BERLIN Sonnabend 26. Januar 1929 Der Abend Ericheint täglich außer Sonntag& Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts " 10.Pf. Nr. 44 B.22 46. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeife 00 Vf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosschecktonte: Worwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Douboff 292 bis 297 Die ,, Grüne Woche" Eröffnung der Ausstellung für Landwirte und Siedler. In den drei Ausstellungshallen am Kaiser- 1 damm herrscht jetzt die„ Grüne Woche" jene Ausstellung für den Bedarf der Landwirtschaft, die alljährlich um diese Zeit aus Anlaß der Landwirtschaftlichen Woche wiederzukehren pflegt. Beranstalter ist, wie immer, das Ausstellungs-, Mejseund Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin. " Die Grüne Woche" wurde heute vormittag eröffnet. Im Empfangsraum der alten Autohalle fanden sich die Vertreter der Reichs- und Staatsregierung, der Stadt Berlin und die Vertreter der landwirtschaftlichen Organisationen ein. Nach dem Vortrag des Krönungsmarsches von Meyerbeer begrüßte der Leiter der Ausstellung, von Safe, im Auftrage des Ausstellungs- und Messeamtes der Stadt Berlin die Festgäste. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dietrich, sprach seine Anerkennung darüber aus, daß es gelungen sei, die Ausstellung ,, Grüne Woche" wieder einmal in der Reichshauptstadt aufzubauen. Die Ausstellung foll erreichen, daß Land- und Stadtvoll einander näher tommen. Der preußische Staatsminister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. Steiger, sprach den gleichen Wunsch aus, daß es der Ausstellung, gelingen möge, die Stadt- und Landbevölkerung Davon zu überzeugen, daß fie nur in gemeinsamer Arbeit den Notstand beseitigen könne. Oberbürgermeister Dr. Böß wies darauf hin, daß Berlin als größte Stadt Deutschlands und damit als größter Berbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse sich darüber freue, daß die ,, Grüne Woche" in Berlin aufgebaut wurde. Berlin hat aber auch außerdem noch sehr starkes Interesse an dieser Ausstellung, denn es ist der größte Gutsbesizer und der größte Forstbefizer im Reiche. Die Stadt Berlin hat in den letzten Jahren versucht, die Landwirtschaft zu fördern und Verfuche im Havelländischen Luch haben erfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Der Borsigende des Reichslandbundes, Dr. Schiele, der zugleich Vorsitzender des Arbeitsausschusses der 4. Grünen Woche ist, sprach seine Anerkennung darüber aus, daß die Reichsregierung den Plan einer landwirtschaftlichen Ausstellung unterstützt habe. Zum Abschluß sprach dann noch der Präsident des Preußischen Landesjagdverbandes, Held, der lobend hervorhob, daß bei dieser Ausstellung auch die Jagd- und Forstwirtschaft gebührend berücksichtigt worden sei. Die Hallen find bis auf den letzten Blaz mit den Geräten und Produktionsmitteln gefüllt, die der Landwirt, der Gärtner und auch der Siedler bedarf. Es gibt dazu noch jene Sonderabteilungen, die sich mit der Forstkultur, mit der Fischerei, mit der Geflügel- und Hundezucht beschäftigen. So träht im Mitteltraft, zwischen der zweiten und dritten Halle, prächtiges Federvieh eine endlose Hymne an das gute Kraftfutter. Ein ganzes Feld von großen Käfigen bedeckt die Halle und läßt nur fnappe Gänge für die Bassanten frei. Beim Betreten der Halle 1 fallen hinter dem blumengeschmüdten Ehrenhof zunächst die Stände der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft für die Provinz Brandenburg und Berlin ins Auge. Weiterhin im Mittelschiff der Halle hat die Industrie Aufstellung gefunden. So die Düngeindustrie, die in geschlossener Form einen Einblick in diesen, für unsere Landwirtschaft so wichtigen Industriezweig gibt. Weiterhin zeigt die Industrie in dieser Halle alles, was für eine rationelle Milchwirtschaft von Wert und Nuzen ist. Neben den verschiedensten Ausführungsformen von Grünfutterfilos find Maschinen und Einrichtungen für die Milchwirtschaft und Kühlanlagen für alle praktisch vorkommenden Betriebsbedingungen in mannigfacher Form ausgestellt. Besonders zahlreich find in diesem Jahre auch die für den Ackerbau erforderlichen landwirtschaftlichen Maschinen wie Dreschmaschinen, Drillmaschinen und Erntemaschinen der verschiedensten Art vertreten. Ueberall macht sich die Zeittendenz, eine Vereinfachung in der Bedienung herbeizuführen, um die Leistungsfähigkeit im Intereffe einer rationellen Betriebsführung zu erhöhen, geltend. Auf der Galerie der Halle 2 hat die Elektrowirtschaft eine Zusammenstellung aller für' den Landwirt und die ländliche Hausfrau wichtigen und neuzeitlichen Errungenschaften zur Schau gestellt. Die wirtschaftliche Ausnußung des elektrischen Stromes wird durch den Betrieb von Geräten und maschinellen Anlagen, durch Filmvorführungen und statistische Darstellungen gezeigt. Hier stehen große und kleine Brutschränke, die je nach Größe der Farm, für die sie gebraucht werden sollen, bis zu 16 000 Eiern aufnehmen fönnen; dort Apparate für die Aufzucht von Küfen. Eine besondere Abteilung dieser Schau ist der Hauswirtschaft gewidmet. Im Erdgeschoß dieser Halle nimmt zunächst die Abteilung Gartenbau, die ebenso wie alle anderen Sonderausstellungen in einen Industrieteil und eine belehrende Schau gegliedert ist, einen breiten Raum ( Fortsetzung auf der 2. Seite.) 60 Millionen Anleihe für Berlin. Anleiheverhandlungen mit New Hort schweben. Das Nachrichtenamt des Berliner Magistrats teilt mit: Aus New York ist gemeldet worden, daß Anleiheverhandlungen zwischen dem Bankhaus Dillon Read und der Berliner städtischen Elettrizitätswerte.- G.( Bewag) vor dem Abschluß ständen, und zwar soll es sich um eine 6% prozentige Deutschland unterbreitet worden. Gilbert habe kurz vor seiner Abreise bemerkt, er wisse nicht, was nun hinsicht lich des Vorsizes geschehen werde. Anleihe auf 30 Jahre handeln. Richtig iff, daß derartige Anleihe Rüstungsindustrie versorgt Bolivien. verhandlungen schweben, daß jedoch eine Entscheidung des Aufsichstrats noch nicht vorliegt, sondern erft Anfang nächster Woche fallen wird. Eine Bürgschaft der Stadt für diese Anleihe ist nicht vorgesehen. Die BEWAG. braucht Mittel zur Erweiterung ihres Betriebes. Die Ansprüche der Industrie an die Lieferung von Straft steigen andauernd, so daß ein umfangreicher Ausbau nötig wird. Zunächst muß das Kabelnet verstärkt werden, damit den Ansprüchen genügt werden kann. Der Bau eines neuen Kraftwerkes ist eine Frage späterer Zeit. Amerika lehnt Vorsitz ab. Der Präsident dagegen. New York, 26. Januar. Parker Gilbert ist nach Paris abgereift. Vor seiner Abreise besprach er mit Owen Young die Lage der Entschädigungszahlungen und benachrichtigte die beteiligten europäischen Regierungen davon, daß Young den Vorsit im Sachverständigenausschuß zu übernehmen ablehne. Parker Gilbert ist beauftragt, die Gründe dieser Ablehnung den europäischen Kabinetten persönlich dar. zulegen. Präsident Coolidge hat nicht gewünscht, daß Young den Vorsitz übernehme. Es verlautet, daß Coolidge befürchtet, wenn Young den Vorsitz führt, so würde dies bei einer Herabsehung der deutschen Schuld entsprechende Forderungen der Alliierten auf Herabsehung ihrer Schulden an Amerika zur Folge haben. Der Vorschlag, einem Amerikaner den Vorsitz der Sachverständigenkonferenz zu übertragen, sei hier von Parker Gilbert im Auftrage der Alliierten und Der Pfarrer ins Gefängnis Sprengstoffattentat in Thüringen Berichte 2. Seite Chile verbietet Durchfuhr- UGA. die Ausfuhr. Washington, 26. Januar. Jm Staatsdepartement wurde bekanntgegeben, das die chilenische Regierung die Durchfuhr von Waffen nach Bolivien und Paraguay verboten habe. Von seiten des Staatsdepartements wurde dieser Mitteilung hinzugefügt, daß aus den Vereinigten Staaten teine Waffen und keine Munition nach Bolivien geliefert werden und daß man es bedauern würde, wenn die Waffentransporte aus Europa, die Pressemeldungen zufolge von Vickers und den SkodaWerken kämen, fortgesetzt würden. Rheinland und Reparation. Gleichzeitige Verhandlungen. London, 26. Januar. Im Unterhaus stellte Oberst Wedgwood die Frage, ob die Regierung der Schaffung eines Feststellungs- und Vergleichsausschusses“ für das Rheinland unter den gegenwärtigen Verhältnissen irgendwelche Bedeutung beilege und welche Haltung sie in dieser Angelegen heit bei der nächsten Genfer Tagung einzunehmen gebente. Unterstaatssekretär Locker Lampson erwiderte, die britische Regierung und die übrigen beteiligten Regierungen hätten den Wunsch, die zwischen ihnen noch gierungen hätten den Wunsch, die zwischen ihnen noch schwebenden Fragen zu liquidieren. Die wichtigsten dieser Fragen beträfen die Regelung des Reparationsproblems und die Räumung des von den alliierten Truppen noch besetzten deutschen Gebietes. Auf die Lösung dieser Fragen ziele der Genfer Beschluß vom 16. Septem ber 1928 ab, der die Schaffung eines Sachverständigen ausschusses und des Feststellungs and Vergleichsans schusses vorsche. Die britische Regierung werde alles in ihren Kräften stehende tun, damit man auf diesem Wege zu einer restlosen Verständigung gelange und diese störenden Fragen endgültig geregelt würden. Oberst Klub der Ehemaligen Diese Ahnengalerie" abgedankler Monarchen aus den letzlen 20 Jahren zeigt von links nach rechts den letzten Sultan der Türkei, den Griechenkönig Georg, Herrn Manuel von Portugal, Wilhelm den Redseligen, zur Abwechslung die ehrgeizige Zita von Oesterreich- Ungarn, den letzten Perserschah neben dem kindlichen letzten Kaiser von China, und endlich den Zar der Bulgaren" Ferdinand neben Amanullah, dem Afghanen. Eine reichlich gemischte Reihe, die wieder einmal das alte Wort von dem Ende weltlicher Herrlichkeit bestätigt. Wedgwood: Ist das so z» verstehe», daß die Sihaffung des Feststellung�- und Vergleichsausschusses von den» Befund der Reparationssachverständigen abhängt, und daft diese ganze Angelegenheit vertagt worden ist, bis der Bericht der Reparationssachverständigen vorliegt? Unterstaatssekretär Locker Lampsou erwiderte, daß die Beratungen der beiden Ausschüsse seines Wissens gleichzeitig stattfinden würden. Die grüne Ausstellung. (Fortsetzung von der I.Seite.) ein. Der Zug zur Normung von Betriebseinrichtungen hat auch im Gewächshausbau Eingang gefunden. Es ist gelungen, 100 ver- schiedene Gewächshaustypen auf insgesamt S Modell« zu reduzieren. Die bisher gebräuchlichen 04 Typen von Frühbeeten ließen sich durch das verständnisvolle Zusammenarbeiten auf 3 reduzieren. In der Sonderausstellung Imkerei' wird den Besuchern ein neuzeit- licher Bienenstand sowie eine Königinnenzucht-Betriebsweise gezeigt. Auch die Gewinnung und Verwertung von Bienenprodukten ist aus stellungsmäßig dargestellt. Die Abteilung„Seidenbau" ist für den praktischen Seidenbau-Fachmann berechnet. Die große Abteilung Forstwirtschaft behandelt in diesem Jahre nicht— wie früher — das gesamte Gebiet der Forstwirtschaft: man hat eine Spezial- obteilung..Schutz des Waldes als Wirtschoftsgut* errichtet. Ihr Zweck ist die Darstellung praktisch brauchbarer Schutzeinrichtungen, und zwar nicht nur für den Fachmann, sondern auch für den großen Kreis der Laien. Die Halle 3 ist für die Geflügelausstellung der „Cypria", Verein der Geflügelfreunde in Berlin, reserviert. In Verbindung mit dieser Ausstellung lebender Tiere wird das so aktuelle Gebiet der Geflügelzucht in einer Sonderschau(Halle 1) ausstellungsmäßig erschöpfend behandelt. Die Halle 4 endlich birgt die Iagdausstellung und die Internationale Schießsportausstellung. Die zahl- reichen Beutestücke sind in den verschiedensten Abteilungen sehr an schaulich, zum Teil in belehrender Form gezeigt. Nicht weniger als 000 Gehörne und 140 Geweihe, alles seltene und ausgesuchte Exmr plare, sind vertreten. In der Sonderschau„Fischerei und Angelsport" werden die verschiedensten Fischarten, ihr Fang. Präparate, Fischkrankheiten usw. dargestellt. Aus allen Teilen Deutschlands sind Sammlungen usw. nach Berlin gebracht worden. Auch die großen Museen und Archive haben ihr kulturhistorisch sehr interessantes Material zur Darstellung gebracht. Für den Fach- mann wertvoll und lehrreich dürste der Industrieteil dieser Halle sein. Hier sind die modernsten Erzeugnisse der Waffenschmiedekunst, teilweise wahre Wunderwerk« dieses alten Handwerks, zur Schau gestellt. Endlich zeigen nicht weniger als etwa 130 Schützen- gilden in einer tatsächlich umfassenden Uebersicht die historische Entwicklung des deutschen Schützenwesens. Der Pfarrer ins Gefängnis. Weil er die Republik beschimpft. Bor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin-Mitt« hatte sich der evangelische Pfarrer Hans Krieger aus Eschefetd bei Freiburg in Sachsen wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz zu ver- antworten. Die Anklage stützt sich aus eine Veröffentlichung des Angeklagten im„R« i ch s w a r t" vom 3. August v. I.. in der er unter der Uoberschrfft:„Wie geht man mit der Wahrheit um?" einen Brief wiedergegeben hatte, den er an den wegen Fememordes ver- urteilten Oberlneutnant a. D. Schulz ins Plötzenfeer Gefängnis ge- sandt hatte. In dem Artikel, dem als Motto der Vers: i« Helden ins Loch, die Schieber aus den Thron, das Ist im neuen Deutschland die Staatsraison" vorangestellt war, wurde ausgeführt, daß Schulz nicht vergessen soll«, was diese Republik aufgebaut aus Lügen, Meineid und Hochverrat, ihm angetan habe. In dem Artikel wurde von d£m Verfasser bemängelt, daß dieser Brief Schulz nicht ausgehändigt worden fei. Der Angeklagte Pfarrer betonte, daß er sich intensiv mit der sogenannten Fememord- fache beschäftigt halbe. Die Schwarze Reichswehr sei ausgestellt wor- den, weil die Franzosen die Mainlinie zu besetzen, während die Tschechen in Sachsen, und die Polen in Oberschlesien einzumarschieren drohten. Die Angehörigen der Schwarzen Reichswehr hätten damals 'die Republik retten wollen und ihre Taten seien mit Billigung der Regierung geschahen. Während die Vorkommmsie in Oberschlesien von der Regierung mit Stillschweigen übergangen wären, seien die Prozesse gegen die Fememörder gewaltsam eingeleitet worden, um die Aufmerksomteit der Oeffentlichkeit von dem zum Himmel stinken- den Barmatskandal abzulenken.(!). Als dann der Angeklagte Barmat als„Oberschieber, Auswucherer und Schurken" be- zeichnete griff der Vorsttzende ein und bedeutete ihm, daß derartig« Beleidigungen vor Gericht unzulässig seien. Der Angeklagte erklärte dann, daß Oberleutnant Schulz unschuldig sei. so wahr wie die Sonne am Himmel steh«. Er hätte sich seiner in dem Brief annehmen wollen, genau wie er es mit den Kriegsgefangenen getan habe, die in Rumänien in dem Gesangenmlager Sipoti ermordet worden seien. In dieser Angelegenheit sichre er schon seit zehn Iahren einen heftigen Kamps gegen das Auswärtige Amt. Der Angeklagte führte in weiterem Verlauf der Verhandlung den Ausspruch, daß die Republik aus Lüg«, Meineid und Hochoerrat auf- gebaut ist, ats eine geschichtliche Tatsache an, der von dem Kardinal Faulhaber össentlich ausgesprochen worden. Iustizrat Hahn bestätigte, daß Kardinal Faulhaber auf eine Anfrag« erklärt habe, daß er bereits am 27. August 1922 gelegent- lich des Deutschen Katholikentages in München öffentlich gesagt habe, daß die Republik auf Meineid und Hochverrat beruhe und ein Kainsmal aus der Stirn tryge. Dies habe Kardinal Faulhaber gesagt, obwohl schon einen Monat vorHerdas Republitschutzgesetz in Kraft getreten sei. Vors.: Bei jedem Umsturz müssen doch die früheren Rechtsverhältnisse geändert werden. Die Beamten sind doch aber offiziell von ihrem Eide ent- banden worden, so daß man doch nicht von Meineid und Hochoerrat sprechen kann. Nach längerer Beratung verurteilte das erweiterte Schöffen- gericht Berlin-Mitte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von dret INonalea und Tragung der Kosten. Amsgerichtsrat Burkhardt führte in der Begründung aus. daß durch die Veröffentlichungen der Tatbestand des Republitschutzgesetzes erfüllt sei, und daß sehr schwere Beleidigungen und Beschimpfungen der Republik in ihnen enthalten seien, so daß eine empfindlich« Bestrafung am Platze war. Die Tätig. kett des Pfarrers habe nicht aufbauend, sondern zersetzend gewirkt. und er habe auch dem Pfarrerstande geschadet. Deshalb fei eine • Gefängnisstrafe notwendig gewesen. Die 37.(welkliche) Volksschule in Lichkenberg. Marktstraße (Rektor P riebe), ladet zum Sonntag dem 27. Januar, von 9 bis 13 Uhr. Eltern und Freunde zur Besichtigung ihres Schulgebäudes ein. Bei dieser Gelegenheit können Einschulungen und Umschulun- gen vorgenommen werden. Höllenmaschinen in Thüringen. Gprengstoffanschläge in Weimar und(Sangerhausen. Weimar. 26. Januar. Die am Freilag aus A p o ld a gemeldete Explosion einer Höllenmaschine im Kontor einer Wollwarensabrik stellt sich als ein Glied einer scheinbar ans persönlichen Rachegedanken plan- voll vorbereiteten Kette von Spreng st ossan- schlagen heraus. In der Rachl vom 25. zum 26. Januar ging einer alleinstehenden Frau in Weimar ein gleiches Paket zu, dessen Inhalt glücklicherweise nicht explodierte, trotzdem die Empsän- gerin sich bereits damit zu schaffen gemacht Halle. Die Sprengladung hätte genügt, um schwerste Verheerungen anzurschlen. Gleichzeitig wird aus Bornstedt bei Sangerhausen der Eingang eines dritten Pakets gemeldet. Die dort erfolgte Explosion verletzte drei per so neu. Bei der KrimlualbehSrd« glaubt man nicht, daß die Anschläge aus politischen Gründen erfolgt sind. Uammeniod eines Svjahrigen. In der eigenen Wohnlaube verbrannt. Ja der Kolonie..Gartenfreunde" in Berlin. Wittenau befinden sich mehrere Wohnlauben. Gegen 3 Uhr nachts wurden Bewohner einer taube am Freiheitsweg durch einen starkenFenerschein aus dem Schlaf geschreckt. Die aus Stube und Küche bestehende wohntaube des 30jährigen hilfs- Monteurs Max Scholka brannte lichterloh. Auf den Alarm eilte die wittenauer Berufswehr an die Lraadslelle. Die Löschaktioa wurde besonders dadurch erschwert und ver- zögert, daß erst mehrere hundert Meter Schläuche gelegt werden mußten. Als das Feuer nach halbstündiger Tätigkeit niedergekämpft war. entdeckten die Feuerwehrleute tu den rauchenden und schwelenden Ueberresten der taube die völlig ver- kohlte Leiche de» Besitzers. Man vermutet, daß Scholka dem in der Küche stehenden überhelzten Ose» zu nahe ge. kommen ist und daß dabei seine Kleider Feuer gefangen haben. Dem Mann gelang es nicht mehr, das Freie zu gewinnen und er brach bewußtlos zusammen. Das Feuer griff dann auf die Laube über, die in Flammen ausging. Die Leiche Scholkas wurde beschlagnahmt. Oynamiianschlag auf ein Postami. Kampf zwischen Posträubern und Polizei in Bottrop. Bottrop, 26. Jarftiar. Am Sonnabend morgen um 3 Uhr drangen drei Räuber in das Bottroper Postamt gewaltsam ein und sprengten den Geldschrank mit Dynamit. Ihr« Beute war jedoch sehr gering, da sich in dem Geldschrank nur 10 M. befanden. Ein im gleichen Hause wohnender Postbeamter alarmierte das Ueberfallkommando, das sofort mit einigen Beamten erschien. Zwischen der Polizei und den Räubern entspann sich ein K a m p f, wobei einer derRäuber durch einen Schuß schwer verletzt wurde, während die beiden anderen entkamen. Störung im Hochbahnverkehr.» Die Hochbahn wurde heute mittag von einer empfindlichen Verkehrsstörung betroffen. Auf der Strecke S p i t t e l- markt— Gleisdreiek wurde ein Zug schadhaft und blieb mitten auf der Strecke liegen. Erst nach fast drei- viertelstündiger Wartezeit wurden die Fahrgäste zu den nächsten Stationen geleitet. Bei Redaktionsschluß ist der Schaden noch nicht behoben. Ab Spittelmarkt in Richwng Nordring und ob Gleisdreieck in westlicher Richtung wurde der Verkehr durch Pendelbetrieb aufrechterhalten. Schlappe eines Texittkonzerns. Im Kampf gegen verbindliche Schiedssprüche. Leipzig. 26. Januar. Mit einem wichtigen Rechtsstreit, der für das gesamte Wirt- schastsleben von größter Bedeutung ist. beschäftigt sich am Freitag das Reichsgericht in Leipzig. Schon seit Iahren führt der Norddeutsche Wollkämmerei- und Kammgarnspinnerei-Konzern in Bremen-Delmenhorst einen Prozeß gegen den Deutsch«, Texttl- arbeiter-Verband in Berlin. Kager waren: die Kammgarnspinner« G. m. b. H. in Eiseaach, die Kammgarnspinnerei in Langen- salza, die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Mühlhausen in Thüringen, die Kmnmgarnspirmerei in Schweina und die Kammgarnspinnerei G. m. b. H. in Delmen- Horst.« Der Konzern hatte im Jahre 1927 in seinem Betrieh« das System des sogenannten Leistungslohnes eingesichrt. kam daher zu Streitigkeiten in den meisten Bettieben des Konzerns. Am 28. März 192? hat der Konzern bei dem Reichsarboitsminifter ein« Besprechung mit dem Deutschen Tertilarbeiter-Verband angeregt. Als der Reichsarbeitsminister einen Termin dafür an- gesetzt hatte, erklärte der Konzern, di« Lag« in den Konzern- betrieben habe inzwischen eine solche Wendung genommen, daß ihm zurzett Verhandlungen unmöglich erschienen. Der Textilarbeiter-Verband teilte dann dem Reichsarbeits- minister mit, die Betriebe des Konzerns gingen dazu über, di« mit ihm aus freier Grundlage getroffenen Lohnverein- barungen zu umgehen, st« überhaupt nicht anzuerkennen und die Entlohnung nach Gutdünken vorzunehmen. In Delmenhorst, Hamburg, Bahrenfeld« und W i l- Helmsburg würden die Tarisverträge sabotiert und die durch Schiedsspruch festgesetzten Lohllerhöhnugen nicht ausgezahlt. Dies habe zu einer außerordentlichen Verbitterung der Arbeiterschaft geführt. In Langensalza, Schweina, Hamburg, Bahren. selbe, Wilhelmsburg und Leipzig sei die Arbeit eingestellt und es sei mit weiteren Arbeitseinstellungen zu rechnen. Die Folge sei eine Gefährdung des Produktionsprozesses in der deutschen Textilindustrie. Der Deutsche Textilarbeiter-Verband beantragte daher beim Reichsarbeitsminister, für die Schlichtung dieses Streites einen besonderen Schlichter zu bestellen, damit einer Verbitterung und Verschärfung des Kampfes vorgebeugt werde. Der Reichsarbeitsminister bestimmte hierauf den Reichswirt. schaftsgerichtsrot. jetzigen Reichsgerichtsrat, Dr. Königsberger als Schlichter. Im Verlaus der Schlichtungsverhandlungen erklärten die Vertreter der Unternehmer, das Verfahren sei unzu- lässig. Der Schlichter solle sein Amt in die Hand des Reichs- arbeitsministers zurückgeben. Es wurde nun vor der Schlichtung?- kammer verhandelt und mehrer« Einigungsvorschläge gemacht. Am 23. Mai 1927 wurde weiter in dieser Sache verhandelt und bezüglich der Thüringer Bettiebe des Konzerns festgestellt, daß dort der Manteltarif noch zu Recht bestehe, es sei nur noch der Lohn streitig. Am 25. Mai 1927 wurden dann Zwei Schieds- sprüche verkündet, durch die in dem Manteltarffstreit der Klägerinnen und in dem Lohntarifstrett derselben Parteien«ine Lohnverordnung aufgestellt wurde. Der Textilarbeiter- Verband hat den Schiedsspruch angenommen. Am 13. Juni 1927 hat der Reichsarbeitsminister die Schiedssprüche bezüglich der fünf Klägerinnen für verbindlich erklärt. Die Klägerinnen wandten«in, daß die Schiedssprüche und die Verbindlichkeitserklärungen nicht zu Recht bestehen. Der Schlichter und die Schlichtungskammer seien sachlich nicht zuständig gewesen. Sie hätten die Vollmacht überschritten, sie hätten nur einen Konzerntarif zustande bringen sollen, aber im Gegensatz hierzu Einzelschi« dssprüche über die einzelnen Werke abgegeben. Auch habe der Schlichter di« Verhandlung unterbrochen und sich Rat beim Reichsarbeitsministe- rium geholt. Es fehle ihm also an der vorgeschriebenen Unabhängig- teit. Die Zuständigkeit zur Einleitung des Schlichtungsoersahrens sei nicht gegeben gewesen, weil noch keine Vorverhandlungen zwischen den Parteien stattgefunden hätten. Insbesondere hätten für die fünf Klägerinnen güttige Werttarife bestanden. Schließ- lich sei es auch unzulässig gewesen, in einem Tarifvertrag zwischen einem Einzelwerk und einem Verband di« Wiedercinstel- lungstlausel aufzunehmen, weil diese in einem derartigen Berttage zu einer ungleichen Rechtstellung der beiden Parteien führe. Die Nichtigkeit dieser einzelnen Bestimmungen der Schieds- sprüche habe die Nichtigkeit der ganzen Schiedssprüche zur Folge. Di« Klägerinnen haben beantragt, festzustellen, daß zwischen ihnen und dem Textilarbeiter-Verband auf Grund der für verbindlich erklärten Schiedssprüche vom 23. und 25. Mai 1927, Tarifverträge zur Regelung der in den Betrieben geltenden Arbeitsbedingungen nicht zustande gekommen seien. Die Beklagten"haben um Klage- abweisung gebeten. Di« 8. Zioilkainn«r des Landgerichts I in Berlin ho- die Klag« abgewiesen. Gegen, dieses Urteil hoben di« Klägc-, rinnen Berufung eingelegt. Diese wurde aber vom 8. Zivil- senat des Kammergerichts in Berlin am 27. März 1928 verworfen. Um ein«„grundsätzliche" Entscheidung herbeizuführen, hat der Konzern der Norddeutschen Wollkämmereien und Kammgarnspinne- reien Revision«ingelegt. Unter"Vorsitz des Reichsgerichts- rats Staffel verhandelte der 3. Zivilsenat des Reichs- g e r i ch t s nochmals in dieser Sache. Die Terlilbarone halten alles aufgeboten, um diesen Rechtsstreit zu gewlnoeu. Sie hatten sich neben eitzem Rechtsanwalt am Reichsgericht den bekannten E y n- dikus der Industriellenverbände Dr. Meißtnger, Berlin, kommen lassen. In stundenlangen Begründungen wurden alle schweren Geschütz« gegen die Arbeitakschast aufgefahren. In sachlicher Weise erklärte der Vertteter des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes, Justizrat Dr. Axhäuser, Leipzig, daß alle Ein- wände der Konzernpartei nicht durchschlagend seien. Die Schiedssprüche seien von der Schlichtungskammer gefällt und vom Reichsarbettsminifter für oerbiichlich erklärt worden. Die Revision der Klägerinnen wird als völlig unbegründet v«r- worsen. Der Konzern der Norddeutschen Wollkämmerei hat die nicht unerhebliche« Kosten des Rechtsstteits zu ttagen Der DeutscheTextilarbeiter-Berbandistm diesem 0 Rechtsstreit Sieger geblieben und hat dem schwerreichen Konzern eine große Schlappe belgebkacht. Schnee überall. S Grad Kälte in Berlin. Der starke Schneefall, der gestern abend einsetzte, hat die ganze Noch« hindurch angedauert. Nach einer Mitteilung des Amtlichen Wetterdienste« ist für Sonntag mit wetteren Schneefällen zu rechnen, winterliches Wetter und leichter Frost heißt die voraussage. Die Luftdruckverteilung hat sich seit gestern kaum verändert. Ueber dem Mittelmeergebiet lagert seit Togen beharrlich ein Tief- druckgebiet und über Rußland liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet. Diese Druckverteitung bedingt weiterhin eine östliche bis südösllichc Luftströmung. Aus der Ostseite des über dem Mittelmeer lagernden Tiefs dringen milde Lufttuassen nach Norden vor, die bereits in der Tschechoslowakei, in Ungarn und in Schlesien zu starten Schneefälle» geführt haben. Die milde Lust, die in großer Höhe weiter nordwärts vordringt, wird im ganzen Reich Schneefälle zur Folge haben. Trotzdem ist eine wesentlich« Milderung des Frostes vorerst nicht zu erwarten.— Die tiefste Temperatur war heute früh in Schlesien zu oerzeichnen. Grünberg hatte minus 12 und Breslau minus 11 Grad. In Westdeutschland schwanken die Temperaturen zwischen minus 6 und 9 Grad. Milder Forst herrscht an der ganzen Nordseeküste, wo das Thermometer heute früh minus 4 Grad anzeigte. Ja Berlin wurden heule mittag minus$ Grad gemessen. Der Schnee hat in Berlin bisher zu wesentlichen Derkehre- störungen nicht geführt. Im Straßenbahn-, Autobus- sowie Stadt- und Ringbohnverkehr sind Verzögerungen nicht zu oerzeichnen. Auch der Fernverkehr konnte fahrplanmäßig durchgeführt werden.— Auf den Städtischen Rettungsstellen mußten wieder eine An- zahl Paffanten behandett werden, die auf den glatten Bürgersteigen und Fahrdämmen zu Fall gekommen waren und dabei Verletzungen erlitten hatten. Die Feuerwehr mußte gleichfalls wiederholt ei»- greifen. Preußen und die Landwirtschaft Millionenzuwendung und doch Notgeschrei! Der Preußische Landtag sette heute vormittag die zweite Lesung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung fort. Dabei wies Abg. Peters- Hochdonn( Soz.) darauf hin, es fönnte scheinen, wenn man die bewegten Klagen über die Not der Landwirtschaft höre, als ob es außerdem weder eine Not der Industriearbeiter noch der Erwerbslosen gibt. Er bestreite nicht, daß es eine unverschuldete Not in der Landwirtschaft gibt. Aber es ist ins Gedächtnis zurückzurufen, was im Gegensatz zu der früheren konservativen Regierung die so scharf bekämpfte republitanische Regierung für die Landwirt. fchaft getan hat. Sie hat 1924 an Erntebergungskrediten 170 mil lionen Mark, 1924/25 an Saatgutkrediten 204 Millionen Mark und für die Finanzierung des Düngerbezugs jährlich 100 Millionen Mark zur Verfügung geftelt. Eine solche Förderung von staatlicher Seite hat fein anderer Berufsstand erfahren. Aber das alles ist für die Agrarier natürlich nichts. Für diese Herren gibt es nur eines: Hochschutzölle! Einer der hervorragendsten Sachverständigen sieht eine der Ursachen der Agrarfrise darin, daß die Aussonderungen, die vor dem Kriege sich zwangsläufig ergaben, seit 1914 unterbunden sind. Jetzt zeigen fie fich in verstärktem Maße. Nach unserer Auffassung muß es aber möglich sein, den unrentablen Grundbesig in den Besitz von solchen Leuten zu bringen, die ihn rentabel machen tönnen. Jedenfalls fann die Not der Landwirtschaft nicht behoben werden durch die verhehenden Methoden des Landbundes. Das sieht ein großer Teil der Bauernschaft auch bereits ein; wie er auch bereits in Schleswig- Holstein ein gesehen hat, daß die Futtermittelzölle sich auch für den kleineren Landwirt nur schädlich auswirken. Wir franken vor allen Dingen daran, daß in Deutschland nicht die notwendige Kauf Agrardebatte. " Bei der Notlage der Landwirtschaft fann ich Ihnen natürlich nur den Stundenlohnausfall vergüten..." kraft für landwirtschaftliche Produkte in der Bevölkerung vorhanden ist. Das zeigt am besten und erschreckend deutlich die Stei gerung des Margarineverbrauches. Es ist kein günstiges Beichen, wenn der Bevölkerungsteil der in der Landwirtschaft Tätigen von 40 Proz. im Jahre 1880 heute auf 23 Broz. zurückgegangen ist. Die Frage, ob 3ölle überhaupt notwendig sind, beantwortete Abg. Peters dahin, daß bei den abzuschließenden Handelsverträgen auf eine vernünftige Rontingentierung der Einfuhr Rücksicht genommen werden müsse. Daß aber das Einfuhrkontingent von 250 000 polnischen Schweinen die Preise nachteilig beeinflusse, fei nachweislich unrichtig. Die Zölle find fein Mittel, die Agrarfrise zu bekämpfen, das habe schon Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius im vergangenen Jahr im Reichstag mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, als er darauf hinwies, daß sie nur Repreffalien auslösen würden bei den anderen Ländern. Holland und Dänemark, die landwirtschaftlich vorzüglich und für uns vorbildlich wirtschaften, sind Freihandelsländer. Sie verdanten vor allem ihren hohen Kulturstand der systematischen Schulung der Landwirtschaft. Die Sozialdemokratie sei bereit, dafür alle erforderlichen Mittel zu bewilligen. Es ist im übrigen durchaus erfreulich, daß die Entwicklung der Genossenschaften nach dem Muster dieser beiden Länder Fortschritte macht. Der 2 andVorträge und Filme. ,, Ein Grab am Nordpol." Ufa- Pavillon Nollendorfplatz. Elf Jahre nachdem von der Steffenson- Expedition acht Mann auf der Heroldinsel im Eismeer nördlich von Alasta verschollen waren, brach von San Francisco der Eisbrecher Herman" mit den beiden Snow und Kapitän Lane auf, um in die gleichen Gebiete vorbeiden Snow und Kapitän Lane auf, um in die gleichen Gebiete vor zustoßen und das Schicksal der Verlorenen aufzuklären. Jede nordische Expedition bringt immer neues und willkommenes Material über die grandiose und manchmal auch schöne Landschaft, über die Gefahren und Abenteuer und vor allem über das interessante Tierleben, das gerade im hohen Norden sich in ungeheurem Reichtum entfaltet. Auch unsere Expedition kann solche Schäße ausbreiten. Ihr Bericht bringt natürlich vieles, was wir schon sonst gesehen haben: Packeis und kalbende Gletscher, Eskimos und Estimohunde und dergleichen. Aber von ganz eigenartigem Reiz ist eine Walfischjagd, der wir von Anfang bis Ende beiwohnen immer in größter Spannung, ob das fleine Boot mit seinen waghalsigen Insassen das riesige Tier( 80 000 Kilogramm schmer) bezwingen wird. Sie zwingen's, und der Walfisch wird seinem Schicksal des Ausspeckens zugeführt. Ganz anders ist wieder die Jagd auf Walroffe, die in großen Herden auf Felsen lagern und sehr vorsichtig beschlichen werden müssen. Man kann sie in ihrem Leben und Treiben aufs intimste belauschen, und es ist ein wundervoller Anblid, wenn diese fetten Gesellen im Massenandrange fich ins Meer stürzen. Merkwürdig war auch die Verfolgung eines riesigen Eisbären, der schließlich mit| dem Lasso eingefangen und mit großer Mühe lebendig aufs Schiff gebracht wurde als Beute für einen Zoologischen Garten. Unbeschreiblich ist das wimmeinde Bogelleben der Möven, Kormorane und Eispapageien auf den felsigen Inseln. Auch die Robben treten in riesigen Massen auf. Ganz neu war uns aber, daß in diesen Regionen solche Herden von wilden Renntieren vorkommen. Die Expedition erreichte schließlich ihr Ziel, ehe sie vom Baceis gefesselt wurde, die Heroldinseln, und konnte hier die Reste der verschollenen Acht in Gestalt von abgenagten Knochen und vielerlei Ausrüstungsgegenständen feststellen. Es waren noch ungeöffnete Proviantbüchsen gefunden. Aber feinerlei Papiere gaben Aufschluß darüber, wie die tapferen Forscher starben. Das große weiße Schweigen", der dramatische Bericht von Scotts heroischer Südpolar expedition ist nie wieder von einem anderen Polarfilm erreicht morden, aber man soll nicht vergleichen; auch unser Film bietet des Sehenswerten genug. Boran ging der sehr instruktive Bericht über die Leichtathletik auf der Amsterdamer Olympiade. „ Lockendes Gift." Atrium. I. Der Film handelt von der Tochter eines englischen Obersten, der bei pern fiel. Das junge Ding ist eines der vielen, vielen Menschenfinder, denen der Krieg die Kindheit nahm und denen die Arbeit die Jugend raubt. Tag für Tag fist fie im Ministerium des Aus wärtigen an der Schreibmaschine. Da kommt die Sekretärin, die inzwischen die Liebe eines jungen englischen Offiziers gewann, vertretungsweise nach Budapest. Dort lernt sie das elegante Leben tennen und lieben. Nach einem wüsten Auftritt, verschuldet durch ziemlich berechtigte Eifersucht, verlobt sie sich dann, nach London zurückgekehrt, mit dem englischen Offizier, den sie wirklich liebt. Dem Regisseur Fred Sauer ist es nicht gelungen, einen großen Film oder auch nur ein durchweg befriedigendes Werk zu schaffen. Es ist zu viel Getue in ihm und oft schwankt der Regisseur zwischen Edelkitsch und Kitsch, der recht tief zu rangieren ist. Zudem liebt er eine blöde Militärspielerei und fein auswärtiges Amt sieht aus, wie ein Kriegsministerium. Hin und wieder bringt er zwar nette Landschafts- und Gesellschaftsbilder. Dennoch ist eins sicher, er müht sich jeden Augenblid ehrlich um menschliches Interesse und menschliches Verstehen. Darin wird er glänzend unterstützt durch Paul Richter, diesen Darsteller, der stets unserer Aufmerksamkeit gewiß ist und der in seiner Schlichtheit recht sympathisch wirkt. Eve Gran ist nicht immer nach unserem Geschmad, doch sieht man sie gerade nicht ungern. Margit Manstedt braucht als Journalistin weiter nichts, als äußerst elegante Kleider zu tragen. Auf der Bühne stand Joseph Plaut, ein Bortragskünstler, den man immer gerne hört, zumal er im wohltuenden Gegensatz zu so vielen seiner Kollegen, den Geist nicht ausschaltet und auch nie Zuflucht zu Zoten nimmt. e. b. jahrhundertealte Borstellung fallen zu lassen, die von der Unwandelbarkeit der chemischen Grundstoffe. Der Vortragende zeigte, wie man im Berlaufe der weiteren Forschungen und schnell aufeinanderfolgenden Entdeckungen die alte Vorstellung von dem Aufbau der Welt aus nicht ineinander verwandelbaren Atomen aufgeben mußte. wie man mit Glück versuchte, in die innere Struktur der Atome selbst einzubringen, die sich aus positiv elektrisch geladenen Thermen und um diese kreisende negative Elektrone zusammengesezt erwiesen, wie es weiter gelang, durch 3ertrümmerung von Atomternen diese selbst in solche anderer Art zu verwandeln, wobei es sich nicht nur um ein Zerfallen, sondern auch um einen Aufbau von Atomen zu handeln scheint, und wie diese Borgänge ein ganz neues Licht auf die Frage des Entstehens und Vergehens der Welten zu merjen geeignet sind. Mit einem kurzen Hinweis auf die Notwendigkeit unabhängiger Forschung schloß Professor Heymann die Sizung. Fort mit jeder Zensur. Bt. Die Deutsche Liga für Menschenrechte veran staltete gestern abend eine Rundgebung Für Geistesfreiheit gegen jede 3ensur". Nachdem der Borsitzende Arthur Holitscher zu. stimmende Telegramme des preußischen Innenministers Grzesinski, des Intendanten Jeßner, von Heinrich und Thomas Mann sowie vielen anderen verlesen hatte, gab Dr. Mar Hochdorf in Anekdoten die Zenfurgeschichte der letzten Jahre. Dr. Herbert Ihering hielt dann eine fluge Rede, die die Einheitsfront der evangelischen und fatholischen Kirchen und Parteien zeigte und ihr den Willen aller geistig Freien entgegensezte. Rechtsanwalt Dr. Apfel berichtete von feinen Erfahrungen bei der Verteidigung des Malers George Groß und teilte die Anträge der Muderfoalition im Preußischen Landtag mit. Professor Paul Oestreich forderte soziale Maßnahmen statt der Schundgesetze. Mit dem größten Beifall wurden die Reden von Walter Hafenclever und Anton Kuh aufgenommen. Walter Hasenclever, gegen dessen Stück„ Ehen werden im Himmel geschlossen" Bertreter der Kirche mit Stintbomben und Tränengas vorgingen, erklärte: Ich will der Erste sein, der bei einem neuen Krieg in die Kirchen geht und Stinkbomben wirft, wenn die Truppen zum Heldentod gesegnet werden. Anton Kuh, der„ Snob von Wien", erklärte, gegen die Zenfur helfe feine Sachlichkeit, sondern nur der ethische Machtstandpunkt: nicht lügen. Wir dürfen nicht das zenfierte Wert schüßen, indem wir von der Freiheit der Kunst sprechen. Es handelt sich nur darum, daß das Werk Wahrheit ist. dürfen's nicht sagen, der Autor wollte gar nicht an die finnlichen Gefühle und niederen Instinkte appellieren ein Kunstwert, das feine Sinnlichkeit hat, ist nichts, und ob die Instinkte gar so niedrig find, ist seit 2000 Jahren nicht entschieden worden. Wir dürfen den Autor nicht damit verteidigen, er wollte gar nicht aufreizen mir wollen und wir müssen aufreizen, damit aus unserem Weltbild" eines heroisch vertrottelten Kindes das Weltbild der Wahrheit wird. " Wir Zum Schluß der Kundgebung teilte Dr. Brattsfoven, der Bertreter des Verbandes deutscher Rundfunktritifer, eine einstimmig angenommene Resolution mit. Der Verband protestiert insbeson dere gegen den Versuch, die Freiheit des Wortes an den deutschen Sendern zu beschränken und fordert darüber hinaus Fort mit jeder Bensur!" G. W. Richard Woffidlo 70 Jahre. Heute begeht der weit über die Grenzen Mecklenburgs, ja Deutschlands hinaus geschätzte Boltsfundler Prof. Dr. Richard Wissidio- Waren seinen 70. Geburtstag. In Friedrichshof bei Tessin in Mecklenburg geboren, studierte Woffidlo zuerst klassische Philologie. Später wandte er sich ganz der mecklenburgischen Volkskunde zu und schuf in fast allen ihren Gebieten Borbildliches. Bei der Menschenarmut Mecklenburgs und der Unzulänglichkeit seiner Landbewohner ist zum Beispiel faum zu fassen, daß Woffidlo 19 000 Sagen für Mecklenburg hat feftstellen und allein in den letzten zwei Jahren 200 000 Zetteln für das mecklenburgische Wörterbuch hat schreiben fönnen. Grundlegende volkstundliche Werke, vor allem die drei bisher erschienenen Bände der Mecklenburgischen Boltsüberlieferungen" haben Woffidlos Ruf über ganz Europa verbreitet und ihm hohe Ehrungen aus In- und Ausland eingetragen. So wurde er 1906 Ehrendoktor, 1912 bekam er die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1923 wurde er erster Träger des Brindman- Breises. Zu Ehren des Jubilars findet heute in der Aula der Universität Rostoc eine Festfizung statt, in der unter anderem dem Forscher eine Staftung zur Förderung seiner Arbeit überreicht wird. Die wirtschaftsetat in Breuken erfordert in diesem Jahr einen zu Festfizzung der Akademie der Wissenschaft Festsitzung der Akademie der Wissenschaft Feier wird durch die Noragfender übertragen. Schuß von 71 Millionen Mart. Das ist ungefähr soviel, als die Landwirtschaft an Steuern zahlt. Dabei find nicht mitgerechnet die Zuschüsse. die der Staat für landwirtschaftliche Siedlungen gibt. Es gibt teinen Berufsstand, der sich einer ähnlichen Fürsorge erfreuen tönnte! Immerhin, dank der Politik der republikanischen Staatsregierung, beginnt die deutsche Bauern schaft immer mehr und mehr einzusehen, daß die politisch verheßenden Methoden des Landbundes nicht helfen fönnen. Geht die Bauernschaft andere Bege als bisher, so wird sie in der Sozialdemokratie mit die besten Verfechter ihrer Interessen finden. Gegenüber dem sozialdemokratischen Redner behauptete der deutschnationale Abg. Don Blehwe, bas polnische Schwein werde deutschnationale Abg. von Plehwe, das polnische Schwein werde die letzte Säule der deutschen Landwirtschaft, nämlich die ostpreußische, erschüttern. Ministerpräsident Braun habe sicher ein marmes Herz für Ostpreußen, und die Deutschnationalen wüßten seine Kraft, seine Energie und seinen Fleiß zu schätzen, Aber es reiche bei ihm nur bis zum Barteimann und nicht zum Staatsmann. Nach Ausführungen der Abg. Diel( 3.), Truntel( Komm.), Schistan( D. Bp.) und Hoff( Dem.) begann das Haus die Beratung der Einzeltitel. Die Abstimmung über den Etat und die dazu gestellten Anträge findet am Donnerstag, dem 31. Januar, statt. Die nächste Sigung ist am Mittwoch, dem 30. Januar. Die Textilarbeiteraussperrung. 3n Sachsen und Thüringen. Greiz, 26. Januar. Alljährlich am 24. Januar, dem Geburtstag Friedrichs des 3weiten, hält die Breußische Akademie der Bissenfchaft eine öffentliche Sigung ab, in der das Andenken des großen" Königs als des Erneuerers und geradezu zweiten Begrüngroßen" Königs als des Erneuerers und geradezu zweiten Begründers der Akademie gefeiert wird, war sie doch unter seinem Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., der sogar seine Hof narren zu ihren Mitgliedern ernannt hatte, zu völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Die König Friedrich feiernde Rede hielt diesmal Professor Heymann, der besonders die Schaffung eines einheitlichen Handelsrechtes unter seiner Herrschaft hervorhob, das die Grundlage des allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches geworden ist und trok Friedrichs Vorliebe für Frankreich den echt deutschen Geist Friedrichs und der in seinem Sinne wirkenden Bearbeiter bes allgemeinen Landrechts aime. Dann wurden von Professor Hesse und W. Schulze über große wissenschaftliche Unternehmungen berichtet, an welchen die Akademie schon seit Jahren arbeite: der erstere sprach über den Stand des Tierreich- Unternehmen", in welchem alle Tierformelt Das Deutsche Mufifinftitut für Ausländer. Das Deutsche Musikinstitut für Ausländer wird im Juni 1929 im Schloß Charlottenburg eröffnet werden, unter dem Präsidium Wilhelm Furtwänglers. Meisterkurse für Klavier, Bioline und ein Dirigentenfurfus werden abgehalten. Als Lehrer sind Eugen d'Albert, Edwin Fischer, Walter Gieseking, Willy Heß und Joseph Szigei gewonnen. Wilhelm Furtwängler wird einige Vorträge über Dirigieren halten, Karl Schuricht den Dirigierkursus leiten. Vorträge über Musikästhetik und Mufitgeschichte( in deutscher und englischer Sprache) halten Dr. Alfred Einstein, Dr. Leichtentritt und Prof. Dr. Weißmann, über Instrumentenfunde Prof. Dr. Kurt Sachs, über die Entwicklung der Notenschrift und Mufitbibliotheks wesen Prof. Dr. Johannes Wolf. Rußland hat fein Papier. Sämtliche ruffischen Archive haben von der Regierung den Aufzusammengestellt und beschrieben werden sollen, der letztere über trag erhalten, ihre Bestände an alten Atten aufs forgfältigste daraufdeutsche Dialekt- Wörterbücher", in denen der unaufhaltsam abhin durchzusehen, was davon entbehrt werden kann. Alles überbröckelnde Sprachschatz der deutschen Mundarten für die Zukunft flüffige Papier muß an die Papierfabriken abgeliefert werden, um festgehalten werden soll. zu neuem Papier verarbeitet zu werden. Die erste Folge der Papiernot ist das Erscheinen sämtlicher Zeitungen in wesentlich verfleinertem Format. Zu dem eigentlicher Festportrag über Atomumwand. [ ungen und ihre Bedeutung für Physik und Chemie" erhielt dann das Wort Otto Hahn, der Leiter des Raiser Wilhelm- Instituts. Er führte aus, daß vor 32 Jahren mit der Entdeckung der Einwirkung des Urans auf die photographische Blatte durch den französischen Phyfiter Becquerel eine neue Epoche Mit dem heutigen Tage ist die Arbeiteraussperrung im Gesamt für die Physik und Chemie begann. Weitere Beobachtungen führten gebiet des Berbandes der fächsisch- thüringischen Webereien restlos das franzöfifche Ehepaar Curie zu der Entdeckung des Wunderdurchgeführt worden. Sie dürfte zunächst etwa 25 000 Ar- elements Radium und den Erscheinungen der Radioaktivität, die sich beiter betreffen, doch muß sich die Zahl rasch erhöhen, wenn der in die bisherigen Anschauungen von der Unerschaffbarkeit und Un Sonflitt teine baldige Beilegung findet, da dann auch die Spinne zerstörbarkeit der Energie nicht einzuordnen schienen. Das hat sich relen und Färberelen zur Stillegung gezwungen werden. amar als irrig erwiesen, doch war man gezwungen, eine andere Die Uraufführung des Filmes.Durch Nacht zum Licht am Sonntag. dem 27. Januar, vormittags 11 Uhr, findet night, pie ursprünglich mitgeteilt Capitol Berlin 50 im Marmorhaus, sondern im Lichtspielhaus Budapester Str. 9a( gegenüber der Staifer- Wilhelm- Gebächtniskirche) statt Die Leffing- Uusftellung in der Staatsbibliothek ist bis zum 28. Februar wo chentäglich von 10-1 und von 3-6 Uhr und sountäglich von 10-1 Uhr geöffnet. Eine Leffing- Feier der Kant- Gesellschaft findet in der alten Aula der Berliner Universität, Sonnabend, abends 7, Uhr, ftatt. Dr. Eugen Kühnemann spricht fiber Beffing an seinem 200. Geburtstag. Wie steht es mit der Grippe? Seit einer Reihe von Tagen ist der Stand der Grippeerkrankungen in Berlin der gleiche. Die Krankheit nimmt nicht zu; fie nimmt nicht ab. Die jetzige Ausbreitung der Grippe gibt keine besondere Beranlaffung zu neuartigen Besorgniffen. Indes hat man Beranlassung, sich sehr ernst mit der Frage der weiteren Bekämpfung der Grippe zu beschäftigen. Jedes Verheimlichen oder Verschleiernwichtiger Nach richten rächt sich gerade in Epidemiezeiten bitter. Die Wahrheit in Gestalt von Zahlen und Statistiken bricht sich dennoch Bahn und nur allzu leicht stellt sich dann ein ganz besonders geartetes Mißtrauen ein, das gewisse Erinnerungen an die Kriegsberichterstattung unseligen Angedenkens wachzurufen vermöchte. Schon um solchen Möglichkeiten vorzubeugen, empfiehlt sich in Epidemiezeiten ein möglichst ausführlicher Nachrichtendienst. Nichts ist verkehrter, als wissend zu schweigen, wenn es sich in Epidemiezeiten darum handelt, einer so hoch kultivierten Bevölkerung, wie der Einwohnerschaft Berlins, das zu sagen, was ist. In seltener Einmütigkeit befinden fich alle praktizierenden Aerzte und Krankenkassenvorstände, nämlich hinsichtlich der Beurteilung der Verbreitung der Grippe. Die Kranfenfaffenleitungen bekommen täglich ihre Meldungen, deren Zahl sie nachdenklich stimmt. Die prattizierenden Aerzte find enorm beschäftigt, sie sind kaum noch in der Lage, ihre Arbeit bei der Betreuung der Patienten zur bewältigen; stellen sich doch jetzt noch härufiger als zu Beginn der Epidemie im Anschluß an die Grippe allerlei Komplitationen ein, recht häufig Lungenentzündungen, des öfteren, in letzter Zeit namentlich, Erfrankungen des Mittelohrs und der Nebenhöhlen, sowie einige andere Leiden. Aber auch andere Persönlichkeiten bilden sich ihr Urteil hinsichtlich der Ausbreitung und der Gefährlichkeit der Grippe. Man frage die Inhaber der Sarggeschäfte, die Bureauangestellten der Feuerbestattungsvereine, die Kastellane der Krematorien oder die Friedhofsinspektoren. Sie alle wissen davon zu berichten, daß seit Anfang Januar die Zahl der Todesfälle viel größer ist als in den Januarmonaten der letzten Jahre. Im Verlaufe der Grippeepidemie während der letzten Wochen sind in Berlin weit über 1000 Menschen mehr gestorben, als dies zu erwarten stand. Woran sind sie gestorben? Zweifellos an Grippe und Grippekomplikationen. Man muß weitere Hilfsmaßnahmen treffen. Die Krankenanstalten sind alle dicht gefüllt. In den allgemeinen Kranten häusern sind fast durchweg sämtliche Gemeinschaftszimmer mit Krantenbetten belegt, In einem Berliner Bezirk hat man sogar eine Lungenfürsorgestelle, die an eine Krankenabteilung angegliedert ist, geschlossen, um Raum für bettlägerige Krante zu gewinnen. Man plant die Einrichtung von Schulen als Notkrankenhäuser; über die Echwierigkeiten, die sich dabei ergeben würden, wurde bereits berichtet. Man hat, wie mitgeteilt, vor einigen Tagen eine Anzahl von Doederfchen Baraden aufgestellt, die das Rote Kreuz ständig auf Lager hat und jetzt auf Antrag der städtischen Gesundheitsverwaltung an die Stadt vermietet hat. Zunächst 12 Baracken, deren jede für 22 Lagerstellen Platz bietet. Einige weitere Doeckersche Baracken sollen noch zur Aufstellung gelangen. Es handelt sich also im ganzen um etwa 300 neu verfügbare Betten. Diese Zahl darf man im Hinblick auf die Groß- Berliner Bettennot nicht überschätzen. Man muß die Größe der Einwohnerzahl Berlins berücksichtigen. Wenn man in der Reichshauptstadt 300 Notbetten in Epidemiezeiten zur Aufstellung bringt, fo bedeutet das vergleichsweise ebenso viel, als wenn man in Rottbus 3, in Frankfurt a. d. O. 6, in Halle 15, in Bremen 21 oder in Köln 50 Notbetten errichtet. Man muß sich immer die geradezu gewaltigen Dimensionen Berlins vor Augen halten. Köln besitzt im übrigen eine Epidemiereserve von etwa 200 Betten. Das ist gewiß nicht zu viel. Eine diesem Maßstab entsprechende Reserve von 1200 Betten für Berlin wäre angemessen, wäre nötig. Dem Berliner Bettennachweis steht jedoch nur ein Bruchteil dieser Bettenzahl zur Verfügung; das weiß jeder Arzt, der seine Patienten ins Krankenhaus zu schicken sich bemüht. Es dürfte sich daher empfehlen, noch mehr Doeckersche Baraden möglichst bald aufzustellen. Es wäre auch zu erwägen, die sehr gut gebauten, an der Fröbelstraße stehenden Baracken, die jetzt Zwecken der Obdachlosen Theater, Lichtspiele usw. Sonnab, d. 26. 1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 23 18 Uhr Sonnab., d. 26 1. Städt. Oper B.smarckstr. 19 Uhr Meistersinger Tannhäuser von Nürnberg Staats- Oper Staatl. Schausph. An Pl.d. Republ. R.-S. 4 1912 Uhr am Gendarmenmarkt A.-V. 23 20 Uhr Der flexende Oedipus Holländer Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Nathan der Weise SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 HARRY RESO und weitere Varieté- Neuheiten Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 380 und 8 Uhr 330 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm 84 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Neu! otar.nger Straße 37. Neu! Kilometerliebchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett. Rang 0.80 M. Theater des Westens Täglich 8 Uhr Wiederauftreten! Richard Tauber in Friederike Franz Lebar dirigiert! Käthe Dorsch Richard Tauber Borverkauf ununterbrochen. Kaffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 u. 7108. Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 330 und 8 Uhr. 30 kleine Preise. Komische Oper( 84) Nach erfolgreich. Umarbeitung: Paradies der süssen Frauen! Sonntag 32 Uhr Vollständige Vorstellung zu halben Preisen Parkett 4,50, Rang 2,50 M. fürsorge dienen, zeitweilig als Krankenbaracken zur Verfügung zu stellen und die Obdachlosen anderswo unterzubringen. Um für Patienten, deren Krankenhausaufnahme dringend erforderlich ist, Platz zu schaffen, sollte man besonders sorgsam darauf achten, daß der Krantenhausaufenthalt entlaffungsfähiger Batienten um feinen einzigen Tag verlängert mird. Das liegt im allgemeinen Interesse. Um die Aufenthaltsdauer jedoch zu verkürzen, muß man geeignete Mittel anwenden. Man sollte die Riesenabteilungen zumindest während der Epidemiezeitspalten und vorübergehend geeignete Fachärzte als dirigierende Aerzte einstellen. Es geht über die Kräfte eines Chefarztes, der 300, 400 oder gar 450 Kranke zu betreuen hat, wenn er die Entlassungsfähigkeit aller seiner Kranken tagtäglich so sorgsam beurteilen soll, daß die Aufenthaltsdauer durchweg auf einen in Epidemiezeiten im Interesse der Gesamtbevölkerung erforderlichen niedrigen Stand gebracht wird. tafinthe zerstöre. Berhütung ber Schwangerschaft, Freigabe der b treibung Irrwege seien das, die eine Frau zur Geliebten ihres Mannes, zur Dirne machen! Alle die Praktiken, die Hodann predige, seien nichts für germanische Frauen, vielleicht etwas für orien talische. Die um Hodann vergiften die Quelle der Nation und stiften Berwirrung innerhalb der Jugend. So habe sie mit Recht von ver dorbenen Instinkten und von Schlechtigkeit gesprochen, Sie hoffe, daß Hodann noch einmal sein Buch revidiere und dahin komme, wo sie stehe. Nachdem Fräulein Guida Diel ihrem Herzen Luft gemacht hatte, war sie für Vergleichsverhandlungen zugänglicher, und so konnte auch ein Vergleich zustande kommen. Die Beklagte erklärt darin, daß der Angriff rein fachlich sein sollte und daß sie die persönliche Kränkung und den Angriff auf die amtliche Stellung des wie immer: Erst wird geschimpft, dann vergleicht man sich! Nebenklägers nicht aufrechterhalte und nicht ge wollt habe. Alijo Theater der Woche. Bom 27. Januar bis 4. Februar. Boltsbühne. Theater am Bülowplag: Das Mädl aus der Vorstadt. 1. Die Bergbahn. Theater am Schiffbauerbamm: Die Dreigroschenoper. Thalia Theater: Delrausch. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 27. Rigoletto. 28. Fortunios Zied. Die fünf Wunsche. 29. Boheme. 30. Cavalleria Rusticana. Bajazzi. 31. Der Rojen tavalier. 1. Carmen. 2. Aida. 3. Boris Gudonoff. 4. Tristan und folde. Oper am Play der Republik: 27., 30. und 4. Carmen. 28. Der Freischütz. 29. Cardillac. 31. und 3. Der fliegende Holländer. 1. und 2. Die Fledermaus. Städtische Oper, Charlottenburg: 27. Jonnn fpielt auf. 28. und 2. KönigsBlaubart. Der arme Reinhold. 1. Orpheus und Eurydike. 3. Madame Butterfly. 4. Geschlossene Borstellung. Welche Möglichkeiten sind vorhanden, um Kranten, die bei etwa fünftig noch steigender Bettennot keine Aufnahme in einer Berliner Krankenanstalt finden fönnen, in anderer Weise zu helfen? 3meierlei kommt in Frage. Man tann Kranken, die in ihren Wohnungen verbleiben( wofern die Wohnungen einigermaßen hinlänglich find!), durch die Hauskrantenpflege viel Nützliches erweisen. Im Bezirk Kreuzberg find 7 Hausfrankenpflegerinnen den ganzen Tag über auf den Beinen. Leider konnte die Haus krankenpflege in den meisten anderen Berliner Bezirken bisher noch nicht ausgebaut werden; dies ist jedoch kein Grund dagegen, daß es jetzt recht bald geschieht. Man kann ferner bei etwa steigender Finder. 29. Tosca. 30. Die Sochzeit des Figaro. 31. Die Burg des Ritters Bettennot Patienten andernorts unterbringen, oder aber sie in Berliner Krankenhäuser einweisen und dafür transportfähige Krankenhausinfassen auf einige Zeit auswärts einquartieren. Mit anderen Worten: Die Bereitstellung eines Lazarettzuges follte man ernstlich in Erwägung ziehen. Diese AnIn regung ist wirklich alles andere als ein utopischer Gedanke. zahlreichen Kurorten stehen Tausende von Betten zur Verfügung Theater in der Königgräger Straße: Revolte im Erziehungshaus. Komödienund für gar manche Kranfe, man dente nur an die vielen Tuberkulösen, wäre ein auswärtiger Aufenthalt in gutem Klima sehr empfehlenswert und der Unterbringung in den überfüllten Berliner Krantenanstalten weit vorzuziehen. Das Allerwichtigste ist aber und dies muß immer wieder auf das nachdrücklichste betont werden, daß möglichst bald ein Berliner Krankenhausbauprogramm auf= gestellt und durchgeführt wird. Nicht im nächsten -Jahre, sondern schon in wenigen Monaten, sobald die Frostperiode vorüber ist, müßte man mit dem Bau von Krankenanstalten be= ginnen. In den letzten 3½ Jahren allein hat Berlin um eine Viertelmillion an Einwohnern zugenommen. Diesem Umstande und ( das sei nochmals hervorgehoben) der völlig veränderten Altersgliederung der Bevölkerung hat man bisher nicht Rechnung getragen. Aktivierung der Krankenhausbaupolitik! fo heißt das ernste Losungswort. Es gilt, noch in diesem Jahre die chronische Bettennot herabzumindern. Im Augenblick ist es aber an der Zeit, neue Hilfsmaßnahmen, deren einige hier erwähnt wurden, zu treffen angesichts der zusätzlichen akuten Bettennot im Kampfe gegen die Grippe, welche die Bevölkerung jetzt arg heimsucht. Dr. med. Alfred Korach. Erst Beleidigung, dann Rückzug! Es war eigentlich eine sehr amüsante Verhandlung, die man in der Beleidigungsfache Dr. Hodann gegen die Leiterin des Frauenkampfbundes und Herausgeberin des Blattes für erneuertes Christsein, soziale Gesinnung, wahres Deutschtum und mutige Tat" über sich ergehen lassen mußte. Nachdem Frau Guida Die! erklärt hatte, daß sie die schmutzigsten Stellen" aus Hodanns Bücher in aller Deffentlichkeit zu verlesen überhaupt nicht über sich gewinnen könne, gab sie ihr Bestes. Es sei nicht wahr, rief sie in den Gerichtssaal hinein, daß für die Aufklärung der Jugend nichts geschehe. Schon vor zwanzig Jahren habe sie gegen die freie Liebe angekämpft, weil sie die geistigen und seelischen Kräfte des Volkes untergrabe und die MutterMetropol- Theater Gr.Schauspielhaus 8 Uhr Luftige Witwe mit 8 Uhr Casanova mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Zwei Charell Emmy Sturm Frind, Ablers, Lieske, Serds, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bendow, Morgan, Blankenhorn, Picha Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In belden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Demnächst auf Elektrola Neu auf Elektrola Oedipus. 1. Nathan der Weise. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 27., 28., 29., 30., 31., 2., 3. und 4. Schiller- Theater Charlottenburg. 27. und 3. Der Londoner verlorene Gohn. 28. Jft er gut, ist er böfe. 29., 30., 31., 2. und 4. Flachsmann als Erzieher. 1. Gas. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Die Berbrecher. Rammerspiele: Goeben erschienen. haus: Das Geld auf der Straße. Großes Schauspielhaus: Casanova. Metropol- Theater: Die lustige Witwe. Theater des Westens: Friederike. Komische Oper: Paradies der füßen Frauen! Deutsches Künstler- Theater: Der Zinker. Luftspielhaus: Weekend im Paradies. Lessing- Theater: Katharina Anie. Trianon- Theater: Der legte Schleier. Wallner- Theater: Die Keuschheitskonkurrenz. Zentral- Theater: Ich füsse Ihre Hand, Madame! Berliner Theater: 3 x Hochzeit. Kleines Theater: Der Dickkopf. in der Behrenstr. 53/54: Arm wie eine Kirchenmans. Renaissance- Theater: Das große ABC. Rofe Theater: Die Fledermaus. Kafino Theater: Kilo. meterliebchen. Schloßpark Theater Steglig: Die Fledermaus. Theater im Admiralspalast: Schön und Schick. Wintergarten und Scala: Internationales Varieté. Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. Theater am Rottbusser Tor: Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Theater Die Komödie: Olympia. 2., 22% Uhr, Nachtvorstellung: Stegreif- Conference Anton Ruh. Theater am Rollendorfplag: Jettchen Gebert. 3., vormittags Uhr: Stationen aus Faust, I. und II. Teil Die Tribüne: Bis 31 x. 9. 8. Ab 1, Herr und Frau So und Co. 11 Nachmittagsvorstellungen. Theater Komö Boltsbühne. Theater am Bülowplay: 27. und 3. Die Bergbahn. Theater am Schiffbauerdamm: 27. und 3. Der Held des Westerlandes. Thalia- Theater: 27. und 3 Delrausch. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 27. Charlens Tante. Theater am Rollendorfplay: 27. und 3. Die Fledermaus. in der Königgräger Straße: 27, und 3. Revolte im Erziehungshaus. bienhaus: 27. und 3. Der Raub der Sabinerinnen. Großes Schauspielhaus: 27. und 3. Casanova, Metropol Theater: 27, und 3. Die luftige Witwe. Balluer- Theater: 27. und 3., Aschenbrödel. Zentral- Theater: 27. und 3. S tüsse Ihre Sand, Madame! Die Tribüne: 27,.8. Renainfances Theater: 27. und 3. Krankheit der Jugend. Rose Theater: 2. Die sieben Raben. 3., 14 Uhr: Die sieben Raben, 17 Uhr: Die Fledermaus. Schloße Part- Theater Steglig: 27. Alt- Seidelberg: Theater im Admiralspalaft: 27. und 3. Gchön und Schick. Wintergarten und Seala: 27., 2. und 3. Jnters nationales Varieté. Reichshallen Theater: 27. und 3. Stettiner Gänger. Theater am Kottbusser Tor: 27. und 3. Elite- Sänger. Erstaufführungen der Woche. Mittwoch. Neues Theater am 300: Rönigsleutnant, Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um gegend.( Nachdr. verb.) Meiſt trübes Frostwetter mit Schneefällen. Für Deutschland: Weit verbreitete Schneefälle bei fortdauerndent Froſt. Berantwortl. für die Rebattion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Budy druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu i Beilage. Die Komödie HALLER- REVUE Saltenburg- Buhnen Planetarium am Zoo Bismarck 2414/7516 814 Uhr, Ende 10%, Schön und „ Olympia" schick" Täglich von Franz Molnar Th. im Admiralspalast Regie: Forster Larinaga. Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8% Uhi GuidoThielscher in Weekend im Paradies Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 A. 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr Theater a.Kottbusser Tor Renaissance- Theater 8 Uhr Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger DIE JANUAR- Krach! SENSATION: Volkspreise: Mk. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 Reichshallen- theater Abends 81 Sonntag nachm.[ 3] Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Täglich 8% Uhr Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. Stg.nchm. 4 Uhr: Krankheit d Jugend Volksbühne Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr 3 X Hochzeit 8 Uhr Sonntag 2 vorstellungen 3 Uhr u. 81/4 Uhr. Nachmittags die ganze Ver8 Uhr Verläng. Joachimsthaler Straße Noll. 1578 16 Uhr Lessing- Theater Katharina Knie. Der Sternhimmel ose- Theater ir.Frankfurter St.132 R 4 Uhr Dornröschen 8 Uhr stalig.za halben Preisen Die Fledermaus Thalia Theater im Winter 18 Uhr Mars und seine Rätsel 20 Uhr Werden u. Vergehen d. Sterne Dresdener Str. 72-73 leines Theater Z 99 8 Uhr Täglich 8 Uhr: entralTheater Oelrausch" Nur noch bis 31. Jan. Alte Jakobstr, coke uranienstr Barnowsky- Bühnen Theater in der Königgrätzer Straße 8% Uhr Revolte im Max Adalbert in Täglich 8, Uhr: Sonntag auch 4 Uhr Der Dickkopf Ich küsse Ihre Sandrock, Landa, Sterler, Sikla. Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gleichnam.Schlager ( Abie's Irish Rose) Erziehungshaus Trianon- Th. Rundfunkhörer Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr: Jettchen Gebert Singspiel von Walter Kollo Theater am Bülowplatz Die Drei- Groschen- Sonntag 14 Uhr 8 Uhr Steffiner Sänger Das Mädl aus Das wundervolle Januar- Programm! Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Bretti: Varieté Konzert/ Tanz NEUE WELT Arnold Scholz rasenneide 108/14 Gr. Bockbierfest und Grosser Alpenball. 7 Kapellen 50 bayr, Madeln. Einlaẞ 6 Uhr. der Vorstadt Regie Jürgen Fehling Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Oper Paulsen, Valetti Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl Lvovski. Deutsches Theater Nordén 12310 8 Uhr. Ende 10% U. Die Drei- Groschen- Die Verbrecher Oper Schauspie von FerdinandBruckne Thalia- Theater Regie: Heinz Hilpert 8 Uhr Oelrausch Kammerspiele Norden 12310 Staatl. Schiller- Th. 8, Ende nach 10% U. 8 Uhr Nathan der Weise ,, Soeben erschienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8 Uhr Das Geld auf der Straße Täglich 8% Uhr Der letzte Schleier mit Erika Gläßner halbe Preise Dtsch. Künstler- Th. 81 Uh Der Zinker und Oskar Beregi v. Edgar Wallace Abenteuer v. Bernauer Sonntag 4 Uhr Die Fledermausu. Oesterreicher Frau Holle deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Inventur- Ausverkauf Der erste Beginn am 12. Januar Diesmal wirds etwas ganz Besonderes! Inventur- Ausverkauf nach der gewaltigen Vergrößerung unseres Geschäfts. Alle Waren sind rücksichtslos herabgesetzt und daher unglaublich billig! So billig werden Sie sobald nicht wieder kaufen können! J. J.B Ecke BAER, Badstr. 26 zenallee Spezialkaus für elegante Herren- und Knabenkleidung, Spezialanfertigung nach Maß. Neu aufgenommen sämtliche Herrenartikel. Beilage Sonnabend, 26. Januar 1929 Karpathoruẞland Aus der unbekannten Tschechoslowakei Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Frau Nothnagel Eine Vorgängerin von Ludendorffs Tausend Herrn Ludendorff, der auf den Goldmacher Tausend hereingefallen ist, mag es ein schwacher Trost sein, mit seinem dummen Aberglauben in der Weltgeschichte nicht alleine dazustehen. Schon eine Reihe brandenburgischer Kurfürsten aus dem Hohenzollernhause hat sich mit der Goldmacherei abgegeben, und bedas für einen der berühmtesten hohenzollernschen Goldmacher gebaut fannt ist das Laboratorium auf der Pfaueninsel, murde, und in dem zwar kein Gold, aber Rubinglas entstand. Wenige wissen, daß die merkwürdige Bezeichnung Karpatho-| das Elend mur vermehrt. So wird es noch geraume Zeit dauern, rußland" auf einen Teil der Tschechoslowatei angewandt wird, bis die Bemühungen der Regierung, durch Schaffung von Schulen und zwar auf den östlichsten, der breits an kaukasien und die( natürlich tschechischen) dem Lesen und Schreiben größere VerbreiUkraine grenzt und innerhalb der Republik eine administrative Einstung zu verschaffen, Erfolg haben werden. Anstandshalber hat man heit bildet. Die Bevölkerung dieses gebirgigen Landstriches am aber auch der starken ungarischen Minderheit einige Elementarschulen Immerhin war das zu einer Zeit, als man sich über die GrundHang der Waldkarpathen setzt sich aus Ruthenen, Ungarn und Juden belassen, es gibt sogar Mittelschulen mit ungarischer Unterrichtsbegriffe der Chemie und die Unveränderlichkeit der Elemente auch in Gelehrtenkreisen noch nicht flar war. zufammen( lettere zählen in der Tschechoslowakei als Nation). Auffallen ist der hohe Prozentsaz von Analphabeten( 60 Broz.), der sich in einigen Romitaten( Marmaros) bis auf 80 Proz. steigert. Unterfucht man die Ursachen dieser geistigen Zurückgebliebenheit, so muß man einerseits die elenden wirtschaftlichen Verhältnisse, andererseits den übermächtigen Einfluß der Geistlichkeit, in diesem Falle der griechisch- fatholischen, anführen. Die Geistlichkeit hat es glänzend verstanden, die' Ruthenen hier Ruffinen genannt in einem Zustand geistiger Stumpfheit zu erhalten, der an das Mittelalter erinnert und der dem modern gesinnten Dorfschullehrer das ärgste Hindernis bereitet. Ganze Dörfer leben noch mit dem Vieh unter einem Dach, ja in einer Stube. Krankheiten sind die Folge, und die Zahl der Kretins und Luetifer ist gerade unter der Baldbewohnerschaft erschreckend hoch. Hinzu kommt der Alkoholgenuß, der auch vor dem ordinärsten Fusel nicht halt macht, ja dem Spiritus einen besonderen Ruf als begehrtes Getränk verschafft hat. Der Krieg, der bis tief in die Täler der Waldkarpathen den Vormarsch der Russen brachte, hat all Kromm LUTE sprache, z. B. in Beregsas. In den großen Wäldern finden die Bergbewohner färglichen Berdienst als Waldarbeiter. Landwirtschaft kommt hier fast gar nicht in Frage, nur in dem südlichen, ebenen Teil ſizen wohlhabende Bauern. Von dem geschlagenen Holz, das auf einheimischen Säge merten bearbeitet wird, geht nur ein fleiner Teil als Flöße auf der Theiß nach Ungarn. Der Großteil wird nach allen Ländern erportiert nach Ungarn allein jährlich 50 000 Waggons Brennholz. Holz ist auch das Baumaterial der zahlreichen, verstreut liegenden Bergdörfer. Die schmucken Holzkirchen mit dem hochstrebenden Glockenturm und dem griechischen Kreuz erinnern an das große Ruß land; seit zwei Jahrzehnten ist eine Bewegung im Gange, die etma 400 000 Ruthenen, die kleinrussischer Abstammung find, der griechisch orthodoxen Kirche wiederzugewinnen. Die Tracht der Bergbewohner, die man auch Huzulen nennt, besteht aus dunklen Belzröcken, weißem selbstgewebten Leinenzeug, nach russischer Art verziert, und Opanken, die ein sicheres Gehen auf dem steinigen Boden ermöglichen. In der Hauptstadt Uschhorod findet sich eine Zigeunerschule, die einzige in Europa; Zigeuner sind denn auch in Karpathorußland fo zahlreich ,, beheimatet", daß diese Schule zweifellos einem dringenden Bedürfnis entsprang. Krommer. Krommer WAS DER TAG BRINGT. Ein Gespenst der Justiz. In Wien ist die 75jährige Katharina Steiner gestorben. Der Volksmund nannte sie das lebendige Gespenst eines Justiziertums. Sie lebte vor 50 Jahren als Prostituierte mit einer ihrer Kolleginnen zusammen. Eines Tages fand man diese Kollegin tot im Zimmer auf. Ermordet.... Sofort fiel der Verdacht auf Katharina Steiner. Sie wurde verhaftet, trotz aller Unschuldsbeteuerungen zum Tode verur teilt und nach vier Monaten zu lebenslänglicher Rerterhaft begnadigt. Vier Jahre saß Katharina im Kerker Jeden Tag beteuerte fie ihre Unschuld, jammerte, flagte, schrie, tobte, drohte und verfiel langsam dem Wahnsinn. Wurde oft zu disziplinarischen Strafen verurteilt, Bekam das Brot entzogen, fam in Dunkelzellen, auf hartes Lager. Nach vier Jahren meldete sich ein Soldat: er habe den Mord im Jahre 1878 begangen! Man nahm an, daß er irrfinnig sei und steckte ihn in das Irrenhaus. Eingehende Beobachtung und wiederholte Berhöre ergaben schließlich, daß die Selbstbezich tigung zu Recht bestand. Man entließ den Soldaten aus dem Irrenhaus, das Verfahren drohte, der Soldat beging Selbst. mord. Spenst eines Juftizirrtums! Und zugleich ein Zeugnis menschlichen Elends, das für die Abschaffung der Todesstrafe pläbiert! Laddie Boys Ende. Laddie Boy, ein Hund, der während der Amtsführung des Präsidenten Harding im Weißen Haus in hohem Ansehen stand, ist an Altersschwäche gestorben. Seit dem Tode des Präsi denten Harding ist Laddie Boy von einem Mitglied des ameri tanischen Geheimdienstes mit großer Sorgfalt verpflegt worden. Zu den merkwürdigsten Gewohnheiten Laddie Bons gehörte seine Vorliebe für Kaffee mit Zucker und Milch, den er sich jeden Morgen schmecken ließ. Friede seiner Afche. Ein Denkmal für Deserteure. In Kaschau hat sich nach Berichten tschechischer Blätter ein Ehrenausschuß für die Errichtung eines Denkmals auf dem Dukla paß in den Karpathen gebildet. Es soll den Massenübergang des Prager ausregimentes Nr. 28 im Weltkriege zu den Russen und die flawische Solidarität" verherrlichen! Die Passion. Ein verschwenderischer Fürst bedrückte sein Land mit hohen Steuern. Als er einmal auf der Jagd einen Bauern traf, der ihn nicht kannte, fragte er ihn, was er wohl über die Fürsten und die Steuern dächte. Der Bauer antwortete:„ Herr, das ist die um gekehrte Passion!" „ Wie das?" Weniger bekannt aber ist, daß auch noch der sogenannte Große Friedrich die Goldmacherei betrieben hat, obwohl er als der Aufklärer unter den Hohenzollern gilt. In dem sehr beachtlichen Werte von Hegemann Friedericus" liest man darüber auf Seite 289: ,, Friedrich und sein Rammerdiener Fredersdorf hatten noch tiefere Geheimnisse zusammen: Fredersdorf und sein aufMärerischer Rönig rangen gemeinsam um die Kunst des Goldmachens. und auf diesem Gebiete war Fredersdorf der geistige Führer des Königs, der durch seinen Umgang mit allerlei ,, Freigeistern" anfangs ein wenig für die Alchemie verdorben war und erst allmählich unter dem Einflusse seines fongenialen Kammerdieners zu den Wunder wirkungen des Steins der Weisen und des blutigen Lamms" Vertrauen faßte. Fredersdorf errichtete für die sicher zudrängenden Schwindler und Schwindlerinnen große Laboratorien in Berlin und Potsdam, und des Königs Erwartung wurde aufs höchste gespannt; mit seinem weiten staatsmännischen Blick gedachte er, die kriegerische Politik Preußens durch die neue Goldquelle beeinflussen zu laffen. Im September 1753 schrieb er darum an seinen getreueu Fredersdorf: Was du mihr von der Frau Nothnagel gesaget hast gibt mihr würtlich hoffnung; und Glaube ich, wann die letzte probe goldt ist, daß man darauf Staht machen Kan. ich denke, daß dieffe Woche die Sache Clar werden mus. Wann Du was davon hörest, So schreibe mir doch, denn auf die grenzen fangen die Umbstände wieder an verworren zu werden. gott be= wahre Dihr!" Und ein andermal: ,, wann wohr die frau goldt Machen Solte, So schicke Keine andere posten in der Münze! und darbei geschriben, ich häte das golt vohr mihr Komen lassen. So tan feiner uns in die Carten Rufen!" Auch da ganz der große verschwiegene Steptifer, Menschentenner und Prattifer! Es ist derselbe weitsichtige und vielgelehrte Landesvater, der es verschmähte, der epochemachenden Entdeckung des 3udergehaltes in der Runtelrübe irgendwelche Beachtung zu schenken." Soweit Hegemann. Immerhin tönnte auch Fridericus zu feiner Entschuldigung sagen, daß er einige Jahrhunderte vor Ludendorff gelebt hat, wenn auch sicher die goldmachende Frau Nothnagel Herrn Tausend ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann. Artamanen Es gibt einen Bund Artam. Sein Sitz ist in Halle und er organisiert Landarbeitertrupps, die unter einem Führer stehen und auf Gutshöfen Dienste tun. Die Angehörigen dieses Bundes sind nichts mehr und nichts weniger als Lohndrücker, die vor dem Rittergutsbesitzer auf dem Bauche rutschen und gegen vierzig Mark monatliches Entgelt und freie Station von sechs Uhr früh bis sechs Uhr dreißig abends sich in die Arbeit einspannen lassen. Berdrängen der polnischen Wanderarbeiter ist ihre wirtschaftliche Lofung, aber sie denken sich dieses Bordrängen so, daß man seine eigene Arbeitsfraft womöglich noch billiger verkauft als die billigen Polen dies tun. Nun, den Junkern tam's recht sein. Rauchen und Trinken ist Derboten. Die jungen Leute, die sich für diese Sache hergeben, find durch eine Idee eingefangen worden. Selbstverständlich, immer wenn jemand einem anderen zumutet, ihm für ein Schundgeld zur Verfügung zu stehen, verbrämt er seine Forderung mit Philosophie. Die artamanische Idee fuchtelt mit Schollenromantik herum. Heraus aus den Asphalthöllen!, deklamiert sie. Arbeit adelt! Bauerntum ist heilig.... Man tennt die Melodie. Die Artamanen, die nicht trinken und rauchen, von Weiberdingen nichts wissen wollen und an ihren Leseabenden in die Edda und in Löns sich vertiefen, müßten also mun wohl, so denkt man, fieffittliche, goldbrave Kerle sein. Ein Artikel, der dieser Tage in der ,, Deutschen Zeitung" stand und in dem ein Artamane sich in Erinnerungen erging, flärt darüber auf, was diese Art von Deutschen unter Deutschsein sich vorstellt. Der Erzähler berichtet, daß der Artamanentrupp, dem er zu geteilt war, eines Tages auf einem Felde Kartoffeln buddelte. Plötzlich hatten fie bemerkt, daß der polnische Ausseher des Gutes hinter ihnen mit seiner Hade nachgehackt habe, um zu ermitteln, ob auch sauber gearbeitet worden sei. Da wäre einem von ihnen die Gebulb geriffen" und er habe gesagt: Hund von einem Pollacken, scher dich zum Teufel! Kraze bei deiner Mischpoche!" Ein vom gleichen Gutsbesizer, bei dem sie selber arbeiteten, engagierter Kontrollarbeiter also, der in Ausübung seines Berufes nichts anderes als seine einfache Pflicht erfüllt, wird von einem taft- und herzlosen Flegel als und von einem Pollacken" be zeichnet, und der Erzähler findet das völlig in der Ordnung, ift stolz auf seinen Kameraden und lobt ihn ob seines männlichen Wortes. Leute, die sich nicht genug darin tun können, das Vaterland als das Heiligtum der Menschen hinzustellen, erklären grundlos und ein für allemal jemand für einen Hund und seine Mitbürger für Mischpoche, nur weil er zufällig in Bolen geboren ist. Wo auf der Welt ist eine schäbigere, dreckigere, kleinlich- rachfüchtigere Denfungsart vorzustellen als diese scheinheiligen Knechtsteaturen fie besigen. Hans Bauer. Ford, der billige" Straßenbauer Wie die ägyptische Zeitung ,, Siaffa" berichtet, ist die ägyptische Regierung zurzeit mit der Prüfung eines Vorschlages beschäftigt, den ihr Henry Ford unterbreitet hat Dei Automobilkönig hat sich erboten, auf eigene Roften in Aegypten eine 250 Kilometer lange Asphaltstraße moderner Art zu erbauen und instandzuhalten. Als In der Passion leidet einer für alle; wir aber leiden alle Gegenleistung forderte er die Ermächtigung, feine Automobile zollUnd Katharina Steiner? Sie wurde entlassen und befam eine monatliche Unterstügung von 40 Schilling. Wie fie lebte? Sie war auf einem Auge völlig blind geworden, auf dem anderen sah sie nur noch ganz wenig. Schwerhörig war sie außer dem noch geworden, förperlich zusammengefallen, daß sie in der erften Zeit weder gehen, figen noch stehen konnte. Erst Monate später lernte sie sich am Steden fortbewegen: Das lebende Gel für einent" frei in Aegypten einführen zu dürfen, von Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten& Loening, Frankfurt a. M. (6. Fortsetzung.) Der dritte Gast war ein«instiger Politiker, der früher fein Parteigänger gewesen war, sich jetzt aber nur noch mit lokalem Klatsch befaßte. Wie gut ist es doch, baß diese dr«i Fremden anwesend sein werden und er vor ihnen die Frau demütigen kann. Der erst« wird Leila fallen lassen, der zweite über die Erniedrigung seiner Frau triumphieren, der dritte die Nachricht in der ganzen Stadt verbreiten. Im großen, von chcnry gelenkten Auto sitzend, fiel ihm gar nicht ein, daß er etwas Lächerliches plane, daß die Beschämung seiner Frau auch die eigene war. daß schließlich doch er die Schuld an allem trug, weil er sich von Read zu einer gewagten Spekulation hatte Uberreden lassen, und daß die Menschen seine Frau nur bedauern würden. Nein, im Gegenteil: er wird allen sagen, daß die Frau ihn zu- grundezerichtet, ihn gezwungen hat, sein« alte Arbeit aufzugeben, sich aus ein neues, ihm unbekanntes Gebiet zu wagen. Freilich wird er sich erniedrigen, aber sie wird noch weit mehr erniedrigt werden. Er ist verloren, für ihn gibt es keine Hoffnung mehr. Er weiß nicht, was er tun wird. Jedenfalls sich im Schmutz wälzen, der Welt zeigen, wie dreckig er ist, er und die Frau. Könnte er der Welt be- weisen, daß die Frau schmutziger ist als er, daß sie ihn in den Schmutz gestoßen hat, so wäre er verhältnismäßig rein. Er war dennoch ein Politiker geblieben: komOr«r für sich auch keinen Profit herausschlagen, so vermocht« er wenigstens anderen zu schaden. Daheim angelangt, wird er kein Wort über den Bankrott sag«n, ja, er wird vielleicht sogar seiner Frau zuflüstern, daß sie einen besonders guten Tag hatten. Sie wird zufrieden aussehen—>md ihre Qualen werden nachher um so größer sein. Dann wird er Frau Willis und Herrn Mahoney begrüßen. Leila wird bestimmt mit dem jungen Brodley im Garten sein. Der Gong wird läuten, alle werden in, Speisezimmer gehen, Harris, der erste Diener, wird servieren. Zuerst wird Schweigen herrschen, dann wird jemand zu redei� beginnen. Dielleicht sogar er selbst, das Gespräch in gefährliche Bahnen leitend. Mahoney wird den neuesten Stlatsch erzählen, seine Frau wird gelassen zuhören, ein Auge auf die Schwester geworfen, um zu sehen, wie sie sich dazu oerhält. Nun war Glymmer völlig ruhig. Seine Pläne waren ganz objektiv geworden, er dachte an seine Frau wie an«ine wohlbekannte, aber ihm nicht nahestehende Fremde, die Ihn eigentlich nichts anging. Er will ja gor nicht feine Frau demütigen, sondern jemand anderen. Er vergaß sogar, daß sie ihip etwas Böses angetan hat. und er es ihr heimzahlen will. Ist ein Volk unzufrieden mit seinen Führern. so verwandelt es diese Unzufriedenheit in Haß gegen eine andere Nation, und zwingt seine Führer, dieser den Krieg zu erklären. Im Wohnsinn des geplanten Mordens wird die Flamme des Hauses in andere Bahnen gelenkt, das Volk zieht in den Krieg, beglückt vom Gedanken- des Tötens, überzeugt davon, daß es gegen die Urheber seiner Unzufriedenheit kämpft. Glymmer glich diesem Volke. Er mußte hassen und da er weder sich selbst, noch eine unbekannte Vorsehung hassen konnte, wandte er allen Haß gegen seine Frau. Henry lenkte das Auto. Sie hatten bereits die Stadt verlassen und bogen ins Donkers ein. Jetzt wird er bald daheim sein, und sein Plan ist noch nicht ganz fertig. Er muß seiner selbst sicher sein. Muß die Szene tadellos spielen: sonst wird das Ganze ein Mißerfolg. Cr wird bis etwa zur Mitte des Diners warten und dann ein Gespräch beginnen, das seinem Vorhaben günstig ist. Ja, seine Frau will noch ein Auto: sie behauptet, daß die Mädchen, da sie auf dem Lande leben, ein neues Auto brauchen. Ein kleines Coupe. Es würde nicht sehr teuer sein, das fügt sie regelmäßig hinzu. Er kicherte. Ja, er wird ihnen ein neues Auto geben, auf eine Art, die sie nie und nimmer vergessen werden. Ein neues Auto! Er wird sagen, daß das alte Auto nicht mehr viel taugt; dadubch wird der rechte Anstoß gegeben sein. Die Frau wird mit einem Blick auf die Schwester erklären, daß es höchste Zeil fei.«in neues Auto zu kaufen. Und Mary wird bestimmt hinzufügen:„Rubin hat mir heute seinen neuen Wagen gezeigt, ein herrliches Auto und gar nicht teuer." Nubin war der junge Mann, der Mary den Hof machte: er war in der Automobilbronche. Schade, daß er nicht beim Diner ist, er würde bestimmt versuchen, ihnen ein Auto anzuhängen. Glymmer war ordentlich wohl zumute, wie er so für die Familie Fallen stellt«. Eine Komödie regiffierte, die sich in ein« Tragödie verwandeln sollte. Seine Nerven entspannten sich. Er hielt den Mund offen, ein Grinsen breitete sich über seine Züg«. Der Kneifer war Ihm von der Nase jjerutfcht und baumelte an einer Schnur auf seiner Weste. Ja, er wird sie vom neuen Auto reden lassen, vielleicht sogar sagen;„Na, wir werden sehen!" und Mary zulächeln, um sie zu weiteren Bitten zu ermutigen. Di« Frau, der Anwesenheit der Schwester«ingedenk, wird ihm zureden. Auch der junge Bradley wird vielleicht etwas Diesbezügliches sagen. Und Mahoney, ärgerlich darüber, daß nicht er redet, wird essen. Nun wird die Frau die Frage ohne Umschweife stellen. Er weiß genau, was sie sagen wird: „John, wirst du den Mädchen ein neues Auto kaufen?" Und dann... Sein Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen. Er schlug sich auf den Schenkel, genoß im voraus die Szene, die auf feine Worte folgen wird, auf die fünf Worte: '„Weißt du, wi-. sind ruiniert!" Er stellte sich vor. welchen Eindruck diese Erklärung machen wird. Wie wird seine Frau aussehen, was wird sie fühlen? Und die Mädchen? Leila wird den Hauptmann ansehen Das Gesicht des Hauptmannes. Das Gesicht seiner Schwägerin, Mahoneys Gesicht. Das wird strahlen, weil er mm eine große Reuigkeit ver- breiten kann. Er wird es kaum erwarten könn«n. Hinter Henrys Rücken im großen Auto sitzend, kicherte Glymmer. Eine Bombe! Eine Schande für olle! Er hatte eine Zigarre aus der Tasche gezogen und kaute an Ihr, wie er es immer tat, wenn er besonders zufrieden war. Dann jedoch kam ein Ausdruck der Angst in fein Gesicht. Cr biß die Zähne zusammen, öffnete plötzlich wieder den Mund, die Zigarre siel heraus. Er begann am ganzen Körper zu zittern. Er... er... er. was hat er vor? Was will er tun? Wer ist er d«nu? Wie kam» er? Wer...* Als der große, von Henry gelenkte Wagen eine keine Weil« später vor dem Haustor hielt, stieg Herr Glymmer gebeugt und zitternd aus und befahl dem Diener, der ihm öffnete: „Harris, jagen Sie Frau Glymmer, daß ich sie sofort sprechen muß. Sagen Sie ihr, es handele sich um etwa« sehr Wichtiges." 4. Marc Kranz. Eine fremde schleppende Stimme beantwortete seinen Anruf: ,. Hallo!" „Glymmer Read?" „Nicht mehr!" Er verfluchte den Spaßvogel. Hatte dies« superklugen Kerle immer gehaßt. Die wollen ja nur ihr« Oberflächlichkeit verbergen. Er hatte es eilig, fein Geschäft hing davon ab. Deshalb nannte er rasch seinen Namen und verlangte Herrn Read zu sprechen. .Ach so, der Dichter!" Er erkannte Charlies Stimme. Alles ist aus, mein Junge." Was zum Teufel soll das heißen? .Verkracht, pleite," sagte Charlies gereizte Stimme..Do» Spiel sst aus. Fertig. Gehen Sie in Ihre Dachkammer zurück und schrei- ben Sie Gedichte." Auf dies« Art erfuhr er, daß die Firma verkracht»var. Nun saß er in der Untergrundbahn. Der Zug kroch, schnauft«, blieb immer wieder stehen, war ein Zug. der nie seinen Destim- nmngsort erreichen wird. Die anderen Fahrgäste sahen sorglos drein, als wäre gor nicht das Ende der Welt gekommen. Auch das Mädchen ihm gegenüber, das die Beine viel zu hoch gekreuzt hielt, ein Mädchen, das er sonst bestimmt angesprochen hätte, blickte ihn genau so an, wie es dies sonst getan haben würde. Trotz dem Bankrott und obschon alles rings um ihn zusammengebrochen war. prüfte er das Mädchen mit den Blicken und versuchte, seine Be- mtwMgekt zu«raiw. Gr am jonrig Aber sich selbst. e> als lachte er bem Begräbnis eines Gottes; aber er konnte sich nicht beherrschen. Einerseits nxir er auch froh, daß da» Mädchen ihm gegenüber faß: es verhinderte ihn, an das zu denken, was ihm bevorstand. Das Mädchen zeigte noch mehr von seinen fleischfarbenen Strümpfen und spähte nach dem Ergebnis aus. Er wäre«n lleb- ften mit ihm ausgestiegen, hätte es zum Essen eingeladen und vielleicht nachher... Voller Empörung fragte er sich, wie er nur jetzt an so etwas denken tonnte. Aber er hätte es vielleicht dennoch getan. Es wäre etwas Neues gewesen. Etwas, das ihm noch nie eingefallen»var. Tin Mädchen verführen, während in einem Dutzend Familien die Menschen darüber jammern, daß sie einen je kennengelernt haben. Liebe auf Ruinen. Dekadenz. Dann aber dachte er an Frau Eollins und ihren kleinen Enkel George, dem er, so oft er die Großmutter besuchte, Schokolade mit- bracht«. Das machte«inen guten Eindruck. Die alle Dame hatte ihn gern und schenkte ihm ihr Vertrauen. .Herr Kranz, selbst wenn mir jemand sagt«, daß Sie ein ent- sprungener Zuchthäusler sind, selbst dann würde ich Ihnen ve» trauen. Würde Sie trotz allem für ehrlich halten." Eine wunderlich« Seele. Als Zuckor ihn das erstemal auf eine Anfrage der alten Frau hin zu ihr geschickt hall«, mar st« voller Mißtrauen gewesen, halle erklärt, alle Menschen, die etwas mit der Wall-Street zu tun haben, seien Gauner, sie trau» kemein. Ihr Mann war früh gestorben und hall» ihr eine noch unausgebeutet« Kohlengrube hinterlassen. Sie hatte die Grube, die sich als immer einträglicher erwies, ausgebeutet. Auch ihre verheiratet» Tochter »var jung gestorben, einen kleinen Jungen zurücklassend. Die alte Dame hatte ihren Besitz verkauft und»var dem Knaben zulleoe nach New York gezogen. Nach langem Ueberreden»var sie bereit. zu spekulieren; George sollte sehr reich werden, vi« Firma hatte für sie spekuliert, hatte für sie Geld verdient und wieder verloren. Ihr Vertrauen blieb unerschüttert. Er lachte. Was wird die alle Dam« sagen, wenn st« die Nach- richt erfährt? Wird sie noch immer an sein« Unschuld und Recht- schaffenheit glauben? „Ich werde bis ans End« zu Ihnen hallen." hatte st» ihm gesagt. Wird sie es wirlich tun? Der Zug hielt an. Nun waren sie in der Ehambers�Street, bald werden sie in der Wall-Street sein. Er wird in» Bureau rasen, erfahren...-Er wußte»richt, was er erfahren wird. Wußte nicht,»oas geschehen wird. Er wußte nur, daß er im Zuge sitzt, ins Bureau fährt, wo er als Makler arbeitete: die Firma ist »»erkrocht, all« sein« Kunden haben ihr Geld verloren.»Das Spiel ist aus," hat Charlie gesogt, er soll heimgehen und Gedichte schreiben. (Fortsetzung folgt.) RätsehEcke des„Abend". Die fehlende Mittelsilbe. a cham che cu do e fax ka ka lu ne o o an on pi ru se sei scor tal tep tol um.— Aus vorstehenden 24 Silben sind 12 dreisilbige Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter?— ib. Kreuzworträtsel. Sonnabend, 26. Jannar. Berlin. »6.00 Prof. Dr. W. Andrie, Direktor der Vorderistalisebeo Abteilnnc im Alten Musenm: Der Turm von Babylon. 16.30 Uebcrtrayuns ans dem Berliner Konzertbaus„Clou": NacimitUzsionxert für den Bund Deutscher Komponisten E. V. Dlrltent: Hermann Mlnneeke. 18.30 Felix Stiemer:„Freundschaft als Schicksal". L: Friedrich n. und Voltaire. 19.00 Dr. Richard ll. Stein: Belgische und holllnditche Musik.(Mit Beispielen am Flügel.) 19.30 Qdh. Rcg.-Rat Prof. Dr. Hans Delbrück: Das Verhiltni» der verachie- deneu Staatslormeu zu Krieg und Frieden.(III. Teil.) 20.00 Populäres Konzert. Dirigent; Artnr Quttmann. 21.00 Dialoge der Weltliteratur; V. Zeitalter der Aufklirung. Regie: Carl Hagem arm. 1. Bernhard von Fontenelle: Drei Totengespräcbe.(Ueber- setrt und bearbeitet von Carl Hagemann.)— 2. Qotthold Ephraim lessing: a) Ein Gespräch iür Freimaurer; b) Zwei..Finst"-Fragmente. (Mitw.: Hans Mühlhofcr, Gerd Fricke, Robert Staerk, Mai Bing, Herbert Brunar, Margit Hellberg.) AnschlieBend bis 00.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmann). Königswnsterhausen. 16.00 Fritz Westermann: Aus dem Zeutralinstitnt für Erziehung mx! Unterricht: Ans der pädagogischen Abteilung. »6.30 Uebertragung des Nachmittagskonzertes Hamburg. 17 JO Bürgermeister a. D. HcBIein: Oeffentliche Meinung und Beamten sehe st. 18.00 Sfud.-Rat Monzel: Der EinflcS der„Miterzieber" auf die Qrotstadt- Jugend. 18.30 Gertrud van Eysercn, Casar Mario Alfieri: Spanisch für Anfänger. 18.55 Bibliotheksdirektor Dr. Herse; Lessing In Wollenbflltel. 19.20 Vortrag ood Redner werden durch Rundfunk bekanntgegeben. 20.00—31.00 Die Stunde des Landes. I. a) Fudik: Einzug der Gladiatoren, Marsch; b) Fliege: Zirkus Renz. Gavotte; c) loh. Strand: Künsterleben, Walzor(Blasorchester Woitschach. Lelt.: Musikdirektor Carl Woitschach). — 2. Dr. A. H. Kober:„Der Wanderzirkus auf dem Lande".— 3. a) Snppd: Ouvertüre zu der Operette„Leichte Kavallerie"; b) Rosey: Der Jongleur, Marsch(Blasorchester Woitschach). Ab 21.00-00.30 Uebertragengen von � erlin. SonntaK, 27. Januar. B e r 1 1 n. 8.55 Uebertragung des Stnndenglockenspiels der Potsdamer üernisonkirche. 9.00 Morgenfeier(„Kämpfet für den Glauben des Evangeliums"). AnschlieBend: Uebertragung des Glockengeläuts des Berliner Doms. 11.30 Vormittagskonzert Konzertorchester Otto Kermbach. U.00 Morse-Kursns. Hans W. Prlwin:„Unterricht für Anfänger". M.30— 15.25 Für den Landwirt 14.30 Die Viertelstunde für den Landwirt. 14.45 Wochenrückblick auf die Marktlage und Wettervorhersage. 14.55 Direktor MüNer, Ruhlsdorf:„Rationelle Mast der Schweine". 15.30 Märchen. 16.00 Th. Stiefenhofer:„Lessings Lehre vom schöpferischen Genius". 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. 19.00 Werbenachrlchfen. 19 JO Dr. Otto Siegel:„Das neue Jugosiswien". 303» Abendunterhaltung. Mltw.: Bert Brecht, Dr. Willi Mei»!, Rolf Nürnberg. Antonie StraBmann. 21,00 Orchesterkonzert. Dirigent: Selnur Meyrowitz. AnschlieBend: Wetter. Tsgesnaehrichten. Zelt. Sport. AnschlieBend bis 0.30: Tanzmusik CFred-Bird-Tanzorchester). Königswusterhansen. 13.45—14.15 Bildfunkversnche, 18.00 Gedanken znr Zeit. Geh. Rat Dr. Albert Zapf(18.00— I8JC0, Reichliuttiz- minlster S.D. Dr. Otto Landsberg(1830—19.00): Für and wider die Todesstrafe. 19.00 Vitforio Macchioro: Pompeli, wie es dachte, lebte und schaffte IT). 19.25 Paula Steiner: Uncntdecktes Land: Masuren. 20.00 Sonderveranstaltimg iür den Deutschludsender. Uebertragung des Konzertes des Kammerarchesters ans dem Beethovensaal. Dirigent: Michael Tube, W a g« r e ch t: 1. Fangseil: 5. verzögert; l0. römische Göttin: 11. Versammlungsraum: 12. Hochmut; Ü. männlicher Vorname: 14. rasen; IS. Not: 17. Verkehrsweg; IS. Bad bei Lümch; 20. Bezeichnung spanischer Prinzen; 2L Verrat: 24. indische Klasseneinteilung: 27. Dreiheit: 31. Mus« der erotischen Poesie; 32. Kröte; 33. weiblicher Vorname: 34. See in Kanada oder französisch für allein: 3ö. überlieferte Erzählung: 36. Schwanz.— Senkrecht: 1. Tücke; 2. neuzeitliches Fahrzeug; 3. Geck: 4. Meerenge bei der Insel Wight: 6. Apostel; 7. Teil des Kopfes; 8. Hirschgattung: 9. unnützer Kram; 16. Bewohner der Atlasstaaten Nordafrikas: 17. Muttertier: 18. vulgärer Berliner männlicher Vorname; 22. Schlange: 23. Ruhelosigkeit: 24. Trieb aus der Eizelle der Pflanze: 23. sellener weiblicher Vorname; 26. überlieferte Erzäh- lung: 28. Gedanke; 29. Tonari; 30. Nebenfluß des Rheins zwischen Mainz und Bingen. Nüttel. Es sst kein Zimmer und doch ein Raum, Die Wände tapeziert, die Diri« aus Bohlen. In deutschen Wohnungen fehlt er kaum, Und dennoch gehört er zu Polen. hb. Städte zu Klüssen. An den nochbenannten Flüssen sind Städte zu suchen, deren Anfangsbucbstaben zusammen den Helden eines bekannten Aben. teurerromans nennen: Havel. Main. Wupper. Donau. Saale, Bo- der, Oder, Rhin, Aller, Tauber, Donau, Sieg, Hunte, Ruhr. Bersrätfel. Eine hochgelahrte Stadt Und ein glückliches Erreichen Des, was man erstrebet hat, Nenn ich mit denselben Zeichen. Auflösungen der Nüttel aus voriger Nummer. Spiralen-Äreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Ala; 3. Lord; S. Agram; 6. Robert; 8. Salamis: 9. Günther: 11. Konter- fei; 12. Nordlicht._ Senkrecht: 1. Ar: 2. Aal; 4. Mond: 5 Adler; 7. Soldat; 8. Sonntag; 10. Indianer; 11. Kegelbahn. LeiSenrStsel: 1. Artemis; 2. Trottel; 3. Mitropa; 4. Salzach. A o r s i ch t: Zell—«he— Ehe— Zeitehe. Dariationsrätsel: 1. Kaste; 2. Steak; 3. Stake. Ein viertes Wort, das wir absichtlich verschvnegen hatten, sst Äeats(enaL Lyriker). Eckbortenrätsel: Reinhardt, Isegrim, Horaz. Rom. Kapselrätsel: Hei. Heide. Ei, Eid, Elbe, Berg=- Heidelberg. Homovy«: GUtaM. Nr. 44 46. Jahrgang Technik Sonnabend 26. Januar 1929 Bildungswerte der Technik. Die Technik gehört zu den umstrittensten Kulturerscheinungen| die gesamten Produktionsstätten der unseres Jahrhunderts. Ihre Freunde und Vertreter preisen sie als die Wegbereiterin des fulturellen und zivilisatorischen Fortschritts, ohne deren Großtaten der Mensch noch heute auf der Stufe der Urzeit stünde. Im schärfsten Gegensatz zu dieser freudigen Bejahung der Technik steht die Weltanschauung derer, die am liebsten jede Technik ausschalten möchten, die allen Materialismus, alle Ent artungserscheinungen unserer Zeit auf das Schuldtonto unserer hochentwidelten Technik sezen. " Diefen gewaltigen Kampf zweier Weltanschauungen versucht ein foeben erschienenes Buch zu schlichten, das der B.- D.- 3.- Berlag herausgegeben hat. Es ist von Dr. Hermann Weinreich verfaßt und betitelt sich Bildungswerte der Technit". Es bietet eine einleitende Uebersicht über die Geschichte der Technik vom Altertum bis zur heutigen Zeit und geht dann in tiefgründigen Ausführungen auf den Widerstreit in den Beurteilungen der Technik ein. Technik und Zivilisation, Technik und Kultur werden in ihren verschiedenartigsten Erscheinungsformen ausführlich behandelt, und abschließend wird in einem bedeutsamen Kapitel die Technik in der Erziehung der Jugend von einer Fülle von Gesichtspunkten aus betrachtet. Aus der Geschichte der Technik. Werkzeuge friedlichen Gebrauchs und Werkzeuge des Kampfes find die ersten Aeußerungen einer primitiven Technit. In die Belt reiche Assyrien und Babylonien, nach Mesopotamien und Aegypten müssen wir wandern, wenn wir die Geschichte der fortentwickelten Technik beginnen wollen. Auf einer altassyrischen Stulptur ist ein bedeutsamer technischer Arbeitsvorgang abgebildet, der uns in die antife Technik einzuführen vermag: Eine Unmasse von Sklaven ziehen auf riesigen Schlitten, die porn durch Rollen, hinten durch Hebel unterstügt werden, gewaltige Lasten vorwärts. Diefe Stulptur hat einen Arbeitsvorgang aus der Bautätigkeit der riesenhaften ägyp tischen Pyramiden festgehalten und der Nachwelt überliefert. Sie wird durch Mitteilungen des griechischen Geschichtsschreibers Hero dot ergänzt, der ausführlich beschreibt, wie Tausende von Stlaven die gewaltigen Steinmaffen der Riefenbauten zusammenfügten. Zu Lande wurden die Felsblöcke durch ungeheure Holzschlitten oder Schleifen, zu Wasser durch große Transportflöße herbeigeschafft. Ms Baugerüst diente eine aufgeschüttete schiefe Ebene, die mit dem Wachsen des Baues zugleich größer und höher wurde. An der Cheops- Pyramide waren 100 000 Staven zwanzig Jahre lang tätig. Die Anlage der Straßen zum Materialtransport hatte schon vorher ein Jahrzehnt beansprucht. Antife Belt wunder", die auf Titanenmaße berechneten technischen Bauten des Altertums, der Artemis Tempel in Ephesus, die hängenden Gär. ten der Semiramis, die das Mausoleum in halitar. nassos, der Koloß von Rhodos, der Leuchtturm auf der Insel Pharos bei Alexandria, alle diese Baudenkmäler find in jahrzehntelanger, mühevoller Fronarbeit Hunderttausender von Proletariern, von recht- und eigentumslosen Stlaven entstanden. Aus der Geschichte der Technik des Alterums wiffen wir ferner von Kanalnegen und Schöpfrädern, von Staudämmen, Zisternen und Brunnen, die zum großen Teil als hervorragende Schöpfungen zu betrachten sind. Die Assyrer besaßen Sand- und Waffer. uhren, die Aegypter benutten den Web stuhl, die Töpferfcheibe, fie fannten die Herstellung des Papyrus und die Balsamierung. Die Phöniger maren geschickte BergIeute und Färber, die Griechen maren Meister der Erzgießerei. Sie tannten eine Anzahl einfacher Maschinen, so Pflug und Sichel, Tretrad und Göpelwert, Hebel und Balze, Zahnrad und Flaschenzug. Die Römer haben Hervorragendes in Straßenbau und in der Anlage von Bädern( Thermen), von Wafferleitungen und Abzugstanälen geleistet. 3 Das hervorstechende Mertmal der mittelalter lichen Technit ist die Ausnügung der Wasserträfte und der indbewegung. Schießpulver, Rompaß und Buchdrud werden erfunden. Zerstörungsmaschinen aller Art, Wurfgranaten und Geschütze werden immer mehr vervollkommnet. Das Gebiet des Hüttenwesens und des Bergbaus nimmt eine immer höhere Stellung ein. Zmei unsterbliche Namen aber find in der Geschichte der mittelalterlichen Technik besonders zu nennen: Lionardo da Vinci, der größte Ingenieur des Mittelalters und der hervor. ragende Festungsbauer Albrecht Dürer. Endlich möge der gotischen Dome des Mittelalters, die Oswald Spengler als Ausdruck der faustischen Seele des Abendlandes bezeichnet hat, gedacht werden. Alle Fortschritte der vorausgehenden Jahrtausende jedoch wer den überragt durch die technischen Leistungen der Neuzeit. Nahezu Menschheit werden heute durch die Technik beherrscht. Bon 65 Millionen Menschen finden etwa ein Drittel ihr Brot mittelbar oder unmittelbar in der Technit. Zählt man die Landwirtschaft hinzu, die in immer fortschreitendem Maße fich mit der Tedynit verbündet, so steigt diese Zahl auf etwa 40 Millionen. Die Technit hat diese füh rende Stellung vor allem ihrer Befruchtung durch Naturwissenschaften und Mathematik zu verdanken. Die Ausnüzung der Dampfkraft, das Aufkommen der Elektrotechnik, das Wachstum der chemischen Industrie, denen schon vorher das Thomasverfahren, die Gewinnung des Gases aus der Steinkohle, die Herstellung der Anilinfarben vorausgegangen waren, find Marksteine dieser Entwicklung. Mißbrauch der Technik Darf diese immer höher fich entwickelnde Technit mun mirklich ein Freund des Menschen genannt werden, eine Wohltat für ihn? Der alte Leuchtturm von Alexandria. Technik im Unterricht. Diese große Frage gilt es zu prüfen und zu beantworten.| Coudenhove Calergi sagt in seiner Apologie der Technik Der Einmand, daß der heutige Industrietapitalismus un mit Recht, daß Gutenberg den Federn die Macht gegezählte soziale Schäden heraufbeschworen hat, fann zur Berurteilung geben habe, die Schwarz mit der Erfindung des Pulvers den der Technik nicht stichhaltig sein, denn nicht sie trägt die Schuld, Schwertern mahem. sondern die Art ihrer Anwendung. Nicht ihre Erfindungen und Ent. bedungen haben Armut und Arbeitslosigkeit erzeugt, sondern die falsche Anwendung, der Mißbrauch der Technik in der Hand eines gewinnfüchtigen Unternehmertums. Der moderne Induſtriekapitalis nicht denkbar. Aber die Technit tann sehr wohl ohne mus ist zwar, wie G. 5. Bells einmal schreibt, ohne die Technik diesen Rapitalismus bestehen, und darum muß der Kampf gegen diefen Mißbrauch der Tehnit in aller Schärfe und Entschiedenheit weitergeführt werden. Dieser Kampf richtet sich nicht gegen die Maschine. Aber er stellt den Gebrauch der Maschine unter moralische Kontrolle.( Das Endziel aber muß nach unserer Auffaffung darin bestehen, daß die Menschen mit Hilfe des Sozialis mus die Technit zu ihrer treuesten Berbündeten gemacht haben. Dev erste Zeppelin auf dem Bodensee. Die Red.) Auch von den Gegnern fann nicht bestritten werden, daß unsere Lebenshaltung hoch über der des Höhlenmenschen steht. Wenn dagegen angeführt wird, die Menschheit habe sich ohne Technit genau so mohl gefühlt, so möge man sich nur einen Generalstreit vor Augen halten, in dem alle Heinzelmännchen der Technik die Großstadt verlassen, Berkehr, Nachrichtenwesen, Gas, Wasser und Licht versorgung unterbunden werden. Wohl bergen die Großstädte ungezähltes Elend in ihren Mauern, aber auch der Minderbemittelte steht in seiner Ernährung, feiner Wohnung und Kleibung doch über der Lebenshaltung selbst vieler Könige" vergangener Jahrtausende. und wenn der Arbeiter heute immer mehr dazu kommt, sich in den, wenn auch leider noch viel zu beschränkten Freistunden, geistigen Interessen hinzugeben, so läßt sich auch dieses gesunde, geistige Selbstbewußtsein nicht im entferntesten mit der Sklaverei schwerster förperlicher Arbeit vergleichen, unter der die rechtlosen Proletarier früherer Jahrtausende ihr Leben lang seufzten. Die Technik hat aber den Menschen nicht nur zu einem großen Teil von schwerster Muskelarbeit entbunden, sondern sie hat auch Geißeln früherer Jahr hunderte, wie z. B. Hungersnöte, denen ganze Länder und LandGransport einer Riesenstatue im allen Assyrien streden zum Opfer fielen, durch die Bervollkommmung der Melde- und Berkehrstechnik überwunden. Un aufhörlich arbeiten heute Eisenbahn und Schiffahrt, um mit dem Ueberfluß der Bodenerzeugnisse des einen Landes dem Mangel des anderen abzuhelfen. Die Technik hat aber auch überall die fortschreitende politische Entwicklung gefördert. Das schwere Los der Galeerenstlaben, die menschenunwürdige Fron der versflavten Maurer und Bauarbeiter des Altertums, die Leibeigenschaft der Bauern, erst im Ge folge der fortschreitenden Technit war ihre Befreiung möglich. Wo zuerst die Gewerbe blühten, wie in England, Holland und Frank reich, ba beginnt zuerst die politische Freiheit sich durchzusehen. Die Technik ist aber auch eine ge maltige, pölterverbindende Macht, eine Bertreterin des Weltbürger tums, die mit Hilfe eines groß entwickelten Berkehrsnezes bie Bölter einander näher bringt. T Die Technik enthält eine solche unübersehbare Anzahl von Bilmadyfenden Menschen Beachtung zu finden. Gewiß besteht die Aufdungswerten, daß fie auch berufen ist, im Bildungsgang des heranmitteln, aber sie sollte doch den jungen Menschen mit einem Wissen gabe der Schule nicht darin, technische Fachkenntnisse zu überausrüsten, das ihn zum Berstehen der ihn umgebenden Gegenwart, bie start von der Technik beeinflußt ist, befähigen fann. Von der Betrachtung des Wunderwerkes der Maschine sollte sich die Aufmerkjamfeit auch auf den Mann an der Maschine richten, ben der Schüler der höheren Schulen und der Universität oft wenig ober gar nicht fennt. Nirgends findet sich in den Lehrplänen ein Hinweis auf die entscheidende Frage unserer gesamten Kultur, auf bie soziale Frage. Die Jugend sollte nicht in einer fernen. Bergangenheit, sondern auch in der Gegenwart zu Hause sein. Sie muß Bescheid wissen über die Herkunft der täglichen Verbrauchsgegenstände, über Werkstätten und Fabriten, über Welthandel und Arbeitsteilung. Leider liegt die heutige Erziehung immer noch auf Kosten der Anschauung ein zu großes Gewicht auf das begriffliche reine Denfen. Die Technik ist deshalb das beste Gegengewicht gegen Historismus und Dogmatismus, wie er leider noch in allzu vielen Schulen der Gegenwart vorherrscht. Die Aufgaben, bie der modernen Schule hier erwachsen, sind in erster Linie eine Angelegenheit der naturwissenschaftlichen Fächer, also des Physikund des Chemieunterrichts. Es ist deshalb außerordentlich erfreu lich, daß die Richtlinien für die Neuordnung der höheren Schulen in Preußen die Besprechung der Errungenschaften der Technik und die Berücksichtigung der hieraus sich ergebenden, den Schüler oft aussetzung dafür sind allerdings nicht weltfremde, der Gegenwart start fesselnden Fragestellungen ausdrücklich empfehlen. Die Vorabgewandte Lehrer, sondern Pädagogen, die der Wirklichkeit des gegenwärtigen Lebens mit offenem Blid gegenüberstehen. Aber auch in anderen Fächern, im Deutschen, in Geschichte und Erdfunde bietet fich Gelegenheit, technische Erfindungen und Entdeckungen zu behandeln, sei es im Rahmen eines Auffazes oder innerhalb eines mündlichen Gedankenaustausches zwischen Lehrer und Schülern oder einer freien Arbeitsgemeinschaft. Ebenso ist die Technik ein fruchtbares Gebiet für den modernen Zeichenunterricht. Daneben ist es aber auch sehr wünschenswert, daß die Schulbibliotheten endlich von allem peralteten Wust befreit und durch intereffante technische, dem Verständnis der Jugend angepaßte Werte bereichert werden. Diese Forderung gilt sowohl dem Lehrer als den Schulbüchereien. Die Werte von Bitrup, Georgius Agricula, Jakob Leupold, Athanasius Kircher, ferner die von Matschoß herausgegebenen Jahrbücher, die Geschichte der Technik von Neubed, die Bändchen von Dr. ing. e. h. Feldhaus und viele andere, die an dieser Stelle übergangen werden müssen, gehören hierher. Ferner ist zu wünschen, daß die technischen Lehemittelsammlungen der Schulen nicht veraltete Mobelle, sondern wirklich brauchbare moderne Modelle und Zeichnungen enthalten, die dem Schüler einen lebendigen Einblick in die Gegenwart vermitteln fönnen. Auch auf die vom Deutschen Museum entleihbaren Lichtbilder und die von der Museumsbuchhandlung zu beziehenden Postkartenbilder feien alle technitfreundlichen Bäbagogen hiermit hingewiesen. Ebenso können von der Technisch- Wissenfchaftlichen Lehrmittelzentrale Berlin RB. 7, NW. Dorotheenstraße 53, viele brauchbare Diapositive und Ba pierabzüge von wichtigen Gegenständen aus den verschiedensten technischen Gebieten bezogen werden. So enthält das Wert von Dr. Beinreich auch für den Sozialistes eine Fülle von Anregungen und Gebanten, benen er nur freudig zustimmen fann. Das Buch ist eine Streitschrift gegen den Mih brauch der Techmit. Es zieht einen scharfen Sirich amischen Technit und Rapitalismus und arbeitet so an seinem Teil mit an der Vorbereitung einer neuen Zeit. Eine intereffante Einführung in die mannigfachen Probleme unserer Zeit, die von der Technit beherrscht wird, ein Wert, das für jeden Hand- und Geiftesarbeiter, vor allem für den Lehrer und Erzieher, von weittragenbfter Bedeutung sein tann, Dz.& M. Sport und Spiel Reichsbanner in Braunlage. Zum ersten Wintersportfest. Die Wintersportabteilungen des Reichsbanners rüsten zu ihrem ersten großen Bundes Sportfest, das am nächsten Sonntag in Braunlage im Harz durchgeführt wird. Die mitteldeutschen Gaue werden ihre besten Mannschaften ins Treffen schicken. Nach den Richtlinien des Bundesvorstandes sind für Wettkämpfe nur Mannschaftskonkurrenzen zugelassen. Der Hauptwettkampf ist darum ein 10- Kilometer- Mannschaftslauf. Für die Jugendlichen sind 5- Kilometer- Mannschaftsläufe angesetzt. Eine Mannschaft besteht aus drei Sportlern, die gemeinsam starten und gemeinsam am Ziel anfommen müssen. Der Langstreckenlauf wird besonders an die Städtemannschaften größere Ansprüche stellen, da sie in ihren Heimatorten nicht die geeigneten Trainingsgelände haben. Hinzu kommt noch, daß die Mannschaften aus den Mittelgebirgen seit Jahren Sti laufen, während die Berliner und die Norddeutschen Mannschaften erst turze Zeit laufen und auch mir in ihrer fargen Freizeit dazu Gelegenheit haben. Trotzdem hat die Wintersportabteilung des Berliner Reichsbanners eine Reihe ausgezeichneter Mannschaften zusammengestellt, die, wenn auch nicht den ersten, so doch mindestens den zweiten oder dritten Play beanspruchen werden. Für die Hauptklasse 21 Jahre und älter find zum 10- Kilometer- Mannschaftslauf sechs Mannschaften gemeldet. In der Jugendklasse von 14 bis 17 Jahren ist eine und in der 18 bis 20 Jahre sind zwei Mannschaften gemeldet. Im Sti- Geschicklichkeits: lauf werden die Berliner mit fünf Mann vertreten sein. Wer einmal gesehen hat, welche Kunststücke die Berliner auf den Brettern unternehmen, wird ihnen auch hier einige Chancen geben. Besonders der Traninigsmeister der Berliner Papierstier wird ein ernsthafter Konkurrent fein. In der Gästeklasse 4- Kilometer- Eingellaufschicken die Berfiner sieben Damen an den Start. Die Beteiligung der mitteldeutschen Baue ist naturgemäß viel stärker. Mehrere hundert Reichs bannerkameraden werden auf dem Sportfest ihre Leistungen miteinander messen. Auch der frühere norddeutsche Meister Walter Wagner wird mitstarten. Der Bundesvorstand stellt eine eigene Mannschaft für den Hauptkampf, und zwar werden die Kameraden Höltermann, Pappe und Dr. Schwannede im Haupttampf starten. Auf der Meinen Schanze in Braunlage wird zum Abschluß des Sportfestes ein Sti- und Schauspringen veranstaltet. Unter den Großen will auch ein 5jähriger Sportler aus Bennedenstein seine Künste zeigen. Die mitteldeutschen Gaue und die Berliner veranstalten in der Woche vor dem Sportfest vom 26. Jamuar bis 2. Februar in Braunlage, Bennedenstein und Tanne Stiturse. Die Berliner sind in Tanne, wo auch die Mannschaften für die Wettkämpfe fleißig trainieren werden. Eissporttage in Tiţisee. A. S. Zweiter wurde. Biel Pech hatte der Deutsche Mittelgewichtsmeister Krämer- Duisburg. Den Schweden Svensson hatte er schon nach 15 Sefunden auf beide Schultern gelegt, der Sieg wurde jedoch von den Richtern nicht anerkannt. Der Duisburger rang nun ziemlich luftlos weiter und unterlag gegen Svensson nach Punkten. Den Sieg in dieser Klasse sicherte sich Stuwe- Berlin, der nach einem einwandfreien Punktsiege über den Schweden in 15:45 Krämer entscheidend abfertigte. Auch im Halbschwergewicht gab es einen deutschen Sieg. Im ersten Kampf dieser Gewichtsklaffe siegte Pribyl- Tschechoslowakei über Dr. Lagka- Ungarn nach Punkten. Gegen Rieger- Berlin trat der Ungar nicht mehr an, Pribyl mußte sich dem Berliner nach 11 Minuten Kampfesdauer beugen. Handball Spiele am 27. Januar. Die beiden letzten Sonntage fießen feine Spielmöglichkeit zu. Hoffentlich wird dieser Sonntag etwas besser, damit die Spiele unter Dach und Fach kommen. In der 1. Gruppe finden wieder alle Spiele in der Provinz statt. Luckenwalde hat FTGB.- Süden als Gegner. Henningsdorf empfängt FTGB.- Rosenthal, während Velten nach Brandenburg zur 2. Abteilung fährt. Nur Schöneberg spielt um 11 Uhr auf dem Dominifusplatz gegen Nowawes. Die Platzvereine werden bei diesen Spielen sicher die Punkte mitgeben müffen. Die beiden Spiele der 2. Gruppe sind: FTGB.- Wedding 2 gegen FTGB.- Osten 1 um 10% Uhr in Reinickendorf, Scharnweberstraße, und Eberswalde gegen Raulsdorf in Eberswalde. In der 3. Gruppe spielen FTGB.Nordring gegen Wilmersdorf um 15 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee, und FTGB.Friedenau gegen Potsdam um 15 Uhr in Friedenau, Offenbacher Straße. In der 4. Gruppe spielt mur FTGB.- Oberfpree 1 gegen Klausdorf 2 um 10% Uhr in Niederschöneweide. Bei den Frauen spielen Nomames gegen Brandenburg 2. Abt. um 14 Uhr in Nowames; FTGB.- Wedding 1 gegen Tegel um 14 Uhr und die 2. Frauen gegen FTGB. Neukölln 1 um 15 Uhr in Reinidendorf, Scharnweberstraße, und Schöneberg gegen FTGB.- Süden um 10 Uhr in Schöneberg, Dominifusplatz. Außer Neukölln werden hier die Gäste keine Punkte mit nach Hause nehmen. Die wichtigsten Gefellschaftsspiele sind: FTGB. Bankow gegen Luckenwalde II um 12 Uhr in Pankow, AndreasHofer- Plaz; Steinfurth gegen FTGB.- Norden 3 in Steinfurth: FTGB- Neukölln gegen FTGB.- Kanu um 14 Uhr in Neukölln, Herzbergplah: Ruderverein Vorwärts gegen Freie Faltbootfahrer um 11 Uhr; ASC. gegen Charlottenburger Schwimmer um 10% Uhr in Baumschulenweg, Planterwald und Nordring- Frauen gegen Südosten um 14 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee. Handball Ludenwalde- FTGB. Auf dem Sportplatz Andreas: holungsspiel zwischen den Handballmannschaften uden walde und FTGB.- Pankow statt. Das Spiel bginnt um 12 11hr. Das erste Spiel, bei dem die Pankower Handballer Gäste in 2uckenwalde waren, gewannen die Bankower mit 3: 2. Gäste herzlich willMathisen fordert Thunberg.- Berliner Eishockey- ofer- Blatz( Bremer Straße) findet morgen das Wieder meisterschaft. Auf mildes Wetter folgte rechtzeitig Frost, so daß das schon gefährdete dreitägige Meeting des Wintersportvereins Titisee mit der deutschen Schnellauf- Meisterschaft im Mittelpunkt am Freitag nachmittag mit einiger Verzögerung seinen Anfang nehmen konnte. Leider waren die Eisverhältnisse nicht die besten, zudem machte leichter Schneefall den Bewerbern etwas zu schaffen. Unter diesen Umständen blieben die Zeiten hinter den Erwartungen zurück. Außer dem verloren die Hauptwettbewerbe durch das Fernbleiben der Biener Läufer Polatschek und Reiter an Interesse. Der deutsche Meister Arthur Vollstedt war in den internationalen Wettkämpfen daher ohne ernste Gegnerschaft. Er gewann am ersten Tage das internationale Seniorlaufen über 1500 Meter mit großer Ueberlegenheit gegen seinen einzigen Mitbewerber Donaubauer- München und ließ im internationalen Juniorlaufen über 5000 Meter seinen Hauptrivalen H. Müller- Berlin weit hinter sich. Auf das 500- Meter- Neulingslaufen legte der Berliner Meister Barwa Beschlag. Ergebnisse: Intern. Seniorlaufen, 1500 Meter: 1. Bollstedt- Altona 2: 49,4; 2. Donaubauer- München 2: 53,4. Intern. Juniorlaufen, 5000 meter: 1. Bollstedt- Altona 9: 52,2; 2. K. Müller- Berlin 10: 11,8; 3. Gandener- München 10: 22,4; 4. Donaubauer- München 10: 26,4.- Verbandsjuniorlaufen, 1000 meter: 1. Sandener- München 1: 52,8; 2. DonaubauerMünchen 1: 53,4; 3. Wolniak- Altona 1: 54,6; 4. Richter- Berlin 1: 57,6. Verbandsnenlingslaufen, 500 meter: 1. Barwa Berlin 53,8; 2. Sandener- München 55,0; 3. Wolniak- Altona 57,2; 4. Hinterhalter- Titisee 1:09. * Mathisen fordert Thunberg. Der bekannte norwegische Eis schnelläufer Oscar Mathisen, wohl der beste, den die Welt je hervor gebracht hat, zeigte er doch kürzlich in Davos trok seiner 40 Jahre, daß er noch allererste Klasse ist, hat den derzeitigen Weltmeister Claes Thimberg- Finnland zu einem Zweikampf über 500, 1000 und 1500 Meter herausgefordert. Der Finne hat die Herausforderung angenommen, allerdings erklärt, daß er sich Mathisen erst im nächsten Winter in Oslo stellen könne. * Um die Berliner Eishodenmeisterschaft treffen am Sonntag die beiden Ligavereine Zehlendorf und Brandenburg um 11 Uhr in Zehlendorf zusammen. Internationale Amateur- Ringkämpfe. Der Berliner Amateur Ringtampf der vor dem Kriege in höchster Blüte stand, nachher aber viel Anhänger eingebüßt hatte, scheint auf dem besten Wege zu sein, feine alte Bopularität wieder zu erlangen. Jedenfalls ging die internationale Veranstaltung, die der Brandenburgische Kraftsport- Verband im Saalbau Friedrichshain zur Durchführung brachte, vor ausverkauftem Hause vor sich. Ringer bester Klasse aus Schweden, Dänemark, Ungarn und der Tschechoslowakei waren verpflichtet worden, um gegen einige unserer Besten auf die Matte zu gehen. Die Zuschauer hatten ihr Kommen nicht zu bereuen, dem es gab guten Sport auf der ganzen Linie. Der schwedische Meister Erik Malmberg gewann das Leicht gewichtstreffen durch einen Schulterfieg( 17,50 Minuten) über St. Rutkowsti und einen flaren Buntisieg über den Dänen Aage Meier, ber durch einen in 14:55 über Rutfomiti errungenen Erfolg tommen! Das Reitturnier im Sportpalast. Das Programm des Berliner Reitturniers ist einer Dreiteilung unterworfen, um bei den Nachmittagsveranstaltungen nicht allzu große Anforderungen an die Aufnahmefähigkeit des Publikums stellen zu müssen. „ Vorwärts" Die Parole der Arbeiter- Wasserfahrer. Die dem Arbeiter- Turn- und Sportbund angehörenden Wasserfahrvereine und abteilungen( Paddler, Kanu- und Faltbootfahrer, Ruderer) streben mit aller Gewalt voran. Ueberall im Lande kann man mit Freuden wahrnehmen, wie die Arbeiter. Wasserfahrer emsig bei der Arbeit sind und nicht nur Boote aller Arten, sondern auch ihre Bootshäuser selbst bauen, oft nach eigenen Ideen und Plänen. Ueberall fann man auch feststellen, wie das Heer der Arbeiter Wasserfahrer immer mehr und mehr anschwillt. Einige Beispiele aus den Arbeitersportzeitungen mögen hier als Beweis für das die Wafferfahrer belebende Vorwärtsstreben gelten: „ Sächsischer Arbeitersport" Dresden vom 4. Jan. 1929: Genosse F. berichtet, daß die Wasserfahrbewegung tüchtig vorwärts. geht. Die freien Faltbootfahrer von Cotta haben ein neues Falt. bootmodell selbst erbaut... ,, Nordischer Arbeitersport"" Hamburg vom 8. Jan. 1929: Der Traum jedes Massersportlers ist, im eigenen Heim untergebracht zu sein, wo er in seinen Musestunden im schönen klubraum mit Gleichgesinnten verweilen kann. Auch hierin haben wir Fortschritte gemacht. Kennt ihr das Bootshaus der Kieler an der Förde, das Pfingsten 1929 geweiht wird? In Lübeck und Bergedorf baut man ebenfalls fleißig am eigenen Heim. Freier Sport" Frankfurt a. M. vom 14. Jan. 1929: Der erste Erfolg, drei ausgebildete Mannschaften, die mit Eifer bei der Sache sind... Auf diesem Stamm soll im neuen Jahr aufgebaut werden. ,, Bezirks Mitteilungsblatt" 4. Kreis 1. Bezirk Leip= zig vom 20. Jan. 1929: Der Mitgliederbestand der Wasserfahrer hat start zugenommen, seine Steigerung beträgt reichlich 30 Prozent. Diese Entwicklung ist um so erfreulicher, als man gerade in der heutigen Zeit viele Klagen aus dem bürgerlichen Lager über dauernden Mitgliederschwund hört. Möge nun dieser bei den ArbeiterWafferfahrern auf„ Vorwärts" eingestellte Kurs sich nicht nur lange halten, sondern auch allen am Wasserfahrsport Freude findenden Arbeitern zeigen, daß der Weg, den sie einschlagen müssen, klar gezeigt ist unter der Parole: Borwärts, hinein in die Wasserfahrvereinigungen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes!" " Schwimmfest in Steglitz. Morgen, Sonntag, findet das erste Schwimmfest der Freien Schwimmer im 12. Berwaltungsbezirf, Steglig, statt. Es ist die erste Veranstaltung, die von einem Verein des Arbeiter- Turn- und Sportbundes im Steglitzer Bezirk veranstaltet wird. Das Schwimm fest soll ein Auftakt zu neuem Werben für die Arbeitersportbewegung sein. Die Bevölkerung wird gebeten, sich recht zahlreich an dem Fest zu beteiligen, Am Start ist außer dem Veranstalter, Neptun- Weißensee, die Schwimmabteilung der Turnerschaft Luckenwalde, Freie Schwimmer Senftenberg, Freie Schwimmer Mariendorf und Potsdam. Eine Frauenreigenmannschaft des 1. Kreises wird ihr Bestes zeigen. 3wischen dem Veranstalter und Senftenberg werden Wasserballspiele ausgetragen. Das übrige Programm wird ausgefüllt mit Schwimm wettkämpfen, Streckentauchen usw. Am Schluß werden sich alle Be fucher zu einem geselligen Beisammensein in der Sterndiele, Kieler Straße 7, einfinden. Arbeiter Wintersportler! Alle Arbeiteritiläufer des 1. Kreises treffen fich Sonntag, 27. Januar, um 9 Uhr, am Bahnhof in Potsdam. Gemeinfamer Uebungs- und Trainingsbetrieb. Praktische Kurse für Anfänger und Borgeschrittene. Für Wettkämpfer Canglauf- und Staffeltraining. Sämtliche Vereinsmannschaften müssen antreten. Sonderveranstaltungen der Vereine und Abteilungen fallen aus! → An Wochentagen Training im Grunewald. Der Kreiswintersportwart, Dr. Biefe. * Die Eislaufabteilung des Touristenvereins„ Die Naturfreunde" macht morgen, Sonntag, eine Schlittschuhfahrt durch den Spree wald. Abfahrt früh 7.05 Uhr vom Görlitzer Bahnhof. Sonntags. rückfahrkarten bis Lübbenau, 4,30 M. Treffpunkt 7 Uhr, Eine gang Vorortverkehr. Gäste willkommen. # Bundestreue Athleten. Die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 E.. gründete am Sonntag in Tegel eine Schwerathletik- Abteilung, die sich sofort dem 4. Kreis( Brandenburg) des Arbeitere Athleten- Bundes Deutschlands anschloß. Die Abteilung hält ihrea Hlebungsbetrieb in der Turnhalle der Humboldtschule Tegel, GrafRödern- Corso, Dienstags und Freitags von 19-21 Uhr ab. An schriften sind an den Vorsitzenden F. Lange, Tegel, Beitstraße 25, oder an den Abteilungsleiter Otto Höhne, Tegel, Charlottenburger Straße 1a, zu richten. FEGB., Sportbezirk Ostring. Alle Eisläufer treffen sich Sonne Die Vormittage bringen die Materials, Eignungstagvormittag, 10 Uhr, auf dem Eislaufplatz im Friedrichshain, und Dressur Prüfungen mit ihren Entscheidungen, dann ist Echläger mitbringen. nachmittags nur eine furze, wenige Minuten in Anspruch nehmende Vorstellung der Sieger und Placierten notwendig, bei der sich das große Publikum immer noch orientieren kann. Nachmittags wird den Schaunummern größerer Spielraum als früher gelassen, abends treten die Jagdspringen in traditioneller Weise in ihre Rechte, begleitet von einigen besonders wirkungsvollen Schaus nummern. Auch die Bezeichnungen der Tage, die das später Gebotene bereits ahnen lassen, hat man vom Vorjahre beibehalten. Mit dem Tag der Jugend" beginnt das Turnier. Man merkt bereits, daß die Programme von Fall zu Fall eine Steigerung erfahren sollen. Junioren- Preis",„ Kinder Quadrille", Hindenburg- Quadrille", Gruppenspringen zu zweien, die Dressurprüfung der Klaffe L, sowie die Eignungsprüfung der Geschäftsgespanne sirid die großen Nummern dieses Tages. Für den Abend ist das Glücks- Jagdspringen, auch eine Neuerung, vorgesehen. Sonntag ist der Tag der Rotrödke", die Große Eignungsprüfung für Jagdpferde kommt zur Entscheidung. Außerdem wird der Bapfenstreich zu Pferde" zum ersten Male gezeigt. Es folgen dann die Tage der Reichswehr, der Damen, der ländlichen Reiter, der Mode, der Fahrkunst, der Senioren und schließlich der Tag der Championate. Gesagt soll noch werden, daß von zwei berühmten Programmnummern, das Hochspringen am Tage der Mode, der Große Preis der Ställe am Tag der Senioren zur Entscheidung gelangen. Sonst werden die Bezeichnungen der Tage allein genügen, um jedem flar werden zu lassen, was man zu sehen bekommen wird. Merkwürdige Leute. Kommen da auf unsere Redaktion zwei Arbeitersportler und beschweren sich darüber, daß wir am Donnerstagabend unter der Ueberschrift Warnung" behauptet hätten, die schweizeri. fchen Arbeiterboger, die gestern mit ausgefchloffenen Athletenvereinen gefämpft haben, seien nicht Mitglied der Soziali stischen Arbeitersportinternationale. Der Schweizer beteuerte immer wieder die Zugehörigkeit seines Vereins und seiner Mannschaft zur SASI. und erbat eine entsprechende Berichtigung. Der Artisten Verein Einigkeit Neukölln beschloß, dem Arbeiter- Athleten- Bund Deutschlands, 4. Kreis( Brandenburg) nach wie vor weiter anzugehören. Der Berein hält feine Trainingsabende Montags und Donnerstags im Eigenheim, Bereinshaus Einigkeit, Neukölln, Kirchhofstraße 41, Ede Wipperstraße, ab. Die Geschäftsstelle des 4. Kreises Brankenburg vom Arbeiter- Athleten- Bund befindet sich auch in Zukunft bei Frohne, Gubener Straße 59( Königstadt 4559). Arbeiter- Turn- und Sportschule Berlin. Die Berliner Arbeiter Turn- und Sportschule übt mit der Männer- und Jugendklasse jeden Montag von 20 bis 22 Uhr, mit der Knabenklasse jeden Montag von 18 bis 20 Uhr, mit der Mädchenschule jeden Donners Im tog von 18 bis 20 Uhr, sämtlich in Treptow, Bouchéstraße. Aufbau sind Klassen für Turnerinnen, Schwimmer und Schwimmerinnen. Teilnehmer melden sich beim Kreistechnifer Georg Gradle ,, Berlin- Weißensee, Mezstraße 86, Tel. Weißensee 3750, wo auch jegliche Auskunft erteilt wird. Der Sportgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontfämpfer ist es gelungen, ein Heim in der Rosenstraße 6 zu finden. Das Heim, das sehr gemütlich ausgestattet ist. steht jedem Mitglied täglich von 18 bis 22 Uhr zur Verfügung. Der Verein gibt lie Gewähr für gute Unterhaltung. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle C 2, Burgstraße 26, Norden 8903. Bundestreue Vereine teilen mit: Tolerant, wie Sozialdemokraten nun einmal sind, kommen wir dem nach, stellen aber gleichzeitig fest, daß die Schweizer ohne die Genehmigung ihres Landesverbandes und ohne Genehmi gung der Internationale sowohl in Rußland als auch jetzt in Deutschland Bortämpfe austragen. Sie werden in ihrer Heimat Kretsleitergung heute, Connabend, fält aus. Nächste Gigung Mitte Februar die Konfequenzen zu tragen haben. Bezirkskartell Kreuzberg. Die Bereine werden gebeten, zu der Vollver fammlung des Ortsausschusses für Jugendpflege und Leibesübungen im Bezic! Kreuzberg Montag, 20 Uhr, im Gesundheitshaus Am Urban, einen Vertreter zu senden. Freier Körpertulturkreis, Arbeitsgemeinschaft Berlin- Braudeuburg. Die Genauez Sermin wird noch bekanntgegeben.