Albendausgabe Jr. 582 290 45.Jahrgang Böchentlich 8531, monetfid 3,80 R. tm voraus zahlbat, Boftbezug 432 M. einicht Bestellgeld. Auslandsabonne ment 6-2 pro Monat. Der Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit bem Titel„ Der Abend. Juuftrierte Beilagen Bolf and Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen".. Frauen timme". Technit". Blid in bie Bücherwelt und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Montag 10. Dezember 1928 10 Pfennig Dte etnia alttge Sonpareillezetle 60 Bfennig. Retlamezeile 5- Reichs mart Aleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Bfennig zuläffig zwet fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengefuche bas erite Bort 15 Bfennig, jebes mettere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben sählen für zwei Borte. Arbeitsmart Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Sinben Straße& wochentagl. von 8%, bis 17 Rentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin ST 68, Lindenstraße 3 Vorwärts: Berlag G. m. b. H. Ferniprecher Donboft 292-297 Telegramm- br: Costaldemokrat Berlts Boftichedkonto Berlin 37 536 und Beamten Wallitt. 65 Banflonto: Banf bez Arbetter. Angestellten Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafle Lindenstr. 8 Friedrich Ebert Hof. Ein Kulturwerf in Kottbus.- Märkischer Wohnungstag. Am&. und 9. Dezember fand in offbus der zweite Märkliche Wohnungsfürsorgetag ftatt. Die Tagung, die mit einer Einweihung neuer Arbeiterwohnungsblods verbunden war, hatte der Revifionsverband gemeinnütziger Baugenoffenschaften e. V. in Gemeinschaft mit der Dewog, Tochtergesellschaft für Brandenburg. der Märkischen Wohnungsbau G. m. 6. H., veranstaltet. Die Tagung und der am Sonntag veranstaltete große Feftzug durch die Stadt bildeten eine wuchtige Kundgebung für die Forderungen der gemeinnützigen freigewertschaftlichen Wohnungsfürsorge. Sie war darüber hinaus an alle, die es angeht, eine Mahnung, mehr noch als bisher dem Wohnungsbau in der Provinz die größte Aufmertfamfeit zuzuwenden. Die Tagung murde am Sonnabend von dem Borsigenden der gemeinnüßigen Wohnungsbau- Genossenschaft( Gemoba), Rottbus, er öffnet. Unter den überaus zahlreich erschienenen Gästen sah man Bertreter der Arbeiter und Angestelltenorganisationen sowie vieler staatlicher und städtischer Behörden. Als erster Referent sprach der Leiter der Demog Richard Linnete, über das Thema: Der gemein niigige Wohnungsbau und die Demog- Bewegung Diese Tagung habe in erster Linie den Zwed, einen Rückblid über die Arbeit zu gehen, die bisher im Begirt Brandenburg geleistet worden ist. Eine enge Zusammenarbeit bestehe zwischen den Gewerkschaften, ber Sozialdemokratischen Partei und den Dewog- Baugenossenschaften. Darüber hinaus müsse anerkannt werden, daß auch zahlreiche Re gierungsbehörden der Bewegung größtes Verständnis entgegen. brachten. Die Demog, bie im nächsten Frühjahr fünf Jahte besteht, hat in diefer furgen Seit bereits rund 15 000 Kleinwohnungen für die arbeitende Bevölkerung fchaffen tönnen. Diese Zahl merbe fich in kürzester Zeit noch e heblich erhöhen. Sehr interessant war die Mitteilung, daß der Magiftrat der Stadt Harburg soeben beschlossen habe, feine gesamten Baugenossenschaften durch den Demog Revisionsverband revidieren zu lassen, um die Gewähr zu haben, daß es fich um wirklich gemeinnüßige Baugenossenschaften handelt. Einen scharfen Rampf führe der Berband gegen Genossenschaften, bei denen die Gemeinnüßigkeit" lediglich eine Rulisse zur Ber dedung irgendwelcher privattapitalistischer Profitintereffen ist. Heute wird vom Reichsarbeitsministerium die Zahl der Wohnungen, die errichtet werden müßten, um die Boh. nungsnot in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren wenigftens annähernd zu beseitigen, auf rund 300 000 geschäßt Also eine noch höhere Sahl, als jene, die vor längerer Zeit von den freien Gewerkschaften aufgestellt worden war. Die Durchführung eines folchen Programms ist jedoch nur möglich, menn eine entsprechende Finanzierung gefichert wird. Deshalb richtet die Demog an die Bertreter der Parlamente die Mahnung, bei der Berab schiedung Des neuen Gebäudesteuerentschuldungs= gesetzes sich dafür einzusehen, daß ein entsprechender Betrag sogleich für den Wohnungsbau für lange Zeit fest gesichert wird. Die Schaffung einer ausreichenden und auf lange Frist ein gestellten Wohnungsbaufinanzierung ist die Hauptforde rung des Augenblids, die die Dewog an alle maßgeblichen Stellen zu richten hat. lleber den Aufbau und die Arbeit der Märkischen Wohnungsbau- G. m. b. S. referierte sodann im belonderen der Prokurist dieser Gesellschaft Hans Krauß Billigen und gefunden Wohnraum zu schaffen, das sei die Aufgabe des Märkischen Bohnungsbaues in seinem Bezirt, der Mart Brandenburg. Zur Erfüllung dieser Aufgabe sei insbesondere der Ruf nach billigen Hypothekengeldern nötig, daneben wird der Bau guter und billiger Wohnungen durch Anwendung einer rationellen Baumeise bei großen zusammenhängenden Wohnungsbauten ermöglicht. Die organisierte Arbeiterschaft bediene sich der neuen Kampfmittel eigener wirtschaft licher Organisationen nicht nur im Interesse einer bestimmten Klaffe, sondern im Intereffe des gesamten Boltes. Durch gemeinsame Arbeit müßten wir versuchen, die in jedem einzelnen ruhenden egoistischen Bestrebungen niederzudrücken zugunsten einer wahrhaften Gemeinschaftsidee. Der Rebner wandte sich sodann im einzelnen gegen die zu starte Propagierung des Eigenheimgedankens, der heute noch an den zu großen Schwierigkeiten scheitern müßte. Der Martische Wohnungsbau lehne es ab, für Begüterte zu bauen, die auch auf anderem Bege eine Wohnung erhalten fönnten, ebenso befämpft er aber auch den Bau von sogenannten Rotwohnun. ger Auch durch dieses Referat tlang immer wieder hindurch, daß die elementare Forderung einer jeden Wohnungspolitik die Regelung der Geldfrage ji. Das Unternehmen habe die größte Unterstügung durch die mirbeiterbant und die Industriebeamten- Sparbant, sowie von der ( Bortlegung auf der 2. Geite.) T Die Stadt des Rats. In Lugano( Schweiz) tagt gegenwärtig der Völkerbundsrat. Das sonst so sonnige Städtchen wird zurzeit von schwerem Dauerregen heimgesucht. Locarno in Lugano. Briand besucht Stresemann. Bugano, 10. Dezember.( Eigenbericht.) mit zahlreichen faschistischen Heilrufen begrüßt wurden. Die leber Briand verweilte längere Zeit bei Stresemann. flebung der italienischen Aufrufe mit antifaschistischen Proteften und Die Unterhandlungen zwischen den Außenministern, die ein starkes Polizeiaufgebot bei Ankunft der Staliener trugen dazu fortgesetzt werden, betreffen nicht nur den Räumungs- bei, daß sich die italienische Ankunft besonders bemerkbar machte. konflikt, sondern auch die Tagesordnung der Natssitzung, wie die oberschlesischen Fragen. Abweichende Auffassun gen bestehen im wesentlichen in der Frage der Rheinlanbräumung. Briand äußerte, seine Aufgabe sei es, Stresemann zu überzeugen, daß der Patt von Locarno nicht tot jei. Lugano, 10. Dezember. Sieg in Stuttgart. Gozialdemokratie gewinnt drei Mandate, Hugenberg verliert die gleiche Zahl. Stuttgart, 10. Dezember.( Elgenbericht.) Bei der Gemeinderatswahl in Stuttgart hat die Sozialdemokratie nach den vorläufigen Zählungen ihre Der französische Außenminister Briand hat heute, vormittag Chamberlain aufgesucht, um die gestern abend mwegen der vorgerüdten Stunde unterbrochene Besprechung fortzusetzen. Die Unter- Stimmenzahl von 24 984 auf 40611 gesteigert Sie etredung dauerte eine Dreiviertelstunde. Heilrufe in Lugano. Lugano, 10. Dezember.( Eigenbericht.) Am Montag früh beginnt die 53. Ratstagung in Lugano mit der üblichen geschlossenen Sigung zur endgültigen Zusammenstellung der Tagesordnung. Lugano bemüht sich, dem Ereignis, dem Völker: bundsrat in seinen Mauern zu haben, einen festlichen Anstrich zu geben. Stadt und Seeufer find beflaggt und illuminiert, Alle befanuteren Ratsmitglieder wurden am Bahnhof von einer beifallsfrohen Menge empfangen; nur der italienische Generalkonsul mußte in einer öffentlichen Aufforderung an die italienische Kolonie dafür Sorge tragen, daß Scialoja und Grandi Karl Vorländer gestorben. Krieg in Südamerika Berichte 2. Seite hält 10 Sihe, während sie nur 7 zu verteidigen hatte. Sie hat also 3 Mandate gewonnen. Die kommunisten verloren etwa 600 Stimmen, behaupteten aber ihre vier Mandate, die zur Wahl geftanden hatten. Die Deutsch nationalen verloren von 7 Size 3, die Demokraten von 6 Sitzen 2, die Deutsche Bolks. partei von 4 Sigen 1, während das Zentrum 1 Sih gewann und die Volksrechtspartei sowie der Chriftliche Volksdienst, der zum ersten Male Borschläge eingereicht hatte, je einen Sih erhielten. Die anderen Splitterparteien find bei der Mandatsverteilung ganz ausgefallen. Die Wahlbeteiligung betrug 52,28 Proz Jn Ulm fteigerte die Sozialdemokratie Ihre Stimmenzahl von 3790 auf 5351 und behauptete ihr fünf zur Wahl stehenden Mandate. Die Wahlbefeiligung betrug hier etwa 60 Proz Westarp darf mittun... Wie die deutschnationale Breffeftelle mitteilt, gehört zu dem neugebildeten deutschnationalen Parteivorstand auch der Vorsitzende der Parteifraktion im Reichstag. In der Mitteilung über die Neubildung des Borstandes am Sonnabend ist infolge eines Schreibfehlers bei der Aufzählung der Fraktionsführer das Wort im Reichstag" ausgefallen. Das war ein sehr jeltjamer Betriebsunfall. Aber immerhin: Bestarp darf doch nocy mittun EE Märkischer Wohnungstag. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Lolkssürsorge erfahren. Insgesamt ist es der Gesellschaft gelungen, inzweiIahrenruiid1903Wohnungenzuerrichten. Alle Wohnungen werden nach Möglichkeit mit den modernsten tech- nischen Errungenschaften versehen, ein sehr hoher Prozentsatz hat Warmwasserversorgung, zentrale Beheizung und auch zentrale Wasch' anlagen. Als letzter Redner sprach der Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin, Brandenburg, Grenzmark, P. Brühl. Alle die furchtbaren .Zustände, die nach dem Zusammenbruch und als Folge des verlorenen Krieges in Deutschland herrschten, sind von der großen Oeffenllichkeit sehr schnell wieder vergesien worden. Wenn man sich einmal die Zahlen und Berichte der Arbeitsnachweisämter jener Zeit vor Augen führt, kann man erst ermessen, welchen Ausschwung das deutsche Polt seit jener Zeit genommen hat. Noch weit schlimmer als in den großen Städten und auch in den mittleren Provinzstädten sei das wohnungselend aus dem flachen Lande. Wenn man diese Frage bespreche, könne man an«r traurigen ll.at- fach« nicht vorübergehen, daß immer wieder deutsch« Grohgrund- besitzer polnisch« Landarbeiter trotz großer Arbeitslosigkeit im eigenen Land« nach Deutschland rufen, nur well sie billiger arbeiteten und sich mit Wohnlöch«rn abfinden ließen, die der deutsche Arbeiter mll Recht zurückweise. Hier bald eine Besserung zum Guten zu bringen, sei auch eine der wichtigen Ausgaben, die die Gesetzgebung noch zu lösen habe. Das Bestreben seiner Behörde gehe dahin, den Werks. Wohnungsbau mehr einzudämmen und dafür den Bau von eigenen Landarbeiterheimen zu fördern. In der Diskussion sprachen der Oberpräsideat Lüdemann, als Vertreter der sozialdemokratischen Landtagssraktion der Abg. Drllge» müller, als Delegierter des Bezirks Wasserkante der Dewog-Revisions- vsreinigung Architekt Alois C. Klement, weiter Bürgermeister Geist. Finsterwalde und Bollmershau» vom ADGB. Berlin. In einem Schlußwort faßte Linneke das Ergebnis und den Sinn der überaus glücklich verlaufenen Tagung noch einmal zusammen. -S- Am Sonntag sprach in einer Massenkundgebung von 7000 bis 8000 Menschen bei der Einweihung des Ariedrich-Eberl-Hoses der Reichstagspräsident Paul Löbe. Löbe sprach sein« Freude über die tatkräftige Arbeit der Bau- Genossenschaft aus, die innerhalb kurzer Zell den Bau von 200 Woh- niingen zustande gebracht hat. Er gedachte des verstorbenen Reichs- Präsidenten Friedrich Ebert, dem zu Ehren auf dein Hofe des Ge» bäudekomplexes ein einfacher Gedenkstein errichtet wurde. Musik- vortrüge umrahmten die schlichte Feier. Karl Vorländer gestorben. Münster. 10. Dezember.(Eigenbericht.) Genosse Kurl Vorländer, Professor der Philosophie in Münster, ist im Aller von 69 Jahren am Sonnabend in Münster gestorben. Karl Borländer gehörte zu jenen geistigen Kreisen, die von den Nichts-als-Politikern wenig gekannt und wenig geachtet, dennoch »an mitscheidendem Einfluß auf di« geistig« Gsstall des modernen Sozialismus sind. Seine Lebensarbeit war di« Erkundung der Beziehungen zwischen dem modernen Sozialismus und der Philosophie, der Versuch, der reinen naturwissenschaftlich- kausalen Begründung des Sozialismus ein« philosophisch- ethische Begründung zur Saite zu stellen. Borländer war schon vor dem Kriege Soziali st. Cr lebte als Gymnasiallehrer in Solingen. Unter dem Pseudonym „Akademus" schrieb er seine philosophischen Aussätze in der„Neuen Zeit", seine kurz gefaßte Geschichte der Philosophie hat wettest« Ver- breitung. Sie wurde für einen großen Teil der sozialistischen Ar- beiter das, was früher Friedrich Albert Lange»„Geschichte des Ma« terialismus' gewesen war. Im Jahre 1911 erschien seine Arbeit „Kant und Marx, ein Beitrag zur Philosophie des Sozialismus". Er blieb unter dem alten Regime Gymnasiallehrer, sein Bekenntnis zum Sozialismus, feine Beziehungen zum Parteiblatt in Solingen verschlossen ihm den Weg zum UnioersttStslehrstuhl. Erst nach der Revolution wurde er Unioersttäteprofessor in Münster. Di« Sozial- demokratische Partei entsandte ihn auch in den Preußischen Staatsrat. Seine Anschauungen fußten auf den Arbeiten der Neukantianer Hermann Cohen und Paul Natorp, der Philosophen der sage- nannten Marburger Schule. Er ging aus von dem Satze Hermann Cohens, daß die politische Idee de» Sozialismus in jener Fassung des„kategorischen Imperativ" begründet Lege, die in einem jeden die Menschheit zu achten und kstnen bloß als Mittel, sondern immer zugleich als Zweck anzusehen verlangt. In diesem Sinne hat Vorländer zur Klärung des sozialistischen Denkens beigetragen. Seine Arbeiten suchten in der Philosophie Kants die erienntniskritische Fundierung und philosophische Ergänzung de» Marxismus, nicht um Kant zum So- ziolisten zu stempeln, sondern um eine Verbindung der Wissenschaft- liehen Methoden von Kant und Marx herbeizuführen. Die Verbin- dung zwischen Marxismus und naturwisimrschastlichem Materialismus im Bulgärmarxismus drohte ein« Derblasiung und geistige Ver- ödung de, Sozialismus herbeizuführen, der Sozialismus als Na- turnatwenüigkeit wuvde bei den Massen der Fundamentalsatz marxl- stischer Erkenntnis, der die Gefahr des Fatalismus in sich schloß. Der Versuch, den Sozialismus ethisch zu begründen, stellte dagegen dos wUlenmählge, das sittlich« Ideal als stärkst« Kraft im Prozeß der gesellschaftlichen Entwicklung In den Bordergrund. Die Anschauungen Vorländer» wie überhaupt der Schule der Neukantianer im Sozialismus stießen vor dem Kriege auf sehr hestl- gen Widerstand in sozialistischen Kreisen. Die Position des natur- wlsicnfchastlichcn Materialismus war damals noch ungleich stärker als heule. Gegenüber dem Versuch, den Sozialismus ethisch zu begründe», stand andererseits der Versuch Karl Kautsky, die Ethik und das Sittengesetz biologisch zu erklären. Die ältere Auffassung des Begriffes Naturgesetz spukte unheilvoll in der sozialistischen Theorie. Es war notwendig, demgegenüber klarzustellen, daß die Erkenntnis der Notwendigkeit des Sozialismus den einzelnen nicht ebenso notwendig zum Kämpfer für ihn macht, daß vielmehr die sittlich« Billigung der Notwendigkeit hinzu- treten muß. Für unsere Zell steht im Vordergrund das„Ich will", die starke Betonung des Willensmäßigen, das sich an der Zielsetzung orientiert. Eine Bewegung mit großen gesellschaftlichen und geistigen Ztelen bedarf dieses Gefühls de» lebendigen Wollens und de» Glaubens an die Berwirtlichung des silllichen Veal». Karl Lorländer gehört« zu jenen, di« gegenüber den vom natur- wijfenschaftlichen Naturalismus ausgehenden und zum Fatalismus führenden Tendenzen dos Cersiändnis für die hervorragende Roll« d«r sittlichen Leidenschaft in der sozialistischen Bewegungen neu be- lebt haben. Seine Lebensarbeit Hot beigetrogen zur Klärung des sozialistischen Denkens, zu jener freieren geistigen Haltimg, die den Sozialismus von heute kennzeichnet. Kundgebung der Werkmeister. (Severins spricht zu 6000 Mitgliedern des Werkmeister-Verbandes. Die Kundgebung, die der Bezirk X des Deutschen Werkmeister- Verbandes am Sonntag vormillag im Großen Schauspielhause ver- anstallete, war ein glänzender Erfolg. Schon lange vor Beginn war der ganze Raum derart gefüllt, daß die Polizei zur Absperrung schritt. Es mußte daher im„Tunnel" eine Parallewersammlung improvisiert werden. Etwa 6000 Werkmeister waren dem Ruf Ihrer Organisation gefolgt. Oben sprach als erster Redner der Reichsinnenminister Severing, von den Lersammeltsn stürmisch begrüßt. Er versicherte einleitend, daß auch auf ihn die bedeutsame Kundgebung einen ü b e r w ä l» tigenden Eindruck mache. Er ersehe daraus, wie gewallig sich der Geist unter den Werkmeistern in den letzten drei Jahrzehnten gewandelt habe, und daß sie heute nicht mehr ihre Klassenlage falsch einschätzen. Sie, die früher als die Unter- offiziere des Kapltalismu« betrachtet wurden, fühlen sich heute nicht mehr als eine neutrale Gruppe, die gegen die Arbeiterschaft ausgespielt werden kann. Die Werkmeister sind längst nicht mehr die Heloten des Kapitals. In dieser gewalligsten Kund- gebung von Angestellten, die er erlebte, zeige sich, daß auch di« deutschen Werkmet st er mll den Arbeitern neben einem freien Staatsbürgertum, ein freies Wirtfchastsbürger» t u m erstreben. Die Meister im Betriebe sind Meister in der Gewerkschaft geworden. Das Solidaritätsgesühl der Werkmeister mit der organisierten Arbeiter- und Angestelltenschaft sei in dieser Kund- gcbung zu klarem Ausdruck gekommen. Severing schloß seine Ausführungen mll der Ermunterung:„Fühlen Sie sich als schaffende Glleder eines freien wirtschaftlichen Deutschland. Wohin Sie auch marschieren werden, ich bin dabei, denn ich kenn« Ihre Ziel«. Sie können sich darauf verlassen, wo ich auch immer stehen möge, ich werde Ihr Mitstreiter sein." Nach dem nicht endenwollenden Beifall, der Severings Aus- sührungen folgte, ergriff Reichstagsabgeordneter Kurt Heinig das Wort zu einem längeren Vortrag, worin er die Bedeutung der Rolle des Werkmeisters im Produktionsprozeß in der Dortriegszeit mit der in der heutigen Zeit der Rationalisierung verglich. Er forderte die Bersammellen auf, sich in den Betrieben nicht in die Eck« drücken zu lassen, sondern überall ihren Mann zu stehen. Die Kundgebung wurde eingelellet und abgeschlossen durch Gesänge de» Werkmeister- sängerbundes. H e i n i g hall« während Severing» Rede im Tunnel gesprochen und auch Severing nahm sich nach seinem Lortroge noch ein paar Minuten Zeit zu einer Aussprache an die unten versammelten Werkmeister. Auch hier erntete er lebhaften Beifall. Der Vorsitzende des AfA-Bundes. Reichstagsabgeordneter Auf- Häuser, zog au» dem überraschend guten Besuch der Bersamm- lung den Schluß, daß di» Annahm«, als Hab«.ein« gewiss» Müdig- kell Platz gegriffen, widerlegt sei. Auch diese Schicht zwischen Arbeiter und Unternehmer sei von dem Solidarllätsgedanken erfaßt. Der Verband ist es, der die Brücke zur gesamten Arbeitnehmer- schost geschlagen hat. Die Bedeutung- dieser Kundgebung liege darin, daß die Industriellen einmal sehen, daß sie auch mit den Werkmet st«rn zu rechnen haben. Der Ruhrkampf, der der Vernichtung des Schlichtungswesens galt, zeigte deutlich, wie das Unternehmertum zur Arbellnehmerschoft steht. In dieser Zell muß sich entscheiden, ob die Unternehmer olle Vorteile der Rationalisierung für sich allein beHallen, oder die Arbeitnehmerschaft, die die Lasten der Rationalisierung zu tragen hati ihren berechtigten Anteil daran haben soll. Möge diese Kund- gebung mit dazu beitrogen, sich der eigenen Kraft bewußt zu sein. Mll einem Hoch aus den Deutschen Werkmeisterverband schloß diese seltene Kundgebung. Vom Schnellzug geiöiet. Die sozialistische Abg. Frau Schilling bei Leipzig überfahren Leipzig, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Einem tragischen Unglücksfall ist unsere Genossin Martha Schilling. Mitglied des sächsischen Landtages, zum Opfer gefallen. Sie wurde von einem Schnellzug auf der Streck» Dresden— Leipzig überfahren und sofort getötet. Der Personenzug, mit dem die Genossin Schilling von Leipzig nach Borsdors fuhr, hatte kurz vor der Station Borsdorf gehalten, weil er keine Einfahrt halle. Frau Schilling war der Meinung, der Zug sei schon in Loredorf angelangt und stieg aus. In demselben Augen» blick wurde sie von dem auf dem Nebengleis heranbrausenden Schnellzug ersaßt und aus der Stell« getötet. Dieser Tod reißt in di« Leipziger sozialistische Frauenbewegung eine Lücke. Genossin Schilling steht seit langen Iahren in der Bewegung. Sie war früher Weißnäherin, Im Jahre 1919 wurde sie in die Leipziger Stadtverordnetenversammlung gewähll, der st« bis 1922 angehört«. Seit diesem Jahr» ist sie«in eifriges Mitglied der sächsischen Land- tagssroktion. Innerhalb des Landtages hat sie«ine besonders reg« Tätigkeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorg«, des Frauen- und Iugendschutze» und in allen Wohlsahrtsfragen entfallet.(Die Ver- storbene ist nicht z» verwechseln mit der Genossin Minna Schilling, die bis zu den letzten Wahlen der sozialdemokratischen Fraktion des Deutschen Reichstags angehörte.) Autounfall des badischen Innenministers. Karlsruhe. 10. Dezember. Auf einer D i e n st f a h r t verunglückte der badisch« Minister des Innern Remmele. Bei Bretten geriet das vom Minister selbst gesteuert« Auto, in dem außer ihm noch ein PMzeihmiptmann und der Chauffeur saßen, auf der nassen Straße ins Schleudern, stürzte die Straßenboschung hinab, überschlug sich und begrub die drei Insassen unter sich. Minister Remmele erlitt Kopfverletzungen, der Polizeihauptmann Prellungen und Quetschungen, während der Chmisfeur nur ganz leichte Verletzungen davontrug. Volksenischeid ohne Entscheid. Die VerfassungSabstlmmung in vanzig. Danzig, 1V. Dezember.(Eigenbericht.) Die Volksentscheide über die Dersassungsänderungen sind ergebnislos geblieben. Der Regierungsentwurf„VolkswUle" hat 5SLS1 und der Oppositionsvorschlag„Bürgerschutz" 73 28ä Stimmen erhalten. Erforderlich für die Annahme eine» Entwurf«» waren 108000 Stimmen. Die Wahlbeteiligung erreicht« nur 61 Proz. Di« Stimmenzahl für den Volkswillen tsi fast ausschließlich von der Sozialdemokratie aufgebracht worden, die damit ihren Besitzstand von der vorjährigen Volksstaatwahl entsprechend der geringeren Wahlbeteiligung durchaus gewahrt hat. Bemerkens- wert bleibt, daß das Zentrum, obwohl es Regierungspartei ist, kein« P aro l e Hera u sg e g e b en hatte. Dadurch wurde ein Teil setner Anhänger zur Stimmenabgabe für den„Bürgerschutz" veranlaßt. Mll dem negativen Ausgang der Volksentscheidung ist die Möglichkeit einer Verfassungsreform auf absehbare Zeit ver- schüttet. Vor einem Krieg in Südamerika. 4500 gegen 3000 Mann. London. 10. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Grenzzwischensälle zwischen bolivianischen und paraguayischen Truppen di« durch den Strell um den kleinen Landstreifen von C h a c o verursacht wurden, haben die Regierung von Bolivien veranlaßt, die diplomatischen Beziehungen mll Paraguay abzubrechen. Der bolivianische Minister de» Innern hat dem paraguayischen Geschäftsträger die Pässe ausgehändigt. Gleichzeitig hat der bolivianische Gesandte in Paraguay von seiner Regierung die Weisung erhalten, Asuncion, die Hauptstadt Paraguays, sofort zu verlassen. * Die beiden Kleinstaaten Bolivien und Paraguay(2,9 und 0,7 Millionen Einwohner) sind ehemalige spanische Kolonien, im mittleren Südamerika, zwischen Brasilien, Argentinien und Chiele gelegen. Dos„stehende Heer" Boliviens zählt 3000, das Paraguays 4300 Mann. Das Urteil im Gotteslästerungsprozeß. 2000 Mark Geldstrafe für George Groß. Im Prozeß gegen George Groß und feinen Verleger verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: Die Angeklagten werden wegen Vergehens gegen den§ lüü des SlGV. an Stelle der verwlrklen Gefängnisstrafe von 2 Monaten zu j e 2000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Platte, die zur Herstellung der Zelchunag Kr. 10 gedient hat(Christus am kreuz) wird unbrauchbar gemacht. (Ausführlicher Bericht in der Beilage 4. Seite.) Blutiger Sonntag in Karlshorst. Ein Student erstochen! In Karlsharft kam es am Sonntag nachmittag anläßlich eines kommunistischen Demonstvationszuges zu schweren Zwischenfällen. Ein 22jähriger Student, der dem Iungdeutschen Orden angehört, wurde durch Messerstiche so schwer verletzt, daß er nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Der kommunistische Zug, in dem eine große Zahl von unifor- mierten Rotfrontkämpfern marschiert«, bewegte sich durch die Tres- tow-Allee. Als die Polizei am Bahnhof Karlsharft die ange- sammellen Fahrzeuge durch eine Zuglücke leiten wollt«, schlugen plötzlich auf Kommando eine«„Ordners" mehrere Teilnehmer des Zuge» mit ihren Leibriemen und Fahnenstangen aus di« Polizei- beamten ein. Da es in dem entstandenen Tumult nicht mehr möglich war, die Rädelosührer festzunehmen, wurde ein Teil de» Zuges aufgelöst, die Polizei räumte den StraßenobschniU mll dem Gummi knüppel und stellt« di« Ordnung wieder her. Bei der Schlägerei wurden mehrere Demonstranten und Beamte leicht oerletzt. Später gelang»s, einen kommunistischen Fahnenträger, der auf die Poli- zisten eingedrungen war, festzunehmen. Zu einem blutigen Zwischenfall, der den Tod«ine» jungen Menschen zur Folge hatte, kam e» kurz« Zell darauf vor dem Hause Treskow-Alle« 104. Auf dem Bürgersteig standen mehrere jung« Leute, unter ihnen der 2?jährige Student Günther Schaffer aus der Gundelfingerstraße in Karlshorst. Au» noch ungeklärter Ursach« geriet Schaffer mll mehreren Rotfrontkämpfern de» vorbeimarschierenden Zuges in einen Wortwechsel. Plötzlich stürzten sich m e h r« r» Kommunisten auf den jungen Mann, der von einem Messerstich getroffen, schwerverletzt zusammen- brach. Als die Polizei«Ingrisf, hallen die Tater bereits das Weite gesucht. Schaffer wurde in da» Elisabeth-Hospital in Oberschöneweid« gebracht, wo er bald nach seiner Aufnahme ge- starben ist. Di« Leiche wurde beschlagnahmt.— Auch auf dem Marktplatz in Oberschöneweide wurden bei einem Umzug der Kommunisten mehrere Andersgesinnte oerprügelt und zum Teil erheblich verletzt. Kunz nach 1 Uhr nachts kam es vor einem Lokal In der Berliner Straße in Charlottenburg zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Hierbei wurden drei Personen am Kopf oerletzt. Außerdem wurde ein Schuß abgefeuert, durch den jedoch niemand verletzt wurde. » Der getötet« Student Günthkr Schoffer, der seit einiger Zeit bei einem Berliner Gericht als Referendar tätig war, bekleidete im .Lungdeutschen Orden" das Amt eines stellvertretenden Großmeisters der Bruderschaft„Oberspree"�, war also einer der ört- lichen Führer der Organisation.. Er ist der Sohn einer Witwe. Sein Dater, ein Postinspektor, ist im Jahre 1914 im Kriege gesotlen. Einsturz einer Beionbrücks. Ein Toter, fünf Schwerveriehte. S! e g b u r g, 9. Dezember. Gestern abend stürzt« plötzlich die Im Neubau befindliche Sieg. brücke, die zur neuen Autostraße Köln— Fravksurl o. M. gebö.l. au» bisher unbekannter Ursache zusammen. E» handelt sich um eine Belonbrücke au» zwei größeren Bogen. Ver eine Bogrn überbrückt die Sieg, der zweit? ein Porsluigelände. Da Tag und Nacht an der Brücke gearbeilek wurde, sind mehrere Arbeiter verunglückt. Nach den bisher vorliegenden Meldungen Ist ein Arbeiter um» Leben gekommen, weitere fünf wurden schwer verletzt, vic erste Hilf« leistete die Fabrikseuerwehr der Ma>.i''ädl- werke in Troledors. die die Nacht über an der IlnsaUstclle rr" Verb- sackeln Bergungsarbeiten vornahm. Klotz wird geisteskrank. ElemenceauS Finanzminister im Sanatorium. Paris, 10. Drzemlxr. die kammunistlsch«.�umanitä' hatte gestern srüh gemeldet, daß Unterbringung des ehemaligen Finanzministers Klotz in ein «ungsheim lediglich ein» Lorsichtsmohnahm« darstell«, da Klotz � Ausstellung ungedeckter Schecks in Höhe von einer Million kanten die Intervention der Banken gegen die„Gazette du Franc" gelöst habe. Dies« Beschuldigung scheint sich zu bestStigen, denn schieden« Nachmittogsblätetr deuten an, daß tatsächlich ein Zu- '�menhang zwischen der Internierung von Klotz und der �re�der„Gazette du Franc" besteht. So schreibt der„Intran- toW", die beim ehemaligen Finanzminister Klotz ausgetretenen >>!>kn Geistesstörungen verminderten seine Verantwortlich- in gewissen Finanzoperationen, in die er verwickell worden � Die„Rumeur" dagegen will wissen, daß Klotz Spielschulden �cht hat. Enispannung in Mexiko. Beendigung des Gewerkschaftskongresses. Mexiko-Tity, 10. Dezember.(Eigenbericht.) Die politische dag« hat sich mit der Beendigung de» Gewerk» �iskongresses entspannt. Dieser hat den Abschluß einer Der- "Dung zwischen einer Anzahl Gewerkschasten und Bauernbünd« " Aerteidigunz gemeinsamer politischer und wirtschastlicher Inter- und zur Förderung der Arbeitsgesetzgebung gebilligt. Aer Konflikt war verursacht durch ein neues Arbeitsgesetz, das �während seiner Amtszeit als Innenminister ausgearbeitet hat da, von der Kammer angenommen wurde. Diktator Hugenberg. »Lud estabilire ich meine Parteidiktatur wie einen Felsen '»- Bonze.-(»rei nach Friedrich Wilhelm L) Verufsübliche Arbeiislosigkeit. Protest der Gewerkschasten TtiedersachsenS. Hannover, 10 Dezember.(Eigenbericht.) Eine von rund 200 Delegierten besucht« Bezirkskonferenz de» tytzB. für den Bezirk Niedersachsen, der ZOO 000 sreigewerkschafilich knistert« Arbeiter umfaßt, faßt« u. a. folgend« Entschließung: Di« am S. und S. Dezember in Hannover tagend« Bezirkokon- 'enz des ADGB. für Niedersachsen erhebt schärfsten Protest len die vom Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstag» geplante schlechterung der§§ 105, 106, 107 und 110 de» Gesetzes für AB. Schon gegen die vom Borstand der Reichsanstalt für AB. in Aussicht genommene Verordnung, über die Regelung der ufsüblichen Arbeitslosigkeit haben wir die schärfsten Bedenken, r die nunmehr beabsichtigte Verlängerung der Karenz- !k und Kürzung der Unterstützungssätze ist JUlig untragbar und wird von uns auf dos entschiedenste �gelehnt._ Klamenführer gewählt. Ein großer Wahisieg in Antwerpen. prüssel, 10. Dezember.(Eigenbericht. Di» Kammerwahl in Antwerpen, in der der im Gefängnis ßende und seiner politischen Rechte beraubte flämische Separatisten« >!>rcr Barm, als Amnestie-Kandidat aufgestellt wurde, hat am Änntag stoitgefunden. Ein endgültiges Ergebnis liegt noch nicht «r, aber bisher hat Borms einen gewalligen Dorsprung. Er wirb Her Wahrscheinlichteif nach einen überwältigenden Sieg wontragen. Borms hat bis jetzt über<6 000 Stimmen erhalten >gen 26000 für seinen liberalen Gegenkandidaten und 28 000 e i ß« Stimmzettel. Katholiken und Sozialisten hatten keine andibaten aufgestellt, weil die Liberalen nach der Derhältniswahl den moralischen Anspruch auf das Mandat haben. Beide Parteien >b«n aber ihre Wähler anfgesorbert, weiß» Stimmzettel ab- «geben. Offenkundig haben zahlreiche sozialbemokraiische und »holisch« Wähler trotz dieser Parole für Borms gestimmt.— Die 'ahl des Dorm» zeigt, wie entfernt die Auffassungen der Kammer- «ehrhe t von der Doltsstimmung im flämischen Lande sind. ichuv' ,n, der Ehormeister des Erwin-Lindvai-Ehors. Solist: «sca?'Tiinimann(Horn). Das Programm enthält Wagners N«istersinger"-Vorspul.„Don Juan" von Richard Strauß. Mozarts orrionzerie mit Orchester in Es-Dur und Tschaikowskys Fünstc Sin- or e. Die Nöte des Zentrums. Oer Ausklang des parieiiags. Köln. 10. Dezember.(Eigenbericht.) Am zweiten Tag der Derhandlungen des Zentrums« Parteitages hatte das Interesse der Teilnehmer bereits merk- sich nochgelassen. Ein großer Teil der Delegierten war nach der Wahl des Vorfitzenden bereits abgereist. Der Tag war der Wirt- fchaftspolitik genüdmet, die dem Zentrum bei seiner sozial so zusommengewürfelten Anhängerschast begreiflicherweise besondere Kopfschmerzen macht. In einer Partei, die Schwerindustrielle und Bankfürsten, Großagrarier, Beamte, Mittelstänbler und Arbeiter mit gleicher Liebe beireuen will, muß die Stellungnahme zu wirt- schaftlichen Tagesfragen jeweils zu starken Reibungen führen. Des- hall, ist. wie der erste Redner zu diesem Thema, Reichsiagsabgeord- neter Pros. Desfauer, ankündigt«, ein Zentrumsprogramm für die Wirtfchoftsfragen im Werden. Dessoner selbst versucht«, diesem kommenden Programm schon jetzt ein« theoretisch« Grundlag« zu geben. Er setzte dabei die christlich-zeirtrümliche Wirtschofisauffassung nicht nur in Gegensatz zu der, wie er sagt,„liberalistischen", sondern auch zur sozialistischen, trotzdem er für sein« Kritik an der liberalen Prositwirtschaft genötigt ist, mit sozialistischen Argumenten vorzugehen. An«Stelle des individualistischen Prinzips des Liberalismus will auch er den Gedanken der Gemeinwirtschaft setzen, aber nicht mit Hilfe staatlichen Eingriffs, soirbern auf Grund gemeinsamer„Ein- sicht aller Faktoren m Notwendigkeiten und Möglichkeiten". Nach seiner Meinung ist zum Beispiel bei jedem Konflikt zwischen Ar- bellerschaft und Unternehmertum die Einsicht in die Lag« ein« viel tauglichere Grundlag« für die Entscheidung als der Ausmarsch der beiderseitigen Macht. Daß aber die„Einsicht" erst kommen kann, ivenn auch die Arbeiter durch Ausbildung ihrer Kmnpforgamsasionen zum Mochtfaktor geworden sind, wagt« Dessauer nicht erst zu erwähnen. Denn je weiter er in- dies« Materi« hineinsteigen würde, desto mehr müßt« er zugestehen, daß all« Politik der„Stände" oder Berufe in Wirklichkeit aus die eine Frage zurückgeschraubt werden muß, ob und inwieweit die Ar- beiter, die vom Kapitalismus Heimat, und besitzlos gemacht wurden, durch ihre Organisierung zur selbständigen Macht- «ntsaltung im wirtschastlichen und politischen Kampfe kommen können. All« christlich- zentrümsiche Wirtschaftspolitik wird sich des- halb in der Richtung zur Gemeinwirt schast entwickeln müssen, weil ohne sie die sozialen Gegensätze innerhalb der Zentrums- Partei nicht zu überbrücken sind und ohne diese Ueherbrückung der Bestand de» Zentrums selbst trotz aller religiösen Bindungen in Gefahr gerät. Hott« Dessauer die theoretische«Seite eines Zentrumsprogrvmms für Wirtschaft besonders unterstrichen, so ging der zweit« Redner. Abgeordneter Dr. Perlitius, mehr auf die praktischen Gegrm wartsfragen der Wirtschaftspolitik ein. Er verlangte besonders Aus- dehnung des Sieblungswesens und des Wohnungsbaues, vor allem ober hält er die Berücksichtigung der Landwirtschaft für nötig, wobei jeboch auch der stäbtisch« Mittelstand nicht vergessen werden dürfe. Kartelle und Trusts sind für Perlitius Gebilde, die vom Zentrum nicht ohne weiteres abgelehnt, sondern nur in dem Mißbrauch ihrer ungeheuren Macht bekämpft werde» müssen. Im übrigen hält Perlitius«in«„christliche Auffassung der Berufsarbeit" für nötig. Im Anschluß an die beiden Referate wurde die am Sonnabend abgebrochene Auesprach« sortgesetzt. In ihr klang mehrfach die Trauer über di« Wahlniederlage vom 20. Mai wider und die Klage über den mangelnden Glauben an bi« Zentrumspolitik bei den Wählermassen. Wiederum kam aus der Jugend die dringende Forderung, endlich eine Politik zu treiben. di« der Jugend die Möglichkeit gebe, wieder mit innerer Anteil- nahm« und Begeisterung nntzutun. Auch der Ruf nach der Wahl- r e f o r m, von der dos Zentrum sich Wunderding« oerspncht, wurde immer wieder laut. Ein Rechtsanwall aus dem Sauerland« erzielt« stürmische, verständnisvolle Heiterkeit durch seine Mitteilung, daß er s«!t9>j Jahren Kreisvorsitzend er seines Heimatkreif� ist, ober bisher seinen Zentrums-Spitzentändidaten nicht einmal kennenlernte, trotzdem er zahlreich«. Ber- sammlungen für ihn abgehalten habe. Der Gesamteindruck bor Diskussion bestätigte, was schon am Sonnabend hervortritt, die inneren Spannungen, di« noch immer im Zentrum wirksam sind und ihren Untergrund in der so- zialen Gliederung der Partei finden. Der Gewerkschaftsflügel ist über den Derlauf der Vorstandswahlen am Sonnabend stark o e r st i m m t. Ein« Reihe von gewerkschaftlichen Vertretern ist schon vorzeitig abgereist. Wie man erzählt, beabsichtigen die Ge- werkschaftler, am nächsten Sonntag in Essen«ine große Kundgebung zu veranstalten, in der Siegerwold und Imbusch über da» Thema„Zentruinsporteiiag und christliche Arbeiterschaft" referieren und in der der Unmut der Gewerkschaften über ihr« Behandlung aus dem Parteitag offen zum Ausdruck kommen soll. Der Schluß der Verhandlungen beschäftigte sich haupisächllch mit den von einem besonderen Ausschuß vorberatenen Anträgen, die allgemein-propagandistischer oder organisatorischer Art waren. In seiner den Parteitag abschließenden Ansprach« legte Abgeordneter Kaas Wert auf di« Bemerkung, daß das Zentrum kein« aggressive Politik im kirchlich-katholischen Sinne zu treiben beabsichtige; es werde keinen konfessionellen Kampf gegen die Evangelischen führen, wohl aber gegen alle, die das Christentum „sofort oder nach und nach beselligen" wollen. Da kann man also noch einiges von dem Herrn Prälaten erleben. Huf und Schrimpf. Ausstellung bei Jlatlhieffen und Ttieceudorf. Verführend wirken die Skulpturen des Schweizers Fritz Huf (in der Galerie Matthiessen); stark« Lebendigkeit und Unmittelbarkeit de» plastischen Detail« schmeicheln sich»in. Das Unglück will, daß nicht sehr weit davon bei Flechtheim das unbestechlich« Korrektiv ber Moillolschen Figuren sich findet. An ihnen gemessen, erkennt man da» Relativ« und Vorübergehend« de» Husschen Naturalismus. Es steht aber nicht so, daß man ohne das hohe Beispiel Maillols nun etwa Huf für«inen großen Bildner halten könnte. Er ist nicht schwer zu durchschauen; aber dos Einschmeichelnd» seiner Naturnähe und Sinnlichkeit muß auch dem Befangenen vor jenem Großen zu Schaum gewinnen. Man darf sich nur das Schematische in der Wirkung des prächtigen hochbeinigen Modell» klar machen, dessen Reize er nicht müde wird, für sich sprechen zu lassen. Bei Nierendorf stellt Georg Sch'rimpf Landschaften und Figurenbilder au». An Umfang des Gegenstandes eng. wirken sie in die Ties« durch die Innigkeit ihre» Gefühls, das Mädchengestalien wie Landschaften durchdringt. Man könnt« sie langweilig nennen; e» geschieht absolut nichts auf diesen Tafeln, Mensch, Tier-und Land verharren in gleichmäßig stiller Beschaulichkeit. Wer man müßte dann auch Caspar David Friedrich und Karl Haider langweilig nennen. Schrimps gehört zu diesen Meistern der Stille, di« den Atem anhält und uns an Sphärenmusik glauben läßt. Man ist sehr weit entfernt von der Lichtmalerel der Impressionisten und ebenso weit von den Erregungen der Ausdruckskunst und des Verismus. Er Ist«in« durchaus deutsche Empfindung, die hier Gestalt gewinnt. Formal bleibt diese Kunst beim exakten und klaren Umriß und größter Deutlichkeit für Röhe und fernst« Weite; Ihre Farben sind die lokal ungebrochenen der Primitiven, sie haften den Dingen selber an, sind nicht abgelenkt von LichtbebiNgungcn und nicht siibjektio phantasiert: daher die saubere, jedem zugängliche Ueberschaubarkeit der Bilder. Dem Gehalt nach ist hier Anschaulichkeit mit einem Einschlag schlechter Gesuhlsromantik gemischt; das Idyllisch-Heitere eines ungetrübten Doseins, einer seligen in sich ruhenden Still« ist Gegenstand der Schrimpfschen Bilder, und dieser Inhalt bedient sich einer voll- kommen entsprechenden Form. Gesagt ist wenig, ober wie es ge- sagt wirb, bringt zum Herzen. Das gill besonders von den schönen weiten, ruhevollen Landschaften aus Oberbayern Schrimpf hat ein bewegtes Leben voll Mühsal und Abenteuern hinter sich: mit seinem Freund« Oskar M. Graf war er in die Un» ruhen ber Münchener Revolutionszeit, mehr passiv als teilnehmenb, verstrickt, und wie wenig ihn innerlich ber Kampf mit Armut, Tob und Wanderburschennöten angefochten hat. beweist die Tatsach«, daß er schon 1018, al, einer der allerersten, von den Erregungen ab- strakier und kubissischer Kunst zur Darstellung sachlicher Alltäglich- keit abgeschwenkt Ist. Mancherlei verbindet ihn geistig mit dem gleich ihm aus dem Läckergewerde gekommenen Graf. Di« unge- brachen« Bolkskraft seiner Abstammung hat er sich gleich jenem auf glücklichst« Weise in seine Kunst HInübergereiiei. Dr. Paul F. Schmidt. Bernhard Oiebo!d über Kaiser. Sine Matinee im Theater in der KöniggrSher Straße. Reben D i e b o l d, dem Frankfurter Kritiker, wirken Waller Franck, Theobor Laos und Fritz Kortner, die sich nachher um den Dramatik«- Georg Kaiser bemühen, wie Menschen mit geheimrät- lichen Falten. In Diebold' ist komödiantisches Blut. Freude am Sprechen und an gedanklichen Konstruktionen. Diebold ist der Schau- spielcr der temperamentvoll« Gestoller, der Arienlänger, während die anderen sehr karrckt ihr Sprüchlein aussage». Dieses Vergnügen an der Technik, an dem Jonglieren mit einem bekannten Stoff verführt Diebalb zn kühnen Uebersteigerungen, geist- I reichen Überspitzungen mit dem Thema„Wie ich Georg Kaiser sehe". Er geht davon aus, Georg Kaiser sei der einfallsreichst« Dramatiker, «in Dichter, der unerschöpflich ist im Erfinden neuer Sujets. Kurz skizziert er den konstruktiven, säst mathematischen Aufbau der Stücke und oersucht dann, für die gedanklichen Problem« einen General- nenner zu finden und offenbart damit di« Sehnsucht des Menschen, all« Ding« ordentlich und sauber zu etiquettieren. Allerdings tut er dies nicht mit der Starrsinnigkeit junger Dackel oder mst dozierendem Zeigerfinger,- sondern wie ein liebenswürdig skeptischer Mann von Welt, der auch«ne ander« Lösung zugeben würde. Geist— Körper, Gehirn— Unterleib sind die Gegenpole, um die für Kaiser alle Erscheinungen kreisen. Der Mensch Hot teil an beiden Wetten, die sich in Ihm keineswegs harmonisch einen. Das ganze dramatisch« Werk Kaisers variiert diesen Gedanken, und Diebold findet für ihn ebenfalls immer neu«, sprachliche Nuancen. Diese etwas verspätete Feier für den fünfzigsährigen Kaiser.zeigt etwas bah ein mll Kenntnissen beladen« und sehr seriös und sachlich schreibender Kritik« ein sprühender und durchaus subjektiver Redner sein kann, ein Gentleman mit kultivierten, schauspielerischen Allüren. ' F. S. „Aeporiage" von Max Koipe. Matinee im Nenaissance-Theater. Max Kolpe schreibt mll fixer Feder unfei«lich« Gedichic. Mll den grotesken Erzeugnissen seiner nüchternen Zllllagepoesi« hat «r sich bereits einen Namen gemacht. Er wird ihn sehr schnell wieder verlieren, wenn er weiter« Zeitstück« vom Kaliber seiner„Rrportage" verfaßt. Es fängt sehr lustig mit der Redaktionssitzung bei einem Mnkelblättchen an. Dann unternimmt Max Kolpe«inen unvorher- gesehenen Angriff auf unser« Tränendrüsen. Er entrollt ein schreck- fiches Bild des sozialen Elends unserer Tage. Es packt einen Ge- richtsvollzieher mit wildem Weh, wodurch« sich veranlaßt sieht. aus Mitleib einen kleinen Raubmord zu begehen. Im Verlauf der Matinee ergibt sich, was da für ein dramatischer Unglücksfall passiert ist. Der Verfasser hat Reportage mit Kolportage verwechselt. Für den unfreiwilligen Bierult setzen sich erst« Kräfte ein. Paul Morzon, Willy Schaeffers, Paul Kemp, Hermann Speelmans und viel« andere. Dxr. Wien gegen Furiwöngler. Wilhelm Furdvängler, der gestern abend im Kleinen Musikoereins- saai das zwett« Philharmonisch« Kanzert lellete, wurde beim Le« treten des Konzerisaales von einem Teil des Publikum» mit starkem Zischen empfangen. Seine Anhänger versuchten durch Beisallstund- gedungen das Zischen zu untedrücken, was aber nicht gelang. Furt- wängler machte der Kundgebung durch Ergreifen des Taktstockes ein Ende. Der Beifall nach der ersten Symphonie von Beethoven und der vierten Symphont« von Bruckner war wesentlich gering«, als man es sonst bei Furtwängi« gewohnt ist. Volksbühne, Am Mittwoch, dem 12. Tejemdir, SV Ubr. veramieliet die Volksdllline E.V. im vürgersa«! deSKlaidouie«, Eingang Königstretze, idren 1. AlUorenabend, an dem Arnold Zweig aus feinen Werken lesen wird. Splelploaindeeuag im Ideal« l» der Miaiaorötzer Sircjj«. Infolge de« Erfolge« von Pcler Marlin L a m t>« l'« Schau>piel, R e V« t t e im (? riiedunqSbauS"«st die Erstaustübrung von Kei bard M e n z« l' 4 ?chau>viel.Toboggan" nochmals oerichoben worden. Der Aus- fahiungStermw wird noch dekannt gegeben..Revolte im Srgie- dungSbauS" gebt dah« an alle» Tagen dieser Woche bi««lnschlieiilich Montag, den 17., um 20'/» Uhr, in der Premierendeletzung In Szene. Die für.Toboggan' gekautten SintrlttSkarten werden an der Kaste umgetauscht od« eingelöst. Aisred VSdlIn lvricht lür Max Vrod und EI nice sah Jim ernst und traurig an. lFortsetzung solgl.« I i« M» «1 g- «U au d«! ha sto Un töl l.'Ni sto 5<- e? Lei tri« uni Dil! So u r «hi die 3:. WAS DER TAG BRINGT. Vom deutschen Amtsstil. Wenn ein Oberbayer nach Hamburg kommt und den harten Dialekt, der dort gesprochen wird, nicht versteht, so ist das begreif- lich. Man sollt« jedoch meinen, daß für alle einigermaßen gebildeten Menschen unseres Vaterlandes im Hochdeutschen«ine Berständi- gungsbasis vorhanden ist, die«in absolutes.Lanitverstcm" aus- schließt. Weit gefehlt! In einer Cntflheidung des Reichsfinanz- hoses findet sich der folgend? Gedankenbandwurm als trefflicher Beweis dafür:' „Es besteht Einverständnis darüber, daß. wenn«in Senat eine Sache nach ß 46 Abs. 1 A. O. an den Großen Senat verwiesen hat, zur Teilnahme an der Entscheidung außer dem genannten Senat die Senat« ein Mitglied tn den großen Senat zu entsenden haben, die der abweichcnd« Senat in der Begründung des Ber- Weisungsbeschlusses als diejenigen bezeichnet hat. von deren ange- führten Entscheidungen er abweichen zu wollen erklärt. Außer- dem kann jeder ander« Senat ein Mitglied entsenden, der behauptet, daß die beabsichtigte Abweichung auch ein« solche von einer feiner oeröfsentlichten Entscheidungen ist." Wer's verstanden hat, kriegt'nen Taler! Ungarn gegen die Marseillaise. In den Augen der ungarischen Polizei gilt schon das Singen der französischen Nationalhymne als eine staatsfeindliche Kundgebunq. die die öffentliche Sicherheit zu gefährden drohe: jetzt hat man dort sogar die Schumannsche Musik beanstandet, weil die letzten Strophen des Liedes„Die beiden Grenadiere" in di« Melodie der Mar- seillaise ausklinge». Eine Lehrerin in Sowjetrußtand. Wörtlich aus der.Lswestia" in Moskau: „Der Fall trug sich zu in einer Kreisabteilung der Volksbildung des Gouvernements Nischnij Nowgorod---- Der Leiter der Abteilung ist gerade dabei, ein« arbeitslose Lehrerin anzustellen. Er fragt si«:„Sind Si« in anderen Umständen?"„Nein."„Stehen Si« mit niemandem tn intimen Lerkehr?"„Nein."„Wie stehen Sie zur Mutterschaft und zur Abtreibung?" ,Lch bin sowohl gegen das «ine als auch gegen das andere."„Also gut. Si« erholten die An- stellung, jedoch nur unter der Bedingung, daß Si« mir em« Garantie dafür geben, daß Sie nicht um«inen drrimonatigen Urlaub wegen Schwangerichast nachsuchen werden."„Aber erlaube» Si». ich bin doch verheiratet, ich bin gegen Abtreibung. Wie kann ich Ihnen solch«in« Garantie geben? Uebrigen» fondern di« Sowjetgesetz« kein« derartig« Garantieleistung."„Die Sowjetgesetze," sogt der Leiter, ,chas stimmt, die fordern nichts Derartiges, ober der Kreis- etat verlangt es. Wir können nicht jede Dummheit bezahlen. Na, gut, ich will Ihnen ein Zugeständnis machen. Sie geben mir die Garantie, daß Sie im Laufe der nächsten drei Jahre nicht schwanger werden." Di« Lehrerin dachte«in« kleine Weil« nach und gab dem Leiter der Bolksbildungsabteilung di« gewünscht« Garantie." Worin die Garantie bestand, darüber sagt di«„Iswestia" aller- dlngs nichts. Im Namen der Justiz. Im Justiz palast der Semestadt hat sich folgend« amüsant« Ge> schichte zugetragen. Ein« Dome, die mcht wußte, wie sie sich bei dem Richter, der eine sehr heikle Sache in sehr delikater Art für si« günstig erledigt hatte, bedanken sollte, erschien im Zimmer des Üch dkm »er« »ers mit mit 'NM n-t lrähi 'rhic 'lth, »on Äefl, lere. Niij- «uf erbe ut-r f-tie: *«?; «tSß Richters mit einem prächtigen Blumenstrauß. Der Richter danst� gerührt durch die sremidlich« Absicht, erNärte ober, er könne l"« Blumen nicht annehmen. Dieselbe Haltung nahm der Gericht»' schreibet ein, ein nichl mehr junger Hagestolz. Di« Dam« ließ dasik schließlich die Blumen im Zimmer des Gerichtsdieners zurück. wußte auch nicht, was er mit ihnen anfangen sollt«, da erblickt? eine Schar von Touristen, die gerode bei einer Besichtigung durch den Justizpalast geführt wurden. Ein rettender Gedanke durck zuckte sein Gehirn. Er packte die Blumen, eilt« auf eine jung« und sehr hübsch« Ausländerin zu und bot ihr das Bukett mit den Warst» dar: ,Lm Namen der Justiz." Dies« Fremden dürsten zu Haute in begeisterten Worten von der französischen Gerichtsbarkeit spreche» Fra uenhan dl er. Am 27. Oktober oeckieh das Frachtschiff„Mossitio" Bordeanl und nahm den Weg nach Buenos Aires. Wahrend eines Run» ganges stieß der erst« Leutnant auf eine verschlossen« Tür. Als � sie aufbrechen ließ, fand er in dem Geheimramn zwei Frauen>>» Aller von 25 und 95 Iahren. Sie hotten Pässe auf die Rarst» ihrer Berwandten und gaben noch längerem Befragen zu, daß r'' der Steuermann und zwei der Schiffskellner in dem Raum versicck> hätten und auch Nacht für Nacht zu chnen kämen. Nach Ankunft in Buenos Aires wurden der Steuermann und einer der Kellner- der ander« war geflüchtet— der Polizei übergeben. Der Strist»' mann war geständig, die Frauen nach Buenos Aires in«in Borbet verkauft zu haben. Für jede der Frauen sollt« er 6000 Franst» erhallen. 5000 Franken sollte er für sich behatten, die restlickst» 1000 waren für die beiden Kellner bestimmt. Die Frauen wurdl» nach Frankreich zurückgeschafft. Di« französische Polizei sahn?� nach Komplizen der Mädchenhändler. Also doch Mädchenbanb� wenn auch mit Einwilligung der Mädchen selbst! Aberglaube, der Verbrecher macht. Das Städtchen Port im nordamerikanischen Siaaie Pen»' sylvanien steht unter dem Eindruck eines scheußlich m verbrech?»k. das finsterstem Aberglauben entspricht. Der neiinzchnjfihr# William Heß hat gestanden, der Urheber des entsetzlichen Sst" brechen? zu sein, dem ein Farmer, dessen halbverkohlte Leiche sunden wurde, zum Opfer gefallen ist. Heß hatte sich.zu kst" Farmer begeben, um ihn um eine Locke seines Haare» zu bitte»' der er dringend bedurfte, um den„Voodoo" zu beschwören, st' nach seinen Worten die Familie Heß mit wildem Haß verfolg!? Auf die Weigerung des Farmers schlug ihn der jung« Heß!»» einem Beil nieder. Dann fesselte er sein bewußtlose» Opfer, üb«» goß den Ohnmächtigen mit Petroleum und zündete ihn an.'•»lic scheußlich« Lerbvechen erregt deshalb so großes Aufsehen, w:il» beweist, in welchem Maß bereits der Kult des„vooboismus" lkU�ch Gemüter verwirrt hat, der nun auch in der weißen Bevölkeni' Verbreitung findet. Die abergläubisch« vorstellutig von bö'J Geistern, deren unheilvollen Einfluß man durch Opfer bekämpf müsse, hat sich unter der schwarzen Bevölkerung Amerikas zu ein Kultus ausgebildet, dessen scheußlich« Zeremonien fest geraumer A> die Aufmerksamkeit der Behörden erregt hob«» Nichts jm sagen. „Nun, Geliebter, was hat dein Vater gesagt, als du ihm zähltest, daß wir uns verlobt hätten!" „Lieblina, er hat— ach, er hat furchtbar— nein..." „Nun, laß alles Bös« und Häßlich« fort und erzähle dos übrige „Dann bleibt nichts, mehr zu erzählen übrig..." sich '-�ri l'wb cb-r •30 '!>». •ni, reich k'N.k »:« I* V Ürflei n-e, -eifj ?-dri ö»r H-ui Ott« run an rfchl i de- ist: na ist stö pei < «i Die en. eist ner 311 der Er hen fie trs. Lah Soh be 3 Das fen blid ch?" len inge Boh hat Sic eben ließ nicht id blid die Baby fich - ihr ~ Sportund Spiel~ Das Hellas- Schwimmfest funden, und einen Mann, der in der Berliner kommunalen Ber Ein großer Erfolg des jungen Vereins. Der Arbeiter Schwimm- Berein hella s" lud am Sonntag zu feinem bundesoffenen Schwimmfest nach dem Stadtbad Webbing ein. Um es vorweg zu sagen: die Veranstaltung war ein Riesenerfolg; die Schwimmhalle, mit roten Fahnen und den schwarzrot. goldenen Reichsfarben festlich geschmüdt, war überfüllt. Selten hatte ein Schwimmfest in der legten Zeit eine fo stattliche Zuschauerschar aufzumeijen. Unter den vielen Gästen meilte u. a. der Bürgermeister des Bezirks Wedding, Leid, der bis zum Schluß des Festes ausharrte. Das Brogramm wurde mit einer 10X50- meter Freistil staffel eröffnet, die die FS. Groß- Berlin- Neukölln, Lichtenberg, Union und Hellas an den Start brachte. Die Staffette fonnte Neutöln mit bret Metern Vorsprung vor Hellas gewinnen. Lichtenberg und Union lagen über eine Bahnlänge zurüd. Eine Jugendlagen. ſtaffette über 4 x 100 meter beendete Hellas in 5: 44.1 fiegreich. Das umfangreiche Brogramm wurde in flotter Folge abgemidelt, es ist bei der großen Zahl der Ronkurrenzen nicht möglich, alle Beistungen im Einzelnen zu würdigen. Das Hauptinteresse fonzentrierte sich auf die Brustschmeil staffel( 100, 150, 200, 150 und 100 meter), in der es zu einem harten Kampf zwischen Union und Neuköln tam. Der letzte Schwimmer der Neuköllner, ber 1½ Meter hinter dem Unionmann zurüdlag, holte bei der letzten Bahnlänge den Vorsprung auf und siegte. Ein ausgezeichneter Frauenreigen des SB. Hellas fand starten Beifall. In den dem vorliegenden und trotzdem hat der Verfasser einen Verleger geeinen Mann, der in der Berliner kommunalen Ber waltung noch immer ein gewiffe Rolle spielt, der das Buch mit einem empfehlenden Vorwort versieht. Es ist Obermagistratsrat Dr. äußler. Nach dieser Brachtleistung wird der Berliner Dr. Häußler. Nach dieser Brachtleistung wird der Berliner Magiftrat fich bemühen müffen, für diesen Herrn eine Arbeitsstätte zu finden, in der er etwas mehr Arbeit und etwas weniger Zeit für folche schriftstellerische Betätigung hat. Kunsteisbahn oder nicht? Berlin saniert keine privaten Unternehmer! Berlins Eisläufer auch someit sie Arbeitersportler sind find in schwerer Bedrängnis: Es fehlt ihnen an Eisbahnen und das mitten im Winter! Unser sich anscheinend immer mehr äquatorialen Berhältnissen näherndes Klima bringt teine Natur- oder auch nur gegossene" Eisbahnen zustande, und die diversen SportGroße internationale Sportkundgebung am Sonntag, dem 16. Dezember, 13.30 Uhr: Arbeiter- Fußball- Länderspiel afferballspielen flegte die Hellas- Jugendmannschaft gegen Oesterreich Charlottenburg mit 4: 2 und die Hellas- Männermannschaft gegen die FS. Groß- Berlin, Gruppe Neukölln, nach hartem Rampf mit 5: 4 Toren. Die ausführlichen Resultate folgen. Handball Bericht vom 9. Dezember. An dem Sonntag, der seit langem ohne Regen verlief, standen die Handballmannschaften in recht flotten Spielen gegenüber. FIGB. Süden scheint von einem unglüdlichen Stern verfolgt zu fein, benn wieder mußten sie die beiden Bunfte abgeben. Freie Sportmad bereinigung Schöneberg gewann mit 4: 1, troßdem Süden bei der Baufe mit 1: 0 führte. Schöneberg drückte start und bei Süden versagte die Läuferreihe. Don Eu gt. Sportverein Moabit und Brandenburg 1. Abteilung mußten fi in die Buntie teilen. Brandenburg hatte bis zur Pause dret Core, doch fonnte Moabit in den letzten Minuten den Ausgleich herbeiführen. Auch Wildau führte bis zur Bause mit 1: 0, mußte cher dann doch dem Athletik- Sport- Club mit 2: 1 den Sieg überlaffen. Ein flottes Spiel, bei dem Bildau etwas überlegen war. 2. zeigte als Anfängermannschaft gute Technit und reges Inter ejle. Bei den Jugendmannschaften gewann auch AGC. ni 3: 2( 1: 0). FIGB.- Neukölln fertigte Ruderverein Collegia reichlich hoch mit 8: 0( 5: 0) ab. Der Collegiatorwächter verhinderte Fine noch höhere Niederlage. FIGB.- Norden 1 I. schichte Velten II. ichts: 3: 2( 2: 0) nach Hause. Moabit II: gewann gegen Schöneberg mit 1: 0( 0: 0), mas bei den Jugendmannschaften ebenfalls Moabit mit 3: 1( 2: 1) erreichte. Die Frauenspiele verliefen, mie mmer, mit fnappen Resultaten. Nur Moabit war es vorbehalten mit 8 Spielerinnen FLGB. Norden mit 3: 0 abzufertigen. FTGB. ordring I und FTGB.- Süden II gingen torfos auseinander, während Brandenburg 2. Abteilung von Tegel mit 2: 1 die Punkte erhielt. antic, ebie Daher Det te et burg urd und orten aufe echen. beau Arbeiter- Hockey- Resultate. St. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin Nordring I fonnte den thletif Sport- Club I erneut 3: 0 fchlagen. Nordring war stets überAund legen. Der Athltit Sport- Club war gut, aber der Angriff war nicht bon der sonst geschlossenen Einheit getragen. Sie unterlagen einem en in Befferen. Groß- Berlin Ostring siegte mit 2: 1 über den Sportverein amen Moabit. Ein Unentschieden wäre dem Verlauf des Spieles nach fierechter gewesen. Auch war Moabit die schnellere Mannschaft. rfted ur fehlt es am genauen eraften Schuß. Beide Spiele standen auf einer sehr hohen Stufe, hatten große Schnelligkeit, gute Stockarbeit und zeigten einen guten Spielaufbau. Die Werbetraft war über Erwarten gut und zeigt klar, daß im ersten Kreis des Arbeiter orbell Turn- und Sportbundes das Hockenspiel durch gute und spieltüchtige Bei den zahlreich eranten annichajten weiter nach vorn tommt. lichen hienenen Zuschauern fand sich ein reges Interesse. funit er teuer urber ahnbet Deutschland im Poststadion, Lehrter Straße 57-63 Für den Anschlusgedanken werden sprechen die Abgeordneten: Dr.Julius Deutsch u. Volkert, Wien, Artur Crisplen u. Franz Künstler, Berlin, Sportler, Arbeiter, Angestellte und Beamte! Gestaltet das Fußballspiel zu einer mächtigen Kundgebung für den Arbeitersport und den Anschluß. des Projektes einige Zeit ins Land gehen wird, so besteht immerhin die Möglichkeit, daß Berlin eine Kunsteisbahn bekommt, die nicht von der Börse abhängig ist. Wird der Sportpalast mit Gewalt ruiniert? Die Kontinent- Korrespondenz meldet: Der Borstand der Berliner Sportpalast- A.- G. hat beim Amtsgericht Berlin- Schöneberg den Zntrag gestellt, den jezigen 3wangsverwalter 3 orn durch eine andere Bersönlichkeit zu erseßen. Der Antrag wird dahin begründet, daß 3orn Angebote von monatlichen Bachtsummen bis zur Höhe von 30 000 Mart unberücksichtigt laffe und den Sportpalast gegen eine minimale Beteiligung am Bruttoumfah ohne jede Mindestgarantie verpachte. Da die bisherige Verwaltung für die Gläubiger feinerlei Einnahmen erzielt habe, erblicke die Sportpalast-.- G. in dem Vorgehen 3orns eine schwere Schädigung der Gläubiger sowie der Schuldnerin und habe sich daher alle Regresansprüche an Zorn vorbehalten. Länderfußball Oesterreich- Deutschland. Anläßlich des Länderfußballspiels Desterreich- Deutschland im Poststadion am Sonntag, 16. Dezember, besteht für alle Sparten des erften Kreises Spielverbof. Plaketausgabe für Vereine aller Sparten morgen, Dienstag, bei Krüger, Patlihstraße 10. Die Kreisleitung. 3. 2.: Dehlschläger. Trabrennen zu Mariendorf. Bärbel Mennen. 1. Serenmeister( Lemzet), 2. Pro Patria, 3. Drane. Foto: 34: 10. Blag: 18, 26, 96: 10. Ferner Tiefen: Rushaga Bon, Charlie D., Holofernes, Refome, Gun de Bal, Baroneß E., Friedericus Reg, Maimorgen, Madonna, Lug, Modena, Daiman. Mrs. Bosworth- Kennen. 1. Prinzessin Etawah( Frömming), 2. Ellen, 3. Sultan G, Toto: 109: 10. Blag: 27, 15, 24:10. Ferner Tiefen: Coñms ( 8. s. 8.), Interessent, Marne, Srrieufelchen, Bring Adbell, Rotula, Wintermärchen, Colome, Besste, Seidemann, Zeitgeist, Champion Goud, Heidepring I, Rinoftern. Bed- Rennen. 1. Lindenhofer( Sauß ir.), 2. Frank, 3. Seimchen. Toto: 87:10. Brak: 29, 27, 13: 10. Ferner Refen: Rinotönigin, Morgensonne, Sinsto, Stotfel, Bessing, Minz. U. G., Interessent, Demenphine, Artifex, Anter I, Kartenspieler. Betrsfia- Rennen. 1. Arnulf( Ch. Mis), 2. Verattion, 3. Altgold. Toto: 97:10. Blag: 52, 164, 42:10. Ferner liefen: Frankenstein, Craffus, Rubin, Copal, Trotteur, Beter Harvester, Dawson Watts, Alud, Wasserfall( o. W.), Denkmänge, Brogres, Lockung, Ehrenberg, Native Forbes. Bistole- Rennen. 1. Heini Duffy( Bef.), 2. Hellebarde, 3. Quintessenz. Soto: 188: 10. Blag: 80, 14, 15:10. Ferner liefen: Heliogabal, Sippolage, Mia Salle, Hella Timoko, Rehoferin, Theokrat, Fahrenheit, Wartburg, Drave, uchs, Landrat, Kroschel, Breis von Damsbrud. 1. Lindowkind( Lautenberger), 2. Großmogul, Wainsca. Toto: 63:10. Blag: 26, 85, 28:10. Ferner Tiefen: Paula., Maroline, Flamingo, Lebemann, Möglich, Rosenfrau, Rudi, Hammerfänger. Alma- Tabb- Rennen. 1. Birus( C. Mills). 2. Saga Burton, 3. Cios Dillon. Toto: 35: 10. Plat: 16, 20, 81: 10. Ferner Tiefen: Turandot, Dies irae, Lubaina, Campanula, Bartenkirchen, Heider, Baron Gabler, Abbel, Meifierstück, Sallore. 1. Abteilung: 1. Rotkäppchen( S. Krumnad, Ante- Gun- Rennen. paläste, die eine mehr oder weniger gute Kunsteisbahn zur Verfügung Tiefen: Crifpa( als 3. disqu., 80 Bros. Blag zurüd), Petronella A., O'Captain ftellten, haben Pleite gemacht. 2. Flaggenlieb, 3. Ingrid Salle. Toto: 23: 10. Blab: 12, 19, 44: 10. Ferner Leerberg, Lombardei, Sarfenmädchen, Marn Gun, Annie Goudster, Gir Caid. 2. Abteilung: 1. Nieberländer( Weibnez it.), 2. Beste Liebe, 3. Barmenis. Toto: 63:10. Blag: 12, 11, 12:10. Ferner Tiefen: Diana Magawan, Goud Armenier. Bundesweine Vereine teilen mit: Diefe Gelegenheit benugen die bürgerlichen Sportvereine und die ihnen nahestehenden Zeitungen dazu, den Ruf nach der Schaffungster Jr., Henny Cord, Minni Salle, Dele Marion, Dante, Kapitain Salle. einer Kunsteisbahn durch die Stadt Berlin zu erheben. Beliebtes Thema ist dabei: Berlin muß den Sportpalast über= nehmen! Es ist immerhin reizvoll, gerade die Leute nach der Kommunalisierung schreien zu hören, die sich sonst mit Händen und Füßen dagegen sträuben. Wir erlebten das erst fürzlich bei dem 3ufammenbruch der Auiorufgesellschaft. Als die Bleite besiegelt war, fonnte man in allen bürgerlichen Blättern Berlins von ganz rechts bis ganz links die Forderung lesen, daß Berlin diese Gesellschaft übernehmen müsse. Der Sinn der Kommunalisierung fiegt nicht darin, daß eine Stommune ein banteroit gegangenes Brivatunternehmen übernimmt und vielleicht mit hohen Zuschüssen weiterführt. Der Borwurf, daß die sonst fo sportfreudige Stadt Berlin gerade bei der Schaffung einer Kunsteisbahn verjage, trifft nicht so sehr die Stadt, als die fehr fapitalfräftigen bürgerlichen Eissportvereine, die es bisher vorzogen, ihre Gelder privaten Unternehmern zur Ber fügung zu stellen. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Stadt es nötig hätte, sich den meist recht feudalen Wintersportvereinen auszuliefern. Die Webernahme einer Benutzungsgarantie fönnte vollauf genügen. Im übrigen schwebt im Berwaltungsbezirk Friedrichshain ein Brojekt zum Bau einer Kunsteisbahn beim Sportplatz im Friedrichshain, das durch den sozialdemokratischen Bezirksbürgermeister tie lig start gefördert wird. Wenn auch noch bis zur Ausführung Touristenverein Die Mahirfreunde", Sentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch, 12. Desember, Aula Weinmeisterfir. 16-17, Lichtbilbervortrag: Nürn berg und die Frontische Schweiz". Beginn 20 Uhr, Eintritt frei. Gäste wil. Yommen. Abt. Friedrichshain: Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Brommn traße 1, Lichtbilderportrag: Die Sächsisch Böhmische Schweiz bt. Friebenau: Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, Offenbacher Str. Sa: Geschäft. liches. Abt. Norden: Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20: Beihnachtssitten und Gebräuche"( Dr. Lange). ebt. Webbing: Dienstag. 11, Desember, 20 Uhr, Turinez, Ede Geeftraße: Geschäftliches. Abt. Treptam: Dienstag, H. Dezember, 20 Uhr, Elfenfit. B: Geſangraben. Abt. Bantow: Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, Görfchitr. 14: Geschäftliches. Abt. Prenz Tanez Berg: Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Tansiger Str. 62, Barade 2: Das Riefen- und Jfezgebirge". Abt. Gefundbennnen: Donnerstag, 13. Deember, 20 Uhr, Pants, Tele Wiesenstraße: Entstehung des Boltsliedes" ( Schuppa). Jugendgruppe: Donnerstag, 18. Dezember, 20 Uhr, Lebigenheim Schönstedtstraße, Zimmer 22: Gruppenfragen, neue Vieder. Mt. Tiergarten: Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Lehrter Str. 18-19: Margismus". Abt. Südwest: Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Vordstr. 11: Das Riefengebirge" ( Lichtbilder). Abt. Spandan: Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, Linden ufer 1: Das Erzgebirge". Ratuzreifenschaftliche Abt.: Donnerstag, 13. De zember, 20 Uhr, Johannisstr. 15: Rnub Sanfum. Abt. Schöneberg: Donners tag, 13. Dezember, 20 Uhr, Hauptfir. 15: Mit den Naturfreunden in die Schweig"( Lichtbilder, Rich. Walter). Abt. Charlottenbusa: Donnerstag. 13. Dezember, 2014 Uhr, Babeabend, Schwimmhalle Strumme Straße. Rabervezels Colegia. 12. Dezember, 20 Uhr, bei Thunad, Charlottenburg, Bersammlung der Frauenabteilung. versammlung bei Gauer, Kaiser- Friedrich- Str. 13. Bertrag Stadtrat Herlig: Freie Schwimmer Charlottenburg. Dienstag, 11. Dezember, 20 Uhr, MonatsArbeitersport und Rekord." Es werden die Karten zur Weihnachtsfeier ausgegeben. Das lange Rennen im Sportpalast. 24 Stunden Arbeit und eine Ueberstunde. Das 4. Berliner 25- Stunden- Rennen im Sportpalast ging gestern abend um 11 Uhr zu Ende. Sieger der Fahrt wurden nach einer wildbewegten legten Stunde Buschenhagen Frantene stein! Finanziell dürfte diese Veranstaltung mit einem Mißerfolg geendet haben, spielte sich doch das Rennen immer nur vor einem sehr mäßig besuchtem Hause ab. Geschlagene 24 Stunden ging es, abgesehen von einigen fleinen Unterbrechungen, in der großen Halle langweilig zu; nur die leßte Stunde brachte Kämpfe und groß angelegte Borstöße. Einige Vorrennen blick des Aufrüdens unsanft mit dem Boden Bekanntschaft, mar aber balb mieber auf den Beinen. Die Spitzengruppe besteht nun aus vier Paaren, alles andere ist einmal überrundet, darunter auch Rielens- 3. v. Kempen, die Belgier Bermandel- Verhaegen und die Franzosen Wambst- Lacquehan, die in der ganzen Nacht eine große Enttäuschung sind. Kroll mußte ausscheiden, weil sich die Folgen feines Leipziger Sturzes wieber start bemerfbar machten. Der vom Bech verfolgte Tiez blieb Erfaßmann und erhielt schließlich noch am Nachmittag einen neuen Bartner. Nach der 5- Uhr- Wertung stellten Stodelyna unb Berhaegen die Beiterfahrt ein. Ties wurde nun mit Goossens zu einer neuen Mannschaft zusammengetan. Im Berlauf ber 8- Uhr Abendwertung ziehen Guter- Stupinisti mit MetteBeinert los. Suter- Stupinfft holen eine Runde auf, um sie jebody bald wieder abzugeben! Wette- Beinert verlieren eine weitere noch neun Mannschaften. Und Ruhe fehrt im Felde ein. Gemächlich ziehen die Akteure ihre Kreise, daran vermögen auch noch so schön laute Pfeiffonzerte des Bublifums nicht zu ändern. Bis dann eben die letzte Stunde, Am Vormittag siegten Groß- Berlin Nordring II gegen Groß Berlin Tennis Rot I 3: 1 durch ein besseres Stellungsspiel und anne größere Saußfreudigkeit. Bei Tennis Rot haperte es bei den sehr Cut vorgetragenen Angriffen am egatten Torschuß. Der Schuß fain biel zu langsam, so daß die sehr schnelle Norbringmannschaft stets In Borteil fam. Die Jugend des Athletit Sport- Club verlor 3: 2 Begen Groß- Berlin Norbring Jugend. Beide Vereine warteten mit miem Nachwuchs auf und zeigten ein verfiändnisvolles, intereffantes Das 150- Rundenpunftefahren endete mit dem Siege Rantoro Runde. Dann steigt" Wette gänzlich aus. Das Feld zählt fomit Spiel. E. Benn dens brig Ber he g Deil bem Was will der Mann? Im Berlage von Gebhardt, Leipzig, ist ein Buch von Johannes bitter Seiffert erschienen, betitelt 3wischen den Fächern, ein not , berungener Bersuch über den Rhythmus, Spiel, Pflicht und Fest folgt ber Quellen fozialer Freiheit". Ob sich unsere Leser unter dem Bm Saupt- und Zwischentitel etwas vorstellen können, wagen wir zu über bezweifeln. In einem Dutzend Kapiteln, die zu lesen, eine Straf Darbeit ist, wird man aus den Absichten des Verfassers auch nicht lug. Erst am Ende des Buches tritt seine Absicht zu Tage. Er sbmöchte als Architekt einen Auftrag zur Erbauung einer Festspiel teraftätte für Groß- Berlin haben. Um dieses recht materiellen Hinter bo rundes wegen verwendet er 135 Seiten seines Buches, um den mpion taufenbmal toigeschlagenen Margismus noch einige Male zu eine richlagen. Wie bas gemacht wird, möge folgender Ausschnitt zeigen: Das Erwachen aus diesem Einheitstraum, die Offenbarung des spekulativen Charoliers der marpistischen Traumdeutung und des Agitators der kommunistischen Einigung- als eines ante nationalen, swingt nun alle Erwachenden zu der Frage: mer ist fähiger, das Wirtschaftsleben zu führen die Schöpfer felbdie Schöpfer felb ständiger Betriebe oder die Agitatoren, die nur den Unmut auf peitfchen fönnen zur blinden Zerstörung?" er 3 Sm brige Es gibt im Buche noch größeren Unsinn, vielleicht ist nie in em Buche fo viel Quatsch auf einmal verzapft worden, wie in leiteten Sonnabend die 25- Stunden- Fahrt ein: ein Fliegermalfahren und 150- Rundenfahren. Im Endlauf des Malfahrens trafen sich die ersten der Vorläufe. Hier sicherte sich Jensen den ersten Platz. wicz. Zweiter wurde Nickel vor Jensen. Dann wurde das 25- Stunden- Rennen gestartet. Sturz vor 11 Uhr entfachen Breuß- Refiger eine Jagd, die alle Fahrer auf die Bahn bringt. Anfangs sieht es fo aus, ofs ob die beiden jungen Fahrer Blaz aufzuholen vermögen. Doch fönnen sie den Vorstoß nicht durchhalten. Miethe führt das Feld nach einigen Runden Jagb wieder her. Um 11 Uhr beginnt die erste Wertung.( Die erste Stunde hat 40,760 Rilometer gebracht.) Nach dem sieberiten Spurt föft sich Kroll vom Felde. Es scheint sich eine Jagd zu entwickeln, die jedoch durch einen fleinen Massensturz in der Zielfurve ein vor. zeitiges Ende erfährt: das Rennen wird für kurze Zeit neutralistert! Dann fährt bas Feld ohne Buschenhagen, Frankenstein und BetteBeinert, für die das Rennen weiter neutralisiert bleibt, den vorletzten Spurt aus. Im letzten Spurt find dann alle Mannschaften wieder vertreten. Die Bertung ergibt, daß roll Tieg mit 19 Punkten die Führung des Feldes inne haben, zweiter find Buschenhagen Frankenstein mit 18 Bunften. Die 1- Uhr- Nachtwertung verläuft recht lebhaft. Besonders der Belgier Goossens, der mit Stodelynd fährt, zeigt eine außerordentlich starte Fahrweise. Rurz nach 2 Uhr fommt es zur Sprengung des Felbes. Liek Roll jagen wie beseffen um bie Bahn und riffen das Felb bald weit auseinander. Miethe- Knappe, glänzend in Form, arbeiten sich zu erst an die Ausreißer heran, dann finden auch Goossens- Stocelynd und Frantenstein- Buschenhagen Anschluß. Leßterer macht im Augen" die Stunde des ganzen Rennens, fommt. Sie zeigt, daß Oskar Tiez ein Alaffefahrer ist, fie zeigt aber auch, daß Buschenhagen das Hinterradfahren mehr denn je ausübt. Wenig schmeichelhafte Bemerkungen fann er hierfür vom Bublikum einstecken. Zu Tietz: Nach dem dritten Spurt geht er mächtig los. Nur Horan vermag zu folgen. Trog ftarter Gegenmehr des Feldes fönnen die beiben Mannschaften zur Spigengruppe aufrüden. Irgendwo stürzt Horan, parinerloje toch muß aus dem Rennen. Die Franzosen stoßen vor: fpäter fällt er vollends matt zusammen. Weiter geht die Fahrt. Der eine Haß, die einzig dasteht. Im Felbe lichtet fichs. Nachdemt noch Behrendt- Manthey in die Spigengruppe aufgerüdi sind, geben er= Schöpft Knappe- Miethe, später Suter Stupinfti und zuleht nach Rielens das Rennen auf. So benbeten nur fünf Baare, darunter auch die tapfer mithaltenden jungen Breuß- Refiger, das Rennen. Auf ihrer Ehrenrunde betamen rantenstein- Buschenhagen ein riefiges Pfeiffonzert zu hören. Versteht sich, daß bei den anderen vier Mannschaften mit Beifall nicht gefargt wurde. Ergebnis: 1. Buschenhagen- Frankenstein, 175.( 825,140 Rilometer); 2. Goossens- Tieg, 140 B. Eine Runde zurüd: 3. BehrendtManthen, 68 P.; Wambft- Lacquehan, 55 P. Acht Runden zurück: 5. Preuß- Refiger, 96. P. Das nennt man Gottesläfferung! Zeichner George Groß und Malikverlag auf der Anklagebank. Die Kirche ist in Gefahr. Der Staatsanwalt schwingt den Gotteslästerungsparagraphen. Auf der Anklagebant vor dem Schöffengericht Charlottenburg fihen heute der Zeichner George Groß und der Vertreter des Malikverlags Herzfelde; fie sollen die Einrichtungen der christlichen Kirche"( Chriftusverehrung, Predigeramt, Priestertum) öffentlicht beschimpft haben. " Der Zeichner George Groß, Schöpfer des Wertes ,, Das Geficht der herrschenden Klaffe", hatte im Auftrag der Berliner Biscator- Bühne Entwürfe zu„ Schweit" hergestellt. Sie erschienen im Malit- Verlag als Mappe von 17 Zeichnungen:„ Hintergrund". Hintergrund des mörderischen Weltkriegs mit seiner Bestialität und Heuchelei, seinem Pharifäertun und seinen verlogenen Phrasen. Drei von diesen 17 3eichnungen erregten Anstoß. Die Abteilung Ja des Berliner Polizeipräsidiums befchlagnahmte sie, die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren. Gegen die Beschlagnahme diefer drei Zeichnungen hatte der Berteidiger Dr. Apfel bem preußischen Justizminister Beschwerde eingelegt; er hatte u. a. gerügt, daß vor der Beschlagnahme der Kunstausschuß beim Polizeipräsidium nicht gefragt worden war. Er erhielt den Bescheid, daß laut einer Verfügung des Ministeriums der Kunstausschuß nur gefragt werden müsse, wenn es sich um den § 184 des Strafgesetzbuches handie oder wenn die Ruhe, Sicherheit und Ordnung gefährdet sei. Der Schutzverband deutscher Schrift. steller und der Reichsverband bildender Künstler Deutschlands haben dagegen in einem Gutachten an das Schöffengericht Charlottenburg ihr Bedauern darüber ausgesprochen, daß der Kunstausschuß nicht gefragt worden sei. Wäre das geschehen, besagt das Gutachten, so märe die Anflage vermutlich überhaupt nicht erhoben worden. Denn die Blätter in der Mappe ,, Hintergrund" seien nichts anderes als ein neues Dokument für die aus tiefem Ethos und reiner Glut ehrlichster lleberzeugung hervorgegangene freiheitliche Weltanschauung des Künstlers, für einen leidenschaftlichen Trieb, bestehende Schäden und Schiefheiten öffentlicher Zustände und verbreiteter Gesinnungen rücksichtslos anflägerisch aufzudecken, um an der ersehnten Befferung der menschlichen Verhältnisse attiv mitzuwirken. Groß erläutert. Als erster gab Georg Groß seine Erklärungen ab. Es falle ihm schwer, in Borten auszudrüden, was er durch seine Zeichnun gen gesagt habe. Sein Zeichenstift habe eigentlich gebantlich alles erschöpft. Als der Vorsitzende jedoch in ihn dringt und ihn auffordert, zu jeder einzelnen ihm zur Laft gelegten Zeichnungen Erläuterungen zu geben, sagt Georg Groß:„ Ich habe in Blatt 2 zum Ausdruck bringen wollen, daß man aus der Bibel alles herauslesen tann, was man will mit Gott läßt sich alles beweisen. Blatt 9 ftellt einen Geistlichen vor, der mit feurigen Bungen immer nur in einer Richtung predigt. Es mag sein, daß das Lamm auf der Stickerei mit einem Esel Aehnlichkeit hat. Es war eben für mich das Einnbild der Unschuld." Als der Borfizende dem Angeklagten vorhält, ob er sich nicht sagen mußte, daß die Unterschrift Ausschichung des heiligen Geistes" religiöse Gefühle beleidigen mußte, antwortet Georg Groß: Ich sehe gewissermaßen eine Aufgabe darin, als 3uchtrute zu dienen, da kümmere ich mich nicht um die Geseze. Ich handle gewissermaßen nach einer 3wangseingebung, ich gebe zu, daß die Mehrheit des deutschen Bolts fich vielleicht beleidigt fühlen tönnte. Das beweist ja auch dieser Prozeß. Ich als Künstler bin in der Minderheit. Sie haben die Macht, Sie find Richter, Sie vertreten die Mehrheit der Menschen, die Sie eingesetzt hat." Der Vorsitzende will wiffen, ob George Groß sich vielleicht bei seinen Zeichnungen von pofitischen Gründen habe leiten lassen. Rein," antwortete der Angeklagte, ich bin von niemandem beauftragt. Ich habe meinem inneren Empfinden gemäß geschaffen. Der Künstler will seiner Zeit Ausdruck verleihen. In dieser Hinsicht fegte ich nur die gotische Tradition des Pamphletisten fort. In einer bewegten Zeit wird jeder wahre Künstler, der seiner Zeit Ausdruc verleihen will, politisch. Ich habe das Gefühl, daß viel Unrecht geschieht, daß zu viel Brutalität, zu wenig Liebe herrscht. Mit mir empfindet das fo auch eine Minderheit. Diese Empfindung muß aber einen Künstler zum Satiriker machen." Der Angeklagte Herzfeld erklärt, daß er sich beim Herausbringen der Zeichnungene nur von fünstlerischen und menschlichen Gründen habe leiten lassen. Die Paragraphen fenne er nicht. Es sei auch nicht richtig, daß er religiös fühlende Menschen beleidigt habe, denn die Tatsache des Krieges sei für das religiöse Gefühl so be. leidigend, daß dem nicht mehr hinzugefügt werden fonnte. Benn der größte Teil der Menschheit eine christliche Erziehung erhalte, so sehe er darin einen Verderb. Er habe mohl gehofft, daß die Zeichnungen dazu beitragen fönnten, eine Aenderung dieses ZuStandes zu bewirken. Der vom Gericht als Sachverständige geladene „ Getreuzigter Chriftus entsprach feiner innersten Auffassung. Ebenso wollte er auch nicht den geistlichen Stand beleidigen. Es sollte nur der ungeistliche Geistliche getroffen werden. Der Künstler arbeitet eben mit den Mitteln, die ihm der Zeichen stift gewährt. Eine spätere Zeit wird sein fünstlerisches Schaffen meniger aggreffio sehen als heute. Ganz so wie sie das Schaffen von Goya und Klinger jetzt ruhiger betrachtet. Staatsanwaltschaftsrat Lesser hielt die Beschimpfung von öffent fichen Einrichtungen der Kirche für gegeben und beantragte für jeden der Angeklagten eine Geldstrafe von 1000 m., für die im Nichteintreibungsfalle je zwanzig Tage Gefängnis treten sollen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Apfel, betonte in seiner Rede ganz besonders, daß Satirifer in Deutschland stets verfolgt wurden. Er zitierte die Stelle im Evangelium, wo Markus sagt, daß selbst die Gotteslästerung zu verzeihen sei, nicht jedoch die Sünde wider den Heilgen Geist. Die Rede endete mit einem Appell an den Richter, das Ansehen Deutschlands durch eine Berurteilung nicht zu fchädigen. 50 Jahre Feuerbestattung. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des ersten deutschen Krematoriums in Gotha veranstaltete der Bolts Feuerbestattungs- Berein" am vergangenen Sonntag in den Krematorien Baumschulen meg, Gerichtstraße und Wilmersdorf Gedent feiern, die von ben Mitgliedern der Organisation start besucht waren. Den tünstlerischen Leil des Programms, das auf allen drei Feiern das gleiche war, bestritten neben den Organisten die Der Schimpanse Bu- Bu der jetzt im Berliner Wintergarten auftritt. Herren Lehmann und Rauendorf( Bioline), Grasnid und Prieme ( Cello) und ein Doppelquartett, das sich aus Mitgliedern des Vereins zusammensetzte. Orgelspiel feitete die Feiern in den mit Blumenschmud reich versehenen Krematorien ein. Nach dem Liedervortrag des Doppelquartetts, das Flemmings Eintracht und Liebe" ergreifend sang, nahm im Krematorium in der Gerichtstraße der Borfizende des Vereins, Karl Müller, das Wort zu seiner Ansprache. Der Redner erinnerte an die kampfreiche Bergangenheit der Bewegung und an den Tag, an dem in Gotha das erste deutsche Krematorium eröffnet werden konnte. Es war am 10. Dezember 1878, als dort die erste Einäscherung stattfand. 1891 folgten Krematoriumsbauten in Heidelberg und 1892 in Hamburg. Bis zum Ausbruch des Krieges waren in Deutschland 40 Krematorien errichtet, und bis zum heutigen Tage werden insgesamt 80 Krematorien in Deutschland gezählt. In absehbarer Zeit wird aber auch diese Zahl schon wieder weit überflügelt sein. Berhältnismäßig spät, erst in den Jahren 1911 und 1912, fonnte der Weg in Bayern und in äußerte sich folgendermaßen in seinem Gutachten: George Groß ist Breußen für die Feuerbestattung frei gemacht werden. Der schärfste ein Mensch mit ausgeprägten fünstlerischen Eigenschaften, der sich Gegner der Feuerbestattung ist die katholische Kirche, die im August seine eigene Form geschaffen hat und unter den Graphifern eine dieses Jahres einen Ausschuß zur Bekämpfung der Einäscherung geführende Stellung einnimmt. Gerade deshalb mußte er gründet hat. Die Organisation nimmt den Kampf gegen den Klerus mit den Gefeßen in Konflitt geraten. Das war ja auf in dem Bewußtsein, durch ihn der Idee der Feuerbestattung neue auch bei Klinger der Fall. Seine gefreuzigte Frau" wurde als Anhänger zuführen zu können. Der im Jahre 1913 gegründete Blasphemie aufgefaßt. Heute tut dies jedoch niemand mehr. Für Berein zählt jetzt meit über eine halbe Million MitGroß war das Erlebnis des leidenden Menschen das glieder, und täglich strömen der Bewegung neue Anhänger hinzu. Entscheidende. Diefem Erlebnis hat er in seiner ihm eigenen Art Die Feuerbestattung ist in ästhetischer, hygienischer und ethischer Betünstlerischen Ausdrud verliehen. Der Konflit mit dem Geziehung die beste Bestattungsform; fie gegenüber der ErdJeg war unvermeidlich. Denn die Auffassung des Künstlers bestattung mindestens gleichberechtigt zu machen, ist die Aufgabe einer deckt sich naturgemäß nicht mit der Auffaffung der Allgemeinheit. rei chys gefeglichen Regelung der Feuerbestattung, Diese hängt an den alten Formen, jener stürmt vorwärts. Sein die endlich verwirklicht werden muß. Reichsfunftwart Redslob COUNDE reinigt wäscht färbt und bi Mehrliche Feiern fanben in Baxmantenweg Wilmersdorf ftatt, auf benen Hermann Rother und Otto Funt die Gedenkreden hielten. Tragt rote Fahnen durch das Land! Zeitlich etwas verfrüht, aber mit froher Begeisterung, fanden fich am Sonnabend die Roten Falten der westlichen und füd lichen Bezirke Berlins der Kinderfreunde in 3offen ein, um gemeinsam ihre diesjährige Sonnenwende zu feiern. In heller Sternennacht zogen sie hinaus. Fadelschein und Kampflieder begleiteten ihren Weg zum Fest play. Freundschaft und Gemein schaft bindet dieje Gruppen, in denen die jüngsten Kämpfer für den sozialistischen Gedanken vereint sind. Der Sprecher rief in die Nacht hinaus: Der Arbeit Jungoolt hält Zukunftswacht! Zum heiligen Schwure Hände sich heben: Unfer der Kampf! Unser das Leben! Empor stiegen die Flammen am Holzftoß, begleitet von dem Gefang des Sozialistenmarsches. Im Feuerschein erschallten Worte des Sprechchores, die das Zukunftssehnen unserer Jugend erkennen ließen: Verbrenne das große Tuch der Not Für alle Menschen Arbeit und Brot! Am Befreiungstampfe des Arbeitsvolles mit teilzunehmen ist Roter Fallen- Wille riefen die Sprecher des Chores. Kampflieder bes fchloffen die Gemeinschaftsfeier. Zum Sonntag hatten die Roten Falten ihre 3offener Genossen und Freunde in das Jugendlager gerufen. In froher Ge meinschaft fanden fie fich zuſammen. Der Film aus der Kinder republit Geetamp bei Kiel, die so eigentlich das Fundament zu der aufwärtsstrebenden sozialistischen Roten- Fallen- Bewegung legit, zeigte den Zoffener Gästen das Walten und Streben der Kinder freunde. Begleitet durch die Kampf- und Wanderlieder begeiſtert dieser Film jeden noch Fernstehenden Ein Demonstrationszug durch Zoffen beendete die Werbeveranstaltung. Der Gesundungsprozeß. Metallarbeiterwahl in Jena. Die Drisverwaltung des Metallarbeiterverbandes in Jena be fanb fich feit 1923 vollständig in Händen der Kommunisten. Jena ift Sig der KPD- Sentrale für Thüringen. Bei der Generalver fammlung im vorigen Jahre bekam die Opposition" noch 223 Stimmen, die Amsterdamer Richtung dagegen 490 Stimmen. In der jüngsten Generalversammlung am 7. Dezember wurden für die Amsterdamer Richtung 581 Stimmen und für die„ Oppo fifion 127 Stimmen abgegeben. Zwar find von diesen 127 Oppo fitionsstimmen noch mindestens 100 zuviel und der Rest von 27 über flüssig, doch zeigt sich unverkennbar, daß die vor fünf Jahren auf den Kopf geftellten Berhältniffe langfam aber sicher wieder auf die Beine tommen. Bon den 96 Stimmen, die die KPD. in diesem Jahre verior, hat die Ortsverwaltung 91 gewonnen. Ein recht guter Erfolg! FUNK UNDG ein de G 1e fr go die fch Im beg mi fich ta AM ABEND die fou fra Montag, 10. Dezember. Berlin. 6. a) Goethe: 7. Claudius: Urians Wo CE gur Stel Be we Lu Bei Ver 16.00 Ing. Joachim Boehmer: Technische Wochenplanderei. 16.30 Karl Friedrich Zelter( zu seinem 170. Geburtstag). 1. Goethe: De König in Thule( Fritz Lechner, BaB). 2. Grübel: Meister und Gesell ( Männerchor). 3. Goethe: Ueber allen Wipfeln ist Ruh'( Edgar Lißner Badrian, Tenor). 4. Goethe: Johanna Sebus( Hilde Weyer, Sopran Edgar Liẞper- Badrian, Tenor, Fritz Lechner, Baß und der Berliner Funk Chor. Leitung: M. Albrecht). 5. Goethe: Willkommen( Hilde Weyer, Edgar Liẞner- Badrian and der Berliner Funk- Chor). Die Spröde; b) Die Bekehrte( Hilde Weyer). Reise um die Welt( Fritz Lechner mit Männerchor). 8. Ständchen ton ( Dichter unbekannt)( Edgar Liẞner- Badrian). 9. Goethe: Genialisch fion Treiben( Männerchor. Am Flügel: Ben Geysel). 17.30 Straßennamen. Eine Novelle von Hermann Kesser( gelesen vom Autor). 18.30 Hans- Bredow- Schule, Sprachunterricht. Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 19.00 Dr. W. Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Die Είχα id übe Rä Gir Philosophie Prof. Max Dessoir: Einführung die moderne Psychologic. VII. Die seelischen Gebilde. 20.00 Wiener Placdercien( gesprochen von Dr. Erich Fortner)." 20.30 Von Wien: Internationaler Programmaustausch. Oesterreichische Meister Dirig.: Prof. Robert Heger, Staatsoper. 1. Wagenseil: Sinfonie D- Dur Ang 2. Wolf: Italienische Serenade. 3. Mahler: Adagietto aus det Rä V. Sinfonie. 4. Mozart: Sinfonie D- Dur( K.-V. 385). 5. Korngold: Arie aus der Oper Das Wunder der Heliane"( Fried! Boehm). 6. Schmidt: Zwischenspiel zu Notre Dame"( Wiener Sinfonie- Orchester). Ma Anschließend: Uebertragung aus dem Europa- Pavillon: Tanz- Musik( Kapelle Seit Bernard Etté). hat 0.30 Nachtmusik. 1. Joh. Stranẞ: Ouvertüre zu der Operette ,, Waldmeister" ( Ferdy Kauffmann mit seinem Europa- Orchester). 2. Massenet Sevillana( Alexandrine Alexandrowa), Sopran. Am Flügel: Oscar Wappen schmitt). 3. a) Waldteufel: Hoch lebe der Tanz, Walzer; b) Armandola Maggiolata( Ferd. Kauffmann mit seinem Europa- Orchester). 4. Gounod: Walzer aus der Oper Romeo und Julia"( Alexandrine Alexandrowa) 5. Künneke: a) Mädchenaugen; b) In der Taverne( Ferdy Kauffman init seinem Europa- Orchester). 6. Lincke: Glühwürmchen- Idr ( Alexandrine Alexandrowa). 7. Weninger: Auf Wiederhören, Potpour ( Ferd. Kauffmann mit seinem Europa- Orchester).. Königswusterhausen. 16.00 Stud.- Rat Völcker. Lektor Claude Grander: Französisch( kulturkundlich literarische Stunde). 16.30 Nachmittagskonzert von Berlin. 17.30 Prof. Norbert Krebs: Deutsch- Oesterreich( 1.). 18.00 Dr. Harald Braun: mar Blä Ron die Heimat. 18.30 Stud.- Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 18.55 Proi, Dr. Ritter: Das neuere agrarpolitische Schrifttom. 19.20 Stud.- Rat Dr.- Ing. P. Wettstädt: Werkmeisterlehrgang für Pacharbeiter Dampfmaschinen und Brennkraftmaschinen( II.). 20.00 Leo Klamant: Was bedeutet uns die Lebenslehre der großen Weisen?( 1) Ab 20.30 Uebertragung von Berlin. Aktuelle Romanstoffe( III.): Der Weg nach de feier Auf und Beug gesp and nun er a hoch legte fei ei. 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