts. versammlungen für Berlin und die Umgegend protestirt. An demselben Tage bestätigte die Revisionsinstanz das gegen den Redakteur Pötsch vom Vorwärts" wegen Beleidigung des Landgerichtsdirektors Brausewetter gefällte Urtheil, lautend auf 600 M. Geldstrafe. wurden. = Der 13. brachte die Eröffnung des Landtages und eine von der Frauen Agitationstommission veranstaltete Boltsversammlung, in welcher Reichstags- Abgeordneter Molten buhr über bezw. gegen die Gesinde- Ordnung sprach. Am 9. fand abermals eine Arbeitslosen- Versammlung und zwar in Spandau statt. " Der 29. brachte wiederum eine Hansuchung in der Expedition und Buchhandlung des Vorwärts". Gesucht wurden Märkische Landboten" von 1894 und 1895, Würdig endigte der Monat März durch dte am 30. erfolgte Schließung des Frauen und Mädchen- Bildungsvereins. Der Monat April verlief verhältnißmäßig ruhig. Mit dem 1. trat im 4. Wahlkreise und in Charlottenburg Parteifpedition in kraft. die Der 4. brachte eine Haussuchung in der Druckerei von Janiszewski u. Quitt nach einem umstürzlerischen Liede. Der Verbandstag der Glaser trat während der Ostertage Im allgemeinen rüstete sich die Arbeiterschaft zur Begehung Der 19. brachte die polizeiliche Schließung der der Maifeier. Die Töpfer begannen einen gewerkschaftlichen Frauen Agitationstommission, Begleit- Kampi durch die Bausperren zur Abwehr von Tarifreduktionen erscheinung die obligaten aussuchungen bei Kommiffions- der Meisterschaft. mitgliedern waren. Eine Polizeibeleidigung brachte am 9. dem Redakteur Dier!( Vorwärts") eine Geldstrafe von 300 m. ein. Am 15. wurde die Einführung der Parteispedition am 14. und 15. in Berlin zufammen. auch im 4. Wahlkreise beschlossen. deren Am 26. erfolgte die Beschlagnahme der Maifest= s ellschaften b-iben üb«r die Arbeitszeit ihrer Angestellten keine Mitlheilungen gemacht. Ueber die Löhne fehlen die Mittheilungen bei allen. Dagegen äußert sich die Berlin-Charlottenburger Pferdebahn-Gesellschaft seit einer Reihe von Jahren über die Leistungen der Pferde. Im Jahre 1S93 war die durchschmttliche Tagesleistung eines dienstfähigen Pferdes 27,0 Kilometer, gegen 27,4, 27,4, 27,6, 27,8, 27,6 5tilometer in den 5 Vorjahren rückwärts. Der Thierfreund wird daraus mit Befriedigung ersehen, daß die an die Pferde gestclltenshAn- forderungen zurückgegangen sind. Ob bei den an das PerWial gestellten Anforderungen dasselbe der Fall ist, ist auS dem„JWr- buch" nicht zu entnehmen. Ter bekannte Amtsvorsteher und Lieutenant a. Rocder zu Lichtenberg versendet an Glieder der unter feiner Hut stehenden Geineinden«ine Zuschrift, welche folgenden In- halt hat: Anfang des Jahres finden hier Ersatzwahlen zur Ge- mein devertretung statt und siuo Sie nach dem Gesetze berechtigt, sich bei denselben vertreten zu lassen. Ich habe es mit einigen anderen hiesigen Einwohnern unternommen, eine Anzahl uns geeignet erscheinender Kan- didaten zu unter st ützen, und würde Ihnen v e r- b u n d e n sein, wenn Sie das beiliegende Vollmachts- forinnlar mit Ihrer werthen Unterschrift versehen, baldmöglichst zurücksenden wollen. Ihnen im voraus meinen Dank sagend, bitte ich das beiliegende Kouvert zur Rücksendung der Vollmacht zu benutzen und zeichne Hochachtungsvoll Li o e d e r AmtS- und Gemeindevorsteher. Die„Vollmacht" lautet: „Hierdurch bevollmächtige ich Herrn Amts- und Gemeinde Vorsteher Roeder in Lichtenberg, bei den in Lichtenberg-Friedrichs berg stattfindenden Wahle» zur Gemeindevertretung für die Wahlperiode von 1896—1399 für mich das Wahlrecht auS zuüben." So sorgt der Amtsvorsteher Roeder väterlich dafür, daß seine Gemeindenntglirder selbst der Mühe des Wählens und des Nach denkens über geeignete Kandidaten zur Gemeindevertretung über hoben bleiben. Ist es solcher Umsicht gegenüber nicht traurig. daß die Mehrheit der Gemeindevertretung das echt preußische Wirken ihres Vorstehers bislang nur mir schnödestem Undank, mit einem an Rebellion grenzenden Oppositionsgebahren zu lohnen gewußt hat? Wer die Berichte über die Vorkommnisse in den Lichtenberger Gemeinderaths-Sitzungen in unserem Blatte verfolgt hat— man denke nur an die Beleidigungsgeschichte des Redakteurs und Gemeindevertreters Koch, sowie an die von Roeder ausgegangene Meineidsdenunzialion gegen den Gemeindsvertreter Gensler— der wird die Mühen des Amlsvorstchers und Lieutenants a. D. um geeignet erscheinende Kandidaten begreifen. Hoffentlich nimmt sich die Arbeiterschaft in Friedrichsberg Lichtenberg ein Beispiel an dem Eifer des Amtsvorstehers. Sie hat alle Ursache, dafür zu sorgen, daß bei den nächsten Gemeinde rathswahlen Sozialdemokraten zu Vertretern der Kommune gewählt werden. Welche Albernheiten sich die Arbeitcrfcindc leisten. wenn es g»lt, der Sozialdemokratie auf irgend eine Weis« eins anzuhängen, das zeigt wiederum ein Bericht. den wir in dem Organ der Radau-Agrarier. der„Deutschen Tageszeitung" finden In dem Blatte steht geschrieben: Wie„Genossen" Hochzeit feiern, zeigt ein in der Rosen lhaler Vorstadt vorgekommener charakteristischer Fall. Dort haust in einer aus Stube und Küche bestehenden Keller- wohnung ein Wiltwer, der in der Gegend als wüthender Sozialdemokrat bekannt ist. Gestern feierte er abermals Hochzeit. Odivohl bei Sozialdemokraten Religio» bekanntlich Nebensache ist und das Gesetz der„freien Liebe" gepredigt wird, fuhr behufs kirchlicher Trauung der„Fünfzig- Mark-Wagen" vor, daß heißt die e l e g a n t e st e H o ch z e i t s k u t s ch e, die in n Berlin zu haben ist; vor dem Keller hatte man eine» elnagelneuen, mit Blumen bestreute n, natürlich knall rothen Läufer gelegt und das glückliche Paar selbst machte in seinem Hochzeitsstaat durchaus nicht de» Eindruck von Proletariern Merkwürdigerweise war die Braut nicht. in roth gekleidet Als unser Gkwährsmunn abends zum zweiten Male an dem Hochzeitskeller vorübcrkam, brüllte man gerade die Mar s e i l l a i s e. Mit dem geistigen Nothstand unserer agrarischen Gegner scheint es, nach diesem völlig ernst gemeinten Bericht zu urtheile», bedauerlicher Weise noch viel schlimmer zu stehen, alS mit ihrer wirthschaftlichen Misöre. Vom AufsichtSrath des«chillcrtheaterö. Die Aktien gesellschaft Schillerthealer hatte am Freitag ihre Generalversamm lung. HerrOberregierungsralh Dr.Jordan, der neuerdings so eigein artig bekannt gewordene frühere Direktor dersNationalgallerie, lehnte die Wiederwahl in den Aufsichtsrath ab. Desgleichen Herr Julius Meyer. Neugewählt wurden zu Aufsichtsralhs-Mitgliedern der Schwiegersohn des Herrn Jordan, Herr Schimmelpseng und— Etaatsminister a. D. Herrfurth. Passende Leute für ein Theater, zeitungen und am 27. wurde im„Vorwärts" nach Manu- fkripten zur Maifestzeitung gehaussucht. Am selben Tage hatte sich Genosse N S t h e r wegen Ver Übung groben Unfugs, begangen durch Ausbringung«ine? Hochs auf die internationale Sozialdemokratie, vor Gericht zu verant- «orten, er wurde mit IS Mark Geldstrafe oder S Tag« Haft belegt. Der Monat Mai begann mit herrlichem Wetter, was für die am 1. d. M. staltgehabte Maifeier(Mittwoch) von wesentlicher Bedeutung war. Dieselbe ging in üblicher Weise von statten. Am 2. erfolgte die F r e i g a b e der Maifestzeitung. dafür aber die Konfiskation der Maifestnummer vom„Wahren Jakob" und„Süddeutschen Postillon". Am 6. fanden fünf AgitalionSverfammlungen der Kon fektionsbranche für Belriebswerkstätten statt. Der Neunte Verbandstag deutscher Brauer tagte vom 9.— 11. in Berlin, und am 12. trat ein« Konferenz der z-ntralorganisirten Töpfer der Provinz Brandenburg zir kämmen. Slm 18. erfolgte die Aufsehen erregende Verurtheilung unseres Verlegers Max Babing in seiner Eigenschaft als Drucker zu 2 Monaten Gesangniß; der Schriftsetzer Schulz erhielt als ver- aniwortlicher Redakteur der Märznummer 4 Monate Ge fängniß. Am 24. wnrde die ReichStagSsession geschlossen, nachdem die Umsturzvorlage und die Stenerprojekte der Regierung siegreich abgeschlagen waren. Der Monat Juni führte sich mit dem Pfingstfeste am 2. und 3. ein. Doch dem schönen Ansang folgt« ein schlechtes Ende. Bereits am 5. wurde der Metalldrücker Ernst H e m b d wegen versuchter Nöthigung(Streikangelegenheit) mit 30 M. Geldstrafe belegt. Ihm folgte am 6. der'Redakteur der„Allgemeinen Stein- setzer-Zeitung", Wilhelm K n o l l, mit 200 M. Geldstrafe wegen Beleidigung durch die Presse. Am selbigen Tage wurde g e- b a u s s u ch t in der Buchhandlung von Th. M a y h o f e r Nach- folger und beim Kolporteur P e l z e r. Beide wurden ver- haftet. Am 7. wurde die am 3. verstorbene Genossin Klara Streit (4. Wahlkreis, Südost) zu Grabe geleitet. Für die Agitation unter den Frauen sorgten am 10. zwei Volksversamnilungen, in denen Bebel über„die Stellung der Frau im bürgerlichen Recht" und Auer über„das Vereins- recht und die Frauen" sprachen. welches den„breiten Schichten unserer weniger bemittelten Mit bürger" dienen soll. Es fehlt noch Herr v. Köller. Bon dem praktischen Strebe» bürgerlicher Journalistik giebt eine Anzeige ein anschauliches Beispiel, welche wir in Nr. 603 des„Lokal-Anzeigers" finden: Damen. Von gebildeter Dame suche junger Lilterat 1000 M. behufs Vergrößerung eines vorzüglichen litterarischen Unternehmens. Bei gegenseitiger Neigung Heirath nicht ausgeschlossen. Adressen„Feuilleton" Postamt 14. Hoffentlich dienen die 1000 M. nebst dem„nicht aus geschlossenen" Heirathshandel zur Unterstützung eines litterarischen Unternehmens, das für Ordnung, Religion und Sitte und über' hanpt für die Erhaltung sämmtlicher„höchster Güter" wacker eintritt. Organe eineS königlichen Polizei- Präsidit. Der Polizeipräsident bringt zur öffentlichen Kenntniß, daß vom 1. Januar 1896 ab, mit welchem Zeitpunkt das bisherige PublikationSorgan des hiesigen königl. Polizei-Präsidiums in andere Hände übergeht, die ortspolizeilichen Ver ordnungen und Bekanntmachungen dieser Behörde biS au weiteres im„Berliner Lokal- Anzeiger", in der„Deutschen Warte" und in den„Neuesten Nachrichten" mit rechlSveroind- licher Kraft veröffentlicht werden, und zwar mit der Maßgabe, daß auch die Veröffentlichung in nur einem dieser Blätter rechts verbindliche Wirkung haben soll. Von den KokSkörben. Eine amtliche Bekanntmachung lautet: Der Polizeipräsident hat schon früher auf die erheblichen Nachtheile und Gefahren hingewiesen, die durch die Benutzung von Kokskörben zum Zwecke der rascheren Austrocknung von Neubauten für die Gesundheil der Bauarbeiter herbeigeführt werden. Während der Winterszeit pflegen solche Kokskörbe auch vielfach zum Aufthauen eingefrorener WasserleitungS- und Ab- flußröhren, sowie bei sonstigen Arbeiten benutzt zu werden. Es sind dabei mehrfach Unglücksfälle(Betäubungen), ja selbst Todes fälle vorgekonmien, die auf die den Kokskörden entströmenden giftigen Gase zurückzuführen sind. DaS betheiligt« Publikum macht der Polizeipräsident deshalb auf die gesundheitlichen&t fahren der Verwendung von brennenden Kokskörben bei dem Aufthauen von Röhren oder bei sonstigen Arbeiten emeut warnend aufmerksam.— Wenn die Arbeiter von den Bauunternehmern die Beseiligung der Kokskörbe fordern, so werden sie bekanntlich höhnisch abgewiesen und zum Slreik gezwungen. Bei alledem bleiben die Unternehmer natürlich Männer der Ordnung— was kommt es auch auf die Gesundheit der Arbeiter an, wenn der Profit in Frage kommt? Von den Weihnachtsgratifikationen. Uns wird berichtet Die Ungleichheit in der Bertheilung der Wcihnachtsgralifikatione» hat hier und da wieder Unzusriedenheit erregt. So fühlen sich die Wärter der zweiten Inspektion der Kasernenverwaltung hinter ihren Amtsgenossen der erste» Inspektion zurückgesetzt. Diese nämlich haben wieder Gratifikationen erhalten, während jene schon seit einigen Jahren leer ausgehen. Der Ausfall der Weihuachtsgabe ist hier aber um so fühlbarer, als die Wärter nur S0 M. Monatsgehalt bekomme». Ein eigenartiges„Weihnachtsgeschenk" ist den Schülern und Schülerinnen verschiedener hiesiger Gemeindeschulen im Norden der Stadt kürzlich mit nach Hause gegeben worden. Die Kinder erhielten von ihrem Lehrer vor einigen Wochen die Auf- forderung, sich von den Eltern zehn Pfennige zu erbitten, damit diesen für daS Geld eine Ueberrafchung zum Fest gespendet werden könne. Die meisten Kinder brachten wohl auch den Nickel mit zur Schule in Erwartung des Geschenks, das da kommen sollte. Einige Ueberrafchung mag dieses sowohl den Kindern wie den Ellern gebracht haben, denn es bestand, wie uns mitgetheilt wird, in einem vom Thierschutzverein herauSge' gebenen Kalender. Die Bestrebungen dieses Vereins in allen Ehre», aber eS sollte doch eigentlich bekannt sein, daß für die Proletarier, deren Kinder die Genieindeschulen besuchen, vorab die Frage des M e n s ch e» s ch u tz e s weit brennender ist, als vi« Thierschutzfrage. Für letztere möge der genannte Verein bei Fuhrwerksbesttzern und ähnlichen Herren Propaganda»lachen lassen, aber nicht bei Leuten, die gar oft unter übermenschlicher Anstrengung und nur allzu kärglicher Entlohnung ihre Groschen sauer genug zusammenhalten müssen. Die ausgeschmückte SiegeSallee soll einem hiesigen Lokal' blatt zufolge balv ein« Thatsache werden. Wilhelm II. hat sich danach im Beisein von Lucanus vom Professor Begas kürzlich Skizzen über die projektirte Ausschmückung vorlegen lassen. Ob diese Skizzen nur die zur Aufstellung gelangenden Fürsten oder ailch die neben ihnen aufzusiellendeu Staatsmänner, Militärs und so weiter, über deren Auswahl bisher noch nichts ver- lautete, betreffen, ist dein Blatte nicht bekannt geworden, was auch die Mehrzahl der Berliner nicht weiter interessiren dürste. Vermißt wird der 26 Jahre alte Lehrer Karl Schneider aus Friesack. Am Weihnachts- Heiligenabend hat sich Herr Schneider(in Tegel bei Berlin im Amte), welcher seit kurzem erneut an starker Nervosität leidet und sich zuletzt bei feinen Eltern, dem Ackerbürger Schneider'schen Ehepaar t» Friesack. Die Stichwahl zur Gemeindevertretung in AdlerZhof am 12. war für uns von Erfolg. Ain 13. sprach Frau Klara Zetkin>u gunsten der A r b e i t e r B i l d u n g s s ch u l e. Wegen Verübung eines eigenartigen groben Unfug», den er durch das Umkreisen eines MajorZ begangen haben soll, wurde am 14. ein Tischler zu 6 M. Strafe verurcheilt. Am 16. trat eine Provinzialkonferenz der T e x t i l a r b e t t e r zusammen. Eine Beleidigung der königlich preußischen Bergver- waltung brachte dem Redakteur P ö tz s ch(„Vorwärts") 2 Monate Gefängniß ein. Am 17. begannen auf Veranlassung der Gewerkschafts- Kommission Frau Zetkin, Frau Kahler, Frau Ihrer und Frau Rohrlack ihre Agitations-Versammlungen zwecks Anschlusses der Arbeiterinnen verschiedener Gewerbe an die bestehende gewerk- schastliche Organisation niit Versammlungen für Arbeiter und Arbeiterinnen der Bekleidungs-Jndustrie. ES folgten das graphische Gewerbe, die Musikinstrumenten-Branche, die Tabak- Industrie, die Leder-Jndustrie und die Metall-Judustrie. Am l7. veranstalteten auch die Putzer eine Proteft-Versammlung gegen einen Beschluß des Landgerichts, dahingehend, daß Kolon nenführer selbständig« Unternehmer sind. Der 21. brachte eine gerichtliche Verurtheilung des Redakteurs S ch i p p e l(„Der Sozialdemokrat") wegen Beleidigung der Bor- gesehten deS deutschen HeereS zu 2 Monaten Gefängniß. Am 23. fand daS W a l d f e st des 4. Wahlkreises im M ü g g e l s ch l ö ß ch e n statt, welchem die traurige Dampfer- katastrophe auf der Oberspree folgte. Bei der Rückkehr vom Waldfest wurde ein Motorboot überfahren, acht Personen er- tranken, unter diesen der Zimmermann Hinz mit Frau und Kind, der Zuschneider Kowalski mit Mutter und Schwester, owie Frau Klinke mit Kiud. Eine Ueber tretuug des VereinsgcfetzeS mußte Genosse Köster(Schöneberg) am 27. mit IS M. büßen. Am 28. erhielt Redakteur S a s f e n b a ch(„Sozialistischer Akademiker") wegen Ausreizung 2 Monate Gefängniß. Am 27. und 23. tagte die Agrarkom Mission und stellte das Agrarprogramm fertig, welches Gegenstand heftiger Meinungskämpfe werden sollte. Die Beerdigung der Opfer der Dampferkatastrophe fand an» 30. statt und zwar der Familien Hinz und Klinke in Wilbelmsberg, der Familie Kowalski in Köpenick. Am gleichen Tage wurde auch Redakteur D i« r l(„Vor- wärts") wegen Verächtlichmachung deS Heeres mit 6 Monaten Gefängniß belegt.(Schluß folgt.) aufhielt, von dort entfernt; seine Spur ist seitdem völlig ver« loren. Die betrübten Eltern bitten jeden, der über den Ans- enthalt des jungen Mannes Auskunft geben kann, ihnen Nach- richt durch Postkarte oder Telegramm zukommen zu lassen. Zum Direktor der Natioualgallerie ist nunmehr, wie dem„Hamburger Korrespondenten" mitgetheilt wird. Herr Wallot, der Erbauer des Reichstagsgebäudes, in Vorschlag gebracht worden, nachdem Professor Knackfuß, der berühmte Buddhafeind, von autoritativer Seite entschieden abgelehnt worden sei. Vom WcihnachtSberkehr der Post wird berichtet: Von, Stettiner Bahnhof ans waren in den letzten fünf Tagen vor Weihnachten täglich zirka 24 000 Packete zu befördern, auf dem Lehrter Bahnhof betrug in der nämlichen Zeit die Summe der zu versendenden Packete zirka 16 000, vom Potsdamer Bahnhof gingen täglich 37 000, vom Anhalter Bahnhof 29 000, vom Gör» litzer Bahnhof 21 000 Packete ab. Dieser Zahl abgehender Seu- düngen stand ein noch viel größerer Eingang gegenüber: Arn 24. Dezember betrug die Zahl der Sendungen von auswärts allein 400 000. Um die Arbeit leichter bewältigen zu können. waren auf sämmtlichen Bahnhöfen Güterschuppen als provisorische Lagerstellen für ankommende Packet« eingerichtet worden. Am zweiten Feiertage trat bereits wieder geregelter Verkehr ein, so daß weder Kremser noch Hilfsgespann in Anspruch genommen wurden. Das Hilfspersonal ist bereits zum größten Theil cnt- lassen, doch ist ein Theil der Aushilsskräste für die Briefpost- ämter für Neujahr engagirt worden. Ei» frommer Sünder. Wegen schwerer Sittlichkeits- verbrechen, begangen an Kindern, ist der„Volks-Zeitung" zufolge der pensionirte Eisenbahn-Beamte Theodor Hay, welcher zuletzt in Reinickendorf in der Grauatenstr. 14 eme Hausverwalter- Stelle bekleidete, in das Moabiter Untersuchungsgefängniß ein- geliefert worden. Der Jnhaftirle stand, da er ein sehr cisriger Kirchengänger war, überall im Gerüche der Frömmigkeit. Ein beamteter Sünder. Wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit wurde der„Voss. Ztg." zufolge der G e f a n g en e n- aufseher Hermann Heine II aus der Strafanstalt zu Plötzensee verhaftet. Das Ermittelungsverfahren hat außerdem whlreiche Vergehen im Amte zu tage gefördert, so daß jetzt die Voruntersuchung eröffnet ist. Durch Beschwerde eines Slras- gefangenen ist das verbrecherische Treiben deS Beamten aufgedeckt worden. Der Einbrecher Seibt, der kürzlich zu IS Jahren Zucht- hauS verürtheilt wurde, hat sich im hiesigen Untersuchuugs- gefängniß am Freitag erhängt. Ter angeblich nach Berlin geflüchtete muthmaßiich« Mörder Robert Weiße, der sowohl der Ermordung des Chausseegeld- Einnehmers Hein in Staffelde, sowie des Arbeiters Eggert in Christinenburg verdächtigt ist, hat sich am Weihnachts Abend der Polizei in Halle a. E. selbst gestellt, wie der hiesigen Kriminalpolizei mitgetheilt wird. Der am 9. Dezember 1872 in Schilda, KreiS Torgau geborene W. ist von Profession Schuhmacher und Porzellandreher. W., der aus den Zeitungen ersehen haben will, daß er wegen des Verdachtes der beiden- Morde steckbrieflich verfolgt wurde, weist jede Schuld zurück und will sich nur deswegen der Behörde zur Verfügung gestellt haben, damit er seine völlige Unschuld in kürzester Zeit beweisen könne.— Im Besitze des W. wurde ein 9 Millimeter Revolver gefunden, dessen Geschosse genau zu jener Kugel passen sollen, mit welcher Eggert getödlet wurde. Zum Wcttiner Raubmord, welchem der Kaffenrendant Böttcher zum Opfer fiel, wird noch mitgetheilt, daß der dortige Rathskellerwirth Heyer sowie dessen Ehefrau unter dem schweren Verdacht, Komplizen und Mitwisser de? muthmaßlichen Thäters. Gerichtssekrelärs Hering, gewesen zu sein, verhaftet worden sind. In der gestrige» Berichtigung des Herrn Czerny hat sich e,n sinneiilsteHender Druckfehler eingeschlichen. Herr Czerny hat nämlich erklärt, kein Antisemit zu sein. In der Bericht:- gung steht fälschlich ein Antisemit. Infolge der Glätte ist der Arbeiter Friedrich PeterS aus der Rügenerstr. 20. ein Mann von 58 Jahren, schwer zu schaden gekommen. Peters ging am zweiten Feiertags nachmittags die Brunnenstraße entlang, gegenüber dem Humboldthain kam er infolge der Glätte zu Falle und brach sich den rechten Unter- schenkel. Auf der Fahrt nach Berlin ist am dritten WeihuachtS« Feiertage die Frau des in der Stromstraße wohnenden Kauf- manns Lowritzki im Eisenbahnwagen gestorben. Frau L. war dw Feiertage über zu Besuch bei ihren Eltern in Breslau gewesen und befand sich auf der Rückreise, als sie unterwegs plötzlich heftig erkrankte und trotz der Hilfe eines zufällig im Koupee au- wesenden ArzleS, schon nach wenigen Minuten am Herzschlage verschied. Beim Knchenbacke» ist am Heiliaabend der 23 jährige Bäckergeselle August Wille bei seinein Meister Freudenberg in der Gitschinerstraße schwer verunglückt. Wille war bei der Arbeit, als er Morgens um 7 Uhr über ein Kuchenblech fiel. Ein scharfer Rand des Bleches drang ihm dabei in den rechten Fuß und zerschuUt ihm eine Sehne. Im Krankenhause, wohin man ihn brachte, liegt der sehr schwer verletzte junge Mann voraussichtlich auf lauge Zeit darnieder; es ist fraglich, ob er nicht dauernd ein Krüppel bleiben wird. Im Schlafe wurde am Heiligabend der Arbeiter Georg Bullack aus der Schönleinstr. 8 schwer verletzt. Bullack war eingeschlafen, während vor ihm auf dem Tische ein Weißbierglas stand. Auf dieses fiel er mit dem Kopfe so schwer auf, daß es in Scherben ging. Ein Stück drang ihm in die Stirn und bracht« ihm eine vier Zentimeter lange Wunde bei. Ei« Opfer der Alkoholvergiftung ist wahrscheinlich der Arbeiter T. geworden. Der Mann befand sich an: Freitag Abend in einem Keller des Hauses Michaelkirchplatz Nr. 5, als er gegen 10 Uhr plötzlich leblos zusammenbrach. Ein Arzt, der gleich herbeigerufen wurde, konnte nicht mehr helfen, sondern nur den Tod feststellen, der wahrscheinlich durch«inen Herzschlag infolge übermäßigen Alkoholgcnusses herbeigeführt worden ist. Witternngsübcrficht vom 28. Dezember t8SZ. Wetter-Prognose für Sonntag, 29. Dezember 189S. Aufklarendes, trockenes�Wetter mit etwas streif««»: Fr « t t e r b n r e a u.