Morgenausgabe Nr. 67 A 34 46. Iahrgang «»ch-»tl>» SS VI. meraOlt SM Vi, tm Borauf tailbat. Polldezuz 02 SL «tefd)L Bestellgeld. Luslandeaboiuu. oienl SL pro Mona». Set.OonDirts*«rlchetnl wochenlZg. lich zweimal, konnlag, und Monlag» einmal, die Bdendauagaden für Berlin und im Sandel mit dem Xitel.Der Bdend". SOuftnertt Beilagen.Boll und Zeil� und.Ztinderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Dillen'.»Frauen» stimme"..Technik".Blick in die BücherwrlT und.Iugend-Lannirl»" w•v WV' H> Berliner Volksvlatt Sonnabend S. Februar 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswckris i5 pf. Dl,«lalpalttgt Bonparellegest, uo Blennig. R-Name eil»!>— Zlelch» mark.„Kleine Anzeige»' da» enge- druckt» Dort 25 Psennig lzuiälstg zwei sttt-edruckt» Sorte),„de, weiter» DoN .2 Viennm. Eteiiengeluche da» erst« Dort IS Blennig, iede» weitere Dort 10 Blennig. Don» übet IS Buchstabe» tählen für zwei Dane. Arb»it»marst eile SO Plenma Familienaiueige» für donnenten Zeile»0 Psennig. Anzeigenannahme im Saupigeichäst Linde». strafte S. wochenlägl. oon SV, dt» 17 Ufte. Äentralorgan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68. Lindenstratze S Fsrnsprichei: Töndoli LS2— LS? Telegraimn.Sdr.: Soztaldnnokrai verli» Vorwäris-Verlag G. m. b. H. DoMtdeckkompl verlw Z7bS«— Bankkonto: Bant bei flrtinttt, CngeftcDteii und Beamten Wallltt. 65. DiSkonio-Gelellschafi. Deposilenkasie Ltndensti b V Ergebnislose Verhandlungen. Die Volkspariei besteht auf zwei Minister in Preußen. Im Ministersitzungssaal des Preußischen Landtags fand heute nachmittag 2Vi Uhr die erste Besprechung zwi- schen den drei Koalitionsparteien und der B o l k s p a r t e i über die Möglichkeit einer Erweiterung der preußischen Regierung durch Hereinnahme der Deutschen Volkspartei statt. lieber den Verlauf dieser Besprechung erfährt der Sozial- demokratische Pressedienst folgende Einzelheiten: Ministerpräsident Braun gab einleitend ein« Uebersicht über den Gang der bisherigen Verhandlungen und setzte auseinander, warum seiner Meinung nach die Hereinnähme der Volts- Partei m die preußisch« Regierung zwar wünschenswert, der Anspruch der Volkspartei auf zwei Minister aber zahlenmäßig »nd politisch nicht begründet sei.. Im Anschluß daran legte Abg. Hellmann sSoz.) dar, daß in der Großer» Koalition di« Soziald«motratie 13 7 von 269 Stimmen stelle und deshalb vierMinister beanspruchen muß, Die Sozialdemotratie sei bereit gewesen, zugunsten der bisherigen drei Zentrumsminister gegen entsprechende Gegenleistungen in son- stigen personellen Fragen auf diesen Anspruch zu verzichten und sich mit drei Sitzen zu begnügen. Die Sozialdemokratie sei gruadsählich zur Großen Soalitiou bereit, müsse ober sehr bitten, sie nicht einem Druck vom Reiche auszusehen, da dadurch nur diese grundsähliche Vereitschaft zerstört werden könnte. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Heß teilte mit, daß vor dem Austritt der ZentruMsminister aus der Reichsregicrung die Zen- trumsfraktion des Landtages sich dem Parteiführer Dr. Kaos gegenüber verpflichtet hatte, auf einen' ihrer drei Mi- nister zu v e rz I ch t e ni, falls die Große Koalition im Reiche so- fort zushanhetomme.> Dieses Angebot sei von Dr. S t.r e s e m a n n und Dr. Scholz abgelehnt worden und sei durch die gegen- wärtigen Berhältnisie überhol t. Abg. Stendel oon der Deutschen Bolkspartei erklärte, an der Forderung von zwei Ministern sesthalleu zu müssen. Zahlenmäßig möge der Anspruch bestritten werden können, aber politisch könne sich ein einzelner Vertreter der Bolkspartei in dem am Alten festhaltenden Kabinett nicht durchsetzen. Der Verzicht des Zentrums sei der volksparteilichen Landtagsfraktion nie- mals bekannt geworden, sonst hätte sie ihn sofort ange- nommen. Er wünschte eine Erklärung des Zentrums, ob es auch gegenwärtig möglich sei, daß das Zentrum sich mit zwei Mi- nistern begnüge, und ein« Erklärung der Sozialdemotratie, ob in diesem Falle die Forderung der vier Minister ihr letztes Wort sei. Abg. Heilmann entgegnete, daß die Sozialdemokratie dem Zentrum nicht das Recht zugestehen könne, zugunsten der Voltspartei auf einen Ministersitz zu verzichten, den das Zentrum selbst nur durch einen Verzicht der Sozialdemokratie hätte. Verzichte das Zentrum, so müsie darüber verhandelt und entschieden werden, wem der freigewordene Sitz zufalle. Abg. Heß glaubte einen Verzicht seiner Partei nicht mehr-n Aussicht stellen zu können. Ministerpräsident Lraun wies die Volkspartei auf die großen politischen Fragen, die zur Entscheidung stünden, hin und bat. sich nicht darauf zu versteifen, ob ein oder zwei Ministersitze in Betracht kämen. Im Kabinett würde sowieso niemals nach Parteien abgestimmt, sondern immer eine Verständigung gesucht. Abg. Lelnerl fragt«, ob die Ablehnung des einen Ministers das letzte Wort der Volkspartei sei. Abg. S l e n d e l erklärte, daß nach der Stimmung in seiner Fraktion er es nicht für nzoglich halte, daß sie sich an der Regierung beteilige, wenn nur ein Minister zugestanden würde. Es wurde vereinbart, daß der Abg. Stendel aufklären soll. warum das früher« Angebot des Abg. Kaas, den Verzicht des preußi- schen Zentrums auf einen Ministerposten herbeizuführen, der volks- parteilichen Landtagsfriktion überhaupt nicht zugeleitet worden sei. Die Z e n t r u m s f r a t t i o n soll darüber befragt werden, ob sie gegenwärtig noch über diesen Verzicht verhandeln wolle und die Sozialdemokratie, ob sie für diesen Fall unbedingt den vierten Ministerposten für sich beansprucht. Wenn darüber Klarheit geschaffen ist. sollen die Verhandlungen fortgefetzt werden. Die Dolkspartel-Fraklion des Landtages hatte bald nach Schluß dieser Besprechung eine Fraktionssitzung, als deren Ergebnis sie dem Ministerpräsidenten Braun mitteilen Heß. daß sie an Ihrer Forderung noch zwei Ministersihen festhalten müsie. Damit scheinen die preußi- scheu Verhandlungen vorerst gescheitert. * Die vane Hoffnung, es könne durch die interfraktionellen Besvrechungen in Preußen noch eine Einigung herbeigeführt werden, die sowohl Preußen wie dem Reich zugute komme, ist einstweilen gescheitert. Die preußischen Koalitions- Parteien haben sich am Freitag nachmittag bereit erklärt, der Deutschen Volkspartei einen Sitz im Kabinett einzuräumen. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei aber betrachtet dieses Angebot als ungenügend und fordert nach wie vor zwei Plätze. Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten in Preußen sprechen der Volkspartei das Recht ab, mehr als ein Porte- feuille zu verlangen. Sie weisen darauf hin, daß sie seinerzeit in der Hoffnung, eine Koalition der Rechten herbeiführen zu können, die Regierung mutwillig verlassen habe. Es liege kein Grund vor, sie jetzt ohne weiteres wieder in den früheren Stand zurückzuversetzen. Das gegenwärtige Kabinett besitze auch ohne sie eine Mehrheit. Es funktioniere ausgezeichnet, und wenn man den damals Ausgeschiedenen jetzt mit Rück- ficht auf die Verhältnisse im Reich entgegenkomme und sie wieder aufnehmen wolle, so müßten sie sich mindestens fürs erste mit einem Sitz zufrieden geben. Das alles sind gute Argumente, und wir sollten meinen, daß sich ihnen auch die Volkspartei nicht verschließen dürfe, wenn anders es ihr um die Herstellung einer stabilen Re- gierung im Reich und um die Sicherung des Parlamentaris- mus ernst ist. Allerdings läßt sich nicht verhehlen, daß das Zentrum in den letzten Tagen eine Haltung eingenommen hat, die eine Verständigung nicht gerade er- leichtert. Die Zurückziehung des Ministers von Gu�rard war der schwerste und verhängnisvollste Fehler. Dazu aber kommt eine sehr merkwürdige und nicht unbedenkliche Taktik in der Behandlung der preußischen Angelegenheit. In der Sitzung des geschäftsführ?nden Ausschusses des Zentrums, die am Mittwoch stattfand, haben nach dem Bericht der„Germania" vom Donnerstag morgen die Ver- tteter.der preußischen Zentrumsfraktion der Ueberlassung von zwei Ministerien an die Volkspartei ihre Zustimmung gegeben. Erste Frage: Warum ist heute nicht mehr das möglich, was vor zwei Tagen in Aussicht genommen wordenwar? Weiter: Maßgebende Persönlichkeiten des Zentrums ver- sichern, daß der Beschluß vom Mittwoch die Bereitwilligkeit bedeutet habe, auf einen zurzeit vom Zentrum eingenommenen Sitz zugunsten der Volkspartei zu verzichten. Zweite Frage: Warum ist diese Interpretation dem Reichskanzler nicht mitgeteilt worden und warum hat sich die f o r- mulierte Entschließung des Zentrums auf die Er- klärung beschränkt, daß der Parteivors'tzende Kaas die Preußenfraktion bitten werde, zwei Sitze zuzugestehen? Hier war nicht die Rede davon, daß einer von diesen Sitzen vom Zentrum abgetreten werden solle. Wäre das da- mals offen ausgesprochen worden, so wären die Dinge mög- licherweise ander» gelaufen. An solchen Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten scheitern Uebereinkommen. Die einen fassen Beschlüsse und geben ihnen, wenn es zu spät geworden ist, eine vorher nicht zu ahnende Auslegung. Die anderen versichern, auf Mitarbeit verzichten zu müsien, wenn sie statt der geforderten zwei Portefeuilles nur eines erhalten. Wer soll den Sinn eines solchen Streites draußen im Volke verstehen. Stecken hinter diesem Spiel Meinungsverschiedenheiten über sachliche Fragen wie beispielsweise über das Kon- k o r d a t, so sollen die Parteien es offen aussprechen. Dann erhält das Land wenigste«s die Gewißheit, daß es sich um ernste Dinge handelt. Im anderen Falle wird das Ansehen des parlamentarischen Systems, das ohnehin durch das frivole Treiben der Kommunisten in hohem Maße diskreditiert zu werden droht, bei den Außenstehenden um törichter Ränke und unwürdiger Ehrgeizeleien willen erschüttert. Von Sieg zu Sieg! Wieder eine llnterhauswahl von der Arbeiterpartei gewonnen London, 6. Februar.(Eigenbericht.) knapp nach dem Wahlsieg der Arbeiterpartei in Vattersea ist ein neuer Sieg erfochten. Die Arbeiterpartei vermochte den durch den Tod des früheren Haupteinpeilschers der Partei. Ben S t o o r. sreigewoi denen Sitz in Vishop-Auckland nicht nur zu behaupten. sondern den früheren vorsprung von 2916 aus 7072 zu erhöhen. Die Ziffern lauten: Frau D a l l o n(Arbeiterpartei) 14 797. Bnrny(Liberal) 7725, Thompson(konservativ) 3357. Lei der vorigen Wahl hatte der Arbelterkandidal 15 766, der Liberale 12 066 Stimmen. Der Wahlkreis war liberaler Besitzstand und ist erst vor kurzem zum erstenmal an die Labour Party übergegangen. Die siegreiche Kandidatin Dalton ist die Gattin des Arbeiterabgeordnelen und Mitgliedes de» Parteivorstandes Dr. hugh Dalton. lieber feine Beurteilung des jüngsten Wahlsieges der Arbeiterpartei befragt. äußerte der Parteipräsident, daß die drei letzten Siege der Partei innerhalb von zehn Tagen in höchstem Maße für die allge- meine Stimmung im Lande bezeichnend und unverkennbar sei, daß ein entscheidender Sieg, der für den kommenden Zuni bevorstehe. zu einer Arbeiterregieruug führen werde. Ausbau derKn'senfürforge Die Krisenunterstützung allgemein gewährleistet. Der Reichstag nahm gestern den sozialdemokratischen Antrag zur Krisenssirsorge in der folgenden vom Sozial- Politischen Ausschuß veränderten Fassung an: 1. die Reichsregierung zu ersuchen: a) die Krisenssirsorge auf alle Berufe auszudehnen? b) die Krisen- fürsorge nach§ 101 des Arbeitsvermittlungs- und Ar- beitslosenversicherungsgesetzes allgemein auch auf alle Berufsgruppen zu erstrecken, wenn die Arbeitslosen die Wartezeit von 20 Wochen nicht erfüllt haben, aber 13wöchige krankenversicherungspflichtige Beschäftigung nachgewiesen haben; 2. die Reichsregierung ,« ersuchen: die Unter- stützuugsdauer in der Krisenuaterstützung für An- gestellte und Arbeiter bis zum 4. Mai auszudehnen und dabei ausgesteuerte Angestellt- und Arbeiter nach näherer Angabe des Reichsarbeitsministers in dir Krisenfürsorge wieder eiazubeziehen; 3. die Reichsregierung zu ersuchen: auf die Reichs- auftalt dahin eiuzuwirken, daß die Anweudung des Ge- setzes betreffend Souderfürsorge für berufsübliche Arbeitslosigkeit u i ch t auf solche Arbeitslose erfolgt, dir nur vorübergehend— besonders bei Notstandsarbeit-«— mit Arbeiten beschäftigt sind, die sonst unter das Geseü betreffend berussübliche Arbeitslosigkeit fallen. * Der Reichstag hat am Freitag unter den denfbar größten politischen Schwierigkeiten die Vorlage des sozialen Ausschusses für den Ausbau der Krisenfürsorge bei Stimm- enthaltung der Rechtsparteien und mit Zustimmung der Kommunisten oerabschiedet. Der Verabschiedung ging«ine Debatte voran, in der die Redner des Zentrums heftig gegen die sozialdemokratische Reichstagsfraktion polemi- sierten. Der soziale Ausschuß hatte aus einer Fülle von Anträgen den sozialdemokratischen Antrag zur Grundlage seiner Entscheidungen gemacht. Die Sozialdemo- kratie verfolgte zwei Ziele, einmal die g r-u n d s ä tz l i ch e Ausdehnung der K r i s e n f ü r s o r g e auf alle Berufe, und zum anderen die Verlängerung der Dauer der Krisenunterstützung. Die Reichs- regierung hat sich bereiterklärt, die Krisenfürsorge auf eine Reihe weiterer Berufe auszudehnen und dafür zunächst rund drei Millionen Mark monatlich bereitgestellt. Ihre Vorbe- balte gegenüber dem ersten Punkt beziehen sich auf diejenigen Berufe, die bereits in der Sonderfürsorge für be- rufsübliche Arbeitslosigkeit eingegliedert sind oder bei denen ein günstiger Arbeitsmarkt vorliegt. Gegenüber dem Einwand, den das Zentrum seit zwei Tagen als Oppositionspartei gegen die Fassung des sozialdemokratischen Antrags machen zu müssen glaubte. muß festgestellt werden, daß in den ganzen zurückliegenden Iahren unter dem Arbeitsminister Brauns und unter Mitwirkung des Zentrums derselbe Antrag mit dem gleichen Wortlaut„Ausdehnung der Krisenfürsorge auf alle Berufe" wiederholt angenommen worden ist, und daß diese wiederholten Willenserklärungen des Reichstags eine ständige Erweiterung der unter die Krisenfürsorge fall-nden Berufe gebracht haben und auch diesmal nach den Erklärungen Wissells und Hilferdings diese Ausdehnung der Krisenfürsorge erheblich weiter entwickeln wird. Das Zentrum glaubte zwar, in den Reichstagsberatun- gen diesen sozialdemokratischen Antrag als Agitationsantrag bezeichnen zu müssen, weil die Erweiterung auf alle Berufe nach den Erklärungen der Regierung nicht auf einmal, sondern unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes und im Rahmen der Finanzkraft des Reiches erfolgen soll, wagte es aber am Scbluß ebensowenig wie die Kommunisten diesen großen Fortschritt der diesmaligen Rsichstagsberatungsn abzulehnen. Es stimmte lediglich die Wirtschaftspartei da- gegen. Zu dem sozialdemokratischen Antrag, die Unter- stützungsdauer obligatorisch auf S2 Wochen zu ver- längern, hatte d'e Reichsregierung erklärt, daß sie augsn- blicklich angesichts der Finanznot des Reiches keine bindende Zusage für die Erfüllung dieser Forderung machen könne. Die Sozialdemokratie hätte zwar im Reichstag mit den Oppositionsparteien Zentrum. Kommunisten und Deutsch- nationalen eine Mehrheit für diese Forderung gehabt, mußte es aber nach den abgegebenen Regierungserklärungen ver- meiden, daß etwa durch einen solchen Reichstagsbefchluß den Arbeitslosen eine Hoffnung gemacht wird, die vom Ka- binett nickt erfüllt werden kann. Die Regierungserklärun- gen stammen auch noch aus der Zeit, in der das Zentrum der Regierung angehörte und das Zentrum weiß, daß sich Die Elsasser pari,. 8. Februar. Die Debatte über die elsässische Frag« ist abgeschlossen. E- kamen nur elsässiche Redner zu Dort. Der Autonomist Brogly führt« aus: Das elsässische Unbehagen ist verursacht durch allgemeineEnt. täuschnng Infolge der Irrtümer und Langsamkeit der Verwaltung, verschärft durch den Terror, dessen Opfer meine Fcevade sind. Der Heimatbund will die elfässischen Ansprüche verteidigen, die Re- gierung auf einen ausgesprochenen Regionalismus hinweisen und die öffentliche Meinung vor den Beleidigungen der großen Presse schützen. Poincare hat abgelehnt, die Verfolgung der Unter- Zeichner des Heiinatbundmanifestes einzustellen. Die Separatisten- angelegenheit hat die französische Justiz im Elsaß tompromit- t ie rt. Man stellt den Autonomismus als Separatismus hin. aber im Elsaß gibt es keinen Separatismus. Der französische Ge- danke ist im Elsaß nicht bedroht. Wenn man gegen die Politik einiger Regierungen ist. heißt das etwa, gegen Frankreich fein? Anderswo ist Kritik ge. stattet, aber wenn jemand im Elsaß Kritik üben will, ist er gleich ein Feind des Vaterlande». Brogly fordert« die Wah- rung des religiösen und Schulstatuts lm Elsaß, Am- n e st i e für die Colmorer Verurteilten. Maßnahmen zugunsten der Beamten, die da» Heimatbundmanifest unterzeichnet haben, das regionale Regime im Rahmen Frankreichs und ebenso den zwei» sprachigen Unterricht. Wöhrend des Krieges, fo erklärte er, haben die deutschen Behörden in Gemeinden mit französischer Bevölke- rung zuerst die französisch« Sprache lehren lassen. Dies« Me- thod« muß heute für die deutschsprachigen Gemeinden gelten. Der elsässische Abg. BIlger(Demokrat) fragte, ob die Justiz im Elsaß bald über den Parteien stehen werde. Der Redner behauptet. verschiedene bei den Haussuchungen im Elsaß beschlagnahmte Doku- mente seien nichtzuden Gerichtsakten genommen, sondern verschwunden. potncare bezeichnet die» als Lüg« und Verleumdung. Pilger sagte weiter u. a.: Warum habe man systematisch die- jenigen böswillig genannt, deren einziges Unrecht war, poli- tische Gegner zu sein? Die für de» Eolmarer Prozeß verant- wörtlichen hätten der französischen Sache im Elsaß nvgehevren Schade« zugefügt. antworten... rechen in der Kammer. Im übrigen legt»ilger ein Treugelöbnt» für Franko reich ab. Abg. kveydmaua. der Führer der neuen katholischen elsässischen Partei erklärt, seine Partei lehne die interkonsesstonellc Schule ab. weil diese der Laienschule den Weg bereit«, ebenso auch den Autonomismus, weil ein autonomes Elsaß schnell deutsch werden würde. Der neugewählte autonomistssche Abg. Stürmet(Altkirch) pro. testiert gegen den Colmarer Prozeß. Die PoNzeimaßnahmen hätten die Gefühl« der Elsässer tödlich versetzt. Der autonomistische Abg. Hauß(Colmar) betont, daß das elsässische Volk durch die Wahlen gezeigt Hab«, was es über die Wachenschaften der Justiz im Colmarer Prozeß denke. Er wendet sich gegen die Ungültigkeitserklärung der Wahlen von R i ck l i n und Rosse, Abg. Meck-Molsheim(Demokrat) erklärt, die elsässische Miß- stimmung sei vor allem auf moralische Ursachen zurückzusühren. Zwangsmittel feien schlechte Politik. Er wünscht eine versassungs- mäßige Garantie sür die Achtung des religiösen und Schulstatuts. wie Poincare angekündig habe. Ein Resolutiansantrag der Radikalen enthält neben dem Aus» druck der Hoffnung auf ein« endgültig« Beseitigung der Mißver- stänbnisse die wiederholte Forderung auf Einführung der Laiengesetzgebung im Elsaß. In dem Antrag der Regierungsparteien werden Elsaß. Lothringen entsprechend dem Wunsch des Ministerpräsidenten ,chas Vertrauen und die Sympathie der Kammer" zum Ausdruck gebracht. Mit 465 gegen 10 Stimmen bei Stimmenthaltung der Sozialisten wurde schließlich folgender Antrag Thomson (radikale Link«) angenommen: �Im Vertrauen auf die treue Anhänglichkeit der essässischen und lothringischen Bevölkerung zum«inigen und unteilbaren Frankreich geht die Kammer unter Ablehnung jedes Zusatzes zur Tagesordnung über." Zuvor war der sozialistische Antrag mit SZÜ gegen 256 Stimmen abgelehnt worden. Ein Antrag des Autonomisten Walter, die Regierung aufzufordern. jede Vergeltungs- und Machtpolltik aufzugeben, die de- gangenen Fehler und Ungerechtigkeiten gutzumachen, den politische» Verurteilten Amnestie zu gewähren und eine allgemeine Vermal. tungsreform durchzuführen, war durch die Annahme des Antrags der radikalen Linken erledigt. durch seinen Austritt seit drei Tagen die Finanzkrast de- Reiches nicht erhöht hat. Es mußte ein anderer Weg gesucht werden, um, wenn jetzt keine dauernden Bindungen eingegangen werden können, wenigstens den Erwerbslosen für die nächsten Mo- nate zu helfen. Die Sozialdemokratie hat deshalb zunächst einen Beschluß herbeigeführt, der dahin geht, die Unter» stützungsdauer in der Krisenunterstützung bis zum 4. Mai 1929 auszudehnen und die b e- reits ausgesteuerten Arbeiter und Angestellten wieder in die Krisenfürsorge einzubeziehen. Damit ist als wichtigste Notstandsmaßnahme die Krisenunterstützung allgemein gewährleistet, und es wird Aufgabe des Reicks- tags fein, vor dem Ablauf der Frist über die weitere Re- gelung der Krisenfürsorge zu entscheiden. Es ist anzu- nehmen, daß bis zum Mai sowohl der Etat des Reiches, als auch der Arbeitsmarkt eine bessere Uebersicht als heute ge- währen und die Kritiker der Sozialdemokratie haben in- zwischen Gelegenheit, durch die Bewilligung ausreichender Steuermittel das Reich in die Lage zu versetzen,, im Mai eine dauernde Regelung der Krisenfürsorge zu sichern, die im Augenblick nur eine befristete sein konnte. Selbst der vorbereitete Lärm, den die Kommunisten bei den Abstimmungen auf der Reickstagstribüne inszenierten, war geeignet, die wirkliche Situation zu kennzeichnen. Bei der Ablehnung der kommunistischen Agitationsanträge wurde auf der Trabüne gelärmt. Als dann bei der ent- scheidenden Abstimmung über die Beschlüsse des sozialen Ausschusses abgestimmt wurde und die ganze kommunistisch« Fraktion Punkt für Punkt für die Ausschußbe- schlüss« der Sozialdemokraten stimmte, die an- geblich Arbeiterverrat bedeuten sollen, war die Tribüne ebenso still wie die kommunistische Fraktion. Der sozial- demokratische Redner konnte mit Recht feststellen, auch gegenüber dem Zentrum, daß die Sozialdemokratie seit Iahren, ob in der Opposition oder in der Regierung, unab- läßlich an der Ermeiterunq und Verbesserung der gesamten Crwerbslosenfürsorge maßgeblich und positiv mitgewirkt hat. Ebenso war auck die Verabschiedung dieser Ausschuß- vorläge der einzige Weg. um wiederum den aus der Ar- beitslöfenversicherunq Ausgesteuerten sofortige und ausreichende Hilfe zu dringen. Wieder Kommunisienlärm. Schamlo'eS Spiel mit der Not der Srverbslose«. Die kommunistisch« Reichstagsfraktion hat in der gestrigen Reichstagssstzung ihr schamloses Spsel mit der R o t der Erwerbslosen fortgesetzt. Seit A Uhr nachmittags war bekannt, daß sie wieder eine Störung der Sitzung von der Tribüne aus organisiert hatte. Als bei der Beratung der Erwerbslosenfürsorge die Ablehnung eines kommunistischen Antrages verkündet wurde, begleitete die kommunistische Fraktion die Fest- fiellung mit vorher verabredeten Pfuirufen. Für«inen Tribünenbesucher war dies Signal Anlaß zu fortgesetzten Beschimpfungen der Sozialdemokraten. Die kommunistische Fraktion unterstützte diese sorgsam vorbereitete Szene, indem sie die Sozialdemokraten mit widerlichen Zurufen wie„Hundevartei. Saubande" und noch gemeineren Bezeichnungen beschimpfte. Der Tribünenredner, der von einer kommunistischen Schutztruppe umgeben war, weigerte sich, die Tribüne zu ver- lassen. Er und seine Freunde leisteten der herbeigerufenen Polizei Widerstand. Sie wurden schließlich mit Gewalt entfernt. Einige führende kommunistische Intellek- t u« l l e waren eigens kurz zuvor auf der I o u r n a- listentribüne des Reichstages erschienen, um sich von dieser sicheren Stelle aus den bestellten Lärm anzuhören. Vom sicheren Port aus konnten die Herren und Damen, die man offenbar wie zu einem Schauspiel geladen hatte, in Ruhe zu- sehen, wie die bestellten Demonstranten sich mit der Polizei rauften. Sie selbst würden eine derartige„revolutionäre Aktion" natürlich niemals mitmachen. Dazu hat man seine Leute.... Polizeidebatte im Landtag. Oeutschnationale Schnoddrigkeiten. Di« am Freitag im Preußischen Landtag fortgesetzte Debatte über die preußische Polizei beim Etat des Ministeriums des Innern brachte nichts Neues. Während die Kommunisten und Nationalsozialisten von chrem'Standpunkt aus iu her Polizei nur ein Unterdrückungsinstrumeni sahen, bezeichnet« der Zentrumsredner Stiel er die preußssche Polizei als die beste und versassungs- treuest«. Der Demokrat B a r t e l d fand jedoch, daß der Grundsatz des Ministers, daß gerade die Schupobeamten in ihrer Einstellung zum Staat absolut zuverlässig sein müssen, bei den zuständigen Be- Hörden noch lang« nicht genug beachtet rverde. Der deutschnationale Sprecher, ein früherer Polizeimajor B o r ck, fand natürlich wieder an der Personalpolitik des Ministers allerlei auszusetzen. Nach den politischen Begriffen der Deutsch- nationalen ist es ungemein gefährlich, dt« preußische Polizei in den Händen eines Sozialdemokraten zu lassen. Den Begriff Vaterland kenne die Sozialdemokratie erst so lang«, als sie Ministersessel inne- habe. Die ausgesprochen schnoddrigen Ausführungen dieses ent- iassenen reaktionären Polizeiossiziers fanden in dem schwach besetzten Hause sehr wenig Beachtung. Ein von den Regierungsparteien und der Deutschen Volkspartei gsmeinsam gestellter Antrag, das in seiner Existenz schwer geschädigt« Bad Homburg v. d. H. wieder in staatliche Verwaltung zu über- nehmen, wurde dem Hauptausschuß überwiesen. Die Aussprache über die preußische Polizei wurde auf Sonn- abend, den 9. Februar, vormittags 9'A llhr vertagt. In ihr wird Innenminister Grzesinski das Wort ergreifen. Die Hetze gegen die Zinanzämier. Husum. 8. Februar. Der Bauernführer Hamkens sprach gestern im Husumer n a n z a m t vor, das ihm Milchgelder. die ihm von ein«? Mhiarei zustanden, gepfändet hatte. Aus seine in einer Versamm- lunjj ergangene Aufforderung hatten sich zugleich verschiedene L an d w i r t e im Finanzamt eingefunden, um den Ausgang der Angelegenheit abzuwarten. Die Landwirt« wurden ersucht, das Haus zu verlassen. Als sie diesem Ersuchen nicht Folge leisteten, wurden zehn von ihnen festgestellt. Sie werden sich wegen Haus- friedensbruchs ,zu verantworten haben. Die Menge, die sich vor dem Gebäude angesammelt halle, gwg auf dreimalige Zlus- forderung zögernd auseinander. Konsumenten— Nebensache. Ein Zeugnis agrarischer Derstänvaisiosigkeit. Im Landwirtschoftsausschuß des Preußischen Landtag» stand ein Antrag der Deutschen Fraktion zur Be- ratung, der die Beseitigung der Gefriersleischein- fuhr zum Ziele halle. Die Begründung dieses Antrags erfolgt« durch den Abg. Schwill(Limburg) von der Bauern- und Landvolk- partei. Als ihm während seiner Begründungsrede von Sozial- demokraten zugerufen wurde, doch einmal auf die Fleisch- preise, die der Konsument zahlen müsse, einzugehen, rief der Bauernverlleter: ,T>asgehtunsalsVertret«rd<�Land- Wirtschaft gar nichts an!" Diese Aeußerung aus dem Munde eines Vertreters einer politisch völlig unbedeutenden Gruppe braucht nicht besonders tragisch genommen zu werden. Diel wich- tiger ist, daß in der Aussprache kein Vertreter der übri- gen bürgerlichen Parteien den Mut fand, von dieser Aeußerung abzurücken. Sie kann als Beweis mit dafür gellen, daß es immer noch Landwirte gibt, die sich«in- bilden, nur sie allein seien auf der Welt. Es ist ihnen noch immer nicht zum Bewußtsein gekommen, daß die Landwirtschaft nur in Ordnung zu bringen ist durch die Mitarbeit oller Bevölkerungs- kreise und besonders der breiten Konsumentenschichten. Der deutschnationale Bauernvertreter, Abg. K r i s ch i ck aus Ostpreußen, sagten man müsse zu der Auffassung kommen, daß die Sozialdemokratie künstlich die Zahl der Erwerbs- losen steigern wolle. Derartige Behauptungen müssen natürlich dazu beitragen, die Gegensätze zu verschärfen. Der An- trag der Deutschen Fraktion wurde zum Schluß abgelehnt. An- genommen wurde dafür ein sozialdemokratischer Antrag, der von der Staatsregierung Maßnahmen zur Beseitigung der Preisspann« zwischen den Verkaufspreisen der Produzenten und den Einkaufs- preisen der Konsumenten in Vorschlag gebracht wissen will. Beamte der Republik. Er braucht keine„ZuOeurepublil", ober er nimmt ihr Geld. Am 19. August 1928 betraten einige Angehörige des Reichs- banners Echwarz-Rot-Gold in Uniform den Wartesaal 8. Klasse des Bahnhofes in Oppeln. Kaum waren die Reichsbanner- kameroden bemerkt worden, als drei Herren, die zusammen an einem Tisch saßen, laut zu grölen anfingen:„Wir brauchen keine Iudenrepublik." Die Feststellung dieser grölenden Herren war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, weil die Bahnhofspolizei den erstaunten Republikanern erklärte, im Warte- saal habe jeder das Recht, zu singen, was er will. Glücklicherweise konnte doch der Name des„Hauptsängers" mit Hilf« der Ange- stellten des Bahnhofswirtes festgestellt werden. Es handell« sich um einen Beamten der Republik, nämlich den Postsekretär Unruh aus Oppeln. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin stellte sofort bei der Staatsanwaltschaft Oppeln Strafantrag und das Schöffengericht hat nunmehr am 29. Januar 1929 für Unruh eine Geldstrafe von 150 M. an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 30 Tagen erkannt. Der Mitangeklagte Krafczyk bekam 100 M. Geldstrafe. Die Rechtsangleichung. Besprechungen in Oresven. Bon Sonnabend bis Montag finden in Dresden die Besprechun- gen der Vertreter der österreichischen und der deutschen Bolksver- tretung stall, um die Rechtsangleichung zwischen den Beschlüssen der Strafcmsschüfle beider Parlamente herbeizuführen. An diesen Bs- fprechungen nehmen als Vertreter der österreichischen Reichsrats- fraktion die Genossen Dr. Cisler und Renner teil, für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Genossin Psülf und die Genossen Dr. Maru-m und Dr. Rosenfeld. Die Londoner Sozialisientagung. Besprechung von Reparation und Rheinlandränmnag. London, 8. Februar.(Eigenbericht.) Di« sozialistisch« Vierländerkons erenz, die im Trapsporthaus ihre ersten beiden Sitzungen abhiell, erörtert« in einer allgemeine» Aussprache die großen politischen Fragen der nächsten Zukunft Westeuropas, besonders Reparation und Rheinlaichräumung. Den Vorsitz führte vormittags Macdonald, nachmittags Tom Shaw. Außer Blum, Bracke und Auriol(Frankreich) waren auch Dandervelde(Belgien) und Henderson(England) durch E r- krantung an der Teilnahme verhindert. Der Franzose Auriol wird jedoch an der morgigen Sitzung teilnehmen. Die Reparalionskonserenz. Morgan in Paris. Paris. 8. Februar.(Eigenbericht.) Di« deutsche Delegation zur Sachoerständigenkonferenz unter Führung von Relchsbankprästdent Schacht und Geheimrat Bögler ist in Paris eingetroffen. Zum Empfang waren Vertreter der deutsch-n Botschaft sowie der Kriegslostenkommission erschienen Fast zur gleichen Zell kamen im Bahnhos St. Lazare die amerikanischen Sach- verständigen Morgan und A o u n g an. Oer römische Knedensschluß. Notifikation durch die Nvntien. Basel. 8. Februar. Das schweizerische politische Departement hat von dem schweizs- rischen Gesandten in Rom die Bestätigung erhallen, daß die Ver- ständigung zwischen Italien und dem Vatikan erfolgt sei. Die Numia- luren haben bereits die Anweisungen zur Milleilung dieser Der- ständigung an die Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind. Man erwartet, daß diese Mitteilungen in den nächsten Tagen erfolgen. Oas neue Alphabet. Schwierigkeiten der Einführung in der Türkei. Sonstanklnopel. 8. Februar.(Eigenbericht.) � Die Einführung der lateinischen Schrift in der Türkei hat zu einem fürchterlichen Tohuwabohu geführt, das noch lange andauern wivd und das den Venoaltungsapparot sowie verschiedene wichtig« Zweig« des öffentlichen Lebens lahmzulegen droht. Don den taufenden Beamten, die sich zum Examen darüber gestellt haben, ob sie die neue Schrift für den Amtsgebrauch be- herrschen, sind 50 Pro z. durchgefallen. Diejenigen Boomten. die die Prüfung bestanden haben, müssen jetzt die ganze Arbeit leisten, während die Durchgefallenen untätig dasitzen und dennoch Ge- hall beziehen, weil die Regierung nichtwagt.die Hälfte ihrer B«- -mten zu entlassen. Aehnlich chaotische Zustände herrschen im Aellungpwesen. DI« Austage der drei großen Tageszeitungen „Ikdam",„Solln Saat" und„Dschünchurjet", die insgelamt gegen 30 060 CxempHr« betrug, ist auf weniger als 10 000 g«- s u n k e n, weil der größte Teil tos Publikums die neuen Schrift- zeichen nicht lesen kann. Dabei sind die Lläller genötigt gewesen. ihr Personal an Redakteuren und Setzern zu oerdoppeln. Die Zeitungen sind infolgedessen in derartig wirtschaftlich« Schwierig- testen geraten, daß die Regierung ernsthast erwägt, sie durch eine Stützungsaktion vor der Katastrophe zu retten. Au» Kabul haben brilljch« Flugzeuge bis jetzt 308 Personen abgeholt. Sozialer Ausgleich. �Giehstewoll, wenn sich die Menschen nur entschließe« könnten, a' bißche« plötzlicher zu sterben, dann wär'S mit Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit halb so schlimm!' Entlarvte Agrardemagogie. Or. Heim gegen die bayerischen Vauernkanuneru. ' Die bayerischen Bauerntammern haben kürzlich in offe- ner Form für«men Lieferstreit der Landwirte Stimmung gemacht. Auf einer Tagung der Landesbauerntammer. die in diesen Tagen in München stattfand, wurde eine Ent- schließung angenommen, die sich gleichfalls zu diesem Stand- puntt bekennt. Der Bauerndoktor Heim, der gegen die jüngste Kund- gebung der bayerischen Bauernkammern schon einmal zur Feder gegriffen hatte, nimmt nunmehr im„Bayerischen Kurier iwch einmal das Wort. Unter der Ueberschrift: .Lum Schaden Bayerns und seiner Land- Wirtschaft" macht er die große Rechnung auf über die unoeramworlliche Demonstration dar Bauerntammern. „Fest steht— so sogt Dr. Heim—, doh die Kundgebung der bayerischen Bauernkammcrn sehr viel Geld gekostet hat, das die Bauern aus Steuermitteln aufbringen müssen: denn die Vertreter der Bauernkammern reisen sast alle aus Regiments- Unkosten. Im Jahr« 1826/27 kostete diese Einrichtung, die durch Umlagen aufgebracht wird, dem Bauernstand 2 848 718 M. und heute ist die dritte Million schon überschritten. Wozu Bezirk»- und Kreisbauernkammern? Kein Mensch weih, wozu sie da sinb Auch die Landesbauernkammer ist nicht dos geworden, was ihr seinerzeit zugedacht war. Schließlich sei hier noch bemerkt, daß selbst zuständige Organe nicht wissen, wer diese Tagung veranstaltet hat. Sicher ist ferner, daß diese Tagung mit einer schweren Schädigung des Bauernstandes endet«. Di« Ziisatzresolution droht mit Einstellung der landwirt- schafllichen Arbeiten. Diese Drohung ist wirkungslos und ihre Durchführung wäre ein schwerer Schaden für die Land» Wirtschaft. Den anderen Tag sind die Grenzen offen. Man darf keine Drohungen aussprechen, wenn man weib, sie werden nie eingelöst und können nicht eingelöst werden, well man dadurch der Landwirtschaft den schlechtesten Dienst erweist. Außer- dem steht«in« unendliche Blamage für Bayern und den bayerischen Bauernstand vor der Oeffentlichkeit. Bor mir liegt«ine ganze Reche von Zeitungsberichten aus dein übrigen Deutschland. Inhaltsangabe: Bajuwarische BauernschÜdel. Hinterwäldler Bauern, Bajuwarische Hirnrlssigkeiten, genagelte Schuhe und vernagelle Köpf«, Bajuwarische, nicht mehr zu über» bietende Dummheiten..... In der ganzen Versammlung und von sämtlichen Anwesenden halle keiner den Mut, diesem Blödsinn entgegen- zutreten, weder der Minister, noch der Borsttzend«, und der Schlußesfell ist: Schaden für die Landwirtschaft und Bayern lächer- lich vor der ganzen Welt. Eine der größten Blamagen, die je erlebt wurde!" Das sind Ausführungen, die sich die bayerischen Bauern- kammern hinter den Spiegel stecken können. Dr. Helm rückt hier in geradezu aufsehenerregender Weise von ihnen ab. Besondere Beachtung verdienen seine Angaben über die Unkosten, die die Kammern verursachen. Sie stellen«ine Parodie auf die angebliche Rot der landwirtschaftlichen Bc- triebe dar. Hoffentlich öffnen die Ausführungen Dr. Heims den maßgebenden Kreisen, insbesondere aber den Landwirten. endlich die Augen. Gegen Goiieslästerungsparagraphen. Genosse Laadsberg begründet den sozialdemotratifchea Gtreichvngsantrag. In der gestrigen Sitzung des Sllafgesetzausschusses verteidigt« Abg. Dr. Laudsberg(Eoz.) den sozialdemokratischen Antrag auf Streichung des Gotteslästerungsparagraphen: Dieser Antrag habe mit der Trennung von Kirche und Staat nichts zu tun. werde sie doch auch in konfessionellen Kreisen an- gestrebt, und manche Gläubigen seien der Ansicht, daß die Befreiung van Staat und Kirch« diese nur heben könne. Der Streichung»- antrag habe auch nichts mit der Gewissensfreiheit zu tun. die nie- mals das Recht zu grobbeschimpsenden Aeußerungen geben könne. Die soz ia ld em o kr o t i s ch c Fr a kt i o n sei gegen den Gotteslästerungsparagraphen nicht au» R«li> gionsfelndlichkeit. Das sei die sozialdemokratische Fraktion niemals gewesen. Auch ohne Glauben an einen persönlichen Göll sei man ein religiöser Mensch, wenn man sich mit dem Gedanken beschäftige, daß unser Leben zwischen zwei große Wunder, dem der Geburt und dem des Todes, eingebellet sei. Schon Goethe habe gesagt:„Das Erforschliche erforschen und sich vor dem Unerforsch- lichen in Ehrfurcht neigen, das sei doch gewiß ein religiöses Wort." Wenn jemand die religiös« Ausfassung grob beschimpfe, so könne das demjenigen, der diese Auffassung vertrete, nichts antun, denn Schmutz könne an die wirklich religiös« Auffassung eines Menschen nicht herankommen. Wenn das Zentrum sage, nicht Gott, sondern das Religionsgejühl solle geschützt werden, so sei dem entgegen- zuHallen, daß auch andere Gefühl«, die vielen heilig seien, nicht st rafrechtlichgeschütztwerden. Man denke an die rohe Beschimpfung der Ehe. die man nicht sellen in der Oeffentlichkeit hören lönne. Eine Mischehe sei nach der Auffasiung van Zeloten ein Konkubinat. Sogar eine nur standesamtlich ein- gegangene Eh« werde von vielen Eiferern dem Konkubinat gleich- gestellt. In der Oessenilichkell sei schon oft das Institut der Ehe beschimpft worden. Ebensowenig bedürfe das religiöse Gefühl eines besonderen Schutzes. Viele Eiferer sollten sich im össenllichon Leben mehr zurückhalten. Das lönne der Religion nur zugutetammen. Erst die Abwehr solcher Eiferer führe zu Aeußerungen. die auch aus das Amt bezogen werden könnten, das der Eiferer bekleide. In helligen Schriften gebe e» kein schöneres Wort als dos:„Segnet. die euch fluchen!" Der jetzigen Rechtsprechung über den Gollesiästerungs- Paragraphen müsse ein End« gemacht werden. Die sozialdemokra- tische Fraktion halte den Golleslästerungsparagraphen für überflüssig und gefährlich und beantrage deshalb sein« Streichung. Abg. Sktdlhnumn erklärte sich als Theologieprosessor für den den Paragraphen. Abg. Miller(Komm.) begründet« einen kommunistischen Antrag. Er kritisierte kirchliche, namentlich katholische Gebräuche, wi« Pro- Zessionen, Gebete usw. Die Ausführungen riefen Heiterteil hervor und Borsitzender Sohl sah sich veranlaßt, ihn wiederHoll zur Sache zu rufen. Als Miller im selben Sinne weitersprach, entzog der Vorsitzende ihm das Wort. Abg. Megmaan(Z.) trat für die Aufrechterhaltung des Gottes- Msterungsparagraphen ein. indem er darlegte, daß der Staat und fein Vertreter strafrechtlich geschützt seien. Da müßten auch die Religionsgesellschaften geschützt werden. Alsdann vertagte sich der Ausschuß auf den 18. Februar. Bayerische Elektropolitit. Der Staat wird die unbedingte Herrschast über die Krast- werke behaupten. Müncheu, 8. Februar.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit der Erhöhung des AUientapllals der Bayerischen Großkraftwerke um 38 Millionen Reichsmart machte der Innen- und Finanzminister im Landtag über die Elektro- Politik des Bayerischen Staates bemerkenswerte Mit- > eilungen. Die grundsätzlich- Hallung der bayerischen Rcgienmg geht von der Tatsache aus, daß die„weiße Kohle" das wertvollste Attioum des Bayerischen Staates ist, da mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorhandenen und ausbaufähigen Wasserkraftwerke in Bayern liegen. Die bayerische Regierung steht deshalb auf dem Standpunkt, daß der Staat grundsätzlich die un- bedingt« Herrschaft über die elektrischen Kraft- werke behalten muß. Alle Bestrebungen privater Industrie- kreise, vor ollem des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes. innerhalb Bayerns Energlewirtschast Fuß zu fasten, werden insolgc- desten unter dem Gestchtspunktc verurtelll. daß eine Konkurrenz mit der Landeselektrizilätsversorgung unter keinen Umständen geduldet werde. Sllle in Bayern anfallenden Energiemengen sollen aus- schließlich durch das Bayernwerk verbreitet werden. Die Ausnützung der bayerischen Wastcrwerk« für die gesamtdeutsche Wirt- schuft wird nur insoweit in Betracht gezogen, als diese mit den Interessen der bayerischen Landeselektrizitätsversorgung vereinbar ist und die Herrschaft des Staates über die Kraftwerke dauernd gesichert bleibt. Heraus mit der Gesetzlichkeit! Aber die O.ktatur muß bleiben. Die bolschewistische Presse tritt mit einer nichts wenig«? als neuen Losung auf: heraus mit der revolutionären Gesetzlichkeil!" Diese etwas unerwartete Sehnsucht nach der Gesetzlichkeit(was für ein bürgerliches Borurtell!) erklärt sich ganz einfach. Di«„Prawdo" (Rr. 27) muß selbst zugeben, daß„iie revolutionäre Gesetzlichkeit Gebot der wirtschaftlichen Notwendigkeit ist". Insbesondere könne man nicht das Getreiderproblem mit Erfolg lösen, wenn bei dem kleinen Produzenten(d. h. Bauern) keine fest« Gewißheit besteh«, daß die Regierungsverordnungen und Gesetze gehallen und nicht durch die unteren Sowsetorgane übertreten und verletzt werden. Die„Prawda" führt eine Reihe von Einzelfällen als Illustra- tion für ihre Forderung an. So schreibt z. B. ein« Verordnung im Aaluga-Gouvernenrent vor.„binnen Monatsfrist alle Strohdächer abzureißen". Ein« Sowjetoerordnung im Smolenst-Gouoernement ordnet an,. daß„bis zur Bezahlung der Landwirtschafts st euer die Bauern nicht hei> raten dürfen". In Kuprianow-Wolosty ist allen Bürgern über dreißig Jahre verboten, die Teehöuser zu besuchen! Das Leniner Dorfexekutivkomite« hat eine GebührfürdüsEis Ängeführt, das die Lauern aus dem Fluß beschaffen, um ihre El?» teller für den Sommer zu füffen. Pahei nimmt die Zahl de» Beschwerden über die ungesetzlichen Verordnungen und Handlungen der Ortsbehörden von Jahr zu Jahr zu. Die Kaluga-Staatsanwall- schaft hat z. B. im ersten Halbsahr 1828 8839 Beschwerden erhalten (Äer 60 Prag, der Bauern). In 81,7 Proz. oller Fäll« haben sich die Beschwerden als hegründei und richtig erwiesen. Besonder, oft Handell e» sich um Steuerfragen. Die„Prawda" hebt mit Entrüstung hervor, daß in vielen Fällen die ungesetzlichen Der- Ordnungen der unteren Sowjetorgane einen„anekdotischen Charakter* tragen und eine„unerträgliche Einmischung in das Privatleben" darstellen. Der Kampf um die„revolutionäre Gesetzlichkeit" wird aber laut „Prawda" durch das schlechte Menschenmaterlol in den unteren Sowjet- und Parteiorganen ungemein erschwert. Viele Dorskommu- nisten haben sich in.Kulaken" oerwondell. Ein Teil der Sowjet- arbeite?„ist mit den kapitalistischen Elementen des flachen Landes verwachsen". Der technische Sowsetapparat im Dorfe ist„mit fremden, mitunter sogar feindlichen Elementen verstopft" usw. Die Bauern scheinen keinen Unterschied zwischen der zaristischen und der sowjetistischen Gesetzlichkeit zu sehen. Sie fordern tatsächliche Gesetz. lichkeit, ohne die kein gesundes Wirtschaftsleben zu gedeihen vermag. Aber die„Prawda" begnügt sich damit, daß sie den Sllndenbock nur unter den Dorskommunlsten und unteren Sowjetbeamtcn sucht. Sie scheint die einfache Wahrheit zu vergessen, daß Gesetzlichtelt und Diktatur ebenso unvereinbar sind wie Feuer»nd Wasser. Massenkampf im Sowjetstaat. Kleinbauern-werden erschlagen. Moskau. 7. Februar.(Ost-Expreß.) Aus allen Teilen der Sowjetunion treffen Meldungen über Mordtaten. Brandstiftungen u. dergl. ein. die in der Wahlkampagne von den Großbauern u. dergl. ein. die in der freu�iliche Dorfbewohner verübt werden. Besonders haben es die Großbauern auf die Kollektivwirtschaften ärmerer Bauern abgesehen, die in vielen Gegenden des Sowjetstaates Brandstiitungen zum Opfer fallen. Am schärfsten wütet der Kampf zwischen den Großbauern und den ärmeren Bauernschichten imWolgagebiet und w den mittelasiatischen Republilen, wo der Föderalismus noch auf vielen Gebieten herrscht. Kriegsschauplatz Bombay. 67 Tote, 1600 Verwundete! Coodon, 8. Februar.(Eigenbericht.) Di« Kämpf« zwischen Hindus und Mohammedanern in Bombay dauerten auch am Freitag an. wober zwei Hindus getötet und 20 Personen verletzt wurden. Di« Gesamtzahl der in dielen Straßenkämpsen tödlich verlegten Perjonen ist 67. während 820 Personen in Spiialbehandlung sind und weitere 800 leichter» Der- s letzungen erlitten haben. Die Straßen Bombays bieten das Bild des Belagerungszustandes. Ponzerautos mit Maschinen- gewehren besahren ständig die Hauptstraßen und außerdem wird«in regelmäßiger militärischer Patroulllendienst in den Vororten aufrechterhalten. Bertrauen für Zaleski. Keine außenpolitische Aussprache im Sejm. Warschau, 8. Februar. Im polnischen Sejm sollte heute laut Geschäftsordnung die Einzelaussprache über den 5iaushall des Ministeriums des Aeußeren stattfinden. Der Vorsitzende der außenpolitischen Kommission, Fürst Radziwill, erklärte im Namen sämtlicher Sejmparteien. daß der Sejm auf die Einzelausspracht über den Haushalt des Außen- Ministeriums verzichtet. Dies« Erklärung bedeutet, daß der Sejm In seiner Gesamtheit die gegenwärtige Richtung der polnischen Außenpolitik gutheißt uno dem Außenminister Zaleskt sein Vertrauen ausspricht. Karl Schurz, der berühmte Deutsch-Amerikaner, soll nach ement Antrag des demokratischen Senators Wagner(New Bork) am 2. März eine Stunde Senatssitzung gewidmet werden. zz der besten mextkauischeu Heeresflieger sind nach Ialiscv. Gucmajuato und Michcocan berufen worden, um die Aufständischen zu bewerfen. tüdslawlen hat die Grenzsperre gegen Bulgarien a u f g e- hoben: sie war nach einer Serie Mordtaten auf südslawisch-maze- don schem Boden durch aus Bulgarien Gekommen«, oerhängt worden. Zu Ctseustadt, der künftigen Hauptstadt de« Burgenlandes. jetzt schon S'tz f>«s Landtags, haben die SoziakdempkriAsn hei der Gk- meindewa'?! ihre knappe Mehrheit verloren. Man hatte nämlich die sozialistischen Wehrmanner aus der Garnison abkommandiert und durch Tbristllchsoziale ersetzt. Die Syldaten haben in DeutschSsterreich da» Wahlrecht. Ein Bombenanschlag in Dunt» betras«rne italiemsch-saschistisckr Zeitung. Di- Bombe war hinter dem Wasserzähler oerborgen. Sluä licherweise sielen der Explosion Menschenleben nicht zum Opfer. Es wurden nur Risi« m den Mauern vcrurstjcht und einige Fensterscheiben zertrümmert. Llnwirtschastliche Kleinwirtschast. Gemeingefährlicher pariikulariemus. Die Innungskrantenkassengründerei nimmt von Tag zu Tag mehr überhand. Um der damit verbundenen Z«r- splitterung der Sozialoersicherung Einhalt zu ge- bieten, hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nunmehr«inen Antrag zur Aenderung der Reichsversicherungsordnung ein- gebracht, wonach bis zu einer anderweitigen gesetzlichen Regelung Jnnungskrankentassen(§§ 250 ff. der Reichsoersicherungsordnung) nicht errichtet werden dürfen. Die Fraktion verlangt also die Schaffung eines Sperrgesetzes. Wie notwendig«in solches Sperrgofetz ist, zeigen die Forderun- gen der Wirtschaftsparteiler. Sie haben im Reichstag den Entwurf zu einem Gesetz über Innungs- und Betriebskrankenkassen vorgelegt, dessen Verwirklichung die bereits eingerissene Krankentassenzersplitterung noch verschlimmern nniß� Die Wirtschaftsparteiler fordern für den§ 250 der Reichsversicherungs- ordnung eine Fassung, wonach eine Innung oder mehrere Innungen gemeinsam für die ihr ungehörigen Betrieb« ihrer Mitglieder Innungskrankenkassen errichten könnm und die in den in Frage kommenden Betrieben beschäftigten Versicherungspflichtigen der Jnnungskrankenkasse beitreten müssen. Eine Innungskrankenkasse, fo heißt es in dem Artikel 2 des von den Wirtfchaftsparteilern ge- forderten Gesetzentwurfs, darf nur errichtet werden, wenn sie den Bestand oder die Leistungsfähigkeit vorhandener allgemeiner Orts- krankenkassen und Landkrankenkossen nicht gefährdet(8 242): dabei gilt eine Kasse nickst als gefährdet, wenn sie nach Errichtung der Jnnungskrankenkasse mehr als 800 Mitglieder behält, wenn ihre satzungsmäßigen Leistungen denen der maßgebenden Orfskranken- lasse mindestens gleichwertig sind und Ihr« Leistungsfähigkeit für die | Dauer sicher ist. Vor der Errichtung soll der Gesellenausschuß, die zuständig« Handwertskammer sowie die Aufsichtsbehörde der Innung gehört werden. Gegenwärtig ist die Errichtung einer Jnnungskrankenkasse nur möglich, wenn die bedrohte Ortskrankenkasse nach der Gründung der Innungskass« mehr als 1000 Mitglieder behält. Schon dies« Bestim- mung ist heutzutage völlig unerträglich Was soll eine Ortskranken- kasse, deren Mitgliederbestand man von etwa 20 000 Mitgliedern auf 10 000 oder 1000 Mitglieder herunterdrückt, obwohl ihr ganzer Apparat auf eine viel größere Mitgliederzahl aufgebaut ist? Die Forderung der Wirtschastsparteiler, daß die Leistungen der Innungs- krankenkassen denen der Ortskrantenkassen gleichwertig sein sollen und daß die Leistungsfähigkeit der Jnnungskrankenkasse für die Dauer sicher fein soll, sind kein« neuen Forderungen: sie sind Be- standteile der bereits geltenden unhaltbaren Grundbedingungen für die Errichtung von Innungskrankenkassen. Das gleiche gilt von der vorherigen Anhörung des Gesellenausschusses. Praktisch haben sich alle diese Bedingungen als völlig wirkungslos erwiesen. Wohlwollende Landes behörden werden sehr schnell dauernde und gleichwertige Leistungsfähigkeit feststellen. Und das„Anhören" des Gesellenausschusses war nie etwas anderes als«ine leere Formalität. Die deutsche Sozialpolitik soll vereinheitlicht werden. damit Kosten gespart werden. Der Weg zur Vereinheitlichung ist kaum beschritten. Es wäre ein Stück aus einem Tollhaus, wenn man ausgerechnet jetzt, wo man sich anschickt, die Vereinheitlichung vorzubereiten, der Innungskrankenkassengründerei und damit der Aevfplitterung der Sozialpolitik Tür und Tor öffnen wände. Wohin steuern die TexiilindustrielYen? Ausschaltung des Staates. 1 Ein harmloses Gesicht zeigt der Dorschlag des Ardeilgederver- bandes der Textilindustrie, zur Beilegung der Konflikte in Sachsen- Thüringen, in der Lausitz und im Wuppertal ein neutrales Schiedsgericht einzusetzen. Es sind keine schlechten Musikanten, die den Schiedsgerichtsvorschlag formuliert haben. Sie haben recht- zeitig dafür gesorgt, daß die Oesfentlichkeit so schnell wie möglich die friedlich klingend« Musik oernehmen konnte. Man erklärt der Oesfentlichkeit: Seht, hier ist der Weg zum Frieden. Wenn die Textilarbeiter diesen Weg nicht beschreiten, dann weiß jeder, wer der Friedensstörer ist. Die Textilarbeiterorganisatlonen können, wie wir lerfahren, erst im Laufe der kommenden Woche, wahrscheinlich erst am Donnerstag, zu dem Schiedsgerichtsvorschlag Stellung nehmen. Nach Lage der Dinge ist kaum anzunehmen, daß die Gewerkschaften zu dem Vorschlag, wie er augenblicklich aussieht, ohne weiteres ja oder nein sagen. Der Schiedsgerichtsvorschlag muß. weil er an die Grundlagen des Schlichtungswesens rührt, genau unter die Lupe genommen werden. Es muh geklärt und fest- gestellt werden, woraus die Texttltndustrlellen in der Schlichtungsfrage praktisch hinauswollen. Die freiorganisierten Textilarbeiter, die bei aller Kritik an so manchem Resultat der Schlichterei bisher nie gegen das staatliche Schlichtungswesen aufgetreten sind, wollen und müssen genau wissen, wohin die Reise geht. Will man von dem neutralen Schieds- gericht nur die Textilinteressenten oder überhaupt Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausschließen? Wenn die unmittelbar am Konflikt inter- essierten Parteivertreter nur als Sachverständige heran- gezogen werden, so wäre das weiter nicht bedenklich. Der Reichs- arbeitsminister hat ja selbst nach dieser Richtung auf der Schlichtungs- tonferenz einen Vorschlag gemacht. Die Fernhallung der Inter- «sfenten wäre aber etwas ganz anderes als die ausschließlich« Heran- ziehung völlig neutraler Schiedsrichter. Soll künstig ein privates Schlichtungsverfahren, in dem von vornherein bindend und endgültig entschieden und mit dem sofort ein Burgfrieden verknüpst wird, zur Regel werden? Die Unternehmer werden antworten: Machen wir doch mal die Prob« aufs Exempel! Wenn es klappt, dann kann die neu« Methode allgemein zur Einführung kommen. Gerade hier liegt aber der Hund begraben. Worauf wollen die Textilindustriellen hinaus? Sie setzen die Kampagne gegen die staatliche Schlichtung fort, die seinerzeit die Metallindustrie Nordwest eröffnet hat. Ihr Ziel ist: Beseitigung der staatlichen Schlichtung. Den Gewerkschaften werfen sie als K ö d e r die Möglichkest hin, auf dies« Weis« zu Tarifverträgen zu kommen. Tarifver- träge— flüstert man den Gewerkschaften ins Ohr— sind die Haupt- fache: wie sie Zustandekommen, ist Nebensache. Wenn es ohne die staatliche Schlichtung geht, dann weg mit ihr! Hinaus aus der Schlichtung mit dem Staat, der sich aller Voraussicht nach von Jahr zu Jahr zu einem sozialen Voltsstaat entwickeln muß! Das ist das Endziel des Unternehmertums. Die Textilindustriellen wollen wie die Eisenbarone Tatsachen schaffen, bevor im Reichstag die Deutsche Dolkspartei ihren bereits vorbereiteten Schlichtungsreformantrag einbringt. Die neuen Tatsachen sollen diesem Antrag den Weg ebnen. Deshalb Klar- h«it. restlos« Klarheit über den Schiedsgerichtsvorschlag der Textil- industriellen! Die unvermeidliche Aussperrung. Sonderbare Friedensliebe. Sotkbu», 8. Februar(TU.) Auf Einladung de» Regierungspräsidenten in Frankfurt an der Oder fanden Verhandlungen über den Lohnstretl der Lausißer Tuchindustrie statt. Der Elnigungsversuch ist an der hallung der Gewerkschaften gescheitert, die Aussperrung ist unvermeidlich geworden. Die Meldung der von den Unternehmern inspirierten Telegraphen-Union illustriert recht merkwürdig den Friedens- Vorschlag der Textilindustriellen. Die„unvermeidliche" Aus- sperrung soll wohl den„Burgfrieden" einleiten. Auch in Erfurt gescheiterte Verhandlungen. Die in Erfurt unter dem Vorsitz des Schlichters H a u s ch i l d erfolgte Aussprach« der am Kampf« in den sächsisch-thüringi- schen Webereien beteiligten Parteien hat zu keinem Ergebnis ge- führt. Der Kampf geht weiter. Der Schlichter hat sich ein weiteres Eingreifen vorbehalten. „Aussterbende" Großhändler. Wie man fich vom Tarifvertrag drücken will. Die feit Iahren tariflos arbeitenden Arbeiter der Fourage- abteilung der Grobeinkaufsgenossenschaft Berliner Wolkereibesitzer hatten vor einiger Zeit den Verkehrsbund beauftragt, ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich zu regeln. Die Unternehmer gestanden zwar«ine Lohnerhöhung zu, lehnten es aber ab, sich tariflich zu binden. Als schließlich auf Antrag der Organisation vor dem Schltchtungsausschuß verhandelt werden sollte, erklärte die Firma plötzlich, daß ihr der Groß-Berliner Arbeitgeber» oerband des Großhandels untersagt Hab«, einen Haustarif abzuschließen. Der Arbeitgeberoerbond sei vielmehr b«r«it, mit dem Verkehrsbund einen Tarifvertrag für die Gesamtbranche abzuschließen. Angesichts dieser überraschenden Erklärung wurden die Schlich- tungsverhandlungen abgebrochen und an den Arbeitgeberverband das Ersuchen um Verhandlungen gerichtet. Dieser wich aber den Verhandlungen aus, so daß auch er vor den Schlichwngsaiisschuh zitiert wurde. Trotz der Bemühungen des Organifationsoertreters. des Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses und der Unternehmerbeisitzer ließen sich die Unternehmer nicht dazu bewegen, einen Tarif abzuschließen. Die Unternehmer begründeten ihr sonderbares Ver- halten damit, daß die Branche auf dem Aussterbeetat stehe und nicht mehr tariffähig feil Bor all«m könnten sie nicht die 48stündige Arbeitszeit einführen, sondern müßten weiter oerlangen. daß ihre Arbeiter Ueber stunden in unbegrenzter Zahl leisten. Im übrigen soll der Lerkehrsbund nicht das„gute Einvernehmen" stören, das zurzeit in dieser Branche zwischen.Herren und Arbeitern" bestehe. Der treibend« Keil bei diesen Verhandlungen war lediglich der 7Zjährige Vorsitzende dieser Fachgruppe, der den heutigen Wirtschaft- lichen Verhältnissen völlig fremd gegenübersteht und selbst erklärte, daß er in seinem Betriebe den Arbeiter spiel« und nur einen minder- wertigen Arbeiter noch beschäftig«. Der Vorsitzende des Schlichtungs- ausschuffes vertagte schließlich die Verhandlungen, um den Unter- nehmern noch einige Zeit zum Ueberlegen zu lassen. Rückblick in der Herrenmaßbranche. Zweidrittelmehrheit gegen Moskau. Die Berliner Herrenmaßfchneider hiellen am Mittwoch abend im Gewerkfchoftshaus ihre Iohresbranchenverfammlung ab. Der Branchenleiter, Genosse Faust mann, ging eingangs feines Geschäftsberichtes kurz auf die großen politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen im Vorjahre«in und rief dann den Ver- sammellen die einzelnen Begebenheiten in der Herremnaßbranche in Erinnerung. Auch im vorigen Jahre Hot es ein Teil der Berufs- kollegen mit der Tariftreue nicht immer sehr genau genommen und sich auf den ihnen zustehenden Tariflohn erst dann besonnen, wenn sie von ihrem Unternehmer entlassen wurden. Die im März vorigen Jahres durchgeführte Lohnbewegung endete mit einer Lohnerhöhung von 10 Pf. pro Stund«, fo daß die Stundenlöhn« in Berlin für Zeitlohnarbeiter je nach der Eingrup- pierung 1,12 bis 1,20 M. und für die Stücklohnarbeiter 1,07 bis 1,15 M. betragen. In der Mitgliederbewegung war die Fluktuation auch im vorigen Jahre wieder sehr groß. Trotzdem im Laufe des Jahres über 500 Mitglieder neu aufgenommen wurden, beträgt der Zuwachs im Berichtsjahre nur 87 Mitglieder. Allerdings sind daran auch die periodenhaften Beschäftigungsmöglichkeiten schuld. Währeicki z. B. bei Beginn des Vorjahres in Berlin 2873 Herrenmaßschneider auf dem Arbeitsnachweis eingetragen waren, waren es im Mai 840, im August dagegen 2929, im November 870 und jetzt schon wieder 2712. Die Zahl der Betriebsvertretungen läßt auch noch sehr viel zu wünschen übrig. Von ungefähr 300 Betrieben, die nach dem BRG. eine gesetzliche Betriebsvertretung haben müßten, sind noch viele, die von ihren gesetzlichen Rechten keinen Gebrauch ge- macht haben.. �. An der Diskussion beteiligte sich lediglich ein.Oppositioneller, der mit den üblichen Argumenten über Ruhrkampf, Schlichtungs- wesen usw. an dem Geschäftsbericht Kritik zu üben suchte, ohne aoer bei der Versammlung Widerhall zu finden. Die Versammlung nahm dann noch die Neuwahl der Branchenkommission vor. Der bisherig« Branchenleiter, Genosse Faust mann, wurde gegen etwa 12 Stimmen wiedergewählt. In geheimer Abstimmung wur- den dann für die acht„resormistischen" Kandidaten der Branchen- kommission zwischen 211 und 235 Stimmen abgegeben und für di- „oppositionellen" Kandidaten zwischen 99 und 120. Somit haben es auch die Berliner Herrenmaßschneider abgelehnt, sich von Moskau „führen" zu lassen.__ Heute ltrwahl bei den Sattlern! Die Hoffnungen der KPO. In den bekannten Lokalen findet heut« von 1 bis 6 Uhr nach» mittags die Urwahl der Angestellten der Ortsverwoltung Berlin des Verbandes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller statt. Zwei Listen stehen zur Wahl: List« Amsterdam und Liste Moskau. Die Anhänger der List- Moskau in Verbindung mit der Ge- wertschaftsabteilung der KPD. machen nun die verzweifelsten Anstrengungen, einen Erfolg zustande zu bringen. Trotz aller Quertreibereien der Kommunisten ist es in den beiden letzten Iahren der einheitlichen Führung des Verbandes gelungen, diesen nach innen und außen zu festtgen. Außerordentliche Mit- glicderzunahme, allein im letzten Jahre 000, und ein stärk«? An- wachsen des Lokalvermögens in Höhe von übel 100 000 M. lassen die Anstrengungen der KPD. verständlich erscheinen, sich in diesem warmen Nest häuslich niederzulassen. Solch eine Flliale der KPD wäre doch eine feine Sache für Moskau. Die wirtschaftliche Not der großen Zahl unserer erwerbslosen Mitgliedschaft wird besonders benutzt, um den kommunistischen Parteitarren in Gang zu bringen. Mit größerer Mehrheit als bisher müssen die Mitglieder heut« entscheiden, daß sie ernst« gewertschostliche Arbeit und nicht tommunistifch« Parolen wollen. Nur die L i st e A m st e r d a m. die die altbewährten Namen A. Blume. W. Osten. K. Weyher, O. Heinrich und W. H o s f m a n n trägt, ist heute zum Siege zu sühreut Fortschritte der Maschinisten und Heizer. Die Delegierten zur Generalversammlung des Verwallungs- und Wirtschaftsbezirks Brandenburg am 3. Februar im Berliner Gewertschaftshaus nahmen zunächst den K a s se n b e r i ch t eitt- gegen, den R u ck st u h l eingehend erläuterte. Die Aufwärtsbcwe- gung tritt am deutlichsten in der Ausnahme von rund 1000 neuen Mitgliedern hervor. Der Durchschnittswochenbeittötz stieg von 1,18 auf 1,23 M. An die Hauptkasse wurden bar ab- geführt 92 201 M. Die Lokalkass« schloß mit 77 187 M. Einnahmst' und 59 544 M. Ausgaben ab. Die S t e r b e k a s s e des Bezirks zahlte in 22 Sterbefällen an die Hinterbliebenen 8200 M. Den I n o o l id e n des Bezirks wurden rund 1 0 0.0 0 M. zugewandt. R e i n e s e l d wies in seinem Geschäftsbericht darauf hin, daß die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Maschinisten und Heizer in 42 Tarifverträgen geregelt sind. Außerdem bestehen noch acht zentrale Tarifverträge. Die Wirtschaftskämpse 1928, an denen di« Maschinisten und Heizer in großer Zahl beteiligt waren, erforderten Streikunterstützungen von insgesamt 040 000 M. Nach einem Ueberblick vom letzten Bundeskongreß wurde der Aufbau des Wirtschaftsbezirkes in Stadtbezirken, Orts gruppen und Branchen eingehend dargelegt. Die Organisation ist im Oberversicherungsamt Berlin, wie im Verstcherungsamt durch je einen Kollegen vertreten, während zwei Kollegen als Landesarbeits- richter und sieben als Arbeitsrichter fungieren. Die Zahl der ar- beitslosen Mitglieder über 05 Jahre ist gegen früher bedeutend gestiegen. Die unter starker Beteiligung der Organisation ge- schaffene Heizerschpl« in Berlin hiett im Berichtsjahr« drei Kurse ab mit 85 Schülern, von denen 77 die Prüfung bestonden. Das Ergebnis der Tarifbewegungen in den einzelnen Industrien und Betrieben ist eine durchschnittliche Lohn- e r h ö h u n g v o n 8, 5 P r o z.. An den 17 Lohnbewegungen waren 4251 Kollegen beteiligt. Erreicht wurde ferner eine Ver- kürzung der Arbeitszeit von 2820 Stunden pro Woche, während die Erhöhung der Löhn« 10720 M. wöchentlich beträgt. R e i n e f e l d schilderte dann das innere Derbandsleben, wo- bei er«ine bessere Beteiligung an den vom Ortsausschuß veran- stallcten Bildungs.kursen empfahl. Nach eingehender Diskusston, in der die Delegierten aus den einzelnen Industrien ihre Lohnverhäll- niste erörterten, fand eine Entschließung einstimmige An- nähme, in der die Generaloersammlung eine erfreuliche Auf- wärtsbewegung im verflossenen Jahre feststellt, wofür die Delegierten den Funktionären, wie dem Bezirksvorstand Dank und Anerkennung aussprachen._ f Freie Gewerkfckasts-Zuaend Groß-Verlin Heute. Sonnattnb, folg? nie Veranstaltung: Der Sprech, und Vi» wegungschor kommt zu einer Sprcchlt orprooe um IS Uhr im Jugend. heim de» Deutschen Derkchrsdunde». Sngelufer Z4-25, Aufgang B, pt. tM"" tlcht fetti zusammen.— Achtung, Mädel»! tag. t<>. ffebruar, flv, Uhr, r dürft nicht fehlen auf unserem am Sonn» ....... im Jugendheim de» Deutschen Verkchrsbundes, Engelufcr 24— 23, Aufgang B, pt.. stattfindenden Mädchenlurs»,. Thema:»Der Sieg der Frau". Neferent: Genossin Adele Schreiber. Jatercssicrte Äollegen könne» an dem Kursus teilnehmen. �uoendaruppe ves Zeniralverbande« der AnoeffeNten Ii vutt, Sonnabend, im Jugendheim Lehrter Str. tB—l», pünktlich 20 Uhr, Vo.kslanzkurfu». Verantwortlich>ür Politik Dr. Surt Geperi Wirtschaft: S. Klinqelheser: De»«rkschastibewtgung: I. Steiner: geuillelon: Dr. Zohn Zchikowokl: Lokale» -e e»> Cl fernst• 3i.7 W- tZ„*•. f. Ai Ver! und and Sonftiaes: geih»arsiädt: Anzeiaen Th Sl»e«. lämtliai>n Berlin Vorwärts-Lcriag S m b H.. Berlin Druck: Borwarls.Buchdruckcrei öeriaasanstall Vanl Sinaer u ilo Verlfn SV SS Lindcnstrasie Hierzu 2 Beilagen und.Unterhaltung und Visse»-, TtWofeA/tc Ke. yrvit~ Homöopathie Jtr. 67* 46. Jahrgang l. Beilage des Vorwärts GonnaSend, 9. Februar 4929 Diese Wochen bringen für die Maskenverleiher große Ernte. Sie entschädigen sie für die vielen stillen Monat«, in denen kein Kunde nach dem bunten fremden Kleide verlangt. Es ist schon ein sonderbares Gewerbe, das sich darauf kapriziert, herauszufinden, in welchen fremden Kleidern sich di« Welt amüsieren will. Denn auch das Maskenkostüm ist dein Wandel und der Mode unterwarfen. Einesteils will man die bekanntesten Aeiterscheinun- gen und Modetorheiten parodieren, ondernteils sucht man vergangene Dinge zu beleben. Ein drittes Moment kommt durch den Kunstsinn hinzu, der die Groteskmosken und Kostüme bevorzugt. Die Künstler waren von jeher Verbündete der Narrheit, in jungen Jahre» sitzt ihnen der Schalk lose im Nacken. So sieht man in diesem Jahre sehr viele Stilmasken, d. h. Kostüme, die frei erfunden in Anlehnung an«inen bestimmten Vorwurf noch künstlerischen Gesehen der Form und der Farbe entworfen werden. Ost sollten diese Art Kostüme ein großes Fragezeichen auf dem Rücken tragen: Och weiß mcht. was soll es bedeuten? Theater, Sport und, wie schon bemerkt. Stilrichtungeft beeinflussen stark die jeweilige Mode des Faschings. Die Liebe für Mllitärmasken ist im Schwinden bc- griffen. Ein mittleres Waskengardervbeirgeschäft« das speziell im alten Westen der Stadt seine Kundschaft besitzt, gibt all« diese Weisheit zum besten. Aber es lehnt das Ansinnen ab, mit dein«in Phantast sich ihm nähert, daß man hier Sensationen erleben könnt«. Die Frau ist eine geschickte Näherin, die manches von der Garderobe selbst herstellt. Man steigt drei Treppen im.fjinterl)ous hinauf. Der Mann meint, eigentlich gehöre ein solches Geschäft in die erste Eiage de? Vorderhauses, aber der schlechte Geschäftsgang in den letzten Oahren maä�e den Ketrieb nicht mehr rentabel. Der Orr Haber erklärt, jedes Geschäft muß sich besondere aus die Eigenart feiner Kunden einstellen. Für viele kommen nur wenig verliehene und gänzlich neue Kostüme in Frage. Die Leihgebühr bleibt bei den neuen Kostümen noch immer unter der chälste des wirklichen Wertes der Kostüme. Dem Durchschmttskundcn kommt es dagegen mehr auf die Billigkeit an. Für 5 bis 6 M. Leihgebühr verlangt man eine saubere Maske. chier erfährt man auch, was der diesjährige Geschmack bcoorzugt. Ausgerechnet diesmal Vorkriegsmadcn und Ländler- trachten. Auch alte Stllkostümc, Rokoko und Biedermeier ll830) werden gern verlangt, völkerkrachkeu sind feit jeher beliebt. insbesondere die bunten malerischen dos fernen Ostens. Die indi. jchen Filme haben die Lust an indischen Trachten rege gemocht. man sieht Fakire und Maharadschas und chareinsdamen, aber es ist bei dieser Kostümierung meist nicht alles in Ordnung. Bei einer richtigen echten Maske muß alles stimmen, von der Äopfbekleidung bis zum Stiefel hinab. Die Revuen geben viel Anregung zu Phantasiekostümen, so die„Tillenjirls", die eigentlich die billigste Maske bedeuten. Nur ein Enakostüm ist keine Kostümierung mehr. Pimol und Pierrette üben ihre alke Anziehungsweise, auch der be- queme»Domino" wird viel verlangt, dagegen ist der Clown nicht mehr modern. Der»dumm« August" kommt dagegen wieder in Mode. Man sieht, das Publikum versteht zu nuancieren. Kreuz- Worträtsel und Schachkostüme fehle» aus keinem Ball, ihre Läsun- gen sollen aber nicht so schwierig sein wie etwa das Kostüm der Jungfrau von Orleans, dos ein sorgsamer Ehemann vorher noch sicher verlötet. Kostüme, die irnmer wiederkehren, sind der Trou- badour, das ist der Liebesritter mit den Puffänneln und der Laute im Arm, der Apache, der Cowboy, die- Spanierin. Zigeunerin usw. Die vielen Gehäng« von Fransen und Wolltüchern, sind verschwun- den. man trägt sich setzt«insachcr und Hygienischer. Meist wird der Sinn, den die Maske vorstellen soll, nur angedeutet, dos andere besorgen die bunten und schönen Stoffe, die die Industrie in so großer Reichhaltigkeit liefert. Eine reizende Allongeperücke aus seidigem Glashoar wurde herausgebracht, der Preis beträgt 6 W. Manche Kostüme sind kleine Kunstwerke an Schneiderei, sie sind dementsprechend auch beim Verleihen teuer. Die Vorfälle zwischen den Berliner Zilnmergesellen und dem Verein »Immertreu* lzaben die Zimmermannskluft begehrt gemacht. Wen interessiert noch ein Grenadier in seiner bunten llnisonn oder hjf blaue Schutzmannsunisorm oder gar ein chermelinmantel mit fal» scher Krone? Die einfache und�rotzdem bunte und schöne Maske spricht mehr an. * Was geschieht mit den umnodern gewordenen Kostümen, di« für den Maskenverleihcr einen ganz beträchtlichen Wert respek- tieren? Nun, diese verleiht öder verkauft er an kleine Geschäfte in der Provinz. Der Gedanke ist mehr als grotesk, wenn man er- fährt, daß da findige Unternehmer mit einem Handwagen auf den Dorfern umher ziehen und ihre Kostüm« auslachen. Diese Zauber- künstler bringen es fertig, so«in stilles Dorf mit chrem Kram für «ins Nacht auf den Kopf zu stellen. Es gehört schon Optimismus dazu, in diesem Narrenwesen«ine»tiefere Bedeutung" zu finden. Man steigt mit etwas verwirrtem Gefühl wieder die Treppe hinab zu den Kläranlagen des Pessimismus. Feuerwehrauto verunglückt. An der Kreuzung der F l u g h a s e n- und Hermann st raße in Neukölln stieß gestern nachnnttag ein mit nier Feuerwehrleuten besetzter Gerälewagen, der zu einem Brand ausrücken wallte, mit einem Straßenbahnwagen der Linie 28 in voller Fahrt zusammen. Das Feuerwehrauto wurde völlig z« r- trüm m ert und die Besatzung aus den Fahr da mm geschleudert. Der Obeneuerwehrmann W i ld n« r mußte mit schweren Verletzungen ins Urbankronkenhaus gebrocht werden. Drei weitere Verletzte konnten nach Behandlung aus der nächsten Rettungsstelle wieder in ihr« Wohnungen entlassen werden. In der B a m b e r g e r Straße in Wilmersdorf geriet gestern abend um 18 Uhr der 2 o ch st u h l eines Vorderhauses in Braird. Die Feuerwehr war mehrere Stunden mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten an der Brandstelle beschoitigt.. Gefälschte Hypothekenbriese. Zwei Berliner Fälscher ermittelt und festgenommen. Groß angelegten Schwindeleien mit gesälschken Wertpapieren ist die Dienststelle 7 der Kriminal. Polizei aus die Spur gekommen. Zw«! Mann hat sie vorläufig sestgenominen,«inen 37 Jahre alten Willy B r u w e l e i t und einen 34 Lahre allen Harry G u m- b i n s k i, die sich beide Kausleute nennen. Noch mehreren Anzeige», die die Kriminalpolizei erhielt, gaben die beiden Hypotheken- briese aus, deren Prägestempel ohne Zweifel mit Absicht undeut lich hergestellt worden sind. Wemi man genauer zusieht, so lauten die Stempel„Gurou, Bezirk Breslau". Oberflächlich betrachtet, kann man aber auch„Amtsgericht Mitte" lesen. Drei Stück der Fälschmi- gen sind der Kriminalpolizei bisher in die ijänd« gefallen. Sic lauten über 13 00 0 Mark, 25000 Mark und 40 000 Mark und sind diesen Summen entsprechend beliehen worden. Die Hypothekenbriefe sind aus Berliner Grundstücke ausgeschrieben worden. Wie sich die Schwindler die Unterlagen für die Brief« ver- schafft haben, weiß man noch nicht. Bei dein Notar, der die er- forderlichen Urkunden ausstellte, traten die beiden Schwindler mit verteilten Rollen auf. Einen vierten Brief, wieder über 40 000 M., hielten die Betrüger schon wieder bereit, es gelang ihnen aber nicht mehr, ihn zu verwerten. Gestern wurden sie in ihren Wohnungen in Eharlottenburg ermittelt und f« st g« n o m m e n. Beide sind früher Bankbeamte gewesen. Sie hatten auch noch die Absicht, Pfandbriefe einer Stadtbonk auszugeben. Daran sind sie ober jetzt verhindert worden. Wo sie sich die Platten zu diesen Fälschungen verschafft und in roelchcr Druckerei sie die Psandbriefe her- steltcn ließen, bedarf noch weiterer Untersuchung. Auch die Herkunft der Hypothekenbriefsormulare ist noch nicht festgestellt. Mitteilungen zur weiteren Ausklärung nimmt die Dienststelle F. 7 in der Georgenkirchstraße 30 a entgegen. Die Berhasteten sind zum Teil ge- ständig, zum Teil leugnen sie noch, was Ihnen zur Last gelegt wird. Kunkversuchsfahrt des Zeppelin. Behördenvertreter als Teilnehmer der Orieatfahrt. Da» Luftjchifs..Gras Zeppelin" ist am gestrig«, Freitag nachmittag um Z.tZ Ahr unter Führung des Sapiläns Lehman« mit Vertreter« der DVL. und der werslleikung an Lord zu einer neuen Versuchsfahrt avfge stiegen. Bis zur letzten Minute war der Start zweifelhaft, da das Wetter zunächst wenig günstig war, doch klärte sich das Wetter um 2 Uhr schließlich auf, so daß der Ausstieg glatt vonstatten gegen konnte. Die Fahrt, die lediglich über das Bodenseegebiet mit kleine» Abstechern nach Ravensburg und anderen Städten in der Nähe des Sees führt«, galt in erster Linie der Erprobung des von der„2«b«g� neuerdings neben dem Langwellensender eingebauten Kurzwelle«- senders. Außerdem nahmen die an Bord befindlichen Vertreter der Versuchsanstalt für Luftfahrt wieder ihr« Melsungen und Beobachtungen in Verfolg des von der DDL. aufgestellten Versuchs- Programms vor. Der Kurzwellensender wurde auf ein« Anzahl von Wellen abgestimmt, doch konnte wegen der Kürze der Fahrt das Programm nicht ganz zu Ende geführt werden. Auf jeden Fall zeigte«s sich aber, daß das Kurzwellengerät gut funktionierte und gute Verständigungsmöglichkeiten zwischen dem Schiff und der Crd- station ergab. Noch etwa zweistündiger Fahrt erfolgt« um l-sh Uhr die glatte Landung des Luftschiffes. Der nächste Aufstieg, bei dem die gestrigen Versuche zu Ende geführt werden sollen, ist für den kommenden Montag geplant. An der A e g y p t e n- P a Lb st i n a s a h r t des„Gras Zcppe- lin", die am 25. Februar angetreten werden soll, werden eine ganze Reihe von Vertretern der Reichsbehördcn teilnehmen, doch steht die endgültige Passagicrliste noch nicht fest. Vor der Orientsahrt wird das Luftschisf noch eine Reihe lleincrer Versuchsfahrten unternehnien. 19] der ry-w Kohulh einer Kevolulion. Vom GeeUdrl MtccmAMtt PTcslat Wiederum bejahte Calw wortlos. „Un nu wollte ich Se man fraen, Harr Calm." sagte Aniephacke mühsam und blieb stehen,„weil Se doch oo rnch. so sin— jloowen Se. daß mer, trotz die Leite un das Ferede un das allene— daß mer so'n Mächen heiraten kann?" „Wenn Se das tät'n," erwiderte Calm einfach,.cha steckt mehr Reoolutzjon drin als in das, was ich jemacht hawwe heite." Seine Augen brannten aus dem Dunkel.„3)a steckt eejentlich drin die richtije Reoolutzjon. Die— menschliche, Harr Kniephacke. Nich in Parlament un freie Meenung. „Denn will ichs man tun," sagte Kniephacke ebenso ein- fach und verabschiedete sich. Indessen lief der Advokat Oehlke händeringend in den Straßen umher. Etwas Unheimliches geschah In jeder Straße waren ein paar Häuser, darin wurden die Lichten gelöscht. Bei Calm hatte es angefangen, dann war Anicp- hackes leuchtendes Faß oerschwunden. und von da ab ging es unaufhaltsam weiter. Wie dunkle Wolken fleckten diese Häuser den flackernden Himmel der Illumination, immer mehr und mehr. Fast nur die großen Häuser der Wohl- habende" und der Beamten leuchteten noch. Es war wie eine Vsr'chwörung der Dunklen, der Klemen. der Uflteren... Und um zehn Uhr sollte der Herzog durch die Stadt fahren, die flammende Einheit der Lichter bewundern, die Huldi- (jungen entgegennehmen. Oehlke traf den Wachtmeister Kühne. Der lief ebenfalls durch all« Straßen und notierte in sein Buch die Namen aller derer, die nicht mehr illuminierten. „Wozu das?" fragte Oehlke verzweifelt.„Man kann sie doch leider nicht bestrafen..." Der Wachtmeister schlug auf sein Notizbuch.„Jedenfalls habe ich sie. Man kann nie wissen, was noch kommt." Oehlke schüttelte in ratloser Berzweiflung den Kopf.„Und alles wegen dieser Bond« aus der Zuckerfabrik!" Die Löcher im Licht starrten ihn dunkel an. Er suchte sich zu trösten, es waren noch immer nur die kleinen Häuser, die dunkel waren. Aber zusammen— zusammen war von diesem Gewölk mehr da als von den Sternen der Reichen... 7. Heißer Tag. Seit seiner Eröffnung hatte der konstituierende Landtag des Herzogtums Anhalt-Bernburg beinahe täglich eine Sitzung abgehalten. Auch heute, an diesem brütend heißen Augusttage, war eme solche angesetzt. Noch dazu für die Stunde der drückendsten Hitze: nachmittags zwei Uhr. Das Regierungsgebäude am Markt, worin dem Landtag ein Saal eingeräumt worden war, hatte von allen umlieaen- den Häusern die größten Fenster. Die Wärme strahlte dort am ungehindertsten ein: auch den bescheidensten Luftzug, der mit hätte hineinrnehen können, gab es heute- nicht. Und die Sonne lag gerade auf den Fenstern des Sitzungssaales und seines Vorzimmers. In diesem Vorzimmer saß heute der Schreiber des Justiz- minister? von Braun, der für die Zeit der Erkrankung des Ministers seinem Vertreter Trosegk unterstand und seicher aus dem Verwundern über des neuen Vorgesetzten energisches Eingreifen in alle schwebenden Prozesse nicht herauskam: niemand wußte doch so recht, wo sich Trosegk seine juristische Bildung geholt hatte: aber wem Gott oder, wie man mun- kelt«, die Herzogin ein Amt gab, dem gab er oder sie eben auch den Verstand. Heute stand dem Schreiber jedoch lebig- lich der Hitze wegen der Schweiß in dicken Tropfen im Gesicht; es sah aus. als hätte die magere, farblose Wassersuppe seiner Haut plötzlich Fettaugen bekommen. Er kämpfte mit sich einen furchtbaren Komvf: sollte er realements- und respektwidrigerweise die Weste aufknöpfen oder nicht? Er lauichte zur Flügeltür: das leise Stimmengewirr hinter ihr war in eine geordnete Folge einzeln hallender Stimmen über- gegangen: die Sitzung hatte alsoj»egonnen: Trosegk würde kaum herauskönnen jetzt— der Schreiber schickte noch einen Unterstützung heischenden Blick zu dem gewiß ebenfalls schwitzenden Subaliernbeamtengott im Himmel und knöpfte auf.. Da ging, verdammt noch mal, auch schon die Tür! Der Schreiber hielt die zitternde Hand über die Weste. Aber es war nur der eine der beiden Parlamentssteno- graphen.„Die Sitzung schon zu Ende?" fragte der Ueber- raschte erschreckt. „Gott behüte!" Der Stenograph zog sich ächzend d« Lacke aus.»Mein Kollege und ich haben sich nur entschlossen, heute abwechselnd zu schreiben. Sonst könnte man's nicht aushalten." Die noch zitternde Hand sank erlöst von der West«.„Und gerode heute muß ich hier sitzen!" «Warum eigentlich?" fragte nebenher der Stenograph. „Trosegk könnte plötzlich abgerufen werden ins Schloß. Kersten ist heute nicht da. Also muß ich für Crosigks eventuelle Abwesenheit den Regiernngsberichterstatter machen." Auf den Stenographen schienen diese stolzen Worte keinen Eindruck zu machen.„Abberufen könnte er werden? Geht auf dem Schloß was vor?" Der Schreiber zuckte vielsagend die Achseln mit der Wichtigtuerei von Menschen, die in Wirklichkeit nichts wissen. „Daß die da drin aber auch selbst bei der Hitze tagen müssen!" klagte er. „Strengen sich ja nicht an!" grinste der Stenograph. „Dreißig Sitzungen haben sie bis dato abgehalten. Di« ersten fünf haben sie darüber gestritten, ob die Abgeordneten mit dem Gesicht zum Publikum sik«n sollten oder mit dem Arsch. Schließlich ist alles beim Alten geblieben: beim letzte- ren. Weiter« fünfzehn Sitzungen haben sie gebraucht, um sich eine vorläufige Geschäftsordnung zu geben. Die letzten vier gingen über der Frage auf, ob ein konstituierender Landtag auch für Petitionen aus der Bürgerschaft kompetent ist oder" nur für die Beratung der Verfassung. Gestern haben sie begonnen, über die Präambel der Verfassung zu klöhnen." Der Schreiber lachte und hielt sich dann, vor sich selber erschrocken, den Mund zu.�„Lachen Sie ruhig!" sagte der Stenograph.„Die ganze Stadt lacht!" „Die Regierung auch!" ergänzte der Schreiber mit der Vertrauensseligkeit des Subalternen gegenüber dem Kollegen."> „Kann sie auch. Der Borsitzende Oehlke, der Formel Hengst, sorgt ja aufs beste dafür, das alles verschleppt wird.' „0," erklärte der andere bedeutsam,„wir von der Re gierung hallen Herrn Oehlke für einen sehr tüchtigen Mann." „Das Volk aber— hören Sie bloß! unterbrach sich der Stenograph und lauschte zur Tür, hinter der seit einer ganzen Welle schon dieselbe weiche und doch durchdringende Stimme sprach.„Ich glaube, da redet wahrhaftig der Herr von Gloß! In' den dreißig bisherigen Sitzungen hat er noch kaum einen Satz gesagt!"� „Und gerade bei der Hitze fängt er an!" topfschüttelte der Schreiber. (Fortsetzung folgt.) Raub Überfall im Laden. Verkäuferin niedergeschlagen und gefesselt. Ein schwerer Ranbübrrfall beschäftigt wieder die Berliner �ril?.inalpolizei. In der Filiale der Dereinigten Pommerschon Meiereien in der Wilmersdorfor Str. 107 find zwei Derkötlfe- r innen angestellt. Sic wohnen und schlafen in einem Raum hinter dem Laden. Gestern abend mochte nach Schluß d« Geschäfts die erste Der- länferkn«inen Besuch. Die zweite, ein« A Jahre alte Engel« Hardt, blieb allein zurück. Gegen 81? Uhr Härte sie. daß vorn geschlossen wurde, sie glaubte, bah ihre Kollegin etwas vergessen habe und noch einmal zurückgekehrt sei. Als die Verkäuferin aber aufsah, standen. zip e.i junge Burschen var ihr. von denen einer sie mit der Pistole bedroht«.- Der andere packte st« an der Kehle, io daß sie nicht um, Hilfe rufen konnte und.stopfte ihr einen Knebel in. den Mund. Mit den Streifen eines Bettläkens, das sie/ zsrrissen.. fesselten sie dem Mädchen Häirdc und Füße. Mit dem Schlüssel, den sie in dem Raum fanden, schlössen sie den Wandschrank und den Tresor auf und verschwanden mit dem Ladenkasieninhalt von etwa 4M W. Nachdem die Dcrkäuferin«ine ganze Zeitlang apathisch dagelegen hatte, befreite sie sich nach und nach von der Fesselung und dem Knebel. Durch den Fernsprecher rief sie die Zentrale des Betriebes an. die einen Inspektor entsandte. Dieser benachrichtigte die Kriminalpolizei, non den Räubern war aber keine Spur mehr zu finden. Dgs Mädchen hat Mal« am Halse, die vom Würgen herzurühren scheinen. Im Hause hat von den ganzen Vorgängen niemand.etwas gehört. Das Raubdezernat der Krimi- nalpolizei hat heute morgen mehrer« Beamte entsandt, um den i.leberfall weiter zu klären. Das Mädchen befindet sich in ärztlicher Behclidlung.' Keine(Spur von den Treforräuberu. Troß aller Bemühungen ist» der Berliner Srimwal- polizei noch immer nicht gelungen, auch nur die geringste löpur von den Bankräubern, die den Tresor der Depositen- kasie der Discouto-Gesellschast in der Kleiststroßc plünderten, zn entdecken. ''Beim Sonderdezernat der Kriminalpolizei sind inzwischen zahl- reiche Meldungen, Wahrnehmungen und Zeugenaussagen gemocht worden. Einige Auslugen, di« zuerst von Bedeutung erschienen, haben sich spater als völlig haltlos herausgestellt. So lief gestern unter anderem auch eine Funkmeldung der Budapest er Po- > i z e i in Berlin ein, wonach dort eine Kolonne van Geldschrank- k nackern, die mit den modernsten Werkzeugen ausgerüstet waren, verhaftet worden sei. Man vermutete zunächst, daß die Verhafteten auch an dem Tresorraub in Berlin beteiligt gewesen seien. Wie die t Ermittlungen aber inzwischen ergeben haben, kommen die in Budo- pest verhofteten Verbrecher für den Berliner Bankraub nicht in Frage, da inzwischen einwandfrei festgestellt werden konnte, daß sie sich wäbrend der Zeit in Budapest befunden haben. Unter verschiedenen anderen Nachrichten wird heute auch aus Aussig berichtet, daß«in Weichenwärter nach der Abfahrt des r*. Zuges verschiedene Drucksachen und Tresorblankett» ge- fanden Hobe, die den Ausdruck„Dresdner Lank, Dresden* trugen. fÄ dieser Fund aber mit der Berliner Affäre in einem Zusoinmen» hang steht, erscheint noch sehr fraglich. Die Kriminalpolizei ist noch taglich mit weiteren Zeugxnverne.himmg«, im. Präsidium beschäftigt, die sich nack, über mehrere Tage erstrecken werden. ftrlter den vielen ZNeldüiigen. hie über den Bankeinbruch aus dem Publikum dem Sonderdezsnmt zugegangen sind, lenkten einige einen Verdacht auf die Pförtner!« ute des Hauses Kleisfftr. 28. Hierbsf erhobene Beschuldigungen haben sich als vollkommen falsch erwiesen.. Oer Nachtdienst der Apotheken. Die andauernde Grippewell« hat, ebenso wie bei den Acrzten, zu einer erhöhten Inanspruchnahme der Apotheken geführt. Es ist den Apotheken, deren Personal vielfach selbst von der Grippe befallen ist, aber gelungen, die Arzneioersorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Beschwerden haben sich, wie uns der Deutsche Apothskervcrein schreibt, zuweilen während der Nachtzeit er- aeben, in der auf behördliche Anordnung ein Teil der Apotheken geschlossen ist und infolgedessen das Aufsuchen der nächsten Apotheke einige Zeit beansprucht. Zur Aufklärung sei folgendes mitgeteilt: Wo Kranke in einer Familie sind, erkundigt man sich schon zweck- Mäßig am Tage in der Apotheke seines Bezirks, welch« nächste Apotheke den Nachtdienst versieht. Bon je vier Ber- liner Apotheken ist eine stets. dienstbereit. Dieser abwechselnde Dienst der Apotheken ist eingeführt, um den angestellten Apothekern nach dem anstrengenden, verantwortungsvollen Tagesdienst Ruhe zu gönnen und die Sicherheit der Arzneiversorgung durch über- arbeftetes Personal nicht zu gefährden. Wenn man des Nachts ein lliezept zur Apotheke bringt und auf. die Anfertigung vor der Apo- lheke einige Minuten warten muß, so werde man deshalb nicht ungeduldig. Da sich des Nachts mir e i n Apotheker in der Apotheke befindete und wiederholt Raubüberfälle auf Apotheken wäh- rend des Nachtdienstes vorgekommen sind, laßt es sich leider nicht mehr durchführen, die Patienten während der Nacht in die Apotheke zu lassen; ganz abgesehen davon, daß das jedesmalige umständliche Qoffnen und Schließen der Apotheke in der Nacht zu viel Zeft bean- Jpnüht und die schnelle Anfertigung der Arznei etwas längere Zeit beansprucht/ wird der Apotheker stets darauf hinweisen, so daß der Ueberbringer des Rezepts solange nach.Hause oder in irgendein Lokal gehen kann.. Bei Beachtung dies« Hinweis« und etwas Rück- sichtnahme auf die aufreibende verantwortungsvolle Arbeit des Apothekers wird sich di« Arzneioersorgung der Bevölkerung durch die Apotheke auch weiterhin reibungslos abwickeln lassen. Wintergarten. Das Unerwartete ist an das Schönste. Der neue Wintergarten- Star auf vier Wochen, Lilian Leitzel, ist«krankt und statt sein« springt eine Deutsch« in die Lücke, die Turnierreiterin Lydia Valterstein. Es war ein unvergleichlicher Genuß, mitten in dem beim Variete üblichen quirlend«, bunten Durchein- and« diese sehr elegante Reiterin zu sehen, die mit überlegen« Ruhe und mir diskret betonter Grazie ihre prachtvollen Tiere vorführt Die kaltblütige, überlegene Ruhe des großen Künstlers zeigen auch die enragi«ten drei Codonas, erklärt« Lieblinge des Ber- lin« Publikums, die in schwindelnd« �Höhe einen atemberaubenden Trampolin- Lu st s a lt o v o m Sprungbrett neu hinzu- genommen haben. Dann ab« lärmt, tanzt, singt, musiziert es sin taschingshasten bunten Durcheinander. Prachtvoll« Parterreakrobatik mit melen neuen Nuancen• zeigen die geschmeidigen Mitglieder iter Uyemo-Iapanertruppe. Der kubanische Drahtseilkünst- ler Maximo ist ein« jener hewund«rnsmerten Artisten, die das seltene Kunststück fertigbekpmmen. ihr halsrecheriscktes Können mit so absoluter Sicherheit auszuführen, daß man im Publikum meint. das da oben spiele sich gar nicht aus de», Draht... sond«n auf der festen Erde ob.. In der' Lew«, Negerrevue: Wochenende ib. Llferherren auf t Nach dem Sprichwort: ,5c mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen sein« Klagen still!* hat d«„Schutzverhand der Wassergrundstücksbesitzer Deutschlands* einen gan- zen Sack noll Klagen, d« Sachberater konnte 100 Fall« aufzeigen, d>« nur. den Streit mit den» Fiskus betreffen. Die Wasserstraßen- Verwaltungen, die Bezirksämter. Wosserpolrze!, Gericht« usw. sind vollauf mit B«schw«d«n und Anträgen dies« Herren beschäftigt, und wenn alle Mittel versagen, wird d« Herr Regierungspräsident per» sönlich bemüht. So war auch ihr« Generalversammlung nur mit sormaljuristischen Auseinandersetzungen ausgefüllt, und die gewiegtesten Juristen stürzten sich auf den Regierungsvertreter, d« vielleicht in der Absicht gekommen mar, den unbotmäßigen Syloks den Standpunkt Mar, zumachen. Gegen was sich die Herren auch alles wehren müssen: gegen die Beamten der Wosserpalizei, gegen den Wasser, zins, die Steuern, die angeblich die Wassergrundstücksbesitzer zu stark bedrücken, gegen die Freiflächenpolitik der Kam munen, gegen die Fischereiberechtigten und anderes. Dieser Kampf wird scharf und letzten Endes wirksam gegen die Behörden geführt, denn wozu wäre sonst der Reichtum nützi und die Beziehungen zu den gesetzgebenden Gewalten, wenn man ihn nicht für seine Zwecke brauchen dürste. Der Ruf:„Freie Uferstraßen an den Seen" v«< hallt ungehört an ihrem Ohr. d. h. die Herren sagen:„Wir sind nicht Gegner von Usermegen, aber wir sehen nicht ein. warum solche ausgerechnet an unseren Grundstücken angelegt wevden sollen und die Schafft, ng von Uferstraßen ungeheure Verluste an Nationalver- mögen mit sich bringen muß, Verluste und Kosten, die in gar keinem Verhältnis zu den zu schaffenden Vorteilen stehen.* Diese Begrün- dung ist völlig abwegig, denn ein Verlust an NaLvnalvermög«, wird bestimmt nicht eintreten, wenn der Schrei' der übervölkerten Städte noch dem gleichen Recht an den Seen und an d« unberühr- ten Natur sich in einem Enteignungsgesetz Lust schafft, das diese selbstherrlichen Besitzer kostenlos enteignet. Es wird einen harten Kampf setzen, durch Prozesse wird ihn die Allgemeinheit bestimmt nicht gewinnen. Darum möge sich d« Magistvat Berlin bereits jetzt schon warnen lassen. Strandeisbahn Wannsee. Bertin« Zeitungen brachten Klagen über angeblich zu Unrecht erhobene Eintrittsgelder für das Betreten der Eisfläche des Großen Wannsees..Zur Klärung des�Sachver- Halts fei nach Mitteilungen, die mir von unterrichteter Seite er- halten, folgende? festgestellt. lieber den Großen Wannsee mü semer gesamten Eisfläche ge» bietet das Staatliche Wasierbauamt in Potsdam. Florida leisten die schwarzen und braunen Girls zwar nichts «>ond«llches, aber die beiden schwarzen Gentlemen üb«bi«t«n sich an grotesken Einfällen. Sehr hübsch die Jackson Girls, die eme Menge nett« neu« tänzerisch» Einfälle zeigen. In den andalusi- schen Gesängen und Tanzen der Senalags Überrascht zunächst die rassige Schönheit d« drei spanischen Schwestern. Ihre Stimmen sind Mein und Mingen im Ensemble fast dünn, aber tanzen... tanzen können die Mädels. D« männliche Parin« ist ihrer würdig, außer- dem ein guter Eomerffna-Birtuose. Und schließlich Cantor. Herkules im Frack, zerreißt ein Berliner Tclepbcvodreßbuch und treibt ähnliche schwerathletische Scherze. Sei drollig« Partner fei nicht vergesse»"-e In dem textlich' und illustrativ gut geleiteten Wintergarten-Pragrammheft ist eine eindringliche lesenswerte Studie über die unvergeßlich« I s ä d o r a D u n e-a n enthalten. Waffernot in Wien. Eine Kolge der Kälte. Wien, 8. Februar.(Eigenbericht.) Infolge des andauernden Frostes veicht heute der Eisstoß auf der Donau seit Jahrzehnten zum erstemnal nach Freudenau an d« Stadtgrenze von Wien. Sollt« der Frost noch länaer anhalten, so wird morgen auch in Wien die Donau zugefroren sein. Durch den Frost ist die Wasserversorgung Wiens bedroht, und der Magistrat hat heute eine Perordmmg erlassen, die das Der- (chroenbeit des Wassers mit Geldstrafe bedroht und das Baden in den Häusern bis auf weiteres verbietet. Es werden auch schon Vorbereitungen getroffen, um bei eintretendem Tauwetter die Donaudämm« durch Sandisocko und sonstiges Material befestigei, zu können. Die Alpense«n sind, soweit gemeldet wird, nahezu überall zugefroren.— WTB. meldet fco, zu, daß in den Gast- und Kasfeehäuseru und ähnliche,, Lokalen Wasser an Gäste nur auf be- sonderes Verlangen verabreicht»Verden darf. Das Füllen der Schwimmbassins in öffenstickien Badeanstalten ist an«ine besondere Bewilligung des Mogistrats gebunden' Dte Kundmachung tritt beute in Kraft. Falls diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg hat, wird in den nächsten Tagen die Absperrung der Haus- I e i t u n g e n angeordnet werden müssen. Bruno Schönlank beginnt einen Zyklus„Die Arbeit in der'Dichtung seit hundert Jahren*. Es ist eine sehr interessante Untersuchung, besoirders weil«chonlont hier ein- leitend die Romantik, die Dichtung von d« mondbeglänzten Zauber- nacht, unter einem neuen Gesichtspunkt behandelt. Und er kommt zu dem Resultat, daß selbst die ästhetisierenden RomaiUiker, sonst in der Vergangenheit leben, auch Sinn für die Leistung d« Alltags' arbeit hatten. Der Bortrag geht über den Rahmen des nur Lite- rarischen hinaus, denn Schörllairk zieht auch dos Allgemein- Kulturell« in sein« Betrachtungen ein und gibt dadurch seinen Ausfüh- ru ngen ein sicheres Fundament. Das ist in diesem ersten Bortrag wichtig da gerade hier die Entwicklungskeime aufgezeigt werfcen müssen, die später zur Entfaltung gelangtem— Außerdem zwei m- siruktiv« Vorträge. R. P. Frank weist in seinem Vortrag „Iugendnot und Elternsorge" aus di« Schwierigkeit moderner Kindererziehung hin und als Erleichterung für die Eitern auf die beratende Tätigkeit d« Jugendämter und auf ihre bisherigen Erfolge. Das Referat des Jenaer Schuldirektors Koch üv« Lugendberatung ik» technischen Berufen" kann ge- Wissermatzen als Fortsetzung des angeschlagen«» Thergas angesehen werden. Die Aussichten für das Unterkommen m technischen Be- rufen stnd nack Koch nicht schlecht und werden sich in den nächsten Jahren noch bessern, weil sich dann der Geburtenrückgang der Kriegsjahre auswirken wird. D« Abend gehört dem Komponisten M a'x Rege r Der Königsberg« Genexalmusikdirsktor Her- mann Scherchen, musikatifcher Organisator des dortigen Runte funk«, leitet da? Konzert groß im Format, fast gotisch berb im Ausdruck und mit dem Willen, auch hier beim besönstigten Reger dos kämpferisch. dramatisch- pathetische Element herauszuarbeiten. em Kriegspfade. Es hatte die Eisfläche» an Unternehmer verpachtet und«ziehe daraus ganz erhebliche Einnahmen. Das Wasser bauanu verlangte ffir jefcien Eistag 30 M. vesp. 75 M. Da? Strandbad Wann- s e e wurde zur Uebernabwe de? Vertrages gezmun- gen, weil es fem« eigenen Anlagen im Winter vor dem Zutritt unbefugter Personen schützen wollte. Es hat auf dem Badestrand« mit großen Kosteli eine völlig gesahrlose und gutK Eisbahn an- gelegt- Diese Eisbahn wollte es nach der Seefeste«rweilen», um dem Berliner Wintersport auf dem Wannsee eine Heimstätte zu schaffen. Auß«d«m mußten, da das Strandbad am Pigefrovenen See ganz ungeschützt ist, gewisse Abgrenzungen geschmfen werden. Um das tun zu kämmn, mußte das Strandbad den Vertrag übernehmen. Das Strandbad Wanirse« hat nun diesen Pachtvertrag a n «inen Unternehmer weitergegeben. Er bat dabei ganz erhebliche Pflichten aus sich nehmen müssen. Seine. Zlusgabe ist die ganze Sicherung und Absteckung des Wannsccs, was für ihn mir sehr erheblichen Unkosten verbunden ist. Außerdem legt der Pächter Eisbahnen an Es ist«in Irrtum, daß es aui dem Großen Wann. see keine Eisbahnen gäbe. Gerade bei dem letzten Schneefall hat sich gezeigt, daß nur bei Anlegung von Babnen der Wannsee üb«. baupt passierbar ist. Für. die. Benutzung dieser Bahnen darf der Pächter laut Vertrag ein Eintrittsgeld erheben Es war in früheren Jahren bedeutend göher und wurde sofort bei Ueher- nahm« de? Vertrages durch die Strandbad Wannsee G.m.b.H. bedeutend berabgesetzt- Die in den Zeitungen unternommenen Vorstöße gehen in der Hauptsache von Mugliedern der am Wannsee in großer Zahl vor- handenen feudalen Seglerklubs aus� die durch Vesahren der angelegten Eisbahnen und der übrigen, Seefläche das gehende und schliltschuhlaufende Publikum sehr gesährden. Es sind das die- selben Kreise, die den Wunsch haben, alleinige Beherrscher des Sees und der Eisfläche ,zu sein. Festgestellt sei noch einmal: wenn frei«? Betreten der Eisfläche de? Großen Wannsees gewährt wird, so müßten die Kosten der notwendigen Sicherungsmaßnahwen von der öffentlichett Hand getragen.werden. Bor allen Dingen müßte dann das Staatliche Wass«hauamf dazu angehalten werden, dies« Sicherungen von sich aus und auf eigene Kosten auszuführen und sich nicht einen mühelosen Verdienst durch solche Verträge sichern. Schuld ist nicht das Strandbad Wannsee, das für sich allein gor kein Interesse an der Eisfläche des Wannsee. hat, sondern das Staat- lich« Wasserbauamt in Potsdam mit seinen rigorosen Pachtverträgen. Lichtbildervorträge über Naturschutz. Am Dmmerstag, dem 14. Februar, abends 8 Uhr. spricht im Dartragssaal des Märkischen Museums, Wallstr. 52/54, der Berliner Kommissar für Naturdenk. malpflege, Herr Dr. H i l z h e i m e r. üb«„Berliner Natur- schutzgebiete*. Bei der Wichtigkeit, die ffir jeden Berlin« die Erhaltung seiner Wälder hat. dürfte der Vortrag wohl von all- gemeinem Interesse sein.(Eintrittspreis 25 Pf.) Bluttaten in der polnischen Armee. Schauplatz ist Aromberg. In d« Garnison d« ehemals deutschen, beute polnischen Stadt Bramberg haben sich dieser Tage.zwei schwere Bluttaten ab- gespielt. In der Kaserne ein« Automobilabteilung gerieten zwei Feldwebel infolge Eisersucht m einen Streit, in den sich auch di« Familten mischten. Als der«in« Feldwebel einen Revolver zog und feinen Gegner mebexschießetj wollt«, warf sich dessen Frau zwischen die Streitenben. Sie wurde von drei Schüssen ntedergestrecki. aber nicht lebensgefährlich öertetzf. Inzwifchen hatte der angegriffene Feldwebel gleichfalls einen Revolver geholt und sechs Schüsse auf den Kameraden abgegeben. Dieser wurde von f ü N f K u g e ln g e- t r a f f en und«log seinen Verletzungen. Di« zweite Tragödie spielt« sich gleichfalls in Brom» berg in k«r Privaiwohnung des Hauptmannes T e i ch m a n n vom 62. Insanterieregiment ab Dort streckte der Hauptmann einen Untervfsizi«, der sich vom Regiment entfernt halle und wieder ergrissen worden war, durch drei Schüsse nieder und brachte sich dann selbst«inen Schuß in den Kops bei: er dürft« kaum mit dem Leben davonkommen. D« a« t v t e t e Unter? o f s i z i c r war der einzige Sohn einer Witwe. Achtung, die Ausgeschlossenen aus vauernsaug. Ein günstig« Wind weht uns ein Rundschre'hen der ausgeschlossenen Turner zu. Die Ausgeschlossenen verschicken an die Hundes- treuen Vereine e.-n Rundschreiben, in dem aufgefordert wilS>, zum heutigen Sonnabend zu ein« Vorständekonferenz zu er- scheinen. Es ist selbstverständlich, daß unsere bundestrcuen Vereine dies« Konferenz meiden.. parieinachrichten�M�fürGroß-Berlin Etnfentirag«! für Blefe Sabril find»k r& Jt strt, aa da»«ejtrlflefwtartot • etlla 6 9 68, fiittdeattrogt I. Hof, 2 Trep. recht». ,» rtchtea. 7. Nrei, aha rlotte» barg aas Spaabaa. Suriflischr Sprrchstunde heute. Senn, abend, 17—18»Ihr, UN Zugendheim Ziosinenftr. 1. Gelegenheit»aw Nirchea. aartrtte. lt. fttei» SeaUIa. Am Siensioa. 19. Februar, findet der. /Lustige Abend" IDortragender: Puggi Muckt in den Paffagcfestsälen statt. Eintritt 40 Pf. Di« ttaffierer kZnnen die Harten im Parteibureau erhalten. 18. Ärei» Weihe»»«. Sonntag, 10. Februar. Besickitlgung de» A rastwerke» .«Mnaenbera. Treffounk.t kür Weißense« S'4 Uhr Ringbahnhof Weißensee, fttr Kohensch»» Hanse» 10 Uhr Bahnhof Htralau-Rummelobueg. Heule. Sonnabond, 9. Februar: 13. Abt.»Unser Weg" kann rtem Genossen Kressin, Putlißstr. IS, abgeholt werden. III. Abt.«»h»»d»rf. IS Uhr bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100, Borstands» fitzung. Morgen. Sonntag. l0. Februar: Z. Abt. Die Sindersteunde, greis Mitte, veranstalten von 10—18 Uhr in her tzulturobteilung des deutschen Weiallarbestcrverbande«, Linienstr, U>7 (Kinol,«inen Allm»ach»>ist«g. garten stnd noch bei der Genosfin Packho-er. Michaeckirchstr. 18. zum Preise von 10 Ps. für Erwachsene, für Kinder 30 Ps.. zu baden. <57. Abt. 9 Uhr wichtige Funttionärsttzung bei Mittelstadt. Gbelingstraße ecke Petersburger Straß«. Gewerkschasts. und Parteibuch ist vorzuzeigen. « 18. ltrei» Pa-k-w. Montag. 11. Februar, IStz Uhr, bei M-n-r, Türkisches Zelt, Breitestr. 14, Ar«!sd«!«giertenv?rsammninz. Reuwahl de» Borstandes. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfrcnnde. IM» Mitte. Arn 10. Februar findet unser FiUnabeNd Im Nulturkino de-i Wesallarbclterverlande» statt und find hierzu all» Parteimitglieder tingeiad.'N. karten stnd bei den Helfern am Sino zu haben» E» laufen die Filme:„Qt- Dolsttle» äfc.Iareifi!",„Bei den Tertiltzcinurrb-itcru� und der neue„ vte. Falten-Film. Die Borstellunsen beginnen em 10 und 18 Uhr. Am Montag, 11. Februar, 20 Uhr, findet im»«im Zehdcnickcr Straße unser« General- Versammlung statt, zu der aste S-lf-r»u erscheinen haben. Tagesordnung:� Reuwahlen. [ Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation � 4Z. Äbt. Unser«Zlter, bcwabr�er Genosse GrUna uor 7. Mitflsied ,st ypHkorben. seinem Änderten. M�n-- tag. U Fadruar. 19� Uhr, im Ar.omatnrlum Lalzmschulenmeg.' .4S. Äbt, Upfer Ge.nnfie Dr. Iulms Sommel, Oroni-nft� 474.. ist am sann» uIvnU», X owfstjtfttu. Ehre fcuirm Ändenken. Die EinijicherAng ha» bereits ftsöflefun�ML." Tlr. 67* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, S. Februar 4919 Hilfe den Erwerbslosen! Erfüllung der Reichstagsbeschlüsse gesichert.— Abermals Tribüneuradau. jer Reichstag setzt« gestern die erst« Beratung des Arbeits- Schutzgesetzes fort. Ein Antrag der Eoziaidemotraten will die Reichs- regierung ersuchen, baldigst folgende Entwürfe zu unterbreiten: Arbeitsschutzgesetz einschließlich des Lergarbeitsschutzes, Seemanns- ordnung und Einbeziehung der seemännischen Arbeiter in die Arbeits- Gerichtsbarkeit, Berufsausbildungsgesetz, Hausgehiisengesetz, Tarifver- tragsgesetz und Arbeitsvertrag-gesetz. Weitere Anträge zum Arbeitsschutzgesetz haben fast alle Parteien eingebracht. Abg. Rädel(Komm.): Der vorliegend« Entwurf des sozial- demokratischen Arbeitsministers ist noch viel schlechter als der Eni- wurf der früheren Bürgerblockregierung, den der ADKB. als einen fiohn auf den Achtstundentag bezeichnet hat. Arbeitsmtmster Wissell Kt hier als ein Anwalt des Unternehmertums gegen die Arbeiter aufgetreten. Di« Schutzbestimmungen des Gesetzes sind ganz un> -ureichend. Das Washingtoner Abkommen ist nur ein Beruhigungsmittel für die internationale Arbeiterschaft ohne großen Wert. Abg. Schnelder-Berlin(Dem.): Die Vorlage ist ein bedeutsamer Fortschritt. Bei dem Versuch, eine einheitliche Arbeitsaussicht zu er- reichen, bleibt der Gesetzentwurf auf halbem Weg« stehen. Es find sehr viele Ausnahmen vom Achtstundentag gemacht worden. Der Schutz der Jugendlichen muß verbessert werden. Abg. Veier-Dresden(Wirtschp.) hält«in« lange Red« gegen jede Erweiterung des Arbeitsschutzes und gegen jede Verkürzung der Arbeitszeit. Abg. Schwarzer(Bayer. Vp.): Da» beste Gesetz ist der frei ver- nnbarte Tarifvertrag. Di« Vorlage ist unzulänglich, weitere Arbeiterschutzgesetz« sind nötig. Kein Arbeiter darf ohne g«s«tz- lichen Arbeiterschutz sein. Die L a n d a r b e i t e r s l u ch t ist viel- lach die Folge der besseren Fürsorge für die Industriearbeiter. Abg Stöhr.(Ratloz.): Der wuchtigen Kritik des Abg. Grahmann an dieser Vorlage haben wir nichts hinzuzusetzen, wenn er auch durch die Gewißheit zu mildem Ton gezwungen wurde, daß im Aus- ichuß nicht viel daran gebessert werden wird: auch dadurch, daß es ja eine Vorlage der Regierung seiner Partei Ist. Die Ausnahmen zugunsten der Zeitungskonzerne, der Bankräuber und Börsengauner paßt zu dieser Geldsackrepublik.(Heilruse der Nationalsozialisten.) Abg. ZScker(Soz.): Graßmann hat schon gesagt, daß uns die Lorlage schwer enttäuscht. Sie behandelt die Landarbeiter durch ihre .löerausnahm« als Arbeiter 2. Klasse. Fast in allen sozialen Gesetzen sind die Landarbeiter durch Sonderreglungen ausgenommen oder wesentlich sch l« ch t e r g e st e l lt. Das Mißtrauen der Landarbeiter r,egen eine Conderreglung Ihres Arbeitsschutzes ist daher nur zu 'ehr berechtigt. Jetzt können noch Kinder vom 12. Jahre an in der Landwirtschaft an Ma.schiTten beschäftigt werdew. �. wie diele- Sinderkrüppel, die anklagend dastehen: find dieser„Frecheit� zu verdanken!(Sehr richtig! links.) Der Kreis- ichulinspektor in Bartenstein, Ostpreußen, berichtet, daß viele Kinder ZI) bis 30 Proz. ihrer Schulzelt versäumen mußten, um zu arbeiten. Gutsbesitzer drohen Lehrern mit Entziehung von Wohnung und anderen Bezügen, wenn sie die Kinder nicht bereit- willig zur Arbeit beurlauben. Frauen arbeiten bis zur Niederkunst. und mir sind Fälle bekannt, wo Totgeburten die Folge solcher langen Arbest-- schwere Stein« tragen— war. Sind diese Gefahren so cering. daß sie eines besonderen Schutzes nicht bedürfen? Di« Un- fälle in der Landarbeit find seit 1921 um rund 1 Proz., auf «8 000 gestiegen, die Zahl der durch Unfälle Erblindeten sogar um ZOO Proz. Und durch die Statistik sind nur die entschädigten Unfälle erfaßt. Di« Landarbetter müssen einen geradezu niederschmetternden Eindruck empfangen, wenn man ihnen die Gleichberechtigung auch im Arbeiterschutz versagt. In drei Jahren sind aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern 29 200 Landarbeiter abgewandert. Wir for. dern di« Anstellung von Londinspektoren. Die Zeit, wo die Land» arbeiter als Arbeiter 2. Klasie behandelt wurden, muß der Der- gangenheit angehören.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.) Abg. Tantzen(Dem.): Di« Vorlage ist vom Standpunkt des ge- werblichen und kaufmännischen Mittelstandes aus nicht ohneBe- denken. Die Beschränkung der Arbeitszeit ist kaum«rträg- l i ch für die Handwerksbetriebe, die unmittelbar mit der Landwirt- ichaft arbeiten. Die Gärtnereien müssen ebenso wie die Landwirt- schast au» dem Gesetz herausgenommen werden. Vo» den Nationalsozialisten wird im Reichstag genau das Gegenteil dessen gesagt, was sie draußen den Dauern sagen. Damit schließt die Debatte, die Vorlage wird dem Sozialpoli- tischen Ausschuß überwiesen. Das Haus tritt dann in die Beratung der Anträge über die Erwerbsloseufürforge ein. Abg. Frau Teusch(Z.): Dir fragen die Regierung, wie sie den Ausschußbeschluh ausführen will, di« Krisenfürsorge auf alle Berufe auszudehnen und sie erheblich zu verlängern. Die große Finonznot der Gemeinden fällt schwer ins Gewicht, ihre Wohlfahrts- ausgaben sind auf das Dreifache gestiegen. Der Vorwurf des ,.A 6 e n d*- B e r i ch t s aus dem Haushaltsausschub gegen uns ist unberechtigt. Wir haben, als hier di« Ausdehnung der Krisenunter- stützung aus alle Berufe von den Sozialdemokraten beantragt wurde, uns berest gefunden, dafür zu stimmen, denn wir nahmen an, daß die beiden sozialdemokratischen Minister für Finanz und Wirtschaft der größten neben uns in der Regierung vertretenen Partei die Zu- sicherung gegeben hätten, die Mittel dafür feien da. Das Finanz- Ministerium hat min zwar gesagt, es gehe, aber die Auswirkung pro Monat nicht dargelegt. Und der Vertreter de» Arbeitsministeriums hat die Ausgaben auf 1 Million für den Monat geschätzt. Dos sind die— laut„Abend"—„entsprechenden Erklärungen�. Erst heute im HaushaltsaUsschuß hat man uns die Kosten auf e,9 Millionen im M mal. bei nur grundsätzlicher Ausführung auf 2,9 Mit- lionen angegeben. Wir sind gewillt, sachliche Arbelt zu leisten(helkerkeil aus allen Seiten.) Gegen den Antrag der Sozialdemokraten haben aber ihre eigenen Minister Bedenken gehabt. Wir haben uns daher heute Im Haushalts- ausschuß der Stimme enthalten, denn die Auslegung des sozialdemokratischen Antrages ist zweifelhaft, nämlich ob seine Aus- führung 2L oder«,9 Millionen kostet. Wir wollen nicht Dersprechun- gen machen,«he nicht die Deckung gesichert ist. Darum unsere Fragen an' di« Reichsregierung. Abg. Slöcker(Komm.) beantragt Herbeirusung de, Finanz- Ministers, damit man Klarheit erlangt, wie ,chie Regierung" den Antrag zu sabotieren gedenkt. Während einer kurzen Debatte darüber nimmt Reichsfinanz» minister Dr. H i l f e r d i n a seinen Platz ein,«a» einige kindische Kmmnunisten mit Händeklatsch«» begrüße». Reichsarbeitsmimster Wissell: Die Fragen der Abg. Teusch will ich sosort beantworten. Der Vertreter des Arbeitsministeriums hat gestern im Sozialpolitischen Ausschuß den Betrgg von 1 Million Mark nicht in bezug aus den hier zur Debatte stehenden Antrag genannt, sondern zu einem ande- ren Punkt, während für den uns jetzt' beschäftigenden Antrag die von ihm genannte höhere Summ« gilt. Die Regierung hat, wie ich mein«, gestern im Sozialpolitischen Ausschuß und jedenfalls heute im Haus- Hallsausschuß erklärt, daß sie grundsätzlich bereit ist, die Krisensürforge auf alle Berufe auszudehnen und die Landesardeits- ämter entsprechend zu ermächtigen. Wird die Regierung durch einen Beschluß des Reichstages ersucht, etwas zu tun. dann kann nur ge- meint sein, im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisi«. Run schreibt das Gesetz vor, daß bei andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage die Krifeniürsorge ausgedehnt werden kann. Wird die Regierung darum ersucht, so kann dos nur heißen, imRahmendiesesGe- s e tz c s, und durch ein solches Ersuchen wird die Regierung nicht ermächtigt, das erste im Dezember beschlossen« Gesetz über die Son- derregelung der Saison- Arbeitslosigkeit als ausgehoben zu betrachten. Mit dieser Einschränkung ist die Regierung bereik, dem vorgeschlagenen Ersuchen des Reich,- iages zu enlsprechen. Wie ich schon vorgestern gesagt Hab«, erfordert die Arbeitsmarktlage in gewissen Berufen die Ausdehnung der Krisenfürsorg« erfreulicher- weise noch nicht, so z. B. die K a l i industrie und i�ich die ch e m i s ch e Industrie, soweit nicht einige Fabrikbetriebe in Petracht gezogen werden. Die Erweiterung der Krisenfürsorge ist nicht eine Mehr- belastuna der Gemeinden, sondern ein« Entlastung, denn sie nimmt sehr viele Ledürftiqe au, der Wohlfahrtspflege heraus, deren Kosten die Gemeinden ganz allein zu tragen haben. Die betreffenden Gemeindeausgaben verringern sich dadurch rund um vier Fünftel. Immerhin gibt«s Gemeinden, besonders in den Grenzgebieten, die einer weiteren Entlastung dringend bedürfen: dazu sind die Länder infolg« des Finanzausgleichs in der Lage, und ich werde die Länder auf die Notlage der Gemeinden aufmerksam machen und sie um A b- h i l f e bitten.(Beifall, links.) Abg. Sckjulh-Bromberg(Dnat.): Die Regierung Hot im Ausschuß zu verstehen gegeben, daß der sozialdemokratische Antrag an- genommen werden soll«, sie werde ihn in geringerem Umfang aus- führen. Reichsorbetksmlnlster wssfell: Nichts dergleichen hat die Re- gierung getan, sondern klipp und klar ausgesprochen, daß sie Entschließungen des Reichstags im Rahmen der Gesetze ausführen wird. Abg. Aufhäuser(Soz): Wenn.wir..da» Pertrauen hahen, daß di? Entschließung aus-. geführt wikiJCw!«.sie hier erläutert worden sst, so kommt dop daher,. daß diese.Regierung frühere Entschließungen, zuguusten der Erwerbs- losen bis zum. letzten Work a u s g e f ü h r t.chat. So. war es mit der Entschließung, die Unterstützung auf 39 Wochen auszudehnen. Die Rechte hatte dagegen Widerstand geleistet. Wir wissen, daß die sozial- demokratischen Minister gewillt sein werden, auch diesmal durchzu- führen, was sie dem Reichstag zusagen.(Abg. Schulh-Bromberg: Obwohl sie kein Geld haben!) Auch wenn das Geld knapp ist, so haben unsere Freunde iu der Regierung bewiesen, daß es ausreichen muß. um die Rol der Erwerbslosen zu liudern. (Beifall bei den Soz.) Es ist versucht worden, den sozialdemokrati- schen Antrag, der die Grundlage der ganzen Beratuna gebildet Hot, in Gegensatz zu bringen zu den Anträgen des Ausschusses. Unser Antrag wollte die Erweiterung auf di« übrigen Berufe, die Er- Weiterung des Personenkreises und Verlängerung der Unterstützungs- dauer. Wer will behaupten, daß diese Forderungen in der Ausschuß- vorläge nicht berücksichtigt wären? Ausdehnung aus alle Berufe heißt natürlich Fortführung der Entwicklung, die auch unter dem Arbeitsmimster Brauns große Fortschritte aufzuweisen hatte. Die Formulierung„Ausdehnung der Krisensürforge auf alle Berufe" hat dieser Reichstag schon fünfmal angewendet, und jedesmal find weiter« Berufe einbezogen worden. Diese Beschlüsse hatte das Zentrum mit uns gefaßt, und Minister Brauns hatte ste aus- geführt. Es ist doch kein Verrat an der Krisensürforge, wenn man durch solche Belchlüfse allmählich zur Erfassung aller Berufe gelangt. Der heutige Reichslagsbeschluß wird ebenso erfolgreich sein wie die früheren. Meine Fraktion würde es ablehnen, eine weitere Aus- fchallung der Bergarbeiter zuzulassen und auch hie der chemischen Industrie erscheint unerträglich. Die Regierung hat im Ausschuß die Einbeziehung der M u s i k« r und anderer Berufe in Aussicht gestellt. wir haben keine Ursache, die bisber erreichten Erfolge verkleiner» zu lassen, nur weil sich inzwischen die Zusammensetzung der Reichsregie ruag geändert hat. (Sehr gut! links.) Natürlich hoben wir keinen Anlaß, zu verkangen, daß ein gut befchäftigter Beruf sofort«inbezogen wird, es genügt uns die Versicherung der Regierung, daß dies bei einer Verschlechte- rung der Arbeitsmarktlage geschehen wird. Zu unserem ersten Antrag, Ausdehnung auf S2 Wochen, Hot die Regierung im Ausschuß erklärt, daß sie dies nicht ausführen könnte, auch wenn die Ausfchußmehrheit es beschließ«.(Schimpfrufe der Kommunisten.) Sie können mich nicht beleidigen!(Sehr gut! links.) Wir haben deshalb die Verlängerung auf 62 Wochen zurückgestellt, denn wir lehnen es ab den Arbelldofen durch einen Beschluß vor- zotäuschen, daß diese Forderung erfüllt werden könnte. Wir haben aber Ersatz b i s z u m 4. M a i die gestellte ausgedehnt wird und daß die Ausgesteuerten wieder einbezogen werden. Hätten wir auf unserem ursprünglichen Antrag bestanden, so wäre zwar eine Mehrheit dafür gewefen, aber die Möglichkeit zur Ausfuhrung hätte gefehlt.(Zu- ruf E f f« r(Z.) Sie hätten doch die Umbildung der Wehrheilsverhältnstfe so lange zurück st ctleu können! bi, die wünsche der Er- werbsloscn erfüllt sind. Sie haben aber vorher die Regierungsmehrheit gesprengt! (Lebhaft« Zustimmung links.) Es ist durchaus glaubhast, daß die Regierung im Mai ein« bessere Usbersicht über die Kossen- und Finanzoerhältniffe haben wird. Wenn dns Zentrum wirtlich die Verlängerung auf 62 Wochen möglichst rasch herbeiführen will, dann sorge es dafür, daß dem Reich die nötigen Mittel bewilligt werden.(Sehr gut! links.) Als größte Partei mußten wir vorher wissen, was die Regierung zu erfüllen bereit ist. Wir haben daher unsere Minister gefragt, und es find Regierungserklärun- gen im Ausschuß abgegeben worden. Di« Zentrwnspartet wird tz geschossen durch den Befchluß, daß zunächst die iWsenunterftützung für Arbelier und An- doch auch ihr« Minister vor solchen Entscheidungen immer gefragt haben! Bei den Schwankungen der Konjunktur kann die Regierung sichere Zahlen für di« nächsten Monate nicht angeben, wie das Ftau Teusch verlangt. Wenn die 2,9 Millionen nicht reichen, muß der Betrag erhöht werden, wie da» bisher auch schon geschehen ist..Dir hoffen aber, daß«ine Besserung des Arbeitsmarktes vorher eintritt Fron Teusch wird ja demnächst im Ausschuß Gelegenheit haben, mit an» für die Verbesserung der Sozialversicherung einzutreten. (Auf«inen Zuruf der Kommunisten): Ich habe gar nichts dagegen einzuwenden, daß die Gelder der Angestelltenve/fich�rüng statt wie bisher den deutsck>nationalen Landwirten, produktivts dem Reich zur Verfügung gestellt werden, um einer vorübergehenden. Not- log« abzuhelfen.(Zuruf der Kommunisten: Sie wollen ja Beit-vg?- erhöhung!) wenn Sie nosere Anträge gelesen hätten, müßten Sie wissen, daß wir eine Seilragrerhöbung der Angestelltenoersicherung für überflüssig halten, weil dort Alittel genug vorhanden sind, die heute freilich den deusschnalionalen Landwirten zur Verfügung gestellt werden, wenn Sie(zu den Kommunisten) das ver teidiven wollen— bitte! (Heiterer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Trotz all der Krttit hat keiner der Kritiker im Ausschuß gewagt, gegen diese Antrag« zu stimmen.(Zurufe der Kommunisten.) Bon den Forderungen, die Sie draußen bei den Erwerbslosen vertreten, haben Sie im Ausschuß einen großen Teil bereits vergessen! Keine Partei hier im Plenum wird so arbeiterfeindlich erscheinen wollen, um die Befchlüsse auf sofortige Hilfe für die Erwerbslosen nicht anzunehmen. Bon Ihren (zu den Kommunisten) Phrafen werden di« Erwerbslosen und die Ausgesteuerten nicht satt! Die Sozialdemokratische Partei hat sowohl in der Opposition wie als Regierungspartei stets die Fürsorge für di« Erwerbslosen zu verbessern gestrebt. Die Not und das Elend der Arbeitslosen sollten doch so"hoch eingeschätzt werden, daß die Abhilfe dagegen über alle Schwankungen und Mehrheitsbildungen und über die Tagespolitik hinausgehoben wird. Wir wissen, welche Gegensätze zwischen unserer grundsätzlichen Auii-k"-ng und der der bürgerlichen Parteien bestehen. Die Slrbeitslosen können nicht warten bis zur Austragung dieser grundsätzlichen Entscheidung:n, und daher muß die Hilfe für die Opfer der heutigen Wirlschafks- und Ge- sellschasleordnunq herausgehoben werden über den Kleinkampf der Parteien. Den Arbeilslofen zu helfen Ist die Pflicht aller Parteien, und zwar ausreichend und gleichzeitig schnell. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ersing(Z.): Wir haben uns im Haushaltsausschuß da- gegen gewandt, daß Hoffnungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können. Kollege Aushäuser hat uns aus dem Herzen ge- sprachen damit, daß man die sozialen Fragen aus dem Parteikampf herausheben müsse. Abg. Stöhr(Natsoz.): Der sozialdemokratische Antrag �wnr nicht ernst gemeint. Die Sozialdemokraten sind pleite mit hrer Regierung, ihrem System und ihrer Republik. Abg. Lemmer(Dem.) verwahrt sich gegen den Vorwurf Ersings, daß die demokratische Fraktion in sozialpolitischen Dingen rücksänstt- lich sei. . Abg.. Esser(Z.)(p?rsänlich): Wir, Hoden den sozialdemokratischen Ankratz als st a? ks I l loy a li i äi aufgefaßt, und zwar deshalb, - weil wir die Zusaninlendrteit für urifruchibat halten, wenn jede . Partei die Freiheit hat, A g i t-a l t o n s a n tr üg e zu stellen.. Noch als Regierungspartei haben wir beschlossen, für den Antrag zu stimmen und vieler Methode ein Ende zu machen. Abg. Aushäuser(Soz.): Frau Teusch hat für die Zustimmung des Zentrums zu unserem Antrag sachlich« Gründe angeführt, Herr Esser gibt nun selbst agitatorische Gründe an. Bor der Austimmung erklären die D e u t s ch n a t i o na l e n, an ihr überhaupt nicht teilzunehmen. Die A u s i ch u ß b« s ch l ü s s e. deren Inhalt au» der bereits erfolgten Veröfsentlichung, wie aus den vorstehenden Reden bekannt ist, werden angenommen! Kommunistisch« Anträge werden in namentlicher Abstimmung mit 274 gegen 80 Stimmen bei 60 Enthaltungen(Dnat.) bzw. mit 221 gegen 33 Stimmen bei 104 Ent- Haltungen abgelehnt.\ Die Kommunisten brechen bei der Verkündigung des Ad- stiinmungsergebnisses in Pfui-Rufe aus. in der ersten Sitzreihe der allgemeinen ZuhSrertr'büne sieht ein ZNann auf und halt eine lange kommunistische Agitationsrede Mit heftigen Beschimpfungen, die er direkt an die fozialdeinvkratischen Abgeordneten, den Reichsinnenminister Severing usw. richtet, wobei er sich vorbeugt und auf die sozialdemokratische Fraktion zeig t. Di« kommunistischen Abgeordneten begleiten diese Rede mit Beifallsrufen und Händeklatschen, sie und einige Tribünenbesucher stimmen In ein „Hoch" ein, das der Tribünenbesucher zuletzt ausbringt. Ironisch« Hoch-Ruf« von Abgeordneten anderer Parteien hatten bereits seine letzten Sätze begleitet. Der amtierende Vizepräsident v. Kor- d o» f f war bereits vorher von seinem Platz verschwunden, wodurch dle Sitzung unterbrochen war. Lediglich der fitl«. Reichstags- beamt«, der ständig aus der Tribüne Dienst macht, hatte versucht, den Redner oben zu erreichen, war aber von seinen Begleiter» nicht durchgelassen worden. Erheblich später erschiene» eilig Kriminalbeamte in Zivil, die nicht geringe Mühe halten, sich durch die Schulzgarde de» Tribünen-edners durchzukämpfen: sie packten schließlich ihn und auch einige der anderen Demonstranten. die sich aber gegen ihre Hinausschassuna mit aller Kraft wehrt«.:. Schließlich gelang es den Polizisten, bi« Ruhestörer zu entfernen. In bei weiteren Pause beschimpsten die Kommunisten wüst die Sozialdemokraten, die daraus aber nicht antworteten. Nach geraumer Zeit eröffnete Vizepräsident v. K a r d o r s f die Sitzung wieder, ohne auch nur mit einem Wort aus da« Vor- gegangene einzugehen, sondern den Rest der Tagesordnung ab- zuwickeln, was ohne Debatte schnell erfolgt Um 147 Uhr vertagt sich das Haus aus Montag, den 18. Februar,. 3 Uhr: Kleinrentnerfürsorge.— Der Präsident wird er- mächtigt, weitere Gegenstände aus die Tagesordnung zu stellen. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Verlin »ti>(t»din>»ra I4r Heft Zt-dNt nmt m t*4 SuotS'irrttoWt ?«U» SD«. CHtSoflniW 3 SeBta>ng«A**: tzevt«, Eonnabeat, trtl.ittliclj tS Uhr, Ueben für Mazd«» Sutj i* de- Sch-laula Danziger L!r. Ä. We müssen sich b«ttlllg-n. Heute. Sonnabend. 9. Aebruar. 19� Uhr: tiyf«Uto viertel, Schule Vrangelstr. 128. Vortrag: �Bolkstan� oder ws- berner Vorkrage, Vereine und Versammlungen. #Keichsblmuer„ Schwarz- Rol-Gold". »,-»«««,«teil»! Berlin& M. SebaftmnRr»7/38, Ha» 2 kr öo-üabr-!»,». ZeSrxnr. G«i»»rst«nd. Achtung! ltasieKiden. ti» an der?»ter!m Zleickrtag teiln-hmen, milffen dlll Kinganz ö< Wasser. <•!(»>■Värr.t'.iJ)' tenbbdlffult faueu au«. Achtung. Spielfithrer! �chlkti>r�»»krkurwi> Msntag, U, ssebruar. 20 Uhr, i-n Eaubureau.— SchSne- itnirfrtltbfrttL ftamctalirchaft �übeft. Tsnnabenv. 9. Jcbtuar, T:,ch!>annct. Vkch«, ä> UÜ, Men-,-'. Sck- Tharwalder Straße, R-tnIet-ad-r«. ?eos»»tbal. 36 Ufir cißung 6»i Arische. Zürdcrstr. 5, wichtig« Zag-sorbnung. St. sch»?nen sstfllch-t.— So«nt»g. 11 Februar. Mette. ZungSann««..,. Treftnuntt 9 Uhr Dcanirnbutger Tor,— Montag, ll. Februar, aßarlalto». bürg. i!amcrads6;osl i> athau». 20 Uhr bei Eertach, Spreestr. 12, tiamerad» schaitaversammtung. Stcglig(f Schuli, BU" Kameraden WW. Boegmann zur Linäschcrung de- Kameraden Strahl. Slveranta.Srupue BerNn.Mitte. Deschäst-sscllc Ernst Wichert, N. HS. Eochrcnerstr 14, EI»ceailto-S.chule Derli». ZUontag, 11. Februar, 20 Uhr, w'rd in dem großen Klub, immer, der Konditorei WinLelbandt. Sendelstr,?,I«dicht ani Tviticlmarkt). ein neuer o-lkaillmliche: c!li>«ra-to.U»t«reicht».S»rl»» ftr U-singer erZFnet. Auch Personen ohne sremtfurachlich« Porbllbnng Sattes (ich daran beieiligen. »ereiaiguug ISr Schul- und Erziehungefragau, Berliu Trepto». Frei:-.? !ö Februar. Tortrag:„Bilder aus dem amcrilanischen Echulledea". Ober, regierungera«&. LnZa. Bcrtammlungsort: Fintmct Llr, 9» der 6. Treptower Seuleindeschule, Wildenbruchstt, W, II. Beginn 20 Uhr. Detkerdrricht der«stauliichen wetirrbienNstelle SerNn und«maeqenb sstZachdr. ocib.1. Milteiunci de» Grones, wollig obne N edcrschiäge, schwache Winde au» nordwestlicher Äichiung. Zür ZZeustchlaud: ßn der nördliilkir Hälsle des Re che» Milderung de» iriostes, inetil bnoöllt nnd-Iwlltnircr. ieichte Nicderichiäge. Im südlichen Deulschland trocken und tali, min Bilanz am 31. Dezember 1928. Passiva Potststmime S ün, G8sM3fil«as dsf Vorsisdi ftegi« JOrjf en PaMtag Tkeoutr an saui&souiiiaB 8 Uhr Iiis Orei-Orssd®!- 308« Thalia-meatcr R LTir Oelraosch itaatl�üler-Tb- * ht Nathan dar Weise Am Mittwoch, dem K. Februar, verschied naeh langem, mit Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder,. Schwager, Onkel und Vetter Paul Strahl in Alter von 45 Jahren. Dm stillee Beileid bitten in Damen der Hinterbliebenen EU« Strahl, geh OllD i Günther nebst bohn Heina Bln.'Baumgchnlenweg, den S. Februar 1923. Die Einäscherung findet am Montag, dem 11. Februar. abends 7>/, Uhr. im Krematorium Baumschulen weg KiefholxstraSe 179, statt. Tit. 38 ukjffkHPtam« räciieh 8 Uhr Bf STSi-ÜraidlM- PaulsentVraletti. Ander, Oerron. Scbaufuä, Kit tu. UvovtkL Mm mm Morden 12 31" »Uhr. Ende loRI« U DleYerbredier Sr.liauspiei von FetdlnandSruckner Real«; HelnrHilpert Jiararaerspiel« Norden 12 3l., ». Ende nach to'h u. Kornödie vOn , Edouard Bourdak «»gi«.' Fortter Uarinaga. ThalüMfteaier llreja■ „Oelransch" Zahl der Mitglieder: 4590(4590) Giro-Verbindiichkeiten: Keine. Gesamtgarantiekapital:?'/- Millionen Reichsmark. ßerün-Cdpenick, den 6 Februar 1929. Cöpenicker Bank r'iautaritm am im 'mb». kadleihiiti!inl Noll. 157- 15 Uhr «er Stern hlinine im Winter I Uhr mar« und seine ftStsel •0 Uhr wertian u. uer- genend. Sterne e. Qs m. b. H. Die Komödie Bismarck 2414/7515 Uhr, Ende 10'/- „Olympia" von t-ranz Molnai Regie; Forster Larinaga. BlllMimE »»/, Uhr «i. i» Mairslnntsl Sffißa i sditik baumag . Vortislluaten lühr a. Ita-h- «Man tu»aar lar- i hesist am NollMdarfplab Täglich S Uhr iattdZM SeöCTi Sinatpiei vor» Waltet Kollo »»«III» IIIIII! Sonnab., i. 9. 2. Stiats-Oper j,ii«] u. L.,na«i> A.-V. 36 20 Uhr Madame Bntterfiy Siaats-Oper Am n».papubt. R.-S.» I9-d Uhr Die W«» sonnab.. d. 9 2. Stadl Oper Bi■rnarcKsn. AuBer Tum. 19% Uh» Onegin StaatL SdiaospL l a d. ,i A�V.» 20 Uhr SizaiI.SMin-7deatv.cwH. 20 Ohr Maflian der Weise GR. SCHAUSPIELHAUS Ac Wwr a*sta 8 Wwebe«: CASANOVA HSTROPOLTNCATER 8i Uistige Witwe wit FRIfZI MASSARY Aar Hanaan, tlleat Jankuha, Jinkarman«, SeMeflsr» ZWEI94 Kttstrlner PI�T" ! Qu Variete In Ostbahnte)| Alex. 8067/68 Ilgl. 5 nnd 815 j Sa»» ta»» 215, 5 n. 815{ INTERNA T ION ALES VA�BETTE Karten 7 Tage Im Vorau» WM lies Mm ZAglUch S% Ahr | Der sensationelle Erfolg!\ Käthe Dorsch Meöeeike! Wnflt wm Franz Seher Kammers. Karl Iöken 'Siaatsoper Berlin) !«oruartau, unuaterdrachr». I »ass« de» oanze» Ts, gebffuet I Teieph. Steinplan.hn u. 7108 I »'/.ubr CASIN0-T3EATER»v.ui» Laihrmser StraBe 37. Neal Neu! KliomBterlleacftan Dar» ein ereikiaasiger booier Teil. Für unsere Leser Gutschein IBr 1— t Pers. Fauieuii nur 1.15 5U, Seisei 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Ran" Iko V. 4•«»««• m 6000«. 277541 842371» 4-•aemt*# ta 3000 m. 98400 190083 • Sana« tu 2000«. 9382 147239 151747 237840_______ 14 aeieiaat«a 1000 W.-40377 94019 106276 261686 25484« 288871 297057 63 erertim»« 500 M. 291» 6320 22665 34673«1 763 82078 122870 .128786 149908'74112 1.79321 182234 183S4S 186773 204232 217940 & ZW Wi W M 3Ä 3,.488 323803 36034. .1 88 17 ettum«, w 300 92- 2008 3641 6466 11167 13176 15326 28206 2S922 32896 33492 46137 60217 63173 88639 74332 76535 77470 94100 96193 100184 100936 102296 106378 106703<05772 108191 111916 112492 115862 117954 118667 118670 119078 129334 129704 134341 136651 136871 140281 141084 141879 146643 160161 164287 0�672 273391 215400 217342 222130 227S?2 229626 230337 2379�* imi W W KZ Iii W W 257SiB■" W W ZW BSs ZLÄ �7 35,6it Im Äewinnrade verblieben t ZPeSmienzn»»«». ZGew.zn S00000, 3 gu 300000, 2 gs 200000/ 2 zu 100000, 4 zu 73000. 6 zu 50000, 14»» 25000, 86»» 10000. 164»n 5000, 438 zu 3000, 776 z» 2000, 1668 M 1000, 444» g» 500, 11994»u 300 Mark. *mr Ar.1014 scholl Hacanneido ,01/U Gr. BodtMtrkst und Grosser Alpenbail* In allen Schien 7 KapeUen s.. 50 bayr. Modi. dnlaB 6 Uhr. IKA£K OalUnngs-.Hiba«- a.Beklimemarlten regen Nachahmung gesctxl. gesch. eragt seit 48 Jahr als 6pczlalit»t. Conrad HttUer Lelpzi bcckcuaiu 8 Uhr» Hoodkcn crlaabl| ain Bartin noch nicht| gezeigte varietd- neuheiten Sonnabena und Sonnt«« I« 3 Vorstellungen Jen und* C"r., J* kleine Preise Renaissance- Theater Ha deabwgUr.& lat.!>1»ia»c88I a. ZSSZ/84 •/. Uhr vSS JßRUS der Laster (Yoshiwara) Reichshallen»Thoater 1 oendu I 8 I Sonnt»- nachm. JJJJ Bat i oriis« am fehr.-Proit. am Slcuincr sanier Nacbm. halbe Ppclse, volle« Provromm- OönhoM- BcottG KoBscrl y Tana/ Variete 18 grab»uuun. rhea icr a. Koitbusser»er Kottbusser Str. 6 Tel.Mp.1607. Täglicu 8 Ufcfr. auch Senotag r.ocam. 3 Uhr(crmäS. Preise Elfte»Sgnger Faschinas- ProsranM»> Emil 8 et» der- beliebte Komiker und Tanzhomnriit als Gasi Verkäufe Otttu, tifttnt. lebet Art und Stofc« von 12 JO an, Amerikaner, Irische. Tau erbte nb tauch für Säle bis 5000 ahm), transpertobl, Racheibsen. RachHerde. Sa«-, RebleOesen. Dien. tiiren, Olen-obr. Walchkesstl, Wasch» Naschtnen. Abwairriirich«, Wascheroa.. "eii'-blunx. Die alte En-'iou.,- Temmler N. Bleuberg,»rrobnerilraste gfr-t'"'_* «ettenoerkoull«riul 8.181 18.- ISäOI Prochivoll» tlMI Bauernbetten 82.-1 Do-nigr 872101 Rlnberbettta 8.781 Betiwäschel Inlettol lpatilullig UN»«ut! Rein» Lomdardwaren. Leih. Haus, Br Drunnenstraße»7. Bekleidungsssorlie. Mische um RavolieranzKge,»lnterpaletots, Spott» pelz«, Zanzanzllge, Welte Bauchanzllge, Gesellschaftaanzllge tauch leihw-Ise). vee. kauft spettbiilig,»leranberstrahe«a. «lue Treppe.__ Ben'« getragene, teil««ruf �Seide je. arbeitet«—-——-" rbeitet«, erstklasstge Iackettanzlige, Frack. nziige, Smakinganziige, Sehrackanzllge. dlster iu modernen Foemen: Baletoto, Backpaletots. Bauchanzüge, für lebe Figur paffen b. außerdem hochelegant« neu« Earberob«, von«rstllasssgen Schnei» dern gearbeitet,»u staunend billigen Breisea.«elegenheitskäuf«.» Per,. möntelu, Sportpelzen,«ehpelzcn Leih. Haus Lowicki. Prinzeustraße ll». eine Trepp«, �eine Lombardwar«.* «, riech hocheleganter Gesellschaft». Anzüge Leibhau, Lawicki. Prinzen. strafte 106 Zheea Wunsch, gut« SKibel zu br. ssft.n, erfüllen wir, Indem wir zu an- erhärt billigen Preisen, auf beguew- Teiizahlung, gediegen« Speisezimmer Serrenzimmer, Schlafzimmer, Rüchen. Einzelmbbel. Teppich«. Gardinen. Decken, Federbetten lieseeR. Mvabitee Rredithaua, Turmstraß« 81, eine Trepp. Wbhel.Rameeltng, Raftanicnallee 5» «rleichterun«. fduatttiristrurreeritri Pianoa 175,—, 275,—, 425,—, ge- braucht, große Auawahl in neuen; lano- iährige Garantie. Heeer. Beunnen. strafte 181, 1 Trepp«. Ziasencheler Plar Teilzahlung�___ Linlpranaa Übecaus»teumeel. Piano. >obrif Link Brunnenstrift» 35_* Piano,, neu«, van 850� beste Sktotbeiluno, herrlich» Ton fülle, zu hr» Zahlungabeh Wenig getragene Iackettanzitg«. tella »ut Seide. 18,—. Smokinganzüg». Bauch. ehalerftrafte Run» Lomdardwar» jche Figur paffen». Sp zialität: Bauch. anzüg« spottbillig. G> sellschaftsaniüge werHen oerliehen. Palpeta. Aosenthaler. steaft« L L Gtage• Möbel BUdclUutn Mette Kredit nah bat Nübelbazae, Btaft«»»«wähl, kleia« Peeifel Beilpiele: Schlastnmmee 4SI. SprifeztnnMt 845 ' 18 48. 850,-, b _ n stille, zu J günstigsten.Zahlung Sbehingungen Auch »eis Gelegenheiten in wenig gebrauch. ten Piano«. Auch Mietvianv«.. Piano. ladrit Mar Seilet n. Co.. Gertraub lio. strafte 23__'* Sprechmafchinra in neuesten Ausführungen mit nsezüglichet Tonwiedergabe liefert von 28.—. Schrankappaeatl von �93__ zu den bequemsten' Zlatenmhlun. gen. Stets die neuesten Platte naufnah» wen Pianofabrik Mar Seiler u Co. »ertraubtklistraße 23.____* «ußbaampiana, schesarzpefterte 310.—. »erkauft nur an Privat Raliichm.de. Ziheinsbergerstraße 43 KsufgesucKe WS«»«». Brieftnarkrn teuft Groß. mann. Iahannisstrafte 4___ ♦ ffabnaebific. Platinabkälle• Klon. Metalle, Queckstlder Zilberschmrlze. GatblchM'lzerei Cht stionat Rbpenlcker. strafte 38 tchaltrstetle Abalbertstraftei' Verschiedenes «hrenerklärnng. Die gegen Heer» Srhankwirt Joseph Hinzmann, Stralauer Platz 18/13, am 2. Januar auegksprocheiie Veleid gung nehme ich zurück. Aug. ßillnski. �__ veroielliiltigungea. Aerbebriefe. Ber- einsnachrichten, Nundfcheeibeu, Fest. ...... jer Ausfühiung. am So-b-ebahof :fcoibt 6535. Herrenzimmer 268. Spiegelschränk» 113 Aurichtetüchen 75. Rleiderfchränke 48 tzbettstellen 4«. C' 18,«. »nti ____ Monaisratra Riem» .-«t-.b>!!!!e0", 48. Chaiselongues Merali�elistellrn 18. Aufteaelnatragen 13 Soliüioe Mäkel«"-" Teilzahlung autfchl. Raffa-ü abatt« bis zehn Prozent bite bis zwei Jahr». Neukölln, ver. ' 2:«eglt'' „t awnzeari�H�mm Souft.jje MitKal. entlpcechend» Preite irer. Woihenraten Anzahlungen Irozeni R re. Neukölln. 6 mannpla» 7:.Steglt» Schlsftstrafte 107. Belle. Allianee�traß» 36. lUtergrim». B-hndoi________• Patentmatratzen.Primirssmo". Metall- betten, Auflegematratzen. Chaiselongues. Walter. Stargnrberjirafte achtzehn. Rein Laden________.______* Möbel«öknberiL Od, rbauw strafte 1 Neftrt zu äußerst billigen. Preisen Schlaf., Speise-, Herrenzimmer. Rüchen. Ankleibpschränke, Bettstrlle» sowie Sin. zelmSbel. Weitgehendste gahlnngaer. leichterun«. zeitungen, in sorgfältig! Crnst, Dänenstraft» 5(a blordring). Anruf: Huml VcFgeUgengce. Colrbr'-Säl«. Schöueber,. Martin. Luther.Sltafte 89. täglich, g, efter Mo». tag» unk Dienstags, araßer Ball her reiteren Zugpnb'» ttrdeitsmsrkt Zte-UensrigQösk«: te Im anil Our Lokalredakteur ab 1 April IBr die sozialdeTio- ■ raösche Ta esze tung m Trier gesucht Nut Parteimitglieder Kommen in Frage.— Bewerbungen milN ch- W»i5 dl heriger. Tätigkeit nnd selbst geschrieb. Arbeiten m iahten an fiesdistt(lettirni«er Trier, BUerilr«»« 2« Unterhaltung unö Missen GomlaSeuö S. Februar 4929 3)as Opfer des SiexendoMors Sine JUaska-Sra&hlung von gack Xondon 5» fefn« in Mit niäfien Togen rrfcheinenM» aooeBatfeaitmlnn« ..® 1 in a t b" brwzt Zock P/mion«ine Rech« ras«rzSblsszen an» Plasia, in denen im Gegensatz M seinen srnftigen Geschichies di« Fron stari in den Bardergeund tritt. Mit Krlonbni» de» llniversita»>Ler» lag». Berlin, bringe» wir de» folgenden Abschnitt. Em junges?!ndianermädck>en warf die Schneeschuhe od und ließ die Kapuze ihrer Parka aus Eichhörnchenfell zurückgleiten,.�itchcock machte neben sich auf dem Schlitten Platz, „Nun. wie geht es, Sifsu?' fragte et.„Ist der Hunger immer nacks groß im Lager? Und hat der Hexendaktor jetzt herausgefunden. moa schuld daran ist, daß es so wenig Wild mtd gar keine Renn« tiere im Land gibt?" ,�ia. gewiß! Es gibt mir wenig Wild, und wir werden bald die Hunde essen. Und der.Hexendoktor bat auch herausgefunden. laos der Grund all dieses Unglücks ist, und morgen will er ein Opfer bringen und das Lager reinigen.' „Und was wird das Opfer sein?— ein neugeborenes Kind oder ein altes armes und schwaches Indianerweib, da» dem Stamm .zur Last fällt und für das es das beste wäre, zu sterben 7' „Nein, so ging es nicht, denn die Not ist groß und«rstuÄert große Opfer— er wählte keine geringere als die Tochter des Häupt- Ungs, keine geringere als mich, Sipsu.' „Donnerwetter!" Das Wort kam ganz langsam über Hstchcocks Lippen, aber mit einer Fülle und Tief«, die zeigt«, wie erstaunt und bekümmert er war. „Und deshalb stehen wir jetzt, wo die Wege sich trennen, du und ich»" fuhr sie mit großer Nub« fort,„mtd ich bin gekommen, daß wir uns noch einmal sehen können— zum letztenmal!"... Ein Mann kroch bäuchlings durch den Schnoe. Au allen Seiten erhoben sich die Elchhautzglte im Lager. Hin und wieder heulte ein elender Hund, oder knurrte boshaft seinen Nochbar an. Einmal näherte sich einer von ihnen dem kriechenden Mann, aber der Mann blieb unbeweglich liegen. Der Hund kam näher und schnüffelte, er kam noch näher und schnüffelte wieder, und dann noch etwas näher, bis seine Schnauze de» seltsamen Gegenstand teröhrlc, der nicht dagewesen war. Iiis es dunkel wurde. Da erhob sich Hitchcock plötzlich und griff mit seiner unbehandschuhten Hand nach der zottigen Kehle des Hundes. Und dieser Griff war der Tod für den Hund, und Äs der Wann weiterging, lag er mit gebrochenem Genick unter den Sternen. Auf diese Weis« erreichte Hitchcock das Zelt de» Häuptlings. Irr lag lange draußen im Schnee, auf die Stimmen der Pswohner lauschend, und versucht« herauszubekommen, wo Sipsu war. Es befand«» sich offenbar viele Menschen im Zelt, und nach ihren Stimmen, z» urteilen wareu sie sehr qrvegt... �___. Schließlich hörte er die Stimme des jungen Mädchens, und er kroch dem Geräusch nach, bis wir noch die Elchhaut sich zwischen ihnen befand. Da grub er sich in den Schnee hinein und arbeitete sich longsam mst Kopf und Schullern ins Zelt. Als ihm die warme Lust driimen entgegenschlug, wartete er. und so blieb er liegen, die Beine, und den größten Teil des Körpers außerhalb des Zeltes. Auf seiner ein«! Seste log ein Packen Felle. Er konnte es riechen, be- iühste sie aber sorgfältig, um seiner Sache sicher zu sein. Auf seiner anderen Seite berührte sein Gesicht ein Pelzkleid, das, wie er wußte, einen menschlich«! Körper umschloß. Das mußte Sipsu sein. Er wünschte, daß sie etwas sagen sollte, entschloß sich aber doch, einen Versuch zu wagen. Er kannte den Häuptling und den Hexcndoktor laut miteinander reden hören, und in einem Winkel des Zeltes weint« ein hungriges Kind sich in den Schlaf. Er drehte sich auf die Seite und hob vorsichtig deu Kopf, aber so, daß er immer nach gerade das Pelzkleid berührte. Er lauschte aus den Atem. Es war der Atem eines Weibes, er wollte es wagen. Er drückte sich simst. ober fest an sie und fiihlte, wie sie bei der Berührung zusammenfuhr. Dann wartete er wieder, bis eine untersuchende Hand auf seinen.Kopf glitt und auf seinen Locken ruht«. Im nächsten Augenblick wandte die Hand sein Gesicht sanft empor, und er sah in Sipsu» Augen. Sie war vollkommen ruhig,«sie wechselte wie zufällig die Stel- lung und legte den Ellenbogen aus den Fellpacken, stützte sich darauf und breitete ihre Parka aus. So war er vollkommen versteckt. Und dann, immer Noch, als wäre es der reine Zufall, beugte sie sich zu ihm hinüber, daß er zwischen ihrem Arm und ihrer Brust atmen konnte, und wenn sie jetzt den Kopf beugte, lag ihr Ohr gerade an seinen Lippen. „Wenn du kannst— so geh'." flüsterte er.„Geh' weg vom Zell und über den Schnee zu der Birkengruppe, die dort steht, wo der Bach eine Biegung macht. Dort wirst du meine Hunde und meinen Schlitten finden. Heute, nacht werden wir zum Viiko» ziehen, und da wir schnell reisen müssen, sollst du alle Hunde, die dir in die Nähe kommen, am Nacken packen und zum Schlitten schleppen, dorthin, wo der Bach eine Biegung macht." Sipsu schüttelte abwehrend den Kopf, aber ihre Augen leuchte- ten vor Freude, sie war stolz, daß dieser Mann ihr so große Gunst erwies. Wie alle Frauen ihrer Nasse war sie dazu erzogen, d«n Willen des Mannes zu gehorchen, und als Hitchcock fein„Geh!" wiederhoste, tat er es gebieterisch, und, obwohl sie nicht antwortet«, wußte er. daß sein Will« ihr Gesetz war. Eine halbe Stunde später, als er neben dem Schlitten saß, sich die Füße vertrat und die Arme schwang, sah er sie kommen, einen widerstrebenden Hund an jeder Hand. Als sie sich näherte, wurden feine eigenen Hunde unruhig, aber er traktierte sie mst d«n Peitschen. schaff, bis sie ruhig wurden. Er haste sich dem Lager gegen den Wind genähert und fürchtete am meisten, daß das Geräusch seine Anwesenheit verraten würde. „Seile sie an." befahl er» als sie dem zweiten Hund dos Geschirr angelegt haste.„Ich will, daß meine Lesthunde vorangehen." Als sie e» aber getan haste, warfen sich die oerdrängten Tiere über die fremden. Obwohl Hitchcock sich mst seinem Büchsenkolben dazwischerffturzte, gab es doch einen furchtbar«! Spektakel, der über das schlafende Lager hallt«. .Letzt kriegen wir Hundt— und das ist ein wahrer Segen Gottes." sagte er barsch, indem er eine Axt vom Schlistev nahm. „Schirr' on, was ich dir hinwerfe und schütze da? Gespann/' Er trat einen Schritt vor und wartete zwischen zwei Kiefern. Die Hund« im Lager zerstörten die Ruhe der Nacht mst Heulen und Lärmen, und er war daraus vorberestet, sie zu empfangen, wenn sie tmum Est, fcipwr Fleck, der größer wurde, nahm feste Farm an ans der weißen Schneedecke mst ihren undeutlichen Kon- ölten. Es war der Vorläufer des Koppels, der mst langen Sprüngen angesetzt kam, während er nach Wolssart seinen Brüdern Befehle erteilte. Hitchcock stand im Schatten. Als der Hund vorbeisprang, streckte er die Arme aus, packte ihn misten im Sprunge an den Barderbeinen und wirbelle ihn zu Boden. Dann versetzte er ihm einen wohlgezielten Schlag hinter das Ohr und warf ihn Sipsu zu. Und wahrend sie dem Hunde schnell das Geschirr anlegte, bewachte er mit der Axt die Passage zwischen den Bäumen, bis ein zostiger Strom von weißen Zähnen und funkelnden Augen in Rsichweste vorbeischoß. Sipsu arbestete schnell. Als sie fertig war, sprang er vor, griff und betäubte noch einen und warf ihn ihr hinüber. Das wiederholt« er noch dreimal, und als der Schltsten endlich mst einem Gespann von zehn knurrenden Hunden dastand, rief er:„Genug!" Aber in diesem Augenblick durchwatete ein junger Indianer,«in schnellfüßiger Vorläufer des Stammes, die Hundeschar und versuchte sich mit Schlägen nach rechts und. links durchzudrängen. Hstchcocks Büchsentoldeii zwang ihn ins Knie, und er taumelle seitwärts zu Boden. Der Hexendoktor, der sehr schnell lief, sah den Schlag fallen. Hitchcock rief Sipsu zu, daß sie losfahren sollte. Bei ihrem schrillen„Mukh!" schössen die rasenden Tiere vorwärts, und sie blieb mit Mühe und Not auf dem Schliste» sitzen, der schrecklich rumpelte. Di« höheren Mächte waren offenbar zornig auf den Hexendoktor, denn gerade in diesem Augenblick schickten sü? ihm den Schlitten in den Weg. Der Leithund kollidierte mst seinem Schneeschuh, er fiel, und die neun Hund«, die hinterher kamen, traten ihn unter ihre Füße, worauf der Schlitten über ihn hinwegrumpelte. Aber er kam schnell wieder auf die Beine, und die Nacht wäre nielleicht ganz anders verlaufen, hätte Sipsti sich nicht umgedreht und ihn mst der langen Hundepeitsche quer über die Augen geschlagen, daß er ganz geblendet war. Hstchcock, der sie einzuholen eilt«, stieß mst ihm zu- sammen, wie er schwankend und schmerzverzerrt misten auf der Schlistenspur stand. So ging es zu, daß der primitive Theologe, als er das Zell des Häuptlings wieder erreichte, viel klüger geworden mar in bezug auf die Fäuste des weißen Mannes und die Kraft, die in ihnen wohnte. Und die Folge war. daß er, als er in der Ratsver- jammlung eine Nede hielt, aiff alle weißen Männer sehr auf- gebracht war. M. Messe, tlcir york: Die Kokosimß ist mehr als ein« gelegentliche Delikatesse, s« oa roh oder in Form van Kuchen, Torte oder Bonbons. In vielen Länder« verdanken die Bewohner der Kokospalme ihre meisten Bedarfsartikel: Nahrung und Getränk, Kleider und Dehcmsung. In manchen Gebieten der Süds«« bildet die Kokosnuß die Hauptnahrung. Gewöhnlich wird die Frucht vor der Reif« gegessen. Die wässerige Flüssigkeit oder die Milch der Frucht wird getrunken, und der Saft des Bmmles, den man gewinnt, indem man ein iitv erschlossenes Blütenbüschel aufschneidet, wird eingekocht zu Zucker und zu Palmwein gegoren. Die Blätter werden bemitzt, um das Dach der Hüsten zu decken. Nippen und Streifen der Palmblätter werden zu Körben und anderen Gegenständen geflacht« v. Aus der Schale werden Schüsseln und zuweilen ver.zierte Gegenstände hergestellt. Melaneser schnitzen und polieren die Schale. Gewisse Bewohner der Südsce bedienen sich hungriger Garnelen. um aus der Kokosnuß eine Flasche zu machen. Sie öffnen die Augen der Nuß und legen dies« in Gewässer, in denen ein« kleine Art Garnelen lebt. Die Garnelen dringen in das Inner« sin und verzehren das Fleisch der Frucht— die Flasche ist serstg. Einige Stämme reiben sich zur Verschönerung am ganzen Leibe mst Kokosöl ein. Der Amerikaner SLiney E. Farwell machte«in Vermögen aus Kokosnüssen. Auf seinen Reisen in den Tropen hatte er beobachtet, daß ein Eingeborener in Porto Rico mit einem Dutzend Bäumen im Hose wirtschaftlich unabbängig ist. So ließ er denn in Panama zweilaufend Acker Dschungel ausroden, pflanzte Kokospalmen und nutzte die zwanzig Fuß hohe Mecresflut, um die Bäume zweimal täglich zu bewässern. Zu die sein Zwecke ließ er vierzig Meilen Gräben ausheben, baut« 32 Brücken, und legte eine gute Straße an, sowie eine modern eingerichtete Siedlung für 100 bis 300 Personen. So besitzt er denn heute an der Motijo-Boi 111000 Kokospalmen, mir zehn Münllen'Fahrt im Ruderboot von dem Seeverkehr von und zum Panamakanal. Farwell besitzt die größte Kokospflanzung auf dem amerikanischen Kontinent. ..Obwohl die ZVelterzengung an Kokosnüssen jährlich zehn Milliarden Stück beträgt." erklärt Farwell,„so ist doch keine Nuß zu viel da, nicht infolge der Nachfrage zu Eßzwecken, sondern wegen des Oels, das aus dem Fleffch der Frucht ausgepreßt wird. Die Kokosnuß besitzt das reichste bekannte Fest und fft sehr ver- daulich. In Biskuits oder gesalzenen Erdmissen nimmt man Kokosöl zu sich, ebenso in Kuchen und Bonbons. Es wird bei der Her- stellung von Seife verwendet. Die Dänen führen ihre Rahmbutter aus und beziehen Kokosöl, um Margarme für den eigenen Gebrauch herzustellen. Ist das Oe! ausgepreßt, so bildet der Rest ein gutes Futter für Rindvieh und Geflügel. Es fft das beste bekannte Msttel, um die Milch und Eiererzeugung zu heben. Kokosnuß und Kühe stehen im gleichen Verhältnis wie Mai« und Schweine. Die Gewinnung von Kokoeöl fft so bedeutend, daß sie fast alle anderen Tropenindustrien in den Schatten stellt. Jedes Teilchen der Kokosnuß wird zu Geld gemacht. Die Kokoszucht stellt die sicherst« Form der Landwirtschaft dar. Di« Bäume werden gepflanzt, indem man die Nuß in die Erde steckt. Auf das Wie kommt es wenig an. denn sie keimt immer. Nach dem Regen schwillt eins der Augen an, und Baum und Wurzeln entwickeln sich aus diesem Auge. Wenn die Bäume ein gutes Wachstum ausweisen� wenden sie in Abständen von neun Meter in Reihen gepflanzt. Jede Kokospalme saugt täglich über zwanzig Liter Salzwasser auf. Die Bäume tragen gewöhnlich nach sieben Iahren und haben extf. Lebensdauer wa hundert Jahre». Jeder Lau» bringt jährlich Stiesenlokomoti Vor kurzem wurde von den nsterreichsschon Bundesbahnen auf der Strecke Wien— Salzburg die stärkste Lokomotioe des Kontinents in Betrieb genommen. Sie besitzt 3000 O?. und cutmickelt eine Stundengeschwindigkest von 110 Kilometer. Ein« der größten Loko- motiven ist die von einer deutschen Firma für die Südafrikanffchen Bahnen erbaute mit drei Zylindern, 10 angetriebenen und vier Lauf- rädern, einem Gewicht von 120 Tonnen, die 74 Waggons von 1800 Tonnen Gewicht über die Steigungen hinwegbringt. Als Neukon- struttion seien noch die Hochdruckdompflokomotiven ermähnt, die sehr ökonomisch arbesten und rasch ongehsizt sind. In Amerika wurde eine Lokomottn« für 42 Atmosphären Druck gebaut, bei der bei Heber-, schreitung dieses Druckes die Oelfeuerung non selbst erlischt und eben- so automatisch bei Drucknochlah wieder in Betrieb kommt. In der Schweiz wurde sogar eine für einen Betriebsdruck von 00 Atmo- sphären und eine Leistung von maximal ISOO PS. hergestellt. Krupp erzeugt riesige Turdinenlokomotioen, die einen des anderen lieber. setzimgswechanismüs zur Umwandlung der raschen Geschwindigkeit der Turbinenlaufräder in die langsame der Fahrräder benötigen. Da der Dampfverbrauch ein sehr graßer ist, wurde zur Verminderung der mitzuführenden Wassermengen der Tender als Kühlwagen aus- gebaut, in dem der Dampf ständig wieder in Wasser zurückverwandelt wird. Eine andere nach dem System Garrast erbaute Lokomotive hat eine Länge von. 23,6 Metern zwischen den Puffern, der Kessel liegt auf einer Art Brückenwagen zwischen zwei kleineren Wagen. die den Bewegungsmechanismus tragen. Diese Bauart nimmt be- sonders Rücksicht auf die engen Krümmungen und die geringe Belasstmgmöglichkest je Achse. Wie kompliziert solch« Wunderwerke der Technik zusammen- gesetzt sind» zeigt der Umstand, daß die von Borsig erbaute Lok»- motive 1 E 1 3424 verschiedene Teile enthält, wobei unzählig« gleichartige nur einmal gezählt wurden. Eine in Amerika erbaute Lokomotive enthielt 35863 Teile, die von 70 bis 00 Lieferfirmen stammten, und für die etwa 600 Einzelzeichnungen erforderlich sind. Bemerkenswert sind noch ein für Kolinnbien erbauter Dampftriebmagen. der aus einer kleinen Lokomotive und dem Waggon in einem Stück besteht, und ein ähnlicher, in dem der II Meter hohe Kessel unmittelbar im Waggon untergebracht fft. Man nermendet die verschiedensten Antriebsmöglichkesten, Dampf, Elektrizität, Treiböl allein oder in Verbindung miteinander. Sehr gelltäuchlich sind Lakomostven. in denen«in Dieselmotor eine elektrisch« Dynmnmnaschine antreibt. die wiederum den Fahrstrom liefert. So wurde jetzt für den Betrieb in den wasserlosen Steppen Rußlands«ine ungeheure Maschine von 1300 PS, dieser Bauart in Austrog gegeben. 3>ie giohosnuß etwa dreizehn Büschel hervor, und jedes.Büschel besteht' aüs sechs bis merundzwanzig Nüssen. Nüsse in jedem Stadium finden sich gleichzeitig auf demselben Baum: Knospen, Blüten, junge Früchte und reffe Nüsse. Koknsnüssc werden in verschiedener Form gehandelt. Ganz« Kokosnüsse, wie man sie im Laden sieht, das heißt, ohne«in« dick« äußere Hülle, werden zu Taufenden verkauft. Das getrocknet« Fleisch der Frucht. Kopra genannt, wird tonnenweise abgesetzt. Das halb« Gewicht des ungetrockneten Fruchtfleisches ist Wasser. Eine Tonne getrockneten Fleisches enthält sechzig vom- Hundert reines Oel. Auf ein« Tonn« Kopra entfallen etwa fünftausend Kokosnüsse. Vier reffe Nüsse ergeben somit ein Pfund Oel. Das Kokosöl kam in Aufnahine, als die großen Viehherden des amerikanffchcn Westens aufgeteilt wurden und Europa sich keinen amerikanischen Speck mehr lefften konnte. Deutschland. Frankreich. Holland und England erinnerten sich da der Feste, die die Eingeborenen in den Tropen gebrauchen, und suchten so viel wie möglich nach Europa ewzuführen. Frankreich fft der größte Verbraucher von Kopra. Farwell Host« die Kokospalme und ihre Frucht«ingehend studiert, bevor er seine Pflanzung anlegt«. Cr haste oll« Bücher darüber studiert, deren er habhaft werden konnte, und hatte Pflanzungen auf beiden Hälften der Erdkugel besucht. Er glaubt« über Küfer und ander« Schädlinge der Kokospalme alles zu wisse». Niemand aber machte ihn auf die Ratten aufmerksam. Dieser Umstand sollte für Farwell«inen Verlust non 23 000 Dollar be- deuten, bevor er die Gefahr abwenden konnte. Die Ratte ist der hinterlistigste und gefährlichste Feind. Abends breiteten die Bäume ihre stolzen Wipfel aus— am anderen Morgen neigten sich Tausende non Bäumen zur Seste. Die Rasten hasten sie Ins'ins Mark angenagt, um sich am saftigen Innern gütlich zu tun. denn wie alle Palmen hat auch die Kokospalme«in saftiges Mark, aus dem sich sogar ein vorzüglicher Salat bereiten läßt. Da den Nagern mst Gift nicht beizukommen war, benutzt«! man de»«Saft des Eativabaumes, ein« klebrige Masse. Tropische Regengüsse aber wuschen sie fort, sobald man sie angebracht hoch«. Da daihte wem on die milden Gummibäume, die zu Hundert- taufenden in der Gegend wuchsen. Man überstrich die Eotinamasse mit dem wasserfesten Gummffaft. und kannte so die Rasten abhalten. Dann wieder fand Farwell in einem Gelände non zwechurchert Acker 27 Ameisennester, von denen«ins einen ganzen Acker einnahm. Als er eines Morgens einem Baum auf einige Fuß nah« kam, sah er einen grünen Regen und hörte, wie die Ameisen Nahrung für den Winter schmtten und hamsterten. Die große rote Ameise s-hneidet einen Halbmond aus dem Blast, und anstatt am Baum herunterzu klettern, läßt sie sich mst dem Blast zur Erde fallen» Zuweilen schleppt sie ihre Last zwei Kilometer weit Es wurden nun acht Fuß lang« Grube» von sechs bis siebe» Fuß Tief« gegraben, und zwar an den dichtesten Stetten des Restes. und nahe beieinander. Dann wurde Holz hineingeworfen, mst Petroleum begossen und angesteckt. Das Ganze wurde mst Blech abgedeckt. So kamen dl« Ameisen M Myriaden um. Eine Gesellschaft zur Rettung der waljischq. An der John, Hopkins-Unwersität in Baltimore hat sich«ine Gesellschaft von Natur» Wissenschaftlern gebildet, deren Zweck ein« Aufklärung de» breiten Publikums.zum Kampfe gegen die Ausrattung der Wolfisch« ist. Der Gesellschaft sind führende Persönlichkesten des öffentlichen Leben? in Amerika, Politiker, Schriftsteller und Vertreter der Wissenschaften schon in den ersten Wochen ihres Bestehens beifletrete», Mshr als i Milliarde Llmsah. Oer Zeu-ralverband deutscher Konsumvereine. Vi? jehi abgeschlossene Umsatzstallftik bes Zeakralverbande» beut. scher Lonsumocreiae zeigt eine Steigerung der Umsätze von S£ 1,! 0 ZCinionen Mark im Zahre i927 auf 1045.96 Znilllouen Mark im Zahre 1928. Der Mehrumsatz betrug also 164,185 Ml. lionee Mark oder 18,7 Vroz. Kirchenanleihen im Ausland. Lede dritte AuSlandSemission eiue Kirchenanleihe. Die Unterbringung zahlreicher deutscher Airchenanleihen an den ausländischen Kapitalmärlten hat im vergangenen Jahre mit Recht zu einer scharfen Verurteilung einer Ülmcihepvlitik Veranlassung gegeben, die die Aommunalwirtschast hinsichrbch der Aapitalauiimhms im Auslände sehr hemmt, kirchlichen Auslo ndsem! ssionen. deren pro- duktivc Zwecke zumeist nicht ersichtlich sind,' dagegen kein« Beschrän- kungen auferlegt. Die•Entwicklung der Emissionstätigkeit kirchlicher Institutionen an den Kapitalmärkten ist deshalb von Znteresie. 3m vergangenen Jahre war jede dritte Auslartdsemission eine Kirchenanleihe. Es handelt sich jedoch fast durchweg um sehr kleine Anleihebeträge. Don dem Gesamtbetrag der im Jahre 1928 aufgenommenen Ausländsanleihen entfielen daher nur 2 Proz. auf Kircheuemissionen. Insgesamt sind im abgelaufenen Jahre 39 Sluslandsanleihen in .Vjöhe don zusammen rund 3 3 Millionen Mark zugunsten kirchlicher Institutionen begeben wordem Darunter besuchet sich eine größer« Anleih«, bi« im Betrage von 3 Mllltonen Dollar am amerikanischen Kapitalmarkt untergebracht worden ist. Die anderen 38 Anleihen sind in chvlland placiert worden. Sie stellen zusammen einei, Nominalbetrag von 1153.5000 Gulden dar, so daß aus jede dieser Anleihen ein Durchschnittsbetrag von 303 553 Gulden entfällt. Obgleich die Gesamtsumme der in Holland unter- gebrachten deutschen Kirchenanleihe» ein« verhältnismäßig beträchtliche Zunahme gegenüber 1927 aufzuweisen hat, ist im Verlauf des letzten 3ahres ein merkliches Abflauen der Emissionstätigkeit fest- zustellen. Auch die Bedingungen der Kirchenanlcihen haben sich, wie nachstehende Tabelle erkennen läßt, etwas verschlechtert. 1. Quartal. 2... 5.'; AnzaSl der ■2üu«;l)«n 1« 10 7 *5 Brlrog in Süll»» 4 375 000 2 745 000 2 355 000 2060000 7>urck>lnittlich»r ZinssaS(£mlifisn«(ucs 7.1 993 7,1 S9.Z 7,2 97,3 7,0 98.0 Die Louszeit der Anleihen beträgt im Durchschnitt etwa IS Jahre. Und zwar ergibt sich für die im ersten Quartal aufgenommenen Kirchenanleihen eine durchschnittliche Laufzeit mm 17'/?, im zweiten 16, im drillen 13'- und im vierten Quartal von 14 Jahren. Volkswirtschaftlich sind die Kirchenonleihen nicht unbedenklich. Sie sind meist teuer und verteuern den Kredit überhaupt. Sie beunruhige» den Markt wegen ihrer großen Zahl und zugleich Gering- sü gigkell. Vor allem sind sie ärgerlich, weil sie der deutlichste Bc- mei» sind, daß in Deutschland bei Auslandsanleihen mit zweierlei Maß gemessen wird. Weiße Woche— ein Erfolg! 3m Gegensatz ,511 den Jnoenturausverkälsten, mit denen nur ein mäßiger Absatz erzielt werden konnte, ist für die Weiße Woche ein glatter Erfolg zu verzeichnen. Die Veranstalter sind durchweg auf ihre kosten gekommen, und die stark verringerten Läger dürften der Industrie, insbesondere her Lcincnindustrie, starke Anregung geben. Di« Beteiligung beschränkte sich diesmal durchweg auf die großen Geschäft« und die Warenhäuser. An sich besteht in der Geschäftswell ein Streit über die Notwendigkeit der Weißen Woche. Große Kreis« mendcn sich dagegen und begründen ihre Gegnerschost mit den starken Reklameauswendungen usw. Andererseits muß man anerkennen, daß in der Fabrikation und im Großhandel immer groß« Warenposten, sogenannte Gelegenhellsware. herumschwimmen, die man zweckmäßig durch Sonderveranstallungen an die Kunden bringt. Nach alter Auffassung soll diese Gelegcnheitsware billiger angeboten werden. Wenn das der Fall wäre, ist der Sonderverkaus berechtigt und erwünscht, denn die Preisverbilligung der Gelcgenheitswar« muß natürlich auf das allgemeine Preisniveau drücken. Aber wieviel Gelegenheitswar« wird heute in den Sonderverkaufs- Veranstaltungen noch angeboten? Sehr wenig, durchweg haben sich die Verkäufer darauf eingestellt, für die Jnventurverkäufe und die Weißen Wochen Extraware zu bestellen. Bei der diesmaligen Weißen Woche siel auf, daß besonders Qualitätsware- gekauft wurde. Gsrmgare Qualitäten gingen so gut wie gar nicht. Da» ist von besonderem Interesse. Es zeigt sich darin doch nur, wi« stark die Kaufkraft der Massen heute dezimiert ist. Weiter geht daraus hervor, daß die Ein- komme nsver hällnisie der bemittelten Schichten dagegen so gut wie gar nicht gestört sind. Di« Erschütterung der Konjunktur scheint auch diesmal ausschließlich zu Lasten der breiten Massen fiu gehen. Kommunale Gasfernversorgung. Neue Ausdehnung der Südwestdeutschen Gas A.-S. Die Südwestdeutsche Gas A.-G., die von Frankfurt und Manä- hei« geführt wird und um die sich die kommunale südwestdemsch« Gasfernversorgung gruppieren wird, meldet neue Erfolge. Noch einer Meldung aus Frankfurt haben d* Städte Ludwigshafen und Pforzheim endgültig ihren Anschluß an die Südwestdeutschc Gas befchtoflen, und auch der Stadtrat von Heidelberg bedarf nur noch der Zustimmung des Vürgerausjchusies, um den endgültigen Beitritt anzumelden. Damit umfaßt die Gemeinschaft jetzt die Städte Frankfurt, Mannheim, Karlsruh«. Ludwigshofen« Heidelberg und Pforzheim: der Beitritt weiterer süd« deutscher Stadt« wird in den nächsten Wochen erfolgen. Die Mühlengemeinschafi Scheuer«Ostwerte. Di« Scheuer- Gruppe, deren Mehrheit sich in den Händen der Preußenkasse befindet, hell setzt mit dem Ostwerke-Konzern, der die schlesische Mühlenindustric fast restlos beherrscht, ein Abkommen über ein gemeinsames Arbeitsprogramm obgeschloflen, das eine enge Interesiengemeinschait dieser beiden großen Gruppen zur Folge hat. Die Arbeitsteilung ist so gedacht, daß der Scheuer. Gruppe das Geschäft mit Brotgetreide vorbehalten bleibt, während die Ostwerte das Kraftfutter und Futterge- trcidegefchäft übernehmen. Gtahlkonzern Paul Rohde. Vom Äeiatlhändler zum Gchwemtdustriellen. Vor zwei Jahren noch war der damalige Metallhändler Paul Rohd« für die Oeffentlichkeit«in unbeschriebenes Blall. Ader wie vor einem Jahrzehnt der Schrotthändler Otto Wolfs mit Hilf« riesiger Kriegsgewinne überraschend schnell zum einsluß- reichen Schwerindustriellen avanciert«, gelang es Paul Rohde gleichfalls in kurzer Zell, in der Stahlindustrie Fuß zu fafssn und von dieser Grundlage aus seinen Einfluß aus eine große Anzahl Maschinen- und eisenverarbeitender Fabriken auszudehnen. Heute sitzt Rohde bereits im Auffichtsrat von zwanzig Unterneh- men, wobei er in fünf Gesellschaften den Posten des Lorsitzenden inne hat. Der Grundgedanke des Rohdeschen Konzernausbaus ist sehr«in- fach. Um seine Stahlwerke, die teils im Westen— in Gelsenkirchen, Annen und Haspe— siegen, teils in Mitteldeutschland, wo Rohd« mll Otto Woltf zusammen die Sächsischen Gußstahlwerke in Döhlen bc- herrscht, gruppierr er ein« Reih« Fahrrad-, Nähmaschinen- und andere Maschinenfabriken, die seinen Stahlwerten einen sicheren Absatz garantieren. Sein letzter Vorstoß war aus die K u g e l- lager-Industri« gerichtet, die als Berarbeiter von Gußstahl ein Liesermonopol für die Automobil-, Fahrrad- und Spezial- Maschinenindustrie besitzt. Hier gelang es ihm mit der Schweinsurtcr Kugellagersabrit Ftchtelu. Sachs im Laute des Jahres 1927 zu- sammen die Aktienmehrheit der Deutschen Gußstahltugcl- und Mo schinensabrik Fries u. Höpflinger in Schweinsiirt zu crwerben und »inen Platz im Aussichtsrat dieses Unternehmens, das annähernd 3009 Mann beschäftigt, zu erhallen. Die Festsetzung im Zentrum der deutschen Kugellagerindustrie, die scharf kartelliert ist, wird für die weitere Entwicklung des Rohde-Konzerns noch große Bedeutung gewinnen. Jetzt hat die Rohde-Gruppe die Abschlüsse ihrer wichtigsten Stahlwerke, der Rheinisch-Westsälischen Stahlwerke in Geilenkirchen und der Annener Gußstahlwerke, veröffentlicht. Dieie Werke, die 1926 aus dem Zusammenbruch des S t u m m- K 0 n z e r n s erworben und einer scharfen finanziellen Sanierung unterzogen wurden, sind jetzt hochrentabl« Betriebe. Schon im letzten Jahr kannte für das Betriebsjahr 1926/27 bei dem Aelsenkirchsner Unter- nehmen eine Dividende von 8 Proz. gezohll werden. Eine gleich hohe Dividende schüttete auch das Annener Gußstahl« wert aus. In dem Betriebsjahr 1927/28 konnten die Brutto- gewinne bei dem Gelsenkirchener Wert van 3/) auf 3,6 Millionen Mark und bei Annen von 0,67 aus 0,89 Millionen Mark erhöht werden. Die Dividende bei Gelsenrirchen wird wegen erhöhter Abschreibungen und Unkosten wieder auf 8 Proz. festgesetzt, während Gußstahlwerk Annen die Aktionärgewinne von 8 auf 10 Proz. heraussetzt. Im Interesse der ösientlichen Berichterstattung ist es ersreulich. daß auf der Generalversammlung die Entwicklung der Betriebe ein- gehend beleuchtet wurde, so daß sich ein guter Vergleich mit den letzten Geschäftsjahren ergibt. Die Umsähe des Slahlkonzerav stiegen seit 1924/25 ununterbrochen von 34 aus 35.2 Millionen, insgesamt also um 50 Prozent. Bei dem Annener Werk haben sie sich mll 5,4 Millionen sogar rund verdoppelt. Während die Stahl- crzeugung von 131 000 aus 133 000 Tonnen stieg, verringerte sich in- solge der Rmionalisierungsmaßnahmen die Zahl der Belegschaft um rund 13 Proz. ous 2799 Mann. Die gestiegenen Leistungen der Be- legschast kommen darin zum Ausdruck, daß die Stahlerzeugung je Kopf von 4330 auf 4770 Silogramm gewachsen ist. Wir stellen mit Befriedigung fest, daß der Lorsitzende auf der Generalversammlung, der im letzten Jahre noch in schä rister Form gegen die Verkürzung der Arbeitszeit und die Erhöhung der Löhne polemisiert hatte, auf der gestrigen Sitzung ausdrücklich die große Arbeilssreudigseik der Belegschaft hervorhob. Also auch in Unter nehmerkreisen scheint sich die Erkenntnis— wenn auch reichlich spät — Bahn zu brechen, daß mll der Einführung des Dreischichten- Systems der Arbeitsintensität nur gedient ist.— Im lausenden Geschäftsjahr hat nach kurzer Senkung des BeschSittgungsgrades der Auftragseingang zurzeit wieder zugenommen, so daß die Werke auf Monate hinaus gut beschäftigt sind. Wenn auch von der günstigen Loge dieses Konzerns nicht auf die gesamte Eisenindustrie geschloffen werden kann, so geht doch aus den verschiedenen Einzelberichten und den letzten Mitteilungen vom Eisenmarkt hervor, daß die Eisenkonsunttur— abgesehen von den Einflüssen der Frostperiod«—- ihre bemerkenswerte Widerstandsfähigkell behalten hat. Da die verringerte Nachfrage des Inlandes durch verstärkte Ausfuhr ausgeglichen werden kannte, ist die Lag« der Stahlindustrie zurzeit als durchaus st abil anzusehen. B-e. Die Schulze- Delitzsch- Organisationen. Der Gesamtbestand der Schulze- Delitzsch- De- nossenschaften belief sich am Jahresende 1928 auf 52 438 Genossenschaften aller Art. Einer Neucrrichtung von insgesamt 1592 Genoffenschasien stehen 1356 Auslösungen gegenüber. Die stärkste Gruppe bilden die Kreditgenossenschaften, deren Zahl in Stadt und Land'22400 beträgt. Bei den Hand- w« r k e r genoffenschastan gingen die Auflösungen um etwa 50 Proz. zurück, während die Neugrürtdungen sich aus der Höh« des Vorjahres hielten Der Gesamtbestand beträgt jetzt 1800. Einen andauernden Aufstieg zeigen die Genoffenschaften der Baichandwerker und des Baugewelbcs. Die Baugenossenschaften konnten ihren Bestand aus 4132 vengrößern, wobei in Rheinland-Westfalen der stärkste Zugang zu verzeichnen ist. In den landwirtschaftlichen Genossen- schasten erfolgten 829 Neugründungen gegen 429 Auslösungen. Den Hauptanteil an den Neugründungen haben Molkereigenoffenschasten. Gchwerindustrielle Großpleite in England. Die Sanierung eines Ziüstungstonzerns. Der englische Montankonzern?l r m st r 0 n g- Withwvrth befindet sich, wi« wir schon kürzlich mitteilten, in derartigen finan- ziellen Schwierigkeiten, daß eine scharle Sanierung zur Derhin- derung des Konkurses nicht mehr zu umgehen war. Der Konzern, der seine Rüstungsbctrieb« vor einiger Zell mit dem zweiten großen Rüstungskonzern in England, der Dickers- Grupp«, verschmolzen hatte, hat jetzt sein Sanierungs- Programm verösfenllicht, das bei den Aktionären und Großgläubigern wenig Freude erregen wird. Während dos gesamte Kapital etwas über 200 Millionen Mark betrögt, zu dein allerdings noch 300 Mil- livnen Mark ausgegebene Schuldverschreibungen hinzukommen, sollen Abschreibungen in Höhe von mehr als 280 Millionen vor- genommen werden. Das würde bedeuten, daß nicht nur das gesamte Kapllal verloren wäre, sondern daß die Aktionäre darüber hinaus noch etwas zuzahlen können. Durch das Entgegenkommen der Hauptgläubiger, in erster Linie der. Bank von England, werden jedoch auf die Schuldverschreibungen gleichfalls hohe Abschreibungen vor genommen, so daß den Aktionären«me, wenn auch kleine Quote ihres srüheren Kapttals verbleibt. Die Bank von England muß bei diesem Geschäft aller« ding? gehörig bluten, denn sie hat sich damit einverstanden erklärt, Ihr« Schuldverschreibungen im Werte von 96 Millionen Mark gegen neue Aktien des Unternehmen» innzuiouschen. die nur einen Wert von 60 Millionen darstellen. Für die Bank von England er- gibt sich also emrunderVerlust von 30 Millionen. In welchem Maße die großen englischen Privatbanken van diesem finanziellen Zusammenbruch«Ines der stärksten Stahl- kvnzerne Englands betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Es ist auch noch nicht sicher, ob das englisch« Bantkapital sich bereit er- klären wird, an der Reorganisation der britischen Montanindustrie maßgebend teilzunehmen, wie ihr dies von der Schwerindustrie an- geboten wurde Eine englische Lusthansa. Ader mit miUlärischem H atergnmt». England hat bisher sich ehrlich bemüht, eine leistungsfähige Luft- strellmacht zu schaffen. Aber der englische Lustfahrtminister Sir Samuel Hoare scheint doch zu empfinden, daß die französische Lust- flrite der englischen überlegen sei. Er sucht nach Wegen, da» zu än- dem. und er glaubt sein Ziel auf die Dauer dadurch am besten zu er- reichen, daß er den Fluggedanten in England wirtsam propagiert. England hatte bisher für da» Inselreich im großen und ganzen über« Haupt noch keinen organisierten Luftverkehr. Die von der englischen Regierung unterstützt« Imperial Airways Company ist eine Gesell- lchaft, die große Strecken befliegt, sich aber bisher wenig um die Er- schließung des innercnglischen Flugverkehrs gekümmert hat. An diese Erschließung will Sir Samuel Hoare nun gehen. Es soll eine neue private Fluggesellschaft gegründet ««den. die von der englischen Regierung erhebliche Subventionen bekommt. Die Subventionen richten sich nach d« Zahl der van dieser Gesellschaft ausgebildeten Flugzeugführer. Für jeden aus» gebildeten Privat- oder Berufsführer zahlt die Rv- gicrung die ersten drei Jahre einen Zuschuß van 200 M. Die Ge- sellschast verpflichtet sich, in dieser Zell 23 neue Flugplätze und SO neue kleinere Landungsplätze in England zv errichten. Die Gesellschaft, deren Kapital zunächst 10 Millionen Marl betragt, hat ihren Hauptslugplatz in Feltham. zwanzig Kilometer I van London, wo große Reparaturwerkstätten, zahlreich« Privat. hallen und Verkaussstätten für leichte Flugzeuge errichtet werden. Die Hauptflugplätze sollen über das ganze Land strategisch ve» teilt werden, und zwar insbesondere auf Städte, in denen man eine entsprechende Pfleg« des Fluggedankens durch zu schaffend« Fliege» Vereinigungen erwarten kann. Die Absichten des englischen Luftfahrtministers komme« praktisch, abgesehen van dem militärischen Hintergrund, auf ein« dem deutschen Lusthansasystem ähnliche Organisation hinaus, bei der auch die staatlichen Subventionen nicht fehlen und die in ihrer Wirt- samkeit vielleicht bald iittereffant« Vergleichsmöglichkeiteu mit der deutschen Luftverkehrsorganisatian bieten. Di- wirtschaflskume der frankfurter Zeitung'. Di« Einfluß nahm« des englischen Zeitungskonzerns, der Inner« lk Paper E 0.. am Zciwngsuntkmehmen des europäischen Kontingents Hot die Oeikentüchkeft m den letzten Monaten lebhast beschäftigt. Di« von der Frankfurter Societätsdruckerei G. m. b. H. herausgegeben- Wirtschaitskurve der.Frankfurter Zeltung' bringt in ihrem letzten Heft lV. 1928. einen wertvollen Beitrag über den Konzen. trcmansprozeß im englischen Zeitungs wesen, der einen Einblick über die Zusammenballuna der britischen Nachrichtenorgane in wenigen Händen gewährt. Außerdem enthäll das Heft allgemeinc Uebersichten über die Wirtschaft des Auslandes und eine Reche von Sondcruntersuchungen über aktuelle Wirtschastzlragen. Außer einer Untersuchung über die Konjunkturbewegung in Deutschland werden einzelne Industriezweige, wie die Brennstofftvirischaft. die Ehemie und die internationale Entwicklung der Kobelindustne besonders behandelt. Graß« Steigerung der Brannlweiaproduküou. Auf der Generalversammlung des Vereins für Spiritus, f a b r i k a n t e-n teilte der Vorsitzende mit. daß die Kartofsel- brennercien bei der ausgezeichneten Kartoffelernte ihr lOOprozenti- ges Brennrecht weitgehend ausnutzen tomtten. Mit rund 2,8 Millionen Hektoliter wurde im Betriebsjahr 1927/28 die bis- her größte Produktion nach dem Kriege erzielt. Die Erzeugung log um rund 50 Proz. über den Ergebnissen van 1926/27. Der Absatz, besonders In technischem Spiritue-, entwickelte sich gleich- falls günstig, doch tonnten die Bestände der Reichsinonopolverwal- wng, die bei Beginn des Brennjahres bis aus 350 000 Hektoiitcr zurückgegangen waren, wieder bis auf 500 000 Hektoliter aufgefüllt werden. Auch im laufenden Betricbsjohr hat die starke Tätigkeit der Brennereien, hauptsächlich der landwirtschaftlichen Kartvsselbrennercien. angehalten. Wie nicht anders zu erwarten war, faßt« die Versammlung ein« Entschließung gegen die beabsichtigte Erhöhung der Branntweinsteuer. Es sehtte nur noch, daß auch die Spritfabrikanten Branntwein als ein unentbehrliches, hochwertiges Nahrungsmittel bezeichneten. Znsammensch'uß im sächsischen Werkzeugmas chinenbau. Die Leipziger Wotanwerke A.-G und die Zimmermannwerte A.-G in Ehemnitz haben ihre Betriebe zusammengelegt. Di« Der- schmclzung erfolgt« aus Rarionalisierungsgründen. da beide Werke «in gleichartiges Produktionsprogramm, in der Hauptsache Fräs-, Schleifmaschinen und Drehbänke, ausweisen Der Beschäftigungsgrad in den Betrieben beider Werke ist zurzeit sehr günstig und dcr vorliegende Auftragsbestand sichert den Betrieben Arbeit bi« Anlai-g Juni. Der größte Teil der Produktion wird un Ausland ab- gesetzt /Trotz des guten GeschSsttstandes wird mit Rücksicht auf die hohen Umstellungstosien ein« Dividende im laufenden Jahre nicht verteilt werden. Die Belegschaft beläuft sich zurzeit auf 600 Arbeiter und Angestellte. Sommunaldarlehen für die waggoninduflrie. Der Magistrats- ausschuß der Stadt Heidelberg hat jetzt beschloflen. der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg, die sich seit längerer Zeit in großen Schwiengkeiten befindet, gegen Sicherstellung einen K r cch d i 1 von 200 000 M. zu gewähren, um den Betrieb des Unternehmens bis zur Abwicklung der laufenden Aufträge ausrcchtzucrhallen. Seit einiger Zeit sieht diele Waggonfabrik in Verhandlungen mit der Rastatter Waggonfabrik A.-G.. die eine Verschmelzung des Heidel- berger Unternehmens mit der Rastatter Gesellschaft zum Ziele habe».