BERLIN Donnerstag, 3. Januar 1929 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntagi Fugleich Abendbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3 66 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Rr. 4 B2 46. Jahrgang. nzeigenpreis: Die einfpaltige Monpareilleeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosschecktonto: Borwärts- Berlag G. m. b.. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönbeff 292 bis 27 Sturmfatastrophe in Japan. 87 Bisher 82 Tote gezählt.- Unwetter in aller Welt. Die Nordwestküste von Japan wurde gestern von! einem Ortan und einer dadurch hervorgerufenen Springflut heimgesucht. In den Küstenstädten des Bezirks Niigata wurden Hunderte von Häusern zerstört und fortgeschwemmt. 56 Personen tamen ums Leben, viele sind verlegt. Die telegraphischen und telephonischen Verbindungen sind unterbrochen. Der Dampfer ,, Toyotomi Maru" ist untergegangen. 31 Mann der Besakung sind ertrunken oder wurden erfroren aus dem Meere aufgefischt. Vier Mann konnten lebend geborgen werden. Berheerungen in Spanien und Frankreich. In der Nacht zum Mittwoch ist über Saragossa ein schweres Unwetter niedergegangen. Telegraphen- und Telephon ve: bindungen find unterbrochen, die elektrischen Leitungen zerstört Infolge zahlreicher Kurzschlüsse erlitten mehrere Personen Brandwunden. Ein zwölfjähriges Mädchen wurde durch einen elektrischen Schlag getötet. Der Straßenbahnverkehr ist eingestellt. Während der gestrigen Ueberfahrt des Dampfers Gouver neur General Jonnart" von Algier nach Marseille wurden drei junge Leute über Bord gespült. Rettungsverfuche blieben ohne Erfolg. Aus verschiedenen Teilen Frantreichs fommen Berichte über starte Schneefälle, große Sälfe, Stürme und Ueberschwemmungen. Die Telephonverbindungen mit Südfrankreich sind seit gestern zum größten Teil unterbrochen. In der Gegend von Berdun ist die Marne auf eine große Strede über die Ufer getreten. In der Auvergne ist so ftatter Schnee gefallen, daß der Eisenbahnverkehr an mehreren Stellen unterbrochen wurde. In verschiedenen füdfranzösischen Städten ist Schnee gefallen. Auf allen Meeren herrscht ein starker Sturm. In Toulon ist ein tunesischer Frachtdampfer gestrandet. Durch eine Sturzwelle ist in den Hafenanlagen von Toulon beträchtlicher Schaden angerichtet worden Mehrere Fischerboote sind aufs Meer hinausgetrieben worden. Zahlreiche Schiffe haben sich in die Häfen von Cherbourg und Le Havre geflüchtet. Die Züge find in Paris gestern zum Teil mit achtstündiger Berspätung eingetroffen, was meist den Schneestürmen zuzuschreiben ist. In Marseille ist gestern abend 3 um erften mal feit fünf Jahren wieder Schnee gefallen. Kälte in Ober: und Mittelitalien. Die strenge Kälte in Mittel- und Oberitalien hält an. In der Lombardei und in Benetien hat der starke Schneefall vielfach Berkehrsstörungen zur Folge gehabt. Auf der Eisenbahnlinie Trieft- Adelsberg find alle 3üge im Schnee stedengeblieben. Zahl. reiche Arbeitergruppen sind mit der Beseitigung der Schneemassen beschäftigt. Auf dem Karst liegt der Schnee drei Meter hoch. Fiume ist durch den starken Schneefall vom Eisenbahn, Telephonund Telegraphenverkehr gänzlich abgeschnitten. Man erinnert sich dort seit 30 Jahren nicht mehr an einen so schneereichen Winter. Der Monte, Maggiore ist bis zum Meer herunter mit Schnee bedeckt. Aus Grado werden heftige Schnee- und Regenfälle gemeldet. Der Dampferverkehr an der Triestiner Küste mußte wegen des hohen Wellenganges eingestellt werden. Wetternachrichten. Auf Anruf beim Haupttelegraphenamt. Damit das Bublifum die amtlichen Wetternprhersagen schneller und bequemer erhalten fann, hat die Deutsche Reichspoft auf Antrag der Deffentlichen Wetterdienststelle Berlin vom 1. Januar 1929 ab perjuchsmeije nachstehende Neuerung für die Fernsprechteilnehmer des Drisfernsprechnezes Berlin zugelassen. Danach fann jeder Fernsprechteilnehmer von seinem Anschluß aus durch Anruf der Telegrammaufnahme des Haupttelegraphenamtes den neuesten amtlichen Wetterbericht erfahren, während er bisher eine Auskunft von der Deffentlichen Wetterdienststelle selbst einholen mußte, was höhere Kosten verursachte und auch umständ= licher war, da bei der Fülle der Anfragen zu gewissen Zeiten längeres Barten auf Anschluß vorfam. Von nun an wendet sich jeder Fernsprechteilnehmer über sein Bermittlungsamt an die ,, Telegrammaufnahme des Haupttelegraphen amtes" und erhält dort die um 11 Uhr pormittags für den nächsten Zag herausgegebene amtliche Wettervorhersage. Die für die Ausfunft zu zahlende Gebühr von 20 f. wird in üblicher Weije zu fammen mit den Fernipredygebühren eingezogen. Revolution im Mietpalast. Kein„ Eingang für Herrschaften" mehr! www Wieder einmal sehen die besseren Kreise tränenden Auges ein sich darin ausdrückte, daß auch die Dienstmädchen den Weg der Stück der guten alten Zeit auf Nimmerwiedersehen verschwinden." Gnädigen zu gehen wagten und niemand kümmerte sich darum. Im Namen des Boltes hat das Berliner Arbeitsgericht ein Urteil Als sich jedoch die Verhältnisse wieder stabilisierten, wurde der verkündet, bas im Namen des Königs niemals hätte gefällt werden Bordereingang wieder auf den alten Glanz hergerichtet und mit ihm fönnen. Es gibt keinen„ Eingang für Herrschaften" mehr! die Tafel: Eingang für Herrschaften". Damit begann in den ,, hochherrschaftlichen Häusern die Zeit eines erbitterten fozialen Aus der Vorfriegszeit stammt der Typ des Mietpalastes, der Kleintriegs. Die„ Dienstboten", die sich jetzt ,, Sausangestellte" nur geschaffen scheint, um dem Pöbel zu zeigen, daß es noch Unter nannten, empfanden das erneute Verbot nicht nur als boshaften schiede gibt. Durch geschliffene Scheiben blidt man auf ein Treppen. Entzug einer ihnen gewährten Erleichterung, sondern auch als haus, das mit schwellenden Teppichen belegt ist und neben dem Angriff auf ihre Ehre. Manche Träne der Wut wurde geweint, wenn der Hausverwalter in barschem Ton auf seinem Recht beftand, ein in Mahagoni ausgeführter Fahrstuhl greziös auf- und niederschwebt. Ein Schild mit goldenen Buchstaben belehrt dich jedoch, daß dies ein„ Eingang für Herrschaften" ist. Für Bedienstete nebenan." Nebenan bemerfst du eine bescheidene Türe, die dich meist zunächst ein Etüd fellerwärts führt. Heimliches Dunkel umfängt dich, und wenn sich dein Auge erst daran gewöhnt hat, findest du auch den Anfaß zu einer hölzernen Wendeltreppe, die spiralen förmig zur Höhe strebt. Das ist der Weg, den das Dienst mãdoen zu gehen hat, wenn die Gnädige es einholen schickt oder menn es nach feltenem Ausgang nachts der Ruhe auf dem Hänge: boden zustrebt. Dann kam eine böse Zeit, in der die Teppiche verschlissen und der emig reparaturbedürftige Fahrstuhl unbeweglich zwischen Himmel und Erde hing. Und dann fam die Revolution, die Tragödie eines Polizeibeamten Polen gegen Friedensoffensive Berichte 2. Seite Aber auch unter den ,, Herrschaften" selbst bildeten fich Parteien. Oder vielmehr, die schon vorhandenen Parteigegensätze kamen zum Ausbruch. Die Monarchisten begrüßten die Wiedereinführung des Zweiflassensystems als erfreulichen Erfolg. Manche Republikaner empfanden diese Rückkehr zum Alten nicht mehr als zeitgemäß. Sozialpsycho. logisch intereffart war es, daß gerade Frauen des Mittelstandes, die selber keine Hausangestellte mehr halten können, die strenge Durchführung der Zweiflaffenordnung mit besonderem Eifer überwachten. So fand man sich doch in dem angenehmen Bewußtfein gestärkt, etwas Besseres zu sein! Ein Zustand höchster Gereiztheit war erreicht, Ermissionstlagen drohten, als das Arbeitsgericht mit seiner Entscheidung bazwischenfuhr. Das Arbeitsgericht hat entschieden, daß den Hausangestellten der Berzicht auf Teppichtreppe und Fahrstuhl nicht mehr zugemutet werden könne und daß der Versuch, sie auf die Hintertreppe zurückzudrängen ,,, im höchsten Grade unbillig und unsozial", ,, mit den sozialen Empfindungen unserer Zeit nicht mehr in Einklang zu bringen" sei. Die deutschnationalen Hochherrschaftlichen haben also die Bartie verloren; zähnefnirschend werden sie zusehen müssen, wie Mine, Trine und Stine als Siege= rinnen vergnügt über dicke Teppiche hüpfen oder im Fahrstuhl mit Mahagonibekleidung zur Höhe schweben. D, diese Sozialdemokraten! D, diese Republik! Berlin im Schnee Wenn der Winter in Berlin sein härteres Gesicht zeigt, leiden auch die Vögel Not. Besonders die Möwen, die an der Spree und den Kanälen auttauchen, sehen es gern, wenn für sie vom Tische der Großstadt etwas abtällt. „Sie Republik ist ein Eaustall" Das politische Bekennlnis des Reichsbahn Inspektors. München, 2. Januar. lEigenbericht.) Äon dem Schöffengericht in Weiden(Oderpfalz) wurde der dortige Reichsbahniufpettor Broun wegen Vergehens gegen das Repukilikfchutzgefetz zu einer Woche Gefängnis nerurteilt. Braun hatte am 1. Oktober vorigen Jahres im Laufe eines polt- tischen Gesprächs am Biertisch u. a. erklärt:„Die Republik i st ein S a u st a l l. Schreiben Sie nur an Ären Severing, er solle kommen, dann halte ich ihm ein paar runter. In der R e- gierung sitzen Lumpen." Diese Slusbriick« kamen dem sozialdemokratischen Parteisekretariat in Weiden zur Kenntnis, das Anzeige erstattete. Zn der Verhandlung sucht« sich der Angeklagte mit allen Regeln der Kunst herauszulugcn. Er verstehe nichts von Politik, habe sich nie darum gekümmert, mach« auch vom Wahlrecht nie einen Gebrauch und lese nur das Lokalblatt der Bayerischen Volkspartei. Bezüglich Severing Hab« er nur gesagt, er könne Ihn gernhaben, wobei er gor nicht gemutzt Hab«, wer Severing eigentlich sei. Alle diese Einwände wurden dem Angeklagten als unrichtig nachgewiesen, so datz sich sein Verteidiger. Iustizrat Pfleger, Reichstogsabgeordneter der Bayerischen Volks. partei, darauf beschränkte, dem Gericht in längerer Darlegung aus- cinanderzus«gen, datz die Worte„Sau" und„Saustoll" in Bayern nur gedankenlos« Reden Sorten seien und keinen beleidi- genden Sinn hätten. Der Staatsanwalt beantragte 3 Wochen Gefängnis. Das Gericht begnügte sich ober mit einer Woche Gefängnis, wovon sich der Verurteilt« mit 10 Mark loskaufen kann. Außerdem hat er die Kosten des Verjahrens zu tragen. Gegen Braun ist im übrigen auch ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Zustizreform pilsudskis. Die R chter absehbar. Marschall, 3. Januar.(Eigenbericht.) Die neue polnisch« Gerichtsoerfassung, durch Aus- nahmeoerordnung des Staatspräsidenten erlassen, tritt mit den, l. Januar in Krast, obwohl der Sejm sich mit großer Mehrheit d a g« g e n erklärt Hot. Da der Senat diesem Sejnibeschlutz wegen der Weihnachtsferien nicht mehr rechtzeitig beitreten konnte, sind am Montag bereits Aussührungsbestimmungen zu dem„Gesetz" erschienen. Außer der Lereinheitlichung des polnischen Gerichtswesens, das bisher noch nach reichsdautfchen, altöster- reichischen oder oltrussischen Grundsätzen geregelt war, steht die neue Gerichtsverfassung eine Aufhebung der Unabsetzbar- keit der Richter vor. Die Ausführungsverordnungen liegen, im einzelnen fest, wie der Zustizministcr richterliche Beamte nach freiem Ermessen auf ander« Posten oder in den Ruhestand »ersetzen kann. Der neue Justizminister schreibt sich Cor, sprich— Zar! polen gegen Eowjei-Knedensoffeusive. Mit Rücksicht auf Rumänien. Warschau, 3. Januar. „Expreß Poranny" beschäftigt sich unter der Ueberschrist„In der sowjetrussischen Schmiede internationaler Intrigen" mit der Litwinow-Note an Polen und schreibt: es bleibe vor ollem unoer- ständlich, warum Moskau über den Kopf Amerikas hinweg auf eigene Faust die Durchführung des Äellogg-Paktes betreibe. Ein solches Lorwegnehmen der fremden Initiative mache keinen rattvollen Eindruck. Ferner setze der Umstand in Erstaunen. daß Litwinow sich nur an Polen und Litauen und nicht auch an die übrigen baltischen Staaten gewandt Hab«. Die allgemeine Loge sei jedoch normal und erfordere keine solchen Vorstöße. Zudem Hab« Rumänien, das dem Pakt beigetreten sei, gleichfalls keine sowjetrussischen Vorschläge empfangen. Moskau erwecke den Anschein, als ob es sich zum Dermittier zwischen Polen und Litauen auswerfen wolle. Diese Rolle komme jedoch nur dem Völkerbund zu. Es sei bedauerlich, datz die Rote Litwinows der Ehrlichkeit entbehr« und wie ein politisches Manöver wirken müsse. Die Stellungnahm« der übrigen Press« deckt sich im wesentlichen mit den vorstehenden Ausführungen, was auf gleichlautende Insor- mationen schließen läßt. Ein Blatt fügt hinzu, daß Polen Ru- manien gegenüber durch gewisie Abmachungen verpflichtet sei und daher keinen Sondervertrag abschließen könne. Diese Er- wägungen und Vorbehalte würden«in« kritische Stellungnahme der maßgebenden polnischen Stellen gegenüber Litwinows Rote bedingen.„Gazetta Warszawfka" erklärt, daß der in der Litwinow- Rote erhobene Vorwurf, als fei der polnisch-russisch« Nichtangriffsvertrag bisher durch die Schuld Polens nicht zum Abschluß gelangt, einer simplen Ausslucht gleichkomme. Die Schuld liege vielmehr aus sowjetrussischer Seite, da Moskau nicht bereit gewesen sei. die durch Polens Zugehörigkeit zum Völkerbund bedingte Formulierung anzu- nehmen. Zuletzt wird in der Presse hervorgehoben, daß die Beant- wortung der Litminow-Note wegen der Abwesenheit des Minister- Präsidenten Lartel und einiger KabinettsmitKlieder lang« Zeit in Anspruch nehmen werde. Zapan unter dem Gozialistengeseh. Blutige Demonstrationen/ Gehelm Haltung durch die Zensur Schanghai, Z. Januar.(Eigenbericht.) Die Lage in Japan ist nach Informationen, die das offizielle Nachrichtenbursau der chinesischen Regierung, dt«„Äuon Min News", aus Tokio erhalten haben, auf das höchst« gespannt. In allen Industriezentren Japans ist es im vorigen Monat zu großen Kundgebungen der Arbeiterschaft gekommen, bei denen gegen die Verfolgung der Opposttlpn pro- testiert wurde. Anläßlich dieser Demonstrationen haben sich in Tokio schwere Zusammenstöße«reignet. bei denen die Polizei nicht mchr Herr der Situation geblieben«st und Militär zur Unterstützung heranziehen mußte. Bei dem ersten Renkontre wurden« Demo» st ranten getötet, 60 verwundet und Wv Verhaftungen vorgenommen. Bei dem Zwesten sind 2 Soldaten und 21 Arbeiter ums Leben gekommen. Lehnlich« Kundgebungen. bei denen nicht nur Arbeiter, sondern auch Intellektuell« und Bauern beteiligt waren, habe» sich auch w Osaka. Kioto und einer Reihe anderer japanischer Städte«reignet. Die japanisch« Regierung führt nach ihr» bisherigen Ge- pflagenbeit die Unruhen auf kommunistische Umtriebe zurück. Di«„Kuon Min News" oersichern demgegenüber aus Grund zuverlossiger Berichte, daß die Bewegung im Gegenteil von den nicht kommunistischen Arbeiterparteien und der radikalen bürger- Tragödie eines Polizeibeamten. Mordversuch und Selbstmord. In Elberfeld wurden am Mistwoch in einem Schuppen der Firma Drolshagen der Ehaufseur Haitz und der Poltzeiwacht- meister Olsberger mit schweren Schutzverletzungen in oernehmungsunfähigem Zustand« aufgesunden. Die Schwer- verletzten wurden sofort ins Krankenhaus geschafft, wo der P o l i- zeiwachtmeister verstärk». Haitz erklärte, nachdem er das Bewußtsein wiedererlangt hatte, sein Freund Olsberger habe ihn am Vormittag in Zivil im Kontorhäuschcn ausgesucht, wv sie i n Gegenwart eines Burcauangestellten Streitigkeiten bekommen hätten. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen habe Olsberg» plötzlich eine Schußwaffe gezogen und auf Ihn mehr»« Schüsse abgegeben. Er. Haitz, sei dann zusammengebrochen. Als dies d» Schupowachtmelst» gesehen habe, habe er sich selbst«- schössen. Olsberger war ein in westdeutschen Sporttreisen sehr bekannter Mann, der in verschiedenen sportlichen Zweigen Meister- schaften errungen hatte. Im Streit den Landsmann angeschossen. Mit einem Pistolenschuß endete in der vergangenen Nacht eine Auseinandersetzung zwischen einem Kaufmann B., der in der Dräganerstraße wohnt und seinem Landsmann L Die beiden kennen sich von Kowno her, wo L. geboren ist. B. will erst jetzt aus Tilsu hierhergekommen sein, das scheint aber nicht wahr zu sein. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr gerieten die beiden in der Kyffhäuser- straße in einen Streit, der in seiner Ursach« noch nicht aufgeklärt ist. L. zog schließlich eine Pistole, schoß aus seinen Gegner und traf ihn In den rechten Oberarm Der Verletzle wurde vom 173. Revier nach der Klinik in der Ziegelstraße gebrachi und dort verbunden. Er konnte dann wieder entlassen werden. Aus dem Revier verweigerte er die Auskunst über die Deranlaffung zu dem Streit. L. ist verschwunden und wird von der Polizei gesucht. Nie Duisburger Gaskatastrophe. Die Vergifieten außer Lebensgefahr. Wie wir erfahren, konnten die beiden in dos Duisburg» Bekhesda-Kronkenhaus«ingelieferten Kinder bereits wieder« n t- lassen werden, und auch die im Manen-Hospital untergebrachten Erkrankten befinden sich sämtlich außer Lebensgefahr. Das Polizeipräsidium gibt zu der Katastrophe folgen- den Bericht: Di« In das Marlen-Hospital eingelieferten Personen befinden sich außer Lebensgefahr. Auch besteht kein« Gefahr mehr für die Nochbarschost der betroffenen Häuser. Das ausgeströmt« Gas hat seinen Weg an den hausaaschlüssen vorbei in die be. kressendco Häuser gesunden. Die Ursache, ob Material- oder Ar- beitssehler, kann erst festgestellt werden, wenn die Leitung abge- stellt, entlüftet und das schadhafte Stück herausge- schnitten ist. Das wird im Laus« des Sonnabends oder Sonn- tags ersolgen. Bis dahin muß es bei einer provisorischen, aber vollständig sicheren Abdichtung bleiben. lichen Opposition getrogen wird. Von der japanischen Regierung werden alle Mittel angewandt, um die wirklich- Lage nach außen hin geheim zu halten. Di« Zensur ist bis zu einem selbst in Japan noch unerhörten Maß verschärst worden. Der einheimischen Presse sind keinerlei Mitteilungen über die Vor- gänge gestattet worden: die Telegramme der ausländischen Korre- spondenten wurden durch die Postbehörden ebenfalls zurückgehalten. Arbeiierdrama in Dombny. Kommunisten greifen an, Polizei schießt. Bombay. 2. Januar.(Eigenbericht.) Durch die Schuld radikaler Textilarbeiter ilt es im Fabrikviertel zu schweren Zusammenstößen zwischen Arbeitern gekommen, die den Tod von neun Menschen sowie schwere Verletzungen von mehr als 50 anderen zur Folge hatten. Di« Auseinandersetzungen begannen, als einige Führer der Textile-Labour-Union nach Verhandlungen über die Beilegung von Lohndifserenzen die Sosioon Spinning and Wawing Mill-Fabrik verliehen. Ihr Auto wurde von einem Hausen Anhänger der unter kommunistischem Einfluß stehenden Opposition umringt und mit Steinen und Flaschen beworfen. Sämtliche Insosien er- litten teils leichte, teils schwer« Verletzungen und mußten sich zur ärztlichen Behandlung in ein Hospital begeben. Anläßlich dieser Dorkommmss« veranstaltete die Textile-Labour-Union eine Per- sammlung, in der es zu Auseinandersetzungen zwischen der radikalen und der gemäßigte» Richtung kam. Die Polizei versuchte vergeblich die Gegner auseinanderzubringen. Nach ihrer Angabe wurde sie bei diesen Bemühungen von der Menge tätlich angegriffen und da sich die 20 Polizisten der Uebcrmacht nicht erwehren konnten, liehen die europäischen Offizier« in die Menge schießen." Unter den Toten sind auch drei eingeborene Polizisten. Die Erregung der Arbeiter wird verschärft durch die Unnach- giebigkeit der Arbeitgeber, di« hartnäckig aus Lohnherab- s e tz u n g und mit der Einführung von Maschinen sowie mit der Verlegung der Betriebe von Bombay in ländlich« Gegenden drohen. Während die Führer der Gewerkschaften sich nach Kräften um sried- sich« Beilegung bemühen, wird von dem radikalen Flügel die General st reikparol« ausgegeben, deren unmittelbar« Folgen bisher blutige Zwischenfälle sind, während ein« Löh- rnung der einheitlichen Aktion der Gewerkschaften durch die Spaltung eintritt_ Was man Arbeiiern zumutet. Rochmals die Firma A. Hefter. In neuerer Zeit zeigt« sich bei der alten Fleischerfirma A. Hefter«in starker Ausdehnungsdrong Wie jede Großsirrna legt auch die A. Hefter K.-G. Wert auf Abnehmer ihrer Erzeugnisse aus den Kreisen der Arbeiterschaft. Aber in be.zug auf Behandlung des Personals unterscheidet sie sich nicht von den größten Schars- machern In der Industrie. Ein besonderer Dorn ist der Firma die Zugehörigkeit ihres Per- sonals zur freien Gewerkschaft. Um einen stärkeren Druck auszuüben, hat die Firma letzthin ihre FUialleiter und die ersten Lertäuserinnen ihrer 16 Geschäfte zu einem kleinen Imbiß in die Weinabteilungen der Ratskeller zu Berlin und Schöneberg em- geladen, der sich bis um 5�2 Uhr nachts hinzog. Als aber der Wahl- vorstand zur Betrtebsratswohl um 8 Uhr abends zu einer Betriebs- Versammlung einladet, da entdeckt die Finna, daß ihr Personal durch di« Tätigkeil im Geschäft zu abgespannt sei, um noch an einer Versammlung teilzuttehrnen. Durch Auehang und Vorlegung von Reversen greift die Firma in den Gang der gesetzmäßig ausgeschriebenen Betetebsrotswahl ein und versucht deren Durchführung zu verhindern. Auch Dienstanweisungen sind erlassen worden. Sie zeigen, daß die Angestellten für die Firma mir Objekte sind, die willenlos zu parieren haben, andernfalls fristlose Entlassung. Daß e« auch Schutzgesetze für Arbeiter gibt, geht die Firn» A. Hefter K.-G. gar nichts an. Ein paar Blüten aus diesen Dienst- anwelsungen: ....Sämtliche» Personal bekommt«in« Nummer zum Anstecken, die ständig getragen werden muß. Jede Unterhaltung während der Dienstzeit ist streng unter» sagt.../(Die einst in Plötzensee.) vor Antritt der Stellung bei Heft» hat seder«in Gesundheit»- attest, ein polizeiliches Führungezeugnis und zwei Poßphotographien abzugeben. Dan Fingerabdrucken hat man vorläufig abgesehen. Trotzdem also nur gesundes Personal eingestellt wird, soll für die Firma leine Verpflichtung zur Fortzahlung des Gehalts in Krankheitsfällen bestehen. So leicht dürste der§ 63 des Handelsgesetzbuches denn doch nicht aus der West zu schaffen sein. Neu« Wege zu Krast und Schönheit erblickt die Firma Hefter darin, daß sie von den Fleischern 250 Mark, von den Verkäuferinnen 100 Mark und von den Hausdienern 25 Mark Kaution ver- langt und diese Kaution erst einen Monat nach Aus- scheiden aus der Firma zurückgezahlt wird. Ein Novum im Fleischergewerb« Berlins. Das Gehalt der Angestellten wird von der Firma festgesetzt. Jeder Angestellte ist für den Schaden haftbar, der in Aueübung der beruflichen Arbeit entsteht. Den Wert des entstandenen Schodens setzt die Firma fest Daß bei derartigen Zuständen in einem Berliner Betriebe die Gcschäitsleitung allen Grund hat. ihr Personal von der Organisation fernzuhalten, dürfte sämtlichen Konsumenten einleuchten. Die Heimarbeiterin klagt! W.e Arbeitende ihre Rechte verlieren. Bor dem Arbeitsgericht Lagt eine alte Heimarbeiterin auf Nach- Zahlung des ihr taristich zustehenden Lohnes. Sie hat für ein großes Unternehmen Kleid» und Mäntel gearbeitet und hat hierbei, bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 bis 15 Stu-n- d« n d i e g a n z« W o ch e 20 M. verdient. Räch dem Tarifoertraa hat sie innerhalb des letzten Monats 50 M. zu wenig ausbezahlt »halten, die sie jetzt im Klagewege zu bekommen hofft. Der Beklagte lchnt jede Nochzahlung ab. Er läßt sich auf eine Erörterung über die Auslegung des Tarifvertrages nicht ein. sondern legt die Lohnquittungen d» Klägerin vor. Die Hot jedesmal über den richtigen Empfang des Geldes quittiert und gleichzeil g bestätigt, daß sie irgendwelche weiteren Forderungen an den ve- klagten nicht mehr hat. Sie hat also regelrecht« Ausgleichs- q u i t t Ii n g e n unterschrieben. Und aus Grund dieser Tatsache wird sie mit ihrer Klage abgewiesen.— Es handelt sich hier um einen Fall, der in der Rechtsprechung leider keine Ausnahme dar- stellt. Die Auegleichsquittung hat schon so manche an sich berech- tigt« Lohnforderung der Arbeitnehmer illusorisch gemacht. Wie aber kommen diese ominösen Ausgleichsquittungen zustande? Dem Arbeiter wird bei der Lohnza hsiing ein vorgedrucktes Formular vorgelegt, dessen Inhalt er meist nicht durchliest oder über dessen Bedeutung er sich doch nicht klar ist. Wird ihm wirklich verständlich, daß» mit seiner Unterschrist auf Recht« ver« z i ch t e t, und verweigert deshalb di« Unterschrift, so erhält« keinen Lohn und verliert außerdem die Stelle. Gewiß, er kann den Lohn dann auf dem Arbeitsgericht einklagen Dabei vergehen aber lange Wochen, während denen er keinen Lohn hat. Darum unterschreibt er lieber— und verzichtet aus seine Recht«. Es ist grober Unfug, daß sich die Mehrzahl der Arbeitsgerichte noch immer auf den Standpunkt stellt, daß die Ausgleichsquittung absolut gültig ist. Güllig darf nur eine» sein: der Tarifvertrag. Di« Tarisvertrageoörnung ist«in Gesetz und di« Tarifverträge sind für ied»mann gültig. Es geht nicht an. daß die Bedingungen des Tarifvertrages im Einze'arbeitsvertrog abgeändert werden dürfen. Dann ist seder Tarifvertrag überhaupt nichts weiter als ein wert- loses Stück Papier._ Die Schlacht am Schlefifchen Vahnhof. Stellungnahme der BeztrlSversammlung Friedrichshain. In der Bezirksversammlung'Friedrichshain kam es am Mittwoch zu einer Aussprache über die Schlacht am Schi« fischen Bahnhof. Drei Fraktionen, die sozialdemokratische, die kommunistische und die deutschnationale, hatten durch schleunigst eingebrachte Anträge das Bezirksamt aufgefordert, Schritte zu vermehrtem Schutz der Bevölkerung zu tun. Für dos Bezirksamt antwortete Stadtrat Brückner, d�ß schon seit 1021 dos Bezirksamt sich bemüht Hab«, auf Aenderung der beklagten Zustände hinzuwirken. Noch vor wenigen Monaten habe aus eine Eingabe des Bezirksamtes das Polizeipräsi- dium geantwortet, die erforderlichen Vorkehrungen seien getroffen worden. In der Debatte wurden scharfe Angris'e gegen die Polizei gerichtet, die dieser Zustände nicht Herr zu werden vermocht habe. Schwerer Sauunfall. Auf einem Bau In der Bürger st roß» 4 in Reinickendorf-Ost ereignete sich heute vormittag«in schwerer Bauunfvll. Der Sbjährtg« Schlosser Karl Döring au» der Kontstraß, 12 verlor auf dem Gerüst plötzlich den Halt und stürzt« au» be- trächtlicher Höhe ab. Mit schweren Rückgratver'etzun- gen wurde der Verunglückte durch die zu Hilfe gerufene Feuer wehr In das Jüdische Krankenhaus in der Exerzierftraße gebracht. Kommunistenschrei nach Polizei Zunft der„ Fremdgeschriebenen". Wo bleiben die des bewaffneten Daß die Kommunisten nach der Polizei schreien, ist tein alltäglicher Borgang. Doch das Unglaubliche jezt wird es Ereignis! Da nichts auf der Welt sich ereignet, das nicht für die kommunistische Agitation zurechtgebogen wird, so muß jeẞt die Straßen= schlacht am Schlesischen Bahnhof Wasser auf die tommu nistischen Mühlen leiten. Die Kommunisten berufen eine Versamm. lung ein mit der Tagesordnung:„ Wo war die Polizei der Sozialdemokraten Grzesinsti und 3ōrgiebet?" Konsequenz ist noch nie die starke Seite der Kommunisten gewejen. Das eine Mal hezten sie das Verbrechergesindel gegen die Polizei, das andere Mal schreien sie Beter Mordio, weil die Polizei nicht rechtzeitig zur Stelle ist. Wir stellen fest: Ms die Kölner Polizei si mit den Brüdern Heidger herumschlug, waren die Sympathien der gesamten kommunistischen Presse auf feiten der Verbrecher, ebenso im Falle des Massenmörders Hein. Hören wir, was der ehemalige Lommunistische Reichstagsabgeordnete Otto Thomas, jetzt Chefredakteur der kommunistischen Montagszeitung", in seinem Blatt damals schrieb: Die individuelle Lösung, die Verbiffenheit und Wut gegen die Bolizei als eine politische Klaffenerscheinung ist bei ein und auch bei ben Gebrüdern Heibger ganz deutlich in Erscheinung getreten... Andererseits bietet der Kampf der Gebrüder Heid ger mit der Polizei gewisse ehren, insbesondere darüber, wie durch eine kleine Anzahl von Menschen, in diesem Falle von Ber brechern, ungeharre polizeiliche bzw. militä Zylinderleute. Th Mich dürfen Sie nicht mit den Zylinderleuten, die Sie überfillen haben, verwechseln. 3ch bin nur ein harmloser Unternehmer und zapfe 3hr Blut ab, ohne Gewalt anzuwenden!" rische Kräfte gebunden werden tonnen. Die Theoretiler des bewaffneten Aufftandes tönnen zweifellos aus dieser hehjago in Köln ebenso viele Lehren ziehen wir aus dem Hamburger Aufstand. In den Gebrüdern Heldger ift die proletarische Revolution lebendig, nur ist sie nach der individuellen Seite abgedrängt. Die Gebrüder Heidger, der Bosträuber Hein, das sind rheinische Rebellen Die Heibgers und der Hein, es waren Rerle. Sie hatten ut, Entschlossenheit und Taffraft. So hat die kommunistische Bresse noch vor wenigen Monaten das ärgste Berbrechergesindel geliebtoft und verhätschelt, hat es als Rehrmeister her proletarischen Revolution hingestellt. Heute schreier die gleichen Kommunisten nach der Polizei und veranstalten Protestversammlungen, weil die Polizei nicht scharf genug gegen das Buhältertum vorgegangen sei. Kommunistische Kon fequenz! Das zweite Revolutionsstadium. Freiheit und Friede in China. Schanghai, 3. Januar. In einer Neujahrsboifchaft des Präsidenten sowohl wie in einer privaten Auslaffung des Ministers des Aeußeren wird hervorgehoben, daß das verflossene Jahr mit der Hissung der nationalen Flagge in der Mandschurei die Einigung des chinesischen Gesamtreiches und den Abschluß der ersten Periode der Revolution gebracht hat, während außerdem auf dem Gebiete der auswärtigen Politit die Möglichkeit einer baldigen praktischen Durchführung der 3ollautonomie gefchaffen worden ist, feit dem mit der einzigen Ausnahme Japans, mit dem jedoch ebenfalls, mie verlautet, in aller Stille verhandelt wird, alle Mächte den Grundsatz der Zollautonomie anerkannt haben. Wie die Botschaft weiter ausführt, erwartet bie chinesische Nationalregierung, daß die fremben Mächte in absehbarer Zeit auch auf die anderen ein feitigen Sonderrechte hinsichtlich der Erterritorialität, der Küsten- und Inlandsschiffahrt, der Pachtgebiete und der Truppen garnisonierung Berzicht leisten, da man das gesamte Bogerprotokoll als durch die veränderten Verhältnisse überholt bezeichnen müsse. Das zweite Stadium der Revolution, in das man nun eingetreten sei, habe die Aufgabe des Wiederaufbaues im Innern zu lösen. Die Grundlage für diesen Wiederaufbau sei gelegt, feit die in Ranting biejer Tage zusammengetretene Konferenz für die innere brüstung geglüdt fel, zu der sich die meisten großen Militärführer eingefunden haben. Durch diese Konferenz werde zum ersten Male die Aufstellung eines Budgets für das Gesamtreid in den Bereich der Möglichkeit gerückt und oben brein fünftigen Bürgerfriegen vorgebeugt. ( Schluß des redaktionellen Teils.) Gang ameritanish. Uni bas Riefenlager zu räumen, hat das betanute Großbetall- Schuhlata! Behrnbt, Münzstr. 5, burchweg alle Schuhe für Damen, Sernen und Rinder herebgefest. Bei über 1000 Bear find in ben jest wieder vergrößerten Bertaufsräumten offen zum Ausfuchen aufgestellt, fo baß fich jeber nach Serzensluft felbft das Taffende herausfuchen tann, um es felbft aur Raffe au bringen. Auf Wunsch wirb aber auch vom Bersonal bedient oder beraten. Einen Kampf auf Leben und Tod haben vor einigen Tagen zmei| Knolenstod, sind unentbehrliche Ausrüstungsgegenstände, und ein Organisationen gegeneinander geführt, die sich beide eine umft" nennen können. Die Berliner Verbrecherzunft, die mit Revolvern gegen die Zimmerleute vorging, hat sehr moderne, allzu moderne Sitten. Jahrhunderte alt sind dagegen die Gebräuche, die sich bis auf den heutigen Tag bei den Zimmerleuten erhalten haben; fein anderer Beruf hat es verstanden, seine Tradition so zu erhalten. Erstaunt betrachtet man in den größeren Städten die fräftigen, mertwürdig gekleideten jungen Burschen. Aus schwarzem Manchester famt ist die Hofe angefertigt, die unten breit ausläuft, ungeheure Schwarze Filzhüte oder Zylinderhüte dienen als Kopfbedeckung, und die weitausgeschnittene Weste schmüden große auffallende Knöpfe. Ein wichtiger Bestandteil der Kleider ist die Ehrbarkeit", eine Art Halsbinde, die aus einem schmalen schwarzen Bändchen besteht. Sie wird nicht etwa um den Hals geschlungen, sondern durch den Hemd schluß gezogen und muß auf das weiße Hemd herabfallen. Einen Kragen darf ein zünftiger Zimmermann nicht tragen, ebenso muß er auf einen Schnurrbart verzichten. Die letzten fahrenden Gesellen könnte man die„ Fremdgefchriebe nen" nennen, die zünftigen Zimmerleute, die auf Wanderschaft gehen. Wenn ein Zimmermannslehrling ausgelernt hat und die Belt sehen will, fann er sich nämlich bei der Gesellerrschaft und Brüderschaft der fremden Zimmergesellen" eintragen lassen, beren Hauptsiz in Bremen ist. Die Fremden" halten alle drei Jahre einen von den Borsitzenden der verschiedenen Gruppen, den Altgesellen, und einem Teil der ausgereisten Gesellschaft besuchten Rengreß" ab, auf dem neue Ordnungen und Bestimmungen beraten werden. Die Mitglieder der Verbände in den einzelnen Städten versammeln sich regelmäßig in dem fogenannten and mertssaal", in dem die Zunftzeichen hängen. Bei einer solchen Bersammlung der Berliner Zimmerleute ist ja auch der Kampf ausgebrochen. In jeder deutschen Stadt, in der sich fieben Frembgeschriebene befinden, tann eine Brüderschaft gegründet werden oder, wie der Fachausdruck lautet ,,, das Buch aufgemacht werden. Der Neuaufgenommene muß einen Doppelliter Bertragbier" zum Besten geben; erst dann ist er ein Geschriebener", der später ein geftictes farbiges Band für die Gesellschaft stiften muß. Nach kurzer Beit begibt sich der neue Gefelle auf die Wanderfahrt; in ganz Deutschland, ja jogar in fremden Ländern findet er Unterstützung bei den Ortsvereinen, bei denen er vorspricht. Drei Jahre foll er seiner Heimatstadt fernbleiben. Er darf diesen Ort bei besonderen Anlässen höchstens auf 24 Stunden aufsuchen; wenn er länger ver meilen wollte, würden zwei Altgesellen" ihn wieder zur Stadt hinausführen, meil die Tradition es so vorschreibt. Ein Zettel, der auf Bappe geflebt ist, bescheinigt dem wandernden Gefellen, daß er unterstügungsberechtigt ist, und diesen Zettel muß er bei jedem Ortsverein vorzeigen. Hat der Gefelle aber in einer anderen Stadt Schulden hinterlassen, dann erhält er einen anderen Zettel, auf dem feine Sünden verzeichnet sind. Der„ Berliner", so wird das Rängel genannt, das er auf seinem Rüden trägt, und der Steng, der berbe Die lustige Witwe." Charell im Metropoltheater. Franz Lehárs Lustige Witwe war einmal sehr berühmt; nun soll sie es durch Frizi Massary wieder werden. Sehr arm an pro buftinen Kräften ist das heutige Amüsiertheater; es reicht nicht, die paar Operetten hervorzubringen, die man braucht, um den Betrieb in Gang zu halten. Man greift zurück, greift tief in die Bergangen heit jener Wiener Operettenrenaissance", die vor einem Vierteljahrhundert ausgebrochen war, mit ihrer schundigen Sentimentalität, mit ihrer prätentiösen Berlogenheit, die sich für ehrlich hält, und ber titschigen Melabramatif, die fich fo furchtbar ernst nimmt. " Ob die Lustige Witwe" wieder aufgeführt wird, wie sie aufgeführt wird: es ist für uns fein Problem. Ein anderes, fie wird im Metropol Theater fo gegeben, daß es, alles in allem, ein Theater abend wird, der sich gelohnt hat. Charell hat nun schon seine be pährte Methode, so etwas zu machen. Mit einer großen Attraktion für die Hauptrolle, auf die das Ganze zugeschnitten wird; mit Ernst Stern, dessen nie versagender Geschmad und dessen unerschöpfliche Bhantasie die Sehenswürdigkeit alles Bibhaften bis ins letzte Kostüm garantieren; mit viel Ausstattung und Abwechselung, mit Girls, Boys, eingelegten Tänzen( diesmal mur einem Riggerfänger, der ein wenig aus dem Rahmen fällt). Das ist in der Tat schon etwas wie ein neuer, neu geschaffener Theaterstill geworden. Frizi Massary behält troßdem den Stil ihrer Bersönlichkeit, schlechthin bewunderungswürdig in der Bollendung jeder Gefte, jedes Tones; ihr gelingt die feltene Synthese aus Operette und großer Kunst. Aber der Beifall ist am lautesten nach einem luftigen( von Gelbtrunk bearbeiteten) Schlagerduett, in dem sie freilich Mar Hansen als Partner hat, den liebenswürdigsten, anmutigsten Künstler der Berliner Operettenbühne. Wie er den Tauber parodiert, diskret und unwiderstehlich zugleich, in vernichtender Lächerlichkeit, das ist ein Stüd Operettenfritif, stärker, als sie sich schreiben läßt. Die geheimnisvolle Grippe. K. P. Der Seuchenzug der Grippe geht wieder über die Welt, und befonbers in Amerita hat diese Krankheit bereits zahlreiche Opfer gefordert. Auch bei uns breitet sie sich jetzt immer mehr aus, und das Schlimmste dabei ist, daß unsere Aerzte diesem gefährlichen Feind ziemlich machtlos gegenüberstehen. Mit den ganz unbefriedigenden Ergebnissen der bisherigen Erforschung der Grippe beschäftigt fich das Blatt des amerikanischen Wissenschaftlichen Dienstes". Hundert tausende von Dollars sind nach diesen Ausführungen verschwendet worden, um der geheimnisvogen Krankheit ihr Rätsel zu entreißen, aber wir wiffen noch heute so wenig von ihr wie in den Jahren 1918 und 1919, als sie die Welt so sehr in Schreden versezte. Man weiß nicht, durch was für einen Erreger die Krankheit hervorgerufen wird, man weiß nicht genau, wie sie fich ausbreitet, und man weiß überhaupt nicht, wie man ihr entgegentreten soll. Im Jahre 1918 wurde in Amerita eine Stommiffion eingelegt, die die Grippe stu dieren sollte, aber man ist in dem ganzen folgenden Jahrzehnt nicht rechts vorwärts gefommen. ,, Das beste, was die Gelehrten tun können, heißt es in der amerikanischen Beröffentlichung, ist die Barhung, mit Grippe franten in Berührung zu fommen, da feststeht, daß die Krankheit zwei Tage nach der Berührung mit Personen, die an ihr leiden, ausbricht. Wer die Grippe einmal gehabt hat, wirb baburch nicht etma gefeit gegen neue Ansteckung, sondern er muß so porfidhtig sein wie diejenigen, die sie noch nicht gehabt haben. Es wird im all. gemeinen empfohlen, sich nicht unter große Menschenansammlungen zu begeben, meil es beim Auftreten der Epidemie in jeder Menschenmerkwürdiger uralter Brauch will es, daß der Zimmermann ein rotes Taschentuch über den Berliner" breitet, bevor er an der Tür der zünftigen Zimmermannsherberge flopft. Ebenso muß er drei Knöpfe seines Rodes vorher schließen und seinen Stock mit einknöpfen, der dann oben und unten aus dem Rode hervorsieht. Dreimal muß er mit der Faust an die Tür pochen, und mancher fräftige Geselle soll dies schon so heftig getan haben, daß er babei die Türfüllung einschlug. Dann tritt der Fremde ein, und mun entspinnt sich ein Dialog, der seit Jahrhunderten genau im Wortlaut festgelegt ist. Freie Uebernachtung und fostenloses Frühstück merden jedem Zünftigen gewährt; wenn die zuständige Gesellschaft über reichere Mittel verfügt, erhält er sogar noch ein Abendbrot. er aber in den Weihnachtstagen in der Zimmermannsherberge vorspricht, wird sogar drei Tage freigehalten. Erfrankt ein wanbernder Zimmermann, so wird in der siebenten Woche eine Geld fammlung für ihn veranstaltet, bei der stets größere Beträge zufammenfommen. Schon in der Lehrzeit wird dem zufünftigen Zimmermann beigebracht, daß er eine Standesehre zu wahren hat. Selbst wenn ihm auf der Wanderschaft das Geld ausgegangen ist, darf er feine fremde Stadt betreten, wenn er feine Sohlen an den Schuhen hat. Mit Draht muß er die Reste feiner Fußbekleidung zusammenflechKosten der Ortsgesellschaft besohlt. Wenn sein Anzug auch noch ten, bis er die Herberge erreicht hat, und dort werden sie ihm auf so zerlumpt sein mag, stets muß er die vorgeschriebenen drei Knöpfe aufweisen, und nie darf ein wandernder Zimmermann ohne Hut erscheinen. Wenn nun ein solcher Fremder" in einer Stadt Arbeit sucht, ist dieser Vorgang auch wieder mit besonderen 3eremonien verbunden, denn er darf nicht etwa einfach nach Beschäftigung fragen, er muß dreimal an die Tür des Meisters flopfen und dazu fprechen:„ Mit Gunst und Erlaubnis, ist der ehrbare Meister zu sprechen?" Worauf ihm dieser antwortet:„ Das ist löblich!" Nachdem der Stellungsuchende nochmals eine bestimmte Formel vorge tragen hat, erhält er entweder Arbeit oder, wenn der Meister ihn nicht beschäftigen fann, ein Geldgefchent. Meist halten sich die abenteuerlustigen Gesellen nicht lange an einem Ort auf. Wenn nun ein Zünftiger die Stadt perläßt, geben ihm die anderen Kameraden das Geleite und fingen dabei rührende, tränenselige Abschiedslieder. Von einer anderen Zeremonie weiß Eugen Weiß in Der Entdedung des Bolfs der Zimmerleute" zu berichten. Wenn nämlich ein Fremdgeschriebener" unterwegs stirbt, so schreiten dem Sarg einige Kameraden voran, die neue Alerte auf der Achsel tragen. Ihnen folgt ein Trupp in Hemdsärmeln, und all diese Leute tragen Winkeleisen, Hammer und Hobel, auf welche Zitronen gespießt sind. Dann erst tommt te Zunft, und jeder Teilnehmer trägt den vorgeschriebenen 3ylinderhut. Jeder Zimmermann wirft später eine Scholle Erde auf den Sarg und spricht dazu:„ Als Fremder bist du gereift, als Fremder bist du gestorben, als Fremder sollst du in fremder Erde begraben sein." Zuletzt werden die aufgespießten Zitronen in das offene Grab geworfen. menge Personen gibt, die die Krankheit bereits in fidh tragen, wenn fie es auch noch nicht missen. Die meisten Seuchen folgen in ihrer Ausbreitung den Berkehrswegen. Die Grippe aber tritt gleichzeitig an fehr weit auseinandergelegenen Orten auf und macht es jo unmöglich, genau porauszusagen, wo sie in der nächsten Zeit auftreten wird. Immerhin tann man sagen, daß Städte, die in diretter Berfehrsverbindung mit irgendeinem augenblidlichen Mittelpunkt der Epidemie stehen, einen baldigen Ausbruch zu gewärtigen haben, ganz gleich, wie weit die Entfernung ist. Jeder Neuankömmling mit der Bahn oder mit dem Kraftwagen kann diese höchst unerwünschte Gabe mitbringen." Larifari. Das neue Kabarett. arifari, das neue Kabarett in der Lutherstraße, hölt, mas das Programmheft nerspricht; wie dieses ist der Grundton aller Nummern oder wenigstens fast aller: mihig mit Begabung und Bedeutung: dabei unprätentios, frei von literarischer Aufmachung. ,, Ganz unfeierlich. Aber. wir legen auch keinen Wert darauf, ibiotisch zu sein," schreibt Frig Gottfurcht. Aber Gesinnung ist das, fie betont sich nicht, weil sie sich von selbst versteht, man ist seitkritisch, gesellschaftskritisch, man ist es in leichter Form und lockerer Haltung. Mit ziemlich viel und ziemlich guter Jazzmusik; Den Ton gibt sozusagen Rosa Baletti an, obgleich fie erst nach der Bause auf dem Podium erscheint. Ihr Couplet ,, Es figt bei uns nicht richtig", mit der republikanischen Schlußstrophe, wird, hinreißend, wie sie es macht, der Schlager des Abends. Neben ihr Valesca Gert in ihren Parodien, nicht ohne Uebertreibung, nicht ohne Genialität; Käte Kühl in Chansons ihrer befannten Art, das beste Hanna ganz ohne Pathos und Sentimentalität. Cash" mit Worten von Brecht; Leonard Stedel, immer intensiv, nur ein wenig zu eifrig in der Komit; der elegante Joop bon Hülsen, mit einer wirkungsvollen Nuance von Silbftironie; Margarethe Hruby; Hermann Ballentin, als einziger ein bißchen literarisch in seinen ficher pointierten Borträgen, übrigens danfenswerterweise für den erfrankten Aribert Wäscher eingetreten, der leider nur als talentvoller Hausdichter im Programm pertreten ist, und Erich Einegg is produttiver Haustomponist, nicht sehr originell, doch mit Sinn für das Wesentliche. Das Wesentlichste frei lich geben ihm Kurt Tucholskys Strophen, die sich von selbst tomponieren. K. P. Eine ständige Kulturfilm- Bühne. In einem besonderen Saal wöchentlich Borstellungen von Kulturfilmen aus allen Gebieten gedes Deutschen Museums zu München werden tünftig dreimal geben werden. Die Besucher des Museums erhalten damit eine wichtige Ergänzung des im Museum zur Schau gestellten Materials. Artur Sinabel wird am Sonntag, mittags 1,12 Uhr, in der Bolts: bühne Schumanns umoreste op. 20, Mozarts Sonate D- Dur und Beethovens 38 Beränderungen über einen Walzer pon Diabelli op. 120, aum Bortrag bringen. Theaterchronit. Sonnabend, namis 11%, Uhr, findet bie beutiche Urauf führung von Jean Cocteaus Orpheus, veranstaltet von der Versuchs bühne des Theaters am Schiffbauerdamm, statt. .Schaufpletfunft, Welen, Geschichte und Gegenwart lautet das Thema von vier Vorträgen, die Julius Bab auf Einladung der Boltsbühne. V. am Sonntag, bem 6 Januar, und an den folgenden brei Sonntagen jeweils 20 Uhr, im Bürgerfaal des Rathauses, Girgang Königftr., Hallen wird. Einlagfarten für alle sier Vorträge zum Breite von 2 t, für jeben eingelbortrag zum Preise von 60 Pf., in ben bekannten Verkaufstellen ber Bolfsbühne. Berantmoril, für die Rebattion: Wolfgang Schwarz. Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin, Berlag: Bormärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buchbruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Ca., Berlin SBB 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. sing dhe Ausverkauf Hört Hört Theater, Lichtspiele usw. Dunns g., d. 3.1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 3 20 Uhr Donnstg., d. 3.1. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus III 19 Uhr Aegyptische Othello Helena Staats- Oper Am Pl.d. Repubi. A.-V. 1 19 Uhr Carmen Staat. Schauspielh. * Gendarmenmarkt A.-V. 3 20 Uhr Die PetroleumInseln Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Ist er gut 20 Uhr ist er böse? Beginn 2. Januar Deutsches Theater Volksbühne Norden 12 31 L'hr. Ende 10, U. Die Verbrecher Schauspie von Theater am Bülowplatz Chr Das Mädi FerdinandBruckner aus der Vorstadt Regie: Heinz Hilpert Hammerspiele Norden 12310 84, Ende geg. 10 U. ..Eben werden im Pimmel geschlossen!" Komödie von Walter Hasenclever Regie: Forster Larinaga. Die nomodie Bismarck 2414/7516 81 Uhr. Ende 10¹7 „ Olympia" vun Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. HALLER- REVUE a. m Admiralsparast P Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GraschenOper Thalia- Theater 8 Uhr. Schneider Wibbels Auferstehun Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ist er gut ist er böse? in. am schiffbauerdamm Täglich& Uhr Schön und lie Drei- Groschenschick" Täglich 1, Uhr ? Sonntag Vorstellungen 3 ihr u. 8 Uhr. HachOper Paulsen. Valetti, Ander, Gerron, Schaufu8, Kühl, Lvovski. Sonnabend 231% U. Theater des Westens Täglich 8, Ahr Friederike Franz Lebar dirigiert Käthe Dorsch Richard Sauber Borverkauf den ganzen Tag, Teleph. Steinplag 931 u. 7180. Reichshallen Theater Abends 81 Sonntag nachm. 3 Stettiner Sänger Hamlet im Heringsladen dazu cas große WeihnachtsProgramm! Dönhoff Bretti: pas heitere Jaruarpregr. REALLER 8 Theater im Admiralspa.ast Wiederauftreten Jackie Coogan Schön in und Schick Nur bis Montag, 7. Januar, täglich 8, Uhr Sonnabend, 5. Jan, 33 Uhr: Leizte Vorstellung Frau Holle Märchenspiel d. Haller- Revue mit Jackie Coogan zu kleinen Preisen. Sonntag, den 6. Janu: r, 3 Uhr: Einzige Nachmittags vorstellg. ,, Schön und Schick" mit Jackie Coogan zu halben Preisen 3.Uhr CASINO- THEATER S, Uh. Lothringer Straße 37, Dtsch. Künstler- Th. 8½ Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Kleines Theater Täglich 8, Uhr: Max Adalbert in Der Dickkopf Sandrock, Landa, Sterler, Sikla. Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8, Uhi GuidoThielscher in Weekend im Paradies Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Der letzte Schleier mit Erika Gläßner und Oskar Beregi Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 9C Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr Dreimal Hotzeit ( Abie's Irish Rose) Barnowsky- Buhnen Theater in der Königgrätzer Straße 8¼ Uhr Rugby Komödie von Wilh. Speyer Komödienhaus 81 Uhr: Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. R ose- Theater ir. Frankforter St.132 87 Uhr: Mädi Theater am Der neue Posse- Schlager! Nollendorfplatz stelir, zu halben Preisen erste Veranstaltung August, die Kanone! miitags die ganza VerSonnabend 34 L. der Versuchsbühne Dir. Bruck Täglich 8 Uhr: Orpheus Dazu ein erstklassiger bunter Teil. letithen Gebert Frau Holle von Jean Cocteau. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Märchenspiel. Kleine Preise Z entralTheater Art: Jakebstr. Ecke Uranienstr. Täglich 84 Uhr: Ich küsse Ihre Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Thalia Theater Sonstige Preise Parket u. Ran 0.80 M Dresdener Str. 72-72 Täglich 8 Uhr Sehneider Wibbels Auferstehung Henckels, Grodiczinski. Hand, Madame Saltenburg- Buhnen Ein Spiel von Liebe und Lenz nach dem Lessing- Theater berühmten Schlager 8 Uhr Rundfunkhörer Katharina Knie. haibe Preise Winter Garten 8 Uhr Rauchen gestat.et Unerreicht unübertroffen Drei Codonas Lufta traktionen Trude Hesterberg *** Bie Abels u. weitere Sensationen Sonnabend u. Sonntag Je 2 Vorstellungen 330 und 8 Uhr. 3 kleine Preise. 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Januar 1929 Der Abend Shalausgabe des Vorwärts Brandfallen in der Großstadt. Analphabeten in Rußland Lehren des Unglücks in der Schönleinstraße. Bieviel Brandfallen gleich der in der Schönleinstraße oder noch schlimmer mag es in Berlin geben? Man verfäßt sich viel zu fehr auf die Feuerwehr, statt durch systematische Borbeu gung den Verlust hoher Werte, die Gefährdung von Menschenleben und die Verminderung des knoppen Wohnraumes zu verhüten. Ein Fabrifneubau nach Art des betroffenen alten Gebäudes murde baupolizeilich heute nicht zugelassen werden. Man verlangt Zugänglichkeit non zwei feuerfesten und feuersicher abge trennten Treppenhäusern. Man weiß, daß Granit und verwandte Gefteine im Feuer leicht springen und dah unterputzte hölzerne Treppen die Rettung von Menschen eher ermöglichen, als solche von Granit oder unverkleidetem Eisen, daß Fenster mit eiserner Sprossenteilung, insbesondere von Schmiedeeisen, die Rettung von Menschen unmöglich machen, menn nicht hinreichend große Deffnungen vorhan den sind. Nichts von alledem war bei dem Fabrifbau Schönleinstraße 5 beachtet. Erste Ausrede: Das Gebäude war mir für Tischlereien zugelaffen. Nur für Tischlereien!" Dabei find 5013nerarbeitungsbetriebe nahezu die gefährlich sten, besonders folche, die, mie die Klavierfabrikation, mit sehr trodenen Hölzern arbeiten. Würde etwa bei einem in der Nähe des Ausganges entstandenen Brand in einer der Tischlereien, menn fofort größere Mengen Sägeſpäne und Hobelspäne in Brand geraten wären, die Rettung der im Betriebe selbst und in hen Obergeschossen arbeitenden Ber jonen gemährleistet gemesen sein? 3weiter Einmand: Man mußte nicht, daß ein so feuer gefährlicher Betrieb in dem Gebäude war. Wenn man eine Liste der Betriebsarten aufstellt, die feuer: gefährliche Stoffe im allgemeinen oder in Einzelfällen verwenden, so fann man zunächst einmal die im Adreßbuch aufgeführten Be triebe dieser Art mit den gewerbepolizeilich oder baupolizeilich bzw. feuerpolizeilich gemeldeten vergleichen. Das macht ein Angestellter in wenigen Tagen. Die Kontrolle der nicht gemeldeten Betriebe ist ebenfalls mit dem vorhandenen Bersonal durchführbar. Wichtig Bichtig ist natürlich, daß die fontrollierenden Behörden über alle neuen technischen Berfahren, someit sie feuergefährlich sind, im Bilde find. Dritte Ausrede: Es fehlt an Personal, an Mitteln, an polizeilicher und geseglichen Handhaben, um notwendige Aende ungen zu erzwingen. Auch darf man wirtschaftliche Betriebe und Hausbesiger nicht zu sehr belasten, fchaften erheblich zu den Kosten der Feuerlöscheinrichtungen herangezogen. Für eine ausgesprochen vorbeugende Tätigkeit werden die Feuerversicherungsgesellschaften vermutlich Mittel aufbringen fönnen, entweder durch Ersparnisse an Schadensleistungen ober nötigenfalls durch Einrechnung in die Prämie. Das wäre jedenfalls richtiger, als wenn man die erzielte höhere Sicherheit dem Bersicherungsnehmer als Prämienermäßigung zuwendet. In Berlin ist die Sadylage noch einfacher, da die städtische Feuerfocietat Zwangsanstalt Die Sowjetpresse widmet ihren Spalten wieder dem Gespenst des Analphabetismus. Das Zentralorgan der Gewerkschaften Trud" bringt zwei ganze Seiten unter der Schlagzeile: In einem Lande von Analphabeten fann man eine fommunistische Gesellschaft nicht errichten. Dieser Ausspruch Lenins gilt heute geradefo wie nor zehn Jahren. Seine traurige Richtigkeit fällt aber jetzt stärker ins Gewicht als damals. Der Kampf mit dem Analphabetismus, der mit soviel Irara geführt wird, zeitigt nur ganz minimale ErBevölkerung 462 Menschen gab, die schreiben und lesen folge. Während es im Jahre 1920 auf je Tausend männlicher fonnten, waren es im Jahre 1926 etwa 568. Die entsprechenden Zahlen bei den Frauen waren 248 und 336. Im ganzen gab es im europäischen Rußland im Jahre 1926 etwa 46 Millionen Analphabeten, also auf 1000 Einwohner 559. Die Zahl der Analphabeten im europäischen Rußland im Alter von 8 Jahren an betrug 28% Millionen und von 1000 Kindern im Alter von 8 bis 11 Jahren fonnten 528 weber ist und ihr Beitrag so niedrig liegt, daß eine geringe Erhöhung durchaus tragbar wäre. Hier könnten ohne Belastung des Etats der Stabt oder des Staates die Mittel und auch das Bersonal für eine leien noch schreiben. Von 1000 Kindern im Alter von 12 ausreichende Kontrolle beschafft werden. Die Forderungen der Societät hinsichtlich notwendiger Aenberungen müßten durch Feuer polizei, Baupolizei, Gewerbepolizei durchgesetzt werden. Bei Maß nahmen, die erhebliche bauliche Aenderungen oder Berlegung von Betrieben einschließen, tönnte man ausreichende Termine fezen. Ucberhaupt tömte man manche Gebäude, insbesondere in Wohngegenden, für bestimmte Betriebsarten nur noch auf Fristen von 5 oder 10 Jahren freigeben. Uebrigens läßt sich sehr viel mit verhältnismäßig geringen Mitteln erreichen, z. B. im Fall Schönleinstraße: Herstellung einiger Aussteigeöffnungen in den Fenstern, Unterpug der Granittreppen, um sie menigstens während der Rettungsarbeiten gangbar zu machen, Anbringung von eisernen Not treppen an Stelle des nicht möglichen zweiten Treppenhauses. Daß der hochfeuergefährliche Betrieb auch dann in dem Hause nicht geduldet morden wäre, allenfalls im obersten Stodmert, ist felbstverständlich. Die Societät roürde bei ihren Maßnahmen vermutlich durch die privaten Feuerversicherer unterstützt werden, indem diese als Verficerer des Mobiliars, also der Betriebe selbst, auf notwendige Berbesserungen hinweisen. Auch wenn sie vielleicht vermeiden Auch wenn sie vielleicht vermeiden mürden, ihren eigenen Versicherungsnehmern Unannehmlichkeiten und Kosten zu verursachen, um sie nicht an die Konkurrenz zu verlieren, mürden sie doch auf die nicht bei ihnen versicherten Betriebe in der nächsten Nachbarschaft aufmerksam machen, durch die ihr eigenes Rifito beeinflußt würde. Es sei aber gleich eine Schwierigkeit betont. In den sechs Altberfiner Bezirten ist die Societät Zwangsversicherer der Gebäude, In Sachsen werden die Feuerversicherungsgefelt privaten Gesellschaften. Besonders der Wettbewerb der Societät Was der Photograph sleht. Eine ganze Affenkolonie wohnt im Urwald auf einem Baum, der so überladen war, daß schließlich ein großer Ast abbrach und eine ganze Gruppe Affen herunterfiel. Dem Photographen ist es gelungen, gerade diesen Augenblick im Bilde festzuhalten, in den ehemaligen Vororten ist sie Wettbewerbsanstalt. Sie steht in Wettbewerb mit der Societät der Provinz Brandenburg und mit bemirft, daß beide Anstalten möglichst niedrige Prämien erheben. An diesen höchstens für die Versicherungsnehmer, nicht aber für die Allgemeinheit erwünschten Verhältnissen darf die Einführung umfaffender Kontrollmaßnahmen nicht scheitern. Gelegentlich fönnte auch eine Revision der Dachböden, und ein Prämienzuschlag bei gefährlicher Anhäufung von altem Gerümpel in den Bodenkammern nur heilsam sein. Wer die Kompetenzschwierigkeiten der Behörden fennt, muß feider steptisch sein. Hoffentlich schmieden die parlamentarischen Körperschaften das Eisen, falange es von den verschiedenen Brandund Explosionstatastrophen meißglühend ist! E. bis 15 Jahren 355. So gab es also im ganzen europäischen Rußfonders böse sieht es damit aber in den Dörfern aus. Da kommen land fast 6% Millionen Kinder Analphabeten. Beauf 1000 Knaben im Alter von 12 bis 15 Jahren, die weder zu lesen noch zu schreiben verstehen, 275, auf 1000 Mädchen 582. Die entsprechenden Zahlen in den Städten sind 83 Knaben- und 117 Mädchen- Analphabeten. Wie steht es aber mit dem Schulbesuch der Kinder in Sowjetrußland? Von 1000 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren besuchen in Sowjetrußland nur 383 die Schule, Alfo 62 Broz. bleiben außerhalb der Schule. In Wirklichkeit muß die Zahl der Analphabeten noch viel höher sein als fie offiziell genannt ist, denn viele Hunderttausende von den erwachsenen Frauen und Männern, die nur furze und Schreiben, sobald sie feine lebung haben. Beit die ABC- Schulen besucht haben, verlernen vollständig das Lesen Das Schlimmste ist aber, daß die Etatbewilligungen für die Liquidierung des Analphabetismus non Jahr zu Jahr geringer werden. So vermindert sich auch die Zahl der ABC Schulen. Der „ Trud vom 5. Dezember nennt einige Tatsachen, die auf dem viera ten Rongreß der ukrainischen Gewerkschaften festgelegt wurden. Die Zahl der Analphabeten in der Ukraine im Jahre 1927 bea trug 55 Broz. der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der ABC- Schulen ist aber von 17 500 im Jahre 1926 auf 8200 im Jahre 1928 gejunken. Die Zahl der Abc Schützen von 727 000 auf 291 000. Ju einer anderen Notiz wird festgestellt, daß die Zahl der Gewerkschafter- Analphabeten in den kaukasischen Verbänden in feiner Weise abnimmt, und in einem ausführlichen Artikel wird der Nachweis geführt, daß die Etatbewilligung von Jahr zu Jahr geringer wird. So find im Jahre 1928 im Leningrader Gebiet nur 215 000 Rubel bewilligt gegenüber 701 000 im Jahre 1926. In den 34 Gouvernements Sowjetrußlands find an Stelle von 7% Millionen Rubel für das Jahr 1926, nur 5 Millionen für das Jahr 1927 bewilligi, und so überall. Das europäische Rußland zählt 28 Millionen Analphabeten. Bei der Berechnung, daß alljährlich eine Million lesen und schreiben lernen, wären noch etwa 30 Jahre erforderlich, um den Analphabetismus endgültig zu tiquidieren. Lenin hatte recht: In einem Lande von Analphabeten ist es unmöglich, eine fommunistische Ge fellschaft zu errichten. Der Tagelohn eines chinesischen Rulis besteht in 14 Rupfer, das find 20 Pfennige. Dabei arbeitet er zwölf Stunden. Am regenreichsten Orte der Erde beträgt die Regenhöhe im Jahresmittel etwa zwölf Meter. Der dichtende Embryo. Bir moderne Menschen sind ja ziemlich abgebrüht, und Wunder tinder setzen uns faum in Erstaunen. Aber daß ein Kind Monate vor seiner Geburt mit seiner Mutter poetische 3miesprache führt, dürfte doch noch nicht dagewesen sein. Bei solcher Frühreife faßt man sich denn doch ein bißchen an den Kopf und fragt: Wie ist das möglich? " Indessen ist die Sache fo gut beglaubigt, daß jeder Zweifel zu Derstummen hat. Es wird doch niemand im Ernfte behaupten wollen, daß unsere staatlich abgestempelte ärztliche Wissenschaft schwindelt? Am allerwenigsten in einem Fachblatt, das durch die Gediegenheit und Gründlichkeit seines Inhalts bestens bekannt ist, nämlich in der dem Groß- Berliner Aerzteblatt angehängten Berliner Aerztetorrefponbenz". Mitten unter hoch bedeutenden Mitellungen 3. B., daß das Herzteorchester dem Bunde deutscher Orchestervereine" beigetreten ist, daß es faft zwölftausend Kurpfuscher in Deutschland" gibt( die staatlich ab: gestempelten nicht einmal mitgerechnet!), und daß die KraftfahrerDereinigung deutscher Aerzte" bereits über 6000 Mitglieder zählt ( diesmal die nicht approbierten ausgeschloffen!) stößt der erstaunte Lefer auf ein Gedicht Abtreibung", Intertitel: Ein 3 wei tampf zwischen Mutter und Embryo". Dieser Zweikampf" wird nur mit geistigen Waffen geführt. Irgendwelche Lätlichkeiten läßt sich der Embryo wicht zufchulden fommmmen. Es handelt sich eben um einen Edelembryo, der im Mutterleibe geiftig schon vollkommen bis zu einer leidlichen Beherrschung der deutschen Sprache, wenn auch nicht der Bersform ausgereift ist. Wobei zu bemerken wäre, daß die von der Mutter detlamierten Berse um tein Hoar beffer find: auch für sie gilt das berühmte Gebot: Reim dich oder ich freß dich! Im übrigen ist dieser Meinungsaustausch auch das einzige, was im Mutterleib ausgetragen wird: dieses verruchte Beib nämlich ist drauf und dran, die Frucht abzutöten. Der Embryo eröffnet die Debatte mit den Worten: O Mutter, was tust bu? Ich spüre es eben: Du willst mir mit spigiger Baffe ans Leben. Was tu ich dir böses, um Tod zu finden? Ich bin ja so rein noch von allen Sünden. ständnis. Sie will das Kind vor üblen Erfahrungen bewahren, sie flagt über: Die Schnöde Welt, Wo Rügen mur herrschen, Gewalt und Geld. Aber unser Embryo läßt sich nicht abschreden: ,, Ich will ja gern tämpfen, ich will ja gern ringen... Da stehst du machtlos vis- à- vis. Mama aber bleibt unerbittlich: Mein liebes Kind, bu darfst nicht entstehen... Die Situation ist nicht ganz einfach: roh und schonungslos wird das bedauernswerte Kind daran erinnert, daß es ja gar nicht existiert! So etwas sagt man einem doch nicht geradewegs ins Gesicht! Ueberhaupt wird die Mutter, je länger, um so unsympathischer. Sie fährt soziale Gründe auf: die Geschwister wollen auch leben, und der Vater? .. Er will dich nun nicht behalten. Er legt das Geficht schon in mürrische Falten. Der arme Embryo mird ganz sentimental bei der Erwähnung der Geschwister, die er doch für sein Leben gern( mörtlich zu ver stehen!) fennen lernen möchte, und das mit dem Eristenzkampf denkt sich der Schlauberger so: erst soll Papa für ihn schuften, dann will er( oder fie? Nicht festzustellen) später den Eltern das Alter leicht machen. Aber selbst dieses verlockende Angebot tann diese Rabenmutter von dem Mord an etwas, mas noch gar nicht eristiert, zurückhalten. Umsonst, daß das Wunderkind an die Gebote der Natur, an die Pflichten gegen Menschheit und Staat erinnert. ,, Jetzt sind freiere Zeiten!", ruft diese Megäre aus und mit den höchst dramatischen Worten: Ruchloje Mutter! in höchster Not: So bring dieser Mord die selbst den Tod! stirbt unter ihren Händen das so überaus hoffnungsvolle Kind. Man darf gar nicht daran denken, was damit der Nation verloren geht. Ein Kind, das schon im Mutterleibe solche herrlichen Grundsäge hat mas für ein idealer Rechnungsrat, was für ein Reichswehroffizier, mas für ein Stahlhelmpaftor, was für ein Staatsanwalt möre das genorden! Wenn die Lebenden schweigen, werden die Ungeborenen schreien Hermann Hieber. Die Mutter hat für diejes theologische Argument fein Berfür Beibehaltung des§ 218! Die Blay and ROMAN EDGAR WALLACE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN ( 38. Fortsetzung.) VON Ich habe tatsächlich vergessen, was Sie sind," sagte sie wegmerfend. Ihre Blide sprühten Haß. Sie find ein Mischblut, ein Mann, der fein Vaterland hat, der zu feiner Gesellschaftsklasse gehört! Sie haben alle die schlechten Eigenschaften eines Halben. Digby Groat ist ein Verräter an Frauen, ein Meuchelmörder, ein Dieb, der andere Diebe und Verbrecher anstellt, die das Rifilo auf sich nehmen, aber er selbst steckt den Lömenanteil in die Tasche. Digby Groat ist ein niederträchtiger Mann, der Experimente macht und genug von Medizin und Chirurgie versteht, um wehrlose Frauen zu betäuben und Tiere zu quälen. Ich habe Sie vollständig durchſchaut!" Eine ganze Weile fonnte er nicht sprechen. Sie hatte ihn so tödlich beleidigt, daß er ihr nie vergessen konnte. Mit einem un fehlbaren Instinkt hatte sie gerade die Dinge gesagt, die ihn am tiefften trafen. „ Strecken Sie die Hände aus," schrie er sie an. Sie sah ihn verächtlich an, als er ihre Hände mit der Kramatte zusammenband, die er sich vom Halse riß. Dann pacte er sie an den Schultern und durch einen kurzen Rud brachte er sie zu Fall, so daß sie in eine Ede taumelte.. Ich werde später wiederkommen und mich mit Ihnen beschäf tigen," rief er drohend. In der Halle martete Masters auf ihn und der große starte Mann war scheinbar in Sorge. Wo haben Sie ihn hingebracht?" In den Ostflügel, in den Raum des früheren Hausmeisters," jagte er unsicher. Mr. Groat, find denn dies nicht schlechte Dinge, die mir hier tun?" Was soll denn das heißen?" fuhr ihn Digby an. Och habe mich früher nie mit dergleichen befaßt," erwiderte Masters. Kann man uns denn nicht deswegen anflagen?" Kümmern Sie sich nicht darum, Sie werden gut dafür bezahlt merden," sagte Groat schnell. Er wollte fortgehen, aber Masters hielt ihn zurfid. „ Wenn ich auch gut bezahlt werde, so fann mich das doch nicht aus dem Gefängnis retten, menn Gefängnis darauf steht. Ich bin aus einer guten Famille und bin mit dem Gesetz während meines Lebens noch nie in Konflitt gekommen. Ich bin hier auf dem Lande wohlbekannt, aber niemand fann auf mich zeigen und mir nachsagen, daß ich etwas getan hätte, morauf Gefängnis steht. „ Sie sind verrüdt." Digby war froh, daß er jemand gefunden hatte, an dem er seine Wut austassen konnte, Habe ich Ihnen benn nicht erzählt, daß dieser Mann versuchte, mit meiner Frau durchzubrennen?" " Sie haben mir noch nie etwas davon gesagt, daß sie Ihre Frau ift," entgegnete Masters topfschüttelnd und sah ihn argwöhnisch an. „ Sie trägt auch keinen Trauring, das habe ich gleich gesehen. Und der fremde Mann hatte auch gar kein Recht, mit dem schweren Spazierstod nach ihm zu schlagen beinahe hätte er ihn getötet." beinahe hätte er ihn getötet." Nun gehen Sie aber, Masters," erwiderte Digby, der wieder die Herrschaft über sich selbst gewonnen hatte. Es war notwendig, diesen Mann wieder in gute Laune zu bringen. Kümmern Sie fich nicht um Dinge, die Sie nicht verstehen. Ich sage Ihnen doch, baß dieser Steele ein Schurke ist, der mit meiner Frau durch brannte und mir mein Geld gestohlen hat. Meine Frau ist nicht ganz normal, ich will sie mit auf eine Reise nehmen.... Plöß „ Auf jeden Fall ist Steele einer der größten fich hielt er an. Schufte." " Barum liefern Sie ihn denn nicht der Polizei aus?" fragte Mafters, der der ganzen Sache mißtraute.„ Warum bringen Sie ihn denn nicht vors Gericht? Das scheint mir doch in diesem Falle das Richtige zu sein, Mr. Groat. Sie werden sich einen schlechten Ramen machen, wenn es herauskommt, daß Sie ihn so böse behandelt haben." Ich habe ihn nicht böse behandelt," erwiderte Digby fühl. Sie waren es doch, der ihm den Strid um das Gemid wari." Ich versuchte, ihn über seine Schulter zu werfen," erflärte Masters eilig. Außerdem haben Sie mir doch den Auftrag dazu gegeben." " Solche Aussagen müffen Sie aber vor Gericht erst beweisen!" Digby mußte wohl, daß er Masters auf diese Weise einschüchtern konnte. Nun hören Sie einmal zu, Masters. Der Einzige, der bisher hier ein Verbrechen begangen hat, find Sie." Ich?" rief der Mann entsetzt. Ich habe doch nur nach Ihren Befehlen gehandelt!" „ Das müßten Sie aber erst vor Ihrem geliebten Gericht beweisen!" Digon flopfte dem Mann auf die Schulter, aber dieses vertrauensvolle Benehmen tam Masters ganz fremd vor. Er hatte seinen Herrn noch nie von dieser Seite fennen gelernt. Gehen Sie und bringen Sie der jungen Dame etwas zu essen und wenn irgendetwas schief geht, werde ich schon dafür sorgen, daß Sie danontommen. Hier, nehmen Sie das." Er zog ein Paket BankRAVI RAVENDRO. 42. Der Raum, in den Jim gebracht murde, unterschied sich wenig von den Zimmern, die er vorher gesehen hatte, er mar mur tleiner. Die Blanken des Fußbodens maren zerbrochen, und hier und dort zeigten fich große Löcher und er jah gleich, daß hier Ratten hausten. Seine Hände waren so eng verschnürt, daß er sie nicht bewegen fonnte, und seine Fußgelente waren so zusammengebunden, daß es ihm unmöglich mar, sich auf seine Fuße zu erheben. Ruhe und bereitete sich auf eine lange Wartezeit vor. " Was für ein Leben ist das doch," sagte er mit philosophischer Er zweifelte nicht daran, daß Digby möglichst bald aufbrechen würde, und rechnete mit der Möglichkeit, daß man ihn hier allein zurüdließ. Entweder mußte er sich dann selbst befreien oder verhungern. Aber er mar fest entschloffen, am Leben zu bleiben. Auch hatte er fich schon einen Blan ausgedacht, den er fofort ausführen wollte, wenn er sicher war, daß man ihn nicht mehr beobachtete. Aber Digby blieb im Hause, wie er erfahren sollte. Eine Stunde verging, dann wurde die Tür zu seinem Raum ein, der bei Jims Anblid grinste. Es war Bronson, der in Sims aufgerissen und Digby trat ein. Hinter ihm tam ein Mann herKleidern geradezu lächerlich aussah, denn Rock und Hose waren ihm zu groß. " Man hat Sie also doch entdeckt, Bronson," sagte Jim lachend. ,, Run, jetzt bin ich in derselben Verfassung wie Sie, als ich Sie zurückgelaffen habe. Man wird mich ja hier entdeden und ich merde Sie dann im Buchthaus von Dartmoor besuchen und nachsehen fönnen, wie es Ihnen dort geht. In Dartmoor ist es ganz schön, der hübschefte Plaz dort ist Blod B da haben Sie Zentralheizung, Gas, Warmwasser jeden modernen Komfort mit Aus nahme von Tennis." „ Wo ist Billa?" fragte Digby. fagte Digby. Bir malfen under allen Umständen wissen, was Gie mit Villa gemacht haben. Wo ist er geblieben?" Meiner Meinung nach schmort er jetzt in der Hölle," erwiderte Jim ruhig. Ich bin zwar fein großer Theologe, Groat, aber menn die Menschen nach ihren Taten bestraft werden, dann ist zweifellos Ihr liebenswürdiger Genosse jetzt dort, wo alle schlechten Menschen hinkommen. Ich glaube, dort wird wenig oder gar nicht geflogen!" ,, Wollen Sie damit sagen, daß er tot ist?" fragte Digby aufgeregt. Das nehme ich sehr starf an," entgegnete Jim vorsichtig. Wir maren ungefähr fünftausend Fuß hoch, als ich vor lauter Freude, daß ich wieder einmal ein Flugzeug in der Hand hatte, einen Sturzflug mit fentrechter Schleife machte. Ich glaube, unser Freund Billa hatte nicht die nötigen Borfichtsmaßregeln ergriffen jedenfalls war er nicht mehr da, als ich mich wieder umschaute. Er flog selbständig durch die Luft, Groat, und ich habe die Erfahrung gemacht, daß es fast unmöglich ist, eine gute Landung zu machen. wenn die Leute anfangen, ohne Flugzeug durch die Luft zu fliegen." „ Sie haben ihn umgebracht!" zischte Bronson zwischen den Zähnen,„ Sie verdammter Schuft!" Halten Sie den Mund!" fuhr ihn Digby an.„ Wir wissen, was wir wissen wollen. Wo haben Sie ihn hinuntergeworfen?" Hier irgenmo in der Gegend. Ich habe eine verlassene Stelle gewählt. Es hätte mir zu leid getan, menn er beim Fall noch einem andern wehgetan hätte." die Zür hinter sich. Er sprach auch nicht, bis er wieder in dem Digby verließ den Raum, ohne ein Wort zu sagen, und schloß Raum war, wo er sich vor weniger als einer Woche von Billa perabschiedet hatte. Er schauderte bei dem Gedanken an den schrecklichen Tod dieses Mannes. Die beiden Spanier waren hier und sie hatten ein Geschäft vor, das nicht aufgeschoben werden konnte. Digby hatte ursprüngich gehofft, daß sie seinem Versprechen trauen und warten würden, bis man einen sicheren Plaz erreicht hätte, bevor sie sich ihre Anteile auszahlen ließen. Aber sie legten den Versprechen und Worten ihres Führers gerade feinen zu großen Wert bei. Sie hatten große Summen zu bekommen und Digby war es fehr unangenehm, daß er fie auszahlen mußte. Aber er fonnte sich jetzt nicht mehr davon brüden. Es blieb ihm ja trotzdem noch ein ungeheures Vermögen. teile noch nicht erhalten und er hatte auch nicht die Absicht, sie ihnen Die anderen Mitglieder der„ Bande der Dreizehn" hatten ihre Anzu geben. ,, Was haben Sie für Pläne?" fragte Xavier Silva. Ich gehe nach Kanada," antwortete Digby. Lesen Sie die Beitungen und suchen Sie unter den Privatanzeigen. Dort werde ich Ihnen meine Adresse bekanntgeben." Der Spanier grinste. Wir werden auf andere interessante Dinge aufpassen. Mein Freund und ich werden nach Spanien gehen. Wird Bronson bei Ihnen bleiben?" Digby nidte. Da Billa tot war, mußte er nun den Flieger ins Vertrauen mütlich.„ Aber ich vermute, wo er geblieben ist.” „ Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen," erflärte Jim ge- ziehen. Er wollte ihn am Ende doch noch betrügen, aher Bronson Wo ist er geblieben?" fuhr ihn Bronson an. mit der Hand ins Gesicht. Aber Jim lächelte meiter, obwohl ein Jim lächelte, und im nächsten Augenblick schlug ihm Bronson Ausdrud in feinem Blid lag, der Bronson ängstigte. „ Steele, es hat feinen 3med, daß sie die Aussage verweigern," WAS DER Ein neuer Frauenberuf? fonnte das nicht vermuten. Er schickte die beiden aus, um das Flugzeug zu prüfen. Jim hörte in seinem Raum das Summen der Propeller und mühte fich vergeblich ab, feine Hände freizubetommen. Wenn er sich nur hätte aufrichten fönnen! Alle feine Kräfte mußte er zu diesem Versuch zusammennehmen. ( Forts. folgt) TAG BRINGT. Uns wird geschrieben: Ein neuer Frauenberuf entsteht in den größeren Städten Amerikas: die Frau als Einfäuferin. Für die Bewohner der abgelegenen Gebiete ist es schwer, regelmäßig in die Stadt zu fahren, um die benötigten Waren einzukaufen. Aus diesem Notstand bildete sich der neue Beruf. Den Einkäuferinnen wird von ihren Kunden mitgeteilt, welche Waren gebraucht werden. Die Einfäuferin besorgt die Waren ohne Aufschlag für den Käufer. Siz erhält lediglich von den Geschäften, in denen fie fauft, eine gewisse Provision. Man läßt den Einkäuferinnen volle Freiheit, weil man meiß, daß fie alle Aufträge so gut und billig wie mur möglich aus. führen, ja, man überläßt es ihnen. Die für besondere Gelegenheiten benötigten Waren zusammenzustellen und zu beschaffen, regelmäßig für den Kleiderbedarf der Kinder zu sorgen oder gar die Einrich tung ganzer Häuser oder Wohnungen beschaffen.- Diesen Be ruf" gibt es, wenn auch in primitiver Form, in Europa schon lange! Das verschwundene Medium. Ein luftiges Geschichtchen wird aus Raguja in Südflawien berichtet. Zeigt da ein Zaubertünstler" auf der Bühne, wie er ein junges Mädchen verschwinden läßt. Das Mädchen fest fich auf einen Stuhl, der Zauberkünstler deckt ein schwarzes Tuch über fie, murmelt sein Sprüchlein, nimmt das Tuch weg: Die Jungfer ift verschwunden. Sie muß natürlich wieder erscheinen! Das schwarze Zuch fommt über den Stuhl, die Zaubersprüche werden noch einmal FUNK RUND11.00 Tri- Ergon- Platten. 14.00 Homocord- Platten. AM Donnerstag, 3. Januar. Berlin. ABEND 15.30 Dr. Wilhelm Hermanus: Zum 100. Geburtstag des Philologen Konrad Duden. 16.00 Dr. Klaus Berger: Bildende Künstler. 16.30 Konzert. noten aus seiner Zasche, nahm zmei davon und drückte sie ihm in die Hand. Das find Fünfundzwangzigpfundnoten, mein Freund. Bergeffen Sie nicht, fie möglichst bald in fleines Geld umzuwechseln. Und machen Sie jeßt, daß fie fortkommen und lassen Sie Ihre 17.30 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Hanns Heinrichs Dransmanns TitaniaFrau ein paar Erfrischungen für die junge Dame zubereiten." " Ich weiß nicht, was meine Frau von alledem halten wird, brummte Masters. " Wenn ich ihr fage Sie find ein Dummfopf, wenn Sie ihr überhaupt etwas Tagen," entgegnete Digby scharf. Berdammt noch einmal! Berftehen Sie denn nicht, wenn ich englisch mit Ihnen rede?" Um drei Uhr nachmittags famen zwei Herren in einem Mietauto von dem schöngeschmiedeten Tor von Kennett Hall an. Als man ihnen nicht öffnete, stiegen sie über die hobe Mauer und gingen auf das Haus zu. Orchester. 19.00 Max Marscha'k: Einführung zu der nachfolgenden Uebertragung. 19.30 Uebertragung aus der Städtischen Oper Charlottenburg( Spielzeit 1928/1929):..Othello", Oper in vier Akten. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik. Kapelle Dalos Béla. 18.30 Ob.- Ing. Siegfried Hartmann: Technischer Rückblick auf 1928". Konigswusterhausen. 12.30 Mitteilungen des Reichsstädtebundes. 13.45 Bildfunkversuche. 14.30 Koch, Spiegelhagent Kinderstande. heruntergefeiert, das Tuch wird weggenommen: die Jungfer bleibt verschwunden! Das Bublifum tobt, weil es fid) betrogen fühlt. Man sucht nach dem Mädchen, das durch eine Versenkung unter die Bühne verschwunden war. Sie hatte es vorgezogen, anstatt wieder auf der Bühne zu erscheinen, mit der Kasse durchzubrennen. Da halfen alle Zaubersprüche nichts, und wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen! Hat er den Mord begangen? Nichts gemahmt zu größerer Vorsicht als eine Selbstbezichti gung Da wird in Wien eines Tages der Hilfsarbeiter Anton Kaber megen Diebstahls verhaftet. Er erzählte, ohne daß man ihm danach fragt, daß er am 22. November seine Geliebte getötet habe. Mit dieser Geliebten hatte es aber eine eigene Bewandtnis: Sie gab dem Kaber Grund zur Eifersucht. So steckte er eines nachts das Strohlager an, auf dem der Nebenbuhler schlief. Zwar erklärte er anfangs, daß er den ihm Berhaßten habe töten mollen, dann nahm er aber das Geständnis zurück und blieb hartnädig da bei, daß er ihm nur einen Schred habe einjagen wollen. Er erhielt ein Jahr Gefängnis. Jezt wollte er feiner Braut ben Hals burd) fdmeiden und sie in den Donautanal geworfen haben. Das junge Mädchen ist tatsächlich seit dem 18. Oktober perschwunden. Die Hauptstadt des Perserkönigs Kyros. Die Hauptstadt des Perserkönigs Kyros. Mit Unterstützung der Notgemeinschaft der Deutschen Bissenschaft hat der Berliner Archäologe Brofeffor Ernst Herzfeld Ausgabungen in Berfien durchgeführt, die ihn zur Entdeckung Baja gadaes, der Hauptstadt des Gründers des altpersischen Beltreiches, Kyros b. Gr., führten. Die Stadt Bafargadae stellt eine sehr aftertümliche Ansiedlungsform dar. Sle feßt sich aus drei Teilen, der elgentlichen Stadt, dem Tempelbezirt und dem Palastbezirk zusam men, die alle mehrere Kilometer von einander entfernt liegen. Der Tempel ist ein niedriger Terrassenbau von sechs Stufen und legt an einem weiten Hofe, an dem große Altäre stehen. Die Baläste, vier an der Zahl, liegen in einem großen ummauerten Part, der fich an einen natürlichen, von einer gewaltigen Burg. gekrönien Hügel anschließt. Das genaue Datum der Ruinen ergibt sich aus der Titulatur des Königs, in der noch die Titel, die er nach demi Siege über die Meder und nach der Eroberung von Babylon annahm, fehlen, nämlich 559-550 v. Chr. Die Architektur meicht beträchtlich von der 50 Jahre jüngeren Architeftur von Perfoepciis ab, dasselbe gilt von den Stulpturen. so fann man nunmehr zwei Reihen in der Entwidlung der adhaemenidischen Kunst deutfich unterscheiden. Unweit von Balagadae fand Professor Herzfeld eine fteinzeitliche Ansiedlung, die älter ist als irgendeine bis heute im norberasiatischen Orient entdeckte Fundstelle. Spät gestorbene Liebe. In Cort in Irland hat sich eine 60jährige Dame, Miß Norow, erfchoffen. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, hat sich Mis Norom var 45 Jahren, also im Alter von 15 Jahren, in einen 15.00 Min.- Rat Prof Dr. Ottendorf: Die Neuordnung der Ausbildung der Torn jungen Mann nerliebt, den sie heiraten mollte. Als diefer eine andere und Spo, tlehrerin an den höheren Scholen Preußens. 13.40 William Water: Das fo'gsame Kled. 16.00 Dr. med. Laura Turnau: Erziehungsberatung. Digby fab fie fchon von meitem, ging ihnen entgegen und berüßte Bronson und den dunklen Spanier, der in seiner Beglei 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzerts Berlin. ng mar. Am Ende der Zufahrtsstraße trafen fic einander und wohl Bronson wie fein Herr fragten wie aus einem Munde: Bo ift Billa?" 17.30 F. C. Badeudieck: Die Kulturlandschaft der Südmark. 18.00 Hans Heinrich Bormann. Deutsche Stammesdichtung( III.). 18.30 Georg Hausdorf: Das Schaufenster früher and heute( II.). ab 19.30 Uebertragung von Berlin. Frau nahm, drängte ihn Miß Norow sein Leben lang, sich, frpgzdem er in offenbar gludlicher Ehe lebte, ihr zuliebe scheiden zu laffen. Ste gab die Hoffnung, den Angebeteten ihr eigen nennen zu dürfen, nic auf, und erst als er vor einigen Tagen das Zeitliche segnete, begriff fie, daß das erträumte Glud ihr nie blühen würde, und machte nun felber ihrem Beben ein Ende. Der Höhepunkt des Wintersportfestes Der Begrüßungsabend.- Die Kundgebung zu Silvester. ( Bon unserem Sonderkorrespondenten.) E. P. Johanngeorgenstadt, 3. Januar 1929. Ist Wintersport nur für die Jugend? Ist Wintersport nur für den Besitbürger? Wer das Bundeswintersportfest in Johanngeorgenstadt mit erleben darf, der wird beide Fragen mit einem entschiedenen Nein beantworten. Der Wintersport ist das jüngste Kind der Bundesfamilie, aber es scheint sein liebstes werden zu wollen. Das erste Wintertreffen vor drei Jahren im Riesengebirge mar erft von etwa 400 Teilnehmern und nicht viel mehr als 80 Bettkämpfern besucht, troßdem es internationalen Charakter trug. Diesmal aber zählt man sicher 2500 Gäste allein aus dem Reich, rund 900 Sportgenossen und genossinnen haben sich zu den Wettkämpfen gestellt. Das bedeutet also, daß der Wintersport in überaus schneller Weise auch in der Arbeiterschaft an Boden gewinnt, man fann sicher sein, daß das nächste Winterbundesjest eine um das vielfach vergrößerte Teilnehmerzahl haben wird. lind neben die Jugend tritt in zunehmendem Maße das reifere Alter. Man fah sogar Sportgenoffen mit grauem und mit weißem Haar, die eifrig den Stilauf pflegten und nur das eine bedauerten, daß sie sich an den Wettkämpfen nicht mehr beteiligen konnten. Wintersport muß Boltssport werden! Es ist nicht wahr, daß sich dafür nur das gebirgige Land eignet., Wo der Winter seine Schneepracht ausschüttet, wo ein Waffer sich mit Eis überzieht, da fann der Schneeschuh, das Rodel, da können die Schlittschuhe gebraucht werden. Auch hier gilt für bie Arbeiterschaft das Wort Laffalles: Weg mit der verdammten Bedürfnislosigkeit! Der Wintersport barf tein Borrecht der befizenden Klasse sein. Daß die arbeitende Bevölkerung auch hierbei Hervorragendes und Borbild liches leisten tann, bas zeigt gerabe jezt das Bundesfest von Johann georgenstadt. Wir wollen feine Gipfelleistungen von Berufssports. leuten oder solchen, die von vermögenden Kreisen ausgehalten werden. Wir wollen Leistungen der Boltsmasse, auch beim Wintersport, und daß das möglich ist, das beweisen die Ergebnisse des Bundeswintersportfestes. Sie bilden zugleich ein gutes Borzeichen für das Bundesturnfestin Nürnberg im Juli 1929. Die Begrüßung im Rathause. Unvergeßliche Eindrücke hat allen Teilnehmern des Winterfestes der Begrüßungsabend permittelt, den der Arbeiter- Turn- und Sport perein von Johanngeorgenstadt zusammen mit der Bundesleitung am 29. Dezember im Rathausjaale veranstaltet hatte. Bonitz( Johanngeprgenstadt) hieß die Gäfte mit herzlichen Borten willkommen. Mus ihnen flang noch die Sorge, die die gastgebenden Sportgenossen während der vorangegangenen Wochen hatten, als das Wetter nicht fo zu werden schien, wie man es sich gewünscht hatte. Man hörte aber auch ein Echo der Riesenarbeit heraus, die die Johanngeorgen städter mit der Borbereitung des Festes übernommen hatten. Boniz sprach die Erwartung aus, daß auch diese Beranstaltung dazu beitragen werde, den Arbeiter zu einem fräftigen und gefunden und damit zu einem aufrechten Menschen zu machen. Bürgermeister Dr. Poppig begrüßte die Gäste im Ramen der Stadtverwaltung. Er erinnerte an die Geschichte der Stabt, bie por bald 300 Jahren gegründet wurde, Don Menschen, die um ihrer Ueberzeugung willen die alte Heimat verlassen mußten. Dem Wahrspruch des Bundes gab er eine besondere Auslegung: Frisch der Berstand, frei das Land, stark die Hand, treu dem Verband! Schaman( Prag) überbrachte die Grüße des Tschechischen Arbeiter Turn- und Sportverbandes, der eine erhebliche Anzahl von Teilnehmern entfandt hat. Tiefen Gindrud machten dann die Ausjührungen von Reißner( Bodenbach) von der Deutschen Turnund Sportorganisation in der Tschechoslowakei. Mit einer Gruppe von Sportgenossen war er über den Kamm des Erzgebirges nach Johanngeorgenstadt gewandert. Neben den erhabenen Wundern der Natur stießen sie dort auf unfägliches Elend bei den Menschen. In den ,, mondänen Sporthotels führen die Gäste ein Leben voller Freude und Sorglosigkeit, vor den Türen aber warten frierende, schlecht gekleidete Kinder auf eine Gelegenheit, sich durch das Fest machen bon Schneeschuhen ein paar Pfennige zu verdienen. Unter stürmischem Beifall rief Reißner der Versammlung zu, fie folle niemals vergessen, daß auch der Sport dazu dienen müsse, um die Arbeiterschaft aus den Fesseln der kapitalistischen Wirtschaft zu befreien. Rüstet für Nürnberg! Der Bundesvorsitzende Gellert brachte hierauf eine Anzahl Begrüßungen zur Kenntnis, die von der Sozialistischen Sportinternationale sowie von vielen Organisationen im Reich und im Auslande eingegangen waren. Er sprach allen aus dem Herzen, als er der Bevölkerung von Johanngeorgenstadt, vor allem aber deren Arbeiterschaft, den Dank für den Empfang ausdrücke. Benn die Arbeiter der Großstädte, die so häufig innere Ausein andersetzungen führen, einmal erleben wollten, wo Idealismuts, Glaube an die Sache und Hingabe an die Arbeit herrscht, dann follten sie in die kleineren Orte gehen. Johanngeorgenstadt insbe fondere bietet ein Borbild bafür, wie Turnen und Sport in allen ihren Berzweigungen für die Arbeiterbewegung muhbar gemacht werden können. Wir wollen feine Rekordleistungen erreichen, sondern Leistungen, an denen die Masse des Boltes teilnehmen kann. Der Wintersport, ber jüngste Zweig des Arbeitersports, stellt eine wertvolle Ergänzung des Arbeitersportgebantens überhaupt bar. Die Begrüßungsansprachen wurden umrahmt Don Darbietungen der Arbeiterschaft von Johanngeorgenstadt. Eine Mandolinen: cbteilung bes Arbeiter Turn- und Sportvereins trug Mufitfiüde vor. Die Jugend, die Turner und Turnerinnen veranstalteten gymnastische Freiübungen, acht Mädchen trugen Singspiele vor. Alles in pollendeter Weise, die in nichts an die Kleinstadt erinnerte und auch jedem großen Berein, der mit ganz anderen Mitteln arbeiten fann, zur Ehre gereicht hätten. Eine besondere Anerkennung verdient der Arbeitergesangperein Arion, dessen ge= mischter Chor unter der Leitung des Lehrers Roppe in hinreißender Weise die Barschanjanka und das Morgenrot zu Gehör brachte. Die Wettkämpfe. Zum erstenmal Eislauf. 3um erftenmal waren auch Wettkampfe auf dem Gise ausgeschrieben worden. Es lagen also noch keine besonderen Erfah rungen vor. Diefer Sportzweig ist in der Arbeiterschaft bisher auch noch nicht so recht gewürdigt worden. Um fo größere Beachtung nerdient es daher, daß recht gute Leistungen sowohl bei den Pflichi und Kürübungen wie auch im Wettlauf gezeigt werden konnten. Der Berliner Pospisil, der ein flottes Tempo vorlegte, mußte leider aus der Bewertung ausscheiden, weil er feinen Mitläufer in porschriftswidriger Weise überholt hatte. Den Weitfämpfen auf hens Gife, ebenso dem darauf folgenden Schauspringen von der Sprungichange des Johanngeorgenstödter Bereins wohnte eine wohl 4000 Stopfe ftarte Menschenmenge bei. Bürgerliche Zuschauer, die schon häufig Zeuge wintersportlicher Veranstaltungen waren, gaben unverhohlen ihrer Bewunderung über den hohen Stand der Körperkultur in der Arbeiterbewegung Ausdruck. Die Kämpfe vom Montag Der Tag begann mit einem große Anforderungen stellenden anglauf über 20 kilometer. Auch hierbei wurden beachtliche Leistungen erzielt. Ein zusammengesetzter Lauf über 8 Kilometer fah fast 30 Teilnehmer am Start. Bei dem dazu gehörigen Springen wurden gestandene Sprünge bis zu 30 Meter erzielt. Aus Berlin bemerkte man Pospischil von der Freien Turnerschaft und 3ep meisel von den Freien Schwimern. Am 5- kilometer- Langlauf für Sportler über 30 Jahre beteiligten sich etwa 30 Mann. Sechs Vereine stellten die Teilnehmer für den 5- Kilo meter- Mannschaftslauf der Jugend. An den Rodelrennen der verschiedenen Arten waren in der Hauptsache die Bereine aus fächsischen und schlesischen Gebirgsorten beteiligt. Der in der ver gangenen Nacht frisch gefallene Schnee, der noch nicht gefroren mar, hatte die Bahn weich gemacht, darunter littert die Leistungen. Be lustigende Augenblicke gab es, wenn die Fahrer die letzte Kurve furz vor dem Ziel nicht richtig nehmen konnten. Ein Zweisitzer flog dabei fast über die Barriere, der Sturz ging aber für die Fahrer ebenso wie für die Zuschauer noch glimpflich ab. - und am Neujahrstag. Schon rust am nächsten Morgen die Pflicht. Es ist wieder frischer Schnee gefallen, in der Stadt noch weich und pappend, auf den Höhen eine pulvrige Decke bildend, Zum 8- Kilometer- Mannschaftslauf um 9 Uhr sind etwa 30 Vereine angetreten. Es werden gute Ergeb nisse erzielt. Beim Springen der Schüler von 12 bis 14 Jahren werden 5 Teilnehmer gezählt. Am 1- Kilometer Hindernislauf nehmen 67 Mann teil. Der Weg führt über steile Hänge hinab und hinauf. Der Nachmittag ist dem Hauptspringen gewidmet, das in drei Alters stufen ausgeführt wird. Damit sind die Wettkämpfe des 2. Bundes- Wintersportfestes beendet. Eine große Anzahl von Sportgenossen vereinigte sich am Mittwoch noch zu einer gemeinsamen Fahrt nach Oberwiesenthal. Flamme empor! Gegen 11 Uhr marschierten etwa 1500 Sportgenossen vor der neuen Jugendherberge auf, die vom Rande der Stadt her einen meiten Ausblick ins Tal hinab gewährt. Fackeln werden angebrannt. Die Spielleute poran, geht es durch die Straßen, eine riesige Schlange von Feuer und Licht. Die ganze Bewohnerschaft ist auf den Beinen, Arbeiterbewegung, auf die Sportinternationale, auf die gastfreundtein Mensch denkt jest an Schlaf. Freiheitslieder ertönen, auf die lichen Bewohner Don Johangeorgenstadt werden donnerne Frei Heil" ausgebracht. Gegen 12 Uhr ist der Zug auf dem Marktpla angelangt. In der Mitte steht der große, festlich beleuchtete Tannenbaum, von rotem Licht umsäumt. Die Fadelträger bilden mit den Taufenden von Zuschauern eine einheitliche, von dem gleichen Gedanken bewegte Masse. Mit wenigen Worten begrüßt Karl 3inner, der unermüd liche Führer der Johanngeorgenstädter Organisation, die Bersammlung. Dann dringt das Lied ,, Brüder zur Sonne, zur Freiheit" zum nächtlichen Himmel. Der Bundesvorsitzende Gellert hält eine turze Ansprache. Er erinnert daran, daß das vergangene Jahr ein Jahr der Arbeit, ein Jahr des Kampfes war, und er schließt die Hoffnung an, daß das neue Jahr ein Jahr des Sieges sein werde. Des Sieges des Sozialismus, für den der Arbeiter- Turn= und Sportbund unermüdlich arbeitet, für den er die Massen feiner Mitglieder schult. Gellert bringt ein dreifaches Frei Heil" auf das neue Jahr aus, don der Masse stürmisch aufgenommen. Es folgt das Bundeslied. Dann nimmt Koppisch von der Bundesleitung das Wort, um noch einmal dem großen Gedanken Ausdrud zu geben, von dem die Sportbewegung der Arbeiterschaft erfüllt ist. Bann wir schreiten Seit' an Seite" singt die Versammlung. Die Kundgebung schließt mit dem Gesang Auf, Sozialisten, schließt die Reihen", damit zum Ausdruck bringend, daß die Arbeitersportler der Sozialdemokratie, der großen Partei des Proletariats, auch fünftig treu ergeben sein wollen. Von einer Turmuhr schlägt es 12 Uhr. Das neue Jahr bricht an. Bon irgend woher hört man die Töne eines Chorals. Die Bergangenheit meldet fich, fie will noch nicht daran glauben, daß sie abzutreten hat, daß eine andere Zeit angebrochen ist. Die Fackeln merden zusammengeworfen, ein gewaltiger Scheiterhaufen lobert auf, ein leuchtendes Symbol der Zuversicht, mit der die Arbeiterklasse den ihr noch bevorstehenden Kämpfen entgegengeht. Eugen Prager. Schneeschuhkurjus im Arbeiter- Iuen- und Sportbund. Wenn auch der Winter für eine Weile wieder vorbei ist, so muß doch noch recht viel an der Ausbildung von Schneeschuhläufern gearbeitet werden. Der Kreiswintersportleitung des Berlin- Brandenburger Kreifes im ATSB. ist es nun endlich gelungen, die Schneeschuhe für die Ausbildung anzuschaffen und Kurje vorzubereiten. Die Kurje beginnen am Freitag, 4. Januar, um 20 Uhr, in der Turnhalle der Schule Gartenstraße 107a, an der Elsässer Straße( 1. Hof). Die Rurfusgebühr beträgt 2 M.; arbeitslose und Jugendliche Bundes mitglieder nehmen fostenlos teil. Anmeldungen werden noch auf den Kursusabenden angenommen. Auf den Geschmad gekommen! Der große Erfolg der ersten Sechstage" hat die Leitung des Frankfurter Sportpalastes ermutigt, noch in diesem Winter mit einer zweiten derartigen Veranstaltung auf den Plan zu treten. Der Berein deutscher Radrennbahnen hat dazu bereits seine Genehmigung für die Tage vom 7. bis 13. Februar erteilt. Bundesreue Vereine teilen mit: Ruberverein Borwärts", e, B., Oberschöneweibe. Donnerstag, 3. Januar, 19% Uhr, Borstandssigung bei Sahnte, Riefholzstraße. Sonntag, 6. Januar, 15 Uhr, Monatspersammlung mit Vortrag im Bootshaus. Freie Arbeiter- Schacheereinigung Groß- Berlin. Es spielen am Donners tag, 3. Januar, 20 Uhr: abt. Streuzberg: Blanufer 75-76, bei krepp: Abt. Prenzlauer Berg: Prenzlauer Allee 189, Ede Raumerstraße, dei Burg; Abt. Siemensstadt: Stemensste, 34, bei Hesse; Abt, Treptow: Elfen, Ede Beermannstraße, bei Rolf; Abt. Westend: Charlottenburg, Sophle- Charlotte- Str. 88, bei Jamin; Abt. Grünan: Gemeinschaftshaus Gutshof Faltenberg; Abt. Reinickendorf- Ost: Residensstr. 156, bei Nochhaus. Freitags: Abt. Mitte: 8ionskirchplat 5, bei Kurzrod. Dienstags: Abt. Lichtenberg: Wühlifchstr. 36. bei Schiller; Abt. Memel: Memeler Str. 10, bei Lude; Abt. Schöneberg: Gustav- Müller- Blag 1, bei Geibel; Abt, Wedding: Müllerstr. 2, bei Germs, Abt. Weißenfee: Berliner Allee, Ede Lehderstraße, dei Gallas. Montags und Mittwochs: Abt. Friedrichshain: Straßmannstr. 42, bei Albrecht. Abf. Treptow: Beermann, Ede Elsenstraße, jeben Sonntag vormittag ab 10 libr freier Schachverkehr. Gäste willkommen. Abt. Lichtenberg: Bühlischstr. 36b. Ediller leben Sonntag vormittag ab 10 Uhr freier Schachverkehr. Gäste min tommen. Bezirksfartell Friedrichshain! Montag, 7. Januar, 19% Uhr, Kartelligung Silvester! Das alte Jahr mill Abschied nehmen. Die einen feiern diese Stunde in stiller Zurückgezogenheit, die anderen lärmen auf den Straßen. Die in Johanngeorgenstadt versammelten Sport- bei Grahn, Boghagener Str. 114. genossen benugten die Jahreswende, um noch einmal dem Gedanken der Solidarität mit der ganzen Arbeiterklasse zum hinreißenden Ausdrud zu bringen und ein mächtiges Bekenntnis für den Sozialismus abzulegen. Freier Körpertulturtreis Krenzberg. Erster Badeabend Montag, 7. Januar, 20% Uhr. Seimabend Donnerstag, 10. Januar, 19% Uhr, Sugendheim Briger Straße. Bunter Abend. Gisbahnfarten für Jugendliche find bei Frizz Wagner, Reichenberger Str. 113, in Empfang zu nehmen. FTGB., Bezirk Stralan. Die Bersammlung findet nicht am 3. Jannar, sonbern am 8. Januar del Hoffmann statt. Wer fährt im Sportpalast? Die Teilnehmer für das Sechstagerennen. | ** Schon einige Male stand die endgültige" Starterliste zum Marcillac und Gooßens- Debaets. Der Start von Georg De,, 21. Berliner" fest. Jegt ist sie wieder geändert worden und man darf wohl annehmen, daß sie nun wirklich ganz endgültig" formuliert ist. Ursache der Aerderung war der Sturz Bindas im Mailänder Sechstagerennen. Sein vorgesehener Partner Linari mußte einen anderen Kampfgefährten haben. Also wird Linari mit Miethe( der erst mit Stodelynd treifen sollte) und Stocelynd mit Lorenz fahren. Die Starterliste zeigt folgendes Bild: Miethe- Linari Wambst- Lacquehan Faubet- Marcillac Letourneur- Broccardo Gooßens- Debaets Rielens Jan van Kempen Stocelynd- Lorenz Betri- Dülberg Kroll- Tiez Kroschel- Junge Behrendt- Manthey Preuß- Refiger Wette- Beinert Als Kanonen" erster Güte werden Petri- Dülberg, die im Dollarlande eine große Fahrweise an den Tag legten, angekündigt. Alle Anerkennung für die Leiftungen Betris, des fleinen ehemaligen Treptower Fliegers, und für die des Dortmunder Dülberg. Doch gerade die Erfahrungen haben tlar bewiesen, daß die Struttur einer amerikanischen Sechstagefahrt eine wesentlich andere ist, als die einer deutschen. Das belam ja auch Betri zu foften, als er uns nach dem Kriege besuchte und ein Sechstagerennen mitbestritt. Doch warten mir ab! Sinnlos ist es, irgendein Siegerpaar zu tippen. Dft genug fonnten wir nach der 145. Stunde nach Hause gehen mit dem Bewußtsein, daß der Sieg dieser oder jener Mannschaft fein ehrlicher, Die darüber geführten Unterfondern ein getaufter mar. juchungen haben manches( aber nicht alles!) an den Tag gebracht. Der Eportausschuß des Bd. mit Eggert an der Spize wird ein machfames Auge haben müffen, um auch jeden geringsten Bersuch einer Kombination" zu unterbinden. Bei den Ausländern finden wir starte Baare mie Faudet 21 baets hatte eine interessante Vorgeschichte, aus der beinahe ein Fall Debaets" geworden toäre. Um den famosen Belgier, der aus Amerita zurückkehrte, sette schon vor seiner Ankunft ein scharfer Wettlauf zwischen den beiden Sechstagedirektoren von Brüssel und Berlin ein. Im Intereffe des Sportpalastes verpflichtete ein belgi scher Sportredakteur Debaeta telegraphisch, während in Brüssel ein Manager für die dortigen six days unterschrieb. So tam es, daß der Bielbegehrte sowohl auf der Brüffeler Sechstageliste mit BauHevel, als auch auf der Berliner mit Gooßens figurierte. Obwohl min der belgische Verband aus naheliegenden Gründen die Interschrift des Brüffeler Managers als rechtsverbindlich erklärte, gelung es dem Sportpalast doch, den Start des dreimaligen amerikanischen Sechstagefiegers für das Eimundzwanzigste" zu erwirken, während man fich in Brüffel mit einem Erfagmann begnügen muß. Der Senior des 26 Mann starken Feldes, der 36jährige Belgier Rielens fährt mit dem jüngsten Afteur Jan van 19jährigen Kempen. Wambst- Lacqueban find längst nicht mehr die großen Fahrer von ehemals. Ihre Technit des plöglichen starten Antritts ist von den deutschen Fahrern erkannt, gepflegt und verbeffert worden. Besonders Tie ist hierin groß! Binda foll mit Linari fahren, doch erscheint der Start nach einer Mailänder Meldung, wonach Binda in dem foeben zu Ende gegangenen Sechstagerennen schwer gestürat tft, fraglich. Den Beschluß der ausländischen Teilnehmerliste bildet die Mannschaft Letourneur- Broccardo. War zuerst nur eine gemischte" Mannschaft vorgesehen- Stocelyndfo finden wir jetzt, wie schon oben mitgeteilt,& wei, und Miethe Diese neue Su3mar Linari- Miethe und Lorenz- Stocelynd. fammensetzung dürfte als gut anzusehen sein. Die vier restlichen Deutschen Baare, Kroschel- Junge. Behrendt- Manthen. BreußRefiger und Wette- Beinert, find alle als flott bekannt und werden ihr Bestes herzugeben miffen. Freitag abend 10 Uhr wird der Startschuß abgegeben. Borher betreiben Berufsfahrer ein Stunden- Bunttefahren. Fleisch billig + blaugador G Geschäfts- Anzeiger Willy Hanka Brunnenstraße 121-122 Wurst [ G. F. 33 gut Otto Kneller Elbinger Str. 20 Bezirk Norden- Osten. 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