BERLIN Mittwoch, 2. Januar 1929 Der Abend Erideint täglich außer Sonntags. Fugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion undErpedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 2 B1 46. Jahrgang. 66 anzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezcils 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poffcheckkonto: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Gaskatastrophe in Duisburg. Bisher fünf Tote, zahlreiche Erkrankte. Eine Gaskatastrophe von furchtbarer Ausdehnung hat sich in Duisburg im Hause Gärtnerstraße 38 im Stadtteil Wanheimerort abgespielt. Das Zuflußrohr der Gasfernleitung, durch das das niederrheinische Industriegebiet von der Ruhrgas- A.- G. mit Gas versorgt wird, ging unter dem Hause Gärtnerstraße 38 zu Bruch. Durch das ausströmende Gas wurden ein in dem Hause wohnender Arbeiter mit seinen beiden Töchtern und eine bei ihm zu Besuch weilende Schwägeringe tötet. Mehrere andere Bewohner des Hauses liegen zurzeit noch bewußtlos danieder und werden von Aerzten betreut. Die Polizei hat das durch den Unfall betroffene Haus und die Wohnhäuser in der nächsten Umgebung räumen und absperren lassen. Ergänzend wird berichtet, daß die Anwohner schon am Neujahrsmorgen einen leichten Gasgeruch in ihren Wohnungen bemerkten, ihm aber feine ernstere Bedeutung beimaßen. Erst gegen 18 Uhr wurde man darauf aufmerksam, daß die Rolläden der Woh mung des zu Tode gekommenen Arbeiters Weinand in der Gärtnerstraße geschlossen waren. Daraufhin alarmierte man die Feuerwehr, da man vermutete, daß Beinand wegen des Todes feiner Frau, deren Beerdigung erst am Sonnabend stattgefunden. hatte, eine Berzweiflungstat begangen hätte. Als die Feuerwehr in die Bohmung eindrang, fand man Weinand mit beiden Kindern fof vor, während die Schwester der Frau, die ihm seit deren Tode den Haushalt führte, bewußtlos war, aber ins Leben zurückgerufen werden tonnte. Daraufhin wurde man aufmerksam, daß in den Nachbarhäusern sich nichts bewegte. Beim weiteren Borstoßen der Feuerwehr in diese Wohnungen fand man die Bewohner bewußtlos auf. Im ganzen sind 17 Personen an Gasvergiftung erfrankt und ins Duisburger Marien- Spital eingeliefert. Der Birkung des Gases erlagen zunächst vier Personen. Mittwoch vormittag ist dann noch ein 18jähriger junger Mann im Marien Hospital in Duisburg der Gasvergiftung erlegen. Der Chefarzt des Hospitals hofft, daß die weiteren 17 Opfer der Gasvergiftung aus der Gärtnerstraße mit dem Leben davonkommen. Die Verwaltung der Ruhrgas 2. G. teilt auf Anfrage zu der Duisburger Gastatastrophe mit, daß der Bau der ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) Stresemann im Diplomatenfrack wird aus dem Bild ersehen, wie komisch der von ihm wieder eingeführte Zweispita sich ausnimunt. Politische Neujahrsreden. Empfänge bei Hindenburg.- Unsere Lage hat sich gefestigt." Die Neujahrsempfänge beim Reichspräsiden- 1 stehe, dem die ganze Welt größte Achtung zolle für die Art, in der ten, bie feit Eberts Zeiten in ihrer äußeren Form mun schon traditionell gemorden find, haben auch gestern durch die große Auffahrt in der Wilhelmstraße Mengen Neugieriger angelodt, die dem ungewöhnlichen Schaufpiel einige Eindrücke abzugewinnen suchten. Um 12 Uhr mittags erschien das diplomatische Korps, als dessen Sprecher der päpstliche Bertreter Nuntius Pacelli dem Reichspräsidenten als Träger des Amtes und als Person diplomatische Grütwünsche aussprach. Bacelli erwähnte die Ent. täuschungen und Hemmungen, die sich dem Frieden in den Beg ftellen, aber trobem, jagte er, fchrette ble Menschheit auf dem majestätischen Bege des Friedens entschloffen Doran. Deutschland selbst habe sich, indem es gleich im Anfange dem Patt zum Berzicht auf den Krieg als Instrument der nationalen Politit beitrat, feierlich zum friedlichen Ausbau der Beziehungen zwischen den Staaten bekannt. Möge das heute beginnende Jahr die glückliche Lösung der wichtigen und heiflen Aufgaben bringen, von denen die Ruhe Europas abhängt, und möge es fo einen Meilenstein bilden auf den lichten und erfolgreichen Pfade zum allgemeinen Frieden, Reichspräsident v. Hindenburg fnüpfte an diese politische Ansprache eine längere, gleichfalls politische Antwortrebe an, indem er betonte, das gesamte deutsche Bolt empfinde es mit besonderer Bitterfeit gerade heute beim Eintritt in ein neues Jahr, daß, noch immer einem großen Teile unseres Gebietes die Freiheit vorenthalten wird, auf die wir Anspruch haben. Trotz der herben Enttäuschung molle er aber hoffen, daß im neuen Jahre dem deutschen Volke die volle Selbstbestimmung zurüdgegeben werde. Für die Ueberwindung der Hemmniffe, die einer gefunden und natürlichen Entwicklung entgegenstehen, alle Kräfte einzusetzen, ist Deutschland stets bereit gemesen und wird es auch weiter sein. Zur Erreichung diefes für die Ruhe Europas entscheidenden Zieles gehört die freie und verständnisvolle zusammenarbeit aller Nationen In der ganzen Welt fordern die wohlverstandenen Interessen der Völker mehr denn je die friedliche und aufrichtige Zusammenarbeit aller Regierungen, um freie Bahn zu schaffen für fulturelle, fogiale und moralische Entfaltung der Kräfte. Diefes Biel muß uns allen gemeinsam sein. Für seine Berfolgung ist mährend des vergangenen Jahres mit der von Ihnen erwähnten, von Deutschland aufrichtig begrüßten Unterzeichnung des Pattes über den Berzicht auf den Krieg eine neue Grundlage geschaffen worden. Es gilt, auf dieser Grundlage weiterzuarbeiten, um die großen Gedanken diefes Abkommens zu verwirklichen, die dahin gehen, die noch zwischen den Böllern stehenden Probleme ohne Rüdsicht auf Machtverhältnisse nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit za lösen und so der Welt diejenige Sicherung des Friedens zu geben, die die Gewähr der Dauer in sich schließt." An dem Empfang nahmen Reichstanzler Hermann Müller, Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, die Staatssekretäre Dr. von Schubert und Dr. Meißner sowie der Chef des Protofolls Gesandter Köster teil. Nach den Diplomaten erschienen unter Führung des Reichsfanzlers sämtliche Reichsminister, um dem Reichspräsidenten auch ihrerseits Neujahrswünsche auszu sprechen. Reichstanzler Müller hielt dabei eine Ansprache, in der er versicherte, die Reichsregierung sei fich mit allen Deutschen voll Stolz der Tatsache bewußt, daß an der Spize des Reiches ein Mann Parker Gilberts Bericht Hugenbergs Heilige Allianz Berichte 2. und 3. Seite er sein großes schweres Amt ausübt. Der Reichskanzler bedauerte, daß das vergangene Jahr die Hoffnungen und Wünsche der Deutschen, besonders auf außenpolitischem Gebiete, nicht zur Erfüllung gebracht habe. Das werde die Regierung aber nicht abhalten, wie bisher unablässig an ihrer Berwirklichung zu arbeiten und darauf zu drängen, daß Rhein, Saar und Pfalz von fremdem Drude befreit werden. Die Regierung hoffe, daß die bevorstehende Zusammenkunft der Sachverständigen die Krieges näherführen werde. Dann fuhr der Reichskanzler fort: Reparationsfrage in Fluß bringen und die völlige Liquidierung des Seit der Staatsumwälzung ist ein Jahrzehnt verflossen, und Belt erlitten hat, doch feststellen, daß mir fönnen heute trotz all des Furchtbaren, das unser Bolk in dieser sich unsere Lage gefestigt hat und daß es vorwärts geht. Manchmal will es uns aber scheinen, als wenn die Fortschritte, die wir gemacht haben, übertrieben werden und manche ausländischen Beobachter Deutschland in einem 31stande der Blüte sehen, der nicht den Tatsachen entpricht. Denn genug Sorgen und Schwierigkeiten lasten auf uns, und wir haben oft in furzer Zeit Aufgaben zu bewältigen, die in früheren Epochen ein Bielfaches der uns zur Verfügung stehenden Zeit erforderten. Ich brauche nur an das Problem Reich und Länder, an die schweren Wirtschaftstonflitte und an die Schwierigkeiten zu erinnern, die uns die finanziellen aft en des verlorenen Krieges auferlegen." Der Reichspräsident antwortete auf diese Ausführungen mit einem Gruß an die Bevölkerung im besetzten Gebiete, derer er mit schmerzlicher Anteilnahme gedenke: ,, Das alte Jahr hat uns vor manche schwere Aufgabe gestellt. Neujahrsbesuch bei Hindenburg. Die diplomatischen Vertreler in Berlin stallelen bei Hindenburg Neujahrsbesuch ab. Die meisten von ihnen stecken in phantastischen Uniformen, die Deutschland jetzt nachahmt Stfor wir hoben trotz der immer noch bestehenden Schwierigkeiten politischer und wirtschoftticher Art doch manche Fortschritt« erzielt und können feststellen, daß auch im Auslande das Lertrausn auf eine günstige Entwicklung Deutschland sich festigt und wächst. Mit Genugtuung habe ich es besonders begrüßt, daß es der tat- ktaftigen Mitarbeit der Reichsregierung und der verständigen Ein- ficht der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber gelungen ist. die wirischostlichen Kämpfe im Industriegebiet Rordwcstdeutschlands und in Sachsen beizulegen und den Wirtschaft- lichen Frieden, den wir so dringend für unseren Wiederaufbau benötigen.?u sichern." Der Reichspräsident gedachte dann besonders der Rot der Landwirtschaft und schloß sich der Auffassung des Reichs- konzlers an,„daß trotz aller Schwere der Zeit unser« innereLage sich g c f e st i g t und gebessert hat. lsa, es will mir sogar scheinen, als ob die Gegensätze, die unser Boll so unheilvoll durchziehen. sich gemildert haben oder wenigstens nicht mehr in solcher Scharfe zutage treten wie früher. Dtöge das deutsche Volk auch im kommenden Jahre fortfahren, im Gedenken an das Vaterland und fein« Zukunft politischen und persönlichen Wider st reitzuüber- winden und zu überbrücken". Im weiteren Verlauf des Tages empfing der Reichspräsident das Präsidium des R e i ch s t a g s und Vertreter des R« i ch s r a t s, iowie der Wehrmacht, der Reichsbahn und der Reichsbank zur Ent- gegennohme non Neujahrswunschen. Die Katastrophe von Duisburg (Fortsetzung von der 1. Seite.) Ferngasleitung in Duisburg nach dem modernsten und b e st e n System von der Spezialleitungsbausirma Dietrich- Magdeburg, eine der ältesten und renommiertesten Unternehmungen auf diesem Gebiet, ausgeführt worden ist. Die Schweißungen derC Ferngasröhrenleitungen wären nach dem Plöpper-Muffen-Patent ausgeführt. Die zusammenzuschweißenden Röhrenenden greisen singerartig ineinander. Sie werden dann autogen zu einem ab- solut einheitkichen Rohr verschweißt. In Duisburg lagen die Terrain- Verhältnisse relativ günstig, vor allem aus dem Grunde, weil der Lcitungsweg dort kein Bergbaugebiet passiert. Im bergbaulichen Gelände werden die Ferngasleitungen mit besonderen Sicherungen versehen, und zwar gelangen hier Dehnungsmuffen zur Derwen- dung. bei denen die Rohre weit ineinandergeschoben und mit Blei- gummidichtungen versehen sind. Bei etwaigen Bodenregungen geben die Röhren in elastischer Weise nach. Im übrigen steht das gesamte Ferngasleitungssystem der Ruhrgas A.-G. unter st ä n d i g e r 5k o n t r o l l e. Mit technisch vollkommenen Meßinstrumenten wer- den alle durch eventuelle tcptonische Vorgänge bewirkten Verände- rungen genau registriert. Anscheinend hat da» durch Platzen einer Schweißnaht au» der Ruhrgasleitung ausgeströmte Gas feinen Weg in einen städtischen Kanal gesucht. Aus diesem Grunde tonnte die Ursache des Schadens erst nach mehrstündiger Arbeit gefunden wer- den. Vollkommene Unklarheit besteht darüber, wie der Bruch der autogen geschweißten Rährennaht entstehen konnte. Offenbar i handelt es sich hier um einen jener unglücklichen Zufäll a, j die außerhalb der menschlichen Kontrolle liegen. Die autogene> Schweißarbeit bei dem Vau der Ferngasleitung wird nur durch alte, erfahrene, sorgfältig ausgesuchte Facharbeiter geleistet. Das Plöppar- Muffen-Schweißsystem gilt nach Auffassung der bekanntesten inter- nationalen Fachleute als das vollkommenst«, das man bisher ftrint, Deutschlands Wiederaufbau. Wie Parker Gilbert ihn sieht. Explosionskatastrophe in Stockholm. Ilvei Todesopfer, eine Fabrik zerstört! Stockholm, z. Januar. Eine Erpiosion ereignete sich heute früh in Gräagesberg. Lei der Aktiengesellschaft Expreß-Oynamil explodierten etwa 500 Kilogramm Dynamit, durch die da» Fabrikgebäude völlig zerstört wurde. Zwei Arbeiter wurden gelötet. Der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, legi heute seinen Jahresbericht über dos vierte Jahr seiner Tätig- kell vor. Das Schriftstück umfaßt im englischen Originaltext 188 Druckseiten, von denen 167 dem eigentlichen Bericht, der Rest statistischen Anlagen gewidmet ist. In der Einleitung wird ausgeführt, daß der Dawes-Plan in bezug auf die Reparationszahlungen und den Transfer weiier erfolgreich gewirkt hat. Deutschland Hot, wie In den Vorjahren. alle Zahlungen loyal und pünktlich erfüllt. Das Transferkomitee hat regelmäßig und lausend, ohne Störung für die deutsche Währung sein« Uebertrogungen ausführen können. Die Sachlieferungen habe« erheblich zugenommen und zugleich ließ sich die Uebertragung eines wachsendes Teiles der Annuität in fremder Währung durchführen. Im vierten Jahr« wurden Bartransfers in Höhe von rund 048 Millionen Gold- mark oder Z4 Prozent des gesamten Transfers vorgenommen. während Reichsmartübertragungen, meist für Sachlieferungen, sich auf rund 796 Millionen, also etwa 46 Prozent des Gesamttrans- fers beliefen. Die verpfändeten Einnahmen hoben sich in ihren Ertrögen weiter befriedigend entwickelt. Die Finanzlage der Reichsbahn ist stark, teilweise infolge der jüngsten Tarif- «rhöhung und teilweise wegen besierer Finanzgebarung. Di« Ent- wicklung ihrer Geschäfte bestätigt im ganzen vollkommen die An- sicht des vorigen Berichtes, wonach die Reichsbahn die volle Nor- malbelastung für den Dienst ihrer Reporationsanleih« tragen kann, vorausgesetzt, daß sie ein« vorsichtig« Finanzpolitik betreibt und das Aufsichts- und Kontrollrecht der Reichsregierung nicht in einer Weife ausgeübt wird, die der Fähigkeit der Reichsbahn zur Aufbringuirg einer vernünftigen Verzinsung des Kapitals erschwert. Da? Reichsbudget steht noch immer, so führt der Reparation?- agent weiter aus, unter dem Einfluß einer Tendenz zu übermäßigen Auegaben ond Anleihe». Die steigenden Ausgaben ergeben sich vornehmlich aus den durch- greifenden Erhöhungen der Beamtengehälter und-Pensionen, die im September 1927«ingeleitet wurden und aus den fortgesetzten Anforderungen des Finanzausgleichs mit den Lärll>ern und Gemeinden, die dem Reich automatisch den Haupt- anteil an den wachsenden Einnahmen der Einkommen- und Körper- schastssteuer entziehen. Auch die Finanzlag« des Reiches steht unter dem Druck außerordentlicher Ausgaben in früheren Iahren, die ursprünglich durch Anleihen finanziert werden sollten, aber zu einem großen Teil aus den jetzt für die lausenden Ausgaben nöti- gen Betriebsmitteln entnommen werden müsien. Die Reichs- regierung könnte, wenn sie nach einer vierjährigen Frist die geeigneten Schritte in dieser Richtung zum Schutz« ihres eigenen Budgets unternehme, hierdurch allein Hunderte von Millionen sparen, die jetzt willkürlich den Ländern und Gemeinden übertragen würden. In bezug auf die vorherrschenden Tendenzen der Budgetlage des Reiches, d!« der Länder und Gemeinden führt der Bericht aus: Die Ratwendigkell eines ausgeglichenen Budgets steht nicht in Frage und es ist kein Zweifel, daß die Borbedingungen' für ein Budgetausgleichgewicht vorhanden sind. �- t■...... Die Hoffnungslosen. Sieben Selbstmorde am Tteujahrstag. Die Zahl dersenigen, die den Freitod wählen, Ist sehr hoch. Sie ist so groß, daß die Zeitungen einer Weltstadt darauf verzichten müssen, olle diese traurigen Begebenheiten mitzuteilen. Wir geben im folgenden den offiziellen Bericht über die am Reujahrstage bekannt gewordenen Fälle, in denen Menschen es vorzogen, frei- willig die„beste aller Welten" zu verlassen. Der trockene Bericht läßt nicht ahnen, wie unendlich viel Jammer, Rot, Elend und wie viele Sorgen diese Menschen, unter denen sogar Jugendliche sind. zu ihrem verzweifelten Schritt veranlaßt haben. Gerade die hohe Zahl der freiwillig aus dem Leben Scheidenden ist eine herbe Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen unserer Zeit. Aus noch unbekannten Gründen vergiftet« sich der 26jähnge Pianopolierer Robert Seelisch in seiner Wohnung, Waßnuinnstraße 33a, durch Einatmen von Leuchtgas. In seiner Wohnung, Reiche nberger Straß« 130. wurde der 61jährige Arbeiter Hermann Lu d w i g von seinen Angehörigen»r h ä n g t aus- gefunden. Er hat die Tat wegen unheilbarer Krankheit verübt. Die 17 Jahre alte Hausangestellte Else Dahn wurde in der Wohnung ihrer Arbeitgeber, Hcrmannstraße 12, tot aufgefunden,- das junge Mädchen hatte die Gashähne geöffnet. Als Grund des Selbstmordes wird Schwermut angenommen. In seiner Wohnung, Orankestraße 22 in Hohenschönhausen, verübte der Zöjährige Arbeiter Hans Tresch Selbstmord durch Erschießen. Er hatte sich einen Schuß in die rechte Schläfe gejagt, der seinen soforiigen Tod herbeiführte. Der 2Sjährig« Arbeiter Herbert S ch ö n s« l d wurde in seiner Wohnung in der Strelitzer Straße 43 mit einer Gasvergiftung tot aufgefunden.- Ehezwistlg ketten haben ihn in den Tod getrieben. Die 16jährig« Käthe Kittel wurde gegen sechs Uhr in ihrer Wohnung. Arndtstraße 3. mit L e u ch t g as vergiftet tot aufgefunden. Der ZljShrig« Bant- beamis Alfred Laurich wurde in ssiner Wohnung, Beeren- straße 13 in Zehlendorf, erhängt aufgefunden Ein« Reihe weiterer Personen, die die Gashähne geöffnet hatten, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten, konnten durch die Feurwehr ins lieben wieder zurückgerufen werden: die 44jährige A nna T ch. aus der Heidenieldstraße wegen F a m i l i« n st r s it rgk« it e n, dl« 37jähnge Ehefrau Hedwig S ch. aus der Hermsdorfer Straß« und der 26iährige Chauffeur Wilhelm B. aus der Edifonstroße in Oberschönewerde. der wegen Liebeskummer de» Tod suchen wollte. Frau Sch. verblieb in der'ißohirunz. Hedwig Sch- wurde :» das Birchaw-Krankenhaus gebracht, und Wikhelm B. fand im Eliiab.'th-Hospital in Oberschöneweid« Ausnahme. «i Zu Gerüchten von einem Verbrechen gab ein Leichenfunt» in der Steinstraße Veranlassung. Dort betreibt ei» 42 Jahre alter Sämeidermeister Hans Drews ein« Werkstatt, an die sich sein« Die Entwicklung der Reichselnaahmen wird als eine günstige. als der ermutigendste Faktor der ganzen vier Jahr« bezeichnet, weil die große Ergiebigkeit der Steuern unbeschadet «rhebiK• Steuerermäßigungen erzielt werden tonnte. Di« prak- tische Ausgabe besteh« ober darin, die Regierungsausgaben im Rahmen der Einnahmen zu halten und es nahe der Zeitpunkt heran, wo entschiedenere Maßnahmen in dieser Richtung notwendig seien. Der Reichssinanzminister habe kürzlich im Reichs- tag die Notwendigkeit erheblicher Ausgabenbeschränkungen im konnncnden Finanzjahr betont und die Erhöhung einiger.Steuern zur Balaneierung des Budgets angeregt. Ztvcifellos gebe es noch Steuerquellen, die im Notfall erickloslen wenden könnten. Zweifellos gebe es auch Möglichkeiten erheblicher Ausgaben- beschräntungen, nicht nur seitens des Reiches, sondern im Wege einer Reform des Finanzausgleichs. Ob und in welcher Höh« Steuererhöhungen notwendig seien, werde von dcn zu treffen- den internen Maßnahmen abhängen. Aber es gebe nichts in der Budgetlag«, das nicht auf die Anwendung gesunder Budg>:kierungs- grundsäge reagier« und die Aufgabe sei im wesentlichen eine für die verantwortlichen Behörden intern zu lösende. Wie im vorigen Bericht erwähnt, könne normalerweise und im Lichte der bisherigen Erfahrungen kein Fall eintreten, wonach das Reichs- budget nicht in der Lage märe, feinen Normvlbeitrag an Repa- rationen planmäßig zu leisten. Die Aufgaben der W ä h r u n g s- stab i l i sie r u n g, die andere Hauptaufgabe des ursprünglichen Sachverständtgenplanes, ist nach den: Bericht voll erfüllt Die Reichsmarl gewährleistet weiterhin alle Anforderungen in bezug auf ihre Stabilität, wie zu allen Zeiten seit Aufstellung des Sach- verständigenplanes. t Die Goldreserven der Reichsbank sind höher als je und während des größten Teiles des abgelaufenen Jahres ist die Reichsmark eine der stärksten Währungen der Welt gewesen. Das Krsdifvolumen ist weiter gewochsen, aber der Zu- wachs sowohl aus heimischen wie aus ausländischen Quellen ge- nügt noch nicht der Nachfrag«, es sei denn zu hohen Z�i n s- sätzen. Der Bericht bezeichnet es als ermutigend, daß die«tc ge- rung der Zinssätze während des Herbstes an den hauptsächlichen fremden Märkten keine weiter« Steigerung der Zinsen in Deutschland zur Folg« hatte, daß im Gegen- teil außer wähnend der üblichen Ansorderung des Iahresschlufsts die deutschen Geldmarktnerhältnisle die Neigung zu einer gewisicn Erleichterung zeigten. Die Anforderungen langfristiger Kredite bc- hördlicher Stellen ergäben jedoch noch immer eine Ueöerbean- spruchung des Marktes und hätten es erschwert, Mittel für die rückständige Bautätigkeit und die besonderen Anforderungen der Land Wirtschaft zu beschossen. Der Außenhandel habe sich in der Richtung auf größer« Stabilttät und am einen Ausgleich entwickelt. In diesem Zusammenhang wird auf die Ber- Minderung des Defizits in der.Handelsbilanz, auf die Verminderung der Einfuhr und die Steigerung der Ausfuhr verwiesen. Die allge- meinen Wirtschaftsbedingunzen hätten sich auf einem verhältnismäßig hohen Niveau konsolidiert. Di« Ueberproduktion, die übermäßige Ausdehnung scheint gegen Ende 1928 so eingedämmt, daß eine verhältnismäßige Stabilität erreicht werde. Das V o- lumen des Konsums scheint 1928 etwa auf der beirächt- sichen Höhe des Borjahres geblieben zu sein, was der Bericht als ein eindrucksvolles Anzeichen des verbesserten Lebens- standards der deutschen V-oölkerungsmassen bezeichnet. Aber so groß der Fortschritt Deutschlands während der letzten vier Jahre gewesen sei. so schließt dieser Teil des Berichtes, könne nicht angenommen werden, daß er die Zerstörungen des Krieges oder den Produktionsaussall gutgemacht hätte, den der Krieg verschuldet habe. Diese Schwierigkeiten beständen aber mehr oder weniger für alle ehemaligen Kriegführenden und der Wiederaufbau Deutschlands bilde gemäß dem Sachverständigenbericht, nicht ein Ziel an sich, sondern einen Teil des größeren Problems eines Wiederaufbaus Europas. Seit 1924 habe Deutschlands TVlederausbau mit denjenigen Gesomteuropos � mindestens Schritt gehalten, und in der- EftttdicklUng' dieses letzteren ein« entscheidende Rolle gespielt. In seinen Schlußfolgerungen führt der Repa rationsag ent aus, daß die Tatsache, daß kein« endgültige Fest- setzung der deutschen Reparationsverpflichtungen in Betracht zu ziehen. Aber die Tatsache, daß noch immer keine endgültig« Fest- setzung der deutschen Reparationsverpflichtungen besteh«, habe im Plan« selbst ein Element der Unsicherheit belassen, das alle an den Reparationen beteiligten Länder in Mitleidenschaft ziehe und es sei in wachsendem Maße klar geworden, daß eine endgültige Regelung des Problems, die in gegenseitigem Einvernehmen erfolgen sollte, den wahren Interessen der Gläubigermächtc und Deutschlands gleichermaßen dienen werde. Wohnung anschließt. Am Silvesterabend war Frau Drews zu ihrer Mutter gegangen, während der Mann allein.zu Haufe blieb. Als die Frau am Neujährsmargen heimkehrte, fand sie keinen Einlaß, weil die Tür von innen verschlossen war. Man öffnete mit Gewalt und fand Drews in einer großen Blutlache mit dem Gesicht auf dem Fußboden tot daliegen. Eine Kugel hatte die Brust durch- bohrt und war auf dem Rücken wieder herausgetreten. Die alar- miert« Mordkommission Dr. A n u s ch a t- Q u o ß erschien alsbald und nahm den Befund auf. Es ergab sich, daß Drews, de? sehr nervös war, schon vor einiger Zeit«inen Freund gebeten hat«, ihn zu erschießen, da er des Lebens überdrüssig sei. Der Freund hatte das Ansinnen natürlich abgelehnt. Offenbar hat nun der Meister die Abwesenheit der Frau am Siloesterabend benutzt, um seinem Leben ein Ziel zu setzen. Der Gerichtsarzt Dr. Weimann, der die Leiche untersuchte, kam zti dem Ergebnis, daß es sich um einen Selbstmord handelt Ein Aeger angezündet. Viehische Lynchjustiz in ll.S A. New Park. 2. Januar. In Rom« im Staate Mississippi wurde am Reujahrstage ein Reger gelyncht, der vor 18 Jahren einen weißen ermordert hatte. Er wurde vom wob mit Petroleum Übergossen und angezündet. Der Tod trat nur langsam ein. Sieben Stunden lang halte sich der Reger vorher ln den Händen de» Mob befunden und vergeblich um Gnade gefleht. Etwa 2000 Personen sahen teilnahmslos zu.__ Silvester- achklänge. Messer u d �evrlv r. Die letzte Nacht des alten Jahres ist im großen und ganzen recht ruh g verlaufen. Äe PoKzcibcamten, die im verstärkten Maße sowohl in den Straßen als auch im Ueberwachungsverkehr ein- gesetzt waren, hatten Anweisung, größte Zurückhaltung auszuüben und nur bei schweren Ausschreitungen in Aktion zu traten. Be> sonders in den Bezirken, in welchen sich die größten Dergnugungs- u»d Gaststätten besindeir» waren überall verstärkte Patrouillen unterwegs, um bei eventuellen Ausschreitungen sofort zur Stelle zu sein. Insgesamt wurden in Berlin 228 Personen wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen, wegen Widerstandes und andere Delikt« si stiert, Bon den festgestellte« Personen sind 32 wegen besonders schwerer Vergehen dem Polizeipräsidium zugeführt worden. Leider sind auch am Silvesterabend und in den frühen Morgen- stunden des 1. Januar wieder eine ganze Reche von Messer- stechereien und Schießereien zu verzeichnen. In einem Lokal in der R ü d e r s d o r f e r Straße kam es zwischen einer Frau und einem Mädchen zu einem Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Mehrere Auwescnte wollten den Streit schlichten und begaben sich auf die Straße. Hier nahm die Auseinandersetzung jedoch noch ernstere Formen an und der 28jShrige Arbeiter Waller Pietsch aus der Friedenstr. 78 und fein um drei Jahre jüngerer Bruder wurden dabei zu Boden geschlagen. Waller P. wurde be- wußttos zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo der Arzt nur noch den Tod infolge doppelten Schädelbruches sestftelleu konnte. Wer den tödlichen Schlag geführt hat. konnte nicht er- mittell werden. Ju einer schweren Messer st echerei kam es ferner in einem Lokal in der Britzer Straße. Dort war ein 15jähriger Arbeiter Josef T. aus der Schönleinstraße mit dem Wirt in Streit geraten. Der junge Mensch, der stark angetrunken war. zog«in Messer und stach auf den Wirt ein. Er brachte ihm einen schweren Halsstich bei, der die Schlagader traf. Ein anderer Gast, der dem Wirt zu Hilfe eilte erhielt von dem Wüterich mehrere Messerstiche in den Oberarm. Der Täter versuchte dann zu fkv t:n. Mehrer« Passanten nahmen seine Verfolgung aus. Aus der Koti- buser Brücke stach der Amokläufer aus einen seiner Beitatge ein. der«inen tiefen Brust st ich davontrug. Der Messerstecher eilte dann in ein Haus m der Boeckhstmße hinein, wo«r sich auf dam Boden versteckt«. Hier konnte er einige Zeit später von dem benachrichtigten Ueberfalltommando festgenommen werden. Die Der- letzten wurden in da» Urbankrantenhaus gebracht, wo der Gast- wirt lebensgefährlich daniederliegt. In der Maximilian- straße in Pankow wurden drei Personen, der 2l)jahrige Arbeiter Waller Mattisat, der löjährig« Lehrsing Hossmann aus Eberswald« und der iSjährige Öptfer Werner Schüler aus der Maximilian- straße 45 von einem Unbekannten durch Revolver schüsse verletzt. Während Mattssat schwer verletzt ms Krankenhaus Gebracht werde» mußte, konnten die anderen nach Anlegung von Notverbänden in ihr« Wohnung entlassen werden. Vor feinem Wohn- Haufe, Müncheberger Sir. 12, wurde der Zssfährige Bahnarbeite? Ernst Schulz von einem unbekannten Mann« ohne jeden Grund angeschossen. Schwerverletzt mußt« er i« dos Kronkenhaus am Friedrichshain gebracht werden.— Außerdem kam es in der Hasenheid«, in der Friedrichstraße in Schöneberg und in Pankow zu Schlägereien, bei denen es mehrere Berletzte gab, die dl« Hilfe der Rettungsstellen in Anspruch nehmen mußten. Hugenbergs„Heilige Allianz". Eme Siivesteridee— Austausch von Makulatur. Die verspießte Llnterwelt. Von Hans Bauer. Die schweren Tumulte, die in der Nacht zu Silvester im Berliner Osten stattfanden, hoben mancherlei Einblicke in die Denkungsart der großstädtischen Berufsverbrecher gewährt. Es ist uns vergönnt gewesen, sie sozusagen einmal von ihrer menschlichen Seite zu Gesicht zu bekommen. Der Arbeitstag(in der Regel freilich die Arbeitsnacht) der Herren Verbrecher geht mit der unbe- rechneten Oeffnung von Geldschränken, mit Anstandsvisiten in Lodenräumen, mit Renkontres auf einsamen Straßen und ähnlichen Unerlaubthesten hin. Das ist alles klar, und wir waren darüber durchaus immer im Bilde. Aber niemand besteht ausschließlich aus seinem Beruf: der Bäcker backt nur acht Stunden am Tag/ der Kaufmann schließt um sieben das Geschäft, sogar die Feldwebel des alten Heeres hatten Stunden, zu denen sie Menschen sein wollten. Was treiben die Berufsoerbrecher nach Feierabend? Welchen Anschauungen neigen sie im Privaten zu? Wie spielt sich ihr Gruppenleben ab? Angenommen, der Verbrecher als Gesamterscheinung, als asoziales, arbeitsfeindliches Element bekäme im Staat die Oberhand, so wäre natürlich die Folge Anarchie.. Aber lassen wir einmal das Berhältnis von Unterwelt zu Oberwelt beiseite, betrachten wir das Verhältnis Unterwelt zu Unterwelt: Wie sähe die Welt aus, wenn die in der Unterwelt im Verkehr untereinander beachteten Regeln und Denkschablonen AllgemeingiUtigkest erlangten? Das ist rasch gesagt: Sie sähe so aus, wie sie heute tatsächlich aussieht, bloß noch einige Stich« qualliger, undämonischer, spießiger. Die Vereine der Verbrecher führen Namen wie diese: Immer treu, Felsenfest, Deutsche Kraft. Aehnliche Bezeichnungen führen auch Verein« der Oberwelt, aber nur die unrebellischsten und zahmsten: MUstär- oerein«, Kegelklubs, Skotpartien... Di« Verbrecher veranstalten Bälle, auf denen auf Form gehalten wird und auf denen sie im Frack und mit Zylinder erscheinen, sie unterstützen sich wirtschaftlich, sie bekennen sich zu der Meinung, daß nicht jedem alles erlaubt ist, und haben ein Gericht statuiert. Sie schätzen, gleich den alten Germanen, die Treue(die durchaus auch für sie das Mark- der Ehre ist), und als schändlichste Gemeinheit gilt ihnen dos Ver pfeifen, ins Obsrweltliche übersetzt also: der Verrat. Die Unterwelt mag die Oberwelt nicht leiden, aber ihr« moralischen und tatsächlichen Hllfsmittel zur Aufrechterhaltung interner Ordnung benutzt sie gern. Wie treulich ist dem ödesten Spießbürger die Aufmachung des Gruppenlebens abgeguckt. Sogar eine Kollektivehre haben sie. Wenn stuck, jur. Rülps vom Corps Affia«in unerbietiges Wort über stuck, weck. Müller vom Corps Ochsia verlauten läßt, dann fühlt sich dessen ganze Mannschaft in ihren helligsten Gefühlen getränkt, und nur mit dem Schläger kann die Schande gesühnt werden. Das gilt uns als reichlich altmodisch, aber nicht so den Herren von d« Unterwelt. Zwei Hamburger Zimmerleute rempeln abends einmal ein Mitglied vom Klub Immer treu an. Da ist sofort der ganze Verein beleidigt, und in flatternden Frockschötzcn und mit wackelnden Zyltnderhüten sause» sie herbei und fordern von allen Hamburger Zinnnerleuten schlechthin flammend ihre blutige Genugtuung. Spießer... Spießer..-. Langwellige Brüder mit haushohen Minderwertigkeitskomplexen, die im. Innersten in tiefster Ehrfurcht vor dem Besitzbürger ersterben, die ihm aufs Räuspern und Spucken blicken, die, bei schwieriger Knackarbest von plötzlichem Schlaf übermannt, von dem Nerbrecherhandwerk als einer gesetzlich geregelten und mit dem Attribut ehrbar ausgezeichneten Betätigung träumen Ehrenjungfrauen bewillkommnen den Meisterräubcr und der Rekordhäftling wird mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt in den Grafenstand erhoben Den Gestrauchelten und Abgeglittenen soll unsere menschliche Teilnahme niemals verwehrt fein, aber an jenem vereinsmeierijchen Berufsverbrechertum mit Statuten und Festbällen interessieren menschlich nur die in einer zweiten Potenz Asozialen, die zu frivolen Rechtsverbrechern an der heiligen Ordnung der Rechtsbrech.-r werden. Im Banne der Slloefterbowl« lösen sich die schwierigsten Prm Werne. So ist auch einem Hugenberg-Redakteur, der von der ..Schrnarzen Reichswehr" zum„Tag" hinübergewechselt(oder herab- gesunken?) ist, am Jahresschluß Hell widerfahren. Bor seinem punschumnebelten Hirn hat das Ei des Kolumbus sozusagen selbst- : iiiig Männchen gemacht. Der Herr hat sich folgendes ausgedacht: „Worin besieht das Uebel der Zeit?" Antwort:„In dem volks- zerstörenden Liberalismus und Marxismus."(Für einen ehemaligen Frsikorpsleutnant ist beides etwa dasselbe, es kommt nicht so genau drauf an.) Weitere Frage:„Wodurch werden Marxis- MUS, Sozialismus, Pazifismus usw. uns gefährlich?" Antwort: ..Weil sie international orientiert sind."— Letzt« Frage:„Wie schützen wir uns dagegen?" Antwort:„Indem der Nationalismus sich auch— international organisiert." Womit das Ei des Kolumbus geknackt ist. Ganz neu ist diese Lösung allerdings nicht. Metternich seligen Angedenkens hat sie schon 1814 mit seiner Helligen Allianz dem„Tag" weggeschnappt. War diese Allianz geschlossen zwischen den, Zaren von Rußland, dem Kaiser von Oesterreich und dem König von Preußen, so kann der Hugenbergsche„Tag" zu 1SZ9 mit eine- ganz anderen Internationale aufwarten: mit Mussolini, mit P r i m o de Rivera, also mit zwei ausgewachsenen Dikta- toren. sowie mit zwei Diktatoren im Embryonalzustand: mit dem Stahlhelm-Seldte und dem Dr. Steidle von den österreichi- schen Heimwehren. Diese vier Genien orakeln aus Anfrage im „Taa" darüber, wie eine Internationale der Eroberungspolitiker und Kriegslüsternen auszusehen habe.(Musiolini hat sich allerdings auf ein Sätzchen zu sechs Worten beschränkt, das der„Tag" oben- drein falsch übersetzt.) In einem Punkt sind sich die Herren Dikta- turpolitiker einig: daß der„Umsturz" international unterdrückt werden müsse. Aber diese Weisheit stammt offen- bar nicht von ihnen, sondern vom alten Metternich und klingt nach 115 Iahren etwas abgestanden. Wie man aber sonst die Interessen von Regierungen, deren jede ihr eigenes Land auf Kosten der Nach- barstaaten vergrößern möchte, international verbindet, darüber schweigen die höflichen Sänger. Oder nein! Außer den vier Genannten hat der„Tag" nämlich noch einen konservativen Holländer, den Minister a. D. S ch n k k i n g, und einen konservativen Schweden, den General Akermann. um ihre Ansicht gefragt. Und die klingt trüb«. Herr Akcrmann meint, die konservativen Parteien der verschiedenen Länder könnten vielleicht... ihre Literatur miteinander austauschen, aber auch das sei im Grunde überflüssig, da die Presse schon dos Wesenlliche mitteile. Den Vortell eines weiteren Zusammengehens hält Herr Akermann für„sehr z w e i f e l h a s t". Herr Schokking begrüßt zwar eine internationale konservative An- näherling, meint aber, daß„dadurch die Schwierigkeiten einer näheren Fühlungnahme erst recht ins Licht treten würden". Womit Hugenbergs„Heilige Allianz" in Holland und Schweden geschestert ist. Er muß sich mit dem Triumph begnügen, Musiolini, Primo, Steidle und SelÄe zusammengebracht zu haben— und auch die nur auf dem geduldigen Papier einer Neujahrsnummer. Was bedeuiet das? Eine erfchröckliche Neujahrsgratulation. .Lzndenburg, Reichswehnninister Groener, der Chef der Heeresleitung, Heye, und der Admiral R a e d e r haben an das „Heer der deutschen Republik" Neujahrserlass« geschickt. Hinden- bürg entbietet der Reichswehr und Marine seine.herzlichsten Wünsche und Grüße". Er lobt die„guten Leistungen" der R e i ch s- wehr im Jahre 1928. Er lobt ihre„ernste und verantwortungs- volle Arbeit". Hindenbukg schließt mit den Worten: JSdt habe die feste Zuversicht, daß die Reichswehr auch im neuen Zahr ihre Schuldigkeil tun wird. ver Reichspräsident, gez.«. Hindeuburg." Was bedeutet das? Bleutet das den Krieg? Bedeutet das. daß auf Arbeiter geschossen werdsn soll?"--- So fragt angstbebend die„Rote Fahne" Psychopathen und Neu- rastheniker haben bekanntlich keine guten Nerven. Oer Giegeszug des Wmiers. Schnee in Italien, Kältewelle»n Marokko. Breslau. 2. Januar. Seit über 24 Stunden sind über Breslau und den größten Tell Niederschlesiens ungeheure Schneemassen niedergegangen. Der Schnee liegt in den Straßen Breslaus etwa zehn Zentimeter hoch Rom. 2. Januar. In Mittelitalien regnet es seit zwei Tagen unablässig, während in Norditalien Schnee gefallen Ist. Heber Pisa ging Montag ein außerordentlich heftiges Gewitter nieder, bei dem große Hagelkörner sielen und unzählige Fenster zertrümmert wurden. Die Dichte der Hagelkörner, die den Boden bedeckten, erreicht« eine Höhe von mehr als zehn Zentimeter. Während des Gewitters, dos zwei Stunden dauerte, war auch der Straßenverkehr teilweise unterbrochen, da die elektrische Zentrale durch einen Blitzschlag beschädigt wurde. Auch in den Lagerraum«ner Fabrik schlug der Blitz ein und brachte das Dach zum Einsturz- Paris. 2. Januar. Einer Meldung aus Tetuan zufolge herrscht gegenwärtig auf de» Hölze» tn Tetuan eine Kältewelle. Einig« Bäche sind zugefroren, was in Marokko äußerst selten ist. Man meldet ferner mehrere Fälle von Erfrierung unter den Eingeborenen. Die Truppen leiden gleichsalls sehr unter der Kälte. Zahlreiche Romadenstömme steigen zur Ebene nieder. Paris. 2. Januar. Seit Dinnerstag herrscht an der französischen Kanalküste ein heftiger Sturm, begleitet von Gewitter und Hagelschlägen. In Cherbourg haben zahlreich« Schiff» Zuflucht gesucht. In Nantes wurde ein fünf Meter hoher Schornstein vom Sturm umgerisien und stürzte aus ein sechsstöckiges Wohnhaus, besten oberste, Stock- werk durch die niedergehenden Steinmasten zertrümmert wurde. Wie durch ein Wunder sind Menschen nicht zu Schaden gekommen. Auch von der Mittelmeertüste werden Stürme und Regen- güss« gemeldet. Die Schiffahrt von Toulo» ist außerordentlich erschwert. Aus dem Innern Frankreichs llsgen Meidimgen über Hochwastergefahr vor. Besonders die Marne und die A i s n e steigen in beunruhigenden: Maße. Män rechnet ollerdlngz mit «wem Nachlast«: der Hochwassergefahr, weil seit gestern scharfer Frost eingetreten ist. Der Frost hat bereits einige Opfer— bisher wurden drei Todesopfer gemeldet— gefordert. Silvester und Neujahr. Beethovens Neunte in der Volksbühne. Ein Ereignis, das, an der Schwelle des neuen Jahres, als Signal der proletarischen Musikrevolution in die Zukuuft. leuchtet— so ist hier vor einem Jahre die Silvesteraufsührung der neunten Symphonie in der Volksbühne genannt worden. Sie schreitet un- aufhaltsam fort, die soziale Musikrevolution, die Besitzergreifung der Musik durch das Proletariat. Das Arbeitersängerfest in Hannover und in allerletzter Zeit das Preisausschreiben des Sozialistischen Kulwrbundes für Arbeitermusik(mit dem Echo von Mißbehagen und Gereiztheit, das es m der bürgerlichen Fachpresse auslöste), das waren die weiteren Etappen des Jahres: iencs ein grandioser Akt der Sammlung und Zusammenfassung, dieses ein Ausruf zur künstle- rischen Aktivität, eine ermutigende Kundgebung des Selbstvertrauens. Beethovens Neunte in der Silvesternacht, Schillers Hymnus An die Freude, während es„Prosit Neujahr" durch die nächtlichen Straßen johlt, solch« Freudenfeier, solche Sllvesterfeier wäre un- oorstellbar in der West des großstädtischen Bürgertums.„Dies Geschlecht kann sich nicht anders freuen als �ei �sch/�jagt Schillers Wallenstein.„Dies Geschlecht"— war da, ist da, heute wie damals. Ihre Freude? Schöner Götterfunke!- Sie freuen sich nicht, sie amüsieren sich. Sa war es zu Weihnachten: so ist es, gesteigert, zu- sammengedrängt um die letzte Mitternachtsstundc des Jahres. Werk, Ort und Stunde wirken zusammen, schaffen die Be- dingungen einer in jedem Sinn außerordentlichen Darbietung. Das Philharmonische Orchester ist aufgeboten, der Volkschor, vereint mit dem Gemischten Chor Groß-Berlin, dazu ein Solistcnquartett, das die fast unlösbaren Schwierigkcsten der Aufgabe mit sellener Musikalität besteht.— Lotte Leonard, Paula Lindberg, Fritz Soot, Hermann Schey— eine wahrhast außerordentliche Ausführung: nicht zuletzt ist sie es durch Fritz Stiedry geworden, den wir allzu selten, doch diesmal mit um so größerer Freude am Pult des Konzertdirigenten begrüßen. Aii>a in der Lindenoper. Zu Weihnachten hat die Staatsoper Unter den Linden Verdis. „Aida" m neuer Einstüdierung herausgebracht. Die Wiederholung am Neujahrsabend weist eine große Sängerleistung auf: den Amonasro Herbert Ianssens. Aber alle andern— ist es„erste" oder„zweite" Besetzung? Es gehl uns. es geht den Besucher der Borstellung nichts an; doch festzustellen ist, daß kaum eine Hauptrolle besetzt ist, wie es zu wünschen und also zu fordern wäre. Fritz Soot als Radames:«r schafft es mit der Intelligenz und dem bedeutenden Können, die oll seinen Darbietungen gelingen und Niveau sichern: es ist nicht seine Schuld, daß für Rollen dieser Art die Staatsoper fest Iahren keinen geeigneten Vertreter hat. Aida und Amneris: beiden Frauengestallen, auf die es vor allem ankommt, fehlt alles Ueber- zeugende. Mitreißende, fehlt es auch stimmlich und gesanglich. Die Aufführung, nicht einwandfrei im Szenischen, steht unter der Leitung Leo Blechs: die Höhe, in die er uns zu führen vermag, wird nur andeuwngsweise erreicht. Aber Verdi tut trotzdem seine Wirkung. Xleus Lringsbeim. Silvester in der Volksbühne. Die brave Wiener Biedermeierei. N e st r o y s„M ä d l aus der Vorstadt", die süße nach Liebesglück schmachtend« Nacht- Haubenstickerin Thekla, erhält ihren blonden, süßen Herrn von Gigl. Herrn Schnoferl, der Agent und Coupletsänger für alle Herzlichkeit. trällert seinen Segen dazu. Herr Kautz, ein Spekulant, der seinem lieben Nebenmenschen die Gulden aus der Tasche stehlen will, erhält nicht zehn Jahr« Zuchthaus, aber einen tüchtigen Denkzettel. Frau von Erbsenstew, seine hochgeschwellte Nichte, muß zwar den süßesten Herrn von Gigl entbehren. Dafür sinkt ihr Schnoferl, unser Lieb- ling, der Hansdampf in allen Gassen, seligst an die üppige Brust. All dieser Wiener Schwindel, all dieser Wiener Schmelz, all diese Haugbackenheit, Blödheit und sentimentale Köstlichkeit Ziestryys wurde am Silvester der Volksbühne gespendet. Jürgen Fehling war der Zeremonienmeister, er war ausgeborgt, denn die Volksbühne hat keinen eigenen Regisseur und auch keinen eigenen Stil mehr. Es spielten am Silvesterabend, obwohl die Grippe ver- Heerend über die Bühne ging, mit allermutigstem Feuer, mit aller- lustigster Laune, weder durch Formalm noch durch Dialettängste beeinträchtigt, ihren Nestroy Leo Reuß als zentnerschwerer Gchür«njäger und Spekulant, Agnes Straub als herrlich- knallige Wittib. Richard Dusch insky als- säuselnder Liebhaber und Melancholiker. Jose Almas als Allerweltskerl, als richtiger Siloesterheiliger. M- H- Bernard Shaw auf deutsch. Theater in der Königgräher Straße. Der Titel der Komödie von Wilhelm Speyer heißt genauer gesagt ein bißchen umständlich„M itderLiebeRugb» spielen". Ein Konversationsstück mit ebenso viel umständlichem Gerede, das mächtig noch Bernard Shaw hinüberschielt. Liebe, Ehe und Treue nimmt der Autor unter eine.nach seiner Meinung kolossal scharfe Lupe. Manches geistvolle Wort schwirrt von einem Partner zum anderen. Die armen Schauspieler gucken etwas ver- stört ins Parkett und wundern sich, wieso der Witz wieder einmal nicht eingeschlagen hat. Da ist ein Ehemann, der. seiner Frau aus purer Liebe alle möglichen Freiheiten gestattet und dadurch alle Hände voll zu tun hat. vor Eifersucht nicht zu explodieren. Ganz reizend läßt Paul Otto die seelischen Explosionen lautlos in fein Inneres verpuffen, während seine Gattin Maria Bord vom ersten bis zum endlich erfolgten dritten Akt ungeheuer mondain zu sein hat. Mit diesem Grad von Mondainität schlägt der Verfasser jede Konkurrenz. Dang, spukt, m dem Stück noch«in junger Dichter, herum, der'Mer eilte'massive Frechheit veifügt und seine uiwer schämten AÄlßerungen mit tewustderns werter Anbekömmerrheit an den' Mann bringt. Da diesen hemmungslosen Dichter der stets charmante Georg Alexander spielt, so bekomm«:: die Flege- leien einen Schinnner von Grazie und Shaw-Aehnlichkeit. Das ist allerdings ein« reitst äußerliche Aehnlichkeit. Denn bei Speyer sehen die Charakterzeichnung verschwommen und unsertig und der Gedankengang erklügelt aus. Die Vorstellung rettet sich über den Abend nur durch die gute Laune der Darsteller und die Siloester- stinnnung des Publikums. Dgr. Hoppla— Vaier siehi�s je nicht. Marmorhaus. Laura La Plante ist kein schauspielerisches Genie, das den Film als Kunstform weitertreibt, aber sie ist ein wirklich liebens- wübdiges Talent, dem es bisher gelang, jeden Film genießbar zu machen. Diesmal sagt der Filmtitel— jeder Enttäuschung vorbeugend— klar und deutlich, daß es sich um allerleichteste Unterhaltungsware handell. Es wird mal wieder(zum wievielsten Male mag es nun eigentlich sein?) die Geschichte von dem kleinen braven Ladenmädel erzählt, das sich den Millionärssohn angell. Aber das Mädel weiß es nicht einmal, daß es den Sohn des mächtigen Warenhausbesitzers zum Liebsten hat, denkt es doch, er ist Chauffeur. Und so gibt es tausend Ueberraschungen, für die Hauptaktourin, für den Chef des Hauses, den das von ihm selbst alarmierte Uebersallkommando oer- haftet, für den Sohn des Hauses und desgleichen für die Zuschauer. Gladys Johnsons Manuskript verrät ein, ganz hervor- ragendes Berstehen für die Vorzüge Laura La Plantes. Wenn sie nämlich die ganze menschliche Gefühlsskola in raschestem Wechsel durchlebt, dann ist die Darstellerin entzückend und verschafft sich durch ihre schauspielerische Leistung Achtung. Dabei wirkt die blonde Laura, ob sie staunt oder sich erschrickt, ob sie lächell, lacht oder weint, nie raffiniert. Der Regisseur William Beaudine hat Schliff. Seine Arbeit ist künstlerisch nicht ohne Bedeutung, formt er doch ganz alltägliche Erlebnisse zu einzigarten Bildern. C h a r- le s D e l � n e y, der Liebhaber, ist ein wenig trottelhaft, ein wenig pfiffig, und recht gutmütig, es ist glaubhaft, daß die berühmte Liebe auf den ersten Blick Einfluß über ihn gewinnt. George Pearce ist fein als Warenhausbesitzor, und Arthur Hoyt ist ein Ab teilungschef, wie er wohl leider oft im Leben vorkommt.- e. b. Di« Oper der Millionäre. Räch den Berichten New Yorker Blätter soll der jünger« Rockefeller von der Columbia-Universität für eine Sumn« von mehr als 80 Millionen Dollar die drei großen Häuserblocks getauft haben, die die S. und 6. Avenue mit der 48. und 5l. Straße in New Vork verbinden. Die Wohnungen und Läden, die sich hier befinden, sollen verschwinden, um einem Riesenbau Platz zu machen, aus dem die neue Metropolüan-Oper an der 5. Avenue zwischen der 49. und 59. Straße entstehen soll. Die Pläne für das neue Opernhaus sehen auch«inen Platz vor. auf dem mehr als 1999 Kraftwagen untergebracht werden tonnen. Der«rm i>«s hl. Alb«». Wie„Expr-g Poranny" meldet, bat, de.' Vrima» von Polen. Kardinal HIond, während iein-s Au, ntbalts i» Rom die Erlaubnis d«S PaykleS erhalten, den Arm deS Hb Albert wieder nach Kneien»u überführen. Die R-ssauie war im Jahre 1900 von Kaiser Ltto Iii aus dem Gneseuer Dom nach Rom gebracht worden. Eine NeujahrsÜberraschung! OPEL Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß das deutsche Wirtschaftsleben im kommenden Jahre eine starke Belebung erfahren wird. Die wichtigste Voraussetzung hierzu ist jedoch die weitere eindringliche Motorisierung des Verkehrs. In Deutschland hat sich kein Gebrauchsfahrzeug geeigneter gezeigt als der OPEL 4 PS. Er ist der Wagen, der am billigsten in der Anschaffung, am sparsamsten in der Haltung ist. 100000 Besitzer aller Volksschichten sind bereits seine begeisterten Anhänger. Viele Millionen Kilometer werden täglich auf ihm zurückgelegt. Er ist Deutschlands volkstümlichster Wagen, der beste Kleinwagen der Welt. Ihn noch weiferen Kreisen zugänglich zu machen, hat OPEL beschlossen, eine beträchtliche Senkung der Preise vorzunehmen. ADAM OPEL RUSSELSHEIM AM MAIN senkt die Preise. OPEL 4 PS kostet ab heute: ZWEISITZER... VIERSITZER........ Pir 2300 RM 2800 RM LIMOUSINE Preise ab Werk 3200 RM 500-600 RM Anzahlung Rest in langfristigen bequemen Raten. Von vielen Neuerungen und Verbesserungen sind hervorzuheben: Steigerung der Motorkraft auf 20 PS, reichere Ausstattung der Karosserie, die nach einem neuen Herstellungsverfahren verfertigte bequeme Polste rung, die schönen unbegrenzt haltbaren Farben. Juventur. Argsverkauf Beginn 2. Januar Kauthaus Leyser Leyser Kaufhaus Leyser ARK Diesmal wird's etwas ganz besonderes! Der erste Inventur Ausverkauf nach der gewaltigen Vergrö Berung unseres Geschäfts AlleWaren sind rücksichtslo herabgesetzt und daher unglaublich billig Sobillig werden Sie so bald nicht wiederkaufen können Kaufhaus eyser Wienerstr.64-65 am Görlitzer Bhf. f. Geita&e Mittwoch, 2 Januar 1929 SivAbnid SkäJauXfaS« Ak Schicksal einer Mutter. Was die Akten erzählen. £xii Schwurgericht in Greifcwold verurteilt« die 28 Jahre alte polnische Schnitterin Josefa Masur, die feit 1914 m Deutschland lebt, wegen Kindeemordes zu 10 Jahren Zuchthaue... Die unmenschliche Mutter zertrümmerte ihrem Siebenjährigen mit einem Stein die Schädeldecke, erwürgte den zweiten ftnaben und warf die Leiche in einen Fluß. Die Schnitterin will Sie Tat begangen haben, weil sie wegen der Kinder kein« Stellung finden konnte/ Zeitungsnotiz. Das Schicksal der polnischen Schnitterin Josesa Masur will er- zählt sein. E» ist nicht blast Ihr Schicksal: es ist das vieler taufender Leidensgenossinnen in Deutschland.. Seit 1914 lebt« die Schnitterin Josefa in Deutschland.— Nirgend hatte st« ein richtiges Heim. Vier Kinder nannte sie ihr eigen: Johann acht Jahr« all. Viktor sieben. Maria fünf und Wladistaw sechs Monate. Trotz schwerer Arbeit sorgte st«. für die Kleinen so gut sie konnte. Di« Väter, die sie in die Well gesetzt, Schnitter gleich ihr, waren längst«ett weg. Seit 1924 orbettete sie auf dem Gut« Keffelbrinck, Kreis Grimmen. Sie lebt« mit dem Schnitter Fisch und erwartete von ihm ein Kind. Das fünfte. Fisch war ein tüchtiger Arbeiter: er hatte die Kinder gern, als wären st« seine eigenen und wollt« Josefa auch heiraten. Nichts deutete auf Unheil. Usder Nacht war es da... Am 1. Dezember 1927 kündigt« plötzlich der Vorschnitter dem Fisch und der Ios«fa Masur— well s i« schwanger war. W a soll aber eine Schnitterin im Dezember Arbeit finden? Kurz vor Weihnachtenl Mit vier Kindern. Ein fünftes unter dem Herzen. Fisch und Josefa sahen sich nach einer neuen Stellung um. Ohne Erfolg. Dann fanden sie etwas. In Hohenfeld. Anker einer Bedingung: nicht mehr als ein Kind durfte Josefa bei sich haben. Und hatte doch ihrer vier. Wohin mit den Kindern? Josefa Masur fuhr mtt Johann und Viktor nach Rostock. Im katholischeu Pfarramt wurde ihr Bescheid: Das Kinder- heim sei überfüllt. Man riet ihr, es in Grimmen zu versuchen. Sie ging nach Grimmen. Da gab es überhaupt kein Heim. Sie wandte sich nach Stralsund— das war am 10. Dezember. Nach dem Gottes- dienst« suchte sie den katholischen Pfarrer auf. Nichts zu machen. Alle» besetzt. Auch im Waisenhaus wurde sie abgewiesen. Zer- schlagen und zermürbt kehrte Josefa noch Kesfenbrinck zurück. Was nun? Noch«inen letzten Versuch beim Lorschnitter? Sie tat es— um der Kinder willen. Die Antwort war: v« r l ä h t du am 15. nicht da» Gut. so wirst du nach Polen zurücktransportiertl Räch Polen zurück?! Sie, die feit 1914 in Deutschland lebt, die hier ihre besten Kräfte gelassen, vier Kinder zur Well gebracht, in Polen keine verwandt« Seele hat? Unmöglich! Was soll sie tun? In der Nacht vom 11. zum 12. schloß Josefa kein Auge. Sie grübelte und grübell« und fand keinen Ausweg. Um 4 Uhr morgens— es war stockfinstere Nacht— erhob sie sich von ihrem Lager, zog Bittor und Johann ihre besten Monchesteranzüge an. Noch einmal wollte sie nach Rostock in» Pfarramt: sie konnte nicht glauben, daß es keine Hilfe für sie gäbe. Doch je weiter sie in den dunklen Morgen hineinschrttr. an jeder Hand«inen Jungen, um so unsicherer wurde sie. Der Hossnungsstrohl erlosch, der Weg nach Rostock schien lang und aussichtslos. Und plötzlich durchzuckt« st« der Gedanke— er mochte sie vielleicht schon früher irgendwie blitz- artig gestreift haben— jetzt wurde er zum Entschluß: vi« beiden Kinder beseitigeut Wären sie Seiner, sie hätte sie ausgesetzt. Aber sie waren groß genug, um den Weg zu ihr zurückzufinden. Gab es kein« Stellung m i t ihnen, so mußte sie nach Hohenfeld o h n e sie. Es gab keinen Ausweg!... Josefa Masur ließ den siebenjährigen Bittor am Feldweg« niedersitzen und ging mit dem achtjährigen Johann ins Gestrüpp zum Bruch. Hier nahm sie«inen faustgroßen spitzen Stein und schlug dem Knaben mit voller Wucht gegen die Schläfe. Ein kläglicher Ausschrei, ein Sturz zu Boden, ein Zucken des kleinen Körpers, noch einige Schläge, erneutes Aufzucken— und alles, war still.. Auf dem Feldwege saß weinend der klein« Vittor: er fragte die Mutter noch Johann. Ja, wo ist Johann?! War sie nicht Mutter? Hatte sie nicht auch Viktor töten wollen? Den kleinen, weinenden, vor Kalle zitternden Viktor. Nein, nein, sie konnte es nicht. Sie faßte den Jungen bei der Hand und führte ihn den Weg nach Kesfenbrinck zurück. Dann kam ihr zu Bewußtsein: unmöglich bloß mit einem Jungen zurückzukehren. Würde er nicht erzählen, wie sie mtt Johann ins Gestrüpp gegangen? Sie führt« den Jungen zur Trebel, erwürgt« ihn und warf ihn ins Wasser. Um Z48 Uhr war Josefa wieder in Kesfenbrinck. Auf ihrem rechten Arm trug sie zwei zerrissene Jäckchen der Kinder. Wo sie die Kinder gelasien habe? Ach, sie war gerade dabei, nach Rostock zu fahren, als sie auf dem Bahnhof den Landjägermeister traf und dieser ihr«inen Bauern zeigte, der bereit war, dl« Kinder bei sich aufzunehmen. Seinen Namen kenne sie nicht, auch nicht die Adresie. Fisch meinte: schade, daß wir die Jungen nicht haben be- hallen können. Wenn es uns bester geht, wollen wir sie wieder holen. Am 15. Dezember verließen Josefa Masur und Fisch da» Gut Kesfenbrinck. Den Säugling brachten sie ins Krankenhaus. Das Verschwinden der Kinder hatte auf dem Gut doch einen gewisten Verdacht erregt. Der Oberlandjägermeister forschte nach ihrem Verbleib. Der Bauer blieb aber unauffindbar. Der Land- jägermeister, auf den Josefa sich berufen hatte, wußte von nichts. Man suchte nach der Schnitterin. Bloß im Säuglingsheim fand man ihr kleine», da» au» der Klinik dahinyegeben worden war. weil die Mutter«» nicht geholt hatte. Man veröffentlicht im Kreisblatt einen Steckbrief, erließ Haftbefehl. Am 1. März wurde die hoch schwangere Josefa verhaftet. Am 25. März fand ein Knecht in der Nähe de» Deysels- bruchs Mütze und Schürze: nicht weit entfernt eine bereits verweste Kindesleiche. Am 30. März fischte ein Fischer au» der Trebel«in« zweite Kindesleiche heraus. Es war der klein« Viktor. Nun legte Josefa Masur ein umfassendes Geständnis ab. Im Mai gebar sie das Kind, um dessen willen ihr in K«ffel- brinck gekündigt worden war. Im Juni stand si« vor dem Greif»- walder Landgericht. Die Anklage lautete auf M o r d. Der Staatsanwall beantragte zweimal Todesstrafe. Dos Gericht verurteilt« Josefa Masur wegen Totschlags zu 10 Jahren Zuchthaus. In der Begründung hieß es u. a., die Angeklagt«, der in der Hauptsache wegen ihres Schwangerseins gekündigt worden war, hat aus Verzweiflung gehandell: sie war«ine gut« Mutter und hat für d i e Kinder gesorgt: d«ss«n ungeachtet haben ihr mildernde Umstände oer« sagt werden müsten.. Das Zwstizministerium hat die zehnjährige Zuchthausstrafe in «in« Gefängnisstraf« von acht Jahren umgewandell... Dies das Schicksal der Josefa Masur. Der ganz« Jammer de» Schnltterdosein» wird hier offenbar. Saisonarbetterinnen. von Ort zu Ort gehetzt, die im Sommer nicht wissen, wo sie im Winter mit ihren Kindern— in der Regel unehelichen— Unterkunft, noch im Winter, wo sie im Sommer Arbeit finden werden. Dumpfe und stumpfe Wesen, mtt gesunden Instinkten und kräftigen Armen, werden sie als billige» „Arbeitsvieh" von den Gutsherren gewöhnlich zu zweien— Männlein und Weiblein— zusammengekoppell in Stellung ge- nommen. An wen soll sich«ine polnische Schnitterin hallen, wenn nicht an den Schnitter? Was misten sie von Empfängnisverhütungsmitteln? Höchstens, daß si« im Augenblick der Not in die Hände weiser Frauen fallen oder im Augenblick der Geburt aus Verzweiflung das Neugeborene töten oder Engel- mocherinnen zu langsamem Sterben ausliefern. Josefa Masur tat weder das eine noch das andere noch da» dritte. Sie war Mutter und wurde daher zur Mörderin... Leo Roscnthal. Die Krinoline. Eine soziologische Plauderei. Der Tyrannei der Mode sich unterwerfen, dos bedeutet für viele schon«in Eingeständnis der Schwache, Eitelkeit und Oberflöch- lichkeit. Wie wett indes«in« solch« Aufsastungsweise entfernt ist, dem Wesen der Mode wie der menschlichen Natur gerecht zu wer? den da» zeigt un» in launiger und überaus sestellrder Weis« da» ,m Verlage von Paul Aretz. Dresden, erschienen« Buch Friedrich Wendel»?„Die Mode in der Karikatur"(dem auch die beiden Bilder entnommen sind), und da» un» in Wort und Dild sd«r rtch- tiger im Zerrbild, drastisch vor Augen führt, wie über hie Jahr- hunderte hinweg die Modetorheit das einzig Beständig« blieb in der Modeerfcheinungen Flucht. Geboren aus dem Kampf zweier Gegensätze----- dem Hang zur sozialen Unlformität auf der einen, dem mächtigen Drang auf der anderen Seite, sich individuell auszuleben—, das bildet einen un- erschöpfl'.chen Stoff für die Komik. Dies« Komik, dies««Karikatur in der Mode" aufzuzeigen, ist der Hauptzweck de« amüsanten Buche«- An vielen Stellen aller- ding» verbirgt sich hinter dem Hauptzweck noch«m Nebenzweck, hinter dem scherzhaften Gewand« ein ernster Kern. Zt«, stock. Krinoline. Empire. Schlepp«, kurzer Rock plu» Bubikopf- sie alle passieren in verzerrter Uebertreibung Reou«—. nicht aber ahn, daß zugleich ihre Abhängigkeit von den gesellschaftlichen, ikanomi. schen und polttifchen Bedingtheiten aufgezeigt würde. Besonders geglückt Ist Wendel diese Aufwestung de« sozialen Unterbau- der Mode an dem Beispiel der.Krinoline", die zwei Jahrzehnt« hindurch, von 1840 bis 1S«9. die europäisch«, besonder, aber die tonangebende sranzöstsche Frauenwelt tyrannisiert hat. In > der Unnatur dieser Modeentartung, in dieser Verhöhnung des guten Geschmacks, fand die Karikatur ein dankbares Feld, das si« denn auch nach a?«n Richtungen hin tüchtig beackert hat. Auch allerlei praktisch« Verwertungsmöglichkeiten der Krinoline ersinnt die Satire, um sich für die unsinnige Materialvergeudung 01» Krinolla» als SornmoneU. zu rächen. Als Hühnerkorb eigne sich die Krinoline vorzüglich: Sommerfrischlern wurde sie als Wohnzelt wärmstens empfohlen, in dem man bequem den Rest des Sommers verbringen könnte. Sogar die Mauern mußte man durchbrechen, um Platz für die Krinoline zu schaffen I Hier verbirgt sich ein Symbol: die reizvolle Erscheinung, daß«in« Krinoline die andere aus dem Raum zu verdrängen sucht, charakterisiere das allgemeine Wellverhältnis da draußen.„Wir treten ein," sagt Wendel,„in die Zeit der ungenierten V o l l h e r r- 1 Nicht wahr, ganz wie die keinen Damen in Paris? schaft de« Geldes?, in die Zeit seiner unzweifelhaften und erstaunlichen Produktionstriumphe, in die Zeit aber auch einer all- Semeinen Unsicherheit der Existenz, wie sie im Wesen der freien Konkurrenz begründet liegt.„Alles ist ins Maßlose gesteigert in dieser Zeit der prall gefüllten Geldsäcke: Decken und Deckchen auf den Möbeln, riesige Stoffdraperlen und Portleren In den Wohnun- gen, überall herrfch« Protzentum und Unkultur. Keine Ahnung, so medittert Wendel, kam diesen Menschen vom ungemütlichen lieber- Wie der Sent die Krinoline verwenden möchte. morgen.„Man berauschte sich vielmehr am Anblick der aufgedonnerten Jndustriefassade und aufgedonnert rauschte im Salon die Krinoline der Gnädigen einher." Alles in allem, ein gut gelungener Versuch, auf dem Wege über Humor und Satire» in der„Karikawr", eine soziologische Begrün- dung des so interessanten Phänomens der Mode zu geben! Dr. Lily Herrberg. Was der Tag bringt iMminunnnmimniuiunnniuiiiiiimiiiiiiiiiiiiimiiiiiniiiiiiiiniiuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiimmiiinniiiintffun Die Klage des Prinzen von Montenegro. Er hall nämlich etwas auf sich und will nicht karikiert werden. Der Fttm„Die lustige Witwe" spielt ihm aber böse mit. Auch der montenegnnische Hos kommt dabei nicht ganz gut weg. Also setzte der Prinz eine beleidigte Miene auf und strengte eine Zivilklag« an. AI» Wiedergutmachung fordert« er die Kleinigkeit von 500 000 Franken. Entweder schätzt der Prinz seine werte Persönlichkeit-u hoch«in oder er kann Geld brauchen. Ein geschäftstüchtiger Arzt. Gaston Priere war Unfallarzt, d. h. er zauderte Unfälle auf dem Papier hervor. Kleine Kratzer wurden da zu Verletzungen, blutunterlaufene Stellen zu inneren Blutungen. Di« Unsallversiche- rung kassierte er selbst ein. Dr. Gaston Priäre war auch durchaus nicht kleinlich. Den Arbeitern, die feine Agenten aus allen Arbeits- quartieren von Paris zu ihm brachten, erhielten nicht bloß die Fahrt in der Untergrundbahn ersetzt, sondern auch dazu noch 30 Franken. Sein Geschäft führte er so glänzend, daß er es aus große Ein- kommen brachte. Er wurde Eigentümer eines Rennstalls, Besitzer eines Nachtlokals am Montmartre, und hätte wer weiß wieviel Mil lionen noch zusammengescharrt, wenn eines Tages sich nicht d:e Staatsanwaltschaft seiner angenommen hätte. Jetzt hat er im G<- fängni» genügend Zeit, über die Tücke des Schicksals nachzudenken. Sowjetpresse und Prostitution. Ein geniales Mittel zur Bekämpfung der Prostttution schlägt dl« Moskauer„Lrbstterzettung" vor: 1. sollen in den Zeitungen die Namen all der Leute veröffentlicht werden, die in den Häusern der Unzucht ertappt werden: 2. sind die..Prostitutionskonsumenten" durch die Gewerkschaften zur Verantwortung zu ziehen. Ein ge fährlicher Dorschlag! Wer weib, wieviel Kommunisten und Jung tommunisten da» Vergnügen haben würden, ihren Namen in k-n Zeitungen zu lesen! VOM EDGAR WALlTACE «NS DEUTSCHE ÜBERTRAGErs VON' RAV/I RAS/EN DRO (37. Fortsetzung.) Wer er hatte sich nicht nur umgesehen, um ihr in die Augen zu blicken. Er betrachtete die Lederriemen, mit denen sie an- geschnallt war und sah dann auf Mlla. Im nächsten Augenblick wußte er alles, was er wissen wollte. Er mußte warten, bis der Mann die Pistole fortstecktc, denn bis jetzt hielt er immer noch die Masse in der Haitd. Sie flogen über Oxford hin, das sich mit seinen grauen chäusermassen gut von der grünen Umgebung ab- zeichnete. Ueber der Stadt lag ein seiner Dunstschleier. Jims Aufmerksamkeit wurde jetzt durch etwas anderes ab- gelenkt. Einer der Motoren setzte aus. Er vermutete, daß Wasser in den Zylindern war, aber er konnte die Moschin« noch einige Zeit in Gang halten. Mlla brüllte ihm einen neuen Kurs zu und er bog etwas nach Westen ab. Der andere Motor setzte wieder ein. Die Schwierigkeit schien wieder behoben zu sein und das Flugzeug lag gut in der Luft. Wieder schaute er sich um. Mlla hatte die Pistole zwischen die Knöpfe seiner Lederjacke gesteckt. Dort würde sie wahrscheinlich bis zum Ende der Reife bleiben. Er konnte nicht länger warten. Eunice, die die Gegend unter sich beobachtete, fühlte plötzlich. daß sich die Spitze des Flugzeuges senkte, als ob sie zur Erde niedergingen. Sie fühlt« keine Furcht, sie wunderte sich nur, daß die Maschine plötzlich wieder stieg und zwar so schnell, daß der Himmel nach unten zu sinken schien. Sie fühlte, daß sich die Leder. ncmen um ihren Körper anspannten und als sie noch unten schaute, sah sie, daß ihr Blick in die Wolken gerichtet war. Plötzlich merkte sie eine Bewegung an ihrer rechten Seite und schloß instinktiv die Augen. Als sie sie wieder öffnete, war Villa verschwunden. J'm hatte«inen Sturzflug in senkrechter Schleife gemacht und Villa, der an der Maschine nicht festgeschnallt war. verlor die Balance und sauste hinab in die Tiefe. I m wandte sich ganz zu Eunice. Sie sah, daß er in das Tele- Phon sprach. Seine Augen glänzten. Sie� nahm das Mundstück mit zitternden Händen auf, irgend- etwas Schreckliches hatte sich ereignet. Sie durste nicht mehr nach unten schauen, denn sie fürchtete ohnmächtig zu werden bei dem Versuch. .Was ist geschehen?" fragte sie. .Villa ist im Fallschirm abgesprungen!" log Jim zu ihrer 2e- ruhigung..Kümmern Sic sich nicht um ihn, er ist nicht in Gefahr — auf dieser Welt," fügte er für sich hinzu. .Aber Jim, wie sind Sie denn hier hergekommen?" .Das werde ich Ihnen später erklären." plef er zurück. Der Motor lief nicht mehr korrekt. Diesmal war die Störung ernster Natur und er wußte, daß die Fahrt nach'Londosi zu ge- rährlich war..Cr war nicht mehr in genügender Höhe, um sich die Landungsstelle aussuchen zu können und schaute sich um. wo er niedergehen könnte. Gerode vor ihm, etwa zwanzig Kilometer ent- sernh dehnte sich eine große, breite, grüne Fläche aus. Es mußte ein Flugplatz fein, dachte er. Er mußte die Stelle erreichen. Wäre er allein gewesen, so hätte er nicht gezögert, auf einem der kleinen Felder dicht unter ihm niederzugehen. In dieser Gegend war das Land in kleinere Weideqründe ge- teill als sonst in irgendeinem Teile Englands, ynd bei einer Lan- dung auf diesen Feldern mußte er einen Bruch der Maschine ris- kleren, und das wollte er mit Eunice als Passagier unter keinen Umständen wagen. � Als er immer näher zu der großen, grünen Fläche kam. sah er. dag er sich geirrt hatte. Aber er stellte die Motoren ob und ging Mi Gleitflug nieder. Die Räder berührten die Erde so leicht, daß Eunice nicht �merkte, daß der Flug zu Ende war. »O Jim," rief sie,.es war so wundervoll. Aber was ist denn mit dem armen Mann geschehen. Haben Sie..." I m wollt« schon eine sarkastisch« Bemerkung machen, ober als er in ihr todblasses Gesicht und ihre tieftraurigen Äugen sah, schwieg er. Er hatte im Kriege viel bessere Männer als Villa in Aus- istung ihrer Pflicht sterben sehen und er war nicht traurig, daß dieser Verbrecher ums Leben gekommen war, der, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Mitleid dos Mädchen getötet hätte. Er hob Eunice aus dem Flugzeug und fühlte wie sie trotz d«s dicken Mantels zitterte.. Unter so merkwürdigen Umständen mußten sie sich also wieder begegnen! Sie sprachen kein Wort mitein. ander, er küßte sie nicht und sie begehrte dieses L'ebeszeichen auch nicht von ihm. Seine bloße Gegenwart, nur der Druck seiner Hand genügte ihr. .Hier steht ein Haus," sagt« Iiin..Ich werde Sie dorthin bringen, dann in den nächsten Ort gehen und dem guten Salter ein Telegramm senden." Er legte seinen Arm um ihre Schulter und sie gingen langsam durch das hohe Gras, in dem viel bunte Blumen blühten Knietief versanken sie in dem wunderbaren Weidegrund und atmeten den Duft der Blumen ein. „Das Haus scheint nicht bewohnt zu sein," meinte Jim,.und es ist doch so groß." Er führte sie über die breste Terrasse und sie kamen zur Front des Gebäudes. Die Haustür stand offen und Jim schaute in die große, traurige, halbverfallene Hall«. Kein Teppich bedeckte den verrotteten Fußboden. .Ich möchte wohl wissen, was dies für ein Landsitz ist." rief Jim verwundert. Er öffnete eine Tür, die von der Halle nach links führte. Der Raum, in den er eintrat, war nicht möbliert und zeigte alle Spuren des Verfalls, die er schon in der Halle wahrgenommen hatte. Er ging wieder über den Flur und trat in«inen zweiten Raum, der dem vorigen ähnlich sah. .Ist jemand hier?" rief er laut und wandte sich um. denn e» war ihm, als ob er einen Schrei von Eunice gehört hätte, die draußen auf der Terrasse geblieben war, um die Schönheit der Landschaft von Somerset zu bewundern. nfftom Sie»b«» gerufen, Eunice?" fragte«r und sein« Stimme hallte durch das stille Haus. Es kam keine Antwr.t und er ging schnell auf dem Weg zu- rück, den er gekommen war. Als er auf die Terrasse trat, war Eunice verschwunden. Er eilte bis zum Ende des Platzes, weil er dachte, sie sei vielleicht zu dem Flugzeug zurückgegangen. Aber auch dort konnte er keine Spur von ihr entdecken. Wieder rief er ihren Namen, so laut er nur konnte, aber nur das Echo seiner Stimme antwortete ihm. Vielleicht war sie in einen anderen Raum gegangen? Cr öffnete die Haustür wieder und gmg hinein. In demselben Augenblick schlich sich lavier Silva, einer von den Gehilsen Digby Groats, aus dem Raum zur Linken und schlug mit einem schweren Stock nach ihm. Jim hörte das Sausen in der Luft, wandte sich halb um und der Schlag traf seine Schultcr. Eine Sekunde taumelte er, dann stürzte er auf den Mann zu und schlug ihm rechts und links mst der Faust ins Gesicht, daß er zu Boden stürzte. Aber bevor er sich wieder umdrehen konnte, fühlt« er. wie eine Schlinge über feinen Kopf geworfen wurde. Er fiel zu Boden und rang nach Atem. 41. Während Jim das verlassene Haus durchsuchte, ging Eunice bis zu dem Ende der Terrasse und lehnte sich auf die zerbrochen« Ba- lustrade, versunken in den Anblick der schönen Landschaft. Dünn« Dunstwolken lagen hoch über der Gegend, in der Fern« zeigten sich die violetten Schatten der Wälder. In der stillen Luft stieg der blaugraue Dampf aus den Schornsteinen der Landhäuser über die Wipfel der brcitösfgen Bäum? empor und die Sonnenstrahlen spiegelten sich in den unruhigen Wellen eines dahineilenden Stromes der sich wie ein goldenes Band durch die smaragdgrün« Land- schaft zog. Jemand berührte sie leicht an der Schulter und sie dacht«, es sei Lim. .Ist dieser Anblick nicht herrlich?" fragte sie. .Mrtl'ch, wunderschön, aber nicht halb so lieblich wie Sie selbst, mein Kind." Sie hätte bei dem Ton der Stimme umsinken mögen. Als sie sich schnell umwandte, sah sie in das Gesicht Digby Groats und stieß einen Schrei aus. .Wenn Sie Steeles Leben retten wollen," sagte Digby leise, aber drängend,„dann werden Sie nicht schreien. Haben Sie mich verstanden?" S'e nickte. Er legte seinen Arm um sie, aber das sollte kein« Liebkosung sein. Cr führte sie schnell ins Haus, schob sie in einen Raum und folgte ihr. In dem Zimmer stand ein großer, kräftiger Mann, der ein Tau in der Hand hielt. .Worten Sie, Master, wir«erden ihn schon kriegen, wenn et zurückkommt," flüstert« Digby. Er hatte die Fußtritt« Jims in der Halle gehört. Plötzlich gab es einen Tumult. Eunice.öffnete ihre Lippen, um einen Warnungsschrei auszu- stoßen, aber Digbys Hand legt« sich auf chren Mund. .Erinnern Sie sich an das, was ich Ihnen gesagt habe/ flüstert« er. Sie hörten den Schrei lavier Silvas. Der Hausmeister Masters eilt« in die Halle, Digby folgte ihm. Jim stand mit dem Rücken nach der offenen Tür und Digby gab Masters ein Zeichen. Im selben Augenblick sauste der Strick durch die Luft und schlang sich um Jims Hals, so daß er mtt einem Ruck atemlos zu Boten gerissen wurde. Sein Gesicht wurde dunkelrot und er zerrte auf- geregt mit den Händen an der grausamen Schlinge. Wäre Eunice nicht dazugekommen, hätten sie ihn vielleicht sofort umgebracht. Sie stand einen Augenblick starr vor Schrecken, eilte dann aus dem Raum, stieß Masters zur Seite, kniete nieder und löste mit ihren eigenen zitternden Händen die Schlinge von dem Hals des geliebten Mannes. .Sie niederträchtiger Schuft," schrie sie und ihre Augen blitzten vor Haß. Einen Augenblick später war Digby an ihrer Seite und hob sie auf .Binden Sie ihn," sagt« er lakonisch und wandte sein« Auf» merksamkeit dem sich wehrenden Mädchen zu, denn sie war jetzt nicht länger ruhig. Sie kämpfte mit aller ihr zu Gebote stehenden i Kraft, schlug ihm mit den Händen ins Gesicht und versuchte ver- ' zweifelt, sich aus seinem Griff zu lösen. .Sie kleiner Teufel," keucht« er, als er sie an den Handgelenken gepackt hotte und gegen die Mauer stieß. In seinem Gesicht war ein« wunde, blutige Stelle zu sehen, an der sie ihn gekratzt hatte. Aber in seinen Augen lag Bewunderung. .So gefallen Sie mir am besten! Ich habe niemals meine Wahl bereut, mein Liebling, am allerwenigsten in diesem Augenblick!" .Lassen Sie meine Hände los!" rief sie wild. Ihr Herz schlug heftig, aber st« erkannte schließlich, daß sie Digby Groat nicht ge» wachsen war und wurde ruhiger. .Wohin hoben Sie Jim gebrocht— was haben Sie mst ihm gemacht?" Si« fürchtete sich nicht mehr,«in« wilde Energie war in ihr erwacht. .Wir haben Ihren jungen Freund in Sicherhest gebracht. Was ist denn heute morgen passiert, Eunice?" Sie antwortete nicht. .Wo ist Villa?" Aber sie öffnete ihren Mund nicht. .Nun gut, wenn Sie nicht sprechen wollen, so werde ich schon einen Weg s nden. daß der junge Mann, der mit Ihnen hier her» gekommen ist, sagt, was vorgefallen ist." .Wie, Sie wollen ihn zum Geständnis zwingen?" fragte sie zornig..Da kennen Sie den Mann schlecht! Wenn Si« glauben, daß Sie Jim Steele zum Sprechen bringen könnten, so gehen Sie nur hin und versuchen Sie es!" .Sie wissen nicht, was Sie reden," entgegnete er, aber er war weiß bis in die Lippen, denn ihr« Beleidigungen hatten ihn im Innersten.getroffen..Ich werde ihn so sollern, daß er um Gnade winseln soll!" .Sie beurteilen olle Männer noch sich selbst," sagt« sie vev- ächtl ch,.und oll« Frauen nach dem armen, kleinen Lodenmädchen, dessen Lebensglück Sie vernichtet haben, um sich zu amüsieren." f, Wissen Sie auch, was Sie da sagen?" fuhr«r sie wütend an. .Sie scheinen zu vergessen, daß ich—" löortietzung folgt.» RätsehEcke des„Abend". Kreuzworträtsel. n i M- r■" rL ar M" r■» F Zahlenrätsel. 1 8 9 10 3 7 Eine Aufforderung an die Leser des.Abend". Frucht Kleidungsstück Reinigungsmittel. Getränk Gewürzpt anz«. Stärtangsmi tel. Getränk. Fettstof. Gewürz Wurstart. Zeitmesser. Rahrungsmittel. Senkrecht: 1. Dsutscher Baum: 2. Längenmaß: 3. Figur aus „Peer Gynt": 4. weiblicher Vorname: 6. italienischer Dichter: 7. Stadt in der Provinz Sachsen: 8. das Griechenland: 10. Oper von Billini: 11. Sittenlehre: 12. Gebctsschluß: 13. Osen: 15. Kabine: 16. ansteckende Krankheit: 17. fruchtbarer Wüstenstrich: 19. Stadt in Italien: 21. Musiktempo: 27. Gärmittel: 29. Boot: 30. Erde: 31. Hastenhcilmitlel: 33. weiblicher Vorname: 35. Gattung: 36. Geschwulst: 38. Musiktempo: 39. Blutgefäß: 41. Bestandteil des Tees: 42. Wachssalbe: 44 Friedensgruß.— Wagerecht' 2. Oper von Ehsrubini: 4. Erfrischungsgetränk: 5. Schlachtfeld um 1870; 7. Brettspiel: 9. Gesongsstimme; 11. Hafendomm: 12. Land in Amerika: 14. ägyptische Baumwolle; 16. Kirchengesang; 17. Vorzeichen: 18. Lieb«: 20. männlicher Vorname: 22. Erziehungsanstalt: 23. weiblicher Vorname; 24. Monat: 25. Freistadt: 26 und 28. Teil eines Segelschiffes; 20. Enterich: 31. Göllin: 32. geheimes Gericht; 34. Erzählung: 36. Land in Afrika; 37 Amtskleid; 39. Liebesgott: 40. Volksstamm: 42. amerikanischer Baum; 43. Anzeige. Disi�enkarienrätsel. | IRENE SCHLIFF- BERG SEGEN Der Wohnort der Dame steht versteckt aus ihrer Karte,—ab. Oer verrückte Kopf. Ich bin ein«thisch-hoher Wert. Der Türke hat mich stet» verehrt. Setzt du den Kopf als Herz mir«{«, Di« mit«ntfesiell roher Kraft Für Mensch lurd Tier Gefahren schafft.?lc. Den Kopf verloren. Ein Käufer, der etwa? bei mir erstand, Legtr(das Rätselworl) in meine Hand. Ob ich wohl nicht recht Acht daraus gab? Es fiel der Kopf mir davon ab. Ich hall' trotz alledem noch Glück, Ein Nahrungsmittel blieb zurück. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) lk. -ab. Auflösungen der Rätsel aus voriger Kummer. Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Avis: 2. Dante: 3 Osten; 4 Moor: 6. Ares: 7. Rost: 12. Ilse; 13. Netto; 14. Erlen: 15. Iris; 16. Habicht: 17. Anemone: 22. Mal; 23. Eli: 25. Hag: 26. Tee.— Wagerecht: 5. Valparaiso: 8. Binz: 9. Atom: 10. es: 11. Einstein; 18. Australien: 19. Beet: 20. Else: 21. Omen: 24. ich: 26. Ton: 27. Haarlingen. Zahlenrätsel: Ätherwcllenmustk, Turin, Heine, Enkel, Remise, Whist, Emil, Leiter, Lämmer, Elije, Rull, Aierkur, Alme, Sennerin, Instinkt, Käs«. V e r s r ä t s e l: Seeland. Silbenrätsel: 1. Welsen; 2. Individuum: Z. Labiau; 4. Lambris: 5. Soorlouis; 6. Talent; 7 Dovd, 8. Ufnau; 9. Safe- nawi 10 Influenza: ll. Eifenberg: 12. Gemje; 13. Emission.— .Willst du siegen, mußt du wagen." E r g ö n z u n g s r ä t se l: 1. probst: 2. Rot; 3. Ohr; 4. Sand: 5. Insel: 6. Tal: 7. Nacht: 8. Eis: 9. Ahr; 10. Jagd: 11. Apfel; 12. Hand: 13. Ruß.— Pbofit Neujahr! Schlechte Zeiten: niedergeschlagen— gegen— schlage« — nieder nie— Genie. Geographisch«»: 1. Weimar; 2. Aachen;». 4 Düsseldorf; 3. Erfurt; 6. Raumburg; 7. Breslau: r, 9. Rüdesheim: 10.(Wogau.— Waldenburg. ■*: Ufiofii�c/hLel Das Turnier am Weinbergswe�. Um den goldenen Gürtel. Am Premierenabend derBerufsrtngerim Walhallotheater bekam das sehr gut besuchte Haus ein Eliteprogramm zu sehen. Zu den bisher anwesenden Kämpsern werden sich im Verlaus der Konkurrenz noch weitere einfinden. Der gestrige Abend gefiel sehr durch seine schnellen Entscheidungen. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf den Start des grohen Könners, den Finnen Otto Huhtanen, der erst vor wenigen Wochen in einer Wiener Konkurrenz den ersten Platz behauptete. Als erster Gegner stellte sich ihm der Bertiner L u p p a. Der Finne der sich früher in der Taktik des Abwortens gefiel, ist jetzt ogreffiver, da er sich verpflichret hat, jeden Teilnehmer innerhalb 25 Minuten auf die Schullern zu drücken, andernfalls er eine Hundertmarkprömie bezahlen muh. Gegen den schweren Berliner war er stets über- legen. Nach prächtiger Gegenwehr fiel Luppa in der 18. Minute einem Hüftschwung zum Opfer. Der junge Berliner Key, der Weltmeister im Mittelgewicht ist, ist als eine glänzende Dublette des gefürchieten Finnen anzusprechen, der Berliner P e d i c a n hatte gegen diesen Techniker nie viel zu bestellen und mußte schon nach 13 Minuten mst beiden Schullern auf die Matte. Der in Berlin stets gefallende Franzose F a b e r triumphierte im Einleitungskampf über den schweren Gegner, den Holländer vandenBorn.indcr 15. Minute mit einer glänzenden Parade auf einen Doppelnelson. Zu dem sportlichen Teil lestete ein schönes buntes Darieteprogramm über. G. M. Berlin bat den Spcng'er~Fokal. Cambridge nach hartem Kampt 1: 0 gesdi agen. Nach fechstägiger Dauer kamen am Montag die Eishockey- weit kämpf« um den S p e n g l« r- P o k al mit den beiden Entscheidungsspielen zum Abschluß. Das Turnier endete mit einem glänzenden Erfolge für die beiden beteiligten deutschen Vereine, denn der Berliner Schlittschuhklub schlug die Universität Cambridge im Entscheidungskampf mit 1: ll aus dem Felde, wäheend der Sportklub Riehersee sich durch einen klaren 2:0- Sieg über den Hockeyklub Mailand den dritten Platz im Gesamt- kl'ffement sicherte. Die Berliner haben nunmehr den im Jahre 1923 c"''malig umkämpften Pokal zum dritten Male gewonnen, ein vierter Sieg sichert ihnen den wertvollen Wanderpreis endgültig. �.ZC-HallenLest. EcteiHgung Stettin, Burg, Raihenow,B andenburg Ein« großzügige leichathletische Werbeveranstaltung begeht der Athletik-Sport-Club am Sonntag, 6. Januar,> mit seinem 3. Hallensest in der Zentralturnhall«, Prinzenstr. 7'e vor einigen Wochen ergong«ne Einladung der Victoria Athlctic-Association in Australien an den deutschen �Weltrekordläuser Dr. P e l tz e r ist bekanntlich von der„Deutsch«» Sportbehörd« für Leichtathletik" abschlägig beschieden worden. Dennoch ließ der Stettiner nichts unversucht, um die Sportbehörde umzustimmen. Sie erklärte sich schließlich bere't, die Landesverbände nach ihrer Meinung zu befragen, aber die Umfrage ist ebenfalls in negativem Sinne für den Stettiner ausgefallen. Dennoch wird der wieder einmal verärgerte Dr. Peltzer schon in den nächsten Tagen die Reis« nach Australien antreten, allerdings nicht in der Absicht, vorläufig zu starten, sondern„um in dem anderen Erdteil seine Volkswirt- schaftlichen Kenntnisse zu bereichern". Da steht natürlich die Sport„behörde" machtlos vU-ä-ri»! Argentinische Fufjhallcr kommen. Die argentinische Fußballmannschaft„Massila Sportivo Varracas' hat sich in Buenos Aires zu der großen Gastspielreise nach Europa eingeschifft. Die Südamerikaner haben bereits eine Reihe von Wettspielen in Lissabon, Barcelona, Genua, Turin, Rom, Mailand und Bologna abgeschlossen, weiterhin wollen sie aber auch noch in Deutschland, Frankreich. Holland und Oesterreich argentinische Fußballkunst demonstrieren. Zusammemcfa'uf) bei Solidarität Die bundesst euen Mitglieder der Ortsgruppe Lichtenberg und die bundestreue Ortsgruppe F r i e d r i ch s f e l d e des Arbeiter- Rad- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" hoben sich zu einer neuen Gruppe oereinigt. Sie trögt den Namen.Lichtenberg" und ist!n die Abteilungen Radfahrer und Kraftfahrer gegliedert. Die Mitglieder der Ortsgruppe erkennen nur die Beschlüsse der Zentral- kommission sowie des Bundestages an. Bei den niedrigen Bei- trägen(für Radfahrer 2 M. und für Kraftfahrer 2.59 M. pro Viertel- jähr intl. Ortsgruppenzuschlag) ersuchen wir alle Radfahrer und Motorradfahrer Lichtenbergs, denen an einem sportlichen Betrieb ohne einseitige parteipolitische Kämpfe gelegen ist, sich un« anzu» schließen Gefckästestell«: Lichtenberg. Augustostroß« 3 v. l. Bor- sitzender: Karl Jennrich, Lichtenberg, Gürtelstraße 14. Iußballbärse heute, Mittwoch, 29 Uhr, bei Engel, Swinemünder Straße 65._ Ein neues Stadtbad. Luckenwalde ist die glückliche Stadt. Die„rote* Sterbt Luckenwalde Hot ihren Einwohnern«in Weihnachtsgeschenk übergeben, wie es schöner nicht gedacht werden kann: am 22. Dezember wurde das neue Stadtbad eröffnet. Man hat anläßlich verschiedener neuzeitlicher Bauten uitt> Projekte mit Recht daraus hingewiesen, wie wenig bisher in unseren Städten (selbst in Berlin) für den„Badefport", wenn dieser das Schwimmen in sich begreisende Auedruck gestattet sei. getan worden ist. Das Wasser tut's freilich doch" hat im Sommer zu der bekannten grandiosen Ausnützung der Freibäder g»:führt, ober schon das schlechte Wetter vieler Somnierlage wirkt stark hemmend auf den Besuch, und im Winter? Da ist es mit der hygienisch berechtigten Forderung, daß jedes Kind und auch jeder Erwachseire in der Woche mindestens ein Bad nehmen sollte, übel bestellt. Di« nicht nur sozial, sondern auch sozialdemokratisch geleitet« Stadt Luckenwald« hat nun dos Problem gelöst, wie eine Mittelstadt ein mustergültiges Badehaus herstellen kann, dos nicht nur der fetzigen Bevölkerungszahl gerecht wird, sondern auch dann noch genügt, wenn diese aus etwa 49 999 Menschen gestiegen ist. Man begnügte sich nicht mit dem Umbau des alten Bades, sondern errichtete auf einem Terrain neben dem Elektrizitätswerk«inen Neubau für Schwimmbad. Warm» bäder, medizinisch« und Dampfbäder, der bei einem umbauten Raum von 12 599 Kubikmetern für rund 589 999 M. hergestesit..werden, so.mtt.e, Auf. die Finanzierung hin ganz kurz einzugehen- s� l�shÄb-geskattet, weil der eingeschlagen« Weg auch anderen. Mittelstädten«inen Fingerzeig geben kämi; man benutzte „tot" daliegend« Fonds der Goldbilanz zur Schaffung der finon- ziellen Basis und fand in der, der Stadt bereits bekannten Siemens. Bau-Union ein« ausführende Firma, die imstande war, die zunächst erforderlichen Mittel auf eine Reihe von Jahren vorzu- schießen rcsp. stehen zu lassen. Durch die Ausnutzung der in dem Elektrizitätswerk zur Verfügung stehenden Wärmeenergie ist der Betrieb des Baues von vornherein verbilligt, so daß die Preise sich an der unteren Grenze des Tarifs für gemeinnützige städtische Bäder bewegen können. Ein„Ueberschußunternehmen" soll die Anstalt nicht werden. Für den Sport interessiert die Schwimmhalle. Das Bassin ist 22(4 X 12 Meter groß. Für Nichtschwimmer ist ein Drittel des Raumes reserviert, doch kann das Wasser durch Abschluß der Abflußrohre so aufgestaut werden, daß das ganze Bassin für Sportzwecke zur Verfügung steht. Durch rote Kacheln sind am Boden fünf Bahnen abgeteilt. Die gewöhnliche größte Tiefe unter den Sprungbrettern beträgt 31b Meter. Zwei Holzsprungbretter von 1 Meter und ein elastisches Stahlsprungbrett von 3 Meter sind vorhanden. Neben Mass«nauskleldungsräumen stehen 72 Aus- kleidezellen zur Verfügung, deren jede für zwei Personen Platz bietet. Durch Anlage eines„Stieselganges", durch die Vorschrift, daß jeder, der das Schwimmbad benutzen will, sich erst in Dusch- und Waschräumen(für Damen und Herren getrennt) säubern muß, und durch ständigen Zu- und Abfluß des Wassers ist für die größte Sauberkeit gesorgt. Die Temperatur des Wassers betrogt 22 Grob. Für Wandbekleidung usw. sind schön gefärbte Veltener Kacheln verwendet. P. D. Die ETQB. grüf$t ihre Anhänger! An der Schwelle des neuen Jhares will auch die Freie Turnerfchaft Grotz-Verlin sich d«r Ereignisse erinnern, die das alte Jahr brachte, sie will aus dem Erlebten und Erreichten Rückschlüsse ziehen und mit den Erfolgen lernen. Mit B«ginn des Jahres 1928 war die FTEB. mit 17 Turn- und Sportbezirken über Berlin verteilt. Die verworrenen Verhält- nisse im Arbeitersport brachten es mst sich, daß von Geschlossenheit und Einheit innerhalb der Bewegung nicht die Rede sein konnte. Die Mitglieder und Anhänger der FTGB. erkannten glücklulterweise das verbrecherische Treiben gewisser„Einheitsapostel" beizeiten und verachteten nicht nur die Tätigkeit dieser Leute, sondern leisteten allen Beranstallungen der FTGB. bereitwilligst Gefolgschaft. Die uneigennützige Tätigkeit aller Funktionäre, vor allem aber das reg« Interesse und der Eifer der gesamten Mitgliedschaft haben«s ermöglicht, daß sich das Vereinsgebiet ganz wesentlich erweitert«. Daß die Groß-Berliner Arbetterschoft den Vor- gängen in der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung nicht teilnahms- los gegenübersteht, beweist der kolossale Zustrom neuer Mitglieder zur FTGB. gerade in den letzten Monaten. In kaum zu bewättigender Arbeit, unter Aufbietung aller Kräfte, ist das Vereinsgebiet auf 59 verschieden« Turn» undSportbezirke erweitert. Das alles war nur möglich, weil hinter der Vereinsleitung die gesamte Mitgliedschaft mit ent- schlossener Energie und unerschütterlichem Arbeitswillen stand. Getragen von dem Vertrauen aller Bundesmitglieder, konnte die Leitung den Uebungsbetrieb auf beinahe 189 Abteilungen aus- dehnen. Weil sich alle Funktionäre in den Dienst der Allgemeinheit stellen, ist es der FTGB. möglich, weit über den Stadtkreis Berlin hinaus bis in entferntere Dorortbezirke für die gesamte Bevölkerung einen Turn- und Sportbetrieb zu unterhalten, der jede Sportart auf dem großen Gebiet der Körperkultur und-pflege umfaßt. Die Leitung der FTGB. fühlt sich verpflichtet, allen Bundesmitgliedern, allen Freunden und Anhängern den herzlich st en Dank aus- zusprechen für alle geleistete Arb«it. Di« Arbeit der FTGB. di«nt dem Volksganzen, ist Dienst am Dolkel Wenn die Mitgliedschaft auch im kommenden Jahr sich weiter selbst- los zur Verfügung stellt, dann wird es möglich fein, den Rahmen unseres Arbeitsgebietes nicht nur zu erweitern, sondern vor allem auch zu vertiefen zum Besten der sporttreibenden Bevölkerung, zum Wohle der Gesamtarbeiterschaft Groß-Berlins! Mit herzlichem Frei Heil grüßen wir alle Bundesmitglieder, die Partei- und Gewerkschastsgenossen und das neu« Jahr 1929! Freie Turnerfchaft Groß-Berlin, Geschästsführender Ausschuh. FT QB.-T urnbetrieb in Hcrmsdori. Auch im nördlichen Teil Berlins, in Hermsdorf, eröffnet die Freie Turnerfchaft Groß-Berlin neue Turn, und Sportabtei- lungen. Morgen Donnerstag, 29 bis 22 Uhr. findet der erste Turn- und Uebungsabend in der Volksschule Hermsdorf, Freiherr-vom- Stein-Straße, statt. Alle Freund« der Leibesübungen, die die Be- schlüsse des Arbetter-Turn- und Sportbundes anerkennen, sind zu den Uebungsabenden Montags und Donnestags, 29 bis 22 Uhr, ein- geladen. Schneeschuhläufer der FTGB. Heute abend 19 und 29 Uhr Treffen am Bahnhof Grunewald, Fahrkartenschalter. Die Ausgabe des kreisblalles„Arbeitersport-Wochenschou" Nr. 1/1929 eriolgt heute, Mittwoch, 2. Januar, wie bisher im Graphia-Berlag. „Warum die Fischer nicht fischen!" Eine Ent�e�nun�. Auf die Darlegungen eines Wassersportlers zu dem obigen Thema sendet uns Rechtsanwalt Dr. Martin L ö'w i n s o n folgende Entgegnung mit der Bitte um Veröffentlichung: Mit großem Interesse las ich Ihren Artikel in der Sportbeilag« vom 22. Dezember. Der Verfasser, der wohl absichtlich etwas kari, klert, tut den alteingesessenen Fischern der märkischen Gewässer aber doch ein schweres Unrecht. Er erinnert mit lebhast an jene Sonn- tagsaueflügler, die, in der Großstadt aufgewachsen, davon ausgehen, daß im Walde an Wochentagen lediglich die Rehe und Hasen, an anderen Tagen aber die Berliner spazieren gehen. Von der volks- wirtschastlichen Bedeuttmg des Waldes und der Gewässer haben solche flüchtigen Besucher doch eine ganz falsche Vorstellung. Noch immer können sich dir Großstädte nicht den Luxus leisten. für ihre Bewohner aus den Wäldern Parks und aus den Wasser» straßen Teiche für die Goldfische zu machen. Eine rationelle Forst- Wirtschaft muß den Wald erhalten und ein« rationelle Fischzucht muß dafür sorgen, daß die Gewässer nicht veröden, wenigstens nicht von ihren schwimmenden Bevölkerungen oerlassen werden. Selbst wenn man den Gewässernaturschug noch so weit ausdehnt, wird man niemals gestatten, daß sich die Ufer kilometerweise mtt Anlegestellen bedecken, daß in den Zwischenräumen der Wald gelichtet wird, um unschön« Sandflöchen für die wenigen Tage des Sommers als Frei- bäder liegen zu lassen, oder den Randschmuck der Seen an Schilf und anderen Gewächsen zugunsten der Motorboote und anderer Vergnügungsfahrzeug« auszurotten. Solange der Staat oder die Gemeinde nicht ganze Gebiete für den Naturschutz vorbehasten hat, kann man den Leuten, die am User unserer Seen und Flüsse und aus diesen ihren Lebensunterhalt gewinnen, es nicht verargen, daß sie sich aufs äußerste wehren, um ihren Besitzstand zu erhallen. Nur als solcher Verteidigungszustand sind di« von dem Einsender so bissig beurteilten Ansprüche auf Schadenersatz zu bewerten, die die Fischer gegen di« Störer ihres Gewerbes zu erheben genötigt sind. Sett vier Jahrzehnten wende ich den Rechtsverhältnissen des Fischereigewerbes mein besondere» Interesse zu. Ich kann hiernach versichern, daß di« Klagen d«r Fischer zu» großen Test leider nur zu berechtigt sind. Noch ver- lehrsreichen Sonn- und Feiertagen finden sie ihre Netze zerstört oder beraubt, die Laichplätze zerfahren und zertreten, häufig Anlegeplätze beschädigt und von Uebermütigen. sogenannten Sportleuten, verwüstet und beschmutzt. Das Gewerb« des Fischers ist, was sich der geborene Groß- städter vielleicht nicht richtig vorstellt, nicht bloß anstrengend und gesundheitsgesährlich, sondern auch wenig ertragreich. Wenn nun der meistens in vorgerückten Iahren stehende Besitzer einer Fischerei, der in der Nacht und oft genug in Sturm und Wetter seinem Ge- werbe nachgehen muß, sein Handwerkszeug vernichtet und den er- hofften Ertrag geräumt findet, so richtet sich seine Erbitterung begreiflicherweise nicht bloß gegen die unvernünfttgen und über- mütigen Elemente unter dem Sonntagspublikum, sondern gegen das Publikum allg«mein. Die Reaktion gegen das Unrecht, das ihm geschieht, äußert sich alsdann in der zähen Verfolgung seiner Ansprüche, die das Gesetz ihm an die Hand gibt. Es ist durchaus zu mißbilligen, daß über die Rechtsprechung der Gerichte aus diesem Gebiete so wegwerfend, wie es in dem Artikel geschieht, gesprochen wird. Der Rechtsstoff ist schwierig und die tatsächlichen Verhältnisse erfordern von dem Richter ein nicht geringes Maß von Umsicht, Erfahrung und persönlicher Sorgsalt, wenn sie richtig ausgeklärt werden sollen. In der näheren Umgebikng der Großstädte sollte vielleicht vom Staat von dem„Gesetz über den Erwerb der Fisthereiberechtigun- gen" vom 2. September 1911 GSS. 189 in erheblicherem Maße Gebrauch gemacht werden. Hiernach kann der Staat unter gewissen Umständen die Fischereiberechtigungen erwerben, die in den durch staatliche Wasserbauten betroffenen Gewässern noch vorhanden sind. Da fast alle Gewässer durch Wasserbauten— übrigen» häufig sehr zum Schaden der Fischerei— reguliert werben, so wird da« Einschreiten des Staates kaum auf Schwierigkeiten stoßen. Solange aber das Fischereigewerbe nicht in ganz entlegen« und dem Großstadttreibeu entrückte Winkel zurückgedrängt ist. wird jeder billig denkende Sportler Verständnis für dieses Gewerb« im Auge behalten uiii> sich daran erinnern müssen, daß gerade di« Freud« an der Natur ihn auf den Schutz eines Stayde« hinweist, der der Natur sa eng verbunden ist wie der keineswegs lohnende und erstrebenswert« Berufestand der Fischer. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, d. 2.1. Staats- Oper Unter& Linden A- V. 2 20 Uhr Mittwoch, d. 21. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 19 Uhr Madame Turandot Butterfly Staais- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 5 20 Chr Cardillac Staat. Schauspieih. ajendarmenmark A.-V. 2 20 Uhr Die PetroleumInseln Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 1st er gut 20 Uhr 1st er böse? Winter Garten 8 Uhr Trude Hesterberg Drel Codonas Die Abels und weitere Varieté Neuheiten Reachen gestattet CIRCUS Volksbühne Theater am Bülowplatz Uhr Das Madi aus der Vorstadt Theater am Schiffbanerdamm 8 Uhr Die Drei- Groschen Oper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehana Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ist er gut ist er böse? Staatsoper am Plat: der Republik 8 Uhr Cardillac Th. am schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kahi, Lvovski. Thalia- Theater resdener str. 72-7. Täglich 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung enckels. Greatczinsk!. 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Einige Züge hatten jedoch noch bis in die Nachmittagsstunden mit der Ablöschung fleinerer Brandherde und mit den Aufräumungsarbeiten zu tun. Das Feuer fand reichlich Nahrung an vorhandenen Isolierplatten und Isoliermitteln. Die größte Gefahr bestand für das Kühlhaus, das durch die hochschlagenden Flammen start gefährdet war, da nadh der Seite des Feuers hin geöffnete Fenster und Türen das Eindringen des Feuers begünstigten. Der Betrieb des Schlachthofes wird nicht gestört. Der Brandschaden ist bedeutend. stellte seine Frau ſeſt, daß ihr babe with nach sieben Jahren brannte, wie seinerzeit berichtet, fur3 bor ber Bollenbung Mann bereits vorher verhei= ratet und Vater von zwei Kindern war. Die Ermitt lungen bei der Polizeidirektion in Bien ergaben, daß der Herr Baron" ein internationaler Hochstapler mit dem gewöhnlichen Namen Simon und von Beruf Klempnergeselle sei, der schon wegen ähnlicher Bergehen sechzehnmal vorbestraft war. Außer. dem war er nicht nur einmal, sondern sogar dreimal vorher verheiratet, zulegt mit einer jungen Polin aus Galizien, die er nach furzer Zeit verließ. In seinen jungen Jahren war der falsche Baron in England und Frankreich, und als ihm dort wegen ver schiedener Hoteldiebstähle der Boden zu heiß wurde, flüchtete er nach Oberschlesien, um hier seine Betrügereien mit dem größten Erfolge fortzusehen. Ein interessanter, ein lehrreicher Fall. Der ehemalige Klempnergefelle triegt es fertig, auf Grund seiner Sprachkenntnisse und feiner guten Manieren in den besten Kreisen" Eingang zu finden, ja fogar verwandtschaftliche Beziehungen anzutnüpfen. Hätte dieser Mann, dem eine gewiffe Intelligenz nicht abzusprechen ist, fich aut ehrliche Art, z. B. als Arbeiterführer, emporgearbeitet, so hätten ihn jene Kreise, die mit dem Herrn Baron fo gerne verfehrten, ficherlich genau so behandelt, wie sozialistische Arbeiterführer in ver antwortlichen Stellen von diesen Kreisen behandelt wurden: sie hätten hämisch auf diesen ehemaligen Klempnergesellen hingewiesen, ihn herabgefeßt und auf Grund feiner Herkunft für unfähig" zur Befleidung feines Amtes erklärt. Man muß schon Hochstapler sein, wenn man bei diesen Leuten anerkannt werden will... Großfeuer in aller Welt. Chemnih, 2. Januar. Am Neujahrsmorgen brach auf dem Gelände des Städtischen Schlachthofs ein Großfeuer aus, das das Einsetzen der ge Jamten Chemnizer Berufsfeuerwehr einschließlich der dienstfreien Beamten erforderte. Mit elf Rohren wurde gegen das Feuer vorgegangen, das trotzdem erst in den späten Vormittags. Der Chemnitzer Schlachthof, der erst vor einem Jahre mit einem Aufwand von sieben Millionen Mart errichtet morden war, zu einem großen Teil nieder, so daß sich die Eröffnung um sechs Monate verzögerte. Die Trintwassernot in Chemniz ist durch den großen Wasserverbrauch bei dem Brande erheblich ver schärft worden. London, 2. Januar. Durch ein Großfeuer wurde am Dienstag in London in der Nähe des Victoria- Bahnhofes ein fünfstödiges Gebäude Berstört, das eine Anzahl von Läden und in den oberen Stod. werfen eine Leinen- Engros- Firma barg. Der Schaden ist sehr bedeutend. Bei den Löscharbeiten wurden zwei Feuerwehrleute verletzt. 3150.0 Mailand, 2. Januar. FUNK RUNDAM ABEND Mittwoch, 2. Januar. Berlin. 99 11.00, 14.00 Grammophon- Platten Die Stimme seines Herrn". 15.30 Frauenfragen und Frauensorgen. Dr. Paul Kaßner: Wirtschaftliche Ehehemmungen. 16.00 Prof. Franz Pahl: ,, Deutsche Pioniere der Technik". VI.: Hugo Jenkers. 16.30 Jugendstunde:..Das Wildpferd" von Olaf Aslagsson.( Gelesen von Renée Stobrawa.) 17.00 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Max Roth mit seinem WintergartenOrchester. 19.00 Geh. Justizrat Prof. Dr. Ed. Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.30 Prof. Dr. Ernst Jäckh: ,, Amerikanische Weltpolitik". Von Washington bis Hoover( IV.). TOP 20.00 Abendunterhaltung. Mitw.: Rose Lichtenstein, Lothar Müthel. 21.00 Schubert- Lieder. 1. Verklärung. 2. Der Jüngling und der Tod.. 3. Abendstern. 4. Nachtstück. 5. Du bist die Ruh. 6. Nacht und Träume. 7 An der Quelle. 8. Der Jüngling an der Quelle.( Prof. Georg A. Winkler, Tenor: am Flügel: Bruno Seidler- Winkler). 21.30 Der Journalist spricht Anschließend: Presse- Umschau des Drahtlosen Dienstes. Königsw 13.45-14.15 Bildfunkversuche. 14.45 Kinderstunde. mehrere Häuser übergriff. Den Bemühungen der Feuerwehr gelang In Bermiglio( Südtirol) entstand ein großer Brand, der auf Anschließend bis 00.30 Tanzmusik. es, die übrige Ortschaft zu retten, doch brannten fünf Bauernhäuser mit allen Wirtschaftsgebäuden bis auf die Grundmauern ab. 3wölf Familien wurden obdachlos. Französische Flugzeugfatastrophe. Flugzeug verbrannt, Führer leicht verlegt. Chalons- fur- Marne, 2. Januar. Ein Bertehrsflugzeug der Strede Baris- Konstantinopel, das Le Bourget mit Bestimmung Straßburg verlassen hatte, ist infolge bes Rebels 30 Kilometer südwestlich von Chalons- fur- Marne abgeftürzt. Der Flugzeugführer ist leicht verlegt. Der Apparat verbrannte nach dem Absturz mit seiner 300 Kilogramm schweren Ladung. 15.40 Frauenstande. hausen. 16.00 Dr. Grahert und Dr. Hartig: Bildungsmöglichkeiten und Bildungswesen im französischen Unterricht, 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzerts Hamburg. 17.30 Postrat Dr. A. Staedler: Tagesfragen des Postverkehrsrechts. 18.00 Chinesische Prosadichtung. Uebersetzt und gelesen von Dr. A. P. Kahn. 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 Ing. H. Guttwein: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Arbeitslehre. ab 20.00 Uebertragung aus Berlin. ( Schluß des redaktionellen Teils.) Unerhört große Borteile bietet auch biesmal wieder der große Juventur anspertant, ben das belannte, neuerdings bedeutend vergrößerte Barenhaus $. Joseph unb Co., Neukölln, Berliner Str, 51-55, ab Mittwoch, bem 2. Januar, peranstaltet. Die rüdsichtslos- teilweise bis zur Hälfte herabgefegten Breise in fall allen Abteilungen werden jedem als spottbillig auffallen, fo baß es im eigenften Intereffe liegt, biefe enorm billige Einkaufsmöglichkeit bestens aus zunugen. Ueber die verblüffend niedrigen Preise berichtet die heutige it. fündigung der Firma H. Joseph und Co., Neukölln. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Zeitweise heiter bei zunehmendem Froft, Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, filiche Winde. Für Deutschland: Ueberall Frost, nur in den Gebirgen und im Süden noch Schneefälle. Berlin. Berlag: Borwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin S 68, Lindenstraße 8. Sierzu 2 Beilagen. lado PL AB 2. IANUAR INVENTUR AUSVERKAUF 214 KOMMT PRÜFT KAUFT X91 BIS ZU 50% ERMASSIGUNG IN FAST ALLEN ABTEILUNGEN BIS ZU 50% ERMASSIGUNGEN IN FAST ALLEN ABTEILUNGEN DES KAUFHAUSES N⭑JSRAEL BERLIN C2 SPANDAUER STRASSE KÖNIGSTRASSE + Geschäfts- Anzeiger VOLKS FEUERBESTATTUNGS- VEREIN YVAG 1913 UNTER REICHSAUFSICHT Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung: Kein Kirchenaustritt erforderlich [ G. F. 54 Bezirk Süden- Weften. Wäscherei Albrecht KÖPENICK Dorotheenstraße 21 cht zu den bekannten billigen elsen.- Im Freien getrocknet. 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