em ge 吧 fi Mo 巧 Libeadausgabe Jr. 592 B295 45. Jahrgang Böchentlich 85 Bt. monaffic 8,60 D tm varaus zahlbat, Boftbezug 4,32 m. inil Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6. M. pro Monat. Der Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin, und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolk und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauen. ftimme". Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Bolksblatt Sonnabend 15. Dezember 1928 10 Pfennig Dte et nipeltige Ronpareillezelle 80 Bfennig. Reflamezeile 5- Reich mart, Kleine Anzeigen" das fettge drudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Arbeitsmart Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Itraße 3, wochentägl. von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands er Redaktion und Berlag: Berlin S 68. Lindenstraße 3 Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Boftichedtonto: Berlin 87 536 Banftonto: Banf der Arbetter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65 Diskonto- Gesellschaft. Depofitenfasse Lindenstr. S be Berniprecher: Dönhoft 292–297 Telegramm- Adr Soztaldemokrat Berlin ber an Den die ifis Ind ge ich: ben ine ng en en. ell ert. 154 Staatsgericht gegen Regierung! Simons appelliert an Hindenburg.- Um die Reichsbahnverwaltung. Leipzig, 15. Dezember. 1 Der Staatsgerichtshof trat heute vormittag Zentrum und Konkordat. Erklärung im preußischen Landtag. In der heutigen Sigung des Preußischen Landtags,| politischen Absurditäten, die faum erträglich sind. Ein drastisches bie um 10 Uhr begann, wurden zunächst ohne Aussprache so3tal. Beispiel bietet die demofratischer Uranträge über den Wohnungsbau in schuß bzw. dem Landwirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Stettin und über ein Forst tulturgefeß dem Hauptause unter dem Borsiz des Reichsgerichtspräsidenten, Minister a D. Simons, zusammen, um über den badischen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung in der Frage der Benennung der Reichsbahnverwalfungs- Mitglieder zu entscheiden. Da die Reichsregierung feiner Entscheidung durch die gestern erfolgte Ernennung der neuen Berwaltungsratsmitglieder zuvorgekommen ist, hat der Staatsgerichtshof die Verhandlung en über den badischen Antrag, dem sich auch Württemberg und Sachsen angeschloffen hatten, auf unbestimmte Zeit verhalts für 1929 erhält zunächſt tagt und beschlossen, fich an den Reichspräsidenten zu wenden, mit der Bitte, dem Staatsgerichtshof diejenige nit Achtung zu gewährleisten, deren er zur Erfüllung seiner ftaatsrechtlichen Aufgaben bedürfe. ent ell ber en in, ind nie en es 117 11. 11 er 5, 拜 er ie ch 11 J 3 3 9 Die Reichsregierung ist bei der Ernennung der neuen Mitglieder des Reichsbahn- Verwaltungsrats feineswegs von der Abficht geleitet gewesen, die süddeutschen Länder oder den Staatsgerichtshof vor den Kopf zu stoßen. Die Situation lag vielmehr so, daß die deutschen Mitglieder aus dem Verwaltungsrat turnusgemäß ausschieden und daß die Neubelegung notwendig war, wenn nicht der deutsche Einfluß im Berwaltungsrat ausgeschaltet werden sollte. Blieben die deutschen Pläge unbefeßt, so hatten nur noch die vom Treuhänder bei aller bestellten Mitglieder mitzuentscheiden, und das war Loyalität des Treuhänders ein Zustand, der schwer zu ertragen war, umsomehr, als der Zusammentritt der Sachverständigen fommission. in der natürlich auch über die Reichsbahn geredet werden wird, nahe bevorsteht. Dieser im Reichsinteresse nicht zu tragende Zustand wäre nach Auffassung der Reichsregierung einge treten, wenn der Statsgerichtshof, dem badischen Antrag entsprechend, einen Einhaltsbefehl gegen die Besetzung der Stellen bis zur grundsäglichen Entscheidung des Rechtsstreits über das Recht der Länder erlassen hätte. Die Gründe der Reichsregierung für ihr Vorgehen scheinen so plausibel, daß man nicht recht verstehen fann, wie fich die süddeutschen Regierungen und der Staatsgerichtshof ihnen verschließen fonnten. Der Appell des Präsidenten Simons an den Reichspräsidenten dürfte die Wirkung haben, daß der Reichspräsident vermittelnd in den Konflikt eingreifen wird. An der Tatsache der Ernennungen wird dadurch freilich kaum etwas geändert werden können. Zu den neu ernannten Mitgliedern des Berwaltungsrats gehört auch Genosse Matthäus Herrmann, zweiter Vorsitzender des Einheitsverbandes der Eisenbahner und Landtagsabgeordneter in Bayern. Widerspruch aus Süddeutschland. Die Ernennung neuer Mitglieder des Berwaltungs. rates der Deutschen Reichsbahn durch die Reichsregierung stößt in der württembergischen Preise auf starten Widerspruch. Es wird darauf hingewiesen, daß auf den 15. Dezember beim Staatsgerichtshof in Leipzig der Termin zur Entscheidung über einen Antrag der badischen Regierung angesetzt ist, der Staatsgerichtshof möge durch einstweilige Berfügung die Ernennung der neuen Mit glieber zurüd halten, bis der Streifall zwischen dem Reich und den Ländern mit früherer Eisenbahnhoheit, darunter Württemberg und Baden, wegen ihrer Bertretung im Verwaltungsrat vom Staatsgerichtshof vollends entschieden ist. Der Schwäbische Merkur"( Deutsche Bolkspartei) nennt den vorherigen Bollzug der Ernennung von Verwaltungsratsmitgliedern ein geringidhägiges Hinweggehen über die Länderansprüche, das seinen verletzenden Charakter behält, auch wenn die Entscheidung des Staatsgerichtshofes nicht zugunsten der Länder ausfallen sollte. Das Deutsche Voltsblatt"( 3entrum) spricht von einer Ungehörigteit und von einer scharfen Brüstierung der Länder. Mit besonderer Bitterfeit müffe festgestellt werden, daß unter einem dem Zentrum angehörenden Mi. nister ein solcher Affront gegen die Länder geschehen sei. 21 Das Stuttgarter Neue Tagblatt"( Demokrat) fagt: Die süddeutschen Länder fönnen diese Ernennung lediglich nicht anders benn als eine bewußte Kröntung und Nichtachtung be trachten, gegen welche schärfster Protest am Blaze ist. Man sieht, mie weit die Aushöhlung der Länder schon gediehen ist, wie wenig neben dem immer allmächtiger werdenden Preußen(??) die übrigen Länder in den Augen der Reichsbureaukratie noch zu bedeuten baben In der fortgefeßten allgemeinen Besprechung des Haus Abg. Heß( 3.) das Wort. Er führt u. a. aus: Gewisse Kreise und namentlich einige sozialdemokratische Redaktionsstuben haben nach dem Kölner Parteitag des Zentrums so etwas wie einen parteipolitischen Silberstreifen erbliden wollen. Wenn es Wenn es danach ginge, welche Mängel nach den öffentlichen Kritiken der Kölner Zentrumsparteitag aufgededt und gezeigt habe, müßten wir vor Weihnachten noch einen zweiten Barteitag einberufen, der diese Mängel zu beseitigen hätte. Das Zentrum ist für alle Ratschläge dankbar, aber die sozialdemokratische Bresse sollte doch bedenken, daß die Zentrumspartei in Preußen seit langen Jahren in der Koalition mit ben Sozialdemokraten sigt und daß die Sozialdemokraten doch auch im Reiche bald in eine engere Berbindung mit dem Zentrum au fommen wünschten.( Lebhafte zurufe bei den Soz.:,,Benden Sie sich doch gegen die Zentrumspresse!") . Die Art und Weise, wie man in Deutschland noch immer par lamentarische Opposition treibt, fei bedauerlich im gesamten Boltsintereffe. Die bisherige Art der Oppofition führt zu Haltung der Deutschnationalen zum Republitschutzgeseh. Als das geschaffen wurde, standen die Deutschnationalen in der Opposition und lehnten es natürlich scharf ab; als es zu verlängern war, waren sie in der Regierung und gaben ihm ihre Stimmen. Jezt ist wieder das monarchische Prinzip für sie maßgebend, obwohl sie im Republikschußgefeß dem letzten deutschen Monarchen die Rückkehr ins Vaterland untersagt haben. Die deutschnationale Opposition macht sich auch in der deutschnationalen Presse in einer Art bemerkbar, die man als schamlos bezeichnen könne. Der Berliner Lokal- Anzeiger" habe in einem Artikel zum Waffenstillstand den roten Erzberger in unerhörter Art und Weije beschimpft. Es gebe nur einen Leitartikler in Preußen, der eine solche Sprache zu führen pflege.( Burufe: Hussong!) Dieser Mann scheine aber nicht zu wissen, daß die Waffenstillstandsverhandlungen auf Veranlassung der Obersten Heeresleitung von Erzberger geführt werden mußten.( Sehr wahr! links) Der erwähnte Leitartikler hat gegen sein Wissen den toten politischen Gegner mit zahl reichen Lügen bedacht. Hugenberg, der ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle sei( Gelächter lints), sollte eine solche ,, Oppo fition" in seinem Blatte nicht zulassen. Die Rede des Ministerpräsidenten Braun von Das Gesundheitshaus in Pankow. Oben: Das am Freitag eingeweihte Gesundheitshaus in der Grunowstraße in Pankow. Hier ist alles vereinigt, was die Gemeinde an vorbeugender und nachgehender Gesundheitspflege bietet. Unten: Ein Warteraum. Auf einem Transparent erscheinen leuchtend die Nummern der zu behandelnden Patienten. Cm Rechtsanwalt unter Hypnose? Wechselktogen gegen einen zweiten Anwalt. In der Berliner Anwaltschaft herrscht neuerdings Erregung über zwei 5plle. die erneut die Oessentlichkeit beschäftigen. 3n dem einen Fall handelt es sich darum, dah ein sonst hoch angesehener alter Rechtranwalt und Notar Wechselverbindlichkeiten in höhe von 240 000 M. eingegangen ist. da er angeblich unier dem Zwang der Hypnose diese Akzepte ausgestellt hat. Zn einem zweiten Fall hat eln Rechtsanwalt R. sich auf Geschäfte mit einem inzwischen verkrachten Unternehmen, der Deutsch. Bulgarischen Handelsgesellschaft lDebul) eingelassen. Dem Anwalt sind hier Verbindlichkelten in höhe von nahezu 2 00 00 0 2N. erwachsen und nachdem zahlreiche Klagen aus Wechselprotesten und wegen ungedeck- ter Schecks gegen ihn eingeleitet worden waren, hat seht die Staats- onwaltschaft ein Versahren gegen ihn eingeleitet. In dem Falle des erstgenannten Notars handelt es sich darum, daß vor einigen Monaten ein Rumäne Leon I a k o b y bei ihm auftauchte und zunächst einige Notariatsgeschäfte tätigen ließ. Ja- koby, der aus Ioffy in Rumänien stammt, schickte zunächst seinen Prokuristen Meyer Lehrer, der gleichfalls Rumäne ist, vor und ließ durch den Notar feine vor einigen Monaten gegründete Export- g e s e l l s ch o s t. die in der Friedrichstraße 218 ihre Geschäftsräume hatte, eintragen. Jakoby, der nach einer anderen Version Jakob heißt, machte in Berlin zahlreiche Grundstücksgeschäft«, kaufte und verkaufte Häuser und übertrug dem Notar alle diese Beurkundungen. Dann sing der Rumäne an, seine Geschäfte auszudehnen. Er wandte sich vor allem an die süddeutsche Texti'industrie und suchte dort große Posten Waren zu kaufen, die er englischen, französischen und rumänischen Firmen zu ungemein billigen Preisen anbot. Tatsäch- lich hat Jakoby eine Anzahl Texlilsirmen um rund 150 000 BT. geschädigt. indem er Wechsel In Zahlung gab. die von dem Notar akzeptiert wurden. Es erscheint rätselhaft, wie der Anwalt, der als ein im sonstigen Verkehr außerordentlich vorsichtiger und korrekter Jurist bekannt ist, sich verleiten lassen konnte, die Wechsel der rumäni- schen Firma zu akzeptieren. Im Gegensatz zu seinen sonstigen Ge- wohnheiten war der Notar Tag und Nacht für Jakoby zu sprechen, ließ sogar seine eigene Sprechstunde wiederholt im Stich, um sich in die seinem Bureau gegenüberliegenden Geschäft» räum« Iakaby» zu begeben. Da ferner eine ganze Anzahl Zimlprvzess« Jakoby« entstanden waren, mußte der Anwalt den größten Teil seiner Praxis für diesen Mandanten opfern. Jakoby hat für rund 240 000 Bl. Wechsel ausgestellt, für die der Notar nun hastet. Er hat sich bereit erklärt, die Hälfte seines Einkommens den Gläu» bigern zur Derfügung zu stellen, um so die Derbindlichkeitea abdecken zu können. Bon der Familie des Notars wird angenommen. daß dieser unter einem unwiderstehlichen Zwang gehandelt habe, vod daß Zakoby den Anwalt in dauernder Hypnose gehalten habe. Ob diese Annahme zutrifft, muß allerdings bezweifelt werden, da auch namhafte Wissenschaftler die Ansicht vertreten, daß ein Mann, der sonst vollkommen klar und logisch Handel«, nicht monatelang in einem bestimmten Fall unter Hypnose stehen könne. In dem zweiten Fall des Rechtsanwalts Dr. R. handelt es sich darum, daß der Anwalt sich in Geschäfte mft der inzwischen verkrachten Deutsch-Bulgarischen Handelsgesellschaft, Unter �den Linden 39, eingelassen hotte. Dr. R. war dort ansang? als Sy» dlkus tätig, während die geschäftlich« Leitung in den Händen des Konsuls Dr. Flemming lag. Rechtsanwalt R., dem eine erheblich« Gewinnbeteiligung an den Geschäften der Firma zugesagt war, ließ sich nun ebenfalls dazu verleiten, seinen Namen unter Wechset zu sehen, die einen Betrag von ISO 000 bis ISO 000 Mark repräsenliere«. Ferner hat Dr. R.«ine Anzahl Schecks ausgegeben, die durchweg kein« Deckung besaßen. Schließlich brach die Deutsch-Bu'.garische Handelsgesellschaft zusammen und die Gläubiger machten nun außer den Konsul Flemming auch Rechtsanwalt R. haftbar. Nachdem der größte Teil der von dem Anwalt ausgestellten Wechsel zu Protest gegongen war und auch berefts mehrere Klagen wegen der unge- deckten Schecks in Moabit anhängig gemacht worden waren, er-' stattete einer der Gläubiger Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, die nun ein Ermittlungsverfahren gegen Rechtsanwalt R. eingeleitet hat. Der Anwalt hat sich ebenfall» verpflichtet, für den Schaden nach Kräften einzutreten, doch dürfte für die Gläubiger der Debul kaum«ine Quote von 2l> Proz. herauskommen. Gerichtssitzung im Irrenhaus. Der Brandenburger Mörder als Zeuge. Der Brandenburger Mordprozeß steht heul« im Zeichen einer außerordentlichen Sensation. Es ist ein viel. leicht einzig dastehender Fall, daß da» Gericht im Z r r e n» Haufe eine Sitzung abhält, um hier eine» Geisteskranke« als Zeugen gegen seineu Komplizen zu vernehmen. Die Situation ist für die Urteilsfällung äußerst schwierig. Erich Schmidt hat seinen Freund Willi Schmidt bei der polizei- lichen Vernehmung sehr schwer belastet. Mit seinen Aussagen steht und fällt die Anklage gegen den letzteren. War aber Erich Schmidt auch bei dieser Vernehmung bereits geisteskrank oder ist er es erst später gewordeil. Die Vernehmung des Mörders soll daher dem Gericht einen persönlichen Eindruck gewähren. Die Entscheidung, ob Erich Schmidt bereits damals geisteskrank war oder nicht, liegt in den Händen der psychiatrischen Sachverständigen. War er aber damals bereits geisteskrank, so bleibt die Frage, ob er als schuldig erkannt werden kann. Die Strafrechtsgelchrten sind sich darüber nicht einig, ob man einen Geisteskronken zu einer Tat anstiften kann. Sollt« er jedoch die Tat als eigen gewollt haben, d. h. als Mittäter in Betracht kommen, so wird er auch die Verantwortung für den Mord an Freydonk tragen müssen. Ander» dagegen, wenn er nur der M i t h i l s e als schuldig erkannt werden kann, dann würde er strafsrei ausgehen müssen. Alles hängt davon ab, ob die Sachverständigen Erich Schmidt für die Zeit der Tat für geistig gesund hielten oder nicht. Um 1410 Uhr wurde der Angeklagte WilliDchmidtin einem Gefängniswagen nach der I r r« n a n st a l t. G ö h r d e n tranepori tiert. Bor dem Gerichtsgebäude hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Die Prozeßbeteiligten und die Presse fuhren-' 10 Uhr vom Amtsgericht aus zur Irrenanstalt. Auch dort hotte sich ein« große Menschenmenge angesammelt. Für die Gerichtssitzung ist ein großer Raum hergerichtet worden, in dem die Derhondlung bequem vor sich gehen kann. Erich Schmidt wird von Pflegern i» den Sitzungssaal geführt. I'cstem sei wert, in ganz Deutschland, besonders auch m Süddeutschland gehört zu werden. Sicher ist das Problem des Einheitsstaates nicht fo einfach zu lösen. Aus alle Fälle aber ist der Plan des Luther-Bundes, der nach der' gestrigen De- batte von den Sozialdemokraten sowohl als auch von den Deutsch- nationalen abgelehnt wurde, wohl nunmehr endgültig als erledigt anzusehen. Der Redner gibt zum Schluß eine Erklärung zum Konkordat ab, in der es heißt: Die durch die Bersassung bedingte Neu- ovdnung des Verhältnisses von Kirche und Staat kann nur durch Uebereinkommen zwischen dem Staat und der Kurie durchgeführt werden. Die Regierung hat auch erklärt, daß ein« Anpassung der Leistungen für die Kirche an die Erfordernisse der Gegenwart nur im Rahmen einer Gesamlregelung der beiderseitigen Beziehungen erfolgen könne. Der Landtag hat bereits mit tätiger Mitarbeit de» Zentrums im Jahre 1924 den Gesetzen, betreffend die K i r ch e n- Verfassungen der evangelischen Landeskirche und die einstweilige Regelung der Kosten für die Verwallung. zugestimmt und gleichzeitig die Sicherstellung der katholischen Diözesen verlangt. Di« Zentrumspartei darf daher die bestimmt« Erwartung ausspreche», daß der Preußisch« Landtag in gerechter Würdigung der Tatsachen auch weiterhin der katholischen Kirche zu ihrem Rechte oerhilft und die mit dem apostolischen Stuhle schwebenden Erörte- rungen baldmöglichst zum Abschluß führt. Abg. Schulz-Reukölln sKoimn.) polemisiert gegen Großagrarier und Arbeitgeberverband in ihrem Bestreben, Zwangswirtschaften und Seqialgesetzgebung abzubauen. Zum Ministerpräsidenten Braun Häven seine Freunde nicht das mindest« Vertrauen. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoss weist nochmals darauf hin, daß die stark« Anspannung der Finanzlage ein« der Kriegs- folgen sei. Die V« r w a l t u n g s t o st« n der Steuern wären bei weitem nicht so hoch wie behauptet würde. Er sei im übrigen seiner Verantwortung sich stets bewußt gewesen, eine Tatsache, die die Fraktionen bestätigen könnten. Wenn Abg. Dr. Waentig ge- glaubt habe, ihn an seine Verantwortung erinnern zu müssen, so hielte er das im Bewußtsein seiner Pflicht für völlig über- Massig. Abg. Riedel(Dem.) erklärt, daß es deutsche Gesomtinteressen wären, die in der preußischen Haushaltsdebatte besprochen sind: der beste Beweis dafür, daß der Gedanke des Einheitsstaates sich zwangsläufig durchsetz«— auch seine Freunde bekämpfen die Auswüchse des Parlamentarismus. Auf der Rednerlist« stehen noch je ein Redner der Wirtschafts- partei, der Deutsch-Hannoveraner und der Nationalsozialisten. Da- nach wird der Etat zur Einzelberatung an den Hauptausschuß überwiesen. Die nächste Sitzung findet am Montag, dem 17. Dezem« der, 12 Uhr, statt. Tagesordnung: Sozialdemokratischer Antrag über Schaffung und Erhaltung von U f e r w e g e n an den Seen usw., Förderung von Notstandsarbeiten in den östlichen Provinzen(Shi- dienrats-Diensteinkommengesetz. dritte Lesung des Gesetzes über die Verlängerung des Wohnungsgesetzes). Gott das so weitergehen? Kommunisten und Nazis liefern Schlachten. Hannover, 13. Dezember.(Eigenbericht.) Zu wüsten Austritten zwischen Rationalsozialisten und Kammue nisten kam«» am Freitagabend in einer nationalsozialistischen Ber- sammlung. Als der Referent Saukel-Weiniar das Schlußwort hielt und dabei gegenüber den Kommunisten sehr ausfällig wurde, machten diese oerschicdene Zwischenrufe. Die Versammlungsleitung wollte die kommunistischen Zwischenrufer gewaltsam aus dem©aal entfernen lassen, worauf dies«, die mit einer starken Anhängerschaft angerückt waren, sich zur Wehr setzten. Dabei kam es zu einer blutigen Schlacht mit Tischen, Stühlen und Messern. Drei Schwerverletzte, die zahlreiche Messerstiche«r- hielten, mußten schleunigst ins Krankenhaus gebracht werden, und zahlreiche Leichtverletzte zogen es vor, sich still zu verduften, um nicht der Polizei in die Hände zu fallen. Die alarmierte Schutz- polizei schaffte schließlich mit Gummiknüppeln wieder Ordnung und schloß die Versammlung. Der Saal glich nach der Räumung einem wüsten Trümmerhausen. Krawall auch in Lüneburg. Lüneburg. 14. Dezember. Zu der gestrigen Sitzung der städtischen Kollegien war vom Magistrat ein umfangreiches Notstandsprogramm zur Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit ausgestellt worden. Gleichzeitig lag«in Antrag auf eine geschenkweis« Weihnachtsbeihilse an Bedürftige vor. Schon in den Nachmittagsstunden vor Beginn der Sitzung durchzogen Gruppen von Kommunisten die Straßen der Stadt. Gegen sechs Uhr zu Beginn der Sitzung war ihre Zahl auf etwa 240 angewachsen. Di« Demonstranten trugen Schilder und Plakate mit den Aufschriften:„Nieder mit dem Magi» strat! Wir haben Hunger!" Sie zogen vor das Rathaus. Die Sitzung wurde wegen des Lärms und des Geschreies auf der Straße gestört. Der Führer der kommunistischen Fraktion lehnt««in« Er- � Mahnung an seine Parteigenossen ab, so daß sich der Polizeidirektor veranlaßt sah, wegen des ungestörten Fortganges der Sitzung den Befehl zu erteilen, die Straß« räumen zu lassen. Die Kommu- nisten versuchten, unter Gejohle in das Rathaus einzudringen, so daß die Polizei von den Gummiknüppeln Gebrauch machen mußte. Nach geraumer Zeit rotteten sich die De- inonstranten auf dem Marktplatz zusammen und mußten auch hier wiedcr durch die Polizei unter Zuhilfenahme des Gummiknüppel» zersteut werden. Ernste Zusammenstöße sind nicht vorgekommen. In der Sitzung selbst stellten die Kommunisten unerfüllbare Agitationsanträge, wobei es zu einem Zusammenstoß zwischen Vertretern der Sozialdemokraten und Kommunisten kam. Ein Pferd springt auf den Präsidenten. Hoover bleibt unverletzt. Buenos Aires. 13. Dezember. Bei der Ankunft Hoooers ereignete sich ein msrkwülj>iger Unfall. Ein Soldat der Eskorte, die neben dem Auto Hoover» ritt, verlor die Gewalt über scin Pferd Dieses sprang mit einem ge- wolligen Sag auf das Auto. Da auch der nächste Reiter stürzte, entstand«in wüster Knäuel. Hoover konnte den ihn be- drohenden Pferdehufen ausweichen und blieb unverletzt. Abgesehen von einigen bedeutungslosen Deminstrationen, wobei Hochrufs auf General Sandino und auf Nicaragua ausgebracht wurden, ist der Aufenthalt Hvovevs bisher ungestört verlaufen. üllerdingZ sollen sich nicht weniger als 1000 Verdächtige in den ' üängnissen befinden. Eineinhalb I�ittionen im Wandschrank. Wertpapiere der Krau Hanau. Paris, 13. Dezember. Auf Grl'.nd der Erklärungen der Frau Ifrnau bei ihrer gestrigen Vernehmung, wonach sie in ihrer Wohnung in Boulogne-sur-Seine in einem Wandschrank Bons der Nationalen Verteidi- g u n g im Werte von 1 S90 000 Franken versteckt halte, hat die Polizei eine neue Haussuchung abgehalten, wobei Wertpapiere im Wert« von einigen hunderttausend Franken vorgefunden sein sollen. Der Polizcikommlssar, der die Haussuchung vornahm, soll erklärt haben, diese Wertpapiere hätten sich bei einer früher von chm abgehaltenen Haussuchung nicht in dem Wandschrank befunden. und er könne sich nicht erklären, wie sie hineingekommen seien. Tut Buße- aber macht leine Gottes äfierungsprozesse! Am 20. November brachte unser Hallesches Parteiorgan, das „Volksblatt", einen politischen Artikel„Morgen ist Buhtag". In diesem Aufsatz war der Bußtag ein Monstrum genannt worden. In soziolkritlscher Weise hatte die Zeltung dargelegt, daß mit dem gesellschaftlichen Bewußtsein von heute die Einrichtung des Büß- tages und die Forderung, ihn feierlich zu begehen, nicht mehr ver- einbar fei, da heute ohnehin viele Millionen Menschen täglich büß- ten und die kirchliche Aufforderung zu einer Extrabuhe von den vielen Millionen schwerleidender Menschen als eine Verhöhnung empfunden werde. In dem Artikel wurde dann weiter ausgeführt, dah allerdings Buße denjenigen not tue. die sich so an der Gesellschaft versündigen, wie die Eisenbarone im Ruhr- gebiet mit der Aussperrung der Arbeiter. Wörtlich wurde dann in dem Artikel fortgefahren: „Sind diese Elemente der menschlichen Gesellschast ober büß- fertig? Vielleicht sieht man sie morgen mit dem Gesangbuch zur Kirche wallen. Vielleicht werden sie unier Orgclklang singen: „Was Gott tut, dos ist wohlgetan", und meinen, daß die Verelendung der Massen ganzer Landstriche ein gottwohlgefälliges Faktum ist, und daß die Herren im Düsseldorfer Stahlhaus vom Himmel be- raten waren/ als sie den Aussperrungsbeschluh faßten und durch- führten. Das ist die Sorte von Menschen, denen„olle Dinge zum Guten dienen" müssen und die den„lieben Gott" als ihren Angestellten betrachten, mit dem sie am liebsten einen lanasristi- gen Tarifvertrag abschließen würden, wenn sie seine„unersorsch- lichen Rotschlüsse" für ihr gesellschaftsfeindliches Treiben fruchtbar mache« könnten." Wegen dieses Artikels ist gegen den verantwortlichen politischen Redakteur des„Lolksblatt" Anzeige bei der Halleschen Staatsan- waltschail erfolgt. Der Staatsanwalt hat sich her. Anzeige onge- nommen und den Untersuchungsrichter beim Amtsgericht zu den inzwischen erfolgten ersten Schritten veranlaßt. Die Oessentlichkeit wird also möglicherweise in kürzester Frist wieder das Vergnügen haben, Staatsanwaltschaft und Gerichtshof gegen einen„Gott- lästernden" einherwandeln zu sehen. Denn die Voruntersuchung wurde mit den Worten eröffnet:„Gegen Sie ist eine Anzeige wegen Gotteslästerung erstattet worden!" Opfer der Arbeu. Kohlengase und Steinschlag. In der französischen Grube G r o s m i n i l sind am Freitag drei Bergarbeiter drirch ausströmende Kohlengas« � vergiftet worden. Zwei weitere Arbeiter tonnten Im letzten Augenblick noch gerettet werden. Alle in der Grub« befindlichen Pferd« wurden getötet. Dos Unglück wäre noch größer geworden,! wenn nicht gerade kurz zuvor die übrige Lelegschait. 93 Mann an der Zahl ausgefahren wären. Im Steinbruch Drahovica in der Nähe von Esset in Slawonien explodierte eine Dynamitmine durch Selbst- l entzündung. Große Sleinmassen wurden in die Luft geschleudert und begruben sieben Arbeiter. Drei Arbeiter wurden von der! Explosion In die Luft geworsen und buchstäblich in Stücke ge- i rissen. Von den Verschütteten sind vier schwer und drei leicht verletzt geborgen worden. Aus der Zeche F a h l b u s ch, Schacht 8, in G e l s e n k! r ch e n, � gerieten drei Bergleute unter plötzlich hereinbrechende Gesteins- Massen. Die Rettungsarbeiten wr den sofort in Angriff genommen.! Sie gestalteten sich äußerst schwicriz, da immer wieder Gestein ab- bröckelte und niederfiel. Die Verschütteten konnten nur als L«ick)' bringen." „Sie ist, soviel ich weiß, in Paris?" „Woher wissen Sie das?" ..Ich mußte heute bei Mr. Salter vorsprechen, um die letzte» Foi malitäten zu erledigen, und er erwähnte es nebenbei. Digby brummte etwas vor sich hin. „War es denn absolut notwendig, daß Sie Salter wieder au!> suchten?" fragte er barsch. „Ich regle meine Angelegenheiten nach beitem Wissen und w wissen, wie ich es verantworten kann.' erwiderte Mr. Bennett etwas scharf und unfreundlich. Digby sah ihn ärgerlich an und nahm sich vor, noch der Dur«' führung dieser Transaktion die Dienste dieses unangenehme« Schotten nicht mehr in Anspruch zu nehmen. Er haßte das Gele? und er haßte Rechtsanwälte. Cr hatte den Eindruck gehobt, da? die Firma Bennett froh wäre, diesen großen Austrag zu erhalten und-infolgedessen seinen Wünschen möglichst entgegenkommen wurde. Aber er mußte nun zu seinem Verdruß wahrnehmen, daß der ge' fügige Rechtsanwalt, den er sich vorgestellt hatte, in Wirklichk« nicht eristierte. „Geben Sic mir das Dokument, ich werde meine Mutter unter- zeichnen lassen." „Werden Sie nach Paris fahren?" „Ich werde es ihr durch ein Flugzeug schicken lassen." Der Rechtsanwalt nahm die Papiere zusammen und packte sie wieder in die Ledermappc. „Dann erwarte ich Sie also morgen um zwölf llhr im Bureau des Nordland-Syndikats." Digby nickte. „Noch etwas, Mr. Bennett,"— er rief den Rechtsanwatt noch einmal zurück—,„bitte annoncieren Sie diese» Haus zum Verkauf. Ich werde in Zukunft den größten Teil meiner Zeit in überseeischen Ländern zubringen und kann diese» wertvolle Eigentum nicht un- benützt liegen lassen. Ich möchte, daß e» sehr schnell verkauft wird. (Fortsetzung folgt.) Rät sel= Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. fr Zahlenrätsel. Üöo gerecht: 2. amerikanischer Industrieller: 5. Gemüseart; 6. Ueberbleibsel: 7. weiblicher Vorname: 8. Pfütze: 10. französischer Romanschriftsteller: 13. römischer Dichter: 16. Leitsatz: 19. Züchtigungsmittel: 20. Bestandteil der Frucht: 21. altes Zeugmaß: 22. deutscher Strom.— Senkrecht: 1. Gestalt in„Don Carlos": 2. In- jekt: 3. Nebenfluß der Donau: 4. Vorname einer bekannten Film- schauspielerin: 8. Nebenfluß der Donau: 9. Sängerschar: 11. Spreng- körper: 12. Keimträger: 14. Tonstück: 15. italienischer Fluß: 17. Truppenverband: 18. Fisch. Zickzackrätsel. be ber hol hin lc me mel nc o pfalz po rad rue ter tern zahl. Aus diesen 16 Silben sind Wörter von folgenden Bedeutungen zu bilden und in die wagercchten Reihen einzutragen: 1. Sagengestalt: 2. Raum für Körperausbildung: 3. Teil des Wagens: 4. süddeutsch« Landschaft: 5. Muse.— Die Zickzacklinie ergibt den Namen eines wagemutigen Mannes. Kapselrätsel. Den Wörtern Leonidas, Flachs, Henne, Verhör, Erkältung, Gunst, Zlhasver, vernünftig, Luftikus, Angermünde, Walsrode, Leder, Verdun, Druckerei, Maßliebchen, Fessel. Ringkampf sind je drei aufeinanderfolgende Buchlaben zu entnehmen. Sie ergeben, richtig gefunden, ein« Lebensregel und deren Verfasser. 1,1. —! Europäischer Staat Naturerscheinung Menschenrasse Baumfrucht Stadt in Deutschland Zlusbewahrungsort Franz. Kolonie in Afrika Europäischer Staat Italienische Gottheit — etr— (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworlrötsel. Wagerecht: 2. Mai: 4. Ill: 7. Ufa: 8. Nil: 10. Arm: 11. Landeck: 14. Ena: lö. Jau: 17. Gries: 18. Diele: 19.««In; 23. Blech: 23. Lee: 26. Aal: 28. Hydrant: 32. Ohr: 33. Akt: 34. Uri: 35. ein: 36. Eis.— Senkrecht: I. Hus: 2. Malve: 3. Inn: 4. Ile: 3. Lakai: 6. Ems: 9. Idol: 12. Aas: 13. Cid: 14. Eifcl: 16. Ilebel: 20. Lehre: 21. Ney: 22. Kork: 23. Bon: 24. Latus: 27. Boy: 29. Dan: 30. Ate: 31. KO. Rösselsprung: Sucht dich die Freude, grüße sie, -rie schmückt das Erdenlcben, Gib Raum ihr und vergiß es nie, Daß Flügel ihr gegeben. I Sturm. Geographisches Bricswagerätsel: 1—2 Nauheim: Z— 3 Maas: 2— 11 Moers: 3— 1 Suhl; 3— 6 Aachen: 5— 7 Altenbeken: 5— 8 Augsburg: 8— 7 Großbritannien. 9— 10 Rheine: 10— 11 Ems: 12— 4 Mosel; 4—13 Luzern; 14— 15 Ems. Worträtsel: Wetter, Enkel, Inge, Hingabe, Reger, Auge, Eeder, Hegel, Tort, Eichel, Rame.— Weihnachten. Wer weiß das? Seit dem Jahre 1898, in dem Frau Curie das Radium entdeck: hat, sind in der ganzen Welt noch nicht 230 Gramm von dielem Element produziert worden. * In New Sl)orf allein lebe» mehr Juden als in ganz Deutschland (600 000).. * Der größte Mäusejäger ist der Sperber. Er vertilgt täglich bis zu 30 Stück. ★ Die Augen der Eule sitzen ganz sest in ihrer Höhl« und sind daher vollkommen unbeweglich. Dafür kann dieser Bogel aber den Kops fast im Kreis« herumdrehen. helbst Nr. 592 45. Jahrgang Technik Sonnabend 15. Dezember 1928 Der technische Weihnachtsmann. Was Vater selber bauen kann! Weihnachten steht vor der Tür! Alle Spielwarengeschäfte bieten ihre das Kinderherz erfreuenden Dinge dar. Die„ Technit" hat im vergangenen Jahre in einer besonderen Nummer Kind und Technik vor allem auf die guten Baukästen hingewiesen. Heute bringt fie Beiträge von Arbeltereltern, die ihren Kindern felbft Weihnachtsgeschenke fertigten, die geringe Kosten erforderten, am Weihnachtsabend aber ungeheure Freude auslöften. Sie geben Anleitungen für diejenigen, die eine Caubsäge, einen fleinen Holzbohrer, einen fleinen Hammer und kleine Nägel, einen Leim- und einen Farbentopf im Hause haben.( Die Redaktion.) Eisenbahntunnel. 3u der Spielwarenausrüstung eines richtigen Jungen gehört natürlich eine Eisenbahn. Es ist vollkommen gleichgültig, ob sie aus Blech ist und in einem Warenhaus erftanden wurde oder ob sie der Bater etwa schon aus Bigarrenfistenbrettern selbst gebaut hat. Diese Eisenbahn muß nach dem Kinderwillen unweigerlich durch einen Tunnel fahren, sonst ist sie eben feine Eisenbahn. Den Tunnel machen wir auch wieder selbst. Wir schneiden uns aus einem stärkeren Brett zwei hufeifenförmige Bogen heraus, die die Stirn wände des Tunnels abgeben. Die Bogen werden mit einigen schmalen und dünnen Holzleisten verbunden und über das ganze wieder Bappe genagelt. Der Tunnel ist in seinem Rohbau schon fertig. Er soll aber aus Felsen bestehen. Dazu brauchen wir fein Material aus einem Steinbruch, sondern Gips. Bir rühren eine Gipsmasse ein, die wir möglichst did und in möglichst zadigen Formen mit einem breiten Messer auf die Pappe auftragen. Wenn das Ganze getrodnet und die Felsenformation mit entsprechenden Farben betupft ist, wird der kleine Eisenbahner einen Tunnel befigen, der dem Bater etwa 30 Pfennig Untoften, dem Jungen aber große Freude macht. Hausbau". Trapper und Indianer zu spielen, ist immer noch ein Hochgenuß für die Jungen. Wenn die Tage im Winter kürzer werden und der Aufenthalt im Freien, auf der Straße und in den Parks fehr start verkürzt werden muß, besteht die meiste Neigung, das Spiel auf dem großen Stubentisch fortzusetzen. Der Junge wünscht fich Trapper und Indianer, diese Menschenrassen, die er beim Spiel im Freien selbst verförpert, en miniature als 3innfiguren dargestellt, mit denen er das Spiel weiterspielen kann. Der einigermaßen geschickte Bater fam fich eine Indianerbehausung, wie sie etwa die Abbildung zeigt, sehr leicht selbst herstellen. Mäßig starte Pappe wird zu einem Zylinder zusammengeflebt, auf den ein kegelförmiges Dach gesetzt wird. Dieses Dach ist sehr einfach herzustellen, indem man nämlich aus einer freisrunden Scheibe aus Pappe einen Keil nach Art eines Tortenausschnittes herausschneidet. Dieses so im Roh bau fertige Indianerhaus wird mit Bast, den man für 10 bis 20 Bf. in jeder Blumenhandlung erstehen fann, beklebt. Ein Ausschnitt als Tür wird das Haus vervollständigen. Unkosten etwa 10 Pfennig. Auf dieselbe Art und Weise läßt sich natürlich auch ein Haus mit einem sechseckigen Grundriß und einem schrägen Dach und ein Blockhaus, natürlich für die Trapper, bauen. Für das Blockhaus nimmt man als Baustoff allerdings besser Zigarrenkistenholz, das man mit der Laubsäge zuarbeitet. Die einzelnen Wände und das schräge Dach werden mit dünnen Nägeln zusammengenagelt. Die Bekleidung der Hausflächen geschieht am besten mit dünnen Zweigen von Sträuchern, die man sich sehr leicht beschaffen kann. Man mähle die Zweige nicht stärker wie das dünne Ende eines Normalfederhalters, Mir Tischlerleim lassen sich die einzelnen Zweigstückchen sehr gut aufkleben, und die Illusion eines wirklichen, alten Block hauses wird noch dadurch erhöht, daß man zwischen die„ Baum ftamm" Fugen vereinzelt ganz fleine Moosstüdchen flebt. lleber: haupt spielt die Phantasie des Ausführenden bei der Herstellung von Kinderspielzeug die Hauptrolle. Zu einer Gegend, in der Trapper und Indianer leben, gehören natürlich auch Bäume und Sträucher, die wir ebenfalls selbst wachsen lassen wollen. In ein kleines Bigarrenfiftenbrettchen von etwa vier Zentimeter im Quadrat wird ein Loch gebohrt, als Baumstamm dient ein etwas stärkerer Zweig, an dem man Berästelungen stehen lassen kann, und als Baumkrone nehmen wir das Kernstück einer„ Luffa- Gurte", wie die Mutter sie zum Abwaschen benügt. Ein wenig grüne Farbe auf das Geäftel und Geäder, der Luffa- Gurfe gebracht, läßt einen wunderschönen Baum erstehen. Als Sträucher dienen die Abfälle der Gurke, die wir auf fleine Holzstückchen aufleimen. Ein Kran. Der abgebildete Kran stellt allerdings höhere handwerksmäßige Anforderungen an den Weihnachtsmann im Hause. Als Grundlage dienten die in fachgemäßer Eisenkonstruktion hergestellten Krane, wie sie auf Berladeplägen stehen. Das Material für unseren Modellfran besteht aus Messingblech von 0,5 Millimeter Stärke, das in Streifen geschnitten und zu ,, Binfeleisen" umgebogen wurde. Die Berstrebungen sind glatte Messingstreifchen. Die ganze Konstruktion wird mit einem kleinen Lötkolben an den Stellen, wo in der Wirt lichkeit die Nieten figen, zusammengelötet. Ber noch naturgetreuer arbeiten will, fann sich fleine Messingnägel mit halbrunden Köpfen Paufen, den Schaft der Nägel mit der Beißzange abkneifen und die jo gewonnenen ,, Rietenföpje" noch einzeln auf die Berbindungsstellen auflöten. Das Kranführerhaus ist wieder aus Zigarrentistenholz hergestellt. Man tann jogar ein halbrundes Dach darauf setzen, indem man den dünnen Boden einer Zigarrentiste in heißem Waffer biegt. Für die Winde im Kranführerhaus finden sich sicher in Vaters Werkzeugtifte fleine und große Zahnräder aus einer ausgedienten Bederuhr, mit deren Hilfe eine geeignete Uebersetzung der Winde zu schaffen ist. Ber etwa im Besige eines fleinen Regelrades mit dem dazu gehörigen Trieb ist, fann den Kran sogar schwenkbar Das Modellschiff! machen. Das kleine Modellschiff ist schon Schiffbaukunft. Zu seiner Hereinen halben Meter langes Schiff aus drei Millimeter starkem, ver zinktem Eisendraht gebogen, nach Art der Gestelle für Lampenschirme verlötet und dann mit Zink oder Weißblech beplankt. Die Blechstreifen müssen getrieben werden, damit sie gut anliegen. Der Aufbau erfolgt ebenfalls aus Blech, die auf einer großen Jacht meist aus Mahagoniholz bestehenden Ausbauten der Plicht und der Kajüte aus Zigarrenholz, das mit Sandpapier geschliffen und mit Bootslad lackiert wird. Einige Schwierigkeiten bereitet der Antrieb des Schiffes. Ein fleiner Elektromotor als Maschine ist am besten und leistungsfähigsten, nur muß die Wasserverdrängung des Schiffes so groß sein, daß es auch einen kleinen Affumulator tragen fann. Große Trockenbatterien sind zwar leichter, halten aber nicht lange Wer die Zubehörteile, wie Schraube, Bentilatoren( Windhupen), Laternen, Steuerungsorgane nicht selbst herstellen fann und will, bekommt sie in einschlägigen Geschäften zu kaufen. Dor. Puppentheater. Eine unserer Abbildungen zeigt eine Buppenbühne, die allerdings mit allen Schikanen eingerichtet ist. Der Bühnenausschnitt in der Größe von 40 x 50 Zentimeter befindet sich in der Vorderwand, die gerade die Größe einer Türöffnung hat, so daß die Zuschauer in einem Raum sitzen können, während der Regisseur mit einer Hilfsperson unbeobachtet im angrenzenden Zimmer hantieren fann. Die Borderwand dieses hölzernen Theaters, das eine Tiefe von 2 Meter hat, ist bunt bemalt, um den Zuschauern auch während der Baufen einen fesselnden Anblick zu bieten. Ein breiter, tiefroter Streifen betont noch einmal den Bühnenausschnitt, den ein blauRakelenauto für's Haus 191191 ſtellung ist ein Spantenaufbau nöfig, für ben man die Zeichnungen Die Spielzeugindustrie geht mit der Zeit: Das Raketenauto" für in Seglerzeitschriften findet. Die Spanten werden für ein etwa 1.-M., mit Raketenantrieb, ist die neueste" Errungenschaft". | famtener Vorhang verdecken kann. Die große Tiefe und Breite der Bühne, die gerade in Brusthöhe angebracht ist, ermöglicht eine reichhaltige Aufstellung von Kulissen, Bersazstücken und Hintergründen. Da man von drei Seiten unbehindert an der Bühne hantieren fann, läßt sich in sehr kurzer Zeit ein Szenenwechsel durchführen. Die Kulissen und Hintergründe werden einfach in Haiter eingeschoben, die sich auf einer Führungsleiste bewegen und an beliebiger Stelle mittels Klammern festgemacht werden können. So lassen sich außer dem Proszenium bequem 6 bis 7 Seitenfuliffen hintereinander anbringen, wodurch man eine vorzügliche Lieferwirtung erzielt, die durch den abschließenden Horizont oder Hintergrund zu famoser perspektivischer Wirkung gesteigert wird. An diesem Effekt ist die Beleuchtung von großer Wichtigkeit. Da gibt es Rampenlicht, das eine unmittelbar hinter dem Bühnenausschnitt angebrachte Lichtröhre erzeugt ,,, Scheinwerferbeleuchtung" von oben, die beliebig verstellt werden kann und durch vorgejeztes farbiges Glas verändert wird. Drei Versenkungen bringen die Schauspiel figuren zum Verschwinden oder zum plößlichen Erscheinen. Dieje Figuren find in charakteristischen Umrissen aus Pappe geidmitten und bemalt. Sie werden mittels eines Drahtes von den Seitent aus bewegt, mitunter sind auch einzelne Glieder beweglich angeordnet. Wesentlich ist das gesprochene Wort, das der„ Regisseur" binden muß. Mit Leichtigkeit laffen sich auf dieser Bühne auch in geschickter Weise mit den Bewegungen seiner Schauspieler ver. tomplizierte, moderne Dramen, die mehrfachen Szenenwechsel er fordern, vorstellen. Gerade der kleine Bühnenausschnitt in Ber bindung mit der außerordentlichen Bühnentiefe ergibt die reiz vollsten Bilder, die bei wechselnder Beleuchtung Groß und Klein mit Bewunderung erfüllen. Ein Max- Eyth- Abend. Bor zahlreicher Zuhörerschaft sprach Schriftsteller Rodegg in der Bücherstube des VDI. über den Ingenieur und Dichter Mar Eyth. Anschaulich und packend wußte der Vortragende das arbeitsreiche Leben und die starke Persönlichkeit Enths darzustellen. Neben Weber gilt Enth als der berufene Dichter ber Technit. 1836 in Kirchheim unter Ted als Sohn schriftstellerisch begabter Eltern geboren, zeigte er bereits in jungen Jahren einen auffallenden Hang zur Technik. Nach seinem Studium auf dem Bolytechnikum in Stuttgart ging er 1861 nad) England, wo er mit John Fowler bekannt wurde, der damals die ersten Dampfpflüge baute. Enth vertrat diese Firma auf der Londoner Weltausstellung. Ein vierjähriger Aufenthalt in Aegypten war der Dampfkultur und den Bewässerungsanlagen dieses Landes gewidmet. Danach trat er wieber in Fowlers Geschäft ein, unternahm längere Reisen nach Amerita, Rußland, Algier, der Türtei auch eft. indien, Peru und Kalifornien besuchte er. Nach Deutsch land kehrte er erst 1882 zurück, und zwar erst nach Bonn, dann nach Berlin, bis er sich 1896 zu dauerndem Aufenthalt in lin niederfieß, wo er auch 1906 starb. Die Gründung der„ Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft" war seine lezie große Tat. Hast du bedacht: Zum Spiel der Oesterreicher. Weihnachtseinkäufe kannst du am Sonntag auch nach dem Ländermachen. Es beginnt pünktlich 13.30 Uhr, in der Lehrfer Straße, im Arbeiterfußballspiel Deutschland- Oesterreich Poststadion! Sie repräsentieren den Fußballsport. Zu dem Spiel der österreichisch- deutschen Arbeiter Fußballmannschaften am Sonntag, 13% Uhr, im Post stadion, wird uns noch folgendes mitgeteilt: Die Erst vom Jahre 1926 an tann in Desterreich von einer ArbeiterFußballbewegung gesprochen metden. Es gab vor dieser Seit mur einen allgemeinen österreichischen Fußballverband, dessen Präsident der sozialdemokratische Nationalrat Volkert. Wien war. Klassengegensäge beeinflußten die Struktur des allgemeinen Verbandes. Die Arbeitervereine bildeten den ausschlaggebenden Bestandteil der Fußballorganisation. Als es dann bei der Entscheidung über Spiele gegen das faschistische Italien zum Krach tam, mußten die politischen Gegensätze der Führer, Bereine und Mitglieder das Ende dieser Sportgemeinschaft herbeiführen. Die der Sozialdemokratischen Partei nahestehenden Mit glieder hatten die Mehrheit; sie setzten die Trennung durch und überließen die dem Berufsspielertum nahestehenden ,, unpolitischen Vereine" und Mitglieder ihrem Schicksal. Diese Trennung schaffte eine flare Linie. Die ,, unpolitische" Organisation umfaßt außer einigen wenigen Amateurvereinen nur die Profitvereine, die als Voltssportorganisation völ lig wertlos sind. Hinter der Organisation steht feine Bemegung. In Niederösterreich fann von einer bürgerlichen Sportbewegung überhaupt keine Rede sein. Fast alle Fußball pereine gehören dort zur Arbeitersportbemegung. Diese Bewegung vergrößert sich ständig. Fast alle Gewerkschaften sind größere Betriebe haben Sportvereine und Sportsektionen gegründet, die in Gemeinschaft mit den anderen schon vorhanden gewejenen Sportvereinen eine starte achtunggebietende Arbeiter Fußballorganisation bilden. Die Zehlendorfer werben. Erste Veranstaltung. Voller Erfolg. Am Donnerstag veranstaltete die erst einige Monate bestehende Frauenabteilung des Turnvereins Borwärts"-Zehlendorf einen Turnabend, um für die Sache des Frauenturnens zu werben. Das gut zusammengestellte Programm wurde in flotter Folge abgemidelt; Schülerinnen, Jungmädchen und Frauen boten ihr bestes. Von den Vorführungen sind besonders hervorzuheben die Gymnastik, Kinder und Tanzspiele sowie das Barrenturnen. Ganz besonderen Beifall fanden die Uebungen der Frauen über 25 Jahre. Die zahlreich erschienenen Zuschauer waren mit dem Gebotenen vollauf zufrieden und fargten nicht mit Beifall; viele Neuaufnahmen fonnten gleich an Ort und Stelle gemacht werden. Alles in allem zeigte diese Veranstaltung, daß auch im feudalen Zehlendorf die Sache der Arbeitersportbewegung in guten Händen ist. Auf die lebungszeiten der Frauen des Turnvereins Vorwärts" Zehlendorf sei besonders hingewiesen: Schülerinnen: Montags 6 bis 8 Uhr, Frauen und Jungmädchen 8 bis 10 Uhr; Sportlerinnen: Mittwochs 8 bis 10 Uhr, Nordschule, Potsdamer Straße 3. Jeden zweiten und dritten Donnerstag im Monat Mufifturnen im kleinen Saal des Lindenparts", Berliner Straße. Das Fahrrad auf der Straße. Gleiches Recht für Alle. Ein Freund unseres Blattes schickt uns zu dem beabsichtigten Radfahrverbot auf großen Verkehrsstraßen nach stehende Ausführungen: Nach den Nachrichten über die neue, noch in der Beratung be findliche Verkehrsordnung, soll das Befahren der Straßen erster und jedenfalls auch zmeiter Ordnung durch Fahrräder unterjagt werden. Ein solches Verbot ist bei dem besonders in letter Zeit gewaltig gestiegenen Radfahrverkehr von einschneidender Bedeutung. Das Fahrrad genießt auf der Straße nach mehrfachen Gerichts entscheidungen die Rechte eines Fuhrwertes. Wo bleibt nun dieses Recht, wenn man ihm jetzt die Straße einfach verbietet. Sollte dieses Berbot damit begründet werden, daß diese Straßen überlastet seien und durch Ausschalten einer Fahrzeuggattung mehr Raum geschaffen werden muß, so dürfte damit aber feineswegs bewiesen sein, daß das nun gerade das Fahrrad sein muß. Wirtschaftliche und soziale Belange müssen hierbei in erster Linie berücksichtigt werden. Man wird auf den für das Verbot in Betracht kommenden Straßen faum einen Radfahrer finden, der zu seinem Vergnügen fährt, es find alles Fahrer, die ihrem Beruf nachgehen: Zeitungsfahrer, Boten, Arbeiter und Angestellte, die zu ihrer Arbeitsstätte fahren. Wie steht es in dieser Beziehung mit den Autos? Viele Damen fahren mit ihrem Auto in der Stadt spazieren, und dann braucht man nur die Autoparks vor den großen Warenhäusern, den Restaurants und den sonstigen Bergnügungsstätten anzusehen, um einen Einblick in die wirtschaftliche Seite der Autofahrten zu bekommen. Während also der Radfahrer sein Fahrzeug zu rein wirtschaftlichen Zweden benutzt, dient das Auto vielfach mehr dem Vergnügen. Das Fahrrad zu verbieten, dürfte daher sehr wenig wirtschaftliche Einsicht verraten. Wenn es sich aber nur darum handeln sollte, die Straßen zu entlasten, so brauchte man nur cine Anzahl Autos in eine Nebenstraße ablenken. Dem schnell fah ienden Auto macht ein kleiner Umweg nichts aus, auch nicht der in ihrem Auto herumbummelnden Dame, aber dies dem Radfahrer zuzumuten, der ohnehin schon müde und abgespannt von seiner Arbeitsstätte heimkehrt oder mit schwerem Gepäck belastet ist, ist nicht angängig. Das Fahrrad ist das Auto des fleinen Mannes, er benußt sein Fahrzeug nur zu wirtschaftlichen Zweden, beansprucht auf der Straße nur einen Bruchteil des Raumes, den ein Auto einnimmt, ihm nun diese Straße verbieten, damit den Autos mehr freie Bahn geschaffen wird, hieße dem Boltsempfinden einen Schlag ins Gesicht versezen. Die Radfahrer müssen ebenso wie die Autobefizer auf die Rege: lung des Berkehrs Einfluß gewinnen, nur dann werden sie zu ihrem Recht tommen. Es gibt unter den Radfahrern natürlich auch rud sichtslose Fahrer, aber hiergegen vorzugehen, dürfte der Polizei nicht schmer fallen. Zu prüfen wäre noch, ob man, wie es aud für Autos und Krafträder vorgesehen ist, das Befahren dieser Straßen nicht jugendlichen Personen bis zu einem gewissen After, denen es für den Verkehr in solchen Straßen noch an der nötigen Umsicht fehlt, verbietet. Auch das Mitnehmen einer zweiten Berjon auf einfizigen Rädern, mie namentlich das mit nehmen von Kindern, muß untersagt werden. Wer darf Auto fahren? R. Der internationale Führerschein.*] Fast alle Kulturstaaten haben ein gemeinsames Abkommen mit einander über den internationalen Fahrzeugperfehr getroffen. Beabsichtigt ein Deutscher mit seinem Kraftwagen oder bürgerrechts nicht berechtigt seien. meinden, im Gegensatz zu Städten, zur Berleihung des Ehren Motorrad ins Ausland zu reisen, so ist die Erwerbung eines inter nationalen Fahrausweises notwendig. Nur der Eigentümer des Fahrzeuges hat den Antrag auf Ausstellung eines solchen Ausweises zu stellen und zwar bei dem Landrat, Regierungs- oder Polizeipräsidenten, in deffen Bereich die Wohnung oder der jeweilige Aufenthaltsort des Gesuchstellers liegt( in Berlin wieder an das Kraftverkehrsamt). Dem Gesuch sind beizufügen: 1. Zulassungsbescheinigung des Fahrzeuges, mit dem die Reise in das Ausland unternommen werden soll, 2. der deutsche Führerschein derjenigen Bersonen, die beabsichtigen, im Ausland das Fahrzeug zu steuern und 3. je ein Lichtbild dieser Personen( Bruftbild ohne Kopfbedeckung, unaufgezogen, Größe etma 4% Zentimeter im Quadrat). Der Antrag muß Angaben über die Anzahl der Motorzylinder, die Farbe und Form der Aufbauten( Landoulette, Limousine usw.), sowie die Gesamtzahl der Bläge und die polizeiliche Erkennungsnummer des Fahrzeuges enthalten. Diese Mitteilungen sind erforderlich, weil der internationale Fahrausweis für den Wagen bzw. das Kraftrad gilt, die im Auslande benutzt werden sollen. Der Inhaber eines internationalen Führerscheines darf nämlich im Auslande mur das Fahrzeug steuern, das in dem Schein beschrieben ist. Zu der Anlage zwei sei bemerkt, daß nicht allein der Besitzer des Fahrzeuges, sondern auch seine Begleiter, die den Bogen im Ausland steuern wollen, in den Ausweis aufgenommen werden fönnen. Die Gebühren für die Ausstellung eines internationalen Führerscheines betragen 15 M., gleichpiel, ob nur eine oder mehrere Bersonen eingetragen werden oder ob es sich um einen Kraftwagen oder ein Kraftrad handelt. Der Fahrausweis gilf nur für ein Jahr. Eine Berlängerung wird nicht vorgenommen, sondern bei Ablauf der Gültigkeit muß ein neuer Ausweis ausgefertigt werden. Hierzu ist wieder ein gleicher Antrag wie oben beschrieben mit denselben Unter lagen und Beschreibungen erforderlich. Für Personen unter achtzehn Jahren darf fein internationaler Fahrausweis ausgestellt werden. Für einen Ausländer in Deutschland genügt der in feiner Heimat ausgestellte Führerschein nicht zur Erlangung eines internationalen Fahrausweises. Will er jedoch hier ein Kraftfahrzeug führen, so hat er sich einen deutschen Führerschein zu beschaffen. Dieses Ziel ist ohne besondere Schwierigkeiten durch Teilnahme an einem fogenannten verkürzten Fahrkursus zu erreichen. Dadurch wird ein internationaler Fahrausweis überflüssig. Deutsche Kraftwagen im Auslande müssen mit einer tieftönenden, Kraftdreiräder oder zweiräder mit einer hochtönenden Hupe versehen sein. Bei Motorrädern ist ferner das polizeiliche Kennzeichen auch am hinteren Ende in ein- oder zweizeiliger Ausführung anzubringen. Der Eigentümer eines deutschen Kraftfahrzeuges, der sich im Besiz eines internationalen Fahrausweises befindet, ist berechtigt( also nicht etwa gezwungen!) in Deutschland neben dem polizeilichen Kennzeichen das Nationali tätszeichen das" D" zu führen. Es ist an der Rückseite des Fahrzeuges gut sichtbar zu befestigen und muß während der Dunkelheit beleuchtet werden können. Ausländische Kraftfahrzeuge-müssen außer ihrem heimatlichen Kennzeichen an der Rückseite noch das Nationalitätszeichen als Unterscheidungszeichen tragen. Sämtliche an dem hinteren Teile des Fahrzeuges angebrachte Kennzeichen find während der Dunkelheit oder bei starkem Nebel gut zu beleuchten. Kraftdreiräder oder zweiräder find von dieser Vorschrift befreit. Bei diesen ist nur eine Laterne vorn zu befestigen. am Deutsche Polizeiboxer nach London. Die Londoner Polizei- Athletic- Association veranstaltet 20. Februar in der Albert- Halle ihre alljährlichen Meisterschaften im Bogen. In einem sehr liebenswürdig gehaltenen Schreiben wurde auch der Polizeisportverein Berlin eingeladen, zwei seiner Besten nach London zu entfenden. Eine Beschlußfassung darüber ist noch nicht erfolgt, es ist aber anzunehmen, daß der Einladung Folge geleistet wird. Was der Kritiker sagt: Aus einem revolutionären Turnverein. Der ausgeschloffene Turnverein Fichte hat seltsame Sorgen. Lesen wir da in einem Bericht feines futuristischen Presseorgans folgenden Satz: Kirsch( das ist der Vorsitzende! Red. d. ,, Abend"), ha sich mit der russischen Botschaft in der Troßfi- Angelegenheit in Berbindung gesetzt. Diese hat ihn an die Zentrale der KPD. ge miesen. Diese wird in der Generalversammlung Austunit geben..." Aus diesem vielsagenden Satz schließt der mit den verschlungenen Pfaden der Fichtepolitik vertraute Striliter auffolgenden diplo matischen Vorgang: In der„ Fichte" gibt es Troglisten( un erhört!). Diese aus Gründen der politischen Schutzfärbung figh ,, Leninisten" nennenden ,, Brandlerianer" und Versöhnler" inter pellieren die Fichtesowjetregierung wegen der Behandlung des tranten Trogti. Der Fichte- Sowjet beschließt, den ,, Boltsbeauf tragten Kirsch zur russischen Botschaft zu schicken, um eine Demarche" in befagter Angelegenheit zu unternehmen. Aber der Bortier der Botschaft will die Fichte als souveräne Macht nicht an erkennen und weist Kirsch an die KPD.- Zentrale. Diese gibt den Bescheid, daß sie höchstselbst in der Fichte- Generalversammlung die verlangte Auskunft geben werde. Daß du die Nase im Gesicht behälft," würde Onkel Bräfig fagen. * Tempo, Tempo! Ein Ulstein- Jüngling hat zwischen der 17. und 18. Meinung, die er über den Streit der Sportstudenten sich ge bildet hat, noch 3eit gefunden, über die Spaltung im Arbeitersport nachzudenken. Er gibt folgendes von sich: .. Ein schwerer Kampf tobt im Arbeitersport. Zwischen den sozialdemokratischen und kommunistischen Gruppen gibt es teine Brücke. Wie lange wird es dauern, bis eine neue Spaltung kommt? Man soll eben Sport nicht auf politisches Gebiet schieben. Die sozialistischen Bereine führen den Stampf nach zwei Seiten. Die sozialistischen Lehrer find aufgefordert worden, aus den bürgerlichen Berbänden auszutreten, um den sozialistischen Sport zu stärken. Man bringt die Lehrer in Gewissenkonflikte und wer leidet darunter? Die Jugend, die ihre Führer verliert. Inzwischen jagt man sich gegenseitig die städtischen llehungsgelegen heiten ab, je nach der ,, obwaltenden Majorität". Solidarität?" Laßt det Kind die Boulette! # Wiedersehen! Die Berliner KPD. batte furz vor dem Hinaus murf ihrer Anhänger eine Art Wochenendblatt mit zweimaligen Erscheinen herausgebracht, für das der Volksmund gleich den richtigen Namen geprägt hat. Das Blatt sollte in erster Linie der Sportpropaganda dienen und zugleich ein Geschäftchen werden. Der letztere Wunsch scheint nicht in Erfüllung gegangen zu sein, Montagmorgen. Bielleicht hat das fommunistische Abendblatt mit denn das Blatt geht jetzt zur Hälfte ein und erscheint nur noch am demdoppelten Gesicht, die Rivalin totgebissen, denn am Abend muß der Kommunist eben à la Karl May denken, während er morgens mit einer geläuterten Sele zu wahrer Thälman- Dmanie zurückkehren darf. Am Montagmorgen bleibt ihm sein Traftätchen Stalin sei Dant erhalten, Wintersport der Naturfreunde. Zur Einführung in die Wintersporttechni? bedarf es auch einiger theoretischer Kenntniffe, die nur durch rechtzeitige Bor bereitung in. Trockenkursen und praktischen Uebungen auf dem weißen Felde im hügeligen Gelände erworben werden können. Die Zusammenfünfte der Wintersportabteilung des TouristenBereins Die Naturfreunde" dienen, insbesondere dieser Arbeit. In der nächsten Besprechung am Montag, 17. Dezember, 20 Uhr, in der Geschätsstelle, Johannisstraße 14/15, fommen die nächsten Arbeiten im Berliner Gebiet und die Fahrten mährend der kommenden Feiertage zur Distusfion. Wintersportler unter den Naturfreunden, unter anderen Arbeitersportgruppen, mie auch vor allem intereffierte Parteimitglieder, find hierzu herzlich willkommen. Die schweren Gewichte"! Am Freitag veranstaltete der Polizeifportverein einen Borabend für die schweren Gewichtsklassen". Die Vorweihnachtsstimmung wirfte sich nicht so sehr auf das Publikum wie man hätte erwarten sollen als auf die Atteure aus. Eine Anzahl Gemeldeter erschien nicht, so daß neue Paare zusammengestellt merden mußten. 3m einzelnen lauten die Ergebnisse: Mittelgewicht: Schindler( Westen) über Spielmann( Bolizei), Thoren( Westen) über Bolz( Astoria). Halbschwergewicht: Masa( Polizei) über Amelung ( Astoria), Korduan( Polizei) über Brunkow( Weißensee), Schwarz ( Weißensee) über Bauz( Polizei). Schwergewicht: Lungwiz ( Astoria) über Michaelis( Polizei). Alle Siege waren Punktentschei dungen bis auf den Halbschwergewichtstampf Heinze( Westen) gegen Kaul( Polizei), den Heinze bereits in der zweiten Runde durch einen f. o. gewann. Bundesreue Vereine teilen mit: FZOB., Bezirk Tempelhof- Mariendorf. Die Mitglieder beteiligen fich am Länderfußballspiel Desterreich- Deutschland. Billetts zu 50 Bf. find bei ini Schulz, Tempelhof, Gäßnerweg 21 I, zu haben. Fußball- Länderspiels llebungsstunde im Grunewald. Treffen 8 Uhr Bolter aur Einteilung ber Bushballmannschaft. 13% Uhr im Boftstadion. Wintersportler 1. Kreis. Morgen, Sonntag, vor dem Besuch des Bahnhof Grunewald. *) Siehe auch Sportteil des Abend" vom 13. Dezember. Baffersportler nuen. Die Reigenmannschaft und Bushballspielerinnen treffen fich Gonntag, 16. Dezember, 19% Uhr, im gunapart und melden fich bei Menne Arbeiter- Rabjahrerverein Groß- Berlin, Conntag, 16. Dezember, 13 Uhr, nach Sirschgarten( Beltreſtaurant). 1. Weihnachtsfeiertag Weihnachtsfeier in Treptow, Barfftr. 2, bei Philipp Fans. Anfang 16 Uhr. Start Waldemar. ftrage, Ede Mariannenplag. Gäste willkommen. Internationaler Fußballkampf Oesterreich- Deutschland Sonntag, 16. Dezember 1928, 13.30 Uhr, Poststadion Lehrter Str. ( Auswahlmanschaft des Verbandes der Amateurfußballvereine Oesterreichs) verbunden mit einer Anschluß- Kundgebung der Arbeiterschaf. Es sprechen: Nationalräte Dr. Julius Deutsch und Karl Volkert, Wien, Reichstagsabgeordnete Arthur Crispien und Franz Künstler, Berlin. Die Reden werden durch Lautsprecher übertragen. ( Arbeiter- Turn- und Sportbund) Arbeiter u. Angestellte Berlins! Uebt Solidarität. Besucht die internationale Veranstaltung der Arbeitersportler. Volkstümliche Preise! Stehplatz 50 Pf. Tribüne 1 M. RECENTE Red Ferni unt a. Ani Fra fu reg nen ge übe Sa ta zu Ad fta bes ger Ro Mi Da Ei de be Lo mo fo we tr tr ein gr La pl R di in 10 594 108 D h b C 9