BERLIN Freitag 25. Januar 1929 Der Abend Erieint täglich außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3 10 P1. Nr. 42 B21 46. Jahrgang. Bunjelgenpreis: Die einfaltige Nonpareillezetle Spätausgabe des„ Vorwärts" 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bekscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b.., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Millionenraub an Briefmarken. Für 830000 M. Wertzeichen im Postamt W. 8 gestohlen. Ein in der Berliner Kriminalgeschichte seltener Fall, der Einbruch in den Wertzeichenaufbewahrungsraum eines Poftamtes, beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. Es wurden für nicht weniger als 830 000 M. Wertzeichen gestohlen. Im Postamt 8 in der Französischen Straße 9/12 fiegt zwischen Friedrich- und Mauerstraße im zweiten Stod des linten Flügels ein großer Raum, dessen Fenster nach der Franzöfischen Straße hinausgeht. In diesem Raumme werden die von der Druderei gelieferten Bost mertzeichen aufbewahrt. Bon hier aus werden sie an Einzelämter eines größeren Bezirkes verteilt und von Beauftragten dieser Aemter abgeholt. Der Raum, an den sich lediglich Bureaus ohne großen Berkehr anschließen, hat zwar starte Bände, aber feine Panzerung. Die Verbrecher find mahrscheinlich durch den Umstand angelodt worden, daß gegenwärtig Maurer in dem Hause Treppen und Wände ausbessern. Das mußte ihr Unternehmen begünstigen. Der diensttuende Ausgabe beamte ging gestern nachmittag wie gewöhnlich um 3 1hr 30 zum Mittagessen meg. Ulm 3 Uhr 40 Minuten stach der Wächter die Uhr und fand alles in Ordnung. Als er 8 Minuten nach 4 Uhr wieder fam, fonnte er die drei Schlösser wie immer ohne jede Behinderung öffnen. In dem Verwahrungsraum aber sah er sofort eine große Unordnung. Mehrere Schränke waren erbrochen, Briefmarken lagen auf dem Fußboden umher, der Geldschrank stand auf. Der Wächter schlug Lärm und benachrichtigte den Direktor des Amtes, der fofort erschien und die Polizei in Kenntnis fezte. Einige der Schränke waren mit den Schlüsseln, die in den Schlössern stecken geblieben maren, einfach aufgeschlossen. Andere, verschlossen gewejene, waren mit einem kleinen 1½ bis 2 Zentimeter breiten Stemmeisen gewaltsam aufgebrochen worden. In einem der Schränke hatten die Berbrecher den Schlüssel zum Geldschrank gefunden. In dem Schranke hatten sie jedoch nicht einen Pfennig gefunden. Ihre Beute beschränkt sich deshalb lediglich auf Wertzeichen. Insgesamt sind ben Tätern für 830 760 M. Wertzeichen in die Hände gefallen. Es handelt sich um Briefmarten in Höhe von 45 260 m., Invalidenversicherungsmarten in Höhe von 277 000 Mart, Angestelltenversicherungsmarten in Höhe von 472 000 m. und Einkommensteuermarkèn in Höhe von 36 500 M. Das ergab sich aus einer Bestandsaufnahme, die bis 11% Uhr abends douerte. Aus der großen Menge der Bostwertzeichen ist zu schließen, daß die Verbrecher mindestens zwei Säde voll weggeschleppt haben müssen in einem Gewicht pon je 1 bis 1½ Zentner. Für Geldschrankeinbrecher sind das keine schweren Lasten. Auf die Ermittlung und Ergreifung der Täter sind von der Oberpostdirektion 5000 M. und für die Wiederherbeischaffung des gestohlenen Gutes 10 Pro 3. des Wertes ausgesetzt worden. Wertzeichendiebstähle sind bei der Poſt immerhin selten. Eine Zeitlang wurden Banderolen gestohlen, die von unlauteren Zigarrenund Zigarettenfabrikanten gern abgenommen wurden. Briefmarken dagegen sind namentlich in größeren Mengen schwer abzufeßen. Die Verbrecher wissen genau, daß jeder, der auf einem Poftamt Marken in größeren Mengen verkaufen will, angehalten wird. Die Verbrecher müssen sich also namentlich bei einer so großen Masse wie in diesem Falle ohne Zweifel an Geschäftsleute wenden, um ihre Beute zu Geld machen zu können. Alle Geschäftsinhaber, denen Marken angeboten werden, wenn auch in fleinen Beträgen, werden dringend gebeten, unter Hinweis auf die hohe Belohnung, sich sofort an Kriminalfommissar Zapfe, Dienststelle B 6 im Zimmer 89 des Polizeipräsidiums, zu wenden. DON Die Wertzeichen werden zu 10 000 und 20 000 Stüd gebündelt und diese Bündel werden zu noch größeren Paketen zusammengefaßt. Die Hülle wird mit einem wasserlöslichen Leim verbunden, der gleich zerfließt, wenn jemand die Pakete öffnen follte, um fleinere Mengen herauszunehmen. Der gestrige Einbruch ist sicher von gewerbsmäßigen Verbrechern langer Hand vorbereitet worden. Sie müssen genau ausgetundschaftet haben, wann der Ausgabebeamte nicht in dem Lagerraum war und zu welchen Zeiten der Wächter die Kontrolluhr stach. Das Bostamt W. 8 ist eines der größten Aemter Berlins mit einem starken Berkehr, in dem unbefugte Besucher sich wohl bewegen fonnten, ohne aufzufallen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sich die Einbrecher eine Postuniform angelegt hatten, um noch sicherer gehen Baldwin eröffnet den Wahlkampf. Kampffront gegen die Verstaatlichung. Amerika droht mit neuen Kreuzern. Die fünfzehn 10 000 Zonnen- Kreuzer im amerikanischen Genat. Newcastle- on- Tyne, 25. Januar. Premierminister Baldwin eröffnete in einer Versammlung von ungefähr 3000 Personen den Wahlkampf mit einer Rede, in der er vor allem auf Wirtschaftsfragen einging. Die Schwierigkeiten, mit denen die britische Industrie zu kämpfen hat, New York, 25. Januar. sind darauf zurückzuführen, daß seit dem Kriege sich die Zahl der Gestern begann im Senat der Vereinigten Staaten mit uns fonfurrierenden Länder vermehrt hat. Die Möglichkeit die Debatte über die von der Regierung eingebrachte Vors eines Erfolges liegt für uns nur darin, daß wir die Qualität lage des Baues von 15 Kreuzern zu 10 000 Tonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Borah, erunserer Erzeugnisse hoch halten und es mit der Konkurrenz aufklärte, daß Amerika und England am Vorabend eines nehmen. Die Wähler müssen sich für eine Regierung aussprechen, Wettrüstens zur See ständen, das dem Wettrüsten zwischen die besser in der Cage iff, zu helfen. Wir glauben, daß eine Regie- England und Deutschland von 1905 bis 1914 nicht unrung helfen kann, indem sie innerhalb der praktisch möglichen ähnlich sei. Falls das Recht der freien Schiffahrt Grenzen die Reichsvorzugszölle ausbaut und unsere In- für die neutralen Mächte während eines Krieges nicht duftrien ich üht. Eine tonservative Regierung würde Nahrungsmittel nicht besteuern. Was die Frage der Nationalisierung anginge, wies er auf die Verluste der dem Staate gehörenden Schiffahrtslinien in Australien, kanada und den Ber. einigten Staaten hin. Was die Bergwerke anbelange, jo seien in der Zeit von 1917 bis 1921, während der die Bergwerke von der britischen Regierung fontrolliert wurden, 40 millionen Pfund Sterling vom Schatzfanzler für sie gezahlt worden. Deutschland, ein hochindustrielles Land, habe einen Versuch mit der Nationalisierung gemacht, diesen jedoch aufgegeben. Selbst in Rußland, wo, wie man denken sollte, alle Borbedingungen für einen folchen Verfuch günstig feien, feien die Berluste außerordentlich groß gewesen. Die Industrie gehe dort in jeder Weise zurück und ein Teil der reichsten Bergwerte Rußlands jei einem auslän. dischen Syndikat überlaffen worden. Nationalisierung führe nur za Berluffen und Mißerfolgen in jeder Hinsicht. Die Bluttat des Achtzehnjährigen 40000 Weber ausgesperrt Berichte 2. Seite ständen" gesichert werde, müsse Amerika eine Flotte bauen, groß genug, um den amerikanischen Handel ,, unter allen Umsoll heißen, auch gegen England zu schützen. Borah beantragte schließlich, daß die Kreuzervorlage zwar vom Senat angenommen, aber die Baufrist= flausel gestrichen werde, daß der Kreuzerbau innerhalb drei Jahren begonnen werden würde. Wenn die Regierung freie hand darüber behielte, wann sie den Bau der Kreuzer beginnen wolle, so habe sie damit in zukünf tigen Marincabrüstungsverhandlungen ein Druckmittel und könne für den Ausgleich der Seerüstungen eintreten, ohne große Summen für den Bau neuer Kriegsschiffe aufzuwenden. Ghandi gegen Europäerkleidung. London, 25. Januar. Nach Meldungen aus Bombay hat Ghandi in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Kongresses von Kalkutta einen Plan für den Bontott ausländischer Kleidung ausgearbeitet. Der Plan sieht vor, daß Freiwillige in allen Städten und Dörfern Indiens won Tür zu Tür gehen, um alle ausländische Kleidung einzufammeln und zu verbrennen. Vor allen Geschäften, in denen ausländische Kleidung verkauft wird, sollen Posten aufgestellt werden. Der Regierung wird die Forderung auf Verbot der Einfuhr ausländischer Kleidung unterbreitet werden. Fischzug auf dem Eise. Unser Bild zeigt die Massenbeteiligung bei dem Fischzug auf dem Eis des Müggelsees. Das Netz wird mit vereinten Kräften ans Licht gezogen. Aber trotzdem manch aller Knabe" unter den gefangenen Fischen war, entsprach das Gesamtergebnis nicht der: Erwartunger Wahlschutz im Strafgesetz. Beschlüsse des Rechtsausschusses. Der Strafgejetzausschuß des Reichstags beschloß heute auf Grurtd oon Beratungen des Unterausschusses gegen den Zwang bei Wahlen folgende Bestimmung: „Wer mit Gewalt oder durch gefährliche Drohung oder durch Drohung mit einem erheblichen wirtschafttichen Nachteil jemand nötigt und hindert, überhaupt oder in einem bestimmten «inne zu wählen oder zu stimmen, wird mit Gefängnis bestraft. Der Versuch ist strafbar. Ferner wird mit Gefängnis bestraft der- jcnigc, der durch Täuschung bewirkt, daß jemand bei der Äimmonobga-be über ihren Jnholtjm Irrtum wäre oder eine ungültige Stimme abgibt oder die Stimmabgabe unterläßt. Der Versuch ist strafbar." Schließlich wurde derjenige für strafbar erklärt, der einen anderen in Verruf erklärt, weil er nicht oder in einem bestimmten Sine gewählt oder gestimmt hat, sowie derjenige, der dadurch die Gefahr eines erheblichen wirtschaftlichen Nachteils herbeiführt. Außerdem beschäftigte sich der Ausschuß mit einem Beschluß des Unterausschusses über eine Strasbestimmung wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die unbefugte Offenbarung von Steuergeheimnissen wird mit Gefängnis bedroht. Abg. Dr. Rosenfeld hob hervor, daß die sozialdemokra» tische Fraktion prinzipiell für die Offenlegung der Steuerlisten sei, ein« entsprechende Bestimmung gehöre aber nicht ins Strafgesetz, sondern ins Steuergesetz. Solange es den Sozialdemokraten noch nicht gelungen sei, die Offenlegung der Steuerlisten durchzusetzen, solange die Steuergesetze das Steuer- geheimnts schützen, müsse es geschützt werden und nur solange sei die sozialdemokratische Fraktion bereit, die'vorgeschlagene Straf- bestimmung bestehen zu lassen. 40000 Weber ausgesperrt. Die sächsisch-thüringischen Webereien stillgelegt. Greiz, 25. Zaouar. Der verband fächsisch-thüringischer Webereien teilt mit. daß es infolge des welkeren Fortganges des Streiks bei dem Beschluß bleibt, zum Schuhe der beslretklen Mikglleder des Verbandes am 25. Januar sämtliche Betriebe zu schließen. Greiz. 25. Januar. Der verband sächsisch-thüringischer Webereien keilt u. o. mit. daß die Erwartung der Gewerkschaften, es werde sofort ein Schlich- tongsversahren eingeleitet werden und die Weinungsverschiedenheiten würden bald beigelegt sein, vollkommen verfehlt sei, denn bisher hätten sich die Behörden um diese Streikbewegung noch nicht gekümmert. Einigung in derHannoverschenMeiattindustrie Hannover. 24 Januar.(Eigenbericht.) In der hannoverschen Metollindustrie ist es nach Klngwierigen Verhandlungen zu«in«r Einigung gekommen. Die Metallindustriellen hatten den Mantel- und Lohntaris gekündigt, um die Urlaubsbestimmungen.zu ändern und die durch den vor- jährigen Schiedsspruch in den Vertrag oufgenormnen« Klausel über den Garantielohn für Akkordarbeiter wieder aus j dem Vertrag zu entfernen. Mit diesen Forderungen sind die Arbeitgeber nicht durchgedrungen. Der Manteltarif wurde unverändert verlängert. Dem Metallarbeiteroerbond gelang es dagegen durch- zusetzen, daß die Tariflöhne für alle Alters- und- Berussgruppen um 3 Pf. pro Stunde erhöht werden. Für die Lohntaicl der Gießereiarbeiter ergab sich durch weitere Verhandlungen eine Erhöhung in vier Gnippen um< Pf. pro Stunde. In dem gleichen Ausmaß, wie die Tariflöhne erhöht werden, erhalten olle Zeitlohn- arbeiter eine Zulage in gleicher höhe. Bisher gewährte tarisliche Zulagen bleiben unverändert bestehen.- Eine seit lange» Iahren erhobene Forderung war die herab- setzung der Altersgrenze in der höchsten Tarisstuse. Diese betrug bisher 24 Jahre. Es wurde«ine neu« Vereinbarung erzielt, diese Altersgrenze für all« Berussgruppen aus 23 Jahre herab- zusetzen. Für die Arbeiter in der Altersgruppe von 23 bis 24 Iahren ergibt sich dadurch«ine weitere Erhöhung von 5 bis 8 Pf. pro Stund«. Eine Akkorderhöhung findet insoweit statt, al» sie sich durch die Aenderung der Lohntasel ergibt und besonders schlechte Akkord« in. den Betrieben ausbesserungsbedürfdig sind. Bei den VerHand- lungen wurde ebenfalls«in« Aufbesserung der Dergütungssätze für L« h r l i ng e erzielt, und zwar in den ersten Jahren um 2 Ps., im letzten Lehrjahre um 3 Pf. pro Stund«. Kardorff vor dem Arbeiisgerichi. Oer Bubikopf des Hausmädchens. Das Arbeitsgericht hatte das persönliche Erscheinen des Reichs» tagsvizepräsidenten o. Kardorff angeordnet, damit er sich— nachdem ein früherer Termin ergebnislos gewesen war— zu der Klage seines früheren Hausmädchens äußern könne. Herr v. Kardorss kam aber nicht, sondern schrieb dem Arbeitsgericht, er wisse von der Sache gar nichts, nur seine Frau habe mit dem hauspersonal zu tun, die sei aber in Aegypten und könne also auch nicht kommen. Als Vertreterin hafte Herr v. Kardorff seine Wirtschafterin geschickt.«» aber unter« lassen, ihr eine schriftliche Vollmacht zu erteilen. Eigentlich Höfte nun gar nicht verhandelt werden körnten. Aber am Arbeitsgericht nimmt man es mit den Formalitäten nicht so genau, wenn es gelingt,«ine Einigung der Parteien zustande zu bringen. Zu diesem Zweck wurde nun der Tatbestand erörtert und das war der: Es war in Goslar a. h., in der dortigen Villa de» Herrn o. Kardorss. Die Klägerin hotte das dringende Verlangen, sich ihren Bubikopf schneiden zu lassen. Sie hatte deshalb von der Wirt- schafterin Erlaubnis zum Ausgang erHaften. Als sie aber, zum Aus- gong gerüstet, die Haustür öffnet«, widerrief die Wirtschafterin auf Anordnung der Frau v. Kardorfs(bekannt als frühere Reichs- tagsabgeordnete v. O h e i m b) die Ausgangserlaubnis. Die Klägerin aber sagte, sie habe sich seit vier Wochen die haare nicht schneiden lassen, sie sehe schon ganz wüst aus, so könne sie in einem hoch. herrschaftlichen Hause nicht herumlaufen, es sei jetzt kurz vor 7 Uhr, um 7 Uhr werde der Friseurladen geschlossen, sie müsse jetzt gehen. Und sie ging. Als sie zurückkehrte, wurde sie durch Frau v. Kardorfs ent lassen. Das Mädchen mußte sofort das Haus verlassen. Für die nächste Nacht bezahlte ihr Frau o. Kardorss das Logis in einem Hotel, dann mußte das Mädchen selbst für sich sorgen. Dieser Vorgang Hot sich im September o. I. abgespielt. Das Mädchen klagte im Oktober wegen fristloser Entlassung, irrtümlich gegen Frau o. Kardarsf. während rechtlich der Ehemann al» Arbeitgeber der Hausangestellten gilt. Damals erschien als Der- treterin der Beklagten die S e k r e t ä r i n des Herrn v. Kardorff. Sie ging einen in 14 Tagen widerruflichen Vergleich ein, wonach die .Klägerin ihre Forderung— 62 Mark— erholten sollte. Der Der- gleich wurde nicht widerrufen, aber die Klägerin erhielt auch kein Geld. Vollstreckt konnte der Vergleich nicht werden, denn er war wohl moralisch, aber nicht rechtlich bindend für Herrn und Frau v. Kordorff, denn die Klage war ja an ein« falsch« Adresse gerichtet. Also reichte das Mädchen«ine neue Klage, diesmal gegen Herrn o. Kardorff«in. Seine Vertreterin schloß, mit dem Wer« sprechen, Vollmacht nachzuweisen, einen Vergleich ab, wiytach die Klägerin die geforderten 62 Mark und ihre noch im Hause des Herrn v. Kardorff befindlichen Sachen erhalten soll. Wie lange will dem, der Bizeprästdent des Reichstags sich »och oerklagen lassen, bis er dem armen Hausmädchen sein Recht gewährt? Zoll- und Wechselbeirüger. Oer Inhaber der Zigarrenfabrik Landau geflüchtet. Durch den Fahndungsdienst de» Zollamt» Ren- k ö l l n wird zurzeit eine in ihrem ganzen Umfange noch nicht übersehbare Steuerhinkerziehung ausgedeckt. Seit einigen Wochen hatte die Zollbehörde den Verdacht, daß die Zi g a r r e nj a b r i k Landau in Neukölln, hermannstr. 20, die von ihr ge- und verkauften Waren weder verzollt noch versteuert. Als der Fahndungsdienst gestern vormittag über- raschcnd zugriff und in den Geschäftsräumen des Herrn Landau eine Haussuchung vornahm, wurde dieser Verdacht bestätigt. Im Verein init einer anderen Firma hatte Landau durch seine Betrügerelen und Unterschlagungen erhebliche Geldmittel beiseite geschafft. In welcher höhe Unterschlagungen begangen worden sind, konnte bisher nicht festgestellt werden. Die Bücher, die sofort beschlagnahmt wurden, sind recht unübersichtlich geführt. In den gestrigen Abendstunden hat Landau der Zollbehörde die Mitteilung gemacht,„daß seine Nerven so kaputt wären, daß er erst« einige Tage zu seinen Eltern fahren müsse". In Wirklichkeit ist er gestern abend geflüchtet, wahrscheinlich nach Polen, nachdem er vorher seine Lank- und Postscheckkonten abgehoben Holle. Landau hatte sich vorsorglich einen Paß mit einem polnischen Visum besorgt. Di« Zollbehörde beschlagnahmte heut« vormittag das gesamte Lager und Ist zurzeft dabei, die Waren nach dem Zollamt Neukölln zu transportieren. Auch die erste Sichtung der Geschäftsbücher und der Konrrespondenz hat noch nicht ergeben, wieviel Herr Landau unterschlagen Hot. So- viel steht aber jetzt schon fest, daß außer der Urnerjchlagung von Tabaksteuern auch noch weitere Steuerhinterziehungen begangen wurden. Ferner sollen in erheblichem Umfange Wechsel« Zuchthaus Gonnenvurg. „Der pelz und die Stiefel sind noch neu, Herr Inspektor, die kann Ihnen die Reichswehr nur gegen Taxe verkaufen.- Ra, geben Ge zwanzig Pfennig!' betrügereien vorliegen. Ob durch d!« Beschlagnahme die unterschlagenen Steuergelder eingebracht werden können, ist noch fraglich, da auch da» Bezirksamt Neukölln, in dessen Räumen Landau fein« Fabrik betrieb, Ansprüche stellen wird. Die Bluttat des Achtzehnjährigen. Er„studierte" dos Verbrecherleben. Die weitere Vernehmung des ISjöhrigen Alanasse Frledlönder, der gestern ln der Wohnung seiner Ellern. passauer Straße 4 seinen Bruder Waldemar und dessen Freund Tibor Földe» erschoß, sörderle nicht» wesentlich Neues zutage.' Zwischen den beiden Brüdern bestand schon länger ein Zwist, von dem aber der Vater und die beiden anderen Geschwister nichts wußten. Manass«, der älteste, litt wohl an gesteigertem Ehrgefühl. Cr kam in der Schule nicht soweit wie der jünger« Bruder, der das Gymnasium besuchte und fühlte sich auch an Körperkraft diesem unterlegen. Dazu bildete er sich ein, daß die Eltern den jüngeren Waldemar bevorzugten. Auf ein schiefes Ehrgefühl läßt auch die Aeußerung schließen, die gleich bei seiner ersten Vernehmung fiel. Auf die Frage, wie er denn gleich habe schießen können, erwidert« er, er könne sich doch nicht stoßen lassen. Zwischen Manasse und Földe» war nie etwa» vorgekomnien. Földes, der Laborant in einem photographischen Atelier in der Zimmerstraße war, hatte ihin dort«inen Posten verschafft, als er stellungslos war. Wegen einer Differenz mit einem anderen Angestellten wurde Ma- nasse Friedländer jedoch vor einigen Wochen wieder entlassen. Di« Beschäftigung im Atelier, die ihm auch nicht zugesagt zu haben 'cheint— sie wird jetzt von zwei Laufjungen ausgeübt— brachte ihn auf den Gedanken, selbst zu photographseren. Zur Betätigung auf diesem Gebiete suchte er sich, wie er behauptet, dos Verbrecher- leben aus. Ms ihm in der Münzstraße ein unbekannter Mann ein« Dreysepistole anbot, kauft« er sie zu seiner Sicherheit beim Umgang mit Verbrechern in ihren Lokalen usw. In der Danziger Straße will er einmal«ine Lerbrecherszen« gestellt haben. Vorgestern gab der jung« Mann in der Badestube einen Probeschuß ab. Seitdem trug er die Pistole geladen aber gesichert in der lasch«. Bei seiner Vernehmung war er auch heute, wie schon gestern, sehr ruhig. Von einem Kampfe, der ihn zur Notwehr gezwungen hätte, kann aber nach dem Tatbestand und dem Befund dein« Rede sein. Manass« erschoß seinen Bruder ohne weitere», al» «» wegen de« umgeworfenen Notenständer» zu einem Streit kam. In dem der jünger« dem öfteren ein paar Stöße oersedte. Auf dem Korridor jagte er ihm von hinten eine Kugel in den Kopf. Al» Földes auf den Schuß au» den, entfernter gelegenen Speise- zimmer auf den Korridor herauskam, stand Manasse bei der Leiche seines Bruders und schoß von hier aus— aus einer Entfernung von etwa fünf Schritten— auf den Freund des Toten, ja daß dieser in dos Speisezimmer zurückfiel. Nach der Tot fuhr M i- nasse mit einer Autodroschke nach der Worburger Straße, wo fiä) früher das Revier befand und dann nach der Bayreuth«? Straß« zur Wach« des 127. Reviers, um sich selbst zu stellen. Im Lause des Tages wird er dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Zener in einer Gchulaula. In der Ayla der 238. Gemeindeschule in der Pappelalle« 41/42 entstand heute früh gegen �8 Uhr aus noch unbekannter Ursache Feuer. Durch die recht, zeitig« Alar- mierung der Feuerwehr, die mit zwei Zügen anrückt«, konnte der Brand durch starkes Wassergeben auf seinen Herd beschränkt werden._ Zwei Wasserrohrbrüche. In der vergangenen Nacht wurde in der Friesenstrabe durch einen Wasserrohrbruch«in« größere Ueber- schwemmung hervorgerufen. Wahrscheinlich infolge des Frostes platzte vor dem Hause Friesenstr. 6 da» 100 Milli- meter st arkeWasferdruckrohr: die ausströmenden Wasser- mengen überfluteten den Bürgersteig und drangen in die K e l l e r der umliegenden Häuser ein. Die Wasserwerke wurden von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt und entsandten ein« Arbeiterkolonne an die Unfallstelle, die durch Einschalten der Sicherhettsschieber ein weiteres Ausströmen der Wassermassen verhinderten. Die gleichzeitig alarmierte Feuerwehr war mit dem A u s p u m p e n'der über schwemmten Keller mehrere Stunden lang beschäftigt. Der zweite Wasserrohrbruch ereignete sich unter dem Fahrdamm an der Ecke Lessing- und Kantstrahe in Sich- t e n b e r g. Auch hier hotte die zu Hilfe gerufene Wehr und die Wasserwerke längere Zeit mit der Behebung der Kalamität zu tun. Ltm das Gesrierfleischtonttngeni. Reichsernährungsminifier gegen Schlächterinnung. Hamburg. 2S. Januar. In der Frag« der Verteilung des zollfreien Gefrierfleisch. kontingents hatte der Obermeister der Hamburger GchlSchter- Innung Schumacher kürzlich einen offenen Brief an den Reichs- minister für Ernährung und Landwirtschost, Dietrich, und den Ministerialdirektor Neukomp gerichtet, der ln der Flelscherverbands- zeitung abgedruckt worden mar. Wegen des Inhaltes diese- Hrielez hat der Rcichsminister Strasantrog wegen Beleidigung gegen Ode.- meister Schumacher gestellt. Auch gegen den verantwortlichen Re- dakteur der Fiesscherverbandszeitung ist Strafantrag gestellt worden 3m Zeichen d, Konzertrundschau/ Im Zeichen der großen PlaiUosigleit wird in Berlin Woche für Woche öffentlich musiziert. Zuviel, buch wenn es immer gut wäre. Aber nicht nur verliert das Gute sich zwischen Minderwertigem: die Kräfte sind-unabsehbar zersplittert, die, zweckmäßig zusammenge- saßt, Besseres, nach einheitlichem Plan Größeres wirken könnten. Konzertprogramme? Jedes Konzert hat, abendweis«, ein„Pro- gramm"— und dos mag heißen, daß jeder Kanzertgeber irgendeine leitende Idee hat, die er seinem Abendprogramm zugrunde legt. Aber das Konzertleben hat keine: aus vielen wird nicht— eine. Es baut sich nicht aus Teilen und Teilchen ein Ganzes auf. So wenig es vielleicht an Kraft und Willen zum künstlerisch Besten fehlt, ein zentrales Willensorgan tut dringend not. die nebeneinander wirken- den Kräfte zu gemeinsamen Zielen zu lenken. Unser Konzertwesen leidet an gründlicher Ueberlebtheit seiner Fundamente: zu allen wirtschaftlich-gesellschastlichen Nöten, auf die und aus deren drohen- des Anwachsen hier oft genug hingewiesen worden ist, tritt die Miß- Wirkung jenes„freien Spiels der Kräfte", dos als bürgerlich- liberal« Parole aus dem vorigen Jahrhundert verhängnisvoll nach- klingt. Das Spiel stabilisiert sozusagen den Zustand seiner eigenen Auflösung, es wirkt zersetzend, weil es gesunde Bindungen, zu- kunstvollere Neubildungen hindert. So vollendet sich das Bild hoffnungsloser Gegcnwartsfremdheit. Zu so düsteren Betrachtungen haben wir ständigen Grund, liefert jede Woche neuen Anlaß. Wir werden heut« durch eine kleine Schrift dazu angeregt, die vor kurzem veröffentlicht worden ist und ernste Aufmerksamkeit verdient. Darin finden wir den konsequent durchgeführten Versuch, das gesamte Musikleben, Oper und Konzert, nach zeitgemäßen Gesichtspunkten organisch-organisatorisch neu aufzubauen— oder richtiger: solchem Aufbau, der von Grund aus er- folgen müßte, werden Wege und Ziele gewiesen. Allerdings, es können nicht genau unsere Wege sein: denn der Verfasser, Dr. Ka rl Holl, hat die Verhältnisse der Stadt Frankfurt im Auge, sein« Schrift, im� Verlag der„Frankfurter Zeitung" erschienen, heißt „Frankfurter Musikpolitik". Aber nicht nur als Symtom ist es sehr bemerkenswert, daß in einer großen deutschen Musikstodt der Ge- danke Gestalt gewinnen tonnte— sei es einstweilen nur auf dem Papier einer Broschüre—, der Gedanke, daß es endlich an der Zeit ist, in der Musikwelt die Konsequenzen zu ziehen, die sich aus dem politisch-sozialcm Wandel dieses Jahrzehnts unabweisbar er- geben. Es schien ein Ansang, nun für Berlin, als wir vor ein paar Wochen von dem Plan hörten, die Existenzbasis des Philharmo- nffchen Orchesters zu sichern: hoffen wir, daß es als ein Anfang ge- meint ist, als erster Schritt, das Konzertwesen neu zu basieren. Sinfoniekonzerte. So ungesichert noch die wirffchaftlich« Basis des Orchesters, die philharmonischen Konzerte zeigen unter Furtwängler ein Bild höchster Stabilität: sie könnten nicht ausoerkaufter, könnten es nicht mit besserem Grund sein. Strawinskys„Feuervogel"-Suite, am Schluß des sechsten Abends, es war eine Orchesterleistung, Führer- leistung ohnegleichen. Auch Schumanns dritte Sinfonie, die „Rheinische", als Ganzes keines der ganz großen Werk«, kommt zweifellos zu stärkster Wirkung. Aber das Interesse des Publikums konzentriert sich auf den Solisten, der, Mittelstück des Programms, das Violinkonzert von Brahms spielt: Fritz Kreisler. Ein wenig scheint die Arbeit geteilt: Brahm» ist bei Furtwängler und seinen Musikern, das Geigerische um so besser bei Kreisler aufge- hoben, dessen gewinnendes Musikantentum, dessen naturgewordene Meisterschaft sich unwiderstehlich durchsetzt. ck Planlosigkeit. Von Klaus pringshein,. Die Philharmoniker könnten nicht leben— gäbe es nicht die vielen Dirigenten, die leben wollen. Jeder Dirigent einmal in Berlin, heißt die Losung der Saison. Doch heute kein unfreundliches Wort gegen die Dirigentenschau des internationalen Imprefariats: denn wir verdanken ihr einen durchaus überragenden Eindruck: Ernst Wendel, der Bremer Generalmusikdirektor, vennittelt ihm in der Achten von Bruckner. Das ungefügige Riesenwerk zu bewältigen, bleibt für den nachschaffenden Musiker«ine der größten Aufgaben. Dieser weiß, bruckner-erfüllt, wie man's in Berlin nicht wird, Hörer und Ausführende ganz in den Bann seiner starken Ge- staltung zu zwingen. Klavierabende. Jeden Abend ein Pianist, oft auch mehr: jeder Pianist Mittet- punkt seines Abends. Wie schön, wenn oll diese Klavierabende sich zu einer Reihe verbänden, in der gewissermaßen einer voni andern wüßte. Wenn schon Chopin dreimal in der Woche, wie dankens- wert, wenn es nicht immer wieder die L-Moll-Sonace wäre. Doch das sind verwegene Zukunftsträume: die Gegenwart sieht anders aus. Zum Glück aber kennt sie noch mehr Komponisten, und an bedeutenden pianistischen Erscheinungen leidet sie keinen Mangel. Egon P e t r i, Busonis bedeutendster Schüler, endet mit Liszt und beginnt mit Bach, in dessen Welt er, wie sein Meister, wurzelt. Frederic Lomond ist in einem großen, schweren, ernsten Programm— Bach, Brahms, Beethoven— ganz aus der Höhe seines außerordentlichen Kilnstlertums. Wilhelm Backhaus, nach vielen Iahren wieder in Berlin, beweist sich in drei Beethoven- Sonaten als Musiker und Pianfft größten Formates. Aber Claudio Arrau,, diesmal ganz romantisch gestimmt, gibt sein Bestes, blendend und bezaubernd, in zehn Etüden von Chopin. Und die B-Moll-Sonate? Fanny Weiland spielt sie, als erste Nunrmer also eines Chopin-Abends, an dem sie sich, im Technischen noch erheblich gewachsen, als charaktervolle Musikerin zeigt Oesterreichifcher Aven.. Das Oesterreichische war von je«in großer, oft der stärkste Teil der deuffchen Musik; und ist heut«, mehr denn je, im Berliner Musikleben unmittelbar wirksam. Wirksamer, als es an dem einen Abend werden konnte, der vom Oesterreichifchen Komponistenbunb im Bach-Saal veranstaltet war. Es pflegen nicht die wichtigsten Werk« zu fein, die sich in den Rahmen solch einer repräsentativen Schau fügen. Als starker Eindruck hastet, obgleich die Wiedergabe von Vollkommenheit ziemlich weit entfernt war, die Uraufführung der fünf Kanrmerstücke von Hauer. Und eine Suite für Cellosolo von Wellesz. übrigens von Nicolai Groudon prachtvoll gespielt, überrascht durch den geglückten Versuch, in dieser sprödesten Form des Musizierens etwas schlechthin Angenehm-Gefälliges zu geben. Die anderen Kompanistennamen des Programms— Weigl, Gal, Groß— haben immerhin ihren guten Klang bestätigt. Der Abend stand unter dem Protektorat des österreichischen Gesandten Dr. Frank. Em paar Tag« zuvor lernten wir durch die Vermittlung der tschechischen Gesandtschaft die ausgezeichnete Sängerin Iezic- H a n a k o o a vom Nationoltheoter in Brünn kennen. Wir würden uns freuen, diese ungewöhnlich schöne Mezzofopranstimme einmal in der Umgebung eines Berliner Opernenfemdles erproben zu können: unb wir würden, nebenbei bemerkt, uns herzlich freuen, öfter davon zu hören, daß unsere Künstler im Ausland durch die Vertreter des Reiches ähnliche Förderung erfahren. Die Trotzkistenverfolgungen. Begründung durch Stalins Monitor. Moskau. 25. Januar. Di«„Prawda", Zentralorgan der Kommunistischen Partei, er- läutert in einem Leitartikel das neu« strenge Vorgehen gegen die Linksopposition, die jetzt immer als„Trotzkismus" bezeichnet wird. Das Blatt führt aus: Die Politische Polizei(GPU.) Hobe nicht längerzögern können, durch eine Reihe von'Verhaftungen und Verschickungen der gefährlichen Tätigkeit einer trotzkistischen Geheimorganisation, die sie festgestellt hatte, ein Ende zu machen. Der Trotzkismus Hab« sich aus einer Organisationsgruppe' innerhalb der Partei zunächst in eine Fraktion verwandelt, aus der dann„eine antifowjetistifche gegenrevolutionäre illegale Organisation gewordess ist, die gegen die Kommunistische Partei und das Sowjetsystem kämpft". Im Lande der„proletarischen Diktatur" könne eine solche Organisation.nicht geduldet werden. Die Trotzkisten verfügten bereits über illegale Druckereien, geheime Komitees und andere Organisationen. Die„Prawda" hält eine tolerante Stellungnahme zum Trotzkismus für unmöglich, da dieser„den Bürgerkrieg vorbereitet und olle der Diktatur des Proletariats feindlichen Kräfte um sich sammelt".— In letzter Zeit war die trotzkistische Oppositionsgruppe sehr dreist vorgegangen und ihre Propaganda wogte sich sehr weit vor. Illegale Literatur mit dem Vermerk:„W cnn gelesen, weiter- g e b« n I" wurde in Moskau verbreitet und sogar verkauft. Aus dem scharfen Leitartikel der„Prawda" läßt sich auch der Schluß ziehen, daß die Gerüchte über angebliche Derstöndigungsverhand- lungen zwischen der Parteileitung und Totzki vollkommen un- begründet sind. Wenn der Zarismus wieder einmal durch neue Ver- folgungen der Opposition Entsetzen und Proteste in Westeuropa hervorgerufen hatte, dann bracht«„Nowoji Wremja" oder sonst' ein Regierungsblatt«ine Rechtfertigung, die auf die bedrohliche Gefähr- lichkeit der Verfolgten hinwies. Der Artikel didc„Prawda" könnte glatt nach diesen alten Vorbildern abgeschrieben sein, nur daß für„Selbscherrschertum"„Proletarische Diktatur", für„Gesittete Ordnung"„Sowjetsystem" und für„Ochrana"„GPU." gesetzt werden brauchte. Vorbereitung zur Geburtstagsfeier. Wilhelm(zum Vergrößerungsspiegel): Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist der Größte im Deutschen Land? �Erfolge der Opposition." Was dahinter steckt. Die Moskauer Filiole in Berlin»mß ihre Existenz durch Er- folge behaupten. Sie gebraucht Erfolge unter allen Umständen. Kann sie ersichtliche Erfolge nickst verzeichnen, dann bleibt ihr weider nichts übrig, als solche zu konstruieren, irgendeinen Augenblicksvor- teil als großen Erfolg aufzubauschen. Wollte man den Erfolgen der KPD. und denen ihrer.Gewertschaftsopposition" im ein- zelnen nachgehen, dann würde sich zeigen, wie diese„Erfolge" mitunter beschaffen sind, wie gewagt oft die Mache ist. Es lohnt sich jedoch nicht, da die Erfolg« insgesamt gelegentlich aufgezeigt werden können. Immerhin ist es nicht unnütz, den einen oder anderen Ein- zelerfolg der KPD. an einer Stichprobe zu bewundern. Meist ge- nügt dazu schon die Hervorhebung des Ortes der Begebenheit. Das Bild schärft sich aber, wenn man die eicksprechenden Zahlen hinzu- fügen kann. Als„Erfolge der Gewerkschaftsopposition" brachte die„Roti Fahne" am Donnerstag an der Spitze die ein- stimmige Wiederwahl de» alten„oppositionellen" Vorstandes der Ortsgruppe Torgelow des Deutschen Baugewerks- b u n d e s. In dem bei Stettin gelegenen Torgelow zählte der Baugewerksbund Ende 1927 ganzeSß Mitglieder Wie viel« Mitglieder diese Ortsgruppe gegenwärtig umfaßt, hat der alt« oppositionelle Vorstand» entweder nicht berichtet, oder aber die „R. F." hat diese Angabe als unwichtig gestrichen. Wir wollen damit die Erfolge der„Opposition" in Torgelow, Biskupitz in Oberschlesien, in Freiburg l. Schl. keineswegs unter- schätzen. Doch haben wir durchaus keinen Grund, sie zu überschätzen. Bei einiger Rührigkeit der auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschostsinternational« stehenden Gewerkschafter lassen sich auch recht bescheiden« Erfolge der Kommunisten unterbinden. Die Wechselfälschungen des Bankiers. Zu unserer gestrigen Meldung, in der«, hieß, daß am 5. Januar diese« Jahre» zwischen den Leitern der Anhaltirelchen Salzwert« und maßgebenden Herren der Firma Delbrück. ralt schmoren", und zwar so lange, daß selbst dem König die Geduld riß. Unter dem 23. Dezember 1801 mahnt er an,„die ausfallende Verzögerung befremde ihn um so mehr, als die Sache doch mit keiner Schwierigkeit verbunden sei". Trotzdem braucht« die Kriegs- und Domänenkammer noch Zeit b i s weitin den Januar1802hln«in, um das neu« Reglement vorzulegen. Dieses hielt a» der Lohnreduzierung auf 8 Groschen fest. Jedoch stellte es jedem Meister frei, sich mit seinen Ge- sellen werden ihres Fleißes oder ihrer vorzüglichen Arbeit über eine Zulage oder Vergütung zum Lohn zu verständigen. Damit war die Lohnbegrenzung nach oben, die den ganzen Streit ver- anlaßt«, fortgefallen. Der A b w e h r st r c i k der Berliner Schneider vor 123 Jahren endete also mit einem Erfolge.?ric6rick Olk. Rolltreppe, Leihhaus, Goldstücke Pariser Bilder von Norbert Bachrach Wer kennt sie nicht die'Montmartre-Treppen mit ihrem melair- cholischen Begleiter, der Drahiseilbahn, deren Wogen abfahren, wann sie wollen, und ankommen, wann sie können. Diese Treppen, auf der Millionen wie auf einer Leiter aus dem Paradies in den Himmel steigen, soll verschwinden. Hier, wo sich Heiliges mit Profanem mischt, hier, wo man ansängt, den Ehanne von Pari» zu verstehen, soll eine mechanische Rolltreppe ihren kammigen Rücken krümmen, so haben es die bösen Stodtväter von Paris beschlossen. Das ist nicht mehr Paris! Das ist New Bork, Chikago, Boston.... Eine mechanische elektrische Rolltreppe wie i» den großen Kaufhäusern. Die Freuden des Montmartre werden sie kaufen, wie man einen Meter schlechten Hemdenstoff ersteht.... » Das Pfandhaus(ie mont