BERLIN Donnerstag 24. Januar 1929 Der Abend™ Ericheint taglich außer Snntag. Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpédition: Berlin SW68, Lindenfir.3 Spalausgabe des„ Vorwärts" 46. Jahrgang. Kuzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosschecktonte: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 207 Reichsrichter unter Anklage. Ein Vorspiel zum zweiten Jakubowski- Prozeß. Der Zufall fügte es, daß zur selben Zeit, da sich vor dem großen Disziplinarfenat beim Rammergericht die Magdeburger Richter Hoffmann und Kölfing zu verantworten haben, voi dem Amtsgericht Berlin- Schöneberg der Senatspräsident beim Reichsgericht Reicher und der Reichsgerichts= rat a. D. Bemer in einer Privatbeleidigungsklage Rede und 2intwort stehen müssen. Der Reichsgerichtsrat hatte nämlich in der Deutschen Juristenzeitung, für die der Senatspräsident verantwortlich zeichnet, den Redakteur des Tagebuches Schwarzschild der Wahrheitswidrigkeit bezichtigt und einen das Recht beugenden Literaten genannt, weil er im ,, Berliner Tageblatt" in einem Artikel ,, Der fahrlässige Richter" sich darüber beklagt hatte, daß es teine Möglichkeit gäbe, einen Richter ähnlich wie einen Architekten oder Arzt megen eines Kunstfehlers zur Verantwortung zu ziehen; als Beispiel für die Straflosigkeit der fahrlässigen Verschuldung eines Justizirrtums führte er den Fall Jakubowstian. Und während vor dem großen Disziplinarsenat Köllings und Hoffmans Berteidiger Dr. Görres gegen die Prefse= meute von der Donau bis zum Belt" metterten, die sich auf die Justiz gestürzt hätte, um mit Wolluft die Richter gleich Freiwild niederzuschießen, beklagte sich in dem Moabiter Beleidi= gungsprozeß der Berteidiger der Leipziger Reichsrichter Dr. Elsaß bitter über die Presse, deren dilettantische Wortführer immer wieder die Justiztrise" heraufbeschwören. Welch eigenartiges Bu fammentreffen. Arme Breffe! Wie schön wäre es, wenn nur Richter über die Justiz schreiben dürften, da gäbe es bestimmt keine Bertrauenstrise mehr. Zur Sache! Die Beleidigungsflage stand bereits einmal zur Berhandlung. Der Prozeß wurde vertagt, weil der Rechtsanwalt Dr. Paul Levi Heranziehung der Aften in der Sache Jakubowski und Ladung einer großen Anzahl Zeugen, darunter auch des Verteidigers des hingerichteten Jakubowski und der Hauptbelastungszeugen, der beiden Brüder Nogens, beantragte. Er wollte den Beweis führen, daß der Borwurf der Fahrlässigkeit berechtigt sei, daß die Angeklagten sich eine verleumderische Beleidigung haben zuschulden kommen lassen, und daß ihnen der§ 193 Wahrung berechtigter Interessen nicht zur Seite stehe. Das Amtsgericht -11 Eine Krankenhausstadt Alle Krankenhäuser New Yorks sind zusammengefaßt und außerhalb der Stadt gelegt worden. * Polens 200000- Mann- Heer. Sozialistischer Abbau- Antrag abgelehnt.- Pilsudski deckt Zagorski- Mord. Warschau, 24. Januar.( Eigenbericht.) In der geftrigen Sitzung der Haushaltstommiffion hatte übrigens gerade unter Berufung auf den§ 193 die Eröffnung wurde ein sozialistischer Antrag auf Herabsehung des Heeresbeffandes des Verfahrens abgelehnt. Erst als Rechtsanwalt Dr. Paul Levi unter Berufung auf die 52jährige Reichsgerichtspraris es als unerhört bezeichnete, daß diese, in Hunderten von Fällen in bezug auf Gewerkschafts- und Barteiredakteure angewendet, plöglich umgeworfen werden sollte, wo es sich um Reichsrichter handele, gab die Beschwerdekammer seinem Antrage auf Eröffnung des Verfahrens statt. Rechtsanwalt Dr. Paul Levi ließ gestern seinen Antrag auf Heranziehung der Aften in Sachen Jakubowski fallen; er beharrte auf der Ladung der von ihm benannten Zeugen. Wie fönne man, fagte er, behaupten, daß Redakteur Schwarzschild wahrheitswidrig den Jakubowski- Richtern Fahrlässigkeit vorgeworfen habe, wo jetzt die beiden Brüder Nogens, die Hauptbelastungszeugen gegen Salubowski, sich selbst des Morbes bezichtigt haben. Allerdings bezeichnen sie den Hingerichteten als Mittäter. Auch das fönne nicht wahr sein. Weshalb solite Jakubowski, der Tag und Nacht sich darüber den Kopf zerbrach, wie er verurteilt werden fonnte, die Brüder nicht als seine Mittäter angegeben haben und weshalb hätte er, wenn sie seine Mittäter waren, so gut er fonnte, Den schriftlichen Verfuch gemacht, Indizien gegen August Nogens zu um 60000 auf 150000 Mann abgelehnt. Stadtrat von Meh jezt schon eröffnet. Die Metzer Stadtväter hätten gegen den Plan des Abgeordneten Walter protestiert, der der wiedergewonnenen Broving die Selbstverwaltung geben will. Poincaré beruhigt die Meyer in seiner Antwort. Lothringen werde niemals unter eine Sonderverwaltung gestellt, die es von der Zentralverwaltung in Paris trenne. Nie würden Reformen geplant, die den tünstlichen Begriff„ Elsaß- Lothringen", den Deutschland durch die Annektion geschaffen habe, wieder auferstehen lassen. Der Begriff ,, Elsaß- Lothringen" habe keine historische Begründung. Er könne mur an die Annektionszeit erinnern. Der Nationaldemokrat Tromczynski, deffen Auftreten in der Haushaltskommission die Regierung als eine Beleidigung der Offiziersehre betrachtet hat und der daher bisher den Sihungen ferngeblieben ist, erklärte, daß ihm eine Beleidigung des Militärs ferngelegen habe. Er sei im Gegenteil für eine möglichste Bergrößerung des Heeres. Er habe nur gegen die politischen Ueberfälle, die in erschreckender Weise gegen das nationale Cager in Polen überhand nehmen, protestieren wollen. Wenn die Ueberfälle auf das nationale Lager nicht aufhören follten, so wird es zu dem Syftem der Blutra che, wie sie bereits im Jahre 1906 abgewandt worden sei, übergehen müffen. Er halte feine Erklärung, Wie die städtische Rechtsabteilung eine Beamtin niederhet n daß die Untersuchung über das geheimnisvolle Verschwinden des Generals 3 agoriti auf ausdrücklichen Befehl Pilsudis abgebrochen worden sei, aufrecht. Er könne hierüber Zeugen unter Eid vernehmen laffen. In der gleichen Sitzung deckte der Abg. Kaplinsti Mißstände im Berkehrsministerium auf. Ein größerer Auftrag in Höhe von 50 Millionen Zloti sei vom Verkehrsministerium einer Aktien Verkehrsministers Konoci und dessen Angehörigen beDer Skandal von Köln. wollte. Im Kußprozeß gegen die Bibliothekarin Dr. M. hat sich die Stadtverwaltung Kölns vor dem Landesarbeitsgericht eine unsterbliche Blamage geholt. Man lacht über die Sittenschnüffler, die sich in der Person geirrt haben, man lacht über den Oberbürgermeister, der sich von den Schnüfflern hat mißbrauchen lassen. finden? War es nicht fahrlässigkeit, wenn das Urteil es so dar- gesellschaft erteilt worden, die sich im Besitz des früheren Beamtin bat wiederholt darum, daß man ihr den Namen des Anstellte, als hätte August Negens nicht am Tatort sein können, da er auf seiner Arbeitsstelle gewesen sei, während ein einfacher telephonischer Anruf das Gegenteil erwiesen hätte? Und war es nicht Pflicht des Gerichts, dem Angeklagten einen Dolmetscher zu stellen, nachdem er erklärt hatte, daß er wegen seiner ungenügenden Kenntnis der deutschen Sprache vom Untersuchungsrichter mißverstanden worden sei? Dant dieser schlechten Kenntnis der deutschen Sprache entstand die Borstellung von seiner Unglaubwürdigkeit, die mitbestimmend für die Verurteilung wurde. Natürlich berief sich der Anwalt der beiden Richter auf den § 193. Sie hätten in Wahrung der Würde und der Unabhängigkeit der Richter die ungebührliche Kritif des Redakteurs Schwarzschild zurückgewiefen eigentümlich: im Hoffmann- Kölling- Prozeß wurde auch die Unabhängigkeit und die Würde des Richters als schwerstes Geschütz aufgefahren. Zum Beweis für die Wahrheitswidrigkeit der Behauptungen des Klägers in bezug auf die Nichtheranziehung eines Dolmetschers beantragte der Berteidiger die Ladung der Jatubomiti- Richter Buchta und Horn und des sächsischen Ministers Bingner. Der Amtsrichter vertagte feine Entscheidung auf eine Вофе findet. Konocki habe während seiner elfmonatigen Amtstätigkeit nicht aufgegeben, habe aber dafür diesen großen Auftrag vorals Minister seinen Posten im Aufsichtsrat der genannten Gesellschaft bereitet. Der Ministerpräsident Bartel hat versprochen, diese Angelegenheit nachzuprüfen. Kein Elsaß: Lothringen. Ein Begriff der deutschen Annettionszeit. Paris, 24. Januar.( Eigenbericht.) Der Ministerpräsident Poincaré hat die heute beginnende Elfaz- Lothringen- Debatte in der Kammer durch einen Brief an den Indien einig gegen England Urteil gegen Kölling Berichte 2. Seite Den Angeber hatte das Ehepaar Drückes gespielt. Die beschuldigte gebers nenne, damit sie ihn wegen Beleidigung verflagen könne. Der Name wurde ihr nicht genannt. Dagegen befindet sich in den Akten des Falles bei der Stadtverwaltung ein Gutachten der städtischen Rechtsabteilung, in dem es heißt: Es empfiehlt sich aus taktischen Gründen, Fräulein Dr. M. und ihrem Verteidiger einen Namen zu nennen, ihnen aber nicht die Eheleute Drüdes anzugeben, sondern eine Frau Schm., damit nachher die Eheleute Drückes in dem Prozeß gegen die Frau Schm. als 3eugen auftreten und unter Eid gegen Fräulein Dr. M. aussagen fönnten. Wäre dies Manöver geglückt, so hätte man die zu Unrecht beschuldigte Beamtin um ihren Ruf und ihre Stellung gebracht, and die Eheleute Drüdes hätten einen Meineid oder zumindest einen fahrlässigen Falscheid geschworen. Die Frau Schm., deren Name dazu mißbraucht werden sollte, hat einen Strich durch die Rechnung gemacht, sie hat sich entschieden geweigert, dieses unsaubere Manöver mitzumachen. Diese Geschichte ist nicht mehr zum Lachen. Eine Rechts= abteilung, die sich so niederträchtiger, unsauberer Methoden bedient, führt ihren Namen zu Unrechtl Amerika für ZkSunmng. Oer Vorsitzende des auswärtigen SenatSaosschoffeS. Hamburg. 24. Januar. Da»„Hamburger Arembeublott" oeröfseutlicht ein Interuiem seine» Zlew-Vorter Vertreter, mit dem Senator vorah. Senator vorah bezeichnet darin die sofortige Räumung de, Rhein- lande» als einen für die Besserung der Verhältnisse in Europa unbedingt notwendigen Schritt. Deutschland, so führte er ans, ist Mitglied de» Völkerbundes.<5s ist Signatarmacht de» Locaruo- vakle». Deutschland hat den Sellogg-Pakl gegen den Krieg unter- zeichnet, Deutschland hol abgerüstet. Das deutsche Volk wünscht in frieden zu leben. Die Belastung durch die Rheinlandbesehung mach» es für Deutschland nur schwieriger, die Reparationslast ab- zutragen und erschwert daher für die Gläubigernalioneu die Realisierung ihrer Forderungen. Von welchem Gesichtspunkt man die Frage auch betrachtet, ökonomisch, finanziell oder vom Standpunkt des Friedens aus: es liegt im Interesse aller Rationen, dasz diese Bürde, dieses Ueberbleibsef au» den Sriegstagen, hinter uns gebracht werde. Bichls ist mir bekannt, was innerhalb der Vereinigten Staaten eine günstigere Wirkung auf die Gesamtlagc ausüben würde als die Lösung diese» Problem». Reichswehr und 18. Januar. Ole verordnungsmäßigen GnytdUtgea. Der Reichswehrminister schreibt uns: Zu den Ausführungen in Ihrem Blatt« unter der Ueberfchrift „Flaggen der Kaiferproklamotion" stelle ich fest: 1. Durch Verordnung vom Jahre 1921(HVBl Nr. 566) ist für das Reichsheer angeordnet, daß am 18. Januar, dem Reichs- gründungstag«, die Flaggen auf ollen militärischen Die'cht- gebäuden zu hissen sind. 2. Der Inhalt dieser Verordnung ist in die am 30. April 1923 in Kraft gesetzte„Flaggen-, Salut- und Besuchsordnung für die Reichsmarine aufgenommen worden. 3. Am Verfassungstage ist in jedem Jahr geflaggt worden. Eine grundsätzliche Anordnung der Beflaggung konnte noch nicht Die Millionen-Kalschwechsel. Xudwig JCeser, der sozialdemokratische Landeshauptmanns Stellv. des österreichischen Burgenlandes, ist auf einer Vortragsreise in Berlin eingetroffen. erfolgen, da sie aus dem Rahmen der Beschlüsse des Gesamt- kabinetts herausgefallen wäre. Ich bitte, Ihren Lesern von vorstehenden! Kenntnis zu geben. Hochachtungsvoll! G r o e n e r. Der Streit darüber, ob die Beflaggung der Reichswehrgebäude am 18. Januar durch das bestehende Verordnungsrecht gedeckt ist, ließe sich mit juristischen Argumenten bequem weiterführen. Mr verzichten darauf, weil an dieser Angelegenheit nicht das Formal- juristische, sondern das Politische entscheidend ist: Was wir willen, ist, daß die Reichswehr nicht aus der Reih« tanzen und keine Ertrawurst oerlangen soll. Was wir wollen, das ist, daß die Reichs- wehr der Republik nicht die Feste der Monarchie mitfeiert und zu solchen Symbolfragen auch nicht den Verdacht der Zweideutigkeit auf sich lädt. Das tut sie aber, wenn sie am 18. Januar flaggt. Oer Keieriag der Monarchie. Einem Bericht der TU. entnehmen wir: Am Mittwoch veranstaltete der Hauptkriegeroerband Berlin im Kriegeroereinshaus sein«„Reichsgründungsfeier�. Die Musik brachte in erster Linie alte Militärmärsche zu Gehör. Nach dem Einmarsch von etwa 125 Fahnen und Standart em begrüßte der erste Vorsitzende des Kriegeroerbandes Berlin, Busch. die Erschienenen. General von Frcwicois sagte in der Festrede: „Denken wir heute zurück an den stolzen Tag deutscher Geschichte vor 58 Jahren, an den Tag, an dem die deutschen Stämme sich«inten zum deutschen Kaiserreich. Stolz waren wir auf unser pflichttreues Beamtentum, stolz auf unser Heer, stolz auf unsere Kriegs- und Handelsflotte, die die deutsch« Flagge weit ins Ausland trug. Deutsch- kmd war auf dem Gipfel seiner Macht. Da kam der Weltkrieg, und wie sieht es nun gegenwärtig aus? Wo wir hinsehen Materia- li»mus, Teuerung und ein« ungeheure Steuerlast. In den großen Städten Prasserei, Schlemmerei und Mode- Narrheit. Deutsche Frauen, deutsche Männer, schließt euch zu- sammen in Einigkeit. Das ist die große Lehre, die uns die Reichs- grimdungsfeier weisen soll.* Heute Ltrteil gegen Kölling. Vor dem großen Disziplinarsenot fand am Mittwoch das Finale der Verhandlung gegen Hosfmann und Kalling statt. Verteidiger Görres erklärte, die„gesainte Pressemeute* von der Donau bis zun: Belt habe sich auf das Richtertum gestürzt— insbesondere Iwben es dem Verteidiger die Karikaturen des„Vorwärts* angetan, die angeblich Hoffmann als einen Verbrecher dargestellt hätten. Es sei geradezu eine Lust gewesen, aus das richterlich« Frei- wild zu schießen. Die Press« mißbrauch« ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, sie mißachte die ungeschrieben« Verfassung, die ihr die Verpflichtung auferlege, sich in gewisien Grenzen zu halten. Es müssen P r c s s« k a m m e r n gebildet werden, in denen der an st ä nd ige T e i l de r P r e ff e sich die Mitglieder wähl«, die berufen sind, in der Press« zu wirken! Die Berkündung des Urteil»«-folgt heut« um S Uhr«ach. mittag«. Den Bemühungen der SloalsanwaUschasl und der Buch- sachverständigen ist e, jetzt gelungen, eialgermaßea einen lieberblick über den Umfang der falschen Wechsel zu ge- Winnen, dt« von dem geflüchteten Bankier Dr. Lew in und seinen beiden Mitarbeitern in llmlaus gesetzt worden find. Di« Zusammenstellung der Gesamtsumme ist deshalb noch nicht möglich, weil wau zur Stunde noch keine Gewißheit darüber hak. wieviel Falschwechsel sich In Holland und in Frankreich befinde«. Die Nachforschungen waren deshalb mit so großen Schwierig- leiten verbunden, weil Lewin vor seiner Flucht sorgfältig alles be- lastende Materiol hat verschwinden lassen. Sehr interessant ist die Tatjache, daß Lewin offenbar durch gut« Freunde bereit» Anfang Januar darüber verständigt worden war, daß sein Derbrechen ent- deckt war und daß das Netz sich zusammenzuziehen begann. Als nämlich am 5. Januar die Geheimbesprechung zwischen den Leitern der Anhaltinischen Salzwerk« und den maßgebenden Herren der Firma Delbrück- Schickler stattfand, war diese Tatsach« schon eine halb« Stunde später außerhalb de» genannten Bankhauses betonnt und man wußte weiter auch, daß Ministerialdirektor Richter und Direktor Roh am Nachmittag mit einer amtlichen Stelle konferieren wollten. Aus rätselhafte Art und weise hol Dr. Lewin von diesen Dingen Kenntnis erhalten und sosork seine Maßnahmen getrosfen. An diesem Tage ließ er au» seinem Privatbureau Aktenmaterial in einen Koffer packen und oerließ mittag» mit diesen Unterlagen da» Banthaus. Den An- gestellten gegenüber wurde bedeutet, daß Dr. Lewin einen großen Prozeß zu führen habe und den dazu notwendigen Schriftverkehr zum Rechtsanwalt bringen wolle. Die Nachforschungen der Unter. suchungsbehörden gehen nun dahin, zu ermitteln, wohin diese Unterlagen gekommen sind. Allem Anschein noch Hot es sich um die Geheimbücher Dr. Lewins gehandelt, die er zusammen mit Rappaport und Montag geführt Hot, um die Uebersicht über die Unterbringung und die Laufzeit der Wechsel zu erhalten. Es Hot nicht den Anschein, daß dieses Materiol vernichtet worden ist, viel- mehr glaubt man, daß Dr. Lewin irgendwo diesen Kosser sichergestellt hat, um im Fall« der Not sich auf seine Belege stützen zu können. Die Zahl der in Deutschland im Umlauf befindlichen Wechsel beträgt 1.5 Millionen Mark, von denen jedoch etwa 300 OVO M. Akzepte noch von Dr. Lewin abgedeckt worden sind. Doneben aber erwartet das Bankhaus Loewenberg, daß noch sehr erhebliche Wert« an Wechseln im Ausland untergebracht worden sind, und man wird erst in ein bis zwei Wochen darüber Klarheit hoben, wie hoch diese Verbindlichkeiten sein werden. Vorläufig ist noch von keiner Seit« der Konkurs des Bankhauses Loewenberg beantragt worden, doch dürfte schon in nächster Zeit der Kon- kursrichter auf Antrag eines der am stärksten geschädigten Berliner Bankhäuser sich mit der Angelegenheit befassen. Bis zur Stunde konnte auch der Aufenthalt der drei Flüchtigen noch nicht festgestellt werden, doch soll noch im Laufe des heutigen Tages, nachdem dem Ersuchen der Staatsanwaltschaft auf Ausstellung der Haftbefehle stattgegeben worden ist, der international« kriminalistische Dienst in Kenntnis gesetzt werden. Indien einig gegen England! Wichtige Beschlüsse des Nationalkongresses. Die jährlichen Sitzungen des„Indischen Nationalisten- g r e s s« s*, der bei weitem wichtigsten Organisation mit maßgeb- lichem Einfluß aus den ganzen Kur» der Politik, sind soeben in Kalkutta unter dem Vorsitz von Motilal Ne h ru zum Abschluß gekommen. Die wichtigst« Entschließung, die der Kongreß an- genommen hat. geht auf Mahatma Gandhi zurück und wurde von I y« n g a r unterstützt. Diese Tatsach« fällt besonder» ins Ge- wicht, weil Jyengor der Führer der Opposition gegen die offiziell« Kongreßmajorität ist. Di« Entschließung zerfällt in drei Teil«: der erste Teil erklärt vollständige Unabhängigkeil al» da» polillsche Ziel de» indischen Volkes und stellt die vollkommene Loslösung von England al» unbedingt« Notwendigkeit zur Erreichung dieses Zieles hin. Der zweite Teil dagegen gibt die VereiiwllligreU Indien» für eine llalerordanng unter da» britisch« Empire zu. unter der Bedingung, daß Indien in den Stand eine» Dominion erhoben würde(wie z. B. Kanada), und zwar im Lauf««ine» Jahre». Der dritte Teil setzt auseinander, was der Kongreß unter der Stellung eines Dominion versteht. Er bekennt sich zu den Richtlinien de» Nehru-Komitee», die unter dem Namen „Nehru-Report* betannt sind. Di« Resolution endet mit einer Warnung an die britische Regierung: Sollte England dies« bescheidenen Forderungen de» Kongresses nicht erfüllen, so sähe Indien darin die Berechtigung, die„n«>n-«>oper»tioa*-Bewegung(Der- Weigerung der Mitarbeit an den Reformplänen) wieder wachzurufen. diesmal in Verbindung mit einer Steuerverweigerung: oder jede andere Maßnahme zu ergreifen, die Indien zu seinem Ziel führen könnte. Der zweite Teil der Entschließung steht ganz für sich, er gibt Richtlinien für den neuen Kurs der Kongreßpolitik. Schon im Jahr« 1922 hatte der Kongreß„Swaraj* als fein Ziel erklärt, wobei nicht genau auseinandergesetzt wurde, wo» darunter zu verstehen sei: in dem„iian-coc>per»tioa*.Programm sagt der Kongreß dagegen deutlich und Nor, daß er kein Vertrauen mehr zu den bri- tischen Parteien und zum britischen Parlament haben könne. Er gab bekannt, daß er jetzt Indiens Rettung selbst in die Hand nehmen walle, ohne Rücksicht auf die Haltung des Parlaments. Dann folgt««in«- Resolution de» Madras- Kongresses, die in gleicher Weif« Indiens völlige Unabhängigkeit als politisches Ziel hinstellte: 1927 auf dem Kongreß in D e l h i wurde dies neuer- lich bestätigt. Di« hauptsächlich« Verantwortung dafür trugen da- mal» Jyengor und der jung« N e h r u, Gaoarhalo«,— beide gründeten später, da die„Swajaristen* ihnen nicht«xtrem genug waren, eine Reu« Partei im Kongreß unter dem Namen„Indische Unabhängigkeitsliga*. Um so mehr erstaunt es, daß Jyengor, der unbestechlichste Opponent gegen die Verbindung mit England, die neueste Ent- schließung mitunterzeichnet hat. Die diesjährige Haltung des Nationaltongresses kann deshalb nur durch den Hinweis auf ein politisches Dokument von historischer Bedeutung erklärt werden, den sogenannten„Nehru-Report*. einen Entwurf für ein« Dominionversassung Indiens, wie sie von allen indischen Parteien ohne Rücksicht auf ihre innerpolitisch« Orientierung ge- wünscht wird. A»r ein paar Monaten ist nämlich der Versuch ge- macht worden, die sämtlichen zersplitterten indischen Parteien unter einen Hut zu bringen, ein Komitee mit Reruh senior als Präsident stellte die Miniinalforderungen Indiens auf, die durch- weg einhellig« Zustimmung im ganzen Lande fanden, und die auch Wege zur Lösung der indischen Lebensfragen wiesen. Dies« K o a- lition aus extremsten Elementen.„Tagung aller Par- teien* genannt, hat ein« Denkschrift verösfentlicht, den erwähn- len Nehru-Report, der ganz Indien auf seiner Seite hatte und leb- haften Widerhall in allen Bevölkerungskreisen fand. Es wäre einfach unvorstellbar, daß der Kongreß von dem- selben Dokument abrücken sollte, da» gleichzeitig da» Werk einiger seiner hervorragendsten Delegierten war. Einerseits reprästntiert der Perfassungsentwurf die gesamt« öffentliche Meinung, er kann aber in seinen Forderungen nicht so weit gehen wie der Kongreß,— andererseits konnte sich der Kongreß, der sich dauernd für v ö l l i g e Unabhängigkeit eingesetzt hatte, nicht plötzlich für Indien mit dem Grad«ine» Dominion zufrieden geben, und die» war doch der Leitgedanke de» Rehru-Reports. Au» dieser Zwickmühle zeigte Gandhi einen Ausweg, — eben die neueste diesjährige Entschließung, die durchgebracht wurde, trotzdem sie so einen stürmischen Weg zu passieren hatte. Kraft dieser Entschließung setzt flch der Kongreß nicht in Segensatz zu der„Tagung aller Parteien*,«rflärt aber trotzdem gänzlich« Un- oklhängigkeit als Indiens Ziel und stellt England ein Ultimatum in„höflichen, gesitteten Worten*: Wenn noch 12 Monaten der in- bische Programmausschuh wieder vor der Ikolwendigkeik der Los- reißung vom Empire steht, so trägt England dafür die Berank- Vortrag rab nicht Indien. Noch etwas anderes ist während der Kongreßtagungen klar ge- worden, nämlich der Platz, den der Sozialismus in der in- bischen Politik heute einnimmt. Der Kongreß selbst ist keine offiziell« sozialistische Organi- sation, gerät aber immer mehr in eine sozialistischeEinsluß- s p h ä r e. � Ein Mitglied nach dem anderen erklärt, eine indische Republik genügt noch nicht. E, muß ein« sozialistische Republik sein. Auch der indisch« Gewerkschaftskongreß gab«in« Ent- schließung heraus, die eine sozialistische Regierung und Berstaat- lichung der Schlüsselindustrien verlangt. Der Gewerkschaftsvertreter auf dem Kongreß brachte sein« Forderung eindeutig vor und fand willige Ohren. Daraus sieht man, wie lebendig in den indischen Politikern die Idee eine» tonstruktwen Programms ist. Di« Billigung des Rehru- Berichtes durch den Kongreß zeugt auch von der großen Bedeutung. die man der Beilegung des Hindu-Moslem-Streits beimißt, denn darüber ist man sich allerseits einig: gerade für diese wichtig« Frage ist die vorgeschlagen« Lösung des Nehru-Reports die einzig richtige, während die sofortige Proklamierung der Unabhängigkeit vor- aussichllich erhebliche Verschärfung der religiösen Segensätze bewirken würde. 1°. Talcmi. Oer Landgemeinde-Gereke. Untersuchung über seine Äeschimpsung der Republik. Der früher« Landrat G e r e k«, der nebenbei auch deutsch- nationaler Abgeordneter ist, hat vor kurzem aus dem pommerschen Landbundtage eine Rede gehalten, die von Ausfällen gegen das republikanisch« System nur so strotzte. Wir haben davon vor einigen Tagen einig« Proben gegeben aus Grund des doch gewiß nicht anfechtbaren Berichtes, den das Agrarierblatt die „Deutsch« Tageszeitung* oeröffentiicht hatte. Nun Ist besagter Landrat G e r e k« auch noch in anderer Eigen- schast tätig: er ist geschäst»führender Präsident de» Preußi- schen Londgemeindetage», der. die Landgemeinden der östlichen Provinzen umschließt, und des Deutschen Land- gemeindetages, in dem außer dem Preußischen auch noch der Landgemeindetag West(Rheinlond-Westfalen) und die übrigen deutschen Landgemeinden zusammengeschlossen sind. Der Hauptau-schuß des Londgemeindetage» West hatte gestern ein« Tagung in Berlin. Bei dieser brachten die sozialdemokratischen Mitglieder di« AussälledesHerrnGereke gegen die Republik zur Sprache und verlangten, daß, wenn der Bericht über Gerekes Red« richtig sei, der Londgemeindetag selbst au« dem Deutschen Landgemeindetag ausscheide und gleichzeitig die Staate- regierung auffordere, die Beziehungen zu Herrn Gerekc abzubrechen. Noch lebhafter Aussprach« hat der Hauptausschuß des Londge- meindetages West in diesem Sinne beschlossen. Der Borstand des Landgemeindetages West wurde beaustragt, Feststellungen darüber zu treffen, ob die in der Oeffenttichkeit bekanntgewordenen Aeuße- rungen Gerekes tatsächlich in dieser Form gefallen sind. Sobald di« Feststellung vorliegt, soll der Vorstand über den Austritt au» dem Deutschen Landgemeindetag Beschluß fasse,> und bis dahin sämtliche Beziehungen zu Herrn Gereke lösen. Wie wir hören, beschäftigt ssch auch das preußische M i n i st«- rium des Innern mit der Angelegenheit und wird von sich aus di« Frag« einer Entscheidung zuführen, ob und wie weit unrer der Leitung des Herrn Gereke noch mit dem Preußischen Land- gemeindetag Beziehungen aufrecht erholten werden können. Eine sozialdemokratische Anfrag« im Landtage beschäftigt sich mit der gleichen Angelegenheit. Oer Nedliher Mord vor Gericht. Oer Obergesreite als Totschläger. Unter der Anklage de» Raubmordes steht heute der 28iährlge früher« Obergefreite und Bademeister Ludwig D u m b e rt oon der Nachrichtenabteilung III in Nedlitz vor den Potsdamer Ge- schworen« n. Am 1. Aktober vorigen Jahres hat der Angeflagte sein«» Kameraden, den 2kjähr>gen Boorsroart und Obergesreiten Herbert Gelfert von der Nachrichtenabteilung III erschlagen. Man fand Gessert hinter einem Holzstapel im Nedlitzer Wald tot auf. Die Brieftasche mit 140 Mark Löhnung und hie Uhr waren geraubt. Der AngeNagte ist anscheinend da» Opfer sein«, Leichtsinns und seines Jähzorns geworden, denn im Kamcradschaits- l>«im und in der Kantin« hatte er verschiedentlich Schulden. Zur Tot ist ein armdicker Knüppel benutzt worden. Dumbert gibt die Tat weinend zu, er lehnt aber jede Ueberlegung ab. Zu dem Prozeß, der unter Vorsitz oon Landgerichtsrat Kauffinann statt- find«, find 70 Z«»ac« rad drei finchnwfiüudige Utade» Hofnarren in die Akademie. Politisierung der Sowjetatademie der Wissenschaften� In den leitenden Kreisen der KP. der Sowjetunion Hot man neulich den unglücklichen Gedanken gefaßt, eine Reihe von Kom- munisten. von deren wissenschaftlichen Verdiensten— von wenigen Ausnahmen abgesehen(Rjasanow, Pokrowsky)— bis jetzt überhaupt nichts bekannt war. in die Akademie der Wissenschof- ten wählen zu lassen, um die Akademie dadurch zu politisieren. Es wurden olle Räder in Bewegung gebracht, und ein« Reihe von Kommunisten sind in der Tot bei dem komplizierten vielstufigen öffentlichen Wohloerfahren in die endgültige Vorschlagsliste aufge- nommen worden. Am 12. Januar tagte die Plenarverfammlung der Akademie der Wissenschaften in Leningrad, die die Wahl der neuen Mtglieder in geheimer Abstimmung vorzunehmen hatte. Manche von den vorgeschlagenen Kommunisten sind dabei in der Tot gewählt worden, darunter natürlich der unvermeidliche Buchorin. Die geheime Stimmabgabe hat es aber immerhin vermocht, daß die wissenschaftlichen Verdienste dreier gestern noch hoffnungsvoller Bewerber(Lukin, Fritsche und Deborin) dach nicht die Anerken- nung der Akademie der Wissenschosten gefunden haben(..Prawda" vom 13. Iayuar). Darob groß« Aufregung auf dem kommumsti- scheu Olymp, der sich damit nicht abfinden kann, daß«in Teil der Mitglieder der Akademie der Wissenschaften eine Spur von Selbstachtung und Würde an den Tag gelegt haben. Aber auch das Präsidium der Akademie der Wissenschaften hat es mit der Angst bekommen und veröffentlicht eine Erklärung, in der es sein Bedauern über die Ergebnisse der Wahlen ausspricht und die Einberufung einer neuen Plenarverfammlung der Akademie— nit den neugewäh! t-n 39 Mitgliedern— ankündigt, die die nötige Korrektur zu den Wahlen vom 12. Januar vorneh- men wird.(„Torgowo-Promyschlennoja Gazeta* vom 13. Januar; in der„Prawda* vom 13. Januar fehlt noch merkwürdigerweise diese Mitteilung.) Der Borgang beweist wieder einmal, wie sich Diktaturen ihrem Wesen nach immer gleich verhalten. Im 18. Jahrhundert waren es die Fürsten des Absolutismus, die ihre Hofnarren und sonstige Kreaturen in wissenschaftliche Akademien entsandten. Im 20. Jahr- hundert handeln die absolutistischen Machthaber nicht anders und wenn sie sich auch noch so sehr als die Förderer der Wissenschaften aufspielen. Nachspiel zum Kranh-Prozeß. Beschimpfung eines Berliner Stadtarztes. Um die Gutachten im Krantz-Prozeß handelte es sich im wefent- liehen bei der Beleidigungsklage, die der Berliner Stadtschularzt Dr. Hodann, einer der Hauptsachverständigen im Krantz-Prozeß, gegen Fräulein Guida Di« hl, die Leiterin des Frauen- Kampf- Bundes in Eisenach angestrengt hatte und die heut« vor dem Amts- gericht Tewpelhof zur Derhandlung gelangte Dr. Hodann fühlt sich durch einen Aufsaß in den von der Be- klagten herausgegebenen Neulandblättern beleidigt. Er wird darin bezeichnet als:„einer der schlimmsten Iuge ndverführer*, der „trostlos gemeine Aufsätze über jugendliche Verhältnisse geschrieben Hot*. Es heißt dann weiter:.bleute ist er angestellter Volks- Verführer und spricht vor der Schuljugend in demselben Sinne, wie er sich als sogenannter Sachverständiger im Krarch-Prozeß ge- äußert hat. Schlechtigkeiten und verdorben« Instinkte, wie sie im Krantz-Prozeß zutage gefördert worden sind, sind ihm Setbstverständ-- lichfeiten.* Bor Eintritt in die Verhandlung legte Amtsgerichtsrat Dr. Plumeir den beiden Parteien«inen Vergleich nahe. Die Be- klagt« ließ durch ihren Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Menz, erklären, daß jeder Bergleich abgelehnt werde. Rechtsamvolt Dr. Frey, als Rechtsbeistand des Privatklägers Dr. Hodann, hat, wie er sagte, ein« ander« Einstellung der Beklagten nicht erwartet. Als der Vorsitzend« dann in die Verharchlung eintrat und Dr. Hodann nahelegte, zunächst einmal dem Gericht ein« kurze Darlegung seines Standpunktes in der Jugenderziehung zu geben, erwiderte Rechts- onwolt Dr. Frey: Wir lehnen das glatt ob. Wie lassen uns von niemandem„Staatlichen Iugendverführer" nennen. Um diese formalen Beleidigungen dreht es sich hier. Rechtsanwalt Dr. Frey protestiert dann auch gegen die beantragte Verlesung einzelner aus den Büchern des Klägers heraus- gegrifsener Stellen. Er müßte dann beantragen, daß die ganzen Bücher verlesen werden und daß auch Sachverständige geladen würden. Die van der Gegenseite herausgesuchten, aus dem Au- fammenhang gerissenen Stellen könnten dazu benutzt werden, in der der Beklagten nahestehenden Presse einseitige Stimmung gegen Dr. Hodann zu machen. Nach längeren weiteren Auseinander- fetzungen der Parteien entschied der Vorsitzende sich doch dahin, daß die einzelnen Stellen, soweit ein Herausgreifen unbedenklich sei, ver- lesen werden sollten, daß bei anderen Stellen jedoch die ganzen Ab- schnitte zum Vortrag gebracht werden. Zunächst wurden dann die von Dr. Menz bezeichneten Stellen aus dem Buche von Dr. Hodann „Geschlecht und Liebe' verlesen. Oer Ztacheztsg des �Nordringes". Blutvergießen durch Polizei verhindert , Zu dem nächtlichen Borfall in der D u n ck e r st r a ß e im Norden Berlins, über den wir heute morgen berichteten, erfahren wir noch folgendes: Vor einiger Zeit wurde bei einer Schlägerei ineiner Schankwirtjchaft in der Schönhäuser Allee ein Gast von einem Mitglied des Vereins„N o r d r i n g" erheblich verletzt. Der Rädelsführer wurde als ein gewisser D. ermittelt, der sich am vergangenen Dienstag in Moabit wegen Körperver- l e tz u n g zu verantworten, hatte. Als Zeugen sagten gegen ihn zwei Brüder, Arnold und Richard<3., die dem Verein„Nord- piraten' angehören, wahrheitsgemäß aus. Die„Nord ring'- Leute wollten sich dafür rächen und hatten gestern abend den Aufenthaltsort der beiden Brüder aussindig gemacht. In größerer Zahl erschienen sie in dem betreffenden Lokal. Die„Verfemten' erkannten aber sofort die gesährliche Situation und ver- suchten zu flüchten: die Verfolger blieben ihnen aber dicht auf den Fersen. Plötzlich fiel e i n S ch u ß, ohne daß jedoch jemand ver- letzt wurde. Lediglich dem rechtzeitigen Eingreifen der Polizei ist es zu verdanken, daß der Kampf keinenblutigenAuszang genommen hat. Die beiden Brüder wurden vorläufig in Schutzhaft beholten und die bei ihnen gefundene Pistole beschlagnahmt. Wetterbericht der össeutlicheu Wetterdienststelle Berlin und Am- gegend.(Nachdruck verboten.) Größtenteils trocken mit leichten Schneefällen, Temperaturen unter Null, nördlich« Winde.— Für Deutschland: Meist trübe mit weitverbreiteten Schneefällen, im Nordosten ziemlich strenger, im übrigen Reich« lichter Frost. 3« Hessings Feier der Stadt Berlin. Arnold Zweig hält die Gedenkrede. Immer das gleiche: ein wenig Musik von Bach und Haydn. Ein Preislied auf die Unsterblichen. Schauspieler lesen aus dem Lefsmgwerk. Sogar die Vortrogsstücke find die nämlichen, denn der Sprechkünstler will sich ja dramatisch präsentieren. Zur Lessingseier der Stadt Berlin hatten der Mogistrat und die Stadtverordneten eingeladen. Di« Bäter des Berliner Volks waren aber so sehr anderweitig beschäftigt, daß ihr« Plätze im Rathaus leer blieben. Darum rückten all die jungen Mädchen nach, die gen, die Schauspieler Friedrich Keyßler und Erwin Kalser aus der Näh« hären wollten. Herr Kaiser las die bewegenden Brief« Lesssngs, die vom Sterben seines Sohnes und seiner Gattin Kunde geben. Wir haben in diesen Togen vier- mal diese vertrauten Auszeichnungen für Freunde und Verwandte vernommen. Immer wieder dieser große, erschütternde Eindruck. Der Mann, der bis zu seinem Tod« einsam blieb, hoffte nur kurze Monate, daß auch ihm ein bescheidenes Teil des banalen Menschen- glück? geschenkt werden könnte. Da diese Hoffnung sehlschlug, be- täubt er sich mit den höchsten Geistesspielen, die er allem sein« einschlummernden Beruhigungsmittel nennt. Die Lessingseier der Stadt Berlin wurde durch Rundfunk über- trogen. Es ist aber fraglich, ob viele die kostbaren Wort« und Gedanken bequem erfassen konnten, die Friedrich Keyßler nach der „Erziehung des Menschengeschlechtes' vorlas. Alles ist in diesem Ringen um den reinsten Offeübarungsgedanken innerlicher Vorgang des Schriftstellers. Er will die Zeiten der Dumpfheit und der Aufklärung zusammenfügen und beweisen, daß über alle dunklen Zeiten hinweg der Weg der Menschheit zur lauteren Vernunft empor- stieg. Dies« Ideen �können schwerlich ohne weiteres in die Ein- bildung strömen, die das Ohr verschafft. Die Wiederholung, die das Nachempfinden gestattet und das Zergrübeln der einzelnen Idee, ist nicht möglich. Festredner des Abends war der Schriftsteller Arnold Zweig, unser Zeitgenosse, Mitglied des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller. Der Magistrat Berlin hatte sich absichtlich mit der großen Literaturorganisation, zu der die lebendigen Meister und Handwerker der Feder gehören, in Verbindung gefetzt. Man berief keinen Ministeriaibeamten, auch keinen Akademiker und auch keinen Universitätsphilologen zum Festredner. Der Schriftsteller, der um den Zeitgeist ringt, weil er zu unserer Zeit gehört, stand auf der Tribüne des Rathaussaales. Arnold Zweig wurde sehr deutlich. Er beglückwünschte die Stadt Berlin dazu, daß sie bei der Toten- feier für den Dichter die lebendigen Gestalter nicht vergessen hatte. Zweig sprach für oll die Ringenden, fiir all die noch nicht Bollen- deten, die es nicht ertragen, daß fi« gerade heut bevormundet und sogar verfolgt werden sollen. Lefsing war auch ein Verfolgter, und die Gegner, auf die er sich warf, waren durchaus nicht Schwächling« oder lächerlich« Narren. Sie galten ungeheuer viel m ihrem Jahrhundert. Sie konnten sogar dos Genie beseitigen, das erst noch Jahr und Tag zur Unsterblichkeit erwacht«, während es bei Lebzeiten elend getreten wuvde. Das waren mutige Worte, die nicht sehr feierlich, die durchaus alltäglich vorgetragen wurden. Man horchte trotzdem auf. Es ist schön, daß es den lebendigen Schriftstellern gelang, beim Lossingfubiläum ihre Forderung auf Leben und Sicherheft dorzu- bringen. dt. H. In der Staatsbibliothek. Sine Ausstellung, anders als üblich. Die kostbaren Manuflripte des„Laokoon', der„Minna von Barnhelm" oder des„Nathan' sind hier nicht als Parodestück« aufgefahren, sondern sie liegen in Vittinen beinah« bereit für den häuslichen Gebrauch. In nächster Nachbarschaft ein paar Briefe, wo Lessing einen höchst gleichgültigen sürstlichen Herrn fein Leid klagt und ihn um«me Unterstützung bittet. Erstdrucke und zeitgenössische Prachtausgaben stehen in schönen Rokokoschränken, bei denen man bereits de» kommenden Zopfstil wittert, und an den Wäiriun Porträts von der Hand eines Anton Grass, Stiche von der eines Ehodowiecki, Dinge, die Dank ihrer technischen Meisterschaft wert- voller sind, als viel berühmte„Schinken' der historischen Schule. Di« Staatsbibliothek wollte den LeffiiM-ReLqui-n Atmosphäre geben, sie in einen dekorativen Rahmen fügen, der ihnen entspricht. Und dieses liebevoll« Bemühen ist ihr gelungen. Kein« Spur von Prunken. Kostbarkeiten erscheinen hier selbswerstöndlich. Daneben Abteitungen, die Lessings Verhältnis zum Theater und zur Presse illustrieren. Theaterzettel der Erstaufführungen, Ueber- fetzungen seiner Werke, Silhouetten und Medaillen. Das Justin rt für Zeitungskunde an der Berliner Universität stellt die Zeit- schriften aus, an denen Lefsing mitarbeitet«, es sind achtzehn verschieden« Blätter, die meistens«in nur vechSlttrismäßig kurzes Leben führten. Eine Seit« der„Berlinischen Privil. Zeitung' ist aufgeschlagen. Sie stammt aus dem Jahre 1751, und man liest da nur, daß der König das und das tat und die Königm-Mutter etwa» anderes. Merkwürdige Interessen haben die Leute gehabt. Dies« Zeitschristen- abteilung gruppiert sich um eine alt« Handpresse aus Leipzig. Sie zeigt, wie primitiv die Technik war und welche Wert« kultiviertester Buchkunst trotzdem geschaffen wurden. Bilder von Berlin, von Fürstlichkeiten und berühmten Zeitgenossen vervollständigen die Ausstellung, die über den besonderen Zweck hinauswächst und zu einem historischen Dokument des deutschen Rokokos wird. Die Ausstellung wurde gestern mittag durch Gcheimrat Krüh, den Generaldirektor der Staatsbibliothek eröffnet. Walter von Molo gab einen kurzen Abriß von dem Leben Lessings. L. Lessing-Aufführung für höhere Schulen. Im Rahmen der Lessing-Feiern oevanstostete die Deputa- tion für das Schulwesen, Abteilung fiir Schülervorstelluu- gen, im Deutschen Künstlertheater«ine Auffichrung von „N a t h a n d e r W e i s e'. Gerade dieses Werk, das eine so wahre, tief empfundene Sprache spricht, bringt uns den Grift des großen Toten vielleicht am allernächsten. Da ist ttichts Verstaubtes, der heutigen Generation Unverständliches, weder ein Mehr an roman- tischen Empfindungen, noch ein Zurückschrauben in ein« stark de- zimierte Kunst. Die Aufführung, unter der Regie Emil L i n d s, der gleichzeitig einen prächtigen Nathan gab. war wirklich gut. Käte Färber war ein« kiabkiche Recha. Fritz Genschow versieh dem jugettdrichrstolzen Rittersmann sympatisch« Züge. Auch die Träger der anderen Rollen boten gute Leistungen. Bora» ging Eulenbergs Lessing-Dorspiel„Lessing und die Nachwelt', das in launigen Worten Kritikern und Mäklern, entnommen aus Figuren aus des Dichters Anfangswcrken, den Garaus macht. Die zahlreich Gedächtnis. erschienenen jugendlichen Besucher spendeten reichen, herzlichen Bei- fall, und man fühlte, der Nachmittag bedeutete ihn«, keine Lteratur- historisch« Unterrichtsstunde, sondern wirkliches, lebendiges Ver- gnügen. C. K. Lefsing zum Leser. Lessings an die Adresse Klopftocks gerichtete Worte:„Wir wollen weniger erhaben und flrißiger gelesen sein' gelten auch ihm selber. Di« festlichen Erhebungen gehen vorüber, ober die Mahnung, seines Geistes teilhastig zu werden, bleibt. Die großen Worte verrauschen, aber die still« Arbeit an und um Lessing will weiter getan sei!». Lest Lessiug, den großen deutschen Aufklärer, das Vor- bild echten und nicht bloß Tagesfaunen dttnonden Journalismus. den scharfen Dialektiker und den unerbittlichen Wahrhritsfucher. Di« großen kritischen Ausgaben ferner Werk« sind für den Gelehrten bestimmt, aber für jedermann ist die Auswahl, die Prof. A. Z i« g- ler für die VolBsbühnenkfassiker getroffen hat. Die wichtigsten seiner Dramen. Fabeln, Sinngedichte, Stücke aus der Hamburgischen Dramaturgie, Proben aus den Streitschriften und den theologischen Arbeiten sind in der zweibändigen Ausgabe. Alles ist durch Ein- leitungen und Anmerkungen mundgerecht gemacht: die sremdfprach- lichen Zitate sind verdeutscht. Zu beziehen ist die Ausgab« irnrch die Volksbühnen und di« Parteibuchhandlungen. Das Werk ist in vier Bänden erschien«, und kostet 10 Mark. Teilzahlungen werden gestattet. Gründung einer Lessing-Gtiftung. Im Rohmen der Braunschweig-Wolfenbüttrier Lessing-Fefttage wurde in Wolfenbüttel im Gartensoal des Lessing-Haufes di« bereits länger« Zeit in Vorbereitung befindliche Lessing-Stistung gegründet. Dr. Pim nannte kurz die Aufgaben der Stiftung al» Förderer und Pfloger der Lessing-Erinnerungsstätten. Kultus- und Wohlfahrt s- mmssterium des preußischen Staates stellten aus dem Ertrage der Wohlfahrtslvtterie für die Lessing-Stistung den Bettag von 20000 Mark zur Derfügung. Weiter« namhaft« Beträge stehen in Aussicht, so daß die Stiftung schon jetzt über 31000 Mark verfügt. Bürgermeister Eyferth nahm di« Stiftung zum Schluß in den Schutz der Stadt. Schinkel als Berliner Baumeister. Im Architekturmus emn der Technischen Hochschule sind Zeichnungen, Entwürfe und Baupläne von Friedrich Schinkel ausgestellt; aus dem Besitz des Schinkel-Mujeums, das zwar dem Bereich der Nationoigolerie angehört, um seines spröden, den meisten wenig zugänglichen Stoffes willen aber so gut wie unbekannt ist. Heut«, da jedermann«in unmittelbares Interesse an architektonischen Fragen hat, zumal in Berlin, verdient dies« Erinnerung an den größten deutscheu Baumeister der Romantiterzeit unseren wärmsten Dank. Vielfach muß man sich durch die überaus sauberen urtb sorgfältigen, aber auch nüchternen Aufrisse und Pläne von klassizistischen Werken mit Phantasie und nicht ohne Mühe hindurchfinden, um den wahren Kern, di« Tatsächlichkeit des Gebauten, zu erkennen. Die Museen und öffentlichen Bauten Berlins, Potsdamer Schlösser, wie das noch heute durch seine Iugendfrische bezaubernde Charlotten- Hof, Entwürfe zu monumentaler Umgestaltung Berlins werden wohl stärker intereffiercn, als die prachtvollen Landschaftszeichnungen aus Schinkels Jugend und die großartigen, aber niemols ausgeführten Entwürfe für ungeheure Schlösser in der Krim, auf der Akropolis zu Athen und schlechthin utopische Residenzphantasien. Hätten Schinkels Pläne alle Gestalt gewonnen, so sähen Linden, Opernplatz, Museumsinfel und ihre Umgebung unvergleichlich würdiger und ein- heitlicher aus als heute. Aber es scheint das besondere Los dieser unseligen Reichshouptstadt zu sein, daß die besten Pläne zu ihrer Gestaltung nicht ausgeführt wurden und Pfuscherhände das Wffmt- liche ihres Bildes im 19. und 20. Jahrhundert haben bestimmen dürfen. Belege dafür findet jedermann überall. Dr.?atn F..Schmidt. Eine typographische Ausstellung. Von den zahlreichen Kunstgewerbeschulen Deutschlands hoben nur wenige besondere graphische Abteilungen. Eine der rührigsten dieser Abteilungen ist die der Bielefelder Kunstgewerbe- schule, die unter Leitung des Professors Trump steht. Im Berliner Buchgewcrbesaol an der Dreibundstraße ist zurzeit ein« gute Auswahl von Arbeiten dieser Schul« ausgestellt. Neben Naturstudien, di« besonders gepflegt werden, sehen wir, wie mit einfachen Mitteln, durch gute Flächenaufteilung, Abwägen der Schriftwerte und-grade sowie durch abgestimmt« Farbenwahl ausgezeichnete Ergebnisse erzielt wurden. Die zweckmäßig ausgestatteten merkantilen Drucksachen, di« werbekräftigen Plakate, die farbenfrohen Packungen und ver- schiedenen anderen Kleindrucksachen, sind von ausgezeichneter Wirkung. Besonders liebevoll wird die Buchausstattung behandelt; die zur Schau gestellten Bücher sind vom neuen Zeitwillen durch- drungen. Die Ausstellung ist von Mitte Januar bis 19. Februar täglich bis 18 Uhr(Sonnabends nur bis 15 Uhr) geöffnet. Stefan Zweig und das Reichstursbuch. Ein« französische literarische Zeitschrift hat an ein« Reih« von Schriftstellern Anfragen gerichtet, von welcher Reise sie die beste Erinnerung behalten hätten und welches ihre Liebkingslektüre fei. Unter den Antworten deutscher Schriftsteller sind am interessantesten di« von Emil Ludwig, der das Tessin als seinen Lieblingsausenthalt und jeweils sein letztes unvollendotes Manuskript als sein? Lieb- lingslettüre bezeichnet, sowie von Stefan Zweig, der für Indien schwärnrt und dessen liebstes Buch der Fahrplan ist. voltsbiha« Die Eritaufführung von Ehm Welt's.Kreuzabnahme" in de» Voltsbühne unter Paul Bildt'» Nepie ist aul den 13. Februar sestacietzt. Den Aovitow spielt Leo Reutz, den Tolstoi Albert Steinrück, Frau Tolstoi Agne» straub. Städtisch« Oper. Infolge mehrfacher Erkrankungen findet beute IS'/, Uhr statt Humperdwck».KönigZttndcr" eine Aufsübrung von Nicolai«.Die luftigen Weiber von Slndsor" statt. Die mufitalische Leitung hat Georg Sebastian. Le» Ikochtlichl hält aus Einladung der Volksbühne E. V. am Sonnabend, dem 2«. Januar, 20 Uhr. int Hörsaal de» Kunstgewerbemuseum», vrinz- LllbrechtoStr. 7» einen Lichtbildervortrag über das Thema.Moderne Groß. bauten". Einlaßkarte» 0,70 M. am Gaaleingang. Gegen die Zeus«, sfit«eiftessreihelt! Die.Deutsche Liga«ür Menschen. rechte", veranstaltet am SS. Januar im Langinb«ck«vrrchow.HauS, Luisen- ftrage 38/59, unter obigem Titel eine Kundgebung, abend« 8 Ubr, in der u. a. Arlur H«Irischer. Dr. Alsred Äpsel, Walter Has-nclev-r. Peter Mar t>,i Lampel, Herbert IHerrna, Air Ion Kuh. Pros. Paul Oeslreich. Dr. Mar; Hochdorf und viele andere da» Wort nehmen«erden. Unkostendeckung 0,50 M Das alte Lied. ,, Arbeiter mit Frau und Kind sucht Wohnung." Wohnungsnot! Berhette, verbitterte Menschen, die ohnmächtig um ihr bißchen Wohnrecht tämpfen. Wann wird dieser Jammer enden? Seit zwei Jahren bewohnt der Metallarbeiter 2. mit Frau und einem kleinen Kinde im Norden Berlins ein möbliertes 3immer mit Küchenbenutzung. Am Anfang war alles ganz gut und schön, Vermieter und Mieter vertrugen sich. Als aber eines Tages die Sorge einzog, der Mann über 2 Monate arbeitslos murde und in Mietschulden geriet, da war es auch mit dem gegenseitigen guten Einvernehmen vorbei. Die Frau des Wohnungsinhabers mar gestorben, und turze Zeit darauf begann ein regelrechter Dauerlauf von Woh nungsuchenden. Der Vermieter verhandelte mit verschiedenen Leuten, zeigte ihnen die Wohnung, also auch das vermietete Zimmer; in seiner Abwesenheit wandten sich die Betreffenden an den UnterJ Der Tag bes gerfifidjes Termines font, Ber Stager lehnte feden gütlichen Ausgleich ab; feiner Räumungstlage murde statt. gegeben und der Beklagte obendrein zur Tragung der Kosten, vers urteilt. Kurz vor Weihnachten erhielt L. das Räumungs urteil, monach er am 1. Februar 1929 die Wohnung zu verlassen hat. Die Menschen befinden sich in einer furchtbaren Verfassung. Bo sollen sie hin? Reiner nimmt sie auf. Ins Obdachlosenasyl? Auf die Straße? Am Wohnungsamt heißt es: Sie sind noch lange, lange nicht dran!" Das Wohlfahrtsamt sagt:„ Dafür sind wir nicht kompetent!" Und der Herr am Richtertisch meint: immer gibt es doch wahrhaftig genug!" O ja, man darf bloß nicht nach dem Preis fragen, und kleine Kinder, die schafft man am besten beizeiten beiseite. Wie da eine besonders liebevolle Vermieterin meinte: ,, Wat müssen Sie sich denn bei die schlechten Zeiten ooch noch' n Kind anschaffen!" " mieter um where Zusfunft, amb fo erfuhr der og yngste, daß der Wohnungsbefizer seine ganze Wohnung inferiert hatte. 2fts er ihn bei nächster Gelegenheit fragte, wie sich die Sache denn eigentlich verhalte, erklärte ihm jener, er beabsichtige, die Wohnung abzugeben und zu seinen Kindern nach außerhalb zu ziehen; gleich zeitig fündigte er dem Untermieter das Zimmer zum nächsten Ersten. Der nahm die Kündigung nicht an, und nun verklagte ihn der Wohnungsinhaber auf Räumung. Nun begann für diese armen Menschen, die sich schon die ganze Zeit über nur noch so geduldet fühlten, erst der richtige Leidensweg. Unzählige Laufereien und Schreibereien, ergebnislos das eine wie das andere. Stundenlang stand der Mann am Wohnungsamt, wo er bereits seit zwei Jahren eingetragen ist, wegen Wohnungszuweisung, dann am Wohlfahrtsamt wegen Rat oder Anweisung einer Notwohnung, und vor allem ging es tagaus, tagein treppauf, treppab auf die Zimmerjagd. Die wenigen Zimmer, die zu erschwinglichen Preisen an Ehepaare ver mietet werden, sind rar mie Gold. Er lief auf jedes Inserat, er inserierte selbst in verschiedenen Blättern, nichts, nichts. Auf drei Inserate erhielt er ein einziges Angebot, und das war ein Zimmer druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. am Aleganderplatz für die Kleinigkeit von 105 Mart. Berantwortl. für die Redaktion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlqg: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Budh Sierzu 1 Beilage. Ausnahme- Angebote! Damen- Strümpfe echt ägyptisch Mako, gute Qualität, moderne Farben • Damen- Strümpfe Paar Seidenflor, feinmaschige, kräftige Ware Damen- Strümpfe Paar Wolle plattiert, kräftige Qualität, Damen- Strümpfe Paar. reine Wolle, Kaschmir, in modernen Straßenfarben Paar 95. 175 Für die Kleinen! 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Parfümerien/ Geschenkartikel Billige Preise: Beste Qualitäten! Beilage Donnerstag, 24. Januar 1929 Der Abend Spalausgabe des Vorward Ludendorff, ein Goldmacher und zwei Romane Von der Kunst, aus Dummheit Gold zu machen Herr Ludendorff ist dem Schwindler Taufenb auf gesessen. Der erschien eines Tages bei ihm, stand stramm und sagte bescheiden:„ Exzellenz, hier ist fünstliches Gold, das ich hergestellt habe." Er zog aus seiner Tasche mehrere Barren Goldes und wies sie vor. Ludendorff war hochentzückt. Es mintte ein toloffales Geschäft und darüber hinaus die Berwirklichung phantastischer Pläne, die seit langem in den Köpfen der Rechtsradikalen sputten. Vielleicht konnte man mit dem fünstlichen Gold des Herrn Tausend die deutschen Reparationen zahlen, vielleicht fonnte es in der Hand Deutschlands zu der wirtschaftlichen Waffe merden, die einst Stinnes allerdings vergeblich im unbegrenzten Druck von Papiergeld und dem Weitertreiben der Inflation erblickt hatte. Die Gönnerschaft Ludendorffs war Herrn Tausend sehr viel mert. Es gelang ihm, insgesamt für 10 Millionen Mart Kredite zu erschwindeln, die er in sicheren Berten anlegte: er faufte zwei Schlöffer b Grundbesitz in der Nähe von Bozen. Der plumpe Schwindel des Herrn Tausend more unmöglich gemejen, menn er nicht durch milde Spekulationen völlischer Bhan tasten und durch eine gewisse rechtsradikale Literatur vorbereitet worden wäre. Im Grunde genommen sind die Geldgeber des Herrn Tausend einschließlich des großen Ludendorff nicht auf diesen plumpen Schwindler hereingefallen, sondern auf die rechtsradikale Propagandaliteratur. Fast tönnte man annehmen, daß der Millionenbetrüger Tausend Schwindler Tausend diese Literatur sehr genau getannt hat. Seine Worte und die von ihm gestellten Szenen gleichen fo getreu liberari schen Vorbildern, daß man einen direkten Zusammenhang annehmen muß. Der Romanschriftsteller Karl August von 2affert hot vor Jahren im Berlag von Hermann Pätel, Berlin, einen Roman er. scheinen lassen mit dem Titel ,, Gold". Der Inhalt: Es gelingt einem deutschen Ingenieur, Gold aus Meerwasser herzustellen. Er bietet seine Erfindung der deutschen Regierung an. Mit dem aus dem Meere gewonnenen Gold werden die Reparationsgelder bezahlt. Japanische Spione entdecken die Fabril, der Erfinder wird von Japanern gefangen genommen, es gelingt ihm, einen Bündnis und Waffenlieferungsvertrag zwischen der japanischen und der deutschen Regierung herzustellen. Die Goldinflation zerrüttet das Wirtschaftsleben aller Länder, Deutschland rettet sich rechtzeitig durch die Erfindung der Roggenmart, die der Großindustrielle Hugo ( Stinnes) höchstpersönlich aus der Taufe hebt. Zum Schluß großer Kladderadatsch, Revolution in Frankreich, Weltrevolution, Deutsch → land und Rußland erzwingen vereint einen Kongreß zur Errichtung der Vereinigten Staaten von Europa, der Moloch Gold stürzt von seinem Thron, im Zeichen der Kornwährung mintt Ausblid in eine glückliche Zukunft, Frieden und Wohlstand, körperliche und geistige Befreiung für jedermann. Es sind die Jllusionen eines verstiegenen Nationalbolichemismus, der in der blauen Luft konstruiert, weil die Wirklichkeit anders läuft als er sich vorgestellt hat. Herr Tausend muß dieses Buch als Vorlage benutzt haben. Die Szene, wie er vor Ludendorff erscheint mit dem Gold in der Tasche, um Kredit zu erbitten, ist einer Szene aus diesem Buch nachgespielt. In dem Laffertschen Roman erscheint der Ingenieur Werner beim Reichsfinanzminister, um ihm eine für das Reich höchst wichtige Mitteilung zu machen. Er trägt ihm vor: ,, Es ist mir gelungen, ein Verfahren zu entdecken, wodurch ich, beliebige Mengen Gold aus Meerwasser herzustellen vermag." ,, Haben Sie denn schon welches hergestellt?" fragte der Minister. ,, Borläufig einige tausend Kilo. Meine kleine Versuchsanstalt ist mur wenig leistungsfähig, doch steht dem nichts entgegen, jie beliebig zu vergrößern." Er öffnete seine Ledertasche und brachte eine der grauen Platten hervor. Hier sind die Muster, wie sie direkt aus dem Schmelzofen hervorgehen, mur mit grauer Deckfarbe angestrichen." Nun wurde der Minister aufmerksam, das Gold wurde geprüft, der Außenminister gerufen und der Ausgang: der Ingenieur erhielt 200 millionen Mart Kredit zum Ausbau seine Goldwerks. Herr Tausend war allerdings etwas bescheidener, er hat sich insgesamt mit 10 Millionen Mart Krediten begnügt. So vorsichtig wie der Ingenieur Berner war er allerdings auch. Der ließ sich für das gelieferte Gold in Staatsforsten und Grundbesitz bezahlen, Herr Tausend aber faufte Grundbesitz und zwei Schlöffer bei Bozen. Ein ähnliches Buch wie das von Laffert erschien im Jahre 1921 im Drei- Masten- Verlag, München. Der Verfasser war Paul G. Ehrhardt, der Titel des Buches lautete ,, Die legte Macht", ine Utopie oes angerer Zeit, Des Ingenieur Hohwant gelingt es durch starte Entladung elektrischer Kräfte Gold aus Blei herzu stellen, er entdecke zugleich eine Borrichtung, mit deren Hilfe es möglich ist, alle explosionsfähigen Substanzen in weitem Umkreise durch einfache Ent-. ladung zu sprengen. Mit Hilfe des tünstlich hergestellten Goldes fauft er eine der Azoren, auf denen er seine Werfstatt einrichtet. Er baut eine Flugzeugflotte, sammelt Techniker, Krieger und Politiker um sich, treibt in allen Staaten intensive Propaganda, zum Schluß fommt das Ultimatum: Bernichtung der Völkerbundsflotte und aller militärischen Kräfte der ganzen Welt durch Strahlungswellen, Errichtung Das literarische Vorbild Tausends Wie man sich die Goldfabrikation vorstellte ( Illustration aus dem Roman ,, Die letzte Macht") des neuen nationalkommunistischen Weltstaates. Auch dies Buch muß Herrn Tausend geistig befruchtet haben. Die Zusammenhänge find außerordentlich eindrucksvoll. Der Ingenieur Hohwart ist ein Bayer. Er errichtet seine Goldfabrit in den bayerischen Vorbergen genau so, wie Herr Tausend, der mit Hilfe Ludendorffs und seiner Geldgeber in den bayerischen Borbergen Grundbesitz faufte, darauf angeblich sein Goldlaborato rium anlegte und den Besitz durch Stacheldraht und peinliche Bemachung gegen das Eindringen Neugieriger und Unbefugter schyüzte. Dieser Schwindler hat nicht nur Phantasie besessen, sondern auch lite rarische Kenntnisse, er hat seine hochstaplerische Phantasie mit Hilfe der rechtsradikalen Propagandaliteratur befruchtet. Alchimist Ludendorff. Rinzugt für. Goldmachen 7.x: 13ab 972 30 Du mußt versteh'n: Aus eins mach zehn... Hier sieht man grausend: Rull wird aus Zausend! 209 CDA Psychologisch ungleich interessanter ist es aber, daß diese Art Literatur die Köpfe der Rechtsradikalen ungleich start beeindruckt haben muß. In der Tat stützt sich diese Literatur auf die illufio. nären Gedankenfeßen, die in der rechtsradikalen Bewegung eine sehr starte Rolle gespielt haben. Die Ohnmacht gegenüber der Wirklichfeit hat in den ersten Jahren nach dem Kriegsende zu utopischen Hoffnungen geführt. Die moderne Alchemie, die Herstellung von Gold aus unedlen Substanzen, die Erfindung des Explosionsstrahlen fenders, die Vernichtung der ehemaligen Feindstaaten durch noch unbekannte Machtmittel oder durch die Inflation und der Nationalbolfchemismus, das waren geistige Grundelemente der rechtsradikalen Bewegung. Die Geldgeber des Herrn Tausend sind diesen Illusionen zum Opfer gefallen. Sie sind nicht die einzigen: General Watter hat einft versucht, junge Beute in friegerische Abenteuer gegen die franzöfifchen Besatzungstruppen zu führen mit der Behauptung, daß er im Besitz eines Mittels fei, um sämtliche Munitionsvorräte der Franzosen aus sicherer Entfernung in die Luft zu sprengen. Hier haben wir die Nachbildung des Explosionsstrahlenfenders aus dem Buche von Ehrhardt. Bor längerer Zeit gingen in der rechtsradikalen Bewegung Gerüchte um, die übrigens furioserweise auch von besonders radi falen Pazifisten geglaubt wurden, daß es einem bayerischen Offizier gelungen fei, ein Mittel zu erfinden, um mit Hilfe elektrischer Schwingungen jedes beliebige Flugzeug aus der Luft herunterzuholen. In rechtsradikalen Kreisen flüsterte einer dem anderen zu, daß dies Mittel praktisch ausprobiert worden sei an den französischen Berkehrsflugzeugen, die den Dienst nach der Tschechoslowakei verfahen. Eine Serie von Unglücksfällen auf dieser Linie wurde von ihnen auf solche Versuche zurückgeführt. Im übrigen hat diese Geschichte auch in den Erzählungen und Fälschungen des großen Dotumentenfälschers und Schwindlers Schreck, der vom Reichsgericht abgeurteilt wurde, eine Rolle gespielt. Dabei stammt diese Geschichte in allen ihren Elementen direkt aus dem im Jahre 1921 erschienenen utopischen Roman Die legte Macht". Berm solche Phantastereien schon erwachsene Leute so stark beeinbruden, wie müssen sie erst auf die unreife Jugend wirken, die den Kern der rechtsradikalen Bewegung ausmacht! Herr Tausend hat es verstanden, aus diesen Illusionen und utopischen Hoffmmgen Wirklichkeit werden zu lassen. Er hat freilich nicht Gold aus Dred fabriziert, er hat auch nicht den Explosionsstrahlenfender erfunden, nicht die nationalfommyinistische Weltrevolution hervorgerufen aber eins hat er verstanden. Er hat Gold gemacht! Für 10 Millionen Mark, weder aus Meermasser noch aus Blei, sondern nach dem altbewährten Rezept, das ein jeder Hochstapler tennt, aus der Dummheit seiner Mitmenschen, in diesem Falle des Herrn Ludendorff und seines Kreises. Karten vergriffen! Ein Besuch im Reichstag. " Großer Tag" im Reichstag. Nicht nur die Abgeordneten sind vollzählig versammelt, sondern auch das Publikum drängt sich in dichten Scharen zur Sigung. Wenn irgendein besonders aktuelles Thema auf der Tagesordnung steht, sind die Tribünenfarten längst vergriffen, bevor der Präsident die Sizung eröffnet. Trotzdem pilgern an solchen großen Tagen" Scharen von politisch interessierten Frauen und Männern zum Portal 5 des Reichstags, um Einlaß zu finden. Die meisten von ihnen wissen, daß es eine Unmöglichkeit ist, eine Karte zu erhalten, aber sie möchten durchaus den großen Tag" persönlich miterleben. Darum lassen sie durch einen der Reichstagsangestellten einen Abgeordneten ihrer Partei durch das vorgedruckte Formular um eine Unterredung" bitten. Die Anmeldehalle ist angefüllt mit diesen Besuchern. Das geübte Auge erkennt aus den Anwesenden sofort deren Parteizugehörigkeit. Dieser Herr mit dem Tirolerhut und dem Rasierpinsel daran will bestimmt zu einem völkischen Abgeordneten. In der Tat, nach einiger Wartezeit ruft der Diener: Zu Herrn Abgeordneten Kube!" und schon meldet sich unser schnauzbärtiger Rafierpinsel. Und jener Herr dort mit dem entseßlich hohen Stehfragen, Monofel im Auge, 24 Haare genau gescheitelt, deutscher Blick, Visitkarten vom Mensurboden an der Wange, hat sich sicher bei einem deutschnationalen Abgeordneten melden lassen. Richtig. „ Der Herr Abgeordnete Treviranus läßt bitten." Den Anhänger Mostaus erkennt man nicht nur an seinem Rot- Front- Abzeichen, sondern auch an der ganzen Struktur seines aufgeblähten Ich. Mit finsteren Blicken läuft er in der Halle auf und nieder; man hat den Eindruck, als wolle er dem Abgeordneten Stoecker melden: ,, Die Revolution ist auf dem Marsch, sie steht vor dem Brandenburger Tor." Aber sein Parteifreund läßt ihn sehr lange warten, und in der Zwischenzeit verläuft sich die Weltrevolution, wie er selbst refignierend seinen schweren Körper auf die Bant fallen läßt. Auch die obere Klasse einer höheren Mädchenschule hat sich eingefunden. Reizende Mädelchen, die unter der Führung einer Lehrerin von Dormärzlichem Typ die Einrichtungen des Reichstages einschließlich W.C. und Kleiderablage besichtigen wollen. Wie die Küken um die Henne scharen sie sich um die Lehrerin, und nur eine Resse tauscht mit einem Herrn in Lackschuhen interparlamentarische Blicke aus. Die beiden würden sich sicher zu einer vertrauensvollen Koalition zusammenfinden, wenn nicht der Herr eben zum Abgeordneten Brüninghaus abgerufen würde. Dazwischen wiederholt von Zeit zu Zeit der Diener:" Bitten um Tribünenfarten sind vollkommen zwecklos, die Karten sind alle vergriffen!" In der Wandelhalle herrscht die Atmosphäre des„ großen Tages". Abgeordnete aller Parteien gehen mit ernsten Mienen lebhaft. diskutierend auf und ab. Der schlanker gewordene Dr. Stresemann unterhält sich mit mehreren Besuchern, er scheint bei guter Stimmung zu sein. Der Zentrumsführer Stegerwald versucht auf zwei Herren im Priestergewand einzuwirken. Reichss arbeitsminister Wissell diftiert mit nachfinnenden Augen einem Sekretär. Aus dem Sitzungssaal schrillt die Stimme des Abg. Koenen. Kein Wunder, daß die übrigen Fraktionen und ein großer Teil der eigenen Frattion geflüchtet find, A Al die Firma le Verkrachte von Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rutten& Loening, Frankfurt a. M. ( 4. Fortsetzung.) ,, Marsch, schauen Sie, daß Sie weiter tommen." Der Haufierer trollte sich. Menschen traten zum Schanktisch, bestellten, fehrten mit Tellern an ihre Tische zurüd, aßen, zahlten, gingen; andere famen. Und durch alle Gespräche immer das Flüstern: ,, Haben Sie eine Stelle?" ,, Nein, ich hab' nichts gefunden." ,, Ja, eine famose. Zwei Dollar per Tag." Ja, er hat mich entlassen, weil ich ihm widersprochen hab'. Am liebsten ging ich hin und würde ihm eine herunterhauen. Woher nimant er die Frechheit?" ,, Gib doch Ruh." Er saß da und beobachtete die Menge. Das Holzbrett vor ihm mar leer, nur dort, wo der Kaffee gestanden hatte, dunkelte ein feuchter Fleck. Der Fußboden mar mit Sägespänen bestreut, mit Bigarren und 3Zigarettenftummeln. Männer redeten, debattierten, plauderten, aßen, zahlten, gingen. Er betrachtete fic. Das find Tagediebe, ganz gemeine Tagediebe, die nicht mehr arbeiten, als fie unbedingt müssen. Und finden sie eine Stelle, so bleiben sie nur solange dort, um eine Zeitlang essen zu können, dann tündigen sie. Diese Leute denken nie an das Morgen. Sobald ihr Bauch voll ist und sie Geld genug für eine Schlafftelle haben, ist ihnen alles andere einerlei. Sie pfeifen darauf. Und sie sehen gar nicht sorgenvoll drein. Ihnen liegt nichts daran. Die wollen nicht, wie er, eine Zukunft aufbauen. Die ere hoffen nicht behagliche alte Lage, ein Heim, die Möglichkeit, zu rasten, ehe man für immer fortgeht. Die glauben an das Jezt, nicht an das Dann. Die leben in der Gegenwart, Aber vielleicht tun sie es doch nicht; vielleicht sind sie ganz anders. Möglicherweise waren auch sie einmal wie er, haben gleich ihm in die Zukunft geblickt, und dann ist ihre Firma pleite gegangen, oder sogar viele Firmen, bei denen sie gearbeitet haben, sind pleite gegangen, oder aber sie haben nicht in das Bureau gepaßt, in dem fie gearbeitet haben. Bielleicht wollten sie etwas anderes tun, gleich ihm, als er bei Goldstein, dem Rauchwarenhändler, arbeitete, und waren dazu nicht start genug. Oder vielleicht waren sie nur nicht imstande, die alte Arbeit aufzugeben und eine neue zu beginnen. Waren schwach und ließen sich gehen. Konnten den Kampf nicht aufnehmen. Er zweifelte teinen Augenblick daran, daß er weiter fämpfen wird. Nicht eine Sekunde lang jah er sich, gleich diesen Menschen, in das Lotal geschlendert fommen. Nein. Er wurde nur einen Augenblic schmach, schwach im Kopf, wenngleich hinter seinen Gedanken das Bewußtsein lebte, daß er weiterfämpfen wird, gegen alles tämpfen und obenaufkommen. Die Sekunde, da er sich ohne Arbeit und ohne Hoffnung fah, bestärkte nur seinen Entschluß, hochzukommen. Er stellte sich vor, wie er das Lokal betrat, nicht wie heute, da er zwar stellenlos, aber voll von Ehrgeiz und der Gewißheit eines fünftigen Erfolges ist, sondern wirklich stellenlos, verlassen, ohne einen Cent. Bevor er herkommt, wird er erst lange vergeblich um Arbeit gesucht haben. Wo er sich auch vorstellte, überall haben ihn die Leute angesehen und gesagt, oder auch nur gedacht: Sie sind ja nur ein Tagedieb. Es hat gar feinen Sinn, Ihnen eine Arbeit zu geben. Sie laufen ja doch nach dem ersten 3ahltag meg. Wollen ja gar feine Stelle, wollen sich nur wieder einmal sattessen." Und dann haben die Leuté gesprochen: ,, Nein, heute ist nichts frei!". Ihm aber wird es einerlei sein. Er wird insgeheim wissen, daß er ja gar nicht arbeiten will, er will nur so viel schaffen, um nicht verhungern zu müssen, um am Leben bleiben zu können. Manchmal wird er Arbeit finden manchmal findet jeder Arbeit. Niemand verhungert, schließlich und endlich findet jeder etwas. Mit solchen Gedanken wird er in das Restaurant tommen, hungrig, müde vom Suchen nach Arbeit. Und ohne einen Cent in der Tasche. Er wird damit rechnen, daß ihm jemand eine Tasse Kaffee und vielleicht auch ein belegtes Brötchen zahlt. Wird einen Bekannten sehen, zu ihm treten, sagen: ,, hören Sie, leihen Sie mir zehn Cents. Zehn Cents für eine Tafsee Kaffee und ein belegtes Brötchen." Aber er wird das Geld nicht befommen; er weiß schon heute, daß er es nicht bekommen wird. Aus dem einfachen Grunde, weil er es nicht zurückgeben fann. Und nachdem er so einige Leute an geschnorrt hat, wird man ihn hinauswerfen, wie man eben den Haufierer hinausgeworfen hat. Dann wird er auf der Straße stehen, einen Menschen erblicken, der einen gutmütigen Eindruck macht, auf ihn zutreten und sagen: ,, Herr, geben Sie mir zehn Cents. Ich bin eben aus dem Spital entlassen worden." Aber auch hier wird er nichts bekommen. Und sogar menn er die zehn Cents befommt, wird er doch morgen und übermorgen nidyts friegen. Und was dann? Die Heilsarmee. Er erschrat. Obgleich er jung und ehrgeizig war, obgleich er auf der Bant genügend liegen hatte, um eine Zeitlang leben zu fönnen, obgleich er mußte, daß er schon morgen eine Stelle finden fonnte, daß er in der Street bekannt war und ihm schon öfter Stellen angeboten worden waren, erschrot er. Er begann zu giauben, daß er wirklich verlaffen, ohne Aussichten sei, daß es für ihn feine Zukunft gebe, er feine Stelle finden würde, nie mehr eine Stelle finden würde. Das Bild feiner Hilflosigkeit verdrängte völlig das Bild seines Ehrgeizes. Ja, er ist verlassen, stellenlos, ohne Hoffnung. Er zahlte und verließ, noch immer in diese Gedanken perfunten, das Lotal. Run schritt er nach der Oberen Stadt, jah rmgsum heimeilende Leute, Menschen, die eben aus Bureaus tamen, die nicht einer pleite gegangenen Firma gehörten, Menschen, die am folgenden Tag ins Bureau zurüdgehen werden, die Aussichten haben, eine Zukunft. Er Dertangjante feine Schritte, als habe er nirgendwohin zu gehen, fein Heim, teine Bleibe. Das Bild des Bureaus, das er verlassen hatte, verblaßte. Er sah hinter sich nichts. Stonnte sich nicht erinnern, wo er zuletzt gearbeitet, wann sein Name auf einer 3ahlliste gestanden, ob er je ein gesichertes Morgen hatte. So schritt er weiter, unter den Menschen, die aus den Bureaus heimeilten, verloren, allein und hilflos. Da erblickte er eine Flagge, eine blaue Flagge mit weißen Buchstaben. Er betrachtete sie. Zuerst konnte er die Worte nicht entziffern; die Flagge flatterte im Wind und die Buchstaben vermischten sich miteinander: ein S und ein M. Schließlich fonnte er die Worte lesen: ,, United States Marine." Er starrte die Worte an, ohne zu wissen, was er vor fich sah. Die Flagge flatterte nach rechts und nach links, schien ihm zu winter. United States Marine. Lernt die Welt fennen. Erlernt States Marine. einen Beruf. United - Er starrte auf die Flagge. Erlernt einen Beruf. Einige Jahre ohne Sorgen für das Morgen. Drei Mahlzeiten am Tag. Alles States Marine. So und so viel andere ist einerlei. United im Monat. Keine Ausgaben. Man braucht an nichts zu denken. Sich nur um seine Arbeit fümmern und essen, was Play hat. Kein Stoßen, fein Drängen, fein Fortpuffen des Bordermannes. Nicht etwa, daß es ihn stört, den Bordermann fortzupuffen, aber er würde es hier nicht mehr zu tun brauchen. Hier braucht man mur effen. Jezt sah er ausschließlich die Flagge. Blau mit weißen Buch staben. Und einem Anter. Weshalb nicht? Weshalb nicht? Weshalb nicht? Er farat auf. os tut er? Bahin geft er. Er starrte auf den ihn führenden Mann und fah eine Uniform. ,, Nein!" schrie er. Er gab dem Offizier einen Stoß und lief auf die Straße. 5. John T. Glŋmmer. Für ihn gab es jetzt nur eines: vergessen. Er muß es vergessen. Ja, vergessen. Rann er es nicht vergessen, so wird es in ihm anschmelen, aufbrechen. Es ist ja mehr als.. ,, Mehr als mas?" fragte er sich wütend. Ist es mehr als..." Rein, er muß es vergessen. Bergessen. Vergessen. Bergessen. Eine Mutter fingt das Kind in den Schlaf. Schlaf, Kindchen, schlaf. Eine Mutter singt ihn in den Schlaf. Ihn mit seinen hundertneunzig Pfund und völlig angezogen. ,, Schlaf, Johnny, schlaf. Die Mutter ist bei dir." Zurüdgelehnt, ballte er die Hände fest zur Faust und schloß die Augen. Vielleicht ist es in der Dunkelheit möglich, nicht zu denken. Bielleicht kann er vergessen. Das Auto schaufelte leicht wie ein Schiff, das die Wellen durchschneidet, lullte und lullte ihn ein. Er fuhr hoch. Was zum Teufel liegt ihm daran, ob die anderen ihr Geld verlieren? Das ist Sache der anderen. Sie sollen doch zu einer ehrbaren Firma gehen. Die seine ist es nicht gewesen, die feine mar betrügerisch. Er ist ein. Nein, nein, er ist es nicht. Er ist John T. Glymmer, Schahmeister der Vereinigten Staaten. Nein, nicht mehr, Erichahmeister der Bereinigten Staaten, heute älterer Rompagnon der Firma Glymmer, Read u. Co. Konfurserklärung. ,, Aber bitte," sprach er zu sich selbst. ,, Nicht alles auf einmal." Er muß sich zurechtfinden, muß aus dem Gehirn allen Unrat fegen. Außerdem muß er sich zurechtlegen, was er seiner Frau sagen wird. Wie er ihr ins Gesicht sehen soll. Seiner Frau. Er öffnete die Augen. Starrte auf Henrys Rüden. Henry lentte das Auto. Er saß, wie immer, leicht über das Steuerrad gebeugt, warf nach links und rechts rasche Blide. So war er immer. Herr Glymmer, die Augen auf Henrys Rücken geheftet, fühlte alles vernichtet. Ueber dem Wasser schwammen Teile der Welt, an die er sich flammern fonnte. Er blickte, gleich Henry, hastig nach rechts und nach links, dann wieder nach vorn. Nichts sprach dagegen. Drei Mahlzeiten am Tag. Alles frei. fich etwas sicherer. Noch umgab ihn eine Welt. Noch war nicht Keine Sorgen. ,, Ueberlegen Sie fich's, mein Sohn?" Vor ihm stand eine Uniform, über der Uniform breite Kinnbacken. Harte Rinnbaden, harte Augen. Die Augen prüften ihn. Brüften genau. . ,, Ueberlegen Sie sich's?" Der Kerl gefiel ihm. Er blidte den Refrutierungsoffizier an. Der Keri gefiel ihm. Die Firma ist pleite. Was für einen Sinn hat das ganze? Ohne zu wissen, was er sagte, erwiderte er: „ Ja." Der Offizier nahm ihn beim Arm und zog ihn, sanft mit sich. Er gab nach. Die Firma ist pleite. Keine Sorgen mehr. Er gab der Bewegung des fremden Armes nach. Ließ sich führen. Bevor er die Stufen hinaufging, blickte er auf die Straße zurüd. Die Leute gingen vorüber, eilten heim. Ramen von der Arbeit. Heim. Die haben ein Heim. Er begann von neuem nachzudenken. Er ist John T. Glymmer. Bon Beruf Staatsbeamter. Seit feinem fünfundzwanzigsten Jahr, da er zum Stadtrat gewählt wor= den war, ist er Staatsbeamter gewesen. Stadtrat. Abermals zum Stadtrat gewählt. Stadtrat. Stadtrat. Dann Börsenkommissar. Brandkommissar. Kontrolleur für die Stadt New York. Staatlicher Kontrolleur. Schahmeister der Vereinigten Staaten. Puntt. Auf jeder Note, die das Schazamt der Bereinigten Staaten ausgegeben hatte, war während seiner Amtszeit sein Name unterschrieben gewesen. Er erinnerte sich an die Artikel in den Magazins, furze Zeit bevor er das Amt aufgab: die wertvollste Unterschrift der Welt. Bom Zeitungsausträger zum Schahmeister der reichsten Körperschaft der Erde. ( Fortfegung folgt.) WAS DER DER TAG BRINGT. Die Brautnacht im Löwenzwinger. Wir sind in Berlin, mas Sittlichkeit anbetrifft, mit dem Lämmchen auf der Weide vergleichbar. In einer medlenburgischen Stadt wir wollen den Namen verschweigen, um eine Abwanderung der männlichen Eingeborenen dorthin zu verhindern eristieren ein Hippodrom, ein Kabarett und ein Barieté! An den Anschlagfäulen prangt bunt die jeweilige„ Elite Programmnummer". Es wird Fabelhaftes geboten: Hippodrom: Borführung der Strandniɣen auf Abd el Krims Araberhengsten in ihren originellen Badekostümen. Kabarett: unum Die Hüllenlose Pariser Schönheitstänze. ftrittensten Repuestars und schönsten Frauen, die momentan das Tanzvarieté beherrschen. Barieté: Die Brautnacht im Löwenzwinger und der Kampf mit der Schlange. Eine Vision von Liebe, Laster und Grauen. Wir vermissen nur noch die Anfündigung, daß Kinder und Militärs( pom Feldwebel abwärts) nur die Hälfte zu bezahlen brauchen. RUNDFUNK AM ABEND Donnerstag, 24. Januar. Berlin. 16.00 Prof. Dipl.- Ing. von Hanfistengel: ,, Technische Lehrmittel". 16.30 Uebertragung aus der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche: Orgelmusik in Süd- und Mitteldeutschland vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Allegro Tempo di Minuetto. Anschließend: Konzert. 1. Mozart: Sonate für Violine und Klavier( K.-V. 304): 2. Beethoven: Sonate für Violine und Klavier a- moll, op. 23: Presto Andante scherzoso, piu Allegretto Allegretto molto( Alfred Wittenberg, Violine und Erna Klein, Flügel). 17.30 König Saul", ein Trauerspiel, in Bruchstücken gelesen vom Verfasser: Eberhard König. 18.30 Hermann Röẞler: ,, Die kleinen Helden des Films". 19.00 Dr. Siegfried Kadner:„ Die Gegenwart und die Welt der Primitiven". 1. Sammler und Jäger, Hirten und Bauern. 19.30 Hans- Bredow- Schule, Wirtschaftspolitik: Prof. Dr. M. J. Bonn: ,, Probleme der Weltwirtschaft". III. 20.00 Fritz Ohrmann: Einführung zu dem anschließenden Chorwerk ,, Le Laudi" von Hermann Suter. Dirigent: Generalmusikdirektor Paul Scheinpflug. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik( Kapelle Marek Weber). Königswusterhausen. 12.30 Mitteilungen des Reichsstädtebundes. 13.45-14.15 Bildfunkversuche. 14.30 Tilde. Bauer- Zickuer: Kinderstunde: Schnurren und Schwänke. 15.00 Lehrer Auras: Sprecherziehung in der Landschule. Das gequälte Wildschwein. In der Hauptgeschäftsstraße Brüssels ist ein Lebensmittelgeschäft, das sich seinen Stunden besonders dadurch empfiehlt, daß es noch nicht zerstückeltes Wild in die Auslage an der Straße bringt. Nun begab sich dieser Tage, daß ein Wildschwein, das nach allem menschlichen Ermessen den Anspruch darauf hatte, tot zu sein, sich zu bemegen begann. Die Spaziergänger jahen, mie es zudte, einen Fuß rührte, und alsbald erfaßte sie Mitleid mit dem nicht ausreichend totgeschoffenen Tier. Man protestierte bei dem Geschäftsinhaber, rief die Polizei herbei, die auch schließlich tam und mit der Energie, die diese Einrichtung in der ganzen Welt hat, gegen den tierquälerischen Kaufmann vorging. Er beteuerte seine Unschuld, das Tier sei ihm für mousetot geschossen von einem Jäger aus den Ardennen geliefert worden. Umsonst. Man hielt ihm die Aussage der Augenzeugen entgegen, und schon machte man fich daran, eine ärztliche Untersuchung des Tieres zu veranstalten, als sich bei dem Fortschleppen des Wildbreits zeigte, daß ein Bindfaden von dem Schwein nach einer Rellerlude lief, worauf sich die ganze Tierquälerei aufs harmloseste erklärte. Ein in den unterirdischen Räumen augenscheinlich nicht ausreichend beschäftigter Lehrling hatte fich den Spaß gemacht, mit diesem Bindfaden das Tier in Zuckungen zu verseßen, so daß der den Zusammenhang nicht ahnende Spaziergänger an ein Fortleben des Schweines nach dem Tode zu glauben begann. Es war aber nichts anderes als ein Ult. , Abenteuer" des Schulmädchens. Bor einigen Tagen wurde in Paris ein 13jähriges Schulmädchen am frühen Morgen in einem Auto gefeffelt aufgefunden. Man brachte sie ins Polizeirevier, und hier erzählte sie eine ganz abenteuerliche Geschichte. Ein paar junge Leute hätten sie mit Gewalt in das Auto gezerrt, fie in einen großen Wald gefahren, schließlich nach Paris zurückgebracht, dann allein gelassen. Als die erschreckten Eltern, die seit zwei Tagen ihr Töchterlein vermißten, ins Polizeirevier geeilt tamen, erzählte ihnen dessen Leiter, wie sich die Dinge in Wirklichkeit zugetragen hatten. Das Mädchen hatte megen ihres schlechten Zeugnisses gefürchtet, von der Mutter bestraft zu werden. Die erste Nacht verbrachte sie in einem Hausflur, am 3weiten Abend, hungrig und verfroren, kam sie auf die Idee, auf abenteuerliche Weise wieder zu ihren Eltern zu gelangen. Sie vertroch sich in ein Auto, das vor einer Garage stand, schlief dort die Nacht hindurch, fesselte sich am Morgen mit den Stricken und murde in diesem Zustande entdeckt. So hatte sie wenigstens ihr Abenteuer und war nun sicher, daß die Eltern, die glücklich waren, ihr Kind wiedergefunden zu haben, sie wegen der schlechten Note nicht ausschimpfen würden. 43 Jahre gefangen. Im Jahre 1885 murde der Neger Henry Scrainains aus SüdKarolina wegen bewaffnetem Raub zu lebenslänglichem Kerter perurteilt. Im Jahre 1924 traf ihn die Begnadigung. Dret Monate später tam er zum Gouverneur und bat, ihn ins Gefängnis zurüdzunehmen: er sei des Lebens in der Freiheit vollkommen entwöhnt. Sein Wunsch wurde ihm gewährt, Jezt droht ihm wieder Be15.40 Frieda Radel: Frauenstunde. Ehereform im Spiegel neuzeitlicher Lite- gnadigung. Er bittet nur um das eine: ihn im Gefängnis in Ruhe ratur( III.): Die Kameradschaftsehe. 16.00 Lehrer Auras: Sprecherziehung in der Landschule. 16.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Berlin. 17.30 Carl Lange: Danzig und der deutsche Sport. 18.00 Albert Brodbeck: Der Ungebildete und die Kunst( 1.): Umfang und Grad seiner Aufnahmefähigkeit. 18.30 Gertrud van Eyseren, César Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Direktor Warrelmann: Elektrizität in der Landwirtschaft, besonders im landwirtschaftlichen Haushalt. 19.20 Max Menzel: Der reisende Kaufmann( 1.): Einführung. 20.00-00.30 Uebertragungen von Berlin. sterben zu lassen. Das Gefängnis als Altersheim! Aus der Revierstube. Der Reichswehrmann tam zum Militärarzt. Mit Kopfschmerzen. Mergerlich sagte der Doktor: Bürden Sie im Zivilleben auch mit so etwas zu mir tommen?" Rein, ich würde nach Ihnen schiden," war die richtige Antwort ( Aus dem Wahren Jacob".) des Soldaten. Sport und Spiel Das ist mal ein Winter! Im letzten Jahrzehnt ist der Wintersport fast ausnahmslos eine Angelegenheit für bestimmte bessergestellte Kreise gewesen. Er blieb cine Angelegenheit der Bevölkerung, die entweder in der Nähe der Hochgebirge wohnte, oder aber vermittels ihres Geldbeutels sich weite Reisen und den fostspieligen Aufenthalt in der Schweiz oder fonstmo leisten konnte. Nun haben wir nach einem normalen Scmmer auch wieder einmal einen richtiggehenden" Winter bekommen. In diesem Jahre haben endlich auch einmal die Ebenen, Kleinund Mittelgebirge das Kleid des Winters, Eis und Schnee, länger tragen fönnen. Fast sechs Wochen lang schon hat man gute Schneeund Eisverhältnisse. Das ist gegen die früheren warmen Winter eine fast unerhört lange Zeit. Den Borteil hat vor allem die Bevölkerung der Großstädte, die endlich einmal Winterfreuden fennenlernen fonnte. Den Borteil hat aber auch vor allem der organisierte Arbeiterwintersport gehabt. Dieser Brachiwinter war es in der Hauptsache, der den großen Zustrom zu den proletarischen Wintersportorganisationen verursachte. Weite Kreise, die er mangels lebungsgelegenheit seither nicht erfassen konnte, sind ihm in den legten Wochen beigetreten. Die Gelegenheit schuf Freunde; Freunde vor allem unter dem Nachwuchs, wie die Arbeiterwintersport Olympiade in Johanngeorgenstadt deutlich bewies. Wer in den letzten Wochen den Sportbetrieb auf den Eisplätzen der Städte und in den Gebirgen berbachten fonnte, der erlebte, wie die Jugend nur auf die Gelegenheit gewartet hat, um dem Winter sport begeistert zuzueilen. Taufende haben erst in diesen Tagen gelernt, mit den Stiern und Schlittschuhen umzugehen. Der Arbeiterwintersport sah seine Mitgliederzahlen start machsen; er konnte jekt auch in erhöhtem Maß Eis- und Sfiwettkämpfe durchführen. Wir haben aber immer noch feststellen müssen, daß bei einem zweiten solchen Winter von den Stadtverwaltungen noch mehr und lebungsgelegenheiten unentgeltliche geschaffen merden müssen, um den Verbänden ihre Werbearbeit für diesen ,, reinsten" aller Sports zu erleichtern. Bei Schneemangel ist natür Ich nichts zu machen. Diefer Winter wird zweifelsohne auch eine nicht unwesentliche Steigerung des sportlichen Leistungsvermögens bringen; die technische Bervollkommnung unserer Wintersportler wird schneller gehen, mie ja wieder Johanngeorgenstadt bewies. Sehr zufrieden mit diesem Winter find nicht zuletzt auch die Leute, deren Sorgen der Terminkalender bildet. Auf ihnen liegt nicht wie in früheren Wintern die Sorge, ob eine Beranstaltung auch wirklich unter Dach und Fach zu bringen sein wird. Die läftigen Berlegungen blieben unnötig. In allen seinen Teilen, somohl für die Gesamtbevölkerung als auch für die Organisationen, bildet dieser Refordwinter eine er freuliche Unterbrechung der läppigen Vorwinter. Es wird im Arbeiterwintersportlager ernste Arbeit geleistet. Das um Neujahr in Johanngeorgenstadt abgehaltene Bundes wintersportfest des Arbeiter Turn- und Sportbundes war dafür ein sehr guter Beweis. Gut die Organisation, groß die aktive Beteiligung der Sportler im Gegensatz zu bürgerlichen Veranstal= tungen, und mustergültige Selbstdisziplin. Mitte Januar hielt der Kreis Thüringen in Frauenwald einen Wintersportlehrgang ab, der 60 Teilnehmer aufmies und damit eine Höchstbeteiligung an einem. Lehrgang dieser Art ergab. Im Borjahr waren es 30 Teilnehmer gewesen. Untergebracht waren die Kursisten in dem großartig eingerichteten Ferienheim der Ferienheimgenossenschaft Naturfreunde" Jena. Lerneifer und Begeistes rung der Kursisten einfach blendend. Ueberall, wo Arbeiter: und Wintersportfeste bei halbwegs günstigem Wetter abgehalten wurden, wurden auch die Erfolge des Borjahres meit übertroffen. So mies zum Beispiel das Wintersportfest des Kreises Hessen- Nassau am letzten Sonntag im Taunus über 300 aktive Teilnehmer auf. Schießmeisterschaft.Die grüne Woche". " 1 Die Grüne Woche" mit ihren mannigfaltigen Veranstaltungen bietet dem Jäger immer eine besondere Freude. Sie gibt ihm nicht nur Gelegenheit, seine erbeuteten Trophäen innerhalb der deutschen Jagdausstellung zur Schau zu stellen, sondern er hat auch die Möglichkeit, in scharfer Konkurrenz sein können im jagdlichen Schießen unter Probe zu stellen. Die Arbeitsgemeinschaft Groß- Berliner Jägervereine e. V. veranstaltet mieder, wie in den Vorjahren, ein Schießen um die Meisterschaft der Woche, an dem sich Jäger aus allen Teilen Deutschlands beteiligen. Dieses Schießen ist auf jagdlichem Gebiete das weitaus größte des ganzen Jahres. Am Sonnabend, dem 26. Jamuar, ab 9 Uhr, ist das Büchsenschießen und am Sonntag, dem 27. Januar, ab 11 Uhr, das Flintenschießen um die Meisterschaft der Grünen Woche auf den Ständen der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen in Wannsee. Neben dem Einzelschießen finden auch Mannschaftskämpfe statt. Biele Berliner und auswärtige Vereine haben bereits ihre Mannschaften gemeldet. Die Klasseneinteilung gibt auch dem weniger sicheren Schüßen Gelegenheit, einen Preis zum Andenken an die Grüne Woche zu gewinnen. Besonders wird darauf hingewiesen, daß die Arbeitsgemeinschaft GroßBerliner Jägervereine e. B. feinen Zwang zur Teilnahme an beiden Schießen ausübt, jedem der Teilnehmer bleibt es überlassen, ob er sich am Büchsen- oder Flintenschießen beteiligen will. Nennungen werden auch noch am Tage des Schießens angenommen. Kleinflugzeug- Wettbewerb. Ein Europaflug ist Bedingung. Die Ausschreibung für den von der Federation Aeronautique Internationale neu geschaffenen internationalen Bettbe= werb für Kleinflugzeuge ist jetzt erschienen. Die Gejamtpreise von 300 000 Franken merden von Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz, Rumänien und der Tschechoslowakei aufgebracht, die erstmalige Durchführung der Beranstaltung hat Frankreich übernommen. Der Wettbewerb ist offen für mindestens zweifigige Meinflugzeuge, die in zwei Gewichtsklassen eingeteilt werden: Flugzeuge von 280 und Flugzeuge von 400 Kilogramm Leergewicht( eine Differenz von zehn Prozent nach oben ist erlaubt). Die technischen Brie fungen sowie die Betriebsstoffverbrauchsprüfung über 300 Rio meter beginnen am 3. Auguft auf dem französischen Flugplatz Orly. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit werden auf einem großen, 6000 Kilometer langen Rundflug geprüft und bewertet. Dieser führt in 24 Etappen von Paris über Basel, Genf, Lyon, Marseille, Turin, Mailand, Benedig, Zagreb, Belgrad, Turmi- Severin, Bukarest, Turnu- Severin, Budapest, Wien, Brüm, Prag Breslau, Warschau, Bosen, Berlin, Hamburg, Amsterdam und Brüssel wieder nach Paris. An Mindestgeschwindigkeiten werden 85 Stundenkilometer für die 400er Klasse, 70 Stundenkilometer für die kleine Klasse verlangt. Der Sieger des Wettbewerbs erhält einen Preis von 100 000 Franken, sein Flugverband den internationalen Wanderpreis. Vom Arbeiter- Schwimmsport. Zum Fest in Steglitz. Höchstleistungen. Am Sonntag, 27. Januar, findet das erste Schwimmfest Am Sonntag, 27. Januar, findet das erste Schwimmfest der Freien Schwimmer im 12. Berwaltungsbezirt, Stegli, statt. Es ist die erste Veranstaltung, die von einem Verein des ArbeiterTurn und Sportbundes im Steglitzer Bezirk veranstaltet wird. Das Schwimmfest soll ein Auftakt zu neuem Werben für die Arbeitersportbewegung sein. Die Bevölkerung wird gebeten, sich recht zahl reich an dem Fest zu beteiligen. Am Start ist außer dem Beranstalter, Neptun- Weißensee, die Schwimmabteilung der Turnerschaft Luckenwalde, Freie Schwimmer Senftenberg, Freie Schwimmer Mariendorf und Potsdam. Eine Frauenreigenmannschaft des 1. Kreises wird ihr bestes zeigen. Zwischen dem Veranstalter und Senftenberg werden Bafferballspiele ausgetragen. Das übrige Programm wird ausgefüllt mit Schwimmwettkämpfen, Stredentauchen usw. Am Schluß werden sich alle Besucher zu einem geselligen Beisammensein in der Sternbiele, Kielerstraße 7, einfinden. * Im Jahre 1928 wurden von Mitgliedern des Wiener Arbeiterschwimmvereins, der etwa 8000 Mitglieder umfaßt, nicht weniger als einundzwanzig neue Höchstleistungen im Schwim men erzielt, eine Tatsache, durch die der Aufstieg des österreichischen Arbeiterschwimmsports in überzeugender Weise festgestellt wird. Nachfolgend die vom Arbeiterbund für Sport- und Körperkultur Desterreichs( Astö) anerkannten Bestleistungen: Männer. Brustschwimmen: 50 Meter. 36,6 Set.; 100 Meter 1,23 Min.; 200 Meter 3: 04,5 Min.; 400 Meter 6:42 Min. Rückenschwimmen: 50 Meter 34,5 Gef.; 100 Meter 1: 19,2 min.; 400 Meter 6: 42,8 Min. Freistilschwimmen: 50 Meter 28,7 Get.; 100 Meter 1:06 min.; 200 Meter 2: 40,4 Min.; 300 Meter 4: 37,2 Min.; 400 Meter 6:06 Min.; 1500 Meter 26: 20,4 Min. Staffeln: 4X100Meter- Bruststil 5: 51,6 min. 4X100- meter- Freistil 4: 43,3 Min. Frauen. Brustschwimmen: 50 Meter 45,2 Set.; 100 Meter 1: 38,8 Min. Rückenschwimmen: 50 Meter 41,6 Sef.; 100 Meter 1: 33,3 Min. Freistilschwimmen: 50 Meter 36,4 Sef.; 100 meter 1: 25,4 Min. Termine für die Sommer- Radrennen. Im Verlauf der Generalversammlung des Vereins Deutscher Radrennbahnen zu Hannover wurden die Termine für die Sommersaison festgelegt. Die Deutschen Meisterschaften finden vom 14. bis 16. Juti in Elberfeld statt. Von weiteren klassischen Rennen werden ausgetragen: Großer Preis von Europa für Flieger am 3. Auguft in Köln; Großer Steherpreis von Europa am 2. Juni in Leipzig; Großer Fliegerpreis von Deutschland am 20. Mai in Krefeld; Großer Preis der Republik am 5. Mai in Berlin( Olympiabahn); Großer Preis von Deutschland für Steher am 21. Juli in Nürnberg. Für Berlin sind folgende Veranstaltungen festgelegt: Olympiabahn: 31. März, 14. April, 5., 20. Mai, 2., 16., 30. Juni, 4., 25. August, 1., 15., 29. September, 13. Oftober. RüttArena: 14. März, 1., 21. April, 9., 19. Mai, 9., 23. Juni, 21. Juli, 11., 18. Auguft, 8., 22. September, 26. Oftober. ARBEITER FUSSBALL Nur Gesellschaftsspiele. Wieder sind alle Serienspiele des unverläßlichen Wetters megen abgesagt. Da es aber den Vereinen überlassen blieb, Gefellschaftsspiele auszutragen, so war die Börse zahlreich beschickt. Lichtenberg I erwartet auf dem Sportplatz in der Hauffstraße in Lichtenberg Brandenburg( Havel) mit zwei Mannschaften. Auf der Freifläche des Tempelhofer Feldes stehen sich Neukölln und Lichtenberg II ebenfalls mit zwei Mannschaften gegenüber ( Brandenburg- Schweifstern). Oberspree und Nowawes treffen sich in der Wuhlheide( Fehlberg- Zehlendorf). Zwei Neulinge in der Bewegung, Ciche- Köpenick und Stratau, spielen im Köpenicker Stadion( Mayer- Neukölln). Weitere Spiele: Karom gegen Weißenfee( BengschOberspree). Bankow gegen Werder 77( auslofen). Germania gegen Botsdam( Wolf- Karow). Sokol gegen Wacker- Britz( Gierke- Germ.). Tempelhof gegen Schweifstern( Barsanti- Neukölln). Moabit gegen Sofol in Spandau, Seeburger Straße( Masche- Lichtenberg I). Jugend: Rathenow gegen Neukölln( auslosen). Moabit gegen Saronia in Spandau( Spandau). Beginn der Spiele der ersten Mannschaften 14% Uhr. Der empfindliche Nurmi! Die schwedische Zeitung Idrogbladet" bringt eine interessante Glosse über Nurmi, das finnische Laufwunder. Danach soll der schweigfame Tausendseer eine leicht reizbare Natur jei- was immerhin neu wäre. Bei seinem Aufenthalt in Stockholm vor seiner Abreise, hat er dem I. I. zufolge erklärt, wenn auch mir eine einzige Stimme aus seiner Heimat Finnland(!) ie an dem Amateurcharakter seiner Amerikareise zweifle, dann nach Finnland zurückreisen, was wohl dem Ruhm seines Landes mürde er ohne Besinnen seinen Aufenthalt in USA. abbrechen und nicht gerade zuträglich wäre( meint er!). Ei, ei, Herr Nurmi, seit wann so selbstbewußt! Nun wissen die lieben Finnländer, wie sie sich ihren großen Sohn" Nurmi gegenüber verhalten müssen. Das scheint auch der Grund zu sein, worinn teine einzige finnische Zeitung die vielen Profimeldungen" über ihren Schweiger" wiedergab. Zunächst drücken sie ihre behagliche ihren Schweiger" wiedergab. Zunächst drücken sie ihre behagliche Freude aus, daß sich Herr Nurmi mit seinen„ Touristen" genossen Wide, Ritola( später vielleicht noch der„ Landlehrer" Pelzer) drüben wohl fühlt und dem Dollar widersteht. Warnung! Die aus dem Arbeiter Athletenbund ausgeschlossenen tommunistischen Sportvereine in Berlin veranstalten dieser Tage im Böhmischen Brauhaus einen Bogtampfabend mit schweizerischen Arbeitersportlern, die aus Rußland zurückkommen. Wir sind ermächtigt, festzustellen, daß die Schweizer ,, Arbeiter" sportler nicht der Sozialistischen Arbeiter Sport Internationale angeschlossen sind. Es ist interessant, daß die Kommunisten ihre Zuflucht zu unorganisierten Sportlern nehmen müſſen. Sozialdemokraten für den Arbeitersport. Die Arbeitersportvereine sind bei der Schaffung von geeigneten Sportplazanlagen, Turnhallen, Unterkunftsräumen, Jugendherbergen usw. in den meisten Fällen auf die Selbsthilfe angewiesen, da Staat und Gemeinden nur beschränkte Mittel dafür zur Verfügung stellen können. Biele Käufe und Bauten der Arbeitersportvereine scheitern aber trotz der selbstlojen Hingabe der Mitglieder daran, daß die durch Hypothekeneintragungen, Grundbuchungen usw. entstehenden Gerichtsfosten häufig unerschwinglich sind. Die sozialdemokratische Fraktion des Sächsischen Landtages hat jetzt einen Antrag eingebracht, der die Befreiung der Leibesübungen und Jugendpflege treibenden Vereine von diesen Gerichtstoften fordert. Bundesreue Vereine teilen mit: Rönig, Beferitt. 58, Ede Wildenbruchstraße, Generalversammlung. Freier Fußballverein Neukölln I 1928. Freitag, 25. Januar, 10% Uhr, bei Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirt Charlottenburg. Sonnabend, 26. Januar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Sauer, Raiser- FriedrichStraße 13, Ede Grünstraße. Alle Mitglieder sind verpflichtet, pünktlich zu tritte vollzogen. erscheinen. In der Versammlung werden auch Neuanmeldungen und Ueber. fofortige Einsendung der Kartell- und Jugendfragebogen. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Lichtenberg. Wir bitten um Die Anträge für Pläge und Sallen für 1929 müssen bis zunt 31. Januar an Seinz Wagner, Zichtenberg, Augustaste. 9, eingefandt werden. Die restierenden Beiträge file 1928 find fofort an Gerhard, Lichtenberg, Kantstr. 3; abzuführen. FIGS., Abt. Sohenschönhausen. Freitag, 25. Januar, 19% Uhr, bei David, Berliner Str. 97, Monatsversammlung. Touristenverein„ Die Raturfreunde", Abt. Neukölln. Freitag, 25. Januar, im Jugendheim, Flughafenstr. 68, Fahrtenbesprechung, II. Teil. Alles um den Autorekord! Zusammenstoß bei der Monte- Carlo- Fahrt. stolzen" Sportsmen( 1) Albions sind drauf und dran, den größten und blödestens sportlichen" Unjug aller Zeiten zu begehen. Gie wollen an verschiedenen Orten dem Autoweltrekord, der augenblicklich schon die phantastische 3iffer von 333 Kilometer zeigt, 3tt Leibe gehen. Die in Riga gestartete Gruppe von Teilnehmern an der internationalen Auto Sternfahrt nach Monte Carlo kam in der Nähe der belgischen Grenze in starken Rebel. Es ereignete sich ein lnfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. In rasender Nachtfahrt mit einer Stundengeschwindigkeit von annähernd 70 Kilometer hatten die beiden Fahrer Rudolf Caracciola und Bernet das fünf Stunden vor ihnen in Berlin gestartete Gros der Gruppe eingeholt, und in gemeinsamer Fahrt strebte man der Kontrolle Brüssel zu. Etwa 40 Kilometer vor der belgischen Hauptstadt, bei Tirlemont, mollien Gebr. Birnholz mit ihrem Wagen den vor ihnen liegenden Caracciola überholen, bemerkten aber infolge des Rebels zu spät, daß dieser abgestoppt hatte, unt einem entgegenkommenden Laftwagen auszuweichen. Der Birnholzsche Wagen fuhr auf Caracciolas Wagen auf und drückte diesen gegen den Lastwagen, tam dabei aber selbst so ins Schleudern, daß er schließlich eine 15 Meter hohe Böschung hinabstürzte. Während Gebr. Birnholz mit Schnitt wunden im Gesicht davonkamen, erlitten ihre Mitfahrer, ein Berliner Journalist und ein Monteur, Schulterbrüche. Caracciola, der zwischen Sitz und gebrochenem Bolant eingeflemmt war, 30g fich Brust und Armquetschungen zu, fein Ersatzsteuermann, der eben falls bekannte Rennfahrer Burggaller, erlitt eine leichte Gehirn erschütterung, die beiden anderen Insassen des Wandererwagens famen mit geringfügigen Verlegungen davon. Der nachfolgende Bagen Bernets sorgte für die lleberführung der Schwerverletzten gehen, wenn er nicht wieder einmal zeigte, wie ſtarte Berfalls. ins Krantenhaus. Der Selbstmordversuch. Rekorde im 1000- PS- Auto. Jezt sind sie glücklich beide unterwegs. Gomohl der Major Segraepe mit feinem Leberauto" als auch Captain Camp belt, bar einen Bare- Birh" fein eigen nennt. Diese beiben Segraeve will mit seinem„ Super- care" am traditionellen Strand für Autorennen, in Dayton- Beach( Florida) seiner Bersicherungsgesellschaft den Boden heiß machen, während Campbell nach fangen Flugzeugreifen endlich in Afrita ein eingetrocknetes Flußbett für seine 3wede durch gemietete Kaffern geeignet machen läßt. Nur eine 3e hutelsekunde schneller für eine Meile brauchen beide zu rasen und schon ist der neue Weltrekord da. 340,350 Ritometer? Die ganze refordmäßige, bürgerliche Sportwelt tobt vor Begeisterung. Aber man fragt sich doch ernstlich, find diese Leute noch normal? Solche 90prozentigen Selbstmorde sind weit ab vom verrücktesten Sport. Was soll das?„ Materialprüfungen", fagt mir da gestern ein Herr vom Autoklub. Aber ich bitte Sie, was sollen wir praftisch mit solchen Materialprüfungen! Es mußt doch auch feiner Firma etwas, wenn sie weiß, das gelegentlich bei einer solchen Fahrt mal ein Wagen nicht faputt geht. 1000 PS haben beide Teufelstarren für diesen Verfuch eingebaut erhalten. er wird je 1000 PS fahren wollen? Dieser ganze, beinahe verbrecherische Blödsinn wäre zu übererscheinungen und Degenaration im Mutterland" des Sports in England schon vorhanden sind. Interessant sind noch die Verficherungsziffern. Campbell hat für sich und Familie im Todesfall eine Lebensversicherung für 2 000 000 m. abgeschlossen, wofür er eine erste Police von 100 000 m. bar zahlen mußte. So ganz geheuer ist es ihm scheinbar nicht. Segraeve, der Rasende", häft seine Berson für weniger mertvoll und gibt sich mit 950 000 m. und einer Erftpolice non 60 000 zufrieden. Warten wir ab, wer zuerst die Zehntelsetunde erobert! Geschäfts- Anzeiger Bezirk Norden- Osten. Unsere Manchesteranzüge sind eine gediegene, haltbare Berufs- und Wanderkleidung.- Wir führen sie seit Jahren in guten Qualitäten und kräftigen Farben: blau, braun, oliv, grau, grün Neue Schönhauser Straße 8, nahe Bahnhof Börse Sparsame Hausfrauen emaillierte kaufen nur Kochgeschirre RECO Billig und trotzdem vorzüglich! Zu haben in allen einschlägigen Geschäften Landsgemeindehaus G. m. b. H. Tapeten IR. 9 Linoleum Hermann Hussack Inh. W. Hussack NO, Wörther Str. 30 Richard Löwi Stoffe/ Seiden Aussteuerartikel Gemeinnützige Druckerei Daab Reinickendorfer Str. 33. Berlin$ 0 16, Adalbertstraße 65 Tel.: F7, Jannowitz 6281, Gewerkschaftshaus Genossenschaftl.- Flugblätter, Programme, Vereinsdrucksachen, Zeitschriften sozialistisches Unternehmen G.F.391 Küchen zu Fabrikpreisen von 59.- Mark an Holz- und Kohlenhandlung Wilhelm Schneider [ R- 22 E. BYTOMSKI Zigarren, Zigaretten und Tabake[ G. 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