Morgenausgabe Nr. 585„, A 296 ��-�brgang ««che«M» 83 W, mmm« SM«. ta mncxis»oWbor. P->!!!>», uz 4�2 SL «tolch� B-ft-Sgild. Vu3lonb«abcnM* »«« 8.— SL pro«SMt. Bo.Sembt«*«ridjftirt otAtirtS� l>ch zweimal. Eonntazs und Monlag» einmal, die Bbendauagaben für Verl» mtb im Aanbel mir dem iirel �Dee Ldend", glluftrie«, veiiagen.Qoit und Aeii" und.Ajndarfreund'. gerne» »Umcrdallunz und Dillen',.grauen- stimm«',.rechnil'..SN« in»ich vucherwell' und ,Ju,end-Larwärl«� Berliner VoKsblatt Mittwoch 1.2. Dezember 1926 Groß-Äerlin Pf. Auswärts 15 pf, J3lf«iRftaftfe« NonpittMezew *0 Pfennig. ReNameneile o.— Reich»» marf.„Kleine Anzeigen� das ettge» druckt» Wort 25 Pfennig(zulässig zwes �ettzedruckt» Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Steüenaesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Duchstaber, zählen für zwei Worte. Arbeirstnartt Zeile öS Pfennig Famittenanzeigen fül Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» ««nahm« im 5)auptgeschost Linden« ftraße S,«ochentägl. von L»/, dt» 1? Uhr. Jentvalsvsan Mit GozialdsmoSvaMOen Kartei DeMOSsnds Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 kernsprtlhn: DöndofI LS2— ZS? Teleeramm-Btr.: SonaldnnrN« verli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poltlcheckkonivi Berlin 37 KZ8.— Banflonto: Bank der Srdeiter.«»gestellten nnd Beamten Wallftr. Sö. DiZkomo-Gelellschast. DepasitenkaNe Lwdenstr. L Richtlinien sürdl« Sachverständigen. Znieralliierte Einigung über die Reparationsverhandlungen. Varls. 11. Dezember.(Eigen berlchk.) VI« Verhandlungen über die Einberufung der Such- verftändigenkommlfston stehen nunmehr, wie ein amtliches Kommunique milkellt, unmittelbar vor ihrem Ab- schlug. Die E t n t g u n g unter den beteiligten Zllächlen Ist aus folgender Grundlage erzielt worden: Die Sachverständigen werden unabhängig sein. Die Kommission wird sich a u s s ch l i e h l t ch aus sührcodeu sf I o a u z f a ch- l c u l e n zusammeuseheu. Die Regierungen können die Vor- tchläze der Kommission annehmen oder ablehnen. Die alliierten Sachverständigen werden von den Regierungen be- Zeichne« und von der Reparalionskommlssioa er- » a n n l. Die deutsche Regierung ernennt ihre Sachverständigen selbst, sei e» direkt oder durch Vermittlung der Kriegslasteu- kommission. Die deutschen Sachverständigen haben gleiche R e ch t e mU denen der Alliierten. Die v e r e I n i g t e n S t a a» e n werden zur lellnohme eingeladen, und zwar durch die Re- paralionskommisflou. Die amerikanischen Sachverständigen werde« jedoch kein..offizielles Rkandal" haben. Die Kommisfloa tritt l o Vati» zusammen und bestimm« hier den endgültigen Sitz der Kon- serenz. der voraussichtlich pari, sein wird. Es soll ihr freigestellt bleiben, ihren Sitz vorübergehend nach verlin zu verlegen. Die 5rage des Mandats der Sachverständigen ist gegen Dentschload entschieden worden. Die deutsche Regierung hatte deu Standpunkt vertreten, dah dieses Mandat bereits in der Genfer Vereinbarung vom lü. September genügend umschrieben und eine Präzisieruug Infolgedessen überflüssig sei. Unter dem Einfluß Frankreichs haben stch die alliierten Regierungen nunmehr doch für eine genaue Festlegung des Aufgabenbereich» entschieden: Sie soll die im Dawes-Plan ossengclasscne Zahl der Lepara- tionsonnultälen bestimmen und darüber hinan» ein pro- gramm für die Kommerztallsierung der deutschen Gesamt- schuld ausstellen. Die Gulc-chten werden an die Reparation»- tommlssion übermittelt, die sie ihrerseits an die beteiligten Regierungen weiter leiten soll. Der Völkerbund telegraphiert. Mahnung an Bolivien und Paraguay. L tt«««». 11. Dezember. sEigenbericht.) 3» zwei vertl-auklcheu Sitzungen befaßte sich der Pö!k-rbu«dsrat am Dieustag mit de« Greuzkämpfen »wische» Paraguay und Bolivien. Der Z 4 dos Völkerbundpaktes v e r p f l i ch t e t de» Rat zu solchem Eingreife«, noch ehe sich eine der kämpfende» Parteien OB ihn gewandt hat. Monroedoktria nnd dm Passivität des Bölkerbuadsmitgliedes Bolivien, das s«U 1S22 sich nicht mehr aus den VSaerbundsversammlunge« vertreten läßt, rieten zur Borsicht. So wagte kein Ratsmitglied. einen offizielle« Antrag ans Behandlung zu stelle» und damit die energischeren Maßnahme« des 8 11 des Paktes zu forder». Der Rat begniigt« sich mit einem Telegramm an die beide« Streitenden, in dem er die Hoffnung aus friedliche Beilegung gemast d?r von ihnen eingegangenen internationalen Berpflich» tungen ausspricht. Oer Wortlaut der Vötterbundsentfchließun«. Da» nach La Poz und Asuncion im Auftrage de» Völker. bundsrats durch den amtierenden Ratspräfldenten Briand gerecht«« j Telegramm lauten �5n meiner Eigenschaft als ontticrender RatsprLsidcnt beehre ich mich, Öhnen folgende vom Völkerbundsrat in seiner heutigen Sitzung einstimmig angenommen« Entschließung zu über- mittel«: Der in Lugano zu seiner 33. Tagung versammelt« Nölkeitzunds- rat spricht seine volle Zuversicht aus. daß die Zwischenfälle, die zwischen zwei Völkerbundsmitgliedern soeben entstanden sind, sich nicht verschärfen werden. Er bezweiselt nicht, daß die beiden Staaten, die durch ihre Unterzeichnung des Völkerbundspakts sich feierlich verpflichtet haben, die Lösung van Streitig- leiten, die zwischen ihnen sich erheben sollten, aus friedlichem Weg« zu suchen, zu Maßnahmen greisen, die in Ilebereinstinanimg mit ihren internationalen Verpflichtungen und unter den gegenwärtigen Umständen als die empschlenswcrtcften erscheinen, um zur Aufrecht- «■Haltung de, Friedens eine Beilegung ihres Streitfalles zu erzielen." Bolivien gegen Untersuchungsausschuß. Washington. 11. Dezonber. Die bolivianische Regierung hat da» Staalsdepartemenl j davon In Kenntnis geseht, daß sie einen Ausschuß zur Prüfung des Konfliktes zwischen Bolivien und Paraguay ablehnt. stönigGeorgsZustanbfasthoffnungslos Oer Prinz von Wales nach einer Rekordreise in London eingetroffen. Doudon. 11. Dezember. fEizenbericht.) Der Vrlaz von Wale» lDhronselger). der am Z. Dezember Zaressalam re: lassen hat. ist nach einer l-linwMe� uuunker. uachene» Reise am Dienstag abend nach Loudon z u r"ck gekehr l. die Rückreise von Brindisi erfolgt« i« Sonder, ügen. C: lalienischen. schweizerisch«, und sr-nzosisch-«°'len�hn�wal>ung ede Bevorzugung vor dem normalen Verkehr zut'S � )ie Strecke Brindisi— voulogne koanle daher In der Retordz «n 2S Stunden zurückgelegt werden. Die letzten Nachrichten über da» Be finden de» 60»!?» ewcisen. daß die Krise anhält. Der Zustand d-' K°n!g» wird in london allgemein-l» fast hossuuugslo, betrachtet. Das künstige xaschisienparlament. Die berufsständischs Vertretung. Rom. 11. Dezember. Die partamentarlfche KommWon die Wustragt mw etn© ul- ch t e n über die dem Großen Rat für d«.Fandidatenliste vor. uschlagenden Körperschaften und die Zahl ihrer Vertreter abzug n, «1 ihre Arbeiten beendet und dem R-g'-rung-ch-f f-'g-nd«»uf. eilung der Slb von den Körperschaften zu l'�-tch-n K»nd>datur«n vrgeschlagen: Verbond der Angestellten und Arbeiter �5. faschistischer VerHand der Volksschulen 10. S, I c n b a h ne?' Zerdand der Postang-stellten 2. Angestellte be, den �taals- mternehmungen 2. slnwersiiSten 30. Mittelschulen 13. Atad«mi-n 9. Institut« sür schön««üvste 2. Saschistisch««ullurrnsttwte 3. D-ut« Aligheri« 2, Frontkämpfer 45. Kriegsbeschädigte 30. Italienisches Nationalzentrum 8. Flottenoerein 1, Kolonialinstitut 1, G e n o s s e n- sch asten l. Sparkassen 1, Aktiengesellschaften 1, Urbarmachung 1, Italienischer Touringclub l, Jtaliemsches olympisches Komitee 1. Dopa lavoro 1. Mussolini antwortete in einem Schreiben, in dem er erklärte, dah der Ausschuß seine Aufgaben hervorragend erfüllt und nicht nur formell, sondern auch dem Geiste nach das Gesetz in glänzender Weise interpretiert habe. poincares Mehrheit verringert sich. Nur noch 15 Stimmen- Duvgetberaiung im v-?ug-Tempo Paris. 11. Dezember.(Eigenbericht.) Die Budgetdiskussion in der Kammer vollzieht sich in einem unaufhaltsannn Tempo. Die Regierung stellt bei jedem ihr nicht genehmen Antrag die Vertrauensfrage. Am Diens- tag wurde im Verlauf der Debatte über das sogenannt« Finanz- gesetz, das die Einnahmen des Budgets regelt, ein Antrag der Opposition mit 328 gegen 233 Sllmmen abgelehnt. Parteitag in Magdeburg. Am 10. März. Der van dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei für das nächste Frülzjahr in Aussicht gestellte Parteitag wird am Ist. März in Magdeburg eröffnet. Der Parteitag wird sich vor allem mit dein Wehrproblem befasse«. Leistung oder Geldbeutel? Oer Llnfug des Berechtigungswesens. Von olnern Bsraksdoratsr. Das Berechtigunaswesen steht augenblicklich im Kreuz- teuer der öffentlichen Kritik. Wer die Mißstände ernsthaft be- fettigen will, muß zunächst nach der Ursache des Uebels suchen. um zu erfahren, wo der Hebel angesetzt werden muß. Die Quelle des Uebels ist das schlechte Beispiel, das Staat und Gemeinde mit ihren Anstellungsgrundsätzen der WIrtsckaft geben. Was soll man dazu sagen, wenn beispielsweise bei der Reichsbahn ein Volksschüler. der über die praktische Lehre und Gesellenzeit und den fünf Semester währenden Besuch einer staatlichen Baugewcrksschule sich zum Techniker durchgearbeitet hat. geringer bezahlt wird als fein Fach- genösse, der bei gleicher Arbeitsleistung einzig den immerhin zweifelhaften Vorzug der mittleren Schulreife besitzt, dabei aber nur über eine im Höchstfalle zwei- bis zweieinhalbjährige Praxis verfügt. Noch viele solcher unverständlichen Dinge gibt es. Zum Beispiel beim Gewerbelehrer: ein Obersekundaner mit zweijähriger Praxis oder ein Volksschullehrer mit vierjähriger Berufsausbildung macht auf einer höheren Maschinenbau- oder Baugewerkschule seinen Techniker. Die Ausbildung währt dort fünf Semester. Durch Fleiß und Weiterbildung hat sich dieser junge Techniker zum Bauführer oder Betriebs- leiter emporgearbeitet. Hier hat er Gelegenheit, sich praktisch hervorragend zu betätigen, außerdem werden unter seiner Leitung Lehrlinge und Praktikanten ausgebildet. Will der Betreffende jetzt Gewerbelehrer werden, so muß er nach den zurzeit gellenden Bestimmungen vier Semester das staatliche berufspädaaogische Institut besuchen. Ein Abiturient da- ILCJÜII., HCT lull UQjl V�CUU.flvn-ti jähriger Praxis seinen Diplomingenieur auf der Technischen Hochschule gemacht hat, wird ohne weiteres für befähigt gc- hallen, sich das gleiche pädagogische Wissen schon in zwei Semestern anzueignen. Wo bleibt hier d'e Anerkennung der praktischen Arbeit und der sich durch Selbststudium heran- bildenden Mensäzen? Heißt das alles etwa:„Freie Babn dem Tüchtigen?" Besonders wenn man bedenkt, daß die Bestrc- bungen in den Kreisen der Gewerbelehrer neuerdings darauf hinauslaufen, ohne Abitur überhaupt niemanden mehr zum Beruf des Gewerbelehrers zuzulassen. So sieht es aber allenthalben aus. Das Berechtigungs- wefen erweist sich allgemach als Schraube ohne Ende. Keiner wagt Halt zu gebieten. Die höheren Schulen haben ein ge- wisies und von ihrem Standpunkt auch verständliches Inter- esse daran, die Frequenz der Schule nicht sinken zu lassen. Die Elternschaft wieder würde sehr gern ihre Kinder in der Volksschule belassen, um sie dort für den praktischen Be» ruf vorbereiten und auf dieser Grundlage weiter bilden zu lassen. Lediglich die Angst, daß sie im Berufsleben bei den Aufstiegsposten doch abgehängt werden, veranlaßt viele Eltern, die Kinder, und sei es unter noch so großen Opfern, zur höheren Schule zu schicken. Dann entstehen Schüler» katastrophen, wie wir sie in der letzten Zeit erlebt haben. Auf der anderen Seite stehen die Berufsoerbände bzw. die Standesorganisationen der Akademiker, die, unterstützt durch das Verhalten der öffentlichen Behörden und der Wirtschaft, zum Vorteil ihrer Mitglieder bestimmte Privilegien fordern. Hier treibt ein Keil den anderen. Man glaubt den Zustrom der Jugendlichen zu den ge- hobeneren Berufen dadurch zu hemmen, daß man die Aus- bildungszeit überall verlängert. HeißUes doch, daß auf den staatlichen Daugewerkschulen, höheren Fachschulen, dem Be- rufspädagogischen Institut und ähnlichen Anstalten die Aus- bildungszeit um ein bzw. zwei Semester verlängert werden soll. Verschämt wird dies mit dem Vermitteln höheren Wissens begründet. In Wirklichkeit hängt man den strebsamen, aber mittellosen Menschen ab. Hier zeigt sich in aller Deutlichkeit, wie einmal unser Schulsystem noch lange nicht dem Prinzip der Begabung gerecht wird und wie andererseits in manchen Berufskreisen recht eigenartige Methoden angewandt werden, um eine wiri- schaftliche Sicherung im Beruf zu erreichen. Es herrscht dort eben der Grundsatz:„Nach mir die SintflutI" Wie soll man es verstehen, wenn der preußische Kultus- minister in einer Pressebesprechung, die dem Thema„Berech- tigungswesen" gewidmet war, miiteill, daß sein Ministerium in" einer Sitzung des Staatsministeriums mit der Forderung unterlegen ist. daß für die mittlere Beamtenlaufbahn die Obersekundareife ausreichen solle! Die anderen Ministerien fordern Primareife l Kann man es angesichts solcher Bei- spiele der Wirtschast verdenken, wenn sie sich von ihrem bis- berigen Prinzip abwendet und sich die gleichen unsinnigen Methoden zu eigen macht? Böse Beispiele verderben hier wirklich gute Sitten. Unsere Parlamente hätten die Pflicht, diese Frage in ihrem gesamten Zusammenhange zu prüfen und vernünftig zu regeln. Es geht nielzt an. dag die unHalt- baren Zustände auf dem Gebiete des Berechtlgungswejens mll der Uebervölkerung verteidigt werden, und daß der Der Krach im Zentrum. Eine Erklärung Giegerwalds. „Unglückliche Umstände haben weitgehende Wirrung er- zeugt�, heißt es in einem Aufsatz der„Germania" über den Kölner Parteitag des Zentrums. Die Wirrung geht wirklich weit, und sie wird noch dem Parteitag eher noch größer: denn jetzt beginnt man die S ch u l d f r a g e zu erörtern. Herr Steaerwald veröffentlicht eine lange Erklärung gegen Angriffe, die in der Zentrumspresse gegen ihn erfolgt sino. Die Erklärung lautet: �Gegenüber einer westdeutschen Zentrumsgertung stelle ich fol> gendes fest: Nicht ich habe in Köln die Zentrumspartei in«Ine schwierige Lage gebracht, sondern die Zentrumspartei hat umgekehrt mir metue politische Arbelt für die Zukunft außerordentlich erschwert. Nicht um die„Diktatur einer Interessentengrupp«" ging es in Köln. sondern darum, wer am ehesten imstande erschien, den weiteren Abstieg de? Zentrumspartet aufzuhalten und st« in den nächsten Jahren lniaöer zu einer geistigen, polltischen und organisatorischen Geschlossenheit zusammenzureißen. Persönlich habe ich mich in keinem Stadium um den Dorsig der Partei beworben: wahr ist vielmehr folgendes: 1. Noch dem Kasseler Parteitag vor drei Jahren hoben starke Kräfte der Partei auf mich dahingehend eingewirkt, daß ich mein« gewerkschaftlichen Wndungen drangeben und mich ausschließlich polichsch erpoirieren möchte; ich habe abgelehnt. 2. Nach dem Tode des Herrn Fehrenbach sucht« man mich wie- der nachdrücklichst zu bestimmen, den Vorsitz der Reichstagsfraktion zu übernehmen: ich Hobe abgelehnt. Z. Im letzten Frühjahr sind kurz vor dem Wahlkampf der Herr Parte! Vorsitzende Marx und der Herr Fraktionsoorsitzend« v. GuSrard hintereinander schwer erkrankt: so ist mir, ohn« mein Zutun und gegen meinen Willen, als stellvertretender Partei- und Fraktionsvorsitzender die Aufgabe zugefallen, Parteiund Fra t- tion gleichzeitig im letzten Jahre zu führen. 4. Bei Wiederzusammentritt des Reichetag» im November bat man mich erneut, die Wahl zum Fraktion su 0 rsitzenden endgültig anzunehmen. Ich lehnte wieder ob. Nach vielen Besprechungen, die sich um den Vorsitz der Fraktion u n d der Partei drehten, erklärt« ich folgendes: Die Duplizität in den letzten zehn Iahren, wonach ich auf der einen Seite stark parteipolitisch und auf der anderen Seite stark gewerkschaftlich exponiert war. lehn« ich für die Zukunft ab. Ich gehöre künftig entweder ganz den Gewerkschaften oder ganz der Partei. Expo- niere ich mich rein politisch, dann bin ich genötigt, den Vorsitz im Deutschen Gewertschaftsbund und im' Gejamtoerband der christlichen Gewerkschaften, im Slufsichtsrat der Tageszeitung„Der Deutsche', im Aufstchtsrat der Deutschen Boiksbank, im Aufsichtsrat de» Deut- schen Versicherungskon zerus(derbes M'.llionenunternehmungen), den Einfluß auf ,6!« große christlich« Gewerkschaftsschule in Königswinter Usw. aufzugeben. Das tl»e ach nur in dem Falle, wo ich v o r e i n« größere Aufgabe als in de? chrisllich-nationalen Arbeitnehmer- bewegung. gestellt welde. Die bloße Uebernahm« d«s Vorsitzes in der Fraktion oder die Uebernohme des e r st b e st e n Ministeriums, sind als g« r i n g« r e r Au fgo b«.» kreis efc«« dbtel;iien batte zur Konsequenz: hie Preisgabe der genannt«, Positionen in der chnst- lich-natronalen Arbmtnehmerbewegung). als der« meiner gegen» wärtigen Stellung. Die deutsche Politik im allgemeinen und dt« Zentrumspolitlk im besonderen kann ich auch dann stärker beomflussen, wenn eine große Bewegung hinter mir steht und ich nicht Vorsitzender einer Reichstagsfraktion oder überhaupt Inhaber eines Mandates bin. Nur in der gleichzeitigen Führung der Fraktion und der Partei sehe ich«lue größere Ausgab« als mein« seitherige Tätigkeit. Nur in diesem Falle bin ich bereit, meine gewerkschaftliche Führer» siellung dranzugeden, um mich dann dem polltischen irnb parlamen- tarischen Leben ausschließlich zu widmen. Diese Sachlage bildet den Hintergrund dafür, daß der Partei- v o r st a n d mich für beide Aemter vorschlug, und daß fast alle führenden Menschen mit Namen, wie die Herren Porsch, Herold. Brauns. Wirth, Koos. Lammers, Thomas Esser, Deffauer. Heß. Hirtfiefer. Gies» berts usw., sich für mich einsetzten. Nachdem der Ausschuß der Partei(der etwa zur Hälfte aus Loamten zusammengesetzt ist), entgegen dem Vorstand. sich gegen mich ausgesprochen hatte, erklärte ich: Zetzt gibt e» keine kapilulaklon. jetzt gibt es nur eine Entscheidung lu osseuer Feldschlacht. Ueber alle diese Dinge ist dem eigenllichen Parteitag so gut wie kein Wort gesagt worden, ihm wurden lediglich die drei Namen zur Wahl vorgeschlagen. Das Verhalten des Parteitage» ist daher völlig korrekt. persönlich gekränkt hat mlch lediglich, daß uach dem voraus- gegangenen der vorstand ohne weiteres vor dem Ausschuß kapitulierte uad ia völliger Derkeuuung der Psyche der Ar- beiterschost glaubte, nunmehr au Stelle des«inen, einen aude- rcn Arbeiterführer für den parteivorsttz vorschlagen zu sollen. Die Unterstellung, daß beabsichtigt gewesen sei, eine.Arbeiter- diktatur" in der Partei ausrichten zu wollen, ist völlig falsch: ich wurde von den Arbeitern tosber zum Fraktion»-, noch zum Parte,- Vorsitzenden vorgeschlagen. Die Vorschläge sind vielmehr aus der Partei salbst herau.'gewochfen." Der„Deutsch e" schrieb nach der Führerwahl in Köln: ..Die Arbeiterschaft denkt nicht daran, sich etwa in der Rolle des Enttäuschten und Gekränkten zu gefallen." Herr S t e g e r w a l d. der Aufsichtsrat des„Deutschen". wird diese Worte unterschreiben, aber es ist menschlich ver- ständlich, daß er das Bedürfnis empfindet, der Oeffentlichkeit den Ablauf der Dinge zu zeigen, um als Getäuschter nicht in der Rolle des Enttäuschten dazustehen. Herr Stegerwald schiebt sehr deutlich die Schuld dem Zentrumsvorstand zu— den Parteiausschuß schiebt er mit der alles erklärenden Bemerkung beiseite, da.ß er zur Hälfte ans Beamten bestehe. Aber der Borst and hat ihn g e d r ä n g t. jahrelang gedrängt, e r hat ihn vor- geschlagen, und dann hat er„kapituliert, wie Stegerwald sagt. Es ist schon vorgekommen, daß führende Zentrums- Politiker sich vom Zentrumsvorstand persönlich gekränkt' ge- fühlt und dem öffentlich Ausdruck verliehen haben— dia Erklärung Stegerwald s. des Führers der christUich- nationalen Arbeiterbewegung jedoch bedeutet für das Zeu- trum einen schwerwiegenden Akt. Die„Germania" offenbart, wie ernst man im Bor- stand des Zentrums die Folgen dieser Führerwahl einschätzt. Sie schreiht: „Bei dieser unserer Auffassung von den Vorgängen auf der Kölner Tagung unterschätzen wlr weder dte Schwere der Entscheidung, die getroffen worden, ist, noch die Lage. in der wir uns befinden." Eine schwere Entscheidung, die in Köln getroffen worden ist«in« ernste Lage, und nun noch dte Erklärung Sieger» walds—- das alles sieht nicht noch'Einigkeit und Geschlossim- heit aus. Heote Dahl des Kraktionsvorstandes. Di« Zentrumspart« de» Reichstags trat am Dienstag uach der Plenarfltzung zu einer Fraktionssitzung zusammen, die sich lediglich mit laufenden Angelegenheiten ohne besondere politische Bedeutung zur Vorbereitung für die Plenarsitzungen beschäftigt». E» wurde auch eine politisch« Aussprache über die im Zentrum schwebenden Angelegenheiten heute nicht mehr erwartet. Am Mittwoch soll wieder«ine Fraktionesitzung stattfinden. auf deren Tagesordnung die Bildung de» gesamten Fraktionsvorstandes steht. Die vorftandswahlen waren nach der Eröffnung des neuen Reichstags wegen der Kürze der Sommer- tagung de» Reichstags verfchoben worden. Aufstieg ht der Form eines Wettrennens geregelt wird: „Wer den längsten Atem(lies: größten Geldbeutel) hat, ge- winnt." Unter allen Umständen ist zu verlangen, daß das Leistungsprinzip, das bei den freien Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten die selbstverständliche Boraus- fetzung ihrer Forderung bildet, auch bei den Beamten und Angestellten der öffentlichen Behörden in viel stärkerem Maße als bisher Beachtung findet. Damit wäre zunächst schon vieles gewonnen. Nicht die Frage nach der Vorbildung, sondern„was kann der Mensch?" muß das Primäre sein. Das gleiche gilt auch für den Besuch der höheren Fachschulen. Hier muß der Praktiker, der sich durch Selbststudium ent- sprechende Kenntnisse angeeignet hat, den im ordentlichen Schulbesuch gebildeten Schüler gleichgestellt sein. Dann wird es sich schon zeigen, wer der Tüchtigere ist. Spricht man mit den Direktoren der höberen Fortbll- dugsanstalten. so sind sie entsetzt darüber, daß durch die immer höher geschraubten Bedingungen für den Besuch ihrer Schulen ihnen das so wertvolle Schülermaterial der Praktiker mehr und mehr entzogen wird. Sie erklärten jedoch, da- gegen nicht» machen zu können, die Verordnungen kämen vom Ministerium. Die Vertreter des Ministeriums wiederum erklären, daß sie gewissermaßen von den betreffenden Standesorganisationen dazu gedrängt werden. Was bleibt also übrig, als daß unsere Vertreter in den Parlamenten endlich einmal mit aller Deutlichkeit und Gründlichkeit regelnd eingreifen. Betrachtet man die Entwicklung der Dinge im Rahmen des zurzeit'geltenden Berechtigungswesens, so ist es nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß im Hinblick auf das einstmals und angeblich auch jetzt noch erstrebte Ziel der Leistungsanerkennung wir uns allmählich von diesem Ziele immer weiter entfernen. Darüber täuschen auch Abend- gymnasien und Aufbauschulen bei aller Anerkennung ihres Schaffens nicht hinweg. Was uns nottut, ist ein stärkerer Ausbau unserer Volksschulen und eine Aufstockung unserer Berufsschulen. Das würde auch gleichzeitig eine Freimachung des Weges nach unten hin bedeuten. Viele Jugendliche, die heute in der höheren Schule oersagen oder sich schwer plagen müssen, manuell aber ganz hervorragend sind, würden dann den Weg zur praktischen Berufslehre viel ruhiger und un» bedenklicher gehen. Ihnen ist ja dann im praktischen Beruf auch der Weg nach oben offen gelassen. Außerdem ist zu er- warten, daß'dadurch die heute schon wiedyr stärker hervor- tretende geringere Einschätzung der Handarbeit endlich ein- tnal aanz aufhört. Man war sehr stolz darauf, daß im neuen Deutschland Standesprivilegien aufgehört haben. Rur das Können und die Leistungen sollten entscheiden. Ein einfacher Handwerker hat als erster Präsident die Geschicke des Reiches glücklich ge- leitet!— Wir sollten nach Kräften daran festhalten und uns davor hüten, durch augenblickliche wirtschaftliche und bevölte- rungspolitische Sebwierigkeiten uns in alte, längst über- wunden geltende Methoden hineindrängen zu lassen. Opposition gegen Hugenberg. Oer Zwiespalt bei den Veutfchnationalea. •' Die.Hamburger Nachrichten", das in Hamburg er- ----- V.% füfy ha*,- Ueberschrist„P a r t e i e n d ä m tu« r u n g" mit de« Vorgängen im Zentrum und bei den Deutschnationalen. Das Blatt schreibt zur Errichtung der Diktatur Hugenberg: «Auf der anderen Seite ist nicht zu leugnen, daß derdeutsch- -nationale vorstand eine Zusammensetzung erfahren hat, die denjenigen mit gewisser Unruh« zu erfüllen geeignet ist. der von der Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit der Deutsch- nationalen Volkspartei mit anderen bürgerlichen Parteien über- zeugt ist. Es ist nicht zu leugnen, daß in der Oeffentlichkeit der Eindruck entstanden ist. als ob Gcheimrot Hugenberg seine Partei in der unbedingten Opposition unter grund- sätzlicher Verneinung der Mitarbeit im Staat führen will. Man weiß, daß die Reichstagsfraktion einen erheblich anderen Standpunkt einnimmt, aber man weiß auch, daß Dertreter dieser Richtung leider nicht wehr im alten Umfang im neuen Parteivorstand vertreten sind. Um so mehr wird; e» der neue Parteworsttzend� der eine erheblich größere Macht»n Händen hat als sein Vorgänger, sich vor Augen halten müssen, daß seine Anhänger im Lande ihn nicht auf seinen Posten gerusen haben. er radikal« Reden zu halten verstand, sondern weil fle in ihm staatsmännische Fähigkeiten vermuten. Daß diese nur in der Mitarbeit am Staat« zu entfalten sind, steht außer Zweifel, und e» wäre ein Unglück, nicht nur für die Partei, sondern für da« gesamte deutsch« Volt, wenn diese Hoffnungen nicht ver- wirklicht würden." Das ist deutlich und enthüllt die großen Gegensätze, die zwischen der deutschnationalen Reichstagsfraktion und dem Hugenberg-Vorstand bestehen. Quaah-Lustig- Göll der Haushalietausschuß Filmgeschäfte nachprüfen? Im Aueschuh für den Reichshaushall entspann sich in der Dienstagsitzung vor Eintritt in die Tagesordnung ein« Geschäfts- oxdimngedebatte über kritisch« Aeußerungen, die in einer der ver- gangenen vertraulichen Sitzungen des Ausschusses Abg. Dr. Ouaatz (Dnat.) über den Im Zusammenhang mit der Cmelka genannten Herrn o. Lustig wiedergegeben hatte. Herr v. Lustig hatte sich in einem Schreiben an den Borsitzenden des Ausschusses gewandt und ihm Material zu seiner Rechtfertigung übersandt. Die Aussprache drehte sich um die Frage, auf welche Art das Matertal den Mit- gliedern de» Ausschusses und eoenkuell der Reichsregierung zur Kennt- ni» gebracht werden soll. Abg. Dr. Quaatz stellte sest, daß er gegen- über einem Beaustragten de» Herrn v. Luftig sich bereit erklärt hatte, dessen Material zu prüfen, daß dies aber abgelehnt worden fei. , Dxr Ausschuß lehnte es ab, da- dem Borsitzenden übersandte Material des Herrn v. Lustig entgegenzunehmen und überließ es dem Vorsitzenden, Herrn v. Lustig dahin zu bescheiden, sein Material solchen Mitgliedern de» Ausschusses direkt zuzustellen, bei denen er ein Interesse an der Angelegenheit vermute. E» wurde dann die in der letzten Sitzung abgebrochene Debatte über die Zinsverbilligung für Exporteurf redite weitergeführt. Hierzu lagen zw« Anträge nor. Ein Antrag der Deutschen Bolkspartel und der Dsutschnationalen erkkärt sich mit der Gewährung der Zinsverbilligung für Darlehen an deutsche Exporteure einverstanden, mit der Maßgab«, daß die Zinsverbilli- gung einstweilen auf kriegsgefchSdigt« Firmen(Liquidatiansgefchä- higte, Gewallgeschädigte, Ausgleichsgläubiger) beschränkt werde. Der j Reiä�shaushaltoousschuß will sich vorbehalten, bei der Beratung des Rcichshaushalt» für 1029 zu prüfen, ob und inwieweit die Maß. nähme über den Kreis der vorgenannten Firmen auszudehnen sei. Der sozialdemokratisch« Antrag will die Zinsverbilligung auf einen Betrag von 500 000 Mark, der in den Reichshaushalt 1829 eingesetzt werden soll und nur für wiederaufbauende exportierende Liquidations- geschädigte beschränken. Der Antrag wurde ausführlich vom Genossen SchSpflm begründet. Der Abschluß der Debatte und die Abstimmung über die vorlag« des Wirtschaftsministeriums und die beiden genannten Anträge soll nun endlich in der Sitzung vom Mittwoch ersolgeir. Exminister Klotz als Scheckfälscher. Antrag auf Anfhebvng der Immunität. Part». U. Dezember. 3m Senat gab heute prästdent vonmer bekannt, daß ein Antrag auf Slrafverfolgnng gegen einen Senator gestellt . worden Ist. Dieser Antrag wird, wie üblich, einem besonderen Aas- schuß zur Beratung überwiesen werden. Nach Horas handelt es sich um die Strafverfolgung, die von der Slaatsanwallschast gegen Senalor klotz etngelellet wurde, den ehemaligen Flmmzmiu ister des Kabinetts Clernencean, der. wie bereits berichtet, sich in eine Nervenheilanstalt begeben hat. und der Scheck» ausgegeben haben soll, die ohne Deckung waren und daher von den betreffenden Banken nicht ausbezahlt wurden. Noch dem„Tsmps" lautet die Anklage auch auf F ö l s ch n n g. Zum ersten Fall soll die Staalsanwnltschasl von einem llndn- strielien aus die Versehtungen des Senators Klotz aufmerksam ge- macht worden sein. Klotz halle diesem zwei Schecks in Höhe von 215 000 Franken für da Automobil in Zahlung gegeben, die ober ohne Deckung waren: was die, Fälschung belrlftt. so häkle sich der Gouverneur der Bank ,vou Frankreich an den Fincmzmlnister gewandt mit dem hinwds, daß Wechsel mit der gefälschten Unterschrift einer bekannten pariser Firma versehen worden fdeou O Don Klotz, dem chemaligen FinanMinistsr unter Efe- menceau und Mitglied der französischen Friedansdelegation. stammt die in ihrer Brutalität und Einfältigkeit berühmt ge- bliebet« Parole:„Der Boche Mird alles bezahlen > m ü s s e n l" Hat er sich etwa die Anwendmlg dieses Schlag- Wortes so gedacht, daß die Deutschen auch für seine späteren Spielverluste und gefälschten Schecks geradestehen müßten? Es entbehrt übrigens nicht eines KZwissen Reizes, daß das historische Dokument von Versailles auch die Unterschrift eines Scheckfälschers trägt. Nun ist Klotz in die klassische Nervenheilanstalt La Malmatson bei Paris abgeschoben worden, in der die führenden Politiker Frankreichs zu landen pflegen, bei denen sich Geistesstörungen einstellen. Dieses Sanatorium hat in den letzten Jahren verschiedenen bekannten Staatsmännern als letzte Wohnstätte gedient, darunter einem anderen fran- zösischen Bevollmächtigten in Versailles, dem damalig:« Außenminister Stephen Pichon, der dort als Geistes« kranker gestorben ist._ Aach den Trotzkisten die Z�ykowianer. Verhaftung eines führenden Rechtfoppositioaellen. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" meldet, ist auf Befchl der GPU. in S a r a t o w her Vorsitzende des Pollzugskomitees des örtlichen Gouvernements Akimorn verhaftet worden. Der Verhaftete soll im geheimen Beziehungen zu der Rechts- »p Position gestanden und ihnen Geldmittel zur Verfügung ge- stellt haben, die au» der Staatskasse stammten, zwecks Propaganda gegen Stalin. Die Verhaftung hat in Moskau großes Auft sehen erregt. Amannllah endgültig Sieger? Wie aus den letzten au» Kabul eingetroffenen Meldungen heroorgeht, scheint der Aufstand der S ch i n wa r i stäm m e völlig niedergeworfen und König Amairullah Herr der Lage zu sein. Die Regierung oon Aigizanistan hat all« möglichen Maßnahmen getroffen, um die Handelsstraße von Kabul nach Peschwar vor der Wiederkehr ähnlicher Ueberfäll«-u ftchern. Kabul selbst ist rnst Lcdensinirteln völlig versorgt: das Leben in der Hauptstraße hat wieder sein normales Gepräge erlangt. Die Aeußerungen Dr. halnischz. die wir am Sonntag mit Vorbehalt wiedergegeben haben, sind nach u n g« n a n n i-„am> sicher" Wiener Veröffentlichung ungenau wiedergegeben. Es wird gleichzeitig mitgete lt. daß Halnifch. bei leinen, Scheiden aus dem 2lmt eine offizielle Ansprache halfen wird. KeintZwegs ftoile«r sich über die Borfälle der letzten Zeit abfällig äußern wollen. Die Wiedergabe der Unterredung war dem Bundespräsidenten Dr. Hmitisch oor der Lerössenlllchung nicht oorgclagt worden. Wir haben das jojort vermutungsweise ausgesprochen, Reichsgericht! taffencte als Strafverfehongseiurlchtungea für schlechte )ur.flen! �Der Ttrafges«tzau»schuß beschäftigte sich gestern mit bim i Lb schnitt des(öese�enliaurfä, der die Angriffe gegen die BEtmlfchc Staalsforv! und verfassun-zsmähige Sörperschasle» Zum Z 101, der demjenigen® e f 3 n g n i« androht, der ösfent- »i« verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatssorm Reichs oder � eines Landes beschimpft, beontrazte 2ll>g. (Inat.) die Streichung der Wort?„republlkanifch'. sbegründete die« Verlangen damit, daß die Sloatsform wechsln � daß aber das Strafgesetz aus lange Zeit geschaffen werde und � Hinweis auf die Republik gestrichen werden müßte. �«S- Bösensell»(Soj.) erklärte für die sozialdemokratisch» Frak- u, daß ste der republikanischen Staatsform und den Verfassung»- Wn Körperschaften jeden notwendigen Schutz gewähren wolle. -n dürfe aber nicht annehmen, daß besonders scharfe Straf- Mimungin besonder» geeignet seien, zugunsten der geschützten �atseinrichiungen besondere Eroberungen zu erwirken. Keines- dürfe das Wort Republik gestrichen werden, wie es die Deutsch- wanoäin wollten. Es sei notwendig, den republikanischen Echo- des heutigen Staates zum Äusdruch zu bringen. Man könne Wr zwei-eln, ob das im Regierungsentwurf hinreichend geschehen. das Reichsgericht habe ja unter dem damaligen Vorsitz jetzigen Mitgliedes des Lusschusses. Abg. Lobe, sogar daran geäußert, ob die Bezeichnung der Republik als«in« Juden- als eine Beschimpfung der republikanischen Staatssorm auf- tülkn sei. Beim Schutz der Regierung und Varlamente reiche der �ütigungsparagraph im allgemeinen aus. Oie.fazialdcmokcolische iei vpr bereit, die republikanische Staatssorm und den �pcäsideulen uuter besonderen Schuh zu stellen. . �ustizminister Aach wendet sich gegen den deutschnationalen auf Streichung der Bezeichnung der geltenden Staatsform ein, republikanische. Er glaube an keine andere Staatssorm al» di«, die verfassungsmäßig festgelegt fei. Diese muß geschützt /den. Wer an der. Republik sesthaste, könne sich nicht auf den �dea dieses Antrags stellen. Er stimme Dr. Rosenfeld darin zu. c, b e d a.u e rk i ch sei. daß das Reichsgericht in dem Aus- � Judenrepublik, keine Beschimpfung der Republik gesehen habe. � Schutz der Regierung.reiche der Beleidigungsparagraph aus. �c, wo die Republik gefestigt sei, seien nicht mehr alle Beslim- �tzen.notwendig., die man im Jahr« 1922 für erforderlich er- habe. � Abg. Alexander(Komm.) kritisiert die zweierlei Rechtsprechung %n rechts und links und wendet sich gegen den Kesetzentwurj.� � Abg. Wunderlich(D. Dp.) tritt sür Einschränkung der Bestlm- �tzen des Gesetzentwurf» ein. Abg. hanemcmn(Dnat.) beantragt, auch dt« Gerichte in die en aufzunehmen, deren Beschimpfung unter Strafe ge- wird. Warum das Reichsgericht versagt. .-~/B. tobe(Hofp. d. Dem.) hebt hervor, daß das verbot von ffchhtmp'ungen kein Schutz der Republik bedeute. Solange aber � jetzige Verwilderung bestehe, die sich in Beschimpfungen der �Mestigsn Meinung äußer«, sei ein strafrechtlicher Schutz not- Mendig. Schuld an manchen falschen Urteilssprüchen sei dt« Mit, 'rkung der La.j«.n. die zu falschen Feststellungen führe. T�auf sai.auch zurückzuführen, daß.Gesetzesbestimmungen mal so ? mal ander» auagelegt würden. Da, Wort Lud« sei ikepi �Pmpfmort.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) �enn die Rechtsprechuna de»«eichsge» �ichtS in Hack>- nud LnndeSverrwt»fachen oft un» Wichtig sei» so beruhe die» darauf, daß die neuen dichter, die au das Nrichsgericht kämen, mit solchen lochen befaßt würden, ohne daß sie besondere Ersah- rungen in Strafsachen besäße«. �-« faßten es als ein« Strafversetzung aus, wenn sie statt ? hie Revisionsinstanz an einen Strafsenat kämen, dessen Tätig« ü die Beschäftigung mit Hoch- und Landesverratssachen sei. Solche «lljurisst-a verflSadea wenig vom Skrosrechk. und da» wirke sich * der Rechtsprechung au«. f. Abg. Rosevfeld wendet sich gegen de» deutschnationalen Antrag. Gepichte unter � besonderen sirafrechtllchen Schutz zu stellen. überhaupt etwas zur Verbesserung der Justiz führen könne ?dd geführt habe, so sei es die Kritik an der Recht- �rechu.ng. E» bestehe aber die Gefahr, daß solche Kritik unter- pttien würde, wenn jede Deschunpsung von Gerichten unter b«. �dder« Strafe gestellt werde. Herr Lobe habe versucht, den Laien- ''thter n die Schuld an falschen Urteilen zuzuschieben. Da» müsse �.tschi.ehen zurückgewiesen iverden. Soweit reicht der �fluß her Laienrichter in der Rechtsprechung nicht. Wie kann »aran gezweifelt werden, daß da» Wort Jude ein Schimplworz setl �ie Absicht der Beleidigung sei doch klar«rtenubar, wenn dies �»rt einem anderen zugerufen werde. Wenn aber zar«in Lied stlungen werde:„W ir brauchen kein« Judenrepublik". !° sei doch klar, daß das nur beleidigend und beschimpfend gemeint *>« könnte. Die Ausführungen des Herrn Lobe über di« Zusammen- Atzung des Reichsgerichts seien geradezu Enthüllungen über �glaubliche Mißstände. Denn diese Art der Nerteilung Reichsgerichtsräte auf die einzelnen Senate müsse sich natürlich j�tzen die Angeklagten ungünstig auswirken, die die Opfer derartiger Methoden der Zusammensetzung des Reichsgerichts seien. «Senn die schlechteste» Nichter iu Hoch- und Landes- verratöprozesse« Urteile zu spreche» hätten» dann sei die bedauerliche Praxis des Reie�syericht» allerdings- erklärlich. Diese Zustände müßte« schleunigst de- scitlgt werden. vberreichsanwall Ebermoler versucht die Enthüllungen des Abg. �obe abzuschwöchen. indem er hervorhebt, daß e» wohl h l n und Med er vorkäme, daß einer der Reichsgerichtsräte, die sich bb dahin nicht mit Strafsachen beschästigt hätten, in den Strafsenat d«men. Man dürfe aber nicht von einer Strafoersetzung reden. Abg. herzt wendet sich ebenfalls gegen Lobes Bemerkungen. � würde gefährlich lein, wenn die Auffasiung entstehen würde, daß '« am Reichsgericht allgemein so sei. wie Lobe mitgeteilt habe. Allerdings liegen in der Zusammensetzung des Reichsgerichts « r o ß e S ch w i e r i g k e I t e n. die richtigen Männer in den richtigen Strafsenat zu bringen. Das vorfchlagsrechk der Länder müsse be- Ngt werden. Auf diesem Gebiek sei er. obgleich er saust(fSdrralist «. für eine Stärkung der Reichsgewalt. Reichste Sitzung am Donnerstag, dem 1?. Dezember 1S28. Die lästerliche Gasmaske. Meldungen Sa Gericht erblickte in bervmsiellung de« Sekrevzfg�u mit Sa-" est« in Soiteslästcnmg und ve> urteilte den Maicr Georg« S>oz zu 2000 M? Seidstraf«.- Iu Jrarnfurt o M warfen Hake» Aevzler! ei einer Aufführung von Hafencievers«Ehen werden uu Himmel gefchicsiln", Stinkbomben auf die Sühne... »Wenn die Menschen noch viel solchen Gestank machen, werde ich trotz ollem zur Gasmaske greisen müssen...* Gaskriegdebatte im Reichstag. Aenderangen in der Llnfallversicherung. Strefemaun hatte gestern nachmittag w Lugano eine länger« mit Mussolinis Abgesandten Grands Ariand inserierte«nt Wold««« ras. Der Reichstag hat am Dienstag nachmittag den letzten Tagungsabschnitt vor Weihnachten begonnen. Erster Lerhandlungs- gegenständ ist die erste Beratung de» Genfer Protokolls chegen Verbots de» Go s k r i« g« s. Abg. Sloeckcr(Komm.): Das Genfer Protokoll ist«in« Heuchelei. Die imperialistischen Mochte denken nicht darach auf den Gaskrieg zu verzichten, der schon 18SS und ISO? international verboten wurde. Im W« lt t r i e g hat d»r Gistgaekrieg Orgien g«- feiert. Das aber mar nur ein Kinderspiel gegen die Schrecken eines neuen Kriege», die sich keine Phantasie ausmalen kann, lieber- all wird zum Ggskrteg gerüstat./« Uhr Weöenke Zranz lehar dirigiert SM Sori» Rildmt Zauber KUd« Soraer» Petprr«a»a Srastardt» Tlaradur»» Lora Rex» Lvabarg» Schlaomaa» Dt««Ufte ist den gaaz«» Taz„«Sssaet. leleptioii Zentrum Z7« v.«ZA iWhr CAS1N0 THEATER Lotenn�er StralSe 37. Oer neue Posse-Schlager! flndmiofllcKanoic! Dazu Bin erstklaasiger bunter Ttll. fürunsere Leser üutschem Hin— 4 Hers. Fauieuii nur 1.15 Sessel 1A5 M. ionstiee Preise Parken u. Ran u fUW M Thea/« Uhr. Ende 10'/, .Olympia" von Franz Molnar Regle: Förster Larlnaga. EaniBfskj-BohiiM Tkeeler la der Klalggrltter StreSa »>, Uhr Revolte Im Enlehuggsbans Schauspiel von P. M. Lampe). Komödionhaus TgL 8>t. Uhr Wer sollte es sonst seio? v. Fellz lenMnttMi Plnttiriim ai Zoe Jmlic. Jnäiadkakr Strn Noll. 157s l» Uhr Oer StemhlMMei im Winter 18 Uhr jienlViltnnnB. 20 Uhr Sonneu-Sterne rboator da ictens Täglich 8»/, Uhr Oer Herzog und die Sünderin Singspiel in 3 Akten Mus k von Fred Raymond. Hanta 4 Uhr Hinsel ii. Sreiel .ustsplelaam Prledrlchstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 84-, Uhr Das Zugstück von Berlin Ann wie eine Klrdienmaus Kleines IDeatet Täglich»'4 Uhr Mai Adalbert Der Dlckkopt sandraca. Landa. Stcrler. 51kl*. R ose-Theater ir.frialfir.ir il-l 3 8'/, Uhr Die Ratten �rÄÄderlDM Grosse Auswahl in KunstslOscrn und Wei.isaraJiuren Leipziger Sirasse, III. Stock miEi-K ..SAOii and MfeMT fi. n aikinisksiut Täglich SV, Uhr Mittwoch und Sonnabend 3'> U. Frau Dolle MSrchenspiel. Kleina Preise niaIla*Theater ■resdencr str. 72-1. X Uhr SebRklderTItbels Aiftrsiekonii .niili. Giiklnliski. TlLLllfltzovstr. Kurt 9209. Tkgllch 8'.. Uhr Sonntag auch 4 Uhr L PL lomme) in „Rmixenilor. aol Welle O.S" Rundfunk hör»» «laibe Preise tceicttshaiien-tneaier �bendsQQ Sonnt, nchm.s i| Sietflner sanier gamiet im WWIM «a.a at ,raBe Wclhiieehtt- Pngnmmt Nae m. hal aPr. Dönhoff- Brettl: Kaazart— Tanz- Variola. Dr. Pragntaml Karl Braun/ kr,,! Waller. «aegriUKlct isad GroOcr iPeslinadifsVerhauf tür narzlpan n.HonUtkndiea Honiitlradiciiliansdien *■*.40 und 4.— BonlpKadien Sorlinicßle la Packungen F. W. 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