Morgenausgabe
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45.Jahrgang
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Vorwärts
Berliner Bolksblatt
Sonnabend 15. Dezember 1928
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Polen gegen Rheinlandräumung. Einfallversicherung erweitert!
fozialdemokratischer Arbeit.
Von Luise Schröder.
Ein Antrag im polnischen Auswärtigen Ausschuß angenommen. Warschau, 14. Dezember.( Eigenbericht.) tung ununterbrochen weitergewühlt worden. Polnische und vor allem der Wirtschaft den Gedanken durchzusetzen,
Es war nicht leicht, in allen Kreifen der Bevölkerung daß der Mensch, der infolge seiner Arbeit die Arbeitsfähigkeit verliert, einen Anspruch auf Erisienzsicherung hat. Immer noch besteht in Arbeitgebertreisen die in diesen wieder deutlich ausgesprochene Ansicht, daß der Arbeiter das Tagen von dem deutschnationalen Werfidirektor Gof wieder deutlich ausgesprochene Ansicht, daß der Arbeiter das Risiko der Arbeit allein zu tragen habe, und daß eine ausreichende Sozialpolitik sein Verantwortungsgefühl einIm Sejra- Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten begründete der Abgeordnete Stronjti am Freitag einen Antrag der Rechts parteien über die Notwendigkeit der Aufrechterhalfung der Rheinlandbejagung als eine Garantie für die Einhaltung des Versailler Bertrages. Die zahlreichen Reden deutscher Politiker der Rechten im Reichstag, und besonders diejenige des Grafen Westarp, führte er dabei zum Beweise dafür an, daß die deutschen Rüstungen gegen Polen gerichtet felen. Die neueren Nachrichten über die Rüftungen Deutschlands fießen Darüber hinaus scheint dieser Borstoß im engsten die Befürchtung aufkommen, daß eine vorzeitige Räumung des Einvernehmen mit den französischen Ratio Rheinlandes den Frieden schwächen fönne. Der Abgeordnete na liften erfolgt zu sein. Erst kürzlich war eine Gruppe des Regierungsblods, Cowenherz. schloß sich der Auf- von polnischen Parlamentariern in Paris, um Besprechungen faffung feines Borredners an und verlangte für den Fall einer mit franzöfifchen Abgeordneten abzuhalten. Ist es nun ein Räumung des Rheinlandes andere Garanfien. Polen werde bis Zufall, daß am Donnerstag der Führer der französischen zum legten Blutstropfen für die polnischen Gebiete Nationalisten, der Ex- Minister Louis Marin in Nancy eine Rede hielt, in der er sich gegen jede vorzeitige Räumung des Rheinlandes wandte, insbesondere wenn Deutschland nicht weitere Garantien hinsichtlich seiner Oft grenzen gebe?
Blätter haben wiederholt verlangt, daß Polen an der Sach verständigenkonferenz teilnehme, obwohl es am Reparationsfähigteit problem faum nennenswert interessiert ist, oder gar an der geplanten Bergleichskommiffion" für das Rheinland, ab ob wohl der Rheinpakt von Locarno ausschließlich zwischen ben Westmächten und Deutschland abgeschlossen wurde. Der geftrige Beschluß der Minderheit des Sejmausschusses ist nur Die Fortsetzung dieser Treibereien.
tämpfen.
Der Antrag wurde schließlich bei Stimmenthaltung der intspartelen und der Minderheiten, die eine Stellungnahme erft nach dem erwarteten Exposé des Außenminiffers 3alesti einnehmen werden, angenommen.
Diefer Borgang ist im höchsten Grade geeignet, die an fich nicht übermäßig guten Beziehungen zwischen Deutschland und Bolen noch unerfreulicher zu gestalten. Seine einmütige Abwehr burch die gesamte deutsche öffentliche Meinung ist felbstverständlich.
Der Borgang im Auswärtigen Ausschuß ist überhaupt recht sonderbar. Der christlichnationale, b. h. ultra- natio nalistische und reaktionäre Abgeordnete Stronfti, her ausgeber des Blattes Warszansta", bringt als Rechts Oppofitioneller einen außenpolitisch bedeutsamen Antrag in Abwefenheit des Außenministers 3aleffi ein.
Durch solche gleichzeitigen Rundgebungen aus Bolen und Frankreich will man offenbar sowohl 3alesti den Rüden tärken, wie auch Briand in den Rüden fallen. Hoffent. lich wird Dr. Stresemann den letzten Tag seines Aufent. Falts, in Lugano dazu benutzen, um sowohl Briand wie Balejti in deutlichster Form auf den sehr ungünstigen Widerhall aufmerksam zu machen, den berartige Bersuche, die Liquidierung des Weltkriegs zu durchkreuzen, in Deutschland ermeden müssen.
schränken würde!
des Unternehmers hervorgegangen; ursprünglich hat sie nur Die Unfallversicherung ist aus der Haftpflichtversicherung bie in Fabriken, Bergwerfen und ähnlich gefährlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter umfaßt. Dann hat die sozialDemokratische Arbeiterschaft seit Jahrzehnten um die Erund diese ihre Forderung begründet mit den Gefahren auch faffung eines möglichst großen Arbeitnehmerkreises gefämpft der Kleinbetriebe, somie des ganzen mit feiner Tätigkeit verbundenen Lebens des arbeitenden Menschen. Dieser Kampf führte schließlich zu einem gewissen Erfolg: der in einem verführte schließlich zu einem gewiffen Erfolg: der in einem verficherten Betriebe tätige Arbeiter ist jetzt nicht mehr nur im Betrieb selbst versichert, sondern auch auf dem Wege von und zur Arbeit, sowie bei der Beschäftigung mit dem Arbeitsgerät außerhalb des Betriebes. Durch diese AusDehnung des Geltungsbereichs der Versicherung tritt aber der in der Reichsversicherungsordnung vorgesehene Unterfchied zwischen dem versicherten Großbetriebe und dem nichtversicherten Kleinbetriebe um so schärfer in die Erscheinung; denn es können die traffeften ungerechtigkeiten beim Berun glüden mehrerer Arbeiter beispielsweise in einem Berkehrsmittel, das sie zur Arbeitsstelle befördert, dadurch eintreten, daß die Hinterbliebenen der einen weil sie aufällig im persicherten Betriebe arbeiten versorgt werden, die Hinterbliebenen der in nichtversicherten Betrieben Beschäftigten dagegen leer ausgehen, obgleich, nicht nur dasselbe Unglück, fondern auch der gleiche Beweggrund nämlich der Beg zur Arbeitsstelle ihnen den Ernährer raubte.
Im Namen des regierenden Pilfubfti.Blocks schließt sich Herr Löwenherz biefer gegen Deutschland gerichteten Rundgebung an. Der Eints opposition bleibt es vorbehalten, auf die Unzeitgemäßheit einer Abstimmung in Abwesenheit Zalestis hinzuweisen. Man darf wohl daraus schließen, daß die Regierung mit diesem Borstoß gegen bie Rheinlandräumung einverstanden war. Der Ber dacht, daß es sich um bestellte Arbeit handelt, mit der fo Schidjal der am Freitag vom Reichstage verabschiedeten Balesti sympathisiert, liegt um so näher, als 3alesti bereits im September versucht hatte, in Paris Stimmung gegen bie Rheinlanbräumung zu machen und den vorherigen Ab. fchluß eines Locarno des Oftens" verlangte. Damals ist er bei Briand abgebligt. Aber seitdem ist in dieser Rich
Nachtfihung im Reichstag.
Deutschlands Friedensverpflichtungen gegenüber Bolen find in den Schiedsgerimisperträgen von 20 catno eindeutig genug festgelegt. Dazu kommen noch Deutschlands Mitgliedschaft im Bölkerbund und die Unter zeichnung des Kellogg- Battes. Wenn Polen trotzdem noch mehr forbert, fo ift bas geradezu beleidigend für Deutschland. Und der polnische Bersuch, hinsichtlich der Rheinlandräumung Aus diesem Grunde hat die sozialdemokratische Fraktion die franzöfifche Regierung gegen Deutschland scharf zu machen, fann nur Wasser auf die Mühlen der deutschen eine Gelegenheit vorübergehen lassen, die Erweiterung der Nationalisten lenten. Ist das etwa der 3wed der Uebung? Unfallversicherung auf alle dem Risiko der Arbeit ausgeMan möchte es fast glauben. Herr Stronfti beruft sich auf ber bürgerlichen Frattionen nun einmal ist, muß sie den fegten Arbeitnehmer zu fordern; wie aber die Einstellung Reden des Grafen Westarp. Nun wird von deutschen Nationalisten gegen Bolen zweifellos viel törichtes Zeug eg bis zu diesem Ziel schrittweise gehen. Welche Schwiegerebet, aber genau jo töricht reben die polnischen rigleiten auch dabei noch zu überwinden find, zeigt das Nationalisten über Deutschland. Nur mit dem Unterschied, daß Novelle. Bereits im Juni 1925 gelang es den sozialdemoestarp in schärffter außenpolitischer Opposition zur Reichsregierung steht, während der gestrige Borgang zeigt, fratischen Mitgliedern des sozialpolitischen Reichstagsousdaß Herr Stronfti für die polnische Regierung befchusses, eine die Ausdehnung der Versicherung fordernde Entschließung im Ausschuß zur Annahme zu bringen, und stellte Arbeit leistet. beim Etat des Jahres 1926 reichte sie wiederum eine die Einbeziehung insbesondere der Gastwirtsgehilfen, des Krantenpflegeperfonals, der FeuerwehrIeute und der durch Rettungsmaßnahmen gefährdeten Personen fordernde Entschließung ein; die Bürgerblodregierung hat sich aber bis zum Ende des alten Reichstages April 1928 nicht veranlaßt gesehen, den Entwurf dem Reichstage vorzulegen. Um so verdienstvoller war es, daß der Reichsarbeitsminister Wissell alsbald nach den Gefeßentwurf dem Reichstage unterbreitete; nun aber war es dem deutschnationalen Abgeordneten Gof vorbehalten, durch einen geschäftsordnungsmäßigen Einspruch die Beratung in der furzen Sommertagung zu verhindern!
M.- G.- Schmuggel auf der Donau. Die Schober Polizei fucht zu vertuschen.
Wien, 14. Dezember.( Eigenbericht.)
Erste Sigung 22 Uhr.- 3weite Gigung 0,1 Uhr! Der Reichstag wird heute, bevor er in die Weihnachts Zu dem neuen Waffenschmuggel noch Ungarn er ferien geht, dank einer Querköpfigkeit der Wirtschaftspartet, a weifährt ihr Korrespondent: Um% 8 Uhr abends fam eine Kommiffeiner Ernennung im Juli dieses Jahres Nachtfizungen hintereinander abhalten. Die erfte beginnt fion, bestehend aus einem Polizeioffizier und mehreren Offizieren um 10 Ullyr abends, die zweite ist auf-0,1 Uhr anberaumt der Wehrmacht, auf deren Verlangen alle Kisten geöffnet wurden. Es ergab sich, daß der Inhalt aus sechs Maschinen
morben.
Auf der Tagesordnung der 0,1 Uhr- Sigung steht der Nachgewehren famt den dazugehörigen Erfagbestandteilen, Baffertragsetat. Nach der Geschäftsordnung dürfen Etatsvorlagen und Munitionsbehältern und Patronengurien bestand. 3wei ähn erst am dritten Tage nach ihrer Berteilung auf die Tagesordnung liche Sendungen sind bereits früher durchgeführt worden; erst durch gestellt werden. Der Borschlag, bavon diesmal abzusehen, scheiterte den Zufall, baß die Stifte brady, wurde am Freitag der Inhalt ent lebiglich am Biberspruch der Wirtschaftspartei. die bedt. Die Wiener Firma Jofeph Bopper hat schon im vorigen fich bei der Besetzung der Ausschüsse benachteiligt fühlte und des Jahre bei der Süddeutschen Dampfschiffahrts- Gesellschaft eine Rifte wegen eine„ ,, Berfassungsverletzung nicht zulassen zu dürfen glaubte. mit Maschinengewehrbestandteilen nach Budapest aufgeUm nun nicht noch für die kommende Boche den gesamten Reichs. geben. Diese Stifte murde damals beschlagnahmt und dem Artagsapparat zusammentrommeln zu müffen, verfiel man auf den Ausweg, von 10 bis 12 Uhr abends Notarbeiten im Plemm zu erlebigen und Sonntag morgen, 0,1 Uhr, am Beginn des britten Tages nach Verteilung des Nachtragsetats, in einer neuen Sigung den Nachtragsetat zu behandeln.
Litwinow junior stellt sich.
Er will Beauftragter der Komintern gewesen sein.
Paris, 14. Dezember.
Die dem Journal des Debats berichtet wird, hat der Bruber bes Boltstommiffars 2itminom fich heute bem fran 3öfifchen Unterfuchungsrichter geft etti. Er hat dem Blatt zufolge cusgefagt, daß die medief, die regelrecht non ihm ongenommen und giriert worden seien, der Komintern bazu gebient hätten. Selber für bie Sowjetpropaganba zu beschaffen.
senal übergeben.
Die Abendblätter bringen Berichte der Polizei, die die Sache als reines Privatgeschäft darstellen wollen. Wie wenig das aber der Fall ist, geht daraus hervor, daß die Wiener Firma, die die Kisten aufgegeben hat, felbst zugeben muß, den Auftrag von einem Generalmajor bes Ruhestandes, Ingenieur Artur Reutter, erhalten zu haben. Dieser hat allerdings bei der Bo. lizei erklärt, daß er die Waffen im Auftrage eines Budapester Kaufmanns getauft habe und sie an diefen abschiden wollie. Als zmeiter Auftraggeber tommt ein gewisser Kemeny in Frage, ein Ungar, der früher in der ungarischen Munitionsfabrik Manfred Weiß beschäftigt war und schon seit Jahren im Berbat fteht, fich an Waffenschmuggeleien aus oder über Desterreich nach Ungarn gu beteiligen.
Geborstene Horthystäße. Der ehemalige Stabbauptmann Merius Sjais, der als Leiter der Budapester Bolizeilantine jahrelang Beruniremungen und interschlagungen begangen hat, wurde zu Drei Jahren vier Donaten 31chthaus verurteilt.
Wenn nach dieser Leidensgeschichte endlich das Gesetz in allen drei Lefungen vom Reichstage verabschiedet worden ist, fo geschah dies infolge des unausgefeßten Drängens der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, deren Bemühungen es auch gelungen ist, nicht nur die vom Reichsrat in das Gefeß hineingebrachten Ausnahmen von dem oben genannten
neu zu erfassenden Kreise von Versicherten- so vor allem die Einkommensgrenze für einen Teil der Versicherten aus dem Gesetz herauszubringen, sondern auch zu den schon porgesehenen noch neue Berufe in das Gesetz hineinzubringen.
Auf diese Weise fallen vom 1. Juli dieses Jahres ab unter die Unfallversicherung nicht nur, wie ursprünglich im Gelegentwurf vorgesehen, die Krantenpfleger und Rrantenpflegerinnen in den Heilanstalten, sondern auch die gesamte offene und halboffene Gefundheitsfürsorge, also das Personal in Am bulatorien sowohl wie die Hauspfleger und die Hebammen. Soweit die letzteren felbständig tätig sind, fallen fie unter den Kreis derjenigen, für die die freiwillige Versicherung möglich ist. Zu diesen gesundheitspflegerischen Arbeit nehmern lommen die helfer und helferinnen der öffentlichen und privaten Wohlfahrts pflege, das heißt, nicht nur die beamtet, sondern auch die ehrenamtlich Tätigen. Berücksichtigen mir dabei, daß von
der Rezierunz die Schaffung«in««ücheiMchen Berufs- genossenjchaft für diese Kreise sowie die Erklärung der so- genannten Hausinfektionen als Berufskrankheiten zugesagt worden ist, so ist tatsächlich für diese der Gesundheit wie der Wohlfahrt des Volkes dienenden Schichten ein umfassender Unfallschutz erreicht worden. Bedauerlich bleibt es höchstens, daß es nicht möglich war. die Herausnahme der geistlichen Schwestern beziehungsweise der Schwestern von Diakonissen- Mutterhäusern zu verhindern: doch ist hieran die ausdrück- liche Bedingung geknüpft, daß sie lebenslänglich versorgt sein müssen. Durch einen sosialdemokratischen Antrag wurde außerdem ihre gesetzliche Versorgung gesichert für den Fall, daß sie nach ihrer Verletzung aus der geistlichen Genossen lchaft oder dem Mutterhaus ausscheiden. Dadurch sind sie von dem Zwang befreit, gegen ihren inneren Wunsch in ihrer Geossenschaft bleiben zu müssen. Zu diesem neuen Versicherungskreis tritt außer den Feuerwehren und den Helfern bei Unglücksfällen der Be- trieb der Schau st ellungen. Musikaufführun- gen, das artistische Personal sowie die Rundfunkbetriebe hiesiger, und zwar wiederum infolge der sozialdemokratischen Bemühungen und de« verständnisvollen Mitarbeitens des Reichsarbeitsministeriums ohne die vom Reichsrat gewollten Ausnahmen. Vollkommen neu«ingeschlossen wurden in das Gefetz die Betrieb« zur Bewachung von Betriebs- und WohnstStten» und ferner in den versicherten Gast- und Schankwirtschaften das Bedienungspersonal, so- wie der kaufmännische und verwaltende Teil eines versicherten Betriebes, wenn er den Zwecken de» versicherten Betriebes dient und zu ihm in einem dem zweckentsprechenden örtlichen Verhältnis steht. Diese Reu- einschlüsfe sind von deutschnationaler Seite aufs stärkste be- kämpft worden, und es war bezeichnend, daß der Vertreter der deutschnationalen Partei, die sich so gern als Schützer der Handlungsgehilfen hinstellt, gerade gegen den Einschluß des kaufmännischen Personals aufs schärfste vor- Sing. Wenn aber überhaupt die Bedingung des örtlichen usammenhangs in das Gesetz hineinkam, so durch den An- trag der Deutschen Volkspartei und die Stimmen der bürger- lichen Fraktionen, die immer noch gewisse.Hemmungen in der Gleichstellung der Arbeiter und Angestellten auf sozial- politischem Gebiet nicht ganz überwinden können. Immerhin zeigen diese Beispiele, daß der Kreis der Unfalloersicherten durch dieses Gesetz ganz erheblich erweitert worden ist. Noch konnten sich die übrigen politischen Par- teicn nicht aufschwingen zu einer einheitlichen Versicherung aller Betrieb« und Arbeitnehmer, besonders auch der im Kleinstbetriebe beschäftigten Hausangestellten; aber die jetzigen Beschlüsse bedeuten nicht nur einen großen Schritt vorwärts zu diesem Ziel, sondern es wurde außerdem eine Entschließung angenommen, die die Regierung auffordert, dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch den die zurzeit noch nicht oersicherten Betriebe und Tätig- keiten in die Unfallversicherung einbezogen werden. Diese Entschließung ebenso wie eine weitere, nach der die Regie- rung eine Neuregelung der Leistungen der Unfallversicherung auf Grund der gegen- wältigen Lohnverhältnisse vorlegen soll, be- deutet einen politischen Erfolg sozialdemokra- tischerArbeit.der uns zu der Zuversicht berechtigt, daß die Zeit nicht mebr fern ist. wo das Arbeitsrisiko der Arbeit- Nehme r von der Gesamtwirtjchaft und nicht von lbnen allein getragen werden wird. Wie notwendig diese Forderung ist. -ergibt sich aus der Tatsache der rund einen Million von Arbeitsunfällen, mit der wir jährlich in Deutschland zu rechnen haben! Oer Zwist im Zenirum. vi« Aertroveasmäanerversommlong in Esse». Essen 14. Dezembar Auf der Vertrauensmännertagung de» Zentrums am Sonnjag in Essen werden Steger wald, Jmbusch und Giesbert» sprechen. Es ist die» ein« nur für MitgUeder de- stimmt« Tagung, die im einzelnen hierzu Einladungen erhalten hoben. Die Presse ist nicht zugelassen. Es wird oder »an der Leitung ein Derfammlungsberichi herausgegeben. Eine Erklärung Stegerwalds. Di« Zentrumsfraktion de» Reichstage« beschloß die Einbringung einer Interpellation wegen der wirtschastlichen Ratlage des Emslandes. Der stellvertretende Borsitzend» Dr. Per- l i t i u s gedachte des S4. Geburtstages de» Abg. Etegerwald. Dieser sprach seinen Dank für den Glückwunsch aus und führte unter anderem au», es seien in jeder großen Arbeitsgemeinschaft Gegensätze unvermeidbar. Wenn solche Gegensätze sich in der Weise zuspitzten, wie es auf dem Parteitag in Köln geschehen sei, dann könnten daraus auch Verstimmungen entstehen. Dies dürfte aber kein Grund sein, daß man nicht die großen Ziele g«. meinfam durchfechten könnte. Polenflieger über Oeuischland. Aosspähongsverdacht. Meseritz. 14. Dezember. Heute nachmittag gegen 14 Uhr überflog ein polnisches Flugzeug, das die Zeichen POZ trug, in 1000 Meter Höhe Stadt Meseritz in östlicher Richtung. Ueber dem Bahnhof machte es mehrere Schleifensahrten. Zwei weitere Flugzeuge wurden bei Kainscht, einige Kilometer südwestlich von Meseritz beobachtet. die dort über den Anlogen der Ueberlandzentrale kreuzten und dann nach der Grenze weiterflogen. An einem dieser Flugzeuge wurde deutlich das Wort Pols!« erkannt. Wie well die Flugzeuge Im Innern Deutschlands waren, konnte noch nicht festgestellt werden. Erst am 23. November wurden hier drei Flugzeug« auf dem Rllckjlug zur Grenze beobachtet, die bis in der Gegend von Jt 2 st r i n gewesen waren. E» wird Zeit, daß Polen feinen Fliegern diese Ausflüge ver- bietet. An der 0 st grenze des wahrhastig für sehr beträchtliche Weit- streckenflüge ausreichenden polnischen Staatsgebiets werden solche Ausflüge wahrfcheinlich vermieden, da dort Sawjct-Flaks feuerbereit stehen dürsten. Vielleicht tnteresfleren sich die G a r a n t e n der Entwaffnung Deutschlands für diesen polnischen Flugbetrieb! Der Kamps um Tod und Leben. Freitag abend wurde folgen- des Bulletin über König Georg ausgegeben: Der König verbrachte «wen etwa» unruhigen Tag und das Mgemeinbefinden ist ?tcht ganz zufriedenstellend, Der Pül» ist jedoch stetig. Preußen und das Konkordat. (Sozialdemokratische Erklärung im Landtag.— Eine Rede des Ministerprafidente« Der Landtag setzte gestern die Aussprach« über den Hau»- halt 192S fort. Abg. Falk fD«m.>: Um den Etat auszubalanzieren, sei die Abschlags, ah ung von 2S Millionen auf die Forderungen Preußens an das Reich mit»inzusetzen gewesen. Gesund« Finanzverhältniile werden erst wieder einkehren, wenn d« Reparotionelasten aus ein erträgliches Maß beschränkt werden. Abg. Ladeudorfs(Wo.) kritisiert dl« Fincmzgebonmg Preußen», die namentlich den Mittelstand schwer geschädigt Hab«: Haus» und Grundbesitz gingen dem Untergang entgegen.(Große Heiterkeit.) Dem organisierten Marxismus«erde die Wirt- fchastspartot die Macht des organisier«« deutschen Mittelstand« entgegensetzen. Miuisterpräsident Dr. Otto Braun: Di« Deutschnationolen haben geglaubt, zwischen dem Kultus» minister und mir einen Gegensatz in der Äonkordatssrage ll« feststellen zu können. Demaegenüber erkläre ich. daß vo U e b e r ei n sti m m u n g zwischen uns beiden in dem Punkt be- steht, daß der Kultusminister sich den Zeitpunkt, an dem er ant- wartet, noch vorbeha'ten muß. Diese Erklärung hat auch für die Staatsregierung Staatssekretär Wetßmann tm Aeltestenrat ad- gegeberi. Ich habe also nicht abgelehnt, mich zu dieser Frage zu äußern, sondern stehe auf dem Standpunkt, daß der Landtag von dem Ergebnis der Verhandlungen unterrichtet werden muß. Wie bei allen Staatsoerträgen wird also»in solches Konkordat nur vorbehaltlich der Genehmigung des Landtage» abgeschlossen werden können. Mit Recht haben die verschiedensten Redner auf die schlechte Wirtschaftslage hingewiesen. Eine ihrer schlimmsten Wirkungen ist zweifellos die Agrarkrise. Würde sich aber die Regierung nach dein Rate der Herren von rechts nicht um die Wirtschait bekümmern, so würde das den notleidenden Landwirten tm Osten sehr schlecht bekommen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Nach Aus- sast'ung der Opposition soll sich der Staat, wenn die Dinge schief gehen, wohl am Risiko, wenn ei der Wirtschast gut geht, aber nicht an den Ehancen betei igen. Eine solche Wirtschastspolittk ist un- möglich. Die Meinungen gehen natürlich auseinander in der Frage, was eme vernünftige Agrarpolitik Ist. Abg. Steuer(Dnat.f: Wann«in Bock geschossen werden darf! Ministerpräsident Braun: Ich schieß« draußen Böcke. Sie hier! Das cht der Unterschied!(Große Heiterkeit.) Es ist nicht außer acht zu lassen, daß die Wirtschaftspolitik maßgeblich vom Reiche beeinflußt wird. Die schwierigen Vr hältnisse in der Landwirtschaft aber haben sich insbesondere in der Zeit ent- wickelt, als die Deutschnationalen im Reiche an der Re» a i e r u n g waren. Ich stehe aus dem Standpunkt, daß hier weder «uboentionspolitlk, noch Hochschutzzölle Helsen können. Hier wäre dielmehr eine Regelung durch eiae der- nünftige Absatzpolitik am Plabe, denn es ist ein un- erträglicher Zustand, daß der Landwirt den Zentner Kartoffeln mit 1.30 M. bezahlt bekommt, wahrend der Konsument 0 M. dafür bezahlen muß. Hier könnte die Wirtschoftspartei darauf hinwirken, daß der Zwischenhandel sich auf c'nen erträglichen Gewinn beschränkt: das wäre auch Hilfe für den Mittelstand, zu dem ja auch die Land- wirte gehören.(Sehr wahr! links.) Die absteigend« Konjunktur spiegelt sich natürlich auch in der öffentlichen Finanzpolitik wider. Herr Lodendorfs hat angesichts der schlechten Stoatsbilanz nach dem Staatsanwalt gerufen. Er abersieht, daß»ine Bilanz das Ergebnis eines Gsschäitpunterneh. mens ist, urch daß der Etat nichts weiter als«in Voranschlag ist. Li« endgültige Gestaltung liegt ja mit ip. seiner Hand. Selbst- verständlich muß der Staat auch Bewegungsfreiheit für imvorher- gesehen« Ausgoseti haben, z. B. wenn Nawrkatastrovhen eintreten. Vielleicht ist tm Etat der Gesichtspunkt viel zu weit beachtet, daß aus der Wirtschaft nicht mehr M'ttel gezogon werden, als zur Deckung der notwendigsten Ausgaben nötig ist. Deshalb leben wir von der Hand in den Mund. Hier ist die Mahnung wohl zu be- achten, daß bei Anträgen und VewilNgung von Mitteln, die von allen Parteien gestellt werden, auch gleichzeitig für die Deckung gesorgt wird. Die Grenzlandpolitik der Regierung ist zu Unrecht Gegenstand der Kritik gewesen. Ich bin der Ansicht, daß h'«r nicht allein mit der?luisk«llung von Promammen geHolsen werden kann, sondern daß die Mittel auch zur Verfügung stehen müssen. Es ist richtig, daß die Regierung hier gehemmt ist. doch wird in Zukunft die Für- sorg« für die westlich«: besetzten Grenzgebiet« nickt erlahmen, auch nicht für den Osten, der infolge unglücklicher Grenzziehung aus tausend Wunden blutet. Eine Antwort an Bayer«. Deshalb find mft Recht als Abschlagszahlung vom Reiche für unsere Forderungen LS Millionen Mark in den Etat eingesetzt worden. Bayern hat zwar von dem preußischen Cgais- mus gesprochen, in dem rauhen und herzlichen Ton, der in München üblich ist.(Heiterkeit) Ich will nicht in demselben Tan« sprechen. aber rein sechlich stelle ich fest, daß Preußen durch den Frieden«. verlrag wichtigeo Land- und vomäncabesih als einzigstes Land abgegeben hak. und zwar im Werte von ungefähr Z.Z INilliarden. Das Reich Hot diese Forderung auch anerkannt und bisher 6S Millionen als Abschlag gezahlt. Die Ursache zu dem Vorstoß Bayerns gegen Preußen liegt in der Entscheidung des Staatsgerichtshofes über Bayerns Biersteuer-Antetl. Doch denkt Preußen nicht daran, Bayern oder anderen deutschen Ländern die ihnen zustehenden Rechte an das Reich streUig zu machen. Der Ministerpräsident wendet sich sodann den Ansprüchen Bayerns zu, die es au» dem Ueberaang der bayerischen Post auf das Reich im Jahre 1010 herleitet. Preußen habe sssiier. zeit bei der Gründung des Norddeutschen Bundes nur für acht Jahre zur Etatbalanzierung einen Gewinnanteil erhalten. Dasselbe Recht stehe natürlich auch Bayern zu. Darüber hinaus könne aber Preußen weitere Forderungen nicht anerkennen, preußeu wehr« sich nur gegen voreakschäd'.gungea aus Kosten der anderen Länder. die nichts erhallen. Länder, die weiter selbständig leben wollen, sollen auch weiter bestehen. Aber nicht lebensfähige Staatsgebilde zu erhalten, sei kein« rationelle Staatswirtschaft. Das Problem des Einheitsstaates. Der Ministerpräsident weichet sich sodann dem Problem de» Einheitsstaates zu und fährt fort: Alle tiefgründiaen Erörterungen dartiber haben uns dem Ziel nicht näher gebracht. Nach meiner Aufsassung können künstliche Konstruktionen hier nicht helfen. Das gilt auch für den Dorschlag des Luther-Bundes, Preußen zum Reichsland zu machen. Das wäre eine Rangerhöhung! Aber man soll bei Annahme von Geschenken vorsichtig sein, denn bei Licht besehen, hätte nach diesem Borschlog Preußen weniger Rechte als jetzt. Der Dualismus zwischen Preußen und dem Reich Ist sicherlich nicht erwünscht. Aber ich bestreite, daß er sich für das Reich so nachteilig auswirkt, wie immer behauptet wird. Würde man allerdings in Preußen bayerisch reden, so wäre das sicherlich sür das Reich sehr unbequem. Nack Auflassung der Deutschnationalen läßt ssch der �germanssche Geists nicht von«wer Stelle au? regieren. 3ch bin a"erdlnas der Anstass"»-'. daß die Eiaenhrötel-I de-- Deulid-n nicht ihr Vorzug, sondern ihr Verhänani» gewesen ist.(Sehr wahr! links.) Deshalb würde die Zentrallsierung der Verwaltung auch nicht zur Kulturverödung führe», wie gefürchtet wird. Das--- unter der konfervotwem Regime der Fall gewesen sein. Heute rft dös ander», und ich Hofs«, daß es bei meinem zwanzig» jährigen Rsgierungsjubilüum noch besser I«n wird. (Heiterkeit und Beifall.) � Der Ministerpräsident schließt mit der Bemerkung, daß. 1« weniger man vom Einheitsstaat red«, die Entwicklung zu ihm um so schneller gehe. Das zeige die günstige Entwicklung der Hamburger Frage. Rur die Zusämmenfasiung aller Kräfte könne zu höchster Leistungsfähigkeit führen.(Stürmischer Beisell bei d«N Regierungsparteien.)' � Abo. Ehriillan(Ehristl.-nat. Pauernv.) krtrstert dt« steigender- Ausgaben, redet von der Rot der Land Wirtschaft, fordert Spar- samkeft bei Staat und Kommunen. Hierauf stellen die Natwnalsoziavsten den geschafwockmung� mäßigen Antrag aus Herbeirufung d�rMinister, die au« durch Zufallsmehrheft der Rechten besch ossen wird. Abg. Haake(Ratt-Soz.) kritisiert die Zustimmung zu Dawes- Vertrag. de« Abg. Or. Hamburger(So,.) gibt zunächst«ine von seiner Fraktion einmütig gebilligte Er- klärung zur Frage eines etwaigen Uebereintonunens Mischen Preußen un-ß'der Kurie ab: Die sozialdemokratische Fraktion wird einem Uebereinlommcn, das Schulangelegenheiten regeu. nicht zustimmen, da aus dem Gebiet« des Schulwesen» dem Staat allein die Entscheidung zusteht. Ebensowenig wir» die Fraktion einem Uabereintow- men zustimmen, in dem Bestimmungen enthalten sind, die der in Artikel ISS der Rsichsverfasiung vorgesehenen Gesetzgebung betreffend Ablösung der Staatsleistungen an dl- Religionsgesellschaften vorgreifen. Sollt» der Entwurf eines Uebereinkommens vorgelegt wer- den. in dem diese vorstehe-rden grundsätzlichen Forderungen, be- rücksichtigt sind, so wird die Fraktion prüfen, ob die Regslung de- Beftebunaen zwischen S'-ci und Kirche in kl-cklie-en An- gelegenheiten in Form eines Uebereinkommens zw schen Preußen und der Kurie tm sinotlichen Interesse norwendig rst und idre «ndgü tlgc Stellungnahm« zu dem Entwurf von seinem InhaU tm einzeliren abhängig machen. ver Redner fährt fort: Der Ministerpräsident kann anläßlich seines Regierungsjublkäum» mit der Kritik der Oppositionspartzlen zusrieden sein. Wenn die Deutschnationalen sich darüber beschweren, daß der Ministerpräsident gegen Beleidiger seiner Person Prozesse sie daran denken, daß Friedrich der Große b.'> anstrengt, so sollten sie...............—„ W-----_ Angriffen ähnlicher Art die Prügststrafe sür angezeigt d est. Gegen- über den Angriffen der Rechten gegen das parlamentarisch« System hasten wir an ihm fest, da es zur Festigung und Förte- rung des Bolkswillsns führt. Das betonen wir auch gegenüber dem Finonzminister, der diese Frage rem akademisch dehandelt hat. Eine Beschränkung der Rechte de» Laad- tage» kann deshalb üderdaupt nicht in Frage kommen� Wir werden selbstveiständlich auch weiter bemüht fe n,«ins Grenzlandpo itik zu treiben, die die schweren Erschütterungen all- Kriegssolgcn im Osten und Westen des Lande» deseitigen rptre- Wir siird dazu um so mehr verpflichtet, als durch jahrzehntelange Versäumnisse der allen koniolichen Regierung h er sehr viel gut» zumachen Ist.(Sehr wahr! linke.) Gegenüber den Beschwerden, daß die staatlichen Pmrten zu hohe Kosten verursachen, fordern wir. daß im Gegensatz zu dem kitsclftgsn Kasernenstil des Ka-ferreiches die Republik»inen eipenen Stil herausarbeitet. Das gilt namentlich für die«ebu l s n- Es ist ein« Ausgabe des Staates und auch zugleich«>ri««r�ehsr ich« Maßnahm«, dafür prü sorgen,.daß den Kindern, die in den ich echten Wohnvierteln der Großstädte zu leben ge-wungen sind, wenr�ten« während ihrer Schulzert besser« Unterkunft geboten wird. Wir fordern bei dieser Gelegenheit«ruch ein« fRtforv de» körn mit ualen Lastenauegleiclis.®s gecht«uf keinen Fall,«rtmeutlirti tvaS die Hanszinssteuer betrifft, du� der Last-nansgleich z. B. nur auf Koste» Berlins vorgenolunren wird. Wir sind erstaunt darüber, daß das Zentrum sich jetzt ftz-« gegen die geplanten Eingemeindungen wendet und sogar von einer Eingemeinoungsseuche spricht. Ich stell« fest, daß bisher r« diesen Fragen da? Zentrum sehr positiv mitgearbeitet hat. Es •an der Zeit, dieser sich immer mehr bemerkbar machenden Grog- stadtfei ndlichkeft entgegenzutreten. Auch hiar haben wir die Sunden des asten Regimes wieder gutzumachen, das einmal die Großstadt« dafür bestraste, daß sie überhaupt da waren, d. h. well sich in ihnan «in« starke Sozialdemokra ft« entwickelte, und zum anderen wagen de» Widerstreites kommunaler Interessen durch das Anwachsen der Großindustrie. Wir wünschen eine gleichmäßige Behandlung der Großstädte und der Landkreise.... Di« Rerwaltunasreform wird hoftmt'ich von dem Innenminister kräftig gefördert werden. Hier kommt das Guts. nie zu spät. Das hat die Auflösuyg der Gutsbe zirka fiezeigt. durch die da» platte Land der kommunalen�Demokratie er- chlossen wurde. Di« Deutschnationalen, die beim Flaggengeletz so ür die Selbstverwaltung«ingetmen sind, haben sich aber hierbei als die schärfsten Gegner derselben gezeigt. Wenn die Rechte gegen die wirtschastliche Betätigung der Gemeinden aus diesem Grunde Protest erhebt, so tut es uns leid, daß wir nach seinen Erklärungen den Finanzwinister in dieser Gesellschaft sehen müssen. Der Redner kommt sodann aus die Personolpoüt'.k der Regie.- rung zu sprechen und führt eine Reihe von Fällen an, in den«» gegenüber Beamten, die ssch alz offen« Feinde der Re- publik bekannt haben, viel Zu milde vorgegangen sei. Er fährt fort: Wir begrüßen insbesondere, daß das Kabinett ha Aahre 1928 kein Todesurteil hat vollstrecke» lassen. Ach hoffe, daß das Jahr 1927 das letzte«ewesen ist. l» dem ein solches in Preußen vollstreckt worden ist. (Sehr gut! bei den Soz.) Wenn mich ans dem Gebiete des Strafvollzng» eine Besse- rung eingetreten ist, so weisen wir doch darauf hin, daß es un» nicht auf' Gnade, sondern auf das Recht ankommt. In diesem Sinne ist die Iustizkrise noch nicht überwunden. Wir werden darauf hinarbeiten müssen, daß wir endlich zu einer v o l k s t ü m- lichen Rechtsprechung kommen. Wir lassen un» sedenfall» in unserer Politik leiten von der Verantwortung, d-« wir als di« stärkst« Partei für die breiten Volksschichten im Land« draußen tragen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Banker(Dnat.) wendet stch gegen die Aussührungen bet sozioldemokratsschen Redners und erklärt, daß es für Preußen aller- schwersten Schaden bedeutet, wenn Ministerpräsident Braun noch weiter« 10 Jahre, im Amte bleibt.(Hetterkeit und Lachen links.) Die Behauptung de» Ministerpröstdenten sei unrichtig, daß unier der Bürgcrblockeegienmg nur unzureichende Maßnahmen für die Landwirtschaft getroffen seien. Preußen� habe alle Hilseaktlonen für dieselbe sabotiert. Gegen die schwarzweißrotrn Farben würde ein unsauberer Kampf geführt. Für den notleidenden Osten müsse Hilfe durch ein umfassendes Programm kommen. Die jetzige Rc- gierung verdien« das schärfst Mißtrauen. Ministerpräsident Or. Vrau« tritt den Ausführungen des Borredners entgegen, daß die preußssch« Regierung in der Hilfsaktion für Ostpreußen versagt habe. Si« lehn« es«lllerdinß» ab. landwirtschaftlich« Be,
Nr.» 45. Zahrguns"i* SonvaSend, 45. Dezember �S2S Wade in Qermany. &s klingelt. Eine äl�che dicke Fr
unken National' tracht, bietst kleine Teppiche an. Vetworleger. Brücken. Die Ware erscheint im Halbdunkel sehr verlockend mit ihren leuchtenden Farben, Und dabei ein billiger Preis, das Stück nur 15 M. «.Echte Auslaudsware,� versichert die Fremd«. Na, man kann sich so mal die Ding« bei --«cht. ansehen. Eine Tasse warmer Sasse« und ein Butterbrak löst ver Händlerin bald die Zunge. Vorher wird ihr aber versichert, ">.{) wir für ihren Artikel keinen Gebrauch hoben. Ein minder- wertlaes Zeug, ganz locker im Gewebe. Höchst unwahrscheinlich, doh bi« Rumänen so etwas über die Grenze lassen. lind so stellt sich denn auch bei freunblichem Zureden am Kosfceti'ch der ganze Schwindel heraus: blocke in Germans. Die kleine schlesische Stadt Matscher webt diese Sachen. Ein findiger ilmernehnier in einem Vorort Berlins vertreibt sie. lim sie ober als Auslandsware an- freisen zu können, hat er eine Schar Händler aus Rumänien enga- Wert, aus einem früheren deutschästerrcichischen Dorf, die in ihrer Hcimatirocht dies« Fußvorleger verknusen müssen. Ob nicht auch gleichzeitig etwas Ausbeutungsraktik dabei im Spie! ist? Der Name des Zwischenhändlers klingt ganz tschechisch, er scheint van seinem bekannten Freund„Bota" gelernt zu haben. Denn zweifellos sind diei« fremden Menschen in' ihren Ansprüchen genügsamer und zur Ausbeutung williger als deutsche Arbeiter. Treppauf, treppab müssen sie lagsüber rennen, um das Glück zu hoben, ein paar von chren Decken loszuschlagen. Bei äußerster Einschränkung der Lebens- ooltung— es handelt sich innner um größer« Familien, die in einen- -l-auin zusommenhausen— können einige Ersparnisse zurückgelegt werden, mit denen die Händler zum Winter wieder zurück in ihr Dorf fahren. Nach der Lersicheruna der Frau ist das aber immer noch mehr, als was der Arbeüer dort erübrigen könnt«, wo der Verdienst knapp für das Brot reicht. De? chinesische Händler. Einmal ist es ein echter Ehinese. der vorspricht. Ein ganz sunges Mrschchen, mit dem man sofort Mitleid hat, weil er so weit über das Meer hinweg von seiner Wmter entfernt ist. In seinem klag- nchen Blick wohnt gleichzeitig ein Schelm, was die Kinder auch fsiort heraus gesunden hoben. Es scheint, daß er am liebsten mit >hnon spielen möchte, aber die Peitsche— im echten Sinne gemeint �-.treibt ihn. seinen Tee anzubieten. Echten chinesischen Tee. Der »ein« Händler kann nur diese drei Worte Deutsch, wenigstens stellt er sich{a. Man kauft ihm aus Mitleid schon ein Päckchen ab, das S«r nicht lo billig ist und wobei sich herausstellt, daß der Ehinese 'jhr gut das Gel!» keimt. Der Tee ist ichauderhoft und beim Aus- schütten der Tüte sieht man aus der Innenseite des Papiers«ine kleine Aufdruckszeile non inner Dresdener Tutem'abrik: Xlack« i v kterwavz'k Bei anderer Gelegenheit erfährt man. daß bei dem Verkauf dieser Waren durch Ehinesen ein noch robustere» Aus- brukuogsiystem angewandt wird als das erstbeschnebene. Die jungen Chinesen Vierden in chrcr Heimat wie Sklaven gekaust und müssen rch für Jahre hindurch dem Unternehmer verpflichten. Der Händler dieser Memchenmar« verhökert mit gutem Gewinn die Armen dann in europäische Hauptstädte, wo sie ein anderer für olle möglichen -Inen non Diensten braucht oder mißbraucht. Im Norden Berlins baule» sie enggedrängt- zusammen uird Keh«. Wen, zvenn sie.»ach .der Tagesstreife nicht mit einen, gewissen Berdienst nach Hause kommen, dano seßl«» Schläge. Eine Rückkehr in die Heimat tsl ganz ausgeschlossen. Nur selten gelingt es Aelteren von chnen. sich den, Zwang zu entziehen. So findet man denn auch ab und zu Ehineien in, Asyl für Obdackw!«. Manche Haussrau, die mit Stolz von einem chivesischen Händler ein �echtes chinesisches tiasseegeschirr" für teures Geld erworben hat. muß zu chrem großen Bedanern er- fahren, daß ihr ein Kenner nachweist, daß es ein sächsisches Fabrikol ist und nicht einmal ein gutes, das sie im Warenhaus für die Hälfte des Geldes hätte kauien können. Die chinesischen Drachen und Blumen daraus sind nicht genullt, sondern sind Abzugsbilder, wie wan mit einer Lupe sehr gut erkennen kann. Macke m Geraiany. Betrachtet man in der Friedrichstraß« die Auslagen von einigen Kunsthandlungen, so wird man erstaunt sein, welche wunderboren Antiquitäten dort ausgestellt sind. Doch wird der Berkauser nicht den einzigartigen Gegenstand, den Damaszenerdolch, die Dose von Limoges, die kleine Branzeglocke init uralten Hieroglyphen u. a. aus dem Schaufenster nehmen, sondern den gleichen Gegenstand hinten vom Lager. Es sind höchst kuirstoolle Nachahnnmgen, um nicht von Fälschungen zu sprechen, da sie ja nicht als echt angeboten werden. Macke in Gennany. Gefährlich wird die Sache erst, wenn ein solcher Gegenstand durch Prioothände an Dritt« verschachert wird, denn wer besitzt>o viel eingehende Kenntnis von der Echtheit von Altertümeim?� Hat man doch sogar berübmte Kunstwerke in den Museen, die sich als Fälschungen, als„Macke in Gennany", gemacht in Deulschiand, herausstellen, wie die letzten Enthüllungen in der Tagespresje kundgaben. Eine ganze Industrie in Nürnberg beschäf- tigt sich damit, kunstvoll« aste Rcnaissanccmöbel u. o. herzustellen, bei denen Jahrhunderte altes Holz und alte Handwerkszeuge zur Herstellung oerwendet wird Ost werden diese Fälschungen in die Ursprungsländer der Formen erst ausgeführt, um von dort als echt in das Inland wieder eingebracht zu werden. Macke in Gerrnany. Echt, englische� Stoffe. Die sonderlmrstcn Blüten treibt die Sucht der Auslaads- Nachäfferei in der Textilbranch«. Da muh bei den Leuten, die das Geld dafür hoben, olles..echt englisch" fein, der Anzug in London gemacht, der Stoff englischer Herkunft, der Hut, die jirowatte bis zum iDiterbeinkleid. Mit heiligsten Eiden muß der Schneider versichern, daß es auch englischer«toff ist, den er oerarbeitet, was er um so glaubwürdiger macht, wenn er Ist W. für den Meter Stoff mehr ausschlägt, lind doch kam, es einem solchen Modeiex passieren. daß das gleiche Muster des Stoffes ein anderer cbenfaUs trögt, der längst nicht soviel Geld dafür ausgab, weil ihm sein Schneider ehr- lich pestanden hat, daß er seine Skosse aus Aachen oder kottbus bezieht. Mack« in Gerrnany! Es ist sogar ein offenes Geheimnis. daß englische Tuchfirmeu ihre Slosse aus Deutschland besieh an, wo sie wohlfeiler sind und meist von der gleichen Qualität. Und die Menschen, die denn einen solchen echt englischen Stöfs, gemacht in Kastbus, kaufen, verdienen es auch, daß sie betrogen werden. Ein Sprichwort sogt:»Bleibe im Lande und nähre dich redlich!� Es findet auch sen-e Anwendung aus die Ware, die man aus dem Heimallande beziehen soll und nicht aus dem Ausland. Jeder Groschen, der ins Ausland abwandert, schädigt das Volksvcrmögen und drück: sich in einer stärkeren Besteuerung des einzelnen ans. Ist Erich Gchmidi geisteskrank? Oos Potsdamer Schwurgericht in der Irrenanstalt Göhrde. Im Laufe der weiteren Verhandlung gegen den Ajährigen Arbeiter Willi Schmidt wird die 17jährige Schwester des Angeklagten, Fabrikarbeiterin Frida Schmidt, nernonunen. S-e kannte Erich Schmidt schon seit vielen Iahren und hat mit ihm Kinos und andere Dergnügirngsstätien besucht. Auf die Frag« des Borsitzenden, Landgerichtsdrrekior Dr. Westerkamp, ob der Erich auch„hello" sei,- antwortet die Zeugin:„Ja, er war helle, aber lesen kann t e er schlech st" Nach dem Mordtaae brachte Erich ihr eine Zeitung mit und las die Berichte über ben Mord vor. Dd. bei meinte er:»Solchen Menschen müßl« man gleich den Kopf obbackem Bester ist es ja, gleich Kopf ob als lebens- länglich." Da die Zeugin mie gebannt aus ihren Bruder sieht, wird der Angeklagte anr Wunsch des Oberstaatsanwalts aus dem Saal geführt. Dom, erzähst die Zeugin: Ihr Bruder sei am Tage vor der Tat mehrer« Mole zu ihr m die Stube gekommen, um eine Zlktenmappe zu holen. Diese Akienmoppc war zwei Tage lang ver- jchwundeu. Als die Schwester danach fragte, meinte Willi patzig: „Sei ruhig, du kriegst'ne neue." In dieier Akten, nappe wurden die Gold, und Silbersäcke des ermordeten Freydanck wegge- *-! Soldat Srchren. mein von&eotg von bet r l n g. Copyrj�fit by J. M« BpacGi Vßrlaj. Bsrlio. Viel Zeit mag vergangen sein. Ein Licht glänzt zur Seite, Pferde schnaufen dort, und eine Ziehhaanomka klingt so spät in der Nacht. Die Töne ersterben. Ich sehe jetzt den Umriß des Vordermannes. Der Wald wird dünner, dar Wald endigt. Der Weg schimmert grau, und nun ist der volle Himmel vor meinem Gesicht, ohne Sterne, neblig und ebenfalls grau wie die Erde. Die Kolonne halt und wirft sich auf den grauen Weg.. Der Vordermann entpuppt sich als Albering. Sein wachsbleiches Gesicht ruht auf dem Tornister. Unter feiner Nase ist jetzt eine Zigarre, dann fällt sein Kopf zurück, und -r schläft. Ich nehme ihm die Zigarre behutjam aus dem Munde und rauche weiter, und der Rauch zieht in Wolkchen über den stummen grauen Weg.. Neben mir lacht jemand ganz leise. Das'st Lurijebam, der tovflchiUtelnd die Spitze seines Helmes betrachtet. „Wie ein Säuger." flüstert er. Ich will nicht wiflen, was er wemt. muß auch die Zt- garre hüten... „Wie ein Baby sein Säuger", flüstert der Kamerad vor sich hin. schweigt, neigt sein Gepcht und sinkt mit der Brille mg nasse Gras. � wr,. vreanende Mühlen. Uferloses Dunkel umgibt mein Gesicht. Ieds leise Stimme, die aufklingt, ist mir fremd. Wo ist Albering? Wo Klees? Wo Pfeiffer?— Sie müssen nahe bei mir stehen. Doch'ch höre sie nicht, oder ihre Stimmen sind verändert in dieser Nacht nahe der Front. Ein schlaffer Wind bläst aus dem schwarzen Himmel her gegen meine Stoppelbacken und sprengt Tropfen au� meine Hände. Die Nacht'st vollkommen und unverrückbar wie ein Fels. Auch ich steh« wie ein solche� mü dem Fuß am Kolben meines Gewehres, das in der Pyramide lehnt. In einer Stunde werden wir im Schützenaraben fein. Noch eine Stunde Marsch durch die Wolkenlandschaft über das schwarze Land, dann erfüllen sich viele Traume, ernon klopft das Blut in meinen Adern schneller und kitzelt. Wer aus dem Wege ist, der muh ans Ziel. Die Zäit geht hin, wir warten wohl auf einen Defehl— es herrscht immer Mangel an Befehlen. Neben mir wird ein Gesprach laut,«ine klagende Stimme sagt: „Immer wieder muß ich von neuem damit loslatschen!" „Auf deinen Elbkähnen?" summt eine freundliche Baß- stimme. „Ja— jeden Tag laufe ich zu ihm und bettle: mach' sie mir fertig!— Du mußt sie mal genau ansehen: vorn rennt es raus— hinten rennt es rein, nämlich wenn es regnet." „Das gibt's," summt der Kessel. „Aber— kann ich Heren, schnauzt mich der Kerl an. komm morgen wieder!— So tagein, tagaus. Das ist doch widerlich!" „Mußt ihm Geld geben." „Geld geben?!— Woher soll ich das nehmen. Loh- gerber?— Sog doch selbst, wenn ich nun mal ein starker Zigarettenraucher bin!" Lohgerber aber spuckt aus und meint: „Er ist— was er ist, und bleibt— was er bleibt." Ich denke: Lohgerber und sein Freund haben sich ge- funden. der eine faßt vielleicht des anderen Koppelschloß. damit sie zusammenbleiben in dieser Finsternis, die sogar den Klang der Stimmen verändert. In bezug auf den Schuster aber sind sie uneinig und verstummen. Em schweres Schweigen bannt all die unsichtbaren Soldaten, die in Füh» lung mit ihrem Gewehr stehen. Ich höre Tropfen auf einen Zweig schlagen, nahe hinter meiner Schulter. Die klagende Stimme vor mir fährt fort: „Es wird regnen, und dann schwappt es mir bis an die Knie." „Es näßt ja schon," brodelt der Baß, fallt wieder in Summen und singt: „Dies ist eine ruhige Front. Aber das günstigste Ab- lösung«wetter ist Nässe. „Sieh mal den vielen Draht über uns— hier muß irgendetwas in der Nabe fein," flüstert der erste mit per- anderter Stimme, die stoßweise und erregt, fast lustig klingt — vielleicht ist es auch ein dritter, der loricht—-„meinst du nicht, daß etwas in der?tähe fein muh?" Der Kessel tutet: „Mühle." „Wo ist die Mühle, du?" .„Hier bei den Bäumen." „Wo sind denn Bäume, Mensch?" schleppt. Die sodann als Zeugin aufgerufene Mutter des Ange« klagten verweigert die Aussage. Daraus wird ein berüchtigter Sit tlich kei t s v« rb re che r als Zeug« vorgeführt. Eine» Tages sagte Erich:„Ich habe den Willi nur reingeritten, da er zu feige zum Zustechen war." Kriminalpolizeirot G e n n a t- Berlin hotte seinerzeit die Oberleitung der Ermittlungen und hatte Erich und Willi Schmidt vernommen. Der gewiegte Kriininalrat war sehr er- staunt, als es später hieß, haß Erich geisteskrank sei. Nichts ließ bei seinen Vernehmungen darauf'schließen, daß es sich um einen Geisteskranken handle. Im Gegenteil, seine Verteidigung war äußerst sachgemäß. Am Nachmittag des Freitags beschloß das Gericht, Sonnabend vormittag um Uli Uhr den Hauptbelastungszeugen Erich Schmidt in der Irrenanstalt in Göhrde» zu vernehmen. Etwa 35 Prozeß- beteiligte und die Presse werden sich in zwei Wagen nach Göhrde» begeben.■ Die ,/Köfe Kahne" verleumdet. Llad vergleicht sich schließlich kleinlaut. Es hat immerhin etwas Versöhnliches an sich, wenn Menschen ihren Irrtum einsehen und die Konsequenzen daraus ziehen. Noch besser ist es natürlich, wenn«ine Zeitung, die ernst genommen wer- den will und sich Arbeiterblatt nennt, sich zuerst von der Richtigkeit der ihr gewordenen Information überzeugt und erst dann scharf vani Leder zieht. Insbesondere wenn es sich um Berleumdungen gegen Arbeiterorganisationen handelt. Diesmal war es der Arbeitersamariter-Bund, der esder,MoteilFahns"angeton hott«. In einer Notiz, über- schrieben„Der gefchä-tstüchtige Zlrbeitersamariter Bund" hatte die „Rate Fahne" in ihrer Nummer vom 15. Juli der Berliner Kolonnen lettung„kapitalistische Geschäftstüchtigkeit" vorgeworfen. Es hieß da, daß sie bei dem Slhiedsoersahren gegen ausgeschlossene Mitglieder Gebühren erhebe, die dreifach und vierfach die Unkosten decken. Auch vom„glatten Schwindel" war da die Rede und von dergleichen mehr. Vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte war der früher« Redakteur Steinickc, der veranlwortlich für den Artikel ein- zustehen hatte, nicht erschienen: inseinerBertretungabcrRechts-- anmalt Dr. Löwenrhal. Sämtliche Mitglieder der Berliner Kolonnen- leiiung wohnten der Gerichtsverhandlung als Nebenkläger bei und waren vom Iustizrat Dr. Cohn vertreten. Der Vorsitzende schlug einen Vergleich vor und Rechtsanwall Dr. Löwenthal, der es gar nicht versuchte, einen Wahrheitsbeweis zu führen, da ein solcher von vornherein aussichtslos war, ging auf folgenden Vergleich ein. Der Beklimte erklärt: „Ich habe mich nach Rücksprache vor dem Richter und nach Bor- sage der Belege davon überzeugt, daß dem Vorstand des Arbeiter- famariter-Bunoes E. A. der irrtümlich in der„Roten Fahne" anqe- deutete Vorwurf nicht gemacht werden kann. Ich bedauere die Schärfe der Form desselben und daß er über die Maße dessen hin- ausgegangen ist, was zur Wahrung der Interessen, die lediglich beabsichtigt waren, crsorderllch war. Ich übernehme die Gerichtskosten und zahle zur Abgeltung sämtlicher außergerichtlichen Kosten... 200 Mark." Raubüberfall auf eine Kontoristin. Im Hause ihrer Firma in der Eichhornstroßs i wurde gestern nachmittag die 25 Jahre alte Kontoristin Erika Lehmann aus der Schlesiichen Straße oiigeiallen und ihrer Aktentasche beraubt. Da« Mädchen hatte, den Auttrag gehabt,, vom Postamt Geld abzuheben und tot die.350 M..'j» ihre Äktentasche.� Unterwegs bemerkte sie, daß sie von einem jungen Burschen verfolgt wurde und eilt« noch Hause. Der Verfolger hotte sie aber am Hausflur ein. versetzte ihr einen Stoß und entriß ihr die Tasche. Aus ihr« Hilferufe nahmen Pasianten alsbald die Verfolgung auf, stellten den Räuber nach kurzer Jagd, der jetzt seine Beute wieder hcrousgob. Auf dem?si. Polizeirevier wurde er als ein 18 Jahre alter Gustav B. seitgestellt, der arbeitslos ist und behauptet, de« Raul» aus Not verübt zu haben. Er wurde dem Raubdezernat ein- geliefert. „Maulwurf!" „Ich sehe sie'wirklich nicht!" „An meiner Hand entlang sehen." „Ich sehe deine Hand nicht, laß mich deinen Art* fühlen—" die Stimme wird wieder leidvoll und jammert: „Das ist doch jjar nicht dein Arm!.— Wessen Arm ist denn das?!— So iag' doch etwas, Lohgerber!!" Doch Lohgerber lacht: „Setz dir'ne pfundlederne Brille auf. Karlchen." In bezug auf die Mühle sind sich die beiden nicht einig. Sie schweigen. Ich höre den Wind in Bäume fallen» die über unseren Helmen sind. Dem Aweiien Zug da vorn mag die Zeit zu lang ge- worden sein. Sie zünden sich Zigaretten an, und man sieht einen Augenblick mehrere beleuchtete Gesichter. Weil die Front nicht fern ist, halten sie die Zigaretten in der hohlen Hand. „Raucken tun sie wie Asphalteimer, die vom zweiten," beginnt wieder die Baßstimme. Karlchen erklärt: „Wenn sie das Geld dazu haben, verdenke ich es ihnen durchaus, nicht. Es sind manche Kapitalisten darunter." „Bis der Panie aufmuckt, und wir etwas Hartes m die Fresse kriegen,' surrt Lohgerber, der volle Kessel. Darauf herrscht wieder Schweigen, lieber dos Rauchen besteht größte Uneinigkeit, denn Lohgerber priemt, das keuch- tet nicht. Er zischt, als habe er seinen Baß verschluckt: „Arschlöcher sind die vom zweiten, das sieht man im Dunkeln." Bei nächtlichen Märschen sollte nicht gesprochen wer- den, es kommt nichts als Zank dabei heraus. * I Endlich ist ein Befehl da. Es heißt:„Gewehr in die Hand!" und weiter geht es. Mann hinter Mamr. Wir durchqueren einen Obstgarten, überschreiten einen schmalen Gartensteg und erreichen aufatmend eine Straße, die das letzte Tageslicht aufgesogen zu haben scheint, und die mitten hineinführt in das schwarze Land. Nach rechts hinüber steigen in Abständen von Minuten Leuchtkugeln auf. j3ie schweben lautlos und sanft empor. Beleuchten ein Stück Ebene grell und ein Stück Wolke matt und sinken wieder. Es ist, als spiele dort eine unsichtbare Hand ein geruh- sames Spiel mit Lichtern, abwechselnd mit weißblauen und weißgelben, die anmutig aufflieLen, einen Augenblick groß- leuchtend stehen, um dann ins Land wie In Samt zu ver- sinken. (Fortsetzung folgt.)
Eine mysteriöse GelbstHezichiigung. Der'Zuchthäusler mit den zwei Namea. &\n«frtjfö dssteheftder Fall kam vor dem Londgericht! zur Verhandlung. Ein vielfach vorbestrafter Zuchthäusler, bald nannte er sich mit feinem richtigen Namen Scheinpflug» bald hieß er Donnet, richtete eines Tages an die GeneralstaatSanioaltschoft einen Vrief, in dem er sich des Totschlages bezichrigte. Jetzt erklärte er vor G«� richt, dah«r zur fraglichen Zeit sich in Oranienburg in ttntSksuchungshaft befunden Habs. Und ein Hauptwachl- Meister bestätigte, daß«k tatsächlich unter dem NoweN Bannet damals Ge sangener gewesen sei. Weshalb über die Sclbftbez'lWIgting? Der Angeklagt« be* hauptete, er habe sich damals in einer fchreSIIchen Veriasiung de- künden. Er sei wegen einer Tat. die er nicht begongen, zu zwei fcahren Zuchthaus verurteilt worden. Auch seien Ihm von seine» feinden anonyme Briefe mit Drohungen ins EesÜngNis geschrieben worden, um Ihm einen Totschlag anzuhängen. So schrieb«k den Brief an den Generalftaatsanwält Und bezichtigte sich darin, am ä. Dezember in einem Lokal Münzow«inen gewissen Äeck» lenbvrg erstochen zu haben. Der Vorsitzende hielt dem Air- aeklagren vor, daß er bei seiner polizeilichen Vernehmung alle Einzel. yeiten der Tat geschildert und sie sväter vor dem Untersuchungs- richter wiederholt habe. Ja, sagte der Angeklagt«, ich habe alle» bestätigt. Ich wollt« eben meine Ruhe haben. Tatsächlich hatte der Angeklagt« bei seiner polizeiliche» Vernehmung ausführlich geschid d«rt, wie et im Lokal Münzow m't Meckicnborg wegen Teilung ge. stohlener Ware in Gegenwart zweier anderer Kvmpllten in Streit geriet, wie MeSIenJborg drohte, ihn hochgehen zu lassen und er chm deshalb eine Ohrfeige verabfolgte, wie er auf Äussorderung Äeck- lendorgs mit ihm auf die Straße gegangen war und er ihm h'er mit dem stehenden Taschenmesser«inen Stich in den Hals versetzte. A!>ek— er habe sich das alles aus den Fingern gesogen, sagte er. Und er behauptete nach wi« vor, er sei zur fraglichen Zeit im Oranienburger Gefängnis gewesen. Tatsächlich ergaben die aus dem Gefängnis Oranienburg herbei» »eschasftsn Bücher, daß»in gewisser Georg Bonnet am rZ. August löZg«ingcliesert und am 23. September entwichen sei. Daß jener Bannet ober niemand anderes war ars der Angeklagt« Scheinpflug, bestätigt vor Gericht der.thaupt« Wachtmeister Tausche vom Oranienburger Gefängnis Die Schrift- proben, die im Gsrichtssaal vom Angeklagten genommen wurden, ergaben die Identität mit der Unterschrift Bonnets. Auf Antrag des Staatsanwalt!! beschloß das Gekickt, die Verhandlung zu vertagen und zum nächsten Termin sowohl sämtliche Akten in bezog auf Bonnet und Scheinpflug hinzuzuziehen, außerdem den Direktor des Gesängn ffes Oranienburg, den Untersuchungsrichter und den Krimi- nalksmmissar zu laden. ßß! S-«stsch«! Der Ausschuß für Seefkschpropaganda E. B- der vom Reichemimstermm für Ernährung und Landwirtschaft ins Laben gerufen ist und vom Reichvg-sundheitsamt unterstützt wird, hatte«inen große» Kreis von Vertretern der Behörden, vor. Reichs- und Landtagsabgeovöneten, von Vertretern der Aer.ztelchaft, der Hauefrouenorgan'isatiotien, der Sportverbände und der Press« zu «wem Vortragsabend in da» Haus der Deutschen Gesellschaft in der Schadowstraße geladen. Reichsmlnister sür Ernährung und Landwirrschaft Dr. Dietrich begrüßte die zahlreich Erschienenen und wies aus den Zweck des Abends hin. Die Verkleinerung uns«- res Staatsgebietes durch den Vertrag von Versailles, so führte er aus, hat uns vor die Notwendigkeit gestellt, alle Mittet zur En. nährung unseres Voltes heranzuziehen, um uns freizumachen von der Etnsuhr aus dem Ausland. Ein Gebiet, das noch stark aus- gebaut wsrden kann, ist d!« Hochfeetischcrei. Zu diesem Zweck ist der Ausschuh für Seefischpropaganda vom Reichsernährungo- vrinisterium ins Loben gerufen worden. Er hat zunächst die Press« ttnd die Hausfrauenorganisationen zur Propaganda sür seine Ziel« •n Anspruch genommen und wendet sich setzt auch an d!« Aerzte. schaft, die Krankenanstalt«», aber auch an die SportoerSände, um s-, die weitesten Kreis« sür de» Genuß von Seeslschen zu intar. «lsieren. Der Vorsitzende des ÄucschusieS, Rsgierunasrat Dr. Eichel, ßaum. Unterstrich diese Ausführungen. Cr wies darauf h'n. dag die Propaganda des Seefifchgenusses schon deshalb nötig ist, um das Seefischereigewerbe zu stützen, das drsißigtausend Menschen auf See und etwa hunderttausend Menschen an Land beschäftige. Der Wort der Jahresproduktion belaufe sich auf Stz Mil- lionen Mark, und bedeutend größere Werte seien in seinen An- sage» iNSestlert. Doch sei infolge der mangelhafte» Kenntnis der Bevölkerung von dem hohen Wert der Seefischnahrung dle T ä t i g. reit der Seeflschslott« immer noch nicht voll aus» genutzt, ein großer TeU des Ertrages gehe sährlich ins Aus» !and, weil der deutsche Markt die gefangene Ware nicht IN vollem Maße aufnehme. Darum setze sich der Ausschuß für Seesischpropa- ganda für die Verbreitung der Kenntnis des hohen Nährwerts der Seefischnahrung ein. Ein guter Anfang sei bereits gemacht, aber es müst« noch mehr daran getan werden. Zum Schlüsse bat der Redner dl« Anwesenden um Unterstützung der Zielt des Aus- fchusie». Dam, erörterte Unloersitatsprofessör Dr. G u d z e n t- Verlin vom ärztlich. physiologischen Standpunkt die Frag« des Wertes der Seesische für die Ernährung und Gesundheit des deutschen Volkes. Er kam zu dem Schluß, daß info'ge des starken Gehalis an Vita. Minen das Fischflssch der Fleischnahrung nicht Nachstehe, ihr In vielen Fällen, bei geeigneter Zubereitung, sogar vorzuziehen sich Gelbstmord im Landgericht. Ein aufregender Vorgang spielt« sich gestern mittag vor der Ehescheidungskammer de» Landgerichts l in der Gruner. ftraße ab. Im Saal wurde ützer die Ehescheidungsklage des Schlossers Max G. und seiner Ehefrau aus der Iosephftr. 7 In B.rlin verhandelt. Das Gericht deschloß, Beweise über die Ehezerrüttung zu erheben. Der Ehemann G, der sich bi» dahin sehr ruhig verhalten hatte, geriet über diesen Beschluß, der die Entscheidung über dick Ehetrennung wieder hinaucfchob, in große Erregung. Er ries laut:„Das ist unerhört. Ich habe die Sache satt, immer neu« Beweise, ich will keine Zeugen mehr/ Der Voisttzende suchte den meoten Mann zu beruhigen und erklärt« ihm. daß d«r Beschluß des Gericht» ausgesiihrt werden müßte. AN- scheinend beruhigt verließ G. den Sitzungssaal. Aus dem Korridor sprach er dann aber aufgeregt auf sein« Ehefrau ein. P l ö tz s i ch foft« r«inen Revolver aus der Tasche und setzte ihn ichan die Schläf«. Ehe der Selbstmörder an der Auesührung eines Vorhabens gehindert werde» konnte, hatte er sich schon eine Kugel>n den Kopf gejagt. Blutüberströmt sank G. zu Boden. Dle fofort benachrichtigte Rettungswache schaffte den Schwerverletzten, der nur noch schwach« Lebenszeichen göb, in einer Tragbahre fort. Unterwegs ist G. aber verstorben. Aufstieg der Volksgtsundheiispflege Gesundheitshaus Pankow. Die stäbkilchen TNarkkhallen sind am Sonntag, dem 16. Dezember, von 7H bis 9K Uhr und von 14 bis 18 Uhr für den Kleinhand«! mit sämtliche» Marktartikeln geöffnet. Den Gedanken, städtische Ginrlchtungen de, össentltchen Ge- sundheitspslege in einem Gesundheitshaus zufammenzusasieN, hat in Berlin Mrsl der Verwaltungsbezirk Kreuzberg verwirklicht. Das Gesundheitshaus Kreuzbsrg wurde in schwerer Zeit aus kargen Mitteln geschaffen, es hat aber— trotz aller Beschränkung und Ein- engung---* mit gutem Erfolg gearbeitet. Unter ganz anderen Be- dingungen Ist im Norden Verlin» das Gesundheitshaus Pankow entstanden, dos nun fertig dasteht und am Freitag ein- geweiht wurde. Mit erfreulich freigebiger Hand sind dem Bezirk Pankow aus dem setzt nicht mehr so leeren Stadtsäcket die Mittel gewährt worden, ein eigenes Haus zu bauen und es van vornherein der Zweckbestim- mung entsprechend einzurichten. Aus dem Grundstück GruNow- straße 8— Ii) ist in einem stattlichen Gebäude so ziemlich alles vereinigt, was die Gemeinde an vorbeugender und nach» gehender G«sundh«Itsfürsoeg» bistet. Einrichtungen der Säuglings- und KleinkinbersflrsorgS, der Schulkinderfürsorge, der Fürsorge für Schwangere, sür Lungenkranke, für Geschlechtskranke, für Psychopachische, llk Trinker usw. Auch«in Saal für Vorträge und Räum« für Ausstellungen fehlen nicht. Dieses Haus hat so schön ausgestaltet« Räume»ad ist mit allen Hilfsmitteln der Gefundheits- fürssrge so gut versehen, daß andere Dezirte von Berlin-Nord den Bezirk Pankow darum beneiden könnten. Unter den Teilnehmern der Eiiiweihungsfeier sahen t»cbeN Mitgliedern der Pankower Bszirkskörperschaften auch Bürgermeister und Stadträt« aus Be» zirken, die sich einstweilen mit schlichteren Einrichtungen deHelsen müssen, aus Weddiivg, Prenzlauer B«rg, Fkiedrichshaw, Kreuzverg, Lichtenberg. Bürgermeister Dr. Meißner- Pankow Halle ollen Grund, in seiner Weihered» die leitenden Männer de» Haupt- gtsundheitsamtes zu rühmen, die Pankows Verlang«» nach einem Gesundheitshaus verständnisvoll unterstützt haben. Er dankte allen, die an dem schönen Werk, an der Ausstellung de» Programms, an det Ausarbeitung des Äauentwurss Und an der Ausführung des Baues mitgewirkt haben. Stadtmedizinalrat Prof. Dr. a. Drigatskt brachte Glückwunsch« de» Magistrats. Dieses Gesundheitshaus fei ein Werk, das in Deutschland wohl Nicht seines- gleichen Habs und auch Großstädten des Auslandes als Muster dienen könne. Er versprach, daß seder Bezirk Berlins. der«s nötig hob«, an gesundheitlichen Sinrich. tuogen das Beste erhalten solle. Zu gegebener Zeit wird man ln den Bezirken, die es nötig haben, sich dieses Versprechens erinnern. proletarische Gymnastik. Martin Gleisner begann vor längerer Zeit, berufstätige junge Menschen noch dem tänzerisch-gymnastischen System von Rudolf von Laban zu unterrichten. Jetzt lud er sich zu einer Uebungsstund« Gästs ein, und man konnte erfreut feststellen, daß sein« Arbeit bereits schöne Erfolge erzielt hat. In Mensche». die In der täglichen Erwerbsarbelt überhaupt kaum zum Bewußtsein ihres Körpers kommen» ist die Freud« am Körper und feinen Bew«. gungsmöglichkeiten geweckt worden. Es scheint, als hätten sie wie Kinder Ihne Glieder eben erst entdeckt, so spielerisch-vergnügt— aber auch wieder so sachlich ernsthaft bedienen sie sich ihrer. Dabei steht man erfreut, welcher Ruhen den jungen Körpern au» diesen Hebungen erwächst: sie sind gestrafst, elastisch in den Gelenken: der Bewegung»- Wille wird nicht gehemmt durch mangelnd« Bewegungssähigkeit. Natürlich sind diese Menschen all« keine Berus-tänzer. Sie sollen es auch nicht sein. Dies« Borführung vor Zuschauer» war Nicht Selbstzweck, sondern sie sollte in erster Linie in den Zuschauern den Wunsch wecken, mitzutun. Man sah am Schluß ein Newegungs- chorwerk, das geeignet ist, auf Volksfesten aufgsfllhrt zu werde». Ueberhaupt will Glei-ner seine Symnastikschar ähnlich wie eine» Loiengesangchor entwickeln. Uebrigen« war das Schluhwerk das einzige, zu dem es Musikbegleitung gab. Di« üdrige» Bewegung»- spiele waren nur aus dem Rhythmus de« naturlichen Bewegung»- abtauf» entwickelt. Da» Ist gerode bei einem proletarischen Kewe- gungschvr besonders erfreulich. Denn Mustkbeschaffung ist hierfür nicht immer möglich oder wenigstens oft mit kaum tragbaren Koste» verbundene Zur Schulspeisung. Im Berikn für öfseatllche Gesundh-itspfkege sprach Genosse Dr. R o e d e r über„Grundsätzliches zur Schul- spsifung�. Er fahrte aus. daß dle Schulspeisung als sozialhyglenisch« Einrichtung dazu bestimmt sei» zugleich mit der Besserung des Krästezustaickies des einzelnen auch eine durchschnittlich« gesundhest- sich« tkörperlich-seolische) Hebung der Gesair.tjugend zu erzielen, Greund der Auswahl, die durch den Schularzt zu erfolgen habe, sc' eine Minderungder Ansatzfunktlon und der allgemeine» Leistungsfähigkeit,"z, B. auch t» der Schul«. Ganz bestmnnks Krankheitetypen pflegen diese Symptom« zu zeigen. Während ab« bisher die csstzielle Wissenschaft glaubte, daß diese Krankheitstypen auf ererbter Grundlage beruhten und daher im wesentlichen nicht beeinflußbar leieN, zeigen bis neuen, tiefer schürfenden Untersuchungen, daß im wesentlichen sozio!« Ursachen, besonder» in der Großstadt, für sie verantwortlich zu machen feien, woraus folge» daß die Gemeinden die Pflicht habe», diese sozial verursachten Schäden auch durch soziale Maßnahmen zu befestigen. Um Erfolg« zu erzielen, müsse die Schulspeisung«in gehaltvolles und«fr- w:chselungsre!ches Frühstück sein, sie müsse auch dem Geschmack der Kinder Rechnung tragen, damit diese die Lust an der Tellvahnw nicht verlieren, sondern unter Umständen recht lang« tellnehmen. Das beliebte Miichbrötchenfrüh stück könne daher nicht öl» genügend gelten. Die Zahl der teilnehmenden Kinder sei leider noch immer auf SS Proz. aller zu schätzen. Viel« Kinder feie» gesundheitlich so gestört, haß sie keinen Erfolg aufwlesen. für diese müsse von den Gemeinide» mehr geschehen, z. B. durch eine noch seht des Ausbaues fähig« Kursürsorge. Diejenigen Kinder, die zu Haus« nicht regelmäßig ernährt werden, z. B. weil die Mütter krank oder im Berufe seien, müßten gesammelt und mit einer ausgiebig«« Wittagspeisung bedacht werden, uw ihnen etwas Gehaltvolleres zu geben als die Schulspeisung j« bieten könne. Auch in der SrnähruNgsfürsorge müsse noch Ursache» und gaNz individualistisch oerfahr« r, werden. " i■«———> Freie Soziallstisdie Msdiule Menle, Sonnabend, den 15. Dezember, Uhr, im S Uungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leiprlgtr Str. 3 «RtaSlicb de« 100. Oeburtatege« des Arhsiterph l&saphan Joseph Dietzgen. Vortrag des Gei osig trengtechift HortCh, IngelüMf ,423- AIA-Ortskartell. Engelulef:4.'2S. Gcwerksci afishaast Ver ag des EildungsverfcaBdes der deutschen Buch- d nie. er, Drei'oandsir, k i rinlra! verband der AOgesta Iren, Belle-A.liance-Str.T. Raub der Mexikanerinnen. Em toller Wtidwest'Bandilenstreich. Mexiko, 14 Dezember. �Reuter.) Die jungen Männer von gilotepec im Staat« I 0 l: s c o in Mexiko, die in der Rocht zum Freitag die weiblichen Angehörigen ihrer Familien ln das Sinv der Stadt führten,«klebten «ine bös« Ueberroschung. Ein« Schar verwegenet Aufstän. bischer, die nicht damit zufrieden war. die von den Kinobesiichern verlassenen Wohnungen auszuplündern, drang in das Theater ein und zwang die Männer auf der«inen Seit« der Hall« und die Frauen auf der anderen Seite Ausstellung zu nehmen. Daraus plünderten einige der Banditen die Männer voll- ständig aus und suchten sich daraus aus der R e i h e d er Frauen zwanzig der schönsten al» Beut« aus. Mit diesen flohen sie im wilden Galopp in di« Berg«. Regierunqstruppen haben die Verfolgung der Räuber aufgenommen, doch gelang t» ihnen bisher nicht» diese einzuholen. Ein zweites Opfer deS Messerstechers. Wie wir mitgeteilt hatten, treibt im Südwesten«in gefährlicher, wenn auch zweifellos krankhaft veranlagter Unhold fein Wesen. In der K r U l l st r a ß e hatte er«In Mädchen durch«inen Messerstich verletzt Auf Grund dieser Mitteilung in den Zeitungen meldet« sich bei de? Reo erpollzei«in zweite» Mädchen, das ein« Stunde vorher am selben Abend von dem Mann am Kranoldplatz angefallen worden ist. D'eses Mädchen stand vor k«r Hauciür, als ein Mann mit einem Rucksack auf dem Rücken herangeradest kam. Er stieg ob, zündete sich auf dem Hausflur eine Zigarette an, bestieg wieder sein Rad und fuhr um den Rasenplatz herum, so daß ihm das Mädchen jetzt den Rucken zukehlte. Da sprang«r rasch wieder ab, stellt» sein Rad an einen Baum, schlich sichandieAhnungs- l o l e heran und versetzte ihr zwei Stiche in den Oberschenkel, M» sie aufschrie, schwang er sich blitzschnell wieder auf di« Maschine und sagt« davon. WrihnachtSkonzert der Schutzpolizei. In dankenswerter Weife veranstaltet das Kommando der Schutz- Polizei auch in diesem Jahr« am Sonntag, dem ZZ. Dezember, vor- mittags 11 Uhr 30 bis 13 Uhr im Großen Schaufpielyaufe wieder ein Weihnachtskonzert zu freiem Eintritt für Sozial- und Kleinrentner, Kriegsbeschädigte und Krieger» Hinterbliebene. Die Kartenausgad« erfolgt durch die Bezirks- wohlfahrt- und Jugendämter der Stadt Versin und durch die großen Organ ssattonsn der freien Wohlfahrtspflege. Das Konzert erhält ein« hesauders Rote durch die liebenswürdig« Mitwirkung des Kammer« sängers Richard Tauber, der von dem Komponislen Franz Lähar persönlich begleitet w rd, außerdem hat sich Professor Fischer(Orgel) in den Dienst der guten Sache gestellt. Die Leitung dos löst Mann starken Symphonieorchester« siegt in den Händen Camilla Hildebrands. Das Konzert wird durch die Rundfunksender Berlin und Sönigswusterhausen übertragen werden., Falschmünzerwerkstatt ausgehoben» Oer geheimnisvolle Prägestock. Sin« Falschgeldwerkstätt wurde am Freitag vormittag von Be- amten des Sonderdezernats in einer Schrauben- und Werk- zeugfabrik in Weißens«« ausgehoben. Der Inhad« des Betriebes,«in 36 Jahr» aller Georg Langer und sein 34 Jahre aller Bruder Waller wurde» festgenommen und dem stntelsuchungsrichte« vorgesührt. Am Donnerstagabend kauft« in einem Külonialwarengeschäft in der Berliner Straße zu Neukölln ein Mann, in dem später Waller L. erkannt wurde. Zwei Bouillonwürfel und zahll« mit e i n o w öO-Psennigslück. Der Geschostsmann zahlt« 42 Pfennigs her- aus. folgte dem Kunden aber heimlich, well ihm das Goldstück osr« däcktig vorgekommen war. Und ließ ihn sind feinen Bruder, mit den» er sich traf, durch den Schupoposten festnehmen. Der Falschaeldstelle vorgeführt, veiperteN sich beide, zunächst ihren Namen anzuasben- Es gelang aber hoch, ihre Namen und ihre Fabrik in Welßensee zu ermitteln, die mehrere große Räum« umfaßt, die mit elektrisch an» getriebenen modernen Maschine» ausgestattet sind. Georg Halle sie vor etwa vier Iahren von seinem damals verstorbenen Vater über» nommen und Halle zunächst auch ausreichend« Beschäftigung. Später l ch der Gcschäsisgang zu wünschen übrig und setzt kam L, aus den Gedanken, Falschgeld zu fabrizieren. In ein« große Stanzmaschine, die Zur Herstellung von Schrauben dient, baute«r versteckt einen Präge st ock ein. Ein Hebcldruck genügt« aber, um den Präge- stock verschwinden und harmlose Schrauben aus der Maschine heraus- kommen zu lassen. Bei einer gründlichen Durchsuchung wurden mehrere hundert Stück gelochte Stangen gesunden, ans denen bv-Vsennigstücke herausgestanzt worden waren. Nach ober- släcblicher Schätzung dürften die Brüdek etwa 3000 die 4000 Stück hergestellt und In Umlauf oesebt boben. Ein buni-S und lächerliches Durcheinander holen die Gegenstände, die sie für ihr Falschgeld sinnlos erworben hoben. Haufenwe fe lernen dort Bleistifte. Lebkuchenberzt«, Seifenstückchen. Ii- garetten. Streichbölzer usw. Da« gesamte Material wurde beslsiiagnahmt und zur Falsckaeldstelle transportiert. An�esiebts be« immiderlealichen Beweis« legten die Brüder ein umfassendes Ge- stöndnis ab._ Schneesturm über DLnemar?. Ueber Looland und Falster tobt«in schwerer Schneesturm mit Windstärk« neun bis zehn. Für das K a t t t g a t t und de Ostsee mußten die Sturmsignale gehißt werken. Aus der Inlll Fünen mußt« der Eisendahnv-rkchr zum Teil oonZlich ein- bestellt werken. Auch dtr Dröhtoerkestr leidet stark« Störungen. Om Kopenbagener Hasen w'irdt e n NkotorKif-Noubau vom Sturm gegen das Bollwerk getrieben und schwer beschädigt. ».'SamorrhoiSen Da rrn« reoh!■ItanB, Aaseaftlaa, O a• e h w o r e, Oraaanerkrankang, aar Bluttelaigang Steen Sk?ool Tes uif'M) AerztUch empfohlen. Za haben in den Apotheken. Bca/efxrtiaterfal trtüx. fabiU VegetsblittZier Heilaittel. Bad ScbasdftaX.h«.
Nr. 591• 45. Iahrgang 2. Beisage des Vorwärts Sonnabend, 15. Dezember 1925 Kämpfe in der Photoindustrie. Bekommen wir auch eine monopolistische Photowirtschast? Vor einigen Monaten wurde in Berlin in der Leipziger Straße das erste deutsche Verkamsgeschöft derameritanischenKodat- 0e felis dja st eröffnet; man sprach davon, daß dieser Konzern die Absicht habe, in Deutschland nicht weniger als 2-tO Verkaufs- Geschäfte einzurichten. Es erhob sich«in Protest der deutschen Photohändler, die in diesem direkten Absag durch eine große Pro- dukttonssirma sich schwer geschädigt suhlten. Dieser Vorgong wirst ein Licht aus die sich seit einiger Zeit in der photographischen In- dustrie vorbereitenden Neugruppierungen, die einen internationalen Eharakter haben und im Lause der Zeit von großer Bedeutung werden können. Abgesehen von solchen Versuchen, unter Ausschal- tung des Handels photographische Apparate und Bedarfsartikel un- mittelbar an die Kunden abzusetzen, schließen sich in Deutschland und in anderen Landern die wichtigsten Produzenten zusammen, und es sind insbesondere zwei Gruppen, die eine außergewöhnlich« Ex- pansionslust zeigen: von amerikanischer Seile die Kodak-Gesellschaft, von deutscher Seile der 2. G. Jarbeo-Truft. Die Herstellung photographischer Artikel gehört teil» zur opti- schen und feinmechanischen Industrie, teil»— soweit«s sich um photographische Platten, Filme, Papiere usw. handelt— zur phato- t Ahnischen Industrie, einem Industriezweig, an dem verschiedentlich auch das große chemisch« Kapital interessiert ist. Vor dem Krieg« galt die photogrophisch« Industrie in Deutschland als besonders hochentwickelt, und rund 60 Prozent der damaligen Produktion gingen ins Ausland. Auch heut« ist der Anteil der Ausfuhr kaum niel geringer als damals. Jedoch scheint die Zeit, wo«in« ganze Anzahl selbständiger Unternehmen in freier Konkurrenz neben- einander arbeiten, allmählich auszuhören. Eine besonder« Rolle innerhalb diese« Industriezweig«« spielt die Rohfilmherst«llung. die sich entsprecheich dem wachsen- de» Bedarf der Splelfilmindustri« gegenüber der Dortrieg»z,st stark vermehrt hat. Hier ist, ebenso wie bei der Herstellung photo- graphischer Apparate, die Eastman Kodak Co. die größte Pro- duzentin der Erde. 2luf diese Gesellschaft einschließlich ihrer Unter- gesellschaften in anderen Ländern entfällt mehr als die Hälfte der Weltproduktian, etwa ZOO bis 600 Millionen Meter Rohfilm. Die nächstgrößte Gruppe ist die I. G. F a r b« n t n d u st r i« einschließlich der mit ihr in den Vereinigten Staaten zusammen- orbeitenden Agfa Ansco-Srupp«: ihre Gesamtproduktion wird, nachdem in den Bereinigten Staate« ein neuer Großbetrieb eröffnet morden ist, insgesamt mindesten« ZOO Willionen Meter be- tragen. Auf all« übrigen Produzenten der Erde entfallen zusammen höchstens 150 bis 200 Millionen Meter. Wie au, diesen Ziffern hervorgeht, ist die Vorherrschaft der beiden hauptsächlichsten Großproduzenten sehr stark. Die Eastman Kodak Eo� die mit etwa 27 Millionen Dollar(120 Millionen Mark) Aktien- kapital arbeitet, besitzt nicht nur in den Vereinigten Staaten Fabrikationsunternehmungen, sondern auch in Kanada(Toronto), in Australien(Melbourne), in England(London), in Japan(Osaka). Perschiedentlich bestehen spezielle Absatzgescllschasten. so für Argen- tinien. Brasilien und Mexiko, von besonderer Bedeutung ist in den letzten Jahren da, U« bergreifen diese- amerikanischen Kon- z-rn, auf den europäischen Kontinent. In Deutschland wurde die Kodak A.-G. gegründet, deren Kapital in rascher Folge von 1 auf 10 Mllionen JKark erhöbt wurde. Es fanden Derhand- lungen mit der zweitgrößten deutschen Gruppe, dem Z e i ß- I k o n- Konzern, statt, die aber offenbar zu leinem Ergebnis führte u Jedoch übernahm die Kodal-A.-G die Glanzfilm A.-G. in Köpenick, die über«In« moderne und leistungsfähige Anlage zur Rohfilmherstellung verfügt. In Frankreich hat sie ebenfalls Fuß gefaßt, indem sie der P a t h«- G ru p p« die Produktionsinteresten «ruf dem Rohfilmgebiet ablauft«. Die 2. G. Aarbenindustrie(Abteilung Agfa) hat diese Offensive der Sodak-Sesellschast vlit wichtigen Gegen- maßnahmen beantwortet. Sie vergrößerte ihre Produttians- isteresien durch den«auf der Qignose Film S. m. b. H.(9toh> filmherstellung), übernahm in München die Kamerasabnk 2L H. Rietzschel G. m. b. H. sowie vor kurzem das Münchener Fabrikgebäude der Firma W. Sedelbauer, wo in großem Umfang Massenfabrikation billiger photographischer Apparate stattfinden soll. Don ganz besonderer Bedeutung war jedoch, wohl zur Sicherung ihres beträchtlichen Rohfilmabsatzes aus dem amerikanischen Markt. die Aufnahme von Produttionsinteressen in den Vereinigten Staaten. Dar einigen Monaten wurde die Bertriebsabteilung der Agfa in New York mit einer amerikanischen Produktionsfirmo. der Ansco Photoproducts Inc.. zu einer neuen Gesellschaft unter dem Namen Agio Ansco Photoproducts Co. mit einem Kapital von 7 Millionen Dollar verschmolzen. Die Leistungsfähigkeit der Ansco betrug bei der Uebcrnahme etwa 45Millionen MeterRohfilm jähr- lich, nunmehr geht«in neuer Betrieb mit einer Leistungsfähigkeit von ebenfalls 4S Millionen Metern seiner Dollendung entgegen. Außerdem stellt dos Unternehmen auch andere photographische Ma- terialien, auch Photoapparate, her, verfügt über eine Stick- stosfanlagejjnd hat Verkaufsorganisationen In verschiedenen ameri- tonischen Städten, u. a. auch in Hollywood, dem Zentrum der amerikanischen Spiclsilmindustrie. 2n Deukschlomd spielt neben dem 2.<0- Aarben-Trust der ZeifjOkon-fionjern eine große Rolle. ein Konzern, an dem dke Firma Zeiß.Iena stark beteiligt P und der die größten deutschen Kameraproduzenten umfaßt, nämlich die Firmen Ica. Ernemann. Goerz und Contesse-N�tel. Dieser Zu- sammcnschluh erlaubt« eine scharf« Rationalisierung. Verminderung der Kaineratypen, Verkleinerung der Belegschaften usw. Das Aktien- kapital dieses Dresdener Konzerns betrögt jetzt IS Millionen Mark. nachdem das Kapital einer weiteren Firma, der A.-G. Hahn für Optik und Mechanik in Kassel, übernommen wurde. Aus dem Ge- schäftsbericht der Zeiß-Jkon-A.-G. geht ein« Steigerung des Umso tzes auf ollen Gebieten hervor: u. a. werden gegen- wärtig im Monatsdurchschnitt 600 Kinoapporate hergestellt. Trotz der Konzentrierung eines erheblichen Teil» der deutschen Kamera- Produktion durch die I. S. Farben und Zciß-Ikon gibt es in Deutsch- land noch rund SO meist kleine Kamerafabriken. Im allgemeinen scheint bisher der Borstoß der Kodak-Grupp« für die deutsch« Industrie nicht sehr gefährlich gewesen zu sein, denn die Außenhandelsstotistik zeigt einerseits einen Rückgang der Einfuhr photographischer Apparat«, andererseits eine Steigerung der Aus- fuhr, insbesondere noch einigen europäischen Ländern wie Oester- reich und der Schweiz. Rene Produktionen. In der letzten Zeit werden von der Photoindustrie eine Anzahl Neuerungen auf den Markt gebracht, von denen die Unternehmen sich gut« Erfolge versprechen, so j. B. Schmalfilmapparate für den Amateurgebrauch(d. h. für Liebhaberphotographen, nicht für die Berusskinematographie). Eine weitere Neuerung ist die Her- stellung farbiger Photographien. Nachdem die Versuche hierzu schon seit Jahren gemacht worden sind, hat die amerikanische Kodak-Gesellschaft in ihrer Stammfabrik in Rochester die Produktion nach dem Keller-Dorian-Patent aufgenommen, und es ist beabsichtigt, diese Produktion später auch in den ausländischen Untergcsellschasten einzurichten. Vor einigen Monaten wurde außerdem von englischem Kapital in London«ine Gesellschaft gegründet, die ein Patent auswertet, wonach es mit Hilfe besonderer Filme möglich sein soll, mit jedem beliebigen Photoapporat farbige Aufnahmen zu machen. Von erheblicher Bedeutung ist schließlich auch die in der letzten Zeit viel erörterte Herstellung von Photogrophenautomatcn (Photomaton usw.). doch schädigt diese neue Industrie in erster Linie die Berufsphotographen, nicht aber die Produzenten van Photoapparaten und Photomaterialien. Nachdem, wie diese Uebersicht zeigt, die Vorherrschaft in der photographischen Industrie bei einigen wenigen Großpro- duzenten konzentriert ist. widr sich zweifellos die Zusammen- schluß- und Expansionsbewegung noch weiter fortsetzen, und die Bildung monopolartiger Organisationen auch auf diesem Pcoduktionsgebiet liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit. — h. tuiöt 1929 ein Kaliverschrffungslager mit den nötigen Transport- anlogen fertigstellt, das vom Kalisyndikat pachtweis« auf 30 Jahre übernommen wird. Der Bau, dessen Kosten etwa 6 Mil- Korten Mark betragen, war schon Ende d. I. so weit fortgeschritten, daß das Kalisyndikat ihn bereits am 1. Dezember übernehmen konnte. Die Leistungsfähigkeit der Gesamtanlag«, die in ihren Ausmaßen etwa der vor wenig Monaten eröffneten Har- burger Anlage entspricht, erreicht b« der Verschiffung bi? zu 5000, Tonnen Tagesleistung, verteilt aus zwei Seeschiffe. Sie konnten zusammen nicht kommen... Keine Einigung zwischen Hapag und Lloyd. Die vor mehreren Monaten angebahnten Verhandlungen zwischen den beiden größten deutschen Schiffahrtsuntemehmungeii, der Hamburger„H a p a g" und den: Bremer.Lloyd", die auf eine Interessengemeinschaft abzielten, sind jetzt endgültig ab- gebrochen worden. Die Ursach« dieses Mißerfolges in den Eimgungsverhandlungen ist in der Forderung �der Hopag zu suchen, die aus Prestigegründen einen der beiden modert reu Ricsendampscr, die der Lloyd im legten Jahr für sich hat bauen lassen, unter allen Umständen übernehmen wollte. Da schon nach den letzten Aeußerungen des Generaldirektors Stimming vom Norddeutschen Lloyd diese Forderung für die Bremer Gesellschaft»ndiskutobel war, konnte die Erfolg- lostgkeit der Perhandlungen schon langte vorausgesagt werden. Bemerkenswert ist, daß der Leiter der Hapag, Herr C u n o, anläßlich eines Stapellaufes auf der Eihichaumerst eine Rede hielt, in der zwar die Enttäuschung über den Mißerfolg der Hapag deut- lich�zum?lusdruck kam. jedoch jede Spitze gegen den großen Bremer Konkurrenten vermieden wurde. Di« weitere Entwicklung wird zeigen, inwieweit sich Herrn Cunos Worte über den zukünftigen „freundschaftlichen Wettbewerb" zwischen den Hamburger und Bremer Großreedereien bewahrt werden. Erste Bilanz nach der Verschmelzung. Die im vorigen Jahr nach Zusammenschluß der drei westdeutschen Waggon- werk« van der Zypen u. Charlier, Düsseldorfer Eisenbahnbedari und der Killing u. Sohn in Hagen gegründete Vereinigte Westdeutsch« Waggonfabriken A.-G. in Köln erklärt in ihrem ersten SiebenmottnUabfchlvß zum 30. Juni 1928 eine D i v i- d«nde von 1 Proz. Das entspräche einer Jahresdioidendc von etwa 7 Proz. Dieses für die Waggonindustri« günstige Ergebnis ift erzielt worden, obwohl lich im Laufe des Berichtsjahres der Zu- jammenschluß noch nicht besonders auswirken konnte. Nach dem Geschäftsbericht find einschneidende Maßnahmen im Gange, um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu erhöhen. Wie der Umsatz von rund 20,4 Millionen, der einem Jahresumsatz von etwa 34 Millionen bei 11 Millionen Mark Kapital entsprechen würde,. beweist, waren die Werke der Gesellichosl noch zufriedenstellend be- lchästiat. Zu gleicher Zeit veröffentlicht die H. Fuchs W a g g o»-. . rabrik in Heidelberg ihren Abschluß für das am 30. Juni i abgelaufene Geschäftsjahr. Das Unternehmen, dos in den letzten i drei Jahren Millionenverluste erlitten hatte, und 1926 aus !«anierungsgründen einen jcharsen Einschnilt in das Aktienkapital | vornehmen mußte, schließt auch das letzte Jahr wieder mit einem Verlust von rund 167 000 Mark ab. pariser Tagung der Unlcrnationalen Rohslahlgemcinschafl. Auf der jetzt abgehaltenen Konserenz der Internationalen Roh- ! st a h l g e me i n s ch a s t in Paris rrurtte beschlossen, für das erste Vierteljahr 1929 das diesjährig« Produktionsprogramm beizu- behalten. Die von de» deutschen Mitgliedern angeschnittene Frage, den durch die Aussperrung an der Ruhr im letzten Bierteljahr nicht ausgenützten Anteil der deutschen Quote den deutschen Mitgliedern aus das erste Quartal des kommenden Jahres anzurechnen, wurden noch nicht geklärt. Die Enticheidung wurde einer besonderen Kommission überwiesen, doch ist die Annahme berechtigt, daß den deutschen Wünschen Rechnung getragen wird und die Ruhrherren sür den Prodnlnonsausfall voll entschädigt werden.— Die f r o n- zö fische n Mitalieder des Kartells, welche die Entwicklung des internationalen Elfenmarttes offensichtlich sehr optimistisch beurteilen, hatten den Aulrag gestellt, die Kesamitonnage im Produktiops- pre»gramm um 1 Atillio» Tonnen zu erhöhen. Dieser Zlnirag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die deutsch« Roheisengeivinnung im November. Wie die Zeit- Asbestzement-- gutes Geschäft. Vor einer internationalen Gründung. Der Ostdeutsche Zementtrust, di» Schlesfsch« Zement« in dustrie A.-G.. war im Lause des letzten halben Jahres b«m«r. k-nswert aktiv Dieser dem Osta-erkekonzern gehörende Trust hott« erst ,w Juli sein Einflubg«biet bi- nach Mitteldeutschland aus- gedehnt und dabei rund 2» Proz. d«r deutschen Zementsabri- kotion erlonat...... Jetzt hat das Unternehmen mit der p o l n i s ch e n Zementgruppe Firley Beziehung«« durch Akti«naustausch angeknüpft. Was daraus folgt. Ist noch unNar. Jedenfalls ist di« Gefellschast durch diesen Aktienaustausch in näher« Beziehungen zu der polnischen und damit auch zu dem in der polnischen Z-m-ntindustri« stark vertretenen b« I- Zischen Finanzkapital getreten. Biel wichtiger ift die Neugründung einer Asbest-Zement. fabrik unter Mitwirkung de- Ostwerke-Kon�rns und ouslan- bischer besonders englischer und italienischer Industriegruppen Diese Neugründung ist von Bedeutung. w«il di« Asbest-Zementproduktion. di, besondere in I t a l i e n schon in großem Umfange betrieben wird. in Deutschland bisher stark vernachlässigt wurd«. obwohl für Asbest. »ement-roß« und wirtschaftliche Verwendungsmöglichkeiten m der Bau. und Installationsindustri« bestehen. Stettins Industrie versackt. Vie«Stadt soll helfen. Di« Stadt Stettin, deren Wirtschofi»- und Arbeitsmarki- läge sich durch den kürzlich vollzogenen Abbruch der Vulkan- werft schon sehr verschärft Haft«, kommt aus den-Schwierigkeiten Nicht heraus. So hm ein zweites Großuntermhwen in Steirni. die Nähmaschinen- und Fahrnidwerk« Bernhard«toewer 2l.-G.. jetzt den Antrag gestellt, von ihrer 1200 Mann starken Belegschaft 1000 Arbeiter sofort, also ohne Jnneholtung der gesetz- lichen Sperrsrist von vier Wochen, zu entlassen. Diesem An- trag hat der Regierungspräsident nicht entiprochen. Er Hot nur die Entlassung von 8Z0 Arbeitern, die dem üblichen Saisonumschwung in dieser Industrie entsprechen würde, gestattet und die Entlassung der übrigen 6Z0 Arbeiter erst nach Ablauf der gesetzlich vor- gesehenen einmonatigen Sperrfrist genehmigt. Angesichts der äußerst schwierigen Lag«, die für die Stadt Stettin aus einem weiteren Versacken der dortigen Großbetrieb« entsteht, wurde in der gestrigen Magistratssitzung beschlossen, eine Kommission einzusetzen, di« über Maßnahmen zur Stützung der Stoewcr-Wcrk« beraten soll. Bremen als Kalihafen. Sine neue Ka!:-Esportan1age in der Weserstadt. Der deutsche Kaliexport Hot in den letzten Iahren eine bedeutende Ausdehnung genommen. Während sich die Ausfuhr über die deutschen Seehäfen 1926 noch auf nur 800 000 Tonnen bezifferte, wurde 1927 die Milliongrenze bereits fast er«dicht, und nach den bisherigen Exportergobnisscii im laufenden Jahr dürft« die Millionengrenze bei weitem überschritten sein. D«r größt« Abnehmer sind von jeher die Bereinigten Staat«« gewesen, di« von der gesamten Seeausfuhr mehr als die Hälft« aufnahmen. Da die wichtigsten Kalibergwark« zwischen Elbe und Weser sich torch Erschließung besonders ertragreicher Bortommen nach dem Wefergebier zu oerschoben haben, gewannen die Weserhäfen dementsprechend steigende Bedeutung für die Kastausfuhr über See. Die engen Interessen Bremens als Erporthalen und des dcut- schen.Kalisyndikots als Grcßexporteur führten im Ansang vorigen Jcchres zu einem Vertrag, demzufolge Bremen am i. Ja- her Aussp-rrunz der nordwestlichen Unternehmergruppe nin 73,7 Proz. gegenüber dem Vormonat zurück. Die durchschnittliche arbeitstäglich« Hochof cirprodnktio» belies sich aus 8916 gegen 32759 Tonnen im Oliober. Großes Geschäft bei Adols Sommecseld. Die Allgemeine H ä u s c r ba u- A.-G. von Adals Somincrseld, die erst kürzlich im Austrage der GagfaH 750 Wohnungen sür Leuna-Angestellte am Bahnhof Merseburg jertiggestellt halle, hat von, Landkreis Merseburg einen weiteren Großaustrng auf 1000 Wohnungen, gleichfalls für Leuna- Angestellte, erholten. Die vorgesehene Bau- lumme betrogt rund 11 Millionen Mark. Bei diesen Bauten wird die Spezlal-SchütiMmweise(System Sammerjeld-Zöllinger) angewandt, die nächstens auch nir Berliner Erchbaulen Berwendling finden wird. Die Arbeiten an der S ch n e 1 l l> a h n st r e>i e Dahlem (Thielplatz)-Zehlendors sind lo weit sorlgeschntten, daß die neue Strecke im kommenden Herbst in Betrieb aenoimne» werden kann. Der Umsatz im lautenden Jahr hat 15 Millionen Mark betragen, so daß mindestens die Vorjahrsdividendc von 10 Proz. auch sür 1928 gezahlt werden dufte. Auch die englische Aulomobili,'dustrie hat Sorgen. Nach aini- lichen Zifcrn ist der Auloinobilverbraiich in England 1924 27 zwar von 474000 auf 787 000 gestiegen. Es kommen auch heute von der enylischiii Bevölkerung Mir inebr 55,9 Personen aus ein Auto gegen über 92 Personen Im Jahre 1924. Ab r die jährliche Zu- nahm« des Autoverbranckis nimmt a b. Während der Auto- Zuwachs 1924 noch 23,5 Proz. helruo, ist er hie 1927 ständig abgesunken bis auf 15 Proz. Daß Henry Ford jetzt in England montieren bzw. produzieren will, und zwar jährlich ZilOOOO Woge», die natürlich ar.ch für den europäischen Kontinent bej-immt sind. beunruhigt di« Engländer sehr. Die„Financial News", die über diese Ding« berichtet, schließt ihr« Bemerkung mit einer nicht sehr optimistischen Feststellung. Unter den ohmalienden Umständen, so sagt sie. gibt es für die meistan englischen Automobilgesellschosien nur die Alternatioe: Verschmelzung oder Aerluste. Oesterreich erhöhl Znckerzcll und Zuckerstener. Der österreichüchc Nationalrat hat den vorliegenden Antrag der Regierung aus Erhöhung de» Zuckerzolls in zweiter und dritter Lesung angenomr.ie». Der Zuckerzoll wird damit in Oesterreich um 6 Soltkroii-ii heran' gesetzt, und bis zum Inkrafttreten des neuen Zollsatzes, dos erst nach Verhandlungen mit den in Berracht kommenden Einfuhrländern erfolgen kann, wird auch die Zuck er st euer in eutfprechemxnn Ausmaß erhöht. Di« hieraus ftießend«« MehreNrägc joven zur Förderung d«s c-inhenmschcn Rülbenbav» Verwendung surden.
Verabschiedung der Zuckervorlage. Sozialdemokratische Erklärung im Reichstag. Dar Reichstag verabschiedete gestern zunächst das Ueberein- kommen über die Sklaverei, den Schiedsvertrag mit den USA., den Jertrag mit der tschechoslowakischen Republik über die Grenzoder. das Handelsabkommen mit der Republik China und dos Handels- abkomme» mit der Südafrikanischen Union. Der Handelsoertrog mit Panama wurde in zweiter Lesung angenommen. 3n dritter Beratung wird dos Gesetz über die Aussetzung der Grundcrwcrbssteuer der Kirche(Besteuerung der toten Hand) gegen die Stimmen der Kommunisten verabschiedet. Es folgt die Abstimmung über das Gesetz betr. Fürsorge iür Saisonorbeitslose. Es wird unter Ablehnung der Abänderungsanträge in der Ausschufjsassung angenommen. Die Schlutzabstimmung wird auf Antrag der Kommunisten nament- lich vorgenommen und auf eine Stunde zurückgesetzt. Die Ausschüste für besetzte Gebiete und Reichshaushalt be- antrogen, „die Reichsrcgierung zu ersuchen, die bisher gezahlten monat- lichcn Reichsbeihilfen an die Sozialrentner, die von einem Versicherungsträger des S a a r.g c b i e t s Rente beziehen und autzerhalb des Saargebiets im Reichsgebiet wohnen, ange- messen zu erhöhen." Abg. Slöhr(Ratsoz.) behauptet, daß hier ungeheure Schlamperei und Korruption bestehe, gegen die ein Untersuchungsausschuß not- wendig wäre. Abg. Schreck-Baden(Komm.) erwidert mit der Bezeichnung der Nationalsozialisten als Hilfstruppe des Großkapitals. Der Haupt- ousschuß habe Geld für Domrestaurierungcn bewilligt, aber Hilfe für Sozialrentner und Kriegsopfer abgelehnt. Der Ausschußantrag wird angenommen. Die Erhöhung des Zuckerzolls. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über dieErhöhung des Zuckerzolls. In der Ausschußfasiung ist dem Gesetzentwurf aus sozioldemo- kratiichen Antrag hinzugefügt, daß der Veichssinanzminister den er- höhten Zoll um 10 M. wieder herabsetzen kann, auch wenn der Magdeburger Zuckerpreis 21 M. nicht übersteigt, sofern tatsächlich ein wesentlicher Teil der für den Inlandsoerbrauch be- nötigten Zuckermengcn von den Fabriken hat zu Preisen beschafft werden müssen, die unter Berücksichtigung der Fracht über 21 M. lagen. Der Ausschuß hat die Geltungsdauer de» Gesetzes bis Ende 1931 befristet, so daß am Jahresbeginn 1932 wieder der alte Zuckerzoll in Kraft tritt. Reichsernährungsminister Dr. Dietrich! Bei der Einbringung dieses Gesetzentwurfs war für die Reichsregierung neben dem Schutz der � inländischen Produktion der Schutz der Verbraucher maßgebend. Dementsprechend werden wir die Preisentwicklung aufmerksam vcrsolgen und gegebenenfalls von der uns erteillen Dollmacht Gebrauch machen. Abg. Krätzig(Goz.): Unser Versuch, die Erhöhung des Zuckerzolls zu verhindern, hat nicht Erfolg gehabt. Ein Mißbrauch der Erhöhung zum Nachteil der Verbraucher darf aber nicht eintreten. Wir Sozialdemokraten sind durchaus nicht Gegner des Schutzes der inländischen Erzeugung, wie unser Agrarprogramm beweist. Wir sind aber Gegner des Mißbrauchs des Erzeugerschutzes. In dieser Lorloge wird zum erstenmal der Versuch unternommen, einen solchen Mißbrauch zu verhindern. Deshalb nehmen wir zu ihr eine andere Haltung ein, als gegen frühere Zollerhöhungen, die eine Garantie gegen Miß- brauch zum Nachteil der inländischen Derbraucher nicht enthalten haben. Es ist unbestreitbar, daß ausländisches Kapital versucht, sehr wichtige Zweige unseres Wirtschaftslebens zu schädigen. Wir haben das größte Interesie daran, daß das nicht geschieht. Die Kommunisten verweisen wir auf die russische Wirkschafls- Politik, die z. D. einen Zuckerzoll von 59,40 Mark vorsieht. (Lebhaftes Hört, hört!) Danach sind die Kommunisten gewiß nicht berechtigt, gegen diese Vorlage und gegen uns aufzutreten. Wir wissen sehr wohl, daß mit der Zuckerindustrie auch die gesamte Landwirtschaft geschädigt wer- den würde, da Zuckerrüben eine wichtige Vorfrucht für Weizen sind. Im Jahre 192tz hotten wir eine Einfuhr von Lebensmitteln, die wir auch im Inland erzeugen können, in Höhe von VAt Milliarden Mark und 1927 von 2 Milliarden Mark. Wir l innen unmöglich Zustände einreißen lassen, die in kurzer Zeit uns meitere 100 bis 150 Millionen Mark ans Ausland zahlen lassen i'ürden. Wir werden also dem Gesetz zustimmen, zumal e» im Uusschuß aus unseren Antrag verbessert worden ist. Ich habe im '.tarnen meiner Fraktion folgende ErNärung abzugeben: „Die Ueberslutung des deutschen Marktes mit ausländischem Zucker bedroht in gleicher Weise Zuckererzcuger und Zuckerver- braucher. Eine Beseitigung der durch die kapitalistische Anarchie in der Zuckerocrsorgung entstandenen Schwierigkeiten, die auch im Interesse der Verbraucher liegt, veranlaßt deshalb die Sozialdemo- kratie, der Regierungsvorlage in der vorliegenden Fasiung die Zu- srimmung zu geben. Zum erstenmal In der Geschichte der deutschen Zollgesetzgebung sieht eine Vorloge neben dem Schuh der Erzeuger eine Siche- rung der Verbraucher vor, und zwar durch die Bestimmung, daß der Zuckerzoll von 25 M. unter den gegenwärtigen Zollsatz aus 10 M. herabgesetzt wird, wenn der Großhandelspreis für Derbrauchszucker den Betrag von 21 M. pro Zentner übersteigt. Die Zustimmung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zum Gesetz tonnte erfolgen, nachdem ihr Antrag zu Z 2 diesen Schutz der Verbraucher noch besonders sichert. Auch die tommu- n i st i s ch e Fraktion hat diesem Antrag ihr« Zustimmung ge- geben. Eine Ablehnung des vorliegenden Gesetzentwurfs durch die Sozialdemokratie hätte die Gefahr heraufbeschworen, daß ein Gesetz -ustonde gekommen wäre, das mit Hilfe hohen Zolls unbegrenzte Preissteigerungen auf dem Zuckermartt hervorgerufen hätte. Durch die im Gesetz vorgesehene Maßnahme der Stabilisierung des Zuckerpreises werden die deutschen Verbraucher vor dieser drohenden schweren Schädigung bewahrt. Aus diesem Grund« stimmen wir der Vorlage zu." Abg. Blum(Z.): Der Zuckerrübenbau fängt an, unrentabel zu werden, das beweist schon der Rückgang der Anbaufläche. Auch die Zuckerfabriken haben abgenommen. Gerade die Kleinbetriebe sind im Zuckerrübenbau vorherrschend und haben Interesse daran, daß er ausgebaut wird. Ebenso die Arbeiterschaft. Deshalb muß er gegen die ausländische Konkurrenz, namentlich gegen dos t s ch c ch o- slowakische Dumping geschützt werden. Die Mehrzahl ineiner Freunde hätte den Vorschlag des Reichswirtschastsrats vor- gezogen, da ein plötzliches Herunterschnellen des Zolls von 25 auf 10 M. schwere Wirkungen haben kann. Um jedoch ein« Majorität zu gewinnen, haben wir uns einverstanden erklärt. Wir b e- halten uns vor, nach den Ferien aus die Sache zurückzukommen und eventuell Anträge zu stellen, aber wir empfehlen die Annahme der Regierungsvorlage. Abg. hörnle(Konim.): Der Entwurf bringt nicht, wie der Er- nährungsminister behauptet hat. einen Ausgleich der Produzenten- und Konsumententnteresien, sondern bedeutet eine neue Masienbe- lastung. Die Sozialdemokratie stellt sich schützend vor das Wucher- kapital. was in Sowjetruhland geschieht, kann nicht verglichen werden mit dem schmutzigen Ausbeuterstaat Deutschland.(Präsident L ö be mahnt, doch parlamentarische Ausdrücke zu gebrauchen.) Sowsetruß- land hat da» volle Recht, sich mit wirtschasllichen Mitteln ebenso zu verleidigen, wie mit politischen und militärischen. Wir stellen den grundsätzlichen Antrag, daß Zucker zollfrei ins Land kommt. Abg. hamkcns(D. Dp): Di« zu niedrige Zollfestsetzung für Zucker hat zu diesem überstürzten Gelegenheitsgesetz geführt. Wir stimmen ihm zu, behalten uns aber für später seine Verbesserung vor. Abg. Stubbendorsf(Dnat.): Wir begrüßen nnt Genugtuung, daß auch die Sozialdemokraten dem Schutz der Zuckerwirtschaft zu- stimmen. Sehr bedenklich ist die Verbindung eines Zolls mit der Preisfestsetzung, da» Ist ein erster Schritt zur gebundenen Wirtschast, für die eine Pichryeit hier nicht vor- Händen ist. Abg. Tanhen(Dem.): Bedenklich erscheint uns die Festsetzung eines Inlandszuckerpreises ohne Rücksicht auf den Weltmarkt- preis und auf die R ü b e n e r n t e. Die UnHaltbarkeit dieses Versuchs wird sich bald herausstellen. Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Vorrmanv(WP.) und Geraver(Bayr. Vp.) erklärt Reichsernährungsminister Dietrich: Mit der Vorlage ist eine Zwangswirtschast keineswegs beabsichtigt, eher droht eine solch« Ge- fahr von privaten Vereinbarungen. Wir hoffen, daß die Dereini- gungen der Zuckerproduzenten mit der Regierung zusammenarbeiten werden, damit dieses Gesetz durchgeführt werden kann. Die Vorlage soll auch dazu beitragen, die Beteiligten außerhalb des Reiches all- mählich zur Vernunft zu bringen, und schließlick, durch eine internationale Zuckerkonvention die Mißstände zu beheben. Nachdem die Abgg. v. Sybel(Cbrnat. Bauernp.), Meyer-Han- nover(D.Hann.) und Gandorfer(D. Bauernp.) erklärt hatten, trotz ihrer Bedenken der Vorloge zuzustimmen, wird ein kommunistischer Antrag, den Zuckerzoll auszuheben, gegen die Stimmen der Kom- munisten abgelehnt und mit dem gleichen Stimmenverhältnis das Gesetz verabschiedet. Annahme der Gaffonarbeiterfürsorge. In namentlicher Abstimmung wirb nun der Antrag der Demokraten und der Deutsche« Volks- Partei, an Stelle des Regierungseatwurfs über die Fiürsorge für Saisonarbeiter eine« anderen Gesetzentwurf anzunehmen, mit 221) gegen 189 bei 5 Enthaltungen abgelehnt, in einfacher Abstimmung wird darauf die AuSschußfassung gegen die Flügel- Parteien äußerst links und rechts angenommen. In der wiederum namentlichen Schlußabstimmung wird das Ge» setz mit 278 gegen 138 Stimmen bei 6 Enthaltungen angenommen. Es folgt der kommunistische Antrag, die Reichsregierung zu er- suchen, die am 14. Januar 1929 fällige zweite Hälfte der sur die Ablösung der örtlichen Sonderzuschläge an die in Frage kommenden Beamten zu zahlenden Abfindungsbeträge noch vor dein 25. Dezember auszuzahlen. Der Ausschuh beantragt Ablehnung. Abg. Torglcr(Komm.): Obwohl der Antrag nicht«ine Mehr- bclastung des Reiches bedeutet, sondern nur ein« Vorauszahlung um drei bis vier Wochen, hat der Finanzminister im Zlusschuh die Durchführung für unmöglich erklärt, während 40 Millionen für den Ankauf der Schichauwcrke vorhanden sein sollen. Der Ausschußantrog wird mit knapper Mehrhest angenommen. (Rufe der Komm.: Schiebung!) Entsprechend dem Antrage des Geschästsordnungsausschustes wird die Genehmigung zur Strafverfolgung der Abgg. Dr. Frick(Notfoz.), Thälmann(Komm.). Lind(Dnat.), Münzenberg (Komm.) und Buchmann(Natsoz.) wegen Beleidigung oder pollti- scher Vergehen versagt. Eine Petition des Fabrikanten Hübenthal in Waldbröl um 100 000 M. Schadenersatz, die trotz mehrfacher Ueberweisung durch den Reichstag an die Regierung bisher nicht berücksichtigt worden ist, wird ihr zur Berücksichtigung überwiesen. Das Schankstöttengesetz geht nach Ausführungen des Abg. Diekrich-Berlin(Komm.) an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß. Der Soziale Ausschuß beantragt, einen Antrag der Kommunisten abzulehnen, wonach die Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner sowie alle Fürsorgebercchtigten eine Winterbeihilse von 30 M. für die Hauptunterstütziingscmpfänger und 10 M. für jeden Unter- haltsberechtigtcn, Empfänger von Waisenrente 10 M. erhalten. Abg. Schneider-Berlin(Dem.): Die einmalige Spende wäre keine wirksame Hilfe und würde«ine schwere Belastung der not- leidenden Reichskasse sein. Die Fürsorgemoßnahmen schassen in Notfällen den erforderlichen Ausaleich. Abg. Gräs-Dreeden(Komm.) sucht diese Begründung zu entkräften. Zur Abwehr gemeindlicher Mehrleistungsbeschlüsse von Stadtvertretungen haben in jüngster Zeit die Bürgermeister beson- dere Zweckverbände geschaffen. Abg. Moldenhoucr(Vp.) weist auf die sehr hohen finanziellen Kosten einer Durchführung des kommunistischen Antrags hin, die nur durch starke Beitragserhöhung oder durch Beanspruchung von Reichsmitteln aufzubringen wären. Ein« Vereinheitlichung �der Sozialversicherung würde Ersparnisse und dadurch einen Ausbau ermöglichen. Gegenüber einem neuen sozialdemo- trotischen Antrag wollen wir die durchaus bewährte paritätische Verwaltung in der Angcstelltenversicherung beibehalten. Abg. Karsten(Soz.): Dem kommunistischen Redner gegenüber stelle ich fest, daß die sozialdemokratische Fraktion auch in der Zeit als sie Opposition war, niemals Anträge auf Weihnachrsbcihilfe für Notleidende gestellt hat. (Zuruke der Kommunisten: Winterbeihilse verlangen wir!) Ein- malige Gaben ändern an der Hilssbedurftigkeit aar nichts und können nicht die Wirksamkeit haben, die man ihnen zuschreibe Statt einmaliger Unterstützungen sollte man durch Rentenver» b esse rung dauernde Wirkung erzielen. Nach dieser Richtung haben wir uns auch in diesem Jahre bemüht,«ine Verbesserung der Invalidenversicherung zu erzielen. Wir wollen hier k«in« Komödie spielen. Wenn sich irgend ein« Möglichkeit ergibt, solchen Anträgen Rechming zu trogen, dann muß beim Wiederzusammen- tritt des Reichstages etwas dafür geschehen. Abg. Dr. Moldenhaucr bat erklärt, die Wirtschast könnte eine Höhere Beitraasleistung nicht ertragen. Räch unserer Meinung ist dl« deutsche wirlschafl v?r- pflichtek und in der Lage, dafür zu sorgen, daß dle Leuke, die ihr Leben lang gearbeitet haben, im Alter und in der önvalidikäl ein erträgliches Dasein führen. Jede Erhöhung b«r_ Invalidenrenten kommt vollständig dem Inlandkonsum zugute, während die Ein« nahmen der reichen Leute zum großen Teil in ausländischen Bädern verpraßt oder für Einsuhrwaren aus dem Auslande verbraucht werden. W«nn den Angestellten das Recht gegeben ist. sich besser gegen Arbeitsunfähigkeit und für ihr Alter und für ihre Hinter- blieben«» zu versichern, darf den Arbeitern dieses Recht nicht oersagt werden. Die Arbeiter sind bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn sie dafür eine vernünftig« Versicherung erhalten. Weil heute bci der Invalidenversicherung nicht über ein versicherungsfähiges Ein- kommen von 36 M. pro Woche hinausgegangen werden kann. schaffen die Arbeiter sich notgedrungen elne Zusatzversiche- rung in den Gewerkschaften. Allerdings müssen sie da 100 Proz. Beitrag zahlen, während m der Inoalidenversicherung die Unternehmer 50 Proz. zahlen müssen. In unserem Antrag. gegen den sich Dr. Moldenhauer gewendet hat, verlangen wir eine maßgebende Mitwirkung der Organe der Selbstverwaltung an der Angestelltenversicherung. Wir wollen dort Demokratie, wir wollen nicht, daß«ine Minderheit dir maßgebende Rolle spielt und wollen auch nicht, daß die Bureaukratie ausschlag- gebend ist. Wir wünschen, daß aus den Anträgen möglichst bald etwas Positives wird, damit die Angestellten sehen, daß im Reich?« tag Leute sitzen, die sich für die Interessen der Versicherten mit aller Kraft einsetzen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Locke(Wirtschp.) erklärt, daß die Wirtschaft, namentlich der Mittelstand, neue Soziallasten nicht tragen könne. Abg. Slöhr(Ratsoz.) unterstützt das Verlangen nach einer Weih- nachtsbeihilfe. Ein Antrag der in der Regierung vertretenen Parteien mit Ausnahme der Volkspartei will den Rcichsarbeitsminifter ersuchen, dem Reichstag baldigst das Ergebnis einer Prüfung vorzulegen, ob die folgenden Aenderungen in der Angestellten- Versicherung möglich sind: Erhöhung des Grundbetrages und des Kindergeldes, Anpassung des Steigerungsbetrages an den Prozentsatz in der Invalidenversicherung, Herabsetzung der Altersgrenze. Verkürzung der Wartezeit. maßgebend« Mitwirkung der Versscherten ln den Organen der .SelbOverwaltung. Der kommunistische Antrag wird abgelehnt, der Antrag der Regierungsparteien gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volk-partei und der Wirtschoftspartei angenommen. Um 147 Uhr ist die Sitzung zu Ende. Nächste Sitzung: Sonnabend abend 10 Uhr. Verfassungsanirag der Vottspariei. Einstweilen nor Malerial für die Oi6?ufsion. Die Reichstagsfraktton der Deutschen Bolkspartei hat den Antrag eingebracht, Artikel 54 der Reichsverfaisung dahin zu ändern: Der Reichskanzler und die Reichsminister bedürfen zu ihrer Amtsführung des Vertrauens des Reichstages. Bei Beginn der Amtsführung und jeder Wahlperiode ist dieses Vertrauen durch einen Mehrheitsbeschluß des Reichstages festzustellen. Ein« Zweidrittelmehrheit des.Reichstages ist erforder- lich, wenn der Relchsregierung oder dem Reichstanzler oder einem der Reichsmimster das Vertrauen wieder entzogen werden soll..Es• genügt einfache Mehrheit, wenn der Antrag auf Entziehung des Vertrauen» in Derbindung mit der Schlußabstimmung der dritten Lesung des ordentlichen Haushalts eingebracht wird. In Artikel 85 sollen an Stelle der Absätze 4 und 5 folgende Vorschriften treten: Der Reichstag kann im Entwurf des Haushaltsplanes ohne Zustimmung der Reichsregierung und de» Reiche- rotes Ausgaben nicht erhöhen oder Neu einsetzen. Dergleichen Zustimmung bedürfen Gesetze und andere Beschiiisie des Reichstags, welche eine Erhöhung der Im laufenden HaushaltSF-sctz vorgesehenen Ausgaben zur Folge haben. Ergibt sich im Laufe eines Haushaltssabres auf Grund der' Ergebnisse eines Vierteljahres, daß die Eingänge aus Steuern und Zöllen den Doranschiag um mehr als 10 Proz. übersteigen, so sind die Mchreingänge bis zu 10 Proz. zur Verminderung des Anlcihc- bedarses oder zur Schuldentilgung zu verwenden. Der die Mehr» «tngöng« um 10 Proz: übersteigende Betrag ist im Lause des Haushaltsjahres zurückzulegen und bei Ausstellung de» folgenden Haushaltsplanes zur Steuersenkung zu verwenden Die Zustimmung der Reichsregierung und des Relchsrates kann gemäß den Vorschriften des Artikels 74 ersetzt werden. Diese Grundsätze über die Ausgabenbewilligung sollen sinngemäß auch bei den Ländern, Gemeinden uftd Gemeinde- verbänden durchgeführt werden. Hier wird ein keineswegs glücklicher Versuch unter- nommen, die Entwicklung des parlamentarischen Systems und der Finanzwirtschaft in starre Formen zu pressen. Er wird auf absehbare Zeit ohne Wirkung bleiben. Und das ist kein Schaden. Denn es kommt weniger darauf an, die Verfassung zu ändern, als darauf, sie vernünftig an- zuwenden.
Sonnabend •15. Dezember 1925 Unterhaltung unö ÄAissen Beilage des Vorwärts Der alte Don. Von Ignat Herrman». (Schluß.) Legt sah Don, daß es sich um absolut keinen Scherz handelte. Sein Herr war schon weit, sein Herr ließ ihn hier mit einem fremden Menschen, nahm sich seiner nicht an, und dieser fremde Mensch drohte ihm mit Prüqel. Da bemächtigte sich Dons ein leises Weh, ein Weh, daß tx beinah geweint hätte, wenn ein Hund weinen könnte. Sein treues Hundeherz krampfte sich vor einem bisher unbekannten Schmerze zusammen. Zwar fühlte es Don schon seit einiger Zeit, daß sich �in geliebter Herr nicht ihm gegenüber so betrage, wie es einst der Fall war, aber vielleicht noch niemals hatte er zu ihm so mürrisch gesprochen wie heute, und noch niemals hatte sich ein fremder Mensch erlaubt, ihn so anzuschreien, wie heute dieser sonderbare, unsreund- lirhe bärtige Mann, und außer seinem Herrn hatte ihm noch niemand mit der Kardätsche gedroht, denn niemand besah dazu ein Recht. Und wenn der Herr manchmal drohte, so scherzte er«her; denn �on kannte seine Pflichien und gab niemals einen Grund zu Prügel. So dürsten vielleicht die Gedanken Dons gewesen sein. Es staubte nur so unter den Füßen der Jagdhunde, wie sie um ihr« Herren freudig herumtollten, zu seinem Ohr drang die Stimme und das Gelächter der Jäger, aber dem alten Don war zu Tode bange. Die Gesellschaft schwand aus seinen Augen. Erst jetzt kehrte �on zurück, und total ermüdet, als ob er tatsächlich mit der häßlichen Kardätsche geschlagen worden wäre, steuerte er heimwärts. Aus der Eosche hingen ihm kleine Quellen voll steifen Speichels herab, gleich- law gläsern, verzogen sich aus der Erde und sammelten den Staub auf sich fest. Don aber steuert« schon nicht mehr auf den Dahnhof und Perron, sondern schlich sich durch das Hintertor in den kleinen Hos hinter dem Hause. Dort zog er seinen elenden Körper unter der Dank zusammen und sah stumpf dem Tanz der Hühner auf dem Kehrichthaufen zu. Cr liebte dieses Gesindel niemals, aber heute haßte er es geradezu. Wie konnte dieses Pack so lustig sein, während er so ein großes, grenzenloses Leid wie wohl kaum sonst noch ein Hund erfahren hatte. Wie sie ihn verachteten! Und sein Herr hatte ihn sogar verleugnet! Diesmal kümmert« sich Don nicht einmal ums Fressen. Und es rief ihn auch niemand zum Mittagstisch. Der Herr wies ihn ab, und hier vergäße» sie seiner. Steht es dafür, und istg eine Lust, veiterzuleben? Die Stunde» oergingen, die Signalglocken schlugen«intönend, die Züge brauste» ans der Ferne heran und näherten sich, die Lokoiuotine» Zischten und schnaubte», die Kamin« spien Wolken stinkende» Rauches, der Lärm und das Getös« der Züge verlor sich wieder in der Ferne, aber Don machte den Eindruck, als ob«r von all dem nichts hären würda. Er lag unbeweglich in seinem versteck. nicht» erregt« ihn. Die Sonne neigt« sich gegen Thein, die Ober» stäche der Deraun erglänzte von einer rotgefärbten Flut, auf die ferne Drda legten sich blaue und graue Schatten, und die Dämmerung senkte sich herab.------------ Do horch! Au» der Fern««scholl Gebell, ein doppelte», ein dreifaches. Und schon dringen auch menschliche Laut« zu Dons Ohren. Räher und näher komint die Jägergesellschoft, die sich vormittag auf die Jagd begeben hatte. Don hob unter der Donk den Kopf in die Höhe, sein« langen Ohren erzitterten. Schon unterscheidet er auch seine» Herren Stimme, die fröhlich, zufrieden klingt. Die Jäger kommen mit einer guten Deute zurück. Don hebt sein Haupt höher und höher, als ob er überlegen würde. Soll er den Herrn begrüßen? Endlich rafft er sich von seinem Lager auf, und zögernd tappt er über den Hos. Im ve'men Tor« bleibt er stehen und traut sich nicht weiter. Sein Herr sieht ihn sa und wird ihn doch rufen.— Doch der Herr sieht ihn nicht und ruft ihn nicht. Schon kommt die ganze Gesellschaft unter lebhaftem Gespräche durchs Dahnhofe- gebäud«, die Prager Herren verabschieden sich vom Herrn Dorstond, helfen den Hunden in den Wagen, steigen hinter ihnen mit einem Teil der Jagdbeute ein. der Zug setzt sich in Bewegung, fein Getöse «Nid Brausen tönt schon entfernter, bi» es gänzlich in der Still« des Abends verschwindet. Jetzt wird der Herr sicher zu Don kommen, ihn zu sich rufen «nid ihm zeigen, was er heimbracht«. Don hat ein großes Leid erduldet, aber«in freundliches Wort des Herrn wird ihn versöhn«,, und sie werden wieder gute Freunde sein. Wer er wartet heut« vergebens auf den Ruf. Der Herr steigt geraden Wegs in den Stock hinauf, müd von der Jagd, und wird sich heute nicht mehr sehen lassen. Gedrückt, kläglich heult Don und kehrt dorthin zurück, woher er kam, legt sich schwerfällig nieder, krümmt sich zusammen und legt den Kopf auf die Vorderpfoten. Ach, wie anders war es„gestern", als er mit seinem Herrn von der Jagd zurückkam und für seine De- «niihung einen schmackhaften Dissen als Lohn bekam. Riemand, »iemand kommt schon mehr zu ihm. Es wurde dunkel. Jetzt erst werden einige Schritt« vernehm- bar, schollen über den dunklen Hof, steuern zur Bant und Mariens Stimme ruft: „Wo bist du. von? Da hast du— und friß. Bestie! Und auf der Erde rumpelt eine alte Kaserolle mit Dons Nachtmahl. Die Nacht vergeht,-ine lange, dunkle, unendlich- Nacht. Früh kommt Marie, um die Kaserolle mit d«n Frühstück zu süllen. Sie schaut auf das Geschirr, schlägt die Hänl* zusammen �vu genäschige» Luder, nicht eimnal angerührt hast du'si Steh aus. du Faulpelz!" �..... Wer an diesem Morgen stand der alte Don schon nicht mehr aus. Jetzt erst merkt« Marie, daß der Hund nicht wie sonst zu» 'ammengeksuert liegt. Sein Körper ruht auf der Seite, und all« Piere hat er von sich gestreckt. Doch Don hört schon nichts. Er öffnet nicht mehr die Augen. hebt keinen Kopf, nicht einmal ein Aederchen bewegt sich an ihm Marie streckt unwillkürlich die Hand nach dem Hund: aus, a. er plötzlich packt sie eine Scheu. Sie erkannt, daß Don tot sei. erschrickt, reißt die Hand sort. rasst sich zusammen und eilt hinauf; „Gnädiger Herr, Don ist verendet, er ist schon ganz ftar.. lind so war'» auch. Don Hot« in dies« er erkannt-. daß er von allen verachtet wurde und auf der Welt ubenlu sia le, sein« treu« Hundeseele ausgehaucht. «k««tl«t» llebttsetmia am im«t 3- Zieuma-w.) Die alten Kalendermacher. In früheren Zellen waren die Kalender fast die einzige Literatur. die der großen Masie der Bevölkerung zugänglich war. Hinter den Kalendern trat selbst das Gesangbuch zurück. Dies war besonders im 17. und 18. Jahrhundert so. Die Kalender aus diesen beiden Jahrhunderten sind bessere Dokumente der damaligen Volk-fitten und geben«ine genauere Uebersicht über den Bildungestond der breiten Masse als andere Aufzeichnungen. Nirgends kommt so deut- lich zum Ausdruck, daß die groß« Mehrzahl der Bevölkerung noch im 18. Jahrhundert in mittelalterlichen Anschaungcn befangen war, und nirgends wird deutlicher, daß auch in diesem Jahrhundert Aberglauben, Barbarei und Unwissenheit die Richtschnur des Lebens waren. Die,„Kalendermacher" früherer Zeiten waren wohl immer Menschen, die auf irgend eine Weise aus einer Gelehrtenlaufbahn hinaus gedrängt worden waren, entlaufene Studenten, deklassierte Pastoren, Mediziner, Juristen usw. Trotzdem hotten sie einen Einfluß auf die Doltsmassen, wie ihn heute kaum die meistgelesenen Journalisten haben. Sie begnügten sich auch nicht damit,- ihre Namen auf die Titelseite des Kalenders zu setzen, sondern sie fügten nach lang« monströse Titel an, wie„der göttlichen Wahrheit Lieb- habcr", sie stellten sich vor als Männer, die„allen Wirkens Kraft und Samen" In sich tragen, und noch lieber gaben sie sich lateinische Titel, die zwar kein Meirsch verstand, die dem„Äalenderinacher" aber doch ein hohes Ansehen gaben. Auch die Namen der Kalender waren recht eigenartig und ent- sprachen dem rohen, barbarischen Text. Es gab Not-, Jammer-, Tod-, Mord-, Kriegstalender usw. Häufig hießen sie auch Türkenkalendcr, oder sie trugen«inen volkstümlichen Namen, wie ,her lustige Bauer", der ehrbare Handmerkomonn" und ähnliche Namen. Ein ftolender des 17. oder 18. Jahrhunderts wäre nicht vollständig ge- wesen und hätte nicht den geringsten Anklang gesunden, wenn darin nicht Berichte über die ungeheuerlichsten Mordtaten, über Kriege, Pestilenzen und furchtbare Verwüstungen durch Naturereignisse, Heuschreckenplagen, gewaltige Feucrsbrünste vorgekommen waren. Ob diese Nachrichten Täuschungen' waren oder nicht, darum küm- mert« sich niemand, die Hauptsache blieb immer eine recht blutrünstige und schreckenerregende Darstellung. Die Türken'alender enthielten die gräßlichsten Schilderungen über das Auftreten der Türken in den verschiedensten Ländern und brachten Prophe- zeiungen, daß der Türke bald wieder ins Land konmien und scheuß- liche Derwüstungen anrichten werde. Meistens waren den Kalendern auch Bildnisse beigegeben, ganz roh bearbeitete Holzschnitte, chie sich eng dem Text anschlössen und die ebenfalls allerlei schreckliche Ereignisse darstellten. Da sah man, wie eine wütende Soldateska Kinder erwürgte und Frauen vergewaltigte, eine weite Lands chast kahl gefressen durch riesige Heuschreckenheer«,«in« Stadt, über deren Häusern die Flammen zusammenschlugen und aus deren Toren die Einwohnerschaft in wilder Flucht zu entkommen suchte. Man sah Schlachtfelder, die mit Toten und Verstümmelten übersät sind, Schisse, die infolge einer Explosion in die Luft fliegen. In anderen Kalendern sind große Kometen abgebildet, die ge> fürchteten Weltzerstörer der damaligen Zeit. So ein Komet, der demnächst auftreten sollte, verwandelte nach diesen Kalendern die ganze Erde in ein einziges Flammenmeer und sollte den Welt» Untergang bringen. Auch medizinische Rotschläge, die freilich alle dem Aberglauben entsprangen, Wetterregeln und Sterndeutungen durften in den Kalendern nicht seh!««. Es war genau vorgeschrieben, an welchen Tagen die Menschen Abführmittel einzunehmen hatten. wenn sie sich schröpfen lasten mußten, es war angegeben, welche Arbeiten bei zunehmendem oder abnehmendem Mond oerrichtet werden sollten. Die Konstellation der Namen führte den.Lalender- macher" zu den entschiedensten Folgerungen. Nicht nur viele Ergebnisse in Haus und Hof» Krankheiten, Geburten, Todesfälle wurden aus der Stellung der Namen erklärt, auch Ereignisse im staatlichen Leben, Kriege und Auffiände wurden damit in Zusammenhang gebracht. Jeder Monat hatte nach den alten Nolksanschauungcn «ine Beziehung auf die Menschen, die darin geboren waren. Je unheimlicher und grausenerregender die Voraussagen für das kommende Jahr wäre«; desto mehr hatte der„Kalendennacher" Aussicht, die Konkurrenz zu schlagen, und desto mehr fand sein Kalender Abnehmer. Meistens vertrieb der„Kalendennacher" fein Erzeugnis in eigener Person. Von Stadt zu Staitt, von Dorf zu Dorf ziehend, pries er feine Kalender an. Auf jedem Jahrmarkt, bei jeder Kirchenweihe, auf jeder größeren städtischen oder ländlichen Festlichkeit war auch mindestens ein.Lalendermacher" an- wesend. Als Rsklamemittel bedien!« sich dieser seiner Stimme und eines Plakates mit einem fchrsckenerregenden Holzschnitt. Kamen auf einem Jahrmarkt mehrere„Kalendermacher" zusammen, so be« gann zwischen ihnen ein wilder Kamps um die Gunst des Publikums. Die Kalendermänner belegten sich mit den massivsten Schimpf» Wörtern, und oft blieb es auch nicht dabei, es begannen Prügeleien wobei Kalsndermönner und Kalender in den Schmutz flogen. Im allgemeinen scheint das Kälendermachen gar nicht so unlohnend gc- wesen zu sein, denn viel«„ftalendermocher" übten diese Tätigkeit jahrzehntelang aus. Mars in Erdnähe. Von Ariur Gtentzel. Jetzt wiederum, wie stets nach einem durchschnittlich 2 Jahre 50 Tag« währenden Zeiträume, befindet sich der Planet Mars in größterCrdnähe: sein Abstand von der Erde betrögt 87 Mil- lionen Kilometer, das sind 0,58 der Entfernung Sonne— Erde(140,5 Millionen Kilometer), die als„Astronomische Einheit" gilt. Die Erd- nähe des Mars tritt immer ein, wenn der Planet der Sonne gerade gegenüber, in O p p o s i t i o n, steht, also Sonne, Erde, Mars in einer Linie sich befinden, doch fallen beide Termine infolge der Bahnlage beider Planeten gewöhnlich nicht zusammen. So ist uns Mars dies- mal zwar schon am 15. Dezember am nächsten, gelangt aber erst am 21. Dezember in Gegenschein. Wegen der starten Exzentrizität der Marsbahn, die mtt 0,09 nächst der Merkurbahn(0,2) am größten von allen Planetenbahnen ist, zum geringeren Teil auch wegen der Crdbohnexzentrizität schwankt nun der Abstand des Mars bei seiner ieweiligen Erdonnäherung sehr bedeutend, zwischen 55,7 Millionen Kilometer im günstigsten Fall« und 100,2 Millionen Kilometer im ungünstigsten Falle. Am 22-/23. August. 1924 erreicht« Mars seinen überhaupt möglichen geringsten Abstand von der Erde, wie er im ganzen 20. Jahrhundert nur dieses eine Mal eintrat, am 3. März 1933 wird dagegen der Mars in seiner Opposition fast am weitesten entfernt bleiben, bis dahin verschlechtern sich mithin die Verhättnisi«. Da Mars nur ein Siebentel des körperlichen Inhalts der Erde besitzt und sein Durchmesser mit 6770 Kilometer nicht viel mehr als die Hälfte des Crddurchmesier», 12 756 Kilometer, beträgt, erscheint uns seine Scheibe in der immerhin noch recht ansehnlichen kleinsten Entfernung gegenwärtig unter dem Winkel von nur 16 Bogen- sekunden. Entsprechend den starken Schwankungen des Oppositions- abstandes wechselt naturgemäß auch der scheinbare Durchmesser des Mars sehr stark, nämlich zwischen 25,1 und 13,8 Bogensekunden: 1924 wuchs er auf den ersten Wert an. 1933 wird er aus 13,9 Se- künden zusammenschrumpfen und 1939 erneut auf 24,1 Sekunden anwachsen. Daß auf einer so kleinen Planetenscheibe Einzelheiten sehr schwer zu erkennen sind, ist leicht zu verstehen. In der Tat bedarf es auch vorzüglicher Instrumente, einer völlig klaren Luft und längerer Uebung im Marsb�obachten, um Feinheiten wi« das Liniennetz, die sogenannten Kanäle, wahrzunehmen oder gar zeich- nerisch festzuhalten. Weniger schwierig zu sehen sind einige der großen dunklen Flecke, der mutmaßlichen Meere, sowie die glänzen- den Polarffeck«. In dem langjährigen Streit um die Existenz der „K a n ä l e", die manche Astronomen durchaus als optische Tau- schungen hinstellen wollten, sind schließlich doch die Beobachter jener Linien.«>e zu erwarten war, Sieger geblieben. Wir haben uns eben mit dem Vorhandensein dieses Morsrätsels abzufinden, auch wenn wir es nicht zu losen vermögen. Aehnliches gitt von den hellen Polorflecken, deren Analogie mit den polaren Eisgebietcn der Erde von vielen energisch in Abrede gestellt wurde. Heute wisien wir, daß es aus anserem Nachbarplaneten ebenfalls Schnee und Ei» gibt. Seitdem es gelungen ist, die Oberflächentemperatur der ver- schiedenen Zonen de» Mars annähernd genau zu mesien und nach- zuweisen, daß die Wärm« am Tage nicht erheblich unter der Wärme auf der Erdoberfläche zurückbleibt und nachts tieser sinkt, laßt sich die Möglichkeit eines gewisten organischen Daseins auf dem Mars nicht mehr in Abrede stellen. Uebtr den Stand seiner Ent- Wicklung können selbstverständlich nur Vermutungen ausgesprochen werden, der Phantasie sind aber hier bestimmte Grenzen gezogen. Bielleicht«eicht das Leben auf Mars in mancher Beziehung nicht allzu sehr von dem aus Erden ab, denn auch den Mars umgibt«in« dünne wofserdampfhalttge Atmosphäre. Sein Jahr ist allerdings 1,88 mal so long als das Erdenjahr, ebenso jede seiner vier Jahreszeiten. Da die Neigung des Marsäquators gegen die Bahncbene 25,6 Grad beträgt, also nur wenig größer ist als die des Erdäquators. 23,3 Grad, gleichen die Marejahreszeiten den irdischen fast vollkommen. Wer den Mars beobachten will, sei es mit einem Fernrohr oder auch mit freiem Auge, dem bietet sich jetzt während der ganzen Nacht Gelegenheit hierzu. Im Sternbilde der Zwillinge steht er als prächtig strahlender Stern, sofort kenntlich an seiner lebhaft raten Farbe, abends am Osthimmel, um Mitternacht sehr hoch im Süden und gegen Morgen im Südwesten. Er bildet mit den beiden Hauptstsrven der Zwillinge, Eostor und Pollux, als Basis(links) ein spitzwinkliges Dreieck. Vom Ochsenwagen zum Flugzeug. Einer der letzten Pioniere, die einst im'Ochsenwogen zur Be» siedlung Nordamerikas auszogen, ist jetzt mit Ezra Weeksr in Seattle gestorben. Dieser Veteran der amerikanischen Geschichte, der 97 Jahre alt wurde, verkörperte in sich die ganz« Entwicklung des Verkehrs, denn er hat den nordamerikanischen Kontinent zuerst im Ochsenwagen und dann 75 Jahre später im Flugzeug durchquert. Vor 77 Iahren gab Meeker seinen Posten als Drucker in Indianapolis aus und machte sich mit seiner jungen Frau im Ochsenwagen auf den Weg, um in Iowa sein Heim zu gründen. Aber ein unge- wohnlich strenger Winter überfiel sie in Iowa, und so zogen sie, mit einem sieben Wochen alten Kind, weiter nach Oregon. Nach einer Reis« von vielen Monaten langten sie endlich in Portland an, wo damals die ersten Ansiedler mit dem Urwald und den Rothäuten kämpften. Meeker erlebte den Aufstieg des Landes in Oregon mit. und im Alter von 76 Jahren entschloß er sich, die Fahrt isuer durch den Kontinent im Ochsenwagen noch einmal zu unternehmen, diesmal nicht aus grimmer Notwendigkeit, denn er hätte ja auch mtt der Eisenbahn fahren können, sondern um das Andenken an jene Pioniere von neuem zu beleben. Er zimmerte drei dieser alteil Planwagen, die sich noch erhalten hatten, zusammen, bespannte sie mit seinen Ochsen und fuhr nun von Küste z» Küste, 22 Monate lang, von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Aber mit 95 Jahren wagte er noch«ine andere Durchquerung, durch die er dem Geist« der neuen Zeit huldigen wollte. Er reiste im Flugzeug von Seattle noch Washington, und zu der Fahrt, für die er mit seinen Ochsen 22 Monate gebraucht hatte, genügten jetzt 24 Stunden. Anllkcg Theater mit 20 000 Sitzplätzen. Dr. T. Leslre Shcar, Professor an der Universität Princetown, entdeckte kürzlich bei Aus- orabungcn im Gebiet des allen Corinth«in riesiges Theater mit 20000 Sitzplätzen, dos seit fünfzehn Jahrhunderten im Schott«, der Vergesienhett ruht. Da» Amphitheater ist ein Bauwerk von 130 Meter Durchmesier, dessen Stufen sich 30 Meter über dem Boden der Orchestra erhoben. Co ist aus Sandsteinen und Marmor erbaut. Die Mauern waren mtt Frestobildern bekleidet� die Szenen aus de» Wettspielen darstellten. Es liegt auf einem Hügel, der nach dem Golf von Corinth hin abfällt und von der Akropolis beherrscht wird� Dr. Shear legte gleichzeitig außerhalb der Mauer der Altstadt ein« Begräbnisstätte aus dem fünften Jahrhundert v. Ehr. frei, deren Sarkophag««in« große Zahl von Gegenständen au» Bronze und kostbare Basen bergen. Gleichzeitig entdeckte er auf der Seit« de» Hügels etwas tiefer ein zweites Amphitheater von geringeren Ausmaßen.
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14. Dezember 1928 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 120 M. gezogen 2 Gewinne zu 30000 208746 2 Gewinne au 2000 a 60825
8 Gewinne au 800. 61768 143594 143922 268053 16 Seminne ju 500 2.7841 67982 115949 118373 151949 244633 257748 314562
106 Gewinne u 400. 1008 3625 37750 47770 50093 72013 79588 84702 87208 92334 97259 100419 103150 111237 114953 119207 127802 136334 189573 143257 146788 146835 150696 165245 172649 181831 194633 195228 197039 205778 206093 217980 219350 224619 233773 289384 255919 264111 265113 274970 306016 309865 315952 821407 524485 327933 327848 332447 340789 341637 345010 356744 389217
252 Gestane at 240 t. 616 967 2514 2648 6151 7178 9504 10058 11058 16797 18186 18561 22614 23279 32567 36783 37340 38500 39280 39844 41124 44979 46358 48342 49321 49675 82852 55556 56614 61307 61840 61946 62007 65920 70600 74712 76374 77906 78837 79581 83970 91528 102899 113128 115994 121487 124571 129724 134494 139336 140644 142691 149138 150904 155299 155621 156876 163780 167169 169914 172228 172384 174613 173940 176050 176808 180548 180868 187574 207080 210956 213213 214151 215714 221016 223069 229654 229678 229721 230222 231756 232828 234067 234755 235844 240220 244803 251592 264856 270032 280361 280965 281748 281817 288187 293506 298093 298140 302052 314323 314972 316244 322248 322323 323445 326591 828368 329749 333310 335743 342455 353048 353907 357400 358567 359076 359524 368511 369486 372120 379525 380685 384368 390383 390598 399541
In der Nachmittagsziebung wurden Gewinne über 120 M. gezogen
4 Gewinne zu 3000 m. 2089 392578
2 Gewinne gu 2000 9, 300187
6 Gewinne gu 1000. 3185 128742 315858
22 Gewinne a 800 m. 73914 133075 137297 149593 162708 178163 216825 220805 266589 281193 354660
22 Gewinne au 500. 23557 103639 135072 177105 239341 268939 296139 326805 354330 362456 392911
80 Gewinne su 400 m. 19167 34002 38014 50287 50769 79377 106202 113872 126797 134136 140183 153136 202508 207630 212149 212511 216620 221059 241771 253740 258000 258148 263320 264805 278428 288098 288591 290106 298564 305247 312857 323906 324507 346227 347166 356704 356797 357815 390194 395603
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312
744
276
485 321
488 721
128
622
689
Erdbeben in Westdeutschland. Erschütterungen in der Eifel, in Kö.n und Nachen.
Donnerstag gegen 10% Uhr abends wurde in Stoln und Aachen ein leichter Crofto perspürt. Das Aachener Dbfervatorium gibt allerdings als Zeitpunkt des Grbstoßes 20,38 Uhr an, alio 8% Uhr. Der Stoß habe eine Dauer von 8-8 Setunden gehabt. Die Säufer
zitterten, als ob ein schwerer Bafitraftwagen Dorüberfahre.
Das Grobeben trat besonders im Norbtal der Eifel start in Er ideinung. Unmittelbarer Schaden wurde im Dürener Begirt nirgends festgestellt. Im Stadttheater in Düren entstand eine gewiffe Banit. Die Zuschauer auf den oberen Rängen sprangen bon den Stzen auf, doch fonnte das Bublikum bald wieder beruhigt werden. Auch in perfchiedenen Sälen der Stadt, in denen Borträge gehalten wurden, murden die Zuhörer unruhig. Einige ängstliche Bersonen suchten die Ausgänge zu gewinnen. On den Eifelorien Kreuzau, Maubach, Rideggen und Heimbach war der Stoß lo start, daß die Häufer ergitterten und schwere Möbelstudeins Banten gerieten
Die russische Revolution.
Große internationale Sportkundgebung
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am Sonntag, dem 16. Dezember, 13.30 Uhr: Arbeiter- Fußball- Länderspiel - Deutschland unter
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Im Poststadion, Lehrter Straße 57-63 Für den Anschlußgedanken werden sprechen die Abgeordneten: Dr.Julius Deutsch u. Volkert, Wien, Artur Crisplen u. Franz Künstler, Berlin Sportler, Arbeller, Angestellte und Beamte! Gestaltet das Fußballspiel zu einer mächtigen Kundgebung für den Arbeitersport und den Anschluß.
Berbebegiet Seltowlaral: Die filz heute angefegte Gigung des Bezbe besit soorstandes fällt umständehalben aus. Werbebeziz Bidenberg: Gröffnung des Beihnachtsausftedung ta Seine
Morgen, Sonntag, 16. Dezember:
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Sanja: 10 Uhr Ueben mit den Rinderfteunben bei Bergen- Storben: 9 Uhr Theaterprobe im Gminemünder Gesellschaftshaus, Cwineminder Etr. 42. Webbing: Besuch der Ausstellung file Arbeitermehlfahrt Steffpunte 8 Uhr Bahnhof Webbing, Sinbower Straße. Reutilin 1: Ereffpunkt sum Befud bes Webetter chugmuseums 10 the Reutes plat Rieberstoneweiber, Heim Berliner C. 1. 10 Uhr Uaben für bos Weihnachtsfpiel. Tempelhof urb Marienborf: 3m Seim Tempelhof, Get. man aftr. 4-6. 19 Uhr: Punter Abend. Berbebezir Mentola: Seimabens in Seim Steinmegftraße. Ausgestaltung burch Abt. i. Tolfisi.bend". 19%-22 Uht.
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Das Jeft der goldenen Hochzeit begeht am 15. Dezember anfer lang. frau Auguste, geb. Steuer, Beidenweg 4, in feltener Frische.
In einem Bortragszyklus behandelt Brof. Abramowitsch Parteinachrichten
bor den Neuköllner Genossen die Borgeschichte und den Ber fauf ber ruffifchen Revolution
Auf dem ersten Bortragsabend, der am Montag im städtischen Gaal in der Bergstraße stattfand, behandelte ber Referent die fo. zialen unb politischen Kämpfe in Rußland, die der Revolution vorausgegangen sind. Die ruffischen Berhältnisse find grundverschieden von denen der westeuropa( den. Rußland hatte eine mittelalterlich feubate Agrarwirtschaft und eine Bauernschaft, bie leibeinen mar. Die Bauernschaft versuchte zwar mit Terroraften die Knechtschaft abzuschütteln. Da sie aber gar nicht das Feudal. fyftem tannte, es nicht gedanklich erfaffen konnte, war sie nicht im fonde, entscheidende Kämpfe um hie Neuordnung ber Staatsmacht zu führen. Der Bauer tonnte Repolie machen aber eine Revolution. Er steckte den Gutshof in Brand, wie b'e fchlefilter Beber einit die Meitinen pertrümmerten. Die Intellektuellenschicht, bie Drganisatoren. die in Handel und Industrie eindrangen. waren bie ersten, bie Initiative erifalteten und ihre soziale Funktion er tannten, Gs mor b'e Ghidi. hie vorbereitend für die Revolution wirkte. In der Erkenntnis, ok fie allein als fleinste Schicht im Staat shrmächtig ist genen die Millionen Bajonette der ruffifchen Armee, fuchten fie b'e aetnechtete Bauernichaft mitzureiken. Auf die Dörfer murden Agitatoren gefickt, die Bauernaufstände entfachen follten. Die Miffioren Bauern fetten helfen, den Rarismus zu ftürzen. Die für Mele Mufcabe georündete Draanisation Land und Fre helt lofte fich aber hold mieher auf, weil der Erfofa ausblieb. Die 2. Dr. ganisation.Boltsfreiheit hatte mehr terror ftischen Charakter. Diefe Draanisation führte has attentat auf Rar Alerander II. cus, mußte aber einsehen, daß durch derartige Terrarnfte nit bas Eritem aeändert merten fann. Erft als in hen ruichen Stäbten Induftriebetriebe entstanden, wuchs hie fozialistische Bewegung.
Der Bortran mor pacend umb fefferte von Anfang bis zum Ende. In folmem zweiten Bortrag wird der Referent die Spaltung ber ruffifchen Sozialdemokratie in 202 enfchemiten und Boffmewiten und Berlauf und Endergebnis der Revolution behandeln
Amundsen Gedächtnisfag in Norwegen.
Delo, 14 Dezember.
Um 12 hr mittags ftodte heute ber gefamte Bertehr, ble Rirchengloden ertönten, und die Menschen auf den Straßen ber harrien 8 mei 2inuten lang fmeigenb mit entblößtem Haupt in ehrenbem Gebenten an ben großen Sohn bes Bandes, Amundsen, der Don dem Berfuch, Mobile Hilfe zu bringen, nicht mehr zurüdgelehrt ift. Regierung und Bott haben für blefe Gebächtnisfeier ben 14. Dezember gewählt, well dies der Tag ift, an dem Amundsen im Jahre 1911 ben Südpol erreichte. In allen Schulen fanden Amundsen- Feiern statt.
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ftets an bas Bezirksjefretariat Sot, 2 Step. rechts, au richten.
Bezirksvorstand.
Heute, Sonnabend, 15. Dezember, 18 Uhr, Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes im neuen Vortragsfaal, Lindenstr. 3, 2. Hof. 2 Treppen linfs.
Heute, Sonnabend, 15. Dezember:
2. Rreis Tiergarten. Achtung, Abteilungsleiter! Die von ben bteilungen bestellten Bücher offmanns Erzählungen fönnen Conntag, vormittags Don 10-12 he beim Genoffen Bauer, Stepbanfte. 22, abgeholt werden.
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35. Abt. 10 Uhr bei Guezlomiti, Greinerftr. 88, Sufammenkunft der Beth nachtskommiffion. 41. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich an der Internationalen Sportfundgebung um 13 Uhr im Toftstab on, Sehrter Ste. 57-63. Treff puntt diefem 8med mittage 12 Uhr Rolat Schufter, Chamissoplas 5. 84. Abt. Charlottenburg. 12 Uhr Treffpunkt füz Bofftabion a bez Gotz. Towity- Bride( Anschlußtundgebung.) 3. bt. Schöneberg. Wir beteiligen uns an ber Sportveranstaltung im Toft fabian, Treffpunkt 12 hr bet ros, Gebenfte. 17. Die Beihnachts fammenfiften müssen bis fpätestens Mittwoch, 19. Dezember, beint Genoffen Pauhoff, Estenstr. 39, abgerechnet wetben,
84. bt, Santwig. Die Gensifinnen und Genpffen beteiligen fich an dem Unter. balting sabenb bes Seijsbanners Baź Behmann, Raifez- ihelm Straße 29-51, um 20 Uhr.
133. bt. Segel. Die Genoffen fammeln fich are Snternationalen Sportfumb gebung im Toftftabion, Bebates Gieße, an bet Endhaltestelle bet Straßen Babu. bfahrt 12% Uhr.
Arbeiterwohlfahrt. Achtung, Seneffex xub Genoffinnen! Siehung ber ebeltermoarte. Lotterie i em 17. b 18. Desember, Gabgiltige brachung muß noches exfolgt feix
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Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Sergarten. Am Conntag, dem 16. Dezember, üben wir mit ber ebeite fugend zufammen um 10 Uhr bef Berges, Zemegom Gde Jagomstraße, unfer Weihnachtsstil.
Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation
b. Charlottenburg. Ant Rittmod), 12. Dezember, Decftech nad) Tangem Selben unfere Genoffin Amalie Gouls, Chre ihrem Anbenten. Gin
dicherung heute Connabend, 15. Dezember, 1914 Uhr, im Strematorium Wilmers bort, Becliner St 101-103.
Dachstuhlbrand in Berlin W. Durch ein Großfeuer murde geftera nachmittag ber Dachstuhl des Borderhauses Bamberger Straße 36 zerstört. Die Gefahr wurde erft befannt, als ein großer Teil ber Bobenkammern, in benen niel Berimpel tagerte, lichterio brannte. Die starmierte Feuerwehr, bie unter Beihung des Dber branddirektors Gampp mit vier Bügen anridie, mußte gabirelemben, 16 be, im Reeaetorium Geridirasa Slaugleitungen größten Kalibers in Tätigteit fetzen, um ben Branoherb su tofalifieren. Der Dachstuhl des Seitenfiigels mir menig in Weideibenschaft gezogen worden. Der& ben ist fehr bach, ba eine aus mehreren Simmern bestehende kan arben
in bosfarben. Chye feinem andenlos, Cinderung em Dienstag, ham 18. Se
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Ein 71jähriger Zeitungshändler folgefahren. Beim Ueberschreiten bes fahrbammes an ber Gde Friebrich und Krausen. Ueber Die Arbeiterfragen in Amerita" sprach traße murde gestern abenb um 21 1hr ber 71jährige 3eitungsris Zarnom, ber auf einer Chubtenreise mit Bertretern des banbier Rudolf Bobes aus ber balbertstraße 71 bon einem DGB. Wirtschafts- und Sozialprobleme bes Bandes studiert hat. Autobus ber Zinie 4 überfahren. Die Feuerwehr tonnte den Interessant war an seiner Darlegung vor allem, wie die Wirtschaftss berunglüd'en Greis nur noch als ei che bergen. Den utobus führer bes Banthes fich zu den Sohn und Gehaltsfragen ftellen führer foll nach Beugertaussagen feine Schuld an dem Un- Es dürfte bei uns im allgemeinen wenig bekannt fein, baß auch die giudefall treffen, ba bes aite Mann dirett in das Fahrzeug bin ein Unternehmer in merite zum größten Teil für at Sabuftuie, Berwaltungen, Beberben up, helfen bas größte Hehal ber gelaufen i babe Arbeiterlohne find, well fie missen, baß mir ber gutbezabite Arbeiter konsument der reichen 23arenproduktion des Bandes fein tann. Der Wirtfchaftsausschus des Sentralen Industriellonverbandes gab ein Gut cchten ab für Beibehaltung der Gitmanderungsbeschränkung in die Bedürfnisse die Löhne druiden und dadurch den Abjat der nicht lebensnotwendigen Waren reduzieren. Auch unsere Wirtschaft wird sich zu dieser Erfenntnis von bem biretten Zusammen hang zwischen Löhnen und Wohlstand des Landes aufschwingen müssen, wenn der Arbeitsprozeß ihrer immer mehr rationalisierten Betriebe nicht zum Leerlauf fommen soll. sehr hübsches Mandolinentonzert brachte der Mandolinentiub Sonate", ber in seinem Programm in weiser Beschränkung mur
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triebe zu Tubventionieren, bie Tebensunfähig feien. Eine solche Braris fei unter der töniglichen Regierung ublic gamefen; die jeßige Regierung aber lehne fie ab. Die Dit preußen, die in diesem Buntt ebenso nüchtern dächten mie er, merden aber in Herrn Baeders Rede vergeblich Syinmeife fuchen, wie er die Mitiel für seine Hilfsaftionen beschaffen will. Es fei zu bebauern, daß gerabe aus dem Dften die Sandarbeiter ständig abe mandern; aber has jet ber Tatsache zuzuschreiben, daß noch ebenso mie früher polnische Arbeiter an Stelle der beimischen befäftigt werden Würden die Deutschnat ona en ihr Agitations. bedürfnis zurückstellen, so würben sie bamit der Landwirtschaft mehr bienen als bisher.( Lebhafter Beifall bei ben Regierungsparteien.) Rach einer persönlichen Bemertung des Abg. Baeffer( Dnat.) wird die weitere Aussprache über ben Haushalt auf Sonnabend, den 15. Dezember, vormittags 10 Uhr, Dertagt.
Der Verkehrsfriede im Often. Böllerbundtommission soll Litauen und Polen einigen. Lugano, 14. Dezember.
Der Bölferbunbsrat hat heute vormittag unter Zustimmung des fitauischen Ministerpräsidenten Woldemaras und bes pol mishen Außenministers 3alesti beschloffen, den beratenben technichen Ausschuß für Verkehrs- und Tranfiütfragen mit der Borlage eines Berichts über die praktischen Maßnahmen zu beauftragen, die zur Behebung der zwischen Bolen und Litauen bestehenden Ver febrshinbernille und zur Abschwachung ihrer internationalen Rüdwirtungen getroffen werden können. Begründet wird dieser Beschluß mit dem Artikel 23 des Bölterbundspattes, in dem sich die Bölkerbundsstaaten verpflichten, die für die Gewährleistung der Freiheit des Verkehrs und Durchgangsverkehrs und für eine gleich. berechtigte Behandlung des Handels aller Bälterbundsstaaten nötigen Maßnahmen zu treffen. außerdem wird in bem Beschluß darauf hingewiesen, daß bereits die erste Bölferbunds bersammlung ben beratenden Berkehrs- und Tranfitausschuß beaufragt hat, pee'gnete Maßnahmen zu prüfen und vorzuschlagen, die 3u jeber Zeit die Freiheit des Verkehrs und des Durchgangsverkehrs ficherstellen
Bur politischen Seite des polnisch- fitauischen Problems wird in Nem heutigen Beschluß des Rates an ble feierliche Erklärung tauens vom 10. Dezember v. 3. erinnert, wonach es sich nicht mehr als im Kriegszustand mit Polen betrachtet unb zwischen beiden Bändern also Friede herrscht. Andererseits merten die feierlichen Erklärungen des polnischen Bertreters wieder. holt, monach Polen bie politische Unabhängigkeit und unversehrts heit des Gebietes ber litauischen Republil anerkennt und refpetttert.
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Abschluß in Lugano- aber fein Ergebnis.
Cagano, 14. Dezember.( Eigenbericht.) Die diesmal sehr ausgedehnten Privatbesprechungen ber Rheinland und am Reparationsproblem intereffierten Ratsmächte fanden am Freitag mit einer zweiten Dreierzu. fampentunft und einer zweiten Unterredung der Bertrater Stalins und Englands einen gewiffen Abschluß. Bon beutfcher Seite wird nochmals betont, daß die Besprechungen
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gebracht häiten und gar nicht hätten bringen fönnen, da es mur Besprechungen, aber feine Berhandlungen waren. Uus Grof cis Gefamtbild, daß birifichulich ber Skontrollfomain Beliau ber Raumung, noch feine Cinigung erzielt werben tonnte. Dulchand vertritt in biefer rage nach wie vor ben Standpuntt, ba teineriel Rontrolle nad 1035 bistutabel fel. Die Berhandfangen fiber bie Räumung unb bie Bufamunenfegung Rantrofommilton follen unge fabr gletagettig mit Bufarumentritt ber Reparationsjad verständigen, ber mitte Januar erwartet wird, auf diplomatischem Bege fortgefekt Januar ermariet wird, auf biplomatischem Bege fortgefekt Stresemann wies Journalisten gegenüber die Behaup. tungen einiger Blätter, bas bie Rebe Hermann Müllers merend in Bugano gemirft habe, enifchieden zurüd. Er jel mit Miter vollständig einverstanden.
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Paris verfugt, Girefemann gegen Müller auszuspielen.
Barts, 14. Dezember.( Elgenbericht.) Der Temps" übt scharfe Stritit an der Rede Hermann üffers und zeigt sich über die Einmütigkeit erstaunt, mit welcher die deutsche Bresse von rechts bts lints bie teste Rebe bes Ranglers gebilligt habe. Man habe dadurch den Eindrud, daß ell ich das deutsche Wolf hinter seinen Führer stelle; indeffen fet diefe elem rednerische Rundgebung Hermann Müllers zum mindesten in. Enne opportun gewefen, da fie zwangsläufig die Resultate, bie man in icher Lugano für erreicht hielt, fompromittieren muiffe. Die Ertiärungen über den 2nfluß zeugten zum mindesten davon, daß es dem opf mit der fonderbaren Feststellung, daß es nüglich wäre, zu wiffan, ob die wahren Gebanten Deutschlands in den Besprechungen mi stresemanns oder in den öffentlichen Rundgebungen Hermann Müllers zu finden feien.( intmori: fiehe vorige Mel. rudung aus Bugano. Red. d.„ 23)
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Kriegsbeil ausgegraben.
Boliviens 3ndianerarmee.
La Paz, 14. Dezember.
Die Raufhelden.
Basammlungsvabot? Da prüjeln wo uns von jet ab in Zivil, vaffehfte?!"
Gesetzesschutz für Wahlen.
Wirtschaftlicher Boykott und gesellschaftlicher Verruf im neuen Strafrecht.
Der Strafgefeßausschuß beriet gestern die Straf.| Da handle es fich häufig um Angehörige einer Schicht der befizenden bestimmungen, welche gegen ben 3 wang bei Bahlen Klaffe, bie sich vor bem Vorurteil threr Stafte freigemacht hat. Gerabe und Abstimmungen gerichtet sind. Nach§ 104 des Entwurfs soll der in solchem Falle sei ein strafrechtlicher Schuß notwendig. jenige mit Gefängnis bestraft werden, der mit Gewalt ober durch gefährliche Drohung oder durch Drohung mit einem wirtschaft lichen Nachteil oder einem anderen erheblichen Uebel jemand nötigt oder hindert, überhaupt oder in einem bestimmten Sinn au wählen.
Abg. Höllein( Komm.) trat für den sozialdemokratischen Antrag ein. Befonbers auf dem Lande fpiele die Boykottierung der Kleinbauern burch bie Junter eine große Rolle und deshalb folle man der sozialdemokratischen Anregung Folge geben.
Abg. Ehlermann( DBp.) wünscht nur den Berruf, der öffentlich ausgesprochen werbe, bestraft zu sehen.
Abg. Wegmann führt aus, daß der fozialdemokratische Antrag ihm burchaus symphatisch set. Er fürchte nur, daß man bei der AusMog. Marum( S03.) begründete ehnen foglaldemokratischen Er weiterungsantrag, der dahin geht, daß auch bei Drohung mit einem wirtschaftlichen oder gefellschaftlichen Berruf Bestrafung eintreten foll. Er woles darauf hin, daß Wahlen und Ablegung zu weit geben tönne. stimmungen vor aller Bedrohung mit 3wang geschüßt werden müßten, um die Freiheit der Wahl zu garantieren.
Abg. Hanemann( Dil.) wendet sich gegen den fozialdemokratischen Antrag, der doch wohl nichts anderes fet als eine Leg Reubelt, zu deren Erlaß nicht der geringste Grund vorliege. Auch der Abg. Zapf( DBp.) wendete sich gegen Strafen für gesellschaftlichen Berruf. Damit würde nur einer Schnüffelei Tür und Tor geöffnet merben. Der gesellschaftliche Berruf habe nichts mit bem Strafrecht zu tum.
fogiaibentafratischen Antrag schon die Drohung mit einem werbe. Das würde besonders bei Rammunalwahlen zu über aus unerquidlichen Folgen führen,
Reichsjuftigminifter Soch ertlärte su den fogialbemofratischen Antrag, das unter Umständen auch schon der in diesem Antrag betroffene Tatbestand von der Reglerungsvorlage gebedt werde.
Minifteriafrat Schäfer legte bie totwendigkeit der Bestimmung bes$ 104 auf Grund der Bargänge bar, bie fich beim 23oIts Damals jai bäufig dem Arbeiter, per fig is die Cifte eintrage, Cnt begehren zur Fürstenenteignung abgespielt botten. fei in laffung angedroht worden.
Abg. Hergt( DiL' macht geltend, daß man doch nur den Berruf bestrafen könne, der unmoralisch sei.
Schäfer nom Preußischen Juftigminifterium trat für die Regierungsvorlage ein. Die von einzelnen Rebnern an der Formufierung bes§ 104 geübte Stritif evtlärt er als unbegründet. Die Regierungsvorlage stelle sich das Ziel, die Bahltämpfe zu
entgiften.
Der Ausschuß befchloß barauf,§ 104 und den damit zufammenthängenden§ 107, bem Lustguß zu überweisen.
$ 105 droht Gefängnisstrafe bemjenigen an, ber burds
& uldung bewirth, baß jemand nicht ober anbers, als er will.
oder ungültig wählt aber ftimm
Sn bar Debatte zu dem Baragraphen wirb feftgestellt, bağ nicht fox bann eins fixafbare Handlung vorliegt, wenn jemand fich über bas Brogramm einer Bartel täusche, forbern erft wenn jemah b anbers wähle, als er wolfe. 2les, was der Willensbildung norausgehe, fel ausgefchaftet Strafbar fet mur, wenn jemand 3. 2. Stimmzettel für eine andere Bartei unterschiebt. Schließlich wird einen anderen, bar beutschnational zu wählen entschloffen ist, ben
auch§ 105 bem Unterausschuß überwiefen.
Abg. Rosenfeld( So.) trat den Cirenbungen gegen den fnzial. Die folgenden Baragraphen, die von der Bestegung und bemokratischen Antrag entgegen. Es fai caratteristich, daß bersebeätigung bei Wahlen und Abstimmungen handeln, fomie bie Abg. Bapf, ber geitern bei bar Frage bes Schußes nor Bersaman Baragraphen, die die Verhinderung einer Wahl ober 2bstimmung Lungssprengungen nicht weit genug habe geben tönnen, in ber und die Berlegung eines Abstimmungsgeheimniffes betreffen, Förberung von Strafbestimmungen, die fich in erster Linie gegen murben nach ber Regierungsvorlage angenommen. bie Arbeiter richieten, heute der gesellschaftliche Berruf unter Strafe gestellt werden foll, Bebenten habe, zu scharfe Bestimmungen in das Gefeh hineinzuschreiben. Wo es gegen bie Arbeiter gehe, fei Herr Sapf durchaus nicht zurückhaltend, wo aber der gefeil, faftliche Berruf getroffen werden foll, fei er ganz anders.
Der Nachtragsetat im Reichsrat. Doppelvorlage zum Etat des Statistischen Reichsamts.
Der Reichsrat bewilligte gestern den Nachtragsetat für das Jahr 1928 mit den Abstrichen, bie bie Ausschüffe vorgefchlagen hatten. Es handelt fich bei diesem Etat hauptsächlich| um die noch fehlenden Berfonalien bes Etats für 1928. Für neu geforderte Stellen tommen insbesondere die Versorgungsämter, das Statistische Reichsamt, bas Reichsversicherungsamt mit at neuen Senaten und das Patentamt in Frage. Durch Immanblung ber Gefandifchaften follen neue Botschaften in Argentinien, Bra. filien und Chile eingeridtet werden, ferner eine Gefandtidjaft erfter Stlaffe in Peru, endlich vier Generalfonsulate erster Staffe, barunter foldje in Danzig und Rattomis, unb jedhs neue Konfulate, 3ur Durchführung der fogenannten minifterial perfeffung foll die Zahl der Ministerialräte und Oberregierungsräte je um einige dreißig, die Zahl der Ministerialamtsmänner um etwas über 80 vermehrt werden. Für das Reichsinnenministerium ist ber Nachtragsetat von besonderer Bedeutung, ba ab 1. April 1920 die Arbeiten des aufzulösenden Reichskommissariats für öffentliche Sicherheit mitübernommen werden müssen, und außerdem die Befür Kommunalpolitit amet neue Aufgabenfreije schaffen. Finanzminifter Dr. Hilferbing erklärte sich im Namen der Reichsregierung mit den Abstrichen der Ausschülle einverstanden, mut Condon, 14 Dezember.( Gigenbericht.) Ausnahme der Abstriche im Etat des Statistischen Reichs. Die im Laufe des Freitag in London aus La Paz und amis, beffen an und für sich bedeutungsvolle Arbeit angesichts der cunfion eingetrofenen Meldungen scheinen auf eine Ent- bevorstehenden Reparationsverhandlungen an weitreichender Ber. pannung zwischen Bolivien und Paraguay hinzubeuten. In der antwortung noch zunehme. In diesem Puntt werde die ReichsregieBresse von La Paz spiegelt sich eine ausgesprochene Ernüchte. rung wieber. Es scheint, daß die Boliviregierung einer frieddie Beilegung des Konflittes mit Hilfe des Bölferbundes der Bermittlung einer omeritanischen Regierung vorziehen.
Obmohi bas Kriegsfieber im allgemeinen abgenommen zu haben ien, baben 50 000 Quincha und Amara Indianer fich freiwillig um Dienst an der Grenze angeboten. Diese Haltung wird von der Breffe hoch anerkannt, bie bie Meinung vertritt, tie Indianer amtürben im Falle eines Krieges einen machtoollen, vielleicht entfätüffe der Länderkonferenz und die Schaffung einer Zentrale icheidenden Fattor bilden.
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Ruhe fehrt wieder ein.
Der nordamerifanilche Staatssetretär& ellogg bat eine außer orbentfiche Sigung ber panamerikanischen Schiedsgerichtskonferenz einberufen, bie Mittel umb Bege finden foll, um den Ausbruch eines Arieges amischen Bolivien und Paraguay zu verhindern.
rung eine Doppelvorlage einbringen.
Eine Entschließung der Ausschüsse, in der die Reichsregierung.
§ 111, der bem Gericht bas Redt geben will, bie misfähigkeit und das Wahl- und Stimmrecht abzuerkennen, wenn eine Be ftrafung wegen Bergehen bei Wahlen und Abstimmungen vorliegt, fast einstimmig gestrichen.
Weiterberatung im Januar.
Ein vielumstrittenes Buch.
Arabellas Opferung" eingezogen.
Die Große Giraftammer des Landgerichts II batte unter Borfis von Pantgerichtsbirettor Ohnesorge, bem sich als Schöffen ein Berlagsbuchhändler und ein Fleischermeister sugefallen, gestern als Stunfttammer zu fungieren. Zur Verhandlung fand der Antrag der Staatsanwaltschaft III auf Beschlagnahme des im Verlage von Sorodisch u. Marg erschienenen Buches Arabellas Opfe rung", beffen Berfaffer der Schriftsteller A. M. Frey ist. Das wir damals be Schöffengericht Charlottenburg hatte. richieten, anerkannt, daß das Buch trotz feines einen rein feruellen Borgang in traffester Form behandelnden Inhalts als Kunstwert gu bewertet fet, und das Buch freigegeben. Gegen dieses Urtelt hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Staatsanwaltschaftsrat Berger- Landefeld beantragte bie Beschlag nahme des Buches. Rechtsanwali Dr. Slee hatte dem Gericht eine große Zahl von schriftlichen Gutachten namhafter Autoren überreidt, bie aber in der fünfilerischen Bewertung des Buches und über die Frage seinas tmzüchtigen Charatiers widersprechend urteilten. Bor Gericht wurden als Sachverständige vernommen Georg Engel, ber Borsigende des Kunstausschusses beim Polizeipräsidium, und Dr. Döblin. Ihre Darlegungen hinsichtlich ber Behandlung des beitien Stoffes im allgemeinen fielen für das Buch nicht besonders günstig aus. Uneingefchränttes Lob zollte dem Verfasser vom Standpunti der Grau aus bie Schriftstellerin Ella Federn- Rothaas. Nach mehr stündiger Beratung fom die Straffammer zu dem Urteil, baß das Buch„ Arabellas Dpferung" einzuziehen und die Blatten und Sonnen unbrauchbar zu machen feien.
Sepp Derter ist einem Herzschlag erlegen. Derter war in feiner blattes zu acht Jahren Buchthaus verurteilt worden. Nach dem
ersucht wird, für den Luftschiffbau 3eppelin aus verfüg- Jugend Anarchist und wegen Berbreitung eines anarchistischen Flugbaren Mitteln Beihilfen in Höhe von amei Millionen Reichsmart noch im laufenden Rechnungsjahr bereitzustellen, wurde an genommen.
Der Vorlage betreffend Erhöhung des 3udergoils aunt 3mede einer Betämpfung des ausländischen Dumpings wmurhe zu geftinumt
Umsturz wurde er 1918 Mitglied des Arbeiter und Soldatenrates in Braunschweig und später Ministerpräsident. 21s feine Be ftechungsaffäre, in die auch der befannte Otto Otto aus Berlin ver bächtigt war, befannt wurde, wurde er aus der linabhängigen fozialbemokratischen Partei ausgeschlossen. Er wandte sich dann ber völtischen Bewegung zu, ohne dort Einfluß zu gewinnen,
Reaktionäre Utopien.
Rundgebung der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände.
Die affentliche Rundgebung der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, über die wir weiter unten berichten, brachte eine Reihe von langen Reden, die aber feinen Gedanken enthielten, ben man nicht schon von dieser Seite gehört hätte. Daß die Bereinigung gegen die fogenannten 3 wangsschiedssprüche ist und in diesem Sinne eine Reform" des Schlichtungswesens ver
fangt, ist bekannt. Neue Argumente wurden auch gestern nicht ge liefert. Man tann doch nicht die Zahlen, die Herr von Borsig anführte, als Argumente gelten laffen.
Benn Zahlen alles beweisen, so müßten zunächst die Zahlen des Herrn von Borsig bewiesen werden. Er nannte unter anderem die Zahl von 24 Milliarden Sozial, Reparations- und Steuerlaften, bie alljährlich die deutsche Wirtschaft aufzubringen habe. Bielleicht ist Herr von Borsig so freundlich, im einzelnen anzuführen, wie fich biele an Inflationszeiten gamahnende Zahl errechnet. Dagegen fei bie Rapitalbildung von 12 Milliarden heutigen Goldmert in der Borfriegszeit auf 3% Milliarden gefunden. Auch hier wäre eine nähere Aufklärung sehr erwünscht.
Diese Zahlen dürften auf demselben Niveau stehen, auf dem die Behauptung von dem ertraglofen Bergbau und der un. rentablen Metallindustrie steht. Wenn Herr von Borsig hinzufügt, daß der Wohnungsbau nur durch Steuermittel über Baffer gehalten werden fönne, so wird er wohl nicht behaupten wollen, daß die Baustoffabrikanten und die Bauunternehmer nichts verdienen. So lange die große Maße der Arbeiter in Deutschland fo elend entlohnt ist, daß fie nicht die Mieten aufbringen fann, bie bei einer freien Wohnungswirtschaft eintreten mürben, muß schon der Staat den Wohnungsbau sicherstellen, den die private Wirtschaft nicht durchzuführen vermag. Es nimmt fich baber sehr gut aus, wenn diefe unfähigen Wirtschaftspolitiker, die uns die Inflation mit ihren verheerenden Folgen beschert haben, in hochfahrendem Tone die Mitbestimmung der Arbeiter. fchaft bei der Wirtschaftspolitik ablehnen.
Der zweite Rehner fuchte miffenfchafilich" zu begründen, mas in ben programmatischen Leitfägen und in der Rede Borsigs als Zuffaffung der Bereinigung vertündet ist. Freilich passierte bem Herrn Brofessor babei das Unglück, daß er die wissenschaftliche Be gründung für ein freies Unternehmerium", bas unbeeinflußt von Zwangsmitteln sein müsse, zu liefern hatte, aber gleich zu Beginn feiner Ausführungen die Feststellung machen mußte, daß er mit dem freien Spiel der Kräfte- und somit mit dem freien Unternehmer. tum vorbei ist und daß heute die Konzerne, Kartelle und Trusts eine Zwangswirtschaft errichtet haben. Seine Schlußfolgerung, daß in Deutschland die Gefahr bestünde, daß die Wirtschaft an einem zu hohen Konjum zugrunde gehe, erinnert lebhaft an gewiffe Kohlrübenprofessoren. Daß die Wirtschaft nur bei hohem Ronium auch ein großes Abfaggebiet haben fann, daß dieser Konsum nicht eine Gefahr, sondern die Grundlage einer prosperierenden Wirtschaft ist, hat der Herr Profeffor noch nicht be. griffen. Bei der Lahnpolttit der Bereinigung steht übrigens diese Befahr noch in weitem Felbe.
Aus den programmatischen Beitfägen der Bereinigung inter effiett vor allen Dingen, daß die Unternehmer zum india Diduellen Arbeitsvertrag zurüd möchten. Sie befennen fich wohl theoretisch zum Tarifgedanken, aber rechtlich soll der tolleftine Arbeitsvertrag gelten. Die Bereinigung möchte affo die Entwicklung auf den Borkriegsstand zurückschrauben. Sie möchte überhaupt gern in der Wirtschaft die toilet tipilferung bis zur höchften Boten treiben. bas freie Berfügungsrecht des Einzelunternehmers ausschalten, gleichzeitig aber rechtlich diese Mammuts tongerne als Eingel persönlich. feit angesehen wiffen, denen der einzelne Arbeiter oder Angestellte gleichberechtigt gegenübergestellt werden foll Wer mit so ver Schrobenen been tommt. barf sich nicht munbern, wenn ihm ber Erfolg versagt bleibt. Die Bereinigung der deutschen Arbeitgeber verbände hat an ihrer Spize Leute, die mit ridgewandtem Geficht Begberelier des Sozialismus find.
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Regelung der Einzelbeziehungen bes Arbeitgebers o nehmer mitzumirten, das die
Anerkennung des Einzelvertrages als individuelles Schuld verhältnis
mit gegenseitigen Rechten und Pflichten zur Grundlage hat. Die Bereinigung erfennt für die Schaffung eines neuen So die Regelung der Arbeitsbedingungen zwischen Arbeitgebern vertragsgesetzes den Tarifvertrag als Grundlage Arbeitnehmern auf dem Boden freier Tarifvertrag politif und als Inftrument zur Förderung des sozialen Friede on, wobei sie zum Ausdruck bringt, daß auch durch rechtliche erfennung der Betriebsvereinbarung in stärkerem fange als bas bisher der Fall ist, dem Betrieb als Au gangspunkt jeben wirtschaftlichen und sozialen Geschehens, feinem Recht verholfen werden müsse. Bom Standpunkt der
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investitionen in Höhe von 12 Milliarden Reichsmart jezigen Gelbwertes ständen nur etwa durchschnittlich 3,3 milliarden im Jahre gegenüber. Unter Einrechnung eines jährlichen durchschnittlichen Zu ftroms von zwei Milliarden Auslandskrediten ergebe fich, daß heute nicht einmal die Hälfte des notwendigen Kapitals der deutschen Wirtschaft zur Verfügung stehe. Die Folge hiervon feien 3inslaften, die mehr als doppelt so hoch feien als die der großindustriellen Kontur rengländer, die zudem teilweise noch mit niedrigen Löhnen arbeiteten. Demgegenüber sei die Rentabilität der deutschen Inbustrie völlig ungenügend. Der Bergbau arbeite überwiegend ertraglos. Eisenberung des fozialen Friedens, der Verantwortung der Parte und Metallindustrie einschließlich Schiffbau seien unrentabel. Der Wohnungsbau werde nur mit Steuermitteln über Wasser gebalten. Hinzu komme die ertraglose Landwirtschaft. Diese wirtschaftliche Lage müffe auch bie beutsche Sozialpolitit liche sozialpolitische Brobuftion durch Regierung und Barlamente berücksichtigen. Die ganze Nachkriegszeit habe leider eine unermüd mit dauernd steigender Belastung der Wirtschaft gezeigt. Staat und Barlament müßten fich jetzt bei ihrer Einflußnahme auf Wirtschaft und Sozialpolitit einer größeren Zurückhaltung befleißigen.
Es wäre eine vollkommene Verkennung des inneren Wefens und der psychlogischen Grundlage der wirtschaftlichen Vorgänge, wenn man die bestimmenbe mitwirkung bei allen Borgängen der Wirtschaft in die Hände der Maffe oder ihrer Exponenten legte. Der Führer müsse immer der Menge vorauseilen und fönne sich
nicht durch die Rüdfichtnahme auf eine Maffe beeinflussen lassen, die nicht in der Lage ist, in das ungemein verwidelte Spiel der Ueberlegungen und Entschlüsse, auf denen sich die schöpferische höchft individuelle Leistung des Unternehmers aufbaut, richtunggebend einzugreifen. Am Schluß feiner Ausführungen forderte Herr D. Borsig eine Reform des Schlichtungswesens in dem Sinne der Zurüdbrängung ber staatlichen 3wangs eingriffe zugunsten der freien Verständigung der Unternehmer und Arbeiter bei der gegenseitigen Regelung ihrer Beziehungen zueinander.
Politische Ideen und Wirtschaftsverfaffungen der heutigen 3eit im internationalen Bergleich" lautete das hierauf von dem Bonner Universitätsprofessor Dr. von Bederath behandelte Thema. Er bemühte fich um den Nachweis, daß die fapitalistische Entwicklung feine fozialistische Tendenzen aufweise. Man überlasse die Regu lierung der Wirtschaft
nicht mehr allein dem freien Spiel der kräffe, fondern man schaffe durch aus der freien Wirtschaft entstehende Dr. ganisationen große Komplege, wie man auch den Wirtfchaftsablauf durch die staatliche Währungsund Kredit. Realtion zu einer präventiven Wirtschaftslenfung politit zu lenten suche. Man fomme an Stelle der automatischen durch die Marktverbände. Dabei sei diese Wirtschaftsgestaltung vermöge des Ertragsstrebens in Anpassung an die Kaufträfigfeit der auf dem Markt fid) äußernden Konjumbedürfniffe durchaus in derselben Weife geregelt, wie bei dem liberalen Kapitalis
mus auch.
Wo jede Borausfegung für das Berständnis der fomplizierten Wirtschaftsvorgänge fehle, wirte der politische Eingriff wie bas Einstreuen von Sand in die Räder einer feinen Maschine; fie stehe furzer Zeit unbrauchbar. zwar nicht fofort still, nuge fich aber sehr schnell ab und werde in Die Aussichten und das Schicksal bes modernen Kapitalismus bestimme sich nicht allein aus feinen otonomischen Grundlagen, sondern nach dem Grade der Harmonie, welche zwischen der Wirtschaft und der politischen Gesellschaft be ftehe, das heißt zwischen den Bedürfnissen und dem geistigen und Billensinhalt der in allen großen Industrieländern herrschenden parlamentarifchen Demokratie. Diele armonie fei von allen großen Wirifchaftsländern in Deutschland am wenigsten gegeben. Der Persönlichkeitsgedante deutschen Ursprungs habe fich verbunden mit dem aus dem Rationalismus ftammenden leiheitsgebanten, und das notwendige Ergebnis sei die höchste Berwirrung und Seripaliung ber poli tischen Willensbildung. Das werte doppelt perhängnis noll, wenn ein ökonomisch überhaupt schlecht orientiertes Bolt von einer falfchen fonfumwirtschaftlichen und Der. fehlten Sulfuribee beberricht fei; eine Einstellung, die dazu führe, in der Aufrichtung prunfvoller Faifaben vor einer in Wahr heit bürftigen und mit barier tot ringenden Birifchaft nicht nur eine Rulturtat, fondern auch einen Beweis wirtschaftlicher Kraft zu fehen. Eine Einstellung, die eine wirtschaftliche Lüge gegen uns und andere fei. Desorientiert und falsch eingestellt, burch den Ein fluß der Auslandskredite über das Maß feiner eigenen Wirtschafts. trait getäuscht, gleite das deutsche Bolt ahnungslos in die Gefahr
zu hohen Konfums und zu geringer Kapitalbildung hinein. Hierauf fprach der Syntifus der Bereinigung, Regierungspräfident& D. Brauweiler über Aufgaben und Brogranum ber Vereinigung der Deutichen Arbeitgebernerbände". Seine Ausfüh. rungen waren zufammengefast in programmatischen Zeit
Das deutsche Unternehmertum geht bei Aufstellung und Durch führung feiner wirtschafts- und sozialpolitischen Grundföße von der Erkenntnis aus, daß Borbebingung für wirtschaftlichen und Arbeitnehmern und die Beschräntung staatlicher Maßnahmen auf Fälle, wo ber unmittelbare Staatszwed ein Eingreifen des Staates erheischt.
Tagung der Arbeitgeberverbände. Die Bereinigung ber Deutschen Arbeitgeberverbände nahm am Freitagabend im Sigungsiaal bes aften Herrenhauses in einer offentlichen Mitgliederversammlung Stellung zu ben Gegenwartsfragen der Sozialpolitit. Der Bor. fizende der Bereinigung Dr. v. Borsig hielt gunächst einen Bortrag über Grundsägliche Fragen ber beutschen Sozialpolitit. Die legten Monate, fo führte er aus, haben schwere fozialpolitische Arifenerscheinungen gezeigt. Die Aufmertfamkeit der gesamten Deffentlichkeit ist befonders durch den Arbeitstampf im Westen auf die fozialpolitischen Fragen in einem Maße gefägen, in denen es heißt: lentt morden, wie wir dies feit langem nicht erlebt haben. Wir wollen aber in Ruhe den Schiedsspruch erwarten, ehe wir mit unferem Urteil hervortreten. Zu meinem Bedauern habe ich aber boch Beranlassung, noch einmal Berwahrung dagegen einzu Legen, daß ein in Wahrnehmung allgemeiner Intereffen aus Gründen rein wirtschaftlicher Notwehr(!) geführter Arbeitstampi als eine Aluflehnung gegen den fogialen Gedanten, gegen Gejez und Recht und gegen die Autorität des Staates mißbeutet wird. Solche Anwürfe werben auch jest noch erhoben, nachdem die westliche Eifenindustrie der Aufforderung der Reichsregierung gefolgt ist. Die legten Ereigniffe haben aufs neue gezeigt, daß nach den ganzen Lebensverhältnissen unseres Bolfes bie fozialen und wirt. Ichaftlichen Fragen gerabe bei uns mehr denn je im Mittel punft unserer inneren Boltsprobleme ftehen. Durch Krieg und 3n. flation jei eine Abtrennung und Zerstörung des Bolfsvermögens um über ein Drittel unferes Brobuftionsapparates und des Kapital. marties erfolgt. Er ging dann auf die Frage ein, welchen Anteil die Arbeitnehmerschaft auf fozialem Gebiet an der Wirtschaftsent widlung feit der Währungsstabilisierung hatte. Bei den auf der gefamten Wirtschaft ruhenden
Reparations, Steuer- und Sojlaflaften,
vom Zwangseinfluß des Staates bzw. der Parteipolitik freie Wirtschaftsführung ermöglicht.
Zur Durchführung einer gefunden" Sozialpolitik münicht das Unternehmertum den Ausbau der Selbstverwaltung der Beteiligten im Sinne der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Sinne der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die Befchräntung ftaat. licher Maßnahmen auf Fälle, wo der unmittelbare Staats. zwed ein Eingreifen des Staates erhelscht.
Träger dieler Selbstverwaltung sind die wirtschaftlichen Ber einigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wobei jeder Arbeit nehmerzusammenschluß als wirtschaftliche Bereinigung der Arbeit nehmer unter Berufung auf Artitel 159 RB. angesehen wird, der von der Gegenfeite unabhängig und felbständig ist und feine Intereffen auch gegen den Willen der anderen Seite durch setzen kann, ohne daß hierfür notwendigerweise der Wirtschaftstampf vorgesehen zu sein braucht.
bie im faufenben Jahre einen Gesamtbetrag son fast 24 milliarden M.(!?) ausmachen würden, fel zu prüfen, ob ber jezige Zustand der Birtschaft eine weitere Tragfähigteit folcher Die Bereinigung steht dem Gebanfen der Schaffung eines ein. Laften und eine weitere Entwicklung im Tempo ber legten fünf Jahre heltlichen Arbeitsgefehbuches positiv gegenüber und ist bereit, an ermarien laffen. Den vor dem Kriege notwendigen Kapitalibem Ausbau eines Eingelarbeitsvertragsgefezes zur
' n Berlin ist von einigen Gewerkschaften unter Führung des Deutschen Metallarbelter- Verbandes die
Berliner Elektro- Hütte GmbH.
Ber.in SO 36, Elisabethufer 5/6, Tel.: Moritzplatz F1 4532
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und der Erziehung geeigneten Führertums auf beiden Seiten langt die Bereinigung eine baldige gefeßliche Reform unfet Slichtungswesens, bei der sie unter Voranstellung Grundlages tariflicher Schlichtungsausschüsse den Gedanken f Möglichkeit zur Berbindlicherklärung von Schiedssprüchen in der Schlichtungstätigkeit anerkennt, aber eine Wenderung Beise verlangt, daß der Zwangseingriff des Staates auf das d den unmittelbaren Staatszwed begrenzte Maß beschränti In der Lohnpolitik weist die Bereinigung auf bie wirtschaftliche Auswirtung des Lohnes als Selbft to te fattor hin und damit auf die Bedeutung, die die Lohnentwid gerade im lehigen Zeitpunkt auf bie Kapital- und Preisentwid der deutschen Wirtschaft haben muß. Sie warnt daher auf cindringlichste vor einer Lohnpolitit, die unter Außerachtla diefer wesentlichen Grundsäge betrieben wird.
Die Bereinigung erfennt die soziale und fulturelle Bebeut des Achtstundentags an, muß aber jeden Bersuch einer matischen Behandlung dieser Frage ebenso ablehnen. wie den Berfuch für unverantwortlich hält, die Arbeitszeit im Gegen zu den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der hierdurch beding Elastizität für die Betriebe zu verfürzen. Sie hat nach bie Richtung begründete Einwendungen
gegen den jetzigen Regierungsentwurf
eines Arbeitsschutzgesetzes, zu dem sie mit befonderem Nachn erklärt, daß fie eine Bindung unserer national gefeßlichen Beit mungen an bas internationale Arbeitszeitabkommen mit Deut lands weltwirtschaftlicher und allgemeinpolitischer Lage für un einbar hält.
In der Sozialversicherung erstrebt die deutsche Arbe geberschaft positive Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern einem Sinne, der unter rationellster Berwendung der Mittel cusfömmliche Leistung demjenigen gewährt, der ihrer wir bedürftig ist, um desto entschiebener auf der anderen S unberechtigte Ausnutzung durch Versicherte zu verhindern. In die Sinne wünscht die Bereinigung eine
Reform unserer Sozialversicherung.
In der gleichen Weise ist die Arbeitgeberschaft der Arbeit lofen perficherung gegenüber eingestellt, bei der sie den zum Ausdrud gebrachten Grundjag der Gemeinschaftsarb amischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern begrüßt. Sie verla auch hier aus den gleichen wirtschaftlichen und arbeitspsychologi Grünben Abstellung anerkannter und auch amtlich festgeftel Fehlerquellen, die dieses Gefez aufweist.
Berbindlichkeit in Eachsen.
3m öffentlichen Interesse.
Berlin, 14. Dezember Der Schiebsspruch, den der Schlichter für b Schlichterbezirk Sachsen im Tarifftteit in der we fächsischen othüringischen Textilind it rie am 27. November 1928 gefällt hat, ist heute vo Reichsarbeitsminister im öffentlichen Interesse für ve bindlich erklärt worden.
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Diese Berbindlichkeitserklärumg wirb allgemeine Leb raschung hervorrufen, da man angenommen hatte, es met ein neues Verfahren eingeleitet werden. Die Gründe, die b Reichsarbeitsminister zu seinem Schritt veranlaßten, f leider nicht mitgeteilt worden, so daß man auf Vermutung angewiesen ist.
Die Lohnverhandlungen bei der Reichspof
Am Freitag begannen die Lohnperhandlungen für die Reid poft. Sie führten bisher zu feinem Ergebnis, ba die Bertreter Reichspoftmin fteriums ertlärten, baß fie, bevor sie zu ben 2 forderungen der Gewerkschaften endgültig Stellung nehmen fönni noch Erhebungen anfiellen müßten. Die Berhandlungen wurd baraufhin in später Abendstunde vertagt.
Das Blutbad in Columbien. 100 Zote, 238 Berlehte.
Wie aus Bogota in Columbien gemeldet wird, find im Verla der letzten Woche zwischen Streifenden Plantagenarbeitern Regierungstruppen im Bezitte von Santa Marta hundert Streifen getötet und 238 verwundet worden.
Gewerkschaft Deutscher Vollstchrez, Brovinz'alverband Berlin, Stad Sigung am Sonnabend, dem 15. Dezember, um 20 Uhr, im Simmer 55 Berliner athaufes( Eingang Spandauer Etraße). Tagesordnung: 1. Sci über bie follegiale Schulverwaltung. 2. Stellungnahme au den Anträgen anderen Provinzial.( ufw.) Berbände zum Berbandstag. 3. Berschiedenes.
Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berl
Achtung, Wanderleiter! Boranzeige: Am Conntag, 16. Dezember, 11 befichtigen mit bie Heimat- Schulfammlung.& reffen: 10% Uhr Jul ftraße 79. Interessenten lönnen teilnehmen, zu erreichen: it U- Bahn bis Bahnhof Nordring, mit der Straßenbahn Linie 79 bis Norbl traße.
Berantwortlich für Tolitik: Dr. Curt Genez: Biztichaft: G. Klingelhäl
Gemertidhaftsbewegung: 3. Sterner: Feuilleton: R. 8. Däicher; Lotal and Sonftiges: Frik Rarftabt: Anzeigen: tb. Slede. fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts Berlag Gmb S. Berlin Drud: Borwärts- Buchdrude und Berlaasanstalt Baul Ginger u Go Berlin SW 8 Lindenstraße Siezzu 2 Beilagen unb Unterhaltung unb Biffen.
gegründet worden. Elektro- Installationen Jeden Umfanges; preiswerte Bezugsquelle für Beleuchtungskörper usw. Bis auf weiteres wird ein Posten Beleuchtungskörper billig gegen bare Kasse verkauft
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