Morgenausgabe Nr. Sil A 26 46. Iahrgang Wichen Sich SSPs» mon�Ach Z.SSM. tvn voraus zahlbar. Postbezug KZI SB. einschl. Bestellgeld. Auslandsadonne» ment K.— M. pr0 Monat. Der„Qormörts* erscheint wochentSg» tich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustriert» Beilagen.Volk und Zeit- und. Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen« stimme-..Technik-.Blick in die Vücherwelr und.Iugend-Verwart»- Berliner Volksvlatt Donnerstag 31. Zanuar 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die etnspalttg» Nonp�retvezeNe s<1 Pfennig. Reklame eile j— Reich»« mark.„Kleine Anzeigen� da» enge» druckte Wort 25 Pfennig(zuläjsig zwet fettgedruckte Worte), zedes weitere Wort .2 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort !0 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe»» zählen für zwei Worte. Arbeitsmorkt Zeile KS Pfennig Familienanzeigen füt Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen« annahm« im Hauptgefchaft Linden« straße 3. wochentägl. von SV, dt» 17 Uhr, Jsntvaloesm» der«Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrabe 3 Frrnlprecher: T önboft 292—231 telepamm'Hbt.: Sozialdemokrat verlw Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 53k— Bankkonto: Bank dei Arbeiter. Angestellt«« und Beamten Wallstr. 65 Diskonio-Gelellschasl, Tepositenkasse Lindenftr Z Ziiesenbrand in Berlin 71. Ein Tich-Warenhaus eingeäschert/ Wohnhäuser in Brandgefahr. Ter Norden Berlins hat gester« abend eine Feners» brunst erlebt, wie sie seit Menschengedenken in der Haupt- stadt in einem solchen Ausmaße nicht mehr zu verzeichnen war. Tas Warenhaus Tiefe in der Chausseestr. 70, ein dreistöckiges Gebäude, das els Schaufenster Front mißt» brannte vollständig nieder. Ein Teil des Warenhauses stürzte während der Löschaktion, zn der ein riesiges Feuerwehranfgebot herangezogen worden war, brennend in sich zusammen. Eine zwanzig Meter hohe Feuersäule kennzeichnete biS in die entlegen- jten Stadtteile den Riesenbrandherd,«nd der Himmel war in weitem Umkreise in ein blutiges Rot getaucht. Turch die riesige Flammen- und Funkenbildung— ein un- geheurer Funkenregen stob bei dem heftigen Nordostwind nach allen Seiten auseinander— gerieten die angrenzen- den und gegenüberliegenden Wohnhäuser in einem Um- kreis von vielen hundert Metern in ernste Feuersgefahr. Eine Zeitlang mußten sich die Wehren überhaupt nur darauf beschränken, die gefährdeten Wohnhauser vor de« Feuer zu schützen. Wie der Vrand enistand. E, war kurz noch 5 Uhr. in der Chausseestrahe herrschte noch ein reger verkehr. Da» Varenhau» lieh, an desien Aassade riesige Retlameschllder und Transparente für die..weihe Woche" hängen. strahl« in seinen Schaufenstern und Auslagen in hellstem Lichte. Plötzlich, es war genau ein viertel nach S Uhr. bemerkte ein Polizei- beamter einer Streife im ersten Stockwerk de, kauf. Hause« starken Feuerschein. Che der veamte sich noch entschließen konnte, die Feuerwehr zu alarmleren, schlug auch schon eine gewaltige Stichflamme durch die ganze erste Etage, und die grohe« Schaufensterscheiben zersprangen laut klirrend aus dem vürgersteig. Aus de» Alarm ettte die Feuerwehr mit mehreren Löschzüge» an die vrandstätie. Roch ahnte niemand, welchen riesigen Umfang das Feuer, da» zunächst nur einen Teil der ersten Etage ergriffen Halle, nehmen sollte. Zm Rn hatte sich in der verkehrsreichen Gegend efne unübersehbare Menschenmenge angesammelt, so dah es den anrückenden wehren nur schwer gelang, an den vrand- Herd heranzukommen, wa» sich nun in den nächsten Minuten abspielte. rief in dem ganzen Sirahenobschnlt« eine Panik hervor. Die wehren hatten noch nicht einmal die ersten Schlauchleitungen an die Hydranten angeschlossen, als mehrere gewallige Stichflammen über die Innentreppen de» Saufhauses nach oben schlugen und da, zweite Stockwerk und das Lager, da, sich im Dachgeschoß befindet. In vrand sehten. Die am vrandherd anwesenden Feuer. wehren erwiesen sich dem wütenden Element gegenüber als völlig machtlos. Nacheinander wurde an die hauptfeuerwache in der Lindenstrahe 10. und zum Schluß 14. Alarm gegeben, von ollen Seiten rasselten unaushörltch die wehren heran. Der gesamte Straßenbahn-, Autobus- und Fuhrwerksverkehr war inzwischen ge- sperrt worden und der gefährdete Straßenabschnllt durch ein starke» Polizeiaufgebot abgeriegelt. Die Flammen fanden an den leicht brennbaren waren überaus reiche Nahrung. Die Holzregale, verkaufstische. vlusen. Kleider usw. brannten wie Zunder. An ein erfolgreiches Löschen war über- Haupt nicht mehr zu denken. Da» ganze Warenhaus glich eine? riesigen Feuersäule. Dem Flammenmeer entströmte eine so starke Hitze, daß sich me Löschmaunschasieo in respektvoller Eulferavng halten mußten. Die starke Skrahlenhitze brachte die angrenzende» und gegenüberliegenden Häuser, die durch den Fahrdamm von dem brennenden Warenhaus fast 50 Meter getrenn« liegen, in grohe Gefahr. Die Zatousien singen au zn brenne«, und eine Unmenge von Fenster- scheiden zerplatzten. Auch die Schaufensterscheiben eine, Sonsitüren- vad eine» Solonialwarengeschäfte» zersprangen unter der großen Hitzeeinwirkung, und die Auslagen singen lichlerloh zu brennen an. Die Situation war so, daß mit dem schlimmsten gerechnet werden konnte. Alle Aufmerksamkeit muhte jetzt den benachbarten und gegenüberliegenden Häusern zugewendet werden. Die Nachbardächer und die valkone der Nachbarhäuser wurden mit Löschmonn- schosten beseht und von hier aus unaufhörlich aus zahlreichen Schlauchleitungen größten Kalibers Wasser gegeben, vor dem brennenden Gebäude hatten Mann neben Mann die Löschmann- schaften Ausstellung genommen, die aus unzähligen Schlauchleitungen Wasser in da» Feuermeer schleuderten. Alle Augenblicke stürzte ein weiterer Teil des brennenden Dache» unter gewaltigem Funken- regen krachend in die Tiefe. Mehrmals mußten die Beamten wegen der großen Gefahr zurückgezogen werden. Die starke Hitze machte sich vor allem in den angrenzenden Häusern bemerkbar, und die Mieter muhten auf Anordnung der Polizei und Feuer- wehr die Wohnungen aus Gründen persönlicher Sicher- heil verlassen. Am%10 Uhr stürzt« unter gewaltigem Getöse der Mittelbau de» Kaufhauses zusammen. Glücklicherwelse be- fanden sich die Feuerwehrleute in größerer Entfernung von der Einsturzsteile, so daß nienumd zu Schaden gekommen ist. Der Fahrdamm und die Bürgersteige waren mit Kohle und Glaesplittern dicht übersät. Ueber die Entstehungsursache wurden an der vrandstelle die widersprechendsten Vermutungen laut. Bisher hat sich für die eine oder andere Behauptung noch nicht» Positive» ergeben, wie bisher ermittelt werden tonnte. waren gestern abend im linken Teil des Gebäudes Elektrotechniker mit dem Legen von Lichtleitungen beschäftigt. U. a. wurden mehrere Kabel gezogen, die an der Decke im ersten Stockwerk, dort, wo auch da» Feuer zum Ausbruch gekommen ist. angebrachi worden waren. Möglicherweise ist da» Feuer durch Kurzschluß entstanden. Mehrere A n g e st e l l> e, die in dem Warenhause den Schluß- dienst versahen. Hollen sich rechtzeitig in Sicherheil bringen können. Nur ein Wächter fehlte, der sich in den Hinteren Räumen de- fanden hatte. Man befürchtete Schlimmstes um ihn. wie sich später herausstellte, hatte auch er in Erkennung der furchtbaren Gefahr rechtzeitig das Freie gewinnen können. Da die Gefahr bestand, daß das ganze Gebäude, dessen Decken und Mauern durch die Hitze überaus brüchig geworden waren, völlig zusammenstürzen würde, konnten die Feuerwehrbeamten in da» Gebäude nicht eindringen. Sämtliche Löscharbeiten vollzogen sich deshalb von der Straße und von den Nachbardächern aus. Die Nachricht von dem Riesenbrand halte die ganze Segend wie ein Lausseuer durcheilt, von ollen Ecken und Enden rückten unübersehbare Schoren Neugieriger heran, die die Zugangsslrahen schwarz bevölkerten. Die Polizei, die von einer berittenen Bereitschaft unterstützt wurde, hatte alle Mühe, die Schaulustigen zurückzuhalten, die stundenlang geduldig ausharrten. Da» Warenhaus gehörte früher dem warenhausbefiher M. Sletu und ging vor längerer Zeit in den veflh von Hermann Tieh über. E» ist ein ziemlich veraltete» Gebäude, das anscheinend auch in feuertechnischer Hinsicht keineswegs mehr den Anforderungen der Jetztzeit entsprach. wie wir noch erfahren, sind einige Feuerwehrleute durch die Hitze- und Raucheinwirkungeu erkrankt, doch besteht für sie keine ernste Gefahr. Die Fackel in der Aacht. Gedränge aus dem Bahnhof Schwortzkopsfstraß«. �3st ja alles polizeilich abgesperrt," murrt eine alte Frau.„Gehen Sie gar nicht hin, kommt ja kein Mensch heran." Man fliegt die paar Stufen zur Straße hinauf und erschrickt. Im Hintergrund steht ein bluten- de» Fanal am Himmel, umweht von Schwaden grauweißlichen Rauches, hin und wieder zuckt ein« Stichflamme empor, leckt an der dunklen Siihouett« des Nachbarhauses. Die Straße ist gesperrt. Schupos kontrollieren unentwegt. lassen niemand hindurch, der nicht Pressevertreter ist oder sich aus« weisen kann, daß er in der Umgebung des Warenhauses beheimatet ist. Auf dem Fahrdamm steht der Wagenpark der Feuerwehr, eine Revue über alle Fahrzeuge, die noch irgendwie verwendet werden können. Sogar eine uralte Dampsspritze zischt ihren Wasierdampf energisch in die Lust, die Schläuche bilden ans der Straße ein un- entwirrbares Knäuel. Feuerwehrleute uird Schupos rasen hin und her, versinken knietief in die schwärzlichen Schneeschanzen. Funken sprühen auf die Straße, brennende Fetzen segeln durch die Luft, und ein boshafter Wind drückt den Rauch auf die Straße hinab. Das ganze große Gebäude ist strahlend rot illuminiert. Was ist übrig? Eine pappdünne Steinkulisse mit nach außen gebogenen noch dünneren Stahlschicnen steht vor einem rot leuchtenden hinter- grund, in dem phantastische Rauchschwaden einen grotesken Tanz aufführen und sich zu irrsinnigen Figuren zusammenballen. Alle Abstufungen des Rot sind zu erkennen, vom tieffren Rubi» im Erdgeschoß bis zum schrillen Geld oben auf dem Dach, wo spitz züngelnd« Flammen aus dem Gerüst, das ehemals den Namen der Firma trug, nachtwandeln. Dann ist plötzlich alles versunken, unter einem schmutzigen Rauchschwaden begraben, in dem nur die Funke» sprühend leuchten. Pfeifen schrillen, Kommandos dröhnen, ein Scheinwerfer tastet vorsichtig prüsend die brüchige Fassade ab, eine Leiter schraubt sich hoch. Zischend fährt eine Stichflamme aus einer entlegenen Dach- Verzierung in die Nacht. Don den Nachbarhäusern werden dicke Wasierstrahlen in diese Fcuersinfonie gesandt. Aengstliche Gesichter an den Fenstern der bedrohten Gebäude.„Wird das Feuer über- greifen?"—„Werden wir gerettet werden?"—„Oder, wo werden wir heute nacht schlafen?" Aber dann verblassen ganz allmählich die brennenden Farben. Keine vorwitzige Flamme züngelt mehr aus dem verkohlten Dach- gerüst. Die Fassade verliert ihre phantastische Form. Sie steht da, leer, ausgebrannt, Rauchschwaden dringen aus die Straße, legen Zeugnis ab von der Arbeit der Feuerwehr. Wo früher„Weiße Woche" stand, gähnen jetzt schwarze Löcher. Acht Feuerwehrbeamte verletzt. Außer denen, die infolge der Hitze- und Rauchwirkung er- krankten, haben acht Feuerwehrbeamte Brandver» letzungen und Schnittwunden erlitten. Zum Teit konnten die Verunglückten an Ort und Stelle verbunden werden, zum Teil mußten sie zur ärztlichen Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden. Das Städtische Rettungsamt war unter Leitung seines Direktors, Dr. Paul Frank, mit einem größeren Aerzte- und Wagemuisgebot gleichfalls zur Stelle. Arbeiterwahlsieg in Schottland. Drei weitere in guter Aussicht. London, 30. Januar. lEigenbrricht?) Die Nachwahl in North Midlothtan, bei der sich ein Sozialist, ein Konservativer, ein Liberaler und ein Vertreter der schottischen Nationalisten gegenüber» standen, hat den SiegderArbeiterpartei erbracht. Der sozialistische Kandidat Clarle erzielte 7917. der konservative Kolville 6993, der liberale Keir 3136, der Schotte nur 842, wodurch er sein Wahldeposit einbüßt. Bei den allgemeinen Wahlen von 1924 er» hielten der Konservative Hutchison 11329 und der Ar» beiterparteiler Elarke 9173 Stimmen. Es handelt sich also um einen neuen Mandats gewinn der QPPo- sition über die Regierungspartei. Diesem Sieg in der ersten von vier schwebende» Neuwahlen kommt angesichts der Nähe der allgemeinen Wahlen große Bedeutung zu. Der Wahlkreis von North Midlothian hat sich in den letzten zehn Jahren aus einem Bergarbeiterdistritt infolge Ab- und Auswanderung der arbeitslosen Bergarbeiter, in eine Art Vorort von Edinbourgh mit stark bürgerlichem Einschlag verwandett. Die Arbeiterpartei ist überzeugt, daß es ihren Kandidaten gelingen wird, auch die drei bevorstehenden Nachwahlen zu gewinnen. Als einzige Gefahr wird im Hauptquartier der Arbeiterpartei allzu großes Vertrauen und Bernachlässigung der Wahlpflicht bezeichnet. In der Zwischenzeit gehen die Verhandlungen zwischen Konser- oatioen und Liberalen fort. Die Sozialisten meinen, daß sich die Arbesterpartei in den nächsten Monaten auf der ganzes Linie einem Bürgerblock gegenübersehen wird, der im wechselseitigen Zurück- ziehen liberaler und konservativer Kandidaten überall dort zum Ausdruck kommt, wo die Gefahr besteht, daß die Beibehaltung beider bürgerlicher Kandidaten zu einem Sieg der Arbeiterpartei führen könnt«. Wehrwirrwarr— wessen? � Hai Rußland das Recht des bewaffneten Gelbstschutzes— und Deutschland nicht? Die Formulierungen des.Klassenkampf", von denen uit- längst hier die Rede war, verlangen, daß dem„bürgerlichen Staat" die Mittel zur Kriegführung zu nehmen sind, daß aber„die werdende sozialistische Gesellschaft" sich„die prole- tarischen Machtmittel" schaffen muß, deren sie zu ihrer Ler- teidigung bedarf. In einer kritischen Analyse dieser Forderungen wurde die Frage aufgeworfen: Ist etwa Rußland«n„sozialistischer Staat", dem„prole- tarisch« Machtmittel" zu gewähren sind, während einem von der Sozialdemokratie regierten Deutschland die Wehrmittel zu nehinen sind? Auf diese Frage haben die„Lolkszeitung" in Plauen— durch einen Aufsatz des Genossen Engelbert Graf— und dag„Sächsische Volksblatt" in Zwickau in einer redaktionellen Auslassung zwei verschiedene Antworten erteilt. Graf schreibt: Nein, Genosse Stampfer! Rußland ist auch noch unserer Ansicht kein„sozialistischer Staat", dem„proletarische Macht- mittel" zu gewähren sind, aber ein von der Sozialdemokratie regier- ies Deutschland dürfte auch lediglich in Öhrer Phantasie existieren. Und so sehr man die Sowjetentwickwng für eine Kette verfehlter Experimente halten kann, die„Rote Armee" ist das Machtinstrument der doch immerhin kommunistischen Bolschewiki. Die deutsche Reichswehr jedoch ist das Machtinstrument der deutschen Bourgeoisie.— Hat die Sozialdemokratie Veranlassung, die Machtmittel des Gegners zu stärken? Dem Genossen Graf ist also zwar die Rote Armee lieber als die Reichswehr, aber deswegen geht er doch nicht so weit, ihr im Gegnsatz zur Reichswehr ein Daseinsrecht abzusprechen. Anders das„Volksblatt" in Zwickau: Di« dritte Frage, die Stampfer aufrollt, und die ganz offen beantwortet werden muß. ist die, ob etwa Rußland ein solcher Staat sei, den, nach der Anschauung des.�kloffenkampf"- Pro- gramms die proletarischen Machtmittel zu gewähren seien. Hier- über sollt« es unserer Meinung nach doch gar keinen Zwei- fel geben. Gerade Stampfer, der so viel Wert auf die„Bildung des Staatswillens" legt, wird uns nicht mit dem Einwand kommen, die wirtschaftlichen Verhältnisse in Sowjetrußland feien sehr stark von der Kapitalistischen Weltwirtschaft beeinflußt. Das letzter« wissen wir. Ader es ist ebenso sicher, daß iu Rußland, mag man Form und Mittel, mit dem dos geschieht, auch verurteilen, der Staats- wille von einer proletarischen Partei gebildet wird, während aus rein kapitalistischen Interessen heraus die Großmächte des Westens sich feindlich diesem vielleichr in einen, Uebergangsstadium befindlichen Staatswesen gegenüberstellen. E s kann also gar kein Zweifel fein, daß Stampfers Frage zu bejahen ist, daß Rußland also ein Staat ist. dem man das Recht des bewaffnete« Selbst- fchutzes zubilligen muß. In Plauen wie in Zwickau besteht der gleiche Wille, den Entwurf des„Klassenkampf" zu verteidigen. Beide Artikel schließen mit der Versicherung, daß Wirrwarr und Konfusion nicht in jenem Entwurf, sondern nur bei mir zu finden seien. In der Kardinalfrage kommt man aber in Plauen und in Zwickau zu zwei voneinander sehr verschiedenen Antworten. Damit scheint mir doch der Beweis für meine Auffassung ge- liefert, daß der Entwurf des.Klassenkampf" aus Wirrwarr kommt und zu Wirrwarr führt. lieber das Grundsätzliche der Angelegenheit wird noch einiges zu sagen sein. F. St. Wehrprogramm und Frieden. Von Herwairn Wendel. In einem freien Staat ist die Militärgewall jene. bic am meisten gebunden sein muß. Sie ist ein passiver Hebel, den erst der Wille der Nation bewegt. (Der Wohlfahrtsausschuß von 1794 an die Generale.)' Obwohl Friedrich Engel« wegen seiner Beschäftigung mit militärischen Fragen im Freundeskreise den Spitznamen ..der General" führte, obwohl August Bebel mit der Empfehlung der ll-Boote, des rauchschwachen Pulvers und der feldgrauen Uniform den Berufssoldaten weit vorauseilte und obwohl auch Franz Mehring eine stille Leidenschaft für Kriegswissenschaft verspürte, ist. von Einzelheiten abgesehen. Drum und Dran der Heeresverfassung in der deutschen Sozialdemokratie nur selten Gegenstand besonderer Betrach- tung gewesen. Mit gutem Grunde, denn da der Sozialis- mus die Erhaltung des Menschen in den Mittelpunkt rückt und jedes Wehrsystem aus Vernichtung des Menschen ausgeht. klafft zwischen beiden Begriffen ein anscheinend schwer über- brückbarer Zwiespalt. Friedenspartei und Neigung für Wehr und Waffen— es scheint ein Widerspruch in sich selbst. So hat denn die Sozialdemokratie in ihrer Haltung zu diesen Fragen auch wenig Eigenes hervorgebracht, das der modernen Arbeiterklasse und nur ihr gemäß wäre. Die Forderung der Miliz, die bis 1914 das Kernstück unseres„Wehr- Programms" war, stammte aus dem Arsenal der bürgerlichen Demokratie, und selbst die Losung, dem Kriegsausbruch mit dem Aufstand zu begegnen, ist nicht proletarischen Ur» sprungs: Schon im 18. Jahrhundert schrieben rebellische britische Bürger an die Palastmauer ihrer Machthaber die Drohung: Xo kr�neb war or rerolution! Kein Krieg gegen Frankreich oder Revolution! An diese Abneigung der Partei, sich mit dem Problem der Wehroerfassung zu befassen, erinenrt der W i r r k l a n g der Meinungen über den Entwurf des Wehr- p r o g r a m m s. Von großen Linien ist hier nicht zu reden. Die Auffassungen sind so zersplittert, daß sich keine ganz mit der anderen deckt, und zwischen dem einen und dem anderen Extrem finden sich alle Zwischenstufen. Vertritt der eine die Ansicht, daß die lüv Vstv-Mann-Reichswehr„der stärkste militärische Faktor Europas" sei, so hält ein zweiter sie für ein ganz unbrauchbares militärisches Machtmittel, für ein kostspieliges und gefährliches Spielzeug. Sieht ein anderer im Konfliktsfall die glatte Kapitulation als das kleinere Uebel neben jeder Art von Abwehr an, so erwartet der vierte von der passiven Abwehr, dem Generalstreik mit Sabotageakten, das Wunder. Zieht ein fünfter aus allem die Folgerung, daß die Sozialdemokratie gezwungen sei, Wehrforderungen >u bewilligen, so ruft wieder ein anderer unentwegt: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen! Und während hier dargetan wird, daß die Partei unter Umständen sogar die Notwendigkeit ausreichender Rüstung gegen die Mächte des Verfailler Vertrags verfechten müsse, kommt aus jener Ecke der Ruf:„Unser Ziel muß sein, uns vollständig wehrlos zu machen!" Ja, zuweilen nisten in ein und demselben Kopf die Widersprüche dicht beieinander. Die Fülle solcher Widersprüche erklärt sich aber nicht daraus, daß die Wortführer der Parteigenossenschaft lauter Konfusionsräte wären, sondern rührt daher, daß die Er- örterung zum großen Teil im Nebel der Vermutun- gen tappt. Ob der Krieg von morgen überwiegend in der Luft oder auf der Erde ausgefochten wird und ob mn Massenaufgeboten oder mit einem kleinen Berufsheer— darüber gibt es wohl allerhand Vorstellungen und Berech- nungen, gibt es eine Wahrscheinlichkeit, aber keine Gewißheit; der Weltkrieg hat auch so ziemlich alle Voraussagen der Fach- leute zuschanden gemacht. Mehr aber noch sind die Wider- sprüche darauf zurückzuführen, daß sich seit dem November 1918 die Sozial d Ihn okratie in einer etwas unklaren und ungemütlichen Uebergangssituation befindet. Wir bedienen uns nicht mehr der alten Taktik, denn das Deutschland der Gegenwart ist nicht mehr das wilhelminische Kaiserreich, aber wir besitzen auch noch kein Handbuch der neuen Taktik, denn die Noveknberrepublik ist vom Staate unserer Prägung noch weit entfernt. So ist der Zustand zwiespältig, und den Ansätzen zum Reuen kommen immer die Formeln des Alten in die Quere. Das gilt auch von der Wehrfrage. Wie wir uns zur Wehrmacht des Staates verhalten, hängt in Wahrheit nicht von unserer durchaus ein- deutigen Stellung zum Kriege, sondern von unserer nicht ganz so eindeutigen Stellung zum Staate ab. Entweder hat die Arbeiterklasse mit der Republik, in der wir leben, nichts zu schaffen, die Sozial- demokratie verwirft es. in eine der Bastionen des Staates nach der anderer einzudringen, um ihn weiterzubilden und umzubilden, ihr ein und alles ist der gewaltsame Umsturz, der Bürgerkrieg. Dann ist ein starres Rein zur Wehrmacht dieses Staates nur logisch und konsequent. Oder die Arbeiter- klasse sieht in der Republik wenigstens zum Teil auch ihren Staat, in dem sie schon viele Machtpositionen bezogen bat und täglich neue zu erobern gedenkt, und die Sozial- demokratie hält unterUm ständen auch eine Regierungs- loalition mit anderen Parteien für einen Hebel des Fort- schritts. Dann verlangen es Logik und Konsequenz, daß wir dem Staat nicht die Wehrmacht absprechen, die bisher überall eines der wesentlichsten Attribute seiner Hoheit ist. Denn von Zwerggebilden, wie Monaco, An- dorra und Luxemburg, qbgesehen, verfügen alle Staaten, auch die ganz und gar nicht imperialistischen wie Holland und die Schweiz, in denen ein Befürworter des Krieges ins Irren- haus gesteckt würde, über ein Heer. Unser Verhalten zu diesem Heer wird kaum anders fein als zur staatlichen Gerichtsbarkeit, von der wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch wissen, daß sie eine Klassenjustiz, ein Machtmittel der ausbeutenden Schicht ist. Trotzdem ver- neinen wir, ungeachtet dessen, daß uns eine Zukunftsgesell- schast ohne„Verbrechen" und„Strafen" vorschwebt, die Ge- richtsbarkeit an sich nicht, sondern suchen ihr in zähem Ringen die Giftzähne auszubrechen und sie zu einem Organ des Volksstaates zu machen. Ebenso mit der Wehrmacht. Freilich gebietet uns die sozialistische Ueberlieferung ebenso wie das wohlverstandene Staatsinteresse, auch obwohl uns der Verfailler Vertrag schon ziemlich abgerüstet hat, die Bereitschaft zu weiterer Abrüstung zu erklären — von 100 009 Mann bis auf 0 Mann. Rur müßte das auf Grund internationaler Vereinbarungen. Zug um Zug, durch alle Staaten erfolgen, nicht wie 1919 einseitig zü- Ungunsten der Besiegten. Bis dahin heißt unser Streben: möglichst viel Macht hinter der Sozialdemokratie zu sammeln, damit unser entscheidender Einfluß auf die auswär- t i g e Politik sie zu einer wahren Friedenspolitik und unser entscheidender Einfluß auf die Reichs- w e h r sie zu einem wahren Werkzeug der Republik macht. Wenn heute unsere Friedenspolitik zuweilen Rück- fälle in wilhelminische Kraftstoffeleien durchmacht, so ist vollends die Reichswehr, sozial und politisch gesehen, ein Miniaturspiegelbilo der kaiserlichen Armee. Hier tut Wand- lung an Haupt und Gliedern not.„Jeder Zweifel daran". sagt mit Recht Friedrich Stampfer,„daß die Wehrmacht der Republik zur Republik steht, muß ausgeschlossen sein." In diesem Sinne gehören in unser Wehrproqramm For- derungen, die Hörner und Klauen haben. Solange diese Forderungen nicht erfüllt sind, solange also noch jener Zweifel an der republikanischen Zuverlässigkeit von Groeners Heer wachbleibt, ist die Folgerung für uns sehr klar: Ab- lehnung des Wehretats. Mehr aber als auf ein Wehrprogramm mit Hörnern und Klauen kommt es auf eine zielklare, unbedingte und ent- schlossene Friedenspolitik und mehr als auf beide auf die Macht der Arbeiterklasse an. Fehlt diele Macht, so ist das radikalste Wehrprogramm nur ein Wisch. Hinterläßt diese Macht aber durch Geballtheit und Schlagfertigkeit starken Eindruck, so wird die Entwicklung gegebenenfalls auch ohne Wehrprogramm den uns wohlgefälligen Weg laufen. Zersetzung der Zersetzer. Momentbilder aus der KPO. Weimar. 20. Januar.(EtgeröerichL) Bon den acht als Kommunisten gewählten Abgeordneten de« thüringischen Landtages sind kürzlich zwei, Tittel und Engert- Altenburg aus der KPD. ausgeschlossen worden. Beide haben sich geweigert, ihre Mandat« niederzulegen; Tittel erklärte sogar öffenllich. daß sich die übrigen kommunistischen Abgeordneten bis auf einen mit ihm solidarisierten. Der größte Teil der kommu- nistischen Fraktion jubett« ihm in öffentlicher Landtagssitzung zu. Das war vor dem Bezirksparteitag der Kommunistischen Partei Thüringens. Inzwischen hat sich diese Tagung in Erfurt mit 76: 16 Stimmen gegen die„rechte Liquidatorengruppe" aus- gesprochen. Jetzt erklärt der Rest von sechs Kommunisten de» Land- tags, daß Tittel und Engert ihr nicht mehr angehörten, die Fraktion vielmehr„nach wie vor treu zur KPD." stehe. Unter den Unterzeichneten befinden sich alle, die Tittel anfänglich zw jubelten. Ein Teil von ihnen hat völlig gekuscht; der andere will' als„Einheitszelle" weiter Zersetzungsarbeit an und in der KPD. im Sinne Brandlers betreiben. Mißbrauch der Zmmuniiäi. Oer Hitier-Mann wird ausgeliefert. Der Geschäf�sordnungsausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Mittwoch mit einer Reih« von Anträgen verschiedener Staats- anwaltschasten aus Genehmigung zur Strafverfolgung von Mitgliedern des Reichstags wegen Beleidigung, Vergehens gegen das Republikschutzgefetz, übler Nachrede usw. In den meisten Fällen wurde die Genehmigung versagt. Der Ausschuß beschloß jedoch gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Wirtschaftspartei und der Kommunisten, dem Plenum vorzuschlagen, die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Strasser(Nat.-Soz.) in zwei Fällen wegen Vergehens gegen das Gesetz.zum Schutze der Republik zu erteilen, da der Abg. Strasser nach Ansicht der Mehrheit des Ans- schufles seine Immunität mißbräuchlich dazu benutze. für eine Reihe von Blättern verantwortlich zu zeichnen. Der Ausschuß beriet dann einen Antrag des Abg. v. Rhein- b a b e n(D. Vp.), der der Reichsregierung die Möglichkeil geben will, kleine A n s r c%g e n zur auswärtigen Politik sofort münd- lich im Plenum des Reichstags zu beantworten. Reichsauhen- minister Dr. Strejemann gab sein« Zustimmung zu diesem Antrag zu erkennen und betonte, daß er durchaus im Sinne der Wünsche der Reichsregierung liege.— Aussprach« und Abstimmung über den Antrag wurden vertagt. Das kriegsächtuagsgefeh ist jetzt dem Reichstag zur Ratifikation zugegangen. Dem Gesetzeniwurj ist ein Weißbuch angefügt, das cinc Zusammenstellung von Materialien zu dem Kellogg-Tertrag enthält. Strafbare Karikatur. Beleidigung oder Scherz. München. 30. Januar. Bar dem Schwurgericht beim Landgericht München I wurde heute gegen den verantwortlichen Schriftleiter des Hitlerschen Illustrierten Beobachters, Hermann Esser, wegen Beleidigung des Ber- liner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß verhandelt. Das Blatt hotte in seiner Ausgabe vom 16. Juni zwei Bilder gebracht, auf denen in karikierter Weiss Dr. Weiß auf der Flucht vor einem mit dem Gummiknüppel auf ihn einschlagenden Schupobeamten dargestellt worden war. Der Staatsanwalt erblickte in der Art der Dar- ftellung des Polizeioizepräsidenten eme Ileberjchreitung der zu- lässigen politischen Satire und beantragte vierzehn Tage Gefängnis, während der Verteidiger des Angeklagten auf Freisprechung eventuell auf Aussetzung der Verhandlung zwecks Ladung von Sachverstän- digen plädierte. Das Gericht kam zu dar Ueberzeugung, daß beide Bilder durch die ganz« Art der Darstellung als ein« ver- höhnende Karikatur des Präsidenten anzusehen seien, und ver- urteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 500 M. oder vier- zehn Tagen Gefängnis. Das Gericht erkannte an, daß eine Kart- katur im politischen Leben eine weitverbreitete Hebung sei. Sie sei aber nur dann erlaubt, wenn der Bildner damit rechnen könnte, daß der Karikierte den Angriff auf seine Person als eine Satire oder als einen Scherz und nicht als eine Ehren- kränkung ansehen würde. Der Angeklagte konnte ober dieses Glaubens nicht sein. Zugunsten des Angeklagten berücksichtigte das Gericht, daß Dr. Weiß ein erbitterter Gegner der Nationalsozialisten s?) fei. und daß in der Partei ein« große Erregung über seine Maßnahmen herrsch«. Deshalb habe das Gericht trotz der Vorstrafen des Angeklagten wegen Beleidigung nochmal» von einer Gefängnisstrafe abgesehen. » Die Begründung für die Strafmilderung ist sehr eigentümlich. Das Urteil sagt, daß Dr. Weih„ein erbitterter Feind der National- sozialisten" fei. Gerade umgekehrt ist es richtig: Seit vielen Jahren haben die Nationalsozialisten Dr. Weiß wegen seines jüdischen Glaubens mit allen erdenklichen Gemeinheiten an- gegriffen. Wie die dauernden Pöbelein auf Dr. Weiß innerlich ge- wirkt haben, dürfte das Gericht kaum festgestellt haben, es ist aber auch ganz unerheblich. In seinen Amtshandlungen, auf die es allein ankommt, hat jedenfalls Dr. Weiß zur Bekämpfung der zahlreichen nationalsozialistischen Ausschreitungen nur seine Pflicht als Polizeileiter erfüllt. Die Logik des Utteils gehl also dahin: wenn eine Person, ohne Anlaß hierzu zu geben, von einer bestimmten Seit« dauernd an- gepöbelt und verhöhnt wird, so wird dieser Umstand nicht dem An- gegriffenen, sondern einem der Angreifer zugute gerechnet, weil doch der Angegriffen«„der erbitterte Feind" seiner Angreiser sei! Zu wenig Reichsrichier. Bedenkliche Vorschläge zur Entlastung des Reichsgerichts. Der Rechtsausschuß des Reichstages beschäftigte sich ain Mittwoch mit der Regierungsvorlage, die eine Entlastung des Reichs- g e r i ch t e herbeiführen will. Nach dieser Vorlage sollen Revisionen gegen Urteile der Oberlandesgerichte nicht mehr auf die Verletzung bestimmter zivilprozessualer Lorschristen gestützt werden können. In Ehefachen soll ferner eine Revision nur zulässig sein, wenn das Ober- landesgericht sie für zulässig erklärt. Schließlich soll die Revision nur möglich sein, wenn es sich um ein Wertobjekt von 6000 Mark handelt. während jetzt die Grenze 4000 Mark beträgt. Relchsjustizminister Koch begründete die Vorlage mit der Ueberlastung des Reichsgerichts. Genosse Marum brachte starke Bedenken gegen die Vorlage zum Aus- druck. Er erkannte zwar an, daß es unerträglich sei, wenn das Reichs- gericht erst nach dreiviertel Iahren einen Termin ansetze, er forderte aber, daß dieser Mißstand nicht auf Kosten des rechtsuchenden Publi- kums beseitigt werde, sondern durch eine Vermehrung der Richterzahl. Auch die Vertreter der anderen Parteien machten Bedenken gegen die Vorlage geltend. Der Ausschuß beschloß alsdann die Beratungen in einer neuen Sitzung fortzusetzen. Wehrprogramm der Demokralen. Auch die Demokratisch« Partei hat zur Aufstellung eines Wehrprogramms einen Ausschuß eingesetzt. Dieser hat das von dem Abg. Dr. Külz vorgelegte Pro- fnunm am Mittwoch durchberaten und einstimmig angencnmnen. s«r Ausschuß wird mit entsprechenden Vorschlägen Nunmehr an die Fraktion und an den Portcivorstand herantreten. Das Programm erstreckt sich sowohl aus die allgemeine Äehrpolitit als wn d-e «tellung der Reichswehr als Volksheer, wie auf Verteidigung s- mittel zur Selbsterhaltung der deutschen Republlt. Mazedonien muß weiierbluien. Kampfbeschluß des Kongreffes. Sofia, 30. Januar.(Eigenbericht.) Der kougreh der mazedonifäZen Emigrantenorganifation in Bulgarien, aus deren Reihen sich die„Iraro" rekrutiert, saht« Eni- schiichungen an den Völkerbund und die Grohmächte. in denen e» heiß!, daß die mazedonische Areiheilsbewegung unverändert an dem einzigen ihr zur Verfügung stehenden Mittel der S e l b st h i l f e— dem revolutionären Kamps in Serbisch- und Griechisch-Mazedonien— iesthalten würde. Die in diesen Teilen Mazedoniens mit großer BrutalitSl forciert« Enlnalionaliflerung erkläre sich hanpt- sachlich daraus, daß der Völkerbund der mazedonischen Arage keinerlei Augenmerk schenke. Allgemein war erwartet worden, daß der Kongreß wich den blutigen Zlu seinandersehungen in den lehlen Monaten einen stürmischen Verlaus nehmen würde. Es blieb jedoch bei einer nächtlichen Schießerei zwischen Delegierten«er. lchiedcner Richtung, wobei zwei Beleiligle verletz« wurden. Man rechnet schon mit neuen K o m I l a d s ch i a k t i o n e n in Südserblen, zumal der aus den Vrvderkämpsen siegreich hervor- gegangene Zwan M i cha! i o w beweisen will, daß die Jmro noch wie vor ungeschwöchl dosiehl. En kontogesellschaft in der Kleiststr. 23, un- mittelbar am Wittenbergplast, verübt. Die Ver- brecher gruben in wochenlanger Arbeit einen unterirdischen Gang und gelangten so durch eine Entlüftungsanlage in die Stahlkammer, in deren Tresoren sich groste Werte befanden. Samt» liche Fächer wurden erbrochen und beraubt aufgefunden. Die Tat stellt früher versuchte Ein- brüche am Savignhplats, am Zoo und bei der Reichsbahn in den Schatten. Hier ist es zum ersten Male den Einbrechern gelungen, direkt in den Tresorraum zu gelangen und ihn vollständig aus» zuplündern. Die Vorbereitungen und die Aus» führung lasten erkennen, dast man es mit einer der raffiniertesten und bestausgerüsteten Banden zu tun hat. Das Haus Kleisfftraße, eines der ältesten in der Straße, wird allgemein Wittenberghaus genannt Die Vankräume haben sowohl nach der Kleist- wie nach der Vayreuther Straße hinaus Fenster. Die eigentliche Ecke ist von einem Konfektionsgeschäft be- setzt. Die Tresoranlage im Keller der Bant ist eine der modernsten und kompliziertesten. Sie wird abgeschlossen durch eine viele Zentner wiegende Panzertür Arnheimschen Fabrikats. Das Mauer- werk, das den Tresor umgibt, ist 55 Zentimeter stark und hat ein- gelassene Stahlaitterungen. Außerdem sind Alarmvorrich- t u n g e n da, die beim Berühren sofort weit hörbare Signale geben. Es war den Verbrechern von vornherein klar, daß sie durch die Türen niemals in das Innere des Tresors gelangen würden. Sie machten daher einen Umweg und gruben sich wie Maulwürfe durch die Erde. Das Grundstück Kleiststraße 23 wird auf der Hofseite durch«ine etwa zwei Meter hohe Mauer noch dem Nachbarhause in der Bayreuther Straße getrennt. Die Knocker haben nun mit ihren Werkzeugen entweder über diese Mauer hinweg oder durch einen anderen Kellereingong, der ebenfalls an der Bayreuther Straß« ' liegt, das Grundstück betreten. Von hier aus gingen sie durch niedrige und enge Kellergänge durch das Haus hindurch, bis sie die Front an der Kleiststroße erreichten. Unter den drei Stufen, die zum Haupteingang des Hauses Kleiststraße 23 hinaufführen, haben sie dann ihre Arbeit begonnen. Von der Straßenseite her kommen hier 2>rei starke Lichtkabel, die sie geschickt jedesmal beiseite. rückten und später genau' wi�er' in Vi« gleiche' Lage brachten, ohne daß jemals eine Lichtstörung im Haus« bemerkbar wurde. Unter diesen Lichtkabeln durch st emmten sie das Fundament des Gebäudes. Cs entstand ein Loch, das etwa von einem Dutzend Ziegelsteine ausgefüllt ist. Jetzt waren die Verbrecher unter dem Bürgersteig angelangt. Eimerweise schleppten sie dos Erdreich nach einem Nebenkeller und oerborgen es hier unter Koks. Das Weoschassen der 15 bis 20 Zentner kubikmeker Erde muß sie wochenlang in Anspruch genommen haben. Als sie bei ihren Gra- bungen den Bürgersteig erreicht hatten, machten sie eine S ch w e n- fung nach links und gelangten vor eine Stahlplatte, die einen Entlüftungsschacht abschließt. Der Gang, den die Verbrecher gru- den. ist 2M! Meter hoch, fast ein Meter breit und annähernd drei Meter lang. Er war notwendig, um den Transport der hohen Sauerstofflaschen und anderer Werkzeuge zu bewerkstelligen. Gegen Einsturzgefahr ver st eisten sie ihn mit Latten und O u e r l e i st e n. Die Entlüftungsanlage mündet oben in eine Glas- platte, die in gleicher Höhe mit dem Bürgersteig liegt. Auffallend ist, daß niemand den hellen Flammenschein des Schweihapparates bemerkt hat, als die Stahlplatte zum Entlüftungsschacht durchge- schweißt wurde. Es ist allerdings möglich, daß die Glasplatte von den Verbrechern genügend abgedichtet war. Durch die Oeffnung, die auch nur schmal war. gelangten die Knacker in die Silber- k a m m e r. Von der Silberkammer aus schweißten sie eine zweite zum Tresor führende Tür auf und waren nun in dem Raum, in dem die Schrankfächer untergebracht sind. Um sich vor Ueberraschung zu schützen, zerstörten sie den fernen Mechanismus der Tresortür von innen, so daß es nicht mehr möglich war, sie zu öffnen. 3n Ruhe und ganz systematisch wurden nun die Fächer w dem Tresorraum teils erbrochen und teils ausgeschweißt. Alles wurde auf den großen, in der Mitte stehenden Sortier- tisch gepackt und Musterung gehalten. Aktienpakete, ausländische Geldscheine und Münzen, alte braune Tausender sind jenseits des Tisches zu einem großen Haufen aufgetürmt. Das gleiche Chaos findet man in der Silberkammer. Auch hier suchten die Einbrecher nur das beste heraus und ließen minder wertvolle Silbersachen achtlos zurück. Ein Berg von leeren Schmucketnis und Besteckkästen ist alles, was zurückgeblieben ist. Alles in allem haben die Ein- brecher etwa 150 Treforsächer ausgerissen und ausgeraubt. Nicht eines ist ihrer Durchsuchung entgangen. Der Umfang der Beute ist noch nicht annähernd festgestellt. Die Fächer waren gemietet von in der Nachbarschaft wohnenden Bankkunden, die natürlich nur allein wissen, was sie enthielten. Am letzten Montag, als der Tresorraum geöffnet werden sollte, ergab es sich, daß die Tür nicht nachgab. Naturgemäß dachte man an eine mechanische Hemmung, die auch bei feinster Konstruk- tion vorkommen kann. Da keine Alarmglocken angeschlagen hatten, da sich nirgends in den Kellerräumen eine Spur eines gewaltsamen Eindringens zeigte, so dachte kein Mensch an einen Einbruch. Ob- wohl die Außenseite des Hauses und der Vorraum zum Tresor zur Nachtzeit ständig unter Bewachung geHallen werden, hat niemand irgend etwas Verdächtiges wahrgenommen. Umsonst be- mühte sich ein Mechaniker, den Schaden an der Tür zu beheben. Auch ein Fachmann einer zweiten Geldschrankfabrit konnte nichts ausrichten. Jetzt entschloß man sich, von der Seite her die Mauern zu durchbrechen,.um der Ursache der Störung nachzugehen. 15 Stun- den lang arbeiteten drei Maurer und Zwei Lhite mit Sauerstoffgebläsen, ehe es gelang, ein halbwegs großes Loch zu schaffen, durch das einer der Arbeiter dann hineinkroch. Noch der Entdeckung wurde sofort das Sonderdezernat der Kriminalpolizei alarmiert. Wohl sah man das Einsteigeloch, doch konnte sich niemand erklären, wie es weiterging. Die Versteifungen in dem erwähnten Gang hatten nach dem Abzug der Verbrecher nachgegeben und die Erde nachrutschen lassen. Auch die Vermutung, daß die Knacker von einem Gully aus oder von der Untergrundbahn her gekommen seien, erwies sich als irrig. Ein Zufall führt« auf die rechte Spur. Man schob die Lichtkabel beiseite und klopfte an die Fundament- stein«. Sie fielen zusammen und jetzt hatte man den Weg der Verbrecher gefunden. Zum letzten Schlag, zum Aufschweißen der Türen und zum Ausrauben der Werträume haben die Verbrecher wahrscheinlich den frühen Bantschluß am Sonnabend und de» ganzen Sonntag benutzt. » Der Rieseneinbruch am Wittenbergplatz wird ohne Zweifel noch geraume Zeit die Kriminalpolizei und die Bankangestellten be- schäftigen. Es war bisher noch n i ch t m ö g l i ch, einen U e b e r- blick über den Schaden zu bekommen. Die Kriminalbeamten des Sonderdezernats suchten das ganze Grundstück ab. Die Der- brecher hatten aber das gesamte Werkzeug mitgenommen. E« ge- winnt sogar den Anschein, als ob die Verbrecher ihre Ruhezeilen in den kellern verbracht hätten. Denn wenn sie wirklich in den winkligen Gängen jemanden kommen hörten, war es nicht schwer, in eine Abzweigung zu schlüpfen und sich verborgen zu halten. Das Verbleiben im Keller war schon ein Gebot der Klugheit Ein häusiges Aus und Ein wäre ohne Zweifel im Hause doch ausgefallen. Wie die Vernehmung des Pförtners und anderer Bewohner aber ergab, hat man nichts Verdächtiges bemerkt. Um sich über die Verteilung der Fächer und die Sicherungsanlagen im Tresorraum zu informieren, haben die Verbrecher ohne Zweifel die Maske eines Kunden gewählt. Wahrscheinlich wird sich bei der Kontrolle der Fächer her- ausstellen, daß eines von einem Manne gemietet ist, der nicht auf- zufinden ist. Voraussichtlich wird nach Abschluß der Uebersicht von der Bankleitung auf die Ermittlung und Ergreifung der Täter eine namhafte Belohnung ausgesetzt werden. Wieder ein Bankzusammenbruch? Oer Inhaber verschwunden. Zu die Reihe der Affären, die Unregelmäßigkeiten in Berliner Bankhäusern zum Gegenstand haben, fällt jetzt der Zusammenbruch der Airma Rothenberg u. Co.. Unter den Linden 54/5ö. Es Handell sich um schwere Beschuldigungen, die gegen den In- haber des seit Jahresfrist bestehenden Bank-Kommifsionsgeschästes Joseph Rothenberg u. Co., Unter den Linden 54/56, erhoben wurden. Am 1. Januar 1923 gründete ein amerikanischer Staats- bürger, der 44 Jahre alte aus Frankfurt a. M. gebürtig« William Sachs, das Unternehmen, daß er Joseph Rothenberg u. Co. firmierte. Die Bezeichnung sollte andeuten, daß das Kommissions- gefchäft ein« Tochtergesellschaft eines feit etwa 20 Jahren in Amerika bestehenden Bankhauses sei'. Das Depotrecht besaß das Kommissions- gefchäft nicht. Der Inhaber Sachs hat sich früher im Ausland auf- gehalten und kehrte erst Ende 1927 nach Deutschland zurück. Die Firma wurde großzügig ausgebaut, sie beschäftigte in 10 Bureau- räumen etwa 25 Angestellte und gewann nach und nach beinahe 3000 Kunden. In der Hauptsache wurden Effekten-An- und-Ver- kaufe— meist unnotierter Werte— und besonders amerikanischer und mexikanischer Aktien getätigt. Als von einem Kunden, der sich geschädigt fühlte,«ine Anzeige erstattet wurde, sollte der Inhaber be- fragt werden. Sachs, der Junggeselle ist, wohnte als Untermieter in Roman einer Kevoluliott. üott Gethaci Meccma-nyt M-osfar Wagner begann, den trostlosen Regen draußen in me- lancholischen Arpeggien zu begleiten. Er hatte sich nie für einen großen Klavierspieler gehalten und das Instrument war schlecht und seit Iahren verstimmt: doch waren der ironisch-selbstquälerischen Stimmung des Musikanten gerade diese Mißtöne ganz recht. Ein herberes, melodisches Thema geriet ihm allmählich in die linke Hand; und plötzlich geriet Wagner in das Vorspiel zu seinem„Rienzi". Noch einmal belächelte sein nachprüfender Intellekt sich selbst: vieles an seiner ersten Oper war aus dem Erleben der Pariser Juli- Revolution entstanden, die er innerlich mitgekämpft hatte, aus ganzem, heißem, jungem Herzen: nun war wieder gärende Zeit, und ein letztes, schales Schlücklein der allen hatte er heute zu kosten bekommen, und es mußte also so sein, daß er bei diesem alten Juden saß und den„Rienzi" spielte, in tyrunno»-- dann war Wagner, wie es seine Art war, ganz verloren an das Pathos seiner Musik. Calms Gedanken gingen zunächst spazieren, ganz simple, familiäre Pfade, wie es seine Art war. wenn er Musik hörte: an seine tote Frau dachte er, die früher gespielt halte, an seine Tochter, die das nicht wollte, sondern rätselhaft, stumpf- dämmernd dahinlebte, selbst ihrem Vater rätselhaft.— Ein einziges Mal zischte er ein„pscht", als die Tasten gar zu laut wurden, und Wagner dämpfte. Aber dann war das Vor- spiel zu Ende, die erste Szene begann. Wagner, seine Um- gebung ganz vergessend oder ignorierend, sang die Worte mit grober, kräftiger, umfassender Kapellmeisterstimme, zuerst tastend, flüchtig andeutend, dann sich steigernd— und Worten, schönen, klingenden, gedichteten Worten war Abraham Calw von jeher wehrlos hingegeben gewesen. Anfangs, als die adlige Rotte der Orsini Rienzis Schwester raubte, fand sein simples Denken noch private Parallelen: hatte der Rabbiner ihn nicht neulich angesprochen, ihm gesagt, daß Sarah des öfteren mit dem jungen Dellen- dahl. dem Sohn des christlichen Brauereibesitzers, gesehen worden sei, daß er ihr das untersagen solle, denn würde der Goj nicht ein jüdisches Mädchen nur ausnützen und niemals, niemals heiraten wollen, und es wäre wohl ein Segen für ein jüdisches Mädchen, einen Christen zu heiraten? So weit hatte Calm gedacht, da griffen die Colonna in den Kampf vor Rienzis Hause ein. fochten mit den Orsini— o ja, er glaubte es lächelnd, sie rissen sich schon um Sarah, Sarah war schön, schöner als ihre Mutter... Da aber kam eine große, scheltende Stimme, die Stimme Rienzis. da kamen Worte, die Calm herausrissen aus sich und in das Werk hinein: „Dies ist Eeuer Handwerk! Daran erkenn ich Euch! Als zart« Knaben würgt Ihr unfre Brüder, Und unsre Schwestern möchtet Ihr entehren.. I Verödet, arm versiegt das stolze Rom, Und was dem Asrmsten blieb, das raubt Ihr ihm, Brecht, Dieben gleich, in sein« Läden ein—* Calm hatte den Kopf gehoben, sah gespannt auf den Mund des Singenden da im Halbdunkel: War das nicht im Anfang die Leidensgeschichte seines Volkes, wie man sie ihm erzählt hatte, hundertmal—— war das nicht dann die Leidensgeschichte seiner Zeit, da adlige Herren. Colonnas und Orsinis und Askanier und Trosegks, den Bauern die Saaten zerstampften auf der Jagd, da brutal eingetriebene Steuern das Gewerbe ruinierten—„Brecht, Dieben gleich, in seine Läden ein," sprach er dumpf nach Da, höhnten sie nicht den Sprecher, den Rienzi?..Narren" nannten sie ihn, was hatte er sich auch auf der Straße zu zeigen, wenn Durchlauchten vorllberfuhren, der Narr... Aber jetzt, halt, was war das, was kam da für ein macht- voller, entschlossener Ton: „Sie ziehen aus den Toren: nun denn, ich will sie Euch verschließen!" Den Colonnas, den Kerstens. den Trosegks,— wer? Wer wollte denen die Tore verschließen? Der kleine Mann da am Klavier? Der einen ungeschickten Körper hatte und einen zu großen, häßlichen Kopf wie er, wie der Jude Calm? Von dem erwartete das Volk, das ihn umstand, so viel, alles? „Wann kommt der Friede, das Gesetz, Der Schutz vor jedem Ikbennut'?" Jawohl, das Gesetz: wo war das Gesetz, das ihm die Straße gab für seine Steuern und das Feld und den Fluß und das Schloß für seine Arbeit, jawohl, auch das Schloß, wo die Nichtstuer hausten und dekretierten? Waren nicht alle ge- demütigt vom Uebermut, Juden wie Christen? Gewiß war dieser Rienzi klein, armselig, häßlich, wie der Spielende dort, gewiß auch ein Jude, wie der Lohgerber— doch hielten sie sich an ihn, da war keine Ghettoerinnerung und keine still- schweigende Verachtung, da war nur die groß« Frage: „Wann machst du uns frei?" Calm sank wieder in sich zusammen, vom Uebermaß des Erlebnisses geschüttelt, von der Verlockung übermächtig gepeinigt, sich an Rienzis Stelle zu denken— auch wurde die Musik jetzt weicher: da sieh, auch ein Adliger, ein Reicher, ein Christ, gesellt sich zu Irene, zu Rienzi, er liebt das Mäd- chen wirklich, sie stehen zusammen, alle drei, gegen die da oben... Calm konnte sich die Szene nur noch vor seinem Haufe denken, mit seinen Bernburger Nachbarn, er sah jeden einzelnen, und mit dem herzoglichen Schloß darüber... und jetzt warf der Mann am Instrument den Kopf empor, eine Marschmelodie setzte ein, wie das Militär sie spielte. wenn es durch die Stadt zog. nur schöner war dies hier und mitreißender,— Calm vergaß, daß Sarah und die Gesellen aufwachen mußten, alles war vergessen, es zwang ihn auf vom Stuhl! „Wer trüg« länger Schande? Das Volk erheben wir! Wenn frei der Römer Baeide, Lohnt Glück und Größe Dir!" Abraham Calm stieg es heiß in die Kehle.„Das Volk erheben wir!" Das Volk! Zum erstenmal gewann das Wort für ihn Bedeutung. Nicht dies eine, kleine, dies auserwählte Volk, von dem der Rabbiner erzählte, nein, sie alle, die ihn flüchtig, verächtlich grüßten auf der Straße—: es ihnen sagen, daß man zusammengehörte, daß man eins war, eins fein mußte, um frei zu sein— es ihnen sagen, wie dieser da, mit gewaltigen, tönenden Worten, daß sie einstimmten:„Wer trüge länger Schande--" Und jetzt, jetzt— wiederum sprach Rienzi— Calm war Rienzi. er stand auf dem Platz vor seinem Hause, seine jüdisch beweglichen Hände wußten sich nicht mehr zu halten, sie nahmen Schwurstellung an, seine zitternden Lippen rissen dem Sänger jedes Wort aus dem Munde, sprachen es immer rasch, flüsternd noch mit: „Die Freiheit Roms sei das Gesetz, Ihm Untertan sei jeder Römer, Bestraft sei streng Gewalt und Raub, Urtd jeder Räuber Romas Feind. Verschlossen sei, wie jetzt es ist, Den Uebermütigen Romas Tor: Willkommen sei, wer Frieden bringt, Wer dem Gesetz Gehorsam schwört. Di« Feinde treffe unser Grimm, Vernichtet sei der Frevler Schar: Daß froh und frei der Pilger zieh, Geschützt der Hirt der Herde folg!" (Fortsetzung folgt.) der Westarpstraße 3 zu Schöneberg. Es ergab fidh, baß er am 12. Igen oder 13. Januar d. 3. verreist war und angegeben hatte, daß ift. er in einigen Tagen zurückkehren und sich der Behörde zur Berfügung halten werde. Bisher ist er jedoch von seiner Reise nicht zurüdgetommen. Ob tatsächlich Kunden des Kommissions geschäftes geschädigt find, läßt sich noch nicht sagen. Da es sich durch meg um ausländische Werte handelt, muß erst die Gegenäußerung der betreffenden Banken abgewartet werden. Mit der Brüfung der Angelegenheit ist jetzt eine Treuhandgesellschaft beauf tragt worden, die den Status festzustellen haben wird. Ein abschließendes Ergebnis liegt aber auch hier noch nicht vor. Der fidele Bahnhof Sonnenburg. Heimatpafete waren Gewohnheitsrecht. Sonnenburg, 30. Januar. Die Gegenfäße zwischen dem Hauptbelastungszeugen Baasch und den meisten übrigen Gefangenen traten auch dann weiterhin bei der Grörterung der Anschuldigungen gegen Oberwacht meister Jabusch zu Tage, der von Paasch belastet wird. Zu der Anflage gegen den bisher am meisten belasteten Oberwacht. meister Raumann erflärte Bausch: Bald nachdem Naumann die Verladung am Bahnhof angeordnet hatte, wurde uns gejagt, wir fönnten uns aussuchen, was wir brauchten. Damals war gerade Leberzeug von einer Kraftfahrabteilung gekommen. Da fingen mir nun an, Patete abzuschiden. Auch für Nau mann selbst mußte ich einmal ein Kolli von Belz und Filapantoffeln für eine Berliner Adresse zurechtmachen. te feftgelegt ist und auch nur für eine bestimmte Zeit wirffam| Ronftrattien. Die netnanbergeschobenen belben Bagen mit Schmeiß- und Schneideapparaten getrennt merben. Der Hilfszug von Regensburg, das mur 25 Kilometer ent fernt liegt, war Ghunden nach dem erfolgten Zusammenstoß an Ort und Stelle. Gin Rontordat gilt für ewig und fann auch vom andtag nicht abgeändert werden. Die Sozialdemofratie will niemand hindern, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen, welcher er will. Sie will aber diese Gemeinschaften nicht als Staatseinrichtung anerkennen. Der 3wang, ein Kon torbat abzuschließen, besteht nicht. Nur um Einfluß auf die Er nennung der Bischöfe zu haben, tann doch nicht ein Kontordat abgeschlossen werden, das der katholischen Kirche das Recht gibt, in Schul- und Kulturfragen des deutschen Boltes mitzureden. Die Sozialdemokratie ist immer gegen die Geheimdiplomatie aufgetreten und muß verlangen, daß auch die Kontorbats per handlungen nicht geheim geführt werden. Das deutsche Boll will öffentlich zu den Berhandlungen Stellung nehmen fömmen und will feinen fertigen Bertrag vorgefeßt bekommen. Die Sozialdemokratie darf nicht dulden, daß die katholische Kirche durch ein Kontorbat Einfluß erhält, der in feinem Berhältnis zu ihrer Anhängerschaft steht. Radaupolitik der Kommunisten. Gie laffen eine Bezirksversammlung hochgehen. Nach den Aussagen aller bisher vernommenen Tatzeugen hat der Lokomotioführer das auf alt stehende Ausfahrtssignal in Radldorf und ebenso das auf Helt" stehende Einfahrtssignal auf dem Bahnhof Sünching überfahren und ist mit der vollen Geschwindigkeit von 80 Kilometer auf den Güterzug aufgefahren. Der schuldige Lokomotivführer Kümmert, der in Regensburg Stadtrat ist, früher der Mieter- und Wirtschaftspartei angehörte, seit einigen Jahren aber frattionslos ist, ist ein Mann Anfang der fünfziger Jahre und steht bei feiner Dienst. behörde als besonnener und ruhiger Lokomotivführer in großem Ansehen. Troß der Jehr detaillierten Schilderung des Baasch, der feine Bearbeitung einen Ausschuß einzusehen, rand alierten die kom. Parteinachrichten Die Deutsche Reichsbahngesellschaft teilt mit, daß fie feit Jahren mit der Erprobung und Einführung von Borrichtungen beschäftigt ist, die das eberfahren von Haltsignalen verhindern follen. Auf der Strede Berlin Dresden ist ein System eingebaut, welches durch Wirbelströme auf die Lokomotive einwirft, so daß der Führer rechtzeitig gewarnt wird, wenn das Die neueste parole aus Mostau scheint den tommunistischen Signal auf Halt steht. Auf einigen bayerischen Streden Parlamentariern die Pflicht aufzuerlegen, fich so unflätig wie möglich wird dieselbe Wirkung durch Lichtreflere gegen die Lokomotive her zu benehmen. Nachdem im Reichstag Generalprobe war, die nicht beigeführt. Aber eine vollkommene Sicherung ist bis jetzt noch nicht den ersehnten Erfolg gebracht hatte, wurde im Neuköllner Bes gefunden, wenn auch Deutschland in dieser Beziehung voran ist; auch sirtsparlament weiter geprobt. Die Bezirksversammlung behindert Geldmangel die rasche und allgemeine Einführung von be schäftigte sich gestern abend mit einigen von der Sozialdemokratie währten Neuerungen. und den Kommunisten gestellten Anträgen für die Er. werbslosen. Als die Bersammlung beschloß, zur schnelleren Be lastungen noch mit einer Reihe von Einzelheiten unterstrich, bestritt munisten auf den Tribünen wie auf Kommando. Sie Derwachtmeister Naumann die Richtigkeit dieser Borgänge, doch wurden freundlichst unterstügt durch die kommunistischen Bezirks. wurden die Angaben Paaschs noch von anderen Beugen bestätigt. verordneten. Der Lärm war schließlich so groß, daß die Sizung zu Der fidele Betrieb auf dem Bahnhof Sonnen nächst unterbrochen werden mußte. Als die Versammlung wieder burg wurde auch von den entlassenen Strafgefangenen geschildert, tagen fonnte, wurde die Ueberweisung der Anträge an den Ausschuß die zwar von den Beschuldigungen gegen Naumann nichts wissen beschlossen. Darob erneut großer Lärm. Schließlich mußten die Moss mollten, aber umumwunden zugaben, daß sie selbst Patete mit Kleifauer Helden einsehen, daß ihr Theater nichts migt und zogen mit bungsstüden an ihre Angehörigen abgefchidt hätten. Da tamen bie dem Gefang der Internationale und mit dem Bewußtsein, wieder schönen Sachen von der Kraftfahrabteilung und da lohnte es fich doch. einmal ihr rrrevolutionäres" Herz bewiesen zu haben, ab. Das war schon Gewohnheitsrecht geworden. Einer dieser Zeugen meinte entschuldigend, er habe nur ein Batet Explosion in einer Mädchenschule. abgeschickt, mußte aber unter schallender Heiterfeit zugeben, daß er gleich tüchtig eingepackt hatte, denn je in kollimarmit 50 kilo gramm das schwerste, das überhaupt von den Gefangenen expediert worden war. Unbeirrt durch Borhaltungen und bleugnungen der Beteiligten fuhr Baasch in seinen Befchuldigungen weiter fort. So erklärte er, Oberwachtmeister Naumann habe ihm die Hälfte aus dem Erlös der Sachen versprochen, die er für ihn nach Berlin geschickt habe. Von dem Wertmeister Graffunder habe er außerdem den Auftrag erhalten, einen Sad voll Sachen einzupaden, die der Gastwirt Siebert in Sonnenburg befam, weil Graffunder in diesem Lolal, wie es hieß, 200 m. Sauffchulden" hatte. Weiter legten Paasch und Brüning dem Oberwachtmeister Rau munn zur Last daß er eines Sonntags, als er vertretungsweise Küchendienst hatte, sich aus den Wirtschaftsbeständen Büchsen mit Leberwurst, Schmalz und Bismardheringen angeeignet und an seine Freunde unter den Gefangenen verteilt hätte. Als jomohl Nau Darstellung abftritten und betonte, daß diefe Lebensmittel unter festem, doppelten Verschluß gehalten und nur ganz genau nach Kopfrationen ausgegeben werden, erflärte Baajch zynisch: Meine Herren, mir find doch hier im Zuchthaus. Bier Schülerinnen verletzt. Werder a. d. Havel, 30. Januar. In der obersten Mädchenflaffe der hiesigen Mittelschule erfolgte am Mittwoch vormittag bei Bornahme eines chemischen Egperiments zur Herstellung von Schwefeleifen eine Egplosion, bei der alle Schülerinnen zur Erde gefchleudert wurden. Bier Mädchen wurden leicht ver legt. Nach Ansicht des Lehrerfollegiums handelt es sich um eine Staubegplosion, bet ber sich der in der Experimentsschale befindliche Staub chemisch mit anderen Stoffen verbunden hatte. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an bas Bezirksjefretariat 2. Bot. 2 rep. rechts, au richten, 2. Areis Tiergarten. Achtung! Freitag, 19% Uhr, engere Reisvorstands igung, Geschäftsleitung mit dem ersten Abteilungsleiter bei Trumpet, Flensburger Str. 3. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, beginnt um 19 Uhr im Be zirksamt der Kurfus der Genoffin Siemfen: Cozialistische Erziehung". 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, 1. februar, 19 Uhr, in den Comenius Sälen, Memeler Etr. 67, Sigung des Kreisvorstandes mit fämtlichen Abe teilungsleitern und den Bezirtstagsdelegierten. 6. Are's Arenzberg. Freitag, 1. februar, 19 Uhr, Sigung ber Abteilungs leiter mit ben Bezirtstagsdelegierten bei Krüger, Grimmstt. L Heute, Donnerstag, den 31. Januar. 21. Abt. Achtung, Bezirksführer! Wichtiges Material fafort abholen. Morgen, Freitag, den 1. Februar. 42. t. 19% Uhr Arbeitsabend dre Wohlfahrtspfleger bei Geehaal, Billibalb Alegis Str. 5. Thema:„ Einführung in das Gebiet der Wohlfahrts und Jugendtommiffionen." 89. bt. Reuteln. 19% Uhr Abteilungsversammlung in der Rottbuffer Rlaufe, Rottbuffer Damm, Ede Bürtnerstraße. Bortrag: Der Begiets- und Reichy parteitag." Referent Georg Wendt, M. b. R. Aussprache. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 11. Kreis Schöneberg. Konferenz aller Selfer und Wohlfahrtstommiffionsmit glieber heute, Tonnerstag, 31. Januar, Fathaus, Zimmer 143. 17. Kreis Lid tenberg Echulungskursus: Freitag, 1. februar, 1914 Uhr, im Sigungsfaal des Rathaufes, Möllendorfstraße. Thema: Brattische Arbeit in der Wohlfahrts. und Jugendfürsorge." Referent Genosse Michlena Jungfozialisten. Gruppe Eiben: Freitag, 1. februar, 20 Uhr, im Jugenbheim Bordte. 11, Sft Berhältnisse?" historische materialistische Untersuchung.) mannt, wie der betreffende Wirtschaftsinspektor die Richtigkeit diefer Auf dem Schulweg tödlich verunglückt. g; ber Menich Brobult feiner Berbauniller( Cine biftorifey Wir sind doch hier alle Spitzbuben. Für jeden Gefangenen ist es eine Kleinigkeit, sich Radyfchlüffel zu ben Räumen anzufertigen, zu denen er Zutritt haben mill. 2uf ben Hinweis eines Beamten, daß unter den Gefangenen selbst ein schwunghafter Hanbel mit Lebensmitteln geherrscht habe, trat einer ber entlaffenen politischen Gefangenen vor, ein Kommunist, und ers tlärte: h hatte meistens bis zu 15 Pfund Wurst und 20 Bjund Schmalz in der Belle, einmal Weihnachten fogar 90 Pfund Lebensmittel."( 3wischenruf eines Beamten: Und so feine Sachen, wie wir fie uns nicht leisten fönnen".) Die Nachmittagssigung ergab nichts wesentlich Neues. Es tam un zur Sprache, daß die Schneiderstube einfach alles gehabt habe. Bom Buddingpulver bis zur Büchse Ananas und von der Büchtenwurst bis zum gebratenen Fleisch. Zum Schluß wurde als legter der 24 Angeklagten der Oberwachtmeister Uertwig pernommen, der gleich zu Beginn der Voruntersuchung ein Geständnis abgelegt hatte. Die Verhandlung wurde dann auf Donnerstag früh 9 Uhr verEin feltsamer Autounfall. Ein beflagenswerter Unglüdsfall hat sich om Mittwoch vormittag in der Heerstraße zugetragen. Gin 10 Jahre alter Schüler Rein bald Rögel, der in der Stiftstraße 11 zu Staaten wohnt, muß jeden Tag einen% ftündigen Schulweg nach Spanbau zurüd. legen. Als der Knabe am Mittwoch gegen 8 Uhr mühsam durch den Schnee stapfte, überholte ihn eine Autotage, die in Richtung Spandau fuhr. Der Chauffeur, dem ber Junge leib tat, forderte ihn auf, in seinem Wagen Blag zu nehmen, da er sowieso nach Spandau fahren müsse. Danfend nahm der Schüler das Angebot an und bestieg das Auto. Im felben Augenblid flog die Tür, die er nicht genügend perfchloffen hatte, wieder auf und das Kind stürzte aus dem anfahrenden Wagen heraus. Ein Privatfraftwagen, der das Auto gerade überholen wollte, erfaßte den Fallenden so unglüdlich mit dem Kotflügel, baß er unter das Fahr. deug geriet. Der Droschtenchauffeur hatte von dem Unglüc nichts bemertt und war weiter gefahren. Der Führer des Privat aufos hielt fofort an und brachte den Knaben nach Spandau; et perstarb aber schon auf dem Wege dorthin. Der Sturz hatte ihm das Genid gebrochen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Reutöln, Gruppe Lichttämpfer: Seute, Donnerstag, 30 Uhr, Elterne befprechung in der Borade Gonghoferstraße, gegenüber der Badeanstalt Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 21. Abt. Unfer langjähriger Genoffe Ifted Wehner, Malplaquet ftraße 14-16, ist verstorben. Ehre feinem Andenken! Einäfcherung Freitag, 1. februar, vormittags 9 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße., Unser Genoje Sermann Alole, Plantagenfte. 6, ift verstorben. Chre feinem Andenten! Einäfderung Freitag, 1. Februar, 12 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 22. Abt. Unfer Genosse Otto Benihin, Turiner Str. 5, ift verstorben. Ehre seinem Andenken! Elnäscherung Freitag, 1 Februar, 12 Uhr, im Krema. torium Gerichtstraße. 29. Abt. Am 27, Januar verstarb unser langjähriger Genoffe Gutab Grügner, Schliemannftt. 17. Chre feinem Anderfen! Einäscherung Freis tag. 1. Februar, 21% Uht, im Krematorium Gerichtstraße. SES Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für diese Rubri? nur an bod Jugendfefretariat Ferlin SW 68. Lindenftrafe B.-B. und W.- 2. Gemeinsame Sigung heute, Donnerstag, pünktlich 19% Uhr, im Vortragssaal bes Parteivorstandes, Lindenste. 3, 2. Sof. Arbeitsgemeinfo aft Bohm- Stench: Heute, Donnerstag, pünktlich 19% Uhr, Sufammentunft der Echule 13 Rochstraße). sagt, imb zwar foll darm die Beweisaufnahme abgeschloffen werden. Das D: Bug- Unglück bei Regensburg. Sugungacijos fuit megen extrantung des Oenoljen Am Donnerstag nachmittag werden die Plädoyers beginnen. Das Urteil ist am Freitag vormittag zu erwarten. Die Sozialdemokratie gegen das Konkordat. Der Kreis Wedding nahm am Dienstag in einer Mitgliederversammlung zum Ron fordat Stellung. Nach einem Referat des Reichstagsabgeordneten Genoffen Löwenstein murde ohne Diskussion der Beschluß gefaßt, die Parteiinstanzen auf- p zufordern, jegliches Kontordat abzulehnen. Genosse Löwenstein führte folgendes aus: Der Abschluß eines Kontordats in Preußen wird von der fatholischen Kirche seit 8 Jahren verlangt. und seit dieser Zeit wird auch hinter verschlossenen Türen über einzelne Punfte eines solchen Staatsvertrages verhandelt. Die fatholische Kirche hat den gewiegten Diplomaten Nuntius Pacelli nach Berlin beordert. Er führt die Verhandlungen. Die Sozialdemotratie muß fich mit aller Kraft dafür einsehen, daß der Landtag feinem Konkordat zustimmt. Ein Konforbat ist fein Vertrag, der Berhaffung des Lokomotivführers. Der Cokomotivführer, Stadtrat Kümmel aus Regensburg, der Führer des gestern in der Station Sünching verunglüdten Schnellzuges, ist, wie aus Regensburg gemeldet wird, auf Grund eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Regensburg festgenommen worden. Tez Bewegungscher fällt Gleisner am Connabend, 2. Februar, aus. Bur Probe am 9. februar, 18 Uhr, in bez Schulaula Danziger Str. 23, müffen alle Teilnehmer bestimmt erscheinen. Die Kazten für de Vorstellung in der Boltsbühne am Bülowslag tönnen von den Abteilungen abgeholt werden. Heute, Donnerstag, 19% Uhr: Südwest: 20 Uhr treffen wir uns Belle- Alliances, Ede Yordstraße. Robeln, Schlittschuhlaufen. Arlonaplag: Schule Elifabethkirchstraße 19: Funktionär versammlung. Röllnischer Part: Der Heimabend fällt heute aus, Westen 1: Heim Bülowstr. 88: Befreundete Jugendorganisationen". Schönhauser Bor ftabt: Schule Connenburger Str. 20: Fahrtenerlebnisse. Röpen der Biertel: Gaule Wrangelftr. 128: Bub und Mäbel". München, 30. Januar.( Eigenbericht.) Schöneberg IV: Funktionär. fizung bei Else, Bülowstr. 12. Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue 138: Die Unglücksstelle unmittelbar am Bahnhof Sün Seguelle Fragen" Steglig: Heim Albrechtstr. 47: Tagespolitische Fragen. ching bot am Mittwoch noch ein Bild großer Berwüstun Wittenan: Heim Fofenthaler Str. 15: Alt- Berliner Humor". Behlendorf: Heim Nordschule, Potsdamer Ste. 5-7: Seimabend. gen, trotzdem die Aufräumungsarbeiten soweit fortgeschritten Werbebezirt Lichtenberg: Uebungsabend zur Werbeveranstaltung im Seim waren, daß bie beiden Durchgangsgleise für den Personenverkehr Gunterstr. 44. wieder frei sind. Die beiden schwerbeschädigten Wagen des D- Zuges, GGG. Kreuzberg. Heim Briger Str. 27-31: Gelbstverwaltung ber Shulen. ( 17 Uhr). der Packmagen und der Personenwagen 3. Klasse, in dem sich die Werbebezirk Schöneberg: Ru Fuß und mit bem Faltboot, butch Finnland Toten und die Berlegten befanden, wurden bereits am frühen und Lappland." Lichtbildervortrag des Genoffen Rutt Biging Connabend, Morgen abgeschleppt. Der Personenwagen, dessen vordere brei 2. Februar, pünktlich 19% Uhr, int eftfaal der Hohenzollern- Schule, Schöne berg, Eisenacher, Ede Belziger Straße( Nähe Kaiser- Wilhelm- Blag). Ale Abteile völlig zertrümmert sind, ist ein Fahrzeug ältester Freunde der Jugend find herzlichst eingeladen. Waffeldecke Schlafdecke Daunendecke Gerstenkorn-| Drell handtuch| Metallbettstelle Garderobenschrank weiß, weiß, mit Franla els. crème mit Bordüre, 2.45 Perkal, mit 33.50 140x190 3.404, Weiße W Weiße Federn Pfund 2.25 Weiße Lin breit. Meter 85 Pf. non ca. 130 cm Halbdaunen Dimiti Pfund 5.60 Weiße Daunen Pfund 9.75 Lin non 48Pf. ca. 80 cm breit, Meter prime Daunen Reinleinen, handtuch weiß, m. roter Kante 29 Pt. 48100.. mit Zugfedermatratze, mit Hutboden und Stange, bügeltief, 14.25 182 cm hoch Pt. 80X185 89 Pt. Weiß, 182 cm hoch.32.Frottierhandtuch Drellhandtuch Schlüpfer Metallbettstelle Garderobenschrank weiß, mit grau gestreift. 68 Pf. roter Kante 68 Pf. 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Fabrik Lustig Prinzen- Str. ECKE Sebastian- Str Wilmersdorfer Str an der Bismarck- Str hun i Beamte im Wartestand. Zweite Beratung im Reichstag. Onu dolu moffmann( Romm) behauptet hatte) anlangt, so stehen wir allerDer Reichstag beriet am Mittwoch den Gesezentwurf über die Wartest andseamten in zweiter Lesung. Der Berichterstatter Abg Roßmann( S03.) stellt feft: Da das Gesez in einigen Punkten dem Berfassungsartikel über den Schußz wohlerworbener Rechte widerspricht, bedarf es der 3 weidrittel mehrheit Abg. Laverrenz( Dnat.): Sieben Verfassungsänderungen mutet uns diese Vorlage zu, die die Grundlage des Berufsbeamtentums abschaffen. Wir lehnen dieses Gesez ab und stüßen uns dabei auf frühere Ausführungen des jetzigen Reichsjustizministers, und wir verlangen, daß er hier erscheine, ebenso der Reichsinnenminister, zumal er meder persönlich noch durch den zuständigen Abteilungsdirektor an den Ausschußberatungen teilgenommen hat. Diese beiden Anträge Laverrenz werden gegen die Stimmen der äußersten Rechten und Linten abgelehnt. Abg, Torgler( Komm.): Die Deutschnationalen haben fein Recht, sich als Hüter der Interessen der Wartestandsbeamten aufzutun, Sie haben jahrelang nichts dafür getan. Ihre Demagogie foll die davongelaufenen Schäflein vom 20. Mai 1928 zurückholen, aber die elende Besoldungsordnung werden Ihnen die Beamten nicht vergessen. der Bayerischen Volfspartei angenommen.( Der Artikel ist verfassungsändernd, die 3meidrittelmehrheit wäre hier nach dafür nicht vorhanden.) Artikel 1 wird angenommen. Zum Artifel 2 beantragt Zum§ 5, wonach Wartestandsbeamte eine ihnen zugewiefene dienstliche Beschäftigung, die ihrer Vorbildung entspricht, anzunehmen haben, hält Abg. Roßmann( Goz.): der Opposition vor: Am 4. Dezember 1928 hat Abg. Schmidt- Stettin im Finanzausschuß erklärt, man dürfe die ganze Frage nicht als eine politische hinstellen, seine Frattion babe als Regierungspartei die Frage nicht lösen können. Eine schöne Selbsteinschäzung!( Heiterteit lints.) Die Deutschnationalen haben die Schwierigkeiten der Lösung gescheut, wir aber nicht, wir unternehmen den Versuch der Lösung. Die Kommunisten haben im Ausschuß die Streichung des Artikels 3 beantragt, womit nur erreicht würde, daß selbst ein zweites Wartegeld eines Beamten pensionsfähig gemacht würde. Der Wartestandsbeamte, der nichts zu tun hat, würde dann dem aktiv diensttuenden Beamten gleichgestellt! Ferner haben die Kommunisten die Streichung des Artikels 4 beantragt, wodurch die gerechte Bezahlung der aktiven diensttuenden Wartestandsbeamten beseitigt würde. Abg. Morath( D. Vp.): Wenn man in Mostau erfährt, roie Herr Torgler für das Berufsbeamtentum eintritt, wird seines Verbleibens im Reichstag wohl nicht mehr lange sein!( Abg. Torgler: Das ist die Gesetzmacheret der Kommunisten, die Arbeitslose zu Berbrechen Sie sich doch nicht meinen Kopf, Sie haben doch selbst Angriffen auf die Leiter der Arbeitsnachweise anstiften. Sorgen genug!) Die Beamtenorganisationen haben sich unter_gewissen Borauslegungen für dieses Gesez erklärt, das aus dem Bro- Die notleidenden Arbeiter draußen werden dieses Treiben durchvisorium ein Definitoum schafft und im Ausschuß bedeutend verschauen.( Beifall der Soz.! Huhu- Rufe der Kommunisten.) bessert worden ist. Abg. Dr. Frid( Ratsoz.): In der Hauptfache ist das Gefeß auch noch der Ausschußberahmg noch das gleiche. Wir bleiben bei unserer Ablehnung. Der. Abg. Bernhard( Dem.): Obwohl der Ausschuß das Gefeß ver beffert hat, hätten wir nichts dagegen, wenn er es nochmal beraten würde. Dabei fönnte noch manches largestellt werden, wir be antragen die Rüdverweisung. Abg. Groß( 3.): Die Personalabbauverordnung hat sich als ein Fehlgriff erwiesen. Die Borlage wird hoffentlich so durchgeführt werden, daß nicht allzu viele Beschwerden daraus erwachsen. Be sonders mißlich sind die Berhältnisse bei der Reichsbahn. Mit Zurüdverweifung wären wir einverstanden. Abg. Roßmann( Goz.): Die Barbestandsbeamten haben ein hartes Opfer gebracht, aber nicht einer Partei oder einer Koalition, sondern den Notwendig. teiten, die fich aus dem unglücklichen Ausgang des Krieges ergeben haben. Gegenüber der vielfachen Kritit, daß die Borlage Der faffungswidrig fei, verweise ich nur auf folgendes Beispiel: Die thüringische Finanzverwaltung ist auf das Reich übergegangen, ein Teil der Beamten weigert sich aber unter Berufung auf Artifel 129 der Verfassung( Schug erworbener Rechte), Reichsdienst Abg. Steintopf( Soz.) stelli gegenüber den Deutschnationalen feft: Die feinerzeit vom Finanzminister Reinhold ausgearbeitete Bestimmung war viel schlechter als die jetzige, die Deutschnationalen find aber im Stabinett dafür eingetreten. Das ann bg. Gdymist. Stettin nicht bestreiten, ebenso wenig, daß die Vorlage feine Verlegung erworbener Rechte bedeutet. Die weiteren Artifel werden ohne wesentliche Aenderung in der zweiten Beratung angenommen. Vor der dritten Beratung wird der Antrag Bernhard( Dem.) auf Rüdverweisung der Borlage an den Ausschuß fast einstimmig angenommen. ( Große Heiterfeit, weil durch diesen Beschluß die Wiederholung ber ganzen heutigen Debatte im Ausschuß gesichert wird.) Nach 6% Uhr zahl abgenommen und unter Berücksichtigung sozialer Rüdfichten, wie Kriegs- und Arbeitsbeschädigung, neu verteilt worden. Auf diese Weise sind einige hundert kleinerer Einnehmerstellen neu eingerichtet. Was die angebliche Futterfrippenpolitit( die eben Abg. dings auf dem Standpuntt, daß neben der sozialen Bedürftigfeit auch die Stellung der Bewerber zum Staaf berücksichtigt werden muß. Es ist ganz selbstverständlich, daß heute der Staat alle Ursachen hat, auch in dieser Hinsicht mehr als bisher das republikanische Element zu berücksichtigen.( Sehr mahrt bei der Mehrheit.) Der moralisch hochtrabende Ton Hoffmanns uns Sozialdemo fraten gegenüber in Sachen der Staatslotterie ist durchaus nicht am Blaze. Ich lege auf den Tisch des Hauses ein Lotterielos aus Sowjetrußland eine Lotterie, die vom Rat der Wolfs= tommiffare bestätigt ist und von der Kinderfommission bei dem Allrussischen Zentral- Exekutiv- Komitee für den Kampf gegen die Obdachlosigkeit der Kinder in Rußland veranstaltet wurde.( Großer Lärm der Komm.) Ist die Lotterie hier für die Kommunisten eine grundsägliche Frage, so sollte sie das auch für Sowjetrußland fein. Außerdem sollten gerade Kommunisten der Auffassung sein, daß die Obdachlosigkeit der Kinder nicht durch Lotterien bekämpft werden fann, sondern in erster Linie Aufgabe des Staates ist. Es kommt hinzu, daß es sich in diesem Falle nicht einmal um eine Geld, sondern um eine Sach lotterie handelt, bei der nach dem Spielplan als Hauptgewinne eine goldene Standuhr mit einem Brillantzifferblatt im Werte von 5000 Rubel, silberne Tisch und Leeservice ausgelost werden.( Hört! Hört!) Wern man die Lotterie schon im tapitalistischen Staat grundfählidy ablehnt, darf man sie in einem fommunistischen Staat schon lange nicht aufziehen.( Sehr richtig!) Solange bei uns eine Staatslotterie besteht, sollten die Einnehmerstellen nicht nur den Anhängern des alten Regimes porbehalten bleiben, sondern nach dem Abbau der Großeinnehmer unter Berücksichtigung sozialer Gründe Republikaner berüdfichtigt werden. Allerdings ist die Zahl der Bewerbungen fo groß, daß beim besten Willen nur wenige berücksichtigt werden fönnen. ( Beifall bei den Soz.) Nach weiteren Ausführungen der Redner anderer Parteten wird der Ausschußantrag angenommen, daß bei Vergebung von Lotterid. einnehmerstellen die Parität zu wahren und daß dabei das foziale Moment zu beachten fei, d. h. daß in erster Linie Kriegs oder Arbeitsbeschädigte, Bertriebene usw. berücksichtigt werden sollen. Eine Reihe fleiner Etats wird ohne Aussprache genehmigt. Heute, Donnerstag, mittags 12 Uhr: Gestütsetat. beantragt Bräsident& ö be Bertagung auf Donnerstag, 2 Uhr, und Vorträge, Vereine und Versammlungen. als Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Beratung der Steuer. vereinheitlichungsgeseze und Handwerfernovelle. Kommumistische Anträge, als zweiten Bunft die Erwerbslosen anträge der KPD. und der Interpellation über Arbeiterentiaffungen auf der Schichaumerft zu bestimmen, werden abgelehnt. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin 14, Sebaftianfte 37/38, Sof 2 2. Sermsdorf( Ramteradschaft): Donnerstag, 31. Januar, Abfahrt 19.33 Uhr von Hermsdorf zur Vollversammlung. Freitag, 1. Februar Friedrichshain: Biäfertorps übt jeden Freitag ab 20 Uhr in den Comenius Sälen, Memeler Str. 67. Dirigent Otto Palm. Gute Bläser werden noch aufgenommen. Instrumente vorhanden. Charlottenburg: Jungbanner 20 Uhr Wilmers im Seim Spreeftr. 30 Lichtbildervortrag: Ereigniffe 1914 bis 1927". borf, Kameradschaft Norden: 20 Uhr Führerbesprechung bei Hohmann, Uhland Schußsportvorführungen im Städtischen Saalbau, Bergstr. 147. Eintritt 50 Bf. Teilnahme anderer Kameradschaften erwünscht. Sonnabend, 2. Februar. Reukölln Br', 2. Ramerabfchaft, 1. 8ug: 20 Uhr Unterhaltungsabend mit Angehörigen bei Schabeita, Weichselstr. 3. Charlottenburg, Kamerabschaft Bestend: 20 Uhr Maskenball im Restaurant von Schellbach, Rönigin ElisabethStraße 6. Eintritt 1 M. Hoppegarten- Neuenhagen- Birtenstein: 20 Uhr Stiftungsfest im Bittensteiner Krug, Birkenstein. zu fun; fie wären thüringiſche Beamte und könnten nicht gezwungen Sozialdemokratie und Staatslotterie. traße. Rentälla Brig: Sungbanner 20 Uhr Werbeveranstaltung mit Film- und merden, in den Reichsdienst überzutreten. Die Gegner der Vorlage mollen einen gesunden Gedanken, der bei der Schaffung der Reichs nerfassung lebendig gewesen ist, zu Tode retten. Rufen Sie bas Bolt zur Entscheidung auf, bann werden Sie sehen, wie Ihre Politik beurteilt mirb, und was bann auch die Beamten mit Ihnen anfangen werden! Sie erschweren die Bemühungen der Boltsvertretung das Beamtenrecht den Bedürfnissen der Zeit anzupaffen. Auf die Dauer werben fich auch die weitschauenden Beamten das nicht gefallen lassen. Den Entwurf nur als eine Verschlechterung des bestehenden Rechts zu bezeichnen, ist eine gewaltige Uebertreibung. Zweifellos wäre es am besten, wenn wir die Möglichfeit hätten, alle Bartestandsbeamten wieder einzustellen.( Abg. Straffer( Natsoz.): Dann treten Sie bitte ab und lassen Sie die anderen ran!) Wenn es nach Ihrem Verstand ainge. müßten Sie fchon längst abgetreten sein!( Heiterkeit und Zustimmung links.) 3weifellos bringt das Gesez eine Reihe von Vorteilen, die einzelnen Nachteile find mehr oder weniger theoretischer Natur und praktisch gar nicht beträchtlich. Bisher wird überhaupt teine Wartestandszeit angerechnet, der Entwurf bringt die halbe Wartezeit zur Anrechnung immd in fehr zahlreichen Fällen sogar die ganze Zeit. Wer nicht zehn Jahre Pensionsbienstzeit hat, der hatte bisher überhaupt feinen Anspruch auf Pension, er erhält tünftig einen unanfechtbaren Rechtsanspruch, was auch gewisse Vorteile für die Hinterbliebenen hat. Es ist doch teine unrechtmäßige Zumutung, menn ein Oberregierungsrat Regierungsratdienst macht, oder ein Oberinspettor Inspektordienst, wenn er dabei sein Gehalt und seine Dienstbezeichnung behält. Das foll eine unerträgliche Zumutung sein in einer Zeit, wo Millionen am Abend nicht wissen, woher fie am Morgen das Brot nehmen sollen. ( Sehr wahr bei den S03.) Der Entwurf bringt denjenigen Wartestandsbeamten, die sich wirklich in Not befinden, eine bedeutende Besserung; sie haben nicht Zeit zu warten, bis das ganze Beamtenrecht neu geregelt ist und ihnen haben wir zu helfen. Der Entwurf ist durchaus mit dem gesunden Boltsempfinden vereinbar.( Leb hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsfinanzminister Dr. Hilferding: Wenn in diefem tontreten Fall eine Zweibrittelmehrheit erfor derlich ist, so nur, um die Bestimmungen der Verfassung anzupassen, aber man fann doch nicht große Worte von Verfassungsänderung reden bei einem solchen Anlaß. Ob das Verhältnismahlrecht abgeschafft oder für Wartestandsbeamte eine Berbesserung geschaffen wird denn darum handelt es sich, ist doch zweierlei. Man kann doch nicht mit der Heiligkeit der Berfaffung operieren, wenn für eine verhältnismäßig fleine Zahl von Beamten ein Gesetz gemacht wird, das ihnen obendrein eine Besserung bringt. Die jeßige Regierung hat den Zustand, ben das Gefeß betrifft, vorgefunden, da frühere Regierungen ihn veranlaßt oder aufrechterhalten haben. Auf ausdrücklichen und einstimmigen Wunsch des Reichstags ist diese Vorlage gemacht worden. Die Borlage als eine Verschlechterung zu bezeichnen, ist das Gegenteil der Wahrheit. Bon einer Beeinträchtigung mohlermorbener Rechte ist gar teine Rede. Bei der endgültigen Regelung des Beamtenredts werden alle diese Fragen moh wollend geprüft werden. Es ist doch auch allgemein bekannt, daß die Wartestandsbeamten von anderen Berufen als eine fühlbare Ronkurrenz empfunden werden. Daher ist es notwendig, die Zurüdführung dieser Beamten in den aktiven Dienst oder die Pensionierung zu fördern. Die Vorlage berücksichtigt Die gerechten und erfüllbaren Wünsche, und darum ist auch bas Ersuchen der Regierung berechtigt, daß das Gefeß angenommen merte.( Beifall bei den Soz.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Morath( D. Bp.) und Ersing( 3.) erklärt auf eine Anfrage Bräfident Cabe, er wolle bas Cintreten einer 3meidrittelmehr heit für das Gefeh erst bei der Schlußabstimmung in der britten Lefung feststellen. Die Aenderungsanträge der Oppofitionsparteien werden nerworfen und§ 1 angenommen.§3 3mangspensionierung der Sechzigjährigen) wird in namentlicher Abstimmung mit 252 gegen 137 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen Besprechung im Landtag. Der Landtag erledigte am Mittwoch zunächst den Etat der Staatslotterie. Abg. Meier Berlin( Soz.) Unter fozialdemokratischer Führung hat der parlamentarische Beirat der Staatslotterie die bestehenden Großeinnahmen abgebaut; einzelnen Großeinnehmern sind 60 Proz. ihrer LosJuristische Gesellschaft. Freitag, 8. Februar, 20 Uhr, im Ralferfaal bes Hotel Prinz Albrecht" Prinz- Albrecht Str. 9, Bortrag des Herrn Professors Dr. Sans Relfen aus Wien über Justiz und Berwaltung". Nach der Sigung findet ein zwangloses, Beisammensein in den Rebenräumen statt. Am 28. Januar 1929 verstarb völlig unerwartet an Herzschlag unser langjähriger Angestellter, Kollege und Freund Otto Bentin Die Zahlstelle Berlin des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands verliert in ihm einen fleißigen und treuen Angestellten, die Angestellten einen guten Kollegen und Kameraden von aufrichtigem Charakter. Wir werden dem Verstorbenen stets ein treues Andenken bewahren. Die engere Ortsverwaltung und die Angestellten des Verbandes der Fabrikarbelfer Zahlstelle Groß- Berlin Die Einäscherung findet am Freitag, dem 1. Februar, mittags 12 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Vergessen Sie nicht beim Einkauf von früchten affa PALASTINA JApfelsinen PARDESS KAMEL MARKE ES SIND DIE BESTEN weil. wohlschmeckend, nahrhaft, Süß, Kernlos, groß u.saftig. In allen Obst- u. Feinkosthandlungen zu haben; sonst weist Bezugsquellen nach: Westindia Bananen- Vertrieb G.m.b.H. Zweigniederlassung: Berlin, Neue Friedrichstraße 79 Fernsprecher: Moabit 8449 Kostproben gratis! 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Die Reichskredit A.-G. ist in diesem Jahr wieder nicht nur die erste der sieben Berliner Großbanken, die ihre Bilanz für 1928 verösfent- licht, sondern sie kommt damit auch noch fast eine Woche früher heraus als im vorigen Jahr. Die nächste Großbankbilanz wird wahrscheinlich die der Berliner Handelsgesellschaft sein. Das ist kein Zufall, denn sowohl Reichskredit- als auch Handelsgesellschaft sind Banken ohne Depositenkassen und Filialsystem, deren Geschäfte einfacher und deren Jahresabschlüsse schneller festzustellen sind. Bei den D-Banken mit ihrem riesigen Berliner und auswärtigen Filialsystem wird sich die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse wahrscheinlich wieder bis in den März hinausziehen, wenn im ganzen auch eine Vorverlegung der Veröffentlichungen stattfinden wird, was für die Frage der Publizität schließlich ein Gewinn ist. Die Eigenart der Reichskredit-Zl.-G.-Geschäfte muß man kennen, wenn man den Jahresabschluß oerstehen will. Die Reichskredit A.-G. hat nicht nur kein Depositenkassen- und Filial- system, sondern sie hat auch noch andere Eigentümlichkeiten. Sie hat nämlich auch nicht, wie etwa die Berliner Handelsgesellschaft, einen ausgesprochen festen Großkundenstamm in der privaten Industrie und im privaten Handel, den sie bedient. Vielleicht kann man die Jndustrieunternehmungen des Reiches, die wie die Reichs- kredit A.-G. in der„Viag" zusammengefaßt sind, in einiger Hinsicht diesem privaten Großkundenstamm der Berliner Handelsgesellschaft gleichsetzen. Die Reichskredit A.-G. ist aber in erster Linie e i n Geldhändler im Großen, der von in- und ausländischen Bank- und Jndustriefirmen vielfach auf kurze Fristen große Geld- betrüge hereinnimmt und sie weiter oerleiht. Sie ist außerdem für eine große Anzahl von Prvvinzbanken eine zentrale Sassen st eile, die im Gegensatz zur Reichsbank di« in Berlin ge- gehaltenen Reserven zur Flüssighalwng der Banken verzinst. Und die Reichskredit A.-G. ist schließlich eine große Emissions- dank zur Unterbringung und zur Beschaffung von Anleihen. Während aber im Kreditgeschäft die Tätigkeit für öffentliche Stellen, seien es Verwaltungen oder Unternehmungen, sicher von Jahr zu Jahr zurückgeht, dürfte im Emissionsgeschäft die Beteiligung der Reichskredit A.-G. an der öffentlichen Kapitalbeschaffung sehr stark sein. Ende 1924 1925 1926 1927 1928 Kapital....... 30 30 30 40 40 Reserve....... 5,6 8,0 10 17 19 Fremde Gelder.... 335 397 458 488 584 Akzepte.......—— 11 15 18 Lauskredite» Warenvorschüsse 112 136 194 256 347 Wechselu Schayanweisungen 167 169 128 120 140 Wertpapiere u. Beteiligungen 5,5 3,7 7,8 15 16 Börsendarlehen.... 4,5 24 61 46 63 Umsah....... 22 200 28 500 45 200 52 630 66 500 Bilanzsumme..... 382 442 516 568 671 Roheinnahmen u. Vortrag 9,19 10,15 14,16 14,59 14,84 H.-Unkosten u. Steuer.. 4,59 4,69 7,80 8,07 8,32 Reingewinn..... 4,60 5,46 6,26 6,52 6,52 Dividende...... 6% 60/0 8% 80;n 8»/n Neue Reserven u. Geb.-Abschr. 2,5 3,25 3,25 2,25 2.25 Eine neue, ziemlich starke Ausdehnung der Geschäfte kennzeichnet bei dieser voll vom Deutschen Reich beherrschten, vom Reichssinanzministerium kontrollierten, im. wesentlichen aber heute für die Privatwirtschaft arbeitenden Bant das vergangene Jahr. Die Umsätze haben sich gegenüber 1927 von 52,6 auf 66,5 Milliarden erhöht, und das starke Wachstum dieser Bant kommt deut- lich in der Vergleichsziffer für das Jahr 1924 zum Ausdruck, dessen Umsatz von 22,2 Milliarden im vergangenen Jahr genau v e r- d r e i f a ch t ist. Die Summe der fremden Gelder, mit denen die Geschäfte gemacht werden, ist gegen 1927 von 488 auf 584 Millionen gestiegen. Von diesen 584 Millionen dürfte vielleicht etwas mehr als ein Siebentel aus öffentlichen Stellen und Unternehmungen stammen, das nach den Angaben der Bant auch wieder an öffentliche Stellen und Unternehmungen weitergegeben wurde. Der ganze große Rest sind Gelder aus dem in- und aus- ländischen Geldmarkt. Wie bei anderen Banken, werden mit diesen Geldern sogenannte Aktivgeschäfte gemacht, um daran zu verdienen. Dabei ist bemerken?- wert, daß die angekauften Wechsel und Schatzanweisungen von 120,3 auf 139,9 Millionen nicht sehr stark gestiegen sind, die laufend ge- währten Kredite von 226,1 auf 266,9 Millionen ebenfalls nicht sehr stark, daß dagegen die auf schwimmende und lagernde Waren gewährten Vorschüsse mit 82,1 gegenüber 29,7 Millionen fast ver- dreifacht und die für Börsenzwecke verwendeten Gelder mit 63,1 gegen 45,9 Millionen um rund 40 Proz. erhöht sind. Die Verdrei- sachung der Warenvorschüsse läßt deutlich erkennen, wie bedeutungs- voll das stark gewachsene deutsche Außenhandelsgeschäft für die Banken geworden ist. Die Gewinne werden mil Sorgfalt kleiagehallea und aufgespeichert und wenn das die Reichskredit A.-G. nicht selber zugeben würde, so würden es die Bilanzziffern ohne weiteres erkennen lassen. Für 1928 wird mit den beiden Vorjahren zum drittenmal eine D i o i- dende von 8 Proz. auf das seit 1927 aus 40 Millionen erhöhte Kapital verteill. Aber obwohl seit 1926 beispielsweise der Umsatz von 45 auf 66 Milliarden, das Konto fremde Gelder von 458 auf 584 Millionen gestiegen ist, wird doch für 1928 mit 14,84 Millionen nur dieselbe(sehr frisierte) Roheinnahrne ausgewiesen wie im Jahre 1926. Die Handlungsunkosten und Steuern sind mit 8,32 gegenüber 8,07 Millionen im Vorjahr und 7,80 Millionen im Jahre 1926 trotz des enorm ausgedehnten Geschäftes kaum vermehrt. Und wenn man sieht, daß der Riesengewinn für 1928 mit 6,52 Millionen genau so groß ist wie der von 1927 und nur um bescheidene 250 000 M. größer als der von 1926, wo der Umsatz noch um ein Drittel gering war. dann ist es natürlich klar, daß die Reichskredit A.-G. sehr viel mehr verdient hat, als sie in ihrem Reingewinn ausweist. Es ist übrigens interesiant, daß auch die Reichskredit A.-G. trotz der starten Vergrößerung ihres Geschäftes das Personal nicht oermehrt hat, was angesichts des minimalen Schalter- gefchäftes und der starken Maschinisierung allerdings begreiflicher ist als bei den privaten D-Banken. Die größten stillen Reserven werden bei den eigenen Wertpapieren, Gemeinschaftsbeteiligungen und den Immobilien stecken. Die Wertpapiere und Beteiligungen sind mit 16 gegen 15 Millionen kaum erhöht, während ihr Wert wohl auf das Mehr- fache des Betrages zu schätzen sein wird. Um auch in diesem Jahre, wo die offenen Reserven mit 20 Millionen die Hälfte des Kapitals von 40 Millionen erreicht haben, die reichlichen Gewinne noch unter- zubringen, ohne daß man neidische Privatbanken noch offen durch eine erhöhte Dividende ärgert, ist auch das schon auf 4 Millionen herabgeschriebene Bankgebäude noch einmal um 1 Million aus dem Gewinn abgeschrieben worden. Im deutschen Bankgeschäft werden die Gewinne schon seit 1924 sehr leicht gemacht. Und es werden zugleich mühelos sehr große Gewinne gemacht, wenn man es den deutschen Banken auch hoch anrechnen darf, daß sie vernünftig genug waren, bei der Gold- Umstellung ihr Aktlenkapitak niedrig anzusetzen. Wa»«m» bei bar Reichskredit A.-G. gesehen hat, wird sich auch bei de» anderen großen Banken zeigen. Es ist eben so, daß in einer Wirlschask. wo es am Gelde fehlt, die Macht der Danken ungeheuer groft ist, und wenn die amerikanischen Banken heute vielleicht auch den Rahm in der deutschen Wirtschaft abschöpfen, so sind doch di« deutschen Banken im Karpfenteich der deutschen Wirtschaft— vielfach sehr magere Karpfen— mit sehr großem Erfolg die Hechte zweiter Garnitur. Das Wort„Verdienen" wird beim deutschen Bank- kapital sehr viel größer geschrieben als das Wort vom Wieder- aufbau der deutschen Volkswirtschaft. Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht ganz erfreulich, daß man die Reichskredit A.-G. im großen und ganzen sehr eifrig bemüht sieht, sich möglichst wenig von ihren Kollegen in der privaten Bankwirtschaft zu unterscheiden. Oeffentliche Banken können im Wiederausbauprozeß der Wirtschast als Kapitalpreisregler ein« sehr große und eine sehr fruchtbare Rolle spielen. Wenn öffentliche Banken auf elegante Weise viel verdienen und viel verstecken, genau wie es die Privatbanken tun, so hat man den fatalen Eindruck, daß es bei den östentlichen Banken noch sehr an dem Bewußtsein fehlt. was sie der Gesamtwirtfchast sein könnten und doch nicht sind. Es kommt nicht auf ein gutes Verhältnis zur privaten Bank- Wirtschaft, sondern aufdenRutzenfürdieVolkswirtschaft an. und der verlangt u. a. auch ein schlechtes Verhättnis öffentlicher Unternehmungen zur privaten Konkurrenz. Oer neue AEG.-präsident berichtet Große Gewinne.— Fettpolster nach innen. Seit dem Tode des alten AEG.-Präsidenten Dr. Deutsch im Juni 1928 besitzt der AEG.-Konzern ein vierköpfiges Generaldirek- torium. An seiner Spitze steht als neuer Präsident des Konzerns Dr. Bücher, der für die Arbeiterschaft durch seine Tätigkeit beim Reichsverband der Deutschen Industrie und beim Farbentrust kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Mit ihm teilen sich in die Geschäftsführung der Generaldirektion Herr El- f e s, der Vertreter der scharfen Richtung in der Personal- und Lohn- Politik, der kaufmännisch« Direktor Pfeffer und der technische Leiter Petersen. Die wichtigsten Abschlußzahlen des AEG.-Konzerns für das am 30. September abgeschlossene Geschäftssahr 1927/28 haben wir be- reits bekanntgegeben. Was der neue Präsident zur Erläuterung der Bilanz in einer Pressekonferenz mitteilt«, und was im Gefchäftsbe- richt und der Bilanz zwischen den Zeilen selbst zu lesten ist, ver- stärkt noch den Eindruck, daß die seit der Stabilisierung ununterbrochene Aufwärtsentwicklung des AEG.-Konzerns im letzten Jahve in unvermindertem Tempo angehalten hat. Die AEG.,«die von 1924 bis 1927 ihre Dividenden Jahr für Jahr um 1 Proz.— von 6 bis auf 8 Proz.— erhöhte, setzt im Gegensatz zum Siemens-Konzern die Aktionärgewinn« für 1927 28 nicht herauf. Es bleibt also bei der vorjährigen Dividende von 8 Proz., da die Verwaltung es vorzieht, sich aus den stark erhöhten Gewinnen schwere Fettpolster zu schaffe« und die schon beträchtlichen inneren Reserven des Konzerns noch bedeutend zu v e r st ä r k e n. Die Entwicklung der AEG., des zweiten Elektrorissen in Deutschland, zeigt folgende Tabelle: 1924/25 1925,26 1926 27 1927/28 in Millionen Mark Kapital........ 156,2 156,2 186,2 186,2 Geschäitsgewinn(ohne Dortr) 12,0 14,6 17,3 25,2 Abschreibungen..... 4,0 4,3 5,4 9,1 Reingewinn. 8,3 107 12,3 16,5 Dividenden....... 6°/# 70/n 8% 8% Div.-Summe(Will.).... 7,8 10,0 11,5 13,6 Di« Gefchäftsgewinn« des Konzerns sind im letzten Jahre von 17,3 auf 25,2 Millionen, also um fast 50 Proz. gestiegen. Da von diesen Gewinnen sämtliche Handels- und Betriebs- Unkosten und auch die Zinsen für die amerikanischen Anleihen be- reits abgezogen sind, stellt diese Summe den tatsächlichen Ver- d i e n st des Konzerns dar. Wenn der ausgewiesene Rein- gewinn von 16,5 Millionen nicht in dem gleichen Verhältnis ge- stiegen ist, sondern nur um 25 Proz., so legt das daran, daß die Abschreibungen um fast vier Millionen herausgesetzt wurden. Da die Verwaltung das Ziel verfolgt, den hochwertigen Maschinenpark, auf den diesmal ollein 4,7 Millionen abgeschrieben wurden, wie in der Vorkriegszeit bis auf 1 M. herunterzuschreiben, so schafft sich der Konzern mit dieser Politik in diesem Posten Jahr für Jahr millionenschwere Reserven. Wie wir bereits mitgeteill hatten, belief sich der Umsah auf 500 Millionen und ist gegenüber dem Vorjahr um rund 100 Millionen gestiegen. Zu bemerken ist, daß an diesen Umsptzziffern nur die Stammwerte und die zu 100 Prozent in den Händen der AEG. befindlichen Ge- sellschaften enthalten sind, nicht aber die vielen Beteiligungen. Da dieses Umsatzergebnis auf einen durchschnittlichen Monatsumsatz von 41 Millionen Mark schließen läßt, und der augenblickliche Auftragsbestand des Konzerns mit 385 Millionen angegeben ist, hat die AEG. mit der Erledigung dieses Auftragsbestandes b i« zum Schluß des lausenden Geschäftsjahres am 30. September 1929 zu tun. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Zahl der Be- legschaften in keinem Verhältnis zu dem gestiegenen Umsatz ge- wachsen ist und daß die geleisteten Arbeitsstunden im Verhältnis zum Umsatz reduziert werden konnten. Hier kommt also die enorm gesteigerte Leistungsfähigkeit je Mann und Schicht und der erhöhte Wirkungsgrad der Arbeit in- folge der Rationalisierung deutlich zum Ausdruck. Di« Löhne haben allerdings mit der Steigerung der Leistungsfähigkeit längst nicht Schritt halten können. Die Entwicklung der einzelnen Betriebe war im letzten Jahre durchaus gut. Da die Verwendung von Elektrizität zu Kraft- und Beleuchtungszwecken in Deutschland längst noch nicht den Sätti- gungspuntt erreicht hat, bleibt der Beschäftigungsgrad der deutschen Elektroindustrie in gewissem Grade unabhängig von der Entwick'ung der gesamten Wirtschaftslage. Obwohl das vorher- gehende Geschäftsjahr durch den Großauftrag des Baues des Kraft- werks Klingenberg stark beeinflußt war, ist auch Im Berichtsjahr der Umsatz im Kraftwerksbaubetrieb fast der gleiche geblieben. Auch die Abteilung Dampfturbinen hatte das ganze Jahr über volle Beschäftigung. Gleichfalls war der Betrieb für elektrische Vollbahnlokomotiven ausreichend mit Aufträgen versehen, und die Abteilung Trieb- und Beiwagen erhielt, abgesehen von einer großen Nachbestellung der Berliner Stadtbahn von 245 Trieb- und Bei» wagenausrüstungen, größere Aufträge von der Hamburger und Berliner Hochbahn. Sehr erheblich waren auch die Aufträge aus der Industrie. Vom Steinkohlen-, Braunkohlenbergbau, von der Eisenhüttenindustrie und den chemischen Werken des In- und Aus- landes liefen umfangreiche Bestellungen für Stromerzeugungsan- lagen, Maschinen und Motore ein. So stand also wie bei Siemens auch bei dem AEG.-Konzern das letzte Betriebsjahr im Zeichen einer sehr guten Konjunktur. Die Tatsache,., dgß dt« Entwicklung bei diesen beiden Konzerngruppen seit vier Jahren ständig auswärts ging, bleibt jedoch nicht auf dies« beiden Riesenunternehmen allein beschränkt, sondern kann auf den gesamten elektrotechnischen Industriezweig ange- wendet werden. In offensichtlichem Gegensatz zu der wirtschaftlichen Entwicklung bei Siemens und der AEG., die allein in Berlin zu- sammen über fast 200 000 Mann Belegschaft verfügen, stand die sozialpolitische Entwicklung, die von den Führern dieser beiden Großunternehmen maßgebend beeinflußt wurde. Der Verband der Berliner Metallindustriellen, der bei den Metallarbeitern nicht um- sonst im Rufe eines besonders reakllouärea Unlernehmerverbandes steht, würde nicht die Scharfmacherpolitik der letzten Jahre betrieben haben, wenn ihm nicht von der Siemens- und AEG.-Direktion die entscheidenden Parolen gegeben worden wären. Die Berliner Me- tallärbeiter aber weiden aus den Abschlüssen dieser beiden Groß- unternehmen im letzten Jahre sehen, daß die rigorose Haltung von Siemens und der AEG. bei den letzten lohnpolittjchen Auseinander- fetzungen weit weniger von wirtschaftlichen Gesichtspunkten als von politischen Motiven bestimmt waren. Fusion zweier Großbanken. (lommerz-Bank— Mitteldeutsche Kreditbank. Seit 1924 haben wir kein« Großbankenfusion in Deutschland gehabt. Bereits seit längerer Zeit tauchten an der Börse Gerüchte auf, daß zwischen der Commerz- und Privatbank sowie der Mitteldeutschen Kreditbank Zusammenschlußoer- Handlungen im Gange seien. Wie wir hören, sollen diese Berhand- lungen jetzt so weit gediehen sein, daß der Abschluß des Ver- schmelzungsvertrages unmittelbar bevor steht. Die Verschmelzung wird so vor sich gehen, daß di« Commerz- und Privatbank, die ein Kapital von 60 Millionen besitzt, die Mittel- deutsche Kreditbank mit insgesamt 22 Millionen Mark Kapital auf- nehmen wird. Der Zweck dieser Verschmelzung ist offenbar in einer Zusammenlegung des Filialnetzes und einer entsprechenden Unkostensenkung der beiden Bankunter- nehmen zu suchen. Die Commerz- und Privatbank allein besitzt in Berlin mit 49 Depositenkassen das umfangreichste Filialnetz fämt- licher Großbanken und wird jetzt nach der Verschmelzung mit der Mitteldeutschen Kreditbank weitere 19 Depositentassen hinzu- bekommen. Eine Bestätigung der tatsächlich erfolgten Verschmelzung muß noch abgewartet werden. föYc&JUA, yrUt" U�CLpolAeJcu*. Unterhaltung unö Missen 'Menri Marbmse: fllißSi€ �idißtiSCii Cr zählt 140 Söhre, vielleicht sogar noch mehr. Ich Hab« ihn erst kürzlich in dem Weiler Loti, der heute zur kleinen abchasischen Republik geHort, aufgesucht. Der Ort liegt im Mittelpunkt van Kaukasien, etwa 60 Werst vom User des Schwarzen Meeres entfernt. Hundertjährige sind bei manchen kaukasischen Stämmen keine Selten- heit. In Abchosien zeigt man dem Reisenden ost Männer und Frauen, die 00, 100, ja noch mehr Jahre alt sind! auch kommt es manchmal vor, daß man einem ganz gebeugten Greis begegnet, der auf einen anderen Silberhaarigen deutet und diesen— als seinen Bater bezeichnet. Daher ist man dortzulande über ein so märchen- hast hohes Alter nicht derart erstoimt wie bei uns. In Tschebeldo verließen wir unseren Kraftwagen und bestiegen die für uns bereitgestellten kaukasischen Gebirgspferde. Zwei präch- tige, stark gebaute Reiter, der Führer der abchasischen Miliz und seui Stellvertreter, eröffneten den Zug. Ein schwarzhaariger Mingrelier mit Karabiner und Peitsche bildete die Nachhut. In Loti sollten wir die Nacht verbringen und den alten Mann, der in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, erst am lammenden Tage aufsuchen. Die Be- wohncr der Hütte, die wir betreten, sind um«in mächtiges Feuer vereinigt, das auf dem blanken Boden der großen Holle flackert. Ein Kamin fehlt', der aufsteigend« Rauch schwärzt ine Decke. Außer einem Schrank und einigen Bänken sind keine Möbel zu sehen. Dieser, im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsame Raum be- herbergt die Familie, aber auch Hühner, Gänse, Katzen und einen Ziegenbock- Jn diesem von recht wohlhabenden Bauern bewohnten Hause herrschen die Sitten und Gebräuche der alten Zeit. Ich will den genauen Namen des Greises erfahren, dem mein morgiger Besuch gilt, und richte mein« Frage an eine Frau; es ist aber nicht statthast, daß ein Weib den Namen eines anderen Mannes als den ihres Ehegatten vor Fremden ausspricht. Daher erhalte ich von der Angeredeten, obwohl sie 90 Jahre zählt, keine Auskunst. Schließlich gelingt es n�ir doch, von meiner uralten Hauswirtin manche Einzel- heit über den Hundertvierzigjährigen zu erfahren. Sie ist seine Richte. Ich eriahre. daß Nikolaus Szezöpkowski. dem mein Besuch gilt, aus Polen stammt. Sein Vater Andreas wanderte von dort noch Kaukasien aus. Die Mahlzeit bestand aus einem Huhn— für jeden Gast wurde niit einer Gabel ein Stück aufgespießt und zugereicht— sowie aus einer Art rohen, zu einer Kugel geformten Teiges aus Maismehl, ran der die Gäste kleine Stückchen abbrachen, sie mit den Fingern formten, in Haselnusöl tauchten und dann verzehrten. Später gab c- noch eingemachte Früchte und Honig. Sämtliche Frauen des Hauses standen in einer Reihe hinter uns als Zeuginnen dieses feierlichen Mahles und waren aufmerksam bestrebt, uns von Zeit zu Zeit frisches Waffer einzuschenkn. Am nächsten Morgen stapften unsere Pferd« lange auf grund- lasen Wegen dahin und brachten uns schließlich zu einer weiten Wisse, in deren Mitte ein kleines, quadratisches Blockhaus stand. Obwohl ein feiner Regen niederrieselte, befanden sich mehrere Per- sonen auf der Wiese. Am meisten fiel mir ein weißbärtiger Mann auf. der einen kleinen schwarzen Filzhut trug, von dem ein Baschlik (kaukasischer wollener Turban) wie eine Kapuze herunterhing. Er stützte sich zwar aus einen Stock, schritt aber ganz mühelos einher. Es war Rikolaus Szrzapkowski. Ergreifend, dem Menschen gegenüberzutreten, der jetzt vermutlich das älteste, lebende Geschöpf aus Erden ist, ja noch mehr als das, den Mann zu sehen, der unter den hundert Milliarden Sterblichen, die seit dem Beginn unserer Zeitrechnung aus dem Erdball gewandelt sind, einen ganz ungewöhnlichen, fast sageiihasten Fall darstellt. Sczcapkowski wurde wirklich im Jahre 178Z. unter der Regierung der großen Katharina, sieben Jahre vor Beginn der Französischen Revolution geboren. Der Greis begrüßte mich, indem er sich verbeugte und die Hand zum Herzen führte. Er stellte uns Frau und Kinder vor und lud uns ein, die klein« Terraffe seines Holzhauses zu betreten. Dort machte es sich unsere Reisegesellschaft bequem. Sczcapkowski war von einer ganzen Schar Verwandter umgeben: dazu kamen wir sechs Fremde. Mit starker energischer Stimme rief er:„Man bringe Sessel für meine Gäste!" Alsbald begann dos Gespräch. Ich saß zur Seite des Menschen, den der Sensenmann ganz vergessen hatte, ihm gegenüber einer meiner Begleiter, der Kommandant der Miliz, dessen athletischen Korper ein schwerer Soldatemimntel umhüllte: er war es. der meine Fragen ins Abchosische übersetzte. Der Alte antwortete, der Offizier übersetzte ins Russische, Genosse Samuel Ägnat, der so liebenswürdig war, mich zu begleiten, übertrug das Russisch« ins Englische, während meine Sekretärin, Fräulein Annette Vidal, Auszeichimngen macht«. Alle diese Personen belobten durch Bemerkungen und Erläuterungen die Unterhaltung, die trotz der verwirrenden Fälle von Idiomen sehr einfach und klar geführt wurde. Während der verschiedenen Penisen, die nötig waren, um jede meiner aus englisch gestellten Fragen wieder in der gleichen Sprache zu beantworten, hatte ich Zeit, den Greiz auls Genaueste zu beobachten. Er sah rvohl sehr alt aus. aber es war keines der Verfallszeichcn an ihm zu bemerken. die den Anblick außergewöhnlich betagter Menschen meist so peinlich gestalten. Er war nicht besonders verrunzelt, sein Blick war klar. nie Bewegungen waren sehr lebhaft. Man konnte an ihm kein Gebrechen bemerken. Er trug keine Brillen, sein Mund war noch nicht ganz zahnlos. Nur darüber beklagte er sich, daß sein Gehör seit einiger Zeit etwas gelitten Hab«. Aber sechst das merkt« man kaum. Sein Organismus— es wird einem nicht schwer, es z» glauben— zeigt«ine ungewöhnlich« Widerstandskraft. Cr erzählte, er wisse gor nicht, was Krankheit heiße. Noch nor 40, ja vor 20 Jahren sei er baumstark gewesen und habe auf dem Rücken Lasten getragen wie ein Fünfundzwanzigjähriger. Früher— er zählte damals„erst" 120 Jahrs— habe er noch zur Winterszeit im Flusse gebadet, ein Wagnis, vor dam alle jung«» Männer de« Dorfes zurückschreckten. Cr trank Wein und aß sehr reichlich. Jetzt freilich gehe es mit diesen Dingen em wenig bergab. Immerhin scheue er auch heute noch weder Wein noch Schnaps. Ob Szczaptowski wohl weiß, daß er einen sensationellen Weltrekord schlägt?... Bielleicht. Nach und noch hat er ringsum die Menschen um sich vergehen gesehen. Er ist so daran gewöhnt, Lebensjahre zu sammeln, daß er sich schon fast zweihundertjährig vorkommt. Cr spricht:„Warum ich so all bin, weiß ich nicht. Di« Zell vergeht... ich vergehe nicht." Dann schweigt er und lächett still vor sich hin. Man kommt nun aus die wichtige Frage zu sprechen, welchen Umständen und welcher Lebensweise er sein hohes Älter verdanke. Vermutlich dem Heimat- ßch« Bode« Das Gebirg« lemb zeugt Hundertjährige, wie e« die alten, knorrigen Eichen zeugt. Seine Lebensweise? Er ißt alles, was die anderen Leute, die gleichfalls zahickos sind, zu sich nehmen. Wie well reicht sein Gedächtnis zurück? Cr erinnert sich daran, daß er im Aller van 12 Iahren Hirtenknabe in den Bergen gewesen ist und einst an der Plünderung eines Nachbarortes teilgenommen hat. Szczaptowski war dreimal verheiratet. Trotz kinderreicher Ehe ver- ließ ihn seine erste Frau, die von dem Strome der türkischen Aus- Wanderung mitgerissen wurde. Die zweite Frau starb. Von ihr halle er einen Sohn nnd zwei Töchter, die seither verschieden sind, aber Kinder hinterlassen haben. Diese Enkel leben in Abchasien. Einer von ihnen hat einen nierzigjährigen Sohn. Die drille Frau heißt Avina und ist anwesend. Sie zähll 81 Jahre und hat ihm vier Söhne und ein« Tochter gebaren. Ich mache die Bekunntschajt eines 42jähngen Sohnes und einer ZLjährigen Tochter. Der Alle hat sein Heimatland kaum verlassen und erinnert sich infolgedessen nur an örtlich« Ereignisse, wie an die Strascrpeditianen gegen Nachbardörs« und deren Rückkehr mit geraubten Frauen und Tieren. Er erinnert sich auch an die Erbauung türkischer Kasernen in der Umgebung von Lati. Der Greis sagt:„In meiner Jugend gab es im Umkreis unseres Dorfes kaum Bäume und keine Wälder. Um ein wenig Schallen zu finden, mußte ich drei Tag« lang Woher kommt das�abakaroma? Das Aroma des Tabaks ist ja bei der ganzen Tabakindustrie von entscheidender Wichtigkell; trotzdem aber ist über die chemischen Ursachen, durch die das Aroma hervorgerufen wird, noch überaus wenig bekannt. Der bedsutendste amerctomschs Tabakfovscher Dr. Garner hat erst kürzlich hervorgehoben, daß über die Bedingungen für die Entstehung des Aromas beim Tabak noch nicht die geringste Klarheit besteht. Di««inen glauben, daß das Tabataroma fast gänzlich von der Umgebung abhängt, in der der Tabak wächst, also vom Bode» und vom kvima. und daß bei der Derpslanzung de« Tabaks von einem Lande zu anderen da« Aroma sich ander«. Aber es werden auch andere Ansichten vertreten. So sind z. B. die in- dische» Tabakpflanzer der Ansicht, daß da» Aroma durch Züchtungeu stark beeinflußt werde« kann, und daß es in erster Linie ein« Erb- eigenschast ist. die von der Mutterpflanz« auf ihre Sprossen über- tragen wird. Die Reinheit der Saaten dürste ebenso wichtig sein wie die richtige Behandlung des Bodens. Um diesen wichtigen Fragen aus den Grund zu kommen, will die britische Wirischafts- kommission jetzt eine Konferenz der Tadakforschcr zusammenberusen, die ihn Erfahrungen austauschen solle». wandern." Es wurde festgestellt, daß dies vor langer, langer Zeit der Fall war. Jetzt ist die ganze Gegend von dichten Wäldern bedeckt. Ist sich der Alte der Spanniveite seines Erinnerungsvermögens bewußt? Aus die Frage, ob er russisch verstehe, ontwortet er» „Nein, ich sprach wohl einst russisch, aber ich habe es längst ver- gessen." Da hat Jgnat den guten Einfall, ihn russisch anzureden— augenblicklich antwortet er in dieser Sprache. Dies beschäftigt mich sehr. Was könnte nmn altes aus den Tiejen seines schlummernden Bewußtseins hervorholen, wenn man längere Zeit Mit ihm in enger Fühlung bliebe. Weiß er. daß in seinem Vaterland eine Neuordnung der Regierungsform Platz gegriffen hat? Er bejaht die Frage. Um seine Meinung über die neue Regierung befragt, erwidert er, die Sowjetherrschaft erscheine ihm gut, aber unter jeder Regierung gebe es Menschen, die mehr bevorzugt werden als andere. Szczaptowski ist nicht mittellos: er besitzt ein Häuschen und eine Kuh. Auch sorgt sein Sohn für ihn. Zudem erhält er eine Attersrente von lö Rubel. Bei meiner Rückkehr habe ich mir erlaubt, che Regierungsbeamtcn zu bitten, man möge diese Pension ein wenig erhöhen. In Suchmn angelangt, habe ich mich damit beschäftigt, das wirkliche Alter dieses Methusalem auf verläßliche Waise festzustellen. Gesetzliche Ausweispapiere besitzt er nicht mehr Sein Faszikel, den ich im össenUicheu Wohlsahrtsamt eingesehen habe, trägt den Vermerk: Im Jahre 1S27— 140 Jahre alt. (SttfiHrfig+e ans dem FranMichen von Adele Mae»?».) Aberglaube in USA. Der Amerikaner ist keineswegs frei von Aberglauben, der sich ern alle erdenklichen Dinge onknüst. Dazu gehört auch der Tee den er gern in große» Mengen trinkt. Nim kommt es oft vor, daß beim Einschanken aus der Teekanne ein oder das andere Tee- blättchcn nrll in die Tasse gelangt. Ein solches Teeblatt hat für den Amerikaner ins Bedeutung eines wichtigen Orakels. Schwimmt es oben, so verkündet es, daß der Teetrinker im Laufe des Tages noch Briefe oder auch Geld echäll: es kann ober gleichzeitig auä, Geschenke bsdeutan, die ins Haus kommen. Bleiben die Teeblottcheu am Baden der Tasse heyen, sij verkünden sie, daß man Besuch zu erwarten hat. An ihrer Gestalt kann man sogar crkemren, ob Männer oder Frauen den T eernicker besuchen werden, indem hart« und lang geformte Blatter männlichen, weiche und kurze dagegen weiblichen Besuch bedeuten. Um bestimme» zu können,»b die Blöttchen hart oder weich sind, fall man sie onf alle Fälle zerbeißen. Jungen Damen kann die gesülll« Tectassc indes noch etwas be- sonderes wahnagen. Soviel« Bläschen sich auf dem Tee bilden, sooiele— Küsse haben sie für den Tag zu erwarten. All diesem Aberglatche» begegnet man honte»och. en manches jungen Kaufmanns seine höchste Säzmingung erfährt, che es in die Abgründe öder Rechnereien stürzt. Bei ihm war das nicht der Fall, sritte Träumereien wucherten als Maos auf jedem Erlebnis, er versuchte ihnen in die Ties« nachzudringen, und dabei nahm er mit, wer gerade da war, auch die Kinder, die ihn ohne Wissen rein aus dem Instinkt heraus begriffen. Bei ihm war es ein« natürliche Zartheit und wurde zur Leidenschajt. Wie tief sie aber ging, sah man erst am Ausgang eines tragischen Borfalls. Beim Spazier- gang mit dem zehnjälirigcn Erlwein, am Oblatierwall, einen Tag nach schweren Wolkcnbrüchen, die noch halb unter dem Himmel hinschleisten, halb aber die Flüsse in die Hölze getrieben hatten— bei diesem Spaziergang, bei dem Imgraben seltsam schwere Ke- spräche mit dein Kind führte, sprang plötzlich der Wind über sie her und schleuderte die Schülermütze ins Wasser. Erlwein sprang, noch ganz in Gedanken, der Mütze nach, versank sogleich in dem schmutzi- gen. blasentreibenden Gewässer vor Imgraben. Es nützte nichts, daß dieser nachsprang, tauchte, ruderte, fischte, hierhin, dorthin griff. Man barg die kleine Leiche erst nach Tagen aus dem Schlinggewächs des Grundes. Es läßt sich nicht sagen, welche schwere Veränderung der Fall in Imgraben hervornes. Imgrabens Auge erlosch, seine Hand wurde träge, sein Gang altert« förmlich, von Kindern hielt er sich mit ängstlicher Gewissenhastigkell fern, er verstummte gegen die Menschen völlig. Aber über das Schicksal dieses einen ergoß sich der Krieg mit dem Schicksal der Vielen. Imgraben ftond wenige Wochen, nachdem der Tod an ihm vorüber in di« Leckzgcwässer gesprungen mar, in den flandrischen Schützengräben. Hier rollten imablässig die großen Wollenbrüche aus dem sengenden Sommerhimmcl,>>nd jeder Kamerad, der rechts und links von ihm fiel, war dieser Knabe Erlwein, der seiner Mlitze nach in den tödlichen Graben sprang. Don Tag zu Tag vergrößerte sich der Schrecken in ihm, als er sah, wie die Kameraden, Kinder fast noch, hinübersprangen, zerrissen wurden, aushörten, wo sie soeben erst begonnen hatten, aus Lehre und Gefühl ihr bißchen Leben wirklich auszubauen. Und dann kam dieser blutige Tag, an dem er Junge, Kinder, Siebzehnjährige, in ahnungslosem Fieber, gepeitschte Lieder auf de» Lippen und unter dem brausenden Sturm der Homer und Trommeln geradewegs in die Kanonen laufen sah. Cr legte die Hände vors Gesicht. Er drehte sich um, den Rücken gegen die Front, ein Sakrileg nicht ntii anzusehen, in das der Wahnsinn anmaßender Menschen sich ausschüttet. Und so stieg er aus den schützenden Grit- den, und das Gesicht weiß, dem Lande«ugekchrt, in dem tausend" tausend Mütter über diese Stunde weinen würden. Er wurde zerfetzt ohne Aufschrei! was er gewesen war, kollerte in den Morast der Gräben hiiuab als eine Sache von höhneichen Gemalten, als lächerliche« Hilideriris über den Hausen geworfen. Die Gewitter dieses Tages wühlten sich über den Ort hin und wichen und kamen wieder. Mensch, Muskel und Glied, ging ver- schollen wie Gerät, und nur das Ungefähr einer Nachricht erreichte Imgrabens alten Vater. Ans einem Brief, den eine fremde Hand auf rauhem Totmnster in zerknittertes Papier gekritzelt hotte, erfuhr er, wie der Sohn in letzter Sekunde geradezu ein Denkmol seiner kindlichen Neigungen seinem Leben einen höheren Sinn ge- geben hätte; und selbst diesem in einem Ossiziachienst zur Uniform gewonnenen Mann packte dos siir Minuten erschütternd an, er rebellierte im Kampf zwischen Diensteid und menschlichen Regnn- gen. Er bot mm vieles mit schwachen Kräften auf, den genauen Ort des Todes zu erfahren, doch führte die Mühe zu nichts, und mit dem Fatalismus einfacher Leute ergab er sich schließlich in die nackte Tatsache, ließ nun den Gedanken still um einen Platz kreisen, der für ihn kein genaues Gesicht lzatte, aber mit Stern oder Kringel auf der Landkarte doch jene Stelle markierte, wo sein Leben und die Geschichte sich aus eine tiefsinnige Weise schnitten. Nicht ganz ein Jahr danach schrieb ein Schmsreund des jungen Jurgraben, er fei zwischen Wyischaete nnd Messincs an einem Saldatenfricdhof vorübergetommen, habe dort auf einem Holz- kreuz Jmgrabens Nomen gelesen. Aber die Truppe habe plötzlich Alarm gehabt, und als sie nach wenigen Tagen arg dezimiert ans der Front gezogen moiten sei. habe er den Gräberplatz nicht mehr vorgesunden, nur noch ein von Mörsern furchtbar zersiebtes Feld. Das hölzerne Denkmol, zu dem Jmgrabens Leib sich gewandelt hatte, war in die Luft gespluiert ohne eine Spur. Wie ein letztes Blatt herbstlichen Laubes rollte nach Monaten noch eine weitere Erinnerung durch etliche Gedanken, Lippen, Augen. In einem Dorf, weit.zurück hinter dem Houthulster Wald, fanden Kinder beim Spiel eine jener runden Erkennungsmarken, die nichts emsweisen als eine Nummer, tristes Symbol eines in die Opfermasse aufgegangenen Ichs. Gott weiß es, wie so dieses Stück Blech hierher in den Sand versprengt war, wo es der Zufall an Kinder weitergab. Ein Feldwebel, der die grau« Münze bei „Kopf oder Wappen" wirbeln und fallen sah, nahm sie an sich, ließ nachschlage!,. Sie geHörle zu dem verschollenen Sold>tten Imgraben. Funkwinkel. Eine Bemerkung zu den Einführungen. Sie sind nicht immer notwendig, bestimmt nicht bei Operetten oder Boffen. Die halbe Stunde fönnte besser ausgefüllt merden. Barum eine Introduktion zu Lchars Friederite"? Echwierigkeiten in musikalischer oder terilicher Beziehung bestehen nicht, also muß die Einführung fich allein in Lob perlieren und dies ist nicht der 3med der. Uebung Richard Wilde zieht sich immerhin recht anständig aus der Affäre. Er tetten für bas Berständnis aus bem Beg räumen, aber nicht neben sächlichkeiten unter Scheinwerferbeleuchtung rüden. Das darf die Sunfftunde nicht vergessen. Manchmal fieht es so aus, als ob hier einer Form geopfert wird nur der Form willen. Nun die Uebertragung selbst! Eie ist besser als die„ Der Lustigen Witwe", meil Frieberife" nicht auf die große Ausftathmgsschau stilifiert worden ist. Herr Tauber sagt frantheitshalber ab. sicherlich zum größten Schmerz der meisten Hörer. An seiner Stelle singt Karl Jöfen sehr an ständig mit gut funktionierender Höhe. Manchmal ist die ganze lebertragung Schwankungen in der Stärke des Tons unterworfen. J. G. nicht heute, sondern erst am Donnerstag, dem 14. Februar. Arbeiter- Bildungsschule & Kreis- Friedrichshain. Der Kursus Kommunalpolitik beginnt Heute, Donnerstag, d. 31. Januar 4. Kreis- Prenzlauer Berg: Bezirksamt Danziger Straße 64, abends 7 Beginn des Kursus: Sozialist sche Erziehung, Professor Anna Siemsen. tommt nur historisch, erzählt biographische Daten über Friederite Brion und Franz Lehar und lobt daneben auch, aher in erträglichen Grenzen. Schließlich ist jedoch die Operette zuerst eine mufitalische Angelegenheit und noch mehr die Oper. Und hier ein Wort zu der Einführung zu Humperdinds Königsfinder" nor ein paar Tagen. Auch dort teine musikalische Justration, sondern nur eine mittel. mäßige Analyse des Dramas und Ausfälle gegen die augenblickliche Opernwirtschaft. Was soll das? Die Einführung soll den Härer auf Morgen, Freitag, den 1. Februar 16. Kreis- Köpenick: Schloßstr. 27, das Hauptsächlichste eines Werkes aufmerksam machen, soll Schmierig. DITTMAR Theater, Lichtspiele usw. Donnst, d. 31. 1. Donnst., d. 31: 1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 28 18th Uhr Rosenkavalier Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Die Burg des Blaubarts Der arme Reinhold Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d. Republ. A.-V. 5 19 Uhr an Gendarmenmarkt A.-V. 27 20 Uhr Der flierende Oedipus Holländer Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. Flachsmann als Erzieher 20 Uhr SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Heute zum letzten Male: 2 Pierrotys und das große Januar- Progr. PLAZA DasVarieté im Ostbahnhof Alexander 8067/68 Ab morgen tägl. 5 und 815 Das sensationelle EröffnungsProgramm! Internationale Varieté10 Attraktionen v. Weltruf Einheitspreise: 1. Vorstellung 501.-M. 2. Vorstellung 1.- bis 2.-M. Ververkauf gl. 10-8 Theaterk. Beste Fahrtverbindungen. Stadt- und Vorortbahn bis zum Schlesischen Bahnhof, Ausgang Fruchtstraße. Hochbahn: Warschauer Brücke. Autobus; 19 bis Frankfurter Allee, Straßenbahn: bis Frankfurter Allee, Ecke Fruchtstraße. Linia 68, 69, 70, 75. Von Lichtenberg die Linien 8, 13, 68, 89, 70, 76, 178, Uhr, Beginn des Kursus: Kommunalpolitik“ Referent: Bürgermeister Dr. Hertz. Beiße Woche bei Tiet. Die Beige Woche bei Tiez hat begonnen. Im Lichthof enthüllt sich in märchenhafter Bracht der schone Raum, der als Glanz und Attraktionsstück der Anziehungspunkt für die Besucher ber ,, Weißen Boche" werden soll. Der 34 Meter lange und 18 Meter breite Lichthof ist ganz in feine Grundfarbe Beiß getaucht, das herausgehoben, gleichsam verstärkt wird durch ein flantierendes Lindengrün, sin meiches buftiges Grün, das sich im ganzen. Hause wiederholt. s Sdymuud dienen Silberlorbeergirlanden, die nuuster artig die Decke und Bände des Lichthofs überziehen: 9000 faufenbe Meter folcher Silbergirlanden hat man dazu gebraucht. 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