BERLIN Sonnabend 2. Februar 1929 10 Pf. Nr. 36 B 28 46. Lahrgang. f-M Ui C),. /)/\/. H*"»* 1' 1 1' �ns-.ltiz« VtnHnai*** t-id- Ausgaben 85 Pf.»ro Woche. s.soM.rr° Monat..fffOd/f/iX fifttM* JlOk mm �nnd�d.-ti.--B.r.mSWS8.kmdenstr.8 XUld ffVVTUntfVÖ Oer Kelloaa-pakt im Reichstag Gtrefemann antwortet poincare. Der Zieichstag ist heule schon um 11 Uhr zusanunengetrelen. Zunächst wird der deutsch-lilauische Handels- und Schiffahrtsvertrag und das deutsch-rumänische Abkommen den Ausschüssen überwiesen. Die Beratung über den internationalen Sriegsöchlungsvertrog tKellagg-Pakt) leitet �eichsaußenminister Or. Gtresemann. mit einer längeren Rede ein: Vorgeschichte, Inhalt und Bedeutung des Paktes sind ojt er- örtcrt worden und so ollgemein bekannt, dah es an sich wohl kaum riötig wäre, darüber noch besonders zu sprechen. Es liegt mir aber daran, jetzt, wo der Reichstag d!« endgültige und förmliche Entscheidung über die Annahme des Paktes durch Deutschland zu treffen hat, noch einmal diejenigen Gesichtspunkte kurz zusammen- zufassen, die für die Haltung der Reichsregicrung gegenüber diesem iiitermrtionolen Akte maßgebend waren und nach sind. Van dem Augenblick an, als bekannt wurde, daß der Ursprung- liche Gedanke eines sranzbsisch-amerikanischen Friedenspaktes durch den Entschluß der Regierung der Vereinlgtcn Staaten von Amerika sich umwandelte in den Gedanken eines allgemeinen Htellsriedenspattes, ist sich die Rcichsregiening der Tragweite dieses Porganges bewußt gewesen. Das große Problem der Herstellung einer internatio- rialen Friedensordnung wurde hier in einer ganz neuen Form angefaßt, imobhöngig von allen anderen Fnodenssicherungen der legten Jahre. Für die Erreichung des Zieles wurde eine clcmen- tore umfassende Grundlage geschaffen. Die beiden großen Ideen des anierikanischen Paktentwurfs, Aue scholtung der Möglichkeit kriegerischer Konflikte und friedlicher Ausgleich der Gegensätze zwischen den Staaten, sind auch die Grund- sutze der deutschen Anßenpnlitik. lind deshalb hoben wir nicht ge- zögert, sofort zuzustimmen, zumal der Entwurf mit der Völkerbunds- satzunz und den, Rheinpakt von Locarno in keinem Widerspruch fijnö. Durch unsere rasche Zustimmung l>aln>» wir wesentlich zu der Entwicklung beigetragen, die am 27. August 1928 in der feierlichen paktunlerzeichnung zu Paris durch 15 Regierungen ihren Höhepunkt fand. Ich kann und muß aber der'Auffassung entgegentrete», daß die der Unterzeichnung vor- an: gegangenen diplomaiischcn Verhandlungen dem Pakt von vorn- berein einen Teil seiner Wirksamkeit genommen hätten. Diese zum Teil schwierigen und verwickelten Erörterungen sind vielmehr letzten Endes nur ein Beweis dafür, daß die beteiligten Regierungen den amerikanischen Vorschlag nicht nur als eine Geste und Dcmonstra- tion, iondern als einen folgenreichen bindenden Akt auffassen mußten, wenn die in Paris vertretenen 13 Regierungen, und ihnen folgend oller Voraussicht nach auch die überwiegende Mehrzahl aller Regierungen, sich feierlich und bindend verpflichten, auf den Krieg als Instrument der nationalen Po- l i t i k zu verzichten. Ich kann dieser Bedeutung nicht besser Aus- - druck geben als mit den Worten, die der französische Herr Außen- minister bei dem?lkt der Unterzeichnung sprach:„Zum ersten Male und vor den Augen der Welt*, so sagte Herr Briond,„wird in einem feierlichen, die' Ehre graßer Rattonen verpflichtenden Akte der Krieg als Instrument drr nationalen Politik ohne Vorbehalt verworfen. d. h. der Krieg in seiner eigentlichsten und furchtbarsten Form, der zu egoistischen Zwecken gewollte Krieg. Einem solchen Krieg, der srüher göttlichen Rechtes war und in der internattonolen Ethik als Vorrecht der Souveränität gilt, wird jetzt in juristischer Form das genommen, was seine größte Gefahr darstellte: seine Rechtmäßigkeit. Als rechtswidrig gechrondmarkt. wird er für die Zukunft dem vertraglichen Regime einer wirklichen U e ch 1 u n g unterworfen, die den Vertragsbrüchigen der sicheren Rißbilligung, der wahrscheinlichen Feindschaft aller Mitkontrohenten aussetzt* Deutschland Hot keinen Anlaß und kein Interesse, die Ledeu. lung fces Paktes geringer einzuschätzen. Wir würden sonst nur etwaigen Strömungen Nahrung geben, die aus diesem oder jenem politischen Grunde an einer solchen Gcrmgschötzung ein Interesse haben könnten. Wenn die Ocffentlichkeit, die in den Iahren noch dem Kriege die Reihe der frledensbcteuernden Regierungen ständig Hot vergrößern sehen, dem nicht immer mit steigendem Emhusias- pms, sondern vielfach mit einer gewissen Skepsis gefolgt ist, so ist l(Lartjetzang auf da 2. Seit») Tatsachen gegen Märchen. Oie„pangermanistischen Propagandafonds". Da im Reichstag noch nicht die Einführung gelrossen ist, daß die Regierung aus eine Anfrage vor der Tagesordnung sofort mündlich antworten kann, und da die Beratung des kellogg'paktes dem Reichsaußenminister nicht geeignet er- schien, aus die gestrige Rede des französischen INinislerpräsi- denten einzugehen, hat Außenminister Dr. Stresemann heute der presse folgende Erklärung gegeben: In seiner gestrigen Kammerrede hat der französische Minister- Präsident die Fonds, die Deutschland noch dem Etat für Propaganda- zwecke zur Persügung gestellt seien, aus 91 318 720 M., umgerechnet 660 Millionen Franken, angegeben. Demgegenüber betragen»och dem Etat die Fonds, die zur Auf- rechterhaltung des Deutschtums im Ausland« allenfalls zur Der- fügung stehen könnten: Etat der Reichskanzlei cinschticßlich der Zentrale für Heimatdienst........... 822 000 M. Geheimfonds des Auswärtigen Amtes Förderung des Nachrichtenwesens im Ausland im Inland............. Kutturabteilung des Auswärtigen Amtes, die aber für die Pflege kultureller Be- Ziehungen mit dem Auslande bestimmt sind und wovon Iis Millionen Mark von vornherein für die Erhaltung deutscher Schulen im Auslände bestimmt sind.. 6000 000 2 100 000 4100 000 6000 000 Von all diesen Beträgen kommt überhaupt nichts zur Unter- stützung irgendwelcher Vereinigungen für„pangermanistische Zwecke* in Frage. Weiter stehen dem Reichsiniinisterium des Innern 2 Millionen zur Unterstützung besonderer kultureller Aufgaben im Interesse des Deutschtums zur Verfügung, dem Reichsministerium für die besetzten Gebiet« 1 Millionen, wovon 3 Millionen für kulturelle Fürsarge im besetzten Gebiet bestimmt sind, und schließlich dem Reichswehr- Ministerium 1 Million Mark.• Alle dies« Fonds betragen zusmumen 21 630 000 Mark, davon sind aber l'ch Millionen, wie schon gesagt, keineswegs für irgend- welche Propaganda bestimmt, sondern für deutsche Schulen im Auslande, urch es ist anzunehmen, daß andere Staaten erheblich mehr für Erhaltung nationaler Schulen im Auslände aus- wenden. Ebenso stehen dem Reichsministermm des Innern Gelder für Propagandazwecke im Ausland nicht zur Per- fügung. Es ist unerfindlich, woher der französische Ministerpräsident die Grundlage für«ine Zusammenrechnung von 91 Millionen Mark deutscher Reichsfonds zu„pangcrnxmistischcn Propagondozwccksn* hergenommen haben könnte. Die Aufwendungen für das besetzt« Gebiet kömieu unter keinen Umständen eingerechnet sein, denn das befetzt« Gebiet gehört zu Deutschland, was dafür ausgegeben wird, geht also nicht ins Ausland. Flugzeug Berlin�paris verunglückt Aoilandung 25 Kilomeier westlich Paris. Giraßenbahnunglück beim Krühverkehr. Da» Zunkers-Flugzcug der Lustlinie Berlin— Paris ist am Freitag nachmittag infolge dichten Hebels etwa 25 Kilometer nördlich von Paris bei einer Notlandung verunglückt. Das Flug- zeug hatte um t2.40 Uhr Köln verlassen. 3n der Nähe von Noyon wurde der Nebel so stark, daß der Führer den Weg verlor. Etwa gegen 1611 Ahr wurde das Flugzeug in der Nähe des Flugplatzes Le Bourgel gesichtet, ohne dah der Flugzeugführer den Platz ge- sunden hatte. Er flog in der Richtung Saint Denis weiter und kehrte dann zurück, bis er sich schließlich infolge Venzinmongels gegen 17 Ahr gezwungen sah, eine Notlandung in uumiltelbarer Nähe des an der Landstraße Paris— Dunkirchen gelegenen Dörfchens Lucarsches vorzunehmen. Dabei schlug das Flugzeug um und wurde zum Teil zertrümmert. Der Führer wurde ziemlich schwer verletzt, während der TN o n t e v r und Telegraph i st mit geringen Verletzungen davonkamen. Di«„Agentur Hovas* berichtet nom Flugplatz L« Bourgct»och folgend« Einzelheiten über die Landung des deutschen Verkehrsflug- Zeuges bei Epinay fur-Seine: Dos Flugzeug wurde von dem Piloten Wende gesteuert, der bei der Landung verletzt wurde und sich im Schloß von Epinoy in ärztlicher Behandlung befindet. Der Bord- Monteur und der Funkcntelegraphist haben nur leichte Hautabschür- fungen erlitten. Bis Noyon, dos der Apparat um 3,20 Uhr überflog, war die Sicht ausreichend, dann wurde sie außerordentlich schwierig und der Pilot konnte den Flughosen Le Bourget nicht erkennen. Er flog über ihn hinaus und beschrieb dann eine Schleife nördlich von Paris, um nach St. Denis zurückzukommen. Auch diesmal konnte er die Leuchtfeuer und die Leuchtkugeln, die vom Flugplatz L« Bourget abgeschossen wurden, nicht erkennen. Dos Flugzeug flog weiter nach Norden und landet« dann unter schwie- rigen Umständen bei Epinay. Infolge des Nebels ist nicht ein ein- ziges Flugzeug auf dem Flugplatz L« Bourget angekommen es ist auch keines abgeflogen. Knadier in der OrfsKrankenhasse Die Külte in Beriin Berichte 2, Seite 15 Fahrgäste leicht verletzt. Ein Slroßenbahnunglück, das glücklicherweise von nicht all;«- ernsten Folgen begleilei war, ereignete sich heule in den frühen Morgenstunden am Slralauer Tor. In der Warschauer Straße fuhr gegen Uhr an der Haltestelle Stralau«? Tor ein Slraßenbahnzug der Linie IL. be- flehend ans Triebwagen und zwei Anhängern, ans einen hallende» Zug der Linie 9 E, der ebenfalls drei wagen umfaßte, von hinten auf. Di« V o r d e r p l a t t f o r ni des ausfahrenden Zuges sowie die Hinterplattsorm des haltenden Zuges wurden beschädigt, so-mtliche Scheiben der beiden Züge gingen in Trümmer. Ungefähr 15 Personen erlitten Verletzungen, größtenteils durch Glassplittcr. Die Feuerwehr, die einige Verletzt« an Ort und Stell« verband, brachte acht Personen in die beiden, in der Nähe liegenden Rettungs- stellen. Die Ursache des Unfalls ist bisher nach nicht aufgeklärt. Die Leitung der Straßenbahn hat ein« Untersuchung eingeleitet. Der Fahrer des auffahrenden Zuges gibt an, der Sandstreuer. den er bei der Glätte zur Unterstützung der Bremsen verwenden wollte, habe versogt. Die Verkehrsstörung konnte noch ungefähr 10 Minute» behoben werden. Beide Züge mußten ab- geschleppt werden. Ein Fahrgast, der'Angestellte Gustav Ruhnke aus der Gabriel-Mox-Stroße, mußte mit ernsteren Verletzungen ins Kronken- haus am Friedrichshain gebracht werden. In der Berliner Straße in Neukölln ereignete sich in dft. vergangenen Nacht ein schwerer Straßenunfall. Dort wurden beim Ueberschreiten des Fahrdommes der 42jährige Schuhmacher Willi Kunz und der 73jährig- Tischler 5>erbert Oswald aus der Wescrstraße 63 von einem Motorradfahrer angefahren und zu Boden geschleudert. Kunz erlitt einen schweren Schädelbruch, an �-ssen Folgen er im Urban-Krankenhaus gestorben ist. Die' ngen des alten Mann«» find nicht sehr schwerer Statur. Oer Kellogg-Pakt. (Fortsetzung von der 1. Seite.) das vielleicht begreiflich. Soweit das deutsch« Voll tu Frag« totmni, ist das aber nicht das Zeichen eines Mangels an Friedensbedürf- ni» und Friedenswillen. Es hat in Deutschland seinen Grund einfach darin, daß man diejenigen Folgen vermißt, die sich ans den so wettgehenden internationalen Erklärungen der Regierungen von selbst ergeben. Darin liegt in der Tat ein Punkt, der von entscheidender Bedeu- tung ist und dessen Betonung alles andere als eine Herabwürdigung de» Wertes des Paktes darstellt. Ist dieser Pakt durch den radi- kalen und unbedingten.Verzicht aus den Krieg als Instrument der nationalen Politik der ülbschluß einer völkerrechtlichen Entwicklung, so ist er in anderer Richtung doch nur ein Versprechen und eine Grundlage für die weitere Ausgestaltung der rechtlichen Ordnung des Bölkcrlebens. In diesem Sinne hat schon die erste deutsche Note zu dem Paktentwurf dein Gedanken Ausdruck ge- geben, daß dos Zustandekommen des Paktes nicht verfehlen dürfte, alsbald seinen Einjluh aus die Gestaltung der internationalen Be- Rehungen geltend zu machen. Nicht nur nmß die neue Friedens� garantie der Durchführung der ollgemeinen Abrüstung einen wirk- smnen Impuls geben, sondern es müssen als notwendiges Gegenstück des Verzichtens auf den Krieg diejenigen Möglich- keiten gefunden werden, die geeignet sind, vorhandene und ent- stehende Gegensätze der Völkcrinteresscn auf friedliche gerechte Weise .zum Austrug zu bringen. Immer wieder wird die lebendige Ent- micklrmg des Völkerlebens zu Gegensätzen führen, die nicht aus der Welt wegzudekretieren sind. Sie sind nur dann sriedlich zu meistern, wenn die Gestaltung des Rechts dieser lebendigen EMwicklung folgt. Darin liegt die Ausgabe, die der Kriegsächtungspakt aüfs neue den Regierungen stellt und die gelöst werden muß, wenn der Pakt wirklich dos werden soll, was er zu sein verdient: die Ein- leitung einer neuen Epoche. Es beginnt die Aussprache über den GesetzeMwurs. Die Rede- zeit wird auf eine halbe Stunde festgesetzt. Abg. Graf Reventlow(Nat-Soz.): Zur selben Zeit, wie der Kellogg-Pakt, ist das englisch-franzöfisch« Flottenob- kommen zustandegekommen, dos den großen Aufmarsch der West. möchte gegen den Osten vorbereitet und in den auch Deutschkind einbezogen werden soll. Das Scheitern des cnglisch-amerikanischen Flottenabrüstungsplans macht den Kellogg-Pakt ganz wertlos. Uns Deutschen bringt er überhaupt nichts. Der Außenminister kann ja von dem Lobe, daß er dem Pakt spendet, gor nichts glauben. Gleichzeitig mit diesem Paktabschluh erklärte Briand, der Anschluß Dcutsch-Oesterrcichs an Deutschland würde der K r i e g s s o l l sein. Deutschland hatte für den Beitritt Bedingungen stellen sollen, vor allem die auf Räumung des besetzten Gebietes. Abg. von Lindeiner- Wildau(Dnat.): Wir beHallen uns die Stellungnahme für die zweite Lesung vor. Abg. Stöcker(Komm.): Die Sowjetunion hat den Patt unter- .zeichnet in Bekundung ihres Friedenswillens, die kapitalistischen Regierungen aber, um ihre Rüstungen, Kriegsabsichten und imperia- listischen Manöver zu verdecken. Unausgesetzt führt die Bourgeoisie Kolonial- und Interventionskriege, in Asghariiswn hat der englisch« Imperialismus den Ausstand angestiftet, um«inen Schattenkönig einzusetzen vnd die nationale Unabhängigkeit des Landes zu ver- nichten. Der Kellogg- Pakt mit seinem zweideutigen Wortlaut be« hält»die Wahrung nationaler Interessen" vor. Damit kann man olles rechtfertigen. Dazu kommen noch die Unterzeichnungsvor- behalte Englands und Frankreichs, von denen der.Daily Herald" erklärt, daß sie jeden Krieg möglich machen. Präsident Löbe: Weitere Redner sind nicht geincidet.(Großes Geschrei der Kommunisten. Rufe:.Pfui!" und»Wo bleibt Rudi?") Die Vorlage geht an den Auswärtigen Ausschuß. Für die nächst« Sitzung am Montag um 3 Uhr schlägt der Präsident als Tagesordnung vor: Handwerkernovelle, Bericht über die besetzten Gebiete usw. Abg. Släcker(Komm.) verlangt unter heftigen Angrissen auf die Sozialdemokratische Partei, daß am Montag die Erwerbs« losenanträge der KPD. beraten werden. Präsident Löbe: Es liegen Anträge zur Erwerbslosen- sürsorge auch von mehreren anderen Parteien vor. Ich werde dem Aellestenrat vorschlagen, daß wir diese Anträge am Dienstag besprechen. Die Kleinrcntnervorlage können wir wegen Erkrankung des Berichterstatters am Dienstag doch noch nicht beraten. Die Kvrmimnisten bestehen darauf, daß die Erwerbslosenan- träge Montag beraten werden, bleiben aber bei der Abstirmmmg in der Minderheit. Schluß der Sitzung 1?.l)? Minuten. Parlament und presse. Em Ausspracheabend.— Lobe über seine Reformvorschläge. Der Reichsoerband der Deutschen Presse(Bezirksoerband Berlin) veranstaltete am Freitag einen Ausspracheabend über das Thema»Parlament und Presse". Die einleitenden Vorträge hielten Landtagsabgeordneter Schriftsteller Buchhorn und Chejredakteur S a rw e y- Berlin. Der erste Redner. Abgeordneter Buchhorn, ging aus von einer Gegensätzlichkeit zwischen Parlament und Presse, die zweifellos vorhanden sei und überwunden werden müsse, Inn die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit im ausbauenden Sinne zu schassen. Die Presse könne dazu beitragen durch eine größere Objektivität bei der Berichterstattung über die Parlamentstagungen, das Park am ent durch eine stärkere Selbstzucht, auch in seinen Fensterreden. Der zweite Redner. Chefredakteur Sa r w e y, untersuchte die Frage, wie der zurzeit vorhandenen starten Entsrem- öung der Parlamente von der Oefsentlichteit entgegengetreten werden könnte. Die Gründe für diese Entfremdung sah er l. in der Rück- Verlegung des sachlichen Interesses aus den Plenarverfammlungen in die Ausschüsse; 2. in den allzu großen Wahlkreisen und Wahl- listen: 3. in der Neigung der Parlamentarier, sich selbst zu bureau- kratisiereu: 4. in der Tatsache, daß das Parlament in seinen össent- licheri Verhandlungen und gerade an den großen Tagen längst ausgehört habe, das dramatische Bild einer großen Debatte zu bilden, sondern meist nur in den nach Größe der Fraktionen auf« einander folgenden Monologen bestehe und schließlich 5. in der völlige» Veränderung der Stellung der Parlamente zu den Finanz- angelegenheiten. Der Vortragende kam zu dem Ergebnis, daß eine Besserung des Verhältnisses nur eintreten könne, wenn die Parteien und Parlamente sich selbst ihrem Charakter nach völlig zu ändern verständen. An die Borträg« schloß sich ein« angeregte Aussprache, in der auch der Reichstagspräsident Löbe dos Wort nahm. Er erörtert« dabei besonders seine Vorschläge, die dos Ziel verfolgten, die Ver- Handlungen der Plenarsitzungen des Reichstags interessanter zu ge- stalten. Es handle sich einmal um eine Aenderung der Reihenfolge der Redner, um dadurch die Möglichkeit zu schaffen. daß Gegner aufeinanderptatzen könnten, um die Verhinderung des Ablesens ausgearbeiteter Reden, um die Einführung des Systems der Z w i s ch c n r e d e n und um«ine Abkürzung der Reden, um den Redner zu größerer Konzentration zu zwingen. Dem sranzöfischen System der Zwischenreden stehe allerdings cme große Schwierigkeit entgegen, da wir in Deutschland Parteien hätten, denen an der Wahrung des Ansehens des Parlaments nichts gelegen sei und die im Gegenteil das Ziel verfolgten, dieses Ansehen zu schädigen und zu untergraben. Die Presse forderte der Reichstags- Präsident auf. die Sensationslust bei der Berichterstattung zurück- zudrängen und die ernste, schwierige Arbeit des Paria- ments richtig zu würdigen. An der weiteren Aussprache beteiligten sich u. a. die Landtags- abgeordneten v. E y n e r n und G r z i m e k, sowie Rcichstags- abgeordneter S o l l m o n n. Der letztere gab dem Zweifel darüber Ausdruck, daß' es gelingen könnte, den parlamentarischen Arbeiten noch einmal das Interesse zurückzugewinnen, das sie srüher genossen. Die gesamte Entwicklung des Volkslebens sei andere Wege gegangen und man könne das Rad der Geschichte nicht zurückschrauben. Es sei aber verfehlt, in den anderen Extrem zu oersallen und die Arbeit des Parlaments zu verkleinern. Gerade im Reichstag, über dessen leere Plenarverhandlungen oft billig gewitzelt wird, würde«in un- geheures Maß an ernster gesetzgeberischer Arbeit verrichtet. Dieser Arbeit Anerkennung und wenigstens Verständnis zu verschaffen, sei verdienstvoll. Es geht los! Die Hetze gegen ven modernen Skrafvolszng. Im Urteil des Sonnenburger Prozesses hat das Gericht— weise kommende Dinge vorausahnend— hervorgehoben, daß die zutage getretenen Mißstände im Zuchthaus Sonnenburg mit dem Wesen des modernen Strafvollzugs nichts zu tun haben. Das Gericht hat in der Urteilsbegründung sogar ein ausdrückliches Bekennt- nis zmn modernen Strafoollzug abgelegt. Wer den Berhaud- lungen einigermaßen gefolgt ist, der wird bemerkt haben, daß die Versuchung hier von ganz anderer Seit« kam: nämlich van der Schluderwirtschast der Reichswehr, die funkelnagel- neue Wäsche und Ausrüstungsgegeiiständ« noch Gewicht zu Pfennig- preisen verschleuderte und damit naturgemäß ein kläglich entlohntes Strasanstaitspersonal den ärgsten Versuchungen aussetzte. Aber von solchen Erwägungen ist die Rechtspresse frei, die hier ein wunderbares Mittel findet, um den modernen Strafoollzug niederzuhetzen. Man lese etwa in der„Deutschen Zeitung": „R u n d s st il k und ein Klubsessel in der Zelle, das ist nach lange nichts. In den Strafanstalten der Deutschen Republik soll es auch noch möglich werden, daß Sträflinge ungestört Frauenbesuche empfangen. Dann dürste der gewohnt« Abendschoppen wohl auch nicht mehr lange ans sich warten lassen. Allerdings wird nie davon gesprochen,, was ein P a r a- dies, eine �x.iidale Staats Pension hinter eisernen Gittern überhaupt noch als Strafe bedeuten kann." O doch, daoon wird gesprochen, und zwar von Leuten, die der „Deutschen Zeitung" ganz.besonders nahe stehen. Die Herren Ministe rattentäter und Fememörder, besau- ders bevorzugte Schützlinge des rechtsradikalen Blattes, haben ganz kürzlich einen Sammelband herausgegeben, in dem die Techow, ü. S a l o m o n, Plo ß usw. ihre Gefängnis- und Zuchthaus- erlebnisse schildern. Das Buch führt den bezeichnenden Titel: „W ir klagen an!— Nationalisten in den Kerkern der Bourgeoisie!" Da liest man allerdings gar nichts von Paradies und scudaler Staatspension, sondern mit breit ausgemaltem Grauen werden dl« Leiden der Inhaftierten in den düstersten Farben geschildert und alle Mitleidseinpfindungeii des Lesers werden herausgefordert. Dabei genosjcn die inhaftierten Rechtsradikalen als politische Verbrecher sämtliche in Strafanstalten überhaupt zugelassenen Ve r g ü n st i g u n g e n! Trotzdem— nichts von Paradies, nichts von seudaler StaatspsnsionI Sondern alles wird darauf zugespitzt, die brutale, unerbittliche Härte der Republik gegen die Rothenan-Mörder und Konsorten wirksam zu demon- striercn. Der gleiche Strasoollzug kann für die gleichen Leute »Paradies" und„Hölle" sein— wie es gerade in den agitatorischen Kram paßt. Eisenbahnunglück in Kentucky. Sechs Beamte getötet. Ein Personenzug der Louisville- Henderson- und St.- Louis- Eisenbahn stieß nahe Henderson(Kentucky) an einer scharjen Kurve mit einem Güterzug zusammen. Nach den bisher vorliegenden Mel- düngen sind dabei sechs Beamte des Personals der beiden Züge ge- tötet worden, während von den Passagieren niemand ernstlich verletzt wurde. Die beiden Lokomotiven und die Gepäckwagen des Personen- zuges wurden bei dem Zusamnienstoß ineinandergeschoben und gerieten in Brand. Die Opfer des Unglücks lagen unter den T r ü in in e r u b c g r a b c n. Man vermutet, daß das Unglück durch ein Mißverständnis bei der Signolstellting verursacht wurde. Don der mUneli abgeschlossen ißel der großen XStle. die gegenirSrlig auch ix 'Motiand hemehl, f*l dir luider ser. oaigefroreti. icodureh die 3nscl War tum ohne Terbindung mit * dem JeaÜande i»t. HHe XebcnsmUfet und die .?»»! müssen auf kleinen Schlillen über das£is g« schafft tverden, was sehr gef&hrlirit ist, da das€is an verschiedenen Stellen nur sehr schrrach ist. Heute 17 Grad Kälte. Ja den Auheabezirken bis 22 Grad. Die Kalle über ganz Deutschland hat erheblich zugenommen. 3n Berlin wurden henke morgen 17 Grad unter Null In der Innenstadt und in den Außenbezirken ZZ Grad gemesst". Königsberg meldet für Ostpreußen Minustemperaturen bis 24,2 Grad, Breslau, aus verschiedenen Gegenden Schlesiens 24 3 Grad, darunter die Stadt Neiße sogar 32 Grad. In Mittel- deutschland verzeichnet Hall« 19»? Grad Celsius, Weimar 2.3 Grad. In Münch« n wurden bei völlig klarem Himmel 13 Grad, in Tegernsee 20 Grad und in Stuttgart und Ulm bis 13 Grad gemessen. Rhein und Masel führen wieder starkes Treibeis: i ie Mosel hat bereits ihre Schiffahrt eingestellt. Ebenso ist die Lahn an verschiedenen Stellen zugefroren. In ganz Westdeutschland hat der Frost zugenommen, jedoch sind die Temperaturen hier niedriger als in Ost- und Mitteldeutschland. Homburg ineld-i 13 Grad minus, im Küstengebiet sogar 14,3 Grad. Damit dürtte die niedrigste Temperatur in diesem Winter in der Hamburger Gegen gemessen worden sein. Sluch in der Tschechoslowakei erreichten in den letzten Stunden der vergangenen Nacht die Temperaturen einen ganz außer- ordentlichen Tiefstand. Die tiefsten Minima verzeichneten Vudmeir und Deuischbrod mit minus 31 Grad Celsius. Klattau mit minus 28, Milowitz mit minus 27, Troppau mit minus 26, Prcßburg mtt minus 23, Prag-Karlshof xnit minus 24 Grad Celsius. Die disbrr niedrigste Februar-Temperatur in Prag wurde im Jahr« 1893 m l minus 22,4 Grad Celsius verzeichnet. GWeessürme an Ser Aöria. Freitag wurde in Trieft mit den Schneeausräuinungsarbeuri begonnen. Da der Schnxc stellenweise so hoch liegt, daß seine L'- seitigung nicht möglich ist, wurden durch die Schneewöchteii Tunnels bis zu einer Höhe von drei Metern ge- graben, durch welche'Fuhrwerke und Autos zwischen F i u in e und Trieft verkehren. Knacker in der Ortskrantenkasse. SOOv M. Bargeld erbeutet. Die Ortskrankenkassen von Groß-Berlin üben von Zeit zu Zeit aus die Geldschrankcinbrecher starke Airzsehungstrast aus. In der ncr- gangenen Nacht arbeitet? eine Bande mit Erfolg in Berlin- Schöneberg. Die Krankenkasse dieses Bezirkes liegt in de i Hause Grunewald st raße 30, einem Mietshause. im Erdge- schoß und 1. Stock des Quergebäiides. Der Raum für die Ein. und Auszahlungen befindet sich im 1. Stock. Hier steht auch der Panzer- schrank. Das Haus wird nicht besonders bewacht, die Aufsicht hat allein der Pförtner. In der vergangenen Nacht nun öffneten die Verbrecher mit Nachschlüsseln die Haustür und die Türen zu der Krankenkasse, ohne daß jemand etwas merkte. Mit Kleidungsstücken, die sie vorfanden, verhängten sie im Kassenraum die Fenster, so daß kein Lichtschein hinausdringen konnte. Dann schtveiKlcn sie den Geldschrank aus und fanden darin 7000 bis 8000 AlarkMüt denen sie un- gesehen entkamen. Der Einbruch wurde heute morgen um 6 Uhr von dem Pförtner entdeckt. Die Schänelierger Kriminalpolizei und das Sonderdezcrnat B. 6 nahmen sofort die Ermittlungen auf. Was wurde geraubt? Die schweigsamen Safe-Inhaber aus Berlin W. Die Abteilung der Berliner Kriminalpolizei, die sich mit der Aufklärung des Bankraubes in der Depositeukasje Kleist- sl r a ß e der Diskonlogesellschaft beschästigi, ist in einiger Verlegen- heil: Das für die Bearbeitung der Angelegenheil unbedingl erfordec- lichc Maleriol will nämlich nicht eingehen, bisher hat sich von den Inhabern der 153 Safes noch nicht einmal die Hälfte bei der Bank oder der Polizei gemeldet. Diese Säumigkeit muß eigentümlich berühren. Vielleicht sind die Inhaber zum Teil der Uebcrzeugung, daß sie es nicht nötig hoben, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen, weil ja nach ihrer An- nähme aus den Bedingungen des Vertrages mit der Diskontogesell- schaft die Bank verpflichtet ist, das Eigentum zu schützen und die Losl des Verlustes zu tragen. Daneben ober kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, ob nicht vielleicht etliche unter den Safe-Inhabern ein besonderes Interesse daran haben, sich aus- zuschweige in Vielleicht befanden sich in den Sases Werte. deren Existenz aus steuerlichen Rücksichten zu ver- heimlichen für die Besitzer von einem gewissen Interesse war. Die Verfolgung der Bankräuber wird natürlich dadurch besonders erschwert, daß die Polizei fegt nichk einmel iveitz. was überhaupt gestohlen ist. Die Einbrecher ließen außerdem einen Haufen von Aktien und anderen Bankpapieren zurück, der jetzt daraus durchsucht wird, ob sich in ihm bei der Polizei oder der Bank an- gemeldetes Eigentum befindet. Auch über die gestohlene» Schmuckstücke liegen bisher nur sehr ungenau« Angaben vor. Man hat den Eindruck, als ob die Safe-Inhober zum Teil tatsächlich reich genug sind, um aus die Wiederbeschafsung der gestohlenen Sache/i »erziMen zu können. Das Lied vom Llraufführung n In keiner Ztadl erfreut sich die Arbeitersanger-Bewegung so wertvoller Unkerstügung und tatkräftiger Förderung durch die Stadt- Verwaltung und die Partei wie in Frankfurt a. M. Der Rhein-Main-Gau. mit seinem Verwaltungsvorort Frank- furt a. M., umfaßt 20 000 Arbeitersängerinnen und-sänger. Eine Sairderbedentung kommt dem„Kulturkartell der modernen Arbeiter- bcwegung Frankfurt a. M." zu. das als Träger der größeren Ver- anstaltungen(in aller Erinnerung steht noch die Aufführung der „Jahreszeiten" vor 25 000 Zuhörern!) die einzelnen Arbeiterchäre der wirtschaftlichen Sorgen um ihre Koirzerte enthebt und unsere Äerein« Zu fördern und zu stützen weiß. Frankfurt a. M. erscheint damit als der gegeben« Platz, ein neues Chorwerk, eine proletarisch« Kantate, van der man sich für weiteste Kreise der Arbeiterschaft einiges ver- spricht, erstmalig zur Ausführung zu bringein „Das Lied vom Arbeitsmann", Kantate für Chor, Soli und Orchester— Dichtung von Alfred Auerbach, Musik von Ottmar G erst er— ist als beachtliches, neuzeitliches, proletarisches Chor- werk zu bewerten, dos, n i ch t n u r ein Versuch auf diesem Gebiet, bestimmt seinen Weg durch unsere leistungssähigeren größeren Arbeiterchöre nehmen wird und in unserer Arbeiterschaft die begeisterte Ausnahme finden wird, die ihm, durchaus berechtigterweis«, unsere Frankfurter Sangesfreunde am Mittwoch. 30. Januar, im großen Saal des Saalbaues zuteil werden ließen. Es war ein ehrlicher, verdienter Erfolg, den die begeisterte Zu- Hörerschaft dem Komponisten, Dichter»ich den Ausführenden(über 400 Mitwirkende) zu spenden wußte. Afreb Auerbach(Leiter der Schauspielklasse am Frankfurter Konservatorium und des Sprechchors des Arbeit er-Kultiirkartells) sch&ert in realistischer Weise einen Tag aus dem Leben eines Ar- Veit«».« Ei» Montagmorgen. Der Wecker rasselt. Die Frau wacht auf. Sie rüttelt den Mann. Morgengang zur Fabrik mit den Ar- deitogenoffen. Fabriksirenen. Kontrolluhr..Los, marschieren wir in den Käfig." Musik der Maschinen. Frühstückspause. Gespräche der Lehrlinge nnd jungen Arbefter und Arbeiterinnen geben Einblick in die psevdokvlturellen„Genüsse" eines Proletarier-Sonntags.„Feierobend." Sehwarze Masse schleicht noch Haus, ausgepumpt, Zehn- tausende, grau, schwarz. Kinder singen in freudlosen Gaflen. Arbeiter- frauen«ollen Wirtschaftsgeld,„Geld für Kinder, Kranke, Kleider", „Geg> woher? Am Anfang der Woche? Kommt am Ende. Kette, Kette, wann ist da« Ende? Laßt uns schlafen". Musik der Träume, in der Eindrücke des Tages wiederkehren: Betriebsrat, Versammlung, Tausend entlassen, Maschinen, Freiheitslied. Demonstration, Streik mck» in der im Lied der Seele Menschenliebe, die verschüttet liegt, anklingen will. In einem gewaltigen Schlußchor:„Menschheit, wach auf.«» ist Zeit!" wird Traumerleben Wirklichleit. Ottmar Gerster(seit 1927 Lehrer für Bratsche und Violine an der Folkwangschul« in Essen) weih diesen Text zu gestalten. Unbe- Arbeitsmann. Krankfurt a.M. kümmert, naturburschenhaft, aber mit einem guten niusikal.sü i Rüstzeug ausgestattet, macht er sich ans Werk. Verdi und dcr n.-rdi schen Oper zugetan, weiß er zu gliedern und zu gestalten und er reicht, daß man sich in musikalischen Dingen nicht zu ärgern braucht. Mit dem Heulen der Fabriksirene hebt es an. Sirenengeheul Ansang und Ende seines mühseligen,„minderen" Arbeitstags, der ihn in seine Träume begleitet, aber im Wachauf-Gesang des Schluß- chore» in einem vollen Dreiklang, einem strahlenden C-Dur auszn- klingen weiß. Jnstinktficher gebraucht der Komponist dieses„Leit motio", dos er bewußt erst selbst erkennt, als ihn die zünftige Kritik auf diefen Einfall hinzuweisen geruht! Dazwischen jazzt es (Sonntagserinnerungen des Jungvolks!), Kinder singen mit dem Leiermann eine armselige Weise(Armeleute-Musik von Stravinsky- schem Einschlag). Trommler- und Pfeifenchor des Reichsbanners zieht mit„feiner" Musik außerhalb de» Saales vorüber(„je falscher spielend, desto besser", meint der Komponist!) und das Orchester im Saal nimmt von den Kollegen von draußen die Klänge der„Jnter- nationale" auf, sie sinfonisch verarbeitend. Aber diese Musik steigert nicht nur in realistischer Weise(Sirene. Musik der Maschinen), sie arbeitet nnt starken Gegensätzen und weiß im„Lied der Seele" vom Innersten des Menschcnhcrzens zu sagen. So peitscht und milder: diese Musik, die, wie auch der Text, noch nicht von Dichter und Kom- ponisten als letzt« Offenbarung genommen werden wollen, aber i» ihrer gesunden, urwüchsig-instinktsicheren Art uns ein gut Stück des Weges vorwärtsgebracht hat. Der Komponist, 1897 in Braunfels als Sohn eines Arztes geboren. studierte 1913— 1916 zu gleicher Zeit mit Hindemith bei Sekles am Frankfurter Konservatorium, wurde im Krieg einer Regiments- musik zugeteilt wo er Klarinette blies. Der Kriegsschluß brachte Weiterstudium und Freundschaft mit Hindemith, durch den er starke Anregung erhält. Erster Geiger im Sinfonie-Orchester Frankfurt, vertretungsweise ein halbes Jahr Dirigent des Dolkschors„Einigkeit" Oberrad bei Frankfurt, dem er sich bald innerlich verbunden weiß. „weil man mit den Arbeitersängern Tag und Nacht probieren konnte, Begeisterung und Mitgehen fand". 1926 Schatt-Prcis für Kom- Position. Um die Aussührung des Werkes machten sich besonders verdiene Die Bolkschörc„Sängerkreis" und„Westend", letzterer stellte auch den Kinderchor. Das Werk war in beiden Chören unter Rottfieper und Dr. Ehrenrcich getrennt studiert worden. Ehrcnreich(die beiden Chöre, die eine 300 Mitglieder starke Arbeitsgemeinschaft bilden, deren Dirigenten wechselweise die Konzerte dirigieren) hielt an- schließend 30 gemeinsame Proben ob. Dos Franksurlcr Symphonie- Orchester, Spielmannszug Bezirk West des Reichsbonners Schwarz- Rot-Gold, Sprechchor des Kulturkartells. Sie alle waren unter Ein- saß aller Kräfte bemüht, dieser proletarischen Kantate zum Sieg zu verhelfen. Walter Hänel. Theater der Wache. Vom 3. bis ii. Kebtuar. Volksbühne. Theater am Sülowplah: Das Mädel aus der Vorfwi». 7. Die Bergbahn. Theater am Schissbauerdomm: Die Drcigroschenopcr. Thalia-Theater: Oelrausch. . Staatstheater. Slaatsoper Unter dea Linden: 3. Boris Gndonofs. 4. Tristan und Isolde. 5. Toska. 6. Fartunios Lied. Die süni Wünsche. 7. Die Meistersinger. 8. Neuinszcmerung Manna Lisa. 9. Madame Buttersty. lO. Die Walküre. 11. Gcnosa. Stoatsoper am Platz der Republik: 3., 3. Der stielende Holländer. 4. Carmen. 6. Fidelia. 7. Viertes Simome-Kanzert. 8. und 9- Die FlÄermaus. 10. Don Giovanni. 11. Der Freischütz. Städtische Oper, Eharloltenburg: 3. Wadanie Butterfly 4, Ge- schlössen« Varstellunq. 5. Der Freischütz. 6. Der Traubadour. 7. Ties- land. 8. Fidelio. 9. und 11. Neuinszenierung Eugen Onegin. 10. Tarmhcülser. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 3.{VA Uhr) Chart eys Tante.(8 Uhr) Oedipi'S- 4., 5., 8., 9., 10.. 11. Oadipus. 6. und 7. Nathan der Weise. Schiller-Theater. Charlottenburg: 3. Der Londmrer verloren« otthn. 4. Flochsmann als Erzieher. 3. und 9. Nathan der Weif«. 6. Himerhauslegende. 7.. 8-, 10„ 11. Ein besserer Herr. Thealer mit festem Spietptan: Deutsches Theater: Die Verbrecher.— Sammerspiel«: Soeben erschienen.— Di« Somädie: Olympia.— Theater am Rollendors- platz: Jettchen Gebert.<3-, 10. vorm. 11 Vi Uhr Stationen aus Faust, l. und II. Teil.)— Theater in der Söniggröher Straße: Revolte im Erziehungshaus.— Somü dienhaus: Das Geld ausser Straß«. — Großes Schauspielhaus: Casanova.— DI etropol- Theater: Di« lustig« Witwe.— Theater des Westens: Frisderike.— Komische Oper: Paradies der süßen Frauen!— Deutsche» Künfiler-Theater: Der Zinker.— Lustspiel Haus: Weekend im Paradies.— Lesfing- Mir san mir! »Mir Sayera lehnen die Viersteuer ad!" »Wie loär's mit einer Steuer auf Vierredeu?" Theater: Katharina Knie.— Theater in der Lehren straße 53/54: Arm wie ein« Kirchenmaus.— Trianon-Theater: Das Haus der Laster(Aoshiwara).— Zentral-Thealer: Ich küsse Ihre Hand, Mo- dam«.— Berliner Theater: Dreimol Hochzeit.— kleine» Theater: Lady Windermeres Fächer.— Rose-Theater: Die Fledermaus.— Casino- Theater: SilomÄerliebchen.— Schloßpark-Theater. Steglitz: Di« Fledermaus.— Thealer im Admiralspalast: Schön und Schick. — Wintergarlen und Scola: Jiüernotionales Variete.— Reichs- halleu-Thealer: Stettiner Sänger.— Theater am kottbusfer Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Die Tribüne: 3.. 4. T. Y. Z. Ab 5. Herr und Frau So und So. Zlachmittagsoorfiellungen. Volksbühne. Theater am Sülowplah: 3., 10. Die Bergbahn. Thalla-Xheater: 3-. 10- Oelrousch. Thealer am Rolleudorsplatz: — 3.. 10. Die Fledermaus.— Theater in der köuiggräher Straße: 2., 10. Revolte im Erziehungshaus.— Somödienhaus: 3., 10. Die versunkene Glocke.— Großes Schauspielhaus: 3.. 10. Casanova.— Metropol-Theater: 3., 10. Die lustige Witwe.— Theater in der Behrenslraß« 53/54; 3. Rotkäppchen.— Itianon-Ihralct: 3 Hansel und Gretel.— Zentral-Thealer: 3., 10. Ich küsse Ihre Hand, Mo- dam«.— Die Tribüne: 3..7.?). Z.. 10. Herr und Frau So und So. — Rose- Theater: 9. Die sieben Raben. 10.(14 Vi Uhr) Die sieben Raben.(17V4 Uhr) Die Fledermaus.— Schlohpork-Ihealer. Steglitz: 3, Rotkäppchen und der Wolf.— Theoler im Admiralspalast: 3.» 10. Schön und Schick-— Wintergarten und Scala: 3., 9.. 10. Internationales Dorietä.— Reichs Hallen-Theater: 3., 10. Stettiner Sänger.— Thealer am Kotlbusier Tor: 3., 10. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche. Dienstag. Tribüne:„Herr und Frau So und So".— Donnerstag. Xljeorter in der Klo st er st raß«:„Das Bett". — Residenz-Theater:„Der reizende Adolar".— Freilag. Staatsoper Unter den Linden:„Mona Lisa".— Sonn- abend. Städtische Oper Chorlottenburg:„Eugen Onegin"._ Di« 5. lanjniaitn« der volksbSba« Die„Reue Tanzbübne", anpeoliedert len Etödliichen Vübnen, össcn. bnnflt Sonntag, vo, mittag N'/,Mr. im Tbcater am Sdlowplad unter Leitung von strida tolst. Goldbergb« Vallett der enticsielte„Ianz" zur Urauslübrung und außerdem i» Berlin noch nicht dek innic Voriühiungen au« ihrem Repertoire. Spende des englischen Sergarbeiterverbaudes. Der General- iekrelär des Bergarb'eiterverbandes von Großbritaimien, A. I. Cook. hat dem Lord Mayar von London 10000 englische Pfund für den Hilfsfonds sür die Arbeitslosen in den Kohlenrevieren überwiesen. In dem Begleitschreiben erklärt Cook, der Verband werde, weil ihm in dem Ausschuß, dem die Berwawcng und Verteilung des Hilsssonds obliegt, ein sitz eingeräumt worden sei, alles in seiner Macht stehende tun, um die Hilfsaktion zu fördern. Wellerberich« der östentlichen Wetterdienststelle Bertin und Um- gegend.(Nochdr verb.) Borwiegend heiter und noch sehr kalt, süd- ostliche Wind«. Für Deutschland: Im größten Teile des Reiches Fortdauer des bestandige» Wetters mit strengem Frost, nur im ciutzersten Nordwesten und Nordosten Bewölkungszunahme mit Mil- derung de» Frostes. Volksbühne und Kilm. Denn sich ein« Volksbühne mit dem Film beschäftigt, so verläßt sie damit keineswegs ihr abegestecktes Arbeitsgebiet. Auch der Vorwurf. der da und dort erhoben wurde, als ob sie vor d«n„Pübli- tumsgefchmock" kapituliere, Ist in dieser Verallgemeinerung nicht berechtigt. Gewiß wird das Theater nach wie vor die erste und vornehmst« Angelegenheit der Volksbühne sein. Aber da der Film in so hervoragendem Maße künstlerisch« Auswertungs- und Wirkung»- Möglichkeiten bietet, da sein Anteil an der Massenbildung und sein Einfluß auf die Gestaltung nolksbildnerischer Werte— im Guten wie im Bösen— größer und größer wird, muß ihm die Volksbühne ihre Aufmerksamkeit schenken. Im Olegensatz jedoch zu anderen Organisationen, die dem Kino teils lediglich Besucher stellen, teils nach bestimmten politischen Richtungen hin Einfluß gewinnen wollen, beschränkt sich die Volksbühne vorläufig auf die Unter- stützung und tatkräftige Förderung des Kulturfilms und des wertvollen, nach jeder Richtung hin vertretbaren Spielfilms. Es gibt solch« Film«, und sie würden zahlreicher sein, wenn sie ein großes Publikum fänden. Solange die Grundlagen der der- zeitigen Ftlmwirtschost nicht geändert werden können— kulturelle Organisationen bringen in absehbarer Zeit das ersorderliche Kapital nicht auf—, so bleibt zunächst nur der eine Weg, dem wert- vollen Film wirtschaftliche Möglichkeiten zu geben und dadurch die Filmproduktion zu ermuntern, diesen Film zu schaffen. Ein Publikum, das dem Film nicht mit einer bestimmten Ab- ficht, mit ganz bewußten Forderungen gegenübertritt,* ist auch schwer oder überhaupt nicht arganisierbor. Nur die Mass«, die einen fest umrissenen Kulturwillen mitbringt, ist sür den Kinobesuch organisierbor. Die Volksbühne verfügt über dieses Publikum. Und so Tonnte sie auch da und dort energisch an den Film herangehen. Die äußere Form, in der das geschieht, ist örtlich stark verschieden. In Frankfurt, Königsberg, Chemnitz, Halle, Magdeburg, Hon- naver, Elberfeld-Barmen und in einer Reihe kleinerer Ort« arbeiten die örtlichen Bolksbühnengemeinden bereits erfolgreich auf diesem Gebiet. Die Volksbühne Altona ging bahnbrechend in der Echostung einer tesstungsiähigen Filmgemeinde voran. Das sind die Anfänge. Wie sehr der Film zu einer Angelegenheit der Volksbühne geworden ist, geht auch aus der Februar-Nummer der„Volksbühne", des Organs des Polksbühnennerbandes, hervor, die sich fast ausschließ- lich mit dem Thema„Film und Bühne" beschäftigt. Reben instruk- tioen Aussätzen allgemeinerer Art enchält die Nummer eine Arbeit K. H. Döschers über das Thema„Volk-bühnc und Film". „Die Vierte von rechts." Llfa-Theater Kurfürstendamm. Das Publikum— sagen diese schlauen Filmunternehmer— liebt nicht die Ueberroschungen, es will im Grunde immer dasselbe sehen, dos Bewährte und Gewohnte. Man muß den Salat nur immer etwas anders anrühren oder garnieren. Und so gingen sie daran und servierten uns die Geschichte vom Revuegirl mit dem Kulissenzauber und den Intimstäten der Ankleideräume und dem reichen Donchy, der sie heiratet. Wes nett und gefällig, mit ersten Namen ausgestattet: Conrad Wien« zeichnet als Regisseur und A. Graatejär garant,«rt für eine ausgezeichnete Photographie. Ossi Oswalda ist das Tanzmädchen, das vor Temperament platzt und alles in ihren Wirbel zieht. Neben ihr als sanfter«, aber nicht weniger hübsche Erscheinung Betty Bird und Artur P u s e y als netter Liebhaber. Soll ich oerraten, was neu ist am Film? Warum der junge reiche Lord, der sich auf den ersten Blick in Ossy verliebt, doch schließlich die heimlich in ihm verliebte Schwester Betty bc- kommt? Nein, ich tu's nicht. r. „Aachigestalien." Veba-palost. Londoner Eastend und Revue, ein reizvoller, ober reichlich be- konnter Gegensatz. Ein Schlagerkomponist ist gesunken und siehelt wieder mit Hilfe eines kleinen Eeaftendmädels noch dem Westen um. Vorher wäre er beinahe als Mörder eines Millionärs ver- hastet worden. Selbstverständlich ist der wahre Täter«in finsterer Kaschemmenhabituö. Für ein bürgerliches Gemüt leuchtet hell die beste aller Welten. Fehler des Manuskripts: Die Handlung zerflattert. Es ist keine Konzentration vorhanden. Episodisches überlagert die Hauptsache. „Unterwelt" fft das Porbild gewesen und wird nicht erreicht, auch nicht in der Wahrheit des Milieus. Der Schluß ist fast kopiert. Der Regisseur Hans S t e i n h o f f ist verliebt in das Detail, kann sich nicht geüug tun in Aufnahmen dunkler Gassen, geheimnisvoller Treppen und verkommener Zimmer, aber er gibt davon zuviel, er überbetont, um den Gegensatz zu dem Westen überspitzt herauszuarbeiten. Es ist nicht anzunehmen, daß der Mörder nach seinem Millionenraub noch weiter in zerschlissener Jacke herumlaufen wird. „Unterwelt" traf auch in dieser Beziehung eher die Wahrheit. Steinhoss bleibt im Typischen, d. h. die Verbrecher sehen aus, wie sie im Durchschnittsroman geschildert werden. Dos Eaftendmädel mit der keuschen Lebenshaltung(Jack London sagt darüber ganz andere Dinge) ist Mabel Poulton, glänzend in ihrer Impulsivität, mit ihren temperamentvollen blitz- schnellen Vowegungen. Doch es ist bei ihr sehr viel artistische Mache, ein Brillontfeuermerk, und weniger eine Gestaltung von innen her- ans. Jack T r e v o r kann keine Verkommenheit glaubhaft machen, er ist immer der kühl korrekte und gut gepflegte Gentleman. Elifsord M c. La g le n spielt den Mörder, ein begabter Cbarakter- spieler, der virtuos zu sterben versteht. F. S. Kür das Deutsche Theater in Brünn. Die Deutschen in Brünn, der zweitgrößten Stadt der tschechoslowakischen Republik, haben infolge der Umwälzung ihr Stadt- theater verloren, aber keineswegs die Freude am Deutschen Theater. Sie haben in Sälen usw. ibr deutsches Theater fortgesetzt und wollen sich jetzt ein neues Haus bauen. Uni ihre Bestrebungen zu unter- stützen, hat sich in Berlin eine..Gesellschaft der Freunde des Deut- schen Theaters in Brünn" gebildet. Sie gab in den historischen Wohnräumen des Berliner Schlosses am Dannerstag«in höchst originelles Kongert. Ihrem Ruf waren so viele Gäste gefolgt, daß lange nicht all« in dem schönen Schinkel-Saal Platz fanden. Die ober hier und in den benachbarten Zimmern dem herrlichen Schu- bert-Konzert lauschen konnten, waren entzückt von den Darbietungen der Sänger und Solisten(Ingrid Wrebeck. Felix Fleischer. Karl Weddel und Armin Liebermann wetteiserien miteinander) Wie ganz anders wirkt« der Beisoll der seetischen Intimität in solchen intimen Räumen, in denen die milden gelben Kerzen vor den strahlend weißen Wänden ihr sanftes Licht ausbreiteten. Di« an- deren Besucher ergingen sich derweilen in den anstoßenden Apparte- inents, waren sozusagen bei Königs zu Gast und mochten allerlei Beobachtungen über Geschmack- und Kulturwechsel, über den Prunk und die Ungemiittichkeit des Berliner Schlosses. ä. Lesfiug fürs Volk. Die Lesfing-Ausgabe des Berbandcs der Volks- bühnenverein«, die hier empfohlen wurde, umfaßt nur zwei Bände und tostet nur 5 Mark(nicht 10 Mark, wie irrtümlich angegeben war). Trotzdem ist sie gut und enthäst alles Wichtige. Prot, knappertsbvsck». Der bayerische Generalmufikdireklor und Staat§- operndircllar bat leinen Rücktritt»on der künstlerischen Leitung der Miinckem" Musikabschen Akademie erklärt. AI» Grund wird von'ihm die Art und angegeben, in her an den Konzerten ber Musikalischen«kadetme geübt wurde. ( Die Frau in Politik und Wirtschaft. Konserenz der sozialdemokraiischen Zunktionärinnen in Rerlin. In einer Konferenz der Funttionärinnen der Sa- zioldemokratischen Partei Berlins sprach Freitag abend Frau Marie Iuchac;, M. d. R., über„Die Frau in Politik und Wirt- schaff Frau Iuchacz ging davon aus, daß die Frau ungleich stärker als der' Mann an der Erhaltung der durch Arbeit geschaffenen Werte beteiligt ist. Aber auch als werteschasfendes Glied der Gesellschaft tritt die Frau immer mehr hervor, so dah die Struktur der Familie völlig verändert ist: Aus einer Produktionsgemcinschast ist eine Konsumgemeinschaft geworden. Die Frage der Franenerwerbs- arbeit sei nicht individualistisch, sondern soziologisch, zu betrachten. Frauenarbeit ist ein soziales Geschehen. Von unserem Standpunkt aus fei die Teilnahme der verheirateten, aber familiär unbelasteten Frau am Produktionsprozeß nicht zu verurteilen, da der hohe sitt- lichc und erzieherische Wert der Arbeit einer Frau, die nicht ein . parasitäres Dasein führen will, anzuerkennen sei. Der erhöhte Kon- sum in diesen Ehegemeinschaften schafft wieder neuen Warenbedarf. Dadurch und durch den Umstand, daß nicht alle Männerarbeit durch Frauenhände zu verrichten ist, bekommt die Frage der Arbeit der verheirateten Frau ein anderes Gesicht. Eine Beseitigung der verheirateten Frau aus dem Broduktiaus- prozeß ist undurchführbar. In allen Untersuchungen ist festgestellt worden, daß die Frauen in allen Ländern erwerbstätig sind, die Frage also international an- zusprechen ist und dcnientsprechend behandelt werden muß. Im Zu- sammenhang damit stehen die Probte nre des Geburtenrückganges, des außerehelichen Kindes und der alleinstehenden Mutter. Sozialdemokraten werden hier natürlich anders urteilen, als es schlechthin in der kapitalistischen Gesellschaft geschieht. Bei der Betrachtung des statistischen Materials zeigt sich, daß im all- gemein beobachteten Geburtenrückgang etwas Gewolltes liegt, d. h., daß die ihr Leben selbst gestaltende Frau auch die Geburt� reguliert. Das Verlangen der Gesellschaft nach Geburtenüberschuß zwingt zu der Forderung nach Herbeischaffung von Zuständen, die es der Frau ermöglichen, auch mit Kindern auszukommen. Interessant ist, daß gleichzeitig mit dem Rückgang der Geburle» eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Säuglinge geht, daß also ein besserer Säuglingsschntz möglich ist. Hier scheint sich ein ungeschriebenes Ge- setz international auszuwirken, und so ist mit einem Geburtenrückgang auch ein Abnehmen der Säuglingssterblichkeit festzustellen. Wir haben nicht einen Geburtenüberschuß, sondern die Erhaltung des geborenen Lebens zu fordern, weil eng damit zusammen eine Unmenge sozialer Fragen sich auftut. Die Frau muß heraus aus dem sozialen Konflikt. Ueberall muß die Frau verlangen, daß auf gegebene Verhältnisse Rücksicht ge- nommcn wird. Hierzu gehören die Komplexe der Strafgesctzgebung — insbesondere die Frage nach der Abtreibung— und der sozialen Fürsarge. Obwohl in der gegenwärtigen Zeit bei den Frauen ein starker Wille zur wirtschaftlichen Selbständigkeit zu beobachten ist, wird sie doch erst völlig frei sein, wenn sie auch wirtschaftlich un- abhängig ist. Ganz bestimmt würde sich der Austurm der Frau auf den Arbestsmarkt von selbst regulieren, wären nicht die Männer in so schlechter Position hinsichtlich ihrer Löhne. Wollen wir zu eine» wirtschaftlichen Befreiung der Frau kommen, muß eine andere Einschätzung der Frau als Gebärende und Mutter stattfinden. Damit wird automatisch eine ander«, bessere Be- urteilung der Hausarbeit eintreten. Genosstn Iuchacz betonte bei der Gelegenheit di« Notwendigkeit der Hausarbeitsteilung in Familien, wo beide Ehegatten zur Arbeit gehen. Wo hier noch kei.i kameradschaftliches Verhältnis bestehe, müsse vielleicht zuerst di« Er- Ziehung— und hier dann beim eigenen Mann— zur Wertschätzung der Frauenarbeit einsetzen. So wirkt dos moderne Erwerbsleben auf unser« Lebensgestal- tung ein. Wir haben dauernd damit zu tun, auf öffentliche Korper- schaften einzuwirken, damit der Frau zu ihrem Recht verholfen wird. Die Frauen werden immer wieder und immer tiefer in das Wirb- schaftsleben hineingezogen. Rur wenn die Frau ihre Lage im mo. dcrnen Mirtschastsbetrieb erkannt hat, wenn die Frau aktiv am politischen Leben, an der Erziehungs- und Ausklärungsarbeit teil- mmmt. wird sie ihre Stellung als werlefchassender und werte- erhaltender Faktor verbessern.(Lebhafter Beifall.) Roch einer anregenden Diskussion warf die Vorsitzende Frau Wurm die Frage auf, ob nicht eine völlige Beseitigung der sozialen Fraüensürsorge und di« Gleichstellung der Frau in allen Dingen des öffentlichen Lebens zu befürworten sei. Frau Zuchac; bemerkte dazu im Schlußwort, daß die leiden- schaftlich erhobene Forderung nach einem besonderen Frauenschutz durchaus berechtigt sei, und daß wir den immer weiter fortschreitenden Ausbau begrüßen sollten. Ein besonderer Frauenichutz sei schön wegen der biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau nötig, die auch stets getrennte Arbeitsgebiete bedingen werden. Die sozial- demokratischen Frauen unterscheiden sich in der Forderung nach be- sondcrem und vermehrtem Frouenschutz grundsätzlich von den aus- ländischen Frauenrechtlerinnen. Mit der Verlesung einer Resolution, die am Sonntag dem Be- zirksparteitag vorgelegt werden soll, um dann an den Reichspartei- tag zu gehen, schloß die Konferenz. Zuwachs im Zoo. Im Zoologischen Garten Hot es unter den kleinen Säugetieren in dem alten Tierhause am Konzertplatz bei den Beutel- oder Zucker- eichhörnchen Junge gegeben. Das sind kleine Kletterbeuteltier«, wie die meisten Beuteltiere aus Australien und Neuguinea, die äußer- lich sehr unseren Siebenschläfern gleichen. So finden wir in der Beuteltier welt Australtens viele Gattungen und Arten, die in Körperbildnug und Lebensweise sozusagen die verschiedenen Sänge- tiertypen der anderen Erdteile wiederholen; olle aber werden durch die gemeinsame Eigentümlichkeit, den Beutel, zusammengehalten, eine Houtfaiteirbildung am Bauche des Weibchens, in der die Milch- drüscn liege» und in der sich die Jungen die erste Zeit ihres Lebens aufhalten. Ein zweiter Kall Sacco-Vanzeiti! Thomas Mooney seit �2Lahren unschuldig im Zuchthaus. Im lieblichen Kalifornien, wo heute die Babbitt» sich zur Cr» holung tummeln, herrschte in den aufgeregten Tagen von 1S16 eine Werhitzte, politisch« Stimmung. Das Volk wollte Soldaten sehen, man zeigte ihnen Paraden. So zog auch eines Tages wieder die Truppe die Straße entlang zum Markt in San Francisko da— ein Krachen, Schreie, Flucht— und Stille. Was war geschehen? Eine Bombe war von irgend jemand geworfen worden. Drei Menschen wurden getötet, viele verletzt. Man muß Upton Sinclair gelesen haben, um zu wissen, wie m Amerika in einem solchen Falle gearbeitet wird. Zwei Möglichkeiten gab es: 2) di« Polizei konnte dieses Bombenattentat selbst pro- 0 0 z i c r t haben, um die Kriegspsychose auf IM Prozent zu steigern: b) eine ausländische Macht konnte so irrsinnig gewesen sein, auf diese Weis« Amerika schaden zu wollen und Verwirrung zu stiften. Die Polizei hatte kein Interesse, diesen beiden Möglichkeiten nachzu- gehen. S 0 schuf sie dritte: daß Arbeiter. Sozialisten und Anarchisten in Frage kommen. Thomas M 0 0 n e y und fein Genosse Billings wurden verhaftet und der Tot überführt, und Thomas Mvoney wurden in erster und zweiter Instanz zum Tode verurteilt. An dem Tage, an dem in San Francisco die Tat gefckzoh, be- fand sich Thoncas Mooney nicht in der Stadt. Aus die ersten Gerüchte, daß man ihn mit der Tat in Verbindung bringe, eilte er sofort noch San Froncisco und wurde verhaftet. Es meldeten sich Zeugen, die ihn in der Nähe des Unglllcksortes gesehen haben wollten. Ein Bild, das sich später als Falsifikat herausstellte, diente als Be« weismittel. Auf einer Photographie van einer Parade sah man „Thomas Mooney" auf einem Dachs stehen. Unerheblich war die Tatsache, daß dieses Bild in einer Entfernung von einer englischen Meile aufgenommen worden war und daß der Mann, der auf dem Dachs nicht zu erkennen war; viel weniger, daß er eine Bombe schleuderte oder bei sich hatte, noch daß dieser Mann aus dem Dache zu dem Attentat in irgendeiner Beziehung stände. Die Zeugen be- eideten: Thomas Mooney hat die Tat vollführt. Mooney hatte eine glänzende Verteidigung, die ihm fem Leben rettete. Es kam darauf an, Beweise zu erhalten, daß das Gericht Thomas Mooney in seiner Eigenschaft als Arbeiter treffen wollte. Di« Verteidigung ließ In das Veralungszlmmer der Richter heimlich Horchapparate einbauen, und so wurde ein Gespräch zweier Richter ausgenommen, in dessen Verlauf die Aeußcrung fiel:„Ob schuldig oder nicht, Mooney muß unschädlichgemachtwerden". Der Gouverneur wagte nicht, auch noch dem zweiten Todesurteil, die Hinrichtung anzuordnen. Thomas Mooney wurde zu lebenslänglichen! Zuchthaus begnadigt. Bon dieser Straf« hat er zwölf Jahr« hinter sich. Leider ist noch dem amerikanischen Prozeßrecht«ine Wieder- aufnahm« des Verfahrens nicht mehr möglich, daher or° beiten die Freunde Thomas Mooney's daran, die Begnadigung bei der zu erweisenden Unschuld durchzusetzen. Hiermit ist auch die Deutsche Liga für Menschenrechte von ihrer amerikanischen Schwester- organisation besaßt worden. Wir Europäer, die wir uns mit Recht über jedes Justizunrecht, das sich in unserem Land« ereignet, aufregen und auf seine Abstellung dringen, können nicht mit Gleichgültigkeit an dem Fall Thomas Mooney vorübergeheo, der sich aus jener furchtbaren Kriegs» pfychofe ereignet hat. an deren Beseitigung die Besten jedes Volkes heute arbeiten bzw. arbeiten sollten. Zur Liquidierung dieser Kriegspsychose und dieser Kriegsnachwehcn gehört in erster Linie eine solche Tragödie, wie der Fall Thomas Mooney darstellt. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postouflage bei. pcrantwortl. NU die Siedaktion: Aolfsang Dchwaez, Berlin: Anzeigen: Zh. Stock», Berlin. Verlag: BorniSrt? Verlag ffi. m. i>. K.. Berlin. Druck: Vorwiirt, Bück» druckerel und Berlagsonstalt Panl Singer& S.a.. Berlin ED 68, Linden strob« 3. Kierpl 1 Beilage. XUeAiec, Lieh{spiele usw. Sonn ab., d. 2. 2. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 30 19'b Uhr Aida Slaats-Oper ArnPl.d. Republ. R,-S. n 19 Uhr Fletaans Sonnab., d. 2. 2. Stöfl!. Oper B:smarcKstr. Turnus III 19'/, Uhr Staatl. Sdiaisph. ia Guthnmiutii A.-V. 29 20 Uhr « Staatl. WiilMeater.Ciiaritlii. 20 Uhr Fladismann als Erzieher Renaissance- Theater Tot. Stoiaplatz 801». 2M3/84. TigHeli»'/. Uhr „Pas groBe ABC" Regie:(just. Härtung. Stg. nehm. 4 Uhr: KraittlMit d JogMd BeichshallCR-Th calc r Abends| 8| Sonntag nachm. I ä I Bai Insttg« pons FBbr. Proor. der sietilner Sander Nachm. halbe Preise, volles Programm Dönhoff. Brettl: Konzerlx Tan» x VarletA 10 grate mmara. CASINO-THEATER Lotnnnser StraBe 37. Neu! Neu! KilomgterlieDchen Dam ein erstklassiger bunter Teil Fiirunsert Leser Gutschein für 1— I Pers P-escuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang SSO M. I Ueatetotsitdens I XOglUt)«-/.»Hr Oer senfationelleErfolg!| Käthe Dorsch in Weöeeike Stuft! son Franz Ectjet Kammers. 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Ecks Frucht- slraSs. Linie 68. 69. 70. 76. Von Lichtenberg die Linien 9. 13. 68. 69, 70. 76. 17«. Karten 7 Tags In versus TTCWtWW Arnold Scholz Hasentieide 108/1 4 6r. BocKUerlesl und Grosser Alpenball 7 Kapellea- 50 bayr. Mad�ln. .Einlas 6 Uhr. VoiKsDUlune lnejtw aniBiilowplati 8 Uhr DasMBdiaos der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling TBiattr«n SdüttDanurdninra 8 Uhr Di« Drei-DmaJiM- Oper Thalia• Theater 8 Uhr Oelransch Staatl. SdiillBr-Di- 8 Uhr Fladismann als Erzieher It. m Sdufftaiurdaiiiri Täglich 8 Uhr 31e Drei-örosdisn- Opir Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl. Lvovski. Oeotsdies Tlieatet Korden 12310 8 Uhr, Ende lOfr U. DleVerbrcdier Schauspiel von FcrdinandBruckner Regie; Hein rHilpcrl Kararaerspiele Norden 12310 8, Ende nach lOVr U. Komödie von Edouard Bourdck Regie: Forster Larinada. Die Komödie Bismarck 2414/7510 8'/» Uhr, Ende lOV» Olympia" von Franc Molnar Regie: Forster Larinaga. Ventral. Theater Ut-lilibstr. öti Jrniuutr Täglich 81/« Uhr Sonntag auch 4 Uhr ich nasse ihre Hand.madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gleichnam.Schlager Rund f u nkhörer halbe Preise B�rliDer m DirektHcinr Herald Charlottenstrade 90 A- 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr, 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Bainawsky-Ssliiwa Thutsr in dsr XSniggrktzsr StrsBs 8','» Uhr Revolte im Erzlebungshaos Schauspiel von P. M. Lampcl. Komödienhaus 8'4 Uhr Das Geld aut der straoe Atetmrr. Bernauer u. Oesterreicher UM« „SAOn und sdiidf" st>. in Idninlsmlail Täglich 8 Uhr 2 Sonntags Vorstellungen mrc.l'eHr.Na*- s'.IIhi di» irii Ver- itilb. ii biitai Preise« Trianon-Th. Täglich S'ä Uhr Das Haus der Laster (Yoshiwara) Sonntag 4 Uhr Hünsel u. Gretel rbaiia-Tbeater dresdener Str. 72-7. 8 Uhr „Oeiransch" nücr- ui« 6lrt«l3tr. Programmweeiuei Da* neue Circoiprogramm. San mag. au» futov 1929 2 X so« und S00 Uhr vormittag 10 hf.« 12 Uhr Affenf- Udic Probe, Tfersdiao o- Kooreri Lnstspielbaas Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8','« Uhi GuidoThieisdier in Weekend im Paradies R ose-Thsater ir.rraaktirlerSUJ? 4 Uhr SJ/4 Uhr Die FiederoaRS Hetropol-meater - 8 Uhr- lustige Mwe FRITZI MASSARV Mai Hansen Uschi Ellaot, WalL Jankuh«, H. lunkerma-n, W. S haeffara, Uarquita Sistera, B autyairls, Jackson Boys Gr.SdiassRielhans ■■■'■ 8 Uhr-- Casanova mit ALFRED JERCiEä Ann) Frind, Erny Jolan, Aany Adler« LI Ada, barda, La Jana, Wln'alstsrn. Kusfar, Amo, Bande«, Morgan, Bis' Piebs Zwei Chareli- nszenierungen Gonamtausstattung Prof. Ernst Starn. be'den T«»> rn Sonntar 3 Uhr Nachm.-VorsteMune ru i leinen Preisen Neu auf Elektreiä* Theater a.Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäfl. Preise EHte'Sänf;er Fasdhinss-bregrainm I Entll SiCiB, der beliebte Zur kleinen GeverhsdiaitsliOrse Inh. Wwe. Krüger Engalufer 23 R.62| fZeifage Sonnabend. 1. Februar 1929 dtt$SMS �flplnulfJsttZa jfffX �JoVlfraffb Verzicht auf den Krieg? Das Kriegsrecht der Monarchien-die Kriegseinschränkung der Demokratien Im Reichstag wird heute das..Gesetz zu dem Vertrage über die Aechtung des Krieges" beraten. Der Krieg ist die gegenseitige massenweise Vernichtung der Menschen durch die Gcwost blutiger Massen. Er ist so alt wie die Menschheit selbst. Wie Mcnschcnsresjerei, Sklaverei, Blutrache. Tortur, Ausbeutung und Unterdrückung entstammt auch der Krieg dem barbarischen Urzustände der Menschen. Aber während mehrere jener früheren Einrichtungen durch die menschliche Kultur beseitigt worden sind, gilt der Krieg auch heute noch als eine Natur- k a t a st r o p h«, vor der es kein Entrinnen gibt. Erst vor eimgen Wochen hat der General von Seeckt„die ewigen Gesetze des Werdens und Vergehens der Völker" herangezogen, um damit die Existenz der Wehrmacht für alle Zeit zu rechtfertigen. Wie ein unabwend- bares Verhängnis wird einem kommenden Kriege auch vielfach gerade von denen entgegengesehen, die als Proletarier von ihm im Weltkrieg zu Millionen vernichtet wurden und in einem nächsten Krieg nur noch massenhafter niedergemetzelt werden würden. Ist der Glaube an den Krieg min aber nur ein finsterer, barbarischer Aberglaube, oder hat nicht doch die bisherige Weltgeschichte gezeigt, daß der Krieg aus der menschlichen Gesellschaft nicht ausrottbar ist? Das Kriegsrecht der absoluten Monarchen. Der Vorgang, der sich jetzt noch an den Randgebieten der Kultur, zum Beispiel in Afghanistan, vollzieht, die Kämpfe eines Königs gegen di«„Stämme", den Feudaladel und die Kirche, und die .Kämpfe der Fürsten und Könige untereinander hat«s in ganz Europa nach Abschluß des Mittelalters gegeben. Di« Kriege der pi eußischcn Monarchie gegen den Kaiser von Oesterreich(1756— ri763, 1866), die Niederweriung und Einverleibung von Hannooer, Hessen- Naisau. Frankfurt, oder der siegreiche Krieg Preußens gegen die Monarchie Napoleons III., waren solche Kriege der Monarchen untereinander. So brach auch der Weltkrieg von 1914. zwischen dem Zarenreich der Romanosss auf der einen und den Neichen der Habsburger und Hohenzollcrn auf der anderen Seite, am Balkan aus. Selbstverständlich war jeder Angriffskrieg erlaubt; niemals wurde daran ein Zweifel laut, auch nicht die geringste rechtliche Schranke war dabei zu durchbrechen. Was Professoren, die darüber Bücher schrieben, das Völkerrecht nannten, waren nur wohlmeinende Absichten. Und als auf den Haoger j�g. Friedenskonferenzen unter dem Druck der öffentlichen Meinung über die Sicherung des Friedens beraten wurde, da faßten die Regierungen ihre Ansichten über ihr Recht auf Krieg in dem sog. Hoager Abkommen zur friedlichen Regelung internationaler Streitigkeiten in Sätzen wie den folgenden zusannnen: Führen über Nrchtsfragen, ivie die Auslegung von Verträgen, diplonmtische Verhandlungen nicht zum Ziel, so wird es für wünschenswert(!) erklärt, daß die streilenden Parteien ein Schiedsgericht anrufen, falls es ihnen die Umstände gestatten.(!!) Können über politische Fragen zwei Regierungen sich nicht einigen, so wirb es für wünschenswert(!) erklärt, daß sie die Vermittlung einer dritten Macht anrufen, falls es die Umstände gestatten,(ll) 1914 also war es die herrschende Ideologie. Schiedsgericht und Vermittlung für„wünschenswert" zu erklären. Aber selbst dieser b'schekdene Wunsch wurde noch mit dem Zusatz„falls es die Um- stünde gestatten" verklausuliert, damit es nicht so aussehe, als ob man international die erhabene Selb st Herrlichkeit der Großmonarchen auch nur aittasteu wolle: denn darüber, ob die Umstände es ihnen gestatteten, hatten nur sie selbst zu ent- scheiden. In Deutschland, im geringerem Grade auch in Oesterreich-Ungarn und Rußland verlisf die Entwicklung so, daß das Bürgertum zwar die wirtschaftlich« Macht erranz, atxr der Obrigkeitsstaat di« demokratische und liberale Bewegung aus lange Zeit von der Mitbestimmung der Politik ausschoß. Schließlich beruht« der Staat Bismarcks und Wilhelms II. auf dam Ausgleich Zwilchen der traditionellen Militärmacht der preußische» Monarchie und der Wirischastsmach des Bürgertums. Seine Söhne wurden Reserveoffiziere und Beamte, i>«r Adel ging ins bürgerliche Geschäfts- leben. Junkertum, Obrigkeilsstoat und Kapitalisten stunden Arm in Arm geg,en den inneren Feind, die aufsteigende Arbeiter- klaffe. Da« Bürgertum bewilligte der Monarchie Heeren und Flottenvorlagen und setzte ihm überseeische weit- und kolonialpolitische Ziel«. Di« Führung der auswärtigen Politik aber lag nicht bei. der bürgerlichen Mehrheit des Reichstages, sondern war bei der Monarchie und ihren vom Parlament unabhängigen Ratgeber» geblieben. Die herrschende Kapitalistenklasse und der Krieg. In den Ländern aber, wo dos Bürgertum in die Staatsmacht eindringt und ollmählich auch die Kontroll« der auswärtigen Politik erringt— in England, Frankreich, den Vereinigten Staaten in der ersten Halste des 19. Jahrhunderts— verläuft die Entwicklung anders. Militär und Marin« werden Werkzeuge des Kapitalismus. So ist dos 19. Iahrhuuberi voll von den Eroberungs- kriegen der kapitalistifch-u Staaten gegen die übrig« Welt: sie wird zu Kl�onialgsbietcn gemocht Indien wird unterworfen. China im blutigen Opiumkriege zur Oeffnung feiner Häsen gezwungen, Afrika unterjocht, Marokko, Tunis, Tripolis, Vorderosien, Mittelamerika den imperialistischen Mochten einverieibt. Kaum ein Jahr dieses Jahrhunderts vergeht ohne koloniale Erobc- rungskrieg«. Der Evdraum wird als Rohstoffgebiet, als Absatzgebiet, als Kapitalanlagegebiet erschlossen und ausgedeutet. Die Welt wird miter den großen Wachten aufgeteilt. Unter«! nandev freilich sind d>« Demokratien vor dem Krieg« doch immer wieder zurückgeschreckt. So bat e« niemals einen Krieg zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten gegeben: ebenso hielten die Dereinigten Staaten mit England Frieden, seitdem sie dos Joch des tyrannischen Königs in London abgeschüttett hatten und ün Mutterlande,(1832) das Bürgertum an die Macht kam. Ebenso gab es seit dem Sturz« Napoleons keinen Krieg mehr zwischen Cnglai�d und Frankreich. Das Risiko des Krieges bürgerlicher Großmächte untereinander war zu unermeßlich. Deshalb entstand im Kreise der kapitalistisch- demokratisch regierten Staaten auch die Interparlamentari- s ch e Union, Schiedsverträge und schließlich der Völkerbund. Der Weltkrieg endet« mit dem Untergang der Monarchien. In Mittel- und Osteuropa rissen, wie in der übrigen demokratisch- kapitulistischsn Welt, die Volksvertretungen das Recht der Kriegserklärung an sich. In allen demokratisch organisierten Staaten ist das Verfafsungsrecht auf Krieg in die Hände der Volksvertretung gelegt. Kriegsverhütung und Kriegsrecht im Völkerbund. Eine internationale Krisgsverhütursg war nicht möglich, solang« die großen Militärmcmarchien bestanden, die aus eine Einschränkung ihrer souveränen Kriegseittfesselungsgewalt nicht eingingen. Ms die großen MUitärmonorchien zerbrochen waren, wurde zum ersten Male international« Kriegsverhütung orga- visiert. 1920 wurde der Völkerbundsrat als ein« Instanz eingesetzt, die schon Iouriz gefordert hatte. Erst seitdem ist es ein Rechtsbruch. wenn ein Staat sich weigert, einen Konflikt der übernationalen Instanz zu unterbreiten. Allerdings erst nach Ablauf der ersten vier Nachkriegsjahre Hot dieses Verfahren zu funkttonieren begonnen. 1923 bekam es Mussolini zu spüren, als er sich weigern wollte, die Besetzung Korsus unter einem nichtigen Vorwand in Genf zu recht- fertigen. Vor dein Vorwurf des offenen Rechtsbruches zog sich so- gar Musiolim zurück; seine Truppen verließen die okkupierte Insel des wehrlosen Griechenlands. 1925 brach ein Konflikt zwischen Griechenland u n d Bulgarien aus. Der Völkerbundsrot ordnete die Zurückziehung der Truppen hinter die Grenzen an. Eine Untersuchungskommission stellte die Schuldigen an dem lokalen Ueberfoll fest, imd Griechenland mußte eine Entschädigung für den Uebcrgriff zahlen. Ende 1928 wurden die Grenzstreitigkeiten zwischen Bolivien und Paraguay in Südamerika auf ähnlich« Art erledigt. Aber der Völkerbund von 1919 stellt nur einen ersten Schritt dor, um dem Ausbruch von Kriegen vorzubeugen. Entsprechend dem Recht der Parlamente auf Krieg ist der Krieg als letztes Mittel der Politik formell noch immer erlaubt. Wenn der Völ- kerbundsrat sich über einen Streitfall nicht einigen kann, wenn sich unversöhnlich entgegengesetzte Ausfassungen gegenüberstehen, dann darf der Krieg nach dem geltenden Dölkerbundsrecht noch immer geführt werden. Und das ist insbesondere für die Konflikt« zwischen ganz großen Mächten di« berüchtigte „LückedesPaktes". Vom West- zum Wett-Locarno. Nach der vorläufigen Reparottonsregelung von 1924 schlössen nun zum ersten Male zwei Großstaaten einen Ber- trag darüber, sich gegenseitig hinfort nicht mehr angreifen zu wollen. Der erste Verzicht auf den Krieg zwischen Großmöchten wurde 1925 in Locarno zwischen der deutschen und französischen Repitblik abgeschlossen. Der Grundgedanke des Lo- corno im Westen wurde 1928 erweitert. Amerika hat das stärkste Interesse an der iingestörten Kricgsschuldenzurückzohlung und an der Aufrechterhaltung des europäischen Marktes. So propagiert es den Kriegsoerzicht unter ollen Staaten. Der„Kriegsächtungspokt" stellt eine Erweiterung des West-Looarno auf alle Regierungen dor. Aber der Kriegsverzichtoertrag ist noch nicht in Geltung. Soll er auch mir zwischen den ursprünglichen fünfzehn Untcrzeich- nern in Kraft treten, so müssen ihn auch die Diktatoren von Italien und Südslawien ratifizieren. Rur der gemeinsame Druck der De- mokratien kann sie dazu nötigen. Aber selbst dann, wenn dieser Locarno-Verirag der Welt von ollen Staaten ratifiziert wird, stellt er nicht mehr dar als eine Vereinbarung, keinen Gebrauch mehr von dem geltenden Kriegsrecht zu machen. Das Kriegsrecht der Verfassungen bleibt durch ihn noch immer erhalten. Kräste des Krieges.- Friede durch Sozialismus. Der Widerspruch zwischen Verfossungsrecht auf Krieg und Völ» kerrechtsverzicht aus Krieg zeigt den gegenwärtigen Stand des Kampfes zwischen den Kräften des Friedens und den Kräften des Krieges. Dank der Demokratie ist der Einfluß der Volksmaffen jo weit frei geworden, daß sie ihre politische Macht zur Erhaltung des Friedens in die Wagschale werfen und auf die Beseitigung des Krieges als einer gesellschaftlichen Einrichtung hinarbeiten können. Wie Jaures schon im Dezember 1911, wie die sozialistische Inter- nationale im August 1928 festgestellt Hot, unterstiitzen diese Politik gegen den Krieg gewisse Kreise der Kapitalisten, insbesondere das internationale Finanzkapital, das bestrebt ist, seine Weltgeschäfte vor neuen Erschütterungen zu bewahren. Aber noch dürfen Schwer- Industrie und Rüswngskopitol an den Kriegsrllstungen Profile machen, noch drängen Rotionolismus, die Offizierskorps, die Heeres-, Flotten- und Luftflottenministcr darauf, die Rüstungen zu steigern und stemmen sich der Rüstungsverminderung und der Abrüstung erfolgreich entgegen. Noch ist der finstere Aberglaube an die Not- wendigkeit des Krieges und an den kommenden Krieg unter den Menschen weiterhin verbreitet. Die zur Herrschaft aufsteigende Klasse erobert im täglichen Kamps Machtpositionen und zersetzt die herrschenden Ideologien durch ihre Aufklärungsarbeit. Noch ist ober nicht mehr als wieder eine Bor- rikad« im Kampf um die Freiheit genommen. Noch sind in den Forts des Militarismus, des Nationalismus, des Rüstungsprofits und des Kriegsaberglaubens die Todfeinde der Menschheit verschanzt. Die sozial« Demokratie hat Siege errungen. Sie geben uns die Kraftz vorzustürmen, bis auf den Bastionen der Gegner die Internntionäle siegreich die Fahnen des Sozialismus aufpflanzt. W. S. Die Welt wird einig... Die Völker der Erde fühlen und handeln internationaler, als sie es sich meistens vorstellen. Es ist unenMich viel, worüber sich die Welt einig geworden ist. Was würde aus einer Wissenschast werden, di« in Landes- grenzen eingekapselt iftl Sie würde im Schneckemempo verkümmern, an einzelnen Forschungsergebnissen weiter tosten und häusig infolge ungenügendem Arbeitsmaterial unfähig sein,«ine Beweiskette zu schließen. Die Gelehrten wissen es. Sie sorgen aus Kongressen für den ständigen produktiven Austausch der Erfahrungen aller Länder. Schon gibt es auf zahlreichen Gebieten der Wissenschaft inter- national« Institut«, die nicht mehr einem notionat-individuellen Zweck, sondern der sozialen Wohlfahrt aller Völker diene». Zwischenstaatliche Vereinbarungen schützen die nützlichen Bogel, schützen die Tierwelt Afrikas und di« Robben der Beringse«. Staat- lich« Vereinbarungen schließen eine Kampffront gege» di« Reblaus, die Ratte und Hundeseuchen. Die Zusammenarbeit der Regierunge» in der Seuchenbekämpfung hat Pest, Cholera und Gelbfieber lokali- siert. Der Opiumhandel, der Verlrieb von Kokain wird eingekreist. Serum für Krebs und Salvarsan sind Allgemeingut geworden. Eine Internationale kämpft gegen di« Versklavung der Arbeiter. Die Gewerkschaften aller Länder sind einig im Kampf um die Freiheit von Mensch und Arbeit. So arbeiten überall technisch«, naturwissenschasllich«, geo- graphische, medizinische, rechtswissenschastliche, bibliogrophisck)« und andere Institute über die Grenzen hinweg. Ein Netz von Wetter» und Erdbebenstationen überzieht unser Gestirn und der Eisberg- warnungsdienst im nördlichen Atlantik arbettet für die Schiff« aller Rotionen. Das Weltmeer, allen zugänglich, niemand zugehörig, war mit seinen tausend Gefahren immer eine der stärksten Mächte, die dem zersplitterten Menschcnvolk den Vorteil der Einigkeit nahe brachten. Wir haben es gerade jetzt erlebt: ein Schiff in Seenot braucht Hilfe, nicht deutsche, nicht englische, sondern menschliche. Es flaggt und funkt sein„805!" hinaus, das jeder Seemann versteht. Mit de» siebenundzwanzig Flaggen des internationalen Signolkodes wimpelt Frage und Antwort über das völkerverbindende Wasser. Jedes Schiff trägt die Kennzeichen seiner Nationalität, allen See- fohrern vertraut. Im Hafen von Homburg und im Chinesischen Meer, am stürmischen Kap Horn und in den eisigen Polorgewässern. überoll entzünden sich in der Dämmerung di« Positionslaterne». steuerbord grün, backbord rat. An allen Küsten blinken di« Leuchtfeuer mit international vereinbarten Signalen. Und wenn der Nebel sinkt, heulen die Sirenen aus London und New Port, aus Tokio und Sydney die gleich« Warnung hinaus. Nirgends in der Well steht ein Kapitän aus der Kommandobrück«, der nicht nach denselben Regeln ausweicht und Überholl, wie sie von allen anderen Kapitänen befolgt werden. Ein grandioses Bild der Gemeinsamkeit! Allzu rasch gewöhnen wir uns an dos Ungewöhnliche. Niemand ficht mehr etwas Besonderes darin, haß er für ein paar Pfennige einen Brief an den Freund in fzinterindien, in Neuseeland, im dunkelsten Zentrolofrika senden kann. Und doch: Ist es nicht eine erstaunliche Großtat des menschlichen Gemeinschaftsgeistes, ein Netz von Postanstatten engmaschig über den Globus geknüpft zu hoben? Einer Well von Mißtrauen, Haß und Eroberungsdrang scheint eine Einrichtung wie der Weltpostverein utopisch weit vorausgeeilt zu fein. Schon haben auch nicht weniger als rund zwanzig europäische Staaten ein« gleiche Spurcnbreite der Eisenbahngleise vereinbart. Der welterobernde Film will nicht zurückstehen: nachdem die Breite des Filmstreifens bereits annähernd in allen Ländern die gleiche ist, arbetten überoll Normungsausschüsie eifrig an der Beseitigung der letzten Differenzen. Auch in der Musik, der oölkerverbriidernden Kunst, fehlt nicht das Zeichen der Welteinigkcit. Seit langem hat man für die Aufstellung des Tonbereiches«inen Grundton inter- national festgelegt, den sogenannten„Kammerton a" mit 435 Schwingungen, aus den die Stimmgabeln in Ost und West und Nord und Süd abgestimmt sind. Dieser Kominerion ist gewissermaßen eine Maßeinheit, �lnd' di« Notwendigkeit des Messens, dieser fundamentalen Tätigkeit im Handel und Wissenschaft, hat noch manche andere Gemcinsanikeit der Einheiten erzwungen. Da liegt in einem tiefen Keller zu St. Cloud bei Paris, vor Temperoturschmonkungen geschützt, ein aus Platin und Iridium legierter Stab. Er ist das„Urmcter", an dem die Eichungsämter in aller Welt für ihr« Kontrollmeter Maß genommen haben. Daneben steht dos„Ilrkilogramm", an dem sich alle Kild- gramme der Erde orientieren. Das Kilogramm ist das Gewicht einer bestimmten Wassermenge, und dieses Wasser muß genau 4 Grad Celsius haben, nicht mehr und nicht weniger, denn jede andere Temperatur würde das Gewicht verändern. Wasier von 4 Grad Wärme— das ist wiederum eine international vereinbart« Norm, das Ist die„Normalsubstanz", die in sämtlichen Laboratorien der Erde benutzt wird, etwa bei Bestimmung des spezifischen Gewichtes irgend- welcher Stoffe. Alle Kulturvölker zahlen heute ihre Tage nach dem grego- riamschen Kalender. Und um 1886 gelang es, auch die Tageszeit, die ja mit der Sonn« um die Erde herumwondert, ütternasional zu organisieren. Ausgehend von dem Längengrad 6 von Grecnwich, einem der ältesten Denkmäler internationaler Solidarität, zerlegte man die Erde In 24 Längenabjchnitte. Jeder Abschnitt entspricht etwa einer Stunde. Und innerhalb jeder dieser„Zeitzonen" schlagen olle Uhren gleich. So hoben wir die oft-, die mittel- und die west- europäische Zeil. Und wenn der Radiohörer Mittags das helle „tut— tut— tut" in seinem Apparat vernimmt, dann klingt ihm daraus die Stimm« der Welleinigksit entgegen, denn es ist inter- nattonal« Abmachung, daß in allen Zeitzonen dies« Kontrollsignale gefunkt werden. Denken wir noch an die Gemeinschaft des Bölkerwillens in der spärlichen Olympiade, an die Zusammenarbeit der Krimmalpolizei oller Länder, an den internationalen Schutz des geistigen und gewerb- lichen Eigentums und der Patent«, an die zwischenstaatlichen Ber» einbarungen über Wechsel- und Scheckrecht, an die Weltbeziehung. m der Press« und der Wlkerbundsarbeit— dann erkennen wir die wachsend« Stärke einer weltumfassenden Bewegung, in der sich die Rationen auf ollen gemeinschaftlich verwaltboren Gebieten zu einem großorttgen Zweckverband der Venvinst zusammenschließen, die jeden Krieg im Keim ersticken soll. Meecrie e. Mühlfeld. Fl Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten 4. Loening, Frankfurt a. M. (12. Fortsetzung.) Der ganze Nachmittag war für ihn verdorben. So oft er an den Sohn dachte, erfüllte ihn ein« unbestimmt« Unruhe, das Gefühl des Unbekannten. Er kannte den Sohn nicht. Wußte nicht, was in Soms Kopf vor sich ging, was er dachte, wünschte, erstrebte. Zllles, was der Sohn tat. erschien ihm fremd. Alle Wünsche des Sohnes erschienen ihm als etwas, das unter der Würde eines Menschen stand: die Vorliebe für ausfallende Kleider, für Geld, für Liebes- ab«nt«ucr, all das verachtete der All«. Für ihn war in Senns Aller das Lernen das wichtigste gewesen, das Erlang«« des Wissens, der Weisheit. Ein Mann muß ein Mann fein, nicht aber eine Masse nrüßiger Begierden. Er anerkannte selbst- verständlich, daß Sam unter einem anderen Himmel geboren, das Ergebnis einer anderen Umgebung war. Trotzdem aber ist San, sein Sohn, hat vor Augen das Beispiel des Baters. Weshalb befolgt er es nicht? Als Sam noch ein Kind gewesen war, hatte Jacobs ihn lesen, denken gelehrt. Dann aber hatten die Freunde ihn überredet, Sam in die Schute zu schicken. Wir sind hier in Amerika, hatten sie gesagt. Hier sind all« gleich, hier genießen olle die gleich« Erziehung. Tat der Sohn es nicht, so würde er dadurch in Nachteil geraten, so hatten sie gesagt. Und Jacobs hatte nachgegeben, den Sohn in eine Schule geschickt, wo er Dinge lernt«, die dem Vater fremd waren. Dem Vater, der daheim, in der alten Heinmt, den Ruf eines Weisen genossen hotte, und auch hier in New Uork, wo die Menschen Bücher verachten, von den Freunden und Nachbarn geehrt wurde. In ihren Augen war er«in heiliger Mann, der das Behagen und die Freude des Lebens oerschmähte, nur dem Lernen lebte. Jacobs hatte gehofft, daß der oohn, sobald er mit der Schule fertig war, rveise genug sein würde, um zuni Vater ünd der Heiligen Schrift zurückzukehren. Er ist ja doch sein Sohn. In seinen Wern fließt dos Blut des Baters. Aber Iocobs hotte sich getäuscht. Sam wollte nichts von der .fettigen Schrift wissen. Er wollte arbeiten, Geld verdienen, sich gut kleiden, auf der Delancey-Strect spazieren, mit dummen Mäd- chen schäkern.' Und er tat es auch. Weder die Argumente noch die Drohungen noch die spärlichen Prügel, mit denen Jacobs ihn zu überzeugen oer- suchte, führten zu dem gewünschten Ergebnis. Sam erklärte, er werde fortlaufen, ollein leben. Und Jacobs gab nach Hätte der Sohn das Ellernhous verlassen, so wäre das die größte Tragödie gewesen. Kinder müssen bis zu ihrer Heirat bei den Eltern bleiben, bis zu dem Augenblick, da sie ein eigenes Heim gründen. Vielleicht hoffte Jacobs immer noch, den Sohn zu überzeugen.. chn seinem Willen gefügig zu machen. Aber seine Hoffnung war trügerisch. Sam bereut« nicht. Sam ordettete, verdiente Geld, zwang sogar die Mutter, von ihm Kost- geld an,pi nehmen, was Jacobs tief kränkte. Sam hatte seine Freunde, törichte Burschen, die Karten spielten, mit leichtfertigen Frauen umgingen, mit schamlosen Weibern. Wenn Jacobs, neben seiner Frau in« Bette liegend, den Sohn in den frühen Morgen- stunden heimkehren, sich schwankend auskleiden hörte, vermochte er sich nicht zu beherrschen. Er sank mit einem so ttestraurigen Seufzer in die Kissen zurück, daß seine Frau erwachte und«rjchrocken fragte: „Was fehll dir. Dankel? Was ist geschehen?" Und dami war Sam in die Wall-Street gegangen. Er hatte schon vorher lange davon gesprochen, dem Vater einreden wollen, daß er recht habe: in der Wall-Street kann man viel Geld v«r- dienen, reich werden. Freilich wird der Anfang schwer sein, ober »«ach einer gewissen Zeit wird er reich und mächtig werden. Er versprach sogar den» Vater, daß er ihn vom Laden befreien werde. Er wird nicht mehr Tobak verkaufen müssen, wird«in eigenes Haus haben, den ganzen Tag ungestört den Talmud studieren können. Was wußte der alt« Jacobs von der Wall-Street? Nur, daß ' es ein« Straße mit riesigen Gebäuden war, in denen Taufende von Menschen arbeiteten, wo es Leute gab, so reich daß man sich ihren Reichtum gar nicht vorstellen konnte. Di« jiddischen Zeitungen stellten diese Menschen als Blutsauger hin, als Leute, die ihre Angestellten zu Tode hetzten. Sie brachten auch Abbildungen: riesige Fettmojsen, die auf dem Arbotter sitzen, in den Händen Säcke, auf denen viele Nullen stehen. Das sind Menschen, die alle berauben, um mehr zu besitzen, als sie verbrauchen können, Wollüstlinge, Mörder, gleich den Bcroohnern von Sodom und Gomorra, die Gott in seinem Zorn mit Feuer vom Himmel gestraft hatte. Und dort wollte sein Sohn arbeiten. Sein Sohn will eines jener angeschwollenen Ungeheuer werden, die die Milch aus der Mutterbrust stehlen. Jacobs war /hilflos, tonnte nichts tun. Als der Sahn nach einer gewissen Zeit seine erste Gehaltserhöhung erhieft und mit freudestrahlendem Gesicht heimkam) litt Jacobs sehr. Er»ergrub sich immer mehr in seine Bücher, freute sich an ihnen, fand in ihnen ein« Zuflucht vor dem Kummer seines Leber«. Er war stets voller Sorgen. Der Gedanke an den Sohr», irgendwo in der unteren Stadt, wo der Mte nie gewesen war, erfüllt« chn mit Angst. Er fürchtete immer, daß Sam etwas zu- stoßen, daß er blutüberströmt auf einer Bahr« heimgebracht werden oder daß jemand in den Laden gestürzt kommen kömtte, um ihm mitzuteilen, der Jung« sei tot. So oft Sam spat heimkam oder im Laden ein fremdes Gesicht austauchte, preßt« sich das Herz des Allen zusammen, und entsetz- lich« Angst überkam ihn. Verlangte dann der Fremde Tabak oder ein Paket Zigaretten, so atmete der olle Mann erleichtert ouf und wischte sich den katten Schweiß von der Stirn. So oerging die Zeit. Der Vater wurde immer verschlossener, der Sohn immer herrischer. Nun begönnerte er berefts den Boter, diesen armen Narre»», der nicht wußte, was das Leben, was die .Pvilisaiion sei. Sprach er mit ihm, so klang sein« Stimme laut, herablassend, fast verächtlich. Jacobs schwieg. In seinem Herzen tobt« jedoch ein Sturm, eme Kleinigkeit hätte genügt, ihn zum Ausbruch zu bringen. Und dann... Der Bater eines Juden muß für den Sohn ein zweiter Gott fein, Mach haben über dessen Leben und Tod. Sam aber ist ein Nichts. Ist ein Sttick Unrat, das der Wind vsrweht. Die Mutter sagte nichs. Stritten Bater und Sohn, so verhielt sie sich schweigend, bis der Streit zu arg ruurde: dann nahm sie den alten Jacobs beim Arm und brachte ihn stumm zu Bett. 9hir eiimml, als Sam gor zu frech gegen den Dater gewesen, hatten ihre Augen gelodert: sie war ouf den Sohn zugetreten und hatte ihm mit oller Kraft ins Gesich geschlagen. Dorm freilich mar sie in einen.hysterischen Weinkramps versallen, und der Arzt hotte gerufen werden müssen. Bon da an blieb sie ganz ruhig: nur ihre Augen vwren traurig, und manchmal, wenn die beiden Männer heftig stritten, wffch« sie sich mit der Schürze die Tränen fort. Nun vmrd« die Sttaß« belebter: die Arbeiter kamen heim. Einige betraten den Laden und plauderten«inen Augenblick mit dem allen Jacobs. Sie behandelten ihn voller Achtung: es kam häufig vor, daß er zwischen Neuankömmlingen, die sich vor den Gerichten fürchteten, Streittgkeiten schlichtete. Die Abendzeitungen waren schon heraus, und die Leute sprachen über die neuesten Nachrichten. Sam kam. Der Vater bemerkte, daß der Bursche sorgenvoll drcinjah und fragte sich, was wohl geschehen sei. Sam jedoch ging sofort in die Küche und blieb dort. Der Laden wurde still. Die Meirichen aßen zu Abend, die Straße war verödet. Die Druckwagen waren verschimmden, nrn der Unrat lag aus dem Pftofter. Iocobs schloß den Laden, zündete die kleine Lampe an, blieb einen Augenblick versonnen stehen, die Hand im Bart vergraben, und ging dann in die Küche. Der Tisch war gedeckt. Die Frau schüttet« das Essen ans dem Topf in ein« große Schüssel. Jacobs stand«ine Weil« stumm im Türrohmen. Die Küche war immer dunkel: durch das blinde Fenster sah man die Feuerleitern zu einen» kleinen Stückchen Hinmiel auf- ragcn, das zwischen den Dächern der Mietskasernen sichtbar war. Sam soß,«im Zigarette rmichend, am Fenster. Er sah klein und ttckümmert aus: Jacobs wäre gern zu ihm getreten, hätte ihn gern bei der Hand genommen, mit ihm gesprochen, den Grund seiner Traurigkeit erfahren. Sie sind Vater und Sohn, sollten Freunde sein. Aber etwas trennt« die beiden, etwas hotte zwischen ihnen «ine Mauer errichtet..Sam hätte über diese Mauer klettern können, der Vater nicht: der war zu alt und zu würdevoll. Nein, nicht irngen der Würde, aber er ist ja doch der Vater. Muß nicht der Sohn zuerst zu ihm kommen? Hot er nicht darauf ein Recht? Der alte Mo»m trat zum Ausguß, wusch sich die Hände, betete einen Augenblick in der Ecke, den Kopf gen Jerusalem gewandt, sich verbeugend. Dam» setzte er sich an den Tisch. „Komm essen, Sannny," sprach Frau Iocobs.„Etwas Suppe wird dir gut tun." Sam gab keine Antwort. Er hob den Kopf, sah den Bater an, als woltte er etwas sagen, senkte von neuem das Haupt. (Fortsetzung solgt.) Sawiabeotl. Z. Februar. Berti*. ll-tti u. 14JJÜ Branawicliplatten. 15.30 Saa.-Rat Dr. Paol Frank: Mediziniaab-lurEiemsclie PUodeiei. 16.00 Internationales Reit- and Fahrtoroier. Uebcrtrasirt aas dem Berliner Sportpalast.(Am Mikrophon: W. V. Kuhlvcin.) 16.30-„Wir vom Film" von Stefan Lorani- 17.00 Musik von Leo Fall(red. 2. Februar 1873).(Artar Qultnairas Universum- Sinfoniker.) 18.30 Felix Stiemer: Goethe und Cckennann. 19.03 Hauptmann a. D. Willy Meyer: Die hauptsächlichsUp Ueistumen und Fortschritte in» Flurjahr 1928 and die Aussichten für das Jahr 1929. 19.30 Prof. Dr. Th. Lift. Leipzis: Die Bedeutunr des Berufs im Lehen. 20.00 Uebertrasuns aus dem chema'iieii Herrenhaus. Brehm-Feier.(Berliner Funk-Orchester. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler). 22.30 Funk-Tanzunterricht. •AnschüeBend bis 0.30: Uebertragung aus dem Hotel Esplanade; Tanzmusik(Kapelle Barnabas von Cdczy). Kenlgavasterhtasea. 9.00 Uebertragung der Wiatertagung der Deutsch eo Uuidwirtiduits-Oesell- schalt„Hauptversammlung". 12.00 Künstlerische Darbietungen für die Schule: V«n Wesen des Rhythmus. I3.«5 Bildfunkversuche. M.30 Bastelstunde: Tombolageschenke(Leitung: UrsnU Scherl). 15.00 B. K. Qraei: Sprechtechnik. IS.AO Ursula Scherz und William Wauer: Künstlerische Hundarbeitc« für Frauen und Mädchen: Maskenkosttime. 16.00 Prof. Dr. Litt: Wissenschaft und Bildung. 16.30 Uebertragung des Nachralttagskonzertes Hamborg. 17.30 Min.-Rat a.D. Falkenberg, M. d, R.: Anteilnahme der Beamte« Massen am Organisationslehen. 18.00 Dr. Walter Pähl: Studienreise junger Arbeiter ins Ausland. 18.30 Spanisch iür Anfänger. 18.53 Ür. Konrad Eilers: Der ethische Wert der Jagd. 19.20 Rektor Winter; Zum lOOiiltrigen Geburlstag Alfred Brehms. Sonntag, 3. Februar. Berlin. 8.53 Uebertragung des Stundenglockenspiels der Potsdamer Gamisenkirchc. 9.00 Morgenleier. Anschließend: Uebertragung des Glockengeläuts des Berliner Davis 11.30 Sondertagung der Deutschen Weltwirtschaftlicheii Gesellschaft(Uebertragung aus dem Keichtstag). 14.30—15.23 Für den Landwirt. 14.30 Die Viertelstunde für den Landwirt. 14.45 Wochcnrückbliclt auf die Marktlage. Wettervorhersage. 14.53 Dr. Kramer: Das Saatgut bei der Frühjahrsbestellung. 15.30 Märchen(Lore Braun). 16.00 Dr. Kurt Zielenziger: Deutsche ludustrieführcr und Kantlcute. 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. 18.00 Deutsdie Welle: Gedanken zur Zeit. 18.45 Werbenachrichten. 19.15 Georg Ncukitch:„Vom Ski-Trockensäugling zum Skisportler". 19.40 Martin Wronsky:„Zehn Jahre deutsche Handelslnftfahrt". 20.00 Eine karnevalistischc Sitzung. Mitw.t Carl Wallauer, Robert Koppel u. a. 21.30 Der Journalist spricht.... Anschließend: Welter, Tagesnachrichten, Zeit. Sport. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Dajos Bdla). Königswustcrhauseu. 13. 45— 14.15 Bildfunkvertuehe. 16.00 Dr. R. Stein: Nalionalhymneii der Völker. 18.00—18.40 Gedanken zur Zeil. Dr. Diebold. Dr. Friedrich Muckemiann. Dr. Hans J. Rebfisch: Darf man Gott au! die Bühoe bringen?(Drei- gesnräcb.) 18.43 lakob Scbaüner; Sprache und Dichtung. 19.10 Pastor D. Dr. Seyfarth: Gefangenen- und Rutlaseenearurzorge 30.00 Sonderve ranstall ung für den Deutschlandsendet. Orobesterlconzert. Dirig.; Selmar Meyrowilz. 21.00—21.39 Sondervcranstaltung für den Deutschlandsender. Alle und neue Tinze. Max Rostal, Violine. Am Flügel: Bruno Seidler-Winkler. RätsehBcke des„Abend. iiiitiiniinumiiimiHiiniiluiiiitinmiiiiiKmwwHimtiiiimnnmMinminnTiimMRiia'jiiiiMaiimnnhimimiHiiiiiiHnMmmiiiuumuliiiimniißiiiiuiiimiiiwuufifiMniM Kreuzworträtsel. Stzogc recht: 5. Funkstation i 8. Hafenstadt am Dollart: �2. weiblicher Borname: 13. versteinerte griechische Göttin; 14. DUch» rungsmittel: 15. persönliches Fürwort; 16. gegerbte Tierhaut; 19 Abfahrtstelle beim Sport: 21. Inselreihe bei Alaska; 22. männ- licher Vorname in Kurzfonn: 23. germanischer Kriegsgott Thor: 24. weiblicher Vorname in Koseform; 25. Kreisstadt bei Düsieworf. — Senkrecht: 1. Vorfahrin; 2. österreichische Stadt an der Donau: 3. Zuruf an die Pferde: 4. männlicher Vorname: 5. dänische Filmschauspielerin: 6. dramatisches Gesangstück: 7. überirdisches Wesen:- 9. Wohnungsgeld: 19. männliches'Schwein: 11. germanische Göttin«Mutter Erde"; 17. Flaumjeder: 18. Wagensäpippen; 19. dünner, langer Pfahl; 29. Bekleidung. Windungsrätsel. Der Endbuchstabe jedes Wortes ergibt nach Ausweis der Zeich- nung zugleich den Anfangsbuchstaben des nächsten Wortes. Unter Benutzung der bereits eingetragenen Buchstaben sind von den Ziffer- fächern aus in der Pseilrichtung 19 Wörter von folgender Bedeutung zu bilden: 1. ausgestorbenes Tier; 2. Teil des Wagens; 3. Neben- fluß der Donau; 4. weiblicher Vorname in Kosesonn: Z. griechische Insel: 6. männliches Bekleidungsstück: 7. viersitziger Wogen: 8. Zei- tungsleiter; 9. Weinstadt am Rhein; 10. ernste, warnende Boraus- sogung. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung: Wo du streiten siehst zwei Drachen, Tritt als Mittler nicht dazw fchen: Denn sie möchten Friede machen Und dich selbst beim Kops erwischen. Rücken. Silbenrätsel: Zucker streut man zu dem Gifte, Dumme Mücken zu berücken. Sagt dir jemand süße Worte, Denke an die dummen Mücken. Kreuzworträtsel. Wooerecht: 2. Amerika; 6. Atom: 9. Dame: 12. Rodel; 14. Paris; 15 Tenor; 17. Somme: J8. Eis: 19 Havel: 20. Ade; 22. Ultter;?4. Moedel;?6. Raar: 28 Mirs; 29. Isthmus; 30. Rast; 33. Ilse; 36. Anatom; 39. Abgott: 41 Tag; 42. Marse; 43. Reh; 44. Nudel; 46. Eifel; 48. Kanin: 50. Neye; 52. Este: 53. Joel; 54. Bautzen.— Senkrecht: 1 Aar: 2. Amen: 3. Rom: 4. Adam: 3. Fes: 7. Totila: 8. Odessa; 19. Armada; 11 Mieder; 13. Lohe; 14. Polo: 16. rar; 17. Sem; 18 Enphral; 21 Elsbeth; 23 Tritt; 25. emsig; 27. Uhl; 31. Ananas; 32 Sagunt; 34. Loreto: 35. Stelze: 37. Omen; 38. Mal: 39. Ase: 40. Bein; 45. Dieb: 47. fein: 48. Key: 49. Hnt: 51. Elz. Xr.5* c 46. Jahrgang ß&üturapbeäz. Sonnabend 2. Februar 1929 Jubiläum des Berliner Bolksrdors. lim tm Jahrhundertwende hoben sich auch in der Arbeiter- Inldunysbewegung� deuttich zwei gegensätzliche Richtungen ab: die »an..radikaler' Seite als alleingültig bezeichnete klassenbewußte� Wissenschaft und Kunst und die von den Revisiamsten propagierten tcndonzlasen..reinen' Bildungswerie. Natürlich spielten diese Kämpso auch in allen künstlerischsn Organisationen eine entscheidend« Rolle. Noch sind die prinzipiellen Fehden zwischen der.Freien' und der„Neuen Freien Volksbühne' in Erinnerung, die Aufsätze oon Heinz Sperber, Kurt Eisner und schließlich die Bemühungen um das van Robert Breuer erfunden«„tlasseNbewußte Möbel'. Die Arbeiter sängerbemegung verdankt politischen Motiven in erster Reihe ihr« Entstehung. Das Tendenzlied be- herrschte fast ausschließlich den Arbeitermännerchor in den ersten Iahr.zehnten, und erst bürgerliche Idealisten haben in Dresden und dann in»erlin den Versuch unternommen, die Arbeiterschäft selbst singend mit den Werken der großen Chorliteratur vertraut zu machen. Grund genug, um zu oerstehen, daß diese Versuch« zunächst innerhalb der Arbeiterschaft, des A rdeit e r° Sä n gerb u nde s mit einem gewissen Mißtrauen beobachtet wurden. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, daß das künst« lerische Element in jeder Form zu den Lebensnotwendig- leiten jedes Menschen, also auch des sozialistischen Menschen gehört, »nd unter anderem wurde mm auch den von künstlerischen Gesichts- punkten geleiteten sogenannten„gemischten' Chören Daseinsrecht innerhalb der Arbeilerbewegung zuerkannt. Schon vor dem Krieg« ivurden große Volkschore in ganz Deutschland gegründet: zu all- i�meiner Bedeutung gelangte aber die Bewegung erst nach 1920, und in Hannover erbrachten die ausgezeichneten Leistungen der vielen gemischten Ehorvereine den Beweis, daß die jungen Volks- chöre des Arbeiter-Sängerbundes stch neben die be- rühmten, traditionsgesöttigten Singakademien und Onztorienveroine der sogenannten gebildeten Kreise stellen dürfen. Die V o l k s ch o r b« w e g u n g ist erst am Beginn. Das 2S. Stistungsfest des Berliner Vereins, der schwere, opservoll« Pionierarbeit geleistet hat, muh zu einer Befestigung der leitenden Grundsätze, der künstlerischen Aufgaben beitragen. Während in ein- Zelnen Orten die Arbeiterschaft stolz auf' diese Einrichtung ist, Hot sie in anderen die größte Mühe, sich kümmerlich zu erhalten. Die Mannheimer Bolkssingakadenn« kann zu ihren 175 singenden Männern und 275 Frauen noch 1800 passive Mitglieder zählen, die die unbehinderte Entwicklung des Vereins verbürgen. Aber auch in Nürnberg, das drei Volkschör« besitzt, sind bei jedem Verein viel« hundert passive Mitglieder, die regelmäßig an allen Ner- anstaltungen teilnehme» und dadurch den eigentlichen Zweck der Volkschör«, die Arbeiterschaft zum Verständnis der Meisterwerke unserer Musikliteratur zu führen, erst erfüllen können. Es gibt jetzt fast keine größere Stadt mehr, die nicht über einen Volkschor verfügt. Di« Bewegung, die Dresden und Berlin ein- geleitet haben, ist aus dem Morsch. Wenn es gelingt, für sie die singende Jugend als aktive Mitarbeiter, die Arbeiterschaft als unterstützendes Element zu gewinnen, kann sie zu einer neuen musikalischen Kultur unseres Volkes beitrogen, die Krise unseres Musiklebens, die durch die Techinsiening und Mechanisierung »nsever Zeit verschärft wird, bannen Helsen. Prof. Leo Kestenberg. Die HJUssion des Volkschors. nnb Bierden. Von Dr. Ernst Lander. Als der Volk-chor vor 25 Jahren gegründet wurde, hatte er völlig andere Ziele, als alle damals bestehenden Arbeiterchöre. Er ivollie das reiche Erbe der Musikkultur, wie es in den großen MeiDerwerken unserer Tonheroen vorlag, der Arbeiter- klass« zukommen lassen, von dessen Nutznießung sie bis dahin so gut wie völlig ausgeschlossen war. Wie man neigen Wein nicht in alte Schläuche füllen soll, so konMe der Chor auch nicht die „he mährten" Satzungen eines beliebigen Ehors zum Borbild nehmen, da diese nicht für ihn paßten. Damals, und meist auch noch heule, war es so, daß der Vorstand des Gesangvereins die Kon- zcrt« festsetzte, eine Liederkoimnission, die aus älteren Mitgliedern bestand, das Programm bestimmte, wobei der Dirigent eventuell gutachtlich gehört wurde, und dieser nur als Angestellter des Chors galt, der die Konzert« zu..liefern" hatte! Etwas Derartiges kam für den Volkschor von vornherein nicht in Frage, da keines seiner Mitglieder Fußer dem Dirigenten die in Betracht kommende Musikliteratnr kannte und die Möglichkeit der Aufführung eines Chorwerkes beurteilen konnte. So mußte van oornherein die gesamt« Program maus st ellung dem Dirigenten überlassen bleiben, das heißt etwa drei Viertel des Geschäftsbetriebes des Chors, denn das rein Dereinsmäßige spielte bei dem großen künstlerischen Ziel, das der Chor sich gestellt datt«, eine so oerschwindendc Rolle, daß die erste Satzung des Chors ganze sechs Paragraphen umfaßte. Auch darin wich der Volkschor von dem Gebräuchlichen ab, daß der Dirigent nicht als bezahlter Angestellter galt, sondern als stimmberechtigtes Mitglied in den Vorstand ausgenommen wurde und in künstlerischen Dingen Vollmacht hatte. Natürlich bedursten alle Geldausqoben. die mit den Konzerten und Hebungen verknüpft waren, der(Genehmigung des Vorstandes, der seinerseits wieder der Generalversammlung der Mitglieder Rechenschaft schuldete. Und bei dieser grundlegenden Einteilung ist«s trotz aller umfangreichen Satzungsänderungen, d«: sich im Laus« der Jahr« als notwendig erwiesen, bis auf den heuti- gen Tag geblieben. Auf der einen Seit« der künstlerisch verantwort- liche Dirigent, der in allen musikalischen Angelegenheiten souverän ist. aus der anderen Vorstand und Mitglieder, die jederzeit der Souveränität des Dirigenten ein Ende machen können, wenn dazu ein ernster Grund vorliegt. Ich entsinne mich sreilich keines ein- zigen Falles aus den ganzen 25 Iahren. in dem eine künstlerische Frage den Anlaß zu einer schwerwiegenden Kontrovers« gegeben hätte. Ich verkenne aber nicht, daß hier eine Gefahrenquelle ver- borgen ist. wenn ein Dirigent den erforderlichen Geschmack in der Auswahl der Chorwerke vermissen loht oder mit eigenen Kompo- sitionen auftritt oder sich mit dem Geist und der Richtung de» Chors in Widerspruch setzt. Wenn später die Chorsagungen wesentlich erweiten wurden, so hatte dies mit den künstlerischen Zielen des Chors nichts zu tun. jluch dadurch mußte im Chor etwas geändert werden, daß er sich einen Kinderchor(Leitung Waller Härtel) und neuerdings auch ctmn Iugendchor(Leitung Karl Weißenberger) ongliedene. So stich alle Vorbedingungen zu einer ersprießlichen und sried- liehen Fortentwicklung des Chors geschaffen. Seit 19 Iahren gehört der Chor dem Deutschen Arbeiter �Sängerbund an und stcht>n Berlin durch Größe und Leistungen wohl unbestritten an führender Stell«. Und doch leidet er zwiefache Not! Einmal mühte er zur befriedigenden künstlerischen Bewältigung der großen Chorwerke statt 300 Mitglieder die doppelte Zahl haben. Zahlreiche Stödt« in Deutschland haben Volkschöre, die den Berliner an Zahl übertreffen: die unselige Zersplitterung und Vereinsmeierei, die gerade in Berlin herrscht, hindert in Gemeinschaft mit dem mangelnden Interesse und noch unentwickeltem künstlerischen Sinn der Berliner Arbeiter» schast das Emporwachsen eines wirklich großen, leistungsfähigen garifötea Chor». Sodann aber braucht er einen genügenden Re- fonanzboden in der Berliner Arbeiterschaft als Zuhörende und Kon- zertbesucher. Wenn in früheren Jahren die Voltschorkonzerte meist überfüllt waren, so ist dos jetzt nach der Inflation und in der Zell des Rundfunks, des Kinos und des Sports wesentlich schlechter geworden. Heut« hat kaum noch ein Chor die Möglichkeit, die Kosten eines Konzerts mit Orchester und Solisten aus sich zu nehmen. Aber je fester da die Organisation eines Chors gefügt ist. mn so besser wird sie ihn befähigen, ollen Gefahren zu trotzen und weiter dem hohen Ziel nachzustreben, das er ins Auge gefaßt hat. Seine künstlerische Ä-ufgabe. Bon Dr. Alfred Gnttrnann.' Wie stand es in Berlin um die Arbe i te r m» s i t, als uor 25 Jahren der Berliner Volkschor gegründet wurde? Gab es solche Chöre vorher, was sang die Arbeiterschaft sonst? Wie überall in Deutschland wurde in Arbeiterkreisen in Berlin so gut wie ausschließlich der Männerchorgesang gepflegt. Ist doch der Männerchorgesang zu allen Zeiten und nicht nur in Deutschland Ausdruck eines Zusammengehörigkeitsgefühls gewesen, dos sich auf ein Gemeinschaftsinteresse politischer, weltanschaulicher, genossenschaftlicher, ja sogar wirtschaftlicher Art oujdairt. Der Arbeitergesang pflegt« in erster.Linie das Tendenzlied und suchte daJmrch die Widerstandskraft der Massen de? unterdrückten Volkes zu heben und durch die Macht des Gesanges der Parteidewegitng neue Kräfte und neue Mitglieder zuzuführen. Daneben wurde natürlich auch das musikalische Volksgut in der chorischen Pflege des Volksliedes gewahrt. Don gemischten Arbeiterchären gab es in Deutschland nur einige wenige: und nur einer hatte knnstlerische Bedeutung, die Dresdener Bolks-Singakademie. Die anderen pstegten die anspruchslos« Forin des vierstimmigen unbegleiteten Gesangs. Da trat Dr. E r n st-Z a n d e r, der schon als Student im Jahre 1894 einen kleineren gemischten Chor der„Reuen freien Volksbühne' geleitet hatte, mit feinem Plan auf, aus der Polksb'ühne heraus eine völlig neuartige Orga- n i s a t i o n zu schaffen, um der Berliner Arbeiterschaft die großen Meisterwerke der Chorliteratur mit Orchester und Solisten von Bach und Händel an über Beethoven und Haydn bis zu Brahms und Strauß aus eigenen Kräften darzubieten. Das war die Haupt- aufgäbe! Aber auch andere Gebiete, wie die Pflege des un» begleiteten Chorgesangs, die Veranstaltung von Solisten- konzerten aller Art zur systematischen musikalischen Bildung aller Mitglieder, ihrer Freunde und Anhänger, Einrichtung von Kursen zum Erlernen der Notenschrift, zur Bildung des Gehörs, zur Erweiterung ihrer fachlich-musikalischen Kenntnisse sollten daneben ge- pflegt werden. So war von vornherein«ine prinzipiell« deutliche Scheidung zwischen den Aufgaben aller, übrigen Berliner Arbeiterchöre und der des Berliner Volkschors gegeben. Diesem siel als einzigem eine hohe künstlerische Ausgabe zu, in deren Verfolgung er auf Lorbeeren verzichten muhte, die man mit viel weniger Mühe und Opfern an Geld und Zeit hätte erkaufen können. Wer nicht selbst in einem gemischten Chor lange Zeit mitgesungen hat, ahnt gar nicht, welche Selbstentäußerung notwendig ist, um einen Bachschen oder Beethovenschen Chorsatz zu erlernen,— wenn man damit vergleicht, wie außerordentlich leicht es ist, sich einen einfachen vierstimmigen Bolksliedsatz zu erarbeiten. Dazu ein weiteres: Konzerte ohne Orchester bringen geringe Unkosten, Konzerte mit Orchester oerlangen einen riesigen Apparat. Vergleichsweise', heute betragen die gesamten Unkosten eines der- artigen größeren Konzerts in Arbsiterkreisen rund 4000 Mark. Das Budget eines Männerchors beträgt für ein entsprechendes.�-cappella- Konzert noch nicht den achten Teil. Dogegen sind die Einnahmen, rein theoretisch gesehen, wohl die gleichen, praktisch ist es ober so, daß bei dem geringen Interesse der Arbeiterschaft für die rein künstlerische Form des gemischten Chorgesangs, im Gegensatz zu der mehr politischen, dem Arbeiter näher verknüpften Form des Männer- chorgeiangs, nicht soviel Besucher für ein Voltschorkonzert vorhanden sind, als für ein Männerchorkonzert. Daß der Berliner Volkschor trotz aller wirtschaftlichen Gefahren, trotz eines schließlich chronisch werdenden Konzertdefizits ein Bierteljahrhundert lang als einziger gemischter Chor dieser Art in der Berliner Arbeiterschaft feine Fahne hochgehalten hat, darf als ein Zeichen des Idealismus feiner Mitglieder nicht hoch genug ver- anschlagt werden. Bedeutet es doch ein Vorkämpfen, eine Pionierarbeit für eine große Idee. Was damals„Zukunftsmusik" schien, ja vielleicht als Phantom angesehen werden konnte: aus eigene« Kraft den Volksgenossen die größten Meisterwerke der Musik zur Kenntnis zu bringen, die den Massen bis dahin mizugätzglich waren, dafür hat der Berliner Volkschor 25 Jahre lang gelitten und gestritten. Er hat durch sein Beispiel den Aufstieg der Volkschorbewegung in Deutschland gefördert, einen Ausstieg, der seinen historischen Höhepunkt in dem großen Arbeitennusikfest in Hanno ver gefunden lzat. Ein Glückauf für die nächsten 25 Jahre! XCrcmffühnmgen vor der Ärdeiterjrhcift. Von Dr. Alfred Guttmann. Der Verlag des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes ist in den leisten Iahren gewaltig erweitert worden. Neben den großen Chor- jammlungen, die in dieser Zeitung so freundlich besprochen worden sind, hat der Verlag, außer vielen kleinen Erscheinungen, auch zahl- reiche größere znstrtinnenhängende Werke neu gedruckt(wie Ziims ..Arbeiterlebcn', Tiessens„Frühlingsmysterium" und viele andere), sowie ältere Werke, die im Buch- und Notcnhandel teuer bezahlt werden mußten(wie die klassischen Werke von Haydn, Beethoven, Schubert usw.), für die Mitglieder des Bundes wesentlich billiger hergestellt. Neuerdings ist er auch dazu übergegangen, unveröfsent- lichte Werke älterer Meister zum ersten Male zu drucken oder Bearbeitungen solcher Werke anfertigen zu lassen, hierunter zwei weit liche Kontoten. Am 6. Februar singt der Berliner Volkschor als Festkonzert zu seinem 2Sjährigen Jubiläum zwei„neue" Werke. Das eine ist von Telemonn, dem Zeitgenossen Bachs und Handels, der damals viel berühmter toar als diese beiden Meister und deutsche Musik so repräsentierte wie heute Richard Strauß. Seltsamerweise hat die Nachwelt ihn, den die Mitwelt als den„Vater der Ton- kunst" bezeichnet hatte, in sehr ungerechter Weise vernachlässigt. Es scheint ober so, als ob wir ein�Renaissance, ähnlich wie bei Händel, auch hier erwarten könne». Ein ganz reizendes Werk des Meisters, das dieser auf der Höhe seines Könnens geschrieben hat, heißt„Die Tageszeiten". Es stellt einen Vorläufer zu Haydns „Jahreszeiten" dar und behandelt den Ablauf eines Tages im Leben des Menschen und in der Natur— in pancheistischer Berbu»- den hei t des Menschen mit der Natur. Dos zweite Werk ist ein« Neugestaltung eines dreiteiligen Werkes von Händel, das sich ebenfalls von allen„geistlichen" Jdeengängen fern hält. Der Titel lautet:„Frohsinn und«chwer- mut". Händel schildert hier in bunten Farben die gegensätzlichen Stimmuitzien zweier verschiedener Charaktere, gewissermaßen eine Disputation weltanschaulich entgegengesetzter menschlicher Cinstellun- gen: diese Gegenüberstellungen geben dem Meister Stoff zu glühen- den und lebhaften, dramatischen, idyllischen, ja sogar humoristischen Schilderungen. Auch dieses Werk ist ganz verschwunden. Der Grund liegt vielleicht an der unzulänglichen Uebersetzung sowie darin, daß der Aufbau des Stückes außerordentlich iindramatisch ist und Mm Schluß durch Anfügung eines dritten Teils, der den„gemäßig- ten' Charakter darstellt, ganz in Langeweile hinabsinkt. Beide Werke mußten also umgestaltet werden, wenn mau die in ihnen enthaltenen ivertvollen musikalischen Schätze der Musik- pflege unserer Zeit wieder zuführen wollte. Bei Telemonn geschah dies durch eine Ueberarbeitung des zum Teil recht veralteten Textes, durch Erweiterung einiger Arien zu Chören und kleine Umstellungen. Bei Händel durch eine radikale Umstellung und Ausmerziing des dritten philiströsen Teils, wodurch ein dramatischer Ausbau erzielt wurde. Die Uebersetzung wurde durch eine ganz neue Uebertra- gung ersetzt. So werden am K. Februar zwei Uraufführungen, wie sie sonst nur für die kapitalkräftigen Kreise des musik- interessierten Berlin üblich sind, diesmal der Berliner Arbeiter- schaft dargeboten werden. Die Bedeutsamkeit dieser Aufsührung wird dadurch unterstrichen, daß sie vom Rundfunk übertragen wird, wobei der Unterzeichnete eine Einführung in beide Werke durch den Rundfunk am Tage vor der Ausführung sprechen wird. Daß der Händel vorn Dirigenten des Chors, der Telemonn vom Bor- sitzenden dieses Chors herausgegeben worden ist, gibt dem Fest- konzert des Bolkschors noch seine besondere persönliche Note. Zum Jubiläum des Bolkschors erfcheim eine nnt zahlreichen Bildern ausgestattete, etwa 80 Seiten starke Festschrist, die die Gc- schichte des Chors im Zusammenhang mit der Entwicklung des Ar- beitergesanges und der Arbeiterbewegung, vor allem in Berlin selbst» zum Gegenstand hat. Ein Teil der Auflage, die als Gabe an die Mitglieder und Ehrengäste verteilt wird, ist käuflich durch die Ber- mittlung des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes, Berlin NO 18, Elbinger Straße 4, zu erwerben. Der Preis beträgt 1,50 M. LNit dem£Kcitf)5ausftf>u$ in die'Welt! Der neue Reiseprospekt des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit ist erschienen. Er enthält eine große Anzahl der inkeressantesten Reisen ins In- und Ausland, und zwar nach Paris, Wien, London, Finnland, Schweiz, Riviera, Dalmatien, Adria, Krakau, Hamburg— Helgoland, an den Rhein, an die Kürische Nehrung, noch Oberbayern— Nordtirol usw. Als Neuerung sind die Ferienaufenthalte zu den günstigen Bedingungen, und zwar in Tesserete bei Lu- gono, sowie Krimnil in Tirol vorgesehen. Um, den weitesten Kreisen die Teilnahme an den Reisen zu ermöglichen, ist wiederum die Einrichtung getroffen, daß die K o st« n in monatlichen Ratenzahlungen ausgebrocht werden können. Je früher die Zahlungen beginnen, um so geringer ist der Gesamtpreis für die Reise. Der reich illustrierte Reiseprospekt kostet 35 Pf. und ist an solgenden Stellen zu haben: Bureau des Bezirks- bildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof links. 2 Treppen: Arbeiterjugend Groß-Beriin, Lindenstr. 3. 2. Hof link, 2 Treppen: Buchhandlung I. H W. Dietz Nachfl., Lindenstr. 2: Bank der Ar- beiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiterverband, Am Köllnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstr. Ecke Luisenufer: Zigarrcngeschäst Harsch/ Engeluier 24/25: AfA-Ortskartell, Engelufer 24/25, Gcwerkjchasts- liaus: Verlag des Bildungsocrbandes der deutschen Buchdrucker. Drei- bundstr. 5:'Zentralverbänd der Zlngestellten, Beve-Alliance-Str. 7. Wintersport unter Schwarzrotgold. Reichsbanner im Harz. A. S. Xanne, 2. Jebtuar.(Eigenbericht.) va» Ä-nchsbomner hat mit seine« winlersporlabtei- langen das harzgebiel im Sturm erobert. Aus den Arbeiter' quartieren und aus den Hotels werden am Sonntag;um erstenmal die schwarzrotgoldenen Aarben der Schuhtruppe der Republik grüßen. Das Reichsbanner veranstaltet am Sonntag sein erstes Vundes-Wintersportsest. Aus den mitteldeutschen Gauen versammeln sich die Wintersportler in Braunlogc zum Wcllkamps aus den Brettern. Zu einer Reihe harzortc sind in dieser Woche Skikurse des Reichsbanners vorangegangen. Zn Braunlage, in Altenau und in Tanne werden die Skibabys unter sachverstän. digcr Leitung in die Geheimnisse des Skilaufs eingeweiht. Der Gau Berlin-Brandenburg hat in dem wunder- voll gelegenen Tonne vom 26. Januar bis 2. Februar einen Kursus durchgeführt. Tanne ist für die Sozialdemokraten und Repu- blikancr historischer Boden, hier hat vor Jahrzehnten der alt« Drechsler M a t t h i c s— der heute 92 Jahre alt ist, genannt der Löwe vom harz— eiiw Parteiorganisation gegründet, die mst zu den besten in Deutschland zählt. In den Arbeiterhäusern erzählen die Alten noch von so manchein Scherz, den der alte Matthies an- wandte, um seine sozialdemokratischen Flugblätter loszuwerden. Er zog mst feinen Drcchslerwarcn von 5)aus zu Haus, verkaufte kleine Holzfiguren, die eben in eine— Wahlzeitung eingewickelt rmrrden. Bei einer Einwohnsrschaft von SZ6 Personeo hat die Partei 186 Mitglieder und das Reichsbanner 120. Im Ort haben auch die Aermften mit Freud« Berliner Kameraden aufgenommen, vbwohl die Tanner Arbeiterschaft einen harten Kampf um einen auskömmliäzen Lohn führen muß, sind die Berliner aufs beste bewirtet worden. Die Kurverwaltung lieh es sich nicht nehmen, für die Berliner einen Degrüßungsabcnd zu veranstalten. Der Gemeindevorsteher Wagenschwanz sprach den Will- komnicnsgruß. Kamerad Schneider als Leiter des Kursus antwortete ihm und fand herzliche Worte der Dankbarkeit für die Ausnahme. Schon am Sonntag hat der Skilehrer Truthe die Ski- lehrlinge auf den Schnee geführt. Rasch wurden die ersten Abfahrten versucht, dem einen oder anderen gelang sogar schon ein, wenn auch bescheidener Stemmbogen. Am Montag ging's schon leidlich, und als Belohnung für den Lerneiser wurde am Abend ein Ausflug nach Braunlage zum Besuch der Magdeburger Anfänger unter- nommen. Mit Jockeln ging's in einer langen Rodelschlangc lo». lieber Berg und Tal flogen die Schlitten, allzu häufig ihre Be- satzung in den Schnee werfend. Flog einer im hohen Bogen in den meterhohen Schnee, dann konnte man nur an der Fackel, die noch aus dem Schnee herausragte, den Fundort entdecken. Am Mittwoch machten die Skibabys chre erste Reise auf den Brettern. lieber hohegeis, die Silbersuchsfarm, ging die Fahrt nach Benneckenstein, 26 Kilometer— eine nette Strecke für Anfänger. Durch den Erfolg kühn gemacht, wurde der nächste Tag zu einer Brockenfahrt benutzt. Bon Elend ging die Krabbelei los, im größten Sturm landete die Mannschaft oben, um mit S t u r z fl ü g e n zu Tal zu fahren. Herrlich, so durch den kalten Schnee zu rutschen, die Bretter immer wo anders, als man hin will. Aber Tanne wurde mst Hilf« einer sicheren Bahnverbindung wieder gefunden. Trotzdem wurden am Freitag wieder fleißig am Uebungshang Stemmbogen, Schnee- pflüg und Grätschsprung geübt. Manchem gelang er sogar. An den � Winterabenden wurde im Braunschweiger Hof, dem Standquartier, geistig« Schuwngsarbest geleistet. Vorträge über die Verfassung wurden gehotten. Am Freitagabend sprachen Polizeihauptmann Kamerad Galewski- Berlin und Kamerad Schneider in einer ausgezeichnet besuchten Reichsbanneroersammlung übe? die Themen:„Republik.'Schutzpolizei und Wehroerbände'. Am gleichen Tage hatten auch die Magdeburger den Höflichkeits» besuch erwidert und sich zu einem gemütlichen Rachmsttag in Tanne eingefunden. Heute, Sonnabend, werden die Kameraden, die in den Rennen starten, in Tanne erwartet. Di« Berliner wollen durch- aus gewinnen, obwohl ihre Aussichten gegen die fleißig übenden Harzer nicht gerade günstig fmd. Aber alle werden ja auch mit dem zweiten Platz zufrieden sein. Die Kundgebung des Reichsbanners in Braunloge wird am Sonntag eine überaus große Beteiligung haben. Aus allen Gauen liegen zahlreiche Anmeldungen vor, so daß schon jetzt die Nachbarorte zur Unterbringung der Kameraden hinzugezogen werden mußten. Das Reichsbanner hat das schwarzrotgoldene Symbol in die Siädke und Dörfer gelragen. hat es auf den Wassern und im Autofport sieghaft gezeigt und hat mit seinen Wintersportobteilungen nun die sehr wichtige Aufgab« übernommen, auch in den Wmtersportquartieven die Farben zu hissen. Noch zeigen die Kurverwaltungen der 5)arzorte in ihren Räumen die verstaubten Kaiserbilder; auch dieser Spuk wird eines Tages vorbei fein. Nirgends die Leute unter sich lassen, immer und überall die Fahnen der Republik zeigen, das ist eure gute Parole I Auch die Ungarn enttäuschen. Der Kampfabend des„Ständigen Boxringes". Auch der gestrige internationale Kampfabend des„Ständigen Boxringes' in den Spichernfälcn war wieder ein« recht zahme An- gelegercheit. Di« ungarischen Boxer konnten bis auf Kreuts wenig gefallen un�» zeigte», ebenso wie vor acht Tagen ihre hollän- dischen Kollegen, wenig von der Boxkunst. Im Einleitungskampf kämpften im Mittelgewicht Willi Bolz- Berlin(67,4 Kilo) und Wilhelm O t t e n s- Wilhelmshaven <72,7 Kilo). Ottens siegte knapp nach Punkten. Helmut Kos- l o w s k i- Berlin(59 Kilo, wurde von Martin Ä r lt-Dantzig (69 Kilo) schon in der ersten Runde durch k. o. erledigt. Hans K rufe- Hamburg(63,5 Kilo) trat gegen Henrik Baumgartner- Ungarn(58,7 Kilo) an. Der Kampf wurde in der drillen Runde zugunsten des Deutschen abgebrochen, da Baumgartner unaufhaltsam hielt und unfair boxte. Im nächsten Kampf standen sich Michel Kampa-Stein- Königsberg(78,5 Kilo) und Kalman H u d r o. Schwergewichtsmeister von Ungarn(77,5 Kilo) gegenüber. Kompa- Stein tonnte den Kampf sicher nach Punkten gewinnen. Wolter P ö n i ch- Leipzig(79,8 Kilo) siegte über den ungarischen Mittel- gewichtsmeister Rudolf Bcrnosewice einwairdsrei noch Punkten. In der 7. Runde ging der Ungar zweimal zu Baden. Im Schluß- kämpf mußte Willi Bolze- Duisburg(68,1 Kilo) vor Antol- Kreuts- Ungarn(64,5 Kilo) ein« Punkttnoderlage hinnehmen. Das Urteil löste in dem gutbesuchten Haus ein Pfeifkonzert aus: ein„Unentschieden" hätte dem Kampfverlauf auch mehr entsprochen. k?. Ruder und Sport! Oder: Was Kaden unsere krauen notig? Seltsame Älstteilungen gelapgen au» New Jork an die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik. Dr. Rogers, der Er- ziehunHsdirettor des Staates New Port, nahm dagegen Stellung. daß fein Verband sich mst Frauen an den Olympischen Spielen 1932 beteiligt. Er sieht im Kampfsport eine Gefahr für die weiblich« Schönheit und steht auf dein Standpunkt, daß Frauen ihre mangelnde Schönheit ruhig durch Pude» und Schmink« verdecken dürfen, wenn nur die � WtrkoNg eine künstlerische sei. Zu forden, sind also künstlerische Fassadcnanstrichc! Unsere Arbeiter sportterinnen jeden Allers verschmähen allerdings solch« Kunststücke, sie wollen durch natürliche Schönheit und Grazie wirken. Wie sie die Attribute weiblicher Schönheit erringen, zeigen sie jedermann bei ihrem . werbefest. Sonntag, lt). Februar. In der Zentrollurnhalle, Prinzenstr. 70, findet das Fest um 17 Uhr stall, es ist von der Freien Turnerschaft Groß-Berlin arrangiert. Die Berliner Arbeiterschaft, besonders die Frauen und Mädchen, sind herzlichst eingeladen. • Das öffentlick,« Turnen der Atterssporkler und-sportlerinnen des 1. Kreises findet am Sonntag, 19. Februar. 131» Uhr, in der Turnhalle Priiycnstraßc 79 statt. Es wird interessant! Zuschauer willkommen. Sdimelings neuer Sieg. Jonny Risko in der 9. Runde k.o. New Port, 2. Februar.(TU.) Deutschlands Exfchwergewichtsmeister Max S ch m« l i n g feinte, wie nach feinen letzten Siegen kaum anders zu erwarten war, in N e w P o r k«inen neuen Erfolg. Er schlug den zur besten Klosse zählenden Jonny Risko in der neuisten Runde durch technischen k. o. Ein Beifallssturm durchbrauste Madifon Square Garden. Schmeling wird als neuer Dempfey bezeichnet. Nunmehr soll der Deutsche am 15. Februar mit dem Iren Eon O'Kelly boxen und wird dann auf kurze Zeit nach Deutschland zurückkehren, um hier seine Angelegenheit mit feinem bisherigen Manager Bülow zu klären. klein Müiier— Halbschwcrgewichtsmcister. Der viert« Großkampfabend in der Kölner„Rheinland- Halle" hatte nicht mehr als 4990 Zuschauer angelockt, obgleich ein Ereignis von der Bedeutung der Deutschen Halbschwergewichts- meisterfchost als Hauptnummer dos Programm zierte. Als berufene Anwärter auf den von Max Schmeling freiwillig abgegebenen Titel traten sich der Kölner Hein Müller und der Koblenzer Hein H« e f e r gegenüber. Es gab einen zeitweilig packenden, technisch in mancher Hinsicht schönen Kampf, den Müller einstimmig nach Punkten gewann. Der nächste(xrohkampftag im Sportpalast. Paul Damski veranstaltet im Ring de? Sportpalastes seinen michsten Großkampftag am Freitag, 8. März. Man bringt wieder ein sportlich hochwertiges Programms dessen Paarungen zurzeit noch nicht ganz feststehen. Jedenfalls befinden sich die Verhandlungen mit Franz Diener kurz vor dem Abschluß. krauenverdeiest erst am 10. Februar. Die gestern bekanntgegebenen beiden werbeoeranslaltungen: �Franenwerbefest der ATGV." und„Zusammenlurncn der Alter». riegen d» 1. kreise»" finden n i ch t au diesem Sonntag, fondern erst am 10. Februar mit gleichem Programm statt. Am Z. Februar wird lediglich die Generalprobe von 8—12 Ahr vormittag,(nur für ZNitwirkende) abgehalten. Lisdockex m Berlin. Am heutigen Sonntag wird das vom Jugendamt Charlotten- bürg veranstaltete Turnier der Schulmannschaften be- endet. Um 15 Uhr findet aus der Eisbahn in der Riebuhrstrahe die Endrunde voraussichtlich zwischen der Humboldt-Schule Tegel und der Herder.-Schule Charlottenburg statt, vorher steigt die Trostrunde um den dritten Platz. Am Sonntag gibt es ein Ligauerbandsspiel um 11 Uhr in Zehlen- dors zwischen dem Tegeler Eislapfverein und Zehlcndorf, das für den Becbleib in der Liga wichtig ist. Eisschnelläufen Im Tiergarten. Auf dem Reuen See im Tiergarten findet am Sanntag um 13,30 Uhr ein 590- und 1599- Meter-Seniarlausen, ein.3990-.Mkter.Bnrgab«- und ein l909.We1er- Neulingslaufen statt. Die besten Berliner Eisschnelläufer bis auf den erkrankten Schönbrod. also Barwa. Moyke, Müller. Lötsch, Grell u. a. werden starten. Die Pausen werden durch Schaukunst- laufen ausgefüllt. 3n Zchlendorf. standen sich stn Derbandshockeyfpiel Berliner Schlittschuhklub und Zehlendorfer Wespen gegenüber. Der Schlitt- schichklul, gewann m't 8:9(9:9, 7.9. 1:'0). Der Sportverein 1892 jertiate auf der Rüll-Arena im Freundschaftsspiel den Eislauf- verein Tegel mit 19: 2(4: 1, 3: 0. 3: 1) ab. Arbeiter-Hockey. Di« angesetzten Spiel« für den 3. Februar fallen wegen Spielunfähigkett der Plätze aus. Dem Bundesfest In Nürnberg gilt das Streben der Arbctiersporäer. Nürnberg rüstet! In 32 AuSschüsseN arbeiten die MmH berge r und Fürth«? Arbellerturner und»fportl«, am die rwOfle Ausgabe der Borarbeiten zu erledigen. Da» größte Interesse zeige» die Bruderverewe ich Norddeutschland und im Ausland. Wiederholl mußte der Pro?»- gandaausschuß Bilder und Photographie» für Lbhilülderimrllügo hinaussenden. Flugblattverteilung. Unter zahlreicher Beteiligung der Bundes m itglisder fand in Nürnberg und Fürth«ine Dertedung von 120990 Flugblättern statt, um die Einwohnerschaft ans da» gewaltige Fest aufmerksam zu machen und die Unterbringung der zu erwartenden Massen vorzuberetten. Klein« Derein« in der Provinz versprechen, baß sie mst ihrer gesamten Miiechedschast zum Bundesfeft kommen. Di« erst« Nummer der Festschrift zu diesem großen Arbeite rsportt r est« n ist herausgekommen. Sie macht dem Bund« so- wohl als auch dem Arbsster-Ärrnoeriag. in dem sie gedruckt wurde. alle Ehre durch Verwendung einwandfreien Materials, durch die äußerst eindrucksvolle Aufmachung und den gediegenen Inholt. Bei letzteren wurde weniger Wert«rf umfangreiche schriftstellerische Arbest. als auf geschmackvolle Bildausstattung gelegt. Die Auslage ist groß, weil die Anforderungen nicht gering sind. Für jede ArbeiterdMiochek empfiehlt sich die Anschaffung der Festschrift. Günstig« Zahlen. Der Bundesvorstand de» Arbeiter» Timv und Sporrbundes Hot am Jahresanfang eine vorläufig« Mol- dung der Bundesvereine veranlaßt, m der a zugeben ist, wieviel Dereinsangehörige als Besucher des 2. Bundesfestes in Nürnberg in Frage kommen. 1540 Vereine haben bis zum 25. Januar ins- gesamt 34 554 Nürnbergsahrer gemeldet. Diese Zahl umgerechnet aus alle Vereine des Arbeiter-Turn. und Sporlbundes ergäbe eine Festteilnehmerzahl von 130 000. Man rechnet aber bestimmt mit dem Aufmarsch von 100000 Vundcsmitgttedern im lftcki m Nürnberg. Wer möchte da fehlen? Reil- und Fahrturnicr. Der Donnerstagnochmillag. der offiziell Tag derFohrkunst benannt wurde, brachte wiederum ein äußerst reichhalliges Pro- gramm. Die Fahrkunst selbst stelst ja heute auf dem Aussterbeewt. Da» Pferd als Verkehrsmittel ist schon eine Ausnahmeerscheinung. Gottschalk, der bekanntlich vor nicht longer Zeit freiwillig in den Tod ging, hatte für die Mehrspänner und für alle Fahrausschreibungen noch genannt An Privatleuten, die jetzt noch Mehrspänner fahren. trstt einzig und allein Frhr. von Borg, Hessen Iucker west und breit bekannt sind, in die Oeffenllichkeit. Cr ist direkt eine Attraktion für die Turniere. Ein Teil des pferdesachverständigen Publikums jubelt den Pferden und der Fahrkunst ihres Besitzers zu und ein Teil der Nurzuschauer pflegt freundliche Erinnerungen und denkt, weim es die kleinen Tiere sieht, womöglich an die gemütliche Zell der Pferde- drofchken. Sanft zeigte nur noch di« Reichswehr, die ja nochgerade dos große Verleihinftttut für die Turniere wird, Mehrspänner. Die Art und Weis«, wie bie Vierer- und der eine Sechserzug gefahren wurden, war erstklassig, da waren allerfeinstes Fingerspitzengefichc und Kopf eins. Es wurde�fo eine gewollte und gelungen« Propa- ganda für das deutsch« Pferd gemacht. Möchte man nicht mir den reichen Deutschen veranlassen, deutsche Pferd« zu kaufen, sondern auch in immer westercm Maße für den deutschen Züchter das Ausland als Abfatzgebiel erobern. Das Abendspringen brachte insofern eine lleberraschung. als Dianas ausgerechnet das letzte Pferd, das in die Boha kam, fehlerfrei über den Kurs ging und somit der Sieger des Abends wurde. Schadi'Maimsdiafisweitkämpfe. In der �-Gruppe der Arbeiter�Schachspieier treten am Sonntag an: Trepwrrn— Friedrichs Hain I. Treptow, Elfen- Ecke Leeimonnftr.: Mitte I— Kreuzberg I. Zionskirchplatz S: Wedding l gegen Mcmel, Müllerftr. 26. B- G r u p p e: Prenzlauer Berg gegen Lichtenberg. Prenzlauer Allee 189: Siemensstadt— Westend, Siemensftr. 34. Beginn der Wettkämpf« 19 Uhr. Es spielen am Donnerstag: Abteilung Kreuzberg: Plan- ufer 75/76 bei Krepp. 29 Uhr. Prenzlauer Berg: Prenzlauer Allee 189 bei Burg. 29 Uhr. Siemensstadt: Sieniensstr. 34 bei Hesse, 29 Uhr. Treptow: Elsen- Ecke Bcerniannstroße bei Rnlr, 19 Uhr. Westend: Charlottenburg, Sophie-Charlotte-str. 88 be: Iamin, 20 Uhr. Reinlckendorf-Ost: Residenzstr. 156 bei Rockhou». 20 Uhr. Montags und Mittwochs: Friedrichshain: Straßmonn- straße 42 bei Albrecht. 20 ifhr. Freitags: Wehding: Müllerftr. 26 bei Herms, 20 Uhr. Mitte: Zionskirchplatz 5 bei Kurzrock, 29 Uhr, Die Sportliche Bereinig tmg Lichieuberg.Zriedrichsfelde 04, Mitglied des Arbeiter-Achleten-Buiü) Deutschland, hält ihre Ucbungs- stunden wie folgt ab: Montag und Donnerstag von 7�. bis 91� Uhr für Jiu-Jitsu. Boxer und D,nnenabtoilung(Gylmiastik). Diens- tag und Freitag von 71-s bis OVz Uhr für Ringer intb Heber. Alle Uebu-nasstundeil finde» in der Turnhall« Friedrichsicidc. Runnnels- buraer Straße(Schule) statt. Jeder, der für den Schnzerachlettk- spart Interesse hat, besuche die Uebnngs stunden: tüchtige und er- fcchrene Trainer geben allen Anfängern giften Unterricht. .Di« Z>at»rfre»,d«'. ge»tr»le Wie».?tt. a«l»»tbr»»»e»: Sonntag. 3. ffedruar. Nodclwanterung nach Zriedrich-hazen. Treffpunkt 3V: m>r >Ztralau»Ru»unelsI>urg, Bahnli-ig E. öchlifku mittiringen.— Bhotogtwei»- fifaft: Montag. 4. grVcimt. 20 Uhr, Timtrr Str. 4:„«Oarmünf Lani-fSiaf»». ohotoaravh»".— Übt.?r tz: SKniilaq. 4. Februar, 20 Uhr, Shaulleestr. 4?: JSIafthr'.nnet".— MalI»»ftae»>ci«Ichaft: Montag. 4, Fehl aar, 30 Uhr, Brifc Strahr 27. Portriit! Äiguorell. Freier F-Hbatwerei»»eolöl» I I»Ai. Den hiinb« Streuen«rheitertportlern pu Kenntnisnahme, hast wir unser bisherige» BrreinsU>kal ran NSnig. Wilben» rruch'. Elke W-ferstroh-. aiifoegeben haben Di« weiteren Sitzung'N fiuhen von icfct ab bei Paul Balcwski, Neukrlln, Boddin-, 0tke Isarstrohc, statt. yartctl fiir Brbeiierspon not» Uorperpjlege.®cjitx AenkiM«. Montag- 4 Februar, Nortelllitzung. in» 30 Uhr. bei Frank. S-nahoferstr, L_, Zenai» N»t araz.Berlia. Di« Mnglieoer der Akteilnnaen treffen f.--! Sonntag. 9 Uhr. am Schlestichen Dahnhok? Erkner lösen.__ Freier Pörpeelvltnrirei» Sreuzbcrg. Treffpunkt zum Besuch des Sroßkrast- Werkes«lingenherg. am Sonntag, 3. Februar.!Hi Uhr. Bahnhok Stralau Siummcls-durg,«usaaug Hauptstraße, ober 10U Uhr nor bew»oaftwer,. Montag»?abr-he»o im Stadtbad Ztreuzberg, Barn-ashstrnße. Donner Stög. 7. Februar. ISÄi Uhr. Butrter Ahoirst im Zugenbhe« Baffertorstr. 9. Bor, tragender: D-nosse Sol-mann. Satiran, schnurocn. Lieber zur Laute. klrbcitrrioortiartell, Bez'rk arenzheig. Montag. IMi Uhr. Saeteklstßung im Beziritamt Nreuzberg, ZZorckstr. 11, fiimmet 29. m Mfev imö Die Mlkllvgen Der tm- unD eteiMQfiiolifiDeQ öeiltnetöoDen. Nundfunkvortrag, gehalten cm 20. November von F. Kort. Leiter des HeilinstitutS„AktiS". Dieser Vor- »ag ist im Druck erschienen und wird allen Lesern dieses Blatte? aus Wunsch kostenloZ zugesandt. Nachfolgend sollen die hauptsächlichsten Krankheiten angegeben wer- den. di« durch die Licht- und elektrophvsikalilchcn Hell- Methoden gebessert und geheilt werden können. Blut- armut. Bleichsucht und darau? herrührende Krankheiten, besonder? des Frauen und Mädchen, Beschwerden der Entwicklung?- und Wechseljahre, Her.,mu?kelschwäche, Ser,erwciterunp. Klappenfehler. Hcrineuros«, Blutdruck. crhöhung, Tchwindelanfälle. Magen-Tarmerkranlungen, sogar Magengeschwüre, Senkungen, Gallen-, Leber- und I Nierenleiden, Zuckerkrankheit und andere Ttoffwechsel- erkrankunge», Nervenschmerzen iNeuralgien), besonders Ischias. Gelenkrheumatismus, Hepemchus:. Skrofulöse, Tuberkulose. Rhachitis tenglische Kmenkbeiö und andere Kinderkrankheiten. Katarrhe des Halses, der Bronchien, der Blase, Asthma. Entzündungen de? Lbr?. der Stirn- höhle, der Kiefcrnhöhlc und sogar Lereiterungen dieser ! Organ«. Hautkrankheiten(Flechten, Hautimreinigkesten, Haittjuckeu. Furunkel). Haarausfall, seldst jahrelang be. stehende Kohlbeit. Fettsucht. Aderverkalkung, vorzeitiaej Altern und antares. Wie schon erwähnt, erhalten die Leser dies«? Blatte? auf Wunsch einen Abdruck de« Rundfunkvortrage? kostenlos zugesandt. Bestellungen sind zu richten an Heilinsntut„AktiS", Berlin ZW 81, Belle-Allian«.Plötz ü».