BERLIN Somerstag 17. Januar 1929 Crfdelst tff1t6««fet6eit>tffi|& �valeich Abntdauis-b« de» Jßtnetott'. SSejagOpmi leibe Ausgabe» 86 Pf. pro Woche, S,soM.revMo»at. Redaktien undTrpedition: Berli»SWss,!inbenßr.3 10 Pf. Nr.2S B14 46. Jahrgang. Ct|e(fev»t das vudgel des Kriegs. Ministeriums besprochen. Der Referenk Sowsk teilte mit. daß PilsudsN das Budget in höhe von 1300 Millionen Zlott festsetzen wollte, e» aber später aus 814 Millionen herabgesetzt habe, was 30,64 Prozent der gesamten Staatsansgaben betrage. Das die». {ährige Budget stellt sich somit um S4 Millionen Zloti höher als dasjenige vom vorigen 3ahr. Der Vertreter der Obersten Kontrvllkammer teilte mit, daß der Staat große Beträge für die Kriegsindustrie drauf. zahlen müsse und daß hierbei oft die Grenze des für den Staat Tragbaren überschritten worden sei. Bei den Einkäufen für das Kriegsministerium herrschen große Mißstände. Die Preise, die sür Lieferungen an das Ministerium gezahlt werden, übersteigen meistens die handelsüblichen. Bei den letzten Getreideeinkäufen seien beispielsweise für verdorbenes Getreide, das überhaupt nicht verwendet werden konnte, Preise gezahlt worden, die in keinem Verhältnis zu den Marktnotierungen standen. In einer längeren Rede nahm der sozialistische Redner Dr. Llebermann namens der Polnischen Sozialistischen Partei zu dem Budget des Kriegsministeriums Stellung. Er erklärte, daß es keinerlei Zweck habe, den Voranschlag festzusetzen, da dieser von der Regierung ohnehin überschritten werde: im vorigen Jahr ist er tatsächlich um 70 Millionen Zloti überschritten worden. Das polnische Heeresbudget übersteigt die wirtschaftlichen Möglich. keilen des Landes bei weitem. Das stände in Europa beispiel- l o s da. Liebermann beantragte daher eine Herabsetzung des Heeres- bestände? um 2ö Prozent, d. h. von 210 000 aus 1S0 000 Mann. Dieser Antrag, der in einer der nächsten Sitzungen zur Abstimmung gelangen wird, besitzt jedoch keinerlei Aussichten auf Erfolg, da sich der Regieruugsblock und die nationalistischen Rechtsparteien gegen ihn oerbinden werden._ Erniesthaden durch Mobilmachung. Das Paraguay der Laudwirifchast ersehen muß. Asnnclou, 17. Januar. Die Regierung vou Paraguay hat beschlossen. Kredite la höhe von 25 Millioueu Peso, zugunsten der Farmer zu bewllllgeu. dl- infolge der Einberufung der Farmarbeller zu der Zelt, als die Armee anläßlich de» Grenzstreils mit Bolivien mobilisiert wurde. nicht imstande waren, ihre Ernten unter Doch zu bringen. Die Regierung ist, bemüht, die Farmarbeilcr als erste baldmöglichst z» Riesendampfer durch Sturzwelle beschädigt./ Rügen vom Verkehr abgeschnitten. Wie der Kapitän des gestern in New Jork elngetroffcncit White- Star-Dampfers M a j e st i e, des früheren deutschen Dampfers „Bismarck�, berichtet, ergoß sich am Montag nachmittag, als sich das Schiff etwa« 1500 Kilometer östlich der amerikanischen Küste befand, eine gewalkige Sturzwelle über den Bug des Dampfers. Durch dos hereinbrechende Wasser wurde ein hilfskoch in dem Augenblick, als er aus der Küche heraustrat, mit solcher Gewalt gegen einen Pfosten geschleudert, daß er tot liegen blieb. ÜUehrere Mitglieder der Mannschaft erlitten Verletzungen. Die Welle riß groß« Ladebäume und Ventilatoren mit sich fort und durchschlug den Deckel der Vorderluke. Einige Stahkschotten murdm eingedruckt und das eindringende Wasser überflutete einen Teil der vcudcmi Schiffsräume. Acht Leute der Mannschaft wurden in ihren Kojen im Barderschiss eingeschlossen und muhten in dem zwei Meter tiefen Wasser umherschwimmen, bi» sie gerettet werden tonnten. Auch einige Räume der 3. Klasse wurden überflutet imd vollständig verwüstet. Eine Anzahl von Passagieren, die durch die Trümmer in ihren Kabinen eingeschlossen wurden, muhten mit A exten de- freit weiden. Ein Teil der Ladung wurde beschädigt. Don den 10 384 Postsäcken, die die„Masestic* an Bord hatte, war etwa die Hälfte in der Vorderluke verstaut und wurde vollständig durchnäßt. Beamte der White-Star-Linie erklärten, daß der Dampfer fohrplon- mäßig am Freitag wieder abfahren werde und daß bis dahin die notwendigsten Ausbesserungen vorgenommen werden würden. Sahnlh, 17. Januar. Nachdem der seil gester« über Rügen wehende von schweren Schneeböen begleitete orkanartige Sturm aus Südwest sich gelegt Halle, sprang der wind nach Norden um. Der Sturm setzte mit großer Gewalt wieder ein und trieb große Schneemasseu daher. Sin neuer Sender in tfterlin. In Berlin ist ein zweiter Sender in Betrieb genommen worden. Er befindet sich aus dem Dache eines Gebäudes der Reichspost in der Boxhagener Straße. Der neue Sender soll dazu dienen, dem Osten Berlin» einen besseren Ruudfunkempfang zu ermöglichen. Die Wellen des Witzlebener Senders werden nämlich trotz der Stärke dieser Station durch das häusermeer der Großstadt so ge» jchwächi, daß der Rundfuntempfang im Osten mit Detektorgeräten oft nicht mehr möglich ift, DI« ZnselRügeuisl augenblicklich von sedem Der. kehr abgeschnikten. Alle Straßen sind unpassierbar. Der nachmittags gegen Uhr hier fällige Personenzug. In dem sich etwa 100 die Realschule in Bergen besuchende Kinder befinden, geriet ungefähr 10 Kilometer vor Sohuitz im Schnee fest. Der gegen 4 Uhr hier fällige Schwedenzug ist auf dem Trajektschifs zwischen Stralsund und Rügen im Eise stecken geblieben. Oer Schneesturm über Dänemark. Noch einer Mitteilung derdänischenStaatsbahn ntusjle infolge des ungeheuren Schneefalls auf fast ollen Staatsbahnen in Seeland der Berkehr am Mittwoch abend vollständig eingeslelll werden. Insgesamt liegen 15 Eisenbahnzüge im Schnee fest. Per schiedentlich sind auch Schneepslüge steckengeblieben. Der Tageszug aus Deutschland konnte ebenfalls nicht nach Kopenhagen durchgeführt werden. Di« Fahrgäste muhten in Nastved übernachten. Lluf dem Eisenbahnknotenpunkt Ros kille herrscht völliges Durcheiimn>der. Don den 150 Zügen, die sonst täglich durch Roskille komme», konnten nur einige durchgeführt werden. Alle Wartesäle, sowie die Hotels der Stadt sind init eingeschneiten Fahrgästen angefüllt. Weder vorgestern noch gestern konnte von vnd nach Kopenhagen auch nur ein einziger Güterzug verkehren. Besonders schlimm ist es mit der Mstchversorgung Kopenlzagens bestellt. Man rechnet damit, daß am heutigen Donnerstag eine Einschränkung in der Ab-- gäbe von M i l ch«intreten wird. Verschiedentlich blieben auch Postt rast wagen im Schnee stecken, so daß Hilfe durch Schlitten heran- gezogen werden muhte. In der Nacht zum Mttttvoch und am Mittwoch selbst raste über Vendsyssel ein heftiger Sandsturm. Bor einem Fischerdorf wurde sooiel Eis angetrieben, dah sich ein , nächtiger Eisberg bildete, der den Häusern mit Vernichtung drohte. Eist wxnige Schritt vor dem Ort kam«, die gewaltigen Eismassen zum Stillswnd. Wie aus K o r f ö r gemeldet wird, ist in der Nacht zum Mittwoel» «in leeres Rettungsboot an Land getrieben worden. In dem Boot fand man lediglich drei abgebrannte Raketen. Die Rationalität des Bootes konnte noch nicht festgestellt werden; man nimmt an, tzaß es sich um ein holländisches Boot handelt. Noch Meldungen aus Boruhobn ist es gelungen, die Besatzung des bei Gudjem gestrandeten und mittschisss geborstenen Dampfers am späten Abend des Mittwoch zu retten. Die 26 Mann starke Besatzung wurde mit Hilfe einer Raketenleine einzeln an Land gehokt. ftotii/ Florenz und Ancona im Schnee. In Florenz hat es in der vergangenen Nacht starkgefchuetl, fo dah Stadt und Umgebung unter einer Schneedecke liegen. Der Verkehr der elektrischen Bahnen konnte erst am späten Vormittag, der Automobiloorkehr nach der Umgebung erst ain Nachmittag auf- genommen werden. Aus Ancona wird gemeldet, dah eine zehn Zentimeter hohe Schneede&e Stadt und Umgebung be- deckt. Auch in Rom hat es heute nacht geschneit. Die Straßen sind von einer leichten Schneedecke überzogen, Ltmwege der Oiplomaiie. Noch vier Formalitäten, ehe Morgan mittut. London, 17. Januar. Alle Regierungen, die an der neuen Untersuchung über die Frage cher deutschen Reparationen interessiert sind, haben die englische Regierung davon verständigt, daß sie mit der Absenduug einer Einladung durch den Doyen der Botschafter, den englischen Botschafter in Washington. Howard, an Owen V o u n g und Pico- pont Morgan einverstanden sind. Der diplomatische Korrespou- dent des„Daily Telegraph" rechnet damit, daß sich die Fornmlttüteu noch mindestens eine Woche hinziehen werden. Es muß nun also durch Howard die Einladung den amerikanischen Sachverständigen übermittelt werden, und sobald deren Zustimmung erfolgt sei. hier-- von den interessierten Regierungen wahrscheinlich auf dem Weg« über London Mitteilung gemacht werden. Die in Frage kommenden Regierungen müßten dann noch einmal ihre formelle Zustimmung geben, worauf die Reparation»-- k o m m l s s i o n zusammentreten werde, um offiziell die Einladung cm Howard zu übergeben, Die Verteumderpesi. Hugenberg-Methodea der Volksvergiftung. V«r hat die Denkschrift Groener» dem Hercmsg�er der„Review of Reviews�, Herrn Wickham Steed. in die Hände gespielt? Niemand ist bis zur Stunde tn der Lage, diese Frage beantworten zu können. Dennoch versucht die Rechtspresse, die Reptilien Hugenbergs voran, diese Angelegenheit zu einer un- geheuerlichen Hetze gegen die SoKialdemokratie auezumitzen. We Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es sich um einen ordinären Fall von Spionage handelt, nicht aber um eine Indiskretion, die aus politischem Fanatismus begangen worden ist. Denn als„An- klagematerial gegen den deutschen Militarismus" ist hie Denkschrift absolut nicht zu brauchen, von illegalen Rüstungen und geheimen 'Absichten verrät sie nichts, höchstens von übertriebenen Befürchtungen vor den geheimen Absichten anderer. Aber wäre dem auch anders, so bliebe es immer noch bis Krr Groteske unwahrscheinlich, daß sich deutsche Pazifisten gerade an Wiäham Steed gewendet haben sollen, der doch alles andere als ihr Gesinnungsgenosse ist. Oer Griff ins Wespennest. „Die Vermögenssteuer ist die typische Veidsteuer../ (München all>g«bl>rgcr Abcndzeiwog Dom Huzcnberg.N°n,«n>.) Der Rechtspresse kommt es aber gar nicht darauf an, die Wahr- heit zu ergründen. Dos Dunkel, das über der Sache liegt, ist ihr nur willkommen, weil es ihr Gelegenheit gibt, einen Derleumdungs- feldzug gegen Sozialdemokratie und Pazifismus zu führen. Der Per- rgter muß ein Sozialdemokrat oder«in Pazifist sein, well jene schmutzige Gesellschaft da» für ihr« parteipolitischen Manöver so braucht. Am tollsten treibt es heute der„Berliner Lokal-Anzeiger", der e« fertig bringt, folgendes zu schreiben: Niemand kann es uns verdenken, wenn bei dieser Lag« der Dinge die Aermutung ausgesprochen wird, daß auch die iandesoerräte- rifche Veröffentlichung der Groener-Denkfchrift m der Londoner „Review of Reviews nur durch ei» Zusammenwirken deutscher und cnglifcher.Friedensfreunde" vchtt der Sorte dieser Sünstler und Schoenaich— um ander« Namen vorläufignichtzunennen— mit englischen Jnteresienten an der Wehrlosmachung Deutschlands zuftondegekommen ist. Hot doch derselbe Herr Künstler sich erst vor«inigen Monaten durch Beröftenllichung anderer geheimer DokuuieM« aus dem deutschen. Reichswehvministerium über die früheren Wehrmachtsbeziehungen Deutschlands zu Rußland heruvrgetan. und sind doch die sonstigen Veröffentlichungen gleicher oder ähnlicher Art, die aus sozialistische oder pazifistische Kreise zurückgehen, nachgerade Legion. Der Lump, der das zu schreiben wagt, beurteilt offenbar andere noch seiner eigenen feigen Art. Im Fall der Schriftstücke über die Beziehungen Deutschlands zu Rußland hat es sich um h i st o- ri s ch e Dokumente gehandelt, für deren außenpolitisch vollkommen unschädliche— Veröffentlichung Genosse Künstler und die Redaktion des„Vorwärts" offen vor oller Welt die Verantwortung übernommen haben. Gerade das ist der beste Beweis dafür, daß die Preisgabe der deutschen Marinedenkschrift an Herrn Steed etwas ist, was Leuten„von der Sorte dieser Künstler" nicht zuzutrauen ist. Ebenso wird der Name des Generals o. Schoenaich vollkommen sinnlos in leicht- fertigster Verteumdermanier in die Angelegenheit mit hineingezogen. Darüber, daß sich die deutschen Behörden vor Pertrauensbruch und Spionage sichern sollen, besteht kein Streit. Aber mindestens ebenso wichtig ist auch der Kampf gegen die deutschnationale Verleumderpest und gegen da» Hinabsinken eine» Teils der deutschen Presse auf da» Niveau der Hugenberg-Iourna- listik. Eine Erklärung Steevs. London, 17. Januar. Der Herausgeber der„Rivkew of Reviews", Wickham Steed. gab gestern abend ein« Erklärung darüber ab, wie die deutsche Denk- schrift über den Bau des Panzerkreuzers in feinen Besitz gekommen sei. Er sagte: Di« Denkschrift ist nicht ein geheimes Staatsdokument, aber sie ist sehr wichtig. Die ganz« Sache war ein« deutsche mili- tärische Erklärung, die den Parteisichrern vertraulich obgegeben wurde. Sie ist durchaus authentisch und sie Ist nicht gestohlen worden. Gi« ist in der üblichen Weise(!) an mich ge- laugt, aus einem Weg«, den ich kenne und zu dem ich Vertrauen habe. Die innere Ueberzeugungskraft spricht so stark für die Echt- heit, daß kein verantwortlicher Journalist zögern würde, das Doku- ment zu veröffentlichen. Das Dokument ist nicht so geheim geblieben. wie gewünscht worden war. Zu der Berliner Rteldung, daß von den deutschen amtlichen Stellen eine Untersuchung angeordnet worden sei, bemerkt« Wickham Steed: Soweit ich in Frage komm«, können sie so viel untersuchen wie sie wollen. Mitteldeutscher Schiedsspruch. Von beiden Parteien angenommen. Hall«. 17. Januar.(TU.) Ter Schiedsspruch in der mitteldeutsche« Metallindustrie ist von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern angenommen worden. Zwischenfälle im Richterprozeß. Busdorf der Sündeubock.— Tenholt das Opferlamm. Hört man Hoffmann und Kalling reden, so könnte man soft glauben, das ganze Verdienst daran, daß Schröder der Tot über- führt werden konnte, sei dem Untersuchungsrichter und der Magd«- burger Kriminalpolizei zuzuschreiben. Insbesondere der Herr Land- gcrichtsdireklor verkennt in dieser Hinsicht anscheinend die Urteils- kraft der Mitglieder des Großen Disziplinarsenats— ganz so, wie er dessen Aufnahmefähigkeit unterschätzt: das hat der Vorsitzende Xigges bei der endlosen Erklärung Hoffmonns bereits zweimal festgenagelt. Es schien heute morgen fast so, als fei der eigentliche Angeklagte Busdorf. Bei ihm habe alles Uebel den Anfang genommen, behaupteten die wirtlich Angeklagten. Er habe den Untersuchungsrichter Kölling wie Luft behandelt, er habe es sogar für überflüssig gehalten, bei setner Ankunft in Magdeburg sich bei dem Kriminaldirektor und der Staatsanwaltschaft zu melden. Tenholt dagegen habe alles Erforderliche zur Aufdeckung des Mordes an Helling vorgenommen. Er Hab« die Pfandleihequittungen ge» funden, die Leiche des Ermordeten ausgegraben, Schröders Revolver ausgestäbert. Weil er auf der richtigen Spur gewesen sei, habe man ihn aus der Untersuchung herausgenommen. Zur Unterstützung dieser Behauptung beruft sich die Berteidigung auf dos Urteil des Nauenburger Disziplinarsenats, is dem«s u. a. heißt:„Dos Disziplinarverfahren gegen Tenholt war nicht der Grund, sondern das Mittel, ihn aus der Untersuchung herauszunehmen." In Verbindung mit dieser Behauptung entstehen Meinung?- Verschiedenheiten zwischen der.Verteidigung und dem ersten Staats- anwalt. Der Verteidiger beantragt, daß die Erhebungen im Diszi- plinaroerfahren gegen Tenholt verlesen werden, sofern aus ihm die Gründe, die zur Eröffnung eines Disziplinarverfahrens geführt haben, zu erkennen sind. Der erste Staateanwalt Dr. Weyennann stellt demgegenüber fest, daß Tenholt vom Disziplinargericht zwar wegen Unwahrheiten nicht verurteilt worden sei, die er dem Regierungsdirektor Dr. Weiß gegenüber gesagt haben sollte, doch wegen einer ganzen Reihe anderer vergehen. So wurde ihm die Untersuchung von Ermittlungen über die Vermögens- und peffönlichen Verhältnisse Schröders, die Unterlassung einer Durchsuchung des Schröder- schen Hauses nach der Ausgrabung der Leiche, die Vernehmung der Braut Schröders. Hilde Götze, die Durckffuchung zweier Schröder- scheu Brieftaschen, die Begünstigung des Kassiberver- kehr» durch Schröder. Nichtablieferung der Handakten bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst usw. zur Last gelegt. Professor Finger. Hoffmonns Verteidiger, ist allerdings der Ansicht, daß, sofern Kölling der Ueberzeugung gewesen sei, daß man ihm einen Beamten entziehe, der eine bestimmte Spur verfolgt und ihn aus diese Weise an der Untersuchung des Verbrechens hindere, man sich der Begünstigung schuldig mache. Senatepräsident Groß- mann stellt darauf die etwas biffig« Frage, ob Professor Finger die Ueberzeugung der Angeklagten von einer Begünstigung am 30. Juli 1926 im Auge habe, oder daß bei ihm diese Ueberzeugung noch heute bestehe. Aus der Anklagebank herrscht tiefe» Schweigen. Der Große Dijziplmarjenat beschließt, die Erhebungen im Dis-i- plinaroerfahren gegen Tenholt nur in dem Teil zu verlesen, der die Aussagen des Regierungsdirektors Dr. Weiß über Tenholt enthält. Diese Aussagen ergeben, daß Tenholts Abberufung durch dessen Unfähigkeit verursacht sei. Man hatte Tenholt in Berlin mit einem Spürhund verglichen, der, einmal auf eine Fährte gesetzt, nur mit Gewalt von ihr abgebracht werden könne. Tenholt galt ober in Magdeburg schon als der fähigste Beamte. Es blieb deshalb nichts anderes übrig, als einen Berliner Beamten mit der Sache zu be- trauen. Der Vorwurf, daß das Disziplinarverfahren gegen Tenholt nur ein Mittel, ihn aus der Untersuchung herauszunehmen, gewesen sei. entbehre jeder Grundlage. Es hätte dazu eine Versetzung genügt. Tenholt habe während der Aussprache eine ganze Reihe Unwahr- hellen gesagt mll dem alleinigen Zweck, Dr. Weiß dadurch zu ver- anlassen, ihn nicht aus der Untersuchung herauszunehmen. H o f f m a n n versucht, Widersprüche zwischen den einzelnen Aussagen von Dr. Weiß zu konstruieren mit dem einzigen Erfolg, daß der Staatsanwalt erklärt, er sehe kein« Widersprüche. Als Hoffmann daraus mit neuen Erwiderungen sich erheben will, winkt der Vorsitzende ab. Ueberhaupt hat der erklärungslustige Herr Landgerichte direktor zwar ein sehr geduldiges Gericht vor sich, aber viel Glück ist ihm mll seiner Verteidigungsmanier bisher nicht beschieden gewesen. Schließlich ist aber auch die Geduld des Disziplinarsenats er- schöpft. Als Hofsmann wieber einmal eine von den Aussagen Hörsings in ihrer Wahrhastiakcft anzweifell— Hörsing hatte erklärt, daß er sich aus eine bestuninte Konferenz nicht mebr em- sinnen könne— ermahnte der Vorsitzende hoffmann zur Vorsicht. da der Oberpräsident Hörsing seine Aussage unler Eid gemocht habe, unb es wohl schwer hallen würde, Unterlagen sür die Wider- legung dieser Aussagen zu finden. Darauf erhebt sich General- staatsanwalt Roh de und erklärt: Ich bitte, aus meiner Zurück- Haltung nicht zu schließen, daß ich die Behauptungen des Angeschuldigten Hoffmann zustimme. Jedes Wort, das er sagt, reizt zum Widerspruch. Er macht sich die Sache sehr leicht, daß er in jedem tieinen Widerspruch, der sich in den Aus- sagen der Zeugen findel, einen Weineid sehen will. Als Hoffmann darauf wieder zu irgenbeinem Punkt« Erklä- rungen abgibt, unterbricht ihn der Vorsitzen'« und richtet an ihn die Aufforderung, er möge endlich an den Senat eine Liste der Einzelheiten ausstellen, die er aufgeklärt sehen will, da der S e- nat nicht gewillt sei, dies« endlosen Erklärungen über sich ergehen zu lassen. Hofsmann spricht aber innner weiter, jetzt über irgendwelche Zelldifferenzen. Der Vorsitzende er- klärt, daß der große Diszipllnarsenat sich darüber schlüssig werden würde, ob diese Einzelheiten von Bedeillung sind. Hoffmann ver- liest darauf eine Reihe von Punkten, die er noch aufgeklärt wissen will. Der Senat behält sich die Enffcheidunx vor. Lanbbündler spielen Revolution. Vor einigen Tagen veröffentlichten wir ein Rundschreiben der Bezirksbauernkammer Neu bürg a. d. Donau. Es mochte in offener Form für einen Lieferstreit der Landwirte Stimnrung. Die Bezirksbauernkammer darf sich rühmen, daß ihr Vorgehen Schule macht. Der„Fränkische Anzeiger" in Nürnberg brachte in diesen Tagen einen Bericht über eine Landbundoersammlung in Schillings fürst. Dort zog nach einem sehr sanften Vortrag des deuffchnativnalen Reichstagsabgeordneten B a ch m a n n, der sich gegen den Liefetftreik aussprach, der Geschäftsführer des Landbundes Gareis vom Leder. Er rief die Bündlcr mit folgenden Worten zur Anwendung von Gewalt auf: .Eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse sei ans legalem Wege— Volksentscheid— oder auf illegalem— Gewalt— mög- lich. Es ist aber ein Unterschied, ob man nichts zu verlieren und ein Königreich.zu gewinnen oder vielleicht alles.zu verlieren hat." Nachdem dieser Redner dann die Uneinigkeit der Bauern bedauert hatte, fuhr er fort: „Der geschlossen« Will« fehtt in unseren Reihen. Schreckt doch jeder vor irgendwelchen Gewallmaßnohmen zurück, solange es seinem Rachbar noch schlechter als ihm geht." Das ist nackte Aufforderung zur Revolte, in die sich noch Be- dauern mischt, weil die Dentünftigen unter den Bauern nicht mll- machen wollen. Ein anderer Redner warnte vor Gewaltmaßnahmen. Das hindert« den Nationalsozialisten Steegmann nicht, folgendes in die Versammlung hineinzu trompeten: „Co wird die Zeit zum Kamps, der nicht im Parlament, son- der» aus der Straße aurgetragen wird, toimnen. Hierbei würden auch die Kräfte der Mitglieder der Nationalsozialisten erwünscht sein." Die Geschichte endete schließlich mit esnem Sttcll zwischen dem Nationalsozialisten Steegmann und dem Reichstagsabgeordneten Bachmann. Di« Versammlung in Schillingsfürst läßt deutlich erkennen, daß im Loger der bayerischen Lcmdbündler Bestrebungen im Gonge sind. die genmieftc Beachtung verdienen. Wenn nicht alles täuscht, haben einige Personen— und zwar nicht die einflußlosesten— Interesse daran, ein zweites K q r i tz oder Berncast el zu arrangieren. Selbst die Haut zu Markte zu tragen, dazu sind die Drahtzieher frei- lich genau so feige, wie es die Kollegen in den übrigen Teilen des Reiches sind. Woraus man spekuliert, sind die Kleinbauern. Sie sollen sich auch hier wieder dazu hergeben, für die Großen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Hoffentlich erkennen die Kleinbauern nun- mehr endlich, was für ein freventliche» Spiel mll chnen ge- trieben wird. Heilsarmeegeneral Booih abgesetzt. Er will aber nicht und läßt sich mit Höhensonne behande n. Seit einiger Zeit befand sich der.Dunere Srei»" der Heilsarmee. dort hoher Rat genannt, in heftiger Unruhe. Man glaub« erkannt zu haben, daß sich der Rücktritt des alten Führer» der Heils- arme«, des General» vooth. nicht njehr länger hinausschieben lasse. Rur will General vaalh durchaus ntcht abtrete«. Cr fühlt sich jung und kräftig genug, der Leitung der Hellsarme« weiter vorzustehen.., C» wurde offenkundig, daß diese Krankheit zu einer Cntscheidung drängle, die nunmehr auch gefallen ist. Der Oberste Rat der Heilsarmee teilt, wie au» London gemeldet wird, nach einer Rachlsihung in den frühen Morgenstunden, mit, daß mit 65 gegen 6 Stimmen eine Cntschließnng angenommen worden ist. in der General vooth als körperlich un- sähig bezeichnet wird, die Leitung der Heilsarmee weiter zv behalten. Da» Crgebni» der Abstimmung könne als eine volle Rechtfertigung der Zussmmenberusnng de» Obersten Rate, angesehen werden. Am kommenden Freitag werde sich der Oberste Rat mit der Frage der Rachsolge von vooth besasien. General voolh hingegen hat sich entschlossen, sich durch höhensonuenstrahlev behandeln zu lassen und hat einen der besten Londoner Aerzte bestellt. Zn einer Besprechung mit einem Vertreter de»„Daily Mall" erklärte er wiederholt, daß er sich nicht absehen lassen werde. Cr sagte, er werde sein geringes privatvermögen dazu verwenden, um seine Stellung zu verteidigen. Baracken für Grippekranke. Das hauptgefundheilsamt telll mili Die Grippeerkrankungen in verlin haben in den letzten Tagen wieder eine Zunahme erfahren. Bei der Allgemeinen Orts- kronkenkasse betrug der Zugang an Grippekranken am 14. Zamiar: 1459. am IS. Zaouar: 1643. Auch einige Schulklassen mußten wieder wegen Gripp« geschlossen werden, und zwar kamen in Charlotlenburg drei, in Wilmersdors eine Schulklasse und in Steglitz ein Kindergarten im venehmcn mit den zuständigen Krei ürzten zur Schließung, weil ein erheblicher Teil der Schüler wegen Gripp« fehlte. Tn den Krankenhäusern verlln wurden am 16. Iarniar 219 Patienten wegen Grippe ausgenommen. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung da» vorgehen des hauplgesundheitsamles gebilligt, das dl« Ausstellung von zehn Kraukenbaracken nebst dazugehörigen R o t st a o d s. ba tacken und somit Platz für weitere 220 Grippe- kranke vorbereitet hat. Die Aufstellung der Baracken erfolgt in den Krankenhäusern in Reinickendorf(2), Pankow(3), Ze h l e u d o r s(3), Lankwitz(2). Die Baracken werd?» t'nde dieser und Ansang nächster Woche belegungosähig sein. Die„versiner vörseuzeilung" treibt Weltpolitik im Stil de« .MotenJohne" und führt den Sturz Amamillahs ous«nglffch- russische Kämpfe in Kiew(!) zurück. Sie weiß nicht einmal, das Kiew in Südrußland liegt und Kabul die Hauptstadt von Afghani {tan ihb v Die gerettete Sittlichkeit. Oberbürgermeister Adenauer von Köln blamiert sich. Köln. 17. Januar.(Eigenbericht.) Vor bem Arbeitsgericht in SöLn Nagte eine städtische Bibliothelarin aus Wiedereinstellung in den D i e n st. Sie war entlassen worden, weil sie angeblich mit dem Direktor eines städtischen Museums in dessen Amts- räumen Küsse und Umarmungen ausgetauscht hoben soll. Ein Hilss- postschasfner-Ehepaor will von dem Fenster seiner dem Museum gegenüberliegenden Wohnung die Schäserstündchen beobachtet haben. Mit einem ungeheuren Apparat— selbst der Oberbürgermeister Adenauer beteiligte sich an der Aufhellung des Falles— wurde die AngelegenheU von der Stadtverwaltung versalzt. Höhere städtische 3)ie Jlleinen sollen sich nicht stoßen. Damit die rodellustieen Kleinen ih en Eiter nicht mit Verletzungen büßen mä sen, sind die Bäume län;s der Rodelbahn im Stadipark zu Berän- Schöneberg gepolstert Beamte, auch der Oberbürgermeister, begaben sich in die Wohnung de» Ehepaares, um sich von dem Fenster aus zu informieren, ob eine Beobachtung möglich gewesen sei. Alles das hat nicht verhindern können, daß die Kölner Stobt- Verwaltung«ine furchtbar« Blamage erlitten hat. Die entlassene Angestellte wies nach, dah sie z. B. an einem Tage, wo sie beobachtet worden sein soll, gar nicht in Köln, sondern in Italien war. Der Museumsdirektor gab eine eidesstattliche Ver- sicherung ob, daß nicht er und die Bibliothekarin, sondern eine andere Dam« bei den Schäferspielen beobachtet worden sind. Aber die Stadt- Verwaltung ließ es trotzdem zur Klage kommen. Das Arbeitsgericht verurteilte die Stadtverwaltung zur Wiederein st ellung der Bibliothekarin, da eine Personenoerwechsllmg vorliege. Die Sladtverwaltung tat nun aber das Unglaublich« und'egte Be» r u s u n g x-gen das Urteil des Arbeitsgerichts ein. und zwar mit den sadenscheinigsten Gründen und einem lächerlich geringen Material. In der neuen Verhandlung konnte die Stadtverwaltung nicht den geringsten Beweis für ihre Behauptungen erbringen. Dagegen wurde festgestellt, daß der Hauptzeuge der Stadtverwaltung, der Ehe- mann Druckes, der mtt seiner Ehefrau die Borgänge beobachtet hoben w'll, von seiner ersten Ehefrau wegen Ehebruchs geschieden ist. Gewiß ein berufener Hüter der Silllichkett in den Stadt-Kölnischen Amtsrämnen! Das Landesarbeitsgericht als Berufungsinstanz bestätigt« das Urteil der ersten Instanz. Dieser Skandal hat die sozialdemokratisch« Stadtverordneten- sraktton in Köln veranlaßt, aus Grund des§ 35 der Rheinischen Städteordnung einen besonderen Ausschuß zur Unter- s u ch u n g der Angelegenheit zu beantragen. Es ist eine Groteske des Muckertums. Die Frau Hllfs- Postschaffner Drückers sieht durchs Astloch. Aus 25 Meter Entfernung beobachtet sie. wie der Herr Mufeumsdirektor in seinem Arbeitszimmer eine junge Damt küßt. Der Klatsch bricht los, und die Wohnung zur angenehmen Aussicht er- hält Mästende uch. Es interessieren sich sämtliche katholischen Frauenoereine Kölns, es interestieren sich höhere städtische Beamte, und zuletzt interefliert sich der Herr Oberbürgermeister Adenauer. Präsident des Preußischen Staatsrats. Er stieg empor zur Wohnung zur angenehmen Aussicht, machte der Frau Drückers einen Besuch, und in der Dämmerstunde sah er zu. wie der Herr Museumsdirektor zärtlich Kuß um Kuß tauschte. Amtspflicht k Aber man hatte sich in de» Person getäuscht. Frau Drückers hatte trotz allem nicht genau hingesehen, und der Oberbürgermeister auch nicht... Wenn Herr Adenauer künftig mit ernster Amtsmiene amtiert, wird es schwerlich jemanden geben, der sich nicht die Szene vorstellen muß: Dämmerstunde bei Frau Drückers, der Herr Oberbürgermeister aus dem Fenster spähend, um den Kuß des Muleumsdirektors auf die Lippen des hübschen Mädchens nicht zu verpassen. Meh— ein Klein-paris. Will mit Elsaß nichts zu tun haben. Paris, 17. Januar.(Eigenbericht.) Der Stadttat von Metz hat an den Ministerpräsidenten Poincare eine Eingabe gerichtet, in der er gegen das von dem elsässischen Abgeordneten Waller in der Kammer eingebrachte Gesetz protestiert, das den beiden wiedergewonnenen Provinzen«in« autonom« Verwaltung geben soll. Die Stadt wünscht keine Sonderregelung, sie wolle lediglich dieselben Frei- hellen genießen wie die übrigen französischen Städte. Auch lehne st« es auf das entschiedenste ab. in der Vevoaltung einem Rachbar- departement zu unterstehen, mit dem Lothringen zufällig unter der deutschen Fremdherrschast zusammengekoppell gewesen sei. Ein Begrist Clsaß-Lothringen gebe es nach der historischen Entwicklung nicht. Lothringen wolle zwar mtt dem Elsaß in gut nachbarlichen Beziehungen leben, aber e» protestiere dagegen, daß man weiterhin in Frankreich die Bezeichnung Elsaß-Lothringen gebrauche, die nur an vi« traurig« Trennung vom Mutterlande erinnere, Das Elend Bon Har Wenn von den Gedichten Stefan Georges die Rede ist, so stellen sich zwangsläufig einige charakterisierende Begriffe«in, wie .gotische Strenge",„marmorne Schönheit",„gefrorene Musik", die, allzu beharrlich angewandt, etwas eintönig wirken, dem Wesen Georgescher Lyrik aber durchaus gerecht werden. Totsächlich sind Georges Gedichte von eherner Musikalität und grandiosem Vi- sioncnreichtum: durchaus nicht zu verwechseln mit minderwertigen Fabrikaten anderer Dichterfirmen, glanzvolle Spitzenleistungen der Dichtkunst, Meisterwerke von Ewigkeitswert. Es kcnrnnt hinzu, daß die Persönlichkeit Georges seinen literarischen Produkten einen ehr- würdigen Hintergrund verlecht, ihnen den Zauber hohen sittlichen Ernstes gibt. Mensch und menschliche Aeußerung verschmelzen hier in«ins. George ist nichts weniger als sin Selbstanpreiser, er ist wahrhaft das, was man einen Stillen im Lande nennt, ein Reser- vierter, ein Totseind jeglichen Bettiebes, ein Asket der Lautheit. Dies war so ungefähr vorauszuschicken. Und nun zur Sache. Unter Stefan Georges neueren Gedichten findet sich auch eines, das da überschrieben ist„Das neue Reich",«in« einzige Kriegsfanfare bedeutet und beispielsweise folgenden Vers enthüll: Wenn einst dies Geschlecht sich gereinigt von Schande. Vom Nacken geschleudert die Fessel des Fröners, Rur spürt im Geweid« den Hunger nach Ehre, Dann wird aus der Walstatt voll endloser Gräber Aufzucken der Dlutschein-- dann jagen aus Wolken Lautdröhnende Heere, dann braust durch Gefilde Der schrecklichste Schrecken, der dritte der Stürme, Der Toten Zurückkunft. Wieder ist mit einem Lobpreis zu beginnen: Wie befeuernd sind diese Rhythmen, wie edel und gestrafft ist diese Sprache! Immerhin darf man vielleicht einmal leise einwenden, daß bei der Bewertung eines Gedichtes außer der Form, in die es gegossen ist, ein kloin wenig auch das Inhaltliche eine Rolle spielt und daß es erlaubt sein muß, den Sinn einer dichterischen Vision gegen da; Licht der Wirklichkeit zu halten und beides aneinander abzuschätzen. Was kommt dabei heraus? Ein blühender Unsinn.„Dom Nacken geschleudert die Fessel des Fröners..." Das wäre, in schlichtes Umgangsdeutsch übertragen: Wenn man die Reparationszahlungen einstellt und Herrn Gilbert des Landes verweist..." Also was passiert dann?„Dann jagen auf Wolken lautdröhnend« Heere..." Schon recht. So wurde vor dreißig Iahren auf Abziehbildern der Krieg dargestellt: dahinfegende Kavallerieregimenter..„ malerische Umformen..., flatternde FahnemvÄder.... eingelegte Lanzen." Im Weltkrieg war von einem lauten Dröhnen der Heer« dann nicht dos mindeste zu verspüren. Wir kauerten schweigsam in Esdlöchern, knackten Läuse, buddelten Latrinen. Im Zukunftskrieg wird die Sache noch anders werden. Der General wird da die Rolle eines Kammerjägers übernehmen und die gegnerische Bevölkerung wie die Wanzen ausräuchern. Vom„Aufzucken des Blutscheins" wird keine Rede mehr sein können. Die Opfer laufen blau an im Ge- sickt. schnappen ein paarmal vergeblich nach Lust, bis eben der Tod sie erlöst, den Schwerverbrecher am Galgen sterben: der Erstickungstich. Ste' n George ist ein herrlicher Dichter, aber die poesievolle Dertlärin.g einer kaltschnäutzigen Ab Metzelei mtt Hilfe chemischer und bakteriologischer Mittel gelingt heute keinem Gott mehr. Es kommt allemal eine Parodie heraus. der Poesie. s Bauer.« Im nächsten Börse seines svrmschönen Gedichtes enthüllt uns George dann, wie er sich das Ende des siegreichen Feldzuges denkt: „Dann flattert im Frühwind mtt wahrhaftem Zeichen die Königs- standart«..." Oder umgedichtet: Wenn genug Frauen, Männer und Kinder krepien find, kommen die gegenwärtigen Nutznießer unzulänglicher Abfindungsgesetze aus ihren Mauselöchern heraus. setzen sich in warme Nester und machen den Sttebel der Vorkriegs- jähre wetter. Woraus erhellt, daß die politische Vernunft und menschliche Einsicht eines Dichters nach lange nicht immer auf der Stufe eines gemeinen Mannes aus dem arbettenden Volk zu stehen brauchen. Was zwar des längeren schon bekannt ist, aber hin und wieder einmal aufgefrischt zu werden verdient. Eine schöne, aber geistig nicht immer ertragreiche Kunst, dieses Dichten! „Herzog Blaubarts Burg." Erstaufführung in der»Städtischen Oper". «est 1911 ist dies bedeutende Werk vollendet. 1918 war die Uraufführung(in Budapest). Erst heute lernen wir es kennen. Krieg und Nachkrieg hatten die organische Entwicklung unseres Opernlebens gründlich gestört. Nach Iahren der Gelähmthett wurde unser Interesse ein bißchen heftig auf Wege abgedrängt, die nicht immer die richtigen waren. Nun gilt es, übersprungen« Jahre nachzuholen: es mag noch mehr Werke geben, die zu Unrecht aus- geschallet waren.„Herzog Blaubarts Burg", der Stoff und fein« Behandlung entsprechen wohl nicht ganz dem Bild, das wir heute von Bela Bartok haben. Damals stand er, ähnlich wie der fast gleichollrige Sttawinski, den französischen Impressionisten nahe, und er atmete die Lust, in der„Salome" und„Elektta" lagen. Wenige Jahr« zuvor hatte Paul Dukos eine Blaubart-Oper geschrieben, der eine Dichtung von Maeterlinck zugrunde lag. Wir sind im Kreise Debussys. Der Weg von seinem„Pelleas" zu Bartok ist nicht wetter als der von Maeterlinck zu Bela Balacs' Ballade»Herzog Blau- barts Burg", die durch Bartok«in Opernakt geworden ist. Kein« schlechthin„heutige" Angelegenheit also, diese Neuhett der Städtischen Oper. Der Frauenmörder des Märchens als ttagische Figur, mehr Mitleid als Furcht erregend: das tiefe Mitleid auch der Frau weckend, die ihm in seine lieb- und lichtlosc Burg gefolgt ist. Iudtth und Blaubart— ein ahasverisches Schicksal lastet auf ihm: sie fühll die Mission, den Fluch von ihm zu nehmen— wir denken an Senta und den Fliegenden Holländer: wir denken nicht mehr an den»Lustmörder und sein Opfer. Allerdings, die Frau schließlich umzubringen, findet er die sanfteste, symbolischeste Form: sozusagen träumt er sie zu Tode... Die Handlung bleibt in symbolistischem Halbdunkel. Durch Bartoks echt gefühlte, stark inspirierte Musik gewinnt sie intensives Leben. Nur zwei Rollen: Ludwig Hofmann als Blaubart bleibt leider äußerlich: die dämonische Attitüde ermüdet. Wundervoll die Judith der Maria Ras dl; Stimm« und Persönlichkeit entfalten sich immer freier. Ein Zwanzigjähriger dirigiert: Hans L e v y- D i« m; technisch überlegen, ruhig beherrscht, tief eingedrungen in den Geist des Werkes. Bartok-Premiere und Dirigentendebut: ein Abend zweifachen Gewinns. lc.p. 26. Mal„Ver Zinker". Der englische Verleger des zurzett meistgelesenen und meist- produzierenden englischen Schriftstellers Edgar Wallace hat auf ein Dierteljahr das„Deutsche Künfttertheater" gepachtet— wie man hört: für den exorbitanten Preis von 89 909 Mark. Man spielt einen Kriminalreißer, der noch einem gleichnamigen Roman des Verfassers gearbeitet ist. Die Darstellung und Aufmachung ist erst- klassig. und der englische Manager hat nicht unrecht, wenn er meiitt, daß man diese englischen und amerikanischen Stück« in Verlin besser spielt als in London und New Pork. Durch Anwendung von Film- cinlagen könnte der Ablauf noch beschleunigt und das Knarren der Drehbühne vermieden werden. Also: unseren Respekt vor Paul Bildt, Ernst Stahl-Hofbaur, Karl Foreft, Oskar Ho- molta und vor allem Paul Grätz, der durch feine Berliner Improoisattoneu den Klubakt lebendig macht. Aber eine Frage: Soll man überhaupt diese Wallaceschen Stücke in solcher Serienhäufung spielen? Wir sind für den freiestm inter- nationalen Austausch von Bühnenwerken, und sicher isttdas deutsche Theater«in Spiegel der Weltdramatik. Indes müssen es gerade Stücke wie„Der Hexer" oder„Der Zinker" fein, die das englische Drama bei uns repräsentieren, Stücke, deren Reiz« einzig in der Spannung, dem Rätselraten und der Sensation der Lösung beruhen? Wallace macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: er gesteht freimütig, er will die Zuschauer die Sorgen vergessen lassen und das Gesetz der Moral lehren. Das erster« besorgt bei uns überreichlich der Film, der auch zumeist kein« Probleme kennt. Und dos Gesetz der Moral, daß die Nemesis die Feinde der Gesellschaft erreicht, scheint uns sehr fraglich. Wir sehen heute im Derbrecher kein Frei- wild mehr, gegen das der Scharfsinn einer allzuoft düpierten Polizei und von Detektivreportern loszulassen ist. Auch die Verbrecher sind Menschen, und ihre Taten sind sozial bedingt. Wallaces Kriminal- stücke sind— von der Mache gar nicht zu reden— von vorgestern. Wo ist es in Oeuischland am kaliesten? Die größte Käll« herrscht bei uns, wbnn im Winter baro- metrische Hochdruckgebiete über Osteuropa, Nord- oder Nordost- europa lagern und deren kalte östlich« und nordöstliche trockene Winde wehen. Hat sich schlichlich ein Hochdruckgebiet über Deutsch- land ausgedehnt, so kann ebenfalls im Winter große Källe eintreten. Die größte Kälte herrscht im Jahresdurchschnitt in Masuren. So fand man z. B. in dem Zeittaum von 188l bis 1919 in dem kleinen ostpreußischen Ort« Marggrabowa, dicht an der litauischen Grenze. ein absolutes Temperaturminlinup, von 36,4 Grad. Dergleichen wir hiermtt den nordostsibirischen Ort Werchojaistk, an dem die bisher tiefst« Temperatur gemessen wurde, so findet man hier an einem Ianuartoge 1885 eine Kälte von 68 Grad. Interessant ist die Fest- stellung der Eis- und Frosttage. An ersteren liegt die Temperatur dauernd unter 0 und an letzteren muß das Mimmum weniger als 9 Grad betragen. Masuren steht in Deutschland an erster Stelle: 57 Eistage im Jahresdurchschnitt und 145 Frosttage. Etwa 39 Grad Källe und mehr kommen hauptsächlich in Oftpreußen und Layer» vor. E» gibt gewisse Kälteinseln. Gebiete, die von wärmeren Gegenden«ingeschlossen werden und hinsichtlich ihrer Lage zu niedrige Temperaturen aufweisen. Besonders geschlossen« Talbeckcn weisen aus leicht erklärlichen Gründen öfters sogenannte.Kalt- luftseen" auf. Eine solche Källeinsel liegt an den Ouellfiüssen der Donau, im südlichen Baden. Wir finden dort die Städte Donau- eschingen und Villingen, an welch letzterem Ort« schon«in« Kälte von 33 Grad herrschte. In dieser Gegend kann es in allen Mo- naten frieren. So oerzeichnet Villingen eine mittler« Januar- ternperatur von 4 Grad Kälte, während die Källe in Marggrabowa nicht viel größer ist. Das Mittel der tiefsten Jahrestemperatur be- läuft sich in beiden Orten auf"24% Grad Kälte. Eine wettere kalte Gegend dehnt sich bei Fulda in Hessen-Nassau aus, wo man als größte Kälte 3215 Grad maß. Eine andere kalte Gegend liegt zwischen Neckar und der-untere» Tauber, die man dos Bauland nennt, eine etwa 499 Meter hoch gelegene Ebene. Durch ganz Deutschland zieht sich etwa von Südosten nach Nordwesten ein« Zone, in der 39 Grad Kälte durchschnittlich nicht auftreten. vr. W. Eine Forschungsreise zu den Zwergvölkern Znnerasrikas. Paul Schebesta, der Dominikanerpater, der Redaktionsmitgtied der Wiener Zeitschrift„Anthropös" ist, will in diesem Jahre aus seine in Malakka durchgeführte Expedttion unter den Negritos eine Forschungsreise zum Kongo folgen lassen. Eine gründliche Durchforschung der dorti- gen Zwergvölker, für die der Gelehrte zwei Jahre in Aussicht nimmt. soll sowohl zur Klärung des afrikanischen Pygmäen-Problems selbst beittagen als auch die Zusammengehörigkeit der afrikanischen und asiatischen Pygmäen prüfen. Aehnlich wie in Malakka will sich Schebesta an die Fersen der Pygmäen heften, und soweit möglich ihr Leben teilen. Da die Forschungsergebnisse in Malakka die Methode, daß der Forscher allein den Spuren der herumwandernden Pygmäen folgt, rechtfertigen, so entschloß er sich, auch diese Reise in die Urwäller des Kongo allein zu versuchen. Das Hauptaugen- merk wird er auf die Erforschung des Geisteslebens der Pygmäen richten. 9a« Programm der Cetsing-.Teier der volkedShoe/, Uk>r, tm Tbealer am Bülowplatz stattfindet, umiatzt Orchestervorträye unter Leitung von tvolsgana Zeller, ein»(Redentiede. die Adolf«trimme bält. Rezitationen von Ernst Kindbei g und eine Ausführung des Lesfingschen Lustspiels.Die Juden'. Einlahkarten 1 Mt. Paul Bildt bat mit Genebmiauna der Keneralintendanz der staatlichen Schaulpiele die Regie von Etim Welk's.Kreuzabnahme" übernommen, die als nächste Premiere der BoUsbühne in Szene geht. Städtische Oper. Heinrich Knote ablolviert ein einmaliges Kastspiel als Balter Ztolzmg in den„Reisterfingern von Nürnberg" am Sonntag, dem 2 9. Januar.— Beginn der Borstellung 6'/, Uhr. Zur tesstagseier sührt die Deputation für Schulwesen des Magistrats Berlw ab 19. Januar an 14 auseinander solgcnden Nachmittagen, auch Sonn- tags, für die Schulen Krosi-Berlin« im Deutschen Künstler-Tbeater(am 20. Januar im Lessina-T beater), unter der Leitung der vübnengenossen- schaft„Nathan der Brise',.Philotas' und„Der smige Kelebrle' aus. Regle: Emll Lind. Lorher ein Schattenspiel„Lesfing und die Nachwelt' von H. Eulenberg. Max Akonli. bekannter Operettenunternehmer in Hamburg und Berlin. — Die„Lustige Witwe' war emer seiner stärkste» Ersolg«— ist verarmt i» Wir» gestorben. In einem Allheil-Institut. Auf Limes Spuren.—„Es geht vorüber." Dkr selifle CiZUe lebt fort. Zwor nicht in seinen Taten, wohl aber in allerlei Konkurrenz»nterneh in ungen. Das Schlimme bei dieser Art von Aposteln ist weniger ihre eigene Person, als ihre Gesolgschait, Und zwar nicht die Gemeinde der Gläubigen, sondern diejenigen, die auf den Artikel später„reißen". Es gibt ja immer noch genügend Dumme, aus denen sich mit ein bißchen Hokuspokus ein paar Mark herausquetschen lassen. Augenblicklich amtiert solch ausübender„Coueist" im Zen-- trum Berlins, Hof, Treppe links. Seine Schäflein, oder besser gesagt, Schafe, lockt er duch Z e i t u n g s i ns e r at e. in denen er gegen Erlag eines Reichstalers völlig« Heilung aller körperlichen und seelischen Leiden garantiert. Für 8 Uhr abends war nun eine ge- mcinschostliche Patientensitzung im„Al l h e il. I n st i tu t" onge- setzt worden. Die Praxis dieses Herrn scheint recht diskreter Natur zu sein, denn keinerlei Firmenschild am Hause verriet etwas von feiner Existenz. Um nicht- wegen etwaiger Ueberfüllung- ausge- schlösse» zu werden:— man kann bekanntlich nie wissen, wie stark das Interesse der Menschheit an einer Sache ist—, betrat ich das Haus bereits ein Viertel vor 8 Uhr. Im verschneiten Hoftrakt mon- tierte eben eine Dame in Schwesterntracht ein Schild„C o u e- Sitzung" an die Hauswand. Oben angelangt, grüßt« an der Ein- gangstür ein handschristlich verfertigtes Kärtchen:„Dr. 5)., Psychologe." Durch einen kleinen Borraum ging's in ein Zimmer mit drei oder vier Kojen mit Höhensonnenapparaten, dann ins Sprechzimmer. Es war noch keiner da, außer uns dreien. Der Dame in Schwesterntracht, dem Herrn„Doktor", der nervös fort- während zwischen Houstor und„Klinik" hin- und herpeirdelte. und mir. Noch einiger Zeit steckte einer den Kopf zur Türe herein. varschwand aber sofort wieder. Scheinbar war ihm zu wenig Be- trieb. Dann strömte noch einer herein, aber der blieb. Ms die Uhr noch Acht war und wir beiden uns immer noch nicht vermehrt hatten, gaben sowohl der Psychologe als auch sein Faktotum die Hoffnung aus und vertrösteten uns beiden Eiirfamen auf ein besseres nächstes 'Mal. Bei der Konversation empuppte sich der andere als„Nicht- Kundschaft", er wollte bloß hören, ob für seine Verwandte, die aus- wärts lebt, hier Aussicht auf Heilung bestünde, was der wackere Doktor natürlich hcstigst bejaht«. Blieb also noch ich. Nachdem ich es mir nun mal in den Kops gesetzt hatte, diesen Abend einen Taler für Heilungszweck« i la Gerne zu' opfern, bestand ich auf Konsultation. Ich kriegte also Solovortrag samt De- inonstrotion. Nach Angabe der Personalien und des Krankhcsts- bildes erfolgte ein kurzer Vortrag über die Art der Heilmethode mit den nicht mehr ganz neuen Schlagworten von Autosuggestion, er- höhter Willenskraft usw. Und wie nun der Schüler stets und immer den Meister zu übertrumpfen liebt, ward des sanft modernen Coues Lehre'als unvollkommen hingestellt, weil er seine Macht einzig ans die psychischen Kräfte erstreckt hätte, während sein Erbe auch die organischen Kräfte, in diesem Falle den Blutkreislauf, nach Belieben zu dirigieren vermöge. Beispiel 1: Pulsmessung. Normal 14 Schläge in der Sekunde, auf Befehl des Dirigenten 18 Schläge in der Se- künde. Des Rätsels Lösung: D«r Patient hatte laut zu zählen und er zählte mit, wobei er das Zähltempo angab. Als ich beim letzten Mal mit dem Zählen gegen Schluß etwas einhielt und ihm nicht un- bedingt folgte, kamen wir auf knapp 18. er war aber damit zu- frieden. Beispiel 2: das Schwingen eines Pendels, erst in Kreis- form, dann in der Horizontalen und Vertikalen: auch ein wenig Humbug dabei.' Zum Schluß Wachhypnose auf der Chaiselongue bei verdunkelter Szenerie. Sanft« Streich- massage bei geschlossenen Augen, unter fortwährender Absingung folgender Psalmen: Psalm 1:„Herz und Nerven ruhig, es geht varubtv.4 PWm ft„Angenehme Müdigkeit, SHlas dmaer lieft* und sester." Ausstehen, fertig, der Taler war fällig. Zur Herstellung des gegenseitigen„Kontaktes" verordnete der Heilkundige als Hausarbeit dreimal täglich— morgens, mittags und abends— 15- bis Mmalige Rezitation obiger Texte, außerdem«in« vorläufig« lltägige Kur in der Klinik mit wöchenllich drei Behandlungen ü fünf Mark. „Gott, die Sache ist hier neu. es muß sich eben erst herum- sprechen," meinte er zum Schluß. Bei Saolvorträgen hätte er einige hundert Gäste gehabt, z. B. in Potsdam. Die«chwefter hatte mir zu Ansang wiederum erzählt, er käme aus Schweden. Das tut ja schließlich nichts zur Sache. Nur wäre es immerhin ganz gut, wenn man sich über die Existenzberechtigung derartiger Wisse»- jchaftler, die eine regelrechte Praxis ausüben, vergewisserte. „Liebesmord" des polizeipräsidenien. Mexiko-Lily. 16. Januar.(Eigenbericht.) Der Chef des Geheimen Sicherheitsdienstes, Quintana, ist im Zusammenhang mit der Untersuchung des Mordes an-dem Kommuni st«n Mella auf Anordnung des mexikanischen Präsi- denken seines Amtes enthoben worden. Quintana steht im Ver- dacht, die Untersuchung nicht unvoreingenommen durchgeführt, son- dern die Mordspuren von befreundeten Mördern abgelenkt zu haben. Es handelt sich nach den bisherigen Feststellungen um einen Mord aus politischen Motiven und nicht um eine Liebesosfär«, wie Quintana„festgestellt" hat. wellerbertchl der Lffenkllchen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.(Nachdr. verb.) Weiterhin kalt, zeitweise aufklarend. vereinzelt noch leichte Schneefalle.— Für Deutschland: U eberall Fortdauer des Frostes, besonders im Süden und Südosten noch Schneefälle. Bcrantwortl. fllr die Redaktion: Solsgug Schwee,. Derlln Berlin. Verlan: Borwärts Bcrlaz. rn. b. H., Berlin,.—. du'dcui und Berlogsanstalt Paul Singer& Ca., Berlin£53 63, Lenden strabc 3, Hierzu 1 Beilage. »lacke, 'S Buch» Iliecrtsi',| Lichtspiele usw. � iXmnst.d. 17. 1. itoats-Oper Unter d. Linden A.-V. Iii 19'/, Uhr Cavalleria rnsticana Bajaial Staais-ßpn Arn Pl.d. Republ. R.-S. 10 l»'/z Uhr DerdMe MM Uonnst, d. 17. 1. Städfisdie Oper Bisrnarckütr. Turnus I 19'/. Uhr M» Stuti. SAuspiilli. na Sndaraonirkl A.-V, IS 20 Uhr IDIiS MI.WIer-meMMIA. 2t> Uhr Fiadismann als Erzieher SCal/A | 8 Uhr B 6. Barbarossa 9256| flur rceiüge tage Di« Dtieltric spanlsm« Tänzerin Argentinita Ilm Rahm«« das von Praasa I und Publikum begai&tart auf- I ganommanan Januar- Progr. I Komische Oper(BVO) | Nacheriolgreich.Umarbeitung: Paradies der I süssen Frauen!! Parkett«,50, Rang 2,5» M. Renaissance» Theater Tal. Steinplatz«01 u. 25S3 85. TSglick«V, Uhr ite „Pas große ABC Regie; üust. Härtung. «•aUurCASINO-THEATERsvaüb. Lothringer Straße 37« Rur noch wenige autführungen imonsi.flicltanonc! Dazu das bervorrag. Januar-Progr. Für unsere Leser üutschem tür i— 4 Hers. Fauteuii nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstiee Preise- Parkett u. Ran" AR» M M«ichshaii«n>iiieaier \bends| 8| Sonntag nachm. PTl Siedlner sanier Du neue Jannur-Progr. Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brettl: 10 groge Nammen) 1 KONZERT-TANZ! Theater a.Kottbusser iop KOttbusser Str. u Tel. Mpl. 1 6077 TSallch 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermiß. Preise/ Elite»Sänger DIE JANUAR- fcf 1 , Sensation: KraCn! Volksprelsc: M k. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 iMiettesMe� 1 lagnq«■/, nn« Kranz LeharS triumphaler Erfolg! Frieöerjke MheSersch Kau» Keinz Ballmaun. Arnstadt, Limburg. Rex, Stiler, I Bora, Beipermanu. Doruerkauf ununterbroche» «alle be» gauzeu Tag geSffuet. 1 Teleph. Eteiuplatz 031 u. 7108. Voiiubtmne riieittrsnNlovillstl 8 Uhr DasMamgas der Vorstadt Regie Jürgen Fehling Thtanr am satnbanerdnDim 8 Uhr Die Drei'Mm' Oper Thalia-Thealer 8 Uhr Oelrausch Staat!. Sdiiller-Ih. 8 Uhr Flacbsmano als Erzielter Th. in Sdtiffbioirhingi Täglich 8 Uhr Sie Ofei-Grosdien- Optr PauIsen.Valettl, Ander, Gerron, SchaufuB, Kühl, Lvovski. Sonnabend 23V, U. Orpheus von Jean Cocteau. Bahn. Koppcnhöfer, Müthcl und Hadang. BiriiBir laealer DirekuHcin/ Herald Charlottenstraße 90 DönhoH 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Norden 12 310 8 Uhr. Ende 10", U. DleVerbredier Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: HeinrHilperl Die Komödie Bismarck 2414/7516 SV, Uhr, Ende 10V „Olympia*4 von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. Kammerspiele Norden 12 310 T1,'., Ende nach 10 U. Zum 1. Male Komödie von Edouard Boardck Regie. Forster Larinaga. Pentral» Thealer -1. JiKabstr. cks uraoieasti. l a�ucn 6», 4 uhr ich küsse ihre Hand.madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem berühmtenSchlager Rund f u nkhörer Hatte frcUe Ullii-REVDE „SdiOo and «dddtM ld. in Uninlspalail Täglich 8V, Uhr. Z Sonntag Vorstellungen 3 Ihr B'J, Ukt.«Jd- nittM 4« fine lir- ihllg-nhalkn Pnitn Lostspielhaos Fried richstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8'/, Uhr GnldeThieisdier in Weekend im Paradies Danowslry-BBboeB Tkader In der Klaiggrätzar Straße 8'/, Uhr, Revolte im Erxiehunoshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8'/, Uhr Das Bald aut der siraBa Ueiteov. Bernauer u. Oesterreicher Theater am Nollendorfplatz Dir. Bruck Täglich 8 Uhr letühen Gebert Singspiel von Walter Kollo KleiDes Iheater räelich 8>/, Uhr; lui Adalbert in Der Diebkopf ■androcA. Länoa. jterler. sikla. frianon-Th. Täglich 8'.Uhr Der letzte Schleier mit Erika GläDoer und Oskar Beregi Winrer uarfen 8 Uhr Rauchen gestatict Unerreicht- enUbert reffen Drei Cetfenas and weitere Varictd-Neubeiten sönnBÜend und Sonntag Je 2 TorsleDniuten 3» und 8 Uhr. 3» kleine Preise. Saltentoni- BBhoes Lming-Theater 8 Uhr Rafharioa Knie. R ose-Theater jr,Friatü tJlenaxl(a-F-203 KSpenlck, Bilildsie Bezmtsqueue lür Pholoapparaic Marken-Kameras stets Gelegenheit Photo- Schlesinger er. FranKtnrter f fr. TT kB. 29 Unbedm� Willy ITIaass. Brunnenstra�c 35. Kein I Verkauf aar Im Fabrikgebäude I r �. Bahnhofsrestaurant (legen Grippe WIttenau-NoidbahnliQf Rldiard Sdmlze[aF.204 Verelnsiohal der SPD. Husten, Heiserkeit (Sprudel- Qoellsalz- Bonbons) uiiricfuco..weiB8nsee Plstoriusstr. 102 a Totephon: Wolßenaoo 1238 — FamUlenhelm— PAUL KROLL N. 65, Uirechier Strafe 21 Vcrkchrslokal der IG.F.IM organisiert eo Arbeiters chnff Verkehrslokal der organisierten Arbeiterschaft Albert Prenzlauer Allee 232 Groß> Destillation „Rittereck" BUlerstr.OS Ecke Brandenburgs». Inh.: PaulMlnnling 6ni aapfleüte Blere Hiutes nnd warmes Bflieft Bier-Quelle Wilhelm Mahnkopl Carmen- Sy Iva- Strafe 123 (Ecke Greifenhagener Straße) Veikalinlakalder organisierten Irbeiterschaft TREFF der organis. Arbetterscha. t Ernst Preozlaoer Allee 239 1Q.FI64 Verttehrslohal der Parte! v. des Reichsbanners Wilhelm Burg Prenzlauer Allee 189 a F. im NeumaoD'ä nenlDben- Pankow Mendelstr. 17. Tel.: Pankow 3107 I Verkehr, lokal der Partei und des. Reichsbanners IG. F. 205] >1 Zum Kleinen GcwerKsttafbhans Sieitfner Straße 52[G.F.IS» Vorkohrslokal dar Partai, Rajehs* bonner undArboiterspnrtlor- GroBdestillation Hadiepeler Eigene Thür. Wurstfabrikatton Adolf Schrepel[aF.ioi Grfinthalcr Str. 13 Ecke Bellcrmaanstr. Gr. Bockblertrubel Niederschdaeweld« Grünauer Str.< ▼orm. Schöts [G.P. Restaurant 1% August Lux HuttenstraBe 26 Arbeiterverkehrsiokal Die organisierte Arbeiterschaft vnrknhrt bei Alfred Krüger Putlitzstr. 10.(a.F.193 Swincmflnder Ge$ellsdiall$hau$| Neuer Inhaber, neu renovkr Säle frei! HUGO ZIMMERLING BROSS-DESTILLATION UND LIKÖRFABRIK S.42, PRINZESSIN! EN- STR. 16. Und geht einmal das Geld zur Neige kau, au. Krad» bei ARTHUR SGHEIGE IB. t Blns-Oberschoneweide, SiamenAstrsOe 14. (Beilage Donnerstag, 17. Januar 1929 DwAftitii) Sftn'�Tnl-A* Sic Wühle von Lerchen. Sine&rau asum%ode verurteilt— Aus dem SEuchthaus beurlaubt. Der Hilssgcndarm J5orn( Bujatbin, der. zum Tode verurteilt und zu lebenslänglichem Zuchthaus degnodigl. vom preußischen Justizministerium nach neunzähriger hast aus dem Zuchthaus beurlaubt wurde, ist totsächlich mit seinem wiederaosnahmeversahreo durchgedrungen. Achnlich wie der Aull vujardin liegt der der Tischler»- srau Äeinke, die im Aebruor 1324 zum Tode ver- u r l e i l t, zuerst zu lebenslänglichem Zuchthaus und später zu zwölf Iahren beguadig«. vor einigen Mo- nuten aus dem Gesäugni» beurlaubt wurde. Eine endgültige Begnadigung dieser A ra u steh« kurzbevor. Der Aull der Arau Reinkc soll hier geschildert werden. Die Todesstrafe liegt in den letzten Zuckungen: da gilt es. immer mehr Materiol gegen sie herbei.zuschosse». Nichts ist in höherem Motze geeignet, ihr den Gnadenstoß zu versetzen, alz der erwiesene Justizmord. Im Falle der. Frau Reink« wäre es, wenn nicht alle Zeichen trügen, beinahe ein solcher geworden. Eme Dreizehnjährige im Schlafe erdrosselt. Am 18. Juli 1923 wurde die 139tjahrige Alma Kahnke ln ihrem Zinnncrchen aus der Mühle des Bäcker-Mnllermeisters Hermann Schuhmacher im Dorfe V« r ch e n, Kreis Deimnin, in ihrem Bett tot aufgefunden. Um den Hals hatte sie eine Schling«: zwischen Hals und Schlinge tonnt« man gut zwei Fing«? hineinschieben. An der rechten Schläfe zeigte das Kind«inen blauen Fleck, am rechten Mundwinkel klebt« über«incr Hautverletzung geronnenes Blut. Das Bett war.zerwühlt, d«r Ober- lärper des Mädchens entblößt. Wer war der Mörder? Als drei Tage später die vom Landjäger an, 18. ver- schlosi«ne Zinunertür geöffnet wurd«, zeigte die Türfüllung ver- dächtige Veränderungen. Auch die Lage der Leiche war verändert. Zwischen die Dein« des Mädchens war das Laken ge- klemmt, die Schlinge lag jetzt so dicht auf dem Hals, daß ein Hindurch stecken von Fingern unmöglich war. Der für gewähnlich mit Mehl bestreute Futzbod«» war rein gefegt. Wer hotte ein Inter«si«, die Veränderungen am Tatort vor- zunehmen? Die Obduktion der bereits stark verwesten Leiche sie hatte im heihesten Juli drei Tage lang im Zimmer ge- legen— ergab Tod durch Erdrosselung während des Schlafes. Die Lage der Schlinge schien einen Selbstmord auszuschließen. Pros. Borkastner äußerte später eine ander« Ansicht. Der Befund der Geschlechtsorgan« zeigt«, daß das drei.zehnjähnge gut entwickelte Mädchen bereits mit Männern verkehrt hatte. Ob Schwangerschaft vorgelegen habe, konnte wegen der weit vorgerückten Verwesung nicht fest- ge stellt werden. Alma Kahnke teilte das Zinnner mit einem kleinen Buben aus dem Ruhrgebiet. Im Nachbarzimmer schliffen äie Söhne des Müllenneister-, Otto und Willi, junge Burschen. Der ersterr war am Morgen des 17. Juli nach Teteraw geiahren: der letztere nach Hamburg, um dort Arbeit zu suchen: in Wirklichkeit hat er einige Tage später die österreichisch« Grenze überschritten. Außer dem Bäckermeister und dessen Tochter schliefen aus der Mühle noch dessen Schwester, Ihr Mann und Schwager. Als Töter kam nur ein Hausgenosse in Betracht: nie- mand anders hätte sich im Dunkeln zurechtgefunden und eine Zcugleine vom Boden als Mordwerkzeug benutzt. Die Tifchlerfrau tteinf« verhastet und verurteilt. Der Müllernieifter Schuhmacher lenkte den Verdacht auf die Zöjöhrige Anna Reinke, die bereits seit acht Iahren bei ihm in Stellung war. Am 19. Juli wurde sie verhaftet. Sie leugnete jede Schuld. Weshalb solle sie das Kind getötet haben? Sie sei die ganze Nacht über in ihrem Zimmer gewesen. Wenn jemand Grund gehabt habe, die Dreizehnjährige zu be- seitigen, so jedenfalls nicht sie. Auch in der G e r i ch t s v e r h a n d l u n g beteuerte die Angeklagte chre Unschuld. H a u p ts>« l a st u n g s z« u g e n gegen sie waren der M ü l l« r n> e i st e r und dessen Schwager, der von ihm abhängige Rentner Stegemann. Das Gericht— es waren auf Grund der Emmingerfchen Verordnung nur drei Berufs- richter— kam zum Ergebnis, daß die Täterschait irgendeines anderen Hausgenossen ausgeschlossen fei, also nur die Reink« die Tat begangen haben-könne. So wurd« sie zum Tode ver» urteilt, die Revision verworfen:«in Antrag auf Wieder- aufnähme des Verfahrens abgelehnt: eine oin 19. Juli 1924 gegen diesen Beschluh eingelegt« Beschwerde abschlägig be- schieden. Der Versuch, im Jahre 1925 aus Anlas) des E h e j ch e i- dungsprozesses des Ehemanns gegen die Verurteilte, die ganze Mordsache wieder auszurollen— ähnlich wie es im Falle des Maurers Leister in einem C r b u n w ü r di g t c i t s- prozejs« geschehen— blieb erfolglos. Di« Tischlersfrau Anna Reinke v e r b ü tz t e ihre Zuchthausstrafe—„unschuldig", wie sie nie aushörte zu behaupten. Die Todesnacht. War sie totsächlich unschuldig? Hatte das Gericht das Rätsel der Mühle in Verchen richtig gelöst? Sluf Grund' welcher Indizien war es zu dem Todesurteil gelangt? Das Gericht war in allen Punkten den Aussagen des Müller- meisters und dessen Schwager gefolgt. Was ober hatten die be- kündet? Stegemann wollte etwa gegen>412 Uhr üb« seiner Stube auf dem Boden Geräusche gehört haben. Er weckte seine Ehefrau und seinen im selben Zimmer schlafenden Bruder Heinrich. Alle drei vernahmen scharrende, tretende Geräusch«. Robert Stegemann begab sich In das Schlafzimmer seines Schwagers, des Müllermeisters Schuhmach«, und weckte ihn. Da),n holt« er ein kleines Stümpfchen Talglicht und ging damit aus den Boden. Alles »«ar still. Er rief mehrmals:„Alma, bist du da?" und als er kein« Antwort erhielt, ging er wieder hinunter. Kaum eine Minute h'äter hörte er ähnliche Geräusche. Jetzt gingen be'de, er und der Müllerm« ister, aus den Boden, suchten ihn ab, gingen auch in Alma Kahnkes Zimmer, sahen hier die Halbentblöhte in„Unglück- l-cher" Lage im aufgewühlten Bett liegen, und stiegen die Treppe wieder hinab. Etwa eine Viertelstund« später hörte Schuhmacher jemand langsam die Treppe herunterkommen Aus seinen Anruf: „Alma, bist du da?" erhielt er keine Antwort. Statt dessen lies die Person schnell die Trepp« hinab. Schuhmacher glaubte nach der Gangart die Angeklagte zu erkennen, er hörte, wie der Riegel von der zum Hof führenden Tür zurückgeschoben wurde, lies zum Fenster, konnte jedoch niemand mehr sehen. Als er um 5 Uhr morgens auf den Boden ging, um Alma Kahnke zu wecken, fand er sie in derselben Lage, in der er sie nachts gesehen hatte: um ihren Holz lag die Zeugleine, die sonst auf dem Mehlboden auf- bewahrt wurde, das andere Ende der Leine war um den vorderen Bettpsoften gewunden. Dem her- beigeholten Landjäger erzählte er, wie er nachts eine Person die Treppe hinuntergehen gehört. Er st später nannte er die Reinke. Die zweifelhasten Indizien. Hatte sie sich aber tatsächlich abends im Haus« einschließen lassen, um nacht? den Mord zu begehen? Ist sie von niemand beobachtet worden, wie sie am Abend des 18. Juli ihre Wohnung, acht Minuten von der Mühle entfernt, ausgesucht hatte? Die Aussagen der Zeugen in diesem Punkte gingen auseinander. Sie liehen verschiedene Deutungen zu: zngun/ten wie zuungunsten der Verdächtigten. Dies« zwciselte an der Glaubwürdigkeit des Müller- meisters. Es sei unmöglich, behauptete sie, von seinem Zimmer aus zu hören, wenn jemand leise die Treppe herunterkäme. Das Gericht lehnte einen Lokaltermin ab. Unmöglich hätte auch Stegcmann scharrende und tretende Schritte vernehmen können, wenn sie, wie Schuhmacher dies behauptete, auf Strümp- f s n gegangen sei. Und dann: die ganze Darstellung der beiden erscheine äußerst verdächtig. Sollten sie wirklich nach Dieben, deren Schritte sie gehört haben wollten, gesucht haben? Wieso hatten sie sich zufrieden gegeben, als sie auf dem Boden niemand anders als die schlafende Dreizehnjährige vorfanden? Und wieso ist ihnen nicht schon nachts die Zeugleine um den Hals des Mädchens aufgefallen? Wo sollte sie während des Älbjuchens des Bodens geblieben fein? Wer hatte die Veränderungen am Tatort vorgenommen? Und die Motive zum Morde? Ja! Weshalb sollte sie di? Kleine getötet haben? Aus C i s e r s u ch t? In diesem Punkte erscheinen die Dinge besonders rätselhaft. D/r Müllerm eister-Witmer hat anfangs irgendwelche geschlechtliche Beziehungen zu seiner Arbeiterin Reinke, die bereits acht Jahre in seinen Diensten stand, geleugnet. Später verweigerte er die Aussoge darüber. Sie selbst bestritt derartige Beziehungen. Das Gericht nahm sie als vorliegend an. Auch ging es davon aus. daß die Angeklagt« einer Zeugin gegenüber geäußert habe, es sei einfach«in Skandal, wo die Kleine eingehe, gehe der Müjlermei st e r aus. Sie soll auch gedroht haben, wenn er das Kind nicht in Ruhe lasse. würde was ganz Schreckliches passieren. Di« An- geklagte bestritt die Aeußcrungen. Das Gericht nahm aber an, daß sie gefallen seien, daß die Reinke, wenn auch unbegründet. Beziehungen zwischen der Dreizehnjährigen und dem Müllermeistec vermutet habe: dos Motiv zur Tat sei somit Eisersucht gewesen. Deshalb habe sie sie getötet. Wäre es nicht einfacher gewesen, um sie loszuwerden, mit einer Anzeige wegen Mißbrauchs eines Kindes unter 14 Iahren zu drohen? So fragte die Bcrteidigung. Wer war der Mörder? Die Verteidigung geht noch weiter. Sie sagt: wenn irgend jernand Grund gehabt habe, die Kkeine zu töten, so sei es die Familie des Müllermeisters gewesen. Das Gericht hat nicht. festgestellt, mit wem die Kleine früher Ge- schlechtsverkehr gehabt hatt«: es war ihre erste Dienst- stelle: direkt aus dem Elternhaus hotte man sie am 1. Mai hierher gebracht. Unten schlief der Witwer, im Zimmer neben ihr dessen junge Söhne. War die Drelzehnjährigs vielleicht doch geschwängert worden? Hatte man Grund, einen Skandal oder eine Strosanzeige zu fürchten, und sah vielleicht einen Ausweg in der Beseitigung des Kindes? Und als es getätet war, mußte da nicht irgendein Schuldiger genannt werden, um den Verdacht von sich abzulenken? Durste aber unter solchen Umstünden der Müller- meistcr als klassischer Zeuge gelten, ebenso der von ihm abhängige Schwager? So argumentiert der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. A n d r i ch. Er hat nachträglich durch einen Kriminalkommissar auf eigene Kosten nn Dorfe Recherchen anstellen lassen und will ermittelt haben, daß der Müllermeister als gewalttätiger Mensch und Schürzenjäger bekannt sei, daß er als wohlhabender Dorf- bewohner einen Einfluß besitze, der Giemand den Mut finden ließe, gegen ihn auszusagen. Er selbst erklärt, einer etwaigen neuen Verhandlung mit ruhigem Gewissen entgegenzusehen. Hatte sich l die Kleine vielleicht doch selbst das Leben genommen? Der Rcchtsausschuß und das Plenum des Preußischen Landtags haben sich einstimmig für die Berurteiltc eingesetzt. Die Begründung des Todesurteils hat bei allen Parteien größtes Befremden hervorgerufen. Anna Reink« befindet sich in Freiheit mck> betreibt das Wiederaufnahmeverfahren. Das Rätsel der Mühle von Verchen ist nicht gelöst..Wer war. der Mörder? Leo Rosenthal. S>as Elend der Schnitterinnen. wir berichteten aip 2. Januar d. J. über die Tragödie. in deren Mitlelpunkl die Schnillerin Josefa INasur steht. Daß ihr Schicksal nicht vereinzelt ist. zeigen die Erfahrungen in der städtischen Wohlsahrlspslege. Darüber wird uns be- richtet: Die Landarbeitcriamilien und besonders die alleinstehenden Londarbeiterinnen müsse» oft nach dem Ende der Saison ihre Ar- beitsstelle und den'Arbeitsort verlassen. Sie kommen dann vielfach in die Asyle und Heime der Großstadt, um die stille Zeit hier zu ver- bringen. Die Großstadt ist auch der Platz der Stellenoermitstungen, von dem aus sie an neue Arbeitsstellen verwiese» werden. Die Kinder, die sie ans einer Stelle haben unterbringen können, dürfen sie auf eine andere Stelle— und so erscheint es fast als Regel— 9üiref frierende. Droschkenkutscher und Droschkengäule haben unter der Dauer kälte besonders cit leiden. Sie sehnen sich nach besserer Beschäftigung und nach väi merer Jahreszeit. nicht mitbringen, weil es an Obdach für sie fehlt: sie sechst haben ei» kärgliches Unterkoimnen in einer Baracke, der sogenannten S ch n i t t e r k a s« r n e. Di« Kinder werden in den öffentlichen Heimen oder bei fremden Pflegeeltern versorgt, bis sich zuweilen nach Monaten, manchmal aber erst nach vielen Iahren die Mutter sechst ihrer wieder annehmen kann. So werden die Familien aus- einandergerissen, Mütter von ihren Kindern getrennt und einander entfremdet. Die Großstadt ist der Ort, der all' dieses Elend auf- nimmt und sorgt, daß die Kinder sich wenigstens in geordneten Ver- hält nissen weiter entwickeln�. Ein Kreisjugendamt berichtet über die Verhältnisse eurer Mutier, die dringend um Rückgabe ihres in städtischer Pflege befindlichen Kindes bittet:„Den Eheleuten St. steht in einer Wohnborocke ein einziger Raum zur Verfügung, der voller Ungeziefer ist. Mit dein Ehepaar und ihrem sechs Monate allem Kinde teilt der Schwager des Ehemannes St. diesen Raum zum Wohnen, Schlafen, Kochen usw. Ob den Eheleuten St. in nächst« Zeit riirc dorn Pächter in Aussicht gestellte Deputatwohnung zur Bcrfügung gestellt werden kam», erscheint fraglich- Jedenfalls ist Frau St. kürzlich von hier eröffnet morde», daß ihr unter den zeitigen Verhältnissen die Ueberlossiing des Kindes nicht genehmigt werden kann." Daß Josefa Majnr fruchtlos durch Stadt mid Land fuhr, mir sich bei den Stellen Rat und Hilfe.zu holen, die berufen sein sollten, ' ihr in ihrer Not beizustehen ist dt« andere Grausamkeit, die aus dem Bericht über ihr Schicksal hervortritt. Wie ist es wog- lich, daß Pfarrer, Heime, Waisenhäuser sich vor dieser Frau verschließen, die ihre Kind« zu ihrer Arbeitsstätte nicht mit- nehmen darf? Die Verordnung üb« die Fürsorgepslicht verpflichtet d« Fürsorgeverbände im ganzen Reich zur Unterstützung der Not- leidenden. Alle Organe der öffentlichen und der privaten Fürsorge sind berufen, an der Erfüllnng dieser öffentlich-rechtlichen Pflicht mitzirwirten. Zrvtzdei» wird bei der Ausübung der Wohlfahrtspflege immer wied« bekannt, wie in kleineren Städten u n d a uff dem Lande diejenigen, die Anspruch aus Hilse haben, abge- wiesen worden sind. Die notwendige Hilfe wird ihnen vorent- halten, höchstens einmal gewährt man ihnen Reisegeld, wenn es daran fehlt, um in die nächst« Stadt oder schließlich mied« in die Großstadt zu gelangen. Der höchste Gerichtshof der Republik in Fürsorgefochen, das Bundesamt für das Heimatwesen, hat sich in seiner Rechtsprechung ständig mit„Abschiebungen" dieser Art zu befassen: seine Urteile werden mißachtet. Psticht der Fürsorgeoerbände und der ihnen übergeordneten Auffichtsbehörden wäre es, dafür zu sorgen, daß allen Hilfsbedürs- tigen im Reich die ihnen gebührende Fürsorge tatsächlich zuteil wird. Ts müßte ausdrücklich verboten werden, daß ivgciidciil Organ der Wohlfahrtspflege«inen Hllfsbedürfügen abweist, ohne sein« Notlag« geprüft und, wo es«sord«lich ist. iinv«zii glich mit nachhaltigen Hilssmoßnohmen eingegriffen zu haben. Sollt« nicht am Ende mit schwerer Strafe derjenige bedroht werden, der einen Hilssbedürfiigen fahrlässig ohne Hilfe läßt, ihn in Elend, Krankheit und, wie Josefa Masur,.zum««brechen treibt? Freilich Etrasbestimmungen werden nichts nützen, so lange niöst die Erkennt- vis sozialer Notwendigkeiten tiefer wurzelt, als sie bisher trotz aller Bemühungen vielfach immer noch zu wurzeln scheint. Arthur Gottschalk. 'ö/rriTC' 'fienx Von Robert G r 5 1 z sc h. (3. Fortsetzung� Sesi träumt aus hohem, breitem Talabsatz. Etwas weiter nördlich schließt das Grenzgebirge den Talkessel schroff ab. In Sesi rauscht Wasser, herrliches Bergwasser aus vielen Rinnen. In den Gärten Mais, Trauben, Feigen. Nirgends Blumen. So arm ist die Seele des Sklpetaren. daß er die Blume noch nicht entdeckt hat. Aber ich sehe hier die erste primitive Wassermühle: eine kleine Holzhütte, das Wasserrad hängt horizontal, der Mahlstein ist klein. Große Mühlen mit vertikalem Mühlrad sind hier noch unbekannt. Früher soll es hier und dort laut Ueberlieferung eine Windmühle gegeben haben. Die Entwicklung scheint in Nordalbanien nicht nur stehen geblieben, sie scheint um einige Mühlräder, zurückgegangen zu sein. Die Dämmerung hängt zwischen den Bergen und vermischt sich mit dem Dunst der Waldbrände. Wir landen in einer kleinen, stei- nernen Hütte, hocken mit zwei Mcklisoren auf der nackten Erde, löffeln saure Milch aus einer Schüssel. Am offenen Feuer siedet ein schlankes, schüchternes Malisorenmädchen den türkischen Kaffee. Die Tür wird zugsrammelt. Durch vergitterte Schießlöcher schim- rnern die Sterne. Nlka und Ah haben nur einen Wunsch: schlafen, schlafen. Ich möchte mich hinaus aus die Wiese legen, aber alles hebt abwehrend die Hände:„Nix gutt, nix gult.. Die Sonne steht wieder auf knalliger Bormittagshöhe. Wir rasten aus einem Bergansatz bei Sesi. Sennenweide. Zwei gefloch- tene Hütten stehen da wie große Bienenkörbe. Hier haust Herr Nikola aus Krofa bei Durazzo. Wenn die Winterzeit mit Regenschauern einsetzt, zieht er samt Herde wieder nach Kraja. Es gibt Stämme wie die Kostrati und Klementi, die seit alters ihre Herden mit Beginn der rauhen Zeit in die Bregumatja bei Skutar! treiben lassen. Im Frühjahr trippeln die Tiere wieder auf die Hänge der Proiletijen. Um diese Winterweiden bei Stutari haben früher zwischen den Miriditen und den Malisoren blutige Kämpfe getobt. Nikola hat vier Pferde und in Kroja ein Haus. Unter Skipetaren ein Begüterter. Fünf Frauen gehen in den Bühnenkörben ein und aus. Mit Decken wird mir draußen im Schatten des Haselnuß- gebüschs ein Lager bereitet. Dieser Tag spll der Rast gehören. Nika und ich sind marode, der Esel hinkt. Die Frauen bestarren mich aus großen Augen. Mein zerleg- barer Aluminiumbecher, meine glasknöpfigen Nadeln und Sicher- heitsnadeln erregen ihre Bewunderung. Die Nadeln werden von ihnen freudig und begierig angenommen. Si« stecken die Dinger an ihre Kleider wie Geschmeide. Diese Frauen kommen aus jüd- licher Niederung und sind weniger zurückhaltend wie die Malisoren- frauen des Nordens. Eine mit hellgelbem Teint und dem Gesicht einer älteren Madonna hält«men flachsumwickelten Handrocken. dreht den Flachs zu feinem Faden und wickelt ihn um die Hand- spule. Ein Junge wird von Malaria gequält. Mein letztes Chinin geht hopps. Eibe Greisin in schwarzem Kopstuch sitzt mit bösem, verquollenem Auge. Ob ich dafür Medizin hätte? Man ist bereit. jede„Medizin" zu schlucken. Ich frage nach dem Alter der Greisin. Sie weih es nicht. Wenige sind hier, die ihr eigenes Aller kennen. Die Frauen bestaunen und bestarren meine Hssenträgerbeschläge, Poliertes Messing. Sie halten es für Gold, möchten das glänzende Zeug haben. Ich besäße doch zu Hause noch mehr. Nika, der Mali- sor, steht ein Stück abseits und wiegt mißbilligend den Kopf. Welche Sitten, was für Art, den Gast derart anzugehen! Nikola hat sich in meine Pelerine gehüllt, kommt sich darin sehr majestätisch vor. Möchte sie behalten, will mir morgen dafür ein Pferd zum Reiten stellen. Ich bedeute ihm, daß die Pelerine den Mietpreis von zwei Pferden für einen Tag wert ist. Er schiebt die weiße Koppe betrübt aufs Ohr. Dann starrt er in die rotbraun leuchtenden Bergfurchen des Nordens. Ob da nicht Eisen läge? Oder gar Gold? Heilkräftiges Wasser solle auch dort sein. Was wohl Europäer aus dem Gestein alles herausholen würden. Aber Albaner seien ja so dumm! Und er deutet mit dem Finger gegen die Schläfe. Nichts fällt dem Skipetor leichter, als Albanien zu ironisieren. Große, zustimmende Heiterkeit bei den Sola, als ich einmal kauder- welschte: Steine, Wasser, Brot und Schlafen— das seeNordalbanien. Nachmittags landen fünf Gendarmen auf der Matte, eine Berg- streife hinter sich, hauen sich lang. Ausgedehnter Schwatz mit tür- kisch«n Kaffee. Man rät mir, den Weg über Gusinje zu wählen. Er sei kürzer. Nikola wird zwei Pferde stellen und dafür meine Pelerine behalten. Sein braunes Gesicht strahlt.. Hinter dem hohxn Berghang in unserem Rücken verschwindet die Sonne. Da stampft es daher, von oben herab über die ver- dorrte Weide, klirrend und in raschem Tempo, indianisch, nomaden- hast: drei Pferde, zwei Hunde, Schafe und dahinter einige Mali- soren. Nikolas Bruder kehrt von Skutari zurück. Hat Schafe und Ziegen verkaust. Drei Tage Rückmarsch in den Beinen. An diesem Abend wurde ein Hammel geschlachtet und am Feuer der Hüllen— daß die geflochtenen Dinger nicht wegbrannten? — geröstet. Draußen auf der Wiese hockte um den Schein des Feuers, das aus einem großen, flachen Eisendeckel zu den Sternen aufloderte, eine bunte Gesellschaft: Gendarmen und Malisoren. Tur- bane und Kappen und der Gast aus Europa. Flaschen mit Mais- schnaps kreisten, der Hammelschmaus begann. Als erster Gang die Leckerbissen, dann große Fleischstücke, dann Reis mit Fleisch unter- mischt. Alles langt aus einer Schüssel, das Fleisch wird mit den Fingern vom Eisenteller genommen, die Knochen krachen, Kinder tauchen auf, man weiß nicht woher, die Hunde raufen sich um Knochen, von der Feuerschale sprühen Funken auf die Fleischteller, Gewehre liegen zwischen Mann und Mann, wenn man die Rakki- flasche zur Seite stellt, klirrt ein Flinteniauf. Ich sitze hart und fühle wie im Dusel, daß ich auf Gewehrkolben hocke. Zulangen, essen! Wer nicht zugreist, beleidigt den Hausherrn. Dazwischen Rülp- fer, in Albanien ein Kompliment und Zeichen, daß es geschmeckt hat. Um Rikolas Augen glänzt der Rakkischwips. Die Platten verschwinden erst, wenn sie leer sind. Das Darben kommt morgen zeitig genug. Essen, essen, ehe es in der Hitze verdirbt. Die Frauen tragen auf und verschwinden wieder. Ihr Platz ist abseits der Männer, in der Hülle. Der Schmaus schließt mit Milch, die von allen aus einer Schüssel gelöffelt wird. Dann kreist der Rakki wieder, /nanche Zungen lallen. Der Zugführer der Gen- darmen häll ein Schulterblatt de» Hammels gegen das Feuer und weissagt daraus nach altem Brauch. Er prophezell Krieg mit Serbien. Nikola rückt seinen Revolver im Gürtel zurecht, ist begeistert: Krieg mit Serbie! Die ganze Runde schwärmt: Krieg mit Serbiel Der Feuerschein wird kleiner und kleiner. Die Frauen breiten Decken auf der Wiese aus. Jeder macht sich sein Lager zurecht. Nikola, sein Bruder und die Frauen verschwinden in den Hütten, einige Späne leuchten noch einmal auf, verlöschen— dann streicht das erste Schnarchen über den nächtlichen Plan. Nika und ich lassen die Rucksäcke, wo sie sind— irgendwo zur Seite. In Albanien wird nicht so leicht gestohlen wie bei uns daheim. Neben uns liegen in einer Reihe die Gendarmen, ihre Gewehre im Arm. Das Licht der strahlenden türkischen Mondsichel blitzt auf den Läufen. * Der letzte Tag in No-dalbanien. Zwei Pferd«, fünf Mann: Nikola, der Gendarm, zwei junge Ziviler— alle vier mit Gewehr, denn jetzt kommt das angeblich unsicherste Gelände dieser Zone. Grenzgebiet. Nika und der Esel haben von Nikolas Alm aus den Rückweg nach Skutari angetreten. Allezeit gute Fahrt. Nika, du Perle deiner albanischen Heimat! Deine Treue war stärker wie dein Deutsch. Ich reite durch den Morgen und freue mich auf das Bett, das in Gusinje meiner wartet. Bergauf durch einen breiten Geröll- streifen, durch den im Frühjahr die Willibäche des Grenzgebirges ihre Gewässer spülen. Nach einer Stunde stehen wir vor der Süd- wand des 2000 Meter hohen Iezerce Pupvuks. Herunter vom Pferde, kurz war der Spaß. In stellen Kehren empor. In wilder Jagd sausen die anderen hinan, daß die Hufe der Gäule nur so klirren. Ich protestiere. Nikola trumpft auf: man müsse bei Tage zurück, in der Dämmerung alles zu unsicher. Do mache ich kurzen Prozeß: Habe ich die Pferde für den vollen Tag gemietet oder nicht?! Setze mich an die Spitze und bestimme das Tempo. Gemächlich, Schrill für Schrill. Nikola meutert, aber es hllft ihm nichts. Schwüle. Die Sonne brütet, das nackte Gestein ringsum scheint zu knistern. Aber neblige Dünste hoch oben deuten auf Wetter- umschwung. Ich lechze nach Wasser, Kühle, Wind. Oben auf der Wand, nach langem, zähem Steigen von Stein zu Stein, ist die letzte Luft aus mir heraus. Das Herz hämmert. Der Körper dampft. Windstöße, kühl und feucht, jagen plötzlich über die Berge. Körper und Seele richten sich auf, wittern kühleres Klima. Der letzte Tag! Ich werfe oben einen Blick zurück. Diese Wand schließt gen Norden die harten Felszüge ab, durch die wir kamen. Gen Süden verengt sich der Kessel, laufen die Talengen nach Sala. Sosi, Skutari. Hochrückig, zerfurcht, zerbrannt, arm und trotzig, rauhe, he- roische Landschaft, schwach belebt von Ziegen. Lämmern und ver- zweisellen, leidenden Stämmen. Tunja tjeta, ihr Malisoren! Rauh wie euer Land sind eure Seelen. Schwer ist es. euch zu verstehen, schwer, euch beizukommen. Wer wenn ich mir in eurer Heimat manchmal recht verlassen vorkam, so lag das an mir. Denn man PrUsterbsu* in Oer«Uwnischen TCildaf*. soll nicht in eure Berge gehen, ohne eure Sprache zu sprechen. Und daß ihr ein paar Jahrhunderte hinter der Entwicklung zurück bliebt, daß eure Seelen arm sind, wie eure Einöden— ist's eure Schuld? Möge euch die Zukunft leichter werden!--- (Schluß folgt) WAS DER TAG BRINGT. innniinnnmiingmiminnmiimnmiiimnnnmnmnTmniHinnminniBiiiiuHniiiniiiigiiuiiiDniuuiuauBUwnmiiniiiuinuniiBHnBiimiinBanuiinuimuuuiumuinBuiii« „Lebende Leichname." Der„lebende Leichnam" scheint in Mode zu kommen. Der Matrose W o d i e aus Hannover hat gewissermaßen den Reigen be- gönnen. Daß er nicht mehr lebe, erfuhr er bei Anlaß einer Zivilsache. Das Hamburger Gericht hatte ihn totgesprochen, und da er nicht beizeiten Beschwerde dagegen eingelegt hatte, mußte er als tot gelten. Der Fall des Berliners Der,»5, der. obgleich ertrunken und beerdigt, vor einiger Zell in eigener Person in der Berliner Markt- halle erschien, dürfte noch in guter Erinnerung sein. Nicht minder der Fall des Soldaten S t a f f e r t. dessen Frau, um ein zweites Mal heiraten zu können, ihren kriegsgefangenen Mann für tot er- klären lieh. Der vierte lebende Leichnam war der des Zuchthäuslers Bornemann. Man halle nämlich einen Menschen mit Borne- manns Papieren aus der Spree gezogen, er selbst weilte aber unter dem Namen Finte quitschfidel unter den Lebenden. Ein lebender Leichnam hat sich vor einiger Zeit auch in Paris eingefunöen. Es war dies ein gewisser M o r s e d o n, der bei Kriegs- ausbrach in Lissabon lebte. Da ihn die Aerzte für kriegsuntauglich erklärten, brauchte er nicht nach Frankreich zurückzukehren. Als er im Jahre 1926 Sehnsucht nach seiner Heimat bekam, erfuhr er, daß er längst gestorben sei, und. zwar unter folgenden Umständen: Im September 1914 verlor sein Regiment, bei dem er früher gedient hatte, 1500 Mann. Der Regimentsschreiber vermerkte auch Morsedon als tot. Laut Gerichtsbeschluß wurde sein Tod für„rechtskräftig" erklärt und seine„Witwe" konnte ihre Pension beziehen. So mußte Morsedon um„Wiederbelebung" nachsuchen. Die Folg« davon war. Donnerst«?, 17. Januar. Berlin. 16.U0 Dr. Haus l.cbeUc; Lessini und die Bühne. 16.30 Lieder. I. Qrctschaniuofi: a) Vor mir die Steppe; b) Der Tod; c) Heimat. — 2. Kowalski; a) Gebet an pierrot; b) Moquerie; c) Der Dandy; d) Die Laterne(Wilhelm Strien», BaB. Am Fintel: Ben Qeysel). 17.(1) Dnterhaltanesmnslk des Salonquartetts Hans Rane. 17.30 Jobn Qatsworthy: 1. Saite pro nobis. 2. Noch einmal.(Gelesen von Ed. Henry.)• iS.30 Prot. Dr. M. QroBmann: Technik im Waoenhaus. 19.00 Max Cohen-RcuB, M. d. RWR.: Europäische und deutsche Kolonial. Probleme. 19.25 Hans-Bredow.Schule. Wirtschaftspolitik. Prot. Dr. M. J. Bonn:„Probleme der Weltwirtschaft". IL: Das Wander-Problem. 20.00 Abendunterhaltunt. Blasorchester. Kontert. Diritent: Carl Woitschach. 21.00 Voh Frankfurt. Hans Flesch, Frankfurt a. M. Komponistenauftrl;e des Rundfunks. 21.10 Von Breslau. 2130 Klavier-Vortrüge. I. Beethoven: Zweiooddreißig Variationen c-moll-—' 2. Mayr-Mahr, geb. 7. 1. 1869: Gavotte und Musette, op. I Nr. I. 3. Elten spiel, op. 1 Nr. 2. 4. Abendstimmnng. op. 12 Nr. I, I. Bergstimmung. op. M Nr. 3(Prof. Moritg Mayr-Mahr. Flügel). Ansehließend bis(0.30 Tane-Mnstk. Kapelle Gerhard Hotfmann, Königswusterhansen. 1600 Lehrer Aoras: Sprecherziehung in der Landschule. 16M Uebertragung des Naehmlttagskoozertfis Berlin. 17.30 Maximilian MüMer-Jahuscb: Weltpolitische Stunde. 18.00 Dr. Hermann Christians: Ostholsteinische Mirehen von Wisser. IS-Vi Gertrud van Eyseren. Cesar Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.53 Gutsbesitzer Schlote; Oute Schlachtviehpreise und doch billige Fleischpreise. 19.20 Dr. Hans Wieg: Die Teminhberwachnng der Steuerrabfang. Ah 20.(0 Uebertragung von Berlan. daß feiner Witwe die Pension entzogen wurde. Noch eine zweite Folge gab es aber: der nun lebendige Morsedon wurde wegen Fahnenflucht zur Verantwortung gezogen, das Krankhellsattsst als nicht genügend befunden und der zum Leben Wiedererstanden« be- kam den Segen seiner lebendigen Mitmenschen zu spüren. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Titel machts. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" veröffentlichen folgende amtliche Bekanntmachung: „Der mit Titel und Rang eines Flurbereinigungsoberamt- manns ausgestattete Flurbereinigungsamtmann beim Flurbereini- gungsamte München wurde zum Flllrbereinigungsoberamtmann beim Flurbereinigungsamte N. befördert." Zu dem schönen Titel kann sich der Mann aber freuen: Flur- bcreinigungsvberamtmann! Eine indiskrete Frage, liebes Münchener Flurbereinigungsamt: Muß bei euch der Nurbereinigungsamtmanu vor dem Flurbereinigungsaberamtmann die Hönde an die Hofen- naht nehmen und darf die Flurberejnigungsoberamtmannsgattin die Flurbereinlgungsoberamtmannstelloertretersgattin zum gemütlichen Nachmittagskaffee einladen, ohne die Etikette zu verlegen? Ein Mißverständnis. Alexis Granowski, der Leiter des Moskauer Jüdischen Theaters, war zum erstenmal, in Berlin. In einem sehr feinen Isttrfursten- damm-Haitshalt wird das Wunderkind aus Moskau zur Tafel her- umgereicht. Die sehr fowjetbegeistert« Hausfrau ist nach kurzer Zeit entsetzt über die respektlosen Erzählungen des Theatcrmannes, der nach und nach alle aus der Distanz gebildeten Anschauungen über das Weltwunder im Osten kapullschlägt. Da wendet sich der gläubige und vornehme Mfons Goldschmidt, der schon anno 192» das hungernde Moskau mit seinen 5kinderaugen betrachtete und e» als Paradies befand, an Granowski und wünscht Aufklärungen über den angeblich in Rußland grassierenden Antisemitismus. Er fügt hinzu, man habe ihm viel darüber erzählt, er jedoch habe diesen Erzählungen nie glauben wollen und, als er das letztemal in Moskau gewesen, habe er sich nur aus diesem Grund zu Rykow, dem Präsidenten des Rats der Volkskommissare beheben, und ihm die Frag« gestellt. Rykow habe mit Entschiedenheit die Existenz antisemitischer Strömungen in Rußland verneint— So erzählt Goldschmidt und blickt triumphierend in die Runde. In das ininuten- lange Schweigen, das seiner Erzählung folgte, schmettert die helle Stimme Granowskis:„Wissen Sic, wo Sie waren?— Sie waren beim Führer der antisemitischen Partei!" Wenn man einen Löwen filmt. Der Tierdompteur Schneider filmte in Leningrad mehrere Tag« lang mit einem seiner �Löwen. Schließlich brachte er ihn dazu, daß Idteser sich aus ihn warf— das forderte der Jilmtext. Mit dem einen Halle aber der Dompteur nicht gerechnet, nämlich mit der nun beim Löwen entstandenen Reflexbewegung. AI» Schneider am Tag« darauf die Löwen nach Beendigung der Vorstellung von der Bühne treiben wollte, warf sich der Filmstar auf seinen Herrn und zerriß ihm die Hüft«. 12 y IS � 180 Jahre'Gefängnis, In New York ist vor kurzem der Bankbeamte Mae Mahan zu 150 Iahren Gefängnis verurteilt worden. Er hat nämlich 12 Scheck» gefälscht, im Werte von 72 Dollar. Für jede Fälschung erhielt er 15 Jahre Gefängnis. 12X15=180. Auch ein«cht amerikanischer Rekord! Wintersport in Davos. Zum ersten Male seit Wochen vermißte man in Davos den Sonnenglanz. In der Nacht setzte dichter Schneefall ein, der den Keginn des Eishockeyspieles zwischen Polen und Deutschland um eine Stunde verzögerte, und auch dann kam zunächst kein reguläres Spiel zustande, da der Schnee wieder so stark auf der Kampsbahn lag, daß die Scheibe bald nicht mehr zu sehen war. Noch vor Reinigung des Spielfeldes ging der Kampf bis zur ersten Pause torlos weiter. Im weiteren Berlauf stellte Petrus seinen weißen Segen«in und nun kam auch«in schönes Spiel zustand«, das die B e rl i n° R i« ß e rs e« r Kombina- tion weit überlegen sah. Nicht weniger als fünfmal mußte der polnische Torhüter im zweiten Abschnitt die Scheibe aus seinem Netz holen. Beim Resultat 6 rv(0:(), S:(), 1:0) blieb es bis zum Abpfiff. Damit hat Berlin nach dem. 2:0- Sieg über Davos und dem unentschiedenen 1: 1 gegen die außer Konkurrenz spielenden Europa-Kanadier das Turnier gewonnen. Finnland dominiert im Skispringen. Der Neuschnee kam den Skispringern sehr zustatten, die nach- mittags guf der neuen Bolgenschanze in Wettbewerb traten. Die Schanze zeigt die ungewöhnliche Neigung von 55 Prozent im An- laus und von 45 Prozent in der Aussprungbahn zu Relordsprüngen kam es jedoch nicht. Die beiden Ersten des Langlaufes, die Finnen Lappalainen und Mattila nahmen am Springen nicht teil, über- ließen dies ihren Landsleuten Nuotio und Iärvinen. Letzterer zeigte drei prachtvoll gestandene Sprünge von 40, 46, und 48 Meter, wurde aber bei weitem von Nuotio übertroffen, der in meisterlicher Manier 45, 60 und 57 Meter sprang. Der Schweizer David Zogg brachte es auf 50, 53 und 57 Meter, der Deutschböhme Willi Dick auf 46, 59, 56 Meter, den weitesten Sprung erzielte der Schweizer F. Kounnpnn mit 61 Meter. Für den Akademischen Skiklub Darmst«dt konkurrierten die''Norweger C. B. Petersen und F. Thovefen. Er konnte sich mit Leistungen von 38, 41 und 42 Meter dicht in den Vordergrund schieben, während Petersen bei allen drei Sprüngen mit dem Boden Bekanntschast machte. ventsriie Skimeisterschaften. Die Organisatoren für die Deutschen Skiin ei st er» schuften, die von» 31. Januar bis 3. Februar in der Südwest- ecke Sachsens, im Gebiet Klivgenthal-Afchderg ausgetragen werden. hoben für die Meisterschaststage«in umfangreiches Programm ausgearbeitet. Als erste Veranstaltung wird am 31. Januar, vormittags SM Uhr, der P a t r o u i l l e n l a u f der Reichswehr über 25 Kilo- meter stattfinden. Der Startplatz befindet sich an der neuen großen Jugendherberge auf dem Aschberg, in der Aufenthalts- und Wachsraum für die Läufer eingerichtet wird. Als chauptftützungs- punkt für den Start kommt das nahe bei der Jugendherberge liegende Waldgut Obersachsenberg in Betracht. Das Ziel des Patrouillenlaufes befindet sich aus dem Mittelberg bei Brunndöbra. Als zweiter Wettbewerb folgt dann am 1. Februar, vormittags 9,30 Uhr. der Langlauf über 18 Kilometer. Start und Ziel sind die gleichen Orte wie beim Patrouillenlauf. Der Staffel- lauf über 40 Kilometer wird am Sonnabend, vormittags 10,30 Uhr, vor sich gehen. Start wieder an der Aschberg-Jugend- Herberge. Das Ziel befindet sich an der Stadtgrenz« von Klingen- thal. Das Hauptinteresse von allen Meisterschastsveranstaltungen wendet sich natürlich dem am Sonntag, dem 3. Februar, vormittags 11 Uhr, stottsindenden Sprunglauf auf der Seydel-Schanze zu. Den Abschluß bildet dann die Preisoerteilung, die auf den gleichen Tag, nachmittags 5 Uhr, festgesetzt worden ist. „Elefantenbaby" Camera. Zu den Boxkämpfen am Freitag. Die Sensation des Programms, das am Freitagabend im Sportpalast zur Abwicklung kommt, ist das Auftreten des itaUe- nischen Riesen Primo Carnera. Mit einer Größe von 2,5 Meter und einem Gewicht von 252 Pfund ist Car- nera zweifellos der schwerste Boxer der Welt, und der Hannove- raner Ernst R ö s« m a n n muß. obwohl er selbst an die zp>ei Zent- »er wiegt, immer noch ein Gewichtshandikap von rund 50 Pfund in Kauf nehmen. In seiner bisherigen Laufbahn hat der Italicner schnell« Knockout-Siege über die Franzosen Sebillo und Thomas sowie Ruggirello davongetragen, mit Haymanns Besieger Isias mußte er dagegen in Mailartd über die ganze Distanz gehen. Nach dieser Fot gerechnet, hat Rösemann kaum Siegesaussichten gegen dieses »Elefantenbaby", aber der Hannoveraner ist bekannt dafür, daß er nicht nur sehr hart schlagen, sondern selbst auch viel einstecken kann. Wie groß die Härte Carneras ist, muß erst der Kampf zeige»._ Das Turnier am Weinbergs weg. Petrowilsch von Huthanen besiegt. Bei dem internationalen Ringturnier um den„Goldenen Gürtel" im Walhalla-Theatex rangen am Dienstag als erste vor fast ausverkauften Haus Huthanen und der Russe Petrowisch in der Fortsetzung ihre« Entscheidungskampses. Das spannende Treffen wurde vorerst reichlich offen geHallen: der bärenstarke Russe war für den Finnen das schwerste Hindernis im Wettstreit. Nach einer Gesamtringzeit von einer Stunde und 40 Minuten glückte ein. nur dem Finnländer möglicher Armzug und mit Ueberftürzer hielt«r den Russen für die Zeit fest. Das nächst« Treffen, Kley gegen den Ostpreußen Siegfried, wurde von beiden stets offen gehalten und endete unentschieden. Der Berliner Luppa fiel im zweiten Gang einem Kopfzug von Bahn-Samson zum Opfer. Nach dem Negerringer Bambula hptte sich auch der jung« Berliner Marunke aus die Heraus- farderimg des Finnen Huthanen gemeldet, der gestern abend versuchte, die Ausgesetzte Standprämie von 100 Mark zu gewinnen. Er tonnte sich gut bis in den zweiten Gang herüber retten, erlag dann aßer einem lang vorbereiteten Hüftschwung. Der Ostpreuße Kronatz, der neu hinzugetreten ist, gestaltete schon sein erstes Gastspiel zu einem Siege. Der leichtere Favre erlag seinem physisch überlegenen Gegner in 12 Minuten Bahn-Samson, der wegen seiner sehr temperamentvollen Art einige Verwarnungen erhielt, wurde von Westmeister P e t r o w i t s ch nach 38 Minuten mst einem Doppelnelson auf beide Schultern gelegt. Heute abend ringen Kr�natz gegen Huthanen In den Eni- jcheiduugskämpfen trifft Luppa auf Petrowitsch und Siegfried mit Kley zujammen. Schlaf) in Leipzig. Am Schluß des Leipziger Sechstage-Rummels brachte ein tragisch zu nennender Zwischenfall eine Sensation, durch die das Favoritenpaar entthront wurde: Negrini brach sich nach dem ersten Spurt der Nachmittag-wertung durch Sturz den rechten Unterarm an und mußte den Sieg, den er bereits in der Tasche hatte, sowie seinen Partner Girardengo in Stich lassen. Damit wa» der Weg frei für da» deutsch-schweizerische Paar Goebel- Richli, dt« nach dem Ausscheiden der Italiener nach Punkten weit in Front lagen und diesen Vorsprung ia, der letzten Stunde durch einen Rundengewinn noch weiter ausdehnten. Auf den nächsten Plätzen endeten Frankenstein-Buschenhagen und Rausch- Hürtgen. Der letzte AbeNd sah das.Achilleion" nur sehr schwach besucht. Kaum 2000 Zuschauer hatten sich eingefunden. Zahlen vorn englischen Fufjballpokal. I Nach den Mitteilungen des englischen Fußballverbandes wohnten den 32 Spielen der dritten Pokalrunde insgesamt 782 365 zahlende Zuschauer bei. also rund 24500 pro Spiel. Di« größte Zuschauermengt hatte mit 61316 Personen die Begegnung Ehelsso— Eoerton angelockt; 51 000 Besucher wurden beim Spiel Asto» Villa— Cardiff City gezählt. Die Einnahmen au» diesen beide» Spielen betrugen 3816 bzw. 3450 Pfund Sterling: die Gesamteinnahmen aus den 32 Spielen bellesen sich aus 55 360 Pfund Sterling, also weit mehr ol» ein« Million Mark. Verstaatlichung der Sport-Hochschule? Die von der Studentenschasl der Deutschen Hochschule für Leibesübungen schon fett langem angestrebte Verstaatkichang der Anstalt scheint mm bald iu die Tat umgesetzt zu werbe». Regio- ruugsrat Dr. Becker überbrachle einer Kommission der Studenten- schast die osjizielle Nachricht von dem Wunsche des Reichsministers Severing, daß möglichst bald das Rcichsministerium des Jimern, dos preußische Kultus- und Wohlfahrteministerium mit dem Senat und der Studentenschaft der Hochschule für Leibesübungen Ver- Handlungen aufnehmen möge mit dem Zweck, die Hochschule zu verstaatlichen. -ARBEiWH rUSSBtiLL Alle Fußballspiele abgesagt. Die zum 20. Zauuor angesetzten Spiele werden de» Froste» wegen abgesagt und zum 3. Februar neu angefetzt. Auch Gesellschaftsspiele dürfen nicht stattfinden. Spielvereiaigung L kreis. ________ 3. St.: hartmann. Seelenkäufer. Die Kommunisten machen' s wie die Bürgerlichen. Vor einigen Wochen konnte der kommunistische Fußballspielleiter.Edy" Damm als Aufkäufe r festgenagelt werden: er hatte versucht, mit klingender Münz« die bundestreue Turn- und Sport- Vereinigung Düsieldorf-Rath zu einem Spielabschluß mit dem wegen seines statutenwidrigen Verhaltens aus dem Bund ausgeschlossenen Turnverein Eller zu bewegen. Der Versuch scheiterte kläglich. Die kommunstlische„Freiheit"'m Düsseldorf versuchte vergebliä', den bewiesenen Kaufversuch abzuschwächen: wie schlecht es dabei um ich: Gewissen bestellt war, bewies ein Satz in ihrer Erklärung, wo nach Damm nicht im Auftrage des Turnvereins Eller oder der KPD.(!) den Kaufversuch unternommen, sondern aus eigenem Ermessen dem buudestreuen Verein angeboten habe, ihm die gesamten Einnahmen aus dem vorgeschlagenen Spiel zu überlassen: das Blatt äußerte dann weiter, Damm werde sich dieserhalb noch zu voran t- warten haben! Gegenüber diesem klaren Eingeständnis des Düsse«- dorser kommunistischen Blattes versucht jetzt die kommunistijche Press: des Reiches, den Kaufversuch abzustreiten: sie scheut sich dabei nicht, mit Fälschungen zu arbeiten. Es bleibt aber Tatsache, daß Damm sich bereit erklärt hatte, für den Spielab schluß 100 M. an de« dun destreuen Verein zu zahlen. Zu diesem schmutzigen Versuch eines entlarvten Aufkäufers gesellt sich ei» trächtig die elend mißlungene Fälschung der kommunistischen Presse. Jeder ausrechte Arbeitersportler rückt von diesem widerlichen Trei ben ab. Radfahrer in Chariottenburg. Daß die sogenannte„Minderheit" des Kraft- und Radsahr- bundes„Solidarität" in der Ortsgruppe Charlottenburg den kam munistifchen Bierseidel- und Knüppelsportlern stark im Magen lieg!, ist begreiflich, denn die Minderheit ist derart gewachsen, daß dos Abstoßen des faulen Gliedes nur als ein« notwendige aber geglückte Operation zu bezeichnen ist. Fast in jeder Versammlung sind Neu ausnahmen zu verzeichnen und die Zahl der Mitglieder ist nicht mehr weit von der Zahl vor der Abtrennung entfernt. Daß die Ortsgruppe Charlottenburg, die die Beschlüsse des Bundestages respektiert hat, nicht nur die Reinigung vorgenomme» hat, sonder» auch ihr rechtmäßiges Eigentum in Sicherheit brachte, ist doch wohl ein Akt der Selbstverständlichkeit, denn es ist ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das gesamte Inventar vor un- berufenen Händen zu schütze». Daß serner nun sogar die Anhänger des neuen Kartells es wagen, einen Ball.zu veranstalten. Werbe- plakate herauszugeben und Agitation zu betreiben, hat den Kom munisten denn doch keine Ruhe gelassen und so mußten sie den» in der„Roten Fahne" vom 12. Januar mit dem'Ausruf„Arbeiter Radfahrer Berlins" einen Artikel loslassen, in welchem gebeten wird. daß die organisiert« Arbeiterschaft den„Kraft- und Rcidfahrerbund Solidarität", Ortsgruppe Charlottenburg, nicht unterstütze. Wenn man schon Gegenpropaganda betreiben will, dann muß man auch Wahrheilen berichten. Der genannte Ball findet nicht, tvic in der„Roten Fahne" angegeben, am 12., sondern am 19. Ja- nuar 1929 aus dem„S p a n d a u e r. B ock" statt. Aus Lesei der„Roten Fahne" als Gäste wird verzichtet, dafür sind aber alle bundestreuen Sportler und Parteimitglieder eingeladen. Freie Arbeit«. Schachvereinigung. Abt. Prenzlau« Sern. Prenzlauer Allee 189. Donnerstag, 17. Januar, Vortrag am Demo» ftrationsbrett über Partieerössnungen. Gäste herzlich willkommen. Übt. areujbera. Pl»»üs»r TVTti, bei»repp:■äbl. Prenzlauer Ber-i. ' liefe RaumerstraK«: äbt. SiemensftaM, iStemcngftv.:ii Unit Arbeiter.Kehachoereiaiq»»»»e»H.B«eli». An jedem D« n ne r» t a n. •JO UM: Abt.«mui»~---"'"................." Prenztauer Allee 18».________________ KWH.-------------------- bei Hesse: Abt. See?!»», eifei» Ecke iSeermemnitWifie; Abt. Clia- loUenburq, Eophie-llharloUe-Ltr. 88; Abt. Reininetenbori-Sft, ätefibenjftr. 15», b»»S>«chKnis.— ffttito»»: Abt. Mitte, 3!»nst>rchvlntz-V-bei»urzrock c n s t ei(i s: Abt. Lichten berxi WühlischsN. 8t!, bei ischlller; Abt. Menitt Memeler ötr. 10. bei Lücke; Abt. öchiiiitbeca, Sustot>-MW«,Platz 1, h'i Seibel; Abi. Vedding, MUlleestr. W. bei Herme; Abt. Wei�ensee, Rerüner Alb Ecke LehteeeslraKe. bei cSaUas; Abt. coriinau, GeineinschatliKnns chu!»bst Zait.'! Kern.. Montags unb Mittwoch«! Abt. �riodrichsbain. Strahmann steaKe 4L, bei Albrechl. Zroi« Inenerschalt»«tz-Borlin,»e,!rf aSben. Beesanunlnng der Eliten unserer Ninder in den Nindrrodlrilnngen?onnerstas, 17. Januar, 20 Ml bei Eckert. Dietfenbnchftr. 7«. Dmxk Winters Wunderland. Man tut dem Winter sehr unrecht, wenn man ihn einen grim- migen und mürrischen Gesellen heißt, der nichts weiter kann, als Eis und Kälte über Land und Leute bringen. Er dars für sich das- selbe beanspruchen, was den anderen Jahreszeiten schönes und gutes nachgesagt wird. Man muß nur erst einmal hinausgewan- dert sein in fein Reich: dann kehrt man zurück, um sein Wirken zu sehen, des Lobes voll für seine Kunst»nd es zieht einen immer wieder hinaus. ' Um die Schönheiten des Winters voll auskosten zu können und um alle sein« Herrlichkeiten zu sehen, muß man ein Paar Skier an den Füßen haben und mit ihnen lautlos über Berghänge und durch Täler, durch Busch und Wald fahren. Es ist gar. nicht so schwierig, das Skiläufen, wie es den Anschein hat. Der Anfänger hat am ausgebügelten Hang unter den Lern und Leidensgenossen meistens immer das Gefühl, er würde ver lacht und zieht er sich deshalb gern in eine einsame Ecke zurück, in der eck nicht immer ein beneidenswertes Dasein fristet. Das itt aber falsch, denn man lernt nur von den guten Läusern und �»der hat einmal diese Rolle gespielt. Wer nicht die Möglichkeit hat, an einem Kursus teilzunehme», schnall« seine Stier an»yid schiebe sie aus ebenein Boden fort, da mit er zunächst einmal auf den Skiern stehen l«nt und eine gc wisse Sicherheit erhält. Dann gehts zum Hang. Hier wird der Schneepflug gelernt: aus ihm entsteht der Stemmbogen nach links und rechts. Wenn diese Verbindungen einigermaßen geschaffen sind, ldann geht es mit den Noturfreundeti, die in allen größeren One» Deutschland» seit Iahren den Skilaus pslegen und Stiläusergrup peu haben, hinaus aus die Stiwandcrung. Rur aus der Wa» derung lernt man richtig Skilaufen, und dann kann der Winter nicht lange genug dauern und ist nicht mehr der mürrisch« und' griesgrämige Geselle, sottdeni ein Iiel»er Freund, den wir ungern scheiden sehen. Frfib übt sich- ÄW da Mdder werden«IDI ßefMfts-Jtnseiger � (Bezirk Jtorden-Csien. 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