Morgenausgabe Nr. 53 Ä 27 46. Jahrgang «öchentNch«5�«svaMch S.««. tm voraus zahlbar. Voftbazug OZ TL ««nschl Vsftellgeld. Äuslondsadoa««» «em S.— St pro Monat. Der.Sonstrts* ericheint mochentftf* lich zweimal. Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgaben für Derli» und tm ftandel mit dem Titel.Der Abend". Jlluftriene Beilagen.Volt und Zeit" und�tinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik".Blick in die «uchenoelT und.Iugend-Vorwärts" Freiiag 1. Februar 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. SN« etnspalttge Aonp�retllezeN« <0 Pfennig. Reklame eile Reichs» mark.„Kleine Anzeigen� das ettge» druckte Dort ZS Pfennig(zulässig zwe� fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort .2 Pfennig. Stellengesuche das erste Don IS Pfennig, fede» weitere Wort *.0 Pfennig. Dane über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ArbeitsmarU r WG Berliner Vottsblai» Jentralorgan der Sozialdemokvatiftben zsavtei Deutschlands eile 60 Pfennig Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm» im Hauptgeschäft Linden» itrahe 2. wochentogl. von S>/, bis 17 Uh». Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 BernfptedKt: Tönboft 892—297 teltgramm.Sbt. Lonaldnnokrat Berti» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Doftlideckronto: Berti» 27 SSK— Bantlim«»! Bant der Arbeiter, ltngeftett«» und Beamten Wallltr.« DiSkonto-Velellschas«. Teposttentasie Lindenftr. 2 Gefesselte Selbstverwaltung! Die Großindustrie als Geldgeber der Gemeinden. Die Finanznot der Gemeinden und Gemeindeverbände, besonders aber der großen Städte, steigt von Jahr zu Jahr in besorgniserregender Weise. Di« Endziffern der Haushalts- plüne steigen fast lawinenartig an, und am stärksten sind hieran die Ausgaben der Wohlfahrtsämter beteiligt. Das ist auf die unzulängliche Arbeitslosenversicherung zurückzuführen, die nur für bestimmte Zeit den Erwerbslosen Unterstützung gewährt, die aber auch nach Aussteuerung aus der Krisenfürsorge dann für oft verhältnismäßig viel längere, unbestimmte Zeiträume der öffentlichen Wohlfahrt an- heimfallen. Damit ober nicht genug, müssen die Gemeinden aus volkswirtschaftlichen, wie erzieherischen Gründen— trotz Grund- und verstärkter Förderung aus öffentlichen Mitteln — erhebliche Summen für Notstandsarbeiten aufwenden, die durch den manqllhaften Finanzausgleich keine Brücksichtigung finden. Die Folge davon ist, daß die Gemeinden von den wenigen, ihnen verbliebenen Steuergebieten die Grundver- mögcnssteuer in immer stärkerer Weise anspannen und die Gewerbesteuern vom Ertrage und Kapital bis in fchwindel- hafte Höhen treiben müssen. Die unausgesetzte Steigerung b-r gewerblichen Mieten mit verbitternden, rückwirkenden Nachzahlunaen sind ein« weitere Folge, und die Gewerbe- steuern müssen gleichfalls infolge der Abwälzung— nicht selten noch mit erheblichen Gewinn st«ige- rungen des Handels— von den Konsumenten getra- gen werden. Eine weitere, nennenswerte Einnahmequelle: die söge- nannten Werkg'bühren für Wasser. Gas. Elektrizität und Benützung der Straßenbahn, sind auch nicht mehr erhöhbar und die aus ihnen erwarteten Erträgnisse oft n'cht mehr er- reicht worden, weil bei der Ueberstbreitung einer qewiflen Preisgrern? die Abnehmer entweder sich eine starke Beschrän- lang rm Verbrauch auferlegen, oder, soweit Großabnehmer in Frage.kommen, daz» übergehen, sich eigene kraft-, wäqne- und lichterzeugende Maschinen und Einrichtungen anzu- schaffen. Das Bestreben wirklich noch kreditwürdiger Gemsinden. aus diesen vielen kleinen und großen finannellen Sorgen durch die Aufnahme einer größeren Auslands- a n l e i h e herauszukommen, ist bekanntlich durch die Politik der Beratungsstäbe und 5)errn Dr. Schachts in Verhängnis- voller Weise unterbunden worden. In ihrer beinahe an Verzweiflung grenzenden Lage sind daher in den letzten Iahren manch« sehr groß« Gemeinden sowohl des in wirtschaftlicher Beziehung günstiger gelegenen Äestens. wie auch des viel schwerer ringenden Ostens Deutsch- länds dazu übergegangen, namhafte Kredite bei großen Industriewerken au fzu nehmen. Eine von hundert Zufälligkeiten abhängige und mehr als bedenkliche Fi-anzgebarung der Gemeinden ist d'e heut schon feststellbare Auswirkung. Diesen Zustand mit aller Schärfe zu beleuchten, ist allerhöchste Zeit. Die Gewährung von Krediten durch die Industrie erfolgt durchaus nicht in selbstloser Weile. Nicht allein, daß sie, wenn d'« hergegebenen Gelder aus Auslandsanleihen herrühren, die die Industrie fast in beliebiger Höbe aufnehmen darf, durch die Forderung von 9 bis 10 Pro,. Zinken erhebliche Zinsgewinne macht— denn sie selbst zablt sicherlich kaum mehr als 7 Proz. für das aufgenommene Geld, wenn sie nicht gar dazu übergeht, ihre Wechsel an noch wesentlich günstigeren Diskontierungsplätzen de? Auslandes unterzu- bringen— werden den g-ldsuchenden Gemeinden noch harte Auflagen für die Abnahme ihrer Er- zeugnisse für lange Jahre gemocht. Handelt es sich jedoch bei den in Rede stehenden Krediten nicht um Auslandsanleihen, dann müssen diese Riesenbeträge in den wenigen Iahren seit Einführung der neuen Währung erübrigt worden sein und sind als Beweis dafür anzusehen, daß die Industrie in dieser kurzen Zeit übermäßige Gewinne gemocht haben muß. Die zwangsläufige Umgehung der Schachtkchen Finanz- r'gelung ist von katastrophaler Auswirkung. Sie bindet die Gemeinden und ibre Organe in ihrer freien Entschließung und verschafft den K r e d» t g e b e r n für die Dauer des Per- träges— selbst bei vorzeitiger Rückzahlung des Kredites— in geschäftlicher Beziehung eine unabänderliche Mo- nopolstellung. Das Selb st verwaltungsrecht der Gemein- den ist dadurch zur Farc« geworden! Es besteht nicht nur die Gefahr, sondern es ist zum Teil schon Tatsache geworden, daß sie in Abhängigkeit von einzelnen kavitalge- waltigen Industrieunternehmungen geraten sind. Es liegt uns zuverlässiges Materiäl vor. aus dem ersichtlich ist, daß «ine deutsche Großstadt auf diese Weile in drückende Ab- hängigkeit von einer der größten deutschen Unternehmungen geraten ist.. Diese Symptome sind lehr deutlich- Anzeichen dafür, daß es allerhöchste Zeit ist, daß alle zuständigen Instanzen, ins- besondere der Reichstag und der Deutsche Städtetag. mit Herrn Schacht nicht nur deutliche Worte wechseln, sondern ihm so nachdrücklich die unheilvolle» Auswirkungen seiner als Verhandlungen im Reichstag. Ltm die Große Koalition. Der Reichskanzler hatte in den letzten Tagen wieder- holt Besprechungen mit den Führern der in der Regierung vertretenen Parteien, so auch gestern wieder mit den Herren K a a s und Stegerwald. Praktische Auswirkungen sind jedoch bisher noch nach keiner Seite— weder nach der positiven, noch nach der negativen eingetreten. Die Schaffung eines interfraktionellen Ausschusses der Großen Koalition wird vom Zentrum davon abhängig gemacht, daß ihm drei Sitze im Reichskabinett eingeräumt werden. Die Voltspartei wünscht eine gleichzeitige Einbeziehung ihrer Landtags- fraktion in die Preußenkoalition, mit der es hinwiederum dem Zentrum nicht so«ilig ist. In Zentrumskreisen soll der Gedanke ventiliert werden, Herrn von Guärard aus der Regierung zurückzuziehen, falls die Verhandlungen negativ verlaufen oder sich noch lange hinziehen. Ein„Ultimatum" in diesem Sinne ist jedoch vom Zentrum nicht gestellt worden: was darüber in verschiedenen Blättern stand, war falsch. Der Reichskanzler wird sich heute zum Reichspräsidenten begeben, um ihn über die Lage zu unterrichten. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte gestern eine Sitzung, in der über die politische Situation, Etat- und Steuerfragen, beraten wurde. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Auswärtiger Ausschuß. Der Stand der Reparationsverhandlungen. Der Auswärtige Ausschuh des Reichstags trat gestern unter Vorsitz des Abg Scheidemann zusammen, um über den Stand der Reparationsverhandlungen zu beraten. Der Sitzung wohnten der Reichsminister des Auswärtigen Dr. St res«- mann sowie der Relchsfinanzminifter Dr. Hilferding und der Rsichswirtschaftsminister Dr. Curtius bei. Die Verhandlungen wurden eingeleitet durch ein längeres Referat des Reichsfinanz- minister». Eine allgemeine Aussprache schloß sich an. Beschlüsse wurden nicht gesaht. 6in bayerischer Wutanfall. Ministerpräsident Or. Held beschimpst die preußische Regierung. München, 31. Januar.(Eigenbericht.) Die bayerische Bürgerblockregierung Held hak als Nachfolgerin des Putschkabinetts Kahr-Kmlling auch dessen Methode übernommen, von Zeit zu Zeit mit denjenigen Pressevertretern v e r» traulichs Informationsbesprechungen zu halten, die in ihrer politischen Publizistik Beweise unverfälschter und zuver- lässiger Dürgerblocksgesinnung gegeben haben. Alle anderen Iour- nglisten werden ängstlich und grundsätzlich von dieser politischen Informationsquelle ferngehalten. Eine solche Besprechung fand auch am Donnerstag bei dem Ministerpräsidenten Dr. Held statt, an der sich u. a. der Finanzminister Dr. S ch m e l z l e und der Justizminister G ü r t n e r beteiligte, also alle drei Minister, die in der letzten Woche an den ergebnislos verlaufenen Verhandlungen zwischen Reich und Ländern in Berlin teilgenommen haben. Offenbar in falscher Ausfassung über den vertraulichen Choratter der Besprechung veröffentlicht nun di«..Telegramm-Zeitung". ein Nachmittagsableger der..Münchener Neuesten Nachrichten', die bei dieser Besprechung gehaltenen Reden der drel Minister. Daraus geht hervor, daß alle drei Minister in geradezu unverantwortlicher Weife gegen Preußen gehetzt haben. Voran der Ministerpräsident Dr. Held. Er erklärte einleitend: baß das Verhältnis zwischen Reich und Ländern durch die letzte« Berliner Verhandlungen eine Zuspitzung erfahren habe, die den inneren Bestand des Reiches bedrohe. Schuld' daran sei nicht etwa das Reich, sondern Preußen/ das Bayern in seinen finanziellen Forderungen an das Reich di« aller- größten Schwierigkeiten mache. Dasselbe Preußen, das den Staat?- vertrügen von 1920 im Reichsrat zugestimmt habe, sabotiere nun ihre Erfüllung dadurch, daß es Entschädigungeforderungen an das Reich in Höhe von Milliarden für die verlorengegangenen Der- mögenswerte des Staates in den mich dem Friedensvertrag ab- getretenen Gebieten stell«. Bei den Berliner Besprechungen sei der Preu- hische Mini st erpräsident Wortführer gegen die a.n deren Länder gewesen und Hobe gewissermaßen den Diktator und Vormund des Reiches gespielt. Dr. Held wandte sich dann auch scharf gegen dos Anerbieten des Reiches, dem Staate Boyern gegenüber für die abgetretene Post 34,4 Millionen Mark als Aufwertung anzuerkennen. Wörtlich erklärte er dann zum Schluß: ..Rechtsempfinden hat man in Berlin überhaupt nicht mehr für diese Dinge. Treu und Glaube», die die Bertrage zur Voraussetzung haben, sind verschwunden und die allgemeine Moral, die auch bei de» Rechts- Verhältnisse» zwischen Reich und Länder» eine Rolle spielen sollte, von der spürt man kaum noch einen Hauch. Alles geht daraus hinaus, mit brutaler Rücksichtslosigkeit die machtpolitisch« Stellung des Reiches den Ländern gegenüber zur Geltung zu bringen, auch dort, wo liquide Rechtsansprüche gegen dos Reich bestehen. Es ist für uns unmöglich, so weiter zu arbeiten. Unser Gegner ist Preußen. Preußen legt alle» darauf an, um zwei Fliegen mit einem Schlag zu treffen: einmal sich selbst in der Finanzwirtschasl de» Reiches möglichst breit zu machen und auf der anderen Seite zu erreichen, was man mit anderen Mittet» als mit einer solchen Aushöhlungspolilit nicht erreichen kann: die Vernichtung der Länder.' Mit fast noch schärferen Ausdrücken wandte sich dann auch der F i n a n z m i n i st e r Dr. Schmelzte gegen Preußen. Er nannte Preußens Haltung eine Schamlosigkeit, wie sie im Staatsleben noch nie dagewesen sei. Preußen betreibe eine Politik, die auf nichts anderes hinaus» laufe als durch das Reich Bayern auf die Knie zu zwingen, und das Reich zu einem Groß-Preußen zu machen. Hinter diesem Auftrumpfen wollte selbstverständlich auch der deutschnationole Iustizminister Gürtner nicht zu- rückbleibcn. Cr meinte:„Wenn der preußische Ministerpräsident im Hinblick auf die Länderklagen beim Staatsgerichtshos erklärt Hot. gegen das Reich gibt es keinen Exekutor, so sei dieses Wort so unerhört, daß man sich vergebens frage, wie es unter ernsthaften Staatsmännern überhaupt habe gesprochen werden können.' * Wir wissen aus sicherer Quelle, daß die drei Herren bei ihren Berliner Besprechungen urbanere Umgangsformen gezeigt haben. Der bayerische Löwe brüllt eben.mit Vorliebe von weitem. Man wird die urbayerischen Kraftworte nicht weiter wichtig nehmen dürfen— zumal es nichts Komischeres gibt, als zu sehen, wie der Hesse Held den Urbayern zu kopieren sich bemüht. Eine gewisse Höflichkeit des Verkehrstons ist allerdings unter gebildeten Menschen unerläßlich— die Herren werden das jedenfalls bei kommenden Besprechungen fern von München bald wieder empfinden. Ueber ihre staatsmännische Eignung wollen wir nicht weiter diskutieren— in ihren Kreisen in München hält sich leicht der für den größten Staatsmann, der das Maul am weitesten aufzureißen versteht. Der Maßstab sind dabei die Zirkusreden von Hitler. Das Niveau des offiziellen Bayern- krakeels gegen Preußen ist nun glücklich auch dort angelangt! weis« Beschränkung gedachten, aber nun- mehr als beschränkt wirkenden Pläne vor Augen führen wird, daß er sie wenigstens den kreditwürdigen Gemeinden gegenüber aufgibt. Andernfalls muß von chm an- genommen werden, daß er bewußt die Untergrabung der Selbstverwaltung zugunsten kleiner Industriekreise betreibt. die dann auf weniger auffällige Weise zu dem während der Inflation stark in die Erscheinung getretenen, aber damals nicht erreichten Ziele gelangen würden: die Gemeinden unter ihre finanzielle Botmäßigkeit zu bekommen. Bedenkliche Reformvorschläge. Laudfriedensbruch und Zusammenrottung im neuen Gtrafgesehentwurf. Der Strafgesehausschuß des Reichstag» beschäftigt« sich in der gestrigen Sihung zunächst mit den Bestimmungen de»§ 172 über Landsriedensbruch. Die sozialdemokratisch« Fraktion beantragt« die besonderen Strafbestimmungen dieses Paragraphen auf die Rädelsführer zu beschränken und auf diejenigen, die bei einer öffentlichen Zusammenrottung Widerstand leisteten. Nach sozialdemokratischem Vorschlag sollen wegen Landfriedensbruch nicht. wie nach geltendem Gesetz auch diejenigen bestrast werden, die ledig- lich an einer solchen Menschenmenge sich beteiligen. Zur Begründung de» sozialdemokratischen Antrag» führte Abg. Landsberg(Soz.) aus: Selbstoerständlich soll derjenige strafbar sein, der Rädelsführer sei oder Gewalttaten begehe. Die bloße Beteiligung an einer Zu- sammenrottung rechtfertige die Bestrafung wegen Landfriedensbruch nicht. Wenn da» jetzt geltende Gesetz das gestatte, so sei da» dadurch erklärlich. daß dies Gesetz unker dem Eindruck der Revolution de» Jahre» 1848 im Jahre 1851 geschossen worden sei. Damals sei man soweit gegangen, unter die Kategorie der strafbaren Zusammenrottungen sogar außergewöhnliche Leichen» begängniss« auszunehmen! Heute besteh« die damalige Ao- Neigung gegen öffentliche Ansammlungen von Menschen nicht mehr. Heut« gelte Dsmonftrations- und Versammlungsfreiheit, heute sei eine Einschränkung im Sinn« des sozial- demokratischen Antrages notwendig. Dieser Antrag wolle auch eine heut« häufig festzustellende klassenmäßige Aus- Wirkung der Rechtsprechung oerhindern. Man denk« nur an den Kyritzer Landfriedensprozeh, in dem eine Großgrundbefigerin. die in der Menschenansammlung geschimpft habe, trotzdem freigesprochen wurde, während andererseits bei Zu- sammenrottungcn von Arbeitern, die z. B. bei Streits ohne weiteres vorkommen können, diejenigen, die sich in der Menschenmenge de- funden hatten, wegen Landsriedensbruch bestraft wurden. Nach längerer Debatte erklärte sich ein Vertreter de» preußischen Innenministeriums gegen den sozialdemokratischen Antrag. Darauf wurde die WeiterbSratung des Antrags vertagt, um dem ver- hinderten Reichsjustizminister Gelegenheit zu geben, in der nächsten Sitzung seinen Standpunkt darzulegen. ß 173 bedroht mit Gesängnis oder Gelbstrafe denjenigen, der Versammlungen, Aufzüge oder ähnliche Kundgebungen mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt sprengt. Abg. Leol(Soz.) begründete den sozialdemokratischen Antrag, 8 173 zu streichen, indem er ausführte: 8 173 beruh« auf einen im Jahr« 1923 gegen den Willen der Sozialdemokratischen Partei beschlossenen Versuch. Di« Ersahrungen, die man mit dem Gesetz gemacht habe, sprechen für die Streichung des Paragraphen, da«r nur in seltenon Fällen angewendet worden sei. Im Jahre 1923 hatten wir«in« besonders wild« Zeit durchlebt. Schon damals hatte die sozialdemokratische Fraktion vorausgesehen, daß es auch ohne dies« Gesetzesbestimmungen geh« und sie habe Recht behalten. Wenn man das Versammlungsrecht schützen wolle, dürfe man sich nicht da- mit begnügen, dos Versammlungsrecht mit einer Gefängnismauer zu umgeben, dann müsse man auch die Versammlungen vor ihrer De- emträchtigung durch Staatsbeamte schützen, was besonders in Bayern notwendig fei. Dann müsie man auch das Abtreiben von Verfamm- lungslokalen auf dem Land« zu verhindern suchen. Sowie da» Gesetz es jehk vorschreibe, sei die Gefahr der efa» seifigen Auswirkung aus die ArbeUcrschast gegeben. Ein Vertreter de» Reichslnneumlniflerium» und de» preußischen Rliaisterlum» sprechen sich jür die Ausrechterhaltyng des ß 173 aus. Der sozialdemokratische Streichungsantraz wurde abgelehnt. Ein deutschnationaler Antrag, nach dem nur Gefängnis- strafe nicht ober auch Geldstrafe vorgesehen werden soll, wurde abgelehnt. Bezeichnenderweise stimmt« der Hospitant der Demokratischen Partei, Herr Lobe, für den deutschnationalen Per- schlechterungsantrag.' Ein unmöglicher Paragraph. 8 174 droht Gefängnisstrafe oder Geldstrafe denjenigen an, dsr sich aus Finer öffentlichen Ansammlung nicht entfernt, obwohl die Menge dreimal aufgefordert worden ist, auseinanderzugehen. Abg. TNarum(Soz.) begründete einen sozialdemokratischen An- trag, der diesen Paragraphen in Uebereinstimmung mit dem geltendcn Gesetz bei Ansammlungen auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen beschränken wollte. Er führte aus, daß es zu weit gehe, Ve- strojung schon bei jeder öffentlichen Ansammlung eintreten zu lasten. Minister ialdireklar Bomke entgegnete, daß die Möglichkeit geschaffen werden müsie, wenn sich die Arbeiter einer Aobrik aus dem Fabrikhos sammelten, diese Ansammlung aus Grund de» 8 174 zu bestrasen. Abg. Landsberg(Soz) widersprach dieser Ausiasiung, indem er hervorhob, daß bei Ansammlungen aus geschlossenen Grundstücken und aus einen bestimnu«» Personentreis lein Bedürfnis zu einem besonderen Snaf Paragraphen vorhanden sei. Ministerialdirektor Bumke verblieb bei dieser Austastung. Er erklärte, daß wenn etwa bei Krupp Taufende von Arbeitern sich zusammentäten, gegen die Teilnehmer an solcher Sammlung auf Grund d e s S tr a fg es e tz e s müsse vorgegangen werden können. Abg. Rosenfeld(Soz.) sprach sein Bedauern über dies« Aus- sührungen aus, die durchaus geeignet seien, Beunruhigung in der Arbeiterschaft hervorzurusen. Wohin käme man, wenn man bei einer Ansammlung der Arbeiter eines Betriebes auf dem Fabrikhof schon mit solchen Gesetzes- bestiimnungen wolle eingreise» können. Di« sozialdemokratisch« Fraktion werde sich dagegen auslehnen!. Ministerialdirektor Bumke erwidert«, daß ihm dies durchaus fern lieg«, aber ein« Menge, die sich zusammenball«, müsie selbst davor geschützt werden. Es fei nutzt human, der Polizei nutzt die Möglichkeit de» Eingreifens zu geben. Abg. Loudsberg(Soz.) verwies darauf, daß die Polizei immer das Recht Hab«, auch ohne Strafporagraphen einzugreifen, wenn irgendein« Gefahr für die Sicherheit des Publikums gegsbau sei. Es sei kein Grund, einen Zustand zu beseitigen, dy: 7ö Jahr« bestche, ohne daß sich«in Mißstand gezeigt habe. Der sozialdemokratische Antrag, der nur das geltende Gesetz ausrechterhal- t« n wolle, sei durchaus gerechtfertigt. Aus Wunsch des Ministerialdirektor« Bumke würbe alsdann ß 174 an den Untersuchungsausschuß oerwiesau und die weitere Beratung auf heute oertagt. Bierländerkonferenz in London. 7. nnd S. Aeb�uar.— Reparationen und RKeialandrämunag. Am 1. und 8. Februar findet in£ o nch o n eine Lierlinder- konferenz statt, auf der Vertreter der belgische«, britischen, deutschen und französHche» sozialistische» Parteien unter Tellnahm« des Sekretär» der Sozialistischen«rbeiterinter« nationale über die wichtigsten internationale» Probleme der Gegen- wart und der nächsten Zukunft gemeinsam beraten werden. Diese ursprünglich für den Spätherbst in Aussicht genommene Tagung mußt« infolge der Schwierigkeit� einepl für Delegierte aus vier verschiedenen Ländern gleichmäßig passenkwn Termin anzusetzen, zunächst auf die zweit« Januarhölfte, sodann auf Anfang Februar verschoben werden. Das neue Datum hat izen technischen Vorteil. daß ein Teil der Delegierten unmittelbar nach der Vierländerkonfe« renz an der ebenfalls in London am 10. und 11. Februar statt- findenden Tagung der Exekutive der SAJ. wird teilnehmen können. Die neue Vierländerkonferenz bildet gewisiermahen die Fortsetzung früherer Tagungen, aus denen die großen europäischen Problem« beraten wurden und deren Resolu- tionen nicht ohne Wirkung auf die späteren Vereinbarungen zwischen den Regierungen gewesen find: Frankfurt a. M. 1922. Berlin 1S23 und Luxemburg 1S2S. Die Londoner Vierländerkonferenz dürfte an Be- deutung ihre Vorgängerinnen insofern übertreffen, als einmal Fra- ga» von aktuellster Bedeutung auf der Tagesordnung stehen, ins- besondere da» R«paration»proble-m und die Rheinland- r ä u m u n g, und andererseits die britische Arbeiterpartei durch eine ganz besonders repräsentative Delegation vertreten sein, was angefichts der kommenden Neuwahlen in England von großem Wert für die international« Politik sein dürfte. Di« Delegationen sind von den einzelnen Parteien wie folgt zusammengefaßt worden: Belgische Arbeiterpartei: Emile Vandervelbe, Louis d e B o u ck ä r e und Josef van Roosbroeck.(Für den Fall, daß Vandervelbe, der gegenwärtig schwer an Grippe ertrankt ist, noch nicht wiederhergestellt wäre, Ist an seiner Stell« Joseph W a u t« r» in Aussicht genommen.) Britische Arbeiterpartei: I. Ramsoy Macdonold, Arthur H e n d e r s o n, Philipp S n o w d e n, Herbert M o r r i s s o n, Tom Shaw, C. T. C r a m p, W. Graham. Dr. Hugh D o l t o n und William(9 Iii i es. Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Otto Wels, Arthur E r i» p i e n, Rudolf B r e i s ch e i d, Johanne» Stelling, Fritz R a p h t a l i und Vittor Schiff. Soziallstische partes Frankreich»: Vincent A u r i o l, Lton Blum, Pierre Renaudel, Jean L o n g u« t und S. Grumbach.' Außerdem nimmt an der Konferenz der Sekretär der Sozialisti, tchen Arbeiterinternationale Dr. Friedrich Adler teil. Di« Tagung wird im Haus« des Transportarbeiterverbande« in London nnter dem vorfih van Ramsay Maedonald abgehalten weiden. lieber die Ergebnisse der Viertänderkonferenz wird auf der unmittelbar anschließenden Tagung der Exekutiv« der SAJ. Bericht erstattet. An den Sitzungen der Exekutive, deren Tagesordnung noch zahlreiche ander« Punkte zählt, nehmen für Deutschland die Genossen Otto Wels, Arthur E r i s p i« n und Ja- Hannes Stelling teil. ,r'Außerdem ist die M i n d« r h« i t e n k o m m i s s i o n der SAJ., deren Vorsitzender Otto Bauer- Wien ist, noch London ernbe- rufen. Aus dem Haushattsausschuß. Roch einmal Rechttverhckltniffe der WartestandSbeamiea. Der vielumkämpste Gesetzentwurf über Aenderungen der Rechts- verhAtnisi« der Wartestandsbeamten war in der Plenarsitzung vom Mittwoch nach beendeter zweiter Lesung von neuem an den Haus- hattsousschuh zurückverwiesen worden. In seiner Donnerstag- sitzung beschäftigte der Hanshallsausschuß sich noch einmal mit diesem Gesetzentwurf. Der Berichterstatter. Abg. Roßmann(Soz.). erklärt«, d« Vorlag« sei zwar kein« Ideallösung des Problem«, ober sie dringe doch einen Fortschritt. Die Sozialdemokratie werde folgende Resolution unterstützen: „Di« Reichsregierung ist zu ersuchen, auf die Reichsbahn dahin einzuwirken, daß bei der Durchführung des Gesetzes Härten nermieden und insbesondere die Rücküberiüh'rung der.Zurzeit noch im Arbeitsoechältnis befindlichen ehemaligen Beamten nichl ver- zögert oder verhindert wird. Auch die Jntercsien der vorhandenen Beamtenonwärter sind noch Möglichkeit zu wahren." Schließlich ersucht« Abg. Roßmann die Regierung um ein« Aeußerung darüber, ob dieses Gesetz Arbeiter- und Angestellten- «nttossungen zur Folge hoben werde Staatssekretär Dr. Popih erklärte, daß solch« Entlastungen nicht beabsichtigt seien., Roch längerer Diskussion über einige weitere Anträge wurde schließlich der ganze Gesetzentwurf mit 22 Stimmen angenommen. In der dann fortgeführten allgemeinen Aussprache über die Beamtenverhäktniss« de« Reichsfinanz mini st«. riums und der ihm unterstellten Behörden erklärt« Staatssekretär Dr. Papitz ferner: Die endgültig« Abgrenzung der Landesfinanz a m t s b« zi r k e fei noch zurückgestellt, weil sie aus« engst« Mit der geplanten großen Verwaltung«- und Ver- fassnngsrefvrm Deutschlands zusammenhänge. Mißhandlung im besehten Gebiet. Im Reichstagsaixsschuß für die besetzten Gebiete wurde am Donnerstag«in Antrag aller Parteien einstimmig angenommen, in dem die Reichs regierung ausgefordert wird, die Mißhandlung«ine» Mainzer Bürgers durch einen Beamten der Surete genau festzustellen und«Msprechend« Schritte zu unternehmen. Retchsrai. Der Reichsrot genehmigte in seiner öffentlichen Vollsitzung vom Donnerstag na chmiltog den Gesetzentwurf über das Abkommen zur Beilegung der finanziellen Streitfragen zwischen Deutschland und Rumänien. Angenommen wurde weiter«in Gesetzentwurf, wonach dit Galtungsdauer der Verordnung über die Errichtung von Ar- beitskammern im Bergbau derart abgeändert wird, daß di« Wahlperiode dieser Arbeitskommern von zwei ajif vier Jahre ausgeoelM wird. Der Reichsrat erklärte sich damit emperstanden. daß Such für da» Rechirungsjahr sgM hex Mindestsatz der au» den Ertrag- nissen der H o u sz r n« st« y e r aufkommenden Mittel kür d>« Förderung des Wohnungsbaues 1Z bis 20 Prozent betrogen fall. Erweiterung der Krisenunterstühung. Ein Erlaß des Arbeiksministers. Durch Erlaß des Reichsarbeitsminifters vom August 1026 sind ein« Reihe von Berufen ganz allgemein zur Arifenuntsrstützung zu- gelösten worden, und zwar handelt e« sich um solche Beruf«, die bereits im Sommer 1028«inen ungünstigen Arheitsmartt auf- wiesen. Darüber hinaus steht der Erlaß die Möglichkeit vor. die Krisenunterstützung bei besonderen örtlichen Notständen ort«- und bezirksweise aus weitere Verufsgruippen auszudehnen. Auf Grund dieser Bestimmung sind«in« Reih« weiterer Zulassungen zur Krise»Unterstützung teils vom Reich sarb«tts min Ister. teils vän den Präsident«« derLandesarbeitsämter ausgesprochen worden. Neuerdings ist dex Pertonenkreis allgemein dadurch erweitert worden. daß der Reich so rbeiismimster die Lanidesorlieltsämter ermächtigt hat. vom 28. Januar 1920 an auch die An gehört gen der Industrie der Steine und Erden, sowett ihr« Arbeitslosigkeit nicht berussüblich ist, sowie die Tabak- undZigarren. arveiter zur Kriseminterstützung zuzuiassen, sofern«in Bedürfnis dazu besteht. Ein erheblicher Hunderlsatz der Arbeitslosen kann daher schon heut« Krisenunterstützung erhasten. Di« Frage, ob noch weitere Bevussgruppen in die Krifenunter)tützung einzübeziehen sind, wird zurzeit geprüft. Klassische Landbundarbeit. 1 Millionen Schulden und 633 Mark Vermögen. Wie so viele Genossenschaften de» Reichslondbundes ist auch dit Landbund A.-G. in Hirschberg(Sc�esien) bankerott gegangen. Jetzt gibt der Konkur»v«rw918 Elsaß und Lothringen wiederge- wonnen haben, wußten mir, daß«in« fremd« Verwaltung sich bemüht hatte, wenn nicht die Herzen, so doch mindestens die Geister zu entfremden und daß andererseits«in« groß« Mehrheit der Bevölkerung geläufig das Deutsche oder den Dialekt sprach Am Vorabend des Krieges von 187» war das Fxan- zösijche im«lsässischen Volt mit die beherrscheich« Sprache gewarben. Nach der Besetzung versuchten die Deutsche» überall da» Französisch« zu vertreiben. Die elsässischen Abgeordneten haben unaufhörlich im Reichstag gegen den Ausschluß des französischen Unterrichtes Ein- spruch erhoben und haben Deutschland nur allmählich einig« Zuge- ständniss« abringen können. Nach dem Krieg« bemühten wir un», der Bevölkerung, die nur da» Deutsch« konnte, nicht allzu große Schwierigkeiten der Anpassung aufzuzwingen. In der Verwaltung, in den Gerichten und besonders in den Schulen wurde gleichzeitig d»« Verwendung der beiden Sprachen angeordnet. Di« jungen Elsässer müsse» nach Verlasien der Volksschule französisch und deussch können, wobei der Hauptplatz dem Französischen eingeräumt bleibt. Auf den konfessionellen Charakter der«lsässischen Schul««ingehend, jagt« Poincare weiterhin, Frankreich habe sich im feierliche Verpflichtung eingegangen, eine Assimilierung zu bekämpfen, die nicht von der ganzen Bevöl« terung verlangt wurde. Der klare Wille von Elsaß und tolhringeu sei die veibehaltoug de» �tstus guo. Ein Gewaltstreich wäre Frank» reich unwürdig und würde einen unverzeihlichen Fehler bedeuten. E» wäre untunlich, gegen gelegentlich« Fehler der«lsässischen Geistlichen Zwangsmaßnahmen zu ergreifen. Der Bischof von Stroßburg, der seine doppelt« Pili cht als Priester und Soldat(?) erfüll«. Hab« gewiß Geistliche bestraft, die da» Gesetz nicht beachtet«],. Nach wetteren Ausführungen über dos im Elsaß bestehend« Konkordat erklärte Poincare, daß er in der Freitag- Sitzung über die autonomrstischen Umtriebe sprechen »erbe.• Zum Schluß der Sitzung beantwortet« Außenminist« B r i a n d «in» Anfrag« über den KübaltünnÄ. wöbet er hervorhob, daß dos englisch« Volk sich gegenwärtig mit der Frage beschäftige und di« SUgierung di« Angelegenheit einer gründlichen Untersuchung unter- warfen habe. Di« Pflicht de» französischen Ministeriums sei. das Ergebnis dieser Prüfung abzuwarten. Litauische Putschisten verhastet. plechavizios auch dabei. Riga. 31. Januar.(Eigenbericht.) Aus Veranlassung des Ministerpräsidenten W o l d e m a r o s ist der vor«inigen Togen von seinem Amt zurückgetretene General» st a b s ch« f d«r lttauischen Arme«. Oberst Plechavizius verhaftet worden. Außerdem wurden IS andere höhere Offizier« unter dem Verdacht der Vorbereitung«ine» Pussches festgenommen. Plechavizius war es, der seinerzeit durch Mißbrauch der auf die Republik und ihr« Verfassung vereidigten, aber zum Gehorsam gegen Dienstbefehle verpflichteten Armee, hie versossungamoßig« Regierung Dr. G r i n i u s' gestürzt, die Diktatur Smetona-Woldemorae aus- gerichtet und seicher aufrechrerhalten hat. Woldemaros kennt natürlich seine Pappenheimer und ist einem neuen Pvssch zuvor- gekommen. Ob mit Erfolg, wird sich bald zeigen. Die Aachbarn Afghanistans. Unruhe in Tkordweflindien. Delhi. 31. Januar. Der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten. B r a?. erklärt« im Parlament im Nomen der Regierung, di« militärisch« Lage an der nordwesttichen Grenz« sei während der ganzen Zeit der Wirren in Afghanistan stets normal geblieben. Dos täglich« Leben in den Grcnzgarnisonen habe in keiner Weis««ine Störung«r» fahren. Vi« einzig« Abwechslung seiderAbsluaderhritischen Flugzeug« nach Kabul gewesen, um die Frauen und Kinder von dort abzuholen. Die polttisch« Lage diesseits der indischen Grenz« sei außerordentlich ruhig. Jedoch hätten die Stämme ein groß«? Interesse für den Bürgerkrieg in Afghanistan ge- zeigt, und die Anhänger der drei Regierungen in Kabul. Dschelala- bod und Kandahar hätten um ihr« Unter st ützung geworben. Die britischen Offizier« der Grenzgarnisonen hätten große Mühe gehaltt, die Stämme daran zu verhindern, unüberlegt zu handeln und d>e Politik der strikten Neutralität zu verlassen. Das sett zwei Tagen vermißt« britische Truppentransport- flugzevg ist am Donnerstag in Kabul gelandet. Der Grund für die Verzögerung ist nicht bekannt. Einschränkung sranzäsischer Manöver. Die Zeitschrist„France Militaire' kündigt für 1929 eingeschränkte Manöver an, da an der Umorganisierung de» Heeres gearbeitet werd«. Es iollon statt» finden: acht- hl? zehntägig« Manöver mit Scharfschießen auf dam Truppenübungsplatz Mailli(eine Inianteriedwision. Tont». Dro» ganer und Artillerie), serner Marschübungen von mindestens einer Woche Dauer m den Vogesen und Marschübungen im Gebirge(in de» Pyrenäen)»an zwölf Tage». preußische Pferdezucht. Sozialdemokratische Kritik im Landtag. Lm Zhmuerztog fetzte der Landtag die zweit« Losung des Gestütetats fort. Abg. Frau Wohlgemuih(Soz.): Der Wechsel auf dem Posten des Oderlandstallmeisters— die Ersetzung des Herrn Grohcourt durch Herrn Gatermann— scheint endlich den Weg frei zu machen sür die von uns seit 1920 geforderte Umstellung' der staatlichen Gestütverwaltiina und der Landes- Pferdezucht. Seit Iahren haben wir unablässig betont, daß im Mittelpunkt der Pferdezucht das rein landwirtschaftlichen Zwecken dienende Kaltblut pfevd stehen mutz. Wir haben Ihnen immer wieder die Zahlen vor Augen geführt, die zeigen, in weichem Um- sang Deutschland schwer« Arbeitspferde einführen mutz. Die Aufzucht eines Trakehnerhengftes kostet dem preutzlschen Staat 70 000 Mark. Dabei dienen diese schönen Tiere doch nur dazu, feudale Pas- sionen und Launen zu befriedigen. Geitm Alteseld erfordert einen jährlichen Zuschuß von 400 000 M. Sein« Schassung ent- sprang einer unvernünftigen Laune des Jubilars von Dgprn, und die Republik Preutzen zahlt. Das Gestüt Beverbeck ist praktisch gänzlich unverwertbar geworden. So darf in der Gestüt- Verwaltung nicht weiter gearbeitet werden.(Sehr wahr! bei den Soz.). Durch Zusammenlegung und Abbau der Gestüt« mutz dieser unverantwortlichen Wirtschaft ein Ende gemacht iverden. Gärnitz ist jede Beseitigung eines Gestüts ein schwerer Schlag für die betroffen« Gegend: aber da man nicht rechtzeitig«ms unseren Rat gehört hat, bleibt jetzt nichts anderes übrig, als die unren- tablen Gestüte stillzulegen. An den Zuschüssen für Rennvereine beantragen wir. Z Millionen zu streichen. Wir brauchen das Geld dringend für sozial« Zweck«. Der Unioncl/ub hat durch seinen Präsidenten Grv,f Arnim-Muskau Einladungen zu einem großen Festessen zur Feier des 7 0. Geburtstages seinesProtektors in Doorn ergehen lassen. Kann die preutzische Republik direkt oder indirekt solchen Vereinigungen ihr Geld zuwenden?(Schr gut! bei den Sog.). Wie lange will der Landwirtschaftsminister dulden, datz in Ost- preutzen jährlich zur Förderung der Warmblutzucht Z>l Millionen ausgegeben werden, zur Förderung der Kaltblutzucht nur 17000 M.? Darf die Landwirtschastskammer, weil die in ihr sitzen- den adligen Herren nach alter Vorliebe Renn- und Armeepferde züchten, die praktischen Bedürfnisse des kleinen Landwirts vollkommen vernachlässigen? Ebenso vernachlässigt werden die kleinen Pserdezüchter beim Remonteankaus und bei ollen anderen staatlichen Hengstkäusen. Selten können sie anders als durch Ber- rnittlixng eines der Grotzen auf den Privatmürkten ihre Pferde verkaufen, und den Gewinn hat dann die Zwischenhand, nicht der eifrig« Züchter. Im pscrdekauf hat die staatliche Gestüloerwallung eine ausgesprochen unglückliche haad. und das hat politische und gesellschaftliche Ursachen. Wenn man von Herrn von Zitzewitz einen Hengst für 10000 M. kauft und ihn ein paar Wochen später für 7S0 M. wieder Äxseben mutz, weil er nichts taugt, wenn man dauernd mit den Käufen bei Herrn von Oidenburg-Ianufchou schlechte G e- schäft« macht, wenn dos Landgestüt in Rastenburg Hengst« reich- lich teuer kamt und sie nachher billig an die Vorbesitzer zurück- verkmrfi, so weiß man schon, warum beim Ankauf nicht ge- wissenhaster voraegangen worden ist.(Sehr wahr! bei den Sog.). Die staatlichen Hengste weiden in großem Umfang sür die länd- lichen Reitervereine zur Verfügung gestellt, für das Jagd- und Schnitzelreiten, und die Gestütswärter müssen die Pferde darauf dressieren, formell natürlich alles freiwillig, ohne datz dos irgend- wie zu ihrem D-enst gehörte. Auch diese Regelung ist ein« Spezia- lirär des Oberlandstallmeisters Grotzcourt gewesen. Dabei ist noch nicht einmal klargestellt, wer die noch nicht fest angestellten Gestütsbemmen entschädigt, wenn sie bei derartigen Sportübungen zu Schaden kommen. Die Gestüt b e a m t e n müssen noch immer weit über 10 Jahre als kündbare Anwärter herumlaufen, eh« sie angestellt werden. Den Gestüt a r b e i t« r n hat man, ab- weichend von allen anderen staatlichen Arbeitern, den Anschluh an die staatliche Versicherungszuschuhkasse bisher v e r- wehrt. Danken müssen wir dem Minister dafür, daß er den zu Unrecht bestraften Gcstütbeomten in Marienwsrder zu ihrem Recht verholfen hat. Wir wünjcheN auch weiterhin jode sachlich g«rechl- fertigte Unterstützung der Gestütbeamten unp sind bereit, alles was die Umstellung der Landespferdezucht auf w i r t f ch a s tl i ch e Nütz- lichkeit fördert, zu unterstützen.(Bravo! boi den Sc«.). Nach Darlegungen des Mimsters und einer Rede des Abg. Kasper(Komm.) folgen drei Stunden lang Absilmmnngen zum Landwirlschastsetat. darunter 12 namentliche, darunter drei von der Soziotdemo- kvatie beantragte, über die Aushebung der Futtermittelzäll« und über die Entwicklung einer Landesinspektivn entsprechend der Gewerbeinspektion. Der erst« Antrag wird mit 1S4 gegen 172 Stimmen, der zweite Antrag mit 191 gegen 166 Stimmen 0 b- gelehnt. Dafür stimmen Sostaldemokroten. Sommunisten, Demokraten und einig« christlich« Gewerkschaftler. Im übrigen werden die Befchfusse des Hauptausschusses bestätigt. Freitag, 11 Uhr: Gestütetat, Domänenetat. Die Steuervereinheittichung Erste Beratung beendet. Der Reichstag setzte am Donnerstag die erste Derotung der Steuervereinheitlichung s�e setze fort. Abg. Eolosser(Wirst chaitäp.); Wenn nicht erhebliche verbesse- rungen der Borlag« eimreten, ist unsere Zustimmung kaum zu er- warten. Vereinheitlichung bringt sie nicht, läßt alle Schikanen weiterbestehen und gestattet den Gemeinden sogar Nachcrhebung«n. Bewahre uns Gott davor bei der jetzigen Zusammensetzung der Ge- metndeverwaltungen! Der Mittelstand steht heute unter Ausnahme- recht. Wir begrüßen, datz die Borrechtc des Geldsacks abgeschafft sind, aber den wahren Votksstaat vermissen wir. Abg. Dr. horlacher(Boyer. Bp): Die eingehende Prüfung, die das Zentrum zu unserer Freude ankündigt, kann sich recht lange hinziehen. Den reichen Inhält der Vorloge, den Fleiß der Beamten und die Beschäftigung der Reick�druckerei damit, erkennen wir an, damit ist aber unsere Anerkennung schon zu Ende.(Heiterer Bei- fall rechts.) Wir wundern uns, dätz die Regierung der Köpf« an dieser Dorlage festhält, die doch von der gan.zen Wirtschaft abgelehnt wird.(Hört! hört! und Beifall rechts.) Wir lehnen die Vorlag« schon aus Verfaffungsgründen ob.(Zuruf links.) Ich wünsche den bayerischen Soziademokroten soviel Mut, datz sie hier in der Bier- steuerfrag««inen Schritt vorwärts gehen: sie müssen sich dann «ber für ihre Wählerversammlungen den Hosenboden mit Blech aus» staffieren lasten.(Stürmische Heiterkeit.) Der Redner hall dann ein« ausgewachsene Oppoststonsred«. Er schließt mll der Erklärung. datz seine Partei die Vorlage als verfassungsändernd und wirstchafit- lich schädigend ablehne. Der Streit Regierung— Reichstag und die Doppelvorlagen sollten aushören. Angesichts der Ablehnung durch Wirtschaft. Städtetag usw. sollte die Regierung ihren Irrtum ein- sehen und die Vorlag« zurückziehen. Konzentrieren wir lieber unsere ganze Kraft zur EMlastung von den untragbaren Reparations- lastcn.(Beifall rechts!) Wenn die Regierung die Vorlage nicht zurückziehen will, soll sie sie wenigstms solange vertagen, bis dieser Reichstag um ist.(Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. v. Sybel(Chr.-Rat. Bauernp.) spricht ebenfalls gegen die Dorlage, in der er eine Tendenz zur Stenererhöhung, aber nicht zur Steuersenkung erblickt.(Zustimmung rechts!) Auch der Rechtsschutz der Steuerpflichtigen reicht nicht aus. Staat Vereinheitlichung er- halten die Steuerpflichtigen oermehrte und erschwerte Schreibarbeit. Abg. Artest(D.-Hann.) gibt eine Erklärung ab, die den guten Willen der Vorlage anerkennt, aber die vorgeschlagene Durchführung ablehnt. Abg. Dr. Best(Aufwertungsp.) spricht gegen die beantragt« Neuregelung der Hauszinssteuer. Ohne gerechte Aufwertung kein Berttauen in die deutsche Republik und somit weitere Kreditnot der deutschen Wirtschast! Damit ist die erst« Beratung beendet, die Gesetzentwürfe gehen an den Steuerausschutz. Freitag. 3 Uhr: Wartestandsbeamten(dritte Beratung), Handwertsnovelle._ Genosse Bernhard Menke gestorben. An den Folgen einer schweren Grippe. Dresden. 81. Januar.(Eigenbericht.) Heut« früh starb im Aller von 52 Iahren das sozialdemokratische Mitglied des Sächsischen Landtages, Bernhard Menke, an den Folgen einer schweren Grippe. Menke, der seit Jahrzehnten in der Arbeiter- bewegung wirkte, war im Jahre 1923 Polizeipräsident von Dresden, wurde ober dann nach dem Einzug der Reichswehr durch d«n General Müller seines Postens enthoben. Während des Krieges war Menke jn einen Landesverratsprozeß oerwickell, weil er angeblich vor Jugendlichen zu einem Streik zur Beendigung des Krieges aufgefordert haben sollt«. Er wurde dpmals zu einer längeren Zuchthausstrafe verurteilt, von der er durch die Revolution besreit wurde._ „Die Großmutter der Nevolutton." In Prag hat Frau Breschko-Breschkowskajo dieser Tage ihren 85. Geburtstag gefeiert Die russischen Sozialisten nennen sie schon längst die.Grotzmutter der Revolution". Während der letzten Jahrzehnte der Zorenvegierung war sie an revolutionären Aktionen immer wieder beteiligt und wurde deshalb wiederholt ein- gckerkert und noch Sibirien verschickt. Die Revolution von 1917 brachte ihr die Freiheit, aber auch eine Reihe Enttäuschungen. Die Kämpserin hatte sich ein Idealbild des aus der Revolution neu erstehenden Rußland entworfen, welches sie mll dem Staatswesen der Bolschewiki nicht in Einklang bringen konnte. Mit vielen anderen mutzte sie au» Ruhland flüchten und lebt seit Iahren in Prag. BerantworlliS y>r Politik- Dr. a»rt»eyer! WlrttckaN:«. Nlioocl»?»?»! Eeoerkschollsbriorgung: Z. Steiler; Feuilleton: Dr. Ioh» Schilowoki; Lolaleo und Sonttiae»: Fe,» Noeflitt;«nceioen: tV St»««-«Smilich in LeeUn Serloq: Porwärto-Perlog GmbH.. Berlin Trud: Borwärt».Budruckcrei un» vrrlanoanitalt Baut Einoer u So Berlin EW IS L-nt>-"0rnS»» Kieez» I Beil«»»»,„SUMbeiUge*«ab„UaUiftaUug«ab Vilsen*, {umuo WERTHEIM dßeiße(tßcche I Ai r>-9i At Ar Aa 19 aa Ar»f 1% aIas» kJl Leipziger Str. KönlgetraBe Rosanthalar Str. Merltzplatz Preise(Cr Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werde» nicht zugesandt Besonders preiswerte Angebote (Kern 1 I L>dU Leipziger Allerlei 90pt Gemlsdit. Gemüse, lein l.iO, mitteUein 1.1U )g. Brech» u. Schnitt» bohnen 60 son» l 78 pi 50 pi TSpj. Gemüse- Erbsen Junge Erbsen l«i» I.2S, mUtclteln Junge Erbsen wie ceschniitenen 47 ot 7R pt Karotten.>, Dose iö PI Rote Rüben....57 n Spinal....... 48 pl Pflaumen...... 65 pl Apfelmus...... 70pt V, Dos« Mirabellen'/» 60pt 1.05 Sfachelbeer.,'«57pL 1.00 Kirschen, eauer.m.St.'-Olloh«« St 1.30 Senfgurken1« 65pf. 1.10 Erdbeeren«»SSpi. 1.55 Kalijorn. Pfirsiche 1.40 Kalif. Aprikosen..1.50 Siangenspargel »lark 3.00 Rica«« 3.30 Bruchspargel 3.00 Olsardinen.. ronusleiisd)« 35 PI. 42 Pt Norweg. Heringe„ in Tomaten, Dos« i*Pt Ohmt u. Qetnuam Etzäpfel... Pfund 20Pt Kronzfeigen Pfand 28pt Kalif. Tafeläpfel«t 45 pl Kiste ca. �«» fTr\ 45 Pfd. brutto, von 1 0.50 aa Mandarinen hi.30, 35 pl Zitronen..Du»«nd SOpl ApfÄnü 48.66.Y3PL Apfelsinen 90 pl Bananen 3 Pwd 85 Pt (tüuratwoi Irinlpto!\ o ineriknar j J Plnd 95. Hausmödiersülze 55 pl Rolwursl] p,,md Sülzwurst � Dampjwurst) jus Leberwursl 1.20 Mellwursl W)ZZl.45 Jagdwurst.. pfmd 1.45 Schinkenpolnische 1.55 Filelwursl.. � Pfand 135 Zervelot u. Salami,_e bolalaiiilad». Plund l.<5 se Leberwurst ratM.m 1.80 Pökelfleisch xckachi 1.80 Speck f«. 1.20 mJfri.40 Schinkenspeck Pfd. 1.75 Nußschinken, e«. 2 Pfct schwer, Pfd. I." Berl. Mellwursl Pfd. 1.20 Teewurs!...Pfund 1.70 Bierwursl..piund 1.70 &Co lottia hoarn Olympia-Mehl.... 5-piu«d.B«ui«i 1.10 1.18 1.25 Olympln-Mehl.... 2-p(uDd-Bcuiei 52«. 55 p/. Rauhreif-Mehl............ 5-pinnd-B«ut«i 1.25 Viktoriaerbsen nt 24pl Bassin-Reis Pfund 23 pl Grüne Erbsen Pfd. 30 pl Gelbe Erbsen«oi. 32 pl Gelbe Erbsen � 33 pl Linsen.... Pfand 32 pt Wei�e Bohnen nt 45 pl Amerik. Reis Pfund 32 PL Haferflocken pw. 24 pl Hortgriefi. piund 25 pl Bosn. Pflaum. 45 Pt Kalif. Pfirsiche Pfd. 68 pl &•*** frisches fiPletseh Liesen p.und 0.70 Gehacktes p:d.0.7S Schweinebauch--»o»"'.-«»-»»y 1.05 Schweinekamm».»i«n.»ii»«».'p!d. 1.12 Schweineschinken...... p.und 1.13 Kalbskamm u. Brust....p?»«- 0.75 Kalbsnierenbralen...... p.und 0.85 Kalbskeule»UN» und gefeilt.. P.'und 0.95 Rinderkamm u. Brust---- piund 0.75 Querrippe pi«>- 0.75 Gulasch pfd.0.85 Schmorfleisch u. no«,»»».,. m.KnoA. i.oo Schmorfleisch ohne Knodieu..Plund 1,25 Hammel-VorderfEeisch.. p;und 0.98 Kavier, Speer u. Kamm. Pfund 1.25 Mindevsungen»ru*.,.pjundi.iu Knibsschnitzel........ p.und?.io Prima qofrlernetFach Suppenfleisch.......... p.und o.ES Rinderkamm u. Brust.... p.und 0.75 Kuh-Euter Pfd. 0.25 Kerzen Pfd. 0.55 M«aslna»Apr«IsinM Kid. 100• EA u. 190 SKkde 0.911 Weißkohl... Pfand Ypt Wirsingkohl.PfsadQpt Rote Rüben Pfund 9pl Rotkohl...Pfund IOpl Möhren«e,£,Vf?na 25 Pt Zwiebeln 2 Pfand 25 pl Sellerie....Pfund 24 pl Rosenkohl Pfund. 28 pl &lauc/tafutafmtt Eeitbücklinge 23 u. 32 pl Ortglnalklale. ca. E Pfd. 1.15 Kieler Bücklinge 45 pt Fleckheringe pfd. 42pt Seelachs t siiick�pfd. 55 pl Lachs Romadou Aii,«u«r. Haibian.......... sno, 24 Pf. Limburger Aiiy..h«ibi«»...pfd. 53 pt roßt««..ptd. 1.05 Holländer haibiatt..... p«. 75 Pt vour»«.. Pfd. 1.05 Edamer haibtait...... pm. 75 pl.saian..Pia. 1.05 Tilsiler.............. Pfund 88 PL voMle.'t I Pfd. 135 Sleinbuscher vom««.............. pfw,d 1.18 Schweizer d»B, drtivr»t(«ife(( Pfd. 95 pl 1.35 Bleddili«, halbtctt, ahn«»Inda Tilsiter Ar! Pfund 88 PL Schweizer Art Pknod 98 PL Italienische Mokkaroni u. Spaghetti 65 pt &€ottfitura V, Elmer Vldrfruchl 0.88 Pflaumen 0.98 Aprikosen 1.10 Erdbeer..1,30 Orange, Johonnisbeer. 1.15 Kirsch, Himbcer 1.35 Ananas 1.45 Margarine Pfd. 52, 58 pl Kokosfett pf«............ R»d. 0.95 PUten gelroreno...... Pfund von 0.95«n Suppenhühner.... p.und«»■ 1.05— Fette Enten gafror««••.Pfund von 1.20— Woigahfihner..... Pfund von 1,15«> Hasen gcs)ralfl u. auigaworfcn, P,und 0.95-» Hirschblatter......... Pfand 0.95 Rehbiatter............. p.und 1.35 Fasanenhühne........ skw 2.95- Rr. 53* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, i. Februar 1929 �/Jnr&pznp und? ü&iälA Cine abendliche Rückfahrkarte.. Billett hin und zurück— die schön« Gewißheit, daß man die heimischen Fwren wieder erreichen kann, auch wenn man alles Geld verjuxt hat. war ein« Beruhigung nicht nur für den Reisenden, ssildern auch für Weib und Kind. Bei der Untergrundbahn !ü hiev Sicherheit nicht gegeben. Wenn du Pech Im Spiel— also Glück in der Liebe hattest, deinen letzten Groschen weggeben mußtest — dann kannst du lange an der Pforte zur Unterwelt stehen, bis du eine mitleidige Seele findest, dl« dir zwanzig Psennig auf dein ehr- sichre Gesicht gibt... Ausnahmevechältnisse— wird der Leser lagen, aber in einer„Weltstadt� mit sensationshungrigen Besuchern sind üe denkbar. Und diese Rewurbillettlosigkett hat noch ein« ander« Bedeutung und das für uns olle. Du gehst ins Theater, das so bequem an der bl-Bahn-chaltestelle liegt— und nach Schluß der Vorstellung siehst du den langen Strom der Zuhörer resp. Zuschauer, die in den Schlund hineintappen. Mögen noch so viele Schalter geöiinet sein— es ballt sich die Menschemnoss« zusammen und während du Schlang« stehst, fährt.dein"' Zug davon. Wenn du vorher sine Rückfahrkarte hättest lösen können, wärst du noch b«quem nsttgekommen... Wär« es also nicht möglich, eine in Farbe und Äufdruik ganz anders geartete Abendkarte auszugeben, auf der etwa stände:„Nur gültig am...(Tagstempel) noch 21 Uhr abends." Mißbrauch könnte damit nicht getrieben werden— irnd das böse Lied vom Warten wäre um ein« Strophe kürzer.... lUehr JtöfUchhelt. Berlin kann, soll und will Weltstadt werden(nach mancher Leute Ansicht ist es bereits so weit) und man träumt auf Grund der tatsächlichen Zunahme von einem starken Anschwellen de» Fremden« verkehre. Wer in anderen Ländern gereist ist, weiß, daß fast allent« Halden dt« kostenlos», ober angenehm berührende Höflichkeit des„ich bitte"—„ich danke"— in weit höherem Maße vorhanden ist, als bei uns. Der alt« preußisch« Kommißgeist hielt solchen Aus» tausch von Höflichkeiten für überflüssig: die Frage war barsch, dl« Antwort rauh. Heut« lebt glücklicherweise in vielen— oder tan» man schon sog«»: meisten?— B«amt«ntöpj«n die Vor» stellung. daß das Publikum nicht wegen d«r Beamten da ist, und ireundlicher Bescheid ist kein« Ausnahme mehr. Da sollte das Publikum sich auch ew wenig anders benehmen, als es sich— natür- lich im Durchschnitt genommen— zeigt. Ich trete vor den Post- ichalter:.Lwei Marken i 15, bitte..." Ich erhalte sie: �Dreißig Psennig, bitte..."—„Hier. Danke..."— Wahrend ich die Marken einstecke, tritt ein nettes Mädchen heran:„SO Marken i 5", wirst das Geld hin— Aushändigung und Empfang spielt sich wort- ko» ob.— Ohne jede böse Absicht—«mfach, weil noch niemand das Fräulein darauf aufmerksam gmnacht hat, daß es hübscher llinzt und auch hübscher aussieht, wenn der Mund nicht nur Forderung, fandert wich die höflich« Bitte formt. Wenn Fremde uns so wort. karg und Höflichkeit sadweisend hantieren sehen, werden sie vielleicht bei sich sagen:„Wir Wilden sind doch besser« Menschen.. IWchlUche Apolhekctvmche. Den Apothekerangestellten ist der Schluß einer Anzahl von Apotheken zur Nachtzeit durchaus zu gönnen. Wer in die unglück- liche Lag« kommt, nach Geschäfts fchluh ein Medikament oder ein« heiUröftjge Droge gebrauchen zu müssen, wird gern einig« Schritte weiter laufen, wenn die ihm bekannte, am schnellsren erreich- bar« Apotheke zu denen gehört, die in dieser Nacht schließen dursten. Aber er wird es für wenig erfreulich erachten, wenn der nahe- wohnend« Apatlheker es vergißt, anzugeben, wo»ie nächste offene Apotheke sich befindet. Daß dies— wenn auch vereinzelt— vorkommt, wird wohl nicht bestritten werden können. Bei dieser Gelegenheit mag noch ein Wunsch zur Sprach« kommen, dessen Erfüllung wenig kostet. Fall» bei einer geschlossenen Apotheke zwei Ersatzapotheken angeführt werden, dürste es sich empfehlen, deren Entfernungen in Metern anzugeben. Ost spielen bei Erkrankungen Minuten des Fortbleiben» ein« wichtig« Rolle. Am schönsten wär» es, wenn die Hauswirt««inen Anschlag machten, aus dem das stet» für längere Zeit festgesetzte nächtliche vsfenholten der nächstliegenden Apotheken ersehen wenden könnte. Für die Rettungsstellen findet man häusig einen solchen Aushang in den Häusern. 'Vom Potsdamer tflala. Der Potsdamer Platz gehört zu den am besten regusterten Plätzen Berlins. Wer das schöne Wechselspiel von Rot und Grün betrachtet, kann sicher sein.-angesährdet dl« Brandung der Autowag en zu durchqueren. Bis auf eine Ausnahme: auch dieser so vor- bildlich erscheinenden Verkehrsregulierung fehlt die„Achillesferse" nicht. Wer von der Leipziger Straß«(aus der Seit« der Porzellan- manusakturemslage) kommeird, den Platz überqueren, also etwa zur Lenkstraße oder zum Wannseebahnhos gelangen will. sieht sich vor Erreichung des rettenden jenseitigen Dürgersteiges den Attacken der aus der Potsdamer Straße bei Grüniichi hervorbrechen- den, aber nicht geradeaus, sondern rechtsum fahrenden Autos aus- gefetzt. Und sie attackieren nicht schlecht, dies« Wogenlenker— mögen sie nun Autodroschkensahrer oder Selbstfahrer sein. Auf der anderen Seite der Grenze von Potsdamer Straße und Potsdamer Platz. also vor dem Kafseehausgarten, haben wir stets einen Schupomann postiert gesunden, der die Wagen sich sammeln ließ und dann ihnen im pasienden Augenblick freie Bahn gab. vielleicht möchte es recht» cchne solchen Regulator noch gefährlicher aussehen— aber auch der Pasing« zur Linken wäre Schutz zu wünschen. Nebrigens ist da» „Rosen um die Ecke" ein« alt« Leidenschast der Berliner„Herren der Straße". Früher waren es die Schlächterstchnverke— setzt die Auto».— Aber auch die Straßenbahnhaltestellen dürften zum Teil Anspruch auf eine Korrektur haben. Vielfach sammeln die Wagen sich so dicht auf einander, daß der von der anderen Straßenseite kommend« Pasiant durch das Anfahren de? vorderen Wagen de- hindert ist, rechtzeitig die richtige Etratzenfeite und damit den Zugang zu„feinem* Wagen zu erreiche». Bewag-Anleihe abgeschloffen. Der Anfflchlsral der Berüner Städtische« Elektrizitätswerk« A.-G.(Bewag) hat an 31. Januar«ach«folgier Zustimmung durch den Magistrat das Auleiheangebak de» Bankhauses villouReadu.Eo. in New Aork angenomme«. lediglich mit dem Vorbehalt, daß eine vertragsbestimnnmg von an sich unier. geordneter Bedeutung noch geändert v>ird. Diese Anleih« über 15 Millionen Dollar ist mit 6H pro,,(sechseinhalb proz.)»«r. ziaslich und läuft auf 30 Jahr«, jedoch ist frühere Rückzahlung durch die Bewag möglich, und zwar im ersten bis fünsten Jahre mit 102 H(einhundert, weieinhalb), im sechsten bi, zehnten Jahre mit t0l(einhuuderteins), von da ab zu pari. Die Tilgung erjolgt durch Auslasuug zu pari unter Anrechnung ersparter Zinsen(kunn». lativer lilqungesond». d. h. Tilznugsbetrag und Zinsen zusammen, ergebe» gleichbleibende Jahresbeträge). Als Zeichnungskur» ist mtndesteu« 93 H proz.(dreiundaeunzigeinhalb proz.) t« An» ficht genommen. Auszahlung an die Gesellschaft beträgt SO pro». (oennzig proz.)(bei einem Zeichnungskurs über 93% proz. steigt der Auszahlungskur» um die Hälfte de» Mehrbetroge«). Di« essekii« Verzinsung beträgt 7,58 proz.(sieben proz., achlundsünszig Hundert- stel)(bei Berücksichtigung der halbjährlich�» Zinszahlung 7,99 proz. (sieben proz, neunundsechzig Hundertstel). Der AnleiheerlS» wirb zur weiteren Finanzierung der schwebenden vauprograwwe. in». besondere für die Errveilerung der Verleilungvanlage«(Umsorw- werke. Umspannwerke und Sabelneh) dienen. Die Anleihe ist ohne Bürgschaft der Stadt abgo- schlössen, auch sind keine Grundstücke oder sonstigen Werls hypolh«. karisch oder sonstwie verpfändet. Zum deutschen Treuhänder ist die Denlsche Sreditsicherung A.-G, Berlin, bestellt worden. Ai« BevoS. mächtigle des amerikanischen Bankhauses sind dl« Verhandlungen vo» der Deutschen Srediisicherrmg A..G. und dem Bankhaus Dreysn,«. Co. geführt worden. Die Warenhausruine. Gibt es einen Schuh gegen Innenörande? Chaufseeitraße 70, wo gestern noch ein mehrstöckiger Bau fich erhob, in dessen Innern sich von morgen» di» abend« reges Leben und Treiben abspielte, in dem Hunderte und aber Hunderte ans- und eingingen, da ragen heut« nur noch verkohl:« Balkenstücke. oef. bogene Eisenträger und verrußte Mauerreste in die Lust. Oed«, soft gespenstisch wirkt da» Hausgeripp«. Bis morgen» gegen 5 Uh? waren die Löschmannschaften an der Arbeit, und auch gestern irnch arbeiteten schichttveise 60 Mann am Heran kschcrsien der Ueberresi«, und der Wasjerschlauch ist ununterbrochen in Aktion, denn von» Keller herauf schwelt e» wcite? und weiter, und alles ist auch heute noch in dicke Rauchschwaden gehüllt. Auf dem gegenüber- liegenden Gehsteig promeniert ein« fast unübersehbare Mensch«'.»- inenge. Schritt fti? Schritt schiebt sich diese Polonaise, ilankierd von der Schupo, den Weg entlang, der dicht mit Glassplitiern ge» pflastert ist, die von den zersprungenen Fensterscheiben der Häuser herrühren. Rufe des Erstaunens und d« Entlatzens werden kaui, hinter den zerbrochenen Fensterscheiben der gegenüberliegende» Häuser verfolgen angstvolle Gesichter den Fortgang der Ausräu- mungsorbeiten. Denn man kann natürlich nie nässen, ob dav morsche Gebälk, soweit es überhaupt noch vorhanden Ist, nicht Plötz- lich zusammenbricht und die darin arbeitenden Feuerwehrleute unter sich begräbt. Der seuersichere Sassenschrank, der den Flain- wen standgehalten hat, fiel in den Keller, doch war es bisher rrichk möglich, ihn irgendwie herauszuschaffen. Ein ganzer Fuhrpark von Wagen lädt fortwährend auf, was da von innen herousgeschaffk wird. Die Feivrwehrleutt waren in einem Morast von Nässe. Schnee und Dreck. Ein Neiner Schaukasten mst sechs ehemals weiße» Wäschestücken hängt, total beschmutzt, aber sonst unversehrt, ernso» an der Huuswand. * Es wkrh tamn mögklch teln. mir absoluter Genmikgkeit die Vtv fach« des Brandunglücks festzustellen, aber alle Wahrscheinlichtelt Iprtcht. dafür, daß der zündende Funk«,.gleichgültig woher er Dem, wunderbare Nahrung an den Geweben fand und so das nn- löschbar« Feuermeer entstehen ließ. Da drängt sich nun die Frage auf, ist denn die Tbemie nicht imstande, solches Unglück zu verhüten? Glücklicherweise Ist diese Frage.zu bejahen, denn wir befitzen leicht anwendbare und wirksame Verfahren dos Feuerschutzes vo« Geweben, und wir besitzen sie nicht erst seit gestern. Dies geht aus einem Vortrag im Berein Deutscher Chemiker, den bereit» stn Oktober 1922 Dr. Eichengrün im domaligen Märkischen Bezirks-- verein hielt, hervor. Es ist eine bekannte Tatsache daß. wenn erst einmal ein solcher Brond entstanden ist, meist auch die besten Feuer- lölchmittel versagen. Es lag deshalb nahe,«lue dauernde Besoitl- gung der Brandgefahr durch eine Berhindeninq des Entstehens und der Fortpflanzung der Flamme dadurch zu erzielen zu versuche� daß die br«m«baren Gegenstände mit nicht brennbaren und tr* brennbar machenden Substanzen imprägniert werden. Schon die alttn Rumer sollen derartig« Versuche angestellt haben, indem sie Holz mit einer Alaunlösung vor den Flanmien zu schützen suchtet� ioiti&M einet ReoolultOH. Vom(jeclta.tl MettmAHH I�losf&e Claim hatte aü die Worte, die in seinen Traum nicht hineingehörten, di« er kaum verstand, Roma, Pilger, mit- gesprochen— was taten diese Wort«, es schien ihm alles so schön, so wahr... Da aber zuckte er sah zusammen. Wie— sie wollten ihn zum König machen? Ihn, den krüppligen, kleinen Juden, zum König? Ach nein, ach nein, nicht das— man mußte also, König werden, wenn man da» tat, dann konnte er es doch wohl nicht tun— Calw sank wieder in seinen Stuhl, die Suggestion wollte weichen.„Rich doche," sagte er gequält. Run antwortet« Rienzi Calw lauschte wieder auf. Er wurde annehmen, gewiß, es war alles aus—. Aber nein, nein, Calm fuhr empor: „Nicht also! Frei wollt ich Euch haben!" „Frei!" wiederHolle er andächtig, juMitd. „Dbch wählet Ihr zum Schützer mich der Rech«., Di« dem Volke zuerkannt—" Zum Schützer der Rechte? Nicht König! Ja: Schützer— das awllle er isin. Dos konnte er sein. O— nicht König! Calrn hielt sich am Tisch. Seine Stirn zuckte, seine Augen füllten sich mit Tränen. Sein Herz schlug im Rhythmus des Iubekchor»: .Mn neues Volk erstehe Dir. Ein freie» Volk---* Es pochte laut hämmernd an die Tür. Wogner riß jäh die Hände vom schrillenden Klavier. Sie lauschten bleich, wortlos. Cölln sah fragend auf den Zitternden. Wagner winkte ihm zu öffnen. Er hatte seine beiden Hände auf den Tisch gestützt, eng geschloflen. Sie waren weiß vor Erregung. Draußen P«nb em jchlanker Mann vor einem Reise- wagen, den Hut vom blonden Haar gezogen.„Ist Herr Kapellmeister Wagner aus Dresden bei Ihncin?" Calm schwieg ratlos. „Ich komme als Freund." Calm trat beiseite. Der Fremde stürzt« ins Zimmer. „Semper!" schrie Wagner auf. Wir müsien fliehen," stieß der ander« atemlos heraus. „Das Hoftheater—" „Ich weiß, es ist abgebrannt, aber was hat das—" „Man hat deinen Paß vor dem Theater gefunden. Salo- mon Reissiger Hot dich als Revolutionär bezeichnet, hat dein Signalement gegeben, du wirst der Brandstiftung bezichtigt." „Ich- ich „Ich selbst konnte der Derhaftunq im letzten Moment entfliehen. Komm schnell. Mein Wagen steht draußen. Wir müssen nach Paris." „Von wem weißt du,— wer weih noch, daß ich hier bin?" „3m Gasthaus sagt« man mir. du sähest dich hier nach Pferden um. Man ahnt noch nichts. Gottlob, daß du noch nicht fort bist! Aber komm schnell! Es ist keine Zelt zu vor- lieren." * Wagner griff nach Hut und Mantel. „Rich doche!" jagte plötzlich Calm laut, der in der Tür stand...Wenn die Torwache die Harren Sclzwierigkeeten macht „Es hilft nichts." Semper zerrt« Wagner zur Tür.„Wir müflen fort!" ..Die Härrn folln je ooch fort. Es is gleich drei. Um die Zell fahre ich menniiesma! oo sonst schon los mit'n Fell- wagen. Die Härrn könn n sich verstecken unter de Felle. Wir wern fahrn bis ins nächste Dorf. Da kenn ich wän. Ihr Wagen wird nachkommen morgen.", „Calm," sagte Wagner,„ich kann Ihnen heute nicht so danken. Aber später— ich verspreche es Ihnen,— wenn Sie einmal—* Calm war schon hinaus, öffnete das Hostor, verständigte sich rasch mit dem Kutscher. Pollernd rollte das Gefährt in den Hof. Im Torweg, auf der Treppe von oben, stand, notdürftig angezogen, Sarah.„Was isn los, Vater?" „Rischt besonders. Ich muß zwee Härrn nach Ceethen bring». Seh schlafe«, Techterle!" Sie ging ruhig wieder hinauf.„Schön ist Ihre Tochter. bildschön!" sagte Äagner, der mit Semper heransgetret«« war. Calm spannte die schweren Braunen an, legte Felle i« den Wagen, ließ die beiden sich in die Mitte setzen und stapelte Felle um sie auf. Als er eine große Kuhhaut über den Hohlraum deckte, in dem sie bequem saßen, flüsterte Wagner: „Ich glaube, Sie werden bald andere Fell« gerben, Her? Calm." j Abraham Calm schwieg. Sein Gesicht war undurchdringlich. Schwerfällig kroch das Gefährt aus dem Hof. 5. Der silberne Tod. Der Herr von Gloß schloß mit müder Hand das schlst«» geistige Buch, in dem er seit dem Morgen gelesen hatte. I» sein weiches Gesicht, das Gutmütigkeit gerundet und Klugheit gebleicht hatte, brachte der nach unten gezogene, kindlich rote Mund einen schmerzlich gelangweilten Zug, der auch nicht schwand, als er ans Fenster trat und die einzige Straß« des Harzdorfes Alexisbad hinabsah. Die Köpfe der alte« Bäume hinter den letzten Häusern wackelten wieder mit gewohnter, gleichmäßiger Usberheblichkeit hin und her. tttzk märzlich blattloses Knacken klang wie ein fortgesetztes weise« Schnalzen....zzzz", Kopf nach links und einmal ,.z". Kopf nach reckits und einmal„z"— wie eben Greise tun. Dag Selt«-' flüßchen schlenderte zwischen feinen eigenen Ufern wie immer an ihnen vorbei, mit der Gleichmut desjenigen, der nun est»- mal verdammt ist, sein unendliches Flußleben in so gelang» meilter Gesellschaft zu oerbringen. Der resigniert« Blick de» Herrn von Gloß wanderte zwischen Schreibtisch und Fenster hin und her.„Landschaft und Bücher. Tag für Tag Landschaft und Bücher, und sonst nichts— es ist zum Av»- wacksien!" dachte er. Don links wo die Schornsteine der Alexisbader Silber- Hütte mißmutig und recht unsilbern qualmten, kam jetzt«i» großer Brotenrock mit latschigen Sckriten aus das Haus zu. Herr von Gloß begann zu lächeln. War das nicht Illmer, Oer Schmied Robert Illmer aus Bernburq, bei dem er gemohM hate. als er das Bernburqer Gymnasium absolviert«? Der schwarze Demokratenvollbart, der ober durchaus nicht wallen wollte, ließ endlich keinen Zweifel mehr: es«vor Illmer. Gloß ging ihm über die Treppe entgegen und führte ihn selbst in seine kleine, einfache Mietwohnung.__ (Äortseßuvg folgt � und sevdem Urtb»«Mkgi««fache zar LSfun« tMer ffnQt«gestellt worden. Es gibt eine gnnze Reihe von Sahen, die sich in besonderen Fällen anwenden lassen, aber nur wenige, welche ganz allgemein med mit Sicherheit angewandt werden können. Vielfach sind sie auch zu kostspielig. In dem„Cellon'-Feuerschutz, der bereits 1922 zum Patent angemeldet wurde, liegt ein Präparat vor, das aus einer Mischung verschiedener Substanzen besteht, die einerseits die Entflammbarkeit, andererseits die Glirmnwirkung ausheben und deren Flammenschutzwirkung zum Teil bisher vollkommen unbekannt war. Es bildet eine leicht in die Gewebe eindringeiche, färb- und geruchlose Flüssigkeit, die nach dem Trocknen den Weichl/eitsgrad der Gewebe gar nicht oder kaum beeinträchtigt, die Färbung, den Glan,, und Grift nicht ändert. Tatsächtich sind bereits seit 1922, meist aus Anforderung der Feuerwehr, Imprägnierungen erfolgt, so in dem Staat-theater, und die Besucher der.IIa' werden sich wohl daran«rinnern, daß in dieser Ausstellung kein Rauchverbot ausgesprochen war, weil eben gerade die gefährlichen Wandbespein- nungei, und Fuhbodenbeläge mit„Cellon"-Feu«rschulz imprägniert waren. Bei einem Versuch, der im Staatlichen Matcrialprüfungsaint angestellt wurde, indem zwei mit Holzwolle gefüllt« Iutesäcke, von denen der eine vorher mit„Cellon'-FeuerschuK imprägniert worden Mar. in ein hell äderndes Feuer geworfen wurden, zeigte sich die Schutz toirkung des„C«llon'.Feuerschutzes in eklatantester Weise, insofern, als der nicht imprägnierte Sack sofort in Brand geriet und vollkommen ausbrannte, während der imprägnierte nur an einzelnen Stellen ankohlt« und mit fast unversehrtem Inhalt aus den Flammen herausgezogen werden konnte. Terror in Sonnenburg? Beginn der Plädoyers. vie Gegensähe zwischen den Sonnenburg« Zuchthäuslern in dem Prozeß gegen die 24 Angeklagten traten In der gestrigen Verhandlung noch schärf« in Erscheinung. Ein Gefangener weigerte sich krampfhast, sein« früheren Ve- schuldigungen gegen«inen der Angeklagten zu wiederholen, wobei er sich beklagt«, daß ihm nach seiner ersten Vernehmung ein„eisiger k.usistrom" aus der Beamtenschaft enlgegcngewehi sei und dah sich diese Stimmung auch sofort aus das Aussichispersonal einer anderen Anstalt übertragen Hab«, in die er von Sonnenburg verlegt worden fei. Steinbock wiederholte ebenfalls den völligen Widerruf anderer Belastungen und bat in einem schriftlichen Antrag an dos Gericht um schleunige Verlegung in ein« möglichst weil entfernte An« statt, damit er nie wieder mit dieser Sache hier in Sonnenburg in Berührung komme. Als'dann vor der Vernehmung weiterer Ge- fongener die Verteidigung beantragte, Paasch und Grüning wegen des Terrors, den sie au f die übrigen Gefangenen ausübten, abzuführen, erklärte Grüning wütend, daß er dann jede weitere Aussage oerweigern würde. Dabei blieb er dann auch trotz des begütigenden Auredens des Voriitzenden und oerließ den Saal mit den von einer entsprechenden Handbewegung begleiteten Worten:„Erledigt. Schluß, ich komme nicht wieder." Paasch dagegen trai vor und erklärte, er müsse nun, nachdem seine Glaubwürdigkeit immer wieder angezweifelt werde, in seinem eigenen Imcressc weitere Ausjagen machen, die ihm selbst leid täten. Und nun beschuldigte er seinen früheren Freund unter den�Beamten, den Oberwachtineister Naumann, daß dieser für seinen Schwiegervater i.i Bert in besondere Stiesel in der Anstalt habe anfertigen lassen, und daß Nouniann später, als die Sache in Sonnenburg„heiß" wurde, zurn Bahnhof gegangen sei, um dort ein« Korreklur der Frachtbüch« vorzunehmen, aus denen die näheren Angoden über die von Sonnenburg abgesandten Kolli» mit Bekleidungsstücken hervorgehen mußten. Der Bahnartieiter Goldmann hob« dann alle oerdacl/tigen Eintragungen nach den Wünschen Naumanns ent> »rechend abgeänderi. Diese neuen Bekundungen von dem De- angenen Paasch riefen im Saal allgemeines Aufsehen hervor. Stoatsanwaltschostsrat Matthias beantragte sofort, die Frachtbücher des Bahnhofs Sonnenburg zu beschlagnahmen und den betreffenden Bohnarbeiter als Aeugen zu laden. Aus weiteren Aussogen von Gefangenen ging hervor, daß Steinbock zu Beginn der Vorunter- suchung in Sonncnburg häusig seine Mitgefangenen am Brunnen um sich versammelt und sie zu belastenden Aussagen gegen die Be- ointen aufgefordert und ihnen auch geraten hat, sich zu Vernehmun- gen zu melden, weil sie dort Zigaretten bekämen. Einer dieser ,'»eugen verlangte sehr entschieden, daß sein« Zlussag« protokolliert werde, weil er nach seinen bisherigen Erfahrungen von Staats- anwälten befürchten müsse, in ein Meineidsverfahren verwickelt zu werden. Als Staatsanwaltschaftsrat Dr. Knobloch betonte, daß er seinerzeit aus die Vernehmung gerade dieses Zeugen, des Gefangenen Rumpf, verzichtet Hobe, weil dieser ganz verschwommen« Angaben machte und sich iehr aggressiv benommen habe, trat Rumpf sehr erregt vor Dr. Knobloch und schrie ihn an:„Sie haben gelogen. Herr Slaatsamvsli!" Dorf,(scharf): Ich verbiete Ihnen ganz «Ktschieden derartige Angriffe und Aeuherungen. Rumpf(sehr erregt): Oh. ich kenne die Siaalsanwälle, H«r Vorfltzend«. Göll sei Dank hat meinen der Teufel geholt, ich hätte ihn sonst gern noch einmal gesprochen. In der Nachmittagssitzung begannen in Anwesenheit des Mini- sterlalrats Preuß vom preußischen Justizministerium die P l ä- d o y e r s mit der Anklagered« des Staatsanwoltschastsrates Dr. Matthias. Die StrafantrSge. Nach einer eingehenden Würdigung des Ergebnisses d« Beweis- aufnähme kam der Staatsanwalt zu den» Schluß, daß von den 24 Angeklagten fünf freigesprochen werden müßten. Bei den übrigen 19 komm« in den meisten Fällen nur eine Geld- sc r ose in Frage, da den Beamten zugute gehalten werden müsse, däß der Anstaltsdirektor üb« sie ein günstiges Urteil abgegeben habe, und daß die Verführung für sie groß gewesen sei. Dies gelte besonders für diejenigen Beamten, die der Hehlerei schuldig wären. In fünf schwereren Fällen dagegen, wo noch Unterschlagung und Verleitung zum Meineid hinzukommen, müsse eine Freiheitsstvafe Platz greifen. Der Stvasantrao lautete gegen den Oberwachtmeister Naumann 1 IahV 2 Monate Zucht- Haus, gegen Inspektor Hinket 3 Monate Gefängnis, argen Oberwachtmeister Weber 2 Monate 2 Wochen Ge- s ä n g n i s, gegen Hilsswachtmeister Iadusch 1 Monat 3 Tage Gefängnis, gegen Oberwachtmeister K i e i n e r t 1 Monat Gefängnis, gegen 14 weiter« angeklagte Beamte (beidsteafen von Ät bis 50 Mark an Stelle von an sich verwirkten Freiheilsstrafen von 7 bis 14 Tagen Gefängnis. Bei fünf Beamten, darunter dem Hauptwachtmeister Kluck und Hentschk«, wurde Frei- sprechung beantragt. PoHzeioberwachtmeister als Hehler. Wegen sorlge-jetzler HausÄebstöhle bzw. Hehlerei wurde» ein« Frau Martha Ewer: aus der Gabelsbergerstraße sowie der 32 Jahr» alte Polizeioberwachtmeisler Max Beling au» der Gubener Straße und dessen Frau sestgenommen. Frau Ewert war seit mehreren Jahren in dem Porzellamvarengeschäft von Katzen- eU endogen in der Fvanksurter Alle« 58 angestellt. Ei« verübte dort, wie jetzt ans Licht gekommen ist, sortgejegt Hausdiebstähle und drochi« die Beute zunächst nach ihrer Wohmmg. Den Berkaus besorgte die ihr desreundele Frau Beling und auch der Oberwachtmeister beteiligte sich eisvig an diesem Handel. Durch eine anonyme Anzeige wurden dies« Machenschaften gestern ofsonbar. Eine Durch- fuchemg der Wohnungen fördert« bei Frau Ewert zwei.WaschkSrb« voll gestohlener Porzellanwaren zutage, bei Beling ebenfalls einige Sachen, ab« weniger. Das Ehepaar Beling und Frau Ewert wunden festgenommen und dem Untttsuckungsrichter vorgeführt. Der Oberwachtmeister und Frau Ewert wurden in Hast behalten, Frau LAing einstweilen wieder entlassen, well sie zwei Kinder zu Haus hat. Ei» neue» Voltshochschulheim wird in einem Siedlunashau» zu Verlin-Tempelhos am 15. Februar eröffnet.?» handelt sich hierbei um einen Derfuch, wie er in ähnlicher Form mit Erfolg Mo« i»«nberen Großstädten durchgeführt wurde. In dem Heim Bei den Hunderijährigen. Die Geburtstagskinder im Hospital Buch. Hoher, blütenweißer Schnee hüllt die ganz« Landschaft«n, sobald dar Zug das Häcrstrmeer Berlins vorläßt. Die Häuser von Buch sind wie mit dickem Zuckerguß bestreut und da» Thermometer sinkt hier draußen um ein beträchtliches Stück nach unten. Trotzdem begsgnen einem auf dem Weg« zum Astersheim allerlei Leutchen, denen das Gehen schon recht sauer wird und man weiß, das sind Pfleglenge von dort oben. Di« meisten sitzen letzt zur rauhen Winters- zeit in ihren Stuben oder wenn's gar nicht mehr so recht gehen will, dann liegen sie im Bett. Wer so ganz abgeschlossen haben sie mit all dem Leben und Treiben da draußen deswegen noch lang« nicht. Do sind ein paar alt« Knaben, die lesen mtt viel Interesse täglich chve Zeitung, sie besuchen sich gegenseitig, kriegen auch mal einen Brief»der Besuch, und sie freuen sich, wenn man ihrer nicht gong vergißt. Der«Senior des Heimes, Valentin Adamszak, der voriges Jahr« seinen Hundert st«n feierte, vom Oberbürger- meifter die traditionelle Tasse, vom Polizeipräsidenten 100 M. und noch sonst allerlei Ehrungen empfing, ist nun wied« ein Jahr äster geworden. Mit dem Gehen ist's ja nun vorbei, denn d« Peine streiken und« liegt meist im Bett. Wer sonst will er vom besseren Iensests noch lang« nichts wissen. Am Kopf seine vielgeliebte Pelz- mütze, die er Tag und Nacht aufbehält, am Nachttisch«in Fläschchen Kognak und ein« Flasche Obstwein nebst einem Hyazinthentops vom gestrigen Geburtstag, in erreichbarer Näh« fein« Schnupftabaksdose, mehr Ansprüche stellt er schließlich nicht mehr ans Leben. Da brachte ihm einer nachträglich noch Süßigkeiten, ab« die wies« mit einer energischen Handbewegung zurück. Er ist kerngesund und leidet eben nur an der einen, aber unabänderlichen Krankheit, seinem hohen Alter. Da aber seine Mutter 110 und seine Großmutter 120 Jahr« all wurden, hat« ja Aussicht, noch ein ganzes Weilchen zu leben. Knapp Hilst« ihm folgt einer, Vater Papk«, der heute 9 9 Jahr« alt wurde. Der ist ebenfalls munter und guter Ding«, ist sogar noch mobil« wie Vater Adamszak und erzählt so allerlei au» seinem langen Leben. Er ist in Angermüich« geboren, wo sestw Ellern«in« Landwirtischast betrieben. Durch Brand hotten sie alles verloren und so mußten sich die Kinder nach einem andern Beruf umsehen. Vater Papk«, das Geburtstagskind, würbe Schneider und zog nach Berlin. Inzwischen hat« ab« noch etwas für uns Heutigen Interessantes erlebt. Als im Jahre 1840— er war damals 10 Jahr« alt— die ersteEifenbahn von Berlin nach Stettin gebaut wurde, da niochte er die erste Freifahrt mit. Die beiden Kriege 1864 und 1866 hat« nicht aktiv mitgemocht,« war damals schon aus dem kriegspstichtigen Alter hinaus. Aber von der damaligen Teuerung weiß« auch noch ein Lied zu erzählen. und die Brote, die 4 Groschen kosteten, waren so klein, daß man sie fast in die Tasche stecken konnte. Er ist ein vielgereister H«r und war sogar schon in Amerika. In den Iahren 1892— 96 besuchte er seinen dort lebenden Neffen, der ihm aus der Ausstellung in Chikago einen Posten als Aufseh« verschaffte: als später der große Bantkrach drüben kam, mochte er schleunigst, daß mit seinem Ersparten wieder in die Heimat kam und hier feinen asten Berus. die Schneiderei, wied« weiter ausübte. Krank war er nie, nur als« aus Amerika zurückkam, bekam« durch Crkällung ein« Brustfellentzündung und mußt« 14 Tage in der Charite liegen. Dos wurde ihm auf die Dauer zu langweilig und« doktert« auf gut Glück zu Hause weit«, solange, bis er wirklich wieder gesund wurde. Er war zweimal verheiratet und hatte insgesamt 9 Kind«. Alle» ist tot, nur Neffen und Nichten leben noch. D« DrsttäUest« ist Dater Albrecht, der 9 7 Iöhrchen aus dem Buckel hat, ab« auch noch recht rüstig ist und fast täglich seinen Spaziergang macht. Jetzt fühlt« er sich allerdings nicht wohl. lag zu Bett« und hall« für Interwiews auch nicht das geringste Int«ess«. Ein„junger Mann" von 80 Iahren, Friedrich Bander» > mann, mochte die Honneurs. Wer trägt den Schaden? Oer Einbruch in die Oeposiienkaffe am Wittenbergplah. Schon von weitem sieht man, daß es besonders die Ecke am Wittenbergplotz den Fußgängern angetan hat. Und wenn man sich den Brennpunkt dieses Bankeinbruches näh« besieht, ist man doch überrascht, daß die Täter mit solcher Großzügigkeit dieses Ka- pitatunternchmen bewältigen konnten. Die Knacker haben gelernt, und zwar mit sicherem Blick erkannten sie, daß die vor kurzem er- öffnete Filicle dos geeignete Objekt fei. Faßt man die tatsächlichst« Frage in» Luge, wer trägt eigent- sich den Schaden, so stehen wir in einem Ehaos der Verwirrungen, aus der nur das eine hervorgeht, daß die Bank sich zu keinem Ersatz verpflichtet fühlt. Man«sährt, daß die Parteien und Mieter der Stahlfächer bei Herrn Dr. Pächt«, d« Rechts- beistand der Zentral« der Diskontobank ist, vorstellig sind. Es soll dort zu sehr unerquicklichen Auseinandersetzungen gekommen sein. Di« Endergebnisse werden wohl juristische Experten zu lösen haben, denn die Stahlfächerinhaber sind nicht durch Versicherung gegen Einbruch gefchüßl, denn nack) menschlichem Ermessen hätte eher weiß Gott was passieren können, als dieser Einbruch. Und da der Bant die Handhab« und Kontrolle üb« die Höhe der Werte fehlt, steht sie auf dem Stand- punkt, daß. wenn nicht die Wertobjette durch Privatversichnungen gesichert sind, sie keinen Schadenersatz übernehmen kann. Aus den Bestimmungen der Bank geht hervor, daß die Stahlkammern völlig gegen Feu« und jede Vernichtung sich« sind. Aber eben nur nicht gegen Einbruch. DI« Bestimmung geht weiter, daß jeder Inhaber des Safes ohne Kontrolle und mit dem alleinigen Derfügungsrecht handelt. Das heißt, wenn er die Wert- objekte in seinem Haue untergebracht hätte, daß ihm ebensoviel Risiko geblieben wäre. Ueb« diesen Punkt wird zu denken sein, denn was heute in einer Filiale passiert, kann morgen vielleicht schon in ein« Zentrale getätigt sein. Die Herren Einbrecher sehen sich in Anbetracht der schnellebigen Zeit genötigt, mit einem Schlag gleich Hunderte von Einlegern ihres Eigentums zu berauben. Daher auch das Schwanken über die Höhe der Smnine, die geraubt wurde. Beweisen Sie dem Inhaber eines Safes, daß«r nicht hunderttausend Mark darin gehabt hat. Wer kann es? Die Steuer? D i e Bank hat kein« Mittel,«s festzustellen. Rur der Miel« de« Safes. Da es aber auch solch« geben soll, die Paket« von rotgestem- pelten alten Tausendmarkscheinen in den Safe legen, sehen wir sehr skeptisch der Angab« entgegen, wieviel elgenttich geraubt worden ist. Die einzig richtig« und ehrlich« Auskunst können im» nur die Epe- zialeinbrecher geben. Wollen wir hoffen, daß sie un» i» einigen Tagen mit einem großen Lluss überrasche». Im Lause de« Donnerstag vormittag fand bei dem Polizeivtz». Präsidenten Dr. W e t ß eine Besprechung von Sachverständig«, statt, an der auch zwei Direktoren der Diskonto-Gesellschast teil- nahmen. Es wurde der Beschluß gefaßt, auch andere Baakkonzerne. deren Tresore ebenfalls d« Gefahr ausgesetzt sind, für eine ge» meinsame Abwehraktion gegen die GeidschranNnacke?- banden zu gewinnen. Bon der Bank liegt bis zur Stunde noch keine Aufstellung über dl« Höhe d« entwendeten Wert« vor. Ein« der Saseinhaber meldet« sich persönlich bei der Kriminalpolizei und teilte mit, daß au» seinem Fach eln« Meng« dort deponiert« wertvoll« und selten« Briefmarken gestohlen seien. Do trotz wiederholt« De.rnehiri.ng der Hausbewohner auch bis jetzt niemand einen Fingerzeig hat geben können, so ist die Kriminalpolizei in der Hauptstich« auf«ine genau« Beschreibung der gestohleneu Schmuck- und Wertsachen angewiesen. Je«est« die Zeit fortschreitet, um so schwieriger ist es.«ine Spur zu finden, wenn der Behörde nicht all« Unterstützung durch die Bestohlenen zutell wird. Es ist zu bedenken, daß die Einbrech« beveits einen Dorsprung von vier Tagen haben. Da ihnen auch genügend Bargeld in die Hände gefallen ist. so sind sie in der Bewegungsfreiheit nicht gehemmt und können schnell den Absatz der Juwelen vornehmen. An alle Be- stohlenen und an da» andere Publikum ergeht nochmals die Bitte. alle Wahrnehmungen und Mitteilungen, die zur Aufklärung bei- tragen können, auf dem schnellsten Weg« dem Kriminalkommissar Zapfe, Dienststelle B 6 im Polizeipräsidium zuzuleiten. Das gilt auch für Zeitungsausträger und Austrägerinnen, Bäcker, und Milch. jungen, die gewohnheitsmäßig die Häuser früh betreten und vielleicht irgendeine auffällige Erscheinung beobachtet haben. können zehn junge Arbeiter wohnen, von dem Heim cm» ihrer Arbeit nachgehen und so die Kosten des Heiinausenthaltes selbst tragen. Zwei Drittel de» Bechienstes, jedoch nicht über 20 M. wöchentlich, werden m eine gemeinsam« Kasse abgeführt. An drei Abenden in der Woche finden Arbeitsgemeinschaften statt, die die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und pädagogischen Fragen der Ar- beiterbewegung zum Gegenswnd haben. Der Kursus läuft bis zum 20. November des Jahres. Meldung und Auskunft bei dem Leiter Günter Krolzi«. Tempelhof. Wolsramstraße 57, Südring 875. Karioffeliag. E» wäre ein Irrtum, zu glauben, daß der.Deutsche Kartoffel- tag" im Rahmen d«»Grünen Woche" sich etwa mit den Preisen für Speisekartosseln beschäftigen würde, die in Berlin bereits 68 bis 70 Pf. für 10 Pfund kosten: mtt solchen Kleinigkeiten geben sich die deutschen Kartoffelbauern nicht ad. Der Kartoffelbau wurde in d« Eingangsrede de» Vorsitzenden o. Negenborn als nicht mehr lohnend bezeichnet, eine weitere Verminderung der Rentabilität wäre nicht mehr zu trogen. Den Eingaben, mit entsprechenden zollpolitischen Mahnohmen den Kar- tofselzüchtern zu Helsen, hat die Regierung nicht entsprochen, ebenso stellte sie»keine Leute zur Behebung des Arbeitermangels".— In seinem Referat»Die Bedeutung der Kartoffelbrennerei für den Kartqffelbau" zeigte Profeflor Dr. H a y d u ck vom Institut für Görungsgewerbe die Möglichkeiten einer Renta- bilität auf, die in d« Verarbeitung der Kartoffel zu Spiritus liegen. Der Vortrag des Direktors I a n y»Wie kann die deutsche Kartoffel marktgängiger gemacht werden?" brachte folgenden prak- tischen Dorschlag zur.Selbsthilfe": Die Tatfache, daß selbst bei einer so hoben Ernte wie der diesjährigen die Kartoffeln oerarbettenden Gewerbe in einigen Landestellen(Schlesien) nicht genügend mit Kartoffeln wrfehen werden können, weil infolg« der entstehenden Frachtkosten der Rohstoff gegenüber den Fabrikatvreifen zu teuer wird, legt den Gedanken nah«, daß eine Organisation geschassen werden muß, die aus diesem Gebiet einen Ausgleich herbeiführt. Don d« Reichsbahn sind weitere wesentlich« Opfer nicht zu er- warten, auch wechseln die Witterunaseinslüsie jedes Jahr, so daß sich die Verhältnisse fortgesetzt verschieben. Eine Aufnohmeorgani- satton, die lediglich die Aufgabe hat, bei Bedarf in den Markt ein- zugreifen und die Frachten, wenn nötig, ganz oder teilweise auf sich zu nehmen, scheint zu diesem Zwecke erforderlich vie Schulfarm Insel Scharfenb«g bei Tegel nimmt Ostern 19 29 wieder Schüler auf, und zwar können beim Leiter schriftlich oder in den Sprechstunden von 11— 1 und von 2— 5 Uhr an den Februar- und März-Sonntagen angemeldet werden: Quartaner aller höheren Schulen Berlins, die Ostern nach Untertertia verlegt werden, sowie Gemeindeschüler, dt« Ostern die zweite oder erste Klasse hinter sich haben und die Aufbauschule besuchen wollen. Die Unterhaiiskosten, deren Mindestsatz 90 Ps. pro Tag betragt, staffeln sich nach dem Einkommen der Eltern. taami Amiwi [ELIDÄ SHAMPOO hervahrt natürliche Ii) eilen Ondulation hält länger !. PARFUMEIIIE«EI,!DA« A.-O., LElPZiO 8 icuiito Sic mir koucnio« cl* HckAcn t Li DA SHAMFOO Naracv—, AdrcMc,——' Kleben Sic dm«nege feilten Kupon«nf die Riduebc einer Pdttlen«. »■i» m- j 1 1 hm Aus der Arbeit der Bezirke. Gegen den Nummelplahlärm. 4. Bezirk.- Prenzlauer Berg. Zur(Erlcbiffiutfl einer ganzen Reihe von Dorlagen war in diesem Monat eine außerordentliche Sitzung notwendig. Auf An- trag unserer Fraktion wurde beschlossen, daß das Bezirksamt die notwendigen Schritte einzuleiten hat, um die Belästigungen, denen die Anwohner durch den Rummelplatz auf dem Grund- stück Kastanienallee 97— gl) ausgesetzt sind, zu beseitigen. Für die Beschaffung eines Chronaximetcrs für das �ufeland-Hofpital wurden die Mittel bewilligt. Desgleichen für die Renovierung der Räume des Verwaltungsgebäudes Gleimstraße 30. Ferner für den Ankauf eines Aktenautomobils und den dafür notwendigen Ausbau einer Garage. Ein Antrag der KPD.-Fraktion, zu veranlassen, daß die in den Vorjahren ges.hlossenen Tagesheime für Jugend- Ijche wieder geöffnet werden, wurde abgelehnt, nachdem Stadtrat Dr. Frirdländer darauf hingewiesen hatte, daß wir für die bestehenden ffeime nur notdürftig die Mittel erhalten haben, daß dos Mädchenheim noch nitfct belegt und es aussichtslos fei, deswegen an den Magistrat heranMtreten. Daim seien auch keine Räum« da- für vorhanden und schwerlich zu bekommen. Ein weiterer Antrag der KPD.-Fraktion, bei dam Polizeipräsidenten dahin zu wirken, daß das Verbot von Kundgebungen und Demonstrationen unter freiem Himmel aufgehoben wird, wurde nach einem Hinweis unseres Genossen Littauer darauf, daß zu solchen Beschlüssen die Bezirksver- ordnetenversammlung nicht der richtig« Ort sei, durch Uebergonq zur Tagesordnung erledigt.— In einem Dringlich-keitsantrag ersuchte die KPD.-Fraktion, die vom Bezirksamt getroffenen Maßnahmen im Hufeland-Hospital zur Behebung der Bettennot während der Grippeepidemie nicht zur Durchführung zu bringen, wegen der nach ihrer Meinung damit verbundenen Unzuträqlichkeiten für alte In- soffen. Unser Genosse Bürgermeister Dr. Ostrowski bewies ihnen, daß sie falsch informiert seien: es müsse durch organische Mahnahmen »ersucht werden, in dem Hospital noch bis 159 Betten unterzubringen:«inen besseren Weg gebe es zurzeit leider nicht. Im übrigen wurde festgestellt, daß alle Maßnahmen mit Zustim- mung des Anstaltsdirektors getrossen seien. Der Antrag wurde dar- auf abgelehnt.— Ein Dringlichteiteantrag unserer Fraktion, in dem das Bezirksamt ersucht wird, beim Mogistrat dahin zu wirken, daß eine Beschäftigung von Rot st and»> o r b e i t e r n auf Grund einer Magistratsverfügung vom 2t. Septem- ber 1.928 nicht weiter stattfindet, und daß an Stelle dieser nur balbbeschästigten vollbeschäftigte Arbeiter und Angestellte ordnungs- aemäß eingestellt werden, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Auch ein Dringlichkeitsantrag der Fraktion der Mitte, in dem das Bezirksamt«rfucht wird, hei der bevorftehenden Umorganifation im höheren Schulwesen für die Erhaltung de» gymnasialen und realgymnafialen Zuges des Sophiengymna- i i u m s, Mandelstraße 2, einzutreten, fand einstimmige Annahm«. In einem Antrag« unserer Fraktion wurde bemängelt, daß die Bureaus, die die„Bewag* in der Eonnenburger Ecke Kopen- Hagener Straße eröffnet hat und die täglich von mehreren hundert Pen'onen aufgesucht werden, vor ollein in ihren Zugängen—«ine lchmale Wendeltreppe— nicht den Crsordermssen entsprechen. Kinder geraten leicht in die Gefahr, herabzustürzen. Die Versammlung be- auftragte das Bezirksamt, auf die„Bewag* einzuwirken, daß e i n anderer Zugang zu diesen Bureaus geössnet wird, oder aber, ' daß die Bureaus nach einer anderen Seite verlegt werden. Kommunistisches Theaier. 44. Bezirk Neukölln. In der ersten Bezirksvechsammlung nach Neujahr ver- suchten die Kommunisten bei der Vorst eh er wähl den bereits bekannten Trick, auch in Neukölln das Bureau nur mit Soziaidemo- kraten und ihren Leuten zu besetzen. Unsere Fraktion tat ihnen den Gefallen, sich vor der Verantwortung zu drücken, nicht, sondern wählte, der Zusammensetzung der Bersammlung entsprechend, nach- dem unser Genosse Kurt Großmann wieder zum Vorsteher ge- wählt worden war, den Kommunisten S ch i l f als Stellvertreter. Wer nun glaubte, daß die KPD. ihren Kandidaten zurückziehen würden, hatte sich schwer getäuscht. Unter stürmischem Gelächter mußte er annehmen. Jeder blamiert sich so gut er kann. De! der Vorlage über Anforderung von Mitteln für die bereits im„Vor. wärls* mehrmals besprochene Einheitsschule am Dammweg leistete sich der„Schuliachmann der Bürgerlichen Vereinigung*. Stud enrat Dr. B i e r b a ch, einen besonderen Witz, indem er dieses von hervor. ragenden Kapazitäten aus dem Gebiet der Schul« als einzig dastehendes Projekt mit einem pädagogischen Warenhaus verglich. Unser Redner, Genosse Fritz S cb u l z rechnete mit Dr. Dierbach ab. Angriffe des Kommunisten Longe, der auch zu dem Thema ge- sprachen hatte, wurden ignoriert, weil die Fraktion beschlossen hat, ihm solange nicht zu antworten, bis er sich andere Manieren ange- wohnt hat. Im übrigen verweist Genosse Schulz auf ein« Karikatur Langes im„Abend*, die ihn zur Genüge charakterisiert. Wie von einer Tarantel gestochen schnellte Lange in die Höhe und erklärte, daß er in der Uniform eines Rotfrontkämpfers einen sozialdemokratischen Redakteur vom Tode des Ertrinkens gerettet habe. Das fei wohl der Dank. In Zukunft werbe er leben SPD.-Mann ertrinken lassen. Bei dem Antrag unserer Fraktion über Maßnahmen zur strengsten Durch- sührung der feuer- und baupolizeilichen Vorschristen hinsichtlich der ietiergetährlichen Betriebe wies Genosse D r o s d a t i u e auf die Mängel der Gewerbeaufsicht hin. In Berlin kommen auf 4? 999 Be- triebe 46 Beamte. Alle drei Jahre können die Betriebe nur durch» kontrolliert werden Der Redner verlangte Uebernahme der Feuer- polizei auf die Stadt und Zuziehung von gewerkschastlich organi- sierten Arbeitern als Kontrolleure. Bürgermeister Genosie Scholz gab zu, daß unter den bis jetzt bestehenden Zuständen eine fort- laufende und ausreichende Kontrolle unmöglich sei. Hier seien z. B. nur drei Innen- und drei Außenbeamte beschäftigt. Jetzt hat der Oberbürgermeister von Neukölln noch zwei Techniker zur Kontrolle zugestanden. Auch er ist für Hinzuziehung von Vertretern der organisierten Arbeiterschaft und Uebernahme der Feuerpolizei auf die Stadt Berlin. Dann kam e» zu den bisher kurz geschilderten Bor. gängen, die ein Weitertagen der Versammlung unmöglich mochten. Geradezu widerlich war die Art, wie die Kommunisten für Sprengung der Sitzung sorgten und ihre Brüder im Vor- räum des Rathauses postierten, wo denn unsere Genossen beim Berlassen des Gebäudes in gemeinster Weise beschimpft wurden. Wenn nicht der letzte Kredit der Dezirksversammlung erschüttert werden soll, wird unsere Fraktion ernstlich überlegen müssen, ob sie diese planmäßig organisierten Ueberfälle aus die Dauer ertrogen will. Das Zentrum gegen Kindergärten. Bezirk.— Treptow. In der letzten Sitzung der Bezirksversammlung wurde der Ge- iwsse Strieder wieder zum Vorsteher der Versammlung gewählt. Di« Kommunisten hatten, wie in anderen Versammlungen, beantragt, den Dorstond nur aus Kommunisten und Sozialdemokraten zusam- menzusetzen. Der Genosse Becker gab eine Erklärung ab, daß wir gemäß den parlamentarischen Gepslogenheiten die Beteiligung aller Fraktionen am Borstand wünschen. Durch ihre sonder bore Taktik haben auch in dieser Versammlung die Kommunisten er- reich«, daß sie nicht in dem Bor st and vertreten sind. Bon der Schaffung besonderer Sprech st unden für die Nerven- und Gemütskranken, Ehe. und Serual- sowie sportärztlich« Beratung wurde Kenntnis genommen. Der Genosse Strieder begründete einen Antrag unserer Fraktion, den S t r a ß« n- bahnbahnhos in der Elsen st roß« in Treptow nach einer weniger belebten Gegend zu verlegen. Der Uebernahme von drei Holzbauten des Freibades Wannsee zur Weiteroerwendung im Frei- bad Adlershof und dem Ausbau dieses Freibades wurde zugestimmt. Wie schon in der letzten Sitzung, versuchte auch diesmal der Ber- treter des Zentrums durch einen Antrag, den Wert der städtischen Kindergärten herabzusetzen. Von unserer Fraktion ließen es die Gen. Todenhagen und Lehner an der notwendigen Erwiderung nicht fehlen. Ein Abänderungsontrag unserer Fraktion, der die Der- mehrunq der Zahl der Kindergärtnerinnen vorsieht, wurde nach aus- gedehnter Debatte, nachdem der Genosse Stadtrat Peters die Be- gründung des Zentrumredners widerlegt hatte, angenommen. Die Kommunisten hatten, wie schon in verschieden anderen Dersammlun- gen, einen Anrrag betr. Wohlfahrtserwerbslose eingebracht. Unter erheblichem Stimmenaufwand versuchte ein KPD.-Redner bei den Tribünenbcsuchern für den Antrag Stimmung zu machen. Der Ge- nosse Stadtrat Kißner empfahl der Bersammlung, einem Abände- rungsantrag unserer Fraktion zuzustimmen. Die Bezirksversamm- lung nahm schließlich unseren Antrag an. Bon unserer Fraktion wurde noch ein Dringlichkeitsantrog eingebracht, der die Ab- ftellung verschiedener Mängel in der 13. Gemeinde- schule in Niederschöneweide fordert. Der Genosse Liedel begründete den Antrag und forderte das Bezirksamt auf, alle» zu tun, damit endlich die Fehler früherer Zeiten gutgemocht werden. Genosse Stadtrat Mermuth erläutert« das bisher in dieser Angelegen- heit vom Bezirksamt Deranlaßte. Die Bersammlung schloß sich unserem Antrage an. In nichtöffentlicher Sitzung wurde dann noch der Ankauf eines Grundstücks Am Treptower Park behandelt. Die püitberge als Freifläche. 46. Bezirk.— Köpenick. Die erste Bezirksverordnetcnsitzung im neuen Jahre hatte sich .zu Beginn mit der Wahl des Bureaus zu beschäftigen. Nach der Direktive Moskaus forderten die Kommunisten wie überall die„pro- letarische Diktatur* bei der Zusammensetzung, dem unsere Genossen unter Betonung des demokratischen Prinzips und unter scharfer Zurückweisung der demagogischen Wahlmätzchen der Geistesarmen eilt- sprechend begegneten. Gewählt wurde unser Genosse Woick mit 22 Stimmen gegen 6 der Kommunisten. Die beiden anderen Posten fielen der Frakiionsstärke entsprechend an die Bürgerlichen, so daß die Kommunisten ausfielen.— Einer Bezirksamtsvorlage, ein 19 748 Quadratmeter großes Grundstück in Rahnsdorf zu erwerben, um es als Freifläche der„Püttberg«* aus- zuweisen, wurde debattelos zugestimmt. Auch der Ankauf des Judisschen Grundstücks, Kietz 16, in Köpenick zur Straßenerweite- rung, sowie eine neue Fluchtliniensestsetzung der Straße 59 in Friedrichs Hagen, bie ein« Verbreiterung von 16 auf 24 Meter vor- fleht, wurde beschlosien. Fand der praktische Teil der Sitzung, ab- gesehen von der Dorstandsaktion, ruhige und sachliche Erledigung, so sollten die eingebrachten vier Demonstrationsanträge resp. -anfragen der Kommunisten in bekannter Manier dazu dienen, durch Anwürfe und Beleidigungen unserer Partei die„proletarische Ein- heitsfront*. wie die Kommunisten sie auffassen, der breiten Oeftent- lichkeit zu demonstrieren. Von unserer Seite wurde ihnen cnt- sprechend gedient. Besonders war eine Feststellung des Genossen Bürgermeister Kohl bemerkenswert, die die demagogisch« Manier der Kommunisten betr. Mietsteigerung der städtischen Vaugesell- schaften ins rechte Licht rückte. Danach beträgt die Erhöhung der 2�-Zimm«r.Wolmungen nur 2 bis 2„50 M. monatlich, während bie kommunistischen Demagogen mit einer 2Sprozentigen Mieterhöhung die Gemüter beunruhigten.— Eine Anfrage unserer Fraktion betr. die mangelhafte Schneebeseitigung im Dezirk wurde von dem Dezernenten dahin beantwortet, daß die Derechtigimg der Beschwerde zuzugeben sei. Leider hätten nicht entsprechende Mittel zur Verfügung gestanden._ Ltnerträgliche Schulverhältniffe. 20. Bezirk— Neinickendorf. Die erste Bezirksversammlung im neuen Jahre hatte den Bor- stand zu wählen. Das Verlangen der Kommunisten, die bürgerlichen Parteien auszuschalten, wurde abgelehnt. Zum Vorsteher wurde Genosse Rotzolk wiedergewählt. Stellvertreter wurden der Demokrat O. F. Müller und der Deutschnotionale Dutfcher, Beisitzer der Zen- trumsmann Jähnert und Genosse Wendland. Dadurch, daß dl« Kommuni st en nur für eigene Kandidaten stimmten, hatten sie sich selbst aus dem Vor st and herausgewählt. Den Haupttell der Beratungen nahm ein« Debatte über die u n» günstigen Schuloerhältnisse im Bezirk ein. Di« ver» schiedensten Fraktionen litten einen entsprechenden Antrag einge- bracht, der das Bezirksamt ersucht, für schleunig« Abhilfe.zu sorgen. Genosse Meiser wies darauf hin, daß durch das Anwachsen der Bevölkerungszahl im Bezirk um etwa 49 999 Ein- w o h n e r die Schulräume nicht mehr ausreichen. Durch die vielen Neubauten werden die Schulverhältnisse immer uner» trä glicher. Das Herumziehen der vielen„fliegenden Klassen* im Schulhause ist vom gejundheittichen und erzieherischen Standpunkt aus schädlich für die Kinder. Deshalb ist es eine dringend« Notwendigkeit, so schnell wie möglich mit dem Bau des Lyzeums und der Volksdoppelschule in Reinicken- d o r s- O st und einer Volksschule in Reinickendorf- West zu beginnen. Dos langsame Fortschreiten des Schutbaues in Wittenau sst bei der dortigen Raumnot unverständliche Auch die Jugendheime in Reinickendors-Ost und-West sind unzureichend und zum Teil unbrauchbar. Deshalb solle man in den zu errichtenden Schulen geeignete Räume dafür her- stellen. Auch die übrigen Fraktionen bekundeten dieselbe Ansicht über die schlechten Schulverhältnisse. Genosse Henke erkannte die immer größer werdende Raumnot in den bisherigen Schulen vollauf an und wies darauf hin, daß das Bezirksamt bereits alles versucht hätte, um die notwendigen Mittel dafür zu erlangen. Einmütig nahm die Bezirksversammlung den Antrag an.— Ein« stimmig wurde dann die Aufnahme der Ortsteile Tegelort, Joersfelde, Konradshöh« und Heiligensee in den Geltungsbereich des Ortsgeseßes über die Müllbeseitigung beim Magistrat beantragt. In der Aussprache wie« neben anderen auch Genosse Wilsdorf auf Klagen wegen der oft unzureichen- den Müllabfuhr der Städtischen M ü I l a b f u h r g«- sellschast hin. Ein Dringlichkeitsantrog, der auf die Unzu» länglichteit des Krankenhauswesens bei Epidemien hinweist und verlangt, nur geeignete Baracken zu verwenden, wurde angenommen.— Bei einem Dringlichkeitsantrag der Kommunisten, der mehrere Forderungen für die Erwerbslosen enthielt, stellte Genosse Stadtrat Hecht klar vor Augen, was das Bezirksamt tun kann. Genosse Kreutlein empfahl den Kommunisten, wenn sie es ehrlich mit den Erwerbslosen meinen, den Antrag an die zuständige Stelle zu richten. Der Antrag in der abgefaßten Form wurde ab- gelehnt._ Anfragentag im Nathans. HauSVirtepartei als—„Mitterschützer"? In der Stadtverordnetenversammlung brocht-it gestern DenlschiUitionale, Kommunisten und Wirtschaftspartei irn Anfragen allerlei Bemängelungen und Wünsche vor. Mit zwei An- srozen, die sich aus die Fachschulen bezogen, schnitten die Kommu-■ nisten nicht günstig ab. Stolz trat die W i r t s ch o f t» p a r t e i mit einer Anfrage auf, die sich der von der Warenhausfirma Karstadt verdrängten Bewohner eines Hauses in der Chausseestraße annahm. In der Wirtschastspartei spielen die Hausbesitzer die Hauptrolle. Hausbesitzer und Mieterschutz— wie reimt sich das? Man wollte woh! nur dem Warenhäusler eins auswischen. Daß die Firma verpflichtet worden war, den Mietern Ersatzwohnungen zu beschaffen, antwortete ihnen Stadtrat Czeminski. Wußte die Hauswirt epart ei das nicht selber? » Eine ganze Reihe Anfragen verschiedener Fraktionen kamen zur Derchändiung. Die Kommunisten wallten wissen, daß der Magistrat einer bestimmten Gruppe Fachschullehrer den Titel„pro- fessor* verleihen will. Stadtverordneter Lange(Komm.) begründete in einer mit Ausfällen aller Art gegen die Lehrerschaft und den Stadvschulrat Genossen Nydahl gespickten Rode die Anfrage. Er meinte, der Stadtschulrot könne sich seine Aru-wort sparen, man kenne sie schon! In seiner Antwort drückte Stadtschul« rat Nydahl sein Erstaunen darüber aus, daß die Kommunisten«ine Anfrage einreichen und begründen, wenn sie die Antwort schon kannten. Zur Sache selbst war die Auskunft sehr kurz: der Magistrat denkt nicht daran, den Titel Professor in der bezeichneten Weise zu verleihen!— Allgemeine» Verdutztsein bei den Kommunisten!— Dann kfcm die„nationale Agitation* in den Berliner Berufs- und Fachschulen an die Reihe. Herr Lange verstand es wieder, allerlei Spektakel, besonders um die Fachschule in der Straßmannstraße zu machen. Es ist die» die Schule, in der der Agitation der rechtsgerichteten Kreise, Lehrer und Schüler, eine entsprechende Gegenagitation der kommunistisch beeinflußten Jugend entgegengebracht wird— vielleicht ist es auch umgekehrt! Siadt- schulral Genosse Bydahl erklärte, daß jede polltische Agitation in den Schulen unstatthaft sei: soweit bestimmte Dereine geduldet würden, stütze man sich auf eine diesbezügliche Aeußerung des Ministers. Lange schmetterte dann noch einmal feine Tiroden gegen alle und olles, der Stadt- schulrat verzichtete aus nochmalige Antwort.— Eine beofnders interessante Anfrage hatten die Wirtschaftsparteiler eingebracht: Sie interpellierten den Magistrat wegen des Abnehmens, Waschens und Zlnbringen» der Fenstervorhänge in einer Gemeindeschule durch den Schulhausmeister. Dadurch würden die selbständigen Gewerbe- treibenden geschädigt, sagten sie. Und dazu muhte dann auch noch der Stadtschulrat sprechen. Nach einer stundenlangen Debatte über eine vermeintliche Benachteiligung der Mieter eines für den Bau eines Kvrstadt-Kaus- Hauses benötigten Hauses in der ttiejenstr. 1 wurden ohne Aussprache bewilligt: 250 099 Blart Nachsvrderung für den Bau des großen Hallenbade» in der Garlenstraße, ferner 1 197 009 Mark für die Errichtung eines Hallenbades in Schöneberg und schließlich noch Husten Sie, dann schnell i Flasche Reichels Hussen tropfen, mehrmals täglich IS-29 Tropfen nehmen. Kinder die Hälsie. In Apotheken und Drogerien erhältlich, ober echt nur mit Marke Medico und der Firma Otto Reichel, Berlin 50., Eisenbahnstr. 4. OiTOH BF* ftoj» j, Gutscheine| liegen bell Ziga reffe BRtf«! für die Eivrichtun? einer SSazlinAsfürsorsestelle unid eines Ledriingstzein,«» ixt der Dorrdtrotze lt. ik-b«r cwe Vorige des Magistrats, die die Äebauung der Grsodstücke recht« and links von der Volksbühne auf d«m BiUow- mit dem Neubau der Stadtbibliothek und eines ftabfi* schiM Verwaltungsgebäudes �um Eegenliand bot, berichtete Stad»verordn«:er Vunze(Dnst.). Er bezeichnete die Ztotwendigkeit der Bebauung der Plötze als ein Problew, das bereits in der Bor- kriegszoit entstand. Der Ausschuß hatte sjch der-Vorlage ang«- ichloffen. Der Zteubau der Stadkbibliothct i« dringend nötig, in dem Bermalrung�ebäude können neben.zentralen Behörden auch Dienststellen des Bezirksamtes Mitte uniergedracht werden. Gegen das Profekt erhob namens der Deutfchnorionalen Tadtoerordneter Dekhlcsfen Eim'pruch, und Mar aus tormellen Gründen. Oer Maqistroi hätte, wie sonst üblich, diesmal keinen Bebauungspia« mtö keinen Kostenaufschlag aufgestellt. Aus diesem Grunde hätten die Deutschnationalen berechtigtes Mißtrauen, sie glaubten an eine Uebem-mpekung der Gtadtoerordnetenoersammlunch Die Vsriamm. lvng teilt« die Einwände und Bedenken des Redners nicht, sie stimmte dem Ausichußbeschluß mit großer Mehrheit ä«.— Zu einer Beschwerde der kommunistischen Fraktion wegen unhaltbarer Zustände bei der Beschältigung und Entlohnung des Personals des städtische« Heime» in Alexlsbad bemerkte Genosse haß als Berichterstatter, daß sich bei diesen Beschwerden um einen berechtigten Kern«ine Menge Verdrehungen, Unrichtigkeiten und Uebertreibungen gruppieren, die im Busschuß geklärt wurden. Von der Unhaltvorkeit eines Teiles der Bsichwerden hätten sich die Kommunisten selbst überzeugt, lest dem 1. Oktober sei auch toriliche Entlohnung durchgeführt.— Erwähnenswert ist dann noch die Einstellung von 3-0 Millionen JKorf für Ausaßhypolheken in die, außerordentl'che Verwaltung-' d«» Eta-«. Mit der Erledigung von Grundstüekssochen schloß die Sitzung. GchildSürgerei in �riedrichshagen. Unter dieser Spitztnork« brachten wir in der �«wbtbeiiog«' vom ZI. Dezember o. I. von einem den Vezikkskörperschaiten sehr nahestehmden Parteigenossen eine Mitteilung, die sich mit der An- geiegenheit de» zu einem Skandals ausgewachsenen Ausstnues der Straß« 50 in Fried richsha gen beschäftigt«. Der„Dorwihts" erhielt dazu«in« lang« Berichtigimg, die schon aus Raumgründen nicht«bzedruikt werden konnte. Da aber der erste Artikel von einem Genossen aus der Bezirksversammlung Köpenick stammt«, haben wir dies«:, gebeten. ,zu der Angelegenheit nochmals Stellung zu r.-slMen. Wir geben im Folgenden siiii« Erklärung wieder. Nachdem durch seitenlang« Ausführungen der„Niederbarmmer Zeitung, verbunden mit niedrigen Anwürfen und Aerlsun-dungen der in Frage kommenden Bezirksalmtsmirglisder(um'ere Partei- ?i«losse«i) und über die Tatsachen der aufgestellten und oit wider- «gten Behauptungen, die extrem« Recht« den zwaifethaiien Mut fand, durch ein«„Anfrage an das Bezirksamt" gegen das Bezirks- amt vorznstotzen, mar dl«®ah«9» de? angegrlff«»«» KSrperschafien m Ende und sti der fraglichen Bezirksverstmnnwng wurde an fjanb der vorliegenden Akten und Beweise durch den Bürgermeister Ge> nosfen Kohl, Stadtrat Genossen Ehrlich und Bezirksverordneten Genossen R ohde den Ynteresienten ihr Sündenkonto ouig« rechnet. daß sich in der Mehrheit der Versammlung nicht mehr wie einmal die Empörung Luft machte und nur durch die Friedensschalmei de» deutschnationalen Stadtverordneten D r. S t e i n i g« r sich dt« Wogen etwas glätteten. Die Tatsachen, die dem Artikel zugrunde liegen. sind Wort für Wort durch die Ausführungen>n der Bezirks- verordnetenversammkunz sowie die dem Verfosier bekannten Unterlagen und amtlichen Beweise der zuständigen Stellen bestätigt und durch kein Tüpfelchen aus dem i umzubiegen und zu verwischen. Auf dem knappen zur ZZerfügung stchenden Raum war es nickst möglich, die in Wirklichkeit noch krasser liegend« Schildbürger« in ihrem ganzen Umfange anzuprangern. Wenn aber einzeln« Partei- genossen finden, daß durch die Veröffentlichung ihr Eigeninteresse geschmälert würde, und sich als Vorspann für die bürgerliche Eiiqu« und ihr« Preßorgane benutzen lassen, dann zur die Beseitigung dieser Wehrmacht. Dieser Antrag verfiel mit überragender Masorität der Ablehnung, vi« Bersamm» km» machte sich den Siandzmrft her Genossin Sender zu ekpen. nämlich in Magdeburg eine Vertagung über die Abstimmung zu dem Wehrprogrmnm zu erzielen. Bei Ablehnung dieses Antrages: müsse«in Antrag auf Durchführung der Verminderung der genehmigten Rüstung zur Abstimmung gebracht wer- den. der an Stell« der Anerkennung einer Ausrechterhalmn.z der Wehrmacht zu stehen hätte.__ Mtlsikabend der Arbeiterjugend. vi« Sozialistische Arbeiterjugend, W e rbeb«zirk Kreuz- b« r g, gab unter Mitwirkung de? Madrigalvereinigung de» Junge» Chores(DÄS.) und des Streichquartetts de? 7. weltlichen Schule, Donziger Siraße. tu der Aula der welsti-chen Schul« in der vieffenbachstraß« einen Missikabend Man tonnt« an dem disziplinierten Chor unter seinem wackeren Führer Walter Rohd« wieder seine Freude haben. Das gut gewählte Programm bracht« schöne aste und neuere Volkslieder aus dem 16. und 18. Jahr- hundert von Donati, Hasler, GastoLü usw., dann ein« Reihe Volks- lied«r unbekannter Komponisten in der Bearbeitung von Robert Kahn. Heyden und Rein. Besonders schön und innig klang„Es geht sine dunkle Wolke" und„Der Tod als Schnitter", beides Wcnc unbekannter Komponisten. Wie diese jungen Meirichen das oft wirk- lich Schwierige musikalisch bewältigen— und nicht etwa aus Kosten des Vortrages—, ist schlechthin bewundernswert. Das mitwirkcirdc Streichquartett brachte Teiemanns„Don Quichotte Suite" und die „Nachtmusik" von Schubert mit sauberem Strich und gutem Vortrat wirkungsvoll zu Gehör. Der übervoll« Saal, in dem die Jugend dominiert«, spendet« reichen, herzlichen Beifall. Gemeinsames Fnndbureau der Berkehrs-AG. von Freitag, dem 1. Februar d. I.. ab wind da» Fund. dur«ou der Ll-Bahn mit dem Fundbureou für Straßenbahn und Omnibus, Urdanstraße 167, ver- einigt. Am Donnerstag, dem 31. d. M„ bleibt des Umzugs wegen dos Fundbureou der O'-Bahn(Köthener Straße 18t geschlossen. Das gemettssatn« Fundbureau in der U r b a n st r a ß e ist geöffnet wochentags von 10 bis 15 Uhr. Sammbends von 10 bis 13 Uhr. Vi« sozialdemokratischen Espcranlisten stich au» der O r i s- gruppe Berlin des Arbeit er-Eiperauto-Bun des ausgeschieden und haben eine„Freie Arbeiter» Esperanto. Vereinigung, Berlin", gegründet. Dieselbe kommt jeden Vonnerstag von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim. A m Ostbahnhof 17, zusammen. Dortlelbsi, sowie bei der Geschäfts- stell« Gen. A. Sproeck, N 58, Choriner Slr. 45, Auskunst und Anmeldung zu Kursen. Der Reichs oerbmch Deutsch« Polizeiossiziete hat sich ent- Jchkosssn. auch in diesem Winter wieder einen Ball in dem gewohnten Rahmen zu veranstalten. Der Ball findet tun 1. F e b r u a r im Marmorsaal des Zoos statt. Reichs-Kredii-Gesellschaft Aktiengesellschaft BERLIN. Bericht des Vorstandes Uber das üescb&tslahr 1928. t>»» Jair<»28 hat feieift, inü 4ie« WirisAaft B«fc»icktt ao teief-if>«. vi» sadi-las Ac/töivaag bo Vorjahre»ielka angenommen v<)rr)t. 2var ha««t»««lnih» vaa im, **!*" �aÄnweissrnge»} 4 8»ige Bi»«risch s Kamm onaldSotdan leihe»e» HB* Reihe L 8%ige Antelhe der Provinz Hannover Voe 192» Reihe!«. t%ige TejlscinldversAroibangei der Aktiebolaget Kzeuger ATolLStochkoim. 8%if» Gold-Pfandbriefe Ausgabe»\ S«.ige Gold-Pfandbriefe Ausgabe 9 I der Naseautochea 8%ige Gold- Kommunal Schuld verschr 6er. 9| Lasdeabank Wieabadsm. 8%ige Gold-Konmuaal-Schuldvertcbr. Sa». 8 I 8 S»ige Gold-Pfandbriefe Ser. ZU 1 der Thtrrng. Landashypcw Slige GoM-Kommuaal-Sdtaldvertdir. Ser. IM flhakeobank A G Weimar, 8%ige Aalelba der Gewerkschaft der Steinkehlaasadie„Ve»c Ceais", Sodingen. 9%ige Pfandbriefe Reihe 1 1 der Dentscben Wohnstätten. 8%i.ge Pfandbriefe Reihe TV) Hypothekenbank-Akt. Gea.. Berlin. Kapitalerfatihnngee and Fnaienen van Aktiengesellschaften sowie Börsen« infBhraigen von Aktien. Bsmeg-Meguin Aktlengesellscfaaft. Berlin, Berg-Hechmenn-Seir« Äktiengesellscbsfe, Ahena-Westf.. Berlinor Paketfahrt-Spedition*- und Lagerhaus(vorm. Bert» tk Co.) Aktien- gcsellschafl. Berlin, Brown. Bovert 4 Cie. AktiaugoseUsdiaft, Muabeitn. Deutsche Bau- und Bodenbnnb Aktiengesellschaft. Berthe, Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, reidtstnBndelsicbere Vorsngsekfien Serie V, Herme» Kredilvorsichernngsbauk Aktiengesellschaft, Berlin, Indutrieban— Held 4 Fr sc che Aktien geseltochaft. Berlin, i. G. Farbenindustrie AkiiengeaelUchaft. Frankfurt n. M., Klöckner-Werke Aktiengsseilschaft, Bertin. Kuhltrnnsii Aktiengesellschaft. Hamburg-Leipzig, „Monteeatini" Allgemeine Bergwerks- und Laudwirtschsfts GeseNschafi. Mailand, Norddeutsche Grnnd-Cradit-Bank, Weimar, PreoBizcfae Pfandbrief-Bank Berlin. Rheinische Meiallwaarea- und Maschinenfabrik. Dösecldorf. Rheinisch- Westfälisches Elektrizitätswerk Aktiea-GeseiUcWl. «chlasäsche Üesapfer-Ccaapegnis— BerUaar OcSyd HmborCa. Svenskh nsdettcks' Akfidbo�a� SrwkiöT*.- •■■■■■■......""■■ Ferner obenabne« wir die Treakäadersekaft bei lejgem-iaa' Auslandsanleibeu; i%lpB Anleihe das Deutschen Sperkazso- und Giroverbaude» VON iWS. AH%ig» Anleihe der Nasaauischen Landesbank. AH%teo Anleihe der Deutadrea- Bau- und Bodeabssk AktuengeseNschab- 6H%ig» Anleihe der Rnkrwohnungshau Akuen-Gcaeilsciieit. Dis Gewinn- und Varlnstreehinng ergibt einen veberechu I von BM 8 Sf? 817.48. Wir schlagen vor, diesen wie folgt«a vnrwendeni für de» gesetzlichen Reservefonds.......................... BM! 000 00«.-- „ den Angestellten-Ünterstfltrunfsfonds.............„ 250 000.— „ Ahsdrretbeng anf das Bankgebänd»...................„ 1 000 090.— „$% Dividende auf das Aktienkapital.................... 5 200 000.— znaammen H M 5 450 000,— Der nach Zahlung des satzungsgemäBen Gewinnanteils des Auf sichtsrats verbleibende Rsatbetrag von SM 954*84.15 so» auf neu« Bechaung vorgetragen werden. Berlin, den 50. Januar 1929. Der Vorstand Tisdter BAiaant tAudiant Leazmana Riu Gewin»............ Hasdlungsunkostea Stenern Vorsiebende BITaar haben wir geprüft and mit führten Büchern in Llebsreinstimwung gefunden. HM »582 n2J» 1 2 6*1 55SAI! »«♦SffAß! 14842!8MS 1 Vertrag aas(«27......................... Zinsen, Devisen nnd Sorten............. Provisionen.............................. Einnahmen ans Gerne! nschafisgeschäfien BM «2 9 95! 8428 265,« 477R2lf.fR 709 991.4» 14-44 IS.4S Berti», den 30. otdnungsnASig g«. Januar t»2». DeulatB«»«vjgtovA-«»«I Trenkaock.�IctleTtHeggllAgHchtt. Dr. AA* Böhm Pieck er Beimann Belclu-Kredii-Geiell»d>afk. AkUcagesenacbafi Landauer Lenzraann RitsAer SAetbuer KatsAeareotet Pnat Seegall Simmonds Nr. 53» 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 4. Februar 4 929 Fremde Gläubiger im Lande. Das Auslandskapiial in der deutschen Elektrizitätswirtschast. Die elektrotechnische Industrie und die elektrischen Kraftwerke gehören zu denjenigen Wirtschaftszweigen, die sich seit Jahren in einer verlMnismäßig sehr günstigen Lage befinden und deren Pro- duktionsstand den der Vorkriegszeit sehr erheblich, teilweise um das Vielfache, übersteigt. Merkmale dieser Entwicklung aus der letzten Zeit find die Umsotzsteigerung bei der AEG. aus mehr als eine halbe Milliarde, beim Siemens-Konzern auf rund% Milliarde Mark, die Erhöhung der Siemens- und chalske-Dividende von 12 auf 14 Proz. usw. Bei den kleineren elektrotechnischen Firmen, in»- besondere auf dem Schwachstromgebiet, ist allerdings die Lage nicht überoll gleichmäßig gut, zumal sich hier das Nachlösten der Aufträge der Reichspost und die Konkurrenz in der Industrie von Rundfunk- geräten stärker bemerkbar machen. Diese Entwicklung ist zum großen Teil erst mit Hilfe aus- ländischer Kapitalmittel ermöglicht worden. In einem sehr großen Umfang ist die Elektrifizierung der deutschen Wirtschaft, d. h. die zunehmende Verwendung elektrischen Stromes in Einzel- haushalten, industriellen Betrieben, in der Landwirtschaft, im Ver- kehr usw. von der Einsuhr ausländischen Kapitals nach Deutschland abhängig, ja man kann, wie wir noch sehen werden, feststellen, daß fast die Hälfte aller 1S2S aufgenommenen Auslandsschulden allein für diesen Zweck aufgenommen worden ist. Ein« kürzlich ver- öffentlichte Zusammenstellung der„Franksurter Zeitung"' enthält folgende 1928 ausgenommenen Auslandsanleihen deutscher Elcktrizitätsgesellschasten: Vereinigte Elektrizitätswerk« Westfalen 29,9 Mill. Dollar Gas- und Elektr.-Werke Recklinghausen 1,5,, Elektrowerke AG........ 3,9„. Ueberlandzentrale Pommern.... 3,5,. Märkische Elektrizitätswerke.... 3,9. Elektrizitätswerk Unterelbe..... 3,9» Saarland-Elektrizitätswerk..... 1,2, Holl Gulden Badenwerk.......... 59,9. schw Franken Gesfürel........... 5,9. Dollar Ostpreußenwerk........ 3,5,. Lüneburger Kraft-, Licht- u. Wasserwerke 1,1.» Rheinlsch-Weslfälislhes Elektrizitätswerk 29,9., Preußische Elektrizitäts-AG..... 1,2, engl. Pfund Umgerechnet in deutsche Währung machen allein diese Auslands- anleihen der Elektrizitätsgesellschaften bereits den ansehnlichen Be- trag von rund 399 Millionen Mari aus. Hinzuzurechnen sind aber außerdem noch die Anleihen von Derkehrsunter- n e h m u n g e n wie der Berliner Nordsüdbahn und der Hamburger Hochbahn in Höhe von zusammen 19 Mill. Dollar, serner die Aus- landsanleihen elektrotechnischer Firmen wie z. B. der AEG., des Sachsenwerks, der I. C. Vogel Drahtkabclwsrke usw., insgesamt weitere 79 bis 89 Mill. Mark.'Und schließlich muß daran erinnert werden,"daß ja der Abschluß langfristiger Auslandsanleihen mir eine- Form der � Hereinnahm« ausländischen Kapftats darstellt, wenn auch die wichtigste, daß aber außerdem auch Aktien verschiedener deutscher Unternehmungen ins Ausland gewandert sind, so z. B. Aktien des Gesfürel, der C. Lorenz A.-G. usw. Was die Aufnahme kurzfristiger Auslandskredite betrifft, so gibt es hierüber überhaupt kaum Anhaltspunkte. Wohl ober muß man fernerhin noch einen großen Teil der Auslandsanleihen der Städte und der Länder unter dies Gebiet rechnen, denn zu einem erheblichen Teil erfolgt ja die Ausnahme ausländischer Kommunalonleihen zu dem Zweck, die Kraftwerte auszubauen, das Verteilungsnctz zu vergrößern, Straßen- bahnen zu modernisteren oder zu erweitern usw. Rund799Mil- lionen Mark sind somit insgesamt im vergangenen Jahr für Zwecke der Elektrifizierung aus dem Ausland nach Deutschland ge- strömt, mit anderen Worten: von dem Gesamtbetrag deutscher Aus- landsanleihen 1928 in Höhe von 1,57 Milliarden Mark entfällt fast die Hälfte auf den Ausbau der Elektrizitätswirtschast, ein gewaltiger Kapitalzustrom, der mittelbar oder unmittelbar der Beschäftigung und der finanziellen Lage der elektrolechnifchea Industrie zugukekommi. Das Jahr 1928 bildete in dieser Hinsicht durchaus kein« Aus- nahm«: in den Vorjahren war der Anteil der Anleihen zum Zweck der Elektrifizierung zeitweise sogar noch größer. Auch im neuen Jahre setzt sich diese Entwicklung fort, und ganz kürzlich erst wird gemeldet, daß dos Schluchsee werk in Baden eine Anleihe in Höhe von 35 Mill. schweiz. Franken aufnimmt. j Tatsächlich ist ja yuch der Kapitalbedarf keiner anderen Wirt- schaftsgruppe so groß wie der der Elektro- und Elektrizitätsindustrie, zumal der Uebergang zur vermehrten Anwendung elektrischer Energie nach menschlicher Voraussicht noch Jahre und Jahrzehnte anhalten wird. Kraftwerke und Elektroindustrie brauchen daher ständig neue Mittel zur Vergrößerung ihrer Anlagen, und soweit im Inland diese Mittel nicht auszutreiben sind, so ist zweifellos die Einfuhr ausländischen Kapitals unumgänglich. Es entsteht die Frag«, ob nicht diese Entwicklung mit einer lleberfremdungsgefahr verbunden ist. Es wäre für die deutsche Wirtschast sehr bedenklich, wenn die deutsche Energieversorgung durch eine ausländische Finanz- macht kontrolliert würde,«in Zustand, der noch viel unheilvoller sich auswirken könnte, als wenn z. B. die Ruhrkohl« von aus- ländischem Kapital kontrolliert würde. In dieser Hinsicht ist es jedoch gut. daß der Anteil des Staates und der Kommunen an der Stromerzeugung und-Versorgung nicht nur groß, sondern auch viel größer ist als vor dem Kriege, und da hinter öffentlichen Werken auch die Garantie des Staates steht, sind die staatlichen und kommunalen Werke dem Zugriff ausländischer Geldgeber viel weniger ausgesetzt al» private. Ein Faktum, das sehr zu beachten ist. Etwas anders verhält es sich be! der elektrotechnischen I n d u st r i e. Daß hier die Möglichkeit einer Ueberfremdung wirk- lich vorhanden ist, wenn auch nicht bei den großen Trusts, so doch bei den kleinep pnd mstflerep Firmen, das., zeigte vo;: kurzem die Ein- beziehung derG Prrrenz A.- Gri irden Interessenkreis des großen holländischen Philips-Konzerns. Auf aste Fälle wird man den wachsenden Anteil de» ausländischen Kapitals an der Finanzierung der deutschen Elektrizitätswirtschast— insgesamt läuft er seit 1924 bereits in die 2 bis 3 Milliarden Mark— mit Aufmerksamkeit zu verfolgen haben.— h. Schweizer Franken vornimmt und das nicht bei der Muttergefell» schaft, sondern bei einer ins Ausland verlegten Hilssgesellschaft. Man kann der I. G. Farben nicht vorschreiben, wie sie ihre Ge» schäfte macht und wie sie sich finanziert, wenn es auch ein Skandal ist, daß man der deutschen Oefsentlichkeit— trotz der ungeheuren Bedeutung der I. G. Forben und obwohl die I. G. Farben für ihre ausländischen Interessen immer die Hilfe der Behörden in Anspruch nimmt— systematisch jedes Urteil über die Chemietrustpolitik un» möglich macht. Aber wie die Dinge heute in Deutschland liegen, bedeutet die System werdende Gründung von Beteiligungsgesellschaf- ten im Ausland eine immer größere Gefahr. Diese Auslandsgesell- schaften sind jeder Kontrolle, insbesondere jeder steuerlichen Kontrolle, entzogen. Es besteht die Möglichkeit, die Einnahmen aus den Beteiligungen im Ausland stehen zu lassen, so daß praktisch eine Art Kapitalflucht entsteht. Es besteht weiter die Möglichkeit, daß sich die großen Unternehmungen ihren steuerlichen Verpflichtungen im deutschen Reich entziehen und sich an den ausländischen Sitz solcher Firmen Verluste für den deutschen Steuerfiskus anschließen. Die übrigen Steuerträger in Deutschland können dadurch aufs schwerste geschädigt werden. Es ist deshalb allerhöchste Zeit, daß sich die deutschen Behörden um die hier möglichen Gefahren kümmern und ent» sprechende Garantien dagegen schaffen. preise und Konjunkiur. Keine wesentliche Verschärfung des KonjuntturabstiegS. Die Frage, ob di« gegenwärtige Wirtschaftsdepression schwer ist und ob sie hartnäckig sein wird, beherrscht zurzeit all« sich um Wirtschafts» und Lohnpolitik kümmernden Menschen. Endgültiges läßt sich darüber heute um so weniger sagen, als die unklare Repa- ralionslage schon in der Vergangenheit wirtschaftlich lähmend ge- wirkt hat und sicher auf die Antriebskräfte der Konjunktur auch in der Zukunft noch sehr hemmend wirken wird. Jedenfalls ist das Institut für Konjunkturforschung in seiner letzten Veröffentlichung vom 39. Januar der Auffassung, daß keine Momente vor- liegen, die auf ein« wesentlich« Verschärfung des konjunkturellen Abstiegs hindeuten, und daß auch die Abwärtsbewegung der Fertigwarenpreise keine krisenhaften Formen annehmen werde. Nach dem Konjunkturinstitut hotten die Preise der in du» striellen Fertigwaren im Oktober und November einen seit 1925 nicht mehr erreichten Höchststand. Seft Anfang des neuen Jahres seien ganz überwiegend Preisrückgänge gemeldet worden, io daß die seit zwei Iahren anhaltende Aufwärtsbewegung einer sinkenden Tendenz Platz mache. Damit vervollständige sich auch hinsichtlich der Preisbewegung das Bild des. konjunkturellen Rückgangs. Bemerkenswert ist die' Roll«, die das Institut den sogenannten gebundenenPreisenderSchwerindustrie sür die aus- fällige Hochhaltung des Preisniveaus trotz Konjunkturrückgang bei- mißt. Bei den Rohstoffen und Halbwaren sind von Januar 1928 bis Mitte Januar 1929 die freien Preis«(1925— 190) von 93,5 aus 86,9 gesunken, während die durch Verbände g e- regelten Preis« von 97,9 auf 191,1 gestiegen sind. Diese Steigerung der Verbandspreise macht in gewissem Umfang die Hochhaltung der Fertigwarenpreis« plausibel. Das Institut für Konjunkturforschung fügt aber hinzu, daß in der gleichen Richtung wie die Steigerung der Rohstoffpreise auch die Erhöhung der Löhne gewirkt habe. Wir sind der Mei- nung, daß ein« derartige Behauptung sehr unvorsichtig ist. Den Einfluß der oerbandsmäßig geregelten Rohstoffpreis« auf dos Niveau der Fertigwarenpreis« kann man zahlenmäßig kontrollieren. Den Einfluß von Lohnerhöhungen auf das Preisnioeau kann man nicht zahlenmäßig kontrollieren. Das Institut für Konjunkturforschung sollte als eine um Objektivität bemühte Anstatt sich deshalb vor zu weit gehenden Schlüssen hüten. Konjonktvrleakvag— öffentliche Austräge. Es ist eine alle Forderung der organisierten Arbetterschast, daß man die in viele Milliarden- gehenden Austräge der Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden und der öffentlichen Unter- nehmungen einschließlich der Reichsbahn und der Reichspost für den Ausgleich der Konjunkturschwankungen ziisammenfoht und nutzbar macht. Groß« Teil« dieser Auftröge sind zweifellos nicht an eng bestimmte Termine gebunden und können in Zeiten vergeben werden, in denen die industriell« Beschäftigung zurückgeht, während bei großer industrieller Beschäftigung mit solchen Austrägen gespart wird. Man hat sich seit Iahren nun schon in den beteiligten Reichs- Ministerien— Wirtschaft und Arbeit— mit der Frage beschäftigt. Jetzt ist das erst« Ergebnis dieser Beschäftigung offenbar geworden. Sämtliche Reichsbehörden, einschließlich Reichsbahn und Reichspost, haben sich bereit erklärt, alle Beschasfungen im Wert von mehr als 29 990 bzw. 50 000 Mark dem Statistischen Reichsamt zu melden. Di« Länder sollen dem Reich folgen. lieber das Ber- halten der Kommunen ist noch nichts bekanM. Immerhin wird jetzt wenigstens für einen Teil der öffentlichen Aufträge«in Ueberblick über die zeitliche und gebietliche Verteilung gewonnen werden, der für die entsprechenden Maßnahmen die erste Grundlag« bieten kann. Bei der enormen Bedeutung der kommunalen Aufträge müsien die Gemeinden so schnell als möglich in dies« Berichterstattung«bcnsalls einbezogen werden.- Neue Kapital- und Steuerflucht? Ausländische Beteiligungsgesellschasten des Chemietrusts. Es häufen sich die Fälle, daß die größten deutschen Unter- nehmungen für die Verwaltung inländischer und ausländischer Aktienpakete, die sie in ihrem Besitz haben, im Ausland Beteiligungs- gesellschoiten gründen, deren spezielle Aufgabe es ist, einmal solche Aktienpakete zu oerwalten sowie der ausführende Arm für den Erwerb weiterer Beteiligungen zu fein. Die großen deutschen Kunstserdekonzerne in Elberfeld haben in den Vereinigten Staaten eine derartige Dochgesellschaft, und der I. G. Farbentrust hat seine „Internationale Gesellschaft für chemische Unternehmungen A.-G." (I. G. Chemie) in Basel, in der Schweiz. Die I. G. Farbenindustri« stattet ihre schweizerische Gesellschaft jetzt mit einer außerordentlich großen Macht aus. Das bisherige Kapital von 20 Millionen Schweizer Franken soll um 230 Millionen auf«ine Diertelmilliorde Schweizer Franken erhöht werden, so daß die schweizerische Hilssgesellschaft nicht viel weniger gl» ein Viertel des Trustkapitals haben wird. Durch einen Generawerfammlungsbeschluß der I. G. Farbenindustrie in Frankfurt soll der schweizerischen Gesellschaft die Garantie für die Auszahlung der gleichen Dividende gegeben werden, wie sie die deutsche I. G. Farben verteill. 80 Millionen von 230 Millionen Schweizer Franken Kapitalerhöhung sollen den Aktionären der von der Baseler Filiale verwatteten Paketgesellschas. ten angeboten werden, die restlichen 150 Millionen werden für den Ankauf neuer Beteiligungen, über besten Richtung nichts gesagt wird, zur Verfügung der I. G. Farbenleitung bleiben. Ein Teil der I. G. Chemieaktien Basel soll an den Schweizer Börsen eingeführt werden. Der Sinn der Transaktion liegt letztlich darin, daß der deutsche Chemietrust ein« Kapstalerhöhung statt m Mark in - Oer Arbeitsmarkt Ende Januar. Verlangsamtes Tempo der Verschlechterung. Die rückläufige Bewegung des Arbeitsmarktes setzte sich in der Woche zum 26. Januar nach den Berichten der Landesarbeitsämter zwar noch fort, doch hat sie sich gegenüber der Vorwoche(Hesten und Südwestdeutschland ausgenommen) weiter verlangsamt. Ob sie immer noch überwiegend auf die winterliche Verschlechterung zurückzuführen ist oder mehr auf das Nachlasten der Konjunktur, wie man besonders im Rheinland befürchtet, läßt sich gegenwärtig noch immer nur schwer übersehen. Jedenfalls ist der Arbeitsmarkt nicht mehr so einheitlich abwärts gerichtet: der saisonüblich« Aufschwung der Berbrauchsgüter- industrien für den Frühjahrsbedarf ist bereits spürbar, wenn bisher auch noch ungleichmäßig. Oie Kinanzstaiistik marfchieri. Sine neue Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts. Zu der lebhaft umstrittenen Frage der Berwaltungs» und Der» fastungsreform hat das Statistisch« R e i ch s a m t jetzt durch eine neue Veröffentlichung wertvolles Vevgleichsmaterial geliefert. Die vorliegende Arbeit, die in der ersten Sonderbeilage von.Wirt» schast und Statistik" erschienen ist, umfaßt die Finonzwirt- schaft der öffentlichen Verwaltung in den einzelnen deutschen Ländern 1913/14 und 1925/26. Die Bedeutung dieser Publikation liegt darin, daß hier end- güllige Vergleichsziffern der Finonzmirtschaft der Vorkriegszeit mit den der Inflation folgenden Iahren gegeben werden. Bei Fort» setzuyg dieser Arbeiten bis zum letzten Rechnungsjahr liefert im Knäiizskätistik u n« n t b e h r i'i ch e s M a t e r sta l für die känstig« Gestaltung des Finanzausgleichs und zur Diskussion über die Re» formen in der öffentlichen Berwaliung. Einige besonders markant« Zahlen seien aus der Veröffcnl- lichung hervorgehoben. Der reine Finanzbedarf für Länder und Gemeinden stieg je Kopf der Bevölkerung in Preußen von 84,66 M. in 1913/14 auf 146,82 M. in 1925/26, in Bayern von 74,04 M. auf 131.42 M., dagegen in Sachsen weit stärker von 73,63 M. auf 149,99 M. und am stärksten in Württemberg vom 81,19 auf 155,87 M. und in Baden von 92,49 auf 167,49 M. In den süddeutschen Staaten, Württemberg und Baden, hat sich als» die Verteuerung der öffentlichen Verwaltung am stärksten ausgeprägt. Den höchsten Anteil am Zuschußbedarf beanspruchen allgemein die Volksschulen mit rund 29 Proz., nur in Preußen steht dös Fürsorgewesen mit 17,5 Proz. an der Spitze des Zuschußbedarfs. während die Volksschulen hier 16,8 Proz. beanspruchen. In sämt- lichen Ländern umfassen die Ausgaben für FUriorgewesen. Volksschulen. Verkehr und Wohnungswesen etwa 59 Proz. des gesamten Zuschußbedarfs. Noch steigende Lebenshaltungskosten. Die Reichsindcxzister für die Lebenshaltungskosten(Ernährung. Wohnung, Heizung, Beleuch- tung. Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Stalistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats I q n u a r auf 153,1, gegenüber 152.7 im Vormonat. S i e i st also noch g e st i e g e n. Die Inderzisfern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14— 109): für Ernährung 153 3, für Wohnung 125,9, für Heizung und Beleuchtung 151,9, für Bekleidung 172.5, für den„Sonstigen Bedars" einschließlich Verkehr 191,1. Klagen über die Vernachlässigung der Vodenverbesserung. Der Verband deutscher Landeskulturgenossen schaften klagt in einer kürzlich angenommenen Entschließung sehr lebhaft über die Vernachlässigung der in der Tat für Deutschland sehr wichtigen Bodenmeliorotionen. Die ieit fast zwei Iahren angekündigte und vorbereitete Kredit- und Zinsverbilligungsaklion des Reiches habe nur einen im Verhältnis zu der Ausgabe völlig unzureichenden Erfolg gehabt. Auf tiese Reichsaktion vertrauende Genostenschafien seien in größte Schwierigkeiten gekommen. Bei weiterem Stilliegen der Bodenverbesserungen müßten Tausende von baden« stündigen Arbeitern in der Drainröhrenindustrie und im Landes- kutturbaugewerbe brotlos werden. Schuld daran sei nach dem Wort des Reichsernährungsministors Dietrich der„grauenhafte" I n si a n z e n z u g von siebzehn beteiligten Stellen des Reichs, der Länder. Provinzen und- Kreise. Gefordert wird eine Vermehrung der Beihilsesonds, eine gesetzliche Sicherung und Er- Weiterung der Zinsverbilligung des Reiches und die Förderung der zusammenfassenden Organisationen für Bodenverbcsterungskrcdite. Horahani, Sdiwielea«.Warzen beielHgt schnell, sicher und unblulla KukSp&i- Verlangen Sie In der nSchslen Kuklrol-Vtrksufjsfclle«uidrQddlA die neue Pachung mll dem Garanlieschein, denn Sie cvhsllen dann bei Nidüerfolg liir Geld zurüd;! Eine Padcung Kukfrol mit dem Garantieschein kostet t Mark. Oer Arbeitsschutzgesehentwurf. Eine Fülle von Ausnahmen. In Nr. 3 des„Reichsarbeitsblattes' gab Ministerialrat Reitze! «ine llebersicht über die wichtigsten Vestiminungen des Entwurfs eines Arbeitsfchutzgeseges, auf dl« sich die folgenden Ausführungen stützen. D«r Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes soll den gesamten all- gemeinen öffentlich-rechtlichen Arbeitsschutz umfaffen. Er soll ein« Vereinheitlichung und Vereinfachung des geltenden Arbeitsschutzrechts herbeiführen durch Zusammenfassung der in einer Reihe von Gesetzen und Verordnungen, Gewerbeordimng, Arbeitszeitverordnungen. Kinderschutzgesetz usw.. zerstreuten Arbeits- fchutzbestimwungen. Darüber hinaus soll er das Arbeitsschutzrecht in gewisser Hinsicht ausgestalten. Der öffentlich-rechtliche Arbeiter- schütz ist in dem Entwurf in folgende Gebiet« gegliedert: Schuh gegen Vetriebsgesahren. Arbeittszeiffchutz einschlieft lW) des erhöhten Schutzes für Jugendliche und weib iche Arbeitnehmer und des Nacht b«tck verbot». Sonntagsruhe. Ladenschluß und Arbeit». imfficht. Der Arbeitsvertragsschutz ist in dem Entwui* nicht behandelt. Dieses Gebiet soll— wiederum von einzelnen Ausnah- men abgesehen einem Arbeitsvertragsgesetz vorbehält.» bleiben. Auch die Heimarbeit ist in den Arbeitsschutzgesetz- entwurf nicht einbezogen: das bisherige Sonderrecht müsse voraussichtlich auch in Zutrunst aufrecht erhalten werden. Urlaub der Arbeitnehmer kennt das werdende Arbeitsschuggesetz nicht. Für die Urlaubsregelung soll vorerst wie bisher di« frei« Bestimmung in den Tarifverträgen maßgebend sein. Für die L e h r- l i n g e der meisten Berufe gibt es k e i n e n U r l a u b. In einem besonderen Gesetz über die Berufsausbildung Jugend» licher soll auch hinsichtlich der Urlaubsfestsetzung eine Grundlage geschaffen werden. Weshalb nicht im Arbeitsschutzgesetz? Der Geltungsbereich des neuen Gesetzes soll für die Bc- schäftigung von Arbeitnehmern aller Art gelten, für /Arbeiter, Angestellte und Lehrlinge. Gedacht war, alle Vetciebe ohne Rücksicht aus ihren Umfang zu erfassen, während bisher ein großer Teil der Echutzvorschriften der Gewerbeordnung nur für Betriebe mit in der Regel mindestens 20 oder 10 Arbeitnehmern galt. Die Demobtl- machungsverordnungen über die Arbeitszeit hatten diese Unterschieoe aufgehoben. Das Gesetz aber, das diese Unterschiede aus dem Ge- biete des Arbeiterschutzes allgemein aufheben sollte, soll auf Beschluß des Reichsrats mit diesem Prinzip brechen. Die Erfassung aller Be- triebe durch die Arbeitszeitoorschriften. ohne Rücksicht aus ihre Größe, soll aufgegeben, für die Setriebe bi» zn fünf Arbeitnehmern Ausnahmebestimmungen getroffen, die seit länger als einem Jahr- zehnt bestehende Gleichstellung der Betriebe beseitigt werden, zum Nachteil der Lehrlinge und Gehilsen in den naturgemäß rückständi- gen K einbetrieben. Doch auch in anderer Beziehung wird der Geltungsbereich des Gesetzes von vornherein eingeschränkt. Das Gesetz will nur den allgemeinen Arbeiterschutz regeln und den Sonder- schütz einzelner an sich in den Bereich des Gesetzes fallender Ge- Gewerbezweige oder Perstmenkreise, die vorgeblich durch„die Eigenart ihrer Beschäftigung' ein« besonder« R«gelung erfordern, di» bestehenden Sonderregelungen vorerst unverändert bestehen lasten oder besondere Regelungen schaffen. So kommt es. daß da» neu« Arbeitsschutzgesetz nach dem vorliegenden Entwurf von vornherein Stück« und Flickwerk wird, indem entweder das ganze Gesetz oder einzeln« seiner Abschnitte auf diesen oder jenen Gewerbezweig oder Per- fonenkreis keine Anwendung finden sollen. Erst wird an dem Entwurf die Erweiterung des Gel» tungsbereichs als«in wichtiger sozialpolitischer f ortschritt gepriesen, dann aber festgestellt daß di« Land- und orstwl'-lschasl. die Fischerei, dl« SeeschffahN und d'» einschließlich ihrer Nebenbetrieb«, ebenso die Hauswirtschaft,-dem Geltungsbereich de« neuen Gesetzes völlig enliogen stnd Die Arbeitszeit soll, wie bemerkt, für di« 1 616 781 Kleinbetriebe bis zu S Personen mit Z604S68 darin tätigen Personen durch ver» schlecht«!« Ausnahmebestimmungen geregelt werden. Die Arbe'tszeii» und Sonntagsruhsbestimmungen sollen auch für den Bergbau uaksr Tage nicht gellen, auch hier soll die Regelung einem besonderen Gesetz vorbehalten bleiben und— von d«n so» ««nannten Familienbetrieben abgesehen— soll auch das Pflegeper- sanol in Krankenaostalken von den Arbeitszeit» und Sonntagsruhe. bestimmungsn ausgenommen werden. Die Absicht, die Regelung im einzelnen besonderen auf Grund de» Gesetzes zu erlassenden Ausführungsverordnungen zu über» lasten, wird mit der Notwendigkeit begründet, den Entwurf in ab- sehbarer Zeit fertigzustellen. Selbst auf einzelnen Gebieten des gel» tenden Arbeitsschutzrechts, wie z. B. beim Schutz gegen Be» triebsgefahren, verweist der Entwurf auf spätere Der» »rd nun gen. Der Grundsatz d« achtstündigen täglichen ArbeitS'eit soll «ifrechterhalten bleiben. Grundsätzlich wird jedoch die Sonn« tagsarb«>t, soweit sie noch zulässig ist, von den Arbeitszeitvor. fchriften nicht ersaßt. Für ununterbrochene Arbeiten, die regel- mäßig auch am Sonntag vorgenommen werden müsten, gilt nicht die sechsmal achtstündige Arbeitszeit in der Woche, sondern der wöchentlich siebentägige Achtstundentag mit S6 stündiger Arbeitszeit. Das ist nicht die einzig« Ausnahme von dem Grundsatz des Achtstundentage». Die Aus» nahmen sind in dem Entwurf teils abschließend geregelt, teil» ist die R»s«lung besonderen Verordnungen vorbehalten. Da gibt es Ausnahmen für vorberellunq». und Ergänzung«o'b?ilen. Ausnahmen für Arbeitsbereikschaft. Ausnahmen für Mehrarbeit im allgemeinen und Auenahmen für Notfälle. Bei Borbereitungs- und Ergänzungsarbeiten kann die Arbeitszeit bis zu zwei Stunden täg. SO) verlängert werden, und auch für die Arbeitnehmergruppen m-it Arbeitsbereitschaft kann sie bis zu 10 Stunden täglich ver» längert werden, einschließlich der Ruhepausen bis zu 12 Stunden. Für di» Führer und Begleiter von Kraftfahrzeugen und Fuhr- werken gibt es fein« Schichtdauer, dafür eine ununterbrochen« Ruhezeit von mindesten» 8 bis 10 Stunden. Also Arbeitszeit samt vrbeitsberestschaft: 14 bi» 16 Stunden. Ob die Führ« und Begleiter tion Kraftfahrzeugen und Fuhrwerken in der Aorkriegs» UderatM man mit tan RaAnxt« en Stull»-» Mult5»to»rbandt«. B-rli». ttom- mandaiuenftr 63,6« Sönhofi 3277—78 Sei»iitt«i»U 0—5. Sonntag, to— 1 Übt auf Wunl»- Stctrctttitfu». zeit noch länger arbeitsbereit sein mußten, möchten wir bezweifeln. Davor sollen sie aber jetzt geschützt werben. Besonders tmrd betont, daß für die jugendlichen und weiblichen Arbeitnehmer nach dem Entwurf auch künftig ein erhöhter Schutz gelten soll. Dabei bringe der Entwurf nicht nur in formaler Hinsicht ein« Verbesserung durch einheitliche und übersichtliche Zusammenfassung der bisherigen Borschristen, «r bedeute auch in materieller Hinsich! eine Erweiterung des bisherigen Schutzes, insbesondere durch die grundsätzliche Einbe- Ziehung der kleinen Betriebe wie auch durch die grundsätzliche Cr- höhuna des Schutzallers der iugendiichen Arbeitnehmer von 16 auf 18 Jahre. Was die grundsätzliche Einbeziehung der kleinen Betriebe betrifft, sei nochmals an den Befchluft des Reichsrat» erinnert, die Betriebe bis zu fünf Beschäftigten, meist die Betriebe mit Lehrlingen, jungen Gehilsen, jugendlichen Arbeitern und Ar- beiterinnen, von den Arbettszeilschuhbestimmungen auszunehmen, mit der famosen Begründung, daß die Durchführung der Ar- beitszeübestimmungen in diesen Betrieben gewisten Schwierig- leiten begegne. Schwierigkeiten, die, sachlich unbegründet, von den kleinen Herren im Haus« gemacht werden. Iedensall» wird damit der lobende Hinweis auf die grundsätzliche Einbeziehung der kleinen Betriebe ziemlich gegenstandslos. Di« Sonnlagsarbeit ist grundsätzlich verboten. Die von diesem Grundsatz abweichenden Ausnahmen sollen für jugendliche Arbeiter unter 16 Iahren im allgemeinen nicht gelten, im besonderen also auch für sie zulässig sein. Zu all den Ausnahmen kommt schließlich noch die vom Reichs- rat beschlossene Hinausschiebung des Inkrafttretens der allgemeinen Arbeitszeitoorschriften hinzu. Bon dem Ziel der Zusammensastung des gesamten Arbeitsschutz- rechts ist der Entwurf weit entfernt. Er zeigt, daß wir uns immer noch im Stadium der Vorläufigkeit befinden, aus dem wir in arbeitsrechtlicher Beziehung immer ungünstiger herauszu- kommen scheinen als wir hineingekommen sind. F. E. SS 000 ausgesperrte Weber. Der Textilardeilerkampf in Sachsen und Thüringen. Der Kampf in den sächsisch-thüringischen Webereien geht in un- verminderter Schärf« weiter. Im Arbeitgeberlager schreckt man vor den brutalsten Maßnahmen und den plumpsten Drohungen nicht zurück. Man macht sogar die Ortskrantenkassen scharf. den kranken von der Aussperrung betroffenen Textilarbeitern und Textilarbeiterinnen die Krankenbehandlung durch die zuständigen Aerzte zu erschweren. Rücksichtsloser dürste wohl noch kein Arbeit- geberverband gegen kranke, streikende oder ausgesperrte Arbester und Arbeiterinnen vorgegangen sein. Derartige Kampfmelhodeu des Arbeitgeberoerbandes können jedoch di« Stellung der ausgesperrten Arbesterschaft nicht erschüttern. Um so weniger, als die Arbesterschaft sich ihrer gerechten Sache durch. aus bewußt ist. Wenn je. dann ist in diesem Kampfe der Beweis erbracht, daß der Arbestgebsrverband sein« Aussperrung und seine Ablehnung jeder Lohnerhöhung nicht au» wirtschaftlichen, sondern aus arbeiterfeindlichen Motiven heraus vorge- nommen hat. Denn«ine dem Arbeitgeberoerband im Bezirk nicht ongeschlostene Finna zahlt allen am Tarifoertrag beteiligt«» Arbester- gruppen ab dieser Qohnwoch« 1 0 P r a z. Z u s ch l a g auf di« Brutto- Verdienste und. fall» in Doppelschichten gearbeitet wird, für di« Zeil von abends 8 Uhr bis abends 10 Uhr«inen Zuschlag van 15 Proz. auf den Attördrichtsatz. Diese Firma erbringt damst den Beweis. daß«ine Lohnzulag« wirtschaftlich tragbar ist. Der Arbeitgeberverband zeigt, daß er lediglich den Beschlüssen der Berliner Arbestgeberzentral« folgt. Die» ist auch den einzelnen Unternehmern im Arbestgeberverbönd bekannt und hat dazu geführt. daß bereits ein ziemlich weit um sich greifende« Durcheinander im Unternehmerlagsr entstanden ist. Ein Teil der Web- sabrikanten bzw. ihrer Vertreter haben erklärt, daß di« Aussperrung für die Webfabrikanten große Berlust« bedeutet und es klüger gewesen sei.«ine Lohnvereinbarung mit der Arbeiterschaft zu treffen. Di« ganze Schuld an diesem Kamps« ist lediglich bei dem Arbestgeberverband zu suchen, der ständig vom„Aufbau der Wirt- schaff singt und von der Erhaltung de«„Wirtschastssriedens'. Da» hindert die Herren jedoch keineswegs, die Arbeiterschaft au»zu. sperren. Eine Reihe von Betrieben, die im Bezirk ansässig und am Aus- gang des Kampfes zwerfello» interessiert sind, hat«benfall« nicht ausgesperrt. Der Arbeitgeberverband will die Arbeiterschaft durch teils ver- steckte, teil» offene Drohungen mit„Aussperrungen größeren Stils'«inschüchtern. Solch« Drohungen schmieden die ausgesperrt« Arbeiterschaft nur noch enger zusammen. Die Aue- gesperrten wollten diesen Kampf nicht. Cr ist ihnen durch den Arbeitgeberverbond aufgezwungen worden. Sie stehen in«nt- schlössen«? Abwehr und erfreuen sich nach wie vor der Sympathie der breitesten Oesfentlichkeit. Eonrad Venns Verbandsjubilae. Am 1. Februar kann Genosse Konrad Bruns, Sekretär beim Haupworstaist, des Verbandes der Fabrikarbeiter Deuifchlands. aus ein« 2Slährige Angestelltentätigkeit in seinem Ber- bände zurückblicken. Im Jahre 1900 trat der damals?4iährige Brun» dem Verband« bei. um ein Jahr später bereits die Lei» tung der Zahlstelle Berlin als erster Bevollmächtigter zu übernehmen. Als sich infolge seiner unermüdlichen agiralarischen Tätigtest die Mitglicderzohl sehr stark vergrößerte, wurde Brun» o-ngestellt. Lom Jahre 1900 bis Mai 1929 stand Bruns ununter- brachen an der Spitze der Berliner Zahlstell«. Am 1. Mai ISIS wurde Bruns vom Hauptvorstand auf den Posten des Arbeitnehmervorsitzenden des Haupttarifamto für die chemische Industrie beruien, welch«» Amt er noch heute bekleidest Wir gratulieren dem Jubilar, der auch ein treues Mitglied unserer Partei ist, und wünschen ihm. daß er noch lange Jahre im Interesse der Arbeiterbewegung tätig sein möge. Schiedsspruch für die Mühlenindustrie. Der Verband der Nahrungsmsttel- und Detränkearbester hatte auf Beschluß der Funktionäre das Lohnabkommen der Mühlen- arbsstsr zum 2. Januar gekündigt und eine Lohnerhöhung von 10 Proz. geiordert. Die Löhn« betragen zurzest für Gelernte S4 M.. für Ungelernte 46 M. un dfür Frauen 32,50 M. Da die Berhand- lungen mit den Unternehmern ergebnislos verlausen waren, wurde der Schlichtungsaus ichub angerufen, der nach mehr- stündigen Beratungen schließlich einen Schiedsspruch folgenden Inhalts oerkündete: Das alte Lohnabkommen läuft unverändert bis zum 3. Juli weiter. Ab 4. I u l i erhöht sich der Spigenlohn um 2 M. pro Woche. Die ungelernten Arbeiter erhasten 85 Proz. des Facharöeile lohne;, so daß die Zulage für sie ebenfalls 2 M. betragen würde. Das Ab- kommen soll bis zum 31. Dezember 1929 gellen. Obwohl sich die Unternehmerbeisitzer vor dem Zustandekommen des Schiedsspruches der Z u st i m m u n g ihrer Auftraggeber und de» Syndikus des Arbeitgeberverbandes versichert hatten, lehnten die Unternehmer nachträglich den Schiedsspruch a b. Dieses Der- halten der Mühlenbesitzer ist um so skandalöser, als die Lohnkom- Mission der Arbeiter ihr Einverständnis mst dem Schiedespruch nur deshalb bekundete, weil nach der Erklärung der Unternehmerbeisiger die Annahme des Schiedsspruches durch die Unternehme� gewiß erschien. Trotz des Derhastens der Unternehmer haben die Funkt. o- näre der Mühlenarbeiter den Spruch angenommen und die Organisation beauftragst seine Verbindlichkeitserklärung zu beantragen._ Im Zeichen der„Kampfleltungen". Dt« Berliner Ortsverwallung des Deutschen Metallarbeiterver- bände» mußte wiederHoll die Wahrnehmung machen, daß nicht von ihr beauftragte Personen mst den Unternehmern in der Betrieben Berhandlungen führten, unter der wahrheitswidrigen Angabe, im Auftroge des Verbandes zu handeln. Die Ortsverwaltung machte deshalb darauf aufmerksam, daß ihre Unterhändler einen Ausweis mit Lichtbild besitzen, der die Unterschriften der Bevollmächtigten Eckert um» U r i ch trägst_ Lohnbewegung der sächsischen Gemeindearbei�er. In dem Lohnstreit zwischen dem Arbeitgeberoerband sächsischer Gemeinden und dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbe ler hat die tarifliche Bezirksjchiedsstell« am Mittwoch folgenden Schiedsspruch gefällt: 1. Das bisherige Lohnabkommen läuft b's zum 31. März 1923 weiter. Für den Fall, daß ab 1. April 1929 eine Lohnerhöhung eintritt, erhöhen sich die Tariflöhne für Februar und März in demselben Maßstäbe. Soweit h ernach eine Nachzahlung in Frag« kommst ist sie an alle diejenigen Arbeitnehmer zu leisten, die nach dem 31. Januar 1929 noch im Arixitsverhältnis gestanden haben. 2. Der Antrag auf Gewährung des Ortszuschlages von 2 Pf. für die Stadt Plauen wird abgelehnt.(Ortszuschlag erhalten also nach wie vor nur die Großstädte Dresden, Leipzig und Chem- nitz.) Erklärungssrist für die Parteien: Montag. 11. Februar 1929. Krlegsbetämpfunqsfonds des FGB. Amsterdam, 31. Januar.(Eigenbericht.) Der Vorstand des Internationalen Gewertschafisdundes be- sGvß, di« kommend« Prager Lusschußsitzung zwecks Vorbereitung der Arbeitsionferenz teilweise öffentlich abzu halten und hierzu auch nicht angeschlossene Zentralen einzuladen. Bon 99 000 Gulden Kassenbestand sollen 50000 Gulden aus den Kriegsbekämpfungsfonds überschrieben werden. Vor einem Vergarbelterflreif l« polen. Kakkowitz, 31. Januar. Der polmscho sozialistische Zentralverband. Sektion Bergbau. der der Lrbeilegsmeinschast der Bergarbesterverbände nicht ange- schloffen isst hat gestern gleichsall» die Streikparol« ausge- geben und sie auf die Kohlenreviere Dobrowa und Krakau, wo der Verband die bedeutendste Rolle spielt, ausge- dehnst Di« übrigen Bergarbesterverbönde haben sich gleichfalls e i n- mutig der Streikbewegung angeschlossen. Aui fast allen Kohlengruben waren Belegschaftsner- sammlungen, in denen man sich grundsätzlich für den Streik er- klärte und scharfe Kritik an der Stellungnahm« der Regierung übte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch di« Bauarbeiter in den drei Revieren sich dem Streik anschließen werden, nachdem sie ein« Lohnerhöhung von 20 Proz. gefordert haben. $ Freie GewerkfckastS'Iuqend Groß«Verlin H»u!e. ffctltaj, 19�4 llhr. tag,» dl« Siuppen: N-idrI»«: Zug-ndd-im Schul- s-mn-ndura« Str. 20. S-imbesvrlchung. Auispcach«:»ctncnv vtrhSltniss«. Lerbandsduchl-ntrolle.— ö«rma»u»latz: Zugcndheini tzugrndtas des B-jirtsamt« Ltcdding. Turiner, Eck« Seeliraß«(Eingang Türmer Straße). Dir lrttilleiea unltr«?anuararb«it. Zutritt mit mit Beimauswei» und Vrrdandsduch.— Boranzeige! Conntag, Z.(Februar, um I Uhr. im Silrgerkaal de» Rathauses. NSnigstraß«. Lichldildervortrag:„ftätlic «allm'.tz und Ihr Wert." Bortragenher Dr. maus Berger. Unlostendeitrog td Bf. Satten stnd hei den Iiigerdsunltionären, in de» N-zirtsjugendgruppen, In den Orlsverwaltungen der Verbände und in der Freigewerkschattlich-n Zugurdzentral«. Engeluter 24— 23, Zimmer 7«, zu haben. �vaendanippe ves ZentralverbonVeS der Anaestellten Heute, ffreitag, finden folgend« Veranstaltungen statt: P»al»a»-Ri«d«r- fchSahanien: Zugendheim Giirschftr. 1t(große» Zimmer). Heimbe- svrechung.— Oberlpre«! Jugendheim Laufen«! Str. 2. Seimbesorechung.— Südwest: Jugendheim Brll,.ÄII!ane«,Stt. 7—10. Heimbesprechung.— Bchtuag! Um Sonnabend, 8. ffebruar. IflH Uhr, veranstaltlt di« Ortegruvpe anläßlich der Gauiugendaussprache eine Zugendlundgebuug im Reich«wirtschast«rat. Brllevuestr. Ili. Einlaß ist nur mit aus Namen ausgestellteu Einrrittoiarlen gestattet. /-Was ist Togal!-> Togal- Tabletten sind ein hervorragend bewährtes Mittel bei Rhauoia, Gicht, Uchlaa, Grippe, Nerven und Kopf» schmerz, Brkültuncskrankheiien I Schädigen Sie sich nicht durch minderwertig« Mittel! 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Nicht vergessen, die Adressen der neugewählten Kreis- und Ab- teilungsvorstände dem Bezirkssetretariat mitzu- teilen. TaS demnächst erscheinende Adressenver- zeichnis kann nnr diejenigen Namen enthalt««» die dem Sekretariat gemeldet find. t.«rri»«Il-xrodors. tztchting!«tttwoch.». Febrna». t» vdr. tat«Moria. gartrn, WUHclmsan«>14— IIS. ftreioorrireiori kart« kein?»tritt. Nenirahl de» Soifioode» VL Rtei» Steg itreieiert roter»« rsomml»»». Od»««andat». de,«oifioodo»».». teglitz. a-rs», Tr. Sregor Bienstock!.Mar» bk« nomisch« Lehn»' beginnt Freitag, l. Februar. 20 Uhr, im Lesesaal der Stadtbitcheret. Eruncmaidstr. 2. Hörgedübr litr tz Abend« 2 SR.# 14. Svcl, RculcSn. Heute. Freitag, 1. Februar, 1SV4 Uhr, Sitzung bto er writertrn Kreisvorstandes mit de» Delegierte» zu» Boziriopartellag a» bekannter Stelle. innend» Kiersus fllr K»m»»»Mlp»l'tIk findet sonder» statt. >«. Krei» gepeutck. Der heut« beginnende Kiers«» w nicht, m'e irrtllmsich angegtzden, Schiotzstr. 27. »rd»et«iij>tz«»g,s»»l de» Raihauieo, Schloßstr. 4. heule. Freitag, t. Februar. N. Atzt. Dresspunki oller Mitglieds zur Sinischerun,«nkerr, Sonossen»nd langjährigen Funktionär« Ott, Falk rem 19% Uhr. Morgen, Sonnabend. 2. Februar. 75. Abi. Wannsr«. Nächste Riiglitderreersommlung am Sonoatzent,» Uhr, im Lokal Reichsadler. Vortrag:»Unser Wehrprogromm." Referent che- no�e Nickel. 77.»rd ß«. Atzt. Schioetzera. Sir ditten nnsere Mitglied«, de» Lichtbild«. Vortrag der Sozialistischen Arbeiterjugend„Fu Fuß und mit dem Falt» boot durch Finnland und Lappland*. 19H Uhr, IN der Hohenzollrrnschul«. Belziger Straß«, zu besuchen, llnkostenbeitrag 20 Vf. Frauenveranslaltungen. Freitag, l. F-bruae. 2» Uhr. dal Sorga». «. Atzt. Heut«, .Feierstunde'. Zungsozialisten. «ruuv» Weddlng-Sesundbrua»««: Heute, Freit«! M erste.& 30 Uhr, im Ziugendheim ©rtlistt. 10, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft Lepinski:»volit�sch« Br». fromme'.— Truppe SchZaeberg: Heute, Freitag, piinltlich 20 Uhr. Im Jugend. «im Sauptstr. IS. Schwabenlandzimmer, Beginn der Arbeitsgemeinfchast:.Di« Entwicklung der«oriistischen Gedankenwelt'. Lei!« Heinrich Lakudowie». Gedurltztage. ZnbilSen nfw. «». Atzt. A«f«»r treue,»«»»«st»«» U««« a ck, Wiesen str.». zu Ihn» «Übrige»»»Heljabiliam die herzlichst,» SUcksstafcht.«dg» ste■»<»och aieb Zade» tre»«», Seit» ftrhe».__ �._._.. 47. Atzt. u»s»r»m liebe»»en-ffe, n»»»>«»«»er. A»»»o»str. t« k»I»«m Zdj ihrige» Paeteijutzilä»» die herzlichste» alickv-iinsche. s Sterbetafel der Groß' Berliner Partei> Organisation rt Abt. A» 28. Januar verstarb unser Genosse Juli»» SReoer, -——--~----- heut«, Freitag, ALdersborfer Str. 12. Ghr, seinem Andenkens«»»rdigung heut«, F, t Februar. 14V4 Uhr. viu-gemeinde.Friebhaf,«ilhelmsbrrg. 44.»dt. Unser Senvss», der Kassierer Hngo Loffberaer. ist am Zll Januar verstorden. Gdee feinem Andenke»! Sinälcherung Zllontag, 4. F«. tzruar. 20 Uhr. im Krematorium»erichtstratz«. «8. Atz«. Halens«. Unser l-ngsädriger Senoste. der?.>mmererv»l>er Friedrich Hermes«estülische Str. 82, ist am 28.?anu-r im 7». Leben» iahre»erstorben. Ehr« seinem Andenken! Sinäscheruag am Sonnabend, 2. Fe. hruae, 18 Uhr, I« Kiematoriu» Wil«er«ors. 181. Atzt. Niederschlnda»!«». Unser treue»»itgNed, der vauardeiter »ildelm Ernst. Biemarckstr. 81, ist»ach lonarr Krankheit verstorben. Ehr» seine« Andenken I Eitiöjcheruna aiu Sonnadeiid: 2. F-druar. v»im:«>ag- lü Uhr. m Krematorium»ectchtllratze. Sozialistische Arbeiterjagead Sroß-Serilo Atzrech«»»g d» Deitrig«, .Arbeiter---- rden. «»»der.»nd der Turnhalle bei—... Baader, und S»ieII«it«r vara»' und d« >dr. , kbn»ne»»tzgeholt -ch»me, der Beirrt»«, Ausgabe de« Fetzru»r..Z»gend, issi&-jßsr��ä�h «pleNelterkars»,- Beai»» morgen. Sonnabend.>»14 Uhr. i« S»ule Rtltiiftraße iReukölln). Thema:.Auhensplele.' Di« ________ elleiter aller Abteilungen mllssen sich beteiligen. henle. t9H Uhr.«bteNnngsmltglieberverfammlungen: A-se-tdal« Birst» dt: Schule«NsadeMrchfk.>».-«raw»»- s-w> Sandsderger«tr. 10.- Haafa: Heim Bschumer Str.»d.-«oatzt« l: Schule «aidrv, erste.«.-»satzit II: Hei» Sehrt««tr d-tz.- ,r.»«.lde. vtatz: Heim Rastenburger, Ecke»ehlauer Straße.- Hamonuplatzi He.« Scheren. bergstr 7.— Heh»»sch»»»«»s»»: Heim Frelcnwalder Str. 5-4.- Nordost: Se m Dangiger Str. 42.— weüeosce: Hei« varkstr. 84.—«trther Plötz: Schule Kastanienall-«»2.-«aktenplatz: He!« TiIsIt'r Sti 4— 5.— Stralmm» Biemel: H«'« Eoßlerstr.«1.- Sz'? bauptstr. 14.—«»»»«- »erg IV: Heim Sauptstr. l».-«d«-b«CTin-r»: H»'m Rostnrnftr 4- Thor. l-tlenbnrg.Agtz: Heim«utzelstr. 2.-»orlendse,: Ali««»ule. Dorfstr. 7.- KSpenick: Heim«rllnaue» Str. 8.- Baumschulen»««: Heim Srnstftr l«- S°banni,»dal: Batdau», Ratskeller.-» ederschluew«!»«: Schule Derliner Straße 81.— Neu Ltchtentzerg: He in Hausfstraße.— Lichteutzerg-Nortz: Heim Gunterstr. 45.— Barstgtoald«: K�Schul«. K-nradstr-ße. » Aadreaopkatt! H«>« Brommnstr. l!.Di, Ksmmunalwahlen'.— Britz N: Helm Shausfeestr. 48:.verufseriebnisse.'- NeukiM» VN: Hei«.Steinmetz. strak«: Fvnktionirfitzuu»-«Mstto». Heim aisenstr.«t Lichtbild«: .Ttzztri -»ringen'. Werbe bezirk Rostuenstr. 4. TharlotAndurg-�Sestrud' tagt dio auf wettere, im st«bleah»»f: Fahrt morgen, Sinnatzent. hors-Mitte. Treffpunkt 1« Uhr«hs. Berbebezlrk Breazlaaer Berg: Morgen, Sonnabend. B..B..L.-st«nIere»z I« " Taroefe 7. Alle Abteilungen müssen oertrelea iei». . abgegeben werdrn. ________. j, 8. Februar, 1814 Uhr. Lichtbildernartrag de» Genoss-n Kurt Biging über sein».Lapplandreise'. Lokal: Lietsch«. Kbpentck, Dorotdeenstr. 1». Unkostendeiirag 2» Pf. Heim»anz'ger Str. 02. Barock...—---------- Di» Funkt»ntrl'sten müssen restlos abgegeben«erden. Werdetzezirl Müogelf«»: Ssnntag. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz- RoI-Gold". Se'chtttostell«: Berlin c 14. Zedastianstr 87/38, Ho« 2 Tr Febraar. Tiergarten. Besten>: 20 Uhr versommlung kiitzsmufce, Elle Diirnbcegstraß«. Für unsere Herren- oft. Ungefähr fünfzehn Jahre dauerte e», bl» der Film seine tünst- lerifch« Form fand, deshalb ist es nicht erstaunlich, dach sich heute »ach vier Jahren das.Hörspiel" noch immer im Zustand des Experiments befindet. Auch Rolf G u n o l d».Das pochend« Herz' ist nur in dieser Beziehung ,zu bewerten. Man muß hier zwischen Form und Inhalt unterscheiden. Inhaltlich steht da» Stück nicht auf der Höhe. Die Idee, den Herzschlag eines Menschen durch Radio zu übertragen, ist gut und auch die Folgerung, daß es dadurch möglich ist. auf große Entfernung«inen Herzpatienten zu keilen, aber Gunold biegt dann die Idee ins Kitschige ab. Wenn der Professor beispielsweise sagt, er möchte durch die Uebertragung de« Herzschlags feststellen, durch welch« Emotionen das menschliche Herz höher und schneller schlägt, so braucht er dazu kein Radio, sondern es genügt ein einfaches Lehrbuch der physiologischen Psychologie. Iedensalls bleibt dieser berühmte experimentierende Arzt eine kind- lich» Crscheimmg. und des Verfassers Geist wird von sonderbaren Vorstellungen heimgesucht. In einfachen Watten: Ein Sketch, ein Scherzo wird zu einem kitschigen Drama ausgewalzt. Ander»»er- hält es sich nun mit der Form. Diese beherrscht Dunold. Mit realistischen Mitteln schasst er aus dem rein Akustischen beraus ein diskutierbares Hörspiel. Gunold vermeidet sehr geschickt Anspielun- gen an das Visuelle. Assoziationen tn dieser Beziehung stellen sich von ganz allein und ungezwungen ein. Die Musik, sehr geschickt nur im Rhythmischen bleibend, erübrigt sich eigentlich. Weil hier aber die Form beherrscht wird, zeigt sich deullich der Bruch im Hörspiel. Es fehlt an Inhalt. Warum schreibt Gunold. der sicher Talent für den Sketch hat, eine unangenehm pathetische An- gclegenheit mit abgegttffcnen, großen Worten? Ein« Funktragödie verlangt auch einen tragischen Stoff und keine Courths-Mahleriode. Immerhin ist die Sache interesiont. F. S. 1914 Uhr. in gcmeinsckast sammenkunft f«zl»ld«»»kratische> Poltzeitzeautt«, Gr»ß-Sc»li>wJ. Di« Kn- am 6, Februar fällt aus. esperanto-Sefelllaaft ckdarlottcutzur«. Mvntoq. 4. Februar, 20 tltzr. Konditorei Wolter. Sharlotteuburg, Bismarckstr. 114 tam Knie), Dükusstonoabend. Gäste willkoininen. Reichsburd de, Krieasbefchädigteo. Krtegstetluetzmer»atz Sriegertzirtcr. tzliedenen, Ortsgruppe Beste«. L-jirksv-rfamwlung Dienstag. 5. Fedruor lnicht 12. Februar, w!« im Saumitteilungsblatt angegeben). 20 Uhr. im Sedubert-Soal. Bülvwfir.>04. Referent kam. Will» Loren,. Thema:.Eine Streif« durch die Berforgungsgerichte.' Bestimmt««nwefenheit aller Mitglieder wäre der best« Dank für de» bewählten Referenten. Ertch Svtzelt. Uedvngs- kRrstaurant Zohenn wetterderlch» der iffeuMchen wetlerdteustsielle verlln oud Lmgeoend: vorwiegend heiter bei massigem Frost.— Für Deutschland: Im Weite» Tageälkmperoturen meist über Null, im übrigen Reich nacht» sehr streng«. am Tage mäßiger Frost. Musterbetriebe der Wirtschast. Eine wichtige Neuerscheinung aus der Industrie. In der Gene: »Musterbetttebe deutscher Wittschoft' erscheint als zweiter Bond ein reich illustriertes Büchlein.Die Zigarettenwert« der Reemtsmo A.- G.'— Wieviel Meist chen wissen heute, welch« Sorgfalt aufgewendet wurde, die Zigarette in ihrer jetzigen Voll- kommenhei» herzustellen. M. Voigt schiliett mit beredten Worten. wie das Werk au» kleinen Ansängen entstand, im Lause der Jahre immer mehr Freunde gewann und auf Grund eigener Erfindungen heute ein Erzeugnis liefern kann, das sich nicht nur in Deutschlaitb. sondern auch in der ganzen übrigen Welt uneingeschränkte Achtung und restloses Dettrauen gewann.— Das Buch ist im Halbleinen- band zum Preise von 2,75 M. in den Buchhandlungen oder direkt vom Verlag(vrganisativns-Verlagsgesellschaft m. b. H., Berlin. Leipziger Straße US/lsk) zu beziehen. stlicher de« gekonnten E« kündigt die..__ J___ -Iisgestellteu Risscnmengen weiß-r Waren- d!« großen Auflagen im Saufe selbst—, sowie die sehenswerten Innendeksrat'onen geben«in eindringliche« � Bild, von der Bedeutung der„Brißcn Wochen'. Auf iu H?»f«ph« Cri: > Wochen' spreche» dt,-------' niedrigen Preis«! ReukMn. denn während d«r„Weißen Wochen' st täten und die ganz außergewähnlich>'' «en die hochwertigen Quasi- Theater, Lichtspiele usw. Freitag, a. I 2.. Staols-Oper jniei j. C'iuieii A.-V. 3» Ib�hlNir' S(aa?s-öiif:t 4 h.-r.o. r/eouu.. R.-S- n J9 Uhr Die «MM Freitag, d. 1 2. stBöi. Oper B«RiarcKsu. furnus Iii 80 Uhr Orphensn. EprytiAe Slazi'.iaDspli: 'l. 9 iunaibQdi.f A.-V. 28 20 Uhr fiatbao- der Weise itaati.idiiiier-IflEaier.Cliarittig. 20 Uhr Q AS Musik am ff rem, keime Kammers. ffart Iökeu -Slaalsoper Berlin) «orverlaui«auaterdrochen. I «aste de« raejta Tag geöffnei.| Teleph. Steinutah 981«.?>08. "-vde VkVia Uotonagcr Siralta 32. Wen! Neu! KllomBtenieDchen Data ein erstklassiger bunter Teil PliruniereLeser Outschein iflr i— 4 Per. Fauttui' nur I.ISM� Sessel 148 M- onstleePreise Parken u. Ran- 18" V, irÄnaTrÄi?!?.BÄn�n"": ».�erfahrt reittt Transmrtführer. Fem Udlmann. B.dertt.ge: 2t Uhr Mistenrudrrn M�nent Blumengarten, Od.rschdnew�de. vssrndsseaße. Reuauf. nadm-n werden dort enigeaeng-nommen. Treptow, Dllaseselni Absghri >8 48 Uhr»ur Fahnenweihe nach Beteeshoqe n. Frede rsdors von»iederschdnewe'd», e»l.s. Bhf ,8» Uhr. S-amdourkorp« mit Instrnmentrn. Peteredagen.Fredee». d-r,! 20 Uhr Antreten«hs. Fredersdorf>'.m> Empfang der-nswSrkigen«am». roden.— Gaanirng, 8. Febrnar.«darlottentznrg� Kamerad-n. die Handball sp'eten wollen. 1014 Uhr Spsetplatz„An der Avus'. Lichtender«: Gemll«,«'» Befiammenfew de« Tamdourkorp» mit Anqrhörigen bei Kgm.«erner. Wilhelm. strgße 8. Mitwirkung der weich«k>annir.?ai,boni>kapelle L'chtentzer,.»äste w'll. komm-n.— Pre«, tauer Berg. Kamergbichaft Facke: Di« E>n�sck�r,,ng de- Samergden Erwin Braver findet Sonnabend. 2. Fedrnar, 18 ITH,, Im Kremg. tot' um»erichtftroße statt. Treffen WA Uhr Bhf. SchZnhauser Allee In Banner. kle'duna- Fri.8ri»-Sa,i,,«amer-dtchaft Memel: Unser erb, indrirr«r-meea» Smit Fischer ist oerftorhen.«eerd'aung Freiias. t. Februar. ,2 Uhr. In Mar-ahn. Um reg» Beteilignng wird gebeten. Treffpunkt der Kamerad«» S'ch Uhr bei Engel, Memeler Str. tS.____ ve'chskarte» Bepnbl». Freitag. 1. Febrnar.«astemra»»rie»rich,tettz»! Achtung! All««m S vor, schieß. n grm»ldet-n Mannschaften haben stch, wenn «datlch. dereit, UN, ,0 Uhr»inznNnten. Boll>4 bis tllssi Uhr Prodefchießen. atz 1» Uhr Preioschieße». Teilmehaiertartern und Mitgliedskarte mit Lichtbild Vollem BfioesProfiramni täglich abenda 8 Uhr Renaissance-Theater Tot(tsiaplatz 801 s. 2888,84. 78, lad 8»/, vtze «vas große ABC" Regie- Cust, Hartum: Eliisegnungsanzüge «Vsr.r; Bewährte Qualitäten zu niedrigsten Preisen GrSBe 38- 43 KleWere OrSflen 10% billiger V.... AnzOge.». dpnii»!»»». ehem,»». Qfl»»»» eis* and iwelreihi,....... 33.— UUa Anzüge»«» dunkeibi*«. Maitm- chcviot, eio- uock sweirelhla.,,... AnZÜgC»n» reinwetl. ckuntzeldl. PkUser CfaeTlot. dessncksr« haltbar,• Anzüge rr-at»«.«��«».�!«. Kamiraara. eis- v svetreih. 60.-, SS.« PraiungsanzQge ObcTioti. Fruhjabrsncabeit. 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UM» „SdiOn and sdüdt" l'.■n UBinluiini Tlglleh- Uhr I Sonntags l Vsrstcllunger i Ii*«.!'/< Jkr.iUdi- »Itl,« Ci«et:»ir- 1 ihlia. z« htibo teriw Winrer Qarren S Uhr» llaodme erlaubt Heute Premiere mit 8 w Berlin wodh 9UUt gezeigte» wapiaie- neuheiian au eeitcre senutuoea. Sonnabend und Sonn tan {• 3 Vorstellungen 8» und 8 v ir. i» Kleina> reise. rhaiia-Ibeater iresdener Str. 72-7. 8 Uhr ..Oelransch" Ross-Theatei ir.rrnvter'nh.13' >>/, Uhr «I Fledennaas i.astspleltaens PrlcdrlChstr.2J6 Bergmann 2822/22 räglich 8V« Uh taidonieiiasr in Veatini in Paradies fiuiifltt Teer Ol rekcheini Herald 2barlo(ttnstrade vo A. 7. DönhoH 170 TSglieh i Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's irish Rose) .'tfleionTlieaitr rielicr» 8i/« Uhr Lady winoer* meros Fächer von Oskar Wilde >andreck Hechg, Kit. der. Hardt, Mamelack u. Mdller Inlerieren hrlnei BRPOI.OI fnanon-Th. rdglieh 8'-'« Uhr Das Haus der Laster kYoshltvara) Sonntag* Uhr Hingt!«i. Greta! 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Wenn man Eile hat, und es geht aus der Straße ein Mensch ganz langsam vor einem her, so daß man nicht vorbei kann, wenn einer im Konzert durch Rascheln mit dem Programm immer wieder stört, den Fahrer der Elektrischen, der besonders langsam fährt, wenn man eilig ist: diese Menschen haßt man und ist unversöhnlich. Man weiß gar nicht, wieviel Gelegenheit es zum Hassen gibt. Man sollt« das viel bester ausnutzen. Man weih ober auch nie, wann, wie oft und von wem man gehaßt wird. Man steht vor der Sperr« unter achtzig Menschen, und der Zugführer gibt schon das Zeichen zur Abfahrt. Da kann die dick« Dame vor dir ihre Karte nicht finden. sucht in allen Taschen, schwitzt vor Angst, macht Jahre des Fegefeuer» in zehn Sekunden durch. Eigentlich ist sie eine bejammernswerte Kreatur, unseres Mitleids wert. Aber achtzig Menschen haben noch nie eine solche Mordswut auf jemanden gehabt wie auf si«. Blicke, Flüche durchbohren sie wie Pfeile, zerschmettern sie wie geschleuderte Fclsblöcke, und wenn der Zug nun wirklich abfährt, möchten achtzig Menschen sie zerreißen. Und dabei ist sie vielleicht eine gutmütige Tante und ahnt so wenig von den aus sie gerichteten Haß-Minimaxen, daß sie sich sogar noch hilseslehend umblickt und schmerzvoll lächelt. Das Leben stt nun«inmal so. Was mich daran am meisten empört, ist, daß es so selten zu klarer Parteibildung kommt. Darin ist die Politik dem Leben überlegen. In der Politik weißt du um Freund und Feind. Aber am Postschalter? Jetzt stehst du hinten in der Schlange und schimpfst, daß da vorne einer fünf Einschreibebriefe und zehn Postanweisungen aufgibt. Aber wie bald stehst du selber vo-an und bist durchaus dafür, daß man in all«r Ruhe sein« Geschäft« erledigt und einen Hundertmarkschein zückt, wenn man 73 Pf. zu bezahlen hat, und was du vor allem nicht leiden kannst, ist das ewige Drängeln. Wenn aber vollends jemand dicht vor dir auf einmal ein Telegramm schwenkt und vor dir abgefertigt wird, dann reißt dein« Geduld, ohne Rücksicht darauf, daß du morgen selber ein Telegramm und vielleicht sogar eine t«legrahisch« Postanweisung aufgeben wirst. Es herrscht absolut keine Ordnung. Ewig wechsell man die Parteien, auch wenn man sonst charakterfest ist. Da» Scblimmste aber sind die Elektrischen? Wer draußen auf der Rlattform steht, will, daß die anderen sich in den Mittelgang im Innern stellen und nach vorne treten. Aber auf e-nmal steht du selbst drinnen und denkst gar nicht daran, deinen Platz ganz vorn neben d«m hübschen Mädchen zu verlosten. Laß die anderen schimpfen! Du drehst dich höchstens einmal um und tust als ob ein anderer gemeint wäre. Es gibt auch Situationen, in denen du Heldenmut beweisen kannst. Zum Beispiel: Jung und kräftig spreizest du dich aus be- quemem Polster, indes die Meng« sich im Gang zusammenpreßt. Blicke, verächtliche, wütende, treffen dich— du wankst nicht. Zw« ältere Herren prätendieren auf deinen Platz— du bleibst sitzen. Leises Murren umhaucht dicht. Zehn alte Damen mesten dich höhn- voll, sprechen von heutiger Jugend und tauschen ähnliche unmißver« ständliche Bemerkungen aus.— Du liest ruhig deine Zeitung weiter. Das Murren schwillt drohend an, die Situation ist zur Katastrophe reif. Kurven schütteln die anderen durcheinander. Du allein sitzest unangefochten auf deinem Polster und scherst dich um nichts. Haß umbrodelt dich— du merkst nichts, du sitzt bequem, zeitunglesend, und nur, wenn etwa einer der Zusammengepreßten dich berührt, blickst du drohend. Du badest dich förmlich darin, als Scheusal zu gelten. Und doch hast du recht! Denn— an der nächsten Haltestelle steigt ein Mütterchen mit zitternden Knien ein, oder eine abgehärmte Frau mit einer Markttasche und einem Kind im Arm, so beladen, daß si« nicht ihre Geldtasche hervorziehen kann. Auf diesen Augenblick hast du gewartet, hast Haß und Verachtung. Wut und Drohungen über dich ergehen lassen, um einem wirklich ganz und gar Bedürftigen den Platz unter allen Umständen zu sichern, um dann, wenn diese Müh- selige und Beladen« erscheint, auszuspringen und ihr unter dem Ah! der Umstehenden deinen Platz zu bieten. So einer warst du also und kein Scheusal, und stehst im nächsten Augenblick(wofern du es etwa nicht nur tatest, weil du jetzt aussteigen mußt) unter denen, die die Sitzenden mit ihrem Haß verfolgen. Zu welcher Partei in diesem ewigen Streit aber sollst du dich in dieser Vielheit von Standpunkten bekennen? Zu den Stehenden, zu den Stenden, zu denen, die höflich jedermann Play machen, zu denen, die ihren Platz für den Notfall aufbewahren? Zu denen, die das Recht, Zeitung zu l«sen, versechten? Zu den anderen, die es für eine Belästigung des Publikums halten, weil sie selbst keine Lektüre eingesteckt haben? Es gibt nur ein wildes Chaos von stets wechseln- den Fronten. Einer gegen alle, alle gegen«inen, alle gegen alle! Ich glaube deshalb fest daran: Wenn einmal das letzte Gewitter los- bricht und die Menschhett sich selbst verschlingt— bis jetzt waren es ja nur Generalproben?—. dann wird«s nicht von politischen Der- sammlungen ausgehen, sondern vor einem Postschatter etwa wird es losbrechen, auf die Bahnsperren und Theaterkasten wird e» über. greifen, sich auf Konzertgarderoben und Elektrische ausdehnen, und nichts von dem menschlichen Geschlecht wird übrig bleiben. ä)as ftesiament de 3€ermogs „So Madame, da haben Sie Ihren Willen! Sie werde» nach meinem Tode Millionärin sein. Aber ich hoffe. Sie werden noch recht lang« darauf zu warten haben!" Der Herzog von Bourbon taucht« die Feder in da» Tintenfaß, setzte mit großen, festen Zügen seinen lltamen unter da» Dokument, da» vor ihm lag, und reichte dann den Gänsekiel dem Notar. „Ihre Gegenzeichnung, bitte. Herr Robin. und Ihr Siegel!� Dieser Vorgang spielt« sich Ende 1b29 in Paris ab. Di« Baronin Feucheres hatte«s endlich mit zäher Beharrlichkeu durch- zusetzen vermocht, daß der alle Herzog von Bourbon ein Testament aufsetzt«, in dem d«r junge Herzog von Aumale, der Sohn des Herzogs Louis Phllippe von Orleans, als sein Üldopttosohn zu seinem Universalerben eingesetzt und für die Baronin eine Schen. kung von zwei Millionen Liores ausgeworfen wurde. Lange hatte sich der Herzog hartnäckig dagegen gesträubt, dieses T«stom«nt auf- zusetzen, aber die unermüdlichen rofsmierten D-rführung». und Ueberredungskünste d«r Baronin hatten ihn schließlich, schwach ge- macht. Der Herzog haßte seine Verwandten vom Hguse Orleans. Er wußte sehr wohl, daß sie in schäbiger Habsucht nach seinem reich«» Erb« trachteten, und er haßte sie doppelt, weil der Bater des Herzogs Louis Philippe mit seiner Stimme im Nationalkonvent den Ausschlag für die Hinrichtung seines Vett«rs, des Königs Ludwig XVI. gegeben hatte. Der Herzog von Bourbon hatte keinen Leibeserben, eseln einziger Sohn, der Herzog von Enghien. war vor einem Aiertel- jahrhundett auf Befehl des ersten Konsuls Bonaparte. d«r sich zwei Monat« später zum Kaiser Napoleon ausrufen ließ, als angeblicher Landesverräter erschossen worden. Seitdem war der Herzog«in Menschenoerächter geworden. Aber trotz seines abweifenden Wesen» und seiner mancherlei Schrulligkeiten bewarb sich nach dem«turze Napoleons alle Welt in Paris um seinen Umgang und seine Gunst. Man w»ßte, daß der Herzog über außerordentlich groß« Reichtümer vevsilgie, und man wollte nach bester Möglichkeit an diesen Reich- tümern teilhaben. Besonders Louis Philippe, der selber nicht g«rad« begütert war, verbrachte manche schlaflos« Nacht mit Grübeleien darüber, wie er sich wohl am einsachsten und sichersten in den Besitz de» reichen Erbes seines Verwandten setzen könitt«. Uin dieses heißerlehnte Ziel zu erreichen, ersann«r einen teuflischen Plan. Seit einer Reihe von Jahr«» hatte der Herzog von Bourbon «in Liebesverhälinis mit d«r Engländerin Sophie Daves. Er liebte diese Frau mit der ganzen Leidenschaft eines Mannes in vor« gerückten Jahren, der noch ein spätes Liebesglück auszukosten sucht und sich deshalb zum willenlosen Sklaven der Launen einer an- gebeteten Frau erniedrigt. Sophi« verfolgte kühl berechnend nur das eine Ziel, als Geliebte des Herzog» Zugang zur adligen Gefell- schast zu erlangen. Sie nützte ihre unumschränkt« Macht über den Herzog mit unbekümmerter Rücksichtslosigkeit aus und scheute nicht davor zurück ihren Liebhaber zu beschimpfen und zu prügeln, wenn er einmal einen ihrer Wünsche nicht gleich erfüllte. Schließlich hatte der Herzog auch einwilligen müssen, daß Sophie den Baron Feucheres heiratete, um dadurch ein legitimes Mitglied des fran- zöstschen Adels zu werden, ohne jedoch ihre intimen Beziehungen zu ihrem Liebhaber einzuschränken. Der Baron war anfangs stoh darauf gewesen, die vermeilttliche uneheliche Tochter de» Herzogs von Bourbon als Gattin heimführen zu dürfen. Als er jedoch noch seiner Heirat die wirNichen Beziehungen seiner Gattin zum Herzog erfuhr, verstieß er Sophi« in höchster Entrüstung und vermocht« auch beim König durchzusetzen, daß die Baronin nicht mehr in der Kosgejellschast geduldet wurde,,_________;___. Aber der Zufall kam Sophies ehrgeizigen Wünschen zu Hilfe. Nachdem Louis Phllippe sich zunächst vergeblich an den Herzog von Bourbon dirett gewendet und ihn zu bewegen versucht hatte, seinen Sohn zu adoptieren, kam er aus den schlauen Einfall, sich der Ge- liebten des allen Herzogs zur Verwirklichung seiner unlauteren Pläne zu bedienen. Die Verständigung war nicht schwer, well seine und Sophie« Sehnsucht stch begegneten. Mit einem Schlag war die Baronin am Ziel ihrer Wünsche angelangt. Dank der Ein« führung des Herzogs von Orleans, gehörte sie bald zu den ge« stiertesten Damen der Hofgesellschaft, und si« war umso«her ge- neigt, sich Louis Philipp« dafür erkenntlich zu erzeigen, als ihr ja selbst aus dem Testainent ihres Liebhabers«in reicher Gewinn er- wachsen sollte. Aber hier begegnete ehr anfangs«in unerwarteter Widerstand des Herzogs von Bourbon. So hemmungslos auch der alt« Herzog seiner Geliebten ergeben war. so erbittert wehrt««r sich doch gegen ihr Berlangen. ein Testament zugunsten der verhaßten Famllie Orleans aufzusetzen. Sophi« merkt« bald, daß sie diesmal nicht mit Brutalität ans Ziel gelangen könnt«. Da verlegte si« sich auss Schmeicheln, auf Zärttichkellen. auf immer raffinierter gesteigerte erotische Sensationen. Diesem Ansturm auf seine männlichen Gl- fühle war der Herzog von Bourbon auf die Dauer nicht gewachsen. Ein halbes Jahr später wurde Louis Phllippe im Verlauf der Julirevolution zum„Bürgertönig" ausgerufen. Das brachte den heftigen Groll des Herzogs von Bourbon gegen das Haus Orleans zum Ueberlaufen, und er traf Anstalten, um Frankreich zu»er- lasten und dadurch vor aller Welt seine Anhänglichkeit an den ent- thronten König Karl X. zu bezeugen Louis Philipp« war höchst bestürzt, als ihm diese Absicht seines Benvandten zu Ohren kam. Er fürchtete den ungünstigen Eindruck einer solchen demonstrativen Abreise des Herzogs aus Adel und Volk von Frankreich und hegte vor ollem die größte Besorgnis, daß der Herzog nun womöglich fein Testament doch noch umstoßen würde. Deshalb mußte mit allen Mitteln versucht werden, den Herzog von seinem Vorhaben abzubringen Ein Kurier nach dem anderen wurde zum Herzog ge- schickt, um ihn dringend aufzufordern sein« Reifeplän« anfzugeden. Aber der Herzog blieb unerbittlich. Di« Baronin Feucheres hatte noch am 26. August ein« stürmisch« Auseinandersetzung mit ihrem ehemaligen Geliebten. Auch ihre Be- mühungen blieben erfolglos. Als der König erfuhr, daß die Abreise des Herzogs bis in alle Einzelheiten vorbereitet worden war. gab er kategorische Anweisung, dies« Abreise mit allen Mitteln zu ver- hindern. Der Kammerdiener des Herzogs, der am Morgen de» 27. August seinen Herrn wecken wollte, fand die Schlafzimmertür verschlossen und erhielt aus sein Rufen kein« Antwort. In höchster Erregung rief er die ganze Dienerschaft zusammen.' Eine unheim- liche Still« lastete gespenstisch vor dem Schlafgemach des Herzog». Endlich«ntschlosten sich die Diener, die verschlossen« Tür zu zer- trümmern. Auf dem Nachttischchen flackerte noch die ziemlich heruntergebrannte Kerze. Am Fensterkreuz hing der Leichnam de» erwürgten Herzogs. Man schnitt den leblosen Körper ab und schickt« in aller Ei!« zu Aerzten. Aber die angestrengte» Wiederbelebungsversuch« blieben ohne Erfolg. Am nöchsten Morgen ließ Louis Philippe da» Testament de» Herzogs öffnen und trat sofort im Namen seine» Sohnes d>» reich« Erbschaft ob, Ha»» Bertram, Am guter, alter Zeil Was einmal alles in Deutschland„Fürst von Gottes Gnaden" war. läßt sich daraus ermessen, daß einer von ihnen über ganze zwölf Untertanen und einen Juden gebot! Da darf es denn nicht wundernehmen, daß das stehend« Heer eines etwas besser gestellten Herrschers aus einem Obersten, zwei Hauptteuten, sechs Leutnants und einem Husaren bestand! Und das schön« Lied von Lippe- Detmold, der wundersck�nen Stadt, ist sicher in dieser Zeit entstanden. Heißt es doch darin:„Lippe-Detmold,«in« wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat..." und zum Schluß klagt der„große General":„Womit soll ich führen«inen Krieg, wenn mein Soldat ist tot?!" Aus die Idee, ihre eigene Person in den Krieg zu sühren. kamen also die General« schon damals nicht. Was die Bevölkerung dieser Kleinstaaten aber für Lasten zu tragen hatte, kann man ermessen, wenn man weiß, daß der Markgros von Baden» Durlach sich in Karlsruhe 160 Gartenmädchen hielt, mit denen er unzählig« Kinder in die Welt setzte! Die Kosten für eine derartig« Hofhaltung konnten selbstverständlich nicht aus den noch so hohen Steuern bestritten werden, und so verhandelten die Fürsten dann eben ihre Untertanen als Schlachtvieh, d. h. als Soldaten an größere, kriegführende Staaten. Nach den sogenannten Befreiungskriegen sollten die Fürsten freilich ihrem getreuen Volk««in« Verfassung geben. Das war dem braven Volke ja nicht nur von den liebevollen Landesoätern ver- sprachen worden, sondern auch im Artikel 13 der Bundesverfasiung sestgelegt. Aber man hatte, wie so oft, vergessen, diesem Artikel 13 gleich die Ausführungsbestimmungen beizufügen, und so beglückte der Fürst von Liechtenstein z. B. sein« 5346 Untertanen mit einer Verfassung, die bestimmte, daß die Stände und die Lai�smannschaft künftig über den Etat des Fürstentums beschließen sollten. Die Landsmannschaft aber sollte bestehen aus denjenigen Untertanen, die von ihren in Liechtenstein liegenden Gütern 2000 Gulden Steuern zahlten, über 30 Jahre alt und— nach dem Zeugnis fürstlicher Beamter— von verträglicher Gemütsart waren. Aber selbst dann durften sie nur darüber beschließen, wie die im fürstlichen Etat auf- gestellten Summen aufgebracht werden sollten. Abstriche zu machen, war ihnen nicht gestattet! Ein Gutes freilich hatte dies« Kleinstaaterei: Nirgends wurde so wie in diesen kleinen Staaten die Ehrfurcht vor-dem Phantom der fürstlichen Macht untergroben. Nicht nur in Mecklenburg-Strelitz sangen die niederträchtigen Sttaßenlümmel Spottvers« auf ihren erlauchten Herrscher, wenn auch der auf Adolph Friedrich besonders schön ist. wie ihn uns Fritz Reuter überliefert:„Dörchleuchting ist von Gottes Gnaden, hett drei Poor Strümp und doch keen Waden!" Auch in den anderen kleinen Fürstentümern wurde durch u'c Bettelhaftigkeit des fürstlichen„Prunkes" ein gesunder demokratischer Geist graßgezogen, und wie er sich auswirkte, beweisen zwei Anril- boten aus Schwarzburg-Rudolstadt. Die«ine spielt schon zur Zeit der Besreiuungs k r ieg«. Da kam eine Alt« zur„Fürsttn-Mutter" von Rudolstadt und bat si«, ihr doch zu helfen, daß ihr Sohn frei- komme. �Heeren Sie. da kaan'ch nischt machen!" meinte die,..'noi Sohn is ja auch im Kriege!".La." antwortete die alte Frau. „Ihrer hat ooch nischt weiter zu dun. meiner i» ober Leinewäber!" Aber noch der vorletzt« Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt bekam «inmal von einem Untertan eine ähnlich respektlose Antwort. Der Fürst o-qg viel spazieren und war besonders stolz daraus, daß ihn jeder D!ner Untertanen kannte und grüßte. Einmal begegnete ihm«in aller Holzarbeiter, der aber keine Miene machte, ihn zu grüßen. So ging der„Ferscht" aus ihn zu:„Kennt'r mich nich? Ich bin doch Eier Ferscht?"„Sooo?" knurrte der Alle. Dann nahm er die Pfeife aus dem Munde und fügt« bedächtig hinzu:„A scheenes Pöstchen, da« halt« S« nur feste!" Der all« Ferscht Hot freilich das„Pöstche" noch behalten können— seinen Nachfolger aber fegte mit all seinen Standesgenojsen der Nooernbersturm von seinein Platz. Und«in bißchen frischer als in der„guten, allen Zeit" ist die Lust in Deutschland seitdem doch geworden. a™, modernes lllädchen Bemirlung«» zu Sern neuen Roman von Nicki Baum juiA. chorn. Helene Willfüer". erschienen im Ullstein-Berlag. Man kann sich in Deutschland nur schwer von dein allen Ideal der Naiven freimachen. Trotz Bubikopf, Bembergseide und sport- lichem Betätigungsdrang blickt das Schelmengesicht den Leser an. das von Mosers Zeiten her das Entzücken des deutschen Publikums bildete. Auf der anderen Seite steht das Girl, die amerikanische Import- war«. Zwischen diesen polaren Gegensätzen bewegt sich die Dar- stellung in vielen Spielarten, mehr oder minder mondän parfümiert. «inmal Seide,«inmal Flanell, manchmal überwiegt Tennis, manch- mal das traute Heim, je noch Können und Neigung des Verfassers. Die arbeitende Frau ist seltener zu treffen Der Beruf bleibt Zugabe, gibt höchstens die Farbe, das Millen. Aus den menschlichen oder gesellschaftlichen Bindungen liegt der Akzent. Hier bei Vtcki Baum tritt da» Gegenteil ein. „stuck, ehem. Helene Willfüer" ist in erster Linie«in Unter- Hallungsroman, deshalb Spannungen, Abenteuer. Verwicklungen. deshalb das kapp? enck mit der lang verzögerten Ehe, alles Requi- fiten, die durch allzu häufigen Gebrauch abgenutzt erscheinen. Aber. und die« bleibt entscheidend, es sind nur pikante Gewürze, es sind Hemmungen auf dein Wege diese» Mädchens. Hemmungen, an denen sich die Energie, der Arbeitswille um so stärker entfalten. Vickp Daum gibt ein Charakterbild im Konversationsstil, und das schadet nichts. Das Ganz« gleicht einem Aufriß, einer Skizze. Um die Hand- lung zu beschleunigen, die Spannung zu erhöhen, verliert sich Vicki) Baum nicht in psychologische Detail», nicht in Seelenanolizsen. Schlaglichter müssen genügen. Und vielleicht erhält der Roman dadurch den sachlichen Anstrich. Entstanden ist das Porträt der arbeitenden, begabten Frau, die nur ein Ziel im Aug- hat: Dos Examen. Aber sie Ist keine Streberin, der es allein um das Examen geht. Sie ist durch und durch Wissenschastterin. Die Chemie steht im Zentrum ihres Le- bens, sie liebt auch, doch es fehlt ihr letzte Freud« an der Hingabe, sie bekommt«« fertig, sich selbst hierin ein« gewiss« Objektivität zu wahren. Dies« Helene Willfüer ist das modern« Mädchen, das nicht mehr in einem Wölkenkuckucksheim lebt, umnebell von sentimentalen Phrasen. Sie steht mitten im Leben, ist von sell-ner Sachlichkeit. will al» selbständiger Mensch in der Arbeit leben. Das Verdienst der Dersasserin, daß sie diesen Typ bei der Arbeit gestaltet und nicht nur m der Liebe oder in ihrer Stellung zur Gesellschaft. StadtkQthe Leiozisn Str. Amt Zentram Mr. I»ZZ— 5S Wir liefern frei Hnac MenQs, Einzelgerichte, Kalte Platten. Mayonnaisen, Eisspeisen, Torten usw. Vtrlugeg Sil DiMtm■gifllbrlichaa lUdtkQebeakatiliio Lelpilger Strasse» Alesanderplatz• Frankfurter Allee• Belte-Alliance-Suasse* Wilmersdorfer Str.» Brunnenstrasse» Kottbuser Damm• Andreasstrasse UnjMtkgik« torbeh»!!«»- Verkut M«tit Varrtt Ok»t». SanlM lind vom Vorund iai|oickloitao KWiS MO liimiiiumiiitiiiiiniitiiiiiiituiiQiuinnaiiniininiiinni'iiiuiiUJitiiUüniii Po. Scbneioebeocb«>», Kollo r«. r>t»»d 1. Po. SckTLiiiezrdiolleo n*-»>.«.?>°°d l.l8 Po. 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