BERLIN Mitkvoch 9. Januar 1929 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntags. Fualeich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Vf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erredition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Rr. 14 BI 46. Jahrgang. xzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Doftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Dienstentlaffung eines Richters Die Schimpfaffären des Landgerichtsrats Gellin in Breslau. Bor dem Großen Disziplinarsenat beim Rammergericht fand heute morgen die Berufungsverhandlung gegen den Breslauer Landgerichtsrat Josef Gellin statt. Der Herr Landgerichtsrat, selbst jüdischer Abstammung, hat am 23. September 1927 in einem Breslauer Weinrestaurant feinem jüdisch- antisemitischen Herzen gegen die Juden Luft gemacht. Wegen dieses, eines Richters unmürdigen Verhaltens, wurde er vom Disziplinarsenat beim Bresfquer. Landgericht zur Strafperfegung mit Verlust der Umzugskosten und zu einer Geldstrafe von 300 Mart verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Generalstaatsanwalt, dessen Antrag auf Entlassung aus dem Amte ging, Berufung eingelegt. " Alle Juden find Betrüger!" 17 Der Vorfall im Weinrestaurant hat sich folgendermaßen abgespielt: Am 23. September 1927 herrschte im Lokal mie üblich feuchtfröhliche Weinstimmung, die Musik ließ ihre Töne erflingen, an den Tischen wurde laut geplaudert. Plöglich hörte man eine Stimme schneidend durch den Raum: ,, Diefes Saublatt, dieses Dredblatt, fein anständiger Mensch wird das Berliner Tageblatt" in die Hand nehmen, alle Juden find Betrüger!" In diesem Tone ging es meiter bis sich von einem der Tische ein Herr erhob, auf den schimpfenden Gast zutrat, seinen Namen nannte. Es war Direktor Hermann, der Herrn Gellin erklärte, daß er sich als Mitarbeiter des Berliner Tageblatts" beleidigt fühle und ihn ersuche, sich mit ihm zum Austausch der Namen ins Vestibül zu begeben. Der Gast dachte aber gar nicht daran. Er zog gegen Direktor Hermann los, nannte auch diesen einen Juden und als diefer sich als Christ vorstellte, zu ihm sagte: ,, Sie sehen aber mie ein Jude aus. Ich bin Landgerichtsrat und lasse mir hier nichts fagen." An den Tischen herrschte helle Empörung, Rufe wurden fout: So beträgt sich ein deutscher Richter!", Das ist das typische Betragen eines deutschen Richters!" Man erwähnte auch den Justizminister, worauf der Langerichtsrat meinte: Ich fümmere mich hier nicht um den Justizminister." Als er auf feine jüdische Abstammung aufmerksam gemacht murde, erklärte Herr Gellin, er lege feinen Wert auf seine jüdischen Vorfahren, er tenne das Bad und hasse die Juden. Erst einem herbei geholten Schupomann gelang die Feststellung des Namens des Herrn Landgerichtsrats. 3m Zustand willenloser Betrunkenheit. Auch in Paris ist es kalt! Die Besitzerin einer jener kleinen, für Paris typischen Altbuchhandlungen an den Ufern der Seine hat sich gegen die grimmige Kälte gänzlich eingemummt. In Berlin 12 Grad Kälte. Mit dem heiteren Frostwetter, das seit einigen Tagen herrscht, ist ein weiterer scharfer Temperaturrüdgang eingetreten. Während gestern noch eine Durchschnittstemperatur von Minus 6 Grad herrschte, wurden heute früh in der Innenstadt Minus 12 b3 m. 13 Grad gemessen. Vorläufig besteht noch feine Aussicht, daß die Kälte eine Milderung erfahren wird. Das ganze Reich steht unter dem Einfluß eines fräftigen Hoch drudgebietes, das über dem Baltikum und Nordpolen lagert. Im Zentrum dieses Hochs in Nordpolen herrschen über 20 Grad Kälte. In Schlesien und Ostpreußen differieren die Temperaturen zwischen Minus 14 und 19 Grad. Im größten Teil des Reiches westlich der Oder schwankten die Morgentemperaturen um Minus 10 Grad. Die Sachverständigen ernannt. Schacht und Bögler. Als deutsche Hauptdelegierte für die Reparationsfachverständigenkonferenz wurden heute der Reichsbankpräsident Schacht und der Industrielle Vögler ernannt. Ihre Stellvertreter sind der Bankier Melchior und das geschäftsführende Mitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie& a st 1. Das Reichskabinett wird u. a. einen besonderen Sachverständigen a usschuß ernennen, dem Bertreter aller Wirtschaftsfreise angehören werden. Der Ausschuß hat den Zweck, mit den Hauptdelegierten gemeinsam die aufgeworfenen Probleme zu beraten. Der Freiheitstraum ausgeträumt. Kroatenführer gegen Diftaturregierung. Agram, 9. Januar. Der Kroatenführer Matschef gab eine Erklärung ab, in der es heißt, daß seiner Ansicht nach die Regierung nicht geeignet sei, die kroatische Frage einer Lösung entgegenzuführen. Die Beteiligung der bisherigen Parteien an der neuen Regierung sei ein Beweis dafür, daß die Regierung nicht über den Parteien stehe. Er hätte den kroatischen Mitgliedern des kabinetts nicht den Rat erteilt, ihre Portefeuilles anzunehmen. Die Justiz der Diftatur unterworfen. Belgrad, 9. Januar. Im Amtsblatt wird eine Reihe von Gesetzen über die Neugestaltung des Gerichtswesens veröffentlicht, durch die Ausnahmegerichte an die Stelle der ordentlichen Gerichte gesetzt werden und durch die auch die Unabsehbarkeit der Richter auf= gehoben wird. In dem Gesez wird ausdrücklich gesagt, daß der König über den Antrag des Justizministers die Richter versetzen, pensionieren oder aus dem Amte entlassen kann. Durch das Gesetz über den Gerichtshof zum Schutze des Staates wird beim Kassationshof in Belgrad ein außerordentliches Gericht geschaffen, das zuständig ist für alle Handlungen und Verbrechen gegen das Gesetz zum Schutze des Staates in ganz Jugoflawien. Auch wenn die nach diesem Gesetz strafbaren Handlungen im Auslande begangen wurden, sind die jugoslawischen Staatsangehörigen diefem Gericht unterworfen. Die Entscheidungen des außerordentlichen Gerichts find endgültig. Es gibt kein Rechtsmittel gegen seine Urteile. Auch Handlungen, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes begangen wurden, fallen unter die Zuständigkeit dieses Gerichtshofes, falls noch keine Entscheidung eines Gerichts in erster Instanz vorliegt. Der Vorfall im Weinrestaurant hatte doppelte Folgen. Einmal fam es zur Erhebung einer Beleidigungsflage vor dem Schöffengericht, zum anderen zur Einleitung eines Disziplinar. Derfahrens. Der Schöffengerichtssache, die am 26. Dezember 1927 verhandelt wurde, lag ein medizinisches Gutachten bei, das ganz besonders die schwere örtliche Belastung, die neuropathische Ronftitution, den jahrelangen übermäßigen Alkoholgenuß des Angetlagten hervorhob und die Möglichkeit der Anwendung des§ 51 in Rechnung zog. In Anbetracht dieses Gutachtens beantragte der Berteidiger des Landgerichtsrats Gellin eine psychiatrische Begutachtung seines Klienten. Das Gericht gab diesem Antrage statt, und die Begutachtung erfolgte, obgleich der Verteidiger feinen Antrag in einem späteren Stadium mit der Begründung zurücknahm, daß er ihn ohne Zustimmung seines Klienten gefteilt habe. Das Gutachten zweier Breslauer Professoren ging dahin, daß der Angeflagte sich in einem 3uftande willenlofer Betrunkenheit nicht befunden habe und der§ 51 für ihn In der Sizung der städtischen Kollegien in Kiel ist es, wie| Herr werden konnte, unterbrach er die Sigung auf furze Zeit. Beim deshalb nicht in Anwendung fäme. Das Schöffengericht verurteilte uns ein eigener Bericht meldet, bei der Beratung einer Theatervorden Landgerichtsrat Gellin wegen öffentlicher Beleidigung outage zu unglaublichen I umultszenen gekommen. Die Kommu500 Mart Geldstrafe. Roch eine andere Schimpferei. " Vor dem Disziplinarsenat beim Oberlandesgericht Breslau stand außer dem Borfall im Schröderschen Weinrestaurant noch ein 3 weiter Borfall zur Verhandlung, der sich im Winter 1923 in einem anderen Weinlokal abgespielt hat. Landgerichtsrat Gellin beliebte hier in einer lauten Unterhaltung mit einem Herrn, der an einem anderen Tisch saß, die damalige Reichsregierung als Bande", „ dreiste Berbrecher" und Berräter" zu bezeichnen. Er stieß auf den Sturz der Regierung an und rief: Nieder die Regierung!" Ein Mitglied der Zentrumspartei, Studienaffeffor Bendler, schlug mit der Foust auf den Tisch und rief:" Nun habe ich es wirklich satt!", und verließ das Lotal. Von einer Anzeige beim Obergeneralstaatsanwalt hatte er damals auf Bitten des Lokalinhabers abgesehen. Als aber jetzt sich der neue Borfall im Weinrestaurant ereignete, tauchte auch die öffentliche Schimpferei des Landgerichtsrats vom Jahre 1923 auf. ( Fortsetzung auf der 2. Geite.) L Kampf mit Stinkbomben. Kommunistischer Radau in Kiel und Frankfurt a. M. nisten wollten mit dieser Vorlage Unterstützungsanträge verbinden. Als das abgelehnt wurde, antworteten die mit bestellten Besuchern besetzten Tribünen mit dem Werfen von Stintbomben und anderen Geschossen. Die Tribünen wurden geräumt, die Berhandlungen mußten auf längere Zeit unterbrochen werden. In der neuen Sigung wurde ein kommunistischer Stadtverordneter nom Oberbürgermeister dreimal zur Ordnung gerufen, weil seine Rede eine Anhäufung von Beleidigungen war. Er fügte sich auch dem dritten Ordnungsruf nicht und mußte schließlich durch Polizeibeamte aus dem Saal entfernt werden. Nachdem sich der Tumult gelegt hatte, wurde die Magistratsvorlage über die Weiterführung der städtischen Bühnen gegen die Stimmen der Kommunisten und Deutschnationalen angenommen. Aehnliche Szenen haben sich am Dienstag in Frankfurt a. M. abgespielt. Als in der Stadtverordnetenversammlung die fofortige Beratung einiger kommunistischer Anträge abgelehnt wurde, erhob sich ein ohrenbetäubender Lärm sowohl im Sizungsjaal als auch auf der Galerie. Dabei tat sich besonders der Kommunist Aschenbrenner hervor. Da der Borsigende des Lärmes nicht mehr Die Wiederzusammentritt verkündete er, daß Aschenbrener aus dieser und den drei folgenden Sitzungen ausgeschlossen werde und gab Anweisung, die Galerie zu räumen. Neuer Lärm folgte, in dessen Verlauf es beinahe zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre. Räumung der Galerie gestaltete sich sehr schwierig, da das Publitum, meist von den Kommunisten bestellte Arbeitslose, nur widerwillig den Anordnungen der Rathauswächter folgte. Der Vorsitzende forderte dann den Stadtverordneten Aschenbrenner nochmals auf, den Saal zu verlassen. Er leistete aber der Aufforderung nicht Folge. Darauf erschienen zwei Polizeibeamte. Aschenbrenner folgte ihnen, nachdem er erklärt hatte, daß er nur der Gewalt weiche. Eine Zeitlang haben sich die Kommunisten in den öffentlichen Körperschaften recht manierlich betragen. Sie hatten nämlich eingesehen, daß man mit Schimpfereien und Prügeleien auf politisch aufgeklärte Arbeiter feinen Eindruck machen kann. Jetzt aber wollen die Thälmänner offenbar zeigen, daß sie nach dem Hinauswurf der .Rechten" ganz besonders radikal seien. Daher die Rüpelszenen in Kiel und Frankfurt a. M. Aber bisher waren Stintbomben die Spezialität der Hakenkreuzler; haben die Thälmänner etwa Angst vor der Konkurrenz Oer schimpfende Richter. (Fortsetzung von der I.Seite.) Vor dem Disziplinarsenat erklärte Londgerichtsral GeUin, daß I«ine Entrüswng nicht der Reichsregierung als solcher, sondern nur dem früheren Reichskanzler W i r t h wegen seines Verhaltens in Oberschlesien gegolten habe. Das Urteil des Disziplinarsenatz stellte fest, daß Gellin das. An sehen des Richter stand«? in höchstem Maße geschädigt Hab« und daß sein Betragen >mt der Würde eines Richters nicht in Einklang zu bringen sei. Auch die Berufung auf den Z 51 falle schwer ins Gewicht. Von einer Entlassung aus dem Amte habe der Disziplinarsenot noch abgesehen da die von dem Angeklagten ausgestoßenen Beschimpfungen in einem stark angetrunkenen Zustande erfolgt seien und der Angeklagte sich zwanzig Jahre lang als kenntnisreicher und fleißiger Richter gezeigt habe, sein Gesundheitszustand auch durch seinen Kampf gegen die französische Willkür schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Dos Urteil des Strafsenats hat seinerzeit, wie der Berichterstatter in der heutigen Bcrufungsverhandlung feststellt«, in der Presse eine äußerst abfällig« Kritik hervorgerufen. In Breslau selbst haben die jüdischen Anwalle erklärt, daß sie den Landgerichtsrat Gellin wegen Befangenheit ablehnen würden, und die christliche» Anwälte, daß sie dos gleiche bei Vertretung jüdischer Parteien tun würden. Oer Antrag des AnNaaevertreters. Oberstaatsanwalt Rohde, der heut« die Anklage ver- trat, beantragte, das Urteil des DiszlpUnarsenats beim Oberlande s- tzericht auszuheben und auf Entlassung aus dem Dienste zu erkennen. Er führte aus, daß es Pflicht des Angeklagten gewesen sei, da er doch seine Intoleranz kannte, sich vor überstarkem Alkoholgenuß zu hüten. Der ganz« Vorfall, so traurig er auch sei, mute wie eine Groteske an: ein geborener Jude beschimpft einen Christen als Juden! Der Mangel an Selbstzucht, den der Angeklagte bewiesen habe, sei so groß, daß seine Autorstät als Richter einen endgültigen Schlag erlitten habe. Auch eine Versetzung an «inen anderen Ort sei nicht imstande, diesen Schaden gutzumachen. Der Fall sei durch die Presse überall bekanntgeworden. Hinzu komme noch der Umstand, daß der Angeklagte als Richter sich auf den ij 51 berufen habe. Auch der Vorfall aus dem Jahre 1S2Z sei nicht als ganz so unbedenklich zu betrachten, wie dies das Urteil erster Instanz getan habe. Er hätte dem Angeklagten als Warnung dienen sollen. Zur Entlassung aus dem Dienst verurteilt. Der Große Strafsenat verwarf die Berufung des A n g e k l a g t e n, hob das erstinstanzliche Urteil auf und erkannte auf Entlassung aus dem Dien st e unter Gewährung einer Unterstützung in der Höhe von drei Vierteln der gesetzmäßig vor- gesehenen Pension. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß die Milderungsgründe der ersten Instanz sich zu einem großen Teil als nicht stichhaltig erwiesen hätten. Insbesondere komme die Trunkenheit nicht strafmildernd, sondern strafschärfend in Betracht. Der Vorfall im Weinrestaurant könne auch nicht als vereinzelt dastehend betrachtet werden. Im Gegenteil ergeben die Personalakten des Angeklagten, daß fein schroffes, unbeherrschtes Wesen des öfteren und zwar bis in die letzte Zeit hinein zu Beschwerden. Mahnungen und Ermahnungen Anlaß gegeben habe. Der Vorfall schein« somit tief im Wesen des Angeklagten begründet zu sein. Mit einer Versetzung wäre der Gefahr, die solche Richter darstellen, nicht entgegengetreten. Könne den Staatsbürgern jüdischen Glaubens nicht zugemutet werden, sich von dem Angeklag- ten aburteilen zu lasten, so habe er auch in den Augen anderer Bürger das Ansehen verloren, dessen ein Richter bedürfe. Auch di« Berufung aus den§ 51. die allerdings dem Angeklagten incht zur Last gelegt werden könne, sei geeignet, seine Autorität aufs tiefste zu erschüttern. Unter solchen Umständen habe nur auf E n t- lassung aus dem Dienst erkannt werden rönnen. KPO.-Kampf mit Bierseideln. Stoßtrupp in der Hochbohner-Bersommlnng Verkehrsbund, Metallarbeiterverband und Verband der Ma- jchinisten und Heizer hatten zu Dienstagabend eine Versammlung der H o ch b a h n e r in? Gewerkschaftshaus einberufen, in der über die Gestaltung des neuen Manteltarifs verhandelt wurde. Die Opposition benutzte dies« Gelegenheit zu einem Vorstoß gegen den Berkehrsbund, well dieser den kommunistischen Stadtoerord- neten Deter ausgeschlossen hat. Obwohl die Arrangeure des Protestes genau wußten, daß in einer allgemeinen Hochbahner- Versammlung keine Angelegenheiten behandelt werden können, die Sache einer einzelnen Organisation sind, wurde die Wiederaus- nähme Deters verlangt und dieses hier unangebrachte Verlangen unter.Verstärkung" betont. Die Opposition hatte sich nämlich eine Schutzgarde aus Rotfrontkämpsern in die Versammlung mitgebrocht. Schließlich machte die Opposition dem Verhandlungsleiter Koch vom Metallarbeiterverband das Kompliment, er sei unfähig, die Hochbahner zu vertreten. Da nach Lage der Dinge ein geordneter Verlaus der Versammlung nicht mehr zu erwarten war und zudem etwa die Hälfte der Verfammlungstellnehmer sich, von dem kommunistischen Krakeel angewidert, entfernt hatte, blieb Koch nichts weiter übrig, alsdieVersammlungzufchließen. Da? war für den Stoßtrupp das Signal zum Angriff, das freilich erst ausdrücklich gegeben wurde unter der Parole von einem Stuhl herab:.Laßt Euch nicht provozieren!" Der Stoß- lrupp drang gegen das Podium vor und bombardierte den Vor- standstifch mit Viergläsern. Lasten wir zunächst die„Rote Fahne" berichten: „Ein Teil der Versammelten nahm eine drohende Haltung an. Die beiden Gewerkschaftsangestellten K n o b e l und Koch versteck- ten sich hinter das Rednerpull, gegen das Biergläser geschleudert wurden. Verschiedene Kollegen stürzten sich auf das Pult, hinter dem Koch mit einemmai auf der Erde lag und den toten Mann markierte. Es wurde aber festgestellt, daß ihm nichts postiert war. Bekannte Kollegen von der Opposllion gaben sich die größte Mühe, die Ordnung herzustellen. Die Versammlung ging auseinander. Man konnte noch auf der Straße in erregten Diskussionen die Er- bitterung über das Verhallen der zwei Gewertschaftsbonzen hören." Die Wahrheit ist, daß Koch ein Biergloswurf gegen die .inke Schläfe traf, so daß er zu Boden stürzte und besinnungslos liegen blieb. Koch wurde nach seiner Wohnung gebracht, wo er zur Stunde noch krank danieder liegt. Das.Auseinandergehen der Versammlung" vollzog sich, so- weit die Helden von Rotfront und ihr« Gönner in Frage kamen, ziemlich plötzlich und fluchtartig. Mit solchen handgreiflichen„Argumenten" werden die„r e- form ist ischen" Gewerkschaften von der kommuni- st i s ch e n Opposition bekämpft. Die„Rote Fahne" aber Die geraubien Bilderschätze. Oer Gtreifzug der Kunsthändler und Einbrecher nach Kadolzburg. Fürth, 9. Januar. Roch am Schluß der gestrigen Abendverhandlung versuchte der Angeklagte Graske in sehr weitschweifigen Ausführungen dar- zutun, daß er nur aus feiner Notlage heraus sich zu diesem Einbruch aus der Kadolzburg entschlossen habe. Nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt im August 1927 habe er seine in Untersuchungshost sitzende Schwester und seine kranke Braut unter- stützen müsten. In dieser Lage sei dann Lüdke, den er durch seine Braut konnte, mit fortwährenden Angeboten an ihn herangetreten. Einmal sollte er ein Sultansbild irgendwo stehlen, ein anderes Mal eine Vase aus dem Sigmaringer Schloß, dann wieder einen Teppich in Glücksburg und immer habe es geheißen, Lippmann interessiere sich für diese Dinge, Lippmann wolle den Diebstahl haben. Immer habe er abgelehnt, bis schließlich seine Notlage so groß gewesen sei und er schließlich in den Plan, die Bilder in Kadolzburg zu stehlen, eingewilligt habe.„Ich halle kein Geld aber viel Zell, und da jagte ich mir: siehste dir mal Boyern an. Nur durch meine Notlage bin ich rückfällig geworden, weil ich als anständiger Mensch meine Schwester und Braut nicht verlassen wollte." Zu Beginn der heutigen Verhandlung wurde in der Vernehmung des Angeklagten Graske fortgefahren, und zwar sollte er sich über seine Beziehungen zu der Zimmeroermieterin Schwarz äußern. Als der Staatsanwalt beantragte, mit Rücksicht darauf, daß Graske und feine Braut jahrelang bei Frau Schwarz in Berlin unangemeldet gewohnt hätten, dies« Angeklagte für die Dauer der Aussage des Graste aus dem Saal zu führen, lachte Frau Schwarz laut auf, was vom Vorsitzenden energisch gerügt wurde, während der Staatsanwall sich den Antrag einer Ordnungsstrafe vorbehiell. Graske bestritt, jemals bei Frau Schwarz gewohnt zu haben, wohl aber habe seine Braut 1917 dort einige Monate Woh- nung genommen. Weil nach seiner Auffassung dos betreffende Haus in der Badenschen Straße in Wilmersdorf nur von vornehmen Leuten bewohnt und von einem Portier bewacht war, hielt er die Penston Schwarz rein aus äußeren Gründen auch für„sicher" genug. sie Schmidt als Wohnung zu empfehlen, als die Ermittlungen der Polizei wegen des Kadolzburger Diebstahls eingesetzt hallen. Lipp- mann sei dann zu Frau Schwarz gegangen und habe für Schmidt, der dort unter dem Namen Grünseld wohnte, die Miete bezahll. Der Angeklagte Schmidt erklärt«, daß er sich wegen seines jüdischen Aussehens den jüdischen Namen Grünfeld zu- gelegt habe und sich der Frau Schwarz als Wäschereijender vor- qestellt habe. Seine begeisterte Schllderung der aus Schlafzimmer. Salon und Bad bestehenden Wohnung, die mit besonderen Telephon- anschlüssen und allem Komfort der Neuzeit eingerichtet gewesen sei und für die monatlich ein« Miete von 200 Mark nicht zu hoch ge- wescn sei, veranlahte den Vorsitzenden zu der Frage, ob denn in Berlin alle Wöschereisenden so vornehm seien. Auf die Frage des Staotsanwalis, ob er denn nun den Rat des Graske befolgt und sich an Frau Schwarz herangemacht habe, lachte Schmidt hell auf. Angeklagter Lippmom, erklärte hierzu noch, daß Graske die Frau Schwarz als„treu" bezeichnet habe, womit er wohl andeulen wollte, daß sie.Ficht halte".— Es kam dann upch zu längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Verteidiger Lipp- monns, R.-A. Haber, und den Angeklagten Graske und Schmidt über die Frage der Urheberschaft des Planes zu dem Dlebslahl, abgleich der Vorsitzend« darauf hinwies, daß das Gericht auf dies« Frage keinen Wert leg«. Die Erklärung Graskes. daß Lüdke ihm im Herbst 1.927 berells einen ganz genauen Plan des Schlosses Sigmaringen mit Einzeichnung der besonderen Kostbarkeiten vor- gelegt habe, um ihn dort zu einem Einbruch zu animieren veran- laßt'c R.-A Haber zu der erneuten Frage, wie oft Schmidt in Sigmaringcn gewesen sei. Schmidt erwiderte, er sei im Oktober/November 1927 mindestens zehnmal dort gewesen. Der Schloßkostellan habe ihm gleich seinen Besuch gemacht, um ihn, Antiquitäten zum.Kauf anzubieten. Er sei auch zweimal zum Tee beim Fürsten von Hohenzollern eingeladen worden. Die berühmten schwarzen Basen habe er bei diesen Besuchen ebenfalls gesehen. Zwei Alexander. Alexander von Serbien:„Ich habe den Gor« dischen Knoten durchgehauen wie Alex.nder der Große!" Stimme aus demGrabe:„Laß Dich warnen Es gab vor Dir aber auch einen Alexander von Serbien!" gibt ihrer gesucht naiven Darstellung des für sie offenbar ganz se'bst- verständlichen Vorganges die hübsche Ueberschrist:„Reformisten provoziere» die Hochbohne r." Oie Sozialdemokratie steht fest! „?ost neiderfüllt" konstatieren es die Deutschnationalen. Die Deutschnationale Parteikorrespondenz schreibt: „Es steht uns zwar außer Zweifel, daß auch die Sozialdemo- kratie von den gleichen krisenhaften Erscheinungen erschüttert wird, die sich In den anderen deutschen Parteien zeigen, aber wir ge- stehen, daß man fast neiderfüllt aus die Disziplin schauen kann. die im allgemeinen im sozialdemokratischen Lager geholten wird. Spengler hat einmal eine kleine Broschüre geschrieben„Preu- ßentum und Sozialismus", und wenn der von ihm gezogene Per- gleich auch nicht unmittelbar etwas mll diesen Dingen zu tun hat, so kann man es schon fast preußisch nennen, wie die An- hängerschaft dieser Partei nach wie vop diszipliniert ihren Führern folgt.... Die Sozialdemokratie steht a'fo trotz des latenten inneren Gegensatzes zwischen gemäßigtem und radikalem Flügel und trotz der schweren Krisen, die sie gerade in der letzten Zeit durchzumachen hatte, nach außen durchaus gefestigt da." „Fast preußisch"— das ist in deutschnationalem Munde wohl das höchste Lob, das gespendet werden kann; doch müssen wir e? ablehnen. Mll dem altpreußischen Untertanengehorsom hat die so- zialbempkratische Parteidisziplin gar nichts zu tun, sie ist vielmehr das gerade Gegentell von ihm. Denn sie beruht ayf vollkommener Freiwilligkeit und auf der Einsicht, daß«ine große Bewegung auch für verschiedene Auffassungen und Temperamente Raum haben muß, wenn sie nur alle durch die Gemeinsamkeit des Zieles mst- einander verbunden sind. Was die Sozialdemokratie von den bür- gcrlichcn Parteien umerscheidet, ist nicht nur die viel größere Homo- genital ihrer Anhänger im Sinne geineinsamer Klassenzugehörigkeit, sondern auch das Vorhandensein einer großen leitenden Idee, unter deren Stern sich doch immer wieder alles sammelt. was im einzelnen und vorübergehend gegeneinander geraten mag. Darum bleibt die Sozialdemokratie auch von jenem Zustand der Dauerkrise oerschont, in dem sich alle Parteien rechts und links von ihr befinden. Ein Liiwinow über Sowjeilügen. Die Wechsel der Sowjetregierung vor Gericht. Paris. 9. Januar.(Eigenbericht.) Der Pariser Untersuchungsrichter hat am Dienstag den jungen Litwinoch vernommen, der wegen Ausstellung falscher Wechsel über 200 000 Psund Sterling oerhastet worven ist. Litwiiww er- klärt« bei der Vernehmung, daß er diese Wechsel auf Befehl.es Propagandachefs der Komintern, Turoff. ausgestellt habe. Er bc- tonte, dqß zur Stütz« der Anklage nichts als die unbewiesene Behauptung der Sowjetregierung vorliege. Die Sowjets scien aber oft genug beim Lügen ertappt worden, als daß. man chnen heute Glauben schenken könne. Die Anklage verfolge den Zweck, sich der Bezahlung der Wechsel zu entziehen und um seinen Bruder, den. Voikskommisiar für auswärtige Angelegenheiten, zu diskredllieren. Der Berliner Bankier Joffe, der mit Lilwüww verhajtet wor- deu ist, legte ein« Quillung Turoffs über 600 000 M. vor. Er, Joffe, habe nämlich im Mai 1926 von Turoff sieben Wechsel im Gesamtbetroge von 30 000 Pfund oder 600 000 M. übernommen. Der dritte Verhaftete, der Hotelier Liborius, erklärte, einen Teil der Russenwechsel in Berlin von 300 000 M. eskomxtiert zu haben. Auf die Frage des Untersuchungsrichters, woher er das Geld dazu gehabt habe, erklärt« er, er habe die in feinen Unternehmungen gewonnenen Gelder stets bei sich in der Wohnung behol- ten, um seinen Gewinn der Steuer.zu h i n t e r z i e h en. Er habe in Berlin mehrere Restaurants geführt, vor allem die M e f s e der Interalliierten Militärtontrollkommisfion. Auch sei er trotz aller Dorsicht schon einmal zu 800 000 M. Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Der Untersuchungsrichter steht den Aussagen der Angeklagten noch mit einiger Skepsis gegenüber. Nach den Aussagen der deutschen Poliei befand sich Turoff zu der von der Angeklagten angc- gcbenen Zeit weder in Berlin noch in Moskau, sondern er war in Wiesbaden in ärztlicher Behandlung. Mussolini als Prophet. Er hat schon jeht Ahnungen für-1936. Rom, 9. Januar. Mussolini hat einem amerikanischen Pressevertreter über die italienischen Expansionsbestrebungen u. a. folgendes erklärt:„Unser Zweck ist nicht der Krieg, sondern die B e r e i t s ch a f t. Ich glaube. daß 1935 einige Bedingungen eintreten, die eine Aenderung der gegenwärtigen Gestalt Europas notwendig mache» Die Friedensverträge sind unzulänglich. Viele durch den Krieg und den Frieden ausgeworfenen Probleme müssen geregelt werde», und ich bin sicher, daß es mst der Zelt.geschieht. Es gibt Rationen, die nicht in ihrem fetzigen Zustand bleiben können, wie z. B. Ungarn Dos Los Ungarns muh erleichtert werden Das Probt«» der k o l o? n i a l e n Expansion, die für Italien so lebenswichtig ist, wird mit den übrigen bedeutungsvollen Fragen für die übrige Welt au'- geworfen werden. Man darf mich aber nicht mißverstehen. Was ich sage, ist nicht ein? Kriegsdrohung. Die Verträge können auch freundschaftlich und friedlich revidiert wert-:». Jtalen will den Frieden, um das große Werk sortsetzen zu köruen. das es begonnen habe. Wir hallen uns zum Kriege bereit. Wir bereuen uns in sehr bescheidenem Rahmen vor und geben viel weniger für Rüstungszwecke als Frankreich und England aus. Unsere Rüstungen sind für unsere Existenz und Zukunft notwendig, und wir verfolgen keine anderen Ziele." Eisenbahnunfall in der Tschechoslowakei Prag. 9. Januar. Räch einer Milleilung der StaatsbahnFireltion Prag-Sled stieß heute srüh in Okrothlitz bei Iglau ein Schnellzug mit eincni Giller.zug zusammen, wobei fünf Eiscnbahnbeamt? schwei und drei leicht verletzt würben. Auch ein Reisender wurde leicht verletzt. Freundschaft mit Moskau. KaUn.n über die Vande des Rechts, der Wirtschast und der Politik. Unsere gestrige Mitteilung über die freundliche Haltung der„Krasnaja Smesda", dem Matt der Roten Armee, gegen- über dem von Sozialdemokraten mitregierten Deutschend kann heute�ergänzt werden durch eine Aeußerung des sowjet- russischen Staatschess selbst. K a l i n i n hat als Vorsitzender des Zentralvollzugsausschusses in Erwiderung aus die Antrittsansprache des neuen deutschen Botschafters von D i r ck s e n erklärt: „Die Völker der Sowjetunion und die deutsche Republik sind schon seit vielen Jahren durch Freundschaftsbande verknüpst Der Rapallo-Vertrag bildet die unerschütterliche Grundlage der Zusammenarbeit beider Staaten. Mit der Entwicklung der Volks- Wirtschaft beider Länder und der Rekonstruktion der gesamten Wirt- schast der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf neuen Grundlagen entwickelten sich und e r st a r k t e n die Veziehun- gen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, indem sie mit jedem Jahre durch neue Vereinbarungen bekräftigt und ausgestaltet wurden. Der Vertrag vom 12. Oktober 1925 war der wichtigste R e ch t s s a k t o r in der weiteren Entwicklung der Wirlschafts- beziehungen zwischen beiden Staaten. Seine Lebenskrästigkeit und sein praktischer Wert für beide Teile wurde durch die Tatsache der Unterzeichnung des sawjetistisch-deutschen Protokolls vom 21. Dezem- ber 1928 bekräftigt, das das folgende Stadium der Wirtschaft- lichen Zusammenarbeit der Sowjetunion und Deutschlands ein- leitet. Gleichzeitig mit der Entwicklung der wirtschaftlichen und kulturellen Band« wuchsen und erstarkten die politischen Bs- Ziehungen zwischen der Sowjetunion und Deutschland. Der wich- ligste Markstein dieser Beziehungen war der Berliner Nichtangriffs- und Neutralitätsoertrog vom 24. April 1926. Dieser Vertrag zeugt Tom?xcr stier schuppen mur Sporthalle. Der preußische Landtagsausschuß für Leibesübungen hat beim Staaisministen um beantragt, aenalten Exerzier schuppen in der Karl Straße für den sportlichen und turnerischen Betneb der Bertiner Hochschulen zur Verfügung zu stellen. nicht allein von der Vertiefung der jowjetistisch-deutschen Freund- s ch a f t, sondern er ist auch ein überaus ernster Faktor für die Sicherung des Friedens in Europa. Ich bin glücklich, dah Sie, Herr Botschafter, der bereits lange am Werk der sowjetistisch-deut- schcn Annäherung arbeitete, in Moskau mit Erfolg die überaus wertvolle Tätigkeit Ihres würdigen Borgängers fortsetzen werden." Im gleichen Sinne wurde gestern in Moskau eine „Woche deutscher Technik" mit einer Festsitzung eröffnet, bei der dem deutschen Botschafter, wie der Moskauer Hofbericht meldet, eine„große Beifallskundgebung" bereitet wurde. Angefichts' solcher Acußerungen der Freundschaft zwischen Moskau und Berlin fallen die Behauptungen der deutschen Kommunisten. Deutschland sei eingerecht in die Front der Antisowjetmächte, in nichts zusammen. Sie werden die Kundgebungen der Moskauer Regierung doch nicht selbst für Lüge und Heuchelei erklärem_ L awrence nach England zurückgerufen» Wegen der Aufstandsgerüchte. Lahor«. 9. Januar. Der Flicgersoldat Shaw(vor in als Ober st Lawrence) ist hier im Flugzeug von seinem Posten an der Nordwestgrenze«in- getroffen. Er ist nach Karachi unterwegs, von wo er mit dem ersten Dampfer nach England abreisen wird, da er zu seiner Stammtruppe in der Heimat zurückversetzt wurde. Er stellte entschieden in Abrede, mit den Ereignissen in Afghanistan das mindeste zu tun gehabt zu haben. Das Arbeiterblatt„Daily Herald" jagt in einem Leitartikel, die indische Regierung trage selbst die Schuld am Entstehen von Ge- rüchten über Lawrences Teilnahme am Aufstand in Afghanistan, wenn sie einen Mann, der im Weltkrieg als Organisator eines Auf- standss berühmt geworden fei, an der Grenze eines Landes wie Afghanistan stationiere. poincare vor radikalem Mißtrauen. Frattionszwana beschloffen Pari«, 9. Januar.(Eigenbericht.) Das Kabinett Poincore ist durch den gestrigen Fraktionsbe- schluß der Radikalen Partei in eine recht gefährliche Lage gekom- inen. Die Radikalen haben beschlossen,«in Mißtrauens- votum gegen die Regierung einzubringen und für die Annahme dieses Mißtrauensvotums den Fraktionszwang zu oerhän. gen. Zur größeren Sicherheit fall das Votum von dem Partei- jührer Daladier und sämtlichen Fraktionsmitgliedern unterzeichnet werden. Trotz dieser Opposition der Radikalen Partei dürfte Poincare zwar immer noch eine Mehrheit erha ten, doch schrumpft nun diese Mehrheit auf höchstens 30 zusammen. Der so.�alistischc„Populoire" erNart mit Recht, daß mit diesem Opposttionsbeschluß der Radikalen Partei das Kabinett den T o d e s- stoß erhalten habe. Di« Mehrheit der Regierung sei nun so ge- ring, daß fie sich bei jedem Schwanken in eine Minderheit um- wandeln könne. Grünewald im Von Dr. Paul Dos gewaltigste Altarwerr der Spätgotik und eines der größten Kunstwerke aus deutschem Bereich schlechthin ist der Jsenheimer Altar Mathias Grünewolds. Vorläufig darf man diesen Zeitgenossen Dürers noch so nennen, bis sein wirklicher Name(ob Gothart oder Nithardt) einwandfrei nachgewiesen ist: aber schon, daß man nicht einmal den echten Taufnamen eines der größten Malgenies aller Zeiten kennt, ist bezeichnend für das Dunkel und das Geheimnis, das um ihn webt. Er hat sich wahrhaftig so vollständig in seinen Werken ausgegeben, daß von seiner Person nichts geblieben ist als eine äußerst karg« und angezweifelt« Legende; während Dürer seit jeher im hellsten Licht der Geschichte stand und ihm daher sogar ein so wesensfremdes Werk'wie der Jsekiheimer Altar zeitweise zu- geschrieben werden konnte. Gegenwärtig wird man wieder aufs lebhafteste an den Magier aus Aschasfenburg oder Würzburg erinnert, weil im Alten Museum. oder genauer, in dem Gang, der Altes und Neues Museum über die Straße weg verbindet, eine Anzahl von Werken seiner Hand ausgestellt isti Dies geschah nicht deshalb, weil ungefähr vor 400 Iahren Grünewald gestorben ist als melancholischer und eingezogener Misanchrop, denn man weiß auch sein Todesjahr nicht genau; sondern aus dem begreiflichen und praktischen Grunde, weil eine sehr sorg- faltige, in langjähriger Arbeit entstandene Kopie des Jsenheimer Altars von Marc Grunwold hergeliehen wurde und An- laß bot, den Berliner Besitz an Grünewald um diese herum zu gruppieren. Don Originalgemälden kam nur eine schöne Neine Kreuzigung aus hiesigem Privatbesitz in Frage, der sich eine ältere Kopie der in Basel befindlichen Kreuzigung mit dem merkwürdigen Ritter(„Longiens") anschließt: sodann etwa ein Dutzend herrlicher Zeichnungen, von denen dos Berliner Kupferstichkadinett dt» Hälfte aller bisher bekannten besitzt, nebst einer aus derselben Privat- sammlung stammenden Handzeichnung und großen Photographien. Wer Grünewold, wie die Mehrzahl der Berliner, nur aus Re- Produktionen kennt, erhält hier Gelegenheit, sich ein ungefähres Bild von ihm zu machen. Daß er fragmentarisch bleibt, liegt wesentlich am Format. Die beiden Kreuzigungen sind kaum um- sangreicher als die Handzeichnungen, die ohnehin ja nur Detail- ftudien, also Hilfsmittel sind, und die Kopie des Jsenheimer Altars ist zwar vollständig, indem sie auf Mittelteil und sechs Flügeln die acht ungeheuren Possions- und Legendenszenen in praktikabler Schreinform und die Skulpturen des Innern wenigstens gemalt an- deutet, aber sie reduziert das Größenverhältnis so stark, daß man von einem Ersatz des Originaleindrucks nicht sprechen kann. Wer diesen je auf sich hat wirken lassen, fei es in Colmar, wo der Altar Von Film 6in Film aus der Konfektion. Rorma Shearer im LlT. am Kurfürstendamm. „Eine Verkäuferin von Klaffe" wird in Berlin besonders interessieren, denn die New-Porker Konfektion, in deren Kreisen sich der Film abspielt, ist eine Fortsetzung der Berliner Konsektion. Ihre Inhaber rekrutieren sich aus denselben jüdischen Kreisen wie die Berliner. Und die Gewohnheiten des dortigen Absatzes scheine» von den deutschen nicht wesentlich verschieden zu sein. Die Herren Salo Blogg und Abraham Littauer— beide wie aus dem Leben gegriffen— könnten auch am Hausvogteiplatz mit den Händen reden, und die rührige Sentimentalität, die ihnen nach- gesagt wird, findet sich genau so in den deutschen Konsettionsstücken. Aber was wir kaum haben, das ist der Artikel: Normo S h e a r e r. Sie ist die lustigste, keckste, smarteste und hübscheste Konfektionsreisende, die sich denken läßt. S a m Wood weiß zudem die Filmhandlung für sie so passend zurechtzuschneiden und sie mit so viel netten Einfällen zu spicken, daß sie immer im Vorder- grund steht. Aber auch ihr Partner und Konkurrent, den Ralph Fordes sehr ansprechend darstellt, kommt zu seinem Recht. So entwickelt sich ein sehr lebendiges Spiel, in dem einer den anderen zum überlisten sucht, indem er ihm die Kundschaft abjagt. Dabei verlieben sich die beiden Leute. Ader ein unglücklicher Zufall scheint sie noch im letzten Augenblick trennen zu wollen. Da greisen die Firmeninhaber ein. und die List der Konfektionsreisenden verHilst ihr zum Siege. Die Szenen im New-Iorker Stammhaus, in der Bahn, in dem Reisendenhotel und bei der Kundschaft in der Provinz sind mit soviel guter Laune und vor allem auch mit filmischer Einstellung inszeniert, daß das Interesse nicht einen Augenblick nachläßt. Wäre der Film vor Weihnachten herausgekommen, so hätte er auch noch alle Weihnachtssentimentalität befriedigen können: es ist«ine gar rührende Szene vom Weihnachtsabend darin. Die vorangehende Groteske, in der sich die Darsteller gegen- seitig Eier usw. ins Gesicht werfen und schmieren, ist für unsere Begriffe geschmacklos, ja widerlich. r. Oie Siebzehnjährigen. Mozari-Gaal. Der temperamentvolle. 17jährige Junge schießt aus seine» Herrn Papa, selbstverständlich gerode bei seinem Amtsjubiläum, weil der alternd« Mann Neigung zu dem kleinen Mädchen, das der Junge leidenschaftlich liebt, empfindet. Dieses Motiv ist dem gleichnamigen Schauspiel May Dreyers entnommen. Fritz Falken stein bearbeitet es mit gut fun« diertem. technischem Können für de» Film, modernisiert es etwas. kann aber auch nicht die Oberflächlichkeit der Dreyerschen Problemstellung überwinden. Im Grunde handelt es sich hier um das be- sonders zur Zeit des Expresstonismus beliebte Thema, Sohn gegen Bater. das dem Publikumsgeschmack angepaßt, auf das erotische Ge- biet abgeschoben wird. Papachen ist in diesem Fall Staatsanwalt, eine bekowerte, stgatserhaltende Person. Also wird� das schiehfreudige Söhnchen freigesproche», während ein anderer Schüler in einem ähnlichen Fall büßen muß. Schlimm« und dabei bekannte Abgründe der Justiz werden schüchtern angedeutet. Aber man hat dabei den Publikums- erfolg im Auge, deswegen darf Iustitia schielen, dennoch in ihre Lieblingsbeschäftigung verfallen. Der kleine Bourgeois im Parkett applaudiert bei diestr Korruption begeistert Man bewundert gern dos eigene Gesicht. Der Film ist gut gemacht, zeigt aber die typischen Mängel des deutschen Films. Entscheidend bleibt die Behandlung des Textes. Alten Museum Ferd. Schmidt. sich wieder, wie vor dem Kriege, iin städtischen Museum befiirdel. sei es in der Münchener Pinakothek, wo er nach Kriegsend« aus- gestellt war, der weiß, daß die übermenschlichen Diinciisionen einen nicht sortzudenkenden Bestandteil der erschütternde» Wirkung bilden. Es ist nicht anders, als wenn man das Berliner Schloß(das auch ein ganz großes Wert deutschen Geistes ist, wenn auch aus einer anderen Zeit und von sehr anderer Gesinnung) nur in einem schonen und genau gearbeiteten Modell kennen lernen müßte und nicht in seiner Riesenausdehnung am Lustgarten. Die Kopie von Grunwald hat gleichwohl ihre unleugbaren Ver- dienste. Sie gibt die grenzenlos strahlenden Farben des Originals so wieder, wie der Maler sie ohne die Veränderungen und leichte Verschmutzung durch die Jahrhunderte erkannt hat; sie reproduziert diese größte malerische Vision des ausgehenden Mittelalters, die phantasiegewaltigste Darstellung von religiöser Ekstase in einer leicht faßlichen Konzentration und bringt zu der viel umstrittenen Frag«. wie Gemälde und Skulpturen sich ursprünglich als Einheit eines Riesenaltarbaues zusammengefügt haben, einen plausiblen Beitrag. Eine sehr anerkennenswerte Leistung eines Künstlers, aber von durchaus privatem Charakter; für die Berliner Museumswelt be- deutet sie nichts als eine vorübergehende Anregung. Deutsche Kunst für Ostasien. Die Deutsche K u n st g e m e i n s ch a s t greift mit ihren Unternehmungen immer weiter aus. Zunächst hat sie eine leicht zugängliche, sehr anheimelnde kleine Filiale Unter den Linden 42 (nahe der Friedrichstraße) eingerichtet, wo man ständig einen Vorrat guter Bilder, Graphiken und Sklupturen besichtigen kann. Jetzt aber wurde eine Kollektion deutscher Oelgemälde zusammengestellt. die, aus Veranlassung und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, Ende Januar nach Bataoia und dem übrigen Holländisch- Ostindien gehen soll, wo man nach moderner deutscher Kunst lebhaft verlangt. Frau Delbrück, eine Dame von Wissen und Unter- nehmungsgeist, begleitet diese Ausstellung und wird ihre Wirkung durch Vorträge usw. unterstützen. Man darf davon eine Förderung des Interesses für deutsche Kunst im fernen Osten erwarten. moralisch wie pekuniär,- da alle Bilder verkäuflich sind. Leider konnten nur Oelgemälde genommen werden, well in den Tropen die Ameisen dem Papier allzu gefährlich werden. Es sind sehr gute und auch beste Namen deutscher Maler und Bildhauer dabei vertreten; eine komplette Uebersicht über alles zu geben, was in unserer heutigen Kunst wichtig ist, lag außerhalb des Möglichen. 9 pro � 9WW9W W V VPch Er ist hier nicht nur erklärende Beigabc, sondern Antrieb der Hand- lung. Das ist unfilmisck empfunden. Die Regie führt Georg Ä s a g a r o f f. Er löst sich von dem Schema des Gesellschaftsslllys, stellt neuartige, durchaus bildhaft ge- sehen« Situationen. Leider fehlt ihm jedoch der lange Atem. Er sieht prächtige Einzelheiten, weiß aber nicht, diese zu einet ge- schlossenen Einheit zusammenzuschweißen. Die Katastrophe kommt überraschend. Das liegt vielleicht daran, daß der kleine hochbegabte Martin Herzberg mit seinen treuen, dunklen Augen noch nicht in der Lage ist, einen Affekt glaub- hast zu steigern. Grete Mosheim ist hier, wie in der „Primanerliebe", wieder die prädestinierte Darstellerin junger Mädel. die eben die Pubertät überwunden hoben. Originell in ihrem Aus- drucksrepertoire ist der stumm fragend« und hingebungsvolle Blick, den sie wirklich virtuos beherrscht. Adalbert v. Schletta w hat nun definitiv die Starrheit seines Hagen erledigt. Er spielt jetzt sehr ausdrucksvoll, zurückhaltend und entwickell sich immer mehr zu einem guten Charakteristiker. Wie gesagt, ein guter Film, ein echter Publitumsersolg, eine Mischung von Kunst. Geist, Gartenlaube und Konvention. F. 5. Aus dem Tagebuch eines Lunggesellen. Alhambra. Das Filmpudlikum hat sich durch seine grenzenlose Genüg- samkeit schwer versündigt an den Drehbuchverfassern und an den Schauspielern. Dadurch hat sich bei vielen Filmsachverständigen das Bewußtsein festgesetzt:„Ueber alle unsere Mätzchen lacht man ja." Wäre dos nicht der Fall, wäre Rene Sorels Lustspiel in dieser Form ganz bestimmt nicht verfilmt worden. Ein Baron, der von Beruf Lcgationsrat ist, hat«in Tagebuch geschrieben, das ihm von einer kleinen Verehrerin gestohlen wird. deren Mutter Kapital daraus schlagen möchte. Der Baron verreist. Inzwischen wird er oll seinen vielen Liebschaften gegenüber von einem Einbrecher vertreten. Der wird mit allen fertig, auch mit einem adeligen Baronkolleg«». der die Wohnung seines Freundes gerne als Absteigequartier benutzen möchte. Zum Schluß gibt's dann zwei Liebespaare. Die Sache ist völlig reizlos gespielt. Man möchte frivol sein und hat Angst vor dem Berliner Zensor und dem Erfolg des Pro- vinzgeschästs. Man. möchte lustig sein und kommt vor läuter Ver- krampfung nicht zu einem Lächeln. Der Regisseuer E r i ch S ch ö n> selber hatte auch nicht«inen hellen Tag, als er diesen Film drehte. Von den weiblichen Darstellern verlangte er gar keine Leistung. In den Filmtexten redet man so viel von der gefährdeten Karriere des Legationsrats, doch erscheint einem Reinhold Schänzels Karriere ernstlich gefährdet; denn wenn man den Ehrgeiz dieses Schauspielers»och weiterhin erstickt, ist er bald nur noch eine' Schablone seiner selbst.. „I m a s r i k a n i s ch e n Dschungel", ein Jagdfilm voll Brutalitäten, läuft im Beiprogramm. Er könnte von der Natur und uns fremden Menschen sehr viel Sehenswertes übermitteln, aber es spreizt sich in ihm nur der Europäer, der auf weiter nichts stolz ist, als auf feine befriedigte Mordlust. o. b 3n der 4 Xanitnalinee der voltsdSH»» Ell wird Vera Skoronel mit idrcr Kammergruope ein leilweiir neues Proaramm setaerr. Die Matinee füret w c üblich im Tbeater am Äülowvlatz itati und zwar Sonnta«, den >3. Jlinuar. vormiliags ti'/, Ut». Einlatztarten für Mtglieder Losbrrech- » nun n) 1,30 Ml. Zeil- Plötze auch sü> Nichlmuglleder. 4. 3 und 2 Mt. bei Wci Iheim, Tietz und an der Thealcrtasse Ein Denkmal sür Gustav« Eourbet wurde anläßlich icincs 50. GeburlS- (aufs in dem Schweizer Ort Tour de Pcilz aus ieinem(Ärabc errichtet. Som bet bat. ieitdem er weqen Beteiligung an der Commune im Jahre IS7Z aus Frankreich verbannt wurde, bis zu seinem Tod« w Tour de Peilz gelebt. Opfer des Verkehrs. in Eisenbahnunfälle- Flugzeugfatastrophe. London, 9. Januar. Am Dienstag spät abends stieß bei Ashurch, einem fleinen Städtchen der Grafschaft Yorkshire, ein Eilzug mit einem Güterzug zusammen. Der Führer des Eilzuges und zwei Reisende wurden getötet. Die Zahl der Verletzten wird amtlich mit 15 angegeben, von denen vier in Lebensgefahr schweben. In Privatberichten wird dagegen von 20 Verletzten gesprochen. Die Infallstelle liegt etwa 30 Meilen von Charfield, wo in Oktober bei einem Zusammenstoß 15 Personen getötet wurden. Paris, 9. Januar. In der Nähe des Bahnhofes Besancon fuhr der von Lyon fommende Schnellzug auf eine Rangiermaschine auf, die infolge unrichtiger Weichenstellung auf einem falschen Gleis fuhr. Bei dem Anprall wurde die Rangiermaschine 200 Meter rüdwärts geschleudert, während der Schnellzug 60 Meter weiter entgleiste. Die Lokomotive und der Tender stürzten den sieben bis acht Meter hohen Bahnförper hinab, während die drei ersten Wagen entgleisten. Fahrgäste famen nicht zu Schaden, da Kommunistische Gewerkschaftspolitik. Die Doppelzüngigkeit der Moskauer. den Unjere jüngste Veröffentlichung der Erklärungen Stalins zur Gewerkschaftsfrage, seine Sympathieerklärung mit ,, revolutionären" Unorganisierten und seine Theorie der Sprengung des bestehenden reformistischen Gemertschaftsrahmens und der Schaffung paral= leler, gewertschaftsfeindlicher Massenorgani sationen von Arbeitern, ist der Roten Fahne" nicht angenehm. Selbstverständlich wagt sie es nicht, von den Erklärungen Stalins gegen die freien Gewerkschaften abzurüden, sie macht viel mehr den aussichtslosen Versuch, das„ Einheitsfront"-Manöver der KPD. mit der Moskauer Spaltungstheorie in Einflang zu bringen. Die Gewerkschaften werden das kommunistische Doppelspiel vereiteln. der Zug nur sehr schwach besetzt war. Dem Heizer der Lokomotive, der vor dem Zusammenstoß abspringen wollte, wurde der Kopf abgerissen. Der Führer wurde nur leicht verletzt. Ein Bahnpost beamter erlitt mehrere Quetschungen. Paris, 9. Januar. Am Dienstag nachmittag ist ein dreimotoriges Paulan= Wasserflugzeug bei einem Versuchsflug über der Bucht Don St. Raphael aus einer Höhe von 100 Metern ins Meer gestürzt. Die fünf 3nfassen, der Flugzeugführer, ein Schiffsleutnant und drei Mechaniker, ertranten. Bisher hat man nur den Leichnam des Schiffsleutnants auffinden können. Das Flugzeug war erst vor furzer Zeit der Marine geliefert worden und hatte erſt 40 Flugstunden in seinem Bordbuch verzeichnet. London, 9. Januar. In Karachi fenterte auf dem In dus ein Boot mit 24 ArDie Mutter von drei beitern. 19 von ihnen ertranfen. Ertrunkenen erlitt, als ihr die Todesnachricht ihrer Söhne überbracht wurde, einen Herzschlag. Das Varieté im Bahnhof. า ด กล Bezeichnend für das fommunistische Treiben gegen die Gewerkschaften ist das Verhalten zu den Unorganisierten. Die Gewerkschaften arbeiten unausgesezt an der Aufklärung der Unorganisierten, an ihrer Einreihung in die Gewerkschaften. Benn Das bis heute in Industriebezirfen wie Rheinland- Westfalen nod) nicht gelungen, so ist das nicht die Schuld der Gewerkschaften, zu einem großen Teil aber den kommunist jchen Queralten Ostbahnhof am Rüstriner Platz, wird in den nächsten Tagen treibereien zuzuschreiben, die es den Unorganisierten erschwert, sich zurechtzufinden. Die Gewerkschaften können mit den Unorganisierten als folchen nichts anfangen. Sie müssen darum immer wieder versuchen, die Unorganffierten aufzurütteln, aufzuklären und sie zu schulen. Die Agitatoren der KPD. aber schmeicheln den unsozialen Instinkten der Unorganisierten, bestärken die Unorganifierten in ihrer Abneigung gegen die Gewerkschaften, die im Grunde genommen doch weiter nichts ist als die Scheu vor bem Beitragszahlen, loben sie eben deswegen als revo= lutionär und suchen sie zu ködern, um den Gewert schaften im Kampfe mit dem Unternehmertum in den Rücken zu fallen, wie es sich im jüngsten Ruhrfonflikt gezeigt hat. Stalin hat diese fommunistische Tattit als| Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, d. 9. 1. Mittwoch, d. 9.! Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 8 20 Uhr Städtische Oper Bismarckstr. Turnus IV 19% Uhr Tosca Königskinder Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 194 20 Uhr Cardillac Staat. Schauspielh. an Gendarmenmarkt A.-V. 8 20 Uhr Die PetroleumInseln Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Flachsmann als Erzieher Theater des Westens Täglich 81, 2hr Käthe Dorsch in Friederike Musik von Franz Lehar Räthe Dorsch, Rammerfänger Carl Jötens( Staatsoper Bin.) Arnstädt, Limburg, Reg. Eisler, Dora, Bespermanu usw Borverkauf ununterbrochen. Raffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 u. 7108. CIRCUS BUSCH Täglich 8 Uhr: Die Sensation Berlins SCALA Maria Rasputin 8 Uhr B 6 Barbarossa 9256 HARRY RESO und weitere Varieté- Neuheiten Heute 330 Uhr nachmittags Kindervorsteliung zu besond rs ermäßigten Preisen von 0,50 bis 3 Mark das volle Abendprogramm. In der Pause: Kaffee einschl. Kuchen 50 Pfg. Winter Garten 8 Uhr Rauchen ges: atiet Unerreicht unübertroffen Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten die leibl. Tochter Rasputins in: Der aus Sibirien 30 wilde Polarbären 30 Num Sitzplatz schon v. 1 Mk. an 81, Unr CASINO THEATER Uh Lothringer Straße 37. 84 Nur noch wenige Aufführungen August, die Kanone! Dazu das hervorrag. Januar- Progr Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. onstige Preise Parkett u. Ran 0.8 Großes Schauspielhaus 81 CASANOVA mit Alfred Jerger. Regie: Charell. 3 Uhr: Näc ste Sonntag-Nachm Vorstellung 13. Januar ungekürzt in Originalbesetzung zu halben Preis. Die Plaza", das neue große Schwestervarieté der Scala im eröffnet. Damit ist wohl zum ersten Male ein ehemaliger Bahnhof in eine Unterhaltungsstätte verwandelt worden. fich gleichzeitig der Unorganiferien wie der Organffierien zu be mächtigen versucht. Jeder echte Mostaujünger in der Gewerkschaft faßt seine Rolle auf als die eines Pfahls im Fleische des Gewerkschaftsförpers. Wehren sich die Gewerkschaften dagegen, dann schreien die harmlosen Einheitsfrontbiedermänner über Spaltung. Mostau würde die deutschen Gewerkschaften gewiß lieber mit Haut und Haar verschlingen und sie seiner eisernen Disziplin" unterordnen. Da ihm dies nicht gelingt, es auf die ,, Eroberung" nicht rechnen kann, propagiert es die Tattit der Sprengung der Gewerkschaften und das Bündnis mit den Unorgani fierten. Den Zeitpunkt der Spaltung, den die Schumacher, Bener und Kaiser in Berlin nicht abwarten fonnten, läßt man sich freilich noch offen. Allein die ,, Rote Fahne" unterstreicht die Selbst= perständlichkeit für die KPD., daß der reformistische" Gewerkschaftsrahmen gesprengt werden muß, wenn die Gewerkschaften sich Moskau nicht bald verschreiben wollen. Einftmeilen begnügt man fich mit der weiteren Beschimpfung und Herabjegung des Charakters der freien Gewerkschaften und mit Zellenbauerei. Die Verbände werden ihren Mitgliedern über die neuen Formen des Kampfes" der StalinLeute gegen die Gewerkschaften die notwendigen Infor mationen geben. Stalin hat noch rechtzeitig die Spren gungstaftit vertündet. Gendarm schießt auf Staatsanwalt. Selbstmord des Schützen. Paris, 9. Januar. Ein blutiges Drama spielte sich am Dienstag abend im Juſtizgebäude von Air en Provence ab. Der Hausverwalter, der frühere Gendarm Escarriot, feuerte auf den Generalstaatsan walt Lacaug fünf Revolverschüsse ab und jagte sich dann selbst eine Kugel in den Kopf, als er verhaftet werden sollte. Während Escarriot sofort tot mar, ist sein Opfer nur leichter verlegt worden. Der Täter, der sich im Kriege und anschließend in seinem Beruf glänzend bewährt hatte, hatte sich in letzter Zeit einige Male Mißgriffe zuschulden kommen lassen, weswegen er von dem Generalstaatsanwalt turz vor dem Attentat getadelt worden war Mit den Worten: ,, Sie wollen meine Stellung zerstören" legte er auf den Generalstaatsanwalt an, verfehlte ihn jedoch bei dem ersten Schuß. Es entspann sich eine wilde Flucht durch die Räume des Justizgebäudes, mobei der Attentäter immer hinter dem Staatsanwalt herschoß und ihn schließlich durch zwei Schüsse verlegte. Die unruhige Erde. Neues Erdbeben in der Türkei. Zu der Erdbebenfatastrophe in Chile wird gemeldet, daß durch die Auffindung von fünf weiteren Leichen in den Ruinen des Erdbebengebietes in Cubaco die Zahl der Opfer der letzten Erdbebentatastrophe in Chile auf insgesamt 30 gestiegen ist. Die Eruptionen neue Formen des Kampfes" geheiligt und ihren Verfechtern haben nunmehr an Stärke verloren. feinen Segen erteilt. Angora, 9. Januar. Trotzdem wagen es die Moskauer Sendlinge noch, von„ Einheitsfront" zu reden, Einheitsfront wie fie fie auffaffen. Ob der Arbeiter gewerkschaftlich organisiert ist oder nicht, ist der KPD. ganz einerlei die Hauptsache für sie ist, daß er mit ihr sympathisiert". Der sympathisierende ,, revolutionäre" Unorganisierte ist der KPD. weit lieber als der„ reformistisch Berantwort, für die Rebaltion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glođe, Organisierte, der ehrliche Gewerkschaftsgenosse. Heute ereignete sich um 6 Uhr 37 Minuten in Angora ein vertitates Erdbeben, das von unterirdischem Donner beau gleitet war. lleber den von dem Beben angerichteten Schaden liegen noch feine Angaben vor. Es ist dennoch kein Widerspruch der KPD.- Tatfit, wenn sie Komische Oper( 814) Das neuartige Revue- Stück: Häuser der Liebe Aus dem Tagebuch eines Pariser Salons in 30 Bildern. Vorverk. ab 10 U. ununterbr. Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger SENSATION: DIE JANUAR- Krach! Volkspreise: Mk. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 Reichshallen- Theater Abends 81 Sonntag nachm. 3 Volksbühne Kammerspiele Theater am Bülowplatz 8 Uhr Norden 12 310 4, Ende geg. 10 U. Ehen werden im Die Bergbahn Himmel geschlossen!" Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Schneider Wibbels Auferstehang Komödie von Walter Hasenclever Regie: Forster Larinaga. Berlin. Verlag: Borwärts Verlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu i Beilage. An GU ATEMAL IT " Guatemala Kaffee Antonio Itiatrak Nachf Huge Baumgartner Die Komödie Berlin S.0.16 Bismarck 2414/7516 Filialen: Uhr, Ende 10% Direkler Rantagen Import „ Olympia" 0.34, Warschauer Str.31 an der Revaler Str./ SO. 16, Köpenicker S. 59. Kottbusser Damm Nr. 103. N. 54, Alte von Franz Molnar Straße Nr. 75. Schönhauser Straße Nr. 46./ Steglitz: Bismarckstraße Nr 64aRegie: Forster Larinaga. Staatl. Schiller- Th. Kleines Theater 8 Uhr Flachsmann als Erzieher Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhi Steffiner Sänger Die Drei- GroschenHamlet im Heringsladen dazu das große WeihnachtsProgramm! Dönhoff- Bretti: Das heitere Januarprogr. Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Täglich 81 Uhr: ,, Das große ABC" Regie Gust. Hartung. Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Täglich 8 Uhr: Max Adalbert in Der Dickkopf sandrock, Landa. Sterler, Sikla, Theater am Nollendorfplatz Dir. Bruck Täglich 8 Uhr Custspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 81, Uhr Z entralTheater te Jakebstr. take Uranienstr. Täglich 8, Uhr GuidoThielscher ich küsse ihre in Weekend im Paradies Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 Täglich Schaufuß, Kühl, lettchen Gebert Uhr Lvovski. Singspiel von Walter Kollo Deutsches Theater Norden 12 310 8 Uhr Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem berühmtenSchlager Rundfunkhörer balbe Preise Loo Thalia Theater HALLER- REVUE Dresdener Str. 72-7 Täglich 8 Uhr Sehneider Wibbels Auferstehung Hendrels. Grodiczinski. Dtsch. Künstler- Th. 844 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Th. im Admiralspalast Schön und schick" Täglich 8 Uhr. R ose- Theater Franxterier St.132 81% Uhr: Mädi Planetarium am Hermann Borgmann Feriäng. Joachimsthater Strai Noll. 1578 16 Uhr 3 X Hochzeit ( Abie's Irish Rose) Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Baumschulenweg Baumschulenstr. 89 Ecke Kiefholzstraße 184 Tel.: Oberspree( F 3) 1527 Uhr. Ende 10%, U. Saltenburg- Bühnen Barnowsky- Bohnen Mars und seine Bitte auf die Edie zu achten! Die Verbrecher Lessing- Theater Schauspie von 8. Uhr FerdinandBruckner Katharina Knie. Regie: HeinzHilpert METROPOL- THEATER ig.& Uhr Tägl. 8 Uhr Die lustige Witwe FRITZI MASSARY Max Hansen, Uschi Ellect, Jankuhn, Junkermann, Schäffers Reaie: Erik Charell Theater in der Königgrätzer Straße 8. Uhi Rugby Komödie von Wilh. Speyer Komödienhaus hr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampe. Trianon- Th. räglich 8 Uh Der letzte Schleier nit Erika Gläßner Rätse Uhr Werden u. Vergehen d. Sterne Berliner Bürgerbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal. NEUE WELT Arnold Scholz Täglich Hasenheide 108/14 Großes Bockbierfest in den bayr. Alpen 7 Kapellen- Neue Dekorationen-50 bayr. Madeln Donnnerstags: Gr. Schweineschlachten Einlaß 6 Uhr Anfang 7. Uhr 7550 und Oskar Beregi Beilage Mittwoch, 9. Januar 1929 Zum Staatsstreich in Jugoslavien: zei in Bel Der Abend Spalausgabe des Vorwärt Politische Polizei in Belgrad Das Erlebnis eines deutschen Journalisten JAW SAGE er zurüd. " F Alexanders Diftatur ist vorläufig Tatsache. Die| er wolle mich nicht empfangen; ich solle auf den Chef selbst warten.[ hier sein." Gut, ich werde hier sein." Meine Papiere behielt politische Polizei wird alle Hände voll zu tun haben. Daß sie selbst unter normalen Umständen ihre Tätigkeit beinahe ruffisch ausübte, zeigt das folgende Belgrader Erlebnis eines Mitarbeiters des„ Borwärts". Im Anschluß an den Salzburger Juristentag im September fuhr ich nach Belgrad. Den Balkan fennen zu lernen, war seit langem mein Wunsch gewesen. " Ich forderte energisch, den Bertreter sprechen zu dürfen. Schließlich durfte ich hinein. Am Schreibtisch saß ein junger Mensch im grauen Anzug mit undurchdringlichem Geficht gleich einem buddhistischen Gott. ,, Sie wünschen?" fragte er mich auf Deutsch. Ich erklärte ihm, ich wolle meinen Paß haben und gehen dürfen. Sie müssen auf den Chef warten." Wonn kommt der Chef?"" Um vier Uhr." Also muß ich noch 1% Stunde warten?" Ja." Rönnte Mein erster Besuch in Belgrad galt dem führenden jugoslawischen ich nicht gehen und wiederkommen?" Rein." ,, Also bin ich hier Sozialisten Topalowitsch, den ich von früher her famte. Ich bei Ihnen verhaftet?" Achselzuden. Geftatten Sie, daß ich den traf ihn in einem Restaurant neben der Belgrader Arbeiterfammer. lettischen Generalkonsul anrufe?" Erneutes Achselzuden.„ Es ist Er erzählte mir unter anderem, daß er den ganzen Morgen damit mir unverständlich, daß Sie einen Fremden, der Ihr Land besucht, zugebracht habe, beim Ministerium fich für einen Genossen aus dem derart behandeln." Schweigen. Wenn Sie wüßten, mit wem Sie Banat zu verwenden, der, von der politischen Polizei als Rom zu tun haben, würden Sie nicht zu derartigen Maßnahmen greifen." munist verhaftet. aus Jugoslawien ausgewiefen merden sollte. Ich entnahm meiner Brieftasche meine Redaktionsfarten, den Ich erfuhr auch sonst manches Interessante über die jugoslawischen Bostausweis, daß ich berechtigt bin, in Deutschland dringende Berhältnisse und verabschiedete mich von Topalowitsch in der Absicht, Pressegefpräche zu führen, meine Mitgliedstarte pom mich nach furzer Mittagsruhe im Hotel zu dem früheren Sozial- Reichsverband deutscher Presse", meine Reichstagsrevolutionär Machin, dem Borjizenden der einzigen demokratischen Berichterstatter farte, eine Empfehlung deutscher amt. russischen Emigrantenorganisation in Jugoslawien, Semgor", zu licher Behörden u. a. m. Der Gehilfe des Polizeichefs jah begeben. sich die Papiere der Reihe nach aufmerksam an. Ich saß während des im tiefen Ledersessel und machte meiner Empörung Luft. ,, Sollte etwa mein Paß bei Ihnen Zweifel über meine Person erwedt haben. Hier der Bermert, daß ich seit 1921 in Berlin lebe. weder ist der Baß gefälscht, noch bin ich kommunistischer Emissär." Der Agent der politischen Polizei. = Eben hatte ich im Hotel meinen Türschlüssel in Empfang genommen und den Fahrstuhl betreten, als der Portier mir zuries, ein Herr wolle mich sprechen. Ich fehrte ins Vestibül zurück und stieß hier auf einen Mann, der mir einfach meinen Türschlüssel aus der Hand nahm, ihn dem Hotelangestellten übergab und mich aufforderte, ihm zur Polizei zu folgen. In der Hand hielt er meinen Baß. Es war ein lettländischer Auslandspaß, der, eben erst in Berlin erneuert, feine polizeiliche Anmeldung auswies. Db ich nicht ebenso gut auch eine halbe Stunde später selbst den Weg in das Polizeipräsidium finden könnte? Eigentlich beabsichtigte ich, vorher ein Mittagsschläfchen zu halten. Der Beamte sette das übliche undurchdringliche Gesicht auf, das Agenten der politischen Polizei in der ganzen Welt fennzeichnet, und sagte turz angebunden:„ Sie müssen sofort mitfommen." An der Straßenede vor dem Café des Hotels follten wir auf irgend jemand marten auf einen zweiten Bolizeiagenten natürlich, der den anderen Eingang zum Hotel besetzt hielt. Die Zeit nußte der Beamte für ein erstes Berhör: Wozu sind Sie eigentlich hierhergekommen?" ,, Wozu? Zu meinem Vergnügen." So, nur zu Ihrem Vergnügen? Wo haben Sie in Rußland gelebt?" die Unterhaltung wurde in russischer Sprache geführt. In Moskau." Nur in Moskau?" ,, Ja. Aber jagen Sie, werden mir noch lange hier warten? Denn erstens wollte ich noch mein übliches Mittagsschläfchen halten, und zweitens sollte ich um 3 Uhr im Semgor" sein." Sie tommen noch zeitig gemug." Der andere Beamte erschien noch immer nicht. Mein Schußgeist entfernte fich für einen Augenblid, tam zurück, und nun konnten wir den Weg zur politischen Polizei antreten. Frage und Antwortspiel. ,, Kennen Sie Trojfi?" Trojfi? Nein." Ich meinte nur den im Ausland lebenden Schriftsteller Troßfi." Nein, auch den fenne ich nicht." Nun begriff ich, was gespielt wurde man hielt mich für einen Bolschewisten. Ob ich ledig sei, woher ich fäme, ob ich lange hier zu bleiben gebenfe, womit ich mich beschäftige, men ich in Belgrad von Bekannten habe all dem stand ich wohlwollend Antwort, erzählte, daß ich aus Salzburg fäme, mir hier Gefängnis und Gerichtswesen ansehen, das russische Emigrantenleben tennen fernen wolle, daß ich auch gute Empfehlungen mit hätte, seit Jahren in Berlin lebe usw., usw. Mein Polizeimann taute allmählich auf, begann auch von sich Verschiedenes zu erzählen, u. a., daß er, von Hause aus Serbe, in Saratom( Rußland) geboren, doch schon in jungen Jahren nach Belgrad zurückgekehrt sei das war selbstredend geflunkert. Als wir im Polizeipräsidium anlangten, waren wir eigentlich schon gute Freunde.„ Einen Augenblid," jagte er ,,, fofort erstatte ich dem Chef der politischen Polizei Meldung. Ihr Paß erhält den Bermert, und Sie können gehen." Aber im nächsten Augenblic fam er wieder, ganz unglücklich: der Chef sei schon fort, er würde ihn fuchen, ich folle unterdessen warten. Die Uhr war% 42. ,, Wie lange soll ich warten?" ,, um drei wird der Chef hier sein." ,, Ueber eine Stunde? Geht es nicht früher?" Sofort, ich laufe schon, viel leicht finde ich ihn auch früher." 3ch muß warten. In einem ganz fleinen Raum, an dessen Tür ein verdächtig aussehender Beamter jaß, las an einem Tisch ein Mann in einem Buche, auf einer Bant schlief ein anderer. Ich saß und dachte über meine Lage nach. Was sollte das alles bedeuten? Weshalb durfte ich nicht gehen und später den Chef der Polizei aufsuchen? War ich verhaftet? Ich bat, den diensttuenden Beamten sprechen zu dürfen. Er speiste eben zu Mittag. Ich wartete geduldig: ob er noch nicht mit seinem Mittagessen fertig sei? Endlich erschien er:„ Ich möchte wissen, weshalb ich hier size?" Er fönne nichts dafür, ich müffe auf den Chef der politischen Polizei warten. Db ich verhaftet set? In solchem Falle miniche ich, den lettischen Generalfonful anläuten zu dürfen. Dies könne er nicht erlauben; ich müsse eben warten. Während ich also martete, erschien der Genosse, den ich am Morgen bei Topalowitsch gesehen hatte. Er teilte bem am Tisch jizenden Manne mit, die Polizei würde ihn angeblich als Richt. jugoslawen auf Verfügung des Ministeriums über die Grenze abfchieben. Nun wußte ich, daß es fich um den verhafteten Genoffen handelte, von dem Topalowitsch mir am Morgen erzählt hatte. Bevor sein Abgefandter ging, sagte ich ihm mit Nachdrud: Teilen Sie dem Genossen Topalowitsch für jeden Fall mit, daß Sie mich hier gesehen haben und ich nicht fort darf." Der Chef fommt noch immer nicht. Um 43 Uhr erschien der Gehilfe des Chefs. Ich merkte, daß ihm mein Baß hineingebracht wurde. ,, Run werde ich wieder gehen dürfen," dachte ich. Als fich aber nichts rührte. bat ich, beim Gehilfen des Chefs angemeldet zu werden. Ich erhielt den Bescheid, Es war nur ein Mißverständnis. Der Gehilfe des Chefs hatte unterdes alle Dokumente durch studiert und war in tiefe Nachdenklichkeit versunken. Sie können ruhig die Verantwortung übernehmen, mich zu entfaffen," er munterte ich ihn. Er griff zum Hörer, legte ihn zurüd, ftügte seinen Kopf in die Hand, sah sich noch einmal meine Papiere an, 80g schließlich die Uhr und erklärte: Jegt ist die Uhr zog Ich begab mich direkt zum Vorsitzenden des ,, Semgor", mit dem ich mich bereits von Salzburg aus in Verbindung gesetzt hatte, und wurde von ihm mit der üblichen russischen Freundlichkeit wie ein alter Bekannter begrüßt. ,, Sie fommen gerade zur rechten Zeit. Heute abend findet bei uns anläßlich des russischen Professorentongresses eine fleine Zusammenkunft statt. Der Direktor der politischen Abteilung des Ministeriums des Auswärtigen, Polimanomitsch, erwartet Sie bereits und wird sich freuen, Sie bei dieser Gelegenheit persönlich fennenzulernen. Auch der Minister für Bolfsbildung wird anwesend sein." Alles sehr schön, ich war aber eben erst verhaftet." ,, Nami?" Ich schilderte ihm den Hergang der ganzen Angelegenheit, er machte ein erstauntes Gesicht, täutete sofort Topalowitsch an, erzählte ihm die Sache wieder und versprach, sofort den Chef der politischen Polizei anzurufen und das Mißverständnis aufzuklären. Auch Topalowitsch wollte es tun. Um 4 Uhr begab ich mich zum Polizeipräsidium und bat, mich dem Chef der politischen Polizei zu melden. Ich wurde aber nicht zu ihm, sondern zu seinem Gehilfen geführt. Hier erhielt ich meinen Baß mit dem entsprechenden Vermerk, auch meine Papiere wieder und konnte gehen. Der Chef der politischen Polizei, der so große Sehnsucht nach mir hatte, spürte nun nicht mehr das Bedürfnis, mich zu sehen. Auch kein Wort der Entschuldi= gung fand er, obgleich er nun wußte, mit wem er zu tun habe und daß ich Mitglied des Reichsverbandes der deutschen Presse bin. Dies mein stärkstes jugoslawisches Erlebnis. Nach langer Zeit hatte ich mich wieder einmal einer blinden und stupiden Gewalt gegenübergesehen. Auch die Erklärung dafür erhielt ich von einer gewiffen Seite: in der Belgrader politischen Polizei haben verschiedene ehemalige Beamte der zaristischen Ochrana festen Fuß gefaßt. Nach der Proklamierung der Diktatur dürften 5 Minuten vor drei. Um 4 Uhr müssen Sie wieder diese Herren vollauf zu tun bekommen... Ein Tag in der Hauptstadt Gemisch von Mitteleuropa, Balkan und Türkei sich beim Portier holen mußte, fam fein Fremder ins Ministerium hinein. Man ist vorsichtig in Belgrad, was ja auch die spezielle Baßkontrolle der Ausländer beweist, obwohl sie doch an der Grenze schon ihren Baß einsehen lassen müssen. Herrlich ist die alte zerfallene Türkenfestung des Kalimeg dan am Donaustrom, der hier nach Aufnahme der Save viele Kilometer breit ist, so daß man das gegenüberliegende Pantschowa mit freiem Auge faum erkennt. Dahinter breitet sich unabsehbar die Tiefebene des Banats, jetzt Bojwodina genannt, mit ihrem außerordentlich fruchtbaren Boden und ihren vielen deutschen Sied lungen. Der große Park von Topschider ist die Lunge Belgrads. Als wir eine ansteigende Straße zur deutschen Gesandtschaft hinaufgingen, überholten wir eine malerische Gestalt, die würdevoll dahinschritt: ein Latar älteren Jahrganges in meißem Mantel mit russischer Fellmüze, sicherlich ein hoher Offizier der weißgardistischen Wrangel Truppen, deren Reste nach den Kämpfen gegen die Bolschemisten in der Krim teils nach Polen flüchteten, zum größten Teil aber in Jugoslawien eine Stätte fanden. Eine Nachtfahrt von Agram- Zagreb, der im Bahnhofsviertel| brachte einen auch wieder hinunter. Ohne Erlaubniskarte, die man vollkommen europäisch anmutenden Hauptstadt Kroatiens, brachte uns nach Belgrad. Gleich hinter Semlin, als der Zug der großen Savebrüde zurollte, tam ein Gendarm, der uns die Bässe abnahm. Gegen Abgabe der anderen Hälfte eines grünen Bettels, der auf den Paß geklebt wurde, sollten wir auf dem Belgrader Bahnhof die Bässe zurückerhalten. Kaum erschienen unsere Koffer am Ausgang, als sich eine ganze Schar zerlumpter und ungewasche ner Gesellen auf unsere Sachen stürzte. Der amtliche Träger, dem wir sie übergaben, mußte sich mit Ellbogenstößen und Fußtritten der rabiaten Konkurrenz entledigen. Nachher versicherte man uns, daß unsere Sachen bei diesen armen Teufeln aus Mazedonien und Albanien ebenso sicher aufgehoben gewesen wären, was wir aber nicht versucht haben. Am Schiebefenster der Polizei wachtstube hatte ich ziemlich lange zu warten, bevor ein Polizist mit frisch verbundener Hand erschien. Er sagte kurz und unhöflich, ich folle in zwei Stunden wiederkommen. Erst als ich ihm das Empfehlungs: schreiben der südslawischen Gesandtschaft in Berlin vorhielt, gab er brummend die Pässe heraus. Es war nur noch ein zweiter Paßanwärter da, der kam aber aus Italien oder wollte dahin; die Sache schien sich in die Länge zu ziehen und statt auf ihre Erledigung zu warten, zogen wir in die Stadt ein. Es war noch früh am Morgen, und als wir uns auf deutsch und tschechisch nach der Makensiova ob die Straße etwa nach Mackensen so heißt, habe ich vergessen festzustellen durchgefragt hatten, wo die Arbeiterkammer und die Parteizentrale ist, trafen wir zunächst nur die Aufwartefrau an und gingen in das nächste Kaffeehaus. Es machte einen sehr bescheidenen Eindruck. Tischtücher sind auch in den Kaffees von Altösterreich, woher ja der Kaffee und die Kaffeehäuser seit der Türkenbelagerung Wiens 1683 fidh über das ganze Abendland verbreitet haben, nicht Mode. Zwischen Europa und Asien. Belgrad ist ja bekannt als ein Gemisch mit Mitteleuropa, Balfan und Türkei. Die jahrhundertlange Türkenherrschaft hat sich nicht nur in die Gebräuche, sondern vielfach auch in die Gesichter tief eingeprägt. Was uns aber am meisten auffiel, war die ungeheure Zahl von Zigeunern bis zu den fleinsten Kindern herunter, die überall in der Stadt, auch auf der Hauptstraße Te rafia massenhaft zu treffen sind. Vom hellen Braun bis zum tiefen Schwarz zeigen sie die Züge eines nordostindischen Bergvoltes und ihre eigenen Sprachen sollen ja auch daher stammen. Biele Bauern vom Lande mit der grauen oder schwarzen Schaffellmütze, langen Haaren und groben Weidern ziehen mit ihren Fuhrwerken über die holprigen Straßen, deren Razenkopfpflaster unzählige Löcher zeigt. Eine recht altertümliche Elektrische durchzieht verschiedene Straßen. Die Hauptverkehrsadern sind ganz europäisch, aber wie man davon abweicht, sieht man mur fleine Häuser, unter denen zweiftödige schon bedeutend hervorragen. Es waren jedoch überall mehrgeschossige Neubauten im Gange. Die größten Hotels zeigen in ihren Namen Moskwa und Petrograd die starte Bedeutung des Ruffentums in der neueren Geschichte Serbiens, auch nach den Hauptstädten der Ententestaaten find große Hotels benannt. Der Speisesaal des Hotels London" ist uns durch seine unglaubliche Nüchternheit, die vollkommen fahlen Wände und die auf jedem Tisch bereitliegenden hartgefochten Eier im Gedächtnis geblieben. Im Außenminifterium, wo ich den Pressechef auffuchte, verfah Militär den Dienst, begleitete einen im Fahrstuhl hinauf und Gestern Kirche, heute Arbeiterheim. Den Abend verbrachten wir auf Einladung leitender Genossen mit ihnen im Arbeiterheim, unweit der Arbeiterkammer, die inzwischen ihren prächtigen Neubau vollendet hat. Das Arbeterheim ist eine frühere Kirche, hoch und weiß getüncht, mit gemaltigen Fenstern. Musit spielte, die meisten Tische waren besetzt, und auch als plöglich von der Dede eine ganz nette. Portion Kalkpuz auf die Musiker herunterfiel, zogen sie in eine andere Ecke, die fröhliche Stimmung wurde aber nicht zerstört. Da saßen mir, Professor Divic und Gollmayer sprachen deutsch mit uns, hat doch Divic längere Zeit in Deutschland studiert, und sie machten auch den Dolmetscher gegenüber Ilic und Mencinski und all den anderen, wenn unser tschechischer und polnischer Wortschatz einmal nicht ausreichte. Freilich mußten wir die Waffen streden, als nach den gebratenen Fleischstückchen, die man von dem Eisenstänglein berabißt, auf das sie aufgespießt sind, ein höllisch papriziertes Ragout von Lunge, Herz usw. aufmarschierte. Dagegen find die ganz jungen Zwiebeln, die mit ihrem grünen Lauch aufgetragen werden, eine milde und anregende Speise, auf die der herrliche frische Quark und erst der billige und ausgezeichnete rote Wein wunderbar schmecken. Was unsere Genossen allerdings von den Löhnen und der Arbeitslosigkeit im Südflawenreich erzählten, war ebensowenig geeignet, uns fröhlich zu stimmen wie das, was sie über die Stärke der Partei berichten mußten. Besaß sie doch damals feinen einzigen Abgeordneten in de Stuptschina, selbst in Belgrad nur ein fleines Wochenblatt, und bei den Wahlen seither ist es ihr ja auch nur in Marburg- Maribor, dem ehemals füdsteirischen Inbuſtriegebiet, gelungen, in der Person des Genoffen Betejan den einzigen Sozialdemokraten in die Stuptschina zu bringen, die nun durch den Staatsstreich beseitigt ist. Spaltung und Zwietracht haben die sozialistische Bewegung in Südslawien schwer geschädigt, vielleicht wird jezt die gemeinsame Not unter der Militärdiktatur sie wieder zusammenführen. Spät abends fuhren wir nach zweitägigem Aufenthalt von Belgrab ab, stiegen am frühen Morgen bei empfindlicher Kälte in Slamonisch- Brod auf die Schmalspurbahn um und waren am nächften Mittag in. Gerajemo, der einzig schönen Hauptstadt Bosniens. Richard Bernstein, Die Blaze Dewand ROMAN VON EDGAR WALLACE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN ( 43. Fortsetzung.) VON Wäre es denn nicht möglich, daß ich zu der jungen Dame ginge und sagte:„ Mein Fräulein, Sie sind in großer Gefahr, und auch ich muß mich in Acht nehmen, daß ich nicht ins Gefängnis fomme. Was würden Sie mir dafür zahlen, daß ich eine Schild mache vor Ihre Tür stelle, Senor Digby Groat in Eisen schließen und in einen sicheren Raum einsperren lasse?" Glauben Sie nicht, daß sie mir dafür hunderttausend Pfund geben würde, eventuell jogar die Hälfte ihres Bermögens?" Digby schwieg. Der Berrat, den dieser Mann an ihn beging, mar offenbar. Er gab sich nicht mehr die Mühe, ihn mit schönen Phrasen zu verbrämen, er hatte ihm die Wahrheit brutal und offen ins Gesicht yejagt. ,, Also gut." Digby erhob sich mti niedergeschlagenen Augen Don der Tischtante, auf der er gesessen hatte. Ich werde Ihnen die Summe zahlen." Warten Sie noch. Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die ich Ihnen nicht verschweigen will. Nehmen Sie einmal an, ich wäre ihr Freund oder ich gebe menigstens por, es zu sein, und würde ihr anbieten, sie zu beschüßen, bis wir einen Hafen erreichen, wo ich sie an Land jezen tann. Könnten wir uns dann nicht beide in die Belohnungssumme teilen?" Ich denke gar nicht daran, fie aufzugeben," sagte Digby wütend. ., Diesen Plan tönnen Sie ruhig vergessen und ebenso die Bemerkung, daß Sie mich in Eisen legten. Bei Gott, wenn ich dächte, Sie meinten das, was Sie gesagt haben Er schaute düster auf den fleinen Mann, der nur lächelte. " www " ,, Wer hat überhaupt eine richtige Meinung in diesem schredlichen Klima?" fragte er nachlässig. Sie werden mir das Geld morgen in meine Kabine bringen. Aber nein besser ist es heute abend," fügte er nachdenklich hinzu. Ich werde es Ihnen morgen bringen." Der Kapitän zuckte die Schultern. Er bestand nicht auf seiner Forderung, und Digby blieb mit feinen Gedanken allein. Er hatte noch eine, sogar zwei Hoffnungen. Man tonnte ihm nicht bemeijen, baß er Fuentes erschoffen hatte, und es war schwierig, die Jacht aufzugreifen, wenn fie den Kurs verfolgte, den der Kapitän ausgearbeitet hatte. Und in der 3mischenzeit war ja Eunice da. Seine Lippen fräuselien sich, und seine Wangen röteten sich mieder. Er ging das Ded entlang und trat in den Gang. Aber es stand ein breitschuttriger, brauner Mann vor de Tür des Mädchens, der zwar zum Gruß die Hand an die Müze legte, als der Besitzer der Jacht erschien, im übrigen aber nicht von der Stelle wich. RAVI RAVENDRO 47. Während Digby Groat in seiner Kabine faß und alle Mög lichkeiten überlegte, hörte Eunice, wie fich Schritte ihrer Türe näherten. Es mar ein Uhr nachts. Sie war davon überzeugt, daß es Digby sei. Sie sah, daß die Türklinke langsam heruntergedrückt wurde und die Türflügel fich einen Spalt öffneten. Weiter ging es nicht, ohne die Tische und Stühle, die Eunice dahinter aufgebaut hatte, umzustoßen. Sie war vor Schreden ganz starr, als die Tür noch etwas weiter aufgedrängt wurde. Fürchten Sie sich nicht," sagte dann jemand.. Es war nicht Digby. Schnell sprang fie auf, denn es fonnie ja noch Schlimmeres fommen. Wer ist dort?" fragte sie. Ich bin der Kapitän." Was wollen Sie?" Baindolas Digby dachte einen Augenblick nach. Sein Interesse an Eunice hatte start nachgelassen, als diese neuen Gefahren auf ihn einstürmten. Es war eigentlich fein Grund vorhanden, warum er fchon heute abend bezahlen sollte. Wenn er mun doch gefangen würde, hätte er das Geld umsonst ausgegeben. Es fam ihm gar nicht erst der Gedanke, daß es dann erst recht für ihn verloren sei und daß das gar keinen Unterschied machte. Er ging in seine Kabine, die kleiner und weniger luţuriös aus: gestattet war, als die von Eunice. Er schob einen Armsessel an den fleinen Schreibtisch, setzte sich nieder und überdachte die Lage. Im Lauf der Stunden änderte er seine Meinung. Die Gefahr schien doch sehr weit ab zu liegen, aber Eunice war in nächster Nähe. Und menn er in wirkliche Bedrängnis tam, fonnte er ja mit allem Schluß machen, auch mit ihr. Sein Geld hatte dann ebensoviel Wert wie der Schaum der Wellen, der gegen seine Fenster sprigte. Hinter dem Schreibtisch war ein kleiner Geldschrank eingebaut. Er schloß ihn auf, nahm den großen Geldgürtel heraus, leerte eine der großen Taschen aus und legte die Banknoten auf das Bult. Es waren große Scheine, von denen jeder zehntausend Dollar Wert hatte. Er zählte vierzig ab, steckte die anderen zurüd und verschloß sie wieder im Geldschrant. heller. Es war jetzt halb sechs und der Horizont im Often färbte fich Digby steckte das Geld in die Tasche, um mit dem Kapitän zu reden. Er fror in dem falten Morgenwind, als er aufs Deď trai. Der fleine Brasilianer hatte einen Mantel angezogen und den Kragen hochgefchlagen. Er stand oben auf der Kommandobrüde und starrte über die graue Wasserwüste. Ohne ein Wort zu ver lieren trat Digby an ihn heran und gab ihm das Patet Bantnoten in die Hand. Der Brasilianer schaute auf das Geld, zählte es me chanisch durch und ließ es dann in seine Tasche gleiten. ,, Euer Erzellenz sind sehr freigebig." ,, Nehmen Sie jezt die Schildwache von der Tür zurück!" Barten Sie hier," sagte der Kapitän und ging nach unten. Einige Minuten später fam er zurüd. Ich möchte mit Ihnen sprechen, mein Fräulein. Aber Sie müssen erst die Dinge wegstellen, die Sie hinter der Tür aufgebaut haben, sonst muß ich zwei meiner Matrofen rufen, für die es eine Kleinigkeit ist, den Kram beiseite zu schieben." Er hatte die Tür nun soweit geöffnet, daß er durchschauen fonnte. Mit einem Seufzer erkannte Eunice die Nuglosigkeit ihrer Barrikade und zog die Möbel zur Seite. Der fleine Kapitän ging lächelnd hinein und schloß die Tür hinter sich. Er hatte seine Müze in der Hand. ,, Gestatten Sie, mein Fräulein," sagte er höflich und stellte alles wieder an seinen Blag. Dann öffnete er die Tür und schaute hinaus. Eunice sah, daß ein großer Matrose dort stand, der ihr den Rücken zukehrte. Offenbar mar er ein Wachtposten. Sie war gespannt, was das bedeuten sollte, aber der Kapitän erklärte es ihr bald. ,, Meine Dame," sagte er in einem Atzent, der sich schwer be= Uber schreiben läßt, ich bin ein armer Seemann, der feinen gefährlichen Beruf für zweihundert elende Milreis monatlich ausübt. wenn ich auch arm und von niederer Herkunft bin, so habe ich doch ein Herz." Er schlug sich auf die Brust. Es widerstrebt mir, baj einer Frau etwas zuleide getan wird!" Sie war gespannt, was er jetzt sagen würde und glaubte schon, daß er ihr gegen Zahlung einer Geldsumme anbieten würde, seinen Herrn zu verraten. Wenn das der Fall wäre, würde sie freudig einftimmen, aber diese Hoffnung wurde durch seine nächsten Worte wieder zerstört. Mein Freund Groat ist mein Herr, ich muß seinen Befehlen gehorchen und menn er sagt: Fahren Sie nach Callio oder nach Rio de Janeiro", dann muß ich es tun." Ihr Mut fant, aber scheinbar hatte er noch mehr zu sagen. ,, Als Kapitän muß ich seinen Anordnungen folgen, aber ich fann nicht dulden, daß eine Frau hier an Bord zu Schaden fommt. Berstehen Sie mich?" Sie nickte. Ein neuer Hoffnungsschimmer tauchte in ihrem Herzen auf. „ Ich selbst fann nicht die ganze Zeit hier sein und auch meine starten Matrosen fönnen nicht immer Bache stehen, daß Ihnen nichts geschieht. Aber es würde mir nicht zur Ehre gereichen, wenn Eie irgendwie beleidigt würden!" Rätsel- Ecke des ,, Abend". Spiralen- Kreuzworträtsel. Die Wörter gehen von links nach rechts und von oben nach ,, Gehen Sie aus dem Weg," sagte Digby ungeduldig. Ich will unten, stets von einer Zahl bis zur gegenüberliegenden abschließen. in die Stabine." den Linie. ,, Das ist nicht erlaubt," erwiderte der Matroje. Digby trat einen Schritt zurück, dunkelrot vor erger. " ..Wer gab Ihnen den Befehl, hier zu stehen?" ,, Der Kapitän." Digby eilte die Treppe hinauf und fand den Kapitän auf der Brüde. ,, Was soll das bedeuten?" Der Kapitän richtete einige Worte in Portugiesisch an ihn. Digby schaute auf und gewahrte einen dünnen, meißen Lichttegel, der das Meer absuchte. Es ist ein Kriegsschiff. Möglich, daß es nur eine lebung abhält," sagte der Kapitän, aber es fann auch nach uns Ausschau halten." Er gab einen furzen Befehl, und plöglich wurden alle Lichter an Bord ausgelöscht. Der Bealigo" drehte in einem halbkreis um und fuhr den Weg zurüd, den er gefommen war. " Wir müssen einen Umweg machen, um hier vorbeizukommen," erflärte er. Digby nergaß im Augenblick die Schildwache vor der Rabinentür, als er sich dieser neuen Gefahr gegenüberfah. " Links und rechts schmantte der Lichtkegel über die Wasserfläche, aber der Strahl berührte den Bealigo" nicht. Jezt wurde er nach der Stelle gerichtet, wo die Jacht umgemandt hatte, und mur um wenige Meter ging der helle Schein an dem Schiff vorbei. ,, Wohin fahren wir jett?" fragte Digby mürrisch. Bunächst zehn Meilen zurück, dann werben wir versuchen, zwischen dem Schiff und der irischen Küste durchzukommen. Irland liegt bort. Er zeigte auf den Horizont, wo sich der Lichtschein eines Leuchttums zeigte und dann wieder verschwand. Wir verlieren aber wertvolle Zeit," fagte Digby vormurfsvoll. Aber es ist besser, Zeit zu verlieren, als die eigene Freiheit," meinte der Kapitän philofophisch. Digby mußte sich an der Reling festhalten. Sein Mui sant, als das Licht des Scheinwerfers in der Nähe meitersuchte. Aber sie hatten Glüd. Sie waren eben aus der Gefahrenzone entkommen, als fich Digby wieder daran erinnerte, warum er zu der Kommandobrüde gefommen war. ..as foll das heißen, daß Sie einen Wachtposten vor die Kabine der Dame gestellt haben!" Der Kapitan war in das Dedhaus geganger und beugte sich über eine Geetarte der britischen Admiralität. Er antportete nicht, und Digby mußte seine Frage mieberholen. Dann richtete er sich ſteif auf. ..Die Zukunft der Dame hängt ganz davon ab, wie Sie Ihr Bersprechen hatten, mein Herr," erwiderie er höflich in feiner Muttersprache. Aber ich habe Ihnen doch versprochen-" ,, Sie haben aber das Berfprechen noch nicht ausgeführt." ..Sie werden doch nicht an meinen Worten zweifeln?" Ich zweiffe nicht daran, aber ich verstehe das nicht. Wenn Ele mir das Gelb in meine Kabine bringen, fann ich diese Ange: legenheit ja regeln." 11 8 51 6 9: 12 4 10 Wagerecht: 2. Getränt; 3. Klebstoff; 5. Teil des Baumes; 6. europäische Hauptstadt; 8. Kleiderstoff: 9. ehemaliges faiferliches Jagdrevier; 11. weiblicher Name; 12. Räjeforte. Sentrecht: 1. Tierisches Produtt; 2. Terrainsenfung; 4. Fabelmesen; 5. Pelztier; 7. Himmelsrichtung; 8. Augenglas; 10. deutsche Stadt; 11. modernes Berkehrsmittel. In den floss Röffelsprung. stun kraft ver ver der den eig auf ne weh der nen nicht fraut ver gend gend ver schaut dem gen ne die wart kla za der man ge Ergänzungsrätsel. Wörtern R. abe, Ma. er, Wol. a, Anba. Pri e, Lo te, E. ert, rpel, A. end, Ries., Ema d ist der durch einen Bunft angedeutete Buchstabe zu ersetzen. Bei richtiger Lösung nennen die ergänzten Buchstaben einen verstorbenen Führer der sozialistischen Arbeiterbewegung. hl. BER BER BER BER BER BER Füllrätsel. ( Forts. folgt.) aaa addeeeeghhiiil nnnorrssttuuz- Borstehende Buchstaben sind so in die leeren Felder zu sehen, daß Wörter folgender Bedeutung gebildet werden: 1. Fluß in Rußland; 2. männl. Bor: name; 3 Schuppatron der Jäger; 4. Handwerk; 5.männl. Borname; h. Farbe. ( Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Spiralen Kreuzworträtsel. Bagerecht: 2. Aal: 3. Lima; 5. Abend; 6. Auster; 8. Student; 9. Lamprete; 11. Blattlaus: 12. Eifersucht: 14 Fichtenbaum; 15. Angelfachje. Sentrecht: 1. la; 2. Aul; 4. Dora; 5. Arena; 7. Zauber; 8. Senegal; 10. Sarbelle; 11. Baltimore; 13. Mont Serrat; 14. Flaggengala. Ergänzungsrätsel: Lasso, Probe, Etzel, Reise, Play, Ellen, Mainz, Wefte, Ammer, Bluff, Infel. Sozialismus. Rapfelrätfel: Krone des Lebens, Glüd ohne Ruh' Liebe, bist du! Silbenrätsel: Goethe: Rastlose Liebe" Wer sich beurteilt nur nach sich, Gelangt zu falschen Schlüffen. Du selbst erkennst so wenig dich, Als du dich selbst fannst füssen. Berwandlung: Be( du) ine. FUNK UNDAM ABEND Mittwoch, 9. Januar. Berlin. 16.00 Dr. Arthur Zucker: Die Wesensart des amerikanischen Kinos. 16.30 Lessing- Stunde für die Jugend. Einleitende Worte: Hans Kafka. 17.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Eugen Sonntag. 19.00 Dr. Albert Ullmann: Wie helfen Stadt und Staat den werdenden Müttern? 19.30 Prof. Georg Richard Kruse: Einführung zu dem nachfolgenden Sendespiel: Menandra". 20.00 Sendespiele: Menandra", Oper in drei Teilen. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Dir.: Rudolf Krasselt. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik( Kapelle Marek Weber). Königswusterhausen. 16.00 Annemarie Pallat- Hartleben: Erzichungsberatung. 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 17.30 Dr. Ernst Hickmann: Machtkämpie am internationalen Gummimarkt. 18.00 Dichterstande. Anton Wildgans( Einleitung: Dr. Günther Birkenfeld). 18.30 Lektor Claude Grander, Gertrud van Eyseren: Französisch für Fortgeschrittene. 18.53 Ing. H. Guttein: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Arbeitslehre.( VII.) 19.20 Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung zu nachfolgendem Sendespiel ..Menandra" Ab 20.00 Uebertragung von Berlin. Petri- Dülberg hängen alles ab! Das Feld klärt sich. Bier Nächte Kampf in der Sporthalle in der Potsdamer Straße. Bier Nächte volle Häuser, die Jagden, Jagden und abermals Jagden sahen: das 21. Berliner" scheint das Sechstagerennen der notwendigen Wiedergutmachung zu fein! Auch in der fünften Nacht lieferte das Neunerfeld regelrechte Schlachten, die so groß waren, daß sich das Gefamiklaffement wesentlich veränderte. Den Löwenanteil hieran haben Petri- Dülberg, die nunmehr als die stärkste Mannschaft angesehen werden müssen. konnten sie sich schon in der vierten Nacht von der besten Seite zeigen und viel Platz aufholen, so war die fünfte Nacht ihre Nacht: jest find fie alleiniges Spikenpaar. Im Mitternacht beginnt das Vorspiel. Zahlreiche Vorstöße beunruhigen das Feld, zunächst vermag feine Mannschaft etwas auszurichten. Bis bei einem abermaligen Borstoß Dülberg- Petris die jdmach fahrenden Behrendt- Manthy und auch Faudet- Tiez je eine Runde einbüßen. Danach holen Letourneur- Broccardo in geschickter Beise wieder eine Runde auf. Das Feld jagd weiter! Jimmer wieder ist es Dülberg, der meitergeht und nun mit seinem Bartner Betri den Beweis erbringt, daß der Rundenverlust in der vierten Nacht nur ihrer Unaufmerksamkeit gutzuschreiben ist. Während das Feld weiter raft, verpassen Kroschel und Junge die Ablösung und haben im Nu eine Runde verloren! Klar und ziel ficher fahren Gooßens- Debaets, gefolgt von Dülberg- Petri und holen fo Baar auf Baar. Auf der Bahn geht es mirr zu; mit den Ablösungen wird es nicht genau genommen, piele Fahrer sind nicht in der Loge, ihren Partner zu verständigen. Ja Kroschel Junge find zeitweise überhaupt nicht auf der Bahn. 12 Reichsbannersport. Ski- Kursus im Harz. Der Bundesvorstand des Reichsbanners SchwarzRot Gold veranstaltet vom 26. Januar bis 3. Februar für die Gaue Berlin- Brandenburg, Thüringen, Braunschweig und Magdeburg- Anhalt einen Schneeschuhlehrgang in Benedenstein, Aitenau und Braunlage( für den Gau Berlin- Brandenburg in Benedenstein). Unkosten mit Fahrt und Verpflegung 50 M. Anmeldungen bis 10. Januar mit 25 M. Anzahlung an James Breslauer, Berlin SW 68, Markgrafenstraße 22. Es werden neben dem praktischen und theoretischen Unterricht im Schneeschuhlauf in den Abendstunden staatsbürgerliche Vorträge gehalten. Als Referenten für diese Vorträge haben sich die Berdamit den Beweis erbringen, daß er auf seiner Amerifareije sein Können noch vervollkommnet hat. Sein Gegner, der ebenfalls als feiner Technifer wie auch als tampflustiger und angriffsfreudiger Borer befannt ist, wird ihm alles abfordern. Den großen Kreis der Berliner Amateure mird es besonders interessieren, daß am gleichen Tage auch der Kölner Jakob DomAmateur errang, an dieser Stelle auch als Berufsboger in den Ring steigen wird. Mitten in dieser Jagd fällt die Nachtwertung. Nachdem görgen, der 1927 im Sportpalast den Europameistertitel als wird bekannt, daß Dülberg- Petri allein die Spitze haben. 3wet Runden zurück: Gooßens- Debaets 158 P.; KrojchelJunge 114 P.; Letourneur- Broccardo 100 P. Drei Runden zurück: Rielens van Kempen 170 P.; Linari- Miethe 100 P. Fünf Runden zurück: Faudet Tieß 193 P.; Preuß- Refiger 165 P.. Sieben Runden zurück: Behrendt- Manthen 156 P. Nach 104 Stunden um 6 1hr, bei Beginn der Neutralisation find 2691,900 Kilometer zurück gelegt. Die 145- Stunden- Fahrt nähert sich ihrem Ende. Nach Dülberg Betri sind die Belgier Gooßens Debaets die Helden der jagdenreichen fünften Nacht gewesen. Linari fällt zurück; der große Fahrer, der in den ersten Tagen so prächtig fuhr, hat, in der vorigen Woche am Dienstag das Mailänder Sechstagerennen mit Girardengo siegend beendet. Drei Tage später steht er schon wieder am Start einer neuen langen Fahrt... Die nun folgende Schwäche kann man daher verstehen. Auch bei Kroschel- Junge ist die Reaktion verständlich: die ersten Nächte haben Kräfte gekostet. Ihre Bemühungen, stets allein die Spize zu halten, fonnten nur nach harter Arbeit mit Erfolg getrönt werden. Und diese Arbeit sizt in den Gliedern, während die Belgier, die in den ersten Tagen nur wenig zeigten, jegt mit ihren Reserven wirtschaften tönnen. Die Müdigkeit Tietz' dürfte sein früherer Partner Kroll, der„ Oskar" sehr viel allein machen ließ, mitverschuldet haben. Die Nachwüchsler" PreußRefiger verdienen ebenso wie Letourneur- Broccardo für ihr Fahren auch in dieser bewegten Nacht Anerkennung. R. S. Volkstanz und Politik. Man sollte kaum meinen, daß diese beiden Worte etwas mit einander gemeinsam haben, aber durch die Mostowiter wird ja schließlich wenn auch nur auf dem Papier alles zustande gebracht. Für die Jugend ist der Boltstanz Selbstzwed. Sie will sich im frohen Tanz frohe Stunden schaffen, sie will ja dabei gar nicht bewundert werden. Es ist für diese jungen Burschen und auf Barteifesten ein Bolkstanzkreis seine Reigen- und Figurentänze vorführt, so nur deswegen, um einen fleinen Einblick in die Tätig teit der Jugendgruppen zu geben. Nicht jeder Jugendliche fühlt sich durch großangelegte politische Reden zu der Arbeiterjugend hingeMädchen etwas bemußt anderes als der moderne Tanz. Und wenn Feste und Feiern 1929. Das Jahr 1929 wird eins der arbeitsreichsten für die Berliner Arbeiter- Turn- und Sportbewegung werden. Im Mittelpunkt aller Beranstaltungen steht naturgemäß das Bundesfest in Nürnberg. In allen Bereinen wird jetzt mit den Vorbereitungen zu diesem Fest der Hunderttaufend" begonnen. Für den 1. Kreis findet am 12. und 13. Januar die Kreistechnikerlehrstunde statt, zu der u. a. der Leiter der Bundesschule, Benedig, Leipzig, erwartet wird. Aber auch die Groß- Berliner Bundesmitglieder sind nicht müßig. Die Freie Turnerschaft GroßBerlin veranstaltet am Sonntag, 13. Januar, ein Hallenmerbefest seiner gesamten männlichen Jugend in der Zentralturnhalle Prinzenstraße. Im selben Monat findet dann noch am 27. die Streisfrauenlehrstunde statt. Der Monat Februar bringt ebenfalls zwei wichtige Beranstaltungen: am 10. Februar das jährlich nur einmal stattfindende Frauenwerbefest der FIGB. in der Turnhalle Prinzenstraße und am 17. Februar ein Werbeabend der Aelteren und Alten. Zu dieser letzteren Veranstaltung sind die Altersriegen und Abteilungen aller Vereine des 1. Kreises eingeladen. Auch der März findet die Arbeiterturner und Sportler wieder in lebhafter Tätigkeit. Am 1. März wird Hilda Sucker, Leipzig, von der Bundesschule vor allen weiblichen Mitgliedern der FTGB. ein aufklärendes Referat halten, während anschließend gm 2. und 3. März ein Zweitagekursus für Frauenturnen stattfindet. Dieser ausgesprochenen Lehrzwecken dienenden Veranstaltung folgen zwei weitere Veranstaltungen, die von noch größerer Bedeutung find. Für den 10. März ist der große Bühnenwettstreit des 1. Kreises angefeßt, eine Veranstaltung, die im Mercedespalast, Neukölln, Hermannstraße, Tausende zusammenführen wird. Nicht minder wichtig ist acht Tage später, am 17. März, das Kreisschwimmfest in Spandau. Hier werden sich die besten Wassersportler der Mart Brandenburg ein Stelldichein geben, und alle Interessenten des edlen Wassersports persammeln. Am gleichen Tage soll auch die Verbandsmeisterschaft im Fußball ausgetragen werden. Im April wird die FTGB., am 21., mit ihrem Gründungsbezirk Süden in der Zentralturnhalle Brinzenstraße ein öffentliches treter der beteiligten Regierungen und Behörden zur Verfügung 80gen, wenn er aber weiß, daß dort auch Tanz und Spiel zu Hause Turnen abhalten anläßlich des zehnjährigen Bestehens der FTGB. gestellt. Durch diesen Rurfus wird erneut bewiesen, daß das Reichs banner Schwarz- Rat- Gold jede Gelegenheit ergreift, um feine jugendlichen Mitglieder nicht nur förperlich zu ertüchtigen, sondern auch die staatsbürgerliche Erziehung bei ihnen zu fördern. Als Ab schluß der Kurse findet am Sonntag, dem 3. Februar, in Braunlage das erste Wintersportfest des Reichsbanners statt, zu melchem alle Republikaner eingeladen sind. Folgende Wettkämpfe find ausgeschrieben: 1. Hauptklasse, 21 Jahre und ältere: 10-12- Kilometer Mannschaftslauf. Eine Mannschaft besteht atts drei Kameraden, die gemeinsam starten und gemeinsam am Ziel ankommen müssen. 2. Jugendklasse, 14 bis 20 Jahre: a) 14 bis 17 Jahre: 5-6Kilometer Mannschaftslauf. Bedingungen wie 1.; b) 18 bis 20 Jahre: 5-6- Kilometer- Mannschaftslauf. Bedingungen wie 1. auch mitmachen. Daß einfache Boltstänze derart werben, beweisen Beispiele aus der Provinz. In einer brandenburgischen Provinzstadt schrieb ein Lehrer einem Volkstanzfreis, daß der dortige Königin Louise- Bund durch Propagieren von Volkstanzabenden sehr viel Zulauf hätte, die proletarische Jugendbewegung aber nicht recht weiterfommt. Flugs wurde von einem Berliner Bolkstanzkreis eine Fahrt dorthin organisiert, ein Boltstangfest veranstaltet, alle möge lichen Reigen und Tänze geübt und getanzt Mädchenbund hatte das Nachsehen. und der nationale Die Erziehungsarbeit an den Jugendlichen jetzt, nachdem sie zin mal in den Boltstanzfreisen heimisch geworden sind, langsam ein und hat sehr gute Erfolge, die auf direktem Wege faum zustande gefommen wären. Das ist die Aufgabe, die sich die Arbeits gemeinschaft proletarischer Volkstanzfreife" ge4. Gäſtellaſſe: 4- Kilometer- Einzellauf( Teilnehmer: die weib- stellt hat. Die„ Rote Fahne" denkt anders hierüber und schrieb lichen Angehörigen der Kameraden). 3. Stischauspringen an der fleinen Schanze in Braunlage. Meldungen zur Beteiligung an den Wettkämpfen und zur Fahrt zum Sportfest am Sonnabend, dem 2. und 3. Februar, sind einschl. Anzahlung an James Breslauer, Berlin, Markgrafenstr. 22, zu richten.( Unkosten einschl. Fahrt und Verpflegung, 25 M., bis zum 15. Januar.) Das Turnier am Weinbergsweg. Kley wirft Pogrzcba. Die Ringtämpfe im Walhalla- Theater um den Goldenen Gürtel brachten gestern wieder intereffante Paarungen. Der franzöfifche Mittelgewichtler apre fiegte über den schweren Holländer van den Born. Weltmeister Petrowitsch vermochte im erften Gang mit dem robusten Bahn Samson noch fein Resultat zu erzielen. Der Weltmeister Klen triumphierte nach 15 Minuten über den Oberschlesier Bogrzcba mit einem Ueber stürzer. Der Berliner 2uppa rang im Entscheidungskampf den Rheinländer Grunewald in der 46. Minute mit Armzug am Boden nieder. Am Montag erzielte 2uppa gegen den Meister Siegfried nach äußerst starter Gegenwehr ein sehr schmeichelhaftes Unent fchieden. Weltmeister Petrowitsch war Grunewald stets überlegen und riß ihn in der 15. Minute mit seinem Spezialgriff, einem llebergriff von hinten, auf die Matte. Wieder recht unfair rang der starte Bahn- Samson im Entscheidungskampf mit dem überlegenen Finnen Huhtanen, der auch nach 49 Minuten mit einem ganz überraschenden Kopfzug aus dem Stand siegte. Heute ringen Huhtanen- Finnland gegen Favre- Frankreich, Bahn- Samson gegen Ernst Siegfried und im Entscheidungskampf Luppa gegen Friz Kley, Weltmeister m Mittelgewicht. Zahlen. In Berlin gab es im Dezember 1928 135 000 Straftfahrer, die im Besitz eines Führerscheins waren. Um dieselbe Zeit gab es hier etma 85 000 Kraftfahrzeuge. Vom Dezember 1927 bis Dezember 1928 hatten 23 500 Kraftfahrzeuge einen schweren Unfall. 25 000 Ber fonen wurden im letzten Jahre Führerscheine ausgestellt, und man hat festgestellt, daß 6000 von ihnen an diesen Unfällen beteiligt maren. Somit hatte jeder pierte der Neulinge einen Unfall, mährend van den älteren Fahrern, die bereits seit amei bis fünf Jahren im Befiße eines Führerscheins waren, erft jeber fünfte einen Unfall hatte, Bon den noch älteren Fahrern tam erst auf jeden neunten ein Unjall. Im lezten Jahre mußte 273 Berfonen megen grober Fahrlässigkeit der Führerschein entzogen merden. Arbeiter- Fußball. Das Spiel zwischen Lichtenberg II und Dherspree am Sonntag gemann Oberspree 7: 3, wie uns berichtigeno mitgeteilt mirh nach einem gut gelungenen Volkstanzfest wörtlich( 5. Dezember): ,, Die Bestrebungen der Boltstanzfreise, die wöchentlich Tanzstunden in allen Stadtteilen abhalten, gehen dahin,„ ben modernen Tanz mit seinen ausländischen Tansformen und Schlagergefängen durch die alten Boltstänze abzulösen. Wir wollen nicht untersuchen, ob sich die Mühe lohnen wird, aber etwas Grundfäß liches muß gefagt werden! Die Gefahr der Entpolitisierung, der Ablenkung der Jugend von den Dingen, die den klaffenbewußten Arbeiter angehen, liegt hier doch sehr nahe! Uns allen ist der bertrottelte romantische Bandervogel in feinen verschiedenen Färbungen bekannt, der sich in seiner Lebensunfähigkeit lächerlich machte, ja machen mußte, meil er außerhalb des Werktages lebte." Hier wird der fonfequente Radifalismus gepredigt, dem alle Ummege zur Erzielung des Zmedes widerwärtig sind. Unange nehmerweise machen nun aber die Moskauer Romjomolzen, sogar die ftrengsten, dem Rote Fahne- Schreiber einen Strich durch die Rech nung. Was dort früher verdammt wurde, wird heute wieder für proletarisch erklärt. Die Moskauer Kommunisten haben ein Werf herausgegeben: Rhythmische Spiele und Tänze." An Stelle des bourgeoisen, sexuell charakterisierten Tanzes treten für die Jungkommunisten Rund, Chor- und Boltstänze, die Tänze, die auf den russischen Dörfern früher getanz wurden, die Polonaisen und Quadrillen der Großeltern werden wieder hervorgesucht und man hofft viel von der Werbekraft der neuen Volfstanzbewegung. Der Tanz rechnet dort schon zur winterlichen Sportbetätigung", man ist also in Moskau schon theoretisch weiter als bei uns! Was sagst du nun, liebe Rote Fahne"? Deine russischen Geld geber wollen alfo auch die Jugend„ entpolitifieren". Wir erwarten in deiner nächsten Nummer einen Artikel für den Volkstanz! H. E. Der nächste Boxabend. Jslas' Besieger im Sportpalast. Der riesige italienische Schwergewichtsboger Primo Canero, der am 18. Januar im Sportpalast sich zum ersten Male dem Berliner Bublikum im Ring zeigen wird, trifft am heutigen Mittwoch in Berlin ein. Von seinen Riesenausmaßen fönnen sich die Borsportanhänger gleich überzeugen, da er sich abends das Sechstagerennen ansehen will, um seinen Landsmann, den langen Linari, zu begrüßen. Sein Gegner, Ernst Roesemann, ist auf seinen besonderen Wunsch dazu ausersehen, da er dem Berliner Bublikum den Be weis erbringen will, daß er das leẞtemal unter fetner wahren Form fämpfte. Carneras Start intereffiert besonders dadurch, daß er einer der wenigen ist, die Haymanns letzten Besieger, den Neger Epifanio Islas, zu schlagen vermochte. Aber nicht nur Kraft und Körperlichkeit werden den Kämpfen den Stempel aufbrüden und bei den Ergebnissen den Ausschlag geben. Der Sportpalast wird im meiteren Berlauf des Abends Paarungen zeigen, die für hoch interessante und spannende Treffen garantieren. So find jetzt die beiden Federgewichtsmeister von Frankreich und Deutschland, der ausgezeichnete und fampferprobte Robert Tassin und der Ber: liner Paul Road, zum Kampf verpflichtet worden. Letzterer tonnte erit am vergangenen Sonntag in Dortmund feinen Titel gegen ben Duisburger Heinrich Gohres mit Erfolg verteidigen und ihre Kräfte zu messen. Im Kreisstraßenlauf werden die besten Läufer am Start erscheinen. Der 12. Mai bringt dall allgemeine Anturnen, Ansportein, Anbaden und vor allem aber die Regatta des 1. Kreises. Am 26. Mai werden wir wieder den seltenen Genuß eines internationalen Fußballspieles erleben. Der Monat Juni ist den allerletzten Borbereitungen und Generalproben zum Bundesfest in Nürnberg gewidmet. Während am 23. die Ausscheidungen stattfinden, wird am 30. Juni als letzter Auftakt zum Bundesfeft die große Bundesregatta in Grünau abgehalten. Diese Grünauer Beranstaltung wird zeigen, daß auch der Wassersport in Arbeiterkreisen nicht nur ausgeführt werden kann, sondern eine erstklassige Pflege findet. Acht Tage später, am 7. Juli, veranstalten die Ruderer und Kanufahrer des 1. Kreises einen allgemeinen Spiel- und Sportsonntag, um auch von ihrer Bielseitigkeit im Ergänzungssport Zeugnis abzulegen. Dann heißt's: alles zurechtmachen für Nürnberg! Schon jetzt ist ersichtlich, daß Nürnberg und der ATSB., vom 18. bis 21. Juli, eine seiner größten Veranstaltungen erleben wird. Nach sechswöchentlicher Baufe ruft dann in Groß- Berlin die FTGB. zur Zehnjahrseier auf. Während am Sonnabend, 31. August, alle Kinderabteilungen im Boftstadion werben, wird am 1. September( Sonntag) die gesamte FTGB. aufmarschieren. Im gleichen Monat wird noch das jährliche Alterstreffen des 1. Kreises stattfinden und ebenso das Dauerrudern. Die offizielle Beendigung der Sommersaison bringt der 15. September mit dem Abturnen, Abbaden, Absporteln. Der Oktober versammelt wieder die Freunde der FTGB., am 13., zum Werbefest der Kinderabteilungen in der Zentralturnhalle Prinzenstraße, während alle weiblichen Mit glieder am 27. Oftober die alljährliche Frauentreffahrt unternehmen. Das traditionelle Fest am Bußtag wird auch in diesem Jahre Jahre wieder die treue Gemeinde der FTGB. zur Hallenveranstal tung in der Zentralfurnhalle Prinzenstraße zusammenführen.- Zu all den genannten Beanstaltungen tommen bekanntlich immer noc) einige weitere, die sich aus irgendeinem Grunde vorher noch nicht haben festlegen lassen. Wenn darauf hingewiesen wird, daß außer diesen angeführten Daten jeder Sonntag mit weit über 250 verschiedenen Fußball, Handball-, Hoden-, Tennis- und Wassersportmannschaften besetzt ist, dann geht daraus hervor, in wie regem Maße sich die Bundesmitglieder für die Ausbreitung der Idee des ATSB. Hneigemütig einsetzen. Warnung! In Berlin läuft ein Schwindler umber, der bei den Funktionären der Vereine, Bezirke oder Sparten um Unterstüßung bittet. Mit gefälschten Empfehlungsschreiben irgendeines Genossen ergauert er sich Fahrgelder, weil er angeblich ohne irgendwelche Mittel in Berlin ist und nach seinem Heimatsort in der Provinz Brandenburg zurückfahren will. Um zu täuschen und sicher gelbliche Unterfügung zu erhalten, nimmt er niemals mehr, als das tatsächliche Fahrgeld nach dem angeblichen Heimatsort ausmacht. In einigen Fällen sind ihm seine Schwindeleien geglückt, bei denen er stets mit einem anderen Namen operiert. Zulegt nannte er fich Karl Evel. Wir warnen unsere Mitglieder und Funktionäre vor diesem Karl Ebel und ersuchen, ihn festnehmen zu lassen. Kreisvorstand 1. Kreis AT. u. SpB. Zusammenkunft der Faltbootfahrer der FTGB. Um dem Kanubezirk der FIGB. eine Faltbootgruppe anschließen zu fönnen, findet am 10. Januar, 19 1hr, bei Wolter, Boethstraße 49, eine Sigung statt. Anfragen erledigt Frik Müller, Neukölln, Bendastraße 5. Die Naturfreunde der Abteilung Norden geben ihren Gästen und Freunden bekannt daß das interfest mit altdeutschem Ball am Sonnabend dem 26, Jamar, abends 9 Uhr, im Gasthof Brose, in Hennigsdorf, dirett am Bahnhof, stattfindet. Besondere leberraschungen werden wieder geboten. Da feine Abendtasse stattfindet, find Karten à 1 M. nur im Vorverkauf zu haben bei Kurt Hallwaß, Schönhauser Allee 122, Seitfl. II, und bei Willy Stiller, Driesener Straße 23, r. Seilfl IIL Zwei Explosionstatastrophen. 20 Arbeiter verletzt. Gent, 9. Januar. Eine ungeheure Explosion ereignete sich in der staatlichen Pulverfabrit von Wetteren. Das große, freiliegende Gebäude flog in die Luft. Der Sachschaden ist bedeutend. Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Rom, 9. Januar. In Bologna explodierte in einer Juderwarenfabrit ein Kessel. rohr. 20 Arbeiter und Arbeiterinnen erlitten Berbrühungen oder wurden durch fortgeschleuderte Rohrstüde verleht. Bier Arbeiter und acht Arbeiterinnen mußten in schwerverlektem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden. Die Wohnungsbauten der Stadt. Das vom Magistrat vorgelegte zusätzliche Wohnungsbauprogramm für die Jahre 1929-1932 ist im Haus haltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung angenommen worden. Die Stadtverordnetenversammlung selber, die nun noch in zweiter Beratung zu entscheiden hat, wird voraussichtlich diesen Beschluß billigen und sich gleichfalls für Annahme erflären. Das Wohnungsbauprogramm sieht vor, daß außer den jährlich etwa 20 000 Wohnungen, die mit Hauszinssteuermitteln finanziert were den, in den nächsten vier Jahren weitere 30 000 + 1 Bohnungen( jährlich über 7000) gebaut werden sollen. Berworfen hat der Haushaltsausschuß den Vorschlag des Magiftrats, ihm weitgehende Vollmacht zu geben, im Einvernehmen mit der Finanzdeputation die notwendigen Maßnahmen zur Finanzie Der Ausschuß hat beschlossen, daß diese Aufgabe einer gemischrung und Durchführung der Bauprojekte zu treffen. ten Deputation aus Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern übertragen werden soll. Fahrscheindrucker der Straßenbahn. Die Straßenbahnbetriebsgesellschaft setzt ihre im Herbst 1927 begonnenen Versuche mit den Fahrscheindruckern, die das umständliche Lochen der Fahrscheine unnötig machen und automatisch die Fahrschiene herstellen, registrieren und entwerten, fort. Bon den: drei verschiedenen Bauarten, die seinerzeit in wenigen Mustern probeweise in Betrieb genommen wurden, ist jetzt das Modell der AEG. ausgewählt worden, um die Versuche in größerem Umfange durchzuführen und weitere Erfahrungen auf diesem Gebiete zu sammeln. Die AEG. hat vor einiger Zeit 150 Apparate in Auftrag erhalten, mit denen die Schaffner der im Straßenbahnhof Tempelhof stationierten Wagen ausgerüstet werden sollen, so daß man die Fahrscheindrucker in den nächsten Wochen bereits häufiger im Berliner Verkehr sehen wird. Wenn sich diese weiteren Bersuche bewähren, soll dann nach und nach, wenn genug Erfahrungen vorhanden und etwa notwendige Verbesserungen durch geführt worden sind, mit der weiteren Ausrüstung der Schaffner mit diefen automatischen Fahrscheinbrüdern fortgefahren und schließe lich die Lochgange ganz verdrängt werden. Eichwalde. Heute, 20 Uhr, bei Lindner, Bahnhofstraße, Zahli abend. Tagesordnung: Geschäftsbericht, Neuwahlen. den 10. Januar, abends 7%, Uhr, im Gefangssaal der Sophienschule, Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Uebungsstunde Donnerstag, Beinmeisterstr. 16/17. Der Berliner Volfschor wird in Ergänzung seines Kinderchors einen Jugendchor" angliedern, der Mitglieder von 14 bis 18 Jahren aufnimmt. Die Leitung übernimmt der aus der Arbeiterjugend bewegung und durch seine Lehrtätigkeit in der Volkshochschule GroßBerlin bekannte Karl Weißenberger. Am Donnerstag, dem 10. Januar, 20 Uhr, erfolgt die Gründungsversamm Iung in der Aula der Schule Andreasstr. 16. Alle Interessenten sind hierzu eingeladen. Das Fundbureau der Aboag bleibt am Donnerstag, dem 10. d. M. geschlossen. Ab Freitag, dem 11. d. m. befindet es sich Urbanstraße 167 und ist Werktags von 10 bis 15 Uhr und Sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet. botenen Stahlhelm wurden in Mainz fünf Leute zu einer Woche Wegen Gründung einer Ortsgruppe des im Rheinland_ver= Gefängnis mit Strafaufschub und zu Geldstrafen von 25 bis 70 M. verurteilt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Fortdauer des beständigen Frostwetters. Für Deutschland: Vereinzelt Morgennebel, sonst heiter, trođen und falt. 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