BERLIN Dienstag 8. Januar 1929 Der Abend Erideint toalid aufer Sonntags. Sualeich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis teide Ausgaben 85 Br. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenfir. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 12 B6 46. Jahrgang. 66 anzeigenprets: Die einfaltige Nonpareillezetle 80 Bf.. Reflamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Rarif. Voffchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. D., Berlin Nr. 37536. Fernfprecher: Douboff 292 bis 297 Die Diftatur am Werf. Alexander der Kleine läßt haussuchen. Belgrad, 8. Januar.-( Eigenbericht.) Die Diffaturregierung beginnt bereits mit ihrem Borgehen gegen froatische Politiker. 3n, Agram ist bei dem früheren Abgeordneten der kroatischen Bauernpartei Pernar und bei dem früheren Abgeordneten der kroatischen föderativen Partei Dr. Pamelitsch und bei mehreren führenden Leuten der kroatischen Nationalpartei Haussuchung abgehalten worden. Es wurde nach Beweisen flaatsfeindlicher Affionen gesucht, die nicht gefunden wurden. Die Zeitungen, die eine Mitteilung über die Haussuchungen brachten, wurden beschlagnahmt Pribitfchewitsch, der in Agram angekommen ist, lehnte jede Stellungnahme zu den Maßnahmen der Diffaturregierung ab, war aber sehr verstimmt, weil seine Koalitionsgenossen von der kroatifchen Radiffch- Partei die Dinge mit einem Optimismus betrachten, den er nicht teile. Wie verworren die Situation ist, geht daraus hervor, daß die kroatische Bauernfoalition über ihre Stellungnahme zum neuen Regime einen Beschluß überhaupt noch nicht gefaßt hat. Freundschaftserklärungen. Der Absolutismus, den der König in Südflawien eingerichtet bat, findet in Europa je nach der Parteistellung Beifall oder AbLehrung. Daß die italienischen Blätter die neue Diftatur als milllommenen. Anlaß nehmen, um das ,, verfaulte parlamentarische Syftem zu fritisieren, ist nur zu verständlich; allerdings sind ihre Beifallsrufe gemäßigt, da in Südflawien vom König, in Italien aber gegen den König die Dittatur eingerichtet worden ist. Selbst So sieht er aus Alexander der Kleine, der neue absolute König und Diktator von Militärs Gnaden. in England findet Alexander Beifall. Ein Teil der Bourgeoisie hat fich dort von den überlieferten demokratischen Staatsformen so weit entfernt, daß ihr Drgan, die Morningpost", unverhohlen thre Befriedigung über ,, das Berschwinden einer weiteren parlamentarischen Regierung Ausdrud gibt. Die Times" ist allerdings vorsichtiger; sie erklärt mur, daß sie das fübflawische Experiment ,, mit besorgtem Intereffe verfolge. tlamation versprochenen Maßnahmen durchführt, eher demi von uns in der Reichsverfassung vorgesehenen Zustand unter dem Artikel 48" als etwa der Machtergreifung in Italien; durch Muffolini. Das bisherige Verhalten des Königs läßt auch nicht den Schluß zu, daß ihm ein diftatorisches Regiment besonders sympathisch wäre, und der Zufall, daß ein General an der Spige des Kabinetts steht und ihm noch mehrere Offiziere angehören, läßt auch nicht ohne weiteres den Schluß zu, daß mun ein militä risches Regime durchgeführt oder gar auf die Dauer aufrecht erhalten werden sollte.. Die unglaubliche Anspielung auf den Artikel 48 sucht die Korrespondenz dann allerdings wieder gutzumachen, indem sie hofft, ,, daß die Staatskrise bald und in vernünftiger Form gelöst werde". Daß nicht nur in der Bolkspartei, sondern auch im Zentrum die Sympathien mit den Borgängen in Belgrad vorhanden sind, zeigt die Germania" schon in der Ueberschrift ihrer gestrigen Abend ausführungen: Die heilsame Gemaltfur." Allerdings fügt auch fie die Hoffnung hinzu, daß die Ausnahmegefeße und die Ausschaltung der Demokratie nur eine vorübergehende Notmaßnahme fein werden. " Der Wirtschaftsrat soll es schaffen. Das neue Haus sollte das alte stallartige Ge bäude ablösen, in dem das jugoslawische Parlament bisher untergebracht war. Aber bevor der Neubau vollendet und bezogen werden konnte, hat der kleine Alexander mit Hilfe seiner Soldateska die Abgeordneten schon ,, exmittiert". In Serbien hat es schon einmal einen Alexander als König gegeben. Den hat die Soldateska gemeuchelt. eintreten werden. Dadurch wären dann fünf Kroaten und ein Mohaminiebaner in der Regierung. Die meisten Minister haben Belgrad verlassen. Nur Justizminister Dr. Srstitsch ist in der Hauptstadt verblieben, da er einige dringende Gefeßzentwürfe be Vor allem soll der Gejezzentwurf über die Errichtung eines ,, Wirtschaftsrates" in Kraft treten. In diesen Wirtschaftsrat follen, wie es heißt, Fachleute ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung" berufen werden. arbeitet. Justiz und Diktatur. Wer bedroht die Unabhängigkeit der Rechtspflege? Fast sämtliche Diktatoren haben sich bemüht, die Rechtspflege völlig in ihre Hand zu bekommen. In den Staaten Mussolinis, Brimo de Riveras und Pilsudskis ist die Unabhängigfeit der Rechtspflege praktisch aufgehoben. Die Unabsetzbarkeit der Richter, eine der ersten Errungenschaften der Demokratie gegenüber dem Abfolutismus, besteht in Italien, Spanien, Bolen nicht mehr. Der Richter, der nicht nach dem Gebot des Herrn Diftators Recht" spricht, wird furzerhand davongejagt. In genau der gleichen Weise führt sich der neuerstandene se rbische Absolutismus ein. Nach Meldung der sicher unverdächtigen Deutschen Zeitung" beabsichtigt König Alexander ein Gesek, das die richterliche Unabhängigkeit einschräntt", d. h. aufhebt. Belgrad, 7. Januar. Anläßlich der orthodoxen Weihnachtsfeiertage herrscht in hiesigen politischen Kreisen vollkommene Ruhe, insbesondere auch deshalb, weil die Zeitungen erft Donnerstag früh wieder erscheinen werden. Zu verzeichnen ist nur die Berufung des Chefs der bosnischen Mohammedaner Dr. Spaho und des Agramer Universitätsprofessors Dr. Surmin, der im Kabinett Bafitsch im Jahre 1925 Handelsminister war. Man vermutet, daß die beiden in das Kabinett nationale Agitationsparole.) Die nebenstehende Karte zeigt, aus wie vielen Gebieten mit sehr verschiedener Geschichte das heutige Südflawenreich zusammengesezt ist. Das ganze Land zählt etwas über 12 Millionen Einwohner, davon das alte Königreich Serbien nur 2,6 Millionen eine fleine Minderheit. Mazedonien, das in den Ballantriegen vor dem Weltkriege von der Türkei erobert wurde, hat 1,5 millionen. Montenegro, das einst als Bundesgenosse neben Serbien fämpfte, zuerst Frieden mit den 1917 fiegreichen Zentralmächten schloß und dann von dem größeren Bundesbruder verschludt wurde, zählt etwa 200 000 Einwohner, das früher von Desterreich- Ungarn anneftierte Bosnien etwa 2 Millionen. Das In Deutschland beschränkt sich die Sympathie für den Staats ftreich nicht nur auf Hugenbergs Kreise. Allerdings äußert sie sich hier mehr in Entschuldigungen" über den Verfassungsbruch. Die Nationalliberale Rorrespondenz" deutet dabei Schlußfolgerungen größte einheitliche alte Staatsgebiet ist das frühere für Deutschland an, die äußerst tennzeichnend sind. Sie schreibt: Troß einer äußerlichen, theoretischen Aehnlichkeit des Vorgangs mit der Bildung der verschiedenen dauernden Diktaturan an anderen europäischen Ländern ist es ganz abwegig, dabei von einer ,, Militärbiftatur" oder von einem Staatsstreich zu sprechen. Die Maßnahme ist bisher in der jugoslawischen Berfassung nicht nargefehen, aber sie entspricht, wenn der Stönig bie in seiner Bro österreichische Kroatien und Slowenien mit 2,3 Millionen, dazu kommen noch die von dem Faschismus bedrohte Küstenlandschaft Dalmatien( 600 000) und bie ehemals ungarische Moymobina mit 1,3 millionen. lleberschrift zu dem Ganzen:„ Die Sozialdemokratie bedroht die Unabhängigkeit der Rechtsprechung!"( Beliebte deutschÖSTERREICH JTALIEN Triest Pola Fiume Kroat ATISCHES Der sudslavische Staat setzt sich aus den Gebieten des alten Königreich UNGARN Agrem Serbien uaus folgenden Gebieten zusammen lehemals österreichisch ehemals ungarisch ehemals kroatisch u slavonisch ehemals dalmatinisch ehemals bosnisch- herzegowinisch ehemals montenegrinisch Grenze von Süd- Slavien Banjaluka Sarajevo Herzegowina Mostar MEED Belgrad ROMANIEN Nisch Mont ALBANIEN Üsküs BULGARIEN GRIECHENLAND Der Richter flagt und fällt herein. Ein seltsamer Dreffebeleidigungsprozeß. Sjeute vormittag fand in Moabit ein Pressebeleidi gangsprozeß statt, der einen nicht alltäglichen Berfauf nahm. Der megen seiner völlischen Urteilsbegründungen und Reden miederholt in der Deffentlichkeit genannte Amtsgerichtsrat Dr. Rudolf Beinert- Wernigerode, der inzwischen nach einer diszipli narischen Strafpersegung aus seinem Richteramt aus. gefchieden war, hatte, wegen eines in der Abend ausgabe des ,, Borwärts" vom 12. Juni 1928 erschienenen Artikels den„ Bormärts" Redakteur Bictor Schiff vertlagt. Er war zur Verhandlung persönlich erschienen, und der Vorsitzende des Amtsgerichts BerlinMitte, Dr. Dahl, bemühte sich zunächst redlich, einen Bergleich Es ging auch ohne Diktatur! 08123.6 808. XX HRVATSKO PRAVO GLAVNE NOVINE HRVATSKE STRANKE PRAVA KOJU JE UTEMELBO DR. ANTE STARČEVIĆ Pu plate beban sure OT Mark PRETPLATA& COLASI PLATSTE ZAG e& an BOST PREBAC 30%, tad pot as Sretna Nova Godina! wab af og et bows De taal Izjava narodnog zastupnika dra Ante Pavelića 122& So sah eine oppositionelle Zeilung aus Jugoslarien aus, bevor die Diklatur amilich erklärt wurde. herbeizuführen, zu dem sich unter gewissen Umständen der Kläger it einem längeren Schriftsag bereit erklärte hatte, während der Angefchuldigte in einer Gegenerflärung einen Bergleich ab gelehnt hatte. Auch in der heutigen Berhandlung erflärte Schiff, er hätte feine Veranlassung, sich mit dem Kläger zu vergleichen und bat den Borsigenden, in die materielle Berhandlung einzutreten. Dies geschah auch. Nach Berfejsung des Eröffnungsbeschluffes fragte der Vorsitzende den Angeklagten, ob er den infriminierten Artikel tenne, mas dieser bejahte. Aber auf die weitere Frage, ob er die preßgefegliche Berantwortung dafür übernehme, erfolgte zur allgenteinen Berblüffung die Antwort: Rein." Runmehr stellte Schiff unter allgemeiner heiterteit feft, baß er die Abend"-Nummer, in ber der fragliche Artifel erfchienen war, gar nicht verantwortlich gezeichnet hätte, sondern mir die Morgen ausgabe des betreffenden Tages. " Sigilidh betroffen überzeugte sich der Kläger Dr. Bei niert von diesem einfachen Tatbestand und erklärte, daß er auf diesen Einwand nicht gefaßt gewesen sei. Er hätte sich von Bernigerode aus an die Geschäftsftelte der Deutschnationalen Boltspartei gewandt und diese hätte ihm Schiff als ben Berantwortlichen für diese Summer bezeichnet, worauf sein Erfurter Anwalt dementsprechend die Klage angestrengt hätte. In seinem Aerger über den offenkundigen und unabwendbaten Hereinfall warf Dr. Beinert dem Verteidiger des Angeschuldigten, Rechtsanwalt Otto Candsberg, vor, daß diefer in dem Gegenfchriftfaß nichts darüber hätte vertauten tassen, baß Schiff gar nicht für die betreffende Nummer als verantwortlich in Frage komme. Worauf Rechtsanwalt Landsberg troden ermiberté, er sei nicht dazu da, die Intereffen des Klägers wahrzunehmen. Diefer hätte sich, besonders in seiner Eigenschaft als ehemaliger Richter, zu allererst davon überzeugen müffen, daß er den Richtigen verklage. Hier liege ein Fall vor, der ihm in feiner ganzen Anwaltspragis noch nicht vorgekommen fei. Weiter versuchte Dr. Beinert das Gericht für sein Mißgeschick mitverantwortlich zu madjen, aber da stellte sich heraus, daß seift Erfurter Anwalt nur die halbe Nummer Der Abenbausgabe zu ben utten eingereicht hatte, während die Seite, bie bas 3mpreffum Frug, abgetrennt worden war, so daß auch der Richter bei dem Eröffnungsbeschluß über den seltsamen Tatbestand unmöglich im Bilde féin fonnte. Der Kläger erklärte zwar, daß er unter diesen Umständen seine Alage mohl würde zurücknehmen müssen, aber er fonnte fid) bieser Entschluß nicht sofort abringen. Kunsthändler und Einbrecher. Der Bilderraub auf der Kadolzburg. Fürth, 8. Januar. Bor dem Erweiterten Schöffengericht des Amtsgerichts in Fürth in Bayern begann heute vormittag der Prozeß gegen die Beteiligten an dem Auffehen erregenden Raub zmeier wertvoller 21tar. bilder auf der Kadolzburg im Februar vorigen Jahres. Neben drei Berufseinbrechern namens Graste, 3ahn und Breitfeld fowie der Zimmervermieterin Schwarz fihen drei Berliner kunsthändler wegen schweren Diebstahls auf der Anflagebant, der Hauptangeschuldigte Friedrich Wilhelm Cipp. mann, Sohn des verstorbenen Direktors des Berliner Kupferftichfabinetts, sowie die Kunsthändler August Mayer und Armin Schmidt. Mayer hat in Erfahrung gebracht, daß sich amerikanische Kunst freise sehr lebhaft für die von einem Nürnberger Architekten im Jahre 1926 auf der Kadolzburg in Bayern entdeckten hölzernen Altarflügel mit Heiligendarstellungen intereffierten, die einem Schüler Albrecht Dürers zugeschrieben und sehr hoch bemertet wurden. Die drei Kunsthändler, die infolge ihres verschwenderischen Lebenswandels in finanzielle Bedrängnis gekommen waren, faßten nun den Plan, sich in den Besiz der Altar bilder zu sehen, engagierten" sich gegen Zusicherung von 5 Broz. am Gesamtgewinn drei Berufseinbrecher, die gerade aus der Strafanstalt tamen, und setzten fie in einem von Lippmann zur Verfügung gestellten Kraftwagen und ausgerüstet mit Geld und Einbruchswertzeugen nach der Kadolzburg in Marsch, wo Schmidt Dorher in der Maste eines Interessenten für die beiden Kunstwerke die Räumlichkeiten ausgefundschaftet hatte. Unbemerkt gelang in der Nacht von 19. zum 20. Februar 1928 der Raub der Altarbilder, die nach Berlin gebracht wurden, um nach Anmeifung Lippmanns von einem Bildhauer gespalten zu werden, weil man aus den beiderseitig bemalten Altarflügeln vier Gemälde machen wollte. Bei diesem Bildhauer fonnten dann die geraubten Sunfimerte nach einigen Tagen von der Berliner Polizei beschlag nahmt werden. Während die Angeklagten in der Sache felbft geständig sind, ist zwischen Lippmann und den anderen beiden Kunsthändlern ein heftiger Streit über die Urheberschaft des verbrecherischen Blanes embrannt, und zwar will der Sohn des ehe maligen Museumsdirettors megen seiner anormalen Veranlagung in ein hörigteitsverhältnis zu Schmidt und Maner geraten sein, bas es ihm unmöglich gemacht habe, bem Raubplan der beiden anderen Biberftand entgegenzusehen. Umgefehrt behaupten feine Milengeschuldigten, daß gerade Lippmann der Inspirator des ganzen Berbrechens gewesen fel. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, der den Angeklagten gemeinschaftlichen schweren Diebstahl bzw. Bei hilfe und Begünstigung vorwirft, wurde in die Bernehmung des Hauptangeklagten Friedrich Wilhelm Lippmann eingetreten. Auf die allgemeine Ermahnung des Vorsitzenden, offen und ehrlich alles einzugestehen und nicht die Schuld auf andere abzuwälzen, erhielt man zunächst eine Schilderung seiner Jugend. Sein Vater, der als Direktor der königlichen Museen eine großen Namen hatte, habe fich um ihn, den einzigen Sohn, überhaupt nicht gefümmert, sondern nur seinen tünstlerischen Interessen gelebt. Er habe durchaus nicht verschwenderisch gelebt, sondern bescheiden, nur um vorwärts zu kommen. Er erhielt dann durch einen alten Freund, den Bankdirektor Sobernheim von der Commerz und Privatbant, einen Kredit von 15 000 Mart. Von diesem Kredit babe er wiederholt Geld an Maner gegeben, der damals mit der Familie Fugger Geschäfte machte, später aber nicht ordnungsgemäß mit ihr abrechnete, so daß er schließlich nichts zurückzahlen fonnte. Mayer habe ihm auch erzählt, daß Schmidt beim Fürsten Hohenzollern- Sigmaringen wei wertvolle schwarze Basen stehlen mollie, und er habe dann auch schließlich ein Bild, für dessen Ankauf er 1300 Mart von ihm erhalten hatte, durch mich gehen lassen wollen, nachdem er das Geld verjubelt hatte. 21s nun durch diese Veruntreuungen und seine Krankheit seine Lage Anfang 1928 sehr prefär geworden war, tam Maŋer mit dem Plan, daß Schmidt die Bilder der Kadolzburg stehlen sollte. Er ging darauf ein. Er habe für dieses Unternehmen etwa 400 bis 500 Mark zur Berfügung gestellt, aber er habe von allen Einzelheiten der Tat erst später erfahren. Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten eines der beiden Altarbilder mit einer Mariendarstellung auf goldenem Hintergrund vor. Der Angeklagte untersuchte das Bild mit der Lupe. Er erklärte es für sehr schlecht erhalten. Daner sagte mir, die Bilder seien gänzlich unbekannt und noch nie photographiert. Das war der Anreiz für mich. Sonst hätte ich mich nie auf den Blödsinn eingelassen.( Sehr erregt.) Ich habe noch nie gestohlen, meine Herren, mir tomint alles hier vor, als wäre es ein Traum, ein Theater. Es ist für mich gar nicht denkbar, daß mir das paffiert ist. Der Angeflagte Lippmann betonte dann weiter, daß er immer nur in reinen Kunstbingen tätig gewesen sei. Das Technische und Kaufmännische habe Mayer besorgt. männische hahe Mayer besorgt. Die vier Bilder, die bei einem Bilderbauer gespalten merden sollten, seien für etwa 10 000 Mark zu verfaufen gewesen. Sie jeten eine schwache Schule und keinem großen Meister zuzuschreiben. Auf den Hinweis des Borsigenden, baß nach der Anflagelschrift der Berdacht bestehe, daß die Bilder für amerikanische Kunstfreise, insbesondere für den Stunftianumier Hearst bestimmt gemejen feian, weil biefer fidy sehr für Bilder mit golbenem Hintergrund intereffiere, erflärte ber Angeklagte, daß das eine alberne und lächerliche Behauptung sei. Die Bilder der Kadolzburg seien für den amerikanischen Markt gänzlich ungeeignet. Die Feuergewalten der Erde. Bulfanausbruch in Chile. Buenos Aires,& Januar. Berichten aus Chile zufolge ist der Bustan Calbuco.in Zäfigfelt. Jm Grensdiftrift ift eine Panit ausgebrochen. Jahlihm aber die Möglichkeit zu geben, fich persönlich bopon zu überzeugen, stellte er bem Gericht anheim, diesem Wunsche entgegenzu. tommen. Darauf gab Dr. Da bi dem Säger eine attägige Frift, innerhalb berer er sich darüber entscheiben müsse, ob er die lage zurücknehme. Bom Erscheinen zu einem etwaigen neuen Termin wurde der Beklagte jedenfalls schon fest eatbunben. Als einziges Rachspiel zu diesem seltsamen Breffebeleidigungsreiche Berichte und Obdachlose find in Puerto Mountt eingetroffen. prozeß tomunt molt mir eine Schadenserfastlage des Amtsgerichtsrat a. D. Beinert gegen die Deutschnationale Boltspartei wegen irreführender Auskunft oder gegen seinen eigenen Erfurter Anwalt wegen mangelnder Wahrnehmung seiner Inter effen in Betracht. Der abgewiesene Stadtrat a. D. Brumbys Niederlage. Der 11. Ziviffenat des Kammergerichts unter Borsiz von Senatspräsident Dr. Rudert verkündete das Urteil in dem Schadenerfagprozeß, den der frühere Neuköllner Stadtrat und jezige Rechts anwalt Brumby gegen die Stadtgemeinde Berlin angestrengt hatte. Stadtrat a. D. Brumby behauptete befanntlich, daß seint Abbau entgegen den Bestimmungen des Beamtenabbaugeseges aus politischen Motiven erfolgt sei und verlangte deshalb von der Stadt die Differenz, die zwischen seinem Ruhegehalt und feiner jegigen Pension liegt. Das Rammergericht fam ebenso wie die Borinstang zu einer Abweisung der Klage. Die Beweisaufnahme, in deren Berlauf zahlreiche Mitglieder der Neuköllner Bezirksversammlung gehört worden sind, habe für das Gericht nicht ermiesen, daß die Mehrheit des Bezirksparlaments sich bei dem Abbau von politischen Gründen habe leiten lassen. Es feien auch fachliche Motive ausschlaggebend gewesen. Gie fliegen weiter... aus der KPD. Die Kraftmeier partet Deutschlands( BD.) gefällt fid) darin, immer weiteren Streifen ihrer bisherigen Bor- und Mitkämpfer das Fliegen beizubringen. Ihr Berliner Organ verrät heute der Mitwelt, daß durch Beschluß der Bezirksleitung die Mitglieder Georg Schäde, Roji Wolfft ein und Walbentar Bolze ausgeschlossen sind, daß allen Fraftionsteilnehmern der Rechten" der Ausschluß für die nächsten Tage angedroht wird und den Komm. niften Borowiti eine scharfe Rüge wegen verleumberischer Behauptungen erteilt worden ist. Es brennt überall. Die Feuerwehr war heute vormittag mit der Bekämpfung mehrerer Bründe beschäftigt. In einer istenfabrik in der Reinickendorfer Str. 118 waren in einem Lagerraum größere Solgstapel aus noch ungetfärter Ursache in Brand geraten. Das Feuer konnte nach halbstündiger Ursache in Brand geraten. Das Feuer tonnte nachh halbstündiger Löscharbeit auf seinen Herd beschränkt werden. Auf dem Be* triebsbahnhof am Adlergestell in Oberschoneweise war in den Arbeiterumtieiberäumen Feuer entstanden, das aut Schränken, Regalen usw. reiche Nahrung fand. Wegen der starten Berqualmung tonnten die Feuerwehrbeamten nur mit starken Noch am Grabe pflanzte er die Hoffnung auf, Rauschußmasten gegen den Brandherb vorhringan. Die iftdem er nämlich die Möglichkeit unterstellte, daß ein Teil der Ablöschungs und Aufräunungsarbeiten dauerten fast zwei Stun Betreffenden Ausgabe doch von Schiff verantwortlich gezeichnet bent. Ein gefährlicher eller brand tam gegen 9 Uhr früh im marben märe! Er bat daher um njegung eines neuen Terhause hasenheide 70 zum Ausbruch. Auch hier tonnte das mines. Der Richter verfuchte ihm das auszureden, und auch Feier burd) bas tallräftige Eingreifen der Behren in furzer Seit Schiff stellte die Bermutung des Stlägers fategorisch in Abrabe. Um niedergefämpft werden. Sie berichten, daß mehrere Personen umgekommen sind. Der Bulkan bot vom Clanquihuesee aus einen phantastischen Mablie. Die Umgebung mar helt erleuchtet. Ein unterirdisches Getöse erhöhte den Schrecken der Bevölkerung. Auf dem Peshadofluß frieb eine Unmenge von Baumftammen, und es fliegen mächtige Roudy wolfen auf, die durch heiße Asche und brennende Bäume verursacht wurden. Die Berbindungen find unferbrochen. Auch der Bulkan Punehu hat zu arbeiten begonnen. Fast 151 Stunden geflogen! Die Refordleiffung des Fragezeichens". New Bort, 8. Januar. Das Flugzeug Queffion Mart" ist nach einer Gesamtflugzeit von 150 Stunden, 47 Minuten furz nach 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit glatt gelandet. Die ,, Question Mart", das Fragezeichen, hat mit seinem Fluge alle bisher mit Flugzeugen aufgestellten Reforde gebrochen. Es wurde hier eine Dauerbelastung der Maschine und der Motoren durchgeführt, wie sie schwerer nicht gedacht werden fanit. Trotzdem ist ein solcher Flug, der eigentlich auf der Stelle" ausgeführt wird, nicht mit einem Ozeanflug oder einem Ueberlandflug zu vergleichen, der über ein Gelände ohne jede Bobenorganisation führt. Das Tanten, d. h. das Zuführen von Brennstoff während des Fluges durch ein anderes Flugzeug kann bei Weitftredenflügen, die ohne Landung durchgeführt werden sollen, Berwendung finden. Man wird, Lufitantstellen" einrichten. Das mit Brennstoff zu versehende Flugzeug muß dann rechtzeitig seine Antunft durch Funtfprudh melden, so daß das Tanfflugzeug im richtigen Augenolid starten kann. Dazu aber muß das Verfahren noch in technischer Hinsicht wesentlich verbessert werden. Es kommt darauf an, daß das Tanfflugzeug automatisch mit der gleichen Geschwindigkeit wie das mit Brennstoff zu versehende Flugzeug fliegt und von ihm stets den gleichen Höhenabstand hält, so daß ein Reißen des Schlauches, der die Brennstoffbehälter der beiden Maschinen verbindet, verhindert wird. Gas als letzte Reffung. Tragödie in der Weserstraße Heute vormittag wurde im Hause Weserstraße 261 3 Neukölln eine furchtbare Tragödie entdeckt. In seiner Wohnung fand man dort den 57jährigen Arbeiter Hermann Kosmahl und feine 48jährige Wirtschafterin Amma Sch. burch Gas vergiffet leblos auf. Wiederbelebungsversuche hatten nur bei der Frau Grfolg. Die Kriminalpolizei hat inzwischen eingehende Ermittelungen aufgenaminen, dh nach bei Befund der dringende Berdacht besteht, daß Frau Ech, während Rosmahl schlief, die Gashähne geöffnet hat. Die raus, die in bebentfidem Bustande als Bolizeigefangene in bas Glaatstrantenhaus überführt wurde, ist bis zur Stunde noch nicht vernehmungsfähig. * In einer Bäckerei in der Wrangelfiraße 25 wurden in der Bockstube die Gesellen Hans Badmann und Otto Kunp bury ausströmende Stohlengale betäubt. Die Berungidsen mußten bunch bas alarmierte Rethmasamt ins Urbantrantenhaus gebracht werden, Oeutfchnatiouale Geschichtsklittemng. Regime Kohr und Pfalzaktion. Aus Ludroigshafen wird uns geschrieben: ÄnISßlich der Errichtung einer republikanischen Beschwerdestelle iur die Nheinpsalz, zu deren Leitung der sozialdemokratische Recht»- anmalt F. W. W o g n e r in Ludwigshasen bestimmt worden ist. wärmt die in Berlin erscheinende deutschnationale.Deutsche Tageszeitung' einen alten Schwindel aus und der„Stahl- Helm' tutet in das gleiche Horn. Wogner soll zur Wahrnehmung der Interessen der Republik ungeeignet sein, weil er— man höre!— an der Aktion beteiligt gewesen ist, die im Oktober 1923 von der psAzischen Sozialdemokratie unternommen wurde, um die Pfalz von Bayern loszulösen! Diese Tat wird als ein Angriff auf die Einheit des Reiches und die heutige Slaatsforni hingestellt.„Deutsche Tageszeitung' und„Stahlhelm' als Hüter der Reichseinheit und der heutigen Stootssorm ist ein Bild zum Malen! Wagner, Reiche- tagsabgeordneter I o h. Hofsmann und Bürgermeister Klee« i o o t- Ludwigshasen werden als Landesverräter hingestellt, ein Vorwurf, der ganz andere Leute trifft! Denn die genannt« Pfalz- aklian war nichts anderes als die Reaktion auf die landesverräteri- sche Haltung der bayerischen Regierung unter dem Ministerpräsi- denten v. K a h r. unternommen, um wenigstens die Pfalz dem Reich zu erhalten! Für diesen Qandesveirrat erbringen die Akten des bayerischen parlaineniarischcn Untersuchungsausschusses den schlüssigen Beweis! Eine Anklage der drei„Landesverräter' Wagner, Hofsmann und Klecfoot, wenn eine solche erfolgt wäre, hätts mit der glänzenden Freisprechung enden müssen! Es gibt aber außer vielen bekannten Tatsachen aus neuerer Zeit einen weiteren Beweis, daß die Behauptung der„Deutschen Tages- zcitung' ein aufgewärmter Schwindel ist. In der Monatsschrift „Volk und Reich'(Herausgeber Friedrich Heiß. Berlins schreibt Neger, die Dichter sind. Karambolage. jizimo imm Gteaerwalö:„Dieser Äall erfordert Taktik. Erst spiele ich dea Arbeiter gegen den Beamten«ad beide daaa gegen die Sozialdemokratie.' der ehemalige bayerisch« Staatskoinimssar für die Pfalz L. W a p p e s in Heft 6, da» ganz der Pfalz gewidmet ist,«inen Artikel:„Der Widerstand d« Pfalz gegen Abtrennungsbestrebungen.' In diesem Artikel ist zu lesen: „Eike neue Handhabt bot sich der französischen Politik in den Wirrt», die im Lause des Jahres 1923, insbesondere der Mäh- nmgsDeriatt. die Besetzung des Ruhrgebietes und die zahlreichen Ausweisungen mit sich brächte. Ueberall im Rheinlands regten sich die Separatisten, dazu kamen dann die Borgänge in München.(!) dtr Streit um die Reichswehr(in Bayern! Red.) und witder einmal gab es einige Verblendete, die giaubttn. das Heil der Pfalz in deren Loslösung von Bayer» suchen Zu müssen. Der sozialdemokratische Neichsiagsabcfeordnete Joh. Hossmann ukld leine Genossen Kleeioot und Wagner gaben am 23. Oktober dem General de Metz die Erklärung ob, daß sie in Anbetracht der geHSNtöärtigen Verhältnisse in Boyern(!) beschlossen hätlen. aus der Pfalz«inen selbständigen Staat im Ra hm e y des Reiches zu machen!(Die Worte:„im Rahmen des Reiches sind vom Verfasser gesperrt!)' Was die Franzosen von der Aktion erhofften, kann hier nnberüchsichtigt bleiben, da sie nicht aus ihre Rechnung kamen. Die Hauptsach« ist, daß Wappes, dem man eine Vorliebe für die Sözialdemoktätie nicht nachsagen kann, der aber als Staatskommissar der Pfalz dlt Aerhältnifse sehr genau kennt, bestätigt, daß die politischen Verhältnisse in Bayern die Ursache der Pfalzaktion cewesen sind und die Loslösung der Psalz voä Bayern i m Rähwen des Reiches erjolgen sollt«! Damit ist der Schwindel der„Deutschen Tageszeitung' in der einwondsreiesten Weisi wide liegt! �obile-Gericht in Rom. Vernehmun., der„Krassin-Führer. Rom. 7. Januar. tii Lblsschuß zur Untersuchung der Nobile-CrpedirwNi der im .RariNÄMNilterium tagt, steht unter dein Vorsitz des Admirals (Jetgni; eines bedeutenden Kenners der Polarregian. Zu den ÄvsichußmiZgliodern gehört de P i n« d o. Transatlantitilieger und Kammandänt der italienischen Lustftreitkröste. Der Ausschuß soll m dieser Tagung hauptsächlich ausländische Zeugen vervehmen. Für morgen rechnet man wil dem Erscheinen des. Hauptmann« Lundborg und des norwegischen Forschers Hoel, bar an der r a s f i»'Expedition teilgenommen hat. Weiter sind geladen der Führer der �rassin'-E;pedition, Professor Samöllowitsch, und där Ehesarzt des..Krasstn' Außerdem hat der Auefchuß auch die Ladung verschiedener Journalisten beschlossen, die die Ueberledenden der Robile-Cxpediiion zuerst in der Kingsbäy ge- lvoocht» Hab«. Bon Elfe Feldman». Bier nachfühlende Dichterseelen haben sich zusammengetan und dieses herrliche Buch:„Afrika singt'') in die deutsche Sprache über- trogen: Anna Siemsen. Josef Luitpold, Hermann Kesser unter Führung von Anna Nußbaum. Es bedurft« dazu des Verlangens, eine ander« Rasse, ein anderes Volk zu oerstehen, ihm brüderlich und schwesterlich nahezukommen, es gehörte vor allem Gesinnung dazu. Hier wird durch die Macht der Sprache ein neues Volk entdeikt: das Negervolk. Aus Urmenschenlauten, Naturstimmen der Lebenssreuüe, aber auch aus den tierische» Schmerzensschreien von der Zivilisation Gepeinigter formt sich ein Gesang, schlicht, groß, ergreifend wie der Gesang Jeremias', wie Hiobs klagendes Lied. Alle die Negerdichter und-dichterinnen, die in dem Band vereinigt sind, es sind achtzehn an der Zahl(Langsion Hughes, Counte« Lullen, Claud Mc Lay, Georgia Douglas Johnson, um nur einige der Bedeutendsten zu nennen), geben Zeugnis von dem kulturellen Fortschritt, dem geistigen Rang, dem die dunkle Rasse zustrebt, und der hohen Menschlichkeit, deren sie fähig ist. Alle die jungen Dichter kommen von Universitäten her. Sie leben als Bildner und Lehrer mitten unter ihrem Dolke. lehren an Negerschulen. • Sie sind nicht mehr darauf angewiesen, daß ein Weiher kommt und sie„schildere': die„Wilden' singen ihr Leben selbst, und sie singen es nicht weniger schön als die besten Weißen. Roch haben sie wenig vod Sieg zu sagen, dafür um so mehr von Kampf, brennenden Wunden, Leid. Erniedrigung, Knechtung. Aber nehmen Amerika und Europa ihnen heute ihre Tänze— werden sie morgen ihre ganz« Wesensart anerkennen müssen. Und so kann Dichter sein auch heißen: einem ganzen Volke«m« der Dunkelheit den Weg ins Licht zu zeigen. Das ist es, was die amerikanischen Negerdichter getan haben. Sic haben alle aufgefunden: Die dunkeln Kinder des Süd- lcmdes, die die Baumwolle harken, haben den Weckruf vernommen. Der Redner-Reoolutionär kommt, ihnen ein Diesseits zu bereiten. Der Epucknapfpußer und der Boy im Hotel, das arme Harlemer Straßenmädchen, das von vornehmen weißen Herren aufgesucht wird, die Waschfrau, die jünszig Jahre lang reibt und schrubbt, während Tränen über die schwarzen Wangen fließen. Die ver- kommen« Schnapsmary. die immer wieder in Polizeiarrest wandern muß. und die so furchtbar leidet, weis, es dort keinen Schnaps gibt. Der anmutige schwarze Gentleman-Kellner, der so stolz de» schöne« Bronzekopf trägt, und der sich doch immer bücke», der Schuhputzer. der immer; ja. Herr. ja. Herr, sagen muß. Der abgerissen« schwarz« Bettler, der sich barfuß, trank, von Gasthaus zu Gasthaus schleppt, um ein bißchen Essen bettelt, weil er seit Tagen gehungert hat und, da et aus Verzweiflung Radau macht, eingekerkert wird. *) Verlag F. G. SpeDcl, Wien und Leipzig. Die Stufen des soziale» Elends auf und nioder. Aber es gibt auch andere«: Volkslieder(Blues), Hymnen auf Natur und Menschhalt, Liebeslieder voll Reinheit und religiöser Innigkeit: schwermütiger Gesang Bersklavtor. Verkaufter, die in den Wolkenkratzern auf dem Broadway dienen und sich nach der Urwald- Heimat sehnen. Und immer wieder das aufgepeitschte Entsetzen, der gruselige Gedanke an die Taufende gehenkter, erwürgter, verbrannter Brüder — die dumpfen Angstschreie beim Anblick einer Schar weißer Kinder: ach, sollten auch aus ihnen Lyncher werden? Und doch dämmert in dem Bekenntnis zur Rache aus Schmach und Leiden jeder Art schon ein kraftvolle» Selbstbewußtsein auf: Ich bin ein Neger. Schwarz, wie die Nacht ist schwarz. Schwarz wie die Wäldertiefe in meinem Afrika. Ich war Sklave: Cäsar befahl mir, Treppen zu waschen, Ich habe Washingtons Stiefel geputzt. Arbeiter war ich: Unter meinen Händen wuchsen empor die Pyramiden. Ich habe Mörtel gemischt für das Woolworth-GebSude. Sänger war ich: Weit her von Afrika nach Georgia Brachte ich meine Leidgesänge. Ich habe Ragtime geschaffen. Das Opfer mar ich: Di« Belgier schnitten mir auf dem Kongo die Hände ob. Jetzt lynchen sie mich in Texas. Ich bin sin Neger: Schwarz, wie die Nacht ist schwarz. Schwarz wie die Wöldartiefen in meinem'Afrika Und in den hymnischen Zeilen: Die Rocht mir wunderschön! Das?littlitz meines Volkes! Ihr Stern« wunderschön! Ihr Augen meines Volkes! O Sonne wunderschön! V Seele meines Volkes! har sich der Regerdichtor mit dem Schicksal, schwarz zu jem, versöhnt. er findet es schön, schwarz zu sein, er hat die Seele seine« Volkes erkannt— und da diese hell und leuchtend ist, was braucht es die � Haut zu sein? Und danim sind diese Negcrgcdichte zugleich eine Tat: Mieder wirb einem Teil Weißer dos Herz des Negers nähergebracht, mögen die Gedichte dazu geschrieben sein, daß auch endlich der Weiße sein Herz dem Neger nahebringt. Wesen des Schauspielers. IvlioS Äab in der Volksbühne. In(in» Bab begann, beauftragt von der Volksbühne, im Bücgersaal des Rathauses einen Vortragszyklus über„Schau. sptefkunft', dkr an den nächsten Sonntage» fortgesetzt werde» wird. Bobs Verdienst beruht darin, daß er vor einem Laienpuvlikum in ganz klaren und verständlichen Worten die wesentlichen Grund- b»dingungen einer schauspielerischen Kunst erörterte. Der Schau- spielet bleibt beim BühNenkunstwerk das erschütternde Moment. Das Dkama ist nur die allerdings unentbehrliche Voraussetzung für den Darsteller. Ist der Schauspieler nur reproduktiv? Rein, sonst müßten sich gerade die Spitzenleistungen ähneln. Aber zwischen Matkowskis Hamlet und dem von Kainz, zwischen Moissis und BasserManns Dänenprinzen besteht beispielsweise überhaupt kein« Aehnlichteit außer der des Wortes.' Je größer der Schauspieler, desto persön- sicher und eigenwilliger seine Gestaltung. Der Schauspieler ist absolut fretschaffender Künstler. Der Schauspieler ist serner kein großer Versteller— das Masken- machen rangiert höchstens an zweiter Stelle er ist ein Mensch, der das Genie besitzt, sein Fühle» und Denken körperlich sichtbar in die Erscheinung treten ZU lassen. Aber diese Fähigkeit ist all- gemein menschlich, den Schauspieler tteNnt von dem Laien nur ein quantitativer Unterschied. In den nächsten Referaten wird Bob über die Geschichte der Schauspielkunst sprechen und eine Analyse einzelner Schauspieler der Gegenwart gebe». Ostdeutsches �andescheaier:„Rachiasyl" Vertreter der Berliner Presse waren eingeladen, um einmal die Arbeit einer Wanderbühne„in ihrem Milieu', nämlich in einem ProviNZort, kennenzulernen. Das Ostdeutsch« Landes- t h e a t e r eine der sechs Wanderbühnen des Verbandes der deutschen Volksbllhnenvereine, gab am Sonnabend in Lücken- walde Gorkis„Nachtasyl'. So unerheblich dem in Theaterdingen verwöhnten Großstädter die Wanderbühne erscheint, so wichtig ist dieses Instrument für eine soziale Kunst, und Kulturpslege in den kleinen und kleinsten Städten der Provinz. Allein das Ostdeutsche Landestheater ist in mehr als zwei Dutzend solcher Ort« ständig wiederkehrender uvd ganz bestimmt auch gern gesehener Gast: örtlich« VolksbühNenorganisollonen sind in weitaus den meisten Fällen Abnehmer dk fest garantierten Vorstellungen. Konsequente Planwirtschaft schuf die Voraussetzungen eines beachtlichen lünstlerischen Moeaus. Dies«„Nachtasyl'-Vorstellung war geeignet, landläufige Auf« fassungen über die Qualität der Wanderbllhncnarbeit gründlichst zu korrigieren. Es haudelte sich ganz gewiß nicht um eine billige Parade. Im Gegenteil: Der Lastomnibus, der das tot« und teil- weise das lebende Inventar der Bühne befördert, kam lNsölge ver- schiedener Panne» just in der Minute an, als die Borstellung be- ginnen ivllie. Dennoch konnte sich eine kleine halbe Stunde später der Vorhang heben, lind dann!' Ein Bühnenbild, so umiasscich, so sauber und nuanciert, wie man es von einer bloßen Wanderbühne nicht«rwariet hätte. Das schwerblütig«, düsterbunte Flittdum der Gorkischen Schilde- rangen halt« eine Untermalung von einprägsamster Wirkung erfahren. Die Vorstellung selbst: Eine Leistung aus einem Guß. Paul Haag-, der sür die Regie Verantwortliche, hat aus dem vor- handenen Material das Möglichste herausgeholl. Gewiß zeigten sich da und dort kleine Schwächen, wurde hie eine und die andere Partie fifr-i-h/tfi_ aber als Gesamtheit wurde die Darstellung ein achtung- gebietende? Erfolg. Das war nicht mehr Provinz, das war mehr als einmal letzte Auswertung darstellerischer Möglichkeiten. Aus der Reih« der besten Darsteller seien lediglich genannt: Hugo Gau- Hamm, der seinem Satin die zynisch-veksöhnliche Reise gab. Rudolf Koch, dessen Schaiispielsr zur blutvollsten mid1 schüttirndsten Figur wurde: anspruchslos schließlich und um so lebensechter gab Felix W r a s k e den Mützenmacher. Alle übrigen wögen sich mit einem Gcjamtlob begnügen. Wenn die Luckenwalder Nachtasyl'� Vorstellung die Normal- leistung der guten Wanderbühne ist, dann darf man der Einrichtung sowohl wie den Spielorten' des Ostdeutschen Londestheaters mit bestem Gewissen gratulieren.___—ff. Opern-Giatistik für 1928. Die gegenwärtig herrschende Krise in der Oper kommt in den Aufführungszahlen für lstAi besonders deutlich Zinn Ausdruck. Nur eint geringe Anzahl von Opern haben es auf eine größere Anzähl von Aufführungen gebracht. Mehr als M Proz. der ausgeführten Opern haben nicht einmal fünf Aufführungen überstanden. Aus der anderen Seite sind gerade für moderne Opern in einzelnen Fällen außerordentliche Aufführungsziffern erreicht. So nwrfchiert an der Spitze„Jcmny spielt auf mit 421 Ausführungen, wahr scheinlich eine Rekordzahl, die Noch nie innerhalb eines Jahres lür eine Oper erreicht worden ist. Es folgen sodavn u. a. mit 406 „Tiefland'. 2V3„Madame Butterfly', 240„Der Rosenkavolier'. 234„Bohöme' und 233 Aufführungen„Tosca". Pucelnis „TuraNdüt' wurde 143mal, d'Alberts„Die toten Augen' 84mal, 77Mal„Jenufa', 4Smal„Cardillat', Mmol„Palcstrinä" Zllmal „Harawses Himmelfahrt' und lOrnal„Das Mädchen aus dem goldenen Wessen' aufgeführt. Filmtheater mit vier projektwnsflächen. In New Port soll noch vor Jahresschluß ein ganz eigenartiges neues Filmtheater zur Erösfnung gelangen, das den Wiener Archi- tekten Friedrich Kießler zum Erbauer hat. Es hat vier Projeklions- flächen(davon drel schwarze), aus die gleichzeitig projiziert werden kaNn. Die gesamte Innenarchitektur des Hauses kann durch einen Handgrisf in einem Augenblick verändert werden, so wie es zu dem gerade laufenden Film paßt.— Kießler hat dabei verschiedene For- men für zukünftige Filmtheater entworfen, die„Strahl'-, Doppel- Conus'- Und die„Megaphon-Form'. Dos neue Theater ist von der letzteren Form, also in der besonderen Absicht gebaut, eine Lösung der Probleme de« Tonfilms zu suchen. Es hat 5Ö0 Sitze. Auch die Bühne soll eine ganz neu« Form haben. Einzelheiten werden aber noch geheimgehalten.- Oer Gerhart-Hauptmann-preis. Der Gerhart Hauptmann-Preis ist für 1929 dem jungen, IN Homburg lebenden Schriftsteller und Publizisten Heinrich Hauser für seinen See mannsroMan„Brackwasser' zuerkannt Wörden. IM vergangenen Jahre erhielt den Preis Max Hermann-Reiße Ludwig Alockh-Abeod. Der bekannte Lhriker und Romauschristll-lU� üubroia SinSH. Ist vom Lezirttamt Schöneberg gewonnen worden, heute. .0 Udr. ich Schönebeeger Rathaus, aus sewe» Werke« rw zirl-se».«in. trittst»-.!- 30 Ps. Horoalhs„Die Sergbahn" zur Aussührüng. Adolf von Hatzfetd«ab Anton wildgav» lesen aus EiNIädunz des Ae>. bandcS Deutscher Erzähler ä« Donnerstag, dem 10. Jawvrr, ZGst Uhr, aus ihre» Berken im 1 . deS ehem.. Der Ex- Sultan muß zahlen. Für einen verschwundenen Hofbeamten. Paris, 7. Januar.( Eigenbericht.) Der frühere Sultan von Maroffo, Malai Haschid, einst eine fast im Mittelpunkt des Weltgeschehens stehende Persönlichkeit, ist am Sonnabend vor einem Pariser Gericht aus der Versenkung aufgetaucht, in die in der Weltkrieg und die folgenden Ereignisse verschwinden ließen. Der Sultan, der als französischer Rentner in cinem Borort von Baris lebt, war von einem Pariser Hotelier auf Zahlung von 21 500 Franten vertlagt worden und wollte diese Zahlung nicht anerkennen. Der Hotelier hatte, als der Sultan noch in Madrid lebte, einen seiner hohen Beamten namens Labjani beherbergt und dieser Tadjani mar ihm diese Summe schuldig geblieben. Tadjani nämlich sollte in Paris einen 185- farätigen Dia. manten versetzen und dem in großer Geldnot sich befindenden Sultan davon 1.500 000 Franken nach Madrid bringen. Es stellte sich jedoch heraus, daß niemand eine. so hohe Summe auf den Diamanten verTheater, Lichtspiele usw. Barnowsky- Buhnen Theater in der Königgrätzer Straße 84 Uhr Volksbühne Kammerspiele Rugby Norden 12310 Theater am Bülowplatz 31 Ende geg. 10 U. 8 Uhr: Das Mädi aus der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Eben werden im Himmel geschlossen!" Komödie von Walter Hasenclever Regie: Forster Larinaga. HALLER- REVUE Th. im Admiralspalast Die Drei- Groschen- Schön und Прег Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehung schid" Täglich 8 Uhr. Theater am Nollendorfplatz Dir. Bruck Täglich 8 Uhr: Komödie von Wilh. Speyer Komödienhaus 81 Uhr: Revolte im Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 81, Uhr GuidoThielscher in Weekend im Paradies Erziehungshaus Th. am Schiffbauerdamm Schauspiel Täglich 8 Uhr von P. M. Lampel. Die Drei- GroschenR ose- Theater ir.Frankfurter St. 132 8 Uhr: Mädi Dtsch. Künstler- Th. 8 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Staatl. Schiller- Th. leftien Gebert Preise 1-10 Mark 8.Uhr Ist er gutSingspiel von Walter Kollo ist er böse? Berliner Theater Staatsoper am Platz der Republik 7 Uhr: Carmen Die Komödie Bismarck 2414/7516 81, Uhr, Ende 10% Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit ( Abie's Irish Rose) Kleines Theater Täglich 84 Uhr: „ Olympia" Max Adalbert von Franz Molnar Regie: in Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. Trianon- Th. Täglich 8, Uhr Der letzte Schleier mit Erika Gläßner und Oskar Beregi Philharmonie Thalia- Theater 8 Uhr Dresdener Str. 72-73 Täglich 8 Uhr, Haydn- MozartBeethoven- Abend Sehneider Wibbels des Philharm.Orch. Auferstehung Dirig Prof. Prower Hendels. Grodtczinski. unter gefl. Mitwirkg. v. Siegfried Schultze Klavier- Konzert D- dur- Mozart n Planetarium am Zoo Verlang. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr: Forster Larinaga. Der Dickkopf Der Sternhimmel Deutsches Theater Norden 12 310 Sandrock, Landa, Sterler, Sikla, 8 Uhr. Ende 10% U. Saltenburg- Bühnen Die Verbrecher Lessing- Theater 8 Uhr Schauspiel von FerdinandBruckner Katharina Knie. Regie: Heinz Hilpert! im Winter. 18 Uhr: Mars und seine Rätsel 20 Uhr: Werden u. Vergehen d. Sterne lethen wollte und Zadjani mußte endlich seinerseits den Hotelier um Belb bitten. Dieser gewährte bereitwilligst Kredit. Tadjani wollte später den Diamanten für 217 000 Franken versetzen, meigerte sich aber, seine Schuld an den. Hotelier zu bezahlen und war alsdann| nicht mehr aufzufinden. Der Hotelier machte nun den Sultan haftbar und das Pariser Gericht entschied zu seinen Gunsten. Tamaras Ende. Im Jahre 1926 gründete ein gewiffer Erich Schönemann, der sich„ Erik Tamara" nannte, in der Stübbenstr. 12 die Tamara Film G. m. b. 5." und suchte unter Filmbegeisterten Schüler und Schülerinnen, denen er versprach, sie zu erfolg reichen Filmbarstellern auszubilden. Der Kursus sollte 5 Monaie dauern und kostete die Kleinigkeit von 100 m. pro Monat. Unter den Schülern befanden sich eine 50 Jahre alte Frau, die Mutter von 5 Kindern, der Sohn einer betagten Bitme und der Sohn eines Gast mirtes aus der Provinz. Es wurde auch ein Filmchen gedreht ,, Der Einbruch in die Villa Horvath". Dieses Meisterwerf lief aber nur Dienstag, d.& 1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 7 20 Uhr Bohème Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 8 19% Uhr Montag, d. 7. 1. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 19 Uhr Die lustigen Weiber v. Windsor Staatl. Schauspielh. an Gendarmenmarkt A.-V. 6 20 Uhr Carmen Oedipus Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr 1st er gut- ist er böse? Großes Schauspielhaus 8 CASANOVA mit Alfred Jerger. Regie: Charell. 3 Uhr: Näciste Sonntag-NachmVorstellung 13. Januar ungekürzt in Originalbesetzung zu haben Preis. NEUE WELT Arnold Scholz Hasenheide 108/14 Großes Bockbierfest In den bayr. Alpen Große Ochsenbraterei u. Prämiferung des kleinsten Rosenmundes. 3 Geldpreise: 75, 50 und 25 Mark. 7 Kapellen- Neue Dekorationen- 50 bayr. Madeln Einlaß 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Theater des Westens Täglich 81. Uhr Käthe Dorsch ist Friederike Musik von Franz Lehar. Käthe Dorich, Kammerfänger Carl Jokens( Staatsoper Blu.) Aeustädt, Limburg, Reg Gifler, Dora, Vespermann usw Vorverkauf ununterbrochen. Kaffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 u. 7108. SCALA 8 Uhr B6 Barbarossa 9256 HARRY RESO und weitere Varieté- Neuheiten Morgen 30 Uhr nachmittags Kindervorstellung zu besond rs ermäßigten Preisen von 0,50 bis 3 Mark das volle Abendprogramm. Komische Oper( 84) Polizeilich freigegeben! Das neuartige Revue- Stück: Häuser der Liebe Vorverk. ab 10 U. ununterbr. turze 3elf in einem einen Kino in ber Münzstraße und verfant dann ins Nichts. Ein Engagement fand natürlich feiner der Ausgebildeten". Als Schönemann- Tamara auf verschiedene Anzeigen hin festgenommen werden sollte, war er aus Berlin verschwunden. Am Sonnabend ermittelten Beamte der Dienststelle F 7 ihn in der Wohnung seiner geschiedenen Frau im Westen der Stadt und nahmen ihn fest. Mitteilungen von weiteren Betrogenen, die noch keine Anzeige gemacht haben, sind an Kriminalkommissar Seifert im Polizeidienstgebäude in der Georgenkirchstr. 30a zu richten. Schönemann wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Weiterbericht der öffentlichen Wefterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Fortdauer des heiteren Frostwetters. Für Deutschland: Stellenweise nebliges, sonst ziemlich heiteres Froſtmetter. Berantwortl. für die Pebattion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Bormärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin S28 68, Lindenstraße 3. S'eran i Beilage. MÉTROPOL- THEATER Tägi. 8 Uhr Tägl. 8 Uhr Die lustige Witwe FRITZI MASSARY Max Hansen, Uschi Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schäffers Reaie: Erik Charell Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Täglich 8 Uhr: „ Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise Elite- Sänger DIE JANUAR Krach! SENSATION: Volkspreise: Mk. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 Winter Garten 8 Uhr Rauchen gestat.et Unerreichtunübertroffen Drei Codonas und weitere Varietè- Neuheiten Reichshallen Theater Abends 8 Sonntag nachm.[ 3] Steffiner Sänger Hamlet im Heringsladen dazu das große WeihnachtsProgramm! Dönhoff- Brettl: Das heitere Januarprogr. Uhr CASINO- THEATER 8, Uhr Lothringer Straße 37. Nur noch wenige Aufführungen August, die Kanone! Dazu das hervorrag. Januar- Progr. Für unsere Leser Gutschein tür 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. entralZ° Theater DiN Atte Jakobstr. Ecke Oranianstr Täglich 8 Uhr: Ich kusse Ihre Hand, Madama Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem berühmtenSchlager Juergens Rundfunkhörer Alexanderplat halbe Preise PROGRAMM für die Zeit vom 8. bis 10. Januar BTL Potsdamer Straße 38 Die blaue Maus mit Jenny Jugo Heiraten und nicht verzweifeln 8 Akte Rheinstraße 14 Der Kampf ums Matterhorn Das gute Beiprogramm Odeon, Potsdamer Str. 75 Der Herzschlag der Welt mit Lillian Gish Das gute Beiprogramm Turmstraße 12 Der Kampf ums Matterhorn Das gute Belprogramm Alexanderstraße 39-40 Den ganzen Tag geöffnet KINO TAFEL Schöneberg = Urania- Theater Film Luna- Filmpalast Bühne Alhambra Beg, W. 6.30 1.9 Wrangelstr. 11( 1 Min. v. d. Köp. Brücke). Gr. Frankf. Str. 121 S. ab 3 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 33 Stephan 1505 Das große Schlagerprogramm Die bekannt gute Bühnenschau früher Titania( uta Schöneberg) Hauptstraße 43 6.30, 9, S. 3.15, 5, 7, 9 UDer Herzensphotograph mit Harry Liedtke Großes Belprogramm Steglitz Titania- Palast Beginn: 6.30, 9 U. Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsst. Lemkes selige Witwe Bühne: Valeska Dahn( Harte) Ab Donnerstag: Waterloo mit Otto Gebühr Lichterfelde- West Hi- Li Stg. 5. 7,9. U.: Jugend- V. Wochentag 6.30, 9 Uhr Unfug der Liebe mit Maria Ja. Hindenburgdamm 58 a cobini, Jack Trevor Der Ring der Bajadere. Zentrum 6 Akte Filmpalast Börse Die tolle Komteß mit Dina Gralla Saxophon- Susi mit Anny Ondra Bühnenschau Sudwesten Rosenthaler Str. 40-41. W. ab 5, S. ab 3 Film- Palast Kammersåle Mikosch rückt ein: Der Welberkrieg m. Liane Haid, Fritz Kampers Bühnenschau Vorawesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 2 Großfilme; Pänt bange Tage Herzog Hans'! Belprogramm Charlottenburg Faun- Lichtspiele Krumme Str. 37, an der Trinitatiskirche Abwege( Die Not der mod. Ehe) mit Brigitte Helm Kame ad Schnürschuh Schlüter- Theater Schlüterstr 17 W. 7. 9.15. Stg, ab 4 C. Ungarische Rhapsodie mit Willy Fritsch, LII Dagover ... und abends ins Maxim eltower Str. 1-4. Beginn 6 U. Lemkes selige Witwe mit F Kampers, Lissie Arna Großes Belprogramm Süden Woch. 6 45, 8.45 Uhr. Sonnt. 3, 5, u. 9 Uhr Nana( n. Rom. v. E. Zola) m. Kraus Der Erpresser Internationale Bühne Vorwärtsleser Vorzugspreise Tempelhof Intern. Bühne Norden Pat und Patachon, die blinden Skala- Lichtspiele Passagiere Belprogramm Bühnenschau Concordia- Palast Andreasstraße 64 Serenissimus und die letzte Jungfrau Der Fürst der Abenteurer Tivoli- Lichtspiele Kosmos- Lichtspiele Tempelhof, Berliner Str. 97 Anfang: W. 6.30, 8.45 U., S. 4.45, 8.45 L Die Orchideentänzerin Jahrmarkt der Liebe Bühnenschau Neukölln Primus- Palast Hermannplatz Der Ring der Bajadere Hauptrolle: Henri Stuart Auf der Bühne: Die drei Leopards ( komischer Luftakt) Die vier Anelos ( indianische Spiele) Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Woch 5, ca. 7 u.8.45, Stg. 3, ca. 5,78,45 U. Der geheime Kurier mit Iwan Mosjukin Sündige Jugend Bühnenschau Film Lichtenberg, Lückstraße 70-73 Brand in Kasan Schönhauser Allee 80. Des groß. Erfolges wegen verlängert: Das gottlose Mädchen Bühnenschau Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Unfug der Liebe Belprogramm Bühnenschau Lotte, das Warenhausmädchen Fortuna- Lichtspiele Bühnenschau Moderne Lichtspiele Wilhelmstraße, 78-79 Stg. Jugendvorst Brand im Osten Die Großstadt lockt Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5. ca. 7 u.8,45, Stg. 3, ca. 5, 7.8.45 U. Das zweite Leben mit Pola Negri Der Schrecken der Prärien Bühnenschau Viktoria- Lichtbild- Th. Frankiurter Allee 48 Woch. 5, ca. 7 u. 8.45, Stg. 3, ca. 5,7 u. 8,45 U. Die seltsame Nacht der Helga Wangen mit Lee Parry, Was eine schöne Frau begehrt Bühnenschau Friedrichsfelde Kino Busch Beginn taglich 5, 7, 9 Uhr Müllerstraße 12c d. führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt produktion LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Der große Russenfilm: Brand in Kasan Kinderschicksal Metro- Palast Chausseestraße 30 Das Kind des Anderen Der tolle Ozeanflieger Bühnenschau Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Weib in der Wüste Liebeserwachen Südpalast Benschau Alt- Friedrichstelde Ecke Rose, Rialto" Film u. Bühne Th. am Moritzplatz Knesebeckstr. 133, Bhf. Hermannstraße Beginn: W. 5, 6.30, 9 Uhr, Stg. ab 4 Uhr. Adam und Eva mit Reinhold Schünzel Jahrmarkt der Liebe Südosten Pat u. Patachon, die Filmhelden Feine Verwandschaft Auf der Bühne: Gastspiel: Der Eisenkönig Osten Filmeck Beginn W.: 5.30 Uhr Germania- Palast S.: 3 Ubr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Frankfurter Allee 314 Ungarische Rhapsodie mit Willy Fritsch, Lil Dagover Bühnenschau Luisen- Theater Reichenberger Straße 4 Unmoral mit Ellen Richter Gr. Neubach- Revue: Küsse mich!! Der große Sensationsfilm: Diebe( 1000 Mark Belohnung) Domenico Gambino, persönlich anwesend Beiprogramm Varietéscuau Beginn der ersten Vorstellungen: Wochent ab 6 Uhr. Sonnt ab 3 Uhr! Robert und Bertram mit Harry Liedtke Studentengräfin mit Magda Sonja Nordosten ,, Elysium Film u.Bühne Prenzlauer Allee 56 Soldatenleben, das heißt lastig sein mit Laura la Plante Große Bühnenschau Weißensee Schloßpark film- subne Berliner Allee 203-210 Fünf bange Tage mit Maria Jacobini Bühne: Kaßners gr. Zauberschan Reinickendorfer Str. 14 ( am Wedding) Ungarische Rhapsodie Beiprogramm Bühnenschau Gesundbrunnen ,, Alhambra Badstraße 58 Die schönste Frau von Paris Belprogramm Binnenschau PROGRAMM für die Zeit vom 8. bis 10. Januar Humboldt- Theater Badstraße 19 Der Retter seiner Mutter Pat und Patachon als Polizisten Kristall- Palast Prinzenallee 1-5 Wolga Wolga, das Heldenlied von Stenka Rasin Bühnenschau Marienbad- Palast Badstraße 35/36 Das Kußverbot Brandung des Lebens Pankow Palast- Theater Breite Str. 21 a. Beg. 6.30, 9 U. Ariadne in Hoppegarten Der Befehl zur Ehe mit Dina Gralia Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Gösta Berling. I. und II. Teil. nach dem Roman v. Selma Lagerlöf Niederschönhausen Film- Palast Blankenburger Str+ Die tolle KomteB Der Jazzsänger mit Al Jolson Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstr. 1 u. Lindauer Straße. Beg. 6.30 Ein Mensch der Masso Ein andit von Ehre mit F. Thomson Bunnenschau Reinickendorf- West Ballschmieder- Lichtsp. Ala- Filmpalast Badstraße Haus Nr. 17 Die große Abenteurerin mit Liy Damita Bühnenschau Scharnweberstr. 67-68 Die Wochenendbraut Banditen der Prärie Bühnenschau &et1a$e Dienstag, 6. Januar 1929 I?rÄbmd * Jsiul fjsr&> W0X tythttOOjtfb Noch einmal die Strafanstalt Wittlich*> Annäherung des Anstallslebens an das Leben in Freiheit ist für den Kriminal pädagngen etwas Selbstverständliches� Daß Cr« Ziehung zur Gemeinschaft nur durch Gemeinschastserleben verwirk« licht werden kann, steht bereits seit langem außerhalb der Diskusston. Diesen beiden elementaren For. derungen der modernen Anstalts- «Ziehung wird dos Jugendge- fängnis Wittlich nicht gerecht. Die Kreizeit. Im Dienste des Crziehungs- gedankens steht die Arbeit— in gleichem Maße auch die Freizeit. Die Arbeit in Wittlich hat nur geringen erzieherischen Wert. Es fehlen moderne Werkstätten, es fehlen Arbeitsaufträge, die Be- schäftigung in den Wohnzellen ist gesundheitsschädlich und pädago« gisch unhaltbar. Der junge Mensch fühlt sich hier nicht als(Blied des Produktionsprozesses. Loip Bücherlesen abgesehen, ist er den ganzen Tag sich und seinen Gedon- ken überlassen. Seine Phantasie füllt er mit Bildern aus seiner Der- gangeicheit. Mit seinesgleichen trifft er nur während der Turn- stunde, am Sonntag wahrend der Spielstunde, höchstens noch bei einigen wenigen anderen offiziellen Gelegenheiten zusammen. Das gilt für die gesamte erste Stufe. Die Gefangenen der Zweiten Stufe ar- beiten in Werkstätten, im übrigen' ist auch hier jeder junge Mensch auf seine eigene Gesellschaft an- gewiesen. Aehnlich liegen die Dinge auf d« dritten Stufe. Die erzieherischen Vorteile der Selbswerwaltung genießen von 160 nur 18 junge� Leute. Aber auch diese füllen. ihre Freizeit in rein zu- fälliger Weise aus, vom Erzieherischen ist hier wenig zu merken. Die Masse spürt wohl die durchaus nicht gering einzuschätzenden persönlichen Einwirkungen des Direktors, Fürsorgers. Lehrers, Pfarrers, der Inspektoren und der Wochtmeist«. Wechselbeziehun- gen und Wechselwirkungen unter den � jungen Leuten, soweit sie außerhalb der gemeinsamen Arbeit bestehen, sind gemisisrinaßen verbotener, unerlaubter Natur. Sie beruhen auf Znwiderhand- wngen gegen die Anstoltsordnung, stärken deshalb die negativen, nicht aber die positiven Seiten der jungen Leute. Dem Bedürfnis zum Gemeinschaftsleben, das in diesem Alter doch recht stark ist, wird nicht Rechnung getrogen. Das Schöpferische, das jeder Gemeinschaft bei richtiger Führung und Durchdrin- gnng mit sozialen Werten innewohnt, wird dem Erziehungsgedanken nicht dienstbar gemocht. Einen Festausschuß für Feierstunden gibt es nicht— nur einmal im Jahr, zu Weih- nachten, findet eine Ausführung statt: auch keinen Sportausschuß, weder eine Fußballmannschaft, noch eine Vereinigung für Leicht« athletik, weder ein Schachklub, noch Sanmriterkurse, weder eine eigene Anstaltszeibmg, noch irgendwelche Arbeitsgemeinschaften. Selbst eine Musikkapelle ist nicht vorhanden: bloß die Sänger sind in einem Anstaltschor: er gibt fein Können für die Allgen, einhett beim Einschlußgesang(das ist � der Gesang auf dem Gefängnis- korridor vor dem Schlafengehen) zum besten. Selbstverständlich erfordert eine richtige Erziehung eine genügend große Anzahl von Fürsorgern. Die fehlen ober in Wittlich. Auch ent- sprechende Räuipe sind erforderlich. Wittlich besitzt sie nicht. Die Kirche. Da ist z. B/ die Kirche in Wittlich. In modernen Gesängniflen dient sie gleichzeitig als Raum für Vorführungen, für Kinoauf- führungen und für Lichtbildervorträge: so der neue Gemeinschafts- räum in der Fraucnabteilung des Untersuchungsgefängnisses Moabit zu Berlin. Die Kirche in Wittlich zeigt noch die un- leidlichen Boxen—„Affenkaften" nennen sie die jungen Leute. chier sitzen sie, durch hohe Holzwände voneinander getrennt, damit sie während des Gotlesdicisstes einander nicht sehen und einander nicht stören. Undenkbar, daß hierbei eine weihevolle Slimmung entstehen kann, die doch ein religiöses Band zwischen den Andacht- «sültten schaffen soll.„Sie sind immer noch da, die Boren," meint melancholisch der Direktor,„obgleich ich dagegen bin.". Ja, sie sind immer noch da. Und oiclleicht sind sie ein Symbol dasür, daß es noch manches in Wittlich wegzuräumen gibt, das den Einwirkungen eines neuen Geistes cntgegenstehtt Die Turnstunde. Dient die Kirche nicht der erzieherischen Ausfüllung der Frei- zeit— denn sie steht fast die ganze Woche über leer— so hat auch die Turnstunde nur in geringem Maße erzieherischen Wert. Aller- dings ist hier die ganze Anstalt versammelt: die Art, wie sie ertellt wird, mutet aber nicht modern an Die Gefangenen schreien militärisch die Reihenfolge ab. wobei sie sich fast den Hals verrenken und führen dann unter Kommandos eines Gefangenen- Wachtmeisters milttärische Freiübungen aus. Sie klappen exakt. Es folgen Turnübungen an verschiedenen Geräten nach Riegen geteilt. Ich frage den Direktor, ob Leichtathletik getrieben wird. Rein, höchstens Springen. Es gibt also auch keine Sportseste, kein Wetteifern in Leistungen? Nein. Gibt es eine Fußballmannschaft? Nein, nur Handball wird gespiell. Das ist also die Turnstunde. Auch sie steht nicht im Dienste des Gemeinschastserlebnisses. Im übrigen wird der Hof kaum bemitzt. Selbst an Sonntogen habe» die Leute nur zwei Stunden Spielen, bloß die aus der Selbstoer- waltung dürfen den ganzen Tag über draußen sein. Raub au der Freizeit ist auch dos frühere Einschließen in die Zelle. Nach Arbeitsschluß kehren die jungen Gefangenen dahin zurück, sofern sie nicht ihr Tagesrverk dort verrichtet hoben. Ilm 7 Uhr wird dos Licht gelöscht. Vor jeder Tür liegt auf einem Irriilhungm auf dem Qefängtüshofe. Schemel, in vorgeschriebener Weise zusammengelegt, die Kleidung. Darüber das Eßbesteck. Neben dem Schemel stehen die Stiefel. Auch das gehört zur Ordnung des Iugendgefängnisses. Bloß die Celbstoerwaltungsftufe wird erst um 8 Uhr in ihre Zellen ein. geschlossen: bis dahin darf man im Gemeinschastszimmer beisam- men sein. Auch Licht kann noch ein Weilchen in den Zellen brennen. Kleidungsstiü�e und ihr Eßbesteck brauchen nicht herausgestellt zu werden. Nach 8 Uhr herrscht im Iugendgefängnis Totenstille. Kein Ton stört die Ruhe, nur der bewaffnete Gesängniswachtnzeister geht leisen Schrittes durch die Korridore. Und morgen ist wieder ein Tag, der schwerlich den jungen Menschen viel neue innere Werte für ihr zukünftiges Leben vermittelt. «» Das ist das eigentümliche in der Jugendstrafanstalt Wittlich: Jugend ge fängnis und Jugend er Ziehung sind hier in ge- wisiem Sinne»erquickt. Man weiß aber, daß das preußische Justiz- Ministerium genau die Linie kennt, in der sich die Erziehung d« jugendlichen Gefangenen unh seine Vorbereitung zum Leben st, der Freiheit bewegen muß. Das bewies«st vor kurzem der Vortrag des aus Kiel für das Ressort des Strafvollzuges tu das preußische Justizministerium berufene Ob«justizrat Dr. G e n z über„Das Sexualproblem im Strafvollzug"— auch der Sexualnot wird in Wittlich nicht entgegengearbeitet. Dr. Genz sprach dos Wort von der Notwendigkeit, an die schöpfe« rischen Kräfte der Gefangenen zu appellieren. Wo anders müßte damit begonnen werden, als bei jungen Rechts- brechern? Die guten Ansätze, die in Wittlich vorhanden sind, sollten systematisch und pädagogisch ausgebaut werden. Dann«st wird Wittlich eine Mustererziehungsanstalt genannt m«den dürfen.- Leo Rosenthal. Rekordbeten in Amerika Sechstagerennen find uns schon längst keine Neuigkeit mehr. und wir sind durch den eisernen Gustav und seine Nachfolger au allerlei kuriose Rekordsägerei gewöhnt, ober den Rekord kurioser Re. kardc hält augenblicklich Amerika. In der Kolvcrienkirche der Bop- tisten gemeinde von Stt Jose in Kalifornien fand nämlich vor kurzem ein Achtundvierzigstundenbeten statt, meistenteils in Form einer „stillen Anrufung Gottes". Frauen, die den Schwur achtundvierziq- stündigen Fastens abgelegt hatten,»«sammelten sich im Erdgeschoß der Kirche, zugleich trafen sich die Männer in einem kleineren Raum oben, um an der Gebetsübung teil.zunehmen. Das Ganze wurde von einer Predigt eingeleitet, dann folgte die„stille Andacht", die nur selten durch eine hymnensingende Frau oder durch das laute Gebet eines Mannes unterbrochen murde.„Sie arbeiteten mit Ablösung, etappenweise," erklärte der Sekretär der Kirche, denn noch zwei Stunden„Gebetsarbeit" gingen die Gläubigen nach Hause, um sich auszuruhen und dann wieder einzuspringen— also eine ganz dem Sechstagerennen nachgeahmte Taktik. Ob es auch Gebetsspurts und Punktwertungen gab, wurde leider nicht mitgeteilt. Kurios mutet uns auch die Schlußprsdigt über„Jesus als Blitzableiter Gottes" an. Das„Lamm Gottes, unschuldig" scheint im Lande der Technik ein schwerverständliches Beispiel geworden zu sein. Trotzdem die Gebet»- kolonne dieses Rekordbetens zeitweilig 25"Frauen und 15 Männer stark war, klagte der Geistliche doch, daß„mir ein wahrer Gottes« streiter aus 1000 Kirchenmilglieder käme". Auf diese Elitetrupps scheint« sich ab« verlassen zu können, denn die meisten maren intzz des Achtundnierzigstundenbetens noch ein« kurzen Frühstückspause zum gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst am selben Tage wieder in der Kirche. Dieser Bericht aus dem„unbekannten Amerika" kann uns erst das Milieu, in dem„Afsenprozesle" noch heute möglich sind, be- greiflich wachen. Der Rücktritt Ben Lindseys Ein Schöpfer neuer Jugendgerichte •) Siehe Nr. 590 vom Freitag, dem 14. Dezember 1928. In der Gestalt des Jugendrichters Ben Lindsey verkörpert sich das Heldentum einer Persönlichkeit, die in dem Kampfe der sittlichen Freihen gegen den Zwang konventioneller Moral das so- ziale Gewissen Amerikas und der europäischen Welt aus dos inten- sioste aufgerüttelt Hai. Ben Lindsey. als„sittlicher Dynamo" einmal von dem Kongreß der Verewigten Staaten gekennzeichnet, ist Schap- sex des. Jugendgerichts in. D e n v e r in Kolorado Das Wesen dieses Jugendgerichts ist es. alle Jugendlichen außerhalb eines ordentlichen ösfenilichen Kriminalversahrens zu stellen und durch persönliche pädagogische Maßnahmen den jungen Menschen zu helfen. sie unter Umständen dauernd zu leiten, nicht aber zu bestrafen. Lindsey übernimmt eine Grundcinsicht der modernen Psycho- logie des jugendlichen Menschen darin, daß er das Eigenrecht des Kindes gegenüber dem des Erwachsenen anerkennt. Der Staat, der Kinder wie Erwachsene behandelt, ihnen zwar kein Recht aus eigene staatspolitische Maßnahmen zugesteht, sie aber gleich reifen Männern ins Gefängnis steckk, verfährt nicht nur grausam und ungerecht gegen diese, sondern auch zuletzt. gegen sich selbst.„Ich denk«." sagt Lindsey,„wenn die Welt besser um die Gedanken und Beweggründe der Jugend wüßte, wie natürlich und arglos, wie naiv sie ist. wie heilig in ihrer ungekünstelten Ehrlichkeit und Einsachheil, selbst wenn sie höchst unklug ist. würde die Gesellichaft ihre Gesundheit wieder- finden." Die erste Tat Lindseys war darum die Abschaffung des Gefängnisses für die Jugendlichen. I» persönlichem eingehenden Gespräch suchte er das Vertraue» der Kinder zu gewinnen und vermvchte die einen soweit moralisch zu kräftigen, daß sie selbst von sich aus die rechte Bahn beschreiten konnten, die anderen welche der Beaufsichtigung bedursten, schickte er in die FürsorgeonstaU. wohin sie alle auf Ausforderung des Richters ohne jede Begleitung freiwillig, km guten Kinderglauben an„L i t t l e B e n". gingen.. So entstanden noch dem Beispiel Denvers in ganz Kolorado jene Jugendgerichte die. durch keinerlei politische Machenschaften zerstörbar, ihrenz Urheber di« Dankbarkeit der gerecht empfindenden Menschhett sichertt Sittlichfeit im Kampf mit der Sitte. Aber Lindseys Jugendfürsorge ging weit üb« dös Maß bloß« Iugendgerichtsbarkeit hinaus. Zu Tausenden wendeten sich funge Menschen an Lindsey und baten in allen den Fällen, in denen sie sich gegen die herrschende Sitte— besonders auch auf geschlechtlichem Gebiete— vergangen hotten, um Rat So halte d« Jugendgerichts- hos m den Iahren 1920 und 1921 allein mit 769 Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren wegen sittlicher Berfehlungen zu tun. Und in fast allen Fällen war es Lindsey gelungen, den jungen Menschen zu Helsen. Ost vermochte er die Ellern zu überzeugen, daß gerade m solchen Zeiten der inneren Röte sie chren Kindern den Beweis wahr« Liebe zu geben hätten. Wo chm dies nicht gelang, half er «den ohne d«en Unterstützung, ja in manchen Fällen auch gegen deren Willen.„Ich bin zuerst für die Kinder." sagt Lindsey,„denn ich bin zuerst für die Gemeinschaft. Die Kinder von heute sind die Gemeinschaft von morgen. Ich verlange, daß die Gemeinschaft vorher durch Erziehung richtig leitet und nicht nachher oerfolgt, wenn der Schaden getan ist, verfolgt mit einer Grausamkeit, die zur Verzweiflung, ja zum Mord« treibt." Wenn Ben Lindsey in jedem Falle für die Mutter als einem„heiligen Kanal des Lebens" Ehrfurcht fordert, so bedeutet das keineswegs. wie seine Gegner ihm oft zugeschoben haben, daß er die Institution der Ehe angreift. Für ihn ist die Ehe, allerdings nur wenn sie nicht auf unerträglichem Zwang, sondern auf seelischer Freiheit basiert, eine notwendige Einrichtung der Gesellschaft. Was er hin» gegen nicht müde wird zu fordern, ist Gerechtigkett für alle unge- borenen Kinder, von denen eine Unzahl vor ihrer Geburt durch Mord und nachher mit Schande bedroht wird. Es tonnte nicht ausbleiben, daß Ben Lindsey, durch 30 Jahre von den«konventionellen Barbaren" mit alle» Machtmitteln ver- solgt, äußerlich unterliegen mußte. Ende 1927 wurde Lindsey ge» zwungen, sein Richteramt abzugeben, nicht ohne vorher sein Werk am Kinde und an der Menschheit durch einen Akt seelischer Größe zu besiegeln. Die Akten sind vor Mißbrauch sicher. Während seiner 30jöhrigen Richtertätigkeit nahm Richter Lind» sey eine Unzahl Protokolle— Aussagen einiger tausend Mädchen— aus dcni ganzen Reiche Kolorado aus. Man hatte schon, während Lindsey im Amte war wiederholt versucht, die im vollen Vertrauen aus die Verschwiegenheit Lindseys gegebenen schriftlichen Aussagen zu rauben: es waren hauptsächlich Diebe gewesen, die diese Akten zu Erpressungen aller Art oerwenden wollten. Nunmehr ab« mit dem Abgange.Lindseys wurde diese Gefahr ganz besonders drohend. Unter allen Umständen mußte ein solches Unglück oerhütet werden Als er daher sein Richteramt niederlegte, nahm er die Prolokolle zirka 5000 an der Zahl, mit sich. Die Staatsanwall- schaft forderte unter Androhung von Strafe und Gewalt die Akten zurück In diessm Konflikt zwischen äußerem Recht und innerer Gerechtigkeit entschloß sich Lindsey. der Ge- fährdung seiner eigenen Person nicht achtend, diese Protokolle auch der Well zu schaffen, indem er sie o e r b r a n n t e. An dem lodern- den Scheiterhausen sprach Ben Lindsey folgende Worte:„Ihr, arme Mädchen, die ihr einst das Geheimnis eurer Erniedrigung mir an- vertraut habt, ihr könnt ruhig sein: seht, euer Geheimnis bleibt bei nur. sich« aufbewahrt. Jene Bösen, die eure Aussagen für das Gericht oder für die Oefsentlichkeit verwerten wollen, bekommen nun gar nichts in die Hände, bloß diesen Hausen einer grauen, formlosen Aschenmenge." Dieser zugleich reale und symbolische Akt bezeichnet den vor- läufigen Abschluß einer Wirksamkeit, deren sittliches Pathos V« konventionellen Erfordernisse der Gesellschaft überdauern wird. Brot HL Werner. Die Blater and Hang EDGAR WALLACE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN ( 42 Fortsetzung.) VON Ich liebe Ihren klaren Verstand. Sie fännen mich nicht ärgern, mein Liebling. Ich freue mich, daß Sie unsere Jacht lieben, auf der wir unsere littermochen verbringen werden," Sie erwiderte nichts. menn ,, Benn Sie wüßten, wie sehr ich Sie liebe" er lehnte sich über den Tisch, nahm ihre Hand und fah sie begehrlich an Sie müßten, Eunice, daß ich bereit bin, mein Leben dafür zu geben, Sie glücklich zu machen, würde Sie das nicht umstimmen tönnen?" ,, Nichts fann meine Gefühle gegen Sie ändern. Sie fönnten fich meine Dankbarkeit nur erringen, menn Sie das Schiff im nächsten Hafen anlegen lassen und mich zur Küste bringen." ..Und was foll dann aus mir werden?" fragte er fühl. Berfuchen Sie doch einmal, jo vernünftig wie schön zu sein, Eunice. Sie scheinen mich noch immer nicht zu verstehen. Ich werde mich freuen, wenn ich Sie glücklich machen kann, solange ich dazu in der Lage bin. Aber ich wünsche nicht, ins Gefängnis und nicht an den Galgen zu fommen" er zitterte und mar wütend auf sich selbst, daß er sich so schwach zeigte. Und er haßte sie, weil sie es bemerkt hatte. ,, Wohin geht diese Fahrt?" fragte sie. " Das Schiff fährt nach Südamerika. Bielleicht interessiert es Sie, daß wir einer Route folgen, die gewöhnlich nicht genommen mird. Wir werden an der Rüfte von Irland entlangfahren und den Weg einschlagen, den die Seeleute die westliche Linie nennen. Erst menn mir in einer Entfernung von etwa tausend Meilen pon Long Island find, werden wir uns nach Süden menden. Hierdurch Long Island find, werden wir uns nach Süden wenden. Hierdurch permeiben wir es, von den amerikanischen Schiffen gesichtet und erfannt zu werden, und wir vermeiden ebenfalls Der Mann, der in diesem Augenblid eintrat, mußte madh Eunices Bermutung der Kapitän sein. Er trug drei goldene Reifen ums Handgelent, aber er fonnte ihr als Seemam nicht gefallen. Er mar flein und hatte einen lahmen Fuß. Sein lederartiges Gesicht und sein steifes, schwarzes Haar bestärkten sie noch mehr in ihrer Ansicht, daß es ein japanisches Schiff sein mußte. Darf ich Ihnen den Kapitän vorstellen?" sagte Digby. Es märe gut, menn Sie sich etwas mit ihm anfreundeten." Eunice dachie bei sich, daß die Möglichkeit, sich mit diesem Mam zu verständigen oder gar Freundschaft mit ihm zu schließen, sehr gering sei. Haben Sie etwas Besonderes, Kapitän?" fragte Digby auf Portugiesisch. RAVI RAVENDRO verfolgt wegen Mordes und Bandenperbrechens. Auf seine Ergreifung ist von dem Rechtsanwalt Mr. Salter in London eine Belohnung von fünftausend Pfund ausgesetzt. Es wird vermutet, daß in seiner Gesellschaft Dorothy Denton reift, die von ihm gefangen gehalten wird. Alter zmeiundzwanzig. Groat ist gefähr lich und trägt Feuerwaffen." " Der kleine Kapitän des Beafigo" nahm die dünne Zigarre aus den Munde und betrachtete aufmerksam die graue Asche. Dann faute er wieder auf das bleiche Gesicht des Mannes. „ Sie verstehen, mein Herr," sagte er höflich, ich bin in einer fehr schwierigen Lage." Ich dachte, Sie könnten nicht Englisch sprechen," erwiderte Digby, der endlich seine Stimme wiederfand. Der Meine Kapitän lächelte. Ich kann genug Englisch lesen, um zu verstehen, mas eine Belohnung von fünftausend Bfund bedeutet, mein Herr. Und wenn ich es nicht verstünde, sp spricht doch mein drahtloser Operateur verschiedene Sprachen, einschließlich Englisch. Der würde mir bas schon erklärt haben, wenn ich nicht selbst dazu in der Lage gewesen Digby jah ihn frostig an. märe." Was wollen Sie tun?" Ich bin fein Berräter, und ich möchte Ihnen gern zu Diensten fein. Das hängt ganz davon ab, was Sie zu tun für richtig halten. über Sie begreifen doch, daß es eine böse Sache für mich ist, menn ich Sie bei Ihrer Flucht unterstütze, obwohl ich weiß, daß Sie pon der englischen Bolizei gesucht merden. Ich bin nicht engherzig," meinte er achfelzuckend. Senor Marilla hat auch allerhand gemacht, worüber ich ein Auge zugedrückt habe. Er hatte aber meistens Beibergeschichten, niemals hatte er mit Mord zu tun." A bin tein Mörber, das fage ich Ihnen boch," rief Digby mild und heftig. Sie sind unter meinem Befehl. Berstehen Sie mich?" Er sprang auf und stand drohend vor dem Brasilianer, der fich jedoch nicht aus der Fassung bringen ließ. Plötzlich blitzte eine Waffe in Digbys Hand auf. ,, Sie werden meine Befehle sorgfältig bis zum letzten Buchstaben ausführen, oder bei Gott Aber der Kapitän des„ Pealigo" betrachtete nur die Asche feiner Bigarre. ,, Es ist nicht das erstemal, daß man mich mit einem Repolper bedroht," sagte der Kapitän fühl. Bor Jahren, als ich jehr jung par, hat mir das einmal Furcht eingejagt. Aber heute bin ich nicht mehr jung. Ich habe eine Familie in Brasilien, die mich viel Geld toftet. Mein Gehalt ist flein, sonst würde ich nicht mein Leben auf der See zubringen und mich soweit erniedrigen, alle Wünsche und Launen meiner Herren zu erfüllen. Wenn ich hunderttausend Pfund hätte, würde ich mir eine Plantage faufen, mich dort niederlaffen und glücklich, zufrieden und schweigsam den Rest meines. Lebens zubringen." - Er betonte das Wort„ schweigjam", und Digby verstand sehr mohl, was er damit sagen wollte. ,, Könnten Sie das nicht für etwas weniger als ausgerechnet hunderttausend Pfund tun?" Ich habe mir die Sache wohl überlegt. Wir Seeleute haben für mich die Summe, die es mir ermöglichen würde, ein leichtes piel Zeit zum Nachdenken. Hunderttausend Pfund find nun einmal Behen zu führen." Er schwieg einen Augenblic, fuhr dann aber gezögert. Hätte die Radiobotschaft hunderttausend Pfund angegeben, fort: Deshalb habe ich auch wegen der ausgesetzten Belohnung dann wäre mein Entschluß schon gefaßt." Digby wandte sich wütend nach ihm um. Sprechen Sie aufrichtig und offen! Ich soll Ihnen also hunderttausend Pfund zahlen. Das ist der Preis, um den Sie mid sicher ans Ziel bringen werden? Sonst wollen Sie zum nächsten Safen zurückkehren und mich den Behörden übergeben?" Der Kapitän zuckte die Schultern. ,, Ich habe nichts Derartiges gesagt, mein Herr. Ich habe nur eine fleine private Angelegenheit erwähnt und wäre froh gemelen, wenn Sie sich dafür interessiert hätten. Der gnädige Herr wünschte ja auch in Brafilien glücklich zu leben, und zwar mit der schönen Mann, und wenn es wahr ist, daß die hübsche Dame ein großes Dame, die er mitgebracht hat. Der gnädige Herr ift fein armer Bermögen erbt, wird er ja noch reicher werden." Der Radiooperateur schaute zur Tür herein. Er märe gern wieder in seine eigene Rabine gegangen, aber der Kapitän schickte ihn mit einer seitlichen Stopfbewegung wieder hinaus. Er sprach jetzt ganz leiſe. ( Forts. folgt) WAS DER TAG BRINGT. Bier gegen Krebs? Seit langem ist bekannt, daß Alkohol in gewisser Form Krebs. bildung hervorrufen fann. In Japan z. B. ist die Erfrantung der Speiseröhre sehr häufig, und zunar vornehmlich bei den„ Saffe trinkern, bei Leuten, die einem aus Reis hergestellten, schnaps. artigen Getränk allzu reichlich zusprechen. Auch bei uns bringt man Wir haben soeben eine drahtlose Botschaft bekommen. Ich die Häufigkeit des Speiseröhrenkrebies mit dem reichlichen Schnaps bodhte, es wäre besser, wenn Sie sie sehen und lesen würden." gemuß in Berbindung, und der berühmte Berliner Magenfpezialiſt Ich hatte ganz pergeffen, daß wir drahtlose Telegraphie an Prof. Boas macht auf das häufige Borkommen des Magenkrebses Borb hohen," erwiderte Digby, als er die Nachricht entgegennahm. bei Trintern aufmertjom. Scheint es demnach zwar gesichert, daß An alle Schiffe, die nach Besten und nach Süden fahren, ftehen tönnen, jo hält dagegen Brof. Ferdinand Blumen gemisse Fälle von Strebs durch übertriebenen fobolgenus entfomie nach England zurüdtehren. Achten Sie auf die Jachthal von dem Berliner Institut für Krebsforschung( ,, Med. Welt" 51) Bealigo". Berichten Sie drahtlos Lage und Kurs an Polizei- die Versuche, in denen man inspektor Rite, Scotland Yard." nach einem alten homöopathischen Grundsay: similia similibus, Aehnliches mit Aehnlichem zu befämpfen den Alkohol als Heilmittel gegen Krebs verwandt hat, für mehr als anfechtbar. Insbesondere scheint es ihm barer Unsinn zu sein, Bier gegen Krebs als Heilmittel zu empfehlen, mie dies neuerdings geschehen ist. Richtig ist, daß man im Tier experiment, burch Einsprigen von 60prozentigem Alkohol in die " Eunice verstand nicht, worüber die beiden sprachen, aber sie jah, mie Digbys Stirn sich runzelte und vermutete, daß es eine schlechte Nachricht sei. Und wenn fie für ihn schlecht war, dann mar fie gut für sie. Ihre Stimmung murde besser. Eunice, ich glaube, Sie gehen jest beffer zu Bett. Ich marß Blutbahn bei Ratten wiederholt große Gefchwülste zum Schwinden wench mit hem Rapitän sprechen." Sie erhob fich, aber nur der Sapitan fand auf. ..Bleiben Sie doch fihen," sagte Digby verächtlich.„ Sie find bach nicht hier an Bord, um Mrs. Digby Groat Aufmertfamfeiten zu erweisen." Eunice hatte die letzten Worte nicht mehr gehört, denn sie mar in schnell wie möglich aus dem Speisezimmer gegangen. Sie fehric au ihrer Rabine zurüd, schloß pie Tür und wollte den Riegel porichieben, aber zu ihrem Entfezen erfannte fie, daß er mährend des Abendessens abgeschraubt worden war. Auch fand fie feinen Schlüffel, mit dem sie die Tür hätte abschließen fömmen. 46. Eunice starrte auf die Tür. Sie irrte sich nicht. Der Riegel mar erst fürzlich entfernt worden. Sie fah, wo die Schrauben im Holz gesessen hatten. Der Bealigo" schaufelte jetzt stärker, und sie konnte nur schwer ihr Gleichgewicht behalten. Aber troßdem ging sie in der Kabine uhar, nahm alle Stühle, Tische und alles bewegliche Mobiliar und türmte es gegen die Türe auf. Sie durchsuchte alle Schubladen nach irgendeinem Instrument oder einer Waffe, die der frühere Befizer vielleicht zurückgelassen hatte. Aber sie fonnte nichts anderes finden als eine mit Gold überzogene Haarbürste, die der reiche Marilla übersehen hatte. Auch in den anderen Räumen mar nichts zu entdecken. Stunde um Stunde verging. Sie faß in einem Sessel und beobachtete die Tür. Aber es wurde tein Versuch gemacht, ihre Robine zu betreten. An Deck schlug in Zwischenräumen eine Uhr. Sie zählte acht Schläge. Es war Mitternacht. Wie lange würde es noch dauern, bis Digby Groat fam? Digby Groat fah in diesem Augenblid bleich und zitternd in her Rabine des drahtlosen Operateurs und las eine Botschaft, die ehen aufgefangen worden mar. Ein Teil war in Code abgefaßt unh scheinbar an die Striegsschiffe gerichtet, aber der größere Teil mat in offener Sprache und lautete: 2n bie Rapitäne und erften Difiziere eller Schiffe, an die Sommandanten aller Schiffe Seiner Majestät, on alle Friedens richter und alle Bolizeibeamten pon Großbritannien und Irland. Berhaften Sie Digby Groat und sehen Sie ihn gefangen. Größe 1.70 Meter, träftige Gestalt, duntle Gesichtsfarbe. Kleiner, dunkler Schnurrbart, der pielleicht abrafiert ist. Spricht Spanisch, Fran öfifch, Bortugiesisch, hat Arzteramen bestanden. Sit wahrschein lich an Bord ber Saght Beafigo". Diefer Mann wird ftedbrieftig gebracht hat. Doch dürfte man hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet habent. Bermutlich handelte es sich dabei um eine all RUNDFUNK AM ABEND Dienstag, 8. Januar. Bertin. 16.00 Dr. Theodor Wolff: Das Problem der Willensfreiheit. 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Emil Roósz. 19.00 Dr. W. Poll: Sozialpolitische Umschau. Luftfahrzeug. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Abteilung Geographie: Dr. Georg Wegener: ,, Die Polarforschung." VI.: Zukunftsaufgaben. Die Polarforschung mit dem 20.00 Literatur der Gegenwart. Joseph Roth. Vortrag und Leseproben: Dr. Manfred Georg. 20.30 Internationaler Programmaustausch. Uebertragung von der Polskie Radio Warszawa, Warschau. Orchesterkonzert. 1. St. Moniuszko: Ouvertüre zu der Oper.Hrabina". 2. Fr. Szopen: Konzert f- moll für Klavier und Orchester: Maestoso Larghetto Allegro- vivace( Sophie Rabcewicz). Polnische Tanzmusik und Volkslieder. 3. a) K. Krupinski: Polonaise aus der Oper Krakowiace i Gurale"; b) St. Meniuszko: Mazur aus der Oper Straszny Dwor". 4. Volkslieder: a) Wo fährst du, Hänschen? b) Drei Vöglein; c) Heize ino; d) Im Teiche sind Fische; e) Dert in Krakan; f) Unweit des Gärtchens( bearbeitet von E. Pankiewicz, St. Niewiadomski, F. Szopski)( Adam Dobosz. Tenor, von der Warschauer Oper am Flügel: Prof. Ludwig Urschtein). 5. a) L. Rózycki: Crakovienne, aus dem Ballett Pan Twardowski"; b) J. Stefani: Mazur aus dem Ballett., Die Hochzeit in Ojcow"; c) L. Lewandowski: Oberek, Volkstanz; d) L. Lewandowski: Zawierucha".( Das Warschauer Philharmonische Orchester; Dirigent: Dr. Emil Mlynarski.) Anschließend Presseumschau des Drahtlosen Dienstes. Königswesterhausen. 16.00 Annemarie Pallat- Hartleben: Erziehungsberatung. 16-30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Langis. 17.30 Prof. Dr. Basilan Schmid: Am Plattensce. 18.00 B. Richard H. Stein: Nevere Hansmusik für Klavier( 1): Rußland. 18.30: Lekter Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Freyer: Was ist Soziologie,( I.) 19.20 Oberpräsident Siebr: Die Insel Ostpreußen. 30.00 Vertrag und Redner werden durch Rundfunk bekanntgegeben. Ab 30.30 Uebertragung von Berlin. 22.45-23.15 Bildfankversuche. gemeine Bergiftung, die von der Blutbahn ausgeht: bie There be tommen schwere Rauschzustände und zugleich mit der Krebsgeschmuft geht auch das Tier zugrunde. Alkohol als Heilmittel bei bösartigen Geschwülsten ist heute noch Sache des Experimentes; mit Sicherheit weiß man dagegen, daß zu den bisherigen Schädi gungen durch Alkohol noch eine neue getreten ist: die Begünsti gung der Krebsentstehung Dr. Lily Herzberg Eine Grätenmaschine. In Fleetwood( England) ift eine Maschine aufgestellt worden, die in der Stunde 25 000 Heringe entgrätet. Unter Garantie fogar. Es ist eine Freudenbotschaft für alle Siebhaber von He ringen, daß ihnen in Zukunft nur nach Heringsfilet vorg fetzt werden soll. Aber die Tatsache, daß eine Maschine die Heringe erst von ihren Gräten befreien muß, zeigt doch, wie sehr die Fisch rei hinter der Gärtnerei im Rückstand ist. Wir haben steinlose Pflaumen und fernlose Bepfel und ebensolche Orangen. Alle diese Früchte sind mit großer Geduld und Weisheit gezüchtet werden. Ja, es gibt sogar unbehaarte Stachelbeeren und sicher merben in nächster Zeit auch blaue Tomaten auf der Tafel erscheinen, zu Nuz and Frommen von solchen Beuten, die bei der geringsten Bropolation rot sehen. Aber bis jetzt hat überhaupt noch niemand ernsthaft versucht, eine grätenlose Scholle zu züchten oder eine Auster, die auf die Muschel Berzicht leistet. Das Pony steigt aus. Einem Shetlandpony, das in der Eisenbahn durch das amerifa nische Kansas transportiert murhe, gelang es, aus seiner Bor im Innern des Waggons herauszukommen. Als es gerade an einer besonders faftigen Beide vorbeifuhr, fonnte es der Bersuchung nicht widerstehen und sprang aus dem in einem Tempo pon 40 englischen Meilen fahrenden Zug heraus. Seine Abwesenheit wurde erst auf der nächsten Station bemerkt. Man forschte nach und fand es ruhig weidend und vollfommen unverlegte neben dem Bahndamm. Da auf allen amerikanischen Bahnen Fahrtunterbrechung gestattet ist, fonnte das Pony mit dem nächsten Zug feine Reise fortjezen. Die Macht des Aberglaubens. " 1 Eine beinahe unglaubliche Geschichte wird aus Nictheron, einer Stadt im brasilianischen Staate Rio de Janeiro, berichtet. Hat da irgendeine Kartenlegerin behauptet, daß die Barte Gragoata", die dem Hafenperkehr dient, bald untergehen werde. Und seitdem weigern sich die Passagiere, mit der Barke zu fahren. Sie waripa lieber auf das nächste Schiff, ehe sie ihr tostbares Leben der ,, Gragoata" anvertrauen. Prophezeiung wurde noch verstärkt durch die Tatsache, daß die Die Furcht vor dem Eintreffen der Barte tatsächlich in letzter Zeit zwei fleine, unbedeutende Unfälle erlitten hat. Was die Leute sagen. Zu Richard Strauß tommt ein junger Komponist mit seinem neuesten Bert und der Bitte um ein Urteil. Der. Meifter sieht es auch bereitmillig burch. dh will gonz offen fein, fagte er, mas Sie da fabriziert haben, ist hundzmije rebel. Talent haben Sie nicht. Bon Kontrapuntt, Harmonie, 3: ftrumentationen feinen blaffen Schimmer. Es wäre beffer, junger Mann, Sie lernten einen bürgerlichen Beruf, solange es nicht zu spät ift." Gefnidt und zerschlagen von foniel Freimut wendet sich ter angehende Künstler zur Tür. Da ruft Strauß ihm nach:" Was th Ihnen da gesagt habe, dapon nehme ich kein Wort zurüd. After als ich so alt war wie Sie, junger Mann, da haben mir die Leute alle ganz genau dasselbe gefagt. Die Nacht der Favoriten. Rundengewinne- Stürze- Aufgegeben.- Kroschel- Junge weiter an der Spitze! ARBEITER FUSSBALL Resultate vom 6. Januar. Lichtenberg 1 schreitet auf dem Wege zur Meisterschaft immer weiter vorwärts. Am letzten Sonntag wurde die V. Abteilung der Luckenwalder Turner einwandfrei mit 3: 1 geschlagen. Wohl gaben sich die Luckenwalder alle erdenkliche Mühe, den Lichtenbergern Die vierte Nacht stand im Zeichen des Favoritenpaares| fahrt ein, er hatte sich in der Nacht bei seinen Stürzen das den Sieg streitig zu machen, an der Schußfreudigkeit des LichtenDülberg Petri. Wie wir im Morgenblatt mitteilten, zogen Schlüsselbein gebrochen. = um 12 1hr Gooßens- Debaets pom Felde, um nach einer starken Jagd eine bzw. zwei Runden aufzuholen. Im Anschluß an Debaets Borstoß gingen Dülberg- Petri los und die Haß schien großes Format anzunehmen. Da stürzte am Ausgang der Zielkurpe Resiger: das Rennen wurde sofort neutralisiert, so daß DülbergBetri abstoppen mußten. Nach der Neutralisation unternahmen Rielens- van Kempen einen Borstoß, den Düiberg- Betri fofort aufnahmen. Doch mit des Geschickes Mächten...": ein neuer Sturz von Junge, Stocelynd und Kroll und damit neue Neutralisation. Wieder mußten Dülberg- Betri abbremsen! Bis gegen 2 Uhr blieb es ruhig. Dann fam die Zeit für Dülberg- Petri. Sie jagen wild um die Bahn, berechnen jeden Augenblic und nügen jede Chance flug aus. Sie holen nach heftiger Gegenwehr nach und nach alle Mannschaften und rüden zur Spigengruppe, die nun aus den Baaren Linari- Miethe, Kroschel Junge und Dülberg: Petri besteht, auf. Der Beifall des vollen Hauses will schier fein Ende nehmen. Einige schwächere Baare haben bei dieser Jagd mehrere Runden perforen. Die soeben perlorene Runde aufzuholen, gelingt der Mannschaft Rielens- pan Kempen. Kroll und Marcillac geben auf! Nach diesem Rundengewinn wird bekannt, daß Kroll und auch Marcillac die Weiterfahrt einstellen! Tieß und audet bilden eine neue Mannschaft, die sofort an die Arbeit geht und versucht, das Berluftkonto zu perringern. Sie legen ein lebhaftes Tempo por und vermögen viel Blaẞ zu gewinnen. Als einzige Mannschaft geht Kroschel Junge den Ausreißern nach. Nach etwa dreißig Runden haben beide Baare je eine Runde gegen das ganze Feld gewonnen: Kroichel Junge sind mieder allein Spizenpaar. Womit es im erschöpften feld ruhiger wird. Um 6 Uhr morgens, nach 80 Stunden, hatten die Spitzenreiter Kroichel- Junge 2116,910 Kilometer zurückgelegt. Kurz vor Eintritt der Neutralisation stellte Stodelynd ebenfalls die Beiter Haymann k.o. Die Kölner Boxkämpfe. Der dritte Bogtampfabend in der Kölner Rheinlandballe ging vor fast ausverkauftem House vor sich. Die Sensation brachte das Hauptergebnis, der Kampf zwischen dem deutfchen Schmergewichtsmeister Ludwig Haymann und dem riefigen argentinischen Reger Epifanio Islas. Legterem, der jeinen zweiten Rampf in Europa beftritt, gelang es, Haymann in der vierten Runde f. o. zu schlagen. Bei den phyfischen Borteilen des Südamerikaners darf die Niederlage wohl nicht allzu tragisch genommen werden. Weber ben Kampfperlauf ist soviel zu sagen, daß Saymann in der ersten Runde beberat angriff und auch in der zweiten Runde leicht im Borteil mar. Dann hatte sich Isles mehr gefunden und lambete mehrfach mit sichtbarer Wirkung. Völlig erholt ging Han mann aber wieder in die vierte Runde, die urplöglich das Ende bringen follte. Der Neger griff unerwartet wild an und landete einen reten Rinnhafen, der den Abschluß des Treffens bedeuten follte. Noch lange nach dem Aus" des Ringrichters fonnte fich Hanmann nicht erheben. Eine kleine Enttäuschung war die Begegnung des 15jährigen(!) englischen Bogununders" Nipper Bai Daly mit dem Kölner Bantamgewichtler Willy Mesner insofern, als sidy Mehner in der Hize des Gefechts noch in der ersten Runde zu einem Tiefschlag hinreißen ließ, der seine sofortige Disqualifikation zur Folge hatte. Bon den Qualitäten des Engländers war in der kurzen Zeit nur andeutungsweise etwas zu sehen. Durch f. o. gewann dann der Schmergewichtler Gübring seinen Kampf gegen den Engländer Bobby Shielbe. Der Koblenzer Seefer und der Franzese Screpes trennten sich ebenfalls wieder sehr schnell. Heeser zeigte fich in so guter Form, daß er in seinem Titelkampf mit Hein Müller 3meifellos eine gute Figur machen wird. Nachdem die erfte Runde ausgeglichen verlaufen mar, gelang es Heefer in der zweiten Runde den Franzosen mit einem linken Leberhafen für die Zeit auf die Breiter zu schicken. Im letzten Kampi des Abends trafen sich Hülsebus- Bremen und der Belgier Debarbieur. Dieser einzige Kampf, der über die polle Distanz ging, war pielleicht der schönste bes Abends. Beide griffen vom ersten Gongschlag ungeſtüm an. Der Belgier schien zwar meist nicht überlegen, doch hatte auch Hülfebus wieder so gute Augenblice, daß Unentschieden" eine ge rechte Entscheidung der Richter war. Die Radfahrer für den Bund! Bezirksleiterkonferenz bei Solidarität". Die Bezirksleiter des Gaues 9 im Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität" nahmen am Sonntag im Gemerte fchaft baus Stellung zu den Borgängen, die sich anläßlich der Kartell frage in den Berliner Bezirken 1, 2 und 21 abspielten. Erschienen waren außer den 23 Bezirksleitern Niemann vom Bundesvorstand und Kranz nom Bundesausschuß. Bauvorsigender Seeger referierte über die augenblickliche Lage im Bau und ging dann auf die Borgänge in den drei Berliner Be zirfen ein, die gegen die schlüsse der Zentralfommission für Arbeitersport und Körperpflege in der Kartellfrage perstoßen. Sie weigern sich, den Anschluß an das neue Berliner Kartell zu voll ziehen. Dadurch stellten sich diese drei Bezirke außerhalb des Bundes. Niemann ergänzte die Ausführungen Seegers und wies darauf hin, daß die tommunistische Opposition die sonst von ihr fo perpönten bürgerlichen Gerichte anrief, um durch einstweilige Berfügungen ihre Posten als Bezirksleiter behalten zu tönnen. Die Diskussionsredner begrüßten die Maßnahmen des Gau, und Bundesvorstandes, daß nun endlich dieser Trennungsstrich gezogen ist. Folgende Resolution wurde mit 21 gegen 2 Stimmen angenommen. Die Bezirksleiterfonferenz perurteilt aufs schärfte das Bes halten der ehemaligen Bezirksleiter des 1., 2. und 21. Bezirks. Ms leitende Funktionäre war es ihre Pflicht, die Beschlüsse des Bundesvorstandes und der Zentralfommiffion zur Durchführung zu bringen. Da sie hierin vollständig perjagt haben, hifligt die Bezirksleiter fonferenz einstimmig die Maßnahme des Bundes und des Sau Der Stand des Rennens: Spize: Kroschel- Junge, 103 P. Eine Runde zurück: DülbergPetri, 133 P.; Miethe- Linari, 85 P. Zwei Runden zurück: Letour neur- Broccardo, 75 P. Drei Runden zurück: Faudet- Tietz, 140 P. Bier Runden zurüd: Rielens- van Kempen, 128 P.; Debaets: Gooßens, 123 P. Neun Runden zurück: Behrendt- Manthey, 104 B.; Breuß- Refiger, 100 P. Lorenz, Ersatzmann. * Noch zwei Nächte haben die Fahrer vor sich. Uebersieht man die bisherigen Ereignisse, so muß man feststellen, daß die Belgier Gooßens Debaets beffer geworden sind. Ihr Rundengewinn, den sie in der Dienstagnacht verzeichnen fonnten, hat die beiden Fahrer von einer starken Seite gezeigt. Dülberg- Petri waren die Leute der vierten Nacht, die jedoch troh aller amerikanischen Erfahrungen noch pon Kroschel Junge lernen tönnen. Kroschel ist ein kühler Taktiker Bariner Junge, der gestern in manchen Stunden schwache Momente und seiner schnellen Entschlußfraft verdankt er es, daß er mit seinem Kroll ist nun ausgestiegen. Womit flar bewiesen ist, daß„ Oskar" hatte, pieber allein die Spigengruppe beherrscht eben ein Bechvogel bleibt. Doch ist es schließlich nur zu begrüßen, daß Kroll schon jetzt gegangen ist. Bermochte er doch nur in den wenigsten Fällen den so überaus populären Sechstagemann Lieb so zu unterstützen, wie es notwendig war. Die neue Ehe TießzFaudet hat sich ja denn auch gleich von bester Seite gezeigt. Ernst, sehr ernst sind noch immer Linari Miethe zu nehmen. Sie fahren start. Linari stärker als Miethe im Rennen. Letourneur- Broccardo und Rielens- van Kempen haben und sind die Gefahr oft zur Belebung der Fahrt beigetragen, ebenso die unverwüstliche, dafür aber start bepflasterte Mannschaft Behrendt- Manthey. Sie find zwei Sechstagefahrer, die man mur ungern missen möchte. Stocelynd hat das Feld geräumt. Und der Ersatzmann Lorenz dürfte wohl mur schwerlich einen Partner finden! Bleiben noch die Vertreter des Nachwuchses, die Breslauer Preuß- Refiger, die troß ihrer Rundenverluste tapfer mitgehalten haben. R. S. porstandes den ehemaligen Bezirksleitern gegenüber. Bon allen Ortsgruppen des Gaues wird erwartet, daß sie jeden Verkehr mit ben ehemaligen Bezirksleitern ablehnen. Alle an die Ortsgruppen gerichteten Schreiben von Bezirksleitern sind nur dann zu befolgen, menn diese Bezirksleiter vom Gauvorstand anerkannt sind. Wien als Sportstadt. Ein Beispiel für Berlin. Die Hauptstadt unferes österreichischen Brudervoltes tonn fim mit Recht als Hochburg des Arbeitersports bezeichnen; es ist die Stadt, die im Bereich der zur Sozialistischen Arbeitersportinier nationale gehörigen Länder die meisten Bereine und Spieler hat. Mit der Zunahme der Mitglieder der Wiener Sozialdemokratie muchs auch die Zahl der Wiener Arbeitersportler stetig. Die ein zelnen Berbände des Arbeitersports gliedern sich zahlenmäßig in folgende Bereine: Arbeiterfußballer 184, Naturfreunde 81, Rad fahrer 48, Motorradfahrer 12, Arbeiterathleten 50, Arbeiterhand boller 35, Arbeiterschachspieler 34, Sozialistische Arbeiterjugend 23, Arbeiterschühen 22, Lehrlingsfettionen der Freien Gewerf. idhaften 20, Arbeiterradiobund 18, Arbeiterfischer 14, Arbeiterflug sportler 10, Arbeitertennisverband 4. Der Arbeiterturnverein zählt 26 Gruppen; außerdem sind noch der Arbeiterschwimmverein und der Arbeiter- Jiu- Jitfuffub vorhanden. Alle diese Verbände gehören dem Astä, der Spizenorganisation des österreichischen Arbeiter sports, an Die Stadt Wien hat danach außer dem Republikanischen Schutzbund, der gleichfalls dem Asko angehört( in Deutschland haben fich Arbeitersportler und Reichsbannermitglieder und sportler leider noch nicht gefunden! Red.) 558 Arbeitersportvereine mit rund 140000 Mitgliedern; Ende 1927 betrug die Zahl der Bereine 593, die der Mitglieder rund 105 000. Die Entwick lung zeigte neben einem beträchtlichen Ansteigen der Mitgliedziffer auch eine durchaus gefunde Zusammenfassung fleinerer Vereine. Bon den 35 000 neuen Mitgliedern entfallen faft zwei Drittel auf die Naturfreunde, der Rest in der Hauptsache auf den Arbeiterturn nerein und auf die erst in den letzten Jahren gegründeten Organifationen. Peltzer fährt nach Amerika. Infolge der porgeschrittenen Jahreszeit" mird Dr. Belger der Einladung nach Australien nun doch nicht Folge leisten, sondern nach Amerifa fahren, um dort Borlesungen zu halten. Nebenbei mill der Stettiner natürlich auch mehrmals starten, und zu diesem 3med drüben einem deutsch- amerikanischen Verein beitreten. Der Boltsmund sagt: Für Ausreden hat schon der olle Frizze gesorgt! berger Sturmes scheiterte allerdings alle Verteidigungskunst. Sotol erlaubte sich den Scherz, gegen Weißensee nur mit 9 Mann anzutreten. Die Niederlage von 0: 9 ist daher zu Recht gegeben. Nowawes hatte gegen die ersatzgeschwächte Potsdamer Mannschaft leichtes Spiel. Mit 5: 1 blieb Nowawes sicherer Sieger. Lichtenberg II macht sich immer mehr heraus. Gegen Oberspree fonnten die Lichtenberger einen einwandfreien 7: 3- Sieg erringen. Wacker- Briz und Cladom trennten sich 7: 1. Die Jugendmannschaften Neuköllns und Cladows spielten unentschieden 1: 1. Lichtenberg I( 2) gegen Germania- Bankow( 2) 1: 0. Karom( 2) gegen Sokol( 2) 7: 2. * Fußballbörse am 9. Januar bei Engel, Swinemünder Straße 65. Sämtliche Vereine entsenden Vertreter. Arne Borgs Schwimmkunst! Der Streit um den schwedischen Meisterschwimmer Arne Amateurreise mehr. Aber diese internen Streitereien der bürgerBorg beschäftigt immer mehr die Sportwelt. Seine Weltschwimmreise( augenblicklich fallen in Batavia Reforde) ist natürlich keine lichen Verbände um Amateur oder Professional wollen wir heute nicht kritisch sehen. Uns sollten heute nur seine erstaunlichen Erfolge intereffieren. nachahmbar sind. Ein Teil der Schwimmer glaubt nun, durch geGroße Leistungen muß man immer daraufhin werten, ob fie naue Beobachtung von Arnes Freistilschmimmen fönne man Gesetzdessen die Meinung des anderen Teils der Fachleute zutreffen, Borgs mäßigkeiten herleiten zur Erreichung seines Könnens. Bürde inKunst läge in gewissen Prädestinationen und in seiner Begabung verankert, so wäre dies für jeden Schwimmer sehr entmutigend, denn er könnte ja nie durch lleben dahin kommen. Man hot por langer Zeit einmal festgestellt, daß bei dem Schweden durch eine frühere Operation sich eine Verlagerung der Leber gebildet hat und dadurch ein Luftraum entstanden ist, der wie eine Schwimmblase wirkt und das Geheimnis des Erfolges sein soll. Das ist durch röntgenologische Untersuchung festgestellt. Man fann nicht daran zweifeln. Die Frage ist aber, ob durch diesen Hohlraum im Körper eine wesentliche Verstärkung des Auftriebes möglich ist. Es ist festgestellt, daß die Größe dieses Luftrains in Arne Borgs Körper etwa 50 Zentimeter beträgt. Dieser Auftrieb von 50 Gramm fann aber feineswegs seine Leistungen derart verbessern. Das alte Märchen von der Schwimmblase in seinem Körper ist also nur ein Märchen. Biel flarer wird sein Geheimnis, wenn man die kleinen Schwimmscherze beobachtet, die er öfter nach Wettschwimmen promuziert, fie beweisen die geradezu fabelhafte Geschicklichkeit, mit der er durch geeignete Gliederbewegungen versteht, dem Wasser gemissermaßen Stügpunfte abzugewinnen. Das Wasser hat, eben für ihn Balfen. Er erreichte diese Geschicklichkeit durch ein fein ausgebildetes Bewegungsgefühl und eben durch jahrelange Schulung. Hinzu kommt eine schlanke, den Wasserwiderstand leicht zu überwindende Körperform. Wahrscheinlich ist dies alles, was die Natur für ihn tat, um einen Meister aus ihm zu machen. Alles übrige muß man ihm ehrlich als das Ergebnis seiner eigenen Arbeit anrechnen. Sportschule, Wassersportsparte, Frauenklasse! Die lehungsstunden für die Frauenflaffe finden jeden zweiten brüde, 20 11hr, statt. Der erste llebungsabend ist heute. Die Turnund vierten Dienstag im Monat in der Badeanstalt Schillingshalle für die Gymnastikklasse wird noch bekanntgegeben. Da audy Rettungsschwimmen gelehrt werden soll, muß alles erscheinen. Zu dem am 17. März in Spandau stattfindenden Kreisschwimmfest muß schon jetzt vorgearbeitet werden; dazu ist notwendig, daß die Reigenschwimmerinnen die oben angegebenen Abende pünktlich besuchen. Die Wasserfahrerinnen, die in Schwimmen, Liegen und Baddeln sicher sind, sind besonders zweds Weiterbildung und späterer Mitmirkung bei Reigen und sonstigen Sportschulveranstaltungen eingeladen. Zum Bundesfest wird eine Majsenveranstaltung( Frauenreigen oder Figurenliegen) des 1. Kreises porgeführt. Notwendig ist dazu, daß sich die Frauen in allen Bereinen des Kreises damit beschäftigen und den Urlaub dementsprechend festlegen. Alle weiteren Auskünfte über Nürnberg erteilt Aenne Bolter, Berlin- Lichtenberg, Goethestraße 12. Bundestreue Vereine tellen mit: Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Zum Jugendwerbefest der männ Lichen Jugend, Eonntag, 13. Januar, in der Turnhalle Bringenstraße, haben alle Jugendleiter und Jugendfunktionäre die Anweisungen im Januar- Mitteilungsblatt au beachten und unbedingt auszuführen. Die Funktionäre find dafür verantwortlich, daß alle Jugendmitglieder unterrichtet werden. FEGB., Jugendausschuß. Ruberverein Butab, e. V. Jahreshauptversammlung Dienstag, 8. Januar, Uhr, in Empfangsraum des Bundeshauses, Werftstr. 7. Kastenrudern feben Sonnabend ab 19 Uhr in der Ruderanlage des Rudervereins„ Borwärts". Baumschulenmeg. Sport- und Anfängerschwimmen jeden Montag ab 19% Uhr, jeden Donnerstag ab 20% Uhr Schwimmhalle Charlottenburg, Krumme Straße. Montags für Uebungen porteilhafter.) Ergänzungssport- Freunde treffen sich jeden Sonntag im Bootshaus des Rudervereins Butab, Tiefwerder. 19 Eissport! Sozialpolitik in China. I Europäische und asiatische Methoden. Mit großem Interesse las ich den Bericht des„ Abend" vom 5. Januar aus London über die Aeußerungen des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, vor chinesischen Arbeiterführern anfäßlich seines Besuches in Shanghai. Also die fonservative Londoner Times" läßt sich aus Schanghai einen Wut erguß fabeln, weil Thomas vor jenen Gewerkschaftern gesagt haben foll: dern, da dies der einfachste Beg fet, bie norge. schlagene Fabritgefeßgebung zunichte zu machen" ( Colonel C. Malone: Das Neue China", Berlagsgesellschaft des ADGB., Berlin). Auf wen aber die Hauptverantwortung für diese Leistung fällt, ergibt sich aus dem Stärfeverhältnis der einzelnen Nationen im Schanghaier Munizipalrat. In letzterem waren derzeit: 6 Engländer, 2 Amerikaner, 1 Japaner. Schließlich würde die Times" gut tun, zum Vergleich zwischen chinesischer und europäischei Ich habe Gelegenheit, festzustellen, daß die Leiden der chinesischen Arbeiter auf die Unterdrückung im Gefolge der unSozialgesetzgebung in China einmal das rein englisch verwaltete gleichen Verträge zurückzuführen sind. Deshalb müssen in erster Honkong- Gebiet heranzuziehen. Dort herrschen zwei soziale Ber Linie die ungleichen Verträge mit ausländischen Mächten abgeordnungen", die ihresgleichen im ganzen übrigen China nicht haben schafft werden, um die Stellung der chinesischen Arbeiter zu ver- und von denen Malone( ,, Das Neue China") berichtet: beffern." Das Londoner Blatt nimmt an, daß es sich um entstellte Berichterstattung handelt und erklärt: Als der Stadtrat von Schanghai im Jahre 1925 versuchte, ein Schußgesez für Kinderarbeit durchzuführen, maren es die chinesischen, nicht aber die ausländischen Unternehmer, welche dagegen protestierten." Auch ich sehe nicht ein, warum mir ein gelber oder ein brauner Kapitalist von vornherein um vieles sympathischer sein sollte, als einer aus London oder Manchester. Aber die obige Behauptung der Limes" fann als trasse unwahrheit dokumentarisch nachgewiesen werden. Die chinesische Regierung hat sei 1923, also lange bor der Einigung des ganzen Landes, im Bereich ihrer Souveränität ein Kinderfchuzgesetz in Geltung, das im wesentlichen bestimmt: Berbot der Beschäftigung von Knaben unter 10, von Mädchen unter 12 Jahren; Berbot der Nachtarbeit Jugendlicher bis zu 17 bzw. 18 Jahren; nur achtstündige Arbeitszeit für Kinder und Be schäftigung mur an leichter Arbeit; monatlich mindestens drei Ruhetage. Die europäischen Unternehmer in der„, internationalen Niederlassung" in Schanghai und auch in anderen Städten lehnten dieses Gesez für ihren Machtbereich ab, so daß tatsächlich die ärgsten Leiden der chinesischen Arbeiter auf die ungleichen 3 wangs verträge der fremden Imperialisten zurückgehen, wie Thomas sagte oder gesagt haben soll. Der spätere Entwurf eines Kinderschuhgesezes für die internatio. nale Niederlassung im Jahre 1925, von dem in der„ Times" die Rede ist, blieb meit hinter dem chinesischen Gesetze zurüd( enthielt z. B. nicht das Verbot der Nachtarbeit Da es vom geschäftlichen Standpunkt undurchführbar" sei), und die Art seiner Behandlung war eine Komödie por den Augen der Deffentlichkeit. Da zu jener Zeit in der gesetzgebenden Versammlung von Schanghai nur die Ausländer stimmberechtigt waren, so brachten sie das Gesetz einfach dadurch zu Fall, daß sie nicht in der erforderlichen Anzahl von einem Drittel der Stimmberechtigten erschienen. In den kommentaren der englischen 3eitungen von Shanghai zu der Niederlage der Bersammlung hieß es, daß eine Anzahl pon Steuerzahlern der Bersammlung ab. fichtlich fernblieben, um einen Beschluß zu verhin Noch größere „ Diese Bestimmungen verbieten die Gemert schaftsbewegung und bestrafen die gewerffgaft liche Betätigung entmeber mit zweijähriger 3 mangsarbeit oder öffentlicher Auspeitfchung ( iehe Government Notification Rr. 369, Drdi: nances of Sontong 1925)." Kennzeichnend, wenn auch nicht neu, ist aber die Methode der ,, Limes", Northcliffe und Bottomley- Propaganda, Tatsachen unter Beibehaltung des Wortlautes in ihr Gegenteil umzukehren. Als nämlich das Kinderschutzgesetz für die Schanghaier Niederlassung 1925 nämlich das Kinderschutzgesetz für die Schanghaier Niederlassung 1925 bekannt wurde, waren es wirklich, wie nicht zu leugnen, chine fische Unternehmer, welche dagegen protestierten", nur ist eben der Sachverhalt so: dreißig führende chinesische Organisationen und Firmen überreichten der internationalen Niederlassung eine Denkschrift, i nder die Maßnahmen des Kinderschuzes befürmortet wurden mit dem Hinweis, daß es noch besser gewesen wäre, sich den Vorschriften des vor. fäufigen Fabrifgefeges der Befinger Regierung noch mehr zu nähern.". SP Der Protest" richtete fich also dagegen, daß nicht auch das Berbot der Nachtarbeit und andere weitergehende Bestimmungen aus dem chinesischen in das europäische Kinderschußgefeß übernommen wurden und sagt weiter, daß der Schanghaier Munizipalrat ,,, menn es ihm mit seinen Absichten ernst gewesen wäre, nur nötig gehabt hätte, auf der einen Seite das vorläufige chinesische Fabrifgesetz in Kraft zu seßen und andererseits Schulen zu errichten, oder vom Einkommen der internationalen Niederlassungen eine fleine Abgabe zu erheben, um diese für die Schulbildung zu verwenden". In den meisten großen chinesischen Städten gebe es Freischulen außer in der Schanghaier Niederlassung! Wie lange wird der europäische Beften, der auf seine technische Erhabenheit über trennende Büsten, Steppen und Weltmeere so stolz ist, es noch ertragen, immer wieder mit derlei Jrreführungen über die hoffnungsvollen, zukunftsreichen Länder des fernen Asien gespeist und vergiftet zu werden? Wann endlich werden die Arbeiter und die bedrückten Bölfer, die vor der Wahrheit nichts zu fürchten, pon ihrer Berdrehung nichts zu gewinnen haben, die technische Meisterung Don Raum und Zeit dazu nüzen, sich miteinander zu verbinden, statt fich gegenseitig als die Zerrbilder zu sehen, die sie durch die Schutzbrillen der Times"-Korrespondenten und entsprechenden Telegraphenagenturen darbieten? F. I Furtwängler. Maßregelungen auf den Werften? Der verbindlich erklärte Schiedsspruch zur Beilegung des Streits auf den Seeschiffmerften enthält folgende Schlußbestimmung: ..Erfolgt die Verbindlichkeitserklärung, fo foll die Wieder. einstellung der Arbeiter möglichst sofort nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten des Betriebes und ohne Maßregelung er. folgen." Das ist die übliche Borsichtsmaßnahme im Interesse der Arbeiter, die trog ihrer So11- Bestimmung einen Teil des ver bindlichen Schiedsspruches ausmacht und erfüllt werden muß. Nun ist selbstverständlich, daß nach einer Be triebsstillegung von 14 Wochen der Betrieb nicht ohne weiteres in vollem Umfange wieder aufgenommen werden, sondern wie - drei, vier Tage gestern& B. aus Kiel berichtet wurde vergehen, bis der größte Teil der Berstarbeiter wieder eingestellt wird. Das heißt aber, daß auch dann noch nicht sämtliche Arbeiter wieder beschäftigt werden. Eine Frage für sich ist, ob die Arbeiter nicht in folchen Fällen, in denen sie vom Beginn der allgemeinen Arbeitswieder aufnahme noch tage- oder gar wochenlang nach einer Aussperrung ober einem Streit auf ihre Wiederbeschäftigung warten müssen, aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung unterstützt werden fönnen, mas durchaus gerecht und notwendig wäre. Die Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe ist sehr wohl in der Lage, zwischen einer Verzögerung der vollständigen Wiedereinstellung aus tein technischen, fachlichen Gründen und einer unfachlichen oder gar abfichtlichen Verschleppung derselben zu unterscheiden. Bon Maßregelungen wird erst dann die Rede sein fören, wenn ein Teil der Arbeiter noch nicht wieder eingestellt wurde, trotzdem der Betrieb wieder in vollem Gange ist oder seine polle Ingangiegung verschleppt wird. Gegen offensichtliche Maß regelungen sind die betroffenen Arbeiter nicht schutzlos. Für das Organ der über jede 2bmürgung" ciner Aussperrung oder eines Streifs betrübten Weltrevolutionäre, ,, steht aber jetzt schon fest, daß Tausende von Werfte arbeitern überhaupt nicht mehr eingestellt werden." Auf der Werft von Schmilynsfi in Hamburg seien von 520 Mann 300 auf der Straße geblieben. Bevor man heute, am zweiten Lage der Arbeits. wiederaufnahme, auf derartige Behauptungen eingehen fann, bleibt denn doch abzuwarten, ob sie sich als zutreffend erweisen. Von irgendwelchen Maßregelungen auf den Werften fann also bis jetzt noch keine Rede sein. Tunnel zwischen Europa und Afrika? Madrid, 8. Januar. Die Kommiffion, die die Möglichkeiten der Unterhumelung der Meerenge von Gibraltar zu prüfen hat, ist von ihrer offiziellen Reise nach Madrid zurüdgefehrt. Der Tunnel wird auf ſpanischer Seite 6 kilometer mestlich von Tarifa liegen. Der Tunnel an der maroffanischen Küste ist noch nicht festgelegt worden. Die Bau fost en werden auf 300 millionen Peseten veran [ dhlagt Aus Nifaragna beschloß die amerikanische Regierung 1500 Marinesoldaten zurückzuziehen. Vortelle INVENTURAUSVERKAUE als sonst! Wenn man die Qualitäten bedenkt, sind diese Preise fast geschenkt!! rücksichtslos herabgesetzte Preise In fast allen Abteilungen Bettdecken über 2 Betten zum Aussuchen, früh. bis 17.50 Etamine Vitrage Meter. Allvoernet Vitrage Meter 17.50 6.90 jetzt 0.28 Ware teilweise angestaubt! Verkauf im Lichthof Mengenabgabe vorbehalten! 1 Post. Künstler Garnituren 1 Posten Halb- Stores 0.38 Serie I früh. bis 23.50 jetzt Bis 50% u. noch darunter im Preise ermäßigt! 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