Morgenausgabe Rr. 59 -46. Jahrgang A 30 # 35denti 85 31. moretfid) 3,00 tm voraus zahlbar. Boftbezug 4.32. einschl. Bestellgelb, Auslandsabonne ment 6,- 2. pro Monat Der„ Borwärts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend. Juustrierte Beilagen Bolf und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wiffen", Frauen timme". Technik" Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Dienstag 5. Februar 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etal Ittge Ronpareillezetle 80 Pfennig. Refiameteile& Reichs mart. Kleine Anzeigen bas ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig we Jettgebrudte orte), jebes weitere Bort 2 Pfennig. Steuengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere. Bort. 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben sablen für zwei Borte. Arbeitsmartt Seile 60 Pfennig. Famillenanzeigen flis Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentagl, von 8 bis 17 be, Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donboft 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Was geht in Spanien vor? Es gårt auch in der Arbeiterschaft! Paris, 4. Februar.( Eigenbericht.) Die spanische Regierung übt zurzeit eine außerordent lich scharfe Zensur, so daß über die Ausdehnung der jüngsten Erhebung nur spärliche und zum Teil widersprechende Meldungen über die Grenze gelangen. Die amtlichen spanischen Darstellungen lauten dahin, daß die Revolte seit der Ankunft des von der Regierung mit außerordentlichen Vollmachten nach Valencia entfandten Generals Sanjurjo niedergeschlagen worden sei. Dagegen berichten andere Meldungen von neuen Bewegun gen. Jedenfalls steht fest, daß in Madrid der Kriegs rat in Bermanenz tagt. Savas erhielt von der Grenze einen Bericht, demzu folge sich die Arbeiterschaft von Barcelona und der Nachbarstädte in lebhafter Bewegung wegen der fürz lich befohlenen Unterdrückung eines Streiks durch die Regierung befindet. In der Stadt Alceh, einem wich tiges Jubustriezentrum, fei der Generalstreit en flärt worden. In einer ganzen Reihe von anderen Städten würden Vorbereitungen zum Streit getroffen. Die Unruhe innerhalb der Arbeitermassen würde die Lage Die Unruhe innerhalb der Arbeitermassen würde die Lage der Regierung noch mehr erschweren. Während bisher nur die Artillerieoffiziere dem Diktator geollten, würde fich nunmehr auch die Zivilgarde, bisher eine der Hauptstüken des Regimes, mit Primo de Rivera entzweit haben. Er habe einen Offizier an ihre Spike gestellt, der nicht helicht jet. die ihnen unterstellten Truppenteile vollständige Disziplin bewahrten. Weiter führte rimo de Rivera aus, er sei der Ansicht, daß fein Regierungssystem sich der öffentlichen Meinung gegen über so aufrichtig und achtungsvoll gezeigt habe, wie das derzeit bestehende.( Dabei hat am Schluß des gestrigen Minister rats Primo erklärt und der Welt einreden wollen, daß sich die Sizung überhaupt nicht mit den jüngsten Ereignissen befaßt habe! Red.) Der Ministerpräsident ging dann mit einigen Worten auf die Bedeutung der von ihm gestern unterzeichneten Detrete ein und führte u. a. aus, er habe es für nötig gehalten, den Charakter der Diffatur scharf herauszuarbeiten und ihr hinsichtlich der ihr zur Verfügung stehenden Handhaben zum Einschreiten eine größere Robustheit zu geben. Dies mird, jo führte er aus, dem Land, dessen ungeheure Mehrheit es so münscht. die Möglichkeit geben, ohne Unruhen zu leben, und ohne von ande ren Sorgen abgelenkt zu sein, die Grundlagen des tünftigen Spanien vorzubereiten. Auf das Ersuchen, sich über feine Einschätzung der Bersönlich teiten zu äußern, die in die Aufstandsbemegung vermidelt maren, erflärte der Ministerpräsident, er merte nicht das geringste äußern. Es handle sich um ein Thema, das ins Gebiet der über Sanchez Guerra noch über die anderen Beteiligten Gerichte und der Polizei gehöre. Jebenfalls, fuhr der Ministerpräsident fort, glaube ich guten Genissens versichern zu fönnen, daß die gute Gesinnung des Heeres und der bürgerlichen Kreise nicht im mindesten erschüttert ist. Nachdem diefe Bemegung gescheitert ist, glaube ich weiterhin fagen zu tönnen, daß eine Wiederholung nicht zu fürchten Die Verhaftung des ehemaligen Ministerpräsidenten ist. Sämtliche Minister stimmen in der Auffassung überein, daß es Sanchez Guerra hat, wie jest berichtet wird, der nicht möglich sein wird, den in die Bewegung Berwickelten anders als mit der ganzen Strenge des Gefeßes entgegenzutreten, daß aber Regierung cher Schwierigkeiten als Gewinn gebracht, da die getroffenen angemessenen Borfichtsmaßregeln hiusich Guerra in weiten Kreisen noch immer großer Bereichend sind, um in Zukunft alle politischen Verschwörungen liebtheit erfreut. unmöglich zu machen. Primo de Rivera fut vollkommen zuversichtlich. Madrid, 4. Februar. ,, Noticiero del Lunas" veröffentlichte heute mittag Eerflä ein von Hochmut verblendeter Mann, Das Direktorium erledigt? Paris, 4. Februar. Das„ Journal des Débats veröffentlicht eine längere rungen Primo de Riveras zur politischen Lage. Der Prä- Korrespondenz aus Madrid, die sich äußerst peilifiedent erklärt, die jüngsten Vorgänge hätten in ihm keine Erbit- mistisch über die Zukunft des Direktoriums äußert. Es sei feine terung. aber doch Empörung darüber hervorgerufen, daß Prophezeiung, sondern eine Fest stellung, wenn man sage, daß das Direktorium erledigt sei. Der Sieg der Regierung sei zwar vollständig, aber es sei nur ein Polizeisieg. Das politische Problem bleibe unverändert. Es sei beunruhigend, daß in den verschiedenen klaffen ein Geist der Rebellion herrsche. Diefer jei jo start, daß die Unzufriedenen heute bereit feien, ihr Leben aufzuopfern, um ihren Profeffen zum Siege zu verhelfen. Nie feit 1923 sei die Lage so ernst gewesen. Die Dittatur habe aufgehört, die aufrichtige Unterstützung der großen Mehrheit der Oeffentlichkeit zu besitzen, die fie tatsächlich während einiger Monate besaß. Wenn die Regierung des Aufruhrs Herr werden wolle, so müsse sie zu den drafonischsten Maßnahmen Zuflucht nehmen. geſtüßt auf eine kleine Schar Unzufriedener, mehrere Tage lang Un ruhen im Lande hervorrufen und dem Kredit sowie dem Prestige Spaniens in den Augen der Welt ungeheuren Schaden zufügen fonnte. Als besonderes Zeugnis für die Sachlage wies der Präsident auf ein Rundtelegramm hin, das an die kommandierenden Ge nerale aller Provinzen gerichtet war, und sagte, dadurch sei die verworrene Lage in Balencia geflärt worden. Die Kommandore der Truppenteile aller Waffengattungen hätten dem stellvertretenden Generaltapitän zum Ausdrud gebracht, daß Hilfe für Ausgesteuerte! Sozialdemokratischer Antrag zur Krisenfürsorge. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat fol genden Antrag im Reichstag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregie rung zu ersuchen, die Krisen fürsorge auf alle Be rufe auszudehnen; die Bezugsdauer für die Krisen unterstütung allgemein auf 52 Wochen zu auf 52 Wochen zu verlängern; die Bezugsdauer der Krisenunterstützung für Unterstützungsempfänger, die über 40 Jahre alt sind, auf die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit auszudehnen." Stand der Koalitionsverhandlungen. Lage unverändert. Der Reichskanzler wird am Dienstag vormittag um 11 Uhr den Vorsitzenden der Zentrumspartei, Dr. Ka as, und den Vorfizenden der Reichstagsfraktion des Zentrums, Dr. Stegerwald, zu einer Unterredung über die Stabilisierung der Reichsregierung empfangen. Vorher beschäftigt sich die Zentrumsfraktion mit der politisch- parlamentarischen Lage. Es verlautet, daß das Zentrum nunmehr ernsthaft beabsichtigt, den Reichsverkehrsminister aus der Regierung zurückzuziehen, um auf diese Art den Gang der Verhandlungen zu beschleunigen. Mittags um 12 Uhr hat der Reichskanzler eine Unterredung mit dem Führer der volksparteilichen Reichstagsfraktion, Dr. Scholz Die von dem preußischen Ministerpräsidenten eingeleiteten Berhandlungen über die Umbildung der preußischen Regie rung sind bisher nicht fortgeschritten. Die Boltspartei, die sich am Montag in einer mehrstündigen Sigung mit der Frage befaßte, ließ dem preußischen Ministerpräsidenten mitteilen, daß fie auf die Be fegung von zwei Ministerien bestehen müsse. Der preußische Ministerpräsident wird am Dienstag den Koalitions parteien von dieser Forderung Mitteilung machen und dann noch mals mit der Fraktion der Volkspartei Fühlung nehmen. Der Ausgang dieser Berhandlungen ist zurzeit noch völlig ungewiß. England und Amanullah. Britisch- indische Zenfur eingeführt. London, 4. Februar. Die indische Regierung hat, was bezeichnend für die englisch indische Politik gegen Afghanistan ist, wohl im Hinblick auf die fortschreitenden Erfolge Amanullahs über alle Nachrichten, die an der indisch- afghanischen Grenze, besonders in Beschawar aus Afghanistan eintreffen, die 3 enjur verhängt. Aus Kabul find drei deutsche Staatsangehörige und 22 britisch- indische Staatsangehörige neuerdings von englischen Flug zeugen abgeholt worden. Im Unterhaus erflärte Chamberlain nodymals, daß die Abreise des englischen Gesandten aus Kabul von den Umständen abhängig gemacht werden müsse. Irgendwelche Voraussagen über den Zeitpunkt der Abreise tönne er nicht machen, aber er müsse wiederholt auf die Schwierigkeiten hinweisen, die mit dem Lufttransport verbunden feien. Boftichedfonts: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. 66 Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasse Lindenstr. 3 Bucharins Vermächtnis. Die Gadgaffe der bolfchewistischen Politit. Von Peter Garwy. 3m Wirbel der Gerüchte über das Schicksal Trottis verschwindet das Interesse für das Ringen in den Reihen der Parteisteger selbst. Indessen ist dies Ringen nicht von geringerer Bedeutung als die sensationelle Expatrierung des längst erledigten Führers der Linksoppofition. Es handelt sich um Bucharin, den Theoretiker der bolschemistischen Partei, den Chefredakteur der„ Prawda" und geistigen Leiter der Komintern. Die Kampfgemeinschaft, in der Stalin die Faust und Bucharin den Kopf bildete, ist aufgelöst. Dieses Kampsbündnis war bis in die legte Zeit nach links wie nach rechts gerichtet. Jetzt ist es damit aus, da Stalin nach links Bucharin aber, vor ben verheerenden Folgen des Links ging, um der Trogfi Opposition den Boden zu entreißen, furses erschroden, nach rechts zurüdmanfte. Damit geriet das Staliniche Bentrum" selbst ins Wanten. Der Zer fegungsprozeß in der herrschenden Partei hat einen neuen um mit Bucharins Auflehnung gegen Stalin hat nicht nur perfönliche, sondern vor allem politische Gründe. Zwar spielt getränfter Ehrgeiz eine Rolle dabei der Partei fampf unter den Bolichemisten ist immer ein Cliquenfampf fampf nerbirgt sich der Richtungskampf, der seiner um die Macht gewesen. Aber hinter diesem Cliquenfeits den durch den Terror im Untergrund gehaltenen laffenfampf mideripiegelt. Bereits in feinen Rand bemerkungen eines Dekonomisten" hat Bucharin Trofi zu sprechen- versucht, mit dem Mut der Verzweiflung seinen Kampf gegen die Stalinsche Politik über die Grenzen des parteipolitischen Hühnerstalls" hinauszutragen". Erst vor kurzem hat er seine Meinungsverschie= denheiten mit Stalin, wenn auch in verhüllter Form, vor. der ganzen Deffentlichkeit ausgetragen. Obgleichfaltge= stellt", befleidet Bucharin als Mitglied des Polbureaus immer noch einen der höchsten Boften im Apparat der Diktatur. In dieser seiner Eigenschaft hielt er in einer Trauersizung, die anläßlich des fünften Jahrestages pon Lenins Tod stattgefunden hat, eine groß angelegte programmatische Rede über das politische Bermächtnis Lenins". Es handelte sich weniger um das pofitische Bermächtnis Lenins, als um das politische Ber mächtnis Bucharins, der gleich Trojki am Rande des politischen Todes steht. Mit feinem Wort erwähnt diese Trauerede Stafin und seinen Linksturs. Aber ihre Ausführungen sind deutlich gegen Stalin und seine Politik gerichtet. Nicht mit eigenen Worten, sondern mit geschickt ausgewählten Zitater aus den letzten Schriften Lenins verteidigt dabei Bucharin feine Grundthese: Aussöhnung mit der Bauernchaft oder Zusammenbruch der Sowjetmacht. So bleibt Bucharin stellt fest, daß Lenin den Uebergang zum Sozialismus in einem so rüdständigen Agrarlande wie Rußland nur als Ausnahmefall infolge des seltenen Zusammentreffens von außerordentlichen Erscheinungen für möglich hielt. Diese außerordentlichen Erscheinungen seien nämlich: der Weltkrieg, das revolutionäre Erwachen der Völker im Often und endlich die höchst günstige Kombination der Klaffentämpfe in der russischen Revolution selbst. Der Weltfrieg ist vorbei, die Revolutionen im Often haben einen anderen Berlauf genommen, als der Bolschewismus geglaubt hatte, die Weltrevolution ist ausgeblieben. Bucharin nur übrig, die dritte Grundlage der Sowjetmacht mit Nachdruck zu betonen, und zwar die Bereinigung des Bauernfrieges mit der proletarischen Revolution". Duhenden von Zitaten aus Lenins heiliger Schrift sucht Bucharin zu beweisen, daß dieses Bündnis zwischen der Arbeiterklaffe und der Bauernschaft( ,, Smytschka") vor allem und um jeden Preis beibehalten werden muß. Verliere einmal die Sowjetmacht das Bertrauen der Bauernschaft, dann gehe alles zugrunde. Nur das engste Bündnis mit der Bauernschaft bürge insbesondere dafür, daß es im Kriegsfalle möglich sein werde, den imperialistischen Westmächten Widerstand zu leisten. Mit Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, unterzieht Bucharin die Stalinsche Politik, die gegen das flache Land gerichtet ist, einer vernichtenden Kritik. Gegen die Bolitik der 3 wangsfollettivisierung der 26 Millionen Bauernwirtschaften führt er Lenins Aussagen ins Feld, daß ,, man rein fommunistische Ideen ins flache Land nicht hineintragen darf", und daß man darauf verzichten muß ,,, den Kommunismus dem flachen Lande aufzuzwingen, folange dort teine materielle Grundlage für den Kommunismus besteht". Gegen die Stalinsche Politik der forcierten Industrialisierung, die auf Kosten der Bauernschaft durchgeführt wird und zum Zerfall der Landwirtschaft führt, wendet Bucharin ein, daß der Weg der Inflation, der Bergeudung der Reserven und der Vernachlässigung der privatwirtschaftlichen Interessen der Bauernschaft teine ge Neue Erklärung aus München. Oer Ausschrei des zu iiefst gekränkten bayerischen Rechtsempfindens. Der bayerische Ministerpräsident Held hat am Montag in München vor der Presse— ausnahmsweise hatte man auch sozialdemokratische Journalisten eingeladen— eine Erklärung gegen die Richtigstellungen des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun an die bayerische Adresse abgegeben. Ihr Inhalt besagt: Die bayerische Regierung könne nicht anerkennen, daß die Dreieinhalbmilliardensorderung Preußens auf gleicher Stufe mit der gleichen Forderung auf Post, und Eisenbahn- entschädtgung gestellt werden könne, da für die Preußen- forderung ein unmittelbarer Rechtsanspruch nicht vorlieg«. Dagegen habe die bayerische Regierung für die Forderung auf Post- und Eisenbahnentschädigung niemals ein D o r r e ch t vor der preußischen Forderung auf Eisenbahnentschädi- gung in Anspruch genommen. Im gleichen Atemzug wirst die Erklärung jedoch der preußischen Regierung vor, daß sie ihre Eisenbahnentschädigung für den Fall Hab« in den Fordergrund stellen wollen, daß das Reich Bayern für seine Spezialsorderung für Post und Eisenbahn etwas bewillige. In Bayern bestehe die allemeine Auffassung, daß unter den deutschen Ländern und ins- besondere zwischen Preußen und Boyern Eintracht bestehen müsse, wenn das Reich nicht Schaden nehmen solle. Di« bayerisch« Regierung habe durch den Besuch ihres Ministerpräsidenten bei dem preußischen Ministerpräsidenten in den schwebenden lebenswichtigen Fragen die notwendige Uebereinstimmung zwischen Preußen und Bayern herzustellen sich bemüht. Nichts lieg« ihr ferner, als in Bayern eine„preußenfeindliche* Stimmung zu nähren. Das Verhalten der verantwortlichen preußischen Staatsminister, insbesondere des preußischen Finanzministers, das auf diesen Besuch folgte, habe leider keine andere Auffassung zuge- lassen, als daß Preußen in diesen Fragen Bayerns Gegner sei. Die beleidigenden Ausführungen in den Erklärungen der drei bayerischen Minister gegenüber der preußischen Regierung werden nicht zurückgenom- inen. Es wird lediglich versichert, daß Herr Schmelzle sein Wort von der Schamlosigkeit Preußens vom ersten Augenblick an seiner Form wegen bedauert habe. Schmelzle wird jedoch gleichzeitig gedeckt durch die groteske Persiche- rung, dieses Wort sei nur„derAufschreideszutiefst gekränkten bayerischen Rechtsempfindens" gewesen.! Dieses bayerische Rechtsempfinden ist von ganz beson- deren Art. Es hält es für richtig, daß die Steuerzahler des ganzen Reiches dem Lande Bayern trotz der drückenden Last der Reparationsverpflichtungen Sondervorteile gewähren sollen, es hält es ebenso für richtig, daß viel weiter- gehende, wohlberechtigte Ansprüche anderer Länder gegen- über den bayerischen Forderungen in den Schornstein ge- schrieben werden sollen. Das sogenannte bayerische Rechts- empfinden ist nichts anderes, als eine Offenbarung jener partikularistischen Gesinnung, die um der bayerischen Kirch- turmspolitik willen auf die Eesamtintsressen des Reiches pfeift. Oer hessische StaaisprSsideni zu den bayerischen Angriffen. Dannstadk. i. Februar. Der hessische Staatspräsident drückte sein Erstaunen über die bayerischen Aeußerungen aus und erklärte, daß sie nicht geeignet seien, den Berlauf der Verhandlungen zu fördern. Es müsse das Bestreben der Länder fein, einen anderen Weg als den des Streites zur Erledigung der Fragen zu finden. Der Ton Bayerns fei unerträglich undunmöglich Er schädige das deutsche Ansehen aufs schwerste. Nicht in die Wüste gesch'ckt. München, 4. Februar. Die„München« Telegrammzeitung'. dementiert die Meldung. daß der Schriftleiter der„Münchencr Telegrammzeitung", der die Veröffentlichung der Mitteilung der bayerischen Minister veranlaßt hat, feines Postens enthoben worden fei. Erklärung gegen Gteuersaboieure. Das Reichsfinanzmlnistertum wlrd künstig die Beziehungen zum Reichslandbund abbrechen. In der Mvntogsißung des Ausschusses für den Reichshaushall bsantwortete in der fortgeführten allgemeinen Aussprache über B e- amtenverhältnisfe im Bereich des Retchsfinanz- Ministeriums Mimsterialdirektor Zardeu verschiedene cm chn gerichtete Anfragen. Der Abg. T o r g l e r Hab« gemeint, daß vom Reichsfinanzministerium der Buch» und Betriebsprü- fungsdienst nicht mit der nötigen Schärfe durchgeführt werde. Er müsse dies« Behauptung auf das entschiedenste zurückweisen: Was die vom Abg. Dr. h er h behandelte Zrage der Auf- forderung zur Sleoerfabolage betreffe, fo habe« namens des Relchsfinanzmlnlsteriums zu nkläreo, daß das Mini- flerinm künftig, wenn irgendeine Organisation solche Aufforderung erlassen sollte, die Beziehungen zu dieser abbrechen werde. Das R�M. fei mit einigen Vorrednern der Ansicht, daß ver. fehlungeo einzelner auf diesem Gebiet nicht immer die richtige ge- richllich« Sühne gefunden haben. 3m Slrasrechlsausschuh habe man sich bereits mit einer besseren Fassung der bezüglichen Vorschriften im neuen Strafgesetzbuch befaßt. Die gewünschte Uebersicht über die verschiedenen Bezüge der Beamten im Reich, in den Ländern und Gemeinden solle angefertigt «erden. Sie webde allerdings große Ztrbeit machen.■; funbe Grundlage der sozialistischen Industrialisierung sei. Der Warenaustausch zwischen Stadt und Land, zwischen der verstaatlichten Industrie und den prioatwirtschaftendcn Bauern müsse„nicht i» asiatischen, sondern in europäischen Formen" geführt werden, das heißt, nicht in der Form der verhüllten Enteignung der Bauern- schast mittels der„Preisschere" und Zwangsmaßregel. Diese Gedankengänge stehen dem ungeschriebenen Pro- gramm de? rechten Parteiflügels mit Rykow-Kalinin- Tomsky an der Spitze so nah. daß man mit Recht von einer Rechtsschwenkung Bucharins sprechen kann. Die bereits von Marx als„besonders günstig bezeichnet« „Bereinigung des Bauernkrieges mit der proletarischen Re- volution kann nur dort den Sozialismus befördern, wo es ökonomische und sozial-kulturelle Voraussetzungen für eine wirkliche proletarische Revolution gibt. In den rückständi- gen Agrarländern wie Rußland konnte aber das Zusammen- treffen der Bauernrevolution mit der utopistischen Arbeiter- bewegung zwar zur radikalen Ausrottung der Ueberreste des Feudalismus, aber keineswegs zum Gelingen des sozialistischen Experiments führen. Letzten Endes wurde durch das bolschewistische Experiment die Arbeiterklasse un- gemein geschwächt und die Bauernschaft in den Vorder- grund gerückt. Jetzt handelt es sich nur noch darum, wie die BUanz des Experiments gezogen wird— ob in demokratischer, bonapartistischer oder faschistischer Form. Da alle Richtungen in der bolschewistischen Partei— Trotzti wie Stalin. Bucharin wie Rykow— v o l t s s ch eu sind und auf dem Boden der terroristischen Diktatur ftrhen, so ist für keine von ihnen ein Ausweg aus der Sackgasse möglich. Betreten die Bolschewisien, wie es der rechte Flügel will„im Ernst und auf die Dauer" den Weg der Aussöhnung mit der Bauernschaft, so bedeutet es die Ausdehnung der REP., die Entfesselung der kapitalistischen Elemente in Stadt und Land und letzten Endes den Ueber- gang der Staatsmacht an einen bäuerlich-bürgerlichen Block. Setzen sie dagegen die lintskommunistifche Politik gegen die Bauernschaft fort, so bedeutet es die Verengung der sozialen Basis der Sowjetmacht, die Spaltung zwischen der Arbeiter- klaffe und der Bauernschaft, das Abrücken der Bauern von der Sowjetmacht, was nach Bucharin den unvermeidlichen Zusammenbruch der Diktatur mit sich ziehen müßte. So bleibt nur die Stalinsche Seiltänzerpolitik übrig, die bald nach rechts, bald nach links blindlings Hiebe verteilt und Konzessionen macht. Aus der Sowjeirepublik. Wieder Aauernzüchtigungen. Bor kurzem ist«ine Anzahl Bauern des Dorfes Ludgrway wegen Züchtigung von etwa ZOO Bauern zu verschiedenen Gefängnis- strafen verurteilt worden. Damals hieß es, daß in diesem Fall«, wie auch in ähnlichen, es Kulaken gewesen seien, die an den armen Bauern ihr Mütchen gekühlt hätten. Die„Iswesiisa" vom 29 Januar berichtet nun, daß im Bezirk von Cherson Mit, qfleder eine» genossenschaftlichen Landwirtschaftsbetriebes Kam» munisten und Kandidaten der Kommunistischen Partei sine größere Anzahl Bauern und Bäuerinnen körperlich gezüchtigt hätten. Die Justizbehörden haben sich bereits des Falles angenommen. Todesurteile. Die„Prawda" vom Zt. Januar berichtet: Das Bezirksgericht von Bobrulfk hat den.Kulaken" Demjanzew wegen Tötung des Sekretär» der Dorfzelle zumTodeverurteiltt. 2. Der Haupt- angeklagt« im Prozeß wegen Tötung des armen Bauern im Dorfe Grischino, Belofludzew, ist zum Tode ver u>r teilt worden. Z. Das Bezirksgericht von Kufnezk hat den Pächter der Mühle im Dorf Neu-Katmis, Schpade, und dessen ältesten Sohn wegen einer schweren Verletzung, die sie dem Mitglied der Kommunistischen Partei, Antonow, zugefügt haben, zum Tode verurteilt. 4. In Tomsk sind laut Gerichtsurteil die Brüder Pyrsikow und der .Kulal" Sokolow wegen Tötung des' Dorfkorrefpondenten Struk hingerichtet worden. Todesstrafen und kein Ende. Tötungen von Kommunisten und kein Ende! Opportunistische Steuerpolitik. Riga, 4 Februar.(Eigenbericht) Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare, Rykow, kün- digte in einer Rede eine wesentliche Herabsetzung der bisher von der mittleren Landwirtschaft gezahlten Steuern an. Die Arbeiterschaft hat dagegen auch in dem neuen Etatsjahre im bisherigen Maße zu dem Steueraufkommen beizutragen. Insgesamt werden die aufzubringenden Steuern von 420 bis 430 Millionen Rubel auf 37ö Millionen Rubel für das Rechnimgsjahr 1929/30 herabgesetzt. Raben- und pöbelari. Ein Kapitel von deutschnationaler Höflichkeit. Herr von Kardorfs. M. d. R. und Mitglied der Deutschen Bolkspartei, hat in Hamburg einen Vortrag über Wilhelm II. und Bismarck gehalten. Das offizielle Wochenblatt der Deutschnationalen Voltspartei,„Unsere Partei", nannte den Bortrag eine Hetze gegen Wilhelm II. und schrieb dazu: „Es ist Raben- vnd Pöbelart, auf den gefallenen Adler. d« sich nicht mehr wehren kann, niederzustoßen." Herr von Kardorff veröffentlicht dagegen eine Erklärung, die mit den Worten schließt: „Ich zweifle nicht, daß jeder anständig denkende Mensch jeder Partei, auch der Deutschnationalen Volkspartei, mir darin beitreten wird, wenn ich sage, derartige unanständige Agitations- Methoden richten sich selbst, sie oergiften unser öfseMliches Leben. und sie beweisen, daß unter dem heuchlerischen Deck- mantel sogenannter nationaler Gesinnung eine politische Brunnenvergiftung ohnegleichen ge- trieben wird." Ein wahres Wort aber nur eine Bestätigung einer alten Erfahrung._ Beschimpfung der Reichsslagge. Der»«antwortliche Schrift- leiter des in Karlsruhe erscheinenden Organs der Nationaisozia- lMfchen deutschen Arbeiterpartei„Der Führer", Radakteur Franz Moraler. wurde vom Schwurgericht Karlsruhe wegen Vergehens aegen 8 9 Abf. 2 de, Gesetzes zum Schutze der Republik an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 2 Monaten zu«in« Geld st rase von 1200 M. verurteilt. Unlerslaalssekrelär Oindbergh? Wie Gerold and Tribüne" meldet, soll Hoover beabsichtigen, Lindbergh zum Unterstaatssekretär für Luftsnhrtangelegenheiten im Handctsdepartement zu ernennen. Auf lange Gicht. Die Perspektive des Drandlerwmus. Der Führer der rechten kommunistischen Opposition. Heinrich Brandler, entwickelt in der„Arbeiter- Politik", dem Leipziger Organ seiner Gruppe, sein Pro- gramm: „Wir wollen und werden keine neue Partei gründen. Zwischen der SPD. und der KPD., so schlecht und krank wie sie heute ist, ist kein Raum für ein« dritte Partei. Es kann nur eine kommunistische Partei geben. Wir kämpfen für eine kommunistische Partei, die die SPD. zerstört, indem sie ihr die heut«, dank der schlechten unfähigen Politik der KPD.- Führung ungehörigen Arbeitermassen für den Kommunismus ge- winnt. Gegen die fünf Millionen in fast kommunistenreinen Gewerkschaften organisierten Arbeiter, gegen die Hundert- tausend« wertvoller Arbeiter, die heute noch für die SPD. st i m m e n, ist der Sieg der deutschen proletarischen Revolution unmöglich. Rur wenn wir diese entscheidenden Schichten de» deutschen Proletariats sowie die wichtigen Millionen der unorganisierten Arbeiter durch«ine wirklich zielklar geführte kommunistische Tagespolitik mindestens zu Sympathi- fierenden des Kommunismus gemacht haben, und wenn wir aus der KPD. die Kaderorganisation der den Klassen- krieg führenden Vorhut des deutschen Proletariats geschaffen haben, können wir unser Ziel, die proletarische Diktatur, als Mittel zur Verwirklichung des Sozialismus, durchführen. Billiger geht es nicht." Billiger geht's nicht! Erst die KPD. erobern, dann die SPD. zerstören, zum Schluß die Errichtung der Sowjet- diktatur in Deutschland—, wenn das der gute Heinrich Brandler nur noch erlebt! Er muß seinen Anhängern Mut machen und sich selber auch. Deshalb hält er sich gegenüber der Wirklichkeit die Augen zu. Wir wollen sie ihm wieder aufmachen: das mit den H u n d e r t t a u s e n d e n Arbeitern, die für die SPD. stimmen, sieht ein wenig anders aus. Für die SPD. stimmten bei der letzen Wahl über neun Millionen Wähler. Da nicht anzunehmen ist. daß 8� Millionen davon Bourgeois sind, muß Heinrich Brandler schon das Maß des Widerstandes gegen seine Illusionen von den Hunderttausenden i n d i e Millionen v er g r ö ß e r n.. Aber diese Notwendigkeit übersteigt auch das Maß feiner Wahrheitsliebe gegenüber der Verlogenheit der kommunistischen Politik. Neun Millionen Sozialdemokraten— dagegen versagt selbst Brandlerischer Optimismus._ Ehrabschneiderei zu Hehzwecken. Unsaubere deutschnationale Methoden. Dem Preußischen Landtag ist eine Große Anfrage der beutschnationalen Fraktion zugegangen, die das Staats- Ministerium um Auskunft ersucht, od es bereit ist, durch das Justiz- Ministerium die zuständige Staatsanwaltschaft anzuweisen, durch ein neue-, hinsichtlich vollster Objektivität zu sicherndes Unter. suchungsverfahren gegen Schröder undGenojsen Schuld und Mitschuld im Magdeburger Prozeß restlos zu klären. In der Begründung wird ausgeführt, daß die Behandlung des vom Obersten Difziplinarfenat beim Kammergericht gegen die Magdeburger Richter Hoffmann und Kölling gefällten Urteils in der deutschen Presse neben dem Zweifel in der Sicherung der Richterunabhängigkeit auch den Verdacht habe laut werden lassen, daß der jenem Disziplinarverfahren zugrundeliegende M a g d c- burger Mordprozeh hinsichtlich der Frage Schuld öder Nicht- schuld nicht restlos geklärt fei. * Weil zwei frondierende Richter diszipliniert worden sind, versucht die deutschnationale Landtagsfraktion den An- schein zu erwecken, als ob der Magdeburger Mordfall nicht geklärt sei. In der Oeffentlichkeit soll der Eindruck erzeugt werden, als ob der von Kölling zu unrecht verfolgte Kaufmann Haas dennoch verdächtig sei, obgleich das Ge- richt seine volle Unschuld festgestellt hat. Einem U n- schuldigen mit scheinheiliger Miene in den Verdacht der Beteiligung am Mord bringen, um politische Hetze zu treiben— das ist die Achtung der Deutschnationalen vor dem Recht. Rur Akademiker find gebildet! Die Auffassung der Deutschnationalen. Li« noch bestehende Rechts Mehrheit des Kreistages von Ueckermünde— bei den letzten Reichstogswahlen brachte der Kreis eine entschiedene republikanische Stimmenmehrheit auf— bewirkte, daß der Kreistag mit 13 gegen 10 Stimmen die sofortige Abberufung des kommissarischen Landrats Kähne forderte Kähne ist ays der Sekretärslaufbohn hervorgegangen und besitzt feit 1923 die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst. Trotzdem erklärt« der Sprecher der Deutschnationalen, Domänen- Pächter v. Breitz:„Der Landrat muß studiert haben. Wir brauchen gebildete Beamte, d. h. wir brauchen Akademiker!" Nicht- akademiker sind nach deutfchnationaler Ansicht ungebildet« Menschen. Oer Arbeiisp?an des Reichstags. Mittwoch Beratung des Arbeitöfchutzgesehes. Der Aeltestenrat des Reichstags verteilte den Ardeltsstoff für die laufende Woche in folgender Weif«: Am Dienstag werden die Erwerbslosenanträge beraten, am Mittwoch in zweiter und dritter Lesung die Vorlag« über die Ratifizierung des Kellogg. Paktes; an diesem Tage soll die Aussprache über das Arbeits- f ch u tz g e f e tz begonnen werden und diese Beratung wild am Donnerstag und Freitag fortgesetzt werden. Am Donnerstag sollen außerdem die Handelsverträge mit Lirauen und Rumänien erledigt werden. Fall» am Freitag die Beratung de» Arbeitsfchutzgesetzes abgeschlossen werden kann, wird der Sonnabend voraussichtlich sitzungsjrei bleibe» köwten. Trohki In konstonlinopel eingetroffen? Eine Pariser Meldung au» Konftantinopel besagt, daß das überfällige Sowjetfchiff mit Trotzki an Bord dort eingetroffen fei. Eine Bestätigung liegt ab« bisher von keiner Seite vor. Sehr sonderbar! Was aus dem R dtiti- Schreiben an pofocar£ in der WTV-Fassung wurde. Am 31. Januar verbreitete das W o l f f s ch c Tele- graphen-Bureau aus Paris in ausführlicher Fassung den Inhall eines Schreibens, das der Autonomistenführer Dr. R i ck l i n an PoincarS gerichtet hat. Im Vertrauen auf die Richtigkeit dieses Wortlauts hatten wir die Meldung wieder- gegeben(siehe„Abend" vom 31. Januar), in der folgende Stelle vorkam: „Denn außer dem wirtschaftlichen Aufschwung, den Elsaß- Lothringen unter der deutschen Derwaltung genommen hat, hat es sich in hartem Kampf ein V e r f a s s u n g s st a t u t erobert, das uns im Rohmen des Deutschen Reiches eine Freiheit und p o l?ti s ch e ilnabhängigkeit sicherte, die weit entfernt sind von der unwürdigen Sklaverei, in der wir. wie ich behaupte, seht gehalten werden." Dieser außerordentlich scharfe Satz lautet aber in dem von allen französischen Blättern veröffentlichten Text ganz anders. nämlich: .. Elsaß-Lothringen hatte sich ein Derfassungsstatut erobert, das uns im Rahmen des Deutschen Reiches eine Freiheit und politsche Unabhängigkeit sicherte, die weit entfernt von sener unwürdigen Sklaverei sind, in der wir. wie man behauptet, gelebt haben sollen." Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem falschen Wortlaut ist so auffallend, daß er einer besonderen Erläute- rung nicht bedarf. Was aber eine Klärung erfordert, das ist, wie dieser falsche deutsche Wortlaut überhaupt entstehen konnte. Man soll mit dem Vorwurf der be w u ß t e n Fälschung nicht allzu schnell bei der Hand sein, denn wir wissen, daß in der Eile der jour- nalistischen Arbeit auch manch unabsichtlicher Uebersetzungs- fehler passieren kann, chier ist allerdings ein Flüchtigkeits- fehler schwer erklärlich, denn der französische Wortlaut ist ganz klar und unzweideutig:.„.. dien loiv 6« Uekdaragc indigne dans lequpl od prdtend que noua avons vöcu." Ein telephonischer Hörfehler bei der Uebermittlung ist ebenso unwahrscheinlich, denn das Wort„jetzt" ist offensichtlich vom WTB.-Uebersetzer hineingedichtet worden. Es wäre wün- schenswert, wenn sich das WTB. möglichst bald und ein- wandfrei zu diesem sehr sonderbaren Fehler seiner Be- richterstattung äußern wurde. Eine dunkle Angelegenheit. Reichskommissariat und Groener-Oentfchrifi. " Ein Montagsblatt hat behauptet« daß die Groener-Denkschrift von der Korrespondenz.Leitnotizen" dem Reichskmnmissariat für öffentlich« Ordnung bereits vor der Veroftentlichung in England angeboten worden sei. um der Regierung zit zeigen, daß Abschriften der Denkschrift im Umlauf seien. Dazu erklärt das Reichskommissariat für Sfsentlich« Ordnung, daß bei einem Besuch, den zwei Äournalssten dort machten, der ein« am Schluß gefragt habe, ob das Reichskommissariat Interesse für die Groener-Denkschrift hätte. Die betreffenden Beamten des Reichskommissariats hätten erwidert, das Reichskommissariat habe daran kein Interesse, und ss« hätten es auch abgolehnt, einen Auftrag zur Beschaffung einer Abschrift zu erteilen, uiy nicht einen Ävreiz�u einer Indiskretion zu geben. Nachdem dann die Denkschrift Yn England veröffentlicht war. und hier eine Untersuchung eingeleitet wurde, hätten die Beamten dem Reichskommissar von jenem Gespräch Mit- teilung gemacht, worauf der Reichskommissar den Rcichsminister des Innern und den Oderreichsanwalt hiervon verständigt haben. Es bleibt jedenfalls merkwürdig, daß die betreffenden Beamten zunächst das Angebot, ihnen ein» streng geheime Denkschrift zu ver- schaffen, für sich behalten haben. t Die Vorsehung und der Mörder. Hat Sott die Morde an Erzberger und Rathenau gewollt? Der Ehrhardt-Mann von Salomon liot in der Zeitschrist „Deutsche Front" zwei Artikel über die Morde an Erzberger und Rathenau veröffentlicht, in denen er die Behauptung aufstellte, die Vorsehung habe sich der Mörder zu ihren Zwecken bedient. Die Staatsamvaltschast erhob Anklage wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz, die Hamburger Strafkammer sprach ihn frei. Sie erblickte in den Aussätzen weder eine Verherrlichung, noch eine Billigung der Mord«. Ein merkwürdiges Urteil. Wenn die Mörder als Werkzeuge Gottes hingestellt werden, so soll das weder ein« Verherrlichung noch eine Billigung sein! Deutsche Richter sind eben Leute von ganz besonderer Urteitskrast, an die das Verständnis gewöhnlicher Sterblicher nickü heranreicht. Wir hören in der letzten Zeit immer wieder von Anklagen und Verurteilungen auf Grund des Gotteslästerungsporo- g r a p h e n. Dieser Paragraph wird wegen der geringsten Kleinigkeit bemüht, vor kurzem erst, als ein Zeichner Christus am Kreuz mit Gasmaske und Kommißstiefeln gezeigt Hot. Also: es ist Gottesläste- rung, Christus in der Gestalt eines gefallenen Kriegers zu zeichnen. Es ist aber kein« Gotteslästerung, zu behaupten, daß Gott sich feige Mörder zu seinen Werkzeugen erwählt und daß er die Morde an Erzberger und Rathenau gewollt habe. Sucht Wokdemaras Versöhnung? Offiziöse Aeußerunpen. Sowno, 4. Februar.(Ost-Expreß.) Während einerseits die Gerüchte nicht verstummen wollen, die von ernsten U n st i m m i g 5« t t e u innerhalb der Regierung be» richten, ist andererseits die Frag- der Erweiterung der Grundlagen, auf welchen die Regierung ruht, dadurch besonders aktuell geworden, daß das offiziöse Organ„Lietuvos Aidas" sich jetzt immer wieder mü dieser Frage beschäftigt. Das Blatt ver- öffentticht Auschristen, deren einer Teil sich für eine Verständigung mit den Klerikalen, d. h. also mif der Rechleoppsition einsetzt, während eine andere Gruppe von Verfassern solcher Artikel in dem „religiösen Fanatismus und der Intoleranz der Klerikalen" sin Hindernis für eine Verständigung sehen. Das Regierungsblatt oer» tritt di« Ansicht, daß„im Zeitalter des Rundfunks die Bannflüche politisierter Priester und die Drohung mit Höllenstrafen auf politische Gegner keinen Eindruck mehr machen können". Beachtenswert ist, daß das offiziös« Blatt«ine Einigung der Regierung mit den Kleri- kalen auch aus dem Grunde ablehnt, weil ein solches Bündnis„zu eng begrenzt" wäre und die nationale Einigung nicht erreicht werden würde, wenn alle antiklerikalen Elemente ausgeschaltet werden. Diese letztere Wendung legt die Vermutung nahe daß die Regierung «ine Fühlungnahme mit der Links oppositio» in Erwägung zieht. Oer gerettete„Kürst". Oer strafversetzte£gd. Hofsmann- Magdeburg nahm seinen Abschied und ging zur Lndustric Gi*.])iscipii27a Wohl fällt der Blitz- jedoch zur gleichen Stund'... tritt aus der Wolken Tor- der Hintergrund! Oer Rauschgisthandel. Was tut der Völkerbund dagegen und was tut er nicht? Gens. 3. Februar.(Eigenbericht.) Di« Opiumkommission des Völkerbundes hat ihre erst« Tagung nach d«m Inkrafttreten der Opiumkonvention des Jahres 1925 abgeschlossen. Di« vom 17. Januar bis zum 2. Febniar dau- ernden Ätzungen waren teilweise sehr bewegt und erhielten namenllich durch das Auftreten des Vertreters der neuen ch i n e- jijchen Regierung zeitweis« hochpolitischen Charakter. Eine tiefe Kluft zeigte sich insbesondere zwischen China als zwangeweisen Opiumkonsumenten und seinett Lieferanten Indien und Japan, hinter denen England und all« die imperialistischen Staaten ausmarschierten, die noch immer durch un- gleiche, aufgezwungene Handelsverträge China» Bewegungsfreiheit beschränken und sich in„gepachteten" oder rundheraus annektierten chinesischen Häsen und Stadtteilen festgesetzt haben. Rauschgislkapilalismus und Kolonialfiskus kämpften in inniger Einheitsfront für den staatlichen Opiumvetkaus in den französischen, englischen, japanischen und holländischen SVe- lonien Astens, die z. T. 35 Proz. ihrer Einnahmen durch die legale Verseuchung der Eingeborenen mit Rauschgiften beziehen. Gegen den Schmuggel natürlich fand man große Wort«. Er zahlt weder dem kolonialen Fiskus Abgaben, noch sichert er den natio- nalen Rauschgiftindustrien der Kolonialmächte die Bevorzugung für die Belieferung der Kolonien, die dieser wünscht. Deutschland und die Schweiz, die keine Kolonien besitzen, fühlten sich unter den obwaltenden Umständen sozusagen gezwungen, gegenüber den unverkennbaren Bemühungen der Kolonialmächte die Rauschgift« bekämpfung des Völkerbundes zu einer Monopolisierung ihres kolo- nialen und des chinesischen Marktes für ihre einheimische Rausch- mittelproduktion auszunutzen und dos Verlangen ihrer nationalen Industrien auf möglichst freiem Handel zu vertreten. E i n peinliches Bild. Immerhin erklärte sich Deutschland bereit, einem sehr radikalen amerikanischen Produttionsbeschrän» tung». und Planverteilungsprojekt wohlwallende Prüfung zuzusagen. Es geriet dabei mit Italien— Rauschgift- bekämpfung gehört zu Mussolinis Bestrebungen auf„Hebung der Voltstraft"— China. Hiam in die Minderheit. 2>i« Mehrheit der Staaten interessiert sich augenscheinlich vorläufig nur für einen Kampf gegen den Schmuggel. Aber mindesten» ebenso ver- dammenswert wie dieser Schmuggel ist der legale Handel der Kolonialstaoten mit Rauschgiften und ihr Verhalten gegenüber der Opiumtonoenlion von 1925, die doch nur ein Mindestmaß inter. nationaler Zusammenarbeit in der Bekämpfung des Mißbrouchs von Opium. Kokain, Heroin usw. darstellt. Von rund 50 Mitgliedsstaaten haben— so verrät der Bericht an den Rat bisher nur 27 Staaten die Opiumkon- oentton ratifiziert. Deutschland lieh mitteilen, daß es baldigst ratifizieren werde, die Schweiz drückte sich sehr viel unbestimmter aus, und zu den Staaten, die ein« Ratifikation über- Haupt noch nicht ins Augs gesaht haben, gehören Serbien, ein Ätupllleserant für Rohopium, die Türkei und P e r s i e n. Dieses Persien soll jährlich über eine Million KUo Opium produzieren. Genau« Zahlen besitzt man nicht, weil die persische Regierung bisher jeden von ihr geforderten statistischen Bericht an die Kommission oerweigert hat. Die übrigen Berichte scheinen je nach Gut- dünken der Siaatskanzleien einzulaufen. Von einer Regierung jag der Kommisston z. V. der Bericht von 1926 vor, von einer anderen der von 1927. Ein großer Teil der Verhandlungen mußt« infolge- dessen dem Versuch gewidmet werden, ein einigermaßen klares Bild aus unvollständigen und unvergleichbaren Statistiken zu gewinnen. Aus den unpossstöndigen Statistiken und Berichten geht hervor, daß der illegale and legale Rauschgifkverkavf blühe and gedeihe. Verminderungen in einigen Teilen der Welt stehen Steigerungen des legalen Opiumverkaufs in Französisch, und Englisch-Indien gegen- über: Holland fühlt sich gezwungen, seinen kolonialen Opiumoerkauf auszubauen: die Engländer haben in Hongkong sistalische Opiumabgaben eröffnet, um den Schmuggel niederzukonkurrieren: China gab glaubhaft« Dorftellungen von dem schwungvollen Opi>ufz Handel, der' von den euro- patschen Niederlassungen in Chimi aus das Land überschwemmt. Ungarn ist dabei, ein« eigene Rauschgiftfobrikation aufzubauen und in Shanghai errichtet eine japanisch-englische Firma mit deutjcheu Majchineu ein« neue Fabrik für Opium- und Kokaderivat«, Was sich in Sitdrußland und in Russisch» Asien an Opiumgeschäften vollzieht, weiß man überhaupt nicht, da Rußland ebenfalls nicht an den Völkerbund berichtet. Immerhin bedeutet es einen gewissen Fortschritt, daß in Genf über all diese Dinge öffentlich geredet wird und die Kam- Mission in ihrem Bericht an den Rat das Versagen ihrer Arbeit zugibt. Aber damit allein ist es auf die Dauer nicht getan. Es muß endlich praktische Arbeit geleistet werden. Auf chrer nächsten Tagung im Mai 1929 soll sich nach den Beschlüss»» der Kommission zunächst die Postinternationale mit der Frage beschäftigen, wieweit eine Kontrolle der Postpakete und Briefe auf Rauschmittel ermöglicht werden kann. Postgeheimnis und damit selbstverständliche Rechte der Kulturmenschen, kollidieren natürlich mit der Möglichkeit, mit 50 Gramm Kokain in«spem eingeschriebenen Brief Unheil anzu- richten. Trotzdem muß die überhitzte Verbotstendenz amerikanischer Frauenligen abgelehnt werden. Man.kann nicht die ganze Menschheit unter Kuratel stellen, um einig« Gramm Kokain zu erfassen. Ja. es scheint überhaupt nur einen Weg zu geben, den allerdings der Kolonialsiskus und der Prioatkapitalismus schwer gehen können, weil er an ihken Grundfesten rütteln würde: ge- meinwirtschaftliche, planwirtschaftliche Rege« l u n g der gesamten Rauschgistfabrikation. Dos Rauschgtftproblem kann ernsthaft lediglich durch Erfassung und Kontrolle der Produktion gelöst werden. Wahliaktische Kragen in Krankreich. Diskussion anläßlich der kommenden Gemeindewahlen. parle, 4. Februdr.(Eigenbericht.) Der sozialistische Parteiausschuß beschäftigte sich am Sonnabend bis in die späte Nacht und am Sonntag ebenfalls bis spät abends mit der von der Partei bei den bevorstehenden Kommunal- wählen einzuschlagenden Taktik. Die Diskussion gestaltet« sich außerordentlich heftig. Der Führer des rechten Flügels, Abg. Renaudek, erklärte sich energisch gegen jedes Zusammengehen mit den Kommunisten. Keinesfalls, erklärte Renaudel, dürfe der berech- tigte Wunsch der Partei nach der Wiederherstellung der Einheits- front des Proletariats sich in einem Wahlbündnis mit den Kam- munisten auswirken. So führe man nur den Feind ins eigene Lager. Die Partei müsse auf die Stimmen der bürgerlichen Demokraten zählen können, wenn sie der Reaktion Herr wer- den wolle. Es müsse gefordert werden, daß künftig jedes Zu« sammengehen mit den Kommunisten unterbleibe. Diese Auffassung Renaudels fand jedoch nicht die Zustimmung der Mehrheit. Nicht nur der Führer des linken Flügels. Z y- r o m s k i, auch Longuet. Paul Faure und L e b a s, wandten sich gegen Renaudel. Der Abg. Grumbach erklärte seinerseits, es gäbe zwei Reaktionen: die kommunistische und die der Rechten. Man müsse sie aste beide zu Fall bringen. Wenn, der Faschismus in der Zeil eine fo große Verbrettung gefunden habe, so trage der Bolschewismus die Schuld daran. Der Beschluß des Kongresses müsse deshalb nicht von vornherein gegen die lom- munistischen Wähler gerichtet sein, aber eine klare Erklärung gegen den Bolschewismus enthatten. Man beauftragte schließlich eine Kommission, eine Kom- promißformel zu suchen. Der Parteioorstand setzte inzwischen— am Sonntag.— seine Beratungen fort. Im Verlauf der Diskussion wurde u. a. bedauert, daß die Erfassung der Jugend durch die Partei wenig fortschrette. Vor allein wurde beklagt, daß die sozio- listischen Iugendgruppen nicht genügend Agttation entfalten und Insbesondere keine genügenden Sportprogramme ausgearbeitet hätten. Eine Entschließung in diesem Sinne wurde angenommen. Schließlich tuchm der Parteiausschuß am Sonntag abend eine Entschließung an- in welcher de» einzelnen Organisationen empfohlen wird, bei de« bevorstehende« Gemeindewahlen im erste« Wahlgang unabhängig vorzugehen und erst im zweiten Mahlgang Bündnisse mit den Nachbarparteien, soweit sie auf dem Boden des Programms des Gewerkschaftsbundes stehen, ab- zuschließe». Wenn Hugenberg die Macht hätte! Deutschnationale Bekämpfung" der Arbeitsnot. Die Deutschnationale Boltspartei hat im Breußischen Bandiag folgenden Urantrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen: Angesichts der steigenben Arbeitsnot der erwerbstätigen Bevölkerung wird das Staatsminiſterium ersucht, bei der Reichsregierung bahin vorstellig zu wenden, daß tunlichst umgehend dem Reichstag der Entwurf zu einem Arbeitsdienstpflichtgefeß vorgelegt wird, wonach 1. alle Deutschen männlichen Geschlechts ohne Rücksicht auf ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse ſelbſt ohne Stellvertretungsmöglichkeit in der Zeitspanne vom 18. bis 21. Lebensjahre fich einer ftaatlich geregelten Arbeitspflicht für die Dauer von 12 Monaten zu unterziehen haben; 2. diese Arbeitsdienstpflicht allen geeigneten Zweigen der deutschen Rolkswirtschaft zugänglich gemacht wird." Sehen wir von dem demagogisch- faschistischen Charafter dieses beutschnationalen Antrages einmal ab, dann ergibt sich zunächst, daß ber angegebene 3med, der steigenden Arbeitsnat abzuhelfen, mur ein Bormand ist. Bürden alle jungen Männer vom 18. bis zum 21. Lebensjahre aus ihrem Lehrverhältnis und ihrem Studium herausgenommen, dann wäre damit für die älteren Arbeiter teine vermehrte Arbeitsgelegenheit geschaffen. Blieben noch die schlecht bezahltesten ungelernten Arbeiter. Doch selbst die Führer der Deutschnationalen glauben nicht daran, daß das ihnen nahe ſtehende Unternehmertum die infolge der Ableistung des Arbeits pflichtjahres frei gewordenen Pläge der ungelernten Jugendlichen mit älteren Arbeitern bei besserer Bezahlung. befezen würde. Die durch den Ausfall eines Jahrganges der jugendlichen Arbeiter entstehenden Lücken würden foweit als irgend möglich mit noch billigeren Arbeitsträften, mit jugendlichen Arbeiterinnen besetzt werden. Die Machtprobe der Textilbarone. Der Schmachtriemen ist zu eng! Der Reichsarbeitsminister hat den Schlichter für Mittel beutschland, Hauschild, beauftragt, im fächsisch thüringischen Webertonflift mit ben Parteien Füh= fung zu nehmen. Von einem regelrechten Eingreifen des Arbeits. ministers ist also zunächst no teine Rebe. Man tann dem Minister seine Zurüdhaltung nicht verdenken. Jezt ist der von den Unternehmern viel gelästerte staatliche Schlichtungsapparat wieder gut genug, in Sachsen- Thüringen die Dinge einzurenfen, die durch Die Halsstarrigfeit der Unternehmer auf die Spize getrieben worden sind. Selbst in Unternehmerorganen, wie der 51. nischen Zeitung", ist den sächsischen Tertelindustriellen deutlich gemug zu perstehen gegeben worden, daß fie höhere Löhne zahlen müffen. Den Textilindustriellen auch den 2 aufigern ist es bei all ihrer zur Schau getragenen Kampfluft durchaus nicht wohl zumute. Es wäre ihnen ganz angenehm, wenn der Reichs arbeitsminister jetzt schleunigst mit einem Schiedsspruch zu Hilfe täme. Sie wollen sich doch nicht gerne selbst das ganze Gefchäft verderben. Ihre neue Kampfanfage foll vor allem das Reichsar. beitsministerium antreiben, die Kouflitte beizulegen. Bis zur Verwirklichung der von den Laufiber Textilunternehmern on drohten Kündigungen vergehen noch acht Tage. In der 3 henzeit tönnte der Reichsarbeitsminister leicht furzen Prozeß machen. Im rechterheinischen Tertilgebiet drohen die Textilunternehmer wieder einmal mit 2ohn fürzungen. Es war dort zu einem Spruch gekommen, wonach die alte Löhne bis zum März 1931 weiter gelten sollten. Die Arbeiter haben diesen Spruch abgelehnt. Zunächst hatten daraufhin die Arbeitgeber in einem Rundschreiben angeordnet, bis zum Neuabschluß des Tarifs die alten Bestimmungen weiter gelten zu lassen. Jezt verlangen sie plötzlich in einem Rundschreiben das Gegenteil. Aber kommt es zu 2ohntürzungen, dann kommt es auch zum Kampf. Gemeinde: und Staatsarbeiter! Geht heute zur Wahl! Die Opposition" suchte Stimmung zu machen, indem sie in der Roten Fahne behauptete, die Berliner Ortsverwaltung unseres Berbandes habe mit den SPD.- Mitgliedern der Tariftommission es abgelehnt, eine zwischentarifliche Lohnforderung zu vertreten. Tatsache ist, daß in einer Sigung der großen Tarif tommission dahingehende Anträge abgelehnt wurden, womit die Ortsverwaltung sich abzufinden hatte. Es ist weiter Tatsache, daß prominente KPD.- Mitglieder, worunter auch Angestellte der Ortsverwaltung, fidh mit Entschiedenheit gegen die for berung einer zwischentariflichen Lohnregelung ausgesprochen haben. Es ist ferner Tatsache, daß feiner der gewichtigen Ber treter der PD. innerhalb des Verbandes die KPD- Stadt verordnetenfraftion wegen einer außertariflichen Lohnregelung angegangen ist Die Rote Fahne" behauptete meiter in einer Notiz am letzten Sonntag, die Mitglieder der Tariftommission, die aus Kollegen der Betriebe zusammengesetzt ist, hätten zum Schaden der Arbeiterschaft der Elektrizitätswerte den Mantel tarif verlängert. Auch den Oppofitionellen ist die Tatsache nicht unbekannt, daß die Verlängerung des Tarifvertrages durch Erreichung bedeutender Berbefferungen bedingt war. Lohnt es sich auch nicht, auf die Absicht der Deutschnationalen einzugehen, da sie einstweilen Absicht bleibt, so muß doch gezeigt werden, was der deutschen Arbeitnehmerschaft blühen würde, wenn der Faschismus mit Hugenberg als Diftator in Deutschland ans Ruder fäme. Die in dem Plan bestrittene Rücksicht auf die Herrensöhnchen würde sich rechtzeitig einstellen; die Druck posten würden ihnen selbstverständlich vorbehalten bleiben. Die schulentlassene Jugend gilt den Ausbeutern in Deutschland von jeher als Freiwild. Um einmal später den Tariflohn der Gelernten zu bekommen, müssen die jungen Leute drei bis vier Jahre in die Lehre und dann noch erst ein oder zwei schlechter bezahlte Junggesellenjahre zurüdiegen. Die mir angelernten jugendlichen Arbeiter aber müssen es ihr ganzes Leben hinburch als Ungelernte büßen, daß ihre Eltern die Lasten der Lehrjahre nicht auf sich nehmen oder feine passende Lehrstelle finden konnten. Der deutschnationale Antrag geht nun offenbar von der Erwägung aus, baß das, was dem Handwerk und der Industrie redyt, ber Landwirtschaft nur billig sein müffe. Der„ notleidendste" 3weig unserer Boltswirtschaft ist die Landwirtschaft, der wohl die polnischen Arbeitskräfte noch zu teuer sind. Noch billiger scheinen ihr Arbeitsdienstpflichtige. Zur Ergänzung des deutschnationalen Antrages fehlt mir noch die Eirung des Prügelrechts der Unternehmer, fomohl zur Auf munterung" der jungen Arbeitsdienstpflichtigen wie auch zur Strafe abgestuft bei dem Berjuch und der vollendeten Flucht vor den Fleisch töpfen der junterlichen Arbeitgeber. Die Phantasten der Deutschnationalen führen uns herrlichen Zeiten entgegen. Es gilt dafür zu forgen, daß es bei den reaktionären Plänen bleibt. Sie haben das Gute für sich, soweit das noch notwendig sein sollte, über den reaktionären voltsfeindlichen Charakter der Hugenbergpartei volle Klarheit zu schaffen. dant besonderer Umstände gelungen, die Berhandlungen mit einem befriedigenden Ergebnis zu Ende zu führen. Das geſtedte Ziel murde zwar nicht erreicht, das Ergebnis aber von den Oppofitionellen ganz besonders als zufriedenstellend be zeichnet. Bon einem Streit mollten sie jedenfalls nichts wissen. So sieht der Kampfeswille der Kapedisten aus! In der gleichen Notiz nahm die Rote Fabre" auch auf die Beschäftigung Wohlfahrts- Erwerbsloser Bezug und macht die Sozialbemotraten im Magistrat Berlin für die Nachteile verantwortlich, die den ständigen Arbeitern der Stadt dadurch entstehen. Das Blatt perschweigt dabei, daß es die Beschäftigung Wohlfahrts- Erwerbsloser anstatt an drei Tagen an sechs Tagen in der Woche gefordert hat. Wäre seine Forderung durchgegangen, mürde der Nachteil für die ständigen Arbeiter bedeutend größer sein. Auch der Beschluß des Verbandstages der Gemeinde und Staats arbeiter, die Vorarbeiten für eine Invalidenzuschußtasse in Angriff zu nehmen, wird heruntergerissen, dabei aber verschwiegen, daß die Einrichtung einer Invalidenzuschustasse Hunderttausenden von Gemeinde- und Staatsarbeitern, die feinerlei Ruhegehaltsberechtigung haben, wie dies in der Gemeinde Berlin der Fall ist, im Alter Hilfe bieten foll. Die Oppositionellen haben nun einmal ihre eigenen Begriffe von Sozialpolitik. Daß die Opposition" die nennenswerten Erfolge der Gewerkschaft im Laufe des letzten Jahres verfchweigt, ist be greiflich. Sie ist dazu gezwungen. Wir sind überzeugt, daß die unehrliche Kampfesweise der KPD. auch bei der heutigen Wahl den verdienten Erfolg" bringen bes Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter. wird: Berlust auch der letzten Position innerhalb der Ortsverwaltung Alle Verbandsmitglieder müssen heute in den Bersammlungslofalen erscheinen und dort ihre Stimme für die Liste der Amsterdamer Richtung abgeben. Die KPD. hindert ums am Fortschritt, fie hindert uns an der fulturellen Entwidiung Darum fort mit ihr aus unseren Reihen! Aus der Flugzeugindustrie. Hinein in den Metallarbeiterverband! Die Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes hatte vor furzem nach den Sophiensälen eine allgemeine Bersammlung aller Arbeiter der Flugzeugindustrie einberufen, die, zumal es sich um die erste Veranstaltung dieser Art handelte, einen verhältnismäßig guten Besuch aufwies. Genosse Werner, Spandau, schilderte in einem längeren Referat die geradezu chaotischen Zustände, die hinsichtlich der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Berliner Flugzeugfabriken herrschen. Mit Ausnahme des Betriebes der Deutschen Lufthansa in Staaten sind in den übrigen Betrieben weder die Löhne noch die Arbeitsbedingungen tariflich geregelt. Alle Bemühungen der Organisationen, einen einheitlichen Tarif für diese Industrie zu schaffen, scheiterten bisher an dem Widerstand der Leitungen dieser Unternehmungen, zum Teil aber auch an der Intereffelosigkeit der Arbeiterschaft selbst. Die völlig unterschiedliche und niedrige Bezahlung der Facharbeiter ist um so unhaltbarer, als es fich hier um eine hochqualifizierte Arbeiterschaft handelt, von denen oft das Leben der Piloten und des luftreisenden Publikums abhängt. Diese Arbeiter, von denen man verlangt, daß sie in ihren Fertigkeiten und Leistungen über dem Durchschnitt gleichartiger Facharbeiter stehen, fönnen beanspruchen, daß sie auch in der Be. zahlung über dem Durchschnitt ihrer Berufskollegen stehen. GeIn der gleichen Notiz rühmt das KPD.- Blatt den Einfluß noffe Berner betonte mit Recht, daß der Widerstand der Unter ber Opposition" hinsichtlich der Kündigung der Manteltarifnehmer gegen den Abschluß eines Tarifvertrages genau so geverträge für die Gas- und Wasserwerte Tatsache ist, daß der Ablauf der Geltungsdauer der Tarifverträge die Kündigungen fomie die Einreichung neuer Forderungen bedingte. Da die Berhandlungen über den Neuabschluß der Tarifverträge für die Gasund Wasserwerte viele Schwierigkeiten boten, sah sich die Ortsvermaltung des Verbandes genötigt, die Streitgenehmigung beim Hauptvorstand für die Belegschaften der Gas- und Wassermerte einzuholen. Sie wurde erteilt. Jammervoll wurde jetzt das Berhalten der Oppositionellen, nachdem die Situation ernist geworden war. Läglich saßen diese jammervollen Gestalten bei der Ortsverwaltung und winfelten nach einer schiedlich. friedlichen Abmürgung der Bewegung. Es war nahezu mitleiderregend, von welch' unglaublicher Feigheit die oppofitionellen Gewerkschaftsfunktionäre beseelt waren. Der Ortsverwaltung ist es brochen werden könnte wie im vorigen Jahr bei der Deutschen Lufthansa, wenn sich die gesamte Arbeiterschaft der Flugzeugindustrie straffer organisieren und einheitlich vorgehen würde. Obs wohl der Tarifvertrag für die Arbeiter der Lufthansa noch viele Mängel aufweist, ift er aber immerhin ein Fundament, auf dem weitergebaut werden kann. Die Organisation hat den festen Willen, den Arbeitern der Flugzeugindustrie die gleichen tariflichen Sicher heiten zu schaffen, wie sie die Arbeiter anderer und ähnlicher Berufsgruppen schon lange haben. Die ziemlich ausgiebige Distusfion fieß erkennen, daß die Organisation den richtigen Zeitpunkt für die Einleitung der Tarif bewegung in der Berliner Flugzeugindustrie gewählt hat und daß die Arbeiterschaft gewillt ist, die Bemühungen ber Organisation in fräftig zu unterstügen. Es wurde beschlossen, gemeinsam mit den Funktionären der einzelnen Betriebe einen Tarifentwurf auszu arbeiten und ihn dann einer neuen Vollversammlung zu unterbreiten. Das Ueberfallfommando foll helfen! Zwischen dem Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten und dem Gastwirt Paul Labe, Brunnenstraße, Ece Usedomstraße, bestehen seit langem Diffe= renzen wegen Tarifbruches infolge des arbeiter- und gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens des Herrn Labe. Am Freitag, dem 1. Februar, stellte der Verband Streifpoften aus und ließ Handzettel verteilen. Die Streifposten und Handzettelverteiler wur den von Freunden des Herrn Labe, worunter auch ein fommunistisches Gewerkschaftsmitglied empf gehörte, angegriffen und be schimpft. Schließlich holte Herr Labe das leberfalltommando zu Hilfe. Er ging dabei wahrscheinlich von der Annahme aus, daß die Polizei berufen sei, jeine Unternehmerinteressen wahrzunehmen. Er hatte sich aber geirrt. Die Polizei fand feinen Anlaß zum Eingreifen. Der Betrieb ist nach wie vor gesperrt. Die Differenzen mit dem Café Nord, Schönhauser Allee 118, sind beigelegt. Der Unternehmer hat die tarifnertraglichen Bebingungen anerkannt und sich zu deren Durchführung verpflichtet. Die Sperre ist aufgehoben. Metallfonflift in Württemberg. Urabstimmung über Arbeitseinste lung. Die Gemertschaftsfunktionäre der württembergischen Metallindustrie haben in Stuttgart zu dem vor turzem gefällten Schicas spruch Stellung genommen. Sie famen einstimmig zu dem Ergebnis, taß der Spruch unbedingt abgelehnt werden müsse; er bringe nur für einen ganz geringen Bruchteil der rund 70 000 Beschäftigten eine faum nennenswerte Aufbesserung, die Affordarbeiter und die bereits über acht Pfennig über den Mindest lohn verdienenden Zeitlohnarbeiter lalle er völlig leer ausgehen Laufzeit und Kündigungsbedingungen machten fast jede gewerkschaftliche Kampfhandlung für die Zukunft unmöglich. Es dürfe also unter feinen Umständen zu einer Berbindlichkeitserklärung dieses Spruches tommen. Die Konferenz beschloß ferner, am Mittwoch und Donnerstag eine Urabstimmung durchzuführen, deren Ergebnis spätestens bis tommenden Montag vorliegen wird. Einigung in der Osnabrücker Metallindustrie. Nach langen schwierigen Berhandlungen wurde für die Osnabrüder Metallindustrie eine Lohrregelung vereinbart, bei der der Grundlohn in den einzelnen Gruppen unb Jahrestlassen um zmei bis neun Pfennige pro Stunde erhöht wurde, für Lehrlinge um zwei bis fünf Pfennige. Die Former und Kesselschmiedelehr linge erhalten außerdem noch eine besondere Zulage von fünf Pfennigen die Stunde Für die Arbeiter der Firma Karmann, Karosseriefabrit, erhöht sich der Ecklohn von 68 auf 87 Pf. Die Leipziger Straßenbahner ausgesperri Leipzig,& Februar.( Eigenbericht.) Am Montag hat die Leipziger Straßenbahndirektion das ge famte& ahr perfonal etwa 4000 Mann ausgesperrt. Der gesamte Betrieb liegt still. Die Wertstättenarbeiter der Straßenbahn befinden sich seit, Sonnabend im Streit. Am Montagnachmittag wurde für das technische Personal folgender Schiedsspruch gefällt: ,, Die Stundenlöhne werden ab 1. Februar um 5 Pfennig und ab 1. Oftober 1929 um weitere 2 Pf. erhöht. Der Schiedsspruch ist gültig bis 31. März 1930." Gefordert wurde eine Lohnerhöhung von 13 Pfennig pro Stunde. Das technische Personal wird am Dienstag zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. Bor Donnerstag ist jedoch kaum mit der Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen, so daß bis zu dieser Zeit auch der gesamte Betrieb der Straßenbahn stilliegen dürfte. Der Emanzipationsfampf in Indien. Bombay, 4. februar. Bon den hier befindlichen 80 Spinnereien find 60 geschlossen. Einschließlich der Eisenbahnarbeiter beträgt die Gesamtzahl der Streifenden 150 000. Die Führer der Arbeiterschaft tun, was fie fömmen, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß ihre Befürchtungen, die Bathans raubten Schulfnaben zu Opferzweden, unbegründet sind. Bon den verlegten Indern wurden 30 ins Krankenhaus gebracht; einer von ihnen ist gestorben. Generalstreit in Australien? Melbourne, 4. Februar. Der Zentral- Streitausschuß des Gewerkschaftsrats hat alle Bundesgewertschaften zu einer panaustralischen Konferenz ein geladen, um die Frage zu prüfen, den Streit der Holzindustriearbeiter zu einem Generalstreit auszu bauen, zu dem Zweck, die Durchführung der 44- StundenArbeitswoche zu erzwingen. Achtung, Bergmann, Rosenthal! Am Donnerstag, 7. Februar, 16 Uhr, findet im Lotal Hansen, Rosenthal, Lindenallee 40, eine Fraktionsverfammlung der SPD.- Genossen statt. Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin 1 Heute, Dienstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Frankfurter Allee: Städt. Jugendheim Litauer Str. 18, 8immer 2, Heimbesprechung. Berbandsbuch und Heimausweis nicht vergessen. Neu- Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 43, Seimbesprechung. Berbandsbuchkontrolle. Zands berger Blaz: Gruppenheim, Jugendheim Diestelmenerstr. 5, Heimbesprechung. Ohne Heimausweis und Verbandsbuch kein Zutritt. Treptow: Gruppenheim, Jugendheim, Schule Bildenbruchstr. 58-54, Heimbesprechung. Berbandsbuch tcntrolle. Bidtenberg: Gruppenheim, Jugendheim Tosseftr. 22, Helm besprechung. Nur Zutritt mit Seimausweis und Berbandsbud. Sumboldt: Seimausweis nicht vergessen. Gruppenheim, Jugendheim Graun- Ede Lorgingstraße. Berbandsbuch und Spandau: Jugendheim Lindenufer 1, Heimbesprechung. Zutritt nur mit Seimausweis und Berbandsbuch. Südkreis: Der Jugendkursus fällt heute aus. Näheres auf der nächsten Gruppenveranstaltung. Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Nordwest: Heute, Dienstag, findet folgende Beranstaltung, statt: Jugendheim Lehrter Str. 18-19, Heimbesprechung. Anschließend Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener; Wirtschaft: G. Slingelhöfer; Gevertschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales and Sonftiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Tb. Glede. fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S.. Berlin unb Berlaasonftalt Bavi Einger u Co Berlin SW 68 Lindenstraße 3 Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und wiffen". Gutscheine beil GOLD ENVER BEY GOP 5 Zigarette ist die beste 3tr. 59• 46. Jahrgang des Vorwärts O!en6tag. 5. Februar 4929 Wie die Gesi Zeugenvernehmungen i Zulch der LUttagspavse wurde ia die Veweisaus- u u h« e über die Vorgänge bei der Stroßevschtachi am Schlesljdien Lahahos eingetreten, von den Zungen wurde alz erster der Slostertcllerwirt Karl Bach vernommen, in dessen Lokal die ganz« Affäre ihre» Anfang genommen hat. Der Zeuge er klärte zwar sehr genau alle». was am 2S. Dezember bei Ihm passiert war, als der Jim- mermann Schulaleh einen Zusammen st ofz mit sechs Leuten vom Verein forden" gehabt hatle und dabei«in vereinsmitglicd mit dem Messer schwer verlehle. Al, er dann aber über feine Beteiligung an den Nachsorschnn- gen nach dem Messerstecher am nächsten Tage und da» Zu* lammen wirken von»Zmmertren"»ad„Ikordea" hierbei An- gaben mache« sollte, wurde er sehr weiisch weifig und wich dem Kernpunkt der Sache troh eindringlichster Befragung ov« ollen Seiten immer wieder mit langem Redeschwall au». Do, Lokal de» Zeugen in der Zklosterstrabe liegt gegenüber einer Baustell« der Untergrundbahn, und es verkehren bei ihm auch Zimmerleute. Einem Zimmermann 5kurt Wüst war sein Rock gestohlen worden. Am 28. Dezember kam er mit einem anderen Zimmermann, den er Ernst nannte, wieder, und beide erzählten, dah sie den Rock ausfindig gemacht hätten.„Der ander«— Schulnieh— gab fürchterlich an, so dost sich die Gäste aufregten. Schulnieß wollte auf«inen Gast mit dem Messer losgehen und dann auf ihn. den Wirt, ober Wüst, der«in rubiger Mensch ist, trat dazwischen.' Unmittelbar daraus kamen sechs nerren herunter, von denen ich muhte, dah st« vom verein„Norden' find, von dem ich immer Schutz gehabt Hab«. Die sechs Herwn setzten sich in«Ine Ecke und tranken ihr Bier. Schulnieb ging an den Tisch heran und pöbeltesiean. Man sagte ihm: �hau ab.' Da sprang er zurück und z o g s e i n e n D o i ch. Die sechs sprangen über Tisch und Stüh!« aus ihn los. Schulnieß flitzte mit einein Satz die Treppe hinauf und warfeine Kognokflasche durch die Scheiben ine Lokal. Er stand oben hinter einer Säule mit dem Messer in der Hand. Der erste, Malchin, bekam ein paar Stich« in denchals. so daß er blutend zu Boden stürzt«. Er flüchtete, aber nach einer 'Viertelstunde stand er wieder mit erhobenem Messer am Eingang. Er wurde verfolgt, war aber plötzlich»erschwunden. Die sechs cherren vom„Derein' wollten semen Namen wissen, den ich nicht kannte, und sie behaupteten, ich wollt« meinen Gast decken. Aus diesem Grunde, und weil ich auch einen Schaden von 25 Mark gehabt hatte, ging ich am nächsten Abend mit einem Zimmermann Fred. der ober nicht der Hamburger Zunft angehört, auf die Such« nach der Herberg«, um ihn zu ermitteln. Bors.: Wie kamen Sie aus- gerechnet vom Klosterteller nach der Madasstraße. um einen Zimmer» mann zo suchen? Da hätten Sie ja auch in» Hotel Adlon gehen können, und wie kam«», daß nun gerade Leib mit Ihne« ging, um«ine» ihm gleichgültigen Zimmermann zu suchen? Der Zeuge«acht unklar«,««velchende Angabe». Er erzählte dann, daß er am Büfett stand and sich nach dem Messer- stecher umsah, ohne ihn zu entdecken. Da kamen von hinten schon die Leute mit Schulnieß, den fi« anschleppten. Er bekam einen Stoß und flog zur Tür hinaus. Ich ging hinterher raus, denn hinter mir ging die Keilerei schon los. Auf der Straß, am Lüraersteig waren vi», bis sechs Leute um den Zimmermann herum und schlugen auf ihn«in. Ich habe ober keinen erkannt, bin auch schnell weggegangen. R.'A. Dr. Frey: Wer hat mit dem Hauen angefangen? Zeug« Ausweichend): Ich konnte nicht wissen, ob die Dereinsleute Schulnieß hinaus haben wollten, um ihn der Polizei zu übergeben oder ob sie ihn selbst aburteilen wollten. Staatsanwalt Zimmermann: Sie wußten aber gleich, daß die sechs Leute am Büfett im Zunstlokal Bereinsmitglieder sind? Der Zeuge gab wieder«ine aus» weichend« Antwort. Wenn ich eine Ahnung gehabt hätte, wäre ich gar nicht hingegangen. Bors.: Las ist kein« Antwort. Achte anfing. i? �Zmmerireu"-p?ozeß. Weshalb sind Leib und die anderen mit Aknen mitgegangen? Zeug«: Es war mir nicht unangenehm, Zeugen mitzuhaben. Beisitzer- Sie müssen doch bei Kühn etwas erzählt haben. Der Zeuge weicht wieder aus. Dorf.: Sie halten mit Ihrer Aussage zurück. Das Gericht beschloß darauf, den Zeugen unbeeidigt zu lassen und nahm von seiner weiteren Vernehmung Abstand. Als nächster Zeuge wurde der Zimmergesell« Schul» n i« ß ausgerufen. Er ist ein kräftiger junger Mann von 18 Jahren mit gesunder, frischer Gesichtsfarbe und trägt die charakteristisch« Tracht der Hamburger Zunstgesellen. Nach seiner Darstellung hoben die sechs Gäste Bier bestellt. Do der Kellner nur S Gläser tragen konnte, habe er das sechste genommen und auf den Tisch gestellt. Da kriegt« ich gleich eins in die Fresse, daß mir die Lippe blutig aufsprang. Amtsgerichtsrat Sponer: Da muß doch etwas vorhergegangen sein. Das sind ja ungewohnte Um- gangsformen. Z« u g e: Ach wo, es ist nicht» vorgekommen. Ich bette kein Dort gesagt. Vors.: Sie hatten«In Taschenmess>r. Wie kam es, daß Si« mit dem Messer gestochen haben? Zeug«: Ich bin überfallen worden. Alle stürzten auf mich zu. Ich Hin sogar die Treppe hinaufgefallen und wurde am Bein gepackt. Da habe ich das Messer gezogen und nach dem ersten, der auf mich los kam. gestochen. R.-A. Dr. Alsberg: Etwas muß doch vor- hergegangen sein, sonst hätten die Leute doch nicht zugeschlagen? Z e u ge: Nichts. R.-A. Dr. Frey: Was hatte Ihnen Malchin getan, daß Sie ihm das Messer in den Hals stachen? Z«ug«: Er war der Erst«, der mich packen wollt«. Sodann wurde der Zeug« Schulnieß über die Vorgänge l» Zunstlokal vernommen. Zwei Männer im Zylinder feie» auf ihn zugetreten, der eine habe chn an die Brust gepackt und ihm besohlen: Kommen Sie mit. Er habe erwidert, er wisse nicht, was er solle: Hab« aber zur Antwort bekommen: Sie müssen. mit. Da er dacht«, die Beiden seien von der Kriminalpolizei, sei er bis zur Tür mitgegangen. Dort habe«r gesehen, daß draußen alles voll Menschen stand und wollte sich zurückdrängen. Er bekam aber ein Bierglas vor den Kopf und sei auf die Straße geflogen. Draußen sei man über ihn hergefallen, und er habe die Besinnung verloreiu Do r s.: Vereidigt kann dieser Zeuge jedenfalls nicht werden. Von der weiteren Befragung des Zeugen wird darauf Abstand genommen. Der 20jährige Ziimnergeselle Schuchardt bekundete als Zeuge, daß sie die Männer im Zylinder, die Schulnieß heraus- holen wollten, für Kriminalbeamte geholten haben. Als sie sahen, daß Schulnieß verprügelt wurde, seien sie alle hinausgestürzt. Di« Ziinmerleute Hütten sich mit Stuhlbeinen und Holzstücken bewaffnet, hätten aber kein« Beile gehabt. vi« Zyliuderlenle hatte« Stuhlbeine, Billardstöcke. Gummi. schlauche und schwer« Bieruakersähe. Der Zimmergeselle Harz hatte als Zeug« auf der Polizei angegeben. daß er geiehen hätte, wie der Angeklagte Kaiser mit einem Stuhlbein geschlagen hätte. Auf die Frage des Staatsanwalts und de» Angeklagt«», ob er diese Behauptung beschworen könne, schweigt der Zeug« sehr lange und erklärt schließlich, daß er die» nicht beschwören möchte, da sich sa seder irren könnt«. Dar- auf wurden verschieden« Hausbewohner vernommen, die über oder neben dem Lokal Naubur wohnen und am 29. Dezember von der Schlägerei ans Fenster oder auf die Straße gelockt worden waren. Als letzter Zeuge wurde der Kaufmann G r a c z i n s k i vernommen, der gegenüber dem Zunstlokal seinen Laden hat. Bei Raubut waren einig« Herren mit Zylinder eingekehrt. Räch einiger Zeit beobachtete er, daß verschiedene Zimmerlcute herausstürzten und auch mit Stühlen und Gläsern einschlugen. Das Ueberfallkom- mando schaffte zwar Ordnung, rückte dann aber wieder ab, obwohl an den Seiten noch viele Menschen standen. Dann sei es zum zweiten Mole losgegangen. Er selbst habe das Ueberfall- Rommm mute R�üoIuUom. Vom Geehaci tietvm&MH Moshu Der Leutnant strich m feinem Buche herum.„Also kein Raubmord. Ein Racheakt.' Zimten fuhr jäh auf. Seine Worte waren scharf und bestimmt, aber seine Hände flatterten ängstlich, seine Augen kreisten unsicher und fanden nirgends einen Halt.„Ein Rache- akt? Unsinn! Dieser Mann hat das Beste seiner Arbeiter gewollt. Es ist ihm immer mit Undank gelohnt worden. Jetzt liegt er hier als Opfer seiner Gutmütigkeit.' Irgend jemand murrte. Zinckens Stimme geriet plötzlich ins Schreien:„Jawohl, feiner Gutmütigkeit! Unserer Gutmütigkeit! Wir haben ver- bieten müssen, daß von mehreren von Euch zusammen Klagen vorgebracht werden. Weil des Ouängelns kein Ende war. Jedes Petitionieren hätten wir verbieten sollen! Sicher ist einer von Euch Lumpen an Koch herangekommen, um ihm eine Bitte vorzutragen, und hat ihn überfallen. Jawohl, natürlich, so war es! So und nicht anders!' Seine Blicke jagten böse die Reihen der Arbeiter auf und ab. Die Augen Gloß' und Jllmers, die noch immer unbe- achtet am Grubeneinaang standen, folgten diesen Blicken. „Sieht er denn nicht?' fragte Gloß flüsternd.„Das find ja kein« Menschen, das sind ja Skelette... so verhungert, so zerschunden... sie zittern ja vor Frost...' Zincken wandte sich an den Leutnant und wiederholte stereotyp:„Ein Opfer seiner Gutmütigkeit, Herr Leutnant I Rur ein Opfer seiner GutmütigkeitI' Da trat Gloß vor. Sein kurzer, dicker Leib streckte sich krampfhaft, sein Gesicht war ganz weiß. Er sprach leise: mit Anstrengung:„Verzeihen Sie. Herr Bergrat. Der Schmied Jllmer dort und ich, wir besichtigten gerade die Grube—' „Ah. Herr von Gloß!' Zincken schüttelte ihm nervös die Hand.„Es ist so. wie'ch sagte, nicht wahr? Sie haben es gesehen, nicht wahr? Ein Opfer seiner Gutmütigkeit, nicht nähr?' »Wir Hab« ges«h««.' sagte Gloß mühsam,„wie der Bergmeister Koch kurz vor seinem Tode dem Häuer Zeising einen Schlag mit der Peitsche versetzte.— Ohne jeden Grund,' fügte er noch leiser hinzu. „Ihre Namen bitte!' sagte der Leutnant. Aber Zincken stieß seinen Kopf plötzlich fast in Gloß' rundes, blasses Gesicht hinein.„Woher können Sie das beur- teilen, Herr von Gloß? Sind Sie hier verantwortlich oder ich?' Gloß wies auf die fkeletternen Körper der zitternden Arbeiter.„Für so was ist jeder verantwortlich. Jeder, der ein Mensch ist.' „Wir haben hier nicht mit Menschen zu tun. sondern mit Kanaillen... wer murrt da? Maul halten! Wer das Maul nicht hält, wird entlassen?— Was haben Sie überhaupt hier zu suchen, Herr von Gloß? Verlassen Sie sofort den Hofl' Als der Schmied und Gloß durchs Tor gingen, stand Zincken noch immer mit geballten, blassen Fäusten.„Auch die Wohnungen durchsuchen! Und die Weiber! hörten sie ihn rufen. Gleich darauf kamen einige Unteroffiziere aus dem Tor, vor dem Weiber und Kinder stumm und bleich sich drängten, und trieben sie in die Häuser. Grinsend verteilten sich die Soldaten in die Wohnungen. Der Advokat Oehlke kam die Straße herab— trotz größter Eile mit den schlendernden Ladenjünglingsschritten, die ihm eigneten. Er gab Jllmer ein Schreiben:„Sofort in die Buchdruckerei geben! Ueber das Weitere sprechen wir uns morgen in Bernburgl Entschuldigen Sie mich für jetzt, keine Zeit, empfehle mich--' er war schon durchs Tor. Jllmer wollte das Schreiben lesen— aber die geschnör- kelte Adookatenschrift tanzte vor seinen Augen, sein lang- sames Hirn verarbeitete mühsam das oben Geschehene. Gloß floh in die Ablenkung und las vor: Drucken zu lassen und überall anzuschlagen: An die Bürgerschaft Dernburgs! Unser durchlauchtigster Herzog, seine Höhest Alexander Carl, hat den drei Abgeordneten der Bürgerschaft am 19. cr. die Erfüllung ihrer Wünsche im Sinne einer gleich- artigen Regelung wie in Preußen und anderen Staaten versprochen, so vor allem die Einberufung eines Parla- ments. Da demnach die officielle Ankündigung dieser hoch- herzigen Tat unseres allergßädigften Herzogs durch das Ministerium in den nächsten Tagen zu erwarten stehen dürfte, so wird die Bürgerschaft gebeten, ihren Dank an Seine Durchlaucht dadurch abzustatten, daß sie äußerst« kommando angerufen, das aber erst nach 20 Minuten wieber erschien. Der Zeuge hat auch gesehen, daß vier Maurer angelaufen kamen uiid in dos Lokal wollten. Die Menge fiel über sie her und schlug sie nieder. Das Zunfttokal fei sehr verrufen in der Gegend. Die meisten Angeklagten hoben, so sagt« der Zeuge, in meinem früheren Lokal als Gäste verkehrt. Ich habe niemanden von ihnen unter der Menge erkannt. Es waren alles fremde Ge- stallen. Vors.: Haben Sie auch beobachtet, daß Auto» an- kamen? Zeuge: Di« Autozahl war sehr beträchtlich. Es stiegen euch Damen mit aus. Die Verhandlung wurde daraufhin auf Dienstag fnch 19 Nhr vertagt._ Man hoffi ans Tauweiter! Schneebeseitigung bisher 1,6 Millionen Mark Kosten. Die Schneefälle diese, Winter» haben an die städtischen Finanzen recht erhebliche Anforderungen gestellt, denn bisher sind, wie die Direktion der städtischen Straßenreinigung verlauten läßt, bereits 1,6 Millionen Mark für die Echneebefeitigung und Abfuhr ausgegeben worden. Aus diesem Grunde hat sich' die Straßen- reinigung darauf beschränken müssen, nur die Haupt- Verkehrs st raßen und die Innenstadt von den auf- geschichteten Schneehausen, die am Rand der Bürgersteige zusammen- geschaufelt sind, zu befreien. Bei den übrigen Straßen ist die Ab- fuhr der Schneehausen mit Rücksicht auf die großen finanziellen Kosten nicht möglich, und hier hofft man, daß baldiges Tan- w«tt«r bei den Aufräumungsarbeiten helfen wird. Der Ab- tronsport des Schnees oder der jetzt auf den Bürgerstelgen befind- iichen Schmutzhaufen läßt sich nicht überall durchsühren, um so weniger, als die Wasjerbauuerwaltung seit einigen Togen die Ab- schüttung von Schneemossen in die öffentlichen Was/«rlaufe untersagt hat, da dies« zu einem großen Teil zugefroren sind. Der Schnee müßte dann also, da auch die städtische Kanalisation nur in beschränktem Umfange in der Lege ist. diese Meng« aufzunehmen, durch weite Transport« nach außerhalb ge- bracht werden. Die Abfuhr eines Kubikmeters Schnee kostet im Durchschnitt 1,50 M. Bei einem Schneesall von nur zehn Zentimeter macht der in den Berliner Straßen niedergehend« cchn««ine Meng« von 4P Millionen Kubikmeter au», da die Reichshauplstadt»ine Straßen fläch« von 43 Millionen Quadratmeter hat. Die Abfuhr oller dieser Massen würde also über sechs Millionen Mark kosten und«in längerer Schneefall den jährlichen Etat der Berliner Straßenreiyigung in «in paar Tagen vollkommen ausbrauchen. Die Befürchtung, daß die noch vorhandenen Schneehaufen bei eintretendem Tauwetter «inen fürchterlichen„Matsch' und«ine restlose Verschmutzung der Straßen zur Folge haben würden, wird von der Leitung der Straßenreinigung als nicht begründet erklärt, ist aber in den Außenbezirken doch nicht von der Hand zu weisen. Gasausbruch in Giemensstadt. Fünf Arbeiter betäubt. Auf dem Sismens-Reubau, Normendamm, Ecke Ohmstraße, in Siemensstadt ereignete sich heut« vormittag ein«igenart>g«r 11 N s a l i In einem Raum, der völlig vergast war. wurden fünf Arbeiter bewußtlos aufgefunden. Die Bentnglückten wur- den in den Derbandsraum geschafft, wo si« in» Leben zurückgerufen werden konnten. Da sich im ganzen Bau und auch auf der Straß« penetranter Gasgeruch bemerkbar machte, mußte aus Sicherheit,-- gründen der Strahenbahnoerkehr auf längere Zeit unterbrochen und die Strecke stromlos gemacht werden. Sachverständig«, die an der Unfallstelle sofort ein« eingehende Untersuchung vornahmen, tonnten die Bruchstelle an der Gasleitung, die sich unter der Erde befinden muß, nach nicht ermitteln. Um weilerc Zwischenfälle zu verhüten, wurde ein Sichenimgsposten ausgestellt. Die Stadtverordneien haben in dieser Woche ihr« Sitzung am Donnerstag um 16?� Uhr. Ruhe bewahrt und sich nicht zu unüberlegten Handlungen hinreißen läßt. Die Bürgerdeputptivn. Jllmer, Kniephacke, Menge. „Ausgezeichnet!' anerkannte Gloß.„Damit erzwingt Oehlke eine Aeußerung des Ministeriums, die nach Lage der Dinge nicht negativ aussallen kann. Aber sein Name ist nicht genannt...' „Dadrumm« harre mich jebittet. Sonst könnt' e Schmie- richkeeten haben, harre jesat. Is je woll oo richtig.' Sie waren bis ans Ende der Straße gekommen. Vor ihnen sangen Fluß und Bäume, hinter ihnen schrillt« hell und spitz Gekreisch von Frauen aus den Häusern. Gloß war immer noch sehr blaß. Er blieb stehen und trat ein paarmal vor und wieder zurück, als könne er sich nicht entscheiden, wohin er gehen jollte: in den kühlwinken- den Schatten der Vergangenheit, die in den Blättern der Bäume und Bücher knisterte, oder in die Gegenwart, die er vergessen hatte, und die ihn heute rief. Er blickte hinauf zum Kreuzberg, zum Berg seiner Väter. Sollte dies müde, widersinnige Leben des verarmten Adligen noch einmal Sinn finden, Tat werden, sollte der Droufgängergeist der alten Herren von da oben noch ein- mal aufwachen in ihrem kleinen, schwächlichen, oerhücherten Nachfahren— sollte er dem Volk zurückgeben, was ihre Feudalherrschaft und die der Trosegks, der Zinckens geraubt hatte? Er dachte an den furchtbaren Hohn, mit dem das Volk erwidert hatte:„Damit er endlich mal genug kriegt...' Gloß hob die Hand auf Jllmers Schulter.„Also, Jllmer. wenn«sie denn durchaus einen Adligen zum Volksvertreter haben wollen—' Des Schmieds dunkles Gesicht strahlte auf.„Härr von Gloß— wenn Se das—' Die klugen, guten Augen des Herrn von Gloß streiche!- t«n noch einmal die Bäume, den Fluß, in wehmütigem Ab- schiednehmen.„Kommen Sie, Jllmer. Gehen wir zurück ins Dorf.' Auch von Gloß bekam der Schmied, als er an diesem Abend nach Hause fuhr, einen Zettel mit, der in der Bernburger Schusterschen Buchhandlung abzugeben war. Jllmer las ihn kopfschüttelnd. Er enthielt Bestellungen auf Bücher über Bergwerkswesen, Staatswissenschaft und Forst- künde. Der künftige Volksvertreter nahm es gründlich. Hoffentlich nicht zu gründlich, dachte der Schmied und betrachtete seine großen, rissigen Pranken, die ihm viel ver- läßlicher schiene« als Bücher.(Fortsetzung folgt.) Der Totschlag aus Eifersucht. 12 Jahre Zuchthaus als Sühne. Gestern verurteilte das Schwurgericht I Berlin den Gelegenheitsarbeiter Albert Flattau wegen vollendeten Ioffchlages in einem Falle und versuchten Mordes in Tafeinheit mit Beamtennötigung in vier Fällen zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthau s. Die Anklage gegen Flattau lautete dahin, den Verlobten seiner geschiedenen Frau niedergeschossen und viele Polizeibeamte angeschossen zu haben. Flattau saß 1928 im Buchthaus Brandenburg. Dorthin schrieb ihm seine Frau und bat um Scheidung, da sie inzwischen den Monteur v. Haldern tennengelernt hatte und ihn heiraten wolle. Flattau ließ sich scheiden. Eines Tages entsprang er aus dem Zuchthaus, fuhr nach Berlin und trieb sich hier einige Tage herum. Als er eines Abends in einem Lokal jaß, will er von verschiedenen Freunden dazu auf gehezt sein, dem Berlobten seiner Frau eins auszuwischen. Spät in der Nacht ging er in die Wohnung, in der Haldern mit feiner Braut lebte, und schoß auf ihn ein. Als das Ueberfalltommando ihn feftnehmen wollte, gab er auf die Schußpolizisten ungefähr 60 Schüsse ab. Der Staatsanwalt hatte die Höchst strafe von 15 Jahren Zuchthaus beantragt. Es brennt überall! Zahlreiche Alarme bei der Feuerwehr. Gestern abend war die Feuerwehr in verschiedenen Stadtteilen 34 gleicher Zeit mit der Bekämpfung mehrerer gefährlicher Brände beschäftigt. In der Senefelderstraße 20 geriet aus noch unbekannter Ursache der Dachstuhl des Borderhauses in Brand. Während der Dachstuhl zum größten Teil zerstört wurde, gelang es, die angrenzenden Wohnhausdächer, die eine Zeitlang bedroht waren, zu schüßen. Starter Frost und große Berqualmung erschwerten die Löscharbeiten. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die Nacht hinein. Auf dem Hof des Grundstücks Naunynstraße 81 brannte ein größeres Stallgebäude zum Teil nieder.- In einer Polsterwerkstatt in der Stallschreiberstraßr war gleichfalls in den Abendstunden Feuer ausgebrochen, das an leicht brennbaren Borräten reiche Nahrung fand und schnell um sich griff. Die alarmierte Feuerwehr bekämpfte den Brand mit drei Schlauchleitungen. In Dahlem, in der 3ietenstraße 35, brannte eine aus brei Zimmern bestehende Wohnung völlig aus. Der Schaden ist Sehr hoch. Auf dem Bahnhof Jungfernheide geriet beim Auftauen eines eingefrorenen Fahrstuhles die hölzerne Umkleidung in Brand. Infolge der sehr starten Berqualmung des Zuganges zum Vorortbahnhof mußte der Berkehr eine halbe Stunde über die Stadtbahn umgeleitet werden. Die Feuerwehr konnte das Feuer nach kurzer Zeit niederfämpfen. Außerdem brannten mehrere Wohnlauben nieder; Menschen sind glücklicherweise dabei nicht zu Schaden gekommen. Weiterhin liefen bei der Feuerwehr wieder ferienweise Alarme über Wasserrohrbrüche ein, so daß sich die Zugwachen ständig in erhöhter Bereitschaft befinden mußten. * In vorgerückter Abenstunde liefen neue Meldungen von Daá) stuhlbränden ein. So wurde in der Kulmstraße 7/8 der Dach. stuhl des Vorderhauses und des Seitenflügels zum größten Teil Dernichtet. Die Feuerwehr war stundenlang mit den Lösch arbeiten tätig. Die Entstehungsurfache fonnte noch nicht ermittelt terben Der andere Feueralarm tam aus der Bonbidstraße in Waidmannsluft. Dort war gleichfalls im Dachstuhl des Border houses Feuer entstanden, das beim Eintreffen der Hermsdorfer, Wittenauer und Waidmannslufter Feuerwehr große Ausdehnung gewonnen hatte. Bei Redaktionsschluß sind die Wehren noch an der Brandstätte mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Gegen 23 Uhr lagen wiederum Feuermeldungen aus der Köpenider Ede Neanderstraße, der Siegfriedstraße in Neukölln, der Bis mardstraße in Charlottenburg, der Kirchbachstraße und der Giesebrechtstraße vor. Nach den letzten Meldungen handelt es sich aber durchweg nur um fleinere Schadenfeuer. Zahnärzte und Krankenkassen. Für ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten! Fast die Hälfte der elfhundert Berliner Zahnärzte fand sich in einer vom standespolitischen Berein der Zahnärzte einberufenen Versammlung, in der Genosse Dr. Alexander Druder vom Berliner Kassenzahnärzteverein als Gast über die notwendige Neueinstellung der Zahnärzte gegenüber den Krantenfaffen sprach Der Referent ging von der Tatsache aus, daß sich bis 1914 die Braris der Zahnärzte auf die Privatpatienten aus dem Mittelstande ftüßte, der jegt verarmt ist. Ferner gab es 1914 in Deutschland nur 5000 Bahnärzte, während bis heute 10 000 find, zu denen noch jähr lich etwa 1000 Neuapprobierte tommen. Dieses Ueberangebot an Ar beitsfräften verlangt eine Bianwirtschaft, was aber von den Führern des zahnärztlichen Landesverbandes Doultommen verfannt wird. Aus dieser Mißachtung der Verhältnisse rührt die Notlage eines großen Teils der Zahnärzte her. Heute ist die Kassenpragis Inhalt und Grundpfeiler der zahnärztlichen Tätigkeit, und es ist die Aufgabe einer verantwortungsbewußten Führung, im Interesse der Bolksgesundheit zu einem guten Einvernehmen mit den Krankenfaffen zu tommen. Es darf deshalb nicht so weitergehen, daß gegen alle Einrichtungen der Krantentassen gehetzt wird und die Zahnärzte, die auf feiten der Arbeiterschaft stehen, mit Dred beworfen merden. Es hat sich ja auch erwiesen, daß die ganze Bontottbewegung und alle Berleumdungen gegen den Berliner Kaffenzahn ärzteverein und die Kaffenzahnkliniken an den Angriffenen abprallten. Auf die gleiche Stufe gehört die Bahnärztekammer- Resolution gegen eine Erhöhung der Versicherungsgrenze. Auch hier zeigt sich wieder eine vollkommene Berkennung der wirtschaftlichen Lage der breiten Massen. Die frühere Versicherungshöchstgrenze von 2500 Mart im Jahre 1914 entspricht einem heutigen Reallohn Don 5000 bis 6000 Festmart; dazu kommt, daß, wenn auch die Versicherungsgrenze auf 8000 Mart erhöht werden sollte, nur solche Berufe erfaßt werden, die gar nicht imstande sind, die häufig sehr großen Ausgaben für zahnärztliche Leistungen wie Brüden usw. aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Im übrigen handelt es sich bei den Neuversicherten um etwa 500 000 Personen, von denen schon über 400 000 freiwillig versichert sind. Viele Zahnärzte sehen in der Schaffung von 3ahnfliniten eine Zerstörung der freien Praxis. Aber wie bei allen Rationali fierungsmaßnahmen, ging auch hier die Großindustrie über die Interessen des Mittelstandes hinweg. Es war die Firma Krupp in Effen, die fich heute u. a. auf Zahnärztebedarf umgestellt hat und die erste Zahntlinit in Deutschland für ihre Betriebstrantentasse errichtete. Was soll geschehen, fagte Genosse Dr. Druder zum Schluß, und wie kann die Existenz der Zahnärzte sichergestellt werden? Nur durch ein vertrauenvolles Susammenarbeiten zwischen Krankenkassen und Zahnärzten! Die eigentliche Brücke dazu ist, wie Genosse Druder unter großem Beifall feststellte, nur der von ihm vertretene Berliner Kajjenzahnärzte verein, der durch seine langfristigen Verträge bemies, daß er fowohl den wirtschaftlichen Intereffen der Kremtentassen und deren Versicherten, wie auch den Griftenzbedingungen der Zahnärzte gerecht werden fann. Die Der Nordostseekanal blockiert. Die große europäische Kältewelle. Wenn auch der Höhepunkt der europäischen Kältemelle überschritten zu sein scheint, liegen auch jetzt noch zahlreiche Meldungen vor, die von starten Schäden und Verkehrsbehinderungen sprechen. So ist der Nordostseekanal vom Eis blockiert, so daß er nicht mehr passiert werden kann. Vor dem Kanal liegen etwa 30 Dampfer fest. Auf der Elbstrecke von der Luhe bis zur Ofte herrscht schwerer Eisgang, so daß selbst Schiffe mit starken Maschinen sehr zu kämpfen haben, um von der Stelle zu tommen. Die Kanalbehörde hat beim Reichsverkehrsministerium Kriegsschiffe für den Eisbrecherdienst im Kanal angefordert. Der auf der Reise von Königsberg nach Amsterdam befindliche Dampfer„ Bar" der Bremer Dampfschiffahrtsgesellschaft Neptun ist auf der Fahrt durch den Kaiser- Wilhelm- Kanal gegen den im Eise festsitzenden französischen Dampfer Jumieges" gerannt. Beide Schiffe erlitten Steven- und Heckschäden und machten im Holtenauer Binnenhafen fest. In der westlichen Ostsee herrschen so ungünstige Eisverhältnisse, daß mehrere dorthin ausgelaufene Dampfer gezwungen waren, nach Holtenau zurückzukehren. Das Linienschiff Schleswig- Holstein hat von dem Chef der Marineleitung telegraphisch Befehl erhalten, zur Hilfe für im Eis festigende deutsche Dampfer nach der Wismarer Bucht in See zu gehen. Wie man erfährt, erfolgt die Entsendung des Schiffes auf Wunsch der medlenburgischen Regierung und auf dringendes Ersuchen der Stadt Wismar. Auch in Höhe der Greifs walder Die sollen verschiedene Schiffe vom Eis umschlossen sein. Aus Baden kommt die Nachricht, daß der Mannheimer Industrie- und Binnenhafen nicht mehr befahren werden kann, da heute nach dem Rheinpegel in app 1,90 meter Wasser gemessen wurden. Die Schiffe auf dem Rhein müssen sich zur Sicherheit in die inneren Hafenbecken verholen. Die Schiffahrtsverhältnisse auf dem Rhein sind so, daß die Schiffe zu Tal nicht mehr fahren können, da das Treibeis zu start ist. | messen. Eine derartig niedrige Temperatur ist seit dem 9. Dezember 1879 nicht beobachtet worden. Der Eisenbahnverfehr fann nur mit Mühe aufrechterhalten werden. Aus dem ganzen Lande werden 3ugverspätungen gemeldet. In der ganzen Tschechoslowakei ist gestern der Frost um einige Grad zurückgegangen. Es wurden in der Tichechoslowakei Temperaturen von durchweg unter minus 25 Grad, stellenweise 28 Grad, in Deutsch- Brod minus 32 Grad Celsius verzeichnet. In den Niederungen werden heute Temperaturen von minus 22 bis minus 24 Grad verzeichnet, dagegen melden die Berggipfel stärkere Erwärmung. Ein strengerer Frost als gestern wurde in Prag im Februar nur einmal, im Jahre 1776, also vor 153 Jahren, verzeichnet. Damals betrug die Temperatur minus 25,8 Grad. Wäh rend ihres Bestehens seit 1775 hat die Sternwarte am Clementi. num in über 150 Jahren im ganzen mur zwölfmal einen ähnlich strengen Frost wie gestern verzeichnet. ausmacht. In Frankreich hat eine neue Kältemelle ihren Einzug gehalten. Baris verzeichnet 11 Grad Kälte, Straßburg 16 Grad Kälte usw. Bemerkenswert ist, daß dagegen der Südwesten Frankreichs faft Borfrühlingstemperaturen verzeichnet. Aus Bordeaux werden so 4 Grad Wärme gemeldet, was gegenüber Oftfrankreich einen Temperaturunterschied von 20 Grad In Dänemar? hat die Kälte ihren Höhepunkt mit einer Temperatur von minus 21 Grad erreicht. Dänemark ist durch 10 Zentimeter dides Eis mit Schweden verbunden. Zwischen Seeland und Fünen ist die Durchfahrt unmöglich. In den anderen Belten läßt sich die Verbindung nur mit Eisbrechern aufrecht erhalten. Die Leuchtturmschiffe wurden fast überall zurückgezogen. Die Fähre Gjedser- Warnemünde ist bis jetzt noch, wenn auch mit Verspätungen, durchgekommen. Lahmlegung der Rheinschiffahrt. Gegen Redaffiousfchluß wird gemeldet: Wegen starten Treibeifes ist der Schiffsverfehr auf dem Rhein heute fo gut wie völlig eingestellt. 3nfolgedeljen ruhen auch die Kohlen- und Erziransporte von und nach dem Ruhrgebiet. Der RheinHerne- kanal ist wegen der Eisbildung ganz gesperrt Auch aus dem Ausland wird von außerordentlichen Tempe. raturen berichtet. So hält der strenge Frost in Polen an. In Kratau wird eine Temperatur von minus 29,6 Grad Celsius geworden. Leitung des Landesverbandes muß nach den ständigen Mißerfolgen im Interesse der Zahnärzte verschwinden! Nach lebhafter Diskussion wurde eine Resolution im Sinne der Forderungen des Genossen Drucker angenommen. Behn Fischfutter eingefroren. Ungewisses Schicksal von 100 Mann Besaßung. Oslo, 4. Februar. Große Besorgnis herrscht in Tromsö über das Schicksal der Bejagung von zehn Fischfuttern, die seit einer Woche im Malanger Fjord eingefroren sind. Man hatte ursprünglich gehofft, die Kutter durch einen Motortutter freizubekommen, was jedoch nicht gelungen ist. Jeder der eingefrorenen Rutter hat 8 bts 12 Mannan Bord, Man befürchtet, daß beim Einsetzen eines Sturmes das Eis einbrechen und die Rutter zer mal men wird. Das Handelsministerium ist um Entsendung eines Eisbrechers und Bereitstellung von Mitteln zur Sprengung der 12 Zoll dicken Eisdede gebeten worden. Flucht aus der evangelischen Kirche. Die Reden, die aus Anlaß des Geburtstages des Ertaisers of prediger Bogel und viele hunderte evangelische Geistliche gehalten haben, scheinen vielen bisher Indifferenten die Augen darüber ge öffnet zu haben, welchen Weg die evangelische Landeskirche zu gehen gedenkt. Als Folge sind der Redaktion eine ganze Reihe Schreiben zugegangen, in denen die Schreiber temperamentvoll ihren Unwillen über die Pragis der Kirche zum Ausdruck bringen und ihren Austritt aus der Kirche mitteilen. Hier eine Zuschrift aus einem westlichen Vorort, datiert vom 27. Januar: Beranlaßt durch eine vor etwa zwei Monaten im Reichsboten erschienene Aufforderung an die evangelische Geistlichkeit, am 27. Januar 1929 für den Erkaiser Gebete zu sprechen, begab ich mich heute in die Kirche von Schlachtensee, in der heute ein junger Kandidat amtierte. Zum Schluß wurde folgendes Gebet gesprochen: Wir gebenten des armen Mannes, der einst Schirmherr dieser Kirche war und der jetzt gezwungen ist, in der Berbannung sein Brot zu effen usw." Ich habe an den zuständigen Bastor geschrieben, daß ich es mit meinem Ehrgefühl nicht vereinbaren fann, einer Kirche anzugehören, die für Deserteure, die es sich in ihrem selbst gewählten Aufenthaltsort gutgehen lassen, Gebete spricht und Funkwinkel.Z Eine farnevalistische Sigung am Sonntagabend- das war zwar feine originelle, aber eine einigermaßen vergnügliche Unterhaltung. Man unterhielt sich bei älteren und neueren Witzen, bei Gesang und dem schon sehr bekannten akustischen Karnevalstreiben. Was sonst abgesehen von dem Nachmittagskonzert vom Sonntagsprogramm übrig blieb, war dafür weniger unterhaltend. Um 21% Uhr wurde ein journalistischer Vortrag über die Grüne Woche Dom Stapel gelassen, der den meisten Sonntagshörern sicherlich höchft gleichgültig war. Weshalb gibt man nicht endlich Sonnabend und Sonntag abends von 20-22 Uhr Boltstümliches? Eine Unter haltung zwischen dem Jesuitenpater Friedrich Mudermann, dem Kritiker der Frankfurter Zeitung", Dr. Bernhard Diebold und dem Dramatiker Hans J. Rehsisch fand über das Thema statt „ Darf man Gott auf die Bühne bringen?" Das heißt, eigentlich war es gar feine Diskussion, sondern jeder sagte in schwungvoller Rede fein Verschen auf und war bemüht, in der kurzen Zeit so ausgiebig mie möglich zum Wort zu kommen. So werden Probleme nicht geflärt. Fesselnd waren die Ausführungen von Dr. Kurt Zielen. ziger über Deutsche Industrieführer und Kaufleute", die_im wesentlichen die Lebenskurven von Hugo Stinnes und seinen Trabanten aufzeigten. Montagabend: Im Rahmen des internationalen Programmaustausches fandte Berfin unter Seidler Wintlers Leitung ein Konzert schön, mit fultiviertem Programm. in dem sehr viel dem vor 120 Jahren geborenen Felir Mendelsohn- Bartholdn gehuldigt murde. Borher hörte man ein Amiegespräch zwischen Walter pon Molo und Hermann Kajad über die Biele und Aufgaben der Dichterofademie. In den Grundlinien war diese Auseinandersekung gewiß vorher festgelegt. Trohdem machte das Frage und Antmortspiel, bei dem Rafad fragte und Molo antwortete, einen frifchen, lebendigen Eindruck. Rede und Gegenrede Inallten aufeinander, Ur. sprünglichkeit rik hen hörer in das Gespräch mit hinein, stellt ihm die Probleme plastisch hin! Tes. habe meinen und meiner Familie Austritt aus der Kirche angefündigt. Der Herr of prediger Bogel aus Potsdam hatte in seiner Predigt in Doorn im Ton der Berachtung von der Masse gesprochen, indem er erklärte:„ Aber nicht auf die Masse tommt es an. Sie hat noch nie Weltgeschichte gemacht. Immer waren es die 7000, die ihre Knie nicht beugten vor dem Baal, vor den Futterkrippen dieser Welt." Es ist ganz natürlich, wenn die also verächtlich behandelte Maffe die Folgerung zieht und aus der Kirche, die gar nicht fie haben will, sondern nur die auserwählten 7000, austritt. Die Schuld trifft dann aber nicht die böse Sozialdemo fratie, sondern Herrn Hofprediger Bogel und seine Amtsbrüder in Christo. Bugzufammenstoß in Polen. Bebn Personen verletzt. Auf der Strede Rattomis- Otrowo stießen am Montag früh in der Nähe von 3aninom ein Schnellzug und ein Personenzug zufammen. Die beiden Lokomotiven und die beiden Tender sowie ein Bersonenwagen wurden zertrümmert Zehn Personen wurden verlegt. Die festgestellt wurde, hat der Schnellzug das Haltefignal überfahren. In der Presse wird darauf hingewiesen, daß sich auf dieser erst fürzlich eröffneten Etrede bereits sechs Unfälle ereignet haben. Fener im Prager Hradschin. In der berühmten Brager Burg, dem Hrabschin, in der auch der Präsident der Tschechoslowatei Majaryf wohnt, fam in der Nacht vom Sonntag zum Montag auf dem Gang zwischen dem Audienz und dem alten Thronsaal, und zwar unmittelbar unter der Wohnung des Präsidenten Masaryt, ein Brand aus, der glücklicherweise bald gelöscht werden tonnie. Es wurde festgestellt, daß die Ursache des Brandes in der alten Bauart der Burg zu suchen ist. Durch einen Schornstein geriet ein Balfen im ersten Stod in Brand. Von dem Balten ging dann das Feuer auf den Fußboden und eine ganze Wand über. Eine zweite Band mußte auch niedergerissen werden. Es wurden die Inneneinrichtung des Borzimmers vor dem Thronjaal, mehrere Bilder, Gobelins und Tapeten vernichtet. Das Luftschiff„ Graf Zeppelin stieg am Montag gegen 3 1hr zu einer dreistündigen Berfuchsfahrt in die nähere Umgebung von Friedrichshafen auf. An Bord des Luftschiffes be fanden sich außer der Besatzung mehrere Bertreter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, die statistische und dynamische Messungen an dem in Bewegung befindlichen Luftschiff vornehmen. Um 5 Uhr landete das Schiff. Die Bersuchsfahrten werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Festnahme eines Wohnungsschwindlers. Der Wohnungs schwindler, vor dem wiederholt gewarnt wurde, wurde am Montag nachmittag, als er bei einer Wohnungsinhaberin in der Frobenstraße den gleichen Trid wiederholen wollte, erneut festgenommen und der Polizei übergeben. Es ist ein 33 Jahre after wohnungs- und stellungsloser Albert S. Der Ortsausichuß für Jugendpflege Neukölln veranstaltet heute Dienstag, den 5. Februar, abends 19% Uhr, in der Aula der Walther- Rathenau- Schule einen Bortragsabend. Unter dem Thema Die Liebe zu den Tieren" lieft Alfred Beierle Werte von Klabund, Ebner- Eschenbach und Baul Ripper. Eintrittstarten zum Breise von 20 Pf. für Jugendliche und 30 Pf. für Erwachsene find an der Abendkasse zu haben. ELIDA SHAMPOO Verbürgt sodafrei. daher absolut unschädlich. 6 L PARFUMERIE ELIDA A.-G., LEIPZIG Senden Sie mir kostenlos ein Päckchen ELIDA SHAMPOO Name Adresse:. Kleben Sie den ausgefüllten Kupon auf die Rückseite einer Postkarte. Fahrt ins Weiße. Hinaus ins Grüne! das fann jeder fagen und auch danach handeln, wenn's draußen wirklich grün ist. Aber hinaus ins Weiße, Das ist schon mehr zu überlegen. Besonders dann, wenn das Ther. mameter, das eigentlich Wärmemesser heißt, taum noch ausreicht, um nach unten die Kälte zu messen. Und doch lohnt es sich, einen sonnigen Wintersonntag zu einer Fahrt ins Weiße und ins Kalte zu opfern. Nicht die Müggelberge und erst recht nicht den Grunewald, wo der rechtschaffene Tourist nor Slibrettern und Rodeln feines Lebens nicht sicher ist. Weiter hinaus. Mit Sonntagstarte bis... fagen wir mal auf der Görlitzer Bahn bis Station Teupig- Gr. Köris. Schon die Fahrt ins freie Land ist lehrreich. Der Berliner, der Wochen und Monate hindurch nicht aus der Stadt heraustommt, tann sich gar feine Vorstellung machen, wie es draußen bei 25 Zentimeter Schneehöhe zugeht. Man stellt fest, daß nur die Chausseen, durch Schneepilüge gereinigt, passierbar sind. Allenfalls die wichtigsten, der Berbindung von Dorf zu Dorf dienenden Landwege. Alles andere ist if verschneit. Alle Feld- und Waldwege sind verschwunden und man muß das ist allerdings Voraussetzung fehr gutes hohes Echulzeug haben, um den wegelosen Wald passieren zu können. Dann aber gewähren die Wälder der Dubrow, um den Köriser und Hölzernen See und die Schmölde, im Sommer von Ruderern und Wanderern dichtest bevölfert. einen mvergleichlichen Genuß. Es liegt über dieser frosterstarrten Einfamkeit ein flein wenig Urweltstimmung. Man wähnt die Menschheit ausgestorben und der einzige Uebriggebliebene zu sein Man lauscht angestrengt und mit Spannung auf irgend einen Laut aus Menschenland. Kein Lokomotivenpfiff, tein Autohupengebrüll, fein heller Mädchenruf, fein frohes Lied. Ganz felten das Klopfen eines Specytes. Hin und wieder huscht eine Sichfah es tann ja auch ein Raber sein den Baum hinauf. In der Ferne verhofft ein Reh und springt scheu über den Weg. Kaum zu erkennen, tauchen Häuser auf. Das ist Brieros, im Sommer ein Dorado für die Ruderer. Nur das Postouto bringt jetzt ein bißchen Leben. Hier und dort sieht man Kähne, hochbeladen, vom Frost überrascht, de im Eis mit der Ladung stedfengeblieben sind. Wenn im Früh jahr das Eis bridt, tamm es einen Kampf um Tod und Leben geben. Es tommt wohl vor, daß das messerscharfe Eis die Kähne Burchschneidet und zum Sinten bringt. Geefläche und Bandebene gehen hier, unter der Schneebede, ineinander über. Nur das Röhricht zeigt die alte Grenze. Bei Klein Köris taucht man dann endlich nach vielstün diger Wanderung wieder auf und wenn man in dem gemütlichen, cuch im Winter offenen Ferienheim Reiherhorst der Genossenschaft Naturfreunde" einfehrt, fann man bei Speise und Trant wieder auftauen. In Klein- Köris hat übrigens auch der Berliner Ruderverein Borwärts" einen Stüßpuntt und die Arbeiter Angler haben vom Forstfistus ein großes bis zum See reichendes Gelände erworben. Merkwürdige tulturelle Verhältnisse herrschen in so einem feinen meltabgeschiedenen Dörf den. Da teine Kirche im Ort ist, müssen die Kinder zum Konfir mandenunterricht fieben Kilometer bis Teupit in Schnee und bitterer Kälte auf vereister Landstraße laufen. Andere Kinder fcheinen es aber noch schlimmer zu haben. Auf dem Bahnhof Leupig- Gr. Köris faben wir mit fleinen Bädchen und Pateten ein Rudel Kinder, dürftig angezogen und von der bitteren Kälte wie erstarrt, ein jammervoller Anblick. Man sagte uns, daß es Berliner Kinder feien, die aus einem Kinderheim in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz famen. Sie müssen jedesmal den zehn Kilometer langen Weg zu Fuß zurüdlegen Nur ire Patetchen und Rucksäde werden mit einem Wagen gefahren. Es ist ein startes Stüd, underernährten, fräntlichen, dürftig geleideten Kindern zuzumuten, bei bitterster Kälte auf verschneiten aldwegen weit durchs Winterland zu marschieren. Was ist das fir ein Heim in Hermsdorf? Bem untersteht es und mer ist für tiefe Bustände verantwortlich? 16 Merkwürdige Scherze erlaubt sich auch die Reichsbahn. Cie läßt auf der Strede eine ganze Anzahl vollfommen un. reränderter alter Wagen vierter Klasse laufen. Die Reichsbahn läßt sich zwar dritter Rlasse bezah. Ien, befördert aber vierter Riasse. Der Berliner nennt das Repp. Außerdem sind die zwischen Königswuster. taufen und Halbe fahrenden Bendelzüge schlecht oder gar nicht geFeizt, eine besonders grobe Rüdsichtslosigkeit bei starter Rälte. So tritt dem aufmerksamen Wanderer soziale Not und tulturelle Unzulänglichkeit selbst auf einer Wochenendfahrt mitten im Winter entgegen. Aber der Sinn proletarischen Wanderns ist ja teineswegs menschenferne Romantit. Man will und soll legten Endes die Dinge fehen wie sie wirklich sind. Mitten in einer großen einsamen Natur bleibt dann doch noch genug Romantit übrig, um eine empfindsame Geele mit zu füttern. Winterfroft und Winterwetter scheinen noch zu bleiben. Also Generalstabstarte vor, feste Stiefel an und menn es Sonntag ist, auf und hinaus. Niemand wird es bereuen. Oberschulrat Dr. Schepp. Im„ Borwärts" Nr. 29 vom 18. Januar wurde aus unserem in Mühlhausen,( Thüringen) erscheinenden Parteiblatt ein Bericht über eine Gerichtsverhandlung wiedergegeben, in deren Mittelpunkt der bei dem Brandenburgischen Provinzialschultolle. gum beschäftigte Oberschulrat Dr. Schepp stand. Ein Redakteur des in Langensalza erscheinenden Lehrergewerkschaftsorgans.Der Volkslehrer" war angeflagt der Beleidigung des Bran. denburgischen Provinzialfchultollegiums( nicht, mie unser Artikel fagte, des Dr. Schepp), über das der Angeklagte tie Andeutung gemacht hatte, es habe den Neuköllner Lehrer Beigelt, weil er Sozialdemokrat sei, für ungeeignet zum Auslandsdienst erklärt. Das Provinzialschulfollegium legt Wert darauf, uns jeßt den Wortlaut des schriftlich ausgefertigten Urteils samt Begründung mitzuteilen, und erwartet danach Richtigstellung der unzutreffenden Ausführungen des Artikels". Demgegenüber stellen wir feft, daß fchon unser Artikel den Oberschulrat Dr. Schepp vor Gericht a's Zeugen sagen ließ, bei feiner Bewertung der Eignung Beigelts für den Auslandsdienst habe er teine politischen Gesichtspunkte berücksichtigt, sondern nur das Urteil, das er auf Grund von Revisionen der Weigelischen Klasse gehabt habe". Etwas anderes lesen wir jezt auch aus der Begründung tes Gerichtsurteils nicht heraus. Der Zeuge Schepp hat bekundet, er habe Weigelt deshalb für nicht geeignet zum Auslandsdienst er. flärt, weil bei zwei Revisionen die Leistungen nicht so befriedigt hätten. daß man sie als sehr gut hätte bezeichnen tönnen. Das Gericht hat den Vorwurf, daß im Unterbewußtsein irgendwelche politischen Umstände doch für die Entscheidung des Oberschulrts Schepp maßgebend gewesen sein fönnten, als durch Schepps Bekundung widerlegt angesehen. Der angeklagte Redakteur murde, weil Wahrnehmung berechtigter Interessen ihm zugebilligt werden mußte, freigesprochen. Ist das Provinzialschulfollegium mun zufrieden? Die Typographia", Gesangverein Berfiner Buchdrucker und Shriftgießer, ersucht uns um Aufnahme folgender Erklärung: Für die Lösung des Vertragsverhältnisses mit Herrn Mufitdirector Alexander Weinbaum find beiderseits persönliche Motive nicht maßgebend gewesen, insbesondere kann ein Bor. murf gegen die Persönlichkeit des Herrn Weinbaum als Rünstler und Mensch nicht erhoben werden. Anlaß zu der Trennung haben vielmehr lebiglich meinungsverschiedenheiten zwischen der Leitung des Bereins und Herrn Weinbaum gegeben. Parteinachrichten Cinjenbungen für diese Rubrik find Berlin 68. Lindenftrage&. für Groß: Berlin ftets en bas Bezirksjefretartal 2. Sot, 2 Trep. rechts. au richten Arels Friedrichshain. Mittwoch, 6. Februat, 18% Uhr. Besiresversammlung im Rathaus, Stabtoeterbnetenfißungsfaal. Einlatfarten 18 Uhr beim Genoffen Fischer, Eingang Spandauer Straße. 13. Areis Zempelhof. Donnerstag, 7. februar, 19% Uhr, bei Niendorf, Mariendorf, Chauffeeftr. 19, Kreisvorstandssigung. Heute, Dienstag, 5. Februar: 2. st. Unfer Weg ik vom Genoffen Baesen, Bilsnader Ctr. 6, ab 18 The, abzuholen. 47. Abt. Unfer Weg i beute Dienstag vom Genossen Jacobi, Röpenidez Straße 176, abzuholen. 88 Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei Gürlich, Begasfe. 1 Bunktionärigung. 95. Abt. Renten. 2014 Uhr bei Reil, Bring- Bandiern- Str. 38, außerordentliche Borstandssigung. Morgen, Mittwoch, 6. Februar: Charlottenburg. 51. bt. 20 Uhr bei Lehmann, Königsweg 8, Funktionär fizung. 54. Abt. Achtung! Die Funktionärsitzung findet nicht am Mitt woch, sondern erst am Eonnabend, bem 9. Februar, 20 Uhr, bei Kasper, Gueridestr. 1, ftatt. 58. abt. Die fällige Funktionärßigung fällt um. ftändehalber aus. 82. Abt. Steglig. Die Funktionärßigung findet diesmal im Lolal Selig, Bis mardftr. 65, ftatt. 84. Abt. Lantwig. 20 Uhr Funktionärßigung bei Rehmann, Ralfer- WilhelmStraße 29-32. 12. Abt. Rentönn. 20 Uhr bei Wolff, Raiser- friebrid- Straße Ede Rofegget. ftraße, wichtige Funktionärßigung. fi wichtige Funktionärisung. Bezirksansschuß für Arbelferwohlfahrt. 5. Kreis Friedrichshata. Dienstag, 5. Februar, Sigung aller in ber Bobl fahrt und Jugendpflege tätigen Genoffen( innen) in den Comeniusfälen, Memeler Str. 67. Tagesordnung: 1. Bortrag des Gensffen Frante: Berlin als Wirtschaftsfattor", 2. Bericht, Neuwahl und Berfchiedenes. 9. Kreis Bilmersdorf. Die Hauptversammlung der A. findet am Diens tag, bem 5. Februar, 20 Uhr, bei Schramm, Hohenzollernbamm 2, Batt. 131. Abt. Rieberschänhausen. Donnerstag, 7. februar, 20 Uhr, Situng eller in der Wohlfahrt tätigen Genossen( innen) der 131. Abteilung. Tagesordnung: Geschäftsbericht, Neuwahl, Verschiedenes. Jungfozialisten. Grappe Tempelhof- Mariexdorf. Seute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim, Enzeum Tempelhof, Germaniaftr. 4-6. Bortrag: Landwirtschaft und Soziali fierung.. Gruppe Reinidendorf. Heute, Dienstag, Beteiligung an dem Rurfus Gruppe ber Partei in Bittenau, Rosenthaler Straße. Beginn 19% Uhr. Lichtenberg. Heute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim, Gunterftr. 44. Bortrag: Das Wehrproblem". Referent: Hans Waldmann. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Generalversammlung am Mittwoch, 6. Februar, 20 Uhr, im großen Seal bes Bezirksamts Kreuzberg, Bordstr. 11. Kreis Mitte. Am 10. Februar findet unser Filmabend im Kultur- Rino des Metallarbeiter- Berbandes ftatt und find hierzu alle Parteimitglieder eingeladen. Rarten sind bei den Selfern und bei den Genoffinnen Herta Briegel, Stettiner Straße 22 und Erna Bachofer, Michaeltirchstr. 18, zu haben. Es laufen bie Filme: Dr. Dolittles Afritareife"," Bei den Tegtilheimarbeitern und„ Der Note- Falten- Film". 182. bt. Baumfculenweg. 19½ Uhr bei Sak. Baumschulenſtr. 12, außerorbent. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer, Ortsgruppe 108. Abt. Röpenid. 19% Uhr Funktionärfigung bei Stippefehl, Schönerlinber freaße 5. 138. b. Reinidendorf- DR. 20 Uhr in der Basade inbauer Straße Funktio närfizung. 137. Abt. Reinidenberf.eft. Achtung! Die Funktiondzfzung findet right am Dienstag, dem 5. Februar, fondern erst am Mittwo, bem& Februar, 20 Uhr, im Boltshaus, Scharnweberftr. 114, fatt. * 33. bt. Donnerstag, T. Februat, 20 Uhr, bei 2ejad, Benmekte. 8, Funktio närligung. 78. Abt. Schöneberg. Unfere funktionärftung findet Donnerstag, 7. Februat, unb nicht Freitag, 8. februar, flatt. Bichtige Tagesordnug. total Grok Sebanftr. 17, 20 Uhr. Frauenveranstaltungen. 19. Preis Panism. Mittwoch, 6. februar, 19% Uhr, bel Mees. Berliner Straße Ede Linbenpromenade, Zusammenkunft der Frauen. Bericht bez kreis leiterin, Reuwahl. 121. Abt. Rarishorst. Seute, Menstag, 5. Februat, 20 Uhr, in Deutschen Saus, Trestom- lee, Frenenabenb. Bortrag bes Geneffen Rektor Briebe: Rene Menschen". Kreuzberg. Mittwoch, 6. Februat, 19% Uhr, im Zimmer 29 bes Bezirksamtes Kreuzberg. Bordte. 10-11, Bollversammlung. Borstandswahl and afftellung eines Er beitsprogramms. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 22. Abt. Unfer Genoffe Emil Grosch, Nordufer 17, ist nach langem Leiden am 1. februar verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Mittwoch. &. februar, 21% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 35. Abt. Unsere Genoffin Bilhelmine Ripplez ist plöglich verftorben. Chee threm Andenken. Einäscherung am Mittwoch, 6. februar, 15% Uhr, im Kremo torium Baumschulenweg. 91. Abt. Neukölln. Unser alter Genoffe Baul Terste, Mahlower Str. 4. ift nach langem Rrantenlager feinem Leiden erlegen. Ehre feinem Andenten. Ein cherung am Mittwoch, 6. februar, 9½ Uhr, im Krematorium Baumschulen weg.. 98. Abt. Reukölln. Am 30. Januar verstarb unser langjähriger Gense Sez mann Ghreier, Rnefebedstr. 88. Als pflichteiftiger Funktionär immer auf bem Boften, wird er uns unvergeßlich bleiben. Beerdigung heute Dienstag. 5. februar, 12% Uhr, auf dem Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg. Was sagt der Bär? SOSETTE JOSZITI FIG תנגנן 4.31 Wichtigste Zeichen VERKEHE OESPERET für den Verkehr und den Raucher MALE ARTEN VON PANEZEUGEN PAR REDER BENERYLE TAGS VOU S- UNE acutune JOSETTI LADRANEWTO 171 AD PARKEN ERLAUST P ALE LAST FAN 22068 BESPERAT AFTEARIBUS AMAGE ART NORDEND KOA LINOM JOSETTI JUNO Mitbürger, wappnet Euch mit Seelenruhe und befolgt die Vorschriften der Verkehrsordnung!-Dringender als je bedarf der nervöse, abgehetzte Großstädter jetzt einer Begleiterin, die beruhigend wirkt und entspannt. Als solche kommt in Frage nur Josetti Auno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette Reichsbank, Wirtschaft und Reparationen Zum Jahresbericht der Reichsbant für-tS2S. In wenigen Tagen wird Zta'chsbankprSsident Dr. Schacht al» Vertrauensmann der deutschen Reichsregierung mit Herrn Pierpont Jtorgan, dem Wsltfinanzier von New Jork, und den Vertrauens. Lernen der Alliierten in Paris an einem Tisch sitzen und über die Regelung der Reparationsfrag« oerhandeln. Es ist deshalb wahr- scheinlich kein Zufall, daß das Reichsbankdirektorium den Jahres- bericht diesmal volle sechs Wochen früher veröffentlicht al» sonst. Es kommt hinzu, daß Herr Dr. Schacht offenbar die Gelegenheit be» nutzen wollte, seine Anschauung über die Reparationsfrage noch vor dem Beginn der Verhandlungen der OeffeMlichkett in unzweifelhrst offiziöser Form zum Ausdruck zu bringen. Der einleitende Text zu den Jahresabschlußziffern der Reichsbank ist deshalb dieses Mal von besonderer Bedeutung. lieber Reparationen and Wirtschaft. Dr. Schacht sieht das Problematische und Gefährlich« der hohen Reparatwnslasten von heute in der Verteuerung des tkapitalzinse» und in den hohen Kreditbedingungen Deutschlands, an denen die Zu- fuhr des ausländischen Kapital» bi, heute nicht» gebessert Hab«. Wieder seien«in Jahr lang Reparationen nicht ou» Ueber» schüssen der Wirtschaft, sondern au» geborgten Gelbern ab- geführt worden. Immer ernster erhebe sich die Frage, wie lange dieser Verschuldungsprozeß noch sortgesührl werden und wie weit die deutsche Wirtschast die im Lause de» vergangenen Jahre» immer un- günstiger geworbenen Kreditbedingungen noch tragen könne, die ihr« Schallen auf das ganze deutsche Wirtschaftsleben werfen und«in« Hauptursache der schwierigen Loge der Landwirtschaft seien. Dr. Schacht bezissert die langfristig« Auslandsverschuldung aus 7 Milliarden, die kurzfristig« aus 6 Milliarden Mark. woraus I Milliarde ollein an Zinsen abzuführen seien. Außerdem hätten ausländische Käufer einen sehr ansehnlichen Betrag inländi- scher Aktien, Anleihen und sonstiger Werte erworben. Mit Recht wird Herrn Parker Gilbert gesogt, daß man die Befruch- lling de» Wirtschaftsleben« durch die Ausländsanleihen(Erweiterung von Produktion und Konsum, Lohnsteigerung, höhere Einlagen bei Spartasien und Banken) nicht mit den Jahren der größten In- flationsnot, sondern nur mit den normalen Friedensjahren ver- gleichen dürfe. Gefährliche und nnzuldti gliche Formullenmgea. Wir halten es aber für falsch, die vom Ausland erworbenen Effektenwerte nicht in ihrer Bedeutung für den Ausgleich der beut- schen Zahlungsbilanz ehrlich zu kennzeichnen und die Kapitalbefruch- tung durch Ausländsanleihen eine künstliche zu nennen, wenn einige Zeilen später dieZwangsläusigteitder Ausnahm« von Auslandskapital von Dr. Schacht selbst unterstrichen wird. E» wird auch bei der Bezifferung unserer Auslandsschulden und der daraus erwachsenen Zinsverpslichtung nicht aus die ziemlich beträchtlichen deutschen Guthaben im Ausland und die Zinsforderun- gen daraus hingewiesen. Wir glauben auch, daß kein in New Dork veröffentlichter Börsenprospekt die Feststellung enthalten dürste, daß durch den auslänbischen Kapitalzustrom im wesentlichen nur laufende Verpflichtungen gedeckt würden, wie es der Bericht der Reichsbank ausdrückt. Großen Wert legt Dr. Schacht mit Recht auf de« Transfer schütz, desien Aufrechterhaltung eine Gefährdung der Auslandskredite erst recht nicht befürchten lasie. Sehr ernst und ver- antwortlich sei setzt die Frag« zu prüfen, ob eine wettere Tran». ferierung ans geborgten Mitteln statt au» den Ueberschüsien der Zahlungsbilanz, wie es der Dawes-Plan vorsehe, vorgenommen werden kann. Dr. Schacht kommt zu folgender Schlußfelgerung: „Solang« es nicht gelingt, die Produktionstrast der Wirtschaft so zu stärken und gleichzellig die Produktionskosten aller Art und die Preise so zu senken, daß Deutschland eine erträglich gestaltete Repa- rationslast— nach Wegräumung der schwersten Zollhindernisie— durch vermehrte Ausfuhr und verminderte Einfuhr abtragen kann. besteht die Gefahr, daß der Kapitalzin» in Deutschland noch weiter steigen und auf die Dauer eine Höhe erreichen wird, die über der erreichbaren Durchschnittsrentabilität der deutschen Wirtschast liegt.' Wir halten diese Formulierung nicht für glücklich. Die Senkung der Preise scheint uns an erster Stelle stehen zu müsien, damit wirklich die Produktionskosten oller Art gesenkt«nd die Üeistungs- und Konkurre nzfähigkeit der Wirtschaft so ge- stärkt wird, daß auf organischem Wege und natürlicherweise die Export« vermehrt und die Einsuhren verringert werden können zu dem Ziel,«ine vernünftig bemessene Reparationslast au» echten Ueberschüsien zahlen und übertragen zu können, und mit dem Er- gebnis, daß mit sinkendem Kapitalzin» auch die Rentabilität in der Wirtschaft steigt. Dr. Schacht scheint uns das Pferd von hinten aufzäumen zu wollen. Reichsbaakealwicklung und ftonjuakkur 1926. der Reichsbank gibt auch einige Ziffern, die - leider auch von offiziellen Stellen-ver» ur de» Jahre» 1SZ8 viel besser Beschäftigung, bei dem sich auch heut« noch»cht sogen läßt, ob e» nicht im Zusammenhang mit der ungeklärten Reparation». frage aus psychologischen Gründen weitgehend als ein« vorüber» gehende Lähmung der Unternehmungslust anzusprechen ist. Dagegen braucht auch die Tatsache noch nicht zu sprechen, daß sich im Durchschnitt de» Jahre» 1928 der Anteil der nichteingelösten Wechsel(Kreditunsicherhell) von OHI aus 0,74 Proz. erhöht hat. Die Gewinne der Reichsbant.— Riefige Reserven. Mit dem 1928 auf 7 Proz. gegenüber einem Durchschnitt von 5,83 Proz. erhöhten Diskontsatz der Reichsbant war notur- gemäß eine nicht unerhebliche Gewinn st eigerung verknüpft Der Rohgewinn(Summe oller Einnahmen) hat sich von 149,0 aus 157.7 Millionen Mark erhöht. Hauptsächlich durch die Erhöhung der Beomtendesoldung stiegen die Verwaltungskosten von 75,1 aus S7.6 Millionen. Ganz außerordentlich stark wurde« au» den neuen Gewinne« die Reserven der Reichsbank wieder erhöht: die Perwstreserv« um 10 auf 75 Millionen, die Rotendruckreserv« um 1V aus 35 Millionen, die ReutaMenreserv« um 18,7 auf 55 Mit» Konen, der gesetzlich« Reservefonds um 5,1 auf 48,8 Mtl. l i on e n und die Spezialreferve(Dividendenfonds) um 0,3 auf 45,8 Millionen. Von dem verbleibenden Restgewinn von 20,3 Millionen erhalten die Anteilseigner für eine zwäls» p r oz e n t i g« Dividend« auf 122,8 Millionen Anteil« 14.7 Mit- lionen. an da» Reich(Rentenmarktilgungsfonds) wurden 5.2 Mil» Konen abgeführt. Mit insgesamt 239.8 Millionen sgege« 204.0 sind heute die Reserve« der Reichsbank fast doppelt so hoch al» da» Kapital. Kommt«Ine neue SreditverblMguvg? Am 11. Januar d. g. hat die Reichsbank durch Herabsetzung de» Diskonte» auf 6% Proz. die erste Konsequenz aus ihrer in den letzten Monaten erheblich verringerten Jrnrnspruchnahiwe durch die Wirtschaft gezogen. Der zum 5L Januar veröffentlichte Wochen au»weis läßt es als wahrscheinlich erscheinen, daß eine wettere Kreditoerbilligung möglich und zweckmäßig ist. Der Monat Januar bringt gewiß in allen Iahren für die Reichsbant weniger Geschäft«. Zum Januarend« haben ober die Wechselbestände der Reichsbank noch einer Zunahme in der letzten Woche um nur 225,0 auf 1774,1 Millionen eine so geringere Kreditnachfrage in Er- scheinung treten lassen, daß gegenüber Ende Dezember eine Ab- nahme der wechselbestäade vra 900 Millionen und gegenüber Ende Zaun« 1928 ein« Atmahme um 800 Millionen sesizusiellen ist! Die Erhöhung de» Notenumlauf» der Reichsbant um 644 6 auf 4455.9 Millionen hat angesichts de» Rückganges der fremden Gelder auf Girokonto um 360,2 auf 422,9 Millionen im wesentlichen nur kossenmäßig« Bedeutung bei den Banken, kaum aber eine wirtschait- liche. Aus der anderen Seit« ist gegenüber der gleichen Zeit dco Vorjahre» der Notenumlauf statt mit 43.9 mit 61,3 Proz. allein durch Gold und statt mtt 50,8 mit 64,7 durch Gold und deckungsfähige Devisen gedeckt. Di« Reichsbank wird sich also die Frag« einer neuen Kred't- oerbilligung ernsthaft überlegen müsien, wenn auch die Möglichkeit nicht üdersehen werden soll, daß ein gutes End« der Pariser Reparation» Verhandlungen die Inanspruchnahme der Reichsbank für«e«« Kredit« wieder wesentlich er- höhe« kann. Der Geschäftsbericht die so früh und so viel- lästerte Konjuntt erscheinen lassen. Gesamlumsolz.... Umsätze im Giroverkehr Abrechnimg-beträge. Gekaufle Znlandswechsel Auslands» Beleihunien.... Goldankäufe.... 1924 1925 1926 1927 1928 (in Millionen Mark) 526 028 574 519 828 924 729 930 819 906 433 499 472 379 539 424 628 793 694 726 31 463 50 926 56 877 97 744 121 004 18 182 17 385 10 317 20 372 21 118 2 399 3 257 5 592 2 260 3 491 2 714 4 128 4 673 5 926 6 345 121 423 823 90 870 Wie unsere Tabelle erkennen läßt,(legt der Gesamtumsah der Reichsbant mil rund 820 Milliarden Mark noch um mehr als 12 Proz. über dem de, guten Sonjnnkturjahre» 1927. Die Summe der ongekanften Znlandswechsel hat sich mit über 21 Milliarde« Mark gegenüber dem Vorjahr noch um fast 5 Proz. erhöhl. Da man annehmen darf, daß sich in einem Jahre die Sitten im Zahlungsverkehr kaum wesentlich verändern, sprechen die im Jahre 1928 gegenüber 1927 vermehrten Summen und Stückzahlen der Reichsbantgeschäste. da gleichzeitig die durchschnittliche Größe der einzelnen Geschäfte gewachsen ist. ebenfall» für ein« mindestens ebenso starke Konjunktur wie im Jahre 1927: bei höheren Stückzahlen und größeren Gesamtsummen ist die Durchschnittsgröße der einzelnen Platzwechsel von 1983 auf 2050 M.. der Einzahlungen im Giroverkehr von 13173 auf 14 030 M., der Gutschriften im Ver- rechnungsvertehr oou 26 220 auf 28 842 M. und der Stückdurchfchmtt im Abrechnungsverkehr von 2454 auf 2710 M. gestiegen. Die Gefamtkonjunttur des Jahres 1928 ist also auch m» diesen Gründen als außerordentlich günstig anzusehen; nur in den letzten Monaten erfolgte ein deutliche» Absinken der industrielle« -ISZahreWeliwirischastiicheGeseNschafi Anläßlich ihre« fünfzehnjährigen Vestehens veranstaltete dl« Deutsche Weltwirtschaftliche Geselkfchoft, Berlin, am 3. und 4. d. M. Sondertagungen, wovon die erst« am Sonntag im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes sich zu einer Kundgebung für den Weltwirtschaft- lichen Gedanken gestaltete. Reichsminister a. D. Dr. Koeth, vor- sitzender der Geselkschast, wies darauf hin. daß wir un» der Tatfache, noch auf lange Zeit hinaus auch in der Weltwirtschaft in einer Ueber- gangszest zu leben, nicht verschließen dürsten. Di« Frage, inwieweit unsere jetzigen Wirtschaftsformen fürden Menschen tragbar sind, sei mttentscheidend für die künstig« Gestaltung der Volkswirtschaft, der großen Industriestaaten, sowie der Weltwirtschaft. Reichstagspräslbent L ö b e hob in seiner Rede hervor, daß die mannigfachen weltwirtschaftlichen Forschungsergebnisse für die Volk». Vertreter ein« unentbehrliche Basis für deren gesetzgeberisch« Tätig. keil bilde«, flls Hausherr de« Reichstags überbrachte er die Grüß« der deutschen Volksvertreter, gleichzellig aber sprach Löb« im Namen der Gewerkschaften und im Namen der Arbeller, die an dem welt- wirtschaftlichen Getriebe einen st» hervorragenden Anteil nehmen, den Dank für die rührige Betätigung im Interesse der Weltwirtschaft- lichen Aufklärung. Neichsminister Dr. Koch- Weser, als Vertreter der Reichs» regierung und der preußischen Regierung, verbrellet« sich über da» balkanisierte Europa, das statt 26 jetzt 35 Staaten, statt 15 nun 27 Währungen, statt 26 jetzt 38 Zollgebiet« und 11000 Kilometer neue Zollgrenzen aufweist. In diesem Europa ringt nun da» deutsche Volk um seine Existenz. Prof. Schin macher sprach über Ver. wifsens chaftiichung der Wirtschaft, Direktor Kraemer und Reichs- minister a. D. Dr. Hamm über Industrie und wettwirtschastüche Verflechtung. Herr v. L o ch o w al» Vertreter der Landeuirkschast wies u. a. darauf hir� daß die weltwirtfchastlich« Verflechtung der deutschen Wirtschaft nur dann einen festen Grund haben kann, wenn sie aufgebaut ist auf der gesunden Urproduktion der heimischen Scholl«. Den Festvortrag„Zehn Jahre Weltwirtschaft' hielt Prof. Wiedenseld- Leipzig.&. Die Entwicklung des Meiallmarkts. Ladvstrie und Kupferwucher.- Slmerikaner aicht i« Zinktarte«. Vi« Kupferpreife wurden innerhalb der letzten Wochen weiter erhöht. Obwohl die Vorräte und dir Erzeugung im abgelaufenen Jahre gestiegen sind, hat da» amerikanisch« Kartell die so oft«» gekündigte Preisstab itisierung nicht durchgeführt. Die Weiterze» gung betrug im Jahre 1926 etwa 1,460 Millionen Tonnen, im Jahr« 1927 1,523 Millionen Tonnen. Für da» vergangene Jahr kann man sie auf mindestens 1.750 Millionen Tonnen schätzen. Eine Erhöhung der Geste�mgskosten ist nicht«ingetreten, und wenn bei den meisten amerikanischen Gesellschaften 100 Kilo Kupfer mll m». gefähr 75 bis 80 M. hergestellt werden, so kann man sich bei einem Verkaufspreis« von mehr al» 160 M. einen Begriff von dem un» geheuren Profit machen, den die Kupferkömg« einheimsen. Noch- stehende Tabelle zeigt die Entwicklung der Preis« während der letzten- Wochen:, 100 Kilo kosteten am: t«.xe�,s» iv.Zan.ig» ,«» Elektrolyttupjer.. 151,50 154,— 169,25 164,—«m. Blei...... 43,50 44,25 45,— 44,50. Zink...... 54,50 54,— 53,— 53,—. Zinn...... 453,— 458,— 459,—■ 456,—» Die Steigerung der Kupferpreis« in der Zeit vom 14. Dezember bis 28. Januar bedeutet für Deutschland bei einer durchschmttlichen Monatseinsuhr von 20 000 Tonnen ein« Verschlechterung der Han- delsbilanz um etwa 2 Millionen Mark. Sett Bestehen des Kartells sind sogar fast 6,5 Millionen Mark monatlich mehr für die Kupfer» einfuhr zu bezahlen. Auch die oerarbeitende Industrie übte auf einer Kölner Tagung scharfe Kritik an dem Prvfithunger der im Kartell zusammengeschlossenen Kupfererzeuger und verlangt«, daß sich die deutschen und amerikanischen Behörden gemeinschaftlich mll den Praktiken dieser Organisation beschäftigen, um dem Preiswucher Einhalt zu tun. Zink ist billiger geworden. Hier ist«in sogenannter Stimmungsumschwung auf der Metallbörse eingetreten, well ine Amerikaner erklärten, daß sie infolge der scharfen Bestimmungen der Antitrustgesetze an der geplanten Einschränkung der Erzeugung nicht teilnehii«!, können. Für die europäischen Produzenten ist aber trotzdem«mc Einschränkung beschlossen worden. Ob eine solche Maßnahme ohne amerikanisch« Hilfe den beabsichtigten Zweck erfüllen wird, ist bei dem großer» Anteil der Amerikaner an der Zinkproduttion fratzlich. Auch an den Zianmärkten hat sich«in PreisrückganG eingestellt, der aber noch unserer Lufsasiung noch nicht den tatiäch- Uchen Verhältnissen in der Zinnwirtschoft entspricht. Die Wei- varröte betrugen am 31. Dezember 19i27 ungefähr 15 000 Tonnen. am 31. Dezember 1928 23 800 Tonnen. Das macht«in« Steigerung der Vorräte von 58 Proz. ans, während die Preissenkung in d«"- selben Zell ungefähr 16 bi» 17 Proz. betragen hat. Wenn die Zinnerzeuger ihre Preis« der stark gesteigerten Produktion anpassen wollen, so ist e» unbedingt erforderlich, noch weiter« Senkungen vor zunehmen. Bei einem Preise von 410 bi» 420 M. je 100 Kilo kommen Me Zinnmagnaten noch gut auf ihre Kosten. Landbund gegen Konsumvereine. Landwirte dürfen nicht Mitglied sein. Auf der Tagung de» Reich«tand6undes im Zirkus Busch richteta der Präsident de, Reichslandbundes Bethge bei der ErSrtenn-. de» Absatzproblems«inen warmen Appell an die Arbiterschast uod de» Absatzprodlems«inen warmen Appell an die Ärbeiterichaft un.' den Konsumvereinen rufe ich zu, helft auch ihr mll, den Weg der Lebensmittel vom Produzenten zum Konsumenten zu verkürzen." Der Echlesisch« Landbund ist über die Konsumverern wesentlich anderer Meinung. Er betätigte sich als ihr Gegne? Bewei» dafür ist«in« Erklärung, die er verbreite» keß. In ivr Erklärung heißt(S: „Wie uns berichtet wird, sollen Landwirte Mitglieder voll Konsumvereinen sein. Der Schlesische Landtund kämpft i.a>.> keinen Satzungen iür die Erbclltung dc» Rtitt lls-andes und 8« selbständigen Handwerk» und Gewerbes in Stadl und iöcnd. M' diesen Bestrebungen verträgt es sich nicht, weim Mitglieder von uns durch ihr« Mllgliedschaft Organisationen, wie die Konsum- oereine, unterstützen, die als die größten Feinde und SchädliNj-- für den Mittelstand anzusehen sind. Sollten Mitglieder d'Z Schlesischen Landbunde» also Mitglieder von Konsumvereinen sein. so bitten wir dieselben dringend, aus diesen Organisationen fossil chren Austritt zu vollziehen.' Wen« die Ausführungen de« Reichslandbundpräsidenten BetKg« keine Phrase sein sollen, kann da» Präsidium de» Reickslandbundes an den Erkkärungen des Schlesischen Landbundes unmöglich vcrb-:- gehen. Dem Schlesischen Londbund wird im Gegentell deutlich gesagt werden müssen, daß seine Halwng«ine Inkonsequenz darstellt und mit Förderung de» Absatzproblems auch nicht da» geringste zu tarn hat.__ Ein blühender Auiomobilbetrieb. Oes gibt es auch. Der fiiMiyiell« Zusammenbruch bei den Reckarsulmer Fohrzeugwerten(RSU.) und die bevorstehende Sanierung bei den Adlerwerken haben an der Börse und in der Oeffem- lichtest den Eindruck hervorgerufen, daß die Krise in der deutschen Lutomobllindustrie allgemein sei. Daß es aber auch blühende Automobilunternehmen in Deutsch- lond gibt, zeigt der jetzt veröffentlichte Abschluß der Wanderer- werte A.-G. in Chemnitz. Das Unternehmen, das 1926 27 de« höchsten Umsatz in den 42 Iahren seiner Tätigkeit auf- zuweisen hatte, konnte im letzten Geschäftsjahr diesen bisherigen Rekordumsatz noch übertressen. Da der Umsatz im Betriebsjahr 1925/26 schon 22 Millionen betrug, läßt sich nach de» Steigerungen der letzten beiden Jahre der Umsatz für da» Berichts- jähr bei vorsichtiger Schätzung aus reichlich 30 Millionen Mark beziffern. Dies ist um so bemerkenswerter, als der sächsische Rtetoll- arbeiterstreit Ansang 1928 eine mehr als fünfwöchige Arbeitsunterbrechung zur Folge hatte, woburch den Man- derer-Werten die Fahrradsaifon verloren ging. Denn die Gesellschaft, die fest 1924/25 regelmäßig 12 Proz. Dividende zahlte, die Akttomirrgewinn« jetzt auf 6 Proz. hera>'- gesetzt hat. so ist dies weniger aus schlechtere Verdienste, als auf die großen Kosten der Rationalisierung zurückzuführen. Der Fabrikationsgewinn liegt mit 6,9 Millionen Mark nur un- wesentlich unter dem de» Vorjahres, und wenn der Reingewinn von 1,8 auf 1,2 Millionen Mark gesenkt ist, so hängt dies mit aus- gefallenen Zinsgewinnen und mit den um 200 000 auf fast eine Million herausgeschraubte« Abschreibungen zusammen. ««»»«i alten Gallensteinen Oalleatimiinirtinajimg, Leb«»,«ad MegeekrenMie«. Stern Engel Tee(amn) Aenttleb•■•laklee.?» kebee(■ Aeaiktkea, •«*■*■> enttk fekrik VeteiabUicber Hecheinet. Bad AutaduiCih* Jlr. 59* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag. 5. Februar 1929 Das Erste Lesung der Regierungsvorlage im Reichstag.— Genossin Lucharz fordert Verbesserung. Im Reichstag standen am Montag zunächst Berichte des Geichäftsordnungsausschusses auf der Tagesordnung, darunter zwei, die den Abg. Straffer(Natfoz.) betreffen und die Genehmigung zu seiner Strafverfolgung erteilt sehen wollen. Abg. Arick(Natsoz�)" beantragte, diese zwei Berichte zurückzu- stellen, bis ein dritter Fall Strafisr soweit gefördert sei. Bei der Abstimmung bezweifelte er die Beschlußfähigkeit des Haufes. Nach einer Pause, während der die Klingeln durch das Haus riefen, schloß sich das Bureau der Bezweifelung ait und die Sigung wurde g e- ichlofsen. Gleich daraus begann eine neue Sißung, auf deren Tagesord- nung die Immunitätsberichte erst an zweiter Stelle erscheinen. Zu- nächst wird die Beratung der Handwerksordnimg fortgesetzt, durch den Abg. Flndetsen(D.B?.): Das Handwerk ist nicht dem'.lnter- gang geweiht, Deutschland kann nur durch Qualitätsarbeit wieder hochkommen. Abg. Dr.-Ing. Hummel(Dem.): Auch wir glauben nicht an den Untergang des Handwerks, dessen Wichtigkeit im Enquete- Ausschuß erwiesen worden ist. Das Handwerk arbeitet bewußt an seiner Weiterentwicklung. Der Entwurf will dem Handwerk eine moderne Organisation und damit die Grundlage für eine Hand- werksstatistik schaffen. Die jetzige, nicht ganz züverlässtge Statistik ergibt 1,35 Millionen Handwerksbetriebe, deren Zahl danach nicht abgenommen hat. Die Anträge über die Jnnungskrankenkassen gehören überhaupt nicht hierzu. Abg. Drewitz(Wirischp.): Von den vielen Versprechungen er- füllt der Entwurf nur ganz wen'', immerhin bringt er eine Vcr- bererung der Organisation de- Handwerks. Dir beantragen, das Wo'ssberechtigungsaltcr für die Handwerkskarrworn vom 21. auf das 24 Jahr hrraufzusetzen. Die Handwerksbetriebe nehmen nicht zu, die Bäckereien haben abgenommen, besonders infolge der Woh- nungsgefetzgebuno. Man müßte die Mietzinssteuer abschaffen und die sozialen Lasten abbauen, dann würde die Zahl der Beschäftigten steigen.(Wg. Exispien(Soz.): Und was wird aus den Erwerbs- losen?) Das Hadnwerk ist sozialer als die Großinikniftrie. Wir begrüße« die Einbeziehuna der Gut-handwerker in die Zwangs- innungen; st« werden jetzt lernen, sich v o n d e n G u t s b e s i tz e r n n.icht mehr so ausbeuten zu lassen.(Unruhe und Wider- spruch bei den Deutschnaiionalen.) Nach einigen weiteren Reden wird die Borlage in zweiter und dritter Lesung angenommen, die sozialdemokrotischen und andere Abänderunqsanträge werden abgelehnt, auch der auf Heraufsetzung des Wahlakter«. Es folgen die Berichte des Gefchäftsordnungsausschuffes über Auslieferungsbegehren, denen nur in zwei Fällen des Aog. Strafler lNatfoz.) wegen Bergehen gegen das Republikschutzgef�g stattgegeben werden soll. Der bei Beginn des Berichtes erwähnte Antrag Frick wird abgelehnt, die Ausfchußantroge werden ohne Debatte an- genommen. Es folat die erste Beratung des Gefetzentwurfs über die»u- ehclichen Sinder und die Annahme an Sindesslot». Abg. Marie Luchacz