Morgenausgabe Nr. 7 A 4 46. Jahrgang SScheatNch LSPf�«o�«Äch 8S0 M. t» voraus»-adli»« Ppttde�ug 4LZ M. «wfchl. Bestellgeld. Auslandsadmm� ment 6.- M. oro Morurt. Ttz.Sormdrts* erlcherm Wochentag» lich zweimal. Somuogs und Montags einmal, die Lbendausaaden für Derli» und im Handel mit dem. Titel.Der Abend-. Zlluftrrert« Beilaoeb �BoU und Zeit- und»Ainderfreuno-. Fern» Unterhaltung und Willen-..Frauen» stimme-..Technik-.Blick in die Büch erweit" und �ugend'vorwärts- Berliner volksblatt Sonnabend 5. Januar 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Vi« etnipalttge Nsnp-'.reivezell» •0 Pfennig. Retlome eile i— Reich» mark.„Kleine Änzeige»' dos enge« druckte Won 2b Pfennig(zulässig zwe� fettgedruckte Worte), ledes weitere Wori »2 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, tede» wettere Würt 10 Pfennig. Worte über l5 Buchstabe» zählen für zwei WoNe. Arbeilsmartt Zeile SO Pfennig Familienanzeigen fü» Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzergeu« abnahm» im Hauptgeschäft Linde» straße S. wochentägl. von S»/z dt» 1? Ufe Zentralovgan der«Sozialdemokratischen Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 Kernsprecher fönboff 292—23'! telegramin.Sdr: Sozialdemokrat Berit» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Bostildeckkomo: Berlm S? KSK— Bankkonto: Bank d«t Srbener. Ängellell«« nild Beamten Wallfn. KS Dtikonto-Gelellllbalt. Tevositenlafie Ltndenltt S Kampf dem Gistgas! Tagung der Internationalen Kraueuliga für frieden und Freiheit. i Jranksurk a. 21, 4. Januar. tEigenbericht.) Im Großen Saal des Frankfurter Handwerkerhaufes begann am Freitag eine dreitägige Äonfemtz der internationalen Frauevliga für Frieden und Freiheit. Auf der Tagesordnung steht der Kampf gegen den Giftgas- krieg. Anwesend sind Vertreterinnen aus allen Ländern Europos. Dutzende und aber Dutzende Begrüßungstelegramm« und Be- grüßungsschreiben sind aus Europa und Amerika eingetroffen. Auch die Sozialdemokratisch« Partei Frankfurts ließ dem Kongreß die besten Wünsche übermitteln. Von Moskau sind fünf Vertreter der kommunistischen Gewerkfchaften unterwegs. Das erst« Referat über die Dergiftungsgefahr im Gaskrieg er- stattete Prvfeflor Dr. Lewis. na« de? Universität und der Technische» Hochschule Berlin. Der Re- fttent erklärte, es feien heute schon. 2 5 Arten Giftgase bekannt: gegen Gift« könne die Wissenschaft nichts Eine Gistgaswelle geh« heute schön durch die Welt und unheimlich mehrten sich heut« schon die zahlreichen Vergiftungen in der Gistgasprodultwn und im Privatleben. In früherer Zeit sei die Anwendung von Giften das Reservat feiger Mörder gewesen.- Schon den Dölkern des Altertums sei es als ein Greuel erschienen. Die Art, durch Gifte »ampsimfähig zu machen.»� dem menschlichen Einpsinden so yn- »aßbar, daß sie als ein dem ganze« Menschentum zugefügtes Vex- brechen anzusehen fei E» gebe noch kein« so harte Hnaf«. wie sie nötig wäre, um Veranstalte? und Lerüber solcher verbreche» ge- nügend zu bestrasen. i•' l"•/••)''' i T'! Haopkmann Lrunskog-Kchwedev sprach über die Umwandlung der Ä r i e g s f L h'run g. Der Krieg fei heut« motorisiert. Die feindlich« Luftflotte könne in kurzer Zeit unbemerkt in das Herz des Landes eindringen und Front wie Heimat vergasen. Gegen solche Angriffe gebe es keine Ab- wehr. Die Zeit der großen Heer« und Seeflotten fei vorüber. Himer den Gaskriegsrüstungen ständen mächtige kapitalistische Grup- pen. Wir näherten uns immer mehr der Zeit, in der«in« mili» tärifch« Verteidigung der Großstaaten«ine Unmöglichkeit sei. Wenn «s nicht geling«, innerhalb weniger Jahre den Krieg abzuschaffen, sei Europa dem Untergang geweiht. Frau Dr. med. Dudszinska-Poles schildert, welche furchtbaren Wirkungen des Gaskrieges sie während des letzten Kriege's in den polnischen Lazarett«» beob- achten konnte. Saum 10 proz. der Vergasten hätten gerettet werde« köuaen. Sie fordert Abschaffung des chemischen und bakteriologischen Krieges. Es fei für die Wissenschaft entehrend, ihr« Erfindungskraft für' die Zerstörung der Menschheit zu gebrauchen. Mit Schutz- maßnahmen gegen die Wirkungen des Giftgaskrieges, wie sie z. L. das Rat« Kreuz vorgeschlagen habe, sei nicht geholfen. Gertrud woker-Schweiz. die mit ihren Ausführungen«inen ungewöhnlich tiefen Eindruck er- zielte, setzte sich vor allem mit jenen in Englgnd, Frankreich und Deutschland auseinander, di« im Giltgaskrieg die.chumanste Art der Kriegsführung" sehen und dies statistisch„nachgewiesen" haben. Mit Zahlen und allem erforderlichen wissenschaftlichem Rüstzeug ousge- stattet, rückte Frau Woker den Giftgasbefürwortern zu Leibe. Sie zeigte, wie di« Statistik über di« Wirkungen der Giftgas« im Welt- kriege gefälscht, und die Wahrheit über diese entsetzliche Kriegswaffe verschleiert morden ist. Allein der-.-er st-» Sa-» ä pari ff. ig Belgien hate« KÜSS Tot« gekostet und ia dea später«» Gas- angriffe» feie»»ach militärische» Luelle» di« Truppenführer froh gewesen, wen» bei einem Gavaugriss«in viertel der Truppen hets davongekommen sei Di« Rednerin schloß mit den Worten, daß nur die am Gistgas Jnteressterten ein Interesse' e»'- einem'Giftgaskrieg haben könnten.'' 1' 'Den Schluß des ersten Tages bildet««in« Rede von Professor Eortuey-England, der die G I f t g a« i n d u st r i e behandelt. Der Redner fragt, ob es möglich fei, die chemisch« Industrie zu kon- trollieren und kommt zu dem Ergebnis, daß man die» verneinen müsse. Wenn dem so sei, gebe es nur eine einzige befriedigend« Methode und zwar, gegen oll« Formen der Kriegsführung zu kämpfen. pariser Finanzskandal wächst. Droht Krau Hanau mit Enthüllungen?- 6-1 Bestochene, darunter Minister? Paris. 4. Januar. 2u der Affäre der„Gazette du Franc" macht heule die „tiberlä" feufatton-lle Mitteilungen. Frau Hanau habe, wie seinerzeit der Fraueamörder Laudru über seine Opfer, über die vou ihr Destoch?HM gewissen hast Vach geführt. Ja ihren Büchern befänden sich 61 derartige fionlcu, darunter die von zwei ehemaligen Mlnisterpräsidenlen und vou zahl- reichen parlameularieru. Diesen Lenken feie» ZOO 000 HIs 1 600 000 Franken pro Jahr zugeflossen. Das plall behauptel, daß sich unter de» bestochene» persönlichkclleu auch der ehemalige kommunistische Abgeordnete Valllauk-Eonturier be- fände(?), der gegenwärtig navorsichkigerweise jeden Morgen in der �umoniiä" gegen den„Skandal honan-poineurö" zu Felde ziehe. Dt« weitereu Enkhüllungen aus den Zlollzen der Fra» Hamm würden»och recht merkwürdige Veberrafchung?,, bringen. Da» Matt beschuldigt schließlich den Untersuchungsrichter, daß die Anklagen gegen die ihrer llaersahreuhett zum Opfer gefallenen kleinen Scheinaktlouäre lediglich dazu bestimmt seien, di« AusmerksamkeU von den Politikern in der Umgebung der Frau Hanau und von dev houvtschuldigen abzulenken. Ewe Wendung könne jedoch von einem sür morgen augejehle» verhör der Frau Hamm erwaelel werden, falls diese oeu« Enthüllungen mache. O.e verratenen Kleinattionäre des».Onotldien�. Part». 4. Januar.(Eigenbericht.) Die Untersuchungen im Skandal der„Gazette du Franc" werden Kinächst mit d«r Vernehmung von fiktiven Aktienzeichnern fortgesetzt. Die Leiterin des Konzerns Frg» Hanau bat am Freitag Pen Untersuchungsrichter um ein sofortige» Verhör, da sie einig« wichtig« Aussagen zu machen habe. Ihr Sozius und geschiedener Gatt«. Bloch, bat gleichfall», vernommen zu Werden. Der Unterfuchungsrichter hat ihn sei» seiner Verhaftung nicht vorgeladen. Der noch dem veiängniskrankenhau, transportiert, Ehefredaktenr der„Gazette du Franc"»udidert hat die U�erführmm schlecht Oberftonden und liegt fett Freiiag abend mit hohe» Fied« zu Bett. SUftMM RechtskMiw. die fttnespag» to Verdacht besonderer Sympathie für Herrn Audibert stehen, äußern am Freitag den V« rd a ch t. daß das Gesetz mit»oller Absicht in solcher Streng« aus ihn angewandt werd«, da man befürchte, er werde zuviel unangenehm« Dinge aussagen, wenn er wieder her- gestellt werd«. Ein Teil der Kleinaktionär« des„Quo tibi««" hat sich zu einem Syndikat zusammengeschlossen. Das Syndikat fordert nicht nur eine sofortige Untersuchung der Geschäftsführung der beiden Direktoren D u m a y Vater und Sohn und des Chefredakteurs Bertrand, sondern darüber hinaus Klarheit über di« Aus- lieferung de» Blattes, das«inst als Lorkämpferin der De- mokratie auftreten konnte, in schwerindustriell« Hände. Die Kleinaktionär« wolle« heut« versuchen, das Blatt« i« d« r u n» abhängigzugestalte» und auf die Geschäftsführung größeren Einfluß zu nehmen. Die Todesstrafe. Eine wichtige Aevßemng von Professor K-Hl. Im Rahmen der vom Reichsbund Deutscher Referendar« ver- anstalteten Reichsschulungswoche sprach gestern abend Universitäts- Professor Dr. Dr. Kahl, Mitglied des Reichstages, im ehemaligen Herrenhaus über Reformen im Strafrecht. Er sprach dabei auch über die Todesstrafe. Es sei nicht zu verhehlen, daß dl« Bewegimg gegen diese Straf« ungeheuer tiefgehend sei. Man könne sogar sagen. daß die Skrafrechtmesor« fchrtfem würde, mam Mc Tab«» strafe beibehalte» wäide. Der gegenwärtige Sustizminifte? fei im Gegensatz z» sein« Bor- ginger ein entschiedener Anhänger der Beseitigung der Todesstrafe. Professor«ah, erörtert» dann weiterhin die«w Entwurf emhattenen Abschnitt» über Strakbw— iwna. vtrafmüden»«,«t-aftmrMrfu-ch Alles schon dagewesen! Die inneren Kämpfe in der KpO. Man schreibt uns: Bei der Lektüre der Ausführungen Thalheimers auf der Berliner Konferenz der rechten Opposition der Kommunifti- schen Partei erinnert man sich unwillkürlich an die Auseinandersetzungen, die die Loslüsung der KAG.(Kommunistische Arbeitsgemeinschaft) vor sieben Jahren von der KPD. beglei- teten. Nicht nur daran! Auch die Auseinandersetzungen, die der Spaltung der USPD. auf dem Parteitag von Halle vor- angingen, werden wieder lebendig. Ä>alheimer und Brandler reden heute von der Tradi- tion des asten Stammes der deutschen Kommunistischen Par- tei, sie denken an die Zeiten Rosa Luxemburgs— nachdem sie in den entscheidenden Jahren willig ihre Hand dazu ge- liehen haben, die Traditionen der deutschen ArbeiterbeweguNa geistig und organisatorisch in der KPD. auszulöschen und durch die russisme Tradstion der Bolschewik! zu ersetzen. Mc» muß nur verstehen, was die Erinnerung an ihre sozialdemo- kratischen Jugendjahre für die Thalheimer und Prandler be- deutet! Sie ist nicht nur ein Aufschrei der Selbstachtung— wir wollen wieder Menschen sein!— sie schließt in sich die Rebellion gegen das ureigentlichste Grundprinzip der unter russischer Führung stehende kommunistischen Internationale. In gewissem Sinne nehmen Thalheimer und Brandler Pläne wieder auf, die vor sieben Iahren von Kommunisten verfolgt wurden, die inzwischen längst wieder zur Sozial- hemokMie zurückgekehrt sind. Diese Pläne gingen dahin., die Exekutive der Kommunistischen Internationale nach Westeuropa zu verlegen, oder doch zum mindesten einem west- europäischen Sekretariat politische und organisatorisch« Selbst- ständigkest zu geben. Damals wie heute stand hinter solchen Plänen die. Erkenntnis daß der Weg der Arbeiterbewegung in Westeuropa unter anderen politischen und geistigen, Be- dingungen verfolgt werden müsse als in Rußland. Die Kommunistische Internationale unter russischer Führung aber ist gegründet auf'der These, daß das'geschichtliche Werden und die Tradition der Arbeiterbewegung in den westeuropäi- schen Ländern unerheblich sei gegenüber der Einheit des re- volutionärep Wullens und der Einheit des revolutionären Oberbefehls im Moskauer Generalstab. Demokratische Grund« eleme'nte in der westeuropäischen Arbeiterbewegung, Unter- schiede des Reifegrades sollten ausgelöscht werden durch die straffe mllitärische Disziplin einer Partei, die das Proletariat als Bortrupv diktatorisch führt. Die bolschewistische Partei- führung der Vortrupp des russischen wie des Weltproletariats, der für alle denkt und handelt, das ist die Grundidee der Kommunistischen Internationale. Wer den Russen die dikta- torische Führung nehmen will, begeht vom Standpunkt dieser Grundidee aus Hochverrat. Wer wie Brandler und Thalheimer mit den bolschewistischen Führern als Macht zu Macht verschandeln will, muß den Rahmen des kommunistischen internationalen Organisationsgebäudes sprengen. Brandler und Thalheimer machen ihre Revolution gegen die Moskauer Diktatoren. Sie pochen auf ihre Tradition in der alten deutschen Sozialdemokratie— Stalin aber pocht gleichzeitig auf die berühmten 21 Punkte, das Grundstatut der bolschewistischen Vorherrschaft in der Komintern. Thal- heimer ivricht vom demokratischen Grundelement in der west- europäischen Arbeiterbewegung— Stalin aber von Punkt 12 der 21 Bedingungen, der für die kommunistische Organisation. „eine eiserne, an die militärische grenzende Disziplin" fordert. Das ist nicht nur eine Redewendung, sondern die Feststellung der eisernen russischen Diktatur! Thalheimer und Brandler rufen nach der Autonomie der westeuropäischen kommunisti- schen Bewegung— Stalin aber erzwingt zur gleichen Zeit mit den stärksten Mitteln die bedingungslose Unterwerfung aller Kommunisten unter seinen Willen in Ruhland wie in Westeuropa. Dieser Gegensatz ist nicht nur der Gegensatz zwischen zwei Organisationsprinzipien— es steht dahinter der große grundsätzliche Gegensatz zwischen der sozialdemokratischen Art, die Welt zu sehen und auf sie zu wirken und der russisch- bolschewistisch-stalinistischen Art. Es ist historisch lächerlich, wenn Brandler und Thalheimer sich gegen Stalin auf die Autprstät von Lenin berufen— in diesem Punkte war Lenin so gut russischer Polschewist wi« Stalin, und wer so wie Brandler ynd Thalheimer argumentiert, muß konsequent ge- nug sein, eine Grenzlinie gegen Lenin zu ziehen. Der Unterschied dieser Organisationsprinzipien spiegelt hie Verschiedenheit der Geschichte und Tradition der west- europäischen Arbeiterbewegung und der russischen Arbeiter» bewegung, die Verschiedenheit der sozialen Derhältnisse i« Westeuropa und in Rußland, den Unterschied de» Reifegrads der ökonomischen Entwicklung in Deutschland und in Ruß- land. den grenzenlosen Unterschied tn der Politisierung und der politischen Selbständigkeit der Ardeitermassen in West- europa und w Rußland._ Um eM Bild zu brauche«: die Führung de? kommunisti- schen International« handelt gegenüber der westeuropäisch«« Ardeiterbewegung wi» ein General, der Im Weltkrieg de« versuch uBtcrnommea hätte» die vvllemassea des deutsche» Heeres mit den Methoden des friderizianischen Stockes zu behandeln und sie in das Korsett der friderizianischen Linear- taktik zu pressen. Das Organisationsprinzip der kommunisti- sehen Internationale ist gegenüber Westeuropa historisch rück- standig, es verhält sich zur Sozialdemokratie wie der auf- ät-klörte Despotismus zu einem entwickelten demokratischen Bolksstaate. Dies rückständige Organisationsprinzw unternimmt feit zehn Jahren aggressive Vorstöße über die Grenzen seines Ur- sprungslandes hinaus gegen die demokratische Arbeiterbewe- aung Westeuropas. Es stößt dabei unmittelbar mit dem demo- kratischen Prinzip zusammen. Die Folge ist die nicht zu bannende geistige Krise in den Reihen der Kommunisten. Wir beobachten die Wirkung dieses Zusammenstoßes auf die deutsche Kommunistische Partei seit den ersten Tagen chres Bestehens, und beinahe läßt sich heute schon ein Gesetz ab- leiten: die Kommunisten, soweit sie durch die Schule der beut- schen Sozialdemokratie gegangen sind, wenden sich alle früher «der später gegen dies rückständige Organisationsprinzip, damit aber auch gegen die Grundidee der kommunistischen Bewegung überhaupt. Natürlich gibt«» dabei Unterschiede im Tempo wie in der Entschiedenheit der Wendung, natürlich auch Ausnahmen, wie es unter Menschen Verschiedenheiten des Temperaments und des Charakters gibt. Brandler und Thalheimer erheben jetzt die Fahne der Revolution gegen die russischen Borherrschaftsgelüste— aber solche Revolution hat ihre Konsequenzen! Wir meinen nicht den Hinauswurf, der ihnen blühen wird, wir meinen eine geistige Konsequenz. Wer die deutsche Arbeiterbewegung unter dem Gesichtspunkt ihres geschichtlichen Werdens und nach den Bedingungen ihres Kampfes in Deutschland be» urteilt, der muß notwendig auch zur Bejahung sozialdemo- iiratischer Politik gelangen. Alles schon dagewesen— und wird immer wieder vor» kommen, solange neben der deutschen Sozialdemokratie«ine Kommunistische Partei existiert. llm den Kopf der Nebettea. La« Reichsorgan de» Lenin-Bunde» derichtet, daß in der Exe» kuttv« der Moskauer Internationate wegen de« Ausschluss«« von Brandler und Thalheimer ein heftiger Kampf zwischen Stalin und den Rechten tob«. Das Blatt schreibt u. a.: Bis heute lhit Stalin nicht gewagt, den„automatisch eintretenden Zlüsschluß" Brandler» und TalheimerS wegen ihrer Weigerung, nach Moskau zu kämmen, bekanntzugeben. Stalin stößt bei seiner Ad- stcht. Brandler und Thalheimer au? der russischen Panei zu werfen (beide sind Mitglieder dieser Partei) auf wachsenden Widerstand. Schon der Ckki.Brief mit dem Hinäuswurf der deutschen Rechten ist mir von der Statinschen Rumpf-Exetutioe unter ostentativen Fernbleiben» der Rechten einschtießlich Bucharin angenommen war- iden. Der„automatisch«' Hinäuswurf von Brandler und Thalheime? macht jedoch groß« Schwierigkeiten. Mit aller Kraft setzt stch d«r rechte Flügel für da» verblenden der beiden In. der russischen Partes ein. Stalin mobilistert in oller Eile die europäischen .Settionens um Hilf»truppen zum Kampf einzusetzen. Der„große' Thälmann war bereits in England, um de» Hineins chlllpfen Brand- kr« in die englische Partei zu verhindern. Jedoch auch dort bildet stch ein direkt stalinfeindlicher Flügel. In Deutschland selbst entwickelt stch eine Gruppe, dl« mit der Aaudertatttt Stalin» und Thälmann» gegen Brandt« r unzufrieden ist und schon fraktionell gegen die Thäl» «ann.Aentrist« arbeitet. Der Kampf in der Sxetutine ist in«ollem Wang» Tschechen gegen Slowaken. Ein slowakischer Abgeordneter unter Hychverratsverdacht verhaftet. Täglich 64 Tote! Sltitr zwei Mllioaea llafSUe im Iabr. � Hebet i M ilkion Unfälle würben im letzten Lahre allein in dm gewerblichen und landwirt- fchaftlichen Betrieben gezählt. Insgesamt haben sich in �Deutschkand in diesem Zeitraum sicher überZMilUonen ! U« f ä l l« ereignet. Fast 24 000 Menschen, davon etwa ein Drittel in den bei den Berufsgenossenschaften versicherten Be« trieben, haben dabei ihr Leben verloren. Also täglich 04 Tote durch Unfalls Diese erschütternden Feststellungen bringt der Aufruf des Reichsarbeitsminister» zur Reichs» vnfallverhütungswoch«(RUWo.), der u. a. auch vom Präsidenten des Reichsversicherungsamte», vom Reichs- ausfchuß für hygienische Polksbelehrung. von den Berufs- genosfenschaften und Gewerkschaften unterzeichnet ist. Die R.eichsunfallverhütungswoche findet vom 24. Februar bis zum 3. März 1929 statt. Ihr Zweck ist. wie au» dem Aufruf hervorgeht,„die dauernde und freudige Mitarbett jedes ein» zelnen im Kampf« gegen die Uniallgefahren'. Unsummen »an Schmerzen. Kummer und Elend, von.zerstörtem Fa» milienglück, von vernichteten Existenzen, gescheiterten Zu» tunftshoffnungen und von verlorenen wirtschaftlichen Werten stecken in. den furchtbaren Unfallziffern. Behörden und Orga» nisationen haben in ihrem Kampfe zur Eindämmung der -Unfälle manche» erreicht. Biete«bleibtadernochzu tun übrig. 3n der OeffentNchkeit und auch in der Arbeiterschast. vor allem unter den jugendlichen Arbeitskräften, werden die - Unfallgefahren immer noch viel zu leicht genommen. Ein Teil der Unfälle könnt« auch vermieden werden, wenn jeder sich, seine Ärbeitstolleaen und Mitmenschen zu v n f a l l- stcheremDerhalten erziehen würde; denn Verbote und Bestimmungen sind noch kein Allheilmittel gegen Unfälle. Die Reichsunfalloerhütungswoche muß endlich einmal da« LffenUkch« Gewissen aufrütteln. Vor allem tut not der Aus» hau der Gewerbeaufsicht. . Em frommer Mörder. Seiet ein Äalenmser und ertränkt fem Ovfet. telpzlg. 4. Januar.(Eigenbericht.) Der Dienst knecht Joseph S> r o ß e r au» Röhrenbach in Bayern hatte am Ist. Mai 1928 den Landwirt Stockinger über- Sllen. mit einem Prügel niedergeschlagen und beraubt. Al» der ebersollen» dereit, röchelte, b e t e t« d« r M ö r d« r d a» v a t« r, unser und wars den Sterbenden in den Dorsbach. Da« seinem vpser abgenommen« Geld verschwendete«r W kurzer Zeit. Straßer wurde vom Schwurgericht in Passou weaen Raubmordes »um T o d»-ventnellt. Er lest« gegen da» Urteil Revision ein. dt» »m Freitag mm Erst,» Strcsilenat de» Reichsgericht» verwarfen WNl»». Der slowakische Abgeordnete Dr. Bela Taka ist te Preßborg unter der Beschuldigung verhaftet worden, im Znter- esse Ungarn» tätig zu sein. Sein« Festnahme hat in slowakischen Srelse» große» Anflehen und starke Erregung hervorgerusen. Darüber meldet da» ofsizlös« Tschechoslowakische Pressebureau: Der der Koalition der derzeitigen Regiervngswehrhelt angehörend« Abgeordnete Dr. Bela Tuka ist eine der markantesten Gestalten aus den Reihen der Slowakischen Dolkspartei. Er ist 48 Jahre alt und war vor dem Umsturz Professor an der Preßburger ungarischen Universität. Wie da» morgig« ..Prager Togblatt' meldet, würbe bei der Haussuchung in der Wohnung Tuka». an der stch sieben Detektive beteiligten, sein« gesamte Korrespondenz beschlagnahmt, ebenso wurden in der Re- daktion des„S! o w a k'. dessen eigentlicher Thesredakteur Tuka immer noch ist. viele Schriften konfisziert. Nach der Verhaftung würde der Vorsitzende der Slowakischen Volkspartei. H r i n k a. in Rosenberg vom Sekretariat der Slowakischen Volkspartei telepho- nisch von der Verhaftung Tuka» verständigt. Hlinka war. al» er diese Nachricht vernahm, sehr erregt und beauftragt« die Parteileitung, beim Landesamt gegen die Verhaftung in, seinem Namen zu protestieren.„Man hat mir, sogt» Hlinka, im Innenministerium ausdrücklich versprochen, Tuka auf freiem Fuß zu lassen. Ich bin geneigt, sede gefordert« Kaution für ihn zu deponieren.' Ein Kurier der Partei begibt sich noch heut« nacht noch Rosenberg, um Hlinka über den Fall Le» richt zu«rsiatten. Man erwartet in der Partei; daß Hlinka schon morgen nach Prag reist, um bei der Regierung zu intervenieren. Auch der Generalsekretör der Partei, der Abgeordnete M a che e«k. hat bei der Preßdurger Pollzeidirektlon für Tuto interveniert. Reo« Beschränkung der deutschen Spracht, Prag, 4. Januar.(Eigenbericht.� In den Abendstunden ist die Regierungsverordnung erschienen, welche den Sprachengebrauch zwischen Landes- und Bezirksvertretungen regelt. Di« Verordnung muß schon auf den erste» Mick al»«me neu« unerhörte Schmälenmg der Rechte der Verwaltungskörper im deutsche» Gebiete und der deutschen VeoöUerung überhaupt bezeichnet werden. Der Ar« tikel 1 setzt fest, daß die Beratungen dieser Vertretungskärper in der Staatssprache(d. h. tschechisch) zu erfolgen haben. Bezüglich der andere» Sprachen wird bestimmt, daß in den Vertretungskörpern, in Bezirken mit mindesten» Mprozentiger Minderheit, die Angehörigen dieser Minderheiten sich ihrer Sprach« bedienen und in dieser Sprache abstimmen. Al« Grundlage der Beratung werden aber nicht die deutschen Anträge und Beschwerden, sondern nur deren tschechisch» Ueberletzungen verwendet. In Bezirken mtt mehr al» SOprozentiger deutscher Einwohnerschaft dienen die deutschen Anträge selbst als Veratungsgrmcklag«. Wo mehr als 7ö Proz. Deutsch« wohnen, entfällt die Uebersetzung der Anträge in« Tschechisch«, sofern nicht«in Mitglied der Bezirksver» ttetung dies« Uebersetzung verlangt oder der Vorsitzende si: für nötig erachtet. Kundmachungen und ander« Bezeichnungen sowie Orientiervngsausschriften auf Landes- uiw Be- zirksfiraßen richten sich ebenfall».noch diesen Grundsätzen, doch muß die Staatssprache stets an erster Steve stehen. Die Verordnung ist von alten Regi«rungsmitgliedern, alsa auch von den beiden deutschen Ministern, unterzeichnet. Auch Bayern klagt. Detpflichtet die tlebereianvng der Post und der Bah««« das Reich? München. 4. Januar.(Eigenbericht) ~ In einer Pressebesprechung bestätigte der bayerische Finanz- minister Dr�- Schmelzte, daß nunmehr auch Bayern ofsizlell Klage beim Staatsger ichtshos gegen das Reich«rhobea hat. Layern wrdert Feststellung der Verpflichtung de» Reichs auf Zahlung der Zinsen aus 1S2 Millionen für die übereigneten Eisen- bahnen unv au» KZV Millionen für die übereignete Post, und zwar ab 1. Oktober 1923. da bis zu diesem Zeitpunkt die Zinsen regelmäßig' vom Reich bezahlt wurden. Nach den abgeschlossenen Staatsverträgen beträgt die Verzinsung für. die Eisenbahnabfindung 4 Profund für d!« Postabfindung W Proz. Sie ist viertelsährlich zu zahlen- Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die Abfindung»- kapitalien in beiden Fällen goldmarkmäßig überhaupt noch nicht ftstgesetzt flick... Im Gegensatz z« Sachsen beschränkt sich atsa die Klage Bayern» ausschließlich auf de» Zinseuanspruch. wie überhaupt der Ginn der Klage nur in der Unterbrechung der eventuell vom Reich hesn. spruchten Verjährung der Zinszahlung zu erblicken ist. Da» Minimum der ihm für die Post zu gewährenden goldmarkmäßig«» Abfindung erblickt Bayern in der Summ« von 152 Millionen, also jenem Betrag, der in der ErSsknunoolnlanz de? N«ich«poft für die bayerische Postanlag« eingesetzt ist. Al» Minimallapital für die über» eignete Eisenbahn besteht Bayern auf Grund der Berechnungen i« Dawes-Plan abzüglich der vom Reich übernommenen fundierten und unfundierten bayerischen Eisenbahnschulden auf 128 Millionen Mark. Die Fcftletzung dieser Kapitalien bleibt späteren Der Hand- lungen vorbehalte«. Oer Kall Frieders. vlfjiplivatvrrfahren gm TS. Kebmae. Ivel««. L Jan»«. Da» Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen vberfiaat»- amvott Dr. Frieder«, der sich zurzeit in Oesterreich aushätt, wird am 18. Februar vor der Vlenststroskammer in Weimar eröffnet werden. Zum Verteidiger des Angeklagten wurde Rechts- anmalt Dr. Loewenstein- Berlin bestellt. Bon dem Wiener Rechts- beistand des vr Frieder» liegt bei der thüringischen Regierung ein Gesuch um sechsmonatigen Strafaufschub vor. um Dr. Frieder» Ge- legenheit zur Vorbereitung auf da» Disziplinarverfahren zu geben. Die Regierung wird sich demnächst mit diesem Gesuch besassen Nach Erledigung des Falles. Frieder» beabsichtigt di, thüringisch« Regie- rung«in« Denkschrift über die Angelegenheit zu verössentliche«. Da» Landgericht koburg erblickt« In dieser Handlungsweise des.väl» tischen Anwaltes eine grobe wucherische Honorarberechnung und ver- urteilt« Rechtsanwalt Zipperl«in zu einer Geldstras« von 1500 M l Die beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen und«» bleibt also dem völkischen Häuptling nichts anderes übrig, als die 1500 M. zu bezahlen, was chn aber nicht hindern wird, weiter für Hitler und sein«„Ideen' Propaganda zu machen! Beschimpfung der Reichsflagge. Erhebung der öffentlichen«läge gegen paoptmana«. D. Peiß, Nürnberg. Der Lande»le>t«r der..Reichsflagg«' im„Stahlhelm'. Haupt- mann a. V. Heiß aus Nürnberg, hatte in einer össenllichen ver. sammlung am 27. Ottober 1928 in Würzburg im Huttenschen Garten anläßlich»es„Slahlhelm'-Tages in einer Red« di« R«ich»farb-« Schwarzrotgold als die Farben der Meuterer bezeichnet. Die Landesiiell« Bayern der Republikanischen Beschwerdestelle in Würzburg. Hofstraße 8. stell:« bei der GwotMnwaltschost in Würzburg Strosantrag gegen Heiß und erhielt nunmehr von dem Ersten Staatsanwalt folgenden V-scheid:..Gegen den Leiter der ..Reichsflagg«'. Hauptmann a. D- Heiß in Nürnberg, ist bie öfsenchlich« Klag» wegen Lesohimpfun.g der Reich, jarhen erhöhen worden.' Völkische Führerhelden vor Gericht. Ein völkischer Agitator als Wucherer. Einen besonder» krassen Fall wucherischer Ausbeutung leistete sich der Hitler-Agitator Rechtsamvall Zipperleln m Koburg. Ein Dienstmädchen hatte chm die Vertretung ihrer Alimen- totl ans klag»übergehen. Der noble völiisch« Anwalt,«ingedenk des hatenkreuztersschen Programmpunttes:„Allgemeinnutz geht vor Eigennutz',' berechnet« sich für sseine Mühewaltung nicht weniger al» 1000 M und außerdem 15 Proz. der vom Deklagten erzielten Der» gleichssumm« gleich 750 M.. so daß ihm im ganze« 1750 M Her aus 5000 M. erzielte» VerGleichef«»»« zufiel. Die Wohndichte in den Großstadien. Auf eine» Wohnraum dmchschaittlich 1.01 Bewohner. Unter Wohndicht« versteht man da» Verhältnis der Vewohner zum vorhandenen Wohnraum und beurteilt di« Wohnverhältnisse um so günstiger, j» mehr Wohnraum dem einzelnen Bewohner zur Verfügung steht. Nach den Ergebnissen der Reichswohnungszählung vom IS. Mai 1027«ntsieien. wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst d«r..Statistischen Korrespondenz' entnimmt, im Durchschnlu sämt- ficher Wohnungen der 80 SröhstSdt« auf je einen Wohn» räum 1,01 Bewohne r. Hierbei ist die K ü ch e stet» als W o h n, raut» gerechnet worden. Di« durchschnittliche Belegung der Wohn- räum« sinkt regelmäßig mit zunehmender Raumzahl der Wohnungen und zwar im Durchschnitt der 30 Großstädte von 1.SS Personen in de» einräumigen Wohnungen bis auf 0£7 Personen in den Woh» nungen mtt 10 und mehr Räumen. DiekleinenWohnunge» si»d»erhSltni»mäßig stärk«? desetzt al» die mit-t» leren und großen Wohnungen. So liegen die durch» schnittlich«« Belegungszisfern der Wohnungen mit 1 di» 3 Wohn» räumen sämtlich über dem Ge samtdurchschnitt. Di» nach dem 1. Juli 1018 errichteten Neuwohnungen find durchschnittlich etwa» schwächer belegt al» die Llttmchnungen. Auf «inen Wohnraum entfallen hier durchschnittlich 0.S4 Personen. Die schwächere Belegung ist aber nicht in allen Wohnungsgrößen verhanden. Die Wohnungen mtt«in- bis zwei. Räumen und mtt fünf bis sech» Räumen haben ein« höhere Be- legungszifser je Wohnraum als di« Lltwohnungen gleicher Größe. Gang blonder» groß ist der Unterschisd bei den einräumigen Woh' nungen, die in Neubaitten durchschnittlich mtt 2 Bewohnern belegt stnd In den einzelnen Großstädte« schwankt die durchschnittliche Wohndicht« zwischen 1.67(Hindendurg) und 0.70(Wieebaden) Bewohn«? auf je einen Wohnraum. In Berlin entspricht die Wohn» dicht« mtt 1.01 Bewohner gerade dem Durchschnitt d? r 30 Großstädte. Die Städte mtt überdurchschnittlicher Besetzung der Wohnungen liegen entweder in Ostdeutschland oder in hervor- ragenden Industriegebieten dee Westen». Nach der vom Preußischen Statistischen Landesantt veröffent- lichten Uebersicht über di« zeitlichen Veränderungen der durchschnttt» «che» Wohndichte ist di« Wohndichte von 1910 di» 1918 in sämtlichen angeführten Städten außer Kiel gesunken. Don 1918 di» 1925 hat di« Wohndichte überall wieder zugenommen, wieder mtt Ausnahm« von Kiel. Trotzder Zunahm« derWohndichte gegen- über 1018 bleibt di« Wohndichte 192» doch all- gemein noch hinter der von 1010 zurück. Alleinig« Ausnahm« macht Breslau, da««in« höher« Dicht« als 1910 aufweist. Don 1925 auf 1927 ist die Entwicklung weniger einheitlich. In 7 von 12 Stödten ist di« Dicht« 1927 geringer al» 192», bei zwei Städten ist sie gleich und bei drei Stödten ist st« größer.. Im all- gemeinen herrscht also die Tandenz für Abnahm« der Wohndichte vor preußische Huuderi-MiNionen-Anleihe? E» wird gemeldet, daß die preußisch« Regierung aus dem inlän» bischen Kapitalmarkt ein* Anleih« im Betrag» von 100 Mit» Ikonen Mark aufzunehmen beabsichtigt. E« dürfte stimmen, daß diese Absicht besteht. Sie erklärt sich daran», daß die preußisch« Regierung vom Landtag schon das Recht bewilligt bekommen hasi Anleihen für Siedlung,zw«cka. Hasenarheiten und landwirtschaftlich?. Bodenverbesserungen-rufzunehmen, daß Preußen doM schon'größ« Sttmmen ausgegeben hat, die vorläufig auf Kredit genommen sind, in Anleihen deshalb noch fundiert werden müssen. Auf dein inlän. dischan Kapitalmarkt wird di» Anleih» ausgenommen, nachdem Preußen für Auslandsanleihen nach den letzten internationalen Di»- kussionen über Preußenanleihen wenig Thansen hat. Die Chancen auf dem inländischen Kopttalmarkt sind allerding» auch sehr uu» sicher. Ob dar Kapitalmarkt sehr viel hergeben wird, kann heute niemand wissen, das Experiment kann aber auch sehr günstig aus» Sehen. Jedenlalls würde im Augenblick Preußen noch mit der S-Millionen-Anleih« de» Sparkassen, und Giroverband«, und sehr otel Psanddrlesonleihea van Hypothek, ndante« konkurrieren müssen, Die Arbeitszeit im Handel. Zu den btvqrsteheaden Reichstagsberatungea über das Arbeitsschohgeseh. Voo vow», �»rvüd�risbestlAir, HalbentUdt, Zu Beginn eines Kampfes ist es stets nützlich, sich über bfe �rontslcilungert bar Partelen ein möglickst klares Pilb zu verschaffen SBann demnächst im Reichstag die Erörterungen i'äer das Arbeitsfchutzgeietz in seiner vom Reichsrat abge> änderten Fassung beginnen, wltb in diesem Rahmen— wenn nicht alle Anzeichen trügen--«ine Frage starker als bei früheren ähnlichen Anlassen tn den Bordergrund der De» batte rücken, nämlich die Regelung der Arbeitszsit der Angestellten. Die Prognose auf ernste Ausein- andersctzungen in dieser Frage ist deshalb zu stellen, weil beide Parteien. Arbeitnehmer sowohl wie Arbeitgeber, den Arbestsschutzgesetzentwurs auch in der vorliegenden Fassung für unzureichend hasten und ihn nicht einmal alz mög- liche Basis für ein tragbares Kompromiß ansehen� Die Lage ist charakterisiert durch Entschlossenheit der Arbeitnehmer» schaft auf der einen und durch Beunruhigung und Nervosität der Arbeitgeber auf der anderen Sekte. Die klarste Formulierung der Forderungen der Ange» sielltenschaft liegt in der ArbsitszeUentschließuna der Harn- b u tg e r Tagung de s A f A« K o n g r e s s« s vor, die einmal die Entschlossenheit der Angestellten dokumentiert, be» reits gewonnenes Terrain zu verteidigen strikte Durchführung des 8» S t u n d s n> T a g« s unter Beibehaltung der Sonntagsruhe— und die daneben auch Ziele präzisiert, die man über den gegenwärtigen Zustand hinaus glaubt ver» folgen zu müssen: 45-Stunden-Woche und 6-Uhr-LadensckluH. Trägerin der Opposition gegen diese Forderungen ist die chauptgemeinschaft des deutschen Einzel» Handels als die repräsentative Spitzenvereinigung des weitaus größten Teils der Einzelhändler. Auf ihren Schultern liegt die undankbare Aufgabe, die bewegten Klagen aus allen Kreilsn des Einzelhandels zu sammeln und in Form konkret begründeter Gesetzesanträge zusammenzuschmieden. Adresse dieser Anträge war im wesentlichen der R« i ch s w i r t» sch a f t s r a t, von dem man erhofft hatte, daß die„zahl- losen Vorstellungen der Hauptgemeinsckaft wenigstens dazu führen würden, daß im neuen Entwurf die wichtigsten Bs» dtfrfnisse des Einzelhandels mehr berücksichtigt würden als bisher". Zu diesem„Entgegenkommen" hat sich der Reicbs- wirtschaftsrot jedoch nicht verstehen können. Deshalb die Be- tinruhigung in den Aroeitgeberkreisen, besonders im Hinblick auf die vorgesehene neue Normierung der Bestimmungen über Sonntagsruhe. Ladenschluß und Verteilung der Mehrarbeit. Die- Aktion, der Hauptgemeinschaft geht von der Fiktion eines einheitlichen Arbeitgeber int e reffe s in den Fragen der Arbeitsgestastung der An gestellten aus.' Es wird unterstellt, daß wegen der gegen wörtig teilweise ungünstigen Sstuation des Einzelhandels— man klagt auch hier natürlich insbesondere über zu hohe Steuern und Sozialbelastungen—- eine allgemeine Aenderung der Oraanisationsarundlagt de» Einzelhandels nach außen hifl." also der Organisation des Verkaufs» a v p a ra t e s. als notwendig- erachtet wird. Man schaltet cklfo ot>n vornherein das an sich naheliegend» Argument«US. der Einzelhandel müsse durch interne Betriebs» rä t i o n a l i s i« r u n g selbst versuchen lein», gegenwärtig» Geschäftsbasis zu verstärken und fern» G sw innmöglich keiten zu verbessern dadurch, dati man zum Gegenstand konkrete? Forderungen nur d i« Salt» de« Einzekhandelsgeichästss Mächt die sich ihrer Natur nach einer internen Arbeits» ratkonasisierung fast vollständig entziebt. und da» ist die n"ch außen hin in Erscheinung tr»t»nd« Verkaufstätigkeit. So kommt es. daß d'e Angestelltenfraa«, soweit sie sich als Ar» bestszeitproblem darstellt, heute fast ausschließlich al»„33 e* käuferfrage" erscheint. Mas allo angegriffen wird, ist der Achtstundentag des Berk auf» personal». Das Gefährlich« an der Forderung des Einzelhandels siegt dabei aber darin, daß mm, nickt etwa generell eine Aufhebung de» Achtstundentages für diesen Tesl der Angestelltenschaft fordert, fondern daß man den Bewel« zu führen versucht, daß im Rahmen der g-egn» wärtigen grundlätzlicken Regelung der Arbeitszeit»ine Aus» dshnung der Arbeitsstunden für das Derkaufspersonal durch» aus möglich ist. Die Brücke, auf der man sein Ziel zu erreichen versucht. >st der km Arbeitsschubgesetz anerkannte Begriff der„Ar» beitsbereltschaft". den man auch aus den Einzelhandel angewandt wissm will. In einer Denkschrift hat man doshalb den..wissen'chaftsichsn" Nachweis zu führen versucht, daß im Einzelhandel tatsächlich Arbeitsberestsckaft vorsiegt. Die Nicht berücksichtigung der Ergebnisse dieser Denkschrift bei der Neu» fortnulierung de» Gesenentwurfe» glaubt man besonders wirksam nach ausien hin dahingehend charakterisieren zu könnon. dost der..Gesetzgeder.sick auf den verschiedensten Ge bieten des Entwurfes in starken Gogenfatz zu den Srgebn'ssen wissinschaftlicher Untersuchungen der wirksichen Lag« gestellt haC-' Wie verhält es sich in W'rksichkest mit tüefen Ergebnissen der„wissenschaitlichsn Untersuchungen"? Man könnte ver» suckt sein, die Ergebnisse der erwähnten Denkschrift dadurch zu diskreditieren daß man in entscheidenden Punkten die Un- exakthest ihrer Methode nachweist, die oft an Stell« von kon» kosten Ziffern nur mit allgemeinen Beobachtungen arbeitet. Ein solches Verfahren ist aber N'cht einmal nötig, denn selbst wenn man die Ergebnisse der Denkschrift über die Arbeits» bere'tschast im Einzelhandel als exakt hinnimmt, so ist hier» durch km Grunde tiiir etwas bewiesen, was noch nie ernst» Jast bezweif'lt worden ist. daß nämlich bei jeder Organisation er Verkaufstätigkeit Zwilchen den einzelnen Derkaufzhand» lungen de« Versonals Lücken siegen, die je nach der Eigen» art des Geschäftes mehr oder weniger ausgedehnt sind. Wae durch df» Denkschrift jedoch nicht bewiesen worden ist woräuf e» schsießsich aber ankommt—. da» ist die Frag«, ob «» tatsächlich im- Interesse de« Einzelhandel» siegt, für dies« Berkaufspausen dadurch ein Aeguivalent zu schaffen, daß man die Gesamtarb ostzzeit entsprechend verlängert. Es verrät tatsächlich nur«inen schlechten. Einblick in die Psychologie des Verkaufzpersonal, und«ine falsche Vorstellung über die körnerlicken Anstrengungen diese» Zweiges der kaufmännisckeN Tätigtest, wenn man der Mei» nung ist. daß per Saldo für den Geschäftsinbaber aus einer Verlängerung her D er k a u fe tat i g t e it eine U m s g tz st« i g e r u ng resultiert.� Was an Länge der Ar» bestszeit gewonnen- wird, geht an Spannkraft der Angestellten sicherlich wieder verloren. Was et» Geschäft braucht, ist«in Gläubigerversammlung. ver b.perische Komwerzimrattilet kvstet 460«» Ät. N'N «am» ihn auch �avf Stottern" erwerbe»». Sin pflch'ge zahlt« die letz« Rate am Tage, bevor er Soakvre gehört«. Ihr» Veröffentlichung ist ebenfalls für di« nächste Zeit in Aussicht gevommen.' Skandinavische Historiker habtti den Borschlog gemacht. gemeinsam«st russischen Wisierrschaftlern verschiedene Doku- mevtensauunlungen xi fcjzfchen. Mit dem Preußischen Staatsasch, v wurde ebui Vereinbarung getroffen übst den provisarssche« Austausch von Dokumenten auf dem Besitz der Archive, üb« di» Anfsriigung photogrnphischer Urkunbenkopien usw Großbaueruterror im Gowjetsivat. Mit Fever m»d Knüppel gegen Kommunisten. Moskau. 4. Januar. sOst�xpreß.) Au« allen Teilen der Gmvjetunion erhalten die Mostauer BMer innner neu« Bericht« über terroristisch» Aktivität der Kulaken". Auch di« zentralasiatischen Dolksstämme haben in ihren..Beg»" Großbauern, die sich mit größter Erbitterung gegen die Sowjetisierung Mittelasien» mehren, da sie ihr« Vormachtstellung bedroht. Di« Wahlkampagne hat dies« Gegensätze noch verschärst. Mehrere neu« Borfäll« lassen erkennen, wi« zielbewußt und verwegen die Kulaken vorgehen, obgleich ihnen natürlich die wiederholten Auf. rufe zur„Erdrosselung de« Kulakentums" wohl beta»,nt sind. Lm Bezirk Maletino(Ostrußland) zerstörten die Großbauern »in« der von der Eowjetrs�ierung eifrig geförderten Kollektin. wirtschaften, wobei sie deren Bzwohnern herausfordernd zu» riefen:„Da habt ihr eure neu« Wirtschaft und eure neue Zeit!" Slehnlich wurde im Bezirk Teikowo dar Vorsteher de« Dorfsowjet» Schalunvw öffentlich verprügelt, wobei di« Kleinbauern nicht wagten, ihm Hilf« zu leisten. In Dolgow im Riedarwalgo- gebiet Häven die Großbauern den komunkstischen Jungpionier Solo. dilow erschlagen. Er war der einzig« Bauer in der Gemeinde. der kommunistische Zeitungen hielt und daher den Kulaken n«r< dächtig war. Reich und Versicherungsanstalten. Heute finden im Rttch». -nckeitsmlnssterium Derhandmngen mit den Versicherungsträgern statt. Es handelt sich darum, einen Ueberblick über die Vermögen?» bestände der Versicherungsträger und die Art ihrer Anlage zu ge» Winnen. V« Sellogg pakl vor dem Senat. In Uebereinstimnnmg mst der zwischen dem Vorsitzenden de» Senatsausschusses für auswärtige An- gelegenheiien Borah und dem Vorsitzenden de« Marlneausschusse» Hai« getrosten«» Vereinbarung wurde heut« im amerikanischen Senat di« Beratung über den Friedenspatt vor der Kreuzorvorlage begonnen. Polen gegen Herabsetzung der wahnwitzigen Paßgebühn». Am l0. t>. M. antv der Finanzausschuß des polnischen Sejm zusammen' treten, üm LH««Nen von e'mem deutschen Sefmabgeordneten «ingebrachten Antrag zu beraten, durch den di» Gebühr für einen polnischen Auslandspaß auf zehn Geldfranken— ungefähr 18 Zloch herabgesetzt werden soll. Gegenwärtig beträgt die bisheriqe PaßgebÜhr 2 S 0 Z 1 o tq(etwa 1 1 ö M a r k!). Wi- da, Pllsudski» Mast. Mos Prswdy" erfahrt, will sich das volnstch« Finanz- Ministerium diesem Dorschlag energisch widersetzen. Rene» Ausflackern der Afghanen-Revoklei Wie au» Kabul gemeldet wurde, hat Ali Achmed Jan, der frühere Gouverneur von Kabul, noch langwierigen Verhandlungen mst den aufständischen rchlinvoristämmen«inen Friedensvertrag für das Ge- i et von I a l a l a b a d zufiandegebracht. Hingegen scheint jo&och der Rebellenführer Bachs Sglao«in« neu« Offensio» er. griffen zu haben E» werden nach den hier vorliegenden Mekdungen stündlich neue Zusammenstöße zwischen feinen Truppen und den Soldaten tz» Regiernnz errvartet. „ VENTUA PREISE Mengene bgabe vorbehalten fetst Damen- Kielder 8° 890 sus guter reinwollener Qualität, te ver chiedenen Formen and Farben, zum Teil auch in Seide jetzt Damen- Mäntel 1975 aus guter rein wollen. Qualität, mit grossem Pelzbesatz, ganz gefüttert Ein Posten jetzt 90 Flanell- Jumper 3ºº zum Durchknöpfen. feirt Madchen- Mäntel 950 aus guten Winterstoffen, Damenfür ca. 2-6 Jahre Stück jetzt 95 Nachthemden 19 schön garniert.. FrottierStück jetst Handtücher 95. gate Qualität. 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Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Die Bergbahn Theater am Schiffbanerdamm 8 Uhr Die Drai- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ist er gut ist er böse? fh. am schiffbauerdam METROPOL- THEATER Täglich 8 Uhr: Die lustige Witwe Operette in 6 Bildern von Frans Lehár FRITZI MASSARY Max Hansen, Useht Elleet, Jankuhn, Junkermann, Schäffers, Ebelsbacher. Harden, Heppner. Krüger, Sternberg, Hüller von Paquet- Léon. Dolly Haas, Rita Rio, Käte Werckmeister Dar schwarze Bariton Frisco Jacksons Comedianboys Marquita Sisters Beauty Girls Gesamtausstattung: Prof. Ernst Stern Musikal. Leitung: Ernst Hacke Regie: Ecik Chacell Vorverkans 10-6 Uhr ununterbrochen Demnächst auf Elektrola! Täglich& Uhr Kammerspiele Die Brei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski Sonnabend 23, UL Norden 12310 34 Ende geg, 10 U. Ehen werden im Himmel geschlossen!" Komödie von Walter Hasenclever Regie: erste Veranstaltung Forster Carinaga. der Versuchsbübne Orpheus HALLER- REVUE von Jean Cocteau. Deutsches Theater Norden 12310 Uhr. Ende 10% U. Zum 15. Male: In im Admiralsparast Schön und schick Täglich 8 Uhr In allen Vorstellg. • Die Verbrecher JackleCoogan Schauspiel von FerdinandBruckner persönlich Sonntag Regie: HeinzHilpert vorstellungen mittags ganze stellg. za halben Preisen Die Komödie 84% War. MachBismarck 2414/7516 „ Olympia 82 Uhr, Ende 10¹ Heute 3 Uhr Letzte Vorste long Frau Holic von Franz Molnar Regie Forster Larinags. Leal, Hans Praise Theater des Westens Täglich& Uhr Friederife Frans Lebar dirigiert Käthe Dorsch Richard Tauber Borverkauf ben ganzen Tag, Teleph. Steinplag 981 u. 7180. Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite Sänger DIE JANUAR Krach SENSATION: Volkspreise Mk.0.50 h. 2,00, Loren 2,50 Großes Schauspielhaus 81 CASANOVA mit Alfred Jerger. Regie: Charell. 3 Uhr: Näc ste Sonntag-NachmVorstellung 13. Januar ungekürzt in Originalbesetzung zu ha ben Preis. REVAILLER 81, Theater im Admiralspa'ast Har bis Montag, 7. Januar Jackie Coogan in Schön ure Schick täglich 8 Uhr Heute 3, Uhr: Letzte Vorstellung Frau Holle Märchenspiel d. Haller- Revue mit Jackle Coogan. zu kleinen Preisen. Morgen, Sonntag, 3 Uhr: Einzige Nachmittagsvorstellg. Schön und Schicks mit Jackie Coogan zu halben Preisen Renaissance- Theater Tel. Stainplatz 801 a 2583/84 Täglich 8 Uhr: ,, Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. Sonntag, den 6 Januar, vorm. 11: Ludwig Hardt Peter- Altenberg- Feler Berliner Theater Kleines Theater Direkt.Heinz Herald Täglich 8 Uhr: Charlottenstraße 90 Donhoff 170 Täglich 8 Uhr Max Adalbert in 8 Uhr Der Dickkopf 3 X Hochzeit ( Abie's Irish Rose) Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8, Uh sandrock, Landa. Sterler. Sikla, Dtsch. Künstler- Th. 8 Uhr Der Zinker GuideThielscher v. Edgar Wallace in Weekend Im Paradies Thalia- Theater Dresdener Str. 72-7. Täglich 8 Uhr Sehneider Wibbels Auferstehung Henckels. Grootczinski. Trianon- Th. Täglich 81, Uhr Der letzte Schleier mit Erika Gläßner und Oskar Beregi deutsch RI a Matthias Preise 1-10 Mark Theater am Nollendorfplatz Diz. Bruck Täglich 8 Uhr Jettchen Geberi Singspier von Walter Kollo Saltenburg- Bahnen Lessing- Theater 8 Uhr Katharina Knie. Z entralTheater lite Jakobstr. de uranteusit. Täglich hr Barnowsky- Bohnen Ich küsse Ihre Theater in der Königgrätzer Straße 84 Uhr Rugby berühmten Schlager Komödie von Wilh. Speyer Komödienhaus Revolte Im Erziehungshaus Schauspiel von P. M Lampel. R Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem Rundfunkhörer taibe Preise Planetarium am 200 arang. Joachimsthaler Stral Noll, 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 1 Uhr ose- Theater frankterier St. 132 Mars und seine 4 Uhr Rätsel Uhr Dornröschen Werden u. VerNachm.& Uhr Krankheit der Jurand, Uhr Mädigenen d. starne Komische Oper 8. Uhr: Polizeilich freigegeben! Das neuartige Revue- Stuck: Häuser der Liebe 2 sonning 3: Unr Vollständige Vorstellun zu kleinen Preisen Vorverk. ab 10. unun erbr. War CASINO- THEATER Uhr Lothrinrer Straße 37. Nur noch wenige Aufführungen August, die Kanone! Dazu das hervorrag. Januar- Progr. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sesse, 1.65 M. onstice Preise Darken u. Ran Winter Garten 8 Ubr Rauchen ges.at et Unerreicht Unübertroffen Drci Codonas Lufta traktionen Trude Hesterberg Die Abels u. weitere Sensationen Heute und Sonntag je 2 Vorstellungen und& Unr. 3 kleine reise Nr. 7» 46. Iahrgang Sonnabend, S. Ianuar �929 Das Eis< Aber nicht alle(Seen um Hat der Frost«st einmal richtig eingesetzt und einige Tag« an, gehalten, so will der Berliner auch einmal über seine großen Seen spazieren. Dann gesällt es den SchlittschuhlSusern nicht mehr, auf Kunsteisbahnen ihren Sport zu betreiben, denn es ist eben sehr viel schöner, über die glatte Spiegelfläche eines Sees dahinzusausen, als aus den kümmerlichen Kunsteisbohnen. Nach den bestehenden Verordnungen kann weder die Polizei noch irgend eine andere Behörde den Eislauf auf den Berliner Ge- wässern verbieten oder gestatten. Jeder kann die Eisslächen a u s eigene Gefahr benutzen. Lediglich dort, wo Eisflächen v e r- pachtet werden zum Betrieb« einer Eisbahn, übernimmt das Wasserbauamt die Verpflichtung, die Beschaffenheit der Bahn fort- laufend zu überprüfen. Di« Beobachtung der Eisflächen ist feit Hanuar 1SS8 durch eine Polizeiverordnung den Wasserbau- ä m t e r n übertragen. Eine Freigabe von Seen für den Wintersport außerhalb der verpachteten Stellen erfolgt nicht mehr. Jeder Eis- löufer muß also selbst Vorsicht üben und die Stellen, die er für seinen Sport benutzen will, prüfen. Da die Schiffahrt nach Möglichkeit auf allen Gewässern aufrecht erhalten werden soll und die Fahrrinne durch Eisbrecher offen bleibt, muß der Eisläufer be- sonders darauf achten, nicht in die Nähe der Fahrrinne zu kommen. Der Wellenschlag und die Schraubenbewegungen reißen das Eis auf beiden Seiten der Fahrrinn« auf und machen es unbetretbar. Auch ist dos Eis nicht überall gleichmäßig stark. Dünne Stellen sind innner an Brückenpseilern und Dampferanlege- stellen zu finden. Die eingerammten Holzpfähle sind Wärme- speicher, die die Stärk« der Eisdeck« beeinflussen. Auch an Stellen, die Gegenströmung haben, friert dos Wasser nicht so schnell. Auf dem Müggelsee ist z.B. das Rahnsdorfer Gemünde «ine gefährliche Stelle für Eislauf«. Auch auf Angel- loch er, die ja weichin kenntlich gemocht sind, und auf die, die sich die Bogel offenhalten, muß der Eisläufer achten. In den einzelnen Bezirken sind in den letzten Iahren eine Reih« Kunsteisbahnen ent- standen. Darüber hinaus haben die Bezirke klein« Teiche, die in chren Parks angelegt sind, für den Wintersport freigegeben. So kann in Spandau auf dem Festungsgraben, in Tempelhof «ruf dem Teich im Kleinen Part, auf dem Dorsteich in Lichtenrade und auf dem Planschbecken im Deutschen Ring Eislauf getrieben werden. Im Bezirk Köpenick ist seit gestern«in Teil d« Müggelsees rmd der Fraueskog freigegeben worden. 2m Bezirk L i ch t« n b e r g ist der große Rummelsbvrger See für die Ausübung von Wintersport ungeeignet. Der Seeg rund ist morastig, corßevdem muß schon sehr starker Frost herrschen, wenn sich der See mit einer genügend starken Eisdecke bedecken soll. Im Freibad Wannsee ist eine künstlich« Eisbahn auf dem Badestrand im Betrieb, im übrigen sind die hopelseen bisher an kotner. Stelle so stark zugefroren, daß Pe fietreldar sind. T...;."7 Im Bezirk R ei n.ick« nd o r s besteht eine Eisbahn am SchSf«- fee und im Bezirk W«i ß e n f« e fäll ein« k ü n st ll che E i s h'a h n im Laufe dieses Monais auf dem Sportplatz Rennbahn geschaffen werden. Schneeflörungen überall. Durch den anhaltenden Schneefall der letzten Tage sind in g a n z Thüringen Schneeverwehungen eingetreten, die starke B« r- kehrsstörungen verursachen. Seit Iahren ist ein Schneefall in diesem Ausmaße in Thüringen nicht beobachtet worden. Die Landstraße zwischen Erfurt und Gotha, die meterhoch v«. weht war, ist noch nicht wieder gänzlich vom Schnee freigemacht. Die Aufahrtstrotzen»an Gotha und Arnstadt aus nach dem ragt schon. Berlin sind sicher genug. Thllring« Wald sind durch Schneemassen blockiert. Zahlreiche Autos, auch Poftpersonenkraftwogen und Postbestellautos, blieben im Schnee stecken und mußten herousgeschausÄt werden. Der Frühzug zwischen Ilmenau und Siütz-rbach blieb im Schnee st ecken Die Post teilt mit, daß sie dort, wo der Kraftdienst nach den Landorten behindert ist. einen Behelfsdienst mit Schlitten einrichtet. Aus den Höhen des Thüringer Waldes ist der Schneebruch in den Wäldern sehr stark. Auch in Nord- thüringen zwischen Nordhausen und Sondershausen und aus dem Eichsfeld behindern breite Schneebänke den Berkehr. Di« Züge über den Thüringer Wald auf den großen Strecken hatten bisher nur geringe Verspätungen, da die Reichsbahnverwaltung für Frei- hallung der Linien sorgt. Der Schneepflug ist hier in ununt«- brochener Tätigkeit. Auch ist ein scharfer Üeberwachungzdienst an den Weichen getroffen. Auch aus dem Sud- und Westharz werden starte Schnee. verwehungen gemeldet. Das Gebiet um St. Andreosberg und Braunlage, das an sich ein« Schneehöhe von einem Met« auf- weist, ist in einem bisher kaum gekannten Maß« durch Schns« verweht. Durch starkes Schneetreiben sind auch im östlichen Riesen- g e b i r g e große Verkehrsstörungen hervorgerufen worden. Aus den Landstraßen finden sich stellenweise Schneewächten b i? zu Meter Höh«. Die im Kreise Landeshut verkehrenden Postautomobile sind in den Schneemaflen steckengeblieben, ebenso liegen zahlreiche Last, und Personenkraftwagen aus freier Strecke fest. Der Auw- und Fuhrwerksvrekehr aus den Landstraßen ruht insolgedesien fast völlig. Der Eisenbahnverkehr leidet unt« erheb- lichen Verspätungen. Schüler im Schneesturm erfroren. Bei ein« Kommtour, die zwei Primaner an» Leipzig, Horst Laux und Heinz Friedemann, im Riesengeb-irge unternahmen, v« r- irrten sie sich im Nebel. Nach langem Kamp� mit Sturm und Schnee verließen den Schüler Laux dre Kräfte. Obwohl sich sein Begleller sehr um ihn bemühte, und schließlich auch eine Rettungskolonne herbeirief, war er nicht mehr zu retten. Er war lm Schnee erfroren. Der Tot«, d« der einzige Sohn«in« Wllw« ist, wurde nach Hain gebracht. Hart besiraste Zechprellereien. Lange Gefängnishafi. Dem Kaufmann Julius L. war es als Sohn eine« bekannten Mener Industriellen auch nicht an der Wiege gesungen morden, daß er einige seiner besten Jahre im Gefängnis««bringen sollte. Währeich der Wiener Inflationszeit wurde er Direktor des L». bensmitteivcrforgungsamts und kam später«ach Deutschland, um die hiesige �Instätiöu rint gurertl Geschick für sich auszunutzen. Er lernte den Inhaber der Weinfinna B. kennen, die damals in Schwierig- leiten wak. und erhielt den Auftrag mit einem holländischen Geldmann BerhandlunAen zur Sanienrng anzuknüpfen. L. tat, als ob er die Provision für dieses Geschäft schon in der Tasche hätte und machte auf seinen Reisen in ganz Deutschland Schulden über Schul- den uud hinterließ uberall unbezahlte Rechnungen, bis ihn ein Hotelier anzeigte. In Berlin war er vom Schöffengericht wegen einiger Betrüge- reien zu neun Monate» Gefängnis verurteill worden. Den mitleidigen Leichtfuß hatten ein paar engagementswse Schau- spiele rinnen, die er in einem Lokal kennengelernt hatte, ge- dauert. Da er selbst kein Bargeld bei sich hatte, pumpte er Panier und Kellner um Summen an, die er den Damen übergab und gab Soldat Surren. Cornau von Georg von der Vriag. Copyright 1927 by J. M. Spaeth Verlag, Berliv. Wir kommen zu den Zelten. Gefreiter Oelrichs. unser neuer Gruppenführer, erwartet uns mit sorgenvollem Ge- ficht. Er ist ein kleines Männchen, von dem die Soldaten behaupten, er sei aus Versehen Gefreiter geworden. Sie achten ihn nicht, weil er nicht durchgreift, sondern im Gegen- teil alle möglichen Arbeiten, die seine Gruppe liegen läßt, selber in Ordnung bringt. Sein faltiges Gesicht blickt dann vorwurfsvoll, aber sein kleiner, zwirnsfadenschmaler Mund bleibt geschlossen. Jetzt steht er also da. krummbeinig und mit der dicken Schützenschnur an der Schulter und flüstert:„Beinahe tot- geschossen hat er ench.� „Du hättest um uns geweint, Alter," sagt Albering und stellt sein Gewehr in die Pyramide.„Und um den alten ekligen Albering eine Träne zerdrückt— hättest du nicht?' „Macht euch fertig," sagt der Gefreite und setzt sein Geh- Werkzeug in Bewegung,„wir sind schon die letzten. Wir ergreifen Tabaksbeutel und Pfeife und folgen ihm rasch aus dem Feldwetze, der zum Walde führt und sich dreht und wendet. Nahe einer Hütte, die wie eine schiefe Mütze aus einem Obstgarten aufragt, erreichen wir das Ende der Kompanie, schließen uns an, lassen schleierhaft zarte Tabaks- wölken nach rechts wehen und nabern uns dem Rand des großen Waldes, jetzt hören wir Musik, sobald der Pfeifen- rauch sich emporhebt: fliegt er zur Seite, so ist es, als hätten wir uns getäuscht. Nein, wirklick. jetzt kört man sie deutlich. mit Gedröhne und wie ein Karussell. Ich suche Klees' Kopf in der Kolonne und sehe, daß er seinem Nebenmann etwas mitteilt. Bestimmt sagt er: Das ist die Wiener Kapelle! Sie ist es: die Kompanie ruht am Waldrande hart neben kleinen, hellgrün ausgeschosienen Tannen, raucht und spitzt die Ohren. Ich suche Klees und gehe von Gruppe zu Gruppe. ohne ikn zu finden. Bei den Leuten, die sich um Eisen ge- lagert haben, bleibe ich stehen. Eisen weiß ein Mittel gegen den Mückenstich, und er teilt es uni ständlich mit. Dabei wendet er sich fast ausschließlich an Lurtsebam, der seiner- i seits da? Hemd abgestreift hat. nach Läusen sucht und für � da? Mittel gegen den Muckenstich keine Spur von Interesse» zeigt. Es ist auch ganz albern, dies Mittel, denn«s besagt so viel, daß man jeden frischen— nur bei solchen ist es an- wendbar— Mückenstich mit der Zigarette ausbrennen muß. Das Ergebnis ist eine durchlöcherte Hand. Hayn, der um Eisens Gunst buhlt, fragt: .„Kann man es auch mit dem Streichholz machen?" Lurtjebam sagt, indem er aussteht: „Sie kriegen das Lausen von der Musik, die kleinen Tiere, und mir geht es nicht anders." Er legt den Rock wegen der Mücken um feine knochigen Schultern und strebt dem Dickicht zu. Indessen treibt die fröhliche Musik irgendwo drinnen im Walde ihr Wesen. Der ganze Wald scheint aus seinem Herzen heraus zu singen und ein grünes Jägerlied zu jubeln. Manchmal fällt er wohl ein wenig in Grübelei, aber es ist eine solche, die unter Lächeln geschieht und von kurzer Dauer ist, denn sogleich stolziert wieder ein hoher Klang einher, der die regungslosen Wipfel zu beschwören scheint. Mitunter ist es, als krähten tausend Hähne im Takt. Es gehl wie ein Erwachen durch den Raum, viele der Soldaten suhlen, es. Manche dehnen sich und gähnen, ob- wohl sie durchaus nicht müde sind: andere haben feurige Backen und schlagen sich gegenseitig mit Gelächter die Mücken tot. Dort aber sehe ich Albering, der sich abseits in hohes nerdorrtes Gras gelegt hat, das ihn kaum verdeckt. Es sind auch jene ganz jungen Tannen neben ihm, und ich fühle jetzt deutlich, daß ich nicht Klees sondern ihn suchte. Er scheint finster. Warum blieb ich nicht neben ihm? Wir kamen doch zusammen an! Es ist, als habe er mich fortgeschickt und nun zurückgerufen. Mitunter laufe ich herum, ohne es zu wissen. Und nun kann ich nicht mehr bei Albering bleiben, meine Beine wollen wieder vorwärts. Ich hebe den Fuß. um fort- zugehen, da aber spuckt er seinen Grashalm zur Seite und fordert mich zum Bleiben auf. , Wir gehen zugleich," murmelt er mit zufammengezoge- nen Brauen. „Zugleich." antworte ich traurig. Wir erheben uns. um den anderen zu folgen, und mein Kamerad flüstert, da die Musik plötzlich verstummt: „Sie hälts Maul." Wir sind die letzten, die zu den gefällten Stämmen ge- langen und lassen uns Zeit, einen passenden auszusuchen. Ich habe mich bereits für eine glatte Buche ensschieden, Al- bering aber scheint nicht einverstanden, er schlendert umher und bückt sich. Ich sitze indessen und.zerschlage die Mücken auf meiner Hand. als Sicherheft Schecks, die sich als ungedeckt«wiesen. Außer- dem hatten ihn einige Hoteliers wegen Zechprellerei verklagt. Gegen das lirtsil legte L. Berufung ein, da ihm die Strafe zu hoch erschien. In der erneuten Verhandlung vor der Strafkammer klagte er in bewegten Tönen, daß er seft länger als VA Iahren von einem Gefängnis ins andere wandere, da ihn jede Stadt wegen der jeweili- gen Missetaten gesondert verurteile. Rechtsanwalt Siegfried Aron wies als fein Verteidiger darauf hin, daß Bergmann für seine Millioneubetrügereien 3 Jahre Gefängnis erhalten hafte, während L., der aus unverantwortlichem Leichtsinn, ab« nicht aus betrügerisch« Absicht gehandelt hafte, für den relativ geringen Schaden jetzt schon mit 2% Jahren Gefängnis gebüßt Höfte. Das Gericht konnte den Wunsch des Angeklagten nach einer Gesamt strafe aus juristischen Gründen nicht erfüllen, setzte aber das Urteil auf 6 Monate Gefängnis herab. Durch diese besonderen Umstände ist L. in der Tat für wenige tausend Mark genau so hart bestraft worden wie Bergmann für seinen Millionenbetrug. Llm die Freigelassenen. Erklärung der Zustizpressestelle. Di« seltsame und unerwartete Freilossimg der an der Schlacht am Schlesischen Bahnhof beteiligten Mitglieder des Vereins .Immer fest" veranlaßt die Iu st iz pr«ss-st elle zu folgender Erklärung: Gestern wurden dem Vernehmungsrichftr im Polizeipräsidium. Amtsg«ichtsrat Pieper, uicht 2l, sondern nur neun von den zehn Personen vorgeführt, die unter der Beschuldigung, an der Schlägerei in d« Breslau« Straße teilgenommen zu haben, von der Polizei festgenommen worden sind. Nach den bisherigen Ermittlungen Hai sich nicht der dringend« Verdacht ergeben, daß die Gewalltätigkeit.-n absichtlich vorb«eitet morden feien, in daß die Tat der meisten Ve teiligten vorläufig als einlache gemeinschaftliche Körperverletzung cd« Beihilfe dazu anzusehen ist. Nur einer der Beschuldigten, d« durch besonder« Tatumstände belostet war. ist in Haft behalten worden. Selbstverständlich ist jeder der Beschuldigten«ingehend vemvmmsit worden und die Entscheidungen des D«nehmungsrichters sind noch eingehender Prüfung der Sachloge, insbesondere auch des Akten- inhalts, getroffeu worden. Danach ist der Richter zu der lieb«. Zeugung gekommen, daß bei acht Beschuldigten weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vorlag und ss daher an einer gesetzlichen Grundlage für die Verhaftung fehlte. Amtsgerichtsrat Piep« ist mehrere Jahr« als Strafrichter im Kriminalgericht beschäftigt gewesen und seit dem 1. Januar 1929 mit dem Amt de? Bernehmungs- richters im Polizeipräsidium betraut worden." Auch nach dieser Erklärung ist man nicht klüger geworden. Man«fährt immer noch nicht, ob die Freigelassenen an dem Krawall beteiligt waren oder nicht, ab sie nur bloße Zuschauer gewesen sind, oder ob sie tötigen Anteil an der Affäre genommen hoben. Auf jeden Fall wirkt diese Hewilichtuer« in einer Angelegenheft, die die Berliner Oeffentlichkeit so stark be- schäftigte, etwas befremdend. Das„im Interesse der IlnterfuchuTtg" ist nur ein dürftiger Deckmantel, der die Konturen der Dinge, die man verhüllen möchte, ziemlich deutlich ahnen läßt. Offenheft töte hier vor allem not. » . Von anderer Hefte wird zu der Angelegenheit noch mitgeteilt: Die Berliner Staatsanwaltschaft ist bisher mit.dg? Affäre überhaupt noch nicht befaßt worden, die Akten sind ihr von der Polizei noch gar nicht übermittelt worden, und deswegen ist«s auch der Anklagebehörde zur Zeit unmöglich, gegen Frei- lassungen durch den Vernehmungsrichter zu protestieren. Di« Staatsanwaltschaft kann höchstens, wenn ihr die Vernechmungs» Protokolle und die Ergebnisse der polizeilichen Enniftlungen vor. liegen, von sich aus erneut den Erlaß von Haftbefehlen beantrogen. El» tebensmüd«. Auf dem Abort des Bahnhofs Lichter» s e I d e- W e st halt« ficb ein Mann in Arbeitskleidung erhängt. Es handelt sich um«inen 46 Jahre alten Arbeiter Julius Eichhorn aus der Potsdamer Str. 8 in Zehlcndorf. Die Musik hat von neuem begonnen. Ich höre sie etwas ferner, weniger heiter, weniger klar und schließe die Augen Das Gedröhne der Karussellorgeln fällt mir ein, das einst manchen Sommerfonntag unsere ganze Stadt erfüllte— die Müdigkeit und Traurigkeit der Heimkehr vom Festplatz. der Abend mit Honigkuchenauflage, das Zubettliegen bei offenem Fenster— und immer noch klang fernes Orgel- spiel, das die nächtliche Stadt rätselhaft wach und in Sltem hielt. Da schlief ich lange nicht. „Nehmen wir deine Buche." sagt mein Kamerad, und wir laden sie auf die Schulter. Er geht vorn, und der Stamm legt sich an sein rotes Ohr. Dort sehen wir die Kompanie. mitten in der Ebene, und es ist, als bewege sie sich nicht. Ich versuche, mit Albering gleichen Schritt zu haltew Dann fällt mir plötzlich wieder das große weiße Segel ein, der Mann mit der behaarten Hand und Lisa, die sie ergreift. Ich empfinde Qual und denke: Wie kann sie es tun! Wie kann sie Gefallen daran finden! Wie kann sie sich so weit vergessen! .„Halte Takt!" sagt Albering und drückt sich den Stamm nahe ans Ohr. wie um daran zu lauschen. Ich gebe, mir Mühe, und mir kommen gut vorwärts. Immer noch im gleichen Abstand von uns sehe ich die Kompanie, scheinbar regungslos wie vorhin, nur etwas auseinandergezogen, weil sie in ein« Wegschleif« gelangt ist. Mein rechtes Ohr wird von der Buche zugedrückt, w't dem linken höre ich die Musik, nun schon schwach und wie das Gesumm einer Mücke, die sich anschickt, sich aufs Ohrläppchen zu setzen. Hier ist das Boot, denke ich, dort das Ufer, und vom Ufer her dröhnt die Karussslorgel. Weit entfernt ist sie. hinter Bäumen, kaum zu hören— doch das leise Gleiten de? weißen Segelbootes wird von ihr umhüllt wie von einer Sommerwolke, die auch im Wasserspiegel glitzert. Eine Hand hängt über Bord, die Flut rinnt mit leisem Surren durch ihre kleinen gelösten Finger, und eine Männerstimme tönt vom Steuer her: „O schöne Fahrt!" Weich wie Butter war das gesagt und das ö wie Likör. Die ferne Orgel erhob sich in diesem Augenblick wie Lob. „Geh doch im Takt!" ruft Alberina ärgerlich. „Selber! sage ich böse,„selber geh im Takt!" „Halt!" befiehlt Albering, und wir stehen. »„Abwerfen!" befiehlt er, und wir werfen den Stamm!»» Gras. (Fvrssetzunq folgt.) Fünf schwere Exploflonskaiasirophen. Sauerstoff, Leuchtgas und Benzin. Wien. 4. Januar.< Eigenbericht.) Ja der EmaMegeschirrsabrlk Warchalorvskl ereignete sich am �reilagnachmiitag eine Explasioa. die in dem? r o- lclorierbezirt llaierbrünn zu eiurr förmlichen Panik Anlaß gab. In der Aulogenschweißerel der Fabrik waren einige Arbeiter mit der Oefsnung einer Sauerstosslasche be- schäfligi. Aus einer bisher ungeklärten Ursache ist die Flasche plötzlich explodiert. Das Glasdach und ein« Mauer stürzten ein und die Fensterscheiben zersprangen; Stichflammen dran- gen in die benachbarten Arbcitsräume. verletzten sechs Arbeiter schwer und etwa dreißig leicht. Auch in der Umgebung der Ua» glück ssleile sind alle Fensterscheiben zersprungen. Brüssel, L Januar.(Eigenbericht.) In Brüssel ereignete sich am Freilag eine Gas. « x p l o s i o n. die an die kürzNche Londoner Katastrophe erinnert. Telephonarbeiler waren in einer Straße mit dem Legen unter. irdischer Kabel beschäftigt, al» man plötzlich eine Explosion hörte und meterhohe Flammen auslodern sah. Die Ar- bester wurden mit große? Gewalt weggeschlendect; das pstaster flog ln einem Umkreise von töO Metern In die höhe. E i a Arbeiter wurde getötet and mehere verwundet. Der Sachschaden ist beträchtlich. Die Katastrophe ist vermutlich auf da» Platzen eines eiagesroreaen Gosleltnagsrohres zurückzn- führen. Biesdorf bei Soklagen. 4. Januar. Am Donnerstag explodiert« beim Abladen von Sauer- sto f f l o s ch? n in einem hiesigen Betriebe plötzlich«ine Sauer- st o f s b o m b e, wobei ein Arbeiter so schwer verletzt wurde, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein anderer Arbeiter. t«r hinter dem Getöteien stand, trug erhebliche Bein- und Aopsoerletzungen davon, während ein dritte? Armver- letzungen erlitt, In Greven(Westfalen), ereignete stch in de? Weberei chermann Biederlack u. Co. eine schwere Rohr» e r p l o s i o n, die so großen Schaden anrichtete, daß die Firma ge, zwunaen ist. ihren ganzen Betrieb stillzulegen. Bon der Stillegung werden etwa ZOO Arbeiter betroffen. Der Scha- den dürste kaum vor drei Wochen behoben sein. In der Gummiwar?nsabrik der Weiß«. Baesselsr- B u l r a n A.-G. in Großenhain brach am Donnerstagabend ein Brand aus, der das Fabrikgebäude völlig zerstörte. Fünf Arbeiter wurden erheblich verletzt. Vermutlich ist das Feuer durch heißlaufen eines Lagers und Explosion eine« Benzinbottich» entstanden. Lm Brausen einer Weltstadt. London kennt kein Drängeln und kein Schimpfen. Internationale Flugplan-Konfereuz. Berlin-W!en ln A'/, Stunden. Aus der gestern in Berlin abgehaltenen Internationalen Flugplänkonserenz waren die Länder Belgien, Dänewart, Deutsch. hrb, England. Frankreich, Holland, Oesterreich. Ruhland, Schweden, Schweiz und Tschechoslowakei vertreten. In den unter dem Borsitz des Direktors der Deutschen Lufthansa. W r o n s t y. geführten Der- Handlungen wurde ein« vollständig« Einigung über die Ausgestaltung des internationalen Luftverkehr» in diesem Jahr« erzielt. Die bisherigen internationalen Diirchganqsflnien werben wiederum ii» mancher Hinsicht wesentliche Verkehr»»«?- besserungen erfahren; z. B. wird auf der St recke Be r I in— Holland— London eine zweite ischncllverbindung mit nur einer Landung in Rotterdam während des Sommers eingerichtet. Ebenso wird zwischen Berlin und Paris ein zweiter Kurs über Frankfurt a. Main— Saarbrücken«ingerichtet. Eine wesentliche Neuerung wird insofern geschaffen, als der Noch- mittagsoerlehr Berlin— Wien direkt ohne Zwischen- lairbung in nur 3% Stunden durchgeführt wird und in Berlin die Fluganschlüsse von Mslrnii, Kopenhagen und Stockholm ausnimmt. Die beiden Frühlinien Berlin— Wien, über Schlesien und die Tschechoslowakei erhalten di« erheblich« Verbesserung, daß auch Dresden und Prag erstmalig in Wien den sosortiHen Flug- anschluh nach Lcnedig und Rom haben werden. Schließlich wird auch der Verkehr nach den nordischen Staaten. Dän«-� mark, Norwegen und Schweden, im kommenden Sommer zugunsten des internationalen Durchgangsverkehrs ausgebaut und beschleunigt. Besonders ist hervorzuheben, daß die anwesenden Vertreter der europäischen Luftverkehrsgesellschaften beschlossen, die Preis« für Rücksliissscheine im gesamten europäischen Verkehr um 10 Prozent zu ermäßigen. Aus dieser Verbesserung des Luftverkehrs ergeben stch beim vergleich mit anderen Verkehrsmitteln nahezu groteske Gegen- s ä tz e. In 314 Stunden kommt man per Luft von Berlin nach Wien. In 3)b Stunden kommt man per Reichsbummelbahn- zug von Berlin gerade bis nach Stettm. Der Mann, der die Scheibe einschlug. Die Tat eines Krönten. Gestern abend spielle sich in der Rosenthaler Straße, in der Nähe des hackeschen Markte», ein aufregender Vorfall ad. Kur» vor 19 Uhr wurden Passanten der um diese Zeit sehr belebten Gegend durch lautesKlirreneinerzerspringendenFenster» scheide alarmiert. Vor dem Schaufensterein er Fjlialede,.. Berliner Lokalanzeigers" stand ein Mann, der mit der bloßen Faust unaufhörlich in di« Scheibe hineinschlug und sich dabei stark blutende Verietznngen zuzog. Um da» Zerstörungswert zu vollenden, riß der Tobende auch noch die in den Rahmen hangen- den Glassplitter heraus, vernichtete die aushängenden ZeiiBngen und trampelte mit de» Füßen darauf herum. Damit nicht genug, zerstörte er mit Händen und Füßen die gesamte Auslage. Eine große Menschenmenge hatte sich bald angesammelt, niemand wagte ober den Wütenden von seiner Vernichtungsarbeit abzuhalten. Erst ein hinzugerufener Schupomann machte der Szene ein Ende. Wider- standslos ließ sich der Man abführen. Aus der nächsten Rettung»- stelle erhielt er Notoerdönde angelegt und wurde späler in das Polizeipräsidium eingeliefert. Wie aus Papieren hervorging, fandest e- sich bei dem Festgenommenen um einen wohnung»- o s e n ZSsöhrigen Kutscher Alfred D. Ueber die Beweggründe konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden. Es scheint stch ober um einen nervenkranken oder epileptischen Menschen zu handeln. Straü.'varts Geheimnis entdeckt. Rom. i. Januar. Aus Bergamo wird berichtet, daß dort in einem alten Schreibtisch, den eine Familie einem Antiquar übergeben hatte, »in Geheimfach entdeckt wurde, in dem stch Lithographi»n de» berühmten Geigenbauers Strodioarl befanden, in denen«r genaue Angaben über seine Methode des Geigen- bau es und besonders über die Zusammensetzung seines dsrühmtenFirnisses macht. London ist infolge der Wohnmeise in kleinen Häusern ohne Hinterhäuser ins Riesenhafte gewachsen. Ein unübersehbares Auf- gebot öffentlicher Verkehrsmittel ist erforderlich, die Menschen zu befördern. Der Omnibus beherrscht das Feld. Wagen um Wogen rollt durch di« Straßen. Unheimlich die Gewandtheil der Führer dieser schweren Fahrzeuge. In der Innenstadt gibt es keine Straßenbahn. Ansehnlich ist auch das Untergrund- bahnnetz. Alle B e r k e h r s g e s e l l s ch a s t e n sind in pri- v o t e m Besitz Allein für die Untergrundbahn gibi es sieben verschiedene GeseUschasten Die Fahrpreise sind sehr hoch. Man kann schon für 1 Penny(8,5 Pf.) fahren, doch nur«ine geringe Entfernung. Eine einstündige Fahrt kostet etwa 1 Schilling gleich 1 M a r k. Man begreift, daß die ar- beitende Bevölkerung durch die Ausgaben für Fahrgelder stark be- lastet wird. Aeußerst interessant ist die Untergrundbahn. Teilweise liegen mehrere Linien verschiedener Gesellsehasten neben-, über- und untereinander. Rolltreppen führen zu den Bahnsteigen hinauf und hinab, auch Fahrstühle stnd im Gang«. Fahrkartenautomaten, in langer Reihe angeordnet, er- leichtern den Berkehr. Aus der ältesten Untergrundbahn, die Tube genannt wird, weil der Tunnel rund gebaut ist, verkehren Wagen mit Plattformen, dt« mit Gillertüren zu verschließen sind Zu ihrem Oessnen und Schließen steht auf jeder Plattform ein Beamter, der diese Arbeit erledigt. Und da, im Zeitalter der TechnitI Der Berkehr in der Stadt hat begreiflicherweise einen Riesen- umfang. Jede Straße in der ssity(Innen, und Geschästsstadt) ist gleich stark belastet. In langen Reihen schieben stch Fahrzeug« durch di« Straßen. E» ist erstaunlich, wie reibungslos sich trotzdem der Verkehr abwickelt. Da gibt es. so schreibt Georg A l b r« cht in einem eindrucksvollen veitrag über London, in der neuesten Rum- mer der.Arbeit« r-Sugend". der nur diesen Auszug ent- nehmen, kein Schimpfen und Drängeln, Ruhig und sicher bahnen die Fahrzeuge sich ihren Weg. Der Schutzmann ist inmitten dieses Verkehrs der ruhende Pol. Seinen An- Ordnungen wird unbedingt Folge geleistet Groß und wuchtig von Gestalt, ist er mit einer dunklen Uniform bekleidet Den Sturmriemen des Helms hat er stets aktionsbereu unter dem Kinn. Ueber dem Unterarm trägt«r weiße Binden; so ist ex weithin sichtbar. Ein leichter Wink seiner Hand und der Verl ehr steht Keine gedrechselten militärischen Uebungen. sondern einfache, leichte Bewegungen. Die Hände in die Hüsten ge- stemmt, steht er vor der abgeriegelten Straße. Im Augenblick haben sich lange Reihen Wagen angesammelt Ruhig warten sie. bis der Weg frei Ist Ein leichter Wink seiner Hand, seines Kopses, und die Wagen rollen an. Kein Fahrer drangt den anderen ab, das lang- same Gefährt gibt dem schnelleren unbedingt den Weg frei. Einfach und praktisch die Verkehrsregelung. Es gibt keine Dertehrstürme und keine Verkehrsampein. Große wejße Striche auf dem Pflister zeigen die Richtung an. Riesenbuch- stoben mahnen:„Fahre links herum." Die Kandelaber, die in de? Mitte der Straße stehen, tragen kleine Schilder mit der Aufschrist: .Links fahren": denn die Fahrzeuge fahren alle auf der linken Straßenseite. An gesährlichen Stellen mahnen große Schilder:„Ge- fahr! Langsam fahren!" oder„Fohre vorsichtig!" Für die Fußgänger stnd an den Straßenkreuzungen besondere Merk- schilder angebrachi mit der Aufschrift;„Bitte hier über die Strotze gehen!" Ist der Verkehr zu groß, so stoppt der Schutzmann ihn ab. um die Fußgänger passieren zu lassen. Besondere Schilder mit de? Ausschrist„Schule" sind in der Nähe der Schulgebäuoe angebracht und mahnen zum vorsichtigen Fohren. Nirgends habe ich Verbote gesehen. Doch äußerst eindrucksvoll prägen sich die dauernd wieder- holten Mahnungen den Fahrern und Fußgängern«in. Und reibungslos wickelt sich der Verkehr ab. 14 Arbeiter in Belgien ertrunken. Mit dem Auto in den F!uß. Ew furchtbares Unglück hat sich, wie wir bereit, kurz im „Abend" mitteilten, in der Nähe der Ortschaft Eomblain au Pvnt. 20 Kilometer südlich von Lüttich. ereignet. Dort stürzte ein mit 14 Arbeltern besetztes Lastauto in den reißenden Fluß Ourth«. Sämtliche Insassen ertranken. Die Arbeiter benutzten das Auto täglich zu ihrer heimfahrt von den Steinbrüchen von Anthisnes. Am Donners- tag kam der Wagen kurz vor einer über die Ourthe führenden Brücke ins Schleudern, der Führer verlor die Gewall über das Steuer und der Wogen stürzte in den mit Hochwasser gefüllten Fluß. Menschen waren nicht in der Nähe. Nur ein Augenzeuge hörte in etwa 100 Meter Entfernung von der Unglückssielle die oerzweifelten Hilferufe der in den Fluß gestürzten Ar- beiter. Er benachrichtigt» sofort die Bewohne? der in der Um- gegend gelegenen Häuser. Di« hilse kam jedoch zu spät, zumal die Dunkelheit planmäßige Bergungsarbeiten verhinderte. Ein Teil des Lastwagens ragte aus dem Wasser heraus, von den Verunolückten war jedoch keine Spur mehr zu finden. Sie sind von dem reißenden Strom svrtgespütt worden. Geldstrafe für Sieuerverweigerer. Die Oosomer Gerichtsvrrhaodlung gegen Landwirte. Husum. 4. Januar. Di« gestern gemekdet« verhondkung vor dem hiesigen großen Schöffenge rittst, in der sich zehn Landwirt«, darunter zwei Gemeindevorsteher, wegen Pfandbruchs und Sieueroer- Weigerung zu verantworten hatten, wobei es vor dem Geriehts- gedäud« zu Demonstrationen kam, endet« mit der Verurteilung eines Gemeindevorstehers wegen Pfandbruch» zu 100 M. Geldstrafe. AchtAngetlagle wurden zu je S 0 M. Keldstrase verurteilt, ein Angeklagter wegen Mangels an Be- weisen sreigejprochen._ Führer der Antroposophen ermordet. Nürnberg. 4. Januar. heut« abend kurz nach S Uhr wurde der Vorsitzende der Antra- posophische» Gesellschaft in Deutschland, Dr. Karl Unger, Stutt- gart, als er das Luitpvldhau» in Nürnberg betrat, um dort einen .Bortrog zu halten, von einem Geisteskranken durch drei Schüsse niedergestreckt und aus der Stelle getötet. Der Täter wurde verhaftet, doch sind bisher seine Personalien noch nicht festgestellt. Eine sehr nett» Abendunterhaltung kam durch die Mitwirkung von Joseph Plaut zustande. Was macht seinen Vortrag so funkwirksam? Wir haben manch« Humoristen die aus dem Podium ausgezeichnet« Wirkungen erreichen, di« vor dem Mikrophon aber im wesentlichen versagen. Plrntt ist, wenn man so sagen darf, der „natürliche" Humorist. Er will keine Wirkungen überspitzen. Er spricht einfach, gut pointiert, doch ohne der Pointe etwa durch über- mäßig« Modulierung besondere Fardigkett geben zu wollen. Dadurch kommt sie ktor und wirkungsvoll heraus. Auch seine Stoss« sind unkompllziert. Er wählt mit Vorliebe die Schilderung eines heiteren Eharakter» oder einer komischen Situation die immer ohne Schwierigkeit verständlich sind. Die Kapelle Gerhard hoss- mann füllt« die Atempausen von Plaut mit Musik au». Mehr kann man von ihrer Tätigkeit bei dieser Abendveranstaltung denn besten Willen nicht lagen. Eine halb« Stund«„Musik der Gegen- wart" zeigt« jung« Komponisten in durchaus nicht mehr so Himmel. stürmender Weise wie einstt dafür aber in musikalisch recht angenehm zu hörenden Werken.— Paul Kaßk«. Geschäftsführer des All- gemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten, sprach über „Die Wünsch« der Ange st»Ilten» ur aktuellen so» zialpolitischen Gesetzgebung". Er betonte, daß er drin- gend notwendig sei. die Existenz der Anoestellten bester als bisher zu sichern. Dl« gleich lange Kündigungssrist für Unternehmer und Angestellte die wir zurzett haben, ist außerordentlich ungerecht; denn die wirtschaftlich« Machtstellung des Arbeitgebers ist natur» aomäh viel stärker als die des Arbeitnehmers. Deshalb muß den Arbeitnehmern«ine kürzer« Kündigungsfrist zugebilligt werden ol? den Arbeitgebern. Besondere Sickerung bedarf der alternd« Angestellte, der leider heute noch nur allzu gern von den Unter- nehmern abgeschoben und durch billig« sung« Arbeitskräfte ersetzt wind. Xes. Mitternachtsjagd im Sportpalast. Die me.sten paare überrundet.- Bewegter Verlauf. Wieder einmal haben Sechstageleute im Sportpalast in der Potsdamer Strohe mit ihrer gesamten Ausrüstung Einzug gehalten. mtt Manegern und Hilfskräften, und mit dem Handwerkszeug sür die„ki Tage", dem Rad. In, vor und neben den Kojen auf der Bahn gegenüber, der Zielgeraden, findet alles seine» Platz. Das, was kür das leibliche Wohl der Fahrer best mntt ist. wandert in den Keller. allwo di«.Loche" ihres Amtes wallen... In der großen Halle selbst geht es schon recht lebhast zu. Kurvenbesucher sichern sitti al? erste ihre Plätze, während di« Tribünen noch lange schwach besucht bleiben. Bevor dos Sechstagefeld seine Fahrt antreten kann, bomi- nieren Kollegen von ihn»« auf dem holzoval und bestreiten ein Stunden-Punktefahren, das in flotter Weise seine Er- ledigung findet. Akteure sind hier Dobe, Dohms, Feder, Jensen u. a. Einige von ihnen verschwinden bald wieder von der Bahn, während es I e n l e n gelingt,«inen Rundengewinn einzuheimsen. Er kann ihn leicht halten und sich somit den Sieg sichern! Die Borslellung der Mannschaflea erfolgt durch T a d e w a I d. Bald aber ist auch diese Angelegenheit erledigt. Photogrophen rücken in Stellung. Jupiterlampen der Film- operateure leuchten grell: die Halle steht im Tageslicht. Einige Aufnahmerunden und dann kann Weltmeister Waller Sa wall den S t a r t s ch u tz abgeben. Und gleich daraus umkreist da» Feld ln wklder Hätz dle Bahn. G o o ß e n s hat den e r st e n Vorstoß unternommen. Ist einmal Unruh« im Felde, weich! sie wcht so schnell. Jede Mannschaft ist mit dem Posten! Einige Stürze stellen sich ein, die bi» aus den Lac- q u e h a y s glimpflich verlausen. Für den Franzosen bleibt da? Rennen für ein'ge Zeit neutralisiert. Bis zur ersten Wertung, die um 11 Uhr stattfindet, bleibt es ruhig. Erst die einzelnen Spurt» bringen wieder Leben ins Feld. das In der ersten Stunde 40,IW Kilometer zurückgelegt hat Bis zum 5.' Spurt ereignet sich nichts Besonderes, bis Kroll gleich daraus antritt und so das Signal zu einer Reihe von Vorstößen gibt, die jedoch zunächst keinerlei Veränderungen bringen. Als aber nach dem neunten Spurt Linari vorstößt, verändert sich das Bild wesentlich. Es ist eine Jagd um Mitternacht in der traditionellen Sport- stätte wie mn» sie sich nicht besser denken kann. Bei Redakttons- schluß steht die Klassifizierung des Feldes noch nicht fest.£ e Spitze haben augenblicklich die INannschaftrn Blickhe-Llnari, Gooßens' Debaels und Lelourneur-Vroccardo. Alle anderen Mannschaften sind bi» auf Kroschel-Junae und Dülberg-Petri, die im Moment noch ver- zweifelt um ihr« Position kämpfen, überrundet. Sland de» Rennens um 1? Ahr: 1. Dülberg-Petri 18 P.; 2. Miethe-Linari 12 B.; 3. Gootzens-Debaets 9 P,; 4 Kroschel-Iunge 4 P,: 5. Letourneur-Broecardo 0 P. Ein« Winde zurück: 6. Rie'en» oan Kempen 16 P.; 7. Kroll-Tietz 15 P.; 8, Faudet-Marcillac 13 P.; 9. Preuß-Restger 9 P.; 10. Weite-Bcinert 7 P.; 11. Stockelynck- Lorenz 6 P.; 12. Behrendt-Manthey 2 P.; 13. Wambst-Laequehay 0 Punkte. Räch einer von Faudet-Marcillae entfesielten Jagd gelingt es Letaurneur-Broceordo und Kroschel-Iunge, da» ganze Feld zu über- runden und somit allein die Spitze zu besetzen. Gleich darauf gibt der Franzose Lacquehay das Rennen wegen Schulter- prellung auf._ Morbgerucht in Charlottenbnrg. In der Reichs st raße in Charlottenburg war gestern abend das Gerücht von einem Mord verbreitet. In seiner Wohnung war dort der Amtsrat Eichmann unter oerdüchttgea Umständen tot ausgefunden worden. Die Kriminal- Polizei wurde von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, die mehrer« Beamte entiandi«, um den Befund aufzunehmen. Der hinzugezogene Arzt stellte den Tod fest, der bereits am Donnerstag erfolgt sein muß. Ob E. tatsächlich einem Verbrechen zn.n Opfer gefallen ist, erscheint noch zweifelhaft E» besteht auch die Möglichkeit, daß Eichmann einem S ch I a g a n f a 1 1 erlegen ist unp sich beim hinstürzen Verletzungen zugezogen hat. Weiterbettcht htr ZffenlNchen wetlerd esktftctte Bettln und Urngrarnb tNachdr vi b.). Meist stark bewöilt bis trübt inu einzelnen leihten-chnee» iäDen; Jenwer«! Iren wenig veiä>dert— 5flt veuiichlan»- Im Nordoiiei, strenger.>m übrigen Reicht mästzee Frost,«eist trübe mir enzelnen leichten ZchneeiSllen. »«t Gicht-Rheumatismus Herxerkrnnkungen, Artsrlenvorkaikuag, Narvanloid«« Stern Engel Tee(siM Aerztllel! erngiohlen. Zo hshen in den Apotheken. B-wei». aiateri»] eiitls. Fabrik Vetetablucfc« Heiliritlet Sag Sctaedati/tibOb Unterhaltung unö issen Beilage des Vorwärts Sonnabend S. Januar il92S £andslreicher Dar etlichen Iahren kam die seltsame Nachricht, daß in Amerika, m der Stadt Kansas, eme Uniaersität gebaut worden ist, die zum Wcitei studieren wißbegieriger Vagabunden dienen sollte. Die Vau. und Unterhaltungskosten derselben waren non einem geheimnis- vollen Fond- bestritten worden, der angeblich durch Sammlung unter herumvagabondierenden Amerikanern und Stistungen sehr ver- mögender Leute zusammengebracht wurde. Man munkelte in Amerika, daß der Grundstein dieses Fonds von Jack London gelegt worden wäre, der nicht nur bei Lebzeiten die Vagabunden bedachte, sondern selbst in seinem Testament eine ansehnliche Summe zu dem Zweck einer Vagabundenuniversität niederlegte. Unsere Zeit, die alle» der staatlichen Ordnung und Neglemen- tierung unterwersen will, sucht auch sene Außenseiter der Gesell- schast, die starker Wandertrieb zu keiner Seßhaftigteit kommen läßt, dem sozialen Verbände der Menschen einzugliedern. Di« Gründung der Vagabondenunioersität in Amerika war ein erster Schritt dazu und nun folgt« in Deutschland ein zweiter, und das Ist, daß in Sonnenberg bei Stuttgart eine Dagabundenzeitschrift»Der Kunde" herausgegeben wird, die, von Vagabunden für Vagabunden ge> schrieben, ihre soziale Stellung innerhalb der menschlichen Gesell- Ichast sicherstellen will. Diese Dogabundenzeitschrist ist nicht die erste, die in Deutschland erscheint. Man versuchte immer wieder und wieder, in der Form von Zeit- und Flugschristen, gegen behördliche Verfolgung des Vagantentums, das infolge der gesetzgeberischen Oberflächlichkeit von dem gemeinen Verbrechertum niemals unterschieden wurde, Protest zu erheben Man suchte klar zu legen: der Vagabund macht nichts anderes, als daß er friedlich gegen die für ihn unpassenden Forme» der Gesells:hastsordnung demonstriert, ohne jedoch gegen die Ge- setze zu oerstoßen Er ist ein verlorener Sohn, den es zur Mutter h.imverlangt. ewig dqs Obdach suchend. Er hat kein« Moral, doch ist er nicht unsittlich. Er hat kein Heim außer Landstraße. Spital und Asyl. Mit seiner Landstreicherei will«r seine gesteigerte Leben»- -.nergie zum Abfluß bringen und seinem übermäßigen Jndioidualis- rnus Genüge tun Jahrhunderte genügten nicht, um fü? diese Weltanschauung de- HSrdliches Verständnis zu gewinnen Die Vagabunden waren immer verfolgt und sie wurden gezwungen, den Verbrechern ähn- llch. sich unterirdisch zu organisieren So wurde vor kurzem auf der Landstraße zwischen Pertgneux und Limoges der»König der französisch«?, Vagabunden", Frcmcois Sevrin, verhaftet. Er war vor fünfzehn Jahren in einer Kleinstadt Lehrer und wurde als Opfer muckerischer Aeschränkiheit auf die Straß« geworfen Vei seinem Verhör machte er intereffant« Eröfsinmgen über die de- stehende Vagadundenorganisatwn, die sich„die Gemeinde der Stromer" nennt und chre eigene Geheimschrift und Geheimsprache besitzt. Wer in st« aufgenommen werden will, muß einen Franken zahlen, wofür er ein Kennwort erhält, das geheim bleibt und als Losung für die anderen Genossen gilt. Diese Bagabundengewerk- schaft, von Fran<:ois Sevrin selbst gegründet, fungiert als Schutz- oerband für die Verfolgten und Trutzoerband gegen die Verfolger. Sie besitzt für alle Großstädte Bettlerliften, welche genaue Adressen wohltätiger Menschen enthalten und jedem Mitglied kostenlos aus- gefolgt werden. M. Sevrin ist nicht der erste, der ganz Europa durchwandert«, das Lob der Landstreicherei singend und pred'gend. Giordano Bruno, der ein philosophische» Weltsystem auf seiner Vagabunden- Weltanschauung aufbaute und noch heut« als einer der größten Philosophen gilt, wanderte sein ganzes Leben hindurch kreuz und quer durch Europa und erlitt sür sein« Vagabundenleidenschast von der Inquisition den Scheiterhausentod. Auch blieb d'e Philosophie nicht die einzige Kunstgattung, die auf der Landstraße gepflegt wurde. Im vergangenen Jahrhundert findet sich eine ganze Reihe Namen von Rang, die nichl nur in Salons, sondern auch auf den Landstraßen in aller Munde waren. Verlaine war und blieb in seinem ganzen Leben ein Landstreicher. Er strolchte mit Rimbaud zusammen jahrelang auf den Landstraßen von halb Europa herum, schlief in den Straßengräben und nichi selten in Pokizeigefängnissen. Die beiden Dichter wurden in der Not UTib im Elend unzertrennlich« Pennbrüder, und selbst ihr Dichterruhm konnte ihnen nichts Besseres geben, als ein schäbiges Loqer im Asyl, wo ste ihr Leben beendeten.— Es gab in dieser Zeit kaum französische Dichter und Künstler, die die Romantik der Landstraße nicht gekannt hätten. Auch Baudelaire war ein»Heimat- loser", doch blieb er mit seinen paar Wandersahren nur ein..Salon- landstreicher" neben jenen Berufsmäßigen Verlaine und Rimbaud. Amerika ist sicher nicht ein Land der Romantik. Und doch hat es zwei Landstreicher übergroßen Formats der Welt gegeben, deren N'-men zu den besten der Weltliteratur gehören: Der Dichter Walt Whltman war alles eher als ein bewußter Künstler. Deine ver- drängten Kräfte trieben ihn von Stadt zu Stadt, von Berus zu Beruf; er versuchte alle«: war Londschulleberer, Gärtner, Tage- lphner. Zimmermann. Landarbeiter, Krankenpfleger, Krieger, Schreiber. Iournalitt, Sioatsbeamter. Setzer, dock, landet« er immer wieder auf der Landstraße. So durchquerte er Amerika, ire und nimmer Ruhe findend. Deutlicker als alles sprechen seine Gedichte für stin bewegtes, mit Romantik durchwobenes vogantenleben.— Noch abenteuerlicher gestaltete sich das Leben Jack Londons. Mit sechzehn Lehren war er schon ein ausgewacbsener Vagant. Er begann sein« K-'rrl»''« al» Biechdosenarbeirer. al« e? noch den schlichten Namen John Griffith trug. Bold machte er sich jedoch„selbständig" und wu-'de e'n gesürchteter Dchmu aaler. Dann zeichnete er sich als A'chtcrnräuber au», arbeitete mit einer Diebesbande, wuich und plSt'-te in einer Wäscherei, ging als Matrose in die Welt, war »in Bettler, dewanberte Amerika und die halb« Welt, und auch als geleierter Schriststeller blieb er«in Strolch, der niemals«in Heim finden konnte. Und jedes Land hat fein«»verlorenen Söhne", die ihm mehr Ehre einbrachten als manche von den Verwöhntesten. Maxim Korkt h"rchwand:rte in seinen lunaen Jahren ol» Schuhmacherlehrling, Gö-tnergehchfe, Schiffskoch, Bäckergehilfe, Obsthändler, Holzknecht, Lastträger, Bahnwärter und Schräder ganz Rußland und wie oft mußte er dabei unerfreuliche Zusammenstöße mit de» Sendarmen erleben. Und Iarosl-w Hasel, der nach seinem Tode durch den .braven Soldaten Schwesk' Je berühmt geworden« tschechische Satiriker, war ein treuer Zechbruder oller Strolck-« des Lande» und durchstromerte ganz Mitteleuropa. Der ungarische Dick-ter und Llteratvraufrührer, Ludwig Kassak, widmet« mehr als zehn Iah» auf dem ZPdmsiß der Landstreicherei. Er durchstreifte vor dem Weltkrieg ganz Europa. ihm zur Seite fein treuer Begleiter, der Schriftsteller Emil Szittya, und wohl gibt es kaum ein Handwerk, womit sie während dieser Zell ihr Glück nicht versucht hätten. Selbst unter den ungarischen Aristokraten fanden sich einige unverbesserliche Landstreicher, und die Grasen Rudolf Festetich und Teddy Zichy erlangten damit einen kleinen Wellruhm. Vagabundenleidenschast trieb sie von einem Erd- teil zum anderen, und ste unterschieden sich von den anderen Land- sireichern nur dadurch, daß sie oft durch diplomatische Schritte vom Gefängnis und Arbeitshaus errettet wurden. Von den deutschen Vagabunden soll in erster Reche der klassischste Vagantengeist des deutschen Schrifttums, der im Jahre 1904 verstorbene Peter Hille erwähnt werden. Als einer, der nie eine Stätte besaß, wo er fein Haupt zur Ruh« legen konnte, war und blieb er immer der.fahrende Schüler", der Strolch, lebte er ein Dasein großer Entbehrungen,«in Dasein auf der Landstraß«, in dunklen Nachtasylen und schäbigen Großstadtkämmerchen. Von der Unrast gejagt, trieb er sich in England herum, dann durchstreifte er Holland. Italien und mehrere Mal« Deutschland, dichtet« und schrieb auf Papiersetzchen, vom Staub und Schmutz ausgehoben, sein« Landstroßenwe'sheiten. Es war&« Zeit der Wanderp seien und der hungernden Bohemiens. ebenso wie die Nachkriegszeit die Epoche der Wanderprophet«« und Barfüßlerapostel wurde. Da I kämpft« acht Jahr« läng unerbittlich, als Vagant und Prophet auf den Landstraßen, der gewesen« Champagnerfabrikant Louis Häutzer gegen Gendarmen, Staat, Verlogenheit und alles, gegen die ganz« Well für seine wahnwitzigen Ideen und prophezeite das Fegefeuer. — Auch ougust nagel, ein zweites Kind der Landstraße, errang mit seinem Apostellum eine gewisse Popularität. Der berühmteste von den deutschen Vagabunden ist jedoch zweifellos Hans Boetticher. alias Joachim Ringelnotz, der von seiner frühesten Jugend an ein ruheloser Wanderer war und seinen Ruhm nicht zuletzt seinen abenteuerlichen Matrose», Landstreiche» und Kneipenerlebnissen verdankt. »Di« Bruderschaft der deutschen Vagabunden", so nennt sich die Gewerkschaft der deutschen Landstreicher, entfallet seit dem Er- scheinen ihres»offiziellen Organs* eine rege Tätigkeit. Sie veran. stallet Kunstausstellungen und gibt Bücher heraus. Im April v. I. fand eine Vagabundentagung in Stuttgart, im Juli in Berlin statt. und nun wird in»Der Kunde" folgender Ausruf oeräffentlicht: »In der Woche nach Pfingsten 1929 findet in Stuttgart der öffentliche Weltkongreß der Vagabunden statt. Wir rechnen mit einem Aufmarsch von 2000 bis 3000 Kunden und Vagabunden! Also: Pfingsten 1929 für olle europäischen Vagabunden Treffpunkt Stuttgart! Nähere» wird späterhin bekanntgegeben. Weitergeben! Wetterlagen! Servu». Di« Schrifileitung." Man kann gespannt sein, ob aus diesem Kongreß der fidelste. bestsituierte und erkonntest« aller Vagabunden, der amerikanisch, Autterlandstreicher und Schriftsteller, Sinclair Lewis, teilnehmen I wird. Nttolys Aranyosi. Friedrich Wo Jehl IrtSIrf?« b« frtnt Cüutmivx* vttfittti, irrt»«ns Sbtsft tute Btttrawn, t Tag' rnnfct uni wurde beut» Ol» Leiche aus der Spree suagcr.." lTaz-spr-sseä »Au, verletztew Ehrgefühl hat fich t» W. w Adweseuheit seiner Eltern ei» tZjadriger SchM-r rrschosser..(Er wurde beschuldigt, bei einem Kuhbavsaiel ein Laar Stiesel gifigblen An haben: es hat sich aber herausgestellt, dag her Jung« versehentlich beschuldigt worden war." lTagespressO �iin lSiilhrlger Schiller, der eine« Mitichsiler dir Brille z erschlagen hatte und deshalb»!t 4 Stunden ftatj» bestraft war, nahm sich dies» Strafe f» zu Herzen, daß er sich gestern abend erhängte." slagesprefse.) »Der ISiährige Schiller». nahm sich«in- MnAe oor de» Abiturienten. «gamen ha. Lebe«. Die Eltern stehe» oor»ine» Rätsel," lTagespresseZ »Di« ffrifr.ntlnnung von D. hält die Erlangung der(klnsährigenberech- tigung als Kelchen der Allgemeinbildung für ihr« Lehrling« sür erwlinfchi. Sei der Absicht fvilteren ltebemitts iu das Aach der Abrverpflege und Massage werden Inhaber des Abiturs ssnberberücksichtigt.(Tagesvresst.) Bäckermeister Münz betreibt in der Parkstrahe ein« glänzend gehende Dampsbäckeoei.- Dies Handwerk hat fett Adams Zeiten «inen goldenen Boden. Denn in den„Rigolello" gehen, das kann man sich zur Not versagen; aber«in Frühstückstisch ohne krachend- frische Semmel? Münz hat drei Kinder: eine LOjährige Tochter, vollschlank und wetzenblottd, mit Wohnungsausstattung und einem Finanzober- sekretär als Verlobten; dann kommt der ällest« Sohn, der nach der Volksschule gleich in? väterliche Geschäft eingesprungen; schließlich Herbert, der Jüngst«,«in ebenso fester und breiter Brocken wie der Bruder, ein gesunder Jung« mtt einem UUillerrücken und mit Bäckerarmen. mit einem Ringkämpfernacken und dem entsprechend kleinen Schädel. Herbert ist des Daters Stolz. Er soll etwas»Rechtes" werden. Dem schweren, eben erst ertragreichen Leben des Daters einen Glanz verleihen. Dos Gymnasium ist dos Mindest«. Der- langt doch heut auch die Konditormnung für ihre Lehrlinge das „Einjährige",. einige Hotels sogar das Abitur. Die ersten Jahre hat Herbert sich unauffällig durchgeackert. Dos Einsährige gelingt nur mit Nachhilfstunden und Drückern, ob- schon er im Turnen und Fleiß stets.�lobenswert" hat. Aber was will man heute nnt dem Einjährigen anfangen? Selbst die Steuer- behörde fordert für ihr« yiittleren Beamten die Kenntnis von Eäsars„bellum gatlicum* und das Hotelfach bevorzugt Anwärter. die in Tenophons„-ßnabasU" und in den Oden des Horaz Bescheid wissen. Mit Recht! Erst das Abitur schafft die Keimzelle zun, späteren Regierungsryt und Rayonchef. « Dennoch, in Oberfekundo kommt Herbert mit dem Stoff nicht mehr zu Rande. Die alcäische und sapphische Strophe, die sphärische Trigonometrie und die Logarithmenreihen schlagen in seinem Hirn einen wilden Wirbel. Dabei büffelt er Tag und Nacht, laut, den Finger In den Ohren. Um Weihnacht erhall der Aater einen Brief der Schul«, daß Herbert voraussichtlich„das Endziel der Klasse nicht erreicht". Münz ist von dieser Minderwertigkeitserklärung feines Sohnes in seiner eigenen Ehre aufs tiefste betrosfeir. Ist sein Junge weniger begabt, weil der Vater nicht Regierungsrat, sondern nur Bäcker. meisler?? Er wird e« ihnen zeigen! Geld spiell keine Roll«! Während der Weihnachtsferien dekommt Herbert täglich 4— 6 Nach- hilfttunden von Professoren anderer Schulen. Jeden Tag ein festes Pensum. Mit mathematischer Sicherhett muß so der Stöfs längstens bis Ostern bewälligt sein. Die Stunden werden auch über die Ferien fortgesetzt, zu dem Normalunterricht. Die„Schande" de» Sitzenbleibens wird Münz an seinem Sohn nicht erleben! Doch je mehr Herbert an Stoff in sich hineinfrißt, um so mehr Räber gehen in seinem Kops herum. Schließlich ist alles nur ein einzige« Getöse. Dabei wird er schlaft, reizbar, ängstlich. Es ist, gl? sollten in seinem Schädel mtt einem mos 100 Gänge und Wege mit Gewalt neu hineingesprengt werden. Bisweilen hat er eine unzähmbare Lust, zu turnen. Gewichte zu stemmen, die Fenster herauszureißen und auf die Straße zu werfen. Dann steht er bei dem Bruder vor den Feuern, schiebt mit höchster Freude und Kraft die schweren Mulden au« den Röhren und schwingt die Mehlsöck« heran. Hört«r den Vater, so drückt er sich schnell. Münz nennt ihn nur noch den„Esel", den..TogcWeb< In der Klasse heißt er„das Gnu", oder:„die Büftelantikope mtt der treuen Pupille". Dieser Spitzname macht ihn wild. Einem, der ihn hartnäckig„Gnu" ruft, hat er mit einem Faustichlog dos Schküsselbetn zerbrochen. Di« erst« Karzerstras«. Luch der Boter nenrt ihn. fall»« ihn besonder» strafen will, jetzt so. O »Das Gnu" wirb immer verprellt er, verschlossener, einsamer, protziger". Di« Lehrer sprechen von passiver Resistenz'. Die&> ff: Schülermor meraden nennen ihn boshaft und dumm. Er selbst bittet den Dater. ihn doch oor Ostern noch irgendwo in die Lehr« zu tun. „Irgendwo?" faucht der Vater,„Auch irgendwo muß man noch einen Fingerhut Verstand habenl* 4 Das„Gnu* hat längst kapituliert. Dennoch muß er dauernd an den„Tag der Schande" denk«,. der mtt Ostern unerbittlich herannaht. Ost sitzt er nacht? auf den, Speicher und schaut über di« Dächer. Den Tag haßt er. » Kurz vor Osten» spielen sie Handball. Der Lehrer trägt die Tor« in fem Notizbuch ein. Er legt es immer wieder auf die Mauer. Einmal wird er abberufen. Mtt Raubtierblick erluxt die Klasse die Beute. Zum Schein spielen einzeln« weiter. Drei, vier durchspicken das Buch nach den Zensuren und der Versetzung. Trotz de? Spiels herrscht völlig« Stille auf dem Hos. „Allel Allel Vis auf einenl" haucht es jetzt von der Mauer herüber. Einer nach dem anderen schleicht hin. wirft einen Blick hinein und stimmt dann in den gespenstischen Chorus ein:„Allel Alle! Bis auf«nenl* Wirklich haben alle schon in da» Buch gesehen bis auf das „Gnu". Dem fehlt der Mut.„Kannst du dir denken, wer der eine ist?" fragt der Kamerad mtt dem gebrochenen Schlüsselhein,.dein Vater wird sich freuen!" Gr duckt sich und rennt davon. Da kommt der Lehrer. Dem„Gnu" ssfs zum Sterben elend Aber er zeigt es nicht. » Zwei Tage später ist Herbert Mun; verschwunden. Man sucht ihn über 1Z Stunden. Dann findet man ihn erhängt auf dem Speicher des väterlichen Hauses. Ter Bater und die Schule stehen por einem Rätsel. Denn so schlimm halte man es doch nicht gemeint. 3>ruckßchrifl für Glinde Ein Apparat, der Visagraph, der von Robert B. Raumberg er- baut worden ist. ermöglicht es. Blinden, gewöhnlich« Durchschrift zu lesen. Nach einem Bericht der Frankfurter Wochenschrift„Die Um schau" wird dabei nur vorausgesetzt, daß der Leser zwischen Smnmerton und Stille oder zwischen Vibrieren und Ruhe unter- scheiden kann. Ein Lichtstrahl von 0,02S Millimeter Durchmesser gleitet über die Buchstaben hin. Ertönt der Summer, dann ist das das Zeichen dafür, daß kein Teil des Druckes von dem Strohi ge- troffen wurde. Fällt das Licht aus die Druckerschwärze, dann ist kein To» zu hären Man braucht nun mit dem Strahl nicht den ganze» Buchstaben nachzufahren, sondern es genügt schon, wenn das Licht auf charakteristische Stücke jedes einzelnen Buchstabens fällt, damit der Blinde sich den ganzen Buchstaben vergegenwärtigen kann. Das von der Schrift reflektiert» Licht trifft aus eine Seelenzelle, di« den Wechsel der Lichlstärk» in wechselnd« elektrische Impuls« umsetzt und dadurch den Summerton anschlägt oder ausschaltet. Eine den Storchschnabel ähnlich« Vorrichtung gestatte es dem Blinden, an einer mit Nuten versehenen Führungsschabione den Gang des Lichtstrahls in vergrößertem Maßstab zu verfolgen und rasch klein« Teile der Buch. staken abzuleuchten, die er dorm sofort erkennt. Schon nach kurzer Zeit kann der Blinde mit diesem Apparat einen bestimmten Schrift- typ, am besten?lntiqua.Mati-zkeln ziemlich schnell und richtig lesen. äMe ä)en'miie'.Reichsbahn plan* Seit einiger Zeit schweben bei der Reichsbahn Erwägungen darüber, nach amerikanischem und englischem Vorbild eigene Kultur- abteiiungen zu errichten, die den Reisenden durch besonder« Dar» bietungen di« Zett der Reis« und des Warten, oerkürzen sollen. Bisher sind nur die Anfänge einer eigenen Filmgesellschaft vor« Händen, die zunächst Kulturfilm« hergestellt hat, aber auch dem kurzen Spielfilm sich jetzt zuwenden will. E» ist später beabsichtigt- an«inigen großen Kreuzungspunkten in den Waxteräumen Film- Vorführungen unter eigener Reg!« der Reichsbahnverwaltung zu ver- onstalten. Parallel damit gehen auch die Pläne,«inen eigenen Rund- sunkdienst dem Publikum zugänglich zu machen. Vermutlich wirb die Reichsbahn in absehbarer Zeit sich dazu entschließen, für solch« Rundfunkdarbietungen einen eigenen Sender zu verwenden. Bisher sind diese Rundfunkversuche mit gutem Erfolg bereits in Europa auf dar u-lgartjcheu Eisenbahn ausgeführt worden. Kommt die Venmnst? Sensationelle Forderungen eines Ruhrblatts.— Großtrusts gegen Kartelle. Es ist selten, daß ein den deutsche» Unternchmerv nahestehendes Organ vernünftige Tön« redet, wenn es sich um wirtschaftspolitisch« Dinge handelt. Das ist aber noch seltener, wenn es sich darum handelt, ernste sozialpolitische Fragen durch ein« Aufforderung zur wirtschaftspolitischen und kaufmännischen Vernunft lösen zu helfen. Man muß das geradezu als ein Wunder bezeichnen, wenn es einmal geschieht. Und dieses Wunder liegt setzt vor. Es liegt vor bei der Wirtschaftszeihing„Ruhr und Rhein", die zwar von den Industrie- und Handelskammern.zu Bochum, Dortmund, Duis- burg-Wesen, Essen und Krefeld herausgegeben wird, zugleich aber auch von dem sogenannten schwerindustriellen Langnam-Verein Rheinland-Westfalens. In dieser Wochenschrift(1. Heft 19W) finden wir unter der Ueberschrift„Es wird Zeit!" einen Artikel mit der Aufforderung zur Vermehrung und Verbilligung der Pro» d u k t i o n. dessen Begründung durchaus sensationell wirkt und der nur darunter leidet, daß er die deutscheu Unternehmer, insbesondere die scharfmacherischen an der Stuhr, zu nichts verpflichtet. Rur durch Selbsthilfe könne die deutsch« Wirtschast kommende schwere Krisenzeiten überwinden. Diese Krisenzeiten durch Selbst» Hilfe zu überwinden, fei die Aufgabe des neuen Jahres. Solche Worte hat man nun zwar oft gehört, aber sie werden hier in besonders akzentuierter Weise im einzelnen begründet. Wir halten es für richtig, da Wunder in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft, besonders derjenigen deutscher Prägung, selten sind, die Aeußerung der Zeitschrift„Ruhr und Rhein" ausführlich zu zitieren. Nachdem die Forderung ausgesprochen worden ist, noch Vermehrung der Produttion und Senkung der Preise, fährt der Artikel fort: „Die landläufige, aus der Psychose der letzten Jahr««rklärüchs Antwort der Wirtschaft wird lauten: Das ge h t nicht! das ist unmöglich! Die Produktion ist schon zu groß, wir haben keinen Jlbsah mehr! Die Preise decken kaum die überhöhten Selbstkosten! Das ist für den Augenblick richtig und doch auf die Dauer falsch. Gerade diese Resignation, die passive Rolle dem äußeren Druck gegenüber gilt e« zu überwinden. Di« Privatwirtschaft darf und kann sich nichr den Gang ihrer Entwicklung von außen aufzwinge« lasten. Mit stolzer Genugtuung weisen die G e w« r t f ch a f t s n in chren Bericktcn darauf hin. daß sie in den letzten Jahren durch ihr« ständige Aktivität Lohnerhöhungen von mehr als 5 Milliarden Mark durchgesetzt haben. Kein Zweifel, daß ein Teil dieser Lohnerhöhunzen durchaus berechtigt war, denn die Löhne waren nach der Stabil!» sierung der Währung zu weit zurückgeblieben. Es herrscht aber ebenfalls kein Zweifel darüber, daß em nicht geringer Teil dieser S Milliarden das wirtschaftlich gerechtfertigte Maß überschritten und ganz wesentlich zur heutigen Notlage der deutschen Wirtschaft bei.» getragen hat. Di« Wirtschaft hat sich all« diese überhöhten Lahn- Forderungen bisher unter mehr oder minder starken Protesten ge- fallen lassen und unter dem Zwang des Lohndrucks» erst hinterher nach Auswegen der Preiserhöhung oder Rationalisierung gesucht. Selu einziger Fall Ist bekannt, daß die Wirtschaft der AkkivUät der Gewerkschafken eine eigene zielbewußte wirtschaftliche Atlivilät entgegenstellt, daß sie eine Lohnforderung sofort mit einer Senkung ihrer Preise beantwortet habe. Was ist denn dos Hauptargumewi der Gewerkschafkeii: das steigende Preisniveau! Das. Argument wird Vicht durch M i nisten. riidett über die Notwendigkeit der Preissenkung', sondern nur durch die Kraft des eigenen Entschlusses der Wirtschaft beseitigt werden. Wenn Lohnerhöhungen im Einzelfall zu tatsächlichen Verlusten führen, dann ist es bester, die Verluste freiwillig durch »enkung der Preise zu tragen, wodurch die Absatzmöglich- leiten erweitert werden, als unfreiwillig mit nachfolgender Preiserhöhung. d. h. Slbfatzverminderung. Die Gefahr, daß lrohdem der Veichsarbeilsminifler die Löh« erhöhen werde, ist. umso geringer, je konsequealer und groß. zügiger der weg der Preissenkung beschritten wird. Um so mehr wird auch die Privatwirtschaft auf einen nicht zu unter- ichätzenden Vundesgenosten rechnen können: die öffentlich« Meinung, die sofort erkennen wird, daß«ine Preissenkung ganz anders der Allgemeinheit zu irngen geeignet ist, als eine Lohnerhöhung für die eine oder andere Arbeitergrupp«. Auf die Bedeutung von Preissenkungen für die allgemeine Lebevshol- tung, die Steigerung der Realeinkommen aller Bevölkerungsschichten. die Erschwerung der Einfuhr und Förderung der Ausfuhr und den Druck, den wir durch billige Preise indirekt auf die Reparativ nsirag« auszuüben vermögen, fei wir durch diese Stichworre Hingewiesem Psychologisch wäre gleichzeitig den Gewerkschaften der in der Agsta- tion beliebte Glorienschein genommen, sie wären mit ihrer einseitigen und rücksichtslosen Jnteressenpolstik die eigentlichen Väter der Ratio- nalisierung, wofür ihnen Dank und Anerkennung zusteh«, ein Trug- schluß von verheerenden Folgen für die Allgemeinheit, den wir an dieser Stell« nicht-zu widerlegen brauchen. Ein« aktive Lohn- und Preispolitik dieser Art setzt allerdings «ins in viel höherem Maße voraus, als dies in den letztest Iahren stn allgemeinen in der Privatwirtschaft der Fall war: die Bereit. schast, den Willen und die Entschlußkraft, auch ohne die wöglichkcik sofortige» Preisausgleiches erhöhtes Risiko tragen und zeitweise Der- tust« und Ops« zu übernehmen, selbst auf die Gefahr hin. daß ein- zelue Unternehmen dabei zugrunde gehen. Die Wirtschaft ist von dem allgemeinen Streben, Gefahren und Verlust« zu vermeiden, das — in den Kriegs- und Inflationszeiten wurzelnd— seinen sichtbar- sten Ausdruck in der Ueberspannung des Dersicherirngsgedankens slndet, nicht völlig unberührt geblieben. Sei aller Wertschätzung der wirtschaftlich gesunde» und brauch- bare« Seiten der Kartelle. Syndikat«. Verbände. Preisverein. barongen. Konventionen usw„ steckt in diesen Bindungen doch zugleich der Gedanke der Versicherung auf Gegensdligkeil, der in Zeiten außergewöhnlicher Notstände zum Durchhalten leben». wichtiger Glieder begrüßt, als Dauererscheinung ober zu einer Verweichlichung und Verminderung der persönlichen ZuikiaÜve führen muß. die sich mit einer kraftvollen Aufwärtsenlmicklung der Wirtschaft nicht verelubareu läßt. E« wird aus den verschiedensten Gründen Zeit, daß dt« Pnoatwirt- schast oersucht, diese Krücken nach und nach abzuwerfen und sich das Einzelunternehmen wieder auf eigen« Füße stellt. Die Reimgungstrise der Jahre 1S24 und 1925 hat noch nicht allen Schlamm beseitigt. Eine weitere Auslese wird folgen. Sie wird von den gesunden und lebenswerten Kräften um so bester überwunden werden, je eher sie kommt und je schärfer sie bewußt herbeigeführt wird. Heben ist Kamps. Den Kampf der Wirtschaft untereinander befestigen zu wollen, ist allmählicher aber sicherer Untergang: chn auszunehmen und durchzuführen ist Leben und Fortschritt. Roch ist es der Privatwirtschaft möglich, ihr Schicksal selbst zu formen und zu gestasten: möge sie den Emschwß und die Kraft dazu finden. bevor die Entwicklung über sie hinwegfchrestet. E s wird Zeit!" Der sensationelle Charakter dieser Ausführungen ist rnst Händen greifbar. Wir haben zu diesen Ausführungen nur außerordentlich wenig hinzuzufügen Es ist wahr und es tan» kein Tadel daran geknüpft werden, daß die Kämpfe um die Lohn- und Kaufkraft- steige rung der arbestenden Masten zusammen mst den schweren Ar- beitslosigkeitsopfern. die die Masten auf sich genommen haben, dt« Rationalisierung in Deutschland meist gegen den Willen des größten Teils der deutschen Unternehmer erst haben erzwingen müsten. Es ist w a h r. die deutsche Arbeiterschaft hat keinen Augenblick dar- über einen Zweifel gelassen, daß sie die notwendige Erhöhung der Reallöhne vollbewußt und zu jeder Zest auch in der Form einer all- gemeinen Senkung der Preise zu akzeptieren bereit war und daß der organisierten Arbesterschoft in Deutschland es nur deshalb selbst- verständllch war, gegen die willkürliche Erhöhung der Preise zu kämpfen und ebenso selbstverständlich die ihr folgend« Aushöhlung der Reallöhne wieder gut zu machen, well sie die Volkswirtschaft- lichen Gefahren der Kauftroftdrostelung für die zureichende Aus- Nutzung der Industrieanlagen kannte und die Verringerung der Be- schäfligung infolge einseitiger Preiserhöhungen um jeden Preis ver- hindert»»erden mußte. Die Arbesterschaft Höste mst Vergnügen den Glorienschein, die Rationalisierung allein entscheidend ge- fördert zu haben, den deutschen Unternehmern überlasten. Aber der Wunsch, daß die deutschen Unternehmer heute für sich in ihrer Ge- samthest dos Verdienst in Anspruch nehmen möchten, von sich aus die Rationalisierung durchgeführt zu haben, kann an den entgegen- steh enden Tatsachen nichts ändern. Allerdings, die.Ruhr- und Rhein"-Mahnung»Es wird Zeit!" kann noch sehr viel Größeres bedeuten, als eine einfach«, an sich schon sensationell genug wirkende Aufforderung an die deutschen Unternehmer. Was diesen Ruhr- und Rheinartikel kennzeichnet, ist eine l» Form und Inhalt noch nicht erhörke Kampfansage an den Sarlellgedankev.. Und diese Kampfansage scheint von den großen führenden Unterneh- mungen des Ruhrgebiets auszugeh�r— vielleicht als Folge der verschiedenen Auffastungen in der Ruhrtampfführung—- mid scheint sich als ein« Zwangsrotio nalisierung anzukündigen, die von den großen Unternehmungen gegenüber den kleineren und wenlger leistungsfähigen und auf deren Kosten durchgeführt werden soll. Wenn in diesem Artikel mehr zum Ausdruck kommt als die Privat- Meinung des oeramworllichen Redakteurs— wir glauben nicht, daß ein verantwortlicher Redakteur einer den Ruhrherren ergebenen Zeitschrift von sich ans so energisch wird—, dann können wir in Deutschland bald einen Kampf der großen Trusts gegen die Sortelle erleben, einen Kampf, der zwar zur Verstärkung der Monopoli- sterungstendenzen führen wird, der aber die großen Trusts frei machen soll von dem Bleigewicht, das die weniger gut ausgerüstetcu, von den Kartellen aber immer noch geschützten schwächeren Unter- nehmungen für die Trusts bedeuten. Wir wollen nicht prophezeien. Man muß abwarten, ob unsere Vermutung richtig ist. Zweifellos aber ist, daß eine der- artige Entwicklung im gesamtwirtschaftlichen Interesse unter Umständen von hohem Nutzen sein kann. Wir sagen»unter Umständen". es kann nämlich so kommen, daß. wenn unsere Vermutung stimmt, die großen Trusts nach vorläufiger Kündigung von Kartellen zunächst die Preise senken, ihre eigene Macht dadurch stärken, die verstärkte Monopolstellung später aber durch neue monopolistische Preispolitik ausnützen. Zu einer Preissenkung kommt man nicht, wenn man ein Monopol will und wenn man bei der heutigen Lage der Dinge nicht selbst dazu bereit ist, in krisenbedrohten Industrien Kapital- opser durch Äapitalabschreibungen zu bringen. Wir vermuten aber. daß dazu auch die großen Trusts nicht bereit sein würden in jenen Industrien, deren Lage krisenhaft ist. Wie dem aber auch sei. es können in dem Artikel von»Ruhr und Rhein" sich ein« neue Initiativ« und neu« Entwicklungen ankündigen, und die OeffentLchteii tut gut daran, darauf rechtzeitig zu achten. Sehr starke Reichsbank Ende ltS28 Kreditverbittigung durch Oiskoutseukuug nun wohl unvermeidlich. Di« Entwicklung der Reichsbonktätigkeit zu» Jahresschluß ist so geworden, wie wir es vorausgesehen und erwartet haben. Für neue Wirtschattskredit« ist die Reichsbank wohl kaum in Anspruch genommen morden. Fast ausschließlich technische Gründe waren für die große Steigerung ihrer Tätigkeit maßgebend, der Geldmarkt blieb sehr leicht und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß schon die erst« Januarwoche für die Reichsbonk wieder ein« sehr starke Entlastung bringen wird. A« u ße�r i i ch gesehen, wartet die Reichsbant mit Retard« Ziffern auf.' Für Wechsel, Sch«ck»:und Lombarddarlehen, die die Reichsbank � hereinnahm, bzw. gewährte, wurden 883,4 Millionen neue Kredite in Anspruch genommen. Das scheint sehr viel. Es sind 137 Millionen mehr als am Schluß de» Hochkonjunkturjahres 1927. Dabei sind, wenn man die öl.l Millionen neuen Raichsfchatz- Wechsel einrechnet, die Wechselbeslände um 744,9 auf 2678.4 Millionen Mark gestiegen. Die Zunahme des Wechselbestandes ist wieder eine rekordmäßige. Sie liegt um 33 Millionen höher als am End« des Hochkonjunkturlahres 1927. Der Wech selbe st and selbst aber ist gegenüber 3128,7 MiMonen Ende 1927 jetzt um 439 M il- lionen Mark niedriger. Der Bestand an Lombarddarlehen hat sich um 138,5 aus 176,1 Millionen Mark erhöht. Das sind ebenfalls 142 Millionen Mark mehr als Ende 1927. Dennoch aber bedeuten diese Retoodziffern eine Verhältnis- mäßig sehr geringe Inanspruchnahme der Reichsbant. Vor allen Dingen haben die deutschen Banken ein großes Interesie daran. am Jahresschluß in ihren Bilanzen sehr zahlungsslüssig zu er scheinen, d. h. große Barbestände bzw. sofort greifbar« Forderungen bei der Reichsbank auszuweisen. So ist es sicher, daß die große Steigerung der Wechselbeständ« auf die Einreichung von Wechseln aus dem Portefeuille der Banken bei der Reichsbank zurückzuführen ist, woraufhin die Banken ihre sofort greifbaren Mittel mit höheren Summen ausweisen können. So ist die Steigerung insbesondere der Lombarddarlehen auf dieselben Gründe zurückzuführen. Ein besonders untrügliches Zeichen aber dafür, daß Wirtschaft und Banken zum Jahresschluß sehr wenig neues Geld nötig gehabt haben, daß bilanz- und finanztechnisch« Gründe in der Tat den Ausschlag gegeben haben, ist die rekordmäßige Steigerung der von der Reichs- bantlundlchast auf Girokonto unverzinslich deponierten fremden Gelder. Niemals zum Jahresschluß war diese Zunahme so groß wie diesesmal. Die fremden Gelder auf Girokonto er» höhten sich um 319,6 auf 816,1 Millionen gegenüber einer Zunahme End« 1926 um 62,7 und End« 1927 um 212 Millionen. Es ist das Wesen dieser Girogelder, daß sie von der Kundschaft als Dargut- haben bei der Reichsbank ausgewiesen werden und daß sie. da sie Geld in die Reichsbank hereinbringen, die Inanspruchnahme der Reichsbank entsprechend verringern. Zusammen mit dem technischen Charakter der Wechfeleinreichungen und der Lombarddarlehen rechtfertigt die Höh« und der Zuwachs der Girogelder die Erwartung. daß die Entlastung der Reichsbank in den ersten Januarwochen sehr beträchtlich werden muß. Daß die tatsächlich« Inanspruchnahme der Reichsbonk nicht groß war. zeigt auch die zum Jahresschluß eingetreten« Veränderung des Papiergeldumlaufs der Reichsbank. Der Papier- geldumlauf— Noten- und Rentenbankschein«— ist zwar mit 5.46 gegen 5,28 Milliarden Ende 1927 um rund 189 Millionen höher, die Zunahme in der letz:«» De- zemberwoch« betrug aber nur 464 Millionen gegenüber 524 Mil- lionen Ende 1927 und 454 Millionen End« 1926. einem Jahres- schluß, dem bekanntlich dann bald«in« sehr beträchtliche Diskont- ermäßigung folgt«. Di« Vermehrung des Umlq�f» von Noten und Rentenbankscheinen war Ende Dezember 1928 auch niedriger als zu allen Monatsenden des ganzen Jahres 1928, ausgenommen nur den Januar. Der llmlauf an Reichsbanknoten stieg um 448,5 auf 4930,1 Millionen, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 155 auf 529,9 Millionen. Der gesamt« Zahlungsmittelumlauf in Deutsch- land setzt sich aus den Noten der Reichsbank, aus den Rentenbank. scheinen, aus den Roten der noch bestehenden Prioatnotenbanken und au» de« umlaufenden Scheidemünzen zusammen. Dieser gesamt« Zahlungsmittelumlauf stellte sich unter Einrechnung von 965 Mil» lionen Scheidemünzen und etwa 190 Millionen PrwatdanknoteM aus rund 6.61 Milliarden Mark. La» find rund Z90 MWim»«» Mark mehr als End« 1927. Aber wir habe» früher schon darauf hingewiesen, daß die Vermehrung des gesamten Zahlungsmittelum- laufs in Deutschland im letzten Jahre durch die Vermehrung der Sold- und Devisenbestände der Reichsbank weft mehr als ausge- glichen wird. In der Steigerung des Geldumlaufs kommt also keine größer« Anspannung der Reichsbank unter Kredit- oder währungs- technischen Gesichtspunkten zum Ausdruck. . Wa» nun die Deckung der umlaufenden Roten und Reich». bankfcheineu anbalangl� so hat Parker Gilberl recht, wenn «r sagt, daß die Reichsbank und die Reichsmark nie so gefestigt waren, wie jetzi. Zum 31. Dezember sind die Goldbestände mst 2729.3 Millionen gegenüber der Vorwoche zwar fast uover- ändert. Aber sie liegen um nicht weniger al» SS5 Mit- lionen höher al» am Zl. Dezember 1927. und wenn auch die Devisenbestände gegenüber dem gleichen Zestpnukt von 282 aus 155 Millionen zurückgegangen find, so bleibt doch eine Verbesserung der Veckuugvbestände um rund 639 MiMonen allein bei der Reichsbank. gegenüber einer Zunahme des ge- samten Zahlungsmillelumlauses um nur rund 309 Millionen Mark. Da» hat zur Folge, daß gegenüber Lude 1927 jetzt die Golddeckung der umlaufenden Reichsbanknoten um mehr al» ein Drittel, von 40.9 auf 55,4 Proz. und die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devise» zusammen um fast«in Viertel, von 47 aus SS5 Proz. sich«erbessert haben. Es ist selbstverständlich, daß augesichl» dieser glanzvollen Lage der Reichsbank und angesichts der sichere» Erwartung, daß die nächsten Wochen eine starke Entlastung der Reichsbank bringe" müssen, die Oesfenllichkest von der Reichsbank für deren Sredikpolllik die entsprechenden Konsequenzen erwartet. Der sogenannte Prlvat- dlskont lag schon am 3. Januar, d. h. am zweiten Geschäftstage de« neuen Jahre», niedriger als im Durchschnitt de» Monat» Dezember. Einen deutlicheren Beweis für de» Reichtum au flüssigen Geldern in Deutschland gibt es nicht. Die Oeffeulllchkeil muß deshalb erwarten. daß die Reichsbank der unter einer fühlbaren Depression leidenden Wirtschaft durch eine baldige allgemeine verbilligung de» Kredit» das geben wird, was dl« wlrlschafl verlangen kann und muß. Große Umsahstelgerung der Alelall walzwerke. Die gute Kon- junkmr der deutschen Metallindustrie im vergangenen Jahr wird durch den setzt veröffentlichten Gew'nnabschluß der Berg-Heck- mann-Selve-W-G. in Westfalen, einer der führenden Metall- walzwerkgruppen in Deutschland, erneut bestätigt. Dieses Unter nehmen hat trotz der von 9,77 Millionen auf 9,83 Millionen heraufgesetzten Ablchreibungen seinen Reingewinn mst 1,6 Millionen Mark rund verdreifacht und zahlt auf dos Kapital von 16 Millionen eine Dividende von 6 Proz. gegen 9 Proz. im Vorjahr. An und für sich härte die Gesellschaft aus ihren Gewinnen 19 Proz. Dividend« zahlen können, doch sind.zur Stärkung der Reserven 500 090 Mk. zurückgestellt worden, sodaß die ofsenett Reserven des Unternehmens damit 2.7 Millionen Mark erreichen. Der U m s a�z konnte im letzten Geschäftsjahr von 79 auf 89 Mst- lionen erhöht werden, und auch der gegenwärtige Auftragsbestand sichert den Werken bis zum Frühjahr volle Beschäftigung. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets«mb TorrStlg ta den Niederlagen rinn,- apomeHe Berlin N 3t. Änklaraer Straß» Sfl, «.d. Ecke Brunnenstr. S Min. v. Roten tfuler p>. idier• Apomeiie Barlin• Friedenati, Rheinstraße 16. medridi- Wtmelm. Ipom-ke Charlowenburg 2, Leibnizstraße 103 Heego- aponieke n O. Gubener Straße 38 Berlin Miwelzer Avotneee Berlin W 8, Friedrichstraße 173. Bosen-Apoineke EUU Wolde- Ben ji um Pfnrrfr-Hcmnanii.Bnd! Ludwig Heumann& Co., Nürnberg M 45, Nr. 7 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kritische Finanzlage der Reichsanstalt. Die Reserven verbraucht. Der scharfe Anstieg der Unterstütztenziffer in der Arbeitslosenperficherung infolge der Krise auf dem Arbeitsmartt legt unwillkür lich die Frage nahe, ob denn die Arbeitslosenversicherung finanziell zur Bewältigung der enormen Unterſtügungsaufgaben in der Lage ist. Nach den neuesten Veröffentlichungen betrug am 1. November 1928 der Not stod ber Reichsanstalt noch 108 Millionen Mart. Er jant jedoch infolge der dieses Jahr frühzeitig einfeßenden saisonüblichen Arbeitslosigkeit bereits im Laufe des November um über 10 Millionen. Welche Rechnung ergibt sich nun für die fol genden Monate? Segt man die Einnahmen der Reichsanstalt trotz der erhöhten Arbeitslosigkeit, die einen stärkeren Ausfall an Beitragsein. nahmen zum Folge hat, im Dezember 1928 nody mit 70 mil lionen ein, baim ergibt sich bei Hinzurechnung des Notstods vom 1. Dezember 1928 in Höhe von 97 Millionen eine Gesamtsumme von 167 millionen Mart. Ihnen steht im Dezem. ber bei einer durchschnittlichen Ziffer von mindestens 1½ mil lionen Hauptunterſtügungsempfängern eine Ausgabe in Höhe von 100 Millionen gegenüber. Der Notftod der Reichsanstalt dürfte fich also bis Ende Dezember 1928 auf etwa 67 Millionen gesenkt haben. Bieso tam es dies Jahr zu einer folch überraschend starten Inanspruchnahme der Reichsanstalt? Seit Bestehen der Anstalt ( Ottober 1927) hat ein zweiter harter Winter eine außerordentlich scharfe, durch die Bitterung verursachte Arbeitslosigkeit hervor gerufen. Berschärft wurde der Rüdlauf der Ronjunttur durch die rücksichtsloje Aussperrung im Rheinland.West. falen Um unnügen Schwägereien vorzubeugen, foll gleich bei dieser Um unnügen Schwägereien vorzubeugen, foll gleich bei biefer Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daß die Ber maltungsto ften mit der starten finanziellen Beanfprudung der Reichsanftalt in feinerlei Zusammenhang stehen. Die Bermal tungsfoften halten sich nach mie vor auf einem niedrigen Niveau. Ihre Höhe steht zu der außerordentlichen Arbeitsbelasting, die den Arbeitsäntern und den übrigen Stellen der Anstalt durch die ihnen vom Gefeß zugewiesenen Aufgaben erwächst, in teinem Berhältnis. Die fraftvolle Selbstverwaltung der Reichsanstalt bietet der Deffentlichkeit die beste Gewähr dafür, daß gerade bei ben Bermal tungskosten die größte Sparsamfeit geübt wird. Das Sparen barf allerdings nicht soweit gehen, daß der notwendige Ausbau der Anstalt, vor allem der Ausbau der Arbeitsver. mittlung, darunter leidet. An diesem Grundfag darf auch die augenblickliche Finanzlage ber Reichsanstalt nichts ändern. Das erste Geschäftsjahr der Reichsanstalt. Gechs Milltonen Bersicherte. Nun ist aber infolge der zunehmenden Entlassungen in den Außenberufen und auch in den übrigen Teilen der Industrie im Zusammenhang mit der rückläufigen Konjunktur mit Sicherheit eine weitere Steigerung ber Unterstüßtenziffern zu erwarten. Im Januar dürfte sich daher die Durchschnittsziffer ber fiterung legt munmehr die Rechnungsergebnisse für das erste GeDie Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver. Hauptunterftügungsempfänger auf mindestens 1½ Millionen Berichäftsjahr Ottober 1927/ September 1928 por. Es ist darauf fonen belaufen. Mas folgt daraus? Die daraus sich ergebende Be- hinzuweisen, daß die jeweiligen Raffenbestände fein ganz aurechnung der Finanzlage für Januar zeigt folgendes Bild: Ber verlässiges Bild von dem wirklichen Bermögen der Reichsanstalt rechneter Notftod am 1. Januar 1929 67 Millionen, Boraussichtliche geben, weil sie die verwalteten Riisengelber mit enthalten. Die Einnahmen( napp 70 Millionen, Zusammen 137 Millionen. Dem fofortige Ausscheidung der Krifengelder stößt auf Schwierigkeiten, gegenüber Ausgaben für durchschnittlich 1,5 Millionen Haupt weil die Landesarbeitsämter aus ihren Beitragseingängen in der unterstützungsempfänger 135 Millionen. Es verbleiben insgesamt Regel die Krisenunterstügung vorlegen. Die Bestände müssen weiter nur 2 Millionen. Die Reichsonftalt fteht also im Höhepunft ber infofern bereinigt werden, daß die einmalige Suwendung von 50 mil winterlichen Arbeitslosigkeit dem Ansturm der Arbeitslosen ohne lionen Mart durch das Reich als Vermögen erscheint. Reserven gegenüber. Bohl bringt die Sonderfürsorge für die berufsübliche Arbeitslosigkeit der Reichsanstalt eine gemiffe Entlastung, aber gerade im Januar wird diese Entlastung noch nicht sehr erheblich fein. Im Bezirf des Bandesarbeitsamtes Brandenburg mird& B. hie Sonderfürsorge für die berufsübliche Arbeitslosigkeit prattijd) früheftens erst am 1 Februar mirksam. Daraus folgt zwangs läufig, daß das Reich nach den Bestimmungen des Arbeitslosen nerficherungsgefeßes der Reichsanstalt durch Darlehen rechtzeitig beispringen muß. Es ist anzunehmen, daß das Reichsfinanzminis fterium bereits jetzt die notwendigen Beträge bereitstellt. Die im ersten Geschäftsjahr Bersicherten fiellen fic im Monatsdurchschnitt auf 15896001. Die Beitragsein. nahmen zur Reichsanstalt betragen 797,8 Millionen Mart, sonstige Einnahmen 30,6 Millionen Mart, mithin die Gesamteinnahmen der Reichsanstalt 828,5 millionen Mart. Der Aufwand für die Arbeitslosenversicherung ftellte fich auf 725,6 Millionen Mart, Maßnahmen zur Berhütung und Beendigung ber Arbeitslosigkeit auf 36,4 Millionen Mart, die Gesamtaus gaben der Reichsanstalt betrugen 842,7 millionen Mart. Die Berwaltungsfosten für die Reichsanstalt, für die Arbeitsamber. Banbesarbeitsämter ifm., ftellten fich auf 80.6 Millionen Mart. Gonnabend, 5. Januar 1929 Der Aufwand für die Rrifenunterfügung betrug im Berichtsjahr 138,6 Millionen Mart. Die durchschnittliche Zahl der Rotstandsarbeiter in der Arbeitslosenversicherung war im Monat 31 112, in der Krisenunterſtügung 15 664, Hauptunterstützungsempfänger überhaupt durchschnittlich 990 972. Die Ueberschüsse der Reichsanstalt ftellen fich auf 139,9 mi lionen Mart; es mußten jedoch 3uschüsse von 154,1 Millionen Mart geleistet werden, womit ein 3ufchußdefizit von 14,1 Milin 3 elbeträge, die der Reichsanstalt zugewandt wurden, hatte lionen Mart verbleibt. Unter Berücksichtigung der erheblichen Einzelbeträge, die der Reichsanstalt zugewandt wurden, hatte die Hauptstelle in den legten Erhebungsdaten folgende Geldbestände: Anfang Dezember 1928 rund 97, Anfang November 108,7, Anfang Oftober 89.1, gegen Anfang Ottober 1927 von 107,4 millionen Mart. Die Raffenbetriebsmittel bei ben Landesarbeitsämtern find im allge meinen ziemlich gleichbleibend. Die ungünstige Entwicklung der Arbeitslosigkeit läßt die Befürchtung gerechtfertigt erscheinen, daß die Abrechnung im zweiten Jahr wenig befriedigend sein wird, wenn nicht noch auf anderer Seite ein Ausgleich geschaffen merden tann. Und die Krisenfürsorge? anbauernd Wie steht's mit dem Ausbau der Krisenfürsorge? Rach den Bestimmungen des Arbeitslosenversicherungsgefeßes ist ein besonders ungünstiger Arbeitsin artt Borauslegung für die Einführung der Krifenunterſtügung. Diese Vorauslegung ist heute fast in allen Berufen gegeben. Die fritische Lage auf dem Arbeitsmarkt hat den Berufswechsel und die Aufstöberung neuer Arbeitsgelegenheit außerordentlich er fdymert. Die freien Gewertschaften erheben daher die Forde rung nach Ausdehnung der Krisenfürsorge auf alle Berufe mit Ausnahme der Außenberufe, bei denen die Arbeitslosigkeit längerung der Unterſtügungsdauer in der Krisenfürsorge allge hauptsächlich faisonbedingt ift. Sie verlangen ferner eine Bermein von 39 auf mindestens 52 Wochen und für die über 40jährigen unbegrenzt für die ganze Dauer ihrer Arbeitslosig tett. Er steht augenblidlich im Vordergrund aller fozialpolitischen Auf Der Ausbau der Krisenfürforge ist nicht mehr zu umgehen. gaben. Die Gemeinden tönnen mit ihrer Wohlfahrtspflege allein unmöglich bie Betreuung ber arbeitsfähigen langfristig Arbeitslofen durchführen. Das Retch muß eingreifen! Das Rontingent ausländischer Landarbeiter ... und die deutschnationalen Agrarier. Bor einigen Tagen ging burch die Bresse die Mitteilung, der Reichsrat habe fich damit einverstanden erklärt, daß die höchftzahl der für 1929 auzulaffenben ausländischen Sanbarbeiter auf 110 000 mit einer Notreserve von 10 000 feft. gefeßt wird. Diese Mitteilung war etwas unglücklich abgefaßt. Es fann aus ihr herausgelesen werden, daß den landwirtschaftlichen Unternehmern für 1929 120 000 ausländische Bandarbeiter( 110 000 Es ist erstaunlich daß die konsequent durchgeführte Rationalisierung gestattet. für 5 Pf. eine Zigarette herzustellen, die der Qualität nach 6 Pf. kosten müßte. Dabei duldet die Zigaretten- Fabrikation keinerlei Surrogate. Erspar nisse am Tabak oder Unvollkommenheiten der technischen Herstellung würden sofort im Geschmack des Fertig- Fabrikates zu spüren sein. Deshalb ist es vollkommen zweck. los. Rezepte and Methoden anzuge ben. Das zuverlässigste Mittel. Sie als Greiling- Raucher zu gewinnen. ist die Bitte: Vergleichen Sie Grei ling- Auslese mit Goldmundstück zu 5 Pt. mit jeder beliebigen anderes Marke and oben Sie strengste Kritik. Stellen Sie am Geschmack der Zigarette fest. welche Fabrik die besteingerichtete sein muß. THANS NEUMAN AUSLESE GREILING als Rontingent und 10 000 als Notreserve) zur Verfügung stehen. Dem ist aber nicht so. Die landwirtschaftlichen Unternehmer haben für das Jahr 1929 ein Kontingent von 100 000 Arbeitern zugebilligt bekommen. Dazu kommen weitere 10 000 Arbeiter als Notreserve, so daß die Gesamtzahl der für 1929 in Frage kommenden ausländischen Landarbeiter 110000 beträgt. Diese Zahl ist immer noch viel zu hoch. Einzelne Gebiete, a. B. das rein agrarische Pommern, werden zu start mit ausländis Ichen Landarbeitern versehen. Auch tommen die ausländischen Landb. 1 bes Gefehes für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsver mittlung bestimmt, daß denjenigen Stellenvermittlern, die am 1. Januar 1931 das Gewerbe mindestens seit dem 2. Juni 1910 auf Grund behördlicher Erlaubnis ausüben, eine angemessene, gesetzlich besonders zu bestimmende Entschädigung gewährt werden soll. Eine Ausnahmebehandlung, die sich mancher zum Aus. sterben verurteilte Beruf wünschen würde. arbeiter viel zu früh nach Deutschland; fie tommen bereits zu Wiederaufnahme der Arbeit auf den Werften ciner Zeit, in der bestimmt noch genügend inländische Arbeitskräfte nerfügbar sind. Aber ein echter deutschnationaler Agrarier fann 3mar Polen nicht leiden, doch seine Arbeiter nimmm er gern. Denn fie find billig und seiner Willkür ausgeliefert. Die Konflikte in der Textilindustrie. Drei Berbindlichkeitserklärungen. Der Reichsarbeitsminister hat am Freitag drei Schiedssprüche für verbindlich erklärt: den für die Münsterländer Textilindustrie( vom 20. Dezember), den für den Bielefelder Tegtilbezirt( vom 30. November) und den für die Textilindustrie Ost sachsens( vom 6. Dezember). Die Verbindlichkeitserklärung erfolgte, wie amtlich mitgeteilt wird, im öffentlichen Jnteresse. In der Begründung der Berbindlichkeitserklärung für das Münsterland wird ausdrüdlich gesagt, daß die im Schiedsspruch norgesehene 2ohnerhöhung mir einen geringen Zeil ber Beschäftigten betreffe und wirtschaftlich tragbar sei. Die im Reichsarbeitsministerium wiederholt stattgefundenen Einigungsver. handlungen sind stets ergebnisios verlaufen. Da eine Einigung der Parteien untereinander voraussichtlich auch in weiteren Berhandlungen nicht erreichbar erschien, glaubte der Minister zur Vermeibung eines tariflosen Zustandes die Berbindlichkeitserklärung im öffentlichen Interesse aussprechen zu müssen. Die Berbindlichkeitserklärung des Ostfachsen- Schiedsspruches mar zu erwarten; fie stellt nur eine Konsequenz der bereits erfolgten Berbindlichkeitserklärung des Schiebsspruchs für eftfachjen bar, obwohl dabei nicht übersehen werden darf, daß der Ostfachsen Schiedsspruch noch schlechter ist als der für Westfachfen. Die Ost fachfenlöhne stehen niedriger als die in Westfachsen. Für das Münsterland und für Bielefeld war die Berbindlichkeitserklärung von den Arbeitern beantragt worden. Gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Gie muß endlich verschwinden! Der Berbanb ber Deutschen Stellenbermittler c. B., Siz Berlin, hat an den Reichstag eine Petition gerichtet. Es handelt sich um einen Versuch zur Rettung der gewerbsmäßigen Stellenbermittlung. In§ 55 des Arbeitslosenversicherungsgefeßes ift, ausgesprochen, daß gewerbsmäßige Stellenvermittlungen vom 1. Januar 1931 ab verboten sind. Der Verband wünscht statt dessen folgende Fassung des§ 2 des Stellenvermittlergefeges vom 2. Junt 1910:§ 2. Wer das Gewerbe eines Stellenvermittlers betreiben will, bedarf dazu einer Erlaubnis der von der Landeszentralbe hörde bezeichneten Behörde. Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Nachsuchenden in bezug auf den beabsichtigten Gewerbebetrieb oder auf seine perJönlichen Berhältnisse dartun. Bei der Erteilung der Erlaubnis sind die Berufe zu bezeichnen, in denen die Vermittlung von Stellen stattfinden darf." Die Begründung, die der Berband diesem etwas reichlich naiven Verlangen gibt, ist nicht unintereffant. Es heißt da, daß aus dem Anwachsen der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung in bestimmten Berufen wie z. B. bei Vermittlung von Hausangestellten, Land, Gastwirts- und Saisonpersonal fich ergeben habe, daß das Internehmertum dem Stellenbermittlergemerbe den Borzug gebe. Was freilich nicht unbedingt ein Empfehlung ist. Eine individuelle und sozialwirtschaftliche Handhabung der Bermittlung fönnten lediglich persönlich interessierte" Unternehmer gewährleisten, da es vor allem eingehende Kenntnisse mit den Berhältnissen der Kundschaft und gesammelte Erfahrungen" Bremen, 4. Jamuar.( Eigenbericht.) Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin 968. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Beztrisjefretariat 2. Hof. 2 Trep. rechts. an richten. 5. Kreis Friedrichshain. Rreisfunktionärsigung Montag, 7. Jannar, 19½ Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Bortrag: Das Konkordat." Referent Rettor Gustav Säbide. 7. Streis Charlottenburg. Achtung, Adressen veränderung! Die Abrasse des Rreisleiters Alfred i It ist wie folgt: Berlin- Charlottenburg, Sootftraße 72. Charlottenburg urb Spandau: Juristische Sprechstunde heute, Connabend, 5. Januar, von 17-18 Uhr, im Jugendheim Rosinen ftraße 4. Gelegenheit zum Kirchenaustritt. Heute, Sonnabend, den 5. Januar. 4. Abt. 19 Uhr Wintervergnügen der 4. Rameradschaft des Reichsbanners im Gewerkschaftshaus. Eintritt 50 Bf. 5. Abt. Achtung! Die für heute, Sonnabend, angefegte Funktionärsizung findet erst am Montag, 7. Januar, statt. Jungjozialisten. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: Conntag, 6. Januar, Fahrt nach dent Rangsdorfer Gee, Treffpunkt 8% Uhr am Attilaplag. Die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Seeschiffswerften ist in der Konferenz der Werftarbeiter, die am Freitag in Bremen stattfand, einer scharfen Kritit, unterzogen worden. Die Konferenz nahm eine Entschließung an, in der es heißt, daß der Kampf durch die Berbindlichkeitserklärung ein unbefriedigen. des Ende genommen habe. Nennenswerte Verbesserungen habe der Schiedsspruch nur für die Arbeitszeit und für die Bezahlung bes Urlaubs gebracht. Die Lohnfrage dagegen sei völlig unzulänglich geregelt. Eine bessere Berücksichtigung der Forde rungen der Werftarbeiter sei schon deshalb angebracht gewesen, weil wesentliche Teile der Werftunternehmer bereit gewesen seien, größere Zugeständnisse in der Lohnfrage zu machen. Unbefriedigend sei schließlich die lange Laufbauer des durch den Schiedsspruch ge schaffenen neuen Tarifzustandes. Trotzdem würden sich die Werft pünktlich 17 Uhr, im Wilhelmshof, Ebersstr. 80a. Wir beteiligen uns an der arbeiter dem staatlichen Hoheitsaft unterwerfen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. 17% bis 19% Uhr Tate Falten: Dienstag von 17 bis 19 Uhr Jungfalt n; Gruppe Nordoft: Danziger Str. 62, Parade 2. Montag und Freitag von Donnerstag von 17 bis 19 Uhr Fote Falten und Jungfalten. Conntag, 6. Ja nuar, 19 ühe, im Altersheim, Tanziger Str. 62, Winterfest. Alle Eltern und Freunde unserer Gruppe sind hierzu eingeladen. 20. Kreis Reinidendorf. Es wird gebeten, die Theaterkarten am Sonntag, 6. Janvar, bis 13 Uhr vom Genossen Findeisen, Serbststr. 20, abzuholen. Kreis Schöneberg: Alle Soten- und Jungfalten find am Conntag, 6. Januar, Parteifeier. Geburtstage, Jubiläen usw. 18. st. Unferem treuen Genoffen Sermann 2udwig, Rolberger Straße 23, an feinem 30jährigen Parteijubiläum die herzlichsten Glüdwünsche. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Das Erfreuliche an dem Verlauf des Kampfes ist die be. wundern smerte Gefchloffenheit und Energie, mit der die, Werftarbeiter ihre Sache verfochten haben. In der moralischen Rraft der organisierten Werftarbeiter, die der 14wöchige Kampf deut lich zum Ausdrud gebracht hat, liegt die beste Garantie für einen Erfolg der Werftarbeiterschaft bei ihren Bestrebungen, nach wieder. aufnahme der Arbeit beffere Berdienstmöglichkeiten in den Betrieben durchzusetzen und die der Organisation noch fernstehenben, durch die Erfahrungen des langen Kampfes hoffentlich eines Besseren belehrten, allen Abteilungen abgeliefert werden. Arbeitskollegen der Organisation zuzuführen. Einsendungen für diefe Rubrit nur an das Jugendfefretariat Ferlin SB 68. Lindenstraße 3 Die Berichtsbogen für has 4. Quartal 1928 müssen unbedingt sofort von Heute, Sonnabend, 19% Uhr. Werbebeşir! Prenzlauer Berg: Pünktlid) 19 Uhr im Seim Danziger Str. 62, Barade 7: Delegiertenkonferenz. Auf je zehn abgerechnete Mitglieder für 90Gewerbschaftsoppofition ruft: Beiter fämpfen!" So bie Dember fönnen die Abteilungen einen Delegierten entfenden. Zutritt zu d'escr Rote Fahne" in fetten Buchstaben auf der ersten Seite ihrer Frei- Konferenz haben nur die Delegierten, Werbebezirksfunktionäre und Jugend. tagnummer. Die Gewertschaftsopposition ,, ruft", fie reißt das Maul beiräte. Der Tambourkorps übt pünktlich 19% Uhr im Heim Danziger Str. 62. Erscheinen aller Epieler ift Pflicht. recht weit auf. Was aber tut sie? Nicht s! Die Arbeit und die Berantwortung überläßt sie andern. Die Gewertschaftsopposition ruft- und drüdt fich Soz. Schülergeme nschaft Brenzlauer Berg: Heim Danziger Straße 62, Barade 3: Der glückliche Rutsch". Reichenberger Viertel: Rodelpartie morgen, Gonntag. Treffpunkt 8 Uhr Görliger Bahnhof. Schiedsspruch im sächsischen Speditionsgewerbe. Borträge, Vereine und Versammlungen. Chemnik, 4. Januar. Für das sächsische Speditions und Transportgewerbe ist nach zweitägigen Berhandlungen ein Schiedsspruch gefällt worden, der besagt, daß der Manteltarif in seiner bisherigen Form 22 Monate meiter bestehen soll. Die regelmäßige Arbeitszeit ist auf 48 Stunden in der Woche festgesetzt. Die Löhne werden um 4% Broz. erhöht. Auch der neue Lohntarif soll 22 Monate Geltungszeit haben. Ueber den neuen Schiedsspruch soll in den Betrieben eine Urabstimmung durchgeführt werden. Tarifverlängerung in Braunschweig. Braunschweig, 4. Januar. Berbindlichkeitserklärung vom 25. April 1928 geltende Lohntarif. Der auf Grund des Schiedsspruchs vom 12. April 1928 und der vertrag zwischen den Braunschweiger Metallindustriellen und dem Metallarbeiterverband sowie dem Gemertverein Deutscher Metallarbeiter ist bis zum 15. Februar 1930 verlängert worden. Der Schiedsspruch ist, wie die Braunschweigische Landeszeitung" erfährt, von beiden Seiten angenommen worden. Der Streif bei Nikolait beendet. Der Gastwirt Nitolait, Berlin SD. 36, Wiener Str. 20/22, hat sein Unrecht eingesehen und den Vertrauensmann der Organisation wieder eingestellt. Daraufhin hat die Belegschaft die Arbeit wieder aufgenommen; die Differenzen sind somit beigelegt. Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Caféangestellten. Zweigverein Groß- Berlin, N. 24, Elsasser Str. 86/88, 3 Ir. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefättstelle: Berlin 6 14. Sebaftianftr 37/38. Hot 2 Tr. Wintersport Abteilung: Conntag, 6. Januat, Antunft der Tirolfahren Sonntag, 6. Januar, 23.58 Uhr Anh. Bhf. Montag, 7. Januar Mitte: 20 Uhr im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 1, Rameradschaftsversamm lung. Wahl des Vorstandes und der Delegierten zur Generalversammlung. 5. Kameradschaft: 20 Uhr Bersammlung im Rosenthaler Sof. Wahl des Vor ber Turnabende Gotenburger Str. 2. Prenzlauer Berg, Rameradschaft Gene felberplag: Achtung, neues Lofal! 20 Uhr bei Heiles, Prenzlauer Allee, Edo Meger Straße, Generalversammlung. Kreuzberg, Jugend 1: 20 Uhr Seimabend. Nordstr. 128. Sug 6: Jahresversammlung und Neuwahl der Rugleitung bei Mendler, Dieffenbachstr. 54. Stegl's( Rameradschaft): 20 Uhr Funktionärver. fammlung bei Schulz, Birkbuschstr. 90. Borstandsmitglieder, 8ug- und Gruppenführet. Weißensee: Connabend, 5. Januar, 20 Uhr, Sug- und Gruppenführen bei Peters, Lichtenberger Straße. Abrechnung. standes und der Delegierten zur Generalversammlung. Webbing: Wieberbeginn Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Tappelallee 15, Borttag bes Herrn Dr. R. Sturm: Ratholizismus und Nationalismus". Harmonium: Aus Der Mitabo"( Eullivan). Gäfte willkommen. Arbeiter- Camariter- Bund, e. B., Rolonne Berlin. Monatsverfammlungen haben folgende Abteilungen: Bohnsdorf: Conntag, 6. Januar, Lofal Wolters dorfer Str. 100. Fricdrichshain: Dienstag, 8. Fanuar, Lotal Busch, Tilfiter Straße 27. Webbing: Dienstag, 8. Januar, Lotal Bellin, Schulstr. 12. Treptow: Mittwoch, 9. Januar, Lotal Graeß. Ede Wildenbruchstraße.- Tier. garten: Tonnerstag, 10. Sanuar, Lotal Lausch, Bredow, Ede Wiclefstraße. → Reinidendorfs Lichtenberg: Freitag, 11. Januar, Lotal Seers, Weserstr. 20. Freitag, 11. Januar, Lotal Matter, Eichbornftr. 94.- Steglig: Freitag, 11. Januar, Lotal Schmidt, Lichterfelde- W., Foonstr. 39. Reukölln: Montag, 14. 30nuar, Lotal Echilling, Rirchhofftr. 41. Schöneberg: Montag, 14 Januar, Zotal rosenthal, Chersftr. 66. Weißensee: Montag, 14. Januar, Lotal Gtärfe, Charlottenburger Str. 3. Kreuzberg: Montag, 14. Januar, Lokal Buhr, Blücherftr. 38. Sermsborf: Dienstag, 15. Januar, Turnhalle Roonstraße. Bc. ginn der Berfammlungen 19% Uhr. Rege Beteiligung wird erwartet. Reidsbund der Kriegsbeschäbigten, Kriegste Inehmer und Kriegerhinter. bliebenen, Bez. Sentrum. Montag, 7. Januar, findet im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 12, 20 Uhr, die Generalversammlung ftatt. Ende des Straßenbahnerstreits in Ostoberschlesien einmal im Jahr durch außergewöhnliche Anstrengungen erzielt werden können, Kaftowih, 4. Januar. seien, auf denen sich ebenso wie bei allen Privatunternehmungen der streitenden Straßenbahner und der Kleinbahngesellschaft führten der Betrieb eines Stellenvermittlers aufbaue. Als Beweis für das Bertrauen der Kundschaft wird eine Entschließung des landwirt. schaftlichen Hauptvereins für den Bezirk Münster wiedergegeben. Ferner berufen sich die Stellenvermittler auf Gutachten von Han helstammern und Unternehmerverbänden. Sie prunten fogar mit der Behauptung, die private Bermittlung befize auch das unein gefchränkte Bertrauen der Arbeitnehmerschaft. Ein Beweis für diese Behauptung wird natürlich nicht angeführt. Die gewerbsmäßige Stellenvermittler fämpfen um ihre Eristenz. Wenn sie sich mehren, so wird ihnen niemand deshalb einen Vormurf machen. Ebenso selbstverständlich ist es aber, daß der Reichstag nicht die Interessen einer feinen Gruppe von Menschen der Allgemeinheit gegenüber bevorzugen tann, zumal ja§ 55 Um Neujahrsmorgen verstarb im Birchow- Krankenhaus im 83. Lebensjahr die Witwe Marie Klingner ( früher 3. Wahlkreis) Die Hinterbliebenen Die Einäfcherung findet am Montag, dem 7, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. statt. Verkäufe Die gestern eingeleiteten Berhandlungen zwischen den Bertretern zu einer vorläufigen Einigung, nachdem sich die Kleinbahngesellschaft bereit erflärt hatte, eine Lohnzulage von mindestens 6 Broz. zu gewähren unter der Bedingung, daß der Streit sofort abgebrochen und die Arbeit wieder aufgenommen wird, und unter der Zusicherung, feinerlei Maßnahmen gegen die am Streit Beteilig ten zu ergreifen und den schlechter bezahlten Angestellten eine ent fprechend höhere Zulage zu gewähren. Die Delegierten der Straßenbahner erklärten sich darauf bereit, den Streit am heutigen Freitag abzubrechen. 10 PF Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Boranzeige! Süden, Südwesten: Banderung Oranienburg. Treffen um 7% Uhr Stettiner Borortbahnhof. SPARKARSY OSMASTUCK 100 MARK Defen, eiferne. feder Art und Größe DOI 12,50 an, Amerikaner, Jrische, Dauerbrand( auch filr Gäle bis S 5000 cbm), transportable Rachelöfen. Rochherbe, Gas, Rohle- Defen, Ofen. 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