Morgenausgabe Ar.«3..„, A32 46. Iayrgang ««. mana* I.M* Im oorout Zahlbar P°Itd«Z», 4J2 M. linfdjL Bestellgeld. Vutlanbeabonn*. «lern n. m Stmut Der.Sonslrte* erschein» wachentäg. lich zweimnl. konntag» und Montag» einmal, die Adendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Hdend', gllustrlert, Deilagen.Volk und Lei»" und.jkindersreund'. gerner »Unterhaltung und Wilsen�,»grauen. 'timme-..lechnlt-.Blich in di» herweit" und.Iugend-Lermärt»� Berliner volksvlatt Oonnersiag 2. Februar 1929 Groß-SerUn 1V Z>f. Auswärts\5 pf. VW tlBttalttff NoRpveillezeN« <0 Pfennig. ReName'eile 4.— Reichs« wart.„Kleine Anzeigen' da« ettge« druckte Wort?5 Pfennig(zulässig zwe� fettgedruckte Dane), sedes weitere Wort � Pfennm. Stellengesuche da« erste Wort lS Pfennig, sede» weitere Wort 20 Pfennig. Worte über IS Buchstaben SSHlen für zwei Worte. Arbeitsmartt seile 60 Pfennig Familtenanzeigeu für lbonnenten Zeile 40 Psenni�. Anzeigen« annahm? im L)auptgeschäst Linden« Vratze S. wochentägl. von S'/, vi» 17 Uh� Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Rrdaktton und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 g«rnlprechchr: Döndog 292—£97 Telegramm»Sdr.: Soztaldernokro» Berit» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poftlcheckkonio: Berlin 97 5Z«- BanN-mo- Bank der«rdeiter.«ngeftellien und Beamten Wallftr. KL Dtikonto-Eelelllchas». Depositentalle Ltndenftr L Zentrum bricht die Koalition. Am Vorabend der Sachverständlgenkonferenz zieht das Zentrum feinen Minister zurück. «eichsvertehrsminister von Gu6rard har am Mittwoch nach Schluß der Plenarsitzung des Reichstags seine Demission eingereicht. Das Reichskabinelk wird sich am Donnerslagvormittag mit der neuen Lage be- Ichäfligen. vorher beabsichtigt der Reichskanzler dem Reichspräsidenten Bericht zu erstakten. O Die sozialdemokratische Reichstagsfraktlon htett am Illitlmochabend eine Sitzung ab, in der man sich mik der durch den Rücktritt des Minister» o. Gutrard geschasfeam polillschen Lage beschästtgle. Zu der Fraktion besteht Einmütigkeit darüber. daß au» dem Rücktritt de» Minister» o. Gutrard s ü r da» Sabi- nell keine Sonsequenzeu entstehen, und daß der Reichs- koazler und die übrigen Mitglieder des Sabtnells im Amt bleibe». « Unter dem Titel„Verantwortunqslos" schreibt der„Soz. Pressedienst": Der intransigente Flügel des Zentrums mit dem verärgerten Ctegcrrrald an der Spitze hat seinen Willen durchgesetzt. Am Mittwoch abend ist Derkehrsminister v. Tusrard aus dem Kabinett zurückgezogen worden. Am Dienstag abend war es dem Reichskanzler noch einmal ge- lungen, das Zentrum zu einer Teilnahme an neuen Der- Handlungen zu bestimmen. Sie fanden am Mittwoch vor- mittag in der Reichskanzlei statt. Anwesend waren außer dem' Reichskanzler die Minister von Gusirqrd, Stresemann, Koch Wesex und Schätzte. Nach mehrstündiger Diskussion, an der übrigens der preußische Ministerpräsident Otto Braun nicht teilgenommen hat, einigte man sich darauf, den Fraktionen einen Borschlaq folgenden Inhalts zu unter- breiten: Das Reichsjustizm'nisterium wird sofort mit einem Zentrumsmann besetzt. Ein drittes Portefeuille erhält das Zentrum, wenn die Umbildung des preußischen Ka- binetts vollzogen ist. Der Reichsverkehrsminister v.(Bus- r a r d hat sich, wie ausdrücklich hervorgehoben sei, die Bor- schläge nicbt unmittelbar zu eigen gemacht, sondern erklärt, daß seine ijaltung von der Entscheidung seiner Fraktion ab- hänge. Am Mittwoch nachmittag hat dann die Zentrums- fraktion einen Beschluß gefaßt, durch den die Brücke zu weiteren Unterhandlungen abgebrochen worden ist. In dem wichtigsten Absatz dieses befristeten Ultimatums lehnt die Zentrumskrakt'on des ReicVtags die Gleichzeitigkeit der Umbildung der Regierungen im Reich und in Preußen ab. Es war vorauszusehen, daß diele Zu- rückweilung des Anspruches der Dolkspartei Herrn Strese- mann und seinen Freunden eine Zust'mmuna zu dem letzten Beschluß des Zentrums unmöglich machen würde. Es ist notwendig, zum Verständnis der Situation an frühere Verhandlungen über die Koalition-!- bstdung zu erinnern. Ursprünglich stellte sich die D e u t l ch e V o l k s p a r t e i auf den Standpunkt, dost eme der Vor- aus'etzungsn für ihre Bsreitwill'gke't zur Großen Koalition im Reich die Umbildung der Regierung in Preub-n sei. Schon im November gelang es dem Reichskanzler Müller. Herrn Scholz zur Annahme einer Formel zu bewegen, nach der alle Borb-restungsn für die sogenonnte Unt'"'mauer'lng des Reichskabinetts getroffen werden soften, daß die Koalition aber erst perfekt oder..ratifiziert" werde, wenn die Umgestostung in Preußen erfolgt sei. In einer gemein- famen Sitzung der an der Regierung beteiligten Parteien vom 27. November hat der Z e n t r u m s r e d n e r dieser Formulierung nickt widersprochen, vielmehr zu ver- stehen gegeben, doß auch ihm die Errichtung der Großen Koalition in Preußen zweckmäßig erlch-ine. Wenn setzt die Gleichzeitigkeit vom Zentrum abgelehnt wird, so liegt darin eme Abweichung zum mindesten von dem Sinne der damaligen Vereinbarungen. Diese Vereinbarungen mußten auf der anderen Seite auch den Reichska-�ler.ftet» mann Müll'r verhindern, ohne daß eine vorherige Verstän- digung mit der Volk-partei erzielt worden sei, einfach die beiden neuen Zentrumsminister zu ernennen. Es ist sebr wobl möglich, datz in diesem Falle die Volks- parte! nickt dm Schritt netan hätte, zu dem sich das Zen- trum entsck'rllen hat. Aber darauf tonnte es nickt an- kommen. Müller'war nicht imstande, eine ohne Wider- svruch der anderen Beteiligten gegebene Zusicherung zu- rückzuziehen. Der Zentrumsbeschluß spricht von„zwingenden sachlichen Grvnd-n". die ibm jetzt die Anerk-nnung der Forderung der Gleich'e'tigkeit unmöglich machen. Wir können nur vermuten, daß es diese Gründe in der Tatsache des un- mittelbaren Bevorstehens der Sachverständigenverhandlun- gen sieht. Es ist wohl der Auffasiung. doß die deut'chsn Vertreter in dem Reparationsausschuß eine starke, in sich ge- festigte Regierung hinter sich hab»n müssen und es bat wahr- scheinlich geglaubt, durch sein Vorgehen ihre Bildung zu sichern und zu beschleunigen. Praktisch ist genau das Gegenteil erreicht. Das Zentrum hat sich aus dem Kabinett zurückgezogen. Die Unsicherheit des Bestandes der Regierung ist wenige Tage vor dem Beginn der für Deutschlands Zukunft so ungeheuer wichtigen Arbeit er- höht worden. Wir nehmen an, daß der Rücktritt Gusrards fürs erste .keine Gesamtkrikis heraufbeschwören wird. Aber das Zentrum, das sich schon bisher nicht als hundertprozentig ? gebunden betrachtete, hat nun vollständig freie Hand. Jnwie- ern dadurch die Aussichten für das Zustandekommen der Einigung im Reich und in Preußen gebessert sein sollen. bleibt das Rätsel des Zentrums. Für die nächsten Wochen scheinen sie uns jedenfalls nicht gegeben, und wie man schließ- lich über Etat und Steuern hinwegkommen soll, ist einst- weilen zweifelhaft. Auf jeden Fall hat es das Zentrum M der Hand, das Kabinett Müller bei irgendeiner ihm günstig erscheinenden Gelegenheit zu stürzen. Trachtet es nach diesem Ziel oder welches sind die Ursachen seiner v e r a n t- wortungslosen Handlungsweise? Oos Mimaium des Zentrums. Die Zentrumsfraktipn des Reichstages trat am Mittwoch nachmittag, nachdem der Fraktionsvorftand und der geschäfts- führende Parteivorstand in mehrstündigen Besprechungen zu dem Vorschlag des Reichskanzlers Stellung genommen hatten, zu einer Sitzung zusammen. Nach eingehender Besprechung kam die Fraktion zu folgendem Ergebnis: 1. Der Vorschlag des Reichskanzlers Müller und der an der Be- sprechung mit ihm beteiligten Minister stellt eine Verschlechterung der früheren Vorschläge dar und ist für das Zentrum unonnehm- bar. 2. Ein« Gleichzeitigkeit der Umbildung der Regierungen im Reich und in Preußen lehnt die Zentrumsfraktion des Reichs- tages im Augenblick aus zwingenden sachlichen Gründen ab. Die drei Minister, die das Zentrum im Reich für sich ilk Anspruch nimmt, sind umgehend zu bestellen. 3. Unter der Voraussetzung der Erfüllung des Punkte» zwei ist der Parteivorsitzende, Abgeordneter Koos, bereit, die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages zu bitten, der Deutschen Volkspartei zwei Sitze im Kabinett z u z u g e» stehen. Wenn diese Verhandlungen nicht noch am Mittwoch abend bis zehn Uhr zum Erfolg führen, wird der Reichsverkehrsminister von Guärard von der Zentrumsfraktion aus der Reichsregierung zurückgezogen werden. polen und die Rheinlandräumung. An>i0eutscher Sejmbeschluß gegen die Linke angenommen. Warschau, S. Februar.(Eigenbericht.) Der Sejm hak heute den Ankrag der Rechten, der die polnische Regierung aussorderl, besondere Sicherheitsgarantien für den Fall der Räumung des Rheinlandes zu verlangen, mit den Stimmen der Rechten und des Regierungsblocks gegen die Stimmen der polnischen und deutschen Sozialisten und der anderen Linksparteien an- genommen. Außenminister Z a l e s k i hatte kurz vor der Abstimmung den Saal verlassen. Zn der Debatte erNärte im Ramen der sozialistischen Partei Abg. Ezapinski, daß die polnischen Sozialisten ebenso wie die französischen Sozialisteu die Räumung de» Rheinlandes unbedingt s o r d e r n: er sprach sich gegen alle Maßnahmen au», die eine Der. schärsung der veziehuagcu zu Deutschland veruc fachen könnten. Viel- mehr müßte Polen alle» daran sehen, um die Annäherung zu Deulsch- land zu s ö r d e r n. auch aus dem Wege der Handelsvertrag». Verhandlungen. In der Auswärtigen Kommission erklärte heute der polnische So- zialist Dr. L i e b e r m a n n:„Ich möchte, daß die deutschen Sozia- listen wissen, daß es in Polen keinen einzigen Menschen auf verantwortungsvollem Posten gibt, der ernschoft an den Krieg denken würde. Wenn ein solcher Mensch in Polen überhaupt existieren würde, so täten die polnischen Sozialisten a l l« s, mn ihn zu v e r> Nichten. Man hat in Polen oersucht, die deutschen Sozialisten als Bundesgenossen des deutschen Nationalismus hinzustellen und ihnen Revoncheabsichten unterzuschieben. Das ist falsch. Die deutschen Sozialisten sind gegen den Bau des Panzerkreuzers ge- wesen und wogen auch keine Verantwortung für die G r o« n« r s ch e Denkschrift."_ Mündliche Deankworkung von kleinen Anfragen. Der Geschäfts- ordnungsausschuß des Reichstage» beriet am Mittwoch über den An- trag des streiherrn von Rbeinbaben(Deutsch« Volkspartei), die Wiedereinsührung der sofortigen mündlichen Beantwor- tung von Kleinen Anfragen auf die auswärtige Politik zu beschränken. Nach längerer Aussprach« wurde gemeinsam von der Deutschen Volkspartei und den Sezioldemokraten ein neuer Antrag eingebracht, der die Mögli-t'teit sofortiger mündlicher Beantwortung von Anfragen auinllenGebieten geben will. Die wettere Aus- sprach« und die Abstimmung über den Antrag wurde vertagt. Der neue Reichshaushalt. Kann in ihm gespart werden? Von Hugo Helm arm. In seinen Darlegungen vor der Presse über die Ge- staltung des neuen Reichshaushalts teilte Reichsfinanz- minister Dr. Hilferding u. a. mit, daß die verschiedenen Reichsressorts bei der Aufstellung des Etats M eh ran- forderungen in Höhe von 850 Millionen Mark gestellt hätten, von denen einige nicht abzuweisen gewesen wären. Der neue Haushalt sieht demgegenüber nach den durch das Reichsfinanzministerium vorgenommenen Kürzungen ein Mehr von nur 341 Millionen Mark vor, unter denen sich eine Steigerung der Repara- tionslasten von allein 312� Millionen Mark befindet. Das dadurch entstandene Defizit soll gedeckt werden durch neue Steuern, die teils die Massenbelaftung, teils die Besitzsteuern erhöhen. Dazu kommen dann noch 120 Mil- lionen, die von den ileberweisungen an die Länder vorweg zugunsten des Reichs einbehalten werden sollen, und zwar 65 Millionen Mark aus der veranlagten Einkommensteuer, 12 Millionen Mark aus der Körperschaftssteuer und 43 Mil- lionen Mark aus der Umsatzsteuer. Diese 120 Millionen Mark stellen für den Steuerzahler zunächst keine neue Bc- lastung dar. Wenigstens so lange n-cht, als die Länder und Gemeinden nicht gezwungen sind, den entstandenen Ausfall durch Heraufsctzung der ihnen verbliebenen Steuern oder von Abgaben auszugleichen. Bon den neuen Steuern soll die eine, die erhöhte Vermögenssteuer, nur im Rechnungsjahr 1929, die anderen dauernd erhoben werden. Es werden erwartet aus der erhöhten Bermögenssteuer für 1929 104 Millionen Mark, aus der Erbschafts st euer 20 Millionen Mark und aus der Bier st euer 165 Mil- lionen Mark. Aus dem Spiritusmonopol sollen dann noch 90 Millionen mehr herausgezogen werden. Treffen die letzteren beiden Erhöhungen auch nicht Lebens-, sondern G e n u ß m i t t e l, so ist bei dem gegenwärtigen ungünstigen Verbältnis zwischen Besitz- und Massenbelastung dennoch das Verlangen weitester Kreise nach weiteren Einsparungen zur Herab- drückung der vorgesehenen Bier st euer- erhöhung nur zu verständlich. Es ist schon wiederhost darauf hingewiesen worden, daß für Einsparungen nicht der ganze Zehnmilliarden-Etat zur Verfügung steht. Der bei weitem größte Teil dieser 10 Mil- liardm Mark stellt vielmehr die materiellen Auswirkungen vom Reichstag beschlossener Gesetze dar und muß bis zu einer eventuellen Abänderung solcher Gesetze ungekürzt in den Reichshaushalt eingesetzt werden. Nur bei ungefähr dem zehntm Teil de? Gesamthaushalts können bei der Beratung des Etats je nach der Finanzlage die Ansätze ohne vorherige Abänderung bestebender Gesetze erhöht oder herabgesetzt werden. Aber auch innerhalb dieses engen Rahmens müssen die Ein'elhaushalte verschieden beurteilt und behandelt wer- den. Sicherlich werden bei allen Reichsressorts durch noch bessere Rationalisierung der Arbeit und Verteilung der Kräfte weitere Einsparungen möglich sein. Aber Einsparun- gen solcher Art werden sich von heute auf morgen nicht durchführen lassen. Die Einsparunqsmöqlichkeiten werd-n auch verschieden ausfallen, je nach der Natur der Ge'ckäfte des betreffenden Ressorts und der Art. wie mit den öffentlichen Geldern in der Vergangenheit gewirtschaftet wurde. So wird zum Bei- sniel bei der gegenwärtigen Lebenshaltung der übergroßen Mehrzahl des deutschen Volkes niemand Einsparungen beim Sozialetat des Reichsarbeitsmini- st e r i u m s erwarten oder verlangen können. Auch bei Ressorts, die. wie zum Beisviel das Reichsjustizministerium und das Reichswirtschaftsministerium ein eng umrissenes Arbeitsgebi»t haben, werden Abstricke nicht in nennens- werter Höbe durchzuführen sein. Etwas anders steht es schon mit den soaenannten..allgemeinen Bewilligungen", di» sich in zahsteich-n Einzelhanshalten befinden, die der Verwaltung große B-weo',ngsfreiheit geben und die der Reichstag'vor der Bewilligung daher recht genau prü- fen muß. Die größten Schwantuna-n bew. Steigerungen weisen neben dem Haushalt des Reicksarbeitsministc- r i u m s, das durch die ieweiliqe Wirtschastslaqe stark beeinflußt uurd. und dem Auswärtigen Amt. die Haus- halte des W e b r- und des Verkehrsmini st eriums auf. Im Nachfolgenden sind die Ausgaben der letzteren beiden Rellorts in den Iahren von 1924 bis 1929 zusammen- gestallt. Da im Laufe der Jahre wiederholt Umgruppierun- aen von Titeln aus den einmalmen in die fortdauernden Ausgaben und umaskehrt. ja selbst aus dem außerordent- lichen in den ordentlichen Haushalt stattgefunden haben, sind alle Ausgaben d»s ordentlichen und a"ßsrordentlichen Haus- Halts in einer Summe zulammenaefaßt. Der Hausbalt de« Wehrmmisteriums(Heer und Ma- rine) betrua 1924: 458 5. in 1925: 58? 5. in 1926: 646,2, in 1927: 705 8. in 1928: 726.4. in 1929: 703.7 Million-n Mark. Ist beim Wehretat wie bei allen anderen Etats ein erheblicher Teil der Steigerungen auf Erhöhung der Ma- terialpreise und der Gehälter und Löhne zurückzuführen, so ist der Haushalt des Wehrministeriums doch unzweifelhaft der in der Vergangenheit am reichsten dotiert«, in dem hohe Beträge für Zwecke zur Verfügung standen, für die sie wahrlich nicht destimmt waren. Ein Abstrich von einigen 20 Millionen Mar? entspricht in keiner Weise dem, was die Eindämmung solcher Mißstände und die finanzielle Notlage Deutschlands erfor- dert. Wenn im Haushalt an mehreren Stellen daher aus- geführt wird, daß. nachdem in den Mehrausgaben ein ge- wisser Stillstand erreicht sei, eine namhafte Kürzung sich kaum mehr werde durchführen lassen, so werden die weitesten Bolkskrelse, ganz abgesehen von ihrer grundsätzlichen Ein- stellung zur Reichswehr und Marine, solcher Auffassung nicht beitreten können. Der Haushall des Reichsverkchrsministe» r i u m s umfaßt neben den Ausgaben für die Wasserstraßen und für die angefangenen und daher fortzuführenden Kanal» bauten u. a. auch die„Allgemeinen Bewilllgungen auf dem Gebiete der Luftfahrt". Die Entwicklung dieses Haushalts zeigt die folgende Zusammenstellung: 1L2-1: 152, 1925: 205, 1926: 227,7, 1927: 251,7, 1928: 224,6, 1929: 260,7 Millionen Mark. Seit Jahren ist in diesen Spalten darauf hingewiesen worden, daß der die Luftfahrtabteilung betreffende Teil des Haushalts noch undurchsichtig«? ist als selbst der Wehretat. Hinter diesem dichten Schleier und getragen von dem Enthusiasmus, den die Bezwingung der Luft im deutschen Volk und nicht zum mindesten im Reichstag hervorgerufen hatte, konnten die Herren der Luftfahrtabteilung über die ihnen zu Suboentionszwecken bewilligten außerordentlich hohen Beträge so unumschränkt verfügen, wie wohl keine andere Abteilung in der ganzen Reichsverwaltung. Die Sozialdemokratie oersuchte im vorigen Jahre durch eine große Zahl spezifizierter Anträge das Dunkel aufzu- hellen, das Äer der Verteilung der hohen Subventionsfonds schwebte. Die Anträge wurden nicht weiter verfolgt, nach- dem es unter Zustimmung des früheren Reichsoerkehrs- Ministers �Dr. Koch gelungen war, im Haushaltsausschuß zwei Entschließungen zur Annahme zu bringen, in denen das Reichsverkehrsministerium ersucht wurde, regelmäßig viertel- jährlich dem Haushaltsausschuß Nachweilungen über die ausgegebenen Beträge und die Art ihrer Verteilung vorzu- legen. Auf diese Entschließungen hat das Reichsvsrkehrsmini- sterium bisher nicht reagiert, was noch näherer Aufklärung bedarf. Dafür ist aber im neuen Hmishall wobl durch dos Eingreifen des Reichsverkehrsministers v. Guörard Anordnung und Inhalt der einzelnen Titel in durchgreifen- der Weise umgestaltet worden, so durchgreifend, daß ein Vergleich mit den Ansätzen der Vorjahre nur mit erheblicher Mühe durchzuführen ist. Es sind nicht nur Kapitel und Titel zergliedert und von den einmaligen Ausgaben in die fortdauernden geschoben worden und umgekehrt, sondern«s wurden auch an sehr zahlreichen Stellen Teilbeträge von Titeln zugeschlagen. Der Nachteil der erschwerten Ver- gleichbarkelt wird so aufgewogen durch den Vorteil, daß die llnterrichtung des Reichstags darüber, wie die hohen Sub- ventionsfonds verwendet werden, in Zukunft von vorn- herein'erkeicktert ist. ohne daß" dadurch oie im'Vorfahr ver- langten viertel- oder chalbfährlichen Nachweisungen der tat- sächlich gewährten Subventionen überflüssig würden. Die Ausgabeniumme der Luftfahrtabteilung betrug im Borjahrs 52 5 in 1929 54.6 Millionen Mark. Sie ist also um 21 Millionen Mark gestiegen. Durch di« im Vorjahre erfolgte Fertigstellung des Zevvclin-Luftlchiffes sind die da- für in 1928 angesetzten 700 000 M. in 1929 in Fortfall ae- kommen. Dafür sind neu«inaesetzt: 4 Millionen Mark für Verlequna und Ausbau der Versuchsanstalt für Luftfahrt und 4 5 Millionen Mark als Beitrag zur Luftsch'ffballe und für Versuchsfahrten mit d-m neuen Zeppelin-Luftsch'ff. In die Subvention an die Lufthansa, die zum größten Teil in bar, zu einem Teil aber auch in Maschinen gewährt wird, ist ein Betrag von 550 000 M, für transozeanische und trans- kontinentale Aufgaben«ing's-bt. Im aanzen aber ist die Subn»ntionssumme vm'3 2 Millionen Mark gekürzt. Der obige kurze Ueberbl'ck über die geplanten Deckungs- maßnahmen für den neuen Reichshaushalt und d'e vorhan- denen Emsparungsmöglichkeiten zeigt, welche Schmierig- keilen selbst auf der Grundlage der Vorschläge d'e Verab- schiedung des neuen Etats hervorgerufen wird. D'e sozial- demokratische Fraktion wird bei den kommenden Bsratim- gen allen Versuchen, die Deckung uunaunsten der werktäti- gen Bevölkerung zu verschieben, stärksten W'derswnd entgegensetzen müssen. Einsparungen werden beim Wehretat und bei allen nicht unbedingt notwendigen Ausgaben zu er« folgen haben.___ Oer Kriegsachiungspaki angenommen. Gegen Deutschnationalisten und Sowjetfreunde. Der Reichstag hat gestern in namentlicher Abstimmung den Sellogg.pakt zur Aechtung des Sriege, mit 287 gegen 127 Stimmen angenommen. Mit den Kommunisten hat auch die d e u t s ch n a t i o- nale Reichstggsfraktion am Mittwoch der Ratiftzie- rung des Kellogg-Packts ihre Z u st i m m u n g v e r- sagt. Ihr Redner begründete die Ablehnung, zu der man sich, wie wir wissen, erst nach einigen inneren Auseinander- fetzungen und wahrscheinlich unter dem Druck des Herrn Hugenberg entschlossen hat. damit, daß eine von ,der Fraktion eingebrachte Entschließung keine Annahme ge- künden habe. Die Entschließung verlangte, kurz gesagt, von der Rgichsregierung, daß sie g l e t«fez e i t i g mit der Ratifi- zieruna für die Revision des Bersailler Vertrages eintrete, da die Behauptung von der Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten(wohlgemerkt nicht der Alleinschuld) hinfällig geworden sei. Run hat der deutsche Reichsmluister des Auswärtigen am 2 7. April 1928 an den cunertkanlschen Botschafter ln Berlin eine Note gerichtet, in der es wörtlich heißt: „Die deutsch« Regierung begrüßt di« Eröffnung von B«> Handlungen über den Abschluß eines internationalen Pakt«» zur Aechtung des Kriege, auf da, wärmst«. Di« beiden großen Gedanken, die der Jinmatioe des französischen Herrn Außenministers und dem aus ihr hervorgegangenen Dorschlag der R«gi«rung der Dereinigten Staaten zugrunde liegen, entsprechen volltom- wen den Grundsätzen der der deutschen Politik. Deutschland hat kein höheres Interesse, als die Möglichkeit kriegerischer Konjlikte ausgeschaltet und im Leben der Völker eine Entwicklung gesichert zu sehen, die den friedlichen Ausgleich aller Gegensätze -wischen den Staaten gewährleisten. Der Abschluß eines Paktes, wie Ein Gystemwechsel und doch keiner Oer Kamps um die Amnestie in Rumänien. Die rumänische.Bauernregierung" Moni« hat«ine Amnestie versprochen. Das Interesse aller demokratisch Gesinnten in anderen Ländern für das Schicksal der Unglücklichen in den rumänischen Kerkern tritt in der überaus großen Anzahl von Zu» schristen und Telegrammen zutage, dl» beim Regentschost»- rat einlangen und die Befreiung d«? politischen Gesängen«,, dl« Freilassung B u j o r s und anderer Opfer der Oligarchie verlangen. Schriftsteller und Gelehrte, Künstler und Politiker Westeurapos, darunter Thomas und Heinrich Wann. Helene Stock er. 5t Michaeli». Käthe Kollwitz. Albert Einstein, Prof. Freud u. a. m. haben diese Zuschriften gezeichnet. Eine Anzahl deutscher Sozialdemokraten richtete ebenfalls an den Ministerpräsidenten Man!» ein Telegramm, in welchem sie dl« Durchführung der versprochene» Amnestie verlangen. Die Regierung scheint jetzt aber der Ansicht zu sein, daß di« Amnestie.die Sicherheit des Staates" erschüttern könnte. Gegen sämtliche Reimer einer vom Znlllallvkomltee für die Er- languug einer allgemeiueu Amnestie eiuberuseuen Dersum tn- lung in Slschinew wurde aus Grund eine» Berichtes der be- rüchtigteu Siguranza die Strafverfolgung wegen Verbrechens gegen die Sicherheit de» Staates etngeleitet. Abg. Genosse Dr. Pistin er forderte in einem Czernowitzer Meeting di« vollständige Auflösung der Siguranza. die Einführung einer modernen Polizei und die Erfüllung der Dersprechungen der neuen Regierung. Eine».irrtümliche Amnestierte. Im Jahre 1922 ist m Bessaroblen die ISjährige Schülerin M a n i a Ehrlich wegen Derbrechens gegen die SicherheU des Staate» zu 10 Iahren Kerker verurteilt worden. 6 Jahre davon hat st« Im Frauengcfängni» Mislea bereits verbüßt! Bor kurzem wurde sie freigelassen, well sie begnadigt sei. Sie kam in ihr Heimatdorf in Bessarabien. wurde aber schon am näch- sten Tage von der Gendarmerie wieder verhastet und noch Mislea zurückgebracht. Sie war nämlich„irrtümlich" auf die List« der Begnadigten gesetzt worden, während ihl« Stras« in Wirk- lichkeit nur um zwei Jahre herabgesetzt ist. Do».Derbrechen" der Mania Ehrlich hat seinerzeit in nichts anderem bestanden, als daß sie kommunistische Psakate trug. Äelagerungszustand in Bessarabien! Der Armeekommandant von Iasstz. General Z a.k> i k. hat einen Tagesbefehl über die Wiederelnsvhrung de» Belage- rungszustandes in den bessaeabischev und bukowiwschen Grenzgebieten in einer Zone von 20 Kilometern erlassen. Nach den früheren Witteilmigen der Regievtna sollt« nur«in Heber- wachungsregime in einer Zone von 10 �Kilometern bestehen. Di« Linkspresse, sowie die Regierungsblätter protestieren gegeo diese Maßnahme der Heeresleitung und vermute'», daß sie ohne Kenntnis der Regierung, auf Betreiben.liberaler' Politiker verfügt wurde: andernfalls würde ein krasser Wortbruch d�r Re- gierung vorliegen. In der Kammersitzung vom SO. Januar interpellierte der sozialdemokratische Abg. Romulus Don in dieser Angelegenheit und stellte die Forderung nach völliger Ab- schaffung de» Pelagerungszustandes auch in der Grenzzone. Der Lrieg»lninister antwortete unbestimmt und ausweichend l Einer der Forderungen der rumänischen Sozialdemokratie an die neue Regierung soll nun doch entsprochen werden. Me aus einer Erklärung des Kritgsministers General C i h o s k i hervor. geht, hat die Regierung ein« Uederprüfu.ng der bei den Kriegsgerichten anhängigen politischen Pro- zess» in Aussicht genommen. Nach amtlichen Fest- stellungen sind gegenwärtig gegen 4900 polllische Kriegsgerichlsprozesse In Schwebe. Kriegsmimster Cihoski hat angeordnet, daß all« politisch«» Prozesse genau überprüft und, wo kein« Grundlage zur Anklage vorhanden ist, das Verfahren eingestellt werde. ihn die Regierung dar Verervigten Staaten jetzt im Auge hat. würde die Völker der Erreichung dieses Ziele» sicherlich um ein weites Stück näherbringen." Mit der Erklärung der Bereitwilliakeit,«inen Pakt nach den amerikanischen Vorschlägen abzuschließen, verband die Rot« di« bestimmt« Erwartung, daß sein Zustande- kommen nicht verfehlen werde, alsbald seinen Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Beziehungen gellend zu machen. Irgendwelche Boraussetzungen für die deutsche Unterschrift wurden aber n i ch t a u f g e st e l l t. Als die Note abging, saßen die Deutschnationalen noch imKabinett! Ohne allen Zweifel hat dieses Kabi- nett dem Text ausdrücklich zugestimmt. Jetzt, wo sie sich nicht mehr in der Regierung befinden, lehnen sie einen Pakt, den sie vor dreiviertel Jahren auf» wärmste begrüßten und der, wie sie damals feststellten, den Grundsätzen der deutschen Politik vollkommen entspricht, rundweg ab. Das nennen sie dann„grundsätzliche Opposition". Aber welches sind denn nun eigentlich die deutschnationalen Grundsätze? Preußen gegen prenzlau. Der preußische Richterverein zum Fall Oüsterberg-Prenzlau Der Preußische Richterverein teilt mit: „Nach den» Geseg zum Schutz der Republik ist zu bestrafen, wer öffentlich di« verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staats- form des Reiches beschimpft. Iin Fall Düsterberg sagte der Ange. schuldigte in ösfentlicher Versammlung:„Wir wollen diesen Staat. der aus Verrat und Meuterei geboren ist, wieder erobern, um einen Staat ailf völkischer Grundlage herzustellen.--In dieser Aeußerung haben die Gericht« in Prenzlau keinen Angriff aus unsere Staats- jorm im Sinne des Repubtikschutzgefetzes erblickt und daher die Er- öffnung des Hauptoersahrens gegen den Angeschuldigten abgelehnt. Daraufhin ist verschiedentlich in der Oeffentlichteil der Vorwurf erhoben worden, die beleiligkeo Richter hätten sich bei der Beschluß- sossuog vou poli'.ischeu Anschauungen nicht srelmachen können. Der preußische Richteroerein hat al, Standeevertrelung durch seioe bekannt« Kommission die Angelegenheit prüfen lassen, sindet aber keinen Anlaß, den Vorwurf zurückzuweisen und für die angegriffeaeu Richter einzutreten.� In Gollnow ist der bekannt« völkische Agitator Stadler frei- gesprochen worden, trotzdem er die Deutsche Republik mit einem Kuhfladen verglichen hatte, dessen Kruste sich zwar gefestigt habe, innen jehoch weiter Mist sei. Der Preußische Richter- verein Hot, wie er mitteilt, sofort s«lne Kommission zur Nachprüfung richterlicher Entgleisungen(Vorsitzen- der Landgcrichtrdirektor Weigext-Berlin) ersucht, big zur Ausklärung und Feststellung des Sachverhalts erforderlichen Ermittlungen anzu- stellen. Nach Prüfung de? Ergebnisses wird der RIchtcrvercin auch zu d e r Angelegenheit Stellung nehmen. Komödie im Girafrechisavsschuß. Hanemaun am Strick Huvenberg». ImStrafgesetzausschutzdejiRelchstags führten die Deutschnationalen am Dienstag zu Leginn der Beratungen die gleich« Komödie auf, die Graf Westarp am Tage zuvor im Plenum oersucht hatte. Der 2lbg. Hanemaun beantragte, mit Rücksicht auf d>« Er- regung, die im ganzen Lande wegen der Broschüre„S o z r a l d e m o- kratie und Dehrprohlern" vorhanden sei- sofort nach Ab- schloß de» gegenwärtigen Kapitels den Abschnitt über Lau- dszoerratzu beraten. Abg. Landsberg erwiderte, daß die Erregung wohl nur in der deutschnationalen Pressestell« vorhanden sei, daß aber di« Sozial» denwkratie sich nie einer sofortigen Beratung der Landssoerral»- Paragraphen widersetzt Hab«, sondern im Gegenteil auf beschleunigte Beratung gedrängt Hab».— Abg. Frau Dfülf(S05.) wie» darauf hin, daß«» die Schuld des früheren d«utschnatümal«n Iuftizminister» H»rgt gewesen sei. wenn in der letzten Legieloturperiod« de» allen Reichstags die Landesverratsparagraphen nicht beraten werden komtten, weil Hergt trotz häufiger Anforderung durch den Bericht. erstatter das erforderliche Material nicht geliesen habe.— Der Antrag auf baldig« Beratung des Abschnittes über Landesverrat wurde schließlich mit den Stimme v der Sozigldemo» kratie angenommen. Ade, bayerische Tiiel! Die Reichsregierung für Aeobachtung der Verfassung. Nach halbamtlicher Meldung hat de? R e i ch s m i n l st« r des Innern auf Grund eines Beschlusses de» Rvichskabinetts beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich den Antrag gestellt ZU entscheiden: Die Verleihung von Ehrentiteln, wie sie die bayerische Slaatseegierung seit Zahreu zur Auszeichnung beamteter und nichtbeamteter Personen vornimmt, ist mit dem Art.>09 Absatz 4 der Reichsveriassuug nicht vereinbar. Artikel 103 Absatz 4 der Reichsverfassung lautet: Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Berus bezeichnen: akademische Grade stnd hierdurch nicht betroffen. Zu deck baluvötlschen' StämnieselgentÜmllchkeittn �zähll bekannt- lich die Nichtbeachtung der Rei chsversassung und der Reichsgesetze. wo diese der herrschenden Reaktion nicht in den Kram passen. Trotz des unzweideutigen und zwingenden Inhalls der Reichsoerfassung, war die bayerische Regierung schon im Jahre 1925 dazu übergegangen, munter Titel zu verleihen, und ste hatte auf diesem Gebiet eine Erfindungsgabe entwickelt, die eines besseren Gegenstandes würdig gewesen wäre. Apotheker wurden zu .P h o r m a z i e r ä t e n". Architekten zu„Landesbouräten". Ingenieure zu„Technischen G« w e r b« rä te,n". Lersiche- rungsangestellte zu„V e r s i ch e r u ng s rä t c n". und sogar für Arbeiter waren„A r b c i t s r ä t e" erfunden worden- Freilich mangclle es für den letzteren Titel an Empfangslustigen, selbst christliche Gewerkschaftssekretäre, denen zu Weihnachten 1925 die „Erhebung" zu Arbeitsräten angeboten wurde, warfen der bayc- rischen Regievung den kurdischen Bettel vor die Füße. Einem tttelstolzen Spießertum war natürlich eine große Freude bereitet, denn nichts tröstet die Witwe eines Münchener Vier- Philisters mehr in ihrem Wilwenkummer, als wenn st« in der Todesanzeige mit einem möglichst langen und hochtrabenden Titel als„Technische Gewcrberatsgattin" oder„Pharmazierchswitwe" paradieren kann. Schließlich aber ist der Staat zu Befriedigungen kümmerlichen Ehrgeizes und philiströser Eitelkoit nicht da, und vor allem kann es nicht geduldet werden, daß stch ein Laich, da» für sich den Titel einer ÜRdnungszelle" in Anspruch nimmt, sich«in- fach über die Reichsoerfossung hinwegsetzt. Wir begrüßen da» Vorgehe» der Reichsregierung und möchten den bayerischen Ministern nur raten, ihren Schmerz diesmal etwas würdevolle� zu stilisieren, als da» letzthin gegenüber Preußen geschehen ist. Sonst muh man am Ende nachher wieder Abbitte leisten..... � Hugenbergs Zlugplah. Ganz wie bei den Kommvn sten. Hamburg. 6. Februar. I» einer längeren Zuschrift des Landesverbände» der Deutsch- nationalen Vollspartei wird festgestellt, daß die Zugehörigkeit zu einem dar sogenannten deutschnationalen Vereine nackz der eindeutigen Stellungnahme des Partei»'ersitzenden Hugenberg völlig unvereinbar mit der Zugehörigkeit zu der Partei ist. Der Lolchesvorstand Hamburg Hab» sich daher in der Sitzung vom 4. Februar gezwungen gesehen, den Senatspräsi- denken Dr. Hermann v. Dössel und da» Parteimitglied Em'l M a s s i e au» der Partei auszuschließen! poincarH hätte schwelgen sollen. «Slam stellt Locamo-Vertrasstreue Deutschlands fest. parl», ö. Februar.(C'.gmkertchiz Anker der llsbrrichrlft„Schweigen ist Sold" schdetbt Cioa Blum In„populair«-. Poiaearö hätte besser gntan. seine Zisfern- angab« aus ihre Wahrheit zu prüfen, anstatt sich einen billigen Seusaiiousersoig zu verschaffen, wenn poincac« schau den Beweis in der Hand zu haben glaub«, daß die Auwnomisteu von Deutschland Geld erhallen hätten, dann habe er die zwingende P stich«, diese Be- weis, osseu aus den Tisch zu legen. E» sei aber uoNug und unüberlegt, aus die Reichsregicrunz einen so schweren Verdochi zu werfen.£con Blum stellt fest, daß Deutschland keineswegs eine separassstlsche Bewegung im Elsaß direkt oder indlrett begllusttg« und damit den Verzicht aus Elsaß-cothringeu verletzt«. Oer bajuvansche Löwe. Nachdem er gebrüllt hat, gibt er pfötchen. Aber der dahinter steckt, sagt nachher: ,Zch bind nicht gewesen.'� Deutschland ratifiziert Kelloggpakt Mi großer Mehrheii vom Reichsiag beschloffen Im ZteichstaA hielt am Beginn der Mittwochptzung Präsident Löbe folgend« iknsplvche: fieut« vor zehn Iahren ist üi Weimar die deutsch« Nationalversammlung eröffnet worden. Durch ihr« Einberufung und Zusammensetzung hat sie dem deutschen Staat« ein« neue staatlich« Gestaltirng. die demokratische und repu- lilikonisch« Stoatsform gegeben. fZwischenruse rechts und bei den Äommunisten.) Die Frauen und Männer, die damals in Weimar nerfammelt maren, haben gewußt, daß die Folgen des Krieges, der Niederlage und des Zusammenbruchs die Existenz unsere» Bolke« aufs tiefste gefährden würden. Trotzdem haben sie sich sofort an die Zlrbelt gemocht, um die damals stark gefährdete deutsche Einheit zu retten. Sie haben dem Reich die neu« freiheitliche Verfassung gegeben und in« Ueberwiudung der Blockade und vieler anderer Schwierigkeiten ermöglicht und die Ausgab« der Konsolidierung der deutschen Wirtschaft übernommen. Wir setzen, obgleich wir wissen. daß diese schweren Schäden noch nicht überwunden sind, diese ichwe» Arbeit fort in der Gewißheit und Zuversicht,� daß das imitsch« Bolk, politisch reis geworden, gewillt ist, sein Schicksal in der«Igen«, chond zu gestalten und unser Land der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit zuzuführen. Während der Ansprache hatten sich die meisten Mitglieder der hinter der Regierung stehenden Parteien von den Sitzen er- hoben. Aon der Rechten und von den Kommunist«, wurde der Präsident wiederholt durch lärmende Zwilchenruse unterbrochen. Am Schluß der Ansprache kamen Beifallskundgebungen von der Mehrheit, während ein Kommunist rief:»hier werden wohl Karnevalsreden gehalten!" Andere Kommunisten schleuderten Schimpfworte in den Saal. Präsident Löbe szu den Kommunistens: Ich weiß, daß in diesem .fymse Damen und Herren vorhanden sind, die die Anschauungen der Mehrheit nicht teilen. Ich will hier nicht polemisieren, aber ich möcht» doch auf folgendes hinweisen: Wäre der stoalliche Wille der cherren von rechts durchgeführt worden, dann hätte man Sie fzu den Kommunisten) an die Wand gestellt. Wäre Ihr staallicher Wille durchgeführt worden, dann hätten Sic die Herren von rechts an die Wand gestellt. Die Demokratie hat Ihnen und d«' anderen erst die staatsbürgerlichen Recht« gegeben. Vielleicht kommen wir sogar dazu. Herrn Trotzki das sreiheitliihe Asyl zu geben.(Lebhaster Beifall bei der Mehrheit.) Aus der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Entlastung des Reichsgerichts durch gewisse Beschränkungen der Reolsiansmöglichkeit im Zivil- Prozeß' Noch der Ausschußfassung des Gesetzes kann das Reoisionsgericht, auch ohne daß ein Einverständnis der Parteien vorliegt, ohne mündliche Berhandlung entscheiden, wenn nach Loge der Sache eine weitere Klärung durch die mündliche Verhandlung nicht zu erwaUen steht. Will das Reoisionsgericht von dieser De. fugni» Gebrauch machen, so hat es den Parteien Gelegenheit zur Ichriftlichen Aeußerung zu geben. Dies wird beschlossen, obwohl Reichssustizministcr Koch diese Fassung als unzureichend erklärt. Oer Kellogg-patt. Abg. Dr. Hoehsch(Unat.) berichtet über die Ausschußberatungen. Abg. 0. Rhetnbabe«(53. Dp): Starke Bedenken hat es erzeugt, daß England und Frankreich gleichzeitig mit der Borbereitung der KriegLächtung ein Seerüstungsabkommen geplant und entworfen hatten. Das war nicht die richtige Gesinnung. Es mutz mehr Auf. richttgkeit in die Internationalen Beziehungen einziehen. Die K o m> m u n i st« n reden gegen Rüstungen, predigen aber immer wieder Gewaltanwendungen gegen die eigenen Volksgenossen. Es be- stehen viele Aehallchkelleu zwischen den Amerikanern und uns: wir begrüßen die stark vorgeschrittene Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Wenn der Kellogg> Patt nicht zur allgemeinen Abrüstung führt, wird a eine leer« Geste bleiben. Das deutsche Doli ist nicht geneigt, dem Dersailler Frieden mit feinen Ungerechtigkeiten als Regelung für ewige Zeiten anzuerkennen. Abg. Or. Areitscheid(Coj.); Stellen wir uns vor, daß etwa vor 25 Jahren, zur Zeit der Haager Friedenskonferenz,«in Mann angekündigt hätte, im Jahr« Iflgfl würde de? Deutsche Reichstag einen Internationalen Vertrag ratifizieren, der den Krieg als Mittel zur Lösung imernationaler Streitfäll« verurteilt, aus ihn als Werkzeug der Polint verzichtet und alle Verttogsstaaten verpflichtet, jeden Konflikt nur durch friedliche Mittel zu lösen. Einen solchen Propheten hätten im da- maligen Deutschland die«inen als Narren bezeichnet, der für das Irrenhaus reif fei, weil er an der Beseitigung des Krieges, dieses Bestandteils der göttlichen Wellordnung mitarbeiten wolle und an die Möglichkett des Erfolges glaub«: andere würden einen solchen Propheten des Landesverrats bezichtigt hoben, da er ein« Idee pro- paniere, durch deren Verwirklichung das Recht der Regierung, Krieg zu erklären, beseitigt oder eingeschränkt würde. Wieb« andere würden angenommen haben, daß der Tag. an dem ein solcher Vertrag ratifiziert werde, von der Menschhell als ein Freudentog gefeiert werden würde, da er sie von dem ungeheuren Druck der Kriegsgesahr befrei«. Heute wird der Kellogg- Pakt m i t kühler Geschästsmäßigteit behandelt, bei uns und mehr oder weniger auch in den anderen Parlamenten. Warum? Ein- mal, weil zu den Pazifisten der Ueberzeugung von ehedem in- zwischen auch in Deutschland Pazifisten aus Zwang gekommen sind. die sich für die friedlich« Regelung von Streitfragen erklären, weil sie wissen, daß andere Mittel dem deutschen Volk nicht zur Verfügung stehen. Das Kriegsoerhütungsrecht- zu dem auch dieser Pakt gehört, hat seit Abschluß des Wellkriegss eine Reihe nicht zu unterschätzender Fortschritte gemacht: wir haben das Statut des Völkerbundes, wir haben di« Schiedsgerichtsvcrträge di« neuerdings auch Rußland abschließt, wir hoben die Verträge von Locarno. Schon 1927 hat die Dollversammlung des Völkerbundes einen Beschluß gefaßt, wonach jeder Angriffskrieg perboten ist und bleibt und alle friedlichen Mittel bei Streittgkeit isder Art zwischen den Staaten angewendet iverden müssen.(Ein Kommu- nist stellt mit großem Krach«ine ausgewachsen« Granate auf den Tisch des Hauses, auch ein Plakat wird dazu gelegt.— Prä- sident Löbe: Auf den Tisch des Hauses dürfen Gegenstände nur mit Zustimmung des Präsidenten gelegt werden, ich beauftrage die Diener, die Gegenstände wegzunehmen.) Ich habe natürlich leine Veranlassuna. aus diese Ausstellung der Kommunisten einzu- gehen. Wenn die«omnminsten hier auftreten und von den Geschützen anderer Staaten reden, werden sie sich schon gefallen lasten müssen, daß auch auf die russische Armee hingewiesen wird.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Der Kollegg-Patt geht formal weiter, als der Beschluß der Völkerbundversammliing, da er nicht eine einfache Erklärung dar- stellt, sondern von allen Staaten ratifiziert werden soll, was von der großen Mehrzahl aller Staaten bereits geschehen ist oder in nächster Zeit geschehen wird. Auch inhalttich scheint der Kollegg- Pakt weiterzugehen, da er ganz allgemein von der Ler- urteilung des Krieges spricht. Zu seiner Auslegung müssen wir di« Noten lieranziehen, die vor der Unterzeichnung in Paris zwischen den einzelnen Staaten gewechselt worden sind. Daraus geht her- vor, daß die Verurteilung, wie sie im Text ausgesprochen ist, sich nicht nur etwa äuf den Krieg ggnz allgemein bezieht, sondern daß dem Verteidigungskrieg, dem Recht der nolionalen Selbstver- woltung auch noch diesem Verlrag volle Freiheit gelassen wird. Die Staatsmänner und Restierungen, besonders in den Sieger- staaten des Weltkrieges, sind zurzeit auf einem Wege, der zwischen zwei Prinzipien hindurchsührt. nämlich der Kriegsgefahr durch Rüstungen vorzubeugen, oder ihr durch bindende Abmachungen zu entgehen. Wenn der Kellogg. Pakt einen Sinn hat, so meiner Meinung nach nur den, der Bewegung gegen di« Rüstungen, für die Abrüstung neue Impulse zu geben. Wir stimmen auch für de» Antrag des Ausschusses(der bereits veröffentlicht ist. Amn. d. Red.) und sind überzeugt, daß die Reichsregierung chn be- nutzen wird, um den anderen Regierungen aufs neu« zu sagen: Was nutzen uns alle derartige» Vertrage und Versicherungen, wenn die praktischen Konsequenzen nicht gezogen werden, sowohl für die Ab- rüstnng wie für di« Räumung des Rheinlandes u. a. m.(Lebhaste Zustimmung.) Die Kommunisten sagen, dieser Kellogg-Pakt sei nur ein großes Stück Heuchelei, Deutschland sei im Begriff, sich mit den West- mächten zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Svwjctrußiand ,zu. sammenzuschließen. Die Kowjetregicrumj dagegen schätzt den Sellogg.paki sehr hoch. sie hat stark auf Polen gedrückt, daß Polen gleichzeitig mit Ruß- land den Äellogg-Pak» ratifiziere, und morgen soll diese Rattsizi«- rung durch Polen, Rußland, Rumänien und Estland erfolgen. Wenn das alles.Heuchelei ist. dann macht sich di« Lowjetregierung dieser Heuchelei in grobem Maße schuldig.(Sehr richtig'.) Die Kommu« nisten sagen, den wahren Frieden gebe es nicht im kapitalistischen Staat(Zuruf: Das haben Sie früher selbst gesagt!), das sagen wir auch jetzt, aber sollen wir in der Awischenzett alle Frisdenemöglich. ketten verkümmern lassen? Die Sowjettegierung scheint doch etwas gescheiter zu sein, als die Kommunisten hier.(Lachen bei den Kommunisten.) Durch Ihr Lachen beweisen Sie nur Ihr« Un- sichsrhett.(Sehr gut! links.) Wir wisten, daß dt« verschiedenen Regierungen nicht plötzlich sich zu Erzpazinsten bekehrt haben, wohl ober zu der Erkenntnis, daß der Krieg heute für niemanden em Geschäft ist. und daß durch den Krieg tue Ziele der Politik nicht zu erreichen sind. Da Sie(zu den Kommunisten) immer wieder bebaupten. Deutschland nähme an der Einkreisung Sowietrüß- lands teil, so will ich Si« aufmerksam machen aus di« Ansprache, in der der Avrsitzende des Zemraloollzugsou-schuisez der Sowjet- union, Herr K a Ii n i n. am 9, Januar dem neuen deutschen Bot- schafter gegenüber mit begeisterten Worten die überaus eng« Freundschaft Zwischen der Sowjetunion und der beut» schen Republik gepriesen hat. die sett dem Vertrag von Ropallo immer weiler gewachsen sei.(Lachen der Kommunisten.) setzen Sic sich doch mtt Ihrem Freund Kolini n auseinander! Wir stimmen aus den angegebenen Gründen der Ratifizierung des Kollegg-Paktes zu. Wir lehnen die deutschnationale Resolutipn ab,«eil sie die Ratifizierung mit Dinge« besihwerev will, deren Verbindung damtt unzweckmäßig ist. Wir sehen in dem Kollegg- Pakt nicht den Anbruch des ewigen Friedens, wohl aber ein In- ftrument. da» der Bewegung zur wahren Befriedung der Well neue Impuls« geben wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Dl« Resolution Westarp(Dnat.) will die Rsichsregie- rung ersuchen, zugleich mtt der Vekonntgabc der Ratifikation des Kellogg-Paktes den Signatarmächten folgendes mitzuteilen: Deutschland hat den Kellogg-Pakt angenommen, weil e» das allgemeine Friedenswerk fördern und seine Sympachie mit der ans das gleiche Ziel gerichteten Politik der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringen wollte. Es hält es jedoch für seine Pslichi, zu betonen, daß der Friede nicht als gewährleistet angesehen werden kann, solange die allgemeine Abrüstung nicht durchggeführt iiud so- lange nicht durch Ausbau des Artikels 19 der Völkerbundssatzimg oder auf anderem Wege ein« Möglichkeit geschaffen ist, die Friedens- vertrag« von 1919 gemäß den Forderungen der Gerechngkelt und der Gleichberechtigung zu revidieren. Eine solche Revision erscheint nach der Ueberzeugung Deutschlands um so unabweislicher. als inzwischen die These von der Kriegsschuld Deutschland«, aus der die Friedensverträge ausgebaut sind, hinfällig geworden ist. Abg. Stöcker(Komm.): Unsere Granat« lst uns von christlichen Arbeitern als Beweis für illegale Rüswngsaxb-iten der Bochumer Schwerindustrie übergeben worden. Ein kommunistischer Antrag auf Herbeirufung des Reichsvphr- Ministers wird a b g e l e h n t. Abg. Dr. vredl(Wp.): Kellogg wollte zuerst die bewußt« Um- kehrung de» Wortes von Claufewitz, daß der Krieg die Fortsstzimg der Pölttik mit anderen Mitteln sei: der Patt aber verurteilt bloß den Angriffskrieg. 5)as ist nicht viel neues, schon da» Plomarcksche Vertragssystem hatte rein desensiven Charakter. Abg. Dr. Hao»(Dem.): Als Konsequenz de» Kellogg- Paktes fordern wir vor allem die Räumung des Rhein landes, sowie einen ernsthaften Ansang mtt der internationalen Abrüstung. Auch die Mißhandlung der Minderhettsvölker und die Ausrechterhaltung unmöglich gewordener Grenzen sind Kriegsursachen. Es muß erreicht werden, daß auf friedlichem Wege gegen den Willen des Widerstrebenden ein« Aenderung der Grenzen durchgesetzt werden kann. Dazu muß die Völkerbundsakt« ausgebaut werden. Abg. Dr. wendhauseu(Chr.-Nat. Bauernp.) lehnt den Pakt ab. der den Krieg nicht verhindern werde. Wichtiger fei die Wider- rufung der Lüge von Deutschlands Kriegsschuld. Abg. Dr. Obersohreu(Dnat.) gibt ein« Erflärung ab. wonach die deutschnativnale Fraktion bei aller Sympathie für die Snch- des Friedens dem Vertrag nicht zustimmen könne, da das besetzte Gebiet noch nicht geräumt, die Abrüstung bisher verweigert und der Palt durch die Auslegungen der sogenannten Siegerniachte in wesentlichen Punkten ausgehöhlt sei. Damit ist di« Aussprache zu Ende, die Rotifizierum, wird m zweiter Cefimg beschlossen. Zur Entschließung W e st a r p(Dnat.) erklärt Abg. v. Rheiubaben(D. Vp.): Wir Habetz unsere Meinung über den Dersailler Frieden stets ausgesprochen: ohne zur deutsch- nationalen Entschließung Stellung zu nehmen, stimmen wir für den Ausschußontrog. Abg. Dr. wirth(Z.)i Der Ausschuß bat ausdrücklich beschlossen. die Kriegsschuldfrage nicht mit diesem Gegenstand zu verquicken: wir lehnen deshalb die Entschließung Westarp ab. Aus einen Einwurf des Abg. Graf Westarp(Dnat.) erwidert Abg. Dr. wirth ck l i» hat ur der autonomistischen Press» wiederum einen offenen Brief an Poincare veröffentlicht. Darin fordert er Poincarä u. a. auf. ihm ein« einzig« Stell« in seinen Reden und Artikeln nachzuweisen, di» alz«in Angriff gegen Frankreich gedeutet werden könnt». Er und sein» politischen Freund« hätten stets zwischen Frankreich und senen Hetzern, die am Eobnarer Prozeß die Schuld tragen, einen Unterschied gemacht. Z« Bombayer Keligiovskrieq such bis jetzt 22 Tote und hundert« Verletzte zu verzeichnen. In E o l o m b o auf Ceylon sind fünf Tote und 26 Verletzte die Opfer der Unruhen, di« aber dort sozialen Ursprungs sind. plechavitiu» scheint gesiegt zu haben: er �st jetzt General und für Sonderaufträge'dcr litauischen Regierung zur Verfügung gestellt. tdilvi/L . enorm *• l V.v, r Servierschür�en ÄtK""" 165 DAHEH-BEKLEIPUNG Tenniskleider r�~.".u.Ä 490 T«« Kl Ä; J sns Psnimv mit halben Aenneln. 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Schwteger- ut d Gtotznaters. be« Sfetnbrutlcrs Richard Hcndkcl sagen wir allen Verwandten, freunden unb Bekannten, be» Rednern ber Fteiben'er. de« Ber bände« der Litha- ftaphen und der SPD. towie bem ietrieberai unb bem Vertreter der Firma s s. Herrmann unseren herz- itchsten Danf BreSiau. den i. Februar 1929. Frau Ww. Hcnckcl, Familie VoCeL Am Sonntig, dem i Februar, verstarb an den Folgen einer Lallet! Steinoperation das Mitglied unseres Vorstandes Herr Heinrich Jury Seine treue Mitarbeit im Dienste der Sozial» vet Sicherung zum Wohle de, Versicherten vet- bürgt ihm ein bleibendes ehrenvolles-'.ndenken, Die Trauerfeier findet Freitag, den 8. Februar. nachm. SVi Ohr, im Kremator.um Wilmersdorf, Berliner Stra"« 101-103, statt Der Terstand und die Andesiellten der Ich ingskr anHert Kasse a r easiwirte- inni Dd zu BerfD zur Miete «SO, Ansbacherstr.! | wenig getragene Fraikanzilge. Sma» kingattzllge. Eehrocka rziige, Iatfeft- anziige. tSummimanfel. TufawavanZtige. Dabarbtnemänfei. 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Er gibt an, daß er sich erst in der alten.Herberge der Zinunerleute er- b'mbiat habe, bebaupte» aber, daß in seinem Auto nur di« beiden Mitglieder des Vereins„Norden gewesen seien. Der Zeug« sucht dann zu rechtfertigen, welches Interesse er an der Ermittlung des Mefserftecher? gehabt habe... ?ch kenne wie Wilhelm keine Parteien, sondern nur Gäste. Die Zimmerleiite machen gute Zechen, aber mit„dem Berein" darf ich es auch nicht verderben. Weiterhin wurde«in Zeug« ver- nammen, der am Sonnabend in dem Lokal von Rouhut«mshitst, in dem sich die �)mmertrcu"-Leuts nach der ersten Schlägerei ver- lammelt hatten und wohin auch noch der Anklage in Autödroschken die Hisse gekommen sein soll. Der Zeuge erinnert sich an nichts. Staatsanwalt: Können Sie auf Ihren Eid nehmen, daß Sie niemanden von den Angeklagten im Lokal gesehen haben? Zeuge: lßein, ich kenne niemanden. Ich habe auch nicht wahrgenommen, daß um Hilfe telphoniert worden ist. Belastet wurden die An- geklagten Franke. Pietrzok. Los.und Leib. Las soll einem Zeugen zugerufen haben: Euch Saubande werden wir weiter Rache schwören. Ein Zeuge Krause schildert sehr drastisch, wie er zur Tür hinausging und seinen Leuten zurief, sie sollten keinen Schlag mehr tun. erst müsse er wissen, was gespielt würde. Er rief zu Lech hinüber: Seid ihr Vieh oder Mensch? Sagt mir gefälligst, ivas ihr wollt. Angetl. Leib: Die Aussagen d.ieses Zeugen sind für mich von besonderer Wichtiakeit, denn er hat mich nicht mit einer Wasie gesehen und zu einer Zeit, wo ich noch den Zeugen Benz geschlagen haben lall, hat er sich nach mit mir unterhalten. Ich danke Ihnen für Are Entlastung. Herr Zeuge. Zeuge Krause: Dafür tonn ich nichts, ich muß sagen, was ich weiß. Vors.: Sie haben ganz recht, aber ivas sagt der Zeuge Bcuz zu Ihrer Aussage? Benz: Ich kam« nichts widerrufen. Alle die jungen Zeugen, die nacheinander vernommen werden, werden von der Verteidigung in ein scharfes Verhör wegen der präzisen Zeitangaben genommen. Immer wieder beschwere» sich die Zeugen darüber. Einer rief dem Rechtsanwalt Frey zu: Nehmen Sic sich doch den Schmutz aus den Ohrci«, ich habe ja alles schon einmal gesagt. Der Vorsitzende gab ihm einen Verweis und drohte ihm mit drei Tagen Haft. Daraus sprang der Zeuge Krause auf und kam seinen« Kameraden zu Hilfe. Krause: Die Herren Verteidiger nehmen einen elnsaihen Zimmermann, der nicht so akode,nisch gebildet ist«nie sie, in ein derartiges Srenzvcrhör, daß man ganz verwirrt wird. Ei» anderer Zeuge erklärt kurz darauf, daß er bald genug habe und die Aussage weiter vcriveigern«vird. Ein Kellner, bei dem der Angeklagt« Pietrzok den fraglichen Abend verbracht hatte, erzählt«, daß Pictrzak eine Zeche von 30 M. gemacht halte. Vors.: Wie kommt diese Summe zusammen? Zeuge: Der Angeklagte trank nur Kognak, und der tostet bei mir pro Glas 2? Pi. V o ff.: Das wären so SO Kognaks, da? kann ja keinen Mensch trinken.(Im«aale herrscht eine so groß« Heiterkeit, daß der Vorsitzend« erst sehr energisch Ruh« forden« muß.) Zeuge: Allerdings hat der Angetgate für mehrere andere mitbezahlh er ging ungefähr um'511 Uhr von mir weg. Unter allgemeiner Spannung wurde der erste Lorsitzende des Vereins.Fzinmertreu", der Kellner Alfred Füller», als Zeitge aufgerufen. Vors.: Was ist am nächsten Tage über die Beteiligung der Mitglieder an der Schlägerei gelproci,-:, worden? Zeuge: Es wurde mir gesagt, daß man nur den Messerstecher verhaften lassen wallte. Ich bekam dann einen Brief von dem Altgesellen,«vir möchten hie Feindseligkeiten einstellen. Unser Verein hat««ie gegen die Zimmerleute eine Feindschaft gehabt. Reibereien Hab« es mu Zimmerleuten, die mit Messern in die Lokale eilidringen wollten, öfter gegeben, der Verein habe aber Schlägercict« immer„auf diplomatischem Wege" zu vermeiden gewußt. B o.r s.: Ist das richtig, daß ein bedrängter Verein den„Ring" anruft und daß dann die anderen Vereine zu Hilfe eilen? Zeuge: Der„Ring" hat damit gar nichts zu tun. Ich habe mich erkundigt, und es ist an ieuem Tage kein Berein angerufen worden. Verteidiger: Welchen Zweck verfolgt Ihr Verein? Zeuge: Sport und Gesellig- keit zu pflegen. Unsere Kollegen sind nicht unbeschrieben« Blätter. Vir wollen sie von dem Weze de» verbrechen» fernhalten. Wo wir arbeiten, haben wir in den Lokalen sür Ruhe und Ordnung zu sorgen und nie etaoas mit der Polizei zu tun gehabt. Unser höchstes Ziel ist es, die Mitglieder wieder zu einem o rd« n t- l i ch« n Leben zu führen. Vors.: Wird nun ein Mitglied. das sich wieder strafbar macht, ausgefchlosisi«? Zeuge: Nein. heute ist es schwer, im Lebe» durchzukommen. So sind viele Mit- gliader, di« in heimlichen Spielklus gearbeitet haben, bestraft worden. Deshalb können wir sie doch nicht ausschließen. Vors.: Wie halten Sie e? mit den Zuhältern? Zeug«: Ueber dies« Sache zu sprechen. ist heute schwer. Wem, jemand eine Frau liebt, kann ich ihm doch nichr verbieten, mit ihr zusammenzuleben. Das gehört auch in das Reich der Fabel, daß dabei soviel zu verdiencn ist. Ich habe teineu Anlaß, die Mitglieder danach zu fragen. Nach einigen weiteren Fragen a» den Zeugen wurde er vereidigt und entlassen. Damit ivarci« die bisher geladenen Zeug e'n sämtlich vernommen. Das Gericht entschied sich dalstn, daß alle Zeugen zu vereidigen feien und daß nur der Zimmer- mann Schul nies und der„K l o st e r k e l l e r"- W! r t Bach unvereidigt bleiben. Die bisher vernommenen Zeugen wur- den entlassen. Heule, Donnerstag, nach Vernehmung der letzten vier Zeugen, sollen die Plädoyers beginnen. Absturz eines Berliner Freiballons. Die vier Lnsasseit schwer verletzt. Hambarg. 6. Februar.(Eigenbericht.) 3n der Röhe des schleswig-holsteinischen Dorfe» v e n n e ck e ereignete sich am TNitKvoch nachmittag«in schreckliche» Frei- bal loa- Unglück, ver Ballon der Deutschen Luftsohrlgesellschast „Gras Zeppelin", der am vonniltag mit vier Mann Besatzung in Berlin gestartet«vor, wurde zerrissen ausgesunden. Die vier Zasassea entdeckte man blutüberströmt in Bon mästen hängend. Sie halten schwere Verletzungen davongetragen. Führer des verunglückten Ballons war ein polizelhauptmann 0(6. der auf der Fahrt die Prüfung als Zreiballonführer ablegen nwllte. Gerüchte über den Bankraub. Keine Verhaftung. Die Ilntersiichung, die die Kriminalpolizei zur Zlufklärnng des großen Bankraubes am Wittenbergplatz führt, haben zu den verschiedenartigsten Vermutungen Anlaß gegeben. Di« Gerüchte, die von Verhaftungen sprechen, sind In der Tot nur Gerüchte. Bisher ist niemand verhastet worden. Unter den vielen ver- schiÄienen Spuren, die verfolgt werden, war«s wichtig, gewisse Differenzen in den Zeitangaben durch Vernehmung einzeliter Per- soney zu klären. Zu diesen Zeugen gehört u. a. auch der P s ö r t» e r des Hauses. Da durch seine Vekundungen nach nicht olle Wider spräche geklärt waren, so mußte er über Nacht aus den« Polizei- Präsidium bleiben. Voraussichtlich aber werden die Vernehmungen bi? zum Mittwochabend abgeschlossen sein und der Pförtner wieder entlasiei« werden. In« Anschluß daran werden Arbeiter befragt«l»er- hei«, di« im Hernie und auf der Straße zu der frltifchc» Zeit mit Reparaturen beschäftigt rvaren. Zur Feuersicherheii im Theater. Eine Erklärung des polizeipräsidenien. Der Polizeipräsident teilt mit: In der Berliner Presse sind ans Grund von Ausführungen in der kommunalpolltifchen Prcsfekonferenz Mitteilungen über die Feuersicherheit in de» Berliner Theatern erschienen, die geeignet sind. die Bevölkerung auf höchste zu beunruhigen und den Eindruck hervorzurufen, als ob der Polzeipräfident es afi der nötigen Umsicht und Energie für die Schaffung feuersicherer Zustände in de» Berliner Theatern habe fehlen jasiei«. Demgegenüber muß her Polizeipräfideni mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß die in der Presse erschienenen Dorstellimaen der Verhältnisse in den Beniner Theatern tatsächllchunbrechtlichun zutreffend sind. Seit vielen Iahren hat der Polizeipräsident syst«- malisch alle Maßnahmen getroffen, die zur wiche- r u n g d e r Bevölkerung notwendig sind. Bei allen diesen SicherdMssordcrungen Hot er den wirtschajllichen Interessen der UnteriWjicr nur dann Rechnung getragen, wenn die au erster Stelle stehende Sicherheit der Benökkerung in keiner Weise beeinfluß! wurde. Was die bevorstehende S cht l e h u n g des A d in i r a l s- IZowah etiler KevoluHotu Von Ctrlmtl Heermj-HM Flosine „Recht jeschleht«nl Awwer von Unsen Harzog brauchen mer das nick zu verlangen. For unfen Herzog kenn n mer illuminiernst Hier trat Oehlke so nahe ans Fenster, daß man ihn fast gesehen hätte. Denn jetzt glitt da» Gespräch zur dritten Bekanntmachung über: zu einer Aufforderung an die Bür- gerschaft, alz Ausdruck des Dankes an den Herzog für die S feinem•Rainen unterzeichnet. Seine flinken Augen blickten di« Straße auf und ab: richtig, es war cinhalb acht Uhr.«, wurde dämmrig, in den Fenstern begannen die Kerzen feierlich aufzuflammen, und auch d» Redenden von unt«n begaben sich in ihre Häuser. um zu illuminieren. Den Advokaten hielt es nicht im Z'M- mer. Cr steckt« seinerseits seine zwei Dutzend Kerze» an und stng hinunter und durch du, Straßen, um di, Illumination. .eine Illumination, zu genießen. Mußt, ihm die Regierung nicht dankbar sein? Hatte, nicht er eigentlich den Herzog gc- rettet vor ähnlichen Erlebnissen wie di« des Preußenkonigs� O. es wurd« sich schon eine Gelegenheit finden, dem Ministe- rium das begreiflich zu machen. Oehlkes Hände rieben in einem unwahrscheinliche« Tempo, er ging eigentlich nicht, er schwebte, wi»«in ficht- spendender Engel. So schwebte«r über die ebenfalls ilw- miniertcn Brückenbögen hinweg auf den Markt hier aber stutzte er mit Füßen und Händen. Hier war ein Loch im Licht, ein schwarzes, störendes Loch. Dort, an der Kirche. statte einer nach nicht illuminiert. Es war der Lohgerber. Ealm. �Infamer Jude.* dachte der Advokat und schritt i« gleichen Moment mit verbindlichem Lächeln aus das Hau» zu. entschlossen, einzutreten und den Besitzer mit größter Höf- llchkcit an seine patriotische Pflicht zu gemahnen. Ader er pochte vergeblich. Calm war nicht zu Haus. War gewiß am Schlohberg, wo er sich einsam zu ergchen pflegte. Mißmutig ging Oehlke weiter, die Breite Straße entlang. Die hellte sein Gesicht wieder auf. Dort strohlle Hau» bei Haus. Der Bötchermeister Kmephacke hatte sogar ein Faß aus Lichtern angebrannt. Plätzlich lauschte Oehlke gequält auf einen fernher drin- ?[enden wirren Lärm. Er ging dem Geräusch nach, da» die estlich« Still« empfindlich störte. Es kam von der Waldauer Zuckerfabrik, die gleich hinter der Stadt jenselt des schmalen Angers breit im Dunkeln lastete. Nur Stallaternen schwelten aus den Perschläqen, die von den Arbeitern bewohnt wurden. Das schmutzige Polt hatte natürlich wieder nicht illuminiert. Lehlke ging hinüber. Vor dem Tor der Fabrik drängten sich murrende, schmale Arbeiter und kreis6)enve Arbeiterinnen, die Anne kämpf- bereit in die Hüften gestemmt. Die Gruppe umkreiste in engem Bogen die vorhin verurteilte Frau Hampel, die stumm und blaß neben dem Wachtmeister Kühn« stand. „Schämen Se sich denn niche?" schrieen die Weiber. „Anne schwangere Frau ins Jefängni» zu bringen!" Der Wachtmeister zuckte di« fetten Achseln.„Befehl ist Befehl! Stehlt dach niche!" „Stehlen?" kreischt« es zurück.„Ihr Fett könn'n mer doch nich fressen, wenn mer Hunger han!" ..Um esn Zwecjrolchendrot!" Oehlke. von Natur alle»� andere als tapfer, war heut« viel zu sehr von Würde geschwellt, um cm eine Gefahr für seine Person überhaupt zu denken. Er trat an den Wacht- meister heran. ..Sie wollen die Frau verhaften?" „Ich muß es jo. Harr Oehlke. Ich habe S« doch nich verurteilt.� Oehlke zuckte die Achseln gegen den Kreis.„Der Herr Wachtmeister kann nicht anders handeln." Cr wandte sich an die Perhoftete. die immer stumm stand und zitterte, in geflickten, schmuddligen Kleidern, ein« trüb ins Jubelhell schlotternde, zerzauste Fahne der Armut.„Ich will Ihnen gern helfen, wenn Sie Berufung einlegen wollen. Aber vor- läufig müssen Sie gehen.— Ich will Ihnen umsonst helfen!" setzte er nach einiger Ueberwindung, hingerissen von sich selbst, hinzu. Die Menge beruhigte sich brummend. Das war ja ein Advokat, der mußte das verstehen. Nur ein etwa achtzehn- jähriges, wlrrhoariges Mädchen mit breitem, knochigem Körper trat schnell au« dem Kreis und faßte die Frau un« die Hüfte.„Ich laste meine Schwester nich ins Jefängm». Nee. nee. ich laste se nich«! Ich sehe zu Kniephacken! Zu Knievhacken jehe iche!" schrie sie hysterisch. Kniephake? Wie kam diese Arbeiterin zu dem Böltchcr- meister Kmephacke? Oehlke sah sie wohlwollend an: sie war von fremdartigem, südländischem Typ mit dunklem Haar und großen, schwarzen Augen, und die Erregung stand ihr gut.„Herr Kniephacke kann Ihnen gar gar nichts helfen, Fräulein. Vertrauen Sie sich ruhig mir an." Leise flüsterte er dem Wachtmeister zu:„Gehen Sie bitte nicht durch die Straßen. Gehen Sie hinten herum. Es könnte die Fest- ! frrude stören. Sie verstehen!" ..Ich jehe zu 5lniep!)acke! Kniephacke mnß helfen!" schrie wieder die Achtzehnjährige. Sie wußte selbst nicht, warum sie glaubte, daß Kniephacke helfen könnte. Sie war zivei-dreiinal mit ihm nachts drüben im Krumbholz zusammen gewesen, er hatte ihr nachher etwas Geld gegeben~ alle Mädchen poü der Zuckerfabrik hielten es so mit de>« Bernburger Bürgers- söhnen. Mehr bestand nicht zwischen ihnen. „Ach. laß Poch. Luise!" sagte die Frau mild« und resi- amert- Sie folgte dem Wachtmeister mit dem schurercu. müh- saimn Gang der Schwangeren. Di« Masse kroch murrend ins Tor zurück. Das Mädchen blieb ratlos stehe». Oehlke trai neben sie.„Wir müssen zunächst mal die Bestätigung einer Hebamme haben, daß Ihre Schwester schwanger ist." „Ader das sieht mar doch," gab sie verblüfft zurijck Oehlke zuckte die Achseln.„Da? Gericht braucht Unterlagen." Er sah um sich: niemand mehr war in der Nähe. Seine Hunde begannen wieder, sich zu reihap.„Nun, wir werden da» schon machen, mein Kind. Wir werden morgen weUe? darüber reden, nicht wahr? C» soll Sie nichts kosten. Kleine«..." Cr legt« ihr den Ann um di» Taille. Aber sie stieß ihm derb vor die Brust, so daß er stolperte und rückwärts ins nasse Gras fiel.„Noe. nee!" schrie sie ihn an...Ich seh« boä) liw'per zu Kniephacken! Ich wceh schonn. wa» Sie wallen. Sie olle» Schwein! JK sähe zu Kniephacke?" Sla lief davon, mit schnellen. Krell«» Schritten, er hörte ihre Pantoffeln im Dunkeln verNappera...(Fortsetzung folgt.) sokay«,«langt, fa ho»»«? Polh�iprSsidont ob etifMtiÄehSrte Kereits ner Monalen dos zuständig« stäotische Baupoiizeioim aus die Notwendigkeit eines durchgreifenden Umbaues dieses Tlieaters hin« gewiesen, aber erst noch langen Verhandlungen, und nachdem der Volizeipräsiderrt der städtischen Baupolizei für den Fall einer Weiteren Verzögerung eine dienstliche Anweisung in Aussicht gestellt batt«, ist von dieser eine entsprechende Vcrsügung an den Untere nehmer gerichtet worden. Auch die bei anderen Theatern notwendig gewordenen Beanstandungen sind durchweg auf Grund der vom Polizeipräsidenten angeordneten Revision erfolgt, worauf die er- -orderlich gewordenen Matznahmen van der städtischen Baupolizei auf Anordnung des Polizeipräsidenten getroffen wurden. 3m übrigen hat der Polizeipräsident als Aufsichtsbehörde den Oberbürgermeister der Stadt Berlin ersucht, ihm unverzüglich einen«ingehenden Bericht über die der Presse gemachten Mitteilungen zu erstatten. Wareuhausbrand in Paris. Das Gebäude lu sich zusammengestürzt. Pari s. v. Februar. Zu dum großen Warenhaus des Pariser Vororts Auber- n U(1 c r• brach heute nachmittag aus noch nicht festgestellter Ursache ein vraud aus. der aus alle Räume übergriff. Trotz de» fosortigeu Eiugrelseus der Feuerwehr konute das Gebäude nicht gerettet werden: es stürzte in sich zusammen. Mehrere persouea wurden verletzt. Vier Todesopfer der Kalte. Der Rhein und Nebenflüsse im Zufrieren. Frankfurt a. BL, 6. Februar.(Eigenbericht.) In den letzten beiden Nächten sind in F r a n t f u r t o. M. v i« r Personen erfroren ausgefunden worden. Oer Main hat in seinem gesamten Ober, und mittleren Laus eine feste Eisdecke. Bei Bingen ist auch der Rhein zugefroren. Wenn die Kälte noch länger andauert, werden wir das seit Menschengedenken nicht mehr gesehene Schauspiel erleben, daß der Rhein und seine sämtlichen Ütebcnslüsse noch im März zugefroren sind. Die Grippe hat in Frankfurt o. M. einen derartig hohen Grad erreicht, daß die Bilanz d e r O r t s k r a n k c n k a s s c n be- reits jetzt ein Defizit von iiOOOOsi Mark aufweist. Oer neue Temperatursturz. Die neue Kältewelle, die sich feit der Nacht.zum Biittwoch be- merkbar macht, ist auf gröhere Kaltlufttnaffen zurückzuführen, die neueichings von Nordrußland her über die deutsch« Grenze norgestoßen sind. 3n Rußland herrschen teilweise Kälte- grade bis zu 48 Grad. Königsberg wies am Mittwoch mit 27 Grad unter Null die größte Kältein Deutsch- l a n d aus. Di« Koltlustmassen bedecken zurzeit das ganze R ee ch und haben überall wettere starke Tempera- rurrückqänge zur Folge gehabt. Da innerhalb dieser Kaltlust- Zone Aufheiterung eintritt, wird sich die Kälte durch die Ausstrahlung noch verschärfen. In Be'rlin berrschtcn gestern abend um 21 Uhr minus IS Grad, im Laufe der Nacht ignk das Quecksilber noch ganz vapide. In den Außenbezirken ichrvankten die Temperaturen abends bereits zwischen minus 18 und 20 Grad. Für die nächsten Tage ist mtt beständigem starken Frost weiter bei östlichen Winden zu rechnen. Der Witternngs- chaxatter wird inÄbesonder« durch ein über der südlichen Ostiee iqgerydes.Hochdruckgebiet Wesentlich beeinsluht. Oer Heimgang eines Tapferen. Dir Berliner Feuerwehr hat gestern mittag ihrem bei dem Brand in Stralau veraurglückten Kameraden Gustav K u r z e n d i s das letzte Gelett gegeben. Ä» der Feuerwehrwoch« n Lichtenberg, von der asts der tapfere Mann so ost dem Rute, zu Helsen, gefolgt war, Z)aUen ihn seine Kanceraden aufgebahrt. Die Wagenhalle der FeueirwehrWache war feierlich ausge- ichmückt, die Pfeiler schwarz drapiert und die Beleuchtung gedämpft. Unter einem Baldachin in den Stadtsarbcn stand der Sarg inmitten eines Blumenhaines. Aus allen Berliner Wachen waren Feuer- mehrleittc zur Trauerseier erschienen. Di« Hamburger und sächsischen Kameraden hatten«ine Abordnung mn einem Kranz entsandt. An der Spitze des Ostizierkorps der Feuerwehr war Oberbranddirektor Gempp mit den Vertretern der Stadt und des Bezirksamtes Lichtenberg erschienen. Die Halle war zu klein, um all die Trauergöste aufzunehmen. Die �feuerwehLtapelle begann, nachdem die Angehörigen in die Holle geleitet wären mtt einem Musikstück die Feier. Ein Geistlicher sprach von dem heldischen Pflichtgefühl, das den Feuerwehrmann geleitet hat, täglich und stündlich sein Leben für seine Mitmenschen einzusetzen. Ober- bronddirekiar Gempp widmete seinem Kameraden einen herzlichen blochruf. Wem, ttotz der großen Brände, die in den letzten Wochen Berlin heimgesucht haben, die Berliner Bevölkerung nicht nervös geworden ist, so ist das ein Reichen, daß sie den todesmuti- gen Männern, die im Feuerwehrdienst stehen. vertraut. Es ist auch ein stilles Heldentum in den Fa- Milien der Feuerwehrleute, beim nie weiß die Mutter oder die Ctzattin. ob der Sohn oder der Lebensgefährte van seinem Dienst wieder zuriickkoinntt. Für den Beamtenansschuß Berlin sprach Rebmann und für den Verband Deutscher Beritzsseuerwehren G r o l- muß. Für die Stadt Berlin widmete Stadtverordneter Haus- be rg dein Toten ehrende Wort«. Unter den Klängen �»er alten Trauerweisc„Ich hatt' einen Kameraden'' wurde der Sarg von den Feuerwehrleuten zum Tvauerwogen getragen. Der Tot« wurde gestern mittag nach Schlesien übergeführt, um in seiner Heünat beigesetzt zu werden. Per verein Berliner Sausleute und Industrieller gab seinem tradttioncllcn Winterfest ein« besondere Note. Man kann im ollge- meincn nicht sagen, daß die Berliner Karncoalsbälle sich durch Origimttttät auszeichnen. Sie gleichen einer dem anderen. Ein einheitlicher Eharakter, eine durchgehende Grundstimmung ist selten zu erzielen. Der genannte Verein führte seine Gäste zuerst in eine „Fledermaus-Ausführung bei Kroll und schuf damit die wundervollste Karnevalsstimmung. Der festliche Glanz war mit cinemmal da, der, Rhythmus erlesenster Tänze saß einem im Blut und der Champagncrrausch kam über einen, ohne seine katzcn- jämmerliche Folgen. Daun ging man hinüber in die Festsäle"und ianzt«. Und immer noch schwang der göttliche Strauß in einem nach. Man hatte noch Adeles.Keckheiten im Ohr und zwischendurch iiel einem ein neuer oder auch aller Kalauer des Froschs ein. Eduard. Kandl stellte aber auch eine gar vergnügliche Alkoholiker- type aus die Beine. So war also für Fest» und Ballsttmmung aufs best« gesorgt. Vom Alexanderplatz zum Zoo. Ew leistungsfähiger Verkehrsweg auch dem Westen. Der Eityausschutz, eine vorwiegend aus den Kreisen der Geschästswell und des Bauwesens frei zuiammengetretene Körper- Ichast, die sich die Förderung der baulichen und verkehr» lichen Entwicklung des Stadtinnersv zur Aufgab« ge. macht hat, erörterte gestern die Frage einer dein Berliner Berkehr entsprechenden großen O st we st- Durchzugs st roß« vom Alexander pl atz zum Aao. Es handelt sich in der Haupt- fache um dos Problem, für den bis zur Uncrträgllchkett überlasteten Verkehrsweg Leipziger Straß« eine nördliche Eni- lastungsstraße zu schaffea, die von der Friedrichstraße aus auf die Lennösttaße und die Tiergartenstroß« stößt und dann mtt einer fast gradlinigen Fortsetzung der Tiergartenstratze durch dos am Südrand des Tiergartens gelegene Billenviertel hindurch beim Zoo vorbei zum Kufürstendamm führt. Dr Paul M a h l b e r g wies darauf hin, daß bei dem Neubau der Reichsbank, der einmal kommen muß, sich die Mäglichkett bieten wird» durchdieIägerstroßeden neuen Berkehrsweg noch dem Westen z» bahnen Dabei wird man im Minister- viertel einige ftacttliche Gebäude anschneiden oder beseitigen müssen und auch die oft geforderte Bresche durch den Wall der Minister. gärten muß dann zustande kommen. Momberg hob hervor, daß die verkehrstcchnisch unzulängliche Anlag« der Stadt eine große Er> schwerung für die Geschästswell bedeutet. Alle Verkehrswege und Verkehrsmittel müssen daraus Zugeschnitten sein, aus der Stadl ein« best geeignete Erwerb st adt zu machen. Benno Kühn, Vorsitzender vom Architekten- und Ingenieurverein, forderte, daß über den Leipziger und Potsdamer Pütz nur derjenige Verkehr ge« leitet wird, der diesen Verkchrspunkt aufsuchen will. Für den weiier hinaus gehenden Verkehr seien Umgehungsstraßen zu schaffen. Erst nach Verlegung des Potsdamer Bahnhofes(der ja unterirdisch mit dem Lehrter Bahnhof verbunden werden soll) werde eine planvolle Straßenanlag« zur Derkehrsumleiwng möglich werden. Man werde dann auch zur durchgreifenden Entlastung im Süden der Leipziger Straße schrette» körnten, weil dann hinter dem Londwehrkanol über das freinewordene Bahnaslände hinweg Verbindungen der östlich und westlich gelegenen Straßen ausgeführt werden können. Die nördliche Entlastungs« stroße von der Iägerstraße zum Kurfürstendamm werde den Der. kehr vom Osten über den Alexanderplatz zum Zoo und weiter bis zum fernen Westen aufnehmen stirb sich zu einer Hauptachsedes BerlinerVerkehrs entwickeln. Zur Ausführung solcher Pläne seien gewiß sehr große Mittel erforderlich, aber die Rentabilität scheine gesichert, weil an dem neuen Straßenzug besteingerichtstc Geschäftshäuser entstehen würden. Im Zusammenhang mit dem Problem Alexanderplatz— Zoo wurden auch die Projekte eines neuen Verkehrsweges von Moabtt über Zoo nach Wilmersdorf und einer Enilastunqsstraß« von Linden. straße über Zossener Brücke nach dem Süden Berlins gestreift. In der Diskussion wurde die Rotwendigkett, einen wirklich leiswngs- fähigen Verkehrsweg nach dem Westen zu schaffen, ollsettig an- erkannt._ Autobus im Eis eingebrochen. Sämtliche zwölf Insassen ertrunken. Kopenhagen. S. Februar. Nach Meldungen aus Hslsingfors fft auf dem Eise des Finnische» Meerbusens ein mit zwölf Personen besetzter Autobus eingebrochen. Alle Insassen sind umgekommen. Aus der sinnischen Provinz wird gemeldet, daß zahlreiche Per- sonen erfroren sind. Bei Tavastehus wurden am Dienstag abend 47 Grad Kalle gemessen. Drei Kinder erschossen. Der S3 Jahre alte Victor Decentscher n» Ank« w« r p« n erschoß am Dienstag abend, als seine Frau in Begleitung einer Tochter in eine Kinovorstellung gegangen war, seinen 2 ö jährigen Sohn Julien, seinen neunjährigen Sohn Joseph und. seine 20jährige Tochter Ieanne. Sein« fünfjährige Tochter Irene ließ er am Leben. Er benachrichtigte noch der Bwttot telephonisch die Pollzei und erklärt« bei seiner Vernehmung, er habe die Kinder getötet, well es nicht die. seinen wären..Die fünsjährige Iren« aber sei sein Kind, er habe sie deswegen am Leben gelassen. Besonderes Referat beim Städtischen Nachrichtenamt. Der Ma- gistrat beschloß, beim Nachrichtenamt ein besonder«» Referat für den Nachrichten- und Auskunstsdienst und die Redaktion des Amtsblattes einzurichten. Zum Leiter dieses dem Magistratskommissar für das Nachrichtenwesen unmittelbar unter- stellten Referats wurde gewähll der Redakteur Genosse Dr. Loh- mann, deni noch weitere Referenten beigeordnet werden sollen. An» Nachmittag Szenen aus Hebbels Dramen iw Rahmen der Äugendbühne. Die Wahl ist nicht immer glücklich und wird eher durch die verpflichteten Sprecher als umgekehrt bestimmt. Hermann Kosak spricht in leicht faßbarer Form über Hebbels Bedeutung für das Theater und für die deutsche Literatur. Es stört nur eine leichte Nervosität des Dortragenden. Gut, daß sich auch ein paar Schüler über Hebbel vor dem Mikrophon äußern dürfen. Vcr- Mitteln diese Aeußerungen auch keine besonderen Erkenntnisse, so entsteht daurch doch ein intimerer Kontakt mit der jugendlichen Hörerschaft. In dem Vortrog;,W a s können wir von Tieren lernen?" betont Dr. v. Allesch die Naturverbundenheit, das In- stinktive des Tieres. Der analysierende Verstand hat den Menschen aus den Gefilden des Poraldieses vertrieben. Allesch spricht sehr klug, allerdings manchmal zu wissenschaftlich abstrakt. Dann drei poli- tische und wirtschaftlich« Vorträge von S o m b a r t. K ü l z und D r. David.' Bemerkenswert die Worte, die Dr. David über die Weimarer Nationalversammlung anläßlich der Erinnerung ihres ersten Zusammentritts vor zehn Jahren äußert. Noch einmal erlebt man die Tot jener Männer, die Deutschland damals in der entscheidenden Stunde vor der Anarchie retteten. Neben dieser bereits historisch gewordenen Erinnerung findet man prinzipielle Erörterung über Demokratie und Proletariat. Ein Vortrag, wie man ihn selten im Rundfunk zu hören bekommt. Lieber die Feier des 25j ahnigen Be stehens des Berliner Dvlkschors, ine abends aus der Phil- Harmonie übertragen wird, wird hier an anderer Stelle berichtet werden." F. S. •btlraSnsgtn fix diele zwdr» find »erli» SWS». Ltu»e»ftr-He 3. parke, nachnchien für Groß-Verlm st ei» an da» Begtrfslelmariot 2, Hof, 3 T«». recht»,|a richte». Heule. Donnerstag. 7. Februar: zz.«St. tlnf» Weg ist umz-b-nd VI»» der B-rwirtelptdiÄ«« Hünisch ab- it. Di-«arten-um 3J. Februar find bi»*u« 12. Februar beim Ab. t-fbinaslaffurrr abzurechnen..„.__, 78.«dt. echotitbttq. 30 Ubr bei»Äniz, Feumgstraße Eck« Priu�Gearg.Siraf*. wichtig« zu»kiwnör!i8»ng.._.. 81.»dt. Friedenau. MIdüngsabend der ssinzeren Parteimüglieber tnn 20 Ute b-i fllobe, ganbjctnf'r. 80—81. Sortrog;„Was ist i-ezial'srnus?' Reff. teilt; Professor H-wrich Cunotn. Morgen. Freitag. S. Februar: Z.«dt. 20 Uhr iw«ewerlschasishau». Engelufer 2t— 2b. Ka>ckrr-n«immfr, g.«btf'so Ubr'�in"«"emofigen Herrenhaus. Leipziger£11�8. repudlilanlsche Ami�gKbunq des Reichsbanners Schwarz-'Rot'Go'ld, Äotellnng Westen. Redner: Fritz Ebeit, M. i. SR.._.. 1«.»dt. 19 w,r bei Schrepel. Erünthaler straße. außerorbeutlicha Funltionar. fitzung. 28.»bt. 20 Uhr bei Rech«, Metzer Eil. 28. Funftirmärfitzun«. 3«.»dt. 19 Uhr bei Pahft. Cuckieneeftr. 103, Funktianörsstzunss. 38.»dt. I»'b Uhr bei Sortusch, Zriodenstr. 88, FunltwnaMung rnri ben� Pertreleru de? Kreisvorstandes, Die Bezirksfstyrer der Bezirke 189 A, B unb E müssen besonders vünfttid) erscheinen. 77.«hl, SfbSncbctg. 20 Uhr bei Zilrgenz, Barbarossastr. Sr, wichtige Funltionörsttznng... 0«.»dt Marler dors. ISZH Uhr Sitzung des engeren Borstandea beim Genossen Niiter, dorfstr. 2. Raulrllu 8».»dl. ISZH llhe bei Erornmek. Sanderftr. 10. Borstand». und Funktwnarsitzung.—»8.»bi. 19>h Uhr bei Lobann. Sipverstr. 18—19. Funktionärützunii.—«7.»bt. 19 Uhr bei Rohr. Siegfredür. 38-29, Funküonorützung Gewerklckaftsbilcher find zur Kontrolle mitzubringen. 118.«bt. Li�tenderg. 191. Uhr bei Hartmann, Rosenfelder Straße Eck« Irenen- straße. Funktionörsstzung. 128.»bi. Friedrichafelde. 20 Übt bei Schwarz, Eavriviallee. FunltionSrsttzung. 121.»bi. Mahladoef. 20 Uhr bei Anders, Bahnhoffir. 57. wichtigt Funktionär. fitzung. 128. und 130.»dt. Pankow. 20 llbr bei RIcntnt, Hartwigstraß« Eck« Berlinr« Straße, Funktionärsttzung. Um 19'b Uhr Sitzung der neugewählten Zei- tungs- und BilbungstomINilsionsm'.tzlieder«bendort. Fraueuveranstaltungeu. 138.»hi. Reioickendorf-Ost. Heute, Donnerstag. 7. Februar, vstnWich 30 Uhr, SHrfutierabeni in der Baracke. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 8. Noei» Friedrich»ha>u. Freitag. 8 Februar. ISZ� Uhr, Sitzung aller in der »rbeilerwahlfahrt und Ingendvfleg« tätigen Genossensinnen), Brommn- straße 1. Sitzungssaal, 2 Treppen, Zimmer 201. 7. Keei» Ehaeloiterdneg. Freitag. 8. Februar, 19 Uhr, im Rathaus Ehar- lottenburg. Zimmer 139. Aktenbesprechung. �' 8»b'- ■..IL: mm B Käß».? fficriihtebilfe'. Referent: Genosse Direktor Krebs. 17. Zrei» Lichtenberg. Schulung-Inrlus. Zlm 8. Februar, ISlh Uhr, im Sitzungssaal de, Rathauses. Möllmdorfstroße. Dritter Kursus: ,So;iaU 1®. strei, Pankow. Sonnabend. 9. Februar, pünktlich IS'-j Uhr. Besichtigung be? Gesundheitsamtes in Pankow, Grunovsteaße. Eingang IN. Alle inter- esfierten©enossenlinnen) des 19. Ar eise.» sind eingeladen. Zungsozialislea. »chtung! Die»dreebrug der Beiträge nud»uagade der Fehrnaenummre der Zui>glo,!al!st:schen Blätter findet heute Donner, tag. 7. Fedrnar, ad 17 Uhr. beim Genossen Enrt Portz. R. 83,»ntrnerpener Str. 48 l U-Bahn Serstroße). statt. Alle Srnnpen müssen die Blätter abholen. Gruppe Süden. Freitag. 8 Februar, im Jugendheim Pvrckstr. 11, um 20 Uhr, Arbeitzgemeinschaft: Imperialismus". Lettarrn: Dona Fabian. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Drei» Mitte. Am 10. Februar findet unser Filmabend im Dulturkino de» Metallarbeiiernerbande» statt und sind hierzu alle Parteimitglieder eingeladen. starten sind bei den Helfern und den Genossinnen Herfa Prnetzel, Stettiner Straße 22, und Erna Backhofer. Micha elkirchstr. 18. zu haben. Es laufen d-e Filme;„Dr. Dolittles Asrikareise",„Bei de» Textilheimarbeitern" und der neue„Rote Falken-Film'. Dreis streu, berg und lewpelhof. Der Helte.rkursus fällt au». Der kdegion wird rechtzeit-a mitgeteilt. Durfn» Südost. Heuw, Donnerstag. 7. Februar. 20 Uhr. in dar Baraoe Neukölln, Ganghsferftraße, Arbellsgemejn schalt: �Das schwererziehbar« Dind. Leiter: Lehrer und Genosse Allland. Diskussion.' Sterbetafel der Groß- Berliner Partei> Organisation| 108. Abt. Döpenick. Unsere alte bewährt« Genossin Henriette Rühl, Garten» straß« 17, ist im Aller von 78 Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenken. Ein- äscherunz Freitag, 8. Februar. 19'.i Uhr. im ftremototinm Baumschusenweg. Wetterbericht der öffentlichen Weilerdienststelle Berlin und Umgegend sAachdr. derb.). Trecken und meist heiler, weileihw kalt Bei schwachen östlichen Winden.— Aür Denstchland: In der nordöstlichen Hälsle trockenes und vielfach heiteres Weller mit strengem Frost. Im Übrige» Zdiche nur mäßiger Frost, stnchweiie leichte(Schneefälle. Im äußerste» Südwesten Temderature» zeitweis« über Null Unser»» Müttern und Großmütter» war der Wäscheschrank hellig, und -inen besonderen Stolz sahen sie darin, den Schrank mit schöner Wäsche gestillt zu wissen. Eo wird sicherlich auch heut« der berechtigte Wunsch einer jeden Hausfrau sein, schöne Bettwäsche zu d-fitzeu. Gerade letzt ist Gelegen, Dilmersdorker Str. 138, an der Bismarckstraße, ganz besonders vorteilhast- Angeboie in Bettwäsche aller Art. Dreiundvierzigidhrige Erfahrung bürgt für sachgemäsie Bedienung bei größter Auswahl. 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Jeder von uns sollte erzähl«', welche Rolle der Z'tsall in seinem Leben gespielt Hab«. Es gab nun ein Erzählen um die Wette, denn jeder von uns war jchon einmal in seinem Leben dem guten»der bösen Gott Zufall begegnet. De» einen hatte er aus die Höh« geführt, den anderen daran vorbei. Was wir merz damals an Geschichten erzählt haben, gehört oich hierher. Nur die letzte Geschichte, die des-Hausherrn, will ich heute berichten. „Wie Ihr olle wißt, meine Freunde," so begann er.„war der Anfang meiner Karriere in Berlin nicht gerade vom Glück begünstigt. Allerdings fand ich immer Freund« und Gönner, die sich meiner an- nahmen. Ich schrieb Romane für«in kleines Wochenblatt. Jeden Montag erschien ich beim Herausgeber und liefert« mein Pensum für die Woche ab und bekam mein Honorar. Das ging ein« Zeitlang ganz gut so fort, bis eines Tages der Herausgeber mir sagte:„Mein lieber Herr Sudermann. das ist«in unhaltbarer Zustand. Was tue ich um Gottes willen, weim Sie eines Tages krank werden oder sich die Hand verstauchev oder unter einen Wagen geroten, wenn Sie mir eines Tages die Fortsetzung des Romanes nicht liefern können? Dann sitze ich da mit meinem halben Roman, kann kein« Fort- jetzungen bringen, und die Abonnenten stürmen mir das Haus. In Zukunft nehme ich nur einen Roman, wenn er fertig ist." Ich samniert«:«oh«r sollte ich das Geld nehmen, um während der Zeit, die ich zur Niederschrift des Romanes brauche, leben zu köimen. Es blieb mir aber nichts anderes übrig, als nachzugebeit. Ich fuhr nach Matziken zu meiner Mutter, setzte mich hin und schrieb„Frau Sorge". Ms ich fertig war, depeschierte ich jubelnd dem Heraus- geber«ich Berlin, das Buch fei fertig, ich wollte es nur einigen freunde» in.Hamburg vorlesen, und dann würde ich es ihm schicken. Ich setzte mich auf die Bahn, steckte dos Manuskript in die Tasche und fuhr nach Hamburg. Unterwegs hielt der Zug in Insterburg. Auf dem Bahnsteig standen einig« Freunde. Ms sie mich erblickten. ichrien sie: �Heinz, Heinz, steig aus, wir wollen hier mal recht vergnügt fein!* In der glänzenden Stimmung, in der ich war, ließ ich mir das«cht Aweimal sagen. Ich stieg ans. und es begann eine Bierreis« durch da» Städtchen, di« an Alkoholckonstnn alle Rekorde schlug. Am Morgen wachte ich aus— m Hamburg Meine Freund« Ivi&en mich In den Zug geschoben und werterbelördert. Schlaftrunken rieb ich mir die Augen wach und griff mechamsch nach der'Tasche ineine» Rockes, die meinen Schatz, m«tn Manuskript enthielt Ein nainenloser Schrecken durchfuhr mich: das Manuskript war weg. Db man«« mir gestohlen hatte, ob ich es verloren hatte, darüber nach- nrdenken, wäre müßig gewesen, und es ändert« auch nichts an der Tatsache, es war weg. Ihr seid alle Leute von der Feder, und Ar mißt, was es heißt,«in Stück oder einen Roman noch einmal schreiben zu muffen. Ich glaube, daß das zu den furchtbarsten Dingen der Welt gehört und daß es einem nie völlig gelingt. Man ist überzeugt, daß dl« erste Niederschrift die best- war, und die Angst. die Qualität der ersten Niederschrift nicht erreichen zu können, handikapt einem vom ersten Wort an und lähmt die Hand. Trotz- dem sah ich ein. daß ich die schreckliche Sache unternehmen müff«. Ich wollte den Roman gleich nochmals schreiben, und zwar hier in Hamburg. Aber ich gab den Gedanken bald aus. Erstens würbe ich in Hamburg nicht die richtige Sammlung finden, zweitens wäre der Aufenthalt hier zu kostspielig, und so entschloß ich mich denn, wieder noch Hause zur Mutter zu fahren. Ar könnt euch denken, in welcher Laune und in welcher Stimmung. Ms der Zug wieder in Insterburg hielt, sprang ich, einer plötzlichen Eingebung folgend, aus dem Waggon. Bielleicht waren die Freund« noch da und halfen mir mit Trost und Anspruch. Aber niemand mehr war da, oll« waren fortgefahren. Es ging heute auch kein Zug mehr, ich mußt« hier übernachten. Ich ging also in einen Gasthof, ließ mir ein Zimmer geben und versucht« zu schreiben. Aber es ging nicht, der Ofen rauchte, die Lampe blakte, ich hielt es im Zimmer nicht mehr aus. 5ich ging auf di« Straße hinunter. Ein Schneesturm segte durch die Gaffen, es war höchst ungemütlich in Insterburg. Was sollte ich des Abends hier anfangen? Da sah ich einen Schutzmann. der«inen sehr gemütlichen Eindruck macht«. Ich ging auf ihn zu und sagte:.„Hören Sie, mein lieber Freund, gibt's hier kein Lokal, wo man sich amüsieren kann?" Der Schutzmann zwinkerte listig mit den Augen, nickte verständnisvoll mit dem.Kopf und erbot sich, mich zu führen. Das Lokal, in das er mich brachte, war— feien wir dezent— ein Lokal mit Damenbedienmrg. Ich sah mich plötzlich von einer Schar von Huldinnen umringt, die alle um meine Gunst buhlten und um den Vorzug, von mir erkoren zu werden. Ich prüfte, vorglich und wählte schließlich das Mädchen, das mir am hübschesten erschien. Aber ehe der Abend seinen Fortgang nahm, geschah etwas Unerwartetes. Das Essen im Iosterburger Gasthof muß nicht bo- sonders gut gewesen sein, kurz, ich richtete eint diskrete Frag« an mein« Gefährtin. A ebenso diskreter Weise übergab sie mir einen rostigen Schlüffel und flüsterte mir ins Ohr:„Ueber den Hof gleich rechts." Vorsorglich gab sie auch eine Laterne mit auf den Weg. Ich ging über den Hof, sperrte auf, stellte die Laterne aus den Boden und setzte mich. Und wie ich nun aus dir Wand blickte, auf die der Schein der Laterne fiel, siehe da, was erblickten meine vor Ber- blüffung weit ausgerissenen Augen? Bor mir hing fein säuberlich auf«inen Nagel gespießt das Manuskript der„Frau Sorge". Es fehlten mir noch ein paar'Blätter. Offenbar waren wir auf unserer Bmnmelreise auch in dies Lokal geraten, ich hatte hier mein Momi- stript aus der Tasche verloren, und«s war einer Bestimmung zu- geführt worden, die ihm sozusagen nicht an der Wiege gesungen war. Ihr könnt Euch denken, welchen Freudensprung ich machter- Welche Kette von Zufällen war nötig gewesen, um mich mein verlorenes Manuskript wied'erftnden zu lassen. Als Romanschriftsteller würde ich es nie wagen, etwas so Unwahrscheinliches zu schreiben." Sudermamr hatte geschlossen, �und wir lachten, daß uns die Tränen über die Wangen liefen. Sudermann war«in wundervoller Erzähler, und ich habe die Drastik seiner Erzählung hier stark mildern müssen. Dann aber nahm uns Sudermann das Wort ab, nor seinem Tode die Geschichte-nicht weiter zu erzählen. Dies Wort haben wir olle gehalten. Aber nun, da er tot ist, klinge ihm unser Lachen von damals als letztes Grüßen seiner Freunde noch.— S&um QedäcMnis Stosenows " Am«. März 1871 wird in Köln, der buntbewegtcn Stadt d-s rheinischen Frohsinns, ein Mensch geboren wie jeder andere, Sohn eine? Schuhmachermeffiers in wohlgeordneten Verhältnissen. Dieser Mensch wächst heran. wie jeder ander«, inmitten van Geschwistern. mohlgeborgen im Schöße des Familienlebens, er besucht eine der besten Mittelschulen Kölns und hebt sich aus seiner bürgerlichen Sphäre nur dadurch hervor, daß er von außerordentlich hohem Wuchs ist, über einen klaren, lebendig anschaulichen Verstand ver- rügt und durch sein allzeit warmes, frisch fröhliches Wesen die Sympathien seiner Mitwelt gewinnt. Da greift in diese ruhig« Entwicklung das Schicksal, läßt den Vater erkranken, erblinden, sterben. Was Wohlstand und Se'bst- nerständlichkeit war, wird Not um den toglichen Bedarf und Sorge um die Gestaltung des Lebens. Was Segen war, wird jetzt Lost: die Kinder. Was tragender Mittelpunkt der Familie war, die gütige Zartheit der Mutter, wird mm Sarge um ihr« Gesundheit. Emil Roscnow muß jetzt die Volksschule besuchen, er ist damals 10 Jahre alt. herausgerissen aus der warmen Atmosphäre seines bisherigen Lebens, hineingestellt in Not und Leid der Gedrückten, Verbitterten, frühreif, intuitiv erfassend, was vorgeht, so durchlebte er vier Ahr«. Er bildete in dieser Zeit in seinem Herzen eine tiefe, unerschütterliche Liebe zu den Menschen au?. Mit 10 Iahren erfährt er das entscheidend« Erlebnis. Alles war in ihm: Kraft, Gewmidtheit. Liebe, Humor. Klugheit, Begabung reicher Art—. nun kam die Richtung, in der sich dieser Geist entwickeln sollte. Al�r noch schlummerte das alles, war nicht ausgebrochen. Da kommt das Schicksal zum zweltcnmal, läßt die Mutter sterben und stellt den vierzehnjährigen Emil isoliert hinaus ins Leben, in kör- perliche Entbehrungen, Leiden, in Berufs- und Entwicklungsfragen. Er lebt unter Fremden. Nun brechen alle Möglichkeiten aus ihm heraus. Er lernt, was imd wo er lernen kann. Seine geistigen Interessen entscheiden sein« Entwicklung, er wird Buchhändler- lshrTng. Viele Reklambände sind in seinem Besitz, er lernt Sprachen, Naturwissenschaften, Geschichte, Religion. Mit 15 Ähren gibt er den„Kölner Humorist" heraus, eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift, bei der«r fast völlig allein Verfasser, Drucker und Der- käuser ist. Er schreibt seine ersten Gedichte und Novellen, er bildet sich unermüdlich und hat sich bald ein« angesehene Stellung m einem größeren Bankhaus e erarbeitet. Aber nun kommt das Entscheidende setnes Lebens. Es geht ihm sehr gut. ober er weiß von vielen, denen es schlecht geht- Er hat die Nöte der Gedrückten nicht nur bei den Kameraden der Volksschule mitempfunden, er bat sie am eigenen- Leibe erlebt. Cr weiß, wie web der Hunger tut, wie schmerzhojl körperliche Züchtigungen sind, er kennt die Qual der Heimailosen, Verstoßenen. Er fühlt, wie schwer es ist, inmitten bitterster Not und mühseliger Arbeit«n freier, tapferer Mensch zu er«ckemlt. wieviel Verbitterung, Haß»ab Verbrechen besiegt werden konnte, wenn man materielle und geistige ljilfe in die engen Stuben der Armut brächte. Er wird Sozialist aus Liebe. Alle Entwicklungsftädien seines späteren Lebens sind klar be- gründet in diesem entscheidenden Erlebnis. Er wirb Mitarbeiter einer sozialistischen Zeitung, man stellt ihn vor die Alternativ«: Bankbeamter oder Sozialist, er hat nur eine Entscheidung: die für die Idee. Er verzichtet ans seine aussichtsreiche Laufbahn, wird Redakteur, schreibt Artikel, Novellen, einen Roman und sein erstes Bühnenstück, den Einakter„Daheim". Er ist liebenswürdig, heiter, kein Fanatiker, geachtet und geehrt, wohm er kommt. Sein Tätigkeitsfeld erweitert sich, er geht nach Chemnitz an«ine Zeitung, behält die Arbeit an ber Dortmunder Zeitung bei, und entwickelt sich stetig und sicher. 1808 wählt man ihn. üi den Reichstag als jüngsten deutschen Abgeordneten. Sein Bezirk ist das sächsische Erzgebirge. Hier in den Häuslerstuben des Gebirges, im Herzen dieser schlichten, nawrnahen Menschen, unter Woldorbeitern und Spielwarenschnitzlcrn, findet er seine neue Heimat. Hier hält er seine Reben. Tausend« vertrauen ihm, glauben an ihn. Mit seiner jungen Frau zieht er nach Dortmund, die Arbeit an der dortigen Zeitimg erfordert sein« Nähe. Hier begegnet ihm dos Antlitz des Volkes in anderer Gestalt. Es entsteht das Drama „Die im Schatten leben". Kein Fanatismus, kein Haß ist darin zu spüren, er sieht und erlebt die Nöte dieser Männer, die in dumpfen Schächten der Erde, ohne Sonne ihr Leben in kurzen Iahren abtun, Kohlen graben und ständig mit dem Tode kämpfen. Er fühlt die Angst und Sorge der Frauen, die nicht nur den ge- liebten Menschen, sondern auch den Ernährer zu Grabe trogen, wenn das Schicksal pocht. Licht und Schatten sind gleichmäßig verteilt und über allem steht als höchster Wert die Sehnsucht nach dem lebendigen, pulsenden Leben. Immer mehr lristollisiert sich mm sein« Arbeit nach Berlin: er wohnt dort, ist einer der begehrtesten Redner, arbeitet im Reichs- tag und schreibt nebenher in Nachtstunden, ohne Konzept, ein« der schönsten deutschen Komödien:„Kater Lampe." Die Welt des Erzgebirges wird hier wieder lebendig, mit köstlichem Humor sind alle dies« Typen gezeichnet, feine Nuancierung belebt hi««einen Scharmützel des alltäglichen Lebens. Nun steht Emil Rosenow auf der Höh« setnes Seins. Ge- tragen von der Sympathie der Menschen, erfüllt von unermüdlicher Tatkraft, geliebt von Frau und Kind im eigenen Heim, sonnt er sich nn Glücke seines ersten großen Erfolges, der Uraufführung des„Kater Lampe". Vor ihm liegt ausgebreitet das Leben, liegen ernste Arbeitsgebiete, liegen die Hoffmingen schriftstellerischer Größe. Da packt ihn ein Gelenkrheumatismus und wirst ihn auf ein kurzes schweres Krankenlager. Zwischen Schmerzanfällen und worphiumbetäubtem Schlaf arbeiten seine Gedanken an seinem ttn- vollendeten Stück von Gauklern und sahrenden Leuten. Aber sein Herz hält dem Ansturm nicht stand.?lm 7. Februar 1004. wahrend seine Hände unablässig die zuckenden Stöße des schwer arbeitenden Herzens mit Schlägen auf die Brust begleiten, formen seine Lippen die letzten Worte:„Das ist die Stelle, wo die Erde lebt." Tage darauf begleitet eine ungeheure Wcnscheiunenge die sterblichen Rest« diese» heroischen, jäh abgebrochenen Lebens zu Grab« und setzt aus seinen Denkstein die Worte:„Ein Sohn des Voltes wallt er bleiben."— Sein Bild verblaßt, sein Name verschwindet, aber der„Koter Lampe" läuft über die deutschen Bühnen und verkörpert in seiner immer lebendigen Frische das Wesen dieses großen reinen Mannes. Und 25 Ahrc später, am 7. Februar 1020, schreibt seine Tochter diese Zeilen, um das Bild des Vaters der Nochwelt ins Gedächtnis zurückzurufen. Marianne Rosenow. Itas die Eimiellung vermag Daß dt«„liebe Einbildung" uns mancherlei Dinge vorgaukelt, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind, ist eine alte Tatsache. Aber wie weit«ine bestimmte„seelische Einstellung" unsere Sinneswahr- nehmungen beeinflussen kann, dos hat erst die moderne Psychologie durch genau« Untersuchungen gezeigt. Dr. Wolter Ehrenstein, der m der Frankflirter Wochenschrift„Die Ilmschau" dieses Problem behandelt, führt dafür erstaunliche Beispiele an. So Hot der Würz- irnrger Psychologe Prof. Morde als Gerichtssachverständiger folgen- den Fall zu beurteilen gehabt:„Ein Jäger war beaustragt worden, abends an einem Acker auf Wildschweine zu warten, die aus einem benachbarten Wald austreten würden. Bald hört« er Geräusche wie von lausendem Schwarzwild und erkannte an der Stelle, die ihm vorher besonders bezeichnet worden war, die erwarteten Wild- schweiue. Als diese nicht näher kamen, schoß er auf sie, und es stellte sich heraus, daß die vermeintlichen Wildschwein« zwei ahren- lesende Mädchen waren, von denen er«ins erschoß und dos andere verletzte. Diese Sinnestäuschung war mir durch die besondere Einstellung hervorgerufen. In einem anderen Fall hatte ein Straßen- bahnführer eines Abends mit feiner Frau einen ehelichen Zwist. bei dem diese erregt davonlief. Bald hörte der Straßenbahner Lärm, lief aus dem Haus und erfuhr, daß eine Frau in den benachbarten Fluß gesprungen sei. Die Selbstmörderin wurde her- ausgezogen, und der Straßenbahner erkannt« mit Bestimmtheit in ihr seine Frau: ebenso erkannten sie seine drei Geschwister. Tat- sächlich aber fand er später seine Frau ruhig schlafend in ihrem Zimmer, und es bestand überl>anpt keine Achnlichkeit zwischen den beiden Frauen. Der große Psychologe Mach berichtet in seiner„Analyse der Empfindungen" das folgende Erlebnis:„Emen Wasserstrahl, dessen Hervortreten aus einem Kautschukschlauch ich erwartete, glaubte ich im halb.dunvLp Issaum wiederholt- deutlich zu sehen und erkannt» den Irrtum erst hurch Tasten mit dem Finger." Das Tollste aus dem Gebiet solcher Täuschungen dürste di«„Entdeckung" sein, di« der sranzostsche Physiker Blondlat 1003 macht«. Unter dem Ein- druck der Entdeckung der.Rnntgönstrohlen glaubte er eine ähnliche Art von Strahlen gefunden zu haben, die dadurch sichtbar gemacht wurden, daß man göringe Mengen Schwefelkolzium ans«inen Schirm auftrug. Er erhielt für diese Entdeckung, die verschiedene andere Physiker bestätigten,«inen Preis von 50 000 Franken. Char- pentier stellte.sogar fest, daß die neuen Strahlen auch als Emana- tion des Gehirns austreten. Aber spätere Zlachprüsungen ergaben einwandfrei, daß diese Sirahlen überhaupt nicht vorhanden waren. Den klassischen Versuch für diese Wirkung der Einstellung Hab«, di« Psychologen Müller und Schumann geliefert: si«. ließen mit den, rechten Arm ein Gewicht non 3000 Gramm ZOmal heben und dann nach einiger Zeit ein anderes Gewicht, von dem die Versuchs- Personen wußten, daß es mn* 50 Gramm wog. Obwohl also die größer« Leichtigkeit des zweiten Gewichtes genau bekannt war, flog das Gewicht beim Heben mit der Hand jählings in die Höh«, denn gewisse, bei dem Hoben beteiligt« motorische Nerven hatten durch di« vorausgegangenen 50 Hebungen eines schwereren Gewichtes die Einstellung erhalten, auf olle sie treffenden Impulse mit Anwendung einer größeren Kraft zu reagieren. Diese Macht der Einstellung hat einen ungeheuren Einfluß aus alle Fragen des Geschmacks, ja. selbst aus die religiösen Vorstellungen. Daher kommt es, daß dos eine Volk das über alles liebt, was das andere verabscheut. Dorgesciüchüiche Schädeloperaiioiien Die Schädelöffnungen zu Heilzwecken, die sogenannten Tre- panationen gelten für ein« schwierig« Operation, werden aber auch schon bei primitiven Völkern ausgeführt und sind sogar schon in vorgeschichtlicher Zeit nachzuweisen. Während diese Oesfnungen der Gehirnschale bei den heutigen primitiven Völkern ausschließlich der Heilung von Schädelknochenbrüchen und mit Krämpfen verbündeneu Kronkheiten dienen, scheinen sie bei den vorgeschichtlichen Menschen mit dem Zauberkult in Verbindung gestanden zu haben. Das ergibt sich aus den Trepanationen an den Schädeln zweier Skelette, die in dem bei Wien gelegenen Ort Guntramsdorf ausgegraben wurden. Ueber die Bedeutung dieser beiden Schädel für di« vorgeschicht- lich« Forschung spricht Dr. Friedrich Wimmer in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau". Die Gräber, aus denen di« Skelette stammen/gehören der La-T«ne-Aeit, etwa dem dritten vorchristlichen Jahrhundert an. Es waren Krieger in der bekonnten Hocker- ftellung begraben, die aber in dieser Epoche selten austritt: sie waren. in voller Bewaffnung mit Speer, Schwert und Schild bestattet worden. Die Trepanationen, die sich an zwei Schädeln finden, sind in ihrer Art ganz einzig d a st« h e n d: si« sind zweifach trepa- niort, aus der-inen Seit« besuchet sich ein 1H Zentimeter breites Loch, auf der anderen eine bedeutend größere Oeffnung, die bei dem einen Schädel kleeblattförmig, beim anderen fünf- bis sechs- lappig ist. Die Berheilung des Knochens bei der kreisförmigen Oeffnung zeigt, daß di» Trepanation bei lsbeichigem Leibe gemacht wurde und ihr Träger noch eine Reihe von Ähren danach lebt«: die größeren Trepanationen müssen aber kurz vor dem Tode vor- genommen worden fern. Di« komplizierte Form dieser größeren Oesfnungen legt die Annahme nahe, daß es sich hier um einen magischen Kult handelte, und dafür spricht auch der Umstand, daß die Abfäll« solcher Trepanationen, kleine runde Scheiben, von den vorgeschichtlichen Menschen durchlocht an Halsketten getragen wurden, wohl um bös« Dämonen abzuwehren. Die Guntramsdorfer Funde nerbreiten auch Licht über die technische Durchführung dieser vor- geschichtlichen Schädeloperationen: sie müssen mit einem zirkel- förmigen Instrument ausgeführt Wörden sein, dessen Spitze an den Knochen angesetzt würbe. Abwehr öffentlicher Werke. Zum Kampf der Privatwirtschaft gegen die öffentlichen Unternehmungen. I>,:o Notwendigkeit der Steucrerhöhung beim Reich hat den Kampf des Priootkapitols gegen die öffentlichen Untertiehmutngen verschärft. In der Hauptsache wird die Beseitigung der noch bestehenden teilweisen Steuerfreiheit öffentlicher Unternehmungen verlangt in der absolut utopijchen Hoffnung, es könne dadurch das Loch un Rcichshausholt weitgehend geschloffen werden. Wir werden auf die grundsätzliche und auf die praktische Seite dieser Dinge bald ausführlich zurückkommen. Für den Augenblick ist eine Entschließung wichtig, die von der Interessengemeinschaft kommunaler Elektri- zittitöwerke(Jke) vor vierzehn Tagen beschlossen und jetzt der Oeffcntlichkeit übergeben worden ist. Der„Jke* sind 156 groß« öffentliche Elektrizitätswerke angeschlossen, die mit einer Stromabgabe von 4,2.5 Milliarden Kilowattstunden im Jahre lb27/28 über vier Fünftel der gesamten Stromobgabe aller kommunalen Elektrizitätswerke und mehr als«in Drittel aller deutschen Krafwersorgungs- Unternehmungen erfassen. Bon den Mitgliedswerken der„Jke"' wer- den 11 600 Städte und Gemeinden Deutschlands mit elektrischer Krast versorgt, deren Einwohnerzahl ein Drittel der gesamten deutschen Bevölkerung umfaßt. Die Entschließung betont, daß die T a r i f p o l i t i k der kom- munolcn Elektrizitätswerke sich in durckiaus gefunden Bahnen bewege. Die heute gültigen Stronwerkaufspreise feien in der weitaus überwiegenden Zahl der Füll« nicht höher als die Bor- kriegspreise, in vielen Fällen sogar niedriger. Die allein vergleichbaren Sleinoerkausstarife seien bei!0S genau unkersuchlen Mitgliedswerken der..Zkc" um durchschnittlich ruod 17 Proz. niedriger, als sie von privaten und gemischtwirkschafklicken Werken noch deren eigenen Angaben erhoben werde«. Die Klein- verkausskarisc der lehcrcn seien sogar noch um dorchschnitllich fünf Prozent höher, als es durch die höhe ihrer Gesamtbcstencrung bedingt wäre. Wenn einzelne kommunale Werke Älcinverkaufspreise erheben, die zwar auch noch aus der Dorkriegshöhe, jedoch über dem heutigen Durchschnitt liegen, so sei dies nicht die Folge einer schlechten Wirt- fchoftssühruiig, sondern durch Beschlüsse der betreffenden Äomimmal- Verwaltungen bedingt, die ans diese Weise den notwendigen Aus- gleich ihres kommunalen Hauslialts herbeiführen. Die steuerliche Be- freiung der kommunalen Vsrjorgungsbetriebe von der Körpers chafts- fteuer und einem Teil der Umsotzsteucr kommen ausschließlich der Berbraucherschaft zugute und dienen damit der Gesamtwirtschast. Die Aushebung der steuerlichen Besreiuung würde zu einer Erhöhung der Tarife oder der kommunalen Realsteucru führen müssen und damit die gesamte Verbravcherjchoft bis hin zum größten Industriebetrieb belasten. Die gemeinnützige Arbeit in wirtschaftlich vielfach ungünstigeren Versorgungsgebietcn sei eine Belastung mir der öffent- lichen Unternehmungen. Die steuerliche Besreiuung sei Volkswirt- schaftlich durchaus berechtigt und müsse erhalten bleiben. Die seitens der Prioatwerke betriebene Agitation beruhe auf dem Bestreben, die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hond zurückzudrängen und sich soweit als möglich an deren Stelle zu setzen. Soweit der Inhalt der Entschließung. Die Abwehr der heute mit besonderer Energie verfochtenen An- sprüche des Privatkapitals durch die deutsche Oesfenllichkeit ist im Interesse der Gesamtwirtschaft eine dringende Notwendigkeit, für die noch viel zu geschehen hat. Ein Punkt in den Ausführungen der Entschließung der„Jke" verdient ober besondere Beachtung. Es mag sein, daß sich die Kmnmimalverwaltungen sehr oft nicht anders zu helfen wissen, um den städtischen Haushalt zum Ausgleich zu bringen, als durch Erhöhung der Abgaben, die vor der Errech- nung des Reingewinnes und über den Reingewinn hinaus von ossent- lichen Unternehmungen vielfach a» die Kommunalvcrwaltunzen vor- weg abgeführt werden müssen. Es ist begreiflich, daß manche öffentliche Verwaltung zur Umgehung politischer Schwierig- reiten diesen bequemen Weg der Einnahmcvermehrung gehen. Aber aus der anderen Seite kann kein Zweifel darüber sein, daß die Vermeidung politischer Schwierigkeiten bei der Deckung des Aus- gabenbadarfs die öfsentliche Unternehmungswirtschaft in ihrer inneren Sauberkeit, in ihrer kaufmännischen Sorgsalt auch hinsichtlich der Vorsorge für richtig« Abschreibungen und zwecklose Erneuerungen, in der Pflicht zu einer möglichst billigen Tarifpalitik vielfach behindert. Das Ergebnis ist sehr oft ein Strompreis, der mindestens nicht so niedrig ist, als er fein könnte, und gleichzeitig etn« Verfälschung der Steuerpolitik zugunsten leistungsfähigerer Schultern, die trotz der ihnen steuerlich zugeschanzten Vorteile dann nicht genügend schreien können. Die Abwehr der öffentlichen Unternehmungen gegen die Angriffe des Privotkopitals würde an Schlagkraft außerordentlich gewinnen, wenn hinsichtlich der kommu- nalen Steuerpolktit, wo unvermeidlich« Steuererhöhungan auf die Wcrkstarife abgewälzt werden, größere Klarheit geschaffen werden würde. Es darf nicht fem, daß das Privatkooital deshalb, weil es steuerlich geschont wird, daraus noch«ine Waffe gegen öffent- lichs Unternehmungen schmieden kann. Konsum wieder il3 mehr Ltmsah. Mttgliederzustrom wie noch nie. Der erst« Monat de« Jahres 1926 brachte der Berliner Kon- sumgenossenschaft«inen Zustrom neuer Mitglliedcr, wie er in diesem Ausmaß noch niemals zu verzeichnen war. 3ö36 Familien erklärten ihren Eintritt tu die Konsumgenossenschaft: der Mitgliederbestand erhöhte sich dadurch auf 165177. Die Zahl der seit dem l. Juli IS 28, dem Beginn des neuen Geschäflsjohres, vollzogenen Ausnahmen beträgt nicht weniger als 18985. In sieben Monaten sin um 1Z Prozent erhöhter Mitgliederbestand: dies« Tat- fache splegest ein L e r t ro u« n der ovbeitenden Massen wieder. aus dos die KÄB. stolz sein darf. ' vcr Umsatz im Monat Zauuar betrug S 361 810.25 Mark. Gegenüber dem gleiche« Monat dqs Vorjahre»(4 049 091,77 Marks ergibt sich eine Steigerung um 32 Vrozeatt Wie in den vorher- gahenden Monaten marschiert an dar Spitz« mit 146-4 Prozent Umsatzerhöhung auch im Januar di« Waronhausabteilung. Di« Spezial'gleischabgab» stillen steigerten ihren Um- [atz um 101,7 Prozint. In der konsumganoss«nfcha f tlichen Sparkasse oeru'ehrte sich der Einlage nbestand um 1193 376,32 Mark aus 31 611 073,-03 Mark. Den Einzahlungen im Betrag, von 1746 992,81 Mark stand«, 351622.49 Mark Auszahlungen gegenüber. Steuern im Maffenhaushalt. Ausrechnung nach einer Hamburger Haushaliungsstatistik. Die Bcrteiknnz der Steuerlast, insbesonda-e die Wirkung der direkten und indirekten Steuern, war schon von jeher eine der Fragen, für die.die Wissenschaft keine Lösung hatte. Die Lösung war unmöglich, weil eine Einzelhaushaltsstatistik fehlte, die allein das Material liefern kann. Diese fehlt auch heute noch.(Wann wird das Statistische Rcichsamt seine neuesten Erhebungen malst verösiem- lichcn?) Die wenigen Anhaltspunkte, die aber vorhanden sind, n üissen dabei um so wwhr ausgeschöpft werden. Folgende Aus- rechnung, die natürlich auch nur Annäherungswerte geben kann. dürfte daher aus allgemeineres Interesse stoßen. Die Grundlage dieser Kalkulationen bilden 377 Privathaus- Hollsrechnungen, die in Hamburg 1923 und 1926 vom Hamburg!- schen Statistischen Landssamt erhoben worden sind. (77 Haushallsrcchnungen stammen aus dem Jahre 1925. 366 aus dem Jahre 1926.) Eine Haushaltung umfaßte im Durchschallt 1923 3,73 Personen und 1926 Personen(an„Bollpersonen" 1923 3H1» 1926 320). Was die Berufe anbelangt, so waren 1925 86.25 Proz. der Haushaltungsoorstände Arbellcr und 13.75 Pro;. kaufmännische und sonstige Angestellte und Beamte: entsprechend 1926 48,67 Proz. Arbeiter und.51,33 Proz. kaufmännisch« und sernftige Angestellte, Lehrer und Beamte. Die ermittelte Skcuerbclastuug betrögt: Hamburg lSZS (77 Haushallsrechnungen) Eicuerbelastuua InM. nbfoliN Lönkinmnens- llaii-n i. in M. z. Einv-mm. bis 2466 8.46"h, (4st50+ 4,10) 2406—3066 7,50 (3B0+ 3,70) 3006—3600 8,00% (440+ 3,90) 3600-4200 7,20»„ (4.10-f 3,10) 1206—4800 6Lö% (4�5-f 2,60) 4800-5400 7,05% (4,15-f- 2,90) 5400-6000— 6000—7200 9,00% (7,80+ ILO) 7200-8400— 181— 202,— 237,— 284,— 306.- 352,— 563,— Hamburg 1926 (300 Haushaltsrechnungen) Lmrommens- Eteuerbetastunq kUclfrn i«uh. jn Bi. in M. z.Ewromui. absolut bis 2500 6,20% 132,— (2,55+ 3,65) 2501—3000 6H5% 183— (3L5 4- 3.50) 3001—3500 6,60% 213,— (3,50-4-3,10) 3501—4000 6,00% 244.— (3H0+ 3,10) 4001—4500 6,50%, 277,— (3L5% 2.55) 4501—5000 7L5«n 342,— (5L3 4- 2,10) 5001—6000 7.40°',, 408.— (5,65-ff 1,73) 6601—7000 7,20% 466.— (5L0-ff 14)0) über 7000 7,20% 597,— (5H0+ 1,70) Wir sehen, daß für 1925 die erfaßten Einkommensllafsen von unter 2400 bis 7200 M. reichen und für 1926 von unter 2500 bis etwas über 7066 M.(jährliche Einkommen). Es handelt sich also hier nur um untere und mittlere Qzptoötirttii,: deren Stcucrjst&ituMj untersucht wuH>c. Ii, urrfcre Berechnung wurden«inbezogÄ»: 4. die d Lr est t c tt Steuern, die kn den herangezogenen Haushaltungen ganz überwiegend aus der Einkommensteuer bestehen. 2 die indirekten Steuern, die sich aus den wdirekten Steuern(d. h. zumeist aus Zöllen und u. U. Dcrbrauchssteuern) auf Getreide. Fleisch, Fett. Schmalz, Margarine, Buller. Käse, Eier. Kaffee, Kakao,.Tee, Tabak, Zigarren usw. und Zucker zusammen- setzen. In unserer Tabelle haben wir die Gcsamtsteuerbelastung im Berhällnis zum Gesamteinkommen angegeben. Unter dieser Ziffer stehen jeweils in Klammern zuerst die direkten, dann die indirekten Steuern. Wir haben im ganzen immer nur Mindestsätze eingestellt. Mangels Material konnten die Belastungsziffern für a l k o h o- lisch« Getränke nicht ermillell werden. Es ist auffallend, daß in den verschiedenen Einkommens klaffen die Gesamt st euerbela st ung nicht erheblich diffe- riert. Es tritt mit steigendem Einkommen in der relativen Ge- samtsteuerbelastung der Haushallsrechnungen von 1925 erst von den Einkommen von 4800 M. an eine Steuerpragreffion ein, während von 2400 bis 4800 M. gegenüber der untersten Einkommcnsklaffe nicht nur keine Progression, sondern sogar ein Sinken der relativen Steuerleisäjngen zu beobachten ist. 1926 erhöhen sich die Leistungsquoten bei steigendem Einkommen nur wenig. SüTsteigen mit großer werdendem Einkommen mll Unter- brechungen nur ftl kleinem Ausmaße an, so daß die Empfänger der hier höchsten Cktrtonnnen(über 70)0 M.) nur l Proz. ihres Ein kommens mehr für Steuern aufwenden müffe» als die untersten Eintonnnensempfänger. Die Ursache dieser eigentümlichen Lastenverteilung liegt in der umgekehrt progressiven Belastung der verschiedenen Cinkommensklaffen durch die Verbrauchssteuern und Zölle, die die Progression der direkten Steuern in starkem Maße hemmt. 1925 be- läuft sich die Progression der direkten Steuern von 4,30 Proz. für die uiüerslen Einkommen auf 7,80 Proz. für die obersten Einkommen: die umgekehrte Progression der indirekten Steuern aber von 4,10 Proz. für die untersten Einkommen aus nur ILO Proz. für die obersten Einkommen. 1926 beträgt die Belastung für direkte Steuern für die untersten Einkommen 2H5 Pro;., für die obersten 3,56 Proz.: die für indirekte Steuern aber für die unterstan Einkommen 3,65 Proz. und für die obersten Einkommen mtr 1,70 Pro;. Die absoluten Gesamtstevcrleistungen steigen selltztoerftändlich mit wachsendem Einkommen, und zwar 1L25 von 181 M. für die untersten Einkommen auf 563 M. für die obersten Einkommen: 1926 entsprechend von 132 M. aus 597 M. Wenn wir die Steuern auf alkoholische Getränke hätten einbeziehen können, so hätte stch wohrscheinlich die umgekehrt progressive Wirkimg der indirekten Steuern noch verstärkt. Das gleiche ist von dar Umsatzsteuer zu sägen, die au» technischen Gründen auch nicht berücksichtigt werden konnte. 5>.n. Glanzabfchluß des phoiotrusts. Reingewinn fast verdreifacht. Verdoppelte Rückstellungen. Die Z e i h- I k o n A.-G. in Dresden, die im Herbst 1926 ans der Vertrustung der vier stärksten photo technischen Unternehmung«» in Deutschland entstand, hat bei den letzten beiden Jahresabschlüssen ein« sehr vorsichtig« Bilanzpolitik getrieben. Die Gewinne wurden, ohne daß eine Dividende zur Berteilling kam, zu Abschreibungen aus die umgestellten Betriebe oder zu Rückstellungen verwandt. Dos Betriebsjahr 1928 hat dem Unternehmen jedockz derartige Gewinne gebracht, daß nicht nur die Abschreibungen und Gewiunrückstcllungen von 0,51 auf 1,12 Millionen Mark verdoppelt werden konnten, sondern darüber hinaus noch ein R e i n g e w i nn von fast IL Millionen erzielt wurde, der die G«. winne des letzten Jahres nahezu um das Dreijache übertrifft. Vom Rentgewinn werden auf das Aktienkapital von 15 Millionen erstmalig 6 Proz. Dividend« ausgeschüttet und trotz der bereits vorgenommenen Rückstellungen noch weitere 140 000 Marl in die Reserven gesteckt. Nach Veröffentlichung des Geschäfts- bevichtes und der Bilanz kommen wir auf die Einzelheiten des Abschlusses noch zurück._ Der Arbeiismarki im Reich. Der Frost verschlechtert noch- Verschiedentlich leichte Besserung. Stach den Berichten her Landesarbellsämier kam in der Berichts- woche vom 28. Januar bl» J. Februar 1929 das Abgleiten des Beschäftigungsgrades noch mcht zum Stillstand: erneuter scharfer Frost und starke Schneefälle behinderten die Außenarbetten immer mehr. Obgleich also in den Saisonberufen die Arbeitslossgkeit noch weiter anstieg, setzte sich dennoch in einigen Arbeltsamtsbezirken(so in Hamburg. Kiel und Lübeck, In Stettin, den Arbeitsamts- bezirken des westfälischen Industriegebiete) eine leichte Auf- wärtsbewegung durch. Ob es sich nur um eine schwache Augenblicks- besserung handelt oder um eine Reaktionserscheinung nach den schweren Arbeitskäinpsen in der Metallindustrie oder ob sich vielleicht ein gewisser Umschwung ankündigt, muß dahingestellt bleiben. Anf- fallend ist allerdings«in verhöltnlsmößig starkes Ansteigen der Hauptuntcrstützungsempfönger in Südwestdeutschland. Maschmen-Großuniernehmen saniert. DU Kapitalzusammenlegung bei Hartmann-Cbemnitz. Di« Sächsische MaschinenfabrU vorm. Richard Hart- mann A.-G. in Themnitz war schon ia der Vortrkegezeit da» angesehenste und bedeutendste Mafchinenunternehmen de, Freistaat«, Sachsen. Nach der Scheinblüte in den Jnflationsjahren ging e» jedoch mit diesem Unternahmen schnell bergab. Die Verwaltung hatte es nicht verstandeit. den seit Jahren fast gänzlich btschä-ftigung». losen Lotomotiodau scavie die durch Konjunktur Wechsel schlecht beschäftigten Werkzeugmoschinenbetriebe rechtzeitig umzu» stellen, so daß die Verluste der Gesellschaft sich von Jahr zu Jahr steigerten. Wohl hatte die Direktion seit etwa anderthalb Jahre» die technische Nationalisierung der Botnebe erngeleitet, die finanziell« Sanierung des AliUernehmens dagegen so Uiitgc hinausgezögert, bis dieses größte Wert des sächsischen Frei- staates dicht vor dem Ruin stand. Als die Verwaltung eichlich vor«imgcn Monaten ihren«anierungsplan ncröffentticht«, waren die Bankschulden bereits auf mehr als 15 Millionen angewachsen, und der G e s a m t oe r l u st hatte bereits die Siebc»- Milliouen-Grcnze überschritten.. Die Saiueruitgsvorschläge der Vcrwaltintg, die auf der leisten Gcneroloersamntlung im Dezember 1928 abgelehnt wurden, sind vckamu. Das Akti-nlopital von 18 Millionen Mark sollt« in einem Verhältnis von 6:1 auf t Millionen zusammengelegt und zur Beschaffung neuer Betriebsmittel auf II Millionen wieder heraufgesetzt werden. Zu gleicher Zeit sollte der Lokmnotiv- bau an Sch w a r tz k o p s f- Be rki n gegen«ine Larentschädigung abgetreten werden. Da die Verwaltung im Dezember oorsgeu. Jahres ihre Bor- schlage mit der nötigen Dreiviertelmehrheit in der Generalocrsaimn- lang nicht'durch'etzen konnte, mußt« ein« neu« Aktioimrvcrfamnllmtg einberufen werde». Das Ergebnis dieser Generalversammlung, die gestern in Chemnitz stattfand, ist, daß die Sanierungsvorschläge die notwendige Mehrheit fanden, und der scharfe Kapitalsschnitt angenommen wurde. Daß d'« Gesimdungsakliai, bei dieser Gesellschaft, wenn auch viel zu spät durchgeführt wird, ist im Interesse der Belegschaft., die in guten Zeiten weit über 8000 Mann betrug, und auch jetzt noch weit mehr als.5000 Mann beträgt, zu b e- grüßen. Das Unterr.ehmen ist nach dein vorliegenden Auftragsbestand zu urteilen befriedigend beschäftigt und mit der jetzt vollzogenen Sanierung ist die Möglichkeit gegeben, das Wert wieder auf«ine rentable Basis zu stellen und die Existenz der Stammbeleg- schaft zu sichern Der schwedische Zündholzlrusi in Rmnänien. Die Aufjaugungs- poliut des Schwedentrusts tenm keine Grenzen. Nachdem er erst im letzten Jahre in Südamerika und in Europa in Lettland u u d I u g o s l a w i e n sich neue Monopole verschafft hm, ist es ihm iotzt gelungen, sich in R u m ö n i«.n das Fobrikationsmonopoi und den alleinigen Verkauf van Zündhölzern auf 30 Jahre zu sich-r». Der Trust garantiert der rumänischen Regierung eine jßhrltche Mindeste i»nahm« von 12 Millionen Mark. Äu�ragenderHäMe und des iZesicht», schmerzhaftes Brennen, smple W>I« und Juckreiz der Haut werden beruhigt und ausgtV.ilt durch die wundervoll Ighsende, reizmlldernd« On««»« Ix-odor,erkschaften lehnen der Oesfentlichkeit gegenüber jede Verantwortung ab für das,»oas von der Hauptverwaltung„zur Hebung der Betriebssicherheit" angeordnet - worden ist. „Heimgeleuchiei." Denn erstens kommt es anders... In der letzten Branchenversannnlung der Einzelhandelsarbeiter sprach zunächst Genosse Fromm vom Hauptvorstand des Verkehrs- bundes über die Einführung der Involidenunterstützung am 1. Juli und über die Erweiterung der Bestimmungen der Rentka(Frei- willige Alters- und Inoalidenkasse) Trotz der Verunglimpfungen dieser freiwilligen Unterstützungskass« durch die„Rote Fahne" »vandte sich keiner der Diskusstonsredner gegen diese Einrichtung der Organisation, rvas ja auch verständlich ist, weil selbst viele kommu- nistische Derbandsmitgl jeder dieser Kasse angehören. Im Anschluß hieran gab Genosse D o l l m« y e r die Beschlüsse der Funktionär« bekannt zur Abänderung des Manteltarifs für den Berliner Einzelhandel, der zum 31. März gekündigt lvorden ist. In der A r b e i t s z e i t s r a g e sordern die Funktionäre Aus- Hebung der Bestimmungen, wonach der Unternehmer an 120 Tagen im Jahre Ueberarbeit bis zu 54 Stunden pro Woche anordnen kann»md die bis zu einer halben Stunde pro Tag geleistete Ueber- arbeit nicht zu bezahlen braucht. Di« Arbeitszeit soll nicht länger als 48 Stunden pro Woche sein. Desgleichen wurde die Streichung der Bestimmung verlangt, daß die vorbereitenden und abschließenden Arbeiten bis zu einer Viertelstunde pro Tag nicht gezahlt werden. Die Urlaubsbestimmungen und die Vereinbarungen über den§ 616 BGB. sollen oerbessert lverden. Schließlich ver- langten die Funktionär« noch den Wegfall der Tarifbestimmung, di« zuläßt, daß ausnahmsweise Arbeitskräfte auch ohne den paritätischen Arbeitsnachweis eingestellt werden können, weil diese Ausnahme zur Regel geworden ist. Die Branchenversammlung billigte die Beschlüsse ihrer Funktionäre. Da die Versammlung auch ihre Branchenleitung neu zu wählen hatte, gab Genosse Vollmeyer noch«inen kurzen Bericht über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahre. Er stellte fest, daß es gelungen sei, im Vorjahre für die Handelsarbeiter«ine Lohn- erhöhung von 12,8 Proz. zu erwirken und den Mitgliederbestand der Branche um rund 500 zu heben. Trotzdem die„Rote Fahne" die Handelsarbeiter aufgefordert hatte, den sozialdemokratischen Mitgliedern der Branchenlcitung heimzuleuchten, stellt« die sogenannte Opposition ntcht einen einzigen Gegenkandidaten aus. Mit Ausnahme eines Mitgliedes der Branchenlcitung, gegen dessen Widerwahl einige Versammlungsteilnehmer stimmten, wurden alle übrigen entsprechend den Vorschlägen der Funktionäre e i n st i m m i g g e- wählt. Die„Reformisten" sind also so heimgeleuchtet worden, daß in der gesamten Branchenleitung nicht ein c i n;» g e s Mitglied der KPD. sitzt. Drohender Streik im Dunggroßhandel. Für die Arbeiter des Berliner Dunggroßhandels war vom Ver- kehrsbuich das Lohnabkonnnen zum 31. Dezember gekündigt und eine Angleichung der Löhne an die des S ch w e r f u h r g e w e r o e s gefordert worden. Im Schweriuhrgewerbe erhalten die Kuischer einen Wochenlohn von 65,70 M. Die Dunzkutscher bekommen jedoch für ihre schwere und schmutzige Arbeit nur einen Wachenlohn von 55 M. Mit den Unternehmern wurde trotz zweimaliger Verhandlungen keine Einigung erzielt, weil sie wegen der angeblich zu hohen Forde- rungen der Arbeiter keine Gegenangebote inachen konnte»». Der Schlichtungsausschuß, der daraufhin angeriüen wurde, fällte einen Schiedssvruch, der ab 2. Februar bis 31. Dezember d. 2. die- Löhne um 3 M. pro Woche hcraufistzt. Die Vollversammlung der im Dunggroßhairdel belchäsiigten Ar- beiter hat diesen Schiedsspruch e i n st i m m i g o b g e l e h n l, so daß in den nächsten Tagen»nir einem ernsten Konflikt im Berliner Dunggroßhandel zu rechnen ist, zumal diese Arbeiterschaft restlos organisiert und kampferprobt ist. Lohnbewegung der Bauanschläger. Die im Metallorbeiterverband orgamsserten Berliner Bau» an s chlä ger hatten zuin 31. Dezember ihr L o h n a b k o»n m sn gekündigt und eine Erhöhung der Löhne� gefordert. Zugleich verlangten sie aber auch, daß die Unternehmer ihre Arbeitskräfte vom paritätischen Arbeitsnachweis beziehen sollen und nicht nur von dem als Streikbrechernachweis bekannten Arbeits- Nachweis des Vereins der Berliner Bauanschläger. Di« Unternehmer lehnten nicht»rur jede Lohnerhöhung ab. soridern wollten auch nichts von der ausschiießlichen Benutzung des paritätischen Arbeitsnachlveises wissen. Auch in den LerhanWungei» vor dem Schlichtungsausschuß hielten die Unternehmer ihren ablehnenden Standpunkt aufrecht, obwohl auch der Borsitzende des Schlichtung-ausschusses die Fordenmg der Arbeiter in der Arbeits- nachweisfrage für durchaus brnchtizt hielt. Es wurde schließlich ein Schiedsspruch gefällt,, wonach dos jetzige Lohnabkommen unverändert bis zum 31. Dezember 1929 verlängert werden soll, weil, wie ex in der Begründung heißt, infolge der augenblicklichen Wirtschaftslage eine Lohnerhöhung nicht zu rechtfertigen fei, zumal die Löhne erst vor wenigen Monaten erhöht worden fmd. Eine tarifliche Regelung der Arbeitsnachweis- frage lehnt der Schiedsspruch gleichfalls ab, � weil dadurch' i» den noch bis Ende des Jahres laufenden Mänteltans eingegrisfen werden würde. Die Funktionäre der Bauonschläger sowohl, als die zu Dienstagabend nach dem Dcrbandshaus der Metallarbeiter oinberufeu« Branchenversammlung haben den Schiedsspruch einstimmig ab- gelehnt. In einer ebenfalls einstimmig angenommenen Eni« fch'ießung wurde der Dranchenkominifsion Dollmacht erteilt, sämtliche gewerkschaftlichen Mittel anzuivenden, um die Forderungen durchzusetzen. verband der Buchbinder und PapierverarbcZter Deutschlands, Orlsverwaliung Berlin- Wir«-»che» vachtnal«»vi di« heut« 17 Wtt i» Saal(V di,»ewtrisch-st». ha»ie» swttt>»de»d« Zahie»Br»ach-!,»«ria»»U>i?,g de» B»eib»,derdr,»chi a*"- m«rksom. Tas-N'rdrung! 1.?»hi«,d«rick»t. i. SEensofcl drr SStoBdioiIeiiss« uvd Dkrtrrter g« vri»»crw«ltui,g. ÜB« ftoHeninitrn 8ri» SuBezin, di»«., dar», s-l«ge» ist, gvi«»cd lachltch« S-oerftidoft«»»«»!(» Uiffc», wWen «» dieser Dersonims» ng«rschrw«». Milgli«d-b»ch«die Sa et« liaitiollert. Freie Gewerkfckiasts-Lugend Groß«Berlin ieute, Doirner-taz, ISti Uhr, tag-.o di« s-appen: Moftdit: Eruppin- -im, Ausendlisim, Lthrt«: Str. Ii— 19, H«>lnbks»r?chun7. 8«roai;tiS. iud) und tzeirnouBtocis nicht vkrqisscn. 4- ffirbfcir.g: Sruso-nhciin, Etiidt. Iugondhkim, drlhstr. 10, Hclmbilvrcchui-.a. inicuswcis. und Ver» bandÄinittontroBs. Heut wollen wir un'rz Siiinzlein sdinLren.— Rcyesid: ®tups>:nfccim, Iugendheini, Grünauer etc. 6. Heiinbesprrchung. Zutritt nur w!t Verbandsbnch und Heiwauswciz.— Gelunddruntt-n: Srunpentjeirn, Iuoondheim. S'ote Echule, EotcnSurger Tiro�e, Heinidcsxrechunst. Berdaud». dnch» nnd Htimanoweisiontrolle. ko!Npf»ied«rad«i,d.-- La»d»b«raer Platz: tzugendlieim des Ostens, Grdtze Frankfurter Etr. 15, Ouergeb. pt., stimincr 2. Vortrag:.Proletarische Fcstiultur".— Fraiilfurter ASc«:©tuiwiiljeim. StLdt. dans). Heimbefprechnng. Kurt Äowaiski«rzästli von feiner©aii«. Perba»ds- budjfonttotle.— Tempeliot:(Sruppcnheim, ütiicurn. elerinaniagr. 4-.6, Heun» bcfprcchung, Verbandsbuchtoniroll«.— Ad-tunq, Srupvenleiterl SRdbffdjIuS für die Ogerfak/rten am ssreilag, dem f. fsebruar, in der Iugendzentrale.— Achtung, Rädels! Ihr dürft nicht fehlen ans unfer-n» am Sonntag, dem 10. Februar, Sl4 Uhr. im Jugendheim des? rutschen Ver-rhrsbutuses, Enge!» ufer•M—2S, Aufgang B, pt., statt findenden Mädiheniursus. Thema:.Der Lieg der Frau". Ziefcrcnnn: Krnofsin Adel« Schreiber. Iuaendarnpps 0-S /kentrolverbandes der Angestellt, n Heut«, Tonnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Xtepi*»: Jugendheim WIldenbruchstr. 58. Vortrag:„Die Frage des Kot:» begriffs. Referent: Vastor Francke.— Siböneberg: Jugendheim Hauptftr. IZ (Thüringenzimmer), Gruppenbespr-djung. Anschließend Bunter Abend. iuSasinadümStfPtlskudim (SdiznaJzgebacbmes) mchfbigmclan Oetkec-Rzzept: Zutaten zum Tel�t>25 t Mehl, 60 t Butt«»«kr Marferm� 25 f Zocker, 5—5 Eier(180?). 1/| Fl Dr. Oellcer*» Badcöl Citrone, 1 tslSif febiuftea Teetoffel(5 x) Dr. Oetker'» Backin-Beclcpulver, l/i Liter Wasser, Zutaten zur Glasur i 150? Pudenucker, 1 FISiAeheo Dr. Oetker** Rmn-Arorr»*. Zubereitung des Teiges: Wasser«ad Butter bringt rsae rua Kochen, nimmt den Topf vom Feuer und schüttet unter«tSodigexn Rühren das fesiebte Mehl hieein, setzt wieder anls Feuer und rührt den Teiz so lanje, bis er vom Topf«md Holzlöffel loaliSi. Nachdem die Masse abgekühlt ist, fügt man nach«ad nach die geozen Eier, das Gewürz, des Zucker und das„Backia* hiaso, verrührt eil« zu einem glatten geschmeidigen Teig, der vom Löffel abreißt. Man füllt ihn in einen Spritzbeutel, der mit einer ueiten Sterotülle versehen ist und spritzt auf Pergamentpapier, des man genau oach der Oberflachs des Fettopfes rund geschnitten und durch das heift* Fett gezogen bat, rund* Kränzchen von etwa 6 em Darchmesser, legt es mit den Kuchen in das erhitzte Backfett, so dafi dieselben nach unten kommen, nimmt das Papier ab. von dem die Kuchen bald loelassen und backt unter ständigem Rütteln des Topfes auf beiden Seiten hellbraun. Man nimmt die Spritzkuchen mit einem Schaumlöffel heraus und!䣻t sie abtropfen. Da die Spritzkuchen sehr aufgehen, dürfen aar ee viel in das Gefäß gelegt werden, daS sie sich gut Uwegen laaeen. Erkaftot übe: zieht man sie mH W- gender Glasor: Zubereitung; dzr Glasur> Dcv gesiebte Puderzndccr wird eilt 2-5 EflÄffela heißem Wasser zu einem glatten Brei verrührt irad mit dem Rum-Aroma nntm misch i Man wälzt die Spritzkuchen einseitig in dieser Glaam und li&t sie an der Luft tiacknem. Aus den Zutaten werden etwa 15 Stüde erzielt, Anmerktmgt Belm Badceo von Spritzkuchen darf das BachgeÜt nur nr Hälfte mit Back fett gefüllt sefe. Zum Bache, verwendet man am besten balb Kokoefe« und halb Scnweioeschmels. Dss Fett muß so heib sein, da« dn StöckAen bieemgeworfen» Teig sofort wieder oben schwimmt und das Fett kaum merklkh zu rauchen beginnt. Biiie ausschneiden, da neues Oetker- Rezept/ Viele weitere Anregungen zum Backen von KleiogebleLea. Kochen und Tyrtee bietet riiaee Dr. Oetker's farbig illustr. Rezeptbmh, Ausgabe F. das für 15 Pfg. te alle* einschlägigen Geschäften«der. wenn vergriffe», gegen Eiusenduay vom Marken von mir direkt erhaltlich ist. Or. August Oetker, Bielefeld. i dtrllr« Haintram-Venla ton.» nt Dt. OeU«'« Bulüi-Baet�ilv« nn Vtr-nitonf. i. j-.-.„. r*'-' a-'>*>'■.»»-_.*,!•.. z-- ch«.. c->V ss-i '..'••."yt-j; W.'. p«*# Zwischenfall im Landtag. Nünsisr Gz-zcsinM im Kampf. Der Landtag hat am Mittwoch die Novell« zum G«. '" I ii b�e r die23 SS. cinSenffraÄ« 5 Ccffcsilii?« StabtnWmJttnbgcSarB d« 88«. Di«ns!az, 12. F-trusr. tc <5'.4un3S'"aai i*3 ehimaugen Hdrrenhauses, Eeiwigct<5 traf;;. Reichsmtnistcn. «tnefle Stcmitc, spricht itdar: Jloalaujr.swüiiJ". Eintiut 30 Pf. Kaetev flnb int esfettnnai rrhiilttich. Der StBeancMchot kommt am Sennaöenb, d«m 9. Fodruar, wegen ber Probe fflt Magdeburg in bei Schulaula Dangigei Str. A zusammen. W« T«il- nehmer müssen erscheinen. Ableilungsmilgliederversammluvgeu heule 1SZ4 Uhr: 8Zbw«It: Leim Anbenstr. ch— SchSneberg M: Heim Hanptstr. lS.— Tegel: Heim Bahnhotstr. 15.— Witte uau: Heim Tosenthaler Str. 15. * ll-Znisch«, Päd: Heimabend fäHt aus.— Tosent Haler Dorste bt: Ausschuß- sltznng beim Genossen Nalodnstacki, Lotbringerstr. Z2.— Westen l: Heim Biilom-. Zraße W. TagesoolUischer Abend.— Ziorden: Heim Lortzing. Ecke Graunstraß'- Portrag:»Di« Entstehung her Erbe».— Schönhanser Borstabt: Schule Sonnen. burger Str. ZV. lV-Minuten-Teferat«.—»ottbuffer Tor: vr m Bi tter Stratz« Z7— ZV. Bortraa:.ffrau und Beruf'.— Wiluier-bers: Heim Ailhelm� IZS. Sortrag:„Was i"......"------""" ist Sozmlismus».— Laalm!»: Schul« Schulst Manifet"- au«... Bortrag:„Kommunistisches Manifest?" U. Teil. CetbeikttTl Sniltla; lieber, ber Statisten im lt. F. Zt. 8. 8«. Vorträge, Vereine und Versammlungen. G Reichsbanner �Schwarz Rot Gold". De-chiiitoft-Il«: Berlin- U. Sei-astianstr 37:38, Ho» J Tr. Freitag, 8. Februar. Mitte. 20 Uhr,«. Kameradschaft, Bersamin-, hing bei Tarn!, Sorten str. 6. Prenzlauer Brrg. Slomtrabichn-t Aordlap. 80 Uhr. umständehalber findet bte Versammlung schon am 8. Februar statt. Zicuwahlen.«eniölln.Brid. Iungbanner. Senetalversammlnng. Zle>'- wählen, bei Balewski, Bodd'Nstr. 57. Beginn 20 Uhr. Anwesenheit allen stameraben«rsorberlich. Zleinickendorf�vst. A Uhr Versammlung bei stall stiebne, Restdenzstr. 8. Vorstaichsmitgliebe: eine halb« Stunbc früher. Zicinick;»- bars-Dest. A> Uhr stameraoschaftsoersammlung Im Bereinslokal. Vorstand ein- Stund« srüh-r._ Feele AebeUer�speeanto-Vereiaignog Berlin. Achtung, Sprachgenossen I Vc- fucht am Donnerstag, 7. Februar, bit Gruppe irversammlung der„Freien Aroeiter-Esperanto-Vereinlgung Verlin" im Jugendheim, Am Ostbahnhof 17. 8Iper»Rt»-Grnpp« Rorveo. Vortrag:„Der Siegeszug de, Esperanta", m.t Borfiibrung von Esperanto-Exrerl'plattrn am Donnerstag, 7. Februar, IStz Uh. im Obergeschoß de» Gase Bernhardt. Brunnenstr IM(dicht am Bahnhof Gesundbrunnen). Eintritt frei. Gäste herzlich wMkommen. »rteg�ellnehm«,»nb Frlegerhinter. »eichahur» bliebeneu. Or 8. Februar, Zv »riegsbeschSdigten, W rupp« SW. 16, Mitglicberoersammluno am Freitag, den: llhr. Im Testauranl„ILgerhcim", Nostiz- ElWM 1 ebeitee�Esp« ran to. Bund. Gruppenabende finden regelmäßiz Ecke Arndlstraße. ___________. jf« statt: Norden: 20—22 Uhr Schul» Tütlistrah«. Osten: Donnerstag. 20—22 Udr, Zugendhe'm, Anr Ostbahnhof 17. genlrn«: fleden Freitag l»l4— Älb Uhr Schule Gipsstr. 23-. «cdding: Freitag. 20—22 Uhr, Jugendheim Seestr. 57. Mitglieder besucht die Gruppenabende regelmäßig. . i.„_U-! i i_ J__ i i I- Veranlwortllch Bt Politik- Dr. Citri Geoe«: Wirtschaft: ft.•ItnaelTi'fer; Serartschaslsbewegung: Z. Cteiuec; Feuilleton: Dr. John S4il#asll; Lokales ant Sonfttnet. Fr:»»«rstnbt: Anzeiaen: Th Glocke lämilich:n verlrn Berlag: Borwärts-Berlag E m b S Berlin Druck: Borwärts-Buchirt�ece: und Berlaazanstail Paul Singer u E» Berlin TW 68 LindenstraK» Hierzu 2«ellageo And„Uuterhaltnaa und Bissen*. Asthmaleidende » Kottprob&n srath! JD«? best« Bevth, ckal Ich cur erst. Qa*- llii:«o troti billigster Preise verkaufe I Erstkiaulgef Ccsssrt-Aptelweio.»36 Liter O.TS Kotllwert. ßzjtert-Jchanaislieerwtlii, suö» 0.03 Feinster Speiigl-Fnsditwelo, oütz.... 1.09 Erstklsss. Oesscrt-StsäieEbterwein, sQ8» 1 09 Hochsromatisch. 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Sretti: Kontert s Tanz ✓ Varl ei« IDgrole mr-mem. Zentral. Theatar Ui: Jiteil.(Ii-raitoii:- ranticn SV» jhr Sonntag auch 4 Uh' wen ntisss mr» hanö,ij58aarae Em oniel von Liebe und Lenz mit dem gleich nam.Schlager Ru nd: u n khöier ua.be Preise Bannwik)-Elilna Thoiter i» cor Unlggrützat E trabt mV. Uh: Bßvflltc Im EriißhnnBslans Schauspiel von P. M.Lampe'. KemOdtenhaus 8V. hr Das fieid aal der Strasse UettnjrT. Bernaoer n. Oesterreich er fiieiiß Dtiat» ra»iich 8'l, lh. Lady unnder<- meres f acher von Oskar Wilde -androck Hechr, K» der, Hordt, Mamelocfc u. HBIIcr Trianon-Th. rsgllch«V» Uhr Das Haus der Laster (Yoshiwara) I heatar sm «olienüarfpiau räglich 8 Uhr Fieltag z. 50. Male; leUtüea Ce&er. Singspiel von Walter Kollo Ctsch. KilMtler-Th. 8V» Uhi Der Ztnker *. Edgar Wallace dnite Sit« Fant« Preise l— 10 Mari liessing-Tliealer z Uhr: Morgen rutn SO. Male Ratiialm Knie. R oae-Theataf St13' N/s Uhr Die rleilennaas onae AsnaJUnR� «na» StetpWta ■t« T ntml ssein'» a*cTsr ttraiw 5» TKlugKi t otter� i esooders wirksam«in.' die KLEINEN' ANZEIGEN In -Vorwirt»" und trotzdem üDiiugn SSenaissanze- Theater Toi. Stoiaplstl 941 o. 2483/84. 74g lad»V. Udr ..Ssz«rvke »egie(tust, ttar.ung. Theaier a. Kotibusser« or Kottbusser Str. n Tei.Mp.1607. Täglich 8 Uhr, auch booma; i.acum. 3 Uhr lermäß. Preist Eilte- Sanger FaschlngS'Pre gramm l Emu st ein der beliebte vomiker und Tanzhumorist als Gas; .astspieliiM» Friedrichs tr.23(i Sergmann 2922/25 ragiich svit l. h SBldaThielsdur ücßkcnfl im Paradies Tu«,, t* Uhr SetesFobi-Ffo;r. Z. ScbloS: 30 fflilie 30 Pel&mreD. lk»cr-«w�fd>«n ]UB5tärira as coc 'iniio. JeaAimttiar Noll. 157- 16 Uhr ler Sternhimme im Winter '» Uhr Mars und sein« MiUSl Warden ö. uer> gasen d. Werne CülKlnillllaititt-Msiiii Är'KflftinysBi'rfilieöet! jtetlag,« Jcbcnac, abends T vli» Mk" Sidung"�af der Milllerev Lrlsverwallung. Die Ctlsocctooitana. 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