Morgenausgabe Ar. 49 A 25 46. Iahrgang WSchentlich SS Pf. mo�stNch S.S0 Nn voraus zahlbor. Postbezug 4.32 M. «tnjchl Bestellgeld. Auslandsobonn— ment 6.— M. pro Monat. Ttr..BonvSrts� erscheint wochentLg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Adendausgaden für Berti» und tm Handel mit dem Titel.De? Abend". Llluskrterle Beilagen.Volk und Zeit" und.Ninderfreund". Ferne? .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik".Blick in die Vücherwelr und.Zugend-DorwörtA� W W> a, Veettnee VolSsbiatt Mittwoch 30. Zanuar 1929 Groß-Zerlin 10 pf. Auswärts �5 pf. Die e t n t p o ltt g e Nonp�retlleKeif« 40 Pfennig. Retlome eile j.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwe� settZedruckte Worte), jedes weitere Wort J2 Pfennig. Stellengesuche erste Won 15 Pfennig, jedes weitere Wort IV Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Famtlienanzeigen füi Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeige» annahm» im Ljauptgefchäft Linde» ltraße 3. wochentags, von SV? di» 17 Utz«, Äeutealovgan des Gozialdemoeratifchen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrahe 3 F«insprech«r: Tönboll LSZ-.2S7 lrlieramm-Ldr.: Eoi»aldenlokrat Berlt» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. s Poftilbcckkonto: Berlin 8763�- Bankkontos Bant der«rdeuer.«ngeftellte, und Beamten Dallftr. KS Tiikonio-Gelellschafi. Depositenkasle Lindenftr Z Friede zwischen Aom und Vatikan! Abkommen nach SSjährigem Krieg geschlossen. Gens. 29. 3anuar. Der römische Lerichterslaller des„Journal de Geneve'" veröfsentlichl am Dienstag die Einzelheiten des zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung am ö. De- zembcr des Vorjahres abgeschlossenen vorläusigen Abkommen». Die Verhandlungen hierüber sollen eineinhalb Jahre gedauert haben: sie wurden aus seilen des Vatikans von dem vruder des Nuntius D a c e l l l. aus italienischer Seile von dem Staatsrat v a r o n e geführt. Das Abkommen, das nach den Mitteilungen de, verichlerstalters von beiden Seiten unterzeichnet worden ist. enthält folgende Regelung?«: 1. der Vatikan erhält ein Territorium, das den päpstlichen Palast in Rom, den Vatikan, sodann die Villa Dorla Pamphile, die Villa Gabrielli, einen Teil des Gartens auf dem Ianikulus und den Bahnhof von St. Peter umfaßt; Z. der Vatikan erhält als Entschädigung für die 1870 enteigneten päpstlichen Güter eine« einmaligen Betrag von 1 Mit- liardeLire:..... 3. der militärische Dienst der auf päpstlichem Gebiet lebenden Italiener wird in einem besonderen Abkommen geregelt; 4. das beim Vatikan akkreditiert« diplomatisch« Korps geht auf päpstliches Gebiet über, diejenigen diplomatischen Vertretun- gen, die in Rom verbleiben, verlieren ihren exterritorialen Charakter und gelten als zufällig in Rom anwesend« Diplomaten; S. die Beziehungen zwischen dem Papst und dem italieni« schen König werden in der Weise geregelt, daß der ital'iemsche König den: Papst als erster eine» Besuch ab- stattet, worauf der Papst in der Basilika des Lateran eine Messe zelebriert, an die anschließend ein Besuch des Papstes beim König im Quirinal erfolgt, Dieses Abkommen soll nach den Mitteilungen des Bericht- erstatters nunmehr durch einen Kardinalausschuß geprüft werden, dem der Kordinalstaatssekretär G a s p a r i sowie der Kardinal Merry del Val angehören sollen. Sodann soll das Ab- kommen zur endgültigen Zustimmung dem Papst vorgelegt werden. Im Zusammenhang mit diesen Mitteilungen kann hinzugesügt werden, daß eine derartige endgültige Regelung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung auch die Frage der Beziehungen de» Vatikans als unabhängige Macht zum Völkerbund ausrollen würde. Ein einfacher Beitritt des Papstes zum Völkerbund kommt naturgemäß nicht in Frage, da der Papst auch im Falle der Erlangung vollständiger Oberhoheit keine». wegs als eln'Staat im Sinne des Völkerbundes ausgesaßt werden könnte, insbesondere käme eine Beteiligung de» Papstes an den mit der Mitgliedschaft beim Völkerbund verbundenen v e r- pslichlungen bei Sanklionsmahnahmen(I) unter keinen Umständen in Frage. E» kann ein Abkommen zwischen dem Vatikon und der italienischen Regierung als ein i n l e r n a l i o. naier Vertrag dem Völkerbund zur verössenllichung und Re- gistrierung übermittelt werden und damit international bin. dende Kraft gewinnen. Ziubeifälscherakten verkaust. Phoiographier« und nach England gebracht. Eine aufsehenerregend« Angelegenheit, die in die seit Jahren in Moabit geführte Voruntersuchung wegen der riefenhaften Fälschungen von Tscherwonzen fGoldrubeln) hineinspielt, beschäftigt gegenwärtig die Staatsanwaltschaft l. Es hat sich herausgestellt, dah sämtliche in dieser Sache geführten Strafakten Photo» graphiert und nach England verkauft worden sind. * Am 10. November 1927 wurden in Deutschland eine Anzahl Personen verhastei, die im Verdacht standen, russisch« Tscherwonzen gefälscht zu hoben, und zwar in einem Maßstabe, wie er bisher in der Geschichte der Vantnotensälschunq nur sellen vorgekommen ist. Bei dem Versuch, bei einer Berliner Bank Falsifikate abzusetzen, wurde der Georgier Sadathieraschwili verhaftet und in schneller Folge eine Reih« deutscher Mittäter. Man nahm zunächst an, daß in der Druckerei von Böhl« in Frankfurt nur der Versuch gemacht worden war, die russischen Banknoten zu fälschen, später ober konnte doch festgestellt werden, daß das Konsortium mit Erfolg Falfchdrucke hergestellt hatte, und zwar sollen Tscherwonzen im Be- trage von über 80 Millionen Mark gefälscht worden sein. Im Zusammenhang mit diesen Verhaftungen konnten dann interessant« politische Zusammenhänge festgestellt werden. Sadathieraschwili war, wie er selbst zugab, nur ein Organ der in Paris lebenden nationaldemokratischen georgMren Regierung, einer Organisation, die vor der Sowjetregierung geflüchtet war und von Paris aus an der Wiederherstellung der Freiheit Georgiens arbettete. Diek« Gruppe nnterhietk Beziehungen zu dem Exponenten der englischen Shell-Gruppe. Sir Deterting. und es wurde behauptet, daß der verstorbene General hosfmann mit Delerding wieder- Holl verhandelt habe. Von russischer Seite wurde behauptet, daß die Tscherwonzen» fälschungen nur verübt worden seien, um die russische Gold» Währung zu erschüttern, und man deutete vorsichtig an, daß dieser Versuch in gewisser Beziehung ein Teil des Kampfes ge- wesen sei. der damals zwischen dem Shell- Konzern und der Sowjetregierung herrschte, die durch ihre Oeipolittt die englisch« und amerikanische Konkurrenz beunruhigte. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit, die wlrtschasts- politisch von sehr großer Bedeutung ist, wurde so geheim gesührt. wie kaum eine andere. Rur einmal haben die riesigen Attenbündel Berlin verlassen, als nämlich die Münchener Stoatsan- w a l t f ch a f t mit den Ermittlungen in der bayerischen Hauptstadt befaßt wurde. Man hält es an zuständiger Stelle nicht für möglich, daß im Ilistizministeriiim, im Auswärtigen Amt, beim General- stactsanwalt oder im Iustizpalast selbst die Akten entwendet und photographiert worden sind. Dieser Verdacht ist aber nun von einem als Jeugen vernommenen Mann geäußert worden, der damals in München wohnte und der bei einem Verhör mit dieser überraschen- den Behauptung herauskam. Er wollte wissen, daß die Photo- graphien nach England gegangen seien, wo man für das Material ein außerordentliches großes Interesse gezeigt habe. Es handelt sich dabei ln erster Reihe um die Aussagen des Georgiers Sadathieraschwili. der in einer etwa 50 Schreibmaschinen- feiten umfassenden Schutzschrift sich in äußerst interessanter Weise über die politischen Zusammenhänge der Affäre ausge- lassen hat. wie sie sich ihm darstellen. Sadathieraschwili hat vom ersten Tage an bestritten, daß er Kriminaloerbrecher sei. Im übrigen geht aus Grund neuen Beweismaterials, das gerade in den letzten Wochen zusammengetragen werden konnte, die Unter- suchung gegen Sadathieraschwili und Genossen verstärkt weiter. Die Beteiligten waren durch das Amnesttegesetz bereits außer Verfol- aunq gesetzt worden, doch hat das Kammergericht auf Einspruch des Anklagevertreters den Anrnestiebeschluß ausgehoben und die Durch- fllhrung des Verfahrens angeordnet. Ariitterieaufstand in Spanien. Oer Oittator berichtet dem ernannten Parlament. Madrid, 29. Januar. General Primo de Rioera gab im Rationatral eine Erklärung über die Aufstandsbewegung ab. die in der vergangenen Rächt in Spanien Hütt« zum Ausbruch kommen sollen. Diese Bewegung sei überall, außer in der Hauptstadt der Provinz Eiudad Real, ge- scheitert, hier habe das l. Leichte Arlillerlcregiment o s s e n gemeutert. Außer diesen Nachrichten seien weitere nicht bekannt. doch könne man annehmen, daß Im übrigen Spanien Ruhe herrsche. Strenge Strafen für die Schuldigen wolle man nicht androhen, aber die unerläßlichen Millel zur r ü ck s i ch t,. losen Unterdrückung würden durchgeführt. Man werde zwischen den Soldaten, die man zur Rebellion verteilet habe. und den Urhebern de» Ausstandes zu unterscheiden wissen. Kein Wojewodschastsrai in OOS. Gesehloser Zustand. Kaltowls� 29. Januar. In der Finanzkommission des Schlesischen Sejms gab ein Re- gierungsvertreter die Erklärung ab, daß die schlesische Wojewodschaft sich zurzeit in einem gesetzlosen Zu st and befinde, weil gegen die Wahl des Wojewodschaftsrates vor etwa zehn Tagen Pro- lest eingelegt worden se'. Eine Mitteilung darüber, wer diesen Protest erhoben hat, ist nicht gemacht worden. Aus Grund dieses Protestes kann weder der neue noch der alte Wojewodschastsrat zu« sammentreten. Flüstern und Schweigen. Faschistische Lockspihel in den Börsensälen.- Wofür vier römische Makler hohe Gefängnisstrafen erhielten. (Von unserem Sonderkorrespondenten.) Docarno, 28. Januar. Etwas kann man dem Faschismus nicht absprechen: er hat die früher so gesprächigen, lauten und lärmfreudigen Italiener zwei Dinge gelehrt, zu denen sie, seit der erfolgten Einigung, keine Regierung erzogen hatte, nämlich f l ü st e r n und schweigen. Noch ein Drittes könnte man hinzu« fügen, das sich aber nicht in einem einzigen Zeitwort aus« drücken läßt; wir meinen jene langsame vorsichtige Drehung des Kopfes, durch die man sich zu über- zeugen versucht, ob jemand hinter einem steht und horcht. Diese drei Dinge sind dem heutigen Italiener so nötig, wie etwa einem Tiere seine Schutzfärbung: wie ein braune Hose im arktische,� Schnee verloren wäre, so wär's im heutigen Italien ein Italiener, der mit lauter Stimme sagte, was er denkt und nicht Umschau hält nach Spitzeln. Sobald sich aber das Wild besser schützt, schärft auch der Jäger seine An- griffskünste. Wo der bloße Spitzel nicht mehr ausreicht, braucht man den Lock spitzet. Der am 23. d. Mts. in Rom beendete Prozeß gegen die „Verbreiter falscher Börsennachrichten" war durchaus nicht ein Prozeß gegen Leute, die ihre Zunge nicht im Zaum zu halten wußten. Die vier Börsenmäirper, hinter denen der Faschismus die Falle hat zuklappen lassen, ver- standen sich sehr wohl auf Flüstern und Schweigen. Drei von ihnen erklärten, sie hätten keine der ihnen zur Last ge- legten Bermutungen ausgesprochen. Weder hatten sie gesagt. daß für die Staatspapiere eine Baisse bevorstünde, noch haben sie die Dauer der Hausse der„Liktorenanleihe" in Frage gestellt. All dieser entsetzlichen Verbrechen macht sich kein Italiener mit normalem Perstande schuldig, und nun schon ganz und gar nicht in den heiligen Hallen der Börse, wo jeder weiß, daß es von Polizisten wimmelt. Einer, ein gewisser De M a s s i m i, hat seine Schand- tat z u g e g e b e n. Er war wegen Betruges vorbestraft und hatte also Freunde unter der faschistischen Polizei. Ein solcher „Freund" wendet sich an ihn und bittet ihn um Erklärung über die Ursachen einer gewissen Unruhe der Staatspapiere. Er erhält zur Antwort, daß sie durch Gerüchte veranlaßt werden könne.„W elche Art Gerüchte?" forscht der wißbegierige Polizist. Und da hat ihm De Mafstmi erklärt, daß etwa die Nachricht von einer Amtsenthebung des Generalsekretärs Turati, wenn dieser das Vertrauen des„Duce" verlöre, zu einer katastrophalen Baisse führen würde. Auf diese Worte hin— die übrigens die Börse für viel orthodoxer halten, als sie ist— wurde De Massimi oerhaftet. Bei der Verhandlung ist kein einziger Belastungszeuge aufgetreten, der nicht Pösizeibeamter gewesen wäre. Wohl wollte man die Aussage eines früheren Offiziers gegen die Angeklagten verwenden, aber dieser erklärte mit aller Energie nichts gehört zu haben. Den vier Beschul- digten konnte nichts anderes nachgewiesen werden, als daß sie gelegentlich auf Baisse spekuliert haben. Ver- g e b e n s machten die Verteidiger geltend, daß die Angeklag- ten die ihnen zur Last gelegten Bemerkungen nicht gemacht hatten, daß sie von den Umstehenden, soweit diese nicht Poll- zisten waren, nicht gehört worden waren; vergebens betonte der Verteidiger von De Massimi, daß im Gespräch mit einem einzigen getane Aeußerungen niemals den Tatbestand der „Verbreitung von Gerüchten" darstellen konnten. Der Staatsanwalt bedauerte zunächst, sich noch nicht auf das neue faschistische Strafgesetzbuch stützen zu können, das aus- drücklich den vorliegenden Fall vorsieht und Strafen von einem bis fünf Iahren androht, nahm dann an, daß die Ver- breitung falscher Nachrichten zu Spekulationszwecken vorläge und forderte für den im Greisenalter stehenden Angeklagten Sartori, im Hinblick auf sein Alter und darauf, daß ihm ein Sohn im Kriege gefallen ist,„nur" 15 Monate Zuchthaus, für die zwei anderen je zwei Jahre und für de Massimi zwei- einhalb und ein Jahr Polizeiaufsicht. Das Gericht erkannte auf 4, 8, 10 und 12 Monate, mit bedingter Verurteilung nur für den greisen Sartori. Keiner der vier Angeklagten gehört zu den großen Finanzleuten, die Einfluß auf die Börse haben. Es sind, wenn nicht„kleine Fische", so doch kaum mittelgroße. Die Polizei hatte Auftrag, ein E x e m p S l zu statuieren. Nur Eingeweihte können wissen, ob man die vier Opfer blindlings gewählt hat. oder ob bei ihrer Wahl private Rache eines maßgebenden Funktionärs der Faschistischen Partei im Spiel war. Man sagt nun, daß nach dem„brillanten Coup" die Staatspapiere besser quotiert würden. DieAngftvordemZuchthaus soll den Börsenmaklern und den übrigen Börsenleuten Ver- trauen in die Staatspapiere lehren. Gerade diese Herrschaften verstehen das Flüstern und Schweigen vorzüg- lich; in Sachen Vertrauen dürften sie weniger gelehrig sein. poincarö spricht über das Elsaß. Was Krankreich alles für das Elsaß getan hat.— poineare Nagt über Undankbarkeit Paris, 29. Januar.(Eigenbericht.) Ja der Kammer wlribe an vienstagnachmittag dt« Elfaß- d« b a t t e mit einer Rede des Autonom! st«n, Abgeordneten Dahlel, fortgesetzt, vohlet, der aus der Radikalen Partei des Eksotz aus- geschieden ist, bestand besonders daraus, daß der Autononnsmus nicht nur eine klerikale Bewegung fei, sondern daß es auch Links- autonainismus gebe. Es könne auch nicht die Rede davon sein, daß das Elsaß zu Deutschland zurückwolle. Aulonomismns bedeute nicht Separatismus, sondern Segner. schast gegen den Zentralismus. Di« Elsäffer seien germanischer Rosse, und wenn auch noch so viele Fehler der Behörden im einzelnen für die«lsässischea Miß. stände verantwortlich gemacht werden könnten, in Wahrheit handele es sich um keine Gefühlsprobleme.„Die Elsässer/ rief Dohlet, „ziehen die Kommunisten, die sie verteidigen, den Nationalisten, die sie angreifen, und damit den Regierungen, kn« sie mißverstehen, vor.* Di« jetzige Haltung der Regierung bezeichnet der Rebner als «ine Bantrotterklärung ihrer elsässischen Politik. Wenn man immer von Agitation spreche, so solle man doch wenigsten» nicht glauben, daß jemals Agitation«ine so machtvolle Bewegung ins Leben rufen könne. Die autonomistische Presse sei überhaupt sechs Monate lang verboten gewesen. Trotz aller Begünstigungen der französischen Presse aber hätten die Elsässer an Auwnomtsten ihre Stimme gegeben. Wenn deswegen gew'fs« Hoffnungen jen- seit» des Rheins Platz greisen könnten, so fei das alleinige Schuld der Regierung. Nach Dahlet nahm sofort poincarö das Wort und stellte zunächst zur Geschäftsordnung fest, daß die augenblickliche Debatte nicht die Existenz der Regierung in Frag« stelle: deshalb komme es auch nicht darauf an, sie durch ein Vertrauensvotum abzuschließen, sie müsse vielmehr in eine Kundgebung der Sympathie und de» Vertrauen» zum Elsaß ausklingen. Frankreich werde es wirklich schwer gemacht, sich zwar nicht der übergroßen Mehrheit der elsässischen Bevölkerung, aber doch jener kleinen Zahlt?) von Aufgeregten, den Lesern der autonomistischen Blätter, verständlich zu machen. Man brauche nur zu sehen, wie man jetzt wieder im Elsaß die Debatte entstell«. Da werde behauptet, daß höchsten»«in Drittel der Ab- geordneten an ihr teilnehm«, daß also das Elsaß nichts vom fron- zöfischen Parlament zu erwarten Hab«, fonder» sich selbst helfen müsse. Niemand vou den Interpellanten habe da»«ksässische Problem wirklich von der richtigen Seite angefaßt: niemand Hab« daraus hin- gewiesen, daß die autonomistischen Umtriebe zuerst heimlich und hämisch, heute aber schamlos betrieben würden und daher alle Elsässer revottiert hätten. Frankreich und jeder Franzose hätten ein Recht, stolz zu sein auf das Werk, das Frankreich in den letzten zehn Iahren im Elsaß vollbracht Hab«. Die Fehler, die man viel- leicht begangen habe, genügten nicht, um dieses Werk vergessen zu machen und um die abscheuliche antifranzösische Kam- pagne zu rechtfertigen. Leider gebe es kein sofort wirkendes Allheilmittel für die augenblickliche Situation, nur die Zeit könne hier helfen. Poincarä entwickelt dorm die wirtschaftliche Geschichte des Elsaß seit dem Waffenstillstand. E» sei em« ungeheuer schwierige Aufgab« gewesen, die beiden wiedergewonnenen Provinzen wieder in die französisch« Wirtschaft einzugliedern. Da» Herz des Elsaß sei zwar immer bei Frankreich geblieben, aber sein« wirt- s ch a f t l i ch e n Interessen seien nach Deutschland abge- lenkt worden. Zuerst habe man das Elsaß von einer Finonzkatastrophe retten müssen, damit es nicht in den Bankrott Deutschlands mit hineingezogen wurde. Dafür allein habe Frankreich 2 Milliarden geopfert. Ts bedauere dies« Handlungsweise heute nicht, aber es dürfe wohl erklären, daß es dem Elsaß damit schon von der ersten Stund« an sein« Sympathie bewiesen habe. Poincare spricht dann oll« Maßnahmen durch, die für die ein- zelnen Jndustriey getroffen wurden und erinnert an die zollfreien Kontingent«, an den Ausbau der Eisenbahnen, Lanäl« und Häsen. Die deutsche Press« habe den Untergang des Straßburger Hafens prophezeit: heute sei er aber der drittgrößte Binnenhafen Frankreichs. Es sei ebenso erstaunlich wie traurig, daß all« dies« Bemühungen Frankreichs um das Elsaß nicht die nötig« Anerkennung gefunden hätten, ja daß„sogar schlechte Hirten aufgestanden seien, die dem elsässischen Volk« jede Verdienste Frankreichs geflissentlich geheim zu halten versuchten.* Da der Ministerpräsident sichtlich ermüdet war, wurde die Sitzimg unterbrochen. Nach der Wiederaufnahme schlug der Kammerpräsident vor, die wettere Debatte aus Donnerstag zu v e r- tagen. Poincare stimmte dem zu. Di« Veiteren Ausführungen de» Ministerpräsidenten hülsten noch ungefähr drei Stunden in Anspruch nehmen. Sie wollten Simffreiheii für Steuerstreik! Kommunisten als Gchildhalier der Großagrarier. Der Etrafgesetzansschuß beschäftigt.' sich gestern nnt den wichtigen Bestimmungen über die Äüfsorderung zur Auflehnung gegen die Gesetze und zur" S teu e r o e r» weiger.u'njji Bei Z lN, der die ersteril Auffürdervng betrifft. beantragten die Sozialdemokraten eine Zusatzbestimmung, deren Wichtigkeit Abg. Landsberg(Soz.) darlegte. Er fordert«, daß nicht schon jede Aufforderung zur Auflehnung gegen ein Gesetz oder ein« Berordnung strafbar sein soll, sondern nur die Auflehnung gegen rechtsgültig« Gesetze oder Verordnungen. Zur Begründung wies er darauf hin, daß diese Frage im Dolksstaate anders zu regeln sei als im Obrigkettsstaate. Der Bürgerstolz lehne sich auf, wenn ohne weiteres bei jeder Auflehnung gegen ein Gesetz oder gegen eine Verordnung Bestrafung eiMreten müsse. Nach längerer Debatte wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt und die Regierungsvorloge angenommen. § 170 bedroht mit Gefängnisstrafe denjenigen, der öffentlich dazu auffordert»der anreizt, seiner steuerrechtlichen Verpflichtung nicht zu genügen. Abg. hanemana(Dnat.) und Abg. Häresien(Wp.) traten für die Streichung diese« Paragraphen ein. da ein be- sonderer strafrechtlicher Schutz nicht notwendig sei. Wenn auf dem Lande hie und da eine Steuerzahlung verweigert worden sei. so lüge das lediglich an dem zu rigorose« Borgeheu der Fiuanzbeamte». Eigentümlicherweise beantragte auch Abg. Alexander für die tommumstische Fraktion die Streichung des§ 170. Ministerialrat Drapp erklärte sich namens des Reichsfinanzministeriums für den 8 170, der unbedingt notwendig fei, wenn der Staat sich erhalten wolle. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) trat den beiden Vertretern der bürger- lichen Parteien und dem kommunistischen Redner entgegen, indem er hervorhob, daß§ 170 sich gegen die Steuerverweigerung richte. die doch lediglich von den Großgrundbesitzern als Kampfmittel propagiert werde. Die Haltung �.der.. Deutschnativnalen sei daher oerftändtich, die der Kommunisten äb�r nicht. Sie schützen hier die Junker: Gerade die Land b. ün d- Organisationen betrieben die Steuersabotage. Sie. verhiiider- ten bereit» eine richtige Steuereinschätzung der großen Landgüter. indem sie mtt allen Mitteln die Steuereinschötzvngskommissionen beeinflußten. Nur zu oft forderten l�andbundorganisationen..teils. offen, teils versteckt zur Steuerverweigerung auf. So habe man ziix Teilnahm« an Zwangsversteigerungen und zu ihrer Verhinderung mit folgender Bekanntmachung aufgefordert:„Die landwirtschast- lichen Sänger von der heiteren Lerche singen von jetzt an zu de» bekannt werdenden Zeiten in den bekannt werdenden Orten.* Direkt zur Steuerverweigerung sei angereizt worden durch Erklärungen wie folgende:„Die Kuh bleibt im Stall, der Stall bleibt unser.* Oder: „Wir können und werden keine weiteren Zahlungen an die öffent- lich« Hand leisten.* Oder:„Wenn einer unserer Berufsgenosien bei der Versteigerung wegen Steuerforderungen die Kuh kauft, dann muß sein Name noch nach Jahrhunderten verrufen und oerbellt sein.* Um der Steuerverweigeruug der Großgrundbesitzer eutgegentreten zu können, müsse 8 170 aufrecht- erhalten werden. Die Vertreter de» Zentrum» und der Deutschen volkspartei traten für§ 170 ein. Abg. Alexander suchte die eigentümliche kommunistische Haltung damit zu verteidigen, daß doch nur Kleinbauern bestraft würden. Cr mußte aber zugeben, daß Aufforderungen zur Skeuerverwelge. rang immer nur von den Großgrundbesitzern erfolgten. Trotzdem wollte er sie straflos losient Bei der A b st i m m u n g wurden die deutschnationalen und kommunistischen Anträge aus Streichung de» Z 170 abgelehnt und 8 170 in der Regierungsvorlage angenommen. Oeuffchlanö und der Auionomismus. Haltlose Verdächtigungen im„Temps*. Der„Sozialdemokratische Pressedienst* schreibt: Am Dienstag ist in der französischen Kammer die Debatte über die autonomistische Propa- ganda im Elsaß fortgesetzt worden, die mit großer Span- nung erwartet wird, da PoincarH schon vor einiger Zeit Enthüllungen über die Hintergründe der Agitation des„Heimatbundes* angekündigt hat. Nun hat der Pariser „T e m p s* in diesen Tagen einen Artikel veröffentlicht, von dem man nicht recht weiß, ob er die Tendenz der Ausführun- gen des Ministerpräsidenten vorwegnehmen will, oder ob er den Zweck hat, Herrn Poincars in einer ganz bestimmten Richtung scharf zu machen. Es heißt da wörtlich: „Für wen arbeitet die autonomistische Presse? Und mit welcher Unterstützung? Da» wild gesagt werden müssen. Es ist unerläßlich, im Lause der Debatte die genau« Uebereinstomnung der germanischen Propaganda— selbst soweit sie offiziellen Charakter trägt— und der methodischen Arbeit der Agenten des„Heimat- bundes* im Elsaß, in der Bretagne, auf Korsika und in Flandern aufzuzeigen. Es muß daraus hingewiesen werden, daß die merkwürdige Sorge für angeblich«„national« Minder- Herten*, die man setzt jenseits des Rheine, zur Schau trögt, Hand in Hand geht mtt einer methodischen Arbeit außer- ordentlich geschickter Agenten de» Alldeutschtum» und gemeiner Verräter.* B)ir haben es vermieden, uns an den Erörterungen über die Vorgänge im Elsaß mit besonderem Eiser zu beteiligen. So sehr wir uns für berechtigt halten, ein allgemein kultu- relles Interesse an den Verwaltungsmethoden zu nehmen, die gegenüber den deutschsprachigen Elementen angewendet wer- den, so haben wir doch nach Möglichkeit auf jede Kritik ver- zichtet. Diese Zurückhaltung wurde und wird geübt, um den Eindruck nicht aufkommen zu lassen, als mischten wir uns in die politischen Angelegenheiten des Elsaß, von denen wir wissen, daß sie in das Gebiet der französischen inneren Politik gehören. Wenn aber jetzt der„Temps" geheimnisvolle An- deutungen über deutsche Umtriebe macht, und dabei sogar die amtlichen deutschen Stellen mit hineinzieht, so er- wächst ihm und seinen Freunden in der Kammer die Pflicht, unanfechtbare Deweise zu erbringen. Ob von Privatpersonen oder von privaten Orga- nisationen der Persuch gemacht wird, Einfluß im Elsaß aus- zuüben— daß es Narren gebe, die auch in den anderen vom„Temps genannten Gebieten ein Betätigungsfeld er- blickten, halten wir für ausgeschlossen,— wissen wir nicht. Geschähe es, so wäre das um der Schaffung und Aufrecht- erhaltung guter Beziehungen zu Frankreich willen zu b e- dauern. Das amtliche Deutschland aber dürfte aus keinen Fall für eine solche Arbeit verantwortlich gemacht werden und wir nehmen an. daß Bemühungen, die daraus hinauslaufen, die deutsche Regierung oder das deut- sche Auswärtige Amt zu verdächtigen, diesmal ebenso erfolg- los bleiben würden, wie seinerzeit bei Gelegenheit des Auto- nomistenprozesses in Colmar. Nun spricht aber das Pariser Blatt spöttisch von de? Sorge Deutschlands um„angeblich* nationale Minder» Helten und diese Bemerkung läßt einen Schluß auf Sinn und Zweck der ganzen von ihm geführten Kampagne zu. Wir er- rnnent uns an die scharfen Auseinandersetzungen, die auf der fetzten Ratstagung Äea Völkerbundes in Lugano zwischen Stresemann und.dem polnischen Außenminister über die Minderheitenfrage geführt worden sind und die in der For- derung Stresemanns gipfelten, daß sich die nächste Rats- sitzung im März, grundsätzlich mit dem Minderheiten- Problem befassen solle. Dieser Gedanke ist den Kreisen um den„Temps* höchst unsympathisch und sie suchen deshalb die deutsche Ansicht von vornherein zu diskredi- t i e r e n. Wir nehmen indessen an. daß die deutsche Regie- rung sich durch diese Manöver von ihrem Plan nicht ab- bringen lassen wird. Di« Art, wie der Völkerbund bisher die Beschwerden nationaler Minoritäten behandelt hat, ist u n- vollkommen und unzulänglich. Das Mindeste, was zunächst zu verlangen wäre, ist die Einsetzung einer S t u d i e n k o m m i s s i o n, die sich mit der Möglichkeit der Schaffung anderer Methoden befassen müßt«. Hier steht eine Frage zur Debatte, die zu denen gehört, von deren Beant- wortung die Erhaltung des Friedens in Europa abhängig ist, und diese Debatte werden auf die Dauer polnische und französische Nationalisten nicht zu hindern vermögen. politische Verleumdung in der Schweiz Prozeß Robert Grimm gegen ZSerner„Bund* Vera. 29. Januar.(Eigenbericht.) Das Berner Gericht beschäfttgte sich mit einer Beleidigungsklage des Schweizer sozialistischen Führer» Grimm gegen den Thefredakteur de« bürgerlichen Berner Blattes„Der B u n d*. Der „Bunb* hatte Grimm im letzten Wahlkampf vorgeworfen, sich an der Gründung von Spielhöllen in Griechenland beteiligt zv haben. Die Zeugenvernehmung ergab, daß Grimm sich av der betreffenden Gesellschaft nur beteiligt hatte, weil sie auf genossenschaftlicher Grundlage Wohnungen für tue griechischen Flüchtlinge«ms Kleinasien erstellen wollte. Als bei der Gründung der Gesellschaft der Plan der Uebernahme von Munitionsexport nach Griechenland und die Gründung«ine« Spielkasinos erörtert wurde, hat Grimm sofort seine Beteiligung zurückgezogen. Da» Urteil wird später gefällt. Das vierte Scheckbuch wird vermißt. Gerade das interessanteste. Pari», 29. Januar.(Eigenbericht.) Die nationalistisch« ,L i b e r t ö* weiß am Dienstag zu berich- t«n. daß zurzeit von einflußreicher Seit« Bemühungen unternommen werden, um die Haftenlajsung der Hauptangeklagten im Skandal der„Gazette du Franc*, Frau Hanau, Bloch und Audiberts, zu erreichen. Es habe sich indessen noch kein Arzt gefunden, der Frau Hanau für haftunfähig erklären wolle. Bon den oerschwunde- neu vierScheckbüchern seien drei wiedergefunden worden. Aber gerade da» vermißt« vierte Scheckbuch enthalt« die Namen der politischen Personen, an die Frau Hanau Zahlungen geleistet hat. Der Direktor der„Rumeur*, Anquetil. stellte am Dienstag die Forderung, mit dem Ackerbauminister H e n n« s s y konfrontiert zu werden. Hennessy hat bisher auf die erhobenen Anschuldigungen, er habe erhebliche Summen von AiAuetil erholten, nicht geant. Haussuchungen in der Oenkschristaffare. Bei pazifistischen Organen. Der Oberreichsanwalt hat bei der pazifistischen Zeiffchrift„Das sichere Deutschland* in Hagen sowie bei der Korrespondenz„Zett- notizen* in Berlin haussuchen lassen. Man sucht« nach Abschriften der Groener-Denkschrift. Der Redakteur des„Anderen Deutschland* gab unter Eid an, er habe von unbekannt eine Abschrist zugeschickt erhallen, selbstoer- ständlich wisse er von der Uebermittlung nach Englatch gar nichts. Bei der Korrespondenz„Zeitnotizen* wurde lediglich eine Abschrift gefunden. Deutschlands Anspruch auf Räumung. Ein Vortrag von Prof. Gchücking. Bei einem Vortragsabend des Deutschen Republikanischen Reichsbundes, der gestern abend unter dem Vorsitz des Reichstags- abgeordneten Genossen Hildenbrand im Jngemeurhaus statt- fand, sprach Universitätsprofessor Dr. Walter Schücking- Kiel über„Deutschlands Anspruch auf die Rheinland- röumung nach Recht und Billigkeit*. Gegenüber den Hoffnungen, so führt« der Redner aus, die Deutschland in der Räumungsfrage auf Locarno setzte, besteht Frankreich bis jetzt auf seinem Schein. Was steht in diesem Schein? Wenn auch die Be- sttmnmng des Art. 431 des Derfailler Vertrages, wonach Deutsch- land sofortige Räumung verlangen kann, wenn es allen Berpflich- tungen genügt, im Zusammenhang mit den Abreden über die nur etappenweise Räumung bei Beriragsersüllung gelesen werden müsse. so rechtfertige doch die Nebeneinanderstellung der Artikel noch nicht die gegnerische These, wonach Art. 4Z1 nur dadurch einen ver- ständigen Sinn erhalle, daß man das Wort„den Berpflichtungcn genügt' von der Gegenwartsform ins Perfektum verwandle. Durch den Dawes-Plan, durch Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund haben sich die Vor- aussetzungen für die Anwendung des Art. 431 erfüllt. Zur Unterstützung dieses Standpunktes können wir uns auch auf die „Deklaration* genannte Urkunde vom 16. Juni 1919 berufen. Di« Verknüpfung des Art. 431 mtt der bekannten Deklaration gibt Deutschland rechtlich«ine gut« Position, denn niemand kann uns die Beweise guten Willens und die Leistung befriedigender Garantien bestreiten. ver deutschnalionale Amlsgerichlsral a. D. Beinerl-wernlgerode. über dessen Hereinfall bei einer gegen den verantwortlichen„Vor. wärts'-Redakteur Victor Schiff wir kürzlich berichteten, hat sich in- zwischen von seinem Irrtum endgültig überzeugt und die Klage zurückgenommen. Das Verfahren wurde daher auf sein« Kosten eingestellt.— Di« vermeintliche Beleidigung war in einer Nummer des„Abend* erschienen, für die als Verantwortlicher Eugen Prager gezeichnet hat. Inzwischen ist aber der Tatbestand längst verzährt, so daß«in« neue Klag« nicht mehr in Frage kommt. SSOOOOO Arbeitslose. Saison« und Konjunktureinflüsse. Verllu, ZS. Zanmrr. Luch in der ersten Hälfte de» Zannar ist die Zahl der unter. stählen Arbeitslosen nicht unerheblich gestiegen. Die besonders große Zunahme der männlichen lloterstühten läßt daraus schließen, daß ein wesentlicher Teil der Steigerung aus das Da- niederliegen der Lußenberuse zurückzuführen ist. Daneben machen sich aber auch die Wirkungen der abgleitenden Son- j u n k t n r bemerkbar. Die Zahl der Unlerstützlen in der Arbeitslosenversicherung bestes sich am!S. Zannar auf Z 029 000 gegenüber 1702 000 am Zl. Dezember 192S. Die Steigerung in diesen 14 Tagen umsaßt also rund 327000 Personen<19 Proz.). und zwar haben die männlichen hauplunterstützten um 298 000(21,4 proz.), die weiblichen um 29 000(9 proz.) zugenommen. 3n diesen Ziffern sind die hauptnnterstühken in der Sondersürsorge bei beruss- iibstcher Arbciteloflgkeil mitenthalten. 3n der Srisenunlerstützung befanden sich im Berichts- Zeitpunkt rund 138 000 5iallpwnterst!-lzungsempfänger. da» find 11 000 oder 8,7 proz. mehr als am 31. Dezember. Von der Zu- nähme entfallen rund 9000 Personen oder 8.4 proz. ans männliche Lnterslühte und 2000 oder 10 proz. auf weibliche. * Zu diesen unter st ützten muß man die nicht- unter st ätzten Arbeitslosen rechnen, deren Zahl Ende De- 3ember nach den Ausmessungen der Arbeitsnachweise über 7 00 0 0 0 betrug. Da bei den Außenberufen die Arbeiter m't wechselnder Lohnarbelt, die nicht die notwendigen 20 Wochen Beschäftigung aufweisen, um unterstützungsberech- tigt zu sein, stark vertreten sind, dürste die Zahl der Nicht- unterstützten seitdem entsprechend gestiegen sein. Will man den vollen Umfang der Arbeitslosigkeit erfassen, dann muß man auch die Kurzarbeit mit berücksichtigen. Bet den freien Gewerkschaften betrug Ende Dezember der Prozent- satz der Kurzarbeiter annähernd die Hälfte des Prozent- satzes der Arbeitslosen. Aus verschiedenen Gründen dürfte der a l l g e m e i n e Prozentsatz der Kurzarbeiter etwas nie- driger sein. Nimmt man also im Durchschnitt nur ein Viertel statt der Hälfte an und rechnet man für Mitte Januar nur 750 000 Nichtunterstützte, rechnet man außerdem die Kurzarbeiter um in Arbeitslose, indem man sie halbiert, dann kommt man zu folgender Rechnung: 2 029 000 Hauptunter- stützungsempfänger, 138 000 Krisenunterstützte, 730 000 Nicht- unterstützte, etwa 750 000 Kurzarbeiter gleich 375 000 Voll- arbeitslose, macht zusammen rund3 300 000 Arbeits- lose. Eine Zahl, die nicht leichtgenommen werden darf! Oer Arbeitsplan des Reichstags. Kommunistische Beschwerde im Aeltestenrot abgewiesen. Der Aeltestenrot des Reichstages beschloß für Mitt- woch die zweite und dritte Beratung des Gesetzes über die Warte. standsbeamten und der Handwerksnooelle auf die Tages- ordnung zu setzen. Man hofft, bis zum Donnerstag beids Gesetze erledigen zu können. Weiter sollen in dieser Woche noch der Iitau> is.h« Handelsvertrag und das Gesetz zum Schutze der un- ehelichen Kinder beraten werden. Für Sonnabend wird dann die Ratifizierung des Kellogg. Paktes au� der Tagesosdwyr� Für die nächste Woche ist die Berat li'n z d Vi M iB-e i t sss chu tz- ge setz es in Aussicht genommen. Wetter beschäftigte sich der Aeltestenrat mit der Beschwerde der kommunistischen Fraktion darüber, daß Präsident Löbe ihr die ihr sonst zustehenden Tribünenkarten wegen der. Vor- fälle am Schluß der Donnerstagsitzung mit dem kommunistischen Sprechchor von der Tribüne entzogen halle. Der Aeltestenrat be- schloß, daß es bei dieser Maßnahme des Präsidenten bleiben soll, solange die kommunistische Fraktion nicht erklärt, daß sie solche Zwischenfälle nicht selber herbeiführen und unter- stützen will. Oer Fall Dlentte. Am Dienstag millag gegen 12 Uhr sammelten sich vor dem Arbeitsnachweis in der Thomas st raße in Neukölln Er- werbslose an, die allmählich auf eine Menge von etwa 300 Personen anschwollen und unter Führung des kommunistischen Abgeord- neten Blenk«-ine drohende Haltung einnahmen. Jnsolgedessen mußt« die Polizei gerufen werden, die gegen allzu ungebärdige Elemente mit dem Polizeiknüppel vorgehen muhte. Bier von den lautesten Skandalmachern. uuter ihnen der Abgeordnete B l e n k l e selber, muhten zwangsgestellt und dem Polizeipräsidium Abt. la. zugeführt werden, wo man sie nach Feststellung der Personalien und kurzer Bernehmung wieder entließ. Oer Geschäftsordnungsauöschuß beschäftigt« sich während der Plenarsitzung mll der Frage der Ver- Haftung des kommunistischen Abg. Blenkle. Der Ausschuß stellte fest, daß der Abg. Dkenkle überhaupt nicht verhaftet worden, sondern wegen Wider st andes gegen die Staatsgewalt und dem Polizeipräsidium vorgeführt worden ist. Dort ist nach seiner Vernehmung seine Entlassung erfolgt. Das Verfahren wegen Wider- standes gegen die Staatsgewalt wird seinen Fortgang nehmen. Damit war die Angelegenhell für den Ausschuß erledigt. Sozialdemokratische Neichstagsfraktion. Di« Fraktionssitzung der Sozialdemokratischen Partei nahin den Bericht des Reichskanzlers Müller über seine Verhandlungen mit den Parteiführern, sowie den Bericht des Abg. Dr. H e r tz über die Etatsfragen entgegen._ Karl Hildenbrand 65 Zahre. Vorkämpfer und Führer der Partei. Mit dem 3». Januar vollendet Reichstagsabgeoäd neter Genosse Karl Hilden brand sein 6S. Siebcusjahr. Der Ärbilar erfüllt sein« Pflichte» als Parlamentarier noch mit der gleichen Frische und Lebhaftigkeit, mit der er sie 1901 im Würllembergischen Landtag, 1003 Im Reichstag ausgenommen hat. Seine Verdienste als Parteiführer, Parlamentarier und seinerzeit als Gesandter Württembergs bei der Reichsregierung sind erst vor einigen Monaten, am läßlich seiner SSjährigen Zugehörigkeit zum Reichstag, gewürdigt worden. Wir können uns deshalb für heute damit begnügen, ihm zu seinem Wiegenseste und für di« Zukunft weiteres Glück zu wünschen. Diesen Wunsch oerbinden wir mll der Hoffnung, daß Karl Hildenbrarid der Partei und damit der deutschen Arbeiter- bewegung noch recht lange in aller Frische«chatten bleibt, Oer völkische verlorene Sohn. ,Was, mit Weibern hast du Schlingel dich rumgetrieben? Jungen in deinem Alter haben so was nicht zu tun, die haben abends hübsch jüdische Friedhöfe schänden zu gehen?' Die Gteuervereinheitlichung. Zweiter Neratungstag.— Zwischenspiel um Blenkle. Im Reichstag teilt« am Dienstag Präsident Löbe wieder einen neuen Auslieferungsaillrag dos Gerichts gegen den Abg. Goeb- bels(Rat.-Soz.) wegen Beleidigung mit. Ferner macht« der Präsident darauf aufmerksam, daß der neue Kommunaipo- litisch« Ausschuß nicht ein geschäftsordnungsmäßiger Aus- ichuß des Reichstages ist, sondern auch aus N i ch t abgeordneten be- sieht, wie schon der Ausschuß für Leibesübungen 'lur Geschäftsordnung erhält das Wort Ibg. Torgler(Komm.): Vorhin ist bei einer Crwerbslosenkund- gÄrnng in Neukölln unser Fraktionsmitglied Abg. Blenkle ver hastet worden, und Mar von zwei Polizetofsizieren, die ossenbar nach der gestrigen.Kaisergsburtstagsfeier noch nicht ganz chtern waren. �(Präsident Löbe ersucht Sen Rednsr, nicht solche sdrück« zu gebrauchen.) Dieses Vorgehen der Polizei schließt sich � würdig dem an. was Präsident Löbe in der vorigen Woche zur Aus, schließung der Erwerbslosen von der Zuhörertribüne des Reichstages (lebh. Widerspruch der anderen Parteien) angefangen hat.(Stur- mische Schimpsrufe der Kommunisten, andauerndes Läuten der Präsidentenglocke.) Wir erheben schärfsten Einspruch gegen der- artige Hauslnechtsmanieren.(Lärm der Kommunisten, dauerndes Glo'ckenläuten.) Vtan hat heute im Aeltestenrat von uns ein« Miß- billigung des Verhaltens der Demonstranten aus der Reichstags- tvibüne verlangt(andauerndes Glockenläuten). Wir beantragen(die Ausführungen des Redners gehen im Lärm und uiuer dem starken Klang der Präsidentenglocke vollkommen unter. Schließlich verläßt Torgler die Rednertribüne, indem er dem Präsidenten ein Blatt Papier hinaufreicht). Präsident Lobe: Wenn die Glocke ertönt, hat der Redner zu schweigen. Da Abg. Torgler sich daran nicht geHallen hat. mußt« ich ihm, das Wort entziehen: ein Antrag von ihm war nicht zu ver- stehen und liegt nicht vor.(Sehr richtig! b. d. Mehrh.— Archallendes Geschrei der Kommunisten.) Abg. Stöcker(Komm.): Ter Präsident hat Torgler die Abgab« einer Erklärung vor Eintritt in die Tagesovdming unmöglich ge- macht. Derartige Erklärungen sind dutzendfach abgegeben worden, ohne vorher dem Präsidenten vorgelegt worden zu sein Der Antrag Torgler verlangt, daß der Reichstag die sofortig« Frei- lassung des Abg. Blenkle fordere. Dieser Antrag ist dringlich. er muß heute ach die Tagesordnung gestellt wenden, wenn Sie nicht oll« bisherigen Gepflogenheiten mit Füßen treten wollen.(Weitere Ausführungen des Redners nach Mißachtung des Glockenzeichens gehen unter.) Präsident Löbe: Allen übrigen Mitgliedern des Hauses ist be- kannt, daß pach§ 8ü der Geschäftsordnung Erklärungen vorher dem Präsidenten vorgelegt werden müssen. Das hat Abg. Torgler nicht getan. Allen übrigen Mitgliedern des Hauses ist auch bekannt, daß die Worterleilung zur Geschäftsordnung in das Belieben des Präsidenten gestellt ist.(Lärm der Komm.) Ich habe dem Abg. Torgler mitgeteilt, daß di« vom Aellestenrat beschlossenen Maßnahmen zur Ausrechterhallung der Ordnung auf der Tribüne des Hauses nuht der Besprechung und Genehmigung des Reichstags unterliegen, sondern in die Befugnisse des Präsidenten fallen.(Zustimmung der Mehrheit.— Rufe der Kommunisten„Hausknecht!") Ich will Sie nur daraus aufmerksam machen, daß in Zhrem Parlament in Rußland viel kürzerer Prozeß gemacht wird.(Große. Heiterkeit und lebhafte Zustimmung.) Wir haben nun den Antrag Stöcker. den Abg. Blenkle sofort aus der Haft m entlassen. Di« Immunität der Abgeordneten erfährt eine gewisse Einschränkung, wenn«in Abgeordneter bei Begehung eines Ver- brechen in tisgranti festgenommen wird.— Dem Abg. Stöcker habe ich das Wort entziehen müssen, da er ungeachtet des Glocken- Zeichens weilergesprochen hat. Di« Ordnung des Hauses muß Ifc&er- mann respektieren, auch di« Kommunisten könnten sonst das Wort nicht erhallen... Der Präsident bittet nun, bei der Lag« des Falles emen Wcker- spruch gegen di« Aussetzung des Antrages auf die Tagesordnung zu unterlassen. Es wird auch ein Widerspruch nicht erhoben, so daß der Antrag auf di« Tagesordnung gestellt wird. Abg. Schulz-Bromberg)(Dnat.) beantragt die Ueberweifung de- Antrags an den Gefchästsordnungsausschuß. Abg. Stöcker(Komm.)) spricht dagegen und klangt sofortig« Entscheidung im Hause.— Di« lleberweispng au den Gesäufftsardnungsaasschuß wird mit den Stimmen fast des gangen Haufes gegen die Kommu- nisten beschlossen.(Stürmische Pstri-Rus« der Komm.) Präsident Löbe'bittet den Gefchästsordnungsausschuß. möglichst schon morgen zur Beratung dieser Angelegenheit zufammenzutretea, Abg. Dillmaun(Soz.): Ich bitte den Gefchästsordnungsausschuß, schon heute zusammenzutreten. An der Dringlichkeit der Sache kann kein Zweifel bestehen. Wir alle wissen sa, daß ein Abgeordneter auf frischer Tat verhaftet werden kann, daß aber der Reichstag das Recht hat, die Freilassung zu verlangen. Bei der Ver- Haftung eines Mitgliedes des Reichstages wird kein Reichstags- abgeordneter, wie er politisch auch stehen mag. die Dringlich- keit der Angelegenheit bezweifeln. Ich bitte daher, den Geich äs ts- ordnungsausschuß. noch heute zusammen zu treten. Präsident Löbe: Wir können nichts anderes tun, als unseren- Wunsch dem Ausschuß zu übermitteln. Ich sehe den Vorsitzenden des Ausschusses, Mgl Gr a e f, nicht' im Haufe, sobald ich ihn sehe, werde ich ihm den eben gehörten Wunsch aussprechen. Das Haus trirt in die.Tagesordnung ein. Das Gesetz über die � Wartestandsbeamten wird von der Tagesordnung.abgefetzt, da der Ausschuß eben erst mit seiner Beratung zu Ende gekommen ist, es wind die erste Beratung der Steuervereinheitlichungsgesetze fortgesetzt. Abg. Nauheim(Z.) verliest eine Erklärung der Zentrums» fraktion, die mit dem Entwurf einer einheitlichen Bewertung ein- oerstanden ist, die Bereiichclllichung der R-ealsteuern begrüßt und davon eine Senkung dieser Steuern erhofft. Es muß erwogen werden, wie weit die öffentlichen Betriebe zur Steuer herangezogen werden können. Zur Gebäude-Entschuldungssteuer wird das Zentrum seine Haltung davon abhängig machen, daß die nötigen Mittel für den Wohnungsbau herauskommen. Di« dauernde Beibehaltung dieser Steuer lehne das Zentrum ab. Abg. Dr. Lecker-Hessen nommen. Er stellte dem Gefangenen Paasch da» denk» barichlechteste Zeugnis aus. schilder!« an Hand verschiedener Beispiele seinen schlechten, bösartigen Charakter und betont«, daß dieser Gesangen« sowie Steinbock und Sommer zu den schlechtesten Insassen der Anstatt gehörten. Paasch sei besonders gejährlich, weil er immer al» H e tz« r und P u t s ch e r im Hintergrund bleib«..Zum Schutzder Beamten muß ich sagen, daß sie nicht die Schuldigen sind. Di« sitzen ganz wo anders." Zwischen Direktor v. Normann imd dem Vertreter der Ankkige, Staatsanwaitschaftorat Matthias, kam es dmm zu längeren Auseimmdersetzungm Der Anklogeverirenr gab seinem Erstaunen dori/ber Ausdruck, daß gegen Paasch und Grümng damals kerne Strafanzeige wegen Meuterei usw. erstattet worden sei. worauf Direktor v. Nonimnn erwiderte, daß er»ach Lage der Ding« es bei einer disziplinarischen Strafe betasten und daß das Straft Vollzug samt anscheinend seinen Standpunkt geteilt hat-r. Diese Aus- einandersetzungen spitzten sich so zu. daß der Verteidiger. Rechts- amoalt Themal, um Abbruch dieser Dftckuffion bat, weil er sonst gezwungen werde, Staatsanwaltschastsrot Matthias als Zeugen da- für zu benennen, daß man in der Vonmterfuchung immer mir gegen die Beamten, aber nicht gegen die Gefangenei, vorgegangen fei. Auch im weiteren Verlaus der Beweisausnahme traten i» erster Linie die Gefangenen Paasch und Grüniitg ata Belastungszeuge» gegen die Beamten auf, die sowohl die widerrechtlich»« AnÄgrning von Sachen aus dem Attverwertungsbetrieb wie auch— in einem Fall— den von Paasch erhobenen Vorwurf der oersiichtm-Zeugen- beeinfiusseing abstritten. Rur einer von den Aiwektagten, der frühere Hilssauffeher Rettich, war geständig, aus Rat«in- zelne Bekleidungsstück«„englisch gekauft" zu haben. wie nach Paaschs Bekundung der Fachausdruck tautet. In diesen, Zusammenhang verwies der Anklagevertreter auf die Tatsache, daß vor einiger Zeit eine große Meng« von Sachen aus der Altver- Wertung bei einem Sonnenburster Gastwirt beschlagnahmt ward«» ist, die dieser von dem Werkmeister Goossimder gekauft hosten will. Anträge im Gtadtvarlament. vi« Stadtverordneten mußten gestern zu einer außerordentlichenSißung zusammentreten, um einige von den Resten aufzuarbeiten, die sich fest Wochen und Monaten ange- sammelt hatten. Sie erledigten diesmal nur Anträge, darunter ein paar, die schon im November vorigen Jahres eingebracht worden waren. Lebhafte Auseinandersetzungen gab e» besonders bei einem Antrag der Kommunisten gegen du» kommende Konkordat zwischen Preußen und der päpstlichen Kurie. ♦ An erster Stelle kam ein Antrag der sozioldemokra« tischen Fraktion zur Verhandlung, der den Magistrat«•sucht, die seit 8 Jahren schwebende Umbeneaaung der Straßen endlich zur Durchführung zu bringen. Genosse Arnberg forderte. daß im Interesse des Verkehrs die Dovpelbenen» nu na der Straßen aufhört. Selbstverständlich versuchten die Vertreter der Recht-rarreien die Sache noch mehr hinaus- zuzögern: sie hatten aber kern Glück, der Antrag wurde an- genommen.— Bei einem Antrag der Kommunisten wegen des Ersatzes der ansgeläslen Semelndeschule in der keibelstraße, machte Stodtverorbneter Menz(KPD.) der Schulverwaltung«wen Borwurf daran», baß sie nicht sofor, ein neue» Schulhau« bau«. Skadllchulrak Genosse Ztydahl betont«, daß in der Nähe der bisherige» Schul« kein geeignete« Grundstück mehr zu finden sei. Es bestand ursprünglich der Plan, die Kinder in einer Waldschule unterzubringen. Gegen diesen gewiß fortschrittlichen Plan hätte sich in«rner Ellernversammluiuz ausgerechnet der Stadtver- ordnete Menz gewandt!(Lebhaftes hört, hört, bei den Soz.) Leider läßt sich aber der Plan nicht verwirklichen, und so ist be- schloffen, die Schüler in geschloffen«» Klassen mit ihren Lehrern in ein« andere Schule überzuführen. Was Herr Menz zu erwidern hatte, war auf der Tribüne unverstävblich. Nicht zu verstehen war auch, was ti zu dem Antrag seiner Parteifreunde wegen des Abschlusses eine» Konkordats zu sagen hotte. Stadtschulrat Tlydahl gab namens de» Magistrat» die Erklärung ab, daß auf ein« Anfrage beim preußischen Ministerium dieses versprochen habe, sich im gegebenen Falle mit dem Magistrat in Verbindung zu setzen. Soweit bei einem etwaigen Konkordatsabschluß die Berliner Schulen einbezogen werden, wird der Magistrat seine Maßnahmen zu treffen wissen. Genosse Hö dicke meinte, wir wissen nichts über den Inhalt eines Konkord-its oder den Stand der Verhandlungen. Herr Menz scheint hellhöriger zu sein. Die sozialdemokratische preußische Landtag»fraktion ist gegen. ein Konkordat. Die Tage der jetzigen Kirche sind gezählt. Die Stellungnahme der Stadtverordne, enoersommbinq und der Stadt- Verwaltung dürftg ohne Einfluß aus die Emscheidungeu des Landtags sein. Der Stadwerardnete Salhgeber lZ.) fragt? die Kam- mumsten, warum sie die städtischen Körperschaften mit der Knnkar datsangelegenheit behelligen, wo sie doch ihr« Abgeordneten im Landtag« haben. Stadtverordneter Lange(Komm.) wußte nichts Vernünftiges zu sagen und schimpfte deshalb auf die Sozialdemokraten. Nach dem Genoffen Dr. Kawcrou, den Rednern der Demo. traten, der Doltspartei und noch einmal der Kommunisten wurde einem ZusatzantragderSozialdemokraten zugestirimr. der den kommunistischen Proteftantrag dahin ändert, daß gegen seglrche Zugeständnisse an den Klerus und gegen jedes Zurückweichen vor den Förderungen der katholischen Kirche protestiert wird. Die bLegmstchen Parteien enkhielien sich der Stimme. Zu einem Antrag der sozialdemokratischen Frokü»u wegen der Verlegung der SäiießstSade in der Hajenheide sprach Genosse Großmann. Er betont«, daß die Kranken in den benachbarten Krankmlsiiusern durch die Schießerei stark be- löst igt und die Erholungsuchenden sogar durch abirrende Kugeln gcsährdet werden. Auf jeden Fall sollten dl« Schießstöiid« den. nir Erholung bestimmten Termin angegliedert werden. Di« dahingehenden Bestrebungen der Bezirksämter Neukölln und Kreuzberg müßten weitestgehend unterstützt werden. Die Abstiinmung über den Antrag wurde oertagt.— Zu einem Antrag, betreffend die De- st e u e r u n g d e r„Toten Hand", sprach mn Schlich der Sitzung Genosse Dr. Weinberg. Ropham einec ReaolulioM. Von Gerlta-ri hierztttAH* Mostac „Andre vllleicht!" erwiderte Calw, plötzlich heiser vor ver- haltener Wut.„Wer ich war woll nich mehr jut anjeschriem n sind bei der Herzoglichen!" Wagner blickte gespannt auf.„Aber ich verstehe nicht—_ Den Lohgerber überfiel ein jähes Mitteilungsbedursnis nach den Stunden des Insichhineinschluckens. Er schlug mit der geballten Faust auf das Papier, das neben der Lampe lag. ,L>a, Se känn'n läsn, Harre!" Wagner überflog die geschnörkelte Schrift und lachte laut auf. Es war eine in Vertretung des erkrankten Justiz- minister» vom Präsidenten Kerften selbst unterzeichnete, an Ealm gerichtete Perordnung. die in gewundenem Kanzlei- stil dem Empfänger sein„störrisches und defpektables Ver- halten" gegenüber dem Herzog vorwarf, das„Seine Durch- taucht in Lebensgefahr" gebracht habe, und„dem pp. Calm anbefahl,„künftighin ein Erblicktwerden durch Seine Durch- laucht tunlichst zu vermeiden." „Ungefähr dasselbe hat man mir auch anbefohlen." sagte Wagner, noch immer lachend. � � , Ihnen9" fragte Ealm naiv,„«in Sie denn oo Jude? ..Soviel ich weiß, nicht." Wagners Lachen wurde bitter. „Aber ich scheine Seine Durchlaucht ebenfalls in Lebensgefahr gebracht zu haben." Calm brachte heute keinen Humor auf.„Sie können freilich driwwer lachen, Härre. Sie fahrn nach Dresden, un dann jeht Sie das nischt mehr ane. Awwer ich muß hier bleiben un mich lassen schikanieren..■" Wagner wurde ernst.„0 nein, Herr Calm. Es hing sehr viel für mich davon ab, wie ich dem Herzog gefiele." Calm hatte kaum hingehört, war noch immer nur mit sich beschäftigt.„Awwer jestraft wärn wird der Härr von Kerften." knurrte er mit gekniffenen Augen und gefaustet aneinander gelegten Händen,„jezählt wern sin feine Tage als Minister, jefchla'n wird er fein von Gott!� Die Maßlosigkeit belustigte und erschreckte Wagner zu- gleich.„Woher wissen Sie das?" „Ich weeß es. Seit hefte. Awwer ob der annere besser is—" „Der andere?" Die erstaunte Frage weckte Calm. Er begriff jäh, wie unvorsichtig er gewesen war diesem Fremden gegenüber. „Na, nischt für unjut, jnädiger Härre... also wäjen de Fahrt nach Halle... es wird"—„wirklich nicht gehen", wollte er sagen, hielt inne— er mußte verhindern, daß der da noch mit Leuren aus der Stadt sprach.„Es wird je woll jshn." Calm wollte hinausgehen, um die Pferde anzuspannen. Aber Wogner hielt ihn zurück. Der Regen draußen war zum Wolkenbruch geworden, zuweilen hörte man Eiskörner prasseln.„Wollen wir nicht abwarten, bis der Regen vor- über ist?" „Meinswäjn," murrte Calm mißtrauisch. Sie setzten sich an den Tisch, lauschten dem tausendfüßig über die Dächer jagenden Regen, schwiegen. Wagner spürt« erst jetzt den scharfen Geruch nach Gerberlohe und Tierfellen, der in der Stube beizte.„Sie haben eine große Gerberei?" fragte er endlich, um nur etwas zu sagen. „Ach nee. Es i« man een kleenes Jeschäft, un de Etei- ern sin hoch un de Zeiten schlecht." „Es wird besser werden, Herr Calm. bald besser werden. Es sind viele Köpfe am Werke, gute und schöne Köpf«, um alles zu änderst." „Wie meenen Se'n das?" Calms Mißtrauen war n,cht gewichen. „Run, in der Paulskirch« in Frankfurt tagt da» deutsche Parlament, und Berlin scheint zu erwachen..." „Dadermit," sagte der Lohgerber schroff,.Dadermit haww' ich nischt nich zu tun." Wagner ergriff die Dekehrungswut des Revolutionärs. Cr beugte sich zu Calm hinüber und fragte scharf:„Und warum nicht, Herr Calm? Soll diese Zeit ewig dauern, in der man Ihnen, dem unbescholtenen Bürger, die Siraßen Ihrer Heimat verbieten kann, weil Sie einem schwachsinnigen Duodezfürsten nicht passen? Soll es nicht möglich sein, von diesen Herren die Einlösung der Versprechungen zu fordern, die vor dreiunddreißig Jahren gegeben wurden?" Wagners Blick fiel, von Calm weichend, auf den siebenarmigen Leuchter, der auf dem Schranke stand.„Luch Ihrem Volke gegeben wurden, Herr Calm?" „Die hat mer jo injeleest, Härre. Man hat nns rausje- lassen ausn Ghetto und—" „Na und? Ist Ihr Los besser geworden?" „Nee. Aewen dadrumme halte ich nischt von Frankfurt un so. Mit Verfiejungen un Jesetze is nischt nich zu mache» da. Die Gojim— die Christen wollen uns doch nich«—" Er unterbrach sich, winkte sich selbst ab mit flatternder Hand. „Gott hat sein Volk jestraft vor seine Sinden. Ev wird misse» abwarten, bis es Gott wird jefallen, daß annerlch zu mache«. Mir könn'n da nischt zu tun." Wagner fühlte das dumpfe Grübeln dieses Hirns, da» an die Mauer einer düsteren Religiosität stieß. Er sprach hastig weiter:„Aber haben Sie denn gar nicht den Wunsch. dos Leben Ihres Volkes zu ändern, besser zn machen, selbst in die Zügel zu greifen—" „Jche?" Calm zeigte an sich herunter.„Sähn Se wich an. Was bin iche? An kleener, verkrüppelter Jude, bloß zum Auslachen jut. Nee, nee, da ommne, da jehörn hin jrvße Menschen, scheme Menschen, wie de Herzoiin oder där Härr von Trosegk, die mer anreden kann mit Hoheit und Durch- laucht un so—" „Bald wird man niemanden inehr so anreden, Ealm. Und es gibt auch Durchlauchten im Reiche des Geistes. A»f die kommt es an." Calm schwieg und sann dem Wort nach. Er hatte, wie alle körperlich Benachteiligten, Sinn für die große Geste und Sehnsucht danach. Wagner stand auf, trat zum Fenster, ging im Zimmer umher.„Teufel noch mal, was das regnet!—«ie haben hier ein Klavier? Spielen Sie?" „Nee. Meine Frau selig hat jespielt." Wagners Erregung drangt« ihn zum Instrument. Er schlug den Deckel auf.„Stört es Sie oder andere un Hause, wenn ich etwas spiele?" .„Nee," sagte Calm, froh, des Gesprächs enthoben zu fein, „Sarah un die Jesellen schlafen janz obne." (Fortsetzung folgt.). Weißer Segen von oben. Arbeitswville ift da, aber es fehlt an Schuhzeng. Der starte Schneefall bedeutet für die Stadtverwaltung eine recht unwillkommene Zugabe des Winters, denn die Schneemassen müssen so schnell wie möglich aus den Straßen entfernt werden. Wie berichtet wurde, sind Tausende von arbeitslosen Helfern dabei, vorerst die Hauptverkehrsstraßen vom Schnee zu säubern. 7200 Arbeitslose hat die Stadt am Montag für diese Säuberungsaltion eingestellt, mit ihrem eigenen Bersonal der Straßenreinigung erhöht sich die Arbeiterzahl auf 11 500 Mann. Man darf sagen, daß den Arbeitslosen Berlins dieser Schneefall fehr willkommen ist. Er verändert ihre unglückliche Lage etwas und das Arbeitszeug in der Hand macht sie wieder zu vollgültigen Men schen. Durchweg fehlt es aber den Arbeitslosen an festem Schuhwert. Es find ältere Leute dabei, die mit zerrissenen Schuhen im Schnee herumfneten. Zur Frühstücspause fann man beobachten, wie viele ihre Schuhe von den Füßen streifen und Strümpfe oder Lappen an den Ofen halten, um das nasse Zeug etwas zu trodnen. Das veranlaßt auch einen Arbeiter, der seine Schwäche durch starke Bewegung überwinden will, zu dem Aus spruch: Ach, was schadet es, zu der Erkältung ein bißchen Grippe und dann ist es aus. Früher oder später muß doch das Elend ein Ende finden!" Nur die Jüngeren und Robusteren find allein der Arbeit gewachsen. Man muß in Betracht ziehen, daß viele der Arbeitslosen schon Monate teine Beschäftigung haben. Sie sind in den Kolonnen leicht zu erkennen. Es sind die Stillſten. Die Kleider schlottern ihnen um die Glieder, sie sind abgemagert, zersorgt und hoffnungslos. Aber das Schneeschippen ist eine Gelegenheit, sich ein paar Mart mehr über die Unterstützung hinzu zu verdienen. 95 Pfennig beträgt der Stundenlohn, die Arbeitszeit Don acht Stunden währt von 6 Uhr morgens bis 2% Uhr nach mittags. Bitter empfinden es die Arbeitslosen, daß bei diesen Aushilfsarbelten, die oft nur zwei bis drei Tage umfaffen, der Berdienst auf die Unterstübung angerechnet wird. Arbeiten sie zwei Tage, so werden 50 Proz. der wöchentlichen Unterstügung abgezogen, find es drei Tage, so erhalten sie überhaupt teine Unterſtügung. Man tönnte es verstehen, wenn unter solchen harten Bedingungen der Zudrang zu den Aushilfsarbeiten nicht allzu groß wäre, aber das Gegenteil ist der Fall. Es melden sich viel mehr, als die menn es auch nur eine Täuschung ist einmal wieder Arbeit zu haben. Und es ist im Grunde genommen ein weiterer Beweis für die Kläglichkeit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die zwar die Pflicht zur Arbeit proflamiert, den Arbeitswilligen aber nichts weiter zu bieten hat als Schneeschippen, und diese einzige Arbeit auch nur durch die Gemeinde. Fünf Millionen verspekuliert. Zu dem Doppelfelbstmord der beiden Banfiers. Die Selbstmorde der Bankiers Mar Dutas und Karl Böttcher, der beiden Mitinhaber des Bankhauses Kaz u. Wohlauer, über die wir gestern abend berichteten, haben zu allerlei Gerüchten Anlaß gegeben. Mit dem tragischen Vorfall beschäftigt sich nun auch die Kriminalpolizei. Die Inspektion F hat bereits gestern in der Bank weitgehende Ermittlungen angestellt, die aber bisher zu feinem abschließenden Ergebnis geführt haben Der Seniorchef des befannten und allgemein angesehenen Hauses, Hermann Kaz, ist noch völlig gebrochen. Er versichert aber, daß für die Ban? feinerlei Gefahr besteht. Die beiden Teilhaber hätten vielmehr ganz auf eigene Rechnung spetuliert hätten vielmehr ganz auf eigene Rechnung spekuliert und dabei außerordentlich hohe Verluste erlitten. Das Banthaus Kaz u. Wohlauer, Behrenstraße 45/46, ist eine in der Finanz- und Handelswelt angesehene Firma, die bereits seit 40 Jahren besteht. Für die verfehlten Engagements Dutas' und Böttchers, die sich auf vier bis fünf Millionen be laufen sollen, soll Dedung reichlich vorhanden sein. Die Firma felbft gibt an, daß die Aktiva die Passiva erheblich übersteigen und Glattstellungen in größerem Ausmaße nicht zu erwarten find. Nordring": Piraten vor Gericht. Milde Strafen für schwere Ausschreitungen. Die Führer der berüchtigten Berliner Berbrechervereine standen gestern vor dem Erweiterten Schöffengericht Neukölln. Tatarenblut, Rosatenblut, Edelhirsch, Modderkrebs, Alpengrün, Laatsch, Wildfang, Bergadler usw. sind bezeichnenderweise die Namen dieser Unterweltsorganisationen. Die Anflage lautete auf schweren Landfriedensbruch. Den Hintergrund des Prozesses bildeten die schweren Ausschreitungen, die von etwa 200 Nordring" Piraten im Juli vorigen Jahres in 3ernsdorf begangen worden waren. Gartenlofal in Bernsdorf verwiesen, da sie mit Messern und Am 9. Juli wurden einige angebliche Wandervögel" aus einem Dolchen in dem besetzten Saale Unfug trieben. Man schwur dem Birt Rache. 14 Tage später schlug der Nordring" in der Straßenreinigung einstellen kann. Sie sind froh, endlich und Politische Funktionärinnen! 77 Sprechdjor für proletarische Feierstunden. Ulebungsstunde am Donnerstag, dem 31. Januar, abends 7% Uhr, im Gesangssaal der Schule Weinmeisterstraße 16/17. Freitag, den 1. Februar 1929, 19% Uhr, in den Musiker- Fesisälen" ( Börsensaal), Berlin C. 25, Kaiser- Wilhelm- Straße 31: Funktionärinnen- Konferenz Tagesordnung:, 1. Referat der Gen. Marie Juchacz, M. d. R.: Die Frau in Politik u. Wirtschaft". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zutritt haben die politischen Funktionärinnen, die sich am Saaleingang durch blaue Fun tionärkarte und Mitgliedsbuch oder durch den Abgeordnetenausweis und Mitgliedsbuch legitimieren. Außerdem können diesmal Genossinnen auf Gastkarten, die im Frauensekretariat ausgestellt werden, neben Vorzeigung des Mitgliedsbuches an der Konferenz teilnehmen. Türkontrolle: 19. Kreis- Pankow. Das Frauensekretariat. Gegend von Bernsdorf und Königswusterhausen feine Belte auf. Als einigen Mitgliedern bedeutet worden war, daß fie als Bäfte nicht willkommen seien, wurde das Lotal gestürmt. Mit Stühlen und Gläsern bombardierten sie die Gäste, demolierten völlig das Lotal und eine erst neuerbaute Veranda und zerschlugen alle Fensterscheiben. Den 200 Piraten gegenüber war die Ortspolizei machtlos. Erst als Berliner Schupo hinzugezogen worden war, fonnte man gegen das Gesindel vorgehen. In ihren Zelten fand man eine Unmenge von Messern und Dolchen. Aber nur gegen neun Rowdys fonnte die Hauptverhandlung eröffnet werden. Da die Vorfälle zu lange zurückliegen, waren die Zeugenaussagen relativ günstig für die Angeklagten. Die Anklage des schweren Landfriedensbruchs mußte in allen Fällen fallen gelassen werden. Wegen einfachen Landfriedensbruchs wurden vier Angetlagte zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. Außer Grüne bera, dem Führer des Mordring", wurde ihnen sogar Bewährungsfrist zugebilligt. Weitere zwei Angeflagte erhielten wegen unerlaubten Waffenbesitzes je 20 Mart Geldstrafe. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Warenhausbrand in Ratibor. Das Personal in größter Gefahr. Am Montag nachmittag brach infolge Kurzschluffes im Waren haus Hugo Marcus in Ratibor ein Brand aus, der sich infolge einer eingeschlagenen Fensterscheibe mit großer Schnelligkeit über das gesamte Warenhaus ausbreitete. Das Personal des Warenhauses fonnte nur unter größter Anstren gung in Sicherheit gebracht werden. Mit sechs Schlauchleitungen und Magirusleitern griff die Feuerwehr das Feuer unter dem Schuhe von Rauchmasten an. Der Brand dehnte fich schließlich bis auf die Bodenräume aus. Der durch den Brand und die Wassermengen entstandene Schaden ist noch nicht zu übersehen. Die Innenräume mit den darin aufgestapelten Unmengen von Waren sind vernichtet. Noch am späten Abend war die Feuerwehr an der Brandstelle in Tätigkeit. Ihre Ondulation hält viel besser L und länger, wenn Sie das Haar vor dem Ondulieren nur mit Elida Shampoo waschen. Garantiert sodafrei, macht es das Haar nicht matt und spröde, sondern weich und glänzend wie Seide. · PARFUMERIE ELIDA AG, LEIPZIO Senden Sie mir kostenlos ein Päckchen ELIDA SHAMPOO Names Adresse.. Kleben Sie bitte den ausgefüllten Kupon auf die Rückseite einer Postkarte. 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Januar.( Eigenbericht.) laffen bzm von seinen Eltern in eine gefchloffene Privatanstalt untergebracht werden soll. Inzwischen hat Landrichter Kleffel die bereits freigegebene Leiche von Tibor Földes, des zweiten Opfers des jugendlichen Doppelmörders erneut beschlagnahmen lassen, um den Tatbestand sicherzustellen, da die schriftlich festgelegten Gutachten der Gerichtsärzte erst am Mittwoch fertiggestellt sein werden. Dr. Störmer und Dr. Dyrenfurth noch nicht eingegangen sind und Am Nordabhang des 1400 Meter hohen, unmittelbar am Inn gelegenen Kranzhorns, über dessen Gipfel die deutsch österreichische Grenze verläuft, löfte sich am Dienstag vormittag eine große Lamine und erfaßte nahe dem Tal eine Gruppe von Bauern und Knechten, die mit dem Abfchleppen von Holzstämmen beschäftigt waren. Durch den ungeheuren Drud der Schneemassen wurden sofort zwei Personen ge tötet. Eine dritte erlitt einen schweren Nervenschock, während die Fünf Kinder mit der eigenen Zochter! übrigen unverletzt davonfamen. Außerdem fielen der Lawine drei Pferde zum Opfer. Einen Begriff von den ungeheuren Schneemassen, die in den bayerischen Alpen niedergegangen sind, gibt die Tatsache, daß in gewissen Teilen des Algäus die Telegraphenmast en ftredenweise überhaupt nicht mehr zu sehen sind. Aus den Berichten der Forstbeamten ergibt sich, daß das junge Wild zum großen Teil eingegangen ist. Die Stadt München hat für die Beseitigung des Schnees in den Straßen bis jetzt die Summe von 610000 Mart ausgegeben. In den Außenvierteln der Stadt wurde in der Nacht zum Dienstag eine Kälte von 25 Grad Celsius gemessen. Polen im Schnee begraben. 19 Wie die Abendpresse aus Warschau berichtet, befindet sich der polnische Eisenbahnverkehr injolge der ungewöhnlich farten Schneeverwehungen in geradezu tatastrophaler Lage. Seit drei Wochen sind fast 100 000 rbeiter auf den verschiedenen Eisenbahnlinien mit der Beseitigung der Schneemassen beschäftigt, was fast eine Viertelmillion 3lotn täglich( zirka 117 000 mart) fostet. Mehrere 3üge fieden seit vier Tagen im Schnee, so daß die Reisenden ouf Schlitten weitergebracht werden mußten. Auf der Station altina stießen infolge schlechter Sicht zwei Güterzüge zufammen. Eine Lokomotive und mehrere Wagen wurden zertrümmert. 3 mei Beamte wurden schwer verlegt. Bei emberg entgleisten zwei Personenzüge im Schnee; mehrere Reisende wurden leicht verlegt. Der Brudermörder vor dem Richter. Der Brudermörder Manasse Friedländer wurde im Laufe des gestrigen Tages erneut Landrichter Kleffel vorgeführt ind von diesem in Gegenwart des Gerichtsarztes Medizinalrat Dr. Störmer eingehend vernommen. Manasse Friedländer wird am Mittwoch nochmals vom Vernehmungsrichter unter Zuziehung weiterer Sachverständiger und Zeugen verhört werden, ehe der Richter fich über den Antrag von Rechtsanwalt Dr. Artur Brandt entscheiden wird, ob Manasse Friedländer aus der Haft ent Es Eine prächtige Wappenbilbersammlung ist im Mehrfarben-, Gold- und Gilberdruck von der Zigarettenfabrik Garbaty herausgebracht worden. handelt sich hier um eine reichhaltige und interessante Zusammenstellung von 1900 verschiedenen europäischen und überfeeifden Bänder- unb Stäbtewappen, tren Farbenfreudigkeit, Eigenart und fünstlerische Durcharbeitung allen Kreisen rud Altersklaffen Bergnügen und Belehrung an diefer besonders wertvollen Gammlung bieten werben. Die Wappenbilder werden ben Intereffenten da Durch zugeleitet, daß fie ben sämtlichen Zigaretten padungen der Firma Garbaty beigelegt werden. Bemerkenswert fchön in der tünstlerischen Ausgestaltung ist | Blutschande! Eberswalde, 29. Januar.( Eigenbericht.) Wohin triebhafte Anlagen, wenn sie nicht durch Hemmungen gebändigt werden, einen Menschen führen können, zeigt ein außer ordentlicher Fall von Blutschande, der in der Kriminalgeschichte wohl einzig dasteht. In der Altstadt von Eberswalde tauchten Gerüchte auf, die einen gewiffen M. unerlaubter Beziehungen zu feiner 27 Jahre alten Tochter beschuldigten. Beide wurden von der Kriminalpolizei festgenommen. Anfänglich leugnete die zunächst dem Berhör unterzogene Tochter. Dann aber legte fie ein volles Geständnis ab, das ein erschütterndes Bild ergab: 3hr Bater ist der Erzeuger ihrer sämtlichen fünf Kinder, deren älteftes neun Jahre alt ist. Das Mädchen ist also zugleich Mutter und Schwester der bedauernswerten Geschöpfe, von denen drei am Leben geblieben sind. Von dem unnatürlichen Verhältnis, das fie feit mehr als zehn Jahren mit ihrem Bater macht, weil der Vater sie ums Leben bringen wollfe, unterhielt, hat sie, wie sie behauptet, deswegen teine Anzeige gefalls sie etwas verrate. Trotzdem muß schon längst etwas durchgefickert sein, denn seit mehreren Jahren wechselte der UnFunkwinkelt. Der angekündigte neue Kursus der Bücher stunde", zuerst schüchtern bei der Besprechung von Kunstbüchern angedeutet, zeigt sich jetzt schon viel entschiedener. Harry Graf Keßler, Bazifist und Demokrat, analysiert Memoiren lebender Politiker, unter anderen auch die Bücher Don Scheidemann und Hermann Müller. An eine turze Charakteristik schließt sich die Vorlesung eines wichtigen Kapitels an. Es handelt sich im besten Sinne um ein Referat, um eine Analyse ohne Stellungnahme für und gegen, aber die Auswahl weist bereits die Richtung, gibt dem Ganzen die Farbe. Jedenfalls ist hiermit ein Fortschritt zu tonstatieren. Bergleichen mit dieser Beranstaltung wirkt der Vortrag Alice Schalets aus Wien An indischen Fürstenhöfen" ver= staubt und wie von vorgestern. Es ist wirklich nicht notwendig, zur Erkenntnis des Lebens zu erfahren, wieviel Diamanten sich diese indischen Pfeudoherrscher um den Hals hängen. Wichtiger zu wissen, wieviel indische Proletarier durch einen rigorosen Kapitalismus schamlos ausgesaugt werden. Nein, solche Vorträge sollten endlich definitiv zu den Aften gelegt werden. Aus einem bisher unver öffentlichten Drama Fred Antoine Angermagers Die große Schiebung" werden zwei Szenen mit Else Thäl, Bing und Schwannecke gespielt. Szene, das Sechstagerennen im Mittelpunkt der Handlung. Sehr fonzentriert, realistisch und dabei doch äußerst bas Sammelalbum Surmart- Wappenschau", deffen Vorwort und Inhaltsver. gestrafft im Rhythmus, ohne in dieses Extrem zu verfallen. seichnis eine ausgezeichnete Uebersicht fiber ben Umfang und die Einteilung der Eammlung geben. F. S. mensch sehr oft seinen Wohnfig, um bem immer wieder auftauchenden Berdacht der Blutschande zu entgehen. So zog er aus Königsberg i. d. Neumark nacheinander in eine Anzahl von märkischen Dörfern, bis er im Herfst 1927 nach Eberswalde fam. Der Mann wurde ins Amtsgefängnis Eberswalde eingeliefert. Rumänische Dellager in Brand. Arbeiter müssen ihre Wohnungen räumen. Butarest, 29. Januar. Am Montag abend ist im Erdölgebiet von Moreni infolge Kurzschlusses ein Brand auf einer Sonde der Gesellschaft Olea ausgebrochen, wobei Sachschaden veursacht wurde. Eine Sonde der Romania Petrolisca ist zerstört und die Erdöllager zum Teil ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer, das, durch den starken Wind begünstigt, sich rasch ausbreitete, griff auf die Sonde Ünira( Phönir) über und vernichtete große Mengen Erdöls. Auch eine Sonde der Columbia wurde durch das Feuer zerstört. Der Sachschaden, der bis Mitternacht entstanden war, wird auf über 50 millionen Lei geschätzt. Die Telegraphen- und Telephonverbindungen mit dem Erdölgebiet find vollständig unterbunden. Die Arbeiter, die im Erdölgebiet wohnten, mußten ihre Wohnungen räumen. vormittags 10%, Uhr im Mercedes- Balast, Neukölln. Hermannſtr. statt. Jugendweihe Neukölln. Die Jugendweiße findet Sonntag. 17. März. Anmel ungen werden noch in den Vorwärtsspeditionen Nedarstraße und Freitag 16 Uhr in der Knabenmittelschule, Donaustraße 120. Siegfriedstraße entgegengenommen, sowie im Vorbereitungsunterricht jeden gebühr 50 Pig. Bei Grippe und anderen Infektions Krankheiten erhöhte Ansteckungsgefahr überall, wo viele Mensdien zusammenkommen. Deshalb Formamint das vieltausendfach von den Ärzten anerkannte Schutz- und Desinfektionsmittel für Mund und Rachen auch in die Schule mitgeben! Erhältlich in jeder Apotheke und Drogerie. Glas mit 50 Tabletten Mk. 1,75 Anmelde Eine äusserst seltene Gelegenheit bietet unsere Weike Woche sich mit herrlichen. weißen Waren zu versehen. 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Set, 2 Erep. rechts. n cihten hr wichtige Bezirksversammlung 6. Areis Rrerzberg. Connabenb, 2. februar, 18% Uhr, Sigung des Rreisbildungsausschusses im Orpheum, Borraumt, Eingang Safenhelde. Tages ardnung: Marafest, Maifeier. 7. Areis Charlottenburg. Donnerstag, 31. Sanuar, 20 ht, im Jugendheim Folinenfit. 4, Sigung des Kreisbildungsausiouffes. Bericht bes Obmannes. Reumahl. Unsere nädften Beranstaltungen. 14. Areis Reutuu. Der für Freitag, 1. februar, angefegte 2. Bortragsabend hes Genoffer Beierte fällt aus. Ratten merben im Barteibureau, Redar. Braße 3, urdgenommen. Donnerstag, 21. Januar, 19½ Uhr, im Aaiser- Friebe'- Sealgymnasium, Railer- Friedrich- Str. 210. Bollversamm Tung ber Elternbeirate und Lehrer ber gifte Schulanfhan". Ausbau her Bellsschule( 3. zub 10. Schuljahr). Berschiedenes. Heute, Mittwoch, den 30. Januar. &. 19% Uhr in Nationalhof, Bülowftet. 87, Gigung her Elternbeizute, Lehren und sonst intereffierten Genossen. Bortrag: Unsere Aufgaben in ben Elternbeiraten. Referent Genoffe Stratmann. 74. t. Behlendorf. 18 Uhr Bezirksverordnetenversammlung im 2ngeum, Machnomer Straße. 77. bt. Göneberg. Unsere Mitgliederversammlung fällt aus. Morgen, Donnerstag, den 31. Januar. 4. W. Alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffinnen und Genossen ez. fcheinen in der Bersammlung um 20 Uhr in Rosenthaler Sof 6. Abt. Alle Genossen, die Mitglieber ber Kommunalen Rommission find, heteiligen fidh an der Versammlung im Rofenthaler Sof. 7. Abt. Alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffen beteiligen sich an der Berjammlung im Rosenthaler Hof. 10% Abt. Rieberschöneweide. 19% Uhr im Lotal Thiele, Berliner Str. 38, Sigung fämilicher Funktionäre. 108. Abt. Ripenid 19% Uhr Borstandssitung mit den Bezirksführern an belannier Stelle. Frauenveranstaltungen. 4. Aze's Prenzlauer Berg. Heute, Mittwoch, 30. Januar, 20 Uhr, im Lebigenheim Bappelallee 15, Rreisfrauenabend. Bortrag der Genossin Marie Unforge: Das Waldenburger Elendsgebiet. 6. Aveis Kreuzberg. Montag, 4. Februar, 19% Uhr, bei Rabe, Fichteftraße, Bunter Abend". Die Arbeiterjugend Elben und Südwesten hat ihre Mitmirtung gefagt 7. Kreis Charlottenburg. Donnerstag, 31. Sanuar, 19% Uhr, im Jugendheim Fosinensir. 4, Funktionärinnenfigung. Sagesordnung: Bericht des Ge noffen Sinrichfen fiber Einschulung. Arbeiterwohlfahrt. 1. Streis mitte. 20 the int Rofenthaler Sof, Refenthaler Str. 11-12, Bet fammlung aller in der Wohlfahrts- und Jugendpflege tätigen Barteimit glieder. Vertrag:" Aenderung in der Wohlfahrtspflege." Referent Stadt. rat Rubolf Herrmann. 3. zeis Webbing. Donnerstag, 31. Jannar, 20 Uhr, Rreisheifertigung, Schönstebiftr. 1, 5. Etod. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht für das Jahr 1928. Berichterstatterin Genoffin Raafdh. 2. Neuwahlen. B. Be [ prechung ber Arbeit für 1929. 4. Wahlen file bie Fachausschüsse. 5. Ber schiebenes. Alle Helfer und Mitglieder der Wohlfahrts- und JugendLommission müssen unbedingt erscheinen. 4. Kre's Prenzlauer Berg. Die für ben S1. Januar angefegte Selfer. hefprechung findet nicht statt, um den Helfern Gelegenheit zu geben, an ber Beranstaltung des Jugendamtes teilnehmen zu lönnen. Die Abteilungs. leiter merden gebeten, die alten bereits nachmittags bis 18 Uhr umzutaufen. Jungfozialisten. Gruppe Rentella: Seute, Mittwoch, 20 Uhr, in ben Baraden Ganghofer. Straße, Distusfionsabend. Gruppe Baumschulenweg: Heute, Mittwoch, pünkt fi 19 Uhr, in Jugendheim Ernstftt. 16, Borttag: Die Familie in der Ge felhaft". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gro- Berlin. Freitag, 1. Februaz, 20 Uhr, in ber Geschäftsstelle, Sinben. traße 3, Borftanbssigung Achtung, Kreisle ter unb Borshanbsmitglieber! Freitag, 1. februar, 1814 Uhr, Bortragssaal ber Bartei, Linbensiz.&, läuft bez State Fallen- gilm. Geburtstage, Jubiläen usw. 32. Tht. Benf. fere langjährigen Mitglieber unb bezt Soffmann, Kaiser- Friedrich- Str. 197, feiers hente bas Felt bez filbernen Bodgeit. Biz gratuleren hierbunds bezzliest su biefem Lage unb wünschen faz pas fermere Leben Gefundheit unb Bohlergehen. Soffentlich ist es ihnen negönnt, noch ret lange in unferer Bewegung mitzuarbeiten. 104. b. Ricberidonemeibe. Am 29. Jaunar feierte unfeze liebe Ge Roffin Matgazete Bunbesmenn ihren 65. Geburtstag. B's grat Kieren unserer trenen Bunktionärin anf bas berglihie und hoffen, bies sod redyt sft tax au nnen. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 23. 26. Am 27. Sanuar verfarb unfer langjähriger Genose Otto 8417, mierftr. 59b. Chre feinem Znbenten! Tinäicherung Freitag, L Fe huet, 19 he, im Arematorium Gerichtstraße. 24. Abt. Unfer Genoffe Julius Baez, Selterfte. 1, ift verstorben. Theater, Lichtspiele usw. Metropol- Theater Gr.Schauspielhaus 8 Uhr 8 Uhr Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Elleot, Jarkuhn, Junkermann, Schaeffers, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Bays Emmy Sturta Frind, Ahlers, Lieske, Serds, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arne, Bendow, Morgan, Blankenbers, Picha Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Demnächst auf Elektroia Mittw, d.: 0. 1. Staats- Oper Unter a Linden A.-V. 27 191 Uhr Cavalleria rusticana. Bajazzi Staats- Oper Am Pt.d. Repubi. R.-S. 26 19% Uhr Mittw., d. 30 1. Städt. Oper B smarcksti. Turnus III 19%, Uhr Die Hochzeit des Figaro Staatl. Schausph. & n Gendarmenmarkt A.-V. 26 20 Uhr Carmen Oedipus Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Flachsmann als Erzieher SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 HARRY RESO und weitere Varieté- Neuheiten Komische Oper( 84) James- Klein- Revue Paradies der süssen Frauen! Parkett 4,50, Rang 2,50 M. New auf Elektrola Theater des Westens Täglich 8% hr Der fenfationelle Erfolg! Käthe Dorsch £ 12 Friederike Mufik von Franz Sehar Rammers. Rarl 3öten ( Staatsoper Berlin) Borverkauf ununterbrochen. Raffe den ganzen Tag geöffnet. Seleph. Steinplag 931 n. 7108. Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten CIRCUS BARUM Berlin- Lichtenberg Gartaisir. Gärtelstr. Vollständig neues Programm täglich abends 8 Uhr Volksbühne mobilemusi Theater am Balawplatz Bests 8 Uhr Mittwoch Das Mädi aus Januar der Vorstadt Regie. Jürgen Fehling Theater Schiffbeserdam 8 Uhr Die Drei- GracchenOper Thalia- Theater 8 Uhr Oelrausch Staaft. Schiller- Th 8 Uhr Flachsmann als Erzieher Steatsoper om Platz der Republik 7½½ Uhi Carmen Th. am Schiffbeerdam Täglich& Uhr Die Drei- GraschenOper Paulsen, Valett!, Ander, Gerron, Schanfuß, Kühl Lvovski Deutsches Theater Norden 12310 8 Uhr. Ende 10% U. Die Verbrecher Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: Heinz Hilpert Hammerspiele Norden 12310 8, Ende nach 10th U. Soeben erschienen Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga Die Komödle Bismarck 2414/7516 8% Uhr, Ende 10% 20 Olympia" von Franz Molnar Regie Forster Larinaga Z 8 BILLIGE WÄSCHE TAGE In allen Abteilungen: Sonderangebote und entral herabgesetzte Preise! Theater Alte Jebebstr. Eda uransact Tägilch 8 Uhr Sonntag auch 4 Uhr Ich küsse tre Hand, Madame Außerdem Ein Spiel von Liebe day and Lenz mit dem Trianon- Th. Dtsch. Künstler- Th. gleichnamn.Schlager Ehre feinem Anbenten! Cinäfcherung en Donnerstag, 31. Sanuar, 15% ubt, 8% Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Täglich 8% Uhr im Srematorium Gerichtstraße. 118.. Sichtenberg. Die Afchenbeilegung unseres verstorbenen Genoffen Neu! Re Bauer findet am Sonnabend, 2 Februar, 15% Uhr, auf dem Sentiral frieboof in Stiebridjsfelde ftatt. 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Spanban: Seim Linden. ufer 1: Der Lehrling im Beruf" Lantwig: Schule Schulstraße: Das Rommunistische Manifest Tempelhof: Lnzeum Germanicftr. 4-6: Satirische Srebrichsfelbe: Seim Schloßstraße, Ede Ait Reu- Lichtenberg: Seim Hauffstraße: Bolitiche Satire. Lichtenberg- Mitte: Seim Scharnweberstr. 29: Ursachen und irkung des Sanuat- Butsches". Raifer Geburtstagsfeier, Friebrichsfelbe: Tonbichterabend". 1 Werbebej zl Tiergarten: Seim Lehrter Str. 18-19, Arbeitsgemeinschaft: Staat, Ration und Arbeiterschaft". Werbebezist Schöneberg: Bildungsturfus:„ Das Rommunistische Manifest", Schule am Bartburgplak, 20 Uhr. 666. Webbing: Schule Gotenburger Str. 2: Bub unb Mäbel", 17% Uhr. 666. Rentöln: Seim Bergfte. 29: Genosse Bernfeld spricht über Sie Sulgemeinde, 19 Uhr. D Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefättstelle: Berlin 14. Sebaftianftr. 87/38, Sof 2 Tr Mittwed, 30. Janner. Witte: 20 Uhr Turnen Turnhalle Gartenftraße 107a. Treptow( Ortsverein): Jungbannerversammlung in Rieberfchönemeibe im Jugendheim Echule Berliner Str. 31. Erscheinen aller Jungtameraden Pflicht. Donnerstag, 31. Januar. Webbing: 19 Uhr Gizung bes erweiterten Borstandes beim Ram. Gorgas, Uferstr. 12. Lichtenberg nof Remerabſchaften: 20 Uhr Sigung der Ramerabschaftsvorstände, 8ug- und Gruppenführer, Obleute mit Gesamtvorstand bei Ram. Aloje, Rupprechiftr. 37. Erscheinen Bright. Die alten Mitgliedstarten meds Umtausch mitbringen Reinidenbori: 20 Uhr im Schagenhaus Reinidendorf, Resibenaftr. 1, General und Tolveriammlung. Erfcheinen Pflicht. Sermsborf, Ramerabschaft: Ab. fahrt 19.38 Uhr von Sermsborf, zur Bollversammlung. Brenzlauer Berg: Freitag, 1. februar, 20 Uhr, erweiterte Borstandsfigung bei Burg, Brenzlauer ase. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend ( Bachbr. verb.): Seiteres Frofitpetter bei famacher Luftbewegung. ziemlich Für Deutichland: m efter atemli tribe mit Netgung zu Niederschlägen, tim bricen Reiche meist beiter, überall roft. Riefengroße Lettern verkünden bie 8 b'lligen Wäschetage des größten Eonderhoufes für Leinen und Wäsche F, B. Grünfeld, Leipziger Str. 20-22, und Rurfürften bamm 227( Cde Joachimsthaler Straße); verkünden das Ereignis des Monats und machen mit Recht jeden einzelnen, vor allem bie Sausfrauen, barauf aufmertfont, daß die 8 billigen Wäfchetage" bie günstigste Gelegenheit file bie Beschaffung von Wäsche jeber art find. Sum ersten Male gewährt die Fienia auf bestimmte Warengruppen( auf die aum Teil schon herabgefeßlen Breife) einen Preisnochlag von 20 Brozent. Bente, Mittwoch, 30. Januar, beginnt in bem weltbekannter Gardinen und Teppichous Email Sefevre, Berlin, feit 47 Jahren nur Dranienftr. 138, Räbe Morikolah, der Vorverkauf für bie Weiße Woche. Die albekannte ma Steppdecken usw. 10 Proz. Rabatt. Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Täg ich 8 Uhr ..Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. W Für die clsse oche K Grosse Preisherabsetzung führ alle Weisse Waren Gardinen, Stores Belldecken etc. Deutsches Teppichhaus Emil efèvre G. m. b. H. Gretchen Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr: lettchen Gebert Singspiel von Walter Kollo Lustspielhaus 8% Uhr Der Zinker Rundfunkhörer halbe Preise 20% Preisnachlas auf folgende Waren Edgar Wall HALLER- REVUE auch auf die schon zurückgesetzten Preise): v. Wallace deutsch Rita Preise 1-10 Mark Schön und schick" Planetarium am Zoo Th. im Admiralspalasi Verting. Jesthimsinsler Straße Täglich Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Mars und seine nätsel * Uhr Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8% Uhr Werden u. 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Nachm. balbe Preise, volles Programm. Dönhoff Bretti: Varieté Konzert/ Tans Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich& Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger Barnowsky- Bühnen Königgrätzer Straße Strümpfe und Theater in der 61 Uhr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 81 Uhr Das Geld auf der Straße Abenge v. Bergauer u. Oesterreicher Kleines Theater Täglich 814 Uhr: Nur noch bis 31. Jan. Max Adalberi in DIE JANUAR Krach Der Dickkopf SENSATION: Volkspreise: MK.0.50 b. 2,00, Logen 2,56 Berlin S. Seit 1882 nur NEUE gewährt während der Beißen Woche auf alle weißen Waren, Gardinen, Stores, Oranienstr. 158 Bezantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft:.lingelhafer: Wir haben keine Filialen! Gemertimafisbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Dicher; Botales and Sonstiges: ris Karstadt: naeinen: Th. Glede. fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts.Budbrudere Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S. Berlin und Beelogsanftalt Baul Ginger u Go Berlin SW 68 Lindenstraße 8 Siezan 2 Beilagen unb Maierbaltung nub Wife Spezialkatalog kostenlos. Arnold Scholz sandreck. Landa, Sterier, Sikia WELT CIRCUS Hasenhelde 108/14 Großes Bockblerfest Donnerstage: Großes Schweineschlachten. Einlaẞ 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. 7 Kapellen 50 bayerleche Madi. BUSCH Tägl. Uhr auf verschiedene Mädchenwäsche ( Größen von 2 bis 7 Jahren) auf alle Dirndl- und Trachtenkleider auf einzelne Ausmusterungen vieler Kleider- und Wäschestoffe auf eine große Anzahl einzelner Größen und Muster von Tischwäsche,( farbige Tischdecken and & cdcdic), Badewäsche, Bamenwäsc LANDESHUTER LEINEN UND GEBILDWEBERE! Grünfeld GRÖSSTES SONDERHAUS FÜR LEINEN U. WÄSCHE BERLIN Gr. Jan. Attrakt Leipziger Straße 20-22 Der aus Sibirien Kurfürstendamm 227 Zum Schluß: mit Maria Rasputin de Joachimsthaler Straße) Hr. 49* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 30. Januar 1929 Ein neues Jahr Exportaufbau. Deutsche Außenhandelsbilanz �928. Mitteldeutsche Gtahlge Winne. Blühende Betriebe, aber Arbeitskonflikte ohne Ende. Dle Entwicklung des deutschen Außenhandels ist van ganz besonderer Bedeutung. in einem Zeitpunkt, in dein die deutsche Wirtschaft die Reparationslasten bereits in voller Höhe aufbringen muß und eine endgültige Regelung der Reparationen bevorsteht. Wenn im Dawes-Gutachten als Grundsatz festgestellt wurde, daß„die Reparationsleistungen nur durch einen Exportüber. schuh finanziert werden können,' so muß man freilich feststellen, daß auch im Jahre 1928, dessen letztes Quartal bereits die vollen Lasten aufzubringen hat, dieses Ziel keineswegs erreicht war. Auch im letzten Jahre zeigt der deutsche Außenhandel noch einen Einfuhr- Überschuh von 1,2 Milliarden; die Handelsbilanz ist nicht aus- geglichen, sie ist von einer dauernden Aklivitäl noch weil entfernt. Der deutsche Auhenhondel zeigt auf der Einfuhr- wie auf der Ausfuhrseite in den letzten Iahren das folgende Bild: Einfuhr Ausfuhr In Millionen Mark 1925..... 11 744. 9 451 1929..... 9 701 10 561 1927..... 13 701 10 953 1928..... 13(544 12 444 Bei diesen Zahlen fallen sofort die grohen Schwank ringen in der Einfuhr ins Auge, während der Export feit 1925 eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung zeigt.. Die Schwankungen der Einfuhr, die bei monatsweisem Tergleich noch viel stärker sichtbar werden(im Kriscnwinter 192S ging die Einsuhr bis auf 700 Mil- lionen im Monat zurück, in der Hochkonjunktur um die Jahres- wende 1927 stieg die Einfuhr bis auf 1300 Millionen im Monat), spiegeln die Wechsellagen der Konjunktur und die schwankenden Ernteergebnisse deutlich wieder. Der deutsche Export besteht zu mehr als der Hälfte aus industriellem Rohstoff bezug: die Einfuhr ist so in hohem Maß« ein Gradmesser der industriellen Produktivität. Da im vergangenen Jahr« sich im ganzen gesehen die industrielle Beschäftigung noch annähernd auf der Höhe des Ülorjahres gehalten hat, ist auch die Einfuhr nicht rückgängig ge> wefen, die Rohstoffeinfuhr zeigt sogar auch wertmäßig noch ein« klein« Steigerung(1927 7149 Millionen, 1928 7246 Millionen), die jedoch vornehmlich auf die verstärkt« Durchfuhr von Rohstoffen zurückzuführen ist. Deutschland ist offenbar im vergangenen Jahre wieder verstärkt Durchgangsland oder Importeur für den Rohstoff- bezug benachbarter Jnduftrieläicker geworden. Die Ausfuhr zeigt gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um fast V/9 Milliarden, von denen etwa 1,2 Milliarden auf gesteigerten Fertig wareliexport entfallen. Gegenüber 1925 hat die deutsche Gesamtaussuhr sich um rund Z Milliarden oder um 27 Proz. erhöht, wenn sie(in Dorkriegs- iverten) unstreitig auch heute noch nicht das Niveau der letzten Vor- kriegsjahr« erreicht hat. Di« ununterbrochen aufwärts gerichtete Entwicklung des deutschen Exports, insbesondere von Fertigwaren, .zeigt, daß die Aussuhrerhöhung nicht nur eine Folge des inländischen Konjunkturwechsels war, sondern, daß sich die Wirde rerobe- rung der verlorenen Auslandsmärkte fyste- matifch vollzieht. � Die diesjährige Exportsteigerung entfällt, wie schon oben er- wähnt, fast voll auf gesteigerten Fertigwarenexport. Der Export an Roh- und Halbwaren ist fast gleich geblieben, während der Lebensmittclexport infolge gesteigerter Getreideausfuhr und einer sehr erheblichen Aussuhrerhöhung an Fabrikaten der Oelmühlen- Industrie gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um fast 200 Mil- lionen aufweist. Innerhalb der Fertigwarenausfuhr zeigt in diesem Jahre die eismschoffende und die �senverarbeitende Industrie weit- au» die stärkste Exporterhöhung. Die Groheisenindustri« hat ihren Export mengenmäßig um etwa 15 Proz., die Maschinenindustri« um mehr als 200 Millionen Mark, die Elektroindustrie um 100 Millionen erhohen können. Die Export- ltcigerung in der Eisen- und Maschinenindustrie ist zu einem Teil sicherlich durch das Nachlassen des Jnlandsabsatzes in dem letzten Halbjahr 1928 bedingt. Es ist eipe typische Erscheinung, daß die kapitalintensiven Großindustrien bei Rückgang der inländischen Ab- fatzmägkichkeiten die Einbuße auf dem Inlandsmarkt durch ver- stärkten Export auszugleichen bemüht sink. Während aber in früheren Iahren der erhöhte Auslandsabsatz nur unter starken Prriskonzsssionen, oft nur unter ausgesprochenem Dumping, möglich war, konnte im vergangenen Jahre nach Feststellung des Konjunktur- Institutes der erhöhte Auslandsabsatz ohne Preis- unterbietungen erreicht werden. Die letztsährige Export- „Mengcnkonjunktur', um einmal da« Unternehmerschiagwort zu variieren, twjr sogar auf einzelnen Gebieten, insbesondere beim Eisenexport, ein« ausgesprochene E xp o r t-.,P r« i s k o n j u n k t u r' Außer der Eisenindustrie im weitesten Sinne sind an der Ex- portsteigerung noch weiterhin die chemisch« Industrie, die bereit» einen Export in Höhe von annähernd 1,2 Milliarden erreicht haben dürft«, beteiligt. Eine erhebliche Exportzunahme zeigen auch die Fahrzeugindustrien. Die Exportsteigerung der Konsumgüterindustrien bewegt sich Im Vergleich zu der In der Produktionsmittelindustrie in engerem Rahmen. Ein« in ihrem Ausmahe allerding» e r st a u n- l i ch« Exportzunahme hat die P e l z w a r« n Industrie zu verzeichnen, deren Export von 226 Millionen auf 310 Millionen gestiegen ist, und die heute bereits wertmäßig fast anderthalbmal so viel aueführt al» im Jahre 1925. Der Export cm Textilwaren Hot sich nur wenig gesteigert: allerdinge ist die Einsuhr an Garnen und Ge- weben, wie dies im Lauf« des Konjunkturrückganges in Deutschland immer eintritt, erheblich zurückgegangen. War der deutsche Außen. Handel i« Garnen und Geweben im Jahr« 1927 nur mtt rund IfO Millionen Mark aktiv, so betrug der Ausfuhrüberschuß im ver- gangenen Jahre wieder etwa 450 Millionen. Die kleinen und mittleren deutschen Aussuhrindustrien, wie Glas-, Porzellan», Metallwaren-, Spielwarenfabrikation, die noch weit unter ihrem Vorkriegsexport stehen, haben auch im vergange- nen Jahr« frühere Exportoerlust« nicht einholen können. Di« zoll- polltisch« Absperrung erschwert wohl in diesen Fabrikattonsgebieten ganz besonders stark die Wiedergewimumg der früheren Absatzmärkte. Bei den künsttgen Handelsvertragsverhandlungen muß alles versucht werden, um mit diesen Industrien die Absatzwege zu ebnen. Die Sachlieferungen aus Reparollonskonlo zeigen auch in diesem Jahre eine weitere Zunahme von 578 Millionen auf 658 Millionen. Nach den Angaben im letzten Reparationsbericht haben die im letz- ten Reparationsjahr vom Reparationsagenten bewilligten Sachliefe- rungsaufträge, die bisher natürlich nur teilweise ausgeführt sind, bereits den Betrag von 946 Millionen erreicht. Die Erhöhung der Sochlieserungen wird für Deutschland, nachdem es jetzt die vollen Annuitäten entrichten muß, eine Lebensfrage. Es scheint ja insbesondere auch von französischer Seite die R o t w« n d i g k e it erhöhter Reparationssachausträg« anerkannt zu werden, wie man wohl aus der in letzter Zeit erfolgten stärkeren Heranziehung der deutschen Industrie zu öffentlichen Arbeiten, ins- besondere zur Elektrifizierung und zum Wohnungsbau, schließen kann. Für Deutschland wird es freilich bei der Endregelung der Reparationen unumgänglich fein,. Garantien für erhöhte veparationsbestellnngen von den Alliierten zu erlangen. Der deutsche Außenhandel hat im vergangenen Jahre noch stär- ker als früher sich auf den europäischen Markt konzentriert. Sieht man von einem recht bedeutsamen stärkeren Eindringen auf den großen südamerikanischen Märkten, insbesondere in Argentinien urtd Brasilien, sowie einem verstärkten Export nach China und Süd- asrika ab, so steckt dos ganze Plus der bisherigen Exportsteigerung in erhöhter europäischer Ausfuhr. Hierbei ist wieder interessant zu sehen, wie stark die deutsche Industriewirtschast sich nach den Ost- und Südostländern orientiert. Der Export nach den Nachfolgestaaten Oesterreichs, den Randstaaten, Rußland und Polen hat sich von rund 1430 Millionen in den ersten drei Quartalen 1927 auf 1870 Millionen im Jahre 1928, also um fast 2 5 P r oz. e r h ö h t. Es zeigt sich eben immer mehr, wie von uns immer wieder betont wurde, daß die stärksten Exportreserven auf jenen östlichen und südöstlichen Nochbarmärkten liegen, die bisher handelspolittsch der deutschen Industriewirtschast gar nicht oder nur unzulänglich erschlossen worden sind. Ein« vielfach größere Export- steigerung hätte freilich die deutsch« Industrie erzielen können, wenn man endlich unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessen mit d«n Ost- und Südostländorn zu vernünftige» Handelsverträgen gekommen wäre. Man muh sich immer vergegenwärtigen, daß ein« Exportsteigerung wie die letztsährige in Höh« von rund 114 Mit- liarde, wenn man die yom Konjunkwrinstttut errechnete Lohn- quote von 32 Proz. für exportiert« Waren anwendet, das Arbeitsprodukt von etwa 200 000 Industriearbeitern darstellt, daß also ohne diese im Export zusätzlich Beschäftigten das Riesenheer der Arbeitslosen noch um weitere 250 000 Menschen ver- mehrt wäre. Es bleibt noch die anfangs angeschnittene Frage offen, ob man aus der bisherigen Außenhandelsbewegung auf eine allmähliche Aktivierung der Handelsbilanz schließen kann. Die deutsche Handelsbilanz war nach den monatlichen Ausweisungen wieder erstmalig seit fast zwei Iahren in einem Monat des vorigen Jahres, im September, ausbalanciert, bemerkenswerterweife gegen. über der Periode ausgeglichener und aktiver Handelsbilanz im ersten Halbjahr 1926 auf einem um 300 Millionen höheren Niveau. Während a'so damals bei stärkster Einschrumpfung des Inlandsab- satzes der Handelsbilanzausgleich auf Grund verringerter Rohstoff- bezüge erreicht wurde, bahnte sich im Vorjahre der Ausgleich, wenn zwar auch bei rückgängigem Inlandsabsatz, so doch bei bedeutend höherem Stande industrieller Beschäftigung infolge der star- ken Exportsteigerung an. Diese Ausdehnung de» produkttonsumsange» and die(kr- Weiterung des inneren Marktes bildeten die voraussehung für konkurrenzfähige Mossenproduklion. Die Ausweitung des inneren Marktes würde so zum Schrittmacher de» Exportausbaue». Für Deutschland würde eine einseitige Forcierung der Aosfohr bei Stillstand oder gar Drosselung de» inneren Markte» schwerste Erschütterungen nach sich ziehen: die Exporterweiterung muß sich vielmehr aus der Grundlage«ine» wachsenden vinnenmarkte» aufbauen. Ge- lingt es der deutschen Zndustriewirtschast. auch in den nächsten Jahren ihre produktiven kröst« so stark und so rasch auszubauen und ihren Markt stetig zu sesttgen. wie es in den Jahren 1927 23 geschehen ist, so kann man wohl, wenn nicht unerwartete Gcgen- kräste sich einstellen, mtt einer allmählichen Aktivierung der deutschen Handelsbilanz rechnen. M— n. Was wird mti Opel? Die Opel-Werk« in Rüsselsheim haben zwar wiederHoll kategorisch erklärt, daß die Gerüchte über einen Verkauf ihrer Aktienmehrheit oder über den Abschluß einer Interessenge- meinschaft mit den General Motors, dem größten Automobilkonzern der Well au» der Lust gegriffen seien, jedoch sind die Dementis der Verwaltung ostenbar nur aus taktischen Gründen erfolgt. Wie wir setzt aus gut informierten Kreisen erfahren, sollen die Verhandlungen mit den Vertretern von Genervl Mo!ors bereits sehr weit gediehen sein. Die Amerikaner haben für die Uebernahme der Opel-Werke 120 Millionen geboten, was sür die 51 Mil. lionen Mark nominelles Akttentapital ein sehr guter Preis wäre. Wir geben die Nachricht zunächst mit allem Vorbehalt wieder und werden bei Klärung der Sachlage noch auf die Bedeutung dieser Aktion sür die gesamte deutsche Wirtschaft zurückkommen. Eine ertragreiche Domäne des Ruhrstahltrusts sind die von der Dereinigten Stahlwerke A.-G. beherrschten Mitteldeutschen Stahlwerke in Riesa a. d. Elbe. Abgesehen von dem Grob- blechwolzwerk Weber in Brandenburg liegen die Hauptbetriebe, die Stahl-, Walz-- und Fittingswerkc in Riesa und Gröditz, dem recht aufnahmefähige» mitteldeutschen Industriezentrum unmittelbar vor- gelagert, für Fernabsatz und Rohstossbezug steht der billige Wasserweg zur Verfügung, so daß der Standort dieser mitteldeutschen Stahl- betriebe kaum ungünstiger ist als der Standort der Ruhrwerke. Zlußer seinen Cisenbetrieben besitzt der mitteldeutsch« Trust aber in seinen Kraftwerken und Brauntohiengruben in Lauchhammer hochwertige Nebenbetriebe von großer Ertragsfähigkeit. De? Mitteldeutsche Stahltrust schließt, wie wir bereits kurz mitteilten, sein zweites Geschäftsjahr 1927/1928 wieder mit einer 7%tigen Dividende ab. Bemerkenswert ist, daß trotz zurückgegangener Umsätze infolge der Aussperrung der Roh- gewinn nach Abzug sämtlicher Verwaltungs- und Handclsunkosten von 11,2 auf 12,1 Millionen Mark, also um mehr als 8 Proz.. gesteigert werden konnte. Da die Abschreibungen auf die Anlagen von 3,5 auf 3,65 Millionen Mark heraufgesetzt wurden, ist der Reingewinn von 3,79 Millionen Mark nur unwesentlich höher als im letzten Jahre. Nach der Bilanz sind im Laufe des letzten Jahres über 6,3 Mi!- lionen Mark für Ausbau der Werke und neue Maschinen auf- gewendet worden, die zum großen Teil aus lausenden Ge- Winnen—„über Betrieb'— bezahlt wurden. In den beiden ersten Iahren seiner Tätigkeit hat also der Mitteldeutsche Stahltrust mehr als 13 Millionen neu in seinen Betrieb gesteckt. Die Geldverhältnisse sind sehr flüssig. Bankguthaben und Bargeld werden mit 6,5 und Forderungen mit 13,8 Millionen Mark ausge- wiesen, denen insgesamt nur 12 Millionen Mark laufende Schulden gegenüberstehen. Dem Unternehmen geht es also gut. Dies beweist außer dem Gewinnergebnis auch der Umfang des Geschäfts. Die Produktion in den einzelnen Betrieben entwickelte sich wie folgt: 1926,27 1927 28 Braunkohl«... 1,30 Mill Tonnen 1,56 Mill. Tonnen Briketts.... 0,22,. Strom...... 115, KW.-Std. Rohstahl.... 0,51, Tonnen Warum die Produktionsziffern der Walzwerke nicht an» gegeben wurden, ist Geheimnis der Verwaltung. Daß die Roh- stahlproduktion zurückgegangen ist und auch der Gesamt- Umsatz sich von III auf 105,4 Millionen senkte, ist ausschließ- lich aus die A r b e i t s k ä m p f e des letzten Jahres zurückzuführen, die zu einer Arbeitsunterbrechung von 8 Wochen in Riesa und in Gröditz sogar zu einer Betriebsstillegung von 12 Wochen führten. Die Haltung der Direktion in der Arbeitszeitfrage der mitteldeutschen Hüttenarbeiter ist ein Kapitel für sich. Daß es im vergangenen Winter zu dem langwierigen Konflikt kommen konnte, lag einzig und ollein an der fchrosfen-A b lehnung der Arbeitszeit- r e s o r m durch die Verwaltung, für die offenbar die Verordnung des Reichsabeitsministers vom Juli 1927 nicht existierte.— Die letzte Entscheidung des Schlichters vom 22. Dezember 1928, die erneut eine Verlängerung der Sonntagsarbeitszeit und der Sonnabcndschichten vorsieht, ist nicht dazu angetan, den Arbeits- frieden in den mitteldeutschen Hüttenbetrieben zu sichern. Wenigstens hat die Neuordnung die Belegschaft, die jetzt mehr als 10 000 Mann umsaht, sehr verbittert. 0,30 121 0.47 m KW-Std. » Tonnen die Hüttenfusion in Berlin. Die Hüttenwerte Kayjer und Riederschöneweide ein Unternehmen. Die Hüttenwerke C. Wilhelm Kaiser u. Co. A.-G. und Hüttenwerke Niederschöneweide A.-G. werden zu einem Unternehmen zusammengeschlossen werden. Das ist das Er- gebnis der Verhandlungen, die zwischen den Großaktionären der beiden Gesellschaften, bei Kayscr des Hirsch-Kupfer-Konzcrns und bei Riederschöncweide der beiden Berliner Metallhandelssirmen Schoycr und Dreifuß, zum Abschluß gekommen sind. Aufsichtsräte uuö Generalversammlung sollen über die Fusion beschließen. Beide Werke sind alte Berliner Unternehmungen, die Kupfer und Messing walzen und verarbeiten bzw. raffinieren. Das Werk Riederschöncweide geht in dem Kayser-Werk auf, und zwar derart, daß das 2,1-Millionen-Kapital der Hüttenwerke Kayser A.-G. auf 4,2 Millionen erhöht wird und die Zlktionäre des Hüttenwerks Niederschöneweide für ihre 1 Million Kapital etwas mehr als den doppelten Betrag von Aktien der neuen Gesellschaft bekommen. Die neue Gesellschaft heißt:„Hüttenwerke Kayscr-Riederschäneweide A.-G., Berlin." Der Zusammenschluß ist ein nicht unwichtiger Ratio- nalisierungsok: der deutschen Kupier- und MessingindustrZ«, der durch die Verbindung mit den Handelsfirmen Schoyer und Dreifuß und mit dem Hirsch-Kupfer-Konzern günstige Vorbe- dungungen für den Rohstosseinkaus und die Ber- arbeitu.ng schaift. Das Kayser-Werk hat 1927 6 Proz., das Werk Niederschöneweide 8 Proz. Dividende verteilt. Die G e- winnmöglichkeiten werden durch den Zusammenschluß ver- bessert._ Die verlagsgesellschost deutscher Konsumvereine, die soeben ihr 25. Geschäftsjahr beendet hat, kann auch über weiteren kraftvollen Ausstieg berichten. Der Gesamtumsatz stieg im Jahre 1928 von 12 953 367 M. um 2 926 150 M. auf 15 8 7 9 51 7 M Davon entfielen auf den Umsatz an Erzeugnissen der Druckerei und Papier- Warenfabrik 11 640 621 M., ferner auf die Versicherungsabteilung 4 117 800 M. und schließlich aui das der betrieblichen Kraft- und Lichterzeugung dienend- Elektrizitätswerk 121 096 M. lAach 8 Zahren Longen- und Kehlkopfleiden wie neogeboren!!! G Frau W., Frankfurt am M., schreibt: Teile Ihnen hierdurch mit, daß ich seit 8 Iahren lungen- und kehlkopfleidend bin. Alle vor Ihrem Nymphosan angewandten Mittel hatten so viel wie keinen Erfolg. Nach dem Gebrauch von Rymp osan Jcdorb fühlte ich mich wie neugeboren. Der Husten löste sich, die Atmung wurde leichter und freier. Auck der Appetit besserte sick, bedeutend, so daß ich eine schöne Gewichtözunabine zn verzeichnen hatte. Ick bin mit Ihrem Präparat sehr zu/riede» und spreche Ihnen meinen besten Dank aus.— Preis der Flasche Nymphosan Mk. 3.50, Perub.mbons 80 Pf.— Erhältlich in allen Aprtheken, bestimmt Belle- Alliance-Apotheke zum weißen Hirsch— WitteS Apotheke(Potsdamer Straße)— Apotheke zum gold. Hirsch(Lindenstraße)— Apotheke»um König Salome»(Eharlottenstraße) und Prinzeß-Vittoria-Apotheke(Berlin 77. Vottastraße 26)— Alleinherst.: Nymphosan A.D.(Starnberg am See bei Münch«».)(207) Ausbau der Gesundheitsfürsorge! Rationalisierung bei der Sozialversicherung. Der schwarze Tod des Mittelalters egiftiert nur noch in den Geschichtsbüchern. Aber die durch die Industrialisierung und den Krieg verursachten Verwüstungen der Boltsgesundheit, die Steigerung des Verkehrs, der tagtäglich Taufende von Menschen in Bertehrsmitteln aller Art zusammengepfercht, die Zusammenballung von Menschen in Bureaus und Fabriten all das macht es dem ein zelnen sehr schwer, sich gegen Anstedamgen zu schützen. Leberaus begrüßenswert sind daher die Bestrebungen zur mirt fameren Gestaltung des Heilverfahrens bei der Sozialversicherung, die gegenwärtig den Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags be schäftigen. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Be fämpfung der Tubertulofe und der Geschlechtstrant heiten, amei besonders schlimane Feinde der Volksgefundheit. Man vergegenwärtige fich: in Deutschland sterben jährlich noch 65 000 Menschen an Tubertuloje; die Invalidenversicherung hat 1927 25,5 Millionen und die Angestelltenversicherung 7,5 Millionen für Heilverfahren zugunsten versicherter Tubertulöser aufgewendet. Durch eine Novelle vom Juli 1925 war der Reichsarbeitsminister ermächtigt worden, mit Zustimmung des Reichsrats und eines Reichstagsausschusses Richtlinien über eine einheitlichere und wirtungsvollere Gestaltung des Heilverfahrens aufzustellen. Der Reichsarbeitsminister hat nunmehr solche Richtlinien, vor allem zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtstrant heiten, vorgelegt. denen z. B. der Tuberkulose in häuslicher Gemeinschaft lebt, vor allem die Untersuchung der Kinder und Jugendlichen, da gerade sie durch fortgesetzte und gehäufte Aufnahme von Tubertel bazillen besonders bedroht sind. Für eine planmäßige, zusammenhängende und möglichst wirt. fame Gesundheitsfürsorge müssen sich die Versicherungsträger gegenseitig unterstügen. Die Krantentassen haben dafür zu forgen daß ihnen die Rassenärzte und die Tuberkulose fürsorge stellen die tuberkulösen Versicherten und Angehörigen von Bersicher. ten unverzüglich bezeichnen. Der Mitteilung ist das Ergebnis der Untersuchung mit einer gutachtlichen Aeußerung über die notwen digen Maßnahmen beizufügen. Für die Entscheidung über Anträge auf Heil- oder Fürsorgemaßnahmen bei der Versicherungsanstalt hat die Gesamtheit der Verhältnisse mit Rücksicht auf das ärztlich festgestellte Bedürfnis maßgebend zu fein. Dabei sind Wünsche, die der Kranfe für die Auswahl der Heilstätte oder einer sonstigen Anstalt wegen seiner persönlichen Berhältnisse oder seines religiösen Bekenntnisses äußert, zu beachten, soweit fie verständig und erfüllbar find. Die Zahl und Art der Bei träge zur Invaliden- und Angestelltenversicherung darf nicht von entscheidender Bedeutung bei Anträgen sein. Bei Versicherten mit gevinger Zahl von Beiträgen und bei Angehörigen von Versicherten tann die Gewährung der Heilmaßnahmen von einem angemessenen Zuschuß der Versicherten abhängig gemacht werden. Wie für die Tuberkulösen, so sind auch für die Geschlechts tranten ähnliche Hilfsmaßnahmen in den Richtlinien norgesehen. Auf die Reichstnappschaft als Träger der Kranken-, Invaliden- oder Angestelltenversicherung finden die Richtlinien An wendung, soweit sich nicht ein anderes daraus ergibt, daß nach dem Reichsknappschaftsgesetz die Kranken- und Rentenversicherung von einem einheitlichen Träger durchgeführt wird. Die Gesundheitsfürsorge der Versicherungsträger foll Maß malymen im im Einzelfall und allgemeine Maßnahmen um faffen.. Aus der Versicherung tann ein heilverfahren oder eine sonstige Fürsorge bewilligt werden. Zur sonstigen Für forge gehören Beiträge aus der Versicherung zur wirtschaft. lichen Gesundung des Erframften und zum Schuße der Angehörigen gegen Anstedung. Die wirtschaftlichen Fürsorgemaßnahmen fönnen zum Gegenstand haben: Verbesserung der Ernäh- fürsorge sollen sich die Bersicherungsträger mit den Trägern der Zur Förderung der gemeinsamen Swede in der Gesundheits. rung und Kleidung, der Wohnung und des Hausrats, Beschaffung öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, mit den staatlichen und von Betten, Entfeuchung der Wohnung und andere Maßnahmen tommunalen Gesundheitsbehörden, mit der Aerzteschaft und anderen zur Umbildung der äußeren Berhältniffe, in denen der Tubertulöse beteiligten Stellen in Arbeitsgemeinschaften, 3wedverlebt und die feinen Zustand verschlimmern und den Heilerfolg bebänden oder ähnlichen Bereinigungen zum Teil ist das in ver. einträchtigen fönnen; ferner Berufsfürsorge, insbesondere Förde schiedenen Bezirken des Reichs bereits geschehen verbinden. Zwed rung des Uebergangs zu einem anderen zuträglicheren Berufe, Be- der Arbeitsgemeinschaften ist die Sicherung einer umfassenden, schaffung von Arbeitsgelegenheit und Arbeitsgeräten und ähnliche planmäßigen, zusammenhängenden Gesundheitsfür planmäßigen, zusammenhängenden Gesundheitsfür Maßnahmen. forge. Die Ausgaben für unnötige Dopelleistungen sollen vermieden Zum Schuhe gegen Anstedung und Mittel zur Steigerung der notwendigen Leistungen freigemacht gehört auch die Beratung und Untersuchung der Angehörigen, mit merden. Berschärfung in Sachsen- Thüringen!| landwirtschaftlichen Betriebe, so werbe der Bauer gegen die bann Zunächst Aussperrung von 55000. Chemnitz, 29. Januar.( WEB.) Der Arbeitskonflikt in der Gera- Greizer Textilindustrie wird im Laufe der Woche dadurch eine Berschärfung erfahren, daß die fächsisch- thüringischen Ausstattungs- und Appreturanftalten für die Webindustrie, die Garnfärbereien Glauchau und Meerane und mehrere Streichgarn und kammgarn [ pinnereien in Chemnih und Reichenbach L. D. infolge der produfflonswirtschaftlichen Berbundenheit dieser Betriebe mit der GeraGreizer Textilindustrie zum Stillstand gelangen werden. Hierdurch werden etwa 20 000 Arbeiter betroffen, so daß mit den 35 000 ausgesperrten Arbeitern der Gera- Greizer Textilindustrie etwa 55 000 Tertilarbeiter zum Feiern gezwungen wären. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist zu befürchten, daß diese Berschärfung des Arbeitskonfliktes in der fächsisch- fhüringischen Terfilindustrie zu bedeutsamen Weiterungen innerhalb der deutschen Textilindustrie führen wird. Diese etwas mysteriöse Ankündigung der Unternehmer soll wohl heißen, daß eine Massenaussperrung auch außerhalb des Kampfgebietes vorgenommen werden soll. Die Arbeitsdienstpflicht. Pläne der Nationa sozialisten. Im Reichstag verlangt ein Antrag der nationalsozialistischen Ab. geordneten Dr. Frid und Willitens die Borlegung eines Ge fegentwurfs, nach dem ein Arbeitsdienstpflichtjahr mit der Maßgabe einzuführen ist, daß a) arbeitsdienstpflichtig alle männlichen und weiblichen Deutschen für ein Jahr zwischen ihrem 17. und 21. Jahre sind und b) die Arbeitsdienstpflicht, soweit Bedarf, auf dem Lande auszuüben ist, sonst bei und Kultivierungsarbeiten des Staates. egebau Was hier verlangt wird, ist nicht neu. Für uns als Sozialisten und Gewerkschafter tann es diesen Bestrebungen gegenüber nur eine Meinung geben: die Bestrebungen find mit aller Entschieden. heit abzulehnen und zu befämpfen. Weihnachtsfammlungen reftios erwerbstofen Roflegen zugute tommt. Berwaltungsausgaben oder fazungsgemäße Unterſtügungs ansprüche werden aus dieser Sammlung nicht befriedigt. Auch Darlehen an Berbandsfunktionäre oder andere Mitglieber werden aus diefer Sammlung nicht gewährt. Diefe llebung überlassen wir unferen Gegnern. Zu einer anderen Behauptung von Unterfchlagungen anläßlich des Raufes von Anzügen für im Verbande tätige Bureauburschen bemerken wir, daß den zwei Bureauburschen der Berliner Orts gruppe anläßlich des Weihnachtsfestes über ihre Gratifilation hinaus je ein Anzug bewilligt worden ist. Rechnung und Beleg der Ausgabe stimmen vollkommen überein. Wieso hier also eine„ Unterfchlagung" möglich sein soll, ist unerfindlich. Alle an diesen die Deffentlichteit absolut nicht intereffierenden Borgang gefnüpften Behauptungen find Berdrehungen, Entstellungen und üble Nachreden. Der Allgemeine Berband der Deutschen Banfangestellten wird sich durch diese schmutzige Kampfesweise feiner Gegner in feinem fachlichen Kampfe um die Erreichung gewerf fchaftlicher Ziele nicht abhalten laffen. Die üble hafentreuzlerische Revolverjournalistit aber wird an ihrer eigenen Schlechtigkeit. zugrunde gehen. Otto Bentin Am 28. Januar verschied plöhlich und völlig unerwartet der feit 1906 im Verband der Fabritarbeiter ungestellte Genoffe Otto Bentin an Herzschlag. Seit 1900 Mitglied des Verbandes, murde er im Jahre 1906 als Lotalbeamter angestellt. Der Werband verliert in Otto Bentin einen sehr tätigen und eifrigen Berfechter der Interessen seiner Kollegen. Auch die Sozialdemo fratische Partei, der er seit über 25 Jahren angehörte, verliert in ihm einen treuen Genossen. Sein Andenken wird in Ehren gehalten! Wegen der Einäscherung bitten wir auf die Inferate, die in den nächsten Tagen im Vorwärts" erscheinen, zu achten. Der Kellner- und der Kochberuf erscheint manchem Ostern die Schule verlassenden jungen Menschen erstrebenswert. Ueber die Berhältnisse und Aussichten in diesen Berufen unterrichten zwei Broschüren, die fostenfrei vom Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten, Zweigverein Groß- Berlin, Berlin N. 24, Elsässerstraße 86/88, III., abgegeben werden. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Sente, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Zentrum: Jugendheim Zehdenicker Str. 24-25. Unsere Jungen dürfen auch einmal etwas fagen. Weißensee: Gruppenheim Weißenfee, Partstr. 36. Raifer Wilhelms Geburtstag. Reukölln: Jugendheim Bergstr. 29( Sof). Schachlehr. abend. Süben, Südwesten: Städt, Jugendheim Nordstr. 11( Fabrikgebäude). sofemann bringt Unmöglich- Glaubliches und Unglaublid Mögligetari Literarischer Baumschulenweg: 16. Abend. Rordkreis Abend. Wir lefen aus dem Schwalbenbuch Ernst Tollers. Rurfus: Jugendheim Connenburger Str. 20. Achtung, Gruppen und KreisIeiter! Die Meldungen der Teilnehmer am Wettstreitabend müssen bis zum Freitag, 1. Februar, in der Jugendzentrale erfolgen, Die Jugenbberatungsftelle ist heute von 18 bis 20 Uhr im Simmer 7 der Jugendzentrale, Berlin CO. 16, Engelufer 24-25, 1. Stod, geöffnet. Käthe- Rollwig- Abend am Sonn tag, 3. Februar, um 18 Uhr, im Bürgerfaal des Pathouses, Rönigstraße. Bortragender Dr. Klaus Berger. Untoftenbeitrag 25 f. Karten find bei den Jugendfektionen, in den Jugendgruppen, in ben Ortsverwaltungen der Ber bände und in der Jugendzentrale, Engelufer 24-25, L Stod, Simuter 7a, 31 haben. in vielen Fällen unausbleibliche sozialdemokratische und tommunistische Verseudung am ehesten Einspruch erheben. Daneben wiege besonders schwer das Bedenken, junge, nicht arbeitslose Leute aus ihrer erlernten Berufs= arbeit herauszuholen und sie mit Dingen zu beschäftigen, zu denen fie mur zu oft ungeeignet find. Nach allebem ist es freilich nicht verwunderlich, folche Pläne von einem Schleppenträger des Borsigenden der Vereinigung der deutschen Arbeitgebernerbände gleichfalls propagiert zu sehen. Wenn es auch das dummste Zeug ist geht es gegen die Arbeiterbewe: gung, dann gefällt es gewissen Leuten von vornherein, auch wenn es blamabel dumm ist. Verhandlungen im Baugewerbe. -Die Berhandlungen vertaat. Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund. brunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1 Bortrag: Die deutsche Reichsperfallung." Referent Werner Deder. Diten: Sugenbheim Litauer Str. 18. Singabend. Stralau: Jugendheim Coßlerstr. 61. Marim- Gorki- Abend." Reutöln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Bortrag: Die Jugendarbeit der Angestelltenorganifat onen ber einzelnen Länder." Südost: Jugendheim range! ftr. 128. Unfere Ausländer erzählen." Spandau: Jugendheim Bortrag: Eegualproblem ber Jugend." Referent Stablarst Dr. Roradh. Potsdam: Jugendherberge Romames, Briefterstraße Löns- Abend unter Zeitung von Georg Seilbrunn. Aftung! Am Connabend, 2. februar. 19% Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe enläßlich der Gaujugendausfurade cine Jugendlundgebung im Reichsmirtidaftsrat, Bellevueftr. 15. Einlaß ist nur mit auf Ramen ausgestellten Eintrittstarten gestattet. Lindenufer 1. Aus der Partei. Ein Sechzigjähriger. Noch feine Einigung. Am 28. und 29. Januar ist im Reichsarbeitsministe rium zu Berlin über einen neuen Reichstarifverstandes, vollendet heute sein 60. Lebensjahr. Schmidt ist ein Berliner trag für das Baugewerbe weiterverhandelt worden. Auch diese Verhandlungen verliefen sehr schwierig, in den wichtigsten Differenzpunkten war auch diesmal eine Einigung noch nicht möglich. Immerhin wurde über bie Fassung einiger weniger einschneidender Tarifpoft tionen ein lebereinkommen erzielt. Die Verhand. lungen werden am 11. und 12. Februar fortgesetzt. Marristische Bantbeamte unterschlagen." Ein Hafenkreuzschwindel. Vom Allgemeinen Verband der Deutschen Bantangestellten er halten wir nachstehende Zuschrift: Unter obiger Ueberschrift werden in einem der national- fozialistischen Sudelblätter, das unter der pressegefeßlichen Verantwortung des mit der parlamentarischen Immunität verfehenen Göbbels erscheint, Angriffe gegen unseren Verband erhoben, die nicht unwidersprochen bleiben sollen. Wie teine Organisation, am allerwenigsten die Nationalsozia listen, blieb auch der Allgemeine Verband der Deutschen Banfange Eine Arbeitsdienstpflicht, besonders in der von den National- stellten nicht davon verschont, daß ein Funktionär, dem die Buchsozialisten gewünschten Form, würde zur Folge haben, daß den und Kassenführung der Berliner Ortsgruppe anvertraut war, das Unternehmern, besonders den landwirtschaftlichen, ständig ein in ihm gejezte Bertrauen mißbrauchte. Die im Allgemeinen VerHeer jugendlicher Arbeitsträfte zur Verfügung band der Deutschen Banfangestellten periodisch wiederkehrende Resteht. Berschiedene Begebenheiten haben aber gezeigt, daß das vision und Kontrolle führte dazu, daß nahezu in demselben Augen Gros der Unternehmer ein Angebot von Arbeitskräften nicht er blid, wo finanzielle Schädigungen für die Organisation hätten eintragen tann. Sie werden übermütig und glauben sich nun breten können, diese vermieden wurden. Der Ortsgruppen alle Dreiftigkeiten den Arbeitern gegenüber erlauben zu fönnen. vorstand aber zog aus dieser Situation selbstverständlich die entVor allem würde man es darauf anlegen, die jugendlichen Arbeiter sprechenden Konsequenzen und trennte sich von seinem bisherigen als Lohnbrüder zu verwenden. Mitarbeiter. Interessant ist, daß selbst der Reichslandbund von den Daß der Berband davon abfah, diese Dinge der Deffentlichkeit Bestrebungen der Nationalsozialisten abrückt. Man könne dem An- zu unterbreiten, ist eine allgemein geübte Selbstverständlichkeit. In trag, so erklärt die Organisation finngemäß in Nr. 49 ihres Organs, Berbindung mit diesem an sich bedauerlichen Borfall werden jetzt die die besten Beweggründe unterstellen und müsse doch voll Sorge unglaublichsten Gerüchte über die Buchführung und Berwaltung den Geist erwägen, der unter Arbeitsdienstpflichtigen bestünde, die der Organisation verbreitet. Gerade aus der Tatsache, daß die Buchgegen ihren Millen, möglicherweise sogar aus einer sie befriedigen führung Tag für Tag einen Einblick in die Kassen- und Vermögensden Beschäftigung herausgerissen, unter entsprechender Gegenpropa. verhältnisse gestattet, erklärt es sich, daß teinerlei finan. ganda politischer Parteien aufs Land hinausgeführt werden. Razielle Nachteile für die Organisation eingetreten sind. ferniere man die Leute nicht, sondern verteile sie auf die einzelnen Zu den einzelnen Vorwürfen bemerten wir, daß der Betrag der Genoffe Georg Schmidt, der Bureauchef des ParteivorKind und stets auch geistig hier beheimatet geblieben. Er hat das Bortefeuillerhandwert gelernt und ist schon in blutjungen Jahren zur sozialistischen Bewegung gestoßen, in der sein um fünf Jahre älterer Bruder Robert Schmidt schon lebhaft tätig war. Auch in feiner Gewerkschaft, besonders nach dem Anschluß an den Buchbinderverband war er lebhaft tätig. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn im Jahre 1900 zur Leitung des Berbandsorgans ,,, Buchbinderzeitung". Sechs Jahre war er in dieser Stellung ein fampffroher Streiter für die Entwidlung der Gewertschaft, einer, der auch vor dem lärmenden Auftreten einer von Emil Kloth geführten, fcheinraditalen Gruppe nicht zurüdwich. Im Jahre 1906 übernahm Georg Schmidt das Arbeiterfetretariat in Deffau, bis er 1909 einem Rufe als gewerkschaftlicher Rebatteur an das damalige Sozialdemokratische Breffebureau" folgte. In den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 betraute er die Juristische Sprechstunde des Vorwärts". Seit der Revolution ist er im Parteivorstand als Leiter des Bureaus unermüdlich am Wert, um den riesenhaft gesteigerten Anforderungen der Organisation gerecht zu werden. Daneben wirft er als Funktionär in seiner Köpenicker Abteilung mit gleichem Eifer und gleicher Treue, Der Borwärts", der ihn seit Jahren zu feinen Mitarbeitern zählt, schließt sich den Glüdwünschen an, die dem Sechzigjährigen heute von allen Seiten entgegengebracht werden. Reinhold Opificius- Frankfurt am Main, der seit 1889 der Sozialdemokratie angehörte, ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 64 Jahren gestorben. Er zählte zu dem intimen Freundeskreis Don August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Der Verstorbene war den Armen und Bedrängten jederzeit ein Helfer und Berater. Das fulturelle Leben der Frankfurter Arbeiterbewegung fand in ihm eine außerordentliche Stüße. STAATL Natürliches Mineralesser FACHINGEN Asbach Uralt Zur Gesundhaltung! Facbinger Versandstelle, Berlin SW 11 Schöneberger Str. 16a. Tel. Lützow 8260-61 srtm Unterhaltung unö AAjssen Georg Terescsenyi: SSUti&Tn (Schluß.) Wenn jemand die beiden so gesehen hätte. Janas, mit den zusammengezogenen dichten Augenbrauen, und seine Frau, das magere Weib,— er hätte geglaubt, die lebendigen Statuen der Nnbarmherzigkeit vor sich zu sehen, in deren Herzen jedes warme Mitleid erloschen ist. „So ist der Bauer/ hätte der ins Zimmer Tretende sicherlich gesagt, und er hätte von der eisigen Unbeweglichkeit der sinsteren Gesichter vergebens auf ei« Antwort gewartet... Wenn er ihr knochigen Gesichter betrachtet hätte, die platt- gearbeiteten Handflächen, die Arm« und den festen Nacken, aus welchem die Hars« der Sehnen vibrierte../ „Finstere Bauern.. hätte der Fremd« gesagt, wenn er— sich hierher verirrend— bei ihnen eingetreten wäre. Und er wäre darauf bedacht gewesen, weil wieder davonzukommen, in Angst, sich mit ihnen etwa in ein Gespräch einlassen zu müssen. Bauern... eine fremde Menschenrasse. Ani Boden klebend ond ungebildet, ohne Feinheiten, böse und verschlagen... Wer sollte denn aber in diese Gegend kommen? Wer einen Blick in diese niederen Zimmer tun, wo sie leben, leiden und ohne Klagelaut hinsinken, die Kinder der Erde, die seelenlosen finsteren Völker, die Bauern... „Ja, ja../ ... Und in diesem Augenblick wurden die zwei Menschen dort im Zimmer plötzlich starr wie Stein. Von draußen waren eilige Schritte zu vernehmen... der Hund winselte verzweifelt, ein Schrei und ein dumpfer Fall, als wäre etwas über den Zaun gefallen... Gleichzeitig der dumpfe Knall eines Schuffes... aber ans weiterer Ferne... dann ein tiefes Röcheln... schlurfende Schritte. „Man hat geschossen.. sagt« Janas und er packte fest den Schaft des Messers. Die Frau war schon zur Tür gestürzt, um binauszuschauen. Aber plötzlich wurde die Tür heftig aufgestoßen und der Flüchtling fiel gleichsam in» Zimmer. Rovo, der lahme Flickschuster... Ein ersticktes, schweres Röcheln brach aus seiner Brust hervor und er flehte mit zusammengekrümmtem Körper, mit bittenden, ent- fetzten Augen. Janas sprang zu ihm hin. In der Rechten hielt er das Taschen- messer, in seiner Linken befand sich noch das Stück Schinken und das Brot. „Was hast du gemacht?' fuhr er ihn an. „Erbarmen.. J' brachte jener röchelnd hervor,„sie bringen mich um... die Gendarmen..' Di« Tür stand osfen und draußen durch das Uetne Tor bogen soeben die Gendarmen in den Hof ein. Zwei grimmige Gestalten. mit dicken Schmirrbärten, in der Hand des einen«in Dienstrevoloer. Eine starre Stille herrschte im Zimmer, der Schuster hockte zu- fammengekauert auf dem den Fußboden bedeckenden Papierteppich, er preßte die Hand in die Seite und bog sich hin und her.. Don seiller Brust, durch die Spalten des geöffneten Hemdes quoll dunkel das Blut. Es rann über den zerdrückten Anzug, und einige Tropfen fielen auch auf das Papier, unmittelbar neben die Fiiße des Janas. Das alles geschah unter wenigen Augenblicken... die schweren Tritt« der Gendarmen näherten sich der Tür. Da sprach der neben den Stiefeln des Ianos kauernde Mensch wieder: „Verberget mich... sie bringen mich um...* Der düster« Bauer fuhr ihn an: „Schau, daß du weiter kommst! Sicherlich hast du etwas Schlechtes getan...!' „Kein!" beteuerte jener.„Rur wegen der Frau... sie haben mich dabei ertappt-. Um Janas' Lippen lief ein bitterer Zug, während er wieder zur Tür hinausschaute. Die Gendarmen standen schon drinnen im Hof. der Hund hiett sie mit wildem Gebell in Schach, man sah, daß sie beratschlagen und jener mit dem Revolver in der Hand, deutet« zornig auf das Haus. Schließlich schritten sie über das schmale Ziegelpflaster gerade- wsgs aus die Tür zu. Roch einige Augenblicke und sie treten ins Zimmer... Da sprang Janas plötzlich zur Tür der„schönen" Stube, riß die Tür auf und winkte: „Komm!" Rovo huschte rasch durch die Türspalte. Der stämmige Wachtmeister tauchte jetzt im Türrahmen auf. Janas drehte sich ruhig um, in der Hand hiett er noch immer das Taschemueffer und den Speck. Er begab sich auf seinen früheren Platz. Der Gendarm steckt« den Revolver ein. „Hier muß er sein!" rief er. „Wer?" fragt« Janas nchig. „Rovo, ihn suchen wir." Jetzt sprach auch die Frau, mit gezwungener Ruhe. „Sie haben geschossen?..." Hinter dem Wachtmeister tauchte auch der zweite Gendarm auf, einen Karabiner in der Hand haltend. Die vier Augen der Gen- bannen überflogen rasch das Zimmer. „Antwonen Sie!" schrie der Wachtmeister zornig.„Haben Sie ihn gesehen oder haben Sie ihn nicht gesehen?" „Ich habe keinen Fremden gesehen... außer Ihnen," sagte der Bauer, mit der Achsel zuckend: er schnitt ruhig den Rest des Speckes ob und aß chn zu dem Brot. Er fragt« dennoch: „fjat er vielleicht jemanden umgebracht, daß Sie ihn so ver- folgen?" „Das nicht, aber er bestiehlt fest dem Herbst die Dorfbewohner, wir hoben ihn bei der Tat ertappt" „Deshalb wollen Sie ihn erschießen?" „Ja... und auch, weil er da vongerannt ist, er ist aus dem Arrest entsprungen, der Elend«.. ,�Hm... also deshalb?... nur deshalb." brummte Janas für sich. Unterdessen hatten die Gendarmen dos Zimmer durchsucht, sie hatten auch dl« Tür der„schönen" Stube aufgestoßen... niemand. „Cr ist uns entkommen." sagte der mit dem Karabiner. „Er muß sich hier irgendwo verltcckt hatten." sprach der andere. „eilen wir. sonst flüchtet er noch über die Grenze..." „Na, Sie werden ihn schon finden." meinte Janas, und er hätte die Männer der Ortmung schon gern draußen gesehen. i„Wir habe» wirklich nichts gesehen." bekräftigte auch die Fr«. Die Gendarmen waren tatsächlich rattos. Der Kleiner« von ihnen hing sich endlich den Karabiner um... sie gingen. Im nächsten Augenblick zögerte er ober, als würde er über etwas nachgrübeln, er schüttelte den vorgeneigten Kopf, sein Blick huschte über den Fußboden... Gehen sie, gehen st« nicht?... eine Totenstille... Jetzt erhob der Gendarm plötzlich die rechte Hand und deutete auf den Fußboden, aus welchem, gerade bei den Füßen Janas, große rote Blutstropfen blühten. Ianos bemerkte die Gests des Gendarmen, er sah auch das Blut, und er glaubte für einen Augenblick, daß alles verloren sei. Aber nicht, war verloren, denn in seinem Herzen erwachte ein hartnäckiger, zorniger Wille. Erst recht nicht! Der Gendarm starrte betroffen auf das Blut und rief dann aus: „Was ist denn das?" Nicht eine Muskel zuckte im Gesicht des Bauern, er schien sehr ruhig zu sein, in den Händen hiett er das Messer und das Brot. Er erwiderte düster den Blick des Gendarmen, als hätten sein« grauen und stechenden Augen den Blick nicht loslassen wollen... Im selben Moment blitzte in seiner Hand irgendein schwacher, bläu- licher Schein auf... die Spitze des scharfen Messers... „Blut..." sagt« er dabei. „Wie kommt aber dieses Blut hierher?" und aus dem Tonfall war auch schon die Befriedigung über den Triumph herauszufühlen. „Wie«s hierher... auf das Papier kommt?" Die Frau blickte entsetzt auf ihren Mann. Sie öffnete schon den Mund, als wollte sie etwas sagen... Es vergingen einige schreckliche Minuten. Da näherte sich die Spitze des Messers langsam und unbemerkt dem Daumen der linken Hand. Sie langte dort an... und auf den starken Stoß der rechten Hand drang sie tief ins lebendig« Fleisch ein... In der starren Stille war alles stehen geblieben: der Atem, der Herzschlag, die Zeit... „So, wie es hierher gekommen ist., war van Janas' Lippen die Antwort zu oernehmen. „Also, wieso?" Jetzt öffnete Janas langsam den Finger. Die blutende Wund« eines tiefen Stiches wurde sichbar und die hervorquellenden dunklen Tropfen... Einige davon fielen auch hinunter auf das Papier neben jene. Vellage des Vorwärts „Ich habe mich in den Finger geschnitten..." „Hm.. fuhr der Gendarm betroffen zurück,„tatsächlich." „Das tut nichts," meint« Janas lächelnd, ,„.. dieses verteufelte Messer ist sehr scharf, es rannte mir in den Finger hinein..." Er steckte den verwundeten Finger in den Mund und saugte das Blut aus, und nur so nebenbei sagte er, als wäre von einem Kinderspiel die Rede: „Nicht der Rede wert... es wird wieder verheilen." Nicht das mindeste war in dem Zimmer verdächtig. Di« Situation war so einfach und selbstverständlich... es gab hier nichts zu tun. Ein« Weile spähten jene noch herum, endlich drehte sich der Wachtmeister zornig um. „Daß das Donnerwetter dareinschlagel" fluchte er, und sie gingeit. ' Stille... Ianos. der düstere, verstockte Dauer, der Herzlose und Grau- same, stand dort in der Mitte des Zimmers. Auf seine eckigen, un- förmigen Glieder fielen die Strahlen der Sonne, sie streichelten und küßten ihn... Die Tür der„schönen" Stube ging auf und die zusammen- getrümnite Jammergestott schleppte sich heraus. „Der Herrgott segne dich für deine Güte," dankte er und die Tränen rollten über sein verzerrtes Gesicht. „Run, nun..." sprach jener, den Dank abwehrend.„Nicht weit von hier ist die Grenze, du kommst hinüber, wenn du acht gibst... Die Frau werden wir schon bis dahin irgendwie... Der Unglückliche richtete sich im aufleuchtenden Taumel der Bc- freiung auf. Sie spähten zur Türe hinaus, die Gendarmen waren schon weit. „Beeile dich... sie können zurückkommen." Rovo schlich sich hinaus. Seine kleine linkische Figur mar am Bachufer zwischen den Weißdornbüschen noch eine Weile zu sehen. Die Frau betrachtete mtt heroorströmender glücklicher Liebe ihren Mann. „Janas!..." „Aber, laß' doch schon..." Er nahm das große gestreift« Taschentuch hervor, um damit den verwundeten Finger einzubinden. „Ich habe es für einen Menschen getan!" fügte er noch hinzu, und er begab sich hinaus in den Stall, um die Tiere zu tränken. (Uebersehung au» twm Ungarischen von Maurus Mezci.) S>er erste c Hm das Jahr 1343 lebte in Dalenciemre» ein bescheidener Wappenmaler, den sein Beruf mit allen vornehmen Herren der i Umgebung in Berührung brachte. Als er sich eines Tages an seine | reichen Kunden mit der Bitte wandte, ihm bei der Ausbildung 1 seines Sohnes zu helfen, rieten sie ihm, aus dem Jungen einen Geistlichen zu machen, updi brauen die.hierzu notwendigen Sum» men auf. As kam. Jean Aroissart dazu, die Theologie, das Latein und andere nützlichen Wissenschaften zu studieren, aber es zeigt« sich bald, daß ihm diese Beschäftigung nicht besonders zusagte. Besser gefielen ihm schon Tanzspiel«, die Lieder der Mumesänger und fröhlich« Kurzweil mit lustigen Leuten. Ungeachtet dieses auffälligen Mangels an Berufung bestanden sein Vater und seine Protektoren daraus, daß er Priester werde: aber ebenso nachdrücklich gab ihnen der junge Froissart zur Antwort, daß er nicht den geringsten Geschmack daran finde, und wenn man ihn fragte, was er denn sonst werden wolle, erklärte er: er wolle sich �in der Welt umsehen und erzählen". Für eine Zeit, die mit den Begriffen Chronik und Geschichte nichts anzufangen wußte, gall ein solcher Wunsch als närrisch. Die Eltern und Gönner verstanden nicht, was dieses Kind eigenttich ernsttich wolle, und sie'vermuteten. daß er den Ehrgeiz habe, jenen Beruf zu ergreifen, der damals recht zweifelhaft war: den eines Schauspielers und Lustigmachers. Aber kaum wa< Jean Froissart zwanzig Jahre all und de? Schule entronnen, als er sich, ohne sich bei tastenden Versuchen auf- zuhatten, als ein Mann, der genau weiß, was er will, in eine Karriere stürzte, die er viele hundert Jahre vorausgeahnt hat. Sein Beruf wurde es. die Zeitereignisse zu berichten, Vorgänge aus eigenem Augenschein zu beschreiben, von einem Ende der Well zum anderen zu ziehen, um einer großen Zeremonie, einer Schlacht, einer Königshochzeit oder einem anderen sensationellen Ereignis beizu- wohnen. Es war etwas ganz unerhört Neues, daß sich ein Mensch ausschließlich damit befaßte, die Kriege und Händel seiner Zeit zu beschreiben, ruhelos von einem Ort zum anderen zu wandern, die Schauplätze aller berühmten Ereignisse aufzusuchen, die Augenzeugen sprechen zu lassen und seine Schilderungen, statt poetisch auszu- schmücken, mit authentischen Zeugnissen und Einzelheiten zu belegen. Daneben blieb Froissart Zeit genug, Berse zu schmieden, Lieder zu verfassen und die Freuden der Liebe, der Jugend und der Leiden- schaft zu rühmen. Dichtend und Geschichten schreibend, begab er sich eines Tages nach England. Dort fand er eine Beschützerin in Philipps von Henne- gau, der Gemahlin Eduards III., deren Protektion ihm alle Türen öffnete. Die Königin mochte ihn zu ihrem Sekretär und Hofdichter. Aber Froissart, der am Hofe wie in den Adelspalästen ein gern gesehener Gast war, blieb traurig und melancholisch. Eines Tages verriet er seiner Herrin den Grund seines Kummer«: es zog ihn nach Frankreich zurück, wo seine Frau auf ihn wartete, die er liebte. Die Königin ließ ihn ziehen und stattete ihn aufs Prächtigste aus. Aber eine schlimme Enttäuschung erwartete ihn in der Heimat. Gr fand die Geliebte mit einem anderen verheiratet, und schmerz« erfüllt entschloß er sich, noch England zurückzukehren, wo er nun- mehr fünf Jahre verblieb. In dieser Zeit schrieb er unermüdlich an den Dokumenten seiner Zeit.„Beachtet wohl, die ihr mich lest, ge- lesen habt oder lesen werdet, was ich alles habe tun müssen, um euch die Dinge zu schildern. Ich war zwanzig Jahre all, als ich b«. gönn, und ich bin zur selben Zeit auf die Welt gekommen, in der die großen Taten und Abenteuer geschahen, und ich habe so großen Gefallen daran gefunden, wie an keiner anderen Sache auf der Welt. Dank der Gunst des Königs Eduard und der edlen Königin, seiner Gemahlin, habe ich den größten Teil der Christenheit durch- eilt, habe überall die Ritter und Schildknappen befragt, die bei den großen Wasfentaten dabei waren und davon zu erzählen wußten. Solange mich Gottes Gnade leben läßt, werde ich so fortfahren, denn nichts gefällt mir so gut und macht mir die Arbett so leicht." Er war der fahrende Ritter der Information, er zog vom Reporter wilden Schottland nach dem milden Aquitanien, wohin er den schwarzen Prinzen begleitete. Mit dem Herzog von Clarenre reiste er nach Italien aus die Freite: er wohnte der Hochzeit bei und be> schrieb sie aufs genaueste. Als er wieder nach Frankreich zurück- gekehrt war, verschafften ihm die immer noch mißtrauischen Kunden seines Vaters eine Pfarrei und ließen/hn zum Vikar von Lestines machen. Aber dieser ewig neugierige Mann konnte das Reisen nicht sein lassen: es litt ihn nicht lange in seiner Pfarre, und bald wurde der Vikar zum Troubadour. Diesmal aber wollte er seiner Tätigkeit eine solidere Grundlage geben: er suchte daher„Herron", denen er in irgendeiner Form eine Art beamteten„.�mueeurs en titre* sein konnte. Es gelang ihm, in die Dienste des Herzogs Wentel von Brabant und, nach dessen Tod, in die des Grafen von Alois zu treten. Aber in der satten und behaglichen Atmosphäre dieser kleinen Höfe vergaß der große Reporter nicht«inen Augenblick seinen Daseinszweck. Ermuntert von dem Grafen von Alois, unter- nahm er eine Reise zu dem Grasen Gaston von Foix, um aus i«rn Munde der an dessen Hofe lebenden bearnischen und gascognisttj»» Ritter die Taten zu hören, die sie verrichtet hatten. Von seinem Herrn auss beste ausgestattet, hatte Froissart»ine herrliche Reise. Cr legte immer nur kurze Strecken zurück und versäumte nicht, m den Schlössern und Abteien, an denen er vorübertam, einzukehren, die Wanderer aus der Landstraße und die Gäste der Einkehrhäuser von ihren Erlebnissen erzählen zu lassen. Allabendlich notierte er seine eigenen Eindrücke und alles, was er gehört hatte. Auf diese Weis«.ist der größte und gelungenste Teil seiner Chroniken zu- stondegckommen, die den Eindruck vollkommenster Wahrhaftigkeit machen. Seine Schilderungen atmen den ganzen Zauber der dama- ligen Zeit. Wahrhastig und natürlich erzählt er, was er vorzubrin- gen hat. Aber eines Tages, nach einem Leben voll Erfolg und Glück. zieht er weiter, wie ein Bogel, den niemand festhalten kann: eine Art Heimweh nach England treibt ihn zurück.- Dort empfängt ihn Richard II. in Erinnerung an das Wohlwollen, das feine Ahnfrau, die Königin Philippa, für Froissart stets bekundet hatte. Richard II. wird gestürzt, und Froissart ist gerade im rechten Augenblick zu- gegen, um der Nachwelt die Geschichte dieses Umsturzes zu erzählen. Diese Reportage sollte sein« letzte sein. Im Jahre 1400 geht Froissart nach Flandern, und von dieser Zeit an hört man nichts mehr von ihm. Er ist in aller Heimlichkeit gestorben: nicht ermnal seinen Leich- nam hat man gesunden: der ewige Reisende wollte noch im Tod Nomade bleiben. Es gibt viele Kopien der Froissarffchen Manuskript«. Das voll- ständigste Exemplar befindet sich in Breslau: es sind vier stattliche Bände in feinster Handschrist und mit prachtvollen Randleisten ge- schmückt. Als die Franzose» im Jahre 1800 Breslau besetzten. fürchtete die Bibliothek, diesen kostbaren Schatz zu verlieren, und so wurde in das Kopitulationsprotokoll ein Artikel aufgenommen, der die Bibliothek vor jedem Zugriff der Franzosen schützte. Die Chroniken des ersten Reporters sind, ebenso wie seine poetischen Werke, die aufschlußreichsten Dokumente aus jener Zett. Froissart schrieb einmal ein Gedicht„Die oerliebte Uhr", in dem der Journalist den Dichter besiegt und alle wissenswerten Einzelheiten über die Uhrmacherkunst des 14. Jahrhunderts aufs genaueste schildert. An anderer Stelle seiner Aufzeichnungen findet man die wertvollsten Aufschlüsse über die Organisation und Gliederung der Söldnerheere. Neben diesen dokumentarischen Stellen gibt es andere von der entzückenden Naivität eines Ritterromans: aus anderen brich: dann wieder die Rauheit jener Zeit mit ihren unaufhörlichen Kämp- fen, ihren verwüsteten Provinzen und niedergebrannten Städten hervor. Aber inmitten des Schreckens stehen Menschen, denen Per- derbiheit und Niedrigkeit fremd sind. Denn Froissart war«in opttmisttscher Schriftsteller. Sein Leben war glücklich, sorglos, er- füllt von der Freud«, zu sehen und zu beschreiben. SCH- KAU CHAUSSEE ANDREAS STR WEISSE WOCHEN WILMERSDORFER E KOTTBUSER DA BRUNNEN STR BELLE ALLIANCE R FRANKFURTER AUSS ALEXANDER PLATZ BEGINN DONNERSTAG 31.JANUAR HEUTE MITTWOCH S VORVERKAUF LEIPZIGER STR UNSERE WEISSEN WOCHEN WAREN UND SIND EINE SENSA TION EINE GELEGENHEIT, WIRK LICH GUTE WAREN ZU ENORM BILLIGEN PREISEN ZU ERSTEHEN! HERMANN TIETZ LEIPZIGER STR ALEXANDER PL FRANKFURTER ALLEE BELLE ALLIANCE STR- BRUNNENSTR KOTTBUSER DAMM WILMERSDORFER STR ANDREASSTR CHAUSSEE STR