O? rds .75 .75 .75 .75 15 .75 ch men OR 22 1.B.H !. Scha pars e, Sta enilid Morgenausgabe Nr. 603 A 305 45.Jahrgang Böchentlich 85 Bt., moratlich 8,60. tm voraus zahlbar. Boftbezug 4.32 2. einschl. Bestellgeld. Auslandsabonne ment 6.-M. pro Monat. Der Borwarts erichetnt mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Juuftrierte Beilagen Balk und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen"," Frauen. ftimme". Technik" Büchermelt" und Jugend- Borwärts Blid in die Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 22. Dezember 1928 Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. De etats att ge Ronpareillege 10 Biennig. Reflame eile- Seichs mart. Kleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zulässig zwe Jettgebrudte orie).. jebes weitere Bort 2.Pfennig. Steuengesuche das erite Bort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmartt sählen für zwei Worte. Beile 60 Pfennig Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen ennahme im Hauptgeschäft Linden traße 3, wochentägl, von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts Verlag G.m. b. H. Fernsprecher: Tonboft 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Politisches Attentat in Paris. Generalstaatsanwalt Fachot erschossen.- Racheaft für den Colmarer Autonomistenprozeß.- Der Täter stellt sich. Paris, 21. Dezember.( Eigenbericht.) Der frühere Staatsanwalt und jehige Rat am& affaDer frühere Staatsanwalt und jetzige Rat am Kaffaflonshof in Paris Fagot ist in den Morgenstunden des Freitag das Opfer eines Attentats geworden. Ein Unbekannter erschien am frühen Morgen in der Parijer Woh nung Fachots und verlangte ihn zu sprechen. Fachof war jedoch nicht anwesend. Als der Unbekannte das drittemal erschien, traf er den Staatsanwalt selbst und gab auf ihn drei Revolverschüsse ab, von denen zwei das Ziel er reichten. Der Täter entfernte fich darauf ruhig. Fachot wurde mit zwei schweren Bauchschüssen ins Krankenhaus gebragt. Sein Zustand ist sehr ernst. Man nimmt an, daß es sich um den Racheatt eines Elsässers handelt, da Fachot im Colmarer Autonomistenprozeß die Anflage veritat. Auch Fachot gab dieser Bermutung Ausdrud. ftellt. Nach einem Abendblatt hat man auch einen Schirm auf der Treppe gefunden, und zwar zwei Stodmerte tiefer, als die Bohnung des Rats beim Kaffationshof liegt. Der elfäffische Diener Fachots soll nach dem„ Intransigeant" dem Untersuchungsrichter ertlärt haben, er glaube, daß es sich um einen Elsässer handele, er fönne aber nicht behaupten daß der Täter mit ihm in elfäffischem Dialett gesprochen habe. Nach Ueberführung in die Klini! wurde Fachot operiert. Die Eingeweide find durch Revolverschüsse an fleben Stellen 3erriffen. vor der lleberführung in das Krankenhaus, daß er bereits in Colmar Fad of erklärte dem in seine Wohnung eilenden Polizeikommissar während des Autonomistenprozesses und nach seiner Beendigung 3uschriften erhalten habe in denen man ihm mit dem Lode bedroht habe. Auch in Paris seien ihm, besonders in der letzten Zeit, derartige Buschriften zugegangen. Wenn je ein Attentat finnlos war, so in diesem Fall. dem Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Banf der Arbetter, Angestellten und Beamten Ballstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafle Lindenstr. 8 Mein Schiedsamt. Persönliche Bemerfungen zum Schiedsspruch. Von Carl Severing. Der Schiedsspruch im Lohntampf der rheinisch- westfälischen Eisenindustrie steht jetzt zur Kritik. Nicht um ihr auszuweichen dazu sehe ich keine Beranlassung und ebenso wenig um dem Schiedsspruch eine besondere Empfehlung mit auf den Weg zu geben, schreibe ich diese Zeilen, sondern um einigen schiefen Auffassungen entgegenzutreten, denen ich häufig in den letzten Wochen begegnet bin. Die Debatte über das Kapitel im Ruhrkampf, an dem ich beteiligt war, ist mit dem Schiedsspruch geschlossen, und in einer derartigen Situation ist es nach altem parlamentarischen Brauch erlaubt, auch persönliche Bemerkungen anzubringen. Bon diesem Recht möchte ich heute Gebrauch machen. Als ich das Amt des Schiedsrichters übernahm, bin ich in Parteitreisen vielfach auf merkwürdige Stimmungen gestoßen. Ein Teil der Parteifreunde erinnerie mich daran, daß ich eine undankbare Aufgabe übernehmen würde. Mönchlein, Mönchlein, du gehst einen schweren Gang" ,,, du gefährdest deinen Ruf" und ähnliche Besorgnisse wurden Andere meinten mieder, daß ich mit der Der Täter hat sich inzwischen freiwillig der Polizei ge- Der Generalftaatsanwalt des Colmarer Prozeffes war aus Uebernahme des Amtes gewerkschaftliche Grundsätze berührt, Wie uns in später Nachtstunde aus Paris berichtet wird, heißt der Täter Georges Benoit und ist in alburg( Eliah) am 2. Juni 1900 geboren. Er war bis vor einem Monat Fleischergeselle in strak burg und wohnt erst neuerdings in Paris. Die Barijer Adresse, die er angegeben hat, 41 avenue du Maine, wird noch nachgeprüft. Benoit hat, wie savas berichtet, bei seiner ersten Bernehmung zugegeben, daß er Autonomist ſei und Elsah- Lothringen habe rächen wollen. Einzelheiten der Tat. Paris, 21. Dezember. gegangen. Sein Anflagegebäude war unter dem Fluch der lächerlichkeit zusammengebrochen, und er selber hatte unter diesem Eindruck bei seinen Strafanträgen einen offenfundi gen Rückzug angetreten. Die Berurteilten find inzwischen aile, auf freien Fuß gefeßt worden, aber auch ohne Begnadi gung wäre jest ihre Strafe verbüzt. Der Colmarer Prozeß stische Bewegung, wie die jüngsten Ergebnisse der General war in Wirklichkeit die beste Propaganda für die autonomi ratswahlen bewiesen haben. Die Autonomisten hätten aber allen Anlaß gehabt, bem Staatsanwalt Fachot dankbar für die unfreiwilligen Helferdienste zu sein. die er ihnen geleistet hat. Das ist sicher lich die Ansicht der damaligen Angeflagten und Berurteilten. Das war wohl auch das Gefühl der französischen Regie rung, die ihn bald danach aus dem Elsaß abberief, aller dings um ihn zum höchften Gerichtshof zu befördern. Dort hätte er jedoch fortan nur noch anonym und unpolitisch ge wirkt. Durch dieses Attentat werden nun in Frankreich und auch im Elsaß viele Sympathien, die sich den Autonomisten zuzuwenden begannen, wieder denen zugeführt werden. Die eine rücksichtslose Bekämpfung des Autonomismus predigen. Daß der Attentäter diefe naheliegenden Erwägungen nicht felbft angestellt hat, läßt darauf schließen, daß er nur ein befch rantter Fanatiker ist, der den Gegnern der Sonderrechte für das Elsaß einen unverhofften Dienst erwiesen hat. Zu dem Attentat auf Fachat berichtet die Agentur Havas noch. baß nach vollzogener Tat eine Bewohnerin des Hauses auf ber Treppe einen jungen Mann angetroffen habe, der es nicht 91-9 au Jehr eilig gehabt habe, ben Ausgang zu erlangen. Sie habe ihn gefragt, ob er night einen Schuß gehört habe. Er habe erwidert: Ja, ich glaube, daß im 3. oder 4. Stod sich ein Unfall ereignet hat. Die erfte am Tatort angestellte polizeiliche Untersuchung hat, abgesehen von den drei Patronenhülfen, einen Brief zutage ge fördert, der bem Täter in dem Augenblick aus der Tasche gefallen fein muß. als er den Revolver 30g. Der Brief lautet: Herr Generalstaatsanwalt! Ich bitte um eine Zusammenfunft., 3d erwarte Sie im Hotel Moderne Blace de la République." Unter- Daß der Kampf für und gegen den Autonomismus nach zeichnet ist der Brief:„ Eine Freundin. Fachot felbft soll der zehnjähriger französischer Verwaltung bereits solche Gewalt Agentur Havas zufolge, als man ihn nach der Tat auf ein Rhebett taten erzeuren fann, ist jedenfalls ein bedentliches legte, erklärt haben: Es ist jemand aus dem Elsaß, bereichen für die Zustände in Elsaß- Lothringen, ein Zeichen, die Tat verübt hat, ich bin verloren. das alle Teile zur Besinnung mahnen sollte. et. tis 28 eilun er en Osen, katen ER 36 пи welle Elatforgen 1929. Abftriche an den Borentwürfen und neue Steuern. Der Etat für das Jahr 1929 soll dem Reigs. tag nach den bisherigen Dispositionen in der ersten Hälfte des Februar zugehen. Das bedeutet, daß die Borlage Mitte Januar an den Reichsrat zu bringen ist. Bis zu diesem Termin muß er aber vom Kabinett verabschiedet sein. Eisenkommission in England. Bereinbarung Arbeiterpartei- Industrielle. London, 21. Dezember.( Eigenberidyt.) Am Mittwoch trat im Unterhaus die Erefutive der Arbeiter partei mit einem Ausschuß der Gifen und Stahlföderation zusammen, Eisenum zur age biefer a haj bie Steines out the pieningen Industrie Stellung zu nehmen. Nach der Beratung erklärte fich Arbeiterpartei einverstanden, bas Grfuchen der Eisen- und Stahlföderation nach sofortiger Einfegung einer Kommission durch die Regierung zu unterstützen, deren Befugnisse im wesentlichen der der Kohlenfommission unter Herbert Die Konferenz des nationalen Vollzugsausschusses der Arbeiter Zurzeit ist der Finanzminister bemüht, die einzelnen Refforts mit Rücksicht auf die Finanzlage zu Ab Samuel entsprechen dürften. treichungen an ihren Borentwürfen zu veranlassen, um auf diese Weise das Defizit zu verringern. Bei der Hartnädigteit, mit ber bie Aemter ihre Forderung zu verteidigen Pflegen, ist das natürlich feine ganz leichte Arbeit. wollen hoffen, daß die Aufgaben für notwendige fozialpoliti . 2 dhe unb tulturelle Zwecke nicht beschnitten werden. en net 2 Wir Die Hauptschwierigkeit bietet nach den erfolgten Streichungen natürlich die Dedung des verbliebenen Defigits. Ob bie Borschläge des sozialdemokratischen Finanzministers vom Kabinett angenommen werden, ist weifelhaft. Aber jelbst wenn man dort zu einer Einigung gelangen sollte, wird der Kampf um die neuen Steuern in Höhe von schäßungsweile 350 Millionen Reichs. partei und des Ausſchuſſes bes Gifen- und Stahlverbandes( der alle Handelszweige dieſer Induſtrie vertritt) faßte gleichzeitig ben Be schluß, Widerstand gegen die Ausdehnung der Industrieschutzzoli, politit auf die Eisen- und Stahlindustrie zu leisten, mindestens fo lange, bis von Reichs wegen eine lIntersuchung der ganzen Bage der Industrie veranstaltet worden ist. Rotes Rathaus in Oslo. Gozialdemokratische Mehrheit. Oslo, 21. Dezember.( Eigenbericht.) Die normegische Arbeiterpartei erzielte bei ben Gemeinde mart in Reichsrat und Reichstag entbrennen. Im Parla- mahlen in Oslo 42 Mandate, die bürgerlichen Parteien ebenjovial, ment muß ein kompromiß gefunden werden. Aus dieser o daß die Wahl des Borsitzenden durch bas Los su entscheiben Inzwischen ist ein demokratischer Stadtverordneter der Rotwendigkeit ergibt sich die andere, bis zum Beginn der war. Ctatsberatungen im Reichstag Sicherheit über die Geſtal- Arbeiterpartet als ber größten Frattion beigetreten. Die Arbeiter partel bat bamit bla mehrheit im Dslaer Rathaus erlangt. ung ber Regierung geldhaffen su haban das Schlichtungswesen gefährdet und damit den Gegnern des Schlichtungsverfahrens einen billigen Triumph verschafft habe. Ich halte es für erforderlich, nicht wegen meiner Berson die darf hier feine Rolle spielen, sondern wegen der Gache diesen Einwendungen mit einigen Bemerkungen entamtes Ende November praktisch an mich herantrat, handelte gegenzutreten. Als die Frage der Uebernahme des Schlichteres sich in dem Lohnstreit Nordwest nicht mehr um einen örtlich begrenzten wirtschaftlichen Kampf, sondern um eine Aus einandersetzung, die das ganze Wirtschaftsleben Deutschlands in Mitleidenschaft zu ziehen drohte. Die Mittel zur friedlichen Beilegung maren erschöpft. Berwaltungsmaß nahmen der Behörden oder gefeggeberische Eingriffe waren in jenen Tagen das ist reiflich geprüft worden- nicht zu erwarten. Jeder weitere Tag der Aussperrung aber hätte nicht allein die Finanzen des Reiches, des Staates und der Gemeinden in erheblicher Weise in Anspruch genommen, sonbern auch der Wirtschaft und damit am meisten der Arbeiterschaft Wunden geschlagen, die nicht so bald hätten geheilt werden können. Unser Land hat sich nach dem Weißbluten des Krieges wieder erholt. Er hat die Inflation überstanden; aber es wäre frivol, derartige Belastungsproben leichtfertig zu vermehren, da niemand jagen fann, ob nicht durch einen dritten Aderlaß die deutsche Wirtschaft endgültig zusammenbricht. die Reichsregierung einschlug. Wenn man mir den beson So war es einfache Pflicht, den Weg zu beschreiten, den ders schweren Weg vorgestellt hat, dann antworte ich. daß es für den, der heute für das deutsche Volk und namentlich für die deutsche Arbeiterschaft Aufbauarbeit leisten mill, nur schwere ege gibt. Und wenn man mich auf be sonders schwere Wege schickt, dann erblicke ich darin nur eine Bevorzugung, die mich immer anspornen wird, das in mich gefeßte Bertrauen zu rechtfertigen. Was endlich den ,, guten Ruf" anlangt, so würde dieser gute Ruf durch nichts mehr gefährdet werden können, als durch einen berechtigten Hinweis darauf, daß ich mich einer dringenden Pflichterfüllung entzogen hätte. Ich habe so oft in unseren Werbeversämmlungen zum Kampfmillen angespornt mit dem Schlußvers aus Schillers Retterliep:„ Und jezet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein!" Hier galt es ja nicht einmal ein Leben einzusehen. sondern nur einen foge nannten guten Ruf. Vielleicht gilt dieser Einsah wirklich etwas, aber dann ist es gerade Pflicht, ihn zu wagen. Wenn man den guten Ruf eines Politikers wie eine Nippessache in Watte und Seidenpapier wideln oder zur Schau in eine politische Vitrine stellen muß, um ihn feiner Gefahr auszusetzen, dann ist dieser Ruf meines Erachtens feinen Pfiffer ling mert. Und was für den Politifer gift, gilt auch für die politischen Parteten. Ebenso irrig ist die Auffassung, als ob ich die Kreise der Gemertschaften gestört oder mitürlich in das Schlichtungsnerfahren eingegriffen hätte. Schon gegen Mitte November, haben die Gemertschaften mit dem Arbeitgeberperband Nordmest auf einer Grundlage verhandelt, die in der Form und in der Sache vom Schiedsspruch wesentlich ab w ich. Sie waren auch bereit, felbst für den Fall, daß das Reichs arbeitsgericht ben Schiedsspruch als zu Recht bestehend an exfannen follte, ben blaufstermin des Schlebs/ prudhes nicht zum Upril 1980 sondern zum 81. MZrz 1929 festzusetzen. Damit haben die Gewerkschaft»Vertretungen, deren Träg« t» Nordwest»ach meinen Eindrücken gute, zum Teil sogar hervorragend« Kräfte sind, durchaus richtig gehandelt, da sie die Form nicht über die Sache stellten, zumal die Form des Schlichtungsverfahrens ja auch nach Meinung von Gewerk« fchaftlern nicht unerhebliche Mängel aufweist. Wer schließlich Ruf und Form hin und her. In der Politik entscheidet der Erfolg. Und ist der Erfolg der Reichsregierung denn wirklich so gering einzuschätzen? Die erste Folge des Eingreifens der Reichsregterung war die Aufhebung der Aussperrung und damit eine W i« d e r b«- lebungdercherztätigkeitdesdeutschenWirt- fchaftslebens. Das weiter« zeigt der Schiedsspruch. In einer Unzahl kleiner Dlättchen versucht die Kommu- nipische Partei ihre» Lesern beizubringen, daß meine Weih- nachtsangebinde für die Metallarbeiter der Raub des Acht- ftundentages. Lohnkürzung und Entlassungen sein würde. Und der Moskauer„Prawda" zufolge richteten Komintern und Metallarbeiterverband der Sowjetunion an das„Zentral- preikkomitee" des Ruhrgebietes nachstehendes Telegramm: „Wir überwiesen 25 000 Mark für Arbeiter, die nach Ein- ftellung der Aussperrung nicht wieder aufgenommen worden find. Diese Verschwörung der Reformisten und Kapitalisten gegen fortschrittliche Arbeiter wird ihnen teuer zu stehen kommen."— Vermutlich wird das.Lentralstreiktomitee" die 25 000 Mark wieder zurückschicken. Denn die Reformisten haben sich mit ihren Gewerkschaften bereits einen derartigen Einfluß gesichert, daß Maßregelungen nicht stattfinden. In dieser Schutzmaßnahm« sind selbstverständlich auch die kom- tnunistischen Arbeiter einbezogen. Was die Auswirkung der Lohn» und Akkordver» desserungs n anlangt, so sind trotz sorgfältigster Prüfung der vorhandenen Unterlagen genau« Zahlenangaben dar- über noch nicht beizubringen. In der erzeugenden Industrie sind rund 100 000 Arbeiter beschäftigt, von denen etwa 15 Proz. im Zeitlohn. 85 Proz. im Akkord arbeiten. In der weiterverarbeitenden Industrie deträgt die Arbeiterzahl 120000, von denen etwa 40 Proz. im Zettlohn beschäftigt sind. Aber auch unter Zuhilfenahme dieser Zahlen läßt sich genau noch nicht errechnen, wie sich in den einzelnen Alters- und Lohngruppen die Lohn- und Akkordverbeflerungen aus- wirken. Das L o h n s y st e m in der nordwestlichen Eisen- Industrie hat sich allmählich so unübersichtlich gestaltet, daß es fast zur Gehe Im Wissenschaft der unmiltel- bar Beteiligten geworden ist. Aber soviel darf wohl gesagt werden, daß die Lohn- und Akkordänderungen nicht gerade wie Lohnkürzungen anmuten! Und die Verbesserungen in der Arbeitszeitregelung, die etwa 15 000 Arbeitern eine nicht unbeträchtliche Kürzung der Arbeitszeit bringt, sehen auch nicht gerade nach einem Raub des Achtstundentages aus. Das Urteil darüber darf ich indes getrost der Oeffentlich- keil vorbehalten. Den Beteiligten darf ick) es überlassen, die ' Lehren aus dem Kampf zu ziehen. Werden sie in der Zukunft beherzigt, dann ist der Weg frei für eine planmäßige Be f j e r u n g der Lohn- und Lrbeitsbedingungm in einer Industrie, in der sich länge? als in jeder anderen der.'Herr- 'f'm-Hause''-Standplllckt de? Stumm und Bueck aufrecht«- � halten hat. Die Auswirkung des Schiedsspruchs. Erheblich günstiger als der Schiedsspruch ZötteüS. In den Kommentaren zum Schiedsspruch Eeverings, sowe't sie bisher in der Press« erschienen sind, wird ollgemein angenommen. dag der Schiodsspouch fürbieAkkordarbeiterungünsttger sei,«eil die Zulage von 2 Pi.. bieberSchtebssprvchIStten» vorsah, i» Wegsall tommi. Ss wird weiter bemängelt, daß die Zulage für die Zeitlohnarbeiter nur für die niedrigen Löhn« und für die Lohn« von 78 und 79 Pf. ausrecht erhalten bleibt, wah- xettb bei den übrigen Zeillöhnen ein« Abstufung eintritt. Dabei wird dl« wese-nllich« Tassach« überfehc» daß erste-» 85 Proz. der Arbeiter der nordwestlichen Eisenindustrie in Akkord beschäftigt sind und daß nach dem Schiedsspruch Nöttens, außer der festen Zulage von 2 Pf., bn Artikel 9, Abs. 2 de» Rohmen- »ertrage« dl« Bestimmung galt, daß dt« Atkartw»di«-ste l 9 Broz. iiberden Zeitlöhnen betragen können. Nach dem Schieds- sprach Severing» müssen die Aktordverdienst« ta, Durchschnitt 15 Proz. über den Zeitlöhnen liegen. Di« Kavitvsr- schrift ist also in«in« Mußvorschrist verwandelt und die Aktordsichcrung von 1V aus 15 Proz. erhöht worden. Das bedeutet für 85 Proz. der Ruhrarbeiter gegenüber dem Schieds- sprach Nöttens«ine erhebliche Verbesserung. Soweit die Zeillohnarbeiter in Frage kommen, fällt die Anzahl der Arbeit'.r. die eme geringer« Lohnzulage erhallen als nach dem Schiadsspr ch Nöttens, nicht ins Gewicht. Für die Wartezeit ist weiter ein Lohn- ousgleich von 50 Proz. für die Zeillohnarbetier, von 60 Proz. für di« Akkordabeiter vorgesehen. Wesentlich« Arbeitszeitverkürzung«» bringt der Schiedsspruch besonders in der Schwerindustrie. In den Gieße- reien und Radiatorbetrieben von 2 bis 5 Stunden: in den Wasser- ggsschwe ßereien gleichfalls von 2 bis 5 Stunden und innerhalb eines Jahre« ein« weitere Verkürzung um 4 Stunden auf 48 SÄnbcn: in den Beizanlagen und in dem Blechwalzwerk Krupp 5 Stunoen und «in« weiter» Herabsetzung innerhalb«ine» Iohixe: in den Sandstrahl- bläsereien 4 bis 9 Stunden: in den Zementfabriken 5 bis 9 Stunden: in den Ihomasschlacken 6 Stunden. In den übrigen Betrieben läßt sich nicht wegen der Berschiedenartigteit der bisherigen Arbeitezeit etn» Abgrenzung der Verkürzung kaum geben, doch kann im all- «meinen gesagt werden daß auch dort«in« Verkürzung der rbeitszeit eintritt. Llniernehmerurteit: Sn>ndsätzl!cher Erfolg— aber wenig tragbar. Die Tekegmphenunion berichtet: In Arbeitgebert reisen versucht man den Seoeringschen Schiedsspruch, dem DHD. zusolg«, «lz einen grundsätzlichen Erfolg hinzustellen, da er doch In wesent- lichen Punkten von dem Iöttenschen Schiedsspruch abweiche. Rein wirtschaftlich gesehen. Hütt man jedoch den Schicdespruch wegen der damit i�tbundenm Ltchnerhö Hungen und der Lrbeilszeitoertür» zung für wenig tragbar. Man ist hierüber um so mehr er« staunt, als Minister Seoertng in der Begründung d!« Richtigkeit der Begründung de» vorherigen Schiedsspruches oinrkennt und die außerordentlich schwierig« Lag« der Industrie zugibt. Mau ver», steht auch nicht den Standpunkt de» Minister«, der,' Oer Sturm aufs Theater. Genau wie vor einem Menschenalter. Wozu der Lärm? Wa« ist eigentlich passiert, daß fünf Par- teteu mit zusammen der reichlichen Hälfte aller preußischen Land- wgsmandate in Anträgen und„Großen Ansragen* gegen da« Theater Sturm lausen? Daß selbst etn in Kunstfragen sonst leid- lich vernünftig orientiertes Blatt wie di«.DAZ." von der Psychose angesteckt wird und in das Geschrei der sittlich Entrüsteten ein- stimmt? Wie immer, wenn Wuckerel gegen Kunst zu Feld« zieht, werten geflissentlich zwei Dinge durcheinandergeworfen. Man stellt sich zunächst, al« protestiere man gegen di« pausend süßen Bcinchen", gegen die zehntausend nackten Frauen", gegen den süßlich- lüsternen Revuekitsch, mll dem di« Geilhest de« in Lerlin auf Bummel gehenden Prooinzialen sachgemäß animiert wird. Hier- über zu diskutieren lohnt sich schon um deswillen nicht, weil wir felsenfest überzeugt sind, daß selbst ein Schock neuer Gesetz« an diesen Darbietungen ebensowenig ändern wird, wie etwa das Schmutz- und Schundgesetz den Handel mit Aktphoio- graphien in Bors und Animierlokalen verhindert hat. Nein, die auf«rotisches Amüsement abgestellten Darbietungen bilden nur den Dorwand. hinter dem mau gegen die K u n st zu Felde zieht. Lassen wir di«„DAZ." reden, da« Blatt einer Partei, hie immerhin einmal gegen die Lex Hetnze gekämpft hat: „Die heutig« Berliner Dramatik geht mehr oder weniger, von einzelnen Äuenahmen abgesehen, daraus au«, nur dlc letzten ganz- lich ungeformten Wirklichkeiten von der animalischen Se t« des Leben» al» leben:, und darstellungswert gelten zu lassen. Sie proklamiert Freiheit von jeder Form. Doseinsbcrechtt. qung nur noch des Ungeformtesten vom Sexuellen bl? zur Pathologie. Sie zerstört, unstretwegen aus künst- lerischen Gründen, jede Achtung vor der Form, der Staat ober ist Form, lebt von der Form, baut sth über ihr auf und zerfällt. wenn diese Form zerstört wird. Er bot also ein eminentes innen- volttischev Interesse an gesetzlicher Behinderung diejer Formzer- stöning. Ebenso hat er«in gleichgroße« außenpolitisches Intcr- esse daran. Es ist sicher, daß sehr viele der in Berlin leben. en volitisch und rvirtschasllich wicht gen Ausländer, Engländer. Amerikaner, Franzosen, Italiener auf Grund ihrer Theater- erlebnisse, die in freundlichem Reigen vom Lustmord über dt« Abtretbuna zur homosexuellen Verführung gehen. eine Auffassung vom Wesen, von der Haltung, von der inneren Lebenstrast dieser deutsch«»Nation bekommen, die sich außenpolitisch bei den Disk"ssionen N"- Lanbkrä'te gea-n- einander höchst unangenehm und uns schädigend bemerkbar machen wird. Dicse D nge stören den Staat außen politssch mindestens so sehr wie im Innern." Hier sind die wa hren Motive, lue. nur da»«Ine. an sich hoben, daß sie nicht neu sind. Mit wörtlich den gleichen Argumenten. daß die Dramatik„Freiheit von jel-er Form proklamiere", hat man vor dreißig Jahren Hauptmanns„Weber" und„Florian Geyer". „Fuhrmann Hensch-l" und„Hannele" bekämpft. Mit dem schein- heilige» Gezeter, daß man Geschlechtskrankheit nicht auf die Bühne bringen dürfe, ist gegen Ibsens„Gespenster" Sturm gelausen worden. Wegen der„stoategesährlichen und staatszerstörenden" Wirkungen Hot mau sich gegen„Nora", gegen„Nnsmereholw" und „Wildente" gewandt. Heute erkennt man, daß die angeblichen „Formlosigkeiten" künstlerische Gestaltung und Formung---. aller» � dinge Reu gestaltung und Neu sormung gegen das Voran» gegangen«— waren. Und heute... Es' lohnt sich kaum, den Gedanken fortzusetzen. Denn nach abermals dreißig Jahnen wird man die ungestümen Reuen auf Bruckner, Kasser, Hasen clever als die braven Musterknaben hinwessctn„Seht ihr. datuals. das waren noch echt« Dramatikerl" Der Lorwurs der Mucker gegen unser Theater ist in Wirklichkeit sein Lob. Er gipfelt einzig und allein darin, daß es Probleme unserer Zeit, unserer Gegenwart, unsere« Daseins zur � Debatte stellt. Sollen wir uns denn allein sür dU Scelenlchmerzen von Leuten interessieren dürfen, die in ganz anderer Umwelt, unter ' ganz anderen Lerhälwissen lebten? Ist es wirklich für ein« heutige Studentin oder weibliche Angl» stellte, die selbstverständlich ihren festen Freund hat,«in so drin- gendes Problem, ob Schillers Jungfrau von Orleans sich in den Niiter Lionel hätte verlieben dürfen? Gewiß, religiöses Patho- logentum gibt es auch noch geir.ig in unserer Zeit, aber für uns Heutig« hört es auf die Nomen Häußer und Weißend erg. T«ll» Tyrannenmord kann uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß di« Rathenau, und Erzberger-Mörder»feige und hinterlistige Ducschen ganz anderen Kalibers gewesen sind. Der Streit eine? Maria Stuart und Elisabeth um den Königsthron interessiert«in Zeitalter nicht mehr, das von der Heiligkeit der agnattschen Prims- genitur und sonstigen Finessen de« Thronerbfolgerecht« nicht mehr so ganz restlos durchdrungen ist. Was ist— beispielsweise— dagegen«Inzuwenden, wenn die Seelenquol«ine» Homosexuellen ans der Bühne gezeigt wird, der aus Furcht vor Schande und§ l75 sich von Erpressern ausplündern läßt und schließlich einen wissentlichen Meineid leisiet? Ist da« nicht wahr? Betrifft das nicht Tausende von unseren Zeltgenossen? Betrisst da« Abtreibungeproblem nicht mindestens zwei Drittel unsere? gesamten Frauenwelt? Ist ein ellenlange« Reichsgesstz über die Geschlechtskrankheiten nicht der best« Beweis sür da» Vor- handensein eine» luetischen Gegrnwartcproblem»? Aber, wenden dl« Gegner etn, dergleichen müßte wenigstens„mit künstlerischen Mitteln" aus die Bühne gebracht werden..E« geschieht ja! Der Beweis ist da! Nämlich, weil es packt! Weil es die Gleichgültige» aufrüttelt. Weil es erschüttert. Lesen tut ja jeder Mensch alle Tage davon in der Gertchtsspalte der Zeitungen, ohne sich sonderlich zu erregen. Warum habe ich Leute von durchaus nicht sentimentaler Veranlagung bei diesen Dingen beben und Tränen vergießen sehen? Nur insolge der künstlerischen Gestaltung. Doch das Reden Ist umsonst. Auch vor einem MenschenoUer bemerkten unsere Muckar in den„Gespenstern" nur die Syphni« und Nicht die Kunst Kunst läßt sich nicht logisch beweisen..Sie kann sich nur ofsenboren. Wird sich offenbaren wie vor dxeiß'g. wie vor dreihundert, wt« vor dreitausend Jähren. Da« ein Trost sst. wen« auch»in mageren den Löttetsschen Schiedsspruch al» untragbar«klärt, ihn aber bis End« Dezymö« in Kraft- treten laßt. Man steht hierin g» w i s s« r- maßen«in« Bestrafung der Arb«itg»b«r für ihr« Aussperrung und sskrchtet, dch sich Schwierigkeiten daraus ergeben, wenn ab 1. Januar di« Löhne teilweis« wieder herabgesetzt werden. Di« Auswirkung der hohen Löhne bis ZI. Dezember ist um so stärk«?, als für diesen Zeitraum bekanntlich, um den Ausfall wäh» rend der Aussperrung teilweise wieder wettzumachen. Tonntogsarbeit. die mit einem Zuschlug von 50 Proz. bejahst wird, zugelassen ist An. erkannt wird, daß durch di« lang« Laufzeit des Schiedsspruch«? wenigstens für«inen längeren Zeitraum stobile Verhältnisse geschaffen werden. Oas ist der Krieg! Oer Kronprinz wünscht seinem Segner frohe« Tteafohr In der französischen Zeitung �Illustration" erscheinen di« Er- innerungen des ehmaligrn deutschen Kronprinzen über di« Belage- rung von Derdun. sDU Erinnerungen an sein Etappenleben in Eharlcville dürfte Wilhelm persönlich wohl kaum verösfentlichen) Die französisch« Zeitung kann dabei ein Schriftstück in Faksimile veröffentlichen: einen Neujahrswunsch, den der Kronprinz am 1. Januar 1915 an den Führer der ihm gegenüberliegenden französischen Armee, General Sarrail. durch«inen Parka. mentär übersandt hat. Der Glückwunsch trägt das Dild des Krön- Prinzen und die Won«:„Herr General! Ich wünsche meinem rstter- lichen Gegner ein frühes neues Jahr. Wilhelm. Kronprinz." Da» ist der Krieg! Die Soldaten liegen in einer Distanz von 20 bis 50 Metern einander gegenüber und müssen auf jede Helm- spitz« knallen: die sich zeigt Di« Generäle aber senden au« ihren 30 Kilometer hinter der Front liegenden Hsupiguartieren«inander „rltterkich"— d. h. durch Parlamentär«— Glückwunschtelegramm«. ... den« ER ist bormhenig. In deutschen Landen existiert eip Bündlest,, das auf den Namen „Bund der Aufrechten" hört und W il h e t m-. n D oör n sein« ganz besonder« Untertänigkeit zu geschworen hat. vi« Leipziger Ort�rupp« diese» Bündleins versendet folgende» Rundschreiben: „Sehr geehrter Herr! Sehr geehrte gnädig«.Freu! Sehr geehrtes gnädiges Fräulein! Ich möchte mir die höflich« Frage erlauben, ob Sie im Jahr« 1929«inen Gast aufnehmen wollen als Geburts- tagsgeschenk für den Kaiser, nach Ihrer Wahl Mann. Frau oder Kind, drei Wochen oder länger oder kürzer/ Es sollen veiner Majestät Adressen genannt werden, bei denen ER Be- dürftig«, die an IHN herantreten, unterbringen kann. Für recht baldige Antwort-wäre ich außerordentlich dankbar. - Mit deutschem Gruß in oller Hochachtung! Frau von Keiser." ». Wllhelin rtzocht tn Wohltätigkeit— aus kosten, jener, die nicht all« werden. Die Gäulen stürben... Der Zerfall der„De u t s ch k o n s« r o o ti ve n", dieses Srüppchen», das sich einmal eingebildet hott«, die Politik der Deutschnationalen Partei bestimmen zu können, geht weiter. Nach der Relchstagswoh! war Graf W« st a r p au« dem Votstand auegeschieden. well er den Mitgliedern nicht mrnorchistisch genug erschien. Nun ist ihm Graf Seidliy-Sondreczti, dem man Lauheit tn der monarchistischen Frage nicht gut nachlagen kann, nachgefolgt Den Vorsitz führt ein Regierungsrat a. D. Kreth. Sitzung der Reichsregterung.' tAgano- Das Schicksal der Wartegel pempfSager. Zw der gestrigen unter dem Vorsitz de» Reichskanzler« ad» gehalten:» Kabinettssitzung erstattet» der Reichsaußen- minister Dr. Str«i«mon» Bericht über die in Lugano statt- gefundene Tagung de« Dölkerbundsrate» und die geführt«, Ber- Handlungen. Das ReichekabtneU stimmt« den Darlegungen de» Minister» einmütig zu. Darauf verabschiedete das Kabinett den Entwurf eines Gesetzes über Aenderung der Rechtsverhaltnisse der Wartegeldempfänger, der sofort d«m Reichsrat zugeitttet wird Aufregung in Boyent. Zivpprecht- Tagebuch in einem preußischen Verlag erschienen! Di« königlich bayerische Ssließerseel« und der dazu gehörig« G«- schästspatriotisniu« ist wieder einmal ins Kochen geraten. Ursache ist, daß da» Kriegstagebuch de» Kronprätendenten Rupprecht ausgerechnet in Berlin bei der Firma Mittler-u. Sohn gedruckt und verlegt worden ist Einen flammenden Protest erläßt insbesondec« der bayerisch« Verlags, und Sortimentsbuchhandel, der sich offenbar um eine fett« Deihnachtzgan» betrogen fühlt Es hat ak's auch nichts geholfen, daß in dem Werk al» Auslieserungsvetlpg der vo« der Berliner Firma eigens eingerichtet«„Nationale Verlag G>n- b. H.. Auclitserungsstelle München" angegeben ist In boyerischeo monarchistischen Kreisen sucht man dos oksenbor gewinn' süchtige Verholten de«.Könige" damit zu decken, daß man erllärt, di« Schuld an dtesem peinlichen Lorsall trage einzig und allein der Dozent für Kriegswissenschast an d«r Münchener Unioetsität, Masar a. D. von Frauenholz, der von Rupprecht mit der Unterbringung seines Luches bei einem Verlag beauftragt war. Diejer Frouenholz habe jedoch einiach eines schönen Tage» seinem allerhöchsten Herrn gemeldet, daß sich in Bayern keif Verleger für das dreibändige Kriegstagebuch gesunden habe. Der Firwo Mittler aber wird besonder» schlimw angerechnet, daß sie au-gerechnet preußisch« Dfftziere setzt auch noch mit dem Vertrieb de« Werke» in Bayet� betraut hat. Lächle, Leser! press-fi mmen zu S öckings Schiedsspruch. „Deutsche Zeltung"(deutschnational bis völkisch): „Die Gewerkschaften haben, obwohl. ihr« Kampfstellung rein sachlich aussichtslos war, doch sehr gut abgeschnitten, weil sie von Anfang an die Hilse ihrer Leute in dor Polt:' gehabt hahett Die Wirtschaft aber, für die di« ursprünglichen werkschastaorderungcn ein«. fachl'che Unmöplichkest datst-llten,>" politisch nicht die genügend« Hilfsstellung 6*' geben worden." »Welt am Abend"(kommunsstisch): -Der Schiedsspruch Ser«ringe, der bedinchings'oe angenommen werden muß, bedeutet eine völlig» Kapitulation vor den Industriellen und ein glatt« Verhöhnung der Arbeiter!" Die sächsische Legierung hat.d«n Relchekonzler eine Protestlinil gegen die Eni« nung der Verwclt ngsiatem txlieder der Reichs bahn durch, da» Reich Übermtttelt Die Rot« istub«r200Zetl«� lang. Nrn die nur böser Wille diesen Sinn h I n« i n l e g cn kann, sei hier ymrlstch Prichergegebq».£ Longe erwähnte eine pom deutsch notsonäken liÄrbeoüsschuß des Rieh.„>rd Schlachtboses«inbeeuien« B« a m t e n f i tz u n g.!i, der der �eutschnational« Stadtverordnete Siadtinspektar L i n x w« i l e r kbroch. und sagte dann:»Ich nehm« an, daß Sie selbst. Herr Stadtverordneter Linxweller. sicher Veranlassung genommen haben. Ihr« Zuhörer aus die Vorteile, die die deutschnational« Be- nmtenlchajt hat, aufmerksam zu machen. Sie haben sicher nicht "«rgesten. darauf hinzuweisen, daß. während früher der Beamte zu pariere n unh den M u n d zu h a l t e n batta. er heute ein recht «rh-büchez M i! b e st i m m u n g? rächt besitzt. Sie werden sicher nicht �rgcssei, hoben, Ihre Hörer darauf aufmerksam zu machen, daß, während früher der Vcamte kein? Ausbildung sich auf eigene Kosten und mg«iocner Wich« vsrsäiaffen mußie. heut« der klemiie Hute- luftge nnc VecVenüurg unb Pommern Mit seluer etwas den WilitäronwärterousbiLnma sich diese Ausbildung auf KostenderStodtBerlinzuverschaffeninder Lage ist. Sie haben sicher nicht vergesse:,, darauf hinzuweisen, daß heute nach der Revolution dermittlereBeamteMagistratsratwch Obermagistratsrat werde« kann, was ja früher nicht gerade üblich war. Sie haben sicher auch nickit nergessen, daß, während aus Ihren Personalakten die Amtsbezeichnungi„Stadtinspettor" steht, aus den alten Personalakten die recht sch-irßliche Be- zeichming„Subälternbecunter" stand. Auch das hat sich geändert." ' Wo'stegt'-dier die H« r a b f« tz i» n g nen Beamten und die Beschs'mpsüna von MilüLrcrnwärtern?''Auch Deutsch- nationale könnten wissen� daß von einer solchen Ab» rsicht nicht die Rede sein kann. Aus.dem Wart- laut geht klar hervor, daß Siadtsyndikus Lange von dem Gegenfop zwischen früher und heute gesprochen hat, de» die Beamten selber in der ihnen widericchrenen Behandlung und in der ihnen gewährten Ausbildungsmöglichkeit erkennen. Früher mußten MiMäronwärter auf eigene Kasten sich soweit ausbilden, daß dir Laufbahn eines städtischen Beamten ihnen zugängig wurde. Heute bietet die Stadt Berlin aus ihre Kasten«ine?l u s b i l d v n g s- Möglichkeit für oll«, auch für einen aus ärmster Familie stammenden ehemaligen Hütejunge», der später Militäranwärter wurde und für die Kvmmunalbsan'tenlolisbohn natürlich noch«ine Ausbildung braucht. Frühere Militäranwärter, die ihre Berussaus- bildung mit Ersolg durchgemacht und durch Prüfung d!« Eignung für ein Amt im Kommunaldienft nachgewiesen hoben, können bis zu höheren Beamten stellen aufrücken. Gegen Stadtsynditus Lange kann man am ollerwenigsten den sinnlosen Vorwurf erheben, daß er nicht auch bei ehemaligen Militüranwärtern die erlangte Tüchtigkeit anerkennt. Gerade dem Stadtsyndikus Lange, ist zu danken, daß in der Berliner Kominunalvenvaltung eine ganze Reih« ehemali- ger Militäranwärter f i ch zu hervorragenden Be- amten emporarbeiten konnte. Er Hot ihnen den Weg zu den Stellen höherer Beamten geebnet, sehr zum Verdruß der- jenigen Beamtenkreise, die bisher solche Stellen als! h r Vorrecht angesehen hatten.__ Die Siahlhelm-Gchmiere. Dom Schavspieler, der kein Stah'helmgeficht hotte. Man muß es dem„Stahlhelm" lasten: Er hat nicht nur Inter est« für patriotische Saufgelage und Manöver, sein Sinn ist auch auf„höhere Kunst" gerichtet. Darum hat eine Stahlhelmgruppe in der Altmar? ein sogenanntes Wandertheater, auf deutsch: eine Schmiere, zu einem Gastspiel verpflichtet. Gleich für drei Tage und mit Aussticht, daß bei gutem Ersolg nach, den drei Gast- spielen eine„Tournee" durch ganz Brandenbiing und Pommern, durch alle Stahlhelmdörser gehe» sollte. Das Schmieren-, pardon Wandertheater, gab seine erste Gala- Vorstellung vor dem Stahlhelm. Und hatte„großen Erfolg". Dann es wurde ein Stück gegeben, mit Freiheitshelden. Schill ich?» Offizieren, schönen blonden und blauäugigen Mädchen und was eben sonst noch zur Hebung der Stlmmung notwendig ist. Beifalls- stürme durchrasten den Saal(in dem sonst ein Gutsbesitzer sei t Kvrn bis zur Erhöhung der Mehlpreise aufspeicherte) und kein Mensch warf auf die braven Künstler Stinkbomben. Nach diesem ersten Erfolg war die Tournee gesichert und alle Mitglieder des Eniembles wurden verpflichtet. Bis auf einen Schmifpieler, dem man nur eine mündlich« Zusage machte. Als dann aber die Tournee wirklich angetreten wurde, da setzte man diesen einen Schauspieler aus die Straß«. Er haite zwar erst Zw«! Tage zuvor gefragt, was er machen falle, da man ihm ein anderes Engagement angeboten hatte und da hatte man ihm gesagt, daß die Tournee wirklich losginge. Aber dann wurde er nicht mitgenommen. Die Folge war ein« Klage vor dem Arbeitsgericht. Und hier muhte stich denn der Schmierendirekior hequemen, den Grund für dt« plötzliche Sinnesänderung anzugeben. Der Kläger hatte kein— Stahlhelm-Gesicht". Cr hat schwarzes Haar und außerdem eine etwas„gebogene" Nase und deshalb kvnimt er für«inen Schilllchen Offizier nicht in Frage. Außerdem aber wurde die Truppe au! ihrer Reife durch die Stohlhelmdörfer bei den opferwilligen und kunstverständigen Großgrundbesitzern und Schloß- Herren einquartiert und für«ine derartig feudale Gesellschaft belaß der Kläger nach Aussage seines Direktors nicht die standes- gemäße Garderobe. Der Kläger allerdings behauptete, er sei nur deshalb nicht mit- genommen morden, weil der Herr..Direktor" lieber seine Freundin michaben wollte, da die angetraute Ehefrau längere Zeit fest im Krankenhaus liegt. Aber das dürfte wohl nur eine böswillige Atfr- leumdüng fein. Immerhin mußte sich der/ Beklagte vom Atb--e es scheint, mit Ausdauer Note gesp'elt. Rach vorn aber ist alles still. Das schwarze LatL> summt in m inem- Dhr: Suhren. ich bin still- Suhren. kein Schrttt—« uhren �'N Knacken.- Mitten in das Summen meines Tlutc aber sprinat setzt das ferne Gebell eines Hundes, schweigt, beginnt vlin neuem. Das ist sabelhaft. diesem Hunde lausche», denke ich- alles lauscht d. eiern Hunde, ewem seinen Köter. Niemand tut einen ochnit, einen Schuß- leder ha: friedliche Gedanken. Möchte er weuerbcllen. der �und. ich werde ihn behorchen in meinem Erdloch. Kem � �Horch' Schritte von linkst Wberinq kann es nicht sein. faste das Gewehr mit drostewden �'�£5 an. Antwortet er nicht, so schieße ich- Nach memem zweiten �nruf sagt jemand leise:..Schwarz-gelo. S/j*» 5�rbtnöurt0i rmo er hockt sich in Albertnas uoch- w:td. der Nebenmann atmet stark und sagt, Es vergehen Minuten,«ine Leuchtkugel lagt auf und erlischt. Dan flüstert der Oesterreich«?:„Ein guter Weg ist das." „Der Feldweg?" „Ebenderselbe, er geht ganz zu unserer Feldwache, und zwar schnurgerade wie eine Tischkante. Man verläuft sich nicht. Wie alt bin ich wohl, Kamerad?" ,�ch kann es nicht sehen." „Du denkst 25, ich wette, denn alle denken es. Bin aber erst 17. Ein langer Mensch, wie unser Korporal mich nennt. ,J)abt Ihr einen anständigen?" frage ich. ..Einen sehr guten, mein Lieber./ Mir hat?r iüchkig eingeheizt, aber dafür bin ich auch ein frischer Kuchen. Seit wir an die Front gekommen sind, merke ich', daß er ein Auge aus mich hält. Auf Feldwache sagt er: Geh du nach rechts. du. Länglicher— damit meint er den Feldweg, de» man nicht verfehlen kann. Allemal bekomme ich den Feldweg." „Du kannst froh fein," sag« ich und höre wieder die ferne Hundestimme. „Eben hoben sie Licht geschoflen, werde mich auf- machen." flüstert der junge Soldat und trollt stch mit einem „Servue" wieder fort. Gleick, daraus kehrt Albering zurück. und wir schwatzen, mit dem Blick übers schwarze Land. » Jetzt trete ich meinen Patrouillengong an und verfolac einen schmalen Fußweg, der sich mehr und mehr verengt. Nun bin ich ganz auf mich gestellt, halte das Gewehr schuß- bereit und setze vorsichtig Fuß vor Fuß. Einmal schweift mein Gedanke oH, ich sehe Lisa, die unter einer Lampe einen weißen Namen in ein weißes Taschentuch stickt. Eine Strähne braunen Haares hangt von ihrer Stirn nieder... Ein wilder Schreck bannt mich an die Stelle— dort sind gänz hohe Blumen, hart am Weg. sie rauschen ein wenig. Sie sind hell, gelb oder weiß, bewegen sich. Ich beruhige mich, es ist nur ein wenig Nachtwind. schleiche weiter, alle Sinne mit der Gewehrmündung ver- Kunden. Im Kraut liegt keine Rüste, so verwegene Leute sind selten. Plötzlich erheben sick, ganz nahe vier senkrechte dicke Schatten, das sind Roste eines Hauses, Eckbalken, und machtig gegen eine vechschwarze Wolke gestemmt, die aber auch ein Dach sein kann. Diese Frage ist nicht wichtig— ich gehe am Hause vorbei, werde angerufen und bin beim Nachborposten. Auf dem Rückweg ist alles anders. Es ist ei» ganz gewöhnlicher Feldweg bei Nacht, und man sieht ihn wie eine gemütliche Rinne durchs Kraut laufen, oder wie eine Kapsel, oder ein Futteral. Ich muß schon in der Röhe des Feldweges sein, als es dem Rüsten einfällt, Salven zu schießen. Ich verwandle mich in ein Reh, springe vor und werfe mich hin. Wütendes Gemisch, Gebrumm emes Quer- schlägers, ein Geschoßhindernisfliegen: wer an«in Hindernis stößt, ist Brummtönig. Mich kann leiner meinen, denke ich und mache mich platt. Es ist offenbar dsr Weg, auf dem ich liege, und den meine Stirn küßt. Das Schießen reißt ab. Albering erhebt neben mir sein Gesicht und fragt hastig: „Bist du heil?" Lachend krieche ich in mein Schießloch— ich habe die gute Erde geküßt. * Um 1 Uhr ist die Ablösung da. und wir zwei schließen ans einer Patrouille an, die Sergeant Sökel führt. Außer Albering und mir sind noch zwei Leute dabei, Klees der eine, der andere hält sich hinten. Mann hinter Mann und sehr verwegen, laufen wir von Posten zu Posten. Wenn die Oestemicher das Land beleuchten, sitzen wir wie dem: Eierlegen, den Kolben aufgestemmt. Immer weiter nack recht? geht unser lautloser Marsch. Jetzt fühlt man einen barte» Weg mcker den Füßen. Es ist die Stunde, wo die Hähne mit dem Krähen beginnen würden, wenn man ihnen nicht die Kehlen durchgeschnitten hätte. Wieder ein Posten, er kniet neben dem Weg wie ein Kerl, der sofort eine Drehorgel m Bewegung setzen wird. „Bist du's?" sagt jemand von uns. Der Angesprochene unterdrückt ein Gähnen und schaukelt mit dem.Kopfe. . Mund halten'." mahnt Sökel an der Spitze. Wir verfolgen den Feldweg weiter. Der Hund belli wütend aus. viel näher, wie es scheint. Man muß auf dem Grase gehen, alle tun es. Gleich darauf wird gehalten. Links am Wege erkennt man einen kleinen Graben, Sökel gibt ein Zeichen, und wir knien uns hinein. Weiter hin wird geflüstert. dort ist der Graben dicht besetzt— wir sind auf der Feldwache. Bor uns scheint sich das Gelände zu senken. Im Hinter- gründe sind schwarze Baumflecke, weiter rechts recken sich drei Wipfel gegen den matten Himmel, das sind wohl die Pappeln. ..Höre," macht Albering,„sie zimmern eine Brücke." (Fortsetzung hi'zs.? Das Geheimnis der Grenadierflraße. Embro» oöer Versichenwqsbetrug? Es waren sehr seltsame Widersprüche, die sich gestern zwischen zwei Angeklagten bei einer Verhandlung nur dem Schöffen« gerrcht Kerlin-Mitte zeigten. Das Gericht sollt« entscheiden. od der Schneider Joseph chersch Gnatt in da, Garderobengeschäst des Kaufmanns Schalem S ch a f i« r m der Swinemünder Srraße 84 eingebrochen war oder ob es sich um einen fingierten Einbruch im Einoerstöndnis mit Schafier zum Zwecke eines Versicherungsbetruges gehandelt habe. Gnatt ist einbervchtigter Einbrecher aus Palen, der schon häufig im Zuchthaus gesessen hat. und der nach Berbuhung feiner letzten Strafe als lästiger Ausländer über die Grenze ab- geschoben worden war. Er war aber aus seiner polnischen Heimat, von wo auch Schafier stammt, wieder nach Berlin zurückgekommen und scheint hier wieder mancherlei verübt zu haben. Es schwebt gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft noch ein Verfahren wegen Teiknehmerschaft an einer Einbrecherbande, die in Leipzig arbeitete. An dem genannten Tage wurde ein« Hausbewohnerin auf ein Geräusch aufmerksam und sah durch dos Gucklock». daß«in Mann miteinem SchlLsselanderFlnrtürzu dem Laden von Schafier sich Zp schassen macht«, schließlich die Tür Sfsnere und in da» Geschäft hineinging. Als auf ihre Alarmruf« an die Tür geklopft wurde, kam«in Mann aus der danebenliegenden Wohnung des Schafier heraus, der sich als Geschäftsinhaber bezeichnete. Er wurde festgenommen: auf der Polizei nannte er sich Rosenb-iiim, wurde aber als der vielfach vorbestrafte Einbrecher Gnatt erkannt. Er bestritt. «ü en Einbruch verübt zu haben und behauptete, daß er im Ein» Verständnis mit Schafier und dessen Angestellten David Wolberg, ebenfalls au. Palen stammend, einen fingierten Einbruch verabredet gehabt hätte. Die durch die Sriminalpoliz« vorgenommen« Besichtigung des Lokals ergab auch, daß unzweifelhaft die Tür und der Zugang zum Keller von innen angebohrt waren, so daß alle» für die Darstellung des Gnatt sprach. Schafier hatte am nächsten Tage bei der Versicherungsgesellschaft den Einbruch angemelde: und den Schaden auf etwa<0000 Mark geschätzt. Cr hat dann aber nachher«inen Antrag aus Schadenersatz nicht mehr gestellt. Wie Gnatt behauptete, seien sie gemeinsam zu der Vereinbarung ge> kommen, von dem fingierten Einbruchsplon Abstand zu nehmen. da es nicht möglich gewesen wäre, einen Einbruch vom Keller aus vorzutäuschen. Der wegen Versicherungsbetruges angeklagt« Schafier und ebenso der Zeuge Wolberg bestritten, jemals mit Gnatt etwas zu tun gehabt zu haben und wollten ihn überhaupt nicht kennen. Gnatt dagegen führte ein« Rech« von Umständen an, au» denen hervorgehen sollte, daß er mit Schafter und Wolberg sehr gut b«> kannt sei. und er berief sich auch daraus, daß die ganze Grena- dierstraße wisse, baß er mit feineu beiden Landsleuten sehr gut bekannt gewesen sei. Da» Schöffengericht hielt es nicht für genügend aufgeklärt, ob Gnatt eingebrochen sei oder ob es sich um eiuen fingierten Ein- brach gehandett habe. Viel« Punkte und besonder« das Verhasten des Schafier sprächen sür die letzter« Annahme: da» Gericht mußte de»-> halb in den Hauptpunkten zur Freisprechung kommen. Schafier wurde gänzlich freigesprochen und Gnatt konnte nur wegen Bannbruchs und falscher Namenssührung zu 3 Monate» Gefängnis und einer Woche Host verurteill werden. Li, auf fünf Tage ist diese Sttafe durch die Untersuchungshaft verbüßt. Gnatt. bleibt jedoch in Hast, da gegen ihn noch weiter» Strafverfahren> schweben._ Ose Enifchäölgung öes Frhrn. v. Lützow. In der dekannten Schodenersatzsorderung des Freiherr» von Llltzow, Leiter» einer Prioatschule in Zossen, ist jetzt eine Einigung zwischen dem Kläger und dem beklagten Justizsistus zustande gekommen. Daß der Vergleich für den Kläger ein recht magerer geworden ist. da ftatt der ursprünglich geforderten\% Millionen Mark eine Entschädigungssumme von 18000 Mark akzeptiert wurde, läßt darauf schließen, daß di? Schädigung oes Institut», eine» Internats, doch nicht sehr wesentlich gewesen sein kann. E» gibr eben Immer recht zahlreiche Ellern. die— meist au» Gründen ehelicher Verhältnisse— die Kinder privaten Instituten anvertrauen. Sie haben hierbei den«inen Dorteil. daß die sür die verschiedeneu höheren Schulen bestimmten Schuler z. D. durch den erteilte« fremk sprachlichen Unterricht den Uebergang zum Reformgymnastum usw. leichter vollziehen al« die Schüler der allgemeinen Volksschule. Daß der Anhänger moderner Pädagogik den Privatschulen nicht da» Wort reden kann, liegt auf der Hand. Die Lbgeschlostenhest eine» solchen verhältnirmäßig kleinen Internat» ist weder für die geistige noch körperliche Ausbildung der Kinder geeignet. Skandalöse Zustände. Ltntersuchung über das Brandunglück vor dem Abschluß. Die krlmlnalpollzelllche llnlersuchuug üb« die Schuld- frage sür da» Explofionsuaglück in der Schäuleiastrahe. die in Händen von Kriminaldirekkor Vogel vom Landes- polizetanil liegt, wird in Bälde abgeschlossen sein. Die letzten Tag« sind sämtlich mit Vernehmungen imd Erhebun» gen ausgefüllt worden, und die Kriminalpolizei hat neben dem Fadrikinhaber T r o tz k i und dessen Sohn den Hausverwalter, Stadtrat Giebel, den früheren Derwaller Ernst, sowie eine große Anzahl von Angestellten der Firma B a e ck e r u. E n. als Zeugen gehört. Alle diese Aussagen bestätigen, von kleinen Schwan- kungen abgesehen, das Bild, das sich der Kriminalpolizei in ftras- rechtlicher Leziehung auf Grund der Feststellungen am Tatort und den ersten Ber'chten dargestellt hat. Natürlicherweise versucht der Fabriklnhaber Trotzki, den einzig und allein die volle Vcrantwor- tung für die Katastrophe infolge der unglaublichen Zustände in seinem Betried ttifft, die Schuld von sich abzuwälzen. Die Zeugen- Vernehmungen lasseu erkennen, daß diese.Jabrif in bezug ans die Sicherheit», und Schuhvorrichlungen für die Arbetterjchasl die deutbar größten Mängel ausgewiesen Hot, und der zu erwartende Prozeß gegen Trotzki wird voraussichtlich ein außerordentlich ttübes Bild über die sozialen und hygienischen Zustände in diesem Be- ttieb aufrollen. Festgestellt ist auch, daß sich der Hausbesitzer gar nicht der Gefahr bewußt gewesen ist, in der das Grundstück in- folge der Aufbewahrung der beträchttichen Zelluln dmengen befunden hat, da er dieses Material bei einer gelegentlichen Besichtigung de» Betriebe» für Hartgummi gehalten hat. Soweit sich bisher er- kennen läßt, wird die oerletzte Arbeiterin S ch ö n e m a n n, die an- geblich-inen Zellukoidstteifsu an der offenen Ga-fkamm« als Fidibus angesttckt hat und so den Brand oerllrsachte, strafrechtlich kein« Schuld treffen. Durch chie Ansfagea der Arbeilrr fheink m'.t Bestimmtheit fest. zustehen, daß nicht das junge Mädchen die Haupifchuld trägt, sondern die ganzen Zustände in der Ladiowerkflolt. Don den Zeugen ist nämlich satt übereinstlmmend betom worden, daß die halbwüchsigen Arbcllerinnen nicht auf die Gefahr- lichkeit und die leichte Brennborkett des Zelluloids hingewiesen worden sind und daß alle Schutzmaßnahmen und Borrich- tungen, wie Läschapparate usw. gefehlt haben. Auch die Ee- werbcinspellionen sind von der Landesknminalpolizei zu Acußerun- gen zugezogen worden. Obwohl ein Teil der Arbeiterinnen immer noch im Krankenhaus furchtbar unter den Lrandrounden und Der- legungen zu leiden hat und noch nichr vernommen werden konnte. scheint sich an dem Endergebnis der Untersuchung kaum noch etwa» ,zu ändern. Die Landeskriminokpolizei wird noch Chemiker und Gastechm'ker als Gutachter hören, noch einige geringfügige Widersprüche, die zwischen verschiedenen Aussagen bestehen, aufzuklären velsuchen und dann das Matena! der StaatsanwaUschost übergeben. Reben der Feststellung des objektiven Tatbestandes wird man sich aber auch mst der Persönlichkeit Trotzkis und(einem Vorleben zu beschäftigen hoben, und bei der Gotegenhett wird sich auch herausstellen, wie west die Lorwürfe mit Bezug aus die Unterschlagung der Kranken- kassenbeiträge, die zwar den Arbeitern und Angestellten abgezogen. aber nicht abgeführt worden sind, zutteffend sind. mancher Richter Al» z. B. ein Dernneterbeisitzer mit dem Miete?» beisitzer kür der» Mieter stimmte, drückte der Richter dem Vermieter- beiicher darüber unumwunden sein Erstaunen au« Später bekam der Besitzer heraus, haß der Richter selber Hausbesitzer war. Als ein anderer Vennieterbeisttzer den Cid in weltlicher Form verlongte, wunderte sich der Richter darüber und meinte, «s ksi ihm noch nie vorgekommen, daß ein Dennicterbelsttzer kein.-n. religiösen Eid sprechen wolle. Die Herren Richter werden sich bei dieser merkwürdigen Einstellung darauf gefaßt machen müsien, daß sie auch in Zukunft von Dermieterbeisitzera, also von Hausbesitzern, noch manche lleberraschung erleben werden. Oer VermikterSe sitzer im Mietsgericht. In einer von der Vereinigung der freien H a u s b«- fißer gut besuchten Sitzung der Lermieterbeisltzer sprach EenatsprSsident Freymuth zu dem Thema: Der D e r m i e r e r> beisitzer im Mietsgericht. Der Bortragende wie« zunächst aus die Schwierigkeiten hin, die gerade den Beisttzer im Miets- lchäffengericht und im Mietseinigungeamt aus der Unübersichtlichkeit der Gqetzesinaterl« erwachsen. Die Mietersragen sind grund- sätzlich imBürgerlichenGesetzbuch(BGB.» geregelt worden, ober die drei großen Mieternotgesetze, nämlich das Wohnungsmangelgesetz, das Mieterschutzgesetz und das Reichsmietengeietz haben, wenn sie auch zunächst nur bis zum Jahre lSZst gelten, doch ein ganz neues Recht geschaffen und die Richter haben die schwierig« Aufgabe zu vertreten, wo» trotz der neuen Gesetze von den allen Bestimmungen des BGB., die ja keines- wegs aufgehoben sind, noch Geltung hat. Außer diesen drei Haupt- aesetzen gibt es noch«ine Fülle von Landesgefetzen, di« wiederum durch Ministertalerlasie und Verordnungen ergänzt werden. Es ist sür Richter wie für Beisitzer ungeheuer schwierig, sich in die'er Ma- terit zurechtzufinden. Eine einschneidende Neuerung ist durch die Ein- iührung de» Mictsschöffengerichts getroffen worden. Während z. B. das Landgericht ein Kollegcalgericht ist, entscheidet im Amtsgericht in Zioilvrozessen e i n Nichter. Das Mietsschosfengericht bringt auch dem Amtsgericht den Einfluß des Laienelementes Im Mlerslchöffen. gericht ereignet es sich zum erstenmal, daß in Zivilsachen auch Laien Beisitzer die Entscheidung herbeiführen,«ine zweifellos erfreuliche Entwicklung, di« das Vertrauen zur Rechtsprechung stärken wird. Ausgab« des Schöfs«n ist es, den rechtskundigen Richier durch seine praktischen Ersahrungen zu unterstützen. Ein vollkommener Irrtum und«in« Verkennung der Aufaaben der Vermtsterbei- sttzer, also der Hauebesitzer aber ist die Annohme, daß die Ler- rrneterbeuitzer vor Gericyt di« Interessen der Hausbesizer wahrzu- nehmen haben. Da» Gefetz schreibt im Gegenteil einfach und eindeutig vor, daß der Vermi«t«rb«isitz«r gewissenhaft uadunparteiisch seines Amtes zu walten hat. Das Mietseini- gungsamt(MEA.) hingegen ist kein Gericht, sondern«in« Verwaltungsbehörde: es kann also In mancher Bsziehuna freier urteilen und mehr nach Recht und Billigkeit gehen. Aufgab« de» MEA. ist nicht so sehr da» Urteil als der Vergleich. Die außer- ordentlich klaren und eindringlichen von starkem sozialen Verständnis oetragenen Ausführungen fanden lebhaften Brifall. Den Dank der Versammlung bracht« der Derscumnlungsleiter, Stadtrat a. D. Gustav� Fuß. beredt zum Aurdruck. In der Aussprache kamen«in paar nette und sehr bezeichnende Tatfache» zur Sprach«. Bezeichnend nämlich für die Einstellung Ofarter Deibnachisreiseverfehr. Dem Andränge in den Reisebureaus nach zu urteilen, dürfte in diesem Jahre mtt einem Wei h n a ch« v erk e hr zu rechnen iein, der den der letzten Jahre weit übertrifft. Dos ist nicht zu- letzt aus die gunstige zeitlich« Lage der Feiertage, für die man vier volle Tage, von Sonntag bis Mitlwuch. rechnen kann, sowie auf da» prächtige Winterwetter in ollen Wintersportgebieien zurückzuführen. Während in den letzte» Togen vor allem die Schlafwagenplätze für die weiten Reisen gekaust wurden,— es wird zu Weihnachreo von Berlin au» sehr viel noch der Schweiz, nach Oberbayern und nach dem Schwarzwald gereist werden, hat am Mittwoch die Nachfrage nach den näher gelegenen Winkersportgebieten emgesetzt. Nach den Beobachtungen in den Reisebureaus werden die Berliner vor allem ins Niesengebirge und in den Harz fahren. Auch das Erzgebirge, dssien östlicher Teil sAlten- derg-Geising) mit Eisenbahn und Autobus von Berlin aus über Dresden in nur Stunden bequem erreicht werden kann, gehört zu den bevorzugten Reisezielen der Berliner. In Thüringen ist vor allen Dingen das 300 Meier hoch gelegene O b e r h o s das Ziel der Berliner. Das Ferienheim Muldenhau» in Routenkranz im Vogtland, das der Ferienhelmgenossenschaft Natur- freund« gehört, meldet 18 Zentimeter Schneehöh« und 19 Grad Kälte. Skisöhr« und Rodelbahn sind gut. Airchenfieuerpfänöuug zu Deihuachteu. Mau schreibt uns: Zum Fest der Liebe hat die Kirch« ganz besonder« Heber- rafchungen für ihre Mitglieder eingeleitet, wie folgender Borgang zeigt: Die Arbeiterin E. Wegner. Berlin. Adolfstt. 12. wollte ihren letzten Verdienst vor Weihnachten in Empfang nehmen. Statt des Lohnes erhielt sie nur die Abrechnung mit dem Vermerk: Gefamtlohn in Höhe von 81 M. wegen re stierender Kirchen st euern gepföndet. In ihrer Not wandte sie sich an die Betriebsvertretung intt der Frage: ob so etwa» erlaubt sei? Sie wohne bei fremden Leuten und müsse 18 M. pro Woche Kostgeld zahlen und stehe nun vor dem Fest« ohne jede Existenzmittel da. Viele Arbeitnehmer misten leider noch immer nicht, daß es auch bei der Eintreibung von Kirchensteuern ein pfändungsfreies Ein. kommen nicht gibt und die Firma Osram der Psändung stattgeben muß. Was der Arbeiterin weiter geraten wurde, ist wohl ohne Erläuterung klar. Die Arbellerschaft erhält bei allen kirchliche» Feiertagen durch Lohnaussall Stockprügel auf den Magen. An- scheinend genügt dies der Kirche noch nicht, um ihre Schäflein zur Demut zu erziehen. Von wochenlangen Hungerkuren verspricht sie sich mehr Erfolg. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. Austritt aus der Kirche muß und wird die Antwort sein sür alle Arbeitnehmer, die auf den Kirchenkull dankend verzichten. Ministerialrat Dr. Kurt Hentzlchel sprach über das sehr aktuelle Thema..Rundfunk und G e i st e e f r« i h-c i t* Man hat sich immer lvieder bemüht, die Rundsunkvorträge so zu gestatten, daß keiner von ihnen bei irgendeinem Hörer in polllischer cder will- anschaulicher Beziehung Anstoß erregen kann. Wa, der Erfolg war. stellte Dr Henri hel sehr witzig fest: Man hört« über wichtige Tagesfrooen oft völlig sarvioie. uninicrestanie Referat«. Jetzt anll man versuchsweise zu einer Aendcrung schreiten und aus der beut- scheu Well« Redner der verschiedensten Einstellung über dasselbe Thema sprechen lassen. Natürlich dürfen solch« Erörterungen nicht zu billiger Parteiprovoganda ausgeschlachtet werden, sondern sie müssen fich streng an dos jeweilige Thema hasten und dieses fach ich zu behau, Än versuchen. Aus diesem Für und Wider der Meinungen kann und wird hofsentlrch eine sruchtbare geistig« Anregung sür unser in breiten Schichten leider noch politisch völlig nninleressieites Volk kommen.— Mmisteriattat Dr. med, Alfred Beyer zeigt« in einem Vortrag, daß Geistesgegenwart im Leben immer der beste Schutz sei und daß der Geistergegenwärtig« dem impulfio oder nur ltach einem vorher überlegten Plan Handelnden stets überlegen kst.— Ein sehr schönes Orchesterkonzen wurde am Abend vom Funk- orchester unter Leitung Dr. Fritz Stiediys und unter Mitwirkung de» Violinoirsiosen Emil Telmauqi ausgeführt. Tes. Kamilientragödle bei Kö'tu Zwei Kinder und sich selbst erstochen. Die Wohnung des zsjährlgen Elektrikers Vinzenz Protzek in W i« s d o r f bei Köln, in der sich feit Montag niemand haue blicke» lassen, wurde gestern durch die Polizei gewaltsam geöffnet. Ten Eintretenden bot sich«in erschütternder Anblick. Di« beiden Kind:r Protz"!», ein Mädchen und ein ttnabc. lagen mlk Sklchoerletzunzen lok am Boden. Der Batsr lag mit durchschnittener Pulsader neben seinem Bett. Protzek hat die Tat vermutlich schon Montag abend aus- geführt, wah scheinllch infolge eines Nervenzusammenbruchs. Seine Frau war Montag noch der Proviuzialheilanstaü Bonn gebrocht worden._ Erdbeben auf den Philippluen» Tote vnd Äerletzie. Wie aas Manila gemeldet wird, erschüttert« in der Mittwoch" nacht ein Erdbeben den größten Tell der M i n d a n a o i n s e l au' den Phllippinen. In Cotta Dato wurde eine Person ge� tötet und zahlreiche Häuser st ürzten ein. Di« Zahl d?r verleßlen steht noch n'chl sest. Le! dem Beben brach e>n Brand aus. der jedoch bald eingedämmt werden konnte. Vorsicht be'm Sehe fett von Gö stachen. Di« einsetzend« Frostzett gibt dem Wasjerbauamt Köpenick Veranlassung, au die zahlreichen beim Betteten vc» Eisflächen vorkommenden Unglücksfälle zu erinnern und allgemein wegen der damit verbundenen Lebensgefahr vor dem Ke. treten von Eisflächen zu warnen. Das Betreten für den Eislatt polizeilich nicht freigegebener bzw. verpachteter Eisflächen gsfchieP auf eigene Gefahr und Verantwortung der Beireffenden Die Ei* stark« wird durch Vcamte des Wof'serbauamts kontrollier. Br' genügender Stärk« erfolgt die Freigabe bestimmter Eisflächen mck dem Müggelsee und dem Frauentog durch das Wosisr- bauomt als Eispolizeibehörde. Von erfolgter Freigab« wird die Bevölkerung durch die Tagsspresse in Kenntnis gesetzt. Die ordnungsmäßige Absteckung und Kennzeichnung der zum Eislauf ve.r- pachteten und freigegebenen Eisflächen erfolgt durch den Pächter. OaS fromme Lichierkelder Kreiskrankenhaus. Wir erhallen folgend« Zuschrift: Im Lichterfelder Kreiskrankenhau« hasten dib Schwestern zwangsweise mtt den Patienten abenÄiche Btt' stunden ob. Wenn ein« Patientin sich das verbittet, so ist das der Pfleglichkeit, mtt der sie behandelt wird, nicht gerade förderlich Das Merkwürdigste ist aber, daß an den schwarzen Tafeln der Krankenbetten auch die Religion der Patienten mit verzeichnet wird. Der Herr Pfarrer hat dann bei seinem nicht erbetenen Rundgang die schriftliche Kontrolle. Wir sind allerdings der Auffassung, daß ein modernes Kranken" haus viel mtt Hygiene, aber nichts mtt Religion zu tun haben soll. Die Religion ist Pri»atangel«genheit des Pattenten. Kranken" f ch w e st« r n sollen Pflegeschwestern sein, aber k e i n t Betschwestern. Hoffentlich kümmern sich Kreistag. Stadt Bcil'N und Aussichtsbehörden einmal um dies« merkwürdigen Zustände. Für die Altru. Das Bezirksamt Mitte veranstaltet« im großen Saast de» Lehrervereinehauses ein« Weihnachtsfeier für die ällsren ov" ihm beireuten Wohlfahrtsempsänger. Eine der Damen war srgcU 9S Jahre alt. Es gab zunächst ein gut zugerichtet«» Essen. Dann hiest Bürgermeister Schneider ewe Ansprach«, m der er betonte, da? dies« Feier die erste dieser Art seit dem Bestehen des Skzirti- amtes sei. Es folgst ein Konzert, ausgeführt von dem Phrharmonü scheu Orchester unter Leitung von Dr. Mayer(Stäkt. Opel! unö Mttwirkuna von Frau Ruth Berglund, Fräulein Marguercih« Perras und Herrn Gerhard Pechner. Mitgliedern der Stadt. Oper- In später Abendstunde verließen dst Geladenen mtt etnem Weih nachlspatet im Arm die gastlich« Stätte. Ein Krlegetetlnehmer nach lä llahrni zurückgekehrt Ein d" wisser Paul Köppk« aus Neuruppiu, der schon vor!Z Iah' renamtlichsürtol erklärt worden war und ttn Kriegs gefalle? sein sollt«, ist nunmehr zur größten Ueberiaschunq seiner Frau, dir mtt ihren Kindern in Lichtenberg stbt, zurückgekehrt Löppir ist schwer kriegeoersttzt Dst sstlle für Eheberatung und Geburstnregeluag. Wildenow' sttaße 5, beginnt aui Wunsch wegen großen Andrangs ihre Sprech stunden jetzt jeden Mittwoch schon um 6 Uhr abend». lvetterberichl ber öfmt'f&rn Vtl.erb'nftflrilt FnVn«rab vmgee«� Xuapciaiuiui nahe bei Xull. Gsnnabend 22. Dezember 1925 Unterhaltung unö �Vissen Vellage des Vorwärts Das niederländische Bilderbuch. Von Egon FrteSell. Die Kunst Hollands ist red? bürgerkch Der Bürger will in Linie sich selbst gemalt sehen, sich und was ihm das Leben 'eben- wert macht: feine Familie, feine Geschäfte, seine Festlichkeiten, !eir»> Genüsse. A.so Eln�elportraits und Gruppenbilder, auf denen � ganze Verwandtschaft halb schüchtern, halb patzig Mrdell steht: »Schutzenstüch«- auf denen der Spießer Soldat spielt: gravitätische �atskollegien. Dereine sitzungen, Bankette: protzige Interieurs und aerführeril-bs Stilleben mit allerlei Hausrat, bunten Topspflan.zen. kostbaren Tafelgeschirr. Weinflaschen, Schinken, Obst. Wildbret und oll den übrigen Dingen, womit dieses Volk von fetten Schlemmern b-h das Dasein schmackhafter zu machen liebte. Außer diesen �''genstcnden, die sich alle auf der Verlängerungslinie seiner eigenen 'Persönlichkeit befinden, pflegt den Bürger nur noch dl« Anekdote ju interessieren: saftig erzählt« Familienszenen, Raufereien, Sport- berich-.«. rührende, tomisch« oder schauerliche Charaktergemälde, alles "ochdrüchllch aus die Pointe gestellt, die man möglichst breit und deutlich ablesen will. Daher kommt es denn auch, daß in Holland fene Maler den D�ßtcn Pubiikumserfolg hatten, die fleißig und banal genug waren, chre Produktion auf einen einzigen Artikel einzustellen: Paul Potter l?or Speziallst für Rinder. Philips Wowruerma» für Schimmel, �iälchlor i/Hondecoetsr für Geflügel, Willem van de Velde für �ifse. van Huysum für Blumen. Abraham van Beijcren für Mustern, Hummer, Früchte, Pieter Claeß für feines Silberzeug, �urz: die ganze holländische Pinselkunst ist. einige wenige von niemanden verstandene Große aue genommen,«in einziger großer "Hauslchag- und Bilderbogen,«in Unterholtungsbuch und Familien- «lbum. Ader andererseits fft die holländische Geuremalersi von einer Verschwenderischen Vielfältigkeit und Fülle einer imponierenden �ochlichkeif und Unbeteiligthcit, einer großartigen Roheit und selbst- oerflänhltchen Nacktheit, wie sie sonst nur die Natur besitzt. Was ausschließlich geschildert, aber mit heißhungrig lochender Gier gs° Wildert wird, ist das Leben ohne Beschönigung, ohne Moral, ohne Auswahl, das Leben als Selbstzweck. Dies« Holländer befanden sich in einer sehr unglücklichen Situa- tton. Der konventionelle Idealismus der Vergangenheit, die Ualie- �iche Tradition war ihnen im Innersten zuwider, und einen neue» •�«Nen Idealismus aus ihrer Zeit und ihrem Volk« hervor.zu. ukwgen, war chnen in einsr Kulturwelt, deren Gegenspieler Pfaffe J*d Krämer waren, gänzlich unmöglich gemalt. So blieb nur dos d�ibil»inss ins Dämonische gesteigerten Naturalisiwis. Auf diesem kennen sie dazu, den Kwigkeitszug im Niedrigsten, die Sym- u>»lit im Trivialsten, das Göttlich« im Gemeinen zu entdecken. Indem st« dos Dasein In seiner vollen überwältigenden Lebensgröße wieder. Laben, haben sie da» Wunder zuwege gebrocht,«in« 2ln Mylho» "Sie des?llltags zu schaffen. In einsamer Ueberlegenheit ragt aus ihrer emsigen, lärmenden �ha?«m Riefe hervor, ihren zur Erde gesenkten Wicken entzogen: �«nhrandt. Wie Shakespeare und Michelangelo t» ihrem Zeit- so steht er in dem seinen: als ein Fremder, dem all« aus- "eichen und den niemand wirklich kennt. Mit Michelangelo ist chnz die Zesilch igtest gemeinsam: er gehört überall hin und nirgends> hin, denn er hätte lchenfogut hundert Jahre früher leben können, als «in unverstanden schassender Renaiisaneemetster, und ebensogut zweihiirchert Jahre später, als em Führer des Impressionismus. Mst Shakespeare teilt er tue Anonymstär, denn er verschwindet völlig hinter seinem Lebenswerk, dos in seiner Vieldeutigkeit und Gestalten- fülle das Antlitz seines Schöpfers undeutlich und unbestimmbar mach:. Die Kunst, um die er zuerst mühsam rang, mst der er aus der Höhe seines Schaffens überlegen spielte, hatte er am Ende feiner Erdenbahn völlig durchschaut: in ihrer Nichtigkeit, ihrer Ohnmacht. ihren Aeußerlichkeiten, er weiß jetzt, daß st« nicht das Höchst« ist, wie er fein Leben lang glaubte, und st« fällt von ihm ab, Tieferem Platz machend, das sich aber, weil es nicht mehr völlig irdisch ist, menschlichem Fasten«ntzieist. Er ist daher ebensowenig ein Ausdruck seiner Zest gewesen rote Michelangelo und Shakespeare, und wie damalt die Roll« des Führer» einem weit Geringeren zufiel, nämlich das ememal Raffael. das andersmal Bacon. so ist auch hier der Held der Zest«in viel flacherer Meister gewesen: Peter Paul Rubens. In Rubens ist die trunkene Lebensfreude, die triumphierend« Bejahung der strotzenden Gegenwart Farbe geworden, sein Werk ist ei» einziger großer Hymnus auf die gesunde Genußnaft, den stämmigen Materialismus des niederdeutschen Menschenschlags-. Als Katholik und Flame hat er den doppelten Sieg der Gegenreformation und des holländischen Handels in leuchtenden Tinten, groß ausladenden Kompositionen und olympischen Kraftgestalten koloriert und besungen. Der Mensch, wie er ihn sieht, ist eine Art Halbgott, aus die Erde herabgestiegen. um sein« unversi« glichen Kräfte spielen zu lasten, niemals krank, niemals müde, niemals melancho'.isch, auch im zerfleischendsten Kampf heiter, noch als Lazarus ein Ath'et, im Grunde ein pracht. volle« Raubtier, das jagt, kämpft, frißt, sich begattet und eines Tages auf der Höhe feiner Kraft brüllend verreckt Ein« massive Lust nach ausschweifender Lebensbeiätigung in jeder Form ist das Grundpathos aller seiner Gemälde; es ist, als läge um sie die süße duftende Lrutwärm« ein«? summenden Bienenstocks oder die riesige weiße Somenwölke«irns laichenden Heringszugss. Auch in ihrer Form sind sie nur zur Erhöhung des Lebensprunkes und der Daseinsfreud« gedacht, als farbenglühend« Dekorationsstücke, ge- schmackvolle und phantasiereiche Prachttapeten. Man hat Rubens in den Zeitaltern wirtschaftlichen Auslchwungs immer sehr gekeierr Au» ihm spricht das gut« Gewisten, das gute Geschäk» verlechen. spricht die Flachheit des Glücklichen, denn Rubens war Zeit keines Lebens ein Liebling des Glücks, und spricht vor allem fever tlvfe Zltheismus, der allmählich von Europa Besitz ergreift und zuerst in Holland als dem vorgeschrittensten Lande sein Haupt erhabt Rubens ist zweifellos einer der irreligiösesten Maler, die jemals den Pmiel geführt haben, und darum wird er auch immer der Abgott aller sener bleiben, die Gott beschwerlich oder überflüssig fittden. Aber jedes feiner« Gefühl wird sich, wenn e» ehrlich gegen sich selbst ist. bei aller Bewunderung für seine Mast«, seine Farben- geroalt und sein« grandiose Gab«, die Hüll« des Menschen zu erfassen, zu dem Geständnis zwingen mästen, daß er nichts geweien ist als ein königlicher Tiermaler und Berherrlicher einer dampfenden bar- barischen Uedergesundheit. die«denso unwiderstehlich wie unappe. titlich ist Wie ich im Kriminal eingemaneri isnrde. Vericht eines Legkonars m der sranzöfische« Fremdenlegion. Als vor drei Jahre» das zweit« Batailloo des merte» Regi» 'Nts. weiches damals in Mairakefch. dem ehemaligen Sultans- lag. in die Büste abkommandiert wurde, um für Frankreich �ue Landstriche zu erobern, da waren die wackeren Em wo bn er ltt Stadt nickJ wenig überrascht. Tag um Tag marschierten durch "ez der hohen Tore der sahrtausend« alten Lehmlchanzen teine größere Hauten von Fremdenlegionären, müde und verstaub:. den Marktplatz Dschemal al Fua. wo sie ein paar S-lxilen Tee saurer Milch tranken und sich dann weiter ins Miümrloger Neppten, das noch fünf Kilometer hinter Marrakesch lag. Es °°ren Deserteur«, welch« die Kolonne verkästen hatten, zur n an "'nx«n Freude der Einwohner, die die Kommandamur des zweiten �toillons absolut nicht in Ihr Herz geschlostcn hatten und sich �uten. daß auf diese Welse die Formation dezimiert werden °ürde.»ach eh««in Schuß fiel.. Ich war mit memem Freunde Danda damals der 5, Kompagnie ugetellt. Wir marschierten gleichfalls ob. aber kamen nicht wetter u drei Fußmörsch« von der Stadt, Der Kommandant, em t»»' "L auf afrikanischem Boten, glaubte nämlich, daß er die Mud'g- � der Soldaten durch-ine e'serne Diszip'in hellen werde unb �sierte uns im wahren Sinn« des Wortes. Wir mutzten in wodi- ."�-richteten Reihe» marschleren, wie man in Europa auf einem "erzierplatz marschiert, die Gewehre mußten genau laut Dorschnt fragen werden, und tausend andere D nge hatte er slch ausg- Wt. die im Guerilla absolut wertlos sind--öo»am es allo. ka« »N die Legionäre des:rtierten und wieder zurückkehrten Am 'tNm Tag« kamen Danda und ich zur Ueberzeugung. daß das voll sei. und so Lesen wir also davon, indem wir un, sisben Waren Legionären anschlosten. die d'e gleiche Absicht �tten. Am �°nd vorher hielt unser Leutnant Duoal eme weinerliche Moe, ° mit de» Worten«nUgte:.Und wenn ihr schon desertieren wollt. Werlicbes Petf. dann tut es. aber laßt wenigst--� o!e ubnten 'd die Munition dal' Und«o stachen also i-ne sieben Legkvnör« ihrer Flucht ihr« Gew-hre um das Z-st des Leutnants in die ein. eh« si« davonliefen, und hängten ihre Patronentaschen 'kon. Danda und ich behielten aber die Gewehre, weil wir uns " den Arabern fürchteten. Nach dreitägiger müder Tand». rang l,rtf) die marokkanische Wüste, nachdem uns der Hunger und b e urcht vor den Arabern mürbe gemacht ha"«, erreichten wir endlich mtd standen reftos am Platze Dschemal e! Fua... Der Kyllunandant des Kriminals war seinerzeit der Sergeant Pikres, der wegen sein« Grausamkeit berüchtigt war. Man be- hauptete von ihm, daß er ein Narr sei. was nicht so unwahr war. denn er war«in Quartalssäufer Doch wir hatten nicht viel Aus- wähl, also gingen wir tapfer ins Lager. Er empfing uns mst einer Flut von Derwünfchungen und schloß uns gleich im.Weißen Hause' ein, einem kleinen Gefängnis ganz aus Stein. Es gingen hier höchsten vierzig Gefangene herein, aber es befanden sich gut an die dreihundert drinnen. Pikres sperrte dort nur jene ein, die mit Gewehren geflüchtet waren. Die« war ein erschwerendes Moment. Die anderen sperrte er in die Baracken des Lagers«in, Ein paar Tage hindurch ging es uns angemesten- Als dann jene, die ohne Waffen desertierten, amnestiert und zur Expedition zurückgesandt wurden, die warten mußte, well ein Drittel der Mannschaft nach Marrakesch zurückkehrte, brachen über uns.b«. waftnete Deserteur« schlimme Zeiten herein. Pikres quält« uns durch Hunger, wir muhten schwer arbeiten, und so verweigerten wir ihm eines Tages den Gehorsam und begannen mit dem Hunger- streik. Pikres wütete, denn der Kapitän der 7. Kompagnie, der als Lagerkommandant zurückblieb, hatte ihm auf ein« Beschwerde mit- geteilt, daß er mit uns anständiger umgehen solle, dann würden wir gewiß gehorchen. Nachdem der Herr Kapitän dieses salomonisch« Urteil geschriebeu hall«, widmete er sich aber wieder mit Eifer seinen Pferden und Maitressen. Doch Pikres hall« sich in den Kops gesetzt, unseren Wider- stand zu brechen und er vollführte ein Stücklein, das in der ganzen französischen Fremdenlegion berüchtigt wurde. Eines Tage» rief er uns paarweise heraus. Dl, Burschen awgeu weg und wir dachten, daß man uns nach Easablanca zum Kriegsgericht senden werde, und daß man uns zwecks Erledigung der nötigen Formalitäten in die Kanzlei berief. Endlich wurden auch Danda und ich herausgerufen Wir traten heraus und waren starr vor Erstaunen. Bor dem Gcftzngms faß Pikres wie ein türkischer Pascha mit einem Revolver, einer Peitsch« und einer Flasche Wein neben sich, neben ihm ein paar Leute der Wach- Mannschaft mit aufgepflanztem Bajonett. Wenn er nicht Menage- schalen mit Suppe und Makkaroni zu seinen Füßen gehabt hau«, was emigervwßen störend srfrlie, et wäre ein sehr malerisches Bild gewesen. ..Also ihr Biechskerke,' empfing er uns..werbet ihr wollen od« nicht? Werdet ihr fressen od« nicht? Ich befehle esl' Was denn, essen!..... Wir waren gründlich ausgehunger: und gehorchten gern«! Pikres, d« über unser« Vereitwilligfesi erfreut schien, forderte uns auf. weit« zu essen. Als wir satt waren und glücklich ausatmeten, trank« seinen Wein, dann schrie ex-..Seht ihr also, ihr Viechskerle, was für giue Legionär« noch aus euch werden, wie schön ihr gehorchen könnt. So. und jetzt werdet ihr den Hof kehren!' .Wir gehen nirgends hin,'«klärten wir gleichzeitig..W>r wevden nicht eher gehorchen, bevor wir nicht die Kost laut Vor schrist erhallen, zweimal täglich Suppe, Fleisch und Vellage. So einen pr.. Wir sprachen nicht ein Wort mehr. Pikres warf sich mll der Karabatsche über uns, wir wehrten uns, ab« die Wache Lderwälligte und sesielle uns. Sie trugen uns dann in die Ecke des Gefängnisses, wo es ein Wiedersehen mll den an- deren Kameraden gab. Sie waren schon wie Oelsardinen ausge- stellt, natürlich gesestell wie wir, so daß sie sich nicht bewegen konnten. Nacheinander wurden je zwei und zwei gesestell hierher getragen, wo wir waren, bis alles dastand bzw. dalag, tarnt wurden wir in das Gefängnis hineingetragen und der schon stark betrunkene Pikres hielt mll uns Gericht. .Bande!' wütete er, über uns schreitend, da aus dem Vod.m nicht ein Zoll frei war..Wenn ich euch jetzt niederknalle, be- komm« ich dafür noch eine Auszeichnung. Aber ja einen ange- nehmen Tod verdient ihr euch ja nicht. Doch wartet, ich habe etwas anderes für euch..' lcknd er beriet sich mll dem Korpoval von der Wache, wa? für ein« Todesart er uns geben sollte, den anderen.zur Warnung'. Wir hörten die Unterredung mll stummem Entsetzen an. Es war uns durchaus nicht zum Lachen zumute, denn bei närrische Pikres war zu ollem fähig. Um Hilfe zu rufen, war ein Ding der Un. Möglichkeit, denn der Lagerkommandant wohnte natürlich nicht im Lager. Erstechen,«würgen, all dies« Ratschläge des Korporals ge- fielen dem Sergeanten nicht. Nicht einmal der Dorschlag. uns den Bauch aufzuschlitzen, uns dann lebendige Ratten hineinzu- stecken, fand sein Gefallen. Erst als d« Korporal meinte, daß man uns' einmauern könnt«, da tu belle Pikres auf. .Das ist etwas!' brüllte«. vor Freud« einen Eancan ton- zend,.wir werden sie so einmauern, wie wir die drei Legionäre in Sidi Sei Abbes vermauert haben. Zwei, drei Tage lang werden sie so gemartert werden... Eine Stunde spät« riß man uns die Kleider herunter, da Pikres meinte, daß es um die Wonturen schade sei. Dann üb«- goß man uns mll Wast«, damit wiA best««verfaulen' sollten und dann vernahmen wir das Scheppern der Maurerkellen, wie man das Fensterchen de» Krüninals vermauerte und es um un? herum dunkel wuod«... Wir dachten, daß dies alles nur ein Scherz kei und daß der Sergeant, bis er sich ausgeschlafen hatte und wieder nüchtern g<-> worden war, wieder zu Verstand kommen w«de Ab« die Rächt verging und niemand kam. Es wurde uns bong« zumute. Hunger. Durst, der Gestank der Exkremente, Mäuse, die üb« uns hinweg- liefen und die Aussicht auf das entsetzliche End« ließen uns«- beben. Wir brüllten, ab« es war vergeblich, denn die besoffene Wache»«höhnte uns. Es war ein Glück, daß Pikres nicht auch die Tür vermauern ließ, sonst wären wir sich« erstickt. So drang doch durch die Türspallen«in wenig Luft herein, ab« natürlich unzureichend. Wir dachten also, doß keiner von uns den Morgen erleben werde. Glücklicherweste gelang es einem unter uns. fein« Fesseln zu lösen. Er befreite die anderen und mit gemeinsam« Bsmuhui� «brachen wir die Türe. Im gleich«: Augenblick rechneten wir mll der trunkenen Woche ab und warfen uns mll voller Bit ins Lag«, Pikres suchend. Es war sein Glück, daß es ihm gelang. zu Pferde in die Stadt zu entfliehen, und dann beruhigte uns d« Kapitän d« 7. Kompagnie. Pikres fiel wegen sein« originellen Art von Bestrafungen bei feinen Dorgesetz:«, in Ungnade und wurde dann für einige Zell in» Irrenhaus gesperrt. Wir wurden nachher amnestiert und stall zum Kriegsg«icht zu unserem Bataillon gefenbet. W-r waren froh darüber, denn aus dies« Weil« entgingen wir einer mehr- jährigen Strafe, die uns D>c st erteure mll Waffen erwartete. Doch Pikres entkam unser« Räch« dennoch nicht. Zwei Jahr« nachher, am Fei-rtage d« Jungfrau von Orleans, dem Tag« un- j«er Einmauerung, wurde Pikres im Lager erschossen und ihm der Revolver in die Hand gedrückt. Und obgleich der Komman- dant die Art, wie Pikre« gestorben war. sehr wohl wußte, schrieb « dennoch als Todesart im Bericht über feinen Tod«in einziges Wörtchen:„Selbstmord' R. Jos che. tSlfrechttgt» ZI«bers-bn»g ba Origtectticricht« vnt* tschechflchee Aremtenleglonür»«m I. iReinnwnm, Piag i Zndusirie des Ehnstkindhaars. Die glitzernden Gold- und Silberfäden, die de» Weihnachtsbaum umspinnen, nennen die Kinder gern Chrisikindshaar. im Weibnachtshandel aber werden sie„Lametta' genannt und bilden alz solches«inen Teil d« sogenannten.Ironischen Ware'. Diese 2te= Zeichnung umfaßt«ine Reihe von Metalldraht-Zi«loar«n, zu denen z. B. auch die Mctallborten und Tressen gehören, die sämtlich au» dünnstem Metalldraht hergestellt sind Die Lametta säten bestehen ebenfalls au» flach gepreßtem Kupferdraht, der, je»ach Dedarf, aut galvanischem Wege versilbert oder vergoldll. auch durch Behanhlunq mll farbigen Lacken bunt gefärbt wird Ein einzelner Lametta- faden muß so fein sein, daß er nicht mehr als 0,3 Millimeter Krell und 0,007 Millimeter dick fein darf. Man hat nach diesen Maßen berechnet, daß«In Kilometer Lamellasaden nur 44 Gramm wiegt. Dies« Feinhell wird dadurch«zielt, daß man den dünnen Metalldraht schließlich durch einen �Ziehstein', d. h.. durch einen Diamanten zieht, in den ein winzige» Loch gebohrt wurde, denn zur Her. stellung der ollerdünnsten Drähte eignet sich kell, Material so gut, wie der Diamant. Dann wird der zart« Draht durch Pressung zmscheu zwei starken Walze» flach gepreßt und gleichzelllg gc- glättet, so daß« nun auch stark glänzt Lametta wurde früh« fast nur in China verwendet, wo man mll den glitzernden Fäden die KleGerstofse durchzog. Gegenwärtig verbraucht auch Indien viel Lametta für Zierzwecke. Die Bezeichnung.�Zeonisch« Ware' bezieht sich vermutlich auf die im Nordwesten Spaniens gelegen« Provinzhauptstadt Leon, rtelleicht ober auch aus die französisch« Industriestadt Lyon, da in beiden Städten schön« Metallzi«drähte hergestellt werde». Di« Fabrikation Leonisch« Waren ist übrigen» ziemlich all; die«sie deutsche Fa- drik, die dergleichen Waren herstellte, wurde schon km Jahr« 1570 durch den Franzosen Fourni« bei Nürnberg angelegt. kauft man gut Trauringe, Uhren, Gold-, Silberwaren Belmonte Theater Lichtspiele usw. Sonnb., d. 22. 12. taats- Oper Unter d. Linden A- V. 173 191 Uhr Sonnb., d. 212 Städtische Oper Bismarckstr Turnus I 19, Uhr Die Hochzeit Di Burg des des Figare staais- Oper An Pi.d. Repub. R.-S. 218 19 Uhr B'aubar's Dar arma Reinhold Staat. Schauspielh. mindarmenmark A.-V. 234 20 Uh Carmen Gespenster Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Uhr GAS SCALA 8 Uar B5 Barbarossa 8256 Schaefers Revne und das greke Weihnachts- Programm. Sonnabend, Sonntag und an beiden Feiertagen je 2 Vorstellungen 3. u. 8 Uhr. 3. zu ermäßigten Preisen das ganze Programm Theater des Westens Täglich 8, Uhr auch Weihnachten Friederife Franz Lehar dirigiert Käthe Dorsch Michard Sauber Borverkauf den ganzen Tag, auch für Weihnachten. Telef. Steinplag 931 u. 2180. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägi. 8 Uhr Volksbühne HALLER- REVIE Theater am Bülowplati 8 Uhr. U- Boot S4 theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Cre- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehun Staatl. Schiller- Th. Uhr GAS ., Schön und schidi" . m Admira Spaisst Täglich 21%, Uhr onnia und an beid. Feiertag Vorstellungen 3 Uhr a. 634 Uhr. Nachmitters die aan Vorstell. za halben igor Sonnabend 38, U. Frau Holle Märchenspiel Kleine Preise Ab Weihnachten Kurzes Gastspiel Jackie Cooga Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Max Adalbert ד Th. amiffauerdam Der Dickkopf Täglich 8 Uhr Die Drel- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl. Lvovski. Teleuken: Morden 1141 0.231 An beid. Feiertager. METROPOL- THEATER WEIHNACHTS- PREMIERE 25. Dezember 7% Uhr GASTSPIEL GROSSES SCHAUSPIELNAUS Die lustige Witwe mit FRITZI MASSARY Operette in 6 Bildern von Franz Lehár Regie: Erik Charell Der Vorverkauf hat begonnen. Telephon Zentrum 078 und 9393. Theater am Nollendorfplatz Heute 7 Uhr Dospe's man ww.bulig? Nur Groß- Berlin Eröffnungsverstellung Ax'. d. fr. Buck sandrock. Landa. Jetfchen Gebert Sterler. Sikla Saltenburg- Buhnen Otseh. Künstler- Th. Gastsp. Direktion Trask Heute Uhr Pr.miere 3, Uhr zu ermäßig- Der Zinker teh Pre sen: Die DreiGroschen- Oper. Deutsches Theater Norden 12310 3U, Ende nach 10% Die Verbreder Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: HeinzHilpert v. Edgar Waft ce deutsch Ni a Matiblas Regie: Dr.F.Wendhausen Lessing- Theater Uhr Katharina Knie. Th.L.d. Lützowstr. Th.L.d. Lützowstr. Kurt. 9209 Täglich 81, Uhr 2. Feiertag nachm. An beid Feiertagen T auch 3 Uhr Ludwig Hardt M. Lommel Mär hen für Kinder 1-8 Mark. Kammerspiele in Runxendorf auf Welle 0,3" Rundiunkhurer nape Preise Uhr Norden 12310 Sonnab. u. Sonntag SU. Ende geg. 10 u an beid. Feiertag „ Ehen werden im Himmel geschlossen Komödie von Walter Hasenclever Regie: Forster Larrinaga. Engel- Bengelchen Cras in chismith a Planetarium am Zoo Die Komödieg. Jogchimstheter Straß Bismarck 2414/7515 17, Uhr: Ende 100. Noll. 1578 46. Ular Olympia" Der Sternhimme! von Franz Molnar Regie: im Winter 18 Uhr Forster Larinaga. Erde und Weitenraum. 12 Felertag nachm 4 20 Uhr Casanova olympiau Das Weltall im mit Alfred Jerger Emmi Sturm. Anni Frind.Anni Ablers, Trude Lieske Siegfried Arno, endow, Morgan, Blankenharn, Julia Serda, Marg. Kupier, Grete Walter, Picha, Geppert, Mikulskl. La Jana Winkelstern Com. Harmonists Sunshinegirl: Jacksonteys Begie: Erik Charell. Gesamtausstatta g Prof.Ernst Stern Neu auf Electrola. Komische Oper 8% Allabendlich 64 Ein unerhör e SENSATION wird dieses neuart ge Revue- Stück von JAMES KLEIN Häuser der Liebe Aus dem Tagebuch eines Pariser Salons in 30 großen Bldern 100 Mitwirkende Vorverkau für die Feiertage eröffnet. Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Ab 22. Dezerab, tägl. 81% Das große ABC" Regie Cust. Hartung. pla“ Beniner Theater Direkt Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhofi 170 18 Uhr 8 Uhr Täglich Breimal Ho zeit ( Abie's Irish Rose) 1. Feierta, 4 Uhr: 0 testschenk.eins Edter 2. Feleriag, 4 Uhr: Nathan der Weise Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8, Uhi GuidoThielscher in Weekend im Paradies Singspiel von Walter Kollo Spezia Altes Barnowsky- Bahnenpezialgeschäft Königgrätzer Straße Theater in der 8 Uhr Revolle im KamelhaarSchlafErziehungshaus ReifeSchauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus Tgl. 84, Uhr Wer sollte es sonst sein? v. Felix Joachimson R Defen Stridjaden Biegle Tritotagen Strümpfen billigst Tagespr. ose- Theater Gebrüder Gr.frankigr.ar 31.1 2 4 Uhr Rübezahl 8¼ Uhr: Mädi Pflaume, Berlin SW, Friedrichstr. 205 Ecke Zimmerstr. Winter Garten 8 Uhr Rauchen gestalte Das grandiose Weihnachtsprogramm. Heute 2 Vorstellungen. Sonntag 2 Vorstellungen. Heiligabend geschlossen. 1. Feiertag 2 Vorstellung. II. Feiertag 2 Vorstellung. In alles Nachm.- Vorstellg. zu kleinen Prefs- n das volie Im Abendprogramm. Terrassenpreis sind Kaffee, Tea v. Kuchen einbegriffen. Theater a, Kottbusser ior Kottbusser Str. 6 Tel. 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Da wird man auch (WnjjSren, wie die Richter drüben denken. , 3» der Generalversammlung der deutsch- »stztrelchischev R i chte rv c r e> n i g u n g verwies der Präsident Gonzwohl in seiner Begrüßungsansprache auf dl« Treue der Richter zur Republik. �ustizminister Dr. Stoma sagt« u. für die österreichische �ichterschost gelte da? Dort von der Krise der Justiz nicht. Der "UsUzminister kündigte an, daß die österreichisch« Justizverwaltung uuch dem reichedeutschen Muster rationalisiert Werden wird. Dr. Tanzwohl besprach in seiner Erwiderung dos Zusammenwirken der Laien mit den Berufs- Achtern in Schwur- und Schössengerichlen: .. Bei der Budgetdebatte wurde gegen die Richters chast ein An- H gerichtet, dahingehend, daß die in der letzten Zeit erfolgten chr« i f p r ü ch« durch Geschworene(drüben urteilen über Schwer- Usrl, rechen und Pressevergchen nach wir vor zwo»®c- Ichworene— Red. d.„31") eine Schuld der Derhandlungslcitung vorstellen. Ich glaub«, es wird jedem in der Bevölkerung Nor sein. �oru>)t diese Freisprüche erfolgten: Es waren da persönliche und Gesühlswomente maßgebend, Irrtümer und dergleichen. ®«ron die Richter kein Verschulden trisst. Im.Ususammergehen der J�len« und Gelehrtcnrichter liegt«in großer Vorteil, und es ®ar« zu wünschen, daß eine Reform in dieser Richtung erfolgt. Zum Schluß sprach Landeegerichtsrat Dr. W i n l l« r über die schlecht« Vezahtvng der Richter: seien die s ch l e ch t« st besoldete« Akademiker im Bundesdienst. logt» mit einem Linwel» auf einen großen Diener Ausbeutungs- ptozeß vor dem Gewerbegericht, das in Deutschösterreich ein staat- uher Richter leitet: Vor einige» Taxen wurde vor dem Gcwerbeaerichi ein Monstre- �ozeß durchgeführt, in dem es sich um die Bewöltigung emer außer- urdeiulich schwieriaen und heiklen Materie handelte. Sie werden itaunen, wenn ich Ähnen mitteile, daß dieser Richter, der aus kme Aijährige Diensttötigkeit zurückblickt,«in Gehalt von mono»- �ch*70 Schilling(342 Morl) bezieht, so viel, ol» ein An- ko.H in diesem Prozeß nach dem Tarif für einen Tag sordern f/l. so viel, als die Stenographen de« Prozesses«men Tag tosten. Wenn auch bei den Gehältern in Dcutschösterreich zu berück- stchligcn Ist, daß die Ausgaben für die Wohnung unter dem Mieter- Uj.ug sehr gering sind, so ist' doch dl« Besoldung der Beamten wahr- ?ui'l kümmerlich. Man versteht danach die Klag« de» Vorflgenden 'u seiner Erössnungsred«, daß es an Rachwuchs für den Richter- ?ttus empfindlich zu fehlen beginne. Sozialisten im Dulareffer parlameni. Ihr parlamentarisches Aktionsprogramm. I Di« Wahlen vom lZ. Dezember für da, rumänisch« Parlament Goaren dl« ersten freien Wahlen in Ztumönten. Das Bild ®°r ungewohnt; kein« Gendarwin, die die Wähler ein- iAüchlerten-, kein» Bürgermeister, die st« kommandierten: frei« ggitation für alle Parteien: volle Berfammlungsfreiheit ohne piildeptstcht: kein llrnendteb stahl. � Die Wahlen argaben rar t-cs notional-zaranlstische- sozialdemokratlich« Wahlkartell unge- 7z Proz. der abgegebenen Stimmen. Die Notionalzaranisten "ürsten— die genau« Zählung erfordert einig« Tag«— etwa 320 Randat« haben. Bon den Sozialdemokraten sind u« u n 9*vähli C« find dies die Genossen Dan(Ehotin). Flu«ras lEchiltal). Ghermo»(Resitza), Jumonca(Öradea), Lucfan läroh). Mf tejcu(Bukarest) Pistin« r(Ezernowitz), Roda- t'anu(Temesvar) und Roznovan(Storozyneß). Von diesen Dr: Piftiner bereits in zwei Perioden Deputierter und P '»imeinderat in Czernowitz, Ghermon, der Sekretär der Berg- °tbeüer. einmal Deputierter. Di« Genossen Fluera. der vbmam, .'t Gewerkschastskommisston, und I u m a n c o habe» während des i�tlsturzes dem Regierungsrat in Siebenbürgen angehört Genosse �an. Gemeinderat in Ezernowttz, ist Direktor der Konsumbewe- »-ng in der Bukowina, Radaceonu Parteisekretär, Mireseu �werts chastssetretär. Lucia n war Stadtrat In Klamenburg und � o z n a v a n ist Gemeinderat in Czernowitz. In den beiden letzten Parlamenten war bekanntlich kein sozialdemokratischer Abgeordneter, � dem vorhergehenden nur Genosse P i st i n e r. . Die sostotdemokratischen Abgeordneten wollen als erstes die Durchsetzung der A m n est i« erkämpfen, serner die Wiederherstellung K A u t o n om i e der Srankenkafsen, die fest acht Iahren °°n Regierungskomnussarea verwaltet werden, und die A e n d«- �ung des Wahlgesetze», das st« bekanntlich gezwungen hak. diesmal«in Walstkartell einzugehen. Trotz des Wahlkartells haben d'« Sozialdemokraten aber die Propaganda vollständig selb» "Sndig geführt und sämtlich« Wähleroersammlung«« �sondert abgehalten. E» wurde während der Wahlzeit sehr diel sozialistisch« Propagandaarbeit geleistet und«ine ganze Anzahl dag Organisationen neu gegründet. Zahlreiche sozialdemokratisch« Aufruf« wurden verbreitet. DI« Agitatlonearbeit war durch das 'chlechte Wetter und die noch schlechteren Straße« zwar behindert. fcuch« aber trotzdem sehr wirksam geführt. Wiederholt wurden so- im Schneetreiben Versammlungen unter ir»i«m Himmel abgehalten. Man darf onnehmsn, daß für d>e Arbeiterbewegung in Rumänien ein« neu« Zeit beginnt. .. Die S o m m u n l st« n haben trotz der großen Geldmittel, über sie verfügten, und der damit ermöglichten großartigen Prvpa- e?nda keinen Kandidaten durchgebrocht. im Gegenteil, sie haben ver- �Ünismäßlg wenister Stimmen bekommen als bei den letzten Zahlen. Dabei sind st« auch nicht in der Wahlpropaganda behindert forden. Die L i b« ra l e n. weicht bei den Wahlen zum vorigen Parlamente 1% Millionen Stimmen aufgebracht haben— aller. '�gs nur Stimmen und nicht Wähler, denn die letzten Wahlen �are» solche des Betruges und Terror»— durften ungefähr *50000 Stimmen bekommen haben. Sie werden etwa zwölf JKan* ®'te haben. Di« Aoerescaner, welche mit den I o r g Mi e n �rbunde» waren, werden vier Mandat« baden, ebenso viele auch die Partei des bisherigen Arbsirsministers Lupu. Di« n a l i o n a l e n �inderheitsparteien verfügen über insgesamt dreißig Diandat«. Die Hakenkreuz ler konnten kein Mandat erringen Da» Parlament tritt bereit» am 22. Dezember zusammen und �rd sich vor allem mit der Reform der Verwaltung, der �'guranza und der Gendarmerie beschästigen, während die Amnestie �Ner Sonderkommission zugewiesen werden wird. lleber teufend Anhänger TrotzkI, ausgeMvsten. In �em B<< ?cht Über die Tätigkeit der Moskauer Zsontrollkammissirm w rd m't' daß im letzten Äohr« ,46S Anhänger Trotzt« au» der Parte« °"»g'lchloss«n worden sind. Die Kontrollkommission>« dam't beschaffst. mit der Rechtsoppostlion vollkommen auszuräumen. Simons bei Hindenburg. »-Oerr Stationsvorsteher, was tu' ich bloß? Jetzt ist mir die Eisenbahn dicht vor der Nase davongefahren.� Der neue Ekki-Brief. Kampfansage an Rechie Kommunisten und Versöhnler. Der neueste Ckkl-Brief ist da? Cr wurde dieser Tage in Gegenwart deutscher Kommunisten von dem Exekutivkomitee der Komintern in Moskau beschlossen, ist an all« Mitglieder der KPD. gerichtet und soll ain Sonnabend von der Kom- munistischen Presse veröffentlicht werden. In dem Uka» wird zunächst festgestellt, daß Brandler und seine Anhänger seit 1923 innerhalb der Kommunistischen Partei eine bestimmte Fraktionstätigkeit ausgeübt hätten. Diese Tätigkeit habe seit dem Essener Parteitag im Jahr« 1027 ei«« neue Belebung er- fahren. Schon in Essen hätten die Anhänger Brandlers versucht. ihre opportunistische«� Losungen ans BroduktionstoiUrolle usw durchzusetzen. Da« fei jedoch abgelehnt worden. Stach ihr« Rück- kehr nach Deutschland hätten die Anhänger Brandler, iznd Thal» heim«» ei««« assenen Kampf eröffnet. Der Fall Dittorf- Thälwanu Hab« ihnen den erwünschten Anlaß gegeben, ihr srak- tionslles Vorhaben zu verwirkLchen und den Verfuch zu machen. die Führung der Partei an sich zu reiße«. Ein« Resolution des Präsidiums der Komintern gegen dieses Treiben sei von den Rechten mit verschärften fraktionellen Ausfällen� be- antwortet worden. Anschließend wird in dem Ekki-Bries gegen das Aktions� Programm Pro Udlers, als ein typisches Produkt..mensche- wistischer Denkweise" vom Leder gezogen, weil es di« sozial- demokratisch« Losung der Wirtschaf tsd«mokrat.i« einzuschmuggeln versucht, und erklärt, daß die pollNschc Platksorm der rechten KPV.-FraNion«tue immer größere Annäherung an die Anschauungen der Sozial- dcmokrakle zum vorschet» befugst. Da» bestätigte nicht nur die Lösung der Produktionskontrvll«. son- derii auch di« Erklärungen der Rechten über die Trennung der un- organisierten Arbeiter von den orgonisterten, wie sie sich jetzt beim Ruhrkomps ergebe« hätte, sowie über die Spaltung der Geivertsihasten. Alle» das seien Wiederholun- gen analoger Behauptungen der Sozialdemokraten. Durch ihre politisch« Plattform wie auch durch ihre Handlung«« hätten sich Brandler, Thalheimer sowie die anderen Führer der rechten Fraktion als«cht« linkssozioldem akratische Politi. sanier entpuppt. Sie lehnten nicht nur die Beschlüsse des Kongresses der roten Gewerkschaitsinternativnal« und der Komintern ab, sondern seien gleichzeitig im Begriss, aktiv gegen deren praktische Durchführung vorzugehen.. Brandls und Thalheimer trüge» sich mit der Absicht der Krün- dvng«in« Kpariakusbundes. Sie wollten dabei die Ramen dar Spartakuskämpfer pnd den Namen Rosa Luxemburgs für ihr opportunistische» Tu» und Treiben ausnutzen. Da» sei ein Weg, aus den schon vorher„viele Renegaten" geraten seien. Paul Leoi habe mit dem lllamen Rosa Luxemburgs Mißbrauch getrieben. Brandl«? und Thalheimer wen- deten nunmehr die gleichen Methoden an. Da» würde jedoch scheitern. Die Spartaküsanhänger würden ihnen di« Gefolgschaft verweigern. Im weiteren Verlaus de» Ekli-Briefes wird dem Dersckhn- lertum schärfster Kamps angekündigt. Sät Versöhnler sei In der SPD. heule kein Platz mehr vad die Versöhnler Einst Meyer und Swerl müßten stch«nsichefde« für die Partei oder für die S rem die listen. In diesem Zusammenhang wird schließlich der Beschluß des Zentralkomitees vom 14. Dezember gebilligt. Er enthält«in« Reih« Kopitulotionsbedingungen für die Rechten. Falls sie diese Bedingungen ablehnen, soll ihr sofortiger A u rs ch l u ß erfolgen. Das gleiche gilt noch dem Ekkl-Brief für Brandler und Thalheimer, fall» st« der Aufforderung, bis zum 21. De- zember in Moskau zu erscheinen und sich zu recht- fertigen, nicht nachkommen sollten. Der Ausschluß von Hausen und Galm au» der Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Internationale ist bereits beschlossen. Den Schluß'de»-EM-TWese«"bildet rin« Auffmbenmg&n W« Parteimitgliedschaft zur Ueberwindung der oppositionellen Gefahr. zur bedingungslosen Sicherstellung der bolschewistischen Port«-- cinhel: und zur Gewinnung jener Arbeiter, dt« noch Unter dem Einfluß der rechten Fraktion ständen. Außerdem wird«in syst«- matischer Kamps zur Ueberwindung des Versöhnlertums ongekim- dtgt und dazu di« Durchführung einer Innerpeiteilichen Demokratie versprochen. An dem Krack) in der KPD. wird«nick, dieser Ekti» Brief nichts ändern. Wie lange wird es dauern— und ein neuer Mas ist fällig. Ärandler und Thalheimer vor dem Aasschluß. Das Organ dar sinken Kommunisten,.der.Lollsw ll«'- tackt«i»' „Am häutigen Freitag war die Frist abgakaufe«. bi» z-t bar Prandlsr und Thalheimer in Ptostou eingetrosten fein sollten, um sich vor der ZKS.(Zentraltontroilkommifstvnl. der obersten Schied sgerichteinftonz der KPR. wegen..ihre» diszipCn- widrigen Verhalten» zu verantworten", wie die„Rote Fahne" schrieb. Wie wir aus zuverlässiger Quell« erfahren, haben Prondler und Thalheimer es vorgezogen, di« weiter« Entwicklung von Deutfch.- lond aus abzuwarten Sie sind nicht gefahren, fondern in Verlin geblieben- In einem Brief an dos Zentralkomitee der russischen Partei und an da» Zentrolkontrollkomitee teilen si« ihren Entschluß nebst Begründung mit." Roch dem neuen Etkibrief wären damit di« Doroussetzungen für den Ausschluß van Brandl er und Thalheimer gegeben. Kulaken als Gowjeifunktionäre. Großbauer« m den Wahioosschöffen. Moskau. 2t Dezember,(vsi Expreß.) Die Sowjei-Wahlkommisstonen hoben k-nan erst ihre Arbeit begonnen und schon laufe« von Überall Klagen über sie.«fn. E» wird ihnen Faulheit und Gleichgültigkeit vorgeinort««. und es erweist sich in vielen bleier finmmIffilW« h» Zusammen. setzung als zweideutig", da„fremde Element«", d h K u- l o k e n und chr Anhang Kommisstonsmitglieber sind. Di« Sowjet- presse äußert sich entrüstet über die ungenügende Borbereitung der Wahlen, andernfallz hätte das Kulakenelement kewen Zutritt zu den Kommisstonen sinken können. Im nördlichen Kaukasu» sind etwa 10 Proz. der Mitglieder der Wohlkowmitiwnen ans den oben angeführten Gründen ausgeschlossen worden. Im Bezirk Odessa wurden von 230 Wahlkvmmissionen 100 aufgelöst itnd nach strenger Sichtung neu formiert. Sogar im Bezirk Leningrad läßt ein Teck der Wahlkommtsstonen lauf„Prawdn" die notige Energie vermissen.' veutsch-ftanzösische» Grenzverkehrzabkammen. Die mit den Verhandlungen über nn Abkommen zur Regelung d«? k de inen Grenz Verkehrs an der deutsch-ftanzasischen Grenze beauftragten deutschen und französischen Regierung, Vertreter haben sich am Freitag über den Entwurf zu einem solchen Abkommen g e- einig«.. Das Abkommen soll im Januar in Pari» unterzeichnet werden.■. pk arschall Cadoma. der ehemalig* italienische General fsimus. dessen Zustand seit einigen Tagen hoffnungslos war. ist gestern ge- storben.. Ministerialdirektor kirohoe. der Lieter der Medizinolabteilung im preußischen Ministerium für Dollswohlsahrt. ist unerivartet g« storben. s Vokschoslsrak Dr. Twardowstt, der setzt zur Botschaft nach Moskau geht, ha» fünf Jahre der Presseabieikuna der Reichsregis- rung in besonders wichtiger Stellung angehört und sich Vertraue« und Donk der Prest« erworben: sie sieht rhn mit Bedauern scheiden und münscht ihm weiterhin Erfolg. Mustolial hak ssederzoni. der zuletzt Kolonial minister war, zum Rücktrirt gezwungen und sich s« l b st auch noch diese« Amt 'zugelegt.' Ebenso wurden der bisherig« UMerstaatssekretur für Kolonien und der Generalgouverneur von Tripolis ersetzt 1 Zwei Kämpfe und ihre Lehren. Die Schiedssprüche für die Werften und die Ruhrindustrie. Gestern sind durch zwei Schiedssprüche zwei große Kämpfe in| Schwerindustriellen die Aussperrung beschlossen, die durchgeführt der Metallindustrie geregelt worden, die sowohl durch ihren Umfang werden sollte, gleichgültig ob der Schiedsspruch vom 26. Oftober ver. mie durch ihre Dauer und Auswirkungen die Deffentlichkeit weit bindlich erklärt werden würde oder nicht. über die Grenzen der direkt an diesen Kämpfen Beteiligten hinaus beschäftigt haben. Durch Schiedsspruch im Reichsarbeitsministerium Ht der Streit in der Werstindustrie, der nunmehr schon seit 12 Wochen dauert, geregelt worden. Der Schiedsspruch Seve. rings hat für längere Zett den Arbeitsfrieden in der nordwestlichen Eilenindustrie gesichert. Um zunächst den Kampf in der Werftindustrie vorweg zu nehmen, sei kurz daran erinnert, daß dort die Arbeiterschaft ohne jede mirtschaftliche Berechtigung bisher des Acht stundentages be. raubt war und außerdem noch verhältnismäßig niedrig ent. lohnt worden ist. Der Schiedsspruch bringt den Werftarbeitern die 50 Stunden Woche und innerhalb von zehn Monaten eine weitere Herabseßung von einer Stunde. Hier kann man wohl sagen, daß das grundsätzliche Festhalten einer längeren als der 48stündigen Arbeitszeit anmutet wie ein Bflafter auf die Bunde der Werftbefizer, die sich hartnädig gegen die Berkürzung der Arbeitszeit stemmten und die nunmehr die zwei Stunden und ab 1. November eine Stunde über die 48- Stunden. Woche als Ueberstunde mit 25 Broz. Zuschlag vergüten müssen. Immerhin kann man bedauern, daß dieser Schönheitsfehler bestchen bleibt. Bei der nächsten Arbeitszeitregelung muß auch die letzte Shinde Mehrarbeit fallen. Auch in der so heiß umstrittenen Lohnfrage ist eine, wenn auch bescheidene Berbesserung gegenüber dem von beiden Bar teien abgelehnten ersten Schiedsspruch festgesetzt. Man fann also sagen, daß der hartnäckige Kampf der Werftarbeiter zwar nicht einen vollen, aber doch nicht unerheblichen Teilerfolg zum Ergebnis hat. Darüber hinaus muß auch der moralische Er. | Nach einmonatiger Dauer der Aussperrung haben die Schwer. industriellen dem Vorschlag der Reichsregierung zugestimmt, die Aussperrung sofort aufzuheben und sich einem endgültigen Schiebsspruch zu unterwerfen, der von dem Reichsinnen. minister Genoffen Severing, Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes, gefällt werden soll. Schiedsspruch Jöttens in Kraft bleibt, daß die Lohnzulagen Severing hat entschieden, daß bis zum 1. Januar 1929 ber des Schiedsspruches bis zu diesem Tage zu zahlen bzw. na ch zu ahlen sind und daß ab 1. Januar 1929 neue Bedingungen über die Löhne und die Arbeitszeit in der nordwestlichen Eisenindustrie eintreten. An anderer Stelle dieses Blattes geben wir diese neuen Bedingungen bzw. ihre praktische Auswirkung be. fannt. Daraus geht hervor, daß die Industriellen der nordwestlichen Eilenindustrie mit dem Schiedefpruch Severings, soweit die Löhne in Betracht kommen, erheblich ungünstiger abschneiden als bei dem Schiedsspruch Jöttens. Es geht weiter daraus hervor, baß besonders in der Schwerindustrie eine ganz wesentliche Berkürzung der Arbeitszeit eintritt. schicht einem Arbeiter nachstehendes außerordentlich geistreiches Schreiben zu: Rönigsberg, den 2. November 1928. Feftungstommanbantur, Abt. Bt. ( Festungsbauverwaltung) Br. Nr. 1918/28. Betrifft: Alterszulage. Zu dem Schreiben vom 14. August 1928 auf Nachzahlung der Alterszulage teilt die Festungskommandantur mit, daß dem Antrage erst näher getreten werden fann, wenn Sie nachweisen, daß Sie sich in der Beit vom 9. Juli 1925 bis 13. Mai 1923 um Anstellung bei Reichsbehörden bemüht haben. J. A. d. Kommandanten, gez. Neumann, Oberstleutnant u. Bion.- Offz. d. Festg." Dürfen wir angesichts solcher Borgänge noch einmal die be fcheidene Anfrage an den Reichswehrm nifter Groener richten: Gibt es im Bereiche des Reichswehrministeriums teine Mög lichkeit, die untergeordneten Dienststellen endlich zu veranlassen, daß fie die Tarifverträge einhalten? Feuergefährliche Heimarbeit. " Auch h.er muß vorgebeugt werden. Der Borwärts" hat mit Recht aus Anlaß der Brandkatastrophe die Forderung erhoben, daß eine schärfere Kontrolle der gewerblichen Betriebe, die sich in Wohnhäusern befinden, erfolgen müffe. Die Forderung bedarf aber noch der Ausdehnung, und zwar auf die Beschäftigung in der Heimarbeit. Diese ist bei feuergefährlichen Stoffen noch eine größere Gefahr als in Betrieben, weil hier fofort die ganze Wohnung erfaßt und darüber hinaus die übrigen Bewohner mit geschädigt werden. Ein ebenfo feuergefährlicher Stoff wie Belluloid it Benzol Dieser wird besonders für die Gummierung von Gummi mänteln verwendet. Begen der großen Feuers gefahr und Gesundheitsschädigung hat der Deutsche Beklei Reichsarbeitsministerium den Antrag auf Berbot diefer Hetm Ruhrgebietsbungsarbeiterverband bereits im Oftober 1921 beim Der Schiedsspruch Jöttens betraf bekanntlich nur die Löhne. Die Schwerindustriellen, die den Staat herausgefordert hatten, haben fich also nicht nur der Staatsoutorität bedingungslos unter werfen müssen, sie haben auch grundsäglich wie materiell mit ihrem Rampf schlecht abgeschnitten. Grundfäglich haben sie fich der Staatsautorität unterwerfen müffen und es bleibt der Schiedsspruch Jöttens bis zum 1. Januar in Kraft. folg für die gewerkschaftliche Organisation und die kämpfenden Materiell ist ber Schiedsspruch für die Metallarbeiter des Ruhrgebiets Arbeiter gegenüber dem rüdsichtelosen Kapital in der Werftindustrie eine erhebliche Berbefferung gegenüber dem bisherigen arbeit gestellt. Dieser Antrag ist vom Reichsarbeitsministerium Bustard. abgelehnt worden infolge der verhältnismäßig geringen Bedeu Der Schiedsspruch sieht eine verhältnismäßig lange Lauftung der Heimarbeit. Inzwischen haben sich aber die Berhältnisse bauer vor. Diese Zeit müssen die Ruhrarbeiter munmehr aus. nugen, um nachzuholen das muß jetzt einmal offen ausge fprochen werden, was fie in ihrer Mehrheit bisher sträflich ver. fäumt haben: fich gewerkschaftlich zu organisieren. Ohne die Herausforderung der Schwerindustriellen wäre dieser Rampf für die Ruhrarbeiter sicherlich nicht so günstig verlaufen. Wenn die Schwerindustriellen zweifellos aus dem Ausgang dieses Rampfes gelernt haben, so müssen das die Arbeiter erst recht tun. mit Genugtuung verbucht werden. Bon erheblich größerer Bedeutung ist der Ausgang des Rampfes in der nordwestlichen Eilenindustrie. Man erinnert sich, daß die Schwerindustriellen, die nicht nur die gesamte Metallindustrie bes Ruhrgebiets beherrschen, sondern darüber hinaus eine ausfchlag. gebende Rolle in der Metallindustrie und eine führende Rolle in den Unternehmerorganisationen[ pielen, es übernommen hatten, das Schlichtungswesen in die Luft zu sprengen und den Eingriff des Staates bei der Regelung der Lohn- und Ar. beitsbedingungen auszuschalten. Zu diesem Zweck hatten die Die Werftbesitzer unzufrieden Gie fünden ihren Banfrott an. Hamburg, 21. Dezember. Die reaffionären Hamburger Nachrichten" erklären zu dem Schiedsspruch im Werftarbeiterstreit, der Spruch lei nicht nach pirtschaftlichen Gefitspuntten gefällt worden, sondern ftelle mehr eine politische Attion des Reichsarbeitsministers dar, um eine zweifellos vorhandene Spannung zwischen dem Reichs arbeitsministerium und den Gemertichaft zu flären. Das Blatt schreibt dann u. a. weiter: Ebensowenig nämlich wie ein Zweifel baran befteht, daß der neue Schiedsspruch für verbindlich erklärt wird, besteht kein Zweifel daran, daß bie technischen Möglichkeiten zur Wiedereinstellung aller bisher streitenben Arbeiter nicht da find, weil es binnen furzem auf den deutschen Werften nicht mehr viel zu arbeiten geben wird. Protest der Textilarbeiter. Gegen den Schiedsspruch für Sachsen- Thüringen. Chemnih, 21. Dezember.( Eigenbericht.) Die Funktionäre ber Tertilarbeiterschaft Mittel- und Westfachfens fowie Dstthüringens befaßten fich mit der vom Reichsarbeitsministe rium im öffentlichen Intereffe erfolgten Berbindlichteits. erklärung des Lohnschiedsspruches für den Chemnizer Bezirk und legten ihre Anficht in der nachstehenden einstimmig ange. nommenen Entschließung nieder: ,, Die am 20. Dezember 1928 in Chemnig tagende Funktionär fenferenz der mestsächsischen und oftthüringischen Tertilarbeiterschaft hat von der Berbindlichkeitserklärung des am 27. November 1928 gefällten Schiedsspruches Kenntnis genommen und erhebt offent. lich fchärfften Brotest dagegen. Die wirtschaftliche Lage der Tertilarbeiterschaft Sachsens ist zum größten Teil eine recht fdhledhte. Die tariflichen Löhne finb mit bie niedrigsten der Textilindustrie im Reiche, fo baß bie Bohl. fahrtsunterstützungen vieler Orte des Tarifgebiets über ben Lohn eines vollarbeitenden Familienvaters, der im Zeitlohn beschäftigt ist, liegen Der Schiebsspruch entspricht somit nicht ber Billigkeit und der wirtschaftlichen Berhältnisse der Textilarbeiterschaft. Der Schiedsspruch bindet die Arbeiterschaft 17 Monate an diese nie. brigen Löhne, das ist ein Zustand, der unerträglich ist, so daß wir uns genötigt sehen, schon heute das Reichsarbeitsministerium auf das Unhaltbare feiner Stellungnahme aufmertfam zu machen. Die Textilarbeiterschaft Bestsachsens wird aufgefordert, ihre Organisation, den Deutschen Tertilarbeiterverband, zu stärken, um zu gegebener Zeit aus eigener Kraft ihren Weg zu gehen und ihre Interessen in der geeignet erscheinenden Weise rüdfichtslos zu vertreten." Keine Einigung in der oftfächsischen Textilindustrie. Dresden, den 21. Dezember. Die Aussprache, zu der das Reichsarbeitsministerium die Barteien zur Klärung der durch die Ablehnung des Schiedsspruches für die oft fächsische Textilindustrie gefchaffenen Lage geladen hatte, hat am heutigen Freitag stattgefunden. Die Parteien legten nochmals den Standpunkt zu der Lohnfrage dar, ohne daß eine Annäherung stattfand. Der Bertreter des Reidsarbeitsministers stellte daraufhin feft, daß weitere Einigungsverhandlungen& wedlos erscheinen. Was Militärs nicht begreifen können. Daß Tarifverträge eingehalten werden müssen. gewaltig geändert. Während zu jener Zeit noch nicht 10 Broz. aller in der Gummimäntellleberei Beschäftigten in der Heimarbeit tätig waren, find es jetzt sicher über 60 Proz. Für die Betriebsarbeit sind von den Gewerbeaufsichts behörden Berlin und Hamburg bestimmte Vorschriften zur Ber meibung von Feuersbränden erlassen. Es sind auch Bor schriften für die Heimarbeit von denselben Stellen er laffen worden, fonnten aber auf Grund der Wohnungsverhältnisse in vielen Fällen nicht durchgeführt werden. Die Folge davon ist, daß im Laufe der Zeit in den Wohnungen der Heimarbeiterinnen und 3wischenmeister wiederholt Feuer ausgebrochen ist, wobei es por gekommen ist, daß die ganze Lieferung der vorhandenen Arbeit famt Bohnungseinrid tungen verbrannte. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband erhebt beshalb aud jetzt wieder mit allem Nachorud die Forderung, daß das Reichs arbeitsministerium, das auf Grund des§ 10 des Hausarbeitsgesetzes hierzu berechtigt ist, ein Verbot der Heimarbeit für das Kleben von Gummimänteln erläßt. Bei der überaus großen Feuersgefahr sollte man es auch hier nicht erst zu einer Ratastrophe fommen lassen, son bern rechtzeitig die erforderlichen und möglichen Maßnahmen et Bom Berband der Gemeinde. und Staatsarbeiter wird uns greifen. geschrieben reiche des Reichswehrministeriums Arbeiter angeblich wegen Man Seit Wochen gehen uns aus dem Reiche Klagen zu, daß im Be gel an Mitteln gefündigt werden. Unsere Bemühungen beim Reichswehrministerium haben schließlich dahin geführt, daß uns zu gefagt wurde, fofort eine Verfügung zu erlaffen, in der mitgeteilt mirb, baß die Mittel na bewilligt find und Entlassungen aus diesem Grunde nicht stattfinden tönnen. Um fo größer ist daher legt unser Erstaunen, im Heeresverordnungsblatt Nr. 33 folgende Berfügung zu finden. 454. Berrechnung son Mehrausgaben infolge von Lohnerhöhun. gen für Arbeiter ufm. Bei den übertragbaren und den nicht übertragbaren Titeln der fortdauernden Ausgaben für 1928, aus denen Arbeiter unmittelbar entlohnt werben, bürfen die nach den Lohnfägen am 1. Juli 1927 bemeffenen Bewilligungen notfalls um die Be träge überschritten werden, die infolge von Erhöhungen der Löhne und der Bersicherungsbeitragsanteile mehr gezahlt werden müssen. Bon dieser Ermächtigung darf aber nur insoweit Gebrauch ge macht werden, als fich auf teinem anderen Wege, B. durch Berminderung der Arbeitszeit oder der Zahl der Arbeiter ober burch Einschränkung der fädlichen Ausgaben, bei dem betreffen. den Titel ein Einsparen von Mehrausgaben ermöglichen läßt. Reichswehrministerium Heer 26. November 1928. Nr. 173/11. 28 HA( Heer)." Wir haben es im Reiche des Herrn Groener anscheinend mit einem hoffnungslosen Fall zu tun: denn diese Verfügung ist eine Gipfelleistung und schlägt geradezu dem Faß den Boden aus. Rach unferer Renntnis der Berhältnisse wird der zweite Saß dieser Berfügung bei allen Dienststellen draußen wieder Anlaß geben, Ar. beiter zu entlassen. Darüber helfen auch alle BeschönigungsJe mehr versuche des Reichswehrministeriums nicht hinweg. Berfügungen herauskommen, testo größer wird die Verwirrung. Daß die unteren Dienststellen den Tarifvertrag-entweder entweder aus Unkenntnis oder aus Abficht nicht lesen fönnen, ist bekannt. Ein Musterbeispiel ift ein uns jetzt erst wieder zur Kenntnis ge brachter Fall aus Königsberg. Dort sind bei der Festungstommandanturabteilung Bi... im Laufe der letzten Zeit eine Anzahl Ar. beiter eingestellt worden, die früher schon bei Militärdienststellen tätig waren. Aus dem bestehenden Tar fvertrag geht ganz einwand. frei hervor, daß solchen Arbeitern, die früher aus einer Reichsdienst. ftelle wegen Mangel an Arbeit entlassen worden sind, bei Bieber einstellung in den Reichsdienst ihre früher zurüdgelegte Dienstzeit angerechnet werden muß. Trogdem bringt es die Komman dantur fertig, fich gegen diese Selbstverständlichkeit zu strauben und In Berlin ist von einigen Gewerkschaften unter Führung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes die Berliner Elektro- Hütte GmbH. Berlin SO 36, Elisabethufer 5/6, Tel.: Moritzplatz F1 4532 Ach'ung, Bauarbeiter! firmen, die in industriellen oder anderen Unternehmungen Bau Der Berbanb ber Baugefchäfte hat an die Bau arbeiten ausführen, aber wo diese Bauarbeiten mit Rücksicht auf eine etwaige Stillegung eines solchen Betriebes zwischen Weihnachten und Neujahr nicht fortgelegt werden fönnen, meifung ge geben, mit der Bauarbeiterbelegschaft zu vereinbaren, daß biele ausfeßt. o bie Bauarbeiter diese Bereinbarung zu treffen nicht bereit sind, follen fie zur Entlaffung tommen und eine Bescheinigung erhalten, wonach die Entlassung wegen Arbeits mangels erfolgt fet. Benn unsere Rollegen mit Rüdsicht auf einen Anspruch aus der Arbeitslosenversicherung eine solche Bereinbarung abzuschließen ablehnen und banach also zur Entlassung tommen, erfuden wir, sich im Verbandsbureau, Großbeerenstr. 96, Zimmer 3, 3 melben. Deutscher Baugewertsbund, Baugewerkschaft Berlin. Achtung, Eisenbahner des Einheitsverbandes der Elfenbahnet Deutschlands! Die Betriebsvertrauensleute werden dringend erfu dafür Sorge zu tragen, daß die Wahlen der Gruppenpers trauensleute für die Gruppe Handmerter und Arbeiter der Bahnbetriebs- und Bahnbetriebswagenwerte, Rohlenlager. und Magazinarbeiter, insbesondere der Bahnunterhaltungsarbeiter, ber Güterbodenarbeiter, der im Gepäcbienst und beim Fuhrpart befä Stations und Bahnhofspersonal figten Arbeiter und das fpätestens bis zum 31. b. M. burchgeführt werden und das Ergebnis der Ortsverwaltung mitgeteilt wird. Die Drtsverwaltung. In der Schwarzwälder Uhrenindustrie ist das Rollettiv abtommen in der alten Form um ein Jahr verlängert morden. Im Mantelvertrag wurden die Urlaubsfragen etwas verbessert. Freie Gewerkschaffs Jugend Groß- Berlin S A fi red Br fa Die น da mo Die der Die 21r der no 9 Hi mo fp SESS dre Ir Bo mi am Stei tift Ge ru ein mo gef Ro fei Dr ger Ba abe 23 un die die he ar M en für in fet pä gel Be me 79 棒 211 m me Tell der ift, gai bet gel B ein ga 211 an M totales be Kü pri fei Ba 2fr Botanjelge! Morgen, Conntag, 23. Dezember, Winterfonnenwendfeie am Belfee bei Bernau. Treffen um 16 Uhr im Seefchios Lante bei Bernau. Um 10 Uhr besichtigen wir die Bauarbeiten auf dem Ge Tände der Bundesschule bei Bernau, Berantwortlich Air Tolitik: Dr. Cart Gencz: Birtſchaft: 6. Klingelböter; Cewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. 8. Doscher; and Senftiges: Fris Raritäbt: Anaergen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S. Berlin Prud: Forwärts.Bud bruderel unb Berlaasenftalt Barl Einaer# 60 Berlin G 68. Lindenstraße ( Hierzu 2 Beilagen, Unterhaltung und Biffen und Jugend- Berwärts".) gegründet worden. 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