BERLIN Freitag 18. Januar 1929 Der Abend Ericist taglidenser Sonntag Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beibe Ausgaben 85 W. pro sche, 3,60. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. πr. 30 B 15 46. Jahrgang. " unzeigenpreis: Die einfaltige Monpareillejeits 80 Bf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Bekichedkonto: Vorwärts Berlag G. m. b... Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhof 292 bis 297 Die Welt der Gespenster. In Uniform und Frack zu Wilhelms Ehre! Bor uns liegt ein gedrudies Rundschreiben, das in dieser Zeit geradezu prähistorisch anmutet. Es ist wert, hier im vollen Wort. laut wiedergegeben zu werden. Bräsidiumt des Union- Klubs An Berlin NW. 7, den 15. Januar 1929 Schadowstraße 8 alle Herren Mitglieder des Union- Rubs. Anläßlich des 70. Geburtstages des hohen Protettors des Inion Klubs, Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II., findet om A 27. Januar 1929, 8 Uhr abends, im Union- Klub ein Festeffen statt, zu dem die Herren Mitglieder hiermit ergebenst aufgefor. Dert werben. Zusagen bis spätestens 24. Jamuar 1929 an das GeneralSefretariat des Union- Klubs erbeten. Anzug: Frod, 4 Mit vorzüglicher Hochachamg H Adolf Graf von Arnim Mustau, Bräfident des Union- Kurbs. Der Union Klub ist die feudale Gesellschaft der Intereffenteu für Pferderennen. Someit fie eine private Bera einigung ist, fönnte man über ihr Festessen der Vorge. schichtlichen mit verständnisvollem Lächeln hinwegsehen. Nun wird uns aber glaubwürdig versichert, daß diesem Union- Klub auch sehr bedeutende Beamte der Republit angehören, z. B. Staatssetretäre, Botschafter, Legationsräte Werden sie, nachdem sie diese Einladung erhalten haben, noch weiter unter dem ..Brotektorat des alten Herrn von Doorn für Kaiser und Republik fefteffen? Bor uns liegt ein weiterer Brief, zierlich gedrudt auf edlem Papier. Er ist ursprünglich nicht dazu bestimmt, von den profanen Augen republikanischer Zeitungsleser entheiligt zu merden, fordern soll die Großgrundbesiger des Kreises Lebus zur Feier des 70. Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers" zu. janunenrufen. Er lautet: Die Feier des 70. Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers findet für die Großgrundbefizer des Kreises Lebus mit ihren Damen wie verabredet am 27. Januar in Wald- Sieversdorf um 12 Uhr mittags statt. Anzug: Uniform oder Frad. Ilm die nötigen Dispofitionen treffen zu fönnen, wird um Antwort in jedem Falle gebeten. 12 Uhr: Anfahrt von der Mündjeberg- Eberswalder Chaussee Dirigierender Poften steht an der Toreinfahrt. Bersammlung in der Halle des Gutshauses( ohne abzulegen) zum gemeinsamen Gang zur Kapelle. Gottesdienst: Herr Hofprediger Richter. Bei der Rückkehr zum Gutshaus, in welches nach Beendigung der firchlichen Feier zu einem Imbiz geladen ist, werben die Herren gebeten, im linken Flügel des Hauses abzulegen( also nicht den Eingang durch die Halle nehmen). Auto zum Zuge steht nach Anmeldung zur Verfügung. Don Stünzner Karbe. Der Bestand der Republik wird durch solche historischen Trachtenfefte nicht gefährbet. Bir veröffentlichen die Einladungen nur, um unseren Lefern interessante Dokumente aus der prä historischen Abteilung des Deutschen Reiches nicht vorzuenthalten. Rückgang der Grippe? Aber weitere Schulklassen geschlossen. Das Berliner Hauptgesundheitsamt teilt mit: Eine Zu nahme der Grippeerfranfungen hat in den letzten 24 Stunden nicht stattgefunden. Bielmehr mar die Zahl der Grippefranfmeldungen bei der Allgemeinen Ortstrantentaffe Berlin am 16. Januar um über 200 gertnger als am Bortage. In die Berliner Krantenhäuser wurden am 17. Januar rund 40 Patienten weniger aufgenommen als am Bortage. Weitere Schulflaffen dagegen, in denen die Zahl der hauptsächlich wegen Grippe fehlenden Kinder allmählich recht groß geworden war, tamen im Einvernehmen mit den zuständigen Kreisärzten zur Schließung. Es wurden geschlossen: Im Bezirt Pantom eine Schulflasse, im Bezirk Brenzlauer Berg in drei verschiedenen Bolksschulen vier Klaffen, im Bezirt Wedding eine Klasse. Es handelt sich dabei Dormiegend um Schulflasjen der jüngsten Jahrgänge, Die verratene Denkschrift. Ohne jeden Anhalt beschuldigt die Rechtspresse die Gogialdemokratie des Berrats der Groenerschen Denischrift. AVERKAUP AN ENGLAND WER HAT GRONERS DENKSCHRIFT LUDENDORF VERRATEN? WILHELM FRENISSE GESTALTEN Warum sucht die Deutschnationale Presse just hinter diesem Ofen? Hessen soll Reichsland werden! Der hessische Innenminister zur Reichsreform. Frankfurt a. M., 18. Januar. Der hessische Innenminister Leuschner veröffentlicht in der Frankfurter Zeitung" zum Reichsgründungstag einen pofitiven Vorschlag zur Reichsreform im Rhein- Main- Wirt schaftsgebiet, wo die Verhältnisse besonders kompliziert liegen. Zenschner führt u. a. aus: Der Weg zum Eirheitsstaat führe über den Main, deshalb sei Hessen im Besitz der Schlüsselstellung und feine Entscheidung von gesamtdeutschem Interesse. Auf der Grundlage der bisherigen Ergebnisse der Länderkonferenz könnte im Rhein- Main- Gebiet bereits jetzt ein praktischer Anfang mit der Neugestaltung des Reiches gemacht werden. Dazu wäre im einzelnen erforderlich: 1. Hessen erklärt sich offiziell zum Reichsland. Mit seinem Einverständnis übergibt das Reich diejenigen Teile der Vermaltung, in denen das Reich noch feinen eigenen Berwaltungsapparat besikt, zur auftragsweisen Ausführung. an Preußen. 2. Preußen gliedert dafür die zum Rhein- Main- Wirtschaftsgebiet gehörigen Zeile von Hessen- Nassau aus, die mit dem bisherigen Gebiet von Hessen zu dem neuen Land Hessen verfchmolzen werben. 3. An der Spize steht ein Landespräsident mit dem Landtag. Der Landespräsident wird von der Reichsregierung bestellt im Einvernehmen mit dem Landtag, dem er aber nicht mehr parlamentarisch verantwortlich ist. Beim Landespräsidenten werden die bisherigen neben und untereinander bestehenden Länder- und Reichsregierungen zusammengefaßt. 4. Das Reich gibt ebenfalls im Wege der Auftragsverwaltung von den reichseigenen Berwaltungen foolel KompeDie Folgen des Schneesturms Hoffmann, die Justizleuchte Berichte 2. Seite tenzen an das neue Land ab, daß es gerade noch den Einfluß auf die Exekutive behält. An Hand eines solchen Musterbeispiels der fünftigen Mittelinstanzen im dezentralisierten Reich tönnten auch die anderen Länder Norddeutschland, das tein großpreußischer Block ist, sondern für ein Norddeutschlands auf diesem Wege folgen. Durch ein so entstandenes Sechstel der Bevölkerung bereits dezentralisiert verwaltet wird, wäre die Gefahr der Mainlinie gebannt. Wie vor 100 Jahren mit der konstitutionellen Verfassung fönnte Hessen auch heute Deutschland in der Neugestaltung des Reiches vorangehen. Studienrat verhaftet. Unter dem Verdacht des Sittlichkeitsverbrechens. Wegen Sittlichkeitsverbrechens und vergehens wurde seit Ende August v. I. ein 33 Jahre alter Studienrat Paul Heller, der an einem Waisenhaus angestellt war, auf Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Botsdam gesucht. Heute vormittag ermittelten Kriminalbeamte den Verfolgten in Berlin bei einem Freunde in der Potsdamer Straße und nahmen ihn fest. Heller wurde fofort nach dem Untersuchungsgefängnis in Potsdam gebracht. Geheimnisvolle Bombenexplosion. Wohnhaus zerstört- 6 Personen vermißt. Detroit, 18. Januar. zerstört wurde. Es entstand ein Brand, der auf ein benad; Hier erfolgte eine Bombenexplosion, bei der ein Wohnhavs bartes Gebäude übergriff, in dem sich ein Theater befindet. Man nimmt an, daß hierbei etwa sechs Personen, die vermiẞt werden, den I od gefunden haben. Die Feuerwehr ist gegenwärtig damit beschäftigt, die Trümmer nach den Leichen der Vermißfen abzusuchen. Die Polizei fand an dem zerstörten Wohnhaus zwei jchwerverwundete Männer, die, wie sie glaubt, die Bomben geworfen haben, £>ie Folgen des Schneesturms. Immer noch Verspätungen im Fernverkehr. Jiifolge des anhallendeo starken Drostes und der Schnee- .< l l e in allen Teilen des Reiche» sind auch heule im Fernverkehr der Reich-bahu erhebliche Verzögerungen zu verzeichnen. So traf heute vormittag der Friedrichs has euer Schnell- z u g v 237 mit einer Verspätung von 123 Minuten in Berlin ein. wiener Schnellzug O ISS mit 127 Minuten, der Münchener Schnellzug 0 27 mit 120 Minuten. Ebenso überschritt der von Stockholm— Sahnih kommende D-Fug seine planmäßige Fahrzeit um 104 Minuten, der von Warschau kommende D 24 hatte 60 Minuten Verspätung, auch der Luxuszug Paris— Warschau lras erst eine Stunde nach der fahrplanmäßigen An- kunftszeit in Berlin ein. Fast alle übrigen Fernzüge hatten ebenfalls mehr oder weniger große Verspätungen. Naturgemäß sind auch im Güterverkehr zum Teil erhebliche Verzögerungen zu verzeichnen. doch ist bisher auf allen Berliner Güterbahnhöfen die glatte Ab- wicklung der Transporte durchgeführt worden. Hochwassergefahr in Westdeutschland. Im Lauf« des Doner stog sind auf der Eiset und dem Hochwald gewaltige Schneemassen niedergegangen. Der Schnee liegt stellenweise einen Meter hoch. Die Abendzüge erlitten teilweise erhebliche Verspätungen. Auf den Höhen herrscht noch eine Tempe- ratur von 8 bis 12 Grad unter Null. Da aus dem Westen das Herannahen eines Tiefdruckgebietes gemeldet wird, das Regen bringen soll, hegt man die schlimmsten Befürchtungen für einen schnellen Abgang des Schnees und das mit Sicherheit zu er- wartend« Hochwasser. Hamburg. 18. Januar. Der Eisenbahnverkehr zwischen H a m b u rg und Nor- wegen, Schweden und Dänemark, der infolge starker morgen heginnen trir m/1 der TeröffeniUclmng de» Xomawt Als die Finna verhradile Hoffmann— die Leuchte alter Justiz Hoffmann Witt noch immer nicht an Haas� Llnfchuld glauben. Schneeverwehungen an den Vortagen zum Teil ins Stocken geraten war, ist nunmehr in vollem Umfang wieder ausgenommen worden. Die Kopenhagener und Osloer Wogen des Zuges Warnemünde— Hamburg, der fahrplanmäßig am Mittwoch abend 20,10 Uhr fällig war. sind erst am Donerstag nachmittag hier eingetroffen. Starke Kälte in Frankreich. In ganz Frankreich hat gestern st a r k e K ä l t e eingesetzt, die sich besonders in den höheren Lagen auswirkt. In St. E t i e n n e sank das Thermometr auf minus 14 Grad, in Chamonix auf minus 14 Grad, in B r i a n<; o n aus minus 20 Grad, in L i m o g e s auf minus 11 Grad, in V i ch y auf minus 13 Grad, im Departement Cantal sogar auf minus B Grad. Paris hatte nachts ein« Kalte von 1 Grad und bei Tag« ein« Temperatur von plus g Grad. Drei Züge zusammengestoßen. Vier Eisenbahnbeamte getötet. Bei Short Laue(BT anstand) 11. S. iL stießen gestern abend im ZTebel drei Eisenbahnzüge zusammen. Zuerst waren zwei nach Norden fahrende Güterzüge ineinandergerannt und dann fuhr ei» nach Süden gehender Zug in die Trümmer mehrerer Güterrqagen hinein, vier Eisenbahnbeamte wurden getötet. Der internationale Senator. Er stammt aus Oesterreich, Bayern, Baden. Elsaß, Frankreich Paris, 18. Januar. Der Senat hat die Wahl des Grafen von Andlau aus dem Departement Niederrhein zum Senator einstimmig für gültig erklärt. Wie der Berichterstatter feststellt, hat Graf von Andlau, der am 7. Juni 1886 in B a y e r n als Sohn eines in Oester- reich naturalisierten badischen Staatsangehörigen geboren ist, durch seine Verheiratung mit einem Fräulein französischer Familie im Departement Niederrhein, Christine v. C o e h o r n, am 10. Mai 1920 e lsä s s i sche Bürgerrechte erworben: gleichzeitig sei seine Frau in den Besitz der deutschen Nationalität gelangt. Auf Grund des Versailler Vertrages sei Grafin von Andlau in den Genuß der französischen Nationalität ohne jede Einschrän- kung gelangt. Graf von Andlau habe für sich das gleiche Recht auf Grund des Versailler Vertrages in Anspruch genommen. Der Aus- schuß uxir der Ansicht, daß angesichts der Lage der Dinge Graf Andlau bereits die französische Staatsangehörigkeit besitze. Senator Jenouvrier hielt im Lauf der Diskussion, ohne auf den Fall Andlau einzugehen, eine Rede gegen den Autonoinis- muß im Elsaß und in Lothringen. Schlechte Mitbürger, so führte er aus, haben die begangenen Fehler in den Vordergrund gestellt, um daraus antifnmzösische Schlußfolgerungen zu ziehen. Da sie wußten, daß einige hundert B r e t o n e n davon iräumten, in der Bretagne wieder die Zeiten der Kömging Anna einzuführen, haben sie schristlich und mündlich zu behaupten gewagt, die Bretagne fordere ebenso wie das Elsaß die Autonomie. Diese Leute haben die Seelen in Elsaß-Lothringen vergiftet. Ministerpräsident Poincarö ntst dazwischen: Tagtäglich! Der Senator fuhr fort: Vergiftet dxrch die Verquickung der Forderung der Elsaß- Lochringer mit oenen der Breionen. Ministerpräsident Pomcarä erklärt: Es gibt auch eine bretonisch-separatistische Zeitung, die in Metz gedruckt wird, natürlich von anderen Leuten als Be- wohnern der Stadt Metz, und zwar in der autonomistifchen Dsuckerei. Der verspäieie Thronerbe. Amanottahs Glück im ilnglück. ftonslantlnopel, 18. Januar. Der englisilzen Gesandtschaft in Kabul ist die Nachricht zu- gegongen, daß der König Amanulloh und die Königin Suraya noch in Kandahar befänden. Di« Königin sehe einem freudigen Ereignis entgegen. Don Indien seien zwei Aerzt« nach Kandahar ntsandt worden, Amanulloh selbst hat der englischen Gesandtschaft ■"abv mitgeteilt, daß er seinen Kampf gegen die Aufständischen •'ücki r�'.gzbe. Er beabsichtige ein Freikorps zu bilden, um feine cht in'Afghanistan wieder aufzurichten. Nach der Abfuhr, die der beschuldigt« Landgerichtsdirektor Hoff- mann gestern erfuhr, befleißigte er sich heute einer etwas größeren Kürz« und einer noch größeren Höflichkeit, die er immerfort mit Entschuldigungsworten für feine Verzögerungen spickt. Auch Kol- l i n g will sich nicht mehr wie während der ersten Verhandlung gefallen lasien, daß Hoffmann für ihn Erklärungen abgibt. Mehrere Mal« sprang er heut« auf, unterbrach seinen Mitangeschuldigten und meinte, er könne da? s e l b st b e s s e r sagen. Heute kam zuerst noch der sogenannte„Sessel-Brief" zur Sprach«. Tenholt hatte den im Hause Schröders beschlagnahmten Koffer im Magdeburger Polizeipräsidium untergestellt und sich nicht die Mühe genommen, seinen Inhall zu prüfen. Als Büsdorf die Unter- suchung den Kriminalkommissaren R i e m o n n und Braschwitz übergab, machte er sie aus den Koffer aufmerksam. Diese fanden darin u. a. zwei Schröder sehr belastende Brief«. In dem einen hieß es:„In demselben Sessel, in dem meine Mutter gestorben ist, wo...... werde auch ich die tödliche Kugel empsangen." Dieser Brief war in der.Magdeburger Zettung" veröffentlicht worden, an Stelle der Punkte standen die Worte„im Juli". Die Angeschuldigten hatten nun dem Kriminalkommissar Busdorf, den sie wegen der Veröffentlichung des Briefe» in Verdacht hatten, denDorwurfderFälschung gemacht. Die kriminal- kommisiare Braschwitz und Riemann bestätigten aber Büsdorf» Be- hauptung, daß« r den Brief überhaupt nicht in Händen gehabt habe. Da Hilde Götze bei ihrer Vernehmung durch den Kriminalkom- misiar Riemann in Köln ausgesagt hatte, daß die sraglichen Stellen in diesem Brief wie auch in einem anderen sich zweiselsohne auf die Ermordimg Hellings durch Schröder beziehen, und da Schröder selbst ein Geständnis abgelegt hatte, beantragte nun Oberstaatsanwalt Rasmus beim Untersuchungsrichter Kalling die Haftentlassung des Haas. Kalling lehnte dies jedoch ab und überließ die Eni- scheidung der Strafkammer. Auf deren Entschluß kam die Haft- entlassung zustande. Regierungsdirektor Weiß hatte über das Geständnis Schrö- ders und der Hilde Götze der Presi« ein Kommunique zukommen lasien. Dieses Kommunique gab den Angeschuldigten Anlaß zu heftigen Angrissen gegen die Verwaltungsbehörden mtt» den Justiz- minister. Sie erklärten, daß die ösfentliche Meinung dadurch mit einer derartig suggestiven Kraft festgelegt worden sei. daß selbst die Richter und Geschworenen sist> der Beeinfwsiung nicht hätten ent- ziehen können. Das Kommunique,„voller Lügen und Ent- siel tun gen", bedeute einen unerhörten Rechtsbruch: wenn der Justizminister dem nicht entgegengetreten sei, so beweise das nur, daß er im Kabinett seinen 5!ollegen gegenüber nicht aufkommen könne. Diesen Aeußerungen tritt der Erste Staatsanwatt Dr. Weyer- mann entgegen. Er erklärt, daß die Angriffe gegen die Regie- rung vollkommen unbegründet seien. Es war dos gute Recht derDerwaltung, über die von ihren Beamten vorgenommenen Handlungen Erklärungen abzugeben, lieber der Unabhängigkeit des Richters steht die Notwendigkeit des Staates. Der Angeschuldigte Hoffmann behätt sich weiter« Erklärungen zu diesem Punkte vor. Zum Geständnis Schröder» erklärt er. er Hölle es nie als voll gewerlet, wenn er geahnt hätte, unter welchen Umständen es zustande gekommen sei. Schröder soll nämlich die ganze Nacht über vernommen worden sein. Und Kalling stellte die Sache so dar, als wäre das Geständnis erpreßt worden. Der Oberstaatsanwalt Dr. R o h d e erinnert den Angeschuldigten Hofsmann daran, daß dieser auf die Bemerkung des Oberstaatsanwalls, er würde sich daran gewöhnen müssen, in dem Schröder den Täter zu sehen, erklärt habe, daß von ihm nie b e- h a u p t e t worden sei. H a a s s e i d e r T ä t e r. Hoffmann erklärt darauf, daß er nie behauptet habe, Haas habe den Schuß abgegeben. Das Urteil erster Instanz war übrigens zu dem Ergebnis ge- kommen, daß der Vorwurf der Begünstigung gegen Büsdorf wohl gcrechtferttgt erscheinen konnte, daß dagegen der gleiche Vor- wurf anderen Verwallungsstellen gegenüber— das Urtcll hatte dabei den Oberpräsidenten H ö r s i n g und den Vizepräsidenten Dr. Weiß im Auge— in keiner Weise erhoben werden konnte. Zur Erörterung gelangt der Umstand, daß Kölling und Hoffmann den an den Polizei- Präsidenten Menzel gerichteten Brief, nochbevordieserindie Hände des Adressaten gelangte, den rechtsstehenden Blättern zur Veröfjeittlichung übergaben. Sie erltäi?n. daß sie zwar tatsächlich bereits um 1 Uhr den Brief der Scherl-Prctt? übergeben hätten, wahrend Polizeipräsident Menzel ihn um 2 Uhr erhallen sollte, daß sie jedoch geglaubt hätten, der Präsident würde ihn vor der Veröfsenllichung lesen. Es sollte vermieden werden, daß die Linkspresse ihn in Auszügen und voller Entstellun- gen(!) brachte. Am 8. August hatte Kölling unter Assistenz von Hoffmann in der„Magdeburger Zettung" ein« ausführliche Veröffentlichung erscheinen lasten, in der er die Umstände darstellte, unter denen die Gegenüberstellung der Hilde Götze und Schröders von den Berllncr Kriminalkommistaren vorgenommen worden war. Er hatte näm- lich auf Veranlassung des Oberstaatsanwalls Rasmus zu dieser Gegenüberstellung seine Genehmigung gegeben, die Erlaubnis, Schröder aus dem Gerichtsgefängnis ins Polizeigefängnis zu über- führen, war aber nicht«ingeholl worden. Als er am»öchsteu Tage die Vorführung Schröders verlangte, setzte sich der Oberstaatsanwall Rasmus dafür ein, daß die Polizeikommissare noch über Schröter einige Zell verfügen durften. Kölling erblickt darin einen Em- griff in seine Rechte als Untersuchungsrichter, und die„Magde- burger Zeitung" verlangte die Einleitung eines Verfahrens gegen den Oberstaatsanwalt Rasmus und den Polizeipräsidenten Menzel. Die AnNag« legt Kölling zur Last, daß fein« Artikel eine Reihe Ungenauigkeiten enthalten haben, die geeignet ge- wesen seien, der Oeffentlichkeit ein schiefes Bild über die Borgönge zu übermitteln. Der Vorsitzende stellte unter anderem fest, daß der Staatssekretär Fritzsche die Vernehmung der Hilde Götze durch den Äriminalkommistar Riemann begrüßt habe. Untersuchungsrichter Kölling hatte aber damals dem Oberstaatsanwall Rasmus gegen- über geäußert:„Sie wissen, ich will mit den Berliner Kommissaren nichts zu tun haben." Und heute sagt er noch:„Ich hätte nie die Genehmigung zur Gegen- überstellung gegeben, wenn ich gewußt hätte, daß die Hilde Götze, die früher olles geleugnet hat, jetzt ein Geständnis ab- legen würde. Dann hätte ich sie natürlich selbst vernommen." Der Untersuchungsrichter Kölling ist doch ein sehr geschetter Mann! Und der Herr Landgerichtsdirektor daneben gleichfalls. Als dieser wieder zahllose Punkte aufgeklärt wisten will, bittet der Borsitzende ihn, die Punkte aufzuzählen, damtt der Diszipttnarsenal sich darüber schlüssig werde, ob ihre Ausklärung erforderlich sei. Die Anklage legt kölling zur Last, daß er bei dem ersten Ge- ständnis Schröders kein Protokoll aufgenommen und bei der Ausgrabung der Leiche«inen Gerichtsschreiber nicht herbeigezogen habe. Der Angeschuldigte erklärt zum ersten Punkte, er habe gefürchtet, Schröder könnte zurückhaken, und zum zweiten Punkte, er habe nicht aus den Gerichteschreibcr warten können, im übrigen hat es sich nur um eine Polizeimaßnahmc gehondeli. Oer ganze Mordprozeß soll aufgerollt werden. Die Erörterung Äeses Abschnitts wird plötzlich durch die Er- klörung Källings unterbrochen, er müstc zu dem irüheren Punkte noch einmal zurückkehren. Er habe n i e a n Schröders G e- ständnis geglaubt, vielmehr immer wieder erklärt, daß Schröder dem Polizeikommistar Unwahrheiten gesagt habe. Als der Vorsitzende dem Angeschuldigten vorhält, daß sein Nachfolger, der Untersuchungsrichter Peiser, das Geständnis Schröders wieder auf- genommen habe, springt Hoffmann auf und erklärt, während die Untersuchungsorgane bestrebt waren, die Wahrhett zu entschleiern, habe die Polizei sie stets verdunkelt! C» sei«rsorder- lich, den ganzen Mordprozeß Schröder in dieser VerHand- lung aufzurollen, da nur auf diese Weise die Tätigkeit der Berliner Kriminalbeamten ms richtige Licht gerückt werden könne. Dagegen wenden sich die beiden Staatsanwätte. Sie sind der Ansicht, daß die Angeklagten nur beschuldigt werden, bei klarer Ueberlegung Veröfsenilichungen vorgenommen und B e s ch u l d i- g u n g e n von Behörden laut werden gelösten zu haben, die völlig unhaltbar waren. Es sei nicht einzusehen, was etwaig« Verfehlungen von Knminalbeamten mit diesen Anschuldi- gungen gegen die Angeklagten zu tun hätten. Der Senat lehnte den Antrag der Verteidigung als unerheblich ab. Es sei, führte der Vorsitzende aus, allein von Bedeutung, wie sich die Sachlage vom Standpunkte der An geklagten damals darstellte, nicht wie sie jetzt vom Standpunkt der Ocsfentlichkeit erscheint. Der Senat sei auch weder befugt, noch in der Lage, das Urteil des Schwurgerichts nachzuprüfen, denn diese hatten lebendige Zeugen vor sich, der Senat nur Protokolle. Die Kleinrentnersürsorge. Sie Rechtsparteien für eine kapitalistische Regelung. Im Sozialpolttischen Ausschuh des Reichstages ist heute vor- mittag die Entscheidung in der Kleinrentnersürsorge gefallen. Um dem widrigen Spiel mit einer Unzahl Agitation»- antrügen ein Ende zu machen, hat die sozialdemokratische Fraktion vor der Abstimmung der einzelnen Anträge den Knoten durchgehauen und den gesamten Ausschuh durch zwei grundsätzliche F r a g cn gezwungen, Farbe zu bekennen. Aus den sozialdemo- kratischen Antrag zur Abstimmung wurde zunächst folgende Frage zur Entscheidung gestellt:„Soll für die Bestimmung des Per» sonenkreises der Bezugsberechtigten lediglich der frühere Kapitalbesitz maßgebend sein?" Diese Frage wurde von der Mehrheit des Ausschustes gegen die Stimmen der Deutschnationalen. der Deutschen Volkspartei und der Wirtschoftspartei verneint. Diese Parteien haben also bei der Abstimmung erneut zugegeben, daß sie eine rein kapitalistische und plutokratisch« Fürsorge in der Klein- rentneroerforgung wünschen, dagegen die Aermsten unter den Kleinrentnern dem Hunger preiszugeben bereit sind. Ilm alsdann der Reichsregierung«inen positiven Austrag für die künftige Regelung zu geben, stellt« die sozialdemokratische Frat- tiou die folgende zweite Frag«:„Soll zur Verbesserung der Kleinrentnersürsorge hinsichtlich des Personenkreises, der Voraussetzungen und der Höhe der Leistungen und der Mitwirkung der beteiligten Organisationen eine reichsgesetzliche Rege- lung erfolgen?" Diese Frage wurde vom Sozialpolitischen Aus- schuß einstimmg bejaht. Abg. Keil(Soz.) bemerkt« ergänzend, daß diese allgemein grundsätzliche Frage für die künstige gesetzliche Rege- lung noch nicht erschöpfend ist und in der Regierungsvorlage ins- besondere auch durch die Rückerstattung, die Sicherung des Zugriffs auf Vermögensrechte der Kleinrentner usw., mit erledigt werden. Reichsarbeitsminister Wissel! erklärt«, bei der kommenden Vor- läge die Beratungen und das Material des Sozialpolitischen Aus- schusses beachten und verwenden zu wollen. Frau Abg Matz (D. Vp.) sprach nach der Abstimmung' ihr Bedauern aus, da sie mit den von der Reichsregierung im Verlauf der Beratungen abgegebenen Erklärungen nicht einverstanden sei. Abg. A u f h ä u s« r(S�z.) empfahl Frau Matz, ihre Beschwerde gegen die Reichsminister Slresemann und Curtius nicht im Ausschuß, sondern in der Frak- tionsstgung der Deutschen Volkspartei vorbringen zu wollen.— Der Ausschuß wird sich nunmehr in den folgenden Sitzungen mit der Invalidenversicherung befassen. Von einer Löwin verseht. Aufqkreaie Szenen bei einer Z r?"svorfie»un<) in Wien. In Wien hat sich während der Lorstellung im Zirkus Zentral am Donnerstag abend«in schwerer Unfall ekeignet. Eine Löwin überfiel die Dompteuse und fügte chr g e- fährlichc Verletzungen zu. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß nur ein geringer Teil des Publikums den Vorfall bemerkte, so daß eine Panik vermieden und die Vorstellung fortgesetzt werden konnte. Die vorletzte Nummer des Programms war eine große Löwenbändigungsszen«, die Frau Fischer, die Gattin des Direktors der im Zirkus gastierenden Truppe, vorführen sollte. Als sie die Löwen durch den Verbindungsgang in die Arena treiben wollte, wendete sich eine Löwin knapp vor der Ausgangstür um und verfeßie der Frau mit der Pranke einen heftigen Schlag. Di� Dompteuse schrie aus und schleppt» sich mit dem Aufgebot ihrer letzten Kraft auf den Korridor. Die Löwen konnten von Slallburschen in ihre Käfige getrieben werden. Di« Ungeduld der Tiere führt Frau Fischer aus die Tatsache zurück, daß am Vortage ein neuer Stallbursche eingestellt worden war und die Löwen offenbar durch die Anwesenheit eines Fremden gereizt wurden. Waldenburgs Anleiheaffäre. Keine Hoffnung auf Rettung des GelveS. Wie bereits gemeldet, ist durch den Oberpräsidenten der Pro- oinz Niederschlesien das Disziplinarverfahren gegen den Oberbürgermeister von Waldenburg, Dr. Wiesener. anhängig gemacht worden, nachdem die von der Stadtverordnetenversammlung gewählte Untersuchungskommission über chrc Tätigkeit bei dem! Bankier Rathle und amtlichen Stellen in Berlin Bericht erstatter I hat. Danach dürfte der Betrag von l.25 Millionen sür die � Stadt Waldenburg restlos verloren sein, da die Unter-, suchungskommission keine Möglichkeiten sieht, von dein Bankhaus j Nathke größere Teile der hingegebenen Summe wieder zurück- zuerhalten. Die Untersuchungskommission hat sich nun auch an das Ministerium des Innern gewandt und dort angesragt, ob die For- derung von 7lX)l> M., die der Bankier Rathkc als angebsichc Ein wahres Wort. Rundfunk und Tonfilm. Oie neuen Kormen der Musikverbreitung. Stresemann(auf der Angestelitkntagung der D.V V „Heran, heran-— Aus Honoratioren kann man keine Partei machen!" Sicherheit der Stadt Waldenburg zediert hate und die aus seinen Forderungen an den Verband der öffentlichen Feuerversicherungs- anstolten stammt«, realisierbar sein wird. Das Mnisterium hat nunmehr jedoch der Untersuchungs- kommiflion mitgeteilt, daß es zu. seinem Bedauern der schwer- bedrängten Stadt Waldenburg in dieser tlngelegeicheit keine Hilf« leisten könne. Nach dem Gutachten aller Sachverstän- digen sei die Forderung Rathkes vollkommen haltlos, und die Stadt Waldenburg müsse mindestens diesen Anspruch in chöhe von 700 000 M. als verloren betrachten. Inzwischen haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dem Verfahren gegen Rathk«, Reichmann und Genossen begonnen. Es sind eine Anzahl Zeugen bereits vernommen worden. Die Staatsanwaltschaft will jeßt durch Banksachverständige einen Status des Rathkeschen Unternehmens feststellen und serner prüfen lassen. in welcher Weise der Bankoerkehr zwischen Rathke und der Stadl Waldenburg sich abgewickelt hat. bzw. wohin die von Rathke durch den Verkauf der Obligationen erzielten Summen geflossen sind. „Geschworene Keinde des proleiariats" Die neue Moskauer Gewerkfchastslinie. Der Youptstratege der Moskauer Gewerkschoftszentmlc in Deutschland ist seit dem Ruhrtampf ein gewisser Paul Melker, der während dieses Kampfes die Schaffung von a m p f l c i t u n- gen" gegen die drei Metallarbeiterverbände, insbesondere gegen den Deutschen Metallarbeiterverbond betrieben und-die„klassen- be wußten Unorganisierten" dazu herangezogen hat. Vergeblich sucht Weser P. M. in der„Roten Fahne" die Feststellungen in der Mittwochnummer des„Vorwärts" mit der lieber- schrist:.Di« Reformisten spalten", zu entkräften. In Wirklichkeit bestätigt er die Spaltungspläne der KPD gegen die Gewerkschaft«»». „Darum werden die Kommunisten und alle revolutionären Arbeiter auch die Arbeitermasten mobilisieren, damit sie vor den Verbände Häusern usw., den Festungen dieser Verräter an den proletarischen Klassemnteressen, demanstric-ten, deren avbeiter- seindlich« Handlungen beobachten und kontrollieren, um sie vor den Masten rücksichtslos zu enthüllen. Die sozialimverialistifchea Führer der verbände flnd geschworene Feinde de» Proletariats, sind eia TeU der herrschenden Ausbeuterklasse und werden als folcke von den Kommunisten behandelt." Die Gewerkschast�ührer, die zu einer Zeit den Kampf mit dem Unternehmertum und damit zugleich mit Polizei und Justiz ausnahmen, als noch Bekennernult und Opferwilligkeit dazu gehörten, die unter dem Ausnahmegesetz die Trünnner ihrer Gewerk- schaften wirixr zu neuem Bau fügten, die sich mit Gehältern be- gnügen mußten, die die KPD. ihrem letzten Soldschreiber nicht an- zubieten wagte, wenn er ihr nicht davonlaufen soll, diese Gewerk- schaftsführer, die den Grundstock der heutigen Gcwerkschaslsbewe- gung schufen und an ihrem Ausbau auch nicht ganz unbeteiligt gewesen sein sollen, sind— so sagt dieser Merker— „geschworene Feinde de, Proletariat,". Die JRote Fahne" druckt auch dies. Obendrein seien diese Führer der Gewerkschaften eia Teil der herrschenden Ausbeuter. klaste. Wenigstens wurden sie„von den Kommuni st en als solch« behandelt". Mehr kann Moskau von seinen Leuten in Deutschland wirklich nicht verlangen! Di« Herren Kommunisten vom Schlage des P.M. müssen aber »um schon Matten, daß-die geschworenen� Feinde des Prvle- tariats" die Moskauer„Freunde" des Proletariat« aus ihren Reihen entfernen, damit sie ihr« in der KPD. erprobten Kräfte im Schimpfen bei den..klassenbewußten Unorganisierten" zur Geltung bringen können. Die Gewerkschaften werden dafür sorgen, daß dies« Helden die deutschen Gewerkschaften nicht spakten, selbst w:ni, sie Splitter losreißen, um daraus„parallele Massenorganisationen" zu wachen. Fron; S ch r e k e r, der Leiter der Staatlichen Hochschule für Musik, sendet uns sein neues Werk. Doch nicht auf dem kürzesten Wege. Er fährt nach Breslau und dirigiert feine.„Kleine Suite für Kammerorchcster", die er dem dortigen Sender gewidmet hat. Wir, die Berliner, hoben den„Singenden Teufel" bekommen! die Bres- lauer diese Suite, so sind die Gaben gerecht verteilt. Ob dos Orchester der Schlesischen Harmonie gut spielt, gut klingt, es war nicht leicht zu entscheide»; denn Nebengeräusch in verschwenderischer Fülle— lag es an Berlin, Breslau oder dem Wetter— trübte leider den Eindruck und das Urteil über dies« grundsätzlich höchst bedeut- same Sendung. Nämlich, es handelt sich um ein Wert, oder sei es auch nur ein Werkchen, ausdrücklich für den Rundfunk und sein Bedürfnis geschaffen. Eine kleine Suite, sechs Sätze in allen Formen, gemeinverständ- lichen, übrigens nicht schwerwiegenden Inhalls, mit sicherer Könner- schast geschrieben, es versteht sich bei diesem Komponisten von selbst. — Wieso und warum Rundsunkmusik? Zunächst ist es eine tech- nische Frage. Nicht alle Instrumente unseres Orchesters kommen durch das Mikrophon wie sonst zur Geltung. Aus die Instrumente, die sich hier erfahrungsgemäß nicht durchsetzen, wie zum Beispiel die tiefen Bässe, hat Schreler verzichtet. Sie spielen nicht, man hört sie nicht, die Sache scheint sehr einfach. Sie ist es nicht. Alle Musik, die wir haben, ist für die Aufführung in geschlostenen Räumen ge. dacht und instrumentiert, wie sie gedacht ist. Aber Saal- und Rund- funkakustll sind zweierlei. Sache der Musilertechnik ist es, sich den Bedingungen der Rundfunkakustik anzupassen. Inzwischen arbeitet die Rundfunktechnik daran, ihre eigenen Mängel zu überwinden. Dielleicht werden wir in«in paar Iahren technisch präparierte Rund- funkmusik haben, aber eine Rundfunkapparotur mit ideal ausgeglichener Konzertsaalakustik. Dann wird man eben Schrekers Kleine Suite, wenn es lohnt, für den verbesterten KonzertrunMunk um- instrumentieren. Aesthetisch betrachtet, hat der Rundfunk— ander« als der Film— keine neue Kunstmöglichkeit geschossen und kann keine hervorbringen, die nicht ohne ihn zu verwirklichen wäre. Reue Möglichkeiten? Sie liegen wesenllich im Gesellschaftlichen! sie drücken sich in der Tatsache aus, daß der überwundene Raum nun im Effekt als Ort des Musikgeschehens auegeschaltet, daß zugleich mit aller räumlichen Trennung auch alle räumliche Bindung aufgehoben ist: in der Unsichtbarkeit, Unfühlbarkell, Unwahrnehmbarkeit der Ausführenden für die Empfangenden und aller Empfangenden unter- einander, also gerade im Fehlen jeglichen räumlich-körperlichen Kon- taktes: und in der unabsehbar verfließenden Dielhell unoerbundener Teilnehmer: in der äußersten Ungemeinschafllichkeit einer bis an die Grenzen der Richtexistenz anonymen Millionenhörerschaft. Eine Menfchenmasse, an Kopfzahl unendlich sür unsere Vor- stellung, die das Bild diesir Millicn nicht mehr zu realisieren ver- mag, empfängt die Rundfunksendung: doch die trifft jeden einzelnen — eben in seinem Einzeldasein, in seiner Häuslichkeit gemeinhin, in privater Isoliertheit, trifit ihn nicht als Glied der Zufallsgemein- schast, zu der— jene Million eben nicht zusammengeschlossen ist. Alle traditionellen.Begrisse und. Begriffsverbindungen der Musik- gemeinschaft werden hier illusorisch. Ein« Opernvorstellung,«in Konzert, das sind roumgebundene gesellschaftlich« Ereignisse:,«s-st unsinnig, deren Form in der Ungesellschaftlichkeit, Unräumlichkett des Rundfunks ansiedeln zu wollen. Weiter: Zwischen jedem Stück Musik und den Mitteln seiner Verwirklichung, dem Raum, in dem es erklingt, und der Hörerzahl, die er faßt, bestehen in jedem Fall notwendige Beziehungen, die nicht ungestraft ignoriert werden. Zum großen Orchester einer Sinsome gehört das große Publikum eines großen Saales: zur Kammermusik— sollte allemal Iillimllät der Bedingungen gehören, unter denen musiziert wird. Aber Monstrc- chor oder Lautengellimper, Zartheit eines Schumann-Liedes oder Ribelungenkolostalität: eins ist dem Rundfunk so gemäß wie das andere und alles gewissermaßen gleich ungemäß. Tausend Sänger oder vier Streichinstrumente: zu der(realen oder, fiktiven) Million von Einzelhörern treten sie als Quantität in keine Art von Relation, die Klangmasse an sich exlangt nicht den ihr sonst zukommenden repräsentativen Charakter. Rundsunkmusik ist Hausmusik: so wird sie sein müssen. Haus- musik sür alle— richtiger sür jeden. Also wie? Musik für olle und jeden gibt es nicht, heut« weniger denn je. Aber nie gab es früher Gelegenheit, an einer Stelle, von einem Punkte aus Musik für olle und jeden zu machen. Heute haben wir die Gelegenheit, werden wir die Musik bekommen? Hier ist dem Rundfunk eine unerhörte. «ine wahrhost unlösbare Aufgabe erwachsen. Eine Ausgabe trotz- dem: Sache der Musiker ist es, sie zu verstehen. Schlagertonfilm im Tauentzien-palasi. „Ich küsse Ihre Hand. Madame." Ritterlich-verliebl beugt sich der befrackte Kavalier über die verführerische Damenhand, die sich ihm zum Kuß reicht, beim Sekts ouper selbstverständlich, und der Zufall irgendeines verfehlten Rendezvous hat da« Paar zusammengefügt—; Gibt es einen deutschen Spielfilm, gar einen Harry-Liedtkc-Film, in dem das nicht vorkommt?„Ich küsse Ihre Hand, Madame", jeder könnte mit gleichem Recht so genannt sein. Diesen hat die Tobis rund um den Schlager gedreht, nach dem er heißi. Gleichgülttg im übrigen, um was es sich dreht. Marlene Dietrich liebt den Liedtke als Grase» Lerski: dann oerachtet sie ihn, weil er nur ein Kellner ist: dann verachtet er sie, als sie ihn, der doch ein veritabler Gros ist, um Verzeihung bittet. Aber Harry Liedtke, nicht ganz so aristokratisch aussehend wie sein Kellnerkollegc Twardowski, findet immerhin Gelegenheit, für den Kellnerstand eine freundliche Geste einzulegek«: das ist hübsch von ihm, daß er dem Sozialgefühl der Zeit solcher Art Rechnung trägt. Er kann es sich leisten, Graf bleibt Gros. Kavalier bleibt Kavalier, neulich in der Philharmonie haben wir's erlebt, der Film weiß, was er seinem Publikum schuldig ist. Ein Film, banal, konventionell, hundermal gesehen. Doch da? Besondere: plötzlich, mittendrin, bricht das Orchester ab: mir sehen und hören Harry Liedtke Klavier spielen, wir sehen und hören ihn singen„Ich küsse Ihre Hand, Rtadame". Wir sehen— hören wir ihn auch, in der Tot? Um die Wahrheit zu sagen, es klingt abscheu- sich, diese gefilmte Menschenstimme, hölzern, leblos, unwahrscheinlich, und daran ist nicht der Sänger schuld. Redender, singender Tonbild- film? Dielleicht in Zukunft einmal. Einstweilen ist Tonfilm ein« heraufkommende Art der Müsitvervielfältigung und-Verbreitung. Die Komponisten werden gut daran tun, sich beizeiten ihrer Recht« zu versichern. Klau, Pringsbeim. ,/Goeben erschienen" von Ed. Bourdei. pariser Literaten in den„Kammerspielen". Nur in Paris ist es möglich, daß die Derwaller von hohen Literaturpreisen, also die Crem« der Akademiker und Kritiker, ganz korrupt und jeder Schiebung zugänglich sind. Nur in Paris ist es möglich, daß Literaturverleger mit Dichtern wie mit asten Hosen handeln. Nur in Paris ist es möglich, daß der Verleger der Dichter- gattin empfiehlt, sie möge sich zur glücklichen Ehe die Dreiecks- Ergänzung besorgen. So soll auch der Gatte, der gar nichts mehr aus dem Federhaller saugen kann, endlich zu neuer Inspiration gelangen. Nur in Paris ist es möglich, daß die Dichtersgattin stand- hast bleibt, jeden Ehebrechreiz überwindet unb allein zu ihrem legitimen Herrn hält. Da es sich also nur um eine pariserischA Burleske handest, kann man in den Berliner.„Kammerspielen" ganz beruhigt sein. Man darf sich amüsieren und gleichzeitig entrüsten und stolz rühmen, daß man nur französische Berrottung vor sich hat. Man hat das Stück in Paris ein Jahr long gespielt. Es war ein großer Erfolg, und man amüsierte sich nur. Man dachte, daß an der Satire schon manches wahr wäre, doch man nahm das Ganze nicht sehr ernst. In den Berliner.Lammerspielen" sah man einen Schwank, der mit allzu ernsten und großartigen Mitteln aufgedonnert wird. Aus einem liebenswürdigen Geschäftemacher mit Büchern wurde durch die pompöse Darstellung Hermann Valentins ein Großschiebcr, der jedes Format sprengte. Das war zuviel des Guten. In Paris sieht man als Arbestszimmer des Dichterlings, um dessentwillen die Komödie aufgeführt wird, einen hübschen und spießigen Raum. Aus der deutschen Bühne sieht man statt dessen eine Art Ministerbureau. und die Bibliothek, die an den Wänden steht, enthüll mächtige Riesenwälzer, und der Dichterling macht Großausnahme vor seinem Publikum. Das ist alles zu reich, das paßt olles nicht in die etwas stickige Atmosphäre, die gespürt werden soll. Die französische Ko- mödie hat einen famosen ersten Akt, in dem der ganze Verleger- und Literatenschwindel leicht aufgestochert wird. In Berlin aineri- kanisiert man dieses bißchen Pariser Hochstapelei. Herr Roma- nowsky spielt übrigens den asthmatischen Dichter sehr ergötzlich, sehr blond, zunächst sehr ungeschickt und dann sehr gerissen. Da dieser stille Komiker immer sehr verschlossen herumgeht, wirken seine Ex- plosionen desto lustiger. Frau N e h e r und Herr R i e m a n n sind, meist zu neckisch, immer etwas auf scharfen Aphorismus erpicht. Sie möchten plaudern, doch sie grübeln nur. Irgendwie hatte der Regisseur die Akzente zu stark auf jede Szene und auf jedes Wort gedrückt. Die meisten Partien der Komödie langweillen, während sie in Paris, wo wir dos Stück sahen, angenehm unterhielten. Max H o ch d o r f. Der Bilderaustausch zwischen Berlin und Leniagrad. von dessen Planung hier berichtet wurde, scheint vorläufig daran zu scheitern, daß die Gegengabe von Gärtners„Panarama von Berlin" von den Rüsten nicht für gleichwertig erklärt wird. Sie oerlangen einen Kaufpreis von 60 000 Mark für das Panorama. Aosfiellmigschronlk. Eine AiiSbellvng neuer Gemälde von Max -tiebermunn wird Sonntag, mittag« IS llfir, bei Bruno CSaiflrer, «erita B 35, Deryiülgeritr. 15.«rösinel. Di« tluSftellung z-eigt«inen be- deutenden Slutiibmlt aus der Produktion der letzten beiden Jahr«: Garten- dilder, Porträts, Pastelle, Zeichrm» gen und ein« Serie neuerPorttälradicrungen. „Lockruf des Goldes." Alhambra. Jack London ist so stark, so urwüchsig und so prall von Leben, daß er auch in der üblichen Verfilmung noch feine Forcen behäii. Für den, der den Roman aus der ersten Zeit Kiondykes nicht kennt. ist der Film ein packendes Bild ou� einer rauhen Zeit, in der die Faust regiert, aber auch echte Kameradschaft und eine naive Lebens- sreude gedeihen. Jack Londons Goldgräbergefchicht« ist freilich noch etwas ganz anderes. Aber auch so bleibt in der Regie W. Gunnings der Kontrast einer großen Natur und primstiver Menschen mit der Verderbtheit des topitalistischen San Franziska, die Luft an wilden Szenen, in denen Äörperkrast und Treuherzigkeit obsiegen, Raufen und Spielleidenschaft. MUton Silks ist der frische Raturbursch, der treu« Freund und die Spielernawr, der mit den in Clondyke oerdienten Millionen ein Börsenspiel zu San Franziska eröffnet. Wie er dabei in die Netze einer Kokette und ihrer Freunde gerät, aber das ihm abgenommen« Geld mit dem Revolver wieder holt, ist in großgemachten Szenen virtuos dar- gestellt. Um den Helden, der alle Eigenschaften dieses Typus her- vorragend verkörpert, find eine Wenge interessanter Kerl« gruppiert. Mit ihren wilden Angewohnheiten wird frellich ein etwas billiger Ulk im Salon getrieben. Die Abkehr vom Golde, dessen Lockruf auch der Held erliegt, wird nur angedeutet: wenn er zu seiner Klondykelieb« zurückkehrt. Doris Kenyou ist eine nach anieri klinischem Rezept sehr versüßte blonde Schönheit. Die kokett« Frau- ziskanerin wird von Jane Wink an sehr�eß montiert. Prachtvoll sind die kapitalistischen Gauner verkörpert: der vornehme Bieder- mann wie der Gerissene, der in seiner Verschlagenheit, Gemeinheil und Geldgier geradezu als ein Symbol Manmnms wirkt. v. Etlinor Bahrdi. Schwechten-Saal. Elliiwr Bahrdt. Klamt-Schülerin, Deutschrussin, debütterte im Schwechtensaal. Farbenreiche Kompositionen, sicher gebaut und klug gegliedert. Eine kristallklare, spiegelreine Kunst, deren Fläche von Schaumwellen nicht bewegt wird, und die der geheimnisvollen Tiefen entbehrt. Zur letzten, höchsten Vollendung sehst noch die von innen leuchtende Wärme des Temperaments und jene» im Intellekt nicht faßbare, rätselhafte Element, das im tiefsten Grunde jedes ganz großen Kunstwerkes lebt. Hier regiert der Verstand einen wundervoll durchgearbeiteten Körper, der sich keinem gewollten Ausdruck versagt und jedes rhychmische Detail rein herausbringt. Gleichsam im Kampf und Ringen den Raum gliedert(„ffiiflO. Hilfloses, zielloses Suchen, Tasten, ekstatisches Aufstreben zum Licht, qualvoller Zusammenbruch(„Wahn"). Leises, sanfte» Streichen der Hände mst schwingendem Kreisen des Oberkörper», ausklingend in große, umfangende Schwünge(„Dämmern"). Leichtes, beschwingtes Laufen, wuchttge Drehsprünge, virtuose Hanichabung des Schleiers („Hell"). Alles in allem ein Kunstoerstand von so hoher Qualität ein Kunstwollen von solcher Reinheit und ernster Rckilichkeit, ein technisches Können von so sicherer Beherrschung oller Kunstmiltel, daß Elliiior Bohrdt in ihrer Glanzleistung, der Vgl«« triste, cir- der schönsten und vollkommensten Schöpfungen des moderne.: Tanzes zustande bringt. J. S. Theater, Lichtspiele usw. Freitag, d. 18. 1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 16 20 Uhr Madame Butterfly Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 20 19% Uhr Don Giovanni Freitag, d. 18. 1. Städtische Oper Bismarckstr. Turnus I 19 Uhr Tannhäuser Staatl. Schauspielh. em Gendarmenmarkt A.-V. 16 20 Uhr Oedipus Staatl. Schiller- Theater, Charithg. Ist er gut 20 Uhr - ist er böse? SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Nur wenige Tage 8 METROPOL- THEATER GR. 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Januar 1929 Hermann Wendel: Der Abend Spalausgabe des Vorward Blutbad von Dinant. War es Franktireurkrieg oder nur Franktireurpsychose? Aus allen Häusern wurde geschossen, gleichwohl aber in vielen niemand betroffen. Das deutsche Weißbuch. Wenn von allen Ländern, die gegen Deutschland im Kriege standen, in Belgien die seelischen Widerstände gegen eine wahre Berföhnungspolitik, gegen den Geist von Locarno", noch heute am stärksten sind, tragen nicht zuletzt die unseligen Ereignisse vom August 1914 die Schuld. Daß dem Einbruch der deutschen Heere in das neutrale Land nicht weniger als 2812 Zivilpersonen zum Opfer fielen, ist eine Wunde, die sich ohne unser Zutun noch in Jahr und Tag nicht schließen wird. Neuerlich fing fie mieder zu bluten an, als befannt wurde, daß sich die Mehrheit des Paria mentarischen Untersuchungsausschusses im Reichstag ohne Einschränkung die Auffassung der deutschen Militärs in der Kriegszeit zu eigen gemacht und die Massenabschießungen belgischer Zivilisten als berechtigte Notwehr gegen völkerrechtswidrige Freifchärlerüberfälle gebilligt habe. Namentlich das höchst anfechtbare Gutachten, das der Würzburger Universitätsprofessor Dr. Meurer über den Volksfrieg in Belgien vor dem Ausschuß erstattete, hat Ingrimm erregt und bereits zwei Erwiderungen von belgischer Seite hervorgerufen, erst„ Die Legende von Franttireurs von Löwen" aus der Feder des Löwener Hochschullehrers Fernand Mayence und jeßt, verfaßt von dem Ordensgeistlichen Dom Norbert Nieuwland und dem Staatsanwalt Maurice Tschoffen „ Das Märchen von den Franttireurs von Dinant ( Berlag J. Duculot, Gembloux). Wie die Schrift über Löwen, zeigt die über Dinant, daß sich der offizielle deutsche Standpunkt und die belgische Darstellung nach mie por zueinander verhalten wie schwarz und weiß. Einzig über das graufige Ergebnis des 23. August 1914 in diesem Maas- Städtchen herrscht kein Widerstreit; es heißt: 674 Zivilversonen beiden Geschlechts und jeden Alters durch deutsche Kugeln oder in den brennenden Häusern umgekommen! Nur erklären die Deutschen diese gefäumt und mar, im Gegenfaß zur geräumten Stadt, Bon französischen Truppen befeßt, als fich am 23. Auguft das 12. deutsche Armeekorps, das Dresdener, zum Maßübergang anfdidte. Einzelne Reiter und Patrouillen waren schon seit dem 6. August wieder holt durch die Stadt geritten, ohne daß das Geringste vorgefallen mar. Als aber am Abend des 21. August nach Eintritt der Dunkelheit das 2. Bataillon des Infanterie-( Schüßen-) Regiments 108 und die 1. Feldkompagnie des Pionierbataillons 12 eine gemaltsame Erkundung gegen Dinant vornahmen, tam es bei der durch die Jakobstraße eindringenden Truppe zur typischen Franftiteurpanif. Angeblich ertönte plöglich ein Signalschuß und entfesselte ein lebhaftes Feuer aus sämtlichen Häusern. Nach allem, was mir heute von der Entstehung solcher Schredensszenen miffen, war es aber vermutlich fo: einem der Soldaten, die, des Angriffs gewärtig, mit dem Finger am Abzug des entsicherten Gewehrs, lints und rechts an den Häuserwänden entlang zogen, ging zufällig ein Schuß los, und fofort feuerten in dem Wahn, überfallen zu sein, Duzende von Leuten aufs Geradewohl in die Luft. Das weitere ergab sich von felbft. Aber als die Meldung von dieser Begebenheit zurüdtam, zweifelte man nicht nur bei den Stäben, sondern auch in der Truppe feinen Augenblick daran, daß stede. Dinant voller Frankfireurs Die durch solchen Glauben und solche Gerüchte erzeugte er penüberreizung steigerte sich erheblich und ließ allen möglichen Sinnestäuschungen über Häuser, Dach- und Kellerutenschützen Raum, als der 23. August sehr bald ermies, daß wider Ermarten der Maasübergang nur unter schweren Kämpfen mit den am linfen Geschosse von Ufer sigenden Franzosen zu bemerkstelligen war. drüben durch die Straßen schwirrend und gegen die Mauern flatschend Gottverdimian, die famen doch von Frankiireurs auf diefem Ufer! Schon beim Vormarsch des Infanterieregiments 103 auf dem rechten Flügel werden, weil ein einzelner Schuß aus einem Gehöft gefallen fein soll, 13 Personen niedergemacht. Als, ebenfalls auf dem rechten Flügel, das Infanterieregiment 178 gegen 8 Uhr morgens die Vorstadt Lette erreicht und von den Franden mußte, während die Belgier behaupten, daß schonungsloser ofen auf dem anderen Ufer Feuer erhält, werden die an der Maas gelegenen, verschlossenen Häuser gewaltsam geöffnet, damit von hier aus der Feind bestrichen werden kann. Zurufe, Geschrei, Schüsse, donnernde Gewehrkolben, dröhnende Arthiebe schon dieser auch von ihnen bedauerte Tatsache damit, daß ein völkerrechtswidriger Widerstand, an dem sich in fanatischer und heimtüdischer Weise die gesamte 3ipilbevölkerung beteiligt habe, rüdfichtslos gebrochen wer -Terror sich gegen eine völlig unschuldige Einwohnerschaft ausg habe. Das deutsche Weißbuch von 1915, deffen Angaben auch Professor Meurer fritiflos übernahm, enthält zwar zu Duzenden Aussagen deutscher Offiziere und Soldaten, die eine Teilnahme der Zivilbevölkerung am Stampf festgestellt haben mollen, aber wenn Eindrücke, die im feindlichen Feuer, im vermeintlichen Straßenkampf, also von Menschen in fast frankhafter Erregung empfangen werden, an sich sehr trügerisch zu sein pflegen, so ermangeln diese Bekundungen im besonderen der Beweiskraft, weil sie durchweg ein halbes Jahr nach den Ereignissen zu Bapier gebracht wurden, als Erzähltes und Erlebtes in reicher Fülle längst das ursprüngliche Erinnerungsbild getrübt hatte. Kein Schöffen gericht der Belt mürde auf Grund solcher Aussagen, die ohne fontradiktatorisches Berfahren, ohne die Möglichkeit, die Zuverlässigkeit der Zeugen oder die Richtigkeit des Tatbestandes nachzuprüfen, zustande tamen, auch nur drei Tage Haft auswerfen, während das Weißbuch fie zur Basis der weltgeschichtlichen Berurtei lung eines ganzen Boltes benußt. Die Darstellung von dem Franktireurwiderstand in Dinant, die sich auf diesen Zeugnissen aufbaut, wird vollends durch Nieuwlands und Tschoffens Schrift schwer erschüttert, die es als sehr wahrscheinlich erscheinen läßt, daß es in der Tat- troß des Leichenhaufens von Ziviliften! gegeben hat. feinen Frankfireurkrieg in Dinant 2ber Nieumland und Tschoffen haben unrecht, zu sagen: Um die Schuldigen zu entlasten, erfand Deutschland das Märchen von den Franktireurs." Die Franktireurs von Dinant murden nicht nach dem Blutbad erfunden, sondern sie lebten und waren die Ursache des Blutbads; sie lebten, zwar nicht in der Wirklichkeit, aber in den Köpfen der deutschen Soldaten, die durchaus den guten Glau ben für sich hatten. Nicht Frankfireurfrieg, aber Frankfireurpsychoje suggestive Lärm medt den Eindrud, man sei mitten im Straßenfampf gegen Frankfireurs, und da Geschosse pfeifen- von drüben! ist tein Zweifel: man wird aus den Häusern beschossen! An Ort und Stelle büßen es Hausinfassen mit dem Tode, andere werden in den Hof der alten Papierfabrik getrieben, dort erschießt man ihrer 68 ohne weiteres Verfahren! Auch ins nahegelegene Brämonstratenserkloster sind von den Sachsen aus den Häusern gejagte Zivilisten gebracht worden, andere haben sich an diese Stätte geflüchtet zu ihrem Unheil, denn um 10 Uhr erscheint ein Offizier mit einem Kommandando, läßt 43 Männer herausholen, eine Salve, 43 Leichen! 3u gleicher Zeit werden im Stadtteil St. Jakob, in den durch die Jakobstraße die Regimenter 108 und 182 eindringen, 27 Männer an der Mauer des Laurentschen Gartens in der Gerbereistraße warum? füfiliert; in drei anderen Straßen finden 15 Männer und eine Frau den Tod. Im Stadtteil St. Ritolas beginnt, von den Hängen herabsteigend, das Grenadierregiment 100 mit der„ Säuberung der Häuser. Einige Einwohner FUNK UNDAM ABEND Freitag, 18. Januar. Berlin. Sehr langsam 417 Rondo 16.00 Cart Kramarski: Der Film in Wahrheit und Dichtung. 16.30 Sonate für Violoncell und Klavier: Lebhaft ( Karl Dechert, Cello und der Komponist, Flügel). Anschließend Unterhaltungsmusik der Kapelle Emit Roósz. 18.10 Dr. Hans Bollmann: Die Sportschau des Monats. 18.35 Sprechstunde beim Kinderarzt. Dr. Leo Blumenthal und Frau I. Oberländer. springen sofort über die Klinge, ihrer mehr werden ins Gefängnis, die meisten in das Bouillesche Anwesen geschafft. Von diesen Ge fangenen, die auch nach deutscher Darstellung feiner Schuld überführt sind, denn die angeblich mit Waffen Ergriffenen hat man bereits bei Durchsuchung der Häuser erledigt", läßt schon im Laufe des Tages ein Offizier 14 Mann an eine Mauer stellen und erschießen. Gegen 6 Uhr abends wird abermals ein Schub der hier Festgesetzten auf Befehl des Oberleutnants Graf Rielmanns egg zusammengepfeffert; unter den 107 Toten dieses Gemehels befinden sich zwei Knaben unter 15 Jahren und sieben alte Männer von mehr als 60 Jahren. Später rechtfertigt" Graf Riel. mannsegg fich, bei der kritischen militärischen Lage habe er den zur Bemachung dieser Gefangenen nötigen Zug nicht entbehren fönnen und deshalb die Leute niedermachen lassen! In der südlichen Borstadt Aug Rivages langen die Sachfen, Pioniere und das 1. Bataillon des Grenadierregiments 101, ziemlich spät an. Dafür treiben sie Männer, Frauen und Kinder als Geiseln zusammen, ehe sie eine Pontonbrüde über die Maas zu schlagen beginnen. Da sie von der anderen Seite des Flusses Feuer erhalten, dieselbe Psychose und Panit wie bei den anderen Truppenteilen: Wir werden von Franttireurs aus den Häusern beschossen! Major Schlid, Kommandeur von I/ 101, gibt einen Befehl: rasendes Getnatter, und in Blutlachen liegen zerfest und durchlöchert 77 der Geiseln, darunter 12 mehr als sechzigjährige Männer, 34 Frauen, dabei eine Greifin von 88 Jahren und 16 Kinder unter 14 Jahren bis herab zum dreiwöchigen Säugling! Auch auf dem linten Maasufer trägt sich, als die Deutschen festen Fuß gefaßt haben, Graufiges zu. In der Bölbung einer nicht einmal einen Meter hohen Bahnunterführung sind 55 Geflüchtete zusammengepreßt. Heraus mit ihnen! Es geht nicht so fdmell, und auf Weisung des Hauptmanns v. 3eschau, Kompagniechef von 11/101, wird in den Durchlaß gefeuert. Ergebnis: 22 Tote, darunter 9 Frauen und Mädchen und 5 Kinder unter 10 Jahren, dar jüngste gerade 16 Monate alt! Und das Gesamtresultat diefes unvergeßlichen 23. August: von der Zivilbevöl. ferung Dinants niedergemetzelt 25 Greise von über 70 Jahren, 529 Männer sonst, 12 Greifinnen von über 70 Jahren, 64 Frauen sonst und 38 Kinder unter 15 Jahren!!! Daß diese schauerliche Hekatombe von Opfern nicht fiel, weil wirklich ein bewaffneter Widerstand der Zivilbevölkerung zu schar fen Gegenmaßregeln herausforderte, dafür sind von vielen Beweisen zwei besonders zwingend. Wenn es sich um einen organisierten Widerstand, einen planmäßig vorbereiteten Angriff handelte, wie das deutsche Weißbuch behauptet, war es Pflicht der deutschen Behörden, gegen alle überlebenden Amtspersonen, Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeinderäte, Polizeibeamte, mit äußerster Strenge vorzugehen, denn fie mußten nicht nur zu den Mitwissern, sondern auch zu den Führern gehören. Was aber geschah? Gar nichts! Alle blieben während der Besetzung ruhig weiter in Amt und Würden; nicht einmal eine Untersuchung wurde eingeleitet, was Nieuwland und Tschoffen deuten: „ Es hat kein Komplott bestanden; das weiß man in Berlin genau so wie in Dinant." 3um zweiten mußten bei einem so langwierigen und erbitterten Straßentampf, wie ihn die deutsche Darstellung annimmt, Huna derte von Angehörigen des 12. Armeekorps durch Geschosse aus ana deren als Militärgewehren verlegt worden sein. Da bei der Eina lieferung in ein Lazarett stets die Art der Bermundung in das sogenannte Hauptfrantenbuch eingetragen wird, waren, als im Frühjahr 1915 das deutsche Weißbuch zusammengestellt wurde, alle diese Fälle leicht feststellbar. Der starke Eindruck auf die Deffentlichkeit der neutralen Länder fonnte nicht ausbleiben, wenn man eine Liste bekannt gab, Hunderte von Namen mit genauer Angabe des Truppenteils, alle am 23. August, alle in Dinant und alle durch Schrot schuß oder Rehposten verwundet. Statt dessen nichts als ein paar noch dazu sehr vage Angaben über Berlegungen durch Schrotschüsse in noch nicht einem Dugend von Fällen! Wird endlich, wie es auch Professor Meurer tut, bestritten, daß eine disziplinierte Armee wie die 19.00 Landrat a. D. Siegfried von Kardorii, Vizepräsident des Reichstages: deutsche ohne objektive Ursache solche Blutszenen heraufbeschwören Zum 18. Januar. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Politik. Prof. Dr. Ernst Jackh: Amerikanische Weltpolitik von Washington bis Hoover( V.). 20.00 Walter Engel: Industriewanderungen durch Mitteldeutschland. 20.30 Dr. Kurt Singer: Einführung zu dem nachfolgenden Sinfonie- Konzert. heißt hier wie in Löwen, Andennes, Aerschott, Tamines und ander wärts des traurigen Rätsels traurige Lösung. Wie in den Mobilmachungstagen das blöde Märchen von den Autos, die französische Goldmillionen durch Deutschland nach Rußland zu bringen hatten, überall geglaubt wurde und zur Abschießung nicht weniger harmLofer Automobilisten auf deutschen Landstraßen führte, so nistete sich vom Tag des deutschen Einbruchs in Belgien an der Glaube an die Franftireurs in den Gemütern ein. Daß die deutschen Truppen nach Ueberschreiten der Grenze durch einen Kleinfrieg belästigt murden, der, obwohl von belgischen Regulären geführt, den landläufigen Anschließend Sinfonie- Konzert. Dir.: Oskar Fried. 1. Mozart: Sinfonie D- Dur Borstellungen vom Franftireurtrieg entsprach, mochte an der Wiege des unhei vollen Bahnes stehen; die Wiedergabe haltlofer Gerüchte durch eine friegsbegeisterte Breffe, noch dazu in hegerischer Aufmachung, tat das ihre, und seitdem der Bericht des Generalquartiermeisters vom 10. August über die Eroberung Lüttichs von der .heimtüdischen Teilnahme der ganzen Bevölke rung, felbft der Frauen, am Rampfe" spradh, mar alles, vom General bis zum Trainfahrer, fönne, fo genügt ein Hinweis auf die Erfahrungen der Nachkriegszeit: am 11. März 1919 ließ der Oberleutnant Marloh 32 Angehörige der Volksmarinedivision in Berlin ohne jeden Grund erschießen, und am 6. Mai 1919 nach der Einnahme Münchens schlachtete eine Truppenabteilung unter dem Hauptmann v. Alt- Stut2. Stra- terheim 21 Mitglieder des fatholischen Gesellenvereins St. Josef ohne den geringsten Anlaß in bestialischer Weise ab, beides unter dem Einfluß der Bürgerkriegspsychose, beides Gegenstücke zu dei Greueln von Dinant auf deutschem Boden! K.-V. 504): Adagio: Allegro Andante Finale( Presto). winsky: Klavierkonzert: Lento: Allegro Largo Allegro( Claudio Arrau, Flügel). 3. Kodály: Hary- Janos- Suite: a) Vorspiel, das Märchen beginnt; b) Wiener Spfelwerk; c) Lied; d) Schlacht und Niederlage Nopoleons; e) Intermezzo; f) Einzug des kaiserlichen Hofes( Berliner Funk- Orchester). Königswusterhausen. 16.00 Stud.- Rat Friebel, Lektor Mann: Englisch( kulturkundlich- literarische Stunde). 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Leipzig. 17.30 Paul Markwald- Caro: Quer durch die Reichsbank, eine wirtschaftlichtechnische Plauderei. Die Erkenntnis, was sich eigentlich hinter dem 23. August 1914 in Dinant barg, ist gemiß beschämend, aber nichts falscher, als den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten, bis Gras über die Geschichte gewachsen sei. Noch 1914 wurde von belgischer, später von deutscher Seite eine unparteiische Untersuchung der Vorgänge angeregt. Wenn nach bald einem halben Menschenalter heute eine 18.00 Dr. Johannes Günther: Einführung in das Verständnis des Dramas( Ar- folche Untersuchung ihre Schwierigkeiten hat, so ist noch eins mögbeitsgemeinschaft). von der Tatsache der Frankfireurs felfenfest überzeugt. Diese Geistesverfassung der deutschen Truppen erklärt im Fall Dinant die Geschehnisse, wie sie sich nach der Darstellung beider Parteien leidlich refonstruieren lassen. Dinant ist ein Städtchen, das sich vier Kilometer lang, aber höchstens 300 Meter breit auf dem rechten Maasufer hinstreckt, auf der einen Seite den Fluß, auf der onderen steile Hänge. Das linke. Ufer, auf dem die Bahn von Namur nach Givet verläuft, ist ebenfalls von ansehnlichen Höhen 225-23.15 Bildfunkversuche. 18:30 Stud:-Rat Priebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Ing. H. Behr: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Werkzeuge. 19.20 Wissenschaftl. Vortrag für Aerzte( Thema und Name des Dozenten werden in den ärztlichen Pachzeitschriften bekamutgegeben). 20.00 Walter Engel: Industriewanderungen durch Mitteldeutschland. Ab 20.30 Uebertragungen von Berlin. lich: die Einsegung eines Ausschusses von Belgiern und Deutschen, die, beide guten Willens, auf Grund des vorhandenen Materials zu einer beide Teile befriedigenden Ausgleichsformel tämen. Für die Aussöhnung der beiden Nachbarvölfer wäre da mit schon viel getan. Den sozialistischen Parteileitungen in Berlin und Brüffel mintt hier ein Ziel, des Schweißes der Edlen wert. '&/rusV' Von Robert G rotzsch. fierts rnm�R (Schluß.) Der Gendarm lst einen Berggrat empargesaust, nach irgendeiner Blockhütte, holt Verstärkung. Die Hufe der Pferde klappern wieder. Der Wind ist zum Sturm geworden. Wolken senken sich, dünner Regen stiebt. Kälte dringt ins Gebein. Warme Kleider aus dem Rucksack. Der Umschwung ist zu jäh. Neue Gefilde nehmen uns auf. Die ärmsten, steinigsten, ab- gestorbensten, die ich je sah: gewaltige, pfadlos« Bergkeffel. besät mit Steinen und Felsblöcken. Eine in weißgrauer Melancholie und .'Hoffnungslosigkeit erstarrte Landschaft. Zwischen Karst und Steinen wimmeln winzige dunkle Punkte: weidende Schafe. Hier? Wo sind die Hirten, wo ihre Hütten? Ringsum nichts als Steine. Nikola sucht mit scharfen Augen die Gegend ab. Der Gendarm kommt mit«inigen Kameraden wieder. Ich steige oom Pferde. Es läuft nicht, es stolpert, knickt. Ein abgetriebenes Tier. Reiten ausgefchlossen. Nikola. du Filou, das also ist das gepriesene Reitpferd! Er schickt den überflüssigen Gaul mit dkm Ziviler wieder nach Hause. * Kranica heißt die Grenzstation. Dort wird die Wildnis wieder menschlicher. Mehr Grün zwischen den Steinen, einige Hütten an den Hängen. Der„Weg" läuft auf ein jämmerliches steinernes Blockhaus, aus dessen Dunkel ein reichliches Dutzend Gendarmen erstaunt, verwundert hervorquellen... Hier ein Europäer? Hier will er über die Grenze, wo es bei Skutari drüben eine Autostraße gibt? Der Zugführer prüft meine Papiere. Hinter der Gendarmerie- station grünt Waldgelände. Der jähe Umschlag des Bildes hebt mich aus der Achse. Nikola aber lehnt malerisch an der Steinwand und versucht einen 'Nepp. Spielt am Revolver und fordert hartnäckig 25 Kronen für den Führer des einen Pferdes. Ich werde munter und ersetze das fohlende Albanisch durch ursprüngliche Wallungen überall gültiger Heber die grenze! Rechtsgefühlc, die auch auf die gaffenden Gendarmen Eindruck machen. Schlleßlich entscheidet der Zugführer, daß«ine gute Pele- rine— die der Fuchs Nikola daheim ließ— mehr wert sei, als die Tagesmiete für ein Packpferd und«in lahmes, unbrauchbares Reit pferd inklusive Führer... O Nikola, du echter Sohn der Niede- rungen um Durazzo, wo die Sitten deiner Väter mit internationaler Hafenkorruption zusammenstießen und unterlagen! Meine Bagage wird oom Pferde geholt, vier Kakhimänner schul» tern sie. Abschied vom Blockhaus, kurzer Abstieg durch«in Wald- stück, der Pfad läuft auf einen einsamen, obeliskenhaften Grenzstein, ein Gendarm trillert durch die Pfeife. Der Pfiff gilt dem Hause, einem richtigen Haufe mit Glasfenstern, einem europäischen Hause, fünfzig Meter jenseits der Grenz«! Aus seinem Hoftor tauchen fünf jugoslawische Gendarmen auf, schreiten stramm, in guter Marschordnung zum Grenzstein. Ich werde über- geben. Der jugoslawische Unterossizier beäugt meinen Paß. meinen Firma» vom jugoslawischen Konsulat, dreht, wendet, will mich nicht über die Grenze lassen. Hier, in dieser wilden Gegend über die Grenze? Hier im militärischen Aufmarschgebiet? Bin ich ein Spion? Er mustert mich umständlich. Ich' bleib« stumm wie ein Pflock,„nix serbisch", die Augen sehnsüchtig in die grünen, grünen Täler von Gusinje gebohrt. Da gibt er nach. Die albanischen Gen- darmen legen meine Bagage ab. Ich stifte ihnen einige Kronen, sie zählen reserviert, abwartend. Ich lege einige drauf. Freundliches Lächeln, Händedrücke:„Vala miners, Sodny, danke Herr!" Die Not hat sie zählen gelehrt... * Meine albanische Fahrt war zu Ende, denn im serbischen Grenz- haus herrschte bereits Europa: Ordnung, Sauberkeit, getünchte Wände. Mannschaftsbetten, richtig« Betten, Bänke, ein Tisch. Kaffee wird mir serviert, Zigaretten, Wasser mit Zucker. Jedes Geldgeschenk lehnten die Gendarmen strikt« ab— der einzige nichteuropäisch« Zug. Dann noch Gusinje. Ein Weg, ein schmaler, erdiger, aber für mich nach der albanischen Fahrt unerhörter Weg. Ein Märchen. Bald sehe ich einen Wagen fahren. Ich starre, als hätte ich das rollende Wunder nie ganz kapiert, denn ich komme au» einem Lande ohne Wagen! Und dann der erste blaue Fluß der Ebene, abends ein Bett, Wein, Bier, Fleischgericht, alles montenegrinisch primitiv— aber welch citw Orgie, welch ein Schlarafsia nach dem Marsch durch die verbrannte, hungernde, fiebernde Malzija! Zwei Tage später las ich in Cetinj« deutsche Zeitung— die erste nach Wochen. Wie fremd die Schrift, wie schwach das alles! Ich bleibe an einem Feuilleton hängen, lese wieder und wieder, erinnere mich, daß dies hier als gute Sprache, schöne Darstellung gilt, ober die Zunge bleibt ohne Geschmack. Herr Gott, bin ich so starken Tabak gewöhnt: wie bloß, blutleer, dünn- linig dieses schöne Feuilleton! Habe», mich die Bergriesen so stumpf ge- inacht? In meiner Phantasie losten die starken Farben einer holborienta- lischen Wildnis, die strengen Linien und Felsen der nordaibonischen Alpen, drohende Gewehrläuse, über Lamm- Wolljacken hinwogragend und die Si- • tuation unmißverständlich erklärend— was soll mir neben diesem verhör- ieten, gepeinigten Stück Leben die sti- listische Filigrankunst toter Zeilen? Und so weiß ich, daß auch dieser Be- richt für manchen nur«in blasses Spiegelbild jener grell-stumpfen, ver- fchloffenen. oorzeithaften Wirklichkeit ist, die zwischen felsigen Grenzwällen südosteuropäischer Halbbarhorei ver- steinert und oerzaubert liegt. „&n rheinisches UMädchen.. Die Mode ist nicht nur auf dem Gebiete der Frauenkleidang unumschränkte Herrscherin. Sie drückt vielmehr allen Erscheinungen unseres Lebens ihren Stempel auf und bestimmt ihr Aussehen und ihre Gestalt. Sie entscheidet über die Bauweise unserer Häuser, über die Anordnung unserer Parks und Gärten: sie bestimmt die Art der Möbel wie das Muster der Tapeten. Nicht zuletzt aber maclst sich die Mode auch bei den kleinen Schöpfungen des volkstünlichen Liedes und des Schlagers geltend, die nicht nur alljährlich, sondern sogar wöchentlich und täglich das Boll Immer neu überfluten. Aus irgendeiner tollen Laune heraus ergreift die Mode irgendeine Me- lodie, rnag sie noch so unbedeutend sein, und läßt sie überall er- klingen, in jedem Cafe, in jedem Kino, be! jeder Unterhaltung. Beneidenswert scheint der Komponist, dessen Erzeugnis die Mode derartig bevorzugte. Man träumt davon, daß einem selbst einmal solch ein helleres kleine» Liedchen gelingen könnte, um daß fich dann die Verleger streiten, und das einen Millionensegen ergießen müßte, einen geradezu märchenhaften Gewinn, vor dem man dann geblendet stände und sich erst einmal überlegen müßt«, was damit anzufangen fei... Zu den Melodien dieser Art gehört auch ein kleines Lied, das man in jedem Repertoire der Unterhaltungskapellen, der Kinas und Cafes und nicht zuletzt als Liebllngszugabe jedes Hof» und Straßen- fänger« antreffen kann. In allen Gegenden Deutschlands tönt da» Lied vom„rheinischen Mädchen beim rheinischen Wein", da« dcch „der Himmel auf Erden sein" müßte. Di« rheinischen Mädchen kühlen sich darüber gewiß sehr geschmeichelt, obwohl gerade sie nickst zum ersten Male verherrlicht wurden. Aber auch die Schönen an der Weser und Donau, an der Elbe und nicht zuletzt an der Spree summen beglückt den Refrain mit. der auch aus sie und ihre Vor- zöge so gut zu paffen scheint. Wer mag aber der Dichter»nd Komponist des kleinen Liedes sein, dos so volkstümlich geworden ist, daß es kaum ein« Stadt oder ein Dorf gibt, in denen es nicht bekannt wäre? Paul Hoppe heißt der Bielbeneidete, dem ein solcher Wurf ge- lungen ist. Unwillkürlich malt Ihn sich die Phantasie als jungen Schwerenöter aus, der sich weniger mit ernster Arbeit als mit dem Studium des Getränkes und vor allem des weiblichen Wesens, das er verherrlicht, beschäftigt. W!« aber sieht die nüchterne Wirklichkeit aus? Paul Hoppe ist ein nahe, zu vierundachtzigjähriger Mann, der in bescheidenen Verhältnissen in München lebt. Von früher Jugend an galt seine ganze Liebe der Musik. Unter Opfern aller Art konnte er seinen Lieblingswunsch verwirk- licheu Unit Musiker werden. Er versuchte sich auch in der Koni- Position, aber seine Erfolge waren mir bescheiden. Im Jahre 1882 lud nun eine Kariieoalsgesellschaft seiner Vaterstadt Köln den junge» Musiker ein, bei einer ihrer Veranstaltungen mitzuwirken. Hoppe, der unmittelbar zuvor ein Lied des haut« ebenfall» vergessenen rheinischen Dichters Mertens entdeckt und vertont halle, willigt« gern ein und trug das Lied vom„Rheinischen Mädchen" an einem Unterhaltungsabend vor. Es wurde nur«in Achtimgserfolg: man applaudierte: die näheren Freund« sprachen ihre Glückwünsche aus, und— damit war die Angelegenheit erledigt. Hoppe, der darauf angewiesen war. für feine Familie Geld zu verdienen, versuchte nun, das Liedchen an den Kölner Verleger Tonger zu oerkaufen. Der Verleger bewilligte ganze 100 M„ und der glücklich« Komponist überließ ihm bereitwillig und dankbar all« Rechte. Das Liedchen aber schien das Schicksal so mancher seiner Leidensgefährten zu teilen. Es wurde gelegentlich in Köln ge» sungen oder gespielt, aber im übrigen schlief es einen sanften Dorn, röschenschlaf. So vergingen nahezu zwei Jahrzehnt«, bis— ja, wie und auf welchem Weg«, das weih niemand genau, nicht einmal der Kam- ponist lelbst— das vergesiene Liedchen plötzlich überall gesummt und gesungen und gespielt wurde. Bon dem Musiker aber, der be- scheiden im Hintergrund des Lebens stand, wußte niemand mehr etwas. vijrt, Was der Tag bringt »OTimnnmiimifflfflimnroinmiramiuironBnnsmiiuwiminmunimimmiinKmimironnimBiiiumnmuwiimmni* 'Setzerkobold und Erzieherin. Die„Frankfurter Zeitung" brachte dieser Tage das folgende Inserat: „Zum baldigen Antritt in herrjchafllichem Villenhaushalt nach Köln a. Rh. gesucht ein« durchaus zuverlässige liebe olle Er« z i« h e r i n zu drei schulpflichtigen Kindern unter Ist Iahren." Die Bewerberinnen für diesen Posten sollen sich nicht recht klar darüber gewesen sein» ob sie sich über den etwas burschikosen Ton ihrer zukünftigen Herrschaft freuen oder ärgern sollten: im Grunde waren sie aber oll« ehrlich entrüstet, denn wer will heute im Zeit- aller des jugendfrischen Teints sich zur lieben ollen Erzieherin stempeln lassen? Die Betroffenen haben in einer großen Protest- kundgebung beschlossen, den Setzer, der das zwischen beiden Worten fehlend«„v" unter den Tisch fassen keß. lebendig zu braten! Ein Eisenbahnzug steht auf freiem Felde... Wie ausgestorben steht«in Eisenbahnzug auf freiem Felde. Kein Rauchwölkchen schwebt über dem Schornstein. Er steht und steht. Worauf wartet er? Eisenbahner kommen des Weges daher. Was mag da los fein? Wie ausgestorben steht der Zug auf freiem Feld«. Weder Lokomotivführer noch Schaffner sind zu sehen. Di« Eisenbahner gehen cm die Lokomotive heran, rufen hevauf. Keine menschlich« Seele antwortet. Sie steigen auf die Lokomotio« und finden... den Heizer und den Maschinisten total besoffen zwischen den Kohlen liegen. Besoffen waren auch sämtllche Schaffner. Ein Zug steht auf freiem Felde. Wie verzaubert— von Alkohol. Un> gefähr so erzählt die»Rote Zeitung" in Moskau. Der fünffache Selbstmordversuch. Wir leben in einem außerordentlich humanen Zeitaller. Dos Leben ist so schön, daß wir unier« Mllmenschen. koste es, was es walle, nicht in das Jenseits gehen losten wollen. Als neulich in Wien«in junger Metallarbeiter aus Eifersucht seiner Braut sechs Stich« oersetzt« und nun glaubte, sie getötet zu hoben, warf ex sich in seiner Verzweiflung in die kalle Traisen, wurde aber herausgeholl. Er riß sich los und stürzte in den nahegelegenen Vischofsteich. wurde aber auch hier gerettet. Wieder gelang es ihm, sich seiner unge- rufen«» Retter zu entwinden. Er warf sich auf die Schienen vor einem heronsausenden Zug. Der Lokomotivführer brachte den Zug zum Stehen. Da stürzte der hartnäckige Selbstmörder den Bahn- dämm herunter in den Mehhosener B-rgkanal. Er wurde heraus- gezogen. Er sprang ein zweites Mal in den Kanal und wurde wieder gerettet. Man brachte ihn in dos Krankenhaus und von dort ins Untersuchungsgefängnis. Seine Braut befindet sich am Leben. Er wird sich wegen Mordversuchs zu verantworten haben. Wäre dos jung« Mädchen gestorben und die Sache in Deutschland passiert, so hätte dem jungen Menschen unier Umständen die Todes- straf« getroffen. Erfolgreiche Ausgrabungen in Aegypten. Ein« vom New-Borker Metropolitan Museum nach Aegypten entsandte Forschungsexpedition hat bei D e i r e l B a b r i, in der Nähe des alten Theben, bei ihren Grabungen sehr interessante Funde gemacht. Man stieß auf Bruchstück« von Statuen, die die Herrschast der Königin Hat-Schepsut, der Witw«� Thutmes II., verherrlichen sollten. Bisher hat man zwei große Standbilder der Hat-Schepjut aus rotem Granit gefunden, außerdem Teile einer kniende» Figur in Grämt und den gewaltigen Kopf einer aus Sandstein geschaffenen Sphynx. Die stehenden Figuren waren zwar zerbrochen, ober noch mühevollem Graben ist es den eifrigen Forschern gelungen, alle Bruchstücke der Figuren, die jne Königin stehend darstellen, zu sinden. während man in der Nähe aus das Haupt, die Hände und den Rumpi der kniend dargestellten Hat-Schepsut stieß. Man traf ferner noch auf Bruchstücke von zwölf anderen Statuen der Königin, dann aber auch auf Bruchstücke von Figuren, die die Königin als Gott Osiris darstellen. Dies« Figuren tragen die charakteristischen Symbol« des Osiris. Hirtenstob und Dreschflegel, in den Händen. Di« kleinst« der gefundenen Statuen ist drei Meter hoch. Im Bauch der Gattin begraben. Der von seiner Afrikoldurchquemng nach seiner australischen Heimat zurückgekehrte Forscher Bryce berichtet von idyllischen Gebräuchen, die noch heute in Zentvalafrika üblich sind. Als außer ordentlich ökonomisch ist die bei einem Negerstamm beobachtete Sitte anzusprechen, daß verstorben« Männer dort weder begraben. noch verbrannt, sondern von ihren werten Gattinnen sorgföllig am Spieß geröstet und ausgespeist werden. Natürlich sind die Kolonial- mächte, die offiziell über jene Gebiet« herrschen, mit dieser patriarchalischen Sitte nicht einverstanden, und gerade als Bryce durch Uganda reist«, saßen im Gefängnis von Kampala zwei Frauen, die wegen dieser über den Tod hinaus bewahrten Treue ihre» Urteils harrten. New York wird„trocken" gelegt. Erst ivemg« Wochen ist«, her, daß Grover Whalen als Poiiz«!- chef nach New Park berufen wurde und schon machen sich allent- halben die Folgen seines rücksichtslosen Vorgehens gegen die Freunde verbotenen Alkohols bemerkbar. In dieser Zeit führte die Polizei nicht weniger als 750„Raids" auf„Spealeasiee"(„Sprichleise" nennt man im Dolksmund die geheimen Schenken) aus. Ueber- all, wo alkoholische Getränke entdeckt wurden, zerstörten die Beamten die Einrichtungen. Die Gesetzesübertretcr werden außerdem be- deutend scharfer bestraft als vordem, da die Gerichte«in alte» Gesetz entdeckt haben, wonach die Inhaber gehenncr Schenken mit Geld- strafen von 500 Dollar für jeden Fall belegt werden können. Im Gegensatz zu früheren Zeiten macht der neue Polizeichef auch keinen Unterschied zwischen den Kneipen der Arbeiterviertel und de» fcnchalen Nachtlokalen des Broadway, so daß e» dort jetzt ebenso schwer ist, an ein Gläschen„Booze" zu kommen wie anderswo. Der Kampf um den letzten Platz. Daß der erst« Platz, gleichgüllig an welcher Stell«, für manche Menschen eine besonder« Anziehungskrast besitzt, zeigt das Ringen, das Telephonbuch zu eröffnen, das auch bei uns eifrig misgefochten wird. Im Berliner Telephonbuch legt sich ein« Firma einen Namen mit drei A bei, um dies« Ehrenstell« zu erringen. Aber um den letzten Platz hat sich bei un» noch memand bemüht. Dieser Ehrgeiz bleibt den Amerikanern vorbehalten. Im New Porker Telephonbuch ist seit einiger Zeit«in mertoürdiger Wettkampf um die letzt« Stelle zu bemerken. In der drittletzten Ausgab« prangte als letzter Namen Unter den l 320000 Eintragungen der von Lewis Brown Zzyn. In der vorletzte« Ausgabe ober hatte ihm ein anderer den Rang abge- laufen, denn nun stand an letzter Stelle Nichola, Putnam Zzyn, der ihn schlug, weil d«r Vorname Nicholas im Alphabet hinter Lewis kommt. Diese Niederlage ließ aber den vom letzten Platz Verdrängten nicht ruhen, und«r griff.zu dem Gewaltmittel einer Namensänderung. In der letz::» Ausgab« steht et wieder« letzter QUO* als Lewis B. Zzyz. Sport und Spiel Vorwärts in ,, Solidarität". werkschaftshaus statt. Es wurde dort ein Bericht über die Maßstraße nahmen des Bundesvorstandes zur Durchführung des Beschlusses bt. Was der Kritiker sagt: Ueb„ Immertreu" und Röflichkeit. Berlin hat nun auch sein politisches Apachentum bekommen, eine Afquisition, die es in feiner anderen Weltstadt gibt. Es handelt sich um eine Paarung zwischen Halbwelt und Weltrevolution. Der sogenannte Rote Frontfämpferbund" ist eine Koalition mit den Gentlemen aus Berlin 00. eingegangen, Münzenbergs Illustrierte bingt es im Bilde.„ Rot Front" will es aber nicht gewesen sein. Nicht den Apachenverein Immertreu", sondern einen proletarischen Beerdigungsverein im deutschen Rock und reinen Seidenzylinder soll das Bild darstellen. Münzenberg soll nicht nur die öffentliche Meinung fälschen, sondern auch die Bilder dazu. Wer am dreistesten lügt, mögen die beiden unter sich ausmachen. Den Sportler interessiert das Vorkommnis aus zweierlei Gründen: Erstens sollen die ausgeschlossenen Rotsportler auch die Absicht haben, sich mit Rot Front zu koalieren, um auf dieser Basis die rechte proletarische Kultur zu begründen; zweitens bemüht sich die Münzenberg- Illustrierte sehr um den Arbeitersport, und sie findet immer noch Leute, die an ihre ehrliche Absicht glauben, der Arbeitersportbewegung zu dienen. Vielleicht wachen diese Siebenschläfer endlich einmal auf, wenn sie den Schwindel so dick aufgetragen vor die Nase gesetzt bekommen. ** Kürzlich fand eine allgemeine Mitgliederversammlung der 1. Abt. jeden 1. und 3. Freitag im Monat bei Rückert, Steinbundestreuen Abteilungen der Ortsgruppe Berlin des Ar meßstr. 36a. Sonntag, 20. Januar, Arbeiter Wohlfahrtsmuseum, beiter Rad- und Kraftfahrerbundes„ Solidarität" im GewerkCharlottenburg, Frauenhoferstraße. Treff: 12 Uhr U- Bahnhof Knie. 2. 2 bt. jeden 1. und 3. Mittwoch bei Müller, Schönlein traße 6. Sonntag, 20. Januar, Arbeiter- Wohlfahrtsmuseum. Treff: 12 Uhr Eingang Frauenhoferstraße. 5. 2 b t. jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat, Fortunajäle, Strausberger Str. 3. Sonn tag, 20. Januar, 13 Uhr, Fußtour durch den Grunewald. Treff: U- Bahnhof Polizeipräsidium. 6. 2 b f. jeden 1. und 3. Freitag im Monat bei Büdtner, Schwedter Str. 23. 10. Abt. jeden Sechstagetrudeln. Die gute Pleißestadt hat nun auch ihre 1. und 3. Donnerstag im Monat bei Wittschuß, Petersburger Sensation. Im Achilleion" beim sogenannten Sechstage= Straße 5. Sonntag, 20. Januar, 15 Uhr, Baumschulenmeg. Treff: rennen hat sich ein nicht alltägliches Ereignis zugetragen. Die Bahnhof Warschauer Straße. 12. Abt. Motorfahrer Fahrer haben sich darüber verständigt, daß der ganze Rummel jeden 1. Freitag im Monat Kindl- Quelle, Reichenberger Str. 9.doch ein heilloser Quatsch ist. Bei den Rasereien um Preise, Bunkte Sonntag, 20. Januar, 18 Uhr, Sigung im Vereinslokal, Reichenberger Str. 91. Ortsgr. Köpenick jeden 1. Freitag im Monat bei Alb. Stippefohl, Schönerlinder Str. 5. Alle Anfragen an Paul Bartsch, Köpenid, Glienicker Str, 3b.- Ortsgr. Char lottenburg jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. im Monat. Sonnabend, 19. Januar, Maskenball, Spandauer Bock. Saal öffnung 7 Uhr. der Zentraltommiffion gegeben und von der Bersammlung gutgeheißen. Ueber die in der gleichen Angelegenheit stattgefundene Bezirksleiterfonferenz berichtete Seeger, der betonte, daß auch biefe mit einer Ausnahme von zwei Bezirksleitern sich hinter die Beschlüsse des Bundes stellten. Es wurde dann die Neuwahl der Bezirfsleitung porgenommen. Die Vorgeschlagenen stellten sich einmütig zur Berfügung. Es ist dies ein gutes Zeichen für den meiteren Ausbau der Ortsgruppe. Zum Schluß wurde noch eine Ent. Ichließung folgenden Wortlauts angenommen: Die Mitgliederversammlung erflärt sich mit den Maßnahmen des Gau- und Bundesvorstandes gegen die Berliner Opposition" einverstanden. Sie erkennt die heute gewählten Funktionäre nur als die rechtmäßige Bezirksleitung für den 1. Bezirk an, und er wartet von allen bundestreuen Mitgliedern, daß sie sich gefchloffen hinter die neugemählte Bezirtsleitung stellen. Alle 3uschriften in Bundesangelegenheiten sind nur an Robert Rothbarth, Berlin, Schöneberger Str. 17a, als den rechtmäßigen Bezirts und Orts gruppenleiter zu richten. Die Kaffengeschäfte erledigt Herm. Klog tomski, Levezomstr. 14. Nachdem die Klärung vollzogen ist, fordern wir alle Partei und Gewerkschaftsgenossen sowie auch die ehemaligen Mitglieder, die durch die parteipolitischen Beschimpfungen angeefelt, sich von uns abmandten, auf, wieder zurückzukehren. Aber auch an diejenigen, die noch heute den bürgerlichen Radfahr- und Motorradfahrer- oder wilden Bereinen angehören, richten wir die Aufforde: rung, uns beizutreten. Die bunbestreuen Abteilungen und Ortsgruppen haben an folgenden Tagen Sigungen und Beranstaltungen: Arbeiter- Wasserballspiele. Sonntag im Lichtenberger Stadtbad. Am Sonntag, 20. Jamuar, finden im Lichtenberger Stadtbad in der Hubertusstraße mehrere Wasserballspiele der Männer und Jugend Klasse statt. In der B- Klaffe, Gruppe A, trifft Neukölln auf Siemensstadt. Die lettere Mannschaft hat sich in den bisherigen Spielen gut ent midelt; es dürfte ein ausgezeichnetes Spiel geben. Aus der Gruppe B spielt Falkensee und Lichtenberg I zusammen. Falfenfee muß fich gewaltig strecken, unn gegen die Lichtenberger, die führend find, einigermaßen abzuschneiden. In der C- Gruppe treffen die Provinzvereine Rathenow und Brandenburg zusammen. Die Rathenomer haben mehr Spielerfahrung, in ihnen wird der Sieger zu suchen sein. Bei der Jugend sind Hellas I und Union die Gegner. Als legtes Treffen spielen die Jugend- Mannschaften von Branden burg und Botsdam. Zur Abwechselung schwimmen die Frauen einen Reigen, und die Männer werden die ersten Ausscheidungswettkämpfe für das tommende Kreisschwimmfest zur Durchführung bringen. Die Spiele beginnen um 15 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 0,50 m. Karten nur an der Kaffe. Die Musterung der Schachspieler. Diefer Tage fand die Generalversammlung der Freien Arbeiter Schach vereinigung Groß- Berlin statt. Aus dem Bericht des Leiters Werwinjti ging hervor, daß ein langjamer, aber sicherer Aufstieg zu verzeichnen ist. Es sind jetzt 14 Abteilungen mit 180 Mitgliedern vorhanden. Mit diesem Resultat kann man in drei Monaten Aufbauarbeit zufrieden sein. Der von der Kommission vorgelegte Entwurf des neuen Vereinsstatuts wurde einstimmig angenommen. In der Diskuffion wurde größte Selbständigkeit für die Abteilungen gefordert. Alle Spieler, die den Berein repräsentativ vertreten, müssen ein Vierteljahr Mitglied der Bereinigung sein. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde dem bisherigen einstimmig das Bertrauen ausgesprochen. Zu dem am 27. Januar stattfindenden Kreistag murben Werwinsti, Hamann, Brimm und Buchwalder gewählt Am Sonntag, 10. Februar, 15 Uhr, findet in Grünau, Gemeinschaftshaus Gutshof Falkenberg, eine große Werbeveranstaltung statt, an der alle Abteilungen teilnehmen müssen. Die Bundesmeisterschaften. Der Bundessportausschuß des Arbeiter- Rad- und Kraftfahrer bunde Solidarität" hat die Austragung der Bundes. meisterschaften im Saal, Kunst- und Reigenfahren, im Renn bahn- und Straßenrennen sowie das Motorradfahrerprüfungsfahren auf den 6. und 7. Juli nach Berlin„ Neue Welt" und Rütt. Arena, anberaumt. Alle am Arbeitersport und feiner Entwicklung interessierten Sportvereine sowie die Arbeiterorganisationen werden gebeten, auf dieses sportliche Ereignis Rücksicht zu nehmen und den 6. und 7. Jufi d. I. von größeren Veranstaltungen freizuhalten. In Berlin find gegenwärtig bereits zwei Drittel der bisherigen Mit | glieder des Bundes dem neuen bundestreuen Kartell angeschlossen. Zum Schluß fordert Werminsti die Anwesenden auf, alle Kräfte einzusehen, damit Berlin wieder der stärkste Bundesverein wird. Mit dem Bundesgruß wurde die von echtem Bundesgeist beherrschte Generalversammlung geschlossen. Austunft in allen Vereinsangelegenheiten erteilt G. Berminsti, Berlin S. 59, Plamufer 91. Es geht heiter zu! Die nom Arbeiter Turn- und Sportbund ausgeschlossenen Spielleute des Kreises Brandenburg- Berlin haben den Bundes: techniker Gebhard und den Kreisobmann Dehlschläger abgesetzt". Als ob sich der ATSB. und sein Berliner Kreis von den AusLOESER& WOLFF geschlossenen die Funktionäre vorschreiben ließe. Von 1000 Ber liner Spielleuten besuchten nur 72 die Tagung der nicht mehr dem Bund Angehörenden. Man tröstete sich damit, daß es nicht die Bahl, sondern der Geist" schaffen würde. An die Vereine des Kreises und wahrscheinlich auch an die Bertrauensmänner im Reich gingen Rundschreiben, durch die die Lächerlichkeit der Beschlüsse fundgetan wurde. Für die Spielleute im 1. Kreis des ATSB, haben natürlich nur Bekanntmachungen Geltung, die vom Kreisobmann Dehlschläger herausgegeben werden und für die Kreisobmann Dehlschläger herausgegeben werden und für die Kreisableute im übrigen Bundesgebiet nur solche vom Bundesvorstand gezeichnete. Das Lauftempo. Der Unterschied in den Laufstrecken. Der Unterschied im Lauftempa zwischen einem 100- meter Läufer und etwa einem 5000- Meter- Läufer dürfte jedem aufge fallen sein, der einmal derartigen Kämpfen beigewohnt hat. Es Schnellkraft, das ein 100- meter- Lauf erfordert, nicht beliebig lange ist ja auch ganz selbstverständlich, daß man das Höchstmaß von einsetzen kann. Die Ermüdung tritt, je nach Können und Training, febr bald ein, und es gibt nur sehr wenig Menschen, die länger als ungefähr 200 Meter im Hundertmetertempo, d. h. mit höchster Schnelligkeit zu laufen vermögen. Die Berlangsamung des Tempos auf längerer Strecke tritt aber doch nicht so rasch und nicht in dem Maße ein, als man wahrzunehmen glaubt. Zerlegt man die längeren Strecken in Hundert metereinheiten und legt die Rekordleistungen zugrunde, jo ergibt fich folgendes Bild: Die fürzeste Frist, die zur Durcheilung von 100 meter je benötigt wurde, beträgt 10,2 Sekunden. Bei 200- Meter- Streden wurde im Bestfalle eine Durchschnittsgeschwin digkeit für 100 meter von 10,6 Sekunden erzielt; bei 400 Meter maren es schon 11,9 Gefunden, bei 800 Meter 13,8 Sekunden, bei 1500 Meter 15,4 Sefunden für 100 Meter. Bei 3000 Meter sant die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 16,7 Sefunden, bei 5000 Meter auf 17,3 Gefunden, und bei 10 000 meter waren 18,2 Gefunden für 100 meter erforderlich. Hierbei handelt es sich aber immer um Weltbestleistungen, Während also der beste Läufer 100 Meter in 10,2 Sefunden zu schaffen vermag, muß der beste Langstreckenläufer bei 10 000 Meter Laufstrecke 18,2 Sekunden verwenden, um 100 Meter zu durcheilen. Er benötigt also volle 8 Sekunden je 100 meter mehr als der Kurzftredler. Weltmeisterschaft im Fußball. Kürzlich hat der Verwaltungsausschuß des schwedischen Fußballverbandes dem Vorschlag zugestimmt, 1930 in Schweben den ersten Weltmeisterschaftstampf im Fußball zu arrangieren. Der Ausschuß schlug die Zeit zwischen dem 25. Mai und dem 25. Juni vor. Bekanntlich ist Fußball in Amsterdam für immer vom Programm der olympischen Spiele gestrichen worden. Das System der Austragung soll ähnlich dem der Davis- Pokalspiele im Tennis sein. Gleichzeitig will Schweden einen„ skandinavischen Meister" zwischen Dänemark, Schweden und Norwegen austragen. und Rundengewinne fann man sehr leicht zu Schaden kommen, und das ristiert man doch nur, wenn es sich lohnt. Aber daran scheint es in Leipzig gehapert zu haben; die Kapitalisten aus Bleiße Athen haben nichts geschmissen. Beim ersten Rennen hatte eine bekannte Brühlfirma einen braunen Lappen zu Reklamezwecken geopfert; aber, um den Schaden wieder wettzumachen, am anderen Tage einige Proleten ihres Betriebes aufs Pflaster gesetzt. Das scheint ihr aber nicht gut bekommen zu sein; so etwas bleibt in Leipzig nicht verschwiegen. Ohne Profit dreht sich aber kein Rab, auch nicht ein Sechstage- Rennrad. Also trudelten die Fahrer über die Bahn, als hätten sie nicht sechs Tage, sondern sechs Wochen Zeit. Darob eine katastrophale Aufregung der braven Bleiße- Athener, bei denen sonst politischer Radikalismus und sprichfriedlichen Mitbürger wollen für ihr Geld eine fleine Sensation wörtliche Gemütlichkeit auf einem Strauch wachsen. Selbst diese haben. Anscheinend haben die Fahrer den Grad sächsischer Gemütlichkeit überschäzt. Fürs erste werden nun die Leipziger den Rummel satt haben, denn zum Schaden noch den Spott, das geht auch ihnen über die Hutschnur. Es wird wieder gearbeitet. Der Streit an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen ist nun auch beendet worden; beide Teile haben noch rechtzeitig eingesehen, daß sie der Mitwelt ein mehr tomisches als tragisches Schauspiel darboten. Eine Einigung ist aber nicht zustandegekommen; es handelt sich also um einen Abbruch des Streifs ohne Ergebnis und ohne Ausficht auf Berständigung. Nun weiß die Presse zu melden, daß der Retter aus allen Nöten, der Reichsinnenminister Severing, sich auch dieser Sache angenommen habe. Er ist allerdings der nächste dazu, denn aus feinem Etat fließen die Mittel für die Hochschule. Bei der befannten Energie des Ministers tann man die Hoffnung haben, daß er auch dieses Chaos ordnen wird. Leicht wird es aber nicht fein; die Berhältnisse sind allzu kompliziert geworden. Wenn es irgendwie möglich wäre, sollte man den ganzen Laden einer anderen Firma überschreiben. Angliederung an die Universität scheint der einzig gangbare Ausweg zu sein. Man könnte ja Karl Diem zum Professor machen. Auf das Recht des Zuspätkommens müßten die Studierenden aber wohl verzichten; davon ist Minister Severing noch nie ein Freund gewesen. Susanne soll sich in Amerika inkognito gemacht haben, so meldet Tennisspielen ist gut Heiraten ist besser. Die göttliche ist, mit der Reklame für sie sehr nachgelassen, denn bei den Sensaes die Sensationspresse. Man hatte, seitdem sie beim Berufssport tionsveranstaltungen fonnte sie nicht mehr dabei sein, Nun macht sie selbst Reklame für sich und erreicht damit, daß man wieder von ihr spricht. Aehnliche Trid's lieben ja alle Primadonnen; droht der Ruhmesstern zu sinten, bestellen sie sich einen Einbruch und lassen sich einen abgetragenen Belz oder ein Kollier stehlen. Auf solche Art fommt man wieder in den Mund der Leute. Gleichzeitig macht ihre Rivalin von sich reden: Helen Wills, die amerikanische Tennisdiva. Sie hat mehr Glück als Susanne, sie bekommt einen Mann, noch dazu einen von der Börse. Auf diesem Bege tann Helen den Berufssport umgehen und tommt doch zu money, darauf läuft ja schließlich doch alles hinaus. Alle Arbeiterffiläufer des 1. Kreises treffen sich Sonntag, 20. Januar, um 9 Uhr am Bahnhof in Potsdam. Gemeinsamer Uebungs- und Trainingsbetrieb. Praktische Kurse für Anfänger und Borgeschrittene. Für Wettkämpfer Langlauf- und Staffeltraining. Sämtliche Vereinsmannschaften müssen antreten, Sonderveranstaltungen der Vereine und Abteilungen fallen aus! Training im Grunewald. An Wochentagen Der Kreismintersportmart. Bundestreue Vereine teilen mit: Abt. Freitag, 18. Januar, 20 Uhr, Spollstr. 30: Nikotin, Alkohol, Sport". Touristenverein ,, Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Abt. Charlottenburg, Güboft, Freitag, 18. Januar, 20 Uhr, Briger Str. 27: Lichtbildervortrag Tirol". Abt. Treptow, Freitag, 18. Januar, 20 Uhr, Elfenste, 3: GeneralversammJung.( Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.) Abt. Neukölln, Freitag, 18. Januar, Flughafenstr. 68: Fahrtenabend. Photogemeinschaft: Montag, 21. Januar, 20 Uhr, Tilsiter Straße: Elementare Regeln der Bildkunst". Ref.: A. Naumann von der Firma Talbot. Abt, Briß, Montag, 21. Januar, 20 Uhr, Chauffeestz. 48: Wintergäste aus der Bogelwelt". Maltunstgemein baft montag, 1 Janar, 20 Uhr, Briger Str. 27: Hand- und Fußzeichnen. fammlung im Jugendheim, Wachtelstr. 1, bei Mohr. tiauie, Neutölln, Mareschstraße: ordentliche Generalversammlung. Freie Kanu- Union Groß- Berlin, Sonnabend, 19. Januar, 19 Uhr, IdealFAGB., Bezirt Bohnsdorf. Freitag, 18, Januar, 20 Uhr: GeneralverRestposten! LOESER& WOLFF Zigarren höchster Feinheit und Arbeitskunst Villa Nueva Feral nur 108 das Stück Die Sache mit Coof. Eine neue rote Internationale. Moskau hat überall seine Hände im Spiel, seine Eisen im| gedient. Me Initschansti ließ die Resolution passieren, betonte Feuer. Es hat seine eigenen Internationalen, die RGI. Rote aber, daß dies nicht die Vermischung der Gegenfäße Gewerkschaftsinternationale, die IA 5- Internationale Arbeiter bedeute. Die Sache mit Cook schwebt aljo noch, ntan läßt ihm 3eit, hilfe und verschiedene andere, darunter auch seine ,, Liga gegen die richtige Linie zu finden. 3mperialismus und toloniale Unterdrückung". Diese Liga, deren Sefretär Münzenberg auch der Sekretär der JAH. ist, tagt gegenwärtig in Köln. Der Generalsekretär des Britischen Bergarbeiterverbandes, A. J. Cook, der durch den Ausgang des von ihm geleiteten Bergarbeiterstreits zwar nicht ganz aus seinen Illusionswolfen herausfam, aber doch in einige Berührung mit dem Erdboden, hatte auf dieser Tagung das Hauptreferat: „ Die Aufgaben der Gewerkschaften im Kampfe gegen den 3mperialismus." Seine Ausführungen bildeten eine vollständige Enttäuschung der Hoffnungen, die Moskau in ihn gesetzt hatte. Das bringt schon die Ueberschrift des Berichts in der Roten Fahne" zum Ausdruc: Cook verteidigt die reformistischen Verräter." Und was sagte Cook? ,, Es darf keine ungehörige Einmischung von außen her in die Annäherungslinien und die in jedem Lande angewandten Methoden ffattfinden." Dieser Satz allein genügte, um die Moskauer aus dem Häuschen zu bringen, da er einer vernichtenden Kritik der ganzen Moskauer Weltrevolutionspolitik gleichkommt. Daß Coof hinterher von dem Amsterdamer Internationalen Gewertschaftsbund sagte, er habe bei feiner Aufgabe, die Lebensbedingungen der europäischen Arbeiter zu schützen- deren größter Teil heute noch unorganisiert oder gegenorganisiert ist einen Mißerfolg zu verzeichnen, konnte seine Position zu Moskau nicht mehr retten. Melnitschanski, der Vertreter des Zentralrats der Gewertschaften der Sowjetunion, pugte Coof herunter, der noch Illusionen über den Generalrat des Britischen Gewerkschaftskongresses habe und dessen Forderung von einer findlichen Naivität zeuge. In der Tat ist Cook noch immer so kindlich naiv, zu glauben, die Moskauer spielten ein ehrliches Spiel. ..Die Forderung der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder ist eine Parole, die bereits vom Generalrat ( in England) zur Sprengung des Anglo- Ruffischen Komifees benuht wurde," sagte Melnitschansti. Wie? Moskau soll sich nicht einmischen? Das ist Verrat" an der Weltrevolution! Moskau mischt sich ein, mischt sich in alles, machte heute die deutsche kommunistische Gewertschaftsopposition herunter, morgen den Führer der norwegischen Gewerkschaften, Tranmael, und jetzt hat auch Cook sein Teil abbekommen: ,, Berteidiger der reformistischen Verräter!" Heckert Berlin hielt sich verpflichtet, bei der Abfägung Cooks seinem russischen Gönner Melnitschanski zu helfen. Mit den Illu sionen, die reformistischen Führer seien bloß Dummföpfe, müßte energisch aufgeräumt werden, da sie schlimmer feien als offener Verrat. Coof erwiderte, daß er nicht geneigt sei, die Liga in eine Rote Infernationale umgestalten zu laffen. Die Sowjetunion müffe ja| dem Kapitalismus ebenfalls Konzeffionen machen. Man könne weder deutsche( kommunistische) noch ruffische Schablonen gebrauchen. Schließlich präsentierte Coot namens einer engeren Kommission eine Resolution über die Aufgaben der Gewerkschaften im antiimperialistischen Kampfe, wobei er versöhnlerisch bemerkte, die Meinungsverschiedenheiten hätten nur der Klärung der Lage 4762 600 Gewerkschaftsmitglieder umfaßt der ADGB. Nach den vorläufigen Feststellungen zählten die im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigten Zentralverbände Ende September 1928 4 762 601 Mitglieder. Gegen Ende Juni hat sich der Mitgliederbestand um 76 242 und gegen Schluß des Borjahres um 346 912 vermehrt. Die endgültigen Ergebnisse der Jahresstatistik werden teine erheblichen Wenderungen der vorläufigen Zahlen ergeben. Nach den bisherigen Erfahrungen kann noch mit etwas höheren 3iffern gerechnet werden. Arbeitsstreitgesetz in Frankreich. Obligatorische Schiedsgerichtsverfahren. Paris, 18. Januar.( Eigenbericht.) Der Arbeitsminister Loucheur hat gestern in der Kammer ein neues Gesetz über das Schlichtungswesen eingebracht. Die entscheidende Neuerung, die dieses Gesetz bringt, ist die EinAus Hamburgs modernster Schule. In der Curchmannstraße in Hamburg ist eine neue Mädchenschule eröffnet worden. Unser Bild zeigt einen Brunnen, der in hygienisch einwandfreier Weise den Durst der Kinder stillen soll. feitung bes obligatorileen Giebsgerigtssen fahrens. Das Gefeß beftinut nämlich, daß bei Ausbruc jedes Arbettston flittes auf Antrag einer der beiden Parteien jofort eine erste Schlichtungsverhandlung stattfinden soll. Sollte diese nicht zum Ziele führen, dann fann der Präfeft oder der Arbeitsminister unmittelbar danach eine zweite Berhanda ( ung ansetzen. Selbst wenn es dann zu einem Streit oder einer Aussperrung tommen sollte, sind noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft. Der Arbeitsminister hat dann das Recht, die Schlichtungs versuche zu erneuern. In diesem Stadium des Konfliftes aber merden zu den Schlichtungsverhandlungen nicht nur bie beiden streitenden Parteien allein, sondern die Vertreter der Spizenverbände der Gewerkschaften und der Arbeitgeber hinzugezogen werden. Weiter sieht das Gesetz die Schaffung einer obersten Schlichtungsfommission vor, die zur Hälfte aus Arbeit. gebern und Arbeitnehmern zuſammengesetzt ist und deren Mitglieder aus dem Landeswirtschaftsrat ausgewählt werden sollen. Ob die Schiedssprüche dieser obersten Jnstanz verbindlich erklärt werden fönnen, ist vorläufig noch nicht ersichtlich. Schlechte Zeiten für Kinder. In der Schule soll ein bekanntes Gedicht aufgefagt werden. Der fleine Bruno beginnt: ,, leb Redlichkeit und Redlichkeit Bis an dein fühles Grab." Der Lehrer unterbricht:" Das ist doch falsch! Wie heißt der Anfang richtig?" Bruno: Ich weiß es schon, Herr Lehrer: Ueb immer Tren und Redlichkeit." Der Lehrer:„ Nun, warum sagst du's dann nicht?" Bruno: Immertreu ist doch verboten!" „ Tolle Zustände in Afghanistan!" ,, Toll, ja. Am meisten tun mir die armen Kinder in Kabul leid." Die Kinder mieso?" ,, Na, was die fünftig so an Rönigen in vaterländischer Ge schichte auswendig lernen müffen: Amanullah, Injatullah, Chabib J- IL ullah Unglücksfall oder Gelbstmordversuch? Die Berliner Kriminalpolizei ist mit der Aufklärung eines geheimnisvollen Borfalles beschäftigt. In der vergangenen Nacht entdeckten Bahrangestellte, etwa 200 Meter vom Bahnsteig der Station NiederschöneweideJohannisthal entfernt, auf den Gleisen der Bororibahn den leblosen Rörper eines jungen Mädchens. Der her= beigerufene Bahnarzt ordnete die fofortige Ueberführung ins Städtische Krankenhaus Neukölln an. Eine Bernehmung des Mädchens, das als eine 20jährige Hedwig Schwabe aus der Gotenbergstr. 10 in Köpenick festgestellt wurde, war bis zur Stunde noch nicht möglich. Aus diesem Grunde fonnte auch noch nicht ermittelt werden, ob das Mädchen aus dem fahrenden 3uggestürzt ist, oder aber es sich um einen Selbstmordversuch handelt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um. gegend.( Nachdr. verb.) Nach flarer und sehr fafter Nacht Bes wölfungszunahme und Milderung des Frostes. Für Deutschland: Im Nordjeegebiet Taumetter, im übrigen Norddeutschland langsame Milderung des Frostes, im Süden noch falt. Berantwortl. für die Redaktion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Verlag 6. m. b. S., Berlin, Drud: Bormäris Buch druckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3, Sierzu i Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 18. bis 21. Januar BOL Potsdamer Straße 38 Lemkes sel. Witwe mit Lissi Arna, Fritz Kampers ( An der KINO- TAFEL früher Titania( ufa Schöneberg) Hauptstraße 43 Die Wochenendbraut mit Elga Brink Bin ich Ihr Typ? mit Clara Bow Charlottenburg Schlüter- Theater Rheinstraße 14 Kais- Eiche) Schlüterstr. 17 W. 7. 9.15, Stg. ab 4 U. Eine Nacht in London mit Lilian Harvey Im Paradies der Kletterer Odeon, Potsdamer Str.75 Heiratsfieber mit Maria Paudler, Fritz Kampers Das letzte Signal( 5 spannende Akte) Turmstraße 12 Der Faschingsprinz mit Harry Liedtke Alexanderstr. 39-40 Den ganzen Tag geöffnet! Lemkes sel. Witwe mit Lissi Arna, Fritz Kampers Pat und Patachon, die blinden Passagiere Zentrum Filmpalast Börse Rosenthaler Str. 40-41 W. ab 5, S. ab 3.30 G'schichten aus dem Wiener Wald Wochenendliebchen Bühne: Kunstpfeifer Adam aus Wien Nordwesten Welt- Kino Alt- Moabit 99 Rutschbahn Der vierte Musketier mit Douglas Fairbanks Saxophon- Susi mit Anny Ondra Faun- Lichtspiele Krumme Str. 37, an der Trinitatiskirche Pat und Patachon, die Filmhelden Feine Verwandtschaft Steglitz Titania- Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Waterloo mit Otto Gebühr Regie: Karl Grune Hi- Li Lichterfelde- West Stg. 5, 6.30, 9. 3 U. Jug.-V. Wochentags 6.30, 9 Uhr Hindenburgdamm 58 a G'schichten aus dem Wiener Wald Die Dame mit der Maske Bühnenschau Südwesten Film- Palast Kammersäle Teltower Str. 1-4 Beginn 6 U. Rutschbahn mit Heinrich George Der Hafenbaron Süden Th. am Moritzplatz Luisen- Theater Reichenberger Straße 34. Wegen Renovierung vorübergehend geschlossen! Urania- Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Sonnt, 3, 5, 7, 9 Uhr] Die seltsame Nacht der Helga Wangen mit Lee Parry Bob, der Detektiv Drei große Bühnennummern Vorwärtsleser Vorzugspreise Neukölln Primus- Palast Hermannplatz Lemkes sel. Witwe nach dem berühmten Roman von Erdmann Graeser mit L. Arna, F. Kampers, M. Kupfer Auf der Bühne: Cacoanus Eisballett Passage- Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151-152 Weißensee Friedrichsfelde Schloßpark Film- Bühne Kino Busch Berliner Aliee 205-210 Wolga Wolga 9 Feuchte Liebe Belprogramm Bühne: Unter einem Fliederbaum Singspiel aus dem Leben Mozarts Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Der Kampf um das Matterhorn Der große Bergfilm Das gute Beiprogramm Die ausgewählte Varietéschau Luna- Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Herzschlag der Welt mit Lilian Gish Ausst.- Revue: Lachendes Leben Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3,5,7 u. ca. 8.45 U. Concordia- Palast Der Sensations ilm: Das letzte Signal Auf der Bühne: Gust! Beer in Frühling in Wien Südpalast Knesebeckstr. 133, Bhf. Hermannstraße Der Jazzsänger mit F. Thomson Die Poşträuber Münne: Kunstfahrer und Morton, das medizinische Wunder Jugendliche haben Zutritt Tempelhof Tivoli- Lichtspiele Tempel of. Berliner Str. 97 mit Heinrich George, Fee Malten Beginn: W. ab 5, 6.30 Uhr, Stg. ab 4 Uhr W. 6.30, ca. 8,45 U.. S. 4.45. 6.45, ca. 8.45 U. Sündige Jugend Schöneberg Alhambra Beg. W. 6.30 u. 8.45 U. Schöneberg, Hauptstr. 33 Engel der Straße S. ab 3 Uhr Des Geheimnis des Vulkans mit Tom Mix Bühnenscha Ungarische Rhapsodie mit Lil Dagover, Willy Fritsch Rin- Tin- Tin unter Verbrechern Filmeck Südosten Ungarische Rhapsodie Glück bei Frauen Bühnenschau Nordosten Beginn W: 30 Uhr Elysium" S: 3 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der Kampf ums Matterhorn Nuri, der Elefant Film und Bühne Prenzlauer Allee 58 Hölle der Heimatlosen Das weiße Geheimnis ( Der Original- Krassin- Film) Andreasstraße 64 Spelunke mit Samson Körner Ihr großer Flirt Bühnenschau Kosmos- Lichtspiele Lich'enberg, Lückstraße 70-73 Der 4. Musketier mit Douglas Fairbanks Große Revue: Bei uns und so Jugendliche haben Zutritt Schwarzer Adler Frankfurter Ailee 99 Woch.3,7 u. ca. 8.45, Str.3, 5, 7. ca. 8.45 U. Ungarische Rhapsodie mit Dita Parlo, Lil Dagower, Willi Fritsch Bahnenschen Jugendliche haben Zutritt Viktoria- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Alt- Friedrichsfelde 3. Polnische Wirtschaft Beginn täglich 5, 7, 9 Uhr mit Siegfr. Arno, Brausewetter Razzia, mit Conr. Nagel Bühnenschau Norden Skala- Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Die Hölle der Heimatlosen Bühne: Große Filmnachwuchs- Schönheitskonkurrenz Veranst: Film- Bühne Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Pat und Patachon, die blinden Passagiere Belprogramm Bahnenschau Fortuna- Lichtspiele Müllerstraße 12c das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weltproduktion LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Harolds liebe Schwiegermama Die blaue Maus mit Jenny Jugo Metro- Palast Chausseestraße 30 Rutschbahn Auf der Bühne: Luciano und Peppi Permont Pharus- Lichtspiele Müllerstraße 142 PROGRAMM für die Zeit vom 18. bis 21. Januar Alhambra Badstraße 58 Pat und Patachon, die blinden Passagiere Beiprogramm Bühnenschau Humboldt- Theater Badstraße 13 Das letzte Souper m. Heinr. George Herzen ohne Ziel Bühnenschau Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 Die Hölle der Heimatlosen Beiprogramm Bühnenschan Marienbad- Palast Badstraße 35-38 Hell in Frauensee Der Schrecken der Präric Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a Beg. 6.30, 9 Uhr Lemkes selige Witwe Ein Mädel mit Temperament Bühnenschau Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Der Kampf ums Matterhorn Bühne: Kunsteislauf- Tanzpaar Niederschönhausen Der Pechvogel mit Harold Lloyd Fil n- Palast Der Fürst der Abenteurer Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14( am Wedding) Ariadne in Hoppegarten Monty der Wüstling Bühnenschau Gesundbrunnen Woch. 5, 7 ca. u.8.45, Stg. 3, 3, 7u.ca. 8.45 Ballschmieder- Lichtsp. Pat und Patachon, die blindes Passagiere Bühnenschau Jugendliche haben Zutrit Badstraße 16 Der Kampf um das Matterhorn Auf der Bühne: Musik für Alle Blankenburger Straße 4 Der geheime Kurler mit Iwan Mosjukin Hoheit incognito mit Const. Talmadge Reinickendorf- Ost Bürgergarten- Lichtsp. Hauptstraße 31 und Lindauer Straße Das Liebesleben d. schönen Helens Belprogramm- Bühnensches