Morgenausgabe Tr. 35 -46. Jahrgang A 18 Bödenme 85 B1. mopatid 3.60 im voraus zahlbar. Boftbezug 4.32. sinicht Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6-2. pro Monat * Der Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend, 30uftrierte Beilagen Bolf und Zeit" und„ Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen".. Frauen. Rimme". Techni!" Blid in bie Büchermelt und Jugend- Berwärts Vorwürts Berliner Bolksblatt Dienstag 22. Januar 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die stripelttge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile- Reichs mart. Kleine Anzeigen bas ettge brudte Bort 25 Pfennig( zulaffig ame Jettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 2 Bfennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben gablen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Ubonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Braße 3, wachentägl, Don 81%, bis 17 Uhe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donbofi 292-297 Telegramm- Abr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Boftichedkonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Ballstr. 65 Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 8 Leffing und die Republik. Zu seinem zweihundertsten Geburtstag. Denn da sie unberauscht Die halbe Welt zerstören, Was würden fie nicht tun, Wenn sie betrunken wären? " In der Emilia Galotti" gärte die Revolte des niederIn der Emilia Galotti" gärte die Revolte des niedergetretenen und sich aufrichtenden Bürgertums gegen die schamLose Willkür von Winkeldespoten, wie sie das Deutschland Freiheitsmanifeste gegen die Tyrannen waren erst recht zwei des 18. Jahrhunderts zu Haufen aufwies, und dichterische Stücke, die in den Anfängen steden blieben, Samuel enzi", in dessen Mittelpunkt eine Gestalt aus der Zeitgeschichte, ein 1749 hingerichteter demokratischer Rebell gegen die Berner Oligarchie, stand, und ,, Spartacus", in dem ein Stlave als Stlavenbefreier auftrat. Da diesem Spartacus, der wie ein französischer Enzyklopädist für Menschenrechte schwärmt, satter Hohn entgegenhält, er philosophiere wohl, Fliert seine Antwort wie ein Schwert: Wenn Leffing in einer Zeit lebte und wirkte, die| waren ,,, als ganz gewöhnliche Menschen", hat die geschäftige| Gegängel" seiner Jugend richtete ein Trinklied die Bitte an unter dem Druck des fürstlichen Despotismus notgedrungen unpolitisch war, hat seinen gewaltigen politischen Einfluß doch schon der Heidelberger Staatsrechtslehrer Bluntschli und nicht einmal als erster gebührend hervorgehoben. Wie sehr dieses Großen großes Wert ein Politikum war, verrät schon das heisere Geschrei der Vorläufer jenes geistigen Jan hagels, dessen Beitrag zur deutschen Literatur in der BeJudelung von Abortwänden mit Hafenkreuzen besteht. Daß Lessing die Juden nicht nur gegen die Vorurteile feines Jahrhunderts verteidigt, sondern geradezu als die berufenen Erzieher des Menschengeschlechts gefeiert hat, genügt, ihn zu richten. Ein Antisemiterich wie Adolf Bartels jammert, daß nichts mehr zur Irreführung deutschen Bolkstums und auch zur Verflachung und Verfinsterung benutzt worden ist als Lessings Andenken und Wert", und vorher schon verspritzte Eugen Dühring giftigsten Geifer gegen den ,, Judenanwalt" mit seinen Judenstüden", den Typus des judenhaften Zeitungs- und Theaterliteraten", der nur durch Judenreklame" zu Ruhm gelangt sei, und obwohl ber Urgroßvater von Leffings Urgroßvater schon die Kontordienformel unterschrieben hatte, galt der Ramenzer Pfarrerssohn diesem Rasseschnüffler auf Grund des raffejüdischen Charakters" seiner Schriften als Judenstämmling. Lessing ein Jud'! Juden' raus! für die Familie Ludendorff ist das Problem gelöst. In Wahrheit war von all unseren Klassitern teiner so männlich und aufrecht, hatte feiner eine so freie Stirn und ein so weites Herz, vereinigte feiner so sehr alle Eigenschaften, die die nationalistische Ideologie als typisch deutsch rühmt, wie Lessing. Obwohl große Franzosen wie Bayle, Diderot und Boltaire zu seinen Lehrmeistern gehörten, war er der nationalste Geist seiner Zeit. All sein Mühen galt dem Ziel, die Deutschen zur Nation aufzurütteln. Seine rüftige Arbeit verdrängte die französischen Muster und Vorbilder von der deutschen Bühne, und seine bitterste Enttäuschung hieß, daß sich sein Bolt als zu unreif, zu wenig als Nation mit Nationalgefühl erwies, um seinem Blan, in Hamburg ein Nationaltheater zu errichten, die nötige Unterſtügung zu leihen. In einer Epoche, da Franzö fisch die Bildungssprache der herrschenden Schicht war, und die kleinen und großen Tyrannen Deutschlands slavisch das Sonnentönigtum von Versailles nachäfften, steckte in diesem nationalen Drang ein gut Stüd Auflehnung gegen die überlieferten Gewalten, und in der Tat erschien Lessing als Sprecher des„ britten Standes", als Bahnbrecher des Bürgertums, als Vorfämpfer der bürgerlichen Freiheit. Sein ganzes Bert war Revolution, sein ganzes Wesen atmete Rebellentum. In einem Jahrhundert, in dem der entmarkten bürger lichen Klasse Deutschlands nur der Schweif fehlte, um vor jedem Hochgeborenen hündisch zu wedeln, lehrte Leffing durch das Beispiel seiner Nadensteifheit Bürgerstolz und Bürgertrok vor den Großen dieser Erde. Während es all gemein üblich war, daß sich der Literat nach einem Mäzen umschaute, zog er vor, als erst er freier Schrift steller der Deutschen ein„ Sperlingsleben auf dem Dache" zu führen, und erst als ihn seine Nation im Stiche gelassen hatte, und es galt, seiner geliebten Frau Brot zu schaffen, schlüpfte er als Hofbibliothekar in Wolfenbüttel unter, ohne deshalb seine Ansichten über die Machthaber zu ändern. Zu Hofe ging er nach eigenem Eingeständnis. als ob er dazu geprügelt würde; den Hofratstitel nahm er wider willig und widerstreben nur an, um den alten Herzog von Braunschweig nicht zu tränken, dem Erbprinzen, der sich als Gönner von Kunst und Wissenschaft aufspielte, traute er zu, daß er, zur Regierung fommend, die ganze Bibliothet mit samt dem Bibliothekar lieber verkaufen wird, sobald sich nur ein Käufer dazu findet," und als ihm auf einer Italienreise, auf der er einen anderen Sprossen des Welfenhauses begleitete, manches quer ging, Inurrte er gereizt: Das hat man davon, wenn man sich mit Prinzen abgibt." Obwohl auch der preußische Friedrich für ihn zu den Großen gehörte, die er fühlen Blicks als das ansah, was sie | Hohenzollern- Legende Fridericus Reg und Lessing Gott ,,, daß Könige nicht trinken", auf einen Nenner zu bringen versucht. Da es in der Geschichte von Mußpreußen wimmelt, rückte der geborene Kursachse zum Wahlpreußen auf, und sein Soldatenstück ,, Minna von Barnhelm" ward zu einer Feier des großen Königs"; Wilhelm Scherer entdeckte als erster, daß fein deutscher Schriftsteller dem inneren Geiste des Königs so verwandt gewesen sei wie Lessing, stempelte ihn zum freiwilligen Anhänger Preußens und fand gar, daß er, menn auch nur indirett", Friedrich II. besungen habe. Troß Mehrings Lessing- Legende" betet eine dynastisch poreingenommene Literaturgeschichte das Märchen bis auf diesen Tag nach. In Wahrheit hatte der große Vorfämpfer des Bürgertums mit dem grimmen Verächter des Bürger tums nicht das geringste zu schaffen. Den Monarchen, der deutsch nur redete ,, wie ein Kutscher" und seit seiner Jugend fein deutsches Buch zur Hand genommen hatte, lehnte der Wegbahner deutscher Bildung schon wegen seiner literarischen Franzöfelei ab; auf den umschmeichelten Herrn von Sanssouci zielte in einer Prosaode der Pfeil:„ Ein König mag immerhin über mich herrschen; er sei mächtiger, aber besser dünte er sich nicht!" und die ,, Minna von Barnhelm" stedte voller Spigen gegen das friderizianische System, deffentwegen er in einem Brief an Nitolai Preußen ohne Umschweife das fflavischste Land von Europa" hieß. Wie Lessing mit seinem ganzen Schaffen als Autoritätenstürzer, ob er nun durch die hamburgische Dra maturgie" die Autorität der französischen Tragödien schreiber, ob durch die Wolfenbütteler Frag mente" die Autorität der Bibel brach, der Befreiung der Menschheit diente, so ging er auch allenthalben der Autori tät der Großen zu Leibe. Schon in dem„ anatreontischen Was ist das:„ Du philosophierest?" Doch ich erinnere mich. 3hr habt den Menschenverstand In die Schule verwiesen, um ihn lächerlich machen zu fönnen. Bo du nicht willst, daß ich philosophiere foll Philosophieren es macht mich lachen! Nun wohlan! Wir wollen fechten! - Scharfsinnig knüpfte Lassalle an diese Stelle die Folgerung: 3wei Dezennien darauf und die Prophezeiung traf ein. Rousseau hatte genug vergeblich philosophiert und der Spartacus der Französischen Revolution fing an zu fechten." Erst recht erschien Leffing als Vorläufer des Jahres 1789, das die große Bresche in die überlieferte Ordnung schlug, wenn er in einer Abhandlung Deutsche FreiRheinland und das Finanzkapital. Befreiung durch Mobilifierung. Paris, 21. Januar.( Eigenbericht.) 3m„ Populaire" fommt Léon Blum bei einer ausfährlichen Gegenüberstellung des deutschen und franzöfifchen Standpunktes in der Reparationsfrage zu dem Schluß, die Befreiung der befehten Gebiete hänge offenbar allein davon ab, daß die amerikanische Finanz ihre Beihilfe mindestens zu einer Teilmobilisierung der deutschen Schuld leihe. Das Schidfal von Locarno hänge also zuleht von den amerikanischen Großbanten ab. Bezüglich der Mobilisierungsmöglichkeiten macht sich auf Grund amerikanischer Meldungen in einem Teil der franzöfifchen Preffe ein gewisser Pessimismus bemerkbar. Die radikale„ Bolonté" weist aber darauf hin, daß nichts bisher einen folchen Pessimismus rechtfertige. Weder die französische Regierung noch die anderen alfilerten Regierungen, mit Ausnahme etwa der englischen, tönnten auf die Kommerzialisierung verzichten. 2-3 Monate Arbeit. New York, 21. Januar. Pierpont Morgan und Owen D. Young belannt, daß der Bankier Der britische Botschafter gab nach seiner Unterredung mit John Thomas Bertins als Erfagmann für Young und der Teilhaber im Banthaus Morgan, Thomas Lamont, als Ersatzmann Morgans an den Verhandlungen der Sachverständigenkonferenz teil nehmen werden. In einer formellen Erklärung führte Owen D. Young aus, daß die Sachverständigenkonferenz den Dames- Blan nicht revidieren werde. Eine derartige Annahme gehe von einer ganz falschen Auffaffung aus. Der Zwed der Sachverständigenfonferenz sei vielmehr, den Dawes- Plan durch eine Festsetzung des Gesamtbetrages, den Deutschland zu zahlen habe, und durch eine Festsetzung der 3 ah! der Annuitäten zu ergänzen. Es würde zu Mißverständnissen führen, falls der Eindruck bestünde, daß man an Stelle des Dawes- Planes einen neuen Plan aufbauen wolle.„ Es ist weit beiser," jo heißt es in der Erklärung Youngs, diejen einheitlichen Plan, den wir einmal haben, beizubehalten. Das ist wenigstens meine persönliche Ansicht." Nach seiner Schätzung werde die Lösung dieser Aufgaben etwa 60 bis 90 Tage beanspruchen. Die Voraus fegungen, unter denen der Sachverständigenausschuß seine Arbeit beginne, seien ganz andere als jene, unter denen der Dawes- Plan zustande gekommen sei. Damals hätten noch große und bittere Ge gensäge bestanden, jede Partei hat die Tatsachen bestritten, die von der anderen Seite vorgelegt wurden. Der Sachverständigentonferenz werde jedoch das von der Organisation des Reparationsagenten während ihrer fünfjährigen Tätigkeit gesammelte Tatlachenmaterial zur Verfügung stehen und außerdem herrsche unter den Beteiligten eine bessere Stimmung. Hinsichtlich der Haltung Washingtons, erklärte Young, die ameritanische Regierung habe seinerzeit während der Arbeiten des Dawes Komitees den amerikanischen Mitgliedern des Komitees gegenüber teinerlei Wünsche geäußert, und er nehme an, daß die amerikanische Regierung auch der tommenden Konferenz gegenüber die gleiche Haltung einnehmen werde. Ueber neue Anleihen wird vorläufig nicht beraten. Paris, 21. Januar.( Eigenbericht.) Die amerikanischen Sachverständigen Owen Young und Pierpont Morgan werden sich schon am 1. Februar in New Borf nach Europa einschiffen. Sie rechnen mit einem Aufenthalt von 2 bis 3 Monaten. Owen Young foll aufs neue erklärt haben, daß die Konferenz über etwaige Emissionen deutscher Reparationsobligationen nicht beraten werde. Die Aufgabe der konferenz liege mehr in einer Ergänzung, als in einer Revision des Dames- Planes. Es handele fich vor allem um die Feststellung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands und der Gesamthöhe der deutschen Schuld. Sollte die Frage einer Anleihe erwogen werden, so würden die Sachverständigen ein diesbezügliches Projekt erst den Regierungen zur Genehmigung unterbreiten. Ij c i t' der.Luziehung des Volks' zu den StaatsgeschSsten das Wort redete oder in den„Freimaurer» gesprüchen" dem Staat den Zweck zuschrieb, jedem«in- zelnen Menschen seinen Teil von Glückseligkeit zu oerbürgen und zu sichern:„Jede andere Glückseligkeit des Staates, bei welcher auch noch lo wenig einzelne Glieder leiden und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannei, anders nichts!' An einer versteckten Stelle des vierzehnten seiner „Briefe' aber offenbarte der kühne Ueberwinder jeden Mittelasters seinen geheimsten politischen Gedanken. Es geht um ein ganz unverfängliches Thema, Reim oder nicht, und Leffing meint: Und also schließen Sie wohl, daß ich ganz und gar wider die reimlosen Dichter bin? Nein, sondern ich dringe auch hier auf eine republikanisch« Freiheit, die ich überall einführen würde. wenn ich könnte. Republikanische Freiheit allenthalben in der Welt— das war Lefsings Ideal: nicht Verzerrung seines Bildes ist es, ihn den ersten deutschen Republikaner zu nennen. Da dieser stets helle und wache Wahrheitssucher auch den Krieg als„unseliges Ding" verabscheute, dem Plan, durch Abrüstung zum Weltfrieden zu gelangen, zustimmte und eine durch Staatengrenzen nicht zerrissene Zukunfts- Menschheit voraussah, steht der politische Lessing unserer Gegenwart näher als seiner Zeit. Das r e p u b l i- konische und sozialistische Deutschland darf ihn zu seinem zweihundertsten Geburtstag feiern, ohne daß es von seinem Werk den Staub der Jahrhunderte abzu» klopfen braucht. Am aufrichtigsten aber feiert es ihn, wenn es sich die Erkenntnis zu eigen macht, die er einer auf- steigenden Klasse vergeblich lehrte, daß„der Mensch zum Handeln und nicht zum Vernünfteln geschaffen" ist. Ilerwoon Wendel. Sozialdemokratie und Finanzausgleich. Reichskonferenz der Fachleute. Am Montag tagt« im Reichstag eine Konferenz von Vertretern der Sozialdemokratischen Reichstagssraktion, der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion und des Kommunalpolitischen Reichsausschusses der Sozialdemokratie, um zu dem Thema Steueroereinheit. l i ch u n g und Finanzausgleich Stellung zu nehmen. Nach einem eingehenden Referat des Genossen Keil wurden in eingehen- der Aussprache all« Probleme erörtert, die der vor kurzem dem Reichstag zugegangene Entwurf eines Steuervereinheitlichungs- gesetze» für die Finanzgeborung der Länder und Gemeinden aufge- rollt hat. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Es soll jedoch im engeren Kreise der Konferenzmitglieder eine Arbeitsgemein- f ch a f t zur weiteren Vorbereitung und Unterstützung der parlamen. tarifchen Arbelt in diesem Gesetzentwurf gebildet werden. Auswärtiger Ausschuß. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags, Abg. Scheidemann(Soz.), hat den Ausschuß auf Frei» tag, den 2S. Januar, II Uhr vormittags einberufen. Tagesordnung: I. Die Tagung des Völkerbundsrats in Lugano: 2. Der Stand der Reparationsverhandlungen: 3. Beratung von Petitionen. Oer neue Zentrumsvorstand. Bildung eines Ausschusses zur Besprechung des Wehr- Problems. Der Reichsparteiooristani» der Zentrumspartei, der auf dem Kölner Parteitag im Dezember neu gewählt worden ist, trat am Sonntag in Berlin zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die aus allen Landesteilen zahlreich besucht« Sitzung wurde vom Parteivor- fitzenden Kaas eröffnet. Der Vorstand nahm zunächst die Wohl der stellvertretenden Vorsitzenden der Partei vor. Einstimmig wiedergewählt wurden die Herren Rlönnig, Klöckner, Echoser und Frau Weber, neugewählt wurden Minister H i r t s i e f e r und Abg. Ivos. Ersterer wurde an Stelle des Abg. Stegerwald, der gebeten hatte, von seiner Wiederwahl abzusehen, gewählt. Stegerwald wurde aber einstimmig an erster Stell« in dm Geschäftsführenden Vorstand gewählt, der aus zehn Mitgliedern besteht. Der Parteivorstand wählte sodann zwei Ausschllfse, von denen sich der eine mit dem Wehrproblem und der Friedens. bewegung zusammenhängenden Fragen beschäftigen soll: der zweite Ausschuß soll sich mit Wirtschasts fragen befassen,«r steht unter der Leitung des Abg. Stegerwald. Alle Kroaten-parteien aufgelöst! Eine„authentische Interpretation" der Ausnahmeverordnung. Die Erledigung des Aachtragsetats. Debatte über das Statistische Reichsamt. Der Ausschuß für den Reichshaushalt erledigte in der Montag. sitzung. ohne grundsätzliche Aussprache zunächst den Rest des Nach- tragckchaushalts des Reichsarbeitsministeriums für 1S28 in erster Lesung, wobei von der Reichsregierung insbe- sondere auf die große Arbeitslast des Reichsversicherungsamts hin» gewiesen wurde. Es waren dort Ende des Jahres 1928 13 283 Sachen unerledigt gegen 1270» Ende des Jahres 1927. Der dann behandelte Nachtrag zum Haushalt für D e r so r- gungundRuhegehälter für 1928 bringt die materielle Aus. Wirkung der vom Reichstag beschlossenen Gesetze über die Pensionen, Versorgungs-Gebührnisse usw. Es werden angefordert für 1928 für die Zivilversorgung rund 19214 Millionen. Die Versorgungs-Gebühr» nisie für die früheren Angehörigen der alten Wehrmacht machen aus rund 792 Millionen, für die neue Wehrmacht be» Ziffern sie sich auf rund 56 Millionen. Für die Verforgungs-Gebühr- niste der Hinterbliebenen von früheren Angehörigen der alten Wehr» macht werden, benötigt rund 743 Millionen, der neuen Wehrmacht runb 1,7 Millionen. Die Heilbehandlung und damit zu» sammenhängenden Ausgaben erfordern einen Kostenaufwand von rund 46 Millionen. Beim Haushatt des Reichswirtschaftsministeriums rief das kolossale Anwachsen des Statistischen Reichsamtes ein« längere Debatte hervor. Da» Amt beschäsigte 1924 1007, 1027 1563, 1928 2508 Personen. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.) wies darauf hin, daß jede statistische Erhebung große Arbeit mache und dement- sprechend Personal verlange. Je mehr die Wirtschaften der einzelnen Länder sich untereinander verflechten, um so größer werden die Auf, gaben des Amtes. Kein Mensch könne heute an eine Einengung de» Belgrad. 21. Januar. Gestern wurden von der Polizei In Agrow aus Grund der Bestimmung des Gesetze» zum Schuhe des Slaales, daß relt- giöse und Stammes-portelen auszulösen sind, die Geschäftsräume folgender politischer Parteien gesperrt und deren Archive beschlagnahmt: Der kroatischen Bauern- Partei(Radiischpartei), der kroatischen Föderalistischen Partei(Trumbilschpartei), der kroatischen Volks- partei(klerikal) und der kroatischen Rechtsparlei. Damit sind alle kroatischen parlclen ausgelöst. Es bleib! auf kroatischem Territorium allein die selbständige Demokratische Partei(Swetosar pribilschewilsch) übrig, die ober hauptsächlich Serben umsaßt. Mit der Auflösung der genannien Parteien ist die veg'isssbestimmung des erwähnten Gesehesartikels„religiöse und Stammes- parleicu" durch die Praxis authentisch iuter- preiiert worden(!)— wie in Agram verlautet, wird aach einer Zirkularverordnung des Ministeriums des Innern gegen die Zentren der anderen parleicn vorgegangen werden, die, sobald sie nach dem Ermessen der Behörden religiösen oder Siamm-scharakier haben, überall ausgelöst werden. Die dann noch übrig bleibenden müssen nach demselbeu Erlaß die Genehmigung des Ministe- rium» des Innern für ihr weiterbestehen a a ch s u ch e n. » In Paris ist das Gerücht verbreitet, daß die Verhaftung des Führers der kroatischen Bauernpartei Dr. M a t s ch« b bevorstehe. Er hatte gerade ein in der gestrigen Nummer des»Matin* erschienenes Interview gegeben, indem er von einem Miß» brauch der guten Absichten des Königs sprach. Die Angst der Schweiz vor Mussolini. Nach einer Meldung der„Libero Stampa", de? sozialistischen Organs in Lugano, hat der schweizerische Bundesrat beschlossen, dem italienischen Professor SoloeminI, dem bekannten Historiker. der gegenwärtig an der Universität London über ttalienische Geschichte liest, die Einreise in di« Schweiz zu zwei Vorträgen im gegenwärtigen Augenblick zu oerweigern. Bundesrat Motto erklärt nun, daß die Befürchtung nicht unbegründet sei, daß die beabsichtigten Vorträge des Professors Grund zu Diskussionen geben würden, di« aufreizend und dem öffentlichen Interesse entgegengesetzt wären. Das Verfahren gegen Günnes jr. Hugo Stinnes der Finanzier des Anleihebetruges. In der Strafsache wegen Anleihebetruges hat die Staatsanwaltschaft 1 gegen die Kaufleute Hugo Stinnes, Kurt Nothmann, Bela Grotz Leo und Eugen Hirsch und den Land- wirt von Waldow Anklage wegen gemeinschaftlich versuchten Be- truges zum Nachteil des Deutschen Reiches und gegen den Kaufmann Joseph Schneid Anklage wegen Beihilfe zum versuchten Betrug erhoben. Auch in dem K u n e r t und Genossen betreffen- den Teil der Anleihebetrugesache ist die Voruntersuchung abge- schlössen worden. Die Akten liegen der Staatsanwaltschaft zur Eni- schließung vor. Hugo Stinnes wurde ein« Erklärungsfrist von einem Monat bewilligt. Seine Verteidigung hat die kommissarische Vor, ladung einer Reihe von Zeugen im Ausland beantragt. Die Haupt» Verhandlung vor einer Sonderabteilung des Großen Schöffen- gerichts Berlin-Mitt« beginnt voraussichtlich im Mai. Die Anklageschrift, die 86 Schreibmaschinenseiten um- saßt, belastet Stinnes schwer. Es handelt sich um zwei Anleihe- Schwindelgeschäfte, di« von Paris bzw. von Rumänien aus- gingen. Im ersten Fall wandten sich die Betrüger über den An- gestellten von Hugo Stinnes jun. Nothmann an den Privat- sekretär von Hugo Stinnes, v o n W a l d o w. V. Waldow sprach mit Stinnes und sagte ihm, daß man innerhalb vier Wochen aus einer Million 15 Millionen machen könne. Roch der Behauptung der Anklage soll Hugo Stinnes auf dos Geschäft einge- gangen sei. Hugo Stinnes stellte Nothmann und Waldow 200 000 bis 250 000 Mark zur Verfügung. Beide reisten nach Paris und beauftragten Eugen Hirsch mit dem Ankauf der Anleihcstücke. Ebenso soll Stiane» Rothmann 200 000 bis 300 000 Mark für das rumänische Geschäft zur Verfügung gestellt Hadem Nothmann fuhr nach Wien und übertrug Leo Hirsch und Bsla Groß die Erledigung dieses Teils des Geschäfts. Der Gewinn sollte dergestalt aufgeteilt werden, daß Hugo Stinnes 50 Prozent vom Reingewinn erhielt. während die anderen Beteiligten sich die zweite Hälfte teiltem Da die Verhandlungen sich in die Länge zogen, erklärte Stinnes, daß er das investierte Geld nicht länger als einen Monat entbehren könne. Eugen Hirsch versuchte darauf vergebens, in London und Zürich Anleihestücke zu kaufen. Man fand dann in Pari» die vier Fran- zosen Calmon, Fahre und Delpuech und de la Grange als Stroh- männer für die Altbesitzanmeldung. Nach der Darstellung des An- geklagten o. Waldow in der Voruntersuchung soll Hugo Stinnes, nachdem die Geschäfte in Gang gebracht worden waren, im No- oember oder Dezember 1926 in Hamburg von diesem erfahren haben, daß gefälschte Belege und Schlußnoten oer° wendet worden seien. Stinnes soll sich darüber sehr amüsiert Hadem Der Abschluß der Geschäft« stieß dann aber auf unvorhergesehene Schwierigkeiten, da der Bankier Hendrix eine wettere Teilnahm« an betrügerischen Geschäften verweigerte. Als v. Waldow von seinem Ehes darauf neue Weisungen haben wollte, was zu tun sei, soll Hugo Stinnes nach der Darstellung des Angeklagten v. Waldow erwidert haben: Ich will von dem ganze» Geschäft nichts wissem da» ist Ihr Geschäft. Ich bin mir persönlich verantwortlich. Noch langwierigen Verhandlungen kam dann di- Anmeldung durch die französische Gruppe unter Führung des Abgeordneten Calmon. Das rumänisch« Geschäft entwickelte sich in ähnlicher Weise und hätte zum Erfolge geführt, wenn der Sonderkommissar nicht rechtzeitig gemerkt hätte, daß di« Anmeldungen nicht in Ord» nung waren. Ebenso wie Ealmon in Parle zogen auch die rumäni» scheu Anmelder ihre Anträge zurück, so daß ein Schaden sür das Reich nicht eingetreten ist. Hugo Stinnes bestreitet jede Schuld. Er gibt zwarzu, die beiden Anleihegeschäfte finanziert zu haben, will jedoch ge- glaubt haben, daß es sich um legale Geschäfte handele. Die Anklage sucht Stinnes in eingehender Weise zu widerlegem Unter ihren Belastungsbeweifen gegen Hugo Stinnes wird besonders auf ein Konto Hollesen hingewiesen, das sie für ein fingiertes Konto von Hugo Stinnes zur Finanzierung der Anleihegeschöste be- trachtet. Insgesamt weist das Konto Hollesen Im November 1926, in dem der größte Teil der Anleihegcschäfte finanziert worden ist, einen Umsatz von 1 232 390 M. auf, und es sind ollein an Waldow über dieses Konto 455 000 M. gegangen. Statistischen Reichsamtes dcnkem Seine Arbeiten seien jetzt weniger denn je zu entbehren. Abg. Bernhard(Dein.) erklärte, die Statistik befinde sich erst in den Kinderschuhen, ihre Methoden werden und müssen immer mehr verfeinert werden. Je mehr dieser Prozeß fortschreite, um so mehr werde«zualisiziertes Personal sür die Arbeiten benötigt. D!« sehr unrationell gestaltete räumliche Unterbringung des Amtes soll in einem Unterausschuß durchgesprochen werden. Klageweib Hilgenberg. (Sr möchte Deutschland um allen Kredit reden. Herr H u g e n b e r g hat am Sonntag auf dem deutschnationalen Landesparteitag für Ostjachsen eine seiner heillos wirren Reden g«- halten, in denen er sich als nationales Klageweib gebärdet. In dieser, ostsächsischen Rede malt er die Loge Deutschland, grau in grau, politisch wie wirtschaftlich. Deutschland sei e I n P« st h« r d. der die Siegerstaaten mit Ansteckung bedrohe. Der bolschewistisch« Teufel loche über die Illusion, daß man diesen Pestherd isolieren könne. Das zersetzende Gift des Bolschewismus sitze in der deutschen Sozialdemokratie, die sich dem bösen Geist des Bolschewismus oer- schrieben habe. Was über die Festigung der Lage Deutschland» gesagt wurde, sei Lüge: „Leider sei Deutschland selbst irgendwie an all diesen Lügen beteiligt, weil es nicht den Mut zur Wahrheit hat. Er nenne nur die Lüge des steigenden deutschen Wohlstandes, die Lüge' der deutschen Zahlungsfähigkeit, die Lüge der Sicherheit der deutschen Währung. Er nenne noch den Wohn, mit dem der V r i v a t k a p i t a l i st des Aus- lande», der sein Geld an Deutschland gibt, damit Deutschland Reparationen an seine Gläubigerstaaten zahlen kann, sich über die Sicherheit seines Kopitals beruhige.* Zum Schlüsse verkündet er den bevor st ehenden Selbst, mord de« deutschen Volkes: „Es gibt Methoden für Neger und Indianer. Ein Volk wie die De'-'schen. vor solche Zukunft aesteNt wird sich trog oller sä' ein- baren Geduld und Lenkbarkeit schließlich aus dem Instinkt einer Masse heraus lieber unter dem brennenden Trümmerhausen begraben, dessen Flammen die nahe und ferne Umgebung entzünden." Einstweilen ist es jedoch noch nicht so weit: eine Entschließung des Landesparteitages nennt als„sofortige durchgreifende Maß- nah»,«", um den Verfall der deutschen Wirtschaft Einhalt zu ge. bieten den schärfsten Widerstand gegen die H i l f e r 7 d i n g s ch e n Steuerplän«. Weil die Vermögenssteuer um 120 Millionen erhöht werden soll, sind die deuffchen Sozialdemokraten Volschewisten, Deutschland ein Pestherd und olles in Deutschland investiert« Kapital verloren! Die Reden des Herrn Hugenderg sind wirr, und das ist gut. Sie werden nicht sehr wichtig genommen, und das ist noch besser. Was müßte die Folge sein, wenn das Ausland die Hugenbergschen Worte ernst nehmen wollte, daß der ausländische Prloatkopi- talistimWahneleb«, wenn er seine in Deutschland investierten Kapitalien für sicher halte! Wenn Herr Hugenberg den Mund auf- tut, droht Schädigung des deutschen Kredits im Ausland. Nur gut, daß seine Reden selbst so wenig polttischen Kredit haben! Alldeuisches Llniversalrezepi. Wie der kleine Monh die R-parationSfrage lösen will. Der Geschäftssührend« Ausschuß des Alldeutschen Verbandes veröffentlicht ein« Entschließung mit folgendem Wortlaut: „Der Geschäftsführende Ausschuß des Alldeutschen Verbandes stellt fest, daß der verzweifelte Zustand der Reichs- und Staats- finonzen und die äußerst schwierige Lage der deuffchen Gesamt- wirtschast di« Fortsetzung der sogenannten Repa» rationsleistungen unmöglich macht. Damit ist die unselige Entwicklung seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages und der Uebernahm« der Dawes-Lasten bei dem Puntte angelanat an dem die Lebensnottvendigteiten unseres Voltes eine Abkehr von der bisherigen verderblichen Politik unausweichlich fordern. Angesicht» dieser Sachlage wiederholt der Alldeuffch« Ver- band seine alte Forderung, die Erklärung von der deutschen Schuld am Kriege zu widerrufen und die Leistungen aus dem Dawcs- Abkommen einzustellen." Di« Leute im Alldeutschen Verband stehen Herrn Hugenberg besonders nahe. Wir sind gespannt, ob es Herrn Hugenberg ge- lingen wird, diese Entschließung zu einem Antrag der deuffchnatlo- nalen Reichstagssraktion im Reichstag zu verdichten, odet iü> selbst ihm dies Rezept zu simplistisch vorkommen wird, Oer blami'erie Obertürgermeisser. Di« Kölner Stadtverwaltung verbreitet zu der Cnttossung der Bibliothekarin, die zu einer schweren Blamage der Kölner Stadt- Verwaltung vor dem Arbeitsgericht geführt hat, ein« Erklärung, in der lt. a. gesagt wird, daß di« Bibliothekarin nunmehr wieder bei der Stadt, und zwar als Assistentin, eingestellt werde. Der Oberbürgermeffter Dr. Adenauer wird die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen. Im übrigen bestätigt die Erklärung der Kölner Stadtverwaltung den ganzen Verlaus der von uns bereits mit» geteilten Vorgänge. Lessing. ,Man muß den Mann schließlich feiern, wo seine Werte in allen KlassikerauSgabeu stehn. Gelesen hat man, gottlob, sowieso nichts von ihm.' Neue Aussichten für Amanullah? Lebt der Rebellenkönig überhaupt noch?- Ein neuer Thronpräiendent taucht aus. L o» b o«. 21. Januar.(Eigenbericht.) Aus Afghani st an laufe« äußerst wider» sprechende Meldungen ein. so daß es äußerst schwer ist. ei« Bild über die augenbliitliche Lage zu ge» Winne«. Nach Meldungen aus Peschawar ist in der Person des Sirdars M. Omar Khan ein neuer Krön» Prätendent aufgetreten, der sich der vollen Unter» stützung der Shinwari-Stätntne erfreuen soll. Qmar Khan befindet sich auf dem Marsche auf Kabul und hofft inner» halb einer Woche im Besitze der Hauptstadt zu sein. Ueber das Schicksal des Emirs Habibullah Khan, des früheren Rebellenführers Bachai Sago sind die der» schiedenste« Gerüchte verbreitet. Die Meldung von seinem Tode scheint den Tatsachen zu entsprechen.(Wird aller» dings später von Reuter ans amtlicher indischer Quelle dementiert. Red.) Im übrigen scheint es. daß unter de« Grenzstämmen Afghanistans die Sympathien für den Exkönig Amanullah im Wachsen begriffen sind. Der Stau«'» Gilsai hat eine Deputation an den Exkönig gesandt, die ihm die volle Unterstützung des Stammes zusagte. Eine Reihe von Versammlungen indischer M o h a m» medaner in Peschewar und Lahore haben Resolutionen gefaßt» in denen Amanullah Unterstützung zugesagt wird. Amanullah erklärt seine Abdankung für nichtig. Moekau, 21. Januar.(Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Räch einer Meldung aus Herat hat Amanullah im Hin» blick auf die Absetzung Jnajatullahs in Kandahar die Erklärung ver» öffentlicht, daß er feine Abdankung für nichtig erklärt und die Herrschaft wieder übernimmt. Ein Ltebertn'tt zur Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie— Hort der Einhe.t des Proletariats. Der Redakteur und Herausgeber des linkskommunistischen „Dolkswillen� Bartels ist zur Sozialdemokratie übergetreten. Er hat den Verzicht aus sein bisheriges Amt und die Rückkehr zur SPD. in einem längeren Schreibe» an die Reichs. leitung des Lenin-Bundes begründet, in dem er erklärt, daß die Perspektive des Lenin-Bundes. die Komintern zu erobern, sich als utopisch herausgestellt habe. Der organisatorische Zustand des Lenin- Bundes beweise überdies, daß die deutsche Arbeiterschaft der Reu» gründung von Parteien müde sei und die V e r e i n i- g u n g aller auf dem Boden des Marxismus stehender Proletarier in e i n e r großen, geschlossenen, schlagkräftigen Partei verlange, deren Fundament das demokratische Selbstbestimmungs- recht, die sozialistsche Ueberzeugung und die Gesinnungssreiheit der Mitgliedschift bildet. Di« Erfahrungen der letzten Jahre hätten ihn überzeugt, daß die KPD. nicht die Führerin des Proletariats sei, noch jemals werden würde, sondern lediglich ein Hemmnis für den Zusammenschluß und die Stärkung der deutschen Arbeiterschaft. Der Schluß der Erklärung lautet: „Zwölf Jahre long habe ich die SPD. auf das heftigste be° kämpft, weil ich in ihr eine Partei sah, die nicht die Interessen der Arbeiter vertrete. Aber mein Haß gegen diese Partei wandelte sich, je mehr ich erkannte, welche Kraft die SPD. in der Pe» riode des Zerfalls der Komintern darstellt und welche leidenschaftliche Zuneigung die erdrückende Mehrheit der deutschen organisierten Arbeiter. schaft ihrer alten Partei, der SPD., entgegen» brachte, in der sie den Hort der Einheit des Proleta» riate erblickt. Diese Tatsache hat mir Achtung eingeflößt und und gleichzeitig die Augen geöffnet vor den Quellen dieser u n» gebrochenen Anziehungskraft, die in dem Willen der deutschen Arbeiterschaft noch Einheit zu suchen sind. Bor der Entscheidung stehend, ob ich weiterhin einer selbst- gefälligen Sektiererei mein« Kraft opfern oder aber den Weg des Wiederfindens mit den sozialistisch orientierten Arbeitermassen zu gemeinsamer Arbeit für die Befreiung des Proletariats beschreiten soll, zaudere ich nicht, das letzter« zu tun.' Die Partei der Dreitausend. Aber sie„zerschmettert" England. London, 2L Januar.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag fand in Bermondsey, einem vororf London», nach beinahe elneinhalbjShriger pause. wieder ei» Parteitag der britischen kommunistischen Partei statt. Die Konferenz stand im Zeichen einer tiefen inneren lln- Zufriedenheit, für die insbesondere die Tatsache verantwortlich war. daß der gesamte Alitgliederstand der KP. Groß-Britannien» im Lause de» vergangenen Jahre» ans Z500 Mitglieder gesun- ken ist. Die Führer der Partei versuchten, den Rückgang der Mit- gliedsziffer auf„Zersplillernngsmaßnahmen und Maßregelungen kommunistischer Arbeiter' zurückzuführen: aus der Debatte ging jedoch hervor, daß die Delegierten mit der Auffassung ihrer Führer nicht übereinstimmten und die Führung der Partei— über die all- gemeine Unzufriedenheit zum Ausdruck kam— für den Riedergang verantwortlich machten. Angesichts dieser hossnungs- losigkcil über die Zukunft der kommunistischen Bewegung Groß. Brilaunieus, die sich allenthalben fühlbar machte, wirkte die Be- hanptung des Führers der Kommunistischen Partei Groß- Britanniens, Campbell, daß die KP. Groß-vritannlen»„aus- ziehe', um Konseroalive, Liberale und Sozialdemokraten zu zer- schmettern', tragikomisch. Llgllidierung der halbkommun'stischen Labour-Richtung. London. 21. Januar.(Eigenbericht.) Der Parteitag der Kommunisten Groß» britanniens beschloß am Montag, entgegen den Vorschlägen des Parteioorftandes, die sogenannte„Linke Flügelorgani» sation', die seinerzeit ins Leben gerufen worden war, um die Arbeiterpartei kommunistisch zu durchdringen, fallen zu lassen bzw. zu liquidieren. Der Beschluß wurde mit öS zu S2 Stimmen gefällt und stellt«in« logische Folge der vom 0. Plenum in Moskau beschlossenen neuen Politik für die KP. Großbritanniens dar. Es war im höchsten Maße bezeichnend, daß die Vertrauens- leute und Angestellte» dieser linken Flügelorganisation selbst diese ehemals so einflußreich« Organisation als einen überflüssigen und im Absterben befindlichen Apparat bezeichneten. Dies« große, seit Monaten im Schöße der KP. Großbritanniens die Gemüter erregende Auseinandersetzung um die gewerk- s ch a f t l i ch organisierten Mitglieder der KP. Großbritanniens, die den sogen, politischen Beitrag der Gewerksckzast zahlen und damit zur indirekten Unterstützung der Arbeiterpartei beitragen sollten, endet« mit einem Sieg der Freunde der Beitragszahlung. Dieler Beschluß dürste mit dem Hintergedanken gefaßt sein, einzelne Wahlkreise der Arbeiterpartei zur Aufstellung von verschleier- ten kommunistischen Kandidaten für die nächsten Neuwahlen be- legen zu können. Bucharm kaltgestellt. Stalin dirigiert die kommunistische Internationale. Im Zusammenhang mit dem Streit in der russischen konumi» nistischen Partei um den Ausschluß Brandlers und Thalheimer» wurde berichtet, daß Bucha rin sich mit der Absicht trage, sein« Aemter niederzulegen, um so gegen diesen Ausschluß zu protestieren. Roch einer Meldung des„Temps' aus Moskau ist Bucharin zu einem mehrmonatigen Erholungsurlaub nach dem Süden Rußlands abgereist. In der kommunistischen Jnter- national« tritt an sein« Stelle ein Dreierkomite« aus Stalin, Molotoco und Imeral. Damit hätte Stalin direkt die Leitung der kommunistischen Internationale an sich gerissen. Die S2 Geldschränke der Frau Hanau. Es ist aber wenig drin. Paris. 21. Januar.(Eigenbericht.) An die Stelle sensationeller Verhörungen im Skandal der „Gazette du Franc' ist zurzeit die still««lein arbeit ge- treten. Es gilt nicht weniger als 32 Geldschränke der Frau Hanau auf ihren Inhalt zu untersuchen. Seit dem Beginn der Untersuchung sind sechs geöffnet worden. In einem dieser Schränke ist«ine groß» Anzahl Wertpapiere in sehr geringer Stückzahl enthalten, die Frau Hanau„die einzelnen Handschuhe' nannte. Es handelte sich vor allem um Einlagen der kleinen Sparer. Am Montag find die letzten Möbel der Frau Hanau versteigert worden. Opiumschmuggel wird enihülti. Zusammenstöße auf der Genfer Konferenz. Gens. 21. Januar.(Eigenbericht.) Di« Lerhandkungen der Opiumlommission des Völ- kerbundes gleichen immer mehr dramatischen Aden» teuererzählungen. Am Montag behandelte die Kommission die Rauschmitbelsituation in Genf. Es kam zu einem sehr scharfen frianzösifch-englischen Zusammenstoß, da der Eng- länder die französische Koloniaiverwpltung von Hintennidien für den Opiumschmuggel nach Britisch-Indien ver- antwortlich machte. Im Jahre 192h konnten die Engländer Ks Kolli Opium und im vorigen Jahr« 110 Kilogramm Opium hinter- indische» Ursprungs abfassen. Die Polizei rechnet damit, daß sie im allgemeinen nur«in Zehntel der Schmuggler er- wischt. Der Franzose mußte zugeben, daß in einer einzigen hinterindischen Hafenstadt nicht weniger als 310 Engros-Händler Konzessionen auf Opiumhandel haben und daß es den französischen Behörden unmöglich ist, die Geschäfte dieser Leute genau zu kontrollieren. Roch rätselhafter war eine Geschichte von 40 Kilo- gramm Opium, die m P o r t u g i« s is ch- Indien gefunden wur- den. Der portugiesisch« Vertreter teilte mit, daß sie einem indischen Konzessionär gehört hätten, der nach großen Betrügereien nach Hongkong gegangen sei und später dort ermordet wurde, lchn« vorher der portugiesischen Regierung zu verraten, w o er sein Opium gelassen habe. Auch in Holländisch. Indien herrschten dieselben Zustände. Der holländische Vertreter erzählt ein« Geschichte von verschiedenen Buchten und der felsigen Küste Holländisch. Jichiens, die eine wirksam« Bekämpfung des Rauschmittelschmuggels unmöglich machten._ Kafchistenparfumeur Coiy gegen alle. Er siegt in erster Instanz vor dem Handelsgericht. Paris, 21. Januar. Das Handelsgericht von Paris hat heute sein« Eni» scheidung In den verschiedenen Prozessen gefällt, die von dem Parfümfabrikanten Eoty oder gegen diesen angestrengt worden waren. Eoty hatte mit dem Direktor einer großen Prcssedruckerei S i m a r t einen Vertrag für die Drucklegung des saschistischen „A m i du P e u p l e' abgeschlossen und«inen weiteren Vertrag mit den„M e s s a g e r i e s Hochette' für den Vertrieb des „Ami du Peuple". Dann aber hatten Simart und die„Messa- gerles Hachett« ihre Verträge mit Eoty gekündigt, worauf Eoty einen Prozeß wegen Vertragsbruchs anstrengt«. Simart ist nunmehr vom Gericht zu 200 000 Franken und die„Messageries Hachette' zu 500 000 Franken Schadenersatz verurteilt worden. Außerdem hatte das Syndikat der französischen Zeitung- b« sitzer«ine Klage gegen Eoty wegen un» lauteren Wettbewerb»«ingereicht, wsil der„Ami du Peuple' für zehn Centimes(1,6 Pf.) verkauft wurde, während der gewöhnliche Verkaufspreis der übrigen französischen Zeltum>en 25 oder 30 Centimes beträgt. Das Gericht hatte dieie Klage schon vor einiger Zeit abgelehnt, worauf Eoty einen Gegenprozeß gegen da» Synditat wegen Verleumdung und Geschäftsschädigung anstrengte. Do» Gericht hat ebenfalls heute das Syndikat zu 1 200 000 Franken Schadenersatz oerurteilt, außerdem zu den Prozeßkosten. Di« Abendausgab« des„Ami du Peuple', die heute dies« Meldung als einzige Zeitung veröffentlicht, frohlockt und schreibt. der Versuch der großen Presse, ein unabhängiges(in Wirksichteit von Mussolini subventioniertes. Red.) Organ totzumachen, sei klag- lich fehlgeschlagen. Die Lessing-Feier der Kunstakademie. Ein„Musikalisches Opfer'(von Johann Sebastian Bach), dos heiterste und kunstvollste Werk verschlungener und wieder befreiter Harmonien, wurde am Montagabend in der preußischen Kunst- akaidemie für Lessing dargebracht. Es spielten die Kammermusiker Georg Schumann, Williy Heß und Emil Prill. Es sprach Max Liebermann, der Präsident der Akademie, wenige Worte. der Bescheidenheit, um für die eigentlichen Festredner, für den Berliner Literaturhistoriker Julius Petersen und Thomo» Mann, Zeit und Gehör zu schaffen. Der Gelehrte und der Dichter, sie wollten beide nicht oberstäch- lich begeistern, sie wollten nur tiefsinnig erklären. Das Feuer der Teilnahme wurde vorausgesetzt. Alle Feierl ichkeii hatte sich nur im Inneren der Akademiker und ihrer Damen zu begeben, die neugierig waren, wie man sie zu dem verloschenen Ingenium zurückführen würde, damit sie ihre eigenen Ideen mit der Vergangenheit verknüpften. In diesem nüchternen Dersammlungssaale der Akademie wirkten die wohlabgewogenen Sätze besonders kalt. Alles wurde distanziert. Die Literaturgeschichte, die Professor Petersen vortrug,»er- schüttete beinah« das einstmals so lebendige Genie. Wir wurden auf Entwicklungen und Lobsprüche der Nachwell aufmerksam gemacht. Die drei großen L— Luther— Leibniz— Lessing— wurden ausgezählt. Der Gelehrte balsamierte Lessing mit hoher Würde für die Unsterblichkeit ein. Aber der Dichter Thomas Mann wickelte die Mumientücher wieder auf. Es entstand von neuem das Genie Lessing, das viele Flammen geworfen hatte. Der redende Schriftsteller im Frack, der keine Silbe seines umfangreichen Manuskripts beim Ablesen ändert«, hatte tief in den geistigen Vorfahren hineingeblickt. Er zeigte, wie aus Vernunft Dichtung wurde. Das ist kein widernatür- sicher Vorgang. Der Dichter, der die Well beherrscht, soll auch die Gesetze der Erkenntnis beherrschen. Und Lefsing schwamm nicht nur im Chaos der Propheten. Er prüfte, er gliedert», er unter» suchte und gestaltete, er kritisiert«, und nachdem er sich von de» Selbstenttäuschungen des Gefühls befreit hatte, formt« er die Klar- heit und sogar die Menschengüt«. Thomas Mann erläutert« das Moralische der Lessingschen Polemik. Das Scheltwort verwandelte sich in das schmelzend« Psalmenwort der Toleranz. Gerade deshalb, weil Lessing sich in die eigensinnige Individualität einsperrte, alle? aber fortstieß, was ihn an Krusten des Vorurteils hätte einpanzern können, wächst seine Persönlichkeit in die Sphäre des Allgemein- gültigen. Ein Deutscher wird zum Weltbürger. Lessing lebte in der Vergangenheit Die Methode seiner geistigen Emanzipation ist trotzdem immer noch brauchbar, wenn auch da», wa» er entdeckte, nicht mehr den geräumigeren Grund unserer heutigen Erkenntnisse ausfüllt. Thomas Mann brauchte dos Wort vom Faschismus, dem Lefsing entrann. Wenn Faschismus romantische Eigenbrötelei ist und Hinnehmen gewaltsam geschriebener Dogmen, die nicht an- getastet werden sollen, dann ist Lessing der Antifaschist, der Geist gegen den Uggeist und den Antigeist. Das rhetorische und musikalische Opfer, das ihm die Akadsmi« darbrachte, weihte daher wirklich die Erinnerung an einen Unoer- gänglichen in der Well der vollkommen befreiten Geister.' M. H. Achtstundentag auf dem Papier. Die Angst vor der Entlassung. Die Ueberschreitungen des gesetzlichen achtstündi.| noch als Refiner tätig sein mußten. Hierbei tam eine Arbeitszeit gen Normalarbeitstages nehmen mitunter einen faum von 16 bis 18 Stunden heraus. Was hinter den verschlossenen glaubbaren Umfang an. Obgleich nach den neueren gefeßlichen Be- Jalousien in großstädtischen Kontoren an stimmungen, insbesondere durch die Arbeitszeitverordnung vom 14. April 1927, hinreichende Möglichkeit besteht, wirtschaftlich begründete Mehrarbeit im Rahmen der gefeßlichen Bestimmungen leisten zu lassen, sind die Berstöße gegen die Arbeitszeitgefeße außer ordentlich häufig. Nach einer Statistit aus dem Jahre 1927 war schon für 89 Prozent der gesamten Arbeitnehmerschaft eine Mehrarbeit über den Achtstundentag hinaus zur Regel geworden, wobei diese Mehr arbeit in 79 Prozent der Fälle tariflich vereinbart war. Trotz dieser neun bis zehnftündigen zulässigen Arbeitszeit trifft man noch Ueber schreitungen von erheblichem Ausmaße an. Die 24ftündige Arbeitszeit, wie sie nach dem Bericht der Gewerbeaufsichtsbeamten für 1927 zeit weise bei den Kraftwagenführern in Stettin bestand, foll in anderen Berufen auch heute noch anzutreffen sein. Ueber 24 Stunden geht es allerdings nicht hinaus. Freilich war in dieser 24stündigen Arbeitszeit der Kraftwagenführer die sogenannte Arbeitsbereitschaft mit einbegriffen. Aber der notwendige Schlaf erfolgte auf dem Führersih, solange der Wagen hielt und auf Kundschaft wartete. Eine solche unerhört lange Arbeitszeit blieb, wie der Bericht vermerkt, trotzdem ft raflos, da man nunmehr die Schicht auf elf bis dreizehn Stunden durch tarifliche Bereinbarung begrenzte. Mit der Innehaltung der gefeßlichen Arbeitszeit steht es bekannt lich besonders schlecht, auch bei den Angestellten. Hier liegen Fälle vor, z. B. auf dem Lande, wo der Angestellte und sogar noch der Lehrling zunächst von morgens 7 bis abends 7 Uhr bei unregelmäßigen Pausen im Laden zu bedienen hatten und ferner 40 000 Textilarbeiter im Kampf. Bufpitung im fächsisch- thüringischen Konflikt. Der konflitt in den fächsisch- thüringischen Webereien fpigt sich zu. Im Augenblic stehen insgesamt 5000 Terfilarbeiter und-arbeiterinnen im Streit. Jn Gera haben die Unternehmer 5000 Textilarbeiter ausgesperrt. Dabei wird es faum bleiben; denn es ist nicht anzunehmen, daß der Arbeitgeberverband irgendeinen kleinen Unterbezirk im sächsisch- thüringischen Tertilgebiet beffehen im Gegensah zu anderen Gegenden fleine Unterbezirke, wie Gera, Greiz usw. allein vorgehen läßt. Wird das gesamte Webergebiet vom Kampf erfaßt, dann werden davon rund 23 000 Arbeitskräfte betroffen. Dazu dürften dann noch 6000 Heimarbeiter fommen. Dauert eine Gesamtbewegung der Weber nur acht Tage, dann werden auch die Färbereien in Mitleidenschaft gezogen. Das würde bedeuten, daß insgesamt 40 000 Arbeiter an der Bewegung teilnehmen werden. Mit einer solchen Entwicklung des Kampfes ist sehr wohl zu rechnen. unerlaubter Nachtarbeit von Angestellten geleistet wird, entzieht sich meist dem Auge des Kontrolleurs; denn wo tein Kläger, da ist auch tein Richter. Die meisten, insbesondere die trassen Fälle von Arbeitszeitüberschreitungen werden nicht befannt. Sie erfolgen meist mit Zu ftimmung der Arbeitnehmer und werden auch mit ihrer Hilfe vertuscht. Es ist feine Seltenheit, daß die Arbeitnehmer mit unter den Gewerkschaften vertrauliche Angaben machen, vor Gericht aber jede Aussage verweigern oder die angebliche Arbeitszeitüberschreitung wieder leugnen. In letzteren Fällen muß aber ausdrücklich zur Vorsicht gemahnt werden. Stellt sich nämlich dann einwandfrei vor Gericht heraus, daß falsche Aussagen gemacht worden sind, so seht sich der Betreffende einer empfindlichen Strafe nach§§ 257 und 47 des Strafgesetes aus. Die Angst vor Entlaffung zwingt vielfach zu Ueberstunden, mitunter auch zum Verzicht auf den gefeßlichen Zuschlag und sogar zur Unterstügung des Unternehmers bei der Bertuschung von Ungefeßlichkeiten. Die unerhörte Ausbeutung insbesondere der wirtschaftlich schwächsten Teile der Arbeiterschaft wird noch nicht rücksichtslos genug bekämpft. Daher auch die große Häufigkeit solcher Bergehen gegen die Arbeitsgefeße. Die verhängten Strafen sind ohne jede ab= schredende Wirkung. So ließ sich z. B. ein besonders rabiater Unternehmer in einem Jahre nicht weniger als fünfmal hintereinander beftrafen". Eine Gefängnisstrafe hätte er wohl nicht so leichten Herzens fünfmal hintereinander abgesessen. stärkung des Arbeitermangels gerechnet werden. Die Landarbeiter werden dann noch mehr als bisher der Meinung sein, daß fie Menschen zweiter Klasse im Staat sind und die Konsequenzen daraus ziehen, indem sie das Land verlassen. Das Gegenteil muß geschehen. Die Arbeitslosenversicherung muß nicht abgebaut, sondern aufgebaut werden. Jeder Landarbeiter muß die Gewißheit haben dürfen, daß er dann, wenn er arbeitslos wird, genau fo feine Unterſtügung erhält, wie jeder andere Arbeiter. Bezirkskonferenz des AfA: Bundes Auch bei den Angestellten geht es vorwärts. Das neue Af A Bezirtstartell Brandenburg hielt am Sonntag im Berliner Gewerkschaftshaus seine erste Bezirts. tonferenz ab, die durch erstklassige Gesangsdarbietungen des Chors der Städtischen Oper eingeleitet wurde. Außer den Delegierten aus Berlin, der Provinz Brandenburg und Grenzmark waren zahlreiche Bertreter der Behörden und befreundeter Organisationen erschienen, von denen einige, wie z. B. Genoffe Brühl, Direktor des Man vertreibt einheimische Landarbeiter Bandesarbeitsamis Brandenburg, Genoffe Mirus, Geschäftsführer Und schreit nach Ausländern. Die Deutsche Tageszeitung" berichtete vor furzem, daß Bertreter des land und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes für die Provinzen Ober- und Niederschlesien sowie des Reichsarbeit. geberverbandes beim Reichsernährungs-, Reichsarbeits- und dem preußischen Landwirtschaftsminister vorstellig waren, um ihre Schmerzen auf dem Gebiet der Arbeiterbeschaffung vor. zutragen. Es sei darauf hingewiesen worden, daß ein hoher Prozent. faz der bäuerlichen Betriebe infolge des tatastrophalen, ständig wachsenden Arbeitermangels vor dem Erliegen stehe und von fremden Arbeitsfräften nahezu entblößt sei, weil insbesondere die jugendlichen Arbeitskräfte heute nicht mehr daran dächten, Berträge einzuhalten. Durch weiteren Ausbau der landwirtschaftlichen Arbeitsvermittlung, durch Beseitigung der vorhandenen Lüden im Arbeitslosenversicherungsgesetz, durch Maßnahmen zur Verhinderung des Kontrattbruches müsse unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Es soll also wieder einmal für die Zuteilung eines größeren Rontingents ausländischer Wanderarbeiter an die landwirtschaftlichen Betriebe Schlesiens Stimmung gemacht werden. Ueber Arbeitermangel zu flagen, wirtt bei den landwirtschaftlichen Unternehmern Schlesiens geradezu grotest. Schlesien ist ein Ueber schußgebiet an landwirtschaftlichen Arbeits träften. Hier ist die Heimat der meisten Landarbeiter, die fich zu Beginn der Saison in den verschiedensten Teilen Deutschlands als landwirtschaftliche Saisonarbeiter verpflichten. Benn die schlesischen Landarbeiter das tun, dann geschieht es auf Grund der Erfahrung, daß sie anderwärts besser als in der schlesischen Landwirtschaft auf ihre Kosten tommen. Tatsache ist, daß die Landarbeiterlöhne in Schlesien mit am niedrigsten sind. Das hindert die landwirtschaftlichen Unter nehmer aber nicht, jeden Antrag auf Erhöhung der Landarbeiter löhne in der entschiedensten Form abzulehnen. Sie haben sogar schon wiederholt den Versuch unternommen, einen Abbau der Löhne zu erreichen. Während es dem Deutschen LandarbeiterBerband in fast allen Teilen des Reichs 1928 gelang, für die Landarbeiter eine Erhöhung der Löhne um zwei und mehr Pfennige herauszuholen, mußte sich der Spigenlohnarbeiter in der Schlesischen Landwirtschaft im ersten Halbjahr des Jahres 1928 mit einer Lohnerhöhung" von einem halben Pfennig begnügen. Mitte Juli tam dann noch ein halber Pfennig dazu, so daß die ganze ,, Lohnzulage" einen einzigen Pfennig ausmacht. Wenn aus der jezigen Situation eine Schlußfolgerung gezogen werden soll, dann nur die, daß die Frage der Behebung des Arbeitermangels in der schlesischen Landwirtschaft mehr, als überall eine Frage anständiger Arbeitsverhältnisse ist. Ein Wort auch zu der Forderung auf Abbau der Arbeitslosenversicherung. Wird diese Forderung erfüllt, muß mit einer Berder Konsumgenossenschaft Berlin, Genoffe Bollmerhaus, B zirkssekretär des ADGB., Stadtrat Genoffe Czeminsfi, herzliche Begrüßungsworte an die Konferenzteilnehmer richteten... Genosse Flata u legte in einem längeren Referat die Gründe dar, die den AfA- Bund bewogen haben, einheitliche Bezirkskartelle zu schaffen und die hauptsächlich durch die Schaffung der Landesarbeitsämter und die Neugliederung der Arbeitsgerichte notwendig geworden sind. Aus seinen weiteren Ausführungen ging flar hervor, daß sich die organisatorische Neugliederung im AfA- Bund sehr gut bewährt, obwohl der Apparat noch nicht völlig eingespielt ist und noch nicht alle Reibungen beseitigt find. Die Mitgliederbewegung ist im Vorjahre im Bezirk Brandenburg ein sehr günstige gewesen. Nach den vorläufigen Feststellungen hat sich der Mitgliederbestand der AfA- Gewerkschaften im Laufe des Vorjahres von 66 599 auf 72 708 erhöht. Dem Bericht folgte mur eine turze Aussprache, in der rein organisatorische Fragen behandelt wurden. Die anschließende Wahl ergab den einstimmigen Beschluß, den Genoffen Flatau als Bezirksleiter und die Genossen Gottfurcht vom 30., Günther vom Butab und Jaeger vom Wertmeisterverband. als geschäftsführende Vorstandsmitglieder zu bestellen. Nach der Mittagspause erstattete Genosse Göring vom AFAVerband ein instruttives Referat über Die Angestellten in der Wirtschaft", in dem er noch einmal die wichtigsten Punkte aus den gleichartigen Referaten auf dem Af- Kongreß in Hamburg herausstellte. Es entspann sich dann noch eine ausgiebige Debatte über die Bertsvereine, die schließlich mit der einstimmigen Annahme folgender Entschließung endete: ,, Die am 20. Januar 1929 tagende Bezirkskonferenz des AFABezirkskartells Brandenburg steht auf dem Standpunkt, daß die Mitgliedschaft in einer AfA- Gewerkschaft unvereinbar ist mit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in einem Werksverein. Die Bezirks tonferenz ersucht den AfA- Bundesvorstand, bei den Zentralvor ständen der Af- Gewerkschaften vorstellig zu werden, damit diese in den Fällen, in denen eine derartige Doppelmitgliedschaft festgestellt wird, entsprechende Maßnahmen im fagungsgemäßen Rahmen treffen." 3m mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Konferenz der Maschinisten und Heizer. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer hatte für feine Berufsangehörigen im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau eine Konferenz nach Leipzig einberufen. Zunächst referieite Bap pert Berlin über den augenblicklichen Stand der tnapp fchaftlichen Versicherung. Bezirksleiter Lange Senf tenberg frpach über die Rationalisierung der Braun tohlengruben. Die Belegichaftsgiffer habe sich um girta 25 roz gefenft und umfaffe nur noch 78 602 Be schäftigte; trotzdem sei die Förderung am Rohbrauntohle im Monatsdurchschnitt von 5,3 Millionen Tonnen( 1913) auf 9,5 Mil lionen Tonnen( 1928) gestiegen. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen feien sehr verbesserungsbedürftig. Noch heute arbeiteten in den mitteldeutschen Braunkohlengruben 29 Broz der Beschäftigten neun und mehr Stunden pro Tag In einer Entschließung forderte die Konferenz im Sinne der Ausführungen Bapperts Reichshilfe für die knapp. schaftsversicherung. In der Arbeitszeit und Lohn frage betonte die Konferenz, daß heute das Maschinen- und Reffelpersonal der eigentliche Produktionsarbeiter im Braunfohlenbergbau sei. Bei fünftigen Tarifverhandlungen müßten des halb die Berbandsvertreter eine Aenderung der Dinge mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln herbeiführen. Das Maschinenund Kesselpersonal sei fest entschlossen, für die Anerkennung feiner Forderungen einzutreten. Vor allem mehre es sich dagegen, daß die Schichten ohne Pausen verfahren werden müssen. Die dadurch eintretenden Gesundheitsschäden gefährdeten aufs äußerste die Betriebssicherheit. Die Konferenz fritisiert in der Entschließung scharf, daß die Dampfteiselüberwachung aus dem endgültigen Regierungsentwurf zum Arbeitsschußgefeß entfernt wurde. Bom Verbandsvorstand fordert fie energische Schritte, um die Ber einheitlichung der Dampffeffelüberwachung im Arbeitsfchußgefeß sicherzustellen. Auf feinen Fall dürfe die Dampfteffelaufsicht im Bergbaubetrieb den Oberbergämtern unterstellt merden. Bom Reichsarbeitsminister wird die baldige Durch führung des einstimmigen Gutachtens des Borläufigen Reichswirt. schaftsrates über die Arbeitszeit in den Dampfteffel. betrieben gefordert. Einigung in der oberschlesischen Eiſenindustrie. Gleimig, 21. Januar. Im Lohn- und Tarifftreit der deutschoberschlesischen EisenhüttenIndustrie ist es nach einem Vorschlag des Schlichters Dr. Brahm zu einer freien Bereinbarung gekommen, der am Montag beide Par teien zugestimmt haben. Es tritt vom 1. Februar 1929 ab eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 2 bis 4 Pf. je Stunde ein. Die Arbeitszeit wird vom 1. Oftober 1929 ab um eine Stunde je Woche pertürzt. Das neue Abkommen gilt als unfündbar bis zum 1. Oftober 1930. Verhandlungen im Gaarbergbau. Saarbrüden, 21. Januar. In unterrichteten Kreisen hofft man, daß der nach dem 1. Januar schwebende Konflitt im Saarbergbau heute einer Lösung nähergebracht werde. Zurzeit finden Besprechungen zwischen Bertretern der Gewerkschaften und der Regierungskommission statt. Die Differenzen bei der Zigarettenfabrik Richard Greiling A.-G. in Dresden find durch eine Verständigung über die Löhne der Arbeiterinnen an den Tabalaufloderungsmaschinen beigelegt morden. Die Arbeit wurde am 16. Januar wieder aufgenommen. Achtung, Bezirksamt Bebbing! Seute, 17 Uhr, im Bezirksverorb neten- Cigungssaal, Echönstedtstr. 1, wichtige Bersammlung aller beim Bezirksamt beschäftigten SPD.- Arbeiter, Angestellten und Beamten. Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen ersucht Der Frattionsvorstand. Achtung, Deutsche Industrie- Werte Spanban! Donnerstag, 16% Uhr, bei vaad, Epandau, Am Stresowplay, Fraktionsfigung der SPD.- Ge noffen. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Lotann über: Das Reparationsproblem und feine Bedeutung für Wirtschaft und Arbeiter". 2. Fraktionsangelegenheiten, Bollzähligen Befuch erwartet Der Fraktionsvorstanb Achtung, SPD. Solzarbeiter Bea'rt Rozboften! Wichtige Besprechung am Tonnerstag, 19 Uhr, im Lotal Busch, Tilfiter Str. 27. Regen Be fuch erwartet Der Werbeausschuß. ECFFFFFEFFECTED] TIEEEEEEEEFFE Bolier, Bert. und Schachtmeisterbund. Morgen Mittwoch, 19% Uhr, im ben Cophiensälen, Eophienstr. 17-18, außerordentliche Generalversammlung statt. Jahresrückblid, Abrechnung vom 4. Bierteljahr 1928, Wahl des Bor standes und sämtlicher Kommiffionen. Freie Gewerkschafts: Jugend Groß- Berlin Heute, Dienstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Landsberger lag: Jugendheim Diestelmenerstr. 5. Lichtbildervortrag: Die Freie Gewerl Litauer Str. 18, Bimmer 2. Torirag: Tarifrecht und Schlichtungswesen". fdaftsjugend in Wort und Bild". Frankfurter Allee: Jugendheim Lichtenberg: Jugendheim Toffeftr. 22. Literarischer Abend. Jad London. Sumboldt: Jugendheim Graun. Ede forgingstraße. Lichtbildervortrag: Boral. berg Bild Worte Lied". Treptow: Gruppenheim, Schule Wilden bruchstr. 53-54( Fortzimmer). Portrag: Das Tarif- und Schlichtungswesen". Südosten: Jugendheim des Verkehrsbundes Engelufer 24-25. Bir beteiligen uns am Jugendturfus in der Wassertorstr. 9. Spandan: Städt. Jugendheim Silb eindenufer 1. Vortrag: Was will bie Freie Gewertschaftsjugend?" freis Sugen blursus: Im Jugendheim Baffertorftr. 9. Bortrag:„ Aus ber Arbeiter und Gewerkschaftsbewegung". Achtung, Boranzeige! Wanderleiter furfus am Mittwoch, 23. Januar, 19½ Uhr, im Jugendheim des deutschen Verkehrsbundes, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Aufgang B, pt. Licht bilbervortrag: Giedlungstunde, Dorf- und Stadtformen. Referent: Lehrer B. Ratthen. Junendaruppe des Zentralverkandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19, Jeber hat 10 Minuten das Wort. Am Sonntag, Boltstanaturfus in der Schule Paruther Str. 20, 20 Uhr. dem 27. Januar, 19 Uhr, findet im Gewerffdaftshaus, Engelufer 24-25, ein Jugenb. unb eltérraberb ftatt. Zur Aufführung gelangt das Schmöker. ( piel von Ofterroth Anschließend Mufil und Poitstänge. Eintrittstarten zum Preise von 0,30 M. find im Jugendsekretariat und in den Bezirken der Jugendgruppe erhältlich. Aus der Partei. Arbeiterwohlfahrt. aktuellen Charafter. Landesrat Gerlach schreibt über„ WirtDie neue Nummer der Arbeiterwohlfahrt" zeigt einen besonders schaftstämpfe und öffentliche Fürsorge", Genoffin Hedwig a che n heim, M. d. L., über das in Berlin vielbesprochene und fritisierte Lampelsche Theaterſtüd, Revolte im Erziehungshaus" und sein Buch Jungen in Not". Weitere Auffäße der Genoffin Starrmann: Hunger über die Neuordnung der Fürsorgeerziehung in Sachsen, des Genossen Walter Düse dau über die Hütetinder im Schwarzwald", über Berliner Kindergärten", Aurerfolge im LudwigFrank Heim des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt", Mitteilungen und eine Bücherschau vervollständigen das Heft. Berantwortlich für Tolitik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: 6. Klingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Dächer: Lotales and Sonstiges. Fris Karftabt Anzeigen tb Glode. fämtlich in Berlin Berlin Berlag: Borwärts- Berlag Gmb s Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlaasenftalt Bav! Einaci u Go Berlin 68 Lindenstraße 3 Gierzu 2 Bellagen anb Unterhaltung und Biffen. MAGG Reischbrühe Pfa 49 MAGGIS Fleischbrühwürfel enthalten besten Fleischextrakt und feine Gemüseauszüge 81. Rr. 3546. Jahrgang 1. Beilage des Borwärts Dienstag, 22. Januar 1929 Der Sonnenburger Zuchthausprozeß. Die Vernehmung der angeklagten Beamten.- Ein Racheaft der Gefangenen? Sonnenburg, 21. Januar. Im Laufe der gestrigen Verhandlung wurde mit der Bernehmung der angeklagten 24 Zuchthausbeamten begonnen. Als erster wurde der Hilfswachtmeister Woithe vernommen, dem zur Caft gelegt wird, daß er sich Militärbekleidungsstücke aus dem Alfverwertungsbetrieb der Firma Schwarzschild durch Bermittlung von Gefangenen angeeignet habe. Woithe bestritt, daß er diese Gegenstände unrechtmäßig erworben habe. Die Beamten hätten das Recht gehabt, aus dem Lager Kleidungsstüde zu kaufen, und so habe er bei dem Wertmeister der Firma den entsprechenden Antrag gestellt. Während Woithe in seinen Aussagen ziemlich unsicher mat, bestritten die nach ihm vernommenen angeklagten Beamten sehr entschieden und flar jegliches Berschulden, und zwar jetzten sie auseinander, in welcher Weise die Borwürfe als Racheattion von Gefangenen zustandegekommen feien. Den Höhepunkt der geftrigen Bernehmungen bildete bie Aussage des Hauptwachtmeisters Kind, der ebenfalls die gegen ihn erhobene Beschuldigung als reinen Ra che att von Strafgefangenen erflärte. Jo mundere mich darüber nicht," so betonte er, denn ich war ja als größter Halunte" verschrien. Bei der furchtbaren Lotterei mar ich nämlich der einzige Beamte, der sich gewehrt hat und der überall durchgriff, trotzdem ich feine Unterstützung fand. Immer mieBerteidiger: Gerade die politische Amnestie im Jahre 1928| aber damit gezögert, und zwar, wie der Verteidiger betonte, weil bildete doch den Höhepunkt, weil Hölz auch den gemeinen Berbrechern die Amnestie versprochen hatte. Angefl, Klud: Jawohl, der Krach, der aus den Fenstern er tönte, war bis in die Stadt hinunter zu hören. Auf der Chaussee stand halb Sonnenburg, um sich das mitanzuhören. die Gefangenen noch durch eine besondere Beföstigung belohnt. Ift Verteidiger: Nach Beendigung des Hungerstreifs wurden es nicht auch richtig, daß eine Zeitlang die Gefangenen zur Frei stunde so erschienen, daß sie in der linken Hand die Tabatpfeife, in der rechten Hand das Taschenmesser trugen? Direktor Lüdecke ist ja auch schon von einem Gefangenen verwundet worden. Angefl. Klud: Das ist richtig. Angel. Inspektor Hintel: Direktor Lüdide ist Anfang 1928 von einem Gefangenen, cinem geistig minderwertigen Menschen, mit einem Bfriem in den Arm gestochen worden, dann noch darauf hin, daß wegen der von der Verwertungsstelle beSowohl der Hauptwachtmeister Klud, wie der Berteidiger miesen 80genen Ausrüstungsgegenstände immer wieder die Rechnungen angefordert worden seien; die Firma Schwarzschild habe der habe ich Direktor Lüdede gesagt, wie die Zustände waren, aber Lessings Berliner Wohnhaus. er hat nur die Schulter gezuckt und nichts veranlaßt. Er war eben zu gut. Direttor Lüdede fonnte meber einem Beamten, noch einem Gefange nen etwas sagen. Er mar ein seelenguter Mensch, aber fein Zucht, hausdirettor. Mit den Bergünstigungen für die politischen Gefange nen fing es an. Manche verstanden es, sich diese Vergünsti. gungen mit zu erzwingen. Die Beamten fanden teine Unterstüßung von oben und sagten sich schließlich:„ Wir laffen die Karre cinfach laufen. Ich selbst habe mich aber immer dagegen gemehrt und habe Me Beamten zu Anzeigen veranlaßt. Aber in unserer Anstalt bestand ein Nachrichtendienst", bei dem fann die Preffe nicht mitmachen. Was ich auch immer zu den Beamten gesagt habe. In fünf Minuten mar es durch die ganze Anstalt, so daß ich immer ver haßter murde. Eines Abens mollte die Abteilung A 7 nicht vom Arbeitsfaol in den Schlaffaal, weil ihnen die Abendsuppe nicht gefiel. Als ich die Suppe probierte und als genießbar feststellte, murde ich ausgeschmiert und furchtbar beschimpft. Daraufhin ließ ich das Schupofommando fich bereithalten und drohte mit gewaltsamem Abtransport, mas auch schließlich half. Einige Tage später fand dann ein Beamter einen Rasfiber, der aus einem Fenster auf den Hof geworfen war, damit ihn ein Beamter finden sollte. Darin stand, daß für den nächsten Morgen eine Meuterei geplant war. Bei der Kaffeeausgabe mollie man den Beamten anfallen und ihn einschließen. Dann mollten alle durch das hintere Tor entweichen. Nachschlüffel für sämtliche Schlöffer und für den Torweg waren in der Anstalt selbst angefertigt und hinter einem Blech im Abort versteckt. Wir forschten daraufhin fofort nach und fanben auch tatsächlich Schlüssel für alle Türen vor. Die Tatsache, daß ich die Schlüssel gefunden hatte, war binnen furzem mieber in der ganzen Anstalt bekannt. Hätte ich mir nur die geringste Unrechtmäßigkeit zufchulden tommen lassen, dann märe es fofort befannt gewesen. Jetzt haben wir den Salunken!" Wir haben bei Revisionen in den verschiedenen Abteilungen manchmal fuhrenweise Sachen aus der Berivertungsstelle beschlagnahmt. Da hätten wir uns genug Sachen nehmen tönnen, wenn wir es wirklich gewollt hätten. Die halbe Anstalt trug ja Sachen aus der Verwertungsstelle. Troß unserer Meldungen wurde auch dagegen nichts unternommen." 3] Der Aufruhr der Achiefen Calm Roman einer Revolution. Von Gerhart Herrmann Mostar Einstweilen jedoch hingen sie ruhig und melancholisch über die Brüstung. Endlich waren die Kugeln gegossen, der Borhang fiel, auf dem Boden des Orchesters bildete der Speichel der Trompeter bereits fleine Rinnsale gottlob: aus der Hofloge pidte fpißfingriger Beifall, dem sich das Parkett beruhigt und breithändig anschloß. Also ein Erfolg.. auch Wagner durfte sich verneigen. Steife Saaldiener entzündeten mit Hilfe langer Stangen umständlich die als Kerzen markierten Delleuchter. Im Raum verbreitete fich brenzlicher Geruch. Wagner ging in die Garderobe. Das Bublikum jedoch blieb fizen; das Foyer war traditionsgemäß den Herren des Hofstaats nor behalten. Dort gruppierten sich Uniformen und Fräde um den jungen, eleganten Baron von Brittmig, der ob seiner zahlreichen Amouren mit Schauspielerinnen als Sachverständiger für Theaterfragen galt. Also ich muß fagen," interniemte ihn der blaffe Graf Millhoff, Ihre Demoiselle Schönauer übertrifft sich heute felbst!" Brittwig ignorierte die Befißbezeichnung. Gewiß, aber bebenten Sie auch, bei solcher Führung! Dieser Kapell meifter erzellent!" Jaja, gewiß. So'n fleiner Kerl nicht zu glauben!" " Zweifellos ein begabter junger Mann," jagte läffig Anhalt- Bernburgs derzeitiger Ministerpräsident von Kersten, der eben aus der Hofloge gelommen mar. ,, llebrigens: mo ift der junge Herr von Trosegt? Ihre Durchlaucht die Herzogin wünschen ihn zu sprechen." Interessiert sich nicht für Kunst. Nur für Pferde, gloffierte Brittmis. Haus Nikolaikirchplatz 10, das längst verschwunden ist. ,, Eben deshalb benötigen ihn ihre Durchlaucht," ließ ihn Kersten lächelnd abfahren. Ihre Durchlaucht bitten die Herren, morgen an einer Fuchsjagd in der Großen Aue teilzunehmen. Wollen Sie bitte Herrn von Trosegt mitteilen, daß er die nötigen Borarbeiten leiten soll." ,, Eine Fuchsjagd? Im März?" fragte der fleine Gerbit erstaunt. Er war eben erst von seiner Landflitsche an den Hof gekommen. Was wollen Sie? Ein herrlicher Einfall! Echt Ihre Durchlaucht!" Gerade ihrer burschitosen, sprunghaften Einfälle wegen war die Herzogin Friederike bei der Jugend Aber die Saaten ,, Gott, die paar Halme!" beliebt. " Gerbig gab sich zufrieden. Werden auch Seine Durch laucht-" Seine Durchlaucht lieben feine Fuchsjagden," schnitt Kersten ab. Seine Durchlaucht sehen auch immer noch recht angegriffen aus," tastete Brittwig.. ,, Merkwürdig, diese Sache mit dem schiefen Calm..." Kersten schien bereits nicht mehr gehört zu haben und wollte wieder verschwinden, wurde aber noch an der Tür der Loge von dem Kammerherrn und Hofmaler Wilhelm von Rügelgen, der zugleich die Intendang des Theaters inne hatte, aufgehalten. Die Galerie ist recht leer," teilte er seine Sorgen mit Sonderbar, angesichts dieser Boltsoper!" Es findet heute eine große Bürgerversammlung ftatt, megen der Borfalle in Breußen!" meinte der sich rasch hinzudrängende Millhoff bedeutsam. Es war fein Ehrgeiz, immer auf dem laufenden zu fein. Soso," machte Sterften achtlos. Ich darf Sie bitten, Herr von Kügelgen, mich morgen bei etwaigen Audienzen zu vertreten. Ich reite mit Ihrer Durchlaucht zur Fuchs jagd." Er verschwand. Rügelgen verbeugte sich geschmeichelt und grüßte flüchtig die plaudernden jungen Kavaliere. Brittwig äußerte gerade ironisch und leise getränkt, daß Pferdekenntnis anscheinend bei Ihrer Durchlaucht derzeit hoch bewertet werde. Kügelgen lächelte und schritt zum Bühneneingang. " ,, Aha!" flüsterte es ihm nach. Er wird den Kapellmeister in die Hofloge bitten. Wir haben, scheints, einen neuen Musitdeftor" fich der Geschäftsführer der Firma megen des im Hinblick auf die anderweitigen Schiebungen schwebenden Verfahrens nicht mehr nach Sonnenburg fraute. Der Berteidiger betonte zum Schluß dieser Vernehmung, daß neuerdings unter den Gefangenen erzählt worden sei, die ganzen Belastungen seien auf ein Komploit zurückzuführen, meil die Verbrecher auf diese Weise hofften, bei den Transporten zu den Bernehmungen Gelegenheit zur Flucht zu haben. Hauptwachtmeister Rlud bestätigte das. Ihm jei bekannt geworden, daß die Gefangenen Paasch und Brüning, zwei Mörder, auf diese Weise fliehen wollten. Auch die übrigen, gestern noch vernommenen angetlagten Beamten bestritten jede Schuld und be= haupteten, daß sie das Opfer von Racheatten von Gefangenen geworden seien. Der Obermachtmeister Kleinert, der vor einigen Jahren schon einmal wegen einer ähnlichen Angelegenheit bestraft morden ist, betonte dabei, daß eine Zeitlang die vom Bahnhof Sonnenburg fommenden Wagen mit Heeresgutladungen einfach die ganze Nacht über vor dem Tor der Anstalt ohne Aufficht stehen gelassen worden seien, weil keine Beamten zum Desffnen der Lore nach 7 Uhr abends dagewesen wären. Zum Schluß des gestrigen Verhandlungstages wurde der an Rang höchste Beamte unter den Angeklagten, der Inspektor intel Dernommen. Er bestritt die ihm von der Anklage zur Last ge= legten Beschuldigungen, daß er sich einen Belz, Lederjacke, Lederhose und zahlreiche andere Bekleidungsstücke widerrechtlich angeeignet habe. Dagegen legte er eine Quittung vor, wonach er für den geringen Preis von 34,90 M. u. a. aus der Altverwertungsstelle bezogen habe: einen Belz, Schaftstiefel, Filzschuhe, Lederhandschuhe, Fausthandschuhe, Drillichzeug, Zeltbahnen, Unterwäsche, Feldflaschen und sonst noch eine ganze Reihe Kleinigkeiten. Bors.: Sie wollen mal geäußert haben: Alle neuen Sachen interessieren mich. Angefl. Hinkel: Jawohl, da ich damals bauen wollte, brauchte ich einen Arbeitsanzug. Den Belz und die Langschäfter brauchte ich für die Entenjagd. Staatsanwalt: Ein Sträfling hat von Ihnen ausgesagt: Ganze Wagenladungen sind in seine Wohnung gegangen. Er nahm allen Quart mit, wenn er nur neu war, sogar Fliegerhauben. Angeft. Hintet: Nein, das ist nicht wahr. Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, daß ich selbst, Direktor Lüdece ausmertsam gemacht habe, daß eine Untersuchung wegen Unterschlagungen eingeleitet werden müsse, und ich selbst habe den betreffenden Brief an die Staatsanwaltschaft geschrieben. Mir war es auch bekannt, daß ein Kriminalbeamter in der Maste eines Werfmeisters zur lebermachung des Betriebes angestellt wurde. Bei der Bernehmung dieses und einer Reihe anderer Angeflagter fam noch zur Sprache, daß die der Alfverwertungsstelle übergebenen ehemaligen Militärausrüftungsstüde teilweise noch in sehr gutem Zustand, zum Teil ganz neu gewefen feien. Die Verhandlung wurde dann auf Dienstag früh 10 Uhr vertagt. Eine sonderbare amtliche Erflärung. Zu den Vorwürfen gegen das Reichswehrministerium im Sonnenburger Brozeß wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Seit Jahrzehnten besteht zwischen der preußischen Justizverwaltung und dem Reichswehrministerium ein Vertrag, wonach die gebrauchten Kleidungsstücke des Reichswehrministeriums zur Ver fügung gestellt und in der Strajanstalt Sonnenburg verarbeitet werden. In der Anstalt werden die Gegenstände von den beteiligten Stellen und in Anwesenheit eines Vertreters des Reichswehrministeriums a bg es chätzt. Selbst wenn zu gute Gegenstände abgeliefert worden sind, hat der Reichsfiskus teinen Schaden erlitten, da die Langsam verteilte man sich in die Logen. Als Wagner wieder erschien, wurde er mit Beifall empfangen. Es hatte sich herumgesprochen, daß Kügelgen zu ihm in die Garderobe gegangen war. Orchester und Sänger hatten sich auf die Art des neuen Leiters eingestellt, hatten mohl auch den Ehrgeiz, dem zukünftigen Fürstengünstling zu gefallen: alles flappte vorzüglich. Die weißen Handschuhe blieben an ihrem Blaz, obgleich Alexander Carl, auferzogen im musikalischen Geschmack des Italienertums und unfähig, aus eigenem Fühlen sich auf anderes einzustellen, der für ihn profanen Oper nicht viel Verständnis entgegenbringen konnte. Die Aufführung neigte sich ihrem Ende zu. Marens Schuß war gefallen, Agathe und Kaspar waren getroffen zu Boden gesunken die Hofleute in den Logen sahen, daß der Herzog sich verblüfft vorgebeugt hatte. Er nidte anerfennend mit dem Kopf. Die Musit setzte ein. Agathe wachte wieder auf. Aus dem Kopfniden wurde ein mißfälliges Schütteln. Jezt begann auch Kaspar wieder zu reden... da rief es plötzlich laut aus der Hofloge: Nochmal schießen!!" Wagner hatte den mysteriösen Ruf gehört, wußte nicht, was das sollte und woher es fam, und dirigierte weiter. Aber Orchester und Sänger hörten sofort auf zu spielen, die Szene gruppierte sich um, und indes Wagner hilflos die Arme finfen ließ. begann man noch einmal mit der Sprechizene. ,, Sie waren ja beide nicht richtig tot," wandte sich der Herzog gutmütig erklärend an seine Gemahlin Friederike, geborene Brinzessin von Dänemark, die von Scham und Zorn blaß geworden war, obgleich fie dergleichen an Alexander Carl fannte. Es Inallte nochmals, Agathe und Kaspar janten zum zweitenmal um, Wagner, der inzwischen unflar begriffen hatte, ließ die Musit einsehen, und es wurde diesmal zu Ende gespielt. Aber als Agathe wiederum auferstand, schüttelte der Herzog verständnislos den Kopf mit der franthaft schmalen Stirn: diese ganze Oper war für ihn zwar nur eine Art Jahrmarktsrummel, der von dem fleinen Kerl da am Dirigentenpult recht gut gemacht wurde aber daß diese Demoiselle Schönauer nicht tot zu friegen sein sollte, ging ihm nicht ein. Er nahm sich vor, sich darüber nachher bei Wagner oder am besten bei Brittidig zu erfundigen, und flatschte wader Beifall ( Forts folgt.) GegenskZnd«?a ihr«« Werk»ach«tKefchätzt«erde«. Z» übrigen ist ab 1. Januar auf Antrag der Justizverwaltung der Ler- trag mit dem Reichswehrministermm gelöst worden. Diese Erklärung ist nach den übel st«» Traditivnende» Reichswehrministeriums abgefaßt. Es wird gesogt. daß. wenn zu gute Sachen abgeliefert seien, der Reichssisktis keinen Schaden gehabt habe, weil ja die preußische Justizverwaltung nach Abschätzung der Gegenstände in Anwesenheit eines Vertreters des �eichswehrniimsteriums den erkannten Preis bezahlt habe. Das ist eine mehr als lächerliche Beweisführung, die den Verstand des Steuerzahlers allzu gering einschätzt. Ans seine Kosten werden Sachen hergestellt, nicht um ordnungsgemäß verbraucht und verwertet, sondern um in noch gebrauchsfähigem Zustand an ernc andere Behörde verkauft zu werden. Wenn das eine«er- ständige Wirtschast fem soll, müssen bei den Herren im Neichswehrministerium noch heute Anschauungen herrschen, die man unmöglich zu teilen vermag. Das Ltrieil im Meineidsprozeß. , 5 Jahre Zuchthaus für Frau Ohlerich. Nach achtstündiger Beratung wurde gestern abend vom Schwur. zericht I das Urteil in dem Masseumeiueidsprozeh der M e l u e t d»- fabrik Ohlerich gefällt. Frau Berta vhlerich erhielt uuter Einbeziehung der bereits früher gegen fie ertaanten und auf 4l-l Zahrc lautenden Strafe wegen Verleitung zum Meineide in zwei Fällen. Anstiftung zum Meineide in einem Falle und Verleitung zur solfchen eidesstattlichen Versicherung in drei Fällen eine Gesamt- strafe von 5 Jahren Zuchthaus und 10 Zahren Ehrverlust. In einer Reihe von Fällen wurde dos Verfahren wegen An- ftifürag zum Meineide eingestellt, weil es schon in frühere Urtoile einbegriffen war. Den übrigen Angeklagten wurde, soweit Verurteilung wegen Meineides erfolgt, der Milderungs- Paragraph 157.zugebilligt. Es erhielten die Angeklagt« Wilznpolski 7 Moiwte Gefängnis, Frau Else Kleba ch Iii Monate Gefängnis, Charlotte K i e b a ch K Monate und 2 Wochen Gefängnis. Frau Mittendors wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu ihrer früheren Strafe van 1 Jahr noch einen weiteren Monat Gefängnis. Wegen fahrlässigen Falsch- eides wurden verurteilt Reinhold Ki ebo äz zu Z Monaten, Ka fch- witz- zu 3 Monaten und Ast zu ö Monaten Gefängnis. Die An» gckögie Manikowfki �md der Angeklagte Knarr wurden freigesprochen. Gestern fällte die Strafkammer auch iin der Berufun gsveichond- iung gegen den Literaten Ja Lhermann dieses Urteil: Die Be- rufüng der Staatsanwaltschaft wird verworfen, auf die Beru- läng des Angeklagten hin wird das Urteil dahin abgeändert, daß der Angeklagt« wegen fortgesetzten Betruges zu S Monaten Gefängnis verurteilt wird, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. In der Begründung führte der Vorsitzende aus. daß L Hermann von dem Betrug im Falle des Waggon Weins freige- > prochen ist: bei den anderen Weingeschästen Hot er sich des gemein- iamen Betruges mit seinem Mäzen John Marlitt schuldig gemacht. Von den Fällen der Untreue und der Pensionsschwindeleien wurde Lhermann freigesprochen. Zwei Gaskaiastrophen. Ehepaare ia Echöneberg und Neukölln durch Gass getötet. Gestern mittag wurde im Haus« Sedänstraße 53 in Schoneberg ein s ch w e res Gas Unglück entdeckt. Muf dem Trcppeufliir machte sich starker Gasgeruch bemerkbar,' so daß Hausbewohner Verdacht schöpften. Die Feuerwehr wurde alarmiert und stellte fest, daß die Gase aus der Wohnung des ölljährigen Bankbeamten Ernst Ranke drangen. Da auf Klop- fcn niemand öffnete, wurde die Tür erbrochen. Di« cindrin- genden Feuerwchrbeamten sonden Ranke und seine K2jährige Frau Anna in dem fällig mit Gas erfüllten Schlaf- zimmer leblos auf. Die Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Nach den polizeilichen Feststellungen liegt ein Unglücks- fall vor. Der Hahn der Gaslampe war nur halb geschlossen. so daß im Laufe der Nacht ungehindert größere Gasmcngen aus- strömen konnten, die den Tod des Ehepaares herbeiführten. Ein ähnlicher Unglücksfall ereignete sich in der Siegfried- ftraßc zu Neukölln. Dort fand man den 72jährigen Renten- «mpfänger Otto F. und seine Verlobte, die 70jährige Witwe Auguste S. tot auf. F. hatte mit der Witwe vor einiger Zeit Be- Ziehungen angeknüpft und trotz ihres hohen Alters wollten die beiden nach heiraten: die Hochzeit sollte in vier Wochen stattfinden. Vor acht Tog-�> waren die beiden alten Leute zu einer Familien- fsierlichkeit bei Verwandten eingeladen. Nach Schluß der Festlich- seit waren sie dann gemeinsam in die Wohnung des Renten- empfängers gegangen und hatten übersehen, daß der Hahn der Gaslampe nicht ganz zugedreht war. Als gestern auswärtige Verwandte bei ihnen einen Besuch machen wollten, wurde das Un- glück entdeckt. Die Leichen haben volle acht Tage in der Wohnung gelegen. Erst klagen, dann wird gezahlt. In der„Juristischen Rundschau für die Pnvatversichcrung' (Nr. 24/1928) wird ein Prozeß angeführt, den ein Schlosser als Be- zieher der mit Abonncntenversicherung verbundenen Zeitschrift P. F. thek« um Schlafmittel. Ich sollt« aber ganz schnell damit wiederkommen. Eigentlich wollt« ich dann noch mit Nikolaus und dem„Süßen"(dos war der Kosename für den sechsjährigen Konrod) spielen, aber es gestel wir diesmal nicht so recht oben, ich ging gleich wieder weg." Lange noch stehen die Kinder und raten und staunen mit großen. erschreckten Augen: Warum? Dann gehen sie wieder an ihre Spiele und die Großen an ihre Arbeit. Und die Sonne schernt über einem klaren blauen Himmel, und das Leben geht feinen Gang..,, Gerücht von einem Mädchenmord. TSjährige unter seltsamen Umständen tot aufgefunden. linier verdächtigen Umständen wurde gester» die 25 Jahr« olle Asta Marquardt in der Schwedler Straße 3 tot auf- gefunden. Das Mädchen bewohnte mll ihrer 38 Jahre alten Schwester Frieda zusammen eine Stube. Wovon sie lebten. ist im Haus« nicht bekannt. Asta unterhielt aber Beziehungen zu einem Ingenieur, der wohl zum Unterholl beigesteuert Haben mag. Montag früh kam Frieda Marquardt, die anscheinend geistig etwas beschränkt ist, zu einer Nachbarin und het sie, einen Arzt zu rufen. da ihre Schwester regungslos im Bett lieg«. Der Arzt stellte fest, daß das Mädchen tot war. Dr Oberkörper wies zahl- reich« blaue und braun« Fl«cke auf, der«in« Arm zeigt« .Hautabschürfungen. An anderen Stellen fand de? Arzt Blasen. Obwohl die Schwester erklärt, daß sie Asta gestern noch lebend ge- sehen habe und von dem während der Nacht erfolgten Tode nichts wahrgenommen hätte, ergab sich doch, daß der Tod schon früher eingetreten sein muß. Auch der Freund der Toten konnte ermittelt und befragt werden. Er gibt an, daß er am gestrigen Sonntag mehrfach in der Wohnung vorsprach, doch von Frieda Marquardt stets abgewiesen wurde mit dem Bemerken, daß die Schwester noch schlafe. Da die Todesursoch« nicht einwandfrei festgestellt werden konnte, wurde die Leiche beschlagnahmt und zur Sektion dem Schau- haus zugeführt. Die genauere Besichtigung dort ergab, daß äußer« Verletzungen nicht vorhanden sind. Di« Pilsen auf der Haut haben sich als F ä u l n i s f l e ck« herausgestelll, ebenso die dunklen Stellen on den verschiedenen Körperteilen. Die Ber- wesung ist berells stark vorgeschritten, wahrscheinlich, well die Tot« in einem zugedeckten Bett und in einem stark geheizten Zimmer lag. Wie die kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergaben, ist Asta Marquardt zuletzt in der Nacht vom Frellag zum Sonnabend lebend gesähen morden. Die Obduktion wird voraussichtlich jtlarhell über die eigentliche Todesursache bringen. Di« Vernehmung der Schwester Frieda gestaltete sich schwierig. Ihr« Angaben find sehr verworren und geben wenig Aufschluß. Gefängnis für Aattonalsozialifiea. — 7-------- Die Wremer Vvrgäage.--°'''" Bor dem Großen Schöffengericht in Bremen wurden die jugendlichen Nationalsozialisten, die im Zlugust und September v.J. Uebersäll« auf deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens und versehenttich auch aus den brasilianischen Konsul in Bremen verübt hotten, zu Gefängnisstrafen von sechs Wochen bis zu einem Jahr vsvurteilt. Gegen den .Hauptschuldigen Thelen wurde sofort Haftbefehl erlassen, bei zwei Jugendlichen wurde aus Strafausfetzmig bis 31. Januar 1932 «rkomrt. Wahl bei den KGR.-AngefieMen. Rückgang der kommvnistlschea Stimmen. Für Sonntag, den 20. Januar, waren in der Konsum-Ge- nossenschaftBcrlinundUmgegenddie Wahlen der Der- treter zur Gcnevaloerfammlung angesetzt. Da in 229 Wahlbezirken nur«ine gültige Wahlvorschlagsliste eingereicht wurde, erübrigte sich in diesen Bezirken ein Wahlgang: sämtliche Listen der Gruppe.„Genossenschastsaufbau" gellen als gewählt. während die Vorschlagslisten der Kommunisten, da sie den Satzungsbestimmungen in mehrfacher Hin- ficht nicht entsprachen, aussielen. Nur im 230. Wahlbezirk, in dem Arbeiter und Angestellte der Genossenschast, soweit sie Mit- gliedcr sind, wählen, fand ein Wahlgong statt: hier waren sowohl von der Gruppe„Genossenschastsaufbau" wie von den Kommunisten gültige Dorschläge eingereicht worden. Die Wahl halle folgendes Ergebnis: Genvssenschaftsoufbml 785 Stimmen Opposition(Kommunisten)..... 195 Ungüllig,...... S,,, 1 Stimme Insgesamt... 981 Stimmen Im Vergleich zur vorjährigen Wahl im Bezirk der Genossen- schaftsarbeiter und-angestellten hat sich die Wahlbeteiligung von ■896 auf 981 abgegeben« Stimmen gesteigert. Die Stimmen- zahl der Gruppe„Genossenschoftsbau" erhöhte sich um 109, von 676 auf 785; die kommunistischen Stimmen gingen um 23. von 220 auf 195, zurück. Es waren sechs Vertreter zu wählen: fünf Mandate fielen der Gruppe„Ge- nofsenfcha ftsaufbau" zu, und nur«in Mandat er- hielten die Kommunisten. Das Ergebnis lätzt deutlich erkennen. daß innerhalb der Belegschaft der Konsumgenossenschaft Berlin, der kommunistische Anhang stark schwindet: bei der vor- jährigen Wahl entfielen noch 25 Proz. der Stimmen auf die kommunistische Liste, diesmal waren es nur noch 20 Pro� Theodor Ritter gestorben. Ein alter Berliner Parteiveteran, der schon unter dem Ausnahmogesetz treu zur So-ioldemokrali« stand, ist mll dem fünfundsiebzigjährigen Theodor Ritter von uns gegangen. Ritter war Zigorrenmacher von Beruf und trat bald in die vordersten Reihen seiner Gewerkschaft, des Tabak- arbeiteroerbandes. sin. Er bekleidete jahrelang die Stell« des Kassierers der Berliner Filiale. Nach seiner Uebersiedlung noch Rummelsburg-Lichtenbero trat er hier an die Spitz« der Partei- bewegunq und war einer der ersten sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter in Rummelsburg. Während des Kriegs wurde er Stadt- rat. Ritter war auch in der Genosienschastsbewegung totig. und schon tun die Jahrhundertwende wähllen ihn weiterhin die Rummelsbürger Arbeiter zum Geschästsführer ihrer Ortskranken» laß?. j Nr. 35 46. Jahrgang Parteinachrichten Sintendungen für diese Rubrik find Berlin 68. Lindenstraße 3. 2. Beilage des Vorwärts für Groß: Berlin ftets an das Bezirkssekretartat 2. Sot, 2 Trep. rechts. zu richten 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, 23. Sannar, 20 Uhr, bei Gramm, Hohen. zollernbamm 2,' gung des erweiterten Kreisvorstandes. Die Dbleute der einzelnen Kommissionen müssen anwesend sein. 13. Kreis Tempelhof. Seute Dienstag, 22. Januar, 19% Uhr, Kreisbelegierten. versammlung im Lotal Mali, Martendorf, früher Grafel, Chauffeestraße. 14. Are's Reuteln. Seute. Dienstag, 22. Jannar, 19% Uhr, in den Passage. sälen, Bergstraße, Kreisvertreterversammlung. Tagesordnung: Berichte, Wahlen, Statutenberatung. 15. Kreis Treptow. Heute Dienstag, 22. Jannar, 19% Uhr, im Lokal Einsiedler, Johannisthal, am Sternendamm, Kreisvertreterversammlung. Bortrag: Der Parteitag in Magheburg". Referent: Kurt Seinig, M. b. R. Stellung nehme zum Bezirksparteitag am 3. Februar. Deleg ertentarte und Mitgliedsbuch ist voranzeigen. 17. Kreis Lichtenberg. Heute Dienstag, 22. Jannar, pünktlich 19 Uhr, Kreis. pertretertag in ber Aula ber Mittelsamle Maritstraße. Vortrag: Das Wehrprogramm bez Bartei". Referent: Dr. Julius Moses, M. b. A. D's Tussion. Aufstellung bez Kandidaten zum Warteitag. Stellungnahme anm neuen Statut. Die 117. Abteilung stellt Türkontrolle, Mitgliedsbuch und Marbat legitimiert. 19. Kreis Tantow. Mittwoch, 23. Jannar, 19% Uhr, in 2inbners Konzerthaus, Breitefte 32, Kreismitgliederversammlung. Referent: Dr. Rudolf Breit scheid, M. b. R., über:" Das Wehrprogramm". Heute, Dienstag, 22. Januar. 30. Abt. 19% Uhr Sahlabende. Bez. 90-91 bei Bobft, Stargarder Straße Ede Lnchener Straße. Bez. 92-94 bei Schröter, Pappelallee 34. Bez. 97 bei Schmidt, Pappelallee 80. Bez. 98-99 bei Hoffmann, Lychener Str. 8. Bez. 114-120 bei Mahnkopf, Carmen- Sylva- Str. 123. Bez. 121-123 bei Geitler, Ranzowftr. 8. Bez. 124-124a bei Riebergall, Carmen- Sylva- Str. 22. 32. Abt. 20 Uhr bei Schmidt, Fruchtstr. 36a, Jahresmitgliederversammlung. Neuwahlen. Pünktlich erscheinen. 33. Abt. 20 Uhr bei Wertalla, Hohenlohestr. 3, Bersammlung aller Genoffen, die Mitglieder des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung find. 34. Abt. Pünktlich 19 Uhr in den Comeniusfälen, Memeler Str. 67. Bortrag: Das Konkordat". Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Neuwahlen. 35. Abt. 19% Uhr Abteilungsversammlung in der Schule Gamariterſtr. 20. Neuwahlen. 39. Abt. 19% Uhr Mitgliederversammlung bei Treulieb, Wilhelmstr. 114. Bot. trag des Genossen Dr. Gerhard Ludow. 42. Abt. 19% Uhr Mitgliederversammlung bei Baber, Jüterboger Str. 7. Jahresbericht, Vorstandswahl. Mitgliederbuchkontrolle. 43. Abt. Die Abteilungsversammlung findet erst am Donnerstag, M. Januar, bei Rabe, Fichtoftr. 29, statt. Funkwinkel. 134. bt, Buch. 19 Uhr im Lokal Lange, am Bahnhof, Borstands. und Funktio. haltungsmusit. Sehr schön die Uebertragung des Schmidt, nätigung. Tagesordnung. Morgen, Mittwoch, 23. Januar. 3. Abt. Rommunale Rommiffion. Die Gigung füllt aus. Näheres später. 4. Abt. 19% Uhr bei Stommel, Neue Friedrichstraße 1, zahlabend. Wichtige 6. Abt. 19% Uhr Rahlabende bei Blaszinti, Raftanienallee 54. Dobrohlaw, Swinemiluder Str. 11. Deblig, Schwebter. Str. 227. Baner, Schwedter Straße 237. 7. Abt. 19% Uhr Mitgliederversammlung in den Kolibrifeftfälen Garten. Straße 6, Vortrag: Wirtschaftspolitische Tagesfragen". Referent: Hans Rögler. 8. bt. 19% Uhr im Nationalhof, Billowstr. 37, Mitgliederversammlung. Portrag: evolutionsopfer". Feferent: Kurt Großmanit 9. Abt. 19% Uhr Rahl- und Distuffionsabend bei Hufenbach, Berleberger Etraße 64. Referentin: Gertrud Eisfelder. 10. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung in den Moabiter Bierhallen, Kirch ftraße 13. Forttag:„ Das Kontorbat" Referent: Pektor Gustav Hädide. 15, Abt. 10 Uhr Generalversammlung bei Kurkowsky, Feldstr. 3. Jahres und Raffenbericht, Neuwahlen, Delegiertenwahlen. 17. Abt. 19% Uhr Mitgliederversammlung bei Schreiber, Triftstr. 63. Vortrag: Goziale Aufgaben der Innen- und Außenpoliti?". Referent: Wolfgang Schwarz. 18. bt. 19% Uhr Mitgliederversammlung in der Löwenbrauerei, Hochstr. 2. Vortrag: Wohnungspolitit". Referent: Otto Moft. Neuwahlen. 20. Abt. 19% Uhr bei Wende, Rolonieftr. 147, Jahresmitgliederversammlung. 21. Abt. 19 Uhr im Schraderhans, Ma plaquetstr. 16-18, Mitgliederver. fammlung. Vortrag: Unfer Behrprogramm". Referent: Arthur Crispien, M. d. R. Geschäftsbericht, Neuwahlen. 23. bt. 19% Uhr Mitgliederversammlung im fotal Steinader, Geeftr. 44. Bottrag: Politische Probleme der Gegenwart". Referentin: Clara Bohm Schuch, M. b. R. Neuwahl. 25. Abt. 19 Uhr Rahlabende bei Baronsti, Tasteurstr. 6. Rösler, Brauns berger Straße und Käftner, Elbinger Str. 24. 27. Abt. 19% Uhr Rahlabende bei Zeuge, Milastr. 5. Mehlberg, Gaudnstr. 6. Bookmanh, Gleimstr. 10. Reek, Sonnenburger Str. 1. Glanz, Ropen, hagener Gtt. 37. 28. Abt. 19 Uhr Bahlabende bei Maas, Prenzlauer Allee 232. Jänede, Sagenauer Str. 5, Pechenberg, Choriner Str. 49. Rundel, Raftanienallee 29-30. Mener, Oberberger Str. 39. Bartelt, Wörther Str. 19. Borttag: Politische Tagesfragen". Referent: Genoffe Mohrmann. 29: ht. 20 Uhr Zahlabenbe bei Alug, Danziger Str. 71. Claus, Brenzlauer Allee 51. Richter, Schliemannstr. 39. Riebe, Dunderftr. 15. Buchholz, Stat. garder Straße Ede Brenslauer ce = Sonntagsprogramm: Diesmal erfreulich viel Unter, Gentner Konzerts mit den Ufa Sinfonitern aus dem Großen Schauspielhaus. Am Nachmittag brachten die gut musizierenden Gebrüder Steiner leider ein ziemlich banales Programm. Berfehlt, trotz der hübschen Mufit, war die Aufführung von Offenbachs Prinzessin von Trapezunt" als Sendespiel. Deum das Musikalische ist hier nicht zu beherr shend, daß es über die völlige Unverständlichkeit des Textes hinmeghören läßt. Und fein Mensch, der die Oper nicht bereits fannte, konnte aus dieser Verwechslungsgeschichte auch nur annähernd flug werden. 3wei ausgezeichnete Borträge verbreitete der Deutschland. fender Königswusterhausen. Der eine war ein Doppelvortrag: ein Thema in der Beleuchtung zwei verschiedener Persön lichkeiten: Maßregeln zur Besserung und Sicherung im neuen Strafgelegent murf"; zuerst von Minister a. D. Hans Bell, dann von Staatssekretär a. D. Alwin Saenger behandelt. Der letztere wies besonders darauf hin, daß die Idee, die Strafe als Abschreckungsmittel zu gebrauchen, ihren vollstän digen Bankrott erlebt hat. Vor dem Weltkrieg stiegen bei uns die Prozentfäße der Verbrecher, auch der rückfälligen und jugendlichen Verbrecher, von Jahr zu Jahr. Schutz vor Verbrechen kann das neue Strafgesetz mur dann in erhöhtem Maße bieten, wenn es Möglichkeiten zur Besserung von Straffälligkeiten und zur Sicherung vor unheilbaren Verbrechen, d. h. geistig minderwertigen oder Kranken, bietet. Man hätte sowohl diese. Ausführungen als auch die interessante Darstellung Bittorio Macchioros Pompeji, wie es dachte, lebte und schaffte", auf den Berliner Sender übernehmen sollen. Damit hätte man mehr Hörern Nügliches geboten als mit einem Vortrag über die Grüne Woche", der in einem Teil dieser Zeit von Berlin verbreitet wurde. Am Montagabend hörte man im Internationalen Programmaustausch wieder einmal ein Konzert des Radiojournal, Prag, eine Darbietung schönster Qualität, die im Technischen aber leider nicht ganz störungsfrei war. Ies. Dienstag, 22. Januar 1929 45. Abt. 19% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula, Forster Straße Ede Reichenberger Straße. Jahresbericht und Neumahlen. Wahl der Be zirksdelegierten. 47. t. 19 Uhr Mitgliederversammlung bei Nomad, Manteuffelste. 9. Jahresbericht, Neuwahlen und Wahl der Delegierten zum Bezirkstag. Charlottenburg. 51. Abt. 19% Uhr bei Schellbach, Königin- Elifabeth- Str. 6, Mitgliederversammlung. Bortrag: Berliner Kommunalpolitit". Referent: Bürgermeister Dr. Ostrowski. Statutenberatung, Neuwahlen. 53. bt. 19% Uhr bei Last, Straße 12 am Berbindungstanal, Mitgliederversammt lung. Jahresbericht, Neuwahlen. 57. Abt. 20 Uhr bei Thunad, Wieland. Straße 4, Mitgliederversammlung. Bericht über die Kreisvertreterversamm Tung Geschäftsbericht, Neuwahlen. Es haben nur Mitglieder Zutritt. 68. Abt. Salenfee. 20 Uhr Diskussionsabend bei Sandmann, Westfälische Str. 42. Thema:„ Die neue Strafrechtsreform". 86. Abt. Marienborf. 20 Uhr Generalversammlung in der Schule Rönigstraße. Neuwahl der Abteilungsleitung. 119. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr bei Sepp, Röderstr. 60, Gruppenzahlabenb. Bortrag: Die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt". Wahl der Gruppentassieret. 127. Abt. Sohenschönhausen. Die Mitglieder beteiligen fich restlos an der Kreis mitgliederversammlung in Weißensee, Lokal Bum Pferdemarkt", SchönStraße 87, um 19 Uhr. 131. Abt. Ricberschönhausen. 20 Uhr Genralversammlung im Lotal Wilhelms. hof, Kaiser- Wilhelm- Straße 64, Neuwahlen. Wahl der Bezirtstags belegierten. Mitgliedsbücher müffen als Legitimation mitgebracht werden. * 33. Abt. Donnnerstag, 24. Januar, 20 Uhr, bei Bertalla, Sohenlohefte. 8. Ber fammlung aller in den Jugend- und Wohlfahrtstommissionen ehrenamtlich tätigen Genoffinnen und Genossen. Frauenveranstaltungen. 7. Areis Charlottenburg. Eonntag, 27. Januar, 10 Uhr, Besichtigung des Schloß- Museums. Eintritt mit Führung 60 Pf. Die Genossinnen werden gebeten, gana pünktlich zu erscheinen. 14. Kreis Neukölln. Achtung, Genossinnen! Wir treffen uns heute 4 Stunde vor der Kreisvertreterversammlung im gleichen Lokal zu einer Besprechung. 58. Abt, Charlottenburg. Heute Dienstag, 22. Januar, 20 Uhr, in der Ranteftraße 4, Vortrag pon Frau Clara Neumann über Fürsorgearbeit an Frauen im Gefängis". 99. Abt. Budow. Mittwoch, 23. Januar, 19% Uhr, im Lotal Weinert u. John, Chauffeestraße. Vortrag der Genoffin Dr. Räte Frankenthal über„ Gegualfragen". 120. Abt. Friedrichsfelbe. Heute Dienstag, 22. Januar, 19% Uhr, bei Rottle, Caprivi Ede Brinzenallee, Vortrag der Genosfin Clara Bohm- Schuch, M. d. R., über: Das Wirtschaftsgeld der Hausfrau". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 10. Kreis Behlendorf. Mittwoch, 23. Januar, 20 Uhr, bei Schnorre, Bots Damer Str. 8, Bortrag: Aufbau und Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt". Refe. ventin: Luife Morgenstern. 93. t. Reuföln. Mittwoch, 23. Januar, 19% Uhr, im Jugendheim. Böhmifde Straße Ede Canner Straße. Bortrag: Soziales Recht und soziale Ge richtshilfe. Referent: Regierungsrat Krebs. Diskussion, Verschiedenes. Intereffiere Genoffen find eingeladen. Jungfozialisten. Seibelstraße, Generalversammlung. Anschließend Vortrag. Gruppe Reinidendorf. Heute Dienstag, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Gruppe Lichten. berg. Wegen der Kreismitgliederversammlung fällt der Gruppenabend heute aus. Gruppe Tempelhof- Mariendorf. Seute Dienstag, 20 Uhr, im Sugendheim, Lyzeum Tempelhof, Germaniaftr. 4-6, Arbeitsgemeinschaft. Bortrag: Braktische sozialistische Wirtschaftspolitit". Referntin: Dora Fabian. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Neukölln. Mittwoch, 23. Januar, von 17-18 Uhr in der Parade, Ganghoferstraße, Zu einer Besprechung über die Zelt! ager und Külenfahrten in den Sommerferien müssen alle Gruppen vertreten sein. Achtung! Spezial. furfus Raturkunde"( Schmidtbaner) muß nmständehalber ausfallen. Gruppe Behlendorf. Infolge Echließung der Nordschule wegen der Grippe fallen in dieser Woche die Gruppentage am Mittwoch- und Freitagnachmittag aus. Geburtstage, Jubiläen usw. 68. hd Salensee. Unserem Genossen Gustav Fiting, Seefener Siz. 63, bie herzlichsten Glüdwünsche zu seinem heutigen 65. Geburtstage. innp GREILING 1924 begann in der Zigaretten- Industrie der Wettlauf um die Qualität. Seit 1924 behauptet GREILING unter den wenigen Standardsorten des deutschen Marktes den ersten Platz. In der Qualität führend ist nach wie vor die beliebte 5 Pig.- Zigarette: AUSLESE Sterbetafel der Groß Berliner Partei. Organisation 18. bt. Unser Genoffe Richard Nolte ist am Freitag plöglich verstorben. Ecit 1908 Mitglied, mar er bis zur legten Stunde einer der rührigsten Ge offen. Ehre seinem Anbenten. Einäscherung Donnerstag, 24. Januar, 17% Uhr, im Arematorium Gerichtstraße. 21. bt. Unfer eifriget, langjähriger Genoffe Rubolf Behrend, Malplaquet trabe 14, ift verstorben. Chyre feinem Andenten. Eindfcherung am Donners tag, 24. Januar, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, Steffpunkt pilnstlich 17 Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21. SE Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin infenbungen für blefe Subrif mur en bad Jugendiefretoriat Berlin GB 68. Linbenffraße 3 bteilungsleiter, die Delegierten melbunges fire ble Generalversammlung rüffen umgeben vorgenommen werden! Height umgehen die Februar- Bro gramme ein. Arbeitsgemeinschaft ber Genoffin Dohm- Goud Donnerstag, 24. Januar, plinttlich 19 Uhr, im Reichstag. Seeffpunkt aller Mäbe! 18% Uhr, Borbal( Bafferſeite). Heute, Dienstag, 19% thr Borträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". unp Ruffer Bart: Seim Große Frankfurter Str. 16. Bottopog: Zietnedy imb Buremburg". Rosenthaler Borstakt: Schule Elisabethkirchstr. 19. Bortrag: Arbeiterjugend und Nadtlultur". Westen II: Seim Bülowstr. 88. Bortrag: Gefäftsstelle: Berlin 14. Sebaftianfte, 37/38, Sof 2 r. Karl Biebtnecht und Rosa Suremburg". Brunnenplag: Schule Bant Ede Biefenstraße. Bortrag: Kongerne, Sunditate und Truste". Gesundbrunnen 1: Dienstag, 22. Jannar. Arenzberg. Alle Kameradschafts, Sug 7. Er Gruppenführer pünktlich 19 Uhe Turnhalle Gneisenauftr. Schule Gotenburger Str. 2. Bortrag: Bub und Mädel. Bedding N.- F.: Schule Lütticher Str. 4. 10- Minuten- Referate. Nordoft: Heim Danziger fcheinen ohne Bundesleibung. Spanban. 20 Uhr Generalversammlung in den Reulöln Brig. Jungbanner. Donnerstag. Bittoriafälen, Grunewaldstraße. Weizen 24. Januar. Schussportabend. Turnhalle Walter- Nathenau- Schule, Boddin. ftraße, von 20-22 Uhr. Str. 62. Lichtbildervortrag:„ Das Geficht der herrschenden Klaffe". fee: Heim Vartstr. 36. Upton- Sinclait- Abend. Börther Blag: Schule Raftanienallee 82, Borttag: Entstehung der proletarischen Jugendbewegung". Schöneberg I: Seim Sauptstr. 15. Borttag: Bub und Mädel". Schöne berg III: heim Hauptstr. 15. Bortrag: Biterarischer Abend. Schöne berg: IV: Seim Hauptstr. 15. Bortrag: Sugendwandern". Charlottenbarg ( Bebel): Seim Rofinenfte. 4. Vortrag: Reichstagssigung". Behlendorf: wilkommen. Brih: Seim Chauffeeste, 48. Bortrag: Geschichte Heimabend fällt heute aus. Der Arbeiterbewegung". Forts. Heutälln II: Seim Flughafenstraße. Vortrag: Jugendpflege und Jugendwohlfahrt". Renton IV: Heim Schierkestr. 44. Bartrag: Geschichte der Arbeiterbewegung". Reukölln V: Seim Rannez Str. 2-6. Bortrag: Rartelle, Truste, Konzerne". Reutölln VI: Shule Serzbergplag. Bortrag: Bolitisch- fatirischer Abend. Reutölln VII: Seim Ranner Straße. Löns- Abend. Reuteln VII: Schule Rütliftraße. Borirag: Einführung in den Gozialismus. forts. Rieberschöneneibe: Schule Berliner Straße a Lichtbilbervortrag: Das neue Bien. Berbebegir! Besten: Die Gruppe Charlottenburg Beffend agt bis enf meiteres noch im Beim Rosinenftr. 4, jeben Dienstag und Freitag. Reichsband fäbischer Frontsolbaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Süb. Diens tag, 23. Januar, 20 Uhr, Bartragsabend im Friedrichs Feftfaal, Michaltird ftr. 29. Redner Dr. Karl Rosenthal über: Der Etolz des Suden. Gäste Bezirk Moabit: Dienstag, 22. Sanuar, 20% Uhr, Vortragsabend im Restaurant Bazenhofer, Turmfir. 25. Referent: Redakteur Erich Ruttner, M. d. 2., über: Deutschlands Bufammenbruch 1018". Gäfte pill. Lommen. Longfellow- English- Debating- Club. Mittwoch, abends 8 Uhr, Café Jagenburg Nollendorfplatz. Mrs. Orgler: The American Women.Belferbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin Bad Umgegend ( Rabz. berb.): Troden und meift beiter, na falter Nacht Temperaturen am Lage in der Rabe des Gefrierpunktes. Für Deutschland: Fortbestand der gegenwärtigen Bitterung. Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, 1.22.1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 20 .20 Uhr Dienstag, d.221. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus. I! 191 Uhr Jenufa Turandot Staats- Oper Staatl. Schansph. Am Pl.d. Republ. R.-S. 22 191 Uhr Der fliegende Holländer an Gendarmenmarkt A.-V. 19 20 Uhr Lessingfeier Philotas Staatl. Schiller Theater, Charlthg. 20 Uhr Nathan der Weise SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 ARGENTINITA und weitere Varieté- Neuheiten Theater des Westens Täglich 8 he Frang Lebars triumphaler Erfolg! Friederife Käthe Dorich Rammerfänger Rorl 30les, Neustadt, Limburg, Reg, Giller, Dore, Bespermons. Bernerionf ununterbrochen. Raffe ben ganzen Sag geöffnet. Teleph. Steinplay 251. 7108. 3 Uhr CASINO- THEATER 8% Ur Lothringer Straße 37. Heute zum letzten Male: August, die Kanone! 8 METROPOL- THEATER GR. SCHAUSPIELHAUS 8 Luftige Witte Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Ellect, Jenkuhn, Schäffers, Jenkermann, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Emmy Sturm Frind, Ahlers, Lieske, Serds, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bendow, Morgan, Blankenbora, Picha Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. Neu auf Elektrola. In beldge Theatern Sonntag Nachm. 3 Uhr ungek. Vorstellung. Halbe Preise. Komische Oper( 84) Nach erfolgreich. Umarbeitung: Paradies der stissen Frauen! Parkeit 4,50, Rang 2,50 M. Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten Kleines Theater Trianon- Th. Täglich 8% Uhr: Max Adalbert in Täglich 8% Uhr Der letzte Schleier Der Dickkopf mit Erika Gläßner Sandrock, Landa, und Oskar Beregi Sterler, Sikla. Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8 Uhi GuidoThielscher in Weekend im Paradies entral Theater Alte Jakebstr. Edke Oraniensfr. Täglich 8 Uhr: Ich kusse Ihre Hand, Madame Renaissance- Theater in Spiel von Liebe Tel Steinplatz 901 u. 2583/84 Täglich 8% Ukr Das große ABC Regie: Gust. Hartung. Volksbühne Die Komödie Theater am Bülowplatz Bismarck 2414/7516 8 Uhr Das Mädl aus der Vorstadt Regie Jürgen Pehling Theater am SAUfbanertama 8 Uhr Mittwoch, 23. Januar, zum 1. Male: Die Drei- GroschenKilometerliebchen Oper Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Thalla- Theater Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rand 0.80 M. Reichshallen Theater Sonntag nachm. 3 Abends 8 Steffimer Sänger Das neue Januar- Progr. Nachm, halbe Preise,.. volles Programm. Dönhoff- Brettl: 10 große Nummern!" 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Künstler- Th. 8 Uhr Der Zinker v.Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Philharmonie & Uhr Sinfonie- Konzert des Philharm.Orch. Dirig Prof.1 Prüwer Viol- Konz. D- durTschaikowsky, ( Holst) Sinf... Aus d neuen Welf" Dvorak 0 Statt besonderer Mitteilung Danksagung. Hiermit sagen wir für die so große Zahl inniger Beileidsbeseugungen um unsere avergeßliche Dahingeschiedene, im Besonderen aber dem lieben Robert Bahn und dem werten Genossen Kemnitz für die tiefempfundenen Nachrufe den herzlichsten Dank. Gustav Wegner nebst Kindern und Enkel, Eulerstraße 8. Es entschlief im TL. Lebensjahr sanft nach hartem Kampf mit seinem schweren Herzleiden unser lieber Bruder, Onkel und Schwager, der Augenarzt Dr. Paul Silex Geheimer Medizinalrat, a. o. Professor i. R. Ritter hoher Orden Wir sind tief betrübt. Er gab uns ein zweites Vaterhaus. Im Namen aller Hinterbliebenen Dr. fur. Johannes Silex, Amtsgerichtsraf s. Z. Berlin NW 40, Roonstraße 5. Aufbahrung in der Wohnung, Roonstr. 5, Dienstag von 12 bis 15 Uhr. Die Beerdigung findet am Mitt woch, dem 23. Jannar, 14, Uhr, von der Kapelle des alten Sophien- Kirchhofs, Bergstraße 29, Ecke Invalidenstraße, aus statt Am Donnerstag, dem 1. Januar, 19 Uhr, entschlief nach kurzem, qualvollem Leiden mein lieber Mann und guter Vater Planetarium am 200 Rudolf Behrend is achinhale. Straße Noll. 1578 16 Uhr Rundfunkhörer Der Sternhimine. halbe Preise Theater am im Winter 18 Uhr Nollendorfplatz Mars und seine Dir. Bruck Täglich 8.Uhr: Rätsel letten Gebert werden u. vervon Walter Kollo Singspiel Saltenburg- Buhnen Lessing- Theater 8 Uhr: Berliner Theater Katharina Knie. Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit ( Abie's Irish Rose) piqra im Lebensjahre In tiefer Trauer Blumenspenden Röbetäufer merte Rrebit ush bar Mabelbazas, große Auswahl ,. Heine Breise! Beispiele: Schlafzimmer 455. Speifeaimmer 845. Herrenzimmer 260. Spiegelschränke 118. 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Januar 1929 pon bem Berficherungs- Spelfezimmer, Herrenzimmer, Rödhen brighten Breifen Besichtigung erbeten amt ber Stadt Berlin genehmigt worden möbel, Einzelmöbel aller art au ie und tritt mit dem Tage der Genehmigung in Kraft. Die bisherige Krantenordnung verliert damit ihre Gültigkeit. Berlin- Steglig, den 19. Januar 1929. Der Borstand. Finger, Borfigender. Koglin, Schriftführer Einzelmöbel zur Ergänzung! Bufetts, Rrebenzen, Tische Stühle, Corante, Kolonnenführer und selbständiger Betten, Schreibtische. Schreibtische Bücherfchränke Spezial- Schlosser Standuhren, Rfubmobel allet Act Rüchen, alle Farben und Ausführungen. für Bronze- Schaufenster und Türeac Riefenauswahl! Stadtbefannt billige Berliner Tik- Trio Moris Hirschowis, Sildoften, Staligerstraße 25, Hochbahn Rottbusser Neukölln, Lahnstr.74/ 75 Sec sofort gesucht Alex. Herman G. m. b. H. Berlin N 20, Pankstr. 29 ..sr:». Unterhaltung unö ÄNissen fteinhold müller: JC&SSinQ liltd SjU Xessings stveihundertstem Qeburtelag am 22. Januar ,.&s ist ein neuer Kritikus in Berlin mrfgeftanden er scheint noch ein wenig zu jung.' Mit diesen Worten machte der Berliner Professor 6 U l z e r seinem Schweizer Freunde Bndtner von der Wirksamkeit eines Mannes Mitteilung, der mit unerschrockener Kühnheit und der ganzen Respektlosigkeit seldstbewußter Jugend in das erstarrte deutsche Schrifttum enwrach und dort olles über den chousen warf, was bisher als heilig und unantastbar gegolten hatte. Kaum neunzehnjährig war Gotthold Ephraim Lessing aus Leipzig gekommen-, statt dort den Wünschen seines Baters gemäß Theologie zu studieren, hotte er sich zum Entsetzen seiner strengen Eltern mit Schauspielern abgegeben und Komodien geschrieben, hatte sich den genialen, ober ziemlich haltlosen Naturforscher und Freigeist Christ- loh M y l i u s zum Freunde gewählt. Dort hatte er seine ersten zaghaften Schritte als Dichter und Schriftsteller getan—.um schließ. lich in Schulden zu ersticken und vor seinen Gläubigern fliehen zu müssen. So erschien er in Berlin: abgerissen und mittellos, von seinen arme» Eltern nicht unterstützt, ohne Aussicht auf eine Stel- lung oder Unterkommen. Es war eine harte Zeit, die ihn hier erwartete. Bei einem Landsmann, dem„kleinen Bautzner' Nau< mann, am Nikoloikirchplatz fand er ein« Wohnung. Sein Freund Mylius war schon früher nach Berlin gekommen und in die Schrist- leitung der„Bossischen Zeitung' eingetreten. Der ver> schaffte ihm wenigstens eine kleine Tätigkeit, die freies Mittagessen und etwas Geld einbrachte. Der Besitzer Rüdiger ließ sich seine umfangreiche Bücherei von ihm ordnen; und da dieser alte Herr kein allzu strenger Arbeitgeber war, fand Lessing Zeit genug, in den re.ichen Schätzen der Bibliothek zu lesen und zu lernen. Aber diese Beschäftigung brachte weder das zum Leben Notwendige ein, noch auch genügte sie feiner unersättlichen Arbeitsgier,. So griff er zu ausländischen Schriftstellern, übersetzte aus dem Englischen, Fron- zösischen. Spanischen, verfaßte Theaterstück«, schrieb Rezensionen und Referat«. Zusammen mit Mylius ließ er eine Dierteljohrsschrift „Beiträge zur Historie und Aufnahm« des Theaters' erscheinen, in denen«r dos Publikum bilden und die urngen Bühnenschriftsteller ermuntern wollt« Seine Uebersetzer- tätigkeit führt« ihn mit Voltaire zusammen, für den er in'einem wenig schönen Prozeß Dolmeffcherdienste leistete. Auch den„G«- lehrten Artikel' in der„Dossischen Zeitung' übernahm er ichließlich. Kurz, er arbeitete, arbeitete, arbeitete. Der Gewtnn blieb nickt aus: Lessing« Ansichten reiften, sein Stil wurde kürzer, prägnanter. Es bildete sich der Schriftsteller, dessen Schreibweise noch beute als vorbildlich gelten kann. Wenn Dollaire vom Iour- nalisten.ll nparteilichkeit, Objektivität des Urteils, Vermeidung aller Einseitigkeit und einen guten Stil verlangt«, so war Lessing einer der-ersten, der diesen Forderungen nachlebte. Man begann bereits auf die Stimme de» jungen Kritikers zu hören— da vertrieb ihn ein Zerwürfnis mit dem großen Franzosen aus Berlin. Für ein Jahr bezog Lessing die Universität Wittenberg und brachte dort endlich seyt Studium zum Abschluß. Als„Magister der schönen Künste' erschien er in Berlin und nahm sogleich seine kritische Tätigkeit wieder auf. Mehr und mehr machte er sich von dem Gedankenkreis seiner Leipziger Lehrjahre, in dem er bisher noch immer besangen gewesen war, frei. Die von dem Prosesior Gott- sched in Leipzig geführte Kunstanschauung glaubte Poesie nach bestimmten, aus der Antike übernommenen Regeln macheu zu können und ließ als Kunstwerk nur gelten, wo« diesen Regeln ent- sprach. Mit beißender Ironie und schneidender Schärfe zog Lessing gegen Gottsched, dieses in ganz Deutschland gefürchtete Oberhaupt eines versteinerten Kunstgeschmackes, vom Leder. Aber da bei dem ewigen Kampf des Werdenden mit dem Vergehenden die Kritik > durch Beispiel und Tat ergänzt werden muß. so versaßt« Lessing im Frühjahr l7öZ ein Trauerspiel, in dem er mit allem brach, wo? bisher als unantastbar galt. Dos Drama der Antik«, in den Händen der Franzosen und des Leipziger Kreises zu einem blutleeren Schemen entartet, warf er beiseite. Er griff einen Stoff aus den' ÜÄ>en seiner Zeit aus, der«in Faustschlog war in das Gesicht der dichtenden Gelehrten: ein entführtes Fräulein, Miß Sara Sampfon, wird von der verlassenen Buhlerin ihres Geliebten in ein Wirtshaus verfolgt und ermordet. Dieses, fein Geisteskind, war bucklicht, wie Lessing selbst anerkannte, und hatte in Erfindung' und Behandlung bedenkliche Schwächen. Aber wenn es auch keine große Wirkung binterließ, als es auf einer kleinen Bühne im Kaftaniemväldchen über die Bretter ging, so hat es doch zum erstenmal den erstarrten Farmen dichtender Dogmatiker gegenüber das Recht des freien, ungebundenen Schaffens geltend gemacht. Jetzt auch kam Lessing mit den geistig führenden Kreisen Berlins zusammen. Der eben erst gegründete Berliner„M 0 n t a g s c l u b' vereinigte alles, was in Berlin Namen und Geltung hatte. Er öffnete dem kaum Dreiundzwanzigjährigen fein« Pforten. Am fruchtbarsten aber wurde sein« Freundschaft mit dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn und den' Buchhändler Friedrich Nieolai. Moses' feine Geistigkeit beruhigte oft den unsteten Geist des jungen Literaten. Nicolai, sonst i/nbedeutender als feine beiden Freunde, half doch als nüchterner Geschäftsmann ihre in der Lust schwebenden Projekte auf den realen Boden buch- händlerischen Erfolges zu stellen. Diese drei trafen sich häufig in einem Weinkeller gegenüber dem Nicolaischen Haus in der Brüder- straße, der„Baumannshöhle', und disputierten in hingebendem Eifer über die brennenden Fragen der Zeit. Mendelssohn und Lefsing verspotteten in einer kleinen Abhandlung die seltsamen Preisaufgoben derselben Mademi« der Wissenschaften, die Lessing wenige Jahre später zum korrespondierenden Mitglied ernennen mußte. Ein Aufenchalt in Leipzig unterbrach diese sein« Tätigkeit. Als «r wiederkam, begann das Unternehmen, das ihn wenigstens für zwei Jahr« am meisten befriedigt hat. Als er aus Leipzig zurück- kehrte, stand Mitteleuropa in Flammen. Der Siebenjährig« Krieg war ausgebrochen und hatte einen Freund Lessing?, den Dichter Ewald von Kleist, als Opfer gefordert. Während dieser noch schwer verwundet im Lazarett lag, faßte Lessing den Plan, seinen Freund durch Briefe, die die neueste Literatur betrafen, über olle Neu- erscheinungen in Wissenschaft und Kunst aus dem Lausenden ZU halten. Hier wurde er zum eigentlichen Schöpfer jener Berliner Kritik, die sich oft zw« rem negativ und zerstörend betätigt, sich im ganze»«bet durch Klarheit. Schärfe Md Anregung auszeichnet. Auch in diesen Briefen befolgt« er den Grmchsotz, der fei» ganze» Leben beherrscht hat: er suchte die Wahrheit. Niemol» nahm er die Meinung eines anderen ungeprüft an. Doch schrieb er dies« Briefe nicht ollein. Mendelssohn arbeitete mit, auch Nicolai sprang gelegentlich ol» Lückenbüßer ein. Diese recht umfangreiche Arbeit wurde jäh unterbrochen durch Lessing» plötzliches Lerschwinden aus Berlin. Er war nie mit irdischen Glücksgütern gesegnet gewesen und hatte von dem Wenigen, was er erwarb, noch sein« Brüder unterstützen müssen. Darum fand er, daß. wenn man über dos dreißigste Lebensjahr hinaus sei, man nicht nur Kaps und Herz, sondern auch den Beutel füllen müsse. Welleicht auch wollte er Abstand gewinnen zu seiner bisherigen Arbeit. Er wollt« sich, wie er sogt«, eine Zeitlang als ein häßlicher Wurm einspinnen, um wieder als glänzender Bogel ans Licht zu kommen. So ging er noch Breslau und nahm dort die Stellung eines Sekretärs bei dem preußischen General von Tauentzien an. Fünf Jahre lang hielt er es bei dieser«inseitigen Tätigkeit aus. Dann aber—„meine Zeit. 0 meine Zeit! Mein Alles, was ich bebe!'— kehrte er. nach Berlin zurück und sammelte numnehr die Früchte seines Breslauer Aufenthaltes in die Scheuern. Es entstanden die Aunstbetrachtungen des.L a 0 i 0 0 n'. in denen Lessing Malerei und Poesie gegeneinander abwog: und es entstand die „Minna von Bornhelm', ew Lustspiel, durch das er den Abschluß des Hubertusburger Friedens künstlerisch besiegelte? der strenge preußische Offizier wird von einem schönen sächsischen Fräulein erobert. Dem Vorbild seiner jungen Jahre, dem Franzosen Voltaire. mar Lefsing nunmehr nahegekommen. Er stand da: ein freier Schriftsteller, der alles, was er wußte und konnte, der eigenen Arbeft und dem eigenen Suchen verdankte. Sein« unerbittliche Kritik hatte in den weitesten Gefilden des verknöcherten deutschen Geisteslebens aufgeräumt. Durch seine wissenschaftliche und dichterisch« Tätigkeft hatte er einer neuen Zeit vorgearbeitet. Er konnte erwarten, daß er jetzt in Preußen eine seinen Leistungen entsprechend« Stellung finden werde. Aber Friedrich II. hatte wohl Geld genug, einem Franzosen gewallige Kanumrherrengehälter zu zahlen. Der Sieger des siebenjährigen Krieges hatte auch noch Geld, um durch den Pou des kostspieligen neuen Palais in Potsdam den ehemaligen Gegnern feinen Wohlstand zu beweisen: ja, er hott« Geld genug, um einen völlig bedeutungslosen Franzosen mit königlicher Entlohnung zum Leiter seiner Bibliothek zu machen. Wer. um einem Deutschen vom Rang« und der Bedeutung Lessings vor den Sorgen und Nöten des Alltags zu schützen, dazu hatte er kein Geld. Zwar wäre Lessiug niemals ein bequemer Diener dieses Herrn geworden, denn dazu stand ihm die Wahrheit und seine eigene persönliche Freiheit zu hoch. Auch kannte er die Schattenseften des Preußentums.zu genau, als daß er die nach dem Siebenjährigen Krieg aufkommende, hemmungslose Verherrlichung Friedrichs'll. hätte mitmachen können. Er wünschte nichts sehnlicher, als daß es in jedem Staate Männer gäbe, die über die Vorurteile der Völkerschaft hinweg wären und genau wüßten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhörte. Aber der Preußenkönig liebte nun einmal die deutschen Geistes- Helden nicht.„Müßig, als ein Mann, den niemand dingen wollte," stand Lefsing nach zwanzigjährigem rastlosen Schaffen am Wege. Was Wunder, daß er sich mehr und mehr von Berlin abwondte und für seine Arbeit den Boden suchte, der ihm wenigstens den Kampf um dos tägliche Brot ersparte. 1767 verließ er Berlin, um nie wieder in die Stadt zurückzukehren, in der er sich selbst empor- gearbeitet und die er in heftigen Kämpfen und schlimmen persönlichen Anfeindungen literarisch befreit hott«. ä)r. Friedrich lleumnnn: JCessing als Srsieher Wer selbst mit auserlesene« Schüler» Rathan oder Minna las. wird bemerkt haben, daß unser« Jugend diesen Gestalten viel ferner steht als etwa Faust oder Tell. Ohne Zweifel ist auch Lessmgs Dramatik, Kunstkritik. Philosophie und Theologie überholt, lleber- Holl, weil er selbst die Bahn ebnete, worauf ander« um so schneller zum Ziele gelangen konnten. Was wir aber unserer Jugend als wertvollstes Vermächtnis ins Leben mit hinausgeben müssen, ist eine Ahnung von Lessings Männlichkeit, seiner Kraft und seinem unbeug- samcn Charakter. Unter den geistigen Vorkämpfern des europäischen Bürgertum» war Vollaire der genialst«, Rousseau der erschütterndste, Lessing der freie st e, wahrhaftigst« und ausrechte st« Schrift- st eller. Dies« Eigenschaften bestimmen ihn heut« noch zu einem Führer der deutschen Jugend. Denn die deutsche Jugend empfindet Begeisterung für die Größe einer sittlichen Persönlichkeit. Hier tritt ihr auf literaturgeschichtlichem Boden zum ersten Male ein Mann entgegen, dessen Leben ein herrlicher Kampf gegen die Unterdrückung in jeder Form war, dessen Werke ein Ringen und Sehnen nach Wahrheit und gefftiger Freiheit offenbaren. In Lessings Persönlich- keil erkennt unser« Jugend ihr eigene«, bisher ungelebtes Leben. Männlich-kraftvolle Selbsterziehung und Eelbstdurchsetzung, Kampf- instinkie, eine unersättiich« Begierde de» Wissens, ein immer reger Trieb nach Wahrheit, die Gleichgültigkeit gegen die eigene vollbrachte Leistung, die großartig« Verachtung ven Karriere. Rente und Reprä- sentation, der Haß gegen die Idee der Macht und die Lieb« zur Macht der Idee, die stete Kampsbereitschait gegen das Unrecht«, die immer bescheidene und immer stolze Hallung m dem verzehrenden Kampf« mit dem Elend der politischen und sozialen Zustände— das olles laßt Lessing als ewig jugendlichen Kampsgeist erscheinen und wirkt im höchsten Sinne charakterbildend auf unser« Jugend. Nur durch den Lebenskampf geformte Charaktere vermögen di« Seele des jugendlichen Menschen zu befruchten. Die noch heute bestehende Anziehungskraft seiner Persönlichkeit liegt in dem ausschließlichen Zeitgeholt seiner Schriften. An seiner eigenen pulsierenden Gegenwart, an den Reibungen des täglichen schriftstellerischen Lebens entzündet sich die geistige Freiheit, di« messerscharfe Dialektik und feurig« Ueberzegungskrast seines Worte». Gegenwart will aber auch unsere Jugend, und vergangene Epochen erträgt sie nur im Spiegelbilde gegenwartsbedeutender Problem«. Dem Dichter des bürgerlichen Trauerspieles„Miß Sarah Sampfon' wird man nicht durch eine bloße ästhetische Betrachtung gerecht werden. Wie moger würde die aiisfallen? Der Schüler möchte in diesem historischen Dokument« Gegenwartsfragen oder zumindest Probleme erfahren, die zur Gegenwort weisen. Mft Interesse wird er vernehmen wollen, daß dieses Drama ein« Etappe im Emanzipatianskampse des Bürgertums bedeutet, dos sich in West. und Mitteleuropa feiner wirtschaftlichen Macht gegenüber einem parasitären Adel und Klerus allmählich bewußt wurde. Was Lollair« der französischen Bourgeoisie bedeutet«, dos galt Lessing dem deutschen Bürgertum. Dergeblich wäre der Versuch, einen Messias.oder Oberon für unser« Jugend mft lebendigem Gegenwortsgehalt zu erfüllen. Di« anders Qafsing! Jode Zeil« feiner Work« ist bestimmt, erfüllt und getragen von dem sozialpolitischen Inhalt seines Lebens. Auch „Minna von D a ruh elm' ist lein bloßes„Lustspiel' im rein ästhetischen Sinne, sondern der dramatische Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Schichtung. Unter der sonnigen Heiterkeit dieser Lustspielszenen türmen sich Abgründe, sozialer Härten. Dem Major von Tellheim sind Großen sehr entbehrlich, die Dienste der Großen sind gefährlich und lohnen der Mühe, des Zwanges und der Erniedrigung nicht, di« sie kosten'.„Soldat sein um des Soldatentmns willen, das ist wie ein Fleiicherknecht reisen, weiter nicht».' Die Derabschiedung Tellheims wirft«in grelles Schlaglicht auf die Methoden Friedrichs, der alle bürgerlichen Offizier«, wie sehr er auch gerade ihrem Mut« und ihrer Treu« di« Erhallung der ftrmic verdaokte, unbarmherzig auf das Pflaster wart um«m ihre Stelle ausläudifche Abenteurer zu fetzen, machten die Adel auch so zweifelhaft sein wie der Adel Riccaut» de Marliniere. Unser« Jugend, die sich mit Stolz zur Republik bekennt, will auch von.jenem Lessing hören, der den auf Bajonett« gestützten Patriotismus für eine„heroische Schwachheit" erklärt« und im bewutzte» Gegensatz zll'drtr-Fürstenschmeichlern Gleim und Gott- sched, dos Bürgertum zu einer selbstbewußten Demokratie erzog. Der Dichter, der mit steifem Rocken fürstlichen Versprechungen widerstand, um die Freiheit seines Geistes nicht opfern zu müssen, beugte sein.Haupt in tieffter Ehrfurcht vor der Kunst des letzten Schmieren- komödianten. Durch die„Hamburgische Dramaturgie' murde die Pariosstellung des Schauspielers erst zum Range einer bürgerlichen - Person erhoben. Wie Herder und Winkelmai'n, so schied Lefsing mit einem Fluch und Steinwurs aus preußischen Landen. Nur nnt dem Unterschiede, daß das, was jene Jünglinge in heißem Lebensdrange instinktiv empfanden, in diesem Manne zur klaren Erkenntnis gereift war. zur Erkenntnis nämlich, daß olle Lebensinteressen de» deutschen Bürgertums keinen gefährlicheren, grundsätzlicheren Feind besaßen als den preußischen Äaat und seinen„ersten Diener', • Der Unermüdliche glaubte, daß Hamburg, die damals sreieste und reichste Stadt Deutschlands feinen dramaturgischen Zielen die ersehnte Erfüllung bringen werde. Welche Täuschungl Die sreieste Stadt Deutschlands war die vom Auslande abhängigste. In diesem ötanomisch-polftischen Zusammenhang« wurzeln Lessings Schicksal« in Hamburg. Die für Lessings Wsichten maßgebende Hamburg« Gesellschaft bestand aus zahlungskräftigen Koifleuten, die vor ollem Handel trieben und sich nur nebenbei einem protzenhaften Mäzenaten- tum hingaben. Wie konnten sich diese Kaufleute für die Dauer an einem deutschen Theater begeistern, dessen Repertoire kümmerlich von schlechten deutschen Autoren gespeist wurde. Lesflflgs„Harn- burgische Dramaturgie' ist zweifellos eine nationale Tat. aber das deutsche Bürgertum war noch nicht in der Lage, das erste Wetterzeichen einer anbrechenden deutschen Theaterkultur nach seiner Bedeutung zu würdigen. „E m i l i a G a l 0 t t i' ist wieder mir ein Aufschrei gegen die sozialen Härten und Ungerechtigkeiten, wie sie das deutsche Bürger- tum wahrend des Duodezdespotismus täglich mid stundlich erleid« mußte. In diesem Sinne war Emilia Galotti eine soziale Offenbarung. die in Schillers.Luise', Hebbels„Maria Magdalena' und G. Haupt« manns„Rose Bernd' zu neuem Leben erwachte. Lessing war kein Fürstendiener, auch nicht in Wolsenbüttel unter den täglichen Peitschenhieben des Herzogs von Braunschweig, lieber 20 Jahre schlug er jedes Amt aus, trotz zermürbender Alltagssorgen. Zwanzig Jahre hatte er dem deutschen Jammer eine un> abhängige Stellung abzutrotzen vermocht, bis er ssch schließlich auf die Galeere jenes fürstlichen Schurken begab, der ihn fast ver- hungern ließ. Es ist grauenhaft, zu sehen, wi« diese un- verwüstlich« Kraft von dem Elend der deutschen Zustände all- mählich zerrieben wurde, und doch ist«s wieder herzerhebend, zu beobachten, wie sich der unter tausend Schicksalzschlägen Zermürbt« noch einmal gleichsam wi« zu einem letzten Ringen Heldenstart aus- reckte.„Nathan der Weise' ist wieder erfüllt vom Zeftgeist. Ein« Sohn seines eintretenden Alters, den die Polemik entbinden half, nannte Lessing sein letztes dramattsches Werk. Vom sozialen Geist bis ins innerste Mark erfüllt, stellt diese Dichtung«in Juwel von unauslöschlichem Glänze dar, ein kostbares Gefäß, iu das die letzte verströmende Kraft eines Heldengeistes floß. Für die deutsche Jugend bedeutet Lessings Leben und Wirken ,die Erfüllung eines deutschen Ideals: Totalität der Bildung und Festigung der sittlichen Persönlichkeit. Der Mann und sein Werk bilden eine untrennbare Gemeinschaft, ein Ganzes. Sein unennüd- Itchcr Kampf um den sozialen Fortschritt, sein soziales Ehrgefühl und der Will« zur Selbstdisziplin im sozialen Ganzen berühren das stärkste Lebensgefühl unserer Jugend. In diesem Sinn« gehört Lessmg der moderne» Jugend, Gläubiger und Schuldnerländer. Weltwirtschaftliche Umschau. Bor dem Kriege mar Deutschland ein Gläubigerland; seit der Stabilisierung sind wir in großem Ausmaß zu einem Schuldner londe geworden. Außer den Reparationslaften, die Jahr für Jahr an die Gläubigerländer abgeführt werden müssen, nehmen wir ständig die Kapitalfräfte des Auslandes in Anspruá), um durch lebertragung der ausländischen Rauftraft nach Deutschland die uns fehlenden Rapitalien, vor allem für die Rationalisierung der Brobuftion, zu beschaffen. Im abgelaufenen Jahr hat Deutschland lang fristige Anleihen ungefähr im selben Umfang mie im Vorjahr auf genommen, etwa 1500 Millionen Mart. Die neue furzfristige Ber schabung für 1928 wird auf 2 Milliarden Mart geschätzt. Die gesamte langfristige Anleihenerschuldung Deutschlands seit der Stabilisierung, die Dames- Anleihe eingerechnet, beläuft sich nach dem jüngsten Be richt des Reparationsagenten auf 7 Milliarden Marf, mozit noch auf turze Fristen geliehenes Geld( nach Abzug der deutschen furzfristigen Auslandsguthaben) von 3,5 Milliarden bis 4 Milliarden Mart hinzukommen dürften. Für die Berzinsung und Tilgung dieser Schuld ist schätzungs meise die Aufwendung von faft einer Milliarde Mart nötig; indeffen ist es mehr als mahrscheinlich, daß der mit Hilfe jener 11,5 Mil Harden Mart durchgeführte Ausbau und die Rationalisierung der Brabuttionsanlagen einen wesentlich größeren Wert jährlich zu er Jeugen nermag, als jene 3inslasten. Da Deutschland auch noch in ben fontmenden Jahren auf Auslandsanleihen angewiesen sein wird, ist die Beobachtung von Menge und Richtung der internationalen Kapitalbemegung von Bichtigkeit. Im Jahre 1928 shapunten die von Deutschland aufgenommenen langfristigen Aus fandsgelder zu 69 Broz aus den Bereinigten Staaten, in den voran gegangenen Jahren mar dieser Brozentsaz noch höher. 10 Proz stammten 1928 aus England, 12,3 Broz. aus Holland, 3 Proz. aus der Schweiz. 0,6 Proz. aus Schweden, 5,6 Proz. aus dem sonstigen nicht geben. Es ist anzunehmen, daß die amerikanischen Auslands. anleihen in unverminderter Menge der Welt zufließen werden, trog der Annahme, daß die bisherige sehr erhebliche Rapitaleinfuhr nach den Bereinigten Staaten voraussichtlich aufhören oder aber sich start vermindern wird. Die Kapitalausfuhr Englands. Die englischen Auslandsanleihen richten sich in erster Linie in das britische Weltreich. Im vergangenen Jahr entfielen noch 64,1 Broz. sämtlicher englischen Anleihen auf Rolomien und Dominien, 1928 mur 62 Broz Das übrige Ausland erhielt 1927 35,9 Proz, 1928 38 Proz Deutschland erhielt in den letzten drei Jahren jeweils etma 5 Broz der englischen Auslandsanleihen. Gegenüber 1927 fant die Sumane der Auslandsanleihen von 148 Millionen auf 105 Millionen Pfund, mas einen erheblichen Rüdgang bedeutet. Andererseits steigen die Summen der inländischen Kapitalanlagen sehr beträchtlich, d. h. es dürfte der Rüdgang nicht auf eine verminderte Kapitalbildung in England, sondern auf eine verstärfte Beanspruchung des neugebildeten Kapitals durch den inländischen Kapitalmarkt zurückzuführen fein. Eine solche Schluß folgerung ist jedoch nicht ohne weiteres selbstverständlich, meil ein mal die von England selbst aufgenommenen furzfristigen Gelder aus den Bereinigten Staaten und Frankreich für die englische Rapitalpersorgung eine große Rolle spielten, zum anderen aber, meil die neuen Anlagen sich fast ausschließlich mir auf die foge nannten neuen Industrien erstreckten- Cleftrizitäts, Samftfeide, Radio, Grammophon, Filmindustrie, wobei es häufig fehr fraglich ist, ob es sich um echte Anlagen oder nur um eine fünftliche Ausland. Anders war die Berteifung der kurzfristigen Anleihen, 500 Millionen AEG.- Umsatz. die im vergangenen Jahr zum ersten Male zu einem sehr großen Teil aus Frankreich tamen. Frankreich als neues Gläubigerland. Die größte Aenderung hinsichtlich der internationalen Rapitalhemegung ist das Biedereintreten Grantreichs in die Reihe der Gläubigerländer, eine Rolle, die es in der Borkriegszeit Reihe der Gläubigerfänder, eine Rolle, die es in der Borkriegszeit ständig innehatte, durch den Krieg aber eingebüßt und nunmehr wieder erlangt hat. Nun beschränkte sich die französische Kapital ausfuhr im Jahre 1928 allein auf furzfristige Anleihen, was an sich meniger bedeutungsvoll erscheint. Aller Voraussicht nach wird jedoch Frankreich bald in der Lage sein, ebenso wie vor dem Krieg auch mit langfristigen Darlehen auf dem Weltmarkt zu erscheinen. Die Kapitalbildung mächst in Frankreich in raschem Tempo, rascher als der Kapitalbedarf, obwohl diefer infolge der fortschreiten. den Industrialisierung des Landes an Umfang erheblich zugenommen hat. Hinzu kommt noch, daß Frankreich erhebliche Gelder aus Reparationsleistungen erhält, im Jahre 1928 etma gestiegen. Aufblähung des tentapitats handelt. Die gebrüdte Sage ber englischen Grundhdustrien- Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie, Schiffbau, Tertilindustrie- legt vielmehr die Folgerung nahe, daß auch die Kapitalbildung in England und damit in Verbindung die Fähigkeit der englischen Wirtschaft, Auslandsanleihen zu gewähren, fich nicht günstig entwickelt. Die Bewerber für die Auslandsanleihen. Ist die Zahl der Gläubigerländer außerordentlich beschränkt zu den ermähnten Ländern fommen im wesentlichen mir Holland, die Schweiz und Schweden hinzu, so ist die Schar jener, die Teilchen dieses Kapitalmorrats an sich ziehen möchten, imn so größer. Eine Anzahl non solchen Ländern wurde schon erwähnt: Deutschland, Italien, die lateinamerikanischen Länder, Kanada, die Länder des Fernen Ostens, die britischen Besitzungen. Hier möchten wir noch die osteuropäischen Länder erwähnen, die entweder zur Valutastabilisierung wie Rumänien, Jugoslawien, oder zum Ausbau von Eisenbahnen oder zur Lösung der durch die Agrarreform entstandenen neuen Aufgaben Auslandsanleihen aufgenommen haben oder aufnehmen möchten. Besonders dringend ist die Frage der Rapitalbeschaffung durch Auslandsanleihen in Rußland und in China. Die Industrialisierung Rußlands fann in größerem Maßftab ohne Auslandsanleihen nidyt erfolgen, ohne diese muß fie gmeifellos start verlangsamt werden. Für das unter der Herrschaft der Kuomintang- Partei vereinigte China ist das wichtigste Problem der Ausbau der Eisenbahnen und Transportmittel und damit die Begründung der nationalen Bolkswirtschaft und deren Eingliederung in die Weltwirtschaft. Auch das erfordert große Auslandskapitalien. Für Kußland ist die Frage noch gänzlich ungelöst; die russischen Anstrengungen, durch Ronzeffionen an ausländische Rapitalbefizer Auslandstapitalien in das Land zu ziehen, führten bisher noch zu feinen greifbaren Erfolg. Günstiger erscheint die Lage für China, das por furzem Handelsverträge mit den Bereinigten Staaten und England abschloß, die poraussichtlich auch eine umfangreiche Kapitaleinfuhr zur Folge haben werden. A. H. Die Zahl der Hauptunterstüßungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung betrug 260 102(+8,29 Broz), in der Ausgewiesener Reingewinn von 12,3 auf 16,5 Milt. Mr. Krisenfünforge 17 486(+ 5,08 Bros.), zufammen 277 588(+ 8,08 Prozent). Bon den Hauptunterstügungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 148 580 (+5,87 Broz), auf die Provinz Brandenburg 99 735(+11,46 Brozent), auf die Grenzmart Bosen- Westpreußen 11 787(+ 13,60 Berlin 15 233(+ 5,31 Broz.), Brandenburg 2184(+3,80 Prog.), Prozent). Für die Krisenfürsorge betrugen die gleichen Zahlen für Grenzguart 69(-2,82 Prog.). Der Aufsichtsrat des AEG.- Konzerns hat die Dividende für das Iam 30. September abgelaufene Geschäftsjahr auf& Broz. festgesetzt, erhöhte Aktienkapital von 150 gegen 120 Millionen im also gegen das Vorjahr unverändert gelaffen. Da im Berichtsjahr das Borjahr zu verzinsen ist, steigt die an die Aktionäre auszuzahlende Dividendensumme von 9,5 auf 12,0 millionen. Der ausgewiefene Reingewinn ist trok erhöhter 2b. schreibungen von 12,3 auf 16,5 Millionen Mart, also um mehr als 25 Proz. gestiegen. Der Umfag, der von der AEG. zum erftenmal bekanntgegeben wird, während Siemens fie auch jetzt noch perschweigt, beziffert sich im letzten Betriebsjahr auf 500 Millionen Mart. Da der gegenwärtige Auftragsbestand sich auf 385 Millionen beläuft, werden die Betriebe des AEG. Konzerns bis zinn Schluß des laufenden Geschäftsjahres am 30. September 1929 2luf 1000 Einwohner des Gesamtbezirtes tamen in der Arbeitslosenversicherung 36,05( 33,29) Hauptunterſtügungsempfänger; diese Zahl stellte sich für Berlin auf 35,97( 33,98), für die Grenzmark Bosen- Westpreußen auf 37,62( 33,12). In der Krisenfürsorge ist die Bom- Tausend- 3ahl für den Gesamtbezirt von 2,31 auf 2,42 gestiegen; fie ftellte fich für Berlin allein auf 3,69 ( 3,50), für die Provinz Brandenburg auf 0,79( 0,76), für die Grenzmart Posen- Westpreußen auf 0,22( 0,23). 1,25 Milliarden Goldfranken, während die franzöſiſche Regierung wohl sicher voll beschäftigt sein. Der Bericht fiegt uns noch 1928 überraschend viel Wohnungsbau. an ihre englischen und amerikanischen Gläubiger auf Grund der nicht vor. interaliierten Schulden mur etwa 330 Millionen Goldfranken ab zuführen hatte. Das französische Kapital hat zwar einen großen Teil seiner Vortriegsforderungen an Rußland und an Machtvoller Aufschwung. andere Länder eingebüßt. Trotzdem fließen alljährlich noch Die Eigenproduktion der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher aus große Summen aus früheren Forderungen nach Frankreich zurüd, und die Summe dieser Zinseingänge ist in ständigem Wachsen. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind unnergleichlich größer als die Rücksendungen der ausländischen Lohn empfänger, die auf französischem Boden arbeiten. Im Jahre 1928 hatte Frankreich zwar einen Einfuhrüberschuß, der aber nicht sehr bedeutungsvoll mar( ungefähr 350 Millionen Goldfranken), in den borangegangenen Jahren sogar einen Ausfuhrüberschuß. Aus allen diesen Gründen wächst die französische Kapitalbildung im Berhältnis zum inländischen Kapitalbedarf in einer Weise, daß ein Teil des neugebildeten Kapitals seinen Weg zweifellos nach dem Ausland finden wird, zumal die französische Reichsbank sich im Besitz eines gemaltigen Goldshages befindet, der eine Gefährdung der französischen Währung durch Abströmen des Goldes bei Gewährung von Auslandsanleihen zu verhindern vermag Die Kapitalausfuhr der Vereinigten Staaten. Die Kapitalausfuhr aus den Bereinigten Staaten blieb im abgelaufenen Jahr, was langfristige Anleihen anbelangt, auf der Höhe des Borjahres. Das ist deshalb bemerkenswert, weil um abgelaufenen Jahr in Amerika eine Hochtonjunktur mit einer außerordentlichen Ausdehnung der inländischen Kreditbasis zu verzeichnen war. Bedeutungsvoll ist die Richtungsänderung der ameri tanische Auslandsanleihen, die in steigendem Maße nach den lateinamerikanischen Ländern( Süd- und Mittelamerika) gehen. Die lateinamerikanischen Länder maren 1925 an der amerifanischen Sapitalausfuhr nur mit 13,2 Broz. beteiligt. 1926 erhielten fie bereits 30,9 Proz, 1927 betrug ihr Anteil 25,8 Proz. In den ersten neun Monaten 1928 belief sich der lateinamerikanische Anteil auf mehr als 25 Broz. Die lateinamerikanischen Länder wurden vor dem Krieg und auch einige Zeit nach dem Strieg in erster Linie von England mit Kapital versorgt, nunmehr übernahmen die Vereinigten Smaten diese Rolle. In Kanada hat diese Umwälzung schon früher stattgefunden. 1926 entfielen 17,1 Proz., 1927 20,2 Proz, in den ersten neun Monaten 1928 15 Broz. sämtlicher langfristigen Anleihen der Bereinigten Staaten auf Kanada. Ebenfalls steigt anteilmäßig die amerikanische Rapitalausfuhr nach dem Fernen Osten; 1927 entfielen bereits 11,9 Bronz. auf diese Anlagen. Dieser Entwicklung entspricht ein fin tender Anteil Europas. Wird Umerifa ein Rentnerland? Neben der Richtungsänderung ber Rapitalanleihen, die vielleicht mit den Bestrebungen der amerikanischen Industrie, ihre Ausfuhr mit allen Mitteln zu fördern, im Zusammenhang steht, ist die andere grumblegenbe frage in bezug auf die amerikanische Stapitalausfuhr: mie hoch sind die Summen, die Amerifa in der Lage sein mird, in 3utunft dem Ausland auszuleihen? Es mitb pielfach bie Meinung vertreten, daß die Bereinigten Staaten in Sufunft überhaupt nicht mehr in der Sage fein mürben, Auslandsanleihen in höheren Beträgen zu gewähren als sie felbft jährlich an Zinsen und Tilgungsraten für ihre bisherigen Forderungen erhalten werden; mit anderen Worten, daß die Vereinigten Staaten einem Rentnerland werden mürden. Ohne die Frage hier eingehend zu erörtern, sei mur bemerkt, daß es im mesentlichen darauf antomumt, mic rasch die Kapitalbildung in den Bereinigten Staaten fortschreitet und inwieweit die neugebildeten Rapitalien in der eigenen Produktion mit größeren Gewinnmöglichkeiten angelegt merden fönnen als im Ausland. Eine schlüssige Antwort tann man auf die Frage der aufünftigen ameritantfchen Rapitalausfuhr jedoch Konfumvereine stieg 1928 um 66 Prozent. Das Wirtschaftsjahr 1928 fonnte für die Konfumpereine der Arbeiterschaft wegen der rückgängigen Konjunktur fein Glanzjahr sein. Dennoch ist die Entwicklung, die die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine genommen hat, außerordentlich imponierend. auf 444,4 oder um 19,1 Proz gestiegen. Gegenüber dem Die Umsätze der GEG. find gegenüber dem Borjahte von 373 auf 444,4 oder um 19,1 Proz gestiegen. Jahre 1924, wo erst 168,5 millionen verzeichnet wurden, ift damit eine Steigerung auf rund 275 Pro3. zu verzeichnen. Bedeutend machtvoller ist gegenüber 1927 der Umsatz der von der GEG. in den eigenen Fabriken selbst erzeugten Produfte gestiegen. Er wuchs von 63,1 auf 104,7 millionen oder um nicht weniger als 66 Pro3. Ein derartiges Wachstum spricht für sich felbft. Seine Werbepropaganda ist zur Gewinnung des Bertrauens der arbeitenden Massen in die von ihnen geschaffenen Konfumvereine so geeignet, wie diese Zahlen. Arbeitslosigkeit steigt langsamer. Berlin hat 164 000 Unterstützte. Das Gesamtbild der Arbeitsmarktlage im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg weist noch ein weiteres, jedoch nicht mehr startes Ansteigen der Zahl der Arbeitsuchenden auf. Das dürfte seinen Grund darin haben, daß die vom Wetter ab hängigen Unternehmen wie Baugewerbe, Schiffahrt und sonstigen Außenberufe, die notwendigen Entlassungen nunmehr durchgeführt haben. 3m Jahre 1928 in Preußen 185500 nene Wohnungen. 6500 mehr als 1927. Landtags machte der preußische Staatssekretär Scheidt über die Ergebnisse des Wohnungsbaues in Preußen im Jahre 1928 bemerkensmerte Mitteilungen. Danach wurden rund 185 000 neue Bohrungen gegenüber nur 179 000 im Jahre 1927 errichtet. Zum mindesten für Breußen haben sich also die großen Befürtungen über den unzureichenden Wohnungsbau im Jahre 1928, die zu Beginn des Jahres gehegt wurden, erfreulicherweise nicht erfüllt. In den Bethandlungen des Hauptausschusses bes preußischen Der Anteil des Privattapitals an den Mohrangsbauten ist wieder sehr gering. Nur 29 500 Wohnungen, das sind noch nicht 15 Proz., wurden ohne öffentliche Hilfe gebaut. 134 500 Wohnungen wurden mit auszinssteuermitteln und 21 500 anderen öffentlichen Mitteln gefördert. mit Erfreulich hoch ist auch die Zahl der am 1. Januar 1929 noch in der Ausführung begriffenen Wohnungen Mit 96 500 ist fie um 5500 höher als zur gleichen Zeit des Borjahres, Auch Deutsche Bank dehnt sich aus. Kürzlich hat die Romunerzund Privatbant auf eine braunschweigische Hypothekenbant maßgebenden Einfluß gemommen und ihre Bantenmacht verstärkt. Das felbe tut jetzt die Deutsche Bant durch Erwerb von 3,75 Millionen Attien der Osnabrüder Bant, die ein Attienkapital von 7,5 Millionen hat. Da die Deutsche Bant schon bisher ein größeres Attienpaket des Osnabrüder Privatinstituts besaß, erwirbt sie mit dem neuen Rauf die volle Herrschaft über die Bant. Intereffant ist, daß der frühere Befizer des Attienpalets die Hannoversche Girozentrale war. Der Verkauf des Patets fann eine gejunde Maßnahme sein, doch wäre zu hoffen, daß ein öffentliches Institut wie die Girozentrale Hannover den Verkauf nicht aus Druces des privaten Bankkapitais auf die öffentlichen Banken falscher Sch to a che pornimmt, die angesichts des wachsenden begreiflich, aber nicht verzeihlich wäre. Recht uneinheitlich war die Lage in der Metallindustrie; 35 Millionen Schweizer Franken werden von der fürzlich gewährend im Waggonbau seit Wochen ein guter Beschäftigungsgrad gründeten Badischen Schluchleewert 21.- 3. als Anleihe zu 6 Broz. anhält, in der Autobranche Belebung eingetreten ist, und die Stabel auf 27 Jahre aufgenommen, um die Badischen Wasserkräfte für die industrie ihren guten Geschäftsgang behaupten tonnte, macht sich in deutsche Elektrizitätswirtschaft auszubauen. Die Schluchseewert A.-G. der Gelbmetall, Elettro- und Schwachstromindustrie sowie in den hat heute noch ein Aftienfapital von 14 Millionen Marf, das Eisengießereien eine stärkere Bunahme der Arbeitslosigkeit, vor später erhöht werden soll und ist in der Hauptfache von dem staatnehmlich an männlichen Arbeitsträften, bemerkbar. Für die weiblichen Badenwert und vom Rheinisch Westfälijden Elektrizitätswert lichen Berufe dagegen fegte eine starte Bermittlung ein, wo es gegründet worden. Das neue Wert foll 1932 betriebsfähig sein und mird mit einer Gesamtmaschinenleistung von 118 000 Kilowatt im nicht gelang, die gemeldeten Stellen restins zu bejegen. Im Jahresmittel 170 Millionen Kilomatiftunden erzeugen. Spinnstoffgewerbe ist lediglich die Sad. und Blanindustrie Großer Auslandsauftrag für Einte- Hofmann, Breslau. Die und die Luchindustrie in der Broving verhältnismäßig gut befchäfführende deutsche Waggonfabrik, die Binte.Hofmann- Bul tigt; dasselbe trifft auch für die utbranche zu, die ihre im B. in Breslau, hai jest von der chilenischen Regierung Serbst entlassenen Arbeiter wieber einstellen tonnte. Im einen Auftrag auf eine Anzahl Bullman- und Schlafwagen im Werte Rahrungs- und Genusmittelgewerbe ist weiter eine von 3 Millionen erhalten Binte- Hofmann hatte bereits vor fünf erhebliche Steigerung der Arbeitsuchenden zu verzeichnen. Im Be- Jahren einen ähnlichen Auftrag auf 47 Bullman- Wagen für die tleidungsgewerbe ist infolge Saisonbeginnes einzelner Branchen bie Vermittlungstätigkeit im vollen Gange. Nach wie vor wenig günstig ist die Arbeitsmartilage für männliche und weib liche Angestellte; letzte auch in einigen Abteilungen eine regere Ber mittlung, meist jüngerer Sträfte ein, so ist der Zugang an neuen Arbeitsuchenden noch immer als sehr start zu bezeidmen. In der Berichtswoche stieg die Zahl der Arbeitsuchen. den um 15 226 auf 385 670, d. b. 4.11 Broz, gegenüber einer 3nahme von 22 265 gleich 6,39 Broz in der Vorwoche. Innerhalb des Landesarbeitsamtes Brandenburg verteilen sich die Arbeit fuchenden auf Berlin mit 254 516, auf die Broving Brandenbung mit 118 021 und auf die Grenzmart Bosen- Westpreußen mit 13 133 Perfonen chilenische Regierung ausgeführt. Diefem Umstand ist es wohl in erster Linie zu perbanten, daß die Gesellschaft sich gegen die sehr Chile purchlegen tannte. 3u gleicher Zeit erfahren wir, daß die harfe konturrenz der Vereinigten Staaten in Abteilung Reifelbau Auftrage in Höhe von 2 Millionen zum Bau von Steffelanlagen mit Kohlenstaubfeuerung erhalten hat. Somit fcheint sich die Beschäftigungslage bei diesent größten schlesischen Mofchinenunternehmen gebeffert zu haben. Elettrifizierung der Bahnlinien ist in der Schmei 3 Fortschreitende Bahn- Elektrifizierung in der Schweiz. Die im bisher größten Umfang von allen Ländern durchgeführt worden. am Baufe des letzten Jahrzehnts wurden 60 Broz bes Bahnnezes und 80 Brog. des Bertehrs unter elettrichen Betrieb gestellt. Die nötigen Energiemengen merden von öffentlichen Berten geliefert,