Abendausgabe Nr. 600 B 299 45. Jahrgang Böchentlich 881. monalfi &, 60 tm soraus zahlbat, Boftbezug 4.32 802. einscht Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat * Der Bormarts" ericheint wochentag lich zweimal, Sanntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Des Abend", Jlluftrierte Beilagen Bolt und Zeit und Rinberfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen". Frauen ftimme, Techuit". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 20. Dezember 1928 10 Pfennig Die einfaltige Ronpareillezetle 80 Bfennig. Steflamezeile 5- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge. brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erste Bort 15 Bfennig, jebes meitere Bor 10 Bfennig. Borte über 15 Buchstaben adhlen für zwei Borte. Arbeitsmart Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeiges annahme im Hauptgeschäft LindenBraße 3, wochentägl. von 8/2 bis 17. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297 Telegramm- br.: Costaldemokrat Berlin Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Boftichedkonto: Berlin 87 536. Banffonto: Bank der Arbetter, Angestellten unt Beamten Ballftr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 1 SPRAN W IT T 群 S 1 Arbeiterjugend gegen Fabrikmord Der schuldige Fabrikbesitzer unterschlägt Krankengelder. einer Die furchtbare Brandfetastrophe in der Schän Jeinstraße hat vor allen Dingen den verbrecherischen Leichtsinn an den Tag gebracht, mit dem jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen in so gefahrballen Betrieben beschäftigt werden. Das Schicksal ihrer Alters, und Schicksalsgenossen veranlaßt bie Organisation der Sozialistischen Arbeiterjugend zu großen Kundgebung gegen diese Ausbeutung und Gefährdung von Jugendlichen. Diese Kund gebung, die am Sonntag stattfindet, wird vollste Unterstügung und Sympathic auch bei den erwachsenen Ar. beitern finden. Es ist zu erwarten, daß die Beteiligung eine sehr starke und daß der Rotschreiber Jugend seluen Eindrud nicht verfehlen mird. Bersicherungsbeiträge unterschlagen. Zu dem furchtbaren Brandunglück in der Schönleinstraße mind uns folgendes mitgeteilt: Die Heilungs und Bestattungstpften der bedauernsmetten Opfer, dieser Brandfatastrophe merden selbstverständ lich von der Allgemeinen Ortsfrankenkasse der Stadt Berlin getragen, trotzdent diese Krankenkasse von dem Inhaber der Firma Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Am Sonntag, 23. Dezember, vormittags 11 Uhr Oeffentliche Kundgebung: Räuber in bayerischen Wäldern. Selbstmord eines Räubers.- Gendarmeriefommandant getötet. Wie bereits in der Morgenausgabe mitgeteilt, maren am Miffwoch abend zwei Räuber in die Station staffeder Station ulmbach in Nordbayern eingedrungen und hatten, während sie den Kassenverwalter mit Revolvern in Schach hielten, 9000 mart geraubt Darauf flüchteten die Räuber in einem Mietauto nach Cichtenfels, mo sie von der Gendarmerie zwar angehalten murden, aber nach einem Feuergefecht abermals flüchteten. Irohdem fie non der Gendarmerie verfolgt wurden, muß es ihnen gelungen fein, unauffällig einen Zug zu beffeigen, denn aus dem am Donnerstag früh in Neuen marti- Wirsberg aus Lichtenfels ankommenden Berfonenzug stiegen auf der verkehrten Selle zwei verdächtige Perfonen aus, auf die die perjonalbeschreibung ber Kulmbacher Räuber zufraf. Sie wurden dabel von Bahn- und Gendarmeriebeamten bemerkt und sollten festgenommen werden. Hierbei entspann sich wieder ein lebhaffes Feuergefecht, bei dem der Stationsvorsteher Kraus aus Neuenmarti durch drei Bauchschüsse schwer verletzt wurde. Einer der Räuber verübte Selbstmord, der andere flüchtete. Bei dem Getöteten wurden Ausweispapiere auf den Namen Johaun Brauer aus Hohenedenloben gefunden. Die in der Lichtenfelfer Gegend aufgestellte Candespolizei murde jofort nach Belanntwerden der Tat nach Neuenmarti- Wirsberg beordert. Diese nordöstliche Ede Bayerns scheint vom räuberifidh erinnern, daß die Einteffelung und die Festnahme des Raubmörders Hein auch in dieser Gegend, in den Wäldern zwischen Ciglenfels and Blenz und bei Koburg erfolgte. Arbeiterjugend in Not! den Gefindel ganz besonders bevorzugt zu werden, denn man wird Die Toten klagen an in der Aula des Kaiser- Friedrich- Realgymnasiums, Neukölln, Kaiser- Friedrichstr. 208/210. Es reden: Clara Bobm- Schuch, M. d. R., Ludwig Diederich, Erich Olenhauer. Erscheint in Massen. Protestiert gegen die Gefährdung junger Menschenleben wie sie die Brandkatastrophe, in Neukölln gezeigt hat. Für Jugendschutz und Jugendrecht. Dr. Boeder u. En., dem Kaufmann Wilhelm Trogfi, fon feit Jahren teine Beiträge erhält. Trojti hat bereits am 8. August d. 3. den Offenbarungseid geleistet. Kranten. faffen und Arbeitslojenbeiträge wurden von ihm grundfäßlich nicht entrichtet. Seit Dezember 1924, aljo feit vier Jahren, hat er sich systematisch seiner Beitrags. pflicht entzogen. Während dieser ganzen Zeit erhielt die Kranten Passe von ihm anscheinend nur versehentlich- 26,70 0, währender fast 6000 Mart schuldig blieb. Die feinen Beschäftigten vom Lohn gekürzten Beitragsteile verwendete er ver. mutlich für eigene 3mede. Er wurde deshalb im Juni d. I.( und zwar als Inhaber der Firma Haustein u. Freund) mit einer Woche Gefängnis bestraft. Sechs mettere Strafanzeigen megen des gleichen Deliftes schmeben noch. Trogli hatte es bisher nerftanden, diese Strafsachen zu verfchleppen. Wenn ihm jetzt vorgeworfen mird, daß er es unterlassen hatte, durch Sicherheits maßnahmen seine Beschäftigten vor einem Unglüd von diesen Aus maßen zu schüßen, dann muß ihm noch der meitere Vorwurf ge macht werden, der Krantentaffe die Mittel zur Unterstüẞung der Opfer feines Betriebes vorfäßlich entzogen und sich an den Beitragsteilen feiner Arbeiter unrechtmäßig bereichert zu haben. Durcheinander bei der Aufsicht. 3u dem Unglüd in der Schönleinstraße äußert sich das BolfBei prafidium Berlin in einer längeren Ertlärung über bie Frage, marum die Gewerbepolizei den Betrieb der Radio fabrit Dr. Baeder zugelaffen und nicht häufig fontrolliert habe. Dazu müffe gesagt werden, so heißt es, daß nach den geltenden Be stimmungen der Inhaber der Fabrit, Troßfi, die Verpflichtung hatte, seinen Betrieb der Polizei anzumelden, wenn er bauernb Dher auch nur vorübergehend mehr als 50 Kilogramm Zelluloid in Den Betriebsräumen nerarbeitete oder lagerte. Trogti ist dieser NBerpflichtung nicht nachgefommen, so daß die Gewerbepolizei von dem Borhandensein größerer Mengen Selluloid nichts mußte. Hätte Trogti ordnungsmäßig seinen Betrieb angemeldet, so würde die Gemerbepolizei im engsten Zusammenarbeiten mit der ebenfalls dem Bolizeipräsidenten unterstehenden Feuerpolizei fofort geprüft ( Forthegung auf der 2. Geite.) Es murbe festgestellt, daß die beiden Kulmbacher Räuber in Unter Mi fteinach den Bersonenzug Lichtenfels- Hof mit Fahrtarten nach Plauen bestiegen hatten. Der Stationsvorsteher in Untersteinach erkannte die Räuber und verständigte die Gendarmeriestation Neuenmarkt- Wirsberg. Deren Beamte bestiegen beim Eintreffen des Zuges in Neuenmarkt den Wagen, in dem die Berbrecher Plaz genommen hatten. Als diese die Beamten nahen sahen, er öffneten sie das Feuer und streďten den Stations. aus Neuenmarkt durch vier tommandanten Kraus Schüsse nieder, die inzwischen den Tod des Kraus herbeigeführt haben. Der eine der Verbrecher flüchtete in Richtung Kupferberg. der andere rannte über die Gleise in einen nahen Garten, wo er, sich erschoß, als er feinen Ausmeg mehr jah. Man fand bei ihm einen Sched über 4300 M. Seine Ausmeispapiere lauten nach den Feststellungen auf Joseph Braun, Bierbrauer aus Eggelfoben bei Neuenmarkt. Die Untersuchung des Raubüberfalles in Kulmbach hat ergeben, daß den Räubern insgesanit 10185 m. in die Hände gefallen sind. Die beiden Verbrecher haben im Hotel Anter in Lichtenfels genächtigt. In dem Gepäc, das beide in dem Hotel zurüdließen, fand man außer Wäsche und Toilettegegenständen Munition in größeren Mengen für zwei verschiedene Pistolenarten. Am Mittwochabend hatten 100 von der Landespolizei aus Großicuer im Zentrum. Gefängnis für Nasse. Berichte 2. Seite Weihnachtsbotschaft. , Was?- Frieden auf Erden? Nein, mein Lieber, mit folchem pazifistischen Schmus macht die Schwereisenindustrie feine Geschäfte!" utitfdy ebenen?i»rdnayenis unter Führung d«s ftriwi» ! alloimniflor? Meyer-NLrnberg, der bereits bei der Ergreifung des 'liaubmöbders �ein hier tätig war,«ine Streife unternommen und ein großes Gebiet im Banzer Wald umstellt und pl an m ä ß ig durchsucht. Der mangelnde Arbeiterschuh. (Fortsetzung von der l. Seite. 1/niwn, ob und inwieweit der Betrieb in den Räumen Schöniein» strahe zugelassen werden konnte. Ein schuldhaftes Unterlossen der staatlichen Dienststellen liegt somit nicht vor. da diese Stellen von sich au» keine lückenlose Kenntnis davon haben können, an welchen Stellen und in welchen Gebäuden Berlins derartige Ke» triebe vorhanden sind. Die Polizei ist daher auch in diesem Fall« auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen, die deshalb nochmals dringend gebeten wird, alle ihre Wahrnehmungen »ach dieser Richtung hin zur Anzeige zu bringen. Hierzu wäre zu bemerken, daß doch die Radiofabrik Baecker u. Co. durch Aufsichtsbehörden an der Fortsetzung de» ersten Betriebes in der Blücher st roß« verhindert worden war. E» ist doch kaum anzunehmen.« daß nach der zwangsweisen Heber- siedlung nach der Schönleinstrohe in den Akten der Gewerbeoussichl von dieser Firma nichts bekannt war. Baupolizei und Feuer- wehr hatten seinerzeit beanstandet, daß sich die Radiosirma in der Blücherstraße auf einem Grundstück befand, auf dem«ine Garage gelegen war. Mit vollem Recht hatten diese Dienststellen ausgeführt. daß unmöglich in der Nähe von Benzin auch noch andere seuer- gefährliche Chemikalien lagerten. Man muß schon annehmen, daß über diese Borgänge auch die Gewerbeaufsicht»- behörde erfahren haben muß. den» die Borstellung, daß nebeneinander wohnende, der gleichen Zentrale unterstehend« und auseinander angewiesene vehärdenstellen sich untereinander in keinerlei Verbindung befinden, ist unausdenkbar. Nach den bisherigen Ermittlungen ist wohl nicht anzuzweifeln, daß die schuldige Firma kaum eine einzige der S ch u tz b e st i m m U n g e n sür die Arbeit nrit Zelluloid aus dem Jahre lvll beobachtet hat. Das Polizeipräsidium fährt fort: Wenn im Übrigen in der Presse darauf hingewiesen wird, daß das Brondnnglück in der Schönleinstraße dadurch besonders katastrophale Folgen gehabt hat, daß in diesem vor Iahren von der Baupolizei abgenommenen Fabrikgebäude eme, noch neueren Erfahrungen nicht mehr seuer- sichere, Granittreppe vorhanden und die Fenster„v e r- gittert" waren, so wird dieser Umstand dem Polizeipräsidenten in seiner Eigenschaft als Aufsichtsbehörde der städtischen Baupolizei Beraniassung geben, diese Stelle zu einer Nachprüfung der baulichen Einrichtungen in früher genehmigten Fabrikgebäuden an- zuhalten. In der bürgerlichen Press« wird viel von der„Schuld' de» jungen Mädchens gesprochen, da».zur Anzündung der Gas- flamme das verhängnisvolle Zelluloidstreifchen benutzte. Ein bllr- gerliche» Miiiagsblatt hat gestern freilich selbst zugegeben, daß diese Methode in dem Betriebe allgemein üblich war. Dies be- weist, daß jede ordnungsgemäß« Aussicht gefehlt hat. Man kann Kinder von 14 bi» IS Iahren unmöglich einer Schuld zeihen, weil sie ohne jede pflichtgemäß« Beaufsichtigung aus der Unbedenklich- k«it der Jugend und aus Unkenntnis der ihnen so offensichtlich von niemandem klargemachten Gefahren heraus Torheiten begehen. Die-Schuld, liegt erstens unii hauptsächlich bei der Leitung der Firma und zweitens bei der mangelivden Beaufsichtigung durch die zuständige Behörde. Wenn dies daran liegt, daß es her Stell« an Mitteln und dadurch an Beamten fehlt, so muß im dringen- den Lebensinteress« der Arbeiterschaft hier schleu- »igst ein Wandel eintreten. Es gibt Angetegenheiten, bei denen linier keinen Umständen gespart werden darf! Gefängnisstrafe für Rasse. Der Llnzuchtsprozeß gegen den Kriminalpolizeirat. Vor dem Großen Schöffengericht Schöneberg. unter Vorsitz von Landgerichtsdirekior Lempke, hatte sich heute der»riminalpalizeiral Viktor Nasse, der bisherige Leiter de, Polizeiamt» weddtng. dessen Verhaftung am Abend de» 6. November großes Aussehen erregt hatte, wegen Sitllichkeitsvergehen» an Minderjährigen nach §5 175 und 176 Abs. 3 zu verantworten. Der 51 Jahre alte Angeklagte wisd beschuldigt, die ihm zur Last gelegten Strafhandlungen von 19L6 tu» 1928 fortgesetzt durch zwei selbständige Handlungen an zwei Schülern, oon denen der eine unter 14 Iahren war, verübt zu haben. Als Sachverständiger war Medizinalrat Dr. Dyrenfurth ge- lagen. Bor Eintritt in die Berhandlung beantragte Staatsanwalt- jchoftsrat Dr. Ortmann wegen Gefährdung der Sittlichkeit den Ausschluß der vefsentlichkeit. Rechtsanwatt Dr. Neu- mmid bat jedoch um Zulassung der Press». E« bestehe der dringende Wunsch bei dem Angeschuldigten, sich vor der vefsentlich' kest nach gewissen Richtungen hin über die Entstehung seiner Straf« taten auszusprechen, da bei Beginn de« Strofoersahren» sein» Hand- tungen in einem ungünstigeren Lichte dargestellt worden seien, al» es der Wirklichkeit entsprach. Man könne zur Presse das Vertrauen haben, daß sie den Prozehstoff selbst in schonendster Wels« behandeln werde» wie das der ganz ähnlich liegende Fall de» Prozesse» o. Lützow bewiesen Hab«. Nach längerer Beratung beschloß da» Gericht, die O e f f e n t l t ch k e i t für die ganze Dauer der Berhand- lung wegen Gefährdung der Sittlichkeit völlig a u» z u- schließen, in di'esem Falle auch für die Berichterstat» tun g. Der Wunsch des Angeklagten sei zwar begreiflich, könne aber für das Gericht allein nicht maßgebend sein. Nach den Er- sahrungen dieses Gerichtshofes, der sich vielfach mit Sittlichkeitsver- gehen zu befassen habe, werden jugendliche Personen durch die Anwesenheit eines größeren Personenkreise» in weitestem Maße beeinflußt. Daher hat das Gericht sich entschieden, die Oeffentlich- keit, soweit es das Gesetz ermögliche, auszuschließen. Es wurde lediglich einem Polizeirat als Vertreter des Polizei, Präsidenten die Anwesenheit gestattet, da Ht«r ein dienstliche» Interesse in Frage komm«. Der Angeklagte, der sehr abgehärmt aussah, ist im übrigen in vollem Umfange geständig. Noch kurzer Beweisaufnahme beantragte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann g(r?n Kriminalpolizeirat Viktor Nasse l'Iahr 6 Monat« Gefängnis und tz Jahre Ehrverlust. Das Gericht verurteilte Nasse zu zehn Monaten Ge- hängnis unter Anrechnung' von ZI Tagen Untersuchungshaft. Außerdem wurde chm die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf zwei Jahre abgesprochen. Der Haftbefehl wurde aus- -Khcben, eine Bewährungsfrist jedoch nicht zugebilligt. der U-teilsbegründung führte der Borsitzende unter anderem aus, d-r Angeklagte ein unglücklicher Mensch sei, der zehn Jahr« g/'cn seine Veranlagung angekämpft habe, jedoch die un- ' Bcrfettung der Umstände, insbesondere durch den Tod Großfeuer im Zentrum. Drei Fabriken in Flammen. Dl« kette der Sroßseuer scheint nicht abzureißen. Heule früh war dt« Feuerwehr abermal» mit der Bekämpfung eine» Großfeuer» aus dem Grundstück S l r o I a u« r S k r, ß e 3/6 stundenlang beschäftig«. Der Brand war lm ?. Stockwerk de» zweiten Quergebäude, und Kellenflügel» in den Bäumen einer lülensobrik aurgebrochen und in kurzer Zeil aus die 3. und 4. Etage, in denen eine h u t � eine Sieb- und eine Zelluloidwarensabrik ihre Werkstätlen haben, übergesprungen. Hausbewohner nahmen kurz noch 5 Uhr in den Räumen der Tütenfabrik von Brackenwick«inen starken Feuerschein wahr und alarmierten sofort die Feuerwehr, die sogleich mit drei Zügen anrückte. Später rückten zwei weiter« Löschzüg« zur Unter- stützung heran. Aus dem S. Stockwerk ertönten plötzlich laut« Hilferuf» und oon dickem Qualm umwogt, erschien«in Wann im Fenster, der in die Tief« zu springen drohte. In oller Eil« wurde ein Hakenleitergang gelegt und der vom Feuer Bedroht« in Sicherheit gebracht. Der Gerettet« war von der Rauch- Wirkung so benommen, daß zunächst nicht festgestellt«erden konnte, was er um diese Zeit in der Fabrik zu tun hatte. Wie denn von der Kriminalpolizei später festgestellt wurde, handelte e» sich um «inen Kaufmann W.. der in der Fabrik beschäftigt ist unb mit der Einwilligung seines Arbeitgeberg dort geschlafen hatte. Man ver- mutet, daß W. geraucht und durch Unvorsichtigkeit das Feuer v«r- ursacht hat. Der Mann bestreitet das aber und behauptet, fest ge- schlafen zu haben. Erst durch das Herannahen der Feuerwehr will en au» seinem Schlaf erwacht sein und zu seinem Entsetzen bemertt hoben, daß sein Schlofraum völlig verqualmt war. Sein« Angaben werden noch näher nachgeprüft. Die Löscharbeiten selbst gestatteten sich infolge der starken Rauchentwicklung sehr schwierig. Da» Feuer fand an leichtbrenn- baren Gegenständen reich« Nahrung und nur mit Mühe konnte ein« weitere Ausbreitung verhindert werden. Erst nach zweistündigem starken Wassergeben war die Houpigefahr beseitigt. Ein Fabrikgebäude aus dem Zahre 1793. Glücklicherweis« ist dos Feuer zu einer Zeit ausgebrochen, zu der sich noch kein Personal in den Betrieben befand: denn sonst hotte sich sehr leicht ein« ähnliche Katastrophe ereignen können, wie man sie leider dieser Tag, in der Schönlein- strahe 5 erleben mußte. In den drei Betrieben werden nämlich insgesamt 199 Personen beschäftigt, und die Fabrik- räume sind, was die hygienischen, bau- und seuerpolizeilichen Per- hättniss« betrifft, durchaus haarsträubend. Auch hier führt von de« Hauptfabrikfälen nur«ii« Trepp« ou» Holz und Essen mit sehr schmalen Podesten ins Frei«. Es ist zwar ein««ssern« Notleiter vor- handen. aber an einem ganz anderen Flügel de» Gebävbs», so daß die Arbeiter und Arbeiterinnen»-und e» sind nicht die wenigsten— die in den großen Sälen arbeiten, lediglich diefe«in« Trepp« zur Bersügung haben, in der,« unmittelbarer Näh« da, Feuer auebrach. Allein schon die Tatsache, daß dies« Betrieb« in den Räumen einer ehemaligen Brauerei au» dem Jahr« 179Z— ein Flügel ist allerdings im Jahre 1865 erbaut— untergebracht sind, läßt erkennen, daß von den modernen bau-, seuer- und gewerbepolizeilichen Erfordernissen kaum die Rede sein kann. Di» Fenster sind noch dazu, ebenso wie in d» Schönlein« stroße, sehr solid« oergittert und lasten sich nur aus»inen schmalen Spalt öffnen, durch den sich kein Mensch htndurchzwängen kann. Die Vertreter der Feuerwehr äußerten selbst an der Brandstelle ihr« Derwunderung, daß die Bau- und Feuer- polizei dies« Fabrikgebäude für den Betrieb von Wertstitten zugelassen hat, die, wie hauptsächlich die Leuchtbuchstaben- sabrik, mit äußerst feuergefährlichen Materialien arbeiten müssen. Wo bleibt die amtliche Kontrolle? Bei dieser Gelegenheit muß mit allem Nachdruck die schon an- läßlich der Katastrophe in der Schönleinstroß« da» furchtbar« Erplosioneunglück in Dahlem scheint bei der Behörden bereits in Vergessenheit geraten zu sein erhoben« Forderung wiederholt werden, daß endlich einnial die inmitten oon Wohn- gegenden untergebrachten feuergefährlichen Fobrikbetriebe «nergischtontrplliert Verden. Auch hier befand sich wieder, wenn auch im vierten Stock, in einem Gebäudekomplez mit zahl- reichen Wohnungen ein Betrieb, m dem umfangreich« Zellvlvidvorrät« aufgestapelt waren, darunter eine znützen- sabrik mit leicht brennbaren, Material, und schließlich«in große» Papierlager, so daß dt» Flammen reich« Nahrung halten. Daß die Feuerwehr sofort mit der genügenden Stärk« von Löschzügen an- rückt«, ist auch imr der Aufmerksamkeit des Hausmeisters Bartels zu verdanken, der die Bauräte der Feuerwehr ans die Tarsache aufmerksam macht«, daß im vierten Stock Zelluloid gelagert war. Daraufhin wurden sofort der dritte und viert« Löschzuz herbeigeholt, und über zwei mechanische Leitern ging man an die Bekämpfung des Fevers. Noch ein weiterer Punkt bedarf dringend der Ausklärnng, und zwar wie es möglich war, daß der Inhaber der Tutenfobrik Adain «» seinem wohnungslosen Vertreter, dessen Schicksal gewiß be- bmeernswerl ist, gestatten konnte, in dem Papierlager zu über- nachten. Bisher ist die Frag« nicht geklärt, ob W selbst an dem Ausbrechen de, Feuers schuld ist, e» wäre aber auch eine große Verantwortungslosigkeit, einen Menschen in einem mit leicht brennbarem Materiol angefüllten Raum schlafen zu lassen und noch dazu einzuschließen. Der Schaden ist den drei Fadrikbetrieden ist beträchtlich und dürste durch die Versicherungen gedeckt werden. Allerdings sind etwa 100 Arbeiter und Angestellte zum Feiern gezwungen. da die Mammen vom zweite» Stock bis zum Dach die Decken durchgebrannt haben, so daß umfangreiche Erneuenmgö- arbeiten notwendig sind. setner grau im äst..Lebensjahr« zum Straucheln kam. In.Ke» trocht komme noch, daß er ppn einer schwer belasteten Familie stamme und ein schwerer Neurastemker sei. 8 Grad Kälte in Verlin. Berlin hatte heut« vormittag mit minu, HH Grad den kältesten Tag in diesem Winter zu verzeichnen, vi» tiefft« Temperatur in der Nacht betrug minus 8 Grad, und Im Lauf« de» Bormittags ist die Quecksilbersäule noch um einen halben Grad ge- funken. Die kättest« Stadt in der vergangenen Nacht war Grau- denz. wo minus 27 Grad gemessen wurden. In Nieder» schlesien herrschten durchschnittlich minu» 17 Grad. Dt« U r s a ch e des Kälteeinbruchs liegt in einem Hochdruckgebiet, das sich von Nordeuropa noch Süden perlagert hat und dessen Ken, zurzeit über Polen liegt. Bon diesem Hoch sind kalt« kontinental, Luftmassen, die Mtttelrußland entstammen, nach Mitteleuropa por» gedrungen. Do gleichzeitig mit dem Eintressen der halten Lustmojsqn Aufheiterung eintrat, gingen die Temperaturen in den klaren Nächten stellenweise außerordentlich tief herab.— Dagegen macht sich in W« st d« u t s ch l a n d ein starkes Ansteigen der Tem- peraturen bemerkbar, sie betrugen heute vormittag nur noch 0 bis minus 2 Grad. Die Ursache dieser Erwärmung ist ein« Stö- rung, die von England herkommt und sich tangsam weiter ostwärts bewegt. Gleichzeitig sind mild« ozeanisch, Lustmassen im Anzüge, die an den kallen kontinentalen Luftmassen hinausgleiten und zu starker Bewölkung auch über Berlin fähren werden. Für morgen rechnet man. wie der Wetterdienst mitteilt, mit weitverbreiteten Schneefällen und merklicher Milderung. Viesmal fällis auf den Richtigen. Einer der beiden am Dienstag ausgelosten Hauptgewinne der Arbelterwohlfahrtelotteri« ist auf Los A. 633 953 gefallen. Der glückliche Gewinner Ist der Telegraphenarbeiter Gustav H« i l b r i n k aus Loge in Lippe. Er ist seit früher Jugend in der Sozialdemokratischen Partei organisiert und lebt zurzeit mit Frau und zwei Kindern in dürftigen Verhältnissen. Hamburg gegen Verlin. Es fürchtet, Vorort des„Wasserkopfes' zu werden. . Hamborg, 20. Dezember. Di« letzte Bürgerschostesitzung de» Jahres oerlies wider Erwarten und trotz einer Demonstration der Kommunisten aus dem Rathausmarkt, ruhig. Der einzige zu der Sitzung zugelassen« Koni- munist, Abg. Dettmann. wand!« sich in einer Anfrag« a» den Präsidenten gegen die Behandlung der Kommunisten durch die Mehrheit tu der letzten Sitzung, die er als«in« diktatorische Nieder, knüppelungsmethod« bezeichnet«. Der Präsident erklärte, daß er den Schlußantrog in der porigen Sitzung als geschäslsordnungs- mqßig ansehen müsse, und er auch keinen Anlaß seh«, eine oon ihm in der Presse gegebene Notiz über die Lorgänge in der vorigen Sitzung richtigzustellen. Unter den Anfragen an den Senat interessiert« insbesondere eine Anfrage über den Autobusverkehr Ki« l— H a m b u r g. ff» wurde geantwortet, daß auch über dkefe Frage im Rahmen der preußisch-hamburgsschen Abmachungen verhandelt werden solle. Das Haus beriet bann eingehend einen Antrag über den Ba» von Kongreß- und Ausstellungshallen, der mit einem Antrag über Berkehr, Werbung verbunden wurde. Roch einer sehr ausführlichen Debatte wurden beide Anträge einem Aus- schuß von dreizehn Personen überwiesen. Mit d«t gleichen Ausführlichkeit und Dringlichkeit wurde ein volksparteilicher Antrag erörtert, daß«in« Senats- und Bürgerschastskammsssion eingesetzt werden solle, mit der Aufgab«, Mittel und Wege zu finden, um die wirtschaftliche Entwicklung Hamburg» und besonder» die Heranziehung wirtschaftlicher Unternehmungen ans dem In- und Auslande zu fördern. Der Antragsteller schilderte die zunehmend« Konkurrenz von Bremen und Lübeck, namentlich aber von Berlin, wo besonders die Industrie zunehme, so daß Hamburg in Gefahr gerat«, zum Bororj des Wasserkopfes Berlin zu werden. Zur Bürgermei st erwähl in Homburg wird in biirger- lichen Blättern erklärt, es sei»ach den letzten Bürgers chaftswahleu unter dir Koolftionsparteien vereinbart worden, daß für das nächst» Jahr der sozialdemokratische Bürgermeister Roß erster Bürgermeister wenden solle. Dies« Mineilung ist nicht richtig. Nach den bei den Soalitionsverhandümgen im Früh- jähr d. I. getroffenen Vereinbarungen soll der bisherige demo- lmtifche erst« Bürgermeister Dr. Petersen auch für 1929 da» AnN de» ersten Burgerirnisterg versehen, während für 1930 der Sozialdemokrat Rudolf Roß an die Spitz« de» Senats treten falle. Daher find auch die an die jetzigen rein formale» Wahlen geknüpften Folgerungen hinfällig. Oer Güdamenkan den Verdacht zu kommen, Iudenstämmling oder Iudensöldlmg zu sein. Wir wünschen dem Verfasser der..Deutschen Raffenangst', daß er von diesem Schicksal verschont bleibe, da wir seinem Buch« im stampf» gegen den Antisemitismus eine eigenartige Redeutueg zuerkennen. Dem marxistisch geschulten Leser mag das Buch nichts Wesentliches, vor allem nichts ihm beweiskräftig Dünken- des zu sagen haben, die ganz« Betrachtungsweise mag ihn fremd- ortig. die Sprach« übertrieben, fast zu lyrisch, das Rassenbewuhtsein des Derfaffers als jeder greifbaren Grundlog« entbehrend anmuten. Aber all die» find Lorzüge in d«n Augen der Gefühlsantis«miten. ein solches Buch wird er nicht ungelescn aus der Hand legen, da ihn verwandte Luft daraus anweht. Und diese in Deutschland an Zahl bedeutsame Schicht zur Einkehr und zum Nachdenken zu bewegen, ist «in Ziel, des Schweißes der Edlen wert. Oer Ginn der Symbole. Der Gedankengang ist kurz folgender: Ausgehend von psycho» analytischen Grundlagen— auch so einer jüdischen Er- sindung. wird der Antisemit einwerfen!— wird der Sinn der Tynrbolzeugung besprochen. Der Mensch braucht Entlastung von seiner Unoollkommenheit. soll er sich nicht in fruchtlosen Gewisiens- bissen verzehren, die sein« vorwärtstreibenden Kräfte hemmen und lähmen. Jahrtausend« lang spielte die Rolle des Entlastungssymbols für alles Dös«, Gemein«, Niedrig« in uns der Satan, er war der Sündenbock, auf den man alles abwälzen konnte. s«ine Ueb-rwindung wurde zu einer positiven Kraftquelle in biologischem Sinne. Aber dies« Entlastung durch Symbol« bedeutet auch ein« große Gejahr, indem man alles Unbequeme einfach auf irgend einen Prügelknaben abwälzt, ohne zu fragen, ob diese Abwälzung logisch überhaupt zu begründen ist. Ob der �germanische" Mensch wirtlich so besonders tymbolträchtig, ob gerade seine Seele so besonder» tief oeranlogt ist. darüber wollen wir hier mit dem Autor nicht rechten, dem ökono- -enisch-historisches Denken fremd ist. Er selbst führt ja Symbol» best p, ei« aus dem Ungarischen' an(S. 19), die übrigens ebenso w,e seine deutschen Beispiel« alle au» bäuerlichem Milieu stammen, also aus abgeschlossenen Leb«nskreisen, denen alles Fremde verhaßt und vorweg verdächtig ist. Das Symbol des Teufels erhielt sich Jahrhundert« long mit ungeschwächter Kraft. In der Reformation macht« es eine int«. ciiante Spaltung durch, indem für die Reiarmisten der Papst zum Vertreter de» Teujels. für Rom die Gestalt Luthers dazu wurde. Erst in unserer heutigen religionslosen Zeit Hot die Kraft dieses Symbol» zu verb lasten begonnen. Der Jude gewann viel später als der Teufel im deutschen Denken Symbol charokt«. Jahrhundert« lang hatten die Juden in Deutschland gelebt. Wenn sie behelligt wurden, so immer nur von den im engsten Kreise wohnenden Nachbarn, niemols von den Herrschern oder gar von der Kirche. Ol« Ziasseavennischung der Oeuffchev. Es ist freilich keine besondere Eigenart der alten Frankenkaiser. wie Müller- Claudius lobend hervorhebt, daß sie keine Antisemiten waren und die Juden nicht fürchteten, sondern sie waren ihrer heimischen Eng« entwachsen und streckteu die Hand noch der Krone des römischen Reiches aus, das zahllose fremd- rassig« Stamm« vereinte. Nicht gesunder Rossensinn, nicht das Gefühl der Ueberlegenheit ihrer eigenen Raste war daran schuld. daß sie den Juden surchtio» gegenübertraten, sondern„rassisches Denken war den Germanen wie den olten Römer» überhaupt un- bekavnt, sie vermischten sich wahllos mit allen Völkern, auf die sie stießen, ihnen teils ihre Eigenart ausprägend, teils in der der anderen ausgehend. So kann sich heute der nordasrikanische Berber ebenso auf seinen Tropfen germanischen Blutes berujen, wie dem „Stommesdeutschen" keltisch«, slawische, alpine und andere Einschläge unlöslich eingeimpft sind, die es ihm schwer machen dürften, „elementar-bluthast Roste gegen Raste zu empsindep"(«. 371. Die macht« und geldhungrigen Frankenkaiser benußten die überlegenen politischen und finanztechnisehen Fähigkeiten der Juden ebenso un- bedenklich, wie einst der treue G«mane Clodwig sein« heinnschen Götter zugunsten' de» Christentums preisgegeben hatte, dos als einzig« festgefügte Organisation den Sturz des Römerrnchcs über. dauert hatte und besten Kulturerbe verwaltete. Warum das»heilige Laad* beseht wurde. Die zunehmend« Wacht der Kirch«, die all« be- ratenden Stellen an den Höfen für sich monopolisiert«, fuhrt« nach und nach zu einer Lerdrängung der Juden. DI« ersten Iudenoer- folgungen fanden indessen erst zur Zeit der Kreuzzüg« statt, einer Zeit, in der dos Im heutigen römischen Reiche wiedervercimgtc und wiedererstarkte Abendland mächtig genug geworden war, um an die Eroberung de» schätzcreichen Orients zu, schreiten. Erst als sehr real« irdisch« Mächte die Hoffnung hegten, fich das kunst- und reichtumbergende Morgenland tributpflichtig zu machen, wurde die Besetzung des delligen Landes durch die Ungläubigen al» unertrag sich« Frevel gegen Gott empfunden und wurde den Juden der Fluch de» Gottesmörders in» Gesicht geschrien. Roch Karl der Große hotte es sich zur Ehre angerechnet, den Kalifen Harun al Raschid Freund und Brudergenosten nennen zu dürfen.« war. obwohl«r die Mauren in Spanien bekämpft«, prinzipiell ebensowenig Anti- Mohammedaner wie Antisemit, wenn auch fein Christentum dem eine» Barbarossa a» Schärf« nichts nachgab, wie er an den chm �bluthast-rassisch' so nahestehenden Sachsen gressbar bewiesen hat. Seit den Kreuzzügen Hot d« Jude nicht austzehört. immer wieder zm»'Symbol de» Sottoersluchten gemacht zu werden. tbtt dies« SywbvlPermlg ist ahnc sei»«»-rassische»', völkische» Bei» geschmack. Der Jude wirkt fremd, aber nur wegen seiner anderen Religion, wegen seines anderen Ritus. Ließ er sich taufen, so wurde er als vollgültiger Christ, nicht nur als getaufter Jude angesehen. Die Hüter ves deutschen Rassegefühls. Di«..Rasienangst' vor dem Juden ist jüngsten Datums. Sie wurde«st möglich mit dem Auskommen der modernen National» staaten und eines Nationalgefühls, das allerdings mit irgendeiner .Ltaste" nicht das mindest« zu tun hat. sondern alle die Menschen umschließt, die die gleiche Muttersprache sprechen, mögen ste jetzt tangschädlige, blonde Friesen oder rundköpfig«, dunkelhaarige Badener sein. Der ZZersaster vermeidet klüglich da» Wort„deutsch- blütig', aber ob.cheutschstämmig' um so viel bester ist, möchten wir dahingestellt sein lasten in einer Zeit, wo die Gaigalats aus Stallu- pönen sich als ebenso berufene Hüter des deutschen Rassegefühls auftun wie die Pogatschniggs aus Steiermark. Nach Müller-Claudius wird der in den Jugendlichen infolg« von gelegentlich aufgefangenen Bemerkungen entzündete, aber noch schliunmernd« Gegensatz von Juden und Nichtjuden zur hellen Flamme angesacht durch den verschiedenen Zeitpunkt des Pubertätseintritts bei den beiden„Rosten'. Die dem Entwicklungsalter eigene Sucht, sich abzusondern von den kindlicher gebliebenen Gefährten, tritt beim Juden früh««in als bei den ond«en. Dadurch wird der ihm bisher halb verborgen an- haftende Makel des Auswürflings plötzlich klar sichtbar und reißt den ganzen tiefen Gegensatz zwischen den Rasten mit jäher Stärk« aus. Der Jude wird zum„Fliehend-Abtrünnigen*, zum„UnHeim- lichen, der..das Andere' will". Auf dem Lande mag schon etwa» sein an dieser Anschauung von Müller-Claudiu», bei der Stadt- bevälkerung tritt indessen auch bei Nichtjuden die Pubertät so früh ein. daß ein wesentlicher Unterschied da kaum in Erscheinung treten dürste. Wer ist an allem schuld? Immerhin ist es Tatsache, daß der Jude zu einem Symbolbegrifs geworden ist, an den außerhalb jeder Logik mit der Kraft einer primitiven Kollektivvvrstellimg groß« Schichten des deutschen Volkes glauben. Die große Gefahr solcher Symbol« liegt aber darin, daß st«, weit üb« ihre ursprünglich« Entlastungs- ausgab« hinausgeheird. nicht mehr biologisch fördernd, sondern lähmend wirken können, wenn sie nicht mehr einen Sieg Über dos i n uns liegend« Böse verkörpern, sondern für eigene Feigheit und Schwäch« einen Schuldigen außer uns suchen, der dann al» Sündenbock in die Wüste geschickt wird. Di»' Kraft de» Symbol» liegt in sein« Uubeweisbarkeit und darin, daß man einen Beweis gar nicht für nötig hält und nicht erwartet. „Wer ist schuld an allem?"—„D« Iudl" „Und worum?'—„Well's wahr ist." In diesem sinnigen, dem Volke der Dichter und Denker so durchaus entsprechenden Zwiegespräch kommt die logisch so sinnlos erscheinende und doch so furchtbar wirksame Kraft einer Kollektiv- Vorstellung zum Ausdruck, wie sie primitiver kein Australneger oder Papua äußern kann. Das Beschämendste dabei ist die lächerliche Selbst- Herabsetzung, die darin liegt, daß einein Dolksbestondteil von knapp einem Prozent«ine derartig gefährliche Wirkung auf die übrigen 99 Prozent zugeschrieben wird, daß sich diese nicht einmal dagegen wehren können, wenn- ihr Dolkstum ausgehöhlt wird. Oer Antisemitismus nach dem Kriege. Daß indessen manche Deutsche nach dem Kriege so besonders antisemitisch geworden sind und überall, als Schuldigen den Juden suchen, liegt durchaus nicht in ihrer„völkischen' Eigenort, sondern vielmehr darin begründet, daß. ihnen die Schule freier selbstverant- wortlicher Demokratie bislang gefehlt hat, daß sie unter einem Ab- folutismus ausgewachsen sind, der in allem, was im Staate geschah, das planmäßige Wirken einiger wrniger erlauchter Führer von Gottes Gnaden sah, denen das ganze Volk wie eine Herde nochlief. Da muß natürlich das jetzige Unglück Deutschlands ebenso das be- wußte Werk einiger übermütig« Schädlinge fein, die selbfwer- ftändlich nicht Deutsche sein können, sondern„Ausländer, Fremde sind es zumeist', So wenig wir nach dem Gesagten mit Müller-Claudius in der Begründung seiner Ablehnung des Antisemitismus einig gehen können, so sehr möchten wir sein« Schlußkapitel unterstreichen. Wie et hoffen wir, daß dieselbe harte Schule, die die Juden in fast zwei Jahrtausenden dazu erzogen hat, klar und nüchtern sich mit dein Tatsächlichen abzufinden, nur auf die eigene Kraft zu vertrauen und zusammenzuhalten, auch den Deutschen Tatlachensinn. Selbstvertrauen und Solidaritätsgesühl einpauken möge. Tatenlos zu sitzen und auf den Retter zu warten, der Deutschland von Juda erlöst, sich dünkelhaft auf sein« Rosse zu berufen, statt den Wert seiner Rast« durch die Tat zu«weisen, und olle Schuld für eigenes Lersagen wehklagend abzuwälzen auf den nur der eigenen Feigheit riesenmächtlg«scheinenden Juden— dos ist die Art zahl- reicher Durchschnittsdeutschen von heute, die noch nicht begriffen haben, daß ste endlich auf eigenen Füßen zu stehen lernen müssen, wollen sie sich den Platz an der Sonne erringen. Zu diesen spricht das Buch, zu zahlreichen sicher wertvollen Menschen, an die wir mit sozialistischer Literatur gar nicht herankämen. Der tiefe Emst, mit dem der Lerfaff« an seine schwere Ausgabe herantritt, sichert ihm uns«« volle Achtung, auch wenn sein Weg nicht der unser« ist. Sei« Ziel, die Bekämpfung de» Antisemitismus, der Aufruf zur Selbst- ermannung, zum Ersatz de» Symbolschouen» durch Tatsachendenken. ist das unselig«. E».soll un» freuen, wenn wir uns einst am gemein- samen Ziel« begegnen. Dr. Karl Kautsky»Wien. Mittelalter im 20. Jahrhundert Zwei Fälle aus Polen und England. D» erst« Fall spielte in Lemberg. Eines Tage»— vor zwei Iahren war es— verschwand die 14jöhrig« Fanni. die Tochter de» tieinen jüdischen Kaufmanns Promis. Mit ihr die Hausangestellte. in deren Begleitung sie sich befand. Alle Nochsorschungen blieben vergeblich. In ihr« Derzwelslung wandten sich die Eltern an einen Anwalt. Dieser stellte fest, daß die Klein« des öfteren mit der Haus- angestellten die Uniatenkirche besucht und ihren Freundinnen gegen- über geäußert habe, sie würde in ein Kloster«intreten. So lag der Schluß nahe, daß sie sich im Uniatenkloster in Lemberg aufhalt«. Der Polizei wurde aber von den Nonnen der Bescheid, daß dos Sind nicht dort fei. Zwei Jahrs lang machte der unglücklich« Dat« stets von neuem den Dersuch. den Ausenthalt seiner Tochter im Kloster festzustellen. Immer wieder ober erhielt er dieselbe Antwort: man wisse nichts von ihr. Der Bater wandt« sich an den MetropolitenScheptizki, den höchsten Beamten der Uniatenkirche. Dieser ließ sich von den Tränen des Juden erweichen und gab ihm die schristlich« Erlaubnis, in sämtlichen ihm unterstehenden weiblichen Klöstern Ostgaliziens seine Nachforschungen zu betreiben. Aber auch jetzt blieb alles ver- geblich. Anfang Dezember erhielt Promis die Mitteilung, daß seine Tochter in Begleitung elner Nonne gesehen worden sei. Er stellte fest, daß sie sich bei einem Zahnarzt behandeln lasie. Er versteckte sich im Flur des Hauses, faßte Mut. folgt« seiner Tochter und der Nonne, forderte van dieser, daß sie ihm seine Tochter wiedergäbe. es kam zu einem Menschenouslous, ein Polizeibeamter wurde herbei- geholt, und schließlich fuhr man im Auto ins Polizeirevier. Gleich einem Lauffeuer verbreitete sich die Nochrlchtvonderwieder- gefundenen Tochter unter der südischen Bevölkerung Lew- bergs. Auch ein Abgeordneter des polnischen Sejms. Reich, war bald zur Stelle. Der Bat« forderte sein Kind zurück. Di« setzt Sech- zehnjährige wollte aber nichts mehr von einer Rückkehr nach Haus« hören. Nur unter einer Bedingung wollte sie da» tun: wenn der Vater sich taufen ließe. Als aber auch die Mutter und die Geschwister im Polizeirevier erschienen, da brach das Mädchen doch zusammen und erklärte sich bereit, mit den Eltern zu gehen. Jetzt entstand ein« neue Schwierigkeit Der Leiter des Polizeireviers hielt sich nicht für befugt, das Kind seinen Eltern zurückzugeben. Erst nachdem er sich zwei Stunden long mit dem Staatsanwalt beraten hatte,«teilt« er die Genehmigung dazu. So kehrt« Fanal nach zwei Iahren in ihr Ellernhau» zurück.* Ein unglaublicher Fall? Im Mittelalter des zwanzigsten Jahr- Hunderts doch nicht so ganz unglaublich. Ebensowenig wie der zweite Fall. • Der spielt« in England. Am 6. Dezember wurde im Ge- fängnt« von Manchester ein sunger Chinese Tschung-Ii.Miao gehängt. Da» Gericht hatte ihn wegen Gattenmord«» zum Tod« ver- urteilt. Was aber war an dem Fall außer der lodesstrof« mittel- alterlich? Tschlttlg-Ji-Miao, Sohn eines höh« djinefischen Beamten. studiert« an ein« der amerikanischen Universitäten. In Hongkong lernte er die reizvolle Tochter des reichen Kaufmanns Schaung Bang kennen. Er war«st vor kurzem gestorben: so wurde die Tochter die Erbin seines ganzen Vermögens. Das pinge Ehepaar verlebt« glück- liche Wochen. Eines Tages erschienen aber bei Mioo Abgesandte der Gehetmgesellschojt der gelben Brüder„Tong", der er fast seit sein« Kindheit angehört«: sie verlangten von ihm. daß er seine Frau täte. Schaung Bang war Gegner der Geheimgesellschaft: dies« hatte ihn zum Tode oerurteilt. Da er tot war, sollt« sein« Tochter sterben. Mioo liebte sein junges Weib Er verließ fluchtartig Hongkong, begab sich nach Europa und ließ sich in England in der Nähe von Manchester nieder. Di« Abgesandten des Tong stöberten ihn aber auch hier auf. Sie drohten: entweder tötet er feine Frau oder er ist selbst de» Tode». Einige Tage später fand man sein« Frau in der Umgegend«rmürgt aus. Miao war geständig Weshalb er sie getötet hat? Das sollt« er daraus sagen? Er schwieg. Der Staatsanwalt sagt«: aus Habgier. Die Geschworenen dachten bei sich: aus Habgier, ob- gleich das Bermögen der Frau beiden gemeinsam gehörte. Miao aber schwieg und wurde des Morde« schuldig gesprochen. Er wurde zum Tode oerurteilt, obgleich bei ihm«in Brief gesunden wurde, in dem Miao an irgend jemand schrieb, daß er schwanke, das Verbrechen zu begehen: obgleich in der Gerichtsverhandlung auch die beiden ge- heimnisoollen Abgesandten erwähnt wurden. Das Gericht wußte nicht» damit anzufangen. Miao behielt sein Geheimnis für sich. Was lag ihm auch jetzt noch am Leben? Cr hatte getötet, weil ihm dies unter Androhung des Todes von seinen chinesischen Brüdern bo- fohlen war. Und weil er getötet hatte, wurde et von englischen Richtern zum Tode verurteilt und hingerichtet. Mittelalter im zwanzigsten Jahrhundert: der Befehl des„Tong* zu töten. Mittelaller im zwanzigsten Jahrhundert: die Hinrichtung des Mörders._. jisvi t'! Wer weiß das? Die Bezeichnung des Bleistiftes ist heute eigentlich widersinnig Der schreibend« Teil de» Bleistiftes besteht im wesentlichen aus Graphit und hat mit Blei nicht da. Geringst« zu tun. Im Mittel- all« waren nackt« oder in Holz gefaßte Stifte mit Blei oder«in« Legierung von zwei Teilen Blei und einem Teil Zinn gebräuchlich * Die Zeit, die bi» zur Berhoppelung des Körpergewicht» nach d« Geburt oerstreicht, ist bei den»«schieden«» Lebewesen verschieden lang: Bei d« Mau» 4 Tag«, beim Hund 8, beim Rind 47. beim Pferd«9 und beim Mensche» 1S0 Tag«. * Das Eiweiß und das Gift der Klapperschlange sind au» der gleichen Menge derselben chemischen Demente zusammengesetzt, ebenso da» Rosenöl und da» Steinkohleagas. Die Blay and ROMAN VON EDGAR WALLACE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN ( 29. Fortseßung.) VON " Seße dich hin," erwiderte fie rubig. Plöglich war ihm der Sujammenhang tlar. Du hast wieder Morphium genommen, after Teufel!" Willst du dich wohl hinseßen, mein Kind?" fragte sie strenge. " Seße dich, Digby Estremeba! Ich will mit dir sprechen." Sein Geficht zudte. Du du" begann er aufs neue. „ Ganz still! macht hast?" Sage mir, was du mit meinem Bermögen geEr fah fie an, als ob er seinen Ohren nicht trauen fönnte. ,, Was hast du mit meinem Bermögen gemacht?" wiederholte fie. Ich war töricht genug, bir eine Generalpollmacht durch den Rotar ausstellen zu lassen. Was hast du damit gemacht? Hast du alle Bändereien vertauft?" Sie fah ihn durchbringend an. Er war so überrascht, daß er ihr Rede und Antwort stand. ,, Man hat einen Einspruch oder so mas Aehnliches dagegen erhoben, so daß ich nicht verkaufen konnte." Ich hoffte, daß man es tun würde!" Bas bas haft du gehofft?" rief er laut und erhob sich. Aber mit einer gebieterischen Handbewegung brachte sie ihn wieder zum Sigen. Er fuhr sich mit der Hand über ble Augen wie jemand, der plötzlich aus einem Traum erwacht. Wie, diese alte Frau wagte es, ihm zu befehlen? Und er hatte ihr widerspruchs los gehorcht! Er hatte ihr Morphium gegeben, um sie zu beruhigen und mun mar fie wieber Herr ihrer selbst und Herr der ganzen Lage! Barum hat man denn den Bertauf verhindert?" Weil dieser alte, verrüdte Salter einen Eib darauf leiftet, daß das Kind noch lebt ich meine Dorothy Danton, das fleine Mädchen, das damals in der Nähe von Margate ertrunten ist!" Er fah, wie ein Lächeln um ihre Lipen spielte und wunderte fich darüber. „ Sie lebt!" Er ftarrie fie in sprachlsjem Erstaunen an. Dorothy Danton lebt?" rief er. Du bist wahnsinnig, bu bift verrückt, du alte Närrin. Sie ist längst tot,( dhon vor zwanzig Jahren ist sie ertrunken!" Ich möchte mir wissen, wodurch sie wieder zum Leben er wedi wurde. Woher wußte man denn, daß es Dorothy war? Du bift an allem fchuld. Das sind die Folgen beiner niederträchtigen Handlungsweise. Du bist nur ihr Werfzeug, bu Narr!" Er hatte fich wieder in der Gewalt. Du wirst mir jeẞt alles fagen, mas du weißt, oder bei Gott, es wird dir leib tun, daß du überhaupt den Mund aufgemacht haft!" Du hast sie gezeichnet, baran hat man fie doch überhaupt erst miebererfannt!" Was habe ich getan?" „ Erinnerst du dich nicht, Digby? Sie sprach schnell und schien eine Freude daran zu haben, ihm mehe zu tum. Es war einmal ein Baby und ein grausamer fleiner Junge, der ein Halbfchilling ftüd erhitte und es auf das Handgelent des Kindes drüdte." Plößlich tam ihm alles wieder ins Gedächtnis zurüd. Er hörte wieder das Wehgeschrei des tleinen Wesens, er fah wieder den großen Raum mit den altmodischen Möbeln. Bom offenen Fenfter aus tonnte man in den Garten sehen und die Bienen summen hören.., er erinnerte sich an die feine Spirituslampe, an der er die Münze erhigt hatte... „ Mein Gott," stöhnte Digby, ich befinne mich darauf!" Einen Augenblid schaute er in das häßliche, schadenfrohe Ge ficht feiner Mutter, dann wandte er fich furz um und verließ ben Raum. Als er auf den Gang hinaustrat, hörte er ein lautes Klopfen an der Haustür. Schnellll ging er in sein eigenes 3immer und eilte zum Fenster. Ein Blick auf die Straße sagte ihm alles, was er wissen mollte. Jim und der alte Salter ftanden draußen... und hinter ihnen etma ein Dugend Detektive. Die Haustür würde noch fünf Minuten standhalten, und so hatte er noch Zeit genug, feinen legten Plan auszuführen. 33. RAVI RAVENDRO merkwürdig apathischen Zustand verfallen. Es már ihr furchtbar schmer, fa geradezu ummöglich, fich darauf zu befinnen, was noch vor einer Minute geschehen war. Sie fegte sich auf einen Stuhl und streichelte nur ihren Arm. Sie wußte doch, daß fie gestochen morden war, aber sie fühlte teinen Schmerz. Es war ihr alles gleichgültig, auch um Digby Groat tümmerte sie sich nicht mehr. Er mar jemand, den sie meder schäßte noch verabscheute. Es tam ihr alles fo seltsam und doch so angenehm vor. ,, Seßen Sie Ihren Hut auf, fagte er, und fie gehorchte. Sie dachte gar nicht daran, sich ihm zu widersetzen. Er führte sie zum Kellergeschoß durch eine Tür, die mit der Garage in Berbindung stand. Es war nicht der Raum, in dem sein eigener Bagen untergebracht mar. Jim hatte sich schon oft den Kopf darüber zerbrochen, waruan Digby feinen Bagen so weit entfernt von seinem Haus untergebracht hatte. Hier stand nur ein geschlossener Wagen, wie ihn die Firmen gebrauchen, um ihre Waren Bu liefern. Steigen Sie ein," jagte Digby, unb Eunice gehorchte wieder mit einem feltfamen Lächeln. Sie stand unter dem Einfluß einer Mischung von Morphium und Hyacin, die ihr Gedächtnis und ihren Willen zerstörte. ,, Sehen Sie sich auf den Boden," befahl er, und fie folgte ihm. Er zog unter dem Führersiz aus dem Rasten eine alte Chauffeurjade hervor, die früher einmal hellgrau gewefen, jegt aber durch Farbe und Schmutz beflect mar. Er fnöpfte fie bis oben zu, dann botte er noch eine alte Kappe hervor, stülpte sie über den Kopf und zog den Schirm so tief ins Gesicht, daß er seine Augen bedeckte. Dann öffnete er die Tür der Garage, die in eine Hintergaffe führte. Mit Ausnahme einer Frau, die mit einem Milchmann sprach, mar niemand zu sehen, und auch die beiden waren so sehr in ihre Unterhaltung vertieft, daß fie nicht auf den Wagen achteten. Digby Groat zeigte feinerlei Eile. Er stieg wieder vom Führer fiz herunter, machte bas Garagentor zu und verfchloß es. Dann zündete er fich eine Pfeife an und fuhr langsam in der Richtung nach der Bayswater Road davon. Er hielt nur an einer Tankstation, um die nötige Menge Brennstoff einzunehmen, dann fuhr er, aber stets mit mäßiger Ge schwindigkeit, weiter. Er fam durch die Vorstädte, bis er die lange Straße erreichte, die von Staines nach Ascot führte. Hier hielt er an und stieg ab. Er nahm einen fleinen, flachen Raften aus seiner Tasche, füllte die Sprize wieder, öffnete den Berschlag und schaute in den Bagen. Eunice lehnte mit dem Rüden an der Band des Autos, und ihr Kopf midte schläfrig, Ste fah thn vermirrt an. ,, Haben Sie feine Angst." Digby stieß die Nadel wieder in ihren Arm. helise Sie verzog das Gesicht vor Schmerz ein wenig und streichelie ihren Arm.si ,, Das tut weh," sagte sie. Als er aus Ascot herausfam, murde vor ihm ein Auto von Polizisten angehalten Auch Digby mußte halten, weil der vordere Bagen ihm den Weg nicht freigab. ,, Wir suchen nach einem Herrn und einer Dame," sagte einer der Beamten zu den Insaffen, als sie den Wagen schnell durchsucht hatten. Sie förmen weiterfahren." Jest tam Digby an die Reihe. Er nidte dem Polizisten freund lich zu. ,, Rann ich paffieren?" 3a." Der Sergeant gab fich nicht die Mühe, in das Innere des Wagens zu schauen, auf dem der Name einer bekannten Lon doner Möbelfirma stand. Digby atmete schneller. Er durfte ein solches Rifito nicht noch einmal auf sich nehmen. An der nächsten Straßentreuzung würde eine zweite Begfperre sein. Er mußte nach London zurückfahren, die Polizei würde einen Wagen in der Richtung auf die Stadt zu nicht anhalten. Er bog also in eine fleine Nebenstraße ein und erreichte die Hauptstraße, indem er einen anderen Wachtposten passierte. Aber die Polizisten nahmen, wie er es fich auch gedach hatte, gar feine Notiz von ihm. Sie hielten nur alle Bagen in entgegengesetter Richtung an, und eine lange Reihe von Autos wartete bort. Es gab viele Plätze, zu denen er Eunice bringen fonnte, aber der sicherfte mar die Garage, die er auf ber Rüdfeite eines Häuser blods in Baddington gemietet hatte. Diese Garage hatte schon der Bande der Dreizehn die besten Dienste geleistet. Jetzt war fie faft ein ganzes Jahr lang nicht benutzt worden, nur Jadson mar öfter dort gewesen und hatte die Räume in Ordnung gehalten. ( Forthegung folgt.) JP WAS DER TAG BRINGT. Die Gans soll das Kapitol retten. Die bekannte Fleischwarenfabrik der Briger Kmsblindhen, die Efha Berte, Berlin- Briz, haben des öfteren schon die Deffentlichkeit unliebsam beschäftigt. Erst im Mai d. 3. berichteten wir, daß die Efha- Werte den Berband der Nahrungsmittel- und Ge tränfearbeiter wegen angeblichen Tarifbruches mit einer Teil flage auf Zahlung von 4000 M. Schadenerset beglüdte. Nach einigen Terminen schien es, als ob die Efha- Werte ihren Reflame. fehler eingesehen hätten. Ein halbes Jahr lang wurde die Klage nicht weiter verfolgt. Jetzt, als die Belegschaft auf Grund der wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen mar, eine Lohnforbe. rung zu stellen, laffen die Efha- Werte die Klage wieder aufleben. Der nächste Termin ist am 18. Dezember beim Arbeitsgericht Berlin. Inwieweit die Efha- Berte glauben, zum Ausbau ihres Filial: systems, der sogenannten Hefter. Läden, Verbandsgelber zu benötigen, entzieht sich unserer Kenntnis. Daß auch sonst die EfhaBerte das Recht ihrer Arbeiter, den Ertrag ihrer Arbeitskraft zu FUNK UNDAM ABEND Donnerstag, 20. Dezember. Berlin. 16.00 Prof. Dr. Guertler: Die Kunst der Bearbeitung metallischer Werkstoffe. II.: Formgebung, Schmieden, Härten und Veredeln. 1 1 16.30 Kammermusik. 1. Haydn: Streichquartett Es- Dur Nr. 33: Allegro molto Menuetto Adagio Menuetto Presto( Lambinon- Quartett: Nicolas Lambinon, 1. Violine: Alfred Weger, 2. Violine: Frieda Mosheim, Viola: Gottfried Zeelander, Cello).. 2. Mozart: Duo Nr. 2 B- Dur, für Violine und Viola; Adagio Allegro Andante cantabile Andante сOR variazioni( Nicolas Lambinon und Frieda Mosheim). 3. Svendsen: Oktett A- Dur, op. 3, für 4 Violinen, 2. Violen und 2 Celli; Allegro Finale( Nicolas Lambinon. Alfred Weger, Willy Georgens und Karin Rossander. Violine: Prieda Mosheim und Heins Weiden, Viola; Gottfried Zeelander, and Robert Heliierich, Cello). risoluto Allegro scherzoso Andante sostenuto 17.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Thilo Runge. verwenden wie es ihnen beliebt, gebührend einschätzen, beweist folgender Borfall: Die Direktion empfiehlt der Belegschaft den Einkauf von Weihnachtsgänsen bei ihrer Firma zum Einkaufspreis vorzunehmen. Ein Teil der Belegschaft spart sich das Geld, das folch ein Weih nachtsvogel loftet, wochenlang vorher vom Munde ab und gibt Bestellungen auf. Das benußt die Direktion, um die wohlbegrün deten Lohnforderungen mit dem Bemerken abzulehnen, der Beleg schaft fann es nicht schlecht gehen, denn die zahlreich eingegangenen Bestellungen auf Weihnachtsgänse beweisen das". Die Direktion fcheint noch der Meinung zu sein, daß Gänse nicht nur geeignet sind, das Kapitol zu retten, sondern auch das Kapital zu schüßen. Im übrigen zeugt das Argument der Diref tion von einer Gesinnung, bie man nicht zu qualifizieren braucht. Auch Füllfederhalter längst erfunden! Wenn auch Lewis Watermann derjenige Erfinder war, der sich 1883 einen Füllfederhalter patentieren ließ eigentlich war der Füllfederhalter schon zwei Jahrhunderte zuvor erfunden worden. Ja, Batermann darf zufrieden sein, daß ihm das Patent nicht von einem Nachtommen der Ureinwohner Aegyptens ftreitig gemacht worden ist! Denn man hat in 4000 Jahre alten Gräbern in Wegypten Schreibrohre gefunden, die als Vorläufer des Füllfeder halters gelten fönnen. Sie find 7 Zentimeter lange, innen hohle Schilfrohre, die an der einen Seite scharf zugeschnitten waren nach Art der Federfiele, während das andere Ende mit einem längeren Kupferstiel verschlossen war. Welcher Flüssigkeit fich die Aegypter bedienten, um mit diesen praktischen Füllfedern zu schreiben, ist bisher nicht festgestellt worden. Gegen die Autoraserei. Nach einem Bericht des Ministers für öffentliche Arbeiten hat der Präsident der franzöfifchen Republik die Schaffung von Polizeipatrouillen angefordert, die mit besonders schnellen Kraftwagen ausgerüstet werden. Sie sollen die Autostraßen in Frankreich über: machen und Fußgänger und andere Kraftfahrer vor rasenden Autofahrern schützen. Für geringere Bergeben fönnen diese Kraftwagenpatrouillen an Ort und Stelle Geldstrafen verhängen. Diese Kraftwagenpatrouillen sind der Militärverwaltung unterstellt und 18.40 Syndikus Hans Neuert: Rundfunkhörer und Funkhändler. Eine Betrach- tenntlich an einem blauen Bande um den Arm, das die Abzeichen tung über Weihnachtsgeschenke. 19.00 Stadtrat Ernst Reuter: Berliner Einheitsverkehr. Zur Gründung der Berliner Verkehrs- A.- G. Eine Minute später erschien er in Eunice Beldons Zimmer. Ich muß mit Ihnen sprechen," sagte er. Ein büsterer und unheimlicher Ausdrud lag in feinem Geficht. Meine Liebe, Sie brauchen fich nicht zu fürchten. Ihre Freunde sind draußen und wollen in das Haus einbrechen, in einer halben Stunbe werden Sie frei fein. Ich will Sie nur in eine Lage bringen, die Sie nicht fähig macht, Aussagen gegen mich zu machen, bis ich aus dem Haule bin und genügend Vorsprung habe. Nein, ich will Sie nicht 20.30 Ethel Smyth spricht und dirigiert. 1. Ouverture zu der Oper The töten, fagte er fast lachend, und wenn Sie nicht vernünftig genug sind, einzusehen, warum ich das tun muß, sind Sie eine Närrin aber Sie sind doch so flug, Eunice." Sie sah etwas Helles, Glänzendes in feiner Hand und schraf entfeit vor ihm zurüd. Rühren Sie mich nicht an!" rief fie atemlos.„ Ich schwöre Ihnen, daß ich nichts verraten will!" Aber er hatte sie schon am Arm ergriffen. Benn Sie irgendwie schreien oder Spettafel machen," fagte er drohend, werben Sie es bitter zu bereuen haben." Blöglich fühlte fie einen Stich in ihrem Arm und versuchte 19.30 Ministerialrat Dr. Kurt Häntzschet: Rundfunk und Geistesfreiheit. 20.00 Abendunterhaltung. Mitwirkende: Frida Weber- Fleßburg. Eugen Transky. boatswain's Mate"(..Der gute Freund"). 2. Zwei innig verbundene französische Volksmelodien. 3. Ethe Smyth: Ouverture zu der Oper The wreckers"(., Strandrecht")( Berliner Funk- Orchester). 21.00 Weihnachtschöre. 1. Singet frisch und wohlgemut. 2. Der Tag, der ist so frendenreich. 3. Gelobet seist du, Jesus Christ. 4. Stille Nacht. 5. Dies ist die Nacht, da mir erschienen. 6. Ich steh' an deiner Krippe hier. 7. Ein Kind gebor'n zu Bethlehem. 8. Fröhlich soll mein Herze springen. 9. Lobt Gott, ihr Christen. 10. O dn fröhliche.( Berliner Funkchor, Ltg.: Maximilian Albrecht.) 21.30 J. M. Rehfisch: Darstellung and Publikum. 22.30 Punk- Tanzunterricht. Geleitet von Reinhold Sommer. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik., Kapelle Gerhard Hoffmann. Königswusterhausen. ihn fortzuziehen, aber er hielt fie mie mit eifernen Rammern feft. 16.00 Rektor Spielhagen and Fritz Westermann: Besprechung der durch die Nun ist ja alles gut es hat bodh gar nicht wehe getan!" Sie hörte ihn furchtbar fluchen, und als er ihr fein Geficht zuwandte, mar es bunfelrot vor But, „ Sie haben die Haustür eingebrochen," sagte er bitter. Sie ging auf ihn zu. Ihr Gesicht mar merkwürdig ruhig. Gehen Sie jetzt?" fragte fie mur. In ein paar Minuten werden wir gehen," jagte Digby und tonte das mir sehr scharf. Aber auch das sdien sie faum zu bemerken. Sie war in einen Hörer eingesandten Anfragen und Einwendungen. 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Berlin. 17.30 Erna Arnhold: Der Tag einer deutschen Fraq auf den Philippinen. 18.00 Dr. Johannes Günther: Einführung in das Verständnis des Dramas( Arbeitsgemeinschaft). 18.30 Gertrud van Eyseren, César Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.53 Reichsernährungsminister Dietrich: Die Landwirtschaft an der Jahreswende. 19.30 Sonderveranstaltung für den Deutschlandsender. Prof. Dr. Oskar Bie: Einführung und Personenverzeichnis zu der nachfolgenden Uebertragung. der Kraftwagenführer beim Heere zeigt. Eine interessante Ausstellung. fung eine interessante Schau eröffnet worden, in der aus dem Leben hervorragender Parlamentarier und Premierminister Englands Dokumente und fleine Dinge zusammengetragen sind, die einen tiefen Einblick in Leben und Charakter der englischen Staatsmänner gewähren. Da find Briefe, Notizen, Dokumente von Wellington, Pitt, Balmerston, Disraeli, Gladstone, auch Borträts einiger Staatsmänner find ausgestellt. Die gegenwärtige Regierung ist vertreten durch die Tabafspfeife des Premierministers Baldmin, ohne die er einfach nicht denkbar ist. In London ist als„ Parlaments- und PremierministerausstelDas vergiftete Dorf. Die Eimpohner bes Dorfes Monblane in der Nähe von Beejer. in Ostfrankreich befinden sich in einem Zustand der Banit. In ihrer Mitte wohnt ein Mensch, der es darauf abgesehen zu haben scheint, fie alle zu vergiften: wer das ist, fann nicht festgestellt werden. Etwa vor 1% Jahren starb der 70jährige Regrée, nachdem er eine Zafie Kaffee getrunken hatte. Am 7. Juni b. 3. erfranfien nach einem Hochzeitsmahl faft alle ermadylenen Einwohner des Dorfes: 108 Berfonen. Nur die zufällige Anmefenheit bes Arztes perhütete das schlimmste. Zehn Tage später perstarb nach dem Gemuß einer 20.00 Uebertragung aus der Staatsoper: Intermezzo", eine bürgerliche Ko- Taife Kaffee einer der Dorfbewohner. Die Obduktion der Leiche mödie unit sinfonischen Zwischenspiel in zwei Teilen von Richard Strauß. Unter persönlicher Leitung des Komponisten. Regie: Karl Holy. ergab, daß er vergiftet mar. ~ Sportund Spiel~ Das Bundeswinterfest. Johanngeorgenstadt rüstet. Das größte deutsche Massenwintersportfest wird das 3 weite Bundeswintersportfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes vom 30. Dezember 1928 bis 1. Januar 1929. Bis zum lehten Tage der Meldung gingen an 600 Meldungen ein. Nadh meldungen fommen noch täglich. Die Organisationsausschüffe in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge, dem Ort der Ber. anstaltung, arbeiten fieberhaft an den letzten Borbereitungen zur Durchführung des Maffenfeftes. Zu der großen Zahl der Wetttämpfer tommt hinzu die Maffe der Befucher. Das Programm ift dem Charakter der Beranstaltung ent sprechend gewählt. Ein Massenaufmarsch aller Wettkampfteilnehmer und gymnastische Maffenfreiübungen auf Stiern werden den im Arbeiter- Turn und Sportbund geförderten Boltsiport gebanten besonderen Ausdrud geben. Für die Silvesternacht ist ein imposanter Fadelzug vorgesehen. Die Wettkämpfer tommen zu ihrem Rechte auf Laufstrecken von 5 bis 20 Kilometer und durch Sprungwettbewerbe Die wagermutigen Sportlerinnen werden sich auf der 4- Kilometer- Strede erproben. Eine vorzügliche Rodelbahn wartet auf starten Besuch, und für die Eis-, Kunst- und schnelläufer bietet fich Gelegenheit zum Seigen ihres Könnens. Die Wettkämpfe find international ausgeschrieben worden. Un ihnen nehmen teil österreichische Wintersportler und Mitglieder des tschechoslowakischen Arbeiterturnverbandes sowie des deutschen Arbeiter- Turn- und Sportverbandes der Tschechoslowakei, Siz Auffig. Das Intereffe am Ausgang der Wettkämpfe ist dadurch mefentlich vergrößert morden. Berlins Eishockeyspieler auf Reisen. An den Kämpfen um den Spengler- Botal in Davos, die am 28 Dezember ihren Anfang nehmen, beteiligt sich in traditioneller Weise wieder der Berliner Schlittschuh- Club mit feinerbeften Garnitur. Boraussichtlich werden Linde, Sachs, Dr. Holzboer, Rönier, Jänede, Brüd, Haßler und Reschte die Interessen des Schlitt schuhtlubs bei dem Turnier in Davos und den später geflanten Bettspielen in Caur und Chamonig vertreten. Auch die Junioren des Schlittschuhflubs fahren nach Davos. Die Eishockeymannschaft Don Breußen" verbringt die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr im Schwarzwald und in Bayern. Titisee, Triberg und der Rifferjee werden aufgesucht. Eine Einladung nach Rifferfee und Füssen erhielt auch ,, Brandenburg". Auf der Reise nach Baŋern beab sichtigt Brandenburg", am Sonntag in Leipzig ein Wettspiel mit " " dem Leipziger Sportflub auszutragen. nlab *** Internationales. In Desterreich wird auf den Bundesbahnen eine generelle Fahrtvergünstigung für Sportler abgelehnt. In nächster Zeit find fogar Fahrpreiserhöhungen zu erwarten, die sich besonders start auf furzen Streden auswirken werden. Die Landesgruppe Nieder österreich des über 25 000 Mitglieder umfassenden österreichischen Arbeiterfußballverbandes hat sich nun mit Autobus unternehmungen in Berbindung gesetzt und für die Beförderung von Fußballmannschaften annehmbare Breife vereinbart. Schon im Sommer 1928 maren österreichische Fußballmannschaften mit Autobuffen in Deutschland. Die österreichischen Arbeiterfußball jpieler haben 1928 mindestens 150 000 Schilling an Fahrgeldern den Bundesbahnen zukommen lassen, davon wird fünftig der allergrößte Teil megfallen. Die österreichischen Bundesbahnen wollen eben nicht in den Ruf tommen, den Sport zu unterstützen. daran glauben. Mit der in Java geschwommenen Zeit von 13,45,8 für eine Strede von 1100 Yards braucht sich der internationale Berband allerdings nicht zu befassen, da diese Strede international nicht geführt wird. Arne Borg ist immer noch Amateur, aber man erwägt" bereits im Wettschwimmverband! ARBEITER FUSSBALL Spiele am 23. Dezember. Sonntag werden die Serienspiele fortgesetzt. In der 2 b. Nach der Unterbrechung durch das internationale Spiel am legten teilung A der L. Klasse sind folgende Treffen festgelegt: Hertha 11. Ludenwalde II gegen die 3. Abteilung. Beide Spiele Luckenwalde VI, der voraussichtliche Abteilungsmeister, gegen finden in Luckenwalde, Heßheide, statt.- Abteilung B: Jm Reutölner Stadion, Blaz 7, stehen sich Neukölln I und Rathenow gegenüber. Weißenfee erhält den Besuch von Moabit- Spandau im Stadion Fauler See", Weißenfee. Romames erwartet in der Briefterstraße die Oberfpreer. Schöneberg fährt zu Trebbin, während Stadion Fauler See", Weißenfee. Nowawes erwartet in der Berber 77 die Treuenbriegener zu Gast hat. Was der Kritiker sagt: Heureka! Endlich ein Nobelfriedenspreiskandidat gefunden! Wer it's? Der Baron de Coubertin, der langjährige Leiter des Olympischen Ausschusses. Der alte Herr dürfte taum Neider haben, wenn er der Ertorene wäre, denn er ist unseres Wissens nicht nur ein hervorragender Sportförderer, sondern auch ein ehrlicher Friedensfreund. Aber es ist noch ein Hafen bei der Sache, man ist nicht ganz ficher, ob im bürgerlichen Sport die Kriegsbestie auch nur ein flein wenig gebändigt worden ist. Wir erinnern uns, daß noch viele Jahre nach dem Kriegsende im Sport die Beziehungen abgebrochen blieben und daß auch heute noch der Nationalismus bei den Sportlern hohe Bogen schlägt. Wir raten also zur Borsicht! Uebrigens tun sich die Paraguayer viel auf ihre Sporttanonen zugute. Sicherlich sind sie den Leuten von Bolivien darin über, denn die legteren haben es noch zu feinem Diympiafieg gebracht. Bolivien scheint dagegen mehr Kanonen aus Bronzestahl zu haben. Sollte es gelingen, den Konflikt zwischen beiden durch ein Fußballspiel zur plädieren. Man mache den Versuch! Entscheidung zu bringen, dann würden wir entschieden für Coubertin Braucht Finnland wieder eine Anleihe? Nach einer SportAmerita ,, erlaufen" haben. Wenn„ Ertüchtigen" zulässig ist, warum legende foll Nurmi seinem Lande schon einmal eine Anleihe in nicht Erlaufen"?) Nun ist Nurmi wieder in Dollarien, und in Finnland ist eine Regierungsfrise. Braucht Finnland wieder eine Anleihe oder ist für dieses Mal Nurmi felbst gelbbedürftig? Daß nun auch zum Profeffionalismus übergegangen ist, wird für den dieser vornehme Sportler, der es zudem mit Leib und Seele war, bürgerlichen Sport als eine Statastrophe gewertet werden müssen. Benn fo starke Säulen stürzen, woher fall dann noch die Rettung tommen? Es geht in der Tat abwärts mit dem Amateurismus. Das ist aber auch gut so, denn ehrliches Geschäft ist immer noch besser als unehrliches Spiel! Gesellschaftsspiele: Immer mehr bürgert sich in den Bereinen bie Gepflogenheit ein, Gesellschaftsspiele auf der Börse abzuschließen. Den besten Beweis dafür bietet die letzte Börse. Ale Groß- Berliner Vereine waren erschienen, um ihren Bedarf an Spielen für die fommenden Sonn- und Feiertage zu beden. Zum Sonntag wurden folgende Spiele abgeschlossen: Uutab gegen Sofol in Spandau, Wilhelmstadt. Karom gegen Lichtenberg II in Karow. Borläufer Houben- Krefeld Stellung zu dem Thema:„ Sportleistung Houben und der Wein! Bor einiger Zeit nahm der Meister wärts- Behlendorf gegen FTGB.- Mitte in Zehlendorf, Spandauer und Alt.holgenuß. Ganz gegen die Tradition sonstiger Sport Straße. Schweiffterne gegen Reinickendorf im Stadion zu Köpenid. größen tam er zu dem überraschenden Schluß, daß ein mäßiger Lichtenberg I gegen Tempelhof am Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Genuß guten Weines der sportlichen Leistung nicht abträglich sei. Cladom gegen Botsdam in Cladow. Wader- Briz gegen Hoppe Darob freuten sich nicht nur Winzer, Brauer und Gastwirte, sondern garten. auch alle Sportler, die troß allem gern einen nippen, manche heim lich, andere sogar unheimlich. Houben ist ein echter Amateur. Rein Menfch dachte, daß er Professional in Weinhandel geworden sei. Und doch ist es so. Daraus erflärt sich seine Stellung zum Alkohol zur Genüge. Aber, warum soll ein Meifterläufer nicht Weinhändler werden dürfen! Beginn der Spiele 14 Uhr. Was ein Fußballstar wert ist. Phantastische Ablösesummen in England. zweitklassigen englischen Ligamannschaft von Preston- Northend als Eine sehr begehrte Persönlichkeit ist der gegenwärtig bei der linker Verbindungsstürmer tätige Berufsspieler James. Nicht weniger als fieben Rlubs bewerben sich um die anerkannt tüchtige Kraft. Die gemachten Angebote haben bereits die phantastische Löhe von 15 000 Pfund Sterling, also rund 300 000 mart erreicht, doch hat sich Preston Northent noch nicht entschieden den begehrten Spieler für einen anderen Klub freizugeben. Es gibt auch unter Amateuren eine fast spezifische Fußballer, frankheit, der gegenüber medizinische Heilkunst voulommen verjagt Diefe Krantheit, eine Art von Bederfleber, äußert si barin, daß die Fußballspieler häufiger als alle anderen Sportler ihren Berein wechseln. Es scheint geradezu eine Leibenfchaft zu fein, die manchen von ihnen zwingt, bald in diefem, bald in jenem Verein zu spielen. Leider bleibt es häufig nicht nur beim Bechseln der Vereine, sondern mancher Spieler pendelt auch zwischen dem bürger. lichen und dem Arbeitersport hin und her. Diese- Erscheinung hat sich merkwürdigerweise besonders fraß in Berlin ausgewirtt, wo die Fußballspieler fast durchweg tommunistisch orientiert maren. Auch gegenwärtig flagt man im Lager der Ausgeschlossenen fehr über das Pendeln der Spieler. FIGB., Bezirk Lantwig. Donnerstag, 20, Dezember, 19 Uhr, Turnhalle Snedligstraße. Weihnachtsfeier mit turnerischen Borführungen der Rinder, Turnerinnen und Turner. Anschließend Bescherung. Eltern und Gäste Beziehungen zu den Balschewisten abgebrochen. Seitdem frächzen In den Armen... Bekanntlich hat John Bull vor Jahren die die bolfchemistischen Raben an der Spree in allen Tonarten über Kriegsabfichten gegen ihr Baterland, wo die Wolga fließt. Eine ganze Zeitungsindustrie bauen die geschäftstüchtigen Leutchen um Kleinhugenberg" auf diesen Schwindel auf. Nun weiß die bürgerfiche Sportpresse zu melden, daß der russische Sportverband den bürgerlichen englischen Fußballsport um Abordnung eines Trainers ersucht hat. Boraus zu entnehmen ist, daß der russische Gport immer noch gut bürgerlich ist und daß ihni der bürgerliche Sport innerlich viel näher steht als der Arbeitersport. Man wird nun auch nicht mehr lange Zeit zu warten brauchen, bis ber Sport als neutrales Gebiet für Rußland erflärt wird. Desto wütender werden die Raben an der Spree vom Klaffentampf zu trächzen haben. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Arbeiter- Schachnereinigung Groß- Berlin. Seute Donnersag, 20 Uhr. Abt. Kreuzberg, Planufer 75-76, bei Rrepp. Abt. Prenzlauer Berg, Breng lauer Allee 189 Ede Raumerstraße, bei Burg. Abt. Siemensstadt, Siemens firaße 34, bei Seffe, Abt. Treptow, Elsene Ede Beermannstraße. Abt. Westend, Charlottenburg, Sophie- Charlotte- Str, 88. Abt, Grilnau, Gemein schaftshaus, Gutshof Falkenberg. Abt. Reinidendorf- Oft, Residenzstr. 156, bei Fochhaus, Rurgrod. Freitag, 21. Dezember. Abt. Mitte, Sisnstitchplag 5, bei Am 7. Januar 1929 beginnt das teisterturnier. Die Ahteilungen werden nochmals aufgefordert, die Melbungen der Spieler an den Spielleiter E. Brandt, Berlin G. 50, Gräfest. 88, zu senden. Herztätigkeit und Leibesübung. Die Zentralvorstände der schweizerischen Offiziersgefell- beralich eingeladen. schaft, des Unteroffizierverbandes und die Leitung des vaterländischen Berbandes hatten den bürgerlichen Mitgliedern der Bundesversamm lung ein gemeinsames Schriftstück überreicht, in dem ersucht wurde, bei ber Budgetbewilligung dem Schweizer Arbeiter Turnund Sportverband die Subvention abzulehnen. Begründet wurde das reaktionäre Ersuchen damit, daß der Arbeiter. Turn- und Sportverband nicht neutral sei und die Vorbildung der Jugend für den Militärdienst nicht durchführe. Im Ständerat, wie auch im Nationalrat wurde ein diesbezüglicher Antrag abgelehnt. Die Reaktion wird nun nach neuen Angriffs mitteln suchen, währenddem der Schweizer Arbeitersport weiter blüht und gedeiht zum Wohle der Gesamtarbeiterbewegung. Arne Borg in Java. Schwedens Meisterschwimmer Arne Borg ist auf feiner Weltreise, die ihn bisher durch Japan und China geführt hat, munmehr in Batavia eingetroffen und stellte sich in der nieder ländischen Residenzstadt auf der Insel Java in einem Schau. schwimmmen vor. Selbstverständlich mußte wieder ein ,, Weltreford" Die hohe Bedeutung einer regelmäßigen Herztätigkeit beim Aus. üben der Leibesübungen wird von den meisten gar nicht oder nur wenig beachtet. Diese Unterlassung bildet eine Gefahrenquelle be fonders für den heranwachsenden Körper und tann zu schweren, dauernden Schädigungen des gesamten Organismus führen. Bekanntlich ist unsere Mustelarbeit abhängig von Verbrennungsprozessen im Körper, deren Stoffe das Blut heranschaffen muß. Ist die Anstrengung groß, dann find große Mengen Blut notwendig. Eine vermehrte Blutzufuhr ist aber nur durch eine vorausgegangene Erweiterung der Gefäße und eine Beschleunigung des Blutstromes möglich. Die Beschleunigung des Blut freislaufes entsteht durch lebhaftere Herztätigkeit. Um folche Arbeit leiften zu können, muß der Herzmuskel durch geeignete Uebungen allmählich gekräftigt werden, denn das Herz ist eine Es ist Tatsache geworden! 1018 Gestern schrieben wir unter dieses Bild: Eisbahn im Freibad Wannsee folgt bald! Heute ist sie bereits eröffnet. Der Eintritt kostet 20 Pfennige, für Kinder 5 Pfennige. Geöffnet bis 19 Uhr. Im Restaurant warme Getränke. | Mustel mie jeder andere. Beim Training darf man nie ver geffen, daß der Herzleistung eine gewiffe Grenze gezogen ist. Wird aber von den Gefäßen mehr verlangt als fie leisten fönnen, dann ftodt die Stoffzufuhr; die Herzmuskelentwicklung bleibt stehen oder geht fogar zurüd, da eine mangelnde Ernährung vorliegt. Steigert fich durch hohe Arbeitsleistung der Blutdrud, dann halten die geschwächten Wände der Herzlammer dem Drud von innen her nicht mehr stand und es entsteht die mit Recht so gefürchtete era erweiterung. Darum sollte man besonders Kindern und Menschen mit unausgebildetem Herzmustel( ältere Frauen große Kraftleistungen nie zumuten. son llebungsleitern die gebührende Achtung versagt bleibt, läßt uns Ein auffommmenbes Ermüdungsgefühl, dem aber leider auch of ben Zeitpunkt ber drohenden Weberanstrengung gut ertennen Herz schwachen und Kindern sollte man eine vernünftige Gym nastit eher empfehlen als Leistungsturnen. Ist es zu verwundern wenn jemand jahrelang sich nicht bie Zeit nahm, täglich ein paa lebungen zu machen, nun mit einemmal, aus Mode oder Chrgei mit Macht loslegt, einen Herzfehler befommt? Noch ein schädigendes Moment ist bet Leibesübungen zu be achten: Das temanhalten! Nichts ist verderblicher als das Man macht es besonders häufig beim Gewichtheben, Ringer Expanderziehen und bei allen Kraftübungen an Geräten. In de ftart geblähten Lungen stodt die notwendige Sauerstoffzufuhr; tritt eine Störung in der Zusammenarbeit von Zungen- und Her tätigkeit ein. Das Herz leistet ungeheure Mehrarbeit. Das geftau Blut stürzt nach Beendigung der Uebung mit einemmal in die Her fammer. Wie bei der Bunge erfolgt eine Erweiterung, die b öfterer Biederholung zu einem Dauerzustand werden kann. A diefem Grunde follte es sich jeder Abteilungsleiter zur Pflicht mache Jungere nie, und Aeltere nicht bei Ermüdungserscheinungen a Geräte schwere Uebungen ausführen zu lassen. Einen Grundsatz müßte sich jeder einfichtige Leibeserzieher eigen machen: Jede llebungsstunde, jeder Arbeitsplan habe 3 Grundlage eine gute Atemgymnastik, die am besten d Herzmustel schult. Der ausgebildete Körper fann natürlich u beschabet feine Straft erproben. K. R. ( Schluß des redaktionellen Teils.) Bartreffliche Zigarren, besonders dazu angetan, in frohen Feststunden Fre und Behagligteit. Au fieigern, find die Erzeugnisse her bekannten Fit Loeler und Wolff. 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