Morgeuausgavs Jtr.iS Ad 46. Jahrgang SZchntSIch WP1. meteSU) MO 9. tiBd w> Aanbd mll dem Ittel.De. Abenb'. SQuftTterte Teilaaen„Saü ottb 3*it" unb Jtinberfrcuno*. Ferne« .Unterhaltung unb SStflen',»Frauen- Srnme*..Technik",»Blick in bi» üchttstlt* und ,3ugenb-B«n»ärl»* Berliner VolKSblati Donnerstag 10. Zanuar 1929 Groß-Serlin 10 Vf. Auswärts 45 Pf. tto•(Bftcttt«« 7wnv�etll«M« >0 Pfennig. ReName i«l1e a— Reich»- warf.„Aletue Anzeige»� da» enge» druckte Wort 2S Pfennig(zulässtg zwe.> stttzedruckte Worte), jede» wettere Wort .2 Pfennig. Stellengesuche dos erst» Wort 15 Pfennig, jeöe» weitere Dort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftadev "** 5 Ärdeitsmorfi nilienanzeigen füt ) Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linde»- ktrabe S,»ochentägl. vo» SV? dl» 17 Uhr. Jentvawrgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 K«r»lprech«r: Töndotl K2— LS? Telegramm-Sdr.: Eozialdemokrar Berlt» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. PostsibeiNonto: Berlins? SSV,— CanfJomo: Bank der Lrdetter. Ssgeftrll«» »ni> Beamte» Eallftr. SS, Dittomv-E-lellschaft. Depvsttenkalle Lindenftr S Vor der Entscheidung in Krankreich. Die Radikalen gegen die Regierung.— Was wird poincare tu«? Paris. S. Zar aar. sEigenbericht.) Ute k a m m e r zeigte am Aliktwock) aklevorzeichcaeincs großen Tages. Die Gruppen haben ihre letzten Vorbereitungen getroffen. Di« Soziallsten werden K r o f j a r d und Vincent St n r i o l. die Radikalen u. a. ihren Dartelvorfitzendeu D a l a d i e r vorfchlcken. Die gesamte Oefseaklichkeit erwartet von der am Donners- tag und Freitag stattfindenden Debatte dl« Entscheidung über bat Schicksal des Ministerium», besonders uachdetn sich durch den Beschluß der Radlkalsozialeu vom Dienstag die Lage außerordentlich verschärft hat. Die Radikalsoztalen erklären, nur einem Ministerium vertrauen gewähren zu können, das durch seine Zusammensetzung und sein Programm die Möglichkett des Zusammenschlusses aller republikanischen Sräste bietet. Die von vielen gemachie Rechnung, daß elwa 20 Mitglieder des rechten Flügels den Weisungen der Parteileitung nicht folgen würden, scheint also dies- mal ohne den Wirt erfolgt zu sein. Der Ministerpräsident, der immer noch an der Fiktion der �Nationalen Einigkeit" festhält, wird von den Radikalen gegenwärtig talsächlich in so scharfer Form wie noch nie zur Entscheidung zwischen rechts und links gezwungen, wird er. so fragen deshalb einige Blätter, versuchen, wieder Radikale in sein Kabinett aufzunehmen? Die Radikalen haben jedoch selbst wieder- holt erklärt, daß sie keine Koalition mehr mit der Gruppe Marin eingehen würden, poincarö seinerseits will sich nicht von der Marin- Gruppe trennen. Er will aber auch nicht als Politiker der Linken, für den er sich zum mindeslea hält, einem ausgesprochenen Rechts- kabinell präsidieren. Andere erklären, der Ministerpräsident wisie aus de, ganzen Lage keinen Ausweg mehr und werde sich defit;■) zurückziehen. Das rylrd freilich einmal die logische Konsequenz seiner Versuche sein, aus dem unter dem Druck der Fronkenkrise er- solglev Zusammengehen zwischen rechts rnid links eine dauernde politische Kombination zu gestalten. Ob er aber heule schon diese Konsequenz ziehen wird? Darauf werden die folgenden Tage Antwort bringen. Gewiß scheint in jedem Falle, daß poincart trotz der Haltung der Radikalen eine, wenn auch nur eine schwache Majorität. etwa von Zl0 bis ZlS gegen 250 Stimmen bei 50 Stinuuenthallungea, finden wird, eine Majorität, die es ihm wohl gestatten würde, die Reparalionsverhandlungen zu Ende zu führen, auf deren Grundlage sich aber keinesfalls ein dauerhafter innerpolilifcher Kur» begründen läßt. Die eigentlichen Auseinandersetzunge« werden sich am Freitag bereits bei der Debatte über die P r i o. ritäk der radikalen Tagesordnung abspielen. Aoncour gegen die Doppelzüngigkeit der Regierung. Montpellier, 9, Januar. Der sozialistisch« Abgeortmtrf« Paul Boncour IM aus einer sozialistischen Veranstaltung erklärt, er habe sein, Mandat in Genf. wo er Frankreich und den Sozialismus vertreten habe, nieder- gelegt, well er zwischen zweillebeln das kleinere habe wählen müssen. Es sei notwendig, die Regierung zu erobern, denn man könne in Genf nicht ein« Friedenspolitik betreiben, während die französischen Regierungen in Paris sich auf einem anderen Plan bewegten. Er wisse, daß die Tat, die er voll- bringe, eine ernste sei; aber er Hab« das Recht, sie auszuführen. Die Untersuchung des großen Skandals. pari», S. Januar.(Eigenbericht.) Der Untersuchungsrichter im Skandal der„Gazette du Franc" stellt den Ministerpräsidenten Poincarö an Berühmtheit mehr und mehr in den Schatten. Seine Rachsorschungen. an denen sich nach französischer Sitte auch mehrer« Blatter beteiligen, er- scheinen der Oessenilichkeit fast wichtiger als die ganze, Politik. Herr Glard ist inzwischen den von der„Libcrte" gezeigten Spuren gefolgt und hat durch fünf Kommiffar« ein« Reihe Angestellter der „Gazette du Franc" vernehmen lassen, ohne jedoch die erwünfäzten präzisen Auskünfte über das mysteriöse Kontenbuch der Frau Hanau zu erhalten. Die kommunistische„h uma n i tä" weist darauf hin, daß der Teilhaber, Lozore Bloch, geschiedene Gatte der Frau Hanau, bis- her noch nicht verhört wurde. Man scheue sein« Enthüllungen. Er sei kurz vor seiner Verhaftung noch zu einer diplomatischen Mission bei Mussolini ausersehe» gewesen. Kommunisten-Äurcheinander in Berlin. (Sine stürmische zrakiionssihuug.— Beschluß: man stimmt gegen Gen. Haß als Gtadwerordnetenvorsteher. heut« abend soll im Rathaus wieder einmal verrückt gespielt werden. Moskau M's so gewollt. Pieck ist gestern In höchst«igener Person in der kommunistischen Rathausfraktion erschienen', er hat dort getobt und gewettert, mit Zuckerbrot und Peitsch« gearbeitet und hat dadurch die bessere Einsicht der bisher maßgebenden tom- mirnistischen Stadtocqprdneten medergekmutelt. Knapp, mit einer Stimm eMehrhsit— aber der Sieg ist seinl Es wird wieder verrückt gespielt. Aus seilten Befehl, auf Moskaus Befehl. Siehe Frankfurt a. M. und Kiel. DI« Kommunisten stimmen nicht für den sozialdemokralischea Stadkverordneleuvorsteher. für bpn sie im norlgen Jahre in einer Minute der Besinnung ihm Stimme abgegeben haben.— Sie stellen Schwenk als cmssicksts- losen Gegenkandidaten auf. Soweit der Beschluß. Sie haben die Frechheit, der sozialdemokratischen Fraktion trotz dieses ihres Bc- (chlulles eine„proletarische Einhettssront" anzubieten, die den ge- santten Aorstand der StadtvetordNeteimersammlung nur aus Äom- munisten und Sozialdemnkraten zusanuncnfctzen soll. Sie muten der sozialdemolratifchen Fraktion zu, aus eine solche plump« Anbiederung einzugehen, ohne auch rrnr ein Wort darüber zu sagen, wie sie sich die künftige politische Zusanrmenärbett zwischen beiden Parteien denken, wie sie sich zur Bewilligung des nächstjährigen Etats stellen würden, nachdem sie Jahr für Jahr gegen den Etat der Stoht gestimmt haben. Das Schreiben her KPD., in dem sie ehren unter dem Diktat des Diktators Pieck gefaßten Beschluß der sc�ialdemokratifchen Fraktion mitteilten, ging der Fraktion erst nach Schloß ihrer Sitzung zu— offenbar infolge des «Srderisck�n Kamps«», der sich in der kommunistischen Fraktion selbst abgespielt Hot. Di« Antwort der sozialdemokratischen Fraktion kann nicht zweifelhaft fein, sie ist durch chren grundsätzlichen Beschluß zur Frage der Bar- standsbasetzung sestgÄegt. Die Spsiakdemokratt« im Berliner Rät- hau» wird jeder Fraktion das Recht auf Besetzung der Lorstandssitzs nach ibrer Stärke zuerkennen, weich, sie ihr selbkt das gleich« Prinzip zugefttht, Die Äommun'sten haben«s 192$ getan. Daraufhin hat d'.c äs- zgaiidemokratt« chren Kandidat« als Stellvertreter gewählt. Di« Kouiimt nisten werden es 1929 nicht wieder tun— Pieck hat befohlen—, also wird die sozialdemokratische Fraktion auch den kanmumlftischen Kandidaten, wer immer er sei. nicht miederwählen. weil sie Ehrlichkeit, Konfequenz und Gegenseitigkeit für die Fundamente jeder politischen Arbeit hält. Die Berliner Arbeiterschaft aber wird staunend hören, daß die Politik des Januars 1928 im Januar 1929 von der Zentrale der Kommunistischen Partei als arbeilerverräterifch gebrandmarkt wird, daß die kommunistische Rat- hwisfraktton 1928„3iin in die Kartoffeln" rusen durfte, 1929 ober aus Piecks Befehl, aus Moskaus Befehl,.Maus aus den Kartoffeln" rufen muß. Arbeiterverrat? Arbsiterverratl Kabul-Kort in Rebelleuhaud! Amtlich zugegeben. koustaalinopel. 9. Januar. Wie au» Kabul gemeldet wird, wird die vejehung de» Forts In der Röhe von Kabul durch die Aufständischen amtlich be- st ä t i g l. Die Aufständischen unternahmen am Dienstag eine» Angriff gegen Kabul, der sedoch van den Regiernagslruppen zurückgeschlagen wurde.> Angeblicher Friedensschluß. London, k. Januar. Di« Verhandlungen mit den aufständischen Schinwaris sind nach englischen Meldungen aus Peschgipar erfolgreich abgeschlossen. Au? Grund sehr bedeutender Zu« Wendungen in Gold an die Mohmands und die Zkhugianis haben die beiden Stämme auf einer Zusammenkunft der Stammes- fuhrsr dem Ausgleich mit Lmanullah zugestimmt. Beide Stämme sind bereits aus der Gegend von Dschellaiabad abgezogen und haben den Schinwaris dieses Gebiet überlassen. Trotz dieser für die afgbanische Regierung bedeutenden Erfolge ist die Gesamflag« noch nicht geklärt, da in anderen Bezirken die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten w der Rochbarschaft von Kabul bestätigt nnrh,,... i Staat und Kirche in Rußland Neue religiöse Verfolgungen als Konsequenz des Stalinkurses Vau Botvr Garwy Längst ist die Sturm- und Drangperiode vorbei, in der die Volschewiki als kampflustige Atheisten den Himmel attackierten. Die antireligiöse Propaganda wurde in de't, letzten Jahren zwar nicht aufgegeben, sondern nur gedämpft und in die Hände der freiwilligen„Gottlosen"-Orgänisation übergeben. Die, Verfolgungen der Kirchen aller Glaubens- bekenntniffe würden einigermaßen gemildert. Vor kurzem sah es schier so'aus, als ob die Sowsetmacht gleich Napoleon «ne Art von.Konkordat" mit der orthodoxen Kirche abzi:- schließen beabsichtige. Die Kirche sollte wieder eine gewisse Bewegungsfreiheit erlangen, dafür aber sich gewissermaßen in den Dienst des Staates stellen, indem sie sich verpflichten sollte, die den Sowjetstaat bejahende Gesinnung unter den Gläubigen zu fördern. Jetzt auf einmal tritt eine schroffe Wendung ein! D'S antireligiöse Front ist wiederhergestellt. Die Sowjetpresse schlägt Alarm. Die bisherige Dämpfung, sogar Einstellung der antireligiösen Propaganda im großen Maßstabe wird als ein markantes Zeichen für die„Liebäugelei mit den Sektanten" auf die Rechnung gestellt. „Es gibt Genossen"— führt entrüstet die Stalinsche „Prawda" aus—,.chie meinen, daß es überhaupt kein Be- dürfnis für die antireligiöse Propaganda gäbe, da die Re- ligion mit der Aenderung der ökonomischen und sozialen Per- hältnisse des Daseins der Masten absterben wird." Mit entsprechenden Zitaten aus der heiligen Schrift Lenins u>erden diese Ketzeräußcrungen entschieden widerlegt. Die.Dinier- schätzung der religiösen Gefahr" wird der Unterschätzung der Rechtsabweichung in der KPDSU, gleichgestellt. Partei und Kirche stehen wieder in Kampfstellung gegen- einander. Die„Prawda" macht in diesem Zusammenhang interessante Angaben über die Stärke der religiösen Organ!- sationen im 12. Jahre der Sowjetdiktatpr. Zwar ist die Kirche vom Staate und die Schule von der Kirche längst gc- trennt, zwar sind Tausende von Kirchen, Klöster, Synagogen und Moscheen enteignet, unzählige Geistliche erschossen und verbannt worden, dennoch wird die Kirche immer noch als der„stärkste Feind der Sowjetmacht" angesehen. Die religiösen Organisationen verfügen auch jetzt gratis über oft vftft Kirchenräume, in denen mehr als 230 vftft Priester verschiedener Religionen religiöse Propaganda führen. Außer- dem gibt es in Rußlaud, nach Berechnungen der„Prawda", über Iftft ftftft Mönche, die zirka die Hälfte der früheren Klöster unter dem Deckmantel der Erwerbsgenostenschaften, Kollektiv- wirtschaften usw. immer noch Tausende von München und Nonnen birgt. Dazu kommen noch etwa SV ftftft Kirchenräte. Im großen und ganzen erreicht die Armee der religiösen Agitatoren noch der„Prawda" rund eine Million Makin, Auch die religiösen Jugendorganisationen(„Christomol") überholen an der Stärke hier und da die jungbolschewfftische Organisation.Komsomol". Diese mächtige Kirchenorganisation wird nun durch die Bolschewisten als eine gcgenrevolutionäre Kampforganisatiön der bürgerlichen Schichten in Stadt und Land hingestellt. Dic Kirchenräte werden dabei als Sammelpunkte der bürgerlichen Gegenrevolution gebrandmarkt, die die Schwierigkeiten des „sozialistischen Aufbaues" auszunutzen suchen, um die Sowset- macht zu unterwühlen. Das Schlimmste sei aber, daß die Kirche neue Stellungen auch in der Arbeiterklaste und in de'" Bauernschaft erobere. Hier und da bauen die Arbeiter neue Kirchen, erzwingen das Feiern der Religionsfeste, sammeln große Summen für religiöse Zwecke usw. Besonders rege Tätigkeit entwickeln dabei die Sektanten, die unter dem Zarismus in den Verfolgungen gestählt und in den Kon- spirätionen ausgebildet wurden. Daher— Kampfansage an die Religioni Nicht nur die „Gottlosen"-Organisation, sondern dic gesamte Kommunistische Partei, die Gewerkschaften, die Staatsorgane sollen diesmal gegen die Kirche mobilisiert werden. Auch die Schule dürfe nicht mehr„neutral" in diesem Kampfe bleiben, da.Jh'tc Halft' der Schüler unter dem Einfluß der Kirche steht". Der Klassenkampf in Stadt und Land soll auch auf dem Boden der Religign geführt werden. Die Sowjetmacht, hat sich seinerzeit nicht' damit begnügt, die Trennung der Kirche vom Staate und dU Schule von dar Kirche durchzuführen und eine AufkrärunasaSeit zu entwickln. Sie hat bekanntlich den Weg der sinnlosen ßerroristischen Verfolgungen betreten. Do- durch hat sie jednefc eine mächtige und tiefe religiöse Bewc« gung nicht nur unter den enteigneten Klassen der vorrevolutionären Gesellschaft, sondern auch unter den Arbeitern und Bauern hervorgeaistir Die große geschichtliche Enttäuschung der Arbeiterklasse«folge des kläglichen Zusammenbruches der weltrcvolutionixen Illusionen des Bolschewismus hat in der Seele vieler Arbeiter eine Leere hervorgerufen, die sie durch die Religion auszufüllen suchen. Der Schwerpunkt der Kampfansage an dic Kirche und Religion liegt in dem Linkskurs, der in erster Linie gegen da» flache Laad gerichtet ist. Etwa 88 Proz. der russische« Die Reparationskonferenz. Ernennung der deutschen Sachverständigen. Die Zieichsregierung hat zu Mitgliedern des..Zlusfchusies von unabhängigen Finai?zsachoerslSndlgen für die Ausarbeitung von Vorschlägen für eine vollständige und endgültige Regelung de» Reparationsproblems" den Reichsbankprästdenten Dr. Hjalmar Schacht und den Ruhrindustriellen Dr. Alben Vogler ernannt. Als Erjagmanner werden Bantdirektor Dr. Karl Melchior- Hamburg und der Industrielle Ludwig Kastl.zugezogen werden. Dazu schreibt der„Soz. Pressedienst�: Wenn die Reichsregie» rung neben einem Vantsachoerständigen auch einen Industriellen ernannt hat. so sind dafür in erster Linie außenpolitische Erwägungen matzgebend gewesen. Bon den anderen Regierungen sind die Präsidenten der Notenbanken für die Rcparationsverhand- lungen erwählt worden. Dadurch war die Notnxndigkeit gegeben, den Reichsbankprästdenten Schacht zu ernennen. Daß neben ihm Herr Vogler als zweiter Delegierter bestimmt wurde, hängt mit der Tatsache zusammen, datz bei den Verhandlungen in erster Linie die allgemeinen Wirtschaftsprobkeme eine Rolle spielen werden. Es ist jedoch zu erwalten, daß die Delegierten und ihr« Stell- Vertreter bei den eigentlichen Verhandlungen unterstützt werden von etzrem gröberen Kreis von Dach verständigen. Bei deren Auswahl mutz selbstverständlich Wert darauf gelegt werden, datz all« Meinungen oertreten stnd. Daher erwarten wir,* daß zu Sachverständigen nicht nur unabhängige Männer er- namtt werden, die Vertraue» in de» breiten Massen des Volkes haben, sondern auch Vertreter der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Die Vertreter der USA- Paris< g. Januar.(Eig«nb«rich-i.s Di« nordamerikanischen Mitglieder des Sachoerständigentomi- tees werden laut einem zwischen den alliierten Mächten und Deutschland getroffenen Abkommen gemeinsam von der deun schen Regierung und der Rcparationskommisston ernannt werden. Die Ernennung erfolgt wahrscheinlich schon am Donnerstag mit der Ernennung der alliierten Sachverständigen zusammen. Die Zusage Owen Doungs wird noch erwartet. Als zweiter Dele- gierte? kommt der frühere amerikanisch« Beobachter bei der Reparattonstommissioll P« r k i n s in Frag«. Deficht-gung von Falschmeldungen. Di« Nachricht, daß zwischen der Reichsregierung und den R«. gierungen der Alliierten Vorverhandlungen über die Ernennung des L o r s i tz e n d e n der Sachverständigenkommission geführt würden, ist falsch. Die Experten werden den Präsidenten voraus- sichtlich aus ihrer Mitte wählen. Die Nachricht, datz B ä g l« r auf ausdrückliche» Wunsch d« r Schwerindustrie zum Sachoerstäitfcigcn ernannt worden sei. entspricht ebenfalls nicht den Tatsachen. Di« Ernennung ist aus- schließlich auf die Initiativ« der Reichsregierung zurückzuführen. Einschränkung von polizeistrafen. Aufklärung statt Strafe.— Keine Bestrafung bei geringer Schuld und unbedeutenden Folgen. Verwarnung statt Strafe.- Festsetzung der Strafe nach Tat und Person. Der preußisch« Innenminister Grzestnsti hat in einem Rund» erlaß an all« Polizeibehörden Richtlinien übzr den Erlaß polizeilicher Strafverfügungen und die Erteilung von polizeilichen Derwarrrungen gegeben, i» den«» es heißt: Nach den Beobachtung«» des Minister«-wird von zahlreichen Ortspolizeibehärden »och zn viel und zu hoch gestraft. Polizeibehörden im modernen demokratischen Staat« sollen in erster Linie durch Aufklärung Einsicht und Verständnis für polizei- liche Notwendizkeiten fördern. Sie bedienen sich dazu der Presse wie der in Frage kommenden Verbände und Vereinigungen. Hinsichtlich der Frage, wann gestraft werden soll, bestimmt der § 153 SlPO.(in der Fassung der Novelle vom 22. März 1924) für Uebertrenmgen..-•,— daß von einer Strafe abzusehe« ist. wenn die Schuld des Täter, geriug ist uud die Folgen der Tal unbedeutend, es sei denn, daß ein öffentliches Intereste an einer Bestrafung besteht. Die Schuld ist im allgemeinen als..gering' anzusehen, wenn essichumer st malige Uebertretungen handelt, es sei denn, daß die Uebertretung augenscheinlich mutwillig begangen ist oder unter grob fahrlässiger Dernachlässigung von solchen Borschriften, deren Kenntnis und Beachtung mit Rücksicht daraus, daß sie sich auf «in dem Uebertreter örtlich oder sachlich besonders vertrautes Gebiet beziehen, von diesem unbedingt verlangt werden mutz. Die Folgen der Tat sind als unbedeutend anzusehen, wenn die Uebertretung lediglich geeignet war, eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung nach sich zu ziehen, nachteilige Folgen aber nicht gehabt hat. Falls geringe Schuld und unbedeutend« Folgen vorhanden sind. ist«in öffentliches Interesse an einer Bestrafung nur in beson. deren Ausnahmefällen anzuerkennen, imallgemsinen ist von einer Bestrafung abzusehen. In den Richtlinien über ein« Verwarnung heißt es: Die Verwarnung hat den Umständen des Falles und der beteiligten Per- sonen entsprechend sachgemäß und taktooll zu erfolgen. Bei schriftlicher Verwarnung ist für den Fall einer erneuten Zuw�er. Handlung Bestrafung in Aussicht zu stellen. Hinsichtlich der münb» lichen Verwarnung durch den Polizeiverwalter oder die von ihm de- auftragte Stelle wünscht der Minister besondere Vorsicht. damit nicht ein« im Einzelfall« für angezeigt erachtete Vorladung. die In die Arbeitszeit oder Freizeit des Uebertreter» fällt. ihn empfindlicher trifft als«in« geringe polizeilich« Strafe. Muß gestraft werden, so ist die Strafe nach der Totund derPerson festzusetzen. Es wird noch Immer übersehen, daß die gleiche Strafe den Armen und de» Ivohlhabeudev völlig verschieden trifft. Di« wirtschaftlichen Verhältnisse des llebertreters, bis in der Regel genügend bekannt lein werden, stnd daher zu berücksichtigen. An- trägen auf Ratenzahlung ist stet» stattzugeben, fals» für die bestrafts Person die sofortige Zahlung einer Gcldsträs« ein»." unbillige wirtschaftliche Härte bedeutet. Uebertretungen ohne vor- herige Verwarnung sind in der Regel nift geringen Strusen- zu ahnden, erst im Wiederholungsfall« wird im allgemeinen«tipslftd* sicher zu strafen sein. Gegenvorstellungen gegen«in« polizeilich« Slrasverfügur.» lönnen, sofern sie vor Eintritt der Rechtskrast erhoben werden, als Antrag aus gerichtliche Entscheldung ausgesatzt werden. Den Polizei- Verwaltern ist es in diesen Fällen unbenommen, die Straf« nach Ab- schloß der erforderlichen Ermittelungen, auch falls dies« sich über die Frist zur Stellung dieses Antrages hinaus erstrecken sollten, von sich aus zu ermäßigen oder aufzuheben. Gegenoorstellun- gen nach Eintritt der Rechtskraft sind als Antrag auf B« g n a d i- gung aufzufassen und entsprechend zu behandeln. Die Vollstreckung einer anstatt der festgesehleu Geldstrafe ou- gedrohten haslstrase sollte nickst die Regel sein: Insbesondere gegenüber«rstmalig bestraften Personen, dt« wegen ihrer wirtschaftlichen Loge die Geldstraf« nicht zahlen könnet� sollte sie nicht zur Anwendung kommen. In diesen Fällen wird«in Be- gnadigungsoersahren einzuleiten sein. Zum Schlüsse verbietet der Mknist«?, die Zahl der von Polizei- und Landjägereibeamten vor- gelegtenAnzeigenzumMotzstabederBeurteilvng ihrerLeistungenzu machen. BevNkerung lebt bekcqmttstch auf defn flachem Lande. Damit wird die Kirchenfrage zur Batuernsrnue und umgekehrt— die Lauernfragc zur Kircheufragc. Es est intcrssscrnt zu verfolgen, wfie im Wandel der Zeit die Retigionspolitik der Sowjetmacht imrch ihre Vauernpolitit beeinflußt wurde. Die erzwungsneir-Kpnzessionen an die Bauernschaft führten immer auch zur Eisstellung, jedenfalls zur Dämpfung der antivligiösen Propaga,ida und der Ver» falgungen der Geislltchvn. Und umgekehrt— jeder Feldzug gegen die Bauernschaft wurde von, einer verstärkten Attacke gegen die Kirche begleitet. Nicht anders auch jetzt- Der Kampf gegen die Bauern- schaft, der in der Form der Bekämpfung dqs„Kulakentums" (Großbatierntuins) entfesielt wird, mußte unter den russischen Berhältnissen unvermeidlich zur BerschÄrfung der antl- religiösen Propaganda und aum terroristischen...Kultur« kämpf" führen. Im Namen dgr„Sozialiperung der Land- Wirtschaft" soll nicht nur das wirtschaftliche,, sondern auch das geistige Rückgrat der russischen Bauernschaft auf einmal ge» brachen werden. Rußland scheint danach wieder vor einer Periode der oerschärften religiösen Verfolgungemzu stehen. Aber sowohl die Weltgeschichte als auch die Sowßetgeschichte lehrt, daß die Bekämpfung der Religion mit den Mitteln der rohen Gewalt nur zur Stärkung des religiösen Fanatismus und der Kirche führt. Dieselbe ortbodoxe Kirche, die frsäher die stärkste Säule und gehorsamste Dienerin des Zarismius war, wird jetzt in Sowjetrußland von Millionen und abqr Millionen wie vor- her hoch geehrt! Der neue Feldzug geDen die Religion wird auch diesmal analoge Folgen zeitigen? Das Freidenkertum kann wie ster Sozialismus den arbeitenden Massen nicht aufgezwungen we�>en. Die bolfchs- wiftischen Erfahrungen legen dafür beredtes Zeugnis ab!" Das verruifchie Komma. vke Affäre Röchling.— Ein sonderbarer Irrivm. Der Konnnerzienrat Hermann Röchling, ein Mitgsiei. i« laarlänbischen Großindtistriellenfamiiie, war kurz nach dem Waffen- stillstand in Saarbrücken wegen angeblicher Plünderungen im bc- fegten Nordfrankteich in Amiens zu einer drakonischen Zucht» hau» st rase verurteilt worden. Sicherlich ganz zu Unrecht. Dieses Verfahren war ein typischer Fall von Siegerp'ychose, und Röchling wurde nach relativ kurzer Zeit wieder freigelassen. Run kommt au» Saarbrücken die Meldung, daß das Gericht in Metz«inen Befehl auf Zahlung der Gerichtstosten binnen einer Woche Röchling zugestellt hat. Auch dieses ist«in« kleinliche Schikane, di» nur gseignet ist. böse» Blut in Deutschland zu erregen und di« Verständigungspolitik zu stören. War das etwa der Zweck der Uebung? Oder ist es nur eine Glanz» kcistung des b u r ea u k r at i s ch« n A m t s s ch: m m e ls, wie wir sie nicht selten auch in Deutschland erleben? Aber viel interessaister an diesem Fall ist folgender merk- würdiger Irrtum. Als erstes Berliner Blatt berichtete die„2. A. am Mittag' in großer Aufmachung aus Saarbrücken, daß die Zahlungsaussorderung an Röchling«ruf 14 441410 Franken, d. h. 2,5 Millionen Gold mark betrag«. Am späten Abend veröffentlichte das Mirbachfch« T»k«- graphenbureau, das vor allem über die A.-�cleg-nheiten des besetzten Gebietes und der Saar berichtet und von dem offenbar die erste Meldung stammt, folgende Berichtigung: „In unserer Meldung über die Beschlagnahmeversügung gegen den Großindustriellen Röchsing auf Blatt 6 unserer Berliner Ausgab« ist in der 10. Zeile von oben durchelnen Komma- fehler irrtümlich die Zahlung-aussorderung auf 14 441 410 Franken bestfferl. Wie uns die„Soarbrücker Zeitung' mitteilt. lautet die Zahliingsaussorderuttg jedoch auf 14 44t, 41 Franken. Unter welchem Titel von sranzösischer Seite diese Summe ange» fordert wird, konnte noch nicht festgestellt werden, da eine Er» klärung des Komtnorztenrat» H. Röchling bisher nicht zu er. langen war.' Also nicht 14 Millionen, sondern 1 4 000 Franken, nicht i'-b Millionen Goldmark, sondern nur 2500 Mari! Man mag sicherlich mit einem gewissen Recht (linwenden, datz e» grundsätzlich in diesem Falle nicht auf die H ö h«. andern auf di« Tatsache der Zustellung des Zahlungsbefehls ankomme, die jedenfalls zu verurtetlen fei. Aber gerade die horrende Höhe diestr Aufforderung nach der ursprünglichen Meldung hat be» sonder» aufreizend gewirkt, wie ein Blick In die bürgerliche Press« zeigt. Und der berechtigt« Protest gegen die Handlungsweise des Metze? Gerichtes muß noiwandigerweise verpuffen, wenn man nachträglich berichtigen muß. daß man sich infolge eines um drei Stellen oerrutschtea Kommas um da» Tausendfache geirrt hat- Es ist geradezu sträflicher Leichtsinn, solche irrigen Meldungen mit außenpolitischer Tragweite zu ver- breiten. Man macht sich damit nur dem Ausland« gegenüber lächerlich und verhllst den Franzosen zu dem billigen Vergnügen, durch«inen Hinweis auf diese Art von deutscher Pressebericht. «rstattung von dem eigentlichen Tatbestand abzulenken. Wird damit dem Saarland und dem besetzten Gebiete etwa gedient? Ein neiier Rechisanwali! Söhnke-Eutln hausiert mit längst widerlegten Ver» leomdongen In ein«? Dersammlung im Lübeckischen wärmte kürzlich«in nationalsozialistischer Rechtsanwalt Bahnte aus Eutin die längst widerlegt« blädstnnlg« Verlaumditng auf, daß der„Vorwärts' vom Luiden Goldschmidt' 800 000 Mark geschenkt bekommen kab«. Auf die Frage eines Genossen, od er denn nicht di« Berichtigung des vorwärts" kenne, in der dieser Schwindel widerlegt worden sei,- antwortet« Böhnke mit unglaublicher Frechheit, di« Berichtigung sei unwahr gewesen: er. Böhnke, sei in der Lasw zu beweisen, daß der »Vorwärts' die 800 000 Mark geschenkt beköttm-en hob«. W i r sind in der Lag« zu beweisen, daß Döhnie lügt und daß«r«in dreisterVerleumder ist. Di« Bescheinigung kann «r sich an der Stell« holen, die ihm als Rechtsanwalt bekannt ist. Nachspiel zur Coioeatz Naliauasistenla!. Cor wenigen Monaten wurde an der Balustrade der Löwene? Universität ein« Inschrift ohne den ursprünglich vom anonikamschen Architekten vorgeschlagenen deutschfeindlichen Ztj t angebracht. Dieser Vorgang veranloßte die belgischen Natlonalimn zu einer maßlosen Hetz«, insbesondere auch gegen Deutschland. Als Opfer diese? Hetze ist ein Arbeiter �2 betrachten, der sich berufen fühlte, d i« Balustrade zu ze x st ö r e n. Der Täter hatte sich jetzt vor dem Gericht zu verantworten und wurde zu drei Monate:, Ge- fängntz mit Bewahrungcfrist verurteilt. Er hat außerdem di« Kästen zur Wiedergutmachung de» angerichteten Schadens zu tragen Fort mii der Zensur! Ojchterakadrmis gegen Muckerfront im Landtag. Der Amtliche Preußisch« Pressedienst teilt die folgend« Kimd- gebung der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Atademi« der Künste mit: Der Preußische Landtag hat sich kurz vor seinen Weih- nachtsserien mit Fragen der Wiedereinführung der Zen. für im Deutschen Reich« befaßt. Wir sind der Ueberzeugung, datz Zensur zumeist das Gegenteil dessen bewirkt, was der Gesetz- gebe? gewollt hat. Durch«in Verbot werde» wesenlose Erzeugnisse der Literatur und Kunst, die sonst im Dunkel blieben oder bald wieder im Dunkel verschwänden, wie durch Scheinwerfer grell be» leuchtet. Mißverstandene Kunstwetk« dagegen geraten in Gefahr. verboten zu werden. Das kann der Gesetzgeber auch nicht wollen. da dies der Verfassung widerspricht. Darum werden wir grundsätzlich jede Zensur bekämpfen, um so mehr/ als die bestehenden Gesetz« zum Schutze des Volkes durchaus genügen. Zensur bringt neue Zwtstigkeii und Parteiung in unser Kulturleben. Neue Vesoldungsvorschristen. Verhandlungen im Jteichstagsausschoß. Im 14. Ausschuß für Beamtenangelegenheiten des Reichstags begannen heut« di« Beratungen über Aenderungen der Befaldungs- Vorschriften unter Beteiligung der Vertreter dar Epitzenorgani- sationen: Deutscher Beamtenbund, Allgemeiner Deutscher Beamten- bund und Reichsbund höherer Beamten. Nachdem die Vertreter der Vpitzenorganilationen ihre Wünsche dem 14. Ausschutz und den anwesenden Regierungsoertretern vorgetragen hatten, erstattete der sozialdemokratische Abg. S t« i a t 0 p f den Bericht. Der Berichterstatter schlug vor, nicht m ein« Generaldebatte einzutreten, sondern die einzelnen Nummern der Besoldung?- Vorschriften durchzuberaten. Dieser Vorschlag fand allseitig« Zu- stimmung. In de? nunmehr beginnenden Beratung wurde bei Punkt 0 und 10 eine Verbesserung der Vorschriften betreffend Ver- leihung einer planmäßigen Stell» bzw. des Besoldungsdienstalters erreicht. In der zu Punkt 10(Vesoldungsdienstaller) wurde eine entsprechende Entschlietzung angenommen, ebenso auch bei Punkt 11 (Verleihung einer freien Stelle). In der Entschließung wird die Anpassung an die preußischen Besoldungsoorschriftcn' verlangt. Der Ausschuß vertagte sich um 6 Uhr auf Donnerstag, den 10. Januar, 2 Ühr nachmittags. Der Abg. Steinkopf wurde«in- stimmig zum Berichterstatter für das Plenum bsstimmt. Sozia?« Enifletwngsfürforge. Am Mittwochabend versammelten sich auf Einladung und unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Moses im Reich». tagsgebäude Vertreter der ärztlichen Wissenschaft, der Krankenkassen und sonstigen Versscherungsträger. des Reichsgesundheitsamts, des Reichsversicherungsamts, des Hauptgesundheitsamts von Berlin so- wie Abgeordnete der Länder und des Reichs, um die Frage der Eingliederung der Entstellungsfürsorge(ärztliche Behand- lung Verunstalteter) in die Sozialversicherung zu prüfen. Einleitend wie» Abg. Dr. Moses darauf hin. daß heut« die kosmetische Medizin ein wissenschaftliches Gebiet fei. auf dem die großartigsten Erfolge erzielt werden. Leider stehe aber die kos- metische Medizin vorläufig nur den Begüterten zur Verfügung. Di» breit« Masse der proletarischen Arbeiter, für die törpersich« Eni- stellung unüberwindlich« Hindernisse im sozialen Kampf sind, komme hier zu kurz. Wissenschaftlich« Borträge über die Wichtigkeit und di« Aufgaben der Entstellungsfürsorge und eine rege Diskussion folgten. Dr. Mose» dankt« dem Vortragenden für di« Anregungen und ver- sprach, bit Vorschlag« an geigneier Stell« und zu geeignet« Zeit zu verwerten. Austandsschuh km Sirafrecht. Der Strafrechtsausschuß berät wieder. D«? Strofrechtsousschutz hat gesten, nachmitag seine Tätigkeit wieder aufgenommen und den 2U> schnitt S über Störung der Beziehungen zum Ausland erledigt. Zu ß 112, der eine hochverräterisch« Handlung gegen die Verfassung, das Staats- gebiet oder das Oberhaupt eines ausländisäien Staates m;t Straf« bedroht, stellte die demokratische Fraktion den Antrag, dos ausländische Strafrecht in der Frage entscheiden zu lassen, ob«ine hochverräterisch« Handlung vorliegt. Da die oer- schieden«« in Europa herrschenden Diktatoren jede Agitation gegen ihr Rsgiinc als Hochverrat zu ächten geneigt sind, würde die Air- nähme des Antrags unmögliche Konsequenzen gehabt haben, die non den sozialdemokratischen Abgeordneten Maruw und Sandsberg dargelegt wurden. Der dcmotratischc Antrag wurde ab- gelehnt. § 113 will denjenigen bestrafen, der ein ausländisches Slaaks- oder Oberhaupt beleidigt, während es sich im Deutschen Reiche aufhält, oder der eineu im Reiche beglaubigten ausländischen Ge- sandloa oder Geschäslslröger beleldlg«. Demokraten und Volkspartei bsantrogten, die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes ohne Rücksicht daraus, ob es sich im Deutschen Reiche aushälk oder nicht, mit Strafe zu belegen. Der Antrag wurde nach Einspruch .der Abg. Zftarnm und Landsberg abgelehnt. Den besonderen Schutz ausländischer Gesandten beantragten unser« Genollen auf diejenigen Vertreter ausländischer Staaten zu beschränken, die beim Deutschen Reiche beglaubigt sind. Sie be- gründeten den Antrag damit, daß die Sozialdemokratie das Ge- fandtschaftsrecht nur dem Reiche, nicht auch den Ländern zu« erkenne. Der Antrag wurde angenommen. Schließlich wurde auf sozialdemokratischem Antrag die Höchst- straf« für Beleidigungen ausländischer Swatsoberhäupter und beim Reich« beglaubigter Gesandten auf ein Zahr Gefängnis bemesien, während der Entwurf drei Jahre vorgesehen hatte. Die ßZ 114 über Verletzung ausländischer Hoheitszeichen und IIS über Neutrolitätsverletzung wurden ohne D«bqüe angenommen. Z IIS bestimmt, daß Vergehen gegen die ZZ 112—-114 nur auf Verlangen de? ausländische» Regierung und;mr bei Verbürgung der G» g e n s e i t i g t«: t verfolgt werden. Zßady dem ein demokratischer Antrag, der von dem Verlangen der au«- ländischen Regierung absehe, dafür aber dasjenige de» Reichsautzen. Ministers zur Voraussetzung der Strafverfolgung machen wollte, abgelehnt war, wurde§ IIS angenommen. Hugenbergs entwurzelter Tiger. JDtr Bauer ist ruhig wie ein« Sich«, solang« er fest in seinem Bode» wurzelt. Aber er ist wild und ur.bezähmbor wie ein Tiger, wenn man j.ch anfchickt. ihn zu miwvrzein." Hugeoberg in Herford. F7 HugenVerg:-In fünf Minuten eine teichek� Republik: rJke, wach deine« Tiger ruhig wieder zur(Sicht!' Urteil im Spionageprozeß Oer dänische Hauptmann zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Leipzig, st. Januar. sEigenbericht.) De? dänisch« Hauptmann Harry Lembourn au» Tonderu wurde wegen Vergehen» nach§ 1 Abs. 2 des Spionagegesetzes zu fünf Iahren Zuchthaus, di« Mitangeklagte Stenotypistin Siege- mann wegen Vergehen» nach§ 2 des Spionagegesetzes zu zwei Iahren Gefängnis verurteill. Lembourn wurden 6 Monate, der Stsgemann 2 Monat« der Untersuchungshaft angerechnet. In der Begründung de» Urteils heißt es: Lembourn sei nur nach Deutschland gekommen, um Nachrichten üb«? militärische Dinge für einen französischen Offizier zu erhalten.- Er habe in Berün Stalins trockene Guillotine. Hungerstreik— gestorben— heimlich verscharrt. Des Organ de» Lenin-Buirdes veröffentlicht in seiner neuesten Nummer Einzelheiten zu dem bereits gemeldeten Tode des früheren Sekretärs Trotzki». Butow. Danach hat Du- low versucht, im Frühjahr 1S2S Trotzki nach Alma Ata nachzu- fahren; er sei jedoch w Taschkent verhaftet und noch Mos. kau geschickt worden. Do man ihm sonst nicht» hätte nach- Veisen können, hätte die GPU. ihn der Spionage beschuldigt. Diese... M ebenso absurde wie verlogene Beschuldigung hätte in Vuiow den; die Stegemann kennengelernt und das Mädchen beauftragt, ihm bei heftigsten' Widerstand ausgelost. Inaner wieder hätte- er, ohne Er- feiner Spionagetätigkeit zu helfen. Die der Stsgemann von Lern- h mir n übergebenen Fragebogen betrafen militärische Dinge. Sie . sollte vor allem die Schvvv und Reichswehr auskund- fchoftest und wurde dafür von Lembourn bezahlt. Das Gericht sei deshalb zu der Ueberzeugung gekommen, daß Lembourn mir zur Spionage nach Deutschland gekommen sei. Mildernd« Umstände müßten ihm versagt werden, das Gericht hob« ihn nicht als Ueberzeugungstäter angesehen. Bei der Stegemann fei berücksichtigt worden, daß sie Lembourn als fremden Mann kennen- gelernt hat, sie habe jedoch wissen müssen, daß sie Rachrichten über militärisch« Dinge einem Fremden nicht übermitteln durfte. Scnatspräsident Lorenz gab zu dem Urteil wide.r Erwarten eine sehr ausführliche folg, verlangt, vor den limersuchünssrichi« gestchrt' M-?w«rden." Da.dem nicht entsprochen worden jiä.' �ei. er, i�U.iy einen Hü N g e r st r ei k«ingeireten. Man ließ ihn rund dt Li' Wochen hpngern. Als man ihn dann in das Gefängnislazarett überführt«, wäre es zu. spät gewesen. An unbekannter Stelke. zwischen Kriminellen und Mördern,(« Butow heim- l'i ch beerdigt worden. Schon vor«.'»igen Jahren, 1324, sei«in anderer Sekretär Trotzki», Glaßmann. ebenfalls zum Selbstmord getrieben worden. Mir dieser Quälerei hätte sich die GPU. die Autgab« gestellt, einen Schlag besonders gegen Trotzki zu führen. Zu gleicher Zeit fei die weißgartistische ruf. fische Presse im Auslande voll von sensationellen Entbüll'mgen des ehemaligen Sskratär, Stalins gewesen. ♦ Trotzki würbe mit seinen Freunden am S. Januar 132S zwangsverschickt. Seitdem steht die trotzkistische Opposition unter dem Druck des Sta linschen Stiefels. Sie kann heut« den Jahrestag ihrer Verbannung in den Malaria- und Fiobergegenden begehen. De Broucköre gegen die ,/&)ie Kahne", (S»nc kräftige Abfuhr. Brüssel, S. Januar. sEigeubericht.) In der Dittwochausgabe des„P-npl� veröffcntücht Senator Genosse de Broucker««inen Artikel, in dem«r d i e L e r l e u m- dünge» der kommunistischen Presse Deutschland» gegen Vanderveld« und die belgische Sozialdemokrat!« niedriger hängt. Nachdem er sich in spöttischem Tone über die Un, gereimtheit der kommunistischen Blätter lustig gemacht hat, fährt er fort: 1. Es ist wirklich zu absurd, Dandervelde zu beschuldigen, er Hab« zur Ausweisung italienischer Publizisten die Hand geboten, um dadurch mit Mussolinis Hilfe erhöhte deutsche Reparationszahlungen für Belgken zu erlangen. Ich will nicht glauben, daß unser« bürger- lichen Minister auf einen derartigen Gedanken gekommen sind, sondern daß sie sich besser der Zeit erinnern werden, wo Belgien sich weigerte, sein Gewissen selbst gegen klingendes Gold zu verkausen. Sollte sich aber die Regierung so tief erniedrigen, dann würde sie nicht nur die ganze sozialistisch? Partei, sondern die gesamt« öffent- liche Meinung de» Landes gegen sich finden. 2. Ich will in diesem Augenblick nicht untersuchen, ob italienische Journalisten mit Ausweisung bedroht worden sind, ich beschränke mich darauf, festzustellen, daß Labriola und Barro ihr« Mitarbeit in den Spalten des„Peuple" fortsetzen, und daß sie in voller Freiheit schreü den. Ich füge hinzu, daß wir die Presiefreihest und die traditionelle Gastfreundschaft unsere» Landes zu verteidigen wissen werden, falls«ine übel beraten« Regierung es sich einfallen ließe, diese anzutasten, Nach dieser Feststellung, so schließt de Brouckere, mag die inlee- »atonale kommunistisch« Presse, wenn es ihr Vergnügen macht. erzählen, daß Vanderveld« den Posten eines Hofmeisters im römischen Ehtgi-Polatt idem Sitz Mussolinis, Red.) angenommen hat oder daß Lobriola Post�eiminister im italienischen Ka» binett geworden ist. wir werden zie reden lassen. Unserer Zeitung fehlt Raum dazu, all« kommunistischen Lügen systematisch zu widerlegen. Damit erübrigt sich unser«r englischen Zolldirettors— ein Ire! Schanghai, g Januar Di« Annahme de» Rücktrittsgesuchs de» geschästsfichrenden Generallnspektor» der chinesischen Seezölle, des Engländers Edwards, und di« Ernennung des bisherigen Lizegeneral- inspekior» M aze, der Irländer ist. hat«inigeraaßen überrascht Zwar bestand zwischen Edwards und seinem das Vertrauen der Kuomintang genießenden Nachfolger seit langem ein Gegen- satz, jedoch hatte es in letzter Zell den Anschein, als würde unter dem Druck des englischen Gesandten die endgültige Ernennung Edwards zum Generallnspektor durchgesetzt werden. Aaukingtr Eisenbahnräuber. Zlanking, S. Januar Der Zug, der am 7. Januar zwffchen Schanghai nud Nanking von Banditen angehalten wurde, enthielt die Monatslöhnung für die Eisenbahner, Die bewaffneten Banditen haben lü SO!) Dollar geraubt und IS OOO Postsäcke durchsucht. Sie sind olsdaim nach Ueberschrestung des Pangtse in, nördlicher Richtung geflohen. Hungersnot in Schaust. Peking, S. Üanuar.(Agentur Indopacifique.) In der Gegend von Tuyuan herrscht Hungersnot, Zahlreiche Todesfälle sollen zu verzeichnen sein. Soldaten haben bei Pootujchan ein« Karawane von tausend Kamelen aus- geplündert, di« Getreide für dt« Hungernden bringen sollt«- Ganz plötzlich und unerwartet starb in der Nacht vom 3. zum 4 Januar 1929 in Beelitz, wo er im Anschluß an eine Versammlung Aufenthalt im Hotel genommen hatte, unser langjähriger Gauleiter für die Provinz Brandenburg, unser Kollege Paul Strunk Der Verbandsvorstand und ebenso der Wirtschaftsbezirk Brandenburg verlieren in dem Kollegen Strunk einen treuen und fleißigen Mitarbeiter. Paul Strunk hat sich um die Organisation, insbesondere aber um die Organisation des Pflegepersonals, außerordentlich verdient gemacht Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die WirtscbaftsbezIrbsleltDiig Brandenborg Der Verbandsvorstand des Verbandes der Gemeinde- ond Staatsarbeiter. Die E'näscherung des Verstorbenen findet am Sonnabend, dem 12. Januar 1929, um 17V» Uhr, im Krematorium B erlin-Baumschulenweg, Kiefholzstraße 221, statt Verband der Gemeinde« und Staatsarbeiter Wirtschaftsbezirk Brandenburg. Wir geben hiermit in Erfüllung einer traurigen Pflicht bekannt, daß unser treuer Kollege und eifriger Mitarbeiter Paul Strunk Gauleiter unseres Verbandes im 53 Lebensjahre am 4 Januar 1929 auf einer Dienstreise plötzlich gestorben ist Wir betrauern in dem Verschiedenen einen Kollegen, der 25. Jahre lang als Angestellter unseres Verbandes der Arbeiterbewegung aus innerster Heber zeugung gedient hat Dem ausgezeichneten, schlichten Kollegen werden wir ein treues Andenken bewahren. Der Bezirksvorstand und die Angestellten des Bezirbsbareans. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 12. Januar 1929, um 17V, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt Am t Saiuinr 1929 v c»arb uner- »artet un'ee«Senoftf, Retch.bannee famerah und I. BerTitienber der ,? T.«». Beriet Adleeahof Paul Strunk im 59 Ledettajaftee Seine treue WÄtertflllunfl in unseren Orflanlluttonen sichert chm ein edrend»' Anden en. Die Emiischer» na sinket am Sann» abend, den Iannar 1939, nach- mittaaa 5V, Utir im Krematorium Baum'ch lenmea aieffioljftr.. statt. gafjlre che Beteiligung erwartet SP». Mleradot Reichsbann r Adlershaf F.T.U Be/Irk Artlrrshnf „ I Am 4. Januar uerftarb lf. l.ijJt.! pispüch unser Senosse Vt| y Pani Sirnnk Sae Ableben einea guten Menschen, der der Ar. beiter-Turn. und Sportbeweaung tahrelanae treue Dienste leistete. betrauert ?re'o toniirselisikl VroS-SerUii Mitgl. b. Arb.�urn» u. Sport-Bunbe». EinSscherung: Sonnabenb, 12. Januar, IT1/, llhr, Krematorium Baumschulenweg. iMer Metaliameiter-VerliaDil Veraaltunustolle Berlin Todesanxel««» Den Mitgliedern ,ur Nachricht, dast unser Kollege, der Echlosier dulius koreil geb. 23 März IS4T, am s. Januar geitorden ilt.... Die Einä'chermia sinbei amDonner». tag. dem lv. Januar, 3l Uhr. im Krematorium lberichistrajje statt. Am 7. Januar starb unfet Kollege, der Schlosser Georg Kunz geb..7 April 1903. Dl« Beerdigung sinbei am Freitag, dem II. Januar, IS>-, Uhr. von der stetldenhalle des Kirchhofe« in Graf). beeren aus statt, Ehre ihrem Andeute»! «siege Beteiligung erwartet Ol* Oetsoetraalfnag sch seil Am /. Januar oerschieo nach langer, swerer Krantheit an den ffolgen seiner Kriegsdienstbeschädigung mein lieber Mann, miser ireusorg ender Bater. der kriegsinvalide Paul Usinko im 99. Sebengjahre. Diese» zeigen tiefbetriidt an ssilisv Nalnbr, W,UI and Hilde. Wahl»d«rs,Ssid, he« 9. Januar 1929 Badener Strotze 63 Beerdigung: Freitag, d ll Januar, tZ>/, Uhr. von her Halle de« städtiichen Friedkol» Lrmtzeltratze lu Ma.ilsdrrt. Netti-llZlftlim'Mii.Groß-Bcriin' Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Sportgenossm Frau Seyer am 7. Januär verstorben ist. Die EiuSscherung siadet am Don- neritag. dem 10 Januar, I», Uhr. in Baumschulenweg statt Omi Vorltonb. Allen Kollegen and Genossen die hraarig:« Nachricht, daß mein lieber Mann, mein tuter Vater, der Gewerk- schaftssekrefcär Paul Strunk am Freitag, dem 4. Januar, im Alter von 62 Jahten auf einer Dienstreise plötzlich verstorben ist. Berta Strunk, Karl-Heinz Strunk. Berlin-Adlershof, den k. Janaar 1929. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 12. Januar, 171/» Uhr, im Krematonum Bauinschnienweg statt Danksagung Sag« hiermit allen Freunde« und Bekannten, dem Reichsbanner und den Senosieu der SPD. sür die herz. liche Teilnahme bei der Einäscherung meine» lieben Mannes Oswald Schensch meinen herzlichsten Dank. Emma Scbenscb nebst Kinder». | Theater« k Lichtspiele usw. Dorwi£t4>. Uhr. im t----- nichulenmeg statt den 12. Januar. 15». Uhr. im Krem» torinm Baumir mit üllsi«! llgegsr. KcS«! I 3 Übet NSc'Ste Sonntag-Nschm-1 Verstellung 13. Januar ungeRdrzt In I Ortglnalbesetrung zu ha'hen Preis.| Ist. an tdiifflinefiliinn Täglich 8 Uhr M Drel-Meo- Paulsen, Valetii, Andar, Oarron, Schaulust. Kühl, UvovskL Oeotsdies TBeaier Norden 12310 Uhr. Ende ISA. U. DleVerbredier Schauspiel von Ferd Inan d Bruckner Regle: HeinzHilpert Kamaerspiele Norden tZilu S' t Ende geg. 10 U Zum 10. Male .itun vznlez in Jinnel gesdilosseni" Komöd ie voaWal tcr Haienclcvcr gift Lari: Regift Forster, Laiinaga. Jie Komödie Bismarck 241«,731 1, ih, Uhr. Ende 10'/ „Olympia" eon Franz Molnai Regie; Förster Larlnaga tIM EMELKA-ntM VOM MAX PEßWEß Uß.E.LÖTHG£ BEGIEfKA! VoiKsblUme ldulsti am Bülowiiläl} 8 Uhr Da! Määl am der Vorstadt Regle JOrgen Pehllng tliaatsr im SdiiffliaocnliaB 8 Uhr Die Drtf-Srssdm- Ttialta-Ttieater 8 Uhr.. SdnigiiisT Wftlrtls OiseMiim. Staat!. Sdsiller-Tb. 8 Uhr larlDciloner m- Iweaa Salin pr B/fiO- WEM MAUN0W5KAJA mWuHOLLAY-OWAR MARION FUmCUT-MN VANEL'CH-W-MßEB FRITZ ULMER• CARL DE VOGT UMWPfiHRUNe CAPBTOL Reute Festvoßteilong 8" Wodientags 7U 9* y r s* fikiA ■PfiLfiSTlfl PfilfiSTl Tlglldi 8" Sonntags 4" 6" 9" 1A5 M. Cgvig« Orelcr Persier-.u v Kaicnstianenxneater tpends m Sonntag nachm. s H| SieMner Sänger Zum 77. Ma e. Damlet im Kerimiadeii Nachm. halbe Freist. Dönhoff- Brettf verieta- lanz«. BocFbier 1 Sonntag CWorstellangei ilftro-S'�Iftr. zjdi- litta» ei« mhü**- i'ill«. n haAm b-lur rttalia-Theater tresdener Str. 72-,. Täglich 8 Uhr SehneiderVibbels lorersiehong Icndüit. Gruatninski. Sarnowsky-Eoline Theater in dar Kstnlgsrätzer z tröste 8'-, Uhr Rugby Komödie von Wilh. Speyer Komtfdienhau. 8'/. i h'r Revolte Im ErzleDongsliaos Schauspiel von P. M. Lampei. Kleines TSsator Täglich N,, Uhr: Max üdatliert Oer Dickbopi aandrock, Landa. sterler. Slkl«. Trlanon-Th. Täglich S>.. Uhr Der letzte Schleier mit ErlküGläfiner und Oskar Beregi >SJiar Isdiiasi lill, iiuihn ntta. itmtiiH Theater am Nollendorfplatz Dir. Btuck Täglich 8 Uhr: lettdien Geüen Singspiel von Walter Kollo .:i4tu-sei »t Stic, wstt ■.-»■■■■me.-w Infi. Icstiieslsir. urB; btSTiiadsd .diene Fllle imntfi verde,. tinUiÜMTf itlltrfilK «stltijim tri leierlne». öritl. empföhle». luelidnuirvt, 10«. w-fl. 1-4, tö.12 Kauen Sie nnr KapUähKaalabali dl* Quaiitütsraarke 13 Pf- Sapltän-HoDenhagener�'; In den meisten Öeschäften erhäldich mtemm Arnold Sehatz Hatenhald« 109/14| Groaes BosKbierlest in den bayr. Alpen und OroBes Schwnlneschlachtnn. 7 Kapeilen— Neue Dekoreitonea— 50 bayr, Madeln' Einlast 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Fieüagi-. Großes BocKölerfest S. soll Ich einsetzen, damit Sie besser laufen können— nee mein Lieber, da hilft ne Schachtel .Lebewohl"* mindestens ebenso gut. •1 Gemeint ist natörllcb das berühmte, von vle'en Aeryon empfohlene Hähn rangen■ Lcbawanl und LtbcVohl- Ballenscbelben, Blechdose T8 Pflaster 73 Pfg., Leoew oh!. p ji bnd gegen emprindllche Füße und Fußschutist, Schach tel(2 Bäder) 50 Pfc, erhält ich in Apot eken und Drygerien Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdosen und weisen ander«, angeblich„ebenso gute" Mittel zurück Nr 15» 46. Jahrgang Oomrerstag 10. Ianuar 192� ä)ie ffiilderräwber ersählen. Xfppniann als Angeber.-'Verleidiger gegen Sadwersländige. 3m melieren Verlauf der Vernehmung der von den verKner Sonslhündlern oerpfluhkeleu Einbrecher beslöligke der Angeklagle Zahu die Varslellung Grastes van der Ausübung de» Bilderraubes auf der Kadolzburg und schilderte dabei dos Erbrechen der verschiedenen Türen mit bemerkenswerter Sachkunde, wobei er sich sehr mihbillig?od über den Zustand der Schlösser und Türen aus der Kadolzburg äuszerte. Insolgedesseo sei der Einbruch auch sehr leicht gewesen. Sehr entschieden bestritt Zahn, daß er longjähriger Taigenoste Srasfes sei, den er nach einem unter falschen Namen geführten Abenteurerleben in der Schweiz, Italien, Oesterreich und der Türkei WZS in Berlin kennengelernt habe. Ebenso beklagte er sich sehr gekränkt darüber, daß die Berliner Polizei ihn der Nürnberger Kesängnisverwattung gegenüber ganz zu Unrecht als gefährlichen Einbrecher gekennzeichnet habe, weil er ein eifriger Sportler sei. „Ich bin ein mutiger Mensch und traue mir sehr viel zu, aber ich bin kein Angreifer. Ich will hier auch meine Schuld nicht abwälzen. 3ch bin nicht verführt worden, sondern stehe zu meiner Tat. Nur Idioten und Kinder lassen sich verführen. Mir waren von Graste ttMX) Mark versprochen, und die Hab« ich auch erhalten. Lüdke kenne ich nicht, Frau Schwarz auch nicht. Breit selb habe ich erst am Tage der Absahrt von Berlin kennengelernt, während ich Schmidt schon seit längeren Iahren kannte, aber auch erst am Tage der Tat zu meiner größten Ueberroschung als Mitbeteiligten an dieser Sache kennenlernte. Für mich war das Finanzielle da« Sekundäre. Mich trieb in erster Linie die Lust am Abenteuer.� Graste habe auch ihm gegenüber erklärt, er beteilige sich nur an dieser Sache, um aus seiner finanziellen Notlage herauszukommen. „Wir waren gut miteinander, aber keine Freunde. Ich weiß nur, daß er sich bemüht hat, ein anständiger Mensch zu werden. Ich war damals unter dem falschen Namen Zinnnermann Teilhaber des Jmmobilienbuveaus Hammer in der Alexanderstraße in Berlin. (In sichtlicher Bewegung): Meine Herren, ich stamme aus einer gut. bürgerlichen Familie. Ich hatte eine sehr gute Kindheit, und meine Eltern haben sich ernstliche Mühe mit mir gegeben. Da ich ein leb- hnfter Junge war, erhielt ich auch mehrere kleinere Strafen in der Schule. Mit Iahren meldet« ich mich kriegsfreiwillig. und mit 16� Jahren war ich Inhaber der Silbernen und Goldenen Tapfer- keitsmedaille und de« Eisernen Kreuzes. Ich bin nie Zuhälter gewesen, und ich bitte auch die Heroen Schössen, sich nicht durch die Zettungsmeldungen Wer Berliner Berbrecherorganisationen beein. flussen zu lassen.*— Staatsanw.: Was hat Ihnen gippmann denn im Cafö am Zoo von dem polnischen Teppich eriählt?— Zahn(lächelnd): Bon Lippmann hatte ich mir gleich gesagt: der macht Spruch'. Dann hat er renommiert, daß er auf einem Segel- schiss gefahren sei. wozu Kräfte gehören, die er bestimmt nicht hat. Außerdem hat er aufgeschnitten, daß er in einer Nacht 1?00000 Mark im Spiel verloren hat. Seine Anregung, den pol- tuschen Teppich zu stehlen, war aber wohl keine Renommisterei, denn er wollt« ihn ja nicht selbst stehlen, sondern wir sollten das tup. Es wurde wohl dabei von einer Kapelle gesprochen, in der dgr Teppich hing, ab« ein fertiggezeichneter Plan hat nicht vor- gelegen.— Staatsanw.: Hat sich nicht Lippmann bei dieser Gelegenheit üb« die wohlgelungene Tat in der Kadolzburg gefreut? Zahn: Ja, er hat geschmunzelt und sich sehr gefreut.— Aagekt. Li p p mann(sehx«regt dazwischenrufend�: Das ist absolut un- ivahr, die ganze Kadolzburger Sache ist im Eafö am Zoo nie er- wähnt worden.— Zahn: Natürlich haben wir im Eafe am Zoo da» Wort Kadolzburg nicht in den Mund genommen. Am Neben. tisch saß ja auch Geh.-Rat Friedländer vom Kupserstichkabinett. (Allgemeine Heiterkeit.)— Lipp mann: Und weiter saß am Nebentisch der Käufer meines früheren Hauses. Ich habe auch nur zu Zahn gesagt, daß ich einmal 120 000 Mark in einer Nacht beim Spiel verloren habe.— Zahn: O nein, Sie haben gesagt 1 200 000 Mark. Zum Schluß seiner Vernehmung teilte der Angeklagte Zahn noch mit, daß sich bei seiner Derhaftung in Berlin Lippmann al» Polizeisptßel betätigt Hab«. Lippmann, der damals schon verhaftet war, habe versucht, den noch auf freiem Fuß besindtichen Schmidt in die Hände der Polizei zu spielen, indem er ihn telephonisch vor«in bestimmtes Haus in Berlin zum Rendezvous bestellte, ohne ihm zu sagen, daß er. Lippmann, schon verhaftet war.„Schmidt roch aber noch den Braten und benachrichtigte mich, an seiner Stelle dort hinzugehen. Ich stand ganz ruhig vor dem Hau» und wartete aus Lippmann, und als er kam, ging ich auf ihn zu und begrüßte ihn. Im nächsten Moment blitzte mir der Revolver«Ines Kriminalbeamten unter der Nase, und der Beamte fragt«:„Herr Schmidt?"—„Nein," sagte ich bescheiden, Herr Zahn, worauf Lippmann erläuternd sagte: „Das ist der Mithelfer von Graske."(Bewegung im Saal.) Wie am gestrigen ersten Berhandlungstag. so schloß auch haute die Normittagssitzung mit einem Krach auf der Verteidigerbank, der ab« heute geradezu beispiellose und grotesk« Formen annahm. Rechtsanwalt H« r z st« i n, der Berteidiger Mayer«, erhob sich, um trotz der gestrigen Zurückweisung seiner Ablehnung des med:- zinischen Sachverständigen Dr. Kunz erneut den gleichen Antrag zu stellen.„Heute morgen um 9 Uhr 5 Minuten", so erklärte der Verteidiger,„habe ich selbst in diesem Saal mit angehört, wie Dr. Kunz zu dam neben ihm sitzenden Professor Scholz geäußert hat: „Der Mayer ist ein Schweinehund, er hat den Lipp- mann ausgezogen." Außerdem hat mir ein Milverieidiger mitgeteilt, daß Dr. Kunz sich gestern auf dem Korridor des Gerichts geäußert haben soll:„Der Lippmann wird begnadigt, dafür werde ich sorgen."(Erregter Zuruf de» Medizinalrats Dr. Kunz: Das ist unerhört, schämen Sie sich, Herr Rechtsanwalt, schämen Sie sich!) — Erster Staatsanwalt H e u w i e f e r: Dr. Kunz ist lediglich als Sachverständiger für Lippmann und nicht für Mayer gestellt, in- folgedessen ist d« ganze Antrag unerheblich.— N-A. Dr. Nübell: Ich habe gar keinen Anlaß, zu verschweigen, daß mir hinterbracht worden ist. Dr. Kunz habe auf dem Korridar geäußert:„Ter Lipp- mann wird begnadigt." Das habe ich Dr. Herzstein vflichtgemätz mitgeteilt. Bon dem Zusatz:„dafür werde ich sorgen", weiß ich jedoch nichts.— Medizinalrat Dr. Kunz(in höchst« Erregung): Ich habe gerade alles, was Lippmann betrifft, noch besonders auf Glaubwürdigkeit und Richtigkeit nachgeprüft. Ich habe hier heute morgen lediglich als meine rein persönlich« Meinung geäußert, daß der Mayer den Lrppmann ausgezogen hat. Das werde üh wohl noch dürfen. Alles weitere, daß ich den Ausdruck „Schweinehund" gebraucht Hab« oder was ich auf dem Korridor gesagt haben soll, ist absolut unwahr. Ich hoff«, daß die große Be. leidigung, die mir hier widerfahren ist. ihre Sühne durch das Gericht finden wird.— Professor Scholz, der hierzu gehört wurde, war ebenfalls der Ansicht, daß Rechtsanwalt Herzstein sich wohl»erhört habe, denn nach seiner Erinnerung habe Dr. Kunz in dieser Unter- redung den Ausdruck„Schweinehund" nicht gebraucht. D«r Reihe nach erhoben sich nunmehr alle übrigen?lnmälte. nicht um zu dem Antrag Dr. Herziteins Stellung zu nehmen, sondern um über den Verteidiger selbst Erklärungen abzugeben. Räch der Mittagspause erging der Gerichtsbeschluß, daß die abermalige Ablehnung des medizinischen Sachverständigen Me- dizinalrat Dr. Kunz als wiederum unbegründet zurückgewiesen werde. Der Zwischenfall zwischen den Verteidigern selbst wurde dann durch beiderseitige Erklärungen beigelegt. Der Angellagte B r e i t f« l d war von Beruf Droschkenkujicher in Berlin. Er bekundet« in seiner anschließenden Vernehmung, daß er an der Ausführung der Tat auf der Kadolzburg selbst nicht be- teiligt gewesen sei, sondern nur den Wagen yesüdri habe, den er auf wiederholtes Drängen des chm bekannien Graske zu diesem Zweck gemietel habe. Graste habe ihm von Ansang an mit- geteilt, daß im Austroge Lippwanns ein Bild gestohlen werden soll«. Bei der Fahrt sei dann schon in Michendorf eine Panne «ingetreten, so daß«in zweiter Wagen aus Berlin nachkommen mußt«. Er selbst habe nach Abzug der ziemlich hohen Wagenmiete von den aus seinen Tell kommenden 1000 Mark 650 Mark übrigbehalten. Nachdcin er sich längere Zeit in Berlin versteckt hielt, ging er nach Wien, wo er schließlich oerhastet wurde. Zum Schluß wurde die Zimmervermietcrin Dorn Schwarz vernommen, eine ehemalige Schauspielerin, die, wie sie angibt, wegen eines Ohrenleidens jür die Bühne nicht mehr tnuglich und für das Variete zu alt ist. Sie bestritt sehr entschieden, von der ganzen Angelegenheit irgend etwas gewußt zu haben. Das im Polizei- Präsidium abgefaßte Protokoll, wonach sie Graske als„alien Strolch gekannt und gefürchtet habe", erklärte sie für u n r t ch t i g. Sie habe sich, als Schmidt unter dem Namen Grünfeld die Zimmer mietete, nicht einmal entsinnen können, daß die Braut des Graste bei ihr gewohnt hat, außerdem sei ihr Graste damals unter dem Namen Weih vorgestellt worden. Nach dem von der Polizei ihr vorgelegten Lichtbild des Schmidt habe sie den angeblichen Grünfeld nicht wiedererkannt und habe deewegen erklärt, daß dieser Mann nie bei ihr gewohnt hob«. Aus dem Bild habe Schmidt wie ein Junge von 18 Jahren ausgesehen und auch keinen Schnurrbart getragen, während er.zur fraglichen Zeit ziemlich beleibt war, einen Schnurrbart getragen und überhaupt wie«in„besserer jüdisch« Herr" ausgesehen habe. Oie geraubten Bilder. Ein Mitglied derprotestontijchenLirchengemeind« Kadolzburg, der die Bilder gehören, äußerte sich als Zeuge über die Unterbringung der Bilder zusammen mit den anderen Heiligenfiguren in einem Bodenraum des Schlosses und über die während der Zeit eingetretenen Beschädigungen— Der katholische Stadtpjarrer der nächstgelegenen Gemeinde Zirndorf gab hierzu«w. daß schon seit langen Iahren die katholische Gemeinde sich bereit«r- klärt habe, die Bilder zu restaurieren und würdig auszustellen, daß die Kirchengemeinde in Kadolzhurg dies zwar abgelehnt, aber ihrer* isits eine Restaurierung der Bilder zugesichert habe. Aber bis zum Einbruch, also S Jahre noch diesem Briefwechsel zwischen den beiden Kirchengemeinden, sei weder in der Unterbringung noch in der Wiederherstellung der Bilder und der sonstigen Heiligenfiguren im Schloß Kadolzburg irgend etwas geschehen.— Als nächster Zeugt über die Bilder der Kadolzburg äußerte sich der Direktor d« Siädti* schen Galerie Nürnberg, Professor Dr. Schulz, früher Konservator des Gennanischen Museums. Er betonte, daß«s sich nicht um Allartafeln, sondern um die Flügel des Schreins einer Predella des Unterbaues für die Mtarxückwond handele. Die noch vorhandenen Halbjiguren an diesem Altar rührten ebenso wie die zwei vorderen Bilder von demselben Meister her, aber keinesfalls von Mathias Grünewald. Bielmehr erinnerten die Ornamente an den Ecken der Predella an Albrecht Dürer, so daß wohl der Schöpfer der Bilder Soldat Suhren. 5Xt>man voa Georg von der Vrittg. Copyright 1927 by J. Jl. Spaeth Verlag. Berlin. Wir zwei sammeln die Kochgeschirre der Korporalschast, neun an der Zahl, und werden sofort damit an� den Brunnen gehen, um sie auszuspülen. Der Brunnen befindet sich hinter dem linken Nachbarabschnitl, der von Oester» reichern besetzt ist. Wir springen aus die Deckung und ver- folgen einen schmalen Pfad, der den Graben in etwa zehn Schritt Abstand begleitet. Wir schreiten fürbaß, Albering voran. Der Wein hat uns munter gemacht. Biolettgefärbren Himmelsbreiten schreiten wir entgegen, unter denen sich, nicht fern und am Ende des kleinen Weges, ein paar Hütten zeigen. Das Unterstandssystem zur Rechten haben die Oester- reicher gebaut. Es sieht aus wie der Längsschnitt eines Ozeandampfers, so verzwickt und hübsch ist es. Drinnen blasen sie eben ihre Kerzen aus. Undendliche Stille herrscht: die Lerche scheint uns zu folgen und spannt ihre Kehle voll Eifer an. Unter den sich lichtenden Wolkenstreifen fühle ich sie wie einen Funken unbändigsten Lebens flattern und rasen. Jetzt aber hört man das Geräusch eines Menschen, der sich wäscht und dabei Wosier speit, und wir erblicken auf der G abenkante einen kleinen vierschrötigen Soldaten. Er seift seinen entblößten Oberkörper, läßt die kräftigen, mit Fett- polstern bedeckten Armmuskeln spielen und bemerkt uns nicht einmal. Eben, als wir vorbeigehen, erscheint ein zweiter Sol- dat in deutscher Uniform hinter dem Waschenden, stellt sich stramm und meldet, daß die Kompanieführer versammelt Sad..„Herr Hauptmann," sagt er zu chm. „Ich komme* nickt der Hauptmann und reibt sich mst heftigen Bewegungen den Seifenschaum aus dem schwarzen Haar, das wirr in die Runde steht.„Ich komme— ist der Artilleriebeobachter auch da?— Gut!" Ich denke: Wie ihm die dicken Falten am Nabel zitterten! Merkwürdig ist auch, daß es Deutsche sind, denn gestern waren noch Oesterreicher hier. Sie müssen in dieser Nacht ab- gelöst haben.— Weiter gehen wir. und die Lerche singt immer. Der Himmel beginnt sich zu röten, es erscheinen eingestreute wage- rechte Striche. Stäbchen aus Karmin— sie werden zur Leiter, sie werden zur Treppe. Wortlos folge ich meinem Kameraden, der nicht links noch rechts schaut: wortlog er- reichen wir die Hütten und den Brunnen, säubern die Geschirre und treten den Rückweg an. Treten den Rückweg an, immer den kleinen Weg entlang. Albering voran, Suhren folgend. Schritt und Tritt fügt sich zusammen. Seinen Rücken, wie ich ihn kenne! Die beiden Stellen, wo die Schulterblätter den Rock ausbeulen: den einen etwas schief eingenähten Koppelhaken: den ausgefransten unteren Rand des Rockes. Und dies: die Mütze, die so hoch auf dem steilen Hinterkopf ruht, und die Unmasie der hellen Haare, die sich kurz über dem Kragen zu einem kleinen drolligen Schwanz zusammendrehen. Wein ist in mir, und ich habe ihn noch nie so gern ge- habt, diesen kleinen lustigen Haarschnörkel. Es fällt mir«in, daß Klees einmal sagte:„Du hast einen Biolinschlüsiel im Nacken"— denn so ist es wirklich. Wir gelangen zu der Stelle, wo der Hauptmann sich ge- waschen hat. Er ist nun sauber, vom Scheitel bis zum Nabel, nur das Waschgefäß steht noch da, und der Kreideüoden der Böschung ist ringsum schwarz gesprenkelt. Sogar diese Sprenkelmuster, fühle ich, sind schön und vielsagend. Wir schreiten fort und die Lerche verläßt uns nicht, son- dern schmettert in höchster Kraft. Der Biolinschlüsiel in Albe- rings Nacken öffnet auch meine Soldatenkehle, ich singe, und weil ich Wein getrunken habe, singe ich gut. „Morgen marschieren wir Zu dem Bauern ins Nachtquartier. Eine Tasie Tee, Zucker und.Kaffee— und ein Gläschen Wein!" Und da schwingt sich die Lerche herab aus dem feurigen Himmel, verstummt und fällt in den Kartoffelacker, desien Blüten sich bewegen. Und da beugt sich der Kamerad, pflückt eine große Mohnblüte, deren Fahnen voll Schwärze sind und fortflattern, alle vier. Und wir springen in den Graben, und der Himmel ist mehr gelb als rot. Wir wischen Tau und Rost von den Gewehren: sie sind so naß. als hätten sie im Wasier gelegen. Das dauert eine Weile. Acherings Augen sind gesenkt, auf seinen Lidern sitzt weißer Kaltschmutz, der getrocknet ist. Keiner spricht etwas. Der Himmel ist bis zum Scheitel in Feuer, und die ganzen Seitengewehre spiegeln den Schein. Nichts wird gesprochen und nichts gesagt... Do erscheint Oelrichs, der Alte, schleppenden Schritte«. ober hastig, ein Arbeitsmann, die Beilpicke in der Rechten— ein Botschaftsbringer, Schrecken in den Augen. Er steht, öffnet den Mund und murmell. Die Falten auf feiner be« schmierten Oberlippe zittern, zwei braune Zahnstumpen zeigen sich, und die Kinnlade klappert. Jetzt aber verzerrt sich sein Gesicht in einer ungeheuren Willensanstrengung, er läßt die Beilpicke in die Grabenecke gleiten und sagt langsam und deutlich, ruhigen Atiqes, aber unter krampfhaftem Zittern der Oberlippe: „Alarm!!" Damit hastet er fort. Und während mein Blut in heißem Sturz zum Herzen drängt, schraubt sich droben ein nisiischer Aeroplan, schwarz und röchelnd, mitten durch den gelben Lichtsee des Himmels. Gefecht bei Irysiev. Die Sonne ist da. Wir stehen auf den Schießbanken, gefechtsbereit, und sehen, das die Sonne da ist. Der Himmel steht nun in hellster Bläu«, und drunten, knapp über den Pappeln, ist die große goldene Sonne erschienen. Sie kommt dahergefahren als eherner Schild und als eherner Schütze, wir schließen die Augen vor ihr. Sie schießt ihre Pfeile mitten durch die Welt in tausendfache Ziele— und nun löst sie sich von dem obersten Wipfel einer Pappet los und fährt empor. Rasch schwebt fie auf, vorbei an einem der sieben braunen Ballons, die in gleichen Abständen den Horizont beschmutzen. Zu diesen blicken die bestrahlten Gesichter der Soldaten hinüber: man beobachtet Schulter an Schulter, plaudert und beobachtet. Einer der Ballons senkt sich und verschwindet hinter Drahtverhau und Erdwelle, ein anderer klettert der fliehenden Sonne nach in große Höhe. „Der will am meisten herausbringen,* sagt jemand recht« von mir. „Sieht uns gerade in die Fresse,* schilt jemand von links. „Wie spät. Kameraden?* Es gehl nun auf vier Uhr. immer noch dauert der Alarm: indessen fällt kein Schuß: nur die dreckigen braunen Fleck« überm Drahtverhau sind verdächtig, sie drehen sich, werden bald schwarz, bald gelb, sinken und heben sich erneut. Wir werden müde, gähnen, möchten schlafen. Die Sonne fährt fort zu steigen und scheint nun schon auf die Patronentaschen. welche glänzen. Es wird warm, wir werfen die Mäntel ab und beobachten weiter. Ein Offizier eilt durch den Graben und fragt:„Wo ist Leutnant Brause?" (Fortsetzung folgt.) in der Nähe eines der Schüler Dürers zu suchen sei. Die Leuchtkraft der Farben der beiden inneren Bilder erinnert stark an Hans von Culnrbach. doch handele es stch dabei um einen Gehilfen oder um einen Schüler dieses Meisters. Wenn die Bilder unbeschadet wären, dann würde vielleicht jede Doppeltasel 5000 bis 6000 Mark im Kunsthandcl Wert haben. Tatsächlich seien ober ganze Namenszüge von Kirchenbesuchern in die Bilder eingeritzt. Zum Teil seien die Farben abgesplittert, so datz in diesem Zustand die Doppeltasel nicht mehr Wert als 2000 bis 3000 Mark habe. Ein Privat- liebhaber würde vielleicht einen etwas höheren Preis zahlen. Die Restauriewng der Gemälde würde ihren Wert nicht erheblich steigern. Als der Sachverständige auf Fragen der Verteidigung es für aus- geschlossen erklärte, daß im Ausland für diese Bilder unter Umständen «in hoher Preis bezahlt würde, wie dies in der Anklageschrift er- wähnt wird, betonte der Staatsanwalt, daß diese Auffassung nicht von ihm, sondern von einem anderen Sachverständigen stamme. Nie ärztlichen Gutachten. Obcrmedizinalrat Dr. D a u m a n n- Fürth gab zunächst ein all- gemeines Gutachten über die Angeklagten L i p p m a n n und Schmidt. Bei Lippmann, einem geistig hochstehenden Menschen, sei an der Zurechnungsfähigkeit nicht zu zweifeln, Schmidt sei ein s ch w e r b e l a st e t e r Psychopath. In seiner Familie finde sich eine selbst für einen alten Gerichtsarzt erstaun- kiche Häufung pathologischer Momente. Er sei aber zurechnungs- fähig, wobei jedoch dem Gericht überlassen werden müsse, inwieweit infolge seiner Veranlagung eine Milderung seiner Verantwortlichkeit anzunehmen sei. Dann gab Medizinalrat Dr. Kunz ein groß angelegtes Gut- -rchtcn über Lippmann ab, den er in der psychiatrischen Abteilung des Gerichtsgesängnisses in Nürnberg lange Zeit beobachtet hat. Er Winter auf der diuvel. 3)er Eissport jeistt in vollem Qange.- 3)ie Qejohrenrinne. Draußen, vor den Toren der Stadt, macht sich die winterliche Kälte, vor allem aber auch die Schönheit der Winterlandschast. schon anders bemerkbar als in dem Häusermeer Berlins. Alles ist wie mit Zucker übergosien. Tief verschneite Waldwege mit festgefrorenem Schnee sind gut für die Rodler. Die sind denn auch reichlich vor- standen und durchziehen mit ihren Schlitten in ganzen Karawanen Weg und Steg. Und wo sich ein Hügel zeigt, da wird unter großem Hallo gefahren. Die Schlittschuhläufer kommen erst recht auf ihre Kosten. Auf der Havel selbst, die bis auf die Strömungszonen und die eisfrei gehaltene Farrinne eine stabile Eisdecke zeigt, auf der Scharfen L a n k e, wo stch kürzlich das Unglück des jungen Heßler ereignete, am G r i m m i tz s e e, hinter dem R u p e n- horn und in all den vielen Buchten wird fleißig dem Schlittschuh- und dem Eis Hockeysport gehuldigt. Aber da sind auch noch andere wintcr- llche Gäste, die in großen Scharen die Eisfläche bevölkern. Zu Hun- derten sitzen Wildenten und Fischreiher, Möwen flattern ungeduldig auf und ab und suchen nach Futter. Jetzt, zur Winters- zeit, sind ihre Nahrungsreservoirs so gut wie versiegt, und gar spärstch helfen sie sich durch diese mageren Monate hindurch. Das Thermometer sinkt hier draußen bis über 12 Grad Kälte des Morgens und Abends; in der Mittagszeit, in der schönen, klaren Wintersonne wird es dann wärmer. Die Boote haben längst ihre Winterquartiere bezogen, nur ein paar ganz forsche Paddler und Ruderer treiben auch jetzt noch an schönen, klaren Tagen Wasiersport bis an die Eisgrenze. Am 1. Januar kasiierte sich denn auch bei der traditionellen E I« r f a h r t der erst« Wasiersportler im neuen Jahr sein Paket mit Eiern beim Wasierwirt ein. Sonst liegen die Wasser. restourants an den Wochentagen ziemlich verödet da. bis auf kleine Schulausstügler. die in großen Trupps, den Proviantsock auf dem Buckel, zu einer Tasse heißer Milch oder Bouillon Einkehr halten. Der Personendampferverkehr ruht ganz, nur einige Frachtschlepper verkehren und Eisbrecher bahnen ihnen den Weg und sorgen, daß die Fahrrinne eisfrei bleibt. An Sonntagen wimmelt es von Sporttreibenden und Spaziergängern, die den Segen der reinen, klaren Winterluft zu schätzen wissen. Dann kommt Leben in die weißverschneite Märchenlandschast.... Oer Tod unter der Eisdecke. Nach den bisherigen Ermittlungen der Spandaucr Kriminal- Polizei gewinnt die Annahme, daß der seit Sonnabend vermißte Zljährige Paul Heßler einem Unglück zum Opfer gefallen ist. an Wahrscheinlichkeit. Wie wir berichteten, hat sich Paul Heßler, der Sohn des bekannten Berliner Hoteliers Hermann Hehler, am Sonnabend abend mit zwei Fuunden nach Pichelsdorf hinausbegeben. Man wollte eine gemeinsame nächtliche Bootfahrt unter- nehmen und hatte aus dem Eise ein Zelt aufgeschlagen. In der Nacht entfernte sich Heßler jedoch noch vor der oerabredeten Zeit aus dem Zelt und schob das Boot in die schmale Eisrinne, die ständig offen gehalten wird. Seine Begleiter glaubten, daß er eine kurze Fahrt unternehmen wolle und erhoben aus diesem Grunde keinen Widerspruch. Von dieser Bootssahrt ist Hehler nicht mehr zurück- gekehrt. Während bisher über dos Schicksal de« Verschwundenen. noch Dunkel herrschte, ist genern vormittag durch einen bemerkens- werten Fund mit einiger Sicherheit änzünehmen. daß' der jung« Hehler gleich bei Antritt der Fahrt mit dem Boot gekentert und u n t e r d a s E i s g e r o t e n ist. Die Angehörigen des vermißten Paul Heßler haben, wie wir schon mitteilten, für die Aufkläning eine Gesomtbelohnung von 700 Mark ausgesetzt. Fischer von Pichelsdorf, Pichelsbergs, Eladow. Gatow usw. mochten sich nun gestern daran, mit Fangnetzen das Wasser auch unter dem Eise so weit als mögllch abzufischen. Gegen mittag fanden sie so das K a n u ganz in der Nähe der Stelle, auf der die drei Freunde ihr Zelt aufgebaut hatten, und förderten es zutage. Die Leiche selbst ist noch nicht gefunden. Auch die Mütze des Ertrunkenen wurde ge- funden und von der Mutter als das Eigentum ihres Sohnes erkannt. Die heruntergelassenen Zaloufien. Berufsverbrecher und Jugendliche arbeiten Hand in Hand Im Juli v. I. während der Reisezeit ereigneten sich zahlreiche Einbrüche im Belleoueviertel, und zwar in Wohnungen, deren In- haber verreist waren und die trotz aller Warnungen den Dieben durch die heruntergelassenen Jalousien ein deutliches Merkzeichen gegeben hatten. Wegen etwa eines halben Dutzends derartiger Einbrüche hatten stch jetzt vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte ein gewisser Hans Tuschkowitz und der ISjährige Rudi 2L zu verantworten. Tuschkowitz ist ein aller Einbrecher, der schon langjährige Zucht» haus- und Gefängnisstrafen hinter stch hat und noch nicht lange wieder in Freiheit war. Es ergab sich aber aus der Verhandlung, daß die Anregung zu diesen Einbrüchen von dem jugendlichen Mit- angeklagten Rudi A. ausgegangen war. Er stammt aus einer guten familie, hatte aber schon frühzeitig einen leichtsinnigen ebenswandel begonnen. Nachdem er eine Reihe von„Freund- schaften� mit jüngeren und alleren Männern gehabt hall«, rückte er mit der Angestellten seiner Großmutter, einem 24jähngen Mäd- chen, aus dem EUernhause aus. Zuvor hatte er seinein Boter 100 Mark gestohlen. Als das Geld nach einigen Tagen verbraucht war, fand er den Weg in Verbrecherkreise. Zunächst bot er einem anderen alten Verbrecher, einem gewissen R., der jetzt auch im Gefängnis sitzt, an. bei seiner Schwester in Weißensse einzubrechen, well dort immer viel Geld vorhanden sei. Er lieferte auch einen Plan der Wohnung. R. fuhr nach Weißensee hinaus, nahm aber schließlich von der Ausführung des Planes Abstand. Ja derselben Verbrecher- kneipe hatte Rudi aber inzwischen auch die Bekanntschaft des T. gemacht, dem er im Bellevueoiertel, in dem auch seine EUern wohnen, die Tips s ü r E i n b r ü ch e in die Wohnungen bei Bekannten und Verwandten gab. Die heruntergelassenen Jalousien waren die Wegweiser. T. stemmte die Türfüllungen aus, in einem �alle ging er auch vom Boden durch die Decke in«ine Wohnung hinein. F ü n> Tage lang wurde täglich ein Einbruch verübt. «schließlich kehrte Rudi ins Elternhaus zurück. Der Vater machte ihm Vorhallungen wegen seines Lebenswandels, und meinte, daß er reif für die Fürsorgeerziehung sei. Rudi antwortete darauf, daß das leicht zu machen fei, denn er habe inzwischen genug ausgefressen. Bor der Kriminalpolizei legte der jugendliche Verbrecher dann auch ein Geständnis ab. Vor Gericht suchte er stch als ein Opfer des Mitangeklagten hinzustellen, der ihn ganz in seiner Gewalt gehabt habe. T. schob einen guten Teil der Schuld an den Einbrüchen aber auf seinen„Lehrling". Nach dem Gutachten von Sanitätsrat Dr. Sepp mann ist Rudi A. insantil, großmannssüchtig, lügnerisch und phantastisch veranlagt. Auch T. ist ein michderwernger Mensch. Er hat im Gefängnis an sich selbst eine fche übliche E el b st o e» st ü m m e l up g verübt und versucht« noch wahrend der Lerhandlung Radeln zu schlucken. Das Schössen- geruht, unter Borfitz von Landgerichtsdrrektor Steinhaus, be- wies zunächst auf das Vorhandensein einer Reihe degenerativer Züge, auf gewisse feminine Körperbaumerkmale hin. Zu seinen organischen Erkrankungen, Nieren-, Zucker- und Ohrenleiden, trete eine folgenschwere syphllilische Infektion, die bereits das zentrale Nervensystem ersaßt habe. Lippmann stamme aus einer uralten jüdischen Familie, die ganz hervorragende Persönlichkeiten buch- stäblich in der ganzen Well hervorgebracht habe, bei der sich aber auch der alte Fluch der Dekadenz zeige, besonders hinsichtlich der Homosexualität und des Selbstmordes. Hinzu kämen bei ihm die unglücklichen Fainilienverhältniste, seine traurige Jugend, wie auch seine Erziehung in einer Adeleschule von oltpreußischer Tradition sür ihn als einen Juden von besonderem Einfluß war. weil er mit seiner mangelnden mllitärischen Bildung und seinen künstlerischen Neigungen dort natürlich nicht entsprechend behandelt wurde. Vielleicht werde bei Lippmann später einmal«ine psychische Er- krankung erkennbar, die den heutigen Feststellungen unrecht gäbe, aber trotzdem könne man gegenwärtig nicht anders urteilen, als daß Lippmann flrasrechllich verantwortlich sei. Immerhin werde das Gericht die ganzen Zusammenhänge seines Lebens und seiner Veranlagung nicht übersehen dürfen. Genau wie die Vormittagssitzungen schloß auch die gestrige Nach- mittags sitzung. Rechtsanwalt Herzstcin griff das Gutachten des Sachverständigen sehr stark an. Die erregten Erklärungen und Gegenerklärungen oeranlaßtcn den Vorsitzenden schließlich zu dem Ausruf:„Es wäre ein Unglück für die Justiz, wenn jeder Sitzungs- abschnitt mit solchen Auftritten endigen würde." Um 8 Uhr abends wurde die Verhandlung auf Donnerstag früh 9 Uhr vertagt, und zwar wird zunächst In der Beweisaufnahme fortgefahren werden, und im Lause des Nachmittags werden dann voraussichtlich die Plädoyers beginnen. zeichnete im Urtell Rudi A. als einen geborenen Verbrecher und verurtellte ihn zu einem Jahr Gefängnis unter Verfagnng jeder Bewährungsfrist. Der Angeklagte Tuschkewitz erhielt 2V6 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Das Gericht ist trotz des Gutachtens des medizinischen Sachver- ständigen zu einer so scharfen Verurteilung gekommen, daß es dem jungen Menschen durch die Verweigerung der Bewährungsfrist geradezu unmöglich gemacht wird, sich aufzuraffen und zu beweisen. daß er kein geborener Berbrecher ist. Explosion in einer Metallgießerei. Ein Arbe.ter schwer verletzt. In der Metallgießerei der Firma Becker u. Fro- wein, Garten st raße 24. im Norden Berlins, ereignete sich gestern nachmittag eine schwere Explosion, bei der ein Arbeller lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Gegen 14 Uhr war der 69jährige Arbeiter Karl Falken- thal aus der Utrechter Straße 7 damit beschäftigt, einen alten eisernen Pumpenkolben, der kurz zuvor erhitzt worden war, zu zerschlagen. Plötzlich gab es einen hestigen Krach. Der Kolben war durch die Erwärmung der darin befindlichen Lust. die einen Ausweg suchte, zur Explosion gebracht worden Durch die umherfliegenden Spreng stücke wurde Falkenthal l e b e n s- gefährlich verletzt. Der Verunglückte wurde durch das Rellungsamt ins Lazarus-Krankenhaus gebracht. Sämtliche Fensterscheiben des Werkställenraumes sowie die Scheiben einer benachbarten Privatwohnung wurden durch den hestigen Luftdruck zertrümmert. * Beim Reinigen eines Kabelschachtes vor dem Hause Levetzowstraße 21 ist gestern nachmittag der 36jährige Angestellte der„Bewag" Hermann Haut aus der Brunnenstraße 106 zu Schaden gekommen. Aus bisher noch ungeklärter Ursache schlugen aus dem Schacht plötzlich mehrere meterlange Stich- flammen hervor Haut erlitt im Gesicht und am Ober» kör per schwere Brandwunden; er fand im Moabiter Krankenhaus Ausnahme. Das Elend der unehelichen Mntter. In Köln wurde�eine 22jährige Haustochter und ihr eben ge- borenes Kind in die Frauenklinik eingeliejert. TMs Mädchen hatte qus anerzogener falscher Scham wegen ihres„Fehltritts" in der Wohnung ihrer Eltern heimlich geboren und das Kind in Zeilungs- papier gewickelt mit dem Gesicht nach unten:» eine Waschschüssel unter das Bett gelegt: es starb bald nach seiner Ankunft im Kranken- haus. Die unglückliche Mutter wird vor Gericht gestellt werden. Dem Erzeuger des Kindes geschieht natürlich nichts. Tragödie der unehelichen Mutter. Die Grippewelle steigt. Zeder fünfzehnte Berliner leidet an der Krankheit. Die Hoffnung der amtllchen Slellen, daß bei dem schönen srostklaren Welter. das augenblicklich herrscht, die Grippe-Epidemie allmählich zurückgehen werde, Hai sich leider nicht erfüllt, vielmehr haben die Erkältungskrank- heilen in den letzten drei Togen einen derariigen Um- sang erreicht, daß die städtischen Gesundhsitsbehörden wohl oder übel zu außerordentlichen Maßnahmen werden greisen müssen, um der Uebcrsüllung der kranken- Häuser zu begegnen. In den letzten drei Tagen haben die Krankenhäuser auch die letzten Pavillons und Säle, die das Gesund- hsitsamt sich fürsorglich noch aufgespart hatte, für die schwersten Fälle össnen müssen. Eine weitere Belegung der städtischen Pflege- anstallen ist aber nicht mehr möglich, und aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte man nun dazu schreiten, Schulen oder andere Ge- bäude als behelfsmäßige Krankenhäuser einzurichten. Wenn auch die Grippe bisher glücklicherweise in den allermeisten Fällen gutartig verläuft, wird es doch notwendig sein, die Kranken zu isolieren, um so der Weiterverbreitung der Infektion einigermaßen Ha't zu gebieten. Wie erschreckend groß die Zahl der wirklich Erkrankten ist. läßt sich aus den Statistiken der Kraulen- häuser und auch der Krankenkassen kaum erkennen. Man gewinnt jedoch einen besseren Ueberblick. wenn man bei den großen Unter» nehmungen die Zahl des erkrankten Personals fest- stellt. In den Berliner Warenhäusern fehlen augenbl ck- lich 5 bis 10 Proz. aller Angestellten. Ebenso hoch ist die Krankenzahl beim Magistrat Berlin sowie bei den meiste» Be- Hörden. Roch stärker macht sich die Grippe bei allen denen be- merkbar, die berussmäßig während des ganzen Tages im Freien sein müssen. So hat die Krankhcitszifser unter den uniformier- ten Polizeibeamten augenblick ich ein« Rekordhöhe erreicht und auch bei den Derkehrsgesellschasten sieht es nicht günstiger aus. Diese großen Unternehmungen haben in ein- zelnen Abteilungen Personalausfälle von 12 bis 1 5 P r o z. Bei der Reichsbahndirektion Berlin sieht es so ähnlich aus. In den Krankenhäusern fehll es jetzt vielfach an Pflege- personal, da auch die Schwestern und Wäiter stark unter der ansteckenden Grippe zu leiden haben. Andererselts haben Hunde. te von Kranken das Bestreben, in einer Pf egeanstalt unterzukommen, weil es ihnen in ihrem eigenen Hause vielfach nicht möglich ist, eine geregelte Behandlung zu finden. Die herrschende Grippe hat auch dem Berliner Stadtbild schon seinen besonderen Stempel aufgedrückt, denn zahlreiche Wein- und Spirituosenhandlungen sind dazu übergegangen, auf ihren Schausenstern Rum und Kognak als wirtsames Heilmittel anzupreisen. Auch auf den Speisekarten verschiodener Berliner Restaurants wird Grog als Mittel gegen die Grippe erwähnt. Der Alkoho'konsum in der Reichshauptstadt ist auch mit Rücksicht auf die große Zahl der Grippeertrankungen in der letzten Zeit erheblich gestiegen. Trotzdem sei allen denen, die sich krank fühlen, dringend geraten, sich nicht auf eigene Faust kurieren zu wollen, sondern einen Arzt aufzusuchen und sich unbedingt an dessen Anweisungen zu halten. Konsumgenvssenfchastswahlen. - Llnqü'tige Osten Ver Kommunisten.~ Für Sonntag. 20. Januar, waren die diesjährigen Wahlen der Vertreter zur Generalversammlung der Konsum- Genossenschast Berlin angesetzt. Wie uns bekannt wird, finden diese Wahlen nicht statt, da in sämt- lichen Abgabestellen-Bezirken der Genossenschast nur se e i n e gültige List« eingereicht wurde, und zwar von der Gruppe„Genossen. schastsaufbau". Die auf diesen Listen vor» geschlagenen Kandidaten gelten somit al» ge» wählt. Die von der Kommunistischen Partei eingereichten Dar» schlagslisten entsprachen in mehrfacher Beziehung nicht den Bestim- mungen der Einossenschaftssatzungen, was-ihre Ungültigkeit zur Folge hatte. Eine Wahl findet einzig und allein statt im Wahlbezirk der Genosseuschaftsangestellten und-arbeiter; in diesem Wahlbezirk sind sowohl von der Gruppe„Genossenschoftsaufbau" wie von der Kam- munistischen Partei gültige Wahloorschläge eingegangen. Die Ft-auen von Ashchurch. Heweahafle Betterinnea. London. 9. Januar.(Eigenbericht.) Die Stelle der Eisenbahnkatostrophe i.n Ashchurch. wo Dienstag nacht infolge des herrschenden Nobels«in Expreßzug der London-Midland-Eisenbahngesellschaft in einen Güterzug rannte, bot noch den in London einglaufenen detaillierten Beschreibungen nach am Mittwoch nachmttag einen chaotischen Anblick. Dutzende von zertrümmerten Güterwagen, die Expreßzuglokomo- tive, ein unkenntlicher Eisenbausen und die Wagen des Expreß- zuges in unbeschreiblichem Durch, und Uebereinander, aus den Schienen geworfen, gegeneinander gestürzt und übereinander ge- schoben. Der Platz ist in weitem Umkreis mit E'senteilcn, Rädern und Wagentüren usw. besät, die beim Zusammenstoß forlgeschleu- dert worden waren. Die Presse bericbtet von wahrhast h e r o i- schen Taten der Frauen der in Ashchurch wohnhaften Eisen- bohner, die trotz der Warnungen vor Feueregesahr unter Gefähr- dung ihres eigenen Lebens bei der Bergung der Berwun- deten und Toten behilflich waren. Ein Schaffner des Zuges best'eg trotz einer schweren Verletzung das Dach eines verunglückten Wogens und half bei der Rettung der eingeschlossenen Frauen und Kinder. Die Anzahl der Toten beträgt bis- her vier, diejenige der mehr oder minder ernsthast Verletzten 40. Schwere Nodelunsälle. Ein Kaufmann uni» ein Schüler verletzt. Am Grunewaldsee ereigneten sich gestern nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr zwei schwere Rodelun fälle. Der 45jährige Kaufmann Adolf Groball aus der Leonhardstraß« 4 zu Charlottenburg wurde beim Röteln von einem anderen Schlitten an- gesahren. G. wurde gegen einen Baum geschleudert ui o erlitt schwere Knochenbrüche. Der Verunglücklc wurde ins Westend-Krankenhaus gebrocht.— Der zweite Unfall trug stch nur wenige Minuten später aus derselben Bahn zu. Dabei erlitt der 7jähiige Schüler Walter Wagner aus der Hellsteinischen Straße 56 so schwere Kopsverletzungen, daß sich seine sofortige Ueberführung ins Westend-Krankenhaus als notwendig erwies. Die Kronen fallen! Auch»n Potsdam. Bekanntlich ließ der letzte Kaiser zwecks Verbindung der beiden Haveluser im Zuge der Berlin— Potsdamer Chaussee die sogenannte Alienicker Brücke erbauen, die er, wie im wilhelminischen Stil üblich, mit einer Fülle von monarchistischen Symbolen ausstattete Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin wandte sich deshalb am 10. August 1927 an den Regierungspräsidenten in Potsdam und beantragte, diese Embleme der Kaiserzeit von der Olienickcr Brücke zu entsermn. Daraus entspann sich ein längerer Schristwechsel, in welchem der frühere Regierungsvizepiäsident in Potsdam, Herr Schloess ngk, der im Mai 1928 zwangsweise von der Staatsregierung zur Disposition gestellt wurde, sich aus den Standpunkt stellte, daß die Prüfung der Beschwerde zu Maßnahmen keinen Anlaß ge- geben hat. Der preußische Handelsmini st er, der dann angerufen wurde, entschied daß er die Entfernung der Königstronen aus dem Torbogen der Glienicker Brücke nicht als Zerstörung eines besonderen Kunstwerkes anerkenne und deshalb den Regicrunaspräsi- denten in Potsdam mit weiterer Beranlasiung beaustvagl habe. R nmehr hat der Reglerungsprölident am 18. Dezember v I. amt- lich mitgeteilt, daß die Königskronen entsernt worden sind. Ohne sich um den Toi-n zu kümmern. Rücksichts.osigke.< emes Auiomob listen. Angermünde. 9. Januar. Der Führer des Berliner Automobils I A 6072 überfuhr in Lüdersdorf bei Angermllnde heute früh gegen 7 Uhr einen 24iährigen Grubenarbeiter, der sich zu Rad zur Arbeit be- geben wollte. Der Arbeiter wurde gelötet. Der Chouf- b/ur machte den Versuch, einige iunpe Leute, die den Vorfall be- obachtet hatten, mit Zigaretten zu bestechen, damit sie schweigen sollten. Als die jungen Leute sich weigerten, fuhr der Automobilführer davon, ohne sich um den Toten zu kümmern. Ein Fall, um dessen Aufklärung sich>D e r k e h r s w a ch »nd Xhousseurorganisationen gleicherweise bemühen sollten. Den Va�er in der Noiwehr erstochen. Um die Mutter zu schuhen. Auf die Spur einer Fomilientragödie ist jetzt die Kriminal- polizei gekommen. Am Neujahrsabend wurde in dos Virchow- Krankenhaus der 60 Jahre alte frühere Kaufmann Erich Z. au» der Lothringer Straße 32 mit einem Mesierstich im Rücken eingeliefert. Die Verletzung wurde als von einem Unfall herrührend angegeben. Durch Hinzutreten einer Lungenentzündung oerschlim- merte sich der Zustand so sehr, daß der Patient am Mittwoch abend verschied. Der angebliche Unfall wurde im Krankenhause von vornherein bezweifelt. Das wurde durch die Nachforschungen des 17. Revier» ge.cchtferligt. Es ergab sich, daß der!/ Hahrc alle Sohn Hans seinen Bater mit dem Messer ge stocken h-'Oe. Am Neujahrstage war der alte Z. etwas angeheitert nach Haufe ge- kommen uno hatte mit seiner Frau, von der ihn ein großer Alters- >ini->nckieb trennte. Streit arm-ianaen. der. wie schon öfter vorher, in TällichkeUen ausartete. Z. hatte seine Frau mit beiden Händen am Halse gepackt und sie gewürgt, bis ihr der Arem verging. Der Sohn Hans versuchte zunächst, den Vater weg- zureißen, wurde ober mit Fußtritten verscheucht. Cr er- griff jetzt ein Messer und stach den Vater damit in den Rücken. Der Vater wandte sich m>n gegen ihn. pack'" ihn an die Keble und würgte ihn ebenfalls. Jetzt stach der junge Mann noch mehrmals aus den Auen ein. Der Schwer verlegte wuroe von Annehöligen noch dem Krankenhause gebracht. Hans Z. war aus dem Hause verschwunden. Man befürchtete zunächst, daß er sich ein Leid angetan hätte Das hat sich nicht bestätigt. Am Mittwoch nachmittag stellte er sich selbst aus dem Polizeirevier. Seine Aussagen ergänzen die schon früher gemachten Feststellungen. Z. wurde dem Polizeiamt Mitte zuge- führt, die Akten der Staatsanwaltschaft übermittelt. petri-Oülberg weiier führend! Zwe, Zstunven zurück OebartS-Gooßens zweites paar. Gleich nach Erledigung der ersten Hälfte des NachmiUagsspurts entwickelt sich eine Jagd, von F a u d e t angezettelt, die von P e l r i fortgesetzt wird Sie währt etwa 15 M nuten. Das Ergebnis ist. daß die Mannschasten Dülberg-Petri, Foudet-Tietz und Kroschel-Junge je eine Runde gegen die übrigen sechs Paare aufholen können. L i n a r i- M i e t h e. d> wiederholt schlecht ablösen, erhalten außerdem eine Strafrunde. Stand des Rennens nach der Nachmittagswertung: Spitze- Dülberg-Petri 175 Punkte. Zwei Runden zurück i 2. Kroschel- Junge 125 Punkte. Drei Runden zurück: 3. G'vßens-Debaers 168 Punkte. 4. Letourneur-Brocearbo 107 Punkt«. Vier Runden zurück: 5. Rielens-van Kempen 175 Punkte. Fünf Runden zun'ick: 6. Faudet-T'etz 223 Punkte. 7. Miethe-Linari III Punkte. Sechs Runden zurück: 8. Preuß-Rellger 176 Punkte. Acht Runden zurück: 9 Behrendt-Monchey 171 Punkt«. Bis zur lOUHr-Abendwertung sind keinerlei besondere Ereignisse zu verzeichnen. Kampflos gelangen in der Wertung die ersten Spurts zum Austrag. Stand nach de? Wertung. Spitze Petri-Dülberg 191 P.: zwei Stunden zurück: 2. Kroschel-Junge 130 P. Drei Runden zurück: 3. Gooßens- Debaets 188 P.: Letourneur-Broceordo 113 P. Vier Runden zurück: 5. Rielens-van Kempen 181 P. Fünf Runden zurück: 6. Faudet-Tietz 2�0 P.; 7. Miethe-Linari 117 P. Sech» Runden zurück: 8. Preuß-Resiger 197 P. Acht Runden zurück: 9. Behrendt- Manthey 181 P. Zehn Minuten nach Beendimmg der WerNmg ziehen V e b o e t«- Gooßens, die sich in guter Verfasiung befinden, los und nehinen nach kurzem Kampf dem Fell» eine Rund? ab. Sie rücken somit im GesamtklasiemeM auf den zweiten Platz, den bisher Junge- Krofchel inne hatten, vor._ Großfeuer im Dresdener Arsenal. IieichSarchlv und Armeemusrum gefährdet. Dresden. 9. Januar. Heute vorm'ttag wurde die Feuerwehr zu einem Großseuer nach dem Arsenal gerufen, wo der große Erdgeschoßraum der Firma Artur Chemnitzer, der zum Lagern und Ver- packen von Porzellan und ähnlichen Gegenstände» diente, in voller Auslehnung in Flammen stand. Es bestand große Gefahr für das im ersten Obergeschoß untergebracht« Reichsarchio und das Armeemuseum und insbesondere für das unmittelbar an den brennenden Lagerraum anstoßende große Lager der Leo- Werte, wo Werte von mehr als zwei Millionen Mark aufgespeichert waren. Im Verlauf des Löschangriffes, bei dem«in großes eisernes. Zugangstor gewaltsam geöffnet werden mußte, wurde ein Angestellter des Reichsavchrvs. dessen Räume stark verqualmt waren, über die Leiter aus dem Obergeschoß her- unlergeholt._ Robert Bahn 60 Zahre alt. Heute feiert Gcnosie Robert Bahn. Mitglied der 121. Abteilung Karlshorst, seinen 60. Geburtstag. In der Berliner Parteibewcgung ist er kein Unbekannter: denn seit dem Jahre 1889 ist er fast ohne Unterbrechung in der Partei, wie auch in der Gewerkschaftsbewegung eifrig tätig. Mit großem Idealismus hat er trotz vieler RückschlSge für unsere Idee gearbeitet. Die Karlehvrster Parteigenossen haben an threm Funktionär Robert Bahn ein treues Vorbild festen Pflicht- bewußtseins. Dankbar gedenken wir seiner Arbeit und übermitteln ibm an seinem heutigen Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Möge es ihm oergönnt sein, noch lange im Interesse des werktätigen Volkes zu arbeiten. .Srach« am ktalNiuller I»rl Die Elite-Sänqer babcn aut dem alten ins neue Jaiir den iöüiichen Humor mit dei übergeleitet. Da« sehr nul miammenaenellle Januarprogra-nm verd ent ein ktelS volles HauS. Die Veriiner Vosse»Krack- des br'llnmen.tzaiisMchters Mar Reu- mann zeigt kernig den Querschnitt durch cm Neuköllner Mietshaus. Den sieben Herren gelingt es mit dem iprübenden Witz wirtlich berz- erqn ckcnd in de» sich ichr grotesk ergebend tu Z geilen ibr Können erneut zu brweiien. Durch die uneii tiöplbchc Quell? des Boltsbedes gelingt es dem D chler ebensalls nusgezeuhnct. ein stnnmungsooll-s(Äcflechl zu binden. Zutotich RuIcU!. der Meiner des H» nors. in nls Motoriadsabrer wieder unllbeiiresslich. Mit dem ibm eigenen erichiitte-nd lomiichen Emst zwingt er jede Lachninskel. das itehie herzugeben. Ebenfalls v, ächtig iit Alions Boinemnnn in seinen Groteiiien..H ans:R c n 6 und Kurl Hoben- s e i d s sich sehr ein'chmeichelnSe Biniragstechnik z-igt sich in neuem Licht. Da« guie.Hausorcher.cc unter Lluthgens bewährter Leitung ist mit vou der Pailie. Forldildungsiurie sflr Erwachsene. In dieser Doche beginnen die llortbildungslulse. tie das tbezirtsamt Tchonebcig zur Weiterblldung von Eiwach cneu verauslallet. Es finden wieder Kurie statt tür Deulich. Französisch. Englisch. Spanisch, Schwedisch und Ruisiich. Zum VieiteljaarSbegw» i» der Eintiitl jedem möglich, da meist mehrere Kurse mit verschiedenen Porleniilnlsen nebeneinander beftebe». Dw Kuise finden abends von 20— LI'., 8— Ö'/a) bczw. Ig'/,— LI(71/,— 9) Ubr Natt. Nabele» vergleich« die Anschläge an den Säule» und die Proipette in den Kartenverkauf»- bellen. Hörerlarien zu 6 M. für den Viertelfahr eskiirius im Voi verkauf bei: Tobberflem. Hauptstr. 110, Buchhaiidlmig am Bayenichen Platz 13, Nikola schc Buchbandiuiig, Nbeinstr. öS, Buchhandlung der Gogneriche» Misston, Hondjery'ir. 19/20. Arde>Ierdrlduug»Ichule. Heute abend?'/, Nbr Lindenstr. 3. 2. Hos IL Zimmer I I. Beginn de» KunuS Ha asi:»Die Wultchast in der(Hegenwart-. Chinesischer Zusipfleger im ttuk.ro.-Sa on. Im neueröfsneten Kukirol-Fußpflegesalon Friedrich- Eck« Jäger st raße waltet ein chinesischer Fußpsleger seines Amtes. Man hat sich diesen Exoten aus Paris verschrieben, der Heimat aller Kosmetit, wo zahlreiche seiner Landsleute in dieser Eigenschaft tätig sind. Hier in Berlin ist er der erste und einzige Pediceur. Di« Fußpslegeinstruinente, deren er sich bedient, unterscheiden sich von den unserigen ganz bedeutend. Er arbeitet ausschließlich mit feilenartigen Instrumenten verschiedener Größe und Breite, die jedes Schneiden oder Pieken ausschließen, er„schabt" bloß das Zuviel weg. Sein deutscher Kollege, der mit den heimischen mesier- und schereuartigen Werkzeugen manipuliert, wird also wahrscheinlich die robusteren und der Chinese die empfindsameren Gehwerkzeuge zu betreuen haben. Ein« große Anzahl geräumiger Kojen sind für die Fußbehaudlung vorgesehen, außerdem ein orthopädischer Unter- suchungvraum samt dem daziigehöligen Apparat, der ein röntgen- artiges Bild des ganzen Fußgebäudes wiedergibt und die etwa oerbildeten Stellen zeigt. Bor der Prozedur steigt jeder ins bekannte „Kltkirol-Fußbad". Obwohl es doch eine fast allgemein bekannte Talsache ist. daß die Frauen den weit größeren Prozentsatz der Fußleidenden bilden, soll hier die männliche Kundschaft über- wiegend sein. Tluter den wenigen Standardsortcn des deutschen Zigaret- ten-Uarktes gewinnt Crreillng-Anslese immer größere Beden* tnng9 während so viele neu anltanchendc Marken nach kurzer Zeit wieder versinken* Das kennzeichnet die erstannllche Treffsicherheit, mit welcher der Baacher die Qualität einer Zigarette henrteilt* Wer Orei Ii ng- Auslese einmal probierte, hält ihr treue VVenndschaft* AUSLESE CKfcutifl für die Usbergangszeit. Grundprinzip der russischen Geseu- e�buna sei. daß der Begriff der„Sünde ausgeschaltet ser. Sa werde !«de«„Sexuatdelikr� nur dann bestraft, wenn es gleichzeitig"" Llm das Sexualstrafrecht. Auf Einladunq der Gesellschaft für Serualreform sprach am 1. Januar Professor Pasche-Oserski der bekannte russische Strasrechtsledrer, zu diesem Thema. Professar Pasche-Osersti de- tont«, daß das aus dem Jahre 1926 stammend« russische Recht nicht als„kommunistisches" Recht zu gelten Hab«, es fei eine Gesetz dvrinzip de_ - r.i—tde _. ein Pergehen gegen die persönlichen Interesien eines dritten sm. Danach Metten homosexuelle Betätigung, Sodomie, Ehebruch, Prostitution und sogar Blutschande straffrei— letztere deshalb, well die Grund- lagen der Bererbungsivisienschaft durchaus noch nicht so fest stehen. um eine Schädigung der Nachkommenschaft durchaus als gegeben anzunehmen. Schwer bestraft werden dagegen Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten, fa schon die Gefährdung mit einer An- steckung, Demoralisation Jugendlicher und geschlechtlicher Mißbrauch wirtschaftlich oder sonst abhängiger Personen, gleichfalls Vevaewal- tigung. Dabei ist interessant, daß das Sowjetrecht auch psychischen Zwang als genau so strafbar anerkennt, ebenso daß es keinen Unter. schied zwischen den Geschtechtern macht, also den Mann ebenso schützt wie die Frau. Ebenso ist auch die Ehefrau und die Prosti- tuierte vor Lergewaltigung geschützt. Die Rechtsprechung sei in diesen Fällen sehr scharf, und der berühmte Fall der„Eintagsehe". die nur eingegangen worden fei. um die geschlechtliche Hingab« einer Frau zu«rzielen, werde ebenfalls als Vergewaltigung angesehen. Abtreibung bleibe, wenn sie in Kliniken oder durch approbierte Aerzte in vorschriftsmäßiger Weife vorgenommen werde, straffrei, doch werde jede Pfuscherei hierin als sozial gefährlich angesehen und strengstens bestraft. Um die Anzahl der Aborte zu verringern, gehe man aber immer mehr zur Propaganda der Verhütungsmittel über, deren Verbreitung natürlich von keiner Strafe bedroht fei. Im Anschluß daran sprach Dr. Kurt Hiller über den neuen Strasgesetzentwurf, der einen durchaus kullurreaktionären Charakter trage. Kuppslei, im Entwurf charakterisiert als Gewährung von Gelegenheit zu„unzüchtigem", d. h. unehelichem Geschlechtsverkehr, d. h.«ine Sache, die nach dem Dolksempfinden durchaus kein Ver- brechen, nicht einmal ein Bergehen fei, werde in Zukunft sogar noch strenger bestrast als heute. Die Strafe für Schwangerschastsunter. brechung sei beibehalten, dabei werde die Verbreitung antikonzeptioneller Mittel ebenfalls mit Strafe bedroht,„falls die Ausstellung oder Anpreisung in Sitte und Anstand oerletzender Weise erfolge" — und dieses Wort„salls" mache aus dem projektierten Para- graphen 302 eine stets bereit« Falle. Der berüchtigt«§ 175 sei natürlich beibehalten, trotzdem hier ein Schutz Jugendlicher vollauf genügt hätte. So sei der Strafgesetzentwurf keine Verbesserung, sondern in vielen Fällen sogar«ine Verschlechterung des bestehenden Zuftandss— und es fei die Aufgabe aller Linksparteien, von den Demokraten an, bis aufs äußerste dagegen zu kämpfen, daß dieser Entwurf Gesetz werde.__ Psychoanalyse und Philosophie. Die Ortsgruppe Berlin de» deutschen Monistenbundes kann es (ich zum Verdienst rechnen, einen Versuch zur Klärung des heute zum Schlagwort gewordenen Begriffs de»„Unbewußten unternommen zu haben. In der Aula des Werner-Siemens-Realgymnasiums sprach in ihrem Auftrag der Profesior an der Technischen Hochschule in Karlsruhe JDr. A Crews über„Das Unbewußte in der Psycho- analyse unl der awleaSmizo» sSr Kleff RllKril fiaft 9c v II v COM. KwSe-lrraHf 3. parieinachnchien /M�fürGroß-Verlkn TM.. A— ttt*3 o oesf&tyirj&}exzjsaxva2 J. tzaf, 3 See»«cht».«■ richte» H. Ätetf StcsISBa. Die Philosophie" Der Redner gab zunächst eine chronologische Entwicklung Philosophie des Bewußten, die über L e i b n i z und den Dresdener Arzt K a r u s, der schon den Satz aufstellt«„Der Schlüsiel des Be- «ußtsn ist das Unbewußte" bis zu Ed. von H a r t m a n n mit feiner„Philosophie des Unbewußten"<1869) führte. Nun verweilte er ausgiebig bei den Lehren dieses durchaus rächt allgemein aner» «aynten Gelehrten. Ed. von Hartmann könnte sich iemen besseren Interpreten wünschen. Der Psychoanalyse warf Prof. Drew» vor, daß st« fich nicht genügend klare Vorstellungen über das Unbewußten». lang. Vertrag;.Brheproble» und SV®." Referent Rebakte»!»elfganD Schwarz. Renwahl der«bteilnngaleftnng. Arauenveranstallnngea. werben gebeten, f» Kreisleiterin, Stellvee- treterin, Schriftstihreri» Stellung zu nehmen, da der Kreisvertretertag bereits am 22. Januar stattfindet. 83. AM. Sharlotteabnrg. Die ffrauen beteiligen sich heute, Dannerstag a» Kreis-ffrauenabend im Jugendheim, Rostnenstr. 4. Vortrag des«eneffea Paul Hirsch Berliner Partei- Organisation s 3«. Abt. Am 7. Januar veeichied nach fünwndzwanüq ähr>ger Mitgliedschaft der Vorlei der Genosse Hermann Scheb�Iinlki�FUrstenwalder Sir 31. Die Uhr, Gerichistraß», statt Di« AbtfNnnn-'evnna Einäicherung finde! um ffreitag, dem 11. Janitar, Um rege VeteiUvnug bittet 78. Abt. Schänebeeg. Unser Neber Genosse Spymanskf ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Wir werden ihm, der zu de» älteste» Partei» fubilar-n gehörte, ei» ehrende» Andenken bewahren. Einäscherung heute, Dennerstag, 12% Uhr, Im Krematorium Wilme, 108. AM. Sdlershos. 12% Adlereb bewahren. Ilmeredorf. Am 1. Januar verstarb unser lai Paul Strunk. Zieichsbannerkamerad und 1. Vorsitzender AdlerShas). Ehre seinem Andmken. Einäscherung am Sonnabend Genosse TSB.(Vez. _|______ MM_____|____ �____. JMi 1Ä. A«nutaL� ITH Uhr d» Krematorium Baums faüenwtQ. 121a Abt. Mghlcdors.Süb. Unser Genosse Georg Vainke ist vlbtzllch verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerb gung am Freitag. 11. Januar, 18% Uhr."'"'"----------- aus de» Gerne iudesriedhos. Lemkcsirage. Syug Raun, der erst im Alter mit seinem Deck heimisch Ge- worden«, km» mll der Over„M enandra" zu Gehör. Die Aus- sührung war als Sendespiel mit großer Lieb« und Sorgfall vor- bereitet worden. Man hatte sich die Solisten von der ausgezeichneten Hannoveraner Oper geholt, an der das Werk bereits zur Auf- fuhrung gekommen ist: auch der Dirigent Rudolf Krassell war mit- gekommen. So war es nicht weiter zu verwundern, daß ein« gut endespiel voraus, in der er vor allem den Komponisten gegen den Vorwurf verteidigt«, daß dieser Wagnerjünger im Geist, der johr- zehntelang in Amerika gelebt hat, seine Werke auf glänzende, „amerikanische" Aeußerlichkeit gestellt hat.— Ein« L e s s i n g- Stunde für die Jugend hielt Hans Kafka am Nachmittag. Viel- leicht stellte er in Auswahl und Formulierung etwas zu hohe An- fprüch« an sein« jugendlichen Hörer. Enreulich war jedoch, daß er mit ihnen ernsthaft und erwachsen�.,:' ich über das Schaffen des Kämpfers Lessing sprach.— Dr. Aldert Ullmann sprach über das Thema„W ie helfen Stadt und Staat den werdenden Müttern?" Er Zeigte Möglichkeiten auf, die der jungen Mutter vor und nach der Geburt zur Verfügung stchen, um chr gefundhell- liche und wirllchaftlich« Forderung zu bieten. Aber er kam zu dem Schluß, daß alle Hilse Stückwerk bleiben muß, solonpe zwar für dos Neugeboren« und di« Mutter gesorgt wird, dann aber die Not der sozialen Verhältnisse alle diese Fürsorge wieder zunichte machen kann. Er betonte, daß zu den wesentlichsten Erfordernissen für nachhaltig Mütterfürforge dt« Schaffung gesunder Wohnoerhäl nisse gehör«. da« ZuaeadteveteNar hente, Donnerstag, pünktlich 18% Ahr, im Zugend- (Smfmtaum(b Mete NuM» Herst» GS e«. Onbeiiltrete 3 Zahresmiteflieberversammlungen heute, 19>3 Ahr: BLbwest: Heim Lindenstr. 1.- Scheneberg M: Heim Hauplstr, Abkershef: Heim Bismarckstr. 1, Zimmer 3��— Kell». Pari: He.madend �>ällt aue.— Westen I: Hein heim Havplstr. 13.— M... Park, Heimabend iällt SAJ. und Reichsbanner-.— ffali- „Was wir wollen�.— SchZuhauser 1.„Arbeitersporck.— Köpeuickee echt-Gfdenkseier.— Kettiusse« Tor: vritzer Sir. 2730.„Geschichte der Arbeiterjugend"— Süden: Seim rckstr. U.„Karl Liebknecht— Rosa Luxemburg".— WUmcrebors: Heim "'' internationalen „Sol bort» und Nikotin'. _____ J: Heim Haupistr. IS._ »lag I: Schule Lannenbuvgrr wtr. 20.„ Vorstadt: Schuir Sonnenburger Str. 20. Viertel; Schul« Wrangrlstr. 128. Liebkuee ' tim Stifter Sir. 27.30.„Geschichte der Bilhelmsaue 120.„Unsere Arbeiterbewegung"— LankwI. tät",- Steglitz: selm«lbrech! — gehleabaef: Nordschule, s�ichensaal l.„llnsere Slellung zum Arbeiter friert'.— Witten»»: Heim 9"»senthaler Str. 15. Heimabend «erbebezirk Osten. Am Sennatend verstarb unser Genosse Hans ff Sä« ich. Di« Abteilung Baltenvlatz verliert In ihm einen eifrige-, g ffunktionär. Ehre seine» Andenken. Die Einäscherung findet heut« MZ Ahr im Krematorium Gerichtstraße statt. r, r-t i rt üET- 3■ yy r-ss- Am Senntag, 13. Januar, 19 Uhr, spricht 19% Uhr, int Heim Gunther Betbebezitk V«euzleuee Berg. der Genor"------------------- nationale Die Gruppe! liste» mitzubringen. WerMHezirk Lick>trubeeg. Heotr, Donnerstag,— strafte 41: Werdebezirksporstandssttzung. J. und 2. Borsitzender iowie Zugend- heirate müssen erscheinen._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. FL» Reichstblwner„Schwarz-Rot-Golb". Sr'chsttestellr: Berlin S 14. Sebastianstr 37/38. So« 2?r «»»verstand. Der«nubesuerstaud eeranstaltrt 00» 28. Ja- unat bs 3. ffebrnae in Beuueckeuftei» sHarz) elue» SlUnesuv mit «>»ierspertsest a»». ffebrnae t»«rauulage. Aulesten» M. fl»f»l. ffeftr� - Her. Anmeldung mit Auzahloug in. l2. Zannae an Zgme« " 22 /Tel.\ 7 Döuhoss'*'*)■ Beginn des Turnens in der toch'ller» �_ Uhr Jahresversammlung im Aollen- tvrs.Kastno.'«leiststr'. �ili' Neuwahl der Kamergdtchgsrsleiwng-« lneredzrs. 20 Uhr T�Iegiertenpersammlung dfl�Kro.g.�volfteinische�e-traße�— �i�enM� fOrtsorrrln). 20 Uhr hei Lohann. Jung-, Ecke Oderstraße. Große ffunkt onär. sttzung. Die gesamten Kameradschaitsvoistände, Obleute. Ina- und Truppen- sührer mft Gesamtvorstand haben zu erscheinen.— Ne nickende rs(�tooeretn). Der Kamerad Aldert. Irische ist am 8. Januar verstorbe» D:e»eerd,gu.:g findet vom Trauerhause, Bosen, Hai I, Niederstr e, um 13% Uhr statt.-- Noseathal. Zur Beerdigung des Kameraden Irische 13% Uhr bei � iirle, »iederftr. 5._ «vear». ffm'taa.«tzvenfck(Ortsorerin). IS— A Uhr Sportabend In der 1. Derneindrschuk«.—•«fn'tfentwrf'Oest. 20 Uhr im Verrinslokal, Schar" wedttstr. 50. Ordentlich« Mitgliederversammlung. Jahresbericht und Neu —---.—"--cht. Miissl'edsbstcher m idringen.—- liederver en Psll Ihr bei wähl des Vorstandes. Erscheinen------.___ «ennstorf /Kameradichattl. 20 Uhr Sei«amrrab Okrint, Vehtieb. Ecke Ber. liner 6 trage. Generalversammlung.— Vera«». Wichtige Vorstands, und fführersttznxg bei Kamerad R-disch..«rsLeinen Pflicht. u. m � Sannabttb, 12. Zannar. ffrlrtriiNSafn. Kameradschaft Warrchan IStl Uhr Bersaenmlnng bei Paul Kchendtke, Gimon-Dack-Str 38.— Netuicken. ders-vst /Kameradschaft). 2» Uhr»ei«arl«iehne. Residenzstrafte. Ord-ntllche. Genepalver/ammlung. Mitgliedeckarten m'tbringen.— Noseathal. 20 Uhr per MiÄer, am Bahnhof Netnickendors-Posenthal. Neuwahl der Kameradscha«»». leituaa.— Börnicke. 20 Uhr Stisrunaesest. Die her achter:-n Otisoereine stnd »kad-n.— Kneia tztordea. Sex Ausmarsch am Sonntag, 13. Januar, Kamerad Ott»«chul». KSvenlck.»ahnhvkstr.»4. fft ng: ffreitag, 11. Januar, 15% Ilhr. ans dem Kirch' boi in. verstorben. SOeifefpm der Rudvwer Straße. Die Sarnerähen trotten fich um IL Uhr Gutendergstr. 33. Aaoth-ker Baak H»'s»e spricht über den Schanbvaragravhen 218 mit Licht- hildern sowie über«edurtenregrlung durch Schutmittel am Freitag, den. U.. Januar, 28 Uhr. im Antikrieasmuseum, Parnch-alstr. 28. Dentsche kandsmanaschaft der Brvnln, Sreg-BerNn. Monatssttzung heute» Dsnnttstaa. abends 8% Uhr, in dar Kindlbrauerei, Berlrtl-NeukZlln, Hermann» strage 214/21S. Verantwortlich Mr Politik: Dr. Enri Geyer: Wirtschaft: G. Klingelhösee: Gewerkschaftsbewegung: Z.«trnter: Feuilleton: K. S. Dilcker: Lokales and Zanstiaes: ffrttz Karstädt: Anzetaen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Porwärts-Vreiag»mbH.. Verlin Druck: Vorwärts-Buckidruckeret und Verlaaeanstalt Paul Singer 0 So Beelin SW 88 Lindenstraßr st > Hier»» 2 Beilage» ant.Unterhaltnng»ab Wissen-. �msriksniseks» Einreisevisum ölwtrsto« e>«p>ew«n>»Semtl. Amerlkonl«oH«>n Konau- Iste» ob 17. Januar 1922 wlodor en-gogon.— Auo- feunft und Barotung zwooko schneiletor Eln- trogung In die Wsrtalleta koatenlos durch NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN und seine sämtlichen staatlich konzessionierten Vertreter Berlin: NorddeoBcher Lloyd. Agentur Berlin G m. b. H„ Unter den Unden l /Hotel Adlon), Fernspr. Zentrum 12 230 u. 12 231. f. Montanus, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd. Invalldenstr. 93(rwischen Lehner und Stetüner Bahnhof) Fomspr. Norden 12 241 u. 79)6. — Freitag• TOccft einmal sollen die heutigen Angebote zeigen, welche ungeahnten Vorteile Ihnen aus unserem Inventur-' tfämsvericnui erwachsen. Die ganz hervorragende Qualität dieser Waren, ihre verblüffenda Billigkeit bei einer Auswahl ohneglalciiea können als Beispiele für alle Warengaltungen gellen. Nur noch wenige Tage können Sie diese günstigen Gelegenheiten ausnutzen! Beginn 3. Jana«r 1929. Da« riesenhafte Lager für Wintfer- psKsveWS enthält zahllose Gattungen der verschiedenartigsten Mäntel mit und ohne Pelz« werk zu den denkbar nledrlgslea Preisen. Nur ein Beispiel: Ein Riegenposten herrlicher tporl- MSnlel aue kamelbaaräün- lichcn Stoffen mit angewebtem Futter und feinem Sattel- futter, auch in den grollten Weiten letzf nd feinem Sattel- 39r Ans dem gewalftg Lader tCr Fritliiirs-Iiiitel »eigen wir nor rwe) Beiapiel«. Damcn<)en Oetchma�k and j«do Figur pMSBuäo KlHdungr- •tüeke. Ein BieschyOAtdo entrückender Tanz-KIcidcr s«e Spllxen. Cr«p" Geor/ette.Tafload GMMA •eostTgen elegont. Jmuk DAM Stocken, eeleb rer- r. W B elerfttockmdMflr MTV« VoUcKlctdcr Btl langen lad kurzen Aarmein So w* 2:- 5: Die besonders gepflegte Abteilung für Morgen öcke weist eine Uberraschende Fiilje von einfachen bis tu den elegantesten Exem plaren aus C rSpe de Chine and sonstigen edlen Seiden auf Aue diesem sehenswerten Lager pur ein Beispiel: Ein großer Posten •cfaSaer wanner Noräcnrödte aus molligen Flausehstoffen in bester Verarbeitung feix« nur Ir 7tr.i5* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oonnerstag. 10. Januar 1929 Schweigen bei Siemens. Ltndurcksichiige Bilanzen.— Gestiegene Llmfatze. Der Siemens- Konzern beschöstigte 1927 in seinen sämtlichen Betrieben Belegs tasten von 110 000 Mann. Im Laufe des letzten Betrisbsjahres 1927/28, für das jetzt Abschwßzisscrn und Geschäftsberichts veröffentlicht werden, erhöhten sich die B e l« g s ch a f t en wnterhtn auf insgesamt 130 U>0 Mann. Mehr als eine halbe Million Menschen sind also einschließlich der Familienmitglieder von diesem Riesenunternehmen abhängig. Man sollte annehmen, daß allein diese Tatsache die Siemene-Aerwalrung veranlassen würde, sich in ihrer Bilanz und dem Verwaltungsbericht mit größter Klarheit über die Entwicklung der Betriebsverhättnisie und der Tätigkeit des Konzerns auszusprechen Uber s« mehr Siemens feine Macht ausdehnt, je umfangreicher sein« Fabrikations- tätigkeit wird,«n so mehr spielt die Verwaltung mit der Oefsent- lichkeit Versteck. Schon in früheren Jahren forderte dl« llndurchsichkigkeik der Gewinnrechnung vielfach zur Kritik heraus, und es war bekannt, daß auf den Bilanz Pressekonferenzen die Verwaltung allen wichtigeren Fragen auszu- weichen pflegte. Diesmal hat Siemens überhaupt kein« Presse. konferenz abgehalten, und Geschäftsbericht wie auch der Zdechnungs- abschluß sind geradezu ein Hohn auf jede öffentlich« Bericht. «rstattung. Die grundlegenden Abschlußzahlen der beiden Siemens-Gruppen sind bereits bekannt. Die Siemens u Halske A.«G. fetzt ihre Dividend« von 12 auf 14 Proz., und Siemens-Echuckert die Dividend« von S auf 10 Proz. herauf. Werdings wollen die ausgewiesenen Dividenden für die tatsächlich erzielten Gewinn« der- artiger Großunternehmen wie Siemens nur sehr wenig be- sage», denn diefe Ziffern stillen in den weitaus meistens Fällen nur ein Rechenexempel dar, das die Derwaltung nach ihrem Gut- dünken löst. Immerhin aber zeigt die Entwicklung der Aktionäre- gewinne der Arbeiterschaft, In welchem Maße das Unternehmen und seine Aktionäre von der guten Clektrokonjunktur der letzten Jahr« wie auch von der Rationalisierung profitiert haben, was auch von Siemens bisher immer abgestritten wurde. Bei Siemen« u. Halske und Siemens-Schuckert zusammen, die ja ein Unter- nehmen bilden, betrugen die an öle Aktionär» ausgezahlten Dividenden: im Jahre 1921/2? .. 1925 26, .. 1926 27, .. 1927 28. 10,8 Millionen Mark 167 21,7 24.7 Schon■ im Darfahre also hatten sich die Aktionärsgewinn« gegenüber 1924/25 mehr als oerdoppelt und weisen im Berichtsjahr eine weitere Zunahme von 3 Millionen auf. Roch weit schärfer aber stieg die Kurve der Aufsichtsratstantiemen. Bon 66 100 M. im Jahr« 1924/25 erhöhten sie sich über 298 000 M im folgenden, auf 414000 M. im Jahre 1926/27. Aür da» Berichts- jähr werden für die 16 Herren in den Aussichtsräten der beiden ,,�S»nzerngruppen niud 949000 HL ausgeworfen. Die Gewinnrech mmg ist so undurchsichtig, daß sie genaueren Einblick unmöglich macht. Was will es besagen, wenn Siemen» u. ch a l s k e einen Rah gewinn von 27L gegen 28,7 Millionen im Vorjahre ausweist, Siemens-Schuckert umgekehrt einen er» höhte» Rohgewiun von 35,2 gegen 21V Millionen, in denen weder die Fabrikatümsgewmne noch die Erträge aus Beteiii« gungeo und Zinsen angeführt werden und die gesamten Un- koston, ja sogar die Abschreibungen auf Maschine» und Fabrik eiurichturrgen vorweg abgebucht sind. Natürlich werden auch die Umsatzziffern wieder sorgfältig verschwiegen. Immerhin zeigt aber die Zahl der im Siemens- Konzern Beschäftigten, die im letzten Jahr einen Zuwachs von 2» 000 auf 130 000 erfahren hat, und die voll 182 auf 240 Millionen gestiegene Dohasllmme. daß Siemei« trotz der chochkonjunktur im Dorjahr« sein« Betriebs- tätigkeit im Berichtsjahr 1927/28 ganz bedeutend ausbauen konnte. Bei der immerhin bedeutenden Vermehrung der Belegschaften ist noch zu berücksichtigen, daß die Rational! sierungsmaßnohmen bei Siemens in großem Umfang Arbeitskräste ausgespart hat. und daß HÄ dem scharfen Antreibersystem, das in d«, Siemens-Betrujben gang und gäbe ist, durch Leistungssteigerungen se Kopf und Schicht die Umsätze in weit höherem Umfang gestiegen sein dürsten. Die günstige Baschästlgungslage muß auch der Bericht der Verwaltung anerkennen. Zwar wird über einen Auftragsrückgang bei der Reichsbahn und Reichspost geklagt und aus die fehlende Kapitalbildung bei diesen öffentlichen Betrieben bingewiesen— als ob Reichspost und Reichsbahn nur dafür da wäre», groß« Kapi- talien für Siemens-Aufträge anzuhäufen und nicht ihre Tätigkeit auf dos volkswirtschastlich« Gesamtinteressc abzustellen hätten—. doch konnte der Auftrugsausfall der Reichspost auf den anderen Gebieten größtenteils ausgeglichen werden. Im einzelnen führt der Siemens-ir-chalske-Gejchaftibericht aus, daß die Fabrikation der Photomatonmaschinen technisch vervollkommnet würde und bereits jetzt ein großer Auftrag auf diese Maschinen ausgeführt werde. In der Tonfllmproduktion scheint Siemens ein zukunfts- reiches Fabrikationsgebiet zu sehen. Auch der Geschäftsgang bei den wichtigsten Tochtergesellschaften und Beteiligungen, wie der Siemens-Bauunion, der Osram G. m. b. ch. und der Süddeutschen Siemens, Reiniger G. m. b. ch., hat sich durchweg in aufsteigender Linie bewegt. Die Startstrombetriebe bei Siemens-Schuckert verzeichnen gleichfalls ohne nähere Angaben bedeuteiche Umfatzsteigerung. die fast ausschließlich auf Inlandsaufträge entfällt. Besonders find die Auflräge«ruf Großkransformalocell im Berichtsfahr infolge des immer weiter fortschreitenden Zu- sammenschlusses auf dem Gebiete der Energieerzeugung wesent- lich gestiegen. Im Großmaschinenbau sind Projekte mit neuen technischen Rekordleistungen ausgeführt worden. Während von der chemischen Industrie des In- und Auslande» nennenswerte Aufträge hereinkamen, war die deutsche Ersen- und Stahlindustrie bei der Beschaffung von Neuanlagen sehr zurückhaltend. Nach seinen eigenen Angaben hat Siemens im letzten Jahre umfangreich« Neubauten, so den Bau des chochhauses für dos Schaltwerk und weitere große Neubauten ans Raummangel ausgeführt. dazu seinen umfangreichen Maschinenpark in wesentllchen Teilen ergänzt, obwohl die alten Anlagen»och keineswegs ab. genutzt waren. Da in der Bilanz aber weder die Abschreibungen aus die alten Anlagen noch der Wert des neu getauften Maschinen- parke angeführt sind, was lediglich bei den Neubauten geschah, so sehst auch hier die Uebersicht, in welchem Umfang« Siemens seine flüssigen Mittel in den Betrieb gesteckt hat. Wie im letzten Jahr, stehen auch diesmal in bellte» Konzern- bilanzen der gesamte Maschinenpark, Geräte und Werk- zeuge, mit ganzen 6 M.(!) zu Buch— jedes Konto ist aus 1 M. abgeschrieben, so daß allein in diesen Posten milllovellhohe Reserve» stecken und auch nennenswerte Gewinne darin verschwunden sein dürften, da sämtliche neue Maschinen gleichfalls aus 1 M. herunter- geschrieben wurden. Der Rückgang der Geldflüssigkeit ist einmal auf die intenstv« Bautätigkeit und zum anderen aus die Finanzierung der gesteigerten Umsatztätigkeit zurückzuführen. So gingen di« Bankguthaben bei chalske von 51,6 auf 27,4 Will. zurück, tauchen jedoch in den von rund 82 auf 104 gestiegenen Forderungen wieder auf. Die laufenden Schulden sind bei cholsk« um 11 auf 86 Will, angewachsen, ungleich höher da- gegen bei Schuckert, wo die Schulden von 117 auf 171 Mill. sich erhöhten. Allerdings sind hier Anzahlungen der Kundschaft mst rund 62 Mill. entHallen. Da andererseits die Forderungen bei Schuckert gleichfalls auf rund 178 Mill. und die Fabrikat« und Vorräte um 35 Mill. wuchsen, zeigt sich, daß der starke Rückgang der Geldflüspgkeit ausschließlich auf die Finanzierung der laufenden großen Aufträge zurückzuführen ist. Die beabsichtigte Kapitalserhöhung um 14 auf 105 Mill.»nd zugleich die Einforderung der Restanzahlungen auf die 6)4 pro- zentige Dolloranlerhe, mit denen dem Konzern etwa 36 Mill. flüssige Mittel zustießen werden, zeigt, daß Siemens sich für noch schwebende große Projekte flnanziell freie chand schaffen will. Zweifellos wird an dem weiteren Ausbau des Konzerns die schnell aufgeblüht« Tonfllmproduktion wesentlichen Anteil haben. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Siemens und mit ihm auch die anderen deutschen Elektra-Großtonzerne auch im letzten Betriebsjahr ein« Entwicklung durchgemacht haben, die der chochkonjunktur des Vorjahres in keiner Weise nachsteht. Ein schlechter Kauf. Ttener Krach zwischen Mebe und Nonns. Dk« schwedisch« Kugellagersabrik, die Z�?-Normatn Swtt- gart, ist mit dem Kauf der Weißenseer Ri«be-W«rke schön hereingesallen. Man erinnert sich noch, daß bei dem aufsehen- erregenden Werkspionageprozeß Norm« gegen Rieb« bzw. gegen den R-cbebeherrscher Richard Kahn di« streitenden Par- tei«i überraschend hinter den Kulissen sich einigten und di« Riebe- Werke für 7 Millionen in die stände von Normo übergingen. Man konnte sich domots von vornherein darüber klär sein, daß diese Summ« für di« 1,4 Millionen Nennwertaktstn von Rieb« «inen ganz enormen Ueberprels darstellte, den die Normo wohl auch mir aus dem Grund« gezahst hat, weil die Riebe-Werke in Weißens« als Außenseiter zur Kngellagerkonoention zu dem lästigsten Störenfried dar Kartellmitglieder gehörten. Jetzt wird bekannt, daß die neue Verwaltung, also di« Normo, sich gezwungen ficht, das R:ch-°Ka?ital in dem sehr scharfen Der- hällnis 5:1, also von 1,4 auf 0,28 Millionen zusammenzulegen. um di« bei dem Werk entstandenen schweren Verlust« zu til» gen. Di« Verluste für das Geschäftsjahr 1927 seien hauptsächlich dadurch entstanden, daß«in« Anzahl Abschlüsse zu absoluten Derlu st preisen gemacht wurden, nur um den Geschäftsum- fang der Gesellschaft ausspdchnen. Schr interessant aber ist. daß «in großer Teil dieser BerlusteschoninfrllherenZahren «uftanden ist. aber nicht bilanzmäßig ausgewiesen wurde. Die neuen Besitzer der Riebe-Werke haben min gegen Richard Kahn dos Kriegsbeil" wieder ausgegraben und den Kaufvertrag vom Schwer vorigen Jahres angefochten mit der Erklärung, unter irrigen Voraussetzungen den hoben Ueberprels gezahst zu haben. Man darf bei dem m Kürz« folgenden Prozeß wieder— wie schon in Stuttgart— auf sehr interessant« Enthüllungen gefaßt sein. Wesentlicher aber ist, daß durch die Mißwirtschaft bei Rieb« die Crnährungsbasis von fast 1000 Arbeitern und Angestellten gefährdet ist. Auch heute noch haben Belegschaften für Mänipula- tionen hinter den Kulissen und für Mißwirtschaft im Direktorium immer noch die Zeche zu bezahlen. Maschinen— Gam'enmg. Vor der Entscheidung bei Aartmann-Chemnih. DI« Derwaltung der Sächsischen Maschinenfabrik vorm.Richardstartmonn in Chemnitz hat jetzt, reichlich spät, ein« scharfe finanziell« Santerungsaktion des Unternehmens beschlossen. Nach dem Vorschlag der Verwaltung soll das Kapital der Gesellschaft, die eine Belegschaft von mehreren tausend Mann umfaßt, im Verhältnis 6: 1. also von IS auf 3 ML- lionen, zusammengelegt werben. Da dies« sehr scharfe Beschluß die' Aktionär« fünf Sechstel ihre» Aktienoermögens kostet, ist di« Opposition schr stark. so daß die Annahme der Berwaltungsbeschlüsse noch sehr fraglich ist. Auf der Generalossammlung in Ehemnitz bezeichnete der Vorsitzende den Lotomotiobau als den Haupt verkust träger. Seit vier Jahren liege der Betrieb vollkommen danieder, und da bei dem vorgesehenen Auftragsprogramm der Reichsbahn nur soviel Lokomotiven in Bau gegeben würden, daß noch nicht einmal ein einzig«« Werk wie chentschel In Kassel damit voll beschäftigt werden könnte, sei im Lokomotiobau mit weiteren schweren Verlusten zu rechnen. Die Derwaltung habe sich daher entschlossen, den Loko- wotivbau an Schwartzkopsf in Berlin abzutreten, da dl« Gesellschaft sonst zu einer Stillegung des Betriehes hätte schreiten müssen. j Weiterhin seien di« großen Spezialbetrieb« für Textilmaschinen j durch Modewechsel schwer getroffen worden, und auch die Verlegung dar Dresdener Betriebe zu den Chemnitzer Stammwerken hahe jrosje Summen erfordert. Wenn der Vorsitzende erklärte, daß Hartmann absichtlich mit der finanziellen Gesundungsoktion so lange gewartet Hab«, bis die industrielle und technische Rationalisierung durchgeführt sei, so ist diese Behauptung allerdings sehr angreifbar. Wiederholte Beispiele beweisen, daß durch fehlende aber verspätete finanzielle Sanierung— die natürlich immer mit Kapitalsopfern verbunden ist und darum gern umgangen wird—, die bereits vollzogene Betriebs- Umstellung sich als nutzlos erwiesen hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Aktionäre zu den Vor- schlagen der Verwaltung stellen werden und ob es dann möglich sein wird, das schon fest langem mst Verlust arbeitende Unternehmen wieder aus eine rentable Basis zu stellen. Arbeitsmarkt im Reich. Verlangsamtes Tempo der Arbeitslosigkeit. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter hat die Zahlder Arbeitslosen in der ersten Januarwoche westerhrn zu« genommen. Im Zusammenhang mit der scharfen F r o st- Periode hat die nach den Feiertagen durch Saijonschluß und durch die Inventuren alljährlich«intretende Geschäftsstill« zur weite- ren Verschlechterung beigetragen. Jedoch ist dt« Zahl der Arbells- losen in der Berlchkswoche nicht mehr tu dem gleichen Tempo wie tu den Dezemberwochea gestiegen. Die Beschäftigung im Ruhrbergbau hat sich fortlausend g« b« s s e r t. so daß ein Rückgang der Feierschichten zu verzeichnen ist. Auch in den anderen Steinkohlenrevieren ist die Lage günstig. Di« Bennittlungstätigkest in der Landwirtschaft hat sich gleichfalls belebt. Da infolge des scharfen Frostes auch die Notstands» arbeiten im Tiefbau eingestellt werden mußten, ist der Andrang von Arbeitslosen im Baugewerbe sehr groß. Den höchsten Zugang an Arbeitsuchenden w«ist im Maschinenbau, in dem sich der Konjunkturrückgang jetzt schärfer ausprägt, di« Landmaschinen- industrie, der Lokomotiv. und Waggonbau und die Fahrrodindustri« auf. Günstige Bericht« kommen aus der Kunstseide-. Jute- und der Papierindustrie. Im Bekleidungsgewerb« ist dagegen ein« neue Ab- fchwachung eingetreten, während die Spinnereien nicht einheitlichen Beschäftigungsgrad aufweisen. 10% Dividende Hamburger Hypothekenbank. Starke Ermäßigung der Unkosten. D«r erst« chypoth«kenbank-Abschluß für lg28'wirt». wie in den früheren Jahren, auch diesmal wieder von der ch y p o- thekenbank in Hamburg vorgelegt. Das Institut, dessen Abschluß«ine sehr günstig« Entwicklung zeigt, kann sein« D i v i» dende für 1928 von 8 auf 10 Prozent heraussetzen. Trotz d«r stärkeren Tätigtest im Netsgeschäft konnte durch die fortgeschritten« Abwicklung im Auswertungsgeschäst eme bemerkenswert« Ten- kung der Unkosten erzielt wert»«». In der Gowinnrechnung werben Hypothetenzinfen von 10/» gegen 6L Millionen im Vorjahr ausgewiesen, zu denen noch verschieden« Einnahmen van 0,79 Millionen treten. Gegenüber diesen stark erhöhten Erträgen konnten die Unkosten von 1,4 aus 1.2 Millionen verringert werden. Den gewachsenen Einnahmen an chypothekenzinsen stehen entsprechend erhöhte Zinsleistungen des Institut» für die umlausenden Pfand- bries« in Höhe von 8.0 gegen 5,1 Millionen gegenüber. Der au»- gewiesene Reingewinn von 1,2 Millionen übertrifft den des Vorjahre» umm«hrals40 Prozent. Di« Umsatzstetgerung der Bant wird in den Bilanzposten Gold- Hypotheken ersichtlich, die von 118V«ms 161>1 Millionen angewachsen sind nrid fast den fünffachen Umfang des Geschäfts von 1926 aufweisen. Aus der Gegenseite sind die chypotehetenpfandbries« gleichfalls von 107 auf rund 105 Millionen gestiegen und haben sich gegenüber 1926 gleichfalls veifünfsacht. Im Geschäftsbericht verteidigt die Dernmltung ihr vom Hamburger Senat abgelehntes An- gebot auf die Generalabfüidung, das eine Quotevon 1 7,2 Prozent vorsieht. Es wind betont, daß die Verhältnisse bei der cham- burger chypothskenbank wesentlich anders liegen als bei anderen Hypothekenbanken. Während bei diesem Institut sämtliche Bor- kriogspfandbrief« an der Aufwertung teilnehmen, weil kein« Kündigungen in der Änflationszeit stattfanden, ist bei anderen Institute» durch die erfolgten Kündigungen der Kreis der an der Masse Be« telligten auf Koste» der Ausgeschieden«« erheblich ein- geengt worden. Es sei erheblich gerechter, wenn aus j«de Mark der rund 570 Million«» betragenden Auswertungspfandbriefe eine Quote von 17,2 Prozent verteilt werbe, als wenn nach dem Der- fahre» anderer Banken auf 470 Millionen 20,6 Prozent oder gar auf 370 Millionen 26,2 Prozent ausgeschüttet würden, während andererseits di« Besitzer von 100 bzw. 200 Millionen Mark Pfandbriefen gänzlich leer ausgegangen wären. Dieser Standpunkt der Hamburger chypochekenbank erscheint un» im sozialen Interesse der durch di« Inflation enterbten Pfandbriefbesttzer der richtig« zu sein, wogegen der»am Hamburger Senat eingenommene Standpunkt nicht recht verständlich ist. Sturm gegen Warenhäuser. Ein Verband gegen die Waren- hau er ist von Einzelhändlern ins Leben gerufen worden. Di« erst» Versammlung dieses Reichsverbandes zur Bekämpfung her Waren- Käufer verlief sehr stürmisch. Anwesende Nationaljvzialisten ver« luchten, dem Ganzen einen antisemitischen Anstrich zu geben. Der Referent Neuseld griff besonder» die Houptgemeinschast des deutschen Einzelhandels stark an. die keineswegs die Interessen der kleinen Einzelhändler vertrete. In der sehr stürmischen Aussprache wurde auch die Ausdehnung des Kampfe» gegen dt« Konsumgenossenschaften und Beamteneinkaufs>Or» gonilationen gefordert. Ein Vertreter der W i r t s ch a f t s p a r tei wurde ausgepfiffen. Die einzig interessierend« Frage, wie sich di« Leiter dieser neuen Bewegung den Kampf gegen die Warenhäuser denken, wurde mit der Bemerkung abgetan, daß der Verband sein« Karten nicht vorzeitig aufdecken wolle. Neusahrshausse an der New V irker Börse. Di« Spekulanten o« der New Aorker Börse, die sin Laus« des letzten halben Jahres durch die ersten Tage des Januar Retordumsätze am Aktienmarkt, die km Tagesdurchschnitt aus 4.7 MiUimeen Stück gegen 2,7 Millionen Mitte Dezember stiegen. Im Verlaus der Hausse stieg der Durchschnittskurs der Jndustrieakiizn aus 175 Dollar und siegt daont um rund 45 Prozent höher als im Januar 1928. Vormarsch der freien Gewerkschasten. Zm Kampfe erstarkt. «tit End« 1S2S hodMi die freien Sewerkschastso um mehr ai*«ine Million Mitglieder gewonnen. Trotz der Verschlechterung der ÄrmjuNltur hat der Aufstieg der Gewerkschaften Äbn zweiten Halbjahr angehakten. Der Baugewerksbund rte im September 461$Sf2 Mitglieder gegen 443 520 Ende fluni Der M eta lla r b« i t e r o« r b a nd zählte im September 008 öS? Mitglieder gegen 881 78S End« Juni Lei den Holz- arb eitern lauten die entsprechenden Aisscm: September 312 CßS, Juni 307 422, bei den Gemeinde- und Staatsarbeitern: Ende September 250 868, Ende Juni 244 384, beim D« r t e h»« bunb: September 372560, Ende Juni 366 016, bei ben Eisen- bohnern: September 245 710, End« Juni 244028. Wird nun die Krise auf dem Ärbeitsmarkt, die mit dem Leginn des Winters eingesetzt hat, der Mitgliederbewezung gri izeren Abbruch tun? Nach den Erfahrungen der letzten Periode großer Massenarbeitslosigkeit ist damit zu rechnen, daß, sobald die Kiise überwunden ist, das Tempo der Mitgliederzunahme erneut an Wucht zunehmen wird. Di« Zeit der Arbeitslosigkeit ist er- fahrungsgemäß immer eine gute Schul- und Lernzeit für die Arbeiterschaft— trotz der Schimpfereien der Kommunisten. Der deutsche Ardeiter hat Grütze genug Im Kopf, mn zu versiehe». was die Gewerkschasten für ihn bedeuten. Er weiß, sie sind sein Rettungsanker. Der deutsche Arbeiter weiß, daß di« russische Arbeiterschaft mit zehn Fingern danach greifen würde, wenn sie für ihren Arbeitslosenschutz«wen Schutz nach dem Muster und dem Wert der dschchen Arbeitslosenschutz. bestimmungen in der Versicherung und in der Krisensürsorge ein- tauschen könnten. Der deutsche Arbeiter weih auch, daß bei der schwierigen Finanzlage de« Reiches jeder Erfolg der Gewerkschasten beim Kampf um den Ausbau des Arbeitslosenfchutzes doppalt und dreifach wiegt. Bei Massenbewegungen reifen die Früchte bestimmter Erkennt, j niste immer nerhSltnismäßig langsam. Di» SrkenntnstV, die d» deutsche Arbeiter aus den großen Lohnkämpfen des vergangenen Jahres zieht, werden, sobald stch di« wirtschaftlich«» Verhältnisie wieder etwas gebessert haben, den Gewerkschaftsaufftleg von neuem beflügeln. Der Arbeiter weiß den Clan der gewerkschaftlichen Vorstöße bei den Cohnfätnpsnt zu schätzen, wenn auch nur ein Teil der Wünsche und Erwartungen erfüllt werden konnte. Und auch dort, wo«in Lohnkamps unter Zähneknirschen abgebrochen werden mutzt« und bitteren Nach- geschmack hinterließ, würdigt der Arbeiter, wenn ihm das Spiel und die Kräftegruppiervng auf dem politischen und wirts chafttichcn Schachbrett ungeschminkt geschildert wird, sehr wohl die oft vor- teufelt schwierige Arbeit der Organisationen. Er versteht, daß auch in der Gewerkschaitspolitik wie ün Leben nun einmal nicht all« Rechenexempe! aufgehen und daß die gewerkschaftlich« Organi- sationskrast quantitativ und qualitotlo noch beträchtlich gesteigert «erden muß, wenn die 2lrbeiter'jchaft rascher vorwärts kommen will. Ist nicht das Heer der Unorganisierten, wie der Ruhrkampf gezeigt hat. noch immer erschreckend groß? Auch für di« deutschen freien Gewerkschaften muß di« Parole gelten, di« der amerikanische Gewerkschastsbund auf seinem letzten Kongreß mit Beifall aufgenommen hat. die Parole der Per- doppelung der Mitgllederzahi Wen» seder organi. sierte Arbeiter nur einen Unorganisierten gewinnen würde! Ist das ein so große« Kunststück? Jeder nur«ine»— und die freien Gewerkschaften könnten über iO Millionen Mitglieder muslern. Es müßte Ehrensache jede» einzelnen organi- jierton Arbeiters sein, binnen Jahresfrist nachzuweisen, daß er«inen bisher unorganisierten Arbeiter als Mitglied gewonnen Hai Also ran an die llnorganisiertenl Werbt Rekniten; denn neue große Kraftproben, noch größere al« die de« jüngsten Richr- kämpfe» kommen. Der Feind schläft nicht. Schiedsspruch für Mitieldeutschland. Vefcheistenc �Lohnerhöhungen. Hallo.& Januar.(Eigenbericht.) Nach neunstündigen Kammeroerhandlungen wegen Regelung der Lohnbedingungev in der milteldeulscheu Metallindustrie für die Torisgebiele Halle, Magdeburg, Anhalt und Dhole erging du Schiedsspruch, wonach die ZelllohnarbeUer Im Durchschnitt eine Cohnzulage wio 2 Pf. die Stunde erhalte». Zur das Tarif. gebiet Anhalt erhöht sich die Sonderzulage von 544 auf 7 Vf.?w Tarlsaedlet Halle beträgt die Sluudenzulage für Kormer. Kernmacher. Gußputzer. Sesselschmiede und die Hilfsarbeiter dieser Berufe 7 Vf., für Sesselrelolgcn und inner« Reparaturen 8 Vf. 3n den Tarifgebieten Anhalt and Halle beträgt öle J e t t lg keilszalage für über 20 Zahrx alle Facharbeiter 1 bis 11 Bf-- für angelernte Arbeiter 1 bis S Bf- für ungelernte Arbeiter 1 bis 5 Bf- die Stande. Ms Auslösung für Monteure im Tarstgeblet Anhalt wird von 6,50 ans 7 Mark erhöht. Zw Tarifzebid Halle betrügt die Auslösungsgreuze 1.40, 2,10 und 7 Mark, in Magdeburg 7 und 7,30 Mark. Diese Cohnregetang tritt mit dem 11 Januar 1929 In Kraft und kann erstmalig mit vierwöchiger Frist bis zum 15. Februar 1930 ge. kündigt«erden. Di« Bartcl.in erholten ein« Erklärnngsfrifl bis MUtwoch, de» 16. Zanuan__ � Seelenfäugerei. Ol« llnkernehmer als Erzieher. Dieindustriellegugeudyslegetst nach der Plekt, her Werksas-ndnschastspcopaganda die neu« Hoffnung de« Unternehmertum» bei ihrem Bestreben, stch einen von.ja- tztalistischer Verhetzung"' unberührt«, Arbeiterstamm hsranzuzishen. Der Kern dieser industriellen Jugendpflege ist di« Wert schul«. Sie besteht bereits bei verschieden«, größer«, industriellen Werken. Begründet wird ihre Existenz mit d« Notwendigkeit dar Heran- blldung des Facharbeiternachwuchses. Würde stch der Aufgabenkrei» der Wertschule» tatsächlich hieraus beschränken, so wäre alle» tn Ordnung, vor allem dann, wenn dem Betriebsrat ein Aufstchtsrecht emgeräumt würde. Da» Ziel der Werkschule ist aber viel weiter gesteckt„Die Werkschule muß', wie der Werkschuldirsttor Ingenieur Hans I onzen- Breslau schreibt,.chen in der Reifezeit befindlichen Jugendlichen mit etdt» scheu Lebenszielen erfüllen. Hie nmß in ihnen di« Er- kenntnisi« zu erwecken und zu vertiefen suchen, daß da« Maß der reltgiös-stttlichen Kräfte eine» Menschen seine Entwick- lung bestimmt....' Damit ist die Werkschule als Weltanschauungsschule g-:! emizeichnet. Die Werkschul«, sind o b l t- g a t o r i s ch für alle Lehrlinge de» Werke», so daß sich der Jugend- Lchs dem Schulbesuch nicht entziehen kann. Die Industriellen, die scheinbar über reichliche Mittel für solche Erziehuldgsaufgaben oerfügen. iial>en um die Werkschule herum ein ganze» S y st« m industrieller Jugendpflege gebaut. So versucht man Werksugandvereine zu grünien, deren Programm dem der evangelischen od«r katholischen Jünglings vereine ähnlich ist. Ferner sind Turn-, Spiel«. Wand er«. Ge- s a n g s- mtd Musikvsran staltungen, Eltern- o b e n d« usw. vorgesehen. Man will den Jugendlichen so aus- giedig wie möglich mit Vereinsmeierei beschäftigen und nach allen Regeln der Kunst zu einem Unternehmerknecht erziehen. Das Deutsche Institut für technische Arbeiteschulung(Dinta) hat der In- dustrte zu diesem Zweck ein« Reihe von Hilfsmitteln zur Verfügung gestellt, so z. V. eine Tafel, mit der sich der Lehrling seinen Ar- beitsplatz schmücken soll. Auf ihr steht:„Für morgen merke ß 24 Absatz 6 der Arbeiisordnungl' Die Zahlen sind auswechselbar. Ob man den Arbeitgebern«ine ähnliche Tafel ausgefertigt hat, die z. B. an die Inn ehaltung der L« h r l i n g s f chu tz b est im- münzen erinnert, ist bis jetzt nicht bekanntgeworden. Beachten«» wert ist, daß man die Einrichtung derartiger Werkschulen und Werkjugendvereine nicht nur auf die großen industriellen Werke be» schränkt: durch Zusammenfassung mittlerer industrieller Betriebe hat man bereit» gemeinsam« Werkschulen auf genosienschast- l icher Grundlage errichtet oder zur Vorbereitung solch« Schulen Werkschulveretnigungen gegründet. Di« industrielle Jugendpflege hat, wie man sieht, nur wenig mit der Heranbildung des Facharbeiternachwuchses, wohl aber sehr viel mit Seeljensängerei zu tun.„Rsligiöö.siitr!che� Er- ziehung im Dienst der Unternehmerinteresien ist ein Mißbrauch mit den reltgiSs-sittlicheu Ideen. Die sreiorganisier- ten Arbeiter haben dafür zu sorgen, daß die Werkschüler gleichzeitig MUgliSder der freien Gewerkfchaftssugend oder der Sozla'istifchen ArbÄterjugend werden: denn nur hier werden sie zu zuverlässigen Kämpfern de» um seine Freiheit vingenden Proletariats heran- gebildet. Im übrigen wird es an der Zeit, sich gegen diese Zwang«. erztehung energisch zur Wehr zu setzen. Unsere Jugend ist nicht dazu da. um für Seelenfänger als Derfuchskaririckel zu dienen. Zerstörte Llluflonen. Ein bekehrter Rvßlandfahrer. Berichte Wer Sowjetrußland sind zwar in Deutschland nichts Aktuelle» mehr, fesseln aber immer wieder, besonders wenn sie von Leuten gegeben werden, di» als überzeugte Partei» kommunlsten nach dem gelobten Land gingen und durch ihre. Erfahrung zu Gegner» dieser Diktatur über da» Proletariat wurden. Dos Mitglied des Verbandes der Rahrungsmittel, und Ge- tränksarbciter Eugen Haas«, Bäcker von Beruf und damals Wer- zsugtsr Parteikommunist fuhr zu Beginn des Jahres 1�26 als Backmeister nach Rostow im Dongebiet, um für eine russische Genosienschast ein« Bäckerei einzurichten. Es lockte ihn auch, das heutige Rußland kennenzulernen, war« doch tn einer russischen Provinz geboren, hatte russische Schulen besucht und bis zu seinem 19. Lebensjahr im früheren zaristischen Rußland gelebt. In der Fraktionsversammlung der Berliner Rahrungsmlttel- und Getränkearbeiter am Dienstag im.Palais des Zentrums' schildert« v nun Eindrücke, d'e er in Nußland während seines 17monatlgsn Aufenthalts gewonnen hat. Er hat nicht nur das Lebe», in Rosto« kennengelernt, sondern auch das in Moskau, Leningrad und anderen Orten, also jedenfalls von Rußland mehr gesehen, al» die der Landessprache nicht mächtige» Nutzland- delegierten. Was er in seinem mehr«zählenden Vortrag berichtete, war im allgemeinen nur die Bestätigung dessen, was die sozial- demokratische Presie bieh« üb» Sowjetruhland geschrieben hat. An der Gegenüberstellung der miserablen Löhne, die nach de» offiziellen Angaben für die russischen Industriearbeiter 1927/28 im Durchschnitt 121 M. im Monat betrugen, mit den Preisen der Lebensmittel und Bedarfsartikel zeigte er, daß der russische Arbeiter nur vegetiert. Es kann nur der bedürfnislose und genügsam« russische Arbeiter mit solch«, Löhnen existieren. Der westeuropäische Arbelier würde sich für solch ein Hundeleben bestens bedanken. Eine Bestätigung der von uns oft festgestellten Tatsach« waren auch di« Ausführungen über die Hunderttausend« von nomadisierenden, verwahrlosten Kindern und Wer die Wahlen, die alles andere als eine freie Willensäußerung der daran Teilnehmenden sind. In Rußland gilt nur der Parteimensch etwas. Er ist bei der Besetzung leitender Posten im Betrieb der einzige Anwärter; er hat bei Arbeitslosigkeit vor allen anderen Arbestern ein Vorrecht auf Arbsitsvermsttlung; er genießt alle mög- lichen Privilegien. Daß sich viele zur KPR. drängen und daß die Pari ei nicht so schnell jemand ausnimmt, ist daher leicht verständlich. Es wünscht kein russischer Arbsster die Zarenherrschaft oder das Regiment der Weißrussen zurück. Durchweg hört man aber äußern. daß auch da» Volk wirklich Mitbesttmmungsrechte b s- kommen müßt«. Die Regierung versteht es durch ihre Presse ausgezeichnet, jeden größeren Arbeitskamps in Westeuropa als den Beginn der Wektreoolution zu schildern und den Ar- bester so von einer Hoffnung in die andere zu wiegen. Genosse H a a s e schloß seine interessanten Aussübrungen mst der Bemerkung, daß auf beiden Selten der russischen Grenze manche Illusion zerrinnen würde, wenn es möglich wäre, recht viele deutsche Arbester nach Rußland und umgekehrt russijck-e Arbeiter nach Deutschland oder überhaupt nach Westeuropa zu schicken, um dort zu arbeiten. Schwerhörige und Qualitätsarbeit. Gleiche Bezahlung bei gleicher Leiflongf Es gibt kaum«in zweites körperliches Leiden, das so störend auf di« seelisch« Verfassung de» Menschen einwirkt, wi« die S ch w« r- Hörigkeit. Vermittelt uns doch das Gehör durch die Aufnahme der Sprache das Menschlichste im menschllchen Leben, den Umgang mit unser«, Mitmenschen. In den meisten Fällen tst die Schwerhörtgkest unheilbar, sie gebietet den von ihr Betrossanen, sich im persönlichen Verkehr die denkbor größten Einschränkungen aufzuerlegen. Das hät zur Folge» daß stch der Schwerhörige im Laufe der Zeit immer mehr, l ans bem gefekstg«, Leb« Rirückzlcht;«»«reknfamt, fa. e» Kikder sich sogar nicht selten eine gewisse Menschenscheu bei ihm heraus. Für die Arbester und Angestellte« ist das Leiden sin doppelt bitteres Los. weA es die Ausübung so manches Berufes erfchrvert. Trotzdem ist aber das Vorurteil, baß der schwerhörig- Arbeit« auf Grund seine» Gebrechen» schlechtweg ein qualitatst' minderwertiger Arbester sei. keineswegs berechtigt. Denn ge rads der schwerhörige Arbester ist— bedrückt durch se«, Leiden— ein durchau» pünktlich» und willig» Arbester: er findet in seinem Berufe di, beste Zerstreuung, weS ihm alle anderen Einwirkung«' auf das Gemüt, wie ein gutes Konzert. Theatevdarbietung irftr so gut wie vovlchlosien sind. Deshalb konzentriert der©chroertzötlir (eine Gedanken auf die ihn, übertragene Arbeit. Zudem hat die Erfahrung gelehrt, daß durch den teilweisen Verlust des Gehörs auch diegststigenFähigteiten meist mehr zu- als abnehmen D» schwerhörige Arbeit» stellt deshalb in fast alle« gewerblichen Berufen einen vollwertige» Arbeit» vor, und es wich ihm in der Regel seine Arbaitskrast auch nach den gleichen Lohnsätzen bezahl- wie dem gefunden Arbester. Ganz ander» verhält es sich jedoch tn den kaufmännischen Berufen: Saufleuten, Bureauangestellt«,, Fakiuristen, Ex pedienten ufm. Der schwerhörige Angestellte wird hier oft we-it geringer al» der normal hörend« Angeftellte bezahlt: selbst dann. wenn der Schwerhörige ein« an sich gualstativ« Arbeitsleistung ausführt. Nun fft« ja eine feststehende Tatsache, daß der größte Teil der Angestellten speziell auf«in gutes Gehör angewiesen ist. In kleinen kaufmännischen Unternehmungen kann dem schwerhörigen Angestellten infolge seine» Leidens die Ausübung seines Berufes sogar ganz unmöglich sein. In großen kaufmännische!, Unter nehmungen hingegen werden aber auch viele Angestellte ausschließlich im Innendienst befchäftigt. wobei das Gehör«ine nur untergeordnete Rolle spielt. So zum Beispiel d, der Warenabfertigung nach aus wärt?, tn der Propaganda- und Kvrrospondenzabteilung, in de, Kalkulation und Buchführung uff. In allen diesen Sparten kann aber auch der schwerhörige Angestellte«in« qualitative Arbeitskraft bieten, well gerade«r ein aufmerksamer und gewissenhafter Arbeiter ist. Aller vermetdlsth« und auch unvermeidliche Lärm bei der Arbeit kann ihn bei feinen Arbesten nicht stören. Deshalb sollt« es auch eine Selbswerstöndllchkest sein, daß dem qualifizierten schwerhörigen An- gestellten zum mindesten in den Beruissparten, in denen das Gehör keine besonder« Rolle spielt, seine Leistungen genau so bezahlt werden wi« dem normalhörenden Angestellten. Dafür Sorge zu trag«- tst nicht nur ein« gewerlschoftllch-kollegial«. sondern ein« rein menschliche Pflicht. Es gilt, dem qualstat« arbeitenden Schwer- hörigen über fein an und für sich schon seelifch niederdrückende» Leiden wesentlich hinwegzichelsent u H. Lezschwang. Was die llnkernehmer nicht sehen lassen. Wena die Gewerbeaufsicht kommt. Die Katastrophe ta her Schönleinstraße, die von der Rodiosirma Tiohki ausging, hat den Blick für ähnliche Menschen. fallen von Betrieben wenigstens unter den beteiliaten Arbeiterv selber etwa» geschärft. Die Menschen gewöhnen sich gar zu leicht an die Dinge, fdfcfi offenkundig« Mißstände werden bald wenige» mehr beachtet, di» einmal ein., Neuer-" darauf kommt oder erst durch einen Unglücksfall dt« Oeffentlichkett davon erfährt, in welch unzulänglicher Meise Arbeiter in Fabrikbetrieben untergebracht sind Hinterher heißt es:„Wo bleibt di» Gewerbeaufsicht?� Ganz ab e gesehen davon, daß der Gewtrbeäufsichtsapparat nock sebr unzureichend ist, wird die Gewerbeaufsicht von den Arbeitern vielfach übergangen und von den Unternehmern hinters Licht geführt Osfenkundtg» betriebliche Mißstände müssen den Gewerbeaufsicht�- ämtern angezeigt werden. Und wo der Unternehmer einen Gewerbe- aufsichtsdeamten belogen oder irregeführt hat, muß da» betreffend- Gewerdeaufsichtsam». unverzüglich darauf ausmerstam gemacht wert»«-- Für heut« zw« Betspiels dafür, wi« es gemacht wird daß bei Jnjpettioneo alles in Ordnung gefunden wird. Uober den Verrieb der Finna Artur Samulon, Wäschefabrik, Magazinstr. 18/17, wird an» mitgeteilt, daß hier außer in ander«, Räumen, im fünften Stock, tn Bodenräumen mit Dachluken etwa 100 Personen beschäftigt werden. Die Boden- räum« werden des einer Kontrolle nicht gezeigt. In diesen Räumen befindet stch die Abteilung für kunstfeiden» Wäscht Ungefähr 80 Arbesterstrnen platten mst Gasöls sn, wobei sehr leicht einmal ein« Erploston entstehen kann. Die an den Gasgeruch gewähnten Piästerimten tonnen irgendwo ausströmende» Ga» erst nach einiaer Zeit bemerken, womöglich«st dann, wenn es zu spät ist. Für die an 600 Personen stark« Arbeiterschaft steht nur ein« einzige Trepp« uir Verfügung- Di« Notausgänge sind Mst Eisenstangen ustd Tor- Hängeschlössern verspsrrt. Von der Firma Biuswauger. Jägerstr. 32. tm viert«' Stockwerk, wird uns folgendes berichtet: Die Finna befchäftigt 18 Lehrmädchen. Bei etaer Kontroll« müssen 10 Mädchen schleunigst noch dem Boden hinauf und sich solange verstecken, bis die Lust rew ist. Leider ist ein« durchgreitend« Ueberholung btx kleineren und mittleren BenrieMiätten technisch nicht durchführbar. Die Gewerbe- autflchtsämter müßten weiter stärker besetzt«erden, insbesondere mst Kontrolleuren aus den Reihen der Arbester und Angestellten. Die Maler für Invalidenversicherung. Di« Einführung der Jnoalitzenunterstützung ist im Malerverband durch Urabstimmung nunmehr end- gülltg beschlossene Sache. Abgegeben wurden insgesamt 16088 Stimmen: davon waren IS 806 gültig. Nach der Abrechnung für das dritte Quartal hatte der Verband 40 286 Vollmitglieder: es haben stch demnach 32,6 Proz. der Vollmitglieder an der Abstimmung be- teiligt. Von den 15806 gültigen Stimmen lauteten 0300(50.1 Proz.s auf Ja, 640?(40,9 Proz.) auf Nein. Die Vorlage ist danach, wi« zu erwarten war. mit Mehr Heu angenommen. Dcetllfer Tauzew-S-bl»», tbrnger«!!*«» v«M», Vatmpvt ba Slpfn SRiKjIicicroerrannttlur.a am 14. banuar, 17 Uhr. In be«„NesibenestilsäLa" Lanhsderga! Eir. ZI. iegesorbnung: l. Kertcng übet das Nranf-rfaTf«- Tef.-u. 2. gad-gtiivveaanatUgerireiicn. 3. tzerschieoene». atffcinon aller Roütg« ootjaenbia._ EU Aachgruppenleltun«. t�reie G ewerMaffs-Lugenv Groß»Berlin teantretaq, UM Uhr. fegen M»«cuopetu Südosten, fimnjnr. beim, Solchenbooger Str. Mrhaus>. Eüfceifin in aller. gWJie.— MoobU.©üjpnctibflm. etSfct Zugrndhcirn, Uitttt Sftcft» U/IS. tichtbilberrortrng:„S hütlngon'.— SScbbing EruvS.->-he» Stobt. Snctrbhe'm vrthür. 10. üotitagi.Ea» 2etrieitt:-.eef' Halsgrübchen und dann schnell auf die Bartmog« Ilexkylls. Von da kvmmr's mro mie«n milder Donner:.Es wird eintreten, mein Freund.'", rollt Uexkyll aus Z. zu..Ez besteht kein Zm-isol, mehr Lohn,., neue Wege müssen beschritten werde.nl Wir werden der Welt«in Beispiel von Opfermut und Menschlich- �est geben! Tod durch den Henker... Barbarei! Einsatz des Iebens im Dienst« der Forschung-,. ein« Pwräertat! Es besieht kein Zweifel! Li« depr«>mn: das Memelgebiet und dt« Randstaaten, einst ein Dorado lettener Hmttkrankhetten. stnd heut« hygienisch dem Westen nivelliert. Selbst die berühmten Oepragebiet« Lest- 'and» stob tm Nückgan�,!1»s«r Lepraheim, einst das Ziel zahl' reicher Forscher de» Äonttnents, beherbergt heut« nur noch 20 Kranke, meist ältere Füll«. Wir stehen nun vor der entscheidenden Frage: ist dt« Lepra lnfoky» Zbttoinrrwrm sation der Bevölkerung im ÄUs- sterben, ist der»genins epillemtou«" von sich aus stn Schwinden, oder wirken unser« Quarantänevorschrffte« und hygienischen Maß- nahmen Hrer kausal? Eigenbttttschutz oder Seife, da» ist hier die Frage! Mi! einem Wort, es gilt zu ermitteln, od ein gesunder Mensch unserer Nandstaaten heut» lepra»wmuO» ist. rr�g ich s edoch.* »Di« Regiening," servier! der Inspektor, der sich ftbergangon fühlt, jetzt Z. seinen offiziellen Auftrag, cht« Regierung stellt mm im Interesse der Forschung Ihnen anheiw. Ihr verfallenes Leben für die Msnfchhsst in bt* Schanze M schlage», voll und ganz einzusetzen.. „Werde ich anders hingerichtet?" fragt Z beklommen. Uaxkyll wird rot wie ein AanomnLfcheN'.»Unsinn! Torheit! Grade nicht, mein Freund! Das grade ist ja der Unterschied! Sie haben die ireie Wahl! Sie könne»»nein?" sagen? Sie können die Impfung mit Leprabazillen ablehnen, seve Impfung am Gesund«», di» wir brauchen, um Licht in dies« furchtbare Krancheit zu bringen I Der Tierversuch versagt hier; wir brauchen Menschanbbtt. ich meine mensckstsches Blut, artnahss Blut! Können Sie da»nein" sagen? Professor Pettenkofer strich sich Eholerabazillen aufs B'Uterbrot srnd ertränkte nicht. Es ist möglich, daß auch Sie nicht erkranken. Der Staat bietet Ihnen im Interesi« der Menschheit dies« letzt« außergewöhnlich« Ehance! Ich darf ohne Eitelkeit sagen, daß ich «s war, der diese Form der Begnadigung vor dem sicheren Henker«. bell empfahl. Können Di«.nein" jagen?" Der Delinquent gleicht einem Ertrunkenen, mit dem man künst- lich« Mederbelebungsversuch« mach!. »Kaum glaubhaft, nicht wahr?" dringt«> väterlich aus den Tiefen des Bartes..Und doch... hier der Eslaß! Uni hier Ihr« Vmvllligungserklätmng! S!« haben nur zn unterfchrelben!" • Z hat unterschrieben. Er ist wi» au» dem Wafler gezogew Wieder öffnet sich lang- sam di« Welt. Dantbarkett, Freud« und leise Fiwcht tanzen um ihn einen Wirbel. Zobdlll und dU anderen Wärter bettachten ihn mit Ächtung. Er ist ein kostbar« Exemplar. Er befindet sich jetzt im halboffenen Bau.«r hat dremiot täglich Hotausgang und best« Kost... muß zu dem Versuch körperlich ganz in Form fein. Endlich kommt der groß« Tag. Er wird von Zabdill uttd einem zweiten bewaffneten Wärter m dos Üeprainstitut geführt. Wie wird er wieder herauskommen? Professor Uextyll empfängt ihn mit Herzlichrett.»Nur Mut, 'mein Freund! Wir werden ganz neu« Weg« gehen!" Dann er» folgt dt« körperlich« Untersuchung und di« Blutentnahme. Zwischen her Ermittelung dss Blutbildes und der eigentlichen Imp-'u:7g ha! Z. in einem kleinen freundlichen Warterattl» Pilatz zu nehmen. Di« Wärter patrouilliere« im Gang. Z. schaut sich um. Zum erstenmal wieder in einem Zimmer mit«chtsgem Türen und Fenstern! Hinaus? Man wird ihn fanden. Er kann nicht sitzen. Nebenan hört er Stimmen. Instrumeiste ksirren auf Glas, dünnes klingendes Glas, ihn fröstelt. Sinnlos. Letz» sieht«r efv Lexikon.., S. Band»L— R*j was wollen dies« aufdringlichen Goldlettern JL—R*■•.«cmnn gerade»L"? Gedanke! Er lauscht, schaut um sich, greift de» Banfe, stellt cha«teder eine Begnadigung hin, hält den Ate>n, greift nochmals, blättert mff L... L«... „Lepra".,. richtig... da: .Man unievscheldet Knoienlepra und Nrrvenleprv... unter Fieber und derben Hautschwellungon entstehen wulstige Bildungen. Geschwüre, brandiger Zerfall... dl« Gesichtszüge sind nicht mehr zu erkennen. Hand- imd Fußmuskeln entarten, es kommt zu Ab toßungen einzelner Glieder(Strümpell)... fei« Krank- best führt nach etwa lst Iahren zum Tod«. Z. sitzt erstarrt. Er kann nicht einmal zittern. »Begnadigt!" kriecht's ihm den Rackru hinauf.»Zu Lepra begnadigt!" Auf einmal ist er togwach. Kampfbereit wie vor fem» Gewehr «ine» Gendarmen. Das Lexikon steht im Spind. Er tritt ans den Gang. Zabdill und der junge Wärter mit dem Karabiner lehnen a» der Treppe und debattieren über Wittw und Polen. • »Fertig" sagt Z. und tritt zwischen sie. Die beiden schauen ihn mit Ehrerbietung und stummem Grausen cm. Dann geht's zu dem geschlosienen Wagen der Stvafanstalt. Während der Fahrt rücken die Wärter auf weiteste» Abstand; sie iOQ ITUMiorwn Siürher in 3 Jahren ahgeselml ÜJiier dem Xstfll»Di« ersten 100 Millionen" hat d« awerl- binlfche Verleger G Häldeman-Iulius zu Girard w Kansas ein Buch oeräffeitüicht, in dem er einen Rückblick auf die ersten füpf Jahre seines llntorni-hmens wirft, w denen«s chm gel'Mgen ist, 100 Million«» Stück semer Ilniversal-BiSliochek abzuietzs». Tne tstitdeman-Bändchen, die sich w�genscheinllch die Reclam-Libstoth«? zirm Borbild genommen haben, sind Bücher in gleichförmigam blauen ilmschlag, zum Preis« von 6 und 10 Cents. Haldeman brachte zunächst honorarfrei« Klassiker heraus, dann aber stellt««r sich mehr und mehr auf den Lesestoff ein, den das PjiMifcnn ver- langie. Nach seinen Mitteilungen, die im Buchhändler-Börsenblalt wiedergegeben werden, finden vier Literaturgattungen bei der großen Masse des ernenlanifchen Lölkes die meist« Nochfraget in erster Linie Bücher phizsiologlsci�en und biolozjschen Jichatts, dann feie verwandt« Liadesliteratur, ferner Buckzer zur Selbsterziehung unfe solch«, die dem Frohsinn und dem Humor gewidmet sind. Unter den Käufern befanden sich 70 Prozent männlichen und 21 Prozent weiblichen Geschlechts. Ein Heft über»Geburtenkonttoll«" wird jährlich in 7d stst0 Exemplaren abgefetzt. Di«»Liebesbrief« eliw »oriugiesifchan Nonn«", ein tlassifches Werk der Weltliteratur, bringen es fährllch auf Kstst Exemplar«, imd von Ghaksfpeares Warken wird nicht etwa»Hamlet" oder»Lear", sondern die Liebe»- ttagödie»Romeo und Julia" am meisten gekauft. Zu den ,be»«- eelierä" gehören Bücher mit den Titeln„Wie verbessere Ich meine Konversation" unfe»W!« verbessere ich meinen Wortschatz". Selbst ein Buch mit dem Titel»W« bekämpft man Dummheit" findet jährlich 20000 Abnehmer, well die mit der Post emaehenfeen Be- stellungen in den meisten Fällen nach Nummer erfolg«» und sich der Käufer jo nicht schämt, dieses Buch zu fordern, da» et im Laden- geschäft wohl nicht verlangen würde, llwer den Werken religiösen Inhalte» werden am meisten solche der lreiidenksfische.n Richttmg verlangt; des großen Pflanzenzuchters Lucher Burbank Bekenntnis »Warum ich ein Ungläubiger bin" findet jährlich 64 000 Käufer. Bon deutscher Ltteratur erziele« fei« Werk« Nietzsche» den größten Absatz. Wenn ein Buch im Jahre nicht mindesten» tn 10000 Exemplaren an den Mann gebracht mild, dann kommt es zur Dchand- lirng in da».KxarcketlhaüZ" des Verlage». Unter den ISstst Nummer-,., fei« bisher erschienen sind, bedursten zahlreich« einer solch«;»38«- Handlung". Zunächst versucht man es mit der Aenderung des Titels. Während niemand Oskar Wildes»Gedichte" kauft«, belebte sich die, Nachfrage außerordentlich, al» sie unter der« Tttel»Das Haus einer j spsiren fei« Lepra schon unter der eigenen Hmtt. Schließlich svazj ZaSfeill:»Nun, fprichl" »Mich fuckt'S," meint Z. ruhig. «SckMerzen?" forjcht der Junge mtt dem Karabiner. »Mäßig. Die kommen erst," wirft A. hw..Wißt ihr, hätte ich'? nochnral zu tun... nie! Lieber oüfs Schafott!" Und nun beruhtet er den Befund des Lexikons, daß«r schon Steifheit und Slbgchtorbenfein der Glieder spüre, daß sein Gesicht ganz�fest werde. sein Blut»faulig zu riechen beginne"... unfe das Schlimmst«: jede Berührung..." Di- beifeen springeN auf, der Karabiner schlägt gegen feie Scheiben, sie wollen au? dem Wagen. Dach Z. steht jetzt an der Tür, warnt sie vor Berührung, ntexrnt vom Sitz fce# allen Wärter» den Mantel, befiehll Drücker trnfe Schlüssel, befiehlt fünf Minuten völliges Schweigen, fea er ihnen sonst»die Hand geben wende"; dann öffnet«r den Wagen, unfe wirst im Sprung den Schlag hinter sich ins Schloß. » Mittag in Riga. Z. verschwindet«r Munt«! und Mütze de» Wärter» in der Menge. Man fcchrtdet noch ihm. Wenn Z. wieder sestgenolmn«» ist, wird zn entscheide» sei». ob«r hinzurichten, oder gemäß schier Willigkeitserklärung zu Lepra zu begnadig es ist, oder ob zuerst«in« Bestrafung wegen Fluchtversuch» zu erfolgen hat. Buhlerin unfe anfee» Gedlch'.«" herauskamen. Die»Memoll«: der Madame Pompadour" gingen erst gut, al» sie unter dsm Tüel »Memoiren«in« französischen Konigsliebchens" erschienen. Für fei« Nummer»Dante und andere Klassiker" fand sich Interesse, o!» sie den Atel erhielt»Was man über die Klassiker wisien sollte", und von dem Roman.Golohaar" von Gautier werden statt 6000 öOststst Exemplare jährlich vertäust, seitdem das Buch»Die Suche nach einer blonden Geliebten" heißt. Bücher, fei« auch nach der Behandlung nicht gehen, müssen au» der Bibliochek»erschmünfe«, Marold Xtoyds Brille DU seltsamsten BersicherNngspolicen. feie jemals abgeschlossen wurden, sind von einigen Filmstars au» Hollywood gcnsmm«« wocd«,i. So hat Harald Lloyd das Original seiner berühmten Hornbrille, da» einen tatsächlichen Wert von etwa, zwei Schilling Hai, mit 100 000 Mar! verstcliert. Chaplins Original kleiduog, bar schäbig« Rock, die unförmigen Hasen, di« Riesenschuh«, der. zerbeult« Filzhut und das Stöckchen, denen er so viel von seiner Berühmt- heit verdankt, wurde kürzlich mit 200 000 M. versichert, als die Sachen auf«iner Ausstellung io New Tork gezeigt wurden. Di« ganze Ausstattung, für die man bei einem Händler mit alten Klek» Bern höä.sten» ein paar Murk bezahlen würde, wird gewöhnlich in«wer besonderen Stahlkammer bewahrt, die sich In Chaplins Melier befindet. Wie amerikanische Blätter berichten, haben sich bereits verschredenv Museen darum beworben, diese historischen Reliefen der Filmkunst, die so eng mst dem größten F-ilmdorsteller verknüpft sind, an einem Ehrenplatz ausstellen zu dürfen. Buster Keaton hat für«in« Kuh«ine Bersicherungspolire von ! 00 000 Dollar genommen. Es ist ew alles Wer, das rocht fiblafrig und unbedeutend aussieht und dessen Gesamtwert al» Mllch«rzeuger oder als Schlachlv'eh sich höchsten» auf Z00 M. bs> läuft. Der Filmstar kauft« eines Tages diese Kuh. well er sie für einen Film braucht«, und st« leistete ihm so vvrtreffiich« Dienst� daß er sie„Braunauge" taufte und für seinen größten Schatz er« klärte. Gr hat für„Braunauge" ein Fest w einem der erste« Hotel» von Los Angeles veranstalte, an dem verschiedene andere vierfüßjge Filmstar?, zwei berühmte Hund« und ew Affe, teil» nahmen. Ew kleines lstegsrkind, das in«wer Reihe von Filmlust- spielen großen Jubel hervorrief, wurde von dem Negffseur mit 200000 M. versichert, und eine europäisch» Aristokratin. die sich rühmt, die kleinsten Füße der Dell zu besitzen, begann ihr FÄn- debut in Hollywood damit, daß sie für diese Füße ewe Borst ch-- rungspollce von 100 000 Dollar uahm. Mari Anders: Wiegen und Wessen der Srde Gestall und Gewicht unseres Hennatplaneteu sind für uns nicht nur gewissermaßen von persönlichem Inferesse, sondern haben auch erheblich« wissenschaftliche Bedeuttrng, fo daß die Bestrel'Ungeu der Gelehrten nach Feststellung dieser Maß« rnife Gewichte verständlich sind. Ein ganz neuer Versuch, die Erdkruste zu wiegen, wird äugen- blicklich von dem amerikanischen Unterseeboot L. 21 gemacht, da sich ein derartiges Schiff besonders für Messungen der Schwerkraft auf dem Meere eignet. Wenn bisher derartige Gewichtsfeststellungen noch nicht vorgenommen wurden, so lag das daran, daß wir keiner- lei Mittel hatten, auf dem Meere Messungen vorzunehmen. Erst «in sinnreicher Apparat des Holländers Meinest von der holländischen Genfeetischen Kommission, der Dreipendel an Stell» d«i bisher gebräuchlichen Empendel beaicht, und der zum erstenmal vor wenigen Wochen auf holländischen Schissen verwendet wurde, hat hier 2lb- hilf« geschaffen. Das Gewicht der Erde«mrd« bereits mehrfach auf höchst eigen. artige Weif« festgestellt Schon w de» Jahren 177t— 1776 mochten hie beiden schottischen Gelehrt»» Maskelyn« unfe Hütt cm mehrfach Versuche, diese Frage zu lösen, indem sie am Berg Shehollew in Perthshire zmn erstenmal die mittlere Dichtigkeit der Erde durch Messung der Ablenkung des Pendsls bestimmten. Es ist selbstoer- ständlich, daß.man die Erde nicht auf ein« Wage legen kcma. um sie wie Zucker oder Mehl abzuwiegen, sondern es müssen allerhand vhyfikollsche Hilfsmittel dazu oerwendet werden. Erst Professor v. Iolly hat tatsächlich di« Erde zum erstenmal mit einer Wage ae» wogen, urtd zwar im Treppenhaus des Univmlüätsgebäsde» zu Münchsm Er befestigte zu diesem Zweck an beide Wagsch-cken s« «in« wellere Maofchale mit«nun ungefähr 20 Meter langen Metall. droht, denn er wollte feststellen, um wieviel schwerer eine Kugel tn der unteren Wagichale ist als in der oberen. Die untere Wagfchale war nämlich näher dem Erdmittelpunkt, so daß die Kugel, di« darauf lag, tn der unteren Wagfcha!« schwerer war alz in der oberen, weil sie von der Erde stärke? angezogen wurde» V.nen anderen Versuch mochten di» beiden Physiker Krigar-Menzs! und Rtcharz in der Zitadelle zu Spandau. Sie benutzten dabei einen Bleiblock von 100000 Kilogramm und pellten für die durchschnittlich« Dichte der Erdkugel den W«: von L/>S fest, woran« sich ein Gewicht der Erde von 8960 Trillionen Tonnen ergab. Steuere Berechnungen, di« eine durchschnittlich« Dicht« von etwas über 8 feststellten, erhöhte» da» Gewicht der Erde auf 6162,6 Trillionen Tonnen. Vielleicht werde« die neuen Untersuchungen des Holländers Meinetz auf dem swerikaniv scheu Unterseeboot S. 21, dl« nach der..Umschau" hauptsächlich da» Gewicht der Erdkruste beireffen, und zwar die Gewichtunterschiede der Erdkruste unter Wasser und unter Land, noch genauere Vestim» mungen des Erdgewichts ermöglichen. Ml« demrttgen Zahlen sind naturgemäß nur Annäl)«rungszahlen, und das Bestroden der Wissen. schaft geht dahin, diese Annäherungszahlen den wahren tatsächlichen BerhSltnissen möglichst anzupassen.« Auch übe? die Gestott der Erde sind neuerdings sehr wesentliche Feststellungen gerrosfen worden. Man weih schon lange, daß die Erde nicht eigentlich eine Kugel ist, sondern daß sie infolge ihrer Rotation die Form eines an den Polen abgeplatteten Roiatlons- «llipjoid» hat. Nach Elarke beträgt die Elüfemung von der Mitte de? Erde zu eweni Pol 685614 Kilometer und von de? Mitta der Erde noch einem Punkte des Aequators 637814 Kilometer. Die Abplattung ist also recht beträchtlich, denn der Polarlmlbmesser ist fast 32 Kilometer kleiner als der Aequatoriallialbmessir. Nach Besse! ist die Abplattung etwas geringer, denn sie verhÄt sich wi« 6356 zu 6377, beträgt also nur Ä Kilometer: In ssedenr Fall ab«! war man überzeugt, daß die Erde am Aeanaibr kreisförmig rft Amt Hobe« Feststellungen de« fimMndischen Professor? Heiskamin ergeben� dost auch der Aequator nicht ein Kreis ist, sondern eine Ellipse. Bisher. galt als durchfefmitrücher Wert dos Durchmessers des Aeguators die Groß« von 12786 Kilometer, da nach unserer obigen Mitteilung Elarke für den Aequatorialhakbmesser die Zahl noi, 637814 Kilometer festgestellt hatte. Nunmehr wird man nicht mehr von einem einzigen Wert de» Aequotordurcbmessers redev dürfen, da d»? Asquatsr kein Kreis ist Der größte Durchmesser des Aequator? verhält sich zum kleinsten nach den Feststellungen de» finnischen©«* lehrte» rund wie 12750 zu 12500. E» besteht also zwischen diese« beiden ein Größen unterschied von ungrsähr 500 Meter. Daraus kann man anfs genaueste dl« wahre Form der Erde auch am Asquator berechnen. Zugleich werden diese neuen Erkenntnisse Gelegenheit geben.auch für Inhalt und Gewicht der Erdmass» neu« Zahlen zu flndsr? Mengenabgabe vorbehalten Beginn 2. Januar Varkauf nur sowsll Vorrat LunwevsümrzeugZ ComposÄ, verscliied. FarbstelL, Stack Jetst•BT Pt SumverMüvze« f45 Indanthren, blan geanst od. kariert, Stück fetzt B ä in vers�üedenen Masiem, Stück Jetzt Gmitenvlewe« O95 in«Chanen AnRffthr_ blaa gf pnnkt, Stflekleist oBO Lewenwaven Stickerei� m■ M V UUSJ. O.•»Vßt U iXUIi- U. Tasdientüdier ig.....93 m. kLSchonheltnfeBlam. 6tek.|etst SB# Fi. jeUt W» e# 28.23.15 TosciientDdier fDr ütrreB.(rata Linon-QnnUt, Eealbeatiode_____ Stack Jetrt Cripe-Oewabe,%S B 1,35, Siatk Jet*» mttendecHen cjl 80/80 am......... Iraker RünstlerdruchdEcljen-f� z Hastar cjl ISO/UO cm, Iraker bl* 5,93, Steak JeUt Or Stut)enhan[Itllch2rss:QE Qnall tat« wäre, ca. 48/100 cm. abgenasst geeäaint nad gebindert..... früher bis 1,35. 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