BERLIN Montag 14. Januar 1929 10 Pf. flr. 21 Bli 46. Jahrgang. erscheint tiglich«nkerSonntag«. Zugleich Abendausgib« de« ,DerirSrt«". Beiugtxrel« beide Au«gabcn SS Pf. pro Woche, 8,«»,ei»ea»rei«! f A. F_*MJt L•0®'"«eklameitile G» IkC�r mA/O/T VtJ Postscheckkonto 77 � TV Berlin �r. 37536. s Die einspaltige Nonparcilleitil» 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. o: Worwürls-Verlag G.«. k. Berlin Nr. S75Z6. Fernsprech«: Dönhoff A« di«»7 Sachverständiaer Morgan. Lleberraschende Wendung in der �eparaiionssrage. New Bor?, 14. Ianunr. Tie bevorstehende Ernennung Morgans zum ame» rikanischen Vertreter im Sachverständigenausschutz wird allgemein auf den Einslust Parter Eilberts zurückge- führt. Man ist der Ansicht, das, das Ansehen Morgans ausgleichend auf die Meinungsverschiedenheiten des Tach» verständige nausschusses wirken wird. Tie amerikanischen Bankiers haben stärkstes Interesse daran, dasi ein Mann wie Morgan den Standpunkt der amerikanischen Finanz- männer bezüglich der Frage der Reparationsbonds klar- machen werde. Dieser Standpunkt geht dahin, daß der Plan, Reparationsbonds auf den amerikanischen Markt zu werfen, vorläufig aufgegeben wird. Morgan wird im Sachverständigenausschuh zum Aus- druck bringen, daß die amerikanischen Bankiers es für d i c nächste Zeit nicht praktisch und nicht wün» schenswert halten, Reparatiousbonds in Amerika zu ver- kaufen. Morgan werde, so verlautet weiter, verlangen, daß die Höhe der deutschen Iahreszahlungen sowie die Tauer dieser'Zahlungen festgelegt werde, damit die Ungewißheit beseitigt sei, die der Unterbringung deutscher Reparationen in Amerika entgegenstehe. Reparation»- bonds könnte« nicht auf dem amerikanische« Markt unter- gebracht werden, bevor nicht die Reparationszahlungen mit anschließendem Transfer einige Fahre weiter und dadurch das notwendige Vertrauen in die Stabilität der Durchführung der Reparationszahlungen hergestellt fei. Tie Tawes-Sachverständige« hätten selbst erklärt, daß die Erfahrung lehren müsse, wie weit die Aufhebung des Transferschutzes möglich sei, ohne die deutsche Währung zu gefährden.__ Heimaibündler im Elsaß gewählt! Aussichtsreiche Stichwahl In Kalmar. Paris, 13. Januar. Die Kammerersatzwahl im elsässischen Wahlkreise A l t k i r ch am Sanntag führte zur Wahl des autonom i/tischen Kandidaten Stürm«!, der 7144 Stimmen«rhielt gegen den unab- hängig-nationalen Kandidaten und früheren Aogcordnetcn Silber. mann mit 3630 Stimmen. siolmar, 13. Januar.• Bei der Kammerersotzwahl in Kalmar erhielt der Auto- n o m i st l? a u h als Kandidat der Vereinigten Elsässer 8690 Stimmen. Der Nationolkatholit Hanser erhielt 4339 Stimmen, der va- zialist Richard 3389, der Kommunist Mürschel 2835 Stimmen. Haus, wird am nächsten Sonntag in der Stichwahl wahrscheinlich statt Professor Rosse gewähll werden. Kurchtbarer Frost in polen. ÄiS zu 32 Grad. Warschau. 14. Januar. In Ostpolen hat die Kälte am Freitagmorgen ihren Höhepunkt erreicht. In ganz Ostgalizien wurden durchschnittlich 2 5 Grad Kälte gemessen, ebenso in Wolhynien. Der tiefste Thermometer- stand mit minus 3 2 Grad wurde bei Kolomyja gemessen. Sibirische Kälte in Italien. Woiland, 14. Januar. Italien wird gegenwärtig von einer Kältewelle heim- gesucht. In der Sonntognacht fiel dos Thermometer in Mailand auf sieben Grad unter Null. In Barcse und Bergamo ist die Kälie noch größer. In einigen Ortschaften zählte man sogar 14 Grad unter Null und aus den Höhen oberhalb Bergamos 18 Grad. Auf den Bergen m der Gegend von Tricnt zählte man 28 Grad Kälte. In Modena sank die Temperatur auf 13 Grad unter Rull, Seit den letzten 3 0 Jahren ist ein« solche Kälte nicht zu v�r zeichnen gewesen. Im Apennin schneit es noch immer. Im Sesio-Tal wurden drei Skifahrer von einer Lawine verschüttet, konnten aber wieder ausgegraben wer- den. Zwei von ihnen find die Arme und Beine erfroren. Der dritte wurde durch einen Ski schwer verlegt. Sclbst bis nach Sizilien reicht das Gebiet des Frostes.'Aus der Umgebung Don Syrakus wurde jogar»in Schneesturm gemeldet. Großfeuer in der Lindenstraße. Lagerkeller unter der Lindenpaffage in Flammen. Zn der.Handels statte Velle-Alliance' entstand heute mitlog in einem großen Lagerkeller der Maschinenfabrik von Skenzel Feuer, das in kurzer Zeit große Dimensionen annahm. Die.Handelsstätte Belle-AUiance" in der Lindenstraße, die durch eine Passage mit der Friedrichstraße in Verbindung steht, beherbergt in ihren Mauern zahlreiche Maschinen- und Buchdrucke- reibetriebe. In dem rechten Flügel, etwa in der Mitte der Passage, sind die Lagerkeller der Maschinenfabrik der Firma Stenzel. Gegen 12 Uhr bemerkte ein Lagerarbeiter starken Brandgeruch. Aus einem verschlossenen Lagerkeller, in dem verpackte Maschinenteile, Packmateriolien und Holzfisten oufgestopckt waren, drangen dichte Rauchschwaden hervor. Die Feuerwehr wurde alarmiert und rückte .zunächst mit zwei Löschzüge» an. Inzwischen hatten die Flamme» jedoch auf die angrenzenden Keller übergegriffen. Als die Feuerwehr an der Brandstelle eintraf, waren sämtliche Keller von mehreren hundert Meter Ausdehnung derart ver qualm I, daß zunächst nicht zu erkennen war. wo der Hauptbrandherd lag. Aus allen Kellerfenftern, aus den Kellerzugängen in der Mitte der Pasjage, quollen ungeheure Rouchniassen hervor. Wegen des ge- waltigen Umfonges der Brandstelle mußte fünfter Alarm, das heißt Großseuer, an die Hauptfeuerwoche weitergegeben werden und drei weitere Löschzüge, sowie zwei Rettungewagen rückten an. Mehrer« im Parte rregeschoh gelegene Betriebe waren bald so stark ver- qualmt, daß sie auf Anordnung der Feuerwehr von den Beleg- schaftcn geräumt werden mutzten. Neben der starken Berquolmung erschwerte die Hitzeentwicklung die Löschaktion. Die Feuer- wehrleute, die nur mit Sauerstosfapparatcn ausgerüstet in den brennenden Keller eindringe» konnten, imitztcn olle zehn Minuten van neuen Manns choitcn abgelöst werden. Bei Schluß des Blattes sind die Arbeiten noch voll im Gonge. Der genaue Umfang des Feuers und der Schaden ist noch un- Aul flci Flndif ersdiosscn. Trotzhi von der Sdiftilclnstraße. Berichte 2. Seite bekannt. Eine starte Menschenmenge hatte sich in der belebten Verkehrsstraße angesammelt, so daß eine Hundertschaft Schupo eingesetzt werden muhte, die umfangreiche Absperrungen vornahmen. Tragödie eines Greisenpaares. 3n ihrer Wohnung A n k l a m e r Straße 30 wurde heute mittag die 72jährige Witwe Karoline Quast und ihr SZjährigcr llnlermieler, der Renlenempsänger Max hasse in den Vellen liegend t o l ausgesunden. Das Zimmer war völlig mit Gas angefüllt. Der Hahn der Lampe stand weit ossen, der Schlauch vom Gaskocher war entfernt worden. wie au» hinterlassenen Briefen hervorgehl, Ist das Sreisen- paar wegen wirtschaftlichen Sorgen gemeinsam in den Tod gegangen. Eine zwölfjährige Heldin? Wien, 14. Jommr.' In der Ortschaft Perchau im Bezirk Curau in Steiermark ereignete sich eine furchtbare Tragödie, bei der d r e i K i n d e r den Tod fanden. In einem Neinen Arbeiterhaus war während der Abwesenheit der Eltern eine Benzin könne explodiert und setzte im Nu sämtliche Möbel des Zimmers in Brand. Das zwölfjährige Töchlerche» des Arbeiters und ihre fünf Geschwister erlitten durch die Explosion schwere Brandwunden. Während die jüngeren Geschwister vor Schmerzen bewußtlos liegen blieben, versuchte das zwölfjährige Mädchen trotz furchtbarer Brand- wunden ihre Geschwister zu retten. Der Reihe nach schleppte sie alle fünf ins Freie, dann brach sie selbst bewußtlos z»- stimmen. Zwei der Geschwister, ein drei, und«in sechsjähriger Bnider, starben sofort an de» erlittenen Brandwunden. Auch das heldenmütige Mädchen erlag ihren schweren Verletzungen. Die kanadische Regierung hat den elzemaligen Abgeordneten für Montreal, Herbert Walker, zum kanadischen Gesandten in Tokio. ernannt. Winter bei ffierlin Ein Sonntagsbild vom Wannsee, dessen gefrorene Fläche wie zum Segelschlittensport so auch zum Eislauf einladet,-»a Die gewechselte Armbinde. Spartakisteaführer von 19m Dos Nachsleheode würde von der„Roten Fahne" sicher als Lüge und Verleumdung vezeichnet Verden, wenn es im„Vorwärts' ge- standen hätte. Da es aber ein kommunistischer Arbeiter in det „Raten Fahne' selber berichtet, so muß es wohl geglaubt werden. Der Betreffende, er heißt F. Hermann, schildert die Einnahme des Berliner Polizeipräsidiums, zu dessen spartotistischer Besatzung er gehört hat, durch Regierungstruppen am 12. Januar ISIS. Da liest man denn in der„Roten Fahne": Unter den mit einer weißen Armbinde ausgerüsteten Noskiden bemerkte ich so manches bekannte Gesicht. Ein« ganze Reihe von Leuten, die vor noch nicht einmal einer halben Stunde mit der roten Armbinde am Mantelärmcl zum Teil eine maßgebende Rolle gespielt hatten, bearbeitete jetzt ihre„Mitkämpfer' mit dem Gewehr- kalben. Eine Ironie der Weltgeschichte. Aber zugleich auch «in Aeichen, mit welcher Sorglosigkeit jeder, der sich uur erbot, für Spartakus zu kämpfen, ein Gewehr in die Hand gedrückt bekam. ohne daß er erst auf herz und Nieren geprüft worden wäre. Solche Ueberläufer Hot es in der Tat gegeben. Es waren eben viel weniger politisch Ueberzeugte, die damals fochten— die meisten Arbeiter lehnten jedes Blutvergießen ob—, als in der Mehrzahl allerhand zweifelhafte Raufbolde, die«» mit der jeweils stärker er- scheinenden Partei hiellen. Auch auf Regierungsseite waren sie zu finden, sicherlich, und nicht die wenigsten von diesen kamen, als die Loge umschlug, aus dem anfangs stärkeren Sportakuslager übergelaufen, nachdem sie dort, wie die„Rote Fahne' zugibt,„eine maßgebende Rolle' gespielt hatten. Aber Hot, so fragen wir. die„Rote Fahne' noch solchen Zuge- ständnissen irgendein moralisches Recht zu„flammender Entrüstung', wenn solche Elemente— auf beiden Sellen!— Roheitsexzesse begangen haben?! Spartakus war es doch gewesen, der diese Geister auf den Plan rief! Kommunistische Roßtäuscher. Angst vor der eigenen Courage. Von einem Parteigenossen wird uns geschrieben: In der Freitag-Ausgabe des„Vorwärts" wurde umer der Ueberschrist: Rot-Jmmertreu-Front! über das Verhältnis des Roten Frontkämpfer-Bundes zu dem aus fragwürdigen Elementen zu- sannnengesetzten Verein„Jmmertreu' berichtet. Die kommunistische „Arbeiter.Illustrierte' hatte«in Bild von d«r Beerdigung eines Mitglieds des Vereins gebracht, auf dem auch eine Fahnen- deputation des Roten Frontkämpfer-Bundes zu sehen war. Die Redaktion der„Arbeiter-Jllustrierten' hatte das Bild mit abfälligen Bemerkungen über den Acrein„Immertreu" versehen, um nicht den Verdacht der Gesinnungsgemeinschaft aufkommen zu lassen. Di«s«s Malheur wurde mit Recht vom„Vorwärts' glossiert. Mein Weg zur Arbeitsstätte führt mich täglich durch die Hede- »wnnstraße an dem Verlag der„Roten Fahne' vorbei. Wie immer, waren auch hier alle Seiten der betreffenden Nummer der„Arbeiter- Illustrierte' am Schaufenster angeklebt. So auch Freitag morgen noch. Am Abend des gleichen Tages war wohl noch die tammuniftische illustrierte Zeitung am Fenster zu sehen, jedoch die verhängnisvolle Sejte mit dem Beerdigungszug von Immertreu- und Rotfrontkämpferleuten hatte man schleunigst entfernt. Anscheinend war selbst den Kommunisten der Schwindel, den man den Lesern vorsetzte, zu dumm. Man suchte daher nach Möglichkeit die Blamage abzuschwächen. pieckerei am Grabe. S,e„lose" Kundgebung der KPO. Ein«„lose Demonstration' nannten die Kommunisten ihre gestrige Kundgebung an den Gräbern Karl Liebknechts. Rosa Luxemburgs und der übrigen Opfer der Berliner Straßenkämpfe 1018/19. Das Demonftrotionsoerbot des Berliner Polizeipräsidenten hatte sie veranlaßt, nicht in geschlossenen Zügen, sondern in kleinen Gruppen nach dem Friedhof in Friedrichs- feld« zu gehen. Die Beteiligung an der Veranstaltung war, wie es bei dem Anlaß ja nicht anders zu erwarten war, sehr rege. Die zahlreich aufgebotene Polizei oerhielt sich erfreulicherweis« sehr zu- rückhaltend, und es kam bis aus einen Fall nur zu belanglosen Zwischenfällen.— Am Massengrab hielten Vertreter der Kommu- nisttschen Partei, des„Roten Frontkämpferbundes" und der Kom- mumstifchen Jugend Ansprachen. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß sie sich nicht mit einer Würdigung der Persönlichkeiten Liebknechts und Luxemburgs befaßten, sondern sich auf eine wüst« Polemik gegen die Sozialdenmkratt« beschränkten. Pieck beispiet»- weif« sprach in der houptre-de nur von dem„Verrat der Polizeisozia- listen". Kleinere Züge, die sich beim Abmarsch vom Friedhof bildeten. wurden von der Schutzpolizei ohne Schwierigkeiten a u s g« l ö st. Etwa 19 Siftiert« sind noch im Laufe des Sonntags wieder entlassen worden. Gegen Gewerkschastsspaliung! Einsicht der RechtStommunisten. Das Organ der deutschen Rechtskommuniften. das Ossenbacher ..Aolksrecht', erläßt einen schallenden Warnruf gegen da» ver- hängnisvolle Treiben der Stalinisten. Es stellt fest: Der Kurs Stalins, der Kur» Lofowfkys und ihrer Unter- generale in Deutschland: Thälmann. Remmele, Werter ist auf die Spaltung der freien Gewerkschaften, aus die Bildung neuer Verbände gerichtet. Dazu bemerkt nun da- genannte Blatt: Die Bildung neuer Verbände in Deutschland, die Spaltung der freien Gewerkschaften wäre ein Derbrechen an der Arbeiterschaft. Die historisch« Form der gewerkschaftlichen Zusammensassung der Arbeiter in Deutschland sind die s r e>« n Gewerkschaften. Man kann sie nicht zerstören md man soll auch nicht den Versuch dazu machen. Das ist ganz ungewöhnlich treffend. Nur ist nicht einzusehen, w�rum«» für die politisch« Arbeiterbewegung nicht ebenso gelte» soll, wie für die gewerkschaftlich«.„Die Bildung neuer Arbeiterparteien, die Spaltung der Sozialdemokratie ist ei» Verbrechen an der Arbeiterschaft. Die historische Form der politischen Zusammensosiung der Arbeiter in Deutschland ist die So.'ialdemokrotie. Man kann sie nicht zerstören — s>rh« die Ersahrung der legten zehn Jahre— und man soll auch icht den Versuch dazu machen." LlnterschlageneKrankenkassengelder Oer Inhaber der Menschenfatte in der Gchönleinstraße zu Gefängnis verurteilt. Herr T r o h k i. der Inhaber der durch Feuer zerstörten Radiosabrik In der Schönleinstraße, über dessen liederliche Selriebsführung nach dem Brandunglück mehrfach berichtet wurde, stand heule vormittag unter der Anklage der Unterschlagung von Srankenkassengeldern vor Gericht. Nachdem der Prozeß einige Male vertagt werden mußte, weil es der Zlngetlogte immer vorgezogen hatte, nicht zu erscheinen, war Trotzki heut« zum Termin erschienen. Die Anklage warf dem braven Unternehmer vor, daß er seit dem 1. Dezember 1324 bis in die letzte Zeit sortgesetzt K ra n k« n ka s s e n b e it rä g e unterschlagen habe. Herr Trotzki wußte aus diese Anklage nur zu antworten, daß er nie Geld gehabt hätte, Löhne und Miete, geschweige denn soziale Beiträge zu zahlen. Mit einer zynischen Offenheit erklärte er, daß er nie voll« Löhn« gezahlt Hab«. Jedenfalls hat Herr Trotzki ein sehr gutes Geschäft gemocht, denn nachdem die Arbeiter wegen unpünktlicher Lohnzahlung kündigten, erhielten sie auch kein Geld mehr. Herr Trotzki leistete lieber Offenbarungseide in Massen. In vier Jahren waren die Kronkenkassenbeiträge auf Zt>9<1 Mark angewachsen, und wie ein Hohn wirkte es. als vor Gericht bekannt wurde, daß Herr Trotzki 26 Mark davon im letzten Jahre abgetrogen hat. Die Kronkenkasie Hot versucht, Außenstände zu pfänden und Materiol zu beschlagnahmen, angeblich hatte aber Herr Trotzki keine Mittel mehr, um wenigstens einen Teil der Beiträge zu bezahlen. Alle Mahnungen der Kronkenkasie blieben ohne Antwort. Auch vor Gericht wußte Herr Trotzki nichts zu seiner Verteidigung zu sogen. Erst als der Vorsitzende des Amtsgerichts, Graf v d. Schulenburg, Herrn Trotzki energisch klarmachte, daß ihn wegen sortgesetzter Unterschlagung eine Gefängnisstraf« erwarte, fand der Angeklagte die Sprache wieder. Der Amtsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis, da, Gericht erkannte auf sechs Wochen und bedingte Straf- aussetzung. Ein sehr mildes Urteil für einen Mann, der mit so rücksichtsloser Brutalität junge Arbeiter ausbeutete und ihnen nicht einmal dafür den an sich schon kargen Lohn zahlte. Auf der Mucht erschossen. Erpresser im Kampf Mlt Polizisten. Ein Kamps mit einem stüchtenden Verbrecher, der mit> dem Tode de» Flüchtigen durch eine poltzeikuget seinen Abschluß fand, spielte sich in der Nacht zum Sonntag in der voßstraße ab. Der 23 Jahre alte Steinhauer Ernst D r e w s, der sich ohne Wohnung in Berlin aufhzxtt und mit Vorliebe gewisse E r- Pressungen verübte, war seil einiger Zeit mehrfach dabei beob- achtet worden, daß er sich vor dem Brandenburger Tor und am Eingang de- Tiergartens an den Bedürfnisanstalten zur Nachtzeit umhertrieb. In der Sonntagnacht sahen ihn die Beamten der Autostreife wieder und der Beamte K. stieg aus und nahm ihn fest. D. fiel über den Beamten her und es entstand ein Hand- gemenge, bei dem der kleinere Beamte zu Fall kom. Die Käme- raden des Angegriffenen kamen ihm zu Hilfe, D. wurde festgenom- wen und sollte im Auto nach der Wache in der Voßstraße gebracht werden..Kurz vorher sprang er aus dem fahrenden Wogen und versuchte zu flüchten. Der Beamte K.. der neben ihm gesessen hatte, folgte ihm eiligst, die anderen wurden an der Verfolgung dadurch verhindert, daß der Wagen auf dem beschneiten schlüpfrigen Pflaster ins Gleiten kam und nicht sofort halten tonnte. D. stürzte sich wiederum auf den Beamten und drückte ihm mit einem Jiu-Jitsu-Griff die Kehle zu. Der Beamte, der am Er- sticken war. griff noch seiner Pistole und gab zunächst einen Schreck- schuß ab. der aber nichts half. Jetzt schoß er auf seinen Gegner und traf ihn in die recht« Brustseite. Der Verletzte wurde nach der Rettungsstelle in der Eichhornstraße gebracht, st a r b aber dort bald nach der Aufnahm«. Durch die sofort«in- geleiteten Zeugenvernehmungen wurde festgestellt, daß der Beamte K. sich in Notwehr befunden hat. Mord am Gchiffbauerdamm? Eigenartige Selbfibefchuloigung eines Zwanzigjährigen. Mit einer schweren Selbstbefchuldigung, für die bisher noch keine Bestätigung gesunden werden konnte, meldete sich gestern abend gegen 19 Uhr«in 29 Jahre alter Maschinenschlosser Wilhelm W. auf der Wach« des 19. Reviers in der Mexanderstr ZS. Er gab an, in der Nähe des Schlüterstegs ein ihm unbekanntes junges Mädchen indie Spreegeworfcnzu haben. Nach seiner Behauptung, die noch sehr der Nachprüfung bedarf, lernte W. am Oranienburger Tor ein Mädchen von etwa lö— 16' Jahren kennen, ohne»ach Namen und Wohnung zu fragen. Noch dem Besuch mehrerer Lokale ging er mit ihr in südlicher Richtung die Friedrichstraß» hinaus. An der Weidendammer Brücke verlangte er von seiner Begleiterin, daß sie die Nacht mit ihm zubringe. Sic lehnte dos ober«mschieden ab. Beide gingen nun am Schiffbauer Damm entlang. Als das Mädchen bei seiner Weigerung blieb, wurde W. tätlich. Im Streit packte er sie an den Hüften und wart sie in der Nähe des Schlüterstegs in die Spree. Er hört« nur noch einen einzigen Aufschrei, dann ging dos Mädchen unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Die Ertrunkene war, wie er sagt, etwa 1,69 Meter groß, hatte hellen Bubikopf und klein« schmale Hände, war ohne Kopsbedeckung and trug dunkelgrünen Mantel, hellgraues Kleid, helle Srrümpsc und Halbschuhe. Sie sprach Bcr- lmer Mundart. Bei sich hatte sie eine dunkelbraune Handtasche. Die Mordinspektion, der der junge Mann vorgeführt wurde, hat die Ermittlungen ausgenommen. Bisher ist noch niemand gesunden, der von dem behaupteten Vorgänge etwas wahrgenommen hätte. Auf den Revieren, die in Betrocht kommen können, ist auch noch nichts bekannt. Bei W. fand man ein Notizbuch mit einem Der- merk, noch dem er sich einmal das Leben nebmen wollte. Dazu g'bt er an, daß er sich am 12. August 1326 in der elterlichen Woh- nung in der Riemannstraße zu Salz wedel einen Messerstich in die Herzgegend beigebracht Hobe. Geringer Verdienst soll ihn dazu veranlaßt haben. Er bchauplet. daß er stark sinnlich veranlagt sei und öster Herzbeschwerden Hab«. Nach Berlin sei er erst am 1l. d. M. gekommen, um hier„das Leben zu genießen' Anfragen der KriminalpoliZe' in der Heimat des jungen Mannes werden wohl bald Klarheit darüber schaffen, ob man es mit einem geistig ae- sunden Menschen zu tun hat. Die Meineidsfabrik vor Gericht. Krau Ohlerich endlich geständig. Ztlit der sogenannten vleineidssabrik der Frau Verla Ohlerich hat sich heute zum dritten Male ein Berliner Schwurgericht zu beschästigea. Viermal ist e» eine MasfenmeineldsantlogemilloAngeklagten. deren Verhandlung vor dem Schwurgericht I. unter Vorsitz von Landgertchlsdirektor vr. S t e r n h e i m. begann. Entstanden ist der Rottenkönig von Meineidsprozessen au, einer Bagatellsache: Frau Ohlerich wollte ihrem geschiedenen Ehemann, den sie ver- lassen hatte, einige alt« Sachen, darunter eine Nähmaschine, einen Nähtisch und eine Flurgarderobe, nicht heraus- geben. In den dara'u» entstandenen Zioilprozessen beschworen eine Reihe von Personen die Behauptung der Frau Ohlerich, daß die Sachen von ihr verkauft und au» der Wohnüng weggeschafft worden seien. Dann aber erklärt« in einem Wucherprozeh gegen Frau Ohle- rich der angebliche Käufer, ein Bäckermeister Ahr, plötzlich al» Zeuge vor Gericht: „Ich leiste keinen neuen Meineid mehr". In dem nunmehr gegen Ahr eingeleiteten Meineideprozeß, in welchem auch Frau Ohlerich wegen Anstiftung angeklagt worden war, suchte Frau Ohlerich entgegen dem aufrechterhaltenen Geständnis des Ahr vor dem Schwurgericht III diesen als unglaubwürdig hinzustellen. Sie ließ ein« Schar von Zeugen auftreten, die sämtlich beschworen, daß die Möbelstücke in die Wohnung des Ahr ge- schafft worden seien und die teilweise auch Zeugen des Kauf- Vertrages gewesen sein wollten, hinterher hat sich jedoch ergeben, daß Ahr Frau Ohlerich erst viel später überhaupt kennen gelernt hatte, und daß er gar kein Schimmelgespann besitze. Um Weih- nachten 1327 war Frau Ohlerich erneut vor dem Schwurgericht I philharmonisches. „Mich hätte so leicht man nicht betört," sprach Bäcker Brösel beim Zeitunglesen. „Eine Frau, die sich ernst« Musik anhört, die wäre für mich sowieso nichts gewesen." • Ein jeder bestaunt« den andern verwundert: „Wie kommt denn solch Mensch in die Philharmonie?" Und so erkannten sich die Zweihundert. Ueberschrist: Seetensympathi«! « Es scheint, daß bei diesem Billettgeschiebe Eine alte Erfahrung in nicht» zerfiel: Di« Männer hatten wohl Pech in der Liebe, trotzdem Frau Mayer kein Glück im Spiel! Jonathan. angeklagt. Ihr« Freundin, Helene M i t t e n d o r f, die nunmehr auch ein Geständnis abgelegt hotte, zu mehreren Meineiden angestiftet zu hoben. Sie bestritt wieder jede Schuld, obwohl im Lause der Verhandlung ein Teil ihrer Schwurzeugen zusammenbrach und Geständnisie ablegte. Andere Zeugen ober leisteten zum zweiten und dritten Mal« damals«inen Meineid. Es stellte sich im Laufe der früheren Verhandlungen durch die geständigen Schwurzeugen heraus, daß Frau Ohlerich vor dem ersten Meineideprozeß ihre Zeugen zu sich zum Kosfee geladen und ihnen«ingeredet hatte, was sie auszusagen hätten, daß sie gewissermaßen eine Meineidsqeneralprobe abgeholten hatte. Frau Ohlerich, die sich jetzt nur noch mit ihrem Mädchennamen Berta Wunsch nennen darf, ist inzwischen wegen mehrfacher Anstiftung zum Me. neide rechtskräftig zu i'A Jahren Zuchthaus verurteilt worden und verbüßt diese Straf« jetzt in der Strafanstalt in Sagon, von wo sie heute dem Schwurgericht I oorgesührt wurde, um sich wegen Anstiftung zu 16 weiteren Mcin- eiden und einer Reihe von falschen eidesstattlichen Versicherungen zu verantworten. Kurz nach Eröffnung der Verhandlung erbat ihr Verteidiger, Dr Pindar, ihm Gelegenheit zu geben, auf Frau Ohle- rich, die schwer krank sei, in einer Besprechung einzuwirken, ob sie nicht nunmehr«in Geständnis ablegen wolle. Nachdem die Ver- Handlung daraufhin kurze Zeit unterbrochen worden war, legte Irau Ohlerich unter Tränen endlich ein Geständn s ob, daß sie den ganzen Kaufvertrag mit Ahr und den Abtransport der Sachen erdichtet gehabt habe. Ihre Ehe sei unglücklich gewesen, so daß sie ihren Mann oerlassen mußte. Da sie völlig verarmt war, hätte sie wenigstens die wenigen Sachen retten wollen. Mit der Nähmaschine habe sie sich ihren Lebensunterhalt erwerben wollen. Vors.: Es war doch aber unrecht, daß Sie andere Leute noch hineingezogen uns ins Unglück gebrocht haben. Angekl. Berta Ohlerich: Ich war in solcher Aufregung und Not, daß ich mir der Tragweite nicht bewußt gewesen bin. Dann brach die Angeklagte zusammen und konnte nicht weiterreden Die etwa 25 Jahr« alte Gertrud Moni- kowski, die bei dem Ehepaar Ohlerich zu Miete gewohnt hatte und mit Frau Ohlerich mitgezogen war, halte beschworen, daß die Sachen mit Genehmigung des Herrn Ohlerich verkauft worden seien. Sie muhte jetzt zugeben, daß sie dos von Herrn Ohlerisch sechst nie ge- hört habe, sondern daß Frau Ohlerich»» ihr immer wieder erzählt hätte, so daß sie es schließlich glaubte. Die Verhandlungen werden etwa drei bis vier Tag« dauern. Sir Eharles Abbes und Sir Basel Blackett sind zu stell- vertretenden brittschen Delegierten für den Ausschuß zur endgültigen Regelung der Reparationssrag« ernannt. Theater t Vera Skoronel tanzt. Matinee in der Volksbühne. Vera Skoronel, Schülerin von Berthe Trünipy, hat sich ihren Weg gebahnt. Wenn diese Tänzerin heute aus dem Podium steht, so suhlt jeder, der auch nur einig« innere Verbundenheit mit dem modernen Tanz hat: hier steht eine Könnerin— in gewissem Sinne schon: eine Meisterin. Diesen Titel freilich verdient Vera Skoronel noch nicht bedingungslos. Denn noch ringt sie um ihren Tanzstil, sucht ihn auf verschiedenen Wegen, ohne ganz klar und unbeirrt den ihr gemäßen zu erkennen. Dabei kommen dann bisweilen auch Tänze zustande, die man bei einer guten Durchschnittstänzerin er- freut hinnehmen würde, die aber nicht befriedigen, wenn eine Skoro- nel sie bietet. So zeigte sie in ihrer Tanzmatinee in der Volksbühne eine„Skizze", in der sie sich im kindlich-spielerischen Tanz versucht, der— auch in der voiv-grotcsken Schlußpose— an Tänze der Pa- lucca erinnerte. Aas Temperament der Skoronel ist aber viel zu brennend, um dies« leichte entspannte Heiterkeit ganz echt werde» zu lasten. Es hastet ein Rest von Bewußtheit an diesem Spiel. Auch der„Tanz des wilden Gottes"', der den Untertitel„Mächtig" trug, stt nicht völlig wesensecht. Kraftvolle Wucht, wie sie hier angestrebt wird, steht mit dem Temperament der Skoronel wie mit ihrer zier- lichen Erscheinung in Widerspruch. Dagegen ist der zweit« dieser „Tänze des wilden Gottes", den sie„Frohlackend" nennt, ein« Glanzleistung. Triumphierend beherrscht sie hier die Bühne mit der Federkraft ihrer Glieder, mit dem Wirbel ihrer tänzerischen Schwünge. Im übrigen wurde eine Fülle tänzerischer Vollendung geboten. Vera Skoronel hat auf technischem Gebiet nahezu Vollkommenheit erreicht und damit in praktischer Beziehung unbegrenzte Ausdrucks- Möglichkeiten gewonnen. Körper und Glieder gehorchen ihr ohne jedes Widerstreben, ohne daß dem Zuschauer der Begriff„Technik" dabei überhaupt noch fühlbar wird. Mit das schönste der Matinee war«ine„Phantasie über althebräische Weisen". Die Skoronel gab hier eine Verknüpfung von leidenschastlich-temperamentvollen Gesten und strenger Gebundenheit, die aber in der Stroffung der Gebärde dl« verhaltene Glut fühlbar macht«. Die Gruppe nahm die täizze- rische Grundidee auf und gestaltet« sie„grotesk gesteigert". Diese Kammergruppe ist hervorgegangen aus der Meisterklaste der Tanz- schule Trümpy und verfügt über ein treffliches technisches Können. In den Gruppentänzen zeigte Vera Skoronel eine außer- ordentliche Begabung für Tanzkomposition. Die Tänze sind formal wie inhaltlich glänzend aufgebaut. Aus ihnen spricht ein« meister- Haft« Raumbeherrschung und immer eine klare, einheitliche Grund- idee. In dem wundervollen„Tanz der Demut" ist jede Linie ge- schlosten, der ganze Tanz der Ablauf einer klar vorgeschriebenen Kurve, die sich weich in weitem Kreisbogen auflöst. Eine Fülle von glänzenden Solotänzen der Skoronel und von Gruppentänzen boten sich den Zuschauern dar. Am Flügel saß eine hervorragend gute Be- gleiterm: Ilse Scherler, der die musikalische Formulierung der Tänze mit einer genialen Einfühlsamkeit gelang. Ein Tanz, der aus dem Rahmen heraussiel— ohne daß man ihn hätte misten mögen— soll besonders genannt werden. Es ist dies der„Komische Spaziergang", eine Tanzparodie, in der sich weniger bedeutendes tänzerisches Können als tänzerisches Temperament ent- falten kann. Die glänzend« Tanzregie der Skoronel hat hier eine sehr heitere Tanzszen« zusammengestellt, in der vom Ballett bis zum lyrischen Tanz und Apachentanz all« Tanzstile auf das Vergnüglichste verulkt werden. Ilse Scherler begleitete die Szene sehr lustig mit „Salonmusik". Truäe E. Schule. >nt> Ulm. „Kreuz und quer durchs Mitielmeer." Kammerlichtspiele. Oberingenieur D r e y e r hat hier in Berlin eine treue Gemeinde, die die Art seiner Film« und die Weis« seines Vortrags liebt. Er bringt als Ausbeute seiner Fahrten keine wissenschaftlichen Dokumente, ober er bringt lebhaste Reisefiime. Dreyer geht!mn«r gut vorbereitet aus die Reise, so daß er an Ort und Äell« im Augenblick weiß, woraus es ankommt: sein« Erfahrungen mehren sich, und seine Filme werden besser und besser. Diesmal hat bei den Streifzüge» durch Stätten alter Kunst und Kultur der Photograph Hugo Urban sehr viel Gutes geleistet. Bringt er doch nicht nur klar« und schöne Ausnahmen, sondern hält auch das typisch Malerische im Landschafts- bild fest. Di« Reise ist.recht ergiebig, sie führt nach Portugal, Spa- nien, Algier, Italien, Hellas, Palästina usw. Von Barcelona aus macht man«in« Fahrt nach dem Montserrot und wird ganz be- nommen von der wunderbar eigenartigen Stimmung, die ausgeht von den gigantischen Wächtern des heiligen Grahls. In Messina stehen noch die Holzbaracken, die nach dem surchtbaren �Erdbeben st» Jahr« 1908 von deutschem und amerikanischem Geld« gebaut wurden. Sie werden noch heute als Wohnungen benutzt, denn mit dem Aus- bau geht's dort nicht so schnell. In den orientalischen Teppich- knüpfercien sehen wir ein uns mit Schaudern erfüllendes Bild von Kinderarbeit. 380 000 Knoten find pro Quadratmeter Teppich erfor- derlich! Solche Wert« können nur Arbeiter schassen, die so gut wie gor keine Ansprüche ans Leben stellen. Wir erblicken das zwangs- modernisierte Konstantinopel, das kein orientalisches Gepräge mehr hat und dos— würde es nicht im Besitze seiner Vloschecn sein— eine richtige titschige europäische Stadt wäre. Polästino, das Land der drei großen Religionen, hat ostenbor auf den Filmregisseur einen sehr tiefen Eindruck gemocht. Wir sind gefangengenommen von Kairos Pracht, dieser märchenhaft schönen Großstadt zwischen zwei Wüsten. Der eingeschobene Tricksilm, der den Pyramidenbau oeranschzulicht, vertritt freilich ein« stark anfechiborc Theorie. Interessant stt auch der große Nilstaudamm, dessen simirciche Einrichtung drei Ernten in einen, Iichr« ermöglicht. Wohlüberlegt handelte der Photograph, indem er Szenen aus dem Volksleben mit Fernobjekt ausnahm. e.h. „Die Nordsee." Die Deutsche Gesellschaft für Meercsheilkunde veranstaltete eine Vorführung ihres Kulturfilmes„Die Nords«" in, Ufa-Palast am Zoo. Es wird darin an anschaulichen Beispielen die Einwirkung von M«ressonnc, Wind und Wellen aus den schwachen oder kranken Körper nochgewiesen und die Bedeutung der Nordsee für Erholung und neue Erziehungsideolc dargelegt. Zugleich werden Land und Leute in gutgewählten Ausschnitten vor- geführt. Das Bodeleben in Westerland, eine Wcllenwanderung und -fahrt irach Amrun, Wattenpolonäseu, ein Besuch auf den Halligen, ein Ausflug nach Helgoland erwecken das Interesse des Binnen- lönders für See und Küste. Die Bilder van den friesischen Volks bräuchen zeigen, wieviel Altgewohntes sich noch auf den Inseln geholten hat. Der Hauptakzent des Filmes ruht indes auf den Teilen, die das Bade- und Strondlcben und seine heilsamen Einflüsse schildern. Wie in den Scehospizen die skrofulösen Großstadtkinder geheilt werden, wie Freude und Lebensmut im Kinderparadies geweckt weiden, wie die Waldschule am Meeresslrond« Körper und Geist schult— das alles und vieles andere ersteht im Bild« vor unseren Augen. Mögen die segensreichen Bestrebungen der Gesell- schaft für Meereskunde durch diesen Film an Ausdehnung und Auswirkung gewinnen. r. Die Sozialdemokratie in Sachsen. Stellungnahme zur Reichspolitik. Leipzig. 14. Januar.(Eigenbericht.) Vom 12. bis 13. Januar fand in Leipzig der Parteitag der sächsischen Sozialdemokratie statt, der mit 99 Dele- gierten beschickt war. Neben den Vertretern des Landesousschusses, der Partei und der Gewerkschaften nahmen drei Mitglieder der Reichstagsfroktion sowie sechs Landtagsabgeordnete daran teil. D i t t m a n n überbrachte die Grüße des Parteivorstandcs und wünschte der Tagung den besten Berlauf. L i p i n s k i begrüßte die Delegierten im Namen des Bezirksvorstandes. Edel, Vor- sitzender des Landesausschusses, erwähnte in seiner Begrüßungs- anspräche, daß die sächsische Sozialdemokratie bei den letzten Reichs- tagswahlen«in« Million Wähler gemustert habe. Reichstagsabgeordneter S t r ö b e l- Berlin referierte über dos Thema:.Die Rückwirkungen der Reichspolitik auf Sachsen." Innerhalb der Partei wären jetzt wegen der Frage der Koalition Lkn neues �Berliner Küpen Denkmal stt jetzt vor dem Straßenbahnhof in der Müllerstraße aufgestellt worden. Meinmigsverschisdenheiten vorhanden. In Sachsen ist die über- wiegende Mehrheit der Partei der Meinung, daß die jetzige Koali- iion für die Dauer nicht tragbar sei, denn die Früchte der Koali- tionspolstik wären sehr mager und eine Besserung sei nicht vor- auszusehen. Wiederholt seien von der Sozialdemokratie in der Reichsregierung den bürgerlichen Parteien Konzessionen gemacht worden. Im Zusammenhang mit der Koalitionsfrage stehe dos Wehrproblem. Den deutschen Militarismus zu bekämpfen und ihm alle Mittel zu verweigern, müsse die Ausgabe der Sozialdema- kratie sein.— Dittmonn wies darauf hin, daß über die Reichspolitik auf Landestagungen, die nach dem Statut sich nur mit Landesfragen beschäftigen dürfen, keine bindenden Beschlüsse gefaßt werden können. Besonders scharf wandte er sich gegen einzelne Punkt« der vorliegenden Resowtion und wünschte deren Abänderung.— Der weitere Verlauf der Aussprache war sehr lebhaft. Di« dem Parteitag vorgelegte Resolution, die entsprecherid den Anregungen Dittmanns geändert worden war. wurde gegen eine Stimme an- genommen. Ueber die sächsische Landespolitik sprach Edel- Dresden. In Sachsen folge eine Krise der anderen. Erst jetzt sei man wieder auf der Suche nach einem Kultusminister, und ein Reaktionär schlimmster Art habe die besten Aussichten. Di« SPD., die als stärkste Fraktion im Landtag stt. habe eine Koalition mit den Bürgerlichen abgelehnt. Sie befinde sich in schärfster Oppo- sition. Mit Hilfe der ASPD. sei die Held-Regierung gebildet worden und bis zum heutigen Tage würde eine arbeiterfeindliche Politik getrieben. Durch die bürgerlicht Mehrheit sind auf dem Gebiet des Schulwesens, des Gemeindewesens.und in der Lerwal- tung bedeutende Verschlechterungen eingetreten. Ob- wohl nach den Reichstagswahlen in Sachsen eine proletarische Mehrheit zu verzeichnen sei, weigere sich die Held-Regierung, den Landtag aufzulösen. Die Sozialdemokratie würde in Zukunft alles tun, um der bürgerlichen Mehrheit eine geschlossene Phalanx ent- gegenzusetzen, und versuchen, die politische Macht zu erobern. Den Bericht der Landtogssraktion erstattete N e b r i g> Leipzig. Obwohl die reaktionäre Mehrheit des Landtags alles ver- suche, um die Forderungen der Sozialdemokratie zur Ablehnung zu bringen, habe die Fraktkon manche guten Erfolge zu verzeichnen. Di« bürgerliche Mehrheit würde bis 1930 den Landtag bestehen lassen, obwohl bereits dos Reichsgericht«ntfchlaben habe, daß der jetzige Landtag eine verfassungsmäßig« Zusammensetzung nicht habe. Ueber die Kommunalpolitik der sächsischen Sozialdemo- kratie referiert� Stadtverordneter Rösch- Dresden. Die dem Parteitag vorgelegten kommunalpolitischen Richtlinien wurden ein» stimmig angenommen. Nach Erörterung einiger Anträge und An- nähme derselben wurde der Parteitag mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Kommt der Handelsvertrag? Agrarprodukte geregelt.- Oie Frage der Lndustrieprodukte Warschau, 14. Januar.(Eigenbericht.) Der deutsche Unterhändler Hermes stt nach mehrfachen Be- sprechungen mit den polnischen Vertretern noch Berlin abgereist. Nachdem die deutschen Angebote in der Frag« der Einfuhr polnischer Agrarprodukte und Schweine von Polen als genügend ongefehen werden, handelt es sich jetzt darum, präzise polnische Er- klärungen über Gegentonzessionen für die deustche Industrie» ausfuhr in Form von Kontingenten und Zollnachlässen zu er» holten. Leider haben die ersten Aussprachen darüber noch keine Klarheit geschaffen. Twardowski Hot sich bereit erklärt, Hermes bis End« dieser Woche die gewünschte Auskunft zu geben, und es hange nunmehr davon ab, wann die Verhandlungen wieder auf- geluzulm»«ade». Eine neue ZeldtHeon'e von Prof. Einstein Unter dieser Ueberschrist ging die Nachricht durch viele Tages- Zeitungen, daß der Schöpfer der Relativitätstheorie, Albert Einstein, der Akademie der Wissenschaften eine neue Arbeit über das Schwere- feld und das elektrodynamische Feld eingereicht habe, woran meistens noch lobpreisend« Bemerkungen über den Inhalt der Ar- beit geknüpft waren. Freilich hotten die Schreiber sie noch gar nicht zu Gesicht bekommen, da ja noch gut zwei bis vier Wochen oergehen werden, ehe die Arbeit gedrückt vorliegen wird. Weil überdies anzunehmen war. daß es sich um rein mathematisch« Aus- führungen handelt, zu deren Verständnis ein nicht geringes Maß von Fachkenntnissen erforderlich stt, hielten wir es für überflüssig, unfern Lesern die Tatsache der E-inveichung dieser neuen Abhandlung bei der Akademie mitzuteilen. Auf Anfrage bei Professor Einstein bestätigte dieser dos Zu- treffend« unserer Auffassung, indem er es mit starker Betonung als großen Unfug bezeichnet«, daß eine solch« Notiz überhaupt in die Tagespresse kommen konnte. Wir verstehen diesen Unwillen des persönlich überaus bescheidenen Gelehrten sehr wohl— wird doch durch solche Vorkommnisse der Eindruck erweckt, als ob ein Reklame- bedürfnis für ihn besteht. Immerhin wollen wir, weil die Sache nun einmal in den Blättern erwähnt ist, versuchen, unfern Lesern verständlich zu machen, um was es sich eigentlich handelt. Di« Vorstellung der sogenannten klossstchen Physik, daß jeder Körper durch sein« Masse eine Wirkung, die der allgemeinen Schwere, überall im Raum« ausübt, ist in der Relativitätstheorie durch die Borstellung ersetzt worden, daß die Schwerewirkung stch nur in der nächsten Umgebung eines Körpers, seinem sogenannten Schwerefeld, bemerkbar macht. Jeder Körper wirkt danach mit seinem Schwerefeld gestaltend und umgestaltend auf den Raum ein: dieser kann nicht mehr wie früher gleich der Zeit für etwas Alsto- lutes, unsere allgemein« Anschauungssorm, geholten werden. Statt aus der allgenienen Schwerewirkung aller Körper aufeinander müssen sich ihre Bewegungen aus den Eigenschaften ihrer Schwere- selber ableiten lassen. In ähnlicher Weis« wird jeder in elek- trischem Zustand befindlich« Körper als von einem elektrischen Feld umgeben vorgestellt, aus dessen Eigenschaften und Veränderungen die Gesetze des elektrischen Geschehens, der elektrischen Bewegungen (mit einem Fremdwort Elektrodynamik genannt) abgeleitet lvekden müssen. Vor wenigen Jahrzehnten noch bemühten sich die Physiker, zu einer einheitlichen Auffassung olles Naturgeschehens dadurch zu ge- langen, daß die Gesamtheit der elektrischen Dorgäng«. die Elektro- dynamik, auf Bewegungen von Massenteilchen, also auf Mechanik, zurückgeführt wurde. Als aber alle geistvollen Versuche dies« Art sich als vergeblich erwiesen, schlug man den umgekehrten Weg ein und versuchte, die Bewegungen der körperlichen Massen als elek- trilcbe Erscheinungen zu begresten, die Mechanik also als einen Test der Elcktrodynoimt auszufassen. In dieser Richtung liegt auch die neu« Arbeit von Einstein. S'e stellt einen Versuch dar, in Weiterführung der Relativitätstheorie die mathenratstchen Gesetz« des Schwerefeldes und des elektrodyno- mstchen Feldes unter einen einheitlichen Gesichtspunkt zu bringen. Dr. Bruno Borchardt. Llm die Rundfunkmusik. Vortrag von Waltershausen im Aachsaal. Eingeladen vom Berliner Tonkünstler-Berein, sprach gestern der Komponstt und Direktor der Münchener Ton- kunst-Akademie von Waltershausen im Bochsoal über da» aktuelle Thema.Das Problem der Rundfunkmusit". Er ging in seinen Ausführungen davon aus, daß der Rund- funk eine scharf« Kritik an dem Betrieb des augenblicklichen Musik- lebens bedeute, denn dos moderne Konzert stt«ine bürgerliche An- gelegenheit und erfaßt keineswegs das ganze Volk. Hierin schafft der Rundfunk entschiedenen Wandel. Dos ist sein groß«? Plus. Er bietet auch die Möglichkeit, das zeitgenössisch« Musikschaffen dem Volk zu oermitteln und gleichzeitig durch populär gehaltene Vor- träge kunsterzieherisch zu wirken und damit ein« Versäumnis der Schule auszugleichen. Ferner weist der Rundfunk die Ausübenden selbst aus ihre eigenen technischen und künstlerischen Fehler hin. Gibt e» für d«n Rundfunk ungeeignete Stimmen? Di« Erfahrung lehrt, daß bei Stimmen, die wirkungslos im Radio bleiben, meistens die Fehler in grotesker Verzerrung in die Erscheinung treten. Sauberkeit und Exaktheit bei der Intonation, scharfe und präzise Rhythmisierung find Vorbedingungen für die Rundfunkmusik. Demgegenüber bietet aber auch der Rundfunk groß« Nachteste. Das Klangbild wird verzerrt, allerdings verbessert sich durch neue Erfindungen täglich die Situation, so klingt heut« dos Klavier be- deutend voller als vor etwa zwei Jahren. Aber der Klang bleibt unpersönlich, und ein großer blühender Orchesterklong wird wohl nie erreicht werden. Gefährlich ist auch die Isolierung des Hörers, dos Herausgerissensein aus der Gemeinschaft, ferner die Möglichkeit einer Zentralisierung und einer Unterdrückung des lokalen Musiklebens. Bisher hat die Rundfunkmusik noch keinen eigenen Stil entwickelt. Entscheidend wird ober diese stilbildende Kraft sein. Im Radio fehlt dos akustische Raumbewußtsein de» Hörer». Eine Geig« füllt den Raum ebenso wie ein ganzer Streichkörper. Auf diesen Voraussetzungen wäre auszubauen.-4. Allstikchronlk Da« 5. Konzert mit dem PdlldarmoniliSe» OrcheZer findet am IS. Innuar unter Leitung Pros. Wendel» in der Pdi'harmonie statt. Zur Lussübrung gelangt u. a. die 8. Sinfonie von Bruckner, eine» der gigantischsten Werke der Musikliteratur. ver Alarme Bibot-Jilm.Ihr großer Flirt",»oird auf all- gemeinen Wunsch bin nochmals vom 15. bis 17. Januar in den Spielplan des T.-U. Kursürftendamm ausgenommen. Lm brennenden Zimmer erstickt. Roch fünf andere tödliche Llnfälle in Berlin. Am Sonntag früh ist der 67jährige Eisenbahnarbeiter fjein- r i ch Heinz« in der P e st a l o z z i st r a ß c 67 in Charlotten- b u r g bei einem Brande ums Leben gekommen. Heinze schlief in einem kleinen Zimmer iibcr der Brandstelle und war, als die Feuer- mehr an der Brandstelle ankam, bereits erstickt. Die Feuerwehr holte die Leiche aus dem brennenden Zimmer heraus. Das Feuer, das auf einen Waschküchenbrand zurückzuführen ist und sich im Fußboden und in den Balkenlagen weitergeftessen hotte, wurde bald gelöscht. Leider hat sich am Sonntag noch eine weitere Anzahl von t ö d- lichen Unfällen ereignet. Im Hause Fidicinstrahe U stürzte die 7jährige Margarete Pape in Abwesenheit ihrer Cltern aus der im vierten Stock gelegenen Wohnung ous den, Fenster in den Hof. Auf dem Transport zum Krankenhaus starb das Kind.— Der 36jährige Inhaber einer Rundfunkapparatefabrik, <3uido L., schoß sich in seiner Wohnung Sächsische Straße zu Wil- mersdorf eine Kugel in den Kopf. Die Gründe zu der Tat sind in geschäftlichen Sorgen zu suchen.— I» einem Anfall von Schwermut vergiftete sich die 7ljährige Witwe Luise Müller in ihrer Wohnung in der C u v r y st r a ß e 44 niit Gas. Als man die alte Frau vorfand, war sie bereits tot.— Eine weitere Gasvergiftung wurde im Hause der Thorner Straß« fest- gestellt. Dort wurden der 22 Jahre alte Walter St. und die -Usöhrig« S t e f s i e F u k o l um 26.35 Uhr in ihrer Wohnung durch Gas vergiftet aufgefunden. Der hinzugezogene Arzt konnte bei der Frau nur nach den bereits eingetretenen Tod feststeUcn, während die 'Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr bei dem jungen Mann von Erfolg waren. Er fand darauf Aufnahlne im Krankenhaus am Fried- richshain. Ob hier ein Unglücksfall oder Selbstmord- a b s i ch t e n vorliegen, kannte bisher noch nicht ermittelt werden.— Auf der Heerstraße in Staaken wurde in der vergangenen Nacht der 31jährige Rodfahrer Ernst Brandt. Heerstraße 16 ivohnh>rft. von einem Privatkraftwagen überfahren. Auf der Fahrt zum Krankenhaus trat bereits der Tod ein. « In einem Stadtbahnabteil wurde in der letzten Nacht auf dem Bahnhof Grunewald der Maschinen meist er Karl H.. 35 Jahre alt, in der Wittenau«« Heilstätte wohnhaft, mit Bergiftungserfcheinungen ausgefunden. Er hatte in selbstmörde- rischer Absicht eine größere Menge Luminaltabletten genommen und mußte in das Krankenhaus Westend gebracht werden. Drei recht schwere, wenn auch glücklicherweise nicht lcbensgefähr- liehe Unfälle haben sich beim Rodelsport ereignet. Zwei Opfer forderten wieder die M ü g g c l b e r g e. In einer Kurve der Rodel- bahn in den Müggelbergen verunglückte der 28jährige Mechaniker Otto Gill« aus der Finowstraße 14 zu Lichtenberg. Er zog sich einen U n t e r s ch e n k e l b r u ch zu. Die 25jährige K o n t o r i st i n B ö m e r aus der Nostizstraße 7 fuhr im Auslauf derselben Bahn gegen einen Baum und brach sich den linken Unter- arm. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde sie von ihren An- gehörigen in die elterliche Wohnung gebracht.— Der 17jährige Maler Kurt L ö tz s ch aus der Steglitzer Straße 11 fuhr beim Rodeln iin Grunewald gegen einen Baum und ver- letzte sich dabei erheblich am linken Kniegelenk. Er wurde in das Westenikrankenhmis gebracht. Haussuchung ohne Polizei. Wie man beim„Heidelberger" entlassen wird. Die Betriebsleitung des Restaurants„Zum Heidelberger" er- I ielt eine anonyme Postkarte, wodurch ein Kellner des Diebstahles verdächtigt wurde. Statt die Karte in den Papierkorb zu werfen, ließ der Direktor den verdächtigten Kellner zn sich komnien und fragte ihn, ob er dem Geschäft etwas gestohlen oder etwas mit nach Hause genommen habe. Der Kellner verneinte i e Frage, worauf der Direktor erwiderte:„Wir können ja mal nachsehen." Das sollte heißen, die Direktion wollte in der Wohnung des Kellners Haussuchung holten. Der Kellner erklärt« sich damit c noerstanden. Die Haussuchung sollte sofort oorgenonnnen wer- din und zwar durch zwei Bureauongestellte des Betriebes. Diese gingen also mit dem Kellner nach seiner Wohnung. Auf dem Wege dahin ließ sich der Kellner die Sache durch den Kopf gehen. Cr sagte sich, die anonyme Karte lasse doch darauf sc. ließen, daß irgend jemand im Betriebe ihm etwas anhaben wolle. Die beiden Augestellten, die bei ihm haussuchen sollten, miren ihm unbekannt. Deshalb veilongte der Kellner, als er mit feinen Legleitern vor seiner Haustür angelangt war, sie sollten vom zuständigen Polizeirevier, einen Beamten holen, der der K aussuchung beiwohnen solle. Die beiden Zlugestellteii entfernten sich und kamen nicht wieder. Am nächsten Tage, als der Kellner seine Arbeit antreten wollte, erklärte ihm der Direktor:„Ihr gestriges Berhalten oeranlaßt uns, Sie sofort zu entlassen, die Kündigungszeit wird Ihnen bezahlt." Beim Arbeitsgericht focht der Kellner, der 61- Jahr im„Heidel- berger' beschäftigt war, seine Entlassung als unbillige Härte an. Seine Klage hotte den Erfolg, daß die Firma verurteilt wurde, den Kläger weiter zu beschäftigen oder ihm eine Entschädi- gung von 1686 M. zu zahlen, weil nicht bewiesen sei, daß er sich eines Diebstahls schuldig gemacht habe, der bloße Verdacht aber nicht genüge, um die Entlassung gerechtfertigt erscheinen zu lasse». Es wird wohl außer der verurteilten Firma nienwnd das Emp- finden haben, daß das Urteil des Arbeitsgericht zu scharf ausgefallen fei: Das Verhalten der Firma ist wirklich das Stärkste, was uns jemals auf diesem Gebiete begegnet ist. Künfunddreißig Wasserrohrbrüche. Wohnungen mußten geräumt werden. Das in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag plötzlich ein- setzend« Tauwetter hat in den Wasserzuleitungen zahl- reicher Berliner Wohnhäuser schwere Schäden verursacht. Die Feuerwehr wurde im Laufe des Sonntags und auch noch heute vor- mittag insgesamt 35 m a l alarmiert, um bei Wasscrrohr- brächen Hilfe zu leisten. In einigen Fällen mußten W o h n u n- gen, die durch Wasserschaden stark in Mitleidenschaft gezogen waren, teilweise geräumt werden. Das Auspumpen über- f ch w e m in t e r Keller nahip die Feuerwehr an mehreren Stellen stundenlang in Anspruch. Im allgemeinen handelt ts sich um rin� bekannte Folgeerscheinung, die im Winter oitmals bei scharfen Temperaturwechseln zu verzeichnen ist. 35 Wasserrohr- bräche in knapp 46 Stunden, das ist pro Stunde fast e i n Alarm, sind aber immerhin ein R e k o r d I Walureis wird geerntef. Den, Kunsteis, das sonst den Markt beherrscht, ist durch die scharfe Kälte eil»e gefährlich« Konkurrenz entstanden. Aus den Gewässern in der Umgebung von Berlin wird jetzt vielfach das natürliche Eis gewonnen. Ltm die Zünfiagewoche. In den Bauarlxitergewerkfchaften New Horks ist dadurch Um Zufriedenheit entstanden, daß zwar den Elektrotechnikern. nicht aber den Bauarbeitern die Fänf-Tage-Woche zugestanden worden ist. Man befürchtet einen ollgenteinen B a u a r b e i t e r st r e i k. Dies, wäre der erste Streik, der um die Fänf-Tage-Woche geht. Die Canadian• Pacific- Eisenbahn teilt mit, daß sie ln den nächsten fünf Jahren eine Bahnlinie durch die bisher uneifchlossene» ausgedehnten Gebiete in Saskatchewan mit einer Gejamllänge von 1260 Meilen zu bauen beabsichtige, wodurch diese Gebiete der An- siedelung erschlossen werden sollen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gegend: Nach klarer kalter Nacht wieder zunehmende Bewölkung und Neigung zu Nied«fjchlägr», Tagesleiupcraturcn nah« bei Null, —.Jiir Deutschland: Unbeständig und vielfach leichler Frost. Verantworll. f»r die Redaktion: ScSwaN, Zterlin: Anzeigen: Zh.«locke. Berlin. Verlag: Botwärio Verlag K. m. b.$., Berlin. Druck: Borwärio Buch- dirckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Ca.. Berti»>£23 68, Lindcnstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. >13 Momag. d. 14. I. üaats-Opgr Omer d. Linden A.-V. 12 19'-. Uhr irgUlfflifinina Fortunin-Lied urauTtcnrung Di» tlnf Wüisike Staats-Bpu AmPl.d. Republ. R.-S- 1 J 19'/. Uhr Montag, d.M. I. I Städfisdie Oper UtsmarcKsu. Turnus I 19'/, Uhr Stlltt. SÖMlSJUlh. ■i G tZiraftinarkl R-S. 5 20 Uhr ■ MI.MIks'MMWW. 20 Uhr riadismann als Erzieher Renaissance- Theater TsL Steinplatz 901 u. 258314. Ti( ich»•/, Uhr „Pas groBe ABC" Regie: Thaatar inilitahtr. fit iim mti Täglich Vi4 Jhr ich kosm ihr« Hand.madame Ein Spiel von Liebe und Lenz, mit dem berOhmtenSchiager Rundfunkhörer halbe Preise R osa-Theater ir.rfn5>'', Uhr. im Krematorium Bau mschnlenweg statt »er Vorstand' SPD. Gruppe Blrkenzteln. Einhtitsittkzna dtrE'stikinier Ifitukliiks Ortsgruppe Berlin Sämtlichen Kollegen unserer Or- ganiiation zur Rachricht. daß linier Mitglied, der Veichobahnselrelär a.®. August Krone am 10. Januar 1929 verstorben ist. Die Jeerdiguug findet am Dien-!ag. dem 13. d. M.. I3>, Uhr, aui dem neuen Kirchlich der zwöst-Aposlel- Gemeinde. Biu.-Zchöiiedrrg. Tempel» hofer Straße. Hau. Um rege Beteiligung ersucht Die Drtavervvaltung. Verkäufe Möbel »äbeUäaser meclc Kredit na» bar »«belbazar. grah, Anawabl. lleine Preilel Beispiele: Schlafzimmer 435 Speisezimmer Z4ä Serrenzimmer A>0. Spiegelschränke H8 Anrichtrtllchen, 73, Kleiderschränke 48, Holzbeltftellea 48, Chaiselonguee 28 Metalldetlstellen 18 äufleqematrasten 13 Sonstige Möbel entspreche'-" Teilzahlung aufschlagsrei.' nd« Breise WWWWW R.■WWWSächen raten Monatsraten Kleine iluzahlungen. Kafia-Vobatle bis zehn Vroient Sre. dite bis zwei Zobre. ZleiikWu,' Ser- inaunulaft 7; Slegiig. 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Januar 1929 SprÄbpnd Stt&laaiQaä**Cel t£f&a*6 Das Geheimnis des Sachsenwaldes Bismarck und die königlichen Geschenke Die„R r t e g s b o t a t i o n e n", das heißt aus gut� Deutsch: Schenkungen an die Feldherren und Staats- männer haben in der preußisch-deutschen Geschichte sowohl nach den Befreiungskriegen 18lZ und 1814 wie auch 1866 und 1871 eine große Rolle gespielt und sind in der Hauptjache von bleibender Bc- deutung gewesen in der Erscheinung Flucht. Mancherlei Merk- würdiges ereignete sich schon nach den Befreiungskriegen. Einer der verdienstvollsten Heersührer schrieb an König Friedrich Wil- Helm III., indem er ihm ein« selb st gezeichnete Ble ist ist- j k i z z e übersandte, er möge ihm doch das Büschel an der Oder für seine Kriegsverdicnste schenken, und meint« in Wirklichkeit damit den ganzen Oderbruch! Aber unter allen Kriegsbeloh- nungen ist am eigenartigsten die Überweisung des Sachsen- waldes cm den Fürsten Bismarck unmittelbar nach dem deutsch-fronzösischen Krieg«, und sie ist zugleich die größte oller Dotationen, die je in Deutschland stattgesunden Hot. Friedrich Wilhelm III. vergab auch stattliche Schenkungen a» den Fürsten Blücher von Wahlstatt, den Generolseldmarscholl V o r ck von Wartenburg, den Generolseldmarscholl Kleist von Nollendorf und den Generalstabschef von Gneisen au. Die schlesischen Fideikommihberrschosten des Fürsten von Blücher-Wohl- statt und der beiden Grasen von Wartenburg sowie das Majorat Sommerschenburg des Grafen Neidhardt von Gneisenau bei Magdeburg sind heute noch ein Zeugnis jener Dotationen. Aber diese blieben weit zurück hinter der ricsenhasleo Schenkung an den Fürsten Bismarck. Denn dies«„Dotation" umfaßte nahezu die 5?Slst« der Domänen des Herzogtums Lauenburg. Sofort nach Beendigung des deutsch- österreichischen Krieges brachte Graf Bismarck schon im September 1866. gestützt aus die historischen Borgänge �von 1815, die.Dotierung" der hervorragenden Feldherren und Staatsmänner auf den Weg der Gesetzgebung. Durch Gesetz vom 28. Dezember 1866 wur- den VA Millionen Taler bewilligt, aus denen König Wilhelm I. seinem Ministerpräsidenten, dem Graseu von Bismarck. 400 000 Taler, dem Kriegsminister von Boon 300 000 Taler. dem Generalslabsches Freiherrn von Blollke 200 000 Taler und den Generalen der Infanterie herwarth von Vittenseld, von Steinmetz, Vogel von Falckenfiein je 200 000 Taler überwies. Bismarck hat später manchmal erzählt, es Hab« ihm w i d e r st a n- den, bares Geld von den preußischen Abgeordneten anzunehmen, mit denen er seit Beginn seiner Tätigkeit als Ministerpräsident im Jahre 1862 in ärgster Fehde lag. Auch liebe er Geldgeschenke nicht, man hätte ihm die Staatsdomänen und Staatswälder in dem von Bayern an Preußen abgetretenen Zipfel überweisen sollen. Nach den, deutsch-fronzösischen Krieg« wurden durch ein Reichs- gesetz vom 22. Juni 1871 nicht weniger als 4 Millionen T a l e r zur Verleihung von Dotationen an diejenigen deutschen Heerführer, sowie an deutsche Staatsmänner,.welche bei dem nationalen Erfolge dieses Krieges in hervorragender Weise mitgewirkt" haben, aus der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung dem Kaiser zur Verfügung gestellt. Die Aus- wohl der Personen und die Höhe der BetrSge blieb ganz dem Ermessen des deutschen Kaisers überlassen. Es haben schließlich aus diesen 4 Millionen Talern einschließlich von drei bayerischen Generalen 27 Personen Dotationen erhalten, aber Bis- niarck war nicht unter ihnen. Noch heute ist der irrtümliche Glaube allgemein, daß Bismarck aus der französischen Kriegsent- schädigulig durch«in Reichsgesetz die Gelder erhalten habe, die zur Erwerbung des Sachsenwaides führten. Der Reichstag hat mit der Schenkung an den Fürsten Bismarck in Wirklichkeit nichts zu tun gehabt. Ein Parlament hätte ihm die Summen auch nicht gewährt. die er haben wollte. Bismarck wollte sich nicht mehr auf die g l« i ch e S t u f e stellen mit M o l t k e und R o o n oder dem Prin- zen Friedrich Karl oder den anderen Empfängen, von Kriegsdota- tionsn. Unter den Reichstagsntigeortineten bei der ersten Beratung des Datationsgesetzes am 13. Juni 1871 wußte noch niemand, daß Bismarck an der in Aussicht genommenen Summe von 4 Millionen Talern kein Interesse habe. Erst!» der geheimen Kom- Mission, die unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe tagte, teilte Bismarck am Abend desselben Tages mit, daß er nicht dabei beteiligt sei, da der König ihm die Grundlage zu seinem Färstenkitel in anderer Weise geben würde. Uni» er hatte es verstanden, sich eine Dotation zu verschossen in Gestalt des Sachsenwaldes, die schon damals in Wirklichkeit weit mehr wert war, als der ge- samte, vom Reichstag bewilligte Schenkungsbetrag von 4 Millionen Talern, wenngleich sie amtlich nur auf 1 Million Taler geschätzt wurde. Erst am 2. März 1872 wurden Moltke und die anderen Generale, die den Krieg gewonnen hotten, vom Kaiser benachrichtigt, daß sie eine Dotation erhalten würden, indem ihnen gleichzeitig der Betrag mitgeteilt wurde. Bismarck aber ging unmittelbar nach der Unterzeichnung des definitiven Friedens zwischen Frankreich und Deutschland zu Frank- furt a M am 1». Mai 1871, nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war. mit der ihm in wichtigen Dingen eigenen Energie an die Er- Werbung der Housmacht. die sein Ideal war. Durch Kabinettsorder vom l7. Mai 1871 an den Minister für Lauenburq. Fürsten von Bismarck, berief der S a i s« r a l s„Her- zag von Lauenburg" den Landtag des Herzogtums zu einer Tagung auf den 2 4. M o i ein nnt der Begründung, daß die juristische Natur der Domänen des Herzogtums im allgemeinen un- Nor sei und er daher vorschlage. Domänen in einem Wert« von einer Million Talern auszusondern und ihm zum freien, unbeschränkten Eigentum zu überlassen, wogegen er den ganzen Rest dem Her» z o g t u m als sreies unbeschränktes Eigenwm überweisen wolle. Schon am 2 1 I u n i 1871 befindet sich der Kaiser als Herzog von Lauenburg im Besitze der gesamten Domänen des Amtes S ch w o r z e» b e ck. olio des sogenannten Sachtenwaldes..zum srcici, und unbeschränkten Eigentum, nachdem an, l Ü. Juni aus Grund der lauenburgischen Lmidtogsv-rhmchlung ein Bertrag fr™ Aezterunzi kommt sjai Frecherr» von Landsberg als Vertreter des Ministers von Lauenburg, Fürsten von Bismarck, einerseits und dem Landrotskollegiun, als durch Auftrag legitimier- tem Vertreter der Ritter- und Landschaft Lauenburg andererseits abgeschlossen worden war. Schon am 2 4. Juni 1871 überweist Kaiser Wilhelm I., Herzog von Lauenburg, die ihm in Laucnburg zugeteilten Domänen im Wert von ungefähr einer Mil- ion Taler dem Kanzler des Deutschen Reiches, Fürsten von Bis- marck, in Anerkennung seiner Verdienste, als eine Dotation zu freiem und unbeschränkten, Eigen tu»,. Alz bald darauf der italienisch« Staatsmann Crispi Gast des Fürsten Bismarck in Friedrichsruh war, erzählte ihm der Fürst mit Ein llebellag in Xondon. Ster trafalgar Square in Xondon um 10 Wir rormillags rrährend eines slarken tlebels. Stolz, daß sein lauen burgischer Besitz aus 30 000 Morgen oder 7500 Hektar Hochwald bestehe. Und in der Tat hat der Sachsen- wold einen Umfang von 75 Quadratkilometern= 75 Million«,, Qualdrot, neter. während der ganze Grunewald bei Berlin nur 4555 Hektar— 45 550 000 Quadratmeter Umfang hat. Wem, man bedenkt, daß der Sachsenwald nur 23 Kilometer von Hamburg, der zweitgrößten Stadt Deutschlands, entfernt liegt, so kann man er- messen, welchen Wert das Holz der uralten Buchen und Eichen dieses Hochwaldes hat und welche» Wert für die Hamburger eine Villen- kolonie auch nur am Rande eines solchen wunderbaren Waldes haben würde. Der heulige Werl des Sachsenwaldes ist aus mindestens 150 Millionen Mark zu schätzen. Kein Feldherr und kein Staatsmann in der deutschen Geschichte, selbst Albrecht von Wallen st ein nicht ausgenommen, hat es Montag, 14. Janaar. Berlin. 16.00 Tnienienr Joachim Bochmer: Technische Wochenplauderei. 16.30 Lieder. I. Wilhelm Rettich: a) Versfthnuiir: h) Mein Kind; c) Klein. Sterfctlied; d) Vollmond; c) In deine Ansen; i) Unser Liebeslied(Laskcr- Schiiler).— 2. a) Bern: Vasanlcnlied; b) Brentano; Wiejenlied; c) Keller: Bas Köhlerweib ist trunken; d) Wickenbarj-Aimasy: Ich schieiche meine StraBe; c) Hcinemann: Allerseelen: f) Cleve: Liebe sali. sewait(Ida Harth aar Niedert, All. Am Tiüzel: Wilhelm Reitich und Cdrar Cleve). � 17.00 Alte Kamraerniaslk auf historischen Inslrumcnten(Pelcr Harlan und Cdsar Lacas). 17.30" Novellen. Ruit. Eine Novelle von Eriedrich Wolf.{Gelesen vom Autor.) 18.10 Deutscher Sprachverein: Sprachliche Plauderei. 18.30 Hans-Brcdow-Schulc. Studienrat Fricbei und Lektor Mann: Enslisch für Anfänger. 19.00 O.-Rcg.-Rat Seeger, Leiter der Filmobcrprliistell e nnd Altred Roscnthal: Was der Eitmzenaor erlaubt und verbietet.(Ein Zwiegespräch.) 19.30 Staatsminister und preuB. Minister des Innern Albert Qraesinski: Der Aufbau der preuBischen Verwaltung(L). 20.00 Dr. Paul Steian, Wien; Einführung zu der nachfolgenden Ueberlragung aus dem Bach-Saai. AnschlicBend Ueberlragung aus dem Bach-Saal: Konert, veranstaltet vom österreicliiachen Komponisten-Bund. I. Karl Weigl: Streichquartett d-molt (Urauffüiirtuig). Allegro— Atlegretto— Adagio— Allegro appassronato (Konzertmeister Maurits van den Berg. I. Violine, Charlotte Rosen. 2. Violine. Lorenz Höher, Viola, Ewel Stegmann. Cello).— 2. Hans Odl: Orgeltoccata op. 29(Walter Drwenski).— 3. Egon Wellesz: Suite für Violonceli op. 39 Maestoso— Atlegretto— Andante— Poco mosso ma non troppo(Prof. Nicolai Qraudan).—< Wilhelm Orosz: Liebes- Ijeder zweite Folge nach Volksliedlexten op. 22. a) Deine Wängletn: b) Kommt der Liehe Sommer; c) Klipp, klapp, öl ine mir: d) Läuft das Wässertem; e) Ich bab' gelieht ein" Knaben; I) Hochzeit ist(Anna Marie Lenzberg Sopran. Am FHIgel: Der Komponist).— 5. Jos. M. Haner: Fünf Kanrmerstöcke für Streichquartett, Klavier und Harmonium(Uraufführung). Langsam— Breit— Länder— Belebt— Die Viertel INI Schritt(Maurits van den Berg, I. Violine, Charlotte Rosen, 2. Violine, Lorenz Höber. Viola, Ewel Stegtnann, Cello, Wolter Kauffmami, Klavier. und Hans Gdi. Harmonium). Anschließend Tanz-Musik(Kapelle Otio Kermbach). 00.30 Nacht-Musik Königs wuster hausen. 16.00 Stod.-Rat Völcker. Lektor Claude Grander: Französisch(kulturkundlich- literarische Stunde). 16.30 Ueberlragung des Nachmitlagskonzertes Berlin. 17-30 Herbert Baldus: Bolivien nnd Paraguay. 16.00 Dr. Hans Lebede: Musik zur Zeit Lessings(II.). II 30 Stud.-Rat Friehel. Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 18.55 Major a. D. Kleinhans und Ziviling. v. niücher; Deutscher Bauer hftrr an, wie Funk und Film dir helfen kann!(Zwiegespräch.) 19.20 Stud.-Rat Dr. lug. F. Wettsüdr:' Werkroeisteriebriang für Facharbeiter: Dampfmaschinen und Brennkraitmaschincn(V.) � 3BMS Uiienra&aBC«h Buiia.____---» verstanden, ein so großes Vermögen in allerbestem Grundbesitz sich zu verschaffen. Wie aber ist Wilhelm I. für die Hergabe dieses seines Besitzes, den er allerdings nur drei Tage, vom 21. bis 24. Juni 1871, in seinem Eigentum hotte, entschädigt worden? Am 2. März 1872 ist die Verteilung der Nationaldotation von 4 Millionen Taler in nach- folgender Weise durch den Kaiser ausgeführt worden. Es haben erhalten: Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen, Gcnerolfeldmarjchall Graf Moltke, Kriegznnnister Gras von Roon, General der Kavallerie Freiherr von Manteusses je 300(100 Taler. General der Infanterie �von Gäben und General der Infanterie von Werder sowie Staatsminister Delbrück je 200 000 Taler, die Genera'.« der Infanterie von Voigts-Rhetz, von Fransecky und von Alvensleben II, sowie Generalleutnant von Blumenthal je 150 000 Taler. Generaloberst Prinz August von Württemberg, die Generale der Infanterie von Alvensleben I, von Zastrow, von Manstein, von Kirchbach, Generalleutnant von Bose, von Stülpnagel, General der Kooalleri« von Podbielski, Generalleutnant von Komeke, Gene- ralleutnant von Stofch, Generalleuwant von Obernitz, sächsischer Generalleutnant von Fabrice, Kgl. württembergischcr Generolleut- nant von Suckow je 100 000 Taler. endlich dem König von Bayern zur Nerteilung nach eigener Bestimmung 300 000 Taler. Der deusche Kronprinz hatte auf Befragen erklärt, tv wolle keine Dotation, wenn ihm gegen seinen Willen eine solche aufgedrängt würde, werde er sie an Blumcnthal überweisen, der die Schlachten gewonnen habe. Auch die sächsischen Prinzen hatten verzichtet. Prinz Friedrich Karl aber hatte erklärt, er hätte mehr Berechtigung als ein kommandierender Generai. Aus den beiden Kriegsdotationen 1866 uich 1871 zusamm«n hatte der Stratege, der die Fekdzüge gewonnen hatte. Generalseld- Marschall von Moltke, 1,5 Millionen Mark, der Kriegsminister von Roon 1,8 Millionen Mark, der Reichskanzler Fürst Bismarck aber 4,2 Millionen Mark und in Wirklichkeit das Mehrfache dieser Summe. Durch«inen Erlaß des Kaisers an den„Minister für Lauenburg" vom 27. Mai 1871, der„v. Bismarck" gegengezeichnet war, war angeordnet worden, daß von einer anderen Abschätzung als der aus dem gegenwärtigen Ertrage sich ergebenden abzusehen sei, da eine veränderte Nutzung oder Zersplitterung nicht in der Absicht liege. Da der Ertrag für das laufend« Jahr nach Abzug oller Aus- gaben 102648 M. betrug, wurde der Sachsenwaid auf 3 Millionen Mark geschätzt. Heule schätzen die Forslsachversläadigcn die 30 000 Morgen besten, alten Luchen- und Eichenwalde» im Sachsenwalde i 1000 Mark aus 30 Millionen Mark, wenn man aber die Parzellierung dieses Riesenwaldes vor den Toren Hamburgs ins Auge faß«, muß man den Quadratmeter mindestens mil 2 M. bewerten und daher den ganzen Sachsenwald mit 150 Millionen Mark. Für die Dotation von 400 EX) Talern im Jahre 1866 hatte sich Bismarck Barzin im Kreise Rummelsburg in Pommern mit drei angrenzenden Gütern, zusammen 7192 Hektar, im Werte von heute 3 Millionen Mark gekauft. Insgesamt besaß er also 58 768 Mor- gen, die unmittelbar aus den beiden Schenkungen beruhtem Selbst Blücher hatte als Dotation in den Herrschet sien Kriblo- witz und Wahlstall nur 5592 Morgen und in dem Blücherschen Palais aus dem Pariser Platz in Berlin zusammen nur einen Besitz von 7 Millionen Mark im heutigen Wert erhalten. Dorck van War- tenburg wurde mit 17 572 Morgen im heutigen Wert von 10,5 Mil- lionen Mark(Klein-Oels und Schlcibitz in Schlesien) datiert. Gnei- senous Herrschaft Sommerschenburg hat 5336 Morgen im heutigen Wert von 3,2 Millionen Mark. Man sieht, daß Bismarck alle Feldherren und Staats- männer Deutschlands in der Kunst, sich«in stallliche» Privalvermögen zu schaffen, weit übertrosfen hat. Wie die Vergrößerung Preußens, so betreibt er auf lange Sicht planmäßig die Vergrößerung seiner finanziellen Hausmacht. Schon im Jahre 1865 scheint er den Plan gesaßt zu haben, sich des SochsenwoDes zu bemächtigen. In der Konvention von Gastein am 14. August 1865 tritt Oesterreich seine Rechte auf Lauenburg gegen 11 Millionen Mark an Preußen ab. Das Gebiet des„Herzogtums Lauenburg" hat eine Grundfläche von rund 21 Quadratmeilcn, davon sind dreieinhalb staatliche Domänen. Hier- von bringt er innerhalb der nächsten sechs Jahre VA Ouadvat- m eilen besten Waldes in sein freies, unbeschränktes Eigentum. Unter der früheren dänischen Regierung bekam der König von Dänemark den Reinertrog der 5Vs Quadratmeilen Domänen, nachdem die Un- tasten der Regierung und Verwaltung des Herzogtums abgezogen waren, in Höhe von durchschnittlich 200 000 Talern jährlich. Seit 1864 blieb der Reinertrag im Lande. Der König von Preußen hatte kein Verlangen danach. Auf der Spitze jeincr Erfolge»ach dem Frieden von Frankfurt a. M. mackste Bismarck dem König den Lorschlag, die IM: Quadratmeilen Forst im Amt Schwarzenbeck be- kommt der König, um sie sosort den, Fürsten Bismarck zu schenken, und die übrigen zwei Quadratmeilen in den drei übrigen Domänen- Aemtern bekommt das Land, während der König und Herzog a'"' eine Revenue aus den Einnahmen für alle Zeiten verzichtet! Der Preußische Landtag halle bereits im Zahre 1868 aas Bismarcks Lelreiben die Zlvilliste des Königs von Preußen, der nun- mehr Präsident des Norddeutschen Bundes war, um 1 Million Taler jährlich erhöhl. Es war schon aus diesem materiellen Gesichtspunkt erklärlich, daß Wilhelm J. sich nicht gegen Bismarcks Bitte ablehnend verhiell, ihm einen Wald zu verschaffen, dessen Besitz dem Kaiser nur 34 016 Taler jährlich«ingebracht haben würde. Bismarck war sich aber von vornherein darüber im klaren, welchen Wert dieser alte Buchen- und Eichenwald vor den Toren Hamburgs dereinst haben würde. Er konnte als Minister von Lauenburg die lauenburgischen Verhältnisse auf das genaueste und fein Referent für Lauenburg war Lothar Bucher. Wie wichtig dem Fürsten Bis- marck diese Erwerbung war. geht am besten daraus hervor, daß er bereits seit 187 5 rücksichtslos hohe Holz zolle verlangte, um die Preise feines Holzes steigern zu können. Die beiden Landwirtschoftsminister Friedentho.l und Lucius von Ball- ftzUI�eit sind Twjiir Kd�jrisf %vy* HxA�/A JL A �Li4e. Di« Galerie war bereits dicht gesülll und noch immer begehrten neue Gäste Einlas�. Punkt 18 Uhr. Die Beleuchtung verlöscht und aus allen Ecken strömen im Feuerschein von 200 Fackeln die große Anzahl der Jugendlichen mit srischem Gesang in die Halle. Alles schart sich um den erhöht stehenden Einzelsprccher. Der gut gesprochene Prolog schallt durch den Raum, ein grandioser Anblick, wohl die beste bis- her gezeigte Erössnung eines Hallenfestes. Di« junge Schar stürmt davon und um gleich darauf unter dem begeisterten Beifall der Zuschauer zu den gymnastischen Uebungen auszumarschieren. Di« Uebungen zeigen, in welcher Weise die Jugend ihren Körper auf einfach«, naturliche Art geschnieidig und gesund erholten kann. In pausenloser Folg« reihen sich Vorführungen der verschiedensten Art aneinander. Die Mannschaften treten an zum Hochsprung und erreichen unter dem Beifall der Zuschauer«ine respektable Höhe. Das interessante Gerätelurnen beschäftigt alle Iugendturner an allen verfügbaren Geräten. Wie immer fesseln die Stasettenläuse durch die spannenden Momente, die sich beim Stab- wechsel oder beim Ueberholen ergeben. Das Publikum kargt nicht mit dem wohlverdienten Beifall. Beim hockeyspicl vordring— Ostring erscheint Nordring als die eingespieltere Mannschaft init besserer Stocktechnik. Das Spiel endet mit(5:1(3: 0) für Nordring. Eine besondere Note bringt das Hammerschwingen, das Momente aus der täglichen Berufsarbeit zeigt. Ausgezeichnet zu- sammengeftellt war die Gruppe: Bewegung— Leben. Bei moderner Gymnastik, Stabiibunzjen, Keulenschwingen, Medizinballübungcn und Hammerschwingen recken und strecken sich nach den Klängen der Musik die jugendlichen, elastischen Körper. Die beiden letzteren Vor- führungen ende» unter dem brausenden Beifall der Zuschauer. Die daraus folgenden lustigen Spiele erfüllen den weite» Raum mit Lachen und Jauchzen. Auch die Sportlerjugend ist nicht müßig und zeigt die moderne Laufschule in verschiedenen Stilarten. Dann treten alle Jugendturner zur Mitte zusammen, nnd der Vereinsvorsitzendc Kasel überreicht einen Vereinsjugendwimpel. Mit kernigen Worten dankt er allen Jugend- lichen und ersucht sie, sich noch fester um das Banner des ATSB. zu scharen.„Achtet dieses Zeichen der Freien Turnerschast Groß- Berlin, haltet es in Ehren und führt mit ihm eine recht große Schar von Iugendturnern nach Nürnberg zum Bundesfest. Ein brausendes„Frei Heil" der Jugendturner tönt gleichsam als ein Gelöbnis durch die Halle. Den Abschluß der Veranstaltung bringt das Sprechchorwert: Grenzenlose Erde von Max Barchel. Unter lautloser Still« erschallen die' Stimmen der Einzelsprecher, um sich noch dem Schluß hin zu vereinigen und in dem wuchtigen Massengesang der Internationale auszuklingen. Mit diesem Fest hat die Iugendleitung der FTGB. bewiesen, daß es in verständnisvoller Zusammenarbeit möglich ist, die arbeitende Jugend zu begeistern und um sich zu scharen. Die Jugend selbst hat durch intensive Tätigkeit bewiesen, daß ,sie treue Gesolg- schoft leistet. Nur weiter so FTGB., und du wirst neue Anhänger und Freunde der Leibesübungen unter dem schirmenden Dach des ATSB. zusammenführen. Eissdmcllaiifen. Die Meistcrschafi von Berlin. Auf dem Plötzensee trug man gestern die B e r l i n e r M e i st e r- schast im Eisschnelläufen aus. Alle Siegcrkombinotionen brachen zusammen, die sportlichen Kämpfe endeten mit einer großen Ucberraschung. Der in den letzten Tagen stark hervorgetretene Junior B a r w a von der„Vereinigung deutscher Eisschnelläufer" siegte über alle seine Konkurrenten, und auch der deutsche Rekord- mann Mayke, der sonst kaum zu schlagen ist, mußte sich ihm beugen. Ergebnisse: Meisterschaft von Berlin, 1. Lauf 300 Meter: 1. Mayke(BEB.) 52,8 Sek.: 2. Barwa 53,5 Sek.: 3. Bulota(Berl. «chlittschuhklub) 53,8 Sek. 2. Lauf 1500 Meter: 1. Barwa 2,54,3; 2. Müller(Berline.- Sportklub) 2:55: 3. Schönbrodt 2:59,5. 3. Lauf 5000 Meter: 1. Müller 10:39; 2. Barwa 10:43,3; 3. Richter 10,54. Gesamtergebnis: 1. Barwa 3 Punkte; 2. Müller 10 Punkte; 3. Schönbrodt 11 Punkte. 1 5 00 Meter für Junioren: 1. Laubisch(Berliner Sportklub) 3:12,1; 2. Körner(BEV. 80) 3:13,8; 3. Seifert(Berliner Schlsttschuhklub) 3:14,2. 1000 Meter für Neulinge: 1. Laubisch 2:03,8; 2. Hess«(Vereinigung Deutscher Eisschnelläufer) 2:05,5; 3. Kahlisch(Bereinigung Deutscher Eisschncll- läufer) 2.07. 500 Meter für Junioren: 1. Körner >58,2; 2. Laubisch und Seifert je 58,8 Sekunden. Die Wintenportmeisterschaften. Ueberau gute Eisvcrhältnissc. Bei besten Eisverhältnissen konnte der Oppelner Eislaufverein die deutschen Meisterschaften im Kun st lausen zur Durchführung bringen. Das schöne Winterwetter hatte am letzten Tage über 10000 Zuschauer angelockt. Leider fehlten von den Titelverteidigern Rittberger und Frau Brockhöfft. Ergebnisse: Deutlche S»»ftl-ul>»-isNkI»«0-»!») Serren: 1. P. �rankr.«erli»»77, P.; Plat�isfrr Z: 1. B<-n»r.B-rlin»70 P.: T-lot«. 10: b) Dcmirn: l. Krl. lslrbbr.Nrrlin Platu 5: 2 Frau D-it-Nrrli» 274.1.7 P.: Plol». 1».<) Paarlaulr»: I. Frl.»tshaurr-Soft?(»frlin) 11,2 PlotzrU"" 7; 2. Frl. Fijrstrr.IIlngli»-, (-*!DWlnl 0 67 P.- Pl-tunsfrr 10.— S«rr»n-S«»i»«l»»I»»: I. Mencr.xabrrn« lÄ-7 D.: 3: 2. Echn.lld°r.rr.M>nÄrn 1.77.6, P.' P.'a». sifffr 6.— ftcma-FuBiarlaufra: 1. Stredel-Berlt» 118,27 P.: chlatzjiflrr 1: 2. Schnrlldors-r.MllnÄrn 104.77 P.: Pl-tuiU» 1. Frl. Änwand.Brrlin 63 P.! Pl-luiflcr 3:>. FrI. Fr.?.Brr,l«u Aiff« 6.- Zu»i»»Pa-rl«»le»: X. Frl. Iacod-Solloma<«re»Iau> 15,60 f.; •; 2. Ehepaar Reug�bauer.Gleiwitz 15,5 P-: PiastSNfer 9. o Mitteldeutsche Skimeisterschost.«ei schönem, sonnigem Wetter kani in der Rhön die Skimeisterschost von Mitteldeutschland zur Durchführung. Den Meistertitel für 1929 konnte der Frankfurier Huhn erwerben, der im konibinierten Lauf den ersten Platz besetzte. Ergebnisse: 10>»il»»«t«»'L»af. Mass« I: Lökm.Frankfurt o. M. 1: 18: W: 2. lt. Schmid!. Franksurt a. M. 1: IS: 17.7.«lasse II: 1. SchrSler-Nassel 1: 18: � 1 lasse I: 1. Bernschinger-Frantsurt c. 3R. 1: 23: 04. ASsahrtilaus 8�1»il«, meto: 1,«ahl-Nassel 3:14; 2. Me»rll>arn,Franksurt a. M. 8: 18.«prunq laus,«lasse 1: 1. Mag« Isen. Franlsurt a. M. Note 10,700: 2. Suhn-Franr. fürt a. M. Note 1«,270:«lasse 11: 1. Fr. MlIll-r.FranIsuri«. M. Rote 18.230: 2. W. Mliller-Franksurt o. M. Rote 16,830.—«»«»iaierter Saisl«lasse U Kuh» Note 17,372;«lasse II;?rintinann-«ossel Rote 16,530. harzer Skislofsellaus. Eine der bedeutendsten Wintersport- lichen Peranstaltungen Deutschlands, der Harzer Skistassel- lauf, wurde gestern aus der 45 Kilonieter langen Strecke vom Brocken nach Altenau durchgeführt. 44 Mannschaften mit 220 Läufern stellten sich dem Starter. Starkes Schneetreiben und Nebel erschwerten den Teilnehmern die Aufgabe außerordentlich. Ergebnisse: All«r«llasse. 1. Etiklub Ältenau 3: 52: 22: 2. Schnecschuhsportoerein lülans, ihal 4: 26: 06.— Sa»»tU«ss«: Winlerspoiwerein Braunlogc 3: 30: 37: 2.«00- larer Iäaer Z: 31: 17; 3. SkiNub Altenau 3: 32: 40. Arbcilcr-Hodccy. Der Boden hindert die Spieler. Bei dem ungünstigen Wetter am gestrigen Sonntag kainen nur wenige Spiele zustande. In einem Freundschaftstressen standen sich in Rummclsburg die Bezirke Ostring I und Nordring l der Freien Turnerschast Groh-Bcrlin gegenüber, das 7:5 für Nordring endete. Nordring war bester und zeigte ein flüstiges und gewandte» Spiel. Ostring war in der Läuserreih« etwas schwach besetzt und konnte nur zu Beginn des Spieles kurz« Zeit die Führung an sich reißen. Nord- ring machte bald den kleinen Fehler gut. Sie führten nun ein über. iegenes Spiel vor. Die Höhe der Torerfolge hat in dem stark ge- frorenen Boden feinen Grund. In der Schönhauser Wee war der Boden dem Spiel günstiger. Dort konnte der Athletit-Sport-Club I gegen den Sportverein MoMt I einen knappen 2:1-Si«g heraustämpfen. Beim Athletik- Sport-Club klappte es ganz gut, die nun neu gefestigte Mannschaft gibt wieder einen kräftigen und spielstarken Gegner ab, trotz der Versuche einiger noch immer mit der sogenannten Opposition lieb- äugelnden Anhänger. Angeblich weil sie keine Spielmöglichkeit haben. versuchten sie noch immer das Gebilde zu sprengen, haben nun aber Fersengeld geben müssen. Dos Spiel selbst war gut und gab trotz des ungünstigen Wetters interessante Kampsphasen. Die Verteidigung hatte gegen die frisch und gut eingeleiteten Angriffe Moabits schwere Arbeit zu leisten. Dem Sturm Moabits fehlt es noch am guten Torschuß._ Das Turnier am Weinbergsweg. Huthanen-Petrowiisdi ohne Resultat. Am dreizehnten Kampftag der Konkurrenz standen sich im Eist- jckzcidungskampf H u t h a n c n und der Weltmeister P e t r o w i t s ch gegenüber. Der Weltmeister tonnte diesem starken Meister nie recht l-eikommen, so sehr er sich auch abmülste, Huthanen, der erst nach dem zweiten Gang aggressiv wurde, konnte mit dem bärenstarken Russen noch nicht fertig werden. Nach über 30 Minuten Ringzeit trennte die Schlußstunde das erbitterte Ringen unentschieden. Es wird später fortgesetzt. Der Berliner L u p p a und Bahn-Samson, zwei Gegner von gleichem Format, wollten schon in ihrem ersten Treffen ein Refuitat erzielen, was aber bei der Gleichwertigkeit der Gegner nicht gelang. Der großen Routine des Meisters Siegfried fiel auch der ausgezeichnete Mittelgewichtler Favre zum Opfer. Ein j plötzlicher Untergriff, in der 16. Minute, entschied zilgunsten des Meisters. Siegfried tonnte am Sonnabend deni Fimien Huthanen dank seiner großen Routine einen sehr offenen Kampf bieten. Das erste Treffen endete mit einem Unentschieden, damit gewann er auch die vom finnischen Meister ausgesetzte Standprämie von 100 M. Der Rheinländer Grunewald mußte den Franzosen Favre nach 19 Minuten als den Besseren anerkennen. Weltmeister Kley vollbrachte eine grandiose Leistung,«s gelang ihm im Eni- fcheidungskampf mit B a h n- S a in f o n in der 52. Minute, diesen ungleich schwereren Gegner mit einem Ueberwurs nach hinten zu besiegen. Heute ringen im Entschcidungskampf Kley gegen.Huthanen. Siegfried gegen Bahn-Samson, und Pctrowitsch gegen Luppa. * An den Schlußkämpfen nehmen nur noch sieben Ringer teil. Wo bleiben die anderen Größen der Matte? Außer— dem kolossalen Negerringer Bambulo, dem ersten Herausforderer des finnischen Meisters Huthanen, um die von diesem ausgesetzte lOOO-Mark-Prämi«, hat sich bis zur Stunde noch kein weiterer Meister der Matte gemeldet. Es scheint, als gelinge es nicht, die so sehr interessierende Frage in der Ringsportgemeinde nach dem wirklich besten Ringermeister zu klären. Es hat den Anschein, als gingen die Größen gern aneinander vorüber. SegeiUug-Wetthezverh auf der Kurischcn Nehrung Der 5. Rosstltener Segclslug-Wetlbewerb wird Ansang Mai von dem Ostpreußischen Verein für Luftfahrt zusammen mit der Gruppe Ost des Deutschen Lustsnhrtverbandes veranstaltet werden. Eine große organisatorische Erleichterung gegenüber den früheren Jahren werden dabei die beiden Flugzeughallen, die Werkstätten und sonstigen Anlagen der Rojsittener Segelflugschule bilden, die voll- ständig in den Dienst des Wettbewerbes gestellt werden. Tr abrennen zu Ruhlcbcn. Ptti« m««.»»lsch. 1. Alpenfeucr II. Mille), 2. Kalli«. 3. Priniodonna. Toto 30: 10. PI.: 18. 18, 40: 10. Ferncr liefen: Guy de Hal, Rotwcdr, Baron«8 6., Olan, Zierde. Lchnecpeter, Neidhammel, Nufhaga Bon. Redelkoppe, Selamil, Biedermann, Piei, ,»» vd«rb«l. l. Lud,i»a(Fanh Ir.j, 2, L», SarfenmÄdche». T»>o: 23: 10 Bl,:>3, 20, 13: 10, Ferner liefen: Adbell, Miradelio l.«akad» l, roiiolanui, SR«Ift»rftttck, Friedrich-lroe. Esparsette. Einsiedler, Eulenspi-ml. Brei»»«» PartemlircheB. l, Planet(I,«aupper fr,), 2. Eoudster lr., 3. Pe» lronella A, Toto: 47: 10.«1.: 21, 18, 22; JO. Ferner liefen: Peter Hall. Rodlesse. Terraria, Erdpri», jr„ Niederländer. Hellina, Isarwellc, Armenier, Arnfrird. Sauptmann. Demeyphine, Erifo, Brei«»»»&. Moritz. I, Interpellant(HrSer«), 2. ss- Trotteur, 2.-l- Trac Foc. Toto: 117:10. P(.: 32..22, 116: 10. Ferner liefen: Eopal. Peter Kar. Destel, Erassus, Marcel, Dentmünze, Will» Ä,, Florion. Prr!» p»»«chierke. l. Rodern lIautz jr.). 2, Heimchen, 3, Seider. Toto: 33: 10. Pl.: 18, 13, 21: 10. Ferner liefen: Anker 1, Charlie Soriho, Land- rat, Eadana, Wintermärche-N» Luchs. Linsco. Preis wia Partexkirchrn. 1. L'l>«mon»(S, Telll, 2. Anita«orthn, 8. Iram. Toto: 114:10. PI: 24, 12. 28: 10. Ferner liefen! Quint, ssen». Lord Polo, Eitelsried, Diana Ragowan. Importeur. Schneesturm. Delle Marlon, Inaelinte. Schnadadäpfl, Mo,Iich. Boron Silpesler.. Preis»»»«rummdübel. 1. Ration ltocrni. Schleusiner), 2. Antenne, 2. Mos» Mer, Foto: 16:10. Pl.: II. 23. 18:10. Ferner liefen: Dante, Kenn» Cord. Freideuier, Sphinr I. Mar» Äui). Primel. Turiddu. Flamingo. Preis ps» Frldbrrg. 1. Nelln Arnold sH. Schräder), 2. Haga Burlo», 3. Aldis». Toto: 22:10. PI.: 14, 14, 18:10. Ferner liefen: Turandot, Neid. :l. Lllisettr, Asitator, Abnetto, Linne. Erster Seehofer, Peter Kall, iichrl. wer weiß das? Es gibt in unserer duldsamen Republik sclts-mc Sportvcrbände. Wer weiß z. B. etwas von einem„Volkssport b u n d"? Das ist ein Bund, der ein Dutzend„Voltssportschiile»" mit vielen, vielen Lehrern unterhält, von denen nicht einer bei Dien, und Neuendorff studiert hat. Es sollen viele Emppenleute darumer sei». Jetzt hat sich dieser„Bund" der Deutschen Turnerschast als Sparte angeschlossen. Früher hatte der Bund und seine Schulen glanzvolle Zeilen. Die sind mm vorbei, und kein Mensch hat noch Interesse an dem Ueberbleibsel aus der Aera der Kapp nnd Kohr. Oder doch die„Deutsche Turnerschast"? * peltzer! Der Rame genügt für eine Ileberjchrist, denn der Mann hat das Verdienst, die obrigkeitliche Herrlichkeit der„Deutschen Sportbehörde für Athletik" gründlich veräppelt zu haben. Nach Australien geht er nicht, aber in Amerika hat es ihm gefallen: dort wachsen die Dollars aus den Bäumen. Bolkswirtschast will der Schlaukopf dort studieren. Besonders reizvoll scheint ihm das Thema: Wie macht man m o n e v? Der finnische Rivale Nurini ist schon drüben, um die gleiche Disziplin zu studieren. Es soll später ein Wettkamps zwischen den beiden aus dieser Volkswirt- schaftlichen Aschenbahn stattfinden. Drücken wir den Daumen für einen deutschen Sieg! » Die Katze läßt das Mausen nicht! In dem Laden der aus- geschlossenen Fußballer halten seit langein die Geldschranttüren nicht dicht. Schon früher hat man die Schlüssel gewechselt, aber immer wieder stellte es sich heraus, daß sie die Bestände„vermehrt" hatten. Man versuchte es niit einstweiligen Verfügungen. Auch das hals nicht. Run hat man's aber doch herausgekriegt: mau liest darüber im Blatt der Gesinnungslreuen erbauliche Dinge. Da wurde ei» Antrag auf Ausschluß des«inen Geschäftsführers wegen linker und rechter Abweichung vom Thälmann-Witiorfschen Tugendpfade gestellt, aber mit 3: 3 Stimmen abgelehnt. Gleich hinterher aber wurde ein neuer Fall ausgedeckt. Nun dürfte das Schicksal nächstens doch seinen unvermeidlichen Laus nehmen und den allzeit getreuen Anhänger des rechten Glaukiens hinwegraffen von der Seite seines sittlich makellosen Kameraden. Um die Beerdigungskosten zu decken, wird wohl die JA5?. wieder Sammelansweise aus- stelle» müsse». Es ist wirklich eine Lust Zu leben bei diesen Brüdern. * Gefährliche Mädchenbeine! Bor einiger Zeit hat sich unser bajuvarischer Postminister dadurch unsterblich genmcht, daß er die Röcke der Telcphondamen reglementierte. Zwanzig Zentimeter vom Fußboden an sollten die Bembergstrümpse der Damen sittcngesährlich sein, weshalb sie von da an durch den Rock bedeckt sein sollte». Die Damen haben sich dagegen mit Recht gewehrt; sie meinten, daß sie sich noch nie um die Hose» der Minister gekümmert hätten.— Diese' Geschichte siel uns ei», als wir jetzt die Turntleidverordnung des christlich-sozialen Unterrichtsministers in Oesterreich lasen. Vis eine Handbreit übers Knie muß die geschlossen« Hose der Mädelchen unter zehn Jahren reichen. Wenn dabei als Maßstab die Pratzen eines steirischen Heinwehrmaimes dienen, niag es angehen. Bei den Rackern über zehn Jahre» ist die Sache aber schon brenzlicher: bei ihnen müssen die Knie bedeckt sein, weil ansonsten die christlich-soziale Sittlichkeit ins Wanken gerät. In diesem Atter werden die öfter- reichischen Mädclchen auch bereits oben gefährlich: deshalb muß der Halsausschnitt unter Zensur gestellt werden. Die Schultern sollen bedeckt sein; das Kleidchen muß Arrmel haben. Glückliches Oesterreich, das solche sittlich gereiften Minister hat! Line Rekordschanzc. Alles für bürgerliche Sportkanonen. Vor kurzer Zeit hielt Dr. Diem anläßlich der Jubiläumstagung der Deutsche» Sportbehörde eine Rede gegen Förderung des Rctordsportes. Die Rede hat in bürgerlichen Sportkreise» gut« Aufnahme gesunden. Daß Theorie und Praxis bei den Bürgerlichen zweierlei ist, beweist der Bau einer Sprungschanze in Johanngeorgen st adt, wo kürzlich das Wintcrsportsest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes stattfand. Die Schanze war von Fachleuten theoretisch so eingerichtet worden, daß sie Sprünge von über 70 Meter zulassen sollte- Um über den„toten Punkt" zu kommen, muß der Springer mindestens 30 Meter springen; es ist also eine Schanze nur für Sportkanonen. Geradezu haarsträubend ist die Anlage der Anlaufbahn. Sie besteht aus einem riesengroßen Holzgerüst von 40 Meter Höhe(!) nnd ungefähr 100 Meter Länge. Dieses Hoizgerüs? ragt weit über die Höhenzüge der Wälder im Süden des Erzgebirges und verunziert die Umgebung.. Wir wundern uns, daß der sächsische Staat für so einen Unsinn Gelände zur Verfügung stellte. Das Geld zu dieser Sprungschanze soll zum großen Teil ein Fabrikant aus Iohanngeorgcnstadt gestiftet haben. Nicht weniger als 120 00» Mark soll die Anlag« tosten. Sie hat für Uebnngs zwecke und für den Sport der Allgemeinheit nicht den ge- ring sten Wert, existiert also nur für wenige Artisten, so daß selbst die Masse der bürgerlichen Sportler gar keinen Wert darauf legt. Beim Einspringen der Schanze ist man nicht über den„t»ten Punkt" hinauzgekoinmen; die Schanze muh deshalb wieder um- gebaut weichen. Wieviel Tausende hierfür noch gebraucht wer- den, entzieht sich unserer Kenntnis. Die A r b e i t e r s p o r l l e r in Johanngeorgenstadt haben ans eigener Kraft eine Schanze ge- baut, die dem Volkssport dient. Hosfentlich sieht man sich bei Verteilung von Staatsmitteln beide Schanzen an und beurteilt die Zuschüsse nach dem Wert der Schanzen für die Volksgesundheil und den Volkssport. � „Arbeitersport und Kultur". Unter dieicin Titel ist Im Verlag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes ein« Broschüre erschienen, iii der M. B l u m t r i t t- Hof die Beziehungen des Arbeitersports zur Kultur untersticht. Der Verfasser will mit seiner Schrist das Ver- ständnie für die große Kulturmission der Ardeiterklaste wecken. Es muß gelingen, so schreibt er, dem Arbeitersport auch über den Kreis der Bewegung hinaus seine Anerkennung als Kultiirförderer, als Kulturgut zu oeifchafsen. Bluintritt stellt sehr richtig fest, daß die .�Kultur bah« eines Volkes heute nicht ollein danach bemessen wird, was auf dem Gebiet« des Schul- und Bildungswesens ini besondere» geleistet wird, sondern auch danach, welche Höhe es auf dem Gedl.-t der Körperpflege durch Turnen und Sport erreicht hat; aber nick» jenes Soprtes, der Sportkanonen züchtet und das Ziel, die JOlassen zu erfassen, außer acht läßt, sondern-jenes Sporte», dessen Streben daraus hinausgeht, die rationelle sportliche Körperpflege Gemeingut oller werden zu lassen". Neue Bezirkseinteiluno im ersten kreis des ATSB. Der Turnwart der Freien Turnerichaft Groh-Berlin beschließt am Mittwoch endgültig in obiger Frage. Nachträgliche Einsprüche sind nicht mehr zulässig. Daher müssen all« Bezirk« vertreten sein. Di« Sitziirg findet statt in den Residenzsälen, Landsberger Straß« 31(NiO-- Alexanderptatz), 19/4 Uhr. Die persönliche Hastung. Eine wichtige Rechissrage. Die Frag« lautet diesmal: wann haftet der Geschäfts. sührer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung persönlich? Wie die Gesetzgebung, geht auch die Rechtsprechung nur zögernd neue Pfade, die von den Schöpfern neuer Rechtsgedonken gewiesen werden, Sie beharrt vielfach auf dem„erprobten" Wege, auch wenn die fortschreitende Entwicklung der Wirtschaft und der Anschauungen das Alte schon überwunden hat oder zu überwinden im Begriffe ist; Beispiel für die Rechtsprechung ist die langsame Durchsetzung des Gedankens„Mark nicht gleich Mark" in der Inflationszeit, für d�e Gesetzgebung die zögernde Behandlung der Reform des Ehe- rechts. Ader auch an einem nicht ganz so wichtigen, jedoch für die tägliche Praxis bedeutungeoollen Beispiel wird klar, wie langsam die Rechtsprechung in der Zlnwendung neuen Rcchtsgiites ist, sogar wenn Lorbilder für den notwendigen Fortschritt vorhanden sind, nämlich an der Behandlung der Frag«, inwieweit der Geschäfts- sührer einer G. m, b, 5). persönlich haftet, Solche Klagen sind zurzeit an der Tagesordnung, weil viele aus der Inflationszeit mit geringem Kapital(bis herunter zu >lk) M,) übrig gebliebene Zweiggesellschastcn nicht zahlungsfähig sind. Nun begegnet der persönlich in Anspruch genommene Ge- schäftc sührer der Klage gegen ihn meist mit dem Einwand, daß er nicht für sich, sondern für die Gesellschast gehandelt, die Ware be- iellt, die Arbeit vergeben habe usw., so daß nach allgemeinen Rcchtsgnindsatzen nicht er, sondern die Gesellschast hastet. Es kann nich nicht verkannt werden, daß in der Regel der Geschäftsführer ür die so aufgenommenen Verbindlichkeiten der Gesellschaft nicht hastet, eben weil er nicht für sich, sondern für die Gesellschast gestellt hat. Dieser Einwand greift aber nicht mehr durch, wenn der Kieschöftsführer bei der Bestellung gewußt hat oder wissen mußt«, »aß die Gesellschaft bereits zahlungsunfähig sei oder werden würde, Tas wird in der Praxis vielfach übersehen, in der vielmehr dieser kinrvand zugelassen wird ohne nähere Prüfung, ob nicht etwa der ?r wähnte Tatbestand vorliegt, in der Klage behauptet oder ange- »eutet ist, oder ob nicht entsprechende Behauptungen von feiten des Klägers rechtzeitig nachgeholt worden sind. Rur langsam geht hier, vie einleitend bemerkt, die. Rechtsprechung vorwärts, obwohl das Wirtschaftsleben die persönliche Haftung des Geschäftsführers in iolchcm Falle verlangt. Dies« Haftung ist rechtlich wie folgt zu »egrüirdcn: Wenn der Geschäflesührer für die Gesellschaft bestellt, »bwohl er weiß, daß die Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist oder ein wird, die durch ihn für die Gesellschaft eingegangenen Bcr- »flichtungen zu erfüllen, hat er zwar nicht, für sich, sondern für nc Gesellschast als deren Lertreter das Geschäft abschließen wollen, »at aber gerade dadurch, daß er seinem Vertrags- »artiter eine zahlungsunfähige Gegenpartei »crpflichteir wollte, gegen die guten Sitten verstoßen und »urch das von ihm abgeschlossene Geschäft— gerade infolge der ßahlungsunsähigkeit seiner Gesellschast— dem Vertrogspariner ünen Schade» zugefügt, für den er selbst nach§ 826 BGB.(Ver- toß gegen die guten Sitten) haften muß. Wem also in der Praxis >ci der Klage gegen den Geschäftsführer einer G. in. b. H. der nwähnte Einwand entgegengehalten wird, soll nach Prüfung der Sachlage dem Einwand mit der obigen Darstellung begegnen. Es st daraus hinzuweisen, daß eine solche persönliche Haftung bereits n einein— von der Rechtsprechung leider unbeachtet gebliebenen— llrleil festgelegt ist. Das Landgericht Weimar hat nämlich in .Juristische Wochenschrift" 1926, S. 2597, ganz allgemein entschieden, wß der Vertreter eines vermögenslosen 23er« iretenen persönlich haftet, da sein Lerhalten„dem 2ln- itaiibsgesllhl aller rechtlich Denkenden zuwider ist". Mit diesem Urteil zat das Landgericht Weimar einen für die tägliche Praxis wichtigen Schritt getan; das Urteil ist gerade für die letzte Zeit besonders »ktuetl. Uebrigens hat das Landgericht Weimar mit der Ausstellung des ingeführten Grundsatzes nur einen schon früher auegesprochencic Rechtsgedonken mutig verallgemeinert, nämlich den Rechtssatz, daß »i« vermögende Frau statt des vermögenslosen Mannes lastet, wenn sie im Rahmei, der Schlüsselgewalt Rechtsgeschäste sür »en Mann vornimmt, wie Konsultation eines Tlrztes, Einkäuse des üglichcn Bedarfs usw.(Vgl. dazu Baer:„Die Haftung der ver- mögenden Ehesrau für den vermögenslosen Ehemann" in„Rechtslagen der Praxis", Verlag Hermann Sack, Verlin.) Dieser Rechts- gedanks der Haftung des vermögenden Vertreters für den ver- nögenslvsen Vertretenen ist ein Fortschritt der Rechtsprechung, der hoffentlich bald Allgemeingut wird, weibcr entsprechend dem Grund- jatz von Treu und Glauben dem Schutze des redlichen Verkehrs dient. Dr. Albert Baer, Rechtsanmalt und Notar. Silvesterseier und Neujahrskrach. Die Hausangestellte im Kampf mit der Gnädigen. Die Hausangestellte einer Frau R. hatte mit ihrem Bräutigam im Kreise fröhlicher Zecher Silvester geseiert und war am N e u j a h r s t a g e krank, so daß sie ihre'Arbeit nicht verrichten kannte.'Als sich die'Angestellte am 2. Januar ihrer Dame wieder vorstellte, gab es eine Zluseinandersetziing, die damit endete, daß Frau R. die'Angestellte ausforderte, ihre Sachen zu packen und sosort das Haus zu verlassen. Die Angestellte mußte die Schlüssel abliefern, damit war die Entlassung vollzogen. Am nächsten Tage sollte sie kommen, um wegen ihres Lohnes, mit dem die Gnädige zwei Monate im Rückstand war, abzurechnen.— In der Annahme, daß es bei der'Abrechnung nicht friedlich zugehen werde, brachte die'Angestellte zur Sicherheit ihren Bräutigam, einen handfesten Reichswehrunterossizier, mit. Der Kriegsmann rückte aber nicht sogleich in das Kampsfeld, sondern nahm eine abwartende Haltung vor der Tür ein. Drinnen schritt man zur Abrechnung. Aus beiden Seiten herrschte K a m p s st i m m u n g. Die Angestellte sorderte außer dem rückständigen Lohn für November und Dezember auch Lohn und Kostgeld für Januar, weil sie ohne Grund fristlos entlassen war. Die Gnädige machte eine Gegen- rechming auf: Die'Angestellte habe eine Kristallschale im Werte von 38 M. zerschlagen und sich zwei Pullover der Gnädigen im Werte von 168 M. angeeignet. Während sich die Auseinander- setzung zwischen den beiden temperamentvollen Damen bisher schon in erregten Worten abgespielt hatte, kam es nun zum erbitterten F a u st k a in p f. Die Angestellte stürzte sich auf Frau R. mit den Worten:„Sie polnisches Judenweib wollen mich des Diebstahls beschuldigen?" Nun setzte es Hiebe von beiden Seiten. Der Unteroffizier konnte nicht in den Kampf eingreifen, denn die Gnädige hatte schon bei Beginn der Auseinandersetzung vor- sorglich die Tür abgeschlossen. Die Angestellte flüchtete durch das Fenster der Parterrewohnung in die Arme ihres Bräutigams. Als Kriegsbeute brachte sie einen wertvollen Pelz- mantel der Gnädigen mit, den sie als Pfand für ihre Forderung bei der Polizei hinterlegte. Aar dem Arbeitsgericht trafen sich die beiden Gegnerin- neu wieder, um ihre Abrechnung in rechtlicher Form zu vollziehen. Hier stellte sich heraus, daß der Angestellten ein Diebstahl nicht zum Borwurf gemacht werden kann, denn den einen Pullover hat die Schwester der Gnädigen erhalten, den anderen hat die An- gestellte beim Plätten durch einen Brandslecken beschädigt und ihn, weil er dadurch sür die Gnädige unbrauchbar geworden war, einer Freundin gegeben, womit Frau R., als sie die Sache entdeckte, sich zufrieden gegeben hatte. Die aus Versehen zerschlagene Schale konnte auch nicht auf den Lohn angerechnet werden. Somit sprach das Gericht der Angestellten den rückständigen Lohn von 178 M. zu. wies sie aber mit der Forderung für Januar ab, weil sie Frau R. durch die Worte„polnisches Äudenweib" be- leid igt und dadurch Grund zur sri st losen Entlassung gegeben Hobe. Uebrigens— sagte der Richter— könnte die Klägerin, da Hausangestellte jederzeit gesucht werden, jeden Tag eine neue Stellung bekommen. Hierzu erklärte die Klägerin, sie bekomme überhaupt keine Stellung mehr, denn Frau R. habe sie„in die Zeitung gebracht". Damit legte sie zwei Nummern des„8- U h r- Abendblattes" vor, worin der Berfall zu ihren Ungunsten entstellt, in großer Llufmachung mit voller Namensnen- n u n g und den Bildern der Angestellten und der Frau R. veröffentlicht worden ist.— Eine so gekennzeichnete.Hausangestellte wird wohl schwerlich je wieder eine Stellung bekommen. Das Urteil des Arbeitsgerichts, wonach die Klägerin die Be- klagte beleidigt und dadurch Grund zur fristlosen Entlassung gegeben haben soll, beruht auf einem ossensichtlichen Irrtum. Die Klägerin ist am 2. Zanuor entlassen. Erst bei der Abrechnung am Z. Zanuar ist die beleidigende Aeußerung gefallen. Sie kommt also als Entlassungsgrund nicht mehr in Frage. Es ist auffallend, daß das Gericht diesen Um st and übersehen konnte. Uebrigens: Kann man hier überhaupt von einer groben >>> Im Insektan'um des Zoo. Im Berliner Aquarium sind gegenwärtig einig« der größten heimischen Bockkäfer, sogenannte»Held-, Spieß- oder groß« Eichenböcke ausgestellt. Sie bewohnen einen Behälter des I n s e k t a r i u m s, wo sie bei Zuckerwasser mit etwas Gerbstoff auch jetzt munter sind, während ihre Genossen draußen im Freien noch in Eiche nstänunen der Winterruhe pflegen. Diese fünf Zentimeter messenden schwarzen Käser sind durch besonders lang«, bogenförmig gekrümmte, stark gegliederte Fühler ausgezeichnet, die an die Hörner eines Steinbocks erinnern. LeUidlguiiz Uu.n, wo sich die Kläger?,! m oegreislicher Erregung gegen die selbst vom Gericht als grundlos festgestellte Beschuldigung des Diebstahls mit einer heftigen Aeuße, nmg gewehrt hat?_ Die Klagen der Kleingärtner. Proteste an falscher Stelle. In einer Vorlage fordert der Mogistrot die Zustimmung der Stadwerordneicn zu der Beseitigung eines Teils der an der Ren- köllner Grenze gelegenen Kleingärten, um mit dem so gewonnenen Platz den Flughafen auf dem Tempelhoser Felde erweitern zu können. Das Reichsverkehrs- und dos Handels- Ministerium, der Oberpräsident von Brandenburg und der Polizei- Präsident von Berlin haben zur Sicherstcllung eines geordneten Flugverkehrs diese Erweiterung vom Magistrot ge- fordert. Bei Start und'Ankunft der Flugzeuge in der Nordsüd- richtung hat die An- und Ablausbahn nicht die vorschriftsmäßige Länge: die Flugzeuge kommen in Gefahr, sich selbst, die Baulich- leiten in der Laubenkolonie und die Anwohner zu beschädigen. Die betroffenen Kleingärtner erhoben in einer V e r s a m m- l u n g Protest gegen die beabsichtigte Räumung. So gern man zuge- stehen muß. daß die Kleingärtner durch dos Heimstättengesetz und durch die Pachtverträge bis zu einem gewissen Grade geschützt sind, so genr man ihnen weiter zugestehen will, daß sie die ausgcwendete Mühe und Arbeit verloren sehen, so muß man andererseits doch bedauern, daß diese Protestoersammlungen immer wieder zu einer Hetze gegen die Parteien des Rathauses, ganz besonders die Sozialdemo- kralle und gegen den Magistrat benutzt werden. So war es auch diesmal wieder in der Bcrsammlung der Kleingärtner in der Bockbrau er ei Fidicinstraße. Man schimpfte auf olle und alles: niemand fand sich, der auch mir den Versuch machte, die Zwangslage des Magistrats und der Stadtverordneten zu wür- digcn, bis auf den Organisationsleitcr, Genossen R e i n h o l d. Schließlich Hot Berlin doch den Zentralslughafen Deutschlands, der ordmingsgemäß nach den Ticherungsoorschri�ten betrieben werden muß. Es ist selbstverständlich,■ daß der Magistrat die betrossenen Kleingärtner vollgcldlich entschädigen und daß er ihnen anderweitig Gelände sür den Betrieb ihrer Kleingärten zuweisen wird. Das ist durchaus nichts Neues, und es braucht auch gor nicht besonders von den Kleingärtnern gefordert werden. Die D e p u- tation für das Siedlungs? und Wohnungswesen wird sich selbstverständlich für diese Entschädigung ein- setzen, auch die Sozialdemokraten, die man so gern angreift. Am allerwenigsten brauchen solche Forderungen von den Kommunisten vertreten werden, denn sie haben oft genug den Vorlagen des Magistrats über die Wisgestallung des Flughafens zugestimmt. Oer guie Ton in der Werkstckii. Wie man hineinrust in den Wald... Wer als Arbeitgeber im Umgang mit seinen Arbeitern einen Ton anschlägt, der unter gesitteten Menschen nicht üblich ist. der sollte sich nicht verletzt fühlen, wenn ihm in dem gleichen Ton geantwortet wird.'Wenigstens sollte er daraus keine Rechte für sich herleiten.— Diese Belehrung wurde dem T i s ch l e r m c i st c r H. durch eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht erteilt. f). hatte dem Möbelpoliercr I. eine mangelhafte Arbeit zurück» gegeben mit den Worten:„Den Mist tonn ich nicht ge- brauchen." I., ein infolge einer Kriegsverletzung nervenleidender und deshalb leicht erregbarer Mann, wies auf eine ebenfalls mangel- haste Zlrbcit des Vorarbeiters und fragte:„Wat soll denn mit diese Scheiße werden?" Daraus der Meister:„Das kann so bleiben."„So," — sagte I.—„wat der Vorarbeiter macht, det is jitf, aber wat wir machen, det dogt mscht."— Nun schimpste Meister H. in überlautem Ton, das sei hier eine Sa u'w i r t s ch a f t, keiner mache seine Slrbeit ordentlich, aber guten Lohn wollten sie haben, raus- schmeißen müßte man alle, diese Schweinerei würde wohl nicht eher aufhören, als bis man einen auf den Kopf schlage, daß er liegen bleibe. Als der Meister so in der Werkstatt herumtobte, rief ihm der Polierer I. zu:.Wir sind hier»ich im Kuhstoll, brüllen Sie doch nich so wie ein Ochs e." Der Meister erwiderte:„Hier sind ja bloß lauter Ochsen."„Na." sagte I..„dann find Sie der größte Ochse." Daraus schrie ihn der Meister an:„Packen Sie zusammen, machen Sie, daß Sie rauskommen, Sie sind entlassen." I. leistete dieser„liebenswürdigen" Zluiforderuiig Folge und klagte beim'Arbeitsgericht wegen fristloser Entlassung. Das Urteil des Gerichts besagt, es liege kein Grund zur f r i st l o s e i> Entlassung vor. Der Kläger habe zwar ein Schimpfwort gegen den Beklagten gebraucht, aber da,- Verholten des Beklagten sei keineswegs einwandfrei gewesen. Ein Schimpfwort des Klägers als Erwiderung auf die Schimpferei des Beklagten könne n i ch t a l s B e l e i d i g u n g angesehen werden. Friede und Reparationen. Staatsbankpräsident L o e b spricht im Rahmen des 7. Wissenschastlichen Klubabends der Deutschen Liga für Menschenrechte E. 23. über„Friede und Reparationen". Der Vortrag findet am Montag, dem 14. Januar 1929, 20 Uhr, im Wirt- ichoftspolitischen Saal des Reichswirtschastsratcs. Bellevuestraß« 15, statt. Unkostengebühr 1 M. Der Bund republikanischer Beamter hält Mittwoch, den 16. Januar, 20 Uhr, im'Alten Askanier, Anhältst r, 11, seine Hauptversammlung ab. Vortrag des Herr» Dr. Völker, Referent für Benmtcnrechtssragen im Allgemeinen Deutschen Beamtenbund. Groß-Nertiner parteinachrichien.. Berichtigung! Dr. SRonnn« Kirschs«», spricht Montoq, 21. Saaun i ch I> r» t e), HU Ul>r, im OortMBBfoal be» Srzualmiffeaschastlichea Iustitat», 3" d«n Zrlirn 1», iber:„Srjnalrrjlrbaag". Wir bitten die Deaoncii, bestimmt und pinltlich in erscheinen. Zntrreisiertr Säst« find w Ilknmmen. Obefall Filialen Posfversand Berlin SO 16, Rungesfr.2«1 Fernspr. F7�annowil"Z 6436