Morgenausgabe Rr. 47 -46. Jahrgang A 24 Bidai 85 31. moretid 3,60 Im seraus jahlbar. Boftbezug 4,32 R. etnicht Beftellgelb, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat * Der„ Borwärts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolf und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen", Frauen. fiimme". Techni?". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts spot singlic Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 29. Januar 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Dte etnip altige Ronpareillezetle 40 Pfennig. Reflame eile Reichs mart. Aleine Anzeigen das ettge. brute Wort 25 Pfennig( zuläffig zu lettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 2 Pfennig. Steüengesuche das erste Mort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 20 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgefchäft Linden. ftraße 3. wochentägl, von 81%, bis 17 libe, Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.. Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Hoover für USA. Rüstungen. Unruhe in London.- Und der Kellogg Paft? Condon, 28. Januar.( Eigenbericht.) Wie aus Washington gemeldet wird, hatte der Vorsitzende der Marinekommiffion des Repräsentantenhauses, Fred Britten, eine Unterredung mit dem neugewählten Präsidenten Hoover, in deren Berlauf sich schobene Phrase, jedoch nicht auf die Behauptung Brittens, daß Hoover grundfäßlich für den sofortigen& reuzerbau eingetreten sei. England ratifiziert erst nach den Dominien. London, 28. Januar.( Eigenbericht.) Hoover vorbehaltlos für die beschleunigte Durch In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten der Arbeiterführung des großen Kreuzerprogramms partei Kennworthy erflärte der britische Außenminister am Montag im Unterhaus, daß der Kellogg- Paft im Unterhaus zur ausgesprochen und erklärt haben soll, er set für eine US2.- Flotte, Ratifizierung vorliegen werde, sobald die gleichzeitige Ratifi„ der teine andere Flotte der Welt an Leistungs- zierung durch die Parlamente der Dominien möglich sein werde. Eine parlamentarische Debatte über den Kellogg Batt jei nach fähigteitnahesteht. Die Mitteilung Brittens hat in Condon Auffassung der Regierung überflüssig, da sich beide Kammern lebhafte Unruhe hervorgerufen. vom ersten Augenblick an für den Patt ausgesprochen hätten. Südafrifa macht den Anfang. Der Meldung aus Washington folgt einige Stunden später eine andere aus Miami( Florida), wo sich Hoover gegenwärtig aufhält, in der erklärt wird, daß Hoover den Ausdruck, Amerika brauche eine Flotte, die feiner anderen nahesteht, nicht gebraucht hat. Das Dementi bezieht sich, wie man sieht, lediglich auf eine Hoover zuge- fiziert. Kapstadt, 28. Januar. Bostichedlonto: Berlin 37 536. Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Distonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 8 Reichshaushalt 1929. Subventionen nur durch Gesek. Der Gozialetat. Gparmöglichkeiten. Von Hugo Heimann. Der Haushaltsplan für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr 1929 ist der erste Haushalt, der in Deutschland von einem sozialdemokratischen Reichsfinanzminister aufgestellt ist. Unter welchen fatastrophalen Finanzverhältnissen diese Aufstellung geschehen mußte, ist wiederholt dargelegt worden und bekannt. Der neue Haushaltsplan, der vom Genossen Dr. Hilferding jetzt dem Reichsrat zugeleitet ist, schließt im ordentlichen Haushalt in Einnahme und Ausgabe ab mit 9,9 milliarden. Der außerordentliche Haushalt balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 125 Millionen. Zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben aus früheren Rechnungsjahren wird der Reichsfinanzminister ermächtigt, die Summe von rund 658 Millionen im Wege der Anleihe flüssig zu machen. Der Reichsfinanzminister wird ferner ermächtigt, zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkasse bis zu 500 Millionen Reichsmart im Wege des Kredits aufzunehmen. Diese 500 Millionen Ausgaben nichts zu tun, sondern solcher Kassenmittelbedarf wird benötigt, weil der Eingang der ordentlichen Einnahmen mit der Fälligkeit der ordentlichen Ausgaben nicht immter übereinstimmt, und weil in den rund 4000 Reichsfaffen ein Kassenbestand gehalten werden muß. Schließlich wird dem Reichsfinanzminister noch die Ermächtigung er teilt, zur Förderung des deutschen Außenhandels sowie zur Förderung des Absages von Schlachtvieh und Fleisch Garantien bis zur Höhe von 175 bis 22 Millionen zu übernehmen. Die Südafrikanische Union hat den Kellogg- Patt rati- haben unmittelbar mit der Deckung der außerordentlichen Amanullah wieder König. Kandahar Sit seiner Regierung. Bombay, 28. Januar. Das afghanische Konsulat in Bombay gibt bekannt, daß auf Bitten der Einwohner von Kandahar und anderen Städten Afghanistans Amanullah sich entschlossen hat, von neuem die Re gierung zu ergreifen und die Königswürde anzunehmen. Kandahar bilde jetzt das Hauptquartier einer großen nationalen Bewegung, die auch in anderen Städten des Landes bereits eingesetzt hat. Die Berliner afghanische Gesandtschaft bestätigt, daß Amanullah mit dem Siz in Kandahar die Regierung wieder übernommen hat. Gleichzeitig veröffentlicht die Gesandtschaft dieses Telegramm des Außenministers: Rönig Amanullah, der mit Rücksicht auf das Wohl der Nation auf den Thron zugunsten seines älteren Bruders Inayatullah verzichtete, hat nach Mißerfolg und Abdankung des Bruders Särdar Inayatullah auf das Bitten und Drängen aller Be. völkerungsschichten von Kandahar, Herat, Mezar, Meyma neh, Ghatghan, Bedechschan und der süblichen Gebiete hin die Re gierung zum Schuß der nationalen Interessen wieder in seine Hand genommen. In sämtlichen genannten Gebieten sind organisatorische Arbeiten begonnen worden. Die mächtigen Stämme Hezareh Loger und Werbaf der Provinz Kabul sowie Mahmend und Saffi im östlichen Gebiete haben ihre Treue zu König Amanullah befundet. Für ihre sämtlichen Angelegenheiten ist Kandahar zuständig." Amanullahs Truppen 20 Kilometer vor Kabul? Ill. Kairo, den 28. Januar. Nach hier eingetroffenen Meldungen soll sich Habibullah vorbereiten, Rabul zu verlassen und unter Mitnahme des Staatssages in die Berge zu flüchten, um von dort aus den Kampf gegen Amamillah fortzusehen. Die Truppen Amanullahs sollen 20 Kilometer vor Rabul stehen. 3n der Rot wird Habibullah fonftitutionell. Kairo, 28. Januar. Der neue afghanische Ministerpräsident hat den ausländischen Bertretungen mitgeteilt, daß er vorläufig die Leitung des Außenministeriums übernommen habe. Gleichzeitig erklärte er, daß von einer Rückkehr Amanullahs auf den Thron teine Rede sein tömme. Habibullah habe die Einberufung einer Boltsvertre tung angeordnet, die demnächst in Kabul zusammentreten solle. Oberst Lawrences Tätigkeit. Condon, 28. Januar.( Eigenbericht.) Die rätselhafte Figur des Oberst Lawrence, der als einfacher Mechanifer bei einer britischen Fliegerstaffel in Indien Dienst getan hat und fürzlich beschuldigt wurde, den Aufstand in Afghani stan in Szene gesetzt zu haben, war am Montag Gegenstand einer Anfrage im Unterhaus. In Beantwortung dieser Anfrage des Abg. Thurtle( Arbp.) erklärte der Unterstaatssekretär für Indien, daß Lawrence am 26. Mai 1928 nach Beschawar versezt worden sei, jedoch während seines Aufenthaltes bei dieser Fliegerabteilung teinen Urlaub erhalten habe. Südslawische Strafrechtsreform. Ausnahmegesetz durch Verordnung. Belgrad, 28. Januar.( Eigenbericht.) Die Regierung hat auf dem Verordnungswege ein neues Strafgesekbuch in Kraft gesetzt, das außer Strafen auch erzieherische Maßnahmen vorsieht. Das Gesetz be. zweckt vor allem eine Vereinheitlichung der bisherigen Strafbestimmungen und enthält u. a. neben Bestimmungen zur Bekämpfung des Kommunismus und des Anarchismus solche gegen Werleumder des Staates" und Angreifer der Souveränität des König reiches S. H. S. Der Ministerrat ohne Beschlußkraft. Belgrad, 28, Januar. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Gefeß, wonach die Beffimmungen, nach denen fast in allen wichtigsten Staatsangelegenheiten die Zustimmung des Ministerrats erforderlich war, dahin abgeändert werden, daß ein Reffortminister fünftig der Zustimmung des Ministerrats bei Erlaffen und Berordnungen nicht bedarf, sondern die Juftimmung des Minifter präsidenten vollauf genügt. Nach diesen Beftimmungen ist der Ministerrat von nun an nur ein kollegium ohne besondere Verwaltungskompetenz. Die tapfere Witwe. Belgrad, 28. Januar. An Stelle des vom Minifterium des Innern verbotenen gramer Blattes„ Narodni Bal"(" Der Kampf der Nation") hat die Witwe von Stephan Raditsch, Maria Rabitsch, ein neues Organ Slobodni Glas"(„ Stimme der Freiheit") herausgegeben. 40 Poftbeamte verunglückt. Mit dem Ballon abgestürzt. Rom, 28. Januar. Nach einem Feftmahl aus Anlaß der Einweihung eines Krieger. denkmals in Turin begaben sich etwa 40 Postbeamte, die der Feier beigewohnt hatten, auf den Balton des Hauses. Diefer stürzte unter der Caft der auf ihn befindlichen Menschen in die Tiefe Sämtliche 40 perfonen wurden mehr oder minder schwer verlett Dagegen fällt zum erstenmal die seit Kriegsbeginn dem Reichsfinanzminister regelmäßig erteilte Ermächtigung: Zur Befriedigung unabweisbarer Bedürfnisse", oder, wie es seit dem Vorjahre formuliert wurde, zur endgültigen Beseitigung eines vorübergehenden Notstandes aus zwingenden Gründen des Staatswohls" Garantien zu übernehmen. Diese Garantieermächtigung gab den früheren Regierungen und den bürgerlichen Parteien die Handhabe, unter Umgehung des Plenums des Reichstages den Haushaltsaus schuß mit Subventionsvorlagen für die Privat wirtschaft zu überschütten. Durch die Bemühungen der Sozialdemokratie wurde schließlich im Borjahre die bis dahin geltende weitmaschige Ermächtigungsformel enger und schärfer gefaßt. Aber die oft wiederholten Anträge der Sozialdemokratie auf gänzliche Streichung wurden stets abgelehnt. Jezt ist nun durch den sozialdemokratischen Reichsfinanz minister endlich der verfassungsmäßige Zustand hergestellt, daß nämlich Geldmittel im Wege des Kredits nur bei außerordentlichem Bedarf und in der Regel nur für Ausgaben zu werbenden Zwecken beschafft werden dürfen, und daß eine solche Beschaffung sowie die Uebernahme einer Sicherheitsleistung zu Lasten des Reichs nur ist in Zukunft also ausgefchloffen, irgendwelche Subauf Grund eines Reichsgesetzes erfolgen darf. Es ventionswünsche hinter den verschlossenen Türen des Haushaltsausschusses zu verhandeln, und es unterliegt feinem Zweifel, daß die öffentliche Beratung im Reichstagsplenum heilsam dämpfend auf das Begehren der Privatindustrie mirten wird, in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs das Reich wiederum zum gefälligen und billigen Bankier zu machen. Was die Einzelheiten des neuen Haushalts betrifft, so ist der erwartete Sturm der vereinigten Untergegen die Hilferdingschen nehmerschaft Dedungsvorschläge, die nicht mehr einseitig die Massenbelastung steigern, nunmehr losgebrochen. Man proteftiert gegen jede Steuererhöhung und fordert den Ausgleich des Reichshaushalts ausschließlich durch) weitere Beschränkung der Ausgaben. Mit dieser populären Forderung spekulieren die Unternehmer auf die in weiten Boltstreisen noch herrschende Unkenntnis der Etatsverhältnisse. Bei einem Haushalt von 10 milliarden müsse doch. so wird im Publikum vielfach gelionen zu streichen sein; neue Steuern seien überflüssig. Nun urteilt, mit Leichtigkeit ein Betrag von noch 300 bis 400 Milsoll und kann bis zur genauen Durcharbeitung aller Einzeletats fein Urteil darüber abgeben merden, ob in der Tat die Streichungsmaßnahmen des Reichsfinanzministeriums bis an die äußerste Grenze des Möglichen und Notwendigen gehen. Aber immer wieder muß, um falsche Auffassungen auszuräumen, betont werden, daß der bei weitem größte Teil des 10- milliarden- Etats zwangsläufig ist. Die Milliardenbeträge der Reparationslasten lönnen durch den Reichstag überhaupt nicht geändert werden. Bon den verbleibenden Ausgaben besteht der überwiegende Teil aus den materiellen Auswirkungen der zahlreichen Spezialgefeße, die vom Reichstag im Laufe der Jahre befchloffen werden. Diese auf Spezialgesehen beruhenden Ausgaben sind in ihrer Geltungsdauer nicht an das Etatsjahr gebunden, sondern laufen fort und müssen in Die Agrarier tagen. Schiele fordert Selbsthilfe— in des Wortes verwegenster Bedeutung« £4', Im Zirkus Dusch und im Trotzen Schauspielhaus da» gewohnte Bild: alte Lieder ertönen, der unvermeidliche„Friedericus"', der „Präsentiermarsch" und so fort. Abordnungen marschieren ein mit schwarzweißroten und prooinziell-partikularistischen Fahnen unter schroffer Verleugnung der Reichsfarben. Drautzen warten die Privatautos der„notleidenden" Landbundführer. Man kennt diese Tagungen seit Iahren, aber man mutz sogen. daß die Herren Schiele und Genossen sich in diesem Jahre sehr zurückgehalten haben. Trotzdem enthielt die Red« des früheren Reichsminister» einige Worte, die höchst bedenklich sind. Was soll man zu dem stürmisch begrüßten Ausspruch sagen:„Regt euch zur Selb st hilf« in des Worte» verwegenster Bedeutung!" Heißt das nicht eine förmliche Aufforderung zu jkrawaklen und Gesetzwidrigkeiten, wie sie in Schleswig-Holstein und in der Priegnitz stattgefunden haben? Der frühere Reichsminister des Innern sagt weiter:„Niemand kann Ordnungswidrigkeiten ver- hindern, auch wir nicht, so bedauerlich sie auch fein mögen." Auch hier wieder dröhnt« stürmischer Beifall, ein Beweis, daß die Zu. Hörer den Redner wohl verstanden und die Worte dahin deuteten: wenn wir rebellieren— Ihr werdet uns nicht hindern! Zu erwähnen ist weiter, daß Herr Schiele von den„M i tz- erfolgen der Locarnopolitik" sprach, die darauf zurück» zufahren seien, daß sich die deutsche Gesamtpolitik— zu wenig aus das Landvolk stütze. Die Zusammenhänge find zwar unklar, aber es sei daran erinnert, daß Herr Rittergutsbesitzer Schiel« es war. der als Reichsminister des Innern im ersten Kabinett Luther nach dem Abschluß des Locarno-Dertrags bekannte:»Wenn ich gefragt werde, ob ich das Werk von Locarno billige, so antworte ich mit einem lauten und freudigen Ja!" Weiter sprach Schiele von der Ueberfwtung Deutschlands durch dt« slawischen Einwanderer aus dem Osten; er vergaß aber, hinzu- zufügen, daß gerade die Agrarier durch übermäßige Einstellung polnisch-russischer Saisonarbeiter aus Gründen der Lohndrücker« au dieser Ueberflutung seit Jahrzehnten die Hauptschuld tragen. Nach Herrn Schiele sprach Herr Hepp. der Präsident des Reichslandbundes. Er fordert« Abbau der bestehenden Steuerir und Ablehnung der Pläne des Reich�manzministers. Er erfand das Wort vom„staatlichen Wohlstand": „Aus der sich täglich mehrenden Erkenntnis, baß dieser Staat Selbstzweck geworden ist und ein Eigen- leben mit den Merkmalen de» Luxus gegen die Lebensbedürfnisse des deutschen Staatsbürgers führt, wächst die inner« Ablehnung gegenüber diesem Staat in weiten Kreisen, die nicht Nutznießer am Staat sind und es nicht weiden wollen, die lediglich mit ihrem eigenen Niedergang den staatlichen Wohlsland bezahlt haben. Der Bauer hat das Vertrauen zu diesem Staat verloreu.er sieht in ihm seinen Feind." Wo im Notetat 1929 die Merkmal« des Luxus find, bleibt das Geheimnis des Herrn Hepp. Die Versammlungen nahmen drei Cnt- schiießungen am höhere Zölle— weniger Steuern— feine Reparationsleistungen mehr. Die Entschließung über die Reparation�- leistungen lautet: „Die vertreteroerfammkung de» Retchslanbdunde» gibt ein- mötig der Ansicht Ausdruck, daß auf Grund der bisherigen Ge- samtleiswnaen Deutschlands wie auch angesichts seiner Leiswngs- sähigkeit eine weitere Zahlungsverpflichtung für uns nicht mehr besteht." Damit �ist das politische Niveau dieser Kundgebungen wie der Landbundagitation charakterisiert. den Haushalt eingesetzt werden, bis das betreffende Spezial- gesetz geändert oder aufgehoben ist. Hierhin gehören z. B. die U eb we i f u n g e n an die Länder mit 3� Milliarden. der gesamte Personalaufwand einschließlich aller Lersorgungsgebührnisse mit einer Milliarde usw. Nur bei den. sachlichen Verwaltungsausgaben für be- sondere Sachzwecke; sind Reichsregierung und gesetzgebende Körperschaften in dar Lage, ohne vorherige Abänderung be- stehender Gesetze bei der Etatsaufstellung frei zu verfugen. Diese Ausgaben machen indessen im Reichshaushalt nur un- gefähr 40 Proz. der Ausgaben der e i g e n t l i ch e n Reichs- Verwaltung, oder ungefähr 800 Millionär aus. Des weiteren darf nicht übersehen werden, daß in einem Notjahr wie 1929 an den Reichshaushalt zahlreiche neue Anforderun- gen herantreten, die nicht immer abweisbar sind. Ein Vergleich der neuen Ausgabenposten mit denen der Vorjahre ist schwieriger als sonst, weil der neue Haushalt, Wünschen des Haushaltsausschusies entsprechend und zum Zweck größerer Ueberfjchtlichkeit und strafferer Gliederung vielfach umgestellt, zusammengezogen oder auch zergliedert ist. Sehr bedeutende Unterschiede gegen 1928 zeigt der Einzel- Haushalt des Reichsarb ei tsmini st eriums. Hier sind die fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Haushalts gegen 1928 um 332 Millionen höher, die ein- maligen um 255 Millionen niedriger. Da auch die Einnah- men um 24 Millionen gesunken schd, ist der Zuschuß des ordentlichen Haushalts gegen 1928 um 100 Millionen ge- stiegen. Diese großen Differenzen erklären sich in der Haupt- lache daraus, daß der Reichsbeitrag der Inva- l i o env e r s i ch e ru n g mit 164 Millionen zwecks Zusam- menfassung der Ausgaben für die Sozialversicherung aus den einmaligen in die fortdauernden Ausgaben übernommen und um 15 Millionen erhöht worden ist. In gleicher Weise ist die Krisenfürsorge für Arbeitslose, die noch auf Jahre hinaus voraussichtlich den Reichshaushalt belasten wird, von den einmaligen auf die fortdauernden Ausgaben übertragen und um 20 Millionen erhöht worden. Aus dem außerordentlichen Haushalt ist ferner der um 30 Millionen auf 55 Millionen erhöht« Ausgabeposten für die wert- schaffende Arbeitslosenfürsorge in die fortdauernden Aus- gaben des ordentlichen Haushalts eingesetzt. Der außer- ordentliche Haushalt selbst weist gegen 1928 eine Ausgaben- Minderung von 50 Millionen auf, entstehend aus dem Fort- fall der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge und der Senkung des Beitrags zur Förderung des landwirtfchaft- lichen Siedlungswesens in den dünnbevölkerten Gebieten von 50 auf 25 Millionen. Dagegen bringt er eine Steigerung der Einnahmen von 94 Millionen, die in der Hauptsache er- wartet werden aus Rückzahlungen von den Ländern für ge- währte Zwischenkredite auf erste Hypotheken für Klein- Wohnungen. Der erste Neberblick über den Zehnmilliardenetat— vorbehaltlich eingehender Einzelkritik— lehrt, daß der sozial- demokratische Finanzmmister Sorge für die Befestigung des Budgetrechts des Reichstags wie für die technische Verbesse- rung des Etats getragen hat und von dem Bestreben geleitet war. durch die Gestcutung des Etats die Dinge zu fördern, die im Interesse der breiten Massen des Volkes liegen. Wilhelms Generaladjutant gestorben« Oer Mann, der seinen Monarchen nicht sterben ließ. Im hohen Alter ist der ehemalig« Gevera ladsutant des Kaiser», Generaloberst o. D. v. Plessen gestorben. Militärische Talente besaß er nicht, sein hohes Amt war vielmehr rein höfischer Natur. v. Plessen verkörperte jenen bornierten Adelsstolz, der dem Mon. orchen zu dienen vorgibt, diesen aber in Wirklichkeit zum Gefangenen der Etikette und verstaubter Standesvorurteile macht. Die dünksl- haste Ignoranz der v. Plessen, v. Schulenburg usw. hat sich nament- lich in den kritischen Togen um den 9. November 1918 Verhängnis» voll ausgewirkt und nicht wenig dazu beigetragen, daß Wilhelm jede Gelegenheit zu einem anständigen Abgang verpaßt hat. Hierüber hat der oerstorbene o. Plessen vor etwa dreiein- viertel Jahr ein interessantes Selbstzeugnis abgelegt. Es war zur Zeit des Münchener Dolch st oßprozefses. General Gr o e n e r hatte in München als Zeug« ausgesagt, daß er(Groener) am 1. November 1918„den Generaladjutanten Seiner Majestät vorgeschlagen habe, daß Seine Majestät inwerzüglich an die Front gehen solle, dort solle es der Kaiser darauf ankommen lassen, ob ei« Kogel ihn träfe. vi« Generaladjutanten aber hätten erwidert, es ginge nicht a». den Kaiser an die Front zu bringen". Zu dieser Aussage Groeners ergriff Herr v. Plessen als einer der beteiligten Generaladjutanten das Wort. In einer Er- klarung an die deutschnattonal« Presse bestritt v. Plessen, daß ein derartiger Dorschlag an ihn gelangt sei. Jedoch höchst bezeichnend fährt die Erklärung des Herrn v. Plessen fort: „Wer auch wenn ein solcher Dorschlag an uns gelangt wäre, würben wir es abgelehnt haben, ihn Seiner Majestät zu unterbreiten. Unsere« Erachken» hat ein Monarch höhere Aufgaben, als im Schützengraben Tod nnd Verwundung zu suchen." So wenig Herr v. Plessen sonst Aussicht hat, durch kriegerische Taten oder geistreiche Aussprüche auf die Nachwelt zu kommen, sollte doch dieser eine Satz ewig unvergessen bleiben. Der Aus- sprach des Hofgenerals, daß ein Kaiser im Kriege besseres zu tun habe, als Tod oder Verwundung zu suchen, verdient allen denen genauestens eingeschärft zu werden, denen die Monarchie Opfer des Lebens und der Gesundheit als Selbstverständlichkeit zugemutet hat. Das Gläserklingen auf Wilhelms fröhlicher Geburtstagsfeier bildet die Begleitmusik zu Plessens unvergänglichem Text. Der siebe Gokl deas durch den Wald gehen? Es geschehen doch noch allerhand Zeichen und Wunder. Vor einiger Zeit meldeten wir, daß gegen einen bekannten Berliner Kabarettisten wegen des Ausrufs„Der liebe Gott geht durch den Weld!" Anklage wegen Gotteslästerung erhoben sei. Diese Worte sielen allabendlich, wahrend ein Mann mit langem Bart durch den Zuhörerraum schritt. Allein, wir müssen uns berichtigen. Wie un» die Justtzpressestelle Berlin mitteill, ist erst jetzt die Anzeige bei der zuständigen Stell« der Staatsanwaltschaft l eingegangen. Sie hat jedoch nicht zur Erhebung einer Anklage geführt, vielmehr ist das Derfah» r e n« i n g est eilt worden,„weil in den genannten Worten ein« beschimpfend« Aeuherung in Beziehung auf Gott nicht zu erblicken ist".— Wir stellen mit Genugtuung fest, daß die Vernunft bereits bei dg: Staatsanwalljchaft obgesiegt hat. Unberührt davon bleibt freilich die unsäglich blamable Tatsache, daß es Menschen gibt, die wegen eines derartig«« hannlosen Katarettscherzes zur Staats- a nwaltjchozt laufe». Die Wirischast der Wirtschastspartei. Gegen— aber...! In diesen Tagen findet im Preußischen Landtag der Partei- tag der Wirtschaftspartei statt. Es war nicht erst nötig, daß auf der öffentlichen Tagung am Sonntag der Reichstags- abgeordnete Professor Dr. Bredt betonte, die Partei sei auf „nattonaler und christlicher Grundlage" ausgebaut und habe deshalb in den Parlamenten auf der Rechten ihren Platz. Erstens weiß man das, und zweitens konnte man da» auch daran erkennen, daß das Rednerpult mit einer schwarzweißroten Fahne geschmückt war. aus der man mit einiger Mühe auch eine sehr bescheiden« schwarzrotgoldene Gösch entdecken konnte. Man tagte also im Zeichen der besonders a u f S e e gezeigten H a n- delsflagge und wollte wohl damit zum Ausdruck bringen, daß die Zukunft der Wirtschaftspartei auf dem Wasser liegt, wogegen sich schlechterdings nichts einwenden läßt. Der Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Bredt hielt eine Einerseits- andererseits-Rede, in der er ausführte, die Wirtschaftspartei sei gegen den Locarno-Bertrag. aber sie habe ihm im Interesse Deutschlands zugestimmt. Sie sei gegen das Dawes-Abkommen, aber sie habe ihm zugestimmt, weil sonst die Währung nicht hätte stabilisiert werden können. Sie sei auch gegen die Bölkerbundspolitik, wenn man auch zu- geben müsse, daß, wenn schon ein Völkerbund vorhanden ist. Deutschland auch einmal hineingehen mußte. Man fei eine ch r i st- liche Partei, aber mau heiße jeden willkommen, ohne nach Religion und Herkommen zu fragen. Der Parteivorsitzende Reichstagsabgeordnete Drewitz stimmte Parker Gilberts Behauptung in seinem letzten Bericht zu. Deutsch- land gestatte sich innenpolitische Ausgaben, die die Siegerstaaten sich nicht leisten können! Heber diese Zustimmung der„nationalen" Wirtschastspartei wird der Reparationsagent zwar lächeln, aber sie ist doch charakteristisch Von ähnlichem politischen Verantroortungs- gefühl zeugte die Antwort des Herrn Drewitz auf die Begrüßungs- ansprach« eines Vertreters der Deutschen Gewerbepartei in der Tschechoslowakei. Herr Drewitz sprach die Hoffnung aus, daß der Tag mcht mehr fern fei. wo die Deutschen in der Tschechoslowakei wieder Seite an Seite mit dem Mutterland kämpfen können. Ein Vertreter der„Deutschen Bürgerjugend" forderte die Iugend dazu auf, länger als acht Stunden täglich zu arbeiten! * Auf der kommunakpoli tischen Tagung, die sich dem Parteitag der Wirtschastspartei anschloß, fordert« am Montag Bürgern reister Dr. Bcnnngart-Delitzsch die Wirtschasts parteiler sollten sich in den Gemeindevertretungen als die Sparta listen des Bürger» tu ms betrachten! Ein Diskussionsredner erklärte: Die Kommunal- Vertreter würden bei Einführung in ihr Amt verpflichtet, es zum Wohl der Gemeinde auszuüben. Aber„in sich" müsse jeder Wirtschastsparteiler die Einschränkung machen, daß die Kam- munalpolitik zu Nutzen und Frommen der Gemeinde nur soweit gelle, als er im Interesse des Mittelstandes es verantworten könne! Nichis gewußt! Oie„Rote Fahne" und ihr Nondfuokheld. Unsere Feststellungen über die Persönlichkeit des vielfach wegen gemeiner Lerbrechen vorbestraften Rotfrvntführers und Rundfunk- Heiden Scherl inski sind der„Roten Fahne"»m höchsten Grad« unangenehm. Leugnen läßt sich nichts. Deshalb stammelt sie einige». wie daß Scherlinskis Borstrafen der 5kPD. erst nach der Festnahme des Mannes durch die Polizei bekanntgeworden feien. Das wüßt« auch der„Vorwärts". Wir wissen genau das Gegenteil. Wir wissen, daß es gerade in kommunistischen Kreisen; als Scherlinski mit feiner Tat zu renommieren begann, stärk st e Entrüstung erregte, daß man einen solchen Mann mit einer derarttgen Handlung betraut habe. Diese Entrüstung ist die eigentliche Ursache, daß die Täter- schaft des Sch. dann auch anderen Leuten bekannt wurde. Wer Scherlinski war, das pfisfen in der Kommunistischen Partei die Spatzen von den Dächern. Nur die brav« Zentral«, nur sie hat nichts gewußt! Sie hat sich den Mann, dem sie den geladenen Revolver anvertraute, natürlich nach dem Gesichtspunkt der Harmlosigkeit und Frdedsertigkeit ausgesucht. Doch nach einer sanften Abschülllimg nimmt die„Rote Fahne" bereits wieder für Scherlinski Partei, indem st« erklärt, daß derartige Vorstrafen„kein politischer Einwand" seien und fragt. ob denn einem Vorbestraften seine Vorstrasen„in all« Ewig« keit" vorgehalten werden sollten? In alle Ewigkeit gewiß nicht. Aus dem von uns oerösienttichten Strafenregister geht hervor, daß dte Etroje» des �ch issa p�> tu» ietzle Strafe aus dem Jahre 1925 lautete auf Jahr Zuchthaus. Es kann sich also jeder selber berechnen, wie kurze Zeit Scher- linskiausdemZuchthaushe.raus war, als er sich an der Entführung des Genossen Schwarz beteiligte. Seine dreijährige Ehrverlust st ras« lief jedenfalls zu dieser Zeit noch Wir hätten trotzdem keinerlei Ursache, uns mit den Vorstrafen de» Herrn Scherlinski zu befassen, und würden sie ihm ebenso wev'g vorhatten wie einen anderen, wenn man es nicht als«ine äußerst« Anmaßung empfinden würde, daß solche Leute sich öffentlich hervordrängen und politische Rollen in der Arbeiterschrst spielen wollen. Eine friedliche Existenz, Arbeit und Auskommen, fei jedem Vorbestraften gegönnt. Wenn sich aber gewohnheatsmähige Einbrecher zu Führern der Arbeiterschaft ausschwingen wollen und gar noch Reoolvermethoden propagieren, dann wird immer von unserer Seite ein kräftiges„Hände weg" ertönen. Die Länderforderungen an das Reich. Innere Reparation zugunsten der Länder unmöglich. Die Konferenz der Länderfinanznnnister beim Reichsfinanz- minister wegen der Entschädigungsansprüche der Länder aus Post» Eisenbahn und Kriegsschäden, fand ihren Abschluß mit einer in- formatorischen Besprechung, die die Finanzmmister der größeren Länder mit dem Reichskanzler und dem Reichsfinanzminister hatten. Wie aus parlamentarischen Kreisen hierzu noch verlautet, kann als Ergebnis der Konferenz festgestellt werden, daß die Länder- anspräche insgesamt so hohe Milliardenbeträge umfassen, daß von einer Abfindung durch das Reich neben den Reparationsverpflichtungen gar kein« Red« sein kann. Unter Berücksichtigung der Finanzlag« des Reiches müsse eine auch unter polittschen Gesichtspunkten tragbar« Lösung gefunden werden, die auf die finanzielle Existenz des Reiches, insbesondere das Etatsdefizit Rücksicht nehme. Es gelte als nicht ausgeschlossen, daß eine Entschätngungsmöglichkeit auf dem Wege über den Finanzausgleich gefunden wende. Elsaß und die deutsche Sprache. Elsässtsche Bekenntnisse in einem französischen Rechtsblatt. Paris, 28. Januar.(Eigenbericht.) vi« nattonalistische.Liberi«" veröffentlicht zurzell ein« Reihe von Briefen an einen Abgeordneten über das elsässifch« Problem. Der Briefschreiber macht zunächst dar- aus aufmerksam, daß o o r der Revolution von 1789 niemand daran gedacht Hab«, den Elsössern die sranzösische Sprach« aufzuzwingen; der Sprachennationalismus sei em Produtt der späte- ren Zeit. Frankreich, heißt es weiter, Hab« das Elsaß mit Gewatt erobert, Deutschland mit Gewatt wiedererobert und Frankreich schließlich mtt Gewalt zurückerobert. Die Urheber der Gewalt in der Geschichte könnten dies« erst in Recht»»erwandeln, wenn sie sich hinterher Anerkennung, wenn nicht Liebe zu verschaffen wühlen. Frankreich sei es nicht geglückt, Deutschland sei an dieser Aufgabe ge- scheitert. Sollte Frankreich wieder scheitern? Di« Sprache sei der tiefste Auedruck der Volksseele, und gerade in den breiteren Dolksschichten würden Versuche zu ihrer Ausrottung als Angriffe aus das Eigenste des Menschenlebens aufgefaßt. Heute sei es so. daß die ßlfäffer weder ordentlich deutsch noch fran- zösisch lernten. Ein elsössischer Industrieller habe kürzlich ge- schrioben:„Man zieht uns ei« Generation von Verdumm- ten heran." Em anderer Essässer erklärte, Frankreich habe nicht das Recht, das Elsaß oeröden zu lassen. Es sei kein Wunder, daß gerade angesichts dieses Austandes die Intellektuellen mehr und mehr verzweifetten. England und die indischen Arbeiier. Einsetzung eines Studienkomitees. London, 28. Januar.(Eigenbericht.) In der Aussprache, mit der Dizetönig Lord Irvin g von Indien am Montag die indische gesetzgebende Versammlung eröffnete, wurde die Einsetzung eines Komitees angekündigt, dessen Aufgabe das Studium der Lebensbedingungen der Industriearbeiter in Indien sein soll. Lord Irving teilt« ferner mit. daß die Regierung entschlossen sei, der gesetzgebenden Versammlung nochmals den im vorigen Jahre abgelehnten Gesetzentwurf vorzulegen, der den Behörden die Mög- lichkett zur Ausweisung ausländischer Kommunisten geben soll. Der Gesetzentwurf soll u, a. ein« Klausel enthalten, nach der behördliche Organe ermächtigt sind, das von ausländischen Kam- munisten zu Agitationszwecken nach Indien gesandt« Geld zu ko»iiszUro«. Reichswehr-Reaktion Republik Was ist„Entpolitisienmg*. Von Dr. Julias Moses. Die vom sozialdemokratischen Parteioorstand eingesetzte Kommission, die sich mit dem Wehrproblem beschäftigte, hat das Ergebnis ihrer Beratungen in„Richtlinien" zu» sammengefaßt, die gegenwärtig den Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse bilden. Dabei wird in vielen Blättern die irrtümliche Bezeichnung„Wehrprogramm" an- gewandt. Es sei bei dieser Gelegenheit immer wieder darauf hingewiesen, daß die Kommission weniger ein umfassendes sozialistisches Wehrprogramm an sich aufstellen wollte, wie es die Brüsseler Resolution in sich birgt, als vielmehr Nicht- l i n ie n zu der gegenwärtigen W e h r p o l i t i k. Der Unterschied braucht wohl nicht erst eingehend ausein- andergesetzt zu werden. Die Richtlinien der Kommission sind infolgedessen in erster Reihe dazu bestimmt, der jetzigen Wehrpolitik der demokratischen Republik einen den republi- kanischen und demokratischen Geboten entsprechenden InHall zu geben, die Wehrmacht des gegenwärtigen Staates mit demokratischem und republikanischem Geist zu erfüllen. Der von uns aufgestellte Grundsatz:„Die Wehrmacht kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie in ihrem Denken und Fühlen mit dem Volke verbunden ist und sich— im Gegensatz zu allen militäristischen Tendenzen die auf die Beherrschung des Staates durch das Militär hinauslaufen — als dienendes Glied in die demokratische Republik ein- ordnet," wird von der Presie der Reaktion als Versuch be» zeichnet, die Reichswehr zu politisieren: in den einzelnen Forderungen, die die Kommission zur Durch- führung dieses Grundsatzes aufstellte, sieht die Reaktion Mittel,„in der Reichswehr das sozialdemokratische Partei- buch zur Herrschaft zu bringen, in der Reichswehr ein Werk- zeug für sozialdemokratische Parteiziele zu erhalten usw." Mit all diesem grotesken Unsinn, der nur ein Beweis dafür ist, wie hilflos die reaktionäre Presse den„Richtlinien" gegen- übersteht, will ich mich hier nicht weiter beschäftigen. Wohl aber muß endlich Klarheit darüber geschaffen werden, ob eine Entpolitisierung oder eine Politisie- rung der Reichswehr notwendig ist. Die Reaktion vertritt die Ansicht, die Wehrmacht müsse entpolitisiert bleiben, die sozialdemokrattschen Richtlinien seien zu verwerfen, da sie die Reichswehr politisieren wollen. Was heißt in diesem Falle entpolitisieren und politisieren? Die Reaktion liebt es, mit diesen Begriffen nach Belieben zu jonglieren. Sie versteht unter einer entpolitisierten Reichswehr eine Organisation, die ganz auf der politischen Ideologie des konservativen Bürgertums aufgebaut ist. Die bürgerlich politisierte Reichswehr gilt in ihren Augen als entpolitisiert. Dem reaktionären Bürger- tum steht als Musterbild der entpolitisierten Wehrmacht das alte kaiserliche Heer vor Augen. Ebenso„unpolitisch" wie die Armee der Monarchie gewesen war. sollte nach seinen Wünschen auch die Wehrmacht der Republik sein. Eine durchaus unehrliche Argumentation. Das alle Heer war die stärkste Stütze des monarchischen Staates. Es war durch und durch monarchistisch politisiert. Deweise hierfür beizubringen, erübrigt sich: Geist und Gesinnung des alten Heeres waren auf die Verteidigung des monarchischen Prin- zips eingestellt. Wurde im kaiserlichen Heer ein Republi» kaner geduldet? Durfte der Sozialismus als Weltanschauung von Armeeangehörigen ungestraft öffentlich bekannt werden? War nicht die Erlangung militärischer Würden antt- monarchistischen Vekennern verschlossen? War nicht die kaiserliche Armee nach den Worten ihres„Obersten Kriegs- Herren" die stärkste Waffe des kaiserlichen Staates gegen den „äußeren und inneren Feind? Der innere Feind waren die Sozialisten! Die„Entpolitisierung" des alten Heeres war eine fteche Friktion. Kein Teil des Monarchist!- ichen Staatsorganismus war im Sinne des Klassenstaates so streng politisiert wie das alle Heer. Es ist deshalb nur allzu begreiflich, daß gerade die Geg- ner der jetzigen demokratischen Republik den Ruf nach einer „Entpolitisierung" der Reichswehr erheben. Ihr Streben ist es, die Reichswehr in dem gleichen Sinne zu„entpolitisieren", wie dies beim kaiserlichen Heer der Fall gewesen war. Der antidemokratisch-republikfeindllche Geist des allen Heeres soll auch in die Wehrmacht der Republik übertragen werden. Die Reichswehr soll auch weiterhin die Traditionen der monar- cbistischen- Wehrmacht übernehmen, die Republik soll in ihrer Wehrmacht einen Feind erhalten, mit dessen Hilfe man der- einst die republikanische Verfassung wieder stürzen zu können glaubt. Das versteht die Reaktion unter dem Begriff„Ent- Politisierung". Wir aber wollen eine Politisierung der Reichswehr. Wir wollen dasselbe Ziel erringen, das die Organisatoren des alten Heeres vor Augen hatten: wir wollen die Reichswehr im republikanischen Sinn politisieren oder besser gesagt: wir wollen sie im republikanischen Geist ebenso„entpolitisieren", wie das kaiserliche Heer einst ent- politisiert war. Was dem einen recht ist, muß dem anderen billig sein. Ebenso wie sich die Monarchie in ihrer Wehr- macht ein zuverlässiges Instrument zur Verteidigung ihrer Verfassung zu schaffen bestrebt war, so wollen auch wir uns in der Reichswehr ein Instrument zur Verteidi- gung der republikanisch-demokratischen S t a a t s f o r m schaffen. Wir wollen verhindern, daß unter der falschen Flagge der„Entpolitisierung" der Geist der kaiserlichen Reaktion das republikanische Heer beherrscht. Alle Forderungen, die die Sozialdemokraten zu diesem Zweck aufgestellt haben, sind mit entgegengesetzten Vorzeichen bereits im kaiserlichen Heer verwirklicht gewesen. Wir ver- langen als Republikaner nicht mehr, als was die Monarchisten einst in der allen, angeblich unpolitischen Armee in ihrem Sinn zu obersten Leitsätzen erhoben haben. Nur eine besonders groß- Verlogenheit der Reaktion, die mit der Vergeßlichkeit ihrer Anhänger rechnet, kann die Be- hauptung aufstellen, das alte Heer sei unpolitisch gewesen, das Bestreben der Sozialdemokraten gehe aber nach parteipoliti- scher Durchdringung der Reichswehr. Gewiß, wir wollen die Reichswehr politisieren: aber nicht, wie die reaktionäre Ver- logenhett es hinzustellen beliebt, im parteipolitischen, sondern im staatspolitischen Sinn. Gerade die Leute, die keine Identität zwischen Staat und Verfassung anerkennen, für die die Staatsform eine Frage zweiter Ordnung ist, die zwar der Reichswehr die Pflicht zuerkennen, den Staat zu schützen, aber nichtseineVerfassung: politisieren nach unserer AuLaguys die Reichswehr in ganz einseitiger Weise. Wir Nach der Geburtstagsfeier. Henn ine weigerte sich, mit Wilhelme Verwandt«, die sie nicht für voll ansehe«, an der Seburtstagstafel zu sitzen nud ließ sich„krantschreiden". Wilhelm:„Hermine, kannst retnkommen! Die andern find gegangen.� polnisches Miranensvolum abgelehnt. Die Sozialisten lehnen Kührung durch die Rechte ab. Warschau, 28. Januar.(Eigenbericht.) Im Sejm stand ein Mißtrauensantrag der Rechten gegen den Justi,zminist«r zur Debatte. Vor der Aussprache erklärte Minister- Präsident Bortet, daß die Regierung sich mit dem Iustyminister im Falle der Annahme des Mißtrauensantrages solidarisch zeigen werde. Im Namen der Sozialisten äußert« Rjedialkowsti, der in Form eines Mißtrauensantrages von der Rechten herauf- beschworene KoirftrÖ. mit der Regierung sei völlig nebensächlich. Di« Sozialistische Partei werde sich bei der Wstimmung der Stimm« enthalten, da sie nicht wünsche, den Kampf zwischen dem Parlament und der Regierung unter Führung der Rechten geraten zu lassen. Die Opposition der Sozialistischen Porte! unterscheid« sich von derjenigen der Notionaldemokraten vollkommen. Di« Sozialisten würden ihre oppsitionelle Haltung bei der Budgetberatung begründen. Das Mißtrauensvotum wurde schließlich mit 96 Stimmen des Regierungsblocks gegen 84 Stimmen der Rechten und eines Teiles der Minderheiten bei zahlreichen Enthaltungen abgelehnt. Auch die deutsche Fraktion hat sich aus den gleichen Gründen enthalten wie die PPS. Der Schwerpunkt des latenten Kow> fltttes ist somit in die Debatte über den Haushall verschoben. aber wollen die Forderung stellen: Der Republik eine republikanische Wehrmacht! Es besteht leider kein Zweifel, daß es der Reaktion ge- lungen ist, in den ersten Iahren der Republik die Reichswehr der republikanischen, staatstreuen Bevölkerung zu entfremden. Ungestraft durfte die Reichswehr in den Tradttionen und Grundsätzen des alten kaiserlichen Heeres weiter entwickelt werden. Jeder Versuch, der Republik zu geben, was ihr ge- bührt, wird mit pharisäerhaftem Geschrei als„Versuch zur Politisierung" bezeichnet. Die Sozialdemokratie ist nicht mehr gewillt, dieses Gaukelspiel weiter zu dulden. Sie will das „entpolstisierte" Heer republikanisch politisieren! Oder, wenn man mit Worten spielen will, wie dies die Re- aktion beliebt: Sie will die Reichswehr im republtanischen Sinn nicht anders politisieren, als wie die Reaktion im kaiser- lichen Staat das kaiserliche Heer polllisiert hat. Rennt es ent- politisieren, nennt es polllisieren! es ist«in Spiel mit Worten. Die Reichswehr ist in ihrem jetzigen Geist, in ihrer jetzigen Zusammensetzung noch nicht jene starke Waffe, die die Republik im Kampfe gegen ihre Feinde(Wilhelminische Terminologie) benötigt. Der Republikanisierung der republikanischen Reichswehr dienen in erster Reihe die Richt- linien. Wenn die Reaktion glaubt, es siege eine Politisierung darin, daß man Monarchisten den Zutritt in die Reichswehr sperrt, so hat sie nicht unrecht. Die Republik begeht einen selbstverständlichen Akt der Selbsterhaltung, wenn sie ihren inneren Gegnern die Aufnahme in ihre Wehrmacht ver- weigert. Das gleiche tat ja auch die Monarchie. Damals fanden es die Herren Reaktionäre selbstverständlich, heute— unter umgekehrten Verhältnissen— entdecken sie ihre staats- bürgerliche Freiheitsliebe. Leider bedarf es eines mächtigen Kraftaufwandes, um die Reichswehr der Umklammerung der Reaktion zu entreißen. Die Rekrutierung nimmt den Nach- wuchs noch immer zu einem großen Teil aus den Kreisen der reaktionären Wehrverbände, junge Leute, deren Familien republikanischer Gesinnung verdächtig sind, werden vielfach zu- rückgewiesen. Bei Gelegenheiten, bei denen es sich um die Huldigung für die kaiserliche Vergangenheit und um eine De- monstration gegen die republikanische Gegenwart handelt, kann man Reichswehrleute anwesend sehen. Das traditionelle Band zwischen kaiserlichem Heer und Reichswehr darf nicht zerschnitten werden— im Interesse der Republikfeinde. Wir zweifeln nicht daran, daß der gegenwärtige Reichswehr- minister vom besten Willen beseelt ist, die Reichswehr von allen diesen Uebelständen zu befreien, aber es liegt an dem System, am Geist, daß dem heute noch nicht so ist. Eine durch- greifende Aenderung kann nur erfolgen, wenn das geschieht, was wir mit unseren Richtlinien anstreben: Eine republikanische Politisierung. Oder, wenn es besser klingt: eine„Entpolitisierung von der Reaktion". Die Herren Tartüffes auf der Rechten mögen sich nach Belieben bedienen. Ein neues Opfer der Krau Hanau. Selbstmorddrama an der Riviera. Poris, 28. Januar.(Eigenbericht.) Im Skandal der„Gazette du Franc" ist am Sonntag ein blutiger Zwischenfall zu verzeichnen. Der Gatt« der in. ttmften Freundin der Frau Hanau, der Kaufmann Josef, hat am Soimtsg t» itum H*i«l i» Seibjjtmori» oerübt. Frau Josef war anfänglich an den Unternehmungen der Frau Hanau mit einer Million beteiligt, hatte sich dann aber mit ihr überwarfen und ihre Einlage zurückgezoll erhallen. Beim Ausbruch des Skandals stellte sie den Betrag dem Untersuchungsrichter sofort zur Per- fügung, da sie, wie si« erklärt«, an dem Unglück der Opfer der „Gazette" den gleichen Anteil haben wollte. Zlllgenscheinlich ist ihr diese Zahlung aber nicht leicht gefallen, denn ihr Gatte tonnte in Mentone seine Hotelrechnung mehrfach nicht bezahlen. Als er nun mit feinem Hotelier Streit erhidt, griff er in dessen Anwesenheit zum Revolver und schoß sich eine Kugel durch den Kops. Wo ist der Zucker? Paris, 28. Januar.(Eigenbericht.) Am Montag fand das erst« Verhör de, verhafteten Professor» Polier, des Direktors der Zuckerfirma, statt, die sich aus Grund des Raturallieferungsverfahrens etwa �8 0 Millionen zu er- schwindeln wußte. Man hofft, noch einen Teil des beiseite- geschafften Zuckers retten zu können. Außerdem wird behauptet, daß Polier noch einen Scheck auf 12 Millionen besitzt, der sich in einem der Safes befinden soll, die nicht geöffnet werden konnten. weil Pakier angeblich die Schlüssel vergessen hatte. Hungersnot in Kaukafien. Zusuhnvege tief verschneit. Angara, 28. Januar.(Eigenbericht.) Der„Dschümhurjet" meldet aus Kaukasien, daß dort infolge des strengen Winters eine schwere Hungersnot ausgebrochen ist. Zahl- reiche Menschen sind aus Nahrungsmangel bereits gestorben. Eine von der Sowjetregierung eingeleitete Hilfsaktion hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Zufuhr von Lebens» Mitteln aus den verschneiten Bergwegen fast unmög« lich ist. lNäuniungskonflikt im fernen Osten. Die Zapaner in Schantung. Schanghai, 28. Januar.(Bom WTB.-Sonderberichterstatter.) Obwohl die Gerüchte über vollkommenen Stillstand oder Ab. brach der chiiresijch-japanischen Verhandlungen noch verfrüht er» scheinen, wird der Ausgang dieser Verhandlungen im zunehmenden Maße pessimistisch beurteilt. Man ist der Ansicht, die letzt« Entwicklung bestätige die früher aufgetauchte Vermutung daß die Entsendung des japamjchen Gesandten in Peking Boschisawa nach Hankau hauptsächlich aus Rücksichten der japanischen inneren Politik erfolgt sei, unr über die Parlamentssession hinwegzukommen. Japan hall, wie man glaubt, an der Forderung fest, daß China sich wegen des Zwischenfalls von Tstnanfu entschuldigen und Schaden» «rsatz leisten müsse. Es weigere sich ferner, für die endgültig« Räumung Schantungs ein Datum sestzufetzen. Dagegen sei die früher von Japan ausgestellte Forderung, daß China für die Sicherheit des japanischen Lebens und Eigentum» in Schantung die notwendigen Garantien bieten müsse, bereits durch eine Erklärung des chinesischen Außenministers und ein« ähnliche, allerdings in- offizielle Erklärung des Kriegsmmisters erfüllt. Die Nanking» Regierung soll weiter an dem Standpunkt feschallen, daß sie kein« formellen Verhandlungen führen kann, so lang« Japan kein feste« Datum für die Räumen» von Schmitt«» festsetzt. Beamtenausschüsse der Polizei. Wende im Schlichtungswesen? Ein Schrift zur Demokratifierung der Berwaltung. Von Fritz Tejessy. Die Beamtenbewegung ist den Spuren der Arbeiterbewegung gefolgt. Wie diese, hat sie zwei verschiedene Organisationsformen entwickelt, bloß mit dem Unterschied, daß man bei den Arbeitern von Gewerkschaften und Betriebsräten, bei den Beamten von Verbänden und Beamtenausschüssen spricht. Natürlich ist das nicht der einzige Unterschied, aber es ist gerade für den Arbeiter wichtig zu wissen, daß der Schutzpolizeibeamte im grünen oder blauen Rock in dem Beamtenausschuß für dieselben Aufgaben fämpft, wie er in den Betriebsräten. Im Einkommen besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Arbeiter und dem Straßenpolizisten nicht, und wenn auch die rechtlichen Verhältnisse anders liegen, so zeigt doch das angezogene Beispiel die große Aehnlichkeit in der Entwicklung. Während aber das Betriebsrätegesez seit langen Jahren wertvoller Besitz der deutschen Arbeiterschaft ist, entbehrt die deutsche Beamtenschaft noch immer der Ausführung des Versprechens, das die Reichsverfassung in Artikel 130 gegeben hat, als sie im dritten Absatz anordnete:„ Die Beamten erhalten nach näherer reichsgesehlicher Bestimmung besondere Beamtenver tretungen." Zwar ist bald nach dem Umsturz durch Staatsministerialbeschluß der preußischen Beamtenschaft, die zahlenmäßig einen großen Teil der deutschen Beamtenschaft darstellt, ein Beamtenausschußrecht gegeben worden, doch waren auch das nur ganz große Richtlinien, enthielten feine Einzelbestimmungen und konnten daher den daraufhin eingerichteten Beamtenausschüssen nicht jene rechtliche Sicherheit gewähren, der gerade ein Beamtenausschuß den Borgefekten gegenüber bedarf, wenn er zur Geltung kommen will. Diese Schwierigkeiten machten sich zuerst bei der Polizei bemerkbar, weil da ein besonderer Schutz der Untergebenen infolge der erhöhten Disziplin nötig ist. An Versuchen, die Richtlinien des Staatsmimperiums für die Polizei zu spezialisieren und auch dem langjährigen Umbildungsprozeß, dem die preußische Polizei unterworfen war, anzupassen, fehlte es nicht, doch war es zu einer umfassenden, klaren Regelung bisher nicht gefominen. Schuld daran war auch, daß im Reich während dieser ganzen Jahre ein Entwurf für ein Beamtenvertretungsgeseß, also eine Art Betriebsrätegejez für die Beamten, beraten, aber nicht verabschiedet wurde. Ein der, artiges Reichsrahmengesez hätte natürlich alle SpezialLösungen der Länder aufgehoben und eine neue Anpassung der Länderbestimmungen erfordert. Man wartete also und wartete, bis schließlich nicht mehr gewartet werden konnte und wenigstens für die Schutzpolizei, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der Reichsregelung, neue Bestimmungen über die Bildung und Aufgaben der Beamten ausschüsse erlaffen werden mußten. Wenn in diesen Tagen die bereits im Hauptausschuß des Preußischen Landtages bei der Beratung des Etats des Preußischen Ministeriums des Innern angekündigten Beamtenausschußbe, stimmungen erscheinen, so ist damit die Hoffnung, daß das Reich trotzdem alles daran setzt, um das Reichsbeamtenvertretungsgesetz möglichst bald an die gefeßgebenden Körperschaften zu leiten, nicht aufgegeben, sondern es wird vielmehr die Hoffnung gehegt, daß die Erfahrungen, die mit den neuen Bestimmungen bei der Schutz polizei gemacht werden, bei der Beratung im Reich von Bert sein dürften. Um den preußischen Versuch möglichst im Rahmen der Reichsbeamtenpolitik zu halten, sind die neuen Bestimmungen auf jenen Teil der preußischen Beamtenschaft beschränkt geblieben, bei dem die Neuregelung der Beamtenausschüsse nicht mehr aufzuschieben war, und außerdem stimmt der grundlegende Ministerialerlaß zum Teil wörtlich überein mit den Beschlüssen, die der Reichstag in zweiter Lesung vor den letzten Reichstagswahlen beim Beamtenvertretungsgesch gefaßt hat. Der Begleiterlaß spricht ausdrücklich von einer vorläufigen Lösung, um über jeden Zweifel herauszuheben, daß Preußen für die Schußpolizei fein geringeres Beamtenausschußrecht verlangt, als es das kommende Reichsbeamtenvertretungsgefeß geben wird. Nach dem neuen Erlaß sind von nun an die Beamtenausschüsse auf Grund des geheimen, gleichen, direkten, unmittelbaren Verhältniswahlrechts auf die. Dauer von zwei Jahren zu wählen. Jeder Beamte hat das aftive und paffive Wahlrecht. Folgen des Reichsarbeitsgerichtsurteils. Genosse Dr. Singheimer veröffentlicht im zweiten Morgen| entweder vollinhaltlich einem Gruppenſtandpunkt zur Mehrheit ver blatt der Frankfurter Zeitung" vom Sonntag einen Artikel, in helfen oder feststellen, daß die Schlichtung gescheitert ist... dem er zu dem Urteil des Reichsarbeitsgerichts im nordwestlichen Die Folge davon ist eine Förderung der Arbeitskämpfe. Eisenstreit Stellung nimmt. Das Reichsarbeitsgericht hat zwar den ersten Einwand der Unternehmer, daß der Schiedsspruch nur mit der Stimme des Vorsitzenden gefällt worden set, zurüd gewiesen, aber, was aus den Berichten nicht flar hervorging, gleichzeitig in der Urteilsbegründung gesagt, daß die Fällung eines Schiedsspruches mit der Stimme des Schlichters allein nicht zu- dern. lässig sei. Dazu schreibt Genosse Sinzheimer: : ,, Die Hauptbedeutung des Urteils liegt nicht darin, daß es einen konkreten Rechtsstreit entschieden, sondern über ein bisher im Schlichtungswesen herrschendes Brinzip den Stab gebrochen hat. Dieses Prinzip ist in§ 21, 21bf. 5 der Ausführungsverordnung über das Schlichtungswesen enthalten. Danach hat die Stimme des unparteiischen Vorsitzenden zu entscheiden. wenn bei der Abftimmung in der Schlichtungskammer eine Mehrheit nicht zu erzielen ist. Man weiß, daß bisher viele Schiedssprüche durch den Stimmentscheid des Vorsitzenden zustandegekommen find, namentlich die vielen Arbeitszeitablommen, die nach dem Abbruch des Ruhrkampfes die Arbeitszeit zu Lasten der Arbeitnehmer beträchtlich erhöht haben. Viele Tarifverträge, die heute noch laufen, haben ihre recht liche Grundlage in dem Stimmentscheid des Vorsitzenden. Die Arbeitgeberseite hot fich, um die Un gültigkeit des § 21 Abs. 5 darzutun, auf§ 5 Abs. 4 der Schlichtungsverordnung berufen. Dort heißt es: Kommt vor der Schlichtunastammer feine Einigung zustande, so macht die Kammer den Barteien einen Vorschlag für den Abschluß einer Gesamtvereinbarung"( Schieds fpruch). Da der Schiedsspruch von der Kammer ausgehen müffe, fönne ihn nur die Mehrheit in der Kammer herbeiführen. Lasse die Ausführungsbestimmung einen Schiedsspruch ohne Mehrheitsentscheidung zu, so verstoße fie gegen die Grundbestimmung in§ 5 der Schlichtungsverordnung... Das Reichsarbeitsgericht hat sich der rechtlichen Auffassung der Arbeitgeberseite völlig angeschlossen. Es hat der Bestimmung des§ 21 Abs. 5 der Ausführungsverordmung die Rechtsgültigkeit abgesprochen. In diesem Ausspruch liegt das Schwergewicht des Urteils. Brüft man diesen Inhalt des Urteils, so fann feine Rede davon sein, daß die Arbeitnehmerseite menigstens in der Frage des Stimm entscheids des Vorfizenden gefiegt habe. Das Gegenteil ist richtig. Der Sieg der Arbeitgeberseite war auch in diesem Bunkte ein vollkommener. Sie hat die Genugtuung, nicht nur den Schieds. fpruch, sondern auch ein Kernstück des geltenden Schlichtungswesens beseitigt zu haben. Denn darüber muß man sich im fiaren sein, daß das Urteil des Reichsarbeitsgerichts durch die ungültigkeitserklärung der auf den Stimmentscheid des Vorfizenden bezüglichen Ausführungsbestimmung einen Lebensnerv des geltenden Schlichtungswesens ge troffen hat. Bon jetzt ab fann fein Schiedsspruch mehr durch einen Stimmentscheid des unparteiischen Vorsitzenden zustandegebracht werden. Wenn fich die Gruppen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Schlichtungsfammer auf einen bestimmten Schiedsspruch nicht einigen, so muß der unparteiische Vorsitzende " Lohnkonflikt in den Walzwerken. Kündigung des Lohnabkommens. Der Metallarbeiterverband hatte zu Sonntagvormittag nach dem Bürgerpart in Oberschöneweide eine Bersammlung der Walz In allen Fällen, in denen eine Einigung zwischen den Gruppen in der Schlichtungskammer nicht zustande kommt und auch der Vorfitzende feinem der Gruppenstandpunkte beitreten fann, gibt es fein Mittel mehr, den Ausbruch des Arbeitskampfes rechtlich zu verhinWie wird sich erfahrungsgemäß ein solcher nicht endgültig geschlichteter Arbeitskampf abspielen? Die beiden Gruppen werden ihre Kräfte messen. Millionen werden geopfert. Die Wirtschaft wird erschüttert, Elend und Not brechen über Tausende herein. Das Ende aber wird eine Vereinbarung sein, durch die sich die streitenden Barteien, meistens mit Regierungshilfe, dem Spruch eines unparteiischen Vorsigenzen unterwerfen. Der Arbeitskampf wird mit einem Ergebnis enden, dessen Herbeiführung bis heute por dem Ausbruch des Arbeitsfampfes möglich war. Der Unterschied liegt darin, daß bisher der Schiedsspruch ergehen konnte, Fällen ein Schiedsspruch erst ergehen wird, bevor jene Opfer gebracht waren, während von jetzt ab in solchen Fällen ein Schiedsspruch erst ergehen wird, nachdem jene Opfer gebracht sind. Dazu kommt die Verschlechterung der Rechtslage der Arbeit. nehmer. Sie wird in Zeiten niedergehender Konjunktur fühlbar werden. Bisher war es möglich, durch verbindlich erklärten Schieds. spruch den Arbeitnehmer vor den schlimmsten Rückwirkungen der Krise zu bewahren. Infolge des Stimmenischeids des Vorsitzenden ist diese Möglichkeit nicht mehr vorhanden. Die Schlichtung versagt, wenn sie für den Arbeitnehmer am nötigsten ist." Soweit Genosse Sinzheimer. Es ist zwar sicher, daß nicht das Urteil, sondern seine Begründung fünftig die Schlichter davon abhalten wird, einen Schiedsspruch zu fällen, wenn eine Mehrheit nicht zustandekommt. Praktisch vermögen wir jedoch den Pessimismus des Genossen Sinzheimer nicht zu teilen. Es ist richtig, daß sich die Praxis im Schlichtungswesen in den letzten Jahren insofern geändert hat, als die Parteien bzw. deren Vertreter in der Schlichterkammer sich immer weniger geneigt zeigten, einem Vermittlungsvorschlag des Schlichters beizutreten. Nichts kann aber bei günstiger Konjunktur die Unter. nehmerbeisiger in der Schlichterkammer daran hindern, einem Bermittlungsvorschlag des Schlichters zuzustimmen, wie auch um. gefehrt nichts die Arbeiterbeisiger daran hindern kann, bei ungünstiger Konjunktur dasselbe zu tun. Beide Parteien werden nur bestrebt sein, den Schlichter möglichst für ihren Standpunft zu gewinnen, bzw. möglichst viel herauszuschlagen. Es ist allerdings wahrscheinlich, daß die Folge des Urteils des Reichsarbeitsgerichts eine Steigerung der Wirtschaftsfämpfe sein dürfte. Wie umfangreich diese Steigerung fein wird, fann erst die Erfahrung lehren. Freilich läßt sich das durch eine einfache Aenderung der Schlichtungsverordnung verhin dern. Es braucht eben nur der Absatz 5 des§ 21 der Ausführungsverordnung in die Schlichtungsordnung übernommen werden, und die Herren Formaljuristen im Reichs arbeitsgericht werden befriedigt sein. dern nur beim Bergbaurevier Klage einreichen und den Antrag auf Bestrafung oder Abberufung des betreffenden Beamten stellen. Solche Anträge wären vom Disziplinarausschuß unter Mitwirtung Don Beisigern aus Gewerkschafts- und Unternehmertreisen zu erledigen. werfarbeiter der im Südosten Berlins gelegenen Betriebe Lohnbewegung der fächsischen Gemeindearbeiter. einberufen, die sehr gut besucht war. Nach einem Vortrag des Genossen Winguth vom Metallarbeiterverband über die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft, in dem er besonders die Lage der deutschen und amerikanischen Arbeiter miteinander verglich, gab der Branchenleiter Schoodt einen Bericht über die Berhältnisse in den Walzwerfbetrieben. Schoodt kritisierte besonders scharf das Berhalten der Unternehmer in dieser Industriegruppe in der Auslegung des im vorigen Jahre neugeschaffenen Lohntarifes für die Berliner Metallindustrie. Die Unternehmer bereiteten die größten Schwierigkeiten bei der Eingruppierung der Walzwerfarbeiter und waren bestrebt, den größten Teil dieser Arbeiter als ungelernte Arbeiter zu bezahlen. Trog wiederholter Verhandlungen mit dem BBMJ. konnte bezahlen. Trozz wiederholter Verhandlungen mit dem BBMJ. konnte nur selten eine Uebereinstimmung zwischen den Vertragsparteien erzielt werden. Wegen dieser ewigen Streitigkeiten müsse versucht werden, die Bestimmungen über die Eingruppierung genauer festzulegen. Einmal aus diesem Grunde, zum anderen aber auch, meil die in dem Lohntarif vereinbarten Löhne zu niedrig sind, empfahl er der Versammlung, für die Kündigung des Lohntarifes zu stimmen. Um jedoch eine Majorisierung zu vermeiden, werden zweierlei Beamtenausschüsse gewählt werden müssen, und zwar einer für die Polizeioffiziere, Polizeiobermeister und meister und einer für die Bolizeiwachtmeister. Diese Zweiteilung war deshalb nötig, weil die Wahlen zum Beamtenausschuß von anderen Voraussetzungen ausgehen, als politische Wahlen. Während bei etwa den Reichstagswahlen selbstverständlich jeder wahlberechtigte Staatsbürger das gleiche Wahlrecht hat und wir darin einen Pfeiler der Demokratie sehen, fehlt bei den Beamtenausschußwahlen die Voraussetzungen der rechtlichen Gleichheit aller Wahlberechtigten. Der Polizeioffizier unterliegt einem anderen Rechtsverhältnis als der Polizeiwachtmeister. Außerdem ist der Beamtenausschuß eine Stelle, die Gutachten abzugeben, aber nicht Anordnungen zu treffen hat. Solche Gutachten haben nur einen Wert, wenn gerade die interessierten Beamten an dem Gutachten mitwirken fonnten. Die Zweiteilung der Beamtenausschüsse, die der Erleß vorsieht, soll diese Vorausfetzung sichern. Dadurch aber, daß der Schnitt gerade zwischen den Nach einer eingehenden Distuffion, in der u. a. lebhaft Klage Bolizeihauptwachtmeistern und den Polizeimeistern geführt worden ift, vermeidet der Erlaß die Bildung tlaffenbetonter Offizierbeam darüber geführt wurde, daß die Unternehmer für die schwere und tenausschüsse und gibt außerdem dem Bolizeiobermeister, der in gefahrvolle Arbeit an den Maschinen Frauen zu beschäftigen feinen Funktionen Stellvertreter des Polizeioffiziers zu sein pflegt, anfangen, beschloß die Versammlung einstimmig, der Organi eine gemeinsame Bertretung mit dem Beamten, den er zu vertreten ſation die Kündigung des Lohnabkommens hat. Selbstverständlich muß bei einer solchen Zweiteilung die 3u31. März zu empfehlen. Die endgültige Entscheidung über die Künständigkeit jedes der beiden Beamtenausschüsse scharf um= digung des VBMJ.- Lohntarifes trifft jedoch erst die Konferenz der rissen und jede gemeinsame Beschlußfassung unterbunden sein, da Gesamtfunktionäre der Berliner Metallindustrie, die in der nächsten fonst Streitigkeiten an der Tagesordnung wären und bei gemein. Seit stattfindet. famer Abstimmung Beamtenausschußmitglieder, die auf Grund einer verschiedenen Verhältniszahl gewählt worden sind, gleichberechtigt mären. Aus dem sehr umfangreichen Tätigkeitsgebiet der Beamtenausschüsse sei vor allem hervorgehoben, daß sie, falls der beteiligte Beamte nicht ausdrücklich darauf verzichtet, vor Kündigung des Dienstverhältnisses, vor Berhängung einer Ordnungs. strafe, im förmlichen Disziplinarverfahren nach Abfchluß der Boruntersuchung zu hören sind. Außerdem haben sie mitzuwirken bei all den Bestimmungen, durch die der Betrieb der Dienststelle geregelt wird, bei Aufstellung der Dienst stunden pläne, des jährlichen Urlaubsplanes, bei der Schaffung und Verwaltung der Wohlfahrtseinrichtungen sowie auf Antrag der beteiligten Beamten bei Unfalluntersuchungen, bei Berseßung in den Ruhestand, bei Urlaubsperweiges rung, bei Unterstüßungsgesuchen, bei der Zuteilung von Dienstwohnungen usw. Die Demokratisierung der Verwaltung im allgemeinen und die der Schutzpolizei im besonderen hat mit dem neuen Erlaß des Breußischen Innenministers einen starten Schritt vorwärts getan. Die neuen Bestimmungen über Beamtenausschüsse in der Schutzpolizei sind die stärkste Widerlegung des kommunistischen Geschreis über Militarismus in der Schutzpolizei und ein beachtenswerter Beitrag zur fommenden Magdeburger Wehrdebatte. Mißstände im Bergbau. Revierprämien und Bergwerfsschulen. zum Die Lohnverhandlungen am 25. Jamuar mit dem Arbeitgeber perband Sächsischer Gemeinden sind nach vierstündiger Dauer geheitert. Der Arbeitgeberverband machte den Borschlag, die legige Lohnvereinbarung bis 31. März dieses Jahres zu verlängern, wobei er erflärte, die dann, d. h. bei den Verhandlungen im März zustande kommenden Löhne ab 1. Februar nachzuzahlen. Die Landes tariffommission der Gemeindearbeiter war geneigt, diesem Vorschlag beizutreten, aber nur dann, wenn den Arbeitern für Februar und März eine Abfindungssumme gezahlt werde. Die Höhe dieser Summe sollte Gegenstand der Berhandlung sein. Diesen Gegenvorschlag lehnte merkwürdigerweise der Arbeitgeberverband nach sehr langer Sonderberatung unter sich ab. Er tönne auch feinen anderen Borschlag unterbreiten und erklärte damit die Berhandlungen für gescheitert; es müsse nunmehr die tariflich vor gefene Bezirksschiedsstelle angerufen werden. Am 30. Jamuar wird diese zusammentreten. Ausgesperrte des Stahl- und Walzwerts Henningsdorf! Heate pormittag 10 Uhr im Lokal ,, Drei Linden", Fabrikstraße 15, gemeinfame Bersammlung aller ausgesperrten Kollegen. Die organisierten Kollegen werden ersucht, ihre Verbandsbücher mitzubringen. Kolle gen erscheint reftios! I A: Die Vertrauensleute der Ausgesperrten. Achtung, Fabritarbeiter Prenzlauer Berg! Die Wahlen der Bezirksleitung und der Delegierten zur Generalversammlung vom 17. Januar d. 3. im Bezirk Brenzlauer Berg wurden für ungültig erklärt. Eine außerordentliche Bezirksversammlung findet am Donnerstag, den 31. Januar 1929, 19 Uhr( 7) im Lokal von Gliesche, Kopenhagener Straße 74, statt, in der die Neuwahlen vorgenommen werden. Alle Mitglieder des Fabritarbeiter verbandes, die im Bezirk Prenzlauer Berg wohnen, merden ersucht, die Versammlung vollzählig zu besuchen. Die Ortsverwaltung. 5. Rüder. Freie Gewerffchafts- Jugend Groß- Berlin Der Bergbauindustrierbeiteraverband hat eine scharfe Rampagne für die Abschaffung der Revierprämien im Bergbau eröffnet, die zu einem üblen und verhängnisvollen Antreibersystem mentierabend mit Lichtbildern. An den Quellen bes elettrischen Stromes. ausgewadysen ist. Der preußische Handelsminister hat auf den Staatszechen die Revierprämien schon vor einigen Jahren verboten, ohne daß die Abschaffung der Prämien die Betriebsergebnisse ungünstig beeinflußt hätte. Weiter die Heute, Dienstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Humboldt: Jugendheim Graun, Ede forgingstraße. Literarischer Abend: Moderne Arbeiter. dichtung." Frankfurter Allee: Städt. Jugendheim Litauer 18. Experi Landsberger Play: Jugendheim Diestei menerstr. 5. Brettspielabend. Lichten. berg: Jugendheim Poffeftr. 22. Portrag:„ Die Stellung des Jugendlichen in den Gewerkschaften." Spanban: Städt. Jugendheim Lind mufer 1. Jad London- Abend. Treptow: Gruppenheim Schule Wildenbruchstr. 53-54( Fort zimmer) Kunterbuntes. Sübkreis- Kursus: Jugendheim Wassertorstr. 9. Thema:„ Aus der Arbeiter und Gewerkschaftsbewegung." Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Rorbwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Bortrag: Kreuz und quer durch Deutschland." Referent Bernhard Göring. Bollstangfurfus in der Schule Baruther Str. 20, 20 Uhr. Achtung! Am Connabend, 2. Februar, 19½ Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe anläßlich der Gaujugendaussprache eine Jugend. furbgebung im 9 eichsm.rtfdaftsrat, Pellevueftr. 15. Einlaß nur auf mit Ramen ausgestellten Eintrittstarten gestattet. fordert der Bergbauindustriearbeiterverband, Bergwertsschulen dem Einfluß der Unternehmer zu entziehen und zu verstaatlichen. Die zur Schulentlassung kommen. den jungen Steiger sollen nach dem Borschlag des Berbandes den Oberbergämtern zugewiefen und von da aus auf Anforderung nach den einzelnen Bergbaurevieren verwiesen werden. Die Bergämter hätten dann ihre Steiger bei dem für sie zuständigen Bergrevier anzufordern. Das Verfügungsrecht über die der Bergbaubehörde verantwortlichen Personen, also vornehmlich der Steiger Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; und Betriebsführer, ginge dann von der Betriebsverwaltung auf die Bergbaubehörde über. Eine Zeche könnte also bei einem solchen Systeme teine Steiger mehr maßregeln oder entlassen, sonGemertichaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher: Lokales and Sonftiaes: Frix Rarstädt: Anzeigen: tb Glode. sämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Verlag Gm b S Berlin Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Ban Singer u Co Berlin SW 68 Lindenstraße& Sieran 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". J. 47. 46. 3ebrgang 1. Beilage and Rr. 1. Beilage des Vorwärts Dienstag. 29. Januar 1929 Brandkatastrophe in At- Stralau. Blutiger Cheftreit in Berlin D. Ein Feuerwehrmann getötet, acht Personen verletzt. 3n Alf- Stralau ereignete fich gestern abend eine schwere Brandtatastrophe Auf dem Gelände des Sägewerts und der Holzgroßhandlung der Firma Gebr. Opmis brach aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, das sich in furzer Zeit zu einem Großfeuer entwickelte. Bei den Cöscharbeiten stürzte eine große Mauer zu fammen und begrub drei Feuerwehrleute fomie sechs Wertsangehörige unter sich. Der Feuermehrmann Gustav Berzentes starb bereits auf dem Transport zur Rettungsstelle in der Cadiner Straße. Die Er starb bei seiner Einlieferung auf ber Rettungsfteffe Cabiner Str., ohne das Bemußtsein miedererlangt zu haben. Die meiteren Löscharbeiten dauerten noch volle brei Gamben. Erft gegen 21 Uhr mar die Macht des Feuers gebrochen und die Aufräumungsarbeiten, die die ganze Nacht hindurch währten, fonnten vorgenommen werden. Der Schaden ist sehr hoch). Der gesamte Straßenbahn- und Fuhrwertsverkehr murde polizeilich gesperrt und mußte durch Umleitungen aufrechterhalten merden. An der Brandstelle mar ein großes Ednpoanfgebot eingescht worden. Es scheint uns der Aufklärung bedürftig, wie es tam, daß bei Betrieb nicht von vornherein mehr Kräfte mobi lisiert wurden. übrigen Berunglückten wurden mit schweren Verletzungen in einer Feuermeldung aus einem höchst feuergefährligen die Krankenhäuser gebracht. Ein schmarzer Tag in den Annalen der Berliner Feuerwehr! Surz vor 18 Uhr lief bei der Rummelsburger Feuermadhe aus der Straße Alt- Stralau 33 Feueralarm ein. Auf diesem Grund stüd befinden sich die Gebäude des Sägemerts der Firma Op. mis und der Solzabjäßejabrit non Bloch u. Pfeiffer. In einem etwa 50 Meter langen und 25 Meter breiten massiven Gebäude, in dem echte Hölzer getrocknet merben, mar in Dach stuhl Feuer entstanden. 2s die Feuerwehr zunächst mit zwei Löschzügen anrüdte, brannte der Dachstuhl in seiner ganzen Aus dehnung lichterloh. Die Situation schien zunächst nicht sehr bedroh lich und es murden beim ersten Angriff nur zwei Schlauchleitungen in Tätigkeit gesezt. Die Flammen fraßen sich jedoch in dem Fabrifgehände mit unheimlicher Schnelligkeit nach unten weiter, so daß die anwesenden beiden Löschzuge völlig unzureichend für die Bekämpfung des Brandes maren. 3 mei meitere 3üge und das im Osthafen stationierte Feuerlöschboot 3 mußten nachalarmiert werden. Die Belegschaft des Bertes, die als zweite Schicht bis 10 Uhr abends arbeitet, hatte noch rechtzeitig das bren nende Gebäude verlassen fönnen. In der Zwischenzeit hatten die Flammen fast das ganze Gebäude ergriffen. Sie fanden an den Werkstätteneinrichtungen und Holzvorräten reiche Nahrung und immer neue Schlauchleitungen mußten eingesetzt wer den. Das brennende Gebäude glich einer riesigen Fadel und die Brandstätte war auf mehrere hundert Meter taghell erleuchtet. Dem Flammenmeer entströmte eine außerordentlich starte und gefährliche Strahlenhige, so daß die angrenzenden Gebäude, Schuppen und Holzvorräte eine Zeitlang äußerst bedroht maren. Inmitten der schwierigen Löscharbeiten ereignete sich dann das furchtbare Unglüd, das einem feuerwehrmann das Leben toftete und bei dem außerdem zwei Feuerwehrleute und sechs Bertsangestellte zum Teil lebensgefährliche Verlegungen erlitten. Die Sonnenburger Borgänge. Das Urteil gegen die angeflagten Schupobeamten. Die Straftanamer des Großen Schöffengerichts in Frankfurt a. b. Ober unter dem Borfiz des Bandgerichtsdirettors Stebert Dertürbete gestern das Urteil in dem Strafverfahren gegen die fünf chupobeamten aus Rottbus, bie angefagt maren, sich aus den zur limarbeitung in Sonnenburg lagernben Militärsachen miderrechtlich Gegenstände angeeignet zu haben, und die in einem Falle den Versuch gemacht hatten, einen als Zeugen vernonnenen Sträffing in seinen Aussagen zu beeinflussen.( Der Prozeß lief neben der Berhandlung gegen die angeflagten Zuchthausbeamten.) Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das erstinstanzliche Urteil wird verworfen, auch die Berufung der Angeklagten Lauschuß und Boiche. Die Angeklagten Brig, Boiche, Laut fchuß und Schulz werden von der Anschuldigung des Diebstahls freigesprochen; megen Hehlerei erhält der Angeklagte Boidje sechs Wochen Gefängnis, der Angelicgte Olber wegen Diebstahls und Begünstigung drei Monate Gefängnis, von denen ein Monat als durch die Untersuchungshaft verbüßt gelten foll. In der Begründung berücksichtigte das Gericht die Umstände in der Strafe anstalt Sonnenburg, die für das jeweilige Schupotommando große Berladungen mit sich brachten. Erschwerend fiel für die Angeflagten ins Gewicht, daß sie sich die Berfehlungen als Beamte zuschulden formen ließen, da sie doch zur Sicherung der Anstalt abfommandiert maren. Der Frau in den Tod gefolgt. Gestern abend murde im Hause Martus ftraße 52 der 77jährige Tischler und Sozialrentner Berthold G. erhängt und in ihrem Bett seine 77jährige Frau Bertha tot aufgefunden. Die alten Leute hatten sich seit Tagen nicht mehr sehen lassen, so daß Hausbewohner Berdacht schöpften und die Bolizei alarmierten. Da den Beamten niemand öffnete, wurde die Tür, die mehrfach verDie Beamten waren im Verein mit den Arbeitern damit befchäftigt, größere Stapel wertvoller Hölzer, die in der Nähe des brennenden Gebäudes fagerten, in Sicherheit zu bringen. Die un gewöhnlich große Hize hatte aber die Stabilität der Umfassungsriegelt und verschlossen war, gewaltsam erbrochen. Als die Beamten mauern unterminiert, und plöglich stürzte unter donnerähnlichem Getöse die Borderwand zufammen. Im nächsten Augenblid, als noch alles von lähmendem Entsetzen gepackt war, ertönten auch schon laute Hilferufe und Entfehenssdyreie. Unter der eingestürzten Mauer, den brennenden und glimmenden Balken waren drei Feuerwehrleute und sechs Betriebs angehörige begraben worden. Troß der bestehenden weiteren Einsturzgefahr drangen mehrere Bergingstrupps unter eigener Lebensgefahr bis zur Einsturzstelle vor, um den Berunglückten Hilfe zu bringen. Drei Feuermehrleute und sechs Arbeiter fonnten geborgen merden. Alle hatten schwere äußere und innere Verlegungen erlitten. Am schlimmsten mar der Feuerwehrmann Gustav Kerzentes aus der Caprivi allee in Lichtenberg Friedrichsfelde verlegt worden. 9] Der Aufruhr des Achiafon Calm Roman einer Revolution. Von Gerhart Herrmann Mostar ,, Sagen die alten Weiber?" fragte sie mit finnlofem Hohn. " Ja. Sie sagen auch noch, daß in stürmischen Nächten der Ritter vom Pfuhl hier umherreitet, seinen eigenen Kopf unter dem Arm.' Sie empfand plöglich die Kühle des noch winterlich toten Wassers. Lassen Sie uns die anderen suchen..." Wie Durchlaucht befehlen." Er holte die Pferde herbet, Die abseits gegraft hatten. Sie nahm das ihre am Zügel; ging ein paar Schritt; blieb wieder stehen, lehnte den Kopf an den Hals des Pferdes und fah über Wasser und Land. Ihr herbes Gesicht mar sehr weiß. ., Eines verstehe ich nicht an der Geschichte, die Sie mir da erzählt haben. Den Schluß verstehe ich nicht. Barum muß sie weinen, und gleich einen ganzen See voll? Worüber meint sie denn?" In seinem Gesicht lag ehrliche Berständnislosigkeit. No, weil der Pfuhl tot ist, und wegen--" Ja doch, ja doch!" unterbrach fie ihn heftig. Aber sie hat doch gelebt! Gelebt, Trofegt! Hat Reichtum gehabt und Macht. Macht und einen Mutigen neben sich verstehen Sie, Trosegt Trosegt schloß einen Moment die Augen. Als er sie wieder aufichlug, war fein Blid tälter und sicherer denn je In feinem Geschlecht wählte man sich Frauen auf Grund feiner Interessen, nicht aus Trieb; aber die Kraft des Triebes Stand zu Gebote. In seinem Geschlecht war man ehrgeizig im Bereich des Möglichen; für den Vater in Hohenerrleben umfaßte dieser Bereich einen Bauernhof, hier ein Herzogtum... der Unterschied lag außen, nicht innen Jegt hörte er ihre Stimme neben sich, lodend, schien ihm: Er hatte Mut, der Ritter vom Pfuhl!" Der Baron von Trosegt hätte ihn auch," sagte er sehr tlar und scharf. das Schlafzimmer betraten, entdeckten sie S. an der Türklinke in einer Schlinge hängend. Frau S. lag tot in ihrem Bett. Die Vereiner Schlinge hängend. Frau S. lag tot in ihrem Bett. Die Ber mutung, daß S. zuerst seine Frau und dann sich selbst getötet habe, scheint nicht zuzutreffen. Nach den ärztlichen Untersuchungsergeb nissen ist Frau S., die seit längerer Zeit bettlägerig mar, infolge Altersschmäche eines natürlichen Todes gestorben. Allem Anschein nach hat S., der den Tod seiner Frau nicht überleben mollte, aus Gram darüber selbst Sand an sich gelegt. Die Leichen wurden befchlagnahmt und ins Schauhaus gebracht. Vereinigung sozialdemokratischer Juristen. Heute am Dienstag, dem 29. Januar, 20 Uhr, findet Konferenz im Reichstagsgebäude, Saal 31, Eingang Portal 5, eine statt. Thema: Die arbeitsrechtlichen Lehren des Ruhrkampfes. Referenten: Genossen R.-A. Dr. Fraenkel u. Min.- Rat Dr. Flatow.- Parteigenössische Juristen und Gewerkschaftssekretäre als Gäste willkommen. Der Vorstand. I. A. Ruben Sie sah ihm voll in die Augen. Einen Meinen Augenblick lang stieg das Gefühl der Angst auf in ihr, trallte in der Rehle: der Angst, welche die leidenschaftlichen vor den falten Menschen haben... Sie nahm ihren Blid fort und sah wieder in die Weite. Die Furcht schwand, als sie den zähen, schweren Kampf der Knospen und Gräser um Wachstum und Licht fah, als sie den Frühlingsmind fühl auf der Stirn fühlte, der alles Welfe, Schwache, Borjährige achtlos verwehte, als sie sich eins fühlte mit all dem Drängen ringsum, all dem Hungern und Dürsten nach Liebe und Macht. etwas. Trojet wandte sich um. Sie sah die ruchafte Be megung seines straffen, träftigen Nackens, dessen Braun die Sonne schimmern machte. Hinter einem den Weiher überhängenden Baum rauschte Es ist nichts," sagte er und fah sie an. Sie mies mit leise bebender Hand auf das Tuch an ihrer Schulter:„ Es gehört mir nicht mehr. Der Fuchs ist ge fangen... Trosegt nestelte es los. Seine fühle Hand lag auf ihrer heißen, trockenen Schulter. Sie hob sich ein wenig, der Drud der Hand wurde stärker. Ihr Kopf fanf an den Hals des Pferdes, ihre Augen schlossen sich zitternd In das leise aufmachende Lächeln ihrer Zippen traf sein herber, harter Kuß. Ihr Pferd sprang erschredt zurüd. Trosegt hielt fie, als sie zu fallen drohte, und ließ fie fofort los, half ihr in den Sattel. Sie ritten schweigend durch die Wiesen gang fern taumelten ein paar rote Buntte: die anderen. Trosegt sah Friederile fragend an. Ihr Blid antwortete beherrscht. Er winkte den fich nähernden Fuchsjägern mit dem Tuch. Ein Hornruf erwiderte. Die gefrümmte, tierhaft häßliche Männergestalt, die Dom Bläs aus über Sumpfpfade auf die Stadt zutroch, sahen fie nicht. 4. Der schiefe Calm Der Lohgerber Abraham Calm faß seit Stunden nor einem mit den herzoglichen. Infignien geschmückten Schreiben. Der maffige Kopf war in die groben Hände gestützt; die dicen, über der Raje nerwachsenen Brauen verdedten seine Augen, der Ausdruck feines immer finstern Gefichts verriet nichts. Es war spät geworden über diesem Brüten, vom Turm der | Den Mann mit einer Schneiderscheere erstochen. Unter der Selbstbezichtigung, ihren Mann getötet zu haben, ftellte sich geffern abend die 50jährige Frau des Händlers Ollo Schneider aus der Jungstraße 23 auf dem 256. Polizeirevier in der Travestraße. Mehrere Beamte begaben sich sofort in die Wohming Schnebers und fanden die Angaben der Frau bestätigt. Schneider fog in einer großen Blutia che regungslos auf dem Fußboden. Neben dem Toten, an dem der Arzt fünfzehn tiefe Stiche feststellte, fanden die Beamten eine große blutbeiledte Schere, mit der die tödlichen Stiche geführt worden waren. Frau Sch., die in Saft genommen wurde, behauptete bei ihrer ersten Bernehmung, in Notwehr gehandelt zu haben. trunten heimgekehrt. Der Mann sei mit seinem 20jährigen StiefNach ihren Angaben ist Edmelder gegen 22 1hr völlig be. sohn megen einer nichtigen Sache in Streit geraten, der in Tätlichfelben ausarbete. Soyreider sei dann plöglich aufgesprungen, habe fich auf den jungen Menschen gestürzt und ihn gemürgt Afs der Stiefvater von dem am Boden liegenden Sohn nicht abeß, habe sie in ihrer Angst eine Schneiderschere ergriffen und folange auf ihren Mann eingestochen, bis er blitt überströmt zusammenbrach. Die Kriminalpolizei ist bemüht, Me Aussagen ber Frant, be einige Wbersprüche aufweisen, zu prüfen. Urteil im Prozeß Dumberth. 5% Jabr Gefängnis.- Ausstoßung aus dem Heer. Nach etwa dreiftändiger Berafung verkündete der Borfigende, Landgerichtsrat& auffmann, das Urteil gegen den megen Raubinordes angeflagten Obergefreiten Dumberth. Der 2ngeflagte wird megen Totschlages and Unterschlagang zu fünf Jahren drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ferner wird auf fünf Jahre Ehrverlust und Ausstoßung ans dem Heere erkannt. In der Begründung führte der Vorsitzende Beweise reichen nicht aus, um den Angeklagten deswegen veruraus, daß erheblicher Berdacht auf Mord vorliege, aber die feilen zu können, zumal der Zeuge, Kolonist Sydom, fich in serschiedene Widersprüche verwickelt hat. Es handelt sich aber um ein fo fchweres Berbrechen, daß auf hächst strafe erkannt werden mußte. Der Angeklagte nimmt das Urteil an. 11000 arbeiten an der Schneeabfuhr. Die Straßenreinigung hat anfäßlich der anballenben Schneefälle der letzten Tage besondere Maßnahmen getroffen. Die 300 Schneepflüge( 50 Kraftschneepflüge und 250 bespannte) find uminterbrodjen in Betrieb. Die Kraftfahrer, Kutscher und Ge frame merden von Zeit zu Zeit abgelöst. Die Anzahl der Hilfs Sie arbeiter ist auf 7200 Mamm erhöht worden, so daß zurzeit mit Einschuß der Stammarbeiter sowie der Fahrer und Begleiter ber Schneepflüge und der Kutscher der Abfuhrwagen insgesamt rund 11 500 Mann bei der städtischen Straßenreinigung fätig sind. Die Anzahl der Schneeabfuhrwagen betrug heute morgen 800. wird im Laufe des Tages auf 1000 erhöht werden. Sämtliche Bertehrsstraßen Berlins sind seit Beginn des Schneefalies drei. bis viermal vom Sdee freigemacht worden. Auch ein großer Teil ber Nebenstraßen konnte zwischendurch mit Schneepflügen bearbeitet werden. 11 1hr 30 Minuten vormittags( deutscher Zeit) wird der FernFernsprechverkehr Deutschland- Finnland. Am 30. d. M. um spredyperfehr zwischen Deutschland und Finnland eröffnet werden. Die niedrigste Gebühr für ein Dreiminutengespräch beträgt 6,50 M. Marienkirche hatte es zehn Uhr gezittert, und Sarah, seine achtzehnjährige Tochter, war schlafen gegangen. Es pochte an der Haustür. Calm lauschte erstaunt. Um diese Zeit? Was wollte man wieder von ihm? breiträndrigem Schlapphut, von dem Tropfen fielen und im Draußen stand eine turze Gestalt mit dunklem Mantel, Bunde mit der Dunkelheit das Gesicht überschleierten. Calm fiel es jetzt erst auf, daß es regnete. Herr Calm?" fragte es mit voller, männlicher Stimme. ,, Jawoll. Zu dienen, Härr." ,, Ich möchte Sie um eine Gefälligkeit bitten." ,, Wolln Se träten näher, menns Ihnen recht is." Drinnen wurde der Schlapphut abgenommen. Mein Name ist Richard Wagner, Kapellmeister aus Dresden. Ich muß unbedingt nach Dresden zurück, sobald als möglich. In der Stadt war aber heute tein Fuhrwert aufzutreiben. Man sagte mir, daß auch Sie gelegentlich Leute nach Halle gefahren haben, wo ich die Bost erreiche." ,, Ammer man sehr selten, jnädijer Harre. Das wird moll mehr sind ne Bermutung von die Leite, weil ich Pferde habbe." Wagner hatte der Mischung von jüdischem und einhei mischem Jargon amüsiert gelauscht, hatte den unbewußten Berursacher feines Mißerfolgs interessiert gemustert, fomeit das gelbe Halblicht der Befroleumlampe das ermöglichte. Ich märe Ihnen sehr dankbar." jagte er nach kurzem Schweigen, fich rübesinnend auf sein Anliegen ,,, menn Sie eine Ausnahme machen fönnten." Es tam ihm jeht wirklich darauf an. Er mar den ganzen Tag, wieber von Bitterfeit über bie Albernheit feines Schm fals und von Besorgnis um die Zukunft überfallen, durch die Stadt und die frisch in den Frühling hineintastende schöne Umgebung gelaufen und hatte sich nicht umt eine Fahrgelegen heit bekümmert. Schließlich war ihm die fartastische Idee gekommen, ben fchiefen Calm zu besuchen, fennen zu lernen; zudem hatte man ihm wirklich gesagt, daß Calm Pferde habe. Und jetzt mar es au spát, um anderswo em Gefährt aufzutreiben. ,, Es is janz ausieschlossen, jnädijer Harre," mehrie Celm jekt ab. Bei dän Räjen- die Bäje fin jo jarmiche passieriegt bar. Un nich durchlaffen wird mich de Tormache!" P Aber ich bitte Sie! Man wird doch als hiesiger Bürger wie Sie die Stadt auch bei Nacht verlassen tönnen!" ( Fortlegung folgt.) Breslauer Doppelmörder verhaftet. Der Mittäter geflüchtet. Der Breslauer Kriminalpolizei ist es rammehr gelungen, ben Doppelraubmord in der Gastwirtschaft aufzuflären, dem in der Nacht nom 15. zum 16. Jamar der 62jährige Bichhändler Rubels und her 35jährige Biehhändler Robert Ritter zum Opfer fielen. Im Berlauf der polizeilichen Ermittlungen munden insgesamt 14 Bersonen verhaftet, unter denen sich unter anderen ein stellungsloser Kellner namens Breuer befindet. Breuer, der 34 Jahre aft unb megen Unterschlagung, Hehlerei und versuchten Betruges wiederholt porbestraft ist, hat jetzt nach achttägiger Haft ein nmfaffendes Geständnis abgelegt. Er hat den Raubüberfall zusammen mit dem 23jährigen früheren Berkäufer und Bureaugehilfen Frih Billuf ausgeführt. Billuf fonnte bisher nicht verhaftet werden; sein Aufenthalt ist der Polizei noch unbekannt. Der Flüch tige ist etwa 1,70 Meter groß, hat ein längliches Gesicht, blasse Ge+ fichtsfarbe, blau- graue Augen Bekleidet mar er zuletzt mit einem blauen Anzug und einen Marengo- Mantel, einem hellgrauen Hut mit dunklem Band und wahrscheinlich mit schwarzen Halbschuhen Billuf, der eine gute Erziehung und Ausbildung genossen hat, und anfänglich beabsichtigte, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen, geriet bereits mit 21 Jahren auf Abwege. Bon den mit Breuer verhafteten Bersonen haben inzwischen 8 gestanden, einen Raubüberfall auf das Schantlotet von Grosser, ma sich die Mordtat abspielte, geplant zu haben. Das Lofal übte eine besondere Anziehungskraft dadurch aus, daß es ausschließlich pon her verwitweten Frau Grosser und einigen jungen Mädchen behütet marrhe. Die Pflichten des Staatsbürgers. Eine teure Vergeßlichkeit". Es geht vorwärts im Schnellbahnbau! Ein Bauprogramm für die nächsten fünf Jahre. Die Ermöglichung eines planvollen und beschleunigten| Massenverkehrs entspricht. Das einstweilen auf fünf Jahre sich erAusbaues des Berliner Schnellbahanetes stredende Bauprogramm der BVG. fordert noch eine andere neus stand an erster Stelle unter den Vorteilen, die wir von der Linie, eine Schnellbahn von Siemensstadt( wo der Zusammenfaffung der in den Besitz der Stadt gelangten drei Arbeiterverkehr durch fein anderes Verkehrsmittel mehr zu bea Berkehrsunternehmen zu einer einheitlichen Ver- mältigen ist) über Bahnhof Jungfernheide, Dioabit, Lehrter Bahnhof, tehrsgesellschaft erwarten durften. Nachdem vor vier Botsdamer Platz durch die Königgrößer Straße( mit einem besseren Wochen die Berliner Verkehrsgesellschaft( 3BG.) ins Leben lufteigebahnhof Hallesches Tor) und weiter durch die Blücherstraße getreten ist, bringt sie bereits jetzt ein großes Programm zum zum Kaiser- Friedrich- Platz mit Einmündung in die Nordsüdbah Bau neuer Schnellbahnen und zur Verlängerung der affen nach Neukölln, vielleicht auch mit Weiterführung durch die Urbar Schnellbahnen. straße in Richtung Baumschulenweg. Einschneidende Umgestaltungen werden dann auf dem Potsdamer Plaz nötig. Er muß einer der wichtigsten Knotenpuntte des Schnellbahnverkehrs werden, da fünftig außer der alten Stammstrede noch zweie andere Schnellbahnen ihn berühren. Auch wird hier die von der Reichsbahn geplante unterirdische Verbindungsstrede zwiſchen Potsdamer Bahnhof und Stettiner Bahnhof zu berücksichtigen sein. Die BVG. plant weiter für die nächsten Jahre mehrere 2inienverfängerungen, Verlängerung der Nordjüdbahn im Norden bis zur Grenze von Tegel, im Süden bis Rennbahn Mariendorf, der Bahn Gesundbrunnen- Neukölln im Süden bis zum Anschluß an die Mittenwalder Bahn( bei Briz), im Norden bis zum Anschluß an die Liebenwalder Bahn( bei Reinickendorf), Berlängerung der Beſtlinie non Uhlandstraße bis Henriettenplay ( Halensee), der Hochbahn bis Pantom- Breite Straße. Dieses schon recht beträchtliche Bauprogramm, das nur das dringendste fordert, ist aufgestellt worden wegen der wachsenden Schwierigkeit, den Ber fehr zu bewältigen. Dabei wird aber auch ermogen, daß bei der Ausführung der Bahnarbeiten Eine vom Aufsichtsrat der BBG. den städtischen Körperschaften zur Kenntnisnahme vorzulegende Dentschrift über das fünftige Berliner Schnellbahnnet entwirft für den Bollausbau einen Gesamtplan, ohne daß durch ihn der kommenden Entwicklung vorgegriffen werden soll. Für die ersten fünf Jahre aber hat die BBG. ein bestimmtes Bauprogramm aufgestellt, das baldigst den städtischen Körperschaften zur Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Das Schnellbahnnez wurde aus der Zeit vor dem Kriege mit 37,6 Kilometer übernonumen, er weiterte sich bis 1928 um 20,9 Kilometer auf 58,5 Kilometer und wird bis Ende 1929 durch Fertigstellung von im Bau begriffenen Streden sich um 21 Kilometer auf 79,5 Kilometer ausgedehnt haben. An dem Zuwachs aus 1929 find beteiligt die neue Linie Alexanderplatz- Friedrichsfelde, non der Linie Neukölln- Gesund brunnen die Strede Neanderstraße-- Gesundbrunnen, außerdem die Linienverlängerungen in Tempelhof, Neukölln, Brig, Bantom, Bestend, Dahlem. Niemand wird glauben mollen, daß hiermit der Ausban des Berliner Schnellbahnnezes zum Stillstand fommen tönne. Die Bertehrsentwidlung schreitet unaufhaltsam fort und macht immer neue Ermetteringen nötig. Zu dem nötigsten gehört die Ein selten in Ammending gebrachter Paragraph bes Strof. gesetzbuches batte zur Folge, daß Hans Hermann Haller, ber Sohn des bekannten Theaterdirettors, vor der Etraftammer des Landgerichts I zu erscheinen hatte. Haller jun. mar onge flagt, fich gegen§ 138 StrB. vergangen zu haben. Dieser BaroEntlastung der alten Untergrundbahn- Stammftrede, graph lautet dohin, daß, wer als Zeuge, Geschworener oder Schöffe besonders zwischen Friedrichstadt und Bülowstraße. Für die Stamm berufen ist und eine unwahre Tatsache als Entschuldigungs- strede ist nach Fertigstellung der Linien Alexanderplatz- Friedrichs grund für das nichterscheinen vorschützt, mit Gefängnis bis zu felde und Neukölln- Gesundbrunnen ein sehr bedeutender Bertehrs zwei Monaten bestraft wird. Der Tatbestand für die vorliegende zuwachs zu erwarten, für den auch die Achtwagenzüge nicht ge Auflage mar folgender: Haller mar am 6. Februar v. 3. als Zeugenügen werden. Die BBG. will die Stammattien dadurch entlasten, zu einem Termin gegen einen Billetthändler geladen worden, der daß sie die Linie Friedrichsfelde- Alexanderplag unerlaubten Handel mit Karten zur Haller- Remue getrieben hatte über den Spittelmart durch Leipziger Straße Er erschien nicht und wurde deshalb in eine Ordnungs- und Botsdamer Blah nach Steglit weiterführt. Doch soll strafenon 50 M. genommen. Zum zweiten Termin om 12. März zunächst nur die Strede bis zum kleiftpart gebaut merden. Bei der angefeßt morben war, weil die vorige Verhandlung megen des Richterscheinens des Zeugen vertagt merden mußte, fam der junge diefer Gelegenheit soll der Bahnhof Friedrichstadt zu einem großen Haller mieder nicht und die Ordnungsstrafe gegen ihn wurde Umsteigebahnhof ausgestaltet werden, der den Anforderungen des quf 150 M. erhöht. Dieser Beschluß ging ihm zu und daraufhin schrieb er an das Gericht, die erste Ladung habe er vergessen gehabt, hei dem zweiten Termin aber sei er frant gemesen. Gleichzeitig aber war an Gerichtsstelle ein Schreiben des damals angeflagien Billetthändlers eingegangen, in welchem dieser mitteilte, er habe Haller am Die Leistungsfähigkeit der neuen GEG. Malztaffeefabrit. Abend des Termintages mohlauf beim Sechstagerennen gesehen. Das Gericht hatte inzwischen einen dritten Verhandlungstag im April Die Großeintaufsgefellfgaft Deutscher Ron angefeht und wieder fam Herr Haller nicht, weshalb die Ord- fumpereine hatte bisher nur in Chemnitz eine im Jahre 1923 nungsstrafe auf 200 m. erhöht, und der unerreichbare Zeuge in Betrieb genommene Malz, Korn- und Gerstentaffeefabrit. Troh Haller zum vierten Termin im Mai zwangsweise vorgeführt wurde. der täglichen Leistungsfähigteit non 10.000 Kilo und trotz DreiInzwischen hatte das Gericht die Atten an die Staatsanwaltschaft schichtenarbeit tonnte mit dieser Fabrit bie Nachfrage der deutschen abgegeben und diese hatte gegen Haller wegen Verstoßes gegen Konsummbereine nicht gedeckt werden. 8138 megen des falschen Entschuldigungsgrundes einen Straf. befehl über einen Monat Gefängnis durch den Amts. richter zustellen lassen. Dagegen erhob Haller Einspruch, und es fand eine Berhandlung por dem Einzelrichter des Amtsgerichts Berlin- Mitte ftatt, der den Strafbefehl bestätigte. In dem Urteil wurde hinzugefügt, eine erem. plarische Bestrafung des Angeflagten sei am Blaze, und eine Be mährungsfrist fönne ihm nicht zugebilligt merden, da er ein ver mögender und gebildeter Mensch sei, der systematisch feine Bflicten als Staatsbürger anßeracht lasse. Gegen dos Urteil legte der Angeklagte Bernfung ein, die vor der Straftommer des Landgerichts I verhandelt wurde. Der Angeflagte machte geltend, daß er das Datum feiner Erkrankung mit dem Datum des Gerichtstermins verwechselt habe. Das Gericht vermarf die Berufung des Angeklagten, aber mit der Maßgabe, daß an Stelle der an sich vermirften Gefängnisstrafe non einem Monat eine Geldstrafe von 2000 M. trete. Im 11rteil hob der Borsigende hervor, daß der Angeflagte, ohne daß er für feine Zukunft unglücklich gemacht werde, eine fühlbare Strafe erleiben müsse, damit ihm die Pflichten des Lebens zum Bewußtsein fommen. Wer ist Herr Mahnke? 30 000 Kilo täglich. Jetzt ist nach einer Bauzeit von 1% Jahren in Mannheim eine Großfabrit entstanden, aus Eisenbeton und Klintersteinfassaden, bei der die Geschäftsleitung für die meitergeführte Chemnitzer und die neue Mannheimer Fabrit zusammengefaßt wird, die eine Leistungsfähigkeit von täglich 30 000 Kilo aufweisen und zur Bersorgung der Bereine auch ausreichen wird. Mannheim wird jetzt Malztaffee, Rorniaffee, Konfinntorn, Zichorien in verschiedenen Arten und Bachungen sowie Zurfazessenzen amb Raffeegewürz erzeugen, so daß die GEG. den gesamten Bedarf des Zentralverbandes in Zukunft in eigenen Fobriten herstellen fam. Die GEG. ist mit Recht der Hoffnung, daß die Qualität der GEG.- Erzeugnisse noch mehr als bisher ben Bereinen den Kampf gegen die Martenartifel verhältnismäßig leicht machen wird, und zwar um so mehr, als auch die Preisbildung für die Verbraucher Vorteile bietet. Gegen Unterstützung von Schwarzweißrot. Am 17. November 1928 veranstaltete die Stagerrat.Ge. fellschaft einen Ball mit Tombola und Barbetrieb, der ganz im Zeichen von Schwarzweißrot stand. Der Gaol mar ent sprechend deforiert, und die Festordner trugen auffallende schwarzDie Regierung in Botsdam hat den früheren Gemeinde meißrote Schleifen. Zu der Tombola mutben n. a. von der Deut vorsteher non Buchholz, Mahnte, als fommissarischen Bürger- schen Zeitung", nou der Deutschen Tageszeitung", aber auch nom meifter für die Stadt Wittstock a. D. vorgeschlagen. Blanetarium der Stadt Berlin und von der Städtischen Oper Geschente gestiftet. Mahnte genoß in seinem früheren Wirkungsfreis den Ruf eines Sozialistenfressers. Er mar megen seiner Amts führung im Kriege bei der Bevölkerung außerordent lich unbeliebt, nach der Revolution lebte er in dauernder Feindschaft mit der Gemeindevertretung, so daß der Landrat wiederholt eingreisen mußte. Nach der Schaffung von Groß- Berlin trat er in den Ruhestand. Bolitisch gehörte er mächst zur Deutsó nationalen Boltspartei. Dort wurde er jedoch hinansfomplimentiert. Er schloß sich dann den Nationalsozialisten an. Jekt hat die Regierung in Botsdam den 61jährigen als fommissarischen Bürger meister von Wittstock vorgeschlagen neteren Mann finden. Wenn der Mann trinkt. fie fonnte feinen ungeeig In der Oppeiner Straße märe es beinahe zu einer Familientragödie gekommen. Ein 41jähriger Moler mor in seinem Beruf sehr tüchtig, leider aber dem 2Utahol so sehr ergeben, daß er es übers Sjerz brachte, seiner Frau von seinem 100 m. betragenben Wochenlohn nur 30 m. abzugeben. 70 m. möchentlich vertranf er und fam natürlich fast jeden Abend betrunken nach Hause. Alles Bitten der Frau, die mit ihrem 13jährigen Kind von den 30 m. natürlich nicht leben fonnte, half nichts. Sie mußte fich feinen Rat mehr und fah feinen Ausweg aus der Chehölle. In ihrer topfLofer: Berzweiflung ftreute fie eines Tages dem Mann Schweinfurter Grün aufs Butterbrof, ein ganz unfinniges und zwedlojes Bemühen, denn das grüne Pulver mußte natürlich den Mann auffallen. Und das geschah auch. Er blies es aber herunter und aß das Brot ohne Schaden Bald darauf wiederholte die Frau der Verfuch, nahm diesmal aber eine größere Menge. Der Mann, ber schon mißtrauisch geworden mar, entbedte wieder das Bulber, ftedte das Brot in die Tasche zurüd und began am Abend, als er mieder sehr betrunten nach Haufe tam, einen fürchterlichen Lärm zu machen. Er ging mit dem bestreuten Brot zur Polizei immb zeigte feine Frau an. is man die Frau pernahm, gewann man aus ihren mirren Reben den Einbrud, daß sie in ihrer Berzweiflung überhaupt nicht gemußt hatte, mas sie getan, und da ihr Bersuch feinerlei Folgen gehabt hatte, entließ man sie wieder. Der nable Chemann aber zog es vor, fich eine andere Wohnung zu fudjen. Auf eine Eingabe der Republikanischen Beschwerdestelle, die darauf hinwies, daß für ein solches Fest die Verwendung städtischer Gelder wohl faum am Blaze marc, hat der Oberbürgermeister Böß mitgeteilt, daß er die Stiftung non Gaben durch das Plane tarium der Stadt Berlin und die Städtische Oper für den von der Stagerrat- Gesellschaft am 17. November 1928 veranstalteten Ball nicht billige. Es sei Vorsorge getroffen worden, daß Stiftungen gleichviel welcher Art nicht mehr durch die einzelnen städifchen Verwaltungen, sondern mur noch durch eine Sentral. stelle erfolgen. Diese Stellungnahme des Oberbürgermeisters ist durchaus zu billigen. uter den Eichen." Im Anschluß an den Ausbau der Schloßstraße in Steglitz ist auch die Umgestaltung der Straße Unter den Eichen" in Lichter felde beschlossen worden. In der Stegliger Bezirkssizung wurde darum gefämpft, ob die dort stehenden Eichen, die der Straße den Ramen geben, fallen sollen oder nicht. Es werden 3mei getrennte, acht Meter breite Fahrbanne, ein besonderer Bahnförper mit Mittelstüßen in der Straßenmitte geschaffen, darüber hinaus find Radfahrwege vorgesehen. Will man die Bäume erhalten, so laffen sich die Radfahrwege nur zwischen dem Bahn törper und den Baumreihen anordnen. Infolge der notwendigen Unterbrechung oder Abschwenkung der Radfahrwege an den Halte stellen der Straßenbahn würden dauernd Gefahrenmomente für bie Radfahrer wie für die aussteigenden Fahrgäste vorhanden fein. Für überholende, schnellfahrende Fahrzeuge auf dieser Hauptausfallstraße des Westens wären ebenfalls die Bäume ein startes Gefahrenmoment. Man hat sich darum zur gänzlichen Entfernung der Bäume entschlossen und die Bezirks nerfammlung hat in ihrer Mehrheit dem zugestimmt. Die Rabjahr. mege erhalten nunmehr eine Breite von 1,20 Meter, die Gehsteige eine solche von 4,32 meter, während sie bei Beibehaltung der Bäume nur eine Breite von 3,60 Meter aufzuweisen hätten. Immerhin viele Tausende Arbeiter die ersehnte Beschäftigung finden. Bei den jetzigen Bahnbauarbeiten werden über 8000 Arbeiter be fchäftigt. Sie müßten noch im Laufe dieses Jahres nach und nach fämtlich entloffen werden, menn das neue Bauprogramm nicht in Angriff genommen werden fönnte. In einer Besprechung mit Bertretern der Presse wurde das Bauprogramm von dem Vorsitzenden der BBG., Stadtrat Reuter, erläutert. Er erklärte, daß zmar niemand die Entwicklung des Schnellbahnnetzes auf eine längere Reihe von Jahren vorausa bestimmen fann, daß aber die Notwendigkeit der Ausführung dieser zunächst geplanten Banten nicht zu bezweifeln ift. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis das Bou programm von allen in Frage fommenden Instanzen genehmigt ist und an die Bauausführung herangegangen merden kann. Wer den Ausbau unseres Schnellbahnnetzes fördert, trägt zum Gedeihen der Wirtschaft bei und dient dem Wohl der merftätigen Bevölkerung. hat dieser Kampf um bie Bäume eine lebhafte Debatte hervor. gerufen. Much mir schließen uns dem Bedauern an, daß diese schönen Baumreihen im Interesse des Bertehrs nerschminden müssen. Es märe zu münschen, daß das Bezirksamt einen Ausweg findet, burch Anpflanzung der Bäume an anderer Stelle der Straße den Charatter des Namens zu erhalten. Selbstmord auf den Schienen. Ein graufiger Borfall ereignete fich am Montag vormittag gegen 11% 1hr auf dem Bahnhof Adlershof. Dort mor ein Mamm, eine Weile auf dem Bahnsteig auf und ab gegangen. Als aus der Der seinem Aeußeren nach dem Kaufmannsstande angehören mochte, Richtung Grünau der D- 3ug 191 herannahte, marf der Mann ich plöhlich vor die Maschine. Der Zug riß den Lehensmüden noch ein Stüd über den Bahnhof hinaus mit, mo er danir schyredlich verstümmelt und tot liegen blieb. Irgendwelche Ausmeis papiere hatte der Tote nicht bei sich. Die Leiche murde beschlagnahmt und nach der Salle in Oberschönemeide gebracht. Der In bekannte ist etwa 45 Jahre alt, 1,65 bis 1,75 Meter groß, hat dunkles Haar und Bürstenschnurrhart und trug schwarzen Mantel mit Samtfragen, blaues Jodett, gestreifte Sose und blauriolett und meiß gemusterten Wollschal Sein weißes Taschentuch ist C. S. gezeichnet. Elternversorgung und Witwenbeihilfe. Der Im Oftober 1928 sind die Behörden der Reichsversorgung schon einmal auf Antrag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten vom Reichsarbeitsminister angewiesen worden, in eine Radprüfung der Höhe der Elternversorgung und Witwenbeihilfe aus Anlaß der vom 1. Juli 1928 ab eingetretenen Erhöhung der Leistungen aus der Invaliden und Angestelltenversicherung nicht einzutreten. Berzicht auf eine allgemeine Nachprüfung sollte die Versorgungsbehörden entlasten. Wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten mitteilt, foll nach einer neuen Anweisung des Reichsarbeitsministers auch von einer Radyprüfung Abstand genommen wer den, wenn Versorgungsberechtigte felbst die Erhöhung dieser Leiftungen anzeigen. Geschieht die Anzeige nicht, fo fönne gleichwohl nicht angenommen werden, daß eine wesentliche Veränderung der Berhältnisse absichtlich verschwiegen werde. Soweit die Versorgungsbehörden bisher abweichend hiervon verfahren sind, fann auf An trag des Bersorgungsberechtigten ein Ausgleich herbeigeführt merden. Neue Ermittlungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse des erwähnten Personenfreises sind nur dann, vorzunehmen wenn fie nach dem Inhalt der Atten wahrscheinlich zu einer Aenberung im Rentenbezuge führen werden. Eine Friedensfahne. Der Vorgang der Fahnenmagelung im Bezirk Often des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten vollzog sich bei starter Beteiligung in den Alhambra- Festsälen sehr eindrucksvoll. In feiner Festrede entwidelte Dr. Galomonski den Sinn des Wortes Fahne, um darauf hinzuweisen, daß die neugeweihte Fahne feine Kriegsfahne, sondern ein Banner des Friedens sein solle. wurden Eine Friedensfahne, die dem demokratischen und sozialen Geiste der deutschen Republik zu Ehren wehen solle. Bei der lleberreichung Reichsbanner, Reichsbund der Kriegsbeschädigten usw., Don Nägeln durch die Bertreter der befreundeten Berbände, wie bundes gesprochen. In seinem Schlußwort gedachte der Vorsitzende warme Worte der Anerkennung für die Organisation des Reichs des Bezirks Often, Marcus, der im Weltkrieg Gefallenen. Zu dem gemeinsamen Gesang, Ich hatt einen Stameraden" spielte der Bläserchor des Reichsbanners. Mit dem Abmarsch der Fahnen fand die wirklich stimmungsvolle Feier ihren Abschluß. Der elfte Wafferrohrbruch in London. In einer der Hauptgeschäftsstraßen Innerlondons, dem Strand, plagte am Montag ein Hauptrohr der Wasserleitung. Es entstand eine beträchtliche Störung des Verkehrs. Der Schaden ist jedoch un bedeutend Dies ist der elfte Rohrbruch, der sich in den letzten 14 Tagen in London ereignet hot. Eine Bezirksversammlung des 10. Bezirts Zehlendorf findet am Mittwoch, dem 30. d. M. abends 6 1hr, im 2nzeum statt. Das Wehrproblem in Berlin. Berichte aus fünf Vertreterversammlungen. Weißenfee. In der am 23. d. M. abgehaltenen Jahresgeneralversammdung erstattete Genosse Bauz den Geschäftsbericht, aus dem eine günstige Entwicklung der Organisation im verflossenen Jahre zu entnehmen war. Bei der Borstandswahl wurde Bautz als Borsitzender wiedergemählt. Ueber das Behrproblem referierte Genosse Bauzz, er frat zum Schutz der Grenzen für Erhaltung einer Wehrmacht ein. Der Korreferent, Schmidtchen, forderte die Ablehnung der Reichsmehr. Nach einer ausgedehnten, äußerst fachlich geführten Debatte, murde eine von dem Genossen Schmidtchen eingebrachte, die Reichswehr ablehnende Entschließung, mit großer Mehrheit ange nommen. Zum Barteitagsdelegierten wurde daraufhin Schmidtchen gewählt. Angenommen wurde der Antrag Fauft: Der Bezirksparteitag erneuert beim Reichsparteitag feinen Antrag für die sozialdemokratischen Beamten mir die freigewerkschaftliche Bes amtenorganisation, den ADB., als Gewerkschaftsorganisation zuzu laffen." Tiergarten. Lichterfelde betrachtet die Aufgabe des Bartettages nicht darin, abzuwarten, sondern Richtung zu geben. Er erflärte sich als prinzipieller Gegner des Konfordats und betrachtet sich als ente schiedener Bazifiit. racht Lichterfelde folgert: Schließt der Staat mit der Kirche einen Bertrag ab, so anerkennt er die Macht der Kirche. In der Wehrfrage fordert er gundsägliche Politik und Ablehnung jeden Zugeständnisses. Bei der Abstimmung zum Parteitag murde Stubich- Steglitz mit Mehrheit gemählt. Fracht- Lichterfelde als Stellvertreter. Zur Statutenänderung wurde ein Antrag ange nommen, der den Bezirksparteitag am 3. Februar anempfiehlt, wegen ungenügender Information der Abteilungen, den Bunft der Tagesordnung auf einen späteren Bezirksparteitag zu verlegen. In der Kreisvertreterverjamuniung wurde noch befannt gemacht, daß der Gedanke der meltlichen Schule auch in Steglitz marschiert. Eine freie Schulgemeinde sei gebildet.. Charlottenburg. In der Kreisvertreterversammlung des Bezirts Charlottenburg Am 18. Januar 1929 fand die Kreisvertreterverfanmmlung in den gab Genosse Czerlinsti den Bericht der Groß- Berliner Sta Arminiushallen stott. Der Kreisleiter Hennig stellte in seinem futenberatungstommission. Aus einigen Abteilungen Geschäftsbericht fest, daß die Aufwärtsbewegung der Partei lagen eine Reihe von Abänderungsantragen nor. im Kreise Tiergarten auch im verflossenen Jahre angehalten hat. Nach kurzer Aussprache murde folgendes beschlossen: Der Bezirts. Der Kreis Tiergarten hat 2592 Mitglieder, nach abgelegten Beitragsparteitag Berlin möge beschließen: Die Beschlußfassung über die marfen wären es jogar 3104. Die tatsächliche Zunahme betrug 302 Statutenänderung mird ausgesetzt, der Entwurf mird in ausreichen männliche und 123 meibliche Mitglieder. Die Reichs- und Landtags der Anzahl an die Abteilungen gesandt zur eingehenden Beratung. mahlen brachten uns einen Stimmenzumachs von zirta 15 Proz Eine längere Diskussion wurde durch den Wehrprogrammentmurf Der Borstandsbericht murde ohne Diskussion entgegengenommen. and die Kandidatenaufstellung zum Magdeburger Parteitag endDer alte Kreisvorstand murde en bloc mieder feffelt. Genosse Homuner, Dr. Kameraat, Dr. Lidhaner, Genoffin gemählt. Beidler und Genosse Döbler finden in dem Entmurf teine glüdliche Lösung und lehnen ihn ab. Ein Teil der Redner ficht die Notwendigkeit eines Wehrprogrammns für die Partei nicht ein. Wenn trotzdem ein Programm geschaffen werden soll, dann soll man die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit beachten und bedenken, daß heute die tleine Reichsmehr mehr toftet als die oiel startere englische Wehrmacht. Auf alle Fälle müssen die sozialistischen Gedanken im Brogramm schärfer betont merden. Bei dem Entwurf hat man den Eindrud, als folle nur eine gute Grundlage für fomunende Regierungsverhandlungen ge schaffen werden. Die Diskussion mird auf Sonntag, den 27. Januar, pertagt. Als Delegierte zum Reichsparteitag murde die Genoffin Jordan norgeschlagen. Nach Erledigung der Anträge zu den Statuten, murde der Anfrag angenommen: Der Kreisvertretertag des 2. Streifes nerlangt nom Bezirtsvor stand, hei dem Barteinorstand darauf hinzuwirken, daß benor in der Rontordatsfrage eine Entscheidung getroffen wird, dem Reichsparteitag zuvor dieje Frage zur Entscheidung vorzulegen ist. Ferner wurde die Entschließung angenommen: Die Kreisvertreterversammlung des 2. Kreises stellt sich hinter die Entschließung der Streismitgliederversammlung Beißensee und Tehnt jedes Kontordat zwischen Staat und Kirche, sowie auch jedes vertragliche Zugeständnis der Staates an die Kirche ab und fordert den Bezirksnorstand von Berlin auf, bei dem Barteivorstand und bei der Breußenfraftion mit allen Kräften dahin zu mirten, daß die für Preußen und das Reich drohenden Kontor= batsabschlüsse zum Scheitern gebracht werden. Steglitz Lichterfelde Lanfwih. Die Delegierten des 12. Kreises nahmen am 21. Samar Stelling zar Frage des Konkordats und zum Wehrproblem lleber das Kon Porbat referierte Rettor Hädide, der das Wesen des Konkordats zergliederte als eines Bertrages der meltlichen Staatsmacht mit der Bapsttirche, die unentmegt ihr Haupt erhebt, um ihre Machtansprüche geltend zu machen. Ein solcher Zustand ist in unserer Zeit völlig untragbar. Die frühere herrschende Klasse beeinflusse noch immer nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Hirne. Die Gefahren sind nicht abzusehen, men ein Kontordat dennoch zum Abschluß tommt. Das Geistliche beherrscht das Weltliche. Der Abschluß eines Kontordats miderspricht der Verfassung. Nicht um eine Koalition zu halten, tönnen Sugeständnisse in der Kontordatsfrage gegeben werden. Der Redner fordert aus fulturellen Gründen allein schon: meg mit dem Kontorbat! Nach einer reichhaltigen Diskussion, in der auch die Genoffin Begscheider ergänzende Ausführungen machte, nimmt der Kreisnertretertag folgende Entschließung an: Der Kreisnertretertag des 12. Kreises stellt sich geschlossen hinter die Entschließung der Mitgliederversammlung des Kreises von Meißensee und lehnt damit den Abschluß jedes Konfor. dats.und auch jedes meitere Zugeständnis finanzieller und fultu reller Urt an die Kirche ab. Sie fordert den Parteivorstand, die Reichs- und Landtagsfraktion auf, alles zu tun, um den drohenden Kontordatsabschluß zu verhindern." Bei der Kandidatenaufstellung mar den norgeschlagenen Gemoffen Gelegenheit gegeben, ihre Stellung befannt zu geben. Stubich- Steglis glaubt aus den gegebenen Berhältnissen sein Handeln die Richtung zu geben. Er wird in seinen Entscheidungen die Forderungen der breiten Volksmassen gebührend zu würdigen missen. Aues hängt von den Machtverhältnissen ab. Marr Fahnenweihe im Kreis Friedrichshain. Die 34. bteilung im Kreis Friedrichshain neranstaltete gemeinsam mit der Sozialistischen Arbeiter. Jugend einen politisch- satirischen Abend, der als Versuch zur GeDie Comenius Säle ftaltung proletarischer Feste zu merten mar. maren zu flein für die zahlreich erschienene Zuhörerschaft. Genoffe Ramm rezitierte fatirische Gedichte. Genosse lug brachte Lieber zur Laute zu Gehör, die meist Parodien auf ehemalige Militärlieder maren. Genosse Friedrich Wendel vollzog dann die Weihe der neuen Fahne der 34. Abteilung. Die erschienenen Mitglieder be grüßten die neuen Fahnen mit dem Gesang der Internationale". Die Sozialistische Arbeiter- Jugend brachte dann ein heiteres republifanisches Spiel von Lobo Frant, betitelt ,, Der Affe von Potsdam", zur Aufführung. Es waren Szenen aus dem republikanischen Deutschland, die das Treiben der Reaktion deutlich fennzeichneten. Durch das geschickte und treue Verhalten des Boltspräsidenten, der die Züge Friedrich Eberts trug, gelingt es zum glücklichen Schluß, die Konterrevolution in ihren Reimen zu erstiden. Diese lose aneinander gereihten Szenen, die von den Laienspielern sehr nett dargestellt wurden, fanden reichen Beifall. Mit dem gemeinsamen Gesang von Wohlan, wer Recht und Freiheit achtet janden die Borführungen ihr Ende, und der republikanische Hofball" fonnte beginnen. Im ganzen eine sehr hübsche und fröhliche Beranstaltung. " Mit großer Mehrheit wird Genosse Dr. Kameran afs De legierter zum Parteitag gewählt. Schöneberg Friedenau. Am 23. Januar 1929 sprach Friz Naphtali in der Kreisnertreternerjammlung des 1. Streises im Gesellschaftshaus des Bestens, Hauptstraße, über Sozialistische Wirtschaftspolitit. Die Probleme der Wirtschaft seien schwieriger zu be handeln und zu meistern als die politischen. Die Arbeitslofenver ficherung fängt einen großen Teil des Drudes der Arbeitslosent auf den Wirtschaftsmartt auf. linjere Aufgabe muß es sein, die großen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen. Der Abschluß von guten Handelsnerträgen ist erforderlich, die eine Erleichterumg der Ausfuhr von Waren ermöglichen. Die Bertragsverhandlungen mit Bolen ziehen sich schon jahrelang hin. Wir haben einen Dele gationsführer, der ois reiner Interessenvertreter der Landwirtschaft unmöglich die großen Gesichtspunkte der Gesamtwirtschaft vertritt. Die Reallohngestaltung ist sehr wichtig. Mit der Erhöhung des Lohnes ist nichts erreicht, menn die Kauftraft des Lohnes nicht durch Preisstillstand bzw. Preissenfung der Bedarfsgüter erhöht mird. Die Umfaßfteuer ist eine reine Kopfsteuer und trifft die finderreichen Familien am stärksten. Reicher Beifall der Berfammlung lohnte Naphtali für seine ausgezeichneten Ausführungen. Zum Behrprogramm fand ein Antrag Annahme, wonach der Parteitag ersucht wird, den Brogrammentmurf nicht zu ver abschieden, sondern denselben nochmals der Parteimitgliedschaft zmeds eingehender Diskussion zurüdzunermeisen Als Parteitagsdelegierte wurden die Genossen Wendt und Flatau norgeschlagen. Ferner nahm die Kreisvertreterversammlung Anträge an zur Kontordatsfrage. Strafrechtsreform, zur Haltung der Ministergenossen bei wichtigen Entscheidungen, Zusammenlegung der Angestellten und Invalidenversicherung und deren Berbesserung, und eine Entschließung, morin den Genojsinnen der Beitritt zu den Konsumgenossenschaften zur Pflicht gemacht wird. Dem Statutenentwurf murde mit geringen Aenderun gen zugestimmt, doch verlangt, daß die Beratung des Entwurfs auf den Bezirkparteitag im April verschoben wird. Parteinachrichten Einsendungen für diese Subrift find Berlin 688 68. Biabeuftraße 3. für Groß- Berlin ftets an Bas Beatrisjetretariat 2. Sot, 2 Trep. rechts. zu richten. 1. Areis mitte. Elternbeirate! Gigung am Donnerstag, S1. Sommer, 20 Uhr, bei Brandis, Stralauer Str. 10.. 3. Areis Webbing. Sente, Dienstag, 29. Jaunat, 19% Uhr, im Bazenhofer, Chauffeeftr. 64, reismitgliederversammlung Borttag: Sozialbemofratic Kreisnab Kontorbat." Referent Dr. Kurt Löwenstein, M. h. 9. bilbangsausschuß: Der. Dienstagfurjus des Genossen Sarlis:„ Geschichte der Arbeiterbewegung", in der Schule Banf, Ede Wiesenstraße, Zimmer 45. beginnt erit um 20 Uhr. Mittwoch, 30. Januar, 19½ Uhr, Sigung der Abteilungsbildungsableute bei Schols. Adolfstr. 12. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Mittwoch. 30. Jannar, 19 Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71. Gigung des erweiterten Areisvorstandes mit den Bezirks tagsbelegierten. 5. Areis Friedrichshain. Heute, Dienstag, 29. 3omuar, 19 Uhr, in her Andreas Festfälen. Andreasste, 21, Kreismitgliederversammlung. Bortrag: Das Wehrprogramm." Referentin Toni Eender, M. d. R. Diskussion. 14. Kreis Reuton Freitag, 1. Fcbruor, 1914 Uhr, erweiterte Areisvorstanda fung it hen Delegierten vom Bezirksparteitag an befannter Stelle. 15. Kreis Treptow. Mittwoch, 30. Januar. 19% Uhr, im Lotal Brüdenkians. Ricberschöneweide, Bridenstr. 15. Bortragsabend. Thema: Kommunala Wohlfahrtspflege." Referent Stadtrat Rißner." 16. Areis Röpeaid, Bildungsausschuß: Beginn des fommunalen Rurfus om Freitag, 1 Februar. im Bezirksverordnetenfigungsfaal. Rathaus, Schloß ftraße 4. 1 Abend:„ Geschichtliches und Berwaltungsgrundlagen." Referent Bürgermeister Dr. Serg. Beginn 19 Uhr. 20. Kreis Reinidendorf. Seute, Dienstag, Beginn des Rurfus Rommuna politik, Berfassung und Verwaltung"( Mag Fechner) in der Gemeindeschule Bittenau, Rosenthaler Straße. Heute, Dienstag, 29. Januar. 26. 4. 19 1hr Rrcismitgliederversammlung in den Andreasfir. 21. Andreas- Festsälen, 47. bd. Um 18 Uhr Marken abholen von Jacobi, Köpenider Str. 176. 63. bt. Staaten. Achtung! 20 Uhr im 2ofal Soffmann, Bahnhofstraße, Mitgliederversammlung( nicht im Lotol Miller, Spandauer Straße). Bor. frog: Das Wehrprogramm." Referent Stadtverordneter Sermann Sempert. Morgen, Mittwoch, 30. Januar. 19. 6. Battlich 13% Uhr Mitgliederversammlung in der Grauen Schult Gotenburger Straße. Bortrag: Soziale Wohnungsfürforga Referent Otto Most Reumahl der Abteilungsleitung ufm. Charlottenburg. 51. Abt. 19½ Uhr Filmabenb im Wohlfahrtssaal, Rönigin. Elisabeth- Str. 6. 8ur Borführung gelangi Der schwarze Sonntag Frauensport Ferner spricht Dr. Siegfried Rameran über Sozialdemo featie und Behrpolitit. Untoftenbeitrag 30 f. 55. Abt., 8. Gruppe: Sahlabend 20 hr bei Schug, Wallstr. 99. Geschäftsbericht, Neumahlen, Barteitag und Behrprogramm. 56. 6t. 20 Uhr, Funktionärsgung bei Biersch, Rantstr. 62. 81. Abt. Friebenan. 20 Uhr Sahlahende bei Baginsti, Stubenrauch, Ede Taunusstraße. Borttag: Innen- und außenpolitische Fragen.", Referent Redakteur Wolfgang Schwarz. Rlabe, Sandjernstr. 60-61. Bortrog: Rommunalpolitische Wirtschaftsfragen. Referent Mag Seidemann. 83. Abt. Lichterfelbe. 20 hr bei Schmidt, Sindenburgdamm, Ede Poonftraße, Jahres und Saffenbericht, Borstandsmohl. Parteiangelegenheiten. Ber fchiebenes. Unsere Bibliothek tann am 2., 3. und 4. Montag bei Schmidt benust merden. 4. Abt. Reutön. 1914 Uhr Mitgliederversammlung im gofal Bergschinshöhe, Rarlsgartenstr. 6-11. Bortrag des Genossen Georg Maderholz, M. d.£ Neuwahl des Abteilungsvorstandes. 108. bt. Friebrichshagen. 20 1hr im Zolal Scholz, Friedrichstr. 81, Mit. gliedernerfammlung. Bortrag:„ Das Wehrproblem. Referent ein Mit. glieb her Behrlommission. Bericht von her Rreisvertreterversammlung und Stellungnahme zur Neumahl des Rreisvorstandes. Bericht vom Kreis und Abteilungsnorftand. 1t1. bt. Bohnshorf 19 Uhr Borstandssigung bei Seimann, Waltersdorfer Straße 100. Un 20 Uhr Mitgliederversammlung ebendort. Wahl eines Delegierten zum Bezirksparteitag. 127. bt. Sohenschönhausen, Kolonie Weiße Tauke. 20 Uhr Jahreshauptve fammlung im Zolal Rubin, Dingelstöbice Str. 5. Donnerstag, 31. Januar. 1. Areis Mithe. 20 Uhr in Rofenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11-12.. fammlung aller in der Wahlfahrts und Jugendpflege tätigen Parteimit glieder Vortrag: Aenderung in der Wohlfahrtspflege. Referent Stadte not Rudolf Serrmann. Frauenveranstaltungen. 84. t. Bantwis. Mittwoch, 30. Januar, 191 Uhr, bei 2ehmann, Sankais. Roiser- Milheim- Str. 29-31, Franenabend. 96. Abt. Renfeln. Seute. Dienstag. 29. Sanuar, 1914 2hr. hei Lohan, Wipperstr. 19. Die Frau in der Romutunalpolitik." Referentin Genoffin Anna Bormann. Werbeausschuß der Post- und Telegraphenbeamten und Anwärter. Mittwoch, 30. Jannar, 20 Uhr, bei Schmis. Elifabethstr. 30, Jahres veriammlung. Jahresbericht, Reumahl bes Borstardes. Barbeiansweis ift norzuzeigen. Jungjozialisten. Gruppe Richtenberg: Seute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim Guntertr. 44. Merlei Luftiges. Gruppe Reinidendorf: Heute, Dienstag, pünktlich 19 Uhr, Teilnahme am Rurfus der Partei in Bittenau, Rosenthaler Straße( Schule). Gruppe Tempelhof Mariendorf: Sente. Dienstag, im Jugendheim Enzen Tempelhof, Germaniaftr. 46, Arbeitsgemeinschaft: Sozialisierung und Banfen". Leiterin Dora Fabian. Geburtstage, Jubiläen usw. 24. Abt. Renton. Unserem lichen Genoffen Rudolf Balter. Weise. ftraße 49, langjähriger Funktionär, zu seinem 30jährigen Parteijubiläum bie herzlichsten Glückwünsche. Funkwinkel. S Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Arbeitsgemeinschaft Bohm- Schuch: Zusammenkunft Donnerstag, 31. 3anuar, pinktlich 13 Uhr, in der Schule Kochstr. 13. Heute, Dienstag, 19% Uhr. Rölnischer Bart: Seim Große Frankfurter Str. 16: Mitgliederversam Tung. Rosenthaler Borstadt: Schule Elisabethkirchstr. 19: Tagespolitische Unt fdjou. Westen II: Seim Billowstraße: Befreundete Jugend". Brunnen plas: Seim Tanks, Cde Biesenstraße: Rationalisierung". Gesundbrunnen 1: Schule Lütticher Str. 4: Seimabend. Arnswalder Plaz: Heim Raftenburger Ede Wehlauer Straße: Unser Kirchenbefuch". Faltples: Funktionär fitung beim Genossen Gider, Cantianstr. 19. Hohenschönhausen: Schulbarade Dingelstädter Straße: Raisers Geburtstag". Nordost: Heim Danziger Kastanienollee 82: Seimabend. Straße 62: Lehrling und Berufsausbildungsgeirs". Bünther Blog: Schue politische Fragen. Schöneberg III: Seim Hauptstr. 15: Tages Schöneberg IV: Seim Sauptstr. 15: Wie lefe ich eine Beitung?" Charlottenburg: Heim Nofinenstr. 4: Was muß jedes Mitglied von unserem Organisationsapparat missen?" Steglig: Heim Albrechtstr. 47: Dittatur, Monarchie, Republit". Zehlendorf: Nordschule, Zeichensaal, Bots damer Straße: Funktionärausspracheabend: Belche Aufgaben hat der Funk tionär in der Bewegung?" Brig 1: Heim Chauffecftr. 48: ie entsteht eine Seitung?" Neutölln 1: Seim Sander, Ede Sobredytstraße: Sistorischer Materialismus". Reutan III: Seim Flughafenftr. 68: Bürgerlicher und Arbeitersport". Menkölln IV: Heim Schierteftr. 44: Geschichte der Arbeiter jugendbewegung". Neukölln: Seim Kanner Str. 2-6:„ Geschichte ber Arbeiterbewegung". Rentölin VI: Schule Serkbergplag: Demokratie soen Diftatur?" Reutölla VII: Schule Raifer- Friedrich- Str. 208: Die feruelle Rieberschöneweihe: Funktionärsigung. Hermsdorf: Beim Soon. ftrafe: Politischer Informationsabend". Werbebezirk Westen: Die Gruppe Charlottenburg-, Westend" tagt bis anf Am Sonntagabend ein Orchestertonzert unter elmar Meŋromiß, das in mancher Beziehung als vorbildlich für Sonntagsveranstaltungen bezeichnet werden kann. Es bringt feine schwere Ware und gleichzeitig auch feinen Kitsch, es rangiert auf gut geordneter Mitte sowohl mas das Programm als auch was die Ausführung anbetrifft. Meyrowitz dirigiert mit liebevoller Sorgfalt, Schule Gntenburger Str. 2:„ Unterm Cozialistengesch". Webbing( R. F.): ohne die Tempi zu überhigen oder zu verschleppen, die CarmenVorspiele und das Tannhäuser Bacchanal. Mauriz van den Berg mit feiner gefunden Technif und mit wohlrationiertem Ausdrud in Saint- Saëns ,, Rondo capriccioso" ist der geeignete Solist für diese Veranstaltung. Borher unterhalten sich Bert Brecht und zwei andere Herern über Borsport, eine Konversation intereffierter Laien, die in ihrem Beruf die Feder schwingen und den Sport teineswegs als das notwendige Allheilmittel der Menschheit betrachten. Es ist so etwas wie eine Uebung im Diskutieren vor dem Mitrophon. Man tommt zu feinem abschließenden Resultat. Ein paar verschiedenartige Stellungnahmen sind charakterisiert, genau mie in den beiden Borträgen über die Todesstrafe, die von Königs. glücklichsten Lösungen für den Rundfunt. Jeder Redner muß sein Bestes an fachlichen Gründen und an Ueberredungskunst aufbieten, weiteres noch im Seim Rosinenstr. 4. um die Hörer zu überzeugen, der aus dieser Musterkollektion die Wahl treffen muß. Leider besteht nur Bert Brecht, frog seines mertwürdigen Dialettes in Ehren, während die beiden anderen nicht einen Augenblid das Mitrophon vergessen und sich für die Großaufnahme gut breffierte Säße an den Stopf werfen. Borträge, Bereine und Versammlungen. musterhausen auf Berlin übernommen werden. Bielleicht eine der Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefätts ftelle: Berlin 14, Scbaftianstr. 37/38, Sof 2 z. Gauvorstand. Mittwoch, 30. Senuat, 19½ Uhr, im Gesundheits haus Kreuzberg. Dr. Georg Schwerin spricht über Tuberkulose ( mit Lichtbildern). Erscheinen für Canitäter Bflicht. Gäste willkommen. Dienstag, 29. Janvar. 19% Uhr Jahresgeneralversammlung Arminiushollen, Bremer Str. 72. Referat: Reichsbanner 1929." Erscheinen Pflicht. Char Lottenburg: Generalversammlung bes Ortsvereins und Neumahl des Borstandes 20 Uhr im Edenpalast, Raifer- Friedrich- Ete, 24. Mittwoch, 30. Januar Treptow( Ortsverein): Jungbannerversammlung in Niederschönemeide Jugendheim, Schule Berliner Str. 31. Erfdeinen aller Jungtameraden Pflicht. Donnerstag, 31. Januar. Reutelu- Bris, Jungbanner: Schußsportabend Turnhalle Walter- athenau- Schule, Boddinstraße, von 20-22 Uhr. Pantow: 20 Uhr Filmvorführung im Lindnerschen Konzerthaus. Alle Kameraben mit Angehöri gen find herzlich eingeladen. Eintritt frei. im Arbeiter Manbolinenfpieler, Nuppsches Mandolinorchester 08. Donnerstag, 31. Januar, 20% Uhr, Nebungsabend. Blattspieler find freundlichst eingeladen. Nollendorfplatz. Mr. von Scheven: International." Longfellow- English- Debating- Club. Mittwoch. abends 8 Uhr, Café Jagenburg Wetterbericht der öffentlichen Beflerdienfiftelle Berlin und Umgegend ( Rachbr. verb.): Zeitweise aufbeiternd, teine wesentlichen Schneefälle. Für Deutschland: Im Dflen weiterhin falt, in Westen Temperaturaniieg his über den Gefrierpunt. Sieberfläge besonders im Beften Deutschlands Dab Beste im Montagprogramm bleibt die Vorlesung aus dem Roman Heinrich Eduard Jacobs Jacqueline und die Japaner", vom Verfasser selbst besorgt. Seine mitreißende Handlung, allein Schilderung eines Japanermilieus in Heidelberg. Aus einem stillen Realismus wächst dann plößlich ein fast phantaftifches Geschehen heraus, sehr eindringlich in einer tnappen, fachlichen und dabei doch start anschaulichen Sprache gestaltet, die sich von der Wirklichkeit allmählich löft und durch das gegenständliche Bild hin durch seelische Vorgänge ferner Art enthüllt. Das Rachmittags: fonzert präsentiert eine gute Sopranistin mit umfassender Stimme, 2pia Bolajemer, die Lieber jedoch wie Opernarien behandelt Abends die Uebertragung von Humperdinds Rönigstinder aus der Städtischen Oper & S Weiße Woche im Konfum- Warenhaus. Mis erster startete diesmal das Warenhaus der Konsume genossenschaft in der Dranienstraße mit der festlichen Ausa fdmüdung ihrer Verkaufsräume und den beginnenden wohlfeilen meißen Tagen. Mit viel Geschid und Gefchmad haben fundige Hände das dazugehörige schneeweiße Relief geschaffen. Prächtig mirtt nor allem der Lichthaf, der sich in eine stilifiert romanische Bandschaftsszenerie verwandelt hat. In der Mitte erhebt sich ein mächtiger brunnenartiger Aufbau, den unzählige meiße Taubchen umflattern, zu beiden Seiten flantiert von hohen Rundbogan. Der Martusplag von Venedig en miniature, die Qundern aus Laufenden und aber Laufenden von weißen Taschentüchern, die Säulenverklei mirten die hängenden Beleuchtungskörper, der modernen Röhrenbeleuchtung nachgebildet, aus Badspapier und Silberfugeln. Auch alle anderen Bertaufshallen erstrahlen in schneeigem Weiß, und die Schaufenster tragen festliches Gewand. Am Abend hüllt die helf feuchtenbe Außenfalfabe den ganzen Ilmfreis in ein Meer nou Licht. Amerikanische Weltmarktoffensive. 122 702 um die Grengart Bosen- Beltpregen mit 13 498 Berfonen. Der neue Präsident Hoover- Schrittmacher des amerikanischen Imperialismus. Broz.) Bon den Hauptunterſtügungsempfängern in der Arbeitslofens In furzer Zeit steht der Amtsantritt bes neuen Präsidenten| Frachttarife, Batentgesetzgebung, die jeweils wichtigsten Bauprojekte, ber Bereinigten Staaten Serbert Sooner bevor. Hoover mar bie rentabelsten Möglichkeiten für Rapitalandagen, spezielle Marti sechs Jahre lang Handelsminister" der Bereinigten Staaten, er bedürfnisse, Geschäftsmethoden jm. Jeder amerikanische Fabrikant stand an der Spige des Department of Commerce oder Sändler fann sich mit Hilfe dieses Apparats gründlich darüber ( Handelsministerium) und ebenso des angegliederten Bureau of informieren, welche Marten von Rasierapparaten, Kraftwagen oder Foreign and Domestic Commerce"( Amt für Innen 3igaretten in diesem oder jenem Land bevorzugt werden, wie groß und Außenhandel). die Zahl der zahlungsfähigen Kunden jeweils ist, ob und unter welchen Bedingungen sich die Anlage von Fabriten lohnt, melche Art der Reflame in den einzelnen Ländern und für die einzelnen Be völkerungsschichten am zugfräftigsten ist usm. Dieses Bureau murde insbesondere in den Kriegsjahren start ausgebaut, aber bis in die letzte Zeit hinein hat seine Bergrößerung angebauert, und auch im vergangenen Jahre wurden zahlreiche neue Agenturen eröffnet und noch größere Mittel als bisher zur Finanzierung dieser großzügigen Martt- Informationsorganisation bewilligt. Nach seiner bisherigen Tätigkeit tann Hooper als einer der energischsten Organisatoren des amerikanischen Imperialismus gelten. In Europa mind auch heute nach vom ,, amerikanischen Imperialismus wenig gesprochen, und viele erinnern fich bestenfalls einiger Bilder oder Filme, die die ameri fanische Flottenmacht, Flugzeuggeschwader, Webungen amerikanischer Truppen usw. zeigen doch diese militaristischen Formen unter scheiden sich dem Wesen nach von den entsprechenden europäischen Borbildern nicht. Aber michtig ist es und gerade die bevorstehende Präsidentschaft Hoovers muß die Aufmerksamkeit der europäischen Deffentlichteit auf diese Dinge lenten, daß in anderer Hinsicht der amerikanische Imperialismus Formen angenommen hat, die ols spezifisch amerikanisch gelten fömmen. Ein wichtiger Bestand teil des neuamerikanischen Imperialismus bildet die Organisation des Außenhandels, insbesondere das organisierte Bestreben zur Eroberung der wichtigsten Absahmärkte der Erde Die Bereinigten Staaten sind in der Lage, ihre Barenausfuhr, die bereits jetzt rund 20 Milliarden Mart beträgt, b. b. 8 milliarden Mart mehr als die deutsche, zu verdoppeln, wenn es notwendig merden sollte, und daß der amerikanische Erport auch weiterhin wie in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten auf Roften des europäischen anwachsen wird, ist kaum zu bezweifeln. Die bisherige Entwicklung ist dadurch gekennzeichnet, daß in der Zeit von 1913 bis 1926 der amerikanische Anteil am Belthandel non 11 auf 15 Prozent gestiegen, während in der gleichen Zeit der englische Anteil von 15 auf 14 Prozent, der deutsche von 13 auf 8 Prozent und der französische von 7% auf 6% Prozent gefallen ist Diese Bergrößerung des amerikanischen Anteils, die Steigerung des amerikanischen Barenegports von 10 Milliarden Mart 1913 auf 20 Milliarden Mart 1928 ist natürlich nicht mechanisch, nicht nur ,, non selbst vor sich gegangen, sondern auch bemußten Anstrengungen zu verbanken, und diese Bestrebungen find es fchon wert, auch vom europäischen Arbeiter beachtet zu werden. Denn da die Eroberung von Weltmärkten eine internationale Angelegenheit ist, die auch die deutsche Industrie unmittel bar angeht, so ist diese Entwicklung auch für den deutschen Arbeiter non unmittelbarem Interesse. Es sei nur daran erinnert, wie insbesondere in Südamerita und in einigen Gebieten des Fernen Ditens deutsche und englische Waren durch die amerikanischen zu rückgedrängt worden sind. Staatsapparat und Industrie- und Finanzkapital find eins. Besonders interessant ist es, wie eng Staatsapparat einerseits, Industrie- und Finanzfapital andererseits in den Bereinigten Staaten zum Zwecke der Weltmartteroberung zusammenarbeiten. Eine der wichtigsten Organisationen hierbei ist eben diejenige Behörde, die mit zum Ressort des seit dem Präsidenten Harding antierenden Handelsministers Hoover gehörte: das bereits erwähnte Bureau of Foreign and Domestic Commerce. Diefe Drganisation, die ihren Sitz naturgemäß in der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington hat, verfügt über zahlreiche Zweig bureaus in den Vereinigten Staaten und an allen wichtigen Handelsplägen der Erde, und Hunderte von Agenten in aller Herren Länder find für diese Organisation beschäftigt. Sie informiert jeden ameri tanischen Interessenten über alle ausländischen Marktbedingungen, die er mir wissen mill,& B. über Zahlungsbedingungen, 3olltarife, Landbund und Agrarfrise. Bebenfünstler Schiele- Gelbsthilfe und Absahorganisation. Die beiden großen Rundgebungen des Reichslandbundes, die gestern im Zirkus Busch und im großen Schauspielhaus abgehalten wurden, bildeten den öffentlichen Mittelpunkt der Landwirt schaftlichen Woche in Berlin. Die im Gegensatz zu der vorjährigen Tagung allgemein sehr fühle und gedämpfte Stimmung der Demonftranten fonnte auch durch die billige Affetthascherei, die besonders in den Reden der Präsidenten Schiele und Hepp immer wieder durchbrach, taum belebt werden, Eine in jeder Hinsicht anfechtbare Rechnung über die Verlust wirtschaft der Landwirtschaft legte der frühere Reichsernährungsminister Schiele vor. Nach seiner Rechnung ist bei der sehr guten Ernte des letzten Jahres statt einer entsprechenden Mehreinnahme ein Berlust von 140 Millionen Mart entstanden. Herr Schiele scheint bei Professor Don Diege in die Schule geschickt werden zu müssen, der zu ganz anderen Zahlen kommt. Auf Grund der gegen wärtigen Martilage errechnet Herr Schiele sogar beim Verkauf von Schlachtrindern 350, bei Kartoffeln 170 und bei Getreide weitere Die Organisation der 85. Eine andere Organisation von ebenfalls großer Bedeutung ist has National Foreign Trade Council, ber Rationale Außenhandelsrat", eine im Jahre 1914 gegründete private Organi fation, der 85 amerikanische Wirtschaftsführer angehören. Der Wahlspruch dieser Organisation lautet: Größerer Bobistand burch größeren Außenhandel 3hr 3med ist erstens Propaganda bei her Bevölkerung für die Exportziele des amerifani fchen Industriefapitals und die Schutzollbemegung, ferner attine Unterstügung der Exporttätigkeit, schließlich aber macht sie auch mirtschaftspolitif ihren Einfluß geltend und veranlaßte insbesondere die Durchsehung des noch zu erwähnenden Export Trade Act", eines Gefeßes zur Förderung der ameritanischen Barenausfuhr. Borsitzender dieser Organisation ft J. AL Farrell, der Präsident der United States Steel Corporation, b. h. jenes großen Trusts, der etwa die Hälfte der amerikanischen Stahl und Eisenproduktion beherrscht. Die Zahl der Sanptunterstützungsempfänger in der Arbeitslofenversicherung betrug 273 213(+5,04 Broz), in der Krisenfürsorge 17 761(+ 1,57 Broz.), zusammen 290 974(+ 4,82 persicherung entfielen auf Berlin 154 411(+ 3,92 Broz.), auf die Provinz Brandenburg 106 494(+ 6,78 Braz), auf die Grenz mart Bosen- Westpreußen 12 308(+4,42 Broz-). Für die Krisen fürsorge betrugen die gleichen Zahlen für Berlin 15393 (+ 1,05 Broz.), Brandenburg 2297(+ 5,17 Pro3.), Granzmark 71 (+2,90 Brna.). 2uf 1000 Einwohner des Gesamtbezirtes tamen in der Arbeitslosenversicherung 37,87( 36,05) Hauptunterſtügungsempfänger; diese Zahl stellte sich für Berlin auf 37,38( 33,97), für die Proning Brandenburg auf 38,44( 36,00), für die Grenzmart BosenWestpreußen auf 39,29( 37,62). In der Krisenfürsorge ist die Bomtausendzahl für den Gesamtbezirt von 2,42 auf 2,46 gestiegen; sie stellte sich für Berlin allein auf 3,73( 3,69), für die Provinz Brandenburg auf 0,83( 0,79), für die Grenzmark Bosen- Westpreußen auf 0,23( 0,22). Demokratisierung der Luftfahrt. Ausbau des Luftbeirats.- Gicherung des Staatseinfluffes In den letzten Monaten und Wochen wird die Zukunft des deutschen Luftverkehrs lebendiger diskutiert als je. Die langsame Berbefferung der Wirtschaftlichkeit, die neuen Organisationspro bleme des Üleberfee. und Transfontinentalnerlehrs, die Frage des Staatseinfluffes gegenüber dem privatwirtschaftlichen in Dingen des Luftverkehrs, die ungesunde Aufblähung der Flugzeugindustrie, die Erhöhung der technischen Leistung der Flugzeuge haben scharfe Distufftonen und sogar eine Bildung gegnerischer Gruppen zur Folge gehabt. Zweifellos ist die mangelhafte öffentliche Rontrolle und Sachberatung der Staatsbureaukratie als and der Luftverkehrsorganisationen eine Zentralursache sehr vieler Beschwerden. Deshalb ist ein Borschlag des Deutschen BerkehrsWorin besteht der ermähnte Export Trade Act? Es ist ein bundes sehr beachtlich, der in der Zeitschrift Luft und KraftGejetz, das den amerikanischen Fabrikanten und Händlern erlaubt, fahrt" türglich veröffentlicht wurde. Dieser Vorschlag mill den durch fich zu Exportameden trustartig zusammenzuschließen, d. h. dem Aus- Gesetz am 1. August 1922 geschaffenen, seit Jahren schon zum Schattenland gegenüber die amerikanische Antifruft- Gefehgebung aufzuheben basein verurteilten Beirat für das Luftfahrtwesen zu einem mirund auf ausländischen Märkten die konkurrenz amerikanischer Unter- fungsvollen fähigen Inftrument, zu einer attinen Kontrolle des nehmer nach Möglichkeit auszuschalten. Solche Organisationen gibt Luftfahrtwesens ausbauen. Der Beirat soll aus seinen Sachverständies 3. B. für die chemische Industrie, wo die Exportsteigerung gen Spezialausschüsse für Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Subgroßenteils dieser Zusammenarbeit amerikanischer Kapitalisten zuzu ventionsverteilung, technische Spezialprobleme und Ausbildungsfragen schreiben ist Für die amerikanische elettrotechnische bilden und zur attiven Kontrolle durch neue Bollmachten befähigt Industrie fam Ende 1927 eine ähnliche Trustorganisation zustande, werben. Er soll zu jeder michtigen Maßnahme gutachtlich gehört die dem großen Interessenverband dieser Industrie, der National werden, das Antrags- und Anfragerecht bei allen Stellen erhalten Electrical Manufacturers Association nahefteht und in der Männer und auf diese Weise nicht nur die Grundlagen für sachgemäße Beber General Electric Company( des größten amerikanischen Elektrofonzerns) und der Electric Bond and Share Company( eines retung und Kontrolle schaffen, sondern auch das Vertrauen der großen Finanzierungsfonzerns für elettrische Unternehmungen) eine Deffentlichkeit gegenüber den Luftfahrtinstanzen vertiefen. führende Rolle spielen. Für Petroleum wurde dieser Tage die Export Petroleum Association gegründet, der die midytigsten Gesellschaften des Standard- Dil- Konzerns, des Sinclair- Konzerns und anderer Firmen angehören. Ferner murde im vergangenen Jahre für Stahl die American Steel Export Company gegründet, die bereits in pielen Ländern Untergesellschaften gegründet hat. Ihre deutsche Filiale hot unter der Firma Deutsch- Amerikanische Export- Gesellschaft ihren Sitz in Hamburg. Gerade in der Förderung solcher Exporttrasts hat Hoover eine führende Rolle gespielt. Andererseits ist Herbert Hoover und auch dies ist von entscheidender Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtigen amerikanischen Verhandlungen zur ein ausgesprochener Anhänger Erhöhung des Zollschutzes eines starten Schyuzzollsystems. Der neue Präsident ist somit der Intereffennertreter des großindustriellen Flügels der Republitanischen Partei, und die imperialistische Entwicklung der Bereinigten Staaten fönnte feinen attiveren Bortführer bekommen als ihn. Daß auf dieser Tagung des Reichslandbundes die Forderung der Selbsthilfe in der Landwirtschaft scharf herausgearbeitet wurde, tann mit Befriedigung verzeichnet werden. Im ganzen genommen zeigte aber auch die gestrige Kundgebung, daß die Landbundführer immer noch das Allheilmittel in einer Berschärfung der Schutzzoll. politik und Drosselung der Einfuhr, also in den Maßnahmen sehen, die nur dazu geeignet sind, den notwendigen Rationali. fierungsprozeß der Landwirtschaft aufzuhalten. Heil der Landwirtschaft wird man also weiter ohne den 2andbund finden müssen. Beffere Lage in Schleswig- Holstein. Das Mie mir aus Schleswig- Holstein hören, taufen die dortigen Bauern in der letzten Zeit nicht mir stärker ein, sondern bezahlen auch mehr in bar. Die Saisonausverkäufe nach Weihnachten sollen worden sein als in den Vorjahren. Als Zeichen für eine bessere von der ländlichen Bevölkerung noch stärker in Anspruch genommen worden sein als in den Vorjahren. Als Zeichen für eine beffere Lage in diesem Gebiet sind das erfreuliche Meldungen. Wir halten diese Borschläge für richtig und noch ausbaufähig. Jedenfalls ist es die Richtung, in der zuzufaffen und auszubauen ist. Soviel mir missen, wird der Boranschlag des Reiches im tommenden Jahr die für 1928/29 norgesehenen Etatsmittel nicht herabsetzen, sondern mit Rücksicht auf die Entwicklung der Luftschiffum eine Meinigteit erhöhen. Auch verfehrsaufgaben noch Preußen und die übrigen Länder find an der Entwid fung des Luftverkehrs mit gemissen Beiträgen beteiligt. Diese Beteiligung des Reiches und der Länder sichert dem Staat den ent scheidenden Einfluß in der heutigen Luftfahrt, die übrigens mit den Flugzeugindustrien viele Tausende von Arbeitern, Angestellten und Beamten beschäftigt. Das Sajidjal der Beschäftigten hängt heute meitgehend von den Reichs- und Länderzuschüssen ab. Diesen Staatseinfluß start zu erhalten, wird eine dringende Aufgabe der Zukunft sein, der um so größere Aufmertfamkeit zugewendet werden muß, als Reich und Länder für die Steuerzahler auch einmal ernten müssen, was sie heute säen. Der Borschlag, die Kontrolle des Luftfahrtwesens mirksam zu perjachIfchen und zu diesem Zwed aud) zu de motratifieren, fann die Notwendigkeit, den öffentlichen Einfluß möglich it start zu machen und zu halten, mur fördern und muß auch aus diesem Grunde begrüßt werden. 14% Dividende für Bemberg- Seide. In zwei Jahren Umsatz und Gewinne verdreifacht. Nach dem großen Dividendensprung des Bemberg Ron3erns im letzten Jahr von 8 auf 14 Broz haben Aktionäre und Börse mit einer meiteren Steigerung für das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr 1927/28 gerechnet. Das Gewinnergebnis hätte dies auch ohne meiteres ermöglicht, doch hat die Gesellschaft es vorgezogen, die Abschreibungen infolge der großen Neubauten im letzten Jahre beträchtlich zu erhöhen. Außerdem ist die Dividendensumme trotz des gleichen Sages von 14 Broz, bedeutend höher als im letzten Jahre, da diesmal das 1927 auf 28 Millionen Mark erhöhte Kapital zum erstenmal voll zu verzinsen ist. Wie sich das Bemberg- Unternehmen in der Kunstseidenfonjunktur der letzten Jahre entwickelt hat, zeigt folgende Auf1925/26 1926/27 1927/28 in Millionen Mart 170000 unterstützte Arbeitslose Berlins ftellung; 400 Millionen Mark Verluste. Das sind natürlich dreiste Uebertreibungen, um Effeft zu machen. Fast fomisch mar seine Feststellung, Zugang in Brandenburg erheblich verlangsamt. daß bei der klaffenden Preisschere zwischen industriellem( 160) Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Landesarbeitsamtes und agrarischem Inder( 130) die Landwirtschaft bei einem Produftionsmert pon 9 Milliarden nahezu 2 Milliarden verliere. Die Brandenburg hat sich gegen die Bormodje nicht wesentlich geniedrigen Düngemittelpreise, ben riefenhaften Anteil der Selbstver. ändert. Das in zäher Ausdauer verharrende intermetter läßt forgung und eigenen Futtermittel an der landwirtschaftlichen Bro- den Beginn der Außenarbeiten für die Landwirtschaft nicht zu Auch buftion rechnet Herr Schiele also für nichts. Wir wollen zur Ehre die industriellen Saisonbetriebe mußten weiter in ihrer Untätigkeit von Herrn Schiele annehmen, daß er felbft feine Sahlen und Rechnerharren. Die Holzindustrie nahm nornehmlich weitere Einschrän nungen für einen aus Agitationsrüdsichten schließlich nerzeihlichen fungen und Stillegungen bei den Sägewerten nor. Schwindel hält Feststellen müssen wir den Schwindel aller dings. Daß ber Bauer auf dieser Tagung mehr benn je von dem umber großagrarischer Führung stehenden Bandbund ummorben murde, war nach ber Maffenflucht bäuerlicher Organisationen aus dem Landbund erklärlich. Hier schlug der britte Präsident Bethge sehr verführerische Töne an, die in ber Forderung der Entpoli tifierung des Landbundes gipfelten. In der Metallindustrie hat die lebhafte Nachfrage für meibliche Arbeitskräfte teilweise angehalten. Auch in der Farben induftrie hat die rege Nachfrage nach weiblichen Kräften angehalten. In der Textilindustrie haben die Stammgarnspinnereien Entlassungen angezeigt. Eine weitere Belebung zeigten die Tuchindustrien in Guben und Forst. Infolge turzfristiger Liefe. rungsaufträge arbeiten einzelne Betriebe in Doppelschicht. Im Bekleidungsgewerbe hielt die äußerst starte Bermittlung in der Mäntel und Kleiderkonfektion an, die Zahl der Arbeitsuchenden ging bedeutend zurüd. Für ungelernte Arbeiter bot sich in der Entfermmg der Schneemassen vorübergehende Beschäftigung Der Zugang aus der Berufsgruppe der Angestellten hat etwas nachgelaffen; die Gesamtlage ist nach wie vor schlecht. Benn sich Bethge in seinen weiteren Ausführungen an die Arbeiterschaft und die Konjumpereine mit der Aufforderung wanbte, an der Organisation des Absages mitzuwirken und den Weg des Produktes vom Erzeuger zum Konsumenten vertürzen zu helfen, so zeigt diese Aufforderung immerhin, daß es auch im Reichslandbund zu dämmern beginnt. Auch der Hinmeis In der Gerichtswoche stieg die Zahl der Arbeitsuchenden dieses Redners auf die vorbildlichen Abfagorganisationen Daneum 4462 auf 390 132, b. h. 1.16 Broz, gegenüber einer Sunahme marts und Hollands, die für den deutschen Landwirt ein non 15 226 gleich 4.11 Prag in der Borwoche. Innerhalb des Beispiel fein follten, verbient Beachtung als Symptom für be. Sandesarbeitsamtes Brandenburg verteilen sich die Arbeitsuchen ginnende Beferung den auf Berlin mit 253 934, auf die Provinz Brandenburg mit Rapital. Umfat Betriebsüberschuß Untoften, Zinsen Abschreibungen. • Reingewnin Dividenden 16,0 28,0 28,0 17,0 41,5 51,5 6,8 11,2 • 13,49 3,7 5,7 6,4 1,7 2,3 3,0 1,4 3,1 4,2 8% 14% 14% In den Betriebsjahren 1925/26 bis 1927/28 tonnie Bemberg feine Umsätze von 17 auf 51,5 Millionen Mar? steigern, also und verbreifachen. In dem gleichen Verhältnis muchs der Steingeminn. Außerdem erhielten die Attionäre bei den letzten Rapitalerhöhungen hochwertige Bezugsrechte auf die jungen Attien, so zum Beispiel bei der jetzt vorgesehenen Kapitalerhöhung ein Bezugsrecht zu 160 Broz gegenüber einem Börsenfurs von etwa 440 Broz., in dem schon für die kleinen und mittleren Aftionäre Sondergeschente pon mehreren tausend Mart steden. 0 Bon der glänzenden Kunstseibetonjunttur hat der Verbraucher bisher weiter nichts gehabt, als hohe Breise, die ihm das Kunstseidenkartell dittierte. Erst bas Bordringen der auslän bischen Konturrenz auf dem deutschen Abfagmarkt hat die deutschen Kunstseidefabrikanten gezmungen, eine Preissenkung größeren Ausmaßes ins Auge zu fassen. Da Bemberg für den weiteren Ausbau seiner Unternehmungen das Rapital jest pon 28 auf 40 millionen Marf erhöht, wird also die weitere Entwidlung des Kunstseidegeschäftes von der Berwaltung burchaus optimistisch beurteilt, Unterhaltung unö �Dissen jz*. Georg Verescscnyi: 9SRMGVM Es war in der Woche vor Weihnachten, daß der lahme Rovo den Schinken gestohlen hat. Der Schinken war draußen im Schuoven gehangen, denn Janas hatte ihn noch am Montag vom Dachboden geruntergebracht, damit er ein wenig von der freien Luft durchzogen werde. Dort mußte ihn Rovo zwischen den Knoblauch- und Paprikakränzen erblickt haben, als sie die Stiefel suchten. Janas lieh nämlich durch Rovo auf den Stiesel einen Fleck fetzen, sie wurden auch handelseins, Rovo nahm die Stiesel gleich mit, am Morgen aber war der Schinken verschwunden. Etwas Bestimmtes ließ sich natürlich nicht behaupten, denn sicher ist nur das, was man mit beiden Augen sieht. „Man sollte es vielleicht doch bei der Gendarmerie anzeigen/ meinte die Frau am Abend, als die Niedertracht des Rovo zur Sprache kam. .„Ich habe mit dem Gericht nicht gern« zu tun/ entgegnete Janas. „Was denn also?../ „Scher' dich nicht darum.../ sagte der Mann, und damit war die Sache erledigt. Am nächsten Tag aber begab sich Janas ans Ende des Dorfes, wo im baufälligen Stadel des Stierstalles, in der mit Lehm oer- klebten windschiefen Hütt«, Rovo, der lahme Flickschuster, wohnte. „Guten Tag/ grüßte Janas und trat in das dumpf« Zimmer. In der einen Ecke, zwischen Lumpen, die aus der Bank gebettet waren, lag Rovos Frau. Rovo und die zwei Kinder erhoben sich sofort vom Tisch und starrten mit weitaufgerissenen Augen den unerwarteten Besuch an. In der Mitte des Tisches, in der großen irdenen Schüssel ruhte wohlriechend, dampfend der— Schinken. „Guten Tag/ murmelt« Rooo und sein aschgrauer wirrer Schnurrbart bewegte sich ganz eigentümlich um seine bebenden Lippen. „Ah../ machte Janas und blinzelte zur Schüssel hinüber, „ich komme ja gerade zurecht!..." Niemand antwortete ihm. Durch das handgroße Fenster des Zimmers drang das bleierne Licht des Wintervormittags herein. Draußen, über die schneebedeckte Gegend zogen Krähenschwärm« in mattem, trägem Flug, und am Rand« der Gänseweid« flehte mit ihren ausgestreckten Armen stumm die Windmühle zur Höhe empor. Janas blickt« durchs Fenster, dann wieder zurück auf die be- troffen dareinschcmcnde Familie. „Ist vielleicht im Hause jemand krank?" fragte er leise. Mit einem tiefen, röchelnden Husten antwortete die Frau, ihr Kopf ruhte ohnmächtig auf dem Kanewas. Di« hungrigen Blicke der beiden ungefähr im schulpflichtigen Alter stehenden Kinder oer- schlangen ungeduldig die aufgetragen« Speise. „Sie hustet.. sprach jetzt Rooo,„sie hustet schon seit dem Frühjahr../ „Das ist aber gar nicht gut/ sagte Jonas mitleidig,„noch ein Glück, daß es wenigstens was zu essen gibt../ „Noch ein Glück.../ wiederholte Rooo die Worte, und er warf seinen Blick unschlüssig hin und her. „Nun, nun/ meinte Janas schlau, J>er Schinken wird der Kranken sicherlich gut tun../ „Auch einem Gesunden.. sagt« da» größere der beiden Kinder. „Ein schöner Schinken/ Janas trat näher zu dem Tisch und betrachtete das rosige Fleischftück.„Auch sehr schön geformt, man sieht e» ihm an, baß ihn nicht irgendein Wurstmacher abgeschnitten hat... nicht wahr, nein?' fragte er dann plötzlich, sich an Rovo wendend. „3ch weiß nicht../ „Da» Ist ein Hausschinken, man merkt e». daß man den Speck an ihm nicht ge'chänt hat... ganz, als hätte ich ihn selbst vom halben Schwein heruntergeschnitten/ Eine gespannte, nervöse Stille herrscht« im Zimmer. Rooo macht« mit seinen Händen unschlüssige Bewegungen, er öffnete mich schon die fahlen Lippen zum Sprechen, um alles zu gestehen und alles zu erzählen. Sein großes, düsteres Elend, die Qualen der kranken Frau... seine Versuchung dort im Schuppen, als sie die Stiefel suchten. Da ließ aber die Frau ihre Stimme vernehmen. „Ich habe ihn mir gewünscht/ sprach sie keuchend,„... ich sehnte mich nach... einem Schinken.' „Ei« klein« Kostprob«...,' sagte Rovo, jetzt zur Besinnung kommend,„wenn Sie es nicht verschmähen... halten Si« mit uns../ „Ich?' fragte Janas, betroffen zurückfahrend. .La/ redete ihm auch die Frau zu. „Aber wo/ sagte er, die Einladung abweisend, und er machte «inen Schritt zurück. „Ich bitte Sie darum.../ flehte die Kranke weiter..Lulcsa Csanyi, Sie kennen mich doch...' „Ich kenne dich/ brummte Jana, und wendet« den Blick von ihr ab. „Ich kenn« dich, natürlich kenne ich dich,' flüsterte etwas drinnen im Herzen des Janas/ Julcfa Csanyi sollt« ich nicht kennen, die einmal die allerschönst« Rose war?' „Ach/ entrang es sich dann seiner Brust, aber er sprach die in ihm erwachten Gedanken nicht aus... Was frommt auch jetzt schon alles Reden? Einst... ja, damals, als sie noch beide arme Teilschnitter waren... bis das Leben sie voneinander trennte. Janas kam hinüber übers Meer, Julcsa aber zu Rovo. Zehn lange Jahr« waren seicher vergangen und sie hatten gar nicht be- merkt, wie sich das Rad des Schicksals gedreht hat... vergebens wäre da auch schon jede Anstrengung gewesen, dagegen war nichts mehr zu machen. So heiratete denn auch Janas. Mit der Frau bekam er auch ein Stück Feld... und sieh« da, hier dampfte nun der gestohlene Schinken in der Mitte des Tisches. Er betrachtete und betrachtete lange das kranke Weib und«r fühtte irgendein lauwarmes Kribbeln ums Herz herum. „Also gut...,' sagte er und setzte sich auf den angebotenen Stuhl. Er nahm sein Taschenmesser hervor, schnitt von dem Schinken ein Stück ab und auch vom braunen Kornbrot. Sie aßen. Das bleich« Gesicht der Frau strahlte aus dem Polster, die Kinder schmatzten im Winkel. Do warf Janas die Worte hin: „Na, also wie geht es?../ Rooo, der zusammengebrochene elende Mensch schrie auf. Mit einem unerwarteten und aufrichttgen Ausschrei klagte er Janas sein bitteres Los: „Wir fretten uns... Janas... Ich kann nichts tun... du siehst ja, auch Julcsa... die Kinder... es gibt keinen Der- dienst, was soll ich machen?../ „Ach ja!' sagte Janas mit einem Seufzer, dann fügte er hinzu:„traurige Zeiten das...' „Mein Gott...' „Auch gestern waren Gendarmen im Orte../ „Gendarmen?...' Rooo horcht« auf. „Sie suchen«inen Dieb... einen Dachbodendieb... Diel« Lebensmittel bekommen in letzter Zeit Füße... Auch mir hat man vorgestern«inen Schinken gestohlen../ Wieder trat Stille ein, Janas erhob sich vom Sessel. „Na. ich werde gehen... und die Stiefel, wenn sie fertig sind, kannst du sie mir hinüberschicken. Ich habe auch jetzt nur des- halb einen Sprung herüber gemocht,»eil ich dachte, sie wären schon fertig../ „Sie sind noch nicht fertig../ „Also, beeil« dich damit../ „Ich werde sie hinüberschicken.' „Na, grüß Gott!' „Grüß Gott...' Der Schinken hielt noch an, der zweite natürlich, den Janas auf die Feiertage vom Boden heruntergebracht hatte. „Na, noch einen Bissen als Nachdruck/ sagte Janas nach dem Essen und begab sich hinüber in die„schöne' Stube, wo auf der mit einem Tischtuch bedeckten Kommode in seinem Fett erstarrt der Die Stadt, die ich meine, ist das alte Prag. Als ich vor 45 Iahren aus dem nebligen Hamburg, vom Lotsen Schicksal in diese seltsame Stadt geführt, schon am ersten Tag eine lange Wände- rung durch die mir unbekannten Straßen unternahm, da blendete mich eine helle Sonne, die in sengender Glut über den altertümlichen Häusern brütete. Schon damals, als ich über die uralle Steinerne Brücke schritt, die hinüberführt über die ruhevoll fließende Moldau zum Hradschin mit seinem den finsteren Hochmut.alter Habsburg-Geschlechter aus- hauchenden Schloß, das bekränzt ist von Zinnen und Türmen, da befiel mich ein unerklärliches, tiefes Grauen, für das ich kein« Er- klärung wußte. Jene Bangigkeit hat mich seit diesem Tag nicht einen Augenblick verlassen, solange ich—«in Menschenalter hindurch— in Prag lebte, der Stadt mit dem heimlichen Herzschlag. Sie ist nie mehr ganz von mir gewichen; sie senkt sich heute noch auf mich herab wie Föhndruck. wenn ich an Prag zurückdenke oder nachts von ihm. träume, was mir in merkwürdig regelmäßigen Zeit- abschnitten geschieht, als schlüge in meiner Brust eine unsichtbar ver- borgene Uhr nach einem unbekannten Rhythmus, der nichts zu tun hat mit Erdenzeit, üllles, was ich je erlebt, kann ich vor das innere Aug« rufen, als stünde es lebenstrotzend da... banne ich jedoch Prag vor meinen Blick, so wird es deutlicher wie alles andere— so deutlich, daß es nicht mehr wirklich, sondern gefpenstifch scheint Jeder Mensch, den ich dort gekannt, gerinnt zum Gespenst und zum Bewichner eines Reiches, das Tod nicht kennt. Marionetten sterben nicht, wenn sie von der Bühne oerschwin, den; und Marionetten sind alle Wesen, die die Stadt mit dem heimlichen Herzschlag zusammenhält. Andere Städte, so alt sie auch sein mögen, muten mich an wie unter der Gewalt ihrer Menschen stehend; wie desinfiziert von keimtötenden Säuren— Prag gestaltet und bewegt, wie ein Marionettenspieler, sein« Bewohner von chrem ersten bis zu ihrem letzten Atemzug. Wie Dulkane Glut aus der Erde speien, so speit dies« unheimliche Stadt Kriege und Ausruhr in die Welt: Auf ihrem Altstädter Ring ist am Rathaus eine große, sagenumwobene astronomische Uhr mit den Tierkreiszeichen an- gebracht, darin öffnet sich Schlag Mittag ein Türchen, und heraus treten, einer nach dem anderen, die zwölf Apostel; stumm, als hätten sie sich überzeugt, daß die Zeit, auf die sie geduldig warten, noch nicht gekommen sei, verschwinden sie wieder, verdrängt von einer dreizehnten Gestalt, dem Tod mit Hippe und Sandglas. Auch er geht, und über ihm kräht der Hahn der fernen Auferstehung wie eine Prophezeiung der Apokalypse. Er gibt das Zeichen, daß die hundert Türme der Stadt heulend einfallen, um das höhnisch« Kikeriki zu ersttcken, das das ferne Zerbrechen aller Menschenzeit wahrhaben will. Ob dem längst zu Staub gewordenen Erbauer der Uhr solche Verkündigung vorgeschwebt hat? Er soll wahnsinnig gewesen sein. Vielleicht stehen Wahnsinnig« den letzten Dingen näher als solche mit„gesundem' Menschenverstand. Und wahn- sinnig— ganz heimlich und versteckt wahnsinnig— sind irgendwie die meisten Marionetten in Prag. Oder besessen von irgendeiner kuriosen Idee. Eines Tages nahm mich«in älterer Mann, den ich als überaus nüchtern seinerzeit kannte, aus der Straße am Arm und flüsterte mir geheimnisvoll, auf einen des Weges kommenden vor- nehmen Herrn deutend, ins Ohr:„Sie wissen doch, er hat vor- gestern seine Frau vergiftet, um sie zu beerben?' Dann, als der Herr an uns vorüberschritt, zog er tief, den Hut und grüßte laut: 'Der Sehneider von Htm Die Geschichte der Luftschiffahrt hat neben ihren tragischen auch ihre tragikomischen Gestalten. Zu diesen gehört Ludwig Albrecht Berblinger, der„Schneider von Ulm', der es durch seinen miß- glückten Flugversuch zu einer kurzen lustigen Berühmtheit brachte und dann ganz vergessen am 28. Januar 1829 starb. Der geflügelte Schneider, der am Ulmer Münster sein Denkmal erhalten hat, erfuhr ein« spät« Ehrenrettung durch den Roman des Dichter-Jngenieurs Max von Eyth, der den ernsten Kern dieses jo arg verspotteten Wagnisses hervorgehoben hat. Dem Schneider Berblinger war die Flugbegeisterung zu Kops gestiegen, die um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts die Menschhell ergriffen hatte. Als die Dallonflüge Blanchards und seiner Nachfolger Aus- sehen erregten, beschloh er, ein Flugzeug zu bauen, für das er sich — wie so mancher andere Erfinder— den Vogel zum Vorbild nahm. Er machte sich also ein Stahlgestell, das mit Seide überzogen war; schnallte er sich dieses um den Leib, dann breiteten sich rechts und links Flügel aus, die er mit den Annen in Bewegung setzt«. Auf diese Weif« hoffte er sich in der Lust zu«rhalten. Als König Friedrich von Württemberg im M« 1811 Ulm besucht«, glaubte gekochte Schinken prangt«. Er schnitt von der speckigen Seite««* Stück ab und setzte sich wieder zurück auf die Ofenbank. Es war ein gewöhnlicher Wochentag, voll grauer Sorgen, denn es nahte der Frühling, die Arbeit, das Pflügen und Säen. Draußen schmolz bereits der Schnee und feuchte Düfte drangen durch die halbgeöffnete Tür ins Zimmet. „Sobald es trocken wird, werde ich den Vachecker pflügen,' sagte Janas und kaute mit langsamer Bequemlichkeit die Dissen. Von seinem scharfen Taschenmesser tropfte das Fett auf den Fuß- boden, der zum Schutz mit großen Papieren bedeckt war. „Ich habe ihr etwas hingetragen.. ,' sprach jetzt die Frau. „Wem?... Was?' fragte der in Gedanken vertiefte Mann. „Nun dorthin... ein wenig Suppe../ Der Mann nickt«. „Ach so/ „Mit der Armen geht es schon zu Eni*../ „Ich konnte es nicht mitanfehen, sie sind so hilflos... Der Doktor hat gesagt, ihr sei nicht zu helfen... die Schwindsucht. Arme Julcsa...' Sie schwiegen wieder... Ja, das ist das bittere, unbarm» herzige Leben, gegen welches sich der arme, kämpfende Mensch auch vergebens auflehnen wollte. Man kann nur seufzen, aus tiefem Herzen seufzen, aber dcknn wird man weiter micqerissen, mit derselben düsteren und gleichgültigen Kälte, wie die Schneewolken dort draußen, die der Wind über das gefrorene Ackerland wr sich her treibt.,(Schluß folgt.) „Meine Verehrung, Herr Doktor!'... Da mußte ich unwillkürlich an das Vipernnest denken, das grellen Sonnenschein in Giftglanz zu verwandeln vermag! Die verborgene Wirklichkeit Prags wurzelt so tief, daß Namen verdunsten wie Atemhauch auf Edelgestein.— Stundenlang bin ich oft und oft in hellen Mondscheinnächten auf der Kleinseite—dem Stadtviertel jenseits der Moldau, der Herzkammer Prags— umher- gewandelt, und jedesmal habe ich mich verirrt. Ein uraltes Palais. vor dem man fühlt: unmöglich kann darin stit Jahrzehnten ein Mensch gewohnt haben, so dicht ist der grünspanüberzogene Tür- knauf mit aschigem Staub bedeckt: daneben ein Barockgebäud« mit opalisierenden Fenstern, die schimmern wie das Glas antiker römischer Tränenkrüge: dann wieder eine sich in die Unendlichkeit sich hinziehende dreimannshoh« Mauer mit zerbröckelndem Bewurf, darein die Geisterhand der Stadt phantastisch« Tierköps« und starrende Gesichter gezeichnet hat, die unbeweglich scheinen und doch jedesmal den Ausdruck wechseln, so oft man hinblickt. Ein betäubender Vlütenhauch nach Jasmin oder Holunder fällt herab aus der Luft» und man ahnt: Irgendwo sind da Gärten, ungeheure Parte, vor- steckt, die vielleicht seit Menschengedenken kein Fuß betreten hat. Die Vermutung schleicht sich ins Herz, es möchte dadrinnen in einem verfallenden Zimmer des Hauses in einem längst vermoderten Bett eine zu Staub zerfallene Tote liegen, deren Dasein hier schon zu ihren Lebzeiten in Vergessenheit geriet. Der Gedanke läßt einen nicht los und man kehrt um an der Laterne, die plötzlich im Mondes- glast in irisierender Aureole vor dem Blick aus der Erde taucht: man will wieder zurück zu der grauen Mauer. Sie ist nicht mehr zu finden! War's eine Täuschung? Und sucht man sie am hellen Tag— vergebens: sie ist nicht mehr dort. Statt dessen ist eine Gasse da. ein Haus, dreistöckig, am Ende: man blickt zum Dach empor und sieht: ein zweites Haus steht auf dem ersten! Eine Sinnestäuschung? Nein, die Gasse biegt scharf im Winkel um wie ein im Ellenbogen angerissener Arm, steigt steil empor, und auf der Höhe ragt das zweite Gebäude. Ein merk- würdiger Mensch wohnt darin, der mit hoher Frauenstimme spricht, klein, bartlos, und aussieht wie Napoleon und Besuchern aus einem riesigen, in lzebräischen Buchstaben geschriebenen Folianten wahrsagt oder die Vergangenheit schildert, daß pinem bisweilen die Haut schaudert. Einmal habe ich ihn aus Neugier aufgesucht, da hörte ich, als ich über die Schwelle seines Zimmers trat, wie er zu einem Fremden, der ihn gerade verließ, in gebrochenem Deutsch sagte:„Das Tram- mein, das Sie in der Nacht vor der Mauer zur Letzten Latent' gehört haben, kommt nicht von den Soldaten; es kommt von der Trommel des toten Ziska, der, bevor er starb, befahl, daß man ihm die Haut abzöge, und aus eine Trommel spanne, damit man ihn hören könne, als wenn er gestorben sei.'—„Was haben Sie damit gemeint?' fragte ich. als wir allein waren. Er tat erstaunt, öder war es wirklich, und leugnete, solches gesagt zu haben. Später erfuhr ich. er vergäße alles sofort, kaum, daß er es ausgesprochen hätte. Er sei mondsüchtig— auch am hellichten Tag. Später, als der Krieg ausbrach, mußte ich an die Trommel Ziskas, des Gin- äugigen denken. Mir war. als begrifte ich dumpf eine Art schatten- haften Zusammenhangs. Oder war es Zufall? Ich glaube es nicht; die Stadt mit dem heimlichen Herzschlag hat eine seltsame An. durch den Mund ihrer Marionetten zu reden! Berblinger den rechten Augenblick gekommen zu sehen, um seinen Flug zu veranstalten. Zunächst wollte er von der Spitze des Münsters aus über die Stadt fliegen, zog aber dann doch die Adler- bastci am Donaustranb« vor. Der cr|W Versuch nützlang. da der Apparat wicht in Ovdwuwg war. Bei dum zweiten Versuch aber am 30. Mai 1811, zu dem sich der König und ein« viellauseichtöpfig« Menge eittgesuirden hatten, erschien er kühn aus der Brüstung d«r Bafleimcruer, schlug erst lustig mit seinen Flügeln um sich, schwang sich dann empor und flog durch die Lüfte. Doch die allgemeine Spannung löst« sich bald in ein mächtiges Gelächter auf. denn schon lag der brave Meister in der Donau, aus der ihn einige Schiffer auffischten, die mit ihren Booten vorsorglich zur Stelle waren. Der König nahm die Sache als einen Spaß auf und ließ dem fliegenden Schneider 20 Dukaten als Geschenk über- reichen. Aber vor der Allgemeinheit war er blamiert, Spottbilder erschienen, die seinen Unglücksfall drastisch darstellten, und man sang Spottverse aus ihn, wie etwa:„Der Schneider pott Ulm hat'» flieg« Probien, da hat'n der Teufel in d' Donau nein g'sührt/ Er macht« zwar noch einmal einen Versuch, doch als auch dieser mißlang, gab er das Fliegen endgültig auf. In der Geschichte der Flugkunst aber lebt er fon als einer der ersten, der das Vorbild des Vogelflu-?-' dazu benutzte, um ein Segelflugzeug zu erbauen. eusLtneyrink: SlC IIMllölllllldlÖ Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, d.29.1. Staats- Oper Une: Luen A.-V. 26 20 Uhr Dienstag, d.29.1. Städi. Oper B smarckstr. Turnus Ilf 20 Uhr Bohème Tosca Staats- Oper Staatl. Schausph. An Pia. Republ R.-S. 25 20 Uhr # Gendarmenmarat A.-V. 25 20 Uhr Cardillac Oedipus Staati. Schiller- Theater, Charity. 20 Uhr Flachsmann als Erzieher Theater des Westens Täglich 8 2hr Der sensationelle Erfolg! Metropol- Theater Gr.Schauspielhaus Winter SUhr Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Ellest, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Emmy Starm Frind, Ahlers, Lieske, Sards, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bendow, Morgan, Blankenhora, Picha Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Demnächst auf Elektrola Volksbühne Theater am Bülowolatz 8 Uhr Das Mädl aus der Vorstadt Regie: Neu auf Elektrola Die Komödie, Kleines Theater| Trianon- Th. Bismarck 2414/7516 8 Uhr, Ende 10% Täglich 8% Uhr: Täglich 8 Uhr „ Olympia" Nur noch bis 31. Jan. Der letzte 2 von Franz Molnar Regie: Max Adalbert in Schleier mit Erika Gläßner Forster Larinaga Der Dickkopf und Oskar Beregi Jürgen Fehling HALLER- REVUE Theater am Schibanerdam 8 Uhr Schön and scalck" Die Drei- Groschen- Th. im Admiralspalast Täglich 8% Uhr. Oper Thalia- Theater Friederike Delransch Musik von Franz Lebar Barverkauf ununterbrochen. Kaffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 n. 7108. Staatl. Schiller- Th 8 Uhr Flachsmann als Erzieher Singtsoper am Platz der Republik Uhr Thalia- Theater resdener Str. 72-7. 8 Uhr Oelrausch Berliner Theater Sandrock, Landa, Sterler. Sikla. 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