BELRIN Mittwoch 6. Februar 1929 Der Abend Ericeist taglio enter Sonntag& Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 " Spalausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 62 B 31 46. Jahrgang. Kajeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezette 80 Vf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bokfchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Religionsfrieg in Indien. Blutige Kämpfe zwischen Hindu und Moslem. Regierung in der Schwebe. Noch keine Entscheidung. Reichskanzler Hermann Müller empfing heute vormittag in Gegenwart des Reichsaußenministers Dr. Stresemann und des Reichsjustizministers Koch den Reichsverkehrsminister v. Guèrard, um mit diesem in Anwesenheit des volksparteilichen und demokratischen Führers über lehte Möglichkeiten einer Berständigung ohne partielle krise zu beraten. Die Unterhaltung dauerte mehrere Braun bei Hindenburg. jedoch hat auf die Opposition der sozialistischen Vertreter hin die ursprüngliche Vorlage vollkommen 11 t= gearbeitet. Das Gesetz war von der Regierung in einer derart losen Form gehalten worden, daß es, wie die sozialistischen Vertreter in der Kommission betonten, fünftig jede Parteipropaganda und jede WahlEonnte. Die Umarbeitung des Gesetzes ist nunmehr erledigt. In Bombay find die Gerüchte entstanden, daß Angehörige der religiösen Sekte der Pathans( Afghanen) Kinder für Opferzwecke geraubt hätten. Dadurch sind Unruhen entstanden, die ein bedrohliches Ausmaß angenommen haben. Nachdem bereits am Sonntag bei Zusammenstößen zwei Personen getötet worden waren, sind Montng weitere 17 Personen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verlegten ist sehr groß. Mehr als 300 000 Arbeiter in den Fabriken und Geschäften haben den Montag über gefeiert und sich in den Stadtteilen, in denen die Pathans wohnen, versammelt. An einer Stelle fam es zu einem Kampf zwischen etwa 1000 Arbeitern und 50 Pathans. Die Pathans wurden durch Inbrand. jehung der Wohnhäuser gezwungen, ihre Behausungen Stunden. Nach ihrer Beendigung fehrte Herr v. Guèrard aus der agitation untersagen oder unter schwere Strafe stellen zu verlassen und sich zum Kampf zu stellen. Als ein großes Polizeiaufgebot eintraf, lagen sieben Pathans schwerverletzt und und blutüberströmt am Boden, eine größere Anzahl anderer schlich sich verwundet hinweg. Auch zahlreiche Hindus wurden schwer verletzt und wurden von ihren Freunden mitgenommen, um nicht in die Hände der Polizei zu fallen. In der ganzen Stadt herrscht größte Unruhe, selbst der öffentliche Verkehr ist nicht mehr sicher, da die Straßenbahnen angehalten und nach Angehörigen der Pathans durchsucht werden. Die umfangreiche Razzia der Polizei, die nach dem Auftreten der Gerüchte über die Kinderverschleppung veranlaßt worden war, verlief ergebnislos. Für die den Pathans zugeschobenen Vergehen bestehen nicht die geringsten Anhaltspunkte. Immer wieder Krawalle. Bombay, 6. Februar. Die Streitigkeiten zwischen der Hindubevölkerung und den mohammedanischen Bathans nahmen gestern einen so beunruhigenden Umfang an, daß das Geschäftsleben zum Erliegen tam und Truppen bereitgestellt wurden. Kurz nachdem sich eine Abordnung von 500 Bathans zum Polizeichef begeben hatte, um bessen Schuß zu erbitten, verbreitete sich das Gerücht, daß die Abordnung auf dem Rückwege zwei Hindus angegriffen habe. Der Eingeborenenbevölkerung bemächtigte sich eine ungeheure Erregung. Alle Läden wurden geschlossen. Die Polizei wurde ebenfalls von den Pathans angegriffen. Sechs Polizisten wurden ver= wundet. Es folgten Kundgebungen gegen die Bathans, die sich in eine Moschee flüchteten. Sodann trat wieder Ruhe ein, jedoch ist das Geschäftsleben noch nicht wieder in Gang gekommen. Streif auf Ceylon. London, 5. Februar.( Eigenbericht.) Gerüchte, wonach ein Gewerkschaftsführer von der Polizei an gegriffen worden sei, führte in Colombo auf Ceylon zur Arbeitsniederlegung der Hafen, Docks und Verkehrsarbeiter und zu Zusammenstößen, bei denen 20 Personen verletzt wurden. Am Abend fam es zu einem neuen Angriff gegen die Polizei, wobei auch das Polizeigebäude in Brand gesteckt wurde. Die Entschuldigung übereilt. Was will Held nun eigentlich? Reichskanzlei in den Reichstag zurüd, um den Fraktionsvorstand des Zentrums und darauf der Zentrumsfraktion Bericht zu erstatten. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun war heute vormittag zu einer Besprechung beim Reichspräsidenten. Reichsgerichtspräsident Bumte. Der Nachfolger Simons. Das Reichskabinett hat am Dienstag beschlossen, dem Reichspräsidenten als Nachfolger des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons den Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium Bum ke vorzuschlagen. Die Ernennung dürfte bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Der Ministerialrat im preußischen Justizminifterium Dr. Bessau ist inzwischen zum Reichsgerichtsrat ernannt worden. Ausnahmegesetz gegen das Elsaß. Kammerkommiffion ändert Poincaré- Entwurf. Paris, 6. Februar.( Eigenbericht.) Im Anschluß an die Aussprache über das elsässische Problem wird die Kammer in der nächsten Woche den Gesekentwurf der Regierung über die Ausnahmegesetze zur Unterdrückung der autonomistischen und separatistischen Umtriebe" in Beratung nehmen. In seiner großen Rede hat der Ministerpräsident Poincaré seinen Rücktritt angekündigt, falls die Kammer ihm in diesem Gesetz nicht die„ besonde ren Waffen" zur Niederwerfung der autonomistischen Strömung gebe. Die Zivilrechtskommission der Kammer Elsaß. München, 6. Februar.( Eigenbericht.) Die„ Bayerische Volkspartei- Korrespondenz" schreibt am Dienstag:„ Wir halten es für gänzlich ausgeschlossen, daß der Schritt des Herrn v. Breger beim preußischen Ministerpräsidenten einen anderen Zweck und Sinn haben konnte, als die offi. zielle Uebermittlung der Antwort der bayerischen Staatsregierung auf die Erklärung, die Herr Dr. Braun am ver gangenen Sonnabend nachmittag abgegeben hatte. Ein Hinausgehen über diese Erklärung war nach der ganzen Sachlage feinesfalls geboten. Kein Mensch in Bayern hat ein Interesse daran, daß zwischen der bayerischen und der preußischen Regierung ein die sachlichen Auseinandersetzungen erschwerender Spannungszustand besteht. Es kann aber unmöglich zu einer befriedigenden Bereinigung der ganzen Angelegenheit kommen, wenn irgendwie der Anschein erweckt wird, als ob die bayerische Regierung sich gegenüber der preußischen Regierung im Unrecht befände. Leider ist zu befürchten, daß die preußische Pressemeldung in dieser Richtung gedeutet und ausgemünzt wird." Ja, hat sich Bayern nun entschuldigt oder nicht? Was will held mit Ein zweiter Bismard, diefer Poincare. Genau so hat jener inen Erklärungen bezwecken? fich die Herzen der Elfäffer erobern wollen! 200000 Textilarbeiter im Kampf. Neue Kündigungen in Barmen. Barmen, 6. Februar. Der Arbeitgeberverband der Tegtilindustrie teilt durch Anschlag in den Betrieben mit, daß er durch die schlechte Lage der Betriebe gezwungen fei, eine Aenderung der bisherigen Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Sämtliche Arbeitsverträge werden mit Wirkung vom 18. Februar gekündigt, und es wird vorgeschlagen", neue Verträge mit folgender Berkürzung der Löhne abzuschließen: Die Löhne der männlichen und der weiblichen Arbeiter werden um 8,5 Pro 3. getürat iedoch mit der Maßgabe, daß für männliche Arbeiter ein Mindestlohn von 63 P f. für die Stunde und für Arbeiterinnen von 48 Pf. für die Stunde garantiert wird. Der Fünfzehnerausschuß der Gewerkschaften ist zusammengetreten, um zu dieser neuen Berschärfung im Lohnstreit Stellung zu nehmen. ** Rund 200 000 Terfilarbeiterinnen und Terfilarbeiter- viel leicht korrigiert das Unternehmertum diese Zahl auf einstweilen mir 194 000 find in den Kampf gedrängt, in den Streit, ausgesperrt oder erst gekündigt. Die Herren schließen den Ring! Sie sind gut organisiert. Sie wollen ihre" Industrie mit aller Gewalt auf dem alten Elendsniveau erhalten. Die wenigen Verbesserungen, die die Textilarbeiter und-arbeiterinnen durch ihre Organisation errangen, sollen ihnen mieder entrissen werden. Garantieren wollen die Herren in Barmen einen Wochenlohn von rund 30 m. für Arbeiter und einen jolchen von 21 M. für die Arbeiterinnen. Davon gehen dann erst noch die entsprechenden Abzüge ab. Die Arbeiterschaft braucht aber ,, nur" die geforderten Ueber stunden zu machen, um über diese " garantierten" Mindest hungerlöhne ein wenig hinauszu= tommen. Es ist ein schmähliches Spiel, das das Unternehmertum in der Tegtilindustrie mun schon seit Jahren un= unterbrochen mit feinen" Arbeiterinnen und Arbeitern treibt. Der Kampf zur Niederdrüdung der Textilarbeiterschaft auf den äußersten Hungeretat ist ein Kampf, der fich gegen die gesamte deutsche Arbeiterschaft richtet. Haben die Textilherren erst einmal ihr Ziel erreicht, dann wird das Unternehmertum der übrigen Industrien versuchen, auch seine Arbeiter auf die gleichen Hungerlöhne zu setzen. Der Ausbeutungsdrang des Kapitals ist schamlos und grenzenlos. Damit muß die Arbeitnehmerschaft nun einmal rechnen, und sich wappnen, um ihm gehörig zu begegnen. Industrielle fahren nach Moskau. Eine englische Industriedelegation beschlossen. London, 6. Februar. Eine Versammlung von englischen Fabrikanten, die an der Ausdehnung des Exports nach Rußland interessiert sind, nahm einen Beschluß an, wonach eine Delega tion der Industriellen nach Rußland gebildet werden soll. Dieser Beschluß gilt als eine Antwort auf eine russische Auslassung, daß der Besuch einer Delegation britischer Industrieller in Rußland willkommen geheißen Die führenden englischen Fabrikanten nahmen an dieser Versammlung teil. Die Delegation wird von sem englisch- russischen Komitee organisiert werden und spätestens am 8. März abreisen. Fünf Kreuzer sofort gebaut. Bei Abrüstungsvereinbarunq«st Aon der zehn anderen einzustellen. Washington» 6. Februar. Äia letzten Tag der Senatsdebatte üben die Kreuzer» Vorlage waren sämtliche Tribünen überfüllt» während vor dem Gebäude lange Schlangen Einlaßbcgehrendcr standen. Tie Pressegalerie tonnte die Zahl der Jour- nalisten aus allen Teilen des Landes und der Welt nicht fassen. Um die Sitze der Senatoren hatten sich viele Mit- glieder des Repräsentantenhauses geschart, die die er- rcgt� Tiskussio» interessiert verfolgten. Wie schon die gestrige Abstimmung über die Baufristklausel zeigte» war die überwiegende Mehrheit der beiden Seiten des Senats für unveränderte Annahme der Unterhausvor- läge, die die sofortige Inangriffnahme von fünf .Kreuzern und die Fertigstellung von insgesamt fünfzehn .Kreuzern vor dem 30. Juni 1931 sowie eines Flugzeugmutterschiffes vor dem 30. Juni 1930 Vorsicht. Tie kleine Lppofitio« brachte zahlreiche Abänderungsanträge ein. die alle abgelehnt wurden» außer einer Resolution von Borah und Reed» deren Lbstruktion man dadurch beendete, daß man ihre Resolution» die den Abschluß eines Vertrages über die Freiheit der Meere nach dem Muster des preußischen Vertrages von 178S empfiehlt und die sachlich an der Vorlage nichts änderte, alsbald annahm. Nach zum Teil sehr scharfen Wendun- gen gegen"England, dem mehrere Senatoren Ablehnung einer Verständigung über die Seerllstungen vorwarfen, und temparamentvollen Ausführungen des blinden Senators Schall, der weitere Angebote an Groß- britannien ablehnte, wurde die Vorlage mit über- wältigender Majorität angenommen. Die Vorlage enthält den Passus, daß der Präsi- d e n t im Falle eines internationalen Vertrages über die weitere Beschränkung der Seerüstungen berechtigt sei, den Kreuzerbau ganz' oder teilweise einzu- st e l l e n. Die Debatte brachte jedoch Uebereinstimmung darüber, daß ein derartiger Vertrag vom Senat r a t i- fiziert sein müsse, ehe der Präsident diese Befugnisse ausüben könne. Ueber die Bewilligung der Mittel muß das Reprä- sentantenhaus noch entscheiden. Endloses Kreuzverhör. Wüstes Fragendurcheinander der Verteidiger im ,,Immertreu"-prozeß. Gesandter(Südafrikas in Berlin. Sie Autonomiebewegung im britischen Weltreich. London, 6. Februar. Die südasrikanische Regierung wird in Kürze Gesandte für Berlin. Paris und Buenos Aires ernennen. Der gegen- wärtige Verwalter des Südwest-Protektorates, Werth, wurde zum Gesandten in Berlin in Aussicht genommen. « Die Entsendung von Gesandten in andere Länder ist der Aus- druck dafür, daß ein Staar internationale Selbständigkeit gewinnt. Südafrika ist das brüte der britischen Dominien, die eine eigene diplomatische Vertretung im Ausland haben. Zuerst erlangte Irland das Recht,«inen Gesandten nach Washington zu senden, dann entsandte Konada eigene Vertreter nach Washington, Paris und Tokio. Jetzt folgt Südafrika mit Vertretungen in Berlin, Paris und Buenos Aires. Bis jetzt haben die Vertreter der eng- tischen Zentralregierung und der Dominien in den Städten, wo sie nebeneinander amtieren, ohne erhebliche Schwierigkeiten miteinander gearbeitet. Zweifellos wird die Selbständigkeltsbewegung der britischen Selbstverwaltungsgebiete stetig weiter fortschreiten. Das bri- tische Weltreich oerwandelt sich allmählich aus einem vom Londoner Parlament regierten Bundesstaat in einen Staatenbund. Von einer „Auflösung" des britischen Reiches zu sprechen, ist aber falsch, weil die Dominien mit dem Muüerlande durch die Gleichheit der Sprache und Rasse und den gemeinsamen Besitz der Kolonien zusammen- geHallen werden und die englische Flotte die Beschützer'» auch der Dominien da.rstellt. Trohki soll nach Berlin. Moskauer Anfrage nach Aufenthaltserlaubnis. Dos Reichskabinett sollt« sich am Mittwoch mit der Aufenthalts- erlaubnis für den aus Rußland verbannten Leo T r o tz k i befassen. Ein offizieller Antrag auf Erteilung des Einreise- Visums ist zwar nicht gestellt worden, weder von Trotzki noch von der Mostauer Regierung. Dagegen hat man inoffiziell angefragt, wie man sich zu einem längeren Aufenthalt Trotzkis in Deutschland stellen würde. Wie der Tel.-Union aus Moskau gemeldet wird, erklärt man in gut unterrichteten Kreisen, daß die Reise Trotzkis nach Deutschland noch nicht beschlossen sei. Die Reise werde Zweifel- los eine gewisse Verzögerung dadurch erleiden daß Trotzki einen formellen Antrag bei der deutschen Botschaft auf Einreise- erlaubnis stellen müsse. Die Sowjetregierung habe in Berlin noch keine Schritte unternommen, und die Gerüchte über einen Schritt der Sotojetregierung bei dem Reichskabinett scheinen nur mit der Fühlungnahme zwischen der Sowjetregierung und der beut- schen Botschaft in Moskau über die Reise Trotzkis nach Berlin zu erklären zu sein. Trotzki ist nicht auf dem erst vermißten, dann doch in Stambul «ingetroffenen Sowjetdampfer„Krasny Flot"(Rote Flotte), sondern noch unterwegs nach Moskau. Beförderungen in der Reichswehr. Die Bevorzugung des Adels. Das Reichswehrministsrium gibt u. a. folgende Pcrsonalver- änderungen bekannt: Befördert mit Wirkung vom 1. Februar 1929: zu Generalleutnanten: die Generalmajore: Ritter o. Prager, Freiherr SeUtter v. Lätzen, zu Generalmajoren: die Obersten: Fleck, Ritter v. Leeb, v. Mayer, Brandt, Schubert, Fleck, Freiherr v. Gienanth, v. Bock, Freiherr v. Hammerstein-Equord, v. Stülpnagel. Bilanz: 8 Adlige, i Bürgerliche! Verhältnis: 2:1. Eine echt demokratische Truppe! krach bei den Agrariern. In den Vorstand der Landwirts chaftss kammer für Schleswig-Holstein wurde der Hauptgeschäfts- f ü h r e r des kchleswig-Holsteinischen Bauernvereins in Rendsburg, Dr. Thyssen, als Direktor gewähll. Auf Grund dieser Wohl haben der Kommerrorsitzende Graf zu Rantzau- Breitenburg, der hie Wahl nicht gutheißt, und sein S t e l l o e r- l r e t e r, Landesökonomierat Jenfen-Äusacker, ihre A e m t e r niedergelegt. Die Verhandlungstemperatur im Gerichtssaal wird immer wieder von neuem erhitzt. Heute morgen regte sich einer der Ver- teidigcr ganz unerwartet darüber auf, daß das Verfahren gegen den bewußtlos geschlagenen Zimmergesellen Schulnies eingestellt worden sei. Ueberhaupt: müßten nach Ansicht der Verteidigung nicht ihre Klienten, sondern die Zimmerer- und Maurergesellen auf der Anklagebank sitzen. Gestern wogten die Leidenschaften bis zur Decke wegen der Bertrauensperson der Kriminalpolizei. Unerhört, bloß auf Grund ihrer Aussagen seien die Unschuldslämmer von !..Jmmcrtreu" unter Anklage gestellt worden. Wollen etwa die Herren Verteidiger der Kriminalpolizei allen Ernstes das Recht streitig machen, sich Vertrauensleuten zu bedienen? Sie wissen ja : sehr gut, daß diese Vertrauensleute zur Information unerläßlich ! find; daß die. Aufdeckung vieler Verbrechen, insbesondere solcher � gegen das heilige Eigentum, um dessen Sicherheit es wohl auch den � Herren Verteidigern zu tun ist, ohne solchen Bertrauensleuten un- möglich wäre. Unzulässig ist nur. Haftbefehle lediglich aus Grund solcher Informationen zu erlassen, Anklagen zu erheben. Eröffnungs- befchlüsse vom Stapel zu lasten und sie zu Grundlagen von Gerichts- urteilen zu machen. Das alles war aber hier nicht der Fall. Man wird überhaupt nicht mehr schlau aus der Gerichtsverhandlung. Mitunter glaubt man. einer angenehmen Unterhaltung beizuwohnen. Von ein er Verhandlungsleitung merkt man über- Haupt nichts. Alle dürfen dem Vorsitzenden über den Mund j fahren Verteidiger, Angeklagte, Zeugen. Ein Kreuzverhör, das 1 auf Anschreien von Zeugen hinausläuft, auf endlose Wiederholungen ein- und derselben Frage, auf völliges Abirren vom eigentlichen Beweistbema, auf ein wirres Durcheinander. So etwas hat man in Moabit doch noch nicht erlebt. In einer Hinsicht wird man der Verteidigung Recht geben müssen. Die Kriminalpolizei ist in der Sache ziemlich nachlässig vorgegangen. Selbst Gegenüberstellungen von Zeugen und angeblichen Beteiligten haben nicht stattgefunden. Diese, wie auch manche andere Unterlassung, ist auch durch die Eile. mit dem das Verfahren durchgeführt werden sollte, nicht zu recht- fertigen. Dritter Verhandlungstag. Die heutige Verhandlung des„Jmmertreu"-Prozesses, zu der der Andrang des Publikums schon am frühen Morgen wiederum sehr stark war, begann mit ziemlich heftigen Zusammenstößen zwischen Staats- amvalt und Verteidigung. Es wurde dann in die Beweisaufnahme über die Vorgänge auf dem Straßenbahnwagen, von dem ein Maurer heruntergezerrt und bewußtlos geschlagen worden war, eingetreten. Als Augenzeuge dieses Vorgehens wurde-der Kraft- wagenfahrer Emil Herrmann vernommen. Er stand nachts in der Nähe der Haltestelle an der Ecke der Breslauer und Andreas- ftraße. Es war ein« große Menschenansammlung. Ein junger Mann im Samtrock lief aus die Straßenbahn zu. Man rief hinter ihm her:„Hallet ihn, es ist ein Spitzbube, ein Dieb. Er hat eine Pistole bei sich und alles, was er hat, ist gestohlen." Der junge Mann wurde von zwei Herren, einem im Zylinder und einem ohne Kops- bsdeckung verfolgt und er sprang auf die Straßenbahn. Zwei bis drei Männer sprangen ihm nach. Er klammert« sich an die Stange fest und es hatte den Anschein, als ob der Straßenbohnführer sich vor ihn stellte. Der eine der ihn oerfolgenden Herren hieb auf den jungen Mann ein, so daß er zusammenbrach. Dann riß man ihn vom Wagen herunter und hieb weiter aus ihn ein. auch mit Schuhspiheu und Absätzen stieß man ihn. bis er ohnmächtig zusammenbrach. Als dann zwei Polizeiwachtmeister sich näherten,- ließen die beiden Herren, die hauptsächlich geschlagen hatten, von ihm ab und spielten die unbeteiligten Straßenpossanten. Ich hatte ihnen Vorwürfe ge- macht, daß sie auf eiiwn Wehrlosen eingeschlagen hätten. Die Herren gaben mir aber daraus kein« Antwort. Ander« sagten, er habe gestohlen, worauf ich erwidert«: Dann braucht man ihn doch nicht gleich halb tot zu schlagen, sondern kann die Polizei anrusen. Ein Zeitungshändler an der Ecke sagte mir: Da ist ein« große Schlägerei gewesen, die haben die Zimmerleute oerhauen und nun werden sie einzeln„gepascht". Der nächste Zeuge ist der Straßenbahn- f ü h r er P ö l t n e r. Er bekundete, daß an der Haltestelle ein Maurergeselle über die Straße gerannt kam, der verfolgt wurde, einen Stoß erhielt und hinstürzte, sich dann aber aufraffte und vorn auf den Straßenbahnwagen sprang. Der Zeuge hatte den Wagen bereits angefahren, mußte dann aber gleich etwas abstoppen. Dabei sprangen nun drei bis vier Mann, die hinter dem Maurer hergelaufen waren, ebenfalls hinauf und suchten diesen herunter- zureißen. Der junge Mann hielt sich fest und bekam einen Schlag mit der Faust auf den Kopf, so daß er zusammenbrach. Auf der Straße wurde weiter auf ihn eingeschlagen. Der Zeug« sah noch, ehe er weiter fuhr, daß der junge Mann besinnungslos auf dem Pflaster lag und daß auf ihn immer wieder eingeschlagen wurde. Vors.: Würden Sie die Leute wiedererkennen? Zeuge: Nein, es ist jetzt sechs Wochen her und ich habe die Herren nur einen Moment gesehen. Oos Opfer erzählt. Danach wurde als Zeuge der Maurer Alwin Hagel ver- nommen, der von der Straßenbahn heruntergeholt und niedc'aejchla- gen worden war. Er erzählte, daß sie in ihrcm Lokal in der Höchsten Straße angerufen worden waren, sie sollten einmal zu den Zimmergescllen kommen. Fünf oder sechs Mann gingen daraus fort. Waffen oder Werkzeuge hatten sie nicht mitgenommen. Als sie vor das Lokal kamen, wurden sie.sogleich überiallen. Er wurde niedergeschlagen konnte aber wieder aufstehen, wollre erst in ein Auto flüchten, und sprang dann noch, da das Auto besetzt war, auf die Straßenbahn. Von dort wurde er heruntergeholt und nochmals niedergeschlagen. Von den Angeklagten kennt er keinen als Beteiligten oder Täter. Die nächsten Zeugen sind z w e i A r b e i t e r die den fraglichen Abend mit dem Slngeklaglen Höhne verbrocht hatten. Sie erklären, daß Höhne mit ihnen im Lokal saß und viel getrunken hatte. Als auf der Straße der Tumult losging und die Straßenbahn gestürmt wurde, ging Höhne hinaus, kam aber schon nach zwei Minuten wieder, so daß er sich an der Prügelei kaum beteiligt haben konnte. Verl.: Im Anschluß an dies« Aussage stelle ich den Antrag, Höhne aus der Hast zu entlassen Di« Me- thoden, die die Polizei bei diesem Angeklagten angewendet hat, sind kein Beweis dafür, daß die Staatsanwaltschast die objektivste Ve- Hörde ist. Durch das rigorose Vorgehen der Polizei ist der unbc- strafte Höhne um seine Stellung gekommen, so daß es ihm jetzt nicht schwer sallen könnte, zum Verbrecher hinabzugleiten. Ich bitte daher, ihm wenigstens jetzt seine Freiheit wiederzugeben. Staatsanwalt: Die Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts gehören hier nicht her. Seinem Antrag auf Haftentlassung des Höhne widerspreche ich ganz entschieden, denn der Herr Rechtsanwalt ver- gißt ganz, daß dieser Angeklagte nicht nur vor der Polizei, sondern auch vor dem Richter ein Geständnis abgelegt hat. Der Vorsitzende stellte die Beschlußfassung über den Antrag bis zur Mittagspause zurück. Der nächste Zeuge ist der Maurer Man- d e l t o, der mit Hagel zusammen von der Höchsten Straße in die Breslauer Straße gegangen war Bert.: Zu welchem Zwecke sind Sie nach der Breslauer Straße gerufen worden? Zeuge: Uns wurde gesagt, wir sollten die Zimmerleute einmal besuchen. V e r t.: Das ist doch keine Antwort, Sie können uns doch nicht glauben machen, daß Sie mit keiner anderen Absicht dorthin ge- gangen sind. Zeuge Mandelko: Es hieß, die Zimmer- leute seien in Not, und wir sollten hinkommen. Darauf erzählte der Zeuge Mandelko weiter, daß er aus dem Wege kein Werkzeug, sondern nur seinen Spazierstock mit hatte. Vor s.: Sind Sie von Polizisten angehalten worden, oder wissen Sie vielleicht noch gar nicht, was Polizisten sind? Zeuge: Na, d>c wird man doch wohl kennen, aber getrossen haben wir keinen Als wir zum Lokal kamen, schrien sie uns entgegen:„Schlagt doch die Hunde tot." Bevor ich mich wehren konnte, lag ich am Boden. Mir wurde der Arm gebrochen, drei Wochen lang lag er in Gips. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer von den Angeklagten dabei gewesen wäre, glaubt der Zeuge, den Angeklagten Franke zu erkennen, ober mit Vestimmthlit könne er nicht sagen, ob er. dabei war. Der Staatsanwalt beantragte, einen Zeugen zu vernehmen, der schon an Gerichtsstelle anwesend sei, und der als Bewohner des Hauses Breslauer Straße 2 die Szenen beobachtet hat. Dieser Zeuge, der parterre wohnt und bei dem Lärm zum Fenster herausguckle. erzählte, daß zuerst viele Menschen mit Zylindern auf der Straße waren, es kamen immer mehr dazu, und sie machten immer mehr Krach. Paraus kamen fünf oder sechs Zimmerleut«. die in ihr Lokal wollten. Das schien aber geschlossen zu sein. Als die Zimmerleute zurückgehen wollten, wurden sie von den anderen angefallen. Er war zu sehr aufgeregt, als daß er nähere Beobachtungen gemacht hätte. Von den Angeklagten erkennt auch dieser Zeuge niemanden. Ueb Zmmerireu. In Moabit. Aber wenn du schon einmal dort bist, als Gast oder Pensionär,' dann richte deine Blick« aus die Wände des großen Schwurgerichtssaols in Moabit, nimm dir ein Opernglas mit, dann karinst du die weisen Sprüchlein, die die Wände zieren, erkennen, da die Tausende von verhängten Zuchthausstrafen erblassend auf sie gewirkt haben. In der Paus« dieser Groteske „Immertreu" nimmt man sich die Gelegenheit und versucht, die überaus scharfsinnigen Verse zu entziffern, ttebcr dem Zuschauerraum steht einer, der besonders wert ist, gelesen zu.werden. Er lautet:„Bekennt ist halb gebüßt." Da, wie gesagt, die Schrift sehr oerblichen ist, kann es ober auch heißen:„Bekannt ist halb verbüßt." Etwas weiter davon steht:.Nicht Richter richtet, sondern das Gesetz." Treffend ist folgender Spruch sür eine lange Untersuchungs- Haft:„Trunken Freud, nüchternes Leid." Etwas weiter, ob es für Herrn Köhling geschrieben wurde, ist fraglich:„Untreue schlägt ihren eigenen Mann." Daneben:„Mir der Schuld nicht eile, hör« beide Teile." Für den Untersuchungsrichter des Jmmerlreu-Prozesses dieser siimig« Spruch:„Besser einer von Sehn, als von Höhren zehn." Wir vermissen das, dafür lesen wir für die Justizirrtümer ein ver- sühnendes Verslein:„Urteil bindet und löset." Gegenüber:„Die Tat tötet den Mann." Aber der schönste Spruch steht über dem Auditorium, wo die Männer des Gesetzes walten, er heißt wörtlich: „Jeder Richter sitzt an Kaisers statt." Da staunste, Republikaner.— Wieder Feuer in der Eiielstraße. Auch der zwelte Teil des Oachfluhls abgebrannt. Gestern nachmittag brannte in der E i t e l st r a ß e 3 3 in Lichtenberg, wie wir heute früh berichteten, ein Teil des Vorder- Hausdachstuhls nieder. Die Feuerwehr war niil den Lösch- und Aufräumungsarbeiten nahezu sechs Stunden lang beschästigt Beim Abrücken der Wehren blieb zunächst eine Brandwoche zurück, die einige Zeit später, da keine Gefahr mehr bestand auch zurückgezogen wurde. Kurz nach Mitternacht wurden Bewohner der Eitelstraße durch einen starken Feuerschein aus dem Schlaf geschreckt Die zweite hülste de» Dachsluhls Etlelslraße 35, die am Nachmittag vom .?euer verschont geblieben war, stand In ganzer Ausdehnung in hellen .(flammen. Beim Eintreffen der Wehren war d>e Situation für die angrenzenden Gebäude schon äußerst bedrohlich. Die Mieter der oberen Stockwerke, die am Nachmittag schon einmal in Angst und Schrecken oersetzt worden waren, mußten abermale ihre Wohnungen verlassen. Das Flammenmeer wurde aus zahlreichen Schlauchleitun- gen bekämpft, erst nach dreistündiger Tätigkeit konnte der Brandherd lokalisiert werden. Ueber die Entstehungsursache sind verschiedene Ge- rüchte im Umlauf: es Hot den Anschein: daß verbrecherische Hände dos Feuer angelegt haben. Dafür spricht auch der Umstand, daß die Flammen an mehreren Stellen zu gleicher Zeit aujloderten. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen ausgenommen. Vier Todesfatte durch Gas. In ihrer Wohnung Kottbusier Damm 9g wurden heute mittag der 73jährige Schuhmacher Willi Krüger und feine gleichaltrige Frau Anna in ihrem mit Gas erjüllten Schlafzimmer tot auf- gesunden. Nach den Ermittlungen ist dos greise Ehepaar einem Unglücksfall zum Opfer gefallen. Der Schlauch, der zur Arbeits- lampe führte, hatte sich gelöst, so daß große Gasmengcn ungehindert ausströnien konnten. Uni die gleiche Zeit fand man den bSjährigen Handwerker Johannes G e r n e t in der Küche seiner Wohnung, Pücklerstr. 41, durch Gas vergiftet, tot auf. Auch hier hatte sich der Schlauch vom Gaskocher gelöst. Auf die gleich« Weise kam die Igjährige Arbeiterin Gertrud B. in der elterlichen Wohnung, Brom berger Str. 19. ums Leben. Angehörige fanden das junge Mädchen in der Küche leblos auf. Wicderbelebungsver'uchc der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. �_ China bestellt 14 Flugzeuge in England. Ein Auftrag aus Lieferung von 14 leichten Zwetsitzerflugzeuaen ist aus China hier eingegangen. Das erste d'efer Flugzeuge soll nach seiner Fertig- stellung aus dem Luftwege nach China gebracht werden. Wetterbericht der ösfenttichen Wctkerdicnsisielle Berlin und Ilm- gegend.(Rachdr. verb.) Kalt und ziemlich" heiter, bei schwache"-- östlichen Winden.— Für Deutschland: Im Osten vielfach Heller b-'i strengem Frost. Im Westen meist wolkig und mäßig kalt. Rote Hilfe" in Sowjetrußland Erlebnisse eines englischen Arbeiters. Wenn ein politischer Emigrant von einem der kapitalistischen Länder nach Moskau tommt, muß er viele Formalitäten durchmachen. Wenn er sie alle erfüllt hat, bekommt er für 14 Tage Ration in der Höhe einer Summe von 1 Rubel und 10 Ropeten den Tag. Ein Ausweis berechtigt ihn, im Emigrantenhause der Roten Hilfe" zu schlafen. In meinem Falle war ich mit 16 an= deren in einem Zimmer. In dem Hause ist deshalb so wenig Platz für die Emigranten, weil die Angestellten der Roten Hilfe" die übrigen Räume für fich als Wohnungen in Anspruch nehmen. Die Angestellten beanspruchen für sich die besten 3immer und nehmen das Geld der Roten Hilfe", um ihre Zimmer für ihren Bedarf wohnlich zu machen. Zum Beispiel hat der Angestellte der Roten Hilfe" Pe= farew, der den Empfang der Neuankömmlinge besorgt, für sich ein ganz großes Zimmer im ersten Stock des Hauses mit Beschlag belegt. Die Fenster in den Zimmern, in denen die Emigranten wohnen, find im Winter stets geschlossen. Jeder Spalt ist mit Kitt verklebt. Die Luft in den Zimmern ist dadurch entseglich schlecht. Die Zimmer find voller Ungeziefer und Wanzen. Die Rote Hilfe" unterstützt die Emigranten nur die ersten 14 Tage. Wenn diese Zeit um ist und der Emigrant feine Arbeit gefunden hat und auch teine Hoffnung hat, Arbeit zu erhalten, meil es in Rußland viel. Arbeitslose gibt, wird er zum Arbeitsamt Bon Bühne und Film. Herr und Frau Soundso." Tribüne. Ein Spiel zwischen Mann, Frau und Hausfreund, aber keine von den üblichen Pariser Ehebruchskomödien, die sich einen Spaß daraus machen, dem Parkett auf Kosten des betrogenen Gatten ein billiges Vergnügen zu bereiten. Der junge Autor Denys Amiel hat einfach ein Stück alltäglichen Lebens nachgezeichnet, und da er ein Mann von tiefer Empfindung ist, so ist aus dem Spiel fast eine Tragödie geworden. George ist ein guter Kerl mit einem prächtigen Herzen, hat aber manche Fehler: er weiß sich nicht elegant zu fleiden, fümmert sich zu eingehend um den Haushalt, ist ein wenig geizig und ein wenig Bedant. Da kann nicht ausbleiben, daß der forsche Pierre mit dem sportgestählten Körper feiner Suzanne den Kopf verdreht. George merft es, noch bevor ihm der falsche Freund seine Frau entführt. Und hier ist dem Dichter eine wundervolle Szene gelungen. George flagt ihn faum an; in väterlicher Sorge um Suzannes Glück, gibt er dem Liebhaber seine Erfahrungen preis, fleine Fingerzeige, die ihre Gesundheit im Auge haben. In seinen Worten steckt so viel Liebe um die verlorene Frau, daß Pierre erst jezt die Gewissenlosigkeit seines Spiels aufgeht. Und als sie nach einem Jahr zu ihm zurückkehrt, wieder eine prachtvolle Szene: beide brennen darauf, das Glück der Wiedervereinigung zu paden, aber fie sprechen eine anderen steht. Wohl, nun kann der Ramsch beginnen. Ramsch beginnen. lange Zeit von belanglojen Dingen, taſtend, wie jeber zu dem 600 Nach einer Moskauer Meldung hat die Regierung der Sowjetunion 91 usländische Ronzessionen im Betrag von rd. 1 Milliarde Reichsmark auf dem Gebiet der kommunalen Wirtschaft bewilligt. ece Genußreich sind die vollendete Kunst des Autors, die scheinbar belanglojen Begebenheiten des Alltags zu malen, die im Grunde das Leben ausmachen, und die Innigkeit, die aus jedem Bild strahlt: Es handelt sich nicht um den Sonderfall des George und der Suzanne, Amiel schreibt die Tragödie von Tausenden, von Herrn und Frau Soundso. Niemand kann besser diesen Herrn Soundso verförpern als Anton Edthofer. Seine hausväterliche Betulichkeit fordert zum Spott heraus, und doch leuchtet aus seinen Worten und Handlungen die Wärme seines Herzens. Und wenn er im Schmerz oder in der Freude mit zerbrochenem Blick auf Suzanne schaut, dann fließen im Parkett Tränen. Margarete Röppte ist ganz das duftige, zarte Geschöpf, das dem Autor für die Rolle vorgeschwebt haben mag. Das Publikum spendete herzlichen Beifall. Dgr. ,, Liebfraumilch." Zitania und Primus Palaft. Inhaltlich handelt es von einem Weinbergs- und Schankwirtschaftsbefizer, der für ein Jahr nach Amerika gereist ist und wesentlich verändert wiederkommt. Er schwärmt nicht nur für amerikanische Hochhäuser und den lebhaften Straßenverkehr, er schwärmt auch für jeidene Damenwäsche. Seine Frau aber blieb hausbacken und wird, um ihrem Mann zu gefallen, erst zum Schluß eine schicke Modedame. Eine solche Richtigkeit kann man, falls man gute Einfälle hat, erträglich gestalten. Doch versagt der sonst so sichere Regisseur Car! Fröhlich diesmal. Er ist einfach stillos und hat mit seinem Werf nicht den geringsten Anspruch auf eine fünstlerische Wertung. Selbst Henny Porten, die sich sonst durch jede ihrer Leistun gen Achtung verschafft, tommt in diesem Film nicht zur Geltung. Livio Pavenelli hat nicht nur eine gute Gestaltungsgabe, er hat auch sehr viel natürliche Liebenswürdigkeit. Infolgedessen ist er, Baul trog oftmals schlechter Photographic, stets erträglich. Henfels hat als Großvater feine weitere Aufgabe zu erfüllen, als andauernde Sauffreudigkeit zu zeigen und alle anderen Darsteller dürfen sich mit Mäßchen begnügen. Die Landschaftsaufnahmen sind hervorragend, doch sind sie heute, wo wir Retje- und Reportagefilme non höchster Bollendung haben, nicht mehr. allein ausschlaggebend für die Güte eines Spielfilms. Ein solcher muß unbedingt etwas Persönlichkeitsmert des Regisseurs oder der Darsteller aufweisen. c. b. Pola Negri, die Tragödin. Liebschaften einer Schauspielerin."- Univerfum. Die große französische Schauspielerin Rachel starb aus But über ihre italienische Konkurrentin Ristori. Ueber ein durch Liebe gebrochenes Herz konnte sie nicht klagen. Dies entdeckte erst Jahrzehnte nach ihrem Tod der amerikanische Film, um Pola Negri eine Starrolle zu servieren. Der bürgerlich durchaus nicht einwandfreie Lebenswandel der Rachel wird hier nur ganz schüchtern und zart gestreift, der Akzent liegt auf der reinen, feuschen Liebe, an der auch, weil ungewohnt, die Rachel Pola Negris zerbricht. Die Handlung ist eben der übliche Ritsch. Außerdem find gegen diesen Film dramaturgische Bedenken zu erheben. Verfasser und Regisseur werden mit dem Stoff nicht fertig und bringen eine Ueberfülle an Tert. Ferner' wirken die Bühnenszenen, bei denen Pola Negri melodramatisch die Augen rotieren läßt, den Mund auf und zu macht und mit den Armen bedrohlich in der Luft herumjongliert, einfach lächerlich, müssen im Film immer lächerlich wirken. Das hätte der Regisseur Rowland V. Lee wissen fönnen. Diese Mängel werden durch gute Interieuraufnahmen feineswegs ausgeglichen. Ueberhaupt weist die ganze Anlage des Films auf einen Typ hin, der heute fast überwunden ist, nämlich auf den Starfilm mit einer Rolle und mit Statisten. Wir sind es nachgerade gewohnt, daß die Rheinfilme weiter nichts sind, als eine Schilderung alkoholischer Zustände. Infolge feiner übergroßen Bescheidenheit läßt das Filmpublikum sich das gefallen und ist sogar noch dankbar, wenn ihm dabei eine fleine Portion Biz serviert wird. Aber dieses Manuskript voll lastender Längen, peinlicher Hilflosigkeit und unangebrachter Verkleidungsszenen, bei denen Henny Borten absonderlicherweise jeglichen Charme perliert, genügt nicht einmal für den sogenannten Publikumsfilm. I spielt nur ihre Routine, Siegfried Ochs. Wieder ist Berlin um eine führende fünstlerische Persönlichkeit ärmer geworden. Der Meister des Chores, der ein Menschenalter lang alle mufifinteressierten Kreise Berlins in seinen Bann geAlso Pola Negri ist die Trägerin dieser einzigen führenden Rolle. Den Eindruck einer weltberühmten Tragödie macht sie nicht. Sie erinnert eher an ihre vor Jahren gespielte Traviata. Die echten Liebesszenen sind die besten. Hier ist sie die große Gestalterin, sonst F. S. Eine Straße der Vorzeit. Prähistorische Kulturbeziehungen. Prof. Dr. J. G. Andersson, Stockholm, sprach im Großen Saal der Akademie der Künste über Prähistorische „ Gas, Waffer, Elektrizitätswerte, Straßenbahnen, Müll. 30gen hat, ist dahin. Noch bis vor kurzem frisch und temperament Kulturbeziehungen zwischen Nordching und dem abfuhr- alles spottbillig wegen gänzlicher Preisgabe meiner tommunalen Abteilung!" geschickt, wo er 26 Rubel im Monat bekommt und feine andere Unterstützung Bei den hohen Preisen der Lebensmittel ist es absolut unmöglich, mit dieser Summe zu egiſtieren. Der Breis des Brotes( es hat eine schmuzig dunkelgraue Farbe und wird als Weißbrot verkauft) ist 26 Ropeten 55 Pf. für ein Kilogramm, Buder 62 Ropeten= 1,26 M. für 1 Kilogramm usw. Die Emigranten, die Arbeit gefunden haben, müssen der„ Roten Hilfe für die Uebernachtung im Emigrantenheim 50 Ropelen= 1,05 m. für die Nacht zahlen. Hierfür liegen fie mit 14 bis 15 Mann in einem Zimmer. Als meine Familie nach Moskau tam, erhielt ich ein Zimmer für uns. Ich fonnte dies machen, da ich in der Komintern arbeitete und monatlich 145 Rubel verdiente. Für dieses Zimmer, welches nur ein Fenster hatte und zur Hälfte dunkel war, mußte ich für den Monat 36 Rubel und 12 Ropeten zahlen. Die fommunistische Propaganda lügt, wenn sie verbreitet, daß man in Rußland für Wohnung nur 6-8 Proz. des Lohnes zahlt. Emigranten, die mit den Verhältnissen in Rußland unzufrieden sind und dies öffentlich sagen, werden als Anarchisten oder mit noch schlimmeren Ausbrüden bezeichnet. Was mit ihnen geschieht, will ich an folgenden Fällen schildern. Karol, politischer Emi grant aus Rumänien, den ich persönlich kannte, als ich in Leningrad war, wurde von der GPU. erschossen. Seine Frau wurde nach Sibirien für unbestimmte Zeit verbannt. Friz Pankowiti aus Essen/ Rheinland wurde zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt und fizzt jetzt auf der Solowegky- Insel im Weißen Meer. Ein italienischer Anarchist, der gleichfalls als Emigrant nach Rußland gefommen war und in Moskau in der Kleiderfabrik gearbeitet hatte und gut verdiente, äußerte fortgefeßt, daß die Arbeiter nicht gut behandelt würden. Eines Tages wurde er von der GPU. verhaftet und man hat nichts mehr von ihm gehört. Auf Gragen wurde den Neugierigen gesagt, daß fie ruhig sein sollten, wenn sie nicht auch verhaftet werden wollten. Und es gibt noch viele andere folche Fälle. Allen Lesern dieses Artikels möchte ich sagen: Laßt euch nicht durch Menschen verführen, welche euch wunderbare Sachen von der Behandlung der politischen Emigranten in Rußland erzählen. Das Ged, das ihr für die" Rote Hilfe" gebt, verbrauchen sie für sich selbst und ihre Propaganda. Emigranten bekommen 14 Tage lang 1 Rubel 10 Ropefen und weiter nichts; die Angestellten dieser„ Roten Hilfe" in Rußland bekommen 225 Rubel den Monat. Bon Februar bis November 1928 war ich arbeitslos. Im September war ich frant und zwei Wochen bettlägerig. Ich hatte keinen Pfennig. Ein Freund von mir teilte meinen Zustand der Roten Hilfe" mit. Man versprach ihm, nach mir zu sehen. Reiner ist gekommen. Die Führer und Angestellten der Roten Hilfe" forgen nur für eine Propaganda und dafür, daß sie und ihre Freunde in ber Romintern und der Kommunistischen Partei gute Posten erhalten. Darum, mie es den Emigranten geht, fümmern sie sich nicht. 11 M. Brout, politischer Emigrant aus England in Sowjetrußland von September 1926 bis November 1928. Aus Kabul haben zwei britische Flugzeuge 28 Personen, meistens indische Frauen und Kinder, nach Beschawar in Indien gebracht. voll wie ein Jünglang, ist er in wenigen Wochen einem schleichenden Leiden erlegen, das er wohl schon lange mit sich getragen. Unvergeßlich ist allen fünstlerisch interessierten Menschen weit über Berlins Mauern hinaus seine Wirksamkeit. Nicht nur der Meister der Chorerziehung, der ein Menschenalter lang den Philhar monischen Chor zu seinem Instrument gemacht hat, der feinmonischen Chor zu seinem Instrument gemacht hat, der feinsinnige und geistreiche Bearbeiter zahlreicher deutscher und fremder Boltsmeisen für Chor, der unerbittlich gewissenhafte Grforscher von Bachs und Händels Kunst, der leidenschaftliche Andeuter der tiefften Geheimnisse der großen Meister ist uns entrissen sondern auch der warmherzige Förderer aller Arbeitermusikbestrebungen, der Mann, der sich durch sein Eintreten für die große neue Bewegung des Arbeitergesanges die heftige Gegnerschaft rechtsstehender Kreise zugezogen hat. Was er für die Welt als bleibendes Wert hinterläßt, ist vor allem die Kenntnis der Bachschen Kantaten, von denen wir vor Ochs nicht viel gewußt haben. Die Reinigung des Bachschen Lebenswertes von allen Irrtümern ist ein wichtiger Teil seiner Lebensarbeit. In mehreren Werfen, vor allem in feinen groß angelegten bei Hesse erschienenen Schriften„ Der deutsche Musikverein" hat er aus dem unerschöpflichen Reichtum feiner Erfahrungen für die Nachwelt die Früchte seines Lebens. werkes bewahrt. So steht an seiner Bahre das ganze musikalische Berlin und mit besonderer Trauer das singende Volk. A. G. Ein Debut. Im Grotrian Steinweg Saal tanzte Irma Finte. Eine Anfängerin mit offensichtlich gutem Wollen, aber unzulänglichem Bollbringen. Glatte Technit, aber so wenige Ausdrudsformen, daß es schwer ist, die einzelnen Tänze auseinander. zuhalten. Monotones Wenden und Wiegen des Oberförpers, der Arme und Hände. Dazu eine fade Süßlichkeit, die selbst pathetische Schwünge mit Ballettpuder überzudert und fraftvoll angelegten Spannungen das Rückgrat bricht. Borsicht gebietet, nach diesem miß lungenen Debut tein abschließendes Urteil zu geben, sondern sich mit einem Fragezeichen zu begnügen und abzuwarten. J. S. näheren Orient". Er zeigte die Spuren stythischer Kultur auf, die am Rande der zentralasiatischen und der südosteuropäischen Steppengebiete heute erfennbar sind, und legte die Grenzlinien für diese Kulturbezirke dar, die bis weit nach Südchina sich herunterziehen. Hier hat zwar ein Einfluß der höheren chinesischen Kultur sich geltend gemacht, aber die Funde an Waffen, Gebrauchs- und Schmuckgegenständen lassen deutlich den skythischen Ursprung erfennen, Ungefähr dieselbe Bölkerstraße, die die Nomadenstämme zwischen dem 6. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. benutzten. diente aber schon 5000 Jahre vorher den Menschen der jüngeren Steinzeit. Prof. Andersson bewies das an Hand von Keramikfunden, die in allen Teilen dieser Straße, zuweilen in sehr reichem Umfange, gemacht wurden. Eine ganze Reihe dieser Steinzeitferamiten sah man im Lichtbild. Doch Andersson ging noch weiter und öffnete eine Berspettive, die auf mehr als zehn Jahrtausende zurückreichte. Auf Grund der prähistorischen Tierfunde, die von Südwesteuropa bis Südostasien gemacht worden sind, und die alle von Steppentieren stammen, schloß er, daß schon damals dieser verbindende Steppengürtel bestanden haben muß, der sich allerdings viel weiter als heute erstreckte. Wir können also in diesem Gebiet die Entwicklung der Erdoberfläche und ihrer Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt bis in jene grauen Zeiten zurückverfolgen. lz. Der Ban- Gogh- Fälscher gefunden? In Berliner Kunstkreisen verlautet schon seit einiger Zeit, daß man den Fälscher der Bilder van Goghs gefunden habe. Es soll ein Maler C. E. Schuffeneder sein, der seit den 80er Jahren im Pariser Kunstleben eine gewiffe Rolle spielt. Es heißt, daß Bilder dieses Künstlers vor dem Kriege vertrieben worden sind, und daß sie schon damals aufgekauft wurden, um als van Goghs in den Handel gebracht zu werden. Frih Kreisler und die englischen Bergarbeiter. Friz Kreisler, der in der Londoner Albert Hall eines der erfolgreichsten Konzerte der letzten Jahre gab, hat den größten Teil des Ertrages dieses Konzertes an den Fonds für die notleidenden Bergarbeiter überwiesen. Der„ Bolfschor Harmonie, Charlottenburg"( Kinder, Jugend-, Frauen, Männer- und Gemischter Chor), Mitglied des Deutschen Arbeiter Sänger bundes, veranstaltet am 10. februar, 19%, Uhr, im Stonzertsaal der Hochschule für Mujit, Hardenbergstraße, ein Stonzert, in welchem Chöre moderner. Komponisten zum Vortrag gelangen. Amiliche Museumsführungen. Sonntag, den 10., 10 Uhr, sprechen im Neuen Museum Dr. Bescher über 2ucas ban Leyden als Graphite.r", im Kaiser Friedrich Mufeum Dr. Möhle über Rembrandt und im Museum für Völterfunde II Dr. Goering über Mitteleuropa in der jüngeren Stein Freitag. Beit". Seilnehmerfarten 0,50 M. vor Beginn am Eingang. ben 15., 11 Uhr, spricht im Raiser Friedrich Museum Brof. Schottmüller über„ Die italienische Renaissance. Duerschnitte." Teilnehmerfarten 1 M. am Eingang. Der Mensch und fein Wohnen. Ueber dieses Thema hält Dr. Fris Schiff auf Einladung der Bolsbühne E. V. zivet Lichtbildervorträge. Der erste findet am 9., der zweite am 16. Februar, 20 Uhr, im Söriaal des Kunstgewerberufeums, Brinz- Albrecht- Straße 7 a. statt. Ginlagtasten jedem der Vorträge 70 Pf. Die Galerie 3. Casper, Lüzowufer 5, eröffnet die Ausstellung der neuen Bilder des jungen Felig Nußbaum- Berlin, am 9. Februar, 16 hr. Wärmehallen. Ein Bild aus der Berliner Frostperiode. Im Schatten des Polizeipräsidiums, in einem Stadtbahnbogen in der Dirdienstraße, in einem Gewirr der Untergrundbahn und Stadtbahnneubauten liegt die große Wärmehalle des Bezirks Mitte, aber die Frierenden finden den Weg. Der stark ge: heizte Ofen ist wie eine gute Mutter, die ihre Kinder lockt. Und bann tröstet auch das gemeinsame Elend über das letzte Schamgefühl, man ist eben dort zu Hause. Der außerhalb dieser Sphären Stehende fieht nur das Aeußere. Das ist freilich nur ein Bild in Schwarz und Grau, die not hat keine anderen Farben auf der Balette. Kurz und treffend gesagt, ist diese Wärmehalle nichts anderes, als ein ge: heizter Stall. Im vorigen Jahr prahlte noch der Anstrich freundlich, in dem düsteren Raum, im vorigen Jahr waren es auch noch zwei große ummauerte Brückenbogen, die als Wärmehalle dienten. In diesem Winter nur ein einziger Raum wegen des Umbaus der Stadtbahn. Drei wären gewiß notwendig, um die Massen zu fassen. Das drängt sich in den engen Gängen aneinander, die ganz Schlauen tommen frühmorgens schon um 6½ Uhr, damit sie einen Plaz auf den Bänken finden, wo sie den langen geschlage wen Tag über hocken. In stummer Resignation, einer an den anderen gelehnt, ohne Tisch, ohne jebe Bewegung. Das jüngere unruhige Bolt, Burschen von 16 bis 20 Jahren, schiebt sich in den Gängen um den Ofen herum, eine ewig sich drehende Achse. Durch bas Fenster eines hinteren Raumes wird warmer Kaffee verab= reicht; zwei Schrippen und eine Porzellanschüssel voll Kaffee, 50 Pro3. Bohnen und 50 Proz. Gerste mit Milch, es fostet nur 10 Pf. Für die Schüssel muß man 10 Pf. Pfand hinterlegen; das ist bitter, aber in Ordnung, denn sonst würden die Schüssein fortwandern. BezeichnenDer jedoch, als alle Schilderung vermag, ist das ruhige, fast laut Lose Benehmen der Gäste; es wird hier nur geflüstert. Die meisten sind„ Specjäger", wie die Bettler genannt werden, die fich das Wenige für den armseligen Unterhalt an den Türen zusammenfechten. Doch finden sich auch Gutgekleidete darunter, denen man ihre unverschuldete Not vom Gesicht ablieft. Ein jeder, der noch etwas zu verkaufen hat, sei es ein Hemd, ein paar geschenkte Schuhe oder sonst etwas, verhandelt es hier an den, der noch zahlen fann. Die bare Münze, besteht sie auch meist nur aus bronzenem Kleingeld, geht für Kaffee und Schrippen auf, für die letzte Zigarette and obendrein auch für Lurusbedürfnisse. Ja, so absurd es tlingen mag, die Armut hat ihren Lupus, sie braucht ihn so notwendig mie das Bürgertum, menn auch aus anderen Motiven. Ein Schild an einer Tür meist auf den Abort". Hier halten sich Menschen den ganzen Tag auf, in diesem Inferno alles Uebeln, das selbst Dante in feiner Göttlichen Komödie" zu schildern vergessen hat. Neben den offenen und immer besetzten Latrinen steht der Barbier, der seine Gäste auf schön" herrichtet. Im Stehen werden sie rasiert und im Stehen werden ihnen die Haare geschnitten. An der Tür steht der Toilettemann mit Bürsten und Buzlappen und michst den Kunden gegen ein Trinkgeld die Schuhe auf Hochglanz. Diese äußeren Schönheitsreparaturen sind notwendig, wenn man mit Erfolg an den Türen vorsprechen will. Auf einem Schemel in diesem Raum sitzt ein Gast und wechselt die Strümpfe, die bei ihm aus einem in Streifen gerissenen Hemd bestehen. " Diese Wärmehalle ist fein Schmuckstück Berlins, teine Sehenswürdigkeit, den Fremden auf ihren Rundfahrten zu zeigen. Früher murde sie häufig von der Polizei heimgesucht, die die Insassen zum Alleg zur Untersuchung hinüber holten. Seit sich das Bezirksamt mit Recht den störenden Besuch verbeten hat, lieben die Gäste diese Stätte um so mehr. Bis drei Uhr ist sie geöffnet, dann wandert der Edywarm hinauf in die Fröbelstraße zum Obdachlosenasyl, das der Kälte wegen seine Tore schon früher öffnet. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, d. 6. 2. Mittwoch, d. 6.2. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 34 20 Uhr Fortunios Lied Die fünf Wonsche Staats- Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 32 20 Uhr Städt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 19 Uhr Troubadour Staatl. Schausph. am Gendarmenmarkt A.-V. 32 20 Uhr Nathan Fidelio der Weise Staatl. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Hinterhauslegende. SCALA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 4 Bronetts Con Colleano und weitere Varieté Attraktionen. Theater des Westens Täglich 8 Uhr Der sensationelle Erfolg! Käthe Dorsch in Friederike Mufit von Franz Lehar Rammers. Karl Jöken Staatsoper Berlin) Borverkauf ununterbrochen. Raffe ben ganzen Tag geöffnet. Teleph. Steinplag 931. 7108. Volksbühne HALLER- REVUE Theater am Bülowplatz 8 Uhr Das Mädl aus der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Thalia- Theater 8 Uhr Oelrausch Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Hinterbauslegende. Staatsoper am Platz der Republik 8 Uhr. Fidelio ., Schön und schick" Th. im Admiralspalast Täglich 8 Uhr Barnowsky- Bohnen Theater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr Revolte im Erziehungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8 Uhr Das Geld auf der Straße Abenteuer v. Bernauer u. Oesterreicher Kleines Theater Täglich 84 Uhr: Freundlicher und ein anderes Milieu betonend, sind die Wärme stuben" der einzelnen Bezirksämter. Hier haben mur Renten empfänger mit einem vom Wohlfahrtsamt ausgestellten Ausmeis Zutritt. Auf bequemen Bänken und an Tischen sitzen die Alten und verbringen ihre Nachmittage. Was braucht auch das Alter mehr als eine warme Stube und etwas Gejelligkeit. Die Stadt hat Radio in die Räume verlegt und will auch sonst den alten Leuten allerlei Freundlichkeit erweisen. Zeitungen liegen aus und Kaffee und Schrippen werden gratis verteilt. Jener Alte dort, der mit seiner Freundin vergnüglich plauscht, ist vor der Inflation mehrfacher Hausbefizer gewesen, der andere dort mit dem wallenden Apostelbart ist ein beliebtes Malermodell. Eine Statgesellschaft hat sich zusammengefunden und zwei Arbeiter spielen mit Inbrunst Schach. Manchmal kommt ein Verein oder ein Künstler, der den Alten etwas vormusiziert. Das Alter ist genügsam, es ist philosophischer und fritischer den Dingen gegenüber, die wir als wichtig bezeichnen. Und doch liegt draußen in dem bunten flammenden Licht der Stadt während der schneedämmernden Nacht die furchtbare Drohung: Weh' dem, der teine Heimat hat! Die Eisbahn am Wannseefreibad. Zu den Meldungen, wonach es am vergangenen Sonntag auf Gebühr von 30 Bf. pro Person zu argen Differenzen, fogar dem Gelände des Wannseefreibades wegen Erhebung einer Tätlichkeiten zwischen Publikum und den Geländeaufsehern gekommen fein soll, wird uns von der Verwaltung des Freibades folgendes mitgeteilt: Der Bächter des Freibades wollte bereits vor zwei Jahren außer der am Strande befindlichen Kunsteisbahn auf dem Wasser selbst eine Natureisbahn anlegen. Dies wurde ihm jedoch vom preußischen Wasserbauamt nicht gestattet; dagegen wurde ihm ein Bertrag auf Bachtung des ganzen Seegeländes vorgelegt und das Wasserbauamt Potsdam bringt auf Einhaltung dieses Vertrages; die Bachthumme beträgt 100 m., außerdem 30 M. für jeden Gistag und 75 M. für jeden Sonntag. Die Bemühungen der Badeverwaltung, im Hinblick auf das gesteigerte wintersportliche Interesse, auch auf ihrem Gelände einen großzügigen Wintersportbetrieb in die Wege zu leiten, scheiter ben an den Schwierigkeiten, die die umliegenden Seglervereine dem Unternehmen bereiteten. Auch die Arbeit der Schneepfüge, die stunden, oft tagelang dauert, verursacht größere Kosten. Laut Polizeiverordnung ist die Anforderung eines Eintrittsgeldes für eine Eisbahn berechtigt und die 30 Pf., die den Besuchern abgefordert werden, berechtigen nicht nur zum Betreten der Eisfläche, sondern auch der am Strande befindlichen Kunsteisbahn und der Rodelbahn. Auch die Badeverwaltung wäre mit der Schaffung einer Natureisbahn auf der Wasserfläche sehr einverstanden, doch scheitert dies eben an der behördlichen Genehmigung. Wettfochen von Stahlhelm und KPD. Die Gulaschkanonen von Hennigsdorf. hat ber Bontott ber Stalheimtlichen burch ble RD. bazu geführt, daß eine der beiden Feldtüchen den Betrieb einstellte und abtrans portiert wurde. Um jedoch die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen, wird die JAH. jezt mit fünf Küchen den Kampf aufnehmen. Die fommunistische Opposition" gibt zu, daß die Stahlhelmleute viel von ihr gelernt haben. Ein recht wertvolles Eingeständnis. lichen Not entspringt, zeigt unter anderem schlaglichtartig die TatIhre Anpassung an die Unzufriedenheit, die nur der wirtschaft. sache, daß der Stahlhelm beschloffen hatte, die streifenden und ausgesperrten Stahl- und Walzwerksarbeiter durch Speifung aus Feldfüchen zu unterſtüken. Das ist eine sehr, sehr ernste Angelegenheit!" Allerdings! Zwar hat weder die KPD. noch die JAH. die Küchen idee entdeckt, allein beide haben diese Idee bei uns importiert. Und nun fommt der Stahlhelm und macht es ihnen nach, macht ihnen Konkurrenz. Unerhört! In den Streit der feindlichen Köche mischen wir uns nicht ein. Der freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter hat von Feldküchen und Gulaschkanonen mehr als genug. In seinen wirtschaftlichen Kämpfen hat er den nötigen Rückhalt von seiner Organisation und gebraucht derartige Küchen nicht, die von hüben wie drüben als Fallen für den Dummenfang errichtet und unterhalten werden. Kreisvertretertag Reinickendorf. Der 20. Kreis hielt seinen Kreisvertretertag im Schützenhaus in Reinickendorf- Ost ab. Der Vorsitzende Genosse Lorenzen erMitgliederbestand einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die stattete den Jahresbericht. Danach hat der Kreis in seinem Mitgliederzahl betrug am Anfang des Jahres 1928 1609 und am Ende des Geschäftsjahres 2146, mithin eine Zunahme von 33 Proz Auch brachte der 20. Mai 1928 eine Erhöhung der für die Partei abgegebenen Stimmen von 16 613 vom 4. Mai 1924 auf 24 722 Stimmen. Für die Frauen gab Genoffin Anna Kiesel den Bericht. Auch hier macht sich eine Zunahme von 33% Proz. bemerkbar. Sie wies auf weiteren Ausbau der Frauenabende hin, da unser Ziel nur durch intensivste Mitarbeit der Frauen erreicht werden fann. Genosse Wollschläger gab den Bericht der Bezirksverordnetenfraktion. Infolge der von 92 000 auf 130 000 gestiegenen Einwohnerzahl haben sich zahlreiche Erweiterungen als notwendig. erwiesen. In unserem Bezirk wird ebenfalls entgegen dem Vorschlag der KPD. die Besetzung der Aemter nach der Stärke der Parteien vorgenommen. Zum Kreisvorsitzenden wurde Genosse Lorenzen einstimmig wiedergewählt, 2. Borsigender ist Genosse Tirpis. Nach Annahme einiger Aenderungen zum Statutenentwurf wurden noch Anträge zum Wehrprogramm und Gaskrieg ange= nommen. Berantwortl, für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin E 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Treman Dienst an der Arbeit: Die schwerste Beschmutzung der Hände durch Teer, Oel, Schmieröl, Fette, Farbe, Tinte, Farbband und dergl. ist spielend leicht durch eine Treman- Waschung zu beseitigen Treman reinigt, desinfiziert u. pflegt die Hant. In Seifenund Drogengeschäften erhältlich, sonst bei Die Gubelföche, die die Arbeiterschaft durch ihre fulinarischen Produkte für sich einfangen wollen, die revolutionäre Opposition" der Kapedisten auf der rechten" und die Stahlhelmbrüder auf der ,, linten" Seite, sind in heftigen Ronkurrenzstreit geraten. Bei dem Streif im Stahl- und Walzwerf Hennigsdorf haben die Stahlhelmer zwei Feldküchen eingerichtet. Nach dem Bericht der„ Roten Fahne" Lichtenberg& Co., Berlin, Möckernstraße 111 Metropol- Theater Gr.Schauspielhaus Winter 8 Uhr 8 Uhr Luftige Witwe Casanova mit mit FRITZI MASSARY ALFRED JERGER Max Hansen Walt, Jankuhn, Uschi Ellest, H. Junkermann, W. Schaeffers, Marquita Sisters, Frisco, Beauty Girls, Jackson Boys Anni Frind, Erny Jolan, Anny Ahlers, Lieske, Serds, Li Jana, Winkelstern, Kupfer, Arno, Bendow, Morgan, Blankenhorn, Picha Zwei Charell- Inszenierungen Gesamtausstattung Prof. Ernst Stern. In beiden Theatern Sonntag 3 Uhr Nachm.- Vorstellung zu kleinen Preisen Dtsch. Künstler- Th. 814 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Neu auf Elektrola Trianon- Th. Täglich 84 Uhr Das Haus der Laster ( Yoshiwara) Theater am Lady Winder- Thalia- Theater Nollendorfplatz meres Fächer von Oskar Wilde Hechy, Dresdener Str. 72-7. 8 Uhr Täglich 8 Uhr Freitag z. 50. Male: Th. am Schiffbauerdam Sandro Hard Oelrausch" lettchen Gebert Täglich 8 Uhr Die Drei- GroschenOper Paulsen, Valetti, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. Deutsches Theater Norden 12310 Klinder, Mamelock a. Möller Lustspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922/23 Täglich 84 Uhi GuidoThielscher in Weekend 8 Uhr. Ende 10% U. im Paradies Die Verbrecher Berliner Theater Schauspiel von FerdinandBruckner Regie: Heinz Hilpert Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 A. 7. Donhoff 170 Täglich Kammerspiele Norden 12310 8 Uhr 8 Uhr 8, Ende nach 10% U.3 X Hochzeit Soeben erschienen"( Abie's Irish Rose) Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. Lessing- Theater 8 Uhr Die Komödie Katharina Knie. Bismarck 2414/7516 814 Uhr. Ende 10% Olympia" von Franz Molnar Régie: Forster Larinaga. R ose- Theater Z entralTheater Alte Jakobstr. Ecke Uranienstr. Täglich 8 Uhr Sonntag auch 4 Uhr Heute Zum 50. Male Ich küsse Ihre Hand, Madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gleichnam.Schlager Rundfunkhörer halbe Preise Singspiel von Walter Kollo Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß Noll. 1578 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Mars und seine Rätsel Uhr Werden u. Vergehen d. Sterne PUBLICA DE Renaissance- Theater Tel. Steinplatz 901 u. 2583/84, Täglich 81% Uhr Das große ABC" Regie: Gust. Hartung. PLAZA GUATE Am Kustriner Plats. Das Varieté im Ostbahnhof Alex. 8067/68 Tigl. 5 und 815 INTERNATIONALES VARIETE Karten 7 Tags Im Voraus " Guatemala Kaffee Garten 8 Uhr 4> Rauchen erlaubt 8 in Berlin noch nicht gezeigte Theater a. Kottbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäß. Preise Elite- Sänger Faschings- Programm! Emil Siein, der beliebte Komiker und Tanzhumorist als Gast Varieté- Neuheiten Hermann Borgmann und weitere Sensationen. Komische Oper( 84) Die große Revue Paradies der süssen Frauen! 100 Mitwirkende. 8% Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Neu! Lothringer Straße 37. Neu! Kilometerliebchen Dazu ein erstklassiger bunter Tell. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Baumschulenweg Baumschulenstr. 89 Ecke Kiefholzstraße 184 Tel.: Oberspree( F 3) 1527 Bitte auf die Edie zu achten! Berliner Bürgerbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal. 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Februar 1919 wurde in Weimar die verfassunggebende| wältigender Mehrheit sich für eine republikanische Staatsform entNationalversammlung eröffnet. Zehn Jahre hat uns der Strom der Weltgeschichte inzwischen weitergetragen. Was damals den in der Schmiede Mitarbeitenden aftuelle politische Tagesarbeit war, steht heute als geschichtlich erprobtes Werk da. Es hat den Stürmen und Stößen der Nachfriegszeit Troß geboten. Als wir damals in Weimar an die Arbeit gingen, da schien es uns oftmals, als feien alle Versuche, das deutsche Bolt aus der furchte baren Not herauszubringen, in die Krieg und Niederlage es gestürzt hatten, zum Scheitern verurteilt. Zwar war nach der Niederwerfung der Anhänger einer terroristischen Rätediftatur in Berlin in der ersten Hälfte des Januar 1919 die Wahl zur Nationalversammlung ungestört vonstatten, gegangen. Aber diejenigen, die erflärt hatten, baß nur über ihre Leiche der Weg zu einer Nationalversammlung gehen solle, gaben die Hoffnung nicht auf, der Mehrheit des Boltes ihren Willen doch noch mit Gewalt aufzwingen zu können. Die Weimarer Zeit war durchzogen von einer Kette. revolutionärer Streits und Aufstände. Warum man in Weimar tagte. Man hätte es auch noch nicht magen fönnen, die Nationalversammlung in der Hauptstadt des Reiches tagen zu lassen. Berlin wäre natürlich für Regierung und Abgeordnete ein in vieler Hinficht besserer Tagungsort gemejen als Weimar. Aber die Kommunisten rüsteten dort nach ihrer Niederlage im Januar unablässig wieder auf. Hinter ihnen stand Rußland mit seinen Weisungen und Hilfsmitteln. Nach russischem Borbild wollte man die ,, Revolution weitertreiben“. Auch die deutsche Kerensti- Regierung" sollte bei erster günstiger Gelegenheit durch eine rein proletarische Diftatur weggefegt werden. Die Nationalversammlung hätte in Berlin nur unter startem militärischen Schuß tagen fönnen; sie zu blpdieren und zu sprengen wäre das nächste Ziel der Terroristen gewesen. Unter diesen Umständen wäre an ein ruhiges fachliches Arbeiten nicht zu denken gewesen. Auch in dem sonst so schönen und ruhigen Weimar sah es anfangs nicht gerade friedlich aus. Die erfte fleine Truppe frei williger Landesjäger vom Maerterschen Korps, die Noste nach Weimar schickte, um die nötigsten Sicherungen zu treffen, wurde von dem dortigen start nach der extremen Linten neigenden Arbeiter- und Soldatenrat entwaffnet. Die linksradikale Arbeiterschaft drohte mit Streit, falls von außen militärische Kräfte nach Weimar verlegt würden. Es bedurfte erst eines jehr energischen Auftretens Nosfes, um zu einer Verständigung zu tommen. Noch in die erste fon ftituerende Sitzung unserer Frattion spielte dieser Streit hinein. Es erschien da plötzlich ein Trupp Bewaffneter, um angeblich im Auftrag des Weimarer Arbeiter und Soldatenrates unsere Berhandlungen zu überwachen. Genosse Baudert mußte seinen ganzen Einfluß aufbieten, um sie zu veranlassen, das Lobal wieder zu verlassen. Doch glichen sich die Gegenfäße in Weimar bald aus. Die Sicherheitsposten wurden gemäß Bereinbarung mit einem Maerferschen Landjäger und einem Mann von der Weimarer Sicherheitswehr besetzt. Friedlich standen sie vor dem Schloß und dem National theater nebeneinander und erfüllten getreulich ihre Pflicht. Die Konftituante tritt zusammen. So konnten denn die nach Weimar gesandten Vertreter des deutschen Volkes an die Arbeit gehen. Einige Tage vor der offiziellen Eröffnung der Bersammlung waren die Bolksbeauftragten sowie die führenden Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei und Fraktion dorthin gefahren, um die nötigen organisatorischen Borkehrungen zu treffen. Bald verwandelte sich die kleine Etadt in eine hochpolitische Zentrale. Die Boltsbeauftragten mit den Filialen der verschiedenen Reichsbehörden bezogen das Schloß, Abgeordnete und Länder. vertreter und ein Schwarm in- und ausländischer Journalisten richteten sich in Hotels und Privatquartieren so gut als es ging ein. Ein Strom von Besuchern aus Nah und Fern, die das große Neue mit eigenen Augen gesehen haben wollten, vermehrte das Gemoge in der Stadt der deutschen Dichterheroen, die so plöglich in den Blickpuntt des weltpolitischen Intereffes gerüdt mar. Aber eines fehlte dem lebhaften Getriebe, das sich um den Zu fammentritt der zweiten deutschen Nationalpersammlung entwidelte: der festliche Glanz, die jubelnde Begleitmufit, wie fie die Eröffnung der ersten deutschen Nationalversammlung im Jahre 1848 umrauscht hatte. Als damals die Sendboten des deutschen Boltes in Frankfurt am Main zusammenkamen, da prangte die Stadt im Festschmuck, schwarzrotgoldene Fahnen wehten von allen Häusern und Türmen. Unter Glockengeläute und Kanonenschüssen, umbrauft von den begeisterten Zurufen der Bevölkerung zogen die Abgeordneten in die Paulskirche ein. Es war ein Tag der Freude und des Jubels. Von all dem war in Weimar nichts zu sehen oder zu hören, als die Erwählten des Volkes fich zum erstenmal im Nationaltheater zu Weimar versammelten. Ohne jebe äußere feftliche Aufmachung begaben sich die Mitglieder des ersten Barlaments der deutschen Republik zu ihrer Arbeitsstätte. Wie hätte das auch anders sein können, wie hätte sich Festprunt und lauter Jubel entfalten können angesichts des ungeheuren Maßes von Jammer und Not, das die vier Opferjahre des Weltkrieges Deutschland gebrachy hatten! Kriegsniederlage und wirtschaftlicher Zusammenbruch lasteten auf allen Gemütern, und die finsteren Wolken, die von Versailles aus über das deutsche Land zogen, ließen feinen Sonnenschein in den Herzen der deutschen Politifer auf tommen. In tiefem Ernst, ohne repräsentatives Gepräge fand in dem nur mit Blattpflanzen und Blumen geschmückten Bühnen- und Zuschauerraum des Nationaltheaters die Eröffnung der Weimarer Nationalversammlung statt. Friedrich Ebert begrüßt die Republit. Und doch mit welcher Gehobenheit, mit welcher Genugtuung fahen dann furz nach drei Uhr die sozialdemokratischen Teilnehmer an der Eröffnungssigung ihren unvergeßlichen Führer Friedrich Ebert sich erheben, um das erste deutsche republikanische Parlament zu begrüßen. Denn daß dieses aus völlig gleichem Wahlrecht aller deutscher Männer und Frauen hervorgegangene Parlament mit über scheiden würden, das stand von vornherein außer Zweifel. Das Bolt hatte gesprochen! Und der Wille des Volkes war fortan das oberste Gesetz. Klar und fest flangen die Worte Eberts in die Versammlung hinein und darüber in die Welt hinaus: Die provisorische Regierung verdankt ihr Mandat der Revolution; sie wird es in die Hände der Nationalversamm lung zurücklegen. In der Revolution erhob sich das deutsche Volk gegen eine veraltete, zusammenbrechende Gewaltherrschaft. Sobald das Selbst bestimmungsrecht des deutschen Volkes gesichert ist, fehrt es zurück auf den Weg der Gesetzmäßigkeit. Rur auf der breiten Heerstraße der parlamentarijchen Beratung und Beschlußfaffung lassen sich die unaufschiebbaren Veränderungen auch auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete vorwärtsbringen, ohne das Reich und sein Wirtschaftsleben zugrunde zu richten. Deshalb begrüßt die Reichsregierung in dieser Nationalversamm lung den höchsten und einzigen Souverän in Deutschland. Mit den alten Königen und Fürsten von Gottes Gnaden ist es für immer vorbei. Das deutsche Bolt ist frei und regiert in aller Zukunft sich selbst." Nachdem der stürmische Beifall, mit dem die Rede Eberts auf genommen wurde, verrauscht war, bestieg Wilhelm Pfannkuch als Alterspräsident das Podium, um die Konstituierung des freien deutschen Volksstaats ,, des Ideals, mit dem ich seit meiner frühesten Jugend mit aller Kraft und Hingabe gedient habe" frühesten Jugend mit aller Kraft und Hingabe gedient habe" in die Wege zu leiten. Am Tage darauf übernahm ich als erster Präsident die Leitung der Geschäfte. In der Ansprache, mit der ich mein Amt als Vorsitzender übernahm, hob ich vor allem die Notwendigkeit rascher prattischer Arbeit hervor mit der Mahnung: ,, Und seien mir auch dessen mohl bemußt: nicht Worte nur ermartet unser in Not und Qual seufzendes Bolt, sondern Taten. Nur durch rasches, schöpferisches Wert fönnen wir das Bertrauen rechtfertigen, das man auf uns jetzt." Die Weimarer Nationalversammlung hat dieses Vertrauen nicht enttäuscht. Sie hat gearbeitet mie tein Barlament zuvor. Man hat in Weimar wahrhaftig nicht, wie strupellose Berleumder behauptet haben, seine Zeit mit Schlemmen und Schlimmerem totgeschlagen. Ein unerhörtes Maß von Arbeit wurde im Eiltempo und oft unter Hintansehung der notwendigsten Rüdsichtnahme auf Gesundheit und Ruhebedürfnis geleistet. Das Wert von Weimar. Der Schöpfer des Verfassungswerts Hugo Preuß hat später einem Bertreter der Züricher Post" gegenüber über die Leistungen der Weimarer Werfleute gesagt: In feinem Zeitpunkt des früheren deutschen Reiches ist so Grundlegendes mit solcher Schnelligteit geleistet worden.... Die anscheinend schwungloje Art von Regierung und Nationalversammlung bedeutet doch eine große entsagende Selbstbeherrschung, welche arbeitet statt Phrasen zu machen. Die Frankfurter Nationalversammlung ist ein warnendes Beispiel für die Gefahren des höheren Schwungs in schönen Reden, während die Welt nach Taten schreit. Und hier sind Zaten vollbracht." Bon diesem Geist zur raschen Tat beseelt, gelang es denn auch der Mehrheit des Weimarer Parlaments, das Gesez über die vorläufige Reichsgewalt trotz heftiger Widersprüche und zahlreichen Abänderungsanträgen der Opposition im Laufe des dritten und vierten Sigungstages zu erledigen. Das Provisorium der Volksbeauftragten war beendet. In der fünften Sigung fand die Wahl Eberts zum Reichspräsidenten statt; in der sechsten Sigung am 13. Februar stellte Scheidemann als Ministerpräsident das erste republikanische Reichsministerium vor. Damit war binnen wenigen Tagen eine auf das Vertrauen der großen Mehrheit des deutschen Boltes gegründete Zentralgewalt gee schaffen, die das Steuer des Reichsschiffs durch das sturmdurchtoste Fahrmasser der nächsten Zeit zu führen vermodyte. Der Rettungsapparat in Weimar mar fertiggestellt und arbeitete mit Bolldampf an der Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der leberwindung der schlimmsten wirtschaftlichen Nöte, jomie an der Bemältigung der beiden Hauptaufgaben: Der Erringung des Friedens und der Aufrichtung des staatsrechtlichen Neubaus für das politische Leben unseres Volkes. So hat sich das deutsche Bolk ohne Fürsten ,, von Gottes Gnaden" und ohne Diftatoren von Gnaden faschistischer oder bolschemistischer Minderheiten mit den Mitteln demokratischer Selbstbestimmung aus höchster Not und Gefahr gerettet. Daß es dies vermochte, verdankt es in erster Linie der politischen Erziehungsarbeit durch die Sozialdemokratie. Dessen dürfen wir uns in den Tagen des Gedenkens an den Zusammentritt der Weimarer NationalEduard David. versammlung mit Stolz bewußt sein. Briefe sprechen Im Verlag von Ernst Rowohlt ist herausgegeben von Martin Beradt und Lotte Bloch- Zavrei eine Sammlung von Briefen an Auguste Hauschner erschienen. Auguste Hauschner spielte vor dem Kriege in Künstler- und Literatenfreisen Berlins eine gewiffe Rolle. Selbst eine leidenschaftliche, wenn auch nicht den Durchschnitt überragende Schriftstellerin, brachte sie der werdenden Runft ihrer Zeit das lebendigste Interesse entgegen und hatte einen regen Verkehr mit Künstlern. Unter den Briefschreibern, die der Band vereinigt, findet man Friz Mauthner, Sudermann, Grisebad), J. B. Widmann, John Henry Madan, M. Harden, Mar Brod, Clara Biebig, Max Liebermann, Walther Leistikom, Starbina und Stumpf, um aus der bunten Menge mur einige zu nennen, die einen Begriff von der Mannigfaltigkeit ihrer Interessen und ihres Berkehrs geben. Neben Mauthner gehörten Gustav Landauer und seine Frau, die Uebersetzerin H. Lachmann, zu ihrem engeren Freundesfreis. Hier könnte man fast von einer Schicksalsgemeinschaft fprechen. Ohne die großzügige und langjährige Unterstützung Auguste Hauschners wäre es Landauer vielleicht nicht möglich gemesen, in die vordere Reihe der Literaten zu rücken. Diese positive Anteilnahme ist um so bewundernswerter, als Landauer in seinen jungen Jahren eine stark individualistische Persönlichkeit war, die, wo es um vermeintliche Wahrheiten und Offenheit der Kritif ging, auf die Empfindlichkeit und die Ansichten des anderen nicht die geringste Rücksicht nahm, ohne deswegen von seinem Anspruch auf die geistige und materielle Unterstützung des anderen etwas auf zugeben. Das führte im Jahre 1911 zu einer heftigen Auseinander: fegung und einem halben Bruch, der einiger Zeit bedurfte, um überwunden zu werden. Der So gewinnt man aus diesem Teil der Briefschaften den Eindrud eines angeregten und ausgefüllten Lebens, reich an geistigen Interessen, aber so gut wie unberührt von der Politit. riegsausbrudh 1914 bedeutet einen jähen Einschnitt. Das rein geistige Interesse wird zurückgedrängt. Im Vordergrund stehen die friegerischen und politischen Ereignisse, um von da an nie wieder ganz zu verklingen. Benn auch das eigentliche Fronterleben und das legte Grauen einer von Not und Hunger gepeitschten Zivilbevölkerung fehlt, das große Stöhnen und die Erschütterung des Krieges geht auch durch diesen Teil der Brieffchaften. Da ist vor allem ein Brief von Romain Rolland, dem französischen Dichter, damals beim Roten Kreuz in Genf tätig, der seiner reinen Menschlichkeit und seiner Klugheit wegen festgehalten zu werden verdient. Er lautet: Genève- Champel, Beauséjour, Sonnabend, 22. Mai 1915. Vielen Dank für Ihren Brief, gnädige Frau, und für Ihre vornehmen Zeugnisse von Menschlichkeit. Ich weiß, daß die wahr haft und in ihrer Tiefe humanen Seelen in Deutschland zahlreich find. Das ist es, weshalb ich das tragische Geschid bedauere, bas fie einer Politit an die Seite zwingt, die feine ist. Ich glaube gern, daß man eine europäische Gemeinschaft nirgends glühender wünscht als in Deutschland. Das Unglück ist nur, daß zu viel Leute sich berufen dünfen, sie entsprechend ihrer eigenen Geistesverfassung zu verwirklichen, und daß es gefährlich ist, eine Politik des Idealismus zu errichten, die für sich das Recht in Anspruch nimmt, einen höheren Auftrag zu haben. Alle unsere Völker Europas find Opfer dieses in widernatürlicher Vermähking gezeugten Wirrmarrs von Idealismus und Realpolitik; und Ihre mehr als die der andern: weil hier die beiden Elemente stärker betont sind und die Bereinigung fich heftiger äußert. Möge dieser Krieg das eine vom andern lösen, indem er dem in die Gefolgschaft der Armeen eingezwängten Idealismus seine Freiheit und feine Wahrhaftigkeit wiedergibt! Und, gnädige Frau, bemühen mir uns inmitten dieser angeheuren Krise, die die Körper sich gegenseitig zerfleischen und den Geist töten heißt, wenigstens den göttlichen Funfen zu retten, das brüderliche Mitleid! Ich bitte Sie, von meiner respektvollen Sympathie überzeugt zu sein. Romain Rolland. So etwas wie Kriegserleben flingt aus einem Brief Gustav Landauers vom 7. September 1916. Es heißt da: -,, Gestern ist meine Frau zurückgekommen. Wir sind beide sehr glücklich, wieder beisammen zu sein; in dieser Zeit sind Trennungen schwerer als sonst: und in Karlsruhe hat sie auch richtig einen Fliegeralarm mitgemacht. Diese armen Menschen merden jetzt was das richtige ist jedesmal alarmiert, sowie ein französischer Flieger die Grenze überfliegt; und dann begibt fich ganz Karlsruhe in den Keller der jetzt mit elektrischem Licht und Siggelegenheit ufw. versehen ist; die Elektrischen bleiben auf der Straße stehen, bis dann ein langer Ruf der Sirene, die bis dahin unermüdlich in furzen Stößen geheult har, mitteilt, daß für diesmal keine Gefahr ist, z. B. meil die Flieger nicht nach Karlsruhe, sondern nach Mezz geflogen sind Der Krieg rauscht vorüber. Friedenssehnsucht, politische Not und die Lebensmittelfrage beherrschen immer mehr das Interesse. Gustav Landauer hat sich mit seiner Familie in eine kleine bayerische Landstadt zurückgezogen. Er versorgt 3. T. auf Ummegen wegen der Grenzrevision Auguste Hauschner mit Produkten der baye rischen Landwirtschaft. Zwischendurch Ausschreie, wie dieser von Hedwig Landauer pom 7. Dezember 1917: Was den Krieg angeht, so ist man in der größten Gespanntheit, was sich aus den Verhandlungen ergeben wird. Für die Gesamtlage wohl faum etwas Entscheidendes, und doch ist es schon unendlich viel und man sollte meinen, die Bewegung fönne nicht mehr zum Stillstand kommen. Ich mißtraue nur unseren Regierungsmännern so fehr. Sie werden ja doch wieder irgendwelche Unterjochungsklauseln durchdrücken mollen. Und dann wäre von vornherein alles verfehlt. Hätten wir doch nicht Amerika zum Feind, dann wäre jetzt Frieden. Hedwig Landauer stirbt. Zwischen Krieg und Frieden wird Landauer von Louise Dumont als Dramaturg an das Schauspielhaus in Düsseldorf berufen. In dem Brief, in dem er Frau Hauschner über die bevorstehende Ueberfiedlung unterrichtet, schreibt er: ,, Und überdies: Die allgemeinen Zustände und jahrelangen Wüstheiten, die uns bevorstehen! Was ich tun fann, um uns vor der bevorstehenden Gefahr des Bolschewismus zu retten, will ich tun. Aber ich sehe trüber in die Welt; das Geschick muß sich voll. enden; was mir menigen tun, wird, fürchte ich, zu spät oder zu früh sein... Das war am 4. November 1918. Kurz darauf Louise Du mont hatte inzwischen für ihn in Düsseldorf eine Wohnung ge mtetet taucht Gustav Landauer zur Ueberraschung seiner Freunde in Münschen auf. Die Münchener Rätetragödie beginnt, die Lanbauer und Eisner mit ihrem Leben bezahlen mußten. Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by RUtten&. Loening, Frankfurt a. M. (15. Fortsetzung.) Er besohl den Kellnern, einen Ecktisch zu decken, etwas obfeus von den anderen Tischen. Denn Leute, wie diese sechs, die von outzergewöhlckichen Umständen hergeführr wurden, machten zwar leine Geschichten wegen des Essens, Trinkens und der Preise, ober sie nahmen auch keine Nücksidjt auf die anderen Gäste, überließen sich hemmungslos ihren Impulsen. Sie tranken zu viel, sie aßen zu viel, vor allem aber machten sie viel Lärm, und das störte die Stommgäste eines derartigen Restaurants, für die dieser Abend jedem anderen Abend gleicht, für die dos Essen und Trinken das gleiche ist, wie an jedem anderen Tag. Die Sechs nahmen Platz. Charlie begann bereits, Herr der Lage zu werden, und machte einige drollige Bemerkungen, die die Freunde sonst in lautes Lachen hätten ausbrechen lassen. Aber sie waren noch nicht aufgetaucht: Charlies Worte erwärmten zwar ihr Inneres, zeigten ober auf ihren Zügen noch kein Ergebnis. Ferrari freute sich darüber, daß sie hergekommen waren. Als Italiener liebt« er malerischen Prunk. Er gab sich alle Mühe, wie ein Stammgast auszusehen, setzte sich, noch«he der Kellner ihm jinen Sessel anbot. Eddie Drucker, der brave Kerl, war noch etwas schüchtern: er fühlte, daß er nicht hergehöre, daß dieses Lokal kein Ort für ihn sei. Johnson hingegen war völlig gelassen: nichts vennochte ihn zu verwirren. Er setzte sich, nahm die Serviette und legte sie auf die Knie. Der elende kleine Blackbird wollte seine Ueberlegenheit be- weisen, indem er den Oberkellner bei seinem Dornamen nannte; doch mußte er sich dabei geirrt haben, denn der Oberkellner reagierte nicht. Vielleicht hieß er wirklich so, wie Blackbird ihn nannte, ober �r fühlte, daß der kleine Kerl in dem schäbigen Anzug und dem geflickten chemd belanglos war und daß die Bestellungen von Bill und Johnson ausgehen nmßten, die sich ganz natürlich benahmen. Sie saßen da, und der Oberkellner stellte für sie ein Menu zu- sammen. Zuerst wurde etwas Heißes, Angenehmes serviert, das ihre Nerven ein wenig entspannte. Jedoch nur ein wenig; sie genossen das Essen nicht recht. Es war ein Fehler gewesen, in dieses elegante Restaurant zu kommen. Hätten sie eines ihrer üblichen Lokale aufgesucht, einige Flaschen Schnaps mitgebracht, das gewohnt« Essen bestellt, so hätten sie sich gut unterhalten. Charlie würde Witze gerissen haben, über die sie. nicht von der Umgebung eingeschüchtert, herzlich hätten lachen können. Und auch die anderen hätten sich mit Witzen hervorgewagt. .Hätten sie dann etwas zuviel über den Durst getrunken, wo würden sie sich über die Tische gelegt und' geschlafen haben. Einige von ihnen hätten gesungen, getanzt, Iazzschritte versucht, die sie im Baudeville gesehen hatten. Sie hätten sich gut unterhalten. Hier konnten sie es nicht. An solche Lokale waren sie nicht gewöhnt. Hier war alles größer als sie selbst, das bedrückte sie. Gäste kamen, Männer in Frack und Smoking, Frauen in Abendtoiletten. Hätten die Sechs diese Leute derart gekleidet auf der Straße gesehen, sie würden über sie gelacht hoben. Als kleine Jungen hatten sie dies« Menschen mit Schneeballen beworfen. Aber hier, in dem vornehmen Restaurant, waren sie selbst ein Teil dieser Leute. Nein, nicht wirklich ein Teil, denn die anderen passen hierher und sie nicht. Das heißt, sie achten diese Menschen und gehören nicht zu ihnen. Sie können weder über einen Frack, nach ein ausgeschnittenes Abendkleid lochen, weil solche Leute zu den schneeweißen Tischtüchern, dem Silberbesteck und den Kristollvasen mit den Blumen gehören. Die sind hier zu Hause. Hatten die Sechs früher über sie gelacht, so doch nur deshalb, weil sie fühlten, daß sie und ihre Freundinnen in Abendkleidung lächerlich gewesen wären. Jetzt aber erkannten sie, daß es Lokale gibt, wohin man in Abendkleidung paßt. Restaurants wie dieses, in dem sie selbst sitzen. Deshalb lachten sie nicht über die Abendkleider; hätten sie es tun können, ihre Verlegenheit wäre geschwunden. Sie hätten die anderen mit Verachtung gestrast und wären zufrieden gewesen. Sie fühlten sich recht unbehaglich, waren sich ihrer schäbigen, unzufgebügelren Anzüge bewußt, ihrer Fingernägel, denen sie leine Pfleg« angedeihen ließen. Sie hätten gerne das Lokal verlassen, wagten es aber nicht. Aus irgendeinem Grund fürchteten sie sich vor dem Oberkellner, den Kellnern, den Gästen, besonders vor den Frauen mit den nackte» schimmernden Nacken und Schultern. So saßen sie da, rührten die Speisen kaum an, fühlten nur eines: wir gehören nicht hierher. Nicht etwa, daß alle Sechs das Gleiche empfanden. Blackbird mar viel zu dumm, um befangen zu sein, Ferrari fühlte sich ganz heimisch, und Johnson beachtete nichts und niemanben und aß ge» lassen welter. Alle sechs hatten dem Lokal gegenüber ander« Gefühle, aber als Menge empfanden sie Unbehagen. Und seit dem Fallieren der Firma existierten sie nur als Menge; als Individuen hätten sie nie und nimmer getan, was sie getan hatten und noch tun würden. Sie hätten nicht gesagt:„Guten Abend,. Herr Zuckor", hätten kein Auto genommen, hätten nicht in dem eleganten Restaurant diniert, hätten nichts von dem getan, was weiterhin berichtet werden wird. Plötzlich befanden sie sich auf der Straße. Es erschien ihnen plötzlich, weil sie, bis zu dem Augenblick, da der dienernde Page die Restauranttür öffnete und sie die krisch« Luft fühlten, überhaupt nichts gefühlt und nichts gedacht hatten. Und mm waren sie plög- lich auf der Straße. Fühlten mit einem Mal, daß sie existierten. Und blieben stehen. Die Menge braucht««inen Führer. Der erst« Krawall war vorbei. Sie hotten ihren Mann gelyncht, wußten nun nicht, was anfangen. Sie hatten einen Kandidaten gewählt und erkannten» was sie getan. Sie hotten ein« Revolutton begonnen, das alte Regime gestürzt und standen nun verständnislos da. Die Menge brauchte jemanden, einen selbstsüchtigen gelassenen Mann, der mit ihrer Empfindsamkeit spielen, ihr einreden konnte, daß er für ihr Wohl arbeit«, sie sich unterhalten würde, während er in Wirklichkeit nur seine eigenen egoistischen Ziele verfolgte. Einen egoistischen Wohltäter. Frankreich hatte sticht gewußt, was zu tun: es fand lapoleon. Italien fand Mussolini. Rußland fand Lenin. Die ".enge brauchte«inen Führer. Konnte der Führer nicht gesunden werden, sv war die Morge erledigt. Würde in sich zusammenbrachen, zu einzelnen werden, zu kleinen selbstsüchtigen Individuen, die nur ihr eigenes Interesi« im Auge haben. Jeder würde nur fir sich allein egoistisch sein. Würde kein Führer gefunden, so wax die Menge verloren. Sie brauchte jemanden, der sie unterhalten, zum Weinen bringen, ihre Blutgier befrieden konnte. Wer der Führer war, zählt« nicht, er mußte sie nur om Denken hindern. Ihr einreden, daß sie etwas tu«. Uild die Menge fand ihn. Ja, dies« Menge fand ihren Führer, den Mann des Schicksals. Freilich nur eines kleinen Schicksals. Cr würde nie ein« Nation vor dem Verderben retten oder die zerstreuten Teile der Macht in seiner Hand vereinigen. Nein, sein Schicksal ist klein, winzig. Das törichte Schicksal, eine Anzahl Angestellter, die ihre Stellen verloren haben und nicht wissen, was zu tun, zu unterhalten. Die Parodie eines Schicksals. Aber auch die Menge war klein, hatte ein kleines Ziel. Wollte sich unterhalten, bis der Alkohol ihoe geringen Fähigkeiten getötet hatte. Der Mann mußte großer Stratege, kein großer Idealist sein, brauchte nur zu ihnen zu gehören,«in Mensch sein, in dem der Hunger nach dem Gesucksien so stark und mächtig war, daß er tat- sächlich wußte, was er wollte. Und dieser Mann war Blackbird. Ja, der dumme Blackbird. der kleine unbedeutende Blackbird, der von allen im Bureau verachtet und verlacht worden war, dessen Worten keiner Glauben schenkte, der den Ruf eines Narren und Prahlers hatte. Er entdeckt«, was die Meng« wollte. Entdeckte es, weil hinter seinem Prahlen und Lügen eine schwache Idee verborgen lag. Man könn.« sie fast ein Ideal nennen. Freilich eine kleine billige Idee, aber er war ja auch ein kleiner billiger Mensch. Stets hatte er davon geträumt, eines Tages eine Meng« dorchin zu führen, wohin andere gehen, hinter die verhängten Fenster der Kabaretts und Nachtlokale. Dos war fein Traum, fein Ideal gewesen. Er hatte es sich häufig vorgespielt. Und jetzt ergriff er die Gelegenheit. Kerensky war schwach, Ruß- laitd unzufrieden, Lenin trat vor. In den italienischen Fabriken waren Räte gebildet worden, Italien war unzufrieden, Mussolini trat vor. Auch hier war die Menge unzufrieden, dachte ans Heimgehen; da trat Blackbird vor. Sie standen vor dem Restaurant, und der Chauffeur beobachtete sie scharf, fast atemlos(sie waren ja das tägliche Brot des Chauf- feurs). Keiner wußte, was anfangen, jeder dachte ans Heimgehen. Das heißt, er begann fast daran zu denken. Denn hätten sie wirk- lich daran gedacht, so würde seder von ihnen den Krwf.zwischen die Hände gepreßt haben und wäre heimgelausen. Aber sie hotten bereits etwas getrunken, waren erwärmt, bedauerten, den unmöglichen Traum aufzugeben. Deshalb warteten sie, ihre alkoholbenebelten Köpfe dachten und dachten auch wieder nicht. Und da erwies sich Blackbird als der geborene Führer. Er wußte, was zu tun, wußte, was zu jagen: „Iungens, ich weiß ein Lokal... Frauen.. st Er zwinkerte ihnen zu. Es war dunkel, und keiner sah dos Zwinkern seiner Augen. Aber das schadet nicht. Es war getan. die Menge war gerettet. Sogar der Chauffeur warf Blackbird einen dankbaren Blick zu. „Famos!" rief jeder einzelne..„Führ uns hinst Sie stiegen ein und sichren las. Die Menge war gerettet. „Es muß mir gelingen, ich will, daß es mir gelingt. Oh Gott, ich will, daß es mir gelingt. Ich bin jemand, ja, ich bin jemand. Zähle. Will jemand sein. Laß mich, bitte, Gott, laß mich jemand sein. Gott, laß es mir gelingen. Ich bitte dich." Ich will ernst genommen werden. Die Menschen sollen mich für voll nehmen. Nicht mich verlachen oder mir sagen, daß ich lüge. Gott, ich lüge nicht. Die Iungens sollen mich ernst nehmen. Ich will ihnen beweisen, daß ich mich auskenne, daß ich sie kenn« und verstehe. Bitte, Gott, bitte. J5ch will<5. Ich werde nicht, länger lügen, behaupten, daß ich Dinge gesehen Hab«, die ich nie sah. Vorgeben, Gefühle empfunden zu haben, die ich nie empfand. Erzählen, daß ich an Orten war, die ich gar nicht kenne. Immer lügen. Immer. Ich will nicht mehr lügen. Ich will wirklich nicht mehr lügen, Gott. Ich konnte so nicht anders, konnte wirtlich nicht anders. Du weißt es, Gatt. Sei mir nicht bös«, weil ich gelogen habe. Ich wollte ja nur, daß man mich achtet. Mich ernst ninrmt. Wirklich, Gott. Strafe mich nicht. Laß es mich den Iungens zeigen. Da? richttge Lokal. Ich pfeif darauf, wenn ich morgen sterbe. Wirklich. Wenn es mir nur jetzt gelingt. Gott, melleicht ist das Bordell geschloffen! Bielleicht existiert es gar nicht mehr. Ich bin seit Monaten nicht dort gewesen. Bielleicht hat die Polizei es geschlossen. Vielleicht ist es geschloffen. Lieber Gott, laß«s nicht geschlossen sein. Ich bitte dich Laß es nur noch heute nacht offen fein. Laß mich dl« Jungens hinein- führen. Du kannst es tun, Gott. Du weißt ja, daß du es kannst, oh Gott. Wenn du mir jetzt hilfst, so werde ich alles für dich tun. Ich werde dich lieben, zu dir beten... Nein, ich werde es nicht. Galt, du weiht, daß ich dich anlüge. Ja, ich lüge. Lüge dich an, weil ich etwas bei dir erreichen will. Ich werde dich nicht lieben, dich nicht ehren. Werde nicht zu dir beten. Du weißt es. Morgen schon werde ich alles vergesien haben. Ich bin aufrichtig gegen dich. Gott. Das siehst du doch, daß ich aufrichtig gegen dich bin. Ich sage dir die Wahrheit, die reine Wahrheit. Töte mich morgen, wirf mich in die Hölle, aber heute nacht laß es mir gelingen. Tu mit mir, was du willst. Alles, was dir beliebt. Du kannst es. Ich gestatte es dir. Aber nur heute laß es mir gelingen. Ich bitte dich, lieber Gotist(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". HiiiniiiiiiiiiuiiiniuiiiiiiiiiiiiiiminiiiiiuiiHiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiHiiniHiiifiiiimiiiamiuiininnuiunniminmiiiuiiiimiHiniiiiiiinmiiininiiiiiiiunnMiniuinuunmuinB Rösselsprung. Versrätsel. Vers bin ich zur Hälfte, Zur Hälfte nur Tand. Errätst du das Ganze, So hast du Verstand. Kreuzworträtsel. Mittwoch, 6. Februar. Berlin. It.dO Herbert Rosen; Deutsche Luitpost- Wertteiclieii. 16.30 Szenen aus Hebbeis Werken. 18.10 Dr. O. Joh. von Allesch, Oreiistiald: Was kbmien wir von den Tieren lernen? 18.35 Hans-Bredow-Schule, Werner Spmbart: Die Rationalisieruns des Wirt- schaftlebens. 19.05 Külz, M. d. R.: Die Wiedereinaliederunz Deutschlands in die Well- ulr tschaft. 19.33 Eduard David, M. d. R.: Zum Zusammentritt der Nalionaiversammlune vor zehn Jahren. 30.00 Uebcrtrastm« aus dem CroDen Saal der Philharmonie. Festkonzert zur Feier des JSIthrigen Bestehens des Berliner Voikschores. Berliner Crst- audiihrungen. 1. Telemann: Die Tageszeiten. 2. Kindel: Frohsinn und Schwermut. Anschließend; Presscdm schau des Drahtlosen Dienstes und Tanzmusik(Kapelle Da las B61a). Kdnigswusterhausen. 16.00 Schulrat A. Senner: Naturwissenschaft, Schule und praktisches Leben. 18.30 Uebertragung des Nachmlttagskonzertee Hamborg. 17.30 ProL Dr. August Müller: Die deutsche Wirtschaftslage im Spiegel det Reparationsberichtes. 18.00 DT, Harald Bräunt Unter Kindern und TJeren. 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dipl.-Ing. F. Dutke! Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Betriebsver- hiilaisse und Antriebsmittel bei Wcrkzeugmaschineu. 19.20 Prof. Dr. Haas Mersmann: Einführung in daa Verstehen von Musik. 20.00 Seoderveranstaltmis für den Deutschlandsender. Abendunterhaltung.(Alf zwd FiagetaJ Wagerechl: 1. Haustier: 5. keltische(engl.) Feeiikönigin; 8 Insektenlarve: 0. weibl. Vorname in Koseform: IE Zierstrauch: 11. Beiname von vier römischen Kaisern; 15. schwedische? Herrscher- geschtecht; 1k islamitisch f. Fürst: l?. dicker Strick; IS kl. Behälter; 20 Redeteil; 22.'Verkehrs weg; 26. Sattelroß; 29. Körperteil; 30. Schilf, Röhricht; 31. Verhältniswort: 32. lateinisch für„nicht".— « c n k r e cht: 1. berühmter Rechtslehrer der Universität Berlin; 2 mannl. Vornain«; 3. Götterbote; 4. weibl. Vorname; 5. Gebäude für Kunstsammlungen usw.; 6.. mohammedanischer Name; 7. Metall; 11. griech. Insel unweit Smyrna; 12. nächster Verwandter; 13. Fluß zum Vierwaldstälter See; 14. Brauch: 19. hinteres Rümpfend�! der Wirbeltiere, 21. Schlachtort bei Wien 1809: 23. herabhängende Schal« mlt Lampe; 24. Gruft; 25. Paradies; 27 Erzieher Samuels; 28. Name vieler Flüsie in Südamerika.—(ff=&.) (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wogerecht: 5. Nauen; 8. Emden: 12. Irene; 13. Niobe; 14. Ei; 15. er; 16. Leder; 19. Start; 21. Meuten: 22. Edu; 23. Zw; 24. Nanni: 25. Reuß.— Senkrecht: 1. Ahne; 2. Wien; 3. Hue; 4. Udo; ö. Nielsen: 6. Art«: 7. Engel; 9. Miete: 10. Eber; 11. Nerthu»; 17. Daune; 18. Remise; 19. Stange: 20. Anzug. Rösselsprung: Wenn dick die Lästerzunge sticht, So laß dir dies»um Trost« sagen: Di» schlechtsten Früchte sind es nicht. Woran die Wespen nagen. Bürger. Windungsrätsel: 1. 11?: 2. Rad; 3. Drau; UrseU S. öesfcos; 8. Sttesek; 7. Landauer; 8. Redakteur; 9. Rüdeshcimz 10. Msnsetel. Praktische Arbeit im Sport! Alegisbad, im herrlichen Selfefal gelegen, mit der Harzquerbahn Gernrode Stiege- Nordhausen zu erreichen, als Kurort bekannt und zur Stadt Harzgerode gehörend, mird nunmehr Wanderstütz punft der Arbeitersport 1er Mitteldeutschlands werden. Die Kreisleitung des 2. Kreises ( Anhalt, Provinz Sachsen, Braunschweig) im Arbeiter- Turn- und Sportbund beschloß, ein herrlich im Walde gelegenes Hotel zu erwerben und zu einem Ferienheim und Wanderstützpunkt herzurichten. Das Gelände umfaßt vier Morgen. Das Hauptgebäude hat über 40 3immer, einen Saal, der zur Turnhalle umgewandelt wird, die notwendigen Wohn-, Küchen- und Aufenthaltsräume. 3wei Rebengebäude bilden die Jugendherberge. Auf einem herrlichen Waldweg ist in etwa 25 Minuten das Schwimmbad und der Sportplatz der Stadt Harzgerode zu er= reichen. Alles was der Sportler braucht, ist also in der Nähe. Die Stadt Harzgerode, die über eine fozialdemokratische Vom Ski- Springen. Der Schneereiche Winter hat das Interesse am Stilauf allgemein belebt. Alle Zeitungen und Zeitschriften bringen Bilder von St fpringern, in den meisten Fällen mit untiaren Erläuterungen, und ebenso unklar sind die Vorstellungen, die man sich vom Springen macht. Zwei Sprungarten müssen scharf auseinander gehalten wer den, erstens die Sprünge als Fahrthilfen und zweitens das Springen von der Schanze. Daraus geht einmal schon der grundverschiedene Anwendungsbereich hervor, dann sind sie aber auch technisch unter schiedlich geartet. Sprünge als Fahrthilfen sind der Umsprung, der Quersprung und der Gefändesprung. Sie bienen dazu, die Fahrtrichtung zu ändern( Umfprung), die Fahrt plötzlich abzuftoppen( Quersprung) oder zur Ueberwindung eines Hindernisses( Geländesprung). In ihrer Ausführung ist reine besonders hergerichtete Bahn nötig, im Gegenteil soll ein guter Geländeläufer in jeder Situation springen fönnen. Dabei werden die Stöcke benutzt. Kurz vor dem Absprung hockt sich der Fahrer auf die Bretter, jetzt beim Geländesprung beide Stöcke neben die Spitzen der gleitenden Hölzer ein und richtet sich bei der Weiterfahrt an den Stöcken auf. Gleichzeitig erfolgt der Absprung mit beiden Beinen, und im nächsten Moment werden die Knie hochgerissen, wobei die Bretter horizontal und nebeneinander gehalten werden müssen. Der Fahrer steht also einen kurzen Augenblick mit den Armen auf den Stöcken über dem Schnee in der Luft. Und nun drückt er sich mit voller Kraft von den Stöcken ab, den Körper vorwerfend und so den Geländesprung verlängernd. Ein harter Aufprall wird durch NiederInien in Ausfallstellung beim Aufsprung abgefangen. Aus dem Geländesprung entwickeln sich Quersprung und Umiprung. Sie können mit beiden oder einem Stock ausgeführt werden. In dem Augenblick, wo der Fahrer mit den Armen auf den Stöcken steht, drückt er sich nicht nach vorn ab, sondern reißt den Mehrheit verfügt und durch den Bau eines Boltshauses, dessen| brachte, bringt der Schaffung eines Ferienheims der Sportler die Körper in der Luft nach der gewünschten Seite und in dem beabsichEinweihung diesen Sommer stattfand, sich besonders in Erinnerung größte Unterstützung entgegen. Der weiße Sport beim Reichsbanner. Den Aufmarsch der Reichsbannere Wintersportler in Braunlage haben die Harzer Kameradschaften als Auftakt für eine umfassende Agitation benugt. Der Harz hat die Reichsbanner abteilungen ausgezeichnet aufgenommen. Für das Reichsbanner wird das Bundessportfest Berantaffung sein, die Wintersportabteifungen weiter auszubauen und in den Gauen, wo sie noch nicht heftehen, solche zu gründen. Im nächsten Jahr foll auch ein Sport feft die Stiläufer aller Reichsbannergaue vereinigen. Wintersport war bisher für den einfachen Arbeitersportler und für den Reichsbannermann zu teuer. Erst als die Wintersportabtei Lungen gegründet wurden, die dafür sorgten, daß auch die Minderbemittelten zum Wintersport fahren tonnten, hat der Sport neue Anhänger bekommen. Die Berliner Wintersportabtei Iung wurde im Dezember 1926 gegründet, und schon in den Weih nachtstagen machte sie mit zwölf Mann ihre erste Fahrt nach Tanne im Harz. Dort wurde sie von den Republikanern aufs beste auf genommen. Einige Trodenturfe und eine Fahrt in das Riefen gebirge folgten bald. Durch den Zusammenschluß fonnten nicht nur Fahrpreisverbilligungen erzielt werden, auch die Unterbringung der Kameraden konnte zu günstigeren Preisen erfolgen. Im gleichen Jahre wurde dann noch eine Fahrt nach Tirol unternommen. Wer nicht soviel Geld hatte und vor allem nicht so lange Urlaub be fam, tonnte eine fürzere Fahrt nach Tanne mitmachen. Ostern 1928 wurde wieder eine Fahrt in das Riefengebirge und Weihnachten nach Tirol durchgeführt. Die Weihnachtsfahrt hatte schon 70 Teilnehmer. Die Fahrt führte in das Gebiet der Blauen Gilvretta. Für 130 M. wurden die Kameraden neun Tage verpflegt, und auch die Fahrkosten wurden von dieser Summe bestritten. Die Fahrt mar eine ausgezeichnete Agitation, der schwarzrotgoldene Wimpel wurde auch einmal in die Kurorte Tirols getragen. Die Wintersportabteilungen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und des Reichsbanners, die am Sonntag gemeine jam angetreten sind, werden sin wichtiges Glied im Sportsleben werben. Je größer der Kreis der Wintersportfreunde wird, um so +2 Der Staat ruft! Die Jugend am Verfassungstag. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Volkswohlfahrt durch Runderlaß vom 3. Januar die Regierungspräsidenten und den Oberpräsidenten in Charlottenburg ersucht, bis zum 1. April 1929 Bericht über die in den einzelnen Bezirken geplanten Veranstaltungen an läßlich der diesjährigen Verfassungsfeier zu erſtatten. Am 11. August 1929 jährt sich zum zehnten Male der Tag, an dem das deutsche Volf sich seine Verfassung gegeben hat. Dieser Gedenktag von überragender Bedeutung soll durch würdige Feiern festlich ausgestaltet werden. Es wird dabei vor allem darauf antommen, weiteste Kreise der Bevölkerung für die Beteiligung an den Feiern und damit zu wirkungsvollen Kundgebungen für den neuen Staat anzuregen. Als besonders geeignet zur Ausgestaltung der Verfassungsfeiern haben sich turnerische und sportliche Bezirts- und Kreisjugendwettkämpfe somie Jugendtreffen erwiesen, wie fie in einzelnen Regierungsbezirken in den letzten Jahren mit wachsendem Erfolge veranstaltet worden sind. Der Minister für Volkswohlfahrt hat in dem erwähnten Erlaß zum Ausdruck gebracht, daß er die Abhaltung solcher Bezirks- und Kreisjugendfeste ganz allgemein im Rahmen der sonstigen Feiern am 11. August 1929 lebhaft begrüßen würde. 500 000 Dollar für Jack Dempsey! Fugazy, ein bekannter amerikanischer Manager, hat dem Ermeister Dempseŋ ein verlockendes Angebot gemacht, das ihn vielleicht schneller, als erwartet, bewegen wird, die Handschuhe wieder anzuziehen. Es sind immerhin 500 000 Dollar! Diese Börse wird dem immer noch zugkräftigsten Jankeeborer für ein Matsch mit dem riesigen Regerboger Godfrey, der Risko jämmerlich verprügelte und Pierre Charles( Belgien) f. o. schlug, angeboten. Ist dies Angebot tatsächlich erfolgt, dann wird Jack gewiß boren. Die Mucker und der Sport! In der schlesischen Zeitung Ratholit" steht unter Rubrik ,, Beuthen" eine Aeußerung eines katholischen Schulfachmannes über die familien zerstörende" ,,, ethitvernichtende" Wirkung des Sports, der das„ Seelenheil" der Ausübenden nur unnötig in Gefahr bringe(!). Auch den Lernwillen sieht diefer Sportgegner gefährlich bedroht. Hören wir ihn: Aber wenn .... In der warmen Jahreszeit gehen die Schüler und Schülerinnen auf die Spielplätze und spielen stundenlang Fußball, Handball oder Abschlagen; die Mädchen spielen Tamburin und gehen unerhörterweise sogar zu Sportwetttämpfen. Jezt im Winter gehen sie auf die Eisbahn. Die, die teine Schlittschuhe haben, gehen auch hin, zerreißen ihre Sohlen, und der arme Bater weiß oft nicht, woher er das Geld zum Neubesohlen nehmen soll. man( mit erhobener Stimme zu lesen!) einen zwölf- oder breizehne jährigen Schüler beauftragen wollte, die preußischen Provinzen nach ihrer Größe aufzuzählen oder die Zuflüsse der Oder zu nennen, jo erhielte man keine Antwort. Da weiß er nichts. Und den Katechis mus oder die biblische Geschichte, Kirchengeschichte, das sind ihm unerreichbare Sachen. Ein Schüler, der die Bolksschule verläßt, weiß was ,, pal" oder ,, tnod- out" ist; aber für die lieben Verwandten einen Brief verfassen, fann er nicht oder nicht fehlerlos." Amen! Arbeiterschach in Eichwalde! Die Schachabteilung des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Eichwalde hält ihre nächste Bersammlung am Donnerstag, 7. Februar, 20 Uhr, im Ratsteller, Bahnhofstraße Ede Grünauer Straße, Die Schachabteilung foll in einen selbständigen Berein umgewandelt werden, nachdem sich der Turnverein dem kommunistischen Kartell angeschlossen und außerhalb des Bundes gestellt hat. Partei. genossen und mit uns Sympathifierende, die auf dem Boden der. Reichsbanner- Wintersportfest: Am Start zum Langlauf. Beschlüsse des Arbeiter- Turn- und Sportbundes sowie des Deutschen stärker müssen diese Abteilungen gerüstet sein. Es gilt, zu ver hüten, daß der Arbeiter und Republikaner in die neutralen" Bereine geht, die sich heute leider noch einer Unterstügung ber Behörden erfreuen fönnen, obwohl sie fast ausschließlich rechts gerichtet sind. Die neutralen" Bereine haben am Sonntag wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt: Sie haben nicht nur die Beranstaltung des Reichsbanners verunglimpfen wollen, sie haben auch für thre Mannschaften Startnerbote erlaffen. Dem Reichsbanner but bas feinen Abbruch! 216. Arbeiter Schach- Bundes stehen, sind herzlich eingeladen. Die Abteilung Prenzlauer Berg der Freien ArbeiterSchachvereinigung Groß- Berlin tagt von jest an im Sofal von Mag Klug, Danziger Straße 71. Schachspieler, auch solche, die es lernen mollen, jederzeit herzlich willkommen. Spielabend jeden Donnerstag ab 20 Uhr. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, Spielfeitersigung bei Krüger, Grimmstraße 1. Jede Abteilung muß vertreten sein. Am Sonntag, 10. Februar, 14 Uhr, findet ein Werbefampf in Grünau, Gemeinschaftshaus, Gutshof Faltenberg, statt. Alle Abtelfungen sind verpflichtet, sich daran zu beteiligen. Spielmaterial mitbringen. Treffpuntt 14 Uhr Bahnhof Grünau. tigten Ausmaß herum. Beim Niedersprung hat er dann schon die. Wendung ausgeführt, und geht ebenfalls in die Knie. Wichtig ist. beide Bretter genügend hangeinwärts zu fanten, um ein Abrutschen beim Aufsprung am geneigten Hang zu vermeiden. Auch der Körper wird hangeinwärts gelegt, um das Hinausfliegen über den Bogen zu verhindern. Der Sprung von der Schanze erfordert eine gut vorbereitete Bahn. Er wird ohne Stöcke ausgeführt. Die Sprungbahn besteht aus Anlauf, Schanze, Aufsprung und Auslauf. Höhe und Neigung des Anlaufs sind bestimmend für die Geschwindigkeit, mit welcher der Springer über die Schanzenfante geht. Die Schanze ist eine 12 bis 15 Meter lange, horizontale oder Eine kleine Karambolage. schwach geneigte Strecke, die die gleichmäßige Neigung des Anlaufs unterbricht. Sie stellt also das mit scharfer Kante abbrechende Ende der Anlaufbahn dar. Die Höhe der Schanze selbst, die 2 bis 3 Meter beträgt, hat nur untergeordnete Bedeutung für die Weite des Sprunges. Wichtiger ist dafür der Neigungswinkel der unter der Schange beginnenden Aufsprungbahn. Er soll 33 bis 35 Grab betragen, bei Schanzen, die 60- Meter- Sprünge zulaffen, muß er bis 41 Grad gehen. Die Neigung muß möglichst der Flugbahn angepaßt sein, einmal um hartes Landen zu verhindern, dann um die Flugbahn so lang als möglich auszunuzent. Bezüglich der Sprungweite ist der Springer also start vom Bau der Schanze abhängig. Ruhig, alle Neroen auf den Absprung konzentriert, gleitet er den Anlauf hinunter. 10 bis 15 Meter vor der Schanze geht er tief in die Knie und beginnt sich beim Einlauf auf die Schanze allmählich aufzurichten. In dem Augenblick, wo die Brettspigen über die Schanzentante gleiten, ist er völlig gestreckt. Wenn die Fußspijen an der Kante sind, feßt er mit mächtigem Absprung in die Lust hinaus. Bei der älteren Technit freifte er während des Fluges die Arme, um das Gleichgewicht zu halten. Bei der neuen, fog. ,, äro dynamischen" Tech nit springt er schräg in die Luft hinaus und liegt ruhig, weit vorgelegt. Die Luft sett so bem fallenden Körper größeren Widerstand entgegen, fie trägt ihn länger, der Fall wird verlangsamt und dadurch die Flugbahn länger, der Sprung toeiter. Der Aufsprung erfolgt auf der fteilgeneigten Bahn, wodurch der Drud start vermindert wird, denn die Bretter gleiten sofort weiter. Immerhin ist der Druck noch groß genug, beträgt doch bei einem 60- Meter- Sprung die direkte Fallhöhe 28 bis 30 Meter. Um ihn zu mindern geht der Springer fofort wieder in Ausfallstellung, und gleitet dann aufrecht in den Auslauf hinein, wo er abschwingend die Fahrt beendet. Gewiß, es gibt noch sehr viele Feinheiten, die hier nicht erörtert werden konnten. Immerhin fann aber auch der Laie leicht unterscheiden, ob ein Bild ein Sprung von der Schanze oder einen Quersprung darstellt. Wer aber schon über Bretter verfügt, der versuche jegt einmal feinen ersten Geländesprung. Dr. Biese. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Franenwerbefeft. Zu dem am Sonntag, 10. februar, 17 Uhr, ftattfindenden Frauen- Werbe- Turn- und Sportfest baben sich die Sungmädchen und freuen sämtlicher Abteilungen der FGB. an die Informationen ber Generalprobe zu halten. Die Leiterinnen, Borturner und die Bezirksfunktionäre find bafite verantwortlich, daß alle Selfnehmerinnen unterrichtet werben. Fahnen und Flaggen müffen zur Ausfolidung rechtzeitig zur Stelle fetit. Die Mitglieder zum Transport des Detorationsmaterials find fofort dementsprechend anzuweisen. Frauenausschuß. Freier Körperkulturkreis Kreuzberg. Donnerstag, 7. Februar, 19% Uhr, ,, Bunter Abend in Jugendheim Wassertorstr. 9. Satiren, Schmurrent, Lieder sur Laute mit Genoffen Safemann. Gäfte wiltommen. Freie Kanu- Union Groß- Berlin, Abteilung Tegel. Donnerstag, 7. Febenat, 20 Uhr, Generalversammlung bei Grunwald, Kameruner Str. 19. Ichaftliche Zehn Gebote für Unternehmer. Greig i in hohem Maße von guten Lohnfätzen abhängig. 7. Gebe bich nie mit bem Erreichten aufrieben, Giteffett und Bequemlichkeit dienen dem Fortschritt nicht. 2. Behandle die Arbeiter als Partner des Unternehmens. Der 8. Betreibe dein Geschäft möglichst wirtschaftlich. Preisschneie gute Geschäftsgang hängt mehr von menschlichen Bederei, leberkapitalisierung und unwirtschaftliche Verteilungsmetho den fügen dem Geschäft und dem Publikum ebensoviel Schaden zu, wie fünstliche Preisfigierung und Monopole. Maschinen. 3. Leite dein Unternehmen im vollen Licht der Deffentlichkeit. Vom öffentlichen Vertrauen zur öffentlichen Verdäch= tigung ist nur ein Schritt. Nicht niedrige möglichst hohe Löhne! Charles M. Schwab, Präsident des Amerikanischen Eisen- ziehungen ab als von der Organisation des Geldes und der und Stahl- Instituts, hat seinen Kollegen der Unternehmerwelt in 10 Geboten dargelegt, was sie zu tun haben, um die Vereinigten Staaten auf der jetzigen Stufe des Wohlstandes zu halten. Das Problem bestehe darin, die gute Geschäfts= und Wirtschaftslage zu stabilisieren:" Natürlich hat niemand ein unfehlbares Rezept für dauernden Erfolg; ich möchte jedoch trotzdem einige grundlegende Wahrheiten jagen, die uns allen nützen können. Folgendes sind die 10 Gebote, 4. Denke daran, daß das Gesez von Angebot und Nachfrage unerbittlich ist. Es ist gut, nicht zu vergessen, daß feine Notwendigkeit der Ueberproduktion besteht. 5. Gedenke der Losung: Leben und leben lassen. Selbst erfolgreiche Industrien fönnen es sich nicht leisten, daß die rückständi geren Industrien zu weit zurückbleiben. Soll das wirtschaftliche die nach meiner Ansicht den Schlüssel zu dauerndem Wohlergehen Wohlergehen von Dauer sein, so muß es regelmäßig verteilt sein. darstellen: 6. Begrüße neue Ideen. Wenn wir einer Sache Dauer verleihen wollen, so müssen wir immer auf den Wechsel vorbereitet 1. Zahle deinen Arbeitern möglichst hohe Löhne. Der wirt- sein. 9. Dente und sehe voraus. Es ist leichter, einen Rückgang zu vermeiden, als ihn gutzumachen. 10. Sei fröhlich und arbeite dem Grundsatz zufolge, daß der Hauptzweck jeglichen Wirtschaftens die Förderung des Wohlergehens der Menschen ist." Die deutsche Arbeiterschaft darf sich nun nicht etwa darauf ver lassen, daß diese 10 Gebote von den deutschen Arbeitgeberverbänden in absehbarer Zeit übernommen werden. Sie hat ihre 10 Gebote zu beachten, deren erstes besagt: Organisiere dich und arbeite für, micht gegen deinen Berband! Geschäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften. GLASERHUTTE Berliner Töpferhütte Wild, Geflügel Frisier- Salon Gesellschaft mit beschränkter Haftung Industrie- u. Banglaserei Glashandlung NO18, Landsberger Allee 39 Telephon: Königstadt 6970 [ R. 37 G. m. b. H. baut Öfen jeder Art Jede Neuanfertigung und Reparatur Kostenlose heiztechnische Beratung Russische Weine BERLIN SO. 36+ Waldemarstraße 14 vom Kaukasus und von der Krim Teils aus den früheren russischen Kronkellereien überall käuflich Verkaufsstellen werden errichtet durch das Generaldepot Ph. Brand& Co. 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