Albendausgabe Jr. 580 B 289 45. Jahrgang Böchentlich 85 31. monatlich 3,60. tm voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. nicht Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- m. pro Monat. * Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Det Abend". Illuftrierte Beilagen Bolk und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Bissen". Frauen. ftimme". Technit". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 8. Dezember 1928 10 Pfennig Die einipalttge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5- Reichs marl. Kleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig( zuläffig amet fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erste Bort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3. wochentägl. von 8%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher Donboft 292-297 Eelegramm- Adr Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Bostichedtonto: Berlin 37 536. Bankkonto. Bank der Arbetter. Angestellten und Beamten Wallstr. 66 Diskonto- Gesellschaft Depofitentafle Lindenstr Wer wird Zentrumsführer? Verwirrung auf dem Kölner Parteitag. Köln, 8. Dezember.( Eigenbericht.) Der Reichsparteitag des Zentrums, der unter großer Beteiligung im Mefchof zu Köln begann, fteht unter dem Zeichen der Berwirrung. Nur mühsam verdecken die äußere Aufmachung und die Reihe der Begrüßungsreden aus Defterreich, Danzig, dem Saargebiet und nicht zuletzt die des bayerischen Prälaten Ceicht durch ihre Mahnung zur Einigkeit die tiefen Riise, die durch den Zentrumsturm gehen. Die Amtsniederlegung des früheren Kanzlers Dr. Marg erfolgt angeblich aus Gefundheitsgründen. Tatsächlich ift fie nur eine endgültige Bestätigung für die längst auch im Jentrum bekannte Tatsache, daß der schwankende Marg troh allen guten Willens feine Führernatur werden konnte, daß er höchstens ein treuer Verwalter ihm anvertrauten Gutes war. Jetzt ist die Führerfrage plötzlich auch im Zentrum alut geworden. Die Deutschnationalen haben sich für den Scharf. macher hugenberg entschieden. Im Zentrum geht ein solcher Rud nach rechts nicht ohne Erschütterungen ab, denn die soziale Gliederung dieser bisher meltanschaulich gebundenen Partei ist eine solche, die einen Einheitswillen nur unter großen Schwierigkeiten fich entwickeln läßt. So erlebt man denn die für eine große Partei überraschende Tatsache, daß ihr Parteitag eröffnet werden mußte, ohne daß er in der Lage war, feine Tagesordnung so zu erledigen, pie fie vorgesehen mar. Zunächst sollte die Wahl des Reichs. parteivorstandes vorgenommen werden. Dann sollte ein Bortrag Stegerwalds über die Zentrumspartei und die deutsche Bolitit der Gegenwart und Zukunft folgen. Dieser Vortrag sollte gleichzeitig als politischer Rechenschaftsbericht gelten, der nach den Zentrumsfagungen zu erstatten ist. Die Reihenfolge sollte aber Abg. Josef Joos, einer der drei Vorsitzenden des Zentrums. augenscheinlich auch eine fymbolische Bedeutung haben, denn es war tein Geheimnis, daß Siegerwald als Nachfolger des bisherigen Parteivorsitzenden Marg propagiert wurde, besonders von den christlichen Gemertschaftern, die durch seine Wahl so wohl das Prestige ihrer Organisationen zu heben glaubten, andererseits aber auch Stegerwald gern ganz aufs Politische abge schoben hätten, um ihn in ihren eigenen Reihen durch einen anderen zu ersetzen. Aber was auch immer die Absicht sein mochte: der Parteitag findet zunächst alle Pläne zerschlagen. Trotz der Vortagungen von Parteivorstand, Reichsausschuß, trotz Sonderkonfe renzen von Arbeitern, Beamten, Mittelständlern und sonstiger Gruppen ist es nicht gelungen, einen einheitlichen Borschlag für den Parteivorsitzenden zu erzielen. Stegerwald ist im Reichsausschuß des Zentrums ausdrücklich ab gelehnt worden, weil Beamte und Intellektuelle sich gegen ihn erflärten, vor allem gegen seine Absicht, Partei- und Fraktionsführer in einer Berson zu sein. Um den ungünstigen Eindrud zu verwischen, der durch die Ablehnung des früheren Arbeiters notwendig in den christlichen Gewerkschaftskreisen eintreten mußte, verfiel man auf den Ausweg, den sympathischen Abgeordneten Joos, lang jährigen Rebatteur der Westdeutschen Arbeiterzeitung", zum Bor. fizenden der Partei vorzuschlagen. Aber Joos lehnte nach furzer Besprechung mit seinen Gewerkschaftsfreunden die Wahl ab, und so verfiel man auf den Ausweg, der auch schon bei den Deutsch. nationalen eine Rolle gespielt hatte, das Direktorium: Man will brei Männer zusammensegen, die statt eines die Führung haben follen. Der neue Bahnhof ,, Ausstellung". Kro moderne Architektur und die zmedmäßige Ausstattung der neuen Bahnhofsanlagen auf. Da gibt es eine Rolltreppe( gum ersten Male auf einer Bahnhofsanlage der Reichsbahn!), bie ben oberen Bahnsteig mit den beiden unteren verbindet. Die Bahnsteige felbft find in ihrer ganzen Länge mit Hallen überdacht. Die Bahnsteighäuschen wirten durch rotgelbe Rachelverkleidung freundAm 10. Dezember wird der neue Bahnhof Ausstellung" dem Betrieb übergeben. Seine Lage am Schnittpunkt der beiden Linien Grunewald- Charlottenburg und Spandau Best- lich und anheimelnd. Das Stellwertsgebäude mit dem porspringenCharlottenburg mit der Vollringstrecke 5 a lense e- Bestend wird den Umsteigeverfehr wesentlich erleichtern und namentlich für Sonntagsausflügler, die vom Nord- oder Südring her tommen, einen bequemen Uebergang zu den Zügen nach Grune wald oder Wannsee ermöglichen. Der zweite Zweck des neuen Bahnhofs, das neue Ausstellungsgelände der Stadt Berlin dem Berkehr näher zu bringen, tritt noch nicht so deutlich in Erscheinung, da das neue Ausstellungsgelände noch gar nicht besteht und man die bisherigen Ausstellungshallen vom Bahnhof Big leben aus in viel fürzerer Zeit erreicht. Angenehm fallen die Unter den dreien, so sagt man, solle Joos wie Stegerwald sein. Der Dritte wird vermutlich ein Prälat werden. Man spricht noch immer von Raas, dem flerifalen Prälaten, und von Uligta, dem demokratischen Kleriter aus Oberschlesien. Doch während heute offiziell im großen Saale verhandelt wird, während die Reihe der Gaftreden am Ohre des Hörers vorüberrauscht, ja, während Stegerwald selbst sein großes Referat erstattet, wird hinter den Kulissen noch immer verhandelt und gefuhhandelt. Niemand weiß, was in den nächsten Augenblicken geschieht. In den Kreisen des tinten 3entrums herrscht tiefe Berstimmung. Es ist nicht ausgeschloffen, daß diese auch während der weiteren Berhandlungen trog aller inneren Disziplin zu explosivem Ausbruch kommt. Einstweilen ist ein Kommission damit beschäftigt, die Führerfrage bis heute nachmittag so weit vorzubereiten, daß der Parteitag endgültig Stellung dazu nehmen tann. Auf jeden Fall wird es Flickwert bleiben. Eisenbahnunglück bei Colmar. Ein Zoter, zwanzig Verletzte. Colmar, 8. Dezember. Heute früh 6 Uhr 15 Minuten fuhr infolge Nebels ein Güterzug beim Bahnhof Sündhofen auf einen Personenzug, der aus Neu- Breifach fam, auf. Der Güterzugführer wurde getötet und zwanzig Reifende verletzt, von ihnen sollen mehrere nach Einlieferung ins Krankenhaus in Kolmar gestorben sein. Unter den Verletzten befinden sich vier Kinder. Weitere Einzelheiten fehlen. den Stellwertsturm ist aus roten Klinkern erbaut. Von hier überfieht man die großen Veränderungen, die in 24 jähriger Bauzeit durchgeführt wurden: die alten Ferngleise sind nach Westen verschwenkt worden, damit das neue Ausstellungsgelände nicht durchschnitten wird. Mit den 800 000 Kubikmetern Erdmassen aus dem Einschnitt der neuen Linie Heerstraße- Charlottenburg hat man Berlins höchsten Berg geschaffen, der alte Bahnhof Eich tamp ist verschwunden und neue Brücken, die wichtige Berbindungen herstellen, sind im Bau oder bereits fertig gestellt. Merifo in neuem Aufruhr. Kämpfe zwischen Arbeitern und Bauern. Megito, 8. Dezember.( Eigenbericht.) Die politische Situation ist sehr ernst. Calles erklärt, er sehe sich durch die Entwicklung in den letzten Tagen veranlaßt, fich für immer aus dem politischen Leben zurückzuziehen, desgleichen die Führung der neugegründeten nationaltevolutionären Partei aufzugeben. Zu der zunehmenden Spannung zwischen Gewerkschaften und Portes Gil- Regierung teilt Morones in der heutigen Sigung des Gewerkschaftskartells mit, daß Bauernabgeordnete und Anhängerscharen auf dem Marsch nach dem Tagungsort find, um flörend einzugreifen und um die Tagung gewaltfam aufzulösen. Seitens der Arbeiterführer find die nötigen Schritte unternommen worden, darunter die Anweisung an sämtliche Gewerkschaftskomitees in der Hauptstadt und im Lande, im Falle gewaltsamer Atte das Cand aufzurufen und nach Arbeitsniederlegung auf die Straße zu gehen. Die Demonstrationsführer der Bauern zogen es vor, nach dieser Ankündigung auf die geplanten Schriffe, in die Tagung ftörend einzugreifen, zu verzichten. Die Abendfihung des Parlaments brachte heftige Debatten für und gegen Calles, sowie maßlose Angriffe gegen die Arbeitet. führer. Die Feuerwehr trieb die vor dem Parlament demonftrierenden, von arbeiterfeindlichen Bauernführern geführten Elemente mit Wassersprißen auseinander. Ab Montag im Abend: Luise Kautsky Erinnerungen und Begegnungen Auffallende Ltnterschiede. Was hat Driand über Oesterreich gesagt? Die Schlußsätze der letzten Rede Briands, die sich auf die Slnschlußfrage beziehen, lauteten in der Fassung, die von W T B. verbreitet wurde, wie folgt: „Er appellierte an das europäische Gewissen des österreichischen Volkes, daß es nicht unter Verkennung der gegenüber dem Völkerbund und gegenüber den zivilisierten Rationen übernommenen Verpflichtungen den Weltirieden stör e." Diese überaus anfechtbaren, ja geradezu beleidigenden Worte an die Adresse Oesterreichs sind in der f r a n z ö- fischen Presse nicht zu finden. Die Pariser Blätter bringen übereinstimmend einen Wortlaut, der besagt: „Und daher wende ich mich an Oesterreich und sage ihm:„Lasse dich nicht irreleiten, du wirst an die Reihe kommen. Wenn du dich in deinem österreichischen Gewissen behindert suhlst, so richte einen Appell an das europäische Gewisien und behalte deine Persönlichkeit bei." Das ist doch etwas wesentlich anderes als der WTB.» Wortlaut. Die Fassung der Pariser Zeitungen zeugt zwar ebenfalls von höchst seltsamen Vorstellungen Briands über Oesterreich und sein„österreichisches Gewissen"(?!), aber sie enthält doch nicht jene beleidigende Unterstellung, daß Oester- reich den Weltfrieden zu stören drohe. Auch an einer anderen Stelle hatte Briand, laut WTB.. davon gesprochen, daß ein Teil des österreichischen Volkes an seiner Tradition festhalten wolle. Von dieser„öfter- reichischen Tradition" ist in den Pariser Blätterberichten nirgends die Rede. Da man kaum annehmen kann, daß die Pariser Bericht- erstattung des WTB. ihren Wortlaut aus freien Stücken so übermittelt hat. bleibt nur die Erklärung übrig, daß Briand tatsächlich so gesprochen und nach- traglich sein Stenogramm hat korrigieren lassen. Bei der Wendung von der„österreichischen Tra- dition" ist ihm wohl nachträglich etwas sonderbar zumute geworden, denn was kann damit sonst gemeint sein, als die chabsburgische Tradition? Und bei den Schlußworten hat er wohl erkannt, daß der Vorwurf an die Adresse des kleinen, entwaffneten, wirtschaftlich und politisch hilflosen Oesterreich, daß es den Weltfrieden störe, wie blutiger Hohn klingt, besonders im Munde des Außenministers der stärksten Militärmacht der Welt. Die Kieler Gewerkschastswoche. Siel, S. Dezember.(Eigenbericht.) In 24 Sälen sprachen gestern vor 30 000 organisierten Arbeitern der Stadt kiel die Vorsitzenden der freien Gewerkschaften zu ihren Mitgliedern. Die Versammlungen, die sämtlich überfüllt waren. standen völlig unter dem Eindruck der großen wirtschaflskämpse der letzten Zeil. Zn fast allen Versammlungen kam der Wille der Arbeiterschasl zum Ausdruck, eine zweite Rbbellion der Unternehmer durch die sortjchreilende Demokratisierung der Wirtschaft durch erhöht« INItbestimmungsrecht« der Arbeiterschaft in der Fraktion zu ver- hindern. Die Kommunisten verteilten vor einzelnen Lokalen Flugblätter. in denen sie die in Kiel versammelten Gewerkschaften schwer beschimpften. Die Ablehnung der kommunistischen Quertreibereien durch die Arbeilermossen war indessen so geschlossen, daß die Kam- munisle« wohl selbst von ihrem völligen Mißerfolg überzeugt sein dürften. Rachwehen der Aussperrung. Noch mehr Feierschichten und Entlassungen. Lochum. 8. Dezember.(Eigenbericht.) Aus dem Arbeitsmarkt des Ruhrkvhlenbergbaues ist in der Woche vom 25. November bis 1. Dezember die Beschäftigungslage durch sine bedeutende Zunahm« der Feierschichten und durch umfangreiche Entlassungen am Monatsende ge- kennzeichnet. Die Zahl der«ingelegten Feierschichten ist nach den vorläufigen Berechnungen des Bergbaulichen Vereins in Essen von 80 424(arbeitstäglich 16 083) in der Vorwoche auf 127 253(arbeits- täglich 21 209) gestiegen. Die orbeitstägliche Kohlenförderung ist von 376 429 Tonnen auf 364 738 Tonnen beschränkt worden. Die Koksproduk- tion hielt sich dagegen ungefähr auf der Höh« der Vorwoche. Sie betrug 442 224(62 889) gegen 438 371(arbeitstäglich 62 624) in der Vorwoche. Für die nächst« Zeit ist noch beendeter Zlussperrung eine Verminderung der Feierschichten zu erwarten. Die hohen Haldenbestände an Koks, die seit Beginn der Aus- sperrung um 361026 Tonnen zugenommen haben, bilden aller- ding» noch eine vorläufig« Erschwerung. Die Unterbringung der durch die Stillegung der Zeche„Unser Frig" abgebouten 1217 Bergarbeiter hat sich bisher nicht in dem erhofften Umfange verwirklichen lassen. Von den Entlassenen sind vorerst 517 Mann arbeitslos geworden. Den Hochöfen des Phönix fehlt Strom. Duisburg-Ruhrorl. 8. Dezember. Die Hochöfen in Duisburg-Ruhrort und Meiseritz konnten nach der Aussperrung zunächst noch nicht wieder in Gang gesetzt werden, da es bisher an Strom fehlte. Zunächst werden jetzt die Ruhr- orter Hochöfen in Gang gesetzt und danach die Meiseritzer Hochöjen. Reue Kündigungen der Texiilherren. Erfurt, 8. Dezember. Die Arbeitgeberoerbände von Westthüringen, Hers- seid und Güttingen haben die Kündigung der letzten Lohn- Vereinbarungen zum 15. Januar 1929 ausgesprochen und mit der Kündigung gleichzeitig den Antrag unterbreitet, die alten Lohn- abkommen unverändert bis zum 31. Dezember 1929 zu verlängern. Der westthüringische Arbeitgebcrverband umfaßt die Bezirke Mühlhousen, Gotha. Erfurt, Eisenach, Langensalza, Eschweg» und Schlotheim. In den Betrieben dieses Verbandes werden 12000 bis 14 000 Textilarbeiter und-arbeiteriunen be- schäUigt. Di« deutsch- polnischen haadel»vertrag»verhandlu»aen. Der deutsche B-vollmächtigte kür den deutsch-polnischen Hon! Dr. Hermes reiste nach Berlin zurück. Eine Zustimmui Handelsvertrag | oder Ablehnung d.-r polnischen Regierung' zu den deutsche» Vorschlägen ist »och nicht erfolgt. Zwischen den beiden Bevollmächtigten wurde vereinbart, am 16. d. M. eine neue Besprechung in Warschau ob- zuhalten. Lm Bunde mit Banditen? Amerikanische Kommunisten und der König des Alkoholschmuggels. Die amerikanischen sozialistischen Kreise werden augenblicklich von einer ganz außerordentlichen Sensation in Atem geholten. Dos New Norkcr sozialistische Blatt, der jüdische„Vorwärts", hat die Photographie eines Brieses veröffentlicht, der eigenartige Be- Ziehungen zwischen den Kommunisten und dem vor einigen Wochen unter äußerst geheimnisvollen Umständen ermordeten Millionär Arnold Rot st«in enthüllt. Man nannte ihn den König des Glücksspiels oder den König des Alkoholschmuggels: auch war er als wissen will. Di« Fragen gehen darauf hinaus, ob nicht Rotstein, der ja trotz ganz außergewöhnlicher Verbrechen stets ungeschoren blieb und von dem es ollgemein bekannt war, daß er mit der Kriminal- polizei auf bestem Fuße stand und mehr als einmal Banditen feine rettende Hand gewährte, nicht auch feine Hand bei einer Reihe von Anschlägen gegen die sozialistische Gewerkschafts- bewegung mit im Spiele hatte: ob nicht unter seiner Anteil- nähme die den Kommunisten feindlich gesinnten Führer der Ge- »o»»n»oTHrrriN »IMKT «AM Uli.«NOWN Rothstein, Simon Company MANNV M.«IMON Ta(A«imn INC. TfLIPHOMt PLAZA 5910 INSURANCE AND ADJUSTERS 45 WEST 57th STREET NEW YORK fi6C«mber l2th,19ST» Cloak, S&rt, 1)7038& Beefer Lsakera1 Uolona, Lexlogtoa Avenue& 25th Street« New York City, Attention Mr. Jnlnla- �ortnov. öentlemenj- I am in receipt of your latter dated Dooember 12th, and notioe tbat in thia letter aa in �revioua lettera you State that"encloaed I'will find check for$50.00 for senrlces rendered"» Thia la inoorreot you oanziot Day ma for aenrleea rendcred* The $50.0(7 that you �ay me i« oa acoount of a loan I made to tha 7oikera Ünlty Hcuse(Ino, In the future Rlaase Isars thia �hrase out« aa 1 aaid hefora 1t ia not so and doea not look very good for we» Tery truly yours, vermittler zwischen den Banditen Rem Parks und der Polizei be- rühmt. Rotstem wurde eines Tages im Zimmer eines New Porker Hotels, dos er auch selbst bewohnte, tot aufgesunden. Ein junges Mädchen, das«inen Raum neben dem Zimmer des Ermordeten ge- mietet hatte, war verschwunden, desgleichen der Hotelgast, dem das Mordzimmer gehörte, und ein Richter, der bei der Tat anwesend war. Die Polizei gab sich auch keine besondere Mühe, die Mörder zu finden, vielleicht lag es auch nicht in ihrem Interesse. Dann er- schien aber ganz unerwartet am 17. November die Photographie des Briefe» Rotsteins an den Führer der Kleidermachergewerkschaft m New Park, Julius Portnoy— die Gewerkschaft ist kommu- nistsch. Der Kopf des Brieses lautete: Rotstein u. Co., Dersscherung und Kontrolle. Im Brief stand zu lesen: „Ihren Brief vom 12. Dezember habe ich erhotten und be- merke, daß Sie in diesem Briefe, wie auch in früheren Briefen, darauf hinweisen, daß ich die 5 0 Dollar für die g e- leisteten Dien st e beigefügt finden werde. Das ist nicht richtig, Sie können mir nicht für geleistete Dienste zahlen. Die gezahlten 50 Dollar gehen auf Konto des Darlchns, das ich dem Haufe der Bereinigten Arbeiter gewährt habe. In Zukunft bitte � ich diesen Setz wegzulassen. Denn, wie ich schon gesagt habe, es ist nicht so und ist mir auch nicht angenehm(wörtlich: es sieht für mich nicht gut aus)." Der New Porker„Vorwärts" knüpft an diesen Brief ein« Reihe äußerst peinlicher Fragen, die er von den Kommunisten beantwortet wcrkschaften ermordet worden seien: ob er nicht auch mit den Kommunisten unter einer Decke gesteckt hat, die als Streik b r e ch e r die Streiks der den Kommunisten feindlichen Orgoni- sationen untergraben haben. Das eigentümlichste bei der Sache war, daß es der Polizei niemals gelang, die kommunistischen Mörder oder sonstige Uebeltäter zu fassen. Der New Porker„Vorwärts" findet auch eine Erklärung dafür: für Rotstein waren die Kommunisten ebensolche Klienten wie die Gauner, Diebe und Hochstapler, die bei ihm ihre rettende Zuflucht nahmen. Die Komunisten zahlten Rot- stein ebenso wie sein« anderen Klienten! Der Führer der Schneidergewerkschaft, der Kommunist Julius Portnoy, mußte zugeben, daß er von Rotstein ein Darlehn in Höhe von 10 000 Dollar erhallen hat. Es wurde ferner bekannt, daß nach dem Tode Rotsteins die Schneidergewerkschaft dem Anwalt des Ermordeten das runde Sümmchen von 83 000 Dollar überbracht hat. Die kommunistischen Blätter winden und drehen sich, gehen um die vom New Porter„Vorwärts" gestellten Fragen wie die Katze um den heißen Brei herum und sind bis heute aus die Fragen des „Vorwärts" die Antwort schuldig geblieben. Der„Vorwärts" ver- spricht, in den nächsten Nummern noch andere peinliche Fragen o» die Kommunisten zu richten. Vorläufig steht dos eine fest: die amerikanischen Kommunisten hatten in dem König des Alkoholschmuggels und Freund und Gönners der Polizei einen Kampfgenossen. Die Verkehrs-AG. konflituieri sich. Für die neue R e r l i ne r v e r k e h r»- A.. G.. die aus den drei städtische» verkehrsunlcrnehmen. der Slraßenbahn-Gesellschast. der hoch, und Untergrundbahn-Gesellschaft und der Omnibus-Ge- sellschoft, zusammengefaßt worden ist, wird heute der A u s s i ch l s- rat zusammentreten. In ihm werden dt« den städtischen Körper- schaflen angehörenden Aussichtsratsmitglieder der bisherigen ver- kehrsunternehmen der Stadt sitzen. Der Ausflchtsrat wird dann die Wahl des Direktoriums der verkehrs-A.-G. vollziehen. Autobus gegen Ärauerwagen. Zwei Verletzte. An der Ecke Großgörschen- und Kvlmftraße in nächster Rähe de» Vahnhoses, ereignete sich heute vormittag ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 14 und einem Lieferauto der Engelhardt-Brauerei. Zwei Personen wurden dabei erheblich verletzt. Das Brauerauto kam aus der Bahnstraße und wollte die Groß- görschenstraße kreuzen, um in die Kulmstraße zu gelangen. Dos Auto hatte bereits die Straßenimtt« erreicht, als von links in sehr schneller Fahrt ein Autobus der Linie 14 herannaht«. Dem Autobusführer gelang es infolge der Geschwindigkeit nicht uiehr. abzustoppen. Das Brauerauto wurde hinten erfaßt und so heftig gegen die Bordschwelle des Bürgersteigs geschleudert, daß es mit großen» Krach umstürzte. Während die Fahrgäste des Aulobus zum größten Teil mit dem Schrecken davonkamen, wurde der Mitfahrer des Brauerautos, der ZOjährige Oswald Müller aus der Residenzstraße 94 zu Reinickendorf, schwer verletzt. Die Feuerwehr, die auch die Ausrämungsorbeiten voriwhm, schasste den Verunglückten in dos Schöneberger St. Norbert-Krankenhous. Auf der Rettungsstelle 34 wurde noch ein Fahrgast behandelt, der Quetsch- und Schnittwunden erlitten hatte. Dos Unglück hatte zuerst zu übertriebenen Meldungen Anlaß gegeben, so daß die Feuerwehr und das Städtische Retwngeomt mit einem größeren Aufgebot an die Unfallstelle eilte. Polizeipräsident Zörgiebel mar auf den Alarm gleichfalls an dem Ort des Zusammen- stoßes erschienen. Aus dem Bahnkörper des Schlesischen Dehnhofcs wurde der 41jährige Hilfsweichenwärter Paul Woller aus der Waldeyerstraße 6 mtt schweren Schädelverlctzuugen tot aufgefunden. Vermutlich ist W. in der Nacht von einem Güterzug überfahren und getötet morden. Das Opfer einer Wahrsagerin. heute früh wurde die 29jährige Hausangestellte Alaria Schwietzke in der Wohnung ihres Arbeilgebers im Hause Brückenallee 36 durch Gas vergiftet tot ousgefunden- Wie die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, ist d(tt Mädchen aus Gram über den Verlust ihrer gesamten Ersparnisse in Höhe von 1 5 00 Mark, die ihr von einer Zigeunerin abgeschwindelt wurden, in den Tod gegangen. Vor etwa 14 Tagen begab sich das Mädchen zu der„Wahrsagerin", einet Zigeunerin. Die Betrügerin erfuhr bald, daß das Mädchen größere Ersparnisse hatte, die aus einer Bank deponiert waren. Sie fordert« das Mädchen auf, das Geld abzuheben und noch einmal an eine» verabredeten Ort zu kommen, denn nur aus dein Geld könne sie die Zukunft erkennen. Das leichtgläubige Mädchen erschien auch tat« sächlich mit dem Geld bei der Zigeunerin, die in einem geeignete» Augenblick damit verschwand. Ihrem Arbeitgeber erzählt« sie vor einigen Tagen von chrem Unglück. Heute früh fand man di« Hausangestellte tot in der Küche. Di« Kriminalpolizei sucht nach der gewissenlosen Betrügerin._ L Öl Ehamberloin fährt heute nachmittag, begleitet von seiner Gattin, ur Ratstagung nach Lugono ob. Auch der Rechtsberater d»> foreign Office Sir Cecil Hurst begibt sich dorthin. folg : ber ieb aline on ts= eil e= nit 1ni ar, Der Det Zen bei of15 in нав Des dit Den Be Des er an ten nd 929 ав nit ent en ber e 6 ift Stet Krach bei den Deutschnationalen. Schwere Zerwürfnisse in München. München, 8. Dezember.( Eigenbericht.) Innerhalb der Parteileitung der Deutschnationalen in Bayern t es zu schweren Berwürfnissen gekommen, die den Rüdtritt des ersten Borsigenden, seines Stellvertreters und des Landesschazmeisters zur Folge hatten, so daß die ganze Borstand haft attionsunfähig ist. Außerdem sind die materiellen Berhält niffe der Partei derart, daß der finanzielle Zusammen bruch unmittelbar bevorsteht. Nur durch die persönliche Spende eines Mitgliedes und durch eine nochmalige letzte Ueberweisung bes Arbeitsausschusses deutschnationaler Industrieller war es möglich, die Parteiangestellten vor finanziellen Sorgen zu schützen. LA CAZETTE FRANC Das sozialistische Märchenbuch. Eine Vorweihnachtsbetrachtung. ,, Unsere Jungen, die die Amerikafahrt des Zeppelin auf dem Globus verfolgen, die mit Elektronen und Kathodenstrahlen nur so herumwerfen, die wollen nichts mehr lesen von Rumpelstilzchen und Peterchens Mondfahrt, Sachlichkeit, Leben und Erleben; nur damit darf man ihnen kommen." Diese Zeilen, einer Besprechung der zweifellos prächtigen ,, Roten Kinderrepublit" entnommen, dürften manche Zustimmung finden. Wir Erwachsenen haben tatsächlich oft den Eindrud, als seien die Kinder von heute non Grund auf anders, als hätten sie für Wesenheiten, die uns einst als Kinder so unendlich viel waren, feinen Sinn mehr, als seien sie von früh an sachlich nüchtern aufs Leben eingestellt, so daß es die wunderbare Zeit des Halbwachseins, des Traumes und Märchens mit ihrem Reichtum an inneren Vorstellungen und Bildern für sie überhaupt nicht mehr geben fönne. Genaueres Hinschauen läßt uns aber bald erkennen, daß mir derselben optischen Täuschung unterliegen, der noch immer jede Erwachsenengeneration unterlag. Weil unsere Kinder sich nicht mehr den Rollpferdwagen, sondern das Rollauto, nicht mehr die hölzerne Eisenbahn, sondern die mechanische, nicht mehr das Bilderbuch mit den altbäuerlichen Bildern, sondern das mit Bildern vom großstädtischen Berkehrsleben wünschen, glauben wir, sie seien schon mit sechs, sieben Jahren intellettualisiert und frei von findlicher Naivität, von jener Einfalt des Gefühls und Geistes, die sie das Märchen als Wahrheit, Phantasie als Wirklichkeit nehmen läßt. Diese An nahme ernst nehmen, hieße aber an eine biologische Revo lution glauben, wie sie noch niemals erfolgt ist, hieße die ewigen Gesetze des seelischen Werdens und Reifens aufheben. Dazu besteht tein Grund. Weil das aber so ist, sind wir an der Frage interessiert, die auch in jener zitierten Buchbesprechung aufgeworfen wurde, der Frage nach der Möglichkeit, Geist und Besen der Gegenwart, wie mir fie verstehen, ins Kinderbud) zu tragen. Kurz gesagt, die Frage nach dem sozialistischen Kinderbuch beginnt uns zu bedrängen. Wir fühlen ganz zu Recht, daß alle unsere Erziehungsarbeit illusorisch wird, wenn es uns nicht gelingt, die oft mehr als zweifelhafte moderne bürgerliche Kinderliteratur durch Bücher voll neuer Gesinnung zu ersetzen, denn es ist einfach eine Art Gefeß, daß jede Zeit ein gewisses Maß neue Literatur, und zwar auf jedem Gebiete und für jedes Lebensalter nachschafft. So reichhaltig aber die wissenschaftliche Literatur des Sozialismus ist, an guter schöner Literatur, vor allem aber an guter Kinderliteratur fehlt es noch mehr, an Märchen ebenso wie an den Geschichten für die ältere Schuljugend. lichen Märchen, die wir ersehnen. Dazu sind die Verse zu menig bildhaft und eindrucksstart und die zweifellos gekonnten Juftra. tionen sind zu abstrakt, zu funstgewerblich, mehr auf das Auge, den stellt. Immerhin, Hilde Krüger befindet sich auf dem Wege und man darf hoffen, daß sie ans Ziel tommt. Farben- und Formenfinn des Erwachsenen als des Kindes einge Nicht gerade originell im Motiv, doch gut märchenhaft ix Sprache und Ton und Handlungsführung, vor allem aber jungenhaft frisch und ohne Sentimentalität erzählt, ist dagegen ,, Muz der Riese" von R. Größsch. Es ist ein sozialistisches Märchen, das volle Daseinsberechtigung hat und sicher die vorhergenannten Märchen lange überdauern wird. Nicht mehr nur Andersen- Ersat sondern seine Märchenkunst selbst, schenkt uns Größsch auch in seinem Bauberer Burufu". Größsch ist es wiederholt gelungen, was die anderen vergeblich versuchten, in Andersens Art die dingliche Weft zu fymbolisieren. Auch das töftliche, erst im vergangenen Sommer erschienene Märchenbuch„ Das richtige Himmelblau von Bela Balasz enthält Märchen, die als wirklich zeitgemäß und modern bezeichnet zu werden verdienen. Einzig, wie dieser Dichter es er reicht, unsere ganz nüchterne, ganz reelle Alltagswelt, die Schule mit Unterricht und Schulfeier, das Leben der Jungen und Mädel auf der Straße, die arme Häuslichkeit einer Bäscherin, so mit seiner stimmungsfatten Heimlichkeit zu überziehen, daß sich auch der er wachsene Leser gern und willig von der Märchenkraft dieses Buches gefangen nehmen läßt. Liest man ein Märchen dieser Dichter, dann wundert man sich, warum trotz aller bedachten Gründe das neue sozialistische Märchen so selten geschrieben wird. Denn was ist dieses neue Märchen anders als die reine menschliche, vom' ozialen Beitgefühl erfüllte Dichtung? Eine Dichtung, in der Stoff und Gegenstand wenig sind, die Gesinnung aber alles bedeutet? Das fozialistische Märchen fann ebenso Tier wie Pflanzen- wie ma schinenmärchen sein. Und nichts ist törichter, als zu meinen, es müsse immer nach dem Schema Arbeiter- Kapitalist" gearbeitet sein. Die Welt ist so vielgestaltig und bietet sich einem Dichterauge is mannigfaltig dar, und die sozialistische Idee fann sich in allen ihren Lebensäußerungen spiegeln, daß jedes Schema Armut bedeutet. Be. weiß dessen sind die in eben diesem Sinne tief sozialen, gerechten und liebevollen Märchen, die uns Selma Lagerlöf in ihrem Werke Wunderbare Reise des fleinen Nils Holgersson mit den Bildgänsen" und Hugh Lofting in den entzückenden Dolittle. büchern ,, Doktor Dolittle und seine Tiere"," Doktor Dolittles schwim mende Insel und ,, Dottor Dolittles 3irtus" geschenkt haben. Diese Märchen lesen und alle Sehnsucht nach dem neuen Märchen ist füs eine ganze Weile gestillt, so restlos erhält sie in diesen Büchern, die weiteste Verbreitung verdienen und auch immer mehr finden, ihre Das Geschäftsgebäude des Pariser Betrüger Broblematit des proletarischen Kampfes, und sie fühlen sich viel zu Erfüllung. konzerns ,, Gazelle de France". im Theater der Woche. Bom 9. bis 17. Dezember. Bolfsbühne. Das hat seinen Grund. Unsere Arbeiterdichter sind noch viel zu sehr berührt vom elementaren Kampf der Klasse, vom Sehnen und Streben und Ringen der Erwachsenen, viel zu sehr gepackt von der sehr verpflichtet, sich auch die Theorien dieses Kampfes zu eigen zu machen, um ihnen gestalteten Ausdruck zu geben, als daß sie jene Harmlosigkeit und Einfalt der Kinderfeele befizen könnten, die die Schöpfung guter Märchen voraussetzt. Wenn sie trotzdem Märchen schreiben, wie sie es getan haben, schaffen sie meist eine 3wedarbeit, die mißlingen muß und auch tatsächlich mißlungen ist. Bon einer mirklichen fünstlerischen Durchdringung und Gestaltung eines Stoffes fist in den Jeltensten Fällen etwas zu fpüren. Das flingt grob und ist doch nichts weniger als wahr. Ganz schlimm tritt es zum Bei spiel bei den Märchen der befannten Uebersetzerin Hermŋnia 3ur Mühlen( ,, Das Schloß der Wahrheit" und ,, Was Peterchens Freunde erzählen") in Erscheinung. Selbst die Bücher der nach Driginalität strebenden Hilde Krüger Der Bidiwondelwald" und das mesentlich gelungenere Buch Hurleburles Wolfenreise", Bilderbücher aus bunten Dreiecken, find noch nicht die findertümTheater am Bülowplay: Macbeth. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia- Theater: Schneider Wibbels Auferstehung. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 9. Frau ohne Schatten. 10., 16. Gingende Teufel, 11. Cavalleria rusticana, Bajazzi. 12. Tristan und folde. 13. Mastenball. 14. Aegyptische Helena. 15. Rigoletto. 17. Carmen. Oper am Platz der Republik: 9., 17. Don Giovanni. 1. Fidelio. Dittator, Das geheime Königreich, Schwergewicht. 11. Freischüß. 12., 16. Calome. 13. 3. Sinfoniekonzert. 14. Det liche Ehe. 15. Heim Zehn Jahre Novembergruppe. Städtische Oper, Charlottenburg: 9. Troubadour. 10. Beschloſſene Borstellung. 11. Maskenball. 12., 15. Othello. 13. Zauberflöte. Die Novembergruppe, vor 10 Jahren gegründet als Hort aller 14. Madame Butterfly. 16. Prophet. 17. Pic Dame. radikalen und vorwärtswollenden Künstler, regt sich wieder stärker. Staatstheater am Gendarmenmarkt: 9., 11., 12., 15., 16. PetroSie gibt ein Sonderheft( ,, Kunst der Zeit", im Verlage J. Ottens, leuminfeln. 10. Egmont. 13., 17. Gespenster. 14. Herodes und die ihrerseits ihren I. Jahrgang in hübschem Einbande verlegt) Schiller- Theater, Charlottenburg: 9., 10., 12., 15., 17. Londoner heraus, Ueberblick über ihre zehnjährige Tätigkeit, und sie hat soeben verlorene Sohn. 11., 14., 16. Flachsmann als Erzieher. 13. Hinter ein Trefflotal unter dem Titel ,, Kunsttopp" mit einer ulfigen fleinen Mariamne. hauslegende. werden im Himmel geschlossen. am Nollendorfplatz: Wiener Blut. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Die Berbrecher. Kammerspiele: Ehen Die Komödie: Dlympia.- Theater Komödienhaus: Wer sollte es Theater des Westens: Der Herzog und die Sünderin. Großes Schauspielhaus: Casanova. Komische Oper: Tausend Deutsches Künstlertheater: Die Herzogin von ChiLeffingCuffspielhaus: Arm wie eine Kirchenmaus. Theater Die Tribüne: X. 9. 3. - Metropol- Theater: jonit fein. hadte Frauen. Theater: Sünden der Jugend. fago. in der Stadt, Kommandantenstr. 57: Liebelei. Feier eröffnet. Der Runst topp", burch farbige Laternen in fünf Sprachen beglaubigt, ist in der ehemaligen Tanzdiele von Majomiti, Meinete ftraße Ede Kurfürstendamm, unter fulinarischer Leitung des Inhabers etabliert. Am Eröffnungsnachmittag sprach Herr Trautner an Stelle des verhinderten F. A. Angermeŋer eine frohherzige Taufrede, und eine Jazzband- Improvisation zelebrierte die bildschöne Kantate zur Eröffnung des Kunsttopp" von Stefan Wolpe. Fortan find Künstler und ihresgleichen höflich gebeten, sich hier, dos à dos auf einige Häuserblöde mit Schwannede, püntlich einzufinden. Die nun ein. Institution der Verpflegungsbranche wird sich Die Ari, fich hinzugeben. Renaissance- Theater: November in hoffentlich bald den gründlich veränderten Umständen anpassen. Defterreich.( 9. mittags 12 Uhr Reportage.) Rose- Theater: Die Cafion- Theater: Aujust, die Kanone.- Schloßpart. Ratten. " Es ist nicht zu vergessen, daß dieser Kunsttopp in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Borza" und dem Hilfsverein für junge Theater, Steglih: Der fröhliche Weinberg.- Theater im Admirals Kunst das Licht der Welt erblickte. palaft: Schön und Schick. Wintergarten und Scala: Internationales Barieté, Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger.- Theater am Hoffbuffer Tor: Elite- Sänger. Walhalla- Theater: Barieté. Theater mit wechselndem Spielplan. Berliner Theater: bis 15. Romeo und Julia, 16., 17. Tanzabende Theater in der Klofterstraße: 9., 15., 16. Büchse der Bandora, 10., 13., 14. Meijeten, 11., 12. Jm weißen Rölll. Barn Bigman. Nachmittagsvorstellungen. Boltsbühne: 9., 16. U- Boot S 4. Schneider Wibbels Auferstehung. Thalia- Theater: 9., 16. Theater am Rollendorfplah: Großes Theater des Westens: 9., 12. Komische Oper: 9., 16. Tausend nackte Frauen! 9., 16. Das neugierige Sternlein, 15. Wizen- Spikel. Schauspielhaus: 9., 16. Cajanova. Hänsel und Gretel. Theater in der Stadt, Kommandantenfte, 57: 9., 12., 15., 16: Paulchens Weihnachtstraum. ria uje en. Das iffe in wa ner ere erte men bie at ten Site bie ach in, Des Wallner- Theater: 9. Tischlein deck dich! Roje- Theater: 15., 16. Renaissance- Theater: 12., 15. Dornröschen. Rübezahl Theater in der Klosterstraße: 9. Hänsel und Gretel, Dem Sonderheft von Kunst der Zeit" sei ein freundlicher Augenblid gewidmet. Es enthält neben einer Unmenge intereffanter Abbildungen historische Dokumente, Briefe und Abhandlungen über die Novembergruppe und ihre Tätigkeit. Nicht alle Blütenträume sind gereift, die man in jenem jagenhaften Herbstmonat des Jahres 1918 mie auf politischem so auf fünstlerischem Gebiet sich eingebildet hatte. Aber ein Gebiet hat wirklich gehalten, viel mehr als es versprach: die Architektur. Namen, die in der Novembergruppe voran standen, sind zu Führern geworden, die Bedeutendes geleistet haben und noch mehr zu schaffen versprechen: Mendelsohn, Gellhorn, Luckhardt, Mies von der Rohe, Gropius, P. F. Sch. Belling. Hier liegt die große Hoffnung unserer Zeit. Spielplanänderung. Im Theater in der Königgräger Straße fommt an Stelle des verschobenen Toboggen" Lampels Revolte im Erziehungshaus von Sonnabend an zur 12., 15., 16. Schneewittchen.- Schloßpart- Theater, Steglih: 15., 16. Aufführung. Frau Holle. nationales Barieté. In der Staatsoper am Platz der Republik findet am 11. Dezember eine Schauspieler- Nachtvorstellung von Straminstys Gefchichte vom Col. baten unter musikalischer Leitung Otto Klemperers statt. Es ist dies bas erstemal, bag in einem der hiesigen Opernhäuser eine Schauspieler12., 15. Frau Holle. Theater im Admiralspalast: 9., 16. Schön und Schid. Wintergarten und Scala: 9., 15., 16. InterReichshallen- Theater: 9., 16. Stettiner Sänger. WalhallaTheater am Koffbuffer Tor: 9., 16. Elite- Sänger. Theater: 9., 4 Uhr: Die verzauberte Torte.- Staatstheater am Gen. Nachtvorstellung veranstaltet wird. darmenmarkt: 9 Die Weber. 16. Die Journalisten. Montag. fingende Teufel. Erstaufführungen der Woche. Staatsoper Unter ben Linden: Der Renaissance Theater: November in In der Freien Hochschule Berlin spricht zum Gedächtnis Josef Dietgens, bes Arbeiterphilofopben( geboren am 9. Dezember 1828) Dr. Apel Sonnabend, 8 Uhr, im Stöllnischen Gymnasium, Inselstr. 2. Museumsvorträge Sonntag, 10 Uhr, sprechen im Neuen Museum Dr. Rosenberg über Goyas graphische Kunst", im Raiser Defterreich. Dienstag. Theater in der Königgräger Friedrich- Museum Dr. Bramm über Bellini" und in Museum für Giraße: Toboggan. Mittwoch. Städtische Oper: Othello. Böllerlunde I Prof. Leffing über 2a maistischen Kult. Nun noch ein Wort zu den alten Märchen. Wenn man fidy darüber flar geworden ist, daß es immer nur die menschlichen Berte, Liebe, Güte, Gerechtigkeit, find, die das neue, das sozialistische Märchen charakterisieren, dann ist auch das Urteil über das Boltsmärchen gesprochen. Und zwar ein Urteil, das den Wert dieses Boltsmärchens nach wie vor anerfennt. Gewiß, nicht jedes überlieferte Märchen verdient in gleichem Maße lebendig zu bleiben, benn manches hat fidy im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtaufenbe ble allzu verworren entwickelt, die meisten aber sollten wir unseren Kindern doch bewahren. Wir würden arm, unendlich arm, wollten wir auf dieses echte dichterische Voltsgut verzichten. Friedrich Wendel hat uns in feinem von Kommentaren leider etwas über. lasteten„ Sagenbuch der Arbeit" gezeigt, daß es möglich ist, aus den alten Schäßen noch manchen wertvoll gebliebenen Bestand auszu wählen. Karl Ullrich. Mann- Weib- Günde." Ufa- Pavillon Nollendorfplatz. Die Sensation ist trotz des sensationellen Titels nicht allzu groß. Der Film sezt vielversprechend ein: es wird das Leben eines armen Jungen Al vorgeführt, der im schwarzen Biertel von Washington bei seiner treusorgenden Mutter aufwächst. Mühsam steigt er auf, tommt in einen großen Zeitungsbetrieb, von dem mancherlei in Bildern erscheint. Der junge Mann erlebt die Bonnen des ersten Artikels und der ersten Liebe( zur Moderedattrice). Damit ver flacht die Geschichte. Die vergötterte Geliebte ist die ausgehaltene Freundin des Zeitungsbefizers. Busammenprall zwischen beiden Männern. Al erschlägt in Notwehr den Rivalen. Prozeß, Lobesurteil. Die Mutter bestimmt die Geliebte, ihre Aussage zu forrigieren. Al wird freigelassen und lehrt zu seiner Mutter zurüd. Mutterliebe hat über Kofottenliebe gefiegt. Der Film ist gut gemacht( Regisseur: Monta Bell), bleibt aber vielfach im Aeußerlichen hängen. John Gilbert, der Darsteller des Al, ist das große Plus: frisch, unverbraucht, ausdrucksvoll ist Glady er der rechte Typ des jungen unverdorbenen Mannes. Brod well weiß ihre Berführungskünfte sehr wirksam zu infzenieren. Das beste am Film sind die Kinderszenen. Oskar Wildes letzte Briefe. f. Demnächst wird von einer Londoner Antiquarfirma eine große Bahl bisher unveröffentlichter Manuskripte und Briefe Ostar Wildes öffentlich versteigert werden. Diese Stücke sind ganz bazu angetan, allgemeines Aufsehen zu erregen und vielen Leuten eine recht unliebsame Ueberraschung zu bereiten. Die Sammlung soll bis Ende Januar intakt gehalten werden für den Fall, daß sie ein Liebhaber als Ganzes zu erwerben wünscht. Es eröffnet sich hier die Aussicht auf recht sensationelle Enthüllungen, denn außer den underöffentlichten Gedichten und anderen literarischen Arbeiten enthält die Sammlung eine geschlossene Serie von Briefen, die Wilde an seine intimsten Freunde während und nach seiner Strafzeit geschrieben hat. Diese Briefe reden, wie von eingeweihter Seite erklärt wird, eine erstaunlich freimütige Sprache und werfen ein helles Schlaglicht auf die Strömungen und auf die Persönlichkeiten am Ausgange des 19. Jahrhunderts. Biele der Personen, von denen hier in Ausdrücken verschwenderischen Lobes oder bitteren Hohns gesprochen wird, sind heute noch am Leben. Kein Stüd der Sammlung macht einen so erschütternden Eindrud wie der letzte Brief, den Bilde vom Strantenbett aus an Robert Roß geschrieben hat. Meine Bruft ist ein Raltofen," schreibt der unglückliche Dichter, mein Gehirn ein überheizter Steffel und meine Rerven ein Snäuel wildzischenber Dttern." Museum für Meeresfunde. Dienstag, 8 Uhr, spricht Prof. Brühl über Rorwegens Geefisgeret( mit Lichtbilbern). 60 Pfennig die Stambe, die 2hne fliegen bis Embe 1927 auf e 111 Pfennig. Sie sind seitdem um meitere 10 Bfennig je Stu erhöht worden und betragen gegenwärtig etme 121$ Jubiläum der Städtischen Werte. E 8. Dezember 1923- 1928. Die Sozialdemokratie und die Werke. Die Berte haben bisher alle an sie herantretenden Aufgabe erfüllt, obgleich diese in der aufstrebenden Weltstadt mit ihren una Die Berliner Städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerte| auch bei einer strengen Prüfung als recht gut zu bezeichnen ist. Die hörlich zunehmenden Ansprüchen durchaus nicht immer leicht zu feiern heute das Jubiläum ihres fünfjährigen Bestehens als städtische Tarife der Werke wurden im Oktober 1924 auf den heutigen wältigen waren. Auch die Sozialdemokratie tann von Attiengesellschaften. Am 8. Dezember 1923 erfolgte die Gründung in niedrigen Stand festgesetzt. Sie sind seitdem nicht wieder erhöht Aufstieg der Werte einen guten Teil des Berdienstes für sich in der neuen Berwaltungsform. Es war eine Zeit des größten wirtschaft worden. Das ist zu einem großen Teil das Berdienst der Sozialspruch nehmen. Die starle Stellung, die die Partei im Ratha lichen Chaos. Die alte Währung war zerstört, die neue Währung, demokratie, die zu wiederholten Malen durch ihre Sprecher und damit auch in dem Aufsichtsrat der Berte einnimmt, hat die Rentenmart, war zwar furz vorher, Ende November 1923, ge- in der Stadtverordnetenversammlung hat erklären lassen, daß eine Folge, daß alles nur mit ihrer Zuftimung, nichts gegen ihren Wil schaffen worden, aber noch wußte niemand, ob sie sich auch halten Erhöhung der Werkstarife für sie vorläufig nicht in Frage tommt. geschehen fann. Benn man die Tätigkeit in den Werksgesellschaf würde. Gemäß den Beschlüssen der städtischen Körperschaften wurden während der abgelaufenen fünf Jahre überblickt, so läßt fich fe drei getrennte Attiengesellschaften errichtet, jedoch stellen, daß man immer ehrlich und nicht ohne Erfolg bemüht w mit einem gemeinsamen Aufsichtsrat an der Spize. Das den Interessen der Berliner, der Stadtverwal Gründungstapital betrug 100 Millionen Papiermar? im Werte von tung und der Angestellten und Arbeiter gered 0,01( ein Hundertstel) Goldpfennig. Die Werte begannen ihr neues u werden. Die städtischen Berte stehen heute technisch Leben nicht nur ohne Kapital, jie waren auch weitgehend von allen wirtschaftlich gefestigt da. Dr.- Ing. M. Majerczit Betriebsmitteln entblößt. Der Rohlenvorrat z. B. war teilweise fo gering, daß er den Betrieb nur noch für wenige Tage, manchmal jogar nur für Stunden ermöglichte. Der Aufstieg der Werke. Man muß sich den fümmerlichen und trostlosen Zustand der damaligen Lage, die Misere und den Tiefstand des Ausgangspunktes ins Gedächtnis zurückrufen, um zu ermessen, wie sehr sich die Ver. hältnisse wieder gebessert haben. Energische Arbeit und die unvermüftliche Lebenskraft der gewaltigen Stadt waren die beiden Ursachen, die den neuen Aufstieg der Werke zuwege gebracht haben. Wenige Zahlen mögen diesen Aufstieg verdeutlichen. Setzt man die nugbare Strom- oder Gas- oder Wasserabgabe im Jahre 1924 gleich 100, so betrugen die entsprechenden Zahlen in 1927- die Zahlen für 1928 find noch nicht vorhanden, da das Jahr noch nicht beendigt ist bei den Elettrizitätswerten 197, bei den Gaswerten 134, bei den Wasserwerten 146. Die Abgabe der Werke ist nicht nur absolut gewachsen, sondern hat sich auch je Kopf der Bevölkerung vermehrt, eine Erscheinung, wie sie ähnlich auch bei den städtischen Verkehrsunternehmungen zu beobachten ist. Am stärksten war die Entwicklung bei den Elektrizitätswerken, eine Entwicklung, die dadurch charakterisiert ist, daß die Zahl der Stromabnehmer riesig gewachsen ist. Ende 1923 betrug die Zahl der Elektrizitätsmesser erst 259 000, Ende 1927 mar fie bereits auf 577 000 gestiegen, Ende 1928 dürften 700 000 überschritten sein. Das Plus von 440 000 3ählern in den letzten fünf Jahren entfällt zum ganz überwiegenden Teil auf den Anschluß von fleinen und fleinsten Abnehmern. Es hat in diesen fünf Jahren eine Ausdehnung der Elektrizität unter den großen Massen, der Arbeiter, Angestellten und Beamten stattgefunden, wie man sie in früheren Jahren nicht für möglich gehalten hat, und wie sie auch nur ermög licht wurde durch eine sozialere Stromtarifpolitif. Niedrige Tarife. Drei Aufgaben haben die städtischen Werte zu erfüllen: sie sollen erstens die Bevölkerung gut und billig mit ihren Erzeugnissen persorgen, sie sollen zweitens finanzielle Ueberschüsse an die Stadttasse abliefern, und sie sollen drittens ihren Angestellten und Arbeitern anständige Lebensbedingungen gewähren, insbesondere ausfömmliche Löhne und Gehälter zahlen. Diese Forderungen widersprechen teilweise einander; denn billige Tarife, d. h. niedrige Einnahmen, stehen im Gegensatz zu hohen finanziellen Ueberschüssen und hohen Löhnen und Gehältern. Bisher haben die städtischen Berke diese einander widersprechenden Aufgaben in einer Weise erfüllt, die Theater, Lichtspiele usw. metropol- Theater Sonnab., d. 8. 12. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 161 19% Uhr Sonnab., d. 8. 12. Städtische Oper Bismarckstr Turnus III 19 Uhr Der Barbier von Tannhäuser Sevilla Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 222 192 Uhr Carmen Staatl. Schauspielh. Am Gendarmenmarkt A.-V. 222 20 Uhr Die PetroleumInseln Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Der Londoner verlorene Sohn Parkett 30 Pf. im Walhalla- Theater- Varieté! 8 Uhr CASINO- THEATER 81, Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Posse- Schlager! August, die Kanone! Dazu ein erstklassiger bunter Tell. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Täglich 8, Uhr Hohe Ueberschüsse für die Stadt. Die finanziellen Leistungen der Werte für die Stadtkaffe sind in den fünf Jahren seit Bestehen der Aftiengefellschaften dauernd gewachsen. Daß die Werke Abgaben an die Kämmereitasse liefern müssen, ergibt sich ohne weiteres aus der Lage der städtischen Finanzen. Fraglich ist nur, wie hoch sich diese Ab gaben schrauben lassen. Man fann die Meinung vertreten, daß auf diesem Gebiete in den letzten Jahren von den Werken bereits des Guten etwas zu viel verlangt worden ist. Die Elektrizitätswerfe 3. B. haben ihre finanziellen Leistungen für die Stadttaise von 3,7 millionen Mark im Jahre 1924 auf 20,2 millionen Mark im Jahre 1927 gesteigert. Auch schon bei oberflächlicher Betrachtung wird man zu der Erkenntnis kommen, daß die finanziellen Leistungen nicht in dem bisherigen Tempo weiter erhöht werden können, felbft wenn man annimmt, was nicht bestritten werden soll, daß die Zahlungen im Jahre 1924 zu niedrig angesetzt waren. Ebenso wie die Abführungen an die Stadtkasse sind auch die Gehälter und Löhne der Angestellten und Arbeiter in den fünf Jahren gewachsen. Bei den Gaswerten, die von den drei städtischen Unternehmungen die größte Belegschaft aufweisen, betrugen bie Tariflöhne der Handwerker( verheiratet mit einem Stind) Anfang 1924, also nach Beendigung der Inflation, etwa Ein neuer Brunnen in Tempelhof. Die Dorfaue in Tempelhof erhält einen Brunnen, der von dem Bildhauer Ludwig Isenbeck geschaffen wurde. Renaissance- Theater Heute 7 Uhr Premiere Friederike November in Desterreich Musik von Franz Lehar Käthe Dorich Richard Tauber Hilde Borner Bespermann Arnftaedt Starnburn Dora Reg Limburg Schönemann Die Raffe ist den ganzen Tag geöffnet. Telephon: Zentrum 378 u. 9393 SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 Schaefers Revue und das grosse Weihnachts- Programm. Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen 3.30 u. 8 Uhr. 3.30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite Sänger Weihnachtsprogramm Das große Ereignis 1.40, 1.70.2-2.50 Mk. Sonstige Preise Parkett u. Rang 0.80 M. Preise: Reichshallen Theater Abends 8 Sonnt. nchm. 3 Sicffiner Sänger Hamlet im Heringsladen dazu as große WeihnachtsProgramm Nachm. halbe Pr. Dönhoff- Brettl: Konzert Tanz Varieté. Gr. Programm! Karl Braun Ernst Walter. Nachm. 0.75, 1.-. 1.25 Mk 1.50, 1.75 Mk. Großes Schauspielhaus 8 CASANOVA mit Michael Bohnen. Regie: Charell.| Sonntag 3 U. Nachmittag- Vorstellg. z. halb Preisen ungekürzte Vorst.) Münzstraße 24 I. E t a g e Komische Oper st James- Klein- Revue: Tausend nackte Frauen!! Die große Revue der ..Freien Liebe" 2 Sonniag 3 Uhr Vollständige Vorstellung zu kleinen Preisen Parkett nur 4,50 Mark. Winter Garten Täglich 8 Uhr. Rauchen gestattet Das grandiose Weihnachtsprogramm! Sonnabend und Sonntag Je 2 Vorstellungen 3.30 und 8 Uhr 3,30 kleine Preise. Barnowsky- Bühnen Theater in der Königgrätzer Straße Heute u. morgen 8 Uhr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus Tgl. 8, Uhr Wer sollte es sonst sein? v. Felix Joachimson Saitenburg- duanen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr Die Herzogin von Chicago Jner. von Emmerich Kalman Cessing- Theater 84 Uhr Sünden der Jugend mit Albert und Else Bassermann Volksbühne Theater am Bülowplatz 8.Uhr Macbeth Theater am Schiffbanerdamm Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. Uhr Der Londoner verlorene Sohn Staatsoper am Platz der Republik 712 Uhr Carmen Th. am Schiffbanerdamm Täglich 8 Uhr Vorverkaut Der vermißte Schüler ermittelt. Es gefiel ihm so gut auf der Wohlfahrtsstelle der Poli Seit Tagen wurbe, wie mitgeteilt, ein 16 Jahre alter Hil Schüler Rudi Krahl, vom Freiheitsweg 24 zu Reinickendorf, G geblich gesucht. Der Junge war von seiner Mutter bei dem R tor Rühn von der Hilfsschule in Reinidendorf in Benf gegeben worden. Krahl besuchte den Berfunterricht, fam am gangenen Dienstag um 11 Uhr vormittags zu spät und wurde be halb von dem Rettor wieder nach Hause geschickt. Die Befchre bung des Vermißten paßte genau auf einen Jungen, den Wohlfahrtsstelle schon seit vergangenen Mittwoch betreut Den Beamten gegenüber nannte sich dieser Bflegling Ernst Kon Er erzählte, daß er in Warschau geboren fet, wollte aber wissen, wie er von dort nach Berlin gekommen sei. As jetzt fe Identität festgestellt wurde, fragte man den Jungen, weshalb dauernd die Beamten über seine Berfon getäuscht habe. Er zur Antwort, der Aufenthalt in der Wohlfahrtsstelle des Poli präsidiums hätte ihm so gut gefallen, daß er noch gern läng dort geblieben wäre. Julius Heder geftorben. Der Direttor des Hauptversorgungsamtes Berlin, Herr Juli heder, ist verstorben mit ihm verlieren die Strie beschädigten einen Anwalt von großem Berständnis für ihre und von ausgeprägtem sozialen Empfinden. In gleicher We werden die Arbeiter, Angestellten und Beamten des Hauptver gungsamtes den Tod dieses wohlwollenben und gerechten Borg feßten auf das tiefste bebauern. „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Bochenschrift, u .Der Kinderfreund" liegen der heutigen Boftauflage bei. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und gegend.( Nachdr. verb.) Meist troden und zeitweise heiter. Nad Frost, auch am Tage sehr fühl. Für Deutschland: Im Süd woltiges Frostwetter mit einzelnen Schneefällen; im Norden D breitete Nachtfröste, meist troden, auch am Tage sehr fühl. Berantwortlich für die Rebattion: Eugen Brager, Berlin: anzeigen: Th. Gl Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6 m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts bruderei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SB 68. Lindenitrak Sierzu 2 Beilagen. Lustspielhaus auch im Pavillon d. Lustspielhaus Friedrichstr.236 Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bergmann 2922/23 Bismarck 448 u. 449. Deutsches Theater Norden 12 310 8U., Ende nach 10% Die Verbrecher Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: HeinzHilpert) HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Tn. im Admiralspalast Täglich 91 Uhr Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr a. 84 Uhr. Machmittags die ganze Vorstellg. zu halben Preisen Sonnabend und Mittwoch 38 Uhr Frau Holle Märchenspiel. Kleine Preise Die Drei- Groschen- Planetarium am Zoo Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. Telephon: Norden 1141.281 Kammerspiele Norden 12310 Verlang. Joachimsthaler Strate Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Erde und Weltenraum. Täglich 81 Uhr Das Zugstück von Berlin Arm wie eine Kirchenmaus Kleines Theater( Th. in der Lützowstr. Täglich 8 Uhr Max Adalbert in Der Dickkopf Sandrock. Landa, Sterler, Sikla. Theater des Westens ose- Theater Täglich 8, Uhr Gr.Frankfurter St. 132 Der Herzog und R 4 Uhr Aschenbrödel die Sünderin Kart. 9209. Täglich 8, Uhr Sonntag auch 4 Uhr L.M. Lommel in: Runxendori auf Welle 0,5" Rundfunkhörer halbe Preise Thalla- Theater Dresdener Str. 72-73 8 Uhr Wanderkarter C 23 te d bi 20 fel 23 ge m hi be m ba B C $ 3 m F fo ba te fa De fid au Iit ne De bi tei DO ba da L- Juergen ba Neue Königs 8 Uhr: Singspiel in 3 Akten Schneider Wibbels Alexanderpla Auferstehung Die Ratten Fred Raymond. Henckels. Gredtezinski. Musk von Stand- Uhren auf Miete! Wochenmiete von M. 3.- an Nach 40 Wochenmieten Ihr Eigentum Keine Anzahlung! Kein Aufschlag! Lieferung sofort! Nur erstklassige Werke mit 5jähriger Garantie! ERKA Standuhren- Vertrieb G. m. b. H. Fordern Sie Katalog u. Vertreterbesuch oder besuchen Sie selbst unsere Ausstellungs- und Verkaufsräume Berlin O, Alexanderstraße 23, I ( Ecke Blumenstraße) de in Wellman Größte Spezial- Puppenfabrik Berlin 20 Uhr: 4U. 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Zehn Jahre selbständiges Island. f.— e. Bukarest, Ende November 1928. Während die sogenannte Oberschicht des rumänischen Volles Begriff Arbeiten in unserem europäischen Sinne kaum kennt ""d sich rühmt, daß sie es versteht, das Leben zu genießen, wird die Werktätige Bevölkerung in einer unbeschreiblichen Be- her ssung reienl rinne» sicher 40 ps -bens» i,, i/27li' gnette idruA ksimile garten ;mano Upf- xanbtP sürdU Oll> nrW IO 19, /lee" xi ;n ) L- ) RM» ) RM- > \N' flütte eines Tagelöhners in Bukarest. �üffnislosigkeit niedergehalten. Trockenes Brot mit Zwiebeln oder �prikaschoten sind die einzige Nahrung, die Maurer, Fabrik- und '�'raßenarbeiter Tag um Tag, Jahr um Jahr zu sich nehmen. Nur '"•M selten einmal ist es ihnen möglich, sich ein Fleischgericht zu °»eiten. Dabei ist die Arbeit, die sie zu verrichten haben, um ihr nacktes Leben fristen zu können, sehr schwer. Sie wird noch erschwert �urch den dichten Staub, der wie eine dichte Wolke in den engen Reißen von Bukarest liegt, ohne im Sommer die glühenden Strahlen südlichen Sonne oder im Winter die schneidende Kälte abzuhalten, tc der Wind vom eisbedeckten Karpathengebirge oder über die Ebene ''»m Schwarzen Meer her durch die Straßen der Hauptstadt trägt. � Dürftig wie ihre Nahrung sind die Wohnungen dieser "Ernsten. In kleinsten, baufälligen Hütten, die sich wie ein Gürtel l"n die Hauptstadt herumzielien, Hausen die werktätigen Rumänen -..fischen Geröll und Morast in einem Elend, wie es in den obskursten Winkeln des asiatischen Ostens nicht schlimmer sein kann. Man sagt, j f rumänische Arbeiter sei noch auf so primitiver Entwicklungs- !!"r, daß er noch nicht die Fähigkeit für die Erkenntnis �'uer sozialen Not besitze. Das ist nur bedingt richtig. Ein- '.ein? Werktätige sind sich des Elends ihrer Existenz voll bewußt und �ngen die große Sehnsucht nach Befreiung aus den Tiefen ihres �nseins im Herzen. Einige von ihnen finden wohl auch einmal den ,, �8"Um sich gegen alle Hindernisse durchzusetzen und eine gehobenere i-» öraii im Leben'zu erringen, Eines aber fehlt ihnen zumeist. Der Suu't, wo er explodiert und uns die vielbewunderten Schönheiten Eschert, wenn die Zündung bis zu ihm gelangt ist. Dieses Prinzip der Raketenvorwärtsbewegung ist grundsätzlich anders als alle vorgenannten. Es gewährt die Möglichkeit, einen Eine Phantasie: Die„Elektronenrakete". ?�per aus ruhender Lage in irgend ein« Richtung zu lenken. Es das Aerdienft Professor Hermann O b e r t h s, dieses Raketen- Prinzip auf ein Problem angewendet zu haben, das auch schon b!"»« in den Gehirnen der Menschen spukt, das Problem nämlich, Erde zu verlassen und sich in den Weltraun, hinaus zu begeben. Sache möge noch an einem anderen Beispiel erläutert werden. . Rehmen wir an, ein Kasten schwebe frei im Weltraum. In ihm .finde sich ein Mann, der den Wunsch hat, sich zu bewegen. Wie )keit, sich kann sich tonn er das anstellen? Es gibt schlechterdings keine Mögli irgendwelche Bewegung vom On zu erteilen, denn er rann iia, Zrrgends abstoßen Hot er aber eine Reih- schwerer Stücke zur �rsiigung, wie etwa unser Kugelhaufen vor ihm andeutet, so gelingt � rhm, sich mit dem Kasten eine Bewegung nach rechts zu erteilen, er eine Kugel nach links zur Oeffnnng hinauswirft. Er p'vmmt dann eine gewiss« Geschwindigkeit, die von dem Gewicht eines Käfigs mit Inhalt, dem Gewicht der hinausgeworfenen Kugel "Nd.der Wucht abhängt, mit der diese hinausgeschieudert wurde. jf'rst er sodann eine zweite Kugel, so vermag er dadurch sein« «ewegllng zu beschleunigen. Auf diese Weise also kann er sich vor- n>arts bewegen. , � Ob die ausgeschleuderten Stücke nun feste Äugeln sind oder die °ri einer Explosion entwickelten Gasinassen. ist gleichgültig, setzt , an also den Mann in einen raketcnsörmigen Körper, wie ihn "nser 2. Bild darstellt(dessen rechter Teil mit flüssigen Triebstosfen �sullt ist. dessen linker Teil einen bei a offenen Verbrennungsraum. ,'N Ofen, enchält. in den man die flüssigen Brennfwss« spritzen und ?ur Explosion bringen kann, so daß die explodierten Gase nach links dMausbefordeN werden),'dann muß sich die Rakete mit den übrig uleibenden Brennstoffen nach rechts bewegen. Es kommt dann vor °Uen Dingen darauf an, Treibstoffe ,zu vcrweniden. bei deren Hplosion die Gas« mit größter Geschwindigkeit ausgestoßen werden. x"? solche Treibmittel ist man geneigt, die Puloer- und Explosiv- ra"to anzusehen. Biel größere Geschwindigkeiten aber vermögen �mische, wie Alkohol und Wasser oder gar die Bestandteile des -MOirr,.... r.. nrrt rr rj.. v._____ fi.- LZ...„» l /tf>K/S, T rt OT1 xr.,!"/v p ix- 1 1 � � i i kj XX- v x 1 1 � vcv. Jj' �• f* Elsers selbst. Wasserstoff und Sauerstoss, zu entwickeln Bei seinen Ersuchen fand Oberth, daß die explodierenden Gase Geschwindig- suen bis zu 4 Kilometer in der Sekurche erreichen. Wendet nran nur Kehon-gen Massen an, so kann mau der Rakete Gesch«mndlg>teiten �teilen, die in die kosmische Größenordnung steigen. .„ Hat also der Mensch den Wunsch, die Erde zu verlassen, so �Ntzt er in der Rakete die technische Möglichkeit dazu. Die Meihod« ?t>!te?en, die Jules Berne in seinen berühmten Romanen empfahl, P*" Reisenden in einem Holsten Längsgeschoß in den Weltraum Zivaus zu befördern, ist nicht anwendbar. Da nämlich die ganze .i�tcht des Treibmittels in wenigen Augenblicken auf das Geichotz pbsrirogen werden muß, muß man dieses in Bruchteilen einer stunde zu etwa 15 bis 20 Kilometer sekundlicher Geschwindigkeit schleunigen. Ein Mensch würde dann z. B. praktisch m,t einem � wicht von 250 t aus seine Unterlage gepreßt und vollkommen Angedrückt werden. Er würde den Anstoß nicht überleben. Der .Bannkreis der Schwere, der die Erde einhüllt, läßt sich jedoch durch- "tochen, wenn man mit mebr als etwa 15 Kilometer Sekunden- Uchwindigkeit von ihr fortwandert. Diese Geschwindigkeit ent- ,'kkelt die Rakete nicht plötzlich. Sie wird aber stufenweise erreicht, £ daß st, lebende Wesen ertragen können. Der„Andruck beim ?»fahren darf 40 Meter in einer Sekunde nicht uberschreiten,»est- Mungen liegen zahlreich vor, daß Menschen diese Beschleunigung -'p>ge Minuten lang ertragen können Gibt man also der Rakete in Per ersten Sekunde die Geschwindigkeit von 40 Meter und fugt in N-r folgenden Sekunde den gleichen Betrag zu, so dauert es nur l00 Sekunden, das sind knapp sieben Mimiten, um sie aus 16 �<< � �undemneter zu beschleunigen. Mit diefer Geschlmudigkeit vermag lNK Ne ber(Er�c xu entrinnen und man kann nunmehr den Raketenofen kl Mellen, um im Weltraum mit den Anziehungskräften gratis und il. t zu reisen, die die Rakete mit den umgebenden Gimmels- körpern verbindet. Sie so.zu dirigieren, daß sie von der Erde aus ein bestimmtes Ziel erreichen, etwa den Mond oder einen der benachbarten Planeten, ist Sache astronomischer Berechnungskunst. Schema der Pakete des Professors Oberth. Diese ist soweit ausgebildet, daß man diese Fragen seit über 100 Jahren mit bewundernswürdiger Sicherheit und Vollkommenheit beherrscht. Man kann ohne weiteres bei gegebenen technischen Der- hältnijsen den Zeitpunkt bestimmen, wann man abfahren muß, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, man kann die Wege im voraus festlegen, auf denen man zu dem Ziele gelangt, man kann unterwegs Aendevungen eintreten lassen u. dgl. m. Theoretisch ist die Sache also gelöst. Aber dabei ist Oberth nicht stehen geblieben. Er hat sich sofort daran gemacht, auch prak- tische Vorschläge zur Verwirklichung und Voranschläge über die Größe und sogar über die Kosten solcher Weltraumraketen zu machen. Im Grunde stehen auch diese Dinge schon fest. Als kluger Praktiker hat er auch den Weg überschlagen, aus dem er zum Ziele der„bemannten Rakete in den Weitraum" gelangen will. Er beabsichtigt, mit Hilfe einer kleinen Rakete zuerst die hohen Luftschichten der Erde bis 50 oder 80 Kilometer durch selbst- registnerend« Instrumente zu erforschen. Diese unbemannte Ra- kete kann man ins Meer zurückfallen lassen. Die Kosten einer solchen Rakete dürsten sich auf wenige tausend Mark beziffern. Natürlich gibt es unzählig« große und kleine Schwierigkeiten zu überwinden, ehe man das Problem der Weltraumrakete ver- wirklichen kann. Aber sie werden überwunden werden. Man wird sogar die größte Schwierigkeit, richtig zu landen, bewältigen Will man auf einem Wellkörper landen, der wie die Erde eine atmo- sphärische Hülle besitzt, so werden wir bei der Flugtechnik wissen- schastliche Anleihen machen und die Mittel für die Rakete so aus- bilden, daß sie gefahrlos.zum Erdboden niederkommt. Sehr schwierig erscheint dagegen aus den ersten Blick, aus einem Him- melskörper zu landen, der wie der Mond keinen Luftmantel hat. Die ungeheure Bewegungswucht der Rakete muß dann abgebremst werden; denn mit ihr würde die Rakete beim Niedergehen in Atom« zerstieben. Um das zu verhindern, gibt es ein einfaches Mittel: Man wendet die Rakete durch Richtjchüsse mit der Aus- strömungsöffnung gegen den anzulaufenden Himmelskörper, läßt sie anlausen und nunmehr durch den Gasansstoß ihr« Geschwindigkeit in derselben Weis« allmählich vernichten, wie man sie beim Weg- fahren austrieb. Man kann es dann leicht dahin bringen, sanft niederzugehen und auf den Boden aufzufetzen. Die größten Schwierigkeiten pflegt der Laie darin zu sehen, daß die Insassen Lust und Proviant genug besitzen, um während ihrer kosmischen Fahrten versorgt zu sein. Beide Dinge aber sind gelöst: denn in Unterseebooten hat man seit langem große Be- satzungen mit Lufterneuerungsapparaten erhalten und verprovian- tiert. Das Dichthalten einer Rakete gegen den leeren Weltraum macht wahrscheinlich keine Schwierigkeiten. In ollen den Fragen ist man überhaupt schon viel weiter, als man im großen Publikum glaubt. Man hat sich schon gewisse Vorstellungen darüber machen können, welch« Maße ein solches Weltraumschiff besitzen muß, wenn es zurückkehrt, man kann dann leicht auf die Massen schließen, die es bei der Ausfahrt, d. h. mit Brennstoff gefüllt, haben muß, und ist sogar in der Lage, die Fahrzeiten anzugeben. Die Reise Uon der Erde zum Monde ließe sich mit einer Rakete vom Endgewicht 6 Tonnen in etwa vier Tagen bewältigen, die Rückreise schon in dreien. Zum Mars würden wir in etwa 260 Tagen fahren können, zur Venus in etwa 150 Tagen. Allerdings ist man in der Rückkehr insofern be- schränkt, weil ja die Planeten um die Sonne laufen und weil dabei ihre Entfernungen voneinander stark wechseln. Man muß dann die richtigen Stellungen für die Rückkehr abpassen und in der Zwischenzeit, z. T. nutzlos für ein bestimmtes Ziel, im Weltraum verweilen. Fahrten zu den nächsten Planeten würden also immerhin ein bis mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Das erscheint den Zeitgenossen allerdings ungeheuerlich. Denn mir sind gewohnt, schnell zu reisen. Aber schsn wenn wir von Europa nach Neuseeland wollen, müssen wir auf fünf bis serlxs Wochen Fahrtdauer rechnen. Und die Weltumsegelungen der großen Entdecker haben bekanntlich Jahre in Anspruch genomnien. Be- denkt man die Größe der Zlufgabe, kosmische Räume zu durch- messen, so kann die Ausführung solcher Fahrten an der Länge der Fahrzeit nicht scheitern. Denn wissenschaftlich sind diese Dinge von ungeheurem, ja völlig ungeahntem Gewinn. Die astronomischen Beobachtungen im freien Weltraum, wie sie von der Rakete aus Her„Mann im Kasteit". möglich sind, sind wertvoller als alle von irdischen Sternwarten aus angestellten. Vielleicht- kann die Menschheit von dem Besuch des Mondes oder der benachbarten Planeten sogar unmittelbaren Nutzen haben. Und schließlich müssen wir uns ja so langsam doch daran gewöhnen, für Fortschritte Geld auszugeben, deren un- mittelbarer Nutzen uns noch nicht sofort einleuchtet. Inx. Kelix Innlcei Von der Schießbaumwolle bis zum Seidenstrumpf. Die Kunstseide hat sich in den letzten Jahren«ine stets wachsende Beliebtheit bei der Frauenwelt erworben. Vergleicht man die heutige Ztunstseid« mit den vor dem Kriege erzeugten Arten, so fällt allerdings auch sofort der ungeheure Unterschied auf, der zwischen beiden Produkten besteht. Damals war die Kunstseide wenig halt- bar und wenig widerstandsfähig gegen Nässe. Auch ihr Aeußeres ließ sehr viel zu wünschen übrig. Dann aber gelang es allmählich dem Zusammenarbeiten von Chemikern, Technikern und Kaufleuten, wesentliche Verbesserungen zu erzielen, und wenn auch vorüber- gehend Rückschläge eintraten und allzu kühne Hoffnungen sich nicht bewahrheiteten, so muß doch zugestanden werden, daß die Kunst- seid« heute«in ernsthafter Konkurrent der reinen Seid« geworden ist. Es ist deshalb«ine interessante Aufgabe, den Werdegang der Kunstseide zu verfolgen und einen Einblick in die Entwicklungsstufen dieses modernen Produktes zu gewinnen. Schon im Jahre 1734 hatte Rcaumur, der berühmte Physiker, den Gedanken ausge- sprachen, daß es möglich sein müßte, aus haarfeinen Düsen eine Spinnlösung zu pressen. Aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser Gedanke in die Tat umgesetzt. Der Anlaß war einer jener seltsamen Zufälle, wie sie oft für große Ent- deckungen und Erfindungen ausschlaggebend gewesen sind. Eines Tages ging der französische Chemiker Graf Chardonnet durch di« Säle einer Zellstosfabrik und betrachtete den gerade aus dem Kocher kommenden, wie Seide glänzenden Zellstoff. Bei diesem Anblick überkam ihn plötzlich die Ueberzeugung, daß aus Zell- st off künstliche Seide hergestellt werden könne. Es gelang ihm totsächlich, ein geeignetes Verfahren zu finden. Mit großer Energie und unter Einsetzung aller ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel gründete er eine Kunstseidefabrik, in der er seine Er- findung praktisch zu verwirklichen oersuchte. Chardonnet verwendete die sogenannte Nitrozellulose, die durch das„Nitrieren" der Zellulose durch eine Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure hergestellt wird. Die auf diese Weise gewonnene Flüssigkeit wird nun durch Druck durch feine Spinndüsen gepreßt, gebleicht und ge- trocknet. Leider aber haftet diesem Verfahren ein großer Mangel an. Die so erzeugte Kunstseide ist nämlich außerordentlich seuer- gefährlich. In Deutschland kam deshalb die Chardonnet-Seide nur in ganz bescheidenen Mengen oder überhaupt nicht in den Handel. In den letzten Iahren hat man das Produkt durch„Denitrieren" zu verbessern versucht, indem man die Seidenstränge in eine Lösung von Natriumsulfhydrat brachte. Trotzdem hat die Nitro- oder Chardonnet-Seide nicht die gleiche Beliebtheit erlangt als die anderen Kunstseidearten, wie die Bem be rg, die Ac eta t und die V i s c o s e s e i d e. Die Kupfer- oder Bemberg-Seide ähnelt in ihrer physischen Beschaffenheit sehr der reinen Seide. Sie wird durch ein besonderes Verfahren mit' Baumwolle als Rohstoff erzeugt. Unter Fernhältung von Luft wird die Baumwolle in einer Kupferoxyd-Ammoniaklösung ausgelöst und dann in besonderen Fallbädern, die verdünnte Säuren oder Laugen enthalten, gesponnen. Zum Schluß werden die Fäden entkupfert, d. h. vom Kupfer befreit. Heute wird die Bemberg- Seide nach einem im Jahre 1902 entdeckten Verfahren hergestellt. Der Chemiker Thiele vermochte zum erstenmal durch Verweu- dung einer langsamen und einer schneller wirkenden Fällflüssigkeit den Faden auszurecken und dadurch außerordentlich dünne und zarte Fäden zu erzielen, die sogar dünner sind als die F ätzen derreinenSeide. Um einem großen Mangel abzuhelfen, nämlich die Feftigkeits- einbüße in Nässe und Feuchtigkeit zu beseitigen, die leider beiden Verfahren noch anhaftete, hat man ein neues Verfahren angewandt, indem man Baumwollabfälle in eine essigsaure Verbindung brachte. Dadurch entstand das sogenannte Celluloses-Acetat. Das Acstat wird in Chloroform, in Alkohol und Aether aufgelöst, und man er- hält so die Lösung zum Verspinnen von Acetat-Seide. Die Acetat- Seide ist zwar heute noch verhältnismäßig teiier, aber sie hat den großen Vorzug der Festigkeit und Unempfindlichkeit gegen Nässe. Billiger und darum auch den Markt weit mehr beherrschend ist die Viscose-Kunstseid«. Sie macht heute etwa 88 Prozent der Kuustseidenproduktion aus. Es handelt sich um eine englische Erfindung, die an Stelle der teuren Baumwolle die billige Zellulose verwendete. Meist wird norwegisches Fichtenholz in einer- Kalium- sulfitlösung gekocht. Dadurch entsteht die Sulfitzellusose. die durch die Behandlung mit Aetznatron und Schwefelkohlenstoff aufgelöst wird. Diese Verbindung, Rohoiscos« genannt, wird naß versponnen. Darm wird die Kunstseide gewaschen, getrocknet und gezwirnt.. Das Zwirnen wird durch Zwirnmaschinen besorgt, die dem Faden eine bedeutende Festigkeit geben. Dann wird die Kunstseide auf Haspel- Maschinen gespannt und mit Querfäden versehen, damit die Einzel- fäden nicht in Unordnung kommen und endlich durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure und eine Nachbehandlung mit Schwefelalkalien«ntschwefelt. Zum Schluß wird die Seide gebleicht. Etwa vier Wochen hat so die Entstehung der Discose-Seide in An- spruch genommen. Dann wird sie auf Holzböcke gehängt und nach der Qualität sortiert. Während im Jahre 1922 etwa 38 000 Tonnen Kunstseide im Handel vorhanden waren, ist die Produktion innerhalb von 3. Jahren auf 90 000 Tonnen gestiegen. Wenn auch diese Zahlen im Ver- gleich zu den Mengen der anderen Textilfasern nicht sehr groß ge- nannt werden können, so zeigt doch die ständig wachsende Ziffer, daß die Kunstseide sich immer mehr durchsetzt. Jedenfalls ist es für Deutschland nicht nur, sondern für ganz Europa von größter volts- wirtschaftlicher Bedeutung, daß man aus dem Holz der Wälder eine Faser gewinnen kann, die der Baumwolle in vieler Hinsicht an die Seite zu stellen ist. Finnische Boxer im Berliner Ring. Bericht des Bundesvorsitzenden entgegennehmen, nachdem die Rom munisten versucht hatten, durch endlose Geschäftsordnungsdebatten die Tagung schon bei hrem Beginn auffliegen zu lassen. Als dana der Bundesvorsitzende ausführlich die Notwendigkeit geeigneter Der Kampf der Arbeitersportler unentschieden/ Deutschland- Finnland 5: 5 Schritte für die Erhaltung der Organisation begründete und zur In der„ Neuen Welt" wurde gestern abend der Länder. Bogtampf Finnland- Deutschland abgewickelt. erwartet hatte, ein überfülltes Haus vorzufinden, wurde schwer enttäuscht. Die Galerie war gänzlich unbesetzt und auch das Bar fett wies große Lücken auf. Möglich, daß zu diesem schwachert Publikumserfolg, noch dazu in Neukölln, der verhältnismäßig hohe Eintrittspreis von 1,50 M. beigetragen haben dürfte. Schade, daß der Besuch so dünn ausfiel, denn es wurde ausgezeichneter Sport geboten, nicht ein Versager, weder in der deutschen, noch in der finnischen Mannschaft. Leider wurden die„ Einheimischen" durch ein krasses Fehlurteil, oder vielmehr durch die Unfähigkeit von zwei Bunftrichtern, um den verdienten Sieg gebracht. Nach dem pierten Kampf war der Stand 4: 4. Zur legten Begegnung kletterten Kallinen( Finnland) und Milzinsti ( Berlin) in den Ring. Milzinski errang einen flaren Bunftfieg, der Ringrichter aber erklärte zur allgemeinen Verwunderung an Hand der Wertungszettel„ Unentschieden"! Wollte man durchaus verhindern, daß der Siegeszug der finnischen Arbeitersportler in der Provinz durch eine Niederlage in Berlin jäh unterbrochen wurde? Daß in Berlin anders als draußen in den Provinzstädten gebort wird, werden die Firmen gestern gemerkt haben. Zu den Kämpfen: Im Federgewicht trat G. Kuttanen Finnland( 57 kilo) gegen W. Konieczny I Berfin( 57 Kilo) an. Schon die erste Runde zeigte die technische Ueberlegenheit des Finnen, der dem Berliner auch an Größe und Reichweite überlegen war. In der zweiten Runde, die ziemlich hart verlief, erleidet Konieczny eine blutende Verletzung am linken Auge. Die dritte und legte Runde bringt auf beiden Seiten einen heftigen Fight; Kuffanen geht noch auf einen f. o. aus, ist aber selbst schon zu erschöpft, um Konieczny, der höllisch aufpaßt, auf die Bretter zu bringen. Der Punktfieg des Finnen war verdient. Einen überraschenden und völlig unerwarteten Ausgang nahm der Kampf im Leichtgewicht zwischen U. Lindevall Finnland( 62 Kilo) und A. Fromm- Berlin ( 62 Kilo). Die erste Runde sieht Lindevall in Front. Mit seiner Rechten, die er blitzschnell abschießt, kommt er mehrmals gut durch. Die Schläge zeigen bei Fromm sichtbare Wirkung. Fromm schlägt zu wenig variiert, hämmert ständig gegen die Deckung seines Gegners. In der zweiten Runde kommt das unerwartete Ende. Lindevall. liegt nach Punkten weit nach vorn, da gibt er Fromm eine Chance, die dessen Sieg bedeutet. In schwerem Schlagwechsel landet Fromm plöglich einen genauen Rechten auf die Kinnspitze seines Gegners und Lindevall schlägt wie ein gefällter Baum zu Boden. Er wird ausgezählt. und Den zweiten Leichtgewichtskampf bestritten E. Paavilainen Finnland( 62 Kilo) R. Kirchenstein Berlin ( 61 Kilo). Kirchenstein, absolut ein flevarer Boger, der schon manchen guten Kampf gezeigt hat, ist dem Finnen, schon äußerlich betrachtet, unterlegen. Er fängt rechts viel ein und muß in der zweiten Runde zweimal für kurze Zeit auf die Bretter; er fommt aber wider Erwarten gut über die Runde. Die letzte Runde sieht Paavilainen weiter im Vorteil, und er kommt zu einem überlegenen Punktsieg. Im Weltergewicht gelang es SchlößmannBerlin( 66 Kilo), den Finnen E. Mela( 66 kilo) nach drei schweren Runden nach Punkten abzufertigen. Schlößmann beunruhigt durch # seine famose Linke den Gegner ständig; besonders die linken Stopp stöße zeigen Wirkung. Die erste Runde geht hoch an Schlößmann. die zweite Runde ist ausgeglichen, der Finne fommt rechts mehrmals gut durch; die letzte Runde aber geht mit einem kleinen Plus wieder an Schlößmann, der damit seinen Sieg sicherstellt. Der Stand des Länderfampfes ist jeßt 4: 4 unentschie. den, und mit großer Spannung wird dem letzten Kampf im Mittelgewicht wischen A. Kallinen Finnland( 69 Kilo) und Ch. Milzinski- Berlin( 77 Kilo) entgegengesehen. In der ersten Runde gelingt es Milzinski durch genaue Treffer in Führung ersten Runde gelingt es Milzinsti durch genaue Treffer in Führung zu gehen. Durch geschickte Stopper hält sich der Berliner seinen Gegner, der allerdings bessere Fußarbeit zeigt, vom Leibe. Die zweite Runde ist völlig ausgeglichen; Milzinski macht einen erschöpften Eindruck. In der dritten und letzten Runde wird viel daneben geschlagen. Der Finne ist außerordentlich hart im Nehmen. Milzinski bringt mehrere schwere Körpertreffer an, die Kallinen sehr mitnehmen. Milzinski gibt nun das Heft nicht mehr aus der Hand. Wie schon eingangs erwähnt, lautete das Urteil ungerechterweise: Unentschieden. In den Rahmenkämpfen konnten Neumann( ND.), Ritter ( Allg. Ber.) und Konieczny II besonders gefallen. ,, Der Sport ist in der Spitze krank!". Strumm, Reinickendorf- Oft, Luzerner Straße 10, wenden. Für Oder der einsichtige Herr Dr. Diem. Die„ Deutsche Sportbehörde", die diesen Namen zu Unrecht frägt, weil sie feine städtische oder staatliche, sondern nur eine Verbands,, Behörde" darstellt, ließ sich aus Anlaß des dreißigjährigen Bestehens des Verbandes einen Vortrag von Dr. Diem, dom Reichsausschuß für Leibesübungen, halten über: ,, Der Weg zum wahren Sport." Die Gedanken, die Dr. Diem in seinem Vortrag entwickelte, find feit Gründung des Arbeiter- Turn und Sportbundes Ziel dieses Bundes. Es ist anscheinend hohe Zeit, daß die Führer der bürgerlichen Sportverbände den Ausschweifungen im bürgerlichen Sport Halt gebieten. Die riesigen Ausgaben für die Olympiade in Amsterdam, sowie seine Begleiterscheinungen scheinen ihre Wirkungen nicht verfehlt zu haben. Sprinter, Mittel- und Langstreckler, Werferund Stoßerkurse zur Weiterbildung der Sportgrößen der Deutschen Sportbehörde", das war die Hauptarbeit der letzten Jahre. Die Goldmünzen, die dafür ausgegeben wurden, hätten der deutschen Sportjugend mehr eingebracht, als die goldene Medaille in Amster dam. Derselbe Dr. Diem, der mit allen Mitteln den Bestrebungen der Spitzenkultur durch die Vorarbeit zur Olympiade gefördert hat und nun die Auswirkungen verspürt, sagt heute: Der Sport ist in der Spike frant. Spigenkultur ist allerdings notwendig als Weg zur Massenkultur, aber gegenwärtig ist die Organisation des deutschen Sportes übersteigert, da die Beranstaltungen zu sehr auf die Spigentönner zu geschnitten sind. Ein bekannter deutscher Kurzstreckler ist in der letzten Leichtathletikaijon mehr als zwanzigmal gestartet, davon nur dreimal in seiner Heimat. Er hat auf seinen Sportreisen 18 000 Eisenbahntilometer zurückgelegt, dafür 300 Stunden gebraucht. Insge ift er durch diese Sportreisen nicht weniger als 75 A ndentage feiner eigentlichen Beschäfti gung entzogen worden. Bei einem bekannten deutschen Mittelstreckler kamen sogar 20 000 Eisenbahnkilometer zusammen und ein Zeitraum von 80 Tagen, die er seinem Beruf entzogen mar. Bei einem bekannten deutschen Werfer waren es 60 Tage. Eine derartige Entwicklung führt zum Berufssport. Eine einzelne Sportreise ist ein Erlebnis, bei zu häufigen Wiederholungen sinken aber die Erlebniswerte und die Bildungssehnsucht. Dafür entsteht eine gewisse Technit, aus den Reisen einen Gewinn zu erzielen. Das widerspricht aber dem heutigen Begriff von einem Sportsmann, von dem man verlangt, daß er vor allem in seinem Beruf etwas leistet. Auch den Spizenfönnern darf nicht zugemutet werden, daß sie zum Schaden ihrer Zukunft zu oft hinausgeschickt werden, zumal das für ihre Gesundheit auf die Dauer nachteilig sein muß." Der Sportwart der DSB.", v. Halt, war allerdings der Ansicht, daß als Ergebnis der Olympiade in Amsterdam in Zukunft eine größere Härte für die Wettkämpfer notwendig ist. Nach Ansicht von Dr. Pelzer besteht aber die größere Härte im öfteren Starten. Der bürgerliche Sport wird erst dann in die Breite gehen, wenn er sich auf den Boden des Arbeitersports stellt. Bis dahin werden alle schönen Reden nichts helfen. Arbeiter- Schach. Resultate.- Weitere Kämpfe. = B Die Mannschaftsfämpfe der A. Gruppe, bei denen teilweise sehr zäh um den Sieg gerungen wurde, ergaben folgende Resultate: Friedrichshain gegen Memel 6%: 3%, Wedding gegen Kreuzberg 3% 2%( 4 Hängepartien) und Mitte gegen Treptow 8%%( 1 Hängepartie). 5 An kommenden Sonntag werden in der B. Gruppe die Kämpfe beginnen. Siemensstadt spielt gegen Mitte II in Siemens. stadt, Siemensstraße 34, bei Hesse, Westend gegen Friedrichshain II in Charlottenburg, Sophie- Charlotte- Str. 88 und Lichtenberg gegen Kreuzberg II in Lichtenberg, Wühlischstraße 36. Prenzlauer Berg ift spielfrei. Die Wettkämpfe beginnen um 10 Uhr. Heute, Sonnabend, veranstaltet die Abteilung Siemensstadt einen Werbetag. Die Abteilung Mitte ist zu einem Wettfampf verpflichtet. Außerdem: Gäfteturnier, Bligturnier und anIchließend geselliges Beisammensein. In der nächsten Woche wird pine weitere Abteilung in Reinickendorf- Ost gegründet. Der Spiel ag wird nach bekanntgegeben. Interessenten wollen sich an | die weiteren Gründungen wollen sich Schachspieler und solche, die es werden wollen, an folgende Adressen wefiden: Für Gesundbrunnen E. Frankl, Brunnenstraße 77, für Neukölln E. Brandt, S. 59, Gräfestraße 38, und in anderen Vereinsangelegenheiten an 6. Werwinski, S. 59, Planufer 91. Arbeiter- Schachspieler Weißenfee. Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, ist die Neugründung einer Abteilung der Freien ArbeiterSchachvereinigung Groß- Berlin, Abteilung Weißensee. Im Lokal Gallas, Weißensee, Berliner Allee, Ecke Lehderstraße, treffen sich alle bundestreuen Arbeiter Schachspieler und solche, die es werden möchten. Da der vom Bunde ausgeschloffene alte Berliner Arbeiter- Schachklub, Abteilung Weißenfee, das Lokal Gallas aufgegeben hat, weil der Wirt ein Sozialdemokrat ist, sollten sich nun erst recht alle aufrechten Schachspieler am Dienstag zur Neugründung einfinden. Der ,, Tag" im Sportpalast. Die Starterlisten zum 25- Stundenrennen. Das Feld, das heute abend punkt 22 Uhr im Sportpalast auf die 25- Stunden- Reise geschickt wird, enthält folgende zwölf Mannschaften: Wambst- Lacquehai( Frankreich), Goossens Stockelynck( Belgien), Vermandel- Verhaegen( Belgien), Rielens( Belgien)-Jan van Kempen( Holland), Horan( Amerika)-Koch( Berlin), Frankenstein( Köln)-Buschenhagen( Berlin), Miethe( Berlin)-Knappe( Breslau), Behrendt- Manthey( Berlin), Wette- Beinert( Berlin), Preuß- Resiger( Breslau), Heinrich Suter( Schweiz)-Stupinski( Breslau), Tietz- Kroll( Berlin). Die Teilnehmerschar besteht also aus vier ausländischen, zwei gemischten" und sieben deutschen Paaren. Das lange Rennen enthält eine große Anzahl von Wertungsspurts, nämlich in der Sonnabendnacht drei Wertungsgruppen( je 10 Spurts um 11 Uhr, 1 Uhr nachts und 4 Uhr morgens), am Sonntag drei Wertungsgruppen zu je fünf Spurts( 12 Uhr mittags und 3 und 5 Uhr nachmittags) und um 8 Uhr abends weitere zehn Spurts. In der 25. Stunde, der berühmten„ Spurtstunde", wird ebenso wie bei dem Sechstagerennen jede zehnte Runde gewertet, so daß mit über 20 Spurts zu rechnen ist. Dem langen Rennen gehen zwei Borwettbewerbe vor= aus, die um 20 Uhr ihren Anfang nehmen. An dem Fliegerrennen mit Vorlauf und einem Hoffnungslauf, sowie einem 150- RundenBunktefahren mit sechs Spurts nimmt eine Anzahl guter Berliner Fahrer teil, darunter Feder, Weyer, Kantorowicz, Kedzierski, ferner die beiden Dänen Jensen und Nygaard. Freie Bahn in Halle! Die Samariter räumen auf. In Halle fand dieser Tage eine im Auftrage des Bundesvorstandes des Arbeiterfamariter bundes einberufene außerordentliche Kreiskonferenz des III. Kreises statt, die sich mit den durch die kommunistische Spaltungsarbeit unerträglich ge wordenen Verhältnissen beschäftigte. Die Einladungen zu dieser Sigung waren jagungsgemäß von dem kommissarisch bestellten Kreisleiter Ferchlandt- Halle ausgegangen; gleichwohl lud die kommunistische Fraktion der Arbeiterfamariter des Kreises durch den ausgeschlossenen, ehemaligen Kreisleiter Keßler- Piesteriz zu einer besonderen Tagung nach Halle ein. Die kommunistischen Spalter traten aber auch geschlossen zu der rechtmäßig einberufenen Tagung an, brachten den ausgeschlojfenen Keßler- Biesterik als Sprecher mit und verlangten, daß dieser jagungswidrig an der Tagung teilnehmen und sie leiten sollte. Der tommiffarische Kreisleiter Ferchlandt und der Bundesvorsigende Kretschmar griffen jedoch sofort ein, Reßler entfernte sich, und die Versammlung fonnte zunächst ohne größere Störungen den Abwehr der tommunistischen Spaltungsversuche aufrief, setzten die Vorstöße der kommunistischen Fraktion wiederum ein. Der kommunistische Fraktionsführer Keßler drang widerrechtlich in den Versammlungsraum ein, hielt eine von der widerlichsten Verleumdungen und Beschimpfun gen gespickte Brandrede und forderte die Delegierten auf, sich für ihn einzusetzen und die Anweisungen des Bundesvorstandes nicht zu befolgen. Als die kommunistische Spektakelszene fein Ende finden wollte und die kommunistische Fraktion dem Spalter Beifall brüllte, schloß der Bundesvorsitzende die Tagung mit der Aufforderung an die bundestreuen Delegierten, den Saal zu verlassen. Der Bundesvorsitzende und einige bundestreue Delegierte wurden dann beim Verlassen der Tagung von den kommunistischen Spaltern beschimpft und bedroht. Damit ist die Spaltung des dritten Kreises des Arbeiter Samariterbundes endgültig durch die Kommunisten voll 3ogen worden. Der Bundesvorstand wird alsbald durch geeignete Maßnahme die Arbeiterfamariterbewegung des Kreises neu aufbauen. Der Athlet Hutter ist nicht bundestreu! Zu unserer Mitteilung ,, Klarheit bei den Arbeiter athleten" im Sportteil des Abends" vom Montag teilt der als„, bundestreu" bezeichnete, der Kommunistischen Partei an gehörende Redakteur Hutter mit, daß er mit den Maßnahmen des Bundesvorstandes der Arbeiterathleten nicht einverstanden ist. Er sei zwar für die Einheit der Arbeitersportbewegung, stehe aber zum alten Kartell( und sei demzufolge für die Einheit" nach tom munistischem Rezept! Red.) Wir bedauern, Herrn Hutter zuviel sportliche und organisato rische Einsicht zugetraut zu haben. Dann schickt uns auch der Borsigende des Berlin- Brandenburger Kreises im Arbeiter- Athleten- Bund, der kommunistische Landtags abgeordnete Sellheim, eine Berichtigung. Sellheim will alles nicht wahr haben, was wir berichteten, und teilt uns zum Schluß mit, daß eine Mißtrauensresolution gegen den„ Abend" angenommen mwurde. Wir nehmen an, daß das Mißtrauen der Athleten- Kommu nisten gegen unser Blatt nicht erst seit der Vorstandssizung vor handen ist, sonst kommt ihnen schließlich noch Moskau auf den Kopf. Neue Rekordversuche im Höhenflug. Auf dem Flugplatz Dübendorf bei Zürich haben die schweize rischen Piloten Bärtsch und Burkhard neue Rekordversuche in Höhenflug unternommen. Zuerst startete Bärtsch, ausgerüstet mit Sauerstoffapparat und drei Barographen, wovon zwei für die offiziellen Messungen mitgeführt wurden. Der Pilot erreichte eine Höhe von annähernd 10 500 Metern und registrierte in ben oberen Regionen eine Kälte von 52 Grad. Burkhard führte die gleichen Apparate mit wie sein Vorgänger, begann bei 5000 Meter Höhe mit der Sauerstoffatmung und registrierte eine Kälte von etwa 55 Grad. Einer der Barographen zeigte eine Höhe von 10 000 Metern an Beide Piloten haben in einer Höhe von 9000 bis 10 000 Meter ziemlich starke Böen festgestellt. Die ersten offiziellen Messungen haben für Bärtsch eine Höhe von 10 600 Metern und eine Flugdauer von 138 Minuten ergeben, für Burt hard ergab sich eine Höhe von 9900 Metern und eine Flugdauer von 84 Minuten. Neue Bücher. 2. Schupp, Unterkunftshäuser in den Ost- und West alpen. 187 Seiten, farbiger Umschlag. Preis 1,50 m Bergverlag Rudolf Rother, München. Ein Hüttenverzeichnis ohne jeden Ballast, so beschaffen, daß es auf Reisen im Rudjad mitgenommen werden kann. Das vorliegende Heftchen bringt nicht nur ein Verzeichnis der Unterkünfte in den Oftalpen, sondern ange sichts der immer mehr zunehmenden Fahrten in die Alpengebiete der Schweiz, Frankreichs, Südslawiens und Italiens westlich des Ortlers, Adamellos und der Prefanella wurde auch das Gebiet der Bestalpen mit einbezogen. Es unterrichtet über Lage, Vereins zugehörigkeit( sofern es sich nicht um private Berggaststätten handelt), über die Zeit der etwaigen Bewirtschaftung, die Belegbarkeit und zum Teil auch über die Benügungsgebühren. Für die Ostalpen Deutschlands und Desterreichs sind auch die besonderen Vergünsti gungen für Jugendwandergruppen berücksichtigt Emil Solleder, Schnee und Wachs. 60 Seiten, mit farbigem Umschlag. Geheftet 1,25 M. Bergverlag Rudolf Rother München. Der Skifahrer, Trainer und Olympialäufer Emil Solleder stellt in knappen Umrissen seine Erfahrungen über Schnee arten, anzuwendende Wachse, Stipräparation und ähnliches zur Verfügung. Kein Stilehrbuch, sondern ein Handbuch der Praxis alles dessen, was der ernste Stifahrer außer seinen Fahrtenntnissen unumgänglich sich zu eigen machen muß. Bolkstanzkreis Prenzlauer Berg. Morgen, Sonntag, veranstaltet der Kreis im Altersheim, Danziger Straße 62, ab 19 Uhr einen Gäste herzlich willkommen. Jugendtan 3 Volkstanzabend. treis Wedding übt jetzt wieder jeden Montag ab 19% Uhr im Schradersaal, Malplaqueistraße 14/16. Arbeitersport im Kreis Tiergarten. Innerhalb des Kreises Tier garten haben sich alle bundestreuen Vereine zusammengefunden und das Arbeiter- Sport- und Kulturfartell, Bez. Tiergarten, gegründet. Jede Auskunft über Fragen des Arbeitersports erteilt: Erich Richter, NW 21, Wiclefstraße 20. Montag, 10. Dezember, 20 Uhr, Sigung des Bezirk startells in der Vorwärts"-Spedition, Wilhelms havener Straße 48. SPD.- Sportler, Parteimitglieder des Weddings! Die Mädchen abteilung der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Bez. Wedding, be geht heute, Sonnabend, 8. Dezember, ab 19% Uhr, im Bharus faal, Müllerstraße 142, ihre Werbe- und Weihnachtsfeier bestehend aus furnerischen, rhythmisch- gymnastischen Vorführungen aller Art. Da die Abteilung Abteilungs- und Kreisveranstaltungen der Partei jederzeit durch ihre Darbietungen unterstüßt, bittet sie die Barteimitglieder des Weddings, die Veranstaltung recht zahlreich 3 besuchen. Arbeitersport in Hohenschönhausen. Die Freie Turnerichaft Groß- Berlin eröffnet nun auch in Hohenschönhausen ihre Abteilungen für Männer, Frauen und Jugendliche. Beginn des Turnbetriebes Montag, 10. Dezember, 20 Uhr, Turnhalle Roedernstr. 69/72. Jest haben wieder alle bundestreuen Sportler in Hohenschönhausen Ge fegenheit, mit Gleichgesinnten ihren Sport zu pfleger Bundestreue Vereine teilen mit: Rampfrichter- Bereinigung 1. Rreis, Turner, Männer und Frauen. Treff Pent Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, Turnhalle Straßmannstr. 6. Waferspartierinren. Serte Fanneb. 8. Tember, 191, be Frankfurter Allee 286, Frauenfonferens. Ber Snteresse an der p hat, ift herzlich eingeladen. Die Reigenschwimmerinnen find verpfit, iet erfcheinen. 9 R