BERLIN Mittwoch 30. Januar 1929 Der Abend Erfdeint teglid ester Sonntag Fugleich Abenbausgabe des„ Borwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 " Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 50 B 25 46. Jahrgang. Anzeigenvrets: Die einspaltige Nonpareillezetts 80 M., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosschecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. Hr Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dinboff 292 bis 297 Trogli wird ausgewiesen! Er muß das Asylrecht Westeuropas in Anspruch nehmen. Wie bie kommunistische Presse mitteilt, steht die Ausweisung Trottis aus der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken bevor. Trotki soll Befehl erhalten, mit jeiner Familie ins Ausland zu gehen. Der innere Kampf in Sowjetrußland innerhalb der reglerenden Bartei nimmt ständig an Schärfe zn. Die herrschende Stafinsche Richtung beschuldigt die Anhänger Trogtis des Bündnisses mit Menschenisten und Weißgardisten, sie hat eine neue umfassende Verhaftungsaktion eingeleitet. Die Führer der Opposition von der anderen Seite, Bucharin und Tomsti, find zunächst be. urlaubt und auf Erholungsaufenthalt geschicht worden. G310 Die Ausweifung Tropfis stellt eine nene methobe bes Terrors gegen bolichemistische Reger dar bisher fannte man mur Hungerpeitsche, GPU.- Gefängnis, Sibirien. Es ist eine Nachahmung der Expatriierungen Mussolinis. Die Anhänger Trotfis fürchten freilich, daß sich hinter der Ausweifung noch andere Absichten verbergen. Das Organ der Troztiften in Berlin hat vor einigen Tagen die Befürchtung ausgefprochen, es sei beabsichtigt, Trotti nach der Türkei abzuschieben und ihn dort verschwinden zu laffen... Es hat jedoch den Anschein, als ob die herrschende Richtung in Mostau nichts weniger beabsichtigt, als aus Troßfi einen Märtyrer zu machen. Der tote Trotti fönnte ihr gefährlicher werben als der lebende. Die Absicht ist offenbar, Trozti durch die Ausweisung moralisch totzuschlagen, ihn erscheinen zu lassen als den Mann, der ,, in die bürgerlich- fapitalistische Welt zurückkehrt, der das Asylrecht der mesteuropäischen. Demokratien für politische Flüchtlinge in Anspruch nimmt. Der Fußtritt, mit dem man Troßfi mit Schimpf und Schande aus dem Lande der Oktoberrevolution hinauswerfen mill, deren Führer und Bannerträger er mar, foll den Nimbus des politischen Märtyrerhms zerstören. Man versteht sich in Somjetrußland auf alle Grabe des Terrors, von den blutigen bis zu den moralischen, und wenn es nottut, bereichert man bas terroristische Arsenal um die Methoden Mussolinis. Trogfi auf das Asylrecht Westeuropas angewiesen- es ist ein Mit der Weltgeschichte! Das Reich und Goldmacher Taufend. Was ist mit den Mannesmann- Krediten? 2e Welt lacht über die Dummköpfe, die dem Goldmacher Tausend Geld für seine Experimente zur Berfügung gestellt haben. Zu den Leuten, die fo gläubig waren und dem Goldmacher glaubten, follen neben Ludendorff, wie die Zeitungen berichten, auch führende deutsche Industrielle gehört haben. Es wurde der Name Mannesmann genannt. Die Mannesmann follen rund eine halbe million Mart an den Alchimisten verschenkt haben. Nun hat das Reich der Familie Mannesmann vor zwei Jahren einen runden zehn- millionen- kredit gewährt, von denen heute 9,5 millionen Mart als verloren gelfen. Es ist zu fragen, ob unter den mehr oder weniger wertlofen Pfändern, die das Reich statt der 9½ Millionen Mart jetzt befitzt, auch jener Anspruch fällt, den Mannesmann an den Goldmacher Tausend hat? Um Antwort wird gebeten! Die Schlichtung in Südamerika. Die Kommission vollständig. New Yort, 30. Januar. Paraguay hat feine Vertreter in der panamerikanischen Kommiffion ernannt, die die Untersuchung über den Grand- Chaco Zwischenfall führen soll. Damit ist die Kommiffion von neun Mitgliedern vollständig, je zwei von Paraguay und Bolivien, je einen von den Bereinigten Staaten, Cuba, Megito, Uruguay und Columbien. Man erwartet, daß der Brigadegeneral Frank Mac Con, das amerikanische Mitglied der Kommiffion, zum Vorsitzenden ernannt wird. Mac Con war lehthin auch damit beauftragt, die Präsidentenmahl in Nicaragua zu überwachen. Lautsprecher im Reichstag Die Lautsprecherantage im Reichstag ist nur für den Nota fall vorgesehen; sie soll nur in Tätigkeit freten, menn die Sümme eines Redners zu schwach ist, oder ungewöhnliche Störun gen eintreten. Sie ist bisher nur einmal während der Rede des Reich finanzminifters im Betrieb gewesen. Die Schaltanlage nebest dem Präsidentenstuhl( Pfein Mikrophon( X) auf dem Präs dententisch, der Rednertribüns und vor dem Reichstanzlerplatz, Lautsprecher auf der Galerie. D- Bug Unglück bei Regensburg. Bier Tote, darunter ein Berliner.- Gieben Verletzte. Auf einer bayerischen Eisenbahnstrecke in der Nähe von Regensburg hat sich wieder ein schweres Eisenbahnunglück ereignet, das bis jent vier Todesopfer gefordert hat. München, 30. Januar.( Eigenbericht.) Heute nacht 1 Uhr 50 Minuten stieß der D- 3ug 155( WienRegensburg- Leipzig- Berlin) in der Station Singing auf den Güterzug 7037 auf. Der dem Padwagen folgende Personenwagen 3. Klaffe wurde dabei teilweise zusammengedrückt. zu beklagen find 3 Tote, 1 Schwerverletter und 7 Leichtverletzte. D 155 hatte ab Baffou 80 Minuten Berspätung und sollte den Güterzug 7037 in Günching überholen. Da der Güterzug 7037 zu der Zeit, als D 155 die vorgelegene Station Rabldorf durchfuhr, die Station Sünching noch nicht erreicht hatte, war für D 155 die Durchfahrt durch Station Radldorf durch Haltstellung des Ausfahrtssionals Richtung Sünching gesperrt. Der Lokomotivführer des D 155 beachtete die Haltstellung des Signals nicht und fuhr in Radidorf durch. Er übersuhr auch das auf Halt stehende Einfahrtssignal in Sünching und stieß auf den gerade in Sünching in Einfahrt befindlichen Güterzug 7037 auf. D 155 beachtete auch nicht die Haltfignale des ihm von Sünching her entgegenfahrenden Stationspersonals, das von der signalwidrigen Durchfahrt des D 155 von Radldorf her verständigt war. Bereits um 2 Uhr 16 Minuten ging von Regensburg der erste Hilfszug und um 2 Uhr 43 Minuten ein zweiter Hilfszug mit Hilfsmannschaften und Sanitätspersonal an die Unfallstelle ab. Ein weiterer Hilfszug traf von Straubing her alsbald Sünching ein. Reichsrichter dürfen beleidigen! Fabrikbrand in der Prinzenstraße Berichte 2. Seite in *** Die Namen der Toten. hat sich bereits auf vier erhöht, da der schwerverletzte Reisende Die Zahl der Getöteten bei dem Eisenbahnunglüd in Sünching Schfalnit aus Berlin, Lippehner Straße 21, jeinen Verletzungen erlegen ist. Die Identität einer getöteten Frau fonnte noch nicht feftgeftellt werden, während die beiden anderen Toten als der Hütten ingenieur Maurer aus Steiermark und der Goldschmied Nachtigall aus Wien erfannt wurden. Bei zweien der Reifenden sind die Ber4 legungen schwerer Natur. Die Verletzten. Die Zahl der Berlegten beträgt, wie die Reichsbahndirektion Regensburg berichtigend mitteilt, insgesamt sechs. Außer Sch fol. nit jun. sind unter den Verletzten Maria Wendler, Tischlers. gattin aus Schalding, wohnhaft in Weißenbach, Bezirkshauptmann schaft Feldkirch( Desterreich), ferner, Frau Elisabeth Stoiber Hilfsarbeitersgattin aus Zizelau bei Linz, Karl Fröhlich, Betriebsleiter der Firma Böhler, Stahlwert in Hazenbach, Restaurateur Nebelsede aus Graz und Hans Gehorsam, Raufmann aus Charlottenburg, Reichsstraße 1. Der Berkehr an der Unfallstelle bei Sünching wird eingleisig aufrecht erhalten. Die Fahrgäfte des D- Buges konnten mit dem unbeschädigten Teil des Zuges, der zur Umleitung auf das Gleis Regensburg- Passau nach Radldorf zurückgezogen worden war, ihre Reise mit sechsstündiger Verspätung fortsetzen. Der Präsident der Reichsbahndirektion Regensburg begab sich sogleich nach der Meldung von dem Unfall nach Sünching, wo er auch den Verlegten im Krantenhaus einen Besuch abstattete. Die Berlegun gen der Frau Elisabeth Stoiber und des Herrn Karl Fröhlich haben sich als schwerer herausgestellt. als es zuerst den Anschein hatte. Außer dem Reichsbahndirektionspräsidenten erschienen auch der Betriebsdezernent der Direktion sowie die Vorstände des Betriebs- und des Maschinenamts und der Betriebswerkstätten Regensburg an der Unfallstelle. Ueber die Ursache mird bahnamtlich noch mitgeteilt: Der D- 3ug, der 80 Minuten Verspätung hatte, sollte den Güterzug 7037 in der Station Sünching überholen. Als er die vorhergehende Station Radldorf erreicht » Die Reichsrichter freigesprochen. Oer Nebenkläger Gchwarzschild trägt die Kosten des Verfahrens. 3n der Privalklage des Schrlststellers Leopold Schwarzschild gegen den SenatsprSsidenlen beim Reichsgericht. Reichert, und den Relchegerichtsrat a.D. Dewert verkündete der Einzetrichler Schäfer folgendes Urteil: Die Angeklagten werden freigesprochen.- die kosten des Verfahrens dem Kläger auferlegt. In der kurzen Urteilsbegründung führte der Richter aus: Di« Beweisanträge des Nebenklägers find abgelehnt worden, da die von ihm genannten Zeugen(die Gebrüder Rogens u.a.), nur Wert- urteile abgeben sollten, nicht jedoch Tatsachen bekunden. Der§ 186 des Strafgesetzbuches kam in bezug auf die Beklagten nicht in Frage, da sie vom Nebenkläger keine Tatsache behauptet, sondern Kritik geübt hat. Blieb also nur die formale Beleidigung aus dem s 185. Hierbei mutzte aber den Angeklagten der § 193— die Wahrung berechtigter Interessen— zugebilligt werden. Sie haben als Mitglieder eines Ann- des gehandelt und haben in gewissen Fällen das Recht, dessen Inter- essen zu vertreten. Wenn die Beleidigung in der Tagespreise ge- standen hätte, nicht aber in der Fachpresse, wie dies hier der Fall war. so wäre das etwas anderes gewesen. Was die Form anbetrifft, so mutz gesagt werden, datz die scharfe Fassung des Artikels der Schärfe des Artikels des Nebenklägers, entsprach. Sie ist durch die Abwehrstellung verständlich. Di« Angeklagten haben als Borsitzender und als Schriftleiter des Deutschen Richterbundes die Gesamtheit des deutschen Richterstandes, auch der Laienrichter, zu vertreten. Zwar hat Schwarzschild in seinem Artikel zwischen guten und schlechten Richtern unterschieden, doch hatte der flüchtige Leser den Eindruck er- halten können, doh der gesamte Richterstand gemeint sei. So stand dem Beklagten das Recht zu, sich gegen unberechtigte Angriffe zu wehren. Es ist zuzugeben, datz sie sich bewuht waren, die Ehr« des Klägers wie auch aller sonstigen Schriftsteller, die ähnliche Artikel schreiben, zu kränken. Si« befanden sich aber ia berechklglem Interesse. Nächtliches Großfeuer. Vier Kabrikstockwerke in der Prinzenstraße vollständig ausgebranni. Ein nächtliches Grotzseuer beschäftigte die Feuerwehr in der vergangenen Rocht in der Prinz eustrahe Sb. Ein vier- stöckiges Fabrikgebäude brannte völlig au», heule vormittag waren noch vier Löschzüge mit den Aufräumungsarbeiten an der Brandstätte tätig. Das Fabrikgebäude befindet sich auf dem ersten hos und be- herbergt m seinen Mauern mehrer« Groß- und Klein- betriebe, in der Hauptsache Tischlereien, Holzbearbeitungswerk- statten und eine Maschinenfabrik.. Im ersten Stockwert sind die Räume der Tischlerei von Johl. Kurz nach%2 Uhr bemerkten helmkehrende Mieter des Vorderhauses in der Tischlerei starken Feuerschein. Di« Fensterscheiben zersprangen und meterhohe Flammen schlugen heraus. Die Fsuerwehr rückt« auf den Alarm zunächst mit drei Loschzügen an. Der hos und das gang« Gebäude war aber schon so stark oerqualmt, daß sich der Umfang des Feuers zuerst nicht erkennen lieh. Der leitende Feuerwehroffizier gab des- halb sofort„Grobfeueralarm*, woraus vier weitere Lösch- zllg« anrückten. Während die Feuerwehr noch mit dem Legen der Schläuche beschäftigt war, loderten, schon au» dem vachstuhl hohe Flammengarben empor. Di« Flammen hatten das gang« Treppen- Haus erfaßt. Das Gebäude brannte lichterloh und gewaltige Stich- flammen, die noch allen Seiten Hervorschossen, brachien die an- grenzenden Wohnhäuser in Gefahr. Insgesamt mußten 15 Schlauch- leiwngen zur Bekämpfung des Brandes eingesetzt werden. Aehn- lich wie seinerzeit bei dem Brandunglück in der Schönleinstratze, stürzten mehrere Stockwerk« ein und die Maschmencmlagen sausten krachend in die Ties«. Der Brand hatte bald einen so bedrohlichen Umfang angenommen, daß mehrere Wohnungen aus Anordnung der Feuerwehr geräumt werden mußten. Gewottig« Wassermengen wurden in das Feuermeer geschleudert und erst nach achtstündiger Löschtädigkeit war die Macht des Feuers gebrochen. Em Fever- wehrmann hott« sich ein« schwere Rauchvergiftung zu- gezogen, so daß sich seine sofortig« Ueberführung ins Krankenhaus als notwendig erwies. Die Entstehung surfach« konnte noch nicht festgestellt werden. Die Kruniiiatpoligei hat die Ermittelungen ausgenommer. Der Schaden ist sehr hoch und soll sich auf 14 Million Mark sx- lausen. Di« Aufräumungsarbeiten werden noch mehrer« Tag« dauern.* hqste, mar der Güterzug noch nicht>n Sü Ilching, obwohl der Sta° tipnsleiter von Radldorf verständigt wurde. Dieser sperrt« darauf- hin sofort dem eben durchfahrenden D-Zug das Ausfahrt, signal, das aber der Lokomotivführer glatt überfuhr. Er überfuhr aber auch das auf halt gestellte Borsignal der Station Sünching und beachtete ebenfalls nicht die Winksignale des Per- jonols dieser Station, das vom diensttuenden Beamten in Radldorf vom Ueberfahren der Signale durch den D-Zug verständigt worden war. Infolgedessen stieß der D-Zug auf den in der Station Sünching wartenden Güterzug auf. Wie von der Reichsbahndirektion Berlin mitgeteilt wird, lief der Unglückszug in Passau mit 80 Minuten Ber- s p ä t u n g ein. Diese große Bcrzögerung ist demnach schon auf österreichischem Gebiet eingetreten: Schnee und teilweise starker, u»durchdringlicher Nebel waren die Ursache. Besonders in der Umgebung Sünchings war der Rebel so dicht, daß der Loko- molivsührer die Signale, die aus..halt* standen, jedenfalls nicht er- kennen konnle. Das Land der unsicheren Eisenbahnen. Die Eisenbahnunfälle in Bayern haben in den letzten Jahren erschreckend zugenommen. Das Jahr 19S8 brachte in kurzer Folge drei schwere Eisenbahntatastrophen. In den Morgenstunden des 19. Juni 1923 entgleiste bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Siegelsdorf, 18 Kilometer von Nürnberg, der Schnellzug München— Frankfurt. Bei dieser Katastrophe wurden 24 Personen getötet. 12 schwer und eine große Anzahl leicht verletzt. Bier Wochen später, am 16. Juli, forderte das furcht» bare Unglück am München« Ostbahnhof erneut 10 Tote und 25 Schwerverletzte. Am 31. Juli des gleichen Jahres fuhr der Be- schleunigte Personenzug Augsburg— München auf einen ln der Station Dinkelsch erben stehenden Güterzug mit voller Wucht auf. Die Wagen des Personenzuges wurden wie Streichholzschachteln geknickt und aus den Trümmern 16 Tote und 33 Schwerver- letzte herausgezogen. Auch die Jahre.1926 und 1927 haben gerade auf den bayerischen Eisenbahnstrecken große Opfer gefordert. In der Nähe des heutigen Unglücksortes auf der Strecke München— Regensburg entgleiste am 13. August 1926 bei der Station Langenbach ein Personenzug: auch hier wieder 12 Todesopfer und 27 Verletzte. In das gleiche Jahr siel die Zugkatastrophe am Münchener Ostbahnhof. Am 25. Mai fuhr ein Personenzug auf einen im Bahnhof stehenden Zug auf. Diese Katastrophe, die größte der letzten Jahre, forderte 27 Todesopfer und 159 Verletzte. Eine grausige Statistik! Zwingt sie nicht, endlich einmal scharf durchzugreifen und in die Organisation der bayerischen Eisenbahnen gründlich hineinzuleuchten? Oer Krieg um die Kreuzer. Soolipge gegen Aaufrist-aber grundiählich für Ersaßbauten Washington, 39. Januar. Im Weißen Hause wurde heule zur Sreuzervorlog« erklärt. man möge die Bedenken des Präsidenten gegen«ine Fest- legung der Bausrist nicht dahin mihverstehen, datz der Präsident überhaupt gegen den Bau der Kreuzer sei. wenn das der Fall wäre, hält« er die Vorlage dem Bundeskoagretz gor uicht uulerbreitet. Der Präsiden« sei serner der Uebcrzeugung. daß auch etwaige Beschränkungen der Scerüstungen durch ein« künftige Kon- vention der Seemächte nicht so weit gehen würden, um dea Vau der in der Sreuzervorlage vorgesehenen Schisse hinfällig zu machen. denu die amerikanische Flotte besitze 22 veraltete Kreuzer, die allmählich erseht werden mühten, was die tatfächlicheu Schritte angehe, die zurzeit im Interesse einer weiteren Abrüstung unternommen würden, so beschränke sich der Präsident zurzeit darauf, da» Programm der amerikanischen Delegation zu der im April beginnenden Genfer Konferenz provisorisch zu formulieren und sich mit den omerikanischen Delegierten zu besprechen. Die endgültigen Pläne werde er jedoch seinem Rochsolger hoover überlassen. Ein Konferenzvorstoß. Der republikanisch« Senator Norvis hat einen Zusatzuntrog zur Kreuzeroorlage eingebracht, in welchem der Präsident ersucht wirb. England zu ein« Konferenz zur Beschränkung des Kreuzerbaues aufzufordern. Im Fall« einer Einigung soll« der Präsident ermächtigt wenden, den zur Durch- führung des Abkommens notwendigen Teil der Kreuzer vom Bau- Programm abzufetzen. Der Airtrag erwähnt Japan nicht als Teilnehm« einer solchen Marinekonserenz. Der Bundessenat beschloh, die Debatte über die Kreuzervorlage vom nächsten Montag ab durch Begrenzung der Rede- fr ist einzuschränken. Es soll versucht werden, Montag abend zur Abstimmung zu kommen. Vas amerikanische Seeresflugwesen. Washington, 39. Januar. Der Finanzausschuß des Senats hat dem Heeresetat die Summ« ran 2 800 000 Dollar für die Herstellung neuer Militärflugzeug« hinzugefügt. Englands»Ersatz Preußen". London, 39. Zaauar. Zn portsmouth wurde am Dienstag der letzte der drei im Zahre IflZb bewilligten 19 999- Tonnen- kreuz«„Dorsetshire* vom Stapel gelassen. pn'mos Klugzeug-Propaganda. Gegen die rebellierende Artillerie. , Paris, 30. Januar.(Eigenbericht.) lieb« die Artillerie-Reoolte in Spanien berichtet das„Journal* u. a.: Als die ersten Nachrichten von dem Ausstand in Ciudad Real in Madrid eintrafen, habe General Priino de Rivera sofort den General des Flugzeuggeschwaders, Oberst Kindelan, mit einem Flugzeuggeschwader dorthin entsandt. Die Flugzeuge hätten große Bündel von Flugblättern mitgenommen, in denen die Artilleriemannschast aufgefordert worden sei. sich von der Revolte ihrer Offiziere loszusagen. Gleichzeitig wären drei Bataillone In- fant«i» in Madrid auf Lastautos verladen und nach Eludad Real ent- sandt««den. Sie hätten den Auftrag erhallen, die Aufständischen zunächst durch gütlich« Verhandlungen zur Unterwerfung zu bringen. Abends spät habe die Infanterie einen Teil der Stadt besetzen und die Telephonverbmdungen mit Madrid wieder herstellen können. Die Verhandlungen mit den Meuterern seien aber noch im Gange. Di« Artillerie habe immer noch ihr« Geschütze in Gefechts- stellvng um ihre Kasernen stehen. In den übrigen Garnisonen herrsche völlige Ruh«, auch in «iwao sei die Reoolle abgeblasen worden. Das dort liegende In- fanterieregiment sei zwar mobilisiert gewesen, um die Artillerie- Revolle zu unterstützen. Es sei aber sofort wieder in die Kaserne zurückgelehrt, als die Artilleristen nicht losschlugen. Waffenstillstand in Krankreich. Bis zur endgültigen Reparationsregelung. PariS, 30. Januar. tEigeubertcht.) Wie der„Matin" zu berichte« weiß, sind zwischen den verschiedenen Kammersraktionen Verhandlungen im Gange, die den Abschluß eines politischen Waffen» stillstandeS bis nach der Durchführung der Sachver- ständigenverhandlungen über die Revision des Dawes- Planes zum Gegenstande haben. Dieser Waffenstillstand soll zum ersten Male bei der Abstimmung über die Schluß- resolutio« zur Elsaß-Lothringen-Debatte in die Grschei- nung treten. Er soll der Regierung gestatten, die nächsten Wochen bis zu den Kommunalwahlen in Frankreich ohne innerpolitifche Krisen zn überstehen. Der „Matin* glaubt sogar hoffen zu dürfen, daß dieser Waffenstillstand auch noch bis zur Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Washington und London in Kraft bleiben könnte._ Vampyr der Aermsten. Serieneinbrüche in Arbeiterwohnungen. Aus die geringe Hab- von Arbeiterfamilien hat e» ein Einbrecher abgesehen, der schon lange sein Wesen«reibt, ohne datz es gelingen will, ihn zu fassen. Der Spezialist trat zunächst in Moabit auf. Er beobachtet morgens, in der Regel vom Hofe aus, die Wohnungen und bricht ein, wenn die Männer sich in früher Morgenstunde auf ihre Arbeits, stelle begeben und die Frauen sich aus eine vtunde wieder nieder- gelegt haben. Dle Leute versäumen es in der Regel, die Tür abzu- schließen. Das benutzt der Verbrecher, um ganz leise aufzuklinken. Er schleicht sich in di« Küche ein. in der gewöhnlich das Wirtschastsgeld aufbewahrt wird und stiehll dieses und allerlei Sachen, die«r zu Geld machen kann, daneben auch, was er an Lebensmitteln findet. Nachdem durch Zeitungsnotizen vor ihm gewarnt worden war, machte er eine Pause und verschwand aus dem Viertel. Jetzt hat er seine unheimliche Tätigkeit Im Bezirk Kreuzberg wieder auf- genommen, hier sind schon 16 Einbrüche dieser Art ge? glückt. Cr beobachtet meistens gar nicht erst, ob jemand weg- gegangen ist. sondern dringt aufs Geratewohl ein. Die Beute, die der Berbrecher macht, ist an sich sedesmal nicht groß. Der Verlust trifft ab« die Bestohlenen sehr hart, weil es immer unbemittelte Leute sind. Der einzige Schutz ist, die Flurtür nicht bloß zuzuschlagen, sondern immer abzuschließen unh den Schlüssel vollständig umgedreht stecken zu lassen. Mitteilungen, die geeignet sind, den Dieb endlich unschädlich zu machen, an Dienststelle B. 3 Im Polizeipräsidium. Reue Beiriebsräiewahlen. Mit klassenbewußten Llnorgc nisierten. Der KPD.-Mann Merk«, dessen Entwicklung vom gelben Gast- wirtsgehilfen zum„revolutionären* Gewerkschafts- theoretiker im„Vorwärts* jüngst ausgezeigt wurb«. hat»or versaminelter Mannschaft auf der kommunistischen Reichspartei- arbeiterkonferenz üb« di« neue Taktik beiden Betriebs- rätewahlen geredet, die die KPD. beschlossen hat. „Die Betriebsrätewahlen fordern die Aufmerksamkeit der ge- samten Partei. Die Anwendung unserer neuen Linie erfordert große Beweglichkeit und eine genaue konkrete Analyse eines jeden Betriebes.* Je noch her„Anna-Liese* soll die KPD�Ouertreiberei einsetzen. „Wir führen noch wie vor den zähen Kampf um di« freigewerk- schaftltche Liste. Wir fordern aber, daß die freigewerkschaftlich- yist« zu einer einheitlichen Liste aller Betriebsarbeiter ausgebaui wird, wir oerlangen, daß di» f r«i g ew er k f chaft l i ch.> List« zusammengestellt wird aus Arbeitern frei- gewerkschaftlicher Organisationen, aus christ lichen und Hirsch-Dunkerfchen Arbeitern und aus Unorganisierten, die sich zu einem Programm proletarischer Forderungen, um die der Kampf im Betriebe geführt werden soll, bekennen.* Kurz gesagt, die KPD. will sich in den Betrieben o u f die Krück« der„klassenbewußten Unorganisierte.! stützen um die frelgewerkschaftltchen Betriebswohl- listen zu Fall zu bringen und ein«...freigeVertschaftliche" Einheitssront-List« mit Unorganisierten, Kommunisten und„Sympathisierenden" bei den Betriebsrätewahlen durchzudrücken. Diesen unsinnigen aber gewerkschastsseindlichen Plan, der nur von einem Merker propagiert werden kann, konnten selbst nicht alle Gewerkschaftskommunisten verstehen. Sachs-Halle versuchte vergeblich einen gewissen Sinn hinein- zubringen, indem«r vorschlug, daß die Unorganisterten, die wir in unsere Listen aufnehmen, sich sreigewertschastlich organisieren sollen. Mit allen gegen neun Stimmen und zwei Stimmenthaltungen wurde dieser Abänderungsantrag abgelehnt. Reumann aus Königsberg wandt« sich„entschieden dagegen, daß wir in gewerkschaftlichen Versammlungen Listen mit Christlichen und Hirsch-Dunterschen Betriebsarbeitern zur Annohme empfehlen sollen*. Das half nichts, die„Opposition* muß bei den Betriebsräte- wählen„fr« i g e w e r k schaftli che Listen mit Unor- ganisierten* fordern. Di« auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaften stehenden organisierten Arbeiter werden von dies« neuen Taktik Notiz nehmen und der Bernunst auf die Beine helfen, di« die„Revo- lutionäre* aus den Kops'stellen wollen. Ein Sechzigiährtger. Den älteren Berliner Metallarbeitern ist sicherlich der Mechaniker Albert Träger noch in guter Erinnerung, der jetzt 60 Jahre alt geworden ist�Die Irren und Wirren der neun- ziger Jahre nach dem Fall des Sozialistengesetzes hatte einen Alben Träger in ihren Bann gezogen, was ihn jedoch nicht hinderte, sich in selbstloser Weise für die Interessen seiner Berliner Berufsgenossen einzusetzen. Träger war von 1899 bis 1906 Branchenoertreter der Mechaniker im Deutschen Metallarbeiteroerband und bis 1918 als Revisor Mitglied der Engeren Ortsverwaltung. Auch in der Partei stand Träger seinen Mann. Den Sechzigjährigen beglsiten auf seinem weiteren Lebenswege die besten Wünsche._ Der Kobold gratulierk. Den Genossen Georg S ch m i d t- Köpemä! und Georg Schmidt- Karlshorst ist es schon öfter so gegangen, daß man si« untereinander vorwechselt hat. Aber wenn das am 60. Geburtstag eines d« beiden passiert, so kann da» eine Humoreske geben, bei der die Gratu'aMe» die Blamierten sind. Also deeilen wir uns mitzuteilen, daß uns der Kobold, der sich zwischen Kopf, Schreibmaschine und Setzerkasten herurn treibt, heute morgen einen Streich gespielt hat. Georg Schmidt, der heute 60- jährig«, ist nicht der aus Köpenick, sondern der«WS Karlshons». Wetterbericht der össentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.(Rachdr. oerb.) Zeitweise nebliges Frostwetter bei östlichen Winden.— Für Deutschland: Im äußersten Nordwesten noch Tau- wettcr, sonst überall Fortdauer des Frostes und vielfach neblig. Der Schimpftatalog. brechet weiß: nur die Handlung, die im Gesetz niit Strafe bedroht ist, wird bestraft. Alle anderen Toten können straffrei begangen werden. Donk unserer hoche-ntwickelten juristischen Auslegungskunst Hot sich auch das Republikschutzgesetz zur Magna Charta aller unmanierlichen Lümmel urch schimpfsreudigen Flegel entwickelt, die gegen die Republik Unrat schleudern. Scharfsinnig haben unsere Gerichte festgestellt, daß ea mit der bloßen Absicht, die Republik und ihr« Farben zu beschimpfen, nicht getan ist. Diele besondere Begleitumstände sind noch vonnöten, um de» Schimpf zu einem strafbaren Tatbestand ausarten zu lasten. Daraus hat sich für die Praxis bereits negativ ein Katalog d«r Schimpfworte und Unflätigkeiten entwickelt, die ohne Gefahr einer Bestrafung angewandt werden können. Dieser Katalog ist in allen seinen Nummern durch rich« irrüche, ja. durch höch st richterlich« Entscheidungen beglaubigt. Was liegt nun näher— und dahin geht unser be- scheidener Vorschlag— als von Amts wegen diesen Kala- log der juristisch zugelassenen Republikbeschimp. svngen zusammenzustellen, zu drucken und den amtlichen Rechtsberatungsstellen in auereichen- den Exemplaren zu übermitteln, so daß diese in der Lage sind, rechstuchenden Interessenten zu ihrer Belehrung gleich ein Exemplar auszuhändigen!' Mit diesem Verfahren wird ein allgemeiner Zustpnd der Rechts- ficherheit und Rechtsberuhigung eintreten. Die üderflüfstgen und unergiebigen Prozesse werden wegfallen. Der Oberst Düfterblick oder der Lehrer Stinkteusel, die am?lbenb auf einer Stahlhelm- kundgebung zu reden beabsichtigen, gehen inargen? zur amtlichen Rechtsberatungsstelle, erhalten dort den Katalog der zugelassenen Schimpfworte, aus dem sie in volle? Muße ihre staatanwoltstchere Rede garnieren. Der Rechtsfrieden ist da! Für den Schimpfkatalog hoben wir das folgende Muster«nt- warfen: A. Beschimpfung der Reich, färben. 1..S ch w a r z r o t m o st r> ch." Eine der üblichsten und darum strasfreien Veschimpfungen. Der Täter Hot lediglich vor Gericht zu behaupten, daß er nicht die Reichssarben. sondern die Forben des Reichsbanners Schwarz-Rot-Goch gemeint habe, Z..Mostrich"(schlechthin) darf gebraucht werden wie zu l. namentlich auch aus ösfentlschen Plätzen, auf denen Wurstzelte, Wurstbuden oder Wurstmaxen vorhanden sind. Der Täter Hot als- dann zu behaupten, daß er'»in« halbe Stund« vor dem Ruf Würstchen gegessen urtd daher nach ein Bedürfnis nach Mostrich gehabt habe. 9.„Schwarzrothühnereigclb." Darf gebraucht wer- den. jedoch nur unter Vorsichtsmaßregeln. Hühnereigelb an sich ist unanstähig, solange dazu keine verächtlichen Gesten mit den Händen gemacht wenden.(Entscheidung de» ersten Strafsenats des Reichsgerichts.) Es empfiehlt sich daher, bei diesem Ausdruck die Hände in die Taschen zu stecken. ' 4.«Südens ohne." ksieh« unter B Ziffer 2). B. Beschimpfung der Republik. 1.„Säur epubllt.* Straffreier Ausdruck- Darf jedoch nur von Bayern unter Berufung auf ihre urwüchsig« Mundart, von diesen ober auch gefahrlos gebraucht werden.(Entscheidung der Strafkammer F r a n t s u r t o. d. O.) 2..Judenrepublit." Straffrei« Ausdruck mit der Be« g rundun g. es habe nur damit ausgedrückt«erden sollen, daß dle Juden Staatsbürger seien, die besonders die Republik verehrten. Ebenso„JudenfaHns".(Entscheidung des Schösfengerichts Aurt ch.) 3.«Republik, gggründei aus Meineid und Hoch. verrat." McHruck darf gehraucht v»«rden, weil er sich pich» auf die Republik als Zustand, sondern NU? aus ihre Entstehung». geschichte bezieht(Entscheidung des Amtsgericht, und Landaeeichts P r e n z k e u.) Anmerkung: Hiernach müßte es eigentlich auch strafft« fein, amen Mitmenschen als.Sohn einer Hündin" zu bezeichnen, da hiermit auch nur seine Entstehung, nicht er selbst getroffen wird. Dach«ollen wir niemand anraten, diesen Versuch etwa an einem preußischen Richter zu machen. Der Katalog wird nach dem Stande der neuesten Sudikatur ständig ergänzt und vervollkommnet. joncthaa, Erinnerung an den Katechismus Von Hans Dauer. Es fällt in diese Tage, in denen dos Andenken Hessings, dieses kühnen und freien Geistesmenschen, geleiert wurde, noch ein anderes Jiibilaiim. Es sind Jahre vergangen, daß Martin Luther seinen Kleinen Katechismus erscheinen ließ und die evangelische Geistlichkeit hat es sich nicht nehmen lassen, vielervrten dieses Jähriingsdatum» feierlich»nd dankbar zu gedenken. Ein neckisches Zusammentreffen! Lessing: Inbegriss aller Auto- ritätsoblehnung: der Kadechismiis: Inbegriff aller Dogmatik, das dogmatische Erzdokument Es hat Katechismen vor Luther gegeben und es gab welche nach ihm, aber di« anderen kamen und vergingen, Luthers Katechismus blieb. Er wurde der Katechismus schlechthin und die Mehrzahl aller erwachsenen Deutschen erinnert sich seiner aus den Schuljahren. Aber freilich: Die Erinnerung ist keine freudige, und bis hinein in kirchliche Kreise lehnt man heute Luthers Katechismus als Erziehungsmittel ab. Verschiedentlich sind, zu statistischen Zwecken, an Schulen Umfragen darüber veranstaltet worden, welche Stunden bei den Schülern beliebt und welche unbeliebt sind. Di« Katechismusstunde hat immer besonders schlecht abgeschnitten und was mich selbst an- belangt, so denke ich mit Schaudern an sie zurück. Welche Qual war es doch, die Artikel und Sprüche auswendig lernen zu müssen! Gesangbuchverse lernen: das mochte noch gehen. Gebundene Sprach« prägt sich nicht allzu schwer ein. Aber Prosa lernen! Und dazu diese Prosa! Wir hatten keine Hilfsmittel. Noch einer bestimm- ten Anzahl von Worten machten wir jeweilig einen kleinen Strich, der einer Atempause entsprach, die hier einzusetzen hotte. Dadurch kam so etwas wie Rhythmus in die Sache, allerdings auf Kosten des Sinnes. Aber um den Sinn kümmerten wir uns so wie so einen Teufel. Wir lernten mechanisch und plapperten da» Gelernt« dann Herunter. Es waren Worte, Worte, die wir aufsagten, in- halttose, leer«, ausgeleierte Wort«, bar jeder persönlichen Not«, jeder Koloratur.»Ich glaube an Iesum Christum, seinen einge- borenen Sohn, unfern Herrn," sagten wir her(ungefähr wenigstens, denn für den Wortlaut kann ich heute nicht mehr einstehen und den Katechismus besitze ich nicht mehr),.der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Mario, gelitten unter Pontio Pilato, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder aus- erstanden van den Toten, ausgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Voters...." Ja, wir glaubten dos, weil der Teufel uns irikassiert hätte, wenn wir uns u/.t-r fangen hätten, es nicht glauben zu wollen, womit aber nicht gesr.gt sein soll, daß wir tatsächlich des Zweifels voll gewesen mären. Nein, auch so log es nicht. Wir standen der Angelegenbett völlig neutral gegenüber. Es han/delte sich um eine Schulausgabe, die wir zu erledigen Hntleir Sätze, die ihrem ganzen Wesen nach nur das Resultat innerlichsten Erlebnisses sein können, trichterten wir wie die Jahreszahlen ägyp- tischer Königsgeschlechter in un» hinein. Wir erlebten nicht,«ir paukten Religion. Loter, Sohn und Heiliger Geist wurden zu hohlen Deklamationen, die wir mitsamt etwaiger Druckfehl« um der Osterzensur willen herunterhaspelten, und wenn ich mich recht erinnere, ging dieser Prozeh zuweilen s o vonstatten: Der Lehr«: .Müll«, beginne mit dem ersten Artikel!" Müll«:.Sch glaube. daß mich GoU geschaffen hat..." D« Lehr«:.Setzen! Der Nächste!" Der Nächste: �.. samt allen Kreaturen mit Leib und Seele..." D« Lehrer:.Setzen! Der Nächste!" D« Nächste: .... mit Augen und Ohren..." Di« Dogmen sind der wunde Punkt d« Religionen. Sie machen st« starr, unbeweglich, lassen sie verkalken. Aber wenn nun obendrein gar noch die Dogmen in dos Dogma ganz bestimmter. unauswechselborer Worte gezwängt werden, dann oertiert sich all« Weit« des Horizontes, dann kommt ödester Verbalismu» heraus, d« der Todfeind allen Geistes ist. Die evangelische Kirche kann aus die Erfolge mcht stolz sein. die sie mit ihrem öOOjährigen Katechismus erzielt hat. Er hat stck nicht bewährt. Solch« Tugendkotaloge«töten die Innerlichkeit und oerführen zu Schematismus, d« nirgendwo am Platz« ist al« dort. wo die Seele ihre Sehnsucht stillen möchte.„Die Zinnen der ewigen Stadt", die nach Gerhart Hauptmanns schönem Wort,.im Grund aller Augen blitzen", macht kein vorgekautes Ich glaube... Ich glaube... Ich glaube... gegenständlich: sie wollen«- rungen sein und man bedarf, um vom Katechismus nunmehr vollends zu schwelgen, nicht einmal unbedingt der Religion dazu. Oer„Schacht des Todes" von Llr. Die neuesten Ausgrabungen in Ur. dem biblischen„Ur der Chaldäer", aus dem Abraham auszog, um nach Kanaan zu wandern, haben zu neuer Entdeckung geführt, die eine noch größere Sensation bedeutet als die wichtigen archäologischen Funde, die die gemeinsame Expedition des Britischen Museums und der Universität Pennsyl- ponien an dieser ältesten Ställe babylonischer Kultur gemacht hall«. Es handelt sich dabei um die Freilegung einer tiefen Grude, die zu einer überraschenden Entdeckung sühn«. Der etwa acht Quadrat- meter große Schacht enthält, wie der Expeditionsleiter Leonard Woolley in«in« grpßen Londoner Zeitschrift berichtet, die Reste von nicht weniger als 74 Personen, zumeist weiblichen Geschlechts. Sie bilden das Mosienopser, das bei der Leichensei« des Königs vor 5000 Jahren den Manen des Toten dargebracht wurde. „Rur wenige dieser unglücklichen Opfer," schreibt Woolley,„ent- kehrten des Goldschmuckes, der sich zumeist als ein hochwertiges Cr- zeugnis damaliger Goldschmiedekunst zu erkennen gab. Der Boden des Schachtes war bedeckt mit goldenen Reifen, Soldblättern aus den Trau«krSnzen, Stücken von Gold, Lapislazuli und Karneol, sowie mit eingelegten Blumen hoher Hoarkämme. Außer diesem persön- lichen Zierrat und kleinen Gefäßen aus Ton und Kupfer, die zu- weist neben den Händen der Skelelle lagen, fanden wir Indessen noch elne Menge anderer Gegenstände. So logen an einer Stelle vi« Harfen' übereinaicher, van denen eine ein wahres Prachtstück darstellt. Der ausrechtstehende Resonanzboden war reich ausgelegt, die Pfosten mit Mosaik und Gold prunkvoll geziert, die Spitz« des Balken» war aus Silber gearbeitet und wurde von dem prächtigen goldenen Kopf eine» bärtigen Bullen gekrönt. Unter diesem Bullen- Haupt befanden sich Kränze von Muscheln, in die mythologische Szenen eingraviert und mit roter und schwarzer Farbe ousgetuscht waren. Zwei andere Harfen waren vollständig aus Silber gefertigt. Eine ist mit dem Kopf ein« Kuh aus massivem Silber geschmückt. Die andere Harfe schmückt al» Kopfstück die silberne Figur eines Hirsches, der auf einer Art Fähr« steht. Di« vierte Harfe endlich, die wahrscheinlich au» Hotz gearbeitet war, ist leider pollständig zer- fallen. Es ist von ihr nur die Kupferfigur ein«» Hirsches übrig- geblieben, der ihr al, Schmuck dient«. Die Harfen sind aber nicht nur herrliche Muster sumerischer Kunst, sondern auch deshalb hoch- interessant, weil sie uns über den Stand de» sumerischen Instrumentenbou«» im vierten vorchristlichen Jahrtausend unter- richten. In einer anderen Ecke der Grub« fanden wir zwei Figuren von Widdern, nlelleicht der bemerkenswerteste Fund, den wir bei unserer Arbeit in Ur zutage förderten. Die Widder sind au« Gold, Lapislazuli und weihen Muscheln aus hölzernem Gehäuse gearbeitet. Dies«? Gehäuse ist freilich zerstört, und die Last der Erdmassen hat überdies die Widdsrtörper so desormtert, daß es einer eingehenden Behandlung im Laboratorium de» Museum» bedafs, unr uns üb« ihren ursprünglichen Zustand aufzuklären. In jedem Fall stand die eine Figur aus den Hinterbeinen, während die Vorderbeine in einem Pjlanzengewirr verborgen waren, dessen goldene Stengel und Blumen an jeder Seite des Kopses des Tieres emporragten. Augen, Hörn« und Schultubläller des Widders bestehen aus blauem Lapis, der Kops und die Beine aus Gold, das Wieb aus Muscheln, die so sein g«- arbeitet sind, daß jede Haarlocke einzeln und naturgetreu heraus- kommt. Der Wanst besteht aus Silber. Bisher ist uns noch kein Stück in die Hände gefallen, das für den Stand de» sumerischen Kunstgewerbe« ein so monumentale» Zeugni, ablegt, wie diese Figuren." ""• Ein Roman Rapoleons I. Ein Iugendrmnan Rapolaon»„Elision und Eugen, e" wird demnächst in Warschau erscheinen, w» die Handschrift par fünf Jahren in ein« Prwatbittiathat entdeckt wurda. D« Roman besitzt meniser durch seinen dichterischen Wert al» durch seine autobiographischen Bekenntnisse Bedeutung. Er läßt uns«in«, Einblick tun in da» Seelenleben des jungen Napoleon in den Togen, nachdem die gamili« Lonaport« zuerst Korsika verlasien hall«- Napoleon» Bruder Joseph hatte in Marseille Juli« Elory, die Tochter ein«? reichen Kaufmann» geheiratet, und in ihre Schwester Desire« perliebte sich Napoleon und unterhielt mit ihr während der Monate, die er in Pari» aus eine militärische Verwendung wartete, einen lebhaften Briefwechsel. während er zugleich Joseph bestürmte, für ihn bei der jungen Dame zu werben. Der Roman spiegelt dies« Erlebnisse des späteren Kaiser». Oos Geheimnis der Zwillinge. Eins der seltsamsten Ereignisse, die wohl je vorgekommen sind, ist der Selbstmord der beiden Krebsforscher Dr. Arthur B. und Dr. Sydney M. Smith, der Zwillinge, di« im Leben wie im Tode. i» ihrem Denken und Wirken so unzertrennlich gewesen sind. Sic haben ein letztes Vermächtnis hinterlassen, das sich„An die Nation" richtete, und in dem sie um die Unterstützung ihrer Mutter bitten. „Wir gehen aus dieser Welt." so schließt das Schriftstück,„nachdem ein Erwachen der Nation in d« Bekämpfung de» Krebses durch Radium erreicht ist— unser Lebensziel ist vollendet. Armut, die nicht» durch eigene Bedürfnisse, sondern durch den Dienst für frie Allgemeinheit hervorgerufen wurde, hat uns getötet. Mißverstehen hat dabei auch ein« kleine Rolle gespielt." Die beiden Brüder waren einander so ähnlich, daß man si« kaum voneinonder unterscheiden konnte, und nicht nur ihr Aeußer«». sondern auch ihr Inneres hatte die denkbar größte Aehnlichkeit. Gemeinsam haben sie sich der Bekämpfung des Krebs«, gewidmet und in der Verwendung des Radiums ein wichtiges Mittel erkannt. Di« englisch« Presse, die sich mit diesem, da» größte Aufsehen erregen- den Fall eingehend beschäftigt, bringt die erstaunlichsten Mitteilungen von Freunden über die Gleichheit ihres Cliarakters und ihrer Denk- weise. Es kam häusig vor, daß einer von ihnen einen Satz begann, der sich auf die sie ausschließlich beschäftigenden wissenschaftlichen Fragen bezog, und der andere fiel ihm ins Wort und vollendet« den Satz mit denselben Warten, mit denen ihn der erste zu Ende ge- bracht hätte. Die Brüder Smith waren ein überaus bezeichnende« Beispiel für das Wesen der.eineiigen" Zwillinge, jener besonderen Art. die durch die Teilung einer einzigen Zelle entsteht. Dies« Zwillinge haben immer dasselbe Geschlecht und häusig eine vollkommen gleiche Form der Begabung und Weltanschauung. So kam es. daß di« Brüder Smith in sich den gleichen Beruf fühlten, ihr Leben dem Kampf gegen die furchtbare Menschheitsgeißel zu widmen, und daß sie gemeinsam für diese hohe Aufgabe gelebt hoben und gestorben sind. W0mal„Vie Verbrecher". 100 mal hat das Anklagestück des unbekannten Autors, der sich hinter dem Namen Ferdinand Brucktier verbirgt, da» Parkett de» Deutschen Theaters erschüttert und unterhatten. Dem Schrei nach dem Zeitdramo, der die brennenden Probleme de, Augenblicks fordert, ist hier Erfüllung geworden. Die Bühne hat sich in«in Tribunal verwandelt und der Gcrechtigkeitsbetrieb wird in krassen Beispielen verurteilt. Hohn und Spott sind bis an die Grenze des dramatisch»och Möglichen getrieben. Dle interessante Ausmachung (ein Querschnitt durch ein ganzes Haus mit gelegentlichem Simultan- spiel mehrerer Handlungen), die Heinz Hilpert zu danken ist, dte hervorragend« Rollenbesetzung(vor allem di« traftvall-derbgesunde Höflich als Köchin, di« aus Eisersucht mordet und in einem ge- wissen Abstände Hans A l b e r s als der Liebhaber von fünf Bräuten) sichern dem spannenden Stück auch noch weitere Erfolg«. Ob aber diese Zuschauer hier die Aenderung der Justiz abwarten werden? —,— plosefl»r hau» protz, srüher laiiojäbriger Ordinanu« her(«eschichtc an der UnwersttSt Königsberg, ist geilern in Stuttgart im«llter von SS Jahren aeitorden. All der mitt-Iatterlich-n Seichlchte hatte e.r sich norzilgltch he schüttiqt. Sein Hauptwerk W die in den Jahren 1899 hj» 1802 zrlchtenene nierdändige preuktsch- Geichichtc. warin er an dir vreuit. balriettschen Uegendc Aritil üble. HanS Peutz war ein Sohn de» varmär, lichen Robert Prufl. v« Aegisseor«nf Helsen. Die seit längerer Zeit geiübrten Verband Iitngen»rnitthen der Surgtheaternerwaltung und dem Regisseur de» Berliner Deutichen Theater». Heinz H i I p e r t, baben einen tldschluß gelundeu. Der Künstler wird weiter in Lerim tätig sein, aber jährlich mehrere Inscenieruugen in Dien vornehmen. Die Bmlethara der Slaalipttlf« für bildende Kunst erfoial» am Rontag bei dem Konzerl«er Preußischen Akademie der Künste. Dte Stealtvr-I'r für»«SS erhielten der Bildbauer Marlivg und de««rchttett llUrtch. beide in Berlin tätig. Die Medaillen der Akademie für hehverraaende Setstungen preutzischer Kunbbochschüler erhielten: di, Malerin Fräulein welniischke. eine Schülerin Den Proietzor Dritt, und der Bildhauer Jnlw»»e'ger. d« itp Iltelle* van Presetsar Klimlch an den verewigten Staat, schulen für freie «nd angewandte Kunst seine Ausbildung«halt«, hat. Sieden HtiOlon» Hl für Bücher and Manuskrips«. Di» Rew-Sorker Versteigerung der Bibliothek Kern, die kostbare Manuskript« und(trmut gaben von Zdackerah und Vitt Wnilman enthielt, hat 1 7ü9 ,82.— Dollar». a>I» über sieben Millionen Reichsmark ergaben. Da« Ist ehe Ergebnis, da» di« letzt nur bei der Vertleizerimg der Hoe.Eammlung im Jahre 191 1 Übertrossen worden ist. Dort«vor aber dt« Zahl de»»u» verkam gelangenden Nummern etwa zehnmal ja hoch. Der Fall Torès. Ein Konflift im Pariser Bezirksverband. Paris, 30. Januar. Der Bezirksvorstand des Seine- Departements hat mit 12 gegen 10 Stimmen beschlossen, bei der Stichwahl am tommenden Sonntag die kandidatur von Torès nicht aufrechtzuerhalten, sondern die sozialistischen Wähler aufzufordern, bei der Stichwahl für den fommunistischen Kandidaten Marty zu stimmen. Henri Torès ist eine farbige, aber eine bekannte Figur im politischen Leben Frankreichs. Ein sehr populärer Pariser Advokat, hervorragender Jurist und leidenschaftlicher Redner mit donnernder Stimme, mit deren Hilfe er in einer stürmischen Volksversammlung Herr sein kann. Torès plädiert immer in allen sensationellen, meist politischen Prozessen. Nicht nur in Frankreich. So neulich, als die Ermordnung Raditschs im jugoslawischen Parlament vor Gericht treten sollte, wurde ihm von den froatischen Gesinnungsgenossen des Ermordeten die Vertretung ihrer politischen Interessen angeboten. Die mißhandelten Juden von Rumänien haben auch öfters seine Hilfe angerufen. So ist der Ruf Torès als politischer Verteidiger über die Grenzen Frankreichs verbreitet. Das genügte ihm aber nicht. Er schwärmte für die politische Lätigkeit eines Tribuns, er will einen Sitz im Palais Bourbon, in der Kammer, erobern. So wie so viele andere, die ihren Ruf mit der Wahl ins Barlament ,, frönen wollen. Kaufleute, Industrielle, Advokaten, Journalisten, Gelehrte, alles ehrgeizige Leute aller mög lichen Berufe suchen nach einer Gelegenheit, gewählt zu werden. Der Deputierte ist im demokratischen Frankreich eine große Macht. Ihm ſtehen alle Türen offen. Für einige ist die Ausübung des Mandats eine höchst lukrative Beschäftigung: wie viele Stellen in Aufsichtsräten, als Syndikus usw. find an Deputierte vergeben worden. Für andere wieder ist die Wahl mit einer Möglichkeit einer riesigen Karriere verbunden. Kein Wunder daher, daß so viele nach einem Mandat suchen. Dabei ist die Frage der politischen Richtung ziemlich gleichgültig: häufig wählt man diese nicht nach Maßgabe einer lleberzeugung, sondern aus dem praktischen Gesichtspuntt, ob das Programm von den Wählern gebilligt wird. Das französische Parteisystem erleichtert sehr diese Art der Stimmenwerbung. Außer den ziemlich stark verbreiteten ,, sans- parti".( Wilden) gibt es eine Anzahl Parteichen, bei denen man feinen erklärbaren Grund für ihre besondere politische Existenz finden kann. Persönliche Beziehungen, Ehrgeiz, Kränkungen, Wahlaussichten usm., nur nicht die Frage der Weltanschauung oder politischen Tendenzen haben diese Bildungen in die Welt gebracht. So ist die politische Laufbahn von Torès äußerst bemerkensmert: im Kriege Mehrheitssozialist, nach der Spaltung Kommunist, um dann durch die Zwischentour der sozialistisch- kommunistischen Gruppe passierend, wieder bei den Sozialisten zu landen... gerade vor den Frühjahrswahlen von 1928. Bei diesen Wahlen wurde er ober nicht gewählt. Daher fandidierte er unlängst bei den Nachwahlen im proletarischen Pariser Vorort Asnières. Dabei tam es zu folgendem 3mischenfall: furz vor dem Wahltag sagte Torès feine Kandidatur ab, wahrscheinlich, weil sie ihm in diesem Wahlfreis doch aussichtslos erschien, um gleichzeitig mit der Absage seine Kandidatur in einem anderen, ebenfalls proletarischen Wahlkreis, im Vorort Buteaux wieder aufzustellen. Diese Vorgänge führten nun aber zu Einsprüchen der Partei. In den Pariser Abteilungen konnte man starte Empörung beob= achten. Das führte zur Besprechung der ganzen Sache in dem Seine- Bezirksverband. Der Bezirksobrstand lehnte mit großer Mehrheit die Kandidatur Torès ab. Ein Abgeordneter bezeichnete die Stimmung des Verbandes als einen ,, moralischen Aufstand". Dieser Entschluß des Vorstandes ist um so bemerkenswerter, als er schließlich vor der Tatsache stand, daß die Sektionen von Buteaug trotzdem Plakate mit der Torès- Kandidatur öffentlich herausgebracht haben. Der Bezirksverband ging fomit einer Spaltung entgegen. Die Haltung des Puteaur- Kreises führte zur Besprechung der Angelegenheit im Parteivorstand, der sich einstimmig gegen Torès aussprach. Wenn der Parteivorstand feinen Ausweg findet, Theater, Lichtspiele usw. Mittw., d. 10. 1. Staats- Oper Unter q. Linden A.-V. 27 194 Uhr Cavalleria rusticana Bajazzi Staats- Oper A.n Pl.d. Republ. R.-S. 26 1912 Uhr Carmen Mittw., d. 30. 1. Städt. Oper B.smarckstr. Turnus III 19% Uhr Die Hochzeit des Figaro Staatl. Schausph. 84 G.adarmenmarkt A.-V. 26 20 Uhr Oedipus Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Flachsmann als Erzieher SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 HARRY RESO und weitere Varieté- Neuheiten Komische Oper( 84) James- Klein- Revue Paradies der stissen Frauen! Parkett 4,50, Rang 2,50 M. Theater des Westens Täglich 8% hr Der sensationelle Erfolg! Käthe Dorsch in Friederike Musik von Franz Behar Kammers. Karl Jöken ( Staatsoper Berlin) Borverkauf ununterbrochen. Raffe den ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931 n. 7108. 84 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Neu! Lothringer Straße 37. tann man mit einer Spathmg in dem Barijer Bezirt, mb ban mit einem ungünstigen Wahlausgang für die Partei rechnen. Die Entrüstung der Genossen gegen Torès ist durch seinen Kampf um ein Mandat erklärlich. Besonders schlimm ist für die Partei, daß sie im ganzen Gebiet der Pariser Bororte in einem schweren Kampf mit den Kommunisten und der Rechten steht. In Asnières wurde deshalb schließlich ein ausgesprochener Reaktionär gewählt. Vielleicht konnte aber die Partei, um nicht mitten im Wahlkampf ihre Kräfte zu schwächen, doch keinen Einspruch gegen Torès erheben? Die Partei führt jetzt einen Kampf gegen die faulen politischen Sitten, auf die man durch den Fall der„ Gazette du Franc" und den Prozeß gegen den gewesenen Finanzminister Klotz aufmerksam geworden ist. Die Partei fordert Maßnahmen gegen das politische Schiebertum. Durch die Kandidatur Torès fann sie sich selbst nicht davon ganz freihalten. Torès führt auch dieses Doppelleben: einerfeits fämpft er für ein politisches Programm und andererseits... macht man seine Geschäfte. Das ist eben der Fall mit Torès. Gleichzeitig mit seiner Parteifandidatur tritt er als Verteidiger in Sachen der„ Gazette du Frane" auf, wo er einen der Hauptschurken, Lazare Bloch, verteidigt, ebenfalls den Wechselfälscher und erbittertſten Feind der Arbeiterklasse, Klotz. Das konnte das Gewissen der Partei nicht ertragen. Sie erhob Einspruch gegen solche Kandidatur. Und mit Recht! A. D. Der innere Feind ist die Hauptsache. Bon der„ Geheimen Krantheit" der KPD. Das Organ der Brandleristen„ Gegen den Strom" bespricht mit blutigem Hohn ein Rundschreiben der KPD.- Zentrale über die Veröffentlichung der parteiamtlichen Dokumente zum Kampf gegen die„ rechte Gefahr. Es sind ihrer viele, so viele, daß die gehorsamen Redakteure der 23 fommunistischen Zeitungen mit dem Ab. drud nicht nachkommen. Seit Mitte Dezember sollten sie fast ein Dugend dieser Dokumente abdrucken, die sich alle nicht gerade durch Rürze auszeichnen. Willig waren die Redakteure schon, aber was tun bei einer Inflation von so viel dokumentarischem Geist? Es gab ein großes Durcheinander und nun flagt die tommunistische Zentrale in einem 5% Spalten langen Rundschreiben darüber, daß die fommunistische Presse die wichtigsten Beschlüsse ganz versteckt an unmöglicher Stelle veröffentliche. Die Beispiele, die hier angeführt werden, zeugen allerdings nicht gerade von Hochachtung gegenüber den geheiligten Papieren. Das Magdeburger Kommunistenorgan versah eine Beilage mit der fetten Ueberschrift:„ Von der Vielmännerei." Dar unter eine zpeite fette lleberschrnft: Trint, trin DG unter eine zweite fette Ueberschrift: Trint, trint, Brüder Lein trink!" Auf der Rückseite las man dann den letzten Etti brief. In Bremen druckte man die Beschlüsse der Zentrale auf einer unpolitischen Innenseite, umrahmt von folgenden Artifeln:„ Segueller Bolschewismus und Neue Wege zur Erkennung der Syphilis". Die KPD.- Zentrale sieht darin schon Majestätsbeleidigung und flagt: Große Parteizeitungen haben die Beschlüsse des 3A. in einer Art und Weise in die Preise gebracht, als ob es sich um eine geheime Krankheit handelt, die man vor der Deffentlichkeit zu verbergen habe." Sodann werden die Redaktionen belehrt, daß der Parteitrach für sie die Hauptsache zu sein hat: An,, Vor allem muß die sozialdemokratische chauung, wie sie noch in vielen unserer führenden Genossen in den Bezirken vorhanden ist, verschwinden, als ob die Partei diskussion und Parteiauseinandersehung eine Krankheit und eine Schande für die Partei sei, und die deswegen die Auseinandersetzung in der Parteizeitung entweder gar nicht oder irgendwie versteckt bringen, und die noch nicht begriffen haben, daß es die wichtigste boffchemistische Aufgabe ist, die innerparteilichen Probleme als wichtigste Frage der gesamten Partei an hervorragender Stelle zu behandeln. Wir verweisen die Genossen nur auf die Tatsache, daß die ersten, Parteiorgane der Bolschemist en gerade darin ihre große Bedeutung hatten, daß sie Kampfesschriften Winter Garten 8 Uhr Rauchen erlaubt Drei Codonas und weitere Varieté- Neuheiten Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise) Elite- Sänger DIE JANUARSENSATION: Krach! Volkspreise: Mk. 0,50 b. 2,00, Logen 2,50 Neu NEUE WELT Kilometerliebchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84. Täglich 8% Ubr Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. CIRCUS BARUM Berlin- Lichtenberg der. Ecke Gürtelstr. Vollständig neues Programm täglich abends 8 Uhr Arnold Scholz Hasenheide 108/14 Großes Bockbierfest Donnerstags: Großes Schweineschlachten. Einlaẞ 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. 7 Kapellen 50 bayerische Madl. und Trianon- Th. Dtsch. Künstler- Th. Täglich 8% Uhr Erika Gläßner in Gretchen Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr: Jettchen Gebert Singspiel von Walter Kollo Lustspielhaus Friedrichstr.236 81 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace desisch Rita Matthias Preise 1--10 Mark R ose- Theater Gr.Frankfurter St.132 8¼ Uhr Die Fledermaus Z entralTheater Alte Jabsbstr. Edke Oranienstr. Täglich 8% Uhr Bergmann 2922/23 Sonntag auch 4 Uhr Täglich 8% Uhr GuidoThielscher in Weekend Im Paradies HALLER- REVUE ,, Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 814 Uhr Ich küsse Ihre Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem Rampfesorgane gegen Strömungen und Ris tungen in der eigenen Organisation waren, die einen anderen politischen Standpunkt vertreten haben, und an erster Stelle immer der Kampf gegen die inneren Feinde in der Partei geführt wurde, und erst in zweiter Linie die übrigen politifchen allgemeinen Probleme behandelt wurden." Was wäre die Kommunistische Partei, wenn fie feinen ,, inneren Feind" hätte! Sie müßte ihn neu erfinden, um nicht der sozialdemokratischen Unfitte zu verfallen, sich mit allgemein politischen Problemen oder gar mit der praktischen Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft zu befassen. Was wird sie nur anfangen, wenn die letzten von der rechten Gefahr drüben sind? Man wird eben wieder eine neue Richtung erfinden. Es lebe der ,, innere Feind!" Zurück zur SPD. Leipzig, 30. Januar.( Eigenbericht.) Das tommunistische Bezirkstagsmitglied Marder in LeipzigGaußich, ein erfahrener Kommunalpolitiker der KPD., ist zur SPD. zurüdgefehrt und hat sich der sozialdemokratischen Be zirksvertreterfraktion angeschlossen. Angeefelt von der Korrup tionspolitit der KPD. haben mit ihm noch zahlreiche andere Leipziger Kommunisten die KPD. verlassen und sich der SPD. angeschlossen. Der Fall Bullerjahn. Amtlich wird mitgeteilt: Die ,, Rote Fahne" behauptet zum Fall Bullerjahn, der Berteidigung feien bis heute die angeblich unauffindbaren Aften nicht erreichbar gewesen. Die Behauptung ist unwahr. Ein Gesuch der Berteidigung um Einsichtnahme in die Atten waren bis vor wenigen Tagen überhaupt nicht eingegangen. Die Atten waren auch stets erreichbar. Erst am Ende der vergangenen Woche hat die Berteidigung um Afteneinsicht ersucht. Diesem Gesuch hat der Oberreichsanwalt noch an demselben Tage stattgegeben. " Der totsichere Tip. In einem Bierrestaurant der Friedrichstraße fizt jeßt einer und zeigt, wie man am Roulette- Tisch gewinnen muß. Die Tischbespannung zeigt das Nummernfeld, vor ihm steht das Glücksrad, links hat er die Schips und sein Kassabuch, in das er jeden Bosten einträgt, rechts sigt der Banthalter, der Gewinn und Berlust ebenfalls bucht, ausbezahlt oder einheimst. Die Figur des System- Spielers", der nicht mit dem blinden Zufall, sondern mit nüchternen Zahlen rechnet und nicht seine Spielerleidenschaft, sondern starren, arithmetischen Grundsägen huldigt, ist längst nicht mehr neu. Man trifft sie überall, mo gespielt wird. Sie sind von einer Zähigfeit, die ein richtiges Berzweifeln am Berlust gar nicht aufkommen läßt, denn sie wissen genau( wenigstens bilden fie fich dies ein), daß ihnen eben ein Rechenfehler" unterlaufen ist. Der Mann ist 40 Jahre alt, von Beruf Kunstmaler, seit sieben Jahren hat er das Glüd im Spiel" genaueftens studiert und glaubt, es jetzt endgültig erfaßt zu haben. Sein System-er nennt es Methode ist absolut nicht kompliziert. Er spielt unentwegt rot und wartet mit Ruhe, gleichmäßigen und nicht allzu großen Einfägen seine Glückssträhne ab; er fezt stets nur auf einfache Chance, dect ab und zu das Zero und unterbricht sein Spiel, wenn ichwarz" nach dreimaligem Auftauchen immer noch nicht von der Bildfläche verschwindet. δας Er behauptet, mit Rühe, Ausdauer und Konsequenz nötige Betriebskapital ist natürlich Grundbedingung nach einer gewissen Zeit schließlich doch mit Gewinn zu endigen; außerdem wähnt er sich im Besitze bestimmter überfinnlicher Talente, so z. B. das Erraten von glückbringenden Zahlen, des Dirigierens der Kugel usw. Seine Spieltaftit ist also eine Mischung höchst realer und völlig irrealer Faktoren, damit will er die Welt erobern. Aber er will auch der übrigen Menschheit den Weg zum Glück weißen. Nun sucht er einen Impresario, der ihm dies ermöglicht, einen Rapitalfräftigen, der ihm das nötige Kleingeld vorstreckt und Spielpartner, die nach seiner Methode gewinnen sollen. Berantwortl. für die Redaktion: Balfgang Schwarz. Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GW 68, Lindenstraße 3. Sierzu i Beilage. Volksbithne Theater am Balowplatz 8 Uhr Das Mädl aus der Verstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Reichshallen-Theater Abends 8 Sonntag nachm. 3 Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Steffiner Sänger Nur noch bis 31. Jan. Das wundervolle Januar- Programm! Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brettl: Varieté/ Konzert/ Tanz Planetarium am Zoo Die Drei- Groschen- ferläng. Joachimsthaler Straß Oper Thalia- Theater 8 Uhr Noll. 1578 16 Uhr: Der Sternbimmel im Winter 18 Uhr: Barnowsky- Buhnen Theater in der Königgrätzer Straße 8% Uhr Revolte im Oelrausch mars und seine Erziehungshaus Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Flachsmann gleichnam.Schlager Rundfunkhörer als Erzieher halbe Preise Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Staatsoper am Platz der Republik 7½ Uhr Carmen A. 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr Th. am Schiffbauerdamm 3 X Hochzeit Täglich 8 Uhr Rätsel 20 Uhr: Werden u. Vergehen d. Sterne Saltenburg- Bahnen Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8¼ Uhr Max Adalbert in Der Dickkopf Sandrock, Landa, Sterler, Sikla. CIRCUS BUSCH Tägl. 8 Uhr Gr.Jan.- Attrakt. Zum Schluß: Der aus Sibirien mit Maria Rasputin. Das Geld auf Krause- Pianos der Straße Lessing- Theater Abenteser v. Bernauer 8 Uhr: Ratharina Kale. u. Oesterreicher zur Miete W50, Ansbacherstr.1 Kammerspiele Hermann Borgmann Norden 12310 8, Ende nach 10% U. ( Abie's Irish Rose) Die Drei- Groschen Soeben erschienen" Metropol- Theater Gr.Schauspielhaus 8 Uhr & Uhr Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers, Marquita Sisters, Beauty Girls, Jackson Boys Zwei Charell Emmy Sturm Frind, Ahlers, Lisske, Serds, La Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bondow, Morgan, Blankenhora, Picha Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Demnächst auf Elektrola Neu auf Elektrola Oper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski Komödie von Edouard Bourdek Regie: Baumschulenweg Baumschulenstr. 89 Ecke Kiefholzstraße 184 Tel.: Oberspree( F 3) 1527 Forster Larinaga. Bitte auf die Edie zu achten! Thalia Theater Berliner Bürgerbräu Deutsches Theater Dresdener Str. 72-7. Gut gepflegte Speisen und Getränke Uhr. Ende 10% U... Oelrausch" Partei- und Reichsbannerlokal. Die Verbrecher Norden 12310 Schauspiel von FerdinandBruckner 8 Uhr 10 bis 12 Elektrische Anlagen Monats en Regie: HeinzHilpert 1 Zimmer 53.-, 2 Zimmer 65.-, 3 Zimmer 83.-, 4 Zimmer 100- M. einschl. Küche, Korr., Bad cd Toilett. sow.Zählertafel u. ZählerDie Komödieanlage. Für Steigeleitungen billigste Berechnung. Bismarck 2414/7516 Kostenanschläge und Vertreterbesuch unverbindlich. 814 Uhr, Ende 10% " Olympia" von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. G.Joh. Reinde& Co. Elektromeister Ladengeschäft: Neukölln Bureau und Werkstatt: Schöneberg Neukölln 4093 Nogaistr. 39 Stephan 8270 Maxstraße 6 Gas, Wasser, sanitäre Anlagen. Klempnerei Betlage Mittwoch, 30. Januar 1929 Der Abend Spalausgabe des Vorwäre Ein Betriebsrat erzählt. Aus den Anfängen des Betriebsrätegesetzes. Das Betriebsrätegefeh trai Anfang Februar 1920 nach| die Arbeit gerade hin, um die bestehende, vertürzte Arbeitszeit auf heftigen Kämpfen im Sozialpolitischen Ausschuß und in der Natio- rechtzuerhalten und die Firma erledigte den Auftrag dadurch, nalversammlung in Kraft. Es war ein Kompromiß, das viele be- daß sie die Läger räumte. rechtigte Wünsche der Arbeiter und Angestellten unbefriedigt ließ, auf der anderen Seite aber auch den Unternehmern Hemmungen auferlegte. Bevor man allerdings an die Arbeit gehen konnte, mußte die Arbeiterschaft den Kapp und Ehrhardt ihr Handwert legen. Die Betriebsrätewahl felbft war nicht eigentlich etwas Neues. Schon im Dezember 1918 waren auf Grund einer Berordnung über Tarifverträge, Arbeiter- und Angestelltenausschüsse nach Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten", die von den Voltsbeauftragten erlassen worden war, Ausschüsse gewählt worden. In den neuen Betriebsräten faßen zum Teil dieselben Mitglieder. Dementsprechend war der Empfang durch die Werksleitung. Bei der ersten Begrüßung nach der Wahl hieß es dann etwa: Wir freuen uns, piele der Herren, mit denen wir schon als Arbeiterausschußmitglieder sehr gut zufammengearbeitet haben, auch im neugewählten Betriebsrat wiederzusehen. Wir hoffen, baß auch jezt unter den veränderten Verhältnissen die 3u fammenarbeit gut sein und daß es gemeinsam gelingen wird, unser zusammengebrochenes Vaterland wieder in die Höhe zu bringen. Die Tätigkeit der neuen Betriebsräte hat jetzt eine gesetzliche Grundlage, die wir nie aus dem Gesichtsfreis zu verlieren bitten. Wir danken Ihnen, meine Herren!" Bar der Betriebsrat mit einer Antwort nicht schnell bei der Hand, so tonnte es vorkommen, daß man von der Direktion nur noch die Haden jah, wenn man gerade den Mund aufmachen wollte. Gute Zusammenarbeit! So war es damals und ob sich heute so sehr viel geändert hat? Gute Zusammenarbeit! Ein paar Tage nach der Begrüßung las der Betriebsrat am Schwarzen Brett der Fabrit S., die hier als Beispiel dienen mag, einen Anschlag der Betriebsleitung: Einstellung der Arbeit megen Streits der Elektrizitäts-, Gas- und Wassermertsarbeiter. Hallo, und der Betriebsrat? Erdachte nicht daran, sich übergehen zu lassen, untersuchte den Fall und wandte sich direkt an die Direktion. Die Direttion mußte anerkennen, daß der Betriebsrat übergangen worden war, sie mußte einwilligen, daß der Arbeiterschaft tarifmäßig eine Wartezeit" von drei Stunden bezahlt wurde und der fategorische Anschlag der Betriebsleitung machte einer Mitteilung des Betriebsrats Play, die die Belegschaft über ihre Rechte und die vom Betriebsrat getroffenen Maßnahmen aufklärte. Darob große Verstimmung des Betriebsleiters. Er fonnte es sich nicht verbeißen, in Zukunft alle Anschläge des Betriebsrats mit pein ficher Genauigkeit zu fontrollieren, obwohl fich ein rechtlicher Anfpruch darauf aus dem Gesetz nicht herleiten ließ. 9 Eine Ueberraschung. d So wurde Vernunft in Unfinn verkehrt! Vielleicht hätte niemand gegen eine solche Methode der Auftragserledigung Ginspruch erhoben, wenn es sich nicht um Artifel gehandelt hätte, die seit Jahrzehnten als genormte Bestandteile für Eisenbahnbedarf galten. Der Firma lag aber nichts daran, der Arbeiterschaft zu helfen und mit ihr gemeinsam am Aufbau des Vaterlandes" zu arbeiten. Für sie fam lediglich die Stabilisierung des Profites in Frage, während sich die Arbeiter mit der Stabilisierung der Berkürztarbeit begnügen mußten. Gewisse Arbeiten wurden aus dem Hause in Lohnarbeit vergeben, nur weil sie scheinbar etwas billiger war; dafür durften die eigenen Werkzeugmacher feiern. Ein bewiesener Fall für viele unbefannt gebliebene: der Betriebsleiter beteuerte, daß er jeden Auftragszettel aus dem eigenen Betriebe erhalte und darauf prüfe, ob die Arbeit nicht in eigenen Werkstätten angefertigt werden fönne, selbst wenn sie sich teurer stelle. Zu gleicher Zeit tomte dem Betriebsleiter aber nachgewiesen werden, daß für einige Zehn tausend Mark Werkzeuge an andere Werkzeugmachereien vergeben wurden. Gewiß, die Arbeiter in den anderen Wertstätten wollten auch Arbeit haben. Aber das hätte sich mit einer vernünftigen Berteilung der Arbeit und der Arbeiter erreichen lassen. Doch da tam man mit Schweigegeboten und Strafandrohung! Krach. Daß die Betriebsräte bei den Betriebsleitungen nicht immer beliebt sind und daß man sich häufig bemüht, sie aus dem Betrieb zu entfernen, ist bekannt. Die Firma, die hier als Beispiel dient, glaubte feinerzeit einem besonders eifrigen Betriebsratsmitglied daraus einen Strid drehen zu tönnen, daß man ihm lleber schreitung der Betriebsratsbefugnisse" vormarf. Das Betriebsratsmitglied hatte Differenzen in einer Fabrifs= abteilung selbständig geregelt, er hatte den Schriftführer des Betriebsrates vertreten und sollte sich dabei nicht ordnungsgemäß bei seinem Meister abgemeldet haben. Schließlich hatte er sogar eine Privatarbeit auf der Schreibmaschine anfertigen lassen! Man sieht, alles schwere Bergehen, die, nach der Meinung der Direktion be wertet, die Entlassung des Missetäters nach sich ziehen mußten. Daß die prompte und schmerzlose Erledigung der Werkstattdifferenz auch im Interesse der Firma lag, sah man höheren Ortes sehr bald ein. Da mar also nichts zu machen, zudem besaß der Betriebsrat die schriftliche Zusage der Direktion, daß alle Betriebsräte alle Werkstätten besuchen durften. Nur war dem anklagenden Betriebsleiter die Zufage ebenso entfallen", wie er ,, vergessen" hatte, daß den Arbeitern die Anfertigung privater Arbeiten gestattet mar, wenn sie nur die Erlaubnis des zuständigen Abteilungsvorstehers einholten. Das war im Falle der Schreibmaschinenbenuhung geschehen und so mußte der Antläger einen weiteren Anklagepunti fallen lassen. Zur Erledigung der Schriftführerarbeiten war auch immer die Abmeldung beim Meister erfolgt wenigstens fonnte das Gegenteil nicht nachgewiefen werden. So stand das„ Gericht" vor widerlegten Anschuldigungen. Der angeflagte Betriebsrat aber hatte die Freude, den Spieß umdrehen und sich über schifandse Behandlung und übertriebene Kontrolle durch den Betriebsleiter" beschweren zu können. Schließlich sagte man sich einige fonden tionelle Höflichkeiten und der Betriebsrat blieb in Amt und Arbeit. Bis schließlich nach der Beendigung eines großen Metallarbeiterstreites die Firma auf seine Mitarbeit verzichtete, obwohl er an die zehn Jahre beschäftigt war und über drei Jahre gemeinsam mit der Direktion am Wiederaufbau des zusammengebrochenen Baterlandes gearbeitet hatte! Harrisleefeld. 9 Ein Blick in eine Arbeiterhochschule. ausgewählt, der in weiteren 5-6 Monaten Gelegenheit bieten soll, spezielle Gebiete gründlich und im größtmöglichen Umfang zu bearbeiten. Sie übernehmen gemisse Funktionen im Haus wie Ber waltung und Ordnung der Bibliothet( fie umfaßt 2000 Bände), der Zeitschriftensammlung, des Zeitungsarchivs, Korrespondenz und BuchErwin Marquart berichtet im Januarheft der„ Sozia listischen Bildung" über die Entwicklung der neugebauten Arbeiter hochschule in Harrisleefeld bei Flensburg. Die Schule geht von der positiven Mitarbeit der Arbeiterschaft in Staat, Wirtschaft und Recht aus. Sie bemüht sich, die Teilnehmer auf die weit verzweigten Funktionen, die sich für die Arbeitervertreter heute auf dem Gebiet der Gesetzgebung, Verwaltung, Rechtsprechung, WirtDie beiden Borsitzenden des Arbeiterrats erlebten eines Tages schaftskontrolle und der sozialen Einrichtungen ergeben, vorzubereiten. eine niedliche Ueberraschung. Ein Direktionsmitglied tritt Es handelt sich dabei mehr um eine Schulung der Denktechnik als an sie heran und versichert sie seines besonderen Wohlwollens. Der um eine Durcharbeitung der Fragen in ihrem ganzen Umfang. Herr Direttor wind persönlich, gemütlich, fast familiär. Ach es Jeder Kursus ist auf fünf Monate berechnet. Besonders mor in der schwersten Zeit der Lebensmittelfartennot mie schlecht sie doch ausjähen, die Herren vom Betriebsrat, fie feien wohl über- befähigte und ſtrebſame Schüler werden für einen Oberturfus Tastet in ihrem Amt, bei der Ernährung fönne ja auch taum ein Mensch bestehen. Die Direktion mollte nicht, daß ihre Betriebsräte menigstens die am meisten belasteten Borsitzenden förperlichen Schaden bei ihrer Tätigkeit im Interesse aller erführen und sie bitte.. Der Herr Direttor findte und beendete den Satz, indem er jedem bie Hand brudte und darin einen Geldschein zurüdließ. Das Erstaunen der Betriebsräte dauerte nur einen Augenblick, dann hatten sie die Situation erfaßt: fie feien nicht in der Lage, für sich persönlich derartige Zuwendungen anzunehmen Gemertschaften forgten schon dafür, daß der Arbeiter nicht verhungere, aber für die betriebsrätlichen Geschäftsuntoften, die das Geschäft zu tragen habe, seien derartige Beiträge vorzüglich geeignet und der Herr Direttor werde gut fun, in Zukunft die Einzelfiquidationen durch Monatspauschale abzulösen; in diesem Sinne merde man den bereits erhaltenen Betrag behandeln und fofort eine Bestätigung des Gesamtbetriebsrats veranlassen. die Das Direktionsmitglied verschwand schneller, als es gefommen war, aber die Sechsertaffe" der Belegschaft, die von selbstgewählten Revisoren fontrolliert wurde, erhielt von da ab tatsächlich an jedem Monatsersten eine Zuweisung von der Direktion. Betriebsgeheimnis. Ein Kapitel für sich war das Thema Betriebsgeheimnis. Bei ber damaligen langfristigen Arbeitslosigkeit berieten die Betriebsüber räte öfters die Unterbringung der wider Willen Feiernden, wie sie auch öfters bei den Ministerien, Zentralbehörden und staatlichen Vertretungen porsprachen, um sich für ihre Arbeitsbrüder auf der Straße einzusehen. Die Werksdirektion hatte nun große Angst davor, daß die Betriebsratsmitglieder intimere Geschäftsvorgänge, die ihnen die Direktion nach den geseglichen Bestimmungen mitteilen mußte, in die Deffentlichkeit tragen tönnten. Sie verwies deshalb den Betriebsrat in einer schriftlichen Mitteilung auf den Schweigeparagraphen des Betriebsrätegesetzes und ermahnte ihn unter Aufführung der angedrohten Geld- und Haftstrafen, nichts über den Geschäftsgang und die Arbeitsmöglichkeiten in die Deffentlichkeit zu bringen. 9 Der Betriebsrat war über diese Art von Schuhriegelung um fo mehr empört, als die Direktion es auf der anderen Seite sehr mohl verstand, die vermittelnde Tätigkeit des Betriebs rats zu gebrauchen, wenn es sich um ihren Vorteil handelte. Wie einseitig bei solchen Gelegenheiten das Interesse der Arbeitgeber wahrgenommen wurde, zeigte ein besonderer Fall. Es war ausgangs des Jahres 1920, als auch bei der Firma die Kurzarbeit tein Ende nehmen wollte. Der Betriebsrat hatte von der Auftragserteilungsstelle der Eisenbahn nach langen, wiederholten Berhandlungen erreicht, daß Aufträge an Eisenbahnbedarf in Höhe von drei Millionen Mark an die Firma erteilt wurden. Mit Arbeit im Werte von drei Millionen ließ sich selbst in der damaligen Inflationszeit etwas anjangen, wenn ein guter Bille vorhanden war. Aber der Betriebsrat dachte und die Firma fachte fich in's Fäustchen. Die Arbeiterschaft durfte troß des hönen Auftrages teine Stunde länger arbeiten- angeblich reichte führung. cr. Es zeigte sich mm, daß bei den Studierenden aller sozialen und Rassengruppen der Kopfumfang, der magimale Längsund Querdurchmesser, sowie die Höhe des Stirnabschnitts im Durch schnitt wesentlich höhere Werte aufwies als bei den übrigen Angehörigen der gleichen Gruppe. Die Unterschiede waren so beträchtlich und so konstant, daß von Zufallsbefunden teine Rede sein konnte. Da nun die Aufnahme in die Hochschule in der Sowjetunion unabhängig ist vom Geldbeutel der Aspiranten, resp. dem ihrer Bäter, so konnte Imanom aus seinen Beobachtungen mit Recht den Schluß ziehen, daß der größere Kopfumfang auf eine Art geistiger Auslese hinweise, durch deren Wirkung die fähigsten und strebsamsten Elemente dort auch wirklich den gebührenden Blaz in den Hochschulen erlangen; überdies fand er durch seine Forschungen eine Bestätigung der alten Vermutung, daß die geistigen Fähigkeiten bis zu einem gewissen Grade von der Größe des Kopfumfanges abhängen. Dr. Lily Herzberg. Der erſte Lehrgang begann am 1. Mai 1928. Weber bie Teil Was der Tag bringt nahme berichtet Marquart: Die Anmeldungen zum ersten Kursus Kiefen fo zahlreich ein, daß mehr als dreißig abgewiesen werden mußten, ob wohl taum nennenswerte Bekanntmachungen erfolgt waren. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit hatte zehn Schüler delegiert, dreizehn Schüler tamen mit Stipendien ihrer Heimatstädte, von denen Kiel, Altona, Neumünster, Flensburg die Delegationskosten in ihrem Etat aufgenommen haben. Auch die Stadt Berlin hat zwei Freipläge gewährt. Magdeburg einen, andere Städte und einige Landkreise haben die Absicht, eine Freistelle in dem nächsten Etat sicherzustellen. Dadurch wird die Schülerzahl auf eine sichere Grundlage gestellt, leider aber die Zahl der freien Bewerber, die sich immer noch zahlreich melden, auf menige Bläge beschränkt. Die Hälfte der Schüler stammte aus der Provinz Schleswig- Holstein, die anderen aus dem übrigen Preußen, wobei Köslin i. P., Langenöls in Niederschlesien und Saarbrüden die entferntesten Orte waren. Die Schüler des Reichsausschusses betamen außer dem Verpflegungszuschuß Taschen- und Büchergeld; die anderen Schüler haben größtenteils Taschen- und Büchergeld von ihren Organisationen und Heimatgemeinden auf besonderen Antrag erhalten. Das Alter lag zwischen 18 bis 30 Jahren, im Durchschnitt bei 24. Es hat sich gezeigt, daß für die großen Anforderungen und geistige Beweglicheit des Unterrichts das Alter unter 25 Jahren günstiger ist. Von den Teilnehmern fonnten sechs für den Oberfurfus bestellt werden. Der zweite Lehrgang hat am 15. Januar begonnen. Die werden. Der zweite Lehrgang hat am 15. Januar begonnen. Die Pläge waren schon vor Beginn alle belegt. Schädelgröße und Intellekt. Die Bermutung, daß zwischen Kopfumfang und Intellett ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, ist wiederholt ausgesprochen worden. doch erschien es immer sehr schwer, diese Zusammenhänge eraft nach Die Schwierigkeit liegt einerseits in der Bielheit der zuweisen. Die Schwierigkeit liegt einerseits in der Bielheit der Fattoren, die die Kopfgröße bedingen( Rasse, soziales Milieu usw.), andererseits in der Unsicherheit, das Intelligengniveau einwandfrei zu erfassen, das leider noch immer am häufigsten an Prüfungsleistungen gemessen wird, die ein ganz schiefes Urteil ergeben können. Ein für die Entscheidung der Frage sehr geeignetes Material stand nun, wie die Dfe- Rundschau berichtet, dem Untersuchungsleiter . K. Iwanow zur Verfügung, der anthropologische Untersuchun gen an 1041 Studenten der Sowjethochschulen ausführte und die gewonnenen Zahlen mit den Untersuchungsergebnissen derjenigen Volksschichten verglich, aus denen jene Studenten stammten. Der Raffe nach unterschieden diese Studenten sich in Großruffen, Utrainer, Juden, dem sozialen Milieu nach in Bauern, Arbeiter und Intellettuelle Der ,, schiefe Turm" von Freienwalde. Die Fundamente des bei Freienwalde auf einer von Wald umgebenen Anhöhe stehenden, etwa 20 Meter hohen, massiven Aussichtsturmes haben sich gesenkt, so daß sich der Turm zur Seite geneigt hat. Da Einsturzgefahr nicht besteht, soll der Turm in seiner jegigen Gestalt vorläufig als neues Wahrzeichen des vielen Ausflüglern und Erholungsuchenden bekannten Badeortes Freienwalde a. d. D. erhalten bleiben. Jeanne d'Arc e. V. In Paris hat sich ein Verein gebildet, dessen Zusammen sehung der Driginalität nicht entbehrt. Brüder, Onkel und Tanten mütterlicherseits der Jungfrau von Orleans hatten eine zahlreiche Nachkommenschaft. Das gilt vor allem für Jean d'Arc du Lys, den Gerichtsverwalter von Vaucouleurs. An die dreißig Vertreter der Familie, in deren Adern das Blut der französischen Nationalheldin fließt, haben sich nun mit einem Aufruf an alle diejenigen gewandt, die ihren Stammbaum auf die berühmte Ahnfrau zurückführen können, um eine Vereinigung zu gründen, die in corpore an der Fünfhundertjahrfeier teilnehmen foll. Man hat ferner be= schlossen, aus der lebenden Nachkommenschaft zehn Urururnichten der Jeanne d'Arc auszuwählen, wobei die Siebzehnjährigen, die das Alter der Heldenjungfrau haben, als sie ihre Mission übernahm, den Borzug erhalten sollen. Diese zehn Siebzehnjährigen sollen die Familie bei den Festen vertreten, die in Vaucouleurs stattfinden merden. Der Henker Saccos tot. William 3. Hendry, der Henter des Staatsgefängniffes zu Charlestown, Maff., der Sacco und Banzetti hinrichtete, ist in feiner Wohnung in der Gefängnisanlage nach längerer Krankheit im Alter von 57 Jahren gestorben. Hendry war durch die Tatsache, daß er die beiden Männer hinrichten mußte, fo ergriffen, daß er nach der Tat Urlaub nehmen mußte. Er soll nie an die Schuld der beiden geglaubt und Gouverneur Fuller mehrmals ersucht haben, sie zu begnadigen. Ein schwerer Schlag. Der deutsche Ertronpring hatte stets eine Leidenschaft für's Telegraphieren. Als 1908 das erste Zeppelinsche Luftschiff bei Echterdingen durch ein Sturmwetter zerstört wurde, sandte er dem Grafen Zeppelin folgendes Telegramm: ,, Bedaure tief das schwere Unglüd, das Sie betroffen. Werde Sie morgen besuchen und hoffe, Sie werden auch diesen Schlag erhobenen Hauptes überstehen," Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by RUtten&. Loening, Frankfurt a. M, (9. Fortsetzung.) 8i« mutzte gar nicht, dah sie ein kleinliche« enges Leben führte� '.-chnte nicht, daß ihr ganzer Tag. vom Aufstehen bis zum Schlafen� gehen, ihr unermüdlicher Kampf gegen den sie umgebenden Ein> stutz, ihre Rückkehr in ihr Zimmer, ihr müßiger Abend, an dem sie ein wenig las und noch weniger dachte, daß all dos ihr Leben in eine enge Gasse pretzte, aus ihr ein lebloses Geschöpf machte, ein völlig negatives Weisen. Es wurde ihr nie klar, daß sie, die alles fortscheuchte und nichts nahm, geringer war als die anderen, die ein volles Leben lebten, deren Dulgaritöt selbst bewies, sie seien wirklicher, menschlicher, ja sogar wertvoller. All dos kam ihr nie in den Sinn. Sie hatte nie ein« Freundin gehabt, wußte nicht, was es hsitzt, die Türen zu öffnen, sein ganzes Leben vor einem anderen teil» nahmsvollen Menschen auszubreiten, vor einem Menschen, der maitz, was man sagen will, noch ehe man die Worte ausgesprochen Hot, der im Augenblick vertrauter Vereinigung zu einem Teil unserer selbst wird, zu einem besseren, schöneren Teil. Sie war immer allein gewesen, hatte stets ihre Probleme allein gelöst, oder zu lösen versucht. Die Familie war bereits solange aus ihrem Leben verschwunden, daß in den zwanzig Jahren Ein- sainkeit jeder Einflutz der Verwandten verblaßt war. Die Mutter war kurz nach dem Bantrott des Onkels gestorben. Als dann auch die Tante starb, zog Esther nach New Bork und fand hier Arbeit. Sie lebte äußerst bescheiden, sparte, zitterte vor dem Gedanken, dah das, was sich bereits einmal ereignet hatte, noch einmal ge- fchehen könnte. Sie lebte allein, ganz allein, ein enges, klein- liches, selbstsüchtiges Leben. Sie wußte es nicht, fühlte aber, daß gerade diese Enge und Selbstsucht sie über die anderen erhob, sie für das Verlorene entschädigte. Daß die Firma, bei der sie so lange gearbeitet hatte, verkracht war. macht« ihr keinen Eindruck. Sie hatte genug erspart, um eine Zeitlang auch ohne Arbeit leben zu können. Aber sie wußte genau, daß sie nicht rasten, das ersparte Geld nicht anrühren würde. Bedeutete es doch ihr Gleichgewicht, ihre Ueberlegenheit Über die anderen. Morgen wird sie eine neue Stelle suchen und auch finden. Das wußte sie. Aber der kleine Sparpfennig, den sie besaß, ermög- lichte ihr, die Ereignisse gelassen, objektiv zu beurteilen. Sie braucht nicht den Kopf verlieren, aufgeregt herumrennen, wie die Leute im Bureau. Sie kann sich erhaben fühlen und diese Menschen verachten. Dieser Ekel vor den Leuten, diese» Gefühl der lieber. legsnheit erfüllten sie mit Freude, der einzigen Freude, die sie sich gestattete. Sie starrte aus die Angestellten, fühlte sich erhaben, genoß im» bewußt ihren Ekel. Schließlich stand sie auf und verließ das Bureau, ohne sich von jemandem zu verabschieden. Kaum auf der Straße angelangt, hatte sie auch schon das Bureau vergessen, alles vergessen. Sie dachte nicht. Empfand nur das Gefühl der Ueberlegenheit, der Entfernung. Sie gab sich ganz dem Gefühl hin. Ihr Zimmer war klein, hoch und dunkel, aber weiß und sauber. Vollkommen sauber. Man konnte sich in diesem Raum Staub oder Schmutz nicht einmal vorstellen. Weiße Vorhänge, ein weißer Waschtisch mit einem rauhen Handtuch, das ordenllich zu- sammengelegt neben der Waschschüssel lag. Ein hohes, niedriges, schneeweißes Bett. Ein Sessel, ein Tisch, auf dem eine Vase mit steifen, harten, trockenen, kunstlichen Blumen stand. Eine Stroh» matte. Das war ihr Zimmer. Man sah nichts Persönliches, keine Kleidungsstücke, keinen Gegenstand, der irgendwie einen Gefühls» ivert besessen hätte, nicht einmal eine Photographie. Esther liebte niemanden, es gab keinen Menschen, mit dem sie gerne zusammengewesen wäre, keinen, dessen Geschenk sie an den Geber erinnert hätte, kein einziges sentimentales kleines Andenken, da» sie auch nur für eine Minute weich gestimmt, mit einem Ge» fühl der Schwäche und der Sehnsucht erfüllt hätte. Nein, dieses Zimmer bedeutete ihren Schutzwall gegen die Welt. Sie tat nie etwas, dos nicht ein jeder hätte sehen dürfen. Ihr Leben lag offen da, und gerode diese Offenheit unterschied sie von den anderen. Als sie das Zimmer betrat, ging gerade die Sonne unter, das harte Weih des Zimmers verwandelte sich in weiche, sinnliche, orangebraune Farben. Das Bett sah einladend aus, als bäte es einen, sich darauf zu legen, sogar die toten weißen Rosen in der Vase schienen rot, lebendig, duftend, ja, fast Üppig. Der Raum war plötzlich voller Farben, Schatten und Lichter. Em leiser Wind bauschte die Vorhänge, das Licht zeichnete Muster an die Wände. Das Zimmer raunte, flüsterte, schmeichelte. Jede andere, die eben vom Essen gekommen wäre und das vom Abendlicht verklärte Zimmer betreten hätte, jede andere, wie hart und lebensfern auch immer sie sein mochte, würde sich ent- spannt, die Fenster weit geöffnet, sich hingesetzt und hinausgeblickt haben. Oder aber sie hätte sich bäuchlings aufs Bett gelegt, den Kopf ein wenig gehoben, halb, dösend, halb träumend, an ange- nehme Dinge denkend, die sich ereignet hatten oder noch ereignen wurden, müßig eine kleine Weile vor sich hinstnnend. Die Stunde war für die Muße geschaffen. Farben, Luft, Wind, alles verlangte noch Traum und Muße. Aber Esther Thomas, die eben gegessen hatte, tonnte nicht ihre Zeit vergeuden. Esther Thomas, die fünfzehn Jahre hindurch hart und angespannt gewesen, tonnte sich nicht plötzlich entspannen. Das Leben läßt sich nicht so leicht abschütteln, haben wir es einmal ge- wählt, so klammert es sich an uns. wird zur Gewohnheit. Esther Thomas empfand nie den Wunsch, nach dem Esten den Gürtel zu lncksrn Hätte sie es getan, JU wäre verschwunden, hätte zu existie. ren aufgehört. Vielleicht wäre ein anderer Mensch an ihre Stelle getreten, ober der wäre nicht mehr Esther Thomas gewesen. Sobald sie das Zimmer betrat, hörte es auf, weich und sehn» süchtig zu sein. Niemand außer Esther Thomas sah das Zimmer, und ihren Augen erschien es wie immer: eine ordentliche Stube, ein Raum, den sie selbst eingerichtet hat. der ihren Wünschen entspricht. soll» man bei ihr von Wünschen reden konnte, ein Zimmer, in dem sie wohnen, schlafen, das sie ihr Zimmer nennen will Esther Thornas trat ins Zimmer, zog die Jacke aus und nahm den Hut ab. Sie ordnete ihr Haar nicht. Was tat sie in den zwei Stunde» vor de« Schlafengahe»? Sie wußte es selbst kaunu alles und nichts. Sie saß da, flickte ein Miederlcibchen, nahm die Decke vom Bett ob. Sie tat alles und tat nichts. Esther Thomas' ganzes Leben bestand darin vor anderen hart zu erscheinen. Wurde sie von niemandem gesehen, so existierte sie nicht. Sie war ein lebendiger Protest gegen die ganze Welt, war in allem negativ, in nichts positiv. Sie besaß Persönlichkeit, aber kein« Individualität. Sah niemand sie an und blickte sie niemanden an, so gab es überhaupt keine Efther Thomas. Es gibt Menschen, für die jeder Augenblick etwas bedeuten muß, die unentwegt etwas tun müssen, schaffen oder zerstören. Diese Menschen sind Mder in der großen Maschine des Lebens: sie müssen ewig kreisen. Bleiben sie stehen, so hören sie zu sein aus. Esther Thomas hatte vor fünfzehn Iahren zu sein aufgehört. Sie war nur noch Kritik, war:„das ist so. das ist nicht so." Sie war nicht:„ich bin so, oder ich bin nicht so." Sie war Urteil, aber nicht Handlung. Sie verbrachte die zwei Stunden vor dem Schlafengehen mit Warten auf ihren nächsten Auftritt. Sie tot nichts. Das Licht, das durchs Fenster fiel, verblaßte: da» Zimmer wurde dunkel. Die Schatten verschwanden, die Finsternis kam,«in einziger Schatten. Ein Schatten, der alles bedeckte. Esther Thvmas ging zu Bett. Was sich nun ereignete, tonn ebensowohl ein Traum als auch Wirklichkeit gewesen sein. Und was am folgenden Tag mit Esther Thomas geschah, ist einerlei. Ihre Tage waren ia olle gleich, kannte man den einen, so kannte man alle. Und vielleicht hat sich das, was Esther Thomas vor dem Einschlafen erlebte, gar nicht wirklich er- eignet. Esther Thomas wußte es nie mit Bestimmtheit. Wäre sie am folgenden Tag jemand anderer gewesen, sie hätte nicht mit sich selbst gesprochen. Nicht etwa, daß sie sich schämte, Demütigung empfand: sie konnte einfach nicht daran denken. Menschen betraten das Nebenzimmer. Die Wände der Pension waren dünn, und man konnte genau hören, was nebenan vor sich ging, was gesagt und getan wurde. Häufig hörte man Kinder weinen, Freunde streiten, Leute einander Vorwurfe machen. Später wurde es dann ruhig. Die Menschen, die in das Nebenzimmer einzogen— Esther Thomas' Bett stand an der Wand— waren neue Gäste. Sie hatte sie nie gehört und nahm an, daß sie nicht lange bleiben würden. Später erfuhr sie, daß sie mit ihrer Annahme recht gehabt hatte. Es waren ein Mann und eine Frau, nein, ein junger Mann und ein junges Mädchen. Dos junge Mädchen kannte den jungen Mann nicht gut, wußte nicht recht, ob es sich in sein Zimmer wagen dürfe. Als er es«in- zutreten bat, zögerte es. Er redete ihm zu, erklärt«, es würde die Nachborn stören, bliebe es auf dem Korridor stehen, er werde die Tür offen lassen. Das Mädchen zögerte noch immer. Der junge Mann sagte:. „Komm' doch herein." Esther Thomas war zumute, als ginge sie auf der Straße dahin, und ein Gassenjunge schreie ein obszönes Wort hinter ihr her, ein furchtbares Wort. Die Stimme des Mannes erweckte in ihr diesen Eindruck. Sie war weich und schleppend, war obszön. Sie war weich und schleppend und fett. Schien mehr von den Lippen als aus der Keftle zu kommen. Esther Thomas empfand ein Gefühl der Uebelkeit. Ihre mageren Beine zwischen den Laken erschienen ihr plötzlich noch magerer.- Dos Mädchen trat ins Zimmer. Di« Tür wurde geschlossen. Stille. Esther Thomas wurde von der Begierde ersaßt, ins Neben- zimmer zu gehen. Alles in ihr lehnte sich oui. Sie wußte genau, was sie hören würde. Das Mädchen interessierte sie nicht, wo? geschah, war ihr einerlei, sie wollte nur nichts hören. Wollte nicht Zeuge von dem sein, was geschehen wird. Aber sie wußte, daß sie nichts tun konnte. Aufstehen und protestieren war ausgeschlossen. Es geht sie nichts an. wo? die Menschen im anderen Zimmer tun. Sie darf sich nicht einmischen. Es war, als wollte sie einen stromabwärts rasenden Fluh aufhalten. Was geschehen mutz, wird geschehen. Esther Thomas wußte, daß es geschehen und sie zuhören muß. Die Menschen im Nebenzimmer begannen zu reden; sie sprachen ganz langsam. Dos Mädchen wußte genau, weshalb es zu dem jungen Mann ins Zinnner gekommen war, und auch der junge Mann wußte es. Aber auch Esther Thomas. Sie warteten alle drei, daß es geschehe. Warteten, spielten ihre Rolle. Selbstverständlich sagte das Mädchen zuerst nein. Der junge Mann hatte das Nein erwartet, er kannte sich aus, schien ein erfahrener junger Mann zu sein. Esther Thomas jedoch wußte, dah das Nein des Mädchens Ja bedeutete. Ja—. nach einer kleinen Welle. Das Nein des Mädchens besagt« nur, daß der richtige Augenblick noch nicht gekommen war. Man müsse ein wenig warten. Der junge Mann blickt« dem jungen Mädchen in die Augen. Esther Thomas sah das so genau, als wäre sie im Nebenzimmer gewesen. Al» säße sie neben den beiden auf dem Bett des jungen Mannes. Er schaute dem Mädchen in die Augen, und es erwiderte den Blick. Einleitung, vorbereitende Prüfung, jeder nahm da» Maß des anderen. lForiietzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". frnramuiniunniiuniniiHmitniniinnuitmninimMNiintHiiHiu Rösselsprung. Silbenrätsel. an be dem den die dir dum dum gif je ke ken ken ken ker man mand me men mük mük rük sagt tze streut sü te te war zu zuk.— Aus vorstehenden Silben ist ein Vierzeiler von je acht lben zu bilden, der vor Schmeichlern warnt. .Aittvocd, 30. Januar. Berlin. 11.00 und 14.00„0r4mmaplioa".PUtten. 15,30 Dr. Martha Bode.' Moderne Verkaulalrajen. 16.00 Dr. Martha WyzodzinsVi: Taberkuloaeheldnipfiuif. 16.30 Jugendhühne. 17.00 Uebertraguns der Teemnsllt aus dem Motel Kaiserhoi: G6za Komor. 18.10 Oartendlrektor Ludwig Leaser: Rundschau IQr Blumen, und Qaxtepfrennde. 18.35 Prof. Dr. Alfred Manes: Neue formen der Lebensversicherung. 19.05 Haus-Bredow-Schule, Prof. Dr. Werner Sombart: Orsndtataachen des Wirtschaftslebens. 19.40 Richard Wilde: Einltthrong zu der Uebertragung aus dem Theater des Westens. 20.00 Uebertragung aus dem Theater des Westens. Charlottenburg:„friederike". AnschlieSend bis 0.30 Tanrmasik(Kapelle Dajos Bdla). KSnlgsvasterhaisea. 9.00 Uebertragung der Wintertagung der Deutschen Landw. Gesellschaft..Dthl- gV-Ahteilung", UJV) Min..Rätin Dr. Ueinemann: Gesetlchte. 13,45 BüdfunkversucJie. 14.45 Jagendbfihne. 15.40 Therese Wagner: Was kann die Landfrao gar f Order sag des Ml! eh Verbrauchs tun? UM Dr. Orabert und Dr. Harüg: Bild ungKn&gUchkertea und Büdun aswege du französischen Unterricht I6JD Uebertragung des Nachmittagskonzerts Hamburg. 17.30 Min-Rat Verlohr: Die deutsche Hochseefischerei 18,00 Dichtersfunde: Ernst Weis. 18.30 französisch für fortgeschrittene. I&55 Dlpl.-Ing. f. Gutice: Betrlebsverhiltgisse und Autriebsmittel bei Werkzeugmaschinen. «20 Dr. Job. Ganther: Lessos and du Theater. Kreuzworträtsel. m ü i i b i i i» i m Wagerecht: 2. Erdteil: 6. Ur-Tellchen: 9. weibliche Person: 12. Schlitten: 14. europäische Hauptstadt: 15. Singstimme: 17. sran- zösischer Fluß zum Kanal; 18. Gefrorenes: 19. Nebenfluß der Elbe: 20. Abschiedsgruß; 22. englischer Ueberzieher; 24 süddeutsche Forni für Mädchen: 26. zwei zusammengehörige Gegenstände: 28. Kriegs- gast: 29. gnech. für Landenge; 30. Wanderpause: 33. weiblicher Vorname: 36. leichenzergliodernder Forscher; 39. Götze; 4L Zeitabschnitt; 42. holsteinischer Stammesname; 43. jagdbares Tier; 44. Suppeneinlage: 46. linksrheinisches Gebirge; 48. Halbinsel auf Weißen Meer: 50. Nebenfluß der Warthe; 52. Bewohner eines baltischen Staates: 53. kleiner Prophet; 54 sächsische Stadt.— Senkrecht: 1. Raubvogel: 2. Gebetsschluß: 3. europäische Hauptstadt; 4. alttestamentliche männliche Person: 5. eine der Haupt- städte Marokkos: 7. Ostgotenkönig: 8. Stadt am Schwarzen Meer: 10. spanische Flotte(1588): 11. Leibchen; 13. Baumrinde zum Gerben; 14. Küstenstadt in Jstrien; 16. selten: 17. Stammvater der Iu» den; 18. Fluß in Mesopotamien: 21. weiblicher Vorname: 23. Schritt: 25. fleißig: 27. Titelheld eines Romans oon Frenssen.: 31. westindische Frucht: 32. von Hannibal zerstörte Stadt: 34. Ort beim Ädriatischen Meer nahe Ancona; 35. Stange zum Weitaus- schreiten: 37. Vorbedeutung: 38. Zeichen: 39. germanische Gottheit; 40. Körperteil: 45. Stehler; 47. zart: 48. schwedische Schriftstellerin: 49. Kopfbedeckung: 51. Nebenfluß des Rhein« in Baden. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Die fehlende Mittelsilbe: Silbe pi. Kapital, Eupido, Scipio, Pipisax, Opium, Lupine, Sepia, Rupie, Teppiche, Kapital, Scorpion, Champion. Kreuzworträtsel Wagerechtt 1. Lassa: 5. spät; IE Iunm U. Aula; 12. Stolz: 13. Eugen; 14 toben; 15. Elend: 17. Straße. 19. Svo; 20. Don; 21. Untreue: 24 Kaste) 27. Trias; ZL Erato: 32. Pohöe; 33. Inge; 34 Seul: 35. Maere) 36. Sterz. — Senkrecht: 1. List: 2. Auto: 3. Snob; 4. Sole; 6. Paulus: 7. Auge; 8. Elen; 9. Tand; 16. Maure: 17. Sau; 18. Cd«: 22. Rai- ter: 23. Unrast: 24. Keim: 25. Arno: 26. Sage; 28. Idee; 29. A-Dur; 30. Selz. Rätsel: Korridor. Städte zu Flüssen: Rathenow. Offenbach, Bannen, Ingolstadt. Naumburg. Sagau, Oppeln, Reuruppm, Celle, Rothenburg. Ulm. Siegen, Oldenburg, Essen.— Robinson Crusoe. Bersrätsel: Erlange«. Sport ,, politik" bei den Kommunisten. ,, Fichte" unter Druck. Dr." Zobel in der Fliegerabteilung. Tennis- Friedmann gegen die Rechtser. In einer Berliner Sportfraktionsfigung entwickelte Hans Pfeifer den Plan: Bürgerkrieg auf dem Spielplatz! Dem Organ der ausgeschlossenen Rechtskommunisten ,, Gegen schlimmsten Auswirkungen ihrer verhängnisvollen Politik zu der | den Strom" Nummer 6 vom 22. Dezember entnehmen wir hindern. Aber damit hatte Dahlem noch nicht alle Hindernisse befolgende Beilen; seitigt. Deshalb wurde auch die Reichssportfraktions Bährend die Parteiführung außerstande ist, in der Sportleitung aufgelöst und so zusammengesezt, daß sie ewegung eine flare Politik zu führen, hat sie sich entschlossen, der Dahlemschen Politit ergeben ist. auch unter den Arbeitersportlern den Kampf gegen die Rechten" aufzunehmen. Da sich die Hans Pfeifer und Horst Fröhlich im Kampfe für die Entfernung der Genossen Wiest und 30 bel aus der Sportabteilung des Zentralfomitees bereits erfolgreich betätigt baben, zogen sie gegen die rechten und versöhnlicheren Elemente in in der Berliner Fichte Sportfraktion los. Horst Fröhlich hatte eine Bezirksleitungsresolution in der Tasche. Vierundsiebzig Fichte- Genossen sollten in der Fraktionssigung unter Drud gesetzt werden. Das Resultat des Kreuzzuges war: mit allen gegen fieben Stimmen wurde die Bezirks. leitungsresolution abgelehnt.... Im Vordergrunde der Diskussion steht nach wie vor die Frage der Taktik im Kampfe um die Wiederaufnahme der Aus= geschlossenen. Auch die legte Berliner Sportfraktionsfizung beschäftigte sich wieder damit. Der unvermeidliche Friedmann war wieder Preisboyer gegen die ,, Rechten".. Friedmann ver: langt offen einen Kampf gegen die Reformisten( d. h. die Leitung des Arbeiter Turn- und Sportbundes! Red.), der zur Schaffung eines Berbandes führt ,,, der nicht RS3. heißt". Friedmann genießt zwar nicht das Vertrauen der Mehrheit der Arbeitersportler und auch nicht der Fraktion. Dafür hat er das Vertrauen Don Dahlem und Horst Fröhlich. Ebenso wie Friedmann spielt auch Lisa Lange noch immer eine Rolle in der Sportfraktion. Lisa Lange, die Zuträgerin Don internen Parteimaterialien an den Vormärts"( Uns nicht bekannt! Red.) war auch in der legten Frattions fizung wieder anwesend. Schon in früheren Sportfraktionssitzungen hat fie insgeheim die Reben bekannter und führender Genossen stenographiert. Unter Duldung oder im Auftrag von oben fann sie ihre Arbeit weiterführen. Zobel und Wiest mußten gehen, weil sie der Abenteurerpolitik der Dahlem und Ulbricht fortgesezt Widerstand leisten mußten, um die Hinaus ins Land! Brandenburger Naturfreundekonferenzen. In turzem Abftande nahmen zwei arbeitsreiche Tagungen der Naturfreunde aus den Gruppen der Provinzen Brandenburg( mit Ausnahme von Berlin), Sachsen westlich der Elbe und der Grenz mark zu wichtigen organisatorischen Aufgaben Stellung. Insgesamt hatten 17 Ortsgruppen nach Brandenburg und Senften berg ihre Vertreter entsandt. In dem weitgestreckten Gebiet des Gaues Brandenburg- Pommern zirten des Ostens und Westens -O vor allem den ländlichen Beist die Werbung für die Naturfreundeidee außerordentlich schwer. Aber auch in den Textil, Glas- und Kohlendistrikten der Lausitz wird die Arbeit durch stets wiederkehrende Krisen wirtschaftlicher Art start gehemmt. Trogdem weisen die 29 Ortsgruppen der Bezirke Ost- und West Trogdem weisen die 29 Ortsgruppen der Bezirke Dit- und Beit. brandenburg heute wieder mehr denn tausend Mitglieder auf. In diesem Jahre soll eine neue Bezirksgliederung beffere Möglichkeiten zur Erfassung weiterer Gebiete für die Naturfreundearbeit bringen. Anträge zur bevorstehenden Gaukonferenz sehen dann neben Berlin und Pommern folgende Bezirke vor: Elbe( Magdeburg, Schöne= bed, Wittenberge), Westhavelland( Brandenburg, Kirchmöser, Rowawes, Rathenow), inowtal( Eberswalde, Finom, Hennigs. derf), Grenzmart( Frantfurt, Landsberg, Schneidemühl) und Laufik( 15 Ortsgruppen). Von diesen Konzentrationspunkten wird dann die Arbeit ins Land hinauszutragen sein. Verschiedene Spezialaufgaben fonnten auch in letzter Zeit mieder bedeutend gefördert werden. Die Jugendarbeit und die Musilpflege wurden in Brandenburg, Rathenow und der Laufig besonders ausgebaut. Die Photoarbeit fand starte Förderung in Brandenburg und Rathenom, während Mittelpunkt der naturmissenschaftlichen Arbeit Forst blieb. Ihr foll auch in den tommenden Monaten durch missenschaftliche Bezirfswanderungen und durch Führer- Schulungskurse ein weiterer Antrieb werden. Die Ortsgruppe Rottbus fonnte fürzlich in einem Stiturfus im Jferheim der schlesischen Naturfreunde guten Erfolg aufmeifen. Kurzen theoretischen und technischen Erläuterungen folgte die praktische Arbeit in den weißen Gefilden des Ifergebirges. Der nächste Winter wird auch auf diesem Gebiet eine umfassende Binterarbeit in allen Bezirken bringen. Der öffentlichen Kritif unterliegt vor allem zu Pfingsten das nächste große norddeutsche Naturfreunde- Treffen in halber stadt. Ebenso lassen die Bezirkssonnenwendfeiern in Bodwig ( Kr. Liebenwerda) und Biederiz bei Magdeburg, die dortige Hüttenweihe und die Heimeinweihung in Naundorf im Spreewald am 20. bis 21. Juli, fomie die Herbstfeier in Sorau reichen Zuftrom erwarten. Die zehnjährige Gründungsfeier in Rathenow, wie die fünfzehnjährige in Brandenburg im Herbst d. J., werden ferner neben anderem in großen Ausstellungen vom Wirfen und Können der Naturfreunde zeugen. Eishockey- Europameisterschaft. Zweite deutsche Niederlage durch die Tschechen. Die Leistungen unserer Eishodenspieler in der Schweiz haben die Hoffnung aufkommen lassen, daß Deutschland bei der diesmaligen Europameisterschaft in Budapest eine erste Rolle spielen würde. Weit gefehlt! Nach reiner Papierform waren die Aussichten auf den Gruppenfieg troß der gestrigen Niederlage durch Desterreich ( 0: 1) noch nicht vernichtet, da ja die Wiener an der Mannschaft der Tschechoslowakei scheitern konnten. Aber auch diese Chance ist jetzt mertlos geworden, nachdem die Deutschen jetzt auch von den Tschechen geschlagen worden sind. Wieder war das Ergebnis überaus tnapp 2: 1( 1: 0,0: 0, 1: 0). Die Deutschen traten nor 1500 Zuschauern in etwas veränderter Mufstellung mit Leinemeber im Tor, Kreisel und Sachs in der Ber: teidigung, Römer, Jänede und Gruber im Sturm an, als Ausmechselungsspieler wirkten Rammelmeyer und Schröttle. Das Spiel begann unter Zeitung bes Belgiers Boplimont mit einem Angriff her deutschen Sturmreihe, aber der scharfe Schuß Römers wurde non dem gegnerischen Torwart Beca abgemehrt. Schon der Gegen stoß der Tschechen mar von Erfolg getrönt. Der Mittelstürmer Malecet gab einen scharfen Schuß ab, die Scheibe rutschte unter Ven fich zu spät himmerfonden Beineweber ins Ror. „ Die Sozialdemokratie hat vor 35 Jahren die Arbeitersportbewegung gegründet. Die KPD. ist heute stärker als die SPD. damals. Warum sollten wir nicht ebenfalls eine Arbeitersportbewegung aufrichten fönnen?" Mit welchen Scharlatanen es die Berliner Sportgenossen zu tun haben, illustrierte am treffendsten der Berliner Agitprop- Sekretär Horst Fröhlich. Als die Berliner Sportgenossen die Frage der Sportplaßbeschaffung für die oppofitionellen Bereine aufwarfen, erklärt Fröhlich mit großem Phrasenschwall: ,, Wenn die Stadtverwaltung uns teine Plähe mehr zur Berfügung stellt, werden wir sie uns nehmen. Und wenn diese dann von der Polizei befeht werden sollten, werden wir die Sportplätze im Sturm nehmen und damit den Bürgerkrieg in Deutschland einleifen." Hier wird klar unterstrichen, was überall zum Ausdruc tam, daß nämlich die KPD. die ganzen Aktionen im Arbeitersport ein leitet und befehligt. Daß die ausgefchloffenen Sportvereine bald mit fiebenerlei Richtungen der einzigen" Arbeiterpartei zu tun haben werden, das war vorauszusehen. Nur ganz so schnell haben wir nicht gedacht. Den Strategen ,, Dr." 30 bel und Wiest, die sehr schnell flogen, werden auch die anderen Subjekte folgen. Und das alles muß die neue kommunistische Arbeitersportbewegung ertragen! Aber immerhin: die Entwicklung des Bürgertrieges auf brei Sportpläßen ist etwas Neues. Bei der Weltverbreitung des Sportes ohne Zweifel das probateste Mittel. Sollte es auf drei Plägen nicht flappen, empfehlen wir Dalldorf- Herzberge hinzue zunehmen. müßen zu fönnen. Die wiederholten Angriffe stoppte der tschechische Torhüter Beca in glänzender Manier. Die zweite Spielzeit verlief bei sichtlicher Ueberlegenheit der Deutschen, die immer wieder vom Bublifum angefeuert wurden, torlos. Als unsere Mannschaft dann zum letzten Drittel antrat, wurde sie mit den Rufen„ Tempo Deutsche land" empfangen, und diese Rufe hielten dann bis zum Schluß fast ununterbrochen an. Obwohl die Deutschen zumeist das Spielfeld beherrschten, das Glück war nicht auf ihrer Seite. In der 5. Minute glückte es Malecet abermals, auf eine Vorlage von Hromatta Leine weber zu überwinden, aber schon eine Minute später erzielte Jänede nach einem fabelhaften Durchbruch das erste Tor, das leider auch das einzigste bleiben sollte. Immer wieder brach die deutsche Angriffsreihe durch, Torerfolge wollten sich jedoch nicht mehr einstellen, obwohl der Ausgleich mehr als einmal in der Luft hing. Noch in der lich nach vorn zog. Beca verließ das Tor, aber die Scheibe prallie legten Minute gab es eine große Chance, als Jänede unwidersteh vom Pfosten ab. Mit dieser zweiten Niederlage ist Deutschland aus dem Wettbewerb endgültig ausgeschieden. schaft aussetzten, sind selbstverständlich auf die Förderung des inländischen Pferdes bedacht und so präsentiert sich tatsächlich Tag für Tag das beste vom Besten an deutschen Pferden dem ausverkauften Hause. Zu einer recht netten Schaunummer wurde das Ostpreußen Polo. Dieser Sport gilt als äußerst exklusiv und es follen fogar recht vermögende Berliner Kreise den Ostpreußen fehr energisch abgeraten haben, überhaupt aufzutreten. Man drohte ihnen, es würde für sie doch nur eine Blamage. Die Ausbildung eines richtigen, exklusiven Poloponys dauert nämlich 1% Jahre und die Ostpreußen hatten nur sechs Wochen zur Verfügung. Aber in Ostpreußen ist gar manche Existenz auf Pferdezucht aufgebaut und so wagten sich die ländlichen Reiter, wenn auch beklommenen Herzens, mit ihrer Nummer heraus. Sie flappte vorzüglich, die Pferde waren sehr ruhig, außerordentlich wendig und die Reiter waren geschickt. Zwei Minister über den Sport. Ein bezeichnendes Beispiel für die unterschiedliche Auffassung Dom Sport lieferten in diesen Tagen zwei Minister: ein bürgerlicher und ein sozialdemokratischer. Der thüringische Minister für Inneres und Volksbildung, „ Erzellenz" Paulsen, erklärte in einem Schreiben an einen Führer des bürgerlichen Sports:" Wir Deutschen haben allen Anlaß, mit dem Ergebnis der Amsterdamer Olympiade voll zufrieden zu sein. Mit 11 ersten und etwa 25 zweiten und dritten Preisen steht Deutschland an zweiter Stelle der Nationen Das ist die typische bürgerliche Auffassung vom Sinn des Sports: Medaillen, Diplome, Deutschland, Deutschland über alles. ... Der preußische Minister des Innern, der Sozialdemokrat Grzesinsti antwortete auf eine Umfrage:„ Der Sport darf nicht Selbstzweck werden Eine solche Zielfegung wäre der Tod des Boltssportes. Leibesübungen müssen Gemeingut und der felbft ausgeübte Sport muß Voltssache sein und bleiben. Die Reforbjucht hat mit der Bedeutung des Sports für die Bolksgesundheit nichts mehr zu tun. Und es ist auch falsch, anzunehmen, daß es für die Geltung des deutschen Volkes wesentliche Bedeutung hat, wenn ein Weltreford einmal von einem Deutschen errungen wird... Die Antwort des sozialdemokratischen Ministers steht der des bürgerlichen gegenüber wie der Arbeitersport dem bürgerlichen Sport. Und das ist gut so! Der Bundesvorstand in Nürnberg. 14 Der Bundesvorstand des Arbeiter Turn- und Sport bundes tagte in Nürnberg und nahm die Berichte des Bundesvorsitzenden, der Bundestasse und des Arbeiterturnverlages entgegen. Alle Berichte zeigten eine aufwärtssteigende Linie des Bundes und geben die beste Hoffnung auf gute Weiterentwicklung. Nach einem Referat des Bundesvorsitzenden Gellert fanden die bisher getroffenen Maßnahmen und die in Borschlag gebrachten Ausschlüsse von nachträglich festgestellten Spartakiadebesuchern sowie einiger Vereine Zustimmung. Einige Beschlüsse zum Bundesest erfolgten. Die vom Bundesjugendleiter Drees- Bremen gemachten Ausführungen über das Jugendproblem des internationalen Arbeitersports nahm der Borstand mit Beifall entgegen. Angestrebt soll werden, die körperliche und geistige Erziehung der Jugend als ein einheitliches Problem zu gestalten. Die Aufnahme eines Refe. rats in die Tagesordnung des Barteitages der Sozialdemokratischen Partei wurde mit Freuden zur Kenntnis genommen. Zur FördeArbeiten wird eine Kreisvertreterfonferenz für den rung der Bundesfeftarbeiten und zur Regelung organisatorischer 29. und 20. März in Nürnberg einberufen. Die Sigung zeigte eine erfreuliche Uebereinstimmung in allen zur Behandlung gestellten Fragen. Bon 13 246 auf 34 554! Die Vormeldungen für die TeilSonderzug zur Norddeutschen Stimeisterschaft. Um den Benahme am 2. Bundesfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes vom suchern der Norddeutschen Stimeisterschaft am 18. bis 21. Juli 1929 in Nürnberg sind innerhalb neun Tagen von 3. Februar in Bad Flinsberg die Reise zu erleichtern, ist ein 13 246 auf 34 554 gestiegen. Diese Zahlen zeigen deutlich das große Sonderzug eingerichtet worden. Dieser geht am Sonnabend, Interesse, das in den Kreisen der Arbeitersportler für das Bundes2. Februar, um 14.38 Uhr ab Görlizer Bahnhof, 14.46 Uhr ab fest vorhanden ist. Niederschöneweide und 16.48 Uhr ab Rottbus und trifft um 20.24 Uhr in Flinsberg ein. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag um 23.35 Uhr, Ankunft am Görlizer Bahnhof Montag früh 5.13 Uhr. Der Preis der Fahrt hin und zurück beträgt 14,60 m. für die Holzund 22 M. für die Polsterklasse. Werfährt mit? Fahrener Naturende Der Ungarnkampf in den Spichern- Sälen. Bon den sechs Kämpfen, die am Freitag, 1. Februar, im Ring der Spichern sale stattfinden, find vier einer deutschM. säte ungarischen Auseinandersetzung gewidmet. Im scharfen Sparring mit deutschen Partnern bereiten sich im Sportpalast die Gäfte für ihr Berliner Debut vor. Bon den Ungarn ist nur der Mittelgewichtsmeister Rudolf Barnajevic aus seinem feinerzeitigen Kampf mit Mielenz in Deutschland bekannt, während Schwergewichtsmeister Kalman Mudra, der Leichtgewichtler Henrik Baumgartner und der Belter Antal Kreuts bisher nur im Auslande gebort haben. Kreuts ist das interessanteste Mitglied des ungarischen Quartetts. Er ist Schüler von Ted Kid Lewis, unter deffen Leitung er in London drei Kämpfe zu Siegen gestaltete. Treffen in Halberstadt. Wieder einmal rüsten die Naturfreunde der Gaue Brandenburg, Bommern, Niedersachsen, Nordmark und des Bezirks Halle zu einem Treffen ihrer Mitglieder. an dem auch Freunde der Naturfreunde bewegung teilnehmen fönnen. Das Treffen findet an den Pfingst tagen in Halberstadt statt, es ist Gelegenheit gegeben, im Anschluß an das Treffen mehrere Wanderungen in den Harz zu unter nehmen. Halberstadt selbst bietet den Besuchern viel Gelegenheit zu lohnenden und interessanten Befichtigungen- An den letzten Sonntagen hat in Halberstadt eine Konferenz der an diesem Treffen beteiligten Gaue stattgefunden, alle Vorarbeiten für dieses Treffen find erledigt. Die Halberstädter Naturfreunde haben es fich zur Aufgabe gefeßt, allen Teilnehmern den Aufenthalt in Halberstadt so angenehm wie möglich zu machen. Das nähere Programm wird bald veröffentlicht werden. Raft im Gebirge! Rast im Gebirge ist der Titel für ein Kostümfest, das am 9. Februar in den Spichernsälen vom Reisebureau 3. veranstaltet wird. Dort versammeln sich die Touristen, Einheimischen, Hotel- und Berkehrsperjonal im Gebirgshotel zum fröhlichen Treiben. Damit das Feft einen einheitlichen Charakter erhält, ist es wünschenswert, daß die Teilnehmer in entsprechender Kleidung erscheinen. 25 bis 30 banerische Schuhplattler führen auf dem Barkett ihre charakteristischen Tänze auf. Daneben werden allerlei Ueberraschungen und Beluftigungen geboten. Die groß aufgezogene Tombola bietet als Hauptgewinn einen Reisebeitrag von 100 Mart für eine vom Reisebureau veranstaltete Ferienreise. Da durch vertragliche Verpflichtung unter feinen Umständen Abendkasse stattfinden darf, werden Karten zu 1 M. nur im Vorverkauf in beschränkter Anzahl abgegeben. Schluß des Kartenverkaufs am Dienstag, dem 7. Februar, falls solange Borrat an Karten vorhanden ist. Karten find zu haben in der Geschäftsstelle, N. 24, Johannisstr. 14/15, non Montags bis Freitags von 18-20 Uhr. Außerdem bei Stiller, N. 113, Driesener Straße 23; Medelberg, Berlin- Treptom, GraeßStraße 50; Walter, Neuföln, Siegfriedftr. 55; Schmidt, W. 30, Rante Straße 30; Thomas, t. 65, 2uremburger Straße 1( Ede Müllerstr.) Reit- und Fahrturnier. Der Dienstagnachmittag, der offiziell der Tag der Damen Poiting ne ar, Dr ges banen fortes. Die Preise, die griffe der Tschechen folgten, aber dann kamen die Deutschen mehr das preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und mb mehr auf, ohne jedoch die mehrfach gebotenen Torchancen ays- Forften und das Reichsministerium für Ernährung und Landwirt Was unsere Kämpfer betrifft, wendet sich das Interesse der Wiederkehr des Halbschwergewichtlers Michael Rompa- Stein in den deutschen Ring zu. Bönisch und Willy Bolze, die Barnasevic und Kreuts zu Partnern erhalten, und über je acht Runden mit 5- UnzenHandschuhen anzutreten haben, befinden sich ebenfalls im umfassenden Training, um ein anziehendes sportliches Schauspiel bieten zu können. Bon den nationalen Paarungen ist der Kampf des Danzigers Martin Arlt gegen Helmut Rozlowiti bemerkenswert. Jm Qualifikationsfampf treffen sich die Eramateure Ottens( Westen) und Willi Bolz( Astoria) über vier Runden. Wandern und Schauen. Die Naturfreunde( Gruppe Prenzlauer Berg) Deranstalten am 31. Januar, 20 Uhr, im Sigungsjaal des Ein Bezirksamts, Danziger Str. 62, einen Naturfreundeabend. fang und Boltstänze all das steht auf dem Brogramm. Eintrit Lichtbildervortrag( über 100 Aufnahmen), Mufit, Rezitationen, Ge 50 Pfennig, alle Sportler und Parteigenossen des IV. Kreises sind herzlich eingeladen. Eisläufer, Naturfreunde! Jeden Mittwoch, 20-22 Uhr, Lehrabend Natureisbahn Seeterrasse", Röderstr. 11-13. Fahrverbin bung 53, 66, 68 und Ringbahn Landsberger Allee. Mitglieder werden aufgenommen. Am Sonnabend, 2. Februar, 20 Uhr, findet ein Eisfest statt. Freunde und Förderer der Naturfreundebewgung herzlich willkommen. Werbemonat der Radler. Die Arbeiterradfahrer haben be= schlossen, im Monat Juni d. 3. eine große Werbeaktion durchauführen. Alle in diesem Werbemonat in den Arbeiterrad- und Kraftfahrerbund, Solidarität" Eintretenden brauchen feine Eintrittsgebühr zu entrichten. Der Arbeiterrad- und Kraftfahrerbund Solidarität" hat seine Abrechnung über das 4. Quartal 1928 mit einem Umfaß von 511 978,60 m. abgeschlossen. Der Bund hat allein im legten Bierteljahr faft 300 000 m. an Beiträgen eingenommen und u. a. weit über 100 000 m. an Unterstützungen an Mitglieder gezahlt. Koffümfest im Polizeiftadion. Der Polizeijportverein veranstaltet am Donnerstag, 31. d. m., 18 Uhr, auf seiner an der Maikäfertaserne, Chausseestraße, gelegenen Eisbahn ein großes Kostümfest, nerbunden mit einer Prämiierung der besten Kostüme, Feuerwerk, Eislaufpolonase und sonstigen sportlichen und instigen Einlagen. Eine Watzerkonkurrenz wird ausgetragen, Nene Pleite der Kommunisten. Nachdem ihnen alle Felle weggeschwommen sind, versuchen seit einiger Zeit die Kommunisten, die 600 000 Mitglieder umfassende Organisation des Verbandes für Freidenfertum und Feuerbestattung E. V. zu erobern. Dabei haben sie im Kampf um die Mehrheit der Mitgliedschaft kläglichen Schiffbruch erlitten, denn die letzte Verbands- Generalversammlung in Frank furt a. M. entschied mit einer Dreiviertel- Mehrheit gegen sie. In ihrer Verzweiflung haben sie nun das Gericht angerufen und versucht, auf Grund von scheinbar begangenen Formfehlern bei der Einberufung der Generalversammlung( statt Innehaltung der Einberufungsfrist von 12 Wochen sollte nur eine solche von 10% Wochen vorgelegen haben) eine Nichtigkeitserklärung dieser Tagung durchzusetzen. Tatsächlich hat auch das Landgericht I auf Grund einer recht bedenklichen juristischen Konstruktion Wahlen und Beschlüsse dieser Tagung für ungültig erklärt. Die Verbandsleitung Hat mm Berufung beim Stammergericht eingelegt. Der Rechtsfrett geht also weiter. Darauf möchten sich aber aus begreiflichen Grün den die Kommunisten nicht verlassen. Sie haben daher beim Registerrichter den Antrag gestellt, den Vorstand des Freidenkerver bandes abzusehen und vier Beauftragte der Kommunisten als tommissarischen Vorstand zu bestellen. Der Registerrichter aber hat diesen Antrag abgelehnt, weil die fachlichen Voraussetzungen für einen Eingriff seinerseits fehlen. Es bedeutet dies eine riesige Pleite für die Eroberungsfüchtigen, denn sie hatten es sich so schön ausgedacht. Haben sie doch beantragt, der kommissarische Vorstand soll beauftragt werden:„ die VerBerbandseinrichtungen, Verbandskasse und bandsorgan in Besig zu nehmen und treuhände risch zu verwalten". Das ist nun vereitelt, und so müssen sich die Thälmänner nach anderen Objekten umsehen, mit denen sie ihre etwas zerrütteten Verhältnisse sanieren können. Es jagt halt eine Pleite die andere. Borbildliche Jugenderziehung. Das Boltsbildungsamt Friedrichshain, geleitet vom Genossen Stadtrat Gensch, veranstaltete im Saalbau Friedrichs hain ein Schubert- Konzert der Höheren Schulen des Bezirks Friedrichshain, ausgeführt von Schülerinnen und Schülern folgender Schulen: 1. Städtische Studienanstalt, Aufbauschule, Jahn- Realschule, Liebig- Realschule, Andreas- Realgymnasium. Das Boltsbildungsamt hatte die nicht unerheblichen Kosten übernommen. Die beteiligten Schulen konnten den Erlös der von ihnen verkauftent Eintrittskarten( 50 Pfg.) für sich behalten und für Schulzwecke verwenden. Es war eine Freude, zu hören und zu sehen. Mädchen und Jungen fangen und musizierten mit einer frohen Hingabe, die nur die Jugend hat. Wem in diesem edlen Wettstreit der Preis gebührt? Wir erlebten manche fünstlerische Leistung. Reicher Beifall dankie allen Mitwirkenden. Jeder Freund der Jugend wird das Beginnen des Boltsbildungsamts Friedrichshain lebhaft begrüßen. Geschäfts- Anzeiger Sparsame Hausfrauen emaillierte kaufen nur Kochgeschirre RECO Billig und trotzdem vorzüglich! 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