BERLIN Sonnerstag 31. Januar 1929 Crfdetit«vterEoustnß«. ?«glei r a i<: Sie einspaltige Noooareillqeii» > Neklamqeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkonto: Vornürtt-Derlag G. m. ß. Berlin Nr. 276«. Fernsprecher: Sindoff 292 bu V7 Brandruine statt Warenhaus. Die Mauern müssen niedergelegt werden. «0« de« stattlichen Warenhaus der Firma Her- mann Tietz in der Chaussee st rahe 70/71, in dem gestern abend und noch die halbe Nacht hindurch das Feuer sein Zerstörungswerk verrichtete, ist recht wenig übriggeblieben. Das Feuer hat mit un» heimlicher Gewalt gewütet, was die kahlen, rauch- geschwärzte» und mit Trümmerhausen übersäten Stmkwerke am beste« bezeugen. Der Schaden ist sehr bedeutend und soll nach einer vorläufige» Schätzung annähernd 3 Millionen betrage«. Die Feuerwehr hat geradezu Uebennenschliches leisten müssen. Wenn es«ich nicht mehr gelang, von dem brennenden Warenhaus selbst«twaz zu retten, so konnten doch die angrenzenden Wohn- Häuser mit Erfolg geschützt werden. Um Witternacht ereignete sich noch ein Zwischenfall, der beinahe einen ernsten Ausgang ge- nommen hätte. Vor dem brennenden Kaufhaus standen zahlreiche jFeuerwehrmonnschaften, die aus vielen Schläuchleitungen unauf- Äs« brennende Warenhaus. höflich gewaltige Wassermengen in das Feuermeer schleuderten. Plötzlich erfolgte unter großem Krach eine st arte Explosion, der unmittelbar daraus eine schwächere Detonation folgte. Mehrere im Keller befindliche D a m p s h ei z u n g s k e s s e l, die bis dahin der ganz enormen Hitze standgehalten hatten, waren in die Lust geflogen. Die beiden Explosionen erzeugten einen starken Luft- druck. Alle Fensterscheiben der gegenüberliegenden Häuser, sow/it sie nicht schon durch die Hitze gesprungen waren, gingen nun restlos in Trümmer. Die Feuerwehrleute wur- den sofott aus der Gefahrenzone zurückgezogen und der Straßen- abschnitt mußte auch von allen Zivilisten, Behörden- und Presse- Vertretern geräumt werden. Bei der Explosion sind durch Glassplitter auch eine Reihe von Feuerwehrleute«» verletzt«vorder». Am IM Ahr nachts stürzte mit großem Srach das Innere de» mittleren Gebäudes in sich zusammen. Cs steht setzt bloß noch die Borderuxind de, Gebäudes, die aber gleichfalls einzustürzen droht, so daß auch die Straße»oeiterhin gesperrt bleiben wird. Vor heute nachmittag ist nicht an eine Frei- gab« der Chausscestraße für den Berkehr zu denken, der im Laufe de? Tages weiterhin umgeleitet werden muß. Das ganze Gebäude bildet nur noch«inen riesigen Trümmerhaufen, aus dem immer wieder Flammengarben emporschlugen. Ganz besonders gefährdet paar da« Nebenhaus Ehaufseestr. 72, das stundenlang unter Wasser gehalten»erden mußte. Auf eine Löschung des Brandes selbst hatte inan bei der Aussichtslosigkeit von vornherein verzichtet, da es Wohnsinn gewesen roäre, Menschenleben auss Spiel zu setzen. Das Warenhaus dürste, wenngleich es versichett ist, durch den Aus- fall des Umsatzes nicht unerheblich geschädigt sein. Kurz nach Mitternacht wurden die Löschzllge, die teilweise die ganze vonge Nacht und den vormittag über in der Prinzenstraße tätig waren und anschließend zur Bekämpfung des jetzigen Brandes eingesetzt «vurden, abgelöst. Insgesamt waren auf den Generalalarm 14 Löschzüge an der Brandstätt« eingettoffen, die au» 2l> Schlauchleitungen größter Kaliber Wasser gaben. Da die Hydranten nicht ausreichten, wurde «in großer Teil des Wassers aus der Pank« entnommen. Heut« früh um 8 Uhr rückten abermals fünf Ablösungszüge an, die die sehr fchnnerigen Aufräumungsarbeiten unter Beachtung größter Vorst chtsmoßreyein vornahmen. Die Arbeiten werden noch viel« Tage dauern. Suche nach dem Brandherd. Auf der Brandstätte in der Ehousseestraße erschienen gestern abtrt> alibold auch Kriminalbeamte des zuständigen Revier«. des Polizeiomi» Wedbing und des Polizeipräsidium«, um sofort der Ursache de» verheerenden Feuers nachzugehen. Svlveit wie es möglich war, wurden alle Personen, die in dem Hause und auf dem Neubau zuletzt noch zu tun hatten, festgestellt und über ihr« Wahr- nehnnmgen gehött. Das Feuer ist zuerst an einer Holz- Verschalung und einer Holzwand beobachtet worden, die da» bisher alleinstehende früher« Warenhaus Stein von dein Neiebau trem»en. Sie hat den Zweck, die Hintereingäng« des Waren- Hauses zu decken und soll zugleich alle Störungen van den Leuten auf dem Neubau fernhalten. An dieser Holzn>and laufen auch Kabel entlang und es ist wohl möglich, daß das Feuer hier durch Kurzschluß entstanden ist. Der Wnd stand so unglücklich, daß die Flammen gleich vor der Verschalung nach dem Warenhaus hinüber- schlugen, in dem sie die vielen leicht entzündlichen Vorräte in Brand setzten. Augenblicklich werden auf dem Polizeiamt Weddin� noch fünf Personen weiter vernominen. Bestimmt ist die Sranbursache noch»richj erkannt und es wird mich schtver sein, sie überhaupt einwandfrei festzustellen. Der Brand in der Chausseesttuße wird zu einer Auseinandersetzung über die Riesenreklamen führen, die in den letzten Jahren von ollen Kaufhäusern angebracht loerden und die mitunter fast die ganze Front bedeckt. Zumeist bestehen diese Flächen aus imprägnierter Leinetvand, deren Konturen von elektrischen Lampen eingerahmt sind und hinter denen sich elekmsch« Leitungen in einer Länge von vielen Kilometern mit zahlreiche,« Lerteilungs- und Anschlußstellen definden. Die Feuerwehr hol seit langer Zeil gegen dieses lieber maß In: der Verwendung brennbarer Slosse bei den Außen dekurationen prokeslierl, allerdings erfolglos. Die Geschäftsinhaber vettraten dir verständliche Auffassung, daß sie alles tun müßten, um bei der schwierigen Geschäftslage Käuser heranzuziehen, während die Feuerwehr eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in diesen enormen Reklame- flächen erblickte. Der gestrig« Brand hat gezeigt, daß das Jmprä- meren der Baustoffe nur ein« sehr bedingte Schutzivirkung hat. Bei lFortsetzung auf der 2. Seite.) Oer große Bankeinbruch. -10 000 M. Belohnung.- 30000 M. Bargeld fehlt. Der vankeinbruch am wittenbergplatz erregt In der ganzen Stadt da» größte Aussehen. Aach dem Attest aller Sachverständigen muß hier eine Bande am wett gewesen sein, die zn Ihren Mitgliedern Vie allergewiegtesten SpezialVerbrecher zählt- Ss sind wahrscheintich dieselben. die stüher schon die gescheiterten Versuche bei der Reichsbahn, an» Zoo und am Savignyplah machten. Die Diskonto. Gesellschaft hat eine Belohnung von 1 0 0 0 0 M a r k aus die Aufklärung de» Tresorraubes nnd die Ergreifu«»g der Täter seftgefetzt. voraussichtlich«mrd sich die verstcherungsgesellschast anschließen. In Kundenkreisen der Bant ging schon am Mittwoch vormit- tag das Gerede, daß am Tresor etwas nicht in Ordnung sein müsse. Mehreren Kunden, die vorsprachen, wurde erklätt, daß dt« Tresortür klemm« und sich nicht öffnen losie. Einige stimmte das bedenklich und sie sprachen darüber zu ihrer Umgebung. Einen bestimmten Anhalt für etwas anderes als eine mechanisch« Hemmung, wie sie auch bei den besten Einrichtungen vorkommen kann, hatte jedoch keiner. Auch die Bankoerwaltung konnte an gar nichts anderes denken, als eine derartige Störung, weil von dem Einbruch selbst nichts zu sehen war. Heute morgen kamen zahlreiche Kunden, um sich nach dem Stande der Dinge zu ettun- � digen. Die Bant hatte bereits gestern abend vom Hauptgeschäft und von der Filiale Beamte zusammengezogen, um alles möglichst bald klären zu lassen. An barem Gelde sind nach den bis- herigen Ermittlungen etwa 30 000 Mark vorhanden gewesen. Die Zahl kann sich aber nach oben noch ändern. Der Wett der aus den erbrochenen Safes gestohlenen Sachen läßt sich natürlich auch jetzt noch mcht übersehen. Darüber müssen erst alle Kunden gehött»»«den. Di« wenigsten geben vorher die Att und den Wett der von ihnen untergestellten Sachen an. Die von den Ein- brechen» als für sie wertlos zurückgelassenen Silbersachen und Do- kumente sind in dem Vorraum zum Tresor ausgebaut und n>«rden dott von der Stund scho st besichtigt, um das Eigentum im einzelnen festzustellen. Di« Verbrecher haben ihren Plan augenscheinlich nach allen Richtungen sorgfältig icherlegt und gerade die Zeit aus- gewählt, die für sie am ungefährlichsten war. Bei dem jetzt herrschenden Bodenfrost werden nämlich in den Straßen nur selten Arbeiten an Gasleitungen, Licht- und Telcphonkabeln aus- gsjühtt. Derartige Arbeiten hätten sonst leicht zur vorzeitigen Ent- deckung führen können. Aus dem neuen große» cjttungene» Streich im Zusammenhang mit den früheren ziehen Fachleute die Lehre. daß die üblichen technischen Sicherungen zwar durchaus notwendig Vroistki ausgewiesen. Leo Trotzki mit Frau und Sohn in der Verbannung. Di» Sowjet-Regierung hat.«vi« ihre Presse bestätigt, die Au s- Weisung Trotzkis und seiner Familie aus der Sowjet- Union verfügt. Trotzki soll für sich und seine Familie einen Aufenthaltsort außerhalb Sowjetrußlands wählen. Was selbst Bismarck mit dem Sozialistengesetz nicht fettig bekam, Landes- angehönge zu„expatriieren", das macht Moskau mit«tarm Federstrich. sind, aber durch genügende Bewachung nach gestützt werden müssen. Auch mutzte eine Telephononlage vorhanden sein, durch die der Wächter jederzeit von einer Polizeistotion oder einer Be- wochungszentrale Hilfe herbeirufen kann. Oer Ansturm der Geschädigten. Der verwegene Tresoreinbruch in der Filiale Kleiststroh« der Disconto-Gesellschaft hat die Gegend um den Wittenbergplatz und mehr noch aber die betroffenen Inhaber von Safes begreiflicher- weife in große Aufregung versetzt. Während des ganzen heutigen Vormittags war ein großer Ansturm der Kunden dieser Bankfiliale zu verzeichnen, die in großer Besorgnis die Bank- beamten um Auskunft baten, inwieweit sie selbst durch den Einbruch in Mitleidenschaft gezogen würden und wie es mit der Haft- Pflicht der Disconto-Gesellschaft stände. Allen dieser Kunden tonnte jedoch keine Gewißheit gegeben werden, und die Beamten mußten sich darauf beschränken, die Geschädigten zu ver- trösten und einigermatzen zu beruhigen, da sich einige naturgemäß in großer Aufregung befanden. So war der verhältnismäßig klein« Kossenafnw den ganzen Vormittag über der Schauplatz von zum Teil z i e.m l i ch erregten Auseinandersetzungen zwischen dey Safeinhabern und den Bankbeamten, die nur die Aus- kunft geben tonnten, daß alle Fragen der Entschädigung, für die nach formaljurjstischen Gesichtspunkten für die Bankleitung eigentlich keine Verpflichtung bestehe, von der Direktion geregelt und nach «ingehender Prüfung geklärt werden würden. Besonders schwierig gestalteten sich die Auseinandersetzungen dadurch, daß keinem der Kunden darüber Gewißheit wurde, inwieweit er geschädigt ist, da dje Einbrecher bekanntlich alle Tresorfächer geöffnet, den Inhalt zusamTnengeworfen und nur diejenigen Wert- gegenstände mitgenommen hoben, deren Veräußerung nicht allzu große Schwierigkeiten biete. Hinzu kommt noch, daß die Bank selbst nicht weitz, was in den einzelnen Tresorsächern untergebracht war, da die Kunden über die Fächer verfügen können und kein Ver- zeichnis über den Inhalt der Bank zugänglich zu machen brauchen. Die Disconto-Gesellfchvft muß sich also auf die Versicherungen des Safeinhabers hinsichtlich des Inhalts der Fächer oerlassen, und diese müssen selbst aus den noch übriggebliebenen Werffachen ihr Eigen- tum reklamieren. Aus diesem Grunde war es bisher auch nicht möglich, die höhe des Gesamtschadens genau zu ermitteln. -Der Rest des Safeinhalts sowie die Geld- und Aktienvorräte wurden heute vormittag in einem besonders bewachten Kraftwagen der Disconto-Gesellschaft fortgeschafft, weil die Tresorgewölbe nun- mehr direkt von der Kleiststraße durch den von den Einbrechern geschaffenen Stollen zugänglich sind. Da der Bürgersteig sich über dem unterirdischen Gang gesenkt hatte und einzustürzen drohte, ist der Stollen freigelegt, worden, so daß man von der Straße aus durch diesen Maulwurfsgang direkt an dem Kellerfundament in die Keller- räume hineinblicken kann. Das Haus Kleiststraße 23 wurde während des ganzen Vormittags von einer zahlreichen Menschenmenge umlagert, die die exakte Arbeit der Einbrecher mit gemischten Gefühlen betrachtete. Schließlich, als der Andrang der Neugierigen zu groß und der Ver- kehr erheblich gestört wurde, benachrichtigte man das zuständige Polizeirevier, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung einen Doppel- posten entsandte. Die Kriminalpolizei setzte heute vormittag ihre Ermittlungen am Tatort fort, ohne jedoch irgendwelche greifbaren Spuren der Verbrecher zu finden. Die Hausbewohner erklären ebenso wie der Portier, daß sie während der letzten Tage keinerlei verdächtiges Ge- rausch gehört haben, ein Beweis dafür, mit welcher Raffiniertheit und Borsicht die Bande gearbeitet haben muß. Da sich in dem Haus eine Pension befindet, ist die Haustür des Vorderhauses sehr oft während der Nacht offen, und es besteht die Möglichkeit, über dem Boden, der aufgestockt ist, durch eine Verbindungstür auf die Hintertreppe zu kommen, von wo aus die Einbrecher durch die Keller von der Buyreuther Straße aus den unterirdischen Gang ge- graben haben. Heule vormittag hat sine Mini st erialkom Mission eine Besichtigung vorgenommen, an der sich Polizeipräsident Zör- giebel, Diezcpräsident Dr. Weih und aus dem Ministerium des Innern Geheimrat Gräser und Regierungsrat Dr. Hagemann beteiligten. Man war sich darin einig, daß man es hier mit den gewiegtesten und erfahrensten Geldschrankknackern zu tun hat. Bei den Entschädigungsansprüchen geht es im wesentlichen um Folgendes: Die Diskonto- Gesellschaft »ermietet ihre Schrankfächer nach bestimmten Bedingungen, in denen es u. a. heißt: Die Diskonto- Gesellschaft wird aus die B e- w a ch u n g und die Sicherung der Stahlkammer und der ein- zelnen Schrankfächer die größte Sorgfalt verwenden und jeden Schaden ersetzen, der durch Vernachlässi» gung dieser Sorgfalt entsteht. Die Diskonto-Gesellschaft haftet jedoch nicht für Schäden, welche durch Störung des Betriebes infolge Aufruhrs, Verfügung von hoher Hand, Streiks oder Aus- fperrungen veranlaßt sind. Die Geschädigten werden Voraussicht- lich den Nachweis versuchen, daß die Bank die notwendige Sorg- solt hat vermissen lassen. Oer Warenhausbrand. (Forffetzung von der 1. Seite.) einem größeren Feuer brennt die Leinewand trotz oller Schutzmittel urtd die Kabelleitungen, die alle in Gummi gelagert sind, leiten das Feuer in verhängnisvoller Weise fort. Man wir» in Zukunft seitens der Aussichtsbehörden fordern, daß entweder Metall für die Reklame- flächen verwendet wird, oder daß man sich wesentlich darauf be- schränkt, die Lichtreklame in eisernen Gestellen an der Houswand anzubringen. Bor ollen Dingen aber verlangen Feuerwehr und Polizei gs- meinfam, daß in allen Warenhäusern, die in Berlin neu erstehen, automatische oder von Hand zu bedienende Regeneinrichtungen, die sogenannten Sprintlereinrichtungen angebracht werden, so wie sie bei dem Warenhausbau von Karstadt bereits im Bau sind. E, handelt sich um Rohrleitungen, die an der Deck» aller Räume unter dem Putz angebracht sind und die aus taufenden feiner Löcher Wasser unter hohem Druck spritzen, so daß die ganzen Derkauf-slächen regenartig berieselt werden. Die Feuerwehr hat ebenso wie die Baupolizei in letzter Zeit häufig die Frage reni- die», ob man nicht in den bestehenden allen Warenhäusern die Sprintleranlagen noch nachträglich einbauen solle. Einer solchen Maßnahme stehen jedoch mancherlei Widerstände entgegen. Einmal ist es für jedes Warenhaus sehr schwierig, jetzt so umfangreiche Bau- arbeiten durchzuführen, die sehr erhebliche Kosten bedingen und die Verkaufsräume für geraume Zeit außer Betrieb setzen würden. Es müßt« der gesainte Putz entfe«rt oder dl« Rohrleitungen müßten frei- gelegt werden, eine Einrichtung, die dl« architektonische Wirkung des Innenraums sehr stark beeinträchtigen mühte. Eine andere Forde- ning her Feuerwehr und der Baupolizei ist die, mehr Brandmauern Die Hehe ge Roch ein Rachspiel Der trotz seiner unbestreitbaren Verdienste in der Sache Schröder-Haas so viel geschmähte Kriminaltommisiar B u s d o r f stand heut« als Nebenkläger vor Gericht, das gegen den verant- wortlichen Redakteur der inzwischen selig entschlafenen„Tägl. Rundschau", Rudolf Cuno, wegen Beleidigung Busdorfs verhan- delte. Es ging um die berüchtigte„Fälschung" des sogenannten Sesselbriefes". Der Sachverhalt ist in großen Zügen vom Hoffmann-Kölling- Prozeß her bekannt. Die Kriminalkommissar« Braschwitz und Riemann hatten in dem beschlagnahmten Korbe Schröders einen von ihm am 15. September 1925 an Hilde Götz« gerichteten Brief ge- künden. Es hieß da u. a.: „Meine liebe Hilde! Still, totenstill ist es um mich im . kleinen Zimmer. Nur die Uhr tickt leise und unaufdringlich. Ich sitze aus dem Korbsessel am kleinen Tisch und schreibe. Liebes Frauchen, Du stehst mir über alles. Hast Du Sehnsucht nach mir? Wer ich bin rings von Erinnerungen umgeben.... Welch furchtbare Erinnerungen versolgen mich in meiner Ein- famkeit täglich. Es ist furchtbar. In demselben Sessel, wo ich jetzt sitze, wo die Mutter saß, wo— da werde ich doch noch einmal wohl die tödlich« Kugel empfangen." Dieser Brief spielte eine gewisse Roll« in der ersten Berhand- hing des Großen Disziplinars onats gegen Hoffmaun und Kölling. Die„Tägl. Rundschau" brachte am 27. April einen großen Gerichtsbericht, der von der Redaktion glossiert war. In dein Bericht über die Reden des Rechtsanwalts Schaper hieß es: ...... Der Schriftsatz der Gnadeninstanz interessiert nicht wegen des Sckwurgerichtsurteils, sondern(ich drücke mit Bedacht aus) wesien des höchst fahrlässig zurejhtgemachten Gqtändnisses Schröders und der Hilde Götze. Schröder ist frag- los der Täter. Ob Haas beteiligt fft, weiß ich nicht. Aber es ist vieles unter den Tisch gefallen. �Zum Beweis dafür erwähne ich den sogenannten„Sesselbries" Schröders, der vom Kriminal- komrnissar Busdorf gefunden und in der Presse gefälscht wiedergegeben worden ist. Der Brief lautet:...... Ich sitze in dem Sessel, wo die Mutter, wo— hier ist hinzugesetzt:„wie im Juli"— ich auch die tödliche Kugel empfangen werde."(Zum Derständnis sei demerkt: Im Juli wurde Helling ermordet: Büsdorf hat also die Worte �vi« er im Juli" hin- als bisher zu schaffen. Die Feuerwehr ist der Ansicht, daß jedes Warenhaus in seiner ganzen Ausdehnung von 59 zu 50 Metern von einer durchgehenden Brandmauer durchzogen sein muh. Die notwendigen Uebergänge aus einem Lager in das andere sollen so eingerichtet werden, daß eiserne Rolljalousien zum Einbau ge- langen, die entweder durch das Personal schnell herabgelassen werden können oder die automatisch in Tätigkeit treten. Wie von der Firma Tietz mitgeteilt wird, soll auf dem Grund- stück wieder ein neues, modernes Kaufhaus errichtet wer- den. Sämtliche Angestellte werden weiterbeschäftigt, sie sind auf die übrigen Warenhäuser der Firma Tietz verteill worden.— In anerkennenswerter Weise hatte sich gestern abend die Stadt der aus ihren Wohnungen vertriebenen Mieter, der angrenzenden gefährde» tcn Häuser angenommen. Die Leute wurden während der Nacht auf Kosten der Stadt in verschiedenen Hotels untergebracht. Heute sollen die durch das Feuer mitgenommenen Nachbarhäuser eingehend auf ihre Sicherheit geprüft werden. Falls sich keine Bedenken ergeben sollten, wird die polizeiliche Sperre im Laufe des Tages wieder auf- gehoben werden. Keuer in den Ausstellungshallen am Zoo. In den ehemaligen Ausstellungshallen am Zoo, die zurzeit zu einem großen Restaurant-Komplex Armenia umgebaut werden, brach ebenfalls gegen 1 Uhr nachts ein Brand au». Di« K o k s ö f e n. die zum Trocknen der Wände aufgestellt waren, hatten Aorhänge in Brand gesetzt. Das Feuer wurde durch Zufall rechtzeitig entdeckt. Die Feuerwehr ordnete sofort von der Brandstelle in der Chausseestraße zwei Löschzüge nach dem Zoo ab. Es gelang der Feuerwehr, in kurzer Zeit den Brand zu lokalisieren und abzulöschen. Reichskabinett für Reichsfarben. Ein grundlegender Beschluß für— Kränze. Das Reichskabiaell hat beschlossen, daß Srauzspev- den der Reichsbehörden und Reichssielleu zu Ehren verstorbener Beamter. Angestelller und Arbeiter oder in Erfüllung sonstiger repräseniotioer pslichlen mit einer Schleife in den Reichs- färben zu versehen sind. Wilhelms Geburtstag abbestellt. Oas„Ziote Kreuz" gratuliert nicht,— OerItennklnb ißt nicht Bom Generalsekretariat des„Deutschen Roten Kreuzes� erhalten wir folgendes Schreiben: „In der Nummer vom 25. d. M. bringen Sie mit der Ueber- schrlft„Heil Kaiser Dir! Das Rote Kreuz gratuliert" eine Mitteilung über eine Notiz, die Sanitätsrot Dr. Cramer im Hinblick auf den Geburtstag des ehemaligen Kaisers verfaßt und als Schriftleiter im„Deutschen Kolonnenführer" vom 15. d. M. ver- öffentlicht hat. Zur Sache selbst möchten wir zu Ihrer gefälligen Orientierung ergebenlt bemerken, daß der„Deutsche Kolonnenführer" nicht im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes herausgegeben wird, sondern vielmehr das Organ einer selbständigen Orga- nisativnim RotenKreuz ist. Das Deutsche Rote Kreuz als solches steht dieser Veröffentlichung sern und erachtet die Notiz als «Ine persönlich« Auslassung des Schriftleiters. In der Einleitung zu Ihrer Mitteilung erwähnen Sie zu unserer Befriedigung, daß der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Landesdirettor der Provinz Brandenburg o. Winterfeldt-Menkin, in seiner letzten Reujahrbetrachtung die strikte Neutralität des Roten Kreuzes hervorgehoben hat. Die Neutralität des Roten Kreuzes war auch der Beweggrund dafür, daß der Präsident v. Winterseldt sofort nach Kenntnisnahme der Auslassung im„Deut- scheu Kolonnenführer" in einem Schreiben an den Vorsitzenden der zuständigen Organisation die unerwünschte Situation be» dauerte, die durch den Artikel geschaffen worden ist. In dem Schreiben des Präsidenten v. Minterfeldt wird darauf hingewiesen, daß in den amtlichen Publikationen des Roten Kreuzes von dem Geburtstage des ehemaligen Kaisers keine Notiz genommen worden ist, und daß diele Haltung bei dem Zwang zu völliger Fernhaltung von politffchen Momenten iür da» Deutsche�Rote Kreuz gegeben ist. Wir bitten Sie«rgebenst, von dieser Tatsache Kenntnis nehmen zu wollen. Das Verhalten des Präsidiums vom Roten Kreuz ist demnach sehr verständig gewesen, wenn auch die„Kolonnenfllhrer" ihre eigene Strippe ziehen möchten. gen Busdorf. zum Haas-Prozeß. zugesetzt. un> aus dem„Sessetbrief" einen Beweis für die Schuld Schröders zu machen.(SchrifLeitung der„Tägl. Rundschau".) Der Polizeipräsident stellte Hanaus gegen die»Tägl. Rund- schau" wegen öffentlicher Beleidigung des KriminaUonrmissars Strafantrag. Davon wurde der Oeffentlichkeit u. a. durch den „Vorwärts" Mitteilung gemacht. Di«„TäcjL Rundschau" brachte nun unter der Ueberschrift„Der Büsdorf aber geht und klagt", eine Notiz, in der es hieß, daß sie aus dem, dem Kriminvlkom- misfar Büsdorf anscheinend besonders nahestehenden„Vorwärts" erfahre, daß gegen sie eine Klage erhoben wäre. Busdorf bestreite, daß er gefälscht habe: dos Gericht möge feststellen, wer gefälscht hat. Erst nachdem der verantwortliche Redakteur der„Tägl. Rund- schau", Cuno, gegen den sich die Klage richtete, vom Vernehmungs- richter vernommen wurde— die Akten waren sechs Wochen unauffindbar— begab er sich zum PolizeiprSMum und erklärt« sich bereit, seinen Irrtum öffentlich einzugestehen. Da aber Busdorf auch die Zahlung einer Buße in Höhe von 300 Mark zugunsten der Witwenkasse der P oliz ei beamten verlangte, Cuno aber darin eine Demütigung sah, wurde aus dem Bergieich nichts. Der Angeklagte gab heute in der Gerichtsverhandlung zu, daß er schon früher seinen Irrtum erkannt, jedoch er- wartet habe, daß Busdorf ein« Berichtigung an ihn richten würde. In der Gerichtsverhandlung wurde übrigens festgestellt, daß die Wort«„im Juni"(nicht„im Juli") von Schröder selbst in einem anderen Brief hinzugefügt waren. Dos Gericht oerurteilt« den Angeklagten zu einer G e l d st r a f e in Höhe von 3 00 Mark. In der Urteilsbegründung sührt- der Vorsitzende u. a. aus. daß der Vorwurf gegen Vusdori wohl der schwerste sei, der überhaupt gegen einen Beamten gemacht werden könne. Bei der Strafzumessung war jedoch die Eile zu berücksichtigen, mit der eine Zeitung hergestellt wird. Straf- schärfend kam in Betracht, daß der Angeklagte nichts unter.- nommen hat, um seinen Irrtum richtigzustellen, nachdem er in Erfahrung gebracht hatte, daß Busdorf den Weg der Klage beschritten hatte. Auch im feudalen Rennverein„Union", von dessen Plan eines feierlichen Kaisergeburtstagsessens wir vor kurzem Mitteilung Machten, hat es nach unserer Veröffentlichung-ine kleine Revolution gegeben. Dieser feudale Rennklub gehört zu den S t i- pendiaten der Republik. Unter den Beziehern des Unter- stützungsfonds, die zur Förderung des Pferdesports im preußischen Etat stehen, besindet sich die„Union" mit an erster Stelle. Wenn wir recht unterrichtet sind, hat ein zarter Wink des preußischen Oberlandstallmeisters an die Leitung des Union-Clubs diese veranlaßt. das Festessen schleunigst abzubestellen. Monarchische Tradition ist sicher etwas Gutes, dachten sie, aber die Gelder der Republik sind doch immer noch etwas mehr Reales. Aus sie kann man nicht verzichten, selbst wenn man nicht festessen soll! Eisenbahnunglück bei Paris. 20 Schwer«, Zv Leichtverlehie. Am Mittwochabend ereignete sich m der Nähe von Paris ein schweres Eisenbahnunglück. Ein elektrischer Vorortzug von Paris nach Bois-Eolombes, der den Bahnhof St. Lazaie gegen 19,15 Uhr verlassen hatte, mußte vor dem Bahnhof vo:> Bois-Eolombes halben, weil das Einfahrtssignal noch nick: gezogen war. Fttnf Minuten später fuhr auf dem gleichen ffleldje vom Bahnhof St. Lazar««in E i s« n b a h n z u g ob. Da der Lokomotivführer den elektrischen Vorortzug nicht rechtzeitig bemerkte, konnte die Bremse nicht mehr so stark wirken, daß ein Ausammens!o>> vermieden wurde. Die Maschine fuhr«ms den Hinteren Magen dos elektrischen Zuges aus. Glücklicherweis« wurde durch den Aufprall der elektrische Strom sofort unterbrochen. Der erst« Wagen des auffahrenden Zuges wurde zertrümmert. Rur drei Abteil« blieben heil. Aus den Trümmern drangen Schrei« und Schmerzensrufe. Zwanzig Reisende wurden schwer und etwa 30 leichter verletzt. Arbeitsminister Forgeot begab sich sofort an die Unglücksftell» Kriegsverzicht mit(Sanktionen. Oer pariser auswärtige Ausschuß für Ratlfitation. Paris, St. Januar.(Eigenbericht.) Die Kammerrommisslon für auswärtige Angelegen- Helten hat unter dem Vorsitz Paul Boucours beschlossen, das Plenum der Kammer zur möglichen Beschleuni- gung der Ratifizierung des Kellogg-PakteS aufzufordern. Gleichzeitig stellte die Kommission den Antrag an die französisch« Regierung, daß sie zusammen mit der Rati- fizierung erneut die Erklärung abgebe, in der sie die Notwendigkeit der Schiedsgerichte und der Sank» tionen besonders betone. Washington benachrichtigt Moskau. Kowno, 31. Januar. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat am Mittwoch der französische Botschafter in Moskau dem stellver- tretenden Außenkommissar. Litwinow, im Auftrage der Washingtoner Regierung amtlich die Ratifizierung des Kellogg-Vertrages durch Amerika mitgeteilt. Riederlage der Kommunisten im OMV. Bei der Ortsverwaltungswohl des DMA. in Eifenach erlitten die Kommunisten eine empfindliche Niederlag«. Mit 100 Stimmen blieben sie in der Minderheit. Dies« Entwicklung ist um so b« merkenswerter, als Esenach für sie«ine der sichersten Hochburgen war. Ihre letzte Tätigkeit ivar, das Verbandshaus an die KPD. zu verschieben. Daraufhin wurde die Verwaltung vom Vorstand kom» missarisch besetzt. Die Mitgliedschaft hat nunmehr zum zweitenmal den kommissarischen Bevollmächtigten gewählt und damit die außer- gewöhnliche Vkaßnohme des Vorstandes als richtig anerkaimt. lvelterbcricht der Sffentlichen weiterdienffftelle Berlin und Um- gegend: Zeitweise aufklarend, noch mäßiger Frost, östliche Würde— Für Deutschland: Im Nordosten noch strenge Källe, sonst alWein Milderung des Frostes. Anklage gegen Frankreich. Ricklin antwortet poincarö. Paris. 31. Januar. Der„2traßburg«r Kurier' veröfscnllicht einen Offenen Brief Dr. Ricklinz an Poincare, in dem es heißt: Ich mache Ihnen jedes Recht streitig, in der Kammer in meiner politischen Vergangenheit als Untertan des Deutschen Reiches herumzustöbern. Für alle diese Handlungen bin ich Frankreich keine Rechenschost schuldig, ich bin dafür nur meinem Gewissen, meinen Landsleuten und be- sonders meinen Wählern verantwortlich. Wie könnte Frankreich, das nach dem Frankfurter Vertrag sein Desinteressement an Elsaß' Lothringen erklärt hatte, fordern, daß das Elsaß ewig die Rolle der trauernden Witwe spiele. Es waren Notwendigkeiten wirtschaftlicher und besonders politischer Art. die sich unter uns fühlbar machten. Deshalb nahmen die Elsässer und Lothringer selber die Verteidigung ihrer Interessen in die Hand, und Frankreich wird, wenn es die Dinge so sehen und beurteilen will, wie sie in Wirklichkeit sind, an- erkennen müssen, daß unser« Kämzrse nicht unsruchtbar gewesen sind. Denn außer dem wirtschaftlichen Aufschwung, den Elsaß- Lothringen unter der deutschen Verwaltung genommen hat, hat es sich in hartem Kampf« ein Verfassungsstatut erobert, das uns im Rahmen des Deutschen Reich« eine Freiheit und politische Unabhängigkeit sicherte, die weil entfernt sind von der un- würdigen Sklaverei, in der wir, wie ich behaupte, jetzt gehalten werden. Frankreich war lediglich berechtigt, zu erwarten, daß unser« Bevölke- rung. die ihm zwei Jahrhunderte politisch angehört hat, ihm ihre Sympathie bewahre. Diese Sympathie hab«n wir Frankreich in sehr weitgehendem Maße gehallen. Sie, Herr Ministerpräsident, haben hervorgehoben, daß ich im elsaß-lochringijchen Landtag ein« Red« mit dem Ruf:„Es lebe Elsah-Lothringen, es leb« Deutschland. es lebe der Kaiser' beendet habe. Wenn Sie mich deshalb des Imperialismus zeihen und diesen Eindruck auch bei ihren Hörern erwecken, so schaffen Sie den Glauben, daß es sich um ein« Lleber die Grenze! Zur Ausweisung Trohtis au« Sowjetrußland Stalin:„Unsere Dankbarkeit gegen dich, hochverehrter Ttohki, kennt keine Grenzen!" ,m elsaß-lochriirgischen Parlament vor meiner Präsidentschaft unge- bräuchliche Kundgebung gehandelt habe. In Wirklichkeit aber schlössen auch die Reden meiner Vorgänger bei Beendigung der Legislaturperiode mit' der gleichen, beinahe sakramentalen Formel: „Es lebe der Kaiser!' Ich habe als erster gewagt, dieser Formel eine demokratisch« Formel anzufügen, indem ich zugleich e'.n Dwat für Elsaß-Lothringen und für die Deutsche Fraktion, von der wir ein Teil waren, ausbrachte. Was die sogenannten s e p a- r a t i st i s ch e n Tendenzen betrifft, die Sie den von mir am 8. No- r-ember von der Kammertribüne gesprochenen Worten unterstellen, so wiederhol« ich: Diese Bewegung hat nichts Verbrecherisches, Sc- paratistisches und darf sich nach meiner unerschütterlichen und auf- richtigen lUlxrzeugung nur im Rahmen der unanta st baren franzSjischen Legalität entwickeln. Unsere Forderungen können und dürfen nur unter Franzosen erörtert werden, und so ! erb unsere Auseinandersetzungen vielleicht werden können, so werden sie doch nur ohne Einmischung seitens des Auslandes crsolgen und— ich lege besonderen Wert daraus, dies sogleich zu erklären— ksineswegs dazu angetan sein, daß Hoffnungen wieder- ausleben, die für immer begraben sein müssen. Elsaß-tothringen ist entschlossen, das Schicksal Frankreich» zu teilen und bleibt ein unlösbar« vestandleil der französischen Republik. Dr. Ricklin erinnert dann daran, daß er am 23. Ottober 1918 im Reichstag für di« Trennung des Elsaß vom Deutschen Reiche eingetreten sei und im November 1918 folgende Fotmel für die Bei- tritteertlärung zu Frankreich vorgeschlagen habe:„Elsaß-Lothringen kehrt in den Schoß Frankreichs zurück mit d«r Berficherung. daß seine Muttersprache, feine religiösen Einrichtungen ihm verbleiben und daß seine wirtschaftlichen Interessen gewahrt werden.' Dies sind, so fuhr Dr. Ricklin fort, die Hauptforderungen der auio- nomistischen Bewegung. Sie aber wagen es, von mir, der ich mein Leben im Dienste des Elsaß oerbracht habe, zu fordern, daß ich mich der politischen Bewegung gegenüber gleichgültig zeige, die im Be- g risse steht, den letzten Kampf gegen die Assimilierungs- bestrebungen zu liefern, der aus die Vernichtung alles dessen abzielt, was uns am Teuersten und Heiligsten ist. Dieses Opfer, Herr Ministerpräsident, werde ich nicht bringen. Ich werde die elsässische Bewegung nicht im Stich lassen. Todesurteil in Spanien. Parks. Zl. Zonuar. Räch einer ZNeldnng aus Madrid sind in Eiudod Ral drei der Ossiziere, die an der Aufstandebewegung leilgenommen haben, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden. Einer von ihnen soll flüchtig sein. Die pefläligung der Todesurteile durch da» König sieht noch ans. Tausend und eine Nacht. Oer Fall des Mittionenschwindlers Tausend. Von Ernst Hugo Friedrich. Der Märchenglaube scheint in der Menschheit immer noch lebsndig. Er wurzelt in ihr wie alles das, was man in der Kind- heit eingeslößt erhielt, unbekümmert um reales Leben, das allen Märchenglauben erbarmungslos zerstört. Ich erinnere mich noch, wie ich— meine Schularbeiten nicht bewältigend, weil unten einer meiner Mitschüler pfiff, um mich zum Spiel auf die Straße zu locken— das Schreibheft mit der angefangenen Arbeit liegen ließ, in der Erwartung, Heinzel- männchen würden sie inzwischen gewiß fertig machen. Aber die Heinzelmännchen erschienen nicht. Oder konnten sie keine neuere Orthographie, die ja doch alle zehn Jahre wechselt? Auch das Märchen vom Goldmochen ist so eine Märchensehn- sucht, die auszubeuten schon manchem„Alchymisten' gelungen ist, ohne daß es bisher geglückt wäre, Gold aus Sand zu fabrizieren. Einen dieser Schwindler großen Stils, der vorwiegend in München seine„bedauernswerten' Opfer suchte und fand, mit dem an sich schon verheißungsvollen Namen„Taufend', wurde bekanntlich in Tirol verhaftet, wo er als Frucht des Märchenglaubens anderer für sich selbst bereits das Märchen verwirklicht hatte in Gestalt von zwei luxuriös eingerichteten Schlössern mit allem Drum und Dran. Er kam zwar nicht aus arabischem Hengst dahergeritten, sortdeni fuhr in einem modernen sechszylindrigen Auto, und statt der erlösten Prinzessinnen umgaben ihn seine Mätressen! Oder hatte er doch ein« Prinzessin erlöst in Gestalt seines Ehegesponses, einer früheren biederen Kellnerin, die nun mit ihm allen Glanz teilte? Seinem goldenen Märchenzouber waren übrigens Leute aus allen Gesellschaftsschichten anheimgefallen. Selbst leitende Beamte der Münchener Münze wußte dieser geniale Gauner Tausend ein- zufangen, ebenso wie den General Ludendorff, und zwar mit dem Hinweis darauf, daß durch das in Massen herzustellende Gold Deutschland im Handumdrehen aus dem wirtschaftlichen Dilemma zu befreien wäre. Aber das Märchen wollte nicht Wirklichkeit werden... Der Märchenprinz Tausend behauptete nämlich, nur dann in der Mün- chener Münze arbeiten zu können, wenn ihn niemand beobachten würde. Gnomen und Elfen vertragen bekanntlich Gegenwart und Blicke profaner Sterblicher nicht. Auch verlangte dieser Tausend- sossa zuvor eine bedeutende Summe, um alles notwendig« ZRaterial beschaffen zu können...., beileibe nicht etwa die Goldtlümpchen, die er ja doch selbst fabrizieren würde!— So kam es denn nicht zu diesen Versuchen, das Märchen wurde nicht Wirklichkeit. Aber Goldmachen konnte er doch, dieser Tausendkünstler.... allerdings nur aus den Mitteln, die ihm in großen Mengen aus den Taschen seiner blindgläubigen Gefolgschaft zuflössen. Man spricht bereits von mehr als zwei Millionen. Tausend gehört ohne Frage zu jenen ganz großen Verbrecher- genies, die von Zeit zu Zeit immer wieder einmal auftauchen, um mit irgendeinem schlau ersonnenen Trick ihre Mitmenschen zu schröpfen. Der dankbarste Trick aber dürste immer noch der sein, die Märchensehnsucht der Menschen nach gleißendeni Gold auszu- beuten. Ich kenne Tausend persönlich. Er ist ein Heller Kopf. Zwar sagt man heute, er sei doch„nur' ein einfacher Spenglergehilse gewesen, und entrüstet sich, daß„so einer' selbst Fachleute herein- legte mit seinen Kenntnissen auf physikalischem und chemischem Ge- biet!— Warum aber soll ein Spenglergehilfe nicht ein geborener Physiker oder Chemiker sein, den nur ein mißliches Geschick damn hinderte, studieren zu können?— Tausends chemische Kenntnisse waren und sind in der Tat wirtlich bedeutende, und er wußte sie' mil Genialität so aufzuziehen, daß ihm seine Theorien auch von Fachleuten nicht einfach widerlegt werden konnten. Gewiß hätten sich sonst die Herren von der Münze erst gar nicht mit ihm ein- gelassen. Hat sich doch gerade im letzten Jahrzehnt so manches als realisierbar erwiesen, was man zuvor lächelnd als Utopie be- zeichnete! Was aber wäre geschehen, wenn es ihm wirklich gelungen wäre, die so lange schon gehegte Märchensehnsucht des Goldnutchens zu verwirklichen? Was wird überhaupt geschehen, wenn es unserer chemischen Wissenschast einmal glücken würde, durch Element- Zerlegung auch dieses Problem zu lösen?— Wäre das eine soziale Tat?— Gäbe es dann keine Armen mehr, keine wirtschaftlich Be- drängten? Es würde sich auch in diesem Falle erweisen, daß olles Märchen- hafte in Nichts zerrinnt, sobald es in die Sphäre des Alltags her- absinkt. Gelänge es, Gold in Massen herzustellen, sänke ja doch sein Wert sofort im Verhältnis zu seinem Angebot. Es würde dann eben statt der Goldwährung eine andere Währung die Macht des Großkapitals stützen und der Arme und Bedrückte hätte wie bisher auch dann wieder das Nachsehen. Also kümmern wir uns nicht um Tausendkünstler, sondern bleiben wir weiter bestrebt, die soziale Frage zu lösen nicht durch' Verwirklichung von Märchen, sondern durch zähes Streben und reales Kämpfen um unsere Ziele! Das erste Hochhaus in Berlin. In der Potsdamer Straße wird soeben das erst« wirkliche Hoch- haus BerUns begonnen, mit Zustimmung aller einspruchssähigen Behörden, nachdem um ein paar Stockwerke des(künstlerisch aller- dings nichtsnutzigen) Europahoufes jahrelange Kämpfe geführt wor- den sind und am Bahnhof griedrichstrahe di« herrliche Baulücke von dem Windmühlenkampf zwischen Unternehmern und Bureaukroten ein augenscheinliches Zeugnis ablegt. Aber hier hat's wirklich ein- mal geklappt, und man darf aus ehrlichem Herzen unseren vielge- rügten Baubehörden und dem Wohlfahrtsministerium zu ihrer Groß- Herzigkeit Glück wünschen und Viven» sequentes rufen. Denn für Projekt und Ausführung steht der richtige Mann ein: Bruno Paul, und daß er hier auch sein architektonisches Meisterwert ge- schaffen hat, beweist das Modell des Kathreiner-Hoch- Hauses, das in der Ausstellung„Bauten der Technik' im Lichthof des Kunstgewerbemuseums zu sehen war. Sicherlich hat der Name des Baumeisters und die Qualität seines Entwurfes den Maßgeben- den ihren Entschluß.„Ja' zu sagen, erleichtert und motiviert. Steht es wirklich so— und der Gegensatz zu der Affäre des mißratenen Europahauses scheint in der Tat für das Oualitätsgefühl der Bau- behörden zu sprechen—, dann wäre allerdings das Schicksal der Berliner Bauentwicklung künftig in guten Händen. Zu beiden Sellen des Eingangs vom Kleistpark, dem alten Botanischen Garten, tief drunten in der Potsdamer Straße, finden sich zwei leer« Baustellen, die Bruno Paul gleichartig zu bebauen gedenkt. Vorläufig ist nur das rechts gelegene Grundstück an der Reihe, auf dem das Kathreiner-Haus begonnen wird. Städtebaulich gewinnt das Projekt, an betonter und betonender Stell« gelegen, seinen vollen Sinn erst durch Wiederholung des gleichen Baues auch auf der linken Seit« des Porkeinganges. Denn es ist nicht zu über- sehen, daß dieser durch die allen Königskolonnaden Gontards einen besonderen Sinn bekommen hat. Bruno Pauls Hochhäuser schließen die Baulücke in der Weise, daß sie zu Umrahmung und Hintergrund der spätbarocken Kolonnaden werden. Ihnen zuliebe hat er die Fassade des Kathreiner-Haufes nicht nach der Straße, sondern noch dem Park hin gedreht, hat einen Hof durch vorspringende niedrigere Flügel gebildet und dadurch die Aufmerksamkeit auf di« alten Säulenhallen gelenkt und Raum für sie geschaffen. Dieses ehrerbie- tige Zurückweichen der Baumassen vor dem Alten, Bestehenden, ist wohl der glücklichste Ursprungsgedanke, der. einem modernen Bau- meister an diesem Platze kommen konnte, und er hat als genial« Ein- gebung in der ganzen Ausgestaltung des Baues die schönsten Kon- seguenzen gefunden. Denn nun entstand, durch Preisgabe vielen bebauungsfähigen Raumes, die Notwendigkeit, diese Einbuße wirt- schaftlich auszugleichen durch Höherstreckung des rückwärtigen Mittel- teils, der sich über die sechsstöckigen Flügel(die die übliche Häuser- höhe der Potsdamer Straß« nicht überschreiten) fast um das Doppelte, bis zur Höh« von 39 Meter, erhebt: und damit zugleich ein imposanter Hintergrund für den Ehrenhof und die Gontardschen Kolonnaden. Die Möglichkeit, daß dos Hochhaus diese durch seine dreifache Höhe erdrücken könnte, wird zweifellos aufgewogen durch die größer« Entfernung: es ist, als ob diese mächtigen Wänd« vor den Kolonnaden zurückweichen, um ihnen Schutz und Folie zugleich zu bieten. Alle Besürchtungen, die sür dos Gontardsche Meisterwerk auegesprochen wurden, müssen zuschanden werden. Denn dieser Hochbau selber ist in seiner Gesamthell von so groß artiger Einfachheit und zugleich so sein gegliedert, daß er ebenso neutraler Hintergrund wie selbständiges und hochqualifizertes Bau- werk bleibt. Brun» Paul hat sich hier erstmalig und mit vollem Erfolge zu der neuen funktionellen Bauweise bekannt und seine amerikanischen Erfahrungen da hinein oerwertet Würfelformen im Ganzen, flache Dächer, Horizontalität der Stockwerkbänder und aus- schließliche Verwendung von Beton und Glas als Umhüllungshaut schaffen ein gewaltiges und ganz einheitliches Gebäude, bestimmt für Bureauzwecke, erfüllt vom Geiste moderner Wirtschaftlichkeit und Funktionalität. Es ist reiner Stahl-Fochwerkbau. Wir werden das amerikanische Schauspiel eines Gerüstbaues aus Stahlträgern er- loben, das von Beton und Glasflächen bekleidet wird und in seinem Inneren all« Erfahrungen der Neuzeit über Raumausi�itzung und Berkehrszirkulation verwertet: das aber in seiner äußeren Erschei- nung die amerikanischen Vorbilder durch künstlerische Austeilung und Gliederung der Massen weit hinter sich lassen wird. Dr. Paul F. Schmidt. Lessing sür die Schüler. Ausführung im Deutschen Künstlertheater. „P h i l o t a s' und„v e r j u n g e Gelehrte" gehen jetzt als Darstellung sür Schüler der Berliner höheren Lehranstallen im Deutschen Künstlertheater in Szene Die Regie führt E m i l L i n d. Selbstverständlich sucht er nicht bei einer Schülervorstellung neu, Bahnen. Die Ausführung häll sich auf dem Niveau einer guten Stadllheatervorstellung. Lind oermeidet beim Philotas Pathos, andererseits ober auch zergliedernde Dialektik, die dieses erdachte Heldenstück am besten oertrogen würde.„Der jung« Gelehrte' wird zart und sanft auf ein« Art von Groteske stilisiert, ein« Art, di« dieses Luftspiel durchaus verträgt. Di« Darsteller sind nicht bedeutend, vvr allem fehll es Harry G o n d i s Philotas an der vollen Beherrschung der Sprechtechnik. Trotzdem bietet»r, wie auch die anderen, ein« annehmbare Leistung. In jeder Beziehung befriedigt mehr die Aus- führung d«s Lustspiels, da hier wirklich mit Tempo und Lust am Spiel gespielt wird. Eine andere Frage bleibt«, ob man den Schülern nicht auch einmal erstklassige Theoteraufführungen ser- vieren soll._____— t* vi« meist gelplel»« üper Als weist««spielt« Oper an deutschlprachigeu Bkibnen im vorigen Jahr sind türziiih.Tiefland' und.sVonnd spielt auf' «enonnt worden. Hierzu wurde daraus hingewiesen, bik eine(o hohe ZlufführungSzisser. wie sie.Ionny spielt auf' im letzten Jahr erlangt«— 42t— l'Slang von keiner anderen Oper binnen JahreSI, Ist erreicht worden ist. Die« ist> icht zutreffend. Denn.Ttestand' ist an deutf-den Bühnen ». B. im Jahre 1206 SÜSmol«ch im Jahr» UOO M7«ul aufgeführt worden. Lunatscharfti über proletarische Kultur. In der„Komsomolskaja Prawda', dem Organ der konnnunisti- scheu Jugendorganisation, veröffentlichte der BiidungskoiNnrissor Lunatscharski in der Nummer vom 21. Januar, die dem Aichenten des an diesem Tag« vor fünf Jahren verstorbenen Lenin geweiht ist, eine längere Abhandlung über ,�cnin-Kultur". In diesem Artikel beschwert sich Lunatscharski darüber, daß der Begriff„proletarische Kullur' nicht nur noch immer häusig mißverstand«« werde, solchen' auch vielfach unfähigen Köpfen als Aushängeschild dien«, um ihre talentlosen Dramen, Erzählungen, Bilder usw. zur Annahme zu empfehlen. Das Prahlen mit„«cht proletarischer Ideologie' sei«in« wohlfeile Reklame, aber derartige Renommisten hätten Lenins Ge- danken über proletarische Kultur auch mcht entfernt begriffen. Lunatscharski gibt dann folgend« Definition:„Proletarische Kultur ist die Kultur des Weges zum Sozialismus, sozialistische Kiilwr ist der Triumph des Proletariats." Rühaembronik. Oberregisseur Patrq, schon seit längerem d« Berater JehnerS in der Verwaltung des Berliner Dchausplelbause«. warb« nunmehr offiziell zum Tchauspietdireitor ernannt und mit der Leitung der Aerwal- tungSgeschäfte w allen tiinnlerischen Angelegenheiten betraut. Lollchravit. Am S. Februar findet m den Räumen deS LogenhaujeS. Kleiststrane 10. 9 Uhr abends, der erste Porzakostamball statt. Der Erlös Ist für den Hllstverein für junge Kunst beftimml. (Aue Sunslerwerdvng der Stadl Bettln. Die Stadt Berlin hat ein ueue» Btonzem«! von Rente Sinlenlfe, der v-rltner vildhauerw, das springende BSckch« zur Lufstellimg w einem Ssteulltchen Part Sin Wort mur Einschulung. 3o dieser Zeit finden in einzelnen verwaltnngsbezirken Groh-Berlins die Einschulungen statt. Die Frage: Bringst du dein Sind in die weltliche oder in die christ. liche Schule? bewegt die Gemüter vieler Eltern. Die geschickte Propaganda einer reaktionären Presse, die auch hier wie aus dein Gebiete der Politik häufig mit Schmuhkubcln arbeitet, hol es zuwege gebracht, dah vielfach die weltliche Schule diskreditiert erscheint. Sie leistet nicht soviel, wie die christliche Schule, das Sind hol Schwierigkeilen in der Berusswahl. die Disziplin läßt zu wünschen übrig— dos find die Vorwürfe, die man immer wieder erhebt. Selten hat einer dieser Kritiker in eine weltliche Schule hineingesehen. Aus böswilligem Klatsch und Aeberlreibungcn von alltäglichen Vorkommnissen kindlichen Uebermuts haben „unchristlich-politische" Hintermänner der Oefsenllichkeit Grusel- geschichten vorgetragen. Wie steht es in Wirtlichkeit um die erhobenen Vorwürfe? Leistet die weltliche Schule weniger als die christ- liche? Wir köniren mit Genugtuung die Tatsache verzeichnen, daß die gesamte Schulreform in Preußen säst ausschließlich sich in den weltlichen Schulen konzentriert. Von dort ist sie langsamer oder schneller auch in die andent Schulen hineingedruugen. Tausende von sungen Lehrern und Lehrerinnen haben in den weit- lichen Schulen hospitiert und sind von Ministerien. Akademien und niederen amtlichen Stellen geschickt worden, deren Reformwille im allgemeinen doch erst vorhanden ist, wenn der Erfolg absolu' gesichert erscheint. Die ausländischen Besucher, die deutsches Schulwesei, kennen lernen wollten, wurden in erster Linie zu den weltlichen Schulen geschickt, und die Anerkennung, die von dorther der deutschen Schulreform zuteil wurde, ist ein Beweis dafür, daß die weltlichen Schulen das Ansehen, das das deutsche Schulwesen im Ausland« genießt, in der Nachkriegszeit wesentlich beeinflußt haben Man sagt, es seien zuviel junge Lehrer an den weltlichen Schulen. Ist tios ein Grund, eine„Minderwertigkeit" der Schule anzunehmen? Sind diese jungen Kräfte nicht ausgebildet mit den legten Ergebnissen pädagogischer Forschung und Methodik? Haben sie nicht den stärksten Willen zum Neubau, die ganz« unverbrauchte Frische zur Arbeit, die wohl eine jahrelang« Erfahrung nicht völlig ersetzen kann, ober auch deren Vorkriegsheimnungen glücklicherweise nicht kennt? In Neukölln haben bei den zweiten Lehrerprüfungen prozentual die Lehrer an weltlichen Schulen am besten abgeschnitten, und dies unter einem Provinzialschulrat, der durchaus nicht fort- schrittlich genannt werden kann. Hat das von der weltlichen Schule kommende KindBerufsschwierigkeiten? In den ersten Jahren nach der Revolution versuchten reaktionäre Firmen, aus Protest gegen die welttichen Schulen und um der„christlich-unpolitischen" Propa- ganda Waffen zu liefern, tatsächlich weltliche Lehrlinge anzuweisen. Sie sind bald davon abgekommen. Unser« Schulentlassenen mochten die besten Eignungsprüfungen. Ihr« Selb ständig- keit im Bewältigen einer Arbeit und im Umgang mit Geschästs- künden, ihr klares, unverbogenes Denken, das sich in ihrer Ausdrucksweise zeigte— alles Formen, die sie in der Arbeit der Schule geübt hatten, schasste ihnen bald bevorzugten Eingang bei vielen Firmen. Es wird heute kaum noch vorkommen, daß ein Lehrling abgewiesen wird, weil er ein« weltliche Schule besucht hat. Dogegen melden viele Firmen ihren Bedarf an Lehr- l i n g e n direkt den weltlichen Schulen. Diese Schulen hoben für 14 00 0 R e l i g i o n s st u n d e n dem modernen Menschen wichtigere Ergebnisse als biblische Offenbarungen mitgegeben. Ist dt« SMliptt» Hl d*«»««Hch«» 6$«*«§** lockert«? als in der christlichen? Als der PrügeU erlaß des preußischen Kultusministers im vergangenen Jahr« die körperlichen Strafen in der Schul« stark einschränkte, da begrüßten ihn nur die welllichen Schulen. An den anderen Schulen häuften sich die Schwierigkeiten, man glaubt« die Kinder nicht mehr bändigen zu können, hetzte die Eltern aus und schickt« Proteste in die Welt. Ist die Disziplin der christlichen Schule nur mit dem spanischen Rohr gesichert? Wer wollt« dies« Zuchthaus- o r d n u n g seinem sechsjährigen Kinde wünschen? Niemond wird die Schwierigkeiten verkennen, die in einer von Körperstrafen unbeeinflußten Disziplin liegen! Aber sie sind ungleich geringer in der Wirkung als die Schäden, die für ein Kind in Prügeln liegt. Nicht die Gefängnisruhe, von Stock und Schulinspek- tor erzeugt, ist eine geeignete Atmosphäre, in der Kinderseelen wachsen sollen, sondert« der frohe, wenn auch häusig laute Ton von freiem Kinderlachen und Fröhlich s« i n. Das Konkordat steht drohend über der Schul«. Der Geist- liche wartet auf den Augenblick, wo sich ihm die Schultüren öffnen, wo er, über den Lehrer gesetzt, seinen Unterricht überwacht, den Inhalt der Lehr- und Lernbücher bestimmt, Schüler und Lehrer zum Kirchengehen zwingt, wenn draußen die Sommersonne hinaus zum frohen Sonntag lockt. Religiös« Pharisäer brauchen nicht Feinde der weltlichen Schul« zu sein. Die religiösenSozialisten«in- schließlich der Geistlichen fordern mit uns die weltliche, kirch- lich unbeeinflußt« Schule. Die größten Lehrervereine Europas sind im Grundsatz für die Weltlichkeit der Er- ziehung, die die Sozialdemokratie schon in der Vorkriegs- zeit fordert«. Jeder Sozialist wejß, wohin er sein Kind einschult: in die frei«, sozial eingestellte, weltlicheSchul«. FriedrichWeigelt. Beiantwortl. Mir die Redaktion: Bollaang Schsan. Berlin: Anzeigen: Th Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärls Buch. dreckerei und Berlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin ES 68, Linden ftrohe 3. Sierzu 1 Beiloge. Theater, Lichtspiele usw. üonnst., d. 31. 1. Staats-Oper Jaiet a. Linden A.-V. 23 18',! L'hr Rosenkavalier Staats-Oper Am Pl.d. Repuoi. A.-V. 5 19V: Uhr »MM Donnst., d. 31. Stadl. Oper B smarcKstr. Turnus III 20 Uhr Die Burg des Blaubarts llii arme Reiibold Staat). Sdiansph. an maatrimiinaril A.-V. 27 20 Uhr » MI.MISs-IkeM.HMg. 20 Uhr Fladismann als Erzieher 8 L'hr 6 5. Barbarossa 9256 Heide zum letzten Malet 2 Pierrotys und das große Jenuar-Progr. I Mnfii vom Franz Ledar Kommers. Karl Zöken (Eioatsoper Berlin) Vorverianf ununterbrochen. I »atze de» ganzen Tag geShnet.| Teleph. Etetnplatz Sil u. Tins. Winke? Garren A Uhr Raadien erlaaht Heute x» da« sensationelle Januar- Programm Morgen Premiere mit 8 In Berlin noch nicht gezeigten VariefSnenlieiten ood ve 60 nod veitere Sensafloaen insgesamt Internationale Künstler Sonnabsnd und Sonntag Je 2 Vorstellungen 3" und 8 Uhr. iK kleine Preise. Berlin-LiditealiergKm | Vtllst&odio neoes Prosranio täglich abends 8 Uhr iwummns Täglich t'u Ahr | Oer sensationelle Erfolg!■ Käthe Dorsch Fneöenke KeUhshallcn-theater Abends| 8| Sonntag nachm.| 3 1 SteOtner Sänger Da* wnndfrvollr Januar- Programm I Nachm. halbe Preise, rolles Programm. Dönhoff- Brottl: Varief« /■ Konzerf/ Tanz Theater a.KottbusserTor KottbusserStr.6 Tel. Mpl.l(i077 Täglich 8 Uhr. auch Soantas nachm. 3 Uhr(ermiS. Preise) Elite-Sänger DIE JANUAR- Icko-aofra k SENSATION; IVraCn I Volkspreise; Mk. 0,50b. 2,00, Logen 2,50 UM»™ Arnold Scholz Hosenhoide 108/14 GroBes BocKDlertest und Oroflfrs Scft weinsscti lachten. EinlaB 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Sonnabends und Sonntags: ■ Grober Alpenball.- 7 Kapell««— so bapr. Madehi. CASINO-THEATEH Lothringer Straße 37* Neu! Neu! Kilometerllenchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein fQrl— APers. Fauteull nur I.ISM� Sessel 1.45 M. SonstigePreise; Parkett u. Rana 0.80 M. Renaissance- Theater Td. S tainplatz MI u. 2SSJ SA. Täglich><;< Uhr „Pas große ABC Regie: Gust. Härtung. Voutsbimne rHaittlanlilovpUtt 8 Uhr Das MMI ans der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am sennhaiierdacuii 8 Uhr Die Orci-ürtisto- Thaila-TOeater 8 Uhr Oelrausch Staat). Miller-Ii). 8 Uhr Flachsmann als Erzielter lt. ib Sduffkiogenn! Täglich 8 Uhr Die Dfei-Mn- Oper Paulsen.ValetiS, Ander, Gerron, SchaufuB, Kühl, Lvovsku Norden 12310 8 Uhr, Ende 10* U. DleVerbredter Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: heinzHilpert Die KomOdie Bismarck 2414/7514 8>/, Uhr, Ende 10". „Olympia M on Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. Thalla-Tiieater dresdener Str. 72-73 8 Uhr „Oelrausch" Kammerspiele Norden 12310 8, Ende nach lO'ii U. „Saebaii ErsdrieneiT Komödie»on Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. imiME „Sdifrn und sdütk" lt. in(dnirtintlnl Täglich 8 Uhr 2 Sonntags Vorstellungen 3 Uhr d. IV- Ihn. Und- nittui die jun Vor- ittllq. n hl Ihm fniin Kleinst Msr Nur noch heute SV-U. Hai AdalDert in Der DIckkopl Ab morgen SV- Uhr Neueinstudierung Lady Uilnder- meras Facüer von Oskar Wilde Sandrock. Hechy, Klindcr, Hardt, Mamelock n. Möller Banowsky-Bshiieii Theater ia dar Xlaiggrätzar StraBa SV- Uhr Revolle Im ErziehnngsliaBS Schauspiel von P. M. Lampel. Komödionhaus SV. Uhr Das Said am dar StraBa Uata« t. Bernancr n. Oesterreleher Fanlral- Theatar Uli Jakghitr. uki Uruimb, Täglich SV« Uhr Sonntag auch 4 Uhr teil kossa Ihr« Hand.madatna Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gieichnam�chlager Rund funkhörer hatte Preise Beriiner TDealer DirektHelnzHerald Charlottenstraße 90 A. 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Able's irish Rose) Trianon-Th. Täglich Sta Uhr Erika aiaaner in Gretchen PliMtirino» Zm t'liai. Judwthaler Stni. Noll. 1578 14 Uhr Oer SterhWmniei im Winter 18 Uhr mars and seine umsei 20 Uhr werden u. vergehen d. Sterne Nclropoi-Thcafer - 8 Uhr——— Lustige Mive Gr.Sdiausplelhans 8 Uhr' Casanova mit ALFRED JERGEK Emmy Sturm Frlnd, Ahlers. Ll iske, S-rd«, La Jana, Winkalstern, Kupfer. Ame, Benito«, Margen, Bleu' FRITZI mASSARV Mai Hansen Elleot, Ja.'kuhn, Junkarmann, S:haeffert, Uarquita Sitten, Baeutg Girls, Jacksan Boys Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stom. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.-Vorsiellung zu kleinen Preisen N«u auf Elektrela Saltenburg- Bohnen Lossing-Theater 8 Uhr Rathartna Knie. Theater am Nollendorfplab Täglich 8 Uhr lettßißn Geben Singspiel von Walter Kollo Rose-Theater infraaUartn 11.13! SV- Uhr Din Fledermans Lustspielhans Fried richstr.234 Bergmann 2922/23 Täglich 8V« Uhr SuidoTliielsöier in Weekend im Paradies Otsck. KOnsttar-Th. 8V« Uhr •Der Zinker v.Edgar Wallaee dnluk Kita Kitttin Preise 1—10 Mark la allen B«rtler- und Käsegescbiflen zn haben. Znm Kleinen GewerksdiaOsbans Stettiner Strohe 52|aF.I5S Verkehrslokal der Partei, Raiehs- bannar und Arbeitorsportler TREFF« aller Werktätigen ig.f.is. Zur Allen Mflhic Prenzlaner Allee Kttdien-Ncm Berlin N.( Lindower Str. nur 1 8/1 9 (am Bahnhof Wedd ng) Bar und Kredill Vereinshaus „Vineta" = Vinctaplatz 7-------- Verkehrslokal der SPD. und Gewerkschaften. fO. F. 174 'sieflincrHeisdi-� und[G. F. 66 Wurslzeniraie � Invalidewstrefre 130 Restaurant (G.F. 196 AugurtLux Huttenstraße 26 Arbeiterverkehrslokal Uf u Dosemboier Sir. 11-12 3Sllle,6YereiosziffliBer zu Versammlungen und Festiichkeiten Caslno-Festsälel Pappelallee 15 Süle bis 600 Personell Vereinszimmer[Q.F.194 Bot? Kldie. ÜZiiiÄiZltiimi. ffilfige Preist Swiaemttnder GeselisdiaUlhans Neuer Inhaber, neu renoviert Sfrla krall Die organisierte Arbeiterschaft vorkobrt bal Alfred Krüger PUtlitZStr. lO.(G.F.193 Oroßdestillation Hadiepelcr Eigene Thtr. WorttfabrlkaHon Adolf Schrapal[G.F.192 Grünthaler Str. 13 Ecke Bellermannstr. Bilildsle BezndsABelie Mr Pholoapparalc Merken'Kameras stets Gelegenheit Photo' Schlesinger er. PranWnrlcr«r. IT sB.2d Bahnhof srestaorant Wittenau-Nordbalinhof Rithanl Sthnlze[a.F.204 Verclnslokal der SPD. Zur Sturmecke Krüger, Hussitenstr.34 WWWW(Ecke Scheringstr.) Verkehrslokal der Partei, Reichsbanner und Gewerkschaften[G. F. 169 NemnaiiB's Blcnluben- Pankow Mendelstr. 17. TeL: Pankow 3107 Sonnabend, den 2. Febraar 1020 { GROSSES BOCNBIERFEST J —— FamlUenhetni—— PAUL KROLL N. SS, Utrechter Strafe 21 Verkehrslokal der IG.F.ISA organisierten Arbe tersefaatt TREFF O der opganis.ArbeHerscIiail Ernst Heiles, Bier-Quelle Wilhelm Mahnkopf Carmcn-Sylva-Stra�e 123 (Ecke Creifenhagener Straße) IMMMMMn liteitsmhft Möbel-Kamerling Kastanienallee 56 OcB. Speilcj-, de ccrcn].. oporf. nr-, ftozb- nnb XnbbaaminBbrL rirnenaw»pottpr., zohlunpoetki**«. leg. SchldtH». f. Sachen. poHlct Hödifie Beleihmid leaer WcrlfiKbe sowie Qardcrobc im Leihhaus Hermann lofrl Markgrafenstraße 22, IL KrumbedCs Sportrestaurant Karlshorst am Bahnhof[G. F. 213 f«freeeeeefreeseeeet Trötttpers Bierstuben j Flensburger Sir. 3 Verkedrslokal derPartd, des Reichs- banners ood der Oewerksekeilen. frfrfrfrfrfr— ♦JSÖE. ßettfedera doppelt rorelnict graue 60 Pf-, 00 Pf, Rnpf I.SO, wclB 2.50, 4—. Halbdau- __ �_ nen, 2.7B,wolS, voll- dannig, 5., Daunen 4-, 7.—, wefB 0.- bin 10.-. Oberbetten, O't-scblkfrlE, von 12.—, Kissen von 3J0 aufwärts.— Muster gratis Böhm. Bcttfederaspezlalhaus SadMd* Stadler. Scilla C 25 Landsberger Str. 43-47, Nähe AlezanderpU Filiale: 0 34, Kochhannstr.24. a Viehhol Fahrgeld wird vergütet !tobediiK|t ifli Hlobd-Tlschle�l Willy ITlaass. Brannenstra�e 35. Kern Laden I Vorkand aar im FabrUedabdndc t Verkehrslokal der organisierten Arbeiterscbaft Merlttsch Prenzlauer Allee 232 . nloS&m 'o&eriuvxS'.Ö! 16 Filialen- lärther 0.34, Warschauer Str. 31 an der Revaler Str./ SO. 16, Köpenicker Straße Nr. 75./ S. 59. Kou busser Damm Nr. 103./ N. 54, Ahe Prenzlaacr AUee 2M jfw.iMlScboubaaser Seraße Mr. 46. y Sieghitx: Ißeitage Donnerstag, 31. Januar 1929 LprNmij SfiJUaulQa&e j&I I�/utorA Wollte Bismarck Souverän werden? I Der Sachsenwald als Trostpreis für die entgangene Herzogswürde Am 16. Februar 1871 stand in der in Berlin dreimal wöchent- lich erscheinenden„Deutschen Landwirtschaftlichen Zeitung an eii«r wenig beachteten Stelle eine kurze Zuschrift r. Aus Mecklenburg, 11. Februar 1871", in der vorgeschlagen wurde, den ersten Reichskanzler Grasen Bismarck zum Reichsfürflen und Souverän in Lauenburg zu machen. „Die Kleinstaaten— so hieß es in dem kurzen Artikel— werden dadurch nicht vermehrt werden, denn Lauenburg ist noch ein eigener Kleinstaat. Nur ein Reichsfürst würde mehr werden, glaubte man aber schon deren genug zu besitzen, so sollte sich wenigstens der Name der sürstlichen Würde und die sürstliche Dotation an diese erste Ruhmeserwerbung(nämllch das Herzogtum Lauenburg, wel- ches am 14. August 186Z in preußischen Besitz übergegangen war) knüpfen.� Dieser kleine Artikel, der völlig unbeachtet blieb, würde in den weitesten Kreisen das größte Aussehen erregt haben, wenn man gewußt hätte, aus welchen Kreisen er stammt. Verfasser war der früher« Kultusminister und Landtagsabgcordnete Karl Rod- b e r t u s, der aus seinem Rittergute Iagetzow bei Demmin in Pommern lebte und von dort aus gerade zu jener Zeit mit seinem Freunde und Gesinnungsgenossen Lothar Bucher, damals im Stabe Bismarcks in Versailles, in Korrespondenz stand. Da in diesem Artikel auch die Verdienste des Kaisers hervorgehoben waren, ist anzunehmen, daß der Artikel von verschiedenen Seiten dem Kai- fer vorgelegt wurde. Außer diesem Artikel hat Rodbertus nichts in dieser Richtung veröffentlicht. Aber bemüht hat er sich genug, wie aus dem folgenden Briese des Dr. Rodbertus-Iagetzow an Dr. Rudolph Meyer in Beriin vom S. März 1871 zu ersehen ist: „3hre offene Frage, verehrter Herr, erfordert eine offene Ant- pert. Diskretion werden wir beide gegeneinander bewahren. Der Abfastung und Veröffentlichung des Artikels(in der„Deutschen Landwirtschaftlichen Zeitung" vom 16. Februar) bin ich nicht fremd. Sein Inhalt wurde in einer Privatgesellschaft angeregt, in der die ausgesprochenen Ideen lebhaften Anklang fanden. Er sollte als Pre. mier(Leitartikel) zuerst in der„Rostocker Zeitung" und dann im „Hamburger Korrespondent" erscheinen. Beide Blätter lehnten ihn, der geforderten Stelle und ihrer anderweitigen Anschauungen wegen, ab. Ob B. die Sache angenehm sein würde, davon habe ich keine Ahnung. Ich denke mir aber, daß ein Ländchen wie Lauen- buvg, mit wunderschönen Domänen, Forsten(d e r S a ch s e n w a l d), Sauparks usw.— und über die Sau parts hätte ich fast die Souveräniiätsrechte vergessen— keinem Menschen unangenehm sein würde; dachte mir auch daß nur im Aehnlichen eine würdige Nationalbelohnung läge, daß die Anregung dazu um so mehr aus dem Volke kommen müsie, als si« von B.s Kollegen gewiß nicht kommen wird; genug, daß irgendwie und wo die Sache ausgesprochen und womöglich dann eine kleine Pression geübt werden müsse. Zu letzterem Zweck meinte ich so: Es müßten sich in ganz Deutschland ein bis zwei Dutzend Männer aus den verschiedensten Lebens- urtd ParteistellunMr(wenn dies letztere anginge), auch Zeitungs- redaktlonen, im stillen zu einer demnächst zu veröffentlichenden Auf- sorderung zu einer Petition an den Reichstag vereinigen, welch letztere folgenden ungefähren Inhalts fein müßte:.. Der Reichstag wolle den Kaiser bitten: 1. dem Grasen V. Lauenburg als Thronlehen zu verleihen. 2. sich selbst bereit erNSren, dem Kaiser die 2% Millionen(Dänische, wenn ich nicht irre) Taler zu erstatten, die für die Abtretung Lauenburgs an Oesterreich gezahlt worden. Eine solche Petition würde in gewissen Kreisen mecklenburgischer Gutsbesitzer, aus denen die Verösfentlichung des Artikels erfolgte, vielen Anttang finden und würden auch bekannte Namen zur Unter- fchrift der Aufforderung nicht fehlen. Indessen muß doch die Sache mit Diskretion in Angriff genommen w�rt den, aüch des zu Ehrenden wegen. Ich sann also, wer sich wohl als enthusiastischer Verehrer B.s erzeigt: Demnach schrieb ich zuerst an H. H. Meyer in Bremen; die Antwort war wie Gummielastikum:„Ich möchte wohl, aber ich mag nicht, aber ich wünsche aus vollem Herzen Erfolg." Nun habe ich noch an drei frühere Bekannte respektive Freunde geschrieben: Max Simon in Breslau, Franz von Löher in München, Geheimrat von Nie- meyer in Tübingen-Stuttgart(Leibarzt des Königs), aber von allen dreien noch keine Antwort erhalten, was seitens der letzteren beiden auch noch nicht möglich ist. In allen Briefen habe ich die Sache dargestellt, wie sie ist, als eine Privatidee von mir, die mir aber des öffentlichen Beifalls würdig zu sein scheine. Dielleicht wissen Sie die Sache in besseren Fluß zu bringen. Wünschens- wert wäre es— immer vorausgesetzt, daß die Idee an der maß- gebenden Stelle Billigung finde, woran aber wohl nie- mand zweifelt. Nur darf man nach meiner Meinung nicht vor- gehen, wenn man nicht des Erfolges sicher ist. Aufrichtig der Ihrige. Rodbertus." Bereits am 7. März 1871 schreibt Rodbertus' in der Angelegen- hett erneut an Rudolph Meyer, indem er ihm einen Brief eines Herrn A. S. beilegt, der voller Bedenken ist, und Rodbertus spricht die Befürchtung aus, daß die Bedenken von M. p. und ähnliche die Minister abhalten würden, einer Aufforderung zur Petition nachzukommen und kläglich dürfte doch diese nicht ausfallen. Am 16. März 1371 schreibt Rodbertus aus Iagetzow an Ru- bolph Meyer:„Hierbei Ihr« Einlage wieder zurück, sehr geehrter Herr. Ich habe infolgedessen auch in München und Stutt- gart wieder abgeschrieben. Das„Unwillkommen" würde für mich kein Grund dazu gewesen sein, da ein« sanfte Pression vielleicht gerade nötig gewesen wäre. Allein Moltke wird immer mit B. zusammen genannt, wie zwei Dio-kuren. und ich habe mich überzeugt, daß e» der Agitation schaden würde, für einen dieser Jtater-die-Götter-Bersetzlen allein vorzugehen. f Hochachtungsvoll uud ergebe nst der Ihrige. Ziodbertzs." Bfc. Rodbertus ist nie wieder auf diese seine Bestrebungen in seinem Briefwechsel zurückgekommen. Wahrscheinlich wird Rodbertus Nunmehr seinen Freund Lothar B u ch e r, der am 9. März wie Bis- marck aus Versailles wieder in Berlin eingetroffen war, verständigt hoben, daß seine Bemühungen zur Entfachung einer Volksbewe- gung in der Richtung der Ehrung des Fürsten Bismarck durch Ver- leihung der Souveränitätsrechte über das Herzogtum Lauenburg vergeblich gewesen sind. Aus Grund de» gesamten Materials, welche» heute vorliegt, kann mit Sicherheit behauptet werden, daß Karl Rodbertus die Anregung zu seinem vorgehen von Lothar Bücher erhalte« hat. auch wenn die gewechselten Schriftstücke von beiden vernichtet worden sind. Niemand anders als Geheimrat Lothar Bucher, der feit der Erwer- bung Lauenburgs durch Preußen im Gasteiner Vertrag vom 14. August 1865 von Bismarck das Referat für Lcmenburg über- tragen erhalten hatte, konnte wissen, welche Kriegsdotation sich Bis- marck wünschte und wie sie in allen Einzelheiten beschaffen sein mußte. Bismarck selbst hat viele Jahre später gelegentlich gesagt, wenn von dieser Rodbertusschen Anregung die Rede war, der erfolgreiche Ausgang derselben wäre ihm sehr angenehm gewesen, denn die Stellung als Souverän auch des kleinsten beut- schen Staates mit Sitz und Stimme im Bundesrat würde ihm wie den früheren Erzkanzlern im Römischen Reiche deutscher Nation eine festere Stellung gegeben haben. Nur der Reichstag aber konnte dem Herzogtum Lauenburg Sitz und Stimme im Bundesrat verleihen, denn Lauenburg hatte weder im alten Deutschen Bund noch im Norddeutschen Bund oder im Deutschen Reiche Sitz und Stimme: Also schon die ganze Auf- machung der Petition als eine Bitte des Reichstags an den Kaiser war notwendig und staatsrechllich erforderlich, was der Ritterguts- besitzer Rodbertus schwerlich wohl selbst erkannt haben würde. Di« Verleihung als Thronlehen war auf das Gemütsleben des Königs Wilhelm I. zugeschnitten. Den finanziellen Teil der in Aussicht genommenen Petition konnte aber nur der mit der ganzen Materie vertraute Lothar Bucher entwerfen, niemals Rodbertu» auf seinem Rittergute. Nur, Lothar Bucher konnte mit dem Wunsch« des Grasen Bismarck vertraut sein, daß er zunächst Monarch und Herzog von Lauenburg werden wollte und nur im Fall« des Scheiterns dieser Ambition sich an die Staatsdomänen Lauenburgs und insonderheit an den Sachsenwold halten werde, aber in bisiden Fällen nur unter der Bedingung, daß die ihm. sei es als Monarch, sei e» als Privatmann, zufallenden Staatsdomänen Lauenburgs schuldenfrei gemacht würden. - Als Oesterreich im Gasteiner Vertrage vom 14. August 1865 seine Rechte an Lauenburg der preußische» Regierung abtrat, ver- pflichtete sich diese, der österreichischen Regierung Innerhalb 4 Wochen nach Ratifizierung des Vertrags eine Abfindungsfu.mme van 2)4 Millionen Taler Dänisch auszuzahlen. Da Bismarck mit dem Preußischen Landtag in vollem Konflikte log, konnte er das Geld in Preußen nicht gut auftreiben. Er borgte sich als Minister von Lauenburg diese gewaltige Summe von 11?� Millionen Mark heutigen Geldes von König Wilhelm I. von Preußen, der sich dos ganze Leben durch seine Sparsamkeit ausgezeichnet hat und das Geld dem von Friedrich Wilhelm III. errichteten und von Wil- Helm I. vermehrten Krontresor entnahm. Da aber König Wilhelm trotz allen Vertrauens zu seinem Ministerpräsidenten in Preußen wie in Lauenburg Grafen von Bismarck diese 11% Millionen Mark einmal wieder erholten wollte, so blieb Bismarck nichts anderes übrig, als auf die La u e n b u r g s ch e n Staatsdomänen, die allerdings einen Umfang von 4)4 Quadratmeilen hatten, auf Grund eines Louenburgischen Gesetzes vom 8. Dezember 1866 eine A n- leihe von 1 700 606 Talern Preußisch auszunehmen, da das bar« Geld in den gutgefüllten Louenburgischen Kassen zur Zahlung dieses Riesenbetrages nicht zulangte. So kam der Staat Lauenburg zu der Ehre, statt des Staates Preußen plötzlich Schuldner für die Auf- bringung einer so gewaltigen Summe zu sein, bloß auf Grund der Tatfache, daß ein neuer Herrscher und dessen Minister zugleich der Herrscher und Ministerpräsident in Preußen war. Am 19. Juni 1871 schloß in Vertretung des Ministers von Lauenburg Fürsten von Bismarck der Geheime Regierungsrat und Vortragende Rat im Ministerium für Lauenburg Freiherr von Landsberg mit dem Erblandmorschall F. von Vülow aus Gudow und den anderen Vertretern der Ritter- und Landschaft des Herzogtums Lauenburg einen Vertrag ab, der von den 3)4 Ouadratmeilen der Lauenburgi- schen Staatsdomänen ein Gebiet von 1)4 Ouadratmeilen gleich 30 600 Morgen des allerbesten Forstes in das Eigentum des Königs von Preußen überführte, um es auf diesem Wege in das Eigentum des Fürsten Bismarck zu bringen. Schon in diesem Bertrage wurde bestimmt, daß zur Verzinsung und Amortisierung der nach dem Gesetz vom S. Dezember 1566 aufgenommenen Domanlalanleihe von 1 700 000 Talern der König und Herzog nichts beizutragen hat. sondern daß dieselbe lediglich der Landeskasse zur Last fällt. So hatten die Lauenburger das Glück, nachdem sie fast die Hälfte ihrer Domänen an den König von Preußen verschenkt hatten, nun noch für die auf dem verschenkten Teil haftenden Schulden und Zinsen aufzukommen. König Wilhelm besaß diese VA Ouadratmeilen Lauenburgijcher Domänen im Amte Schwarzen. deck nur drei Tage, vom 21. bis 24. Juni 1871, und übertrug sie durch allerhöchste Order vom 24. Juni 1871 an den Minister von Lauenburg und Kanzler des Deutschen Reiches Fürsten von Bis- marck in Anerkennung seiner Verdienste als eine Dotation zum freien und unbeschränkten Eigentum. Fürst Bismarck hatte kein« Abneigung gegen die schenkungsweise Annahme von Rittergütern und Forsten, aber sie muhten schuldenfrei sein. Der Lauenburgische Kommunalverband hat die Hypothek von 1700 000 Talern Preußisch mit dem durch die Schenkung verkleinerten Do- mänenbesitz bis zum Jahre 1909 samt Zinsen getilgt. Bismarck war nicht Souverän von Lauenburg geworden, aber er hatte als Trostpreis30 000 Morgen mit bestem alten Buchen- und Eichen- wald neben reichlichem Nadelholz. Als Rodbertus die oben dargelegte Petition am 5. März 1871 entwarf, konnte er nicht wissen, daß schon am 21. März 1871 Graf Bismarck Fürst und am 21. Juni 1871 Besitzer des Eachsenwaldes samt seinem Saupark war. Aber Lothar B u ch e r, der in den letzten 8. Monaten des Krieges fast jede Mahlzett mit Bismarck zu- lammen nahm und sein intimster Vertrauensmann war, wußte es. Insonderheit konnte aber nur Lothar Bucher wissen, daß Fürst Bismarck unentwegt aus Gründen der Billigkeit und Gerechtigkeit an dem Grundsatz festhielt, daß Preußen dem Lartde Lauenburg 2)4 Millionen Taler Dänisch zu erstatten habe, die auf seine Ver. anlassung Lauenburg an die Privatschatulle des Königs Wilhelm I. zurückgezahlt hatte. Noch im Jahre 1876, kurz vor der Einverlei- bung Lauenburgs in Preußen, hat nach den Akten(Anlagen zu dem Stenographischen Bericht des Hauses der Abgeordneten 1876, II. Bd., S. 757) Fürst Bismarck nicht nur au diesem Grundsatz sestgehalten, sondern sonderbarerweise ihn mit genau denselben Worten ver- fochten, die sich in der von Rodbertus entworfenen, bis 1576 nirgendwo veröffentlichten Petition finden. Der Rittergutsbesitzer Rodbertus in Iagetzow hätte sicher nicht daran gedacht, daß Lauenburg, wenn Bismarck sein Monarch wird, die Erstattung dieser 2)4 Millionen Taler Dänisch nicht von Preußen, sondern nunmehr nur vom Reiche bekommen kann. Sie mußten aber erstattet werden, weil Fürst Bismarck nun einmal die Eigen- tümlichkeit hatte, daß er woder als Landesherr noch als Privatmann sich Domänen schenken lieh, die mit Hypotheken belastet waren. Und dies« seine Eigentümlichkeit, die sich erst in den Verkaufsverhandlun- gen am 19. Juni 1871 mit den Lai�cnburgischen Ständen offenbarte, konnte Rodbertus nicht schon am 5. März 1871 ahnen, wenn sie ihm nicht von Lothar Bucher mitgeteilt war. Rodbertu» stellte also seine am 11. Februar 1871 begonnene Tätigkeit für die Ernennung Bismarcks zum Souverän in Lauen- bürg am 10. März 1871 ein, weil maßgebende Personen, an die er sich direkt und indirekt gewandt hatte, Bedenken hatten und er selbst sich davon überzeugte, daß eine derartige Bevorzugung Bismarcks vor Moltke nicht den Beifall der öffentlichen Meinung finden würde. Wer die veröffentlichte und noch nicht veröffentlichte Korrespon- denz zwischen Lothar Bucher und Rodbertus kennt, wird die Ueber- Zeugung haben, daß Rodbertus bei Abfassung seines Briefes vom 5. März 1871 und schon bei dem Entwurf seines Artikels vom 11. Februar 1871 die Anregung und das Material von Lothar Bucher aus Versailles empfangen hatte, der ihm von 1865— 1875 j o vi e l intime Briefe, nicht selten auch mit Mittel- lungen über Lauenburg, geschrieben hat. Die für diese Frage wicht ig st en Briefe Buchers, welch« in die Zeit von Mitte Januar bis 11. Februar 1871 fallen dürsten, sind von Rodbertus ohne Zweifel vernichtet worden. Lothar Bucher, der noch vorsichtiger als Rodbertus war, hat seinerseits- selbstverständlich den abschließenden Bericht von Rodbertus auch vernichtet. Die meisten Briese von Lothar Bucher an Rod- bertus, auch aus dem Jahre 1870, sind ohne Angabe des Datums, ahne Angabe des Ortes und ohne Unterschrift. Er unterschreibt häufig nur:„Immer der Ihrige." In der Zeit vom 11. Februar bis 10. März 1871 wünschte Bismarck, daß Lothar Bucher durch ganz zuverlässige und in- time Freunde in der Presse Propaganda machte für die Idee, daß der Kaiser ihn zum Souverän und Herzog von Lauenburg machen med daß der Reichstag die auf den Domänen ruhenden Schulden auf das Reich übernehmen sollte. Für den Fall des Scheiterns dieser Bestrebungen sollte gleichzeitig von vornherein die Verleihung des Fürstentitels und des schuldenfrei gemachten Sachsenwaldes an ihn gefordert werden. Wie sehr ihn diese Angelegenheit damals beschäftigte, geht am besten daraus hervor, daß bei seiner An- k u n f t mit seinem Gefolge, in dem sich auch Lothar Bücher befand, am 9. März 1871 früh 7 Uhr 30 Minuten auf dem Anhalter Bahn- Hof aus seinen Wunsch ihn nach achtmonatiger Abwesenheit im Kriege nur erwarteten: seine Frau, seine Tochter, der preußische Minister des Innern Fritz von Eulenburg und der Geheime Re- gierungsrot und Vortragende Rat im Ministerium für Lauenburg Freiher von Landsberg, der schließlich nach langen VerHand- lungen mit der Louenburgischen Ritterschaft und Landschaft am 19. Juni 1871 den Vergleich zwischen dem Herzog von Lauenburg und dem Lande über Abtretung des Sachsenwaldes an den Herzog und König von Preußen abschloß. Bucher und Rodbertus waren als Demokraten und als Sozia- listen überzeugte Vorkämpfer des deutschen Einheitsstaates und wünschten sehnlichst, daß auch das Herzogtum Lauenburg in Preußen aufgehen möchte. Keiner von beiden wäre jemals auf die Idee ge- kommen, das Herzogtum Lauenburg als selbständigen Staat beizu- behalten und der Familie Bismarck zu schenken, wenn diese Idee nicht von Bismarck selbst ausgegangen wäre. Ruckolk �lortin. Wer weiß das? Die Familie Bach hat von 1550—1800 zweiundzwanzig hervor- ragende Mufikkünftter hervorgebracht. * Zu Luthers Zesten wies Deutschland 2 645 000 Mönche und 200000 Nonnen auf. * Di« Redensart„das Tischtuch zwischen uns ist zerschnitten" rührt von einer symbolischen Handlung her, die im Mittelalter üblich war. Hatte ein Rstter die Standesehre verletzt, so wurde durch einen Herold bei der Tafel an seinem Platze das Tischtuch durchgeschnitten sowie sein Teller und dos Brot umgekehrt. * Es gibt in Deutschland über 7000 Arten wildwachsender Blumen. * Blasebälge waren schon den alten Skythen um 569 v. Chr. bekannt. Sie sollen von einein Angehörigen dieses Nomadcn- vottsstanm*, erfundes worden(ein,__ u___ Nathan Asch Usbertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten&, Loening, Frankfurt a. M. (10. Fortsetzung.) Esther Thomas lag ganz stets zwischen den Laken, starr und s eis. steifer, als sie je im Leben gewesen war. Sie hätte am liebsten geschrien, mit den Armen gefuchtelt, aber sie lag unbeweglich zwischen den Laken. Ihr« Zunge fühlte sich klein und trocken an. Ihre Hände waren trocken und hart, krallten sich in die Bettdecke. S!« vernahm ein Geräusch. Der junge Mann umschlang dos Mädchen und küßte es. Das Mädchen gab den Kuß zurück. Dann stieß es ihn fort. Und kicherte. Es war ein seine», süßes, glattes, kleines Lachen. Der junge Mann begann dem Mädchen den Hof zu machen, wie ein junger Mann der Hof macht, der ein Mädchen haben will, ein Mädchen, das neben ihm sitzt und schon halb bereit ist. Er machte auf kluge Art den Hof, das ganze Weltall stand auf seiner Seite, die Natur war seine Buvdesgenossin. Ja sogar das Mädchen half ihm. Er machte ihm den Hof. Esther Thomas wurde plötzlich wieder jung. Sie gab den Kampf auf, ihre Finger lösten sich von der Decke, sie war weich und sehn- süchtig. Wurde ganz jung. Sie hat noch nicht gelebt, steht erst am Anfang des Lebens. Alle Härte, aller Zorn fielen von ihr ab, sie wurde schön. Schön, jung, begehrenswert. Und auch das Zimmer oeränderte sich. Die Finsternis und die Geräusche beruhigten Esther Thomas. Sie hörte auf, zu denken, zu fühlen,— jetzt lebte sie. Friede umgab sie, unendlicher Friede. Der junge Mann im Nebenzimmer umarmte nicht das andere Mädchen, er umarmte sie, Esther Thomas. g. Henry Clark e. Als er ins Abteil stieg, saßen die drei anderen schon da. Sie hatten die Zeitung über die Knie gebreitet, und Donner hielt die Spielkarten in der Hand. Sie blickten gar nicht auf, da er kam, hielten halb verlegen die Köpfe gesenkt, als wollten sie sagen:„Wir wiflen schon alles, aber wir wollen Sie nicht kränken, indem wir zeigen, daß wir es wissen/ Die Drei sahen recht töricht aus: der dicke Donner hatte nun, da die Tagesarbeit vorüber war, die Weste aufgeknöpft: man sah ihm an, daß er zum erstennral frei atme: Eooper und Whittings hingegen, typische Versicherungsagenten, machten noch iimner«inen korrekten Eindruck: glattrasiertes Gesicht, glattgekämmtes Haar, steifer Kragen, sauber. Die Blume in Whittings Knopfloch war so frisch, als hätte er sie eben gepflückt. Pie Beiden sahen aus, als wollten sie eben«inen Kunden aufsuchet!. Nur die Gesichter verrieten Erschöpfung: ihr Haar war frühzeitig ergraut, um die Müden Augen dunkelten blaue Schatten. Sie beantworteten Henrys Hallo mit einem Brummen und griffen in die Tasche, um Streichhölzer hervorzuholen, die sie als Spielmarken verwandten. Henry empfand den seltsamen Wunsch, sie in eine peinlich« Lage zu versetzen, vom Bankrott zu reden, ihr Behagen zu stören. Jeder j»on den dreien stellt sich jetzt vor, was er tun würde, träfe ihn ein derartiger Schlag. Ihr Mitteid reizte Henry, bestand doch dos ganze Leben der drei einzig und allein aus ihrer Arbeit: nähme man sie ihnen, sie wären wie Fliegen, denen man die Flügel ausgerissen hat. Dabei sind sie brave Kerle. Jeder von ihnen hätte Henry- das Hemd vom Leibe gegeben, würde er sie darum gebeten haben. Sie waren gutmütig und sentimental und hiellen fest zusammen. All« vier lebten in einer kleinen neuen Stadt in Jersey, bewohmen Ein- samilienhäuser, ganz in der Nähe des Stadtparks. Am Sonntag pflegten sie zusammen Karten zu spielen. Manchmal brachten sie auch ihre Frauen mit und fuhren im Auto aufs Land. Jeder besaß ein Auto: Donner hatte das größte. Er war der älteste und daher der wohlhabendste. Aber er prahlte nie damit, daß er zweiter Bize- Präsident der größten Bank von New Uork war und höchstwahr- jcheinlich eines Tages Vizepräsident sein würde. Die beiden anderen waren Versicherungsagenten, Männer mit einer Zukunft, sagten die Leute. Sie brachen die bisherigen Rekorde im Ausstellen von Policen, waren brav« Kerle, hatten nette Frauen. hübsche Kinder. Werden es weit bringen. Aber auch Henry hatte einen guten Ruf. Er war Statistiker: einer der besten von New Pork, so hieß es allgemein. Bor ihm lag das Leben. Ein Pech, daß er gerade mit dieser Firma zu tun gehabt hatte. Es schadet immer, mit einer bankrotten Firma in Verbindung gestanden zu haben. Er wird eine gewisse Zeit brauchen, um sich davon zu erholen. Es wäre klüger gewesen, bei der Trust- Gesellschaft zu bleiben, von der ihn Glymmer und Read, als sie sich vergrößerten, wegengagiert hatten. Freilich konnte man das von ihnen gebotene Gehalt nicht ausschlagen. Niemand hätte da wider- standen. Es war wirtlich nicht seine Schuld. Ein Mann wie er, init einer guten Frau, einer der besten Frauen der Welt. Hatten sie Besuch, so machte es den Freunden Spaß, laut zu fragen, in einem Ton, der sofort verriet, daß es ein Scherz war: „Frau Henry, wo haben Sie denn den Kerl her? Hätten Sie ein wenig gewartet, Sie hätten einen ganz anderen Mann finden rönnen/ Dann lächelte Henrys Frau, die anderen Gäste lachten, i'nd Henry freut« sich. Sie begannen zu spielen. Donner teilte die Karten. Jeder n.ihm die seinen und betrachtete sie. Eooper sagte:„Fünfundzwanzig Cents für den Anfang." Er sprach heiter, und Henry fühlte, daß diese Heiterkeit eine erzwungene war. Sie wollten ihn sein Pech vergesien machen. Er blickte die Kartenspieler an. Die fühlten den Blick und starrten auf die Karten nieder. Henry wurde unbehaglich zumute. Verstehen die Freunde denn nicht, daß es ihm einerlei ist, ob die Firma falliert hat oder nicht? Daß es ihm. im Gegenteil, ganz angenehm ist? Die Tatsache des Bantrotts verlieh ihm ein Gefühl der Frei- hell und der Verantwortungslosigkeit. Jahrelang hatte er über den Zahlen gesessen, hatte sie auf ihre Richtigkeit geprüft, hatte nie einen Fehler gemacht, der die Firma Geld gekostet hätte. Und jetzt fühlte cr sich plötzlich frei. Als ob ein« schwere Lost, die er seit langem mit sich schleppte, von ihm abgefallen wäre. Er wird>sich Ferien gönnen, das hat er sich in der Untergrundbahn selbst versprochen. Eine Woche lang wird er daheim bleiben, im Garten arbeiten, im Haus«, mit den Kindern spiele». Dan» wird er eine neue Steile suchen. Es wird ihni leicht sollen, eine zu jinden. Die Trust- Gesellschaft nimmt ihn gerne wieder. Dos hat sie ihm versprochen. Deshalb war er voller Heiterkeit ins Abteil gestiegen. Er hatte den anderen von seinen Ferien, dem Garten erzählen, Donner anbieten wollen, seine Blumenbeete instondzufetzen. Er kann es besser als alle anderen, hat es Frau Donner schon vor longer Zeit versprochen. Cr freute sich auf die Rast. Und jetzt sitzen die anderen traurig und stumm da, necken ihn nicht mit dem Bankrott, wie er es erwartet hatte, roten ihm nicht, zu fliehen,— er hatte sich schon geistreiche Antworten ausgedacht. Er war bös« aus sie, weil sie ihm die Ferien oerdarben. Schließlich ist er nicht nur ein Statistiker, sondern auch ein Mensch, ist auch dann jemand, wenn er keine Stelle hat. Die drei aber bedauern ihn wie einen Mann, der von seiner Frau mit dem Dienstmädchxn im Bett ertappt wurde, oder Geld unterschlagen hat und erwischt worden ist. Er empsand den Wunsch, die anderen zu ärgern, und das konnte er am besten tun, indem er vvin Bankrott sprach. Während die drei spielten, zog er das Abendblatt aus der Tasche, las darin und lächelte. „Read kann stolz fein," meinte er.„Eine halbe Spalte auf der ersten Seite/ Donner blickte ihn vorwurfsvoll an, und Henry schämte sich plötzlich, weil er den Gott eines Menschen verhöhnt hatte. Er steckte die Zeitung«in und beteiligte sich am Spiel. Der Zug fuhr aus dem Tunnel, ratterte jetzt über die Jersey- Ebene, auf der ungeheure Reklametaseln aufragten. Die vier Männer saßen dicht beieinander. Knie an Knie gepreßt, um die Zeitung grade zu halten. Sie spielten Poker. Henry fühlte sich wohl, die anderen waren oerlegen, und eigenttich hätte doch nur er verlegen sein müssen. „Herr Donner," sagte Henry,„ich will morgen noch Ihren Blumenbeeten sehen. Ich habe schon vor zwei Monaten versprochen, sie. in Ordnung zu bringen." Donner starrte ihn ungläubig an. „Fahren Sie denn morgen nicht in die Stadt?" fragte er. „Nein, ich möchte mich ausruhen." Donner war empört: ein Mann ohne Beschäftigung, ein Mann, der nichts tut, von seinem Kapital lebt. Unglaublich. „Henry." sprach Whitting,„Eooper und ich, wir haben darüber gesprochen. Wir glauben, daß unser Chef dich anstellen würde. Wir brauchen einen guten Arbeiter im Bureau." „Danke/ entgegnete Henry leichthin,./ich werde es mir icher- legen. Aber vor nächsten Mittwoch dürste ich kaum in die Stadt kommen." Sie spielten nicht weiter, fühlten sich zu unbehaglich. Sie hörten worttos auf, und Donner steckte die Karten in die Tasche. Dann zogen sie die Abendblätter hervor, vermieden, um Henry nicht zu kränken, sorgsam, über den Bankrott zu lesen. Er saß ge- lassen da, starrte in die Weite und pfiff leise einen Gassenhauer. Ein herrliches Leben! Keine Verantwortung. Keine Sorgen. Eine Fran und zwei Kinder. Ein eigenes Häuschen. Und in der Bank genug Geld für drei Monate. Hurra!, „Henry," Donner errötete fast,„kominen Sie morgen in mein Bureau. Wir wollen über Ihre Anstellung in der Bank reden. Ich kann Sie empfehlen." Henry blickte Donner an: er ist dick, hat die Weste aufgeknöpft, keucht. Ein braver Kerl, gutmütig, sentimental. Nur etwas dumm. Begreift er denn nicht, daß ein Mensch eine Zeitlang frei sein möchte? „Danke, Herr Donner. Ich weiß Ihre Güte zu schätzen. Aber ich bin etwas müde. Kann ich nicht erst nächste Woche kommen?" „Neig/ brummte Donner.„Tun Sie, was Sie wollen." Seine Augen sahen aus, als fluche cr insgeheim. Henry dachte nicht mehr an die drei: das war zu mühselig. Lieber denkt er an seine Frau, die ihn mit dem Auto an der Bahn erwartet. Sie wird sich freuen, wenn er eiiz paar Tage daheim bleibt. Das hat sie immer gern. Sie hatten einander an der Hoch- schule kennengelernt, waren bereits seit zehn Jahren verheiratet. Kein Streit, kein böses Wort. Es gibt Menschen, mit denen man streiten muß, und andere, mit denen man sich verträgt. Man lebt mit ihnen. Violet gehört zu den letzteren. Sie bejaht alles, ist immer zu allem bereit, immer vernünfttg. Die menschgewordene blonde Vernunft. Und die Kinder. Prächtige Kinder. Alle sagen, daß es gar keine prächtigeren Kinder gibt. Kein« widerlichen Wunderkinder, die mit drei Jahren Klavier spielen und mit vier lesen. Johnny hat mit sieben Jahren zu lesen begonnen. Und Ruth, die vierjährige Ruth. Ein« Leine blauäugig« Kugel mit einem blonden lockigen Heiligen- schein. Violet muß als Kind so ausgesehen haben. Und der Garten. Er muh die Tomaten vom Unkraut säubern, sonst gehen sie zugrunde. Gut. daß er jetzt frei ist, nun kann er im Garten Unkraut jäten und die Spaliere anstreichen. Di« haben es nötig. Er bemerkte, daß den drei Männern die Zeitungen auf die Knie geglitten waren und sie ihn verdutzt anstarrten. Er hatte im Gedanken an Ruth und die Tomaten gelächelt. Dem Allgemeinwohl zuliebe schnitt er ein grintmiges Gesicht. So muß ein Bankrotteur aussehen. Kämpsen, kämpfen, immer kämpfen. .Los, ihr Jungens, spielt und siegt, jeder Mutter Sohn!" In seinem Geist sang ein altes Universitätsfußballied. Er war glücklich. Mein Gott, wie glücklich! Der Zug fuhr an der weißen Hefsfabrik vorüber, auf der rat der Name der Firma leuchtete. Dann kam der Golfplatz. Leer. Ein Mann walzte den Rasen. Das Weichbild der Stadt. Kleine Häuser. Klein« Gärten. Der Zug fuhr langsamer. Hielt. Beim Aussteigen beugte Eooper sich zu ihm medex und fragte flüsternd: „Sag, Henry, brauchst du kein Geld?"(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. MinniinHinmiiniiiiiiiunminuiimiiiiuiiiiiniDmiiujaiuiuiuuNuiiNiiimemimiiinmii Schauerliche Geschichte einer Weckeruhr. Der Abgott der tschechischen Faschisten, Gajda, oerkehrt in einem Gasthaus der Prager Altstadt, das für ihn zwei Vorteile hat: Erstens liegt es in der Nähe des Strafgerichts und zweitens ist das Personal vom Wirt bis zum Pikkolo faschistisch und behandelt den Häuptling' mit entsprechendem Respekt. Kommt da eines schönen Tages ein Mann im Arbeitsanzug in das Zimmer, wo Gafda sich gerade in die Vorzüge der Küche der faschistischen Wirtin vertieft, setzt sich an Gajdas Tisch, legt ein Paket neben sich und bestellt ein Glas Bier. Wie es schon so im Gasthaus ist, spricht der Arbeiter seinen Nachbar, den er nicht kennt an, und versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Gajda, seiner Bedeutung bewußt, schweigt. Und der Arbeitsmann gibt den Dersuch, zu einem Gespräch zu kommen, auf, bezahlt und geht. In der Ruhe, die nun eintritt, hört man nur ein schwaches Ticken, wie von einer Uhr, das vordem niemand bemerkt hatte. Der ehemalige Gsneralstabschef horcht. Auf dem Tisch liegt ein braunes Paket und— in der Tot— das Ticken kommt von daher. Wie ein Blitz durchzuckt es den General.„Briider Wrrtl Eine Donnerstag, 31. Januar. Berlin.' II.«» Homocori-Watten. UJO Die Viertelstunde für den Landwirt. M.OO Tri-Ergon-Platteo. 15.30 P. V. Metzelthin, New York: Zwölf Jahre unter der«Iten und der neuen chinesischen Regiercnc. 16.00 Dr. Leo Jacobsohn: Von Bau and der Funktion unserer Nerven. 16.30 Ukrainische Musik. 17.30 Bekenntnisse. 1. J. J. Rousseau. 2. 0. Wilde.(Oesprocben von Meinhart Maur) 18.10 Qartenbaudirektor Qrobben: Der deutsche Qnrtenbau. 18.35 Prof. Dr.-Ing E. A. Kraft: Die Dampfturbine als Kraft- und Wärmespender. 19.00 Dr. Siegfried Kadner: Der technische und der primitive Mensch. 19.30 Schulrat Q. Wollt: Schale und Internationale Kulturpolitik. 20.00..Das pochende Herz". Ein Hörspiel von Rolf Ounold. Regie; Alfred Braun. Anschließend: Unterhaltungsmusik ans dem Hotel Espiaaade, Kapelle Barnabas von Qdczy. 22.30 Funktanzunterrieht, geleitet von Reinhoid Sommer. AnachlSeßend bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Marek Weber). Königswssterbaazen. 12.30 Mitteilungen des Reichutädtebandes. 13.d5— 14.15 Bildfunkverstiche. 14.30 Kinderstunde. Josef Delmont; Auf OroBfierfang in aller Well 0). 15.00 Lehrer Pen! Fischer; Wege zur Weiterbildung In der dentnehea Blnheits- knmckrtfl 15.40 Ilse von Hanstein: Billige Fizchgerichte als Delikatesse. 16.00 Dr. Laura Turnen: Erzlehungsberatang- 17.30 Dr. Gertrud Haupt: Bücher von Frauen. 18.00 Hana Teßmer: Drei erfolgreiche Romane. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. R. Jugovlz: Die volkswirtscha Wiche Bedeutung des Waiden In den österreichischen Alpen. 19.20 Max Menzel: Oer reisende Kaufmann ab Werbebellec. lUwniminimiimminiiiwmnmnnnmiunimnuimmaiinnnmiimumnuiuinimmnRa Höllenmaschine!" so ruft Gajda aus, schon hat er seine Mütze und draußen ist er. Der Mrt, zu Tode erschrocken, bittet zitternd den Ober, die Höllenmaschine auf den Hof zu werfen, aber der Oberfaschist verliert den Mut und ruft den Pikkolo, das Höllending auf den Hof zu werfen! Mit gefalteten Händen bittet der, jpin junges Leben schonen zu wollen. Ein strenger Blick des Wirtes belehrt ihn, daß er folgen muß, und so stiegt die Höllenmaschine im Bogen durch dos Fenster hinaus. Im selben kritischen Augenblick erschien der Ar beiterlb der Tür und fragte sehr hastig:�Habe ich nicht hier meinen Wecker vergessen?" Die ganz« Gesellschast, Wirt, Wirtin, und Ober waren starr. Bis der Pikkolo sich oufvafft« und das.Löllenpakei" dem Gast übergab... Briefmarken als Majestätsbeleidigung. Als die Briefmarken in England eingeführt wurden, erklärten verschiedene königstreue Briten, daß die Person der Königin Viktoria zu heilig sei, um als Wertzeichen auf Briefen benutzt zu werden.„Haben Sie schon die Freimarten gesehen?" schrieb ein junger Roycäist im Jahre 1840.„Sie sind der größte Schimpf, den das Mrmsterimn der Königin antun konnte." Diese seihst hatte jedoch nichts gegen die Anbringung ihres Bildes auf den Marken «inzuwenden. Bedeutend empfindlicher war König Ferdinand von Sizilien, der diese Frage so tragisch nahm, daß er einen besonderen Poststempel in Form eines Rahmens anfertigen ließ, mittels dessen die Postbeamten die Freimarken entwerten kannten, ohne sein königliches Bildnis zu berühren. Sowjetpension auf Zarenbefeht! Eine sehr sonderbare Angelegenheit ist in der russischen Pro» vinzstadt Wladimir aufgedeckt worden. Die dort lebende Witwe eines kaiserlichen Hofrats Sacharow bezieht immer noch eine Pension, die ihr seinerzeit auf Befehl der ver- storbenen Zarin Maria Fedoröwna zuerkannt worden ist. Als die Bolschewisten zur Macht gelangten, reichte die Witwe ein Gesuch um Weiterzahlung der Pension ein, welchem sie den betreffenden kaiserlichen Befehl beifügte. Die Sowjetbehörde be- stätigte unerwarteterweise die Pension mit einem Hinwe-le darauf, daß die voMstellten Dokumente„ordnungsgemäß" wären. Vermutlich wäre die alle Frau bis an ihr Lebensende im Besitz chrer Pension geblieben, wenn nicht jetzt eine der unzähligen Reo!- stonen„.zur Säuberung des Sowjetapparats' auch diesen„empören- den Mißstand" entdeckt hätte. Voller Entrüstung melden die Svwfetbläller, daß ein„Allerhöchster Utas Ihrer Kaiserlichen Majestät" im Sowjetstaat zehn Jahre hindurch seine Wirkung aus- geübt habe usw. Jetzt ist die Witwe von der Penssonsliste gestrichen worden. Ein holdes Angesicht. Die kurzsichtige alle Dame hatte schon säriger« Zeit im Anti- quitätenladen herumgesucht, ohne das Rechte gesunden z» haben. Plötzlich stieß sie einen entzückten tRuf aus: „Ah! Was kostet die wunderbare chinesisch« Teufelsfrotz« dort drüben?" Der Verkäufer sah nach der Ecke, nach der die Dame zeigte, und erwiderte bedauernd: „Verzeihung, das ist unser Chef!" (Aus dem„Wahr« Jacobs Die Frau als Schwimmerin Ein Gebiet der Leibesübungen, bei welchem die Teilnahme des iveibiichen Geschlechts weniger hervortritt, ist der Wassersport. Dabei ist gerode der Wassersport ganz besonders geeignet, gesund- heitsfördernd zu wirken. Abgesehen davon, dost eigentlich jeder Mensch— sosern nicht körperliche Gebrechen ihn hindern— in der Loge sein sollte, sich im Wasser ebenso sicher aufzuhalten wie aus fester Erde, ist es eine Notwendigkeit, dost auch weiblich« Per- sonen das Schwimmen lernen. So sehen wir denn auch, dah die Schwimmvereine sich des weiblichen Geschlechts und besonders der Frauen in erheblichem Moste annehmen. Nicht nur die Jungmädchen, auch die Frauen beweisen bei schwimmsportlichen Veranstaltungen, dast sie sich mit ihren Leistungen sahen lassen können. Dost die Leistungen der W-assersportlerin im Lause der Jahre naturgemäh abnehmen müssen, dürfte«inieuchten. Auch beim Turn- und Sportbetrieb sehen wir bei Frauen eine veränderte Betätigung als in früheren Iahren. Im allgemeinen hat die Frau den Männern gegenüber den Borteil des geringeren spezifischen Gewichts. Dos erkennt der ousmerksam« Beobachter auch an der fast immer höheren Schwimmlage der Frauen. Dieser Ilmstand kommt unseren Frauen beim Reigen- schwimmen, wo es vor allem auf eine möglichst schwache Lage der Schwimmerinnen ankommt, sehr zustatten. Die glatte Muskulatur der Frauen ist für sie ebenfalls vorteilhaft bei Uebcrwindung der Wasseroberflächenhemmung. Wer ober gewisse Vorzüge sein eigen nennt, nmh auch mit Nachteilen rechnen. Auch die durchgcbilpetste Technik kann die mit dem zunehmenden Alter sich bemerkbar machenden körperlichen Be- Hinderungen nicht beheben. Die ganz natürliche körperliche Lim« der Frau zeigt von der Partie der Hüfte bis über das Berten hinaus eine bedeutend verbreiterte Form als die des Mannes. Der große Umfang der Rmnpfportien, der ja selbst der nicht sporttreibenden Frau oft lästig ist, hindert die Schwimmerin, die Leistungen des männlichen Partners zu übertrumpfen. So notwendig das Schwim- inen während des Wachstums und der Entwicklungszeit zur Kräfti- oung der Unterleibsorgan« ist. so wenden mit zunehmendem Alter die angeführten natürlichen Uebelständ« für die Schwimmerin sehr lästig. Es ist«in« bekannt« Tatjache, dast die tüchtigsten Schwim- merinnen«inen dem Mann ähnlichen Körperbau ausweisen. Die Natur verbietet es auch, Frauen Im Training so vorzubereiten wie den Mann. Das alles hindert aber keineswegs, trotzdem für die Betöti- gung der Frau im Wassersport einzutreten. Gerade der Schwimmsport ist dazu angetan. Energie und Mllenskrast zu forde in. Schon die geringste Ausübung stellt«in« Mutübung dar. Bringen die dazu besonders veranlagten Schwimmerinnen dann noch die nötige Lust zum Wassersport mit, dann ist es für den ver- ständigen Leiter eine Freud«, auch das Sportinteresse der Frau am Wassersport durch planmästig« Ausbildung zu pslegen. Hier sind es gerade die Vereine des Arbeiter-Turn- und Sport- b u n d e s, die sich die Wartung und Pflege der Frauen im Wassersport besonders angelegen sein lassen. Da werden nicht die grasten Kanonen gezüchtet, die der.Sensationslust wegen vorgeführt werden. Lediglich um den Körper gesund zu erhalle» und den Schäden von Berus», und hauswirtfchostlicher Arbeit vorzubeugen, wird hier der sreudebringende Wassersport misgeübt. Wenn dann beim Pufh- dallspiel oder beim Reigenschwimmen die Schwimmreinnen in ihrem Element sind, beweisen sie zur Genüge, dast der Ausdruck„schwaches Geschlecht' ein« überlebte Redensart ist. Die weibliche Bevölkerung sollte mehr als bisher die wasser- sportlichen Veranstaltungen der Arbeiterschwimmvereine besuchen, um zu erkennen, dost hier neben Freundschaft genossenschaftlicher Geist und Solidariiätsgesühl gepflegt werden. Das Sportprogramm des DAC. Der Deutsche Auto-Club häll sein« Abstcht, ausge- sprachen« Rennen,'also Schnelligkeitsprüfungen, nicht zu oeran- stalten, auch für das kommend« Jahr aufrecht. Er legt das Haupt- gewicht auf touristische Veranstaltungen, die in Form von In- und Auslondssahrten durchgeführt werden sollen. Als Neuerung führt der Deutsche Auto-Club Prüfungen für Herrensahrer ein. die während der touristischen Veranstal- tungen vorgenommen werden sollen. Die Prüfungen erstrecken sich auf richtiges Anfahren, Geistesgegenwart, Lenkungsprüfungen, Gefchicklichkeitsprüfungen und Beseitigung von leichteren Störungen an Motor und Ehossis. Dos Sport-Tourenprogramm sür das Jahr I!)29 lautet wie folgt: 2. unk 3. März: Erijssnu»g»t«u«>isahrt sLmUichrr Ort»acupp«N. 21.&':• 9. April- ffrUhl!»s«fahrt nach dkr Äloikra llbn Parle. Skfriun: fiannoper, ffnSc: Leipzig. 17. In* 20. Rai: Pfingstkahrt ine Tbürlngrc Land mit Standquartier Erfurt. 22. Inn! bla 4. Zill: ZScltdLdcrfahrl: Karlsbad, Marlenbad. Bad.'». Baden, Wlcsbadou. Beginn: Treeden, Ende:- grantfurt a M. 30. Z»»l! Automobtl-SchSnIieitekonturrenz auf drr Rennbahn Grunewald i» Berlin. -11. Avgnst: Sternfahrt sämtlicher Ortegruppen nach zentral gelegenen Hauptstädten. Die genannten Fahrten sind Veranstaltungen des Aesamtclubtz. Daneben sind etwa 29 Veranstaltungen der Ortsgruppen vorge- sehen, so u. a. eine SH-Stunden-Fahrt der Ortsgruppe Hannover: eine Gesellschastsfahrt der Ortsgruppe Breslau ins Riesengebirg«, die dritte Becherfahrt der Ortsgruppe Kassel: sine Herbstfahrt der Ortsgruppen Berlin und Hainburg nach Mecklenburg:«ine Schnitzel- jagd der Ortsgruppen Frankfurt a. Main und Nürnberg. Sämt- liche Veranstaltungen sind offen für alle DAE.-Mitglieder und eingeführt« Gäste. Line Stiftung für das Museum für Leibesübungen Wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst mitteilt, hat da, Museum für Leibesübungen in den letzton Tagen durch die Dermitt. lung eines Vorstandsmitgliedes ome erfreuliche Bereicherung er. fahren. Di« Tochter de« bekannten Turnpadagogen. Prof. Dr. Karl Euler, stiftete eins größere Anzahl wertvoikm Srt'-fh-n T,, Photos und sonstiger Auszeichnung«!«us dem.....,!est ihre« Baters. Diese Gegenstände fallen innerhalb der Abteilung„De- j schichte des deutschen Turn wesens" im Museum gezeigt werden.> 'ARBEiTBLTUSSBALL Ausscheidungsspiele der ersten Klasse. Der kommende Sonntag bringt in der A b t e i l u n g L die Aus- jcheidung um die Meisterschaft. Germania-Pankow und Karow stehen sich in Karow und Weißensce und Neukölln in Weistcnsee im Stadion „Fauler See' gegenüber. Di« Sieger dieser Spiele treffen sich dann am nächsten Sonntag im Meisterschaftsspiel.— Die A b t e i l u n g � hat ihr Hauptspiel in Luckenwalde.. Hier stehen sich die beiden Zweiten der Abtellung, Luckenwolde I und Lichtenberg l, gegenüber. Der Sieger diese» Spiel» nimmt an den Spielen um die Berliner Meisterschaft teil. Hertha 11 und Treuenbrietzen spielen ebenfalls in Luckenwalde. Kloster Zinna erwartet den Besuch von Lucken- wolde III. Zn Jüterbog treffen sich die dortigen Freien Sportler und die S. Abteilung der Luckenwolder Turnerschaft. Weiter« Spiele: Werder 77 gegen Sokol-Charlottenburg (Kirchwitz-Potsdam), Brandenburg-Havel gegen Rathenow(Baltin- Rathenow), Eisenspallerei gegen Oberspree(Hoelke-Germania), Ketzin gegen FTGB�Mitte(Knoblauch). Eladow gegen Zehlendorf (Schwarz-Spandau). Lichtenberg II gegen Eiche-Köpenick(Masche- Lichtenberg I), Saxonia gegen Wacker-Britz(Böttchcr-Pankow), Tempelhof gegen Caputh(Hollmichel-Moabit), Lichtenberg II 2 gegen Schöneberg I(Sondt-Lichtenberg II), Hoppegarten gegen Schweif- sterne(Manz-Stralau), Werder II gegen Sokol II(Kühne-Bran- denburg). In IS Sekunden knode-out. Das von der Pariser Boxsportgemeinde mit groher Spannung erwartet« Tressen zwischen dem schwarzen Bantamgewichtswelt- meister A l. Brown und dem früheren französischen Federgewichts- meister Humery nahm ein geradezu sensationelles Ende. Die Gegner kamen aus ihren Ecken heraus, und gleich der erste Schlag des Negers, ein Rechter aus das Kinn, warf Humöry für die Zeit zu Boden. Die 10 Sekunden für das Zählen des Ringrichters mit- gerechnet, hatte der ganze„Kamps" nicht länger als18Sekundcn gedauert. Arbeiter- Skifahrer und- w i n te r s p o rt ler? heute. Donnerstag, Training, lresspunkt IS Uhr Bahnhof Grunewald. Artistenwettstreit in Ottenbach a. M. Die Ausschreibung für den am 1. Osterfeiertag in Ofsenbaä, a. Main im GewcrtschajtsHaus stattfindenden A r t i st e n w« i l st r e i t des Arbeiter-Athletenbundes ist erlassen. Der Wettstreit ist offen für alle Mitglieder des Bundes. Die Meldungen müssen bis zum 3. März 1929 bei der Kreisgeschäftsstelle des lt. Kreises, Offen- dach a. Main, Sportschule, eingereicht sein. Bei der Meldung muß jede Truppe ein Bild mit einsenden. Jeder einzelne Bewerber erhält «ine Beisteuer zu seiner Reise noch Ofsenbach a. Main. Da der 3. März der letzt« Termin ist, wird gewünscht, dast dieses Datum ein- gehalten wird. Aus Anlast des Wettstreites gibt die Leitung ein besonderes Festbuch mit Programm Heraue. Zur Verteilung gelangt auf je fünf Zlusfühnmgsnummern ein kiiisstlcrisches Diplom. Quartiere stehen kostenlos zur Verfügung. Reit- und Fahrturnier. Den Mittwochnachmittag hatte man als Tag der ländliche» Reiter ausgeschrieben. Er machte seinem Namen Ehr«, denn Reiter, die sonst andere Arbeit gewöhnt sind, zeigten beim Polo, beim Pushball irnd in einer Springquodrille das Können ihrer Pferde. Ein schönes Bild bot auch die Vieverzugquadrille. gefahren mit vier Biererzügen des Fahrausbildungskommandos Hannover. Dos schwere Jagdspringen am Abend verlief recht interessant, zu- mat bei gleicher Fehlerzahl um den Sieg gestochen werden mußte. Sieger blieb Zcmprc svjinii mit Oberleutnant von Barnekow im Sattel. Die Schaunummer des Abends ist jetzt stets der Zapfenstreich unier Mitwirkung der 18. Reichswehrkesselpauker. Run ja, unsere Marine hat gefilmt, wanim soll unsere Reichswehr nicht Zirkus spielen dürfen? Ivintersportsektion Itatursreunde— Schneefchuhjahrer. Bei anhaltender günstiger Schneelage fahren die Schneeschuhläufer(An- sänger und Fortgeschrittene) am kommenden Sonntag nach Buckow (Märkische Schweiz). Treffpunkt H7 Uhr Schlesischer Bahnhof. Sonntagsrücksahrkarten bis Dahmsdorf-Müncheberg. ftact«! fiit«tfctttnfiMH»»»»Srper»sl»e«,««»irt?n dkl RarttnauafdiuRilhiinB nom 28. Januar wurdrn in drn GkslbäfldstihrenSrn Aus. fchuß flfmil)»: Paul Lanqcr,«arsikendtr: Wilhelm Echuhliardt, Schrislftihrer unh Mitirllläkt-Hohrnschöiihausrn als Brigher. Zuschrikir» qehrn an Paul Lanqer, Berlin-Wcihense«, Sedanstr. 36. Die niichstr Ausschugjltzuns lst am 20. lsrbtuar. Arbeiter- Radio Herr. Verein<9 1»h. Berlin. Sanuta«, 3. gebruar. 13 Uhr. Adlcrshai, bei Zieqe. Siari WaldemarstraKe Eck« Mariannenplati. Gäst« will. lamme». Knie Turner! chafl Groh Berli» 0».,«ezlrt SLbast Trepin». Ssnnabeud, 2. gcbruar. 20 Uhr, wilbiiae Zusammenlunkl aller weiblichen und männlichen Iugenblichen, in, Iugenbhrim, Rrichenberger Sir.«!. 15. Bezirlnlartrl Treptow. Krsäräftsstrllr Hrrbrrt Drwalb. SO. 30, Kirf. haltitr.!«. Rächst- Kartillghuna Montag. 4. Februar, Zu Uhr. im Zuoend. heim Niedrrschönrweid», Brihrr Str. 20. ffnie goltbootloherr Berlin. Sanutaq. Z. Krbruar, Wanbrrung Erkner- Kranichsbrrqr. Treffpunkt l0 Uhr Bahnhof Erkner. Säfte williamnie». Rabel. schütten mitbrinae». Ruver-Venri» Eolleqia. Da* Bassinrudern fällt am Sonnabend, z. lsrbruar, wrgcn der Veranstaltung in Kellers ffrftssirn, Jaachimstr. 20, au». Die Wintersportmeistcrschaften. Italien, Polen, die Tschechen(xmppensieger im Eishockeykampf. Die Rodelmeisterschaften.— Eiskunstlauf. Bei der Anfetzüng der Spiele auf dem Kongreß der Eishockey- liga hatten die Vertreter der drei chancenreichsten Länder. Oesterreich, Deutschland, Tschechoslowakei, die Forderung nach einer Aenderung der Gruppeneinteilung gestellt uild andere Vorschläge unterbreitet, da durch das Nichtantreten der Finnen eine neue Situation ge- schaffen war. Die sportlich wohlgemeinten Anregungen muhten aber bei der Abstimmung unter den Tisch fallen, weil die übrigen Länder mit ihrer Einteilung zufrieden waren. So kam es, dast Polen und die Schweiz durch das Fernbleiben der Finnen nur ein Spiel aus- zutrogen hatten, während alle anderen Mannschaften be! den Gruppcnkämpfen zweimal anzutreten hotten. Als erster Gruppen« sieger wurde Italien ermittelt, das nach dem 2: 1-Sieg über Ungarn im zweiten Gang überraschend mit 1:0 über Belgien triumphieren konnte. Die Wettkämpfc am Mittwoch begannen Mit dem Tressen Polen gegen die Schweiz, das für den Sieg in Gruppe I ausschlaggebend war. Die Polen gewannen mit 2:0(1:0, 0:0, 1: 0) und haben sich damit sür die Endkämpfe qualifiziert. Die Schweizer zeigten«in schnelles Angriffsspiel, waren aber vor dem Tor zu unsicher. Polen ging durch den ausgezeichneten Mittelstürmer Tupalfti in txr 5. Minute in Führung. Schon SO Sekunden nach Beginn des letzten Drittels erhöhte Tupalski den Lorsprung der Polen auf 2: 0. Drei Minuten vor Schluh schoß derselbe Spieler noch«in drittes Goal, das aber von dem belgischen.Schiedsrichter Loicq wegen„Abseits" nicht anerkannt wurde. Nach ihren Erfolgen über die deutsche Mannschaft traten Oe st erreich und die Tschechoslowakei zum Kamps um den ersten Platz der Gruppe II an. Es war eines der schönsten Spiele des Turniers, in dem die Tschechen dank ihrer Stocktechnik einen verdienten Sieg von 3:1(1:1, 0:0, 2:0) davontrugen. Die Wiener hatten offensichtlich einen schlechten Tag, doch ist anzunehmen, dast es ihnen gelingt, sich durch de» Sieg in der„Runde der Zweiten" sich noch für die nähere Entscheidung emporzuarbeiten. Das Treffen begann mit einem Angriff der Wiener, die nach glänzendem Paß- spiel zwischen Sell und Klang in der 3. Minute zum Führungstor kamen. In der v. Minute erzielte Malecet aus einem Gedränge heraus den Ausgleich. In der zweiten Spielzelt, die torlos verlief, ereignete sich ein Zwischenfall. Die Scheibe flog einem tschechischen Spieler an die Schläse, so daß er bewußtlos zusammen- brach: nach 20 Minuten war er aber wieder auf dem Posten. Das letzte Drittel brachte den Tschechen in der 2. und 8. Minute noch zwei weitere Torerfolg«, die beide auf das Konio van Malecck kamen. Italien, Polen und die Tschechoslowakei bestreiten nunmehr mü dem Gewinner der„Runde der Zweiten" die Endkämpfe um die Europameisterschaft.___ Berliner Wintersport. Skispringen im Grunewald. Die Werbeveranstaltung des Norddeutschen Stiverbandes auf der Sprungschanze in Onkel Toms Hütte im Grunewald hatte sich regen Zuspruch« zu erfreuen. Die Anlag« präsentierte sich in bester Derfaflung, d«n weitesten Sprung führte mit 21 Meter, oller- dings außer Konkurrenz, Pfeiffer-Innsbruck aus. In d«r Haupttlasse � �üklr. von der Skigilde Berlin mit Note 18 und Sprüngen von i7,S, 17.5 und lo.er nur V-'e-iev Innsbruck mit Not« 15 (20. 19, 20,5 Meter gestürzt) und Seeland(Berliner Schneeschuh- Club) mit Rot« 15<17. 17.5. 18 Meter). In der Altersklasse war Leipolz(Skiklub Mittclmark Berlin) mit Note 12(18, 19, 20 Meter) der Beste. Den Wettbewerb der Iungmannen gewann Poret(Ber- liner Sport-Elub) mit Note 1k(14,3, 15,5, 15 Meter). Das Jugendamt Charlotten bürg hat mit seinein Eishockeyturnier für Schüler einen vorbildliche» Schritt getan. Acht Schulen stellten Mannschaften, die in zwei Gruppen aus der Anlage In der Niebuhrstrohe spielten. Der eine Gruppcnsieger steht bereits fest, da die technisch beste Mannschaft, die des Humboldt-Gymnastmn- Tegel, gegen das Schiller-Real-Gymnasium mit 9:3 gewann. In der anderen Gruppe zeichnete sich besonders die Herder-Schule Char- lottenburg aus, die die Siemens-Oberrealschul« mit 2:0 und die Kaiser-Friedrich-Schule mit 8: 5 besiegte. Die beiden Gruppensieger tragen am Sonnabend, 2. Februar, das Endspiel um den van der Stadt Chartottenburg gestifteten Pokal aus. Auf der Rütt-Arena stehen sich am 31. Jonuar um 8 Uhr abends Preußen und SC. Charlottenburg im Derbandsspiel gegen- über, am 1. Februar tragen um dieselbe Zeit Sportverein 92 und Eislaufverein Tegel ein Gesellschaftsspiel au». Für Sonntag, 3. Februar, ist auf der Rütt-Arena ein Eishockeyturnier geplant. Deutsche Rodelmcisiersdiaftcn auf Naturbahn. Den am letzten Sonntag in Krumlnhübel auf der Kunsliiahn durchgeführten Titel kämpfen folgen am 3. Februar die Deutschen Rodelmeisterschasten im Ein- und Zweisitzer aus der Na- turtxchn. Schauplatz der Wettbewerb« ist die etwa 2000 Meter tauge Hochwaldbahn bei O y b i n im Zittauer Gebirge, die zwei groß« und drei kleine Kurven auifweist und wo bereits 1924 die Deutschen Meisterschaften zum Austrag gelangten. Die feil Ende November liegende Schneedecke ist etwa 75 Zentimeter stark, so dast selbst bei einem plötzlichen Wilterungsmnschlag«in« einwandfreie Durchführung gewährt« istet ist. Di« Beteiligung verspricht überaus stark zu werden, man rechnet mit über 100 Tei wehmern besonders aus Sachsen, aber auch aus Schlesien und Thüringen. Auch her Hauptverband Deutscher Wintersportvereine will ein starkes Auf- gebot deutsch-böhmischer Rodler, unter denen sich wahrscheinlich auch der diesjährige Europameister Preister-Reicherbeeg brtnidet, enl- senden. 'Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf. Nach Erledigung der Wettkämpfc um die Europameisterfchaft im Eishockeys piel findet die Budapester Etssportwvche am Sonn- abend und Sonntag mit den Weltmeisterschaften im Kunstlauf sür Damen und Paare ihren Abschluß. Die fugend- liche Weltmetsterin Sonja Heme-Norwegen wird wohl gegenüber den vier Wiener Damen Frttzi Bürger, Melitta»rmmer. Ilse Hönning und Fräulein Kubitschek sowie Frau Vesela-Prag und Fräulein Boonne Deligne-Belgien kein« allzu große Mühe hoben, ihren Titel zu verteidigen. Für die Paarlous-Weltmeistenchast wurden elf Meldungen abgegeben. Die vorjährigen Weltmeister und Olympiasieger Fräuloin A. Ioly-Brunet(Frankreich) haben in erster Linie die Gagnerschost des Wiener Paares Fräulein Scholz.Kaiser zu fürchten. Au» der Donaustadt sind weiter Fräu- lein Drunner-Wvede und Fräulein Hochholiingen-Dr. Preisecker zur Stell«, aus Deutschland haben dos Meifterpaar Fräulein Kishau-'r- Gaste(Berlin) und die Bayern Fräulein Schwendtbauer-Aichingkr gemeldet, aus der Tschechoslowakei kommen Frau B«s«d»-Basly (Prag) und das Ehepaar Hoppe(Tropparh, da»» gchellen sich iW drei ungarische Paart. 1 - v, 4jr,v■r-rr?\««--TV'«»v � -'s- z?-•- v s—' �V;--•■. r----.-.ÄMM � dkfchäfis-Jtnseiger � (Bexiwü Jlordcn-Csten. 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