BERLIN Montag 28. Januar 1929 Der Abend Erscheint täglich exfer Sonntag& Fugleich Abendausgabe des„ Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW68, Lindenfir.3 Spätausgabe des„ Vorwärts " 10 Pf. Nr. 46 B 23 46. Jahrgang. Ruzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezetle 80 Bf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Boffchecktonto: Vorwärts- Berlag G. m. b.., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Wirtschaft wünscht Festungsbau Sehnsucht nach Profit Amerika für den Antikriegspakt. Paris, 28. Januar.( Eigenbericht.) Nordfranzösische Handelskammern haben sich in einer Eingabe an den Kriegsminister Painlevé gewandt und. dringlich gefordert, daß auch die nordfranzö sische Grenze befestigt würde, um Ueberraschun. gen, wie im Jahre 1914, tünftig zu vermeiden. Painlevé hat geantwortet, daß die Befestigung der Nordgrenze in den großen Plänen der kriegsmäßigen Organisationen der französischen Grenzen miteinbegriffen sei. Allerdings sei die Durchführung dieses Planes von den finanziellen Möglichkeiten abhängig und deshalb würden die Festungsbauten der Reihe nach, je nach dem Grad der Dringlichkeit, vorgenommen werden. Man kann aber sicher sein, daß auch die Befestigung der Nordgrenze nicht vernachlässigt würde. Das Motiv hinter der Forderung der norbfranzösischen Handelskammern, daß die französische Grenze gegen Belgien durch Festungsbauten gesichert werden soll, ist die Aussicht, an den Lieferungen von Beton, Eisen, Holz und an der Ausführung von Festungs- und Befestigungsbauten gut zu ver dienen. Die Wirtschaft der nordfranzösischen Grenzgebiete foll durch den Segen friedenssichernder Befestigungen befruchtet werden. Das wirtschaftliche Profitinteresse bedient sich dabei der politischen Erinnerung an den deutschen Durch bruch durch Belgien vor 15 Jahren und sucht die internatio nale Lage so darzustellen, als ob es der Deutschland zum Zwecke der Grenzpolizei und dem Schutz der inneren Ordnung" gelaffenen Reichswehr militärisch möglich wäre, den Angriff des faiserlichen Millionenheeres zu wiederholen. Zu diesem Zwecke wird auch der Aufstieg der deutschen Arbeiterschaft zur politischen Macht verschwiegen und die psychologischen Sicherungen gegen einen Angriffsfrieg planmäßig entwertet, die darin liegen, daß die Verhütung des Krieges und das Verbot des Angriffstrieges durch Völkerbund und neues Völkerrecht planmäßig zu organisieren begonnen worden ist., Während das internationale Finanztapital auf den Verzicht auf den großen Krieg hinarbeitet, find die national gebundenen Kreise der Wirtschaft aus Sorge um ihren Verdienst bemüht, die Friedenssicherung nicht zu einer ,, Abrüftung" werden zu lassen. Die Festungsforderung der nordfranzösischen Handelskammern ist nur ein neues Beispiel dafür, wie im Augenblick des Kriegsverzichts des Finanzfapitals die national gebundenen Wirtschaftskreise die Aufrüstung betreiben. Der Staat von Weimar. Rede Geverings in Hamburg. Hamburg, 28. Januar. Bei einer öffentlichen Rundgebung des Reichs banners Schwarz- Rot- Gold sprach heute im überfüllten Saal des Hamburger Gewerkschaftshauses Reichsminister des Innern Gede: ring über das Thema„ Staat der Hohenzollern, Staat von Weimar". Minister Severing, von stürmischem Beifall empfangen, führte u. a. aus: Objektiv darzustellen, welche Leistung mit der Verfassung von Weimar vollbracht ist, das bleibt einer fünftigen Geschichtsschreibung vorbehalten. Aber schon heute tann gesagt werden, daß eine ge waltige Arbeit getan ist. Ein aus tausend Wunden blutendes Deutschland blieb aus dem Kriege zurück. Die Sieger fühlten sich nicht nur, fie betrugen sich auch als„ Sieger". Heute beraten wir mit ihnen gemeinsam über ein neues Europa. Heute ist eine wirtschaftliche Grundlage geschaffen, die zwar nicht dem Bilde entspricht, das Parker Gilbert entworfen hat, den Vergleich mit dem Lebensstandard anderer Völker aber ertragen fann. Das alles ist nicht zuletzt der Gesinnung zu danken, die vor mun fünf Jahren zur Gründung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold geführt hat. Durch das damalige Auftreten der Stahlhelmbewegung geriet, bas ift teine Uebertreibung, das ,, europäische Gleichgewicht" in Gefahr. Man wurde irre an der deutschen Republif. Das Reichsbanner hat dieses Gleichgewicht wieder hergestellt. Neue Störungsversuche werden solange untaugliche Mittel sein, wie der Wille besteht, sein Leytes für die Republik zu geben. Durch einen Zufall scheine ich berufen, dem Stahlhelm auf seine Kundgebungen stets eine schnelle Antwort zu geben. Go mar es rach der Botschaft von Fürstenwalde, so ist es heute nach der Tagung von Magdeburg, aus der zu entnehmen ist, daß der Stahlhelm fich ( Fortfegung auf der 2. Seite.) Jetzt haben die Vereinigten Staaten von Nordamerika den Kellogg- Antikriegspakt ratifiziert. Unser Bild zeigt den Präsidenten Coolidge beim Vollzug seiner Unterschrift im Weißen Hause. Neben ihm sind von links nach rechts der Staatssekretär des Aeußern Kellogg, Staatssekretär des Schatzamtes Mellon und Kriegssekretär Darvis zu sehen. Der Frost hält an. Es soll noch immer kälter werden. Bei der seif gestern zu verzeichnenden Milderung des starten Frostwetters handelt es sich nach einer Mitteilung des amtlichen Wetterdienstes nur um eine vorübergehende Erscheinung. Es find bereits wieder fichere Anzeichen dafür vorhanden, daß die Temperaturen erheblich zurüdgehen werden. In den lehten Tagen find, ausgehend von einer starken Mittelmeerdepression, einzelne fleine Teilstörungen nach Norden vorgedrungen, die in ganz Deutschland starte Schneefälle hervorgerufen haben. In der letzten Nacht sind auch in Berlin und Umgegend wieder zehn 3entimeter Neuschnee gefallen, so daß überall eine ziemlich einheitliche Schneedede von durchschnittlich 30 Zentimeter Höhe liegt. Die Drudflörungen gleichen sich jedoch allmählich aus, und da auch das Barometer start ansteigt, ist in kürze mit heiferem Wetter zu rechnen. Die augenblicklich herrschenden West- bis Südwestwinde werden nach Südoften drehen. Mit stärkeren Schneefällen ist vorerst nicht mehr zu rechnen. In Schlesien ist bereits Aufheiterung und gleichzeitig ein ffarter Temperaturfturz eingetreten. In Breslau wurden heute früh minus 14 Grad und in Posen minus 13 Grad gemessen. Berlin hatte heute mittag nur minus 2 Grad Kälte. Gefährlicher Wintersport. Zahlreiche Rodelunfälle.- Auf dem Eis eingebrochen. Das prächtige Winterwetter hatte am Sonntag Tausende in die Ausflugsorte hinausgelockt. Fast unübersehbar war die Schar der Sportler, die mit Robelschlitten und Stiern hinauszogen. Besonders Freie Hand für Morgan Christus ,, Wilhelm" start besucht war die nähere Umgebung des Müggelsees, und im Westen Berlins der Grunewald. Auf den vielen Rodelbahnen herrschte ein außerordentlich starker Betrieb. Im Laufe des Tages ereigneten sich überall Rodelunfälle, und eine größere Zahl Verunglückter, darunter viele Kinder, mußte mit schweren Knochenbrüchen und Kopfverlegungen in die nächstgelegenen Krantenhäuser gebracht werden. Ein tödlicher Unfall trug sich am Sonntag nachmittag auf dem Weißen See zu. Dort geriet der 40jährige Werkmeister Erich Günther aus der Trarbacher Straße 19 in Weißensee beim Rodeln an eine dünne Stelle und brach ein. Beim Rettungsversuch kam der 16jährige Gärtnerlehrling Emil Graß aus der Buschallee 110 in Lebensgefahr. Graß fonnte von mehreren Sportlern in Sicherheit gebracht werden. Sein Zustand war jedoch so bedenklich, daß G. von der Feuerwehr ins Krankenhaus Weißensee gebracht werden mußte. Die Leiche Günthers wurde einige Zeit später geborgen. * Während der Ausflugsverkehr auf den Straßenbahnlinien über den gewöhnlichen Sonntagsverkehr faum hinausging, wiesen einige Borortstationen der Reichsbahn Rekordzahlen auf, wie sie sonst nur an schönen Sommertagen zu verzeichnen sind. An der Spizze marschiert Friedrichshagen mit 44.000 Fahrgästen, es folgt Grunewald mit 31 000, Wannsee und Potsdam, sowie Nito lassee, mit je 12 000 Ausflüglern. Tod einer Hundertjährigen. Am 26. Januar ist in Reichenberg die 100 Jahre alte Beamtenwitme Karoline Jung gestorben. Ami 24. Dezember 1928 feierte sie im Kreise ihrer Söhne, Enkel, Urenkel und Ururenkel ihren 100. Geburtstag und war Gegenstand auch öffentlicher Ehrungen. Oer Staat von Weimar. „Chn'stus Wilhelm." Blasphemien eines Hofpredigers.- Ist Christus vor dem Kreuz davongelaufen? Di« Geburtstagsfeier in Doorn ist vorübergegangen, ohne daß die Mithaltenden sich ihrer Komik bewußt geworden sind. Um so mehr haben sie der Mitwelt Stoff zur Heiterkeit geliefert. Don H e r m i n e der Unebenbürtigen angefangen, die nicht mit der stolzen Verwandtschaft, von der sie sich verachtet weiß, am Tisch sitzen wollte, über den Schwärm der Gratulanten, der sich mit neu erfundenen„Orden" tätowieren ließ, bis zum Hofprediger Vogel, der seinen üblichen Byzantinismus zur Feier des Tages übertrumpfte. Römische Imperatoren ließen ihre Statuen in Tempeln auf» stellen und ihnen göttliche Ehre erweisen. Immerhin geschah das nur, so lange sie an der Macht waren. Wilhelm, der Ehemalige, läßt sich von seinem ehemaligen Oberhofprediger allen Ernstes als den modernen Jesus Ehrl st us feiern. Wobei es ohne Ordensverleiher Wilhelm. Zu seinem Siebzigsten hat Wilhelm „Orden" verliehen. Die Begnadeten(für sich): Berlin zn den Mostenbällen!" »Und nun- auf nach Beschimpfung des deutschen Volkes nicht abgeht, von dem Herr Vogel behauptet, daß es„innerlich zurzest oersllaot und entseelt wird und— da» ist das Traurigst«— Sklave sein will." Natürlich, ein Volk, das seinen Despoten davonjagt, beweist klar und deutlich seinen Hang zur Sklaverei! Doch vergessen wir nicht, daß der Davongelaufen« in den Augen seines Hafpredigers kein Geringerer ist als Jesus Christus.(Herr Vogel scheint der ganz modernen Hegemannschen Auffassung zu huldigen, wonach Christus nicht gekreuzigt worden sei, sondern sich der Kreuzigung entzogen habe. Anders ist der Vergleich mit Wilhelm nicht erklärlich.) Für die aber, die es nicht glauben wollen, sei der Wortlaut der Vogelschcn Predigt nach dem Hugenbergschen Leibvlall der Hohenzollern hier- hergesetzt: „Heute ist das Kreuz das gefeiertste Zeichen in der ganzen Welt. Aber der satanische Haß und die Feindschaft wider Christum sind dieselben geblieben. Bekenner, dieser Herold des Weil der kaiserliche l a u b e n s, aller Treue und Pflichterfüllung, dieser Pfleger oller Frieden»- und aller sozialen Liebe in der Welt der Exponent aller christlich germani- schen Tugenden und Ideale war, darum erhob sich ßain wider ihn wie einst gegen Abel, darum erhob sich Kaiphas gegen ihn wie einst gegen Christus. Die halbe Welt wurde zusammengebracht, weltumfassend wurde die Lüge aufgeboten. Der Mann, der sein LSjähriges Friedens- jubilöum gefeiert hotte, sollte der verruchte Schuldige des Krieges sein. Taufende von Geschützen brüllten wider ihn, Millionen wurden hingemordet— und es gelang! Damals kam Christus an das Kreuz. Kaiphas ließ sich am Abend des Karfreitag prächtig sein O st e r l a m m schmecken. Prächtig sein Osterlamm schmecken?— Nur wenig« Zeilen weiter lesen wir im gleichen Hugenbergblatt: Um von vornherein phantastischen Darstellungen über das Frühstück vorzubeugen, sei die Speisenfolge mitgeteilt. Es gab: Seezunge, Fasan, Erdbeereis und Obst. Das war alles. Das war alles! Danach war er doch Christus-Wilhelm, der sich sein Osterlamm prächtig schmecken ließ, und nicht der böse Kaiphas?! « PS. Nach sicheren Meldungen hat übrigens.Kaiphas" in Ge- stall des Königs von England an Christus-Wilhelm«in Glückwunschtelegramm geschickt. Damit wird die Sache immer verworren«?. Denn wo, Herr Hojprediger, steht im Neuen Testament geschrieben, daß Kaiphas dem biblischen Christus zu Auferstehung oder Himmelfahrt Glückwünsche übermittelt habe?! /.Ich möchte meinen Wilhelm wiederhaben." Die.Kreuzzeitung" füllt Seinetwegen vier ganze Seiten ihrer gestrigen Sonntogsausgabe. Sechs Artikel rühren an dos Herz der noch immer getreuen Untertanen. Schon die Usberschristen sind ein Labsal für Ihn und sein« Sekt«.„Der 7l). Geburtstag mi- feres Kaisers und Königs" heißt es dreispaltig über das Titelblatt: der königl. preuß. Generalmajor a. D. o. Rommes artikelt über: ,F>er Kaiser und die Armee": Im Namen des Kaiserlichen Marine windet v. Schröder. Kaiserlicher Admirol a la suite des Seeoffizierkorps wegen der Skagerakfchlacht„nie weltenden Lorbeer um des Kaisers stolzestes Lebenswerk", das gleiche Thema handelt Kapitän zur See o. D. v. Waldeyer-West ob, und schließlich erst Generalleutnant o. D. v. C r a m o n begeistert: Hell Kaiser Dir! Zum Schluß kommt er noch auf den„Vorwärts" und sagt aus treuem Herzen: „Ich glaube, es war der„Vorwärts", der mich, als ich einen Aufsatz über die Monorchie geschrieben hatte, öffentlich lächerlich zu machen suchte, indem er einen Artikel mit der Ueberschrift „Cramon will seinen Wilhelm wiederhaben" zum besten gab. Wenn der„Vorwärts" mich angreift, seh« ich dies immer als eine Ehr« für mich an, aber abgesehen hiervon, leugne ich nicht, und froar gestützt aus unsere gegenwärtig güllige Reichsoersas- u n g, die jedem deutschen«Staatsbürger seine politische Gc- innung garantiert, daß ich meinen Wilhelm wiederhaben will und brennenden Herzens seine Rückkehr herbeisehne." Die Berufung auf die verfassungsmäßig garantierte Gesin- nungsfreiheit ist in diesem Zusammenhang besonders hübsch. Wir können den guten Mann beruhigen,«r lebt nicht mehr in der Mon- archi«, wo jeder das Aug« des Gesetzes auf seinem Nacken drohend ruhen fühlte, das nicht die herrschende Meinung hatte, (Fortsetzung von der 1. Seite.) nicht etwa mit Veränderung oder Verbesserung der Verfassung be- gnügen will, sondern daß er ein Attentat auf die Vor- iassung von Weimar plant. Unsere Meinung über solch« Plane läßt sich damit ausdrücken, daß wir dem Stahlhelm raten, jenen B-rs des Lucherschen Trutzliedes nicht zu vergessen, in dem es heißt:„Mit unserer Macht ist nichts getan". Nicht was die Stahlhelmführer sagen, erregt uns so sehr, wohl aber, und das muß einmal ausgesprochen werden, wie evangelische Pfarrer bei diesen Kundgebungen auftreten. Ge- rode weil auch Reichsbannerkameraden zur Landeskirche stehen und wünschen, daß der evangelische Glaube Verbreitung im deutschen Volk findet, schmerzt es uns, daß die höchsten Glaubenssätze dieser Kirche: Liebe Deinen Nächsten und Du sollst nicht töten eben von Dienern dieser Kirche nicht respektiert werden. Severing schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf das in der Weimarer Verfassung geeinte Deutschland. Auch� an die Menge der vor dem Gewerkschaftshaus Wartenden, die keinen Ein- laß mehr in den Saal gesunden hatten, richtete Severing im An- schluß an die Versammlung eine kurze Ansprache. Todesstrafe im Rundfunk. Landsberg gegen Zapf. Im Rundsu nr begami am Sonntag, von der Deutsche Welle gegeben, der Zyklus der Aussprachen über aktuelle Themea. Als erstes Thema war die T o d e s st r a f e zur Debatte gestellt. Glcheim- eat Dr. Zapf sprach für ihre Beibehaltung. Genosse Otto Ländsberg für ihre Abschaffung. Herr Zapf muß für sein« eigenen Anhänger eine Riesenent- läuschung gewesen fein. Solche Geistesarmut im eigenen Lager hoben sich wohl auch die Befürworter der Todesstrafe nicht tr&rmen lassen. Herr Zapf operierte lediglich mit Mätzchen und Advodaten- knisfen. Daß an den Brennpunkten des Berliner Verkehrs un- schuldige Leute überfahre» werden, ist für Herrn Zapf ein Grund, daß man sich um die paar Hingerichteten nicht zu kümmern brauche! (Um die Ueberfahrenen dürfte er sich allerdings auch nicht kümmern.) Die Qualen des Menschen, dem sein Tod haargenau auf Stunde und Minute vorbcstimmt ist und für den es keine Aussicht aus Entrinnen gibt, tut Herr Zapf mit der Bemerkung ab, daß auch Menschen an Krebs oder Tuberkulose qualvoll sterben. Davon, daß eine gütige Natur den Totkranken chre wahre Situation verschleiert, hat Herr Zapf vsftnbar noch nichts gehört. Und was weiß Herr Zapf da» rauf zu erwidern, daß die Hinrichtung eines Unschuldigen eine grauenvolle und irreparable Tat ist? Herr Zapf versichert„äuf Ehrenwort", daß so etws noch nie in Deutschland vorgekommen sei und auch nicht vorkommen würde! Es war eine Erlösung, nach diesen Phrasen die klugen und warmherzigen Ausführungen des Genossen Landsberg zu hören, Wenn Landsberg auch durch eine stimmlich« Indisposition gehemmt war, so stand doch der Gedankengang seiner Ausführungen aus einer völlig anderen Ebene als die Zapffche Advokatendialektik. Als Landsberg am Schluß seiner Red« die von Zapf geleugnete Fülle der Fehlurteile in Kapitalsachen aufmarschieren ließ. dürste wohl kaum ein Hörer von der erschütternden Wirkung dieser Tatsachen unberührt geblieben sein. »Coolidge nicht gegen Dorsih. ifouug und Morgan können Sachverständigenberatungen leiten. Washington. 28. Januar. Zu der Meldung der„New York Tribüne", Owe» D. Boung habe die Alliierte» und Deutschland davon der» ständigt, daß sowohl er wie auch Morgan den Borfitz im Sachverständigenausschuß ablehne« würden, und zwar auf Wunsch des Präfidenten, der befürchte, daß man die Bereinigten Staaten für die Entschlüsse des AusschufieS. wie immer sie auch ausfallen mögen, verantwortlich halten könne» wird dem Vertreter des W. T. B. in Regie- rungskreisen auf daS b e st i m m t e st- v e r s i ch e r t. daß Präsident Eoolidge weder den Reparationsagenten Parker Gilbert noch die erwählten amerikanischen Lach- verständige« Poung und Morgan irgendwie instruiert oder berate« habe. Der Präsident sei vielmehr auch hierin scinrcn wiederholt betonten Grundsatz der Nichtein» Mischung treu geblieben und habe es ganz Houngs Er» messen überlassen, ob er den Vorsitz übernehmen wolle oder nicht. Es sei natürlich möglich, daß Bouug Bedenken trage, als Vorsitzender des Ausschusses seinen Namen mit der künftigen Gestaltung der NeparationS- frage identifiziert zu sehe«, aber soweit man hier wisse. sei die Frage des Vorsitzes nicht entschieden. Oldenburg-Zanuschau klagt. Er will nicht„?Wpel" genannt Verben. Der Dichter Herbert Eulenberg war vom Schössen- gericht zu 200 M Geldstrafe verurteilt wegen Beleidigung des Gutsbesitzers von Oldenburg-Iatzu schau in Ianuschau bei Rosenberg(Westpreußen). Herbert Eulenberg hat nämlich ein Buch über dir Hohen- zollern geschrieben: aus der Seite 406 heißt es da unter anderem: „Der Reichstag galt ihm(natürlich Wilhelm II.) nur als eine Quasselbude. Und die Aeußerung eines oft elbischen Rüpels, der Kaiser dürste diesen Volksstall jeden Augenblick von einem Leut- nant mit zehn Soldaten schließen lassen, war ihm ganz aus der Seele gesprochen." 1 ♦ Selbstverständlich fühlte sich durch den„Rüpel" Elard von Oldenburg- Ianuschau getroffen, da er es ja gewesen war. der am 29. Jammr 1910 als konservativer Abgeordneter von der Tribüne des Reichstags diesen Ausspruch getan hatte. Also strengte er eine Beleidigungsklage an. Das Gericht verurteilte Eulenberg wegen formaler Beleidigung, denn unter Rüpel sei nach dem Sprach- gebrauch ein Mensch ohne Manieren zu verstehen, der Leute auf der Straße anrempele. Das könne man von dem Kammvrherren, der jetzt 71 Jahre alt sei. nicht behaupten. Herbert Eulenberg erklärte heute vor der Berufungsinstanz, daß es ihm vollkommen ferngelegen habe, dem alten Herren irgend- wie nahezutreten. Das Wort Rüpel sei auch gar nicht böse ge- meint. Es sollte nur eine historische Tatsache festgestellt werden. Und wenn er den berühmten Ausspruch des Herrn von Ol? enburg- Ianuschau z. B.„rüplig" genannt hätte, was für ihn als Republi- �imer eine Selbstverständlichkeit wäre, so hätte er wohl nicht wegen ' Beleidigung belangt werden können, weshalb denn wegen des Aus- drucks Rüpel? Rechtsanwalt Dr. Alsberg führte in seiner Verteidigungs- rode eine große Anzahl Zeitungsblätter aus jener Zeit, unter an- he rem den„Simplizissnnus" vor. Wenn Oldenburg-Ianuschau in all dem, was dort geschrieben steht, kein« Beleidigung erblickt und keine Klage erhoben habe, so liege tatsächlich kein Grund vor, sich über das unschuldige Wort Rüpel aufzuregen. Der Anwalt Oldenburgs pries dagegen seinen Mandanten als großen Geist und hochgebildeten Mann. Wenn er früher nicht ge- klagt habe, sei es seine Sache. Er brauch« sich aber nicht einen I Rüpel nennen zu lassen. ' Die Berufungsinstanz ließ es beim ersten Urteil: also 200 M. Geldstraf«, Unbrauchbarmachung der in Frag« kom- Menden Stellen und Publikationsbefugnis in zwei Blättern— alles wegen de» Wortes„Rüpel". Wie hübsch hatte es doch in dem von Dr. Alsberg zitierten„Simplizissimus" geheißen:„Wenn bei dem Herrn von Oldenburg das Innenleben gärt, läßt er getrost von oben her, was sonst retour entfährt." Amanullah wieder König? Reuer Kampf um den Afghanenthron. eondon, 28. Januar.(Eigenbericht.) Die hier aus Kabul eingetroffenen Meldungen sprechen über- einstimmend von neuen Kämpfen um die Herrschaft in Afghanistan. Aus allen Teilen des Landes sollen große Scharen im Vormarsch gegen den Usurpator Vacha Saquao begriffen sein. Man betrachtet auch in hiesigen unterrichteten Kreisen seine Tage als ge- zählt und rechnet mit einem endgültigen Siege Aman- ullahs. Wahrscheinlich werden schon die nächsten Tage ein« Ent- scheibung bringen. parieiiag in Krankreich. Barenne wieder aufaenommen Paris, 28. Ionupr.(Eigenbericht.) Eine Reche von Provinzverbänden der Sozialistischen Partei hat sich am Sonntag mit den bevorstehenden Kommunal- wählen in Frankreich befaßt. Die Sozialisten werden voraus- sichtlich allgemein, wie bei den letzten Wahlen, im ersten Wahlgang ihre eigene n Kandidaten ausstellen und im zweiten Wcchlgang mit den übrigen Linksparteien zusammenarbeiten. Am 2. und 3. Februar findet in Paris ein Parteitag statt, der die Wahltattit der Parteien endgültig festlegen wird, y Von den gestrigen Parteitagungen ist der des Parteiverbandes Pvy da Dome besonders zu erwähnen. Hier wurde beschlossen, den Abgeordneten Lw renne, den früheren Gcneralgoüoerneur von Indochina, wieder in die Partei aufzunehmen. Barenne war aus- � geschlossen worden, als er den Gouvernsurposten ohne ausdrückliche j Billigung der Partei annahm.| Oos Kreuzerprogramm der Kaschisten. Sechs 10 000-Tonnen-Schiffe. Rom, 28. Zaauor.(TU.) Die italienische Regierung pfleg> ihr Rlarinebauprogramm stets von Jahr zu Jahr festzustellen, im Gegensah zu den anderen Staaten. die ihr Programm auf fünf bis zehn Jahre ausdehnen. Gewöhnlich erfolgt die Bekanntgab« der neuen Laupläne allerdings erst zu Beginn der Kammer. Diesmal ist man also einige Monate früher mit dem Programm an die Oeffeutllchkeit getreten. Von neranlworMcher Seite wird daraus hingewiesen, daß die Reubauten nicht» außergewöhnliches, nur eine normale Forlsehung des bisherigen Programms bedeukelen. Italien wird hiernach, von den Torpedo- und Unterseebooten abgesehen, im Jahre 1932 sechs Kreuzer zu 10 000 Tonnen und sechs Kreuzer zu 5000 Tonnen sowie zwölf Torpedoboote haben. Die Kommentare der italienischen presse zu dem neuen Flotten- Programm find verhältnismäßig mehr oder weniger gleichlautend und zweifelsohne als halbamtlich zu betrachten. Die.Tribuna" hebt hervor, daß die von Mussolini in seiner Antwort aus das engllsch-sraazösische Flollenmemoraodum aufgestellte Formel be- stehen bleibe, nach der Italien immer bereit sei. die gewünschte Gesmntsummenzahl anzunehmen, wenn sie nur auch von den übri- gen europäischen Mächten befolgt würden. Das neue Schlffebau- programm Italiens bleibe weit hinler den Bauten der Bereinigten Staaten und den methodischen Erweiterungen der eng- tischen Flotte wie dey sich ständig steigernden Bauten Frank- reich» zurück. Do» italienische Bauprogramm komme kaum rechtzeitig. um eine schwere llnterlegenhelt der italienischen Flotte zn verhindern. Der durch das Washingtoner Abkommen zage- st a n d e u e Tonnengehalt werde auch durch das neue ltalienssche Bauprogramm noch nicht erreicht. Autounglück in Wannsee. Ein Toter, ein Schwerverlehter. In W a n n s e e ereignete sich heute früh ein schweres Auto- unglück, das ein Todesopser forderte. Beim Durchsahren der Königstroße kam der ZOjährig« Kaufmann Horst Zierlein aus der Großen Secstraßc 19a mit seinem Wagen auf dem vereisten Fahrdamm inz Schleudern und raste mit voller Gcschwindigkcil gegen einen Baum. Das Auto ging völlig in Trümmer. Der vordere Tell hatte sich derart in den Baum»ingekeilt, daß es der alarmierten Feuerwehr erst nach einiger Zeit gelang, die Leiche Zier- leins herauszuziehen Auch der Insasse, ein Kaufmann Richard Holz aus Wannsee, der im Wogeninnern mitfuhr, erlitt lebens- gefährliche Verletzungen. Er fand im Sanatorium Waldfrieden Aufnahme. Die Reaktion un Von Kur Der Zeitgeist war zu ollen Zeiten etwas, das zu bekämpfen des Schweißes der Erbpächter aller Tugend wert war. Nicht nur heute, da man republikanische Geistesfreiheit verdächtigt, zersetzende Ten- denzen in den Strom der Zeit zu gießen. Zu ollen Zeiten hat eine neue Generation versucht, au» Perioden des Rückstands die dumpsige Luft verstaubter und antiquierter Schicklichkeitsbegrifs« hinauszu- lasten. Und immer wieder war eine Reaktion geschäftig, weinerlich auf ihre Zeit zu sehen und ob einer vermeinllichen Sittenentartung den Untergang der Notion zu beklagen. Wie gesagt, das ist nicht nur heute so, daß eine reaktionäre Geisteswelt mit dem ätzenden Gift ihres Moralinfläschchens auf Theater, Literatur und alle andere Kunst einer neuen Generation auszuschütten versucht, daß sie mit der Waffe des Gotteslästerungsparagraphen«ine göttliche Idee klein- bürgerlich und mittelalterlich verteidigen zu müssen glaubt.... Und da ist es nicht uninteressant, auf ein« kleine Denkschrift an den Reichs- tag des Norddeutschen Bundes hinzuweisen, die sich emgehend mit der damaligen öffentlichen Sittenlosigkeit besaßt. Wie, fragt man sich, Sittenlosigkeit im Jahre des Heils 18 6 3, also zu einer Zeit, da fürstliche und königliche Gnadensonne über dem Volk leuchtete und dieses weder von dem zersetzenden Geist des Judentums noch republikanischer Freiheitsträum« angekränkelt war? Dieses Schriftchen ist ausgefertigt von dem Zentrolausichuß für die inner« Mission der deutschen evangelischen Kirche, und viel« erlauchte Geister haben sie unterschrieben, als da sind Staatsminister, General- leutnants. Hofprediger und Geheime Oberfinanzräte. Also daß auch alles wahr sein mutz, was darin geschrieben steht. Die Petition beginnt mit der bedauernden Feststellung,„daß Mächte der Sittenlosigkeit im deutschen Volk Raum gewinnen, durch welche sein unschätzbares Erbe, das Heiligtum der Familie, in Gefahr steht, geschädigt zu werden". Und weiter lesen wir,„daß Norddeutschland noch«in reiches Capital edlen und reinen Familien- lebens beherberge, daß dieses Capital aber bedenklich geschmälert werde, wenn sich die berufenen(!) sittlichen Kräfte nicht zu ener- gischer Gegenwehr ermannen". So schrieb man in königlicher Zeit vor 63 Jahren, und man kann nicht sagen, daß wir es heute in irgendeinem reaktionären Blättchen anders lesen. Also muß man mit der Laxheit eines modernen Menschen schließen, war immer eine Verdorbenheit oder es war niemals eine Derdorbenheit, oder aber, was mir wahrscheinlicher dünkt, sie ist da, wie sie uns von dem Sündenfall mitgegeben ist, als freudigster Nährstoff der Reaktion. Auch in der vorliegenden Eingabe bemächtigt sie sich recht inten- sio der Einrichtung der Prostitution, die hier die gerecht« Ber- dammnis erleidet, dann aber wird der Moraltübel mit kühnem Schwung über den Varietes,„den glänzendsten Stätten der Lieder- lichkeit", entleert. Gleichzeitig verzeichnen wir aber mit innerer l> die Sittlichkeit. Freytag. Genugtuung, daß auch damals der Bürger über die Moralbchlltung seitens der Polizei und anderer höchst tugendstrenger Institute nicht sehr erbaut war, denn die Denkschrift klagt bitter, daß die Polizei in dieser Beziehung sehr wenig Unterstützung und Anerkennung beim Publica fände. Wir aber stehen nicht an, dem damaligen immerhin in der Devocheit vor einer hohen Obrigkeit erzogenen Publica unsere Anerkennung auszusprechen. Auch das Theater ist der Denkschrift ein Dorn im Auge, und was sie über die entsittlichende Wirkung der Berliner Theater zu berichten weiß, ist uns nichts Neues, denn die Druckerschwärze serviert es uns Zeitgenossen aus dem Munde volksrettender und-beglückender Blätter alle Tage. Bis m die genaue Formulierung hinein geht die Aehnlichkeit des Textes, und es wäre schade, sich die Wiedergabe zu versagen, selbst auf die Gesohr hin. das soeben in einem Plädoyer, in einer Eingabe, in einem völkischen Leitartikel gelesen zu haben. Es heißt da also,„daß es alltäglich— 1869— geworden sei, daß die Heillgtümcr der Sitt- lichkeit gegen die der pikanten Unterhaltung völlig oerschwinden» ja daß es keine Seltenheit mehr sei, daß die Heiligtümer der Sittlich- keit wie der Religion verhöhnt werden.(Im königlichen Jahr 1869.) Und— ich zitiere noch immer die Denkschrift des republikanischen Jahres 1869— weiter sei diejenige Ofsenbachsche Operette, die mit frivoler Lust den Ehebruch feiere, auf einer Bühne mehr als 220mol zur Aufführung gekommen". Sonderzüg« mutzten abgelösten werden, um den auswärtigen Eiferern der Unsittlichkeit den Besuch dieses Stückes zu ermöglichen. Das war also damals, als nach der Mei- nung aller wahrhaften Patrioten die gute alte Zeit war. Da wir aber immer noch recht zahlreich beieinander sind, scheint das böse Beispiel Offenbachs zur Nachahmung nur wenig gereizt zu haben. Auch die Togespresse, vor allem solche, die„vorzugsweise in den arbeitenden Schichten Berlicks gelesen wird", bekommt ihr Teil, da sie„einer unsauberen Literatur verdächtig sei, die von einer gewissenlosen Spekulation produziert und verbreitet wird". Daß ebenfalls die Bergnügungs- und Genußsucht der unteren Stände gegeißelt wird, vervollständigt nur das Bild, daß nur die Zeiten sich ändern, aber die Menschen nur wenig. Und daß die Reaktion zu allen Zeiten geschäftig war, den Geist«inzufangen und die vitalsten Bedürfnisse des Menschen, seinen Hunger nach Erkennt- nis und sein Ausleben im Menschtum— der Erotik— zu unterdrücken. Das zeigt diese kleine Schrift, und nicht nur dies«, sondern die einer Menschheitsgeschichte. Und auch ein kleiner Trost liegt darin— auch für die Moralschwangeren—, wir sind nicht schlechter. aber auch nicht besser. Was sich zeigt, daß unser Kampf gegen die Kulturreattion noch nicht beendet ist, daß er immer wieder auflebt— der Kampf gegen die Unduldsamkeit, die der Ausdruck ist— innerer Schwäch«. Einbrecher als Gefchästsinhaber. Er verkaufte sein« Beute im eigeneu Laden. An drei verschiedenen Stellen begannen heut« früh die Verhandlungen gegen berüchtigte Ein. und Ausbrecher, denen ganze Serien von Geschäft», und wohnnngseinbrüchen zur Last gelegt werden. Die interessanteste Persönlichkeit ist der Zvjährige Kaufmann Erich Arnoldt, einer der gefährlichsten Einbrecher Berlins in den letzten Jahrzehnten. Arnold: hatte sich heute, zusammen mit feinen Einbrecherspießgesellen, dem Dreher H a n u j k y und dem Techniker B e h r e ns wegen inehrerer Juwelendiebstälste, bei denen G oldwarengef chäft« ausgeplündert wurden, zu verantworten. Alle drei Angeklagten sind schon schwer vorbestraft. Der Angeklagte Arnoldt ist ein schmächtiger, blonder Mann, der in den Zwischen- pausen von einem Einbruch zum anderen als Gentleman in Luxus- lokalen sich bewegte. Er benutzte auch einen adligen Namen, der schließlich zu seiner Festnahme in Breslau führte, nachdem er mit den beiden anderen Mitangeklagten einen Einbruch in ein Juwelen- gcfchöft in Dresden verübt hatte. Dort mußten die Einbrecher aber ohne Beute abziehen. Hanufty hatte dos �Künstlerpech", beim Ausräumen des Schaufensters mit seiner Hand an die Scheibe zu geraten, wodurch die Alarmsignale in Bewegung gefetzt wurden. Mitungektagt sind ine Hehler Arnvldts, der Uhrmacher Aron Waletzti, der schon wegen Hehlerei mit Zuchthaus vorbestraft ist. fein polnischer Landsmann Joel Altmann und die Juweliere Max Biermann und Josef Link. Gegen die zwei Hehler wurde das Verfahren ab/ brennt. Auch«in weiblicher Anhang der nauptongekiagten mußte ruf der Anklagebank erfchehren, darunter die Bardame Moria Gries«!, die schon wegen Begünstigung Arnoldt? und wegen Diebstahls und Hehlerei vorbestraft ist. Arnoldt hatte bis 1927 ein Domenkonfektions- und Wäschegeschäst am Bayerischen Platz betrieben und die Vevmutung geht dahin, daß er dort das Diebesgut aus seinen eigenen Einbrüchen zum Verkauf ge- bracht hat. Dos Geschäft wurde eines Nachts gänzlich ausge- raubt, vermutlich von dem Geschäftsteilhaber Arnoldts, der auch ein Einbrecher ist. UÄ>er seinen Lebenslauf verweigerte Arnoldt jede Angabe. Dagegen war er geständig, mit den anderen zusammen die Einbrüche in zwei Juwelcngefchäften Berlins, nämlich in der Bismarckstraße und der Kantftraße sowie einen Geschäflseinbruch in Schö-nederg verübt zu haben und er gab auch den nächtlichen Besuch in Dresden zu. Die Deut« habe er zu Woletzki gebracht. der«in Zigarren- und Zigarettengeschäft betrieb, aber in einem Hinterzimrner eine Ankauf sstell« für Juwelen und Gold fachen hotte. Der Einbrecherbande Arnoldts legte die Krimi- nalpolizer noch ein« groß« Füll« von Einbrüchen zur Last, jedoch sind die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen, nur in einem Fall« ist bereits nachträglich gegen Arnoldt Anklage erhoben worden. Das Urteil wird erst am Mittwoch gefällt werden. Dem Großen Schöffengericht Berlin- Mitte wurde der Ein- und Ausbrecher Friedrich Wilhelm B e r g e m a n n, der in seinen Kreisen den Spitznamen„Dr. M a b u s e" sührt. aus dem Zuchthaus in Brandenburg zur Aburteilung vorgeführt. Bergemann batte erst im Dezember vom Schöffengericht Charlottenburg drei Jahre Zuchthaus erhalten und Hot sich jetzt wegen neun weiterer größerer Einbrüche zu verantworten. Er verbüßte in Brandenburg eine länger« Zuchthausstraf« und verstand es, sich auf ganz eigen- ortig« Weise„Urlaub" zu verschaffen. Er ließ sich nämlich van Mit- gefangenen rn eine zum Transport bestimmt« Kiste einnageln und als Gepäckgut aufgeben. Bis zu feiner neuen Festnahme im Herbst 1928 hat er Einbrüche in Unzahl verübt. Bergemann wird noch eine Rundreise durch halb Deutschland antreten müsien, da er von verschiedenen Staatsanwaltschaften oerfolgt wird. Heute war Berge- mann in vollem Umfang« geständig, und er erhielt von Amtsgerichts- rat Wartenberger eins weitere Strafe von drei Iahren Zucht- haus, fünf Iahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht zudiktiert. Bor dem Schwurgericht I begann die Verhandlung gegen einen ebenfalls vielfach vorbestraften Einbrecher gefährlichster Sorte, den Schlosser Walter Müller. Dieser wurde, als er nach einem Gefchästseinbruch in Moabit nachts zwei vollgepacktc Koffer weg- schaffen wollte, von einem Schupowachtmeister angehalten. Er zog einen Revolver und schoß aus den Beamten, zum Glück ohne zu treffen. Müller, der von Rechtsanwalt.Harry Pinkus verteidigt wird, hat sich wegen versuchten Totschlages unter schwersten Bedin- gungen und schweren Diebstahls zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Müller 1 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Sin 5 renndschaft»vertrag zwischen der Sowjetunion und dem Zewen ist vom Zentralexekutivkamite« der Sowjetunion ratifiziert worden. DirfflM) ist die Spälausgabe des„vorwärts". Das Blatt ist bei den Slraffenhändlern. an den Zeitungskiosken und in den Bahn- hofsbuchhandlungen zum Preise von 10 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement de» „vorwärts", dessen Lesern der„Abend" ohne besondere Vergütung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts" und„Abend", von denen 12 Rümmer» wöchentlich erscheinen, kosten zusammen nur SS Pf. die Woche oder Z.S0 21t den Mona». ; Ich abonnier» den.Vorwärts"«und die Abend-< 5 ausgab« für Berlin.Der Abend") mit den illustrierten Bei-< > lagen.Volk und Zeit" und»Kinderfreund", sowie den Bei-< > lagen.Unterhaltung und Wissen"..Frauenstimme"..Technik".< 5.Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Vorwärts" in Groß-? I Berkin täglich frei ins Haus 5 tMonatlich 3,63 Mk.. wöchentlich 86 Pfg.l> < Name———----——-——? > Wohnung-....... 1" i.........< ?■ Nr__\ < oorn- Hot— Qvorgeb.— Seitrnsl.— Zt. link,— recht, 5 < vet--------; Aussüllen und einfeudeu au den Verlag des„Vorwärts". Berlin Sw SS. Linden straffe i. „Bauernrevolution" im Bachsaal. Konzert des Berliner Schnbert-Ehors. Der Berliner Schubertchor gibt Sonntag nachmittag sein Konzert im drchtbefetztcn Bachsaal. Die erste Hälft« des Programms, das mit Männerchören von Schubert beginnt— womit sonst könnte und sollt« es wohl beginnen?—, endet mit gemischten Chören von Orlando di Lasso. Also Musik der näheren und ferneren Vergangenheit. von Arbeitern gesungen, sehr gut gesungen, wie wir kaum hinzuzufügen brauchen, Vollmusik aus dem großen Besitz der All- gemeinheit. Die zweite Hälfte, unmittelbar in die Gegenwart vor- stoßend, bringt, was erst in dieser Gegenwart zu entstehen beginnt: Arbeitermusik. Nicht von einem Arbeiter, doch für die Welt des Arbeiters, aus seinem Gefühl, seinen Borftellungen geschaffen. Hanns E i s l e r heißt der Komponist, er kommt aus dem Lager des radikalen Fortschritts. Man hat einen Teil dieser neuen Sachen übrigens schon einmal gehört: in einem Konzert der Internationalen Gesellschast für neue Musik kennzeichnenderweise, im Meistersaal, im engsten Kreise der Fachwelt: auch damals trat die Sängerin Margot Hinnenberg- Lefebre dafür ein.„Die Idee", stand damals im„Borwärts, „ist neu, die Idee. Alltag der Borstadt, des Hinterhauses, der Kleinen, Armen und Gedrückten unmittetdar in Lyrik umzusetzen. Hier ist ein neuer Wille, hier ist vielleicht etwas Neues im Werden: nennen wir es versuchsweise: Proletarische Romantik." Nun also erklingt diese proletarische Romantik vor dem Publikum, das ihr— und dem sie zukommt;.Leitungsausschnitt«" nennt es der Kam- ponift,»er zugleich sein eigener Textdichter ist. Aber Stärkeres, Singenderes als in diesen Sologesängen gibt er in den Chorstücken, deren Uraufführung wir erleben. Da ist«in Lied der Arbeitslosen „Kleine Anfrage".„Wenn du kein« Arbelt hast, darfst du stempeln gehen. Wenn du kein« Wohnung hast, geh spazieren. Wenn du nichts zu fressen hast, freu dich, wie's den andern schmeckt. Wenn du nicht gesund bleibst, werde einfach krank.. Roch nie sind wohl solch« Worte, ist solch«in Text, Hunderttausenden aus der Seele gedichtet, in solch« Musik gesetzt, solcherart gesungen worden. Nie sind Dichter. Musiker, Sänger, Hörer sozusagen sich so einig gewesen. Sie sind es hier, weil die Sprach« des Musikers jeden überzeugt. Trotzdem, dessen zwingende Kraft stammt hier au» dem Wort— jedenfalls mehr aus dem Wort als eigentlich aus der Musik. Aber da ist das letzte Stück des Programms:„Bauern- r e v o l u t t o n". Verse aus dem 16. Jahrhundert, ohne Zweifel in den Zeiten des Bauernkrieges entstanden. Bauernrevolution, Bauernkrieg— nicht Landbundrevolte. Diese» Chorstück,«cht und stark inspiriert, ist ein ganz großer Wurf, und der Männerchor, von Karl R a n t l. dem Chovdirektor der Republitoper, mit Zklem- pererschem Fanatismus geführt, bringt es zu unerhörter Wirkung. Der Bachsaal tobt._ k. p. „Die Nacht vor dem Beil." Alfred Wolfensteins Uraufführung am Erfurter Siadttheaier Dos Zeittheater hat seinen ersten entscheidenden Sieg auch in der Provinz errungen. Wer Zeuge des jubelnden Beifalles war. mit dem dos Erfurter Publikum das Wolfe nstemsche Tendenzdrama gegen die Todesstrafe aufnahm, der weiß, daß da, heutig« Drama die Pflicht hat. seine Stoffe aus der Zeit zu nehmen. Wolfenstein greift die Sinnlosigkeit der Todesstrafe an und plädiert für ihre Beseitigung. Dieses Drama, in einem Moment auf die Bretter gebracht, wo im Reich-tag die Linksparteien für die Abschaffung dieser mittelalterüchen Ueberveste der Folter plädieren, hat doppelten Wert. Die letzten acht Stunden eines zum Tode Berurteilten werden geschildert. Iank, der Mörder, wartet auf sein« Hinrichtung. Unten an der Gefängnismauer stehen die Angehörigen seiner Opfer, um der Hinrichtung des Feindes beizuwohven. Der Loh« des Richters. der das Urteil gesprochen hat, kommt zufällig am Gefängnis vorbei. Er wird Zeuge der Lebensbeicht« des Mörders. Verhungert und erfroren hatte Iank in einem Ballsoal um etwas Brot und Be- schästigung gebeten. Mit Hunden hotte man ihn au» dem Saal gehetzt. Da kam der Zorn über ihn ob dieser Erniedrigung, er zündete das Ballhaus an und fünf Menschen kamen in den Flammen um. Di« sozialen Verhältnisse haben ihn zum Mörder gemocht. Abel erkennt, daß Recht und Gerechtigkeit zweierlei sind. Er ver- sucht, der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Vergeblich bittet er seinen Aater, den Richter, um Gnade für den Verurteilten einzu- kommen, erfolglos sucht er den Iustizminister zum Eingreisen zu bewegen. Di« letzte Hoffnung bleibt der Scharsrichter. Er hält ihm dos Schändliche seines Berufes vor. Als er auf kein« Gegenliebe stößt, versucht er mit vorgehaltener Pistole, den Henker an der Ausübung seines Berufes zu hindern. Di« Gehilfen des Henkers entreißen ihm die Waffe. Die Zeit ist verstrichen, die Uhr schlägt fünf, der Mörder wird hingerichtet. Abel ober weiß, daß«r von nun den Sinn seines Lebens im Kampf für die Gerechtigkeit zu sehen hat, die gebietet, daß Mord nicht wieder mit Mord geröcht wird. Das Publikum stand im Bann der Dichtung und jeierte den Dichter stürmisch, der immer wieder mit dem Intendanten Maisch, der für«ine ausgezeichnete Aufführung gesorgt hotte, vor di« Rampe muht«. W. B. „Durch Nacht zum Licht." Ein Werbefilm der Bergarbeiterorgonisation. Die Arbeiterbewegung beginnt sich mehr und mehr des mäch- tigsten modernen Werbe- und Leronschaulichungsmittel», des Filmes, zu bedienen. Alle ihre mannigsochen Zweige haben schon Versuche auf diesem Gebiet« gemacht. Der Verband der Bergbouindustriearbeiter Deutschlands hat jetzt aus Anlaß seines vierzigjährigen Bestehens den Schicksalswcg der deutschen Bergarbeiter im Bilde geschildert und das mächtige Anwachsen seiner Organischion an der Gegenüberstellung von einst und jetzt darstellen lassen. Als der Film in mächtigen Akkorden am Sonntag mittag im„E a p i t o l" ausklang und die Massen- aufzüge und Massenversammlungen der Bergarbeiter im Film aufs eindruckoollste die vorwärtsdrängende Kraft der Bewegung demon- strierte, da erscholl lauter Beifall. Der Film hatte gezündet! Ein Propagandasilin, der gewerkschaftliche Ziele und gewerk- schastlichen Ausstieg verdeutlichen will, ist natürlich nicht mit den Maßstäben eines Unterhaltungsfilmes zu messen. Trotzdem braucht auch er nicht langweilig zu sein. Unser Film bringt— ganz ab- gesehen von seiner hervorragenden kulturellen Bedeutung— in der Fassung des Regisseurs Friedrich Schultz« eine Meng« in- teressanter Bilder aus dein Leben der Organisation und der Bergarbeiter selbst. Freilich, die Arbeit unter Tag wird nicht geboten: die Unternehmer haben das nicht zugelassen. Aber das Land der schwarzen Diamanten mit seinem dichten Gefüge von eisernen Masten. Schornsteinen, Berg- und Förderwerten, dieses Herz der deutschen Industrie, ersteht höchst lebendig vor unseren Augen. Das ungeheure Wachstum des Bergbaues und in seinem Gefolge di« Berstlaoung der Arbeiter, ihre Not. die Maßregelung der ersten Organisatoren und dann das Emporschnellen der Bewegung noch der Audienz der Kaiserdelegierten im Jahre 1889, Rückschläge und langsamer organischer Ausstieg der Bewegung bis weit über die 233 333 Mitglieder hinaus— wahrlich, das ist spannend genug. Der Film ist in Form eines Bortrages des Derbandsvorsttzneden Husemam, aufgebaut. Wäre der Tonfilm schon ausgebaut, so könnt« der Text durch das tönende Wort ersetzt werden. Geschickt gemachte Trickzeichnungen setzen nüchterne Zahlen in Bildform um und helfen sie besser einprägen. Troll aller Freud« am Erreichter. die den Film erfüllt, zeigt die Entwicklungskurve deutlich, wie' noch zu tun ist, um die Bergarbeiter ans Ziel zu bringen. «mkovf' I Ein Narr... der sein Nest beschmutzt. Die KPD. verkündet einen Oppositions sieg im Dach bederverband, d. h. dessen Berliner Ortsverwaltung. ,, 211e Berliner Dachdecer arbeitslos trumpit die Rote Fahne" in der Unterzeile ihrer Balfenüberschrift, als ob nicht in jedem Winter bei Schnee und Frost die Dachdecker samt den Bauarbeitern feiern mußten. Der Vorsitzende Stolzenheim erklärte überdies ausdrücklich: durch den strengen Winter sind alle Kollegen arbeitslos geworden. An den sachlichen Geschäftsbericht redete der Kommunist Narr vorbei:„ Er streifte die politischen Borgänge des letzten Jahres, die Reparationen..., dann ging er auf den Ruhr, Werft- und Textilarbeiterkampf ein, schilderte, wie die reformistischen Gewertschaftsführer in diesen Kämpfen versagt(!) haben; auch auf den Schlichtungsschwindel... fam er zu sprechen. In längeren Ausführungen sprach er zur Saisonarbeitslosemanterstützung, die durch Unterstützung der ADGB.- Führer eingeführt worden sei und die die Kollegen in den nächsten Wochen zu spüren bekommen werden." Nachdem also Narr alle Register gegen die Gewertschaften gezogen hatte · der Bericht darüber in der Roten Fahne" ist so lang wie der Geschäftsbericht und der Kassen bericht zusammen, hielt er die Aufforderung für notwendig, den Gewerkschaften nicht etwa den Rüden zu tehren, sondern sich um die ,, Opposition" zu scharen, die die Organisation in Grund und Boden schimpft und dann die Mitglieder selber warnen muß, die Konsequenzen aus der Herabwürdigung der Gewerkschaften zu ziehen. Ein Kleines Beispiel für das gewerkschaftsschädigende Trei. ben der KPD. Kranke Menschen in Sägespänen." „ Glandalöse Zustände in der Heilanstalt Buch." Die jüngste Mitgliederversammlung der Sektion Gesundheitswesen der Heil- und Pflegeanstalt Buch des Berbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, befaßte sich im Anschluß an den Geschäftsbericht für das Jahr 1928 insbesondere mit ber verbandsschädigenden Berichterstattung der„ Roten Fahne" und der" Belt am Abend". Als Beispiel wurde ein Artikel der Welt am Abend" mit der oben von uns zitierten lleberschrift angeführt. Auch die von der KPD. für das Personal der einzelnen Betriebe herausgegebenen Flugblätter, die sogenannten Betriebszeitungen, seien als gewertschaftsschädigend zu verurteilen. In der Diskussion behauptete ein KPD.- Mann S. zu dem Bericht in der Welt am Abend", es würden in Buch tatsächlich Sägefpäne anstatt Holzwolle für die Kranten verwendet; die Kranken lägen schmuzig und die Betten würden nicht alle Tage gesäubert. Zudem sei der Artikelschreiber der Welt am Abend" ein Berichterstatter vom„ Vorwärts" gewesen, der sich als jolcher bei dem Hausmart ausgewiesen und die KPD. in eine Falle gelodt habe. Diese Behauptungen des KPD.- Mitgliedes rückte der Genosse M. ins rechte Licht und schilderte dessen unglaubliches Berhalten. Es stehe minmehr fest, daß der Schmähartifel der Welt am Abend" von den in den Siechenhäusern beschäftigten Mitgliedern der KPD. gedeckt werde. Die Behauptung, der Artikelschreiber sei ein Be richterstatter des Vorwärts", wurde als eine Ausrede verleumderischer Art zurückgewiesen. Gegen sechs fommunistische Stimmen stimmte die von 250 Mitgliedern besuchte Versammlung folgender Ent schließung zu: „ Die am 21. Januar 1929 tagende Mitgliederversammlung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter in der Heil- und Pflegeanstalt Buch nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Artitel in der Welt am Abend" vom 13. Dezember 1928:„ Kranke " 1 Menschen in Sägespänen"," Standalöse Zustände in der Heilanstalt Buch". Die Bersammlung stellt fest, daß alle in dem Artikel aufgestellten Behauptungen der Wahrheit nicht entsprechen, der Artikelschreiber Sachfenntnis über die Irrenpflege nicht Theater, Lichtspiele usw. Montag, d. 25.1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 25 181, Uhr Fortunios Lied fünf Montag, d. 28. 1. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Die font Wansche Königskinder Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d. Republ. R.-S. 24 1912 Uhr am Gendarmenmark! R.- S 9 20 Uhr Freischütz Oedipus Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 1st er gut 20 Uhr ist er böse? Komische Oper( 84) Nach erfolgreich. Umarbeitung: Paradies der sussen Frauen! Parkett 4,50, Rang 2,50 M. 8 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Neu! Lothringer Straße 37. Neu! Kilometerliebchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkéttu. Rang 0.80 M.] Theater des Westens Täglich 8% Ahr. Wiederauftreten! Richard Tauber in Friederike Franz Lehar dirigiert! Käthe Dorsch Richard Tauber Borverkauf ununterbrochen. Raffe ben ganzen Sag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 u. 7108. Reichshallen- Theater Sonntag nachm.[ 3] Abends 81 betzt. Der Artitet hat dazu beigetragent, baß das gute Enfehert des Irrenpflegeperfonals in der Deffentlichkeit auf das schwerste geschädigt wurde. Es muß insbesondere verurteilt werden, daß diese Schädigung durch eine Arbeiterzeitung, ein von der KPD. finanziertes Blatt verursacht wurde. Es ist damit erneut Klargestellt, daß die KPD. als Interessenvertretung für die aufgeklärte, freigewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft nicht in Frage kommt." Ein schwieriger Untergebener. Und ein noch schwierigerer Vorgesetzter. Bas im Bereiche unserer Reichsmarineleitung auch unter der Aera Groener noch alles möglich ist, haben wir wiederholt dargelegt. Jetzt hat sich wieder mal ein Fall ereignet, der wirklich wert ist, der weiteren Deffentlichkeit bekannt zu werden. Er soll hier ohne jede Umschweife ganz nüchtern und trocken geschildert sein, wie er sich in Wirklichkeit abgespielt hat. Bei der Neumahl der Verbandsfunktionäre fielen auf die Liste der Opposition" die sechs fommunistischen Stimmen, während die Ort der Handlung: Tonnenhof beim Lotsenkom= freigemertschaftliche Liste nahezu einstimmig gewählt wurde. mando Wilhelmshaven. Der Vorgesetzte ist ein früherer Der Mitgliederstand des Verbandes hat in der Sektion Ge Korpettenta pitän Helf, der auch heute noch glaubt, Soldat fundheitswesen eine erfreuliche Zunahme erfahren. Wegen„ Brandstiftung" entlassen. Als der Lehrling den Vertragslohn forderte. „ Der Erziehungsbeitrag wird nach den Richtlinien der Handwertstammer bemessen." So steht es in den von der Handwerkstammer herausgegebenen Lehrvertragsformularen, die auch von den meisten Handwerksmeistern benutzt werden. zu sein und in seinem Betriebe versucht, gegen die Arbeiter ein strenges militärisches Regiment zu führen. In diesem Lotsenamt passierte es, daß ein Arbeiter mal nach der Toilette gehen muß. Bei der Gelegenheit kommen Bekannte von ihm rein zufällig am Tonnenhof vorbei, und der Arbeiter läßt sie auf Wunsch einen Augenblick in den Hof hineinkommen. Diesen Vorgang beobachtete ein anderer Beamte des Lotsenamtes, Kapitän Pieten, der den Arbeiter zur Rede stellt. Dieser soll ihm einen verächtlichen Blick" zugeworfen haben. Der Arbeiter wurde entlassen. Er klagt beim Arbeitsgericht. Das Lotsen" Erziehungsbeitrag" ist gleichbedeutend mit Entlohnung amt gibt an, der Kläger sei streitsüchtig, ein Aufwiegler; daneben des Lehrlings. Die Handwerkskammer will durch diese Um- ein Drüdeberger, furzum ein sogenannter schwieriger Unter. fchreibung zum Ausdruck bringen, daß der Lehrling nach ihrer Aufgebener. Das flingt besonders schön und erinnert so richtig an fajjung nicht in einem Arbeitsverhältnis steht, also die Zuchthaussprache, wo man von schwierigen Gefangenen spricht. feinen Lohn erhält. An der Sache selbst wird dadurch nichts Das Arbeitsgericht verurteilte das Lotsenkommando, geändert. das Berufung einlegt. Es erfolgt Inaugenscheinnahme durch das Landesarbeitsgericht Osnabrück am Ort der Handlung, und schließlich ergeht auch vom Landesarbeitsgericht ein Urteil gegen das Lotjentommando, und zwar auf Wieder= einstellung des Arbeiters oder im Weigerungsfalle die Bezahlung einer Entschädigung für zwei Monate in Höhe von 387 Mart. Auch in den Lehrverträgen, die der Möbelfabrikant Bom Ende in Spandau mit seinen Lehrlingen abgeschlossen hat, ist der angeführte Passus enthalten. Aber befolgt wird er nicht. Herr Vom Ende bezahlt seine Lehrlinge nicht nach den Richtlinien der Handwerkskammer, sondern nach den erheblich niedrigeren Säßen, die seiner Angabe nach im Span. dauer Tischlergemerbe allgemein üblich sind. Hiernach erhält ein Lehrling im dritten Lehrjahre möchentlich 4,50 M., während er nach den Richtlinien der Handwerkskammer 8 m. wöchentlich zu beanspruchen hat. Der Vater eines bei Herrn Bom Ende im dritten Jahre beschäftigten Lehrlings fam mun fürzlich dahinter, daß der Lehr herr seine Vertragspflicht hinsichtlich des Erziehungsbeitrages" nicht erfüllt. Er forderte deshalb Nachzahlung der Differen was aber Vom Ende ablehnte, indem er sich damit herauszureden juchte, unter„ Erziehungsbeitrag" fei nicht die Bezahlung des Lehrlings zu verstehen, sondern das Lehrgeld, das eventuell vom Vater an den Lehrherrn zu zahlen sei. Eingestellt wurde der Mann natürlich nicht mehr, wie dies meist in solchen Fällen bei der Reichsmarineleitung festgestellt werden konnte. Dieser Prozeß dürfte der Reichsmarineleitung etwa 1500 Mart tosten, ganz abgesehen von dem Zeitaufwand, der dabei vertrödelt worden ist. Da dieser Fall nicht der einzige dieser Art ist, die sich im Laufe der letzten Zeit bei der Reichsmarineleitung abgespielt haben, gestatten wir uns wiederum, wie schon so häufig, an den Herrn Reichswehrminister Groener die Frage, ob er nicht mit uns der Meinung ist, daß es im Bereiche der Reichsmarineleitung nicht nur schwierige Untergebene, sondern auch schwierige Vorgejezte gibt, die den deutschen Steuerzahlern recht viel Geld fosten und obendrein noch in bezug auf Arbeiterschifane das Menselbstverständlich Gegner der Republik sind. Denn dieser Korvettentapitän Helf, mit dem sich hier die Arbeitsgerichte herumschlagen mußten, hat es auch für notwendig gehalten, vor einiger Zeit seinen Arbeitern das Lesen des Vorwärts" und der sozialdemokra tischen Zeitung„ Die Republit zu verbieten und hat auf eigene Kosten für die Mannschaft des Fenerschiffes zwei bürgerliche Blätter bestellt. Gütliche Verhandlungen des Baters mit Herrn Vom Ende blieben erfolglos. Von der Handwerkskammer, an die sich der Vater des Lehrlings wandte, erhielt er den Bescheid, die Handschenmöglichste leisten und mertstammer habe nicht die Möglichkeit, die Be folgung ihrer Richtlinien von den Lehrherren zu erzwingen, er möge sich an das Arbeitsgericht wenden. Das tat der Vater des Lehrlings denn auch. Der Fabrikant Vom Ende aber beantwortete das Verlangen nach Vertragserfüllung damit, daß er den Lehrling ,,, we gen Brandstiftung" entließ. Mit der„ Brandstiftung" hatte es folgende Bewandtnis: Die Asche aus den Defen der Fabrifräume wurde von einem Arbeitsburschen regelmäßig in ein hölzernes Faß geschüttet, das fich in einem Schuppen befand. Einmal hat der Lehrling diese Arbeit verrichtet. Da mag sich wohl in der Asche ein glühendes KohlenStückchen befunden haben. Das Faß geriet in Brand, weiterer Schaden ist nicht entstanden. Dieser Vorgang, der sich vier Wochen vor der Ent. lassung des Lehrlings abgespielt hat, würde erst, na chydem er die vertragsmäßige Bezahlung gefordert hatte, als ,, Brandstiftung" aufgebauscht und als Entlassungsgrund geltend gemacht. Von einem, der berechtigten Forderung des Lehrlings entgegen. fommenden Vergleich wollte der Prozeßvertreter des Beklagten nichts wissen, denn sonst jagte er würden nicht nur seine anderen Lehrlinge, sondern auch sämtliche Tisch Ichrlinge Spandaus dieselben Forderungen stellen. Das können die betreffenden Lehrlinge zum Leidwesen des Herrn Bom Ende jetzt mit schönem Erfolg tun, denn das Ge= richt hat ihn verurteilt, dem Kläger für die zu rid liegende Zeit 298,50 m. nach zu zahlen, weil er nach dem Vertrage dazu verpflichtet ist und das Lehrver hältnis fortzulegen, weil die angebliche Brandstiftung" als Entlassungsgrund nach§ 123 der Gewerbeordnung spätestens eine Woche nach dem Vorfall hätte geltend gemacht werden müssen. Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten HALLER- REVUE 7 Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Lustspielhaus Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8 Uhr Steffiner Sänger GuideThielscher Das wundervolle Januar- Programm! Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brettl: Varieté/ Konzert/ Tanz Theater a. Kottbusser Tor Kóttbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger DIE JANUAR Krach! SENSATION: Volkspreise: Mk. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 a. 2583,84. Täglich 8% Uhr ,, Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. in Weekend im Paradies entralTheater Alte Jakobstr. Edke Oranienstr. Täglich 84 Uhr: Sonntag auch 4 Uhr Ich küsse Ihre Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem Die Walzwerte im Jahre 1928. # Die gesamte Walzmertproduttion ist im letzten Jahre auf 11,5 gegen 12,8 Millionen Tonnen im Vorjahr zurüdgegangen. Die arbeitstägliche Leistung ist in den Balzwerken entsprechend von 42 048 auf 37 786 Tonnen gejunten. Dieser Rückgang um rund 10 Proz. geht jedoch, wie wir dies bei den Roheisen und Rohstahlergebnissen schon betonten, in erster Linie zu Lasten der Ruhraussperrung. Stellt man für die verlorenen dreißig Arbeitstage die durchschnittliche arbeitstägliche Leistung von 1928 in Rechnung, so ergibt sich unter Berücksichtigung der während der Ruhrstillegung meiterarbeitenden Betriebe ein Produktionsausfall von faft 900 000 Tonnen. Dadurch würde die durch den Konjunkturrückgang hervorgerufene Sentung der Walzwerksproduktion im letzten Jahre nur reichlich 3 Broz. betragen. Verantwortl. für die Redaktion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu i Beilage. Volksbühne Deutsches Theater Thalia Theater Th. am Schiffbeverdamm Theater am Bülowplatz 8 Uhr. Das Mädl aus der Vorstadt Regie: Norden 12 310 8 Uhr, Ende 10% U. Dresdener Str. 72-73 8 Uhr Die Verbrecher ,, Oelrausch' Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: HeinzHilpert Jürgen Pebling Kammerspiele Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Oelrausch Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr gleichnam.Schlager Ist er gut 1st er böse? Rundfunkhörer halbe Preise Saltenburg- Bühnen Staatsoper am Platz Lessing- Theater 8 Uhr: Katharina Knie. Metropol- Theater 8 Uhr der Republik 72 Uhr Freischütz Norden 12310 8, Ende nach 10½ U. Soeben erschienen 66 Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. Die Komödie Bismarck 2414/7516 814 Uhr, Ende 10% „ Olympia" von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. Dtsch. Künstler- Th. 8 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Gr.Schauspielhaus 8 Uhr 99 Barnowsky- Bohnen Theater in der Königgrätzer Straße 8% Uhr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 81 Uhr Das Geld auf der Straße Abenteuer v. Bernauer u. Oesterreicher Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr: Jettchen Gebert Singspiel von Walter Kollo Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 81 Uhr Die Fledermaus Verkäufe Möbel Chaiselongues 25,-, Metallbetten, Auflegematraßen, Patentmatragen 9,75. Walter, Stargarderstraße achtzehn. Möbelläufer merte Rrebit und bar Möbelbazar, große Auswahl, fleine Breise! Beispiele: Schlafzimmer 455, Speisezimmer 345, Serrenzimmer 260, Spiegelschränte, 118, Anrichtefüchen 75, Rleiderschränke 48. Solzbettstellen 48, Chaiselongues 28, Metallbettstellen 16, Auflegematragen 13. Sonstige Möbel entsprechende Breife. Trianon- Th.eilzahlung auffchlagfrei. 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Luther- Straße 69, täglich, außer MonNeue Königstr.tags und Dienstags, großer Ball den ceiferce Segend, dSeltage Moniag, 28. Januar 1929 torftmA SfuulaalfaJfa xtia tbuhzfA Zuchthaus Sonnenburg Vom Prügelsystem zum humanen Strafvollzug Der Beomtenprozeß im Zuchthaus Samienburg lenkt von neuem die Aufmerksamkeit auf das Problem des humanen Strafvollzugs. Die Mißwirtschaft und Disziplinlosigkeit, die im Zuchthaus Sonnenburg herrschten, hat mit der milderen Gestallung des Strafvollzugs nichts zu tun. Wie sieht es nun in diesem Zuchthaus aus? Ein Rundgang durch diese Anstalt zeigt, daß auch hier— trotz der in den, Prozeß zutage ge- tretenen Mißstände— sich der humane Strafvollzug durchsetzt. Umflutet von strahlender Wintersonne erhebt sich langgestreckt der weiß« Schinkel-Bau. Von ferne täuscht er ein Gebäude freier Menschen vor— die Fenster sind nicht gefängnismäßig hoch und klein. In der Nähe sagen's aber Mauer und Gitter: Hier ist das Zuchthaus Sonnenburg. In einem Jahr„feiert" es fein hundert« jähriges Bestehen. Eine schlechte Vorfeier— der eben laufende Prozeß. Daß solches VA Stunden Bahnfahrt von Verlin überhaupt möglich war! Der„humane" Strafvollzug war hier ins Groteske verzerrt. Um so neugieriger dürft« man fragen: Wie ist's jetzt? Oer humane Strafvollzug. Man mach« sich nichts vor: humaner Strofvollztlg— zu deutsch menschlicher Strafvollzug— ist nicht gleichbedeutend mit Schlamperei, grenzenloser Gutmütigkeit und Disziplinlosigkeit, chumaner Straf- Vollzug bedeutet, durch erzieherische Fürsorge das Gute im Gesangenen zu wecken: Hemmungen in ihm erstehen lassen, ihn mit sozial Wertvollem erfüllen, an Ordnung und selbst- gewollte Disziplin gewöhnen. Lotterwirtschaft statt Ordnung, plumpe Vertraulichkeit statt Vertrauen— das war es, womit der Direktor Lüdicke den Feinden des humanen Strafvollzugs Lerschub geleistet hatte. Der Uebergang zu Disziplin und Ordnung mußt« schmerzvoll sein. Geheim« Widersetzlichkeit und offene Unbotmäßig- keit moren in der ersten Zeit unausbleiblich. Di« acht Karzer reichten nicht aus. Bis sich die Gefangenen überzeugten, daß mit den Grundsätzen des Vollzugs der Freiheitsstrafe im Zuchthaus ernst gemacht würde. Herrscht etwa eine übertrieben straffe Disziplin? Ein Gang durch die Anstalt überzeugte voni Gegenteil. Zeigte auch das andere: nur.allein um Ansätze zum modernen Strafvollzug kann es sich handeln, und die sind in Sonnenburg vorhanden. Nach endgültiger Ueberwindung der Krise wird zum weiteren Ausbau dieser Ansätze geschritten werden müssen. Ein Gang durch die Zellen. Eigenartiges Gesühl, durch ein Zuchthaus zu gehe». Die Zeit, diese große Trösterin, erscheint hier als etwas Grausames:„lebens- länglich",„zehn Jahre Zuchthaus verbüßt",„acht Jphre noch zu ver- büßen— schlägt es einem immer wieder ans Ohr. Ein Gefangener, der bereits zehn Jahre hinter sich hat, offenbart den gewaltigen Unterschied zwischen einst und jetzt. Vor zehn Iahren absolutes Schweigegebot: bei Vorführung vor Arzt und Direktor muhte der Gefangene mit dem Gesicht zur Wand stehen, Demütigungen jeder Art waren etwas Selbstverständliches. Der Gefängniswachtmeister, „P r ü ge l h i rt e" genannt, weil er die körperliche Züchtigung aus- zuführen hatte, ist heute noch Beamter. Vorübergehend kamen die erzieherisch zwecklosen Freiheiten des Lüdicke-Systems uist» schließlich eine ordnungsgemäße Behandlung der Gefangenen. 'Natürlich hatten die Gefangenen über mancherlei zu klagen, bestimmt mit Recht! Sie machten ober im allgemeinen keinen gedemütigten, verbitterten, mißtrauischen und unfreundlichen Eindruck. Nicht unfreundlich sind die Korridore und Zellen. Nur in der ersten Stufe, insbesondere im Westflügel, der noch nicht den neuen anheimelnden Anstrich hat. erscheinen sie nackt und unsauber. Blumen und Vogelbauer auf den Korridoren: Blumen, Vögel. Bücher und Bilder in den Zellen der zweiten und dritten Stufe. Es gibt da Wohn» und Arbeitszellen, kleinere Schlaf» z e l l e n. In dem obersten Stockwerk in vielen Fällen keine undurch- sichtigen Scheiben mehr. Neben der kahlen Zelle eines Sittlichkeits- Verbrechers— es ist ein tief niedergedrückter Vater, den Blutschande hierhergeführt hat— die äußerst wohnliche eines Ingenieurs, der in der freien Zeit bastelt. Ein Rheinländer arbeitet auch am Sonntag, in» sich die Zeit zu vertreiben und seiner Familie«in paar Mark mehr schicken zu können. Gemütlich ist die Zelle des Druckers, eines Muttermördcrs, der rotbäckig und gefund-angenehm anzuschauen, im Orchester die Pauk« schlägt. Bei einem Erfurter sind die Wände mit Familicnbildern geschmückt. In einer anderen Zelle findet man unter verschiedenen Holzschnitten auch ein Porträt Mühsams. Ueberall Bücher, teils eigene, teils aus der Bibliothek. Man merkt es den Mensche? an: sie haben sich auf Jahre hinaus hier ein- gerichtet. Die 70 Jim g männer, im Alter von 21 bis 2ö Iahren, die eine"besondere Turnstunde, aber keinen besonderen Fürsorger haben, sind in dem besonders breiten und lichten Ostflügel zusammengefaßt. Wasierleitung und Wasserspülung gibs's in Sonnenburg nicht: daher die Kübel mit dem üblen Geruch, der durch dos Arbeitsmaterial in den Arbeitszellen noch verschlimmert wird. Im Nordslügel befinden sich G e m e i n i ch a f.t s z e l l e n. Zwei bis acht Gefangene wohnen zusammen. Schuhmacher und Schneider verrichten hier auch ihre Arbeit. Unter den Schuhmachern einer, der zu Hause einen großen Schuhmacherbetrieb hotte:«in anderer, der das Handwerk im Gefängnis erlernt hat und es feit sechs Jahren ausübt. Manche von den Zwei- bis Drei-Männer- Zellen machen«inen besonders heimischen Eindruck. So die Zell« des Gefangenen, der als Zahntechniker arbeitet und dessen Gehilfen. Man wird die Arbeit in den Wohnzellen als nicht hygiemsch ab» lehnen müssen.* Oit Werkstätten reichen nicht aus. Staatliche Tischlerwerk st ätten— drei Säle, in einem maschineller Betrieb, staatlich« Weberei und Schlosserei, auch eine Mattenflechterei, vom Unter- nehmer errichtet, beschästigen etwa 200 Mann. In zwei Sälen werden Umbauten vorgenommen. Am 1. Februar kommen die Druckerei und Buchbinderei aus dem Lehrter Zellengefäng- ms hierher. Beide'Betriebe werden zusammen 60 Personen be- sääfligeu. Da wird vielleicht mancher von denen, die jetzt in den hellen?ietze und Körbe flechten, Bürsten machen, Strümpfe stopfen und Metall stücke stampfen, hier nutzbringendere Arbeit verrichten können. In einem der Säle hatten die Gefangenen gerode ihre Freistunde. Eigentlich hätten sie im Hofe ihren Spaziergong machen müssen: sie klagten aber über Kälte und zogen es vor, ihre Freizeit im geschlossenen Raum« zu verbringen: dem Gutshof ist eine Meerschwein che ii züchterei angeschlossen. Die Freistunde bedeutet den Höhepunkt des Anstallstages. Di« erste Stufe hat nur eine Spazierstund«: der Bestimmung gemäß müssen die Ge- fangenen drei bis fünf Schritte voneinander entfernt im Kreise gehen. Das Schweigegebot wird«nicht ganz strikt durchgeführt. Mit Recht! Die z w e i t e S t u f e echält je eine halbe Zufotzstunde, die olle zwei Tage zu einer Spielstunde zusammengezogen werden. Wenn man die Gefangenen über das Fußballspiel befragt, dann leuchten sie über das ganze Gesicht. Die dritte Stufe— ihr gehören 29 Gefangene, darunter mehrere Lebenslängliche, an— hat jeden Tag eine zweit« Freistunde und darf sich am Sonntag von 1 bis 5 Uhr unbeaufsichtigt auf dem Hofe ergehen. 26 Gefangene wirken im Orchester mit, dreimal in der Woche halten sie ihre Uebungen ab. Sie spielen ebenso gern ernste Stücke wie Schlager und Jazz. Ihr Dirigent ist ein ehemaliger Student des Konservatoriums: Doppel mörder. Er leitet auch den Gefangschor, da der Lehrer eben pensioniert ist. Nur einmal im Monat finden in der Anstaltskirche bei verdecktem Altar Vorträge und musikalisch« Darbietungen statt. Am Abend von 8 bis ll Uhr wird abwechselnd im Ost-, West-, Nordflügel und Lazarett das Radio aufgestellt. OaS Lazarett. Es ist ein freundlicher Bau, gelb angestrichen, im Hintergrunde eines der beiden Anstoltshöfe. Der Gefmigniswachtmesster, auch Heil- gehilf«, führt durch die Krankenzimmer. In der Apotheke ein be- kanntes Gesicht: es ist der früher zum Tode verurteilte, dann be- gnadigte Kaufmann L. Er hatte in der Gerichtsverhandlung einen vorzüglichen Eindruck gemacht, nahm das Todesurteil ohne weiteres an und verlangte, daß es vollstreckt würde. Jetzt hat er sich, so gut es gehen will, mit seiner Lage ausgesöhnt. Sein Tag ist voll aus- gefüllt, sein Zimmerchen ini Lazarett zeugt von Geschmack und Intelligenz. Wohnlich ist auch das Zimmer der anderen drei Kalfak- toren. Einer von ihnen ist ein Lebenslänglicher, der bereits zehn Jahre hinter sich hat. Das Lazarett besitzt eine Tuberkuloseabteilung. Die Gemeinschaftszimmer liegen äußerst unglücklich nach N o rd e n. Nach Süden zieht sich der Korridor. Die Kranken, die hier viele Monate lang verbringen, haben kein« Beschäftigung. Die ihnen zugewiesene Bibliochek enthält lauter alte Bücher. In einem Einzelzimmer wieder ein alter Bekannter, der totkranke schwindsüchtige Lewinsohn. ehemaliger Angestellter auf einem Holzplag, hat er hier später einen Mord begangen. In einem der Krankenzimmer ein junger Bursche, der zwei Scheren verschluckt hat. Das kommt öfter vor, übrigens in allen Zuchthäusern. Auf einem abgegrenzten Hof befindet sich die Liegehalle. Sie steht im Winter unbenutzt, selbst wenn es sonnig und trocken ist. Alte Bekannte. Nach dem Zuchthaus Sonnenburg kommen die vom Landgericht I und in der Mark zum Zuchthaus Verurteilten. Auf dem Hofe sprach mich ein Gefangener an. der unbedingt am Reck photographiert sein wollte, damit seine Mutter ein Bild bekäme. Es war I., der vor etwa fünf Iahren mit G. wegen Tötung eines Polizeibeamten zum Tode verurteilt wurde. Schon vor längerer Zeit hatte ich ganz zu- fällig Gelegenheit, mich für ihn zu verwenden. I. führt sich vor- züglich, macht einen ebenso guten Eindruck, wie damals vor Gericht. Hoffentlich wird er nach nicht allzu langer Zeit draußen sein. Auch K.. dessen Eltern in der bekannten Meineidsfabrik verwickelt sind und der das junge Mädchen im Eisenbahncoupe getötet hat, befindet sich in Sonnenburg. Als ich ihn in seiner Zelle besuchen wollte, hatte er gerade Freistund«, er spielte Fußboll und sieht immer noch sehr fungenhast aus. Der Magdeburger Schröder, der in den letzten Tagen wieder in aller Munde war, schrieb gerade etwas in seiner engen Schrift. Sein Pensum am Netzehäkeln bringt er immer nach nicht fertig. Der junge Mensch macht auf den ersten Blick einen viel sympathischeren Eindruck als auf der Photographie. Sein Lächeln und seine Sprechweise lassen wohl begreiflich ericheinen, daß er die Leute, die mit ihm zu tun hatten, so leicht einwickeln konnte. Durch dos Guckloch konnte ich den Aus- und Einbrecher Kirsch beobachten, wie er am Tisch« sitzend ein Buch las. Seine Zelle ist durch ein besonderes Vorhängeschloß gesichert. Auch den jungen Scha., den ich von einem Raubprozeß her kannte, besvchte ich in der Zelle. Wie damals in der Gerichtsverhandiung hatte«r auch jatzt etwas Offenes. Im Lazarett erkannte mich ein junger Gefangener, der wegen eines Raubüberfalles zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Noch mehr alte Bekannte sah ich, und wer weiß, wieviele noch hier waren, die in den letzten Jahren durch die Berliner Gerichte gegangen sind. Manche hatten sich stark verändert, bedingt durch den ungenügenden Aufenthalt im Freien. Die Zahl der Disziplinarstrafen ist gewissermaßen der Barometer für' das moralische Wohlbefinden der Anstalt. Man sollte sie durch das erzieherisch wertlose Rauchverbot nicht künstlich erhöhen. Die acht Karzer waren am Besuchstage unbesetzt. Es sind dies Zellen, die ein Gitter in zwei Teile teilt. Hinter dem Gitter mir ein« Holzpritsche ohne Matratze. Neben den tuberkulösen Kranken war das der stärkst« Eindruck im Zuchthaus. 5)offentlich kommt auch für das Zuchthaus Sonnenburg recht bald die Zeit, in der das Vertrauen zwischen den Gefangenen und Beamten ähnlich wie in der Thüringer Anstalt Unter maasfeld hergestellt ist, in der der wirklich humane Strafvollzug mit Selbst- Verwaltung in der obersten Stufe festen Fuß faßt, Fürsorger angc- stellt werden und die Karzer nur noch als Erinnerung an einen bösen Traum der Vergangenheit dastehen. I.eo Rosenthal. Vorbestraft Auch ein Kapitel Jugendtürsorge Man schreibt uns: Die Reichsbahn- Ausbesserungswerke stellen Handwerkslehrlinge ein. Der Beginn der Lehre kann bestim- mungsgemäh zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr beginnen. Aber die Bestimmungen haben einen Haken, der nach armen Sündern angelt:„Die Bewerber müssen einen guten Leumund haben und dürfen gerichtlich nicht be st rast sein." Das klingt sehr plausibel auf den ersten Anhieb, paßt aber nicht mehr in eine Zeit hiikbin, in der das Strafrechi mit dem alten gedankenlosen Brauch, olle Verbrecher über einen Kamm z» scheren, bricht. Die Begriff« G e s an g e n e n f ü rs o r g e und Entlasse u e n fürsorge haben heute eine ganz andere Bedeutung wie früher. Sie verpslikhten in dem Zeitalter des hunia- nen Strafvollzugs. Sie verpflichten vor ollen Dingen die Behör- den, die mit gutem Beispiel vorangehen sollen. Und nun gor diese Berfemung jugendlicher Bor- bestrafter! Der Fünfzehn- oder Sechzehnjährige, der schon bestraft worden ist. soll kein ehrliches 5)andwerr mehr erlernen. Er soll fühlen, daß da. wo ein Richter sich unter Umständen mit einer ganz geringen Strafe begnügt, ein« Bahnbehörde so etwas noch immer in eine Strafe umwandeln tonn, die sie selbst etwa empfindet als lebenslänglich zweite Proletenklasse. Dann muß der Jugendliche froh sein.�wenn er überhaupt arbeiten darf. Sonst wird er schließlich, des Suchens nach einem menschlicheren Arbeitgeber müde geworden, die Wahl haben zwischen Strick und Dietrich. Und dieser letzte Fall ergibt ja nach menschlicher Voraussicht wieder eine Bestrafung, worauf der Kreislauf geschlossen ist und eine hochwohllöbliche Behörde sagen wird: Tja, däs haben wir eben vorausgesehen, er war ja schon als Jugendlicher bestraft. Man Überlege doch einmal, was geschieht, wenn ein Sohn bessersituierter Eltern eine„Dummheit" macht. Die Sache wird vertuscht, schlimmstenfalls wird er umgeschult, uikd dann geht das Leben ruhig weiter. Je ärmer die Eltern, desto größer die Versuchungen und desto kleiner die Zlussicht, die Sache wieder einzu- renken. Oder will man mit dem milden Trost für arme Leute kommen: Lieber Freund, selbst wenn wir annehmen, daß der Mann aus dem Volke die Entgleisungen semer Kinder nicht so leicht aus der Welt schaffen-kann— wird denn heute ein Jugend- licher, wenn er vor Gericht kommt, überhaupt noch bestraft? Ge- miß. in der preußischen Justiz macht man Ernst damit, nicht unnütz Vorbestrafte zu schaffen und Härten durch Anwendung der Bewährungsfrist auszugleichen. Aber Preußen ist nicht dos Reich, und selbst hier laufen genug Opfer ihres jugertdlichen Leichtsinns oder irgendwelcher unglücklicher Umstände herum, deium das Brandmol des„Vorbestraft" ihr ganzes Leben zu zerstören droht. Nein, der Geist, der aus dem Grundsatz der Reichsbahn-Aus- besserungswerke spricht, ist nicht der Geist des modernen Straf- rechts. Er ist nicht angetan, zu bessern und Entlassene dem Leben zurückzugewinnen, sondern muß folgerichtig neue Verbrechen und neu« Verbrecher schaffen. Er sollte schleunigst in den vor- märzlichen Akten verschwinden. Erzieherischer Strafvollzug Eine Verfugung des preußischen Justizministeriums Das preußische Justiz mimsterium ist ernstlich bemüht, Wort« in Taten umzusetzen. Es will es nicht nur bei Rcformbesprechungen bewenden lassen: der Gefangene als Persönlichkeit soll dem Beamten tatsächlich in seiner ganzen Gesamtheit zugänglich ge- macht werden. Diese Absicht findet ihren klaren Ausdruck in einer vor kurzem ergangenen Verfügung des Justizministers. Sie be- stimmt, daß über jeden erwachsenen Gefangenen, der eine Gefängnis- oder Zuchthausstrafe von mindestens neun Monaten zu verbüßen hat, und über jeden jugendlichen Gefangenen oder im Jugendge- fängnis Inhaftierten bei einer Gefängnisstrafe von mindestens sechs Monaten Gutachten niedergeschrieben werden. Dieses hat nicht bloß Aeuherungen des Direktors, Arztes, Fürsorgers, Lehrers und Geistlichen zu enthalten, sondern auch solche von sämtlichen Be- amten, die mit den Gefangenen in Berührung kommen. Das auf Grund dieser Aeuherungen verfaßte Vorgutochten wird zum Gegenstand der Beamtenbesprechung gemacht. Erst dann kommt es zum endgültigen Gutachten, das die Aeußerung des Arztes wörtlich wiedergeben muß. Eine Abschrift jedes Gutachtens wird an das S t r o f v o l l z u g s a m t geschickt. Wird der Gefangene in ein anderes Gefängnis überführt, so besteht die Pflicht,«in vor- läufiges Gutachten über den Gesangenen dahin zu übermitteln. Welches soll aber der Inhalt des Gutachtens sein? Es hat nicht nur die Führung während des Strafvollzuges, sein Ver- hältnis zur Arbeit, seinen Charakter, wie er sich während des Ge- fangenseins gezeigt hat, zu kennzeichnen, sondern auch das Ver- hältnis des Gefangenen zu seiner Tat. Die U r s a ch e n, die chn straffällig gemacht haben, müssen ihren Ausdruck finden, wie auch die Aussichten für ein geordnetes Leben in der Freiheit. Das Gut» achten hat als Hilfsmaterial bei einer etwaigen Reueinlieferung des Gesangenen zu dienen, damit begangene Fehler in seiner Be- Handlung gutgemacht werden können: es soll auch als Fingerzeig für die Entlassenen- und Gefangencnfürforge dienen bei deren Ver- suchen, den Gefangenen der Gejellschast wiederzugeben. Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten&. Loening, Frankfurt a. M. (7. Fortsetzung� .Der Dichter Chatterton." sprach er bei sich..Inmitten einer gleichgültigen Welt in einer Dachkammer verhungern." Nein, heute kommt so etwas nicht mehr vor. Nicht in Amerika. Nicht in unseren Tagen. Man verhungert nicht. Kann arbeiten, Geld oerdienen. Geld, Frauen. Alkohol. Und dann geht man heim und schreibt Gedichte. Fiebrige Gedichte. Ueber Eisenbahnen, Kohlengruben, Ausbeuterwerkstätten. Schreibt darüber, wie das Blut im Takte des Tickers rast. Und wie die Untergrundbahn jedes Lied singt, das man hören will. Ueber dumme Menschen, die Herr. liche Dinge schassen. Ueber eine Tugend, die von schneeweißen Schenkeln und leidenschafllichen Umarmungen träumt. Ueber Religionen, die lügen und betrügen. Ueber die Wohltätigkeit, die ein Zehntel von dem Geraubten verschenkt. Ueber Gewalt und Macht. Der Schasfner rief die Wall-Street-Station aus. Er verließ den Zug. Als er auf der Straße im Schatten der gewaltigen Marmor- und Stahlmassen dahinschritt, empsand er heftige Freud«. Darüber wird er schreiben. Ueber die Menschen, die auf kleine Papierstückchen Zeichen machen, derart Eisenbahnen und ganze Städte erschossen. Ueber Unterschriften, die bereichern oder zum Bettler machen. Nicht über Blumen. Bienen, den Duft des Geißblattes, nein, über die Dinge, wie sie sind. Wie sie sein müssen. Als er aus dem Fahrstuhl stieg und. den Korridor entlang zu seinem Bureau ging, fühlte er sich glücklich. Was bedeutet ein Bankerott? Einige Menschen verlieren ihr« Stelle. Einige Menschen verlieren ihr Geld. Das ist alles. Dann jedoch erschreckten»hn die unordentlich auf dem Boden liegenden Drähte des Tickers. Noch mehr aber bestürzt« ihn der Anblick volpes.&& italienischen Kolonialwarenhändlers. der sich bei seinem Eintreten auf ihn stürzte. Auf Volpes Gesicht lag«in seit- samer Ausdruck. »fjerr Kranz, was bedeutet das? Was soll das heißen?" „3ch weiß nicht, Herr Bolpe," erwiderte Marc hastig.„Ich bin eben erst gekommen." „Aber mein Geld..." „Es wird schon alles in Ordnung sein," beruhigte ihn Marc. „Lassen Sie mich mit Herrn Read sprechen." Er ging ins innere Bureau und klopfte an Reads Tür. Read öffnete selbst. „Herr Read, was ist geschehen?" „Nichts Besonderes. Kranz. Eine kleine Unannehmlichkeit." Das war doch keine Antwort. Die Sache muß erledigt werden. Er hat kein« Luft, all« feine Kunden zu vertieren: sie haben ihn Zlrbeit genug gekostet. Und draußen wartet Bolpe. .„Herr Read, ich möchte Sie etwas fragen. Glauben Sie, daß alle voll ausgezahlt werden?" „Kräng, ich garantiere hundert Cents auf den Dollar." Marc ging. Selbfwerständlich log Read. Aber welchen Sinn hatte dos Reden? Was kann man mit einem solchen Menschen an- fangen? Draußen stand Bolpe den gleichen Ausdruck im Gesicht. „Herr Kranz...* „Ich kann nichts dafür, Herr Bolpe. Ich wußte nichts. Sehen Sie..." Bolpe btickte chn an, als wollt« er ihm seine ganze Wut ins Gesicht speien. Er brüllte: „Betrüger!" Mein Gott. .Sie sind«n Betrüger. Ein gotwerdaimnter gemeiner Betrüger. .Haben«nein Geld gestohlen. Ich weiß nichts von dem Mann da drin. Sie haben das Geld genommen. Mein Geld, für das ich geschuftet habe. Ich esse nicht», meine Frau ißt nichts, die Kinder cfscn nichts, wir sparen. Und Sie stehlen mein Geld. Sie Betrüger." Meine Frau ißt nichts, die Kinder essen nichts. Betrüger, Marc sorig leise die Worte vor sich hin, während er nach der oberen Stadt strebt«. Ich weiß nichts von dem Mann da drin. Gefühlsduselei. Was geht es ihn an, ob Bolpes Frau ißt, ob Bolpe s Kinder essen? Was gehen die Leute ihn an? Er war zu Bolpe gegangen: der Mann hatte kein« Aktien kaufen wallen. Er hatte mit ihm gesprochen, mit honigsüßer Zuirge, und Bolpe hotte Aktien gekauft. Die Firma ist verkracht. Bolpes Kinder essen nichts. Ist es denn sein« Schutd, daß die Firn« oerkracht ist? Hat er etwas davon gewußt? Hat er etwas daran profitiert? Welholb zum Teufel braucht er sich zu rechtfertigen? Selbst wenn er den Bankrott herbeigeführt, etwas daran profitiert hätte, so wäre das sein« ureigenste Angelegenheit gewesen. Eine Glücks- frage. Bolpe hatte eben kein Glück. Jeder für sich, und der Teufel hol' den Hintermann./ Er tsi weder eine Wohlfahrtsinftitution noch ein Philantrop. Er will schreiben und»ruß, bis er einen Namen hat, auf irgendwelche Art seinen Lebensunterhalt verdienen. Der Zweck heiligt die Mittel. Er will Gedicht« schreiben und in möglichst kurzer Zeit so viel Geld wie möglich machen. Niemand kann ihn daran hindern. Er will nicht verhungern. Mögen die anderen verhungern. Kann er sich nicht selbst erhalten, so sollen ihn die anderen erhalten. Außerdem hat er Bolpes Kinder gesehen, dreckige, widerliche Rangen, die sich mit den Fischen im Laden des Baters vollschmieren >md ihn, so oft er kommt, anbetteln. Wegen dieses Unrats soll er Halt machen? Nun befand er sich in der West, Street, zwischen den Docks mit ihren Schissen und Waren. Große Lastauto» ratterten einher, Korren, gezogen von riesigen Pferden. Kutscher fluchten, Menschen schrien. Der Geruch der Waren, de» Wassers und der Schiffe ver- mischte sich mit dem Gestank der Pferdeäpfel. Er pulverte Marc auf. Er vergaß den Bankrott, vergaß Bolpe und Bolpes Kinder und schritt fröhlich wetter. Dann sah er in den Dock» ein alt«, »«rlossene» Schiff. Er kletterte auf da» Verdeck, saß dort auf einer Kiste und blfttte um sich. Rings sah er da» Leben, das fiebrig«. sich ewig in Bewegung befindliche Leben der Wassers rant und da» stillere Leben der Stadt, versinnbildlicht durch die Stohlriesen, die donnernde Untergrundbahn, die durch den Leih der Stadt raste und ihn nährte. Bezaubert vertiefte er sich w den Anblick, in seinem Geist sang eine Rhapsodie der Kraft und des Tempos. Hinter den Schloten von Jersey ging die Sonne unter. Es wurde dunkler. Rauchnebel hüllten die Stadt ein. Laternen flamm- ten auf. Lostautos und Karren verschwanden allmählich. Die Menschen auf den Straßen verlangsamten ihre Schritte. Darüber wird er schreiben: über Menschen, die intensiv arbei- ten, intensiv leben, intensiv lieben. Alles aus allen Kräften tun. Ein reiches, volles Leben, ohne halb« Gefühle, ohne Sentünentali- tat. Der einzelne zählt nicht. Das bedeutet das Leben eines ein- zelnen im Bergleich mit dem Leben einer ganzen Stadt? Das Individuum vermag den Fortschritt, die Bestrebungen aller nicht aus» zuhalten. Staunen kam ihn an. Wie er so auf dem Verdeck des verlassenen Schiffes saß und die rastende Stadt betrachtete, fragte er sich, was all das für ihn bedeute und ob er wirklich daran glaube. Ist die Leistung der Vielen die Leiden der Wenigen wert? Darf er, um schöne Gedanken erschaffen zu können, einen Menschen zu- gründe richten, der in der Menge nichts zählt. Er wußte es nicht mit Bestimmtheit. Konnte es sich nicht erklären, fand kein« Worte dafür. Als er sich jedoch streng prüfte, erkannte er, daß es nicht sein dürfe. Weshalb es nicht sein dürfe, begriff er nicht. Das lieh sich nicht durch Worte erklären. Dipl- leicht trägt die falsche Atmosphäre, in der er aufgewachsen ist, die Schuld daran, die Konventtonen, die er zwar verftandesgemäh verachtet. dem Gefühl nach aber anerkennt. Er zürnte sich selbst ob seiner Schwäche, verstand nicht, wie ihn etwas beeinflussen konnte, das er nicht zir erklären vermochte. Der Gedanke erregte in ihm ein Gefühl der Uebelkeit. Es war wie mit der Homosexualität: sie ist an und für sich nichts Schlechtes, aber sie ekelt ihn. Er suchte nach einer Antwort auf seine Frage. Fand er sie, so würde für ihn das Problem gelöst sein. Dann konnte er alles tun, was ihm beliebte. Er fühlte kein Vorurteil gegen Lügen und Stehlen. War zu beidem bereit, sobald er keine hemmende Angst vor dem Ertappt- livÄ» Bestroftwerden empfand. Hier handelte es sich nicht um eine Gewissensfragc. Es gibt kein Gewissen. Dachte er jedoch an die Leute, denen er etwas angetan hatte, an ihren Kummer und ihr« Gorgen, �ah er vor sich Fr« Colli ns, die nun ruiniert war, ihren Enkel, der arbeiten wird müsse», Dol- pes Kinder, die nichts zu essen hatten, dann fühlte er, daß hier irgendwo ein Unrecht geschehen war. Den kleinen George bedauerte er nicht, hatte er doch selbst arbeiten müssen, sobald er aus der Schule entlassen worden war. Und Bolpe hotte nicht aus Tugend Geld erspart, sondern dabei nur einer Rasseneigenheit gehorcht, die stärker war als er selbst. Und dennoch ist ein Unrecht geschehen. So etwas dürfte nicht sein. Es ist, aber es dürfte nicht sein. Kann er dos Problem nicht lösen, so wird er nie mehr Frieden finden. Der Gedanke wird ihn belästigen, verfolgen. Er braucht Ruh« und Frieden. Kann nicht leben, wenn er die schmutzigen Bolpe-Rangen immer vor sich sieht. Er muß heiter und gelassen sein. Denken können. Muß sich als Herr dieser Menschen fühlen, soll er ihre Ideole und Träume in Worten ausdrücken. Er will auch nicht leiden, wenn er dichtet. Wll nicht Hunger leiden, einer der blassen langen Schatten sein, die den Eindruck er- wecken, al» stammten sie aus einer anderen Welt. Er will leben wie die anderen, das Leben genießen, wie die anderen. Einen klaren Derstand haben, wie die anderen. Was tun die? Haben sie ein ruhiges Gewissen, werrn sie von Geld leben, das sie anderen Menschen gestohlen haben? Sehen sie vor sich den kleinen George und Bolpes Kinder? Stört sie da-'' Können st« dos Leben genießen, wenn sie die Kinder vor sich sehen? Sie können es, denken ja nicht. Sie besitzen keine Phantasie, haben nicht die Fähigkeit, die Gefühl« der anderen nachzufühlen. Er jedoch kann sich die Gefühle der anderen vorstellen, der Men- schen, die er in seinem Geist«rschasft. Deshalb glaubt er ja auch, daß er schreiben kann, deshalb will er ein Dichter werden. So faß er und grübelte über das Problem, versuchte, eine Lösung zu finden, eine Antwort, die ihm den Frieden wiedergeben würde. Die Nacht war warm. Em feiner Dunst hing über der Stadt, die Umrisse traten hervor wie bei einem Basrelief. Hier und dort schwamm in der Lust«in Licht. Der Stock eines Polizisten schlug gegen einen geschlossenen Fensterladen. Ein verspäteter Schlepp- dampfer raste kreischend mit blendendem Licht stromabwärts. Ein Zug fuhr dröhnend durch die Eingeweide der Stadt. Auf dem un- ebenen Pflaster rattert« ein Lastauto. Sonst war es ruhig: einige spärliche Lichter brannten. Die Stadt schlief. Marc sah aus dem Derdeck des alten Schiffes und konnte keine Antwort auf feine Fragen finden. Nun schien ihm, daß Charlie am Telephon ganz unbewußt das rechte gesagt hatte: in die Dachkammer zurückgehen und Gedichte schreiben. Vielleicht ist das die Antwort. Die Stadt und das Leben aus der Ferne betrachten, objektiv, nicht dazu gehören, mcht ein Teil davon sein, sich zurückziehen, es aus weiter Fern« sehen. Und olles Materielle vergessen. Bergessen die tägliche Nahrung, dos Behagen, die Frauen. Bergessen die alltäglichen Freuden, das All- togsleben. Ein moderner Einsiedler sein, der in der Wüst« einer großen Stadt lebt.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Er besucht sein eigenes Grab. Aus Warschau wird uns geschrieben: In der Kanzlei des Warschauer jiidischeii Friedhofs erschien vor einigen Tagen ein junger Mann, erklärte Jakob Rotbart zu heißen und verlangte, sein eigenes Grab zu sehen. „Machen Sie keine dummen Witze." erwidert« der Beamte. „Das sind kein« Witze. Ihr habt mich vor einem halben Jahr hier begraben, ohne euch darum zu kümmern, ob ich wirklich ge- starben bin. Da werde ich wohl noch nieln Grab sehen dürfen." Der verblüffte Beamte schlug sein Register auf— und wirklich ergab sich, daß Jakob Rotbart, ISjährig, am soundsovielten eines Monats den ewigen Frieden im Grab Nr. II, Reihe 21, Revier 15 A, gefunden Hot. „Bielen Dank," sprach der junge Marm, der einem Gespenst nur entfernt glich, begab sich eiligen Schrittes auf sein Grab. Gerührt kniete er nieder und betrachtete lange die Tafel, auf der sein eigener Name prangte. Und das war— wenigstelis bis vor kurzem— kein Irrtum. Rotbart, ein tüchtiger Metallarbeiter, hatte es bei seiner Stiefmutter nicht gilt. Obwohl er schon erwachsen war, mißhandette sie ihn und nahm ihm stets seinen ganzen Wochenlohn ab. Eines Tages paßte ihm das nicht mehr, er kehrte nach der Arbeit einfach nicht nach Hause zurück, sondern zog zu einem Bekannten, ohne daß es zu Hause jemand erfuhr. Bielmehr glaubten seine Angehörigen. als Jakob mehrere Tage lang ausblieb, an einen Unfall und meldeten es der Polizei. Diese Behörde hielt nicht viel von dem Berschwinden und zitiert« gleich am nächsten Tage die Stiefmutter auf da» städtische Prosektorium. Dort lag die Leiche eines soeben aus der Weichsel herausgefischten unbekannten Mannes.„Jakob," schrie die Stief- mutier auf und bereute alles Schlechte, was sie dem Verstorbenen je angetan hatte,„Jakob, bist du tot?" Die Identität war somit festgestellt, die Leiche als Jakob Rotbart begraben. Einig« Wochen später kam Jakob der Gedanke, einmal nach den Seinen zu sehen— die zuerst einen mächtigeti Schreck kriegten. Dann stellte sich das Mißverständnis heraus. Jakob wird wohl ein polizeiliches Strafmandat wegen der unterlassenen Anmel- dung erhalten. Wer aber an seiner statt im Grab Nr. II, Reihe 21, Revier 15 A, ruht— das dürste nicht mehr ermittelt werden können. Afolltsg, 28. Januar,,„ Berlin. 11.00 und 14.00 CleclroU-PIalten. 15 30 Margarete Caetnoierer: Selbatbetinnunr 16.00 Oberlfirtter Raab: Schuir dea Waldes al« WirUchafU(ut 16.30 KonrerL I. Beethoven: Sonate D-Our 0p. 13 Nr. I, 2. Pertolese, Mozart, Puecinl(Lieder). 3. Mozart: Sonate D-Dnr er.-V. 576). 4. Sudero. Brehms. Pich. Strang(Lieder). 17.30 Novellen.„Jacqueline und die Japaner" von Heinrich Eduard Jacob. RIO OeuUcber Sprachverein: Sprachliche Plaudereien. 18.30 Hans-Bredow-Schule. Englisch für Anfinger. J9.no Ludwig Kenner: Emftihruog zu der Uebertragung aus der Stldt Oper. 19.30 Uebertragung ans der SUdt. Oper:.Königskinder". AnsehlieSeod bis 0.30 Tannooarfc(Kapelle Oerhard Holtmann i. Königzwnzterhansen. 12.00 Englisch für Schüler: The English Secref. 13.45-1415 Bildlunkversuche. 14JD Mkrchen und Geschichten-(Gelesen von Gertrud van EyserenJ 15.40 Elze Marquardaen-Kamphövee: Orientalische Mgrchen. KLOO EcanzOetsch(ksttniknodUeh-liteearfecbe StaadeK Der Geenich. Friedrich August, einst Geenich von Sachsen, kommt während des Krieges einmoi in die Etappe zu den sächsischen Truppen. Da wird er aus einen Dresdener Grenadier aufmerksam gemacht, der sich schon wiederholt durch Tapferkeit vor dem Feind ausgezeichnet habe. August sucht an der Brust des Grenadiers ver- geben- nach einem Ordensband. Schließlich fragt er den Kom pagnieführer: „Warum is'n dar»ich dägorierd?" „Er säuft, Majestätt" sagt der Hauptmann. Da entscheidet der als alkoholfreudig bekannte Geenich: „Dann griechd er die Friedrich-August-Medaille!" Ein französischer Domela. Er stellt seinen deutschen Kollegen wett in den Schatten. Sein Name ist Arthur Guerin. Er zählt 24 Jahre und kann sich einer ziemlichen Reihe von Strafen rühmen. Als er dos letztem« l aus dem Gefängnis entwich, legte er sich den Nomen Prinz von Serizai bei, Bicomte von St. Rioeult. Er mietete sich«ine erst- klassig eingerichtete Wohnung, einen Portier und ein Auto. Im Nu waren ihm die Türen der höchsten Gesellschaft geöffnet. Auch über Kredite verfügte er nach Herzenslust. Der Prinz von Wales wurde ihm vorgestellt. Er ließ sich vom Erzbischos von Paris, dem Kardinal Dubois, empfangen, um für seinen Wirt einen päpstlichen Adelstitel zu erbitten, und versprach ihm dafür ein Hau» in Mans. Zwischen- durch machte er die Inneneinrichtung seines Wirtes zu Geld. Dann verfiel er auf einen neuen Trick: er ließ das Gerücht mrbreiten, sein Later sei gestorben und habe ihm ein großes Vermögen hinter lassen Es könne jedoch noch«in« Weile dauern, bis er die großen Summen ausgezahlt erhalle. Jetzt begann für den Hochstapler erst recht ein Schlaraffendosein. Man wetteifert« um den Vorzug, ihm Darlehen zu gewähren. Nun gab es für ihn kein Halten mehr. Seinen Freund Hardelet schlug er zum Herzog, seine geisteskranke Mutter wurde zur Fürstin Ärezai. Doch alles Glück nimmt einmal ein Ende: eine ganz unbedeutende Schwindelei brachte ihn aus deni Traum in die Wirklichkeit zurück. Diese hieß Gefängnis.' Meteor zündet ein Landhaus an. Wie durch einwandfrei« Aussage mehrerer Zeugen festgestellt werden konnte, ist ein Bauernhaus in Greendale im Staat« New Hork durch einen Meteor in Brand gesteckt worden, der sich in Ge- stall einer Feuerkugel aus das Dach setzte, dort zerstob und zündete. -Sofort prasselt« der ganze Dachstuhl. Di« Versuch« der Nochdorn. die Einwohner zu retten, hatten nur teilweis« Erfolg. Eine Frau und ihr Kind kamen in den Floittmen um. Fünf ander« Personen erlitten ziemlich schwere Derletzungen. Die Geburt im brennenden Maus.» In Caßoill« in Wisconsin(Ver. St.) brach«in heftiger Dachstuhlbrand au». Wöhrend die Feuerwehrleute den Brand be- kämpften, gqd di, in dem Hause wohnend« Frau Matt Adrian zwei kräftigen Jungen das Leben. Der hinzugerufen« Arzt, der trotz des Brandes seiP Verrichtungen in aller Ruhe durchsührt«, wickelt« die Zwilling« noch der Geburt schnell in wollene Tücher und schaffte sie und die Mutter in einen Gemüsekeller in der Näh«. Hau» und Mobilar wurden vom Brande völlig vernichtet. Das Warnungsschild. Am Eingang de» französischen Dorf«, Areillac findet der Automobilist ein« Warnungstafel mtt folgender Inschrift: „Fohren Sie langsam, so sehen Sie unser. Dorf: das ist sehr hübsch Fahren Sie schnell» so sehen Sie unser Gefängnis: dos ist sehr feucht." Die Tagung der Freien Segler Große Mehrheit für die Zentralkommission.- Die ,, Opposition" fällt glänzend durch! Als einer der letzten Berbände der Zentralfommiffion für Arbeitersport und Körperpflege behandelte geffern die Generalversammlung des Freien Segler- Berbandes, die im Saalbau Friedrichshain tagte und von den Bereinen aus Berlin und dem Reiche start besucht war, die Frage der Zugehörigkeit zum neuen Arbeitersportfartell. Die Opposition fuhr gleich schweres Geschütz auf, fchidie alle möglichen und unmöglichen Redner vor und versuchte in der befannten Art und Weise gegen die Zentraltommiffion, ihren Geschäftsführer Wildung und den Berbandsvorfihenden Pahl vorzugehen. Natürlich follten wieder einmal die Mitglieder vergewaltigt worden sein, man verteidigte die Demotrafie, was sich bei Leuten, die gern nach Moskau schielen, immer befonders überzeugend ausnimmt. Jedenfalls deuteten alle Anzeichen darauf hin, daß man auch auf diefer Tagung ausgezogen mar, für das Kartell der kommunistischen Parteizentrale eine Eroberung zu machen. Provinziolkartell, Stüglmaier vom Arbeiter- Turn- und Sportbund, von ,, Solidarität" den Gauleiter Seeger, von den Arbeiterathleten Heinrich, den Bertreter des Wassersportbeirates, Ney, Oberturnrat Preuß vom Stadtamt für Leibesübungen und die Vertreter der Bresse begrüßen. Bildung überbrachte im Namen aller die besten Wünsche. In seinem Vortrag über Wafferrecht, Fischereiabgaben, Steuerfragen bedauerte der Sachbearbeiter im Verbande, Leopold, daß erit durch eine öffentliche Behandlung der Fragen die Behörden und zuständigen Stellen aus ihrer Letargie aufzuscheuchen sind. Bei persönlichen Rücksprachen stellt sich meist völliges Desintereffe der Beamten heraus und wenn überhaupt Erfolge zu verzeichnen sind, fo ist das lediglich auf den festen Zusammenhalt im Verbande und das energische Auftreten der Unterhändler zurückzuführen. Eine Aher es tam anders, ganz anders, als es sich so die Strategen Arbeitsgemeinschaft, in neuerer Zeit gebildet, aus interum den kommunistischen Stadtverordneten Lange effierten Bereinen und Organisationen, gedenkt baldigit den entgedacht hatten. Die Gegenseite war gerüstet. Die Opponenten um scheidenden Kampf gegen den staatlicherseits erhobenen Wasser. jeden Preis stießen auf Gegner, die sich fein tommunistisches Iins aufzunehmen. Es ist erfreulich, daß sich auch die Stadt Berlin für ein Einigkeits- ll nonmachen ließen und so scheiterte der Borstoß. diesem Kampfe anschließen wird. Besonders schwierig sei der Kampf Ganz leidenschaftslos und ganz fachlich, hur durch die Bucht der gegen die Fischer und ihre auf uralte Brevilegien begründeten Argumente wirkend, trat man den Störenfrieden entgegen. Ohne Fischereiabgaben. Außerhalb des Fischereigesetzes stehend, auf die bekannten tausend Einzelheiten, die ja nie totzufriegen find, trogen sie jeder gerichtlichen Bearbeitung. Bei dem Erlaß neuer einzugehen, wurde die Sache als eine Frage des Prinzips Wasserstraßenordnungen ist zu bemerken, daß man allentbehandelt. Die Feststellarg der Redner, daß es sich ganz einfach halben den Sport zu drosseln sucht und daß man der Schiffahrt darum handele, Rechte einräumt, die fast auf eine Beseitigung des Wassersports hinauslaufen. Leopold forderte dann, daß bei der bevorstehenden Reubildung der Wasserstraßenbeiräte die Sportorganisationen maß gebend beteiligt werden. Abzulehnen sei die ob der Freie Segler- Berband auch in Zukunft der Zentraltommiffion angehören. wolle, oder ob er es vorziehe,„ klassenbemußt unorganisiert" zu merden, schlug wie eine Bombe ein. Darauf hatten sich die Schlaumeier von Oppofitionshelden nicht vorbereitet und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als in Gemeinschaft mit den„ Reformisten" einem Antrag zuzustimmen, der erneut den Willen des Berbandes zur Mitgliedschaft in der Zentralfommiffion gang bestimmt festlegt. Der Communistische Stadtverordnete Lange glaubte in seiner Rede gegen die Zentralkommission all die befannten Unfmnigfeiten vorbringen zu förmen, die man auf jeder Tagung von Arbeitersportlern hören fonnte. Aber der Seglertag lehnte fehr entschieden ab. Die Abfuhr, die Lange durch den Berhandlungsleiter Scheffner Königsberg erfuhr, machte ihn so verbugt, daß er vollends aus dem Konzept fam und sich in eine ellenfange Geschäftsordnungsdebatte mit Brotesten und Feststellungs. anträgen einlassen wollte. Aber da tam er schön an. Scheffner gab ihm die Rechte, die ihm als Redner zustanden, aber auch feinen Deut mehr. Herr Lange mußte sich wieder einmal mehr in feinem jungen Leben sagen lassen, daß Großmäulichkeit gepaart mit Unverschämtheit eine Eigenschaft ist, die man bei gesitteten Menschen nicht gern hat und daß man solche Leute dorthin schickt, wo sie hingehören. Mit überwältigender Mehrheit entzog der Verbandstag dem Lange das Wort, was ihm offenbar noch nicht oft paffiert mar. Der Seglertag ehrte sich damit selbst, indem er eine Gemeinschaft mit Auch- Sportlern ablehnte, die lediglich zu dem Zwed Don höherer Stelle in die Organisationen entfandt werden, die Einigkeit und Aufbauarbeit zu stören und Eroberungen für Organisationsgebilde zu machen, die uns land und mesensfremd find. Lange und feine Gefimmungsfreunde mußten blutenden Herzens zusehen, wie selbst ihre so schönen Resolutiöndhen unter den Tisch fielen, gar nicht erst aur Abstimmung gebracht murden. Und mit diesen Entscheidungen ist der Freie SeglerVerband das geblieben, mas er war: Ein vollwertiges Mitglied der Zentralfommission und damit der Gesamtarbeiterbewegung! polizeiliche Bevormundung und Beaufsichtigung der WasserSportler; Oberturarat Dr. Breuß, bat um Zusammenfassung und Einreichung ber berechtigten Beschwerden und Wünsche der Arbeiterfegler. Für die Stadt Berlin sagte er wohlwollendste Prüfung und Unterstügung zu. Folgende Forderungen fanden die Zustimmung des Verbandstages: Der Freie Seglerverband wendet sich an die kommunalen Instanzen mit dem Antrage, dem Arbeiterwassersport die gleiche Förderung angedeihen zu lassen wie andern Sportarten. Bon der Stadt Berlin verlangt der Verband, daß sie den Bereinen, die ihre Bootspläge aufgeben müssen, städtische Uferstüde verschafft und die schwebenden Beschwerdefälle dadurco aus der Welt schafft. Im weiteren werden folgende Forderungen erhoben: In Ausführung des Uferwegegesetzes und der Freiflächenausweisung gemü gend Üferstreden für Wassersportanlagen und Bootsplätze zu bestimmen, die nicht weiter verbaut werden dürfen. Mit den Sportorganisationen über die Ausweisung von Wassersportufern in Verhandlungen einzutreten und Anträge einzufordern. Freihaltung der stadteigenen Ufer von der weiteren Bebauung und Benachrichtigung der Wassersportverbände über beabfichtigte üferbebauung und Üferaufteilung, um dadurch Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Festsetzung der Bachtpreise für Wassersportufer, wie sie der Verzinsung des landwirtſchaftlichen oder forstwirtschaftlichen Nutzungswertes entsprechen. Freimachung der Arbeiterieglervereine von Abgabenlasten und unberechtigten Steuern. Bestellung einer städtischen Amtsstelle oder eines Dezernenten, welche den Schuß und die Fürsorge für die Arbeiterfegler und andere Wassersportler wahrnehmen. An das Stadtamt für Leibesübungen wendet sich der Freie Seglertag mit der Bitte, die Wünsche der Freien Segler bei der Stadt zu befürworten und zu vertreten. Segler" Lange! Aus Seglertreisen schreibt man uns: Eine ganz besonders interessante Neuerwerbung für den Arbeiterfegelsport lernie der Seglertag in der Person des tommunistischen Berliner Stadtverordneten Lange fennen. Segler" Lange ist derselbe, der in der Stadtverordnetenversamm lung ständig auf allen Seiten des Hauses Heiterfeit erregt. Er ist im Rathause das, was die bekannten weißgeschminkten Männer im Zirkus find. ,, Segler" Lange ist zwar erst drei Monate Mitglied eines Bereins, ist außer auf einer Dampferpartie mit der Schule nody nie auf dem Wasser gewesen, hat sogar nicht einmal ein in der Wassermacht" ist trotz aller ihr anhaftenden Mängel Boot, aber er ist Führer der Opposition auf dem Seglerein Organ der Selbstverwaltung zu sehen, das erzieherisch und fon tag! Run find die Segler zwar sehr geduldige Leute, wenn zum trollierend wirken kann. Besonders aftuell sei gegenwärtig die Beispiel stundenlang kein Wind aufkommen will, aber für die Frage der Beschaffung von Bootsplägen in den Groß- Mäßchen des Herrn Lange hatten sie gar kein Berständnis. Und als Städten. Hier zeigt sich die verschiedene Auffassung der Losung:" Segler" Lange glaubte, mit selbstgemachtem Wind den aften, Freies Ufer om freien Strom. Die Interessen aller zu vereinigen, erfahrenen Seeluten einen Oppositionssturm voriäuschen zu können, ist sehr schmer. Der Referent betonte am Schluß seiner Ausführungen da haben sie den vorlauten Knaben auf eine Sandbant zum Trocknen die Absicht der freien Segler, meder Sonderrechte noch Ertragesezt und haben ihm bedeutet, er möge sich erst einmal die Nase vergünstigungen zu verlangen. Was gefordert wird, bewege sich im pugen! Rahmen des öffentlichen Rechtes und des Gemeinwohls. = Die Aussprache über den Vortrag ergab Einstimmigkeit darüber, daß nur eine enderung der gefeßlichen Be timmungen Besserung schaffen tann. Mehr als bisher muß der Segelsport Unterstützung finden; er ist kein Sport feudaler Bevölterungsfreise mehr, vielmehr den anderen Arbeitersportarten gleichzustellen. Der Bertreter des Stadtamtes für Leibesübungen, So endete ,, Segler" Lange auf dem Seglertag. Bevor er aber wieder einmal Lust verspürt,„ Führer der Opposition" zu spielen, ist ihm zu raten, den Unterschied zwischen einer Rotfrontfämpferversammlung und einem Verbandstag der Freien Segler zu studieren. Besser ist es allerdings, er läßt sich nie wieder auf solchen Tagungen fehen. Die Segler verzichten gern auf berufsmäßige Ständer und Krafeler! Wintersport überall. Die deutschen Meisterschaften.- Eislauf.. Der zweite Tag der Eissportwoche in Titisee bradhte als wichtigstes Ereignis den ersten Teil der Deutschen Meisterschaft im Eisschnellaufen, und zwar die Läufe über 500 und 5000 Meter. Die furze Strecke wurde am Vormittag bei schönem Wetter und guten Eisverhältnissen erledigt. Die beste Zeit lief der Münchener Sandner heraus, doch standen ihm der Berliner Meister Barwa und der Münchener Donaubauer mir wenig nach. Der deutsche Meister Bollstedt Altona, der in diesem Lauf nur Fünfter werden fonnte, zeigte erst am Nachmittag im 5000- Meter- Lauf so recht seine gute Form. Trotz leichten Schneefalls bewältigte er die Strede in einer Zeit, die nur um 2 Sefunden schlechter ist als sein eigener Rekord. Donaubauer, der sich hier als zweiter placierte, mar um mehr als 30 Gefunden zügen bereits am 21. d. M. im Abend" in dem Aufsak„ Bor- langsamer. Zu den internationalen Schnelläufen waren die Wiener schau auf den Seglertag" mitgeteilt. Gegenüber diesem Kampf um das Prinzip der Organisationsform treten die übrigen Berhandlungspunkte fast zurüd. Den Ge. fchäftsbericht des Borstandes haben mir in seinen Grund 33 Vereine mit 1915 Mitgliedern gehören dem Verbande an, gewiß eine stattliche Zahl von Berufs: tätigen, die unter großen Opfern den Segelsport betreiben. Der rührigen Agitation des Vorstandes und der geschicten Borarbeit der Mitglieder ist es gelungen, im vergangenen Jahr sieben neue Bereine mit rund 300 Mitgliedern zu gewinnen. Kasse, Schrift führer, Redaktion, Jugendleiter, Technische Kommission, Wettfahr. ausschuß, Langfahrtenausschuß haben zur Zufriedenheit der Mite gliedschaft gearbeitet, menigstens hatten Herr Lange und seine Leute daran nichts auszusehen. Von den angenommenen Anträgen find nur wenige von allgemeinem Interesse. So beschloß man, die Lufttästen in den Booten bei Regatten beizubehalten, über die Anschaffung eines seegehenden Fahrtenfreuzers eine Ulrabstimmung vorzunehmen und am 27. und 28. Juli eine Ber bandsmettfahrt auf dem Rageburger Eee bei Lübeck abzu= halten. Mit der Beibehaltung der bisherigen Beiträge war die Einheitsfront wieder hergestellt. Bei den Borstandswahlen drohte dann der Streit um des bisherigen Borfizenden Stellung zur Zentralfommission wieder auszubrechen. Da aber der Ber bandstag in der Frage bereits entschieden hatte, so war die Linie flar gezeichnet. Herr Lange schlug natürlich einen feiner Gefinnungsfreunde vor, von dem nur foviel zu sagen ist, daß er völlig unbegabt an Vorstandseigenschaften ist, aber mit 24 Stimmen unter lag er gegen Bahl, der 59 Stimmen auf sich vereinigte. Für die anderen Borstandsämter zeigte die Opposition gar fein Intereffe, ihnen wäre es lediglich auf den ersten Borfizenden an gekommen, um damit eine Machtpofition bei der Parteipolitifierung der Spartbewegung mehr zu haben. Aber da müssen sie sich schon noch etwas gedulden; vorläufig sind die freien Segler noch im Fahrwaffer der modernen Arbeiter hemegung unb fie werden jeden erbarmungslos ausschiffen, der gegen die Disziplin an Borb und gegen die Einheit der Mann schaft etmas unternehmen will. Läufer Bolatschet und Reiter in legter Minute doch erschienen; sie spielten in den von ihnen bestrittenen Konkurrenzen eine dominierende Rolle. Die in drei Läufen ausgetragene Südwestdeutsche Die Schnellaufmeisterschaft holte sich der Stuttgarter G. Rau. Kunstläufer erledigten am Sonnabend ihre Pflichtübungen. Während bei den Junioren Wellmann- Berlin, Groß- Triberg und Bettner- Wangen gleich gute Aussichten haben, liegt bei den Senioren Meyer- Labergo( München) flar in Front. Ergebnisse: Deutsche Meisterschaft, 500 Meter: 1. Sandner- München 52,6; 2. BarwoBerlin 52,8.-5000 Meter: 1. Vollstedt 9: 35,6; 2. Donaubauer 10: 10,3. Submestbeutsche Meisterschaft, 300 Meter: 1. Rau- Stuttgart 59,3; 2. RiegerSchemmingen 1:01. 1000 Meter: 1. Rau 2: 10,4; 2. Uieger 2: 13,3. 3000 Meter: 1. Quattländer 6: 43,1; 2. Rieger 7: 06,7. Gesamt: 1. Rau; 2. Rieger. Internationales Seniorenlaufen, 500 Meter: 1. Bolatschef- Wien 50,6; 2. Reiter- Wien 51,6. Jnternationales Juniorenlaufen, 500 Meter: 1. Reiter- Wien 51 Gef.; 2. Donaubauer 52,4. 1500 Meter: 1. Reiter- Wien Verbands- Juniorenlaufen, 3000 Meter: 1. Donan 2: 50,1; 2. Müller 2: 31,4. bauer 5: 52,6; 2. Gandner 5:54. Bei schönem Wetter gelangten auf der 1350 Meter langen Bobbahn an der Talsperre in Krummhübel die deutschen Rodel meisterschaften auf Kunstbahnen durch den Rodelklub Krummhübel zur Durchführung. Die Bahn, die sieben überhöhte Kurven aufmeift, befand sich in gutem Zustande, es lag aber sehr viel Neuschnee darauf, so daß teine besonders schnellen Zeiten gefahren werden fonnten. Die schnellste Zeit für zwei Bahnen holte die neue Damenmeisterin 2. Sampel( Krummhübel) mit 3: 34,3( 1: 44,8 und 1: 49,5) heraus. Die Herrenmeisterschaft gewann H. Breiter ( Brüdenberg), im Herrendoppelfiger holten sich Albert und Friedrich Boffelt die Meisterwürde, und im Damenzweisiger fiel die Meisterschaft an M. Pfaue E. Winkler( Schierle). Arbeiter- Skifahrer in Potsdam. Starker Uebungsbetrieb. Der gestrige Trainings- und Uebungstag erfreute sich einer überaus regen Beteiligung. Nach einstündigem Langlauf durch den dickverschneiten Winterwald tamen an den Hängen des Meinen Ravensberg Anfänger und vorgeschrittene Läufer in Uebungsfurfen zur Tätigkeit. Der Anfängerturfus brachte Gleichgewichtsübungen, wie Abfahrt auf einem Bein, Abfahrt in wechselnder Ausfallstellung, Ale Gäfte founde der Vorsitzende Bohl in feiner Eröffnungs in tiefer Sode, und anderes mehr, sowie Borübungen für Bogen rebe am Sonnabend den Geschäftsführer der Sentraltonumiffion für und Schwünge. Die vorgeschrittenen Läufer murden in Christel" Arbeitersport und Körperpflege Bishans, Debtsläger met paterni, Rach breistündigem Betrieb, mobei wwww - Rodeln. die Schwierigkeiten durch Benußung verschieden steiler Hänge gesteigert wurden, gab es wieder 1% Stunden Langlauf. Nach der furzen Mittagspause übten die Anfänger am Teufelsfee auf eigene Faust. Die Borgeschrittenen machten sich mit der Technik der Sprünge: Umiprung, Quersprung und Geländefprung, vertraut. Viel Freude machten die Gemeinschaftsübungen, wobei bis zu 15 Läufer auf einmal den Hang hinunterflogen und alle möglichen Uebungen und Schwünge nach vorher festgelegtem Plan ausführten. Gegen 4 1hr wurden die Hölzer wieder heimwärts gelenkt. Stiläufer des 1. Kreises, die nicht dabei waren, haben viel versäumt. Das sagten auch diejenigen, die erst am Mittag zu uns Nächstes Training Dienstag, 7 1hr, Bahnhof stießen. Wilhelmshagen. Die württembergischen Arbeiterwintersportler übergaben am Sonntag die neuerbaute Sprungschanze Roter Grund" bei Schwenningen ihrer Bestimmung. Dazu hatten fich 2000 Wintersportler und Arbeiterwintersportinteressenten eingefunden. Die Sprungschanze im Grunewald war am Sonntag das Ziel vieler Tausende von Wintersportfreunden. Bei den guten Schneeverhältnissen präsentierte sich die Anlage in bester Berfassung, so daß die vom Norddeutschen Stiverband durchgeführten Wettbewerbe einen sportlich gelungenen Verlauf nahmen. Gleich der Eröffnungssprung, den der Innsbrucker Pfeiffer ausführte, wurde mit seinen 22 Metern Weite von keinem anderen mehr erreicht. Auch im Wettbewerb selbst erreichte Pfeiffer die besten Weiten, tam jedoch beim dritten Sprung zu Fall. Am besten schnitt der in der Altersklasse startende Leipold( Sticlub Mittelmark) mit der Note 17,5 ab bei Sprüngen von 18, 17 und 16,5 Meter. In Klasse I siegte Pfeiffer- Innsbruck mit Note 13,62( 20%, 18, 20 Meter gest.), von Klaffe II Seeland( Berliner Schneeschuhclub) mit Note 16,910( 14%, 15, 15 Meter) vor Heß( Stiverband Sachsen), Note 11,540, 14, 14% Meter) und Frech( Raureis) mit Note 11,410( 15, 15 Meter).* Die Kämpfe um die Berliner Eishockey- Meisterschaft murden mit dem Treffen Brandenburg- Behlendorf fortgefeßt. Die Brandenburger tonnten sich auf dem anscheinend zu feinen Spielfelde in Zehlendorf zunächst nicht recht entwickeln, liefen dann aber in der dritten Spielzeit zu ihrer besten Form auf und siegten mit 8: 1( 1: 0, 2: 1, 5: 0). In der ersten Klasse fonnte der Berliner Hodey- Club, der am Tage zuvor gegen den Sportverein 92 mit 1:16 verloren hatte, über den Tennisklub Schwarz- Grün frapp mit 2: 1 die Oberhand behalten. a Trabrennen in Ruhleben. Breis non Briefen: 1. Sellig( Serm. Schleusener). 2. Friedericus Rer, poise, Sale: 17:10, la: 12, 8, 16:10. Ferner Tiefen: Linde, Bellairift, Gun de Bal. Meifterfus, Brimobonna, Maimorgen, Steibhammer. Breis non Arenaben: L. Relly Arnolb( Bef.), 2. Quinteffens, 3. Mary Gun. Tota: 24:10. Blat: 20, 34, 36:10. Ferner liefen: Zierde, Rushaga Bor, dbell. Que nahis, Seini Duffn. Lord Roln, Diana Magoman, Lu, Satadu 1, Antimon, Terraria, Cirono, paga Burton, D'Captain Leerberg, Friedrichad'or. Julduber Flieger- Preis: 1. Debemann( 3. Mas), 2. Michael, 3. Nation. Toto: 54:10. Blog: 15, 31, 13:10, Ferner liefen: Ingrid Halle, Sphing omines, Staglio, nithe Brión. soles 1. Gen( Deut. Edlenfeand. 2.& Maher I. Toto: 35:10.: 1, 2, 10:00. See: Scientists, Widerstehen, Gifm peier, Luchs, Einsicht, Menahs, Zinsto, Armenier. Breis non Glien: 1. Srne Fox( Sauß jr.), 2. Interpellant, 3. Billy Toto: 13:10. Blag: 11, 15, 13:10. Ferner liefen: Baron Gilvester, Demenphine, Fels, Trotteur. Breis von Biederau: 1. Blanet( Raupper jr.) 2. Alpenfeuer, 3. Rehoferin. Cato: 23:10. Blas: 11, 11, 18:10. Ferner liefen: Turandot, Naturbursche, Louisette( 2. s. B.), Orientale, Monostatos, Erster Seehofer, Aldisa. Breis von Baltersdorf: 1. Intereffent( Bef.), 2. Abdullah Gilver, 3. Barsmeter. Toto: 39:10. Blak: 15, 24, 20:10. Ferner Tiefen: Rotula, Jmporteur, Freibeuter, Eulenspiegel( o. W.), Morgentan, Dele Marion, Copal, Kerrigan ir. Craffus. Preis von Sasenwinkel: 1. Sarfenmädchen( 3. Sinorasti), 2. Steinnelle, 3. Freibeuter. Tofo: 37:10. Blag: 13, 12, 25:10. Ferner/ liefen: Meisterstück, Einsiedler, Esparfette, Dele Marion. ARBEITER FUSSBALL Vom Spartentag. Eine beachtenswerte Tagung der Spielvereinigung im 1. Kreis fand am gestrigen Sonntag statt. Aus den Berichten des Vorstandes war zu entnehmen, daß die Spielvereinigung in den letzten drei Monaten einen gewaltigen Aufschwung genommen hat. Von 60 Mannschaften, die bei Beginn der Serie am Spielbetrieb teilnahmen, wuchs die Bewegung auf über hundert Mannschaften. Daß der gesamte Kreisvorstand dabei eine Unmenge Arbeit leisten mußte, ist selbstverständlich. Die Hauptarbeit hatte allerdings der Techniker mit seinen beiden Helfern. Erfreulich ist, daß von etwa 160 ausgetragenen Spielen nur zwei Einsprüche einliefen. Die Hauptarbeit machte die Einteilung zur neuen Serie. Fast drei Stunden waren nötig, um alles ins richtige Geleise zu bringen. Die Einteilung wurde folgendermaßen festgejezt: I. Klasse, Abt. A.: Ludenwalde I, Rathenom, Brandenburg Havel, Luckenwalde III, Sofol- Charlottenburg, Luckenwalde V, Ruhlsdorf, Lichtenberg I, Eiche- Köpenid und Tempelhof. Abt. B: 13 olgo 4. 4. Klaffe- 2. Klasse. Toil Der Umbau der alten Wagen. Ottober nur sehr wenig Zeit vorhanden war, waren bekanntlich von den Reisenden heftige Klagen über die äußerst unbe queme Ausrüstung der umgebauten 4.- Riaise Ba gen laut geworden. Die Reichsbahnverwaltung, die sofort eine Abstellung dieser Mängel zugesagt hatte, hat nunmehr veranlaßt, daß 9000 Wagen der 4. Klasse vollständig nach Art der früheren 3.- klasse- Wagen umgebaut werden sollen. Wagen werden Bänke mit Rückenlehnen erhalten, außerdem werden Abteilmände gezogen und auch die sonstige Ausrüstung, Fenstervorhänge usm. den 3.- klasse- Wagen angepaßt werden. Dieser Umbau, mit dem die Werkstätten sehr start beschäftigt sind, wird spätes stens Ende dieses Jahres ausgeführt sein. Diese Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft hat| Reichsbahngerichts über die umstrittene Tariferhöhung, Anfang seit Inkrafttreten des neuen Reichsbahntarifs vom 7. Oftober 1928, der die Einführung des Zweiflassensystems, der Holz- und Polsterflaffe, brachte, interessante Erfahrungen über die Auswirkung dieser Maßnahme sammeln fönnen. Es hat fich nämlich gezeigt, daß eine beträchtliche Aufwanderung von der Holzklasse in die Bolsterklasse erfolgt ist, die etma 30 Proz. beträgt. Infolge dieser Tatsache ist ein Mangel an Wagen der früheren 2. Klaffe fühlbar geworden, und die Reichsbahn- Gesellschaft hat deshalb 750 neue Wagen für die Bersonenzüge in Auftrag gegeben, die als Einheitswagen einen ganz neuen Typ darstellen und nach Ansicht der Reichsbahnjach verständigen geeignet find; die 3utunftsmagen des Eisenbahnverfehrs zu werden. Diese neuen Waggons, von denen einige bereits im Ruhrgebiet auf der Strecke Dortmund- Köln in Betrieb genommen wurden und sich gut bewährt haben, haben vier Achsen und ähneln in ihrer ganzen Konstruktion den bisherigen D- 3ug- Wagen. Wie diese, haben sie einen großen Mittel gang, und der Wagen ist in drei große Abteile gegliedert, die wiederum in die einzelnen fleineren Abteile aufgeteilt sind. An beiden Seiten des Wagens, an den Türen, befinden sich außerdem große Aufenthaltsflächen, die das Ein- und Aussteigen der Reifenben erheblich erleichtern. Ferner sind die Wagen mit doppelten Türen ausgerüstet. Bei der Umstellung, für die infolge des späten Urteils des Allerdings wird die Reichsbahn für die im Nahverkehr eingesetzten Personenzüge noch einen erheblichen Teil 4.- klasse- Wagen in ihrer bisherigen Form und Ausrüstung verkehren lassen. Diese Maßnahme wird durch den sogenannten Marttverkehr bedingt, denn den zu den Märften und mit großen Traglasten vom Lande in die Städte fahrenden Reisenden wäre nicht mit einer Aenderung des eigentlichen 4.- klasse- Wagentyps gedient, der bekanntlich sehr viel Raum für die Unterbringung von Körben, Kiepen usw. aufweist. Aus diesem Grunde wird von den 30 000 4.- Rlaffe- Wagen, über die die Reichsbahn verfügt, nur ein Drittel für die für den Reiseverkehr eingerichtete Holzklasse umgebaut werden. Wie findet man das richtige Haus? Luckenwalde II, Karow, Weißensee, Hertha- Luckenwalde, Nowawes, Beleuchtungsproben für Hausnummern und Straßenschilder gebaut wurden, sind jetzt Mietvereinbarungen getroffen worden, mo = Reukölln, Woltersdorf Luckenwalde, Hoppegarten, Eisenspalterei, Oberspree und Germania- Pankow. Gruppe Elbe: Havel: berg 1, Kyriz, Berleberg 1, Britwalk, Warnsdorf, Havelberg 2 und Perleberg 2. Der Sieger dieser Gruppe nimmt an den Meisterschaftsspielen der 1. Klasse teil. aus. II. Klasse, Abt. A: Jüterbog, Schöneberg, Bankow, Lichtenberg II, Potsdam, FTGB.- Mitte, Kloster Zinna und Kaputh. Abt. B: Treuenbriegen, Wacker- Briz, Kezin, Butab, Zehlendorf, Schweifsterne, Stralau, Kladom.- Abt. C: Moabit, Sofol- Mitte, Trebbin, Reinickendorf, Werder 77, Sagonia und Michendorf. Die Meister jeder Abteilung spielen sich den Meister der 2. Klasse Gruppe udenwalde, 2. Mannschaften: Hertha 2, Luckenwalde I 2, Luckenwalde II 2, Luckenwalde III 2, Luckenwalde V 2, Luckenwalde I Altersmannschaft, Luckenwalde I Alt- Jugend, Löwendorf 1, Woltersdorf 2. Gruppe Berlin, Abt. A: Brandenburg 2, Rathenow 2, Neukölln 2, Oberspree 2, Werder 2, Potsdam 2, Nowawes 2, Knoblauch 1.2bt. B: Eisenspalterei 2. Lichtenberg I 2, Germania 2, Karow 2, Lichtenberg II 2, Weißensee 2, Oderbruch 1. Die Ersazwahlen hatten folgendes Ergebnis: Zum 2. Kreis- Techniker für Berlin und I. Klasse wurde Hoelte, Germania- Pankow, gewählt. In Gruppe Elbe fiel die Wahl auf Mierbach Perleberg. Schriftführer und Presseobmann wurde Schulz Tempelhof. Schiedsrichterobmann Sopart Lichten berg I. Kassierer Scheller- Butab. In seinem Schlußwort forderte Schünemann die anwefen den Vertreter auf, in ihren Vereinen weiter so wie bisher für die Idee des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und die Sozialistische Arbeitersportinternationale zu wirken. Fußball im Schnee. Die schneebedeckten Spielfelder machten ein einwandfreies Spielen unmöglich. So kommen auch die hohen Resultate zustande. Lichtenberg II weilte mit zwei Männermannschaften bei Neukölln. Während sich die II. Mannschaft Lichtenbergs mit der hohen Niederlage von 2: 9 abfinden mußte, gelang der ersten Elf ein Unentschieden 5: 5. Allerdings mußte dieses Spiel des Schneetreibens wegen abgebrochen werden. Stralau fonnte sich auf dem äußerst glatten Boden nicht finden. Mit 11: 0 geschlagen, traten die Stralauer die Heimreise an. Internationaler Arbeiter- Handball. Die Bundesspielleitung des ATSB. hat den Wiener Turnspielausschuß eingeladen, eine Auswahlmannschaft der Handballer nach Deutschland zu entfenden, um hier insgesamt viel Spiele in Hannover, Bremen, Bielefeld und Osnabrück auszutragen. Die Spiele sollen als große Propagandaveranstaltungen vor sich gehen. Eisfest im Polizeistadion. Morgen, Dienstag, veranstaltet der Bolizeisportverein auf seiner an der Maikäfertaserne, Chausseestraße, gelegenen Eisbahn ein großzügig aufgezogenes Eisfest. Um die Jugend recht turzweilig zu unterhalten, werden zahlreiche Wettbewerbe veranstaltet, u. a. Wettläufe für Knaven und Mädchen, Eislaufpolonaise, Schneeballschlacht, ferner ein Eisbahnfeuerwerk und andere lleberraschungen. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. Ruderverein„ Vorwärts". Nach dem Beschluß der letzten Generalversammlung müssen alle Mitglieder bis zum 31. März ihre Organisationszugehörigteit nachgewiesen haben, andernfalls sie ausgeschlossen werden. Alle Mitglieder, die nicht in der Generalversammlung waren, werden deshalb gebeten, den roten Fragebogen ausgefüllt mit den dazugehörigen Unterlagen umgehend an den ersten Schriftführer Rißner, Berlin D 112, Lenbachstraße 8, einzusenden. Der Verein fann noch einige Mitglieder in der Männerabteilung aufnehmen sowie auch Mitglieder mit eigenen Booten. Aufnahmen können in der Versammlung, Sonntag, 3. Februar, 16 Uhr, im Bootshaus, Oberschöneweide, Wilhelmsstrand, erfolgen. 18. Berwaltungsbezirk Weißenfee. Kartellausschußfizung heute, 19% Uhr, bei Minge, Beißenfee, Lothringer Straße 32. wo 33% Proz gefenti merden fönnten. In Neubauten am Braunschweiger Ring, die von einer anderen Gesellschaft tatsächlich die Mieten 33% Proz. niedriger liegen. Herr Marburger wies auch darauf hin, daß die Tempelhofer Feld A.-G. in den legten vier bis fünf Jahren immer mit Berlust gearbeitet hat. Sieht man aber in die anderen Unternehmen des Herrn Haberland hinein, so stellt man fest, daß dafür die Berlinische Bodenbau 2.-G., die die Häuser der„ Tefag" baut, 22 Proz. Dividende ausschüttet. Der Referent behauptete, - selbst Banffachmann daß eine Firma mindestens 50 Broz. Reinverdienst haben muß, wenn sie 22 Pro3. Dividende verteilt. Die Verfammlung begrüßte das Eingreifen des Stadtrats Genossen zeminsti bei der Mietfestießung am Braunschweiger Ring und bat um seine Unterstützung für die Häuser in der Berliner Straße. Kein Vergnügen ohne Zauber. Im Theater des Westens, wo fürzlich die Negertänzerin Josefine Baker ihren Standal hatte, ist es jetzt wiederum zu einem 3wischenfall gekommen. Es wird dort augenblicklich„ Friede rife" mit dem Kammersänger Richard Tauber als Hauptdarfteller aufgeführt. Am Sonnabend ertranfte Tauber, ohne daß die Direktion des Theaters den Besuchern davon frühzeitig und in auffälliger Form Mitteilung gemacht hätte. Zahlreiche Zu sdauer verlangten daraufhin das Eintrittsgeld zurüd, weil sie an einer Vorstellung ohne den prominenten Tauber nicht interessiert seien. Als die Direktion die Zurückzahlung des Eintrittsgeldes ablehnte, tam es zu erregten Szenen. Das Ende vom Liede war, daß den Besuchern zwar nicht das Eintrittsgeld zurückerstattet wurde, aber Gutscheine ausgehändigt wurden, die zu dem Besuch einer späteren Vorstellung, in der Tauber wieder auftritt, berech tigen. Bor 150 Jahren gab es in Berlin noch feine Hausmmmern. Nur gegen den stärksten Widerstand der Hausbefizer fonnte diese Neuerung durchgeführt werden. Heute flagt man in Berlin über die Unsicherheit der Straßen und Dunkelheit in den unbeuch teten Haustoren. Wenn man gezwungen ist, jemanden abends aufzusuchen, so muß man erst mehrere Häuserblocks absuchen, bis man sich von einer erleuchteten und erkennbaren Hausnummer aus das gesuchte Haus abzählt. So ist der Gedante eigentlich selbstverständ lich, daß man die Hausnummern erleuchten sollte und noch vielmehr der, daß auch die Straßenschil der erleuchtet merden müßten. Denn in ihrer heutigen Aufstellung fann fie abends weder der Fußgänger noch der Chauffeur im ersten Moment ertennen. Im Ausland ist das vielfach anders. Die Berliner Studiengesellschaft für Straßenschilder- und Hausnummerbeleuchtung gab deshalb auf einer Rundfahrt der Preise Gelegenheit, zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, Es wurden dabei einzelne probeweis beleuchtete Straßen Effener Straße, Wichmannstraße, Roonstraße u. a. gezeigt. Das Licht der transparenten Laterne mit der groß aufgemachten Hausnummer manche enthalten gleichzeitig den Hinweis auf den im Hause wohnenden Arzt oder Hebamme beleuchtet gleichzeitig auch den Hauseingang. Die Straßenschilder, die wieder wie früher an den Hause den angebracht sind, lassen den Namen deutlich erkennen. Die Studiengesellschaft hat errechnet, daß diese Beleuchtung für ganz Deutschland ungefähr 130 Millionen beanspruchen würde. Die Miete würde für Berlin etwa 3 M. pro Haus in einem Monat betragen. Die Gesellschaft über nimmt die tostenlose Lieferung und Anbringung sowie die Erhal tung der Anlagen, was für Berlin auch ungefähr 3000 Handwertern Verdienst geben würde. Alle Behörden waren sich in der anschließenden Aussprache darüber einig, daß diese Neuerung Mit einem äußerst geschmackvollen Brogramm weiß Beta eingeführt werden muß. Der sozialdemokratische Stadtrat Schlich= ting gab aus vertehrstechnischen Gründen seine Zustimmung. Seiniz jedesmal seine Freunde und Gäste zu erfreuen. Auf Einladung des Volfsbildungsamtes Kreuzberg fonzerAußerdem würde durch den Verbrauch des elektrischen Nachttierte der Künſtler im Leibniz- Gymnasium, Mariannenplay, unter strom es sich die Sache sehr verbilligen. Stadtrat a. D. Fuß sprach für die Freie Hausbesizervereinigung und erklärte, daß der Vorschlag ohne meiteres durchführbar sei. Oberbranddirektor Gempp und der Vertreter des Polizeipräsidiums plädierten ebenfalls aus ihren Erfahrungen heraus für diese Neuerung. Die Unfallversicherungsanstalten erklären sich bereit, bis zu 40 Broz. von der Prämie abzulassen, weil die meisten Unfälle sich vor dem dunklen Hauseingang ereignen. Nur die Partei der Hausbesiger ist gegen die Neuerung. Diese Reform wird aber fonimen, auch gegen den Willen des Teiles der Hausbesizer, der nach wie vor verkehrsfeindlich, fortschrittsfeindlich, reaktionär eingestellt ist. Georg Haberlands Praxis. Berlangt teuere Mieten- zahlt hohe Dividenden. Bie rücksichtslos die privaten Bauunternehmer die Wohnungsnot ausnutzen, zeigt wieder einmal das Verhalten der Tempelhofer Feld A.-G., eine Gründung des bekannten Kommerzien rats Georg Haberland. Die Tempelhofer Feld A.-G. hat in der Berliner Straße zu Tempelhof 500 Wohnungen ausgeführt, die zum Teil bereits seit 2½ Jahren bewohnt werden. Trotzdem wissen die Mieter immer noch nicht, welche Miete sie eigentlich zu zahlen haben. Die Firma erhebt zurzeit für einen Quadrat meter Wohnraum 18 M. jährliche Miete. Dazu tommen dann noch Betriebskosten, die 12-15 Proz. der Miete ausmachen, so daß also die Neubaumieter rund 21,70 M. für den Quadratmeter zu bezahlen haben. In anderen Wohnbauten, die unter den gleichen finanziellen Bedingungen gebaut wurden, merden 16-18 m. verlangt. Die Neubaumieter des Herrn Haberland sahen sich, als sie bei ihrem Bauherrn tein Entgegenkommen fanden, gezwungen, eine öffentliche Mieterversammlung abzuhalten, die am Donnerstag in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, stattfand. Herr Haberland hätte dort wenig Freundliches zu hören bekommen. Vom Neubaumieterbund referierte Herr Marburger, der feststellte, daß ohne Einschränkung eines sehr anständigen Unternehmergewinnes die Mietpreise COUNDE reinigt wäscht färbt und um „ Das proletarische Lied." Mitwirkung der Opernkräfte Hilde Lind und Richard Klemi. Dichtungen von Dehmel, Tiger, Liliencron, Herwegh, Mehring, Bottier u. a. m., vom Komponisten, der stets selbst am Flügel fitt, finngemäß veriont, wurden von den Vortragenden mit feinent Empfinden zu Gehör gebracht. Wie blutvoll und empfindungsreich) flingt das Bergmannslied" von Theobald Tiger, welch tiefmahnende Sprache spricht Luitpolds Troziger Abschied", das Todesahnen des Soldaten. Englischer Weizen" vom gleichen Verfasser, ein fühner Rebellenfang aus Englands Geschichte zur Zeit Cromwells; Doll warmer Menschlichkeit die ,, Ballade vom Blut"( Luitpold). Man tut eigentlich unrecht, einzelnes aufzuführen, denn das ganze Programm bot eine Kette wertvollster Stimmungsmalereien, geboren aus der Not der Zeit, empfunden von Dichtern und Komponisten. Wie der Mann mit dem grauen Haarwald und den dunklen Schwärmeraugen da am Flügel alles immer wieder aufs neue durch lebt, das hallt wider in den Herzen der ergriffenen Zuhörer. Wir wollen Bela Reinig recht oft hören. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin and Umgegend.( Nachdr. verb.) Zeitweise aufklarendes Frostwetter bei jdmacher Luftbewegung. Für Deutschland: Allgemeines Nach laffen der Schneefälle mit Neigung zur Aufheiterung. Ueberall Frost. Übler Mundgeruch wirl abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen das schönste Antlik. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Pugen mit der herrlich erfrischenden Zahnpaste Chlorodont beseitigt. 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