BERLIN Mittag i Februar 1929 Lr ick e int tiKiick»ußerSenntag«. ssualrich Abendausgabe des„Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche. 3.soM. pro Monat. Redaktion, ndTrpeditivn: Berlin CW 68, kindenfir.ü FW!3Vr 10 P?. Nr. 58 B 29 46. Jahrgang steigeaiteiS: Die einspaltige Nonpareillezeik, Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. gschecktoot«: DorwürtS-Dcrlag G. m. b. i)- Berlin Nr. 87586. Fernsprecher: Döndoff 2»2 bK 287 140000 Arbeiter auf die Straße! Die Drohung der Textilindustriellen. Aiir itte Niederlausiher Tuchindnslrie, n>o rund 30 000 Ztrbeiler und Arbeiterinnen bcfchästigt sind, ist seinerzeit ein Schiedsspruch gefällt worden, der bis 30. September gültig sein sollte und nur für Zugendliche unter 18 Zechren eine Lohnerhöhung vorsah. Der Schiedsspruch wurde von beiden Parteien abgelehnt. Auf veranlasiung der Unternehmer fanden am Freitag neue VerHand. lungea statt, wobei die Unternehmer vorschlugen, den Schiedsspruch dahin abzuändern, dah die Lausdauer bis zum Z0. November ver- l ä n g e r l wird. Das lehnten die Vertreter des Deutschen lextil- arbeiter-Verbandes natürlich ab. Nunmehr teilt der Arbeitgeber- verband mit. daß die Sündigung sämtlicher Arbeiter und Arbeiterlunev heule erfolge. Da in der Nieder. lausiher Tuchindustrie die Kündigungsfrist acht Tage beträgt, muh man damit rechnen, daß nächste Woche die gesamten Betriebe stilliegen. * Der Grund zur Aussperrung ist so fadenscheinig, daß er über- Haupt nicht ernst genommen werden tonn. Offenbar liegt van „oben', in Verbindung mit dem Kampf in der s ä ch s i s ch- t h ü r i n- gifchen Weberei eine Anweisung vor, möglichst überall aus- zusperren. Mit den ausgesperrten und streikenden Webern in Sachsen-Thüringen würden somit ab nächste Woche rund bölillll Arbeiter auf der Straße liegen. Doch das scheint den Großverdienern in der Textilindustrie nicht ausreichend zu sein. Die Ankündigung, daß der Arbeitgeberverband der rechtsrheinischen Textilindustrie seine Mitglieder entbuichen habe, weiter die Torislöhne- zu zahlen, deutet daraus hin. daß die Unternehmer auch dort einen Kampf wollen In der rechts- rheinischen Textilindustrie besteht seit Mitte Dezember ein t a r i f° loser Zustand, d. h. es gelten die im letzten Tarifvertrag ver- einbarten Löhne weiter. Ein Tarifvertrag kam nicht zustande, weil der Schiedsspruch, der keinerlei Lohnerhöhung vorsah, von den Ar- beitern abgelehnt wurde. Die Anordnung, die Löhne zu reduzieren, kommt auf nichts anderes hinaus, als auf die Provozierung einesKampfes." Daß sich die Arbeiter eine Herabsetzung der Löhne nicht gefallen lassen wenden, liegt aus der Hand. Die Löhne der Textilarbeiter sind ohnehin schon so niedrig, daß sie vielmehr wesentlich erhöht werden müßten. Im rechtsrheimschen Textilgebict werden rund SS«X» Arbeiter beschäftigt. Führen die Unternehmer die Hetob- setzung der Löhne durch, dann muh auch dort mit der Stillegung der Betriebe gerechnet werden. Offenbar scheint den Presitreibern in der Textilindustrie die Arbeitslosigkeit in Deutschland noch nicht groß genug zu sein. Deshalb sollen olles in allem vorläufig noch 140 0 0 ö Texlil- arbeiler und Arbeiterinnen aus die Straße gesetzt werden, was ein« weitere Verschärfung der Wirtschaftskrise im Gefolge hohen müßte. Aber war schiert das die Herren Industriellen? Sie haben sich nun einmal in den Kopf gesetzt, die Löhn« herabzusetzen. Das ist ihnen bisher nicht gelungen. Deshalb soll Lohnkämpse en gros provoziert werden._ Dampferkaiasirophe bei Oporto. Deutscher Dampfer mit 25 Mann gesunken. „Havas" meldet aus Oporto: Der in Bremen beheimatete deutsche Dampfer„D eiste t", der beim Einlaufen in de« Hafen gestrandet war, ist gesunken. Während die Besatzung sich noch an Deck befand, spülten mehrere hohe Wellen über das Schiff hinweg und risse» Ä 1 Mann der ans 23 Personen bestehenden Besatzung über Bord. Die letzte« vier Manu kletterten auf d i e M a st e« und blieben dort, während die Bevölkerung am Ufer de« verzweifelte» Versuchen der Rettungsboote zusah, die versuchten, trotz des hohen Seegangs den Schiff- brüchigen Hilfe zu bringen. Als der Dampfer sank, ver- schwanden die vier am Mast befindlichen Matrosen ebenfalls in den Wellen. Die gesamte Besatzung war mit Ausnahme eines Portugiesen deutscher Staatsangehörigkeit. *- Die aus 16 Mann bestehende Besatzung des Londoner Dampfers Paddington, der von einem belgischen Fischdampser aus der Höhe von Flambamigh Head in sinkendem Zustand gesichtet wurde, ist wohlbehalten in Sunderland gelandet. Der Untergang der Paddington erfolgte nach einen« Zusammenstoß pl» Dampfers im Nebel mit einem anderen Schijx. Revolution in Spanien. Arbeiter- und Goldatenräie gebildet.— primo diktiert Verteidigung. Paris, 4. Februar.(Eigeitbccicht.) Die an dem Artillerieputsch in Eudad Real beteilig- ten höhere» Offiziere haben nach einer hier vorliegenden Meldung am Sonnabend Selbstmord begangen. Die Situation hat sich trotz der scharfen Maßnahmen der Regierung gegen die nmstürzlerischen Offiziere und Truppen inzwischen außerordentlich verschärft. In einer amtlichen Meldung aus Madrid heißt es darüber: „Die Regierung hat ans Valencia verworrene und schwerwiegende Rachrichten bekommen und ent- schloß sich, energisch einzugreifen, indem sie zuerst den lKeneraldirektor der Eendarmerie zun» Generalinspektor von Baleneia ernannte, mit der Ermächtigung, alle Offiziere und militärischen Besehlshaber sowie alle Zivil- beamten und Vertreter der Behörden, die nicht volles Vertrauen verdienen, abzusetzen. Ter General konnte am Sonnabend um Mitternacht aus Valencia melden, welche Maßnahmen er glaubte ergreifen zu müssen. Sein Vorgehen fand den Beifall der Regierung. Die Disziplin der Garnison von Valencia ist ausgezeich- net und von völliger Treue. Tie Truppenteile, die sich außerhalb der Disziplin st eilten, werden zum Gehoxsam gezwungen und» sobald es a u g e b r a ch t ist, wird die öffentliche Meinung weiter unterrichtet werden, was zur Beruhigung beitragen wird. Jetzt wäre es unangebracht, mehr zu sagen." In Ergänzung dieser amtlichen Mitteilung wird gemeldet, daß die Putschbewegung sich nicht auf Valencia beschränkt, sondern in jeder größeren Stadt ein Dreierrat aus einem Militär, einem Arbeiter und einen« Repitblikaner besteht. Tie Bewegung soll ausgesprochen republikanisch sein und bis in die höchsten Kreise des Militärs und der Beamten große Shinpathien genießen. Tie Regierung hat in der Abwehr der Bewegung zunächst zahlreiche Neuernennungen in Heer und Marine vorgenommen und außerdem ein Sonder- gericht geschaffen. Eine andere Maßnahine der Regierung läuft praktisch auf die Bevormundung der gesamten Presse hinaus. Jede Zeitung ist bis aus weiteres verpflichtet, den 1K. Teil ihres Umfanges— das ist im allgemeinen eine halbe Seite— der Regierung für amtliche Noten, Bekanntmachungen und Darlegungen sonstiger Art zur Verfügung zu stellen. Eine Anordnung darüber, an welcher Stelle die Veröffentlichungen vor- zunehmen find, behält sich die Regierung vor. „Zmmertreu" vor Gericht. Das Rachspiel der Gtraßenschlachi. Der erste Eindruck— eine Enttäuschung: Trotz des großen Polizeiaufgebotes und des Massenaufmarsches von Berichterstattern und Zeichnern— es sind ihrer sechzig bis siebzig im Gerichtssaal an- wesend. Die von der Presse so reklamierte„Unterwelt", deren Ver- eme angeblich an die Chicagoer Verbrecherorganisationcn erinnern sollen, scheinen in Wirklichkeit viel hannloscr zu sein. Der Vor- sitzende des„Immertreu", der Angeklagte Leib, sagte z. S.. Die Presse Hot mehr Phantasie bewiesen ol? Karl May. Im übrigen witd diesem Vorsitzenden von„Jmmcrtreu" wohl so manche Un- wahrhastigkeit nachgewiesen werden können. Als der Gerichtsvor- sitzende ihn fragt, weshalb er zur Feststellung des Zimmergcsellcn Schülnieß acht Mann in das Lokal Breslauer Straße 1 mitnehmen mußte, statt die Polizei zu benachrichtigen, blieb ihm Herr Leib die Antroort schuldig. Dagegen regt« er sich darüber auf, daß auf der Anklagebank bloß die Verletzten säßen, während die Angreifer, damit meinte er die Zimmevgesellen, als Zeugen erscheinen dürften. Er, wie alle seine Mitangeklagten, seien völlig unschuldig. Und dann überhaupt: sie seien überhaupt nicht für Schlägereien. Gerade, um die Umgebung des Schlesischen Bahnhofes von zugereisten Banditen reinzuhalten, hatten sie den Verein„Immer- treu" gegründet. Es sei nicht wahr, daß man vorbestraft sein müsse, um Mitglied des„Inimertreu" zu fein; im Gegenteil, in den gc- druckten Statuten ves Vereins sei zu lesen, daß man nicht Mitglied sein könne, wenn man sich strafbar mache. Rechtsanwalt Dr. Frey stellt fest, daß unter den H8 Mitglieder» des„Jmmertrcu" 8 5 Pro zent wegen Glücksspieles bestraft feie», und vo» den sieben angeklagten Mitgliede«-» des Vereins wegen desselben Vergehens vier. Man muß aber tatsächlich zügeben, daß die Eigen tnmsvergehen der angeklagten„Jmm«rtreu"-Mltglicder weiter zurückliegen. In der letzten Zeit haben sie sich nur des Glücks- spieles schuldig gemacht— sie sind gewissermaßen ehrbare Bürger geworden.— Dieser„Unteru>«lt" steht im Gcrichtssaal die OberioeK in der Person der Zeugen gegenüber, darunter etwa zwanzig Zimmerleute. Vorläufig halten sie sich in ihrer breiten Kopi bedeckung und breiten Hosen im Flur auf. Den Angeklagten«varen sie im höchsten Grade unsympathisch, wenigstens behaupten das von sich aus Leib und Steinkei sie zahlten nicht in den Lokalen, sagen die beiden, hatten gleich die Messer bereit»nd waren in der ganzen Eine blutige Gonntagnacht. Todesopfer und Schwerverletzte. Die Nacht zum Sonatag weist selbst für Berlin aus. sallead viele Zusammenstöße auf, die in mehreren Fällen einen sehr ernsten ilusgang nahmen. Außer dem schon kurz mitgeteilten Cisersuchtsdrama in der W olliner Straße spielte sich ein« Zweite Bluttat in der W i l l i b a l d- A l e x i s- S t r a ß« AI ai>. ijier wohnten im Erdgeschoß Tür an Tür ein 51 Jahre alter Kaufmann Karl S ch u st e r, der aus Schlesien stammt und im selben Haus« ein Lebensmittelgeschäft betreibt, und ein 62 Jahre alter aus Magde- bürg gebürtiger Schlosser Karl Bertram. Zwischen den beiden Familien bestand schon seit längerer Zeit arge Feindschaft. In der Nacht zum Sonntag suchte Schuster ein Lokal in der Kopischstraße auf, um«in Glas Bier zu trinken. Ms er dort seinen Gegner Bertram sitzen sah, entfernte er sich bald wieder, um in seine Woh- nung zurückzukehren. Bertram ging aber noch vor ihm weg und erklärte, daß er seine Frau herüberholen wolle. Wenige Minuten, nachdem die Männer weggegangen waren, stürzte Frau Schuster schreiend in das Lokal, man Hab« ihren Mann erstochen. Man fand den Kaufmann im Hausflur mit einer schweren Stichwunde in der Schuller, die Lunge war gelrofsen. Der Verletzt« starb schon auf dem Wege nach der Rettungsstelle. Bertram, der vernommen wurde, gibt an, daß er Schufter im Hausflur getroffen und daß der Kaufmann mit dem Spazierftock auf ihn eingeschlagen habe. In der Notwehr will der Schlosser dos Mefser gezogen und seinem Angreifer den Stich beigebracht haben. Bertram wurde fest- genommen. Mit Hammer und Beil wurde am Sonntag noch- mittag gegen 2 Uhr«ine wüste Schlägerei in der Schorn- Horststraße 5 ausgetragen. In diesem Haufe wohnt im Keller des Quevgebäudes der Arbeiter Max Norck. Bei ihm zu Besuch war sein Freund Reinhold Riefer aus der Neuen Hochstraß« 40. Gegen 2 Uhr erschienen unerwartet die Brüder Max und Richard fiarsche, die in der Pslugstraße 30 wohnen. Sie forderten Eintritt, und als ihnen da» verweigert wurde, begannen sie mit Beilen, die sie mitgebracht hatten, die Tür einzuschlagen. Norck bewaffnete sich mit einem Hammer, um den Angriff abzuwehren. Er öffnete die Tür, und die Gegner fielen übereinander her. Hausbewohner, die den Kampfeslärm hörten, riefen Polizeibeamte vom 4. Revier herbei. und diesen gelang es, die Streitenden zu trennen. Unverletzt ge- blieben ist Riefer. Richard Karfche, der drei Hammer fchläge auf den Kopf bekommen hatte, wurde besinnungslos in das Augustn-Hospital geschafft. Außerdem wurden bei anderen Schlägereien in verschie- denen Stadtgegcnden mehrere Personen schwer verletzt. Bluttat eines Geistestranken. Große Aufregung verursacht« am Sonntag«in Geisteskranker in der E i s e n b o h n st r a ß e. In dem Haufe Nr. 31 wohnt ein 66 Jahre alter Droschtenchauffeur Bernhard Forath. Im Nach- barhause Nr. 32 wohnt bei seiner Mutter ein 38 Jahr« alter Mi- streicher Paul Ehrhardt, der vor Iahren schon einmal in einer Irrenanstalt unbtrgebracht war. Gestern abend um 8 Ul>r verließ Ehrhardt seine Wohstung, und Nachbarn sahen, daß er auf dem Flur zwei Schußwaffen lud,«in« Dreysepistole und einen Trommel- revoloer. Woher er diese Waffen befaß, konnte noch nicht fest- gestellt werden. Bor seinem Wohnhause stand nun der Chauffeur Forath mit seiner Droschke. Er hatte schon den Führersitz bestiegen. Beim Anfahren gab es einen leichten Knall. Da griff der Geistes- kranke zur Dreysepistole, gab aus den ahnungslosen Alaun vier Schüsse ab und traf ihn je einmal in Brust und Bauch und zweimal in den linken Unterarm. Ehrhardt blieb mitten aus der Straße stehen, als ob nichts vorgefallen wäre. Die entsetzten Zeugen be- nachrichttgten die Polizei, und außer dem Ueberfallkommando er- schienen drei Beamte des 108 Reviers. Nun feuerte Ehrhardt auf die Beamten mit beiden Wassen und gab im ganzen neu» Schüsse ab. Dem Polizeiwachtmeister Wiedentritt vom Polizei- amt Kreuzberg drang«ine Kugel durch Mantel und Rock und brachte ihm an der linken Hüfte eine leichte Druckstell« bei. Ein anderes Geschoß durchschlug den rechten Aermelaufschlag. Einem 44 Jahre alten Passanten drang ein« Kugel durch den Mantelkragen, ohne ihn selbst zu treffen. Den Beamten blieb nichts anderes übrig. als ebenfalls von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Drei Schüsse trafen Ehrhardt so schwer, daß er zusammenbrach und nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht werden muffe Ebenso der schwerverletzte Chauffeur. Gegend des Schlestfchen Bahnhofes»erhaßt. Besonders unangenehm fielen sie auf den Rummelplätzen auf.'- Verhandlungsbeginn. Der Prozeß begann heute früh unter außerordentlich starkem Andränge des Publikums im Kleinen Schwurgerichtsfaal in Moabit. Die Angeklagten waren kurz vor Beginn der Sitzung, soweit sie in Haft find, auf die Anklagebant geführt worden. Rur zwei befanden sich auf freiem Fuß, der eine, weil er weniger belastet erscheint, der andere, weil er wegen Krankheit entlassen worden war. Der größte Teil der Angeklagten besteht aus großen, kräftigen Männern, teilweife vierschrötigen Gestalten. Sie sind vorwiegend Geschäftsführer und Kellner in Gastwirtschosten. Beim Zeugenaufruf stellte sich heraus, daß die „Straßensehlacht" noch ein zweites Todesopfer erfordert hat: der als Zeuge geladen gewesene Zimmergeselle Henri Sorge ist an den erltttenen Verletzungen ebenfalls inzwischen verstorben. Bon den neun Angeklagten sind sieben, die auch sämtlich vor- bestraft sind, Mitglieder des Bereins„Immertreu". Der Hauptangeklagte, Geschäftsführer Adolf Leib, hat mehrere Vorstrafen wegen Diebstahls und Körperverletzung, die aber in der Höchststrafe nur S Monate Gefängnis ausmachen. Der Angeklagte Kellner Robert Los hat wegen Rückfalldiebstahls 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust aufzuweisen. Am schwersten vorbestraft ist der Geschäftsführer Bruno Steinte, der ein längeres Strafregister mit hohen Strafen wegen Einbruchsdiebstahls und Zuhälterei hat. Typisch ist aber für sämtliche ,Lmmertreu"-Leut«, daß sie in den letzten Jahren fast sämtlsch nur noch wegen gewerbsmäßigen Glücks. fptels, teilweise in Verbindung mit Betrug, mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen sind. Oer �Immertreu-�Vorsihende erzählt. Todann begami die Vernehmung des ersten Angeklagten, des Aefchäftsführers Adolf Leib. Er gab an, daß er bis zum Novem- ber vorigen Jahres Vorsitzender des Vereins..Immertreu" gewesen iei und führte dann aus:„An jenem Tage war von unserem Verein ein V« re i n s k o l l e g e beerdigt worden. Ich hotte mit der Bannerkommission nach einer kleinen Nachfeier die Vereins- »ahne abgeliefert. Einige Freunde von mir begleiteten mich in das Lokal von Höhn in der Madaistraße, wo wir von den guten und schlechten Eigenschaften, oder eigentlich nur von den guten Eigen- schaften des verstorbenen Kollegen sprachen und einige Glas Bier tranken Gegen 10 Uhr betrat der Klosterkellerwitt Vach dos Lokal und erzählte mir von den Vorgängen am Tag« vorher, die sich im Klosterkeller abgespielt hatten. Dort mar ein gewisser Malchin,«in Kollege von uns. von einem Hamburger Zimtnermann mtt dem Messer gestochen worden und ins Krankenhaus gekommen. Er bot mich, mitzukommen und den Messerstecher, der sich in dem Lokal von Nabur aufhallen sollte, festzustellen. Ich tat ihm den Gefallen. Wir drei gingen ins Lokal, bestellten ein Glas Bier, und Bach sagte:„Da ist der Messerstecher." Schulnteß wollt« sich inzwischen nach hinten drücken. Ich trat an ihn heran und bat ihn,' hinauszukommen, um eine Sache zu erledigen. Mich hat nur mensch- llches Mitgefühl dabei geleitet. Der Gestochene war mein persönlicher Freund, und ich wollt«, daß die Krankenhauskosten von dem Messer. stech« bezahlt würden. Mich leiteten bei dem Vorgehen keine Rache- gelüste. Der Messerstecher wußte nicht, wer wir waren, er hielt uns wohl für Beamte und kam mit. An der Tür riß er sich oder los. Sämtliche Zimmerleute, es waren 7 0 bis 80 Mann, drangen auf uns ein und schlugen aus uns los. Wenn die Anklage annimmt, daß wir mit Waffen hingekommen sind, so ist das«ine Lüge. Wir haben uns nur gegen die Ueber- macht gewehtt. Die Zimmerleute haben mit Beilen, Aexten und .Knotenstöcken aus un, losgeschlagen. Die meisten Angeklagten haben Verletzungen am Hinterkopf oder Messerstiche im Rücken davon- getragen. Das ist ein Beweis, daß wir auf der Flucht waren. Ich trat nochmals an den Altgesellen heran und bat, für Ruhe zu sorgen. Do stürzten 16 bis 16 Zimmerleut« auf mich los. und ich muhte in das gegenüberliegende Lokal von Rauhut flüchten. Inzwischen hatten sich vor diesem Lokal große Menschenmengen angesammelt, die voller Empörung waren über die Rohheit der Zimmerleute. Die Sache wäre aber für uns erledigt gewesen, denn es war ja nichts Schlim- mes passiert. Da hörten wir aber plötzlich bei der Menge auf der Straße einen großen!ssadau. Die Zimmerteute hatten befreundete Maurergesellen um Hilfe angerufen, und diese stürmten mit hoch- «hobenen Beilen und Messern an und schlugen auf das?ßublikum ein. Ich wollte gerade nach Haufe gehen, da wurde die Jalousie hochgezogen und die Zimmerleut« stürzten heraus. Ich bestreite, daß ich da« getan habe, was mir die Anklage zur Lost legt, und »«nn ich es getan habe, so ist«s nur in der Abwehr geschehen." Bors.: Nun erzählen Sie uns etwas Aber den Verein „Jmmettreu". Angekl. Leib: Der Spotttlub„Jmmettreu" wurde 1021 gegründet mit der Absicht, unseren Kollegen Arbeit nach- zuweisen. Die Gastwirte in den Lokalen, in denen es heiß hergeht, hatten zu unserer Arbeitskraft besonderes Vertrauen. Der Berein„Jmmettreu" veranstaltete Vergnügungen, Weihnochts- bescherungen und sorgte für«in gutes und anständiges Begräbnis der Mitglieder. Es ist nicht wahr, daß der Verein„Jmmettreu" sich zusammengetan hat, um Gaunerstückchen auszuführen. Wir haben 60— 65 Mitglieder und haben unseren Leuten zum größten Teil Arbeit nachgewiesen. Es sind noch 30 in fester Stellung. Aller- dings sind verschiedene infolge der furchtbaren Angriffe in der Press« geflogen und jetzt arbeitslos. Die Polizei wußte von unserem Ve- stehen und es hat sich nichts hinter verschlossenen Türen abgespielt. Der Verteidiger überreicht dem Gericht die Statuten und es wurden einzelne Teile daraus verlesen. So heißt es u. a., daß der Verein die Förderung der Freundschaft und Geselligkeit er- st r« b e. Besondere Ehrenpflicht sei es für das Aereinsmitglied, an Beerdigungen teilzunehmen. Absichtliches Wegbleiben werde mit Ausschluß bestrast. Jedes Mitglied habe sich so zu verhallen, wie es der Ehre und Würde des Vereins entspräche. Es werden .».ch Strafen für Verstöße gegen die Vettinssatzungen festgesetzt und es heißt dann:„bei Strafen von 8 Wochen lang erfolgt Ausschluß". Angeklagter: Der Verein hat mindestens 30 Ge- fchäftsleute als Diitglreder, Inhaber von Konfektions- geschäften und Gastwirtschaften. Nach der Presse sollen dies« jetzt ausgeschieden sein. Das ist nicht wahr. Alle halten jetzt gerade fest zum verein. Es ist auch nicht wahr, daß wir nur vorbestrafte cuf- genommen haben. Allerdings haben wir Borbestraften uns im Verein zusammengefühlt. Vorsitzender: Wie sind die Be- ziehungen von.Lmmertreu" zu den ankeren Vereinen, z. B. „Norden"? Angeklagter: Die Vereine sind zusammen- geschlossen im„Ring Groß Berlin" und entsenden Deputationen, die aber weiter nichts zu tun haben, als zu sorgen, daß die Verein« nicht an demselben Tag Bälle ab- halten. Außerdem wird gesorgt, daß die Ringvereine mit ihren Bonnern an Beerdigungen von Aereinsmitgliedeim teilnehmen. Hugenberg und der„Klaffenkamps". Die„vaterlandslose" Sozialdemokratie. Der„Sozialdemokrattsche Pressedienst" schreibt: Die Berliner Rechtspresse zitiert mit dem größten Auswand künstlicher Aufregung aus der Zeitschrift.Massenkamps" Artikel- stellen und einzelne Sätze über das Wehrproblem, aus denen die„Vaterlandslosigkest" der Sozialdemokratischen Partei und ihre Vorlieb« für den Landesverrat bewiesen werden soll. Die Rechtspresse ist auf diese Zeitschrift offenbar erst aufmerksam gemacht worden durch diö scharfe Polemik, die der„Vorwärts" in der letzten Zeit gegen sie geführt hat. Dem Kenner ist es nichts Neues, daß vereinzell Im Reiche, besonders in einigen Orten Westsachsens, Ansichten oertreten werden, die sich mit dem Programm der Partei und ihrer praktischen Polittk nur schwer vereinbaren lassen. Diese Ansichten beweisen nichts für die Haltung der Gesamtpartei. Sie beweisen nur, daß die Sozialdemokratie als ein« große, die verschiedensten Schichten der Arbeiterschaft um- fassende Pattei ihren Mitgliedern eine weitgehende Met- nungsfreiheit gewährt und damit klüger handelt als es der unduldsamer und daher in zahllose Sekten zersplitternd« Kommunis- mus ist. Wie die Sozialdemokratische Partei als solche zu den im„Klassen- kämpf" aufgeworfenen Problemen steht, werden diejenigen, die es noch nicht wissen, in einigen Wochen durch den Magdeburger Partei- tag erfahren._ Die Hüter der Justiz. Wie sie die Justiz beschimpfen. Noch o o r der Urteilfällung in der Disziplinarsache K ö l l i n g- H o f f m a n n bezeichnete der Nationalsozialist K u b e im Preußi- schen Landtag den Großen Disziplinargerichtshos für richterliche Beamte als eine zusammengeflickte Gesellschaft schwarzrotgoldener Cauleur». die Andersdenkende verurieilk. Das amtliche Stenogramm verzcichnet nach diese» Watten„leb- hafte Zustimmung bei der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und recht»". In der Tat waren nicht nur die National- sozialisten, sondern auch die Deutschnationalen über diesen Ausfall begeistett, hatte doch der deutschnationale Abgeordnete L u k a s s o- w i tz wenige Wochen vorher sast wörtlich die gleichen Ausdrücke gegen den Disziplinarhof für nichtrichtettich« Beamte angewendet. Auf der gleichen Linie liegt auch das Verhallen der deutsch- nationalen Presse. Nach der Derkündung des Urteils gegen Kölling und Haffmann, wurden von rechter Seite die schärfsten Angriffe gegen den Disziplinarhof und namentlich gegen seinen Vorsitzenden. den Kammergerichtspräsidenten Tigges, erhoben. Als der Amtliche Preußische Pressedienst bekannt gab, daß gegen die Urheber dieser Angriss« vorgegangen würde, benützte die Rechts- presse dies zu einer neuen Verleumdung, indem sie— absichtlich die Notiz mißverstehend— behauptet, daß gegen Tigges ein Verfahren eingeleitet fei! Natürlich richtet sich das Verfahren gegen die Rechtspresse, und in erster Linie gegen einen Haupturheber der Treibereien, den fchmi aus früheren Affären her sattsam bekannten Stohlhelmonwall S cha p e r in Magdeburg, den Verteidiger Köllings und Hoffmanns. Er hat gegen den Disziplinarhof in ziemlich eindeutiger Form den Vorwurf der Rechtsbeugung erhoben. In einer anderen Aeußerung der Rechtspress«, deren Urheber noch nicht bekannt ist, wird sogar behauptet. Kammergerichtspräsident Tigges habe sich deshalb gegen Kölling und Hosfmann eingestellt, um seine Brauchbarkeit für den Posten de» Reichsgericht, Präsidenten als Nachfolger Simons zu erweisen. Das ist die Sprache der Deutschnationolen Partei und ihrer Presse gegen Urteile und Richter, die ihr nicht passen: da» ist die Verdächtigungsmethode der Leute, die fottwährend die Sozialdemokratie besckmldigen. das Ansehen der Justiz in der Oefsentlichkeit zu schmälern! Die kälteste Ttacht. Eingefrorene Wasserleitungen— Rohrbrüche. Anscheinend hat die Kältewelle ihren Höhepunkt überschritten so daß mtt einem allmählichen Nachlossen des Frolle zu rechnen ist. Berlin hatte in der Nacht vom Konnabend ,-»m Koanlog im Inneren der Ktadl 20 Grad kälte zu verzeichnen, während in den Außenbezirken 23 Grad gemessen wurden. Damu dürste Berlin seinen käste st en Tag seit vielen Jahren gehabt hoben. In den Nachmittogsstunden des Sonntags war ein Nachlassen des Frostes zu verzeichnen, so daß gegen abend nur 12 Grad Kälte herrschten. Infolge der großen Källe der letzten Nacht sind in vielen Häusern die Wasserleitungen einge- froren, so daß es verschiedentlich viele Stunden dauerte, bis i ie Bewohner Wasser erhalten tonnten. Die Feuerwehr wurde iin Laufe des Sonntagnachmittag verschiedentlich zur Hssseleistung M Wasserrohrbrüchen herbeigerufen, woraus geschlossen wird, daß in den nächsten Tagen mit Tauwetter zu rechnen ist. Kälte und Sturm über Italien. Aus T r i e st und F i u m e wird ein neuer K ä l t e e i r- bruch gemeldet. In beiden Städten verzeichnete man Sonnabenr 10 Grad Kälte. Bei dem herrschenden heftigen Nordostwind wird dieser Tag als der kälteste dieses Winters bezeichnet, doch hofft man, daß die Källe nicht mehr lange dauern wird. In Vened q sind die Lagunen teilweis« zugefroren. Die Sump' gegen trägt eine 30 Zentimeter dicke Eisschicht. In Udine zeigt« das Thermometer 17 Grad unter Null. Wie aus Rom gemeldet wird, nimmt die Kälte auch in Süd- und Mittelitalien ständig zu. Aus Neapel werden 7 Grad Kälte gemeldet. Auf dem Desuv ist viel Neuschnee gefallen. Die vielen Brunnen Roms tragen mächtige Eis- zapfen, die auch in der Mittagssonne nicht geschmolzen sind. In- folge der großen Kälte sind die Wasserleitungsrohre an vielen Stellen gebrochen. Sommerwetter auf Island. Im krassen Gegensatz dazu herrscht noch Meldungen aus Reykjavik auf Island Sommerwetter. Der Schnee liegt nur im Bergland und im nördlichen Teil der Insel. In Reykjavik hat es nur einmal so stark gefroren, daß der kleine Binnensee zugefroren ist. Den ganzen Winter über konnten im slld- lichen Teil der Insel die Feldarbeiten fortgesetzt werden. Die Beute der Bankräuber. Sin Aufruf der Kriminalpolizei. Zu dem großen Bankeinbruch in der Kleiststraße erscheint heute ein Aufruf der Kriminalpolizei an den Anschlag- s ä u l e n. Es werden nach einer kurzen Schilderung über die Ausführung des Einbruches verschiedene Fragen an das. Publikum gerichtet. Wer hat verdächtige Leute in dem Hause aus- und eingehen sehen? Wem sind in der Nacht zum 27. Januar ver- dächtige Personen mit Handtaschen oder anderem Gepäck in der Gegend, wo der Raub geschah, aufgefallen? Wo sind wertvolle Schmuckstücke zum Kauf angeboten worden oder wo sind sie in einer Goldschmelze zum Einschmelzen abgegeben worden? Nach dem die- her bekanntgewordenen Inhalt der ausgeplünderten Safes wird die Kriminalpolizei nunmehr Listen anfertigen lassen, die allen Pfand- leihen», Juwelieren und Schmelzen zugeleitet werden. Auch die großen ausländischen Handelsplätze für Juwelen, wie Amsterdam usw. werden mtt solchen Listen oerfthen werden. Bisher haben sich etwa 80 Safeinhaber gemeldet und den Inhalt angegeben. Einig« der markantesten Stücke seien envöhnt. Gestohlen wurden ein Goldgeschmeide, ein Geschenk des Sultans von Sansibar, Weißgold, handgchämmette Arbeit, ein Diadem in Platin. 20 Zentimeter lang und 6 Zentimeter hoch mit zwölf großen Brillanten, die beweglich in Tropfenform gescßt sind, eine 39 Zentimeter lange Brlllantriviere mit siebzehn fn Platin gefaßten Brillanten, von denen«inlie über drei Karat groß sind. Texthandschristen Richard Wagners zu der Oper„Tristan und Isolde" usw. Der reale Wett der entwendeten Kostbarteilen läßt sich auch Nicht annähernd bezisfern. Es dürfte sich ab« die Beute der Verbrecher auf viele Istillioven belaufen. Trohki cHrunfen? Das kleine Transportschiff überfällig. Aonstantinopel, 3. Ja«ua� Der russische Regierungsdampfer„Krasnp-Flot". auf dem, wie man glaubt, Trotzki sich auf seiner Reise nach der Türkei befindet, wird seit Donnerstag, wo er auf dem Schwarzen Meer in den schrecklichen Schneesturm geriet, vermißt. Man hegt die größten Befürchtungen für das nur 718 Tonnen große Schiff, denn der Sturm hat die Schiffahrt auf dem Schwarzen Meer vollständig still» gelegt. Bisher ist allerdings keine offizielle Be- stätigung eingetroffen, daß Troßki sich auf dem Schiff befindet. Inoffiziell wird jedoch behauptet, daß er sich in Batum auf dem„lstrasnh-Flot" nach jilonstantinopel eingeschifft habe. Das Observatorium Candili gibt bekannt, daß der furchtbare Sturm sich voraussichtlich vor morgen nicht legen wird. Tie Küste des Schwarzen Meeres ist von Schiffstrümmern übersät. Immer munter in der KPO. Es wird weiter geflogen. Es gibt zwei Sorten von Kommunisten: solche, die schon aus der KPD. hinausgeworfen sind, und solche, die erst nächstens daran kommen. Zu Sorte 1 hat sich jetzt der famose B r ö m m e° Finow gesellt, über dessen Abkommen mit den D e u t s ch n a t i o n a l e n hier berichtet wurde. Di. ser Hinauswurf erscheint angesichts der ausgezeichneten Zusammu. arbeit von Kommunisten und Deutsch- nationalen in Reichswg und Landtag eigentlich als eine„Ab- weicyung". Außerdem wurden durch Beschluß der Bezirksleitung Berlin- Brandenburg wegen„reformistischer Propaganda" weitere IS hin» ausgeworfen, unter ihnen Irmgard Rasch, bis vor kurzem Redakteurin der„Roten Fahne". Heimwehrterror in Oeutsthösterreich. Eozia demokraien verletzt. 3n Gloggnitz slliederösterreich) wurde am Sonntagabend eine sozialdemokratische Versammlung, in der der Vizebürgermeister von Iviener-Reustadt P ü ch l e r einen Vortrag über die heimwehr. bewegung halten wollte, von heimwehrleulen gesprengt. Mehrere hundert Heimwehrleute besehten den Saal lange vor Leginn der Versammlung, so daß die eigentlichen Teilnehmer, Arbeiter au» dem Gloggniher Industrierevier, kaum noch Einlaß siaden konnten. Als Püchler seinen Vortrag hallen wollte, wurde er von den heim- wehrleutea am Sprechen gehindert. Bürgermeister Puch. ler wurde verprügelt und verletzt: auch lS weitere ver- sammlungsteilnehmer wurden verletzt. Gloggnitz, der Ausgangspunkt der Semmcringbahn, ist zMeich der Mittelpunkt eines Jndustriereviers. P ü ch l e r ist ein Führer Oer. Sündenbock. Oer Redakteur der Münchcner Telegramm- Zeitung, der die Schi-npsrc den der Held, Schmelzer usw gegen Preußen verSffemlichte, wurde sosort entlassen. „Ich war's n'cht- die drei„Helden" dort haben die Sch mpfworte angemalt!" „Aber durch dich ist eS aufgekommen, darum kriegst du die Prügel!" der Republikanischen.Schutzwehr und der Arbeitersportler. Er ver- tritt auf dem Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundee, der alle zwei Iahke abgehalten wird, stets den Gau Deutschösterreich. Dieser neue Gewaltakt der heimwehren, noch dazu in Nieder- österreich, wird die Gereiztheit zwischen den beiden Lagern noch steigern. Abrüstungsoorschläge der Sozialdemokro- I e n sind wiederholt höhnisch abgelehnt worden und Bundeskanzler S e i p e l hat damals öffentlich erklärt,„wie er es aufsasie", wollten die heimwehren die Demokratie und darum sei er fü r si e und'b e- kenne sich zu ihnen.... Sozialdemokratischer Wahlsieg in Vorarlberg. Wien. 4. Februar. Lei den vorarlberger Gemeindewahlen. denea ein überaus hef. tiger Wahlkamps vorausgegangen ist. haben— soweli sich das Wahlergebnis überblicken läßt— die Groß deutschen sehr schlecht abgeschnitten. Sie verloren in Lregenz die Mehr» hell und damit den vürgermeislerposten. Die Christllchsozlalea haben sich im großen und ganzen behauptet. Die Sozlaldemo- k raten haben starke Maudatsgewinne zu verzeichnen. So eroberten sie t» Lregenz vier Mandate. Oer litauische Diktator dementiert. Die Litauische Sesandtschast in Berlin bezeichnet die Meldungen über den Belagerungszustand in Litauen als freiersunden. Die Essener Neue Tanzbühne. Fünfte Tanzmaiinee der Volksbühne. Wir haben schon oft schöne Tanzoorführungen in der Bolls- bühne gesehen— aber selten eine, die gleichzeitig so viel tolle Heiterkeit ausstrahlte wie diese der Essener Reuen Tanz- bühne. Diese Tänzerschar, die Frida h o l st an den Städtischen Essener Bühnen zusammengestellt hat, brachte einen selten gehörten Klang in ihre Darbietungen. Die Truppe kommt nicht vom Po- dium, sondern von der Theaterbühne her. Der abstrakte Tanz ohne jede Handlung mag da für sie nur selten möglich sein. Aber daraus ließe sich wohl das pantomimische Beiwerk erklären, nicht aber der tänzerische Ausdruck der Truppe, und in allererster Linie strahlt dieser die bezwingend« Heiterkeit aus. Frida holst und ihr Helfer Karl Bcrgeest sind vielleicht gar keine Westdeutschen, aber man mochte ihnen sagen: sie haben westdeutsches Temperament. Es scheint, als sei es ihnen unmöglich, sich oder andere auf die Dauer ganz ernst zu nehmen. Gewiß, sie haben auch ernst« dunkle Tänze. Doch immer wieder werden diese abgelöst von hellen, bunten, du.....rpuch das Uebergewicht behalten. Und gerade dos Doppelgesicht, dos dieses Tanzprogromm zeigte, machte es interessant. Diese Tanzgruppe kann olles: sie kann tief trogisch wie wild ausgelassen sein, und jedesmal wirkt sie echt. Das ist nur ver- ständlich, wenn man begreift: alle dies« Tänzerinnen und Tänzer sind gute Schauspieler. Und damit hat man auch die Erklärung, weshalb die Tänzerschar so organisch ins Pantomimische hinein- wachsen mußte. Die Matinee sing im üblichen Stil einer modernen Tonzvor- sührung an, mit einem abstrakten Tanz. Dieser„Marsch" zeigte vier Tänzer der Truppe in bester Form. In dieser Schar muh unheimlich gearbeitet werden. Die Glieder spielen im wirklichsten Sinne, jede Bewegung kloppt bis ins letzte, jede Figur formt sich mit müheloser Selbstverständlichkeit. Der Marsch ist auch formal glänzend. Dann folgte ein„Gruppentan z". Wieder ein« ab- strakte Komposition, diesmal aber mit ausgesprochen tragischem Ausdruck. hier wie in den Szenen aus Glucks„Don Juan" er- schlitterte die Kraft der Düsterheit und des Schmerzes bis ins Innerste. Die Glieder, die Körper klagten, weinten, schrien, droh- ten— ohne daß je ein Uebermaß an Bewegung, ja auch N'/r e>n allzu deutliches Pathos der Bewegung fühlbar wutde. Di« gespenstische Kraft, die in die tänzerische Gebärde der Finger gclegr werden kann, ist kaum je deutlicher begriffen und ausgelegt wnrden als in dem Tanz des„K o m t h u r s". Doch mit diesen Tänzen ist die Dunkelheit des Progran.ms auch schon zu Ende. Bereits zwischen die„Gruppentanz"- die ,.Don-Iuan"-Szenen schob sich ein groteskes Solo von Karl Bergeests„C l o w n". Es ist fabelhaft, über welche tänzerische Virtuosität seine beinahe gedrungen« Gestalt verfügt und welche Ausdruckssulle dieser Tänzer beherrscht. Eine Uraufführung„Der entfesselte Jazz" brachte das ganze Ensemble aus die Bühne. In diesem Werk wird der Pan. tomime unverhüllt gehuldigt. Di« einzelnen Orchesterinstrumente erwachen in der Nacht zu eigenem Leben und versuchen, sich zur Führung des Orchesters durchzuringen. Mit einer sehnsüchtigen Melodie umwirbt die Geige das Klavier uyd die üblichen Instru- mente. Unerhört muß si« sterben, und über ihrer L«iche bricht nach einer kurzen Trauerklage der Jazz los. Das ist außerordentlich witzig, sehr musikalisch und vor allen Dingen glänzend tänzerisch aufgebaut, wie überhaupt niemals die Pantomime den Tanz über- wuchert, sondern immer nur zu seiner Untermalung dient. Am entzückendsten zeigen sich die Fähigkeiten von Frida holst und ihrer Truppe in einer„Moralischen Revue: Sprich- Wörter". Tolle Laune, geistvoller Witz, wirklich gelungene Pa- rodie sprüht in kurzen Bildern auf. In den Rahmen einer Schmierenbühnc ist diese ganze Revue gestellt. Die Tänzer ziehen sich auf offener Bühne um und bauen Ihre Requisiten auf. Man hat das schon öfter gesehen. Doch in dieser kleinen Revue ist keine Anlehnung an irgendein fremdes Werk zu spüren, das ist aus innerster, eigen erlebter Theaterlust herausgegriffen und mit glän- zendem Können aufgeführt. Dos Publikum zeigte sich sür diese amüsante Matinee im Theater am Bülowplatz durch reichen Beifall dankbor. Truclc E. Schule. Arbeiter-Maffenchor. Morgenfeier im Saalbau Friedrichshain. Morgenfeier, veranstaltet vorn 2. Bezirk. Gau Berlin, des Deutschen Arbeiter-Sangerbundss. Gemischter Chor und Männer- chor, Massenchor und Einzelchöre:„Der junge Chor", Berliner Ut!h- mann-Chor, gemischte Chorgruppe aus Singegemeinjchaft am Wedding und Elternchor der weltlichen Schule Danziger Straße. Männer- chorgruppe aus Lerche-Einigkeit, Morgengrauen, Prenzlauer Berg— eine großzügige Schau über die Chorkröft« des Bezirks: ein statt- licher Aufmarsch und ein Bild, alles in allem von respektablem Wollen und Können. Leider war der Saalbau Friedrichs« Hain nicht so besucht, wie er es bei solchen Veranstaltungen zu sein pflegt. Log es an der ungewohnt frühen Stnnde oder an der ungewöhnlichen Kälte, daß so viele diesmal nicht gekommen waren? Beide Umstände schienen, besonders anfangs, ein wenig auch die Leistungen zu beeinträchtigen: es fingt sich schwer um 10 Uhr mar- gens, obendrein, wenn man aus einer Temperatur von 20 Grad unter Null hereinkömmt: die Dirigenten— P. Weirauch. Heinz Tiessen, Siegfried Günther, I. G. Rohrbach— hatten es wohl nicht ganz leicht, solche Widerstände der Situation zu überwinden. Um so mehr war die Vortragsfolg« danach angetan, Sänger und Hörer mitzureißen. Es ist ein« Freude, an solchem Beispiel erneut festzustellen, daß es nun doch möglich ist, aus Neu» bearbeitungen und Originalkompositianen ein einheitliches Chorpro« gramm aufzustellen, dos durchaus, ichvn vom Text her, auf den Gefühlston proletarischer Massen von heute gestimmt sst. K. P. „Faust" als Sprechchor. Matinee im Theater am Nollendorfplatz. Auz dem ersten und zweiten Teil des„Faust" will Dr. L e y» Hausen, der Leiter des Sprechchors der Berliner Universität,«ine Art von antiker Schicksalstragödie machen. Er nennt dieses Unter- nehmen„Nationen aus Goethes Faust". Aber die Szenen, die er auswählt, sind wenig entscheidend für das Wesen. Fausts Gretchen am Spinnrod oder Gretchen vor der Mater Dolorosa wirken in diesem Zusammenhang wie überflüssige Soloorien. Die Wahl der Szenen ist wohl hauptsächlich aus dem Gesichts- punkt erfolgt: wie kommt der Sprechchor am besten zur Geltung? Ist aber dieses Experiment überhaupt notwendig? heißt es nicht Eulen nach Athen tragen, wenn man die Zahl verunglückter Faust- versuche noch vermehrt? Leyhausen erhebt nebensächliche Momente zur Hauptsache. Er gibt beispielsweise die Euphorionszene, weil er hier seinen Chor ver- wenden kann, die Helenaszenen sind jedoch für Faust bedeutend wichtiger. Dies Beispiel sür viele. Das Ganze wirkt wie eine Sprechchorreoue mit ein paar gleichgültigen Soioszenen. Mit den„Persern" erzielte Leyhausen einen großen künstlerischen Erfolg. Der Chor ist hier ein wichtiger, organischer Bestandteil der Dichtung. Leyhaujen sollte aus diesem Gebiet weiter arbeiten und nicht sruchllos experimentieren. Die Dramen des Aeschylos oder Sophokles erschüttern heute noch. Der Chor selbst ist außerordentlich diszipliniert. Die Stimmen sind auf das feinst« schattiert und musikalisch abgestimmt, hinzu kommt, daß der Chor meistens getragen spricht, was bekanntlich leichter ist als Prestotempo. Problematischer wird es schon in der Euphorionszene. wo starke Bewegung einsetzt. Immerhin auch hier Ersreuliches. trotzdem man letzte Exaktheit vermißt. Die musikalische Untermalung ist auf schwere Rhythmen verankert, die nranchmol mit den Vorgängen aus der Szene disharmonieren. Im Ganzen:„Ein großer Aufwand ist umsonst vertan!" „Gustav Wasa." Ein nkuer Schwedenfiim im„Eopitol". Der Schwedenfilm hat bei uns einen guten Klang. Mit Recht. Wie die Schweden ihre Landschaft groß und eigenartig schauen, wie sie die Berbundenheit von Mensch und Landschaft zeigen, das ist unvergleichlich Man war daher gespannt, ob sie diese Borzüge auch in einem historischen Film behaupten würden. Der Gustao-Wasa- Film, der nihmredig genug angekündigt wurde, ist leider«ine Cnt- täuschung. Mag sein, daß das Thema— die Loslösung vam döni- schen Joch und die Begründung einer neuen nationalen Dynastie * durch den Edelmann Gustav Wasa— in Schweden mehr interessiert. Aber dem Nicht-Schweden kommt diese Chronik der Jahre 1S20 bis 1523 sehr langstielig vor. Gewiß gibt es auch hier herrlich« Land- schaften, und die Flucht Wasas auf Schneeschuhen gibt Gelegenheit zur Entfaltung schöner Wiiüerbilder. Sicherlich ist das kulturelle Milieu, besonders Darlekarlien mit seinen alten Trachten und Sitte» Iresslich gezeichnet. Aber es fehlt der große Zug, alles verläuft i» Kleinmalerei und epischer Breite, in die dann die Schlochtev Leben bringen sollen. Besonders ausführlich ist die Fahrt Gustavs durch Darlekarlien geschildert, jedes kleine Abenteuer des als Bauer Verkleideten wird hier aufgetischt. Immerhin ist hier wenigstens einiger Humor darin. Di« Darsteller und der Regisseur werden nicht genannt, man erfährt nur, daß der Film aus Malmö stammt. Unter den Dar- stellcrn zeichnet sich allein Gösta Ekmon, den man wiedererkennt, aus. „Stürme." Gloria-Palost. Sandstürme fegen über die Ebene, begraben unter sich olles, was si« auf ihrem Weg treffen. Primitive Menschen, bei denen der Revolver locker sitzt, wohnen in dieser Windecke Arizonas. Ihre Leidenschaften sind ungebrochen. Moral belastet sie nicht. Der harte Kamps ums Dasein schafft andere Sorgen, hier spielt die einfache Handlung, die nichts weiter bringt als dos Sichtreffen zweier Men- schen, eines.Stadtmädchens und eines Hinterwäldlers Nebenbei wird noch jemand erschossen. Ein nicht gerade unbekanntes Thema, aber von einem Regisseur behandelt, der Gewohntem den Glanz von Originalität verleiht. Viktor Sj ö ström Hot Gefühl sür die Naturverbundenheit des Menschen. Das Londschaftsbild, etwa eine sturmgepeitschte Sandfläche, oder Bäume im Wolkenbruch, unterstreicht im Gruyd« nur die Vorgänge zwischen den handelnden, liefert die orchestrale Begleitung. Während der Tornado rast, spielt sich der Kamps aus Leben und Tod in der schwankenden Hütt« ab, und während sich Enid vor Angst vor der neuen Heimat verzehrt, prasselt ein Wolk«nbnra> gegen die Wagen des Expreßzuges. Sjöström steht die Landschaft beinahe als Symbol. Daneben vermittelt er mit größter Eindringlichkeit die Atmosphäre, die Stimmung einer Szene. Ein kleiner, verregneter Bahnhos, in seiner Einsamkeit auf der Prärie frierend, wer kann das besser? Dazu glanzvolle Darsteller. Der sonst elegante Lars ha Ys o n spielt den Siedler, echt in jeder Gest« und mit reichster mimischer Ausdrucksskala. Lilian G i s ch lebt die zarte zer- brechliche Frau, die den Heroismus ausbringt, in Arizona zu bleiben und ein freudloses Dasein zu leben. Bon stärkster Wirkung die Szene, in der sie vor Angst fast wahnsinnig wird. P. S. „Ein Tag." Einen außerordentlich eindrucksvollen und hübschen Weg, dem Publikum ein Bild von dem Umfang und der Bedeutung einer modernen amerikanischen Zeitung zu geben, wählte das„Philo- delphia Evening Bulletin". Es hat nämlich den gesamten Inhalt (mit Ausnahme der Anzeigen) seiner Ausgabe vom 4. Juni 1328 in Buchform veröffentlicht. Diese Ausgabe bestand aus 102 Spalte» (in dem riesigen Format der amerikanischen Zeitungen) Neuigkeiten, Lektartitel. Illustrationen und sonstigen Lesestoffs. Äe Ausgabe war ein« Kleinigkeit unter dem Durchjchnittsumsang der Zeitung, und doch ergab sie ein Buch im üblichen Format in einem Umfang von 307 Seiten. Das muß dem Leser einen deut- lichen Begriff vom Umfang des bei einer einzigen Zeitung an einem Tage zum Druck gelangenden Stoffs geben, wenn er dieses„Ein Tag" betitelte Buch vor sich sieht, dem Leser, der als täglicher Be- zieher einer bestimmten Zeitung sich für ein paar Pfennig« töc"**- eine Bibliothek von 365 solchen Büchern im Jahr beschafft. vi« Volksbühne veranstaltet vier Boriräge über„Die Over unserer Zeit" die lnl Zentralinbitut sür Erziehung und Unterricht, PvISdame- cht>ahe l2V. ftatistn?en. Boitiagende: Leo SeSloutsuper Berlin) vomerfnuf ununterbrochen, |«»sie de» ganze» Tag geSffnet. I 1 Teleph. Steinplag 031 u, 7108. 1 scai-a 8 Ulir o 5 Barbarossa 925t 4 Brenetts Con Colleano und weitere Variete Attraktionen' 3»° und I Uhr— 3'° zu ermäßigten Preisen das ganze Programm Winfsr Qarren | 8 Uhr Raadaen erlaubt 8' [ In Berlin noch nicht gezeigte wapsete- Neuheiten ood wenare sensationsn. 3™ und 8 Uhr. 3» kleine Preise. VolKsbUbne llieäter amBülowtlati 8 Uhr Das MSdl ans der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am Sihltfliauertanira 8 Uhr Die Drei-Orosdien- Oper Thalia Theater 8 Uhr Oelrausch Staat). Sdiillei-Tl]. 8 Uhr Flachsmann als Erzielter staatupertia Plau der Bepahllk TV: jn Carmen ib. in Sdüfflinerhnn Täglich 8 Uhr nie OrDi-firosdien- Oper Jaulsen, Valetn. Anderi Gerron. Schaufuß, Kühl Lvovski.' üßütsto Ibeater Norden 12 310 8 Uhr. Ende IC'U U. DleVerbredter Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: He! nzHilpert Kararaerspiele Norden 12310 8, Ende nach lOV: U. Komödie von Edouard Bourdek Regie? Forster Larinaga. Die Komödie Bismarck 2414/7510 SVr Uhr, Ende 10',. „Olympia" von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. HALLER-fK „SdiOn and sintdi" l». in Mmifilspilist Täglich 8 Uhr Barnowsky-BühDen Theater in der Ktniggritzar Straße 81. Uhr. Revolte tra Erziel) unflsliaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaue SV« Uhr Das Geld auf der straBe tkatnav. Bernauer u. Oesterreicher Berliner Iieater DirektHeinz Herald Charlouenstrailc vu A. 7. Dönhoff 170 Täglich 3 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Böse) Helropol-Tbealer -• Uhr- Lustige Witwe FRITZI IKIASSARV MsiHsneee Welt Jankuhn, Uechi Elleot, N. Junkermenn, W. Schaeffers, Herqulte Sietere, Friere, Beeuty Sirb, Jaekeon Boys Gr.Sdiauspielhaiis 8 Uhr Casanova ALFRED JERGER Ann! Frind, Erny Jalen, Anny Ahlara. Liaaka, Santa, La Jana, Winkalatera, Kupfer, Arno, Banrfear, Margen. Blankanhare, Picha Zwei Charell- nszenierungen Gusomtausstattung Prof. Ernst Stern. In be'den Theatrrn Sonntag 3 Uhr Nachm.-Vorstellunrr zu kleinen Preisen N«u auf Eiektrela Theatßr am Nollendorfplatä Täglich 8 Uhr lettmen Geben Singspiel von Walter Kollo Zentral« Theater tili Jiltbtit. idti jramicifr. Täglich 8V< Uhr Sonntag auch 4 Uhr ich ROssd Ihr« Hand. Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gleich nam.Schlager Rundfunkhörer nalhe Preise Lessing-Tiieater 8 Uhr Katharina Knie. Heines Ibeater Täglich$*/* Jhf Lady uiinder- meres Fächer von Oskar Wilde androck Hechy, KU. der, Hardt, Mamelock u. Möller .ostspieliiaas Friedrichstr.23t Sergmann 2922123 Täglich 8'/« Uh' GuidoThieisdier in Weekend im Piradies lose-lheatei Sjr.fruklorttrSt.l3i 8V» Uhr LDie Fledennaos Iballa-TIieater dresdener Str. 72-J. 8 Uhr „Oelrausch" Trianon-Th. Täglich SV« Uhr Das Haus der Lasier (Yoshiwara) Sonntag 4 Uhr Hänsel u. Gretel �lafletaritim am Zoo 'inStt. indiinstliilu Straf Noll. 157<.- 14 Uhr Jer Sternhimmel im Winter • 18 Uhr' mar« und seine natsei II unr werden u.«ergehen d. Sterne Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583 M. Täglich r/i Uhr „Pas groBe ABC" Regie: Gusl. Härtung. Komische Oper) | James- Klein-Revue| Paradies der I süssen Frauen!! Parkett 4.50, Rang 2,50 M Reichshallen-Thealer \ounds| 81 sonnta- nachm.| J| Das Ittsiije neue Febr.-Proqr flsr Steuiner Sänger Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brettl: Konzert s Tanz s Variete 10 orode Nuramern. UMiPTW Arnold Scholz Hasenheide 10S/14 Gr.BocHbierfesl; Gr. Alpenball 7 Kapellen Einlaß 4 Uhr. 50 bayerische MaOl. Dienstag, den 5. k Drunr 1929 GroRc Odwenbraierel; Prlznücning des unglelcfa- sten Ehepaares(grämte Fran, kleinster Mann). ���JGeldgrels��5j-�50j— Dtseh. KUnstlsr-Th. 8>'. Uhi Der Zinker v. Edgar Wallace dnhtk Rita litthin Preise 1—10 Mark zur Miete W50,Ansbacherstr l CASINO-TBEÄTER Lothringer StraBe 37. Neu! Neu! ~Kilomet6Pliehchen Dazu ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Leser Gutschein fürl— 4Pers Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1�5 M. onstige Preise- Parkett u. 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Februar 1929 SprAMiD $fia/a4JÄJ0a& tä+uxzsü Im Rachen der Hölle Als Heizer durchs Rote Meer Ein« Stund« hint-er Genua betrat ich zum erstenmal in meinem Leben den Heiz räum eines Schrsfes. Ich war zwei Stock tief auf einer eisernen Leiter herabgellettert und befand mich in einem dunklen Raum, in dem ich einen Schatten über eine rote Glut ge- beugt Iah. Die Luft war dumpf und schwül. Der schwarz« Schatten weirdete sich von der roten Glut ab:„Br ingWosser zum Asche hieven!" S«ine in cholzschlipper steckenden Füße, s«ine Leinen- Hase, sein nackter Oberkörper, sein Gesicht, alles war kohlroben- schwarz. Er war ein schwarzer Herkules. Hein. Er schob einen langen eisernen Rechen, die.Fräcke", In den roten Rachen des Kessels. Vom Hahn hinter dem Kess«i ließ ich Salzwasser in einen Eimer ab und goß es aus die herausgezogenen Schlacken, die wie glühende Skor- pion« dem Heizer vor die Füße fielen. Der ganze Heizraum, so groß wie«in schmales Kabinett, war in ein« Dampfwolke gehüllt, die ein« rußig« Schicht auf uns zurückließ. Bald war auch ich ein schwarz«r Schatten. Zwonzigmat fuhr der Heizer in den Schlund und jedesmal übergoß ich die roten Skorpion« mit Wasser. Dann schloß der Heizer den roten Rachen. Jetzt war es stockfinster in der rußigen Höhl« und doch brannte Licht aus zwei mit Kohlenstaub bedeckten Birnen. Der Heizer klappte mit der Schaufel einen schweren eisernen Deckel aus, gut«inen Meter im Durchmesser. Ein zweiter glühender Rachen tat sich aus und blies uns den feurigen Atem ins Gesicht. Jeder der beiden Kessel hatte drei große runde Feuerlöcher. Eines links, eines rechts, eines unten. Heizer und Trimmer haben bei Wocheantritt zwei dieser sechs Feuer zu reinigen und die übrigen zu oersorgen. Der Kesiel hat die Form einer Riesentrommol, durch das Wasser im inneren gehen viele Dutzende kleiner Röhren. Das Feuer zieht aus den drei Oeffnungen durch einen Hinterraum.„Wolf" genannt, in dies« Röhren. Asche hieven heißt Schlacke und Asche an Deck he- fördern und über Bord werfen. �H i e v« u p", schrie mir der Heizer zu, nachdem er einen Eimer voll Schlacken an die Kette gehängt hatte. Einen Moment starrte ich auf die vorüberziehenden Wellen. Sind wir auf dem Meere? Ich habe nichts mit dem Master zu tun. Ich muß das Feuer der Hölle schüren. Meine Schaufel ist so groß wie ein Waschbecken. Wie ein Bleigewicht zieht sie mich nieder. Ich ringe mtt der Kohlenlast. Der Rachen verschlingt im Nu diesen kleinen Bissen. Er ist ewig hungrig. Zwanzig Schippen sind ein« Mahlzeit. Und alle sechs wollen gefüttert sein! Die Kohlen liegen seitwärts, oberhalb des Heizraumes in Bunkern. Bon den Bunkern geht ein Schacht in den Heizraum. Dieser Schacht muh immer ausgefüllt werden: das ist meine Haupt- arbeit. Ich trimme: Ich" schaufle Köhlen. Wenn ich verschnauf«, siehe ich unter einer der beiden Wind- hutzen, die die frische Lust des Meeres in die Hölle lasten. In Wellen und Stößen treibt die Seebrise in den dumpfen, heißen Raum. Sie dringt nicht durch die Höllenatmosphär«. Sie bläst imr ein bißchen hinein, es ist nur ein kühler Hauch. Ich muß direkt unter der Oeffnung stehen, um chn zu spüren. Schweiß rinnt über meinen mit schwarzem Staub bedeckten Oberkörper, über Stirn und Wangen. Der frische Hauch trocknet den Schweiß der Arbeit. Ich träume. Nur ein« halbe Minute. Dann weckt mich die barsche Stimme des Heizers zur Höllenarbsit zurück. Wer Stunden dauert sie, aber sie scheinen vier Ewigketten. Dann habe ich acht Stunden Ruh«, die mich ach! Minuten zu sein dünken. Ich würde mich am liebsten mtt dem Kohlenstaub ins Bett werfen, so müde bin ich. Aber ich wanke über das Hinterdeck ?iach Achtern zum Waschraum, der neben der F�xl, dem Heizer- quartier, gelegen ist. bade in einem Bottich, strompfe den ärgsten Schmutz aus Hose und Schweißtuch, steige mit der Wäsche in einen zweiten Bottich, spüle mich rein und schlüpfe in die inzwischen ge- trockenete Garnitur der Vorwoche, um in die Foxl zu stapfen. Ich habe keinen Hunger, kein Trimmer hat nach der Arbeit Hunger. Hitze und Uebermüdung vertreiben die Eßlust. Schon aus der Koje sitzend, würge ich ein paar Lössel mtt Salzfleisch vermischter Saubohnen hinunter, sinke um und schlafe. Die Kohlen werden rasch verbraucht. Immer größer wird der Abstaird zwischen Schacht und Kohlenvorrat. Immer länger wird die Bahn, aus der ich die Karrcnlast schiebe. Der«ferne Fußboden. auf dem ich stehe, bewegt sich nach links und rechts, nach vorn und hinten. Aber das ist nichts. Das ganze Unterdeck ist ein Feld von Nieten. Die Platten liegen wie die Schiefer eines Daches über- einander. Mein schwerbeladener Schiebkarren rattert und holpert und ich fühl« elektrische Funken durch Arm« und Oberkörper zucken. Einmal fiel ich mit dem Schlüsselbein auf die eiserne Karren- kante, daß ich eine Weile besinnungslos liegen blieb. Ich bekam Jod ausgepinselt. Jod ist das Universalmittel der Mannschaft. Wer Zahnschmerzen hat, bekommt Jod. Wer Durchfall hat, bekommt JN>. Wer Kopsweh hat.' bekommt Jod aus dir Stirn«. So verordnet es unser Arzt: der Kapitän.» In Port-Said nehmen wir Kohle auf. Araberkulis, Syrier, Neger— unaufhörlich nicken die Reihen an, ziehen die Reihen ab. Die Bunker füllen sich. Alles war nur ein Spiel bis jetzt. Wir fahren zwischen zwei Wüsten. Heißer Wind treibt den Sand über den Kanal. Ich glaube durch ein Sandmeer zu jähren. Als ich wisder die eisernen Leitern hinuntersteig«, stockt mir der Atem. Die Lust flimmert. Der schwarze Schatten am Feuer hat n-flchwoirnnene Umrisie.„Junge. Junge, jetzt wird's zappendüster!" sagt der Heizer. Ich fühl« e» selbst. Es wird ernst. Die glühenden Skorpione brennen mir in die Augen. Ich schnapp« nach Luft in dem heißen Dampf. Da» Schiff wird von Schleppern durch den Kanal gezogen. Das Feuer wird niedergehalten. Das ist sehr schwierig: man muh immer heizen und das Manometer darf nicht steigen. Aber die harte Arbeit hat noch nicht begonnen. Mir bangt, mir graut davor. In Suez werde ich davonlaufen!... Verdammt, es war kein Ausenchalt In Suez und obendrein habe ich Wach«. Der«ln« Heizer fühlte sich unpäßlich. Aber das dars niemand wisten, sonst nimmt der Kapitän einen neuen Mann an Bord. Wir stehen unter den Windhutzen, die Schaufel In der Hand und warten aus unser Signal. Dutzend« von Signalen schwirren «lls dem Majchineuraum. Unseres ist«cht dabei. Wir«arte«. Unbeweglich stehen wir da. Jeden Moment kann es losgehen. Di« Kessel grinsen uns an. Die Eisentür zum Maschinenraum tut sich aus. Grelles Licht. Ein Mann in blauer Uniform mtt silbernen Knöpfen.„Volldampf voraus!" Wir stürzen uns auf die Kessel. Wir reißen die Feuer auf. Wir schippen 20, 30 Schaufeln voll in jedes Loch. Die Feuer prosteln. Die Kessel zittern. Der Raum bebt Glühende Hitze. Schweiß dringt aus allen Poren. Wir fahren durchs Rote Meer. Wir schüren sechs rote Feuer. Wir schüren dos Feuer der Hölle. „God blind me, ein Rost ist durch!" Es war die zweite Nacht im Noten Meer. Ich wollte gerade an Deck klettern, ein bißchen Luft schnappen: stattdessen mußte ich zwei Schierer vom Maschinenraum holen. Wir schleppen aus der Werk- zeugkammer drei zwei Meter lange Zangen und einen wohl zwei Zentner schweren Rost in den stickigen Raum. Hein schiebt mtt der Pricke die glühenden Kohlen beiseite. Die Zangen fahren zu Dritt in den Höllenschlund und ziehen einen glühenden Eisenvotz heraus und noch einen zwetten. Herein mtt dem Reserverost! Nackt« Körper beugen sich über den Feuerschlund. Die ausstrahlend« Hitze treibt die Männer zurück. Heran— zurück! Heran— zurück! Es ist unerträglich, auch nur zuzusehen. Aber die Zett drängt, dos Manometer fällt. Ich muß die hungrigen Bestien füttern. Zum ersten Mal« besorg« ich, der Trimmer, Heizeraibeit. Vier Stunden schuften wir. Acht liegen wir wie tot in der Koje. Wenn olles gut geht. Aber der dritte Heizer ist ernstlich krank, die beiden andern müssen in 6-Stunden-Schichten arbeiten. Manchmal Hab' ich Angst um Hein.- Er spricht jetzt kein Wort mchr. Drei Tage später. Wir sind im Indischen Ozean. Hein bricht am zwetten Feuer die Schlacken auf, daß die Flammen wild auf- lodern. Ich sehe den Riesenleib, alle Muskeln gestrafft. Da. wie er die Stange hinabdrückt, bricht er zusammen. Der Brustkorb fällt auf die Stange, der Kopf in die Feueröffnung. .Hein. Hein!" Ich kann den schweißtriefenden Leib nicht packen. Reiße den Hals zurück. Hein sinkt leblos zu Boden und die Haar« flammen auf. ..Hilfe!" Es kommt«in Offizier. Es kommt der Kapttän. Aber da Hilst kein Jod mehr. Hein hat der Herzschlag getroffen. Adieu Hein, bist m der Hölle gewesen, hoffentlich kommst du in den Himmel. Am nächsten Morgen, als der Backschafler Kaffee, Poridge und Iam in die Foxl brachte, wo der kranke sjeizer und zwei Trimmer noch im Bett logen:„Geh' zum Offizier. Karl." sogt er, „du w i rst H e iz er." Ich wurde Heizer. Wir fahren nach Batavia auf der grünen Insel Java. Das sind noch 18 Tag«. Ob ich die wohl überlebe? Ob ich wichl noch einmal etwas Grünes sehe? Im Maschinenraum läutet's. Ich steig« in die Unterwelt hinab wie ein Verdammter. Der Heizraum scheiitt mir verändert ohne.Hein". Er ist größer. Es ist heißer denn je. Und wie will ich Knirps mit den sechs Feuern fertig werden? Ich mache mich über sie her. Ich will sie bezwingen. Ich muß sie bezwingen. Heraus mit der Schlacke. Meine Anne stecken tief in den roten Rachen. Mein Gesicht ist dicht über der heißen Glut. Es ist ein glühender Berg, auf den meine zwinkernden Augen blicken. Die Haut meiner Arme spannt sich straff, als zöge inan sie zusammen. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Ich zerre. Ein Glutregen fällt vor meinen Füßen nieder. Das Mona» meter sinkt. Strich um Strich. Die Schippe taucht in den schwarzen Berg. Hinein mit der Kohle. Ein Aufprasseln— Hab' ich Kohle ins Feuer geworfen, ich sehe nichts mehr davon. Die Schipp« taucht i« den schwarzen Berg...., Ich muß Sieger bleiben über die Feuer. Ich lasse nicht ab. Ich pricke, ich schippe. Das Manometer steigt. Meine Brust ist wie Blei. Ein schwarzer Regen rinnt über meinen Körper. Ich zerfließe in Schweiß. Aber ich Hobe gesiegt! Das Manometer fällt schon wieder! Ich pricke, ich schippe. Noch und noch und noch. Eine kühle Brise., Wie ich ausatme, stickt sich der' Boden. Langsam, schneller. immer schneller heben, senken sich die Kessel. Das Manometer sinkt. Böen blasen über meinen nassen Körper. Die Kessel schwingen. Die Hölle tanzt. Schippen rasseln über die Eisenplatten. Eimer rollen. Stangen fallen. Die Kohle poliert. Wankend fahr« ich mit der Schippe auf die Kohle los. Die Schaufel fährt in die Luft. Der Berg ist untergetaucht. Wie ich «ine Schaufel voll In den Feuerschlund werfe, fährt er auf mich zu. Das Manometer sinkt.... Ich taumle. Ich torkle. Freßt, ihr Ungetümer! Im Bogen fliegt die Kohle. Aus der Aschonluke unter dem Feuer überfällt mich ein dicker Wafferschwall. Brei von Asche und Wasser. Di« Wellen schlagen über den Schlot. Unaufhörlich steche ich die Schippe in den Kohlenhousen. Da bleibt sie stecken. Eine schwere Last liegt aus ihr. Ich taste. Ich fall«. Mein« Hand hält einen Schuh umklammert. Ein Körper. Ein Kopf. Ich starre: mein Trimmer. Jan. du bist den Schacht heruntergefallen. Bist du tot? Jan stöhnt. Ich schleife ihn in den Maschinenraum. * Zurück in die Hölle. Jetzt hat mich die Hölle. Ich bin der Hölle verschrieben. Ich bin ein Höllengeist. Ich fahr« mtt der Stange in die Höllenglut. Die Glut tut mir nichts an. Ich bin ein flammendes Wesen. Ich bin ein Teufel. Soll ich in den Kessel springen? Soll ich Feuer- garben einziehen? Soll ich die Wett verbrennen? Nein, ich bin mir ein armer Teufel, ein ohmnächtiger Diener der tollen Hölle. Jetzt öffnet sie alle ihre Rachen. Feurige Schlangen fahren auf mich los. Sie kriechen mir in den Mund. Sie verzehren mich. „Hilfe, Hilfe!" Ein blauer Mann ist über mich gebeugt. Ich liege auf einem weißen Laken. „Is he a german too?" „Er i st ein Wiener," antwortet mein Kapitän. „Dann soll er die Sachen packen. Es ist Krieg." Heinrich Hemmer. Kanaltunnelbau? Paris. Briand erklärte dem englischen Botschaf- ter, Frankreich sei bereit, über den Bau eines Kanaltunnels mtt England einen Verfrag abzuschließen. London. Im Unterhaus fand eine Tagung der Anhänger des Kanaltunnelbaus statt. Baron D e r l a n- der teille auf eine Anfrage von Kennworthy mit, daß die Koste» für den Bau des Tunnels auf 30 Millionen Pfimd veranschlagt würden, von denon die Hälfte von Frankreich, die andere Hälfte von England aufzu- bringen wäre. Es scheint, als ob jetzt der alte Plan, die Meerenge, die England von Frankreich trennt, zu einem Landwege umzugestalten, endlich verwirklicht werden sollte. Der Anreiz dazu war ja überaus stark seit der Entwicklung des modernen Fracht- und Reiseverkehrs. Wie umständlich und zeitraubend war es doch, die Waren, die beide Länder einander zusührlen, erst auf Schisse zu verladen, jenseits der Meerenge wierurn auszuladen und dann auf Eisenbahnen zu verfrachten, wenn sie sofort per Achse von einem zum anderen Lande befördert werden konnten. Und für die Reisenden war die Bequem- lichkeit, ohne Unterbrechung von Paris nach London gelangen zu können und dab<�? beträchtlich an Zeit zu sparen, erst recht einleuch- tend. Eine Möglichkeit dazu war seit geraumen, durch die Leistun- gen der modernen Technik gegeben. Denn der trennende Meeres- arm, das Aermelmeer der Franzosen oder der Britische Kanal der Engländer, ist an seiner schmälsten Stelle, wo ihn aus beiden Setten Kreidefelsen malerisch umsäumen, nur 33 Kilometer breit und an der tiefften Stelle nur S1 Meter tief, aus weite Strecken aber viel flacher. Nachdem man Gebirge auf annähernd die gleich« Entfer- nung hin durch Tunnels durchstoßen hatte, war auch der Bau eines Unterseetunnels zwischen Dover und Calais durchaus kein Wunder- wert mehr. Bohrungen, die man 1866 anstellte, ergaben, daß die Bodengestallung dem Bau eines unterseeischen Eisenbahntunnel? kaum Schwierigkeiten bereitet«. In der Tat wurde der Bau eines 35� Kilometer langen Tunnels auch in Angriff genommen, aber 1884 wieder eingestellt, weil die englische Regierung sich aus mili- tärischen Gründen widersetzte. England fürchtete, durch Herstellung einer Landverbindung seinen Charakter als uneinnehmbares Inselbollwert zu verlleren. Schon bei Shakespeare sinden wir immer wieder den Schutz betont, den die umgürtende See dem Lande gewährt. „Jenes England, von der See umzäunt, Dies wellenfest« Bollwert, sicher stets Und unbesorgt vor fremden Unternehmen" heißt es Im.König Johann". Und in„Richard ll." klingt dies Preis- und Trutzlisd noch stolzer: „Dies Bollwerk, das Natur für sich erbaut, Der Ansteckung und Hand des Kriegs zu trotzen, Dies Bollwert des Segens, diese kleine Welt, Dies Kleinod, in die Silbersee gefaßt, Die ihr den Dienst von einer Mauer leistet, Von einem Graben, der das Haus verteidigt Bor weniger beglückter Länder Neid, Der segensvolle Fleck, dies Reich, dies England." Selbst 1884 dachten die militärischen Kreise Englands noch wis einst ihr größter Dramatiker. Dennoch waren die Projekte der Unter- tunnelung oder der Ueberbrückung schon seit mehr als einem Jahr- hundert überaus zahlreich gewesen. Bereits im Jahre 1802, vor 127 Jahren, hatte ein Franzose den Bau eines Tunnels vorgefchla- gen. Lange Reihen von Oellampen sollten ihn erleuchten, eiserne Schornstein«, die sich über das Wasser erhoben, sollten für die Lüf- tung sorgen, und Wagen, von Pferden gezogen, sollten den Bcr- kehr vermitteln. Im Jahr« 1834 entwarf man ein anderes Projekt. Man schlug vor, eine riesige Eisenröhre am Grunde des Kanals von einem User zum anderen zu legen, durch die dann ein« Eisenbahn gcjührt wer. den sollte. Ein paar Jahre später glaubte man den Zweck dadurch erreichen zu können, daß man den Kanal überbrückte. Bogen von gewaltiger Höhe sollten die See überspannen, um die Passage der Schiff« nicht zu behindern. Bald darauf sollten an die Stelle der Brückenbogen auf dem größten Teil der Strecke steinerne Dämme treten, die an mehreren Stellen durch Brückenbogen zu ersetzen waren, um den Schiffsverkehr durchzulassen. Einer dieser Pläne wollt« durch die Meerenge eine förmliche Landenge führen, aus ge- wältigen Stein- und Erdmassen gefügt, die an drei Stellen durch Kanäle unterbrochen werden sollte. Diese Kanäle hinwiederum sollten durch bewegliche Brücken überspannt werden. Aber immer wieder kam man auf die Idee des Kanaltunnels zurück, die auch sicher längst schon verwirklicht worden wäre, wenn nicht die überängstlichen Militärs darin eine Invaflonsmöglichkeit gesehen hätten, eine Gefahr, die doch durch Sprengungen so leicht hätte vereitelt werden können. Heute scheint diese altmodischk Furcht endlich überwunden zu fein. Man hat eingesehen, daß>in Zettaller des Luftmilitarismus Flugzeuggeschwader dem Jnselboll- werk unendlich viel gefährlicher Wörden könnten alz ein jederzeit zu schließender Kanal. von Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten&, Loening, Frankfurt a. M. (13. Fortsegung.) Lielleicht ist der großen Augenblick gekommen, vielleicht hat der Sohn seine Fehler eingesehen und kehrt nun'zum Voter zurück. Das Herz des alten Mannes begann stärker zu pochen. Vielleicht ist nun dennoch der längst ersehnt« Augenblick gekommen. Der Junge ist befangen, man muß ihn ermutigen, freundlich zu ihm sein, ein wenig nachgeben. Er darf vor sich keine Marmor- wand sehen, sondern den Vater, der ihn liebt. „Komm essen, Sammy." sagte der alte Mann heiter.„Komm, du bist bestimmt hungrig." „Vater," entgegnete Sam,„ich möchte mit oft- sprechen." Endlich. Endlich ist es gekommen. Man muß nur warten können. Eines Tages geschieht es dann doch. „Was ist es, mein Sohn?" Sammy blickte ihn an. „Ich glaube, daß du recht hast, Bater," sagte er.„Ich glaube. daß du recht hast." Hat er recht? Er hatte ja immer gewußt, daß er recht hat. Hat nur darauf gewartet, daß der Sohn es von selbst einsieht. „Du hast recht, Vater. Es lohnt sich nicht. Ich ertrage es nicht. Es ist gemein." In Jacobs Herzen leuchtete die Sonne. Mein Gott, wie gut, wie gut sind derartige Augenblicke! Wie gut, wie schön ist alles. „Vater," fuhr Sam fort,„die Firma hat heute Bankrott gemacht." Der alte Jacobs verstand ihn nicht. Was sagt Sam? Die Firma hat Bankrott gemacht? Bantrott? „Was willst du damit sagen?" fragte er.„Bankrott?" „Ja, sie ist in Konkurs gegangen," erwidert« Sam und senkte die Augen, als wäre es seine Schuld, daß die Firma Bantrott gemocht hat.„Alles ist aus." Der alte Jacobs oerstand noch immer nicht. Konnte es nicht begreifen. Bankrott? „Ehrliche Menschen machen nicht Bankrott," erklärte er. Sam wußte nicht, wie er es erklären, wie er dem Vater be- greiflich machen sollte, daß Leute Bantrott machen können, daß es nicht seine Schuld ist: er war ja nur ein Angestellter der Firma, der Bantrott bedeutet für ihn nur den Verlust seiner Stelle. Aber wie soll er das erklären? Was weiß denn der Vater von derartigen Dingen? Der Vater ist ein alter Mann, der nur die Alte Welt kennt, den die Neue Welt unberührt gelassen, den sie nichts gelehrt, den sie nicht verändert hat. Und nun der Bankrott. „Begreifft du nicht, Vater? Es war ein Irrtum, jemand hat sich geirrt." „Ehrliche Menschen machen nicht Bankrott," wiederholte Jacobs. Sein« Stinune klang hart. Er wußte nicht, was er denken solle, wußte nur, daß Vorsicht geboten war. Er stand am Rande eines furchtbaren Abgrunds. Sein Sohn gehört zu einer bankrotten Finna, Menschen machen Bankrott, wenn sie ihr« Schulden nicht bezahlen oder aber etwas zurückhalten wollen, das nicht ihnen gehört. Ist sein Sohn so? Ist sein Sohn«in...? Er Ueß das Essen unberührt stehen, erhob sich, legte die Hände auf den Rücken und schritt im Zimmer auf und ab. Die Frau, den unvermeidlichen Streit ahnend, setzte sich aus einen Sessel bei der Tür und wischte sich verstohlen mit der Schürze die Augen. Der alt« Jacobs ging aus und ab. Was will der Sohn jetzr noch von ihm? Er hat Bankrott gemacht, sein Sohn ist ein Bankrotteur. Ein Mensch, dam die anderen Menschen ausweichen wie einem Aussätzigen. Was will er denn noch? Welche anderen Welten will er noch zerstören? „Vater." sprach Sam,„ich will nicht mehr ins Geschäft gehen. Will bei dir bleiben und lernen. Möchte sein, wie du." Er tonnte, dem Vater seine Gefühle, seinen Ekel vor dem ganzen nicht erklären. Der alte Jacobs schritt noch immer in der Küche auf und ab. Seine Hände hielten sich fest, als suchten sie beieinander Hilf«. Der Sohn will nicht mehr arbeiten, will lernen. Er will lernen. Will werden wie der Voter, der sein ganzes Leben den, Wissen weiht. Er will... „Du Dieb!" schrie er. Die Frau schluchzte lauter, die Tränen würgten sie in der Kehle. Sie wogt« nicht, aufzublicken, fürchtete sich vor dem, was sie sehen würde. Der alt« Jacobs stand vor seinem Sohn und sah ihn mit furcht- baren Augen cm. „Du Dieb! Du willst in den Heiligen Büchern lesen, du, der im Schmutz gewatet hat! Du willst lernen. Du willst mst deinen Diebeshänden das Heilige Buch berühren. Du..." Sam erschrak. So etwas hatte er noch nie erlebt. Er hotte geglaubt, daß der Vater sich über seinen Entschluß freuen, glücklich sein, ihn mit Tränen der Verzeihung küssen würde. Und jetzt.... .hinaus!" schrie der alte Jacobs,.hinaus aus meinem Haus. Du bist tot. Der Fluch Gottes treffe dich. Ich habe keinen Sohn. Ich habe keinen Sohn." Er packt« Sam beim Kragen, zerrte ihn in den Laden, riß die Tür auf und schleuderte ihn aufs Pflaster. Sam rührte sich nicht Der alle Jacobs kehrte, am ganzen Körper zitternd, in die Küche zurück. „Sarah," sprach er,„zerreiß« deine Kleider. Unser Sohn ist tot." 8. Einig« der Angestellten. - er erste Augenblick brachte eine völlige Betäubung mit sich. Das Ganze kam so plötzlich, so unerwartet. Ein langweiliger Tag. die Börse lustlos. Sommer, keinen freute die Arbett. Jeder sehnte sich hinaus, in einen Park oder aufs Land. Bill träumte von einer große Forelle, die er einmal im Delaware-Fluß gefangen hatte. Jeder der Angestellten hatte eine Lieblingsbeschäftigung kür den Sommer,«in Ideal, von dem er träumte, das er aber nie erreichen konnte. So kam es, daß sie an. diesem Tag mehr träumten als arbeiteten. Icnr, die das Telephon bedienten, stellten mit schläfrigen Ge- .ärden die Verbindungen her, gaben bisweilen auf die Fragen falsche Antworten. Die Buchhalter lagen über den Papieren, den Kopf zwischen den Armen, und schrieben langsam, ganz longsam Zahlen. Die Börse war lusttos, tot. Nichts rührte sich. Nicht ein- mal ein Donnerschlag hätte sie zu erwecken vermocht. Es war der Anfang der Sommersaison, eine Zeit, da sich auch auf der Lörs« vichts ereignet. Kunden kommen aus der Sommerfrische, lausen und oerkaufen träge einige Aktien, reden von ihren Golsrekorden und kehren wieder in die Sommerfrische zurück. Nichts wurde erwartet, nichts konnte erwartet werden. Read und Glymmer saßen hinter verschlossenen Türen mit einem Fremden, von dem Charlie behauptete, er sei der Syndikus der Firma. Niemand wußte, was das zu bedeuten hatte. Zuckor sah sorgen- voll drein. Aber das tat er ja immer, die geringste Kleinigkeit be« kümmerte ihn. Alle waren viel zu faul, um herauszufinden, was los sei. Sonst hätten sie es tun können. Der eine oder der ander« hätte unter irgendeinem Vorwand ins Privatbureau gehen und etwas erfahren können. Aber keinen interessierte es. Und dann kam der Kerl herein, der dumme Elektriker von der Tickerfäbrik. Der Mann mit dem Dorstümmeigesicht, den sie alle geneckt hatten, als er den Ticker montiert hatte. Endlich jemand, der sie unterhalten wird. Jeder suchte nach einer geistreichen und boshaften Bemerkung, um sie dem Elektriker an den Kopf zu werfen. Aber die Atmosphäre war so voller Tätigkeit, daß ihnen nicht gleich etwas einfiel, und noch ehe sie etwas sagen konnten, sahen sie, daß der Elektriker die Drähte des Tickers durchschnitt. Einen Augenblick starrten sie ihn verständnislos an. Der Kerl muß von der Hitze verrückt geworden sein. Den Verstand verloren haben. Bill, der erste Angestellte des.Maklerbureaus, fragte: „Hören Sie mal, weshalb tun Sic das?" Der Elektriker schmunzelte. „Sie werden es bald genug erfahren." Er nahm den Morseapparat unter den Arm und strebte der Tür zu. Hier machte er einen Augenblick Halt: es erschien ihm witzig, zll sagen: „Jungens, das nächste Mal seht»euch nach einer sichereren Stelle um." Die beiden Bureaus lagen in tiefer Stille, einer Stille, die durch den Anruf Baltimores, den niemand beantwortete, noch fühlbarer wurde. Baltimore klingelte noch eine Weile, gab es dann auf. Llackbird sagte: „Großer Gott! Die vierte!" Da erst begriffen alle, was geschehen war. Blackbird war«in alter Buchholter, der das Pech hatte, immer für Firmen zu arbeiten, die Bankrott machten. Drei hatten bereits falliert. Sein Ausruf erklärte alles. Jetzt schrien all« durcheinander. Jeder halle das Gefühl, daß er schreien, seine Gedanken klären müsse. Dos Denken fällt viel leichter, wenn man roegen nichts und wieder nichts brüllt: viel leichter, als wenn man schweigt. Sie fluchten, fluchten so gotteslästerlich wie sie kannten Jeder suchte in seinem Geist die gemeinsten schmutzigsten Wort«, die er kannte, und schleuderte sie in die Lust. Das tat ihnen wohl. Beruhigte sie. Jeder dachte' daran, daß er eigentlich arbeiten sollte und be- schloß dann, es habe ja keiner, Sinn, die Firma sei bankrott. So saßen sie vor ihren Pulten und Tischen, zündeten Zigaretten an und sahen unabhängig drein. Phil Johnson und Charlie fingen an, Schrift oder Adler zu spielen. Den anderen gefiel die Idee, sie beteiligten sich Ein« Weile hörte man nur das Klimpern der Münzen, die Rufe der Gewinner, die Beschuldigung, der andere' habe gemogelt. AI» Zuckor den Raum betrat, fühlten sich alle schuldig, hätte» am liebsten wieder zu arb«tt«n begonnen. Da sie jedoch in der Mehrhett waren, spielten sie weiter. Zuckor blickte sie traurig an, sprach aber kein Wort. Hätt« jemand am nächsten Tag die Angestellten gefragt, was sie im Bur«ou getan haben, sie hätten es nicht zu sagen gewußt. Keiner begann etwa-, keiner mochte etwas ferttg. Nachdem sie Schrift oder Adler gespielt, zog einer Würfel aus der Tasche, und nachdem sie auch des Würfelspiels überdrüssig geworden waren, griffen sie nach Karten und spiellen Poker. Dabei kam«s fast zu einer Rauferei, aber auch die gedieh nicht bis zum Ende. Hätten sie Alkohol gehabt, sie würden sich betrunken haben. Alles— nur nicht an das Morgen denken. Da haben sie nun gearbettet, gearbeitet, gearbeitet, von ein wenig Behagen und Muße geträumt, davon, an einem Somrm'twg zu tun, was ihnen gefällt. Die Luft war voller lauer Trägheit. Sie hatten es gefühlt, waren faul gewesen, hätten am liebsten nichts getan. Aber etwas hiell sie an der Arbeit: der Gedanke, daß sie arbeiten, ihren Unterhatt verdienen müssen. Sie hatten mit diesem Gedanken gelebt: wir müssen arbeiten und tun es an diesem schönen Sommertag so ungern. Und jetzt, da«s sich ereignet hat, da der Gedanke an das Arbeitenmüssen verschwuren ist, da sie sahen, wie der Ticker fort- getragen wurde und an der Wand eine leere Stelle zurückblieb, da fühlten sie Angst vor dem, was kommen wird. Jeder befand sich in einer Menge— und in der Menge denkt kein einzelner—, und jeder wollte in der Menge bleiben. Sic fürchteten sich vor der Einsamkeit, vor ihren Gedanken. Im Unter- bewußtsein quälte jeden die Angst vor dem Denken. So blieben sie beisammen und schützten sich derart vor dem Denken. Sie wollten auch etwas tun, um die Gedanken.zu verscheuchen. Deshalb spielten sie Schrift oder Adler, Poker, deshalb rousten sie fast. Deshalb würden. sie sich betrunken haben, hätten sie Alkohol gehabt. Sechs Angestellte waren im Bureau zurückgeblieben. Zu Kegi.i» waren es mehr gewesen, alle Angestellten. Aber einige hatten auf- gehört, zu der. Menge zu gehören, hatten zu denken begonnen, waren erschrocken mit Ihren Gedanken fortgelaufen.(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. miiiiiinmininimuimiiiiiiiuuiniininmiiiiuiiiiiiiiiinniuiiinniimmniuJiiimmuinnnnnimiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiminiiiiinniiiiiinninitiiiiiimmiituniiiiiiiiiniiiiinminimi Zensurkampf um einen deutschen Film. Zwischen den Vertretern der brttischen Filmindustrie und den englischen Filmzensoren ist um einen deutschen Film eine heftige Kontroverse ausgebrochen.„SuNday Expreß" zufolge hat der Filmzensor einen deutschen Fllm, der die biologische Entwicklung der Well zeigt, verboten..Die britische Filmindustrie ist aber der Ansicht. daß der Film alle Vorgänge in einer durchaus dezenten, wisien- schaftlich einwandfreien Weise zeige und Hot sich für seine Freigabe eingesetzt. Dies« ist aber selbst nicht unter der Zusicherung erfolgt, daß der Film für Jugendliche unzugänglich sein sollte. Die britische Filmindustrie will sich mit dieser engherzigen Entscheidung des Film- zensors nicht zufrieden geben, sondern die zuständigen Behörden durch geschlossene Vorstellungen von der Ungefährlichkeit und Güte des Filmes überzeugen. Königlich-ungarische Sittlichkeit. Ein Stadt hauptmamr in einer ungarischen Kleinstadt, d. h. der Polizeichef, hatte alle Mädchen und Frauen, nach denen ihn, gc- lüftete, aus amtlichen Vorladungssormuloren zu sich beschieden, und wenn sie ihm nach Androhung der Prügelstrafe nicht zu Willen waren, diese staatliche Zwangsinaßnahme höchsteigenhändig an ihnen vollstreckt und zwar, wie sich ein Gerichtsurteil schamhaft aus- drückt, auf den nackten Körper. Die Frauen wagten nicht, den edlen Vertreter der königlichen Staatsgewalt anzuzeigen. Eines Tages prügelte er aber amtlich einen Vauernburschen, der der famosen Leventepslicht nicht nachgekommen war. Es ist das die Pflicht zur militärischen Ausbildung, die unter Duldung der Entente- großmächte dem Lande auferlegt worden ist, obwohl es unter scharfer Heeresdienstbeschränkung und strengem Verbot der Reservistenaus- bildung steht. Was die Frauen sich still gefallen ließen, blieb in diesem Falle nicht ungerächt— es ersolgte Anzeige. Dem Stadthauptmann wurde der Prozeß gemacht. Mit einer geringen Strafe ist die Sache gesühnt und der edle Stadthauptmann wird an andrer Stell« weiter für den Staat verwendet werden! Zeit ist Geld sagt ein altes Sprichwort. Dos große Problem ist nur, wir kann man dieses kostbare Geld flüssig machen. Die verantwortlichen Leute der Sparkasse des Kreises Neuwied haben diese Frage spielend gelöst. Di« Sparkasse gibt an Stelle der alten, nicht mehr zugkräftigen Heimsparbüchsen jetzi sogenannte Sparuhren heraus. Diese Uhren gehen genau SO Stunden und lassen sich erst aufziehen, wenn man «n Geldstück von 10 Pf. bis 2 Mark hineinsteckt. Ein fabelhafter Gedanke! Man spart auf dies« Weise bestimmt Geld,— wenn man >-«lches hat. Note!. Schlechte Roten verursachen immer wieder Selbstmord« von Schülern. Daß aber eine gute Note den Vater veranlaßt hätte, sich über den Lehrer zu beklagen, steht wohl einzig da. Der rechts» radikale Koroettenkapttän a. D. G ö t t i n g in Jena beschwerte sich neulich bei seinem Gesinnungsgenossen, dem Direktor des Jenaer Gymnasiums, über den schulrefarmerisch gesinnten Prof. T h e i l, well dieser seinem Jungen für einen Aufsatz die Note 1 gegeben hatte. Der Knabe verstand es, eigene Schulerlebnisse frisch und munter zu schildern, woboi er auch einen Lehrer des Gymnasiums mit witzigen Anspielungen nicht verschonte. Als der Junge seinem Vater den Aussatz freudestrahlend zu lesen gab, eilte dieser voll Empörung zum Direktor und Pros. Theil erhielt— eine Ordnungs strafe von 30 Mark. Wenn das Ministerium sie nicht aufgehoben hätte, so wäre es dabei geblieben! Der Herr Gutsbesitzer klagt--- Auf einem Gut in der Lausitz saßen am Z. Weihnachlsfeiertag der Schweizer und ein Gutsarbeiter in der Gesindestube noch 9 Uhr qbends bei Grovmophonmusik gemütlich beisammen. Der Gute- besitzer, der noch Licht in der Gesindestube sah, ging hinein und gebot, schlafen zu gehen. Als man die erst halbobgelpiette Platte zu Ende spielt«, lies dem Gutsbesitzer die Galle über. Er packte den Schweißer beim Kragen und wollte ihn zur Tür hinauswerfen. Der Schweizer verbat sich dies« Annäherung und löste das Arbeits- verhättnis. Der Gutsbesitzer, der vorübergehend zun, Melken der Kühe eine Frau einstellen mußte, der er eine Entschädigung von 2 Mark zahlte, verlangte deshalb vor dem Arbeitsgericht eine Ent- schädigung von 7 Mark, deren Höhe er damit begründete, daß der Schweizer außerdem Löcher in die Wand gebohrt habe, um, wie der Vorsitzende es ausdrückte,„mit den Mädchen Konkubinat zu treiben"! Die Verhandlung ergab die Unmöglichkeit des Vorgangs, worauf der Gutsbesitzer zugeben mußte, daß ti sich die Löcher gar nicht angesehen habe. Damit war die Schadenersatzklage hinfällig geworden, das Arbeitsgericht aber um einen, neuen Beitrag zum Kapitel Gutsbesitzer und Landarbeiter reicher. Fr ISsst sich nicht verblüffen. Ein englischer Kaufmann wurde wegen einer geringsügigen Uebertretung zu 10 Schillingen Geldstrafe verurteilt. Er zieht seinen Beutel, um die Strafe— wie es in England möglich ist— sofort zu zahlen. Aber die Richter machten dazji lange Gesichter: denn er fing an, die Summe in Kupsermiinzen aufzuzählen und sie ver- weigerten die Annahme des Geldes. Der Kaufmann verlieh still- schweigend dos Zimmer und kam bald mit einem Gesetzbuch wieder. Er zeigte den Richtern, daß er berechtigt sei, den Betrag auch in kleinster Münze zu zahlen. Die Richter) wollten jetzt das Geld nihmen. Aber der Kaufmann kam ihnen zuvor, strich es ein und wies ihnen nach, daß er die Strafe nicht zu zahlen brauch?. wenn die Annahme des G?ldss aber die Ausstellung einer Quittung verweigert worden sei Daraus nahm er seinen Hut. grüßte>'??"»'>- lich und lieh die verdutzten Richter allein. Sein eigener Orabredner. Pastor C. 2. M o r r e l aus Pittsburg in den Vereinigten Staaten war fein Leben lang als origineller Mann bekannt. Als er das Zeitliche segnete, überraschte er seine Freunde damit, daß er selbst an. seinem eigenen Grab« die Leichenrede hielt. Kurz vor seinem Tod besprach er eine Grammophonplatt«, die dann bei seinem Begräbnis gespiett wurde..Ler Tod ist genau so natür- lich wie das Leben," sprach die Stimme des Verstorbenen zu den Leidtragenden.„Man soll sich niemals vor dem Tod« fürchten. sondern zu jeder Zeit bereit sein, das Leben würdig zu verlassen." Dann folgte die etwas eigentümliche letztwillige Verfügung des Pastors�„Meine Bibel vermache ich der Kirche, meinen Hammer schenke ich der Freiheit, die mit diesem Instrument alle an mir bis jetzt noch haftenden Fesseln in Trümmer schlagen soll, und meine Weckeruhr vermache ich der Polizei in Minneapolis." Das Wintersportfest des Reichsbanners Kameradschaff Braunlage Bundesmeisf er. A. S. Braunlage, 3 Februar.(Eigenbericht.) 2a» erst« Bundeswinters ports« st des Reichs- b a n n e r s wurde zu einer Heroorragenden Kundgebung für die Republik. Die Harzer Bergbewohner haben die„Garde Hörsing" kennen und schätzen gelernt. U eberall in den Harzorten sah man in den letzten Togen die Btaukappen mit den schwarzrotgoldenen Kokarden. Von ollen Seiten kamen die Wettkämpfer in den Harz. Di« kleinen Harzer Bähnchen hatten Mühe und Not, all« bis hinaus in die Berge nach Braunlage zu bringen. Der Kurort Braunlag« Hot die Sportler gut bewirtet und auch durch reichen Flaggen schmurt gezeigt, daß die Kämpfer für die Republik gern ausgenommen werden. Aus der Hauptstrahe grüßten Transparente, vor ihren Häusern hatten die Braunlager Schnee- sigurcn aufgebaut. Der Genieindevorsteher R o l o f s hotte vor seinem Hause ein meterhohes Schneedenkmal, das mit den repubi'ka- nischen Symbolen verziert war, aufgestellt. Ein Meister des Schnee- dildwerkes hatte aus Schnee die Büste des ersten Reichspräsidenten geformt. Abends waren diese Schneekunstwerk« beleuchtet. Au einem B«grüß ungs abend versammelten sich die Sportler und die republikanische Bevölkerung am Sonnabend abend im Schützeichaus. Genieindevorsteher Roloss begrüßte das Reichs- banncr in Braunlag« und sprach seine Freude darüber aus, daß die Reichsbonnerfportler auf ihren Skifohrten im Harz die Farben der Republik in die kleinsten Dörfer getragen haben. Im Austrage des Bundesvorstandes sprach Höltermann, der unter starkem Beifall mitteilte, daß die A rdeite rs p o rt orga n ifati onen durch eine rege Be- teiligung an dem Fest zeigen, daß gemeinsam« Weg« sie zusammen- sichren. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund und die Sozialistische Arbeiter-Zug end werden ein« Reihe guter Mannschosten in da» Rennen schicken. Laichrat Dr. B ä r e n f p r u n g, ein alter Mitkämpfer im Reichs- b anner und Kreisdeputierter Schminke sprachen fiir die Land- kreise Novdhaufen und Quedlinburg dem Reichsbanner den Dank dafür aus, daß es feine Mannschaften auch einmal in dieses Gebiet gezogen Hot. Hier wären noch viel« Freunde für die Repubsit zu gewinnen. Stadtrat Dr. Böhme sprach die Festworte. Er betonte, daß im Reichsbanner alles untergeordnet fei dem großen Gedanken: Immer und allzeft kampfbereit für die Reptiblik! Sonntag vormittag begannen die wetttämpf«. Start und Ziel waren om Schützeichaus. Schon früh waren die Sportler auf den Beinen. Nach den Bestimmungen des Bundes- Vorstandes dürfen nur Mannfchaftskämpsc ausgetragen werden, die den Gemeinschaftsgeist stärken. Drei Mann bildeten eine Mann- schuft, die geschlossen startete und auch geschlossen am Ziel eintreften mußt«. War der Abstund zwischen dem ersten und letzten Mann mehr als 30 Meter, so wurde die Mannschaft nicht gewertet. Der schwache Mann in der Mannschaft mußt« in der Mitte laufen. Der Führer bahnte ihm den Weg, der letzt« Mann mochte den Antreiber. Um Punkt zehn Uhr wurden die ersten Mannschaften aus die Reis« geschickt. Die Strecke war abgesteckt. 12 I i I o m e t e r m u ßt« n gelaufen werde>'. In Abständen von einer Minute starteten in den einzelnen Alters- und Jugendklasse» 40 Mannschaft«». Die Harzer hotten ihre besten Leute an den Start geschickt. Sie wollten Skimeister des Bundes sein. Den Städtern wollten sie natürlich den Erfolg nicht gönnen. Die Berliner hatten gut trainiert, waren zum großen Teil in guter Form. Aber da sie fast alle erst Sonn- abend nachmittag nach dem Harz fahren konnten, und dort spät nachts ankamen, waren sie für die Anstrengung eines 12-Kilometer- Marsches nicht genügend ausgeruht. Die Berliner Trainer Truthe und P o s p i e s ch i« l halten sich groß« Mühe gegeben. Die Bretter wurden auch noch in aller Früh« für den verhorrfchten Schnee zu- rechtgemocht. In der Hauptklasf« starteten drei Berliner Mann« sch asten: einem Kameraden riß die Bindung, die Mannschaft, die mit als erste ans Ziel ankam, war nicht vollständig konnte also nicht gewertet werden. Braunlage holte sich die Meisterschaft mit 56,38 Minuten. Die T a n n e r folgten mit 58,5 uiiii dann eine Mannschaft des A r b e i t e r- T u r n- u nd S p o r t b u n d e s. Die Berliner Mannschaft Pospieschiel, Hermann und Preiste konnte den vierten Platz behaupten. Eine glänzende Leistung, denn die Städter haben erst eine dreijöhrige Erfahrung auf den Brettern und haben seltener Gelegenheit zum Training, wie die Harzer. Bon den Städtern waren die Berliner Mannschaften die besten. Im S'Kilometer-Lauf für die Jugend holten sich die Tanner den Meister mit 42,41 Minuten. Dann folgte Vrairnlage, Quedlinburg und Braunschweig. Di« Berliner Mannschaften wurden nicht ge- wertet, weil einer seine Kmneraden auf der Strecke ließ und auch am Ziel nicht auf sie wartete. Im Geländelauf für Frauen siegte Bley-Braunlage mit 22,44 vor Fritzc-Magdeburg. Nach einer kurzen Mittagspause trafen sich die Sportler zu einem llmmarsch durch Braunlage. Mit Musik wurde zur Sprungschanze n Klischiert. Dorr zeigten die Könner aus den Brettern den Aibabys, wie man springt. Trotz- dem die Bahn vollkommen verharrscht und der Arislauf für die Springer zu kurz war. zeigten die Springer ausgezeichnet« Leistun- gen. Bor allem die Braunlager zeigten sich von ihrer starken Seite. Di« drei ersten Plätze in der Konkurrenz tonnte sie vor dem auf der Schanze nicht eingesprungenen Berliner Pospieschiel behaupten. Walter Wagner sprang 33 Meter und erhielt III Punkt«, Kruse 32 und 101 und Heinz Wagner 30 Meter und 101 Punkte. Der Berliner Pospieschiel sprang auch 30 Meter, hatte aber nur 100 Punkte. « Die Skiläufer de» 1. Kreises im Arbeiker-Turn- und Spartbund nutzten gestern da» gute Wetter und den herrlichen Schnee voll aus. Zuerst wurde in den Grenzbergen bei Wilhelmshagcn das Lang- laustraining durchgeführt, das mit einem internen Wetttaus über 5 Kilometer endet«. 20 Läuser stellten sich dem Starter. An der Eichberg.Dun«, der sogenannten Mondscheinwiese bei Rüdersdorf, wunde der Ansängerkursus sortgesetzt, während die vorgeschrittenen Läuser ihr Können an den mit 3V Zentimeter Pulverschnee bis 23 Meter hohen Steilhängen versuchten. Im Gegensatz zu dem schon blankgestchrenen Schnee des Grunewaldes hatte sich hier draußen die Pulverschneeiage vorzüglich gehalten. Das zeigt« sich auch bei dem am Nachmittag durchgeführten Geländelauf- kreuz und guer durch die Kranichsberge. Abfahrten durch steil« Watdschnmsen, durch weiträumigen Hochwald boten mannigfache Abwechslung. Besonders interessant waren die Hebungen im Ansteigen. Für diesen Zweck wurden waldig« Steilhänge mit sehr viel Wochholder im Unterholz ausgesucht. Es gab dabei mannigfache Verwicklungen. Di« Fahrt endete beim letzten Licht auf dem Flakensee. Rächst«» Training Dienstag, 10 Uhr, Bahnhos withelmshagen. Dr. B. Pierre Charles Europameister. Ludwig Haymann nach Punkten gescfalagen! Wieder einmal hat ein deutscher Boxer vergeblich seine Hand nach einer Europameistersihast ausgestreckt. Noch Hein Domgörgen und Paul Ezirson mußte nun auch Ludwig Haymann zum zweiten Mole sich einem Besseren beugen. Der deutsche Meister schlug sich im Kampf mit dem Belgier Pierre Charles zwar heldenhaft, der Punktsieg des letzteren stand aber jederzeit fest. 8portsdueHen des Rcidukartclls«Republik"' Das Sportschießen des R« i ch s k a r i e l l s„Republik� fand am Freitagnachmittag in der Funkhalle auf sämtlichen 16 Ständen statt. An dem Mannschastsschicßen beteiligten sich 52 Mannschaft«», van denen die 1. Hamburger Mannschaft sich als Sieger den Preis des Bundesvorstandes holen konnte. Hamburg erzielte mit seiner Mannschaft 284 Punkte bei je fünfzehn Schuß in jeder Anschlogsart. Ihm folgte Zehlendorf l mit 260 Punkten, und Lichtenberg III hat mit 211 Punkten die 3. Stelle belegt. Im Serieneinzelschießen, bei dem jeder Schütze in jeder Anschlags- nrt 5 Schuß abgab, die jedoch nicht angezeigt, sondern nur in der Gesamtheit gewertet wurden, konnte Hamburg I ebenfalls den Sieg für sich buchen und die vom Messeamt der Stadt Berlin gestiftete Ebert-Plakette erwerben: zweiter wurde Kallenbcrg-Heidel- berg, dritter Köhler-Neukölln. Im Pistolenschießen, das nur von drei Konkurrenten bestritten war, war Z e p m e I s e l- Neukölln der Beste. Reit- und Fahrturnier. Der Sonnabend nachmittag, an dem der Reichspräsident kam. war der große Tag des Turniers, war doch schon seit Mittwoch der Sportpalast für dieses Ereignis ausverkauft. In die Logen waren so viel königliche Hoheiten hineingestopft worden, wie nur hinein- gingen. Man zeigte ungefähr alles, was zur Verfügu,� stand und es gehörte eine kräftige Natur dazu, das ganze Programm zu über- stehen. U. a. wurde eine Hindenburg- Quadrille von acht Generalen geritten. Die saubere Arbeit fand verdientermaßen viel Anklang, doch jubelle ein Toll des Publikums nur den Generalen zu, während ein anderer Toll des Publikums sich innerlich leicht amüsierte, weil er sich sür[ein Eintrittsgeld etwas von Generalen vorreiten lassen tonnte. Der Sonntagabend brachte dann den Abschluß des Ricsenturniers, das nicht nur aus Dsüftchland, sondern auch aus Holland, Dänemark, Schweden, Ungarn und der Schweiz, ein« beträchtliche Anzahl von zuschauenden Gästen brachte. An aktiven ausländischen Tellnehmern war außer den allbekannten Freunden nur eine Neuerscheinung zu verzeichnen, und zwar ein« Ungarin. Hinter den Kulissen munkelt man. daß eine maßgebende Stelle in der Turnierleitung nicht den in einer Wellstadt üblichen und im internattonalen Verkehr angebrachten Ton habe, um die Anzahl der aktiv teilnehmenden Reiter aus anderen Ländern gu mehren. Ein Sanderlob verdient die Schupo, der es gelang, de» Riesen- vakehr in du Potsdam« Straße exakt«nd umsichtig zu regeln. Einig in Allem! Eine preußische Arbeitersporttagung. Die Vertreter der preußischen A r b e i l e r s p o r t k a�r- teile tagten am 2. und 3. Februar im Wohlsahrtsministerium zu Berlin. Das einleitende Referat des Vorsitzenden der ZciUralkom- Mission W i l d u n g fand beifällige Ausnahme. Die Aussprache war außerordentlich lebhast. Von verschiedenen Vertretern wurde Klage geführt, daß die zum Teil noch reaktionäre Einstellung der Kreisvcrwaltungen und der Iugendpfleger sowie über Ungleichheiten bei der Behandlung der geistigen und körperlichen Jugendpflege. In der Handhabung der Borteilung staatlicher und kommunaler Mittel zeigte sich nach den Berichten der Prooinzialkartellvertreter ein allerorts verschiedenes Bild, das sich besonders bei Gewährung von Beihilfen fiir den Bau von Eigenheimen und Spielplätzen bemerkbar macht. Begrüßt wurde das steigende Interesse der Sozial- demokratischen Partei für die Frage des Arbeitersports, besonders aber auch die Erstattung eines Referats über Arbeiter- spart auf dem Parteilag in Magdeburg. Einmütigkeit bestand in der Auffassung, daß die Beteiligung der Arbeitersportlcr an den Bersassungsfeiern eine dringende Notwendig- keit sei unter der strikten Beachtung der bestehenden Beschlüsse, wonach eine gemeinsame Beteiligung mit bürgerlichen Verbänden aus alle Fälle abzulehnen ist. Verlangt wurde die Vcreinsachung der Iugettdführerausweise, der weitere Ausbau der Vergünstigungen be! Wanderungen Jugendlicher sowie die Nichlberufung aus das private Sportabzeichen des Deutschen Neichsausschusses sür Leibesübungen bei Einstellungen in die Reichswehr, Marine usw. Begrüßt wurde die Stellung der Zentralkommission und der Bundesleitungen der Sportoerbände gegen die kommuni- st i s ch e O p p o f i t i o n. Die Proviixzial-, Bezirks- und Kreiskortelle sollen allerorts gut durchorganisiert und Landestagunge» öfter ver- anstaltet werden. Trabrennen zu Ruhleben. SorUti» Rt»»«»! 1 Ludzina(Saug sei,.); 2, Planet: 3. Hoga Surton. low: 21«: 10. Platz: 41. 18, 34:10. 5«nct liefen: AlSifa, Äiainiorgen, Erster Stetzoftr, Peter Hall. Sinn«. Baj»i»»-Re»nt»: 1. Isarwelle lI. Mill,): 2. Einncht: Z. Armenier. Polo: 18: 10. Platz: 12. 18. Ist: 10. Ferner litsen:«arienspielcr, Anl«r I. Quin- trssenz, llqpri l,-?»dana, Linolo, Luchs. Preis»»» 5löl». 1. Silb» A. lIuust Zr.); 2. Ehrenbera; 3. Florian. Toto: 18:10. Platz: U. 13, 19:10. Ferner Iltfen: Frankenstein, Fels. Erastu». Ma-ttl. Ftbrnor-Vr-i,. l. Eharle» Worihy(ftojal); 2. Lind«; i. Madonna. Toto: 75:10. Platz: SO, 30, 17«: 10. Ferner liefen: Landrai. Rioplache. Addell. Ritrt«, Neidhammel. Anker I, Red-lkaov«, Turandot. Rufhaga Bon, Prima- donna, Tornzikher, Eampanula. SaencMU-Vms; 1.+ Baron Siloester fBtidner fr.); 1.4 Lindenwirtin I kIauß it.): 3. Peier Harnester. Toto: 1«: 10(Baron Silolfter), 17:10 (Lindenwirtin 1). Platz: 12, 13, 14:10. Ferner liefen: Kamtain Halle, Dtwenphin«. Ingrid Halle. Denlmiinw, MSallch. Ida Palos,. Schnadadllofl. Pierette.R««»,»: 1. Anita Worth«(3.«aupper jr.): 2. Ration: 3. Mal- fefet. Toio: 13:10. Platz: 11, 14, 13:10. Ferner liefen: Lomdardei. Lach- musltl, Ri«derlä»d«r, Maryi 1:8: 2. Frohn-Reutölln 1,12)4.— Frau«n.»i»stsch»im»«n. 100 Meter(Mcistersäxiiil: 1. Ra5tke.Rk»fijlln 1,48; 2. Iurittow.Retstöll» 1,48%.— Ziö»»>is« Janen» Freiftilftäfett«.«xöo Meter: 1. Lichtenberg 3,43.— Kintzer Bruststofett« (3 Knaben,:i Matchen): 1. Reutoll« 5,41.— Mä»»«r.Ri>ebig.Sch»i»m»». 50 Meter: 1. Kiele busch-Reutollii 4044: 2. Wolter iä'/i.— Springe»(Meisterschaften): I. We«>, mann-Reukalln>00 Puntte, Platzziffer Uli: 2. Greusing-Lichtenberg 100 Punkte, Platzgifser la'/i; 3. Krabel-Nrnlöll» 04 Punkte, Ptotzfiffer 14.— Mionlich«, »rustfchwi»«»». 100 Meter(■Mciflcrichafl); 1, Becker-Reukolln 1,25)-: 2. Götke- Ncukölln(.2042: z. Schul,-Eirineiizstndt l.oo.— Minner-Lagenstasettr. 4. 70 Meter(Klasse II): l, Neukölln 4143: 2. Lichtenberg 4(>--„- Frauen, Freistil� feSmeiwue** HUI 7» �»7«4, �. 1 XO*::.(Y,-.. tri fi..-»->- r»»■. Einweihung des Luckenwalder Stadtbades. Bei außerordentlich gutem Besuch tonnt« am Sonntag das neuerbaute Luckenwalder Stadtbad durch ein Schwimmfest der Arbeiterfchmimnier seiner sportlichen Bestiurniung übergebe» werden. Nach der Begrüßung durch den Vnrsjgendei« des Vereins und durch den Magistratsvextreter Saloinon, der besonders darauf hinwies, daß die Stadtverwaltung nicht viel Worte über die Be deutung des Bades verliere, sondern durch die Tat vorbeugend bei der Erhaltung und Förderung der Uolksgesundheit wirke. Nun hatten dl« Schwimmer die Val)» frei, um dem Bad auch die jport- liche Weih« zu geben durch die Veranstaltung des ersten Festes in der neuen Halle.— Neben Berliner Vereinen ivaren Bundesgenossen aus Wittenberg, Koswig und Ktein-Wilienberg erschienen. Die erreichten Zeiten beweisen, daß in mehreren Vereinen guter Nachwuchs aus der Jugend hervorgegangen ist. Das.Hauptspringen zeigte guten Durchschnitt, aus dem Knoop, Freie Turnerschaft Groß-Berlin, hervorragte. Der Kunstreigen der Frauenlehrtlass« der Arbeiter-Turn- und Sportschule Berlin, in der Ausführung voll- eichet, fand reisten Beifall beim Publikum. Die Wasserballspiele endeten alle in iairer Weise.— Das Fest hat bewiesen, daß in Luckenwalde die Arbeiter-Schwimmbemegung gute Fortschritt« macht und auch bei der werktätigen Bevölkerung die Beachtung findet, die zum Aufbau und Ausbau der Sportbewegung notwendig ist. Arbeiter-Schach. Morgen, Dienstag, findet die Gninstung der Abteilung Humboldt- Hain bei Karl Döhling, Brgnnenstraße 79, statt. Sozialdemokrote», Werktätige, Arbeiter-Schachspieler und solche, die es werden wollen, sind herzlich eingeladen. Am Donnerstag, 7. Februar, findet in der Abteilung Kreuzberg, Planuser 78/76, bei Krepp, cm Vortrag von Jungnttsch über„Eröffiwngslehre" statt. Beginn 20 Uhr. Gaste willkommen. Spielabend haben om Dienstag: Lichtenberg, Wühlijch- straße 36, bei Schüler: Memel. Memeler Straße 10, bei Lücke; Schömberg, Gustao-Müller-Platz l, bei Seidel: Weißensee, Berliner Allee. Eck« Lehderstraße, bei Gallus: Grünau. Gemcinschaftshaus Gutshof Falkenberg: Humboldthain, Brunnenstraße 79, bei Döhling. FTSB.. Sport dezirl.vftrneg'. Sie zum Dlenstos. 3. Februar. anHeietzt- jterfaninilung findet erst Dienstag. 12. Februar. 20 llhr. bei Wegner,£;0)rf.i- berg. Frankfurter Allee 23«, statt. Freie JUns-Uau» Srotz-Berlt». Siensbaa. 5. Februar, 20 Ustr, Handballer. ftpma bei GcmeowB. St. 65, Koairnmet Str. 18. Sozialdemokratischer Bezirkstag. Wehrproblem, Wahlen zum Reichsparteiiag. Iii den M u s i t e r- F est s ä l e n in der Kaiser-Wilhelm- Straße tagte gestern der Bezirkstag der Sozialdemokratischen Partei Berlins, um Stellung zuin Reichsparteitag in Magdedurg zu nehmen. 384 stimmberechtigte Teilnehmer waren versammelt, die Galerien von interessierten Besucher» überfüllt. Jur Beratung standeil die aus den Kreisen der Berliner Bezirksorganisation ge- stellten Anträge. Toni Sender. M. d. R., hatte das Referat dazu übernommen. Die Referentin führte aus: Wenn wir nach dem Wahlsieg vom Mai in die Regierung ein- traten, so nur mit dein ausdrücklichen Willen, darin führend zu sein. Es sollte ein klarer Kurswechsel gegenüber dem Bürgerblock eintreten. Das ist nicht in allen Frage» der Fall gewesen. Koali- tirn darf nicht Selbstzweck werden und so habe der Kieler Parteitag festgelegt, daß nur in einer bestimmten, gegebenen Situation eine Teilnahme an der Koalitionsregierung in Frage kommt. Ucber der Koalition an sich muß die Frage stellen, ob in ihr die sozialistisch?» Ziele verfolgt und verwirklicht werden lönnen. Wenn in der gegen- wämgen Regierung eigentlich keine ausgesprochene Koalitionsregie- rung, vielmehr ein„Kabinett der Köpfe" zu sehen ist, so ist doch für die Sozialdemokratische Partei festzustellen, daß für ihre Minister die Bindung nach Partei und Fraktion hin be- steht. Die bürgerlichen Parteien haben allerdings, wenn es ihnen notwendig erschien, Abkommandieningen lhrer Minister vorgenom- mal. Zu klären sind viele Fragen. So inuß z. B. das Schlich- rungswesen reformiert werden. Wir merden es uns über- legen müssen, ob wir einer Aenderung der Berbindlichkeitserklä- rungen durch den Reichsarbeitsminister zustimmen können. Im neuen Arbeitsschußgefeß inuß unbedingt der A ch t st u n d e n t a g festgelegt werden. Mit dem Etat eng verbunden ist die Schafstinz neuer Steuern. Zu fordern wären hier neue, fortlaufende B e s i ß st e u e r n. Sowohl in den Einsparungen bei einzelnen Etattiteln'wie bei den Steuern muß ei» deutlicher Kurswechsel ficht- bar«werden. Besondere Beachtung erfordert der Wdhretat. Zu- sammen damit hängt die Frage nach einem neuen kvehrprogramm. Hestige Gegensäpe kamen in der Parteidiskussio» zum Vorschein. Es ist ein Ausdruck unserer inneren Stärke, daß wir in voller Dis- kutiersreiheit solche theoretischen Fragen erörtern können. Auf dem Parteitage wird kaum eine endgültige Regelung erfolgen können. Aber die Diskussion darüber kann und wird die Gegensätze in der 'Korlei zum.Austrag bringen. Bei der Sicherung �es Friedens wird die Aktion der Massen in der Zukunft die ausschlng- gebende Rolle spielen, die Partei niusz sich mit diesen Problemen beschäftigen. Wenn man sich mit der Friedenssicherung besaßt, muß man auch erörtern, welchen Apparat man dazu benutzen will. Hier ist der Völkerbund die gegebene Instanz! seine Ausgestaltung ist notwendig. Das Ziel der Friedenspolitik imiß die totale internationale Abrüstung sein. Das ist auf dem Brüsseler Kongreß von den sozialistischen Parteien aller Länder betont und im Internationalen Programm festgelegt worden. Danach muß also unser wehrprogramm eigentlich ein Abrüstungsprogramm sein. Wir kommen den kapitalistischen Kreisen entgegen, die— weil es ihnen opportun erscheint— für ein« friedliche Regelung der wirt- schastlichen Streitpunkte eintreten. Sie streben nach einer f r i« d- lichen wirtschaftlichen Ber ständig u ng. Die Gefahr für den Frieden ist zum nicht geringen Teil in der Ausrüstung der kapitalistischen Slaaten zu sehen und so ergibt sich für uns die Notwendigkeit, immer und überall die Abrüstung zu fordern. Diese Gedankengänge sind im neuen Wehrprogmanmentwurs nicht klar genug zum Ausdruck gebracht, die Betonung der Abwehr- Pflicht im Entwurf verrät durchaus»och bürgerliches Denken, wir würden uns bei der Beibehaltung in Gegensaß zu den sozialistischen Bmderparteien bringen. Ein vorn Bezirksvorstand vorgelegter Ab- änderungsoorsästag empfiehlt deshalb den planmäßigen Abbau unter das Maß des Bersailler Bertrages. Sollte der Versuch unternonmien werden, von außen her die deutsche Demokratie zu beseitigen, so wird die Arb«iiersch