Morgenausgabe Nr. 31 A16 -46. Jahrgang Böchentlich 8531, morama 3,60 2. tam voraus zahlbar. Boftbezug 4.32 einichi Bestellgeld, Auslandsabonnes ment 6.-M. pro Monat Der Borwärts ericheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Dez Abend", Jllustrierte Beilagen Voll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen". Frauen timme". Technit" Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Bolksblatt Sonnabend 19. Januar 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnipalttge Ronpareillezelle 80 Pfennig. Retlame eile Reichs mart. Kleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig ame Jettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 2Bfennig. Stehengefuche das erste ort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben Arbeitsmartt zählen für zwei Borte. Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen ennahme im Hauptgeschäft Bindens Braße 3, wochentägl, von 8 bis 17 Uhe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tonboff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G.m. b.. Boftichedkonto: Berlin 87 536. Bankkonto: Bant der Arbetter, Angeftellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr. 3 Die Parteien in Südslawien. Kein Wahlrecht mehr!- Gewerkschaften nicht aufgelöst. auch Nachdem die Dittatur sofort das Parlament, die Bautage, Kreis-| den, meil jebe Kritif des gegenwärtigen Regimes verboten ist und verwaltungsausschüsse und Gemeindevertretungen aufgelöst, find am nach dem Gefeß zum Schuße des Staates bestraft minh, meshalb 15. Januar dren meitere Gesezesdefrete erschienen, wodurch das Bahlrecht aufgehoben wird, also die Wahlordnung für die Nationalversammlung, das Gefeß über die Zusammenstellung der Wählerlisten, die Wahlordnungen für die Bautage, Kreis- und Gemeindevertretungen. Eine Konferenz im Innenministerium mit den Großgespanen ( Oberpräsidenten) behandelte die Auflösung palitischer Parteien. Die Auflösung der Iofalen Parteien und Organisationen foll den Großgespanen überlassen, dagegen die Auflösung solcher Parteien, die sich auf mehrere Gaue, bzw. auf das ganze Staatsgebiet er streden, dem Innenminister vorbehalten bleiben., Jim Sinne des Gesetzes zum Schuße des Staates find alle Stammes und Religionsparteien aufgelöst. Man behauptet, daß sich das in erster Linie auf die bosnische Musel. manenpartei, damn die leritale Partei in Slowenien, die serbische Bartei und die kroatische Bauernpartei bezieht. Bufolge Entscheidung des Innenministeriums soll die bisher non den totalen Behörden in einzelnen Drten vorgenominene Auflösung der deutschnationalen und der ungarischen Partei rüdgängig gemacht morden sein. Boltsversammlungen, auch wenn fie erlaubt werden sollten, feinen Zwed haben. Die alten Genossen, melche vor 30 umb 40 Jahren unter ähnlichen Zuständen gelebt haben, werden auch in dieser neuen Situation Rat wissen." Die letzte Nummer der ,, Robnide Rovine"( Arbeiter- 3eibmg, Belgrad) murde tonfisziert. Die Zenfur hat außer dem Bartei aufruf auch den Kopftitel Organ der Sozialistischen Partei aufruf auch den Kopftitel Organ der Sozialistischen Bartei Ingoflamiens" gestrichen. Rabnide Novine" in ihrer Neuausgabe bringen auf der ersten Seite an Stelle des Leitartikels ein großes Inserat der Parteibuchhandlung in Belgrad. $ Giner Deputation des Bereinigten Arbeiter Gemert schaftsverbandes Jugoslawiens" wurde vom zuständigen Referenten im Innenministerium mitgeteilt, daß vorderhand feine Maßnahmen gegen die Freigemertfchaften geplant find, folange diefe nicht ihren Wirkungsfreis überschreiten oder sonst irgendwie gegen Das Gesetz verstoßen. Behn Jahre Frauenwahlrecht. Die Wahlen zur Nationalversammlung. Von Marie Juchacz. Am 19. Januar 1919 find die deutschen Frauen zum erstenmal an die Wahlurne gegangen, um das Staatsbürgerrecht, das ihnen durch den Umsturz geworden war, auszuüben. Es ging dabei alles ganz ruhig und selbstver ftändlich zu. Man muß sich vorstellen, welche Sensation dieser erste Wahlaft unter weiblicher Beteiligung gewesen wäre, menn mir das Wahlrecht in normaler Zeit, nach vorher gehenden Kämpfen im Parlament durch Mehrheitsbeschluck erhalten hätten. Die ganze politisch interessierte Bevölkerung hätte daran teilgenommen, die Erwartungen und Befürchtun gen, die fich an diesen einschneidenden Gesetzesbeschluß fnüpften, wären in Bersammlung und Presse breit erörtert worden. So aber, in einer Beit, in der eine Sensation die andere jagte, die Eindrudsfähigkeit der Menschen durch vier Kriegsjahre mit ihren Schrecken, durch Waffenstillstand, Revolution, Spartakusputsch und Hunger abgeftumpft war, war der 19. Januar feine Sensation, sondern ruhige Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht. Im März bzw. April d. J. follten die Wahlen in die Arbeiter. fammern in Ljubljana( Laibach) und Belgrad erfolgen. Der Die Hauptparteileitung der Sozialistischen Bartei Süd Minister für Sozialpolitit erklärte einer Deputation des 3entral flawiens gibt befannt, daß ihr von einem Auflösungsdekret nad jetretariats der Arbeiterlammern, daß er die gegenwärtigen Arlich nichts bekannt ist, doch erwartet sie das. Weiter wird mitgeteilt: beiterfammern nicht aufzulösen gedente, und daß dort, Durch die neugefchaffene Lage und das Ber'ammlungsmo die Funktionsdauer abgelaufen ist, diese automatisch ver perbot ist jede öffentliche Attion der Partei unterbun- längert wird. 19. Januar 1919. Grundfesten des neuen Reiches gezimmert, während die Gewalten des Raisertums das Reich in die Katastrophe führten. Mit der Agitation des Allgemeinen Deutschen Arbeiter vereins für das allgemeine gleiche Wahlrecht begann der Wiederaufstieg der deutschen Demokratie nach 1848, Lassalles Wirken stand an der Wiege der machtvollen Arbeiterbemofratie, die nach dem Zusammenbruch die Retterin der staatDie Geburtsstunde der demokratischen Republik. Heute vor zehn Jahren- am 19. Januar 1919- fanden die Wahlen zur verfassunggebenden Deutschen Nationalverfammlung statt. Die Verordnung der Boltsbeauftragten vom 30. November 1918 hatte ein provisorisches Reichswahlgefeßlichen Einheit des deutschen Volkes wurde. geschaffen, den Frauen das Wahlrecht gegeben, das Wahl alter auf 20 Jahre herabgesezt und die Verhältniswahl eingeführt. Die Zahl der Wahlberechtigten stieg gegenüber der legten Reichstagswahl auf das Dreifache. Am 19. Januar gaben 30 400 000 Männer und Frauen ihre Stimmen ab- 83 Broz. der Wahlberechtig ten. Der Bahlatt verlief ohne Störung. Eine Woche vor der Wahl hatten in Berlin blutige Straßentämpfe stattgefunden dennoch wurde auch in Berlin die Wahl durchgeführt, ohne daß es zu Störungen gekommen wäre. In der Durchführung der Wahl und in der gewaltigen Wahlbeteiligung lag das Votum des Volkes für die demofratische Republik. Unmittelbar nach dem militärischen zu sammenbruch, nach dem Auseinanderfallen des faiserlichen Regimes, mitten in der Demobilmachung. fand diese Mahl statt. Es scheint heute ein Wunder. daß sie mit solcher Ruhe und Disziplin durchgeführt werden fonnte. Es war eine g'anzende organisatorische Leistung der Verwaltung- mehr aber noch ein glänzendes Zeugnis politischer Reife des deutschen Volkes. Das Bolt offenbarte den festen Willen. feinen Staat selbst zu ordnen. nachdem die Monarchie zerbrochen, der Railer ge flüchtet war. Die deutsche Demokratie trat fest und geschlossen aus den Trümmern des Raiserreichs hervor. Das Botum des Boltes vom 19. Januar ist die eigentliche Grundlage der Berfaffung von Weimar- diele Wahl war ein Willensaft eines souveränen Boltes, das die Grundlagen seiner staatlichen Ver faffung felbft bestimmt. Ein Bolt das in folcher Situation faft bis zum lekten Mähler gefchloffen an die Wahlurne geht, muß im tiefften Innern demokratisch fein. Die deutiche Demokratis mar lehen dia auch unter dem Kaiserreich trok der effeln die die ers faffuna Bismards ihr angelegt hatte. Die Tradition von 1818. mar nicht erloschen neben fie aber war die junge Demofratie der fozialdemokratischen Arbeiterbemegung getreten. Der neue Staatsgebante lebte in den breiten Maffen des Boltes, als die moriche Spike des alten Staates noch verächtlich von den vaterlandslofen Gefellen" forach. Als die effeln fielen. brach er machtvoll hervor. Die inzia demofratische Arbeiterbewegung wurde zur festesten Stüße der Deutschen Renublit. Die Mahl vom 19. Sanuar zerfchlug die Hoffnungen derer, die auf einen Berfall des Reiches nach dem militärischen Busammenbruch spekuliert hatten Sie war ein Ausdruck der Staatlich n Einheit. eine unübersteinhare Grenze gegen staatlichen Berfall wie gegen innere Anarchie. Wie hätte im Chaos der Niederlage diese Gefchloffenheit hervortreten fönnen ohne die Politisierung und Demokratisierung der Arbeiter schaft durch die deutsche Sozialdemokratie! Sie hat an den Das freie Wahlrecht ist das Zeichen. In dem wir siegen, nun wohlan! Die deutschen Arbeiter haben es fünfzig Jahre lang gefungen. Sie haben es nicht nur gesungen, sondern erlebt in ben Wahlschlachten, die im Kaiserreich die Macht der Sozial demokratie stärkten und durch die werftätigen Massen zur politischen Anteilnahme aufrüttelten. Ohne sie wäre der 19. Januar unmöglich gewesen! An diesem Tage brach das demokratische Grundgefühl des deutschen Boltes elementar hervor. Diese Tatsache in ihrer grundlegenden Bedeutung mögen jene bedenten, die immer noch nach der Illusion haschen, daß man die deutsche Demo tratie eines Tages zerbrechen tönne. Luftangriff gegen Amanullah! Der Dant für seine Flugzeugbeschaffung. Kairo, 18. Januar. Der neue afghanische König Habibullah hat den Oberbefehl über alle Streitfräfte Afghanistans übernommen. 3um Kriegsminister ist General Nadir han ernannt, einer der nächsten Mitarbeiter des neuen Königs während der vorangegangenen Kämpfe. Bier afghanische Flugzeuge flogen am Freitag nach Ranbahar, um einen Luftangriff gegen Amanullah zu unternehmen. Der neue König erflärte Bertretern der Geistlichkeit, daß alle Reformen Amanullahs abgeschafft werden. Er per fönlich sei für die Wiederherstellung des Kalifats. In der Nähe von Kabul sprengten die Aufständischen während der Kämpfe ein Bulvermagazin in die Luft. 3nagat auf britischem Boden. New Delhi, 18. Januar. Inayatullah und seine Familie haben auf Grund einer Bereinbarung mit dem neuen Emir Habibullah in englischen Flugzeugen Kabul verlaffen. Sie sind auf dem Bege nach& an. bahar in Peshawar( Britisch- Indien) eingetroffen.( Diefer weg ist ein Umweg!) Aber in Wirklichkeit fann man es sich gar nicht vorstellen. daß das alte faiserliche Deutschland in eine sachliche Erörterung über das Für und Wider des Frauenwahlrechts eingetreten wäre, ja, mir haben heute überhaupt teine Borstellung mehr davon. wie groß die Vorurteile waren, mit denen man jeder öffentlichen Betätigung der Frauen gegenüberstand. Ohne die Revolution hätten wir wahrschein noch sehr lange auf die Gleichberechtigung warten fönnen Bir denten an dle perfloffenen zehn Jahre und eine ganze Reihe von Fragen taucht vor uns auf. Wir sehen die Maffen der Wählerinnen und fragen uns: Haben die zehn Jahre Staatsbürgerrecht schon erzieherisch gewirkt? Beschäftigen fich die Frauen richtig und verständig mit den Fragen des öffentlichen Lebens und bringen sie ihr eigenes Leben immer in die richtige Beziehung zur Staatsgemeinschaft? Es ist immer nach den Wahlen untersucht worden, wie start die Frauen sich daran beteiligt haben und wie sie zu den einzelnen Barteien stehen. Und wir sind, von unserem fozialdemokratischen Gesichtspunkt aus mit ziemlicher Bestimmtheit stets zu der Schlußfolgerung gekommen, daß wir noch sehr intensive Erziehungsarbeit zu leisten haben, um die wahlfähigen Frauen im gleichen Prozentverhältnis wie die Männer an der Wahl und für die Bartei zu intereffieren.- Die Möglichkeit für die Frauen, fich politisch zu organisieren( Reichsvereinsgefek. 1908), unb das durch die Revolution erhaltene Wahlrecht ist den Frauen in einer Zeit wirtschaftlicher und sozialer Umwälzung ge geben worden, die das Frauenleben ganz besonders start mit ergreift. Die Stellung der Frau ist wirtschaftlich und sozial einer so starten Veränderung unterworfen worden, daß damit die Entwicklung einer ganz anderen Frauengeneration vor fich gehen mußte. Dieses Heranwachsen eines neuen Frauentyps muß notwendigerweise das Erwachen und die Entwicklung der geistigen Teilnahme am öffentlichen Leben begünstigen Aber ist es nicht ebenjo notwendig, daß ber männliche Staatsbürger, dem eine viel längere Zeit für seine politische Erziehung zur Verfügung gestanden hat, fich mit den Konsequenzen der politischen Gleichberechtigung und sozialen Entwidlung vertrauter macht, als das bisher geschehen ist? Also nicht nur nach der erzieherischen Auss wirkung der Gleichberechtigung auf die Wählerinnen, fon bern auch auf die Wähler haben wir Wert zu legen. Und ich tomme bei der Beantwortung der gestellten Frage zu dem Schluß, daß hier wohl ein Anfang gemacht ist, die Partei aber noch immer eine Aufgabe zu erfüllen hat. Es ist in beftimmten Kreifen der Intelligenz und des fintsgerichteten Bürgertums üblich und mir in Frauenfreifen in der lekten Reit besonders deutlich geworden, mit einer gewissen Verächtlichkeit von Barteien" und..Partei politit zu sprechen. Man will sich nicht parteinolitisch binden, d. h. mon will sich feiner parteinolitischen Disziplin unterwerfen. Es gibt eine ganze Anzahl intelligenter Menschen, die nach Einfluß streben, darunter sind auch sehr piele Frauen. Sie lavieren aber zwischen den Barteien herum und verfuchen fich überall das herauszufuchen, was ihnen gerade pakt. Und schlieklich sind sie unzufrieden, wenn das öffentliche Leben und beſtimmte Schichten der Bevölke rung ihnen feine Einflußsphäre geben. Sie haben nicht be griffen-vielleicht läßt es ein gewiffer Düntel gar nicht zu, daß man sich im Zeitalter her Demokratie zu einer Partei betennen muß. Die Sozialdemokratie wird oft genug von Leuten bekämpft oder start kritisiert, die gar nicht miffen, daß sie selbst sozialistisch denken. die sich noch nicht die Teheran über Stambul, 18. Januar. Mühe gemacht haben. Die Sozialdemokratie, ihre Grundsäke Die persische Regierung hat den Grenzschuß gegen und ihre Tattit richtia anzusehen. Sie nehmen fich dadurch, Afghanistan verstärkt. Man ist mit den Borgängen in Afghanistan daß sie sich nicht in Reib und Glied stellen. selbst die Mögrecht unzufrieden, da man einen reattionären Einlichkeit. einen stärkeren Einfluß auf das öffentliche Leben fluß auf Perfien befürchtet. Nach persischen Angaben verfügt auszuüben. Amanullah über 4000 Mann Truppen, die in der Lage sein sollen, Kandahar zu schüßen. Unruhe in Persien. Oft wird auch die Frage aufgeworfen: Was haben denn eigentlich die gewählten Frauen in den Parlamenten getan? Auch hier kommen wir bei der Beantwortung wieder an die parteipolitischen Bindungen, die für die Frauen genau so vorhanden sind wie für die Männer. Es ist öffent- iich festzustellen, daß die Frauen in den Parlamenten in diesen zehn Jahren außerordentlich viel an Initiative undTatkraft entwickelt haben. Das ist geschehen sowohl in der allgemeinen Gesetzgebung wie bei Spezialgesetzen, und sie haben ganz besonders viel'Zähigkeit und Ausdauer be- wiesen, wenn es sich darum handelte, in einzelnen Gesetzes- bestimmungen Rechte für Frauen, Kinder und Jugendliche zu verankern. Und sozialdemokratische Frauen haben sich darin ganz besonders ausgezeichnet, während rechtsstehende Frauen — man denke nur an Paula Müller-Ottfried und die Todes- strafe— bewiesen haben, daß„weibliches Fühlen" sich durch- aus nicht immer von dem Grundsatz des„Aug um Auge, Zahn um Zahn" entfernt. Aber davon abgesehen muß man objektiv konstatieren, daß die Gesetzgebung der letzten zehn Jahre, von der Verfassung angefangen, ganz unverkennbar den weiblichen Einfluß zeigt. Wenn ich hier nur die R e i ch s- wochenhilfe, die Zulassung der Frauen zum Schöffen- und Ge s ch w o r e n e n a m t, zum Ar- beitsrichter und zur beruflichen juristischen Laufbahn erwähne, wenn ich an die M i l d e r u n g d e s §218 des S t r a f r e ch t s erinnere, das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt und das Gesetz über die I u g e n d- gerichtshilfe, das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten erwähne, so geschieht das, um nur an«inigen auffälligen Beispielen den weiblichen Ein- fluß auf die Gesetzgebung aufzuzeigen. Dabei ist aber auch zu konstatieren, daß die sozialdemokratischen Parlamentarie. rinnen es insofern verhältnismäßig leichter hatten, als sie in ihrem fraktionellen Arbeitskreis nicht so viele Hemmungen zu überwinden hatten. Der Entwicklung und Verwirklichung bestimmter sozialer Gedanken in der Gesetzgebung kommt das passive Frauenwahlrecht sicher zugute, es ist damit schon manche Bresche in bllrgerlich-männliches Denken geschlagen worden. Natürlich findet auch das seine Grenze in den rein weltanschaulichen Bindungen, bei denen die Frauen(z. B. des Zentrums, siehe Ehegesetzgebunq) sicher ebenso starr am Dog- matischen festhalten, wie die Männer. Aber über alles Erwähnte hinaus muß doch auch festge- stellt werden, daß es sowohl im Reichstag wie im Preußischen Landtag— abgesehen vom Präsidium, aber das ist nicht ihre Schuld— kaum ein Amt, eine Funktion, einen Ausschuß gibt, woran Frauen nicht beteiligt sind. Und— wo sie tätig sind, da walten sie mit Eifer, Pflichttreue, Geschick und Sachlichkeit ihres Amtes. Und gerade dieser Sachleichkeit und dem selbst- verständlichen parteipolitischen Einreihen der Frauen ist es geschuldet, daß man von ihrer Arbeit recht wenig svricht. Man nehme es mir nicht übel, daß ich in diesen Tagen, in denen viele Genossinnen auf diese Zeitspanne zurückdenken. der Arbeit der Frauen anerkennend gedenke. Es hätte sich sicher viel hübscher gelesen und vielleicht auch besser gewirkt, wenn das ein Mann getan hätte. Aber gesogt mußte es werden. » Nachschrift der Redaktion. Die Genossin Iuchacz hat vollkommen recht, wenn sie bemerkt, daß die Ar- beit der Frauen im Parlament, insbesondete die unserer Ge- nossinnen, mehr Anerkennung in der Oeffentlichkeit verdient, als sie bisher gefunden hat. Vielleicht liegt das aber gerade daran, daß mon sich zu rasch daran gewöhnt hat, die Gleich- Wertigkeit der Frauen- und der Männerarbeit im Parlament als etwas ganz Selbstverständliches anzunehmen. Jedenfalls gibt es heute keinen mehr, der sich die Mitarbeit der Frauen aus den vertretenden Körperschaften noch wegdenken könnte. Auch ist in den zehn Jahren, seit die Frauen in den Parka- insnten sitzen, kaum eine Stimme gehört worden, die sich für die Wiederbeseitigung des Frauenwahlrechts eingesetzt hat. Darin liegt die stärkste Anerkennung sowohl für die Frauen, wie auch für die Sozialdemokratie, die den Frauen das gleiche Staatsbürgerrecht gegeben hat. Kn'egsfahnen in der Bendlerstraße. Reichswehr flaggt gegen Republik. Die Gebäude der Reichswehr in der Vendlerstraße, Leipziger und Wilhelmstraße waren gestern reich beflaggt. Don allen Fahnen- mästen wehten stolz die Fahnen Schwarzweihrot. Sonst hatte in der Wilhelmstraße, Unter den Linden, ain Platz der Republik kein Regie- rungsgebäude Flaggenschmuck angelegt. Dürr und trübe starrten auf der Reichskanzlei, dem Auswärtigen Amt, den preußischen Ministerien die Fahnenstangen in die klare Luft. Wie in oller Welt tarn die Reichswehr gestern zu ihrem Flaggenschmuck? Groener ist zwar auf den Tag genau vor einem Jahr« zum Reichswehrminister ernannt worden. Aber um seiner selbst willen kann kein Minister sein Amt beflaggen. Es Handell sich um eine monarchistische Demonstration. Am 18. Januar vor 58 Iahren war die Kaiserproklamation in Versailles. Das ist ein Datum, das unter der Monarchie niemals gefeiert worden ist, schon deshalb nicht, weil nicht der 18., sondern der erste Januar 1871 der Reichsgründungstag ist. Dieser 18. Januar wurde zur Kaiserproklamation auch nur deshalb ausgewählt, weil an diesem Tage 170 Jahre früher der Kurfürst vonBranden- b u r g sich selbst in.Königs"berg die Königskron« aus» Haupt setzte. Seitdom nannte er sich von„Gottes Gviden", die irdische Erlaubnis dazu hatte er freilich gegen bar dem Habsburger Kaiser des alten Deutschen Reiches abgekauft. Und diesen 18. Januar aus der Zeit des trübsten Reichszerfalles soll die Republik feiern? Der 18. Januar ist eine monarchistische, erst in der Republik gegen die Republik erfunden« Feier. Sie wird einzig vom Reichs- wehrministerium und— natürlich— auch der Universität begangen. Alle anderen Reichs- und preußischen Aemter denken nicht daran, diesen Unfug mitzumachen. Es wird dringend Zeit, daß mit diesem Flaggenseparatismus der Reichswehr endlich Schluß gemacht wird. Um der Reichswehr willen, die dienendes Glied der demokratischen Republik werden soll, und um der Republik willen, die als einen Unglück-tvg den Tag zu betrachten hat, an dem durch die Koiserprotlomation der Hohenzollern Oesterreichs Los- reißung von Kleindeutschlond besiegelt wurde. Die monarchistische Demonstration des Reichswehrministeriums wurde noch dadurch unterstrichen, daß ebenfall« gestern die Be> förderungen der Reichswehroffiziere bekanntgeben wurden. Das war früher an Kaisersgeburtstag üblich. Der dänische Derleidigungsmlnistor erklärt gegen D-Haupinngen Dembourn» vor dem Reichsgerichi, kein dän-scher G-neralstabs- Offizier hob« mit Lcmbourn in Verbindung gestanden, ein vcrab- schiedetee Generalstäbler bobe dies gleichfalls in Abrede gestellt, ein Reserveosiiztcr habe erklärt, mit Lembourn nur Handels- torrcspondenz geführt zu haben, Reichstag am 24. Januar. Oer Arbeitsplan bis Ende Januar. Der Aettestenrat des Reichstags hat beschlossen, daß die nächste Reichstagssttzung am Donnerstag, dem 24. Januar, nachmittags 3 Uhr, stattfinden soll. Als Berawngsstofs liegt für diesen Tag der Gesetzentwurf über die Wartegeld- empfänger vor. Am 25. und 26. Januar soll dann das Steuerve.reinheit- lichungsgesetz beraten werden. Montag, der 28. Januar, bleibt sitzungsfrei wegen des Parteitages der Wirtschaftspartei. Am 29. Januar wird der Reichstag voraussichtlich wieder zu- sammentreten, um die neue Vorlage der Regierung über die Ler- sorgung der Kleinrentner zu behandeln. An den folgenden Tagen soll dann die Handwerlernovelle zur Gewerbeordnung auf der Tages- ordnung stehen._ Ltttimaium an die Neichsregierung. Defchluß der bayerischen Vauernkammera.- Oie Folgen der Agrardemagogie! München. 18. Januar.(Eigenbericht.) Di« am Freitag in München von allen bayerischen Bauern- kammern veranstaltete N o t t u n d g e b u n g, zu der etwa 500 Bauernvertreter erschienen waren, verlief ohne Zwischenfall. Dazu trug die Begrüßungsrede de» Ministerpräsidenten Dr. Held bei, in der er gleich zu Beginn die mit Landbundgift tünsttich erregten Gemüter dämpfte. Anders als man es sonst von ihm schon oft gehört hat, machte er lhen verhetzten Bauern plausibel, daß die Rot der Land- Wirtschaft in erster Linie eine Folge des verlorenen Kriegs fei. Zehn Jahre Kriegsende seien«ine zu kurze Zett, um wieder zu einer blühenden Wirtschaft zu kommen. Der Minister- Präsident hat auch, doch nicht allein dieReichsregierung für alle Röte verantwortlich zu machen, denn sie müsie oben aus- führen, was der Reichstag ihr vorschreibe. Das Reichskabinett hat gestern den neuen Iahresetat für 1929/30 verabschiedet. Der Reichsfinanzmcnister Dr. H i l f e r d i n g sprach am Abend vor Vertretern der Presse über die Schwierigkeiten der Etatsausgleichung, die in großen Kreisen der Wirtschost sehr unter- schätzt würden. Der Hilferding wies darauf hin, daß das im außerordent- lichen Haushalt des Reiches vorliegend« Defizit von 660 Mil- lionen Marl unter keinen Umständen leicht genommen werden dürfe. Das ergebe sich am deutlichsten, wenn man von der Kassenlag« des Reiches ausgehe, denn auch die Ausgaben des außer- ordentlichen Etats müßten ja gezahlt werden. Aus den bewilligten Mitteln des ordentlichen Etats, d. h. aus den übertragbaren Aus- gaberesten, seien 600 Millionen für den außerordentlichen Etat ver- bucht und jetzt bereits bis 550 Millionen ausgegeben worden. Nur die Möglichkeit der Schatzwechselausgabe von 400 Millionen, die zum Jahresschluß 1928 fast voll in Anspruch genommen worden ist. stand für die Beschaffung von Kassenmitteln zur Verfügung. Ende Dezember 1928 sei der Gelddruck so stark ge- wesen, daß vorübergehend neben der Begebung der Schatzwechsel bei der Reichsbahn 150 Millionen, bei der Reichspost 145 Millionen, beim Reichsamt für Arbeitsvermittlung 10 Millionen, bei der Preußenkasse 100 Millionen geborgt werden mußten. Da wegen der großen Arbeitslosigkeit au die Reichsanstalt der Arbeiislosenversicherung wenigsten» 80 Millionen Kredite gewährt werden müssen, sei für Ende März 1929 sicher mit einem Kassenbedars von 1 Milliarde Marl zu rechnen. Das K50-Million«n« Defizit des außerordentlichen Etats sei eine hochernste Angelegen- helt. Di« Ausgaben seien gemacht; sie müßten gedeckl werden, und nur die schlechte Lage des Kapitalmarktes verbiete die Anforderungen neuer Anleihen. Um so größerer Nachdruck müsse auf spar- samste Wirtschast gelegt werden. Schon früher von Dr. Hilferding als Abgeordneter geforderte Bestimmungen würden setzt in die Reichshaushallsordnung übernommen. Danach dürfen Ausgaben des außerordentlichen Etats nur noch mit Zustimmung des Finanzministers gemacht werden, und dieser werde seine Zustimmung nur geben, wenn auch die Deckung für dies« Ausgaben vorhanden ist. Die Verfügung über die Jlusgaber�D wird vom Flncmzminifler abhängig gemacht, und vor allem wird der bisherige Uebertragungs- und Deckungsvermerl— der bekanntlich besonders bei der Marineverwaltung zu den Lohmann-Skandalen geführt hat— im Etat beseitigt. Mit der Bemerkung, daß die bisher im außerordentlichen Etat geführten 55 Millionen für die produk- tiv« Erwerbslosenfürsorge jetzt auf den ordentlichen Etat übertragen worden seien, ging Finanzminlster Dr. Hilferding auf den Mehrbedarf des Reiches cm ordentlichen Etat und auf die neuen Steueroorlagen über, die wir an anderer Stelle behandeln. Gegen- über den in der Oeffentlichkeit vielfach vertretenen Anschauungen, daß der Steuermehrbcdarf des Reiches aus Ersparnissen bei den einzelnen Ministerien gedeckt werden könnte, so daß Steuerer- höhungen überflüssig seien, war der Nachweis des Reiche- finanzministers sehr eindrucksvoll, wie Nein die Posten sind, bei denen der Spargedanle überhaupt durchführbar ist. Zwangsläufig und deshalb für Ersparnisse überhaupt nicht zu erreichen, seien die Kriegslasten mil 3.4 Milliarden. die Ueberweisungeu an die Länder mit 3.5 Mil- liarden, die sozialen Ausgaben mil 0,75 Milliarden, die Reichsschuld mil 0,45 Milliarden. der Persoualaufwand einschließlich Heer. Marine und Pensionen mit 1 Milliarde. so daß insgesamt von den 9,9 Milliarden Reichsousgaben nur rund 800 Millionen zur Prüfung iür mögliche Ersparnisse übrig bleiben. 850 Millionen Mark seien von den Resorts mehr angefordert worden. Demgcgen- über sehe der Reichsetat nur 528 Millionen Mehrausgaben— Im gleichen Sinn« bremsend wirkten auch die sorgfältig auf. gesetzten Referate, die sich in nichts van den dutzendsach gehörten Reden bei ähnlichen Anlässen der letzten Jahre unterschieden. Nur der bayerische Landbundsührer und deutschnational« Landtags- abgeordnete Brägel hetzt« gegen die Sozialidemokratie und drohte mit wilden Maßnahmen der Bauern. Ein Teil der anwesenden Bauern war mit der vierstündigen Kundgebung durchaus unzufrieden. Er erklärte offen, daß mit so schönen Reden gar nichts gedient sei und setzt« zum Schluß eine Entschließung durch, in der es heißt: ..Die deutsche Landwirtschasl steht am Ende ihrer Kraft und stellt der Relchsregierung eine Frist bis zum Eode der Erule 1929. Sind bis dahin ihre Forderungen nicht erfüllt, dann stellt die Landwirtschaft ihre Arbeil nad die Belieferung der Städte ein und richtet ihre Mirt- schaff nur mehr ein für die Ernährung der Famllie und der Dienstboten." lieber Genossenschaften, Bäckereien, Brauereien usw., die Aus- landspradukte verarbeiten und in Verkehr bringen, will die bayerische Landwirtschaft im übrigen den Boykott verhängen. Durch die Bezirksbauenikammern sollen Stichproben in den Geschäften vor- genommen und die Namen der Geschäfte veröffentticht werden, die gegen die Forderung der Bauern verstoßen. Ein« ander« Ent- schließung verlangt die Schonung desBesitze» auf steuerlichem Gebiet, Abbau der Soziallasten und Beiziehung eines landwirtschaftlichen Dertreters zu den bevorstehenden Reparätions- Verhandlungen. Llnbefländiges Wetter. Di« Telegva-phen-Unlon meidet aus Schwerin: „Der für den 20. Januar angesetzte Landesparteitagdsr Deutschnationalen Dolkspartei für Mecklenburg-Strelig ist wegen des unbeständigen Wetters bis auf weiteres abgesagt worden." Auf Schönwetter bei Hugenberg werden sie noch lang« warten können! darunter allein 313 Millionen neue Reparationslast— und 170 Millionen Minderausgaben gegenüber dem vorigen Etat vor. so daß sich Netto nur«in Mehr von 358 Millionen Mark ergebe. Gegenüber dem vorjährigen Voranschlag sei zur Deckung des Mehrbedarfes vorgesehen, daß aus den 170 Millionen Mehrüberweisungen an Ländern und Kommunen vorweg 120 Millioneu an da» Reich abgeführt werden, daß au» den lleberschüssea der Reichs- p o st 40 Millionen mehr dem Reiche zufließen. daß 165 Millionen aus der Erhöhung der Bterstener. 90 Millionen aus dem Branntweinmonopol. 20 Millionen aus der Aenderung des Erbschaslsflencr- g e s e h e», 104 Millionen aus einem 20prozenligen Zuschlag zur Vermögenssteuer fließen sollen. Der Minister erinnerte daran, daß die heutige Bier st euer- erhähung zurzeit von dem(deutschnationalen!) Reichsfinanzminister Schlieben selbst vorgeschlagen war. und zwar unter Zustimmung der Minister des Zentrums und unter der Zustimmung der Bayerischen Bolls- Partei. So bedauerlich die Erhöhung der Steuern sei, so dürfe mit dem Gedanken eines dauernden Defizits unter gar keinen Umständen gespielt werden, und zwar schon mit Rücksicht auf außcnpolilische Gründe, die gerade vor den Reparotionsoerhandlungen von entschei- dender Bedeutung seien. Der Reichsfinanzminister führte dann wörtlich ans: Die Regierung hat in Erfüllung ihrer Aufgabe, den Derpflich- cungen gegenüber den Gläubigerländern zu genügen und dennoch Deutschland die Ordnung seiner Finanzen zu erhalten, neue Opfer für die Wirtschast vorschlagen müssen. Danach wird das Gleich- gewicht im Reichshaushatt gewährleistet sein. Damit ist aber die Frage noch nicht beantwortet, ob die Aufrechterhaltung des Druckes der gesamten Steuern auf mehr als ein Jahr möglich ist und nicht schon die Belastung dieses Jahres mühsam errungen« Fortschritt« bedroht. Das Primär der Staatswirrschaft gegenüber manchen Wirt- schastserwägungen ist harter Zwang. Es kann sich nicht darum handeln, ein Defizit im Reichshaushatt zuzulassen mtt allen daran anknüpfenden Folgen für Wirtschaft und Finanzen, mit der Aussicht auf eine Kassenlag«, die den geordneten Gang der Verwaltung stören würde. Es bleibt nur übrig, den Steuerdruck zu verschärfen. Schon einmal, als es gatt, die Währung zu stabilisieren, Hot Deutschland durch ein Opfer, da» zum Teil der Substanz der Wirtschast ent- nommen war, den Ucbergang zu einer besseren Zeit zu schafien ver» mocht. Zeßt Ist die Frage der Endregeloag der Repara. lionen aufgeworfen. Es gilt dle Lahn freizumachen für eine Regelung, die Deutschland notwendig eine wesentliche Er- leichte rang seiner Lasten bringen muß. soll sie wirtschaftlich vernünftig sein. Aus dem ehrlichen Willen, bis zu dieser Lösung auszuhallen. auch mit Anstrengungen die sich für länger« Zeit kaum aufrecht er- hallen lassen kann der Schluß nicht auf Leistungsfähigkeit, sondern nur auf Leistungswillen gezogen werden. Deutschland Zweifel» nicht, daß unabhängige Sachverständige dies erkennen und keine Mühe scheuen werden, das echte Maß der deutschen Leistung»- fähigkeit zu ermitteln. Deutschland verzichtet in diesem Augenblick aus Worte der Abwehr gegenüber Forderungen, die ohne Rücksicht auf die echte Wirtschaftstraft Deutschlands und sein onerkannle» Recht auf angemessene Lebenshaltung seiner Bevölkerung erhoben werden. Es Hot die Unobhängigleit der Sachverständigen gefordert und ist der Ueberzeugung, daß besser als Wort» die wirtschaftlichen Tatsachen selb st zu seinen Gun- sten sprechen werden. « Nach den Angaben des Reichsfinanzministers b a l a n» ciert der Etat in Einnahme und Ausgabe mit 9921 M i l l i o n e n M a r k. Er ist also um Aö8 Millionen höher als der Etat des Jahres 1928. Dieses Steigen der Ausgaben des Reiches ist zu einem wesentlichen Teil zwang?- läufig, da allein die Reparationskosten sich um 312,5 Mil- lionen Mark erhöhen und eine Steigerung von 68 Millionen bei den Ueberweisungeu an die Länder vorgesehen ist. Ins- Ziund 10 Milliarden Reichsetat! Hilferding über Gparmöglichkeiien und Steuern.- Zur Erleichterung der Reparationslasten. gesamt enthält der Etat Mehrausgaben von S28 M i l- Honen, denen Wenigerausgäben von 17V Mit- l i o n e n gegenüberstehen. Die Mehrausgaben, abgesehen von den bereits oben erwähnten, entfallen auf die produktive Erwerbslosenfürsorge mit 55 Millionen, die Zuschüsse an die Invalidenversicherung mit 15 Millionen, die Krisenfürsorge mit 2V Millionen und andere Mehrausgaben von insgesamt 53,5 Millionen. Die Wenigerausgaben verteilen sich aus die Tilgung bei der Reichsschuld um 5V Mil- lionen, der Versorgungsrenten um 3v Millionen, der Aus- gaben der Reichswehr um 23 Millionen, des Noiprogramms um 46 Millionen und der Kleinrentner um 15 Millionen. Soweit diese Angaben bereits ein Urteil gestatten, scheint der Schwere der allgemeinen Finanzsituation entsprechend die Forderung nach Ersparnissen im gewissen Um- fange erfüllt worden zu seilt. Ob in ausreichendem Maße und an den richtigen Stellen, läßt sich allerdings nicht über- sehen und wird erst nachgeprüft werden müssen, wenn der gesamte Etat vorliegt. Immerhin ist die Tatsache bemerkens- wert, daß die Erhöhung der Ausgaben nicht viel über die Erhöhung der Reparationslasten hinausgeht, und daß es dem Reichsfinanzminister gelungen ist, den Fehlbetrag, der ur- sprünglich 856 Millionen betrug, auf etwas über 500 Mtl- lionen hcrabzudrücken. Entscheidend für die Stellung zu diesen Ersparnissen ist aber die Frage, mitwelchenMittelnsie erziell wurden. Prüfstein hierfür ist in erster Linie die Höhe der m i l i t ä- rischen Ausgaben. Seit 1924 ist Jahr für Jahr die Ausgabe für Heer und Marine gestiegen und zwar von 457,6 Millionen im Jahre 1924 auf 726,6 Millionen im Jahre 1923. Der neue Etat weist eine Ausgabe von 703,8 Millionen auf. bleibt also um 22,8 Millionen hinter dem vorjährigen Ansatz zurück und bringt damit zum erstenmal eine Senkung der militärischen Ausgaben. Als bescheidenen Versuch, die von den Militärs als zwangsläufig angesehene Steigerung der Ausgaben ein- zudämmen. kann man diesen Rückgang der militärischen Aus- gaben wohl ansehen. Angesichts der schwierigen Gesamllage des Reidhes aber wird man diese geringfügige Senkung als unzulänglich betrachten und von der Beratung im Reichstag wesentliche weitere Abstriche verlangen müsien. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die sozio- len Ausgaben im neuen Etat höher sind als in früheren Jahren. Für die produktive Erwerbs- losenfürsorge werden 30 Millionen, für die Invalidenversiche- rung 15 Millionen, für die Knsenfürsorge 20 Millionen mehr verlangt, während die Ersparnisse bei den Versorgungsrent- nern und Kleinrentnern rechnungsmäßiger Art sind und nicht zu einer Kürzung der Renten führen. Die gesamten Aus- gaben des Arbeitsministeriums für die Sozialoersicherung steigen von 450,6 Millionen im Jahre 1928 auf 468,5 Millionen im Jahre 1929, die Ausgaben für die Erwerbslosen- fürsorge von 125 auf 175 Millionen. Insgesamt weist der Etat des Reichsarbeitsmini st eriums, der im Jahre 1924 nur 165,5 Millionen betrug, für das Jahr 1929 eine Steigerung auf 643,5 Millionen auf. Dasi st gegen- über 1928 eine Steigerung um 66,9 Millionen. Auch diese Wendung zum Besseren muß anerkannt werden, ohne daß damit zugleich gesagt ist. daß nicht trotzdem auch innerhalb des neuen Etats eine weitere Berücksichtigung sozialer Wünsche angebracht und möglich ist. Das Reichskabinett ist bezüglich der Steuererhöhungen dem Reichsfinanzminister gefolgt, so daß die Rechtskreise, die wegen der beantragten Erhöhung der Vermögens- und Erb- fchaftssteuer bereits mit heftigem Widerstand durch die bürger- lichen Minister, mit Koalitionskrise und ähnlichem gerechnet haben, nicht auf ihre Kosten gekommen sind. Zweifellos stand der Reichsfinanzminister Dr. H i l f e r- dingvoreinerüberausfchwierigen Aufgabe. Ein zutreffendes Urteil über den neuen Etat muß anerkennen. daß das Jahr 1929 in dreifacher Beziehung ein Notjahr ist. Erstens sind in chm die Versäumnisse der Finanz- Politik früherer Jahre, durch die alle Reserven aufgezehrt wurden, wieder gut zu machen. Zweitens erhöhen sich die Reparationslasten automatisch. Und drittens wirft der allgemeine wirtschaftliche Niedergang mit feiner Anspannung der Ausgaben und der Verkürzung der Steuereinnahmen schwere Schatten. Daher wird zweifellos die Verabschiedung des Etats für 1929 sehr erhebliche Schwierigkeiten bieten und an das Verantwortungsbewußt- kein der Parteien, deren Vertrauensmänner in der Regierung sitzen, ungewöhnlich große Anforderungen stellen. Laut Hertz. Rayerische Volkspartei will austreten. Sie ist mit der Oeckungsvorlage unzufrteden. Die Reichstogskorrespondenz der Bayerischen Bolkspartei schreibt unter anderem: „Bon dem Augenblick an, da die Pläne des Reichsfinanzmüüsters über die Einzelheiten der Deckungsvorlage zur Kenntnis der Oeffent- lichkeit gekommen waren, hat sie einzelnen Punkten dieser Vorlage unter keinen Umständen zustimmen können. Die Bayerische Volkspartei hat ihrerseits in der Presse Vorschläge ge- macht, die bei einigem gutem Willen der übrigen Parteien durchaus akzeptabel erschienen. Was ist geschehen? Die Deckungsvor- schlüge des Reichsfinanzmini st«rs wurden im mesent- lichen angenommen. Um nur zwei Punkte herauszustellen: Die B i e r st e u e r soll um S0 Proz. erhöht werden und damit einen Mehrertrag von lüO Millionen bringen: der Anteil der Länder an den Ueberweisungcfteuern soll um 126 Millionen gekürzt werden. Damit sind die schlimmsten Besürchtungen, die man be> züglich der endgültigen Entscheidung des Kabinetts hegen konnte, nicht nur erfüllt, sondern noch um ein erkleckliches über- troffen worden. Der Etatsentwurs konnte, wie die Presse trotz der Vertraulichkeit der Aabinettsoerhandlungen bereits.zu berichten weih, nicht«in- stimmig verabschiedet werden. Die sehr entschiedene ablehnende Haltung der Bayerischen Voltkvartei, so heißt es weiter, ist durch den Minister im Kabinett zum Auedruck gebracht worden. Das vorgehen des Kabinetts hat also für den Vertrauensmann der Bayerischen Voltspartei im Kabinett eine Lage geschassea, die außerordentlich ernst ist. Der Fraktionsvorsitzend« der Bayerischen Volkspartel im Reichstag hat deshalb sofort Veranlassung genommen, die Reichetagsfrattion der Bayerischen Volkspartei auf nächsten Montag telegraphisch zur Stellungnahme einzuberufen. In politisch-porlcmenlarischen Kreisen ist man sich des Ernstes der Situation durchaus bewußt. Wir stehen also wieder einmal a m Borabend politisch«ntscheidungsooller Tag«. Afghanistan. Ach die arme Dynastie, So was überlebt sie nie? pariser Hetze um die Denkschrift. Wenn zwei dasselbe tun.... Paris. 18. Januar. sEigenhericht.) Bor«inigen Tagen erklärte der französisch« Marine- minister in der Kommer bei der Verteidigung des französischen Flottenbauprogramms, Frankreich wolle dem Frieden dienen, aber es beanspruche das Recht, sich zu verteidigen. Unter anderem erklärte das gleiche der deutsche Wehrminister in seinem M«- m o r a n d u m. Die französische Presse und zwar auch Linkeblätter stimmen der Auffassung des Marineministers zu, sahen aber in der des deutschen Wehrministers eine Gefahr für den Frieden. Wie der deutsche Panzerkreuzer einen»neuen strategischen Faktor und den Beginn eines neuen Rüstungswsttbewcrbes" darstellen soll, so wird in der Denkschrift Groencrs«in höchst gefährliches Militärprogramm entdeckt und auf die Tatsache, daß deutsche militärische Stellen mit der Möglichkeit eines Krieges mit Polen rechnen, als auf ein ganz neues Moment hingewiesen, das auf die internationale Lage die schwersten Rück- Wirkungen hoben könne. Der..Temps' genügt auch diesmal seiner Aufgabe, alle ver- streuten Verdächtigungen Deutschlands zu einem eindrucksvollen Ganzen zusammenzufassen. Das Blatt erklärt am Freitag in seinem Leitartikel, der von Anfang bis zu End« von dem Memorandum handelt, das Dokument kläre über die Möglichkeiten auf, mit deren Aufzeigung man besonders die Sozialdemokraten davon überzeugen wolle, daß Deutschland so starke Derteidigungsmittel besitzen müsse, als der Vertrag es ihm gestatte. Es sei gar nicht sicher, ob die Auffassung der Generäle nicht genau so gefährlich für den Frieden sei wie die Angrisfsstimmung der Reaktionäre. General Groener halte offenbar nicht viel von Locarno, Völkerbund und Kellogg-Pakt. Es fei zu hoffen, daß Reichskanzler Müller und Dr. Stresemann eine ander« Auffassung besäßen: andererseits müsse man an der Aufrichtigkeit des Vertrauens Deutschlands in die Friedenspolitik verzweifeln. *' Als 6 e g n e r des Panzerkreuzerbaues, die wir waren und bleiben, find wir um so besser in der Lage, gegen die Stimmungsmache der Pariser Presse Stellung zu nehmen. Was die Groenerfche Denkschrift besonders charakterisiert, ist ihre Belantzlosigkeit und die Schwäche ihrer Argumentation. Wäre genau dasselbe Schriftstück seinerzeit regulär veröffentlicht worden, kein Mensch im Aus- lande hätte sich über seinen Inhalt aufgeregt. Vom Standpunkt des Reichswehrmini st eriums ist die jetzt auf illegalem Wege erfolgte Veröffentlichung sehr peinlich. Aber nur gegenüber der eigenen öffentlichen Meinung: denn die„Marinefachleute" der Bendlerstraße stehen blamiert da und ihre Aussichten für weitere Kreuzer- baupläne, die so mangelhaft gerechtfertigt werden, sind ge- funken. Vom Standpunkt derauswärtigenPolitik braucht man die Veröffentlichung nicht zu bedauern: denn sie beweist, daß selbst in einer streng geheimen Denkschrift des Reichs- wehrministers, die nur für einen ganz engen Kreis bestimmt war, ledi glich defensive Motive angeführt wurden. Die Geheimhaltung aus Gründen der„nationalen Verteidi- gung" konnte Gott weiß was für gefährliche Gsdankenüber- gange vermuten lassen, die man nicht nur dem Auslande, sondern auch der friedliebenden erdrückenden Mehrheit des deutschen Volkes um jeden Preis verheimlichen müßte. Statt dessen spricht aus der Denkschrift ausschließlich eine offen» kundig übertriebene Angst vor polnischen Angriffsplänen. Daneben werden„hochpolitische" Ge- dankengänge über die englisch-russischs und die i t a- Henifch-jugoslawische Spannung und die Unoer- meidbarkeit kriegerischer Konflikte entwickelt sowie über die Notwendigkeit der Wahrung der deutschen Neutralität— Gedankengänge, die nur von dem außenpolitischen Dilettantismus der Bendlerstraße zeugen, keineswegs aber von finsteren Offensivplänen der eigenen Wehrmacht. Es ist aber ein starkes Stück, wenn der„T c�n ps" in Tönen sittlicher Entrüstung die Frage aufwirft, ob denn Müller und Stresemann ebenso wenig an Locarno, an den Kellogg-Pakt und an den Völkerbund glauben wie Groener und die deutschen Reichswehrgeneräle. Diese Frage müßte der..Temos" mindestens mit demf'lben RecH �»n eigenen Ministern Painlevs, Leygues und auch B r i a n d stellen die gegenwärtig Rüstungsplänc ganz ande- rer Art durchführen. Richtig ist, daß Locarno, Völkerbundsstatut und Kellogg- Vakt sinnlos werden, wenn man überall trotz alledem Milliarden für Rüstungen zum Fenster hinauswirft. Um so mehr müssen wir es entschieden zurückweisen, wenn franzö- fische Journalisten, die tapräplich Militarismus und Imperio- lismus predigen oder begünstigen, pharisäerhafte Entrüstung über die inhaltslose Groenerfche D-nkschrift markieren und mit frommem Angenaufschlag den Geist des Locarno-Vaktes, des Lölkerbundsstatuts und des Kellogg-Paktes anrufen! polen und die Groener-Oenkfchrist. Warschau, 18. Januar.(Eigenbericht) Die Presse der so ungeheuerlich rüstenden Pilsudski-Regicrung bemitzt natürlich die Londoner VerösfeMlichung der Groener-Denk- schritt zu einem prasselnden Entlastungslärm. Aber auch demo- kratifche Potititer weifen darauf hin. daß die Veröffentlichung kurz vor der Diskussion des nationaldemokratifchen Antrags gegen die Rheinlandräumuitg erfolgt sst und den Deutschland- feinden starke Trümpfe in die chand spielt. Die offiziös«„Epoka" sagt, daß Polen keinerlei Appetit auf deutsche Gebiete besitze und keinerlei Maßnahmen und Schachzüge in dieser Richtung betreibe. Das Expose des Außenministers Zalefki Hab« hierüber nicht die geringsten Ztveifet be- lassen. Das Blatt greift Groener scharf an und bezweifelt, das, er seine Denkschrift nur auf Grund falscher Jnformatinnen ver- faßt habe.„Niemand wird es wagen," sagt das Blatt wörtlich,„an der Ehrlichkeit und Uebcrzeugung des deutschen Reichskanzlers Müller zu zweifeln. Aber während der Reichskanzler erst vor kurzem betont hat, daß der Bau des Panzerkreuzers keinerlei inili- törische Zwecke verfolgt, enthält die Denkschrift ganz anders Hintergründe." PPS. für Rüstungseinschrönkungen und gegen Groener-Denkschrist. Warschau, 18. Januar.(Eigenbericht.) Ja der heukigca Sitzung des haushaltsausschufles gab Genosse Dr. Liebermana folgende Erklärung ab: „Als polnischer Sozialist, der vom Regierungslager verdächtigt wird, dem polnischen Staate im Auslande zu schaden, be- Haupte ich. daß die ia der Groeuersche» Deutschrist ent- halkenen voraussehungen, daß Polen einen U e b e r s a l l aus deutsches Skaatsgebiet plane, Lügen seien, die nur dazu dienen sollen, die deutschen Rüstungen zu begründen. Daraus müsse p o i e u die Lehre für sich ziehen, um n i ch k aus Grund von Fiktionen auch im eigene» Lande die Rüstungen heraus. zusehen. Die polnischen Rüstungen entsprechen lediglich der inter. nationalen Lage und haben nicht zum Zwecke, irgendeinem der Nachbarn Polens Land fortzunehmen." Dr. Liebermann halle bekanntlich in der vorgestrigen Sitzung einen Antrag auf herabsehung der Rliiitärdienstzeit auf ein Jahr und Verringerung des Heeresbestandes um 2 5 Proz. gestellt, was ihm von feiten des Regierungs. lager» die schärfsten Vorwürfe, auf die er in seiner Erklärung anspielte, eingebracht hol. Kellogg-pakt in Warschau ratifiziert. Warschau. 18. Januar.(Eigenbericht.) Der polnische Ministerrat hat in seiner heutigen Nachmittags- sstzung den Kellogg-Pakt ratifiziert und die Ileberweisimg an dos Parlament veranlaßt. Afghanistan zerfätti! Die abenteuerliche Ziucht AmanullahS. London, 18. Januar.(Eigenbericht.) Wie jetzt bekannt wird, beruht die seinerzeit verbreitete Mcl- dung, wonach Amanullah im Flugzeug von Kabul nach Kandahar geflohen sei, auf einem Irrtum. Amanullah war vielmehr ge- zwangen, im Auto zu fliehen, da Bachai Sakoo bereits den Flugplatz besetzt hatte. Die Flucht Amatwllahs vollzog sich unter den abenteuerlich st en Umständen, da der Exkönig hierbei tellweije von feindlichen Stämmen besetztes Gebiet durchqueren mußte, wobei Schneeverwehungen die Fahrt noch besonders er- fchwerten. Amanullah hat den Gouverneur von Kandahar angewiesen, die königliche Standorte, die am Tage seiner Ankunft aufgezogen morden war, herunterzunehmen, da er nicht länger König oon Afghanistan sei. Die im einzelnen noch stark widersprechenden Berichte stimmen mehr oder weniger darin überein, daß Afghaniston nun in verschiedene Teile gespalten ist. Amanullah beherrscht das Gebiet von Kandahar und Batscha-i-Sakau mit den Mangol- Stämmen Kabul, während in anderen Testen weder' der eine noch der andere sich auf ein« sichere Gefolgschaft berufen kann. Vor der Schneeschmelze im Frühling werden größere Kriegsmoß- nahmen nicht erwartet. Krach im Raiionalrai. Esti Pfarrer verteidigt die gewalttätigen He mwebrler. Wien, 18. Januar.(Eigenbericht.) Im Nationalrat kam es zu stürmischen Szenen bei der zweiten Lesung des Staatshaushalts. Als der christlichspziale Pfarrer Kalb die Hcimwehren verteidigte, riefen ihm die Sozial- demotraten stürmisch zu, es sei ein Skandal, daß er als Priester den Verteidiger der Heimwehren spiele. Genosse A b r a m-Tirol schilderte dann das Treiben der Heimwehren bei ihrem Aufmarsch in Innsbruck und erledigte die Beschwerde Kalb», daß die Eisen- bahner damals die Arbeit eingestellt hätten, mit der Feststellung, die Eisenbahner hätten durch ihre Arbeitseinstellung zweimal Tirol gerettet. Diese Aeußerung entfachte bei den ChrlsUichsozialen ein minutenlanges Toben, das schließlich in Auseinandersetzun- gen zwischen rechts und links fein Ende fand. Die sächsischen Brandleristeu geben in Dresden ein« eigene Zeitung heraus, die den Namen»Arbeit erpolittT führt. Verschlechterung durch Reform? Das Arbeitsschutzgesetz in der Reichsratsfaffung. Der Reichsarbeitsminister Wissell hat in der öffentlichen Bollfigung des Reichsrats vor der Schlußabstimmung hervor gehoben, daß durch die Beratungen zum Teil beachtenswerte Berbefferungen in den Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes hinein gebracht worden seien. Nach diesem kleinen Kompliment hat der Reichsarbeitsminister jedoch sofort mit Nachdrud gegen die Ausschußbeschlüsse in der Frage der Kostendedung und der neuen Arbeitszeitbestimmung für die fleinen Betriebe, die bis 5 Arbeiter beschäftigen, Stellung genommen. übereifrigen Mittelstandsrettern zuliebe im Reichstag Kämpfe entfesselt werden? Daß alle Gewerkschaften und mit ihnen die sozialdemokratische Fraktion gegen die unnötige neue Bevor. zugung der kleinen Betriebe mit aller Energie anfämpfen werden, liegt auf der Hand. Die Reichsregierung sollte daher, bevor die Vorlage an den Reichstag geht, den Stein des Anstoßes aus dem Wege räumen. Es gibt noch genug wichtige Probleme, die bei der Erörterung der Arbeitsschutzgefeßvorlage im Reichstag behandelt werden müssen. Da ist zum Beispiel die Frage der Arbeitsaufsicht, Die Differenz in der Kostendeckungsfrage ist in der Schlußabstimmung wieder beseitigt worden. In der Ausnahmebehandlung der kleinen Betriebe blieb es jedoch bedauerlicherweise bei dem Ausschußbeschluß, obwohl der Reichsarbeitsminister ausdrüd über die noch ein ernstes Wort gesprochen werden muß. Im Reichslich hervorhob, daß die Reichsregierung nach eingehenden Erwägun- rat ist, fomeit man im Augenblic sieht, in diesem Bunft die Borgen zu der Ueberzeugung gefommen sei, durch die Fassung des lage so gut wie unverändert geblieben. Die Partitularisten verEntwurfs allen Ansprüchen auch aus Handwerksfreisen geschiedener Länder haben natürlich für die Forderung der freien nügen zu fönnen. Der Ausschußbeschluß schießt nach der Auf- Gewerkschaften auf Schaffung einer Reichsarbeitsaufsicht, faffung des Arbeitsministers weit über das Ziel hinaus. Tatsächlich die diesen Namen auch verdient, nichts übrig. Hoffentlich holt da schafft er eine generelle der Reichstag hier noch manches nach. Ausnahmestellung der kleinen Betriebe. Auch sonst bietet die Borlage nach den vom Reichsrat vor. Die Ausnahmebehandlung der fleinen Betriebe, die gefahrgenommenen Veränderungen für die Gewerkschaften ein wenig er liche Folgen für die Arbeitszeitregelung heraufbeschwört und freuliches Bild. Es wird bei genauer Betrachtung der Berhan auch die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ge- lungsergebnisse des Reichsrats manche Berböserung ficht fährdet, muß verschwinden. Am besten wäre es, wenn der bar. Ein endgültiges Urteil ist natürlich erft möglich, wenn das Reichstag fich erst gar nicht mit ihr beschäftigen müßte. Sollen Gesamtresultat der Reichsratsberatungen veröffentlicht ist. Wie lebt der deutsche Arbeiter? schrieben: C Herrn Parker Gilbert gewidmet. Bon Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns geDie Löhne der Reichs- und auch der preußischen Staatsarbeiter bewegen sich auch heute noch, nach den Ortstlaffen geftaffelt, zwischen 49 und 75 Pf. pro Stunde für den ungelernten Arbeiter und zwischen 65 Pf. und 1 M. pro Stunde für den gelernten Handwerter. Das Gros der ungelernten Reichs- und preußischen Staatsarbeiter befindet sich an Orten, wo das Netto- Einkommen eines ungelernten Arbeiters fich zwischen 24 und 30 m. pro Woche bemegt, das des gelernten Handwerkers zwischen 32 und 40 M. Das sind Löhne, hie nicht einmal zur allernotwendigsten Bestreitung der Lebensbedürfnisse ausreichen. Irgendwelche Möglichkeiten, durch Atfordverdienst oder sonstige Zulagen etwas mehr zu verdienen, besteht für diese Arbeiter nicht. Bei allen Lohnbewegungen der letzten Jahre ist den Arbeitern Dom Reichsfinanzministerium immer wieder vor Augen gehalten morden, daß die Reparationsverpflichtungen es nicht zulassen, höhere Löhne zu bezahlen. Es wäre sehr zu wünschen, menn die Herren Sachverständigen und besonders der Reparationsagent, um die wirkliche Lage des deutschen Volkes und der deutschen Arbeiterschaft einmal fermen zu lernen, sich auch einmal die Mühe machen würde, in den Haushalt eines solchen Arbeiters etwas umschau zu halten. Die berufsübliche Arbeitslosigkeit. Das Marimum als Regel. Der Grundstein", Organ bes Deutschen Baugewerksbundes, beschäftigt sich in einem ausführlichen Aufsatz mit der praf. fischen Durchführung der Anordnung über berufsübliche Arbeitslosigkeit durch die Organe der Reichsanstalt. Er wendet sich mit Recht dagegen, daß die marim alfrist von vier Monaten in so weitem Umfange ausgenutzt wird. In interessanten Untersuchungen führt er den Nachweis, daß bei einer vernünftigen Organisation der Bautätigkeit für eine so weitgehende Anwendung der berufsüblichen Arbeitslosigkeit fein Grund besteht. Zum Schluß des Auflages heißt es: Ständen der Wohnungswirtschaft diese von ihr aufgebrachten 800 Millionen Mart für den Wohnungsbau zur Verfügung, so würde die Bauarbeiterschaft nicht nur im November und Dezember beschäftigt werden können, sondern durch technische Hilfsmittel und planmäßige Drganisierung der Arbeit würden auch die Witterungseinflüsse in den Monaten Januar und Februar weit gehend überwunden worden sein. eine dreieinhalb bis viermonatige Arbeitslosigkeit, die mindestens zum großen Teil lediglich tonjuntturell bedingt ist, amtlich für berufsüblich ertlärt wird, dann müssen wir schon heute Die Forderung auf eine grundsäglich andere Regelung für das nächste Jahr, wenn nicht auf eine Nachprüfung der Entschei bungen der Landesarbeitsämter erheben. Tegtilarbeiterstreif. 3n den sächsisch- thüringischen Webereien. Die Arbeiterschaft in den sächsisch- thüringischen Webereien arbeitet schon seit Ende September ohne Zarif bertrag. Ihre Lohnforderung murde von den Unternehmern glatt abgelehnt, troßdem von einem schlechten Ge schäftsgang absolut nicht die Rede sein fann. Da nun erneut jede Lohnerhöhung von den Unternehmern abgelehnt worden ist. find in den letzten Tagen 16 Betriebe im Tarifgebiet in den Streif getreten. In Gera vier Betriebe mit 1200 Arbeitern und Arbeiterinnen, Langenberg ein Betrieb mit 250 Arbeitern und Arbeiterinnen, Greiz zwei Betriebe mit 800, Glauchau vier Betriebe mit 1700 und in Meerane fünf Betriebe mit 11 000 Arbeitern und Arbeiterinnen. leumbungsfeldzug gegen den Fabritarbeiterverband Beute beteiligt gewesen sind, die in den Reihen dieser Organisation selbst stehen, werden sie von der Organisation megen ihrer gewerkschaftsschädigender Tätigkeit noch zur Rechenschaft gezogen werden. Der Ausgang dieser Wahl hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß das Gros der Berliner Fabritarbeiter es ablehnt, mit folchen gewerkschaftsfeindlichen Elementen Schulter an Schulter zu stehen. Sie haben es fatt, ihre Gewerkschaft zum Spielball der Moskauer Spaltungspolitit machen zu lassen. Die Flaufen der Nordwestlichen". Der erste Ruhrschiedsspruch rechtlich einwandfrei. Der Profeffor der Rechte an der Universität Köln Franz Haymann veröffentlicht soeben eine juristische Erörterung über den Schiedsspruch im Ruhreifenstreit,) die angesichts der bevorstehenden Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts von hervor ragender Bedeutung ist. Der Streitpunkt, der dort zur Entscheidung stehen wird, ist bekanntlich die Frage, ob, wenn in der Schlichterfammer ein Mehrheitsbeschluß nicht erzielt werden kann, weil der Schlichter sich weder der Ansicht der Arbeitgeber noch der Ansicht der Arbeitnehmer anzuschließen vermag, der Schlichter allein einen Schiedsspruch rechtsgültig erlassen fönne. Während die erste Instanz diese Frage verneint hatte, hat in zweiter Instanz das Landesarbeitsgericht Duisburg entsprechend der auf seiten der Arbeitnehmerschaft herrschenden Auffassung für die Rechtsgültigkeit eines solchen mit der Stimme des Schlichters allein erlassenen Schieds. spruches ausgesprochen. Professor Haymann, der durch eine scharfsinnige Arbeit über das Wesen der Mehrheitsentscheidung zur Erörterung gerade der vorliegenden Frage eine besondere Zuständigkeit befigt, stellt sich mit eindringlicher und einleuchtender Begründung auf den Standpunkt des Berufungsgerichts, also den Standpunkt der Rechts. gültigteit bes Schiedsspruches im Ruhreisenstreit. Er führt insbesondere aus, ein Schlichtungsrecht, das einen gerechten Arbeitsfrieden zu vermitteln und notfalls zu erzwingen bestimmt jei, fönne unmöglich dem staatlichen Schlichter. die unglückliche Rolle zugedacht haben, nur zwischen den übertriebenen Parteiforderungen der beiden Streitteile zu wählen. Soll der Schlichter nicht zum Spielball der Parteiinteressen werden, so muß ihm bei Unerzielbarkeit einer Verständigung das Recht zugestanden werden, einen vermittelnden Schiedsspruch zu fällen, der sich weder mit der Ansicht der Arbeitnehmer noch mit der Ansicht der Arbeitgeber in der Schlichterkammer zu deden braucht. *) Die Mehrheitsentscheidung in Rechtsprechung und Schlich hmg und der Schiedsspruch im Ruhreisenstreit." Berlag Walter de Grunter u. Co., Berlin W. 10. Preis 1 M Rudolf Behrend Die Berwaltungsstelle Berlin des Deutschen Matalarbeiter Berbandes hat einen schweren Verlust erlitten. Noch nicht 53 Jahre alt, ist ihr Angestellter, der Genosse Rudolf Behrend, plöglich und unerwartet verstorben. Dreiunddreißig Jahre gehörte er seiner Organisationen an. Troß der Schwierigkeiten, vor dem Kriege für die Großbetrieben, bis ihn feine Kollegen im Jahre 1914 als Ange 1906 bis 1914 verschiedene ehrenamtliche Funktionen in Berliner ftellten wählten. Ueberall stellte er seinen Mann. So mar er auch ats Beifizer im Mieteinigungsamt und im sozialdemokratischen Mieterverband tätig. Trog seiner jahrelangen tücfischen Stranfheit hat er mit Fleiß und Pflichttreue alle seine Aufgaben erledigt. Auch im Streit in der Teppichindustrie ist eine Bergewerkschaftliche Organisation zu wirten, befleidete er vom Jahre schärfung eingetreten. Nachdem in München Bernsdorf fünf Betriebe der Teppichindustrie mit etwa 1100 Arbeitern am 10. Jamuar in den Streit getreten sind; fpfgten nun auf die Betriebe der Teppich und Filzschuhindustrie in Gera, so daß die Zahl der Streifenden in dieser Industrie auf ungefähr 2100 stieg. Die Gesamtzahl der Streitenden beträgt rund 6000 Abfuhr für Moskau. Die Fabritarbeiter für Amfterdam. Bied hat pieder einmal eine Schlacht verloren Die Berliner& abritarbeiter haben seinen Befehlen nicht Folge geleistet, sondern sich in ihrer Mehrheit wieder zu den Reformiſten" befannt. Donnerstag hat die sogenannte„ revolutionäre Oppofition" die per" Bei den Wahlen der Delegierten zur Generalversammlung am diente Quittung für ihre verlogene und organisationsfeindliche Heze bekommen, die sie in der letzten Woche gegen die Ortsverwaltung getrieben hat Kategorisch hatte Bied feinen Mannen befahlen, 60 Pro3. ber Generalversammlungsdelegierten aus den Reihen der Opposition zu stellen. Mit rund 30 Prozent, affo genau der Hälfte der erstrebten Generalversammlungsfize missen sie sich begnügen. Im Bezirk Prenzlauer Berg, den die Amsterdamer im Vorjahre erobert hatten, gelang es ihnen zwar, Die wirtschafts- und steuerpolitische Sünde, die in der Bermenmit einer Stimme Mehrheit über die Amsterdamer einen Sieg" bung von auszinssteuermitteln für den allgemei- baponzutragen, wofür ihnen aber die Bezirke Oberschöne weide und Adlershof von den Amsterdamern abgenommen wurden. nen Finanzbedarf der Länder liegt, haben bisher schon die In Lichtenberg und im Bezirf Kreuzberg blieben bie Wohnungslosen durch jahrelanges Warten und die Bauarbeiter durch für die fommunistischen Kandidaten abgegebenen Stimmen gegenüber monatelange Arbeitslosigkeit büßen müssen. Jetzt werden die Bau- den Zahlen des Borjahres erheblich zurüd. So entfielen z. B. arbeiter für diese Sünte, die nicht die ihre ist, noch besonders bestraft, indem die daraus entstehende Arbeitslosigkeit als durchaus natürlich und berufsüblich hingestellt und den Bauarbei. bern die Unterſtügung entzogen wird. Kein Wunder, wenn sich die Bauarbeiter bei dieser ungerechten Behandlung nicht beruhigen mollen. Benn die noch ausstehenden Entscheidungen für die übrigen Landesarbeitsamtsbezirte ebenso ausfallen wie die hier angeführten, Kranken- und Sterbefasse der im Lgemei en Verkehswesen eschäftigten Dronen und ver wand en Berufegenoffen „ Eintracht( B. a. G.) Bureau: Berlin N 54 Mul dtr. 19. | im Bezirk Kreuzberg auf die Amsterdamer Standidaten 98 und auf. die Kommunisten 56 Stimmen, während im Vorjahre das Ber hältnis noch 94: 88 für Amsterdam war. An der sicheren mehrheit der Amsterdamer Gemertschaftsgenoffen in der Generalpersammlung der Berliner Fabritarbeiter ist also auch durch die dies. jährige Wahl nichts geändert worden. Dieses Resultat ist um fo erfreulicher, als gerade diesmal zur Wahl der Fabrifarbeiter von der sogenannten Opposition mit den verwerflichsten Mitteln gearbeitet worden ist. Soweit an dem Ver Möbelläufer merie Arebit ntb bar Möbelbazaz, große Auswahl, tleine Breife! Beispiele: Die Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter Ver bandes verliert einen guten Berater und Freund, dessen Wirken für die große Sache der Arbeiterbewegung stets ein Vorbild, besonders für die jüngere Generation, sein wird. Achtung, SPD.- Solzarbeiter, Bezirk Nordwesten!( Wedding, Ge fundbrunnen, Moabit.) Wichtige Besprechung am Conntag, 20. Januar, Dormittags 10 Uhr, bei Sachse, Lindower Str. 26. Der Berbeausschuß. Gewerkicaft Deutscher Voltslehrer. Generalversammlung heute, Sonnabend, um 19% Uhr, im Zimmer 55 des Perliner Sathauses. Bericht über den Ber bandstda( ollege Benes), Geschäftliches, Wahlen( Vorstand, Bertreter im Be sirtsausschuß des ADB., Arantentassenobmann, Raffenprüfer). Zu dieser Generalversammlung haben nur Mitglieder Zutritt. Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter, Bezirk I, Mitte. Allgemeine Funktionärversammlung Montag, 21. Januar, 19 Uhr, Verbandshaus, Sohannisstr. 14-15, fleiner Caal, 3 x. Tagesordnung: Stellungnahme zu ben Wahlen. Freie Gewerffchafts- Jugend Grok: Berlin Achtung! Wochenendturfus Filbersdorf, Treffen um 19 Uhr Schletscher Bahnhof, Glasfuppel. Pie Conntagsfahrer treffen fid) um 8 Uhr an ber gleichen Stelle. Thema: Wirtschaftsdematratie." Unkosten ein. fchließlich Fahrgeld 1 M. Boranzeige! 3rfammer Lunft aller Grippenfe fimgen am Montag, 21. Januar, 19½ Uhr, im Jugendheim bes Deutschen Metall arbeiterverbandes, Berlin. 54. Linienftr. 83-85, II. Bortal, 2 Tr. Tages Referent Bruno To gt, being: 1. fundurite brewed aften. Arbeiter Tad'o- Bund. 2. Mitteilungen. Butritt nur gegen Borzeigung der Funktionärtarte fomie des Berbańbsbuches. Zucendaruvve des Rentralverbandes der Angestellten Seute, Connabend ab 20 Uhr, Poltstangturfus im Jugendheim Behrter Straße 18-19, Sofgebäude. Sebes intereffierte Mitglieb ist mommen Berantwortlich für Politik: Dr. Cuat Gener; Birtfchaft: G. Klingelhöfer; Gewerffchaftsbewegung: J. Sterner: Feuilleton: R. S. Dicher: Lokales and Sonstiges. 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Kleinke wurde mit in die Tiefe gen Luftdruck wurde ein Teil des Daches auf die Straße geriffen und verschüttet. Arbeitskollegen konnten dem Unglücklichen geschleudert. Sämtliche Wände und Türen in einem Umfange von feine Hilfe bringen, und der alarmierten Feuermehr gelang es etwa 25 Metern wurden zertrümmert. Wie durch ein Wunder find erst nach 50 Minuten unter großen Schwierigkeiten, den Ber Angestellte, die in Nebenräumen in nächster Nähe des Explosions schütteten zu bergen. Wiederbelebungsversuchte maren herdes beschäftigt waren, nicht zu Schaden gekommen. Nur bei den ohne Erfolg und der hinzugerufene Arzt der nächsten RettungsLöscharbeiten haben zwei Angestellte leichte Verletzungen erlitten. stelle stellte den Tod infolge Erstidens fest. Die Leiche wurde beDurch die Explosion, die in den Starfsfromtabeln hohe Ueberschläge schlagnahmt und ins Schauhaus gebracht. zur Folge hatte, traten in dem Leitungsneh größere Spannungsschwankungen ein, die in den Umformwerken 3offener Straße. Weißensee und Rathausstraße zu längeren Stromunterbrechungen Sonnabend, 19. Januar 1929 Präsident er selbst amiterte. Er verbrachte alljährlich mehrere Monate in München, wo es ihm dant seinem sicheren Auftreten geTang, zu vermögenden Kreifen gute Beziehungen zu erhalten. Er erklärte, daß er ein patentiertes Verfahren befize, um Goid zu erzeugen. Er erzählte von glänzenden Geschäften, die feine Gesellschaft mache, und versprach, daß er, für Kapitalien im Bierteljahr 20 bis 25 Broz. bezahlen werde. Durch diese Erzählungen erreichte er es, daß ihm eine Reihe von Persönlichkeiten hohe Geldsummen zur Verfügung stellten, die zum Teil 20 000 bis 30 000 m. betrugen. Bor einiger Zeit berief er nod) eine Generalversammlung der angeblichen Gesellschaft ein und erklärte, er wolle zur bevorstehenden Kapitalserhöhung seinen bisherigen Freunden das Vorrecht einräumen, durch Erhöhung der bereits eingezahlten Anteile der zu ermarienden hohen Dividende teilhaftig zu werden. Es scheint, daß die allgemeine Bildung der Münchener Geldgeber im umgekehrten Verhältnis zu ihren Kapitalien steht. Und darum wollen wir ihnen den Reinfall gönnen! führten. Einige Stadtteile wurden dadurch in völliges Dunkel geener aus der Beuffelstraße 27 zu Moabit beim lleber Die Versicherungen des Herrn Wrings. hüllt. Die Störungen konnten jedoch bald wieder behoben werden. so daß nach etwa halbstündiger Dauer die Stromzufuhren wieder einsehten. Gegen 48 hr ertönte im obersten Stockmerf des Umspann merfes Rathausstraße plötzlich eine heftige Detonation. Ueber den Fahrdamm in der Rathausstraße proficite ein Steinregen nieder: Sämtliche Fensterscheiben des Werkes gingen in Trümmer. Zunächst mußte niemand, was geschehen war. Zahlreiche Angestellte der Bewag eilten nach unten, da weitere Explosionen befürchtet werden mußten. Erst als sich die Aufregung etwas gelegt hatte, eilten mehrere Arbeiter nach oben. Das oberste Stockwert, in dem mehrere Delschafter stehen, zeigte schwere Berwüstungen auf. Ein Teil der Dachkonstruktion hatte Feuer gefangen. Größere Delmengen, die aus den Delschaltern ausgefloffen maren, hatten gleichfalls Feuer gefangen. Wände und Türen waren durch den gewaltigen Luftdrud eingestürzt Das ganze Stoɗwert zeigte in größerem Ausmaß das Bild wüftester Zerstörung. Auf den Alarm eilte die Feuerwehr mit mehreren Löschzugen an die Brandstelle. Die Straße marin meilem Umfange durch ein ftarles Aufgebot von Polizeibeamien abgesperrt morden. Zum Glück gelang es nach furzer Zeit, das Feuer mit Spezialfeuerlöschern zu erstiden, bevor noch größerer Schaden angerichtet wurde. Nach einstündiger Tätigkeit tomten die Wehren wieder abrüden. Ueber die Ursache der Explosion herrscht noch völliges Duntel. Eine Erklärung der Bewag. Ein meiterer schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang trug sich gestern um 14 Uhr in nächster Nähe des Bahnhofs Biesdorf zu. Dort wurde der 50jährige Monteur Friedrich fchreiten der Gleise von einem Güterzug erfaßt und auf der Stelle getötet. Nach den bisherigen Feststellungen ist F. das Opfer eigener unvorsichtigteit geworden. Fener hatte eigen machtig die geschlossene Schrante geöffnet, um noch einen im Bahnhof haltenden Stadtbahnzug zu erreichen. Er überhörte den herannahenden Güterzug und wurde überfahren. Auch der Straßenverkehr forderte gestern wieder ein Zodesopfer. Auf der Charlottenburger Brücke geriet der 26jährige Diplom- Ingenieur Mar Röhricht aus der Günzelstraße 19 in Wilmersdorf nach Berlassen eines Autobus unter eine Kraftbroschte. Dem Berunglückten wurde die Halsschlag aber aufgerissen, so daß der Tod nach wenigen Minuten Der Goldmacher von Eppan. Was in Bayern geglaubt wird! Bozen, 18. Jomar. Dr. Rennert vor Gericht- Aufmarsch von 35 Zeugen. Vor dem Großen Schöffengericht BerlinMitte begann der Prozeß gegen den Schriftsteller und Kaufmann Dr. Mag Rennert Diese Straffache beschäftigt die Staatsanwaltschaft bereits seit dem Jahre 1926, und die Anflage ist schon im Dezember 1927 erhoben worden; jie lautet auf fortgesette Urkundenfälschung und Betrug. Zu der Verhandlung find 35 Jeugen, darunter viele aus der Filmwelt und zahlreiche Sachverständige geladen. Der Angeklagte ist auch auf jeinen Geisteszustand untersucht worden. Medizinatraf Dr. Störmer iff zu dem Ergebnis gekommen, daß der Angeklagte in vollem Umfange verantwortlich sei. Hier wurde auf Grund zahlreicher Anzeigen aus München ein Riesenbetrug aufgebedt, bei dem eine Reihe bayerischer Bersönlich feiten um über zureieinhalb Millionen Reichsmart geschädigt wurden. In Eppan, westlich von Bozen, besaß seit ungefähr drei Bon der Direktion der Bewag wird zu dem eigenartigen Erpla- Jahren das Ehepaar Franz und Therese Tausend das fionsunglüd folgendes mitgeteilt: 3m Abspannwert Rathausstraße Schloß Pascha Bor einiger Zeit fauften die beiden ebenfalls in erfolgte ein ftarter Ueberschlag an einem Delschalter, der Eppan das Schloß ichberg Sie gaben für den Rauf und die cin kabel abschaltete, mobei größere Meugen Oel aus Ausstattung der Schlösser rund zwei Millionen Lire aus. Das Baar fraten. Das Del entzündete fich explosivartig. Durch diefe Ab- gab fich als oblig aus. Der Mann führte ben Titel eines Dottors schaltung entstanden im ganzen Stromneh Spannungsschinantungen. der Chemie. Jetzt erst bei der Berhaftung stellte es sich heraus, daß Infolge diefer Schwankungen wurden in den Stationen 3offener er ein einfacher Klempner war, während seine Frau früher Straße und Weißensee mehrere Umformer ausgelöst. Dadurch eine Refinerin mar. Tausend hatte in Freiburg eine Gesellschaft und deren Anwälte stellten daraufhin Dr. Rennert. Dieser wurde ein Teil des mit diesen Umformwerfen verbundenen Strom- sellschaft für chemische Studien gegründet, als deren netes fpannungslos, und der Strom fehle aus. Außerdem wurden die Bahnumformer im Kraftwerk Charlottenburg ausgelöst, modurch eine Störung von 3 Minuten auf der Stadtbahn verursacht wurde. Jm Kohlenbunker verschüttet. Bier tödliche Unfälle. Auf dem Betriebsbahnhof der Nordfüdbahn in der Müllerstraße 49 a ereignete fich gestern nachmittag cin fchwerer Unglüdsfall, bei dem der 31jährige Arbeiter Mag Kleinfe aus der Londoner Straße 3a einen entfehlichen Tod fand. Kleinte hatte sich auf einen Kohlenbunter begeben und hatte nerabfäumt, sich den sogenannten Rettungsgürtel um1] Der Aufruhr des Achiefen Calm Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Bezirksverband Berlin der SPD Den Toten der Revolution ist die morgen, Sonntag, den 20. Januar, vormittags 111, Uhr, im Mercedes- Palast, Neukölln, Hermannstr. 212/16, stattfindende Feierstunde gewidmet Mitwirkende: Der Gemischte Chor Gr.- Berlin( Mitgl.des A.S.B.) unter Leitung von GeorgOscar Schumann/ Ansprache: Mathilde Wurm, M. d. R. Musikdarbietungen Eintritt 30 Pf. Karten sind an der Kasse zu haben heran, von zwei diden schwitzenden Braunen gezogen, und hielt mit scharfem Rud. Auf dem Kutschbock saß ein bärtiger Mann in blauer Schürze, ein Handwerker anscheinend, der Materialien aus Leipzig oder Dresden geholt haben mochte. He, Frau Schulzen, rajch an Bier!" rief er im breitgroben Jargon des Landes zum Wirtshaus hinüber. Die dice Wirtin patschte mit dem schwappenden Glas über die Straße. Nanu, Herr Menge! Worum denne so fallemitt?" Roman einer Revolution. Don Gerhart Herrmann Mostar fammlung beite awend!" I. 1. Hoftheater. Vor dem einzigen Wirtshaus des Dorfes Oberpeißen, dessen wenige Häuser sich um die Straße zwischen der prunt Dollen Königsstadt Dresden und der fleinen Herzogsresidenz Bernburg eng und übelriechend drängten, hatte eben ein Reisewagen gehalten. Ein blasser Kopf, den die scharf gefrümmte Nase und die große Unterlippe etwas zu alt und die fast jünglingshaft weichen Baden wiederum zu jung erscheinen ließen, fah mit empörten Augen aus dem kleinen Türfenster. Was gibts denn schon wieder?" fragte eine dunkle, sehr männliche Stimme mit sächsischem Atzent. Sie wiffen doch, daß ich spätestens um fünf Uhr in Bernburg jein muß!" Sind Se ja auch, Herr! Wir sind ja schon im Anhalt. Bernburgischen. Noch ne Biertelstunde, denn sind Se ba!" Der Rutscher wies mit dem Beitschenstiel auf das Pferd. Aber jest muß ich erst zum Schmied. Liese hat en Huf Der Torn." Der Bassagier tletterte feife fluchend aus dem Wagen und ging langlam zum Gasthaus hinüber, deffen niebere Stube trop bes warmen Märztages noch start geheizt war; er bestellte bei der rundlichen Wirtin etwas Effen, trat fofort ans Fenfter und öffnete es weit. Seine schönen, großen Augen Streichelten mit verliebten Bliden die matt schimmern. den Knajpen der Kastanienbäume vor dem Hause, die samtene Schwärze der Aeder jenseits der Straße. Sonderbar eilig hatte es dieser Frühling des Jahres 1848 mit dem Empordrängen der Saaten, dem Aufschließen der Knospen, dem warmen, würzigen Wehen der Luft. Nicht nur da Draußen," dachte der Fremde. Auf der Straße ratterte ein Magen in schnellem Tempo Der Mann irant haftig. Ich will zu de BürjerverDie Wirtin schüttelte den Kopf. Nee, was ihr ammer 00 for Fifematenten macht! Seid er denn alle verridt jeworn? Eich jehts doch nich schlecht!" Der Gaft drinnen lächelte. Selbst durch Anhalt- Bernburg wehte die Zeit... ,, Das verstehn Se niche, Frau Schulzen! Ich tomme amen aus Dräsden da solin Ge ma jähn, wies da jeht! Trade, wie ich abfuhr, brannte das Hoftheater runner!" Der Fremde stürzte plötzlich aus dem Gastzimmer auf die Straße und zum Wagen hinüber, so schnell sein furzer Körper mollte. Was jagen Sie? Das Dresdner Theater brennt?" " ,, Un wie! Echade drum: es war en scheenes Jebeide!" Der große Kopf des Fragenden wurde leichenblaß. Seine Hand trallte sich zitternd in die blaue Schürze:„ Ist das wirklich wahr, das Hoftheater? Das Hoftheater... Sft vielleicht ein Archtitett Sind Menschen verbrannt? Semper Nee, nee, beruhijen Se sich doche! Es is teener nich verbrannt! Der Fremde fuhr fich mit beiden Händen an ben Kopf. Sa, wie ist bei das getommen? Wie tonnie Das ist ja benn bas tommen? Ich verstehe das nicht fürchterlichDer Mann auf dem Stutschbod zudte bie breiten Achseln. Das wees mer noch niche. Mer( a't, die Repofutionäre han es anjebrennt!" Unfinn! Was habent denn die Revolutionäre mit dem Theater zu tun!" ,, Sähn Se, das fa'e ich oo." Der Handwerker sah den Aufgeregten mitleidig an. Sin Sie von das Theater?" Jch ich hatte da manchmal zu tun.- 3a, um Himmelswillen! Dann fönnen ja gar feine Borstellungen mehr stattfinden!" Natierlich niche, wenns abbrennt!" fachte der andere Wie erinnerlich sein dürfte, hatte Dr. Rennert mit einer Reihe von Filmgesellschaften, u. a. dem Henny- BortenFilm, Eichberg- Film, National- Film, Bersicherungen für die LloydCorporation in London, die größte Bersicherungsgesellschaft der Weft, abgefchloffen. Die Bedingungen waren für die Versicherten ungemein günstig, und Dr. Remmert machte, da er in Filmkreisen gute Beziehungen hatte, in den Jahren 1923 bis 1926 glänzende Geschäfte. Er hat an Prämien rund 83 300 Mart ein= tassiert. Eingetretene Schäden hat er in Höhe von 44 160 m. gedeckt, so daß ein leberschuß von annähernd 40 000 m. verblieben ift. Durch einen Zufall erfuhr die Bersicherungsgesellschaft Gardner, Moutain& Co. London, die mit Lloyd in enger Verbindung steht, von den Bersicherungsgeschäften des Dr. Rennert, die sowohl in ihrem Namen als and) in dem von Lloyd abgeschlossen waren. Ein Dr. Rennert war in London gänzlich unbekannt. Bertreter der Geredele sidy damit aus, daß er selbst das Opfer eines Betrügers, eines Engländers William Wrings, der mit ihm als Vertreter von Lloyd einen Bertrag abgeschlossen hat, geworden fei. An diesen habe er auch die Prämien abgeliefert. Dr. Rennert fonnte aber feine Verträge und Quittungen von der Hand des angeblichen Brings, der in Hamburg, Alter Wall 10, sein Bureau haben soll, aufweisen. Die Ermittlungen der Untersuchungsbehörden haben ergeben, daß ein Brings weder in Berlin noch in Hamburg jemals eristiert hat. Die Anklage nimant daher an, daß Brings der große linbe fannte ist, den Dr. Rennert nachträglich erfunden hat, um seine betrügerischen Filmversicherungen zu decken. Ueber seine Persönlichkeit gab der Angeklagte an, daß er 1888 in Berlin geboren sei, studiert und in Heidelberg als Dr. jur. promoviert habe. 1920 war er zunächst hilfsreferent im Reichsfinanzministerium und trat dann als Volontär in | ,, Na, attchee oo, Frau Schulzen! Atchee, Harr Nachbar! Treesten Se sich man: se wärns schonn widder uffbaun!" Der Wagen ratterte davon. Nach einigem Grübeln wandte sich der Fremde an die Wirtin: Sagen Sie, Ihr Herzog von Anhalt- Bernburg ist wohl ein guter Fürst?" ,, Das will ich meenen!" strahlte die Frau. ,, An sehr juter Mann is daffe!- Ammer man so trant, so trant!" Krant? Was fehlt ihm?" beit des Fürsten zu äußern. Sie schwieg. Die Frau schien teine Lust zu haben, sich über die Krank,, Er tut auch was für die Kunst, nicht wahr? Ich meine: fürs Theater?" suchte sich der Mann dem Redestil der Wirtin anzupassen. Das wees ich nu nich so han se in Bärnborch!" -awwer an fcheenes Theater Der Reisewagen fuhr wieder vor. Der Fremde zahlte, ohne gegelsen zu haben, und stieg schnell ein. Na, das ist ja schön." Und dann mehr zu fidh: Dann fann ja noch alles gut werden." Nach einer knappen halben Stunde wollte der Kutscher den Wagen durch das enge Stadtor der fleinen Resibenz lenten. Aber die Tormache, ein Soldat in schwarzgelber Phantasieuniform, hielt ihn an und riß die Wagentür auf. Ihren Baß!" " Nanu, wunderte fich der Kutscher, das haben Sie doch seit Jahren nicht mehr so genau genommen!" Der Soldat zudte die Achseln. Befehl von oben. Wegen ber unruhigen Zeit." Der Mann in Wagen suchte feinen Paß. Er suchte lange, fein Geficht wurde rot, feine Bewegungen fahrig. Endlich wandte er sich mit hilfloser Gebärde zur Wache. Der Baß war nicht zu finden. " Ich muß ihn in Dresden gelassen haben. Ich begreife das gar nicht... vielleicht im Theater, da war id) zulegt... Ja, das hilft nun nichts. Denn muß ich Sie verhaften. Aber ich werde mich ja aud) so ausweisen tönnen. Mein Name ift Richard Wagner, föniglicher Hoffapellmeister aus Dresden." ,, Sachsen is Ausland," sagte der Soldat mißtrauisch. Da brauchen Ge for hier en Bag." Wagner hob verzweifelt die Arme. Ja, um Gotteswillen! In drei Stunden soll ich im Theater hier dirigieren, die Probe soll jezt beginnen!" ( Fortsetzung folgt.) Der Kampf ge, Vci der Redaktion des„Vorwärts' ist von verschiedenen Seiten angeregt worden, sie möchte dahin wirken, dah van der Stadtoer- waltung kostenfrei Mittel gegen die Grippe verteilt würden. Dieser Vorschlag läßt sich aber ohne weiteres nicht ver- wirklichen, da die Arzneioersorgmig der Bevölkerung zum größten Teil« und im allgemeinen durch die Krankenkassen erfolgt. Es wäre jedoch zu erwägen, daß sich die Vertrater der städtischen Gesund- heitsverwaltung mit den Krankenkassen in Verbindung setzen(dann aber recht bald!), um«ine solche Maßnahme in geeigneter oder ahn- licher Weise anzubahnen. Menschen, die bereits an einer Grippe erkrankt sind, bedürfen je nach den Erscheinungsformen und der Schwer« ihrer Erkrankung einer verschiedenen Art der Betreuung, insbesondere hinsichtlich der Berabreichung von Medikamenten bzw. der An- Wendling physikalischdiätetischer Teilmaßnahmen. Es ist notwendig. daß in jedem einzelnen Krankheitsfälle geprüft wird, welch Be- Handlung einsetzen soll, insbesondere deshalb, weil die Grippe jetzt im zunehmenden Maße Komplikationen, auch solch ernsterer Art, hervorruft. Um sich vor der Grippemptedung nach Möglichkeit zu schützen, sollte jeder bestrebt sei«, Menschenansammlungen nach Möglichkeit zu meiden und sich vor niesenden und hustenden Menschen, die in seiner Nähe sind, zu hüten. Die Ansteckung pflegt auch dann eher zu erfolgen, wenn der Insertion durch eine Er- kältunq Dorschib geleistet wird. Man schütze sich daher vor Kälte und Aug. Insbesondere soi die Frauenwelt davor gewarnt, durch eine allzu leicht« Bekleidung insbesondere der Beine und der Füße bei der jetzt herrschenden strengen Kälte sich einer Erkältungskrankheit mutwillig auszusetzen. Frühere Grippeepidemien in Berlin. Mit dem Winter 19 29, der uns wieder eine Grippeepide- mi« von bedenklicher Ausdehnung gebracht hat, vollendet sich das vierte Jahrzehnt der neueren Geschichte der Grippe. Im Jahre 1889 erlebten wir die erste Grippeepidemie des zen die Grippe. 19. Jahrhunderts, und seitdem hat die Grippe m keine« Jahr« unter den Todesursachen gefehlt. In Berlin buchte man als an Grippe gestorben im Jahr« l888 nur 2 Personen, aber 1889 plötzlich 51 und 1890 sogar 90 Per- sonen. Solche Zahlen waren damals ungewöhnlich und riefen stark« Beunruhigung hervor. Berlin hatte ja in ejner Zeit auch erst iM: Millionen Einwohner. Die nächsten Jahr« brachten eine noch höhere Grippesterblichkeit in wechselndem Auf und Ab. Als an Grippe gestorben wurden gebucht in dem Jahrzehnt 1891 bis 1900 126. 223. 336, 151, 178. 136. 216. 139. 170, 609 Personen, bei da- mals 2'Millionen Einwohnern. Es ist möglich und sehr wahrscheinlich. daß die Zahlen der Grippesterbefälle dieses ersten Jahrzehnts nicht ganz zuverlässig sind. Manche Grippe mag noch iricht richtig erkannt worden sein» aber gewiß ist auch mancher Todesfall irr- tümlich auf Grippe zurückgeführt worden. In dem neuen Jahr- hundert kam es mehrfach wieder zu schweren Grippeepidemien. Dos Jahr 1918, das Jahr des Zusammenbruchs nicht nur des Kriegs- Heeres» sondern auch der durch vierj übrige Entbehrun- gen geschwächten lieimatbeoölterung, tritt durch 1015 Grippe st erbefälle hervor. Davon lieferte der Otto. ber. der letzte Kriegsmonat, allein 199 Fäll«! Ei»« ähnlich schwere Grippeepidemie brach in der Geldentwertungszeit, im Jahre 1 9 2 2, über uns herein. Für die feit 1921 aus Berlin und den Vororten zusammengefaßte Einheitsgemeinde Groß-Berlin wur- den in den Iahren 1922—1927 gebucht 169,. 785. 988, 678. 416. 961 Grippesterbefälle.(Für 1928 liegen die Feststellungen noch nicht vollständig vor.) Wie stark oft die Lungenkowplitotionen beteiligt find. zeigt dos Jahr 1927. Unter den 961 Grippesterbefäll«, des Jahres waren 316 ohne näher« Angab« und 615 mit Lungenkomplikotionen. Die Verteilung auf die 12 Monat« des Jahre» läßt, wie ü, der Regel, eine sehr starke Beteiligung der Wintermonate erkennen. Von 961 Gvippesterbesällen wurden gebucht für Januar 121. Februar 210. März 101. April 31. Mai 28, Juni 1.3. Juli 22. August 9, September 11, Oktober 29. November 32. Dezember 18. Dürfen wir hoffen, daß auch die Grisfeepidemie. die jetzt auf uns lastet, in nicht ferner Zeit erlöschen wird? eine Versicherungsgesellschaft«in, m der er nachher Abteilung svor. stehcr für Filmoersicherungen wurde. Nach dem Ausscheiden war er selbständiger Bersicharungsageirt und nebenher zeitweise auch Re'oak- teur einer Filinzstung. Durch ein Geständnis des Angeklagten ging der Prozeß über» raschend schnell zu End«. Rechtsanwalt Dr. Roßspraag gab für den?lngeklogten eine Erklärung ab, in der er zugab, daß er den Schwindel allein begongen habe. Allerdings sei ein gewisser Wrmgs irgend einmal aufgetaucht und habe den Gedan- ken. mit gefälschten Policen von Lloyd Versicherungen in sich zu machen und mit lhilfe der vereimiahmten Prämien Schadenan- sprüche der Versicherten auszuzahlen, angeregt. Dieser Wrings sei dann aber verschwunden und er, der Angeklagte, Hab« den Plan dann selbst ausgeführt. Auf Grund dieses Geständnisses erübrigte sich die gesamte Beweisaufnahme, so daß die 35 Zeugen und Sachverständigen, ohne gehört zu werden, entlasten werden konnten. In dem Urteil berücksichtigte dos Gericht, daß der Angeklagt« sich in einer Notlage befunden habe und daß ein direkter Schaden nicht verursacht wovde» sei. Der Angeklagte wurde wegen fortge- letzter Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug zu9 Monaten Gefängnis verurteilt. Zluf die Strafe wurden ihm nier Mo» irate Untersuchungshaft angerechnet und für den Rest erhielt er drei- jährige Bewährungsfrist. Kolgen der Schneestürme. Verkehrssiockung im Hamburger Hafen. Mannheim. 18. Januar. Di« unvermindert anhaltenden Schneestürme der letzten Tage haben in der Pfalz zahlreiche Störungen hervor- gerufen. Von ollen Seiten kommen telephonische Hilferuf« um B«- freiung von eingeschneiten Fahrzeugen. Zluf der Kraftpoststreck« Zweibrücken— Land stuhl wurde die Weiter- sahrr nach Gerhardsbrunn eingestellt, da die B e r w e h u n- gan nicht zu überwinden waren. Kilometerweit ist der Zug der Landstraße nur cm den Bäumen zu erkennen, die mit ihren Spitzen aus dem Schnee herausragen. Im Reichsbahndirektions- bezirk Ludwigshafen gab es dank der getroffenen Maßnahmen bis jetzt keine großen Schwierigkeiten, und der Zugverkehr konnte ohne erhebliche Verspätungen abgewickelt werden. München, 18. Äinuor. Di« außerordentlich starken Schneefälle in Bayern haben zu größeren Verkehrsstörungen geführt Der Zugverkehr ließ sich teilweise nur mit großen Verspätungen ansrechterhalten. Der Postkraftwagenbetrieb im Obcrallgüu mußte vollkommen ein- gestellt werden. Auch im Bayerischen Wald sind sämtliche Postkraftwagenlinieil außer Betrieb gesetzt. Hamborg, l8. Januar. Die Eisschwierigkeiten im Hamburger Hafen und auf der Unter- ell>e nehmen infolge des anhaltenden Frostes(Hamburg verzeichnet« als niedrigste Temperatur in der vergangenen Nacht minus 12 Grad Eelfius) imm«r_m«hr zu. Die Schiffahrt ist nur noch für starke D a m p f« r möglich, die Kleinschiffahrt dagegen gänzlich lahmgelegt. Viele Fahrzeuge sitzen nach immer im Eise fest. Aus der Oberelbe ist das Treiveis jetzt auch bei Wittenberg« zum Stillstand gekommen. Die Eisbrecher auf der Oberelbe hatten mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen, daß sie ihre Tätigkeit einstweilen einstellen mußten. Nach einer Meldung aus Darchau soll dort eine Eis ver- jetzung im Entstehen sein, die durch da, ansteigend« Wasser und die sich stauenden Eismossen zu emer Gefahr für den Deich werden könnte. Da der Föhrbetrieb, der bisher noch über die Außenalster aufrechterhalten werden konnte, nunmehr auch eingestellt werden mußt«, hat die Polizei d«u Fußgängerverkehr über die Alfter auf einem gekennzeichneten Weg freigegeben. Im übrigen herrscht sowohl aus der Binnen- als auch auf der Auhenalster reges winterliches Leben und Treiben. Auch Rom im«Schnee. Rom. 18. Januar. Seit Freitag mittag fallen auch m Rum dichte Schnee- ilock en, die der Stadt einen seltenen winterlichen Anbllck geben. In den nahen Albaner Bergen liegt bereits hoher Schiree. Viele Römer pilgern hinaus, um d!« Seltenheit eines richtigen Winters zu genießen.___ Siellenfchwindel im Großen. Ein frecher Gaunertrick. Einen Stellenschwindel von noch nicht dagewesenem Ausmaß und Geschick hatte ein Gaunerkvnsortium ins Werk gesetzt. Er war so raffiniert ausgebaut, daß selbst kundige Augen ihn zunächst kaum durchschauen konnten. Vor einiger Zeit erjchien in verschiedenen Berliner Zeitungen ein Inserat, in dem für einen Villenhaushalt in einem Ostseebad ein Hausmeister gesucht wurde. Daraufhin meldeten sich viel« Hunderte von Bewerbern. Jeder erhielt ein Antwortschreiben aus Potsdam, 5)otel zum Einsiedler, und trug die Unterschrist»Rita G u g g e n- d e i m- B« n z'. In den' Briefe wurde den, Manne alles' Ersor- derliche dargelegt. In acht Tagen sollte er sich zur persönlichen Vorstellung in einem Luxushotel Unter den Linden einfinden. Ehe noch der Tag herankam, erhielten die Leute einen zweiten Brief, der angeblich von der Hand der Tochter stammte. Es hieß darin, daß die Mutter erkrantt sä und die Verabredung nicht innehalten lonne. Der AngewM ene wurde gebeten, selbst nach Swine- münde zu kom n� n. Erstattung der Reife- und anderen Ün- kosten wurde als sctbstocrstöitblich erklärt. Um jeden Zweiiel zu b-heben, wurde noch der Weg vom Bahnhof zur Villa ausführlich beschrieben. Die„Tochter' sprach dann aber die Bitte aus, der Haue.- master möge als ersten Dienst«in repariertes Schmuckstück abholen. Er möge den B e t r a g. sosern er nicht 100 M. erreiche, sreuichstchst auslegen, dos Geld werde er in Swinemünde sofort zurückerhalten. Der Firma sei bereit? Mitteilung gemacht: si-'verde einen Boten mit den Juwelen schicken. . Während dieser durchmis glaubwürdig abgefaßte Briefwechsel noch lief, wurden durch eine zweite Bekomitmachung junge B urlchen für leichte Botengänge gesucht. Sie wurden ,n ern Lokal in der Nähe des Potsdamer' Bahnhofes bestellt. Hier erhielt jeder«in hleines Päckchen, wie ein Wertumschlag, indem sich ein kleines Kästchen befand. Die Vorderseite des Umlchlages trug— wie sich spoter herausstellt-, die Adresse eines der Stellensucbenden. und an her rechten Seite den Vermerk— 85,—, resp. 80,— lOL_ wohlweislich also immer unter 100 M. So war, mit Rücksicht aus die vorangegangen« briefliche Mitteiluna. fast mit Sicherheit darauf zü xecknen. daß das Geld bezahst werden würde. Die Rück- fette dieses Umschlages trug den Aufdruck.Juwelenhaus Bluhm-Potsdo m". Inzwischen war die Kriminalpol'zei aber auf tu« Vorgänge aufmerksam geworden. Zunächst stellte sich heran-- daß die Familie Guggenh«im-Benz mit der Angeltoenheit n:cht das germqste zu schaffen hat. Auch alles andere war von Ansang bis zu Ende erlogen. Acht ver jungen Baten, die von den wirksichen Dingen keine Ahnung hatten, wurden auf ihren Wegen bev backtet und unaui- fällig verfolgt. Sie waren noch Empfang des Geldes zu einen Sammelpunkt an der Bülowsträße bestellt. Hier aber warteten sie nergeblich auf ihren?lusttaqgeber. Allem Anscheine nach hat d:c Gaunerbairde ihrerseits die Boten beobachtet pud dabei gemerkt. daß die Kriminalpolizei ihr auf der Spur war, denn niemand ließ sich sehen. Die Boten wurden angehallen und dos Geld den B«. Werbern wieder zugestellt. Hier bekam man auch den ganzen Brief. wtchfek in die Hände. Es seht daraus hervor, daß die Bewerber I freie MIMfcdie Msdiule Heule, Sonnabend, den 19. Januar, 19'/? Uhr, im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3 Vortrag des Genossen Prof. Dr. S. Marek-Breslau: „MelarisAer KnlMile»m HlasswiSanipr Karten rum Preise von JO Pfennig sind an folgenden Stellen tu baS-n; Bureau des Betirksbildungsausscbusses, Lindenstr. i,Z Hof links. 3 Treppen; Arbeiterjugend Groß-Bertin. Lindensir. 3, i Hof links, 2 Treppen: Buch bandiung J.H.W, Diett\echf» Lindnrstr. 2; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiter-Verband. Am Köllnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterstraße Ecke Luisenufer; Zigarrengeschift Horsch, Engelufer 24-25: AfA-Ortskartell. Engelufer 24/25. Oewerkschaftshaus; Verlag des Bildungsverbandes der deutsehen Buchdrucker, Drdbuodsir. 5; Zentralverband der Angestellten, Belle- Alliance-Str.7. vom 20. Januar ab staffelweis« sich quf den Weg noch Swinemünde machen solsten. Du: Enttausckpmg der leider nur wenigen Personen, die von den Kriminalbeamten aufgeklärt werden konnten, war ungeheuer groß. Sie waren kaum zu überzeugen. Erst als das „Wertpaket" geöffnet wurde, gingen ihnen die Augen auf. In dem Kästchen lag nichts als ein Stuck dicken Glases. Bei Gelingen des Streiches hätten die Betrüger in zwei Wochen mit einem„Ver- bienff von 60 000 bis 80 000 Dd. rechnen können. Wenn es gegen die weltliche Schule geht! Wenn se gegen die wellliche Schule geht, machen di« Kom- munisten und ihre Presse immer mit. In diesem Punkt— auch in vielen anderen Dingen— sind sie die besten Bundesgenossen der Reaktion. Jetzt wird ein Dorkommnis aus der Charlotten- burger 31. Gemeindeschule, die eine wettliche ist. als gefundenes Fressen von ihnen aufgegriffen. In dieser Schule hat ein Lehrer Rist au einen zehnjährigen Schüler so geohrfeigt, daß das Trommelfell beschädigt wurde und der Schüler mehrere Wochen an den Folgen litt und ärzlliche Hilfe in Anspruch nehmen muhte. Selbstverständlich verdient ein Lehrer, der zu solcher Behandlung eines Schulkindes sich hinreißen läßt, schärfste Verurteilung und nachdrücklichste Bestrafung im Disziplinaroerfabrcn oder vor Gericht. Aber zu Angriffen gegen die�wellliche Schule überhaupt oder gegen die Charlottenburger 31. Schule und ihren Leiter liegt wahrlich kein Anlaß vor. Es ist unwahr, daß der Rektor den Lehrer zu decken versucht hätte. Die Ellern des Knaben machten Einen Vortrog, der wesentlichen Filmproblemen zu Leib« ging, hielt Kurt Kromarsti. Der Titel, der Film in Wahrhell und Dichtung, traf allerdings den Kern der Ausführungen nickst völlig. Kramarski versuchte. Grundsätzliches zu der Frag- der heutigen Filmproduktton zu jagen. Er kennzeichnete die Verlogenheit unserer Filme, die«ine Welt, wie sie nicht mehr ist. heuchlerische Sentimen- taiität, umvahrhafttgc Lebensformen, immer wieder und wieder zu ihrem Inhalt mackjen. Er forderte Ehrlichkeit. Wertnoll war noch ein anderer Vonrag des Tages,„Sprechstunde beim Kinderarzt", den Dr. Leo Blumenthal mch Frau I. Oberländer brachten. Das appetitlose Kind, dem jede Mahlzeit unwillkommen ist und das durch seine geringe Nahrungsaufnahme der Mutter schwere Soroen be- rollet, gibt es ia vor ollem in den besser gestellten Kreisen. Dr. Blmnenthal wies daraus bin, daß häuf'g Eisen cmßerbalb der Mahkzellen oder mittels Ueberfüttmmg die Ursachen dieser Appetit- losigkell sind, und daß diese bald verschwindet, wenn das Kind streng geregelt nur seine Madlleiten erhält.— Dr.« ch alz. Reichs- minister a. D.. brockte an Stelle von Herrn v. K a r d o r s f den Wethevortrag des Tages:..Zum 18. Januar". Er sang einen Jubel Hymnus auf B'smarck, so schwungvoll und mit so rührenden Zwischentexten. daß man soll glaubte. Herr Scholz hätte das Maimltript eines..vatriotflchen" Huaenbero-Films erwischt.— Walter Engel schilderte— keider ziemssch trocken und färb- kos— Mitteldeutschland« größtes chemifckes Unternehmen, das Leunawert.— Zu einen» ouserlesenen lckönen Symvhoniekonzcrt, das Oskar Fried mit dem Berliner Funkorchester brachte, batte man Claudio Araul als Solisten aewonnen. der ein Klavier- tonzert von Straninski mit meisterbafier Virtuosität ipielle. Dr. Kurt Sinaer gab die Einführuna zu dem Snmpbnniekonzert. Gr charok- terisierte die dargebotenen Werke und ihre Komoonisten so lebendig und klar, daß er wohl allen Hörern mit seinen Ausführungen wirf» llchen Gewinn bot, Zcx etwa zehn Tage nach dem Borfall dem Cllernbeiratsvorsitzenden Mitteilung, und dieser berief dann ein« Klassenellernversammlung ein. Das Ergebnis mar, daß die Elternschaft vereinbarte, die Versetzung des Lehrers n i ch t zu verlangen. Darauf legte der R e k t o r dem Lehrer nah«, selber die Versetzung zu beantragen. Der tot dos. und die Versetzung wurde dann angeordnet. Der Rektor hat keinen Versuch gemocht, dos Dorkommnis zu ver- heimlichen. Er hat selber dafür gesorgt, daß di« Behörde davon erfuhr. Es ist auch nicht wahr, daß a den Lehrer gedauert" hätte. Bedauert hat er den Schüler. Wenn die Kommunisten glauben, daß sie mit dieser neu« Hetz« gegen die weltlich« Schul« irgendwelchen Eindruck aus die«insichtig« Ellernschoft machen können, so dürsten sie sich sehr verrechnen. Dos wissen di« Kommunisten, daß die weltliche Schule bei der Sozialdsmokratie jederzeit Forderung zu erwarten hat. Daher der kommunistische Wunsch, die welllich« Schill« zu schädigen, wo es mir möglich ist! Es nersteht sich, vag selbst, daß Lehrer wie Ristau in der welllichen Schul« nicht bleiben dürfen. Hn der 31. Schule hat der Rektor in diesem Sinne gehandelt. Aber gehetzt muß werden— das gehört zum Geschäft der Kommunlsten. Oer Kampf Larnera-Roesemauu. Ein Spektakelstvck. Der bei den Berliner Boxli ebhaber» mit einiger Spaimung erwartete Kampf zwischen E a r n« r a, dem italienischen Boxerriesen(2,5 Meter Länge, 25s Zentner Gewichtl und Roes«- mann- Hannover im Sportpalast endete mll einem Wüllen Spektakel. Niemand wallte den verkündeten Sieg des Italieners anerkennen. Roefemann hotte sich in dieser reinen Schaunummcr für einen Mann geopfert, der selbst an die Fähigkeiten eines Rummelboxer» nach nicht heranreicht. Kleines Privatpulvermagazin explodiert. Meldet MTV. aus Bei P e s a r o, so meldet MTB lakonisch aus R o m. flog ein kleines Privatpuivermogozin in die Luft, wobei eine Person getötet und drei verwundet wurden. „Private kleine Pulvermagazinc" scheincn demnach in Italien landesüblich« Einrichtungen zu sein, gegen die man offenbar nichts hat. selbst wenn bei so einer kleinen Explosion auch mal ein Mensch drousgeht und ein paar verwundet werden. Oer Lournalistenmord. Wien, 18. Januar. Am vierten Derhandlungstoge gegen den Journalisten P ö s s l wurden Tatzeugen vernommen, von denen als einziger dor Journalist Karpfen, der als Zuhörer bei der Verhandlung war, genaue Angaben machen kann. Der Präsident der Organisation der Wienet Press«. Z a p p l e r, gab an, daß seines Erachtens während der Verhandlung nur ein einziges erregtes Wort ge- fallen sei. Er Hab« vom Angeklagten dos Wort.Letzt" gehört. dann seien die Schüsse gefallen. Auf Fragen des Vorsitzen- den, die Organisation betreffend, erklärte der Zeuge, die Organisation habe niemals versucht, Pöifl aus seiner Stellung zu verdrängen oder ihn bei der Erlangung einer Stell« zu behindern. Swderyorsiellung Im Thealer In der Slosterstraße. Man owcht« dieser Aufführung des Märchens vom„Gestiefelten Kater". die mit soviel Verständnis auf die Jdeempell des Kindes eingeht, Erfolg wünschen. Oskar Lange- Lüdcritz Hot dos Märchen eigentlich ganz so gelassen, wie Grimm es schrieb: Der Müllerbursche erringt sich die Dankbarkeit des Katers, der ihm. nun im Leben vor- wärtshilst. So kommt der arm« Müilerknecht schließlich in den Besitz des Menschenfresserschlosses und heiratet di« schöne Prinzessin. Di« Kinder werden also in eine richtige Märchenwell geführt. Aber alles Gruselige hat durch«in« gehörige Portion H"mo- Glnn?lickter bekommen, und nicht«in Kind weint, ivemt der bös« Zauberer auf der Bühne«rfcheint. weil reckttzeitig erlösendes Gelächter aufsteigt. Außerordentlich gut sind die Masken der einzelnen Darsteller, sehr erfreulich auch ihr Spiel. Franz Sondinger hat wieder einmal bewiesen, daß er ehrlich darum ringt, dem Theater in der Klosterstroße zu gutem Ruf zu verhelfen. Aber der alle Fehler, der unter seiner Direktton wie unter seiner Regie hier immer minder austaucht, ist leider auch diesmal nicht ausgemerzt. Di« Pausen zwischen einzelnen Bildern dehnen sich endlos. Es tomint wirtlich nicht darauf an. ob etwas mehr oder weniger Ausstattunz auf der Sühn« ist; bemalte Leiwoandflächen tun es auch Wolfe in Ostpreußen. Borträge, Vereine und Versammlungen. Ostpreußen gift im Besten Deutschlands auch heute noch als Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". jenes Grenzland, in dem sich die ,,, Wölfe und Füchse gute Nacht Gefättstelle: Berlin G 14, Sebaftianfte 37/38. Sot 2 Tr. sagen. Vor dem Weltkriege aber hatte diese Rebensart ihre abfällige Gouvorstand. Montag, 21. Sanuar, 20 Uhr, Sigung der Jugend. feiter in Gaubureau. Sonntag, 20. Januar. Mitte, Jungbanner: Kritit längst verloren, und Wölfe waren in den großen ostpreußischen Wintersportfahrt nach dem Grunewald. Treffpunkt 3 Uhr Bbf. Alexanderplaß. Waldungen unfern der russischen Grenze Ueberläufer, denen bald Wintersportgeräte mitbringen. Friedrichshain: Alle Sungtameraden mit Sport. Monder Garaus gemacht wurde. Nach dem Kriege ist die Zahl der geräten 8 Uhr Saufstelle Schlei. Bhf. zur Fahrt nach Friedrichshagen. out oftpreußischem Boden erlegten Wölfe erheblich gestiegen, und tog, 21. Januar. Ritte, Jungbanner: 20 Uhr Jugendheim Tiedstraße. Bar trag. Kreuzberg, Jugend 1: 20 Uhr Seimabend, Nordstr. 11. Bortrag. Reudieses häufige Borkommen ist der Vermehrung des Großraubzeuges tan- Brig: Generalversammlungen um 20 Uhr. 1. Kameradschaft Stoltbuffer 4. Kamerabschaft Buschkrug, Rudower Straße. in Rußland und den Ostseeländern, Bolen, Litauen, Ungarn, Alanie, Rotibuffer Damm. 3. Rameradschaft: Bugverfammlung bei Rudolph, Sermann, Ede Anesched Rumänien und Serbien zuzuschreiben Der Wolf legt in einer einftraße. 2. Ramerabschaft: 20 Uhr bei Schabeifo, Beichselstr. 5, Rameradzigen Nacht große Strecken zurüd, und da darf es nicht wunderschaftsverfammlung. Es spricht der Kam. Abter über„ Republik und Reichs nehmen, menn er auf seiner Wanderschaft auch oftpreußischen Generalversammlung, im Restaurant Brüdenflause, Niederschöneweide, BrüdenSchöneweide- Johannisthal: Sonnabend, 19. Sanuar, 20 Uhr, Wäldern einen Besuch abstattet. Zu diesen gehören die Trappöner straße. Reuwahl des Borstandes. Blankenfelbe: Sonnabend, 19., Sanuar, Forst, die Romintener und Johannisburger heide somie die Forsten 20 Uhr, im Restaurant B. Schröder, Maskenball des Tambourforps. Rameraben find freundlichst eingeladen. Neuenhagen- Hoppegarten- Birkenbei Allenstein. In der riesigen Johannisburger Heide murden in ftein: Sonnabenb, 13. Januar, 20 Uhr, im Restaurant Schmeiserhäuschen, der Nachkriegszeit nicht weniger als 25 Wölfe zur Strede gebracht. Im Dezember 1928 murde in der Luböner und Trappöner Forst die vierte Wolfsjagd abgehalten, in welcher ein starter junger Wolf erlegt werden fonnte. Aus der Partei. Die Schulung der Jungen. Unt jüngeren befähigten Parteimitgliedern Gelegenheit zu geben, eine Brobe ihrer Befähigung zur Arbeit für die Partei abzulegen, hat der Parteinorstand bereits seit mehreren Jahren Volontäre eingestellt. Die jungen Genoffinnen und Genossen, deren Einstellung auf Vorschlag der Orts refp. Bezirksfefretariate erfolgte, murden den Parteisekretariaten und den Rebaftionen zur Erprobung und Förderung ihres Könnens für die Dauer von 6 bis 9 Monaten zu geteilt; die bewährten Kräfte wurden dann nach Möglichkeit auf längere Dauer angestellt. Zurzeit werden 14 Bolontäre( 10 Ge nossen und 4 Genoffinnen) beschäftigt. Dapan find 9 in Sefretariaten und 5 in Redaktionen tätig. Um die Bolontäre mit allen zentralen Einrichtungen her Bartei und den speziellen Aufgaben diejer Einrichtungen vertraut zu machen, murde nom 3. bis 17. Jamiar b. I in Berlin ein Schulungsfurfus durchgeführt. Sämtliche Abteilungen der Parteizentrale, alle Zentralen der Nebenorganisationen murden besichtigt und die Arbeitsgebiete von den Abteilungsleitern mit den Bolontären eingehend besprochen. Die Volontäre, die später in den Dienst der Partei treten fören, werden in der Lage sein, die Organisationseinrichtungen für ihre prattische Arbeit auszumußen Die letzten 4 Tage des Kursus maren dem theoretischen Ünterricht gewidmet, dessen besonderer 3wed war, den Bolontären in gedrängter Kürze eine Uebersicht über die theoretischen und praftischen Probleme zu geben, mit denen sie es bei ihrer Arbeit ant meisten zu tun haben. Es follten Binfe gegeben werden für felbft ständige geistige Arbeit auf diesen Gebieten. Nach Abschluß des Kursus sind die Bolontäre in ihre Arbeits stätten zurüdgefehrt. Es wäre zu münschen, daß der Ausbildung der Jungen, und zwar nicht mir der Bolontäre, in allen Parteis inftanzen in machsendem Maße Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die ukrainischen Sozialdemokraten in Bolen. Die im Dezember in Lemberg neugegründete Utrainifde Sozialdemotratische Partei in Polen hat beschlossen, cinen engen Rontati mit der Bolnischen Sozialistischen Bartei herzustellen. Voraussetzung ist allerdings, daß die polnischen Sozialisten sich mit der Bildung autonomer utrainischer Arbeiter gruppen innerhalb der gemeinsamen Gewerkschaften einverstanden erflären. Die ukrainische Sozialbeniofrotic mird Lout Mitteilung des Borteivorstandes voraussichtlich der Züricher Internationale heitreten Parteinachrichten Sinfenbungen für diese Rubrik find Berlin 68 ,, Sinbeustraße 3, 7. Areis Charlottenlang and Spandau für Groß- Berlin ftets an bos Begirisjetretariet 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. Suristische Sprechstunde heute, Sonnabend, 19. Sannar, 17-18 Uhr, int Sugendheim Rofinenftr. 4. Ge Tegenheit zum Kirchenaustritt. 14. Rreis Reutolla. Montag, 21. Januar, 19% Uhr, im Bartelbareon, Redes ftraße 3, Sigung des Bildungsausichuffes. Heute, Sonnabend, den 19. Januar. 4.4. 19 Uhr hei Ctommel, Neue Friedrichstr. 1, Gigung der Somme Ten Rommission. Schulfragen. Neuwahl des Obmannes. 77. bt. Schöneberg. Die Ehrung der Parteijubilare findet ab 20 The Bei Bill, Martin- Luther- Str. 69, ftett. Mufil- und Gesangsustträge, Steibe tionen. Mitwirkung ber S3. Mitgliedsbuch legitimiert. Morgen, Sonntag, den 20. Januar. ters 27. 9. 19 Uhr veranstaltet die Rindergruppe Friedrich Cbert in heint Danziger Str. 62 einen Elternabend, verbunden mit einer Ber lofung. Eintritt frei. Jungjozialisten. Ahtung! Die Mitglieder sämtlicher Berliner Gruppen nehmen e Bot teag bes Genoffen Brofeffor G. Mart: Brofetorischer Kulturwille und Alaffenfampf im Rahmen her Freien Sozialistischen Sochschule heute, Sonnabend, 19% Uhr, im Blenarjaal bes Brensischen Staatsrats, 2e paiger Str. 3, teil. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: Sonntag, 20. Januar, Fahrt nach dem Rangsdorfer Gee. Treffpunkt früh 8% Uhr Attilaplap. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Reis Webbing. Die Sufammenkunft im Jugendheim Schönstediftz. I fallt am Sonntag aus, meil alle Gruppen Fahrten gemeldet haben. Geburtstage, Jubiläen usw. 57. Abt. Charlottenburg. Unferzem lieben Genoffen und langjährigen Gruppenle ter Guftas Fallemiz, Biclandfit. 43, au feinem 50. Ge burtstage bie herzlichsten Glüdwünsche. 79. Abt. Schöneberg. Unser Genoffe Robert Schmidt, Gotenftr. 66, feierte in biefen Tagen seinen 80. Geburtstag. Biz wünschen dem altea Rampen noch einen gesunden Lebensabend. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 45. Abt. Unsere Genoffin 2uife Rann, Wiener Str. 23, die, uns eine treue Mitarbeiterin mor, ift verstorben. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Montag, 21. Januar, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 77. Abt. Schöneberg. Unfer Genoffe Wilhelm Fauft ist nach. Tangem Leiden perstorben. Ehre feinem Andenken! Beerdigung am Dienstag, 22. Januar, 14% Uhr, auf dem Friedhof in der Blanten Sölle, Enthstraße. 105. Abt. Adlershof. Die Beifegung der Afche unseres verstorbenen Ge. noffen Baul Strun? findet heute, Gonnabend, 19. Januar, 15% Uhr, Don der Salle des Friedhofs Adlershof aus ftatt. 138. Abt. Sermsdorf. Die Beifeßung unferes verstorbenen Genossen BauI Brehmer findet Montag, 21. Januar, 15 Uhr, auf dem Hermsdorfer Fried hof ftatt. SES Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für diefe Jubrit nur en bas Jugendfetretariet Berlin SW 68, Lindenftraße 3 im Seim Tempelhof. Heute, Sonnabend, 19% Uhr: Börther Blaz: Elternfeler in der Aula der Schule Danziger Str. 23. Gin fritt frei Röpenider Biertel: Schule Brangelftr. 128: 9.ehte und Pflichten eines Lehrlings". Tempelhof Marienbarf: Jüngerenturfus( 2. Abend) 20 Uhr Berbebejiri Brenzlauer Berg: Ueben des Tambourkorps im Seim Dansiger Straße 62. ESG. Brenzlauer Berg: Seim Danziger Str. 62, 9. 3. 20 Uhr: Die Grenzen unserer Bildungsarbeit." Morgen, Sonntag, vormittag, Treffpunkte zur Veranstaltung im Mercedes- Palast, Neukölln. Röllnischer Bart: 10% 1hr Rönischer Bar. Rcufalin VI: 10. 1hr Ser Hesaplas Behlendorf: 10% Uhr U- Bhf. Thielples Tempelhof: 10 20ye Dock, Ede Berliner Straß banner" Alle Reichsbund Deutscher Mieter! Am Montag, dem 21. Januar 1929, abends 7, Uhr, im Bürgersaal" des Rathauses: Große öffentliche Profestversammlung Vortrag des Bundesvorsitzenden Dzieyk: Milliardengeschenke an den Hausbesitz auf Kosten der Mieter?" Mieter, erscheint in Massen! Der Verbandsvorstand. Genenaterfammlung. Nowawes: Genning, 20. Sammet, Berberei. Autreten 7.40 Uhr am Bhf. Dzemis, bfahrt 7.51 Uhr. Bund entschiedener Schulreformer. Deffentliche Bersammlung am 23. 30that, 19% Uhr, in her ula des Berner- Siemens Realgymnasiums, Sohen. ftaufenstr. 47-48( U- Bahn Bittoria- Luise- Blas). Thema: Das uneheliche Rind." Redner: Dr. Gerhard Danziger, Dr. Marie Munt, Rettorin Irmgard Bär, Elisabeth Bicard- Greitsch, Dr. Martin Gumpert. In der freien Ahtssprache warden u. a. fpredjen: M. d. R. Dr. Marie Silbers, Dr. Helene Etider, Dr. Heinrich Dehmel. Jedermann berglichst eingeladen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag 11 Uhr Bappelallee 15, Bortrag des Herrn Dr. B. Krische: Neue Ansichten von der Urfultur der Menschen." Harmonium: Einleitung 3. Att Die Meisterfinger"( Wagner). Gäfte willkommen. Dentischer Staatsbürgerinnenverband. Ueber Sinn und Formen internationaler Frauenarbeit" spricht Reichstagsabgeordnete Dr. Gertrud Bäumer am Montag, 21. Januar, 20 Uhr, im großen Sigungsfaat des ehemaligen Herrenhauses. Diefer öffentliche Bortrag, veranstaltet vom Deutschen Staatsbürgerinnenverband und Allgemeinen Deutschen Frauenrerein, findet ftatt im Rahmen der Rongreßvorbereitungen für die Tagung des Weltbundes für Frauenstimmrecht im Juni dieses Jahres. Die Freie Arbeiter- Stenographen Bereinigung Groß- Berlin meist nochmals auf den Beginn ihrer Anfängerfutie in der Reichsturzschrift hin, und zwar: Reulpin: Ab Dienstag, 22. Januar, 19% Uhr, im Realgymnasium Raiser Friedrich- Str. 209-210. Sorboster: Ab Donnerstag, 24. Januar, 19% Uhr, Gemeindefcule Senefelderstr. 6. Often: Ab Donnerstag, 24. Januar, 19% Uhr, Gemeindeschule Frankfurier Allee 37. Norden: Ab Moning, 21. Januar, 1914 Uhr. Gemeindefdule Soulstr. 99. Südwesten: Ab Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr, Gemeindeschule Gneisenauftr. 7. Charlottenburg: Ah Montag, 21. Janaur, Gemeindeschule Oranienftr. 13a. Die Anmeldungen erfolgen am erften, fpätestens zweiten bend in den genannten Schulen. Das Rurfusgela beträgt einfchl. Lehrmaterialbelieferung für Erwachsene 10 M., für Jugendliche 7,50 M., Ermerbslose zahlen die Hälfte. Eltern, shift eure Kinder zu uns! Schriftliche Anfragen beantwortet B. Riedel, Berlin- Spandau, Buftermarket Straße 10 L Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Amgegend ( Rachbr. verb.). Start bemöllt, mult leichten Schneefallen, Temperaturanitieg. Für Deutschland: 3m Nordwesten und Besten Kauvetter, im übrigen Reiche noch Frost, abgesehen vom Süden und Südosten, Schneefälle. Was sagt der Bär? Das Josetti Album No3 < Die Welt in Bildern> zur Sammlung sportlich hochinteressanter. Aufnahmen der Olympiade 1928 ist jetzt überall zu haben. Olympiade 1928 MISS CATHERWOOD FREIHERR VON LANGEN HELENE MAYER 49. માક mishrad 42 s MODERNER FONFKAMPF FELDWEBEL HIRSCHPRD EN DEUTSCHER BUDERSTEG 1141 பவ Olympi и 28 JOSETTI JUNO Wundervolle farbenprächtige Bilder birgt, neben ihrem köstlichen Jnhaltjede Josetti- Packung. Eifrig sammelt Jung und Alt diese herrlichen Aufnahmen, die < belehrend und unterhaltend gestaltet> in schöne Alben geordnet, so manchen Winterabend zu kürzen wissen. Darüber hinaus legen sie erneut Zeugnis ab für die Beliebtheit der guten Josetti Juno Berlins meistgerauchter 48 Cigarette irischastskrise? Militäreiai erdrückt das Land— Die wichtigsten Aachbarn vernachlässigt. Mit melchq» Ausficht-n die Wirtschaft Polens in das neu« Jahr gatreten ist, dürft« in«wem Augenblick, wo wieder ein Anlauf zur Beseitigung des Zollkrieges zwischen Deutschland und Polen gemacht wird, von Interesse sein. Diese Frage beschäftigt aber naturgemäß auch die führeichen polnischen Wirtschaftler selbst, und es liegen aus letzter Zeit zwei autoritative Stimmen darüber vor, die des General- rcserenten für Wirtfchastsftagen in der Budgetkominifsion des Sefms, Prof. Krzyzanowlki, sowie des früheren Finanzministers MichoÜski. Beide stimmen darin übereilt, daß die polnische Wirtschaft in ein Stadium der Krise eintrete. ja. daß die Krise schon da sei. Sie dolixtwntiett sich in der Toi durch die außerordentlich« Geldknappheit und Geldteuerung: der Privat- diskontsotz s Leihzins größter Firmen für Geld) betrügt etwa 20 Proz. (in manchen Fallen wurde in der polnischen Presse sogar von 3 Proz. monatlich berichtet!). Es ist mteressant, daß.Michcrlfki den einen Grund dieser Lage in der zu hohen Festsetzung des Ziotyivertes bei der Stabiftsiemng der polnischen Währung erblickt. Aber er gibt außerdem auch«in« Reihe anderer Gründe an. die wohl zutreffend sind. So vor allem die große Steuerbelofdmg oder vielmehr die ungleichmäßige Verteilung der Steuerlast. Man weiß ja, daß die polnische Regierung in ihren amtlichen Erklärungen immer wieder mit Vorlieb darauf hinweist, daß die durchschnittliche Steuerbelastimg des polnischen Bürgers weit- aus niedriger als in vielen anderen europäischen Staaten ist. Man wird indessen Michalski recht geben müssen, da in dem Agrarstaat Polen 70 Proz. der gesamten Steuerlast von den Stödten ge- tragen werden, üüelche Belastung dieser Mißstand, dem die polnische Regierung nauerdings durch die Einführung einer Grundsteuer begegnen will, für Handel und Industrie bedeutet, liegt auf der Hand. Es ist nur natürlich, daß der frühere Finanziilimster unter den Gründen der gegenwärtigen prekären Wirtschaftslage auch die zu hohen Siaatsousgaben nemck: insbesondere muß in dieser Beziehung immer wieder der Löwenanteil, den da« Militärbudget am gesamten Staatshaushalt hat, hervorgehoben werden: den 814 Millionen Zlotys des Milikärbudgcts stehen, sage und schreib« 46 Millionen Zlotys für dos Ministerium für Handel und Industrie gegenüber. Zum Schluß bespricht Michalski auch die passive Handelsbilanz, die uns zum potnifchen Außenhandel hinüberführt. lieber den Außenhandel liegen neuerdings interessant« Zahlen vor. aus denen wir hier die wichtigsten anführen wollen. Der Gesamtumsatz des polnischen Außenhandels in Millionen Zlotys betrug in den ersten neun Monaten des verflossenen Jahres 4390,4 gegenüber 3923,2 des gleichen Zeitraumes im Jahr« 1927: das Handelspasswiun(Einfuhrüherschuß) betrug l9W 780,?) Mill. Zloty gegen nur 239 Mill. Ziotl) im Jahre 1927. Das Defizit der Handels- bilanz hat sich zwar relativ von Quartal zu Quarta! im Jahre 1928 verringert, aber die Passivität blieb und summierte sich. Die Tragik der polnischeu Wirkschaft schelnk darin zu liege«, daß I sie gerade mit den beiden großen Rachbarstaakrn Deutschland und Rußland dauernd in oogeregelken Handelsbeziehungen steht. Gewiß, Deutschland steht trotz des Zollkriegs immer noch an erster Stell« im polnischen Außenhandel. Allein der Zoll- krieg oerhindert hier die weitere Ausdehnung. Welche ganz uNzu- länglichen Umsätze aber Polen mit Rußland hat. ergibt sich gleichfalls aus Heu abigen Zahlen. Die Bernochlöfstgung dieser beiden wich- tigsten und benachbarten Absatzmärkte zwingt aber Polens Wirt- schast mit seinen Waren zu weiten und frachtlich sehr teuren Welt- reisen. Unter fernen Ländern sehen wir beispielsweise auch Britisch- Indien unter den Abnehmern Polens: ober auch hier bringt der Handel für Polen keinen Uebcrschuß der Ausfuhr mit sich. Di« ewige Sorge um die Passivität der Handelsbilanz führt Polen oft zu außerordentlichen Maßnahmen, die aber sich doch nur wieder als schädlich für seinen Handel erweisen. In dieser Beziehung nmß namentlich an die Rede des amerikanischen Finanzkontrolleurs in Polen Dewey gegen Einfuhr fremder Waren erinnert werden. Die Folge war ein Teilboykott dieser Waren, der aber aus der anderen Seit« dazu geführt hat, daß z. B. neuerdings in England polnische Lebensmittel boykottiert werden und manche Geschäfte den Aushang haben:„Hier werden keine polnische Eier verkauft!'" Die gleiche Handelspolitik hat aber auch«ine sehr wichtig« s o- z i a l e Folg«, die erwähnt werden muß: die Herab drückung der Arbeiterlöhn« im Interesse des Exports. Die van dar polnischen Regierung vor einigen Jahren eingesetzte Kommission zur Prüfung der Produktionskosten hat z. B. neuerdings festgestellt, daß, während die Lohne der Bergleute in England 71,6 Proz. der Produltionskosten und in Rußland 57,2 Proz., sie in Polen nur 40,9 Proz. ausmachen. E. H— z. Reichsbank nach Diskontsenkung. Massenhast arbeiisloses Geld,— Wahrscheinlich eine weitere Krediwerbittigung. Dem ersten Ausweis der Reichsbank nach de? zum 12. Januar vorgenommenen Diskontermäßigung mußte man mit besonderem Interesse entgegensehen. Es mußte sich wenigstens andcutungs- weise zeigen, ob sich in der Verwendung der Reichsbankgelder die Distorüermäßiguing in einer Erhöhung der gewährten Kredite oder wenigstens in einer nur leichten Verringerung der Kreditgewährung ausdrückte. Daraus war die wichtige Frage zu beantworten, die wir früher schon gestellt haben, ob die Reichsbank mit der Kredit- verbilligung, auch in ihrem eigenen Interesse, nicht zu lange ge- wartet hat. In der Tat scheint der Ausweis vom 13. Januar diese unsere Vermutung zu betätigen. Di« Wechselb« st Sode haben nicht zit- sondarn sehr stark abgenommen und zwar sind den 377 Millionen der ersten Januarwoche noch 444 Millionen in der Zwesten Januarwoche gefolgt, so daß der Wechsekbestand aus 1637,2 Millionen gesunken ist. Das ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres mit 2331 Millionen ein Rückgang um 674 Millionen, und gegenüber Mitte Januar 1927, wo die Reichsbank mit ihrem Diskont auf 5 Proz. heruntergehen mußte, nur ein Mehr von 132 Millionen. Die Lombarddarlehen haben um nur IL auf 55,7 Millionen zugenommen, was für die Monatsmitte auch außerordentlich wenig ist. Daß die Geldflüssigkeit außer- ordentlich groß ist, zeigt auch die minimale Senkung der fremden Gelder auf Girokonto um nur 9,5 auf 609,8 Millionen. Entsprechend diesen Veränderungen hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 403,8 auf 4080,4 Millionen beträchtlich gesenkt, derjenige au Rentenbankscheinen um 13,1 aus 480 Millionen verringert. Die Goldbestände mst 2885,8 Millionen decken jetzt die umlaufenden Noten mit nicht weniger als 66,9 Proz. Zusammen mit den auf 156.2 Millionen leicht verringerten Deckungs- devisen sind die umlaufenden Roten heute mit 70,7 Proz. gedeckt, eine auch als Rekordziffer enorm hohe Deckung. Die in den Erklärungen des Reichsbankdirektoriums zum Aus- druck gebrachte Hoffnung, daß die Diskontermäßigung der Reichsbank neue Wechfelbestände bringen werde, Hot sich zum mindc- sten bisher noch nicht erfüllt. Die rapide Abnahme der Wechsel- b«stände, selbst nach der Diskontermäßigung zeigt, daß Banken und Wirtschaft gegenwärtig die Reichsbank überhaupt nicht brauchen und �aß riesige Gelder in der deutschen Wirtschaft „arbeitslos"' geworden sind: Die Situation erinnert an die Verhältnisse von Mist« 1926, wo bie Reichsbank die Verbindung mit dem Geldmarkt verloren haste, und wo die Reichsbank bald hintereinander, und zwar im Zastraum von 7 Moimten drei Diskont» ermäßigungcn vornehmen mußte. Es ist also zu erwarten, daß die Reichsbank bald mit einer neuen Diskontsenkung heraus- kommen muß, wenn die jetzigen Geldmarktoerhöltnisse j orrdauern und wenn die Reichsbank nicht wieder in eine glänzende Isolierung zurückfallen will. Das wäre ein schlechtes Zeichen für die Voraus- ficht der Rsichsbankführung. die sich scheinbar, wie viel- andere Wirt- schaftskreise in Deutschland, darüber täuscht, daß Diskontpolitik und innerer Kapitalmarkt in einem Lande, das auf Auslandskapital an- gewiesen ist, sehr wenig miteinander zu tun haben. Ltckser Export von Maschinen. Rußland der größte Käufer.—Amerika der größte Lieferant. Der deutsche Außenhandel stand in den ersten neun Monaten 1928 im Zeichen einer ständig wachsenden Warenausfuhr. Den größten Anteil an der Erweiterung der Ausfuhr hatte die M a- s ch i n e n i n d u st r i e, die schon in den beiden vorhergehenden Iahren ihren Ausfuhrüberschuß stündig erhöhte. Die Zeitschrift „Ruhr und Rhein"" bringt zu der Entwicklung de- deutschen Ma- schincnaußenhandels einige interessante Feststellungen. So betrug der Aussuhrüberschuß an Maschinen im Monatsdurchschnstt des Jahres 1913 bei einer Einfuhr von 11,6 und einer Ausfuhr von 85.3 Millionen Mark rund 73 Millionen, um 1925 einen Rückgang auf 70,7, im Jahre 1926 eine Erhöhung auf 76,8 und im folgenden Jahre ein weiteres Ansteigen auf 84,8 Millionen Mark aufzuweisen. Im Monatsdurchschnstt von Januar bis September 1928 hat sich der Auejuhrüberfchuß bei einer Einfuhr von 25.5 Millionen Mark und einer Ausfuhr von 129.7 Millionen Mark- weiterhin um 22 Praz. auf mshr als 104 Millionen Mark erhöht- Setzt ma» die AußenhandÄsziftern für Maschinen im Jahr« 1913 mit 100 ein, so ergibt sich für den Monatsdurchschnstt Januar bis September 1928«in« Steigerung der Maschinen einfuhr auf 227, der Ausfuhr auf 152 und des Ausfuhrüber» s ch u f s e s auf 142. Bemerkenswert bei diese? bedeutenden Ausdehnung des deutschen Maschinenexports ist diorückläufigePreisbewegung im vergangenen Jahre. Während der Doppelzentner ausgeführter Maschinen im letzten Vierteljahr 1927 durchschnittlich 260 M. kostete, sank der Preis pro Doppel.zenwer im ersten Vierteljahr 1928 auf 251, im Zwesten Quartal sogar auf 233 M., um sodann von Juli bis September bis auf 244 M. wieder anzuziehen. Der größte Käufer deutscher Maschinen ist. wie in der Vorkriegszeit, auch in den letzten beiden Iahren wieder Rußland gewesen. Dt« Niederlande, die 1926 die. erst« Stelle est». nahm«», mar«» in de« letzte» Iahren der zweltgrötzte Majchtn«. käufer. Großbritannien, das selbst großer Maschineuproda- zent ist. hat in den ersten neun Monaten 1928 für 64,5 Millionen Mark deutsche Maschinen eingeführt und steht an dristcr Stelle, ist aber mst einer E i n s u h r von 34,4 Millionen Mark zugleich auch der zweitgrößte Maschinenlieferont für Deutschland. Bezeichnend für die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen ist, daß Polen trotz des Handelskrieges von der 12. Stelle im Jahre 1926 auf den 4. Platz im letzten Jahre rllckie. Wie viel besser könnte der Export ohne Handelskrieg sein! Auch die günstigen Auswirtungen ix- deutsch-französischen Handelsvertrags vom August 1927 traten deutlich in Erscheinung, denn Frankreich steht 1928 als Maschinenkäufer an 8. Stelle, während es zwei Jahre vorher noch an 14. Stelle stand. Sie kleine Schweiz ist mst einer Einsuhr von 22,5 Millionen nach Deutschland der drittstärkste Maschinenlieferant Deutschlands, während sie andererseits als Bezugsland an 10. Stell« steht. Der weitaus bedeutendste Maschinenliefcrant Deutschlands sind die Dereinigten Staaten von Amerika, die von Januar bis Septefnber 1928 Maschinen im Werte von 80,5 Millionen Mark, das sind f a st 4 0 P r o z. der gesamten deutschen Maschineneinfuhr. lieferten. Trotz der Vormachtstellung der amerikanischen Maschinen- wdustrie betrug aber der deutsch« Export in der gleichen Zeit fast 34 Millionen Mark. Viehbessand rn'chi zuruckgeganaen. Zum 1. Dezember 1928 ist der deutsche Viehbestand, wie all» jährlich, wieder gezählt worden. Nur bei den Pferden ergab sich bei einem Bestand von 3,71 Millionen ein Rückgang mn 2,6 Proz., bei den Schweinen mit einem Bestand« von 20,07 Mit- lioncn—> infolge d-r niedrigen Schweinepreise— ein Rückgang um 12,3 Proz., bei den Schafen mit einem Bestand van 3,63 Millionen ein Rückgang um 3,1 Proz. und bei den Ziegen mst einem Bestand von 2,89 Millionen ein Rückgang um 10,5 Proz. Dagegen ist der für die Viehhaltung entscheidende Rindviehbestand mst 18,39 MWone» um 2.1 Proz. gepiege». wobei die Milchkühe n« 9,43 MHBaaat ewe Bmmeheung an K4 P»» P&s. Ste jetzt 5,54 Millionen Gänse haben sich um 2,5 Proz., die 2,85 Miil, lstmen Enten um 11,2 Proz.. die 75,79 Millionen Hühner mn 6.2 Proz. vermehrt. Die vorhandenen 1.62 Millionen Bienenstöcke haben sich mn 1,3 Proz. verringert. Auch beim Viehbestand zeigt sich also, daß von der behaupteten Substanzverschleuderung bei den Landwirten keine Rede sein kann. Agrarnot muß beschloffen werde«. Wir erhalten folgende Zuschrift: ..Seit einiger Zeit beschösttgc ich mich auch mit landwirtschast- , lichen Fragen. Ganz besondere Aufmerksamkest wende ich dakxi dem Problem der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschast. der Rot- stände und evtl. möglichen Befferungsmaßnalnnen zu. Bevor tch mich in Einzelheiten oernefe. möchte ich Sie jedoch um«ine Aus- kunst bitten. Ich finde in diesen Tagen einen Aufruf zur Selbsthilf« der Bezirksbauernkammer Neu bürg i. Bayern» m dem merk- würdigerweise folgender Satz enthalten ist: „ilnserm Vorgehen ist ein Erfolg nur bcschieden, wenn alle bayerischen Landwirte einig sind. Deshalb bitten wir, sich um- gehend darüber schlüssig zu werden, ob auch bei Ihnen die Not groß genug ist. daß Sie sich zu Taten auiraffeu und dem gemeinsamen Vorgehen anschließen."' Ich war bisher innner der Meinung daß. wenn irgendwo ein wirklicher Ziotstand vorhanden ist, die» allen davon Betroffenen so eindringlich bekannt ist, daß sie nicht erst beraten und beschließen wüsten, ob dieser Notstand wirtlich vorliegt oder nicht. Diese An- sicht von mir scheint jedoch falsch zu sein, ander» könnte ich mir den abigen Aufruf nicht erklären. Ich möchte Sie nun bitten, mir mitzuteilen, ob meine alte An- sicht, daß vorhanden« Notstände nicht beschlosten werden können und müssen, auch für die Landwirtschaft und besonder» für die Bayern, zutrifft, oder, falls nicht, was für Mittel es gibt, um„de- schlössen en� Notständen obzicheffei». Der fröhliche Volkswirt." * Anmerkung der Redaktion: In agrarische» Dingen schein: .Der fröhliche Volkswitt" ebenso von allen Vortennttüsien und«- lastet zu sein wie seine meisten Berufskollegen. Wir können ihm hier an dieser Stelle nur kurz antworten, daß sein« Vermutung, daß die allgemeine Notlage der deutschen Landwirtschaft«ine Konstruktion einiger weniger Landbundsührer ist, voll und ga»o. zutrifft. Auch schon vor dem Krieg«, also in den besten Zesten, die die deutsche Landwirtschast je erlebt hat, ist kaum ein Jahr vergan- gen, in dem nicht dicke Denkschriften über die Not der Landwirt schast erschienen wären. Daß die agrarische Führung in so ent zückend naiver Weif«, wie das hier.Der fröhlich« Volkswirt" jchil dort, bie einzelnen Landwirt« erst zur Abstinmnmg auffordert, ob ihre Notlage groß genug fft. um zu Taten zu schresten, ist im» bis- her allerdings nicht vorgekommen. In der Regel losten sich die Bauern immer noch von einigen Großgrundbesitzern beoormimden und stimmen diesen in all«: Forderungen zu, ohne K» wissen, daß sie sich damit nicht selbst heffen. sondern nur für die Interesten der großen Landbundsührer einspannen lasten. Abhilfe von„beschlossenen" Notständen gibt es nicht: Je mehr mov oersucht zu helfen, desto größer wird der Anreiz, Notstände auf dem Beschluß weg« herzustellen. Das hat sich in den letzten Jahren gezeigt. Belebung im Bergbau. Die Kohlenförderung im Ruhrbergbau stellte sich im Dezember aus 8,86 gegen 8,93 Millionen Tonnen im Vormonat. Da im November aber ein Tag mehr gearbeitet wurde, ist die arbeit s- tägliche Förderung um rund 13 000 aus 379 290 Tonnen im Dezember g e st i e g e n. Die arbeitstägliche Koks Produktion wuchs sogar um mehr al» 15 Proz. aus 73092 Tonnen. Erfreulicherweise gingen die wegen Absatzmangel«ingelegten Feter- schichten von 23521 im Oktober bis auf 3426 im Dezember je ?lrbeitstag zurück. Nicht so günstig entwickelte sich der westoberschlesisch« Bezirk. wo die arbcitstägliche Förderung auf 68 292 gegen 72 259 Tonnen im November zurückging. Im Braunkohlenbergbau hielt die Hochkonjunktur im Verichtsmonat an. So stieg im mittel deutschen Revier die arbettstäglich« Rohtohlenjärderung bei einem Gesamtergebnis von 9,66 Millionen Tonnen auf 403 508 gegen 394 277 Tonnen im November und übettraf damit die Leistungen vom Dezember 1927 noch um fast acht Prozent. Charlottenburger Wasserwerke höhere Oividende. Ein echeblicher Teil der Stadt Bettjn wird noch immer nich: aus ftadtelgenen, sondern von der überwiegend prwaten Charlotten burger Wasser- und Industriewerke A.-G. mit dem erforderlichen Nah versorgt. Die Gesellschaft weist für 1927/'28 einen vv» 4,47 a u f 5.31 Millionen erhöhten Reingewinn aus. Die Dividende, die die Aktionäre auf das 60.Millionen.Kapftal er- hatten, wird gegen das Vorjahr von 6 auf 8 Proz.erhöht. tknger« Zusammenschluß Im europäischen Vöhrentarteil. Die letzten Verhandlungen im internationalen Röhrenkar- teil haben zu einer engeren Verbindung der einzelnen Gruppe» aesüh-tt. Auf der einen Seite ist zwischen den französischen, belgischen und saarländischen Mitgliedern dieses Kartells eine Derftändi gung über die Detteilung der Aufträge und Lieierungen erziel! worden, und außerdem wurde Zwilchen dieser westlichen Gruppe mit der deursch-polnisch-ffchochoslowakischen Gruppe«in« künftige Zu- sannnenarbeit durch die Initiative der deutschen Mitglieder oer- mittest. Die Deutsche Renlenbemk Sreditanstalt hat entsprechend der Diskvntsenkung die von ihr an die Vermittlungsinstitute für die Landwirtschaft weilergegebenen Personalkredit« um ein h b« s Prozent verbilligt. Der Höchstzinssatz wird jetzt 84» Proz. betragen. Die Ermäßigung gilt auch für die länger frlsttge» Persona lk red st«(sogenannte Adzahlunastrehtte) mit der wetteren Vergünstigung, daß die fett dem Somme, 1927 bereits laufenden und End» 1932 zurückzuzahlend«» Abzahlungskredit« A wn ein weiteres halbes Prozent verbilligt werden. prciserhöhuaaen. während alle» auf Drelsfeukuageu wartet. Der Verband der Deutschen Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen. fabritanten hat den bisherigen Auffch'ag auf lue Grundpreise ab 15. Januar von 1214 auf mindestens 22 Vi Proz. erhöht. Eure solche Preiserhöhung erfolgt in einer Zeit, in der di« Wirrfchaftrlage nichts so dringend braucht wie Preissenkungen, um di« Vrichäftgunq der Industrie nicht weiter zurückgehen zu lasse»; Semal Pascha braucht 4000 Schreibmaschinen. Die Türkei, die unter Semal Paschas Leitung im Eiltempo europZisiett wird, hat jetzt einen großen Auftrag auf 4000 Schreibmaschinen»ach Deutschland und England vergeben. Auf die beteiligten deutschen Werk«, in erster Linie die Adlerwert« vorm. Kleyer und di« T 0 r p e d o. Weill-Week« in Frankfun am Mai», ent falle» et«« 70 Pro»» also 2800 Schgabrnakhinai. Sonnabend 19. Januar 1929 Unterhaltung und Wissen 9. Lomakin: Meine Ehe! Aus dem gegenwärtigen russischen Leben Ich ärgerte mich über meine Frau deswegen, weil das Essen angebrannt war und es scheint, daß ich sie Gaus oder auch dumm nannte, aber ich erinnere mich nicht mehr. Unbedingt hat ein Mann, der für die Ernährung der Familie sorgt, das Recht, fich zeitweilig über die eigene Familie zu ärgern. Aber meine Frau wurde wütend. Sie behauptete, in der heutigen Zeit dürfte nichts Aehnliches vortommen. Das machte mich noch wütender. Was heißt das, in der heutigen Zeit? Eine Frau bleibt für immer ein niedrigeres Wesen. Ich weiß selbst nicht, weshalb ich so sprach. Aber die Antwort fiel nicht nach meinem Geschmack aus. ,, Na warte!" drohte sie. Ich warte, ich warte, mein Täubchen," antwortete ich und begab mich in den Dienst. Nach meiner Rückkehr ins Haus fand ich weder das Mittagessen noch die Frau. Man tann sich die rasende Wut eines hungernden, armen Schluders leicht vorstellen. Eine halbe Stunde lang trommelte ich mit den Fingern auf den leeren Tisch, bis ich schließlich eine Tasse zerschlug, die ich meiner Frau zum. Geburtstag geschenkt hatte. Endlich tehrte sie mit vom Frost geröteten Wangen zurüd. ,, Weshalb beeiltest du dich so," fragte ich ironisch, du könntest ruhig noch ein wenig spazieren gehen." Ich werde abends noch ein wenig spazieren gehen." ,, Waaas?" Die Untertasse teilte das Los der Tasse. Ich arbeite acht Stunden und du..." Ich bitte, nicht so zu schreien." sagte sie. Du bist nicht mehr mein Mann." Und mit völliger Ruhe händigte sie mir ein Papier aus, das unsere Scheidung bestätigte. Ich fomme nur, um meinen Korb zu holen," sagte sie ,,, denn ich ziehe in das benachbarte Zimmer." Ich tat, was an meiner Stelle die Mehrzahl der Männer tun würde: ich ging hin, und betrant mich. Dann begab ich mich in ihr Zimmer." ,, Wann wird endlich das Mittagessen da sein?" „ Ich bitte, auf der Stelle mein Zimmer zu verlassen!" Aber ich wollte nicht fort. Es schien mir, als spreche ich ruhig, sa wie ein Mann zu seiner Frau spricht, mit der er seit zehn Jahren in einem Zimmer wohnt. Indessen rief sie den Portier, die Miliz und den Hausdiener und ließ mich hinauswerfen, ja jogar verhaften. Und was tat ich denn Böses? Ich zerriß ein ganz flein wenig die Bluse meiner Frau und stieß den Milizbeamten, weil ich der Ansicht war, daß sich die Behörde in meine Familienangelegenheiten nicht einzumischen hat. Ich laß zwei Wochen im Arreft. Während ich in der Belle fab, dachte ich darüber nach, daß ich meine Frau dennoch liebe und ich ihr das fagen merde, wenn sie mich herauslaffen. Statt deffen aber fagte ich:, ,, Ratja, laß es mit diesen Dummheiten genug sein. Du hast mich beleidigt, aber ich verzeihe dir. Du fannst wieder in mein Zimmer ziehen. Ich sagte Ihnen schon tausendmal, daß sie nicht mehr mein Mann sind!" entgegnete sie. ,, Wie denn? Zehn Jahre lebten wir zusammen und jetzt soll dies alles plötzlich zu Ende sein?" Ja." ,, Nun gut, scher' dich zum Teufel!* In der Tiefe der Seele glaubte ich aber, daß sie mich noch liebe! Eines Abends hörte ich im Zimmer hinter der Wand die Stimme eines Mannes, der lachte und Tee trant. ,, Was soll das heißen?" dachte ich und flopfte an die Tür. ,, Ich habe keine Zeit," entgegnete sie ,,, ich bin beschäftigt!" Ich flopfte lauter. Bütend trat sie heraus. Ich bitte, diesen Herrn aus dem Zimmer zu entfernen." ,, Und ich bitte Sie, eine fremde Frau nicht zu belästigen, sofern Sie nicht ins Gefängnis wandern wollen." Die Tür schloß sich krachend. Fremde Frau?" Beilage des Vorwärts H. Leonard: 100 Jahre ,, Faust" Am 19. Jamuar sind 100 Jahre vergangen, seit Goethes Faust" am Hoftheater in Braunschweig die Uraufführung erlebte. Während der Straßburger Studentenzeit vertiefte sich Goethe in die Urquellen deutscher Volksgeschichte, Volkslied und Volkssage. 3wei Gestalten traten ihm näher; Göß von Berlidingen und Faust Schon regte sich in ihm der gewaltige Drang, diese Gestalten Helden seiner Dramen zu machen. Aber ihm fehlte noch die Wel erkenntnis, den Faust, wie er sagt, ,, in das handelnde Leben zu stellen". Die Sturm- und Drangjahre, Jahre tiefer Selbsterkenntnis und persönlichen Erlebens ließen ihn die eigene Seele erkennen. Im genialen Wurf gelang es ihm, aus dem tiefen Drang nach der Natur deutscher Vergangenheit im Faust das uralte Problem der Erlösung der Menschheit zu gestalten. Als Goethe am 7. November 1775 in Weimar eintraf, las er nach Ende des Monats seinen halbfertigen" Faust vor. Sein Faust begleitete ihn durch alle Phasen seines Lebensweges. Im Frühjahr 1801 mar der erste Teil der Tragödie beendet. Aber noch sieben Jahre sollten vergehen, bis der Faust 1808 als Buch erschien. Einige Bruchstücke erschienen zur Ostermesse im ,, Cottaschen Morgenblatt". Aber sie muß mich doch noch lieben! Ich kenne sie schon zehn Bühnendichtung geschrieben. Doch faßte der Generaldirektor des Jahre, ich weiß, daß sie eigensinnig ist. Am nächsten Morgen beschloß ich, es mit Freundlichkeit zu versuchen. Die Frauen lieben das. Ich sagte also: Katharina Piotrowna, gestatten Sie, mit Ihnen einige Abende gemeinsam zu vertreiben. Es ist so einsam allein. Vielleicht tönnten mir gemeinsam lesen?" Bor zehn Jahren hatten ihr solche Worte gefallen. Jetzt nicht. Sie gähnte: „ Dieses Lesen von Versen ist schon eine altmodische Geschichte. Aber, wenn Sie sich anständig benehmen werden..." Aeußerst gern hätte ich sie verprügelt, aber statt dessen ging ich abends zu ihr und deflamierte ihr, wie ein Idiot, Verse vor. Aber auch das fand keine Anerkennung: ,, So'n Quatsch! Liebe sieht in Wirklichkeit ganz anders aus. Gehen Sie lieber schlafen." Natürlich, wenn dieser Kretin Simtow fommt und ihr vom Borteil der Konsumvereine erzählt, lächelt sie süß und spricht: ,, Ach, wie interessant das ist. Kommen Sie recht bald wieder." ,, Ratja," sagte ich ihr schließlich, so geht es nicht weiter." ,, Weshalb? Jezt beginnt es ja gerade intereffant zu werden." ,, Ich bin so einsam, Katja," begann ich. Und ich weiß nicht, wie es tam, aber ich gelangte zu demselben Resultat, das ich vor zehn Jahren in die Frage fleidete: Möchtest du nicht mit mir den dornigen Lebensweg teilen?" Sie wurde ernst. Denn eine Ehe ist trotz allem eine ernſte Angelegenhelt. + But! fagte fte, ich bin einverstanden. Aber ich fordere von dir als Frau dieselbe Freundlichkeit, die du mir als der Fremden bewieseft." Und, beim Teufel, ich behandle sie wie eine Frembe. Ich flopfe an die Tür, wenn sie Gäfte hat und beginne mich daran zu gewöhnen, daß eine Frau vom alten Typ heute absurd ist. ( Deutsch von Les Roszella.) Die Umdrehungszeit der Venus Nicht lange nach Sonnenuntergang, noch während der hellen Dämmerung, fehen wir jetzt am südwestlichen Himmel den herrlichen Abendstern aufleuchten, deffen Ganz desto heller und prächtiger wird, je mehr die Dunkelheit zunimmt. Da er der Sonne nach folgt, geht er auch nicht lange nach ihr unter; allerdings nimmt feine Elongation oder Entfernung von der Sonne am Himmel gegenwärtig zu, so daß wir ihn zu Ende des Monats immerhin fast vier Stunden lang leuchten sehen und verfolgen tönnen. Dieser Blanet, der den Namen Benus erhalten hat, fommt auf seiner Bahn um die Sonne von allen großen Weltkörpern der Erde am nächsten, er fann sich ihr bis auf 40 Millionen Kilometer nähern, also be. trächtlich mehr als der rötlich strahlende Mars, der es mur auf 55 Millionen Kilometer zu bringen vermag. Troytem sind die Oberfläche und die sonstigen Verhältnisse dieses roten Kriegsplaneten die Sterngläubigen hielten und halten ihn für ein Unheil verkünden. des Gestirn bedeutend besser erforscht, als es bei der nach der lieblichen Liebesgöttin benannten Venus der Fall ist. Für die Beobachtung eines Planeten spielt seine Entfernung natürlich eine erheb'iche Rolle; je näher er sich an der Erde befindet, um so genauer laffen fich Einzelheiten auf seiner Oberfläche feftstellen. Wenn wir trotzdem von der Oberflächengestaltung der Venus so gut wie gar nichts wissen, während wir vom Mars geradezu geographische Karten befißen, so liegt das daran, daß die Atmosphäre oder gasige Hülle des Mars äußerst dünn ist und stets eine gute Durchsicht auf den Körper des Planeten selbst gestattet, während die Hülle der Benus so dicht und dunstig ist, daß die eigentfiche Oberfläche des Gestirns niemals erblickt werden kann. Daher fann auch die Umdrehungszeit bei dem ersteren sehr genau bestimmt werden, sie beträgt 24 Stunden 37 Minuten 23 Sekunden. etwa so viel wie bei der Erde, während über die Umdrehungszeit der Benus unter den Himmel: forschern die größte Unflarheit herrstt. Es liegt das daran, daß dieser Planet im Fernrohr immer nur furze Zeit bei vorgeschrittener Dämmerung beobachtbar ist, bet Tage und bei heller Dämmerung verwischt die leuchtende Lufthülle der Erde die zarten hellen und dunklen Flecke, die er bei größerer Dunkelheit zeigt, wo er aber schon tief in der Nähe des Horizonts steht. Zuerst erblickte vor etwas mehr als 200 Jahren Cassini solche Flecken immer fast an derselben Stelle, woraus er auf eine derjenigen der Erde faft gleiche Umdrehungszeit von 24 Stunden schloß. Aber vor 50 Jahren machte der berühmte italienische Astronom und Marsforscher Schiaparelli darauf aufmerksam, daß die beobachteten Erscheinungen sich ebensogut erklären laffen, wenn der Planet der Sonne stets dieselbe Seite zufehrt, wie es auch beim Mond der Erde gegenüber der Fall ist, daß a'so Umdrehungszeit und Um'aufszeit zusammenfallen, das heißt, daß die Benug volle 225 Tage zu einer Umdrehung um ihre Are braucht. Bis zum heutigen Tage sind die Meinungen darüber geteilt, ganz hervor ragende Beobachter trefen für eine furze Umdrehungszeit ein, wobei allerdings nicht an 24 Stunden festgehalten wird, die Angaben schwanken vielmehr zwischen zwei Tagen und acht Tagen, aber ebenso hervorragende und sorgsame Forscher haften an der 225tägigen Umdrehungszeit fest.. In neuester Zeit sind nun von dem amerikanischen Astronomen Frant E. Roß( nach der Zeitschrift„ Das Weltall") photographische Frank E. Roß( nach der Zeitschrift„ Das Weltall") photographische Aufnahmen der Venus in verschiedenartigem Licht gemacht wor den, wobei die Aufnahmen in ultraviolettem Licht am besten die Einzelheiten hervortreten lassen. Wäre es möglich, solche Aufnahmen über etwa acht Stunden ununterbrochen auszudehnen, so würde man vermutlich das Rätsel der Umdrehungszeit der Benus sehr bald durch das Studium solcher fortgesetzten Aufnahmen gelöst haben. Aber weil sie immer nur furze Zeit hintereinander gemacht und erst nach 24 Stunden wiederholt werden können, kann die Frage noch. nicht als entschieden gelten. Immerhin haben diese Aufnahmen manche Schlüsse über die Vorgänge in der Bemusatmosphäre gestattet, in der weit heftigere Stürme als in unserer irdischen Lufthülle zu herrschen scheinen. Diese lebhaften meteorologischen Vorgänge in der Venushülle sind mit einer sehr langsamen Umdrehung von 225 Tagen nicht gut zu vereinigen, während spektroskopische Beobachtungen gegen eine sehr kurze Umdrehungszeit sprechen. Roß schließt aus seinen Ergebnissen auf eine Umdrehungszeit von etwa schließt aus seinen Ergebnissen auf eine Umdrehungszeit von etwa 30 Tagen, die er auch mit allen sonstigen Beobachtungen für verVöllig ist das Rätsel der Umdrehungszeit der Benus allerdings auch jetzt noch nicht gelöst, doch ist zu hoffen, daß es in naher Zukunft der Fall sein wird, wenn die photographischen Beobachtungen nach der Methode von Roß gleichzeitig in Amerifa und in Europa in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Dr. Bruno Borchardt. Wetterprophet in Tibet ein gefährlicher Beruf. ngafpas", so schreibt der bekannte Tibetforscher Charles Bell in seinem unter dem Titel The People of Tibet" fürzlich erschienenen Buch, heißen die tibetanischen Magier, denen man außer anderen überfinnlichen Eigenschaften auch die besondere Macht nachrühmt, das Hagelwetter zu bannen. Deshalb hat auch die tibetanische Regierung zwei dieser Zauberer angestellt, die dafür zu sorgen haben, daß Lhassa und die Ebene bei der Hauptstadt vom Hagel verschont bleiben. Als Entlohnung ihrer Dienste gewährt man diesen im staatlichen Wetterdienst beschäftigten Beamten fleine Landparzellen zu eigener Bewirtschaftung. Auch die Bauern sichern sich die Dienste eines Ngakpas, um das Hagelwetter von ihren Feldern fernzuhalten; sie zahlen ihm dafür einen Jahrestribut in Gestalt eines geringen Anteils an der Getreideernte. Kommt trotzdem der Hagel so wird dieser Anteil von den getäuschten Bauern einbehalten. Will es aber das Unglück, daß die Hageltörner gar auf die Residenz des Dalai Lama auf dem Berge Botala in Lhassa, auf das bei der Hauptstadt gelegene, als Juwelenpark" bekannte Landhaus des buddhistischen Oberpriesters oder den großen Tempel in Chassa, den Tsuk La Kang, nieder falfen, so haben die für Lhaffa und Umgegend verantwortlichen fallen, so haben die für Lhassa und Umgegend verantwortlichen beiden Ngalpas strenge Bestrafung zu erwarten." Wieder sollten 21 Jahre vergehen, bis die gewaltige Tragödie über die Bühne ging. Goethe selbst hatte den Faust nicht als Braunschweiger Hoftheaters, August Klingemann, den Plan, den Faust für die Bühne zu bearbeiten. Goethe selbst hat der Aufführung nahe gestanden, aber die Aufführung nicht begünstigt, wie er au Klingemann schreibt: ,, Meine Werke sind im Druck erschienen und Gemeingut des Publitums geworden. Ich füge hinzu, daß ich mich feit langer Zeit nicht mehr um das Theater befümmere, machen Sie daher mit meinem Faust, was Sie wollen." Schon November 1928 waren die Vorarbeiten in vollem Gange. Am 19. Januar 1829 ging die Uraufführung vor sich. Klingemann hatte den Faust in sechs Abteilungen gegliedert. Klingemann strich die Vorspiele, die Walpurgisnacht, die Sturmizene und Gretchen am Spinnrade, um das lyrische Intermezzo als undramatisch auszuschalten. Dem Monolog der Osternacht fehlte der Chor der Jünger und der Engel; der Gesang der Geister in der Paktszene war durch einen Tanz erfeßt. Die Haupt- wie Nebenrollen waren mit den besten Kräften besetzt. Den Faust spielte Schütz, den Mephisto Marr, Margarete Madame Berger, Balentin Kettel, die Martha Klingemanns Battin. Ueber die Aufführung, die vier Stunden dauerte, liegen einige Berichte vor. Die damals in Braunschweig erscheinende ,, Mitternachtszeitung für gebildete Stände" nennt den Erfolg der Aufführung sehr gut". In der Dresdener ,, Abendzeitung" vom 29. Januar 1829 schreibt der Kritiker von einem gedrängt vollem Hause und von glänzenden Erfolgen". Schütz als Faust habe seine schwere Aufgabe ,, mit Meisterschaft gelöst. Unerschöpflich blieb seine Kraft bis zum Schlusse". Marr als Mephisto hat seinen bedeutenden Ruf glänzend gerechtfertigt Das Gretchen der Madaine Berger nennt er ein liebliches Gebilde von Anmut und Innigfelt, und Madame. Klinges mann spielt aus ,, Achtung nor dem Meisterstück die Rolle der alten Nachbarin und sie habe diese Rolle ergöglich im Sinne des Dichters gegeben". Der Kritifer prophezeit wie unrichtig die Behauptung, eine Aufführung des Gedichtes sei unmöglich, wir prophezeien mit voller Ueberzeugung, daß Goethes Meisterwert noch viele hundert Darstellungen erleben wird". Klingemann erstattete am 28. Januar 1829 dem Dichter einen Bericht über die Braunschweiger Aufführung, besonders über Marrs.weltmännische Auffassung des Mephistopheles. Die Klingemannsche Bühneneinrichtung wurde von den größten Bühnen benutzt. Die nächste Aufführung fand am 8. Juni 1829 in Hannover statt, dann folgte Stuttgart. Unter Ludwig Tiecks Leitung wurde Faust in Dresden am 29. August und in Leipzig am 28. August 1829 aufgeführt. Die Baterstadt Goethes, Frankfurt a. M., und Weimar brachten die Aufführung in acht Abteilungen, verwendeten aber Klingemanns Einrichtung. Hundert Jahre sind verflossen, seit diese größte deutsche Geistesschöpfung und Menschheitsdichtung sich die Bühne eroberte. Dankbar wird die Kulturwelt sich der Tat Klingemanns erinnern und der Aufführung gedenken. Auf Robinsons Eiland Die Insel, auf der Defoes unsterbliche Geschichte von Robinson Crusoe spielt, hat die Sehnsucht unzähliger Leser erweckt, die sich fern von der Unrast unseres Lebens nach einem einsamen Erdenfleck hinträumten, wo der Mensch in einem glücklichen Klima, nur auf sich selbst angewiesen, reiche Nahrung findet und so gleichfam den Weg der Menschheit von neuem beginnen kann. Dieses Eiland Robinsons befindet sich noch heute ungefähr in dem Zustand, in dem es war, als das Urbild des berühmten Romans, der Matrose Alexander Selkirk dahin verschlagen wurde. Freilich, ganz so abgeschlossen von der zivilisierten Welt ist die Infel Mas- aTierra nicht mehr, die größte unter den drei Insein der Juan Fernandes- Gruppe, in der man heute mit Sicherheit den Schauplatz der Robinson- Geschichte steht. Ein deutscher Gelehrter, Dr. W. Schmitt, hat sich jetzt längere Zeit auf der Insel aufgehalten, um das überaus reiche und noch taum erforschte Tierleben in den Gewässern um die Inseln zu studieren. Bon seinen Beobachtungen erzählt er in einer Londoner Wochenschrift. Defoe war von den Abenteuern Selkirks, der vier Jahre und vier Monate auf der Insel verbrachte, durch Briefe und Aufzeichnungen des Matrosen unterrichtet, aber seine geographisd; en Angaben, find nicht ganz genau, und bisweilen nahm er seine Phantafie zu Hilfe. So gab es z. B. feinen Mann namens Freitag auf der Insel, und niemals haben Menschenfresser das Eiland während Selfirts Aufenthalt besucht. Im übrigen aber lachen dort noch dieselben grünen, reich bewaldeten Täser, die sich an lieblichen Flüffen entlang ziehen. Die Gewäffer liefern eine Unmenge von Fischen, der Küchengarten spendet alle nur erdenklichen wohl fchmeckenden Pflanzen, und die wilden Ziegen bieten nicht nur einen föstlichen Braten, sondern man kann sie auch zähmen und von ihnen Milch, Butter und Käse erhalten. ,, Die wenigen Einwohner, die die Insel heute hat, wohnen an der Ostseite der Infel zwischen den hohen Bergen und dem Meer. Sie sind fast alle Fischer, und die riesigen Hummern, die sie fangen, sind ein Leckerbissen ersten Ranges. Aber sie sind sofort bereit, ihren gangen Fang dem Kapitän eines Echoners gegen einige Nahrungs. konserven auszuhändigen, da sie dieser Genüsse überbrüssig sind. Das Leben verfließt in idrister Stille, und der kleine Laden des Dorfes ist nur zweimal die Woche geöffnet. Die Hauptsprache unter den Bewohnern der Insel ist spanisch. Der Rundfunk hat jezt auch an ihnen seinen Weg gefunden." & METROPOL- THEATER GR. SCHAUSPIELHAUS 8 Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER. Max Hansen Elfsot, Jankuhn, Schäffers, Junker mann, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Emmy Sturm Frind, Ahlers, Llaske, Serda, La Jane Winkelstern. Kupfer, Arne, Bon dow, Morgan, Blankenhorn, Picha Zwel Charell- Inszenierungen In beiden Theatern Sonntag Nachm. 3 Uhr ungek. Vorstellg. halba Praise Reklame Zoo Ball Das Kostümfest der im 19.Januar, 21 Uhr Reklamefreunde und Künstler ( Zauberhafte Stoffdekorationen, von ersten Künstlern entworfen) TANZKAPELLEN: Dajos Béla Dr. Becce Otto Kermbad Weintraubs Syncopators Frederic Band TO Künstler unter persönlicher Leitung ihrer Dirigenten/ 5 Bechstein- Flügel SECHS SPENDEN SUP . DIE DAMEN ERHALTEN: Eine Festpackung NESTLE'S PRALINEN- AUSLESE" MAGIC- COMPACT" die elegante Golddose mit Festpuder, Spiegel und Quaste1 Packung GODET PARFUM und weitere Spenden Tombola für die Damen kostenlos! DIE HERREN ERHALTEN: Eine Festpackung der neuen BergmannZigarette ,, GILDEHOF" und den künstlerischen Festalmanach der Graphischen Anstalt OTTO ELSNER, Berlin S 42 SAALKARTEN R. 10. im Festbüro Unter den Linden 59 all. an das Theaterkassen von Wertheim, bei Bote& Bock. Leipziger Straße 37 und Tauentzienstraße 7b, im Voz- Haus, Potsdamer Straße 4, bei Twardy, Potsdamer Straße 12 und im Zoo. Budapester Straße 9 LOGENKARTEN t Rm. 15 nur im Festbüro Unter den Lindes 59s ( Zentrum 11 95) TISCHBESTELLUNGEN( Plate Rm. 2) aur in Zoo( 10 bis 6 Uhr) Budapester Straße 9( Kartenauswels) Sonnab., d. 19. 1, Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 17 19 Uhr Rosenkavalier Staats- Oper Am Pl.d. Republ. R.-S. 23 191 Uhr Sonnab, d. 19. 1. Städtische Oper B smarckstr. Turnus I 19% Uhr Othello Staat. 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Kammerspiele Norden 12 310 8, Ende nach 10% U. Soeben erschienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. HALLER- REVUE ..Schön and schick" Th. im Admiralspalast Täglich 2 8 Uhr Sonntag Vorstellungen 3 Uhr a. 81% Uhr. Nachmittags die gauze Vorstella, zu halben Preiser R 81 Uhr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8 Uhr Am 17. Januar verstarb nach kurzem aber schwerem Leiden völlig unerwartet unser langjähriger Angestellter, Freund und Kollege Rudolf Behrend Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen MetallarbeiterVerbandes verliert in ihm einen treuen Kameraden von aufrichtigem Charakter, der stets das Beste für die Organisation und seine Kollegen hergab. In stiller, aber eifriger Arbeit hat er gezei.t, daß ihm die Arbeiterbewegung alles war und hat er dieser in treuer Pflichterfüllung bis an sein Lebensende gedient. Wir werden dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Engere Ortsverwaltung und die Angestellten des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes Verwaltungsstelle Berlin. Termin der Einäscherung wird noch bekanntgegeben. Theater am Nollendorfplatz Dir. Bruck Täglich 8 Uhr Das Geld auf leftchen Geberi der Straße Abenteuer v. Bernauer u. Oesterreicher Z entralTheater lite Jakobstr. coke Jranienst. Täglich 8 Uhr ose- Theater Ich küsse Ihre r. Frankfurter St. 132 Hand, madama 4 Uhr Dornröschen 8 Uhr Mädi Ein Spiel von Liebe Singspiel von Walter Kollo Dtsch. Künstler- Th. 8% Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Saltenburg- Bahnen und Lenz mit dem Lessing- Theater berühmtenSchlager 8 Uhr Rundfunkhörer Katharina Knie. rabe Preise Vergessen Sie nicht beim Einkauf von früchten Jaffa PALASTINA Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Vorstandsmitglied, Kollege Max Schmidt Kraftdroschkenführer, im Alter von 51 Jahren am 15. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bestattung findet am Montag, dem 21. Januiar, 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Deutscher Verkehrsbund. JApfelsinen PARDESS KAMEL MARKE ES SIND DIE BESTEN weil wohlschmeckend, nahrhaft, Süß, kernlos, groß u.saftig. in allen Obst- u. Feinkosthandlungen zu haben; sonst weist Bezugsquellen nach: Westindia Bananen- Vertrieb G.m.b.H. Zweigniederlassung: Berlin, Neue Friedrichstraße 79 Fernsprecher: Berolina 933 Abt.: Reichsverband der Berufskraftfahrer. Der Vorstand. Am Sonntag, dem 13. Januar, früb 7, Uhr. verschied nach langem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwieger- und Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Christine König geb. Joost im 75. Lebensjahr. Dies zeigt im Namen aller trauernden Hinterbliebenen tiefbetrübt an Erich Ködig. Berlin O 84, den 14 Januar 1929. Kopernikusstr. 16. Die Beerdigung findet am Montag, dem 21. Januar. nachmittags 3 Uhr, von der Halle des St. GeorgesFriedhofes, Landsberger Allee, aus statt. Trianon- Th. Täglich 8 Uhr. Sonntag auch 4 U Der letzte Schleler mit Erika Gläßner und Oskar Beregi Sonntag 2 Uhr From Holle Kleines Theater Täglich 8% Uhr: Max Adalbert in Der Dickkopf Sandrock, Landa. Sterler. Sikla. Thalla- Theater Dresdener Str. 72-7. 8 Uhr ., Oelrausch" Hoffnung Bekleidungs- Jndustrie G. m. b. H. Brunnenstraße 188-190, am Rosenthaler Platz Ein großer Posten Winter- Ulster Paletots, Joppen und Anzüge enorm billig Sportbekleidung aller Art beste Aqalar. sehr preiswert Irench Coats-. Gummi- u. Lodenmäntel in groß. Auswahl Windjacken für Damen u Herren in guten Qualitäten besonders preiswert Elegante Maßanfertigung Pullover, Herrenstr Ckwasten, Oberhemden und Unterwäsche zum Teil bedeutend unter Preis Berufskleidung für jeden Beruf Fahnen und Ausrüstungsgegenstände für das Reichsbanner Schwarz- Rol- Gold Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige See Mitglieben Stadi, bet under Rallege, bez Cinrichte Walter Müller geb. 28. Dinber 1887, em 15. Jumat. geftorbent ift. Chre feinem Haberden! Die Beerbigung findet am Ge abenb, bem 19. Januar, 18% h Bon ber Leichenhalle bes Stabilen Friedhofes in Berlin Reinidenbor Oft. Sumboldtftr. 1, ans ftatt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Nachruf. Am Dienstag, bem 15. Sannat, ser fchieb nach langem unb famerem Sel ben bas langjährigeBorstandsmitglied Max Schmidt Miter von 51 Şahren. obl Er hat sich frets fiz bas ergehen ber Raffe und ber Angestellten mit feiner ganzen Latteaft und Ber fönlichkeit eingefest Bir werben fein Anbenten fiets in Chren halten. Die Angestellien der Innungskrankenkasse der Innung vercinigier Droschken besitzer Groß- Berlins. Nachruf. Stach langem foeren Seiben ver ftarb am 15. Januar das Mitglied unferes Borstandes, der Kraftwagenführer Max Schmidt im 51. 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