BERLIN Donnerstag 10. Januar 1929 Der Abend Erfdeist täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. TOP Redaktion undErredition: Berlin SW 68, Lindenfr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 16 B 8 46. Jahrgang. 66 unzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezcils 80 Bf., Reflamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bokfchedkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Grippe und Bettennot. Wo bleibt die vorausschauende Krankenhausbaupolitik? der erforderlichen Summen im unflaren zu sein. Die für diese 3wede im außerordentlichen Haushalt benötigten Summen, die man auf einige, aber nur wenige Jahre verteilen fönnte, stellen eine dreistellige Millionenziffer bar. Da wird nun mancher PseudoFinanzwirtschaftler einwenden, in der heutigen Zeit dürften so hohe Investierungen nur produktiven Zweden"( in flingender Münze Ertrag abwerfenden Zwecken!) zugewendet werden. Das ist aber ein in seiner Auswirkung ganz gefährlicher Einwand und deshalb sei hierzu noch einiges gesagt. Die Grippe, die bedauerlicherweise seit einiger Zeit Berlin| Berfügung gestellt wird. Es hat feinen 3wed, sich über die Höhe heimsucht, ist, wie es eben dem Wesen epidemischer Krankheiten nun einmal entspricht, ziemlich plötzlich aufgetreten. Man fann aber nicht behaupten, fie sei etwa unerwartet gekommen. Man muß bei dem heutigen Stande medizinischer Erkenntnis damit rechnen, daß Infektionsfrankheiten wie die Grippe von, Zeit zu Zeit als ungebetene Gäste sich einstellen und den Menschen gefährlich werden. Ja, man muß sich sogar( und das sei besonders hervorge hoben) darauf gefaßt machen, daß gelegentlich auch einmal viel schwerere und viel weiter ausgebreitete Epidemien als die jetzt herrschende Grippe die Bevölferung befallen. Darauf muß man sich rechtzeitig einrichten! Berlin ist aber nicht genügend gewapp net, um selbst der jetzt herrschenden Grippe, die im epidemiologi schen Sinne nur als verhältnismäßig leichte Seuche bezeichnet merden kann, mit der erforderlichen Bereitschaft entgegenzutreten. Das follte ernstlichst zu denken geben. ..Der Krankenhausbettenmangel in Berlin ist so groß, daß er fich zu Zeiten des Auftretens von Epidemien beträchtlicheren Umfangs als bedrohlich erweisen könne," dieje Auffaffung wurde schon vor Monaten im Vorwärts" vertreten. Sie hat durch die jetzige Grippeepidemie eine Bestätigung gefunden, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Man fann sich auch nicht auf den Standpunkt stellen, etwa aus finanziellen Gründen ließen sich eben Krantenhausbetten in bedeutender Zahl nicht schaffen. Angesichts des trassen Notstandes, wie er auf dem Gebiete des Krankenhauswesens vorhanden ist, gilt es vielmehr, die Frage der Rangfolge der finanziellen Leistungen für die verschiedenen Gebiete der kommunalen Arbeit auf das eingehendste nachzuprüfen. Man muß sich davor hüten, im Hinblick auf die jetzige Bettennot gewisse Begleiterscheinungen in ihrer Bedeutung zu überschäßen. Auch dann, wenn es sich um Begleiterscheinungen handelt, die eines besonderen Interesses nicht entbehren. Ist es doch ein offenes Geheimnis, daß die jetzige Bettennot deshalb noch über Gebühr gesteigert worden ist, weil in auffallend großer Zahl Krantenhauseinweisungen von Hausangestellten beantragt wurden, wobei es sich sehr häufig um typische leichte Fälle" handelte. Biele Hausangestellte traten den Weg nach dem Krankenhaus vergeblich an. Ihre Aufnahme wurde verweigert und sie fehrten nach ihrer Wohnung zurück. Jedenfalls geht es nicht an, solche bettlägerige Hausangestellte, die bei der erforderlichen Rücksichtnahme auf die Interessen der Gesamtbevölkerung ohne ernstliche medizinische Bedenten auch in den Haushaltungen einige Zeitlang betreut merden fönnen, gewiffermaßen vorweg in die Krankenhäuser zu überführen, während schwerere Kranke, die in Zimmern wohnen, von denen jedes momöglich 5, 6, 7 und mehr Menschen beherbergt", und ihre Mitmenschen viel stärfer gefährden, zurüdstehen müssen. Bielleicht tut man gut, den Krantenhausaufnahmedienst fünftig dadurch rationeller zu gestalten, daß man zumindest in Epidemiezeiten nach dem in Amsterdam geübten Berfahren, besondere Aufnahmevertrauensärzte mit den städtischen Krankenautomobilen mitfahren läßt. Ferner wird es sich empfehlen, die jetzt etwas weiter in den Vordergrund gerüdte Frage Schulen als Notfrankenhäuser" mit einer gewiffen Zurückhaltung zu betrachten. Lehren doch die Er fahrungen aus der Geschichte der Seuchenbekämpfung, daß die Sterblichkeit derjenigen Patienten, die in überstürzt und behelfs. mäßig eingerichteten Notfrankenhäusern( wie z. B. in den Schulen) untergebracht werden, durchschnittlich erheblich höher ist als derjenigen Kranten, die in den allgemeinen Krankenhäusern, insbesondere auf den hygienisch einwandfrei eingerichteten Seuchenabteilungen liegen. Eine Schule läßt sich nicht von heute zu morgen als Notfrankenhaus einrichten. Das Problem der Bettennot darf schließlich nicht nur in Rücksicht auf die Möglichkeit der Ausbreitung von Infeftionsfrankheiten betrachtet werden. Auch für zahlreiche andere Gruppen von Kranfen ist, wie dies im Vorwärts" schon wiederholt betont worden ist, nicht genügend gesorgt. Die vermeidbaren Säuglingstodesfälle belaufen fich in Berlin( darüber foll später noch ausführlicher berichtet merden) unwidersprochen! auf jährlich 1500. Wir brauchen nicht nur allgemeine städe tische Krantenhäuser, sondern auch Mütter und Säuglingsheime! Die schleunige Berselbständigung der Rinderkrantenabteilungen in den allgemeinen Krankenhäusern ist dringend erforderlich. Wir brauchen ein modernes Kinderfrankenhaus, eine Forderung, die der frühere Berliner Stadtmedizinalrat Dr. Robnom erst vor kurzem wieder dringend mahnend erhoben hat. Wir brauchen eine vorausschauende, planmäßige, attive Krankenhauspolitit! Diefe tann mir getrieben werden, wenn das notwendige Geld zur Das Wort„ produktiv", das nur allzu oft als ein schlagwortähnliches Gebilde angesehen wird, charakterisiert Eigenschaften, die feineswegs nur vom Standpunkte der Warenökonomie, sondern auch vom Standpuntte der Menschenötonomie zu be urteilen find. Die Hergabe bedeutender Mittel zur 2ö. fung umfassender hygienisch medizinischer Aufgaben stellt vom Standpunkt der Menschenökonomie und unter dem Gesichtspunkt einer rationellen Finanzwirtschaft sogar eine in höchstem Maße produttive Anlage dar. Dafür zu sorgen, daß eine folche zum Nutzen der Bevölkerung in beträchtlichem Umfange erfolgt, dürfte auf dem Gebiete des Berliner fommunalen Gesundheitswesens vielleicht die wichtigste Angelegenheit fein, die es zu betreiben und durchzusetzen gilt. Dr. med. Alfred Korach. In Berlin heute 16 Grad Kälte Kälte in Europa- Hike in Auftralien. Das umfangreiche Hochdrudgebiet, das uns augenblicklich das zwar falte, aber doch heitere, wolkenlose Wetter beschert hat, wird voraussichtlich noch anhalten. In Berlin wurden 12 Grad, in den Außenbezirken 16 Grad Kälte gemeffen. Aus Schlesien werden Temperaturen von Minus 18 Grad, aus Ostpreußen Minus 16 bis 19 Grad gemeldet. Eine weitere erhebliche Zunahme der Kälte ist faum zu erwarten. Auch aus anderen Gebieten Europas wird ebenfalls eine erhebliche Steigerung der Kälte gemeldet. In ganz Oberitalien herrscht feit einigen Tagen eine ungewöhnliche Rälte von durchschnittlich 3ehn Gradunter Null. Aus verschiedenen italienischen Städten werden Todesfälle durch Erfrieren gemeldet. Auch aus Umbrien wird ein ft arfer Temperatursturz berichtet. In Triest führte die außerordentlich heftige Bora zu einer Verkehrsstockung auf den Straßen. Der Autoverkehr mußte eingestellt werden. In Obrovo wurde ein Lastwagen vom Schnee verschüttet. Aus den Dolomiten wird eine Kälte von 25 Grad unter Null gemeldet. Die Alpenseen und Wasserfälle der Dolomiten sind eingefroren. Wie aus Athen gemeldet wird, herrscht in ganz Griechenland eine außerordentlich strenge Kälte. Besonders in Mazedonien sind sehr starte Schneefälle zu verzeichnen. Sydney, 10. Januar. Technik beim Schaffner on Buſchbränden in der Umgebung der Stadt verAFC Die Berliner Straßenbahnschaffner werden nach und nach mit selbstätigen Jahrscheindruckern ausgestaltet, die das lang wierige..Cochen überflüssig machen sollen. Unsere Bilder zeigen oben einen Schaffner mit der neuen Maschine, unten den Apparat in entsprechender Vergrößerung. Die gegenwärtig herrschende furchtbare hize hat eine Anzahl anlaßt. Ein mehrere Stück Geflügel fielen den Bränden zum Opfer. In Liverpool( Neusüdwales) geriet das vormalige deutsche Kriegsgefangenenlager in Brand. Die Familien von zwei Soldaten, die in dem Lager wohnten, wurden durch Ravalleristen gerettet, die auf ihren Pferden durch die Flammen jagten und zwei Frauen und vier Kinder nahezu unverletzt in Sicherheit brachten. Feuer in Neukölln. Mit der Bekämpfung eines gefährlichen Feuers war heute früh die Feuerwehr längere Zeit in der Bergstraße 102 zu Neukölln beschäftigt. Aus noch unbekannter Ursache war dort in einer Tischlerei der Sammeltrichter, in dem sich größere Mengen Späne befanden, in Brand geraten. Die starte Qualmentwicklung erschwerte die Löschaktion, doch gelang es, durch starkes Wassergeben den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Politischer Mord in Merifo. Ein Unterstaatssekretär und zwei seiner Freunde getötet. Megito, 10. Januar. Der Unterstaatssekretär für Aderbau, Dr. Parnes, der für den Gouverneurposten im Staate Hidalgo fandidierte, wurde in Atotonilco el alto bei einem Zusammenstoß mit politischen Gegnern ge. tötet. Auch zwei seiner Anhänger kamen dabei ums Leben. Alle Parteien aufgelöst! Die Säbeldiftatur in Südflawien. Belgrad, 10. Januar. Wie die Prawda" erfährt, sind sämtliche politi schen Parteien auf Grund des 1. und 3. Artikels des neuen Gesetzes zum Schute des Staates als aufgelöst zu betrachten. Nach einer anderen Auffassung sind nur die Partei der bosnischen Muselmanen und die Slowenische Volkspartei wegen ihres religiösen Charakters, ferner die Kroatische Bauernpartei sowie die ungarische und die deutsche Partei wegen ihres nationalen Charakters als aufgelöst zu betrachten. Wie verlautet, wollen Spaho unter dem Namen Jugoslawische Volks. prtei und Koroschek unter dem Namen Volkspartei eine neue Partei gründen, doch verspricht man sich von diesen angeblichen Versuchen nicht viel Erfolg, weil auf Grund des Gesetzes zum Schute des Staates neue Parteien nur mit oberster Bewilligung gegründet werden können. Wird die zu gründende Partei innerhalb eines Monats nicht bewilligt, so ist dies mit einer abschlägigen Erledigung gleichbedeutend. Flugzeugunglück bei Wangeroog. Fünf Personen verletzt. Wilhelmshaven, 10. Januar.( Eigenbericht.) ein schmeres Flugzeugunglüd hat sich in den letzten Tagen, wie cft heute bekannt wird, auf der 3njel Wangerooge ereignet. Dort hatte ein Junters- Flugzeug der Seeflug- Berfuchsanstalt Nordernen eine Zwischenlandung gemacht. Als die mit 5 Personen befehte Maschine gerade wieder gestartet war, geriet fie in eine Fallbö, stürzte ab und zerschellte an der Deichkante. Die 5 Personen wurden verletzt. Der Pilot, der Kapitänleutnant a. D. von Trescow wurde wegen seiner schweren Kopf- und Beinverlegun. gen sofort in ein Krankenhaus übergeführt. Eisenbahnkatastrophe bei Prag. 3wei Zote 14 Berlegte. Prag, 10. Januar. estern um 11 Uhr nachts ist der Personenzug nr. 809 in der Station Liffa a d. Elbe auf den in die Station einfahrenden Caftzug Nr. 2087 aufgefahren. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei Eisenbahnangestellte getötet; vierzehn Bersonen verlegt. Der Berkehr wird auf Hilfsstrecken aufrechterhalten. Das Unglüd wurde dadurch verursacht, daß das Personal des Personenzuges bei dem herrschenden sehr dichten Nebel das auf Halt stehende Signal beim Zugmeldeposten überfah und infolgedeffen über das Signal hinausfuhr. Es wird weiter geflogen! Pilotenschule rechts und links. Offizielles Bulletin der Roten Fahne": Am Sonntag fanden in allen Unterbezirken des Ruhrgebietes Barteiarbeiterkonferenzen statt. Es nahmen 806 aftive Parteiarbeiter daran teil. Von diesen stimmten 752 für die Linie des 3K. und der Erefutive, fast 94 Proz der Teilnehmer, 41 dagegen und 12 Genossen enthielten sich der Stimme. Die Bezirks leitung Niederrhein hat den Ausschluß der Führer der Brandlerfraktion im Bezirt, E. Beder und W. Rautenbach Solingen, Lubinsti und Reime Düsseldorf, wegen fortgefeßter parteifeindlicher rechter Fraktionsarbeit beschlossen. # Die Bezirksleitung der KPD. Erzgebirge- Bogtland beschloß, daß das Auftreten von Referenten und Korreferenten, die nicht auf dem Boden der Beschlüsse des 4. RGI.- und 6. Weltfongresses und des Offenen Briefes des EKKI. stehen, unstatthaft ist, daß Beschlüsse solcher Zellen, in denen rechte Liquidatoren und Ausgeschlossene auftreten, teine Geltung haben, und daß drittens Delegierte von Zellen, in denen Ausgeschlossene zugelassen oder als Mitglieder meitergeführt werden, nicht anerkannt werden. # Der Borstand der Deutsch nationalen in Hamburg teilt mit, daß er sich stramm hinter Hugenberg stelle und den früheren Kreisgefchäftsführer Pfarrer Becker aus der Partei ausgefchloffen habe. ,, Ein deutsches Erfinderschicksal." Zu unserer unter dieser Ueberschrift gebrachten Schilderung im Abend" vom 28. Dezember 1928 senden uns die Ernst. Seintel Flugzeugwerte eine längere Zuschrift, die wir infomeit abbruden, als sie sich auf unsere Angaben bezieht. Die Ernst- Heinkel- Flugzeugwerke schreiben: 1. Unrichtig ist, daß Herr Dr.- Ing. Ernst Heinkel den ehemaligen Angestellten der Ernst- Heinkel- lugzeugwerfe G. m. b. 5., Herrn Felix W. A. Knoll, mit 3ivilprozessen und Hochper ratsantlagen" verfolgt hat. Richtig ist vielmehr, daß Knoll, mährend er noch in den Diensten der Ernst- Heinkel- Flugzeugmerte G. m. b. H. stand, am 22. April 1927 ohne Wissen und Zutun der Ernst- Heinkel- Flugzeugwerfe G. m. b. 5. oder des Herrn Dr.- Ing. Ernst Heinkel in Hamburg verhaftet murde, als er nach Amerika auswandern wollte. 2. Unrichtig ist es, daß Herr Dr.- Ing. Ernst Heinkel den Herrn Knoll wegen seiner Herkunft oder weil dieser fein afademisch vorgebildeter Ingenieur ist, mißachtet hat. Richtig ist viel mehr, daß Herrn Knoll im Projektenbureau der Ernst- HeinkelFlugzeugwerfe eine maßgebliche Stelle eingeräumt morden ist. Am 8. April 1927 teilte Knoll den Heinkel- Flugzeugwerfen mit, daß er megen hochgradiger Nervosität seinen Dienst nicht mehr versehen könne. Obwohl das Bertragsverhältnis fortbestand, bereitete Knoll dann seine lebersiedlung nach Amerita vor, welche vierzehn Tage später durch seine Verhaftung unmöglich gemacht wurde. 3. Unrichtig ist Ihre Behauptung, daß die Ernst- HeinkelFlugzeugwerfe den Sieg im Seeflugzeugwettbewerb 1926 den Leistungen des Herrn Knoll verdanken. Richtig ist vielmehr, daß die bekannte Type H. E. 5 das Ergebnis einer Entwicklungsreihe gewesen ist, welche auf dem von Herrn Dr.- Ing. Ernst Heinkel während des Krieges tonstruierten Hanja- Brandenburg- Eindecker fußte. Herr Knoll ist erst am 1. Mai 1925 bei den Heinkel- Flugzeugwerfen eingetreten und hat dort nur nach Anleitung und unter Aufsicht von Herrn Dr.- Ing. Heinkel gearbeitet. Selbständige Berechnungen hat Herr Knoll nur für Stahlkonstruktionen durch geführt. Die Angabe, daß die Hochperratsanflage die ja eingestellt worden ist und die Verhaftung Felix Knolls nicht auf Betreiben von Herrn Heinkel erfolgt ist, nehmen wir zur Kenntnis; diese Feststellung vermag jedoch den Kern unserer Ausführungen nicht zu berühren. Felig Knoll hat sich auf Grund des eigenartigen Verhaltens von Herrn Heinkel um die Früchte seiner Arbeit und um die ihm vertraglich zugesicherten Rechte betrogen gefühlt. Seine bis fast zum Bulammenbruch gehende„ Nervosität" war das Ergebnis der Ausnugung seiner Arbeitskraft in Berbindung mit der Behandlung bei der Firma, die sich nach dem Ausscheiden Knolls durch Ausstellung unbrauchbarer und gefeßlich unzulässiger Zeugnisse, durch schlechte Auskünfte usw. fortsegte, obwohl die Firma der Knollschen Konstruktionsarbeit sowohl für den Seeflugwettbewerb wie auch sonst sehr viel mehr verdankt, als Herr Heinkel zuzugeben geneigt ist. Wer in diesem Punkte alle Einzelheiten fennt, der macht sich über die Leistungsverteilung zwischen dem Leiter der Heinkel- Flugzeugwerte und seiner angestellten Konstrukteure ein anderes Bild als aus den Darstellungen der Firma. Es besteht für uns fein Anlaß, die Ein zelheiten der sonstigen Beschuldigungen, Anzeigen und Prozesse zu er örtern, bei denen Behauptung gegen Behauptung steht. Jedenfalls bekommt man aus den sehr genau präzisierten Darstellungen Knolls, the auch vor dem Reichsgericht nicht entträftet werden konnten, ine völlig andere Auffassung als durch die Gegenseite. Und da uns moll seit Jahren als ein durch und durch anständiger und aufTrödelladen auf der Radolzburg. Wie mit kostbaren Altertümern umgegangen wurde. Fürth, 10. Januar. Zu Beginn des heutigen dritten Berhandlungstages im Radolzburger Bilderraubprozeß wurde der Nürnberger Architett Dr. Ragel vernommen, der sich seit 1908 mit der Schöpfung eines Nürnberger Dentmalardins beschäftigt und im Jahre 1926 bei dieser Arbeit die Bilder der Kadolzburg entdeckt hat. Mit Emphase erklärte Dr. Nagel, daß er sich dem Gutachten des Prof. Dr. Schulz, wonach die Bilder nur geringen Wert hätten, nicht anschließen könne. Er habe damals auf Grund von Vergleichen mit einem in Bremen befindlichen Gemälde die Vermutung gehabt, daß es sich bei den Vorderbildern der beiden Tafeln um Frühmerte Dürers handele, während die auf der Rückwand befindlichen Blder auf Goldgrund minderwertig seien. Gelegentlich einer Geschäftsreise nach Berlin im Jahre 1927 sei er bei Major a. D. Demmer, der jetzt als Kunsthändler tätig ist, mit Mayer bekannt geworden und habe diesem im Laufe eines Gesprächs von Kunst bingen auch zwei Photographien der Kadolzburger Bilder gezeigt. Auf Mayers Frage, ob sie verfäuflich seen, habe er auf die zweifelhaften Besitzverhältnisse hingewiesen. Nach einiger Zeit sei Mayer nach Nürnberg gekommen, um ihn wieder über den Verkauf der Kadolzburger Bilder zu befragen. Darauf sei er schließlich mit ihm nach der Kabolzburg gefahren, wo aber der Pfarrer den Berkauf rundweg abgelehnt habe. Auch Major Kasperletheater der KPD. STINK BOMBE in Frankfurt a. M., Riel, Berlin. Wie Stalin befehlen!" 疤 W richtiger Charakter befannt ist, haben wir nach wie vor nicht den mindesten Anlaß, seine Glaubwürdigkeit anzuzweifeln. Für die Deffentlichkeit hat der Fall nur insoweit Intereffe, als er typisch ist für die Behandlung von begabten Außenseitern" im deutschen Luftfahrwesen und ihre Abdrängung ins Ausland, und in dieser Beziehung gibt es leider nichts zu berichtigen. Die unbekannte Tote. Das Mädchen, das am Neujahrstage im Grunewald tot aufgefunden wurde, ist immer noch unbefanni. Man glaubt aber jetzt eine Spur gefunden zu haben, die vielleicht zur Feststellung der Persön lichkeit führt. Ein arbeitsloser Mann, der sich die Leiche im Charlottenburger Schauhause angesehen hat, glaubt in der Toten be ſtimmt ein Mädchen zu erkennen, das er gelegentlich auf der Fürsorgestelle gesehen hat. Es ist dort, wie er fagt, nicht regelmäßig, sondern nur hin und wieder zur Entgegennahme von Unterstützungen erschienen. Der Mann hat die Unbekannte auch wiederholt in den Straßen Charlottenburgs gesehen. Wer fie nun aber ist und wo sie gewohnt hat, weiß auch er nicht. Es scheint sich um ein Mädchen zu handeln, das irgendwo in Stellung gewesen sein mag und seit einiger Zeit arbeitslos war. Auch von dem Gastwirt Fröhlich, dessen ungeklärter Tod Gestern hat ein Arbeiter der Nordsüdbahn bei der Kriminalpolizei noch die Kriminalpolizei beschäftigt, ist eine neue Spur gefunden. einen Rudjad abgegeben. Er wurde als der festgestellt, den Fröhlich von Hause mitgenommen hat, als er angeblich die Markthalle aussuchen wollte. Der Mann hat ihn am 4. Januar vormittags um 10 Uhr, als er von der Nachtschicht nach Hause radelte, am Eingang einer Bedürfnisanstalt in der Nähe des Fundortes der Leiche gang einer Bedürfnisanstalt in der Nähe des Fundortes der Leiche liegen sehen und mitgenommen. 2018 in seiner Wohnung Sigismundshof 22 aut dem Heute früh gegen 28 Uhr wurde der 21jährige Student Kurt Fußboden liegend leblos aufgefunden Der Hahn der Gaslampe stand weit offen Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor; das Motiv zur Tat ist nicht befannt. Gestrandet gerettet! Boulogne- sur- Mer, 10. Januar. Der italienische Dampfer Falcona" ist infolge mangelnder Sicht drei Meilen von Cap Grisnez bei Ambleteuse gestrandet, da die Leuchtfeuer nicht erkennbar waren. Die 29 Mann starfe Bejagung fonnte sich retten. Man glaubt nicht, daß es möglich sein wird, das Wrad zu retten. 01 Demmer habe wiederholt bei ihm angefragt, ob die Bilder nicht verfäuflich seien, und als dann später der Diebstahl verübt war, fiel Dr. Nagels Berdacht zuerst auf Demmer, weil dieser einmal die Bemerfung gemacht hatte:„ Man kann doch die Bilder ganz einfach unter der Bellerine wegtragen." Ueberhaupt habe er, Nagel, mit Demmer die schlechtesten Erfahrungen gemacht, mit dem Angeklagten Mayer aber nur gute, so daß er sich nicht denken könne, daß er an der Tat beteiligt sei. Auf Borhalt des Staatsanwalts gab der Zeuge nach anfänglichem Bestreiten zu, daß er einmal die Vermutung geäußert habe, der amerikanische Kunstsammler Hearst würde sich für diese Bilder interessieren. Im übrigen befundete er, daß auf der Kadolzburg Kunstwerke gotischer Altertümer in Massen herumständen, auf die allerdings ein besonderes Ereignis ein merkwürdiges Licht werfe. Als er, Nagel, die Altarbilder photographierte, hörte er im Nebenzimmer einen furchtbaren Krach. Als er nachfah, fand er den Sohn des auf der Kadolzburg wohnenden Amtsrichters, einen Studenten der Rechte, damit beschäftigt, mit einer eisenbeschlagenen Meßplatte nach einer tostbaren Renaissances täfefung zu werfen. Auf die entsegte Frage des Architekten, was er denn da mache, erwiderte der Student ganz gelassen:„ Ach Gott, das ist doch bloß Holz." „ Lüge nicht...!" Ein Ratschlag für die Kleinen. Die zahllojen Bureaukraten in der Verwaltung der Kommu nistischen Partei müssen den Rachweis erbringen, daß fie für ihr Gehalt auch eine entsprechende Arbeit liefern Deshalb wetteifern fie miteinander in dem Bestreben, die meisten, längsten und schönsten Drucksachen mit Anweisungen und Aufrufen in die schwindenden ,, Massen" ihrer Mitglieder zu schleudern. Bor uns liegt eine vom ,, Agitprop"-Bureau der kommunistischen Bezirksleitung herausgegebene Anweisung an Betriebszeitungsredakteure, in der neben Bildern unserer Toten" ( darunter auch Klara 3etfin!) jämtliche mehr oder weniger blöden Karikaturen der Roten Fahne" zu beliebiger Berwendung zur Verfügung gestellt werden. In dem Begleittegt find zehn Gebote für Betriebszeitungsfabrikanten angefügt. Darin heißt es im Gebot 7: ,, Bringe in der Betriebszeitung nie eine Meldung, die un wahr ist. Durch eine Lüge diskreditierst du die Betriebszeitung für lange Zeit" Das ist sehr brav und christlich( mit Nuguffett) gesprochen. Aber warum gilt das nur für die Kleinen, die Betriebszeitungen machen, warum nicht auch für die Großen, die die ,, Rote Fahne" hetstellen? Im Sportteil unseres Blattes finden unsere Leser wieder einmal ein Zeugnis für den Lügengeist, der dieses Blatt beherrscht. Jede Nummer ift angefüllt mit Lügen über die Sozialdemokraten und die Gewertschaftsführer. Barum schreibt das Agitprop" nicht den Großen die zehn Gebote ins Stammbuch? Etwa nur, weil i der Betriebszeitung der Schwindel zu leicht entdeckt wird? Sowjetbankpräsident in New York. Berhandlungen um Auto- und U- Bahn- Bau. New Yorf, 10. Januar. Der Borsitzende der Direktion der Rufischen Staatsbank Aaron Scheinmann ist in Begleitung des Bizepräsidenten des Obersten Wirtschaftsrates der Sowjetunion hier eingetroffen, um die ametifanische Wirtschaft zu studieren und Vorbereitungen für die Errichtung einer Automobilfabrik in der Sowjetunion zu treffen. Ingenieure beschäftigt werden. Beim Bau von Untergrundbahnen in Moskau werden amerikanische Opfer der Arbeit. Bochum, 10. Januar.( Eigenbericht.) Auf der Schachtanlage Prosper wurden zwei Bergleute durch Steinfall aus den Hangenden getötet. Im Grubenbezirk der Zeche Prosper III erlitt ein Hauer durch niedergehende Gesteinsmassen sehr schwere Berlegungen. Auf 3 e che Holland murde ein Hauer durch Gesteinsmassen verschhüttet; er tonnte nur als Leiche geborgen werden. Er hinterläßt vier ummündige Kinder. Auf der Schachtanlage Bictoria 1-4 stürzte ein Montagegerüft zusammen. Drei Montagearbeiter wurden mit in die Tiefe geriffen und erlitten schwere, zum Teil lebensgefährliche Berlegungen. Wieder Schwimmer der„ Latham" gefunden. Oslo, 10. Januar. Bei den Polizeibehörden in Hammerfest ist eine Mitteilung einen die Aufschrift ,, Latham Paris" eingraviert sei. Der Fund eingelaufen, daß an der Westseite des Nordkaps zwei zusammengebundene Schwimmer gefunden worden seien, von denen auf dem sei am Neujahrsabend von einem Fischer gemacht worden. Benn Better schuld. das es dem Boten unmöglich gemacht habe, diefe Miteine Nachricht hierüber erst jeẞt vorliege, so sei daran das schlechte teilung früher nach Hammerfest zu bringen. Es herrsche am Fundort feinerlei Zweifel an der Echtheit des Fundes. Die Schwimmer werden nun nach Hammerfest gesandt, wo sie einer näheren Untersuchung unterzogen werden. Untersuchung unterzogen werden Bekanntlich ist ein Schwimmer der Latham" am 1. September in der Nähe von Tromsö und der Benzintant im Oktober in Trondhjemfjord gefunden worden. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.( Nachdr. verb.) Zeitweise etwas neblig, jonft troden und ziemlich heiter. Fortdauernd talt. Für Deutschland: Im Besten wolfig, im Osten heiter und sehr faft. Gesandter in London in den Jahren 1914 bis 1920 vertrat und Chinesischer Gesandter für England. Alfred Sze, ber China als später chinesischer Gesandter in Washington war, wird chinesischer Gesandter in London. Sie wird bereits in einigen Wochen in London erwartet. Der legte chinesische Gefantte in London war Wellington Roo, der im Jahre 1922 seinen Boften verließ. Die Krebszelle. Gegen den unfreiwilligen Selbstmord der Menschheit. Immer noch arbeitet die Wissenschaft an dem großen Probien! der Krebsforschung, ohne ein endgültiges Ergebnis erzielt zu haben. ?>a- Thema„Qie Krebszelle", das sich Dr. Albert Fischer aus Kopenhagen zu seinem gestrigen Vortrag in der Kaiser-Wilhelm- Geiellschast gestellt halte, fand deshalb größtes Interesse der zahl- reich erschienenen Mitglieder und Gäste. Dr. F i s ch e r erzählte von den Forschungsarbeiten, die unter feiner Leitung im Institut i ä r Biochemie in der Abteilung für Gewebezüchtung auf diesem Gebiet geleistet werden. Seine Mitarbeiter und er züchten Krebszellen wie normale Zellen in Kulturen, und daran wird dann ihre Biologie studiert. Außerhalb des Organismus können verschiedene Gewebezellen unbegrenzt lebend und wachsend erhalten werden. Die Abteilung für Gewebezüchtung besitzt Ge- wcbestämme, die bis zu l? Jahren oll sind. Man mißt Wachstum und Stoffwechsel an ihnen und studiert den Einfluß von Verände- rungcn im umgebenden Medium. Bis jetzt erkannte man, daß als Träger bösartiger Eigenschaften ganz bestimmte Zellen betrachtet werden müssen. Wenn man sie auf gesunde Tiere überimpft, so entsteht Krebskronkhell. Die Lebensdauer der Krebs- Zelle ist kurz, ihr« Widerstandskraft gering. Sie ist viel onspruchs- loser in bezug auf Nahrung als die gewöhnllche Zelle. Sie baut ihre Zellsubstanz allein aus Blutserum auf, mos für normal« ge- sunde Zellen nicht ausreichend ist. Kommen die Krebszellen mit £in Stiesenbensinlager ist in Berlin Spandau eingerichtet morden. Es dürfte das größte in Berlin sein. gesunden Zellen in Berührung, so geben diese an die Krebszellen Stosfe ab, die dazu bellragen, die Wachs tumsgaschwindigkeit der Krebszell« zu beschleunigen. Man hat in den Kulluren der Ab- teilung für Gewebezüchtung die Crsahrung gemacht, daß in den Kulturen die Krebszellen alle gesunden Zellen überwucherten, eine Tatsache, die das schrankenlose Wachslum der Krebsgeschwulst im menschlichen und tierischen Körper erklärt. Professor ch a r n a ck donlte dein Redner für seine Ausführungen, die durch hochinter- eiiante Lichtbilder, die das Verhallen der Zellen zeigten, illustriert waren und sprach den Wunsch aus, daß man ball» über die Türe des Forschungsinstituts die Inschrift setzen möge:„chier wurde dem unfreiwilligen Selbstmord der Menschhell durch den Krebs mit chilfe intensiver Forschungsarbeit ein Ende gemacht." Die Mitarbeiter der Hanau. Minister und parlamenealer am Schiffbauerdamm für s Monate in der näckllen Spiel, eit verpflichtet Die Übrige Zeit des IabreS wird•Conto am Dresdner Staats theater tatig sein. „Zleve Loulunsl' ist da« Thema zweier Lichibilderoorträae, die Dip!.- Ing. Leo Nachtlicht aus Einladung dei Volksbiibne am Sonnabend, den IT, und Sonnabend, den'26. Januar, jeweils 20 Uhr, im Höriaal de« Kunstgewelbemuleum«..Brtnz-Albrecht-Str. 7a, halten wird. Emlaßtertrn für jeden der Vorträge 0.70 M. »«antwartl. kür die Rcdaltion:«-liga-g s»«a». Berlin: Anzeigen! Th. Sl-ckc. Berlin. 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Die Reformbewegungen in der Türkei, Persien, Afghanistan, Arabien find eng mit den Persönlichkeiten ihrer Herrscher Nasrullah Khan beseitigt und sich durch einen fühnen Staatsstreich| zum Emir von Afghanistan aufgerufen, indem er auch bald darauf durch einen Kriegstonflitt mit England die Anerkennung der völligen Unabhängigkeit seines Landes durchgesetzt hatte. Bald nach der Abschaffung des Sultanats und des Kalifats, die man als epochemachende Ereignisse in der ganzen Geschichte der Türkei und des Islams bezeichnen kann, defretierte Kemal eine Reihe von gesellschaftlichen und kulturellen Reformen. Nachdem er nun einmal das Kalifat abgeschafft und somit auch die Trennung von Kirche und Staat vollzogen hatte, ging er im weiteren energisch vor, schaffte auch das Scheriat oder das religiöse Gesetz ab und verordnete die Einführung des schweizerischen bürgerlichen Gefeßbuches und des italienischen Strafgesetzes. Er befahl ferner, die religiösen Orden und die Klöster zu schließen, die Bielweiberei abzuschaffen und die Einehe obligatorisch zu machen, den Schleier der mohammedanischen Frau wegzuwerfen, den berühmten Fes sowie die nationale Tracht mit europäischem Hut und Bekleidung zu erfeßen. Desgleichen andere Reformmaßnahmen, deren aller Endziel sein soll, dem Osten den Rüden, sich aber mit mianti Rope Schwarzes Turkestan Meer Tiflis Türkisches Armenie Tabris Teheran Klein- Asien Kurdish 20485 Chiwa Suchara Kabyl Afghanista Diktator- Freimaurer beabsichtige nämlich, überhaupt den Islam abe zuschaffen und an seiner Stelle eine neue Religion einzuführen; welche allerdings, das soll noch nicht bestimmt sein. Dem Christentum und namentlich dem Protestantismus gegenüber, mirò es leise gesagt, jei Kemal geneigter als einer anderen Religion; wohlgemertt: nicht für seine eigene und seiner Nächsten Person, vielmehr für die Waschung vor und nach dem Gebet selbst verbunden, die ,, aufgeklärte Monarchen" sind: Amanullah von Afghanistan, Risa Schah von Persien, ferner, wenn auch nur einiger maßen, Ibn Saud von Arabien, vor allem aber Mustafa Kemal, der Alleinherrscher der Türkei. Wenn auch diese seit einigen Jahren formal eine Republit" genannt wird, ist Kemal doch ihr„ Präsi dent", ein typischer Diftator; zeitlich in dem Grade feiner repo lutionären Reformtätigteit geht Kemal allen seinen asiatischen Kollegen voran. Was ihnen gemeinsam ist, entnehmen sie dem Beispiel west und osteuropäischer aufgeflärter Monarchen des 18. Jahrhundert, namentlich Friedrich ,, dem Großen" und Peter dem Großen". Manch einer von ihnen studiert die Biographie der letzteren mit besonderem Eifer. Bie Beier setzen sie mit radikalen Maßnahmen die Europäiſierung ihrer Länder durch, und zwar gegen den ausgesprochenen Willen ihrer Völker oder wenigstens ihrer bisherigen Führer. Die Reformbewegung in den Ländern Vorderafiens vollzieht sich auf politischem, gesellschaftlichem, religiösem und fulturellem Gebiet gleichermaßen. Sie ist von einem raditalen Natio= nalismus druchdrungen. Dieser hat in den Augen der heutigen Lenker Afiens die Bedeutung einer neuen Religion. Wie diese oft, fennzeichnet sich auch der siegreiche Nationalismus mand) afiatischer Reformatoren durch seine Intoleranz aller anderen, namentlich minderheitlichen Nationalitäten gegenüber; desgleichen gegenüber allen anderen Richtungen, die einfach nicht geduldet werden. Demotratie und demokratische Methoden hassen sie aus tiefem Herzen. Unterdrückung der Bresse und der bürgerlichen Freiheiten ist eine der schneidigsten Waffen in ihrer Hand. Der politische Um chwung ging in allen orientalischen Ländern der Reformtätigkeit voran. Mustafa Kemal schaffte zuerst( 1922) das Sultanat ab, führte die ,, Republik" ein und machte sich zum absoluten Herrscher der neuen Türkei. Bald darauf hob er das Kalifat auf und verjagte den letzten Kalifen aus dem Lande. Wenn auch später hier und da, so z. B. in Kairo und in Mekka, Versuche unternommen wurden, das Institut des Kalifats wiederherzustellen, fie verliefen jedoch erfolglos. Es ist oft die Rede davon gemejen, Kemal beabsichtige, fich zum Sultan ausrufen zu lassen. Diese Gerüchte entbehren jedoch aller Grundlage; einmal, weil sich Remal als lebenslänglicher Diftator nicht weniger wohl fühlt als ein Sultan, zum zweiten aber, weil er seinen faiserlichen Thron feinem leiblichen Erben hätte hinterlassen können. Risa Khan, feit 1922 Diftator Perfiens, wünschte anfänglich ebenfalls die Monarchie abzuschaffen. Er stieß dabei auf mirtliche und scheinbare Schwierigkeiten seitens der einflußreichen höheren Geistlichkeit, im Berein mit den Sowjetleuten, die ihn damals für den Mann der Engländer hielten. Risa Khan betrat bald darauf den Weg seines perfischen Vorgängers Nadir- Schah. Er stürzte den jungen Achmed Schah, den er schon vorher zu Vergnügungszweden nach der franzöfischen Riviera geschickt hatte, und bestieg( 1926) den Thron des Darius und Xerges. Noch früher( 1924) hatte 3bn Saud, das eifrige Oberhaupt der mohammedanisch- puritanischen Wahabitenjefte und der Herrscher des zentral- arabischen Gebietes Nedschd, den König von Hedschas Hussein sowie seinen Sohn Ali vom Lande vertrieben und sich des Thrones, von Metfa bemächtigt. Bedeutend früher, 1919, hatte der junge und tatkräftige Amanullah Khan bei den anläßlich des Mordes seines Baters Habibullah Khan entstandenen Thronjolgerstreitigteiten seinen älteren Bruder sowie feinen Outd -Miffellandisches Meer Agypten Syrieb Reich Arabien Persien Die Länder Vorderasiens Balu chishaw vollem Gesicht nach dem Westen zu menden. Der neueste und michtigste Aft in all dieser kaleidostopartigen Reformen Kemals ist die Abschaffung der arabischen und die Einführung der lateinischen Schrift. Der türkische Diktator ist hierbei nur in die Fußtapfen feiner Sowjetfreunde getreten ist diese haben noch 1925 den Gebrauch des lateinischen Alphabets für ihre mohammedanischen Untertanen befretiert. Diese neueste Reform Kemals ist vielleicht die wichtigste und die entscheidendste unter den bisherigen. Ihr ist es zweifellos vorbestimmt, im tulturellen Aufwachen des türkischen Volkes eine außerordentlich große Rolle zu spielen. Wenn man anfänglich davon sprach, daß diese Reform erst allmählich, im Laufe von 15 Jahren, durchzuführen sein wird, nun sind es nicht einmal 15 Wochen verflossen, seit Kemal sie anordnete und auch in zwischen durchführte. Ab 1. Januar erscheinen alle türkischen Zeitungen, Bücher, sonstige Veröffentlichungen und überhaupt jede Drucksache im neuen Alphabet. Auch die Uebersetzung des Korans ins neutürkische hai Kemal befohlen. Bei strengster Bestrafung darf keine einzige Beile mehr in arabischen Schriftzeichen gedruckt werden. Kaum sind nun alle diesen radikalen Gedanken in die Tat umgesetzt worden, da spricht die türkische Bresse schon heute von einer anderen, bevorstehenden Reform: die Aufgabe des Freitags als des heiligen Tages aller Mohammedaner und seine Ersetzung durch den Sonntag als den einzigen Ruhetag für die ganze Türkei. Noch mehr: Sensationslustige Quellen wissen von einem allerneuesten Vorhaben des reformluftigen Kemal zu erzählen. Der türkische Drei Stück für einen Groschen! Volksmassen. Nach all dem, was bis heute dort geschehen ist, ist es auch nicht unmöglich, daß diese Idee sich eines Tages ebenfalls bemahrheitet. Es genügt nur, daß sich Kemal dazu entschließt. Das sogenannte Angoraer, Parlament", das von ihm selbst eingesetzt ist, wird selbstredend die betreffende Gesetzesvorlage", wie bisher immer, annehmen. Kemals persischer und afghanischer Reformgenosse sind zwar noch nicht so weit wie ihr türkischer Lehrmeister sie haben damit auch bedeutend später begonnen immerhin sind ihre Leistungen auf diesem Gebiet ebenfalls beachtenswert. Der Perferschah somie der Afghanenjultan haben gleichfalls eine Schleierverordnung im Sinne des türkischen Borbiides erlassen. Amanullah hat jattisch die Bielweiberei abgeschafft; Risa muß erſt folgen. Immerlin nimmt heute schon die Frau auch in Persien eine viel freiere Stelle ein, als vor ganz furzem. Amanullah und Risa haben ferner der Allmacht der Geistlichkeit eine Grenze gesetzt; sie bemühen sich nun, das bestehende religiöse Gesetz sowie die tirchlichen ,, Schulen" mit modernen, europäischen zu ersetzen. Die beiden stammesverwandten Machthaber haben das Tragen der alten Tracht verboten und das der europäischen angeordnet, wobei sich Risa Schah für die Kopfbedeckung zugunsten der sogenannten Behlewi- Müße" entschlossen hat. Die allerlegten Nachrichten aus Teheran bejagen, daß man dort ebenfalls die Abschaffung der arabischen Schrift und die Einführung des lateinischen oder die Wiederbelebung des altpersischen Alphabets praktisch in Erwägung zieht. Bei alledem find der Perser- und der Afghanenfönig erst am Anfang ihrer Reformtätigkeit und müssen auch, wie das afghanische Beispiel deutlich zeigt, allerlei Schmierigkeiten beseitigen. Was Ibn Saud anbelangt, so scheint er feine ähnliche Pläne verfolgen zu wollen. Er betrachtet eben seine Sefte als eine reformierte, puritanische Richtung im Islam, dessen Ueberlieferungen und rückständigen Inftitutionen die erwähnten mohammedanischen Machthaber erst jetzt loswerden wollen. Zum Schluß fei es festgestellt, daß alle diese tulturellen und gesellschaftlichen Reform und Gegenbewegungen Borderafiens nicht gulegt eine wirtschaftliche Basis haben. Das feudale Wirtschaftsinftem macht dort vor dem bürgerlich en allmählich Play. Das Handelstapital spielt in unseren Tagen eine bedeutende Rolle in der Gesamtwirtschaft des vorderen und mittleren Asien. Dies erschließt sich allmählich den Weltmartt. Die energische Bahn- und Straßenbautätigkeit, die in den letzten Jahren namentlich in Bersien und in der Türkei mit einem Erfolg durchgeführt wird, trägt seinerfeits zu ihrer weiteren Erschließung und Europäiſierung im beträcht lichen Maße bei. Dr. Artasches Abeghian. Wer weiß das? Es gibt Fixsterne, die über zehnmillionenmal größer als die Sonne sind. * Ein Ameisenstaat besteht aus etwa 100 000 Einzelwese * Das Fleisch enthält in rohem Zustande 75 Broz. Waff * England verbraucht beinahe die Hälfte der Teeproduktion der Türkenfrau mit Schleier Welt. CON/lAM vo�» iDGAR WALLTACE NS DEUTSCHE aßE»rrRAO£is Fvon RAV�ENDRO (44. tfortfcfcumi.) Offenbar war dieser weitblickende Kapitän sehr vorsichtig und wollte allen Teilen gerecht werden. Er suchte nach einem Kompro- miß, der ihn wenigstens von seiner Verantwortlichkeit seinem Herrn gegenüber entlastete. „Würde die junge Dame vielleicht so gut sein, dies« Waffe zu nehmen?" Sie nahm die Pistole mit einem halb unterdrückten Freuden- schrei. „Und wenn Sie sich später daran erinnern werden, daß Jose Montigano Ihnen gegenüber als ein guter Freund gehandelt hat, werde ich mich glücklich schätzen." „O, ich danke Ihnen, Kapitän, ich danke Ihnen vielmals!" Sie drückte ihm die Hand. „Also erinnern Sie sich" Er hob warnend den Finger.„Mehr lann ich nicht tun. Ich spreche jetzt als«in Herr zu einer Dame. Aber nachher bin ich wieder der Kapitän, der einen Herrn über sich hat. Sie verstehen, daß da» ein großer Unterschied ist?" Er hatte sie ein wenig verwirrt, aber sie ahnt« wenigstens, uxis er sagen wollte. Er machte eine kleine Verbeugung und ging hinaus. 'Aber gleich darauf kam er zurück. „Es hat keinen Zweck, Tische und Stühle gegen die Tür zu siellen. Das ist bester." Er zeigte bedeutungsvoll auf den Re- uoloer. Dann entfernte er sich lächelnd. Digby Groat wußte nichts von den, Besuch des Kapitäns und >nar zufrieden, daß der Wachtposten von der Kabine zurückgezogen war. Jetzt stand nichts mehr zwischen ihm und der Frau— nur uoch ihre eigene Krait und Stärk«. Er liebte sie in seiner Art, so verworfen er auch sonst war. Er kam den Gang entlang und Hopste an ihre Türe, denn er fand einen Gefallen daran, diese ge- iellschaftliche Form aufrechtzuerhalten, die doch im Augenblick be- "l'iitungslos war. Als ober keine Antwort kam, öffnete er die Tür ongsom und trat ein. Eunice stand am amderen Ende der Kabine. Die seidenen Bor- >ang« waren zurückgezogen und die Tür zu ihrem Salon stand weit offen. Sie war vollständig angekleidet und hielt die Hände nif dem Rücken. „Mein Liebling." sagte Digby schmeichelnd und liebenswürdig, warum ermüden Sie Ihre schönen Augen? Sie hätten sich zu 'Ht legen und schlafen sollen." „Was wollen Sie?" „Was könnte ein Mann, der eine so schöne Frau hat, anderes wünschen, als sich mit chr zu unterhalten und das Vergnügen ihrer Gefellschaft zu genießen?" fragte er heiter. „Bleiben Sie stehen," rief sie ihn scharf an, als er den Versuch inachte, weiter vorzudringen. Ihre gebieterische Stimme veran- faßte ihn. stehen zu bleiben. „Aber Eunice," sagte er kopsschüttelnd.„Sie machen soviel Ilnannehmlichkeiten und Umstände— das ist doch in dieser Situa» tion nur töricht von Ihnen. Sie brauchen nur vernünftig zu sein, dann gibt es nichts in der Welt, was ich Ihnen nicht geben könnte und' möchte!" ..Sie können mir doch nichts geben und hoben nichts zu ver- schenken außer dem Geld, das Sie mir gestohlen haben," sagte sie eisig.„Worum erzählen Sie denn von Schenken, wenn ich doch diejenige bin, der alles gehört? Sie können höchstens mein Mitleid erregen." Er starrt? sie an und war oerblüftt über ihre Ruhe, da sie doch in größter Gefahr schwebte. Er lachte ckiif und ging langsam aus sie zu. Seine dunkle Augen glühten. „Bleiben Sie stehen!" rief Eunice wieder und zeigte nun die Waffe, um ihrer Ausforderung Nachdruck zu verleihen. Digby starrte auf die Mündung der Pistole, die auf ihn ge- richtet war und taumelle zurück. „Legen Sie das Ding weg." schrie er heiser.„Verdammt, wollen Sie es wohl tun? Sie sind doch überhaupt nickst gewöhnt, mit Feuerwaffen umzugehen! Das Ding könnte ja losgehen!" „Es wird auch losgehen," sagte Eunice mit tiefer, eindring- licher Stimme. All der Abscheu und Aerger, der in ihr aufgespeichert war. kam zum Durchbruch.„Digby Groat, ich sage Ihnen, daß ich Sie wie einen Hund erschießen werde und daß ich mich freue, wenn S'e niederstürzen. Ich werde weniger Erbarmen mit Ihnen i-abe» als Sie mit dem Spanier, den Sie meuchlings ermordeten. Und ich werde mit keiner Wimper zucken, wenn Sie sich vor nur in Todesangst krümmen." ..Legen Sie die Waffe fort! Wer hat sie Ihnen gegebe»? Um üteswillen, Eunice, n lachen Sie keinen Unsinn damit! Sie wollen 'ich doch nicht etwa erschießen?" „Es gab Zeiten, da ich Sie schon sehr gerne getötet hätte," gie sie.„Hätte ich eine Waffe gehabt, so hätte ich Sie schon pst über den Haufen geschoilen." Als sie aber sah, wie er sich -e zurückzag, senkte sie die Pistole. Er w'schte sich den kalten Schweiß mit einem seidenen Taschen- ch von der Stirne. Seine Knie zitterten. „Wer hat Ihne» die Pistole ggeben?" fragte er heftig.„Sie iien sie noch nicht, als wir von Kennett Hall abfuhren. Wo -den Sie sie her? Haben Sie sie in einer der Schubladen ge- oben?* Er sah nach dem Schreibtisch. Eine der Schubladen stand olb offen. „Darauf kommt es gar nicht an. Mr. Groat. Gehen Sie jetzt aus meiner Kabine und lasten Sie mich in Ruhe." „Ich hatte gor nicht die Absicht, Ihnen irgendwie zu nahe zu treten." sagte er furchtsam. Er sah noch sehr bleich aus.„Es war nicht nistig, mich mit der Pistole zu bedrohen. Ich wollte Ihnen nur Gutenacht sagen." „Da hätten Sie sechs Stunden früher kommen sollen," sagte sie ironisch.„Aber machen Sie jetzt, daß Sie fortkommen!" „Hören Sie mich an. Eunice," sagte er und wollte sich ihr wieder nähern. Aber als sie die Pistole wieder auf ihn richtete, fprang er zur Türe.„Wenn Sie mir so drohen, werde ich gehen," sagte er und schlug die Türe hinter sich zu. Sie lehnte sich gegen die silbernen Bettpfosten, denn sie war am Ende ihrer Kraft. Sie mußte sich jetzt niederlegen und weistgstens etwas ruhen. Schlafen durfte sie ja nicht, da chr immer noch Gefahr drohte. Sie ging in das ncbenanliegende Wohn- zimmer, dann in das Bad, um zu sehen, ob man von dort aus in ihre Räume kommen konnte, aber sie war von dieser Seit« aus sicher. Sie. hatte olle Paneele untersucht, ob sie keine Geheimtüren fände. Kaum war sie wieder zwei Schritte in ihr Schlafzimmer ge- gangen, als sie plötzlich von hinten angefallen wurde. Digby Groat hatte sich heimlich wieder hereingeschlichen und neben der Türe auf sie gewartet. Seine 5)and entwand ihr die Pistole, die sie noch immer gehalten hatte. Die Waffe fiel polternd zu Boden. Im nächsten Augenblick schloß er sie in seine Arme. „Ich werde deinen Widerstand jetzt brechen," sagte er atemlos. '„Dein Gesicht soll nahe an dem meinen fein, ich well deine schönen Augen sehen, deinen herrlichen Mund fühlen!" Er preßte seine Lippen auf die ihren und drückte heiße Küsse auf ihre Wangen, ihren Hals, ihre Augen. Sie fühlte, wie ihre Kräfte versagten. Er preßte sie so stark an sich, daß ihr Rückgrat schmerzte. Der plötzliche Schrecke» hatte sie so gelähmt, daß sie sich nicht mehr gegen seine Liebkosungen wehren konnte. Sie blickte starr auf seine Augen, die ihr so nahe waren. Sie war gelähmt wie ein Vogel durch den Blick einer Schlange. „Du bist jetzt mein— hälft du— du wirst Jim Steele vergessen— du wirst alles vergessen und nur noch daran denken, daß ich dich anbete!" Als er sah, daß sie zur Türe schaute, wandte er sich plötzlich um. Der kleine Kapitän stand dort, hatte die Hände in die-Hüsten gestemmt und beobachtete den Vorgang. Seine Züge waren undurchdringlich und hart. Digby ließ Eunice los. „Was zum Teufel haben Sic denn hier zu tun? Machen Sie, daß Sie hinauskommen!" schrie er. „Ein Flugzeug ist hinter uns her. Wir hoben eine drahtlose Nachricht von ihm bekommen." Digby erschrak. Mit dieser Möglichkeit hoste er nicht gerechnet. „Was ist es für ein Flugzeug? Wie heißt die drahtlose Noch- richt?" „Nichts gesichtet. Fliege nach Süden." Dann ist noch die genaue Lage des Flugzeuges angegeben. Wenn es weiter nach Süden kommt, wird Mr. Steele uns ffnden." Digby taumelte einen Schritt zurück. „Steele?" fragte er heiser. Der Kapitän nickte. ..Mit diesem Namen war die Botschaft unterzeichne:. Ich glaube, es ist ratsam für Sie, an Deck zu kommen." „Ich komme an Deck, wann es mir beliebt," schrie Digby. Der Teufel in ihm erwachte und er verlor seine Selbstbeherrschung voll- ständig. „Werden Sie jetzt so gut sein und an Deck kommen?" „Ich werde später kommen, wenn ich erst diese Angelegenheit geregell habe."(Forst- folgt.) WAS DER TAG BRINGT. „Der Weiße Berg." Der„Vorwärts" und der„Wend" haben sich schon wiederholt mit dein Propheten, Kurpfuscher und„göttlichen Meister" Joseph Weißenberg und seinem Treiben beschäftigen müssen. Der Zufall spielt uns eine Zeitung in die Hände:„Der Weiße Berg", Freies Wochenblatt zur Aufklärung über Joseph Weißenberg und sein religiös-hygienisch-soziales Werk". Wir sind nicht„spiri- tuell" genug veranlagt, um den Unfug, den dieses Blättchen ver- zapft, verdauen zu können. Um unseren Lesern ein kleines Beispiel davon zu geben, wie es in den Köpfen der Weißenbcrg-Leute aus- sieht, ein kleines im Original fett gedrucktes Zitat aus dem„Weißen Berg": „Das deutsche Volk hat seinen Führer in Sodorü-Gomorrah- Babylan-Berlin. Dort lebt er oerachtet, verkannt, angefeindet, gerichllich verfolgt aci iofinitum. Einsach ist er, ungekünstelt, leicht zu verstehen, scharf im Urteil, jeder Barmherzigkeit bar, wenn es sich um Unrecht handelt. Saugrob gegen alle, die ihn aus unlaute- ren Gründen aufsuchen. Unendliche Liebe strahlt er aus auf alle, die ihn mit(chrlichem, wundem und armem Herzen aufsuchen.— Das ist dein Führer, deutsches Volk— und kein anderer ist es." Gemeint ist er Er, nämlich der göttliche Meister Joseph Weißen- berg. Hoffentlich wollen sich die Urheber dieses Unsinns mit ihrem „freien Wochenblatt" die 20 Pfennig verdienen, die sie brauchen, um mit der Linie 68 der Berliner Straßenbahn bis zur Endhalte- stelle zu fahren. Aon dort kann ihnen jeder Vorübergehende den Weg zeigen... Die Linie öS fährt nämlich von der Irrenanstalt Herzbcrge bis in die Nähe der Irrenanstalt Wittenau! vonnerstse, lO. Januar. Berlin. 16.00 Oberingenieur Siegiried Harlmmn: Technilcher Rückblick ani 1928, II.: Verkehrslechnik la Lande, auf dem Waaser und in der Luit. 16.30 Kammermusik. 1. A. Dvorik: Trio(Dumky) für Pianoforte. Violine und Violonceli, op. 90: Lento maestoso— Alleero— Lento maestoso— Aileero— Poco Adasio— Vivace non troppo— Poco Adajio— Vivace— Andante— Poco piu mosso— Vivace non troppo— Alletrelto — Andante moderato— Alleeret to scherrando— Alleero Moderaio— Alleero— Lenio maestoso~ Vivace— Lento— Vivace.— 2. R. Schumann; Quartett Iii- Pianoforte, Violine, Viola und Violonceli, op. 47: Soatenuto assai— Alleero ma non troppo— Sostenuto— Alleero— Scherzo(Molio vivace) Andante c an tadle— Plnale(Vivace)(Trio- Vereinigune: Eeon Birchner, f.üecl: Adalbert QOIzow, Violine; Kuren Sandow, Violonceli: Karl Wendel, Viola). AmchlieBend Uebertraeune der L'nterhalluntsmusik aus dem Hotel Kaiterhol (Kapelle Ceza Komor). 19.00 Haas-Sredcw-Schuie. Abteilung Wirtschaftapolitik. Prof. Dr. M. J. Bonn: Probleme der Weltwirtschaft. I.: Daa Kolonialproblem. 19.30 Korschungsrclscndcr Major Trygeve Qran, Oslo: Wie wir Kapitän Scott in den Schnee�usten des Südpols aulfanden. 20.00 Abendunterhaltune; Wagner-Abend. Dir.: Bruno Seidler-Witikler. I. Vorspiel zu..Lohengrin".— 2. Nun sei bedankt, mein lieber Schwan, aus ..Loden erin"(Robert Hütt. Tenor).— 3. Kllngsors Zaubergarten und die Blumenmädchen, aus..Parsifai".— 4. Winterstürme wichen dem Wonnemond, aus..Die Walküre"(Robert Hütt).— S. Vorspiel zum III. Akt. — 6. Walthers Preislied aus„Die Meistersinger von Nürnberg"(Robert Hütt).— 7. Wotans Abschied und Kcucrzauber, ans„Die Walküre" (Berliner Funkorchester). 21.00 Veranstaltung des Verbandes deutscher Erzähler, liebertragung aus dem Plenarsaal des Herrenhauses. I. Adolf von Hatzield. II Anton Wildgans. 23.00 Die letzte Stande des Berliner Sechstagerennens. Am Mikrophon; Fredy Bndzinski. AnschlieBend bis 00.30 Tanzmusik(Kapelle Daios Bdia). Königswusterhausen 16.00 Friedlich Sachtleben: Berufe im Holzgewerbe. 16.30 Uebartrignng des Kachmittagskonzertes Berlin. 17.30 Rechtsanwalt Dr. Cyck: Juris! tische staatswissenschaftliche Bücherstande. 18.00 Oeorg Maria Hoffmann; Mariendichtung.* 18.30 Gertrud van Eysercn. CCsar Mario Alfieri: Spanisch iür Fortgeschrittene. .18.55 Dr. Doose: Billiges Baues auf dem Lande. 19.30 liebertragung von Berlin: Major Gran: Wie ich Scott im ewigen Eise fand. Ab 20.00 Uebertragung von Berlin. Der wiedererstandene Bräutigam. Auf Berlin folgt Budapest. In Berlin erschien eines Tages in der Markthalle ein längst beerdigter Händler. In Budapest war es ein Alimentenslüchtling. Er hatte nämlich vor drei Iahren einen kleinen Roman mit eineni kleinen Mädchen. Natürlich hatte dieser große Folgen. Um die zu legalisieren, bestand die„Braut" auf der Heirat. Der„Bräutigam" konnte ihrem Drängen nicht wider- stehen, fuhr in seine Baterstadt, um die nötigen Papier« zu holen und kam nicht wieder. Zuerst erhiell die Braut ein Telegramm, daß er krank sei, dann die Nachricht von seinem Tode. Sie wurde Mutter. Ihre Eitern jagten sie aus dem Haufe. So gut sie konnte, ernährte sie sich und ihr Kind. Und siehe da: eines Tages erblickte sie auf der Straß« einen Menschen, der ihrem Wien Bräutigam wie aus dem Gesicht geschnitten war. Kräftig und vor Gesundheit strotzend, stand er vor ihr. Im nächsten Augenblick sausten ihre Fäuste auf seinen Kopf nieder. Wenn die Polizei ihn nicht den Händen de- Mädchens und der aufgeregten Menge entrisien hätte, so wäre aus den: lebendigen Leichnam ein wirklicher Leichnam ge- worden. Der Bürgerkriegs-Invalide. Am 21. Januar 1918 verlor der Schmied Frank, ots er das K i e w e r Munitionslager Petljura verteidigte, seinen rechten Arm. Bon nun war er arbeitsunfähig, mittellos mit Frau und Kind. Zehn Jahre bemühte sich Frank vergeblich, eine Rente zu erhallen. Die Hauptsozialoersicherung der Ukraine erklärte, Frank habe seinen Arm nicht im Betrieb verloren und sei deshalb nicht unterftützungs- berechtigt. Frank hatte aber am 10. Januar auf Befehl seiner Dar gesetzten den Hammer mit der Flinte vertauscht. Der Feuilletonist der„Prawdo" vom 13. Dezember richtete an den Genossen Ordscho konidse die Anfrage:„Genosse Ordschokonids«! Sie haben aus dem letzten Plenum der zentralen Kontrollkommisiion eine große Zahl von sinnverwirrenden Beispielen der bureaukratischen Derhöhnunc, von Arbeitern, Bauern und Rotarmisten angeführt. Hier noch ein weiterer Fall. Wir fragen Sie, wann endlich wird Lenins Wunsch eines öffenttichen Gerichts über bureaukratische Verschleppung?- künstler in Erfüllung gehen oder verdienen die Bureoukraten, die verbrecherisch das teuerste Kapital des Vertrauens der Arbeiter zu den Organen des Arbeiterstaates veruntreuen, eine delikatere Be- Handlung als die habgierigen Veruntreuer und die uneigennützigen Schlappiers, die das Arbeitdrgeld in alle vier Winde streuen?" Man kann wohl gespannt sein, was der Genosse Ordschokonids« darauf antworten wird. Höchstwahrscheinlich wird er sich in Schwei gen hüllen! Vier vergessene Dörfer entdeckt l Wie in russischen Zeitungen berichtet wird, hat man bei der Ausstellung neuer Emwohnerlisten im sibirischen Bezirk K r o s n o- j a r s k vier Dörfer festgestellt, die man seit langem vollständig oer- gessen hott«. Die Einwohner der Dörfer zahllen keine Steuern, liebten dafür ihr Väterchen Zar. dessen Bild in allen Wohnungen hing, und lzatten weder vom Kriege noch vom Ilmsturz erfahren. Tschang' Kai- Scheck und die Banditen. Ob die Geschichte wahr ist, mag dahingestellt bleiben: jedenfalls ist sie nicht uninteressant und wird von englischen Zeitungen erzählt. Ausgerechnet mit Tschang-Kai-Scheck, dein Oberhaupt der chinesi- schen Regierung, erlaubten sich demobilisierte Soldaten eines Tages folgenden Spaß. Sie beschlossen, ihm seine Frau zu rauben, nach Muster der chinesischen Banditen. Sie kundschafteten aus, daß sie täglich zu einer bestimmten Zeit in einem Auto vor einem gewissen Hause vorfährt. Eine» Tages kam ein Chinese au» dem Hause. ging an den Chauffeur heran und bestellt« ihm im Austrage seiner .Herrin, daß sie sich zu Fuß nach Hause begeben wolle und er nicht zu warten brauche. Gleich darauf fuhr ein anderes Auto vor, da- dem ersten vollkommen ähnlich sah. Frau Tschang-Kai-Scheck kam au» dem Haus«, stieg in da» Auto und befand sich wenige Minuten später in den Händen bewaffneter Banditen. Am nächsten Tag er- schien bsi ihrem Gemahl ein Chinese und verlangte eine Million Dollar.„Ob er nicht fürchte, seinen Kops zu verlieren, fragt« ihn der General.„Durchaus nicht, wenn ich heute um 8 Uhr abends nichi .zu Hause bin, so verliert Ihre Frau den Kopf." Die Frau d«» Generals behielt ihren Kops und der Chinese erhielt die Millivn Dollar. Wer daran glaubt..,». Dem Ende entgegen! Es bleibt beim Stand der letzten Nacht- Linari gibt auf! Heute abend, 11 Uhr, geht das 21. Berliner Sechstage= rennen zu Ende. Die Spize wird nach wie vor von der Mannschaft Dülberg Petri allein gehalten, die das abgekämpfte Feld weiter abzuwehren wissen wird. Acht Paare sind nur noch im Rennen: in der elften Abendstunde gibt Linari auf wegen Beschwerden an alten Sturzverlegungen. Sein Partner Miethe ift Erfagmann. Bevor jedoch der Italiener die Bahn verläßt, bringt Deba ets das Feld in Aufregung, fein Bartner Gooßens unterstützt den starken Antritt Debaets in prächtiger Manier und beide können ständig an Boden gewinnen. Zuerst werden Miethe- Linari, dann Rielens van Kempen, Behrendt- Manthen und Letourneur- Broccardo geholt, bis auch das letzte Paar erreicht ist. Die Belgier haben sich somit zum zweiten Platz vorgearbeitet. wieder Um 41 Uhr versucht Tietz sich vom Felde zu lösen, Letourneur führt jedoch alles wieder heran. Weitere Vorstöße Debaets, Tietz, Dülbergs und Junges bringen teine nennenswerte Beränderung. Nur die Mannschaften van Kempen- Rielens, Preuß- Refiger und Behrendt Manthen gewinnen fampflos eine Runde zurück. Gemächlich legen die müden Akteure Runde um Runde zurück. In der Geraden der Kabinenseite fahren Gooßens, Dülberg und Manthen einander an. Dülberg schlägt mit dem Kopf an die Barriere. Nach kurzer Zeit erscheint er wieder auf der Bahn. Um 1 1hr beträgt die gefahrene Stilometerzahl 3118,320. Auch Rennens; bis dann endlich die Neutralisation eintritt und die erste Hälfte der Fahrer die Schlaftabinen im Keller zur furzen Ruhe auffuchen fann die 2- Uhr Nachtwertung verändert nicht den bisherigen Stand des Jung- FTGB. lädt ein! Am Sonntag: 1. Hallensportfest. Die männliche Jugend der Freien Turnerschaft GroßBerlin wird am kommenden Sonntag, 13. Januar, in der ZenBeim Eintritt der Neutralisation find 3261,870 Kilometer zurück trafturnhalle Brinzenstraße( unweit Morigplatz) aufmarschieren, um gelegt. Stand des Rennens nach 118 Stunden: Dülberg- Petri, 207 P. 3wei Runden zurüd: Gooßen- Debaets, 216 P.; Kroschel- Junge, 141 P. Drei Runden zurüd: Rielens- van Kempen, 187 P.; LetourneurPreuß- Refiger, 204 B. Sieben Runden zurück: Behrendt- Manthey, Broccardo, 119 P. Fünf Runden zurück: Faudet- Tiez, 272 P.; 188 Bunkie. Wenn heute abend in Leipzig zwölf Mannschaften zu einer palast die letzte der 145 Stunden, die wir gerade in Berlin verneuen Sechstagefahrt am Start sich versammeln, beginnt im Sportschiedenartig, d. h. öde oder jagdenreich erlebten. Bielleicht tritt das erstere ein, vielleicht aber auch das letztere. Soll doch diejenige Mannschaft, die in der Zeit von 8 bis 11 Uhr eine leberrundung fertig bringt, eine Prämie von 500 m. erhalten. R. S. Bundesamateure im Berliner Sportpalast. Bevor die Radrennbahn aus dem Berliner Sportpalast verschwindet, um Platz zu schaffen für andere Sportarten wie Eislaufen und Reitturnier, wartet der BDR. am Sonnabend, 12. Januar, noch einmal mit einem national erstklassig beseßten Mannschaftsrennen über zwei Stunden auf. Neben den Westdeutschen Schnißler- Benninghoff und Großimlinghaus Büzfeld, burger werden natürlich die besten Berliner Amateure am Ablauf den Breslauern Elpel- Hoffmann und den Münchenern Jettner- Altenerscheinen, so die bisher ungeschlagenen Lehmann- Wissel, ferner Donath- Fliegel Engelmann- Graffunder. Hoch der Wassersport! Von Palchuen. Bas ein richtiger Wassersportler ist, der tann den Frühling gar nicht erwarten. Bei den Schwimmern 3. B. soll es Leute geben, die auch im Winter das Freibaden nicht lassen tönnen. Die ziehen dann hinaus in Gegenden an die Flußläufe und Geen, nehmen statt der Badehose ein Beil mit und hauen damit ein mächtiges Loch ins Eis um zu baden. Das nennen sie dann abhärten oder so ähnlich. Man sollte diesen Leuten das Beil einfach wegnehmen, denn schließlich wollen doch die Fische wenigstens im Winter ihre Ruhe haben. Und dann wären ja die Fischer auch im Recht. Das Wasser und die Fische sind eben nur ihretwegen da. Wozu haben sie denn ihre Innungen und ihre Privi legien, die ihnen Albrecht der Bär oder sonst jemand aus der Giegesallee verliehen hat. Wenn ich zu bestimmen hätte, würde ich das Baden und Angeln, das Rudern, Segeln und das Dampferfahren, überhaupt den Aufenthalt am Wasser, einfach verbieten. Sollen doch die vier Millionen Berliner sehen wo sie bleiben. Am besten sind noch die Segler dran. Die nageln sich Bretter unter ihre Boote und nennen das Ding dann Segelschlitten. Oft kommt es auch vor, daß kein Eis ist; dann können sie eben nicht fahren. Und wenn welches ist, kommt es ab und zu vor, daß so ein Segelschlitten auf voller Fahrt einbricht, und dann gibt's ein taltes Bad. Aber so etwas soll ja im Sommer auch vortommen, bloß dann nennt man es tentern. Ich habe einmal gesehen, wie so ein Segelschlitten auf dem Müggelsee eingebrochen ist, die haben nicht schlecht auf den Schleppdampfer geschimpft, der die Fahrrinne gemacht hatte, in die sie hineinsausten. Die Mo torbootfahrer find eigentlich am schlimmsten dran. Die fönnen sich kein Loch ins Eis hauen und auch keine Kufen an ihr Schiff machen. Und wenn sie Bech haben und sich beim Frühlings: erwachen ihren Motor ansehen, fönnen sie allerhand erleben. Wer da z. B. aus Bequemlichkeit vergessen hatte, das Del und das Kühlwasser abzulassen, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Del über Winter dick und ranzig wurde und die Kolben und Zylinder festgerostet sind. Dder so eine Attubatterie ist über und über mit Grünspan überzogen, die Bleiplatten sind zerfallen und der Akku hat Schluß" bekommen. Na, wir werden ja sehen. Schlimm haben es auch die Ruderer. Oder hat schon jemand gehört, daß man auf Eis rudern kann? Allerhand Berrüdtigkeiten stellen fie ja an, aber das geht denn doch nicht. Ein Ruberboot ist ja auch schließlich fein Eisbrecher. Das machen nicht einmal die Estimos. Aber einen Ersaz haben die Ruderer doch. Und das sind die Eierfahrten. Ob die„ Eierhäuser" in Treptow daher ihren Namen haben, ist mir nicht geläufig. Einmal hatten wir zu zweien, es war eine Sonnabendnacht im Verurteilte Verleumder. Rote Fahne" leistet Abbitte. Die Berliner Kommunisten haben wieder einmal die Quittung für ihre Bühlarbeit im Arbeitersport erhalten. Im Juli vorigen Jahres warf die„ Rote Fahne" der Berliner Kolonnenleitung des Arbeiter Samariter Bundes anläßlich eines Schiedsgerichtsverfahrens gegen einige Kommunisten ,, tapitalistische Ge fchäftstüchtigkeit" vor, weil die Kolonnenleitung die Einsendung der im Statut vorgesehenen Schiedsgerichtstoften von den Protestlern forderte. Die wiederholten Anpöbelungen durch Leute, die vorgeben, den Arbeiter Samariter- Bund fördern zu wollen, gingen schließlich der Berliner Kolonnenleitung denn doch zu weit. Gegen berufs. mäßige Verleumder muß sich auch der Nachsichtigste zur Behr setzen. Dieser Tage hat nun Termin in der Beleidigungsfache gegen den verantwortlichen Redakteur Otto Steinide stattgefunden, und die„ Rote Fahne" muß heute morgen einen Vergleich neröffentlichen. Wörtlich heißt es in der ,, Roten Fahne": Es erklärt Rechtsanwalt Löwenthal in Bollmacht des Beflagien: Ich habe mich nach Rüdsprache vor dem Richter und Vorlage der Belege davon überzeugt, daß dem Borstand des Arbeiter- Samariter- Bund e. V. irrtümlich der im Artifel der Roten Fahne Dom 15. Juli 1928 angedeutete Borwurf gemacht worden ist. Ich bedauete die Schärfe der Form desselben und daß er über das Maß deffen hinausgegangen ist, was zur Wahrung der Jntereffen, die lediglich beabsichtigt war, erforderlich war. Jch übernehme die Gerichtstoffen und zahle zur Abgeltung fämtlicher außergerichtlichen Kosten der Privatkläger einfchließlich der Sühneatteste einen Betrag von 2003 welhandert Reichsmart und unterwerfe mich wegen der vorFebruar, Nachtmache im Bootshaus. Da es ziemlich talt war, hatten wir mächtig eingetachelt, die ganze Bude roch nach Grogt. Es war noch dunkel, da hämmert es gewaltig an den Toren. Wir sehen uns entsetzt an. Waren es Diebe, waren es Einbrecher? Oder vielleicht gar die Polizei? Wir rühren uns nicht und greifen zu den Schießeifen. Der Spettatel draußen wird immer ärger. Aufmachen, aufmachen," schreien die Draußenstehenden, wir wollen rudern." Da standen denn drei Ruderer und wollten durchaus eine Eierfahrt machen. Nämlich: die Mannschaft des Bootes, die zuerst im neuen Jahr an einem Lotal anlegt, erhält nach einem alten Brauch vom Wirt eine Mandel Eier. Zureden half. Wir ließen Wache Wache sein und fleideten uns um. Brrr, waren die Trikots talt und feucht. Und feiner wollte den Steuermann machen, wegen der Eisbeine". Noch im Dunkeln stachen wir in See, um ja die Ersten zu sein. Zuerst froren wir ganz entfeßlich. Wir hieben zwar mächtig ein, aber die Hände, die wir am nötigsten gebrauchten, wollten nicht warm werden. Der Steuermann tat uns leid. Ganz rot und blau war er im Gesicht. In Köpenick lag schon ein Boot; also weiter, bis zum Müggelsee mußten wir noch. Und wir hatten Glüd, wir waren die Ersten. Wo der Wirt mit einem Male die frischen" Eier her hatte, blieb uns ein Rätsel. Natürlich prangte dann schön mit Kreide gemalt der Name unseres Vereins, des Bootes und der Mannschaft über der Tür der Gaststube. Aber raus kommt bei der Sache auch nichts. Denn was wir da einheizen mußten, um unsere steifen Glieder zu erwärmen, war unbeschreiblich. Als wir mittags die Rückfahrt antraten, soll der Steuermann verschiedene Bogen gesteuert haben. Kein Wunder, bei der Kälte. Nach alledem bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Angelsport doch der gesündeste ist. Die Angler regen sich nicht weiter auf, höchstens, wenn ihnen mal ein Ruderer mit feinen langen Löffeln zu dicht an die Leine kommt und das Wasser aufquirit. Dann schimpfen sie natürlich und behaupten immer, wir verjagen ihnen die Fische oder jetzt hätte gerade einer gebiffen. Hinten und vorn haben sie an ihren Kähnen immer etwas im Wasser baumeln. Sie sagen, das wären die Beutel mit gefangenen Fischen. Ich habe aber einmal im Vorbeifahren gesehen, da hatte einer eine Flasche Bier taltgestellt. Der Angelsport hat auch sonst seine Annehmlichkeiten. Man bekommt keine Blasen an den Händen wie beim Rudern, man fann nicht ertrinken, nicht tentern, wie beim Segeln, man tennt teine Banne, wie beim Motorbootfahren und schließlich fängt man ab und zu etwas allerdings nicht immer Fische! stehenden Ansprüche aus dem Vergleich der sofortigen 3 wangsvollftredung Also ein de- und wehmütiges Abbitteleisten für Berleumdungen, die man in aller Deffentlichkeit vorbrachte. Der alte Grundsatz für berufsmäßige Ehrabschneider:„ Berleumde nur immer drauf los, Bültigkeit, wie lange er aber wirken wird, ist eine andere Frage. etwas bleibt doch hängen", hat zwar bei der Roten Fahne" noch Schon vor einigen Monaten mußte der verantwortliche Redakteur des Bolschewistenblattes eine andere Beleidigung gegen die Berliner Rolonnenführer zurücknehmen. Daß man aus diesen auch für Kommunisten doch immerhin unangenehmen Vorgängen irgend etwas gelernt hätte, fann nicht behauptet werden. Haymann- Charles gesichert. Um die Europameisterschaft im Schwergewicht. Der Dringlichkeitsausschuß der Internationalen Bog- Union hat auf Grund der vorgenommenen Abstimmung bei den Landesverbänden den Beschluß gefaßt, von den vier gemeldeten Bewerbern mur den deutschen Meister Ludwig Haymann und den schon seit längerer Zeit als Titelanwärter vorgemerften Belgier Pierre Charles zum Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht zuzulassen. Die jüngste f. o.- Niederlage Haymanns spielt dabei keine Rolle, denn seine Gesamtleistungen find derart, daß er für einen Kampf um die Europameisterschaft qualifiziert erscheint. Erinnert fei nur an Mar Schmeling, der durch einen Zufallstreffer von Gipsy Daniels geschlagen wurde, menig später aber die deutsche Meisterschaft gewann. Charles hat für den Titelkampf bereits das schärfte Training aufgenommen, zu seinen Sparringpartnern zählen auch die in Deutschland bestens bekannten Belgier Debarbieug und Gas. Beugnis abzulegen von dem gefunden Geist, der die Jugendturner und-sportler beseelt. Als Auftakt des Festes wird die Jugend ein Treugelöbnis ablegen, das seine Wirkung nicht verfehlen wird. In bunter Reihe werden dann gezeigt: Geräteturnen, Stafetten, Stockball, Mannschaftshochsprung, gymnastische Uebungen, einige teine Gipfelleistungen, sondern Uebungsgruppen, die dem llebungsSondervorführungen und lustige Spiele. Frei und ungezwungen, betrieb entnommen sind. Der Abschluß erfolgt durch das Sprechchorwerf Grenzen lose Erde" von Barthel, gesprochen von fünf Einzelsprechern, die die fünf Erdteile darstellen. Das Werk klingt aus in die„ Inter nationale". Das Jugendfest beginnt um 18 Uhr. Hallenöffnung um 17% Uhr. Unfoftenbeitrag 30 Pf. Die Arbeiterschaft sollte nicht verfehlen, diese Veranstaltung der Jugend zu besuchen, zumal sich die FTGB. stets uneigennüßig. der Gesamtheit zur Verfügung stellt. Arbeiter- Hockey und-Tennis. Spieltermine am 13. Januar 1929. Gruppe A: ASC. I- Moabit I, Schönhauser Allee, 14 bis 15% Uhr( Nordring II). Nordring II- ASC. II, Schönhauser Allee, 12% bis 14 Uhr( Moabit I). Oftring I- Nordring I, Laster10% Uhr( Nordring 1). Tennis- Rot II- Moabit 11, Lasterstraße, straße, 10% bis 12 Uhr( Tennis- Rot 1). Gruppe B: Oftring III- ASC.( Jugend), Laskerstraße, 9 bis 13 bis 14% Uhr( Ostring 1). Bankow- Südost, Andreas Hofer- Platz, 11 bis 12% Uhr( ASC.). Frauen: Oftring- Nordring, Lasterstraße, 12 bis 13 Uhr ( Nordring I). Spieltermine für 20. Januar. Gruppe A: AGC. IOftring I, Normannenstraße, 14% bis 16 Uhr( Nordring I). ASC. IINorbring I, Normannenstraße, 13 bis 14% lhr( Oftring I). TennisRot I- Moabit, I, Lasferstraße, 11% bis 13 Uhr( Nordring II). Gruppe B: Tennis- Rot. II- ASC.( Jugend), Laskerstraße, 9 bis 10% Uhr( ASC. 1). Nordring( Jugend)-Süd- Ostring, Schönhauser Allee, 14% bis 16 1hr( Pankow). Pantom- Moabit II, Schönhauser Allee, 13 bis 14% Uhr( Norbring II). Gold und Silber hätt' ich gern..! In Finnland betlagt man sich darüber, daß die berühmten ., Gold" medaillen der Amsterdamer Olympiade gar nicht aus Gold bestehen, sondern mir ,, Silber vergoldet" find. Auch in Paris 1924 und in Antwerpen seien feine reinen Goldmedaillen verteilt worden. Die Schweden 1912 seien die legten Ehrlichen" gewesen, die nicht nur Gold versprachen, sondern auch Gold gaben. Ja, ja, die Jagd nach dem„ Olympischen Orden" bringt seltsame Sorgen. Man muß sich ja über diese Unfairnis der Holländer wundern, denn bei dem Minusposten ausmachen! glänzenden Geschäft torten 90 Goldmedaillen doch keinen so großen Aus Bern hört man, daß im Auftrag der schweizerischen Bundesregierung den Mitgliedern der Schweizer Kunstturnriege, die bei den olympischen Spielen in Amsterdam den ersten Piazz besetzte, als Weihnachtsgeschent je ein goldenes 100- Franken- Stück mit Etui(!!!) überreicht wurde. O die Glücklichen! Olympiade des britischen Weltreiches veranstaltet werden. Die Bor Im Jahre 1930 soll in Hamilton, Kanada, eine Extraarbeiten dazu sind von dem kanadischen Athletikverband schon aufgenommen worden. Außer einem großen Stadion wird ein Schwimmbecken für 20 000 Pfund Sterling gebaut. Man erwartet, wie Sporting Life" schreibt, einen großen propagandistischen Erfolg. Mar Schmeling hat mit einem Bostoner Promoter gleid) nach Beendigung seines Kampfes gegenset yras, den er bekanntlich gut gewann, einen Vertrag für einen Kampf gegen ein erftflaffiges amerikanisches Schwergewicht gegen die Börse von 5000 Dollar abgeschlossen. Der Kampf soll schon Ende Januar steigen. Seine Aussichten, zur Weltmeisterschaftsausscheidung zugelassen zu werden, werden nach der„ Sporting Life" als sehr gut bezeichnet. Touristenverein„ Die Naturfreunde", Abteilung Prenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, Danziger Straße 62, Barade 2, Generalversammlung. Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht. hagen eröffnet seinen technischen Betrieb heute, Donnerstag, Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Der Bezirk Friedrichs18 Uhr, in der Turnhalle Mädchenschule, Friedrichshagen, Wilhelmstraße. Turnzeiten vorläufig Montag und Donnerstag, 18 bis 20 lbyr. Uhr. Interessenten, die die Beschlüsse des ATSB. anerkennen, find als Gäste willkommen. Die Stiefrodenkurse des 1. Kreises finden jeden Freitag von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Gartenstraße 107a, 1. 5of, statt. Die Teilnahme steht jedem organisierten Arbeiter frei. Kursgebühr für den Anfängerfurjus: Erwachsene 2 M., arbeitslose und Jugendliche Arbeitersportler frei. Bundesreue Vereine teilen mit: " Solidarität", Ortsgruppe Lichtenberg. Abt. 1: Freitag, 11. Januar, 20 Uhr, Monatsversammlung bei Wiehe, Friedrichsfelde, Wilhelmstr. 38. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Dienstag, 15. Januar, 20 Uhr, Seimabend, Jugendheim Friedrichsfelde, Alt- Friedrichsfelde, Ecke Schloßstraße. Schachspieler und solche, die es werden wollen, finden Spielgelegen heit jeden Mittwody, 20 Uhr, bei Benthin, Reukölln, Reuter, Ede Bobbinstraße. Lehrkurse für jedermann unentgeltlich. Freie Ruberer- Bereinigung 1913, e. B. Freitag, 11. Januar, 29 Uhr, Sigung im Falkensteiner" Faltensteinstr. 49. Babeabend jeden Dienstag 20 Uhr Schillingbrücke. Bassintubern jeben Sonnabend von 17-20 Uhr im Bootshaus Borwärts", Mitglieder werden aufgenommen. und Räbchenabteilung; jeden Dienstag von 0 lib ungmädchenabteilung und Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Südost- Treptow. Turnhalle: Bouch Straße. Uebungsabende: Jeden Dienstag und Freitag von 18-20 Uhr Anabenund männliche Jugend; jeden Freitag von 20-22 Uhr Männer und FrauenSodepipieler des Bezirks im gotal Bärenschente, Graez, Ede Wildenbruchstraße. abteilung. Am 11. Januar wichtige Gigung aller Fauft, Sandball Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Bankow. Generalversammlung Sonnabend, 12. Januar, 19% Uhr, im Lotal Gängerheim", Florastr. 93. Arbeiter Sportschule Berlin. Behrklaffen der Schwimmerinnen und Schwimmer! Montag, 14. Januar, 20 Uhr, Jugendheim See, Ede Turiner Straße, 1. Rufammenfunft aller weiblichen Mitglieder, die sich für die LehrNach der Besprechung 1. Uebungsstunde, med gymnaftit. Sportkleidung mitbringen. Montag, 21. Januar, 20 Uhr, im gleichen Seim Zusammenkunft der männlichen Mitglieder. Bundesmitglieder, welche besonders fülr Springen Interesse haben, erscheinen unter Borzeigung des Bundesmitgliedsbuches und Ausweises des Vereinsschwimmwartes. Alle Bereinsspringer ber A, B und Jugendklasse müssen zu dieser Besprechung erGelehrt wird 3wedgymnastik und Trockenspringen. iheinen. Nach der Besprechung 1. Uebungsstunde. Sporttleibung mitbringen. Arbeitersportschule Berlin, Lehrklaffen der Schwimmer. J. A.: Mar Schulz. Ruberverein„ Collegia", c. B. Sonntag, 13. Januar, Generalversammlung int Bootshaus. Organisationsausweis mitbringen, sonst fein Stimmrecht. Ferner, Rubern und Babbeln" nour 13. Dezember 1928. Arbeiter Rabfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 13, Sanuar, 13 Uhr, Sirschgarten, Belfrestaurant. Start Waldemarstraße, Ede Mariannenplag. Gäfte willfommen. Geschäfts- Anzeiger Bezirk Norden- Osten. Unsere Manchesteranzüge sind eine gediegene, haltbare Berufs- und Wanderkleidung. Wir führen sie seit Jahren in guten Qualitäten und kräftigen Farben: blau, braun, oliv, grau, grün Neue Schönhauser Straße 8, nahe Bahnhof Börse Wilhelm Vanselow Fahrräder, Nähmaschinen, Sprechmaschinen, Musikinstrumente, Spielwaren, Kinderwagen, Möbel, Gr. Lager elektrischer Artikel aller Art R. 18] Landsgemeindehaus G. m. b. H. Teilzahlung: Kleine Anzahlung, bequeme Raten Reparatur- Werkstätte/ Tankstelle Berlin Tegel, Berliner Straße 88 D Haus Tel. Amt Tegel 188 Butter- Bad Hoffmann Filialen in allen Stadtteilen[ B69 „ Berolina" W. Braunsdorf Konzert- Restaurant Rind- u. Schweineschlächterei Täglich großer Mittagstisch Huttenstraße 2-3 Huttenstraße 2-3[ R. 16 Gotzkowskystraße 23 G. BRUCKLACHER BERLINS/ ORANIENSTRASSE 43 DAS BEKANNTE SPEZIALHAUS Messer/ Werkzeuge/ Schleiferei für die gesamte Industrie GM MALERHÜTTE- BERLIN GH VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 NO18, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR. 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