Morgenausgabe r. 39 -46. Jahrgang A 20 Bidenti 85 1. mereti 3,60 Em noraus zahlbar, Boftbezug 4.32 12. cinfchl. Beftelgelb, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat Der Bormerts erscheint machentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Dez Abend, Slluftrierte Beilagen Bolt und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen timme. Technif". lid in die Bücherwelt" und Jugend- Berwärts Vorwürts Berliner Boltsblatt Donnerstag 24. Januar 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. fe etapelttge Ronpareillezetts 20 Pfennig. Refiameteile& Reichs Biart...Aleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zme fettgebrudte sorte), jebes weitere Bort Pfennig. Stefiengefuche das erfte Bort 15 Biennig. jebes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für amei Morte. Arbeitsmart! Beile 60 Bfennig. Familienanzeigen füle bonnenten Seile 40 Pfennig. Anzeigen nahme im Hauptgeschäft Binben Brage&, wochentagl, von 8 bis 17 Uhe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G.m. b. H. Berniprecher: Donboff 292-297 Telegramm- br.: Sozialdemokrat Berita Unternehmer gegen Steuern! Sieben Spitzenverbände protestieren. Die fällige große Protestaktion der deutschen Unternehmer gegen Wie dieses Defizit durch Ausgabebeschränkung beseitigt werden die Steuerdeckungspläne des Reichskabinetts ist da. Sieben VerSieben Ber. fann, mögen im Reichstag die Parteien zeigen, die den Unternehmern bände, das Bank- und Bankiergewerbe, der Reichsverband der deut- nahe stehen. Denkt man da vielleicht an die Einstellung der Subschen Industrie, der Groß- und Ueberseehandel, der deutsche Einzel- ventionen an die Privatindustrie? handel, der Industrie- und Handelstag, das Deutsche Handwerk und der Reichsverband der Privatversicherung protestieren gegen je de Steuererhöhung, fordern den Ausgleich des Reichshaushalts ausschließlich durch Beschränkung der Ausgaben, protestieren gegen das Steuervereinheitlichungsgesez und fordern die volle Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Die von den deutschen Unternehmern gefaßte Entschließung be ruft sich darauf, daß schon seit Jahren von den Spizenverbänden auf die ständig steigenden Steuerlasten hingewiesen worden sei, und daß die Höhe und häufung der Steuern die so überaus notmendige Kapitalbildung ebenso beeinträchtige, wie sie die Rentabilität der Betriebe fast unmöglich mache( Borsichtigerweise sagt man fast unmöglich, denn nach der legten Statistik des vielleicht nicht allzu verdächtigen„ Berliner Tageblattes haben 7465 Attiengesellschaften mit einem Kapital pon 14,56 milliarden im Jahre 1927/28 2055 Millionen Gewinne und Abschreibungen oder 14.1 Broz. Ueberschüffe gemeldet! D. R.) Wir verlangen," so heißt es wörtlich, unter fchärffter Ablehnung jeder Steuererhöhung. daß der Ausgleich des Haushalts 1929 durch weitere Ausgaben beschränkung herbeigeführt wird.“ Wie das gemacht werden soll. wird nicht gesagt. Es wird auch nergessen, daß das gegenwärtige Delizit auf die Raubpolitif zurüdzuführen ist, die unter Reinhold, Schlieben und Köhler mit Zustimmung der Wirtschaft" durchgeführt wurde. Die Steuerbevorzugung der öffentlichen Betriebe soll beseitigt werden? Was stellt man sich dabei vor? Soll die Reichsbahn, soll die Reichs post besteuert werden, damit die erhöhten Steuern fich in erhöhten Tarifen auswirten? Alle übrigen öffentlichen Betriebe zahlen heute in mehr oder meniger großem Umfange bereits Steuera, Boftichedlonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angeftellten und Beamten Wallftr. 65 Distonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Sindenftr. 3 Ruhrkonflikt und Recht. Zum Spruch des Reichsarbeitsgerichts. Das Urteil des Reichsarbeitsgerichts über den Schieds spruch 3öttens, den der Reichsarbeitsminister Wiffell für verbindlich erklärt hatte, wird von der Rechtspresse mit Freuden begrüßt, weil man in ihm eine Niederlage des sozialdemokratischen Ministers erblickt. Die Unternehmer werden als gerechtfertigt hingestellt. zu solchen Kommentaren. Bekanntlich haben die UnterDie Begründung des Urteils gibt wenig Beranlassung nehmer den Schiedsspruch hauptsächlich aus zwei Gründen angefochten: erstens, weil der Schiedsspruch mit der Stimme des Schlichters allein gefällt und verkündet worden sei, zweitans, weil der Schiedsspruch einen ,, Einbruch in den Manteltarif darstelle. gelten lassen, dann würde das gleichbedeutend gewesen sein Hätte das Reichsarbeitsgericht den ersteren Einwand mit der Erschütterung des gesamten Schlichtungswesens. Der arbeitsgericht als begründet anerkannt und deshalb der ebenso zurückgewiesen hat wie den ersteren, ist vom ReichsSchiedsspruch in seiner Gesamtheit für nichtig erklärt morden. und es gibt öffentliche Betriebe, die teinen Pfennig und teine Steuer meniger bezahlen als die Brivatwirtschaft, nur um dem emigen Borwurf, öffentliche Betriebe wären ohne Steuerbefreiung unmirtzmeite Einwand, ben das Landesarbeitsgericht von Duisburg schaftlich, durch den Beweis des Gegenteils begegnen zu fönnen. Es wäre ein Widerfinn sondergleichen, Unternehmungen des Reiches fließenden Erträgen dieser Unternehmungen durch die Bebesonders besteuern zu wollen, weil an den dem Reichshaushalt zu fteuerung nur abgezogen mürbe, pas auf dem Bege der Steuern wieder zugeführt werben muß. Ebenso bedeutet Besteuerung der Bandes und Kommunalbetriebe Berringerung der Einnahmen und neue Steuern! In Birklichkeit geht es nicht um die Besteuerung der öffent lichen Betriebe, sondern um ihre Privatisierung. Das Privat tapital möchte teine neuen Steuern zahlen, dafür aber die Betriebe der öffentlichen Wirtschaft in die Finger befommen. Der Staat soll nur noch Nachtwächter sein, und was der tostet können dann die anderen zahlen! Massenverhaftungen in Moskau. Angeblicher Geheimbund aufgedeckt. Schärffte Repreffalien gegen die Trotti- Opposition. Moskau, 23. Januar. Wie die Blätter berichten, ist ein trotistischer Geheimbund, der sich im antisowjetistischen Sinne betätigte, aufgehoben worden. 150 Bersonen wur. den verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich auch der ehe. malige Handelsvertreter der Sowjetunion in Paris, Mdiwani, das ehemalige Mitglied des Kriegs und Revolutionsrates, Pankratow, und der ehemalige Chefredakteur und Mitarbeiter Lenins, Woroniti. Bei den Haussuchungen sollen zahlreiche sowjetfeindliche Literatur, eine Geheimdruckerei und viele Geheimdoku mente gefunden worden sein, die die unmittelbare Ver. bindung der Opposition mit dem Ausland beweisen. Jaroslawski, einer der hauptsächlichsten Urheber der Bekämpfung der Opposition und Mitarbeiter der ..Prawda“ und„ Jswestija“, erklärte auf einer Arbeiter. fonferenz, daß die Partei nunmehr vor keiner Maknahme gegen die Opposition zurückschrecken werde. Endfampf gegen die Trotzfiffen. Die Telegraphen Union veröffentlicht eine längere Er flärung des Zentralfomitees der Kommunistischen Partei, die schärfste Bekämpfung der Opposition noch über die bisherigen Methoden hinaus. Die Erklärung gibt eine geschichtliche Uebersicht über den Kampf mit der Opposition und fährt fort, das Zentralfomitee habe feftstellen können, daß die Troßfiften Anhänger aus allen Elementen der Sowjetgegner werben und daß diese ihrerseits, unabhängig von ihrer politischen Einstellung, Trogfi zum Führer gewählt hätten. Die Troßtiften hätten versucht die 50 wjetregierung und die Zentrale in den Augen der Gomjetbevölkerung herabzusetzen. Trotti felbft habe sich nicht gescheut, hierfür die ausländische Renegatenliteratur zu benutzen. Am 21. Oktober 1928 habe Trogti im Auslande einen Brief veröffentlichen laffen, ferner Beiträge in der russischen Emigrantenzeitung Rul", in der er das Sowjetregime als ein Rerenfti- Regime von der anderen Seite bezeichnete und zur aktiven Arbeit gegen die Sowjetregierung aufforderte. Roten Armee hervorrufen wollen. Trojfi habe im letzten Jahre die Rolle übernommen, die bislang die Menschemist en und die Weißgardisten gegenüber der Sowjetregierung inne hatten. Angesichts dieser schwerwiegenden Ereignisse habe die GPU. die Bolimacht erhalten, mit allen Mitteln gegen die TrohriftenOpposition vorzugehen. Ferner ermahnt das Zentralfomitee alle Barteimitglieder noch mals zur Einsicht. Die Geduld des Zentralfomitees gegenüber der Troptiften- Oppofition fei nunmehr zu Ende. Die Telegraphen- Union datiert ihre Meldung aus Kowno. Eine Bestätigung dieser Nachricht von anderer Seite liegt bisher nicht vor. Jmmertreu des Nordens. Berbrecherverein überfällt Gastwirtschaft. " Die Begründung des Reichsarbeitsgerichts spricht allerReichsarbeitsgericht hat ignoriert, daß der Einbruch in den dings eher gegen die Richtigkeitserklärung, als für fie. Das Mantelfarif fein Novum ist. Seit 1924 ist bei Abschlüffen Don Lohntarifen in der nordwestlichen Eisenindustrie wiederholt genau so verfahren worden wie diesmal. Diese Schiedssprüche sind verbindlich erklärt worden. Die Unternehmer haben im Laufe dieser Jahre niemals fich grundsäßlich gegen biefen Einbruch" in den Manteltarif gewandt. Auch bei den Verhandlungen im Oktober des Vorjahres, die dem Schiedsspruch vorausgingen, haben die Unternehmer nichts eingewendet gegen die Buerkennung von festen Zuschlägen für Akkord- und Prämienarbeiter. Nur die Höhe dieser Zuschläge war umstritten. Nichtsdestoweniger, haben die Unternehmer nachträglich, um ihrer Aussperrung ein formaljuristisches Mäntelchen zu geben, das Argument des Einbruchs in den Manteltarif gebraucht. In der Begründung des Urteils sagt das Reichsarbeitsgericht, daß vom Landesarbeitsgericht Duisburg nicht beachtet worden sei, daß es sich um tarifwidrige Wirtschaftskämpfe handele, und daß, wenn jede Tarifpartei es in der Hand hätte, einen bestehenden Tarifvertrag als ihren Interessen nicht entsprechend zu negieren, dies eine starte Unsicherheit und eine Gefährdung des Arbeitsfriedens im Gefolge haben würde. Es tomme immer auf den Zusammenhang der Bestimmungen im ganzen an. Diese Begründung spricht gegen das Urteil des Reichsarbeitsgerichts. Der Schiedsspruch Jöttens regelte nur die Lohnfrage. Er regelte sie für Afford- und Zeitlohnarbeiter zusammen. Und weil den Unternehmern dieser Schiedsspruch nicht paßte, haben sie trotz der Verbindlichkeitserklärung, die. einen Tarifvertrag schaffte, nicht den Rechtsweg beschritten, sondern einen tarifwidrigen Wirtschaftskampf vom Saun gebrochen und 213 000 Arbeiter ausgesperrt. Das Landesarbeitsgericht Duisburg und der Landgerichtsdirektor Dr. Jötten als Schlichter, fie haben die Dinge im Zusammenhang gesehen. Sie haben die Braris bei Ab schluß von Lohntarifen in der nordwestlichen Eisenindustrie gefannt. Sie haben begriffen, daß man nicht die Löhne der Zeitarbeiter regeln fann, ohne gleichzeitig die Löhne der Afford- und Prämenarbeiter zu regeln. Das ReichsarbeitsEin ähnlicher Vorfall wie seinerzeit in der Breslauer Straße am gericht aber sieht diese Zusammenhänge nicht und tüftelt Schlesischen Bahnhof spielte fich gestern abend im Norden Berlins ab. formaljuristisch heraus, was die Unternehmer entgegen ihrer Glücklicherweise konnten durch das rechtzeitige Eintreffen der Polizei jahrelang vertretenen Auffaffung nach der Durchführung ber Aussperrung sich von ihren Snndizi austüfteln ließen. größere Ausschreitungen verhütet werden. Wie aber standen die Dinge Ende Oktober 1928? Da Nach dem Borbild der 3mmertreu- Leute fuhren gegen 22% Uhrmals verfündete das Organ der Ruhrindustriellen, die kraftmals vor ein Cofal in der Dunderstraße plöhlich drei kraft- Deutsche Bergwertszeitung", daß es drei Möglichkeiten droschten vor. Den Wagen entfliegen etwa 10 bis 12 mann, gebe: erstens, der Schiedsspruch wird für verbindlich erklärt, die in das Lokal eindrangen und mit mehreren dort sitzenden Gäffen und dann werden und dann werden die Unternehmer die Unternehmer aussperren; Streit anfingen. Es tam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf zweitens, der Schiedsspruch wird nicht für verbindlich erklärt, auch ein Schuß abgefeuert wurde, der aber fein Ziel verfehlte. und dann werden die Unternehmer auch aussperren; Erfreulicherweise war die Polizei auf den Ueberfall- Alarm alsbald drittens, es tommt überhaupt fein neuer Tarifvertrag zu mit einem größeren Aufgebot zur Stelle, so daß die Streifenden ge- stande, und dann werden die Unternehmer erst recht trennt werden konnten, ehe es zu einem ernsteren Blutvergießen aussperren tam. Mehrere der Angreifer konnten ermittelt und verhaftet werden. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint es sich, ähnlich wie bei den blutigen Vorgängen am Schlesischen Bahnhof zwifchen Zimmerleuten und Immerfreu, um einen vorbereiteten Rache zug zu handeln. In dem Cofal sollen mehrere Mitglieder eines Vereins geweilt haben, die vor einigen Tagen in einem Prozeß als Zeugen aufgetreten waren und ungünstige im Norden gemacht hatten. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Aussagen gegen Mitglieder eines Ringvereins Ermittlungen aufgenommen. Die Troßriftenopposition verbreite Aufrufe und Flug blätter an die Truppen der Roten Armee, in denen angedeutet und auch offen ausgesprochen werde, daß aus der Roten Armee die Bonopartisten Bewegung entstehen müsse. In weiteren Flugblättern habe die Opposition eine Spaltung in der Komintern und in den oberen Befehlsstellen bergefommen ist. Die Dunderstraße wurde während der ganzen Nacht von der Polizei scharf kontrolliert, so daß es zu weiteren Zwischenfällen nicht Mit ein sogenannter Einbruch in den Manteltarif vorlag oder Es tam also den Unternehmern gar nicht darauf an, ob fonst irgendein formal- juristischer Verstoß gegen irgendeinen Paragraphen oder den Saz eines Baragraphen einer AusSchlichtungsverordnung. führungsbestimmung der folchen papierenen formal- juristischen Erwägungen gaben sie fich nicht ab. Für sie tam es darauf an, am 1. November die Ausiperrung durchzuführen, und zwar nicht nur, um den Deutschen Metallarbeiterverband, um die freien Gemertgierung Hermann Müller, um dem Reichstag, der Republik fchaften schachmatt zu setzen, sondern um den sozialdemo fratischen Reichsarbeitsminister, um der Reund der gesamten Deffentlichkeit zu zeigen, daß sie, die Ruhrindustriellen, immer noch herren im Hause find. Das war der Sinn der Aussperrung. Und das sind die Zusammenhänge wirtschaftlicher und politischer Art, die das Das Recht des unehelichen Kindes Ein Nefonngesehentwurf des Reichsjusiizmmisteriums. Der Reichsminister der Justiz hat dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes über die uuehelichen Kinder und die Annahme an Kindesstatt nach der Zustimmung deS Reichsrates zugeleitet. « Nach Artikel 121 der R e i ch s v er f a s su n g sind den unehelichen Kindern durch die Gesetzgebung die gleichen Bediugungen für ihre leibliche, seelische und gesellschastliche Entwicklung zu schassen wie den ehelichen Kindern. Die Vorschristen, die zurzeit die recht- liche Stellung des unehelichen Kindes regeln, sind völlig v e r» a l t e t und von schreiender Ungerechtigkeit. Der Eni- wurf, der namentlich die Beschlüsse des 32. Deutschen Jurisientages vom Herbst 1921 berücksichtigt, versucht die Rechtslage den Bor- schriften des Artikels 121 anzupassen. Er enthält eine Reihe wich. tiger Verbesserungen, wenngleich er auch noch längst keine Aus- führung des Artikels 121 der Reichsverfassung darstellt. Einer der schwersten Mängel des gegenwärtigen Rechtszustandes ist die Regelung der sogenannten Mchrverkehrsfrage § 1717 BEB. Der Umstand, dah ein Kind, dessen Mutter in der Empfängniszeit mit mehreren Männern verkehrt hat, von keinem dieser Männer die Gewährung von Unterhalt oerlangen kann, stellt eine schwere Hörte für das Kind dar. Die sonstigen trüben Folgen dieser Regelung sind bekannt: Der Versuch der auf Unterhalt oer> klagten Männer, sich ihrer moralischen Pflicht durch die Einrede des Mehrverkehrs zu entziehen, die Häufung der Fälle, in denen Mein- eid« geschworen werden, um einen Unterhaltspflichtigen von der Zahlung zu befreien. Der Enlwurs will diese Unzulräglichkeilcn dadurch beseitigen, dah er es dem Kinde ermöglicht, einen der in Betracht kommenden Männer aus Gewährung von Unterhall in Anspruch zu nehmen, der dann, soweit er Zahlung leistet, von den anderen Tellersah im Wege des Rückgriff» fordern kann. 2. Auch gegen die rechtliche Ausgestaltung des Unterhaltsanspruchcs bestehen in mehrfacher Hinsicht Bedenken. Es widerspricht geradezu dem sittlichen Gesühl, daß sich die Unterhaltspflicht allein nach den einfacheren Verhältnissen der Mutter bemißt und die Derhästnisse des Daters völlig außer Betracht bleiben. Auch die zeitliche Begrenzung der Verpflichtung des Vaters hat in der Praxis namentlich bei der Berufssortbildung der unehelichen Kinder zu Schwierigkeiten geführt. Die in dem Entwurf vorgeschlagenen Reformmatznahmen bewegen sich in verschiedenen Richtungen. Einerseits werden das Maß und die Dauer der Unterhaltspflicht, sowie der kreis der unterhaltspflichtigen Personen erweitert, andererseits werden für den bedürftigen Vater, namentlich wenn er verheiratet ist und eheliche Kinder zu versorgen hat, gewisse Erleichterungen bei der Unterhallsgewährung vorgesehen, die vor allem das Ziel verfolgen, die Zahlungswllligkelt des Vaters im Interesse des Kindes zu erhöhen. Bei der B e m« ss u n g d e r H ö h« soll wie bisher grundsätzlich von der L e b e n s st e l l u n g d e r M u t t« r ausgegangen werden, jedoch sind zugunsten des Kindes auch die Vermögens- und Erwerbsverhältnisse des Vaters in Betracht zu ziehen. Das gilt besonders für Kinder, deren Väter in wesentlich besseren wirtschaftlichen Verhältnissen leben, als die Mütter. Was die Dauer des Unterhalts anbelangt, so hat der Entwurf für den Regelfall die bisherige Grenze(Vollendung des 16. Lebensjahres) beibehalten. In Fällen, in denen die Berufs- ausbildung eines Kindes an diesem Zeitpunkt ohne sein Verschulden noch nicht soweit fortgeschritten ist. daß es sich selbst unterhalten kann, hat ihm der Dater den Unterhalt solange weilerzuge- währen, bis es hierzu in der Lage ist. Für den Fall, daß sich der Vater bei der Geburt des Kindes noch in der Berufsausbildung befindet und von seinen Eltern unterhasten wird, gibt der Entwurf dem unehelichen Kind einen Unterhaltsanspruch gegen- über den Eltern des Vaters. Eine Reihe weiterer Bestimmungen bezieht sich auf die Regelung der Verhältnisse des Kindes nach dem Tode des Daters. Ansprüche der Mutter. Z. Die Unlerhaltsonsprüche der unehelichen Mutler werden er- weiter«. Räch der bisherigen Regelung hat der Vater der Mutter die kosten des Unterhalts für die ersten sechs Wochen nach der Eni- bindung zu ersehen Der Entwurf schlägt vor, ihr einen solchen Ersahanspruch auch für die Dauer von vier Wochen vor der Entbindung zu gewähren. 4. Nach der bisherigen gesetzlichen Regelung steht der Mutter die elterliche Gewalt über da, uneheliche Kind nicht zu. Der Gesetzgeber Hot seinerzeit mit der Begründung von dieser Regelung abgesehen, daß die Gefahr bestehe, daß viele leichtsinnige Mütter dos Vermögen des Kindes. insbesondere die Unterhaltsgelder vergeuden, auch das Recht der mt- sächlichen Sorge ohne gleichzeitige Aufsicht eines Vormundes miß- brauchen könnten. Dieser längst überholten Ansicht gegenüber ermächtigt der Entwurf das vormundschaslsgericht. der Mutter die elterliche Gewalt über das Kind zu velteihen, wenn dies aus befondereu Gründen im Interesse des Kindes liegt. Don einer generellen Verleihung der ellerlichen Ge- malt hat der Entwurf abgesehen In der Begründung heißt es ausdrücklich:„Es wird sich im ollgemeinen empfehlen, nur Müttern mit einer gewissen Reise de? Lebensanschauungen die elter- lich« Gewalt zu verleihen und ein« solche Maßnahme erst in Er- wägung zu ziehen, wenn sich die Mutter schon«ine nicht zu kurze Zeit hindurch in der Pflege des Kindes bewährt hat, auch die Person des Daters und seine Zahlungspflicht bereits feststehen. 5. Nach dem bisherigen Recht erhäll das Kind den Familiennamen der Mutter. Dieser Grundsatz soll auch für die Zukunft bestehen bleiben. Der Entwurf geht davon aus, daß einem Kinde, das sich ständig b«i der Mutter aufhalte, statt des Namens, den seine ganze Um- gebung führt, nicht der Name eines Mannes aufgezwungen werden darf, der vielleicht mit der Mutter wegen des Unterhalts verfeindet ist. und der nur zu unnötigen Bloßstellungen des Kindes und der Mutter führen könnte. Der Entwurf fördert und erleichtert jedoch die Erteilung des Ramens des valer» in denjeniaen Fällen, in denen der Vater selbst wünscht, daß das Kind seinen Ramen trage. EhelichkeitserklSrung. Die weiteren Bestimmungen des umfangreichen Entwurfes zielen darauf ab. die Einrichtungen, kraft deren das Kind schon jetzt die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes erlangen kann lEhelich- keitserklärung, Annahme an Kindesstatt) im Interesse des Kindes auszubauen, das Verfahren zu erleichtern, die Schwierigkeiten zu beseitigen, die dabei zum Nachteil des Kindes vielfach hervorgetreten sind. Reichsarbeitsgericht vor lauter Paragraphen nicht sieht. Die Arbeitsgerichte sind geschaffen worden, gerade um im Zuge der wirtschaftlichen Zusammenhänge das Recht zu bilden und nicht über Buchstaben zu stolpern. Das Reichsarbeits- gericht scheint jedoch unter dem Einfluß der Berufsrichter auf eine schiefe Bahn zu kommen. Es hat erst kürzlich aus formal-juristischen Gründen heraus einen gelben Werkverein als tariffähig anerkannt, nur weil dieser gelbe Werkoerein seine Satzungen entsprechend formuliert hat. Nichts ist leichter, als Satzungen in Ueber- einstimmung zu bringen mit irgendwelchen Gefetzespara- graphen. Deshalb ist ein gelber Werkoerein nicht weniger geistig, moralisch und auch materiell abhängig von den Unter- nehmern. Was wäre geschehen, wenn die Reichsregierung sich auf den formal-juristischen Standpunkt des Reichsarbeits- gerichts gestellt hätte? Der Reichsarbeitsminister hätte zu- nächst nicht den Versuch machen dürfen, einen Wirtschafts- kämpf von dem Ausmaße der Aussperrung der Ruhrarbeiter zu verhindern. Er hätte weiter nicht den Versuch machen dürfen, trotz der Aussperrung eine Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Der Reichstag und die Reichs- regierung hätten das Urteil letzter Instanz abwarten müssen, und nicht durch die Unter st ützung derAusgesperr- t e n die Ruhrindustriellen an den Verhandlungstisch zwingen dürfen. Denn erst, als die Ruhrindustriellen sahen, daß Reichs- tag und Reichsregierung in Uebereinstimmung mit der ge- samten öffentlichen Meinung die Ausgesperrten auch finanziell unterstützten, erst da begann die Vernunft auch bei den Ruhrindustriellen zu obsiegen. Da erst erklärten sie, daß sie sich der Staatsautorität, die sie bis dahin verkannt hatten, unterwerfen würden. Dann kam der S ch I e d s- fpruch Severings, dem sich die Unternehmer von vorn- herein unterwarfen und der die gesamte Materie sowohl des Lohn- wie des Manteltarifs neu regelle. Severing hat die wirtschaftlichen Zusammenhänge gesehen und hat sich nicht gestoßen an den formal-juristischen Einwänden der Unternehmersyndizi. Was am 31. Oktober noch möglich schien, als die Unter- nehmer die Aussperrungsorder bestätigten, als die großen Zwölf die Anweisung herausgehen ließen, den Dingen ihren Lauf zu lassen, das war am 2. Dezember plötzlich möglich ge- worden. Am 2. Dezember ging die Anweisung h'naus, die Betriebe überall wieder instand zu setzen und die Arbeit auf- zunehmen. Es braucht hier nicht geschildert zu werden, wie ganz anders der Verlauf des Kampfes gewesen wäre, wenn Reichs- tag und Reichsregierung dem Antrag der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraktion, die Ausgesperrten zu unterstützen, nicht ihre Zustimmung gegeben hätten. Wenn es sich wirk- lich um Paragraphen handelte, dann hätten die Unternehmer den Weg des Rechts beschritten und nicht den eines„tarif- widrigen Wirtschaftskampfes". Die Unternehmer haben durch ihre Aussperrung die Kon- funktur aufs schwerste erschüttert. Es ist ihnen gelungen, «inen formal-juristischen Erfolg beim Reichsarbeitsgericht davonzutragen. Die öffentliche Meinung, Regierung und Parlament, haben allerdings ein anderes Urteil gefällt. Und vor dieser höheren Instanz haben die Ruhrindustriellen v e r- loren. Daran ändert auch das Urteil des Reichsarbeits- gerichts nichts mehr. Kölnische Volkszeiiung konira Brauns. „Freie Bahn der SchlichtungSrekorm." Köln, 23. Januar.(Eigenbericht.) Das Zentrumsblatt, die.Kölnische Volkszeitung", überstürzt sich fast vor Freude über die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Sie überschreibt ihre Stellungnahme:„Freie Bahn der Schlichtungsreform" und fährt dann fort: „Selten sst ein Reichsminister so gründlich desavouiert worden wie der jetzige Reichsarbeitsminister Wisiell in dem Lohnstreit der Nordwestlichen Gruppe der Eisenindustrie. Praktisch bedeutet das Urteil für die wirtschailliche Seit« des Arbeitskampfes in der Eisen- industrie nichts mehr, wohl aber für die zukünftige Handhabung des Schlichtungswesens und sein« als notwendig erkannte Reform. Di« Autorität des Staates erleidet keinen Abbruch durch � den Gerichtsentscheid, vielmehr wird sie stark, wenn die oerantwort- lichen Stellen daraus den Schluß ziehen, sich auf ihre vorgesehenen Aufgaben zu beschränken, so daß alle Staatsbürger den Glauben zurückgewinnen, der Staat nutze seine ihm von der Ge- samtheit übertragenen Machtmittel nicht zu einseitiger Parteinahme aus. Dieser Glaube wird besesttgt durch schnelle Inangriffnahme der Schlichtungsrefor m." Das rheinische Zentrumsblatt, das in diesem Fall«, wenn auch nicht besonders gkücklich, von Herrn Peter Klückner inspiriert zu sein icheint, oergißt, daß die Schlichtungsordnung upd ihre Handhabung das Werk des früheren Reichsarbeitsministers und Zentrumsabgeord- neten Dr. Brauns ist. Vor Wissell hat Brauns ähnliche Schieds- sprüch« für die nordwestliche Eisenindustrie wiederholt verbindlich erklärt. War das auch eine einseitige Parteinohme? Im übrigen macht vielleicht die„Kölnssche Bolkszeitung" konkrete und brauch- bare Vorschläge zur Reform des Schlichtungswesens. Das hat sie bisher versäumt. Bayerische Volkspariei gegen Biersteuer Man behält sich politische Konsequenzen vor. Die Reichstagskorrespondenz der Bayerischen Volkspartei ver- öfsentlicht über die Fraktionssttzung folgendes Kommunique: Die heutigen Beratungen der Reichstagsfraktion der Bayerischen Bolkspartei in Fortsetzung der Besprechung der durch die Steuer- vorlagen gegebenen politischen Lage ergaben ein» einmütige Auffassung der Fraktion über den Ernst der Situation. Die Fraktion hält eine Erhöhung der Bier- st euer und damit des Bierpreises für untragbar, und zwar aus politischen, wirtschaftlichen und— wegen der daraus sich er- gebenden schweren Belastung der breiten Volksschichten— insbe- sondere auch aus sozialen Gründen. Die Fraktion billigt die vom Reichspostminister Schätzle im Kabinett zu diesen oder anderen Steuerprojetten eingenommene Haltung und behält sich die politischen Konsequenzen vor. Zn Guatemala hat die Regierung eine Reihe Aufständische h> n- richten lassen. Die Regierunastruppen verfolgen die Ueberreste der Rebellen, die aus ihrer Flucht öffentliche uyd private Gelder geraubt und mitgenommen haben sollen. Verwaliungsreform und �eichsreform. Tagung des preußischen LandgemeindetageS West. Vorstand und Hauptausfchuß des Preußischen Landgemeinde- tages West traten am Mittwoch zu einer Tagung zusammen. Nach einer Begrüßungsansprache durch den ersten Vorsitzenden, Bürger- meister Ebberg, sprach S t a a t s m i n i st e r a. D. Dr. D r« w s, Präsident des preußischen Oberverwaltungsgerichts über„P r o- bleme der B e r w a l t u n g s r e f o r m im Reich und in Preußen". Der Redner ging zunächst aussührlich auf da» vom preußischen Minister des Innern jüngst entwickelte Reformprogramm «in, zu dem er einige Aenderungsvorfchläge machte. Er begrüßte es außerordentlich, daß der Minister die restlose Durchführung der grundsätzlichen Gleichstellung von Stadt und Land verwirklichen will. Als Grundsatz stellte er die Forderung aus, daß den Gemeinden all« Aufgaben überlassen bleiben, die in Wirtschaft- lich vernünftiger Weise von ihnen wahrgenommen werden können. Die Stärkung der kommunalen Leistungsfähigkeit de» flachen Landes in Rheinland und Westfalen durch die Einschaltung k o m m u- naler Gemeindeoerbönde zwischen die Kreise und die schwachen Landgemeinden wünscht der Redner aus das ganze Staatsgebiet ausgedehnt. Zur Eingemeindungspolitik äußerte er, daß für die Eingemeindung von Landgemeinden in Städte nicht die Wünsche der letzteren hinsichtlich künftiger Ausbreitungsmöglich. keilen ausschlaggebend sein dürfen. Sodann behandelte der Redner die Fragen der Reichs- r e f o r m. Cr wies auf die großen Gefahren hin. die darin liegen, daß die Behördcnapparate des Reichs und der Länder sich vielfach schneiden. Den Resormentwurf des„Bundes zur Er- Neuerung des Reichs" lehnte er ab. weil Nord- deutschland in einseitiger Weise benachteiligt würde. In den vom Reich in den Kreis seiner Zuständigkeiten ge- zogenen Angelegenheiten müsse das Reich die unmittelbare Befehls- gewall nicht nur gegenüber den Ländern, sondern auch gegenüber jedem mit der Ausführung betrauten Länderbeamten haben. Für die Zuständigkeit der Länder kämen vor allem sämtliche Kultur- fragen in Betracht. Als zweiter Redner sprach Ministerialrat Dr. Suren über „Inlerkommunalen Lastenausgleich". Er gelangt« zu dem vor- schlag, daß den leistungsschwachen Gemeinden die Difft- renz zwischen ihrem eigenen Kopfbetrag und dem durchschnittli-ben Kopfbetrag zugelegt werden soll. Daneben könne man unter Be- rücksichtigung des Umstände», daß in ärmeren Gemeinden die Aus- gaben verhältnismäßig hoch seien, die Erfahrungstatsache berück- sichtigen, daß in Gemeinden mit ärmerer Bevölkerung die Zahl der Kinder in der Regel einen relativ größeren Prozentsatz der Gesamt- bevölkerung ausmache. Deshalb sei es zweckmäßig, bei der Be- rechnung des Kopfbetrages für ärmere Gemeinden eine künstlich erhöhte Einwohnerzahl zugrunde zu legen. Zu dieser Aenderung des allgemeinen Lastenausglcichs müsse ein besonderer Lasten- a u s g l e i ch auf den Gebieten der Polizeikosten und der Schulen hinzukommen. Der gegenwärtige Zeitpunkt sei allerdings für solch« Raformen ungünstig. Den Vorträgen folgt« ein« sehr ausführliche Aussprache. Der Haushaltsplan des Bendandcs wurde einstimmig genehmigt. polen leiten deutsche Schulen. Ke«n deutscher Nektor mehr in Kattowih! katlowih, 23. Januar. Nachdem ohne Angabe von Gründen der Rektor der Minderheit»- schule in Kattowitz, U r b a n e t, vom Dienst suspendiert wurde, haben nunmehr auch die beiden letzten deutschen Rektoren an den Minderheitsschulen in Kattowitz, Soita und Bania ohne Angab« von Gründen den Dienst verlassen müssen, nachdem vor etwa vierzehn Tagen eine Inspizierung der Volksschule für Mädchen und Knaben durch den Äreisschulinspektor erfolgt war, ohne daß damals irgendwelche Beanstandungen erhoben worden wären. An die Stell« des Rektor» Soika ist ein polnischer Lehrer gesetzt worden, ohne daß dl« Rangordnung befolgt wurde. Der Nachfolger des Rektors Vania ist noch nicht bekannt, doch dürfte auch dies« Schule einem polnischen Lehrer unterstell� werden, obwohl nach dem Genfer Abkommen nicht nur die Lehrer, sondern auch die Leiter der Minderhettsjchule der Minderheit angehören sollen. Bevor diese neue Rechtsverletzung durch Beschwerde an Talonder oder an den Völkerbund abgestellt werden kann, werden die„Völker- rechtlich gesicherten" deutschen Schulen unter polnischer Leitung, ent- sprechend den Weisungen des Erzchauvinisten G r a ezy n s k i, des Wojewoden für Oberschlesien, längere Zeit geführt werdenl Chauvinistendurchfall im Kattowitzer Sejm. kattowitz, 23. Januar. � Der Dringlichteitsantrag der Regierungsfrattion im fchlestschen Sejm(ehemal ge Korfantysten, abgespaltene polnische Sozialisten und nationale Arbeiterpartei) auf Registrierung der deutschen Ingenieure und Techniker in der ostoberschlesischen Industrie kam heute im Sejm zur Beratung, nachdem die Dringlichkeit am letzten Mittwoch an- erkannt worden war. Die Antragsteller brachten noch einen Zusatz- antrag ein, wonach die Registrierung durch den Wojewoden er- folgen müsse, und daß darauf die Regierung veranlaßt werden solle, die betressenden deutschen und ausländischen Techniker und In- genieure auszuweisen. Korsanty sprach sehr scharf gegen den Antrag und stellte den Antrag, den Dringlichteitsantrag der War- schauer Regierung zu überweisen. In der namentlichen Abstimmung über den Antrag Korsanty wurde dieser mit den 32 Stimmen der deutschen Klubs, der Korfanty-Partei sowie der deutschen und der polnischen Sozialdemokraten angenommen, während für den Antrag der Regierungspartei nur 12 Abgeordnete stimmten. Die tapferen Nazis. Im preußischen Landtag wchr'en sich die national- so-iiaiistischen Helden mi HSnoen und Kühen gegen die Aufhebung ihrer Immunität. '\ LEX XtSBE � � KWEmhW~ Die drei zur Republik:„Ich war so gern immun, Madame!" Niederlage der Christlich-Gozialen Nationalrat fordert Gchulangleichung im Vurgenland. Die Christlich> Soziaie Partei des PrSlat-Bundeskanzlers Dr. Seipel hat im Nationalrat zu Men hintereinander zwei schwer« Niederlagen erlitten. Am Dienstag, wie wir schon berichtet haben, wurde«in sozialdemokratischer Antrag aus Angletchung des Eherechts au das reichsdeutsche, das heißt auf Abschaffung der in Oesterreich noch geltenden gewaltigen Erschwerung der Wieder- Verheiratung„katholisch Geschiedener" angenommen, da die groß- deutschen Koalitisten die Christlichsozial«» verließen. Am Donners- tag stimmten die Großdeutschen für den sozialdemokratisch?!, Antrag, das seit 1869 geltende altöstcrreichische Reichsvolksschulgesetz aus das Burgenland auszudehnen, das heißt das dort noch herrschende ungarische Schulrecht zu beseitigen und die Simultan- schule einzuführen. Die Grohdeulschen sind, bei aller Koalition�- freundlichkeit, die ihnen wenigstens noch«in paar Mandat« auf d«r Einheitslist« verschafft, doch nur als nichtklerikal« Partei möglich und in den Fragen, wo es um cherrfchaftsanfprüche der Kirche im Staat geht, mußten sie eben Farbe beknnen. Die Sitzung nahm folgenden Verlauf: Bei der Abstimmung über das Kapitel Unterricht wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Verweigerung der Gleichberechtigung .akademischer Grad« des philosophischen Instituts der Salzburger katholischen Universität abgelehnt, dagegen ein großdeutscher Antrag auf Vertagung j«der Entscheidung über diese Frage bis zu ihrer gesetzlichen Regelung mit 82 Stimmen der Sozial- demokraten und Großdeutschen gegen 78 Stimmen der Christlich- sozialen und Landbündler angenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, der die Durchfühnmg einer seit 1926 jedes Jahr wiederholten Entschließung über die Aus- dehnung des Reichsvolksschulgesetzes auf das Burgenland verlangt, wurde in namentlicher Abstimmung mit 81 Stimmen der Sozialdemokraten und Großdeutschen gegen 76 Stimmen der Christlichsozialen und Landbündler a n g e- nommen. Die Landbündler hatten ein« neu« Entschließung ein- gebracht, in der die Ausdehnung des Reichsvolksschulgesetzes auf das Burgenland, jedoch unter Wahrung der konfessionellen Rechte in Schulfragen gefordert wird. Bei der Abstimmung kam es zu einem Zwischenfall. Es wurde zunächst über den Antrag unter vorläufiger Weglassung des Satzes„über die Wahrung kon- fessionellen Rechts" abgestimmt: es erhoben sich für den Antrag die Sozialdemokraten, die Landbündler und ein Teil der Großdeutschen. Der Präsident verkündete die Ablehnung des Antrages, wo- gegen Sozialdemokraten und Landbündler Widerspruch erhoben. Nach einer längeren Geschästsordnungsdebatt« ließ der Präsident über den Antrag nochmals abstimmen, und diesnral erhoben sich für den Antrag die Sozialdemokraten. Landbündler und sämtliche Großdeutschen, so daß er angenommen war. Für den Satz „über die Wahrung konfessioneller Rechte" stimmten nur die Landbündler: er war somit abgelehnt. Dagegen wurde der zweite Teil der Entschließung, der die Auslegung eines Disziplinar» rechts auch für die konfessionelle Schule im Burgenland fordert, e i n st i m m i g zum Beschluß erhoben. Die Freisprechung des Mörders. Im Nationalrat bezeichnet« Abg. A u st e r l i tz, der Chef- redakteur der Wiener„Arbeiter-Zeitung", die Freisprechung Pöffls als eine I u st i z s ch a n d e. Er fragt« nach Aufzählung früherer Urteil«, wie dem über Schattendorf und noch vorher Freisprechung jenes Rohnftock, der den Schriftsteller Bettqu«r aus„völkisch- moralischer Entrüstung" gemeuchelt hatte, ob Oesterreich dos Paradies der Mörder sein dürfe. Er kam dabei aus den Borwurf zu sprechen, den die Verteidigung Pöffls dem Er- m o r d e te n gemacht hat, daß er den bestechlichen Kollegen ruhelos verfolgt habe. Aber gerade darin habe Bruno Wolff eine sittlich« Aufgabe vollbracht„Pöffl," sagt« Austerlitz,„habe nach seiner Entlassung noch viele Berus« offen gestanden, nur zum Journalisten war«r nicht geeignet! Daß muß ein Berus sein, der über de» bloßen skrupellosen Erwerb hinausgeht. Bewährt sich ein Mensch nicht in dieser Ausassung, so ist er aus dem Iourno- listenstands zu entfernen. Das Mitleid, das man deni Mörder in so reichem Maße zuteil werden ließ, hat man dem Ermordeten oersagt. Die Straflosigkeit des Mordens muß aber nun in Oester- reich aufhören!" Besonders entschieden verurteilte Austerlitz. daß von den 12 Geschworenen 19 Nichtwiener, sondern Leute vom Lande waren, denen das Verständnis für diesen ganzen Fall und seine Hintergründe bürgerlicher Wiener Preßkorruptton fehlen muß. (Man hat nämlich in Wien auch ein Landesgcricht II, dessen Gr- schworen« größtenteils vom Lande sind, vor das ober auch Straf- fachen kommen, die aiff Wiener Boden verübt worden sind.) Zum Schluß wandt« sich Austerlitz heftig gegen«ine Abschaffung der Schwurgerichte. Das sogenannte erweitert« Schöffen- gericht, wie man es in Deutschland habe, habe sich keineswegs bewährt. Di« Laien an diesem Gericht— er schilderte den Fall I a k u b o w s k i— seien nur ein« Attrappe.„Wir fordern." schloß Austerlitz,„den Justizminister dringend aus, zu sogen, was er über die Geschworenengerichtsbarkett denkt und was«r zur Behe- bung der jetzigen Uebel stände vorschlagen will." Religion und Sozialismus. Zwei neue Zeitschr.sten. „Das Rote Blatt der kotholffchen Sozialisten", dessen Ankündi- gung bereits in der politischen Well einiges Aufsehen erregt«, ist jetzt in Köln(Ursulaplatz 16) mit seiner ersten Nummer heraus- gekommen. Es bekennt sich mit gleicher Lebhaftigkeit zu dem über- kommenen Glaubensgut der katholischen Kirche wie zu der moder- nen Lehre des' Sozialismus..Wir sind keine Auch-Katho- l i k e n," heißt es darin,.der gehört nicht zu uns, der in Glaubens- und Sittenlehren den Hirten der Kirche Anlaß zur Klage gibt." Auf der anderen Seite wird die Freiheit der Zeitschrift betont. „Keine Instanz, auch nicht die Partei, ist uns Autorität." Also, das Verhältnis des Sozia ismus und des Katholizismus zu einander soll aus dem Wege der Diskussion geklärt werden, mit dem Ziel, zu zeigen, daß zwischen beiden kein unüberbrück- barer Gegensatz besteht. Hermann Müller, Otto Braun, Wels, Severlng. Leipart u. a. kommen zu Wort mit Er- klärungen. die der Tendenz des neuen Unternehmens Verständnis- voll entgegenkommen. „Das Rote Blatt der katholischen Sozialisten" erscheint einmal im Monat.- Der Zufall will es, daß zu gleicher Zeit auch eine andere Zeit- schrist zu erscheinen beginnt, die gleichfalls die Beziehungen zwischen Sozialismus und Christentum pflegen will, jedoch nicht nach der katholischen, sondern nach der protestantischen Seite. Sie will jeden zweiten Monat erscheinen und wird von Pros. V. Georg Wünsch- Marburg redigiert.(Dettag der religiösen Sozialisten. Karlsruhe-Rüppur.) Das stattliche erste Heft nennt u. a. Prof. Dietrich. Karlsruhe, Pfarrer Fuchs- Eisenach. Lic. v. P i«- ch a r s k i- Berlin, sowie den holländischen Pfarrer Bönning und den Schweizer Ragaz als Mitarbeiter. In einem einlettenden Aufsatz umreißt der Herausgeber, Prof. Wünsch, seine Aufgabe. Er findet die Bezeichnung„relig'öse Sozia- listen" eigentlich falsch, denn er will keinen„religiösen" Sozialis- mus zum Unterschied vom„profanen"„Wir bejahen den Sozialismus der modernen Arbeiterbewegung.. innerhalb dessen wir uns nicht doktrinär festlegen', auch nicht auf den marxistischen Sozialismus" Doch sei der Marxismus und fein« Verknüpfung mit christlicher Religiosität ein besonders wich- tiges Problem, und es ließen sich da posittoc Verbindungslinien ziehen." Zum Schluß heißt es: »Wir können nur solche brauchen, die entschlossene Sozialisten und Opfer für ihre Ueberzeugung zu bringen bereit sind. Eine behagllche Zukunft in Gestatt von vor- teilhaften Pfründen können wir nicht in Aussicht stellen, wohl aber den Frieden, den der Gehorsam gegen inneres Müssen und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zum Opfer entschlossener Menschen bereitet— Menschen, die wissen, daß ihrer Sache die Zukunft gehört." Di« beiden neuen Zeitschriften sind bemerkenswert« Zeugnisse einer Entwicklung, die oo» weiten Parteikreisen mit Interesse und Sympathie verfolgt wird. Asghanengefandtschast für Amanullah. Eine hoffnungsfrohe Ankündigung. Die afghanische Gesandtschaft in Berlin setzt sich durch die Der- ösfenttichung folgender Erklärung offen für Amonullah«in: „Nachdem König' Amanullcrt� zugunsten seines Bruders Jvayat- ullah abgedankt hatte, hat er jetzt offiziell seine Abdankung wider- rufen. Sämtliche Gouverneure der Provinzen, z. B. von Mesare, Scherif, Herat und Kandahar haben ihre Treue und Anhänglichkeit bekundet. Es werden in Kandahar mit allem Eifer und unter persönlicher Leitung des Königs Amanullah Vor- bcreitungen für die Wiedereroberung Kabuls und die Niederwerfung Vacha Salus(Chabibullah) getroffen. Die Anhängerschar Vacha Salus ist im Schwinden begriffen. Die Geistlichkeit, die zu Anfang das Zeiche» zum Aufruhr gegeben hatte, hat ihren Fehler eingesehen und ist bestrebt, ihn wieder gut zu machen." Marschbereit für Amanullah. London. 23. Januar.(Eigenbericht.) Die Sirdare(Führer) des Stammes der I a m s k h e d i und der Firoxtoi, deren Gebiet zwischen Herst und Kabul liegt. haben ihre Stammesgenossen versammelt und Amanullah verständigt, daß st« bereit seien, vom Westen her auf Kabul zu mar- schieren, wenn er den Zeitpunkt für gekommen erachte. Englische Fliegerbomben auf eigene Truppen. London. 23. Januar.(Eigenbericht.) Aus P e f h a w a r kommt die Meldung, daß brttische Militär- flugzeuge bei Hebungen im Bombenwerfen an der indisch- afghanischen Grenze drei Offiziere und acht Soldaten eines«in- geborenen indischen Kavallerieregiments getötet haben. Das Unglück wird auf ein« Verwechslung der weihen Uniformen mit den weißen Landungszeichen zurückgeführt. Der sozialistisch«„Daily Herald" fordert sofortige Ausklärung dieses Borfalls und stellt die Frage, wie brttische Aeroplane gerade im gegenwärtigen Augenblick dazu kommen, an der a f g h a n i s ch e n Grenze Uebungen mit Bomben abzuhalten. Arbeiierbläiter in Kasernen. Verbot in Belgien unzulässig. Brüssel, 23. Januar.(Eigenbericht.) Im Senat antwortete der Kriegsminister auf die Beschwerde eines Sozialisten, er werde dafür sorgen, daß in Zukunft kein Offizier den Soldaten das Lesen sozialistischer Zeitungen in der Kaserne verbieten wird. Aussperrerverfolgung in Be'gien. Brüssel, 23 Januar.(Eigenbericht.) Die Kamnvr hotte über einen wohl einzigartigen Fall zu beschließen. Ein liberaler Abgeordneter wird von der Staatsanwalt- schaff beschuldigt, sich der Verletzung des Koalitions- rechts schuldig gemacht zu haben, indem er als Unternehmer die frei organisierten Arbetter aussperrte. Aus diesem Grunde soll seine Immunität ausgehoben werden. D'e Kaminer ernannte zur Prüfung des Falles ein« Kommission. Es ist mit Be- stimmtheit anzunehmen, daß dem Perlangen der Staatsanwaltschaft stattgegeben wird._ Zur Durchführung des Alkoholoerbots hat der Senat in Washington zu den 13'� Millionen Dollar de« Boranschlagz mit 50 gegen 27 Stimmen weitere 24 Millionen Dollar bewilligt. Das Abgeordnetenhaus mußte noch zustimmen. Der Schotzsekretär hat sich gegen die Bewilligung ausgesprochen. Aushebung einer Kriegsmaßnahme. Im befehlen Gebiet. Koblenz, 23. Januar. Die seit längerer Zeit zwischen dem Reichskommissar für die be- setzten rheinischen Gebiete und dem französischen Oberkommando schwebenden Verhandlungen über die Ordonnanz 64(m i l i l ä- rische Bestandsausnahmen) haben zu dem Ergebnis ge- führt, daß die von den Besatzungsbehörden jährlich angeord- neten Vorführungen und Musterungen von Pferden und Kraftfahrzeugen künftig unterbleiben. Kampf um die Ausfchußvorsihenden. Die Linke siegt in den beiden wichtigsten Kommissionen. Paris, 23. Januar,(Eigenbericht.) Am Mittwoch fanden die Wahlen der Kommissions- Vorsitzenden statt, wobei die Linke ihre im vorigen Jahr er- rungene Position durchaus zu behaupten vermochte. Paul Bon- c o u r wurde einstimmig zum Vorsitzenden der Kommission für a u s- w ä r t i g e Angelegenheiten gewählt. Vorsitzender der Finanz- kommission wurde der Radikale M a l v y mit 24: 17 Stimmen.(Im Deutschen Reichstag fällt der Vorsitz in den einzelnen Kommissionen den Parteien nach einem bestimmten Turnus und entsprechend ihrer Stärke zu, ostne daß es zu Abstimmungen kommt. Red) Arbeiterpariei und Tunnelprojekt. Wirtschaft Hot Vorrang über Strategie. London, 23. Januar.(Eigenbericht.) Die Unterhaussrattion der Arbeiterpartei beschäftigt« sich am Mittwoch mit dem Plan der Errichtung eines Tunnels unter dem Aermeltanal und beschloß, das sofortige Studium des Projektes zu fordern. Die Resolution betont, daß militärische Gesichtspunkte keineswegs den Vorrang vor wirtschaftlichen und politischen Erwägungen beanspruchen dürften. Wilhelminisches. Die monarchistisch« Privatorganisation Hermines von Doorn hat im Kriegerveretnehaus in Berlin eine Geburtstagsfeier sür Wilhelm veranstaltet. Präsentiermarsch— Generalleutnant a. D. van Waechter— Kürassiermarsch— Prinz Eitel Friedrich mtt An- hang— dankende Antwort Wilhelms auf getätigten Glückwunsch stehend angehört— drei Hurras. Jin Mittelpunkt stand eine«rgrcisend« Szene: der kaiiersich« Gesandte a. D. Kracker von Schwartzenfeld sang unter lebhaftem Beifall mit Begleitung von Pianist P o< z k y das Lied der Heimattreue, den Archibald Douglas: Ich Hab es getragen sieben Jahr und ich kann es nicht tragen mehr... ich will hintreten vor sein Gesicht in dieser Knechtegestalt. er kann meine Bitte versagen nicht, denn ich bin ja worden so alt... Wilhelm als Btttsteller, bei wein und wofür, noch dazu in Knechtsgestalt? Preußenlied— Everking-Rede— Kavallerieretrat«— Abtritt von Eitel Friedrich und Anhang— Petersburger Morsch. Der Landeshauplmano.Slellvertreter des Burgenland«». Genosse Ludwig Leser, ist aus einer Werbe- und Bortragsteffe durch das Deutsche Reich. Er wird folgend« Städte dabei besuchen: München, Berlin, Dan.zig, Königsberg, Hamburg, Duisburg, Essen, Köln, Koblenz, Frankfurt a. M., Darmstadt, Wiesbaden, Stuttgart. Dresden. Empfänge bei den Behörden und Magistraten. Besichtigungen. öffentliche und Rundfunkoorträge sind vorgesehen. Probleme der Invalidenversicherung. Eine Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums. Zur Klärung der mit der Forderungen der Arbeiterschaft auf Ausbau der Invalidenversicherung berbundenen Finanzfragen hat das Reichsarbeitsministerium dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags eine Dentschrift überreicht. Die allgemeine Finanzentwicklung der Invalidenversicherung nach der Darstellung der Dentschrift ist bereits im großen und ganzen in den Berichten über den Sozialpolitischen Ausschuß wiedergegeben morden. Am deutlichsten wird die Finanzentwicklung der Verfichemung durch folgenden Ueberblid veranschaulicht: Jahr Ueberfaus Einnahmen Ausgaben(+) oder Fehl betrag(-) ( in Millionen Mart) 880 1929 1930 9 87 1235 1245 955 1931 1250 1035 1932 1255 1110 1933 1260 1190 +355 -2.0 215 145 +70 1934 1260 1265 5 1935 1230 1345 115 1936 1215 1420 205 1937 1210 1505 1938 1200 1585 295 -385 Als Ausbau der Invalidenversicherung fordern die Freien Ges menschaften in erster Linie Erhöhung der Renten durch Erhöhung bes Grundbetrages, Leistung höherer Beiträge in höheren Bohntlassen und Herabjegung der Invaliditätsgrenze von 66% auf 50 Prozent. Eine Herabfegung der Altersgrenze Don 65 auf 60 Jahre wird bei den Gewerkschaften für den Augenblid als unz med mäßig angesehen, weil sie eine erhebliche Mehrbelastung verursachen würde, ohne die erhoffte Entlastung auf dem Arbeitsmarkt zu bringen. In der Denkschrift wird die Mehrbelastung durch Herabjegung der Altersgrenze auf das 60. Lebensjahr auf insgesamt 312 Mil lionen Mark berechnet, die Mehrbelastung durch Herabsetzung auf das 50. Lebensjahr auf 1,278 Milliarden Mark. Durch einen Aufbau von 3 Lohntlaffen über die VII. Lohnflaffe hinaus soll nach den Berechnungen der Denkschrift der in den Jahren 1934 und 1935 zu erwartende Fehlbetrag nur gerade gebedt werden fönnen. Der Fehlbetrag merde 1936 bann 70 millionen, 1937 160 Millionen Berschärfung in Sachsen- Thüringen. Generalaussperrung angekündigt. Greiz, 23. Januar. Zur Lage im Verbandsgebiet der fächsisch- thüringischen Webereien ist zu berichten: Heute werden mit Arbeitsschluß auch in Greiz, dem Sih des Verbandes, sämtliche Berbandsbetriebe ftillgelegt, fo daß dann in Gera, Meerane, Glauchau und Greiz die Gesamtarbeiterschaft ausgesperrt ist. Da vom Streit bzw. der AusSperrung nun von den 161 Berbandsbetrieben 74 in Gera, Meerane, Glauchau und Greiz fowie in Elsterberg und Reichenbach i B., betroffen sind, werden sich heute abend etwa die Hälfte der im Berbandgebiet beschäftigten Arbeiter der Bewegung angeschloffen haben. Der Verband sächsisch- thüringischer Webereien erklärt, er werde, falls die bevorstehende Aussperrung in Greiz ihre Wirkung auf die Streifenden verfehle, am Freitag, dem 25. Januar, die Schließung aller thüringisch- sächsischen Weberei. betriebe folgen lassen. Von der Maßnahme würden außer etwa 27 000 Betriebsarbeitern noch gegen 8000 Heimarbeiter, insgesamt aljo etwa 35 000 Personen betroffen werden. Verständigung in der Kaliindustrie? Lohnerhöhang und allmählicher Abbau der Mebrarbeit. Die Lohn und Arbeitszeitverhandlungen in der Kaliindustrie haben dieser Tage, wie der Bergbau- und Industriearbeiterverband mitteilt, zur Bildung einer achtgliedrigen Kommission zur Ausarbeitung von Vertragsvorschlägen geführt. Die Verhandlungen in der Kommission gestalteten sich außerordentlich Schwierig. Troßdem fonnte nunmehr eine Verständigung über einen gemeinsamen Vorschlag erzielt werden. Er sieht eine Lohnerhöhung von etwa 8 Proz. vor. Eine Beseitigung der Mehr arbeit fonnte nicht erzielt werden, doch soll ein allmählicher Abbau der Mehrarbeit in der Form eingeführt werden, daß die Schichtzeit für die Arbeiter unter Tage ab 15. April 8 Stunden und die für Arbeiter über Tage 9% Stunden beträgt. Die Vorschläge merden am 30 Januar im Arbeitgeberverband und ebenso in einer Konferenz der Gewerkschaften zur Erörterung stehen. Wenn dabei fein Widerruf erfolgt, gelten die beiden Abkommen vom 1. Februar an als Vereinbarung. Einigung im Gaarbergbau. Die Bergbauverwaltung gibt nach. Saarbrüden, 23. Januar. und 1938 250 Millionen ergeben. Der Aufbau von drei Lohn Klassen werde den Eintritt eines Fehlbetrages also mur um wenig mehr als ein Jahr hinauszögern. Wolle man zur Deckung der Fehlbeträge eine allgemeine Erhöhung der Beiträge vornehmen, jo fönnten dadurch zwar im Augenblick den Bersiche. rungsträgern größere Mittel zugeführt werden, für die Zukunft merde jedoch dadurch feine merfliche Berringerung des Fehlbe. trages eintreten, solange die im§ 1289 der Reichsversicherungs ordnung festgesetzte Höhe des Steigerungsbetrages( 20 Prozent) unverändert bleibe. Im Falle einer späteren Beitragserhöhung müßten also die Steigerungsbeträge in festen Beträgen und zmar höchstens in Höhe von 20 Prozent der jeßigen Beiträge bemessen werden. Bei einer Erhöhung des Grundbetrages um eine Marf monatlich oder um 12 Mart jährlich sei mit einer Mehr belastung von 33,4 Millionen zu rechnen; diefe Mehrbelastung werde sich infolge der anwachsenden Zahl der Renten in den nächsten Jahren noch um rund 1,8 Millionen erhöhen. Eine Erhöhung der Kinderzuschüffe gegen märtig etwa 450 000 um 10 Mart jährlich erfordere eine Mehr belastung um 4,5 Millionen Mart pro Jahr. Bei Erhöhung des Reichszuschusses um monatlich eine Mart ergebe sich eine jährliche Mehrbelastung von 35,6 Millionen, wozu infolge der steigenden Rentenzahl noch rund 2 Millionen hinzufämen. Die Gemährung von Invalidenrente bereits bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um mehr als die Hälfte erfordere einen Mehr aufwand durch Mehrzugang in Höhe von 100 Millionen, wovon 20 bis 26 Millionen infolge Gewährung von Reichszuschüssen und Reichsbeiträgen auf das Reich entfielen. Der Mehraufwand durch fofortigen außerordentlichen Zugang betrage rund 670 Millionen. Bei diesen Berechnungen stützt man sich auf Erfahrungen der na ppschaft. Ob der. Bergleich mit der Knappschaft aber angebracht ist, ist noch sehr die Frage. In der Knappschaft liegen die Dinge vielfach doch etwas anders als in der Invalidenverficherung. Die Ziffern der Denkschrift sind nur mit Borsicht zu genießen. Die Dentschrift will, was an sich niemand überraschen famn, die Einnahmemöglichkeiten gering und die Belastungswahrscheinlichteiten recht groß erscheinen lassen. Mindestlohn, der im Dezember 32,63 Franten betrug und von der Berwaltung auf 34,72 Franfen festgefeßt murde, heute eine Er. höhung auf 35 Franten erfuhr. Ebenso haben alle Schichthauer eine Erhöhung ihrer Schichtlöhne erhalten. Ein fommunistischer Führer. Der Ruhrkampfftratege Merter. Die D. fcheint mit Vorliebe folchen Beuten die höchsten ,, Würden" in ihrer Partei zu verleihen, die erst nach der Revolution etwas von dem Vorhandensein einer politischen und freiTreibholz hält sich hit der KPD. am besten, wenn es erst einmal an gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gemerkt haben. Gerade folches den richtigen Plaz gespült worden ist. Ein typisches Beispiel dafür ist der fanimunistische Gewertschaftsstratege Baul Merter. Dieser Mann hat während des jüngsten Kampfes an der Ruhr fogenannte revolutionäre Kampfleitungen der Unorganisierten aufgezogen und den Gewerkschaften vorschreiben wollen, wie sie den gigantischen Rampf zu führen hätten. Wer ist Paul Merfer und wo hat er jemals sein Führertalent bewiesen? | fich erst ann eine Anstellung bei den ehemals gelben, heute Hirsch Dunterschen Genfern" bemüht hatte, landete er als wohlbestallter Parteibonze bei der KPD. Er benutzte nun jede Gelegenheit, um gegen die Organisation fowie die gesamten Gewerkschaftsführer vom Leder zu ziehen, be schimpfte die Vorstandsmitglieder des ADGB. als Gesindel und schlossen. Heute sitzt dieser Mensch, der seine gewerkschaftliche wurde endlich anfangs 1923 aus der Organisation ausge Unfähigkeit mehr als einmal bewiesen hat, im hohen Rat der eltrevolutionäre. So ein Jammerlappen ist der richtige Stalinist. So wie er früher vor den Unternehmern die Hacken zufammengeklappt hat, so macht er es heute vor den moskowitischen Oberbonzen. Als früherer Gelber wird er jetzt in der Roten Fahne" gegen den reformistischen Gemertschaftstretinismus" losgelassen. Streif und Lohnabschluß in der Treibriemenbranche Die im Deutschen Sattler, Tapezierer und Portefeuiller- Berband organisierten Treibriemenjattler hatten den Lohntarif zum 1. Januar gekündigt, um einen neuen Lohnabschluß vorzunehmen. Das tarifliche Lohnschiedsgericht, das endgültig entscheidet, wollte eine Zulage nicht geben und vertagte die Sigung auf Anfang Januar. Die Arbeiter waren aber damit nicht einverstanden, son dern beschlossen, am 12. Januar den allgemeinen Streit. Die Unternehmer stellten darauf bei dem Schiedsgericht den Antrag auf Tarifbruch. Schließlich tam eine Vereinbarung zustande, monach die Arbeit am 21. Jamuar wieder aufgenommen, der Lohn von 1,15 Mt. auf 1,20 mt. erhöht wird und selbstver ständlich Maßregelungen nicht stattzufinden haben. Die Arbeiter nahmen das Ergebnis mit 120 gegen 6 Stimmen an Durch Schaden wird man flug. Frankfurt a. M., 23. Januar.( Eigenbericht.) Die Zahlstelle des Berbandes der Fabrifo arbeiter in Höchst a. M., dem Sih der Höchster Farbwerke, war im vergangenen Jahre durch die kommunistische Oppo fition befegt worden. Wie dieser tommunistische Borstand gewirt schaftet haben muß, zeigt das Ergebnis der jegt vorgenommenen Neuwahl der Verwaltung. Gewählt wurden nur Vertreter der Amsterdamer Richtung, während es der bisherigen kommunistischen Leitung gelang, nur auf 5 bzw. 10 Stimmen zu kommen. Eine empfindliche Niederlage erlitten in Leipzig die kommu. nisten bei den Wahlen der Delegierten zum Berbandstag Der Zimmerer. Die Amsterdamer Richtung erhielt drei Man bate, die tommunistische nur eins. Das Wahlergebnis hat bei den Kommunisten große Enttäuschung hervorgerufen. Sie wälzen die Schulb jegt auf die 3eriplitterer und bezeichnen ihre eige nen Führer als Renegaten. Achtung, Bezirksamt Prenzlauer Berg! Freitag, 164 Uhr, im Sigungsfaal ber Bezirksverordneten, Tanziger Str. 64, mitige Ber fammlung der EBD. Fraft on. Tagesordnung: 1. Gefchäftsbericht bes Borstandes. 2. Reumahl. 8. Berfchiedenes. e Genossen werden er fucht teilzunehmen. Mitgliedsbücher find mitzubringen. Der zaltionsnstftanh. SPD- Fraktion im Berhand ber Gemeinbe unb Staatsarbeitez. Technische Unterabte lung( Justa). Donnerstag, 19 Uhr, im fleinen Gaal von Böfers Festfälen, Berlin D. 18, Weberstr. 17, wichtige Fraktions figung. Die Tagesordnung wird dort bekanntgegeben. Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Heute, Donnerstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Gesundbrunnen: Jugendheim Fote Schule, Gotenburger Straße. Ucbungsabend für ben Iuftigen Wettstreitabend. Frankfurter Allee: Städt. Jugendheim gitauer Str. 18. Satiren und Grotesken. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Sauffftr.( Sportplag), an der Beffingstraße. Bortrag: Aus der Entwidlung der Jugendbewegung". Landsberger Blag: Jugendheim das Ostens, Große Frankfurter Str. 16, Quergeb. pt., Simmer 2. Ein Abend unter uns. Tempelhof: Gruppenheim, Enzeum Germaniaftr. 4-6. Borlesungen aus der Gruppenbibliothet. Cüdoften: Gruppenheim Reichenberger Str. 66( Feuer mehrhaus). Bortrag: Die Frau und die Religion". Moabit: Städt Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Literarischer Abend Paul Keller. ebbing: Städt. Jugendheim Orthstr. 10. Vortrag:„ Der hiftorische Materia lismus bildern. Röpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Ein Abend mit Licht Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Bis zum Jahre 1919 Mitglied der gelben Organisa tion der Gastwirtsgehilfen. Als gar feine Gefahr mehr bestand, wegen der Zugehörigkeit zu einer freien Gewerkschaft etwa gemaß regelt zu werden, fand auch er den Weg zum Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Caféangestellten. Im nächsten Jahre schon sollte er sein Führergenie beweisen. Die Dresdener Gastwirtsgehilfen rüsteten zum Streit und wählten ihn zum Leiter der sogenannten Verpflegungsfommission, die beim Streif die zu betreuen hatte, die in Kost und Logis waren. In der= felben Nacht, in der der Streit beschlossen wurde, verdrückte er sich nach Berlin. Er hatte teinerlei Vorbereitun Bezitten der Jugendgruppe erhältlich. gen für den Streit getroffen, und die Streifenden einfach ihrem Schicksal überlassen! Dies war seine erste Heldentat. Infolge der politischen Wirrnisse gelang es ihm schließlich später, verbandes zu erhalten. Hier versuchte er bald im Auftrage der eine Anstellung bei der Ortsverwaltung Berlin des ZentralKPD.- Gewerkschaftszentrale in den Versammlungen Sprengminen 34 legen, bis ihm schließlich von der Ortsverwaltung gehörig auf die Finger getlopft wurde. Seute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. 53. Ausspracheabend: Wodurch unter fcheiben wir uns von der bürgerlichen Jugend".-Se öneberg: Jugendheim Sauptstr. 15( Thüringenzimmer). Portrag: Arbeiterdichtung". Referent: Lewinfti. Am Sonntag, dem 27. Januar, 19% Uhr, findet im Gemertschaftshaus, Engelufer 24-25, ein Jugenb- unb Elternaberb statt. Zur Aufführung gelangt das Schmökerspiel von Osterroth. Anschließend Musik und Boltstänge. Eintrittstarten zum Preise von 30 Pf. find im Jugendsekretariat und in den " Aus der Partei. radikalpazifistisch- bürgerliche„ Dortmunder Generalanzeiger" hat sich Genoffe. Mayr( München), Major a. D., schreibt uns: Der unlängst die Behauptung aus den Fingern gefogen, ich sei militaristischer Drahtz eher der Wehrkommiffion der Sozialdemokratischen Partei, der ich allerdings die Ehre habe, anzugehören. Im Anschluß daran, überschüttet mich in einer Zuschrift aus München die Menschheit" mit Behauptungen, die ausnahmslos bewußte unwahrheiten beiten sind aus der tommunistischen Preffe zufammengetragen. Die oder verleumderische Entstellungen find. Diese sämtlichen Unwahr Feststellungen" sind mit hämischen Angriffen auf die Partei garniert, was ja wohl auch der Hauptzweck gewesen ist. Mein Anwalt, Genosse Dr. Philipp Loewenfeld, München, hat schon längst gegen die Rote Fahne" usw., die heutigen Bundesgenossen der Menschverantwortliche Schriftleiter der Hauptquelle, der tmunistische Ab geordnete Buchmann dauernd hinter feiner Abgeordneten. eigenschaft zu verschanzen mußte, vor Monaten schon Selbstanzeige beim Oberreichsanwalt eingereicht. Ich denke nicht daran, mit Klagestellung gegen eine Menschheit", aus der sich heute sogar Prof. F. W. Foerster restlos zurückgezogen hat, auch nur einen weiteren Groschen zu verausgaben oder sie überhaupt einer unmittelbaren Berichtigung zu würdigen. Beim Streit der Berliner Gaffwirtsgehilfen Oftober 1921 spielte er eine noch täglichere Rolle als seiner zeit in Dresden. Der Streit währte taum acht Tage, da zog er als Mitglied der Streitleitung schon alle Register, um ihn abzu würgen, trotzdem die Front der Streifenden noch unerschüttert stand. Seine Angst ging someit, daß er für seinen Bezirk BerlinBesten eine Bezirfsorganisation gründen und einen Beheit", Privatflage eingereicht. Darüber hinaus habe ich, da sich der 3irtstarif abschließen wollte, zu den Bedingungen, die die Unternehmer dittierten. Die Berliner Gastwirtsgehilfen hörten aber nicht auf das Gejammer dieses Führers, fondern hielten noch vier Wochen durch. Heute, nach dreitägigen Berhandlungen mit der gesamten Regierungstommission und der Bergwertsdirektion, wurde am Nach mittag zwischen den Vertretern der Gewerkschaften und der Gruben verwaltung ein neuer Lohntarif abgeschlossen, der am 1. Februar in Kraft tritt und dem seit 1. Januar bestehenden tariflofen Zustand erfreulicherweise ein Ende macht. Die von den Bergleuten Um nicht alle Sympathien zu verlieren, zahlte er ohne Wissen so sehr beklagten Unterschiede zwischen den Lohntarifen der| und Zustimmung der Streifleitung fagungswidrig über die Streifeinzelnen Arbeiterkategorien sind bedeutend verringert worden. unterstützung hinaus in seinem Bezirk rund 17000 m. Egtra Die niedrigen Gedingelöhne erfahren eine Aufbesserung. Nach dem unterstügung in Form von Darlehen aus, wovon die DrLohndiktat der Grubenverwaltung betrug die Erhöhung der Gedinge- ganisation nicht einen Pfennig wiederbekommen hat. Erst bei der löhne seit 1. Januar 0,07 bis 5,66 Franken, während jetzt die nie- endgültigen Abrechnung fam die Organisation dahinter. Auf Bedrigste Lohnerhöhung 1,09 Franken beträgt und die höchste nur schluß der Berliner Generalversammlung wurde er dann im Sommer 2,30 Franten gegenüber 5,66 ausmacht. Hinzu kommt noch, daß der 1923 als Angestellter der Organisation entlassen. Nachdem er Forderu Sie Behandlung mit Homöopathie und in apotheken MADAUS Aconits D NOMOOPA " Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer: Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gemertschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales and Sonstiges: Fris Raritäbt: Anzeigen: tb Glode. fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag GmbH Berlin Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlaasanftalt Paul Ginger» Co Berlin S 68 Lindenstraße 3 Sierzu Beilage unb Unterhaltung unb wiffen". Madaus die wirksamen Originalabfüllungen 1. Beilage des Vorwärts ?lr. SS» 46. Jahrgang X#"vi?»v OonnerStog. 24. Iauvar 4S29 Die ffiüluw in der Bahnhofshalle. Der alte Ostbahnhof am Äiistrmcr Platz, der feit Iah» Mhnten nutzlos dasteht, präsentiert sich jetzt in leuchtendem Weiß. Und die groß« Halle des Bahnhofs, di« einst die Fernzüge des Ostens aufnahm, ist jetzt Zuschauerraum und Bühne des neuen RoUsoorietes„P l a z a*, das Ende des Monats sein« Pforten offnen soll. Es ist wohl das erstemal, das in einer möchtigen Bahnhofshalle Artisten von Trapez zu Trapez fliegen, das Brüllen dressierter Löwen sich an den Wänden bricht, die Füße der Tänzerinnen den Boden treten, der einst unter schweren Eisenbahn- zu gen dröhnt«. Der frühere Ostbahithos, der ein im klassischen Stil noch Schinkelschen Norbildern in Klinkerstein errichteter Momimentalbau ist, wurde von der damaligen.Königlichen Ersen- bahndirektion in den Jahren 1863/67 erbaut und sollte dem Per- sonen- und Güterverkehr nach dem Osten dienen. Di« Halle, nach den Entwürfen der Geh. Oberbauräte Lohse und Stelle, ist etwa 19l> Meter lang und 40 Meter breit und gehört mit ihrer überaus klaren und übersichtlichen Konstruktion, sowie ihrer schwung- vollen Linienführung zu den schönsten und kühnsten Hallenliouten des vorigen Jahrhunderts. Durch den Bau der Berliner Stadtbahn mit dem großen Schi ests che n Bahnhof verlor der Ostbahnhof feine Daseinsberechtigung, da vom Schlestschen Bahnhof aus der gesamte Personen, und Güterverkehr noch dem Osten abgefertigt wurde. So stand nun dieser riesige Bau n u tz l o s da und wurde von der Reichs- bahn als Logerschuppen, Materialdepot usw. benutzt. Nicht einmal während des Krieges ist er als Verladcbahnhos für Truppentronsporte oder Kriegsmaterial verwendet worden. Der allmählich immer mehr t» Ersiheinung tretende Berfall brachte unternehmende Geister auf den Gedanken, wie man das Gebäude erhalten und wie es ver, wendet werden könnt«. Diele Projette schwirrten hin und her, aber keines schien groß genug, mn einen so dekorativen Rahmen ouszu- füllen, bis es der Direktion der Scala gelang, den Komplex von der Rcichsbahndirektion zu pachten und die Genehmigung zum Einbau eines großen Barietes modernstcns Stiles zu erhalten. Die mit Zustimmung der Reichsbahndirektion vorliegenden Pläne der Archi- tekten A. M. Tay und Max R. B. Abicht fanden den Beifall der Behörden und so begannen die Vorarbeiten für den Bau. Da das klassisch schöne Bauwerk unter Denkmalsschutz steht und aus diesem Grund« keinerlei wesentliche Deränderunjjcn an seiner äußeren Gestaltung vorgenommen werfen dürfen, da ferner gewisse technische Bedingungen zu erfüllen waren(Erhaltung der alten Hollenkonstntk- tion mit darauf befindlichem Glasdach), so war die Aufgabe für di« Architekten schwer. Die Aufgabe bestand daran, ein Variete mit einer Fassungskraft von ZllOll Plätzen und damit das größte Variete in Europa zu schassen. Zwei Drittel der Plätze befinden sich in dem riesigen oval geformten Partcrreraum, ein Drittel ist auf dem Balkon eingebaut, der Zuschauerraum selbst ist von einem elf Meter breiten und sechs Meter hohen Wandelgang umgeben. In diesen Räumlichkeiten waren früher die Wartesäle, die Gepäck- abfertigungen, Fahrkartenschalter, Diensträmne usw. untergebracht. Die Zwischenwände des Kopfbaues mit den darüber liegenden Decken wurden im Erdgeschoß durch schwere Eisenträger abgefangen und so der Platz für«ine große Kassenhalle geschaffen. Im Anschluß daran treten wir in das Vestibül, das schon in der eigentlichen Bahnhofs- halle liegt, und dessen Doch durch acht Gitterträger getragen wird. Ueber dem Zuschauerraum wölbt sich die Monierkuppel. Ihre Höhe wird mit 19 Meter durch dos vorhandene Dach begrenzt, das über dem Zuschauerraum vollständig erltzllten bleibt. Allerdings dursten die alten Binder keinerlei neue Nutzlasten erhalten, und«s mußten infolgedessen zum Trogen der Monierkuppel neu« Trage- konstruktionen aus Fachroerkwänden und Trägern angeordnet wer- den, deren Systemlinien sich aus den Umrißlinien des vorhandenen Daches ergaben. Das Bühnen» haus, das durch einen eisernen Vorhang von 20 mal 12 Meter vom Zuschauerraum getrennt ist, hat eine Grundfläche von 40 mal 13 Meter. Um die erforderlich« Tiefe zu gewinnen, mußte einer der vorhandenen Doppelbinder, die in etwa 7,5 Meter Abstand stehen, ausgebaut werden.— Me Bühne ist als Voll- bühn« in Stohlkonstruk- tion ausgeführt und ragt mit einer Firsthöhe von 31 Meter noch 12 Meter über den Scheitel de« vorhandenen Bogcndachcs hinaus. An die Rückwände des Büh- nenhauses schließen sich Saal- bauten an. Auch die Monier- kuppel des Hauptfaalcs besteht aus einer besonderen Stahl- konstruklion, die sich weder an dos vorhandene Dach anschließt, noch an sie Lasten abgibt. Eine Fachwerkwand, die sich freistehend 19 Meter hoch bis zum First erstreckt und so berechnet wurde, daß sie vollen Wind- druck aufnehmen bann, schließt die dann noch verbleibenden 80 Meter von dem Neubau ab. . n.. Dos Innere der„Plaza' ist d)ie Jlrbeilen im 3nnem der Bahnhofshalle. tn einem beigebraunen Naturwn gehalten, der sich nach oben zu oushellt. Der Hauptvorhang präsentiert sich in sattem feurigen Rot, der den Farbenakkord des ganzen Hauses warm zusammensaßt. Die zwölf Logen sind ebenfalls mit roten Portieren abgeschlossen. Der Zuschauerraum der„Plaza' wirf aus dem riesigen ovalen Spiegelplafond in der Kuppel mit 330 3)8* SRÜhnenhatu im Stau. f Spiegelreflektoren beleuchtet. Der riesig« Komplex des Osibahnhofes hat es gestattet, daß im Anschluß an das Theater als zweiter Bau- abschnitt noch ein ebenso großzügiger F e st s a a l, der 3500 Menschen fassen kann, für Tanzvergnngungen, Bälle, Vereinigungen, Versarnrn lungen usw. usw. angegliedert werden kaim. Die Verbindung mi; der„Plaza' ist bereits durch zwei Tunnels vorgesehen, die von den Besuchern des Theaters benutzt werden können, ohne daß diese durch Garderobenwechsel irgendwie behindert werden. * Die„Plaza' beabsichtigt in ihrer gesamten Anlage, Programm- gestaltung und Preispolitik ein Bolksvarietc im großen Stil zu werdcn. Das vollständig« Programm soll zweimal monatlich ge- wechselt werdcn, d. h. am 1. und l6. jeden Monats. Ferner finde» wochentäglich zwei Vorstellungen, um 6 Uhr und um 8.lZ Uhr statt, an Sonn- und Feiertagen drei Vorstellungen, 2.13, 5 und 8.13 Uhr. Die Eintrittspreise für die erste Vorstellung betragen 0,50 bis 1 M., die Eintrittspreise für die zweite und dritte Vorstellung betragen 1 bis 2 M. Garderobenablage 10 Pf. und ein vollständiges Pro- grammheft ebenfalls 10 Pf. man eiuec KeoolulioH. Von GezUarl hierrwAHH Masfax „Awwer mitrejieren wolln tner!" ergänzte Kniephacke schnell und trat einen Schritt zurück. Es war heraus. Der Herzog hatte vor Erstaunen den Mund weit aufge- rissen. Kllgelgen lächelte noch immer, was Kniephacke zu irritieren begann. „Wie? Mitregieren?" fragte Alexander Carl verstand- nislos.„Wie meint ihr denn das?" „Wir meenen man—" „Da müßt ihr euch doch aber," unterbrach der Fürst, dem plötzlich etwas Erlösendes eingefallen war,„da müßt ihr euch doch an den Ministerpräsidenten von Kerften wenden! Der regiert doch! „Nu ja. awwer—* Aber der Herzog mußte seinen Gedanken erst zu Ende führen, ,/öer wird emen Schreck kriegen, der gute Kerften! Er wird zipar kaum damit einverstanden fein, nicht wahr, Kügelaen—" „Wahrscheinlich kaum. Hoheit, erwiderte Kugel gen. Merander Carl lachte lustig. Jedoch der unerbittliche Kmep» hacke fuhr diplomatisch fort:„Wir sin awwer äwend deswäjen zu Hoheit jetommn. damit daßn Se mit'n Herrn von Kerften dadriwwer sprechen. Uff Ihnen kimmets doch an, Hoheit." „Allerdings!" sagte der Herzog aeschmeichelt. „Na also!" Kniephacken brachte seinen Erfolg ins Fahr- wasser.„Un da mechten wir nu äwend, daßn oo uff unfre Winsche an bißchen Ricksicht lenommen wird beis Rejieren!" „Aber das ist doch geschehen! Als hier die Eisenbahn hmdurchgelegt werden sollte, da habt ihr Eingaben gemacht wegen der Pferdehalter, die immer die Fuhrwerke den Wein- berg hinaufziehen und also ihr Brot verlieren würden durch die Bahn, und wegen der Beschädigungen des Grases und so peeiter— nun, und ist die Bahn etwa gebaut worden?" JXtt, sewiß nich, Hoheit!"___________ „Na also! Das war doch immer so!" ..Jo— jo— das schonn—" Kniephacke fand jetzt keine brauchbare Ueberleitung zu dem, was er eigentlich sagen sollte und wollte. Da platzte auch Menge schon in das entstehende Schweigen:„Un um Pressefreiheit mechten nur johorsamst jebäten han, Hoheit!" Auch er trat einen Schritt zurück. Aber Alexander Carl wandte sich an Kügelgen:„Presse- freiheit? Sagen Sie bitte, Kügelgen: was ist das, Pressefreiheit?" „Vielleicht erklären die Herren erst einmal, was sie sich darunter vorstellen," meinte Kügelgen diplomatisch. „Nu, wir meenen man, daßn die Zeitungen schreiben dürfen, wasn se wolln!" „Können sie!" sagte der Herzog lakonisch. Cr las keine Zeitungen, geschweige denn das in Bernburg erscheinende Regierungs- und Jntelligenzblatt, das wöchentlich einmal auf vier«eiten Quart herauskam. „Un denn," meinte nun auch der wieder zu sich ge- kommene und mutig gewordene Jllmer,„un denn fordern wir das einije Deutschland." „Ich auch," sagte Alexander Carl. Er war der Sache müde geworden, sah angestrengt aus und wollte Ruhe haben. „Unter den Auseinandersetzungen der großen Staaten leiden dach bloß die kleinen. Aber fragen Sie einmal meine Herren Vellern in Cöthen und Dessau, die denken da ganz anders... das ist nicht so leicht, wie ihr euch das denkt, das ist über- Haupt alles nicht so leicht..." Er sah gequält zu Kügelgen hinüber..Kügelgen. ich bekomme schon wieder meine Kopf- schmerzen... Der Kamm erHerr erhob sich. Dem Böttcher Kniephacke war inzwischen sein Uebergang eingefallen.„Ich wollte man bloß noch ema, Hoheit, von wäjen das Mitrejieren es is nich bloß, daß unsere Winsche männijesma anjeheert warn— mer wolln oo jefragt warn!" „Gefragt? Aber wie soll ich denn das machen, ich kann doch nicht jedes Mal zu euch kommen—" „Dadrumme mechten mer äwend an Parlament han!" Kniephacke stand jetzt schon fast an der Tür, feine eigene Tapferkell schien ihn hinauszujagen. „Aber das wird sich ja machen lassen!" Kügelgen trat an die Tür.„Seine Hoheit werdcn mit dem Herrn Ministerpräsidenten von Kersten Rücksprache nehmen und das für ein Gedeihen des Baterlandes Erforder» liche veranlassen," sagte er. Di« dvei verneigten sich ti«k ! Alexander Carl, schon wieder in sein Buch vertieft, winkte ab.— „Schlecht sieht e aus, ich jloowe, jä machts nich mehr lange!" sagte Menge unten im Hof.„Schade:-es is doch woll an juter Mensch! Wenn bloß die Ministers nich warn!" „Awwer eejentlich," stellte Kniephake zufrieden fest,„han wir doch allens gesät, un er hat doch oo allens zujesat." Nur Jllmer schüttelte den großen, bärtigen Kopf.-„Ich weeß niche, ich weeß niche. Wir sind doch alle keene Redner niche un keene Diplomaten. Ich jloowe, war wärn uns doch an'n Avkaten wenden missen. Vielleicht an Rechtsanwalt Oehlken..."— Kügelgen schrill ins herzogliche Zimmer zurück, nicht allzu desorgt wegen des eben Geschehenen: der verbindliche Kersten würde die Sache schon wieder in di« Reihe bringen. Als er eintrat, hatte der Herzog„?uul et Virginia" wieder aus der Hand gelegt usid stand an einem der Fenster, durch die man ins Saaletal blickte. Dieses Blickes wegen hatte Alexander Carl sich das Zimmer zum fast einzigen Wohn- räum gewählt, obgleich es eines der kleinsten im Schlosse war. Die unauffällige Romantik entsprach dsm Wesen des Herzogs, das in eine naive, lärmferne Welt gehörte. Die Saale man- derte ihm geruhsam zwischen hohen, eben vom ersten Grün überschimmerien Laubwäldern entgegen, ab und an dicht unterhalb des Schlosses von dem kleinen Fährboot überkreuzt: über den wcichlinigen Baumkronen sah man den Turm des zwei Wegstunden entfernten Schlosses Plötzkau, und an klaren Tagen, wie heute, lag ganz well hinten der Brocken wie eine im langsamen Aussteigen verweilende, silberne Wolke unten am Himmel. „Die Kopfschmerzen, Kügelgen," klagte der Herzog leise, „immer diese Kopfschmerzen!" „Eure Hohell sollten einmal wieder dero Schloß Ballen- stedt aufsuchen." riet Kügelgen und wies zum Brocken.„Dd: Harzluft wird Eurer Hohell gut tun." „Hilft ja auch nichts, Kügelgen! Haben Sie auch manch- mal Kopfschmerzen, dieselben Kopfschmerzen wiejich? Wissen Sie, das wandert immer so herum im Kopfe." Er suchte mit der Hand dem Zuge der Schmerzen zu folgen, sah zer- quält aus.„Immer so herum wie— wie ein Tier.. „Es wird vorbeigehen, Hoheit." Kügelgen wußte nichts als dies« Plattheit. 1. i kSortfetzuns! Reichswehrmonturen für Stahlhelmlage? Erbauliches vom Gonnenburger'Zuchthausprozeß. Sorllleaburg.ZZ. Jaauar. ?m ipeiterc« Verlaus der Verhaudluag gegen die angeklagten .�nchthousbeamten schilderten Berliner Kriminalisten, die tur Ausdeckung der ganzen Schiebungen nach Sonnenburg entsandt waren, sehr anschaullch die Verhältuisse. die sie dort vorsanden. Äruninalossistent Sauer wurde als angeblicher zweiter Werk- meister dem ahnungslosen Grafunder beigegeben. Grafunder erzahlte ihm bald, er habe den Geschäftsführer der Firma Schwarz. schild und ebenso die Beamten völlig in der chand. Sobald neue Sachen eintrafen, meldete Grafunder das schlemrigst nach Berlin mit dem Bemerken:„holen Sie dos schnell ab. sonst klauen die Beamten sich alles weg." Schließlich wurde zuerst Grafunder und danach der Geschäftsführer Bcnario der Firma festgenommen. Benario äußerte sich zu den Beamten: JW Proz. oller Beamten stehlen. Dieser Skandal wird sich von Sonnenburg über Berlin noch Magdeburg ausbreiten." Im einzelnen erklärte der Zeuge, daß er selbst gesehen Hab«, wie eine Schiebung zuungunsten des Reichswchrmimsteriums vorgenommen morden sei. Dos Reichswehrnnnisterium habe einmal mehr als MO Mäntel, die nach der Altverwertungsstelle gekommen waren, beanstandet, weil sie noch zu gut waren. Diese Mäntel sollten zurückgeschickt werden, doch ols man sie verpacken wollte, fehlten schon dreißig von diesen guten Mänteln, die in- zwischen zu Hosen verarbeitet waren. Infolgedessen half man sich zur Verschleierung des Betruges in der Anstalt derart, daß man alte zerlumpte Mäntel mit in die Kisten packte, dach kam der Schwindel in Berlin natürlich heraus.. Auf der Kleinbahn in Sannenburg, so betonte der Beamte, gaben die Gefangenen Kallis bis zu einem Gewicht von einem Zentner an ihre Angehörigen auf, wobei ols Absender Decknomen benutzt wurden. Die Ausstellung der Fracht. briefo und die Weiterbeförderung übernahm ein Güterbodcnarbeiter, der dafür ein Bündel Drillichzeug erhielt. Unerklärlich ist es bis heute geblieben, wie diese Kallis aus der Anstalt ungehindert heraus- gebracht werden konnten. Di« Gefangenen haben sich bei mir selbst beklagt, so erklärte Jaucr, daß die Sachen, die in die Mtverwcrtung kamen, viel zu schade für die Lerarbei- tung waren. Es waren teilweis« tadellas neue Sachen, die man auf diese Weise reis zur Attverwertung machte, daß man«inen scharfen Schnitt Hineinmacht«. Ebenso waren vollkommen neue Stiesel und Wäschestücke darunter. Die Gefangenen erklärten mir: „hier hat sich alles gesund gemacht." Sobald neue Sachen kamen, traf Benario au» Berlin ein und beförderte sie mit seinem Auto nach Berlin zurück, angeblich. weit sie dort zu besonderen Veranlassungen, darunter zu einem Slahlhclmtag, gebraucht wurden. Auch neue Lederwaren wurden vom Bahnhof aus sofort zu Grafunder gebracht und am nächsten Tage ahn« Abschätzung nach Berlin trans- partiert. In Sannenburg trug olles Militärzeug, aber ols die Untersuchung begann, da verschwanden die Militärsachen mit einem- >nal von der Straße. Insgesamt fehlten später von den 280 000 Kilogramm heeresgut, die nach Sannenburg geliefert waren, rund MOOO K i l a r a in m. Es herrschte«ine riesige Unord- nung und Lodderei. Als ich den ersten Beamten überführt hatte, da sagte er gleich:„So, jetzt spllen die anderen auch, mit retn- rallen."'— Der Kriminalaffistent Welke, der in' der Maeke� eines Reifenden Ermittlungen m Sonncnbiirg'anstellte, bestätigte"diese Darstellung. Er mußt« als erster den Zuchthäusler Steinbock ver. nehmen, der ihm«ine Liste mit 29 Beamten übergab. Grü- ning belastete zunächst nur Benario und Grafunder, gestand dann ober unter Tränen alles weitere ein. Acht Tage vor diesem Prozeß wurden Steinbock und Grüning noch Sonnenburg gebracht und übernachteten während dieses Transportes im Berliner Polizeigefäng- nis. Während dieses Aufenthalts ließ Steinbock den Kriminolassisten- ten Welke rufen und erklärte ihm t,. Ich werde hier überall schikaniert, weil ich gegen die Beamten ausgesagt habe. In Sannenburg bei der Verhandlung, da mache ich„Männekens". Aus nur kriegt keiner ein Wort heraus." Daraufhin ließ Grüning ebenfalls den Beamten in feine Zelle kommen und beschwert« sich auch bei ihm über die Behandlung. Er sei bereit, nach der Verhandlung in Sonnenburg Angaben über einen noch nicht aufgeklärten Mord zu machen, der noch von seinem Gcwiffen runter wüst«. Dann begann der Aufmarsch der Lebenslänglichen. Als erster Zeuge wurde der Strafgefangene Po Ilm er vorgeführt. ein älterer Mann, der 192? wegen Mordes zum Tod« ver- urteilt und zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde. Cr war zusammen mit dem Strafgefangenen Matz als Schneider tätig. Noch seiner Darstellung hat eine der vollkommen neuen Militärhoscn der angeklagte Wachtmeister Bär bekommen. Vors.: hat Bär dafür bezahlt. Zeuge: Nee, ein Packchen Tabak habe ich gekriegt. Angekl. Bär: Das bestreite ich, ich habe Pallmer nie gesprochen. Zeuge Pollmer: Streiten Sie doch nicht ab, was wahr ist. Es wurde dann aber festgestellt, daß Pollmer schon zweimal in der Irrenanstalt war und auch heute noch mit den Nerven zu tun Hot. infolge zweier im Felde erhaltener Kopfschüsse. Sein« Angaben weichen auch von seiner früheren Aussage ab. Pallmer geriet dann in ziemliche Erregung, als Rechtsanwalt Theinal auf feine Vorstrafen hinwies und die Belastung als«inen Racheakt hinstellte, weil Wacht- meister Bär bei Pollmer Tabak und auch Ausbruchswerkzeug be- schlagnahmt Hobe. Der Mitgefangen« Pollmers, Matz, erklärte dann auch, daß Wachtmeister Bär keine hosen bekommen Hab«, denn dieser Beamte sei ihm unsympathisch gewesen. Eine ganze Reihe von Gefangenen hätten gerade Bär„gefressen" gehabt. Unter all- gemeiner Spannung wurde dann der erst 24iährige Mörder Stein- bock vorgeführt, der im Jahr« 1924 die Tonte eines Freundes er- mordet Hot und nun auch lebenslänglich sitzt. Ueber seine Perso- nolien stand«r auch Rede und Antwort, dann aber, als er über Wachtmeister Bär gefragt wurde, erklärt« er trotzig:„Ich ver- weigere meine Aussa ge." Bors.: Sie haben kein Recht dazu, ober wir besitzen kein Machtmittel, Sie zur 2lussage zu zwin- gen. Wollen Sie nicht doch lieber aussagen? Zeuge Steinbock: Rein, es sind Umstände eingetreten, die mich zur Derweigerung zwingen. Ich habe mein« Gründe. Als«r darauf abgeführt werden sollte, dreht« sich Steinbock noch einmal in aller Ruhe nach allen Seiten um. musterte die Prozeß- beteiligten und die Zuhörer lächelnd und verschwand dann, von den Beamten eskortiert, durch di« Tür. Ueber seine Aussagen in der Voruntersuchung, die den Oberwachtmeister Bär belasten, äußerten sich dann Kriminalassistent Welke und Staatsanwaltschastsrat Knobloch. Di« Verhandlung wurde dann aüf FlTrkVss f?VH 10 vertagt. Der heutige Donnerstag bleibt sitzungsfrei. Feuer in Zohannisihal. Zwei Mouteure schwer, zwei leicht verletzt. Auf dem Gelände der..veutfchcu Versuch» anstali für euftschiffahrk" in«dlershof. Johannisthal ereignete sich gestern nachmittag ei« schweres Vrandnnglück. bei dem Zwei vlonleore schwere Verbrennungen erlitten: zwei weitere Angestellte kamen mit leichten Vrandverlehungen davon. Am Südrand des Flugplatzes Johannisthal erstrecken sich die Anlagen der„Deutschen Versuchsanstalt für Luftschisfahrt" und der Albotros-Flugzeugwerke. In einiger Entfernung von den Haupt- gebäuden steht ziemlich isoliert ein etwa 20 Meter langer einstöckiger Holzbau, der in zwei Hälften geteilt ist. In dem einen Abschnitt sind die B u r e a u r ä u m e untergebracht, in dein anderen Teil ist eine Stahlkammer, ein sogenannter Unter- druckraum, der Prüf- und Versuchszwecken dient, sowie ein Laboratorium eingebaut. In dem Unterdruckraum war kurz vor 2 Uhr nachmittags Feuer entstanden. Es erschollen plötzlich laute Hilferufe und zwei A n g e st e l l t e, die nn Unterdruckraum beschäftigt waren, eilten mit brennen- den Kleidern ins Freie. Kollegen kamen den Verunglückten zu Hilfe und durch Ueberwerfsn von Bekleidungsstücken und Decken gelang es, sie vor dem schlimmsten zu bewahren. Zwei weitere in dem Bureau beschäftigte Angestellte, die noch einig« Gegenstände in Sicherheit bringen wollten und Löschverjuche unter- nahmen, erlitten leichte Schnitt- und Brandwunden. Die schwer- verletzten, der 82jährige Monteur Valentin Jakob aus der Wald- straße 36 in Adlcrshaf und der 26mhrige Monteur Richard B o st i o n aus der Sigmaringer Straße 34 in Wilmers- darf, mußten in das Köpenick er Kreiskrantenhaus gc- bracht werden. Die Feuerwehr, die alarmiert worden war. hatte fast zwei Stunden zu tun, um des Feuers Herr � zu werden. Es kannte nicht mehr verhindert werden, daß das ganze Gebäude aus- brannte. Eine Brandwache blieb nach Abrücken der Wehren bis' in den späten Abend an der Unfallstelle zurück. Die E n t- stehungsursache konnte noch nicht ermittelt werdcn. Dolle Klarheit wird erst die V e r n e h m u ng der im Köpenickcr Krankenhaus daniederliegenden Verunglückten bringen. Roifront„kämpft!" 27 gegell 3. Oer Bankier als Wechselfälscher. Warum wurde nicht zugegriffen? In die dunklen Geschäfte de» Inhaber» der Banksirma Löwenstein. Anker den Linden, Dr. L e w i n. seine» Bevoll- mächtigten Rappaport und de» Prakuristev Montag beginnt jetzt einiges Licht zn dringen, ohne daß es jedoch zur Stunde möglich wäre, die letzten Zusammenhänge dieser reichlich dunklen Angelegenheit zu erkennen. Bedauerlich ist nur. daß weder die Behörden noch auch Firmen, die seit Ansang Januar wußten, daß gefälschte Akzepte mit ihrem Namen von der Firma Löwenberg weitergegeben worden waren, energisch zugegrissev haben. Za diesem Falle wäre es Dr. Lewin und seine« beiden Mitarbeitern unmögNch gewesen. sich der Strafverfolgung dnrch die Flucht zu eut- ziehen. Die erste Entdeckung der Verfehlungen Lewiiis erfolgt« auf einem ebenfalls nicht gewöhnlichen Wege. In dem Bankhaus Ge- brüder Arons. Mauerstr. 34, war der 24iährige Prokurist Werner Wolfs, Emser Str. 34 wohnhast, der Sohn eines Bonkiers ans Bcrnburg, tätig. Eines Tages erhielt der Juniarches der Firma, Georg Arons, die Mitteilung von einer Persönlichkeit, die vorläufig noch nicht genannt werden will, daß der Prokurist Wolfs in großem Ilmfange Wechsel gefälscht habe. Der Name de- jungen W. stehe ans Quittungen und in Briefen, die sich im Besitze anderer Banksirmen befänden und man müsse gegen Wolfs sofort einschrei- len. Die Firma Arons beauftragte daraufhin den Detektiv Gräger, Nachforschungen anzustellen, mit wem der Prokurist Wolfs in Verbindung stehe. . Die Nochsorschiingen ergaben schon noch verhältnismäßig kurzer Zeit, daß Wölfs völlig unschuldig war und daß sein Name ebenfalls von den Fälschern mißbraucht worden war. Wolfs hatte inzwischen seine Stelle in dem Bankhaus Arons ver- loren und machte seinerseits die Staatsanwaltschaft mobil. Inzwischen war es jedoch dem Detektiv gelungen, festzustellen, daß auch g e- fälschte Wechsel der staatlichen Anhaltinischen Salzwerk« in Ilmlaus waren, die sich im Portefeuil eines sehr bekannten ersten Berliner Bankhauses befanden. Diese Wechsei lxitts Lewin um so leichter falschen können, als er bis.zum Jahre 1927 di« echten Wechsel der Anhaltinischen Salzwerke und der im selben Konzern befindlichen chemischen Werke Staßfurt und der chemischen Fabrik Eancordia diskontiert hatte. Nachdem die Anhaltmischen Salzwerke ins Bild gesetzt worden waren, fuhren deren Leiter, Mimsterialdirektor Richter und Direktor Roh nach Berlin, um hier in dem Bankhaus, wo sich di« Falsifikate befanden, nähere Fest- stellungen zu treffen. Nachdem die Unschuld des Prokuristen Wo! ff bereits erwiesen war, konnte das Bankhaus ohne weiteres feststellen, daß die Wechsel von der Firma Löwenberg gegeben worden waren und daß also dort bereits die Fälschungen passiert sein mußten, da die anhaltinischen Firmen buchmäßig nachweisen konnten, daß sie seit Ende 1927 mit Dr. Lewin die Verbindung abgebrochen hotten. Zur gleichen Zeit stand auch sch«i fest, daß die Akzepte der Dcssauer Gaswerke, die von Dr. Lewin ebenso wie die einer ganzen Reihe «rstktossiger anderer Firmen in Umlauf gesetzt worden waren, ge. fälscht sein mußten. Eigenartigerweise ist mm von keiner Sekte die Staatsanwaltschaft oder die Polizei alarmiert worden. Alle beteiligten Firmen und Bankgeschäfte haben sich nicht ver- anlaßt gesehen, die Unkersuchungsbehörden aufzuklären und dafür zn sorgen, daß Lewin und seine Mitarbeiter schleunigst in hast genommen wurden. Diese Tatsache ist um so erstounticher, als die Anhallischen Salzwerke bald danach erfuhren, daß auch bei anderen Finnen falsche, auf ihren Namen lautend« Wechsel aufgetaucht seien, so daß allein von dieser Firma falsche Wechsel in Höhe von rund S00000 Mark in Umlauf waren. Auch die Firma Arons hat Strafantrag gegen Löwenberg nicht gestellt, obwohl die Firma Nachrichten dar- über erhalten hatte, daß Dr. Lewin zu dieser Zeit bei einer anderen Firma 80 000 Mark abgedeckt hatte, da man dort Falschwechsel eben- falls festgestellt habe. Eine rechtzeitig« Benachrichtigung der Unter- suchungsbehörden durch alle Beteiligten hätte jedenfalls oerhindern können, daß den drei Beteiligten die Flucht gelang. * Aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden gestern von der Kriminalpolizei weitere Durchsuchungen vorgenommen. Die gesamten Geschäftsbücher des Banthause» wurden b e- s ch l a g n a h m t und Sachverständigen übergeben. Die Nachforschungen haben nun ergeben, daß die Unterschriften der Wechsel tatsächlich gefälscht sind. Die Fälschungen betreffen unter anderem eine Aktiengesellschaft der Elektrobrauchc und da» Bankhaus Bleichröder. Von diesem sind allein für«ine Million gefälscht. Soweit sich bisher überblicken läßt, ist die bisherige Gesamtsumme von Z Millionen bereit» überschrillen. Ob Wechsel in dieser höhe in den Verkehr gekommen sind, hat sich noch nicht feststellen lassen. Die Slaalsanwaltschasl Hot nunmehr drei Haftbefehle erlassen. Sie richten sich gegen Dr. Lewin. gegen Leonhard Rappeporl und den Pro- kuristen Ewald Montag. Alle drei sind zurzeit nicht anfzu- finden. Auch die Ehefrau Rappeport», die über den Verbleib ihre» Mannes befragt werden sollte, tonnte bi, zur Stunde nicht ermittelt werden. Man nimmt aber an, daß sie sich noch in Berlin bei Betonntea aufhält. Gn Äanksfandal in Schlesien. Breslau, 22. Januar. Einer Meldung aus Münsterberg zufolge ist der dortige Bankverein durch Verfehlungen von Varstandsmitgliedern so schwer geschädigt worden, daß es zweifelhaft ilt. ob er saniert werden kann. In einer Generaloersammlung der Mitglieder wurde fest- gestellt, daß sowohl. von. dem Kassierer der Bank, wie auch von einigen Vorständsmitgliedern ganz unverantwortlich gewirtschaftet worden ist. Der Bank sind nicht nur durch Unterschlagun» gen, sondern auch durch Einräumung hoher Kredite, die von den Schuldigen zum Teil an die eigene Person und ohne Genehmi- gung des Verwaltungsrats gewährt wurden, schwere Verluste entstanden. Die höhe der Verluste konnte zahlenmäßig noch nicht ermittelt werden. Wegen L and fr ied e n sb r u chs und gefährlicher Körperverletzungen hatten sich süns Mitglieder des Roten Frontkämpfcrbundes vor dem Großen Schöffen- gerichl Berlin-Mitte zu verantworten. Die Angeklagten waren jüngere Leute bis auf den Mitonge- klagten Michael Konieczny, der schon 60 Jahre alt ist und neunmal wogen Gewalttätigkeiten vorbestraft ist. In der Nacht zum 6. Oktober hatte der Abteilungsleiter des Roten Frontkämpfer- Kundes, August-L o he. in der Weberstraße kommunistische Aufru'e zu dem Volksbegehren gegen den Panzorkrsuzerbau angeklebt, von denen einige hinterher beschädigt sein sollen. Zufällig kamen drei Mitglieder des Reichsbanners,«in jüngerer Mann und zwei alte» von 40 und 50 Iahren auf dem Heimweg« in die Weberstrafst', wo der junge Reichsbannermonn wohnte. Plötzlich stürzten sich sieben Roffraittleute auf' die drei, der Jünger« wurde mii einem harten Gegenstand zu Boden geschlagen und nochmals auf der Flucht in einem gegenüberliegenden Lokal eingeholt. In- |-ziwfch«w-««,«,, unten- Führung von Lohe noch 20 weitere Rot- frontkäwpser herbeigekommen, die ebenfalls auf di« drei Reichs- bannerleuto erbarmungslos einschlugen. Der am übelsten zugerich- tete junge Mahn brach später m der Gastwirtschaft ohnmächtig zusammen. Eine Photographie seines Ziistandes nach den Mißhandlungen zeigte ihn fürchterlich zugerichtet. Dos ganze Gc- ficht, Augen, Ohren, Nase, Lippen, waren blutig geschlagen und ver- schwollen. Auch die beiden alleren Leute hotten blutende Verletzun- gen erlitten. Die fünf Angeklagten wurden später als Teilnehmer an dem Ueberfall ermittelt. Sie behaupteten vor Gericht, daß sie von den Zeugen vorher gereizt und angegriffen worden seien, was diefe aber entschieden bestritten. Das Gericht hielt auch die Ve- hauptung der Angeklagten durch die Vew?isaufnahm« für wider- legt. Als Haupttäter wurden die Angeklagten Lohe zu 9 Mo- n a t e n und Konieczny zu 8 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Die Übrigen Angeklagten erhielten Strafen von 3 bis 6 Monaten Gefängn i.s. Amtsgerichtsrot Burkert erklärte im Urteil, daß das Gericht lange geschwankt habe, ob es nicht unter Versagung mildernder Umstände schweren Landfriedensbruch an- nehmen und die Haupttäter ins Zuchthaus schicken sollte, da ihre Tat überaus roh gewesen sei. Herr Kloth will keine Berufungsverhandlung» Wie, wir seinerzeit berichteten, hatte, Herr Emil Kloth den „Dorwärts".Redatteur, Genossen Karstadt, verklagt, weil der „Vorwärts" den Mann nach seiner Abwanderung in das rechts- radikale Lager wegen der Art seines Kampfes gegen die Sozial- demokratie einen„sattsam bekannten Arbeiter- Verräter" genannt hatte. Da Herr Kloth die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen nicht eingehalten hatte, wurde nach der ersten Verhandlung' das Verfahren im November vorigen Jahres unter Abweisung der Klage wegen Verjährung eingestellt, die nach dein Pressegesetz nach sechs Monaten eintritt. Herr Kloth hatte, Berufung eingelegt: heute sollte Termin sein, der aber ausfällt. weil Herr Kloth seine Berufung zurückgenommen hat. Was mag wohl Herrn Kloth bewogen hoben, diesen Rückzug an- zutreten? Sollte ihm doch vielleicht nicht ganz wohl sein? aus Sie wollten nicht leben. Zwei Jugendliche wählen den Frestod. Gestern warf sich der siebzehnjährige Lehrling Hans H e i d r i ch der ö ü tz o w st r. 10 2 zwischen den Stationen Lichter- felde-West und Zehlendorf vor die Räder eines heran- brausenden Vorortzuges. Der, junge Mensch wurde aus der Stelle getötet. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und in die Zehlendorfer Halle gebracht.'- Köln, 23. Januar. Em Unterprimaner des Realgymnasiums in Köln-Lindeiithal wurde heute vormittag im Ehemiezimmer der Schule, t o t auf- gefunden. Er hatte sich mit einer Mischung aus Zyankali und Schwefelsäure vergiftet, die er sich durch Einschlagen der Glas- scheide des ve r schl osscnenGiftschronts verschafft hatte. Die Gründe der Tat sind zurzeit noch unbekannt, dürften aber außerhalb der Schule liegen. Der hinge Mensch, einer der begabt« st«n Schüler der Klasse,' war Vollwaise und verdiente sich Heid durch Stunde ligeben, Ilrbei»«blldimg»schitl«, 20. Kreis, Ztemickendorf-Oll: Heute. DoiurerSteg, t9>/, Uhr. VolkZhauS Scharnweberilraße. Beginn des Kurjus.Ein» sührung in de» Marxismus", Dr. I. Schlesinger. Wie in Köln. Ein Fall Heidger in Brüssel. Brüffel, 23. Januar.( Eigenbericht.) Lim die Rentabilität der Landwirtschaft. Seit Tagen baiten zwei Banditen, deren Streiche an die Der Landwirtschaftsetat vor dem Landtag.- Heilmann über sozialdemokratische Schießerei und Verfolgung der Gebrüder Heidger in Köln er innern, die Bevölkerung Brüssels in Aufregung. Am Freitag ſchoß einer der Banditen einen Schuhmann in dem Augenblick nieder, als dieser ihn verhaften mollte. Am Sonnabend gelang es zwei Detek tinen, die beiden Berbrecher wieder zu entdecken. Auch jetzt entstand eine Schießerei, in deren Verlauf einer der Detektive schwer verlegt murde; der andere wurde durch die Menge, die in ihm einen der Berbrecher vermutete, solange festgehalten, bis die wirtlichen Banditen verschwunden maren. Seitdem hat die Polizei alle ihre Kräfte aufgeboten, um der beiden Berbrecher habhaft zu werden. Am Mittwoch erhielt sie endlich die Mitteilung, daß man die be den auf einem Sportterrain in einer Borstadt Brüssels in einem Riofett schlafend entdeɗt habe. Gofort wurden Hunderte non Bolizisten und Gendarmen mobilisiert, die das Gebäude umzingelten. Mit Bomben und Tränengas ging man gegen die Toiletten vor, um die Banditen zum Ergeben zu zwingen. Wieder ohne Erfolg. Als die Polizei endlich in das Gebäude eindrang, fand sie es leer. Bahrscheinlich hatten die Verbrecher schon vor der Ankunft der Bolizei Lunte gerochen und waren verschwunden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 69 68, 2indenstraße 3. für Groß: Berlin ftets an Bas Bezirksjefzetartet 2. Sot, 2 grep. rechts, zu richten. Bezirksvorstand. Sonnabend, 26. Januar, 18 Uhr, Sihung des Erweiterten Bezirksvorstandes im Vortragsfaal des Parteivorstandes, Lindenstr. 3, II. Hof, 2 Treppen links. 7. Streis Charlottenburg. Heute Donnerstag, 24. Januar, 19% Uhr, Jugend heim Rosinenftr. 4, Beginn des Kursus der Arbeiter- Bildungsschule. Refe rentin: Dora Fabian. Hörgebühr für acht Abende 2 M. Morgen, Freitag, 25. Januar: 124a. Abt. Mahlsdorf- Güb. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Draber, Whland ftraße 18. Bartrag: Sozialdemokratie und Behrproblem". Referent: Albert Beder. * Raulshorf und Umgegend. Gonning, 10. März, Jugendweihe ia bez Schule Ulmenstraße. Anmeldungen zum Borbereitungsunterricht bei Baul Benzel, Raulsdorf, Eichenftr. 9. Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit Berlin. Freitag, 25. Januar, 19% Uhr, fut neuen Bortragssaal des Parteivorstandes, Bindenftt. 3, 2. Sof Tints, 2 Trp., Zusammenfunft fämtlicher Mitglieder der Kreisbildungsausschüsse. Bortrag des Genossen Alexander Stein über: Die Brazis der sozialistischen Bildungsarbeit". Die sozialistischen Dezernenten der Volksbildungsäter und die sozialistischen Bürger meister find ebenfalls eingeladen. Der Film Freie Fahrt wird gezeigt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Reis Charlottenburg. Die fir Freitag, 25. Januar, vorgesehene Sigung ift megen der Funktionärinnenverfammlung auf Donnerstag, 31 Januar, 20 Uhr. Rathaus, Zimmer 5, verschoben. 13. Rreis Tempelhof. Freitag, 25. Januar. 20 Uhr, Darfft. 42, Gigungs immer 1, wichtige Gigung. Jahresbericht, Reumahlen, Berschiedenes. De Bahlfahrtspfleger und pflegezinnen find eingeladen. Geburtstage, Jubiläen ufm. 3. Bt. Unserem teenen Genossen Friz Dietrich, Dreshener Str. 26, am 60. Geburtstage bie herzlichsten Glüdwünsche. 37. bt. Unferem Genossen Alfred Drendel, her mehr als 25 Jahre tren für bie Bartei und Gewerkschaft gearbeitet hat, zu seinem 50. Geburtstage bie beralisten Glüdmünsche und ferneres Bohlergehen. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation : 36. bt. Unfer Genosse und Freund Auguft Heise, Weibenweg 87, if an 31. Januar verstorben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung Freitag, 25. Januar, 12% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 74. Abt. Behlendorf. Unser alter Genosse Emil Araufe, ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Ehre seinem Andentén. Einäfcherung heute Donnerstag, 24. Januar, 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. 104. Abt. Niederschöneweibe. Unser Genosse Gustan Bundesmann, Röllnische Straße 68, ift plöglich im Alter von 75 Jahren verstorben. Ehre seinem An. henten. Einäicherung Freitag, 25. Januar, 12% Uhr, im Krematorium Baum. fdmlenweg. Treffpuntt 11,50 Uhr Grünauer Str. 8. SES Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an das Jugendiefretariat Berlin SW 68, Lindenftraße 3 Heute, Donnerstag, 24. Januar, 19% Uhr: Röllnischer Part: Funktionärsigung beim Genossen Willi Schulz, Marsilius. ftraße 18, 2. Sof 3 Trp., piinftlich 20 Uhr. Faltplas 1: Schule Sonnenburger Straße 20. 10- Minuten- Referate. Schönhauser Borstadt: Schule Sonnen. burger Str. 20. Bortrag: Der Zwed unserer Organisation"( Abeitsgemeinſchaft). Röpenider Biertel: Schule Brangelstr. 128. Fagelasten. und Ausspracheabend. Rottbusser Tor: Heim Briger Str. 27-30. Lichtbildervortrag: Der Mensch der älteren und neueren Steinzeit". Schöneberg III: Heim Wilmers Sauptstr. 15. Vortrag:„ Neuigkeiten aus dem Reiche der Tednik". Steglig: borf: Hein Wilhelmsauc 123. Bortrag:„ Gozialismus und Familie". Lantw': Schule SchulSeim, Albrechtstr. 47a. Bortrag: Tas rote Wien". Zehlendorf: Straße. Bortrag: Erlebnis eines Arbeiter und Goldatentates" Der Heimabend fällt heute aus. Wittenau: Heim Rosenthaler Str. 15. Bor. trag: SAJ. und Eport". Werbebezir! Lichter bezg: Seim Gunterftr. 44. Delegierten- Ronferens. Werbebezirk Reukölln: 1914 Uhr pünktlid), erste Statistenprobe im Reichen. Morgen, faal des R. F. R. G. Ale intereffierten Genossen müssen erscheinen. Freitag, 19% Uhr, wichtige Bildungsausschußzung im Heim Ranner Straße. Jede Gruppe muß vertreten fein. Borträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Agrarpolitik. Der Landtag begann am Mittwoch die zweite Besung des Etats mit der Beratung des Haushalts der Landwirtschaft lichen Verwaltung. Nach dem Berichterstatter Abg. PetersHochdonn( Soz.) nahm fofort das Wort Landwirtschaftsminister Dr. Steiger, der sich zunächst in seinen Ausführungen der Frage der Rentabilitāt fei, namentlich was den Weizen anlangt, durch aus ungünstig der Landwirtschaft zuwendet. Die Lage auf dem Getreidemartt geworden. Besser stehe es mit dem Roggen, der günstigere Preise notierungen erzielt hätte. Die schwankende und für uns meist ungünstige Preisbildung auf dem Getreidemarkt sei aber fein innerdeutsches, sondern ein internationales Problem Der Minister wirft die Frage auf, mie man zu einer Erhöhung der Brotgetreidepreise tommen fönne. Auf jeden Fall hätten die heutigen 3ölle sich in der Preisbildung nicht so ausgemirft, wie das vielfach angenommen wird. Die inländischen Anbieter seien in viel stärkerem Maße bestimmend für die Preise gewesen. Auch die Drosselung der Einfuhr fönne nicht das gewünschte Resultat haben; ebensowenig die vom Präsidenten des Deutschen Landwirt schaftsrates, Brandes, geforderte Monopolisierung der Getreideeinfuhr. Die mit der Zwangswirtschaft gemachten Erfahrungen reizten nicht zur Nachahmung. Helfen tönne nur eine Bevor schussung der Ernte mit dadurch bewirkter Berringerung des Angebotes. teine wesentliche Rolle spielt. Im Gegenteil: der Getreides preis wird ausschließlich non der Einfuhr bes stimmt. Nicht ihre Menge ist entscheidend, sondern das Angebot. Aus diesem Grunde halten wir an der Ueberzeugung fest, die wir bereits im Hauptausschuß entwickelt haben: auf dem Gebiete der Getreidepreise hilft nichts anderes als die ftaatliche Monopolisierung der Einfuhr und Stabilisierung der Getreidepreise. Das Lettere fann ohne eine solche Monopolisierung der Einfuhr nie mals erreicht werden.( Widerspruch rechts.) Sch verweise darauf, daß sowohl der frühere Landwirtschaftsminister Graf a nig und auch Herr von der Osten diese Forderung aufgestellt haben. Die Monopolisierung der Getreideeinfuhr ist für Deutschland nationalwirtschaftliche Notwendigkeit. Diese mirtschaftliche Notwendigkeit wird sich ebenso durchsetzen, wie sich der Scheuerfonzern durchgesezt hat.( Sehr wahr!) bei den Soz.) cine Die Getreidepreisfrage muß von zwei Seiten betrachtet werden: nom Standpunkt des Landwirts, der einen angemessenen Preis bekommen muß, und vom Standpunkt des Städters, der billiges Brot braucht. Vom August bis Dezember 1928 ist der Roggenpreis um 17 Proz. gefallen. In derselben Zeit ist der Preis des Roggenbrotes nur um 2,7 Pro3. zurüdgegangen.( hört, hört! links.) Die Differenz, um die Landwirte und Konsumenten betrogen werden, hat der 3 mischenhandel in die Tasche gesteckt. Das Parla Wirtschaftspartei reaktionäre Politif auf Kosten der Landwirtschaft treiben will, oder ob es sich mit den Konsumenten verständigt, damit der Konsument der Stadt und der Produzent auf dem Lande zu ihrem Rechte tommen. Der Minister geht sodann auf die Preisbildung in der Biehment wird noch öfter vor die Frage gestellt werden, ob es mit der wirtschaft ein. Die Zahl der Kühe habe zugenommen, diejenige der Ochsen sich verringert. Die Schwankungen der Schweine und Schweinefleischpreise seien erheblich geringer als in der Bergangenheit. Gegenwärtig fei die Fleischversorgung auf den Kopf der Bevölkerung günfliger als in der Borkriegszeit. Sie befrug damals 50 Kilogr. und 1927 51,7 kilogr. auf den Kopf der Bevölkerung pro Jahr. Eine Stabilisierung der Fleischpreise müsse durch Erhöhung des Lebendzolles bei Rindern von 16 auf 22 m., bei Schweinen von 16 auf 26 M. pro Doppelzentner erfolgen. Der Redner wendet sich sodann der Kartoffelfrage 3 und bezieht sich dabei auf die Feststellungen des sogenannten Enqueteausschusses, die einstimmig getroffen wurden. Wenn in einer Ernte von 40 Millionen Tonnen der Landwirt nur die Hälfte von dem erlöst, was eine Ernte von 30 Millionen einbringt, so liegt das daran, daß die Verwendung der Kartoffel nicht beliebig gesteigert werden kann, sondern daß ihr Abfag begrenzt ist. Der Ausschuß ift einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, daß nur eine großzügige Organisation der Kartoffeltrodaung helfen tann, die aber nicht der Privatindustrie überlassen werden darf, sondern vom Staat in die Hand genommen werden muß. Erst die Stabilisierung der Getreide und Kartoffelpreise wird auch die Rentabilität der Bichmast bringen. Der Schweinepreis wird, das beweist die Zeit des Handelstriegs mit Polen, feineswegs Dom polnischen Schwein" bestimmt. Auch hier ist eine direkte Berbeim Schmeinefleisch erzielt der 3wischenhandel einen Geminn non 1,6 milliarden im Jahr. Mit dieser Spanne fönnten wir der Landwirtschaft tausendmal wirkungsvoller helfen als mit allen Zöllen und Grenzsperren.( Sehr mahr! links. Buruf rechts: Sind die Konsumvereine billiger?) Der Selbsthilfe der Landwirtschaft tommt nach den Ausführungen des Ministers besondere Bedeutung zu. Unter Anregung der Regierung seien die Abfagorganisationen in den verschiedensten 3meigen der Landwirtschaft weitgehend gefördert. Der Minister äußert sich sodann noch über die Lage der Winzer, über das Sied lungsprogramm der Regierung für das nächste Jahr und betont zum Schluß, daß alle Mittel, die der Landwirtschaft helfen sollen, erst zum Ziele führen, wenn die Reparationslasten herabgebindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern notwendig. Allein fegt find.( Beifall.) Abg. Heilmann( Soz.): Ich stelle fest, daß in der Zeit vom August bis Dezember 1928, in der der Roggenpreis um 17 Proz. und der Brofpreis nur um 2,7 Broz fant, die Berliner Konsumgenossenschaft den Brofpreis um 12 Proz. gejeuft hat.( hört, hört! bei den Soz.) Der Landbund steht vor der Frage, ob er als politisch reat. tionärer Sturmbod im Bunde mit der Wirtschaftspartei Großstadt und Republif hassen und bekämpfen und putschen will, oder ob er die landwirtschaftlichen Erzeuger mit ben stadtischen Konsumenten im Dienste des Wohlergehens der Landwirtschaft zusammenführen will. Nach unferer Ueberzeugung ist die Arbeiterklasse und die Wissenschaft, um ein befanntes Wort Lassalles zu variieren, auch der Fels, auf dem allein eine glüdlichere Zukunft der deutschen Landwirtschaft ruhen kann.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Heilmann nur ein unendlich geschickter Schauspieler und RattenAbg. Schulze- Stapen( Dnat.): In unseren Augen ist der Abg. Es ist nicht ohne Absicht, daß ich zum ersten landwirtschaftlichen Etat nach der Neuwahl das Wort ergreife. Wir wollen damit zum Ausdrud bringen, daß die Fragen der Landwirtschaft von uns nicht als Berufs oder Standesfragen, sondern als Angelegenheit der ganzen Nation angesehen merden. Die Deutschnationalen glauben das zwar nicht, und in ihrer geistigen Anspruchslosigkeit haben sie in unserem Parteiprogramm den Satz entdeckt, daß der Grund und Boden der tapitalistischen Ausbeutung entzogen werden foll Sie meinen, es sei unser Ziel, den Bauer vom Grund und Boden zu vertreiben. Daß mir gleich dahinter die Förderung der Siedlung fordern, haben die Herren nicht entdeckt. Wie man Bauern zugleich enteignen und die Siedlung fördern tann, ist wahr scheinlich nur den Deutschnationalen flar. Sie haben übersehen, daß die Sozialdemokratie außer dem Parteiprogramm auch noch ein Agrarprogramm befizt, das sich darüber, was wir für die Landwirtschaft erstreben, ausführlich ausläßt: Die grundsätzliche Aenderung der Eigentumsnerhältnisse am Boden, eine planmäßige Bodenreform und Beseitigung des auf Raub und Rechtsbruch zurüd gehenden Herreneigentums. Es fordert außerdem den Schuß der bäuerlichen Wirtschaften in ihrem Bestande und Durchfänger. Kein Staat, der seine Landwirtschaft wirklich erhalten will, führung der Siedlung in den Gebieten des überwiegenden Großgrundbefizes. Klarer tann eine prinzipielle Darlegung faum gefaßt werden, und nur böser Wille kann diese Forderungen entstellen. ( Sehr mahr! bei den Soz.) Die Herren bekämpfen uns noch mit einem anderen Einwand: wir seien in der Theorie und Rethorit groß, aber in der Praxis äußerst schwach. Das beweise vor allem unsere zehnjährige Regierungspraris.( 3uruf: Die Erfüllungspolitit!) Die Erfüllungspolitit, gleichviel ob man sie für das besiegte Deutschland für unvermeidlich hält oder nicht, ist nicht von der Sozialdemokratie allein, sondern von allen Parteien getrieben worden, die zwischen Sozialdemokraten und Deutschnationalen einschließlich fizen. Aber daß die Wirtschaftspolitik der lezten zehn Jahre soziolistisch gewesen sei, ist eine völlig falsche Behauptung. Ich erinnere hier nur an die Aufhebung der mährend des Krieges auf Anraten der Landbundführer eingeführten Zwangswirtschaft gegen uns, che man die notwendigen Abfagorganisationen für die Landwirtschaft geschaffen hatte und an die 3ollpolitik, die man auch gegen uns gemacht hat, trotzdem der jo zollfreundliche Herr Land wirtschaftsminister zugeben mußte, daß sich der Zoll beim Getreide überhaupt nicht ausgewirkt hat.( hört, hört! bei den Soz.) Das war feine sozialistische, sondern( nach rechts) Ihre Politif, die jo jämmerlich bankrott gemacht hat.( Sehr wahr! links.) Die Beantwortung der Frage, wie heute der Landwirtschaft zu helfen ist, fann nicht aus der praktischen Erfahrung des Landwirts Gefchäfts ftelle: Berlin 14, Gebastianftr 37/38, Sol 2 Tt. erfolgen. Die landwirtschaftliche Betriebsführung geht weit hinaus Lichtenberg Jungmannschaft. Donnerstag, 24. Januar, 20 Uhr, über die Frage der bloßen Erfahrung, sie ist Sache der Monatsversammlung bei Werner, Wilhelmstr. 3. Erscheinen der Wissenschaft, der Volkswirtschaftslehre und der Jungkameraben ist flidyt. Beteiligung älterer Rameraden erwünscht. Statistik geworden.( Sehr wahr! bei den Soz.) Wissenschaftliche Freitag, 25. Januar. Friedrichshain. 20 Uhr. Kameraden welche Interesse am Sandballspiel haben, treffen sich in der Turnhalle Memeler Str. 25. Bilmers Forschung und Erkenntnis müssen uns Wege zeigen, die wir in der borf. Kameradschaft West. 20 Uhr Führerbesprechung bei Sandmann, Westfälische Agrarpolitik zu gehen haben. Das Problem ist, die Prosperität, die Straße. Ausgabe der Mitgliedsbücher, Schöneberg- Friedenau. Rameradschaft Rentabilität der Landwirtschaft wieder zu gewinnen. Ueber die Not Infel. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Scheffler, Rolonnenste. 43. Röpenid. 20 Uhr Rameradschaftsversammlung im fleinen Eaal des Stadttheaters. Neu der Landwirtschaft ist vieles Treffende, aber auch viel lebertriebenes wahl des Borstandes. 19-21 Uhr Sport in der Turnhalle Amtsstraße. Lichtengejagt worden. Wäre es richtig, daß die Landwirtschaft aus dem berg. Ramerabschaft Rummelsburg. 20 Uhr Bollnerjammiung bei Ramerad Stadium der Krise in das Stadium der Katastrophen getreten ist, Brunn, Türrschmidtstr. 48. Vortrag des Kameraden Echlicht, Neuwahl der Leitung. Sonnaberb, 26. Januar. Friedrichshain. Rameradschaft Büsching. fäme jebe Hilfe zu spät. So aber steht es nicht. Eine große 3abl 19% Uhr Generalversammlung bei Blawert, Weberstr. 24a. Bortrag des der Betriebe ist durchaus nicht überschuldet und lebens Rameraden Stadtverordneten John. Neumahlen. Friedrichshagen. 20 Uhr fähig. Zuzugeben ist, daß in entscheidenden Zweigen der LandwirtRoftümfeft in Echröders Gefellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Eintritt 1 m. Ruberriege. 21 Uhr Raftenrudern in Moerners Blumengarten, Oberschöneweide, fchaft, namentlich im Weizenbau, im Kartoffelbau und in der BiehOft roftraße. Eröneberg Friebenau. Die Kameraden werden ersucht, die Mit zucht von einer Rentabilität nicht gesprochen werden kann. gliebstarten 1928 einzureichen. Apothekez Paul Heifer spricht über ben Schand paragraphen 218 mit Licht bilberbegleitung und über Geburtenregelung am Freitag, dem 25. Januar, um 20 Uhr, im Anti- Kriegsmuseum, Parochialftr. 29. Der Mietertund des Berwaltungsbezirks Steglig E. B. hält am Freitag, dem 25. Januar, 20 Uhr, im Lotal Bum Sindenburg", Lichterfelbe, Sinden. burgdamm 115, feine Generalversammlung ab, in der u. a. bez Borstand neu gemählt und der Saushalt für 1929 festgelegt wird. Freie Socfcule. Donnerstag, 24. Januar, 20 Uhr, Prinz- Lou's- FerdinandStraße 2, 1. Vegetarisches Teftaurant. Dr. phil. Serm. Etalbe:„ Ezos im Ge wande der Weltreligionen". Gäste w tommen. Berliner Bewegungshot. Gymnaft fche Leitung: Martin Gleisner. Ein neuer Anfängerturfus hat begonnen. Im Vordergrunde der Arbeit steht die gnmnastische Schulung, mit( päterer dorifcher Bewegungsgestaltung im Tanz piel. Uebungen im Gutempler- Logerhaus, Linienftr. 121, Mittwochs und Frei fags von 20-22 Uhr, die Anfänger feden Freitag von 19-20 Uhr. Arbeiter- Esperanto- Burb. Esperanto- Anfänger- Rurfus beginnt am Freitag, hem 25. Januar, 19% Uhr, in der Schule Gipsstr. 23a. Die Mitglieder der Gruppe Sentrum treffen fich aur felben Zeit zu einer dringenden Gigung. Internationale Gesellschaft für empirische Philosophic. Professor Joseph Begold spricht über Theorie der Begriffe am Freitag, dem 25. Januar, um 20 Uhr, im Sörsaal dez II. Medizinischen Alinit, Schumannftr. 21. German- English- Society. Café Jagenburg, Berlin W, Nollendorfplatz. Donnerstag, 24 Januar, 9 Uhr: Social Evening Der Minister ist der Ansicht, daß nicht Zölle, sondern eine beffere Kreditversorgung der Ernte helfen könne. Das einzige, was nach dieser Richtung hin praktisch getan worden ist, war die Berbindung von Preußenfasse und Scheuerkonzern. Aber er hat unrecht, wenn er glaubt, damit der deutschen Landwirtschaft zu befriedigenden Getreidepreisen zu verhelfen und daß die Einfuhr beim Getreidepreis fommt um den Hochschuzzoll herum. Wir fordern eine andere Handelspolitik und eine andere Handelsbilanz.( Bravo! rechts.) Abg. Schmelzer( 3.): Die Landwirtschaft ist mit Steuern überlastet. Insbesondere die Schullasten und Wegebaulasten sind für die ländlichen Gemeinden ganz uniragbar. Die großen Industriefonzerne, die wollen, daß der Landwirt ihre Machinen fauft, sollen auch deutsche Lebensmittel einkaufen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 12 Uhr. Zusammenstoß zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. In den Wandelgängen des Landtags fam es am Mittwoch nachmittag zu einem Zusammenstoß zwischen einigen Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion und National Die Sozialdemokraten riefen Nationalsozialisten, 1pzialisten. als diese das Plenum verließen, in der Wandelhalle zu, sie sollten Es fam zur Ansich während der Sizung ruhiger verhalten. drohung von Tätlichkeiten, als der Abg. 5) aate( Nat.- S03.) den Sozialdemokraten eine scharfe Antwort zurief. Die Nationalsozialisten haben an den Landtagspräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem sie erklärten, zur Selbsthilfe gezwungen zu sein, wenn fie nicht genügend Schuh fänden. Boraussichtlich wird sich auch der Weltestenrat mit der Angelegenheit beschäftigen. Bockbierfest Neue Welt". Alljährlich zu Beginn des Januarmonats gehen an den Masten der ,, Neuen Welt" in der Hasenheide die blauweißen Fahnen hoch: der Ausstoß des Urbocks hat begonnen! Die„ Neue Welt". die für Bockbierfeste mit ihrer heiteren Stimmung eine traditionelle Stätte ist, hat es sich auch im Jahre 1929 nicht nehmen lassen, ihre Räume auf das festlichste zu dekorieren. Born im Borraum weiß gedeckte Tische, drinnen im großen Saal ,, das Gebirge" mit Hütten und dunklen Pfaden. Mehrere Kapellen schmettern ihre Heimatweisen neben Schlagern der Saison in die tanzende Menge, während echt bayerische Madln die Zufuhr des braunen Getränks aufrechterhalten. Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt: im Riesenlufullus braten ganze Ochsen und Schweine! Besonders frohbewegt geht es an den Elitetagen Dienstags und Donerstags zu. Und wenn oben auf der Bühne Buam und Madln ein Schuhplattler drehen, dann gibt es unten im Bartett gar viele, die hier mitzutun versuchen. Alpenglühn" und Rutschbahn tun ihr übriges. www Seany Borten im„ Walhalla". Seute Tonnerstag, 24. Januar, wird bas gefamie Bublikum während der Variete- Vorstellung im Walhalla- Theater ge filmt. Außerdem: personlides Auftreten auf der Bühne von Senny Borten in einer Szene ihres neuesten Films: Die Frau, die jeder liebt, bist Du!" Lungenleidend, 100% friegsbeschädigt Herr S., Chemnit, fchrieb vor kurzem: Als 100%, Kriegsbeschädigter( Lungenleiden) bekomme ich seit einigen Wochen von meinem Arzt Ihren ,, Nymphosan- Sirup" verschrieben. Ich muß bestätigen, daß Nymphosan- Sirup das erste Mittel ist, von den vielen Arzneien, welche ich bis jetzt anwandte, das dem hartnäckigen Leiden Einhalt gebot. Preis der Flasche Nymphosan Mr. 3.50, z. Perubonbons 80 Pf. Erhältlich in allen Apotheken, bestimmt Belle- Alliance- Apotheke 3. weißen Hirsch Wittes Apotheke ( Potsdamer Straße) Apotheke zum gold. Sirsch( Lindenstraße) Apotheke zum König Salomon( Charlottenstraße) und Prinzeß- Vittoria- Apotheke( Berlin N)- Alleinherst.: Nymphosan A. G. Starnberg am See bei München.( 7) Organisation der Eisenwirtschast. Vorschläge sür eine gemeinwirischastliche Kontrolle. TU« MöKichkeitcn imd N« faloftropdafen?kusmirkungen der Aussperrung an der Ruhr hadcn das Problem einer vernünftigen Organisation der deutschen Eisen- und Stahlnnrtschast nach dring- licher gemacht, als es jemals war. Die ungeheure, in den Händen von ganz wenig Leuten vereinigt« privatkapitalistische Macht über die wichtigste Rohstoffwirtschast Deutschlands bedeutet .plgleich ring volkswirtschaftliche Verantwortung, der dies« selben wenigen Leute, wenn nicht eine gcscnutwirtschost- liche Kontrolle hinzutritt, zur rationellen Leitung der deutschen Eisen» und Staig Wirtschaft nicht gewachsen sind. Wie die vielfachen Kämpfe uni die Eisenpreie-erhähui�en, die für den deutschen Inlandsmarkt monopolistisch oorgenommen werden, erkennen ließen, ist«n Einblick m die Sekbstkostenentwicklung der Eisen- und Stahl. injmstrie unmöglich, die vorgelegten Selbstkastenberechnungen sind nicht auf ihre Richtigkeit kontrollierbar, weil die deutsche Eisen- Industrie wie keine andere in der Welt mit den Vorstufen und Weiterverarbeitungsstuscn, auch mit der Kohlenwirtschaft und von dort aus mit der chemischen Industrie kombiniert ist. Di« gleiche zeitige internationale Kartelllerung für Rohstahl, Schienen, Röhren und Draht, die beherrschende Macht der Eisen- und Stahloerbänd« im Inland, deren weitreichende Herrschast über den 5)andcl, machen dcks zweifellose Recht des Staate» als des Vertreter» der Gesamtheit illusorisch. auch die Eisenwirtschaft im gesamtwirtschastsich«« Interesse zu kontrollieren und zu beeinflussen. Das Bewußtsein dieser Mängel und Notwendigkeiten ist durch den Ruhrarbeitskampf besonders deutlich geworden. Der Vorsitzende des Metallarbeiterverbandes, R ei chstag sabge ordnete r Brandes, hat im Reichstag diesem Bewußtsein bereits Ausdruck gegeben und *nt den volkswirtschaftlichen Interessen entsprechende Organisation der deutschen Eiscr.wirtschaft gefordert. Zunächst für seine Person, gestützt aber von der Autorität des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, hat jetzt Genosse Schliestedt omn Deutschen Metallarbeiterverband in der Betriebsrätezeitschrist der Funktionäre des Verbandes das Problem neu gestellt und ausgearbeitete Vor- schlage der öffentlichen Diskussion übergeben. Sein« Grundsordemng ist die Schaffung eines gesetzlichen Selbstvenvoltungskörpers zur gemeinwirlschafiNcheu Bewirtschaftung oller Betriebe, die der Erzeugung von Roheisen und Stahl aller Arte n und Qualitäten, der Weiteroerarbeitung zu Halbzeug, von Eisenbahnoberboumaterial, Formeifen, Stabeisen, Walzdraht und Bleche oller Art, sowie von schmiedeeisernen Röhrenund rollendem Eisenbahnmatcrial dienen. In dies« Rewirt- schafwng sollen eingeschlossen werden die Erzförderung und die Erzeinsuhr, der Kohlen- und Kokseinkauf, Ankauf, Ein- und Ausfuhr von Schrott und Gußbruch aller Art. Dabei bleibt es dem Reichswirtschaftsmimster vorbehalten, noch weitere Produkt« der Bewirtschaftung durch den Selbstverwaltungs- körper zu unterstellen. Der Selbstverwaltungskörper soll zusammengesetzt sein aus den Vertretern der erfaßten Industrie einschließlich des Erz- bergbaues, den Vertretern des selbständigen Handels und den Vertretern der selbständigen Eisenverbraucher(Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft), wobei in ollen drei Gruppen die Vertreter je zur Hälfte Unternehmer und Arbeitnehmer sein sollen. Die Ernennung soll durch die wirtschaftlichen Organisationen der Unternehmer und der drei Spitzenorganisationen der organi- fierten Arbeiterschaft eriolgen. Wichtig dabei ist, daß die Industrie-, Handels- und Verbrauchervertreter beim Erzbergbau, beim Handel und den Verbrauchern nicht aus den Werksorganisationen bzw. ab- hängigen Betrieben der Erzeuger genommen werden sollen. Die Aufgaben des Selb st Verwaltungskörpers sollen bestehen in der Uebcrwachung der Wirtschaftlichkeit und der daueritden Prüfung der Selbstkostenentwscklnng ' unter Berücksichtigung der Rebenproduktenerzeugung oller Art, in der Festsetzung der Preise und Berkaufsbedingungen sowie der Preise im Werk- und Einzelhandel für den deutschen Inlondverbrauch, in der Preisfestsetzung für Schrott und Gußbruch, in der Sicher st ellung des deutschen Jnlandsverbrauches(Maßnahmen für Einfuhr, mrd Ausfuhrregelung), in der Bewirtschaftung des im Eigenhandel erworbenen Schrotts oder Gutzbruchos einschließlich der Ein- und Aussuhrregelung, in der Beschlußfassung über Kartelle imd kortellähilliche Bindungen von Werken jeder Art mit in- und ausländischen Unternehmungen, über Erweiterung der Einschränkung der Erzeugung und der Erzeugung sonlagen einschließlich der Nebenprodukte und endlich in der Erstattung von Gutachten. Di« Gesehöst« in der Eisemvirtschait sollen von zwei Darsitzenden mit gleichen Rechten geführt werden, von denen je einer der Unternehmer- bzw. Arbeitergruppe angehört. Sehr weitgehend sind die Befugnisse des Reichswirkfchafisministers. Die Beschlüsse sollen näb einfacher Mehrheit zustande kommen. Jede Gruppe soll den Reichswirtschastsminister zur Entscheidung anrufen können, wenn durch Stimmengleichheit kein Mehrheit»- beschluß zustondekonnnt. Der Reichswirtschastsminister soll von größeren Minderheiten beanstandete Beschlüsse bestätigen oder zu neuer Verhandlung zurückverweisen können. Er ist zur beratenden Teilnahme und zur Einberufung des Selbswerwaltungskörpers berechtigt, er hat das Anhörungsrecht uick» das Vetorecht gegen all« Beschlüsse. Die Kosten des Selbswerwaltungskörpers werden auf die ihm unterstellten Werke entsprechend dem Erzeugungsanteil umgelegt. Um die Einhaltung der Beschlüsse zu sichern, sind Strafbestim- mungen wegen Zuwiderhandlung vorgesehen, die sich bis zur Verhängung der Zwangsoerwaltung über zuwiderhandelnde Betriebe durch den Selbstverwalhingskörper erstrecken können. Man sieht aus diesem Entwurf, daß die Neuorganisation der Eisenwirtschaft als Ausbau des rechtlich noch nicht erloschenen Eisenwirt schastsbundes von 1S20 gedacht ist. Rur wird der Kreis der erfaßten Betriebe und Industriezweige sehr viel weiter gezogen, die Ausgaben des Selbstverwaltungskörpers werden sehr viel großzügiger bemessen. Es werden Garantien für die wirtlich« Gleichberechtigung der Unternehmer und Zlrbeiwchmer und im ganzen werden für das volkswirtschaftlich gesunde Funktionieren der Organisationen viel weiterreichende Voraussetzungen geschaffen. Der seinerzeit durch die Eisenwirtschoftsverortmung vom 1. April 1 920 geschaffene Eisenwirtschastsbund ist gescheitert und mußte vielleicht scheitern an den Schwierigkeiten, die sich für die Preisfestsetzung durch die fortschreitende In- f l a t i o n ergaben. Vielleicht fand er auch au» diesem Grund« in besonderem Maße nicht nur den begreiflichen Widerstand der Er- zeuger, sondern auch den der verarbeitenden Industrie und des Handels. In erster Linie war die Preissestsetzung seine Aufgab». Doch litt auch seine Konstruktion an sehr schweren Mängeln, die die Wirksamkeit der Arbeitnehmer- und Verbraucherkontroll« im gesamt- wirtschafllichen Interesse verhinderte. Praktisch wurde der Eisen- wirtschaftebund von 1920 schon im April 1921 zu Grabe getragen, als durch einen eigenen Beschluß die damaligen Eisenhöchstpreise grundsätzlich außer Kraft gesetzt wurden und der damit beauftragte Reichswirtschastsminister von der Wiedereinführung der Höchst- preis« keinen Gebrauch machte. Der erste Versuch mußte an den JnfiaSonsoerhältniflen scheitern. Wir haben Heut« stabile WährungsverhSltnisfe und stabile Kalkulation- Möglichkeiten. Was damals un- möglich war, müßte heut« möglich sein. Es ist d«chalb sehr danken»- wert, daß der Deutsch« Metollarbeitcrverband durch die Deröffent- lichung eines Rahmenentwurses für die Neuorganisation der deutschen Eisenwirtschast«tne brauchbare Diskussionsgrundlage ge- schaffen hat. Kerngas und öffentliche Kontrolle. Eine große Anfrage der Sozialdemokratischen Partei im preußischen Landtag. ' Di« mehrfachen Gasrohrbrüche und Beschädigungen der Fern- gasleitungen, die von der Ruhrgas-A..K. über die Stadt Duisburg geführt worden find, haben im Rheinland und in Westfalen die Be- völkerung in begreiflich starke Aufregung versetzt. Kurz hinterein- ander traten dreimal Beschädigungen derselben Fernleitung zutage, bei denen es eine Anzahl Tote gab und zahlreiche Personen an der Gesundheit schwer geschädigt wurden. Wir haben zu diescn Dingen bisher nicht Stellung genommen, da nicht klar zu übersehen war, was durch Zufall und Witterungseinflüsse bzw. durch Verschulden und technische Unzulänglichkeit in diesen Fällen verursacht war. Die große Unruhe, die in dem betroffenen Gebiet hervorgerufen worden ist und die große Allgemeinbedeutung der Ferngassrage Heben nun die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Land- tages veranlaßt, an die preußische Staatsregierung eine Große An- frage zu richten. Die Anfrage lautet: „In kurzer Zeit sind in der Duisburger Gegend zwei schwere Gasunglücke(das drirtc war am 17. Januar noch nicht bekannt. D. R.) vorgekommen. Da von mehreren Unternehmungen beabsichtigt ist, die Ferngasversorgung immer weiter auszubauen, wird e» notwendig fein, den Bauten der Leitungen die größte Ausmerk- (ainfeii zu widmen. W i r fragen daher: Ist es dem Slaotsministerium unter Anwendung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen möglich, durch die Gewerbeaussicht oder Baupolizei bei der Verlegung von Fenrgasleüungen die dringend notwendige Kontrolle auszuüben? Wenn nicht, was gedenkt da» Staats- Ministerium zu tun. um Leben und Gesundheit der Bevölkerung zu schützen?* In den letzten T«gen wurde außerdem von einer öffentlichen Versammlung in Duisburg angeregt und smpfohlen, durch einen Prozeß eine Gerichtsentscheidung herbeizuführen, die die Entfernung der schadhaften Leitungen zum Ziel« hat. C» scheinen in der Tat bei der Verlegung der Ferngasleitungen der Ruhr-A.-G. schwerwiegende technische Fehler vorgekommen zu sein, die die Sicherheit des Gastransportes auf große Entfernungen und unter hohem Druck noch etwas problematisch erscheinen lassen. Ein rheinisches Bltt wies darauf hin, daß die Leitung oerlegt worden fei. ohne ein festes Bett für die Leitung zu schaffen, so daß be. sonders im Ruhrgebiet sehr leicht mögliche Bodensenkungen den Lei- tungen gesährlich werden können. Von einem Sachverständigen wird darauf hingewiesen, daß die Leitungen nicht nach dem ollge- meinen Gebrauch erngeschlemmt worden seien, obwohl das Ein- schlemme» von der Auftraggeber in mit der ausführenden Firma vev- einbart war. Weiter soll entgegen früher abgegebenen Erklärungen nicht die sogenannte Klöppersche Schweißverbindung angewandt worden sein, die gewissermaßen bewegliche Gelenk« an den Schweiß- stellen schasst, sondern die normale Mufse. die Rohrbrüche bei Bodenbewegungen begünstigt. Jedenfalls scheint«ine Untersuchung nötig, wo die Fehlerquellen liegen und darüber, ob die Voraussetzungen für ausreichende Sicher- heilen heute schon gegeben sind oder Im Sinn« der sozialdemvkrati- schen Anfrage im Preußischen Landtag noch geschaffen werden müssen. Diese Voraussetzungen zu schaffen, ist um so notwendiger, als bei Ferngaslestungen großen Maßstabes der Leitungsdruck bis zu 10 und 15 Atmosphären verstärkt werden soll, wa» natürlich für die Sichecheit des Menschenlebens bei unzureichender Technik der Rohrverlegung und Schweigung unter Umständen eine große Gefahr bedeutet. Vertehrsrückgang im Dezember. Durch?iuhrkampf fast 12000 Züge ausgefallen. Der Monat Dezember brachte im Güterverkehr der Reichs- bahn einen beträchtlichen Rückgang. Die Aussperrung in der Ruhrindustri« hat sich noch ausgewirkt, und der stark« Frost schwächte den Rübenverkehr sowie den Kartoffel- und Baustoff- Versand. Der Weihnachtsversand von Stückgütern konnte den Fracht- aussall nicht ausgleichen, so daß arbeitstäglich im Dezember nur III Llö Wagen gestellt wurden gegen ISS 264 im November. Di« Aussperrung im Ruhrgebiet verursachte nach den Mitteilungen der Reichsbahn in den Monaten November und Dezembsr insge- samt«inen Ausfall oon 11 655 Zügen mit 224 570 Zug�ometern. Der Personenverkehr war im allgemeinen nicht starker als im November. Im November blieben diö Einnahmen der Reichs- bahn mit 412,8 Millionen hinter den Ausgaben nnt 421.7 Millioner. zurück. Gegenüber Oktober ergab sich«in Emnahmenrückgang von rund 57 Millionen Mark. Im November waren 712655 Mann bsschästigt gegenüber 731783 im Oktober. und ohne den Nachteil, durch schlechte Lagerung unansehnlich zu wenden, aus den Markt kämen, und sie will das heute schon viel- -ach gebrouchlv Eierformat an die Stelle des länglichen setzen. Es liegt auf der Hand, daß man damit Löhn«, Lager-. Trans- port« und Bruchkosten sparen kann und außerdem durch Vereinheitlichung der Brikesterzeugung nicht nur die Zahl der Brikettmaschinen verringern, sondern die Maschinen auch besser ausnutzen kann. Es sind also greifbare Vorteil«, die der Braiui- kohlemndustri« daraus erwachsen könnten. Nun wird der Konsument vielleicht nicht allzuviel gegen«in« ander« Form de» Krennstoffcs einzuwenden haben. Aber wir wollen schon heut« im Interesse des Konsumenten die Frage aufwerfen, ob die Braunkohlenindustrie die sür sie eintretende Verbilligung a u ch d e w Konsu- menten zugute kommen lassen will. Für diese Frage sollte sich auch, wenn die Rationalisierung durchgeführt wird, der Herr Reichswirtschastsminister interessieren. Eierkohlen oder Vrikeiis wie bisher? Di« Braunkohieinitdustrie macht sich Gedanken darüber, ob die heute gebräuchlichen Hausbrandbrikctt« in der länglichen und scharf- kantigen Form mit ihrem glänzenden Aeußeren und ihrer Transport- und Lagerempfindlichkeit nicht«in« sehr unrationelle Sache sind. Sie ist aus den Gedanken gekommen, daß die Heizkrast der Briketts wicht geringer sei» würde, wenn dies« m anderer Form Oer Arbeite tnorki im Reich. Tkoch immer neae Arbeitslose.- Aber langsamer- Zunahme- Nach den Berichten der La nde z a r be lts ä m te r für die Berichts wo che vom 14. bis 19. Januar 1929 hielt mit dem scharfen Frost und den starken Schneefällen die für den Arbeits- markt so verhängnisvolle Arbeitsruhe in den Außenberufen am Die Zugänge an Arbeitslosen waren immer noch beträchttich, doch berichten Insbesondere Pommern und Brandenburg, Niedersachjen und Hessen, daß sich dös Aufsteigen der Kurve nunmehr merklich verflach«. In der Berichtswoche sind die ersten Saisonarbeiter au» der Arbeitslosenversicherung in die S o n d e r f ü rsor g e bei berussüblicher Arbeitslosigkeit übergeführt worden Die Auswirkung läßt sich noch nicht übersehen. Aber wie stark der Anteil der Saisonarbeitslosigkeit in rein ländlichen Bezirken sein kann, geht beispielsweise daraus hervor, daß in Ostpreußen beim Arbeitsamt Lyck von den 967 Personen, die am 1. Dezember ver- sicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung bezogen, 856 am 16. Januar In die Sonderfürsorge übergeführt wurden. Zemeniabsah-1928 weiter gestiegen. Der Äaumarkt und die Zementpreise. Wie der Deutsch« Zementbund mitteilt, stieg der Ab satz der deutschen Zementverdand« im letzten Jahre von 7,4 aus 7,7 Millionen Tonnen. Somit konnte 1928 der Absatz des schr guten Zementjahres 1927, In dem der Porkriogsabfatz zum ersten- mal überschritten wurde, noch um 230 000 Tonnen übertroffen werden. Wenn sich der Zementbund m seinem Jahresbericht über die Kapitalknappheit und ihre Auswirkungen aus den B a u m a r k t beklagt und die aus der Wohnungsnot entstehenden Gefahren hervorhebt, so braucht er der Oeffenttichkeit diese allgemein bekannten Tatsachen nicht zu erzählen. Er sollte sich damit viel eher an die Zementsyndikate wenden, deren Preispolitik nur dazu beigetragen hat, die Entwicklung des Baumarttez zu hemmen. Di« Zementindustri« weist zwar unentwegt darauf hin, daß die Zementpreise seit Jahren stabilistert seien, aber man frage nicht, in welcher Höhe sie stabilisiert wurden. Wie senkungssähig die Preise find, beweist unter mrderem das Vorgehen des West- deutschen Zementoerbon des, der zur Riederringung der Außenseiter Kampiprcise bis zu 30 Prozent unter den nor- malen Preisen festsetzte. Obwohl diese Presse jetzt fast ein Jahr in den umkämpsten Gebieten gelten, hat man noch nichts gehört, daß die Rente der beteiligten Zementmerke sich verringert hätte. Ferner beweist di« Entwicklung der Ein- und Ausfuhr, wie die deutschen Zementpresse übersteigert sind. Trotz des hohen deutschen Zementzolles konnte die ausländische Konkur- renz ihre Einfuhr mit 137 000 Tonnen rund verdoppeln. wahrend die deutsche Ausfuhr auf 0,98 Millionen Tonnen, also um 20 Prozent, zurückging. Die Zementindustri«� die nocb im Oktober vorigen Jahres die TarfferhShung d«? Reichsbaiv schleunigst auf die Konsumenten abgewälzt Hot, hätte also alle Ursach«, zur besseren Ausschöpsung der ttn Inland vor- handencn Absatzmöglichkeiten sowie zur erhöhten Ausnutzung»rer modernisierten Anlagen und zur Stärkung de« Loumorktes eine wirksam« Preissenkung eintreten zu lassen. Die Meiallkonzerne verdienen. SO Millionen Umsah bei Äerg. S-ckmann. S-lvt. Die Belebung in der deutschen Metallwirtschast, di« mit d«m allgemeinen Wirtschaftsaufschwung vor zwei Iahren zusammenüel, hat im letzten Jahre mit unverminderter Stärk« angehallen. Dies beweisen die bisher veröffentlichten Abschlüsse der Metallunter- nehmen, besonders der Metallwalzwerke. Bei dem großen westdeutschen Metallkonzern, der Berg- H e ck m a n n- S e l v e A.- G. in Altena(Westfalen) wirkte sich neben der guten Beschäftigung auch noch der vor zwei Iahren durch- geführte Zusammenschluß der drei bisher getrennten Unter- nehmen günstig aus. So tonnte dieses Unternehmen seinen Betriebs gewinn von 4,0 auf 6,3 Millionen Mark erhöhen, während die Steuern und Sozialabgaben um ein« Viertelmillion aus 1,2 Mill. Mark sanken. Trog Heraussetzung der Abschreibungen hat sich der Reingewinn mit 1,05 Millionen Mark rund verdoppelt, womit die GeseUschoft ihre Dividendenzahlung mit 6 Proz. aufnimmt. Die durchgreifend« Rationalisierung kommt in der Bilanz in neu angeschassten Maschinen im Werte von rund LH Millionen zum Ausdruck. Die Fabrikgebäude erhöhten durch seriigzestellte Neubauten ihren Wert um fast 0,5 Millionen Mark, während die noch im Bau befindlichen Neuanlagen 800 000 Mark übersteigen. Zur Finanzierung der Betriebsumstellung erhöhte die Gesellschaft ihr Aktienkapital von 16 auf 20 Millionen. Der Umsatz konnte in dem am 30. September abgeschlossenen Betriebsjahr von 70 auf 80 Millionen gesteigert werden, so daß da» Kapital str einem Jahr viermal umgeschlagen werden könnt«. Auch im lausenden Geschäftsjahr ist das Unternehmen gut beschäftigt und hat zurzeit noch Aufträg« bis zum Frühjahr vor- liegen. Di- zehuke Aupferpreiserhö hang. Da« amerikanffche Kupfer- exporttartell liebt es, Weltrekord« für Preiserhöhun- gen auszustellen. Seit wenigen Monaten ist jetzt die zehnte Kupfer- Preiserhöhung erfolgt, und zwar auf 17,25 Cents. Dabei scheint «in Ende der Kupierhausse noch nicht abzusehen zu sein. Im Januar sollen die Rekordverkäuse bes. Monat» Dezember nach über- troffen worden sein, und es heißt, daß ein Drittel des Bedarfs für den Monat Februar bisher noch nicht gedeckt ist. Abnahme der englische» Arbeitslose«. Die Zahl der eingetrage neu Arbeitslosen betrug am 14. Januar 1435 000, was eine Abnahme tum 17 619 gegenüber der Vorwoche darstellt. Donnerstag 24. Januar 1929 Unterhaltung und Wissen Chantal: Der alte Kutscher Der alte Droschfenfutscher schlief auf seinem Bod. Die fnochen.| ftarrende Stute zudelte des Wegs und der Wagen schlingerte hinterdrein. Die Zügel baumelten genau so willenlos wie der Kopf des Ellten auf dem Kutscherbock in seinem grünlichen Mantel. Auf einmal erfchollen durchdringende Knabenstimmen. Es war ein Schreien wie von Schwalben so scharf und schneidend. Die Ctraßenfinder liefen dem madligen Fahrzeug entgegen. Komm mur du alte Zottelmähre!" „ Bist ja ein wahres Rennpferd!". „ Ja- und ich gewinne!" freischte der eine Junge, dessen Augen munter leuchteten. Schon im nächsten Augenblick hatte er fich auf die eine Seite des Wagens geschwungen. Der alte Kutscher wandte den Kopf. Diese Bengels mußten ihn auch immer foppen und außerdem seinen füßen Schlummer stören. Der Zorn und vielleicht auch eine gewisse Beschämung färbten seine alten Wangen. Er streckte den Arm aus und schlug mit der Peitsche nach dem Spottvogel.. -Der Junge versuchte zu entweichen, stolperte aber im gleichen Mugenblick über einen Stein, und die magere Mähre, die durch den Peitschentnall aus ihrer Verschlafenheit aufgescheucht worden war, sprang draufios. Plöglich lag der Junge unterm Wagen und das eine Rad ging über ihn hinweg. Die anderen Jungens stießen ängstliche Schreie cus. Der Alte hielt den Wagen an und erhob sich beschwerlich von finem Sig. Da wurde er auch schon von einer drohenden Menge umringt. Gleichzeitig beugten sich einige Leute über den Jungen, dessen Blut bereits die Pflastersteine gefärbt hatte. Der Alte fant wieder auf seinen Siz zurüd. Er war sich des eben geschehenen Unglücks noch nicht recht bewußt geworden, es verursachte ihm große Anstrengung, zu begreifen, daß soeben etwas Kawiederbringliches, Unabwendbares geschehen war. Ein Polizist bahnte sich den Weg durch die Menge.. " Was ist hier geschehen?" „ Der Alte da mie aus einem Mund. der hat den Jungen überfahren!" riefen alle „ Er fonnte es nicht ertragen, von einem Jungen genecht zu " werden!" -Werft ihn ins Loch den alten Verbrecher!" Half den Mund!" sagte der Bolizist. Wie heißen Sie?" „ Anselme Benoit, Herr Polizist," sagte der Kutscher und hielt feine zitternden Hände an seinem alten, verbeuften Hut feftaus Favre. Fünfzehn Jahre lang habe ich an diesem Platz gehalten. Man tennt mich sehr gut im Viertel Saint- François. Niemals hat sich irgend jemand über mich beschwert." Beilage des Borwärts stimmen gut auf das Becken, die Säulen des Herkules find nicht Gibraltar und der Atlas, sondern dieser und Mons Talae". Die beiden Meere find nicht der Atlantik und das Mittelmeer, sondern die kleine Syrte und der Schott Djerid, der damals noch See war. „ Aber diesmal fann Ihre Rechtschaffenheit Sie auch nicht Die Säulen" fönnen aber auch richtige Säulen gewesen sein, von entschuldigen," meinte der Polizist. alten Meerestempeln beiderseits des Kanals zwischen den beiden ,, Meeren". Eine Bahre murde vorbeigetragen. Ein fleiner, dünner, entfeelter Körper lag darauf, flach wie ein Stück Papier. Die offenen Augen wahren bereits von einer dünnen Haut überzogen. In Augen wahren bereits von einer dünnen Haut überzogen. In zwischen waren andere Polizisten hinzugekommen. Einer von ihnen meinte, indem er den Alten hart am Arme padte:„ Nehmen wir den Alten mit zur Station!" Der greise Kutscher begriff nichts. Was hatte er denn eigent lich getan, daß man ihn wie einen Verbrecher aufs Polizeirevier schleppen wollte? Er hatte, wie unzählige Male zuvor, nach einem Straßenjungen ausgelangt, der feinem Wagen zunahe gekommen war. War es seine Schuld, daß der Junge gestolpert war? Augen sahen hilfesuchend umher, aber sie begegneten nur feindlichen, Er fletterte von seiner Droschte herunter. Seine guten alten verächtlichen und haßerfüllten Bliden. Wie sollte man ihm erklären, daß das Unabwendbare geschehen mar, daß er das Opfer eines schicksalsschweren Zusammentreffens von Zufälligkeiten geworden? Wie gern hätte er seine Unschuld damit beteuert, indem er sagte, daß doch eine flüchtige Sekunde feinen ehrenhaften Mann plöglich zum Verbrecher machen könne. Die Angst hatte ihn aber erstarrt und gelähmt er fonnte fein Mort hervorbringen. „ Nun wird's balb, was?" " ,, Und mein Pferd wer wird darauf achten?" Das alte Tier wandte seinem Herrn den Kopf zu und blickte ihn an Es war der erste mitleidsvolle Blick, dessen man ihn gewürdigt hatte. „ Das Pferd hätte jetzt schon in feinem Stall fein sollen ganzen Tag ist es herumgetrabt und sehnt sich jetzt nach seinem Hafer.. „ Schämt er sich denn nicht! Denft nur an fein Pferd- und irgendwo sitzt eine arme Mutter..." „ Alter Egoist!" brummte ein anderer. „ Nun den steigen Sie schon auf ihren Bod ich werde mit fahren!" meinte der Polizist schließlich. Hier wollen wir feine weiteren Erklärungen hören!" Die Droschte setzte sich in Bewegung. Die Menge zerstreute fich. Die Straßenbahnwagen schrillten der Lebensstrom der Großstadt ließ sich nicht in seinem Lauf aufhalten und löschte jeg liche Spur aus. Nein da war noch ein Blutfled übriggeblieben er fchim merte rot allmählich wurde er dunkler, matter und auf einmal war er ganz ausgelöscht. udald gua Tilly Ley: Die Entdeckung der Atlantis Jenseits der Säulen der Herkules, so heißt es in den Schriften| tur, wofür wir im deutschen Sprichwörterschatz das Gegenstüd ,, Gleich Timãos“ und„ ritias" des alten griechischen Dichterphilosophen und gleich gesellt sich gern" haben. Blato, liegt eine Infel, doppelt so groß wie sien und Afrika, die in der damaligen Geographie allerdings nicht so sehr groß waren, bemohnt von einem Bolt von hoher Kultur und Zivilisation, dessen Angehörige schon fliegen formten, Rafetenexperimente und weiß Gott was noch alles machten. Es ist nicht ursprünglich platonisches Wissen, das in diesen Zeilen Dom Weltteil Atlantis ruht, Plato felbft bezeichnet es als alte ägyptische Priesterweisheit, von Solon dem Weisen mitgebracht. Die spätere abendländische Geographie, die aus der Epoche der arabischen Wissenschaftsblüte noch einen reichlichen Bedarf für fabelhafte Kontinente übernommen hatte, ein großes Südland, die Terra australis incognita Juchte, mit Rolumbus in Südamerika den Garten Eden und mit de Leon in Florida das Wunderland Bimini fuchte, hatte dann über die platonische Atlantis ein großes Kopfzerbrechen. Die Säulen des Herkules, das ist nach alter bewährter Lesart der Felsen und die Straße von Gibraltar. Aber westlich lag teine Insel Don. nennenswerter Größe, sondern der westliche Oteanos, der Atlantit, brandete frei bis in den Isthmus von Panama. Da tauchte nun schon früh die Hypothese auf, daß die Atlantis eben in der Zwischenzeit verschwunden sei, in die Ewigkeit und die großen Rätselfragen der Welt eingegangen wie Plato ihr Bericht erstatter selbst. Der erste, der anscheinend diese Hypothese aufstellte, war der grundgelehrte und seinerzeit weitberühmte Jesuitenpater Athanafius Kircher 1657. Er meinte, Madeira, die Azoren und die Kanarischen Inseln seien wohl die letzten Ueberreste der vergangenen Atlantis. Auch Buffon, der geistvolle Bolks. und Zeitgenosse Boltaires, der so ziemlich die ganze spätere Kosmogonie, Geologie und Geophysit vorausgeahnt hat, huldigt in feiner Theorie de la Terre" der Ansicht, Atlantis sei eine vergangene Wahrheit. In der bald darauf neuentstehenden Wissenschaft der Geologie galt es denn auch so ziemlich als ausgemachte Tatsache, daß da einmal im Atlantischen Ozean ein Festlandsodel ron S- form existiert hatte, der langfam etwa in der der großen Eiszeit vorausgehenden warmen Tertiärzeit zerbrochen war und dessen letzter in historische Beiten hereinreichender Reft den Anstoß zu der Atlantisüberlieferung zunächst der Aegypter und dann der Griechen gegeben hatte. Nur einige wenige Außenseiter grübelten nach anderen Möglichkeiten, fuchten Atlantis irgendwo an der Küste des Mittelmeeres oder dachten an alte Ahnungen von Amerika. " Sehr verführerisch war ja nun die sonderbare Buchstabenverbindung„ atl. Außer in Atlantit und Atlantis" fand man sie diesseits des Meeres noch im Namen des„ Atlasgebirges" und des mythischen Himmelsträgers Atlas", drüben im Sonnenland Beru bei den Intas, die, um unter vielen dußenden nur ein einziges Beispiel zu nennen, von einer Wunderschlange Chimalcoatl" redeten. Solange war ja alles schön und gut und eben eine wissenschaftliche Zweifels- und Streitfrage, wie es deren Hunderte gibt, um die Jahrhundertwende jedoch wurde die Sache wüst. Da begannen die Theosophen sich der Atlantis zu bemächtigen und erschloffen unter hellseherischen Kraftleistungen rein durch innere Schau" die gesamte Königsgenealogie und fämtliche anderen Daten des versunkenen Erdteils. Heute haben sich auch die Ariosophen der Richtung Bang Liebenfels noch dazu gefunden, es geht das eben nach der Melodie des guten lateinischen Wortes Pares cum paribus facillime congreganIn der Wissenschaft aber machte sich eine fühlbare Abkehr be= mertbar, zumal, als dann noch die Wegnersche Kontinentalverschie bungstheorie in die Schranken trat, die lehrt, daß der Atlantit nur eine sehr breit geratene Spalte zwischen den ehemals verbundenen Festlandssockeln Afrika- Europa und Amerita fet. Danach hätte es sich, wenn da wirklich einmal im Atlantik ein Land existiert hat, wofür manche tiergeographischen und anderen Anzeichen sprechen, höchstens um Zusammenhänge zwischen den heutigen Infelgruppen handeln fönnen. Diese aber auch nur in einer Urzeit, als von Menschen noch nicht die Rede war. Damit war anscheinend die Atlantis, frage gründlich festgefahren und man ging mit berechtigtem Mißtrauen an jeden neuen Atlantisentdecker heran. Neuerdings fommt nun aber ein Kunde, die ganz so aussieht, als ob mit ihr das Rätsel wenigstens der Atlantis Platos im Brinzip gelöst sei. Und diese Lösung ist auch so ausgefallen, wie es allein noch zu erwarten war: Die Atlantis Platos lag nicht im Atlantischen Ozean, sondern anderswo. Und zwar in Afrika, genauer in der Lybischen Wüste. den man teils auf ganz Atlantis bezog, teils nur als Katastrophe für Nun findet sich bei Plato auch eine Schilderung des Unterganges, die Bevölkerung wahrhaben wollte. Borchardt macht jetzt darauf die Katastrophen bringen konnte und auch durch eine Hebung des aufmerksam, daß sein Atlantisgebiet eine typische Erdbebenzone ist, Landes die Stadt als Seehafen ausschalten. Die wilden Elefanten, die Plato erwähnt, sprechen ebenfalls für Afrita und ganz besonders ein Bauwert, wohl auf einem Hügel gelegen, das dauernd vorkommt, das Wasserschloß". Und noch jetzt nennen die Hirten einen be= stimmten Hügel ,, Kasr Gallal": ,, Wasserschloß"! " Das Rätsel der Atlantis darf nun als gelöst gelten. Abzuwarten mit den überlieferten Berichten zu bringen. ist, wieweit es gelingen wind, die kleinen Einzelheiten in Einklang Ossip Kalenter: Analphabetin Ich habe eine Analphabetin gesehen. Auf der Poststation des fleinen italienischen Ortes, den ich, damit er nicht noch fleiner wird, feit Jahr und Tag zu verlassen zögere. Eine Analphabetin ist hierzulande nichts Besonderes. Italien fann sich rühmen, ihrer eine ganze Anzahl zu besitzen. Doch rühmt es sich dessen feineswegs. Im Gegenteil! Seltsame Gepflogenheiten haben Kulturstaaten.... Jemand schickte dieser mittelgroßen, etwa sechzig Jahre alten, freundlichen, mütterlichen, ein wenig verschmitt aussehenden Analphabetin Geld, und sie sollte quittieren, mas sie nicht konnte. Der Posthalter lachte nervös. Er lachte nie anders. Er ist aus Mantua und leidet an einer Magenkrankheit. Grund genug, immer nervös zu lachen. Indem er wie ein Besessener auf den Telegraphenapparat einhieb, den er bei alledem zu bedienen nicht abließ, beauftragte er seine schwarzgelockte und stubenluftgebleichte Gehilfin Sonntags die gefeierte Heroine eines Liebhabertheaters, in der Nachbarschaft zwei Standespersonen zu Zeugen aufzubieten; welche Rollen der zweite Sekretär der Kommune, ein dicker, dreister, allzeit gut aufgelegter Neapolitaner, und ein junger Mann von nicht nennenswertem Beruf übernahmen. Mit beachtenswerter Routine und unnachahmlichem Schwung füllte der Sekretär ein Formular aus.( Auch hierfür gibt es in diesem gesegneten Lande Formulare.) Die Analphabetin malte ein Kreuz darunter, von dem die Zeugen bestätigten, daß es von niemand anderem als von ihr herrühre. Der vorgeschriebene Betrag mard ausgezahlt und die Szene zur allgemeinen Zufriedenheit beendet. Ob sie glüdlich ist, diese Analphabetin? Ob sie ein Manto spürt und einen Minderwertigkeitskompler zu ihrem Seelenleben zählt? 3121 Oder ob sie ihre lesen und schreiben fönnenden Mitmenschen nicht anders betrachtet, als wir Afrobaten, Equilibristen oder Clowns?( Man bewundert sie, aber man verspürt, abgesehen von einem rein spielerischen Triebe, einem findlichen Ehrgeiz, den man jedoch bald überwindet, feinerlei ernsthafte Neigung, es ihnen gleichzutun.) Der. Briefe, die dieser Frau geschrieben werden, bleiben ihr stumm. Beitungen vermögen ihre Attualitäten bei ihr nicht anzubringen. Bücher teilen ihr ihre gute oder böse Weisheit nicht mit. gleichen Dinge find für sie, wie für uns Grammophonplatten. Wie sehr wir auch die Augen über deren Kerben gehen lassen, wir vermögen nicht, den Inhalt daraus zu vernehmen. Wenn sie das Geringel und Gefringel auf den Blättern, die die Welt bedeuten, überhaupt eines Blickes würdigt: wie mögen die Zeichen auf sie einwirken, von denen wir wissen, daß sie Frische Butter" oder„ Automobile Schritt fahren“ oder„ und beehren wir uns, Ihnen anzuzeigen" heißen? Sicherlich wie auf Belfazar selig das Menetekel. Von der Versuchung des Buchstabens nicht angefochten, von der Verführung des geschriebenen Wortes nicht berührt, unschuldig im Geiste: ist diese Frau nicht zu beneiden? Sie braucht teine Steuerdeklaration auszufüllen, nicht Klaus Mann zu lesen, und ihr Bildungsgrad wirkt vor Gericht nicht strafverschärfend. Kuriositätensammler sollten sie um ein Autogramm bitten. Dr. Paul Borchardt, der nun der Atlantisentdecker zu sein scheint, hatte zunächst die Absicht, die alten Karamanenstraßen durch die Sahara farzustellen. Dabei stieß er darauf, daß bei dem alten Römer Plinius das Ahaggar- Massiv Mons Talae genannt wird, während jüdische Berichte von Bahn Atala sprechen. At heißt num im Berberischen Sohn, Tala Quelle. Es stellte sich nun heraus, daß Europas stärkste Schnellzugslokomotive das Ighargharbeden damals( also etwa 1000 bis 2000 v. Chr.) ein Die Wiener Lokomotivfabrits- A.- G., Floridsdorf, hat nach Entfruchtbares Kulturland gewesen ist. Borchardt sagt nun: Atlantis würfen des Oberbaurats Lehner eine neue für die Bergstrecken be= und begründet seine Behauptung in einer vorläufig durchaus zustimmte Schnellzugslokomotive mit vier Ruppeladjen gebaut, die als die größte und leistungsfähigste ihrer Gattung in Europa be schwere D- 3üge mit 60-70 Kilometerstunden( statt wie ihre Vorzeichnet wird. Bei einem Gewicht von 120 Tonnen schleppt fie reichenden Weise. Infel gehalten, wie ja die Geographie überhaupt mit der Wahrheit Nordwestafrika wurde zu Platos Zeiten in Griechenland für eine fast teine Aehnlichkeit hatte. Die Größenangaben Platos aber gänger mit nur 35 bis 40 Kilometerstunden) über die schlimmsten Bergstrecken. Der Treibraddurchmesser ist fast 2 Meter; der hochliegende, nach österreichischer Bragis reichlich bemessene Kessel reicht fast bis an die obere Grenze des Profils. In ihm können in jeder Paul Zech: Kleine Katastrophe Setunde 5 Liter Wasser in Dampf verwandelt werden. Während Zehn Männer wurden vom Gestein erschlagen, rom Rauch verschluck! und wieder ausgespien. Der Doktor stolperle mit eingesackten Knien und ließ die Leichen in das Schauhaus tragen. Zerstückelt, schwarz verbrannt und rot 80 lagen sie in Reih und Glied,( zerschunden,) ras in der Früh noch sang sein morgenlied, verblutete aus unverbundenen Wunden. Da schätzten Ahnungen, die blinden Boten, sich in das Dorf hinunter und von Haus zu Haus und treiben die erschrockenen Frauen hinaus. Die stürmen das vergitterte Portal des Beingebäudes in verbissener Qual und schlagen sich verzweifelt um die Toten. ( Aus.Das role Hera der Erde") einer Stunde Fahrt werden 2,4 Tonnen Kohlen und 18 Tonnen Waffer verbraucht. Die Maschine bringt es auf eine den großen Elektrolofs bereits nahekommende Leistung von 2500 PS; man spricht sogar von 3000 PG. Das tonstruktiv bemerkenswerteste an ihr ist die Lentbarmachung der vordersten Kuppelachse zusammen mit dem furvenläufigen Lentfahrgestell( bisher gehörten alle Kuppelachsen mit zum festen Radstand). Die erreichbare Höchstgeschwin bigkeit beträgt in der Ebene mit voller Belastung 100 Kilometerstunden. Auch Shylock als Hosenrolle modernen Kostüm in London in Szene gehen, und zwar mit den Shakespeares Romeo und Julia" soll nun auch demnächst im Schauspielern Bafil Sydney und Mary Ellis, die im vorigen Winter einen riesigen Erfolg mit der Modernisierung von„ Der Widerfpenftigen Zähmung" hatten. Ein absonderliches Experiment aber scheint die Schauspielerin Lucille La Verne vorzuhaben, indem sie eine Neueinstudierung des Kaufmann von Benedig" anfündigt, in ber sie selbst den Shylod spielen wird. Funkwinkel. Die Welt von unten" hieß die Abenboeranstal. tung, die Arnim 2. Wegner und Gertrub Enfoldt nebst einer Kinderschar vor das Mitrophon brachte. Arnim L. Wegner hat einen Kimberroman Moni Die Welt von unten" ge schrieben, auf den sich die Darbietungen ftüßten. Die Veranstal. tung begann nicht glüdlich. Das Buch Wegners ist nämlich wirt fich gut. Weshalb machte man es den Hörern durch eine über flüssige Lobhudelei beinahe unsympathisch? Die Kapitel, die Ger haud Enfoldt dann danaus las, hoben allerdings den ungünstigen Gindrud wieder auf. Die Welt, wie sie das Kind erlebt, wie es Theater, Lichtspiele usw. Metropol- Theater Gr.Schauspielhaus 8 Uhr8 Uhr Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Ellaot, Jankuhn, Junkermann, Schäffers, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Emmy Sturm Frind, Ahlers, Lieske, Serds, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bendow, Morgan, Blankenhora, Picha Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Neu auf Elektroia onnstg, d.24.1. Donnstg., d.24 1. Staats- Oper Städt. Oper Jater d. Linden A.-V. 22 1942 Uhr B.smarckstr. Turnus II 19% Uhr Carmen Königskinder Staats- Oper Staatl. Schausph. Ain Pl.d. ReDuDI. R- S. 17 20 Uhr Die beimliche Ebe an Guadarmenmarkt A.-V. 21 20 Uhr Ble Journalisten Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr GAS Theater des Westens Zäglich 8 be Wiederauftreten! Richard Zauber Friederike Franz Lehar dirigiert! Käthe Dorsch Richard Tauber Borverfauf ununterbrochen. Kaffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 u. 7108. Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten Komische Oper( 84) Nach erfolgreich. Umarbeitung: Paradies der stissen Frauen! Parkett 4,50, Rang 2,50 M. fie fich langjam erobert, wird hier in lebenbigen Einbrüden ans gebreitet. Uebrigens waren diefe Rezitationen das Schönste diefer Beranstaltung. Die Kinder antworten auf die Fragen Erwachsener, die man vor dem Mikrophon hörte, hinterließen doch von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen den Eindruck des Angelernten. Nicht jo, als ob Erwachsene diese Antworten erfunden und sie den Kindern einstudiert hätten; wahrscheinlich haben sie die Kleinen wirtlich einmal gegeben. Aber gerade Wegner meist ja darauf hin, wie sich die Welt der Kinder täglich erweitert, wie sie sich täg lich wandelt. Einst waren diese Aussprüche sicher für die Kinder Wahrheit, nur eben faum noch heute. Gin Konzert, von Camillo Hildebrand geleitet, und ein lebendiger Vortrag Arthur E1oeffers über die Lessing- Feiern rundete das Abendprogramm ab. Ein uns bereits mehrfach geäußerter Wunsch sei hier weitergegeben: Aus den Kreisen Werttätiger kommt wiederholt darüber Klage an uns, daß nicht oft genug und dann zu furze Zeit Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Das Mädl aus der Vorstadt Regie Jürgen Fehling Theater am Shitbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalla- Theater 8 Uhr Delrausch Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr GAS Staatsoper am Platz der Repablik 8 Uhr Die heimilde Ehe ( h. am schiffbanerdamm Täglich 8 Uhr Am Dienstag, dem 22. Januar 1929, früh 5 Uhr, entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel, der Schlosser Oskar Nagel im vollendeten 70. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt und am stille Teilnahme bittend an Betty Nagel, geb. Eyraud nebst Kinder und Enkelkinder Berlin, S. 59, den 23. Januar 1929 Planufer 92 E Die Einäscherung findet am Montag, dem 28. Januar 1929, 19% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37, sta t Kleines Theater Trianon- Th. Täglich 8% Uhr: Max Adalbert ' in Täglich 8% Uhr Der letzte Schleier Der Dickkopf mit Erika Gläßner sandrock, Landa, und Oskar Beregi Sterler, Sikla Dtsch. Künstler- Th. Nollendorfplatz 8 Uhr Der Zinker Theater am Dir. Bruck Täglich 8 Uhr Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8% Uhi GuldoThielscher in Weekend im Paradies Die Drel- Groschen. Edgar Wallace leiten Gebert Krause- Pianos Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. Deutsches Theater Norden 12 310 8 Uhr. Ende 10% U. Die Verbreder Schauspiel von Ferdinand Bruckner Regie: Heinz Hilpert deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Planetarium am LOC Verläng. Joachimsthaler Strat Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Singspiel von Walter Kollo Pospelsi man gus u. billig? Nur zur Miete W50, Ansbacherstr. 1 softstümliche Unterhaltungs aber auch. Tangmuftt am Abend ges fandt werde. Gine halbe Stunde Konzert am Abend wind von Dielen Berufstätigen als zu wenig empfunden, da Mufit das einzige ift, für das fie nach des Tages Arbeit aufnahmefähig sind. Der Minister des Innern, Genojfe Albert Grzesinsti, sprach über den Aufbau der preußischen Verwaltung. Er bot teine trodene Darstellung, sondern schilderte als dem ganzen Balt verantwortlicher Minister die Richtlinien, die er sich selber für feine Arbeit gezogen hat. Man sollte Ausführungen solcher Art viel öfter im Rundfunk hören. Tes.. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienfistelle Berlin und Umgegend Racher. verb.): Meist übe, mit Neigung zu leichten Niederschlägen. Temperaturen zeittoeise über Rull. Für Deutschland: Größtenteils trübe. befonders in der östlichen Hälfte vielfach Niederschläge, im Südosten Temperaturen meist über Nul, in Often noch leichter Frost. Chaiselongues 25,- Metalbetten, Aufiegematragen, Patenimairagen 9,73. Verband der Lithographen, Stein- Balter, Ctargarderſtraße achtzehn, drucker und verwandten Berofe Mi gliedschaft Berlin. Am 21 Januar ift plöglich burd) Herzschlag unser Mitglied, der Stein bruder Schlafzimmer. Speisezimmer, Herrenanier, Küchen, Büfetts, Bücherschränke, Schreibtische, tunde Tifche. Standuhren, Untleideschränke aller Größen, Sofas, Ruhebetten. Rulante Rahlungsweise. Moebel- Boebel. Morisplak Fabrit gebäude Richard Henckelabel- Ramerling im Alter von 62 Jahren verstorben. Unser Rollege Sendel war mehr als 25 Jahre ein treues Witglied unferes Berhanbes unb hat als Funktionär jahrelang seine Pflicht in ben vordersten Reihen der Kämpfer erfüllt. Gein Rame wird int Berband undergeffen bleiben. De Einäfcherung findet am Montag, dem 28. Januar. um 16' Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Um zahlreiche Beteiligung wird erfucht Ruderverein Forwarts" Berlin E. V. Am Montag, bem 21. Januar, verstarb nach schwerem Leiden unjer Sportgenoffe Felix Meißner Bir verlieren in ihm einen lieben Freund und langjährigen Sportgenoffen. Sein Andenken werden wir ftets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Freitaa. bem 25. Januar, 15 Uhr, auf dem Bentralfriedhof in Friedrichsfelde von der Halle aus ftatt. Um rege Beteiligung erfucht Der Borstand. Groß- Berlin Interieren deutscher Metallarbeiter- Verband bringt ERFOLG! Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Rollege, bet, Schloffer Mars und seine NEUE WELT August Lüdicke Rätsel 20 Uhr Kammerspiele werden u. Ver- Arnold Scholz Norden 12310 8, Ende nach 10% U. „ Soeben erschienen 66 Komödie von Edouard Bourdek gehen d. Sterne R Hasonneide 108/14 Großes Bockbleries! ose- Theater und Gr. Schweineschlachten ir.frankfurter St.132 8 Uhr Die s Regie Fledermaus 84 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Forster Larinaga. Neu! Lothringer Straße 37. Neu! Die Komödie Bismarck 2414/7516 Kilometerliebchen 18 Uhr, Ende 10% „ Olympia" Dazu ein erstklassiger bunter Tell. von Franz Molnar Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rana 0.80 M Renaissance- Theater Tel. Steinplatz S01 u. 2583/84. Täglich 8% Uhr Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. SCALA Henny Porten 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 ARGENTINITA und weitere Varieté- Neuheiten Ziehung 9. bis 15. Febr. 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Ehre seinem Anbenten! Die Beerdigung findet Sonnabend, ben 26. Januar, 128 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friebrichsfelbe aus statt. Um rege Setinahme erfucht Die Ortsverwaltung. Für die herzliche Teilnahme an läglich des Ablebens meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Großmutter und Schwiegermutter, Fran Luise Kann unferen herzlichen Dank. Emil Kann, Biener Ste. 23 Familie Moser 1.05 Deutscher Metallarbeiter- Verband 1.25 1.45 Flasche Liter 1,35 Echter Malaga, dunkel, süß Echter Griechenwein, süß. 1.60 1.40 TOU Echt. Tasano, süß mach mich fröhlich Echter Inse:-Samos, hell, süß.. 1.90 1.90 Echter Wermuth- Wein, süß. 1.85 Echter Douro- Portwein, süß 2.80 Echter Pepsinwein für Kranke Echter Medizinalwein für Kranke. 2.60 1000 3.00 Ausschank vom Faß! Echter Tafelaquavit 35%. Echter Weinbrand- Verschnitt 38% Echter Getreidekorn ca. 40% Masue Weinbrand- verschnitt Echter Weinbrand, ganz rein*** Stern Esue edler Weinbrand la*** Stern Jamaika- Rum- verschnitt ca. 45% Tee- Rum das Feinste ca. 55% Hochwertige Edel- Liköre bis 38% Liter 2.95 3.20 TO 3.60 *** Stern 3.60 4.20 4.60 4.45 5.20 4.45 • 29 Feinstes Winter- Tafel- Getränk hergest. aus franz. Rotwein/ Jamalka- Rum Weindes tillat ohne künstliche Essenzen, fix a fertig, Ltr. 2.45 Feinste Weiß- u. 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