BERLIN Sonnabend 9. Februar 1929 EMcketttt tbKlick außerSsuutag«. Zugleich Abeudousgabe de«.Vorwärts'. BeMgSxrei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Nedaktion uudErpeditivn: BerlinSW 68,!illdeußr.3 „ttfwtSMi"'i * 9 9Vr 10 Pf. Ar.«3 B 34 4«. Jahrgang. »»»«lgeuoreit: Die einspaltige NonpareMetetk» Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ßscheckkoulv: Dorwärtt-Verlag G. m. b. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dänboß 2S» bis vn Simplon-Expreß verschollen. Er liegi seit-10 Tagen im Schnee fest. 3irestinski bei der{Bourgeoisie Me die.Times" aus Sonstomtiaopei berichtet, macht das Schicksal der Reiseaden des Simploa-Expreffes, der Paris in Richtung Sonstanliaopel am 2g. Zanuar verließ, dort zu- nehmende Sorge. Der Zug war bereits am Abend des 1. Februar fällig, soll aber insolg« des Schnees bereits seit einer Woche i» östliche» Thrazien, etwa SO Meilen von So». stantlnopel entfernt, festliegen. Aalcr den Reisenden befindet sich auch ein Abgesandter des englischen Königs. Bisher war es unmöglich, sich mit den eingeschlossenen Reisenden in Ver- bindung zu setzen. Die Eisenbahnbehörden erklären, daß e» den Eingeschlosienea an Nahrungsmitteln und Masser nicht fehle und in Cherkes Keui ausreichende Sohle vorhanden sei, um die Heizung des Zuges zu unterhalten. Die britische Gesandt. jchaft in Soustantinopel unternimmt olles, um eine Verbindung her. zustellen und hat trotz der offiziellen Versicherungen Nahrungsmittel entsandt. Die Möglichkeit der Entsendung von Flugzeugen wurde erwogen, aber vorläufig wieder ausgegeben, da kein Apparat ver. lügbar ist und wahrscheinlich die Zustimmung von Angara eingeholt werden muß, da Eherkes Keui schon in der Militärzone siegt. Oer Kamilienmörder verhastei. Oer T 7 jährige Walter Miersch. Görlitz. 9. Februar. Am Freitag gelang es der Polizei, den 17jährige« Knecht Walter Miersch. der am vergangene» Mo«» tag die grauenvolle Bluttat an der Familie des Gemeinde» Vorstehers in Ratzen in der Dberlausttz begangen und dann die Flucht ergriffen hatte, in Lphan im Kreise LandeShut festzunehmen. Ter Berhastete hat bisher noch kein Geständnis abgelegt. Tie Beweise gegen ihn sind jedoch derart erdrückend, daß an seiner Ueberführung kein Zweifel besteht. Ein weiteres Telegramm meldet: Die Verhaftung des Massen- Mörders Miersch in Oppau stellt sich als ein voller Erfolg der Mithilfe der O c s f c n t l i ch k c i t bei der Verfolgung von Schweroerbrechern dar. Der Mörder traf am Freitag in dem Dörfchen ein, wo er um Arbeit nachfragte. Einigen Bewohnern fiel es auf, dag der junge Mann ein fast neues Fahrrad bei sich hatte. Sic benachrichtigten den zuständigen Landjäger, der sofort zur Verhaftung des Verdächtigen schritt und ihm das furcht- bore Verbrechen auf den Kopf zusagte. Das Fahrrod wurde als dos Eigentum des ermordeten Gemeindevorstehers Witfchos in Vage» festgestellt. Bei dem Mörder wurde eine Geldbörse, die ebenfalls dem Ermordeten gehörte, mit 12 Mark geraubten Geldes gefunden. In der Unterwäsche des Verhafteten sowie an den Schuhen befanden sich noch starte Blutspurcn. Di« Allein- schuld des Verhafteten an der vierfachen Bluttat steht einwandfrei fest. In dem Dörfchen Ratzen und Umgegend hat die Verhaftung stark« Beruhigung ausgelöst. Zwei Madchen verschwunden. Gemeinsamer Selbstmord? Dos unerklärliche verschwinden zweier Freundinnen im Aller von 13 und 14 Jahren beschäftigt die Berliner Kriminal- polizci. Es handelt sich um die SchiÄerinnen Käthe Böhm und .Hildegard Treiber, di« bei ihren Eltern in der Gontard- straße 3 und Neue Friedrichstratze 17 wohnten. Die Mädchen be- suchten dieselbe Schule und waren miteinander befreundet Nach der Rückkehr vom Schulunterricht verließen sie gestern wieder die Wohnung und kehrten nicht zurück. Die Mädchen haben die Absicht angedeutet, sich das Leben zu nehmen. Irgendeine Veranlasiung dazu ist bisher nicht feststellbar. Käthe Böhm ist etwa 1�50 Meter groß und vollschlank, hat dunkelblonden Bubikopf und volles Gesicht mit kleiner Narbe auf der rechten Seite und trägt schwarze Samtkappe, blauen Mantel mit grünem Plüschbesatz, rotblaues Strickkleid, gelbgrüne Strickjacke, graue Strümpfe und Uebcrzugstiefel. Hildegard Treiber ist hellblond und trögt grünen Mantel mit weißem Kragen und Manschetten. Mitteilungen über den Verbleib der Mädchen werden an die Vcrmißtcnzentrale im Posi�eipräMu««bete», Im Reichstasi führen die Kommunisten Notstandstheater auf. Derweil läßt es sich der Kommunist Krestinski, Botschafter der Sowjetunion, in Gesellschaft der deutschen Bourgeoisie wohl sein. Unser Bild zeigt ihn(rechts) an der Tafel beim Festabend des„Vereins der auswärtigen Presse". Amtliche Verpflichtungen werden ihn dazu notigen. Aber wenn sozialdemokratische Minister in Deutschland das gleiche tun, lügen die Parteigenossen Krestinskis das in Schlemmerei und noch Schlimmeres um! Reichsfeinde in Ostpreußen. Der deutfchnationale Graf Garnier hat vor einigen Tagen im Landtag als Sprecher östlicher Großgrundbesitzer eine dunkle Drohung ausgestoßen. Er hat erklärt, daß,„wenn nicht bald ein anderes System als das republikanische kommt, seine Enkel und Urenkel in Ostpreußen p o l n i s ch s« i n würden", Diese finstere Prophezeiung lief also darauf hinaus, daß entweder in Preußen das alte monarchistlfche System mit der Vorherrschaft der Junker wiederkommt, oder Ostpreußen„polnisch", d, h, Bestandteil eines von Militär und Großgrundbesitz beherrschten polnischen Staates werden würde Die gegen die deutsche Republik gerichtete Stimmung ostpreußi- scher Großgrundbesttzcrkreisc ist bekannt genug. Nicht bekanlit ist ober, daß sie häusig genug in den Gedanken übergeht, daß man in diesem Staat nicht weiterleben könne und es in Polen weit besser hoben würde. Diese reichsscindlichen Gedankengänge konnte man auf der„Grünen Wache" in Berlin oft genug hören. Besonders markanten Ausdruck sanden sie in den Aeußerungen eines ostpreußi- sehen Großgrundbesitzers, der sich wie folg vernehmen lieh: „Man darf das natürlich nicht öffentlich jagen, aber bei uns spricht man allgemein so: Was würde uns fehlen, wenn wir zu Polen kämen! In Ostpreußen wird das Leben immer unerträglicher. Steuern das Vielfache gegen die Vorkriegszeit. Preise für Kartofseln, Getreide usw. miserabel. Vor allem aber die Leutenot 1 Wir können kein« Arbeitskräfte finden, werl die Kerle Arbeitslosenunterstützung beziehen und darum einfach nicht arbeiten wollen und nicht zu arbeiten brauchen. Die Arbeits- l o f e n u n t e r st ü tz u n g ist so hoch, daß jede Arbeit abgelehnt wird. Die Kerle sitzen in der Stadt und verstehen es, jedes Arbeits- «Gebot•an stch«chzuwümnelu. Sie sind«sich größteut-Äs für Landarbeiten ganz unbrauchbar, leiste« nicht annähernd das, was polnische Arbeiter vor sich bringen. Dabei beschränkt man uns die Möglichkeit, polnisch« Arbeiter zu verwenden, lind wie sollen wir ohne die auskommen, wenn Arbeitslosennnterstütznng und Abwände- rung in die Städte die Einheimischen von der Landarbeit abhält? Wenn das so weiter geht, können wir in diesen- Staat nicht existieren. Di« sozialdemokratische Regierung hat nichts anderes im Sinn, als uns zugrunde zu richten!" So liebäugeln weite Großgrundbesitzerkreise Ostpoeußens mit dem Gedanken:„Was würde uns fehle«, wenn wir zu Pole« kämen?" Daraus ist zu ersehe«, daß der„nationale Gedanke", den diese Kreise im Munde führen, seine ökonomische Basis hat. Solange sie den alten Obrigkeitsstaat in der Hand hatten, sie sein« Wirt- schaftspolitik einseitig bestimmen konnten, er ihne« polnische Landarbeiter oerschasste und ihnen die Auobeutung der Arbeiterschaft erlaubte, da waren sie die großen, für diesen Staat begeisterten Patrioten. Sobald aber der Volksstaat ihnen die Macht beschneidet und die Ausbeutung einschränkt, legen sie ihre, durch die kapitalistische Wirtschast mtd ihr« eigene Unfähigkeit verschuldeten! Röte dem neuen Staat zur Last, meinen, daß es ihren Klassen- genossen im Nachbarlande Polen weit besser gehe und werden bereit, sich mit einer Trennung Ostpreußens vom Reich abzufinden. Der Zusammenhalt Ostpreußens mit dem deutschen Volksstaat beruht nicht auf dem durch Klassen interesien zerstörten„Patrioiis- mus" der Großgrundbesitzerschichj; Ostpreußen bleibt, allen Unruhe- stiftern m- und außerhalb zum Trotz, Glied des Reiches, weil seine Zugehörigkeit auf dem Zusammengehörigkeitsgefühl einer freien, so- zialistischen Arbeiterschaft und eines freien, demokratischen Bauern- Mnd« not der Heimat beruht, Polizei und Staat. Innenminister GrzesinSti über die preußische Polizei. Der Preußische Landtag überwies heute vormittag zu« nächst ohne Besprechung eine Reihe von Urantrögen an die zu- ständigen Ausschüsse und erledigt« darauf eine Reihe kleinerer Vor- lagen. Die Anträge des Geschäftsordnungsausschusses. die nachgesuchte Strafverfolgung von Abgeordneten in einer Reihe von Fällen zu oersagen und bei anderen Abgeordneten zu genehmigen, werden ohne Debatte vom Hause angenommen. Hierauf setzt das Haus die Debatte über Polizeifragen beim Etat des Innenministeriums fort. Als erster Redner ergreift das Wort: Innenminister Grzesinski: Das Für und Wider in der bisherigen Polizeidebatte ist für mich der beste Beweis, daß das Ministerium auf dem richtigen Weg« ist. Das soll kein Ausdruck der Selbstzufriedenheit sein. Es ist unser Bemühen, die Polizei zu einem zuverlässigen Instrument des Staates zu machen. Sie soll den Schutz des Staatsbürgers und rücksichtslose Verfolgung der Rechtsbrecher gewährleisten. Besonders gedenke ich dabei der Toten der Po» lizei, die im Kampfe mit dem Verbrechertum fielen, und danke allen Sparten für ihre treue Pflichterfüllung. Die Polizeibeamten dürfen überzeugt sein, daß das Ministerium alles tun wird, um ihnen ihren schweren Dienst zu erleichtern. In diesem Zusammen- hang verdienen die Erlasse über das Verhältnis von Vorgesetzten und Untergebenen und über die Beamtenausschüsse besondere Er- mähnung. Bei aller liberalen Einstellung aber kann den Beamten ein Mitbestimmungsrecht nicht zugestanden werden. Die Verant- wortung für die Polizei dem Parlament gegenüber trägt allein der Minister als Chef der Behörde. Sollten die Rechte der Beamten- ausschllsse jedoch von Reichs wegen eine Ausdehnung erfahren, jo wird diese selbstverständlich auch auf Preußen übertragen werden. Die bessere Kleidong und Vewassnung der Beamten ist eine Angelegenheit, die das Ministerium ständig beschäftigt. Die Bekleidung soll dem Wunsch der Beamten und den Bedürfnissen des Staates entsprechen. Statt des bisherigen Seitengewehres ist eine einheitliche Waffe eingeführt worden, die etwas länger ist. Aber ist es überhaupt richtig, daß sich das Parlament mit all diesen Dingen beschäftigt, die doch eigentlich rein« Verwaltung so ngelegenheiten sind? Daimt komme ich zur Kritik, die an der Polizei geübt worden ist. Selbstverständlich haben auch die Regierungsparteien das Recht zur jkritik. Aber sie sollten sich doch nicht in Kleinlich- keiten verlieren. Statt sich init der Farbe der Knöpfe der Waffen- röcke zu beschäftigen, sollte man wirklich große Gesichtspunkte in den Vordergrund stellen. Man soll auch nicht sagen, daß der Minister wohl das Beste will, aber die alten bösen Geheimräte alles durch- kreuzen. Erfreulicherweise kann ich auf die Beamten des Innen- Ministeriums stolz sein. Gegenüber der lebhaften Kritik der Beamtenorganisationen kann ich feststellen, daß noch nie der Andrang zur Polizeilaufbahn so stark war wie jetzt. Das ist natürlich auch zum großen Teil auf die lOOOO-Mark-Prämie zurückzuführen, die der Beamte bei seiner Ent- lassung nach zwölfjähriger Dienstzeit bekommt. Wir müssen bei dem anstrengeirden Dienst bei der Polizei für eine ständige Verjüngung sorgen, der Beamte muß geistig frisch sein, er kann nur eine bestimmte Reihe von Iahren aus der Straße Dienst tun und muß später im Bureau- dienst verwendet werden, Wenn die Organisationen an der Ent- lassung van Schupobeamten Kritik üben, so muß ich schon mal in aller Oeffentlichkeit darauf hinweisen, daß das Ausscheiden aus dem Dienst nach zwölfjähriger Dienstzeit ein von den Beamten bei ihrem Eintritt selb st gewähltes Los ist. Die 10 000 Mark, auf die z. B. ein 32jähriger Beamter bei seiner Entlassung einen gesetz- mäßigen Anspruch hat, sind gewiß keine Kleinigkeit.(Sehr wahr.) Run zu den Anträgen über die Auswüchse im Theaterleben. Hier empfehle ich Ausschußüberweisung, denn zum Teil handelt es sich um Fragen, die versassungsmäßige Rechte berühren. Auf dem Verwaltungswege und im Einoernehmen mit dem Paslament ist nach langen Verhandlungen schon allerlei ge- schehen. Aber ausdem Umwege über Verwaltungsmaßnahmen etwa eine Zensur einzuführen, würde der Verfassung widersprechen. Es würde uns aber auch nicht zum Ziele führen. Durch vorbeugende Maßnahmen müssen selbstverständlich Gefahren abgewehrt werden für Kinder. Sonst ober wird man vertrauen müssen auf die Heran» bildung des guten Geschmackes im Publikum selbst, das schlimme Erzeugnisse aus sich heraus ablehnt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Minister gdht dann auf verschiedene Beschwerden der Deutschnationalen und Kommunisten ausführlich ein. Er habe z. V. festgestellt, daß der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei Oberst Heimannsberg an einein Skikursus in Oberbayern teil- nimmt. Er habe nichts dagegen, wenn das in der regulären Urlaubs- zeit geschehen würde. Aber da das nicht der Fall ist, müsse er die Teilnahme mißbilligen und er habe Vorsorge getroffen, daß dergleichen Dinge nicht wieder vorkommen. In bezug auf das Disziplinarrecht der Beamten steh« er auf dem Standpunkt, daß die freie Meinungsäußerung der Beamten insofern eine Einschränkung erfährt, als der Beamte nicht gegen die republikanische Staatssorm arbeiten darf. Der Minister fährt fort: Die extremen Parteien von rechts und links haben die Polizei als ein Unterdrückungsinstrument bezeichnet. Das Gegenteil ist richtig Es gibt bei uns volle Rede-, Demonstrations- und Versammlungsfreiheit. In dieser Beziehung ist Deutschland das freieste Land der Welt. Zu der kriti- sierten Versammlungsüberwachung hat die Polizei nicht nur ein Recht, sondern die Pflicht, aber darüber kann sich nur beschweren, wer ungesetzliche Maßnahmen vorbereitet. Die Polizei ist bemüht, zum Besten der Bevölkerung alles herzugeben, wozu sie-nur imstande ist. Uebergriffe werden immer vorkommen, aber sie werden bei Bekanntwerden gerügt oder be- straft. Gewiß ist noch nicht alles so, wie es sein muß. Aber im großen und ganzen darf ich feststellen, daß wir auf unsere preußische Polizei stolz sein können.(Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Nach der Ministerrede wird die Aussprache fortgesetzt. Kein Generalstreik der Bergarbeiter. kattowih. 9. Februar. Der Wajcwode hat Freitag nachmsttag den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft der Bergarbesterverbände erklärt, daß die Regie- rung geneigt sei. die Forderungen der Arbester zu unterstützen und darauf zu dringen, daß unter allen Umständen am Sonnabend mst den Verhandlungen mst den Arbeitgebern begonnen wird. Eine Reihe polnischer Gewerkschaften haben dem Wojewoden und den Arbeitgebern die Erklärung abgegeben, daß sie gegen den Streik sind, so daß anzunehmen ist, daß der angekündigte Generalstreik abgeblasen wird. Wenn's Spaß macht... -Das Zentrum geht eine Zeit lang neben dem Wagen der Regierung her/* („Germania" vom 7. Februar 1929.) „Llnterweli" und— Oberwelt. Ein Aachwori zum„Immertreu"-prozeß. Die Höhe der Strafen, die in dem Prozeß gegen die Immertreu. Leute verhängt werden, interessiert wenig: nicht viel mehr die Zahl der Freigesprochenen. Daß die„5 m m e r t r e u"- L e u t e die Angreifer waren, nicht die Zimmergesellen, steht außer Zweifel. Wenn aber jemand vor der eigenen Courage Angst bekommen hatte, jo die„3mmertreu"-Leute. Sie ersehnen nichts mehr als Frieden mit der Polizei und der bürgerlichen Gesellschaft. Sie müssen sie in guter Stimmung erhalten, um nicht unangenehm auszufallen. Ihre Welt— die„Unterwelt"— ist ohne die bürgerliche„Oberwelt" nicht denkbar. Sie sind deren Nutznießer. Und beide führen, historisch betrachtet, ein parasitäres Dasein— auf Kosten der Welt der Arbeit. Diese Welt der Arbeit war im Jmmertreu-Prozeß durch die Zimmer- gesellen repräsentiert. Ihr standen Ober- und„Unter"welt, A n- wälte und„3mmertreu".L'eute in geschlossener Front gegenüber.� Das ist die Grundtatsache dieses Gerichtsereignisses, das seine eigentliche Bedeutung. Man soll den„Immertreu"-Leuten gerecht zu werden suchen. Sie sind nicht die Verbrecher, als die sie verschrien wurden. Sie sind bemüht, sich an der Oberfläche der bürgerlichen Gewässer zu halten und nicht wieder unterzutauchen. Darin liegt nicht zuletzt die Tragik von ihresgleichen. Di« bürgerliche Gesellschaft hat sie ausgespicn, aller Ehrenrechte sür verlustig erklärt, durch Fürsorgeanstolten, Ge- sängmsse und Zuchthäuser gezerrt und zu asozialem Dasein verdammt. So waren sie gezwungen, sich eine eigene Welt zu schassen— die Unterwelt. Eine West für sich, mst ungeschriebenen Gesetzen, mst eigener Moral und eigenem Ehrenkodex, eigenen Sitten und Gebräuchen, eigener Sprache. Diese Well beherrscht ganze Großstadtoiertel, zieht sich auf tausend Wegen und Umwegen nach den Hauptverkehrszcntren der City und dem mondänen Westen, zeigt unzählige Berührungspunkte mit der sittsam-bürgerlichen lvell. Daß sie dieser als Ganzem feindlich gegenübersteht, ist ein Märchen. Si« beneidet sie um den Glanz ihres Lebens und eifert ihr nach. Sie feiert ihre Feste in Smoking und Frack, begräbt ihre Toten mit Musik und findet sich unter Bannern in Vereinen zusammen— gleich dem Bürgertum Sie gibt etwas auf wohl- anständiges Benehmen nach außen, sie wahrt den Schein— ganz wie die Oberwelt. Die„Ringleute" bilden gewissermaßen die Elite, dos ordnung- erhaltende Element innerhalb dieser Unterwell. Um sie gruppieren sich Zehntausende von Dirnen, Zuhältern, Scheinexistenzen aller Art. Lumpcnproletariern und deklassierten Proletariern. Eine Gefahr bedeuten sie nur für die, die ihnen angehören, oder von ihnen ab- hängig sind: für Geschäftsleute, Gewerbetreibende, Schankwirte, Kellner usw. An diesen üben sie Terror, gleich viel ob bewußt oder unbewußt, unter allen Umständen selbstherrlich. Wehe dem, der wider sie den Stachel lökt. Er ist seiner Haut nicht sicher, doch noch immer seines Lebens— denn so well läßt man es nicht kommen. „Wir wollen doch nicht Mörder werden," sagte der„Immertreu"- Vorsitzende Leib, als die vier Maurergesellen blutig geschlagen am Boden logen. Sie kennen die Gesetze. Die„Unterwelt" bedarf der Oberwelt. So hat sie keinen Groll gegen diese. Selbst nicht gegen ihre Polizei, die sie als Hüterin der Ordnung anerkennt: nicht gegen die Kriminalpolizei, für deren Funktionen sie Verständnis hat. Gegen beide kämpft sie auf ihre eigene Weise— sie geht ihnen aus dem Wege. Sie verachiek aber den Mann der Arbeil, der jür geringen Lohn sich abrackert, sie rümpft geringschätzig die Rase über den Lohnskloven des Kapitals, den Proleten, der mit dem Glänze der hellerleuchteten Straßen nichts gemein hat, dem keine Brocken vom herrschaftlichen Tische zufallen. Für diese Art Arbeit, sür diese Lebensführung, durch soziale Verhältnisse aufgc- zwangen, haben„Immertreu"-Leute kein Verständnis; wie sie keinen Sinn haben für de» Kamps der gesamten Klasse g e g/e n die Lohn- sklaoerei, f ü r ein« neu« Kultur. Der RitterfremdenEigen- t u in s verachtet den Mann der schwieligen Faust: er bedarf seiner nicht, bei ihm ist nichts zu holen. Das Proletarier- felbstbewußtsein reizt ihn, er spürt in ihm Ueberlcgcnheit. So müssen die„Imm«rtreu"-Leut«>den zünftigen Zimmer- gesellen grani sein. Das feste Aufireten der jungen Burschen, die sich auf der Walze den Wind um die Ohren wohen lassen, ist ihnen ein Ttorn im Auge. Diese Burschen bleiben keine Antwort schuldig, stolzieren einher in ihrer Kluft, nehmen die Mädels, wo sie sie finden, sprechen dem Alkohol zu, sind auch zu jeder Art von Händeln berest, greifen unter Umständen zum Messer. Destmmit sind es nicht immer Idealgestallen des klassenbewußten Arbeiters, natür. lich sind sie keine Unschuldslämmer und die Gebrechen und Laster der bürgerlichen Gesellschaft, deren Produkt sie sind, haften ihnen an. Wer der Dust der freien Landstraße entströmt ihren breitkrämpigen Hüten und sonnengebräunten Gesichtern. So sind sie mit ihrem Handwcrkzeiig, dem Sinnbild der Arbeit, den„Jmniertreu"-Leuten verhaßt. Denn trotz all chrer Gebrechen rebellieren sie gegen die „Oberwelt", ohne die die„Unterwell" um den Schlesischen Bahnhof und om Wadding, in der Münzstraße und am Vülowbogen unmöglich wäre. Dies der tiefere Sinn der Straßenschlachten am Schlesischen Bahnhos. Von der Schlacht am Schlesischen Bahnhof ist vielleicht zu viel Aushebens gemacht worden. Der Berliner Polizeipräsident hoste recht: es war«ine der üblichen Schlägereien, nur in größerem Aus- maß. Für die Ordnung und Sicherheit des öffentlichen Lebens bedeutete sie eine viel geringere Gefahr als die Ueberfäll« der Kom- irnrnisten auf Rsichsbonnerleute oder der Nationalsozialisten auf Rot- Front. Auf dem Schlachtselde des politischen Rowdyrums, auf- gepäppelt von der äußersten Rechten und Linken, hat man mehr Verletzte und Tote gesehen, als bei der Verbrechcrschlacht am Schlesischen Bahnhof. Allein schon der üebersall der vielen hundert Stativ- uolsozialisten auf das Dutzend Kommunisten aus dem Bahnhof Lichterfelde und der Meuchelmord an den Reichsbannevleuten bei Ahrensdorf hat je zwei Tot« gekostet. Da waren die Täter keine „Verbrecher". Um so schlimmer! Di«„Jmmcrtreu"-Leute sind auch in ihrem Prozeß sich treu geblieben, sie wußten, was sie sich schuldig waren und holten sich die besten Verteidiger. Die Anwälte der Bankiers und Großindustriellen, der Fürsten und Groß- ograrier wurden hier zum Symbol der Zugehörigkell der An- geklagten— als Gegenpol— zu der Klasse, die si« ausgestoßen. „Oberwell" und„Unterwelt" fanden einander im Gerichtssaal. Die einfachen Arbeitsburschen hiellen vor Gericht im gleichen Maße den Frageexzcssen der„Oberwell" stand, wie am Schlesischen Bahnhof den physsschen Exzessen der„Unterwelt". Mit solcher Jugend wird einem um die Zukunft nicht bange— trotz„Unterwelt" und„Ober- weit". 1- R. Vor dem Ltrieil. Sosort nach Eröffnung der heutigen Sitzung nahm Rechtsanwalr Dr. F r e y zu seiner Verteidigungsrede das Wort. Die Angeklagten, sagte er, sind Menschen, die in ihrem Vorleben vielleicht gefehlt haben. Ob sie in diesem Falle aber gesehll haben, ist juristisch nicht bewiesen, deshalb biste ich um re st lose Freisprechung. So- dann nahm als zweiter Verteidiger Rechtsanwall Dr. Freuden- st e i n das Wort. Nach seiner Meinung hat die Hauptverhandlung nach keiner Richtung hin bewiesen, daß die Angeklagten zu den unterirdischen Elementen Berlins gehören. Rechtsanwalt Dr. S: F e b l o w i c z verlangte die Freisprechung des Angeklagten Höhne trotz seinem vor der Polizei und dem Richter abgelegten Geständnis. Der Angeklagte Höhne habe sich in seiner Verwirrung selbst falsch bezichtigt, was sich aus der Beweisaufnahme ergeben habe. Deshalb beantrage er. Höhne wegen erwiesener Unschuld freizusprechen und dessen Verteidigungskosten der Staatstasse aufzuerlegen und ihm eine Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft zuzubilligen. Schließlich erhiellen die Angeklagten das letzte Wort. Leib versicherte nochmals, daß er in das Zunftlokal nur gegangen sei, um den Messerstecher zu ermllteln und daß er dann Schulnies nur zu seiner Feststellung herausholen wollte. Der Angeklagte Las schil- derte, wie er in jungen Jahren durch Rot mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten und wegen Diebstahls bestraft worden sei. Dann sei er mehrfach rückfällig geworden. Im Jahre 192Z habe er den Verein„Immertreu" kennengelernt und sei diesem beigetreten. Durch die Vereinsmitglieder Hab« er Arbeit bekommen und sei dadurch a u f den richtigen Weg geleitet worden. Diesmal fei er nun unter Anklage gestellt worden, obwohl er nichts gemacht habe. Er sei sich nicht bewußt, gegen die Gesetze verstoßen zu hoben und könne nicht verurteill werden. Auch die anderen Angeklagten baten um Freisprechung. Das Gericht zog sich hierauf zur Beratung zurück. Liiauisther Terror. Sozialdemokraten verhaftet und prozessiert. K o w n o, 8. Februar. Der greise Chefredakteur des Zentralorgans der liiauischen Sozialdemokratie„Sozialdemokratas". Ingenieur koirys. wurde v e r h a f i e t und Ins Gefängnis gebracht. Dabei hatte sich die' Regierung gegenüber kairys, der ein Veteran der lllouischen Freiheitsbewegung ist, immer sehr zuvorkommend verhalten. Zn O l i k a beginnt am 25. Februar vor dem Kriegsgericht ein Prozeß gegen den ehemaligen sozialdemokralische Abg. K e d c y s, «in Prozeh gegen den ehemaligen sozioldemokealischen Abg. k e d e y s, we.den 21 Bauern vor Gericht erscheinen, die an dem Putsch teilgenommen haben, vor dem kownoer Bezirksgericht hat ein Pro- zeß gegen lZ kommunistische Jugendliche von 18 bis 22 Zahlen be- gönnen. Mehrere Angeklagte sihen schon lange in Untersuchungshast. Ortsausschuß sür Zugendpsleg« Reukölln. Sonntag, den 10. Februar, abends 8 Uhr, Kinoabend im Städtischen Saal. Berg- straße 117. Zur Dorsährung gelangt ein Bergsteigersilm aus den bayerischen Alpen„Almenrausch und Edelweiß". Jugendliche zahlen 30 Pf.. Erwachsene 50 Pf. Zvetterberichl der öffentlichen Ivellerdienststelle Verlin und Umgegend.(Rachdr. oertr) Zeitweise heiter und wieder kälter, östliche Winde.— Für Deutschland: Ueberail Frostwetter und nirgends wesentliche Niederschläge. Fünf Jahre Reichsbanner. Eine ErinnerungS-Kundgebung. Der erste Kreis Berlin-Tiergorlen vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gald hatte gestern ins Hereiihans geladen, iwn in feierlicher Kundgebung der Zeit vor fünf Jahren zu gedenken, als in Magdeburg dos Reichsbanner zum Schutze der Republik gegründet wurde. Der Vorsitzende Kamerad Karl E b e r t gedachte der ermor- deten und Heimgegangenen Fuhrer und der Ks guten Kameraden, die sur den neuen Staat ihr Leben ließen. Stehend grüßte das bis auf den letzten Platz gefüüte Haus den Einmarsch der Fahnen- träger, Arbeitersänger von der Lic-dertasel West brachten Kamps- Hymnen wirkungsvall zum Vortrag. Kamerad Low! rezitierte Dann nahni für die Sozialdemokratie Reichstagsabgeordneter Fritz E b e r t das Wort. Als die Gegner, so führte er aus, zum Schlage ausholten und die Republik vernichten wollten, wurde sllnf Minuten vor zwölf, am 22. Februar 1024, in Magdeburg das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegründet. Allen, die damals zur Tat schritten, vor allem unserem vielbefehdeten, vielverehrten Otto H ö r s i n g, müssen wir Dank wissen. Zentrumsleute, Demokraten und Sozialisten über- wanden das Trennende, die Jugend der Republik stellte über alles Land und Volk. Ein« Millionenormee ward geschaffen. Nicht Freude an Spiel, Uniform und Waffen trieb uns, sondern ernste Pflicht- erfüllung. Einsetzung der ganzen Person war erforderlich, und das ist auch heute noch notwendig. Mit scharfen Worten geißelte Kamerad Ebert die unhaltbaren Zustände, die durch das unflätige Benehmen 102 Jahre all ist Frau Juliane Maciejewski, die älteste Einwohnerin Neuköllns. Das Bezirksamt läßt ein Geschenk überreichen. der Kommunisten im Reichstage eingetreten sind. Mit einem Appell, in das Reichsbanner, dos Wegbereiter der Jukumt ist, ein- zutreten, schloß er. Das Zentrum vertrat Rektor Kellermann, dar vor allem eine durchgreifende Demokratisierung der Verwaltung forderte. Der Geist der Verfassung muß Wirklichkeit werden, namentlich auch in den Artikeln, die das Wirtschaftsleben behandeln. Der demokratische Abgeordnete Ernst L c m m e r sprach in wirkungsvoller Rede über die Feind« der Republik. Um sie zu bekämpfen, dürfen wir an unseren Führern nicht nur herumnörgeln, nein, neben der Kritik ist auch Gefolgschaftsdisziplin am Platze. Der Stahlhelm hat durch seine letzten Kundgebungen der Republik offenen Kampf angesagt; wir haben keine Furcht, wei wir wissen, daß unserer Idee die Zukunft und deshalb der Sieg gehört. Mit dem„Sturm" van Uthmann und einem Hoch auf die Republik schloß die Kundgebung. Keine Klarheit über das Elsaß. Eine ergebnislose Kammerschlacht. Poris, 0. Februar. tEigenbrricht.» Der Abschluß der großen Debatte über Elsaß-Lothringen wird van der gesamten Pariser Presse mit deutlicher Erleichterung begrüßt. Allerdings ist kaum ein einziges Blatt mit dem lahmen Ausgang der großen Redeschlacht zufrieden. Selbst dos„Journal", das die Autonomisten mit Feuer und Schwert vernichten will, erklärt, daß die Debatte die Mißverständnisse noch lange nicht beseitigt Hobe. Das nationalistische„Echo de Paris" bezeichnet die Schwßent- schließung als«ine leere Visitenkarte und Leon Blum beschwert sich im„Populaire" darüber, daß in den elf Tagen der Debatte weder die Kammer noch die Regierung den Mut aufgebracht hätten, eine klare Stellung einzunehmen und«in« Entscheidung über die künftige Politik Frankreichs im Elsaß zu treffen. DER ESKIMO heißt der Roman, mit dessen Veröffentlichung mir im Laufe der nächsten Woche beginnen werden. Peter Freuchen TrlJdTF/EsLt'. in deren Land die Walfänger einbredien. Sie nehmen die Frauen der cMenschen* roie sich die Eskimos nennen, lehren sie Schnaps trinken, tanzen und Heben., und knechten che Männer. Als endlich Mala, der Eskimo, dem die Frau genommen und nad) mustern Gelage getötet rouide. sich gegen die Veruerbms des Walfängerlagers auf lehnt, um ins unberührte Land der'Menschen> zurückzukehren, folgt ihm die< GerechtigkeiGdes rveißenMannes und hetst ihn zu Tode, weil er nach den Gesetzen lebt und tötet, die ihm sein Herz und sein Land und nicht die Zivilisation der Weißen vor schreibt.— Dies Buch ist nicht das Produkt eines Sdireib- stubenmenschen. Peter F r euchen, manchem unier uns als der Gefährte Rasmussens bekannt, hat jahrzehntelang unter den Eskimos gelebt und ist ihnen durch Bande des Blutes tief verbunden. Er nahm eine Frau dieses Stammes, und als er jeht üch. Oper, Schauspiel, Film. Mona Lisa. Staatsoper Unter den Qnden. „Mona Lisa" von Max Schillings, im Lebenswerk ihres Schöpfers die vierte Oper und bis jetzt die letzte, Hot das gewiß selten« Bühnenschickfol, sich dauernd im Spielplan zu holten. Die Uraufführung, in Stuttgart, war tOlZ; es wurde dann, während des Krieges, ein Erfolg zunächst überall in Deutschland Als sich die Grenzen wieder dem friedlich-künstlerischen Austausch öffneten, wurde es ein internationaler— der erste deutsche Opernersolg in der Nachkriegswelt. Und gestern in der 114. Berliner Aufführung, hat dos Werk von neuem feine Lebensfähigkeit erwiesen. Welt und Musik, Lebens- und Kunstanschauung hoben sich gewandelt seit seiner Entstehung: und diese Oper ist durchaus«in Zeugnis ihrer Eni- stehungszeit geblieben. Doch eben die charaktervolle Kompromiß- lofigteit, mit der der Musiker Schillings sich von je zu seiner Art und seiner künstlerischen Ueberzeugung bekannt Hot, erhält sie lebendig. Die Partitur Hot Stil— den Stil ihres Autors: es gibt heute nicht viele, van denen sich das so ohne Vorbehalt sagen läßt. Und sein Stil sublimiert die Fragwürdigkeit des Bühnengeschehens, dein freilich, mit den Spannungen seiner Kinodramotik, die unmittel- bare und starke Theaterwirkung zu danken ist. Man konnte sich auf diese Wirkung auch heute verlassen. Für den Repertoirebcstond der Lindenvpcr bedeutet die Neuinszenierung einen.zweifellosen Gewinn. Einen Gewinn auch die von Kleiber geleitete Aufführung, die von der überragenden Gestaltung der Barbara Kemp beherrscht wird. Neben ihr als würdige Portner: Theodor Scheid! und Fritz S o o t. Sehr schön die neue Saaldekaration von Arooantinos. Aber der leicht- herzige Gebrauch, der neuerdings auf Berliner Opernbühnen van der segensreichen Institution der Schiebebühne gemacht wird, ist drama- turgifch nicht zu verantworten. K. F. „Die Komödiantin." ilfa-Theater am Kurfürstendamm. Nachdeni wir schon Dutzende von Filmen erlebt hoben, in denen das kleine Ladenmädchen den Millionär oder das Tanzgirl den Prinzen bekommt, ist es wirklich kein aktuelles Thema mehr, die Komödiantin gegen die Aristokratie auszuspielen. Aber man kommt uns ja auch historisch und dadurch bekommt die Sache ein anderes Gesicht. Der englische Dramatiker P i n e r o, zuvor selber Schau- spielcr, verlegt den amerikanischen Film in die gute alte Zeit, da man Krinolinen und Biedermeierhöschen trug. Und außerdem läßt er ihn im sittenstrengen England spielen. Sidney Franklins Regie hat also Gelegenheit, mit hübschen Kostümefsekten auszuwar- ten, die besonders durch den Kontrost von schwarz und weiß male- rische Wirkungen ergeben. Die Handlung gestattet er möglichst leicht und locker, mischt ober auch einige ernstere Szenen hinein In die Komödiantin oerliebt sich auf einem sehr lustig geschilderten Land- ausslug der Enkel des Vizekanzlers. Es folgen nun die üblichen Bühnenbilder und Milieuzeichnungen aus dem Leben der Komödian- ten. Die Verlobung des Liebespaares wird auf der Bühne des Theaters festlich begangen.. Da erscheint wie ein Gespenst der Herr Vizekanzler und stört das Fest. Immerhin nimmt er die Braut in sein vornehmes 5)aus, damit sie für das neue Milieu erzogen wird. Ganz köstlich wird die steifleinene Pedanterie und die unerträgliche Tyrannei in diesem Hause gezeigt. Das junge lebenssprühcnde Mädchen explodiert natürlich eines Tages, und da zudem ihre Bühnenkollegen bei ihr erscheinen und den Skandal steigern, so bricht das Verlöbnis wieder auseinander. Die Komödiantin kehrt zu den Ihren zurück, gerät in Not und weist stolz die Unterstützung des Kanzlers zurück. Aber der Dramatiker ihrer Bühne weiß den alten Herrn einzuwickeln zu einer Subvention für sein neues Stück. und bei der Probe zu diesem wird das Paar natürlich wieder vcr- einigt. Die beiden getrennten Welten haben sich wiedergefunden. Normo Shcarers entzückendes gelöstes Spiel, das viele» Nuancen von koketter Lustigkeit bis zum Auftrumpfen und zum starken Aus- druck verletzter Menschenwürde aufweist, nimmt gefangen und heißt alle Bedenken schweigen. Ralph Fordes ist der hübsche nette Junge, den sie beglückt. Grotesk ist der starre, ewig brummige und seine ganze Umgebung tyrannisierende Vizekanzler, den O. P. H c g g i e sehr charakteristisch darstellt. r. „Das Geständnis der Drei." Alhombra. Wer heute über etwas Phantasie verfügt und mit ihr Gcld oerdienen möchte, der schreibt einen Kriminalroman. Dieser findet dann für gewöhnlich als Film seine zweite Fassung. So konnte auch die Preisnovelle„Der Mord am Karlsbad" von Paul Rosenhayn dem Schicksal der Verfilmung nicht ent- gehen. Der Regisseur James Bauer machte ans ihr eine furchtbar fade Fllmongelegenheit. Durch seine Rollenausfassung bringt er es fertig, die Arbeit der Kriminalbeamten in Mißkredit zu bringen. Durch solche Schilderungen erleichtert man ihnen nicht den Dienst am Publikum Bei James Bauer sind nämlich olle Menschen, die eines Verbrechens beschuldigt werden, den sie vernehmenden Krimi- nalbeamten geistig bei weitem überlegen. Ueberdies Hot der Regisseur bei der Abwicklung seines Films nicht die Spannung, son- dorn die Langeweile zu Gast geladen. Sind ihm mal endlich ein paar Spannungsmomente geglückt, so unterbricht er sie sofort wieder und lenkt ob durch ander« Bilder. Man kann, bis endlich der wahre Mörder entdeckt wird, zwischendurch ruhig ein paar Akte schlafen, ohne etwas versäumt zu haben. Hertha von Wolter, der Star, versogt. Man weiß wiederholt nicht, was sie eigentlich will. Sie ist nicht die Frau, mit der man Mitleid hat, sondern die Schauspielerin, mit der man Mitleid bekommt, weil sie nichts kann. Auch Olaf Fjord kommt nicht zur Geltung. Der Regisseur läßt ihn im Spiel völlig starr bleiben, stellt ihn selbst keine» Augenblick ms richtige Licht, dafür aber seine stark pomadisierte Frisur. Manfred Boß ist als Bob Kerthoff noch der beste. Was noch lange nicht bedeutet, daß er gut ist. In sehr kleinen Rollen, die von Betty A st o r und Harry N e st o r verkörpert werden, pulsiert hingegen wahres Leben. Der Experimentolpsychologe Dr. T h o m a mochte kriminalistische Experimente mit dem Publikum. Er wandte die Methode an, die wir als Kinder pflegte», indem wir sagten:„Aetsch, bätsch, ich sehe was, was du rticht siehst." Denn zu wirklichen Detektivoufgaben waren die nur eine Sekunde gezeigten Stehlichtbilder doch wohl gor zu ungeeignet. Schließlich sieht man im Leben doch nicht schwar.z-wciß, sondern farbig, und nicht flächig, sondern plastisch. Und wenn man den Erkeimungsdienst noch Photoyrophien ausüben will, dann vertieft man sich in sie. Nett ober war eine peinliche„bcinlichc" Angelegenheit. In diesem Film ohne Köpfe trieb«in Mensch, der Mut zum Neuen hat, allerliebsten Uirsug. e. b. Ein vergessenes Lustspiel. Reftdenz-Theater:„Der reizende Adrian". Ei» langwieriges Luftspiel von Hans Müller aus ver- schollenen Zeiten(dabei ist es erst vor lö Iahren hergestellt). Reizend ist Herr Adrian, weil er als berühmter Solotänzer am Opernhaus einen bezwingenden Schwung in den Beinen und im Herzen und daher Verständnis sür die vielen verliebten Frauen hat. Er möchte so gern aus die Flatterhaftigkeit verzichten, die fein Beruf mit sich bringt, und mit seiner Frau bürgerlich geruhsam leben. Aber seine Verehrerinnen dürfen nicht wissen, daß er verheiratet ist, sonst wäre der Nimbus dahin. Da stellt sich heraus, daß seine Lieblings- Partnerin seine uneheliche Tochter ist. Seelenqual, erwachendes Vatergefühl, Anerkennung in oller Oeffentlichkeit. mvrolische Läuterung. Von den schlechten Stücken Hans Müllers ist der„Reizende Adrian" dos schlechteste. Es spricht sür die tiefgründige Literatur- kenntnis des Direktars und Regisseurs Robert Wintcrberg, daß er sich dieses völlig vergessenen Lustspiels erinnert. Noch schiefer als die Charakterzeichnung des Autors ist die Darstellung. Leopold Hainifch legt in seinen Adrian einen trogischen und Lotte Carola in die Rolle der illegitimen Tochter einen leicht- lebigen Ion, der das Stück ganz unmöglich macht. Dxr. Für Jugendliche verboten! „Das Bett" von Henry Lavedan. Das Theater in der Klostcrstraße darf auf sei» Programm setzen„Für Jugendliche oerboten". Schlummert dahinter nicht eine Fülle von Sensationen, besonders, da das Stück von Lavednn kurz und schlicht„Das Bett" heißt? Aber es blieb dem Publikum angesichts dieser eis Szene» nichts weiter übrig, als die hormloseste Gcdankenbrücke zu schlagen und— zu schlafen. Leider war dos ungeheizte Theater dafür kaum der geeignetste Ort, und mancher mag sich von diesem lustigen Ausenthalt als einzige Er- innerung eine dauerhafte Erkältung mitgenommen haben. Die elf Szenen sind für die Bühne unbrauchbar. Dieser Reigen um das Bett und seine Möglichkeiten ist platt, ohne Einfälle— und ohne Grazie des Wortes. Die Dinge stehen so eindeutig da wie pornographische Unterhaltungen braver Spießbürger. Man empfindet sie nicht einmal als besonders unanständig: man kriegt beim An- hören nur einen Brechreiz. Daß einzelne Bilder auch den M e n- schen im Bett zeigen, die Sehnsucht des einzelne» nach Ruhe, noch der sauberen Bürgerlichkcit, die ein frischbezogenes Bett ausdrückt, ändert daran nichts. Keine dieser Szenen ist auch nur annähernd so ausgeführt, daß sie Bühiienbcrechtigung hat, geschweige denn, daß sie für das übrige entschädigt. Die Schauspieler, die mit Liebe und Können sich für das Stück aufopferten, konnten einem leid tun. Iz. Drahtlose Uebermittlung von Bildern. Neue erfolgreiche Versuche mit der Uebermittlung von Bildern usw. auf drahtlosem Wege wurden vor einigen Tage» zwischen dem amerikanischen Sender Rocky Point, Long Island, und der Mar- conistation Somerton(Somerset) gemacht. Die Ueberlragung er- folgte diesmal mittels kurzer Wellen, und zwar solcher von 22 Meter. In Betracht kommen Wellenlängen von 13, 22 und 40 Meter, die je nach der Tageszeit gewählt werden. Nach dem Bericht der Augenzeugen hat die Uebermittlung diesmal bedeutend bessere Er- gebnisse gehabt, als dies bei den früheren Versuchen auf longen Wellen der Fall war. Insbesondere benötigte man weniger Zeit: sür die Uebermittlung zweier Bilder im Ausmaß von je 20 zu 23 Zentimeter benötigte man weniger als 20 Minuten. Unter den übermittelten Bildern befand sich eine Photographie des Wollworth- Gebäudes und eine Botschaft von der Hand des Sprechers der omeri- konischen Station. An die technische Vervollkommnung des Sendedienstes über den Atlantik werden große Hoffnungen geknüpft, von denen sich aller- dings noch nicht sagen läßt, ob ihre Verwirklichung einer nahen Zukunft angehört. So wird von der nahen Zukunft gesprochen, den jetzigen Kabeldienst durch die Uebermittlung des Faksimiles des Absenders des Telegramms zu ersetzen, d. h. den gesamten Tele- grammverkehr auf drahtlosem Wege zu erledigen. prosefsor kZeli-ch ist nach soeben vollendetem 7ö. Üebentjahc a e• st o r b e n. Beloch ist zeborenei Deutscher, weilte aber s>ir vielen Jahr- zebnten in Rom. Er ist der Versager des berühmten Werke« über die Bevölkerung der antiken Welt. Die erste Prosessur sür Röntgenologie in Deutschland. Der bisher als a. o. Professor an der medizlwschen Fakultät der Univer- sität Köln wirkende Professor Dr. Rudolf Grashey wurde aus den neu- gegründeten ordentlichen Lehrstuhl für Röntgenologie(medizinische Strahlenkunde) berufen und gleichzeitig zum Direktor des Röntge»- und Lichtinstituts der Universität Köln ernamri. Damit ist in Köln die erst« ärztliche Professur für Röntgenologie in Deutschland ge- schaffen worden: in Paris und London bestehe» solche schon seit längerer Zeit. Rußland baut Theater. Das staatliche Kunstamt in Moskau veröffentlicht soeben ein Programm, dos die gesamte Sowjetrussische Republik mit einem einheitlichen Netz von Nationattheatern über- ziehen soll. In erster Reihe ist an eigene Theater der verschiedenen nationalen Völkerschaften gedacht, doch werden auch Städte mit mehr als 30 000 Einwohnern, die bisher ohne eigene Theater sind, staat- sich suboemionierte Theater erhalte». Das Programm, das in fünf Jahren durchgeführt werden soll, verlangt einen ersten Kosten- aufwand in Höhe von 250 Millionen Goldrubel. Bei der schlechten Wirtschaftslage der Sowjetunion wird es allerdings mit der Durch- führung dieses Programms noch gute Weile haben. lieber die deutschen Auegraduugea in Pergomoa wird der Divettor des Alle» Mununis. Geheimrat Dr. Wieqand, an Hand zahlreicher Lichtbildev am IS., 20 Ubr, im Hölfaal der Staatlichen Kunstbibliotbek. Prinz-AIbrccht- Straße 7 a, fpi echcn. Einlaßkarten erkalten Interessenten k o st e n l o« durch die Gelchästsftelle der Deullch-Türksschen Verewigung, Berlw R 24, Friedrichstr. I3S, Fernruf: Norden 8889. Zklaral» Ladewanne. Die Badewanne de« französischen Rcvolutionäi« Marat. in der dieser von Chailolte EordaN ermordet wurde, ist an ei neu amerikanischen ZirlriSbesltzer iilt 400 Dollar oerkaust worden.— Für d' notterbett der Dubarry, da« auch nach Amerika kam. wurde ein sehr v höherer Preis bezahlt. Sie größte Markthalle der Welt In Berlin am Westhafen. Die Arbeilsgemeinschofk Berliner Markt hallenveccinc veranstaltet vom ll. bis lö. März eine Kchau- und Mcrbc- wache in den Berliner Markthalleo. Beben Vorsührungcn von Jilmcn, die die Erzeugung und Herkunst verschiedener Lebensmittel zeigen, werden u. a. auch Freikonzerte in den Markthallen veranstaltet. Das Berliner Marrthallenwefen wirÄ gerade in den Mittel- pnnkt des Interesses gerückt werden, da das bekannte Projekt des Markthalle n groszbaues am West Hafen seiner Verwirk- lichung entgegengeht. In unmittelbarer Nähe der Iungsernheide wird voraussichstich noch in diesem Jahre mit dem Bau der g r ö st- tcn Markthalle der Welt begonnen werden. Die geplante neue Zentralmarkthalle Westhafen soll den gesamten Großhandel aufnehmen, der heute in und neben der Zentralmarkthalle unter- gebracht ist. Nur der Fleischgroßhandel verbleibt in der Landsberger Allee, wo bekanntlich erst vor einigen Jahren moderne Neuanlagen geschaffen worden sind. Durch die am Westhafen zu erbauende Zentralmarkthalle wird die alte Zentralmarkthalle am Alexanderplatz vollkommen für den Kleinhandel frei. Der Lebensmittelhandcl soll die jetzt von ihm nur teilweise in Zlnspruch genommen« Halle gänzlich benutzen dürfen, während in der anderen Halle der gegenwärtig in der unzureichenden Linfcenhalle untergebrachte Blumenhandel weite Räume erhalten wird. Das Maxkthallengelände am Westhofen wird ungefähr 3S Hektar Flächestraum bedecken. Für rund ein. tausend Waggons werden Unterstellmöglichkeiten und(kntladeräum- lichkeiten geschossen werden, während in der alten Markthalle nur SO Waggons gleichzeitig untergebracht werden können. Auf dem zukünftigen Markthallengelärtde am Wssthgxen wird ein eigener Verschiebebahnhof eingerichtet werden. Es ist sogar möglich, dost die Stadt Berlin für den Rangierbetrieb in der Zentralmorkthalle Westhasen eigene Lokomotiven anschafft. Die Unkosten hierfür kämen durch Erhebung geringer Gebühren bestimmt ein. Von Bedeutung ist die Lage der zukünftigen Zentralmarkthalle am Wasser. Durch direkte Entladung der Schisse und Kähne auf dem Markt- Hallengelände ist nicht nur eine Verbilligung der Frachten, sondern auch eine Verbilligung der Lebensmittelpreise zu erwarten. Auf dein Gelände der Markthalle werden einige Entladekais geschaffen werden, und der Schiffahrtskanal soll verbreitert werden. Auch ein eigenes Zollgebäude wird voraussichtlich errichtet werden, um den direkt aus Hamburg kaminenden Schiffen unnötigen Aufenthalt in Hamburg wegen Verzollung der Waren zu ersparen. Jubiläum des Volkschors. Nach, der künstlerischen Feier in der Philharmonie aus Anlast seines Löjährigen Bestehens hatte der Berliner Volkschor Mitglieder, Freunde, Gönner und Behörden gestern zu einer intimen Zusammenkunft in das Lehrervereinshaus geladen. Der Vorsitzende, Dr. Alfred G u t t in a n n, konnte in seiner Begrüßuugs- c.nsprache herzliche Schreiben voin durch Dienstgeschüstc verhinderten Reichsinnenministcr S e v e r i n g, vom Reichstagspräsidenten L ö b e, vom Borstand der Sozialdemokratischen Partei verlesen. Obcrbürgcnncister Böst entschuldigte sich mit schwerer Krankheit, hatte aber einen Vertreter delegiert. An der Spitze der erschienenen Käste stand Prof. Leo Kestenberg, Referent in, Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Chores. Vertreter der Bezirksämter, des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes, der Gcwerk- jchaften, der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, der Volksbühne, die, eng liiert mit dem Chor, nicht wenige Mitglieder in ihm hat, Ab- gesandte der großen Berliner Orchester und die ständigen Solisten schlössen den Kranz der Festteilnehmcr. Der Chor selbst, aber auch sein erster und einziger Dirigent, Dr. Ernst Zander, und Dr. Gutt- mann waren Gegenstand der Huldigung und der Ehrung in den An- sprachen. Besonders Prof. Kestenberg hob die Opserfreudigkeit der Mftglleder hervor, dk. lange von nmfikatisch«, Aufturbestrebungen ausgeschaltet, sich selbst und der Allgenreinheit geistige Erhebung und künstlerisches Erlebnis gegeben hätten. Monarchistische Agitation in der Schule. „W a ru m ging der Kaise-r noch Holland?" Weil er Furcht hatte, Furcht vor„seinem" Volk! Aber ein Major� a. D. Siegsried Graf zu Eulenburg-Wicken weiß es besser. Ein Flug- b l a t l mit einem von ihm verfaßten Aufsatz will diese Frage be- antworten. Dem Kaiser sei nichts übrig geblieben, als zunächst„zur Seite zu treten". Niemals habe er daran gedacht, sür immer dort zu bleiben. Er habe die Entwicklung der allernächsten Zeit ob- warten wollen, um weiter« Entschlüsse fassen zu können. Aber die Ereignisse seien dann einen anderen Weg gegangen. Im Anschluß an diese Darstellung wird über die„N ovemberverleumder" geschimpft, die den Kaiser einen„Deserteur" nennen.„Ge- schworen« Feimse der hohenzollern",„Vernichter deutscher Größe", „Zerstörer deutscher Kraft" schilt der Herr Graf. Lassen wir ihm das Vergnügen! Wer wird aber für möglich hallen, daß ein der- artiges Flugblatt in einer Schul« verteilt werden könnte? Das ist in der Berliner 31. Gemeindeschule(Alt-Moabit) tatsächlich geschehen. Die Schüler einer sechsten Klasse fanden nach der Pause dieses Flugblatt auf allen Plätzen ausgelegt. Den Km- dem sagte ihr Lehrer, das könnten sie mit nach Hause nehmen. Die Dreistigkeit der monarchistischen Agitation läßt wirklich nichts zu wünschen übrig. Dem Freund Wilhelms II., der in dieser Weise auf die Schuljugend zu wirken versuchte, wird hoffentlich nachdrücklich auf die Finger geklopft werden. Theater der Woche. Vom 40. bis 48. Februar. Volksbühne. «m«Uowplotz! 10., II., 13. Das Müdl aus der»orgaM. m 1». Sremabnahm«. ZHcatrl am Schifsbanerdamm: Sic Dreigroschcnopcr. Thalia-Theatcr: Delrousch. Slaalslhealer. v Staat«p-r Unter den Linden: 10. SaMre. 11. Ienufa. 12. Baris«adu- noff. 12. Symphoniekonzert. 14. Rosenkavalier. 15. Die M�cht des Schicksals 1K. Mona Lisa. 17. Acg�ptisches Helena. 18. Fortunius Lied. Die fünf Wünsche. Äaatsoper am Platz der Republik: 10. Don Giovanni. 11. Freischütz. 12., 14. und 16. Hoffmonns Erzölilungen. 13. Der fliegende Holländer. 15. und 13. Carmen. 17. Die Fledermaus. Städtische Oper Charlottenburg: 10. Tannhäuser. 11. und 17. Eugen Onegin. 12. Tristan und Isolde. 13. Ionnq spielt auf. 14. Meistersinger. 15. Manon. 16. Jüdin. 18. Geschlossene Borstellung. Staatliche« Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 10., 11. Oedivus. 12. und 13. Ein besserer Herr. 14. Die Journalisten. 15.', 16.. 17. und 18. Karl und Anna.„„_ Schiller Theater Charlottenburg: 10. und 11. Ein besserer Herr. 12. Gas. 13. Die Weber. 14. und 15. Hinterhauslegende. 15.. 16., 17. und 18. Oedipus Thealer mit festem Spielplan: Deutsche» Theater: Die Verbrecher.— Sammerspiele: Soeben erschienen.— Die KomAne: Olympia.~ Theater am Rollendorfplatz: Iettchen Gebert. 17., vormittags 1UH Uhr, Matinee; Stationen aus Faust, Teil I und II.— Theater in der Koniggrätzer Straße: Revolte im Erjhiehungshaus..— Komodienhau»: Das Geld auf der Straße.— Große« Schauspielhaus: Casanova.— Metropol- Theater: Die lustige Witwe.— Theater de» Westens: Friedcrite..— Kamische Oper: Paradies der süßen Frauen!— Deutsches ztü n st lcr-' Theater: Der Ainker.— Lustspielhau«: Weekend im Paradies.— Lesfing Theater: Katharina Knie.— Theater iu der Behreustraße 53—54: Arm wie eine Kirchenmaus.— Tri aus«. Theater: Das Haus der Laster tPoshimara).— Zentral. Theater: I6) küsse Ihre Hand, Madame!- Berliuer Theater: 3 X Hock)- zeit.— Die Tribüne: Herr und Frau So und So.— Kleines Theater: Lady Windermeres Fächer.— Wallucr'Tdcater; Skandal im Bett.— Äciuxiffattcc' Theater: Das große ADE.— Nose-Theater: Die Fledermaus.— Cafiuo. Theater: Kilomcterllebchen.— Theater im Admiralspalast: Smön und Schick.— Winter. garten und Seala: Internationales Varictö.— Reichshallcn. Theater: Stettinsr Sänger.— Theater am Kottbusscr Tor: Elite.-Cänger. Thealer mil wechselndem Spielplan. SchloKpoct'Thcatkr Stealifc: Bis 12. Die Fledermaus. Ab 13. Der zigcuner- baron.— Theater in der Lühowstraße: Bis 13. Trilby. Am 14. geschlossen. Ab 15. Hurra, wir lache»! Zcachmittagsvorstellungen. Bolksbühne: Theater am Bölownlatz: 10.. 17. Die Bergbahn.— Staatliches SchaulPielhan» am Senbarmenmartt: 17. Die Journalisten.— Theater am Ballendartplatz: 10., 17. Fledermaus.— Srotze» SchanZpillhan»: 10., 17. Lola. »ooa.— Retrapol-Theatee: 10., 17. Die lustige Witwe.- Theater in der Beheenstr. 53—54: 10. Bolkäppcheu.— Die Trtbtine: 10., 17. Herr und Frau So und So!— Renaissance- Theater: 10., 17. Krankheit der Jugend.— Rose. Theater: Iii. Die ssebeu Raben. 17., 14!-: Uhr: Die(tebeu Raben; 17!4 Uhr: Sänger.— Theater am Rott busser Tor: 10.. Mntesgarte,»«H Seala: Theater; 10., 17. eicltiner i7„ Elitc-sänger. Erstaufführungen der Dache. Dienstag. Oper am Platz brr Revublik: Hoffuianns Srzahlun. qe».— Mittwoch Bolksbühne. Theater am Bttl-wylotz: Ärcusabnahme.— Freitag, öchauspielhaus: Karl ureb Amur. Deutsches Theater: Die lustigen Weiber non Wiudsor. Theater ,n b er Liitzow st ratze: Hurra, wir lachen!— Sanaabend. ZtletnesTheater: Trio. Sonnabend, 9. Februar. Berlin. 16.00 G. M. Uppmana: Felüt Dahn. 16.30 Pennälergeschichten.(Gelesen von Gert Frioke.) 17.00 UnterhaUnngsmasik, ausgeführt von Dr. Becce's Terra-Sinfoiiikcrn. 18.10 Dietrich Maydorn: Schiffahrt im Eise. 18.35 Prot. Dr. Esaa, Jena: Einführung in die Karrwellentechnik. 19.00 Heiliron; Rechtsfragen des Tages. 19.30 Dr. Maiic Elisabeth Lüders. M. d. R.: Die fTaa im Beruf. 20.00 Märsche, ausgeführt vom Musikkorps der 3.(PrcuB.) Nachriehten-lbtel- lung(Potsdam). AnschlieBend: Unterhaltungsmusik aus dem Hotel Kiiserhof(Kapelle Gtr* Kontor) und Tanzmusik(Artur Quttmauns Jazz-Sinfoniker). 22.45 Uebertraguug aus dem Zoo, Marmorsaal. Dirigent: Bruno Seidier-Winkler. AnscJilieBcnd; Tanzmusik. 23.30 Uebertragung aus dem Zoo. Blauer Saal. Anschließend bis 0,30: TauzmusUc. K 0 b 1 g s w n s t e r h i«» e b. 16.30 Uebertragung des Nachmitfagskonzertes Hamburg. 17.30 Direktor Winters: Freies Volksbildungsuesen und Beamtenschaft. 18.00 Dr. Walter Pähl: Studienreise Innger Arbeiter ins Ausland. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Hauptmann Rodde: Marokko. 19.20 Dr. Fritz Klatt: Rationelle Freizeitgestaltiing, eine Leben snotu-endigVeit der berufsgebundenen Menschen. 20.00—21.00„Die Medaille", Komödie in einem Akt von Ludwig Thoma. Regie: Alfred Braun. Sonntag, 10. Februar. Berlin. 08.55 Ucbertragnns: des Stnndenslockenspiels der Potsdtmcr Garnlsonkirchc. 09.00 Morgenfeier. Anschließend: Glockenspiel des Berliner Doms. 11..30 Uebertragung aus dem Großen Schauspielhaus: Vormiltasshonzcrt(Vereinigte Finkescbc Mandolinenchöre). 13.30 E. Nebermami: Die moderne Schachpartie. 14.30—15.25 Für den Landwirt. 14.30 Die Viertelstunde für den Landwirt. 14.45 Wochen röckblick auf die Marktlage und Wettervorhersage. 14.55 Diplom-Lancwirt Hilmar Deichmann: Friihjabrsarbciten aui der Wiese.* 15.30 Märchen. 16.00 Dr. Hugo Heinricy, Finnland im Winter, 16.30 Bühncnsternc auf der Schallplatte. 17.CO Fremdensitzung; der Kölner Karncvals-Gescllscliaft. Uebertragung aus dem Varict6 Groß-Köln. 18.30 Deutsche Welle: Gedanken zur Zeit. 19.00 Werbenachrichten. 19.30 Oberingenicur Otto Nairz: Das Wunder des Fcrrempfangs. 20.00 Abendunterhaltung. Mitw.: Joseph Plaut und Kapelle Gerhard Holtmann. 21.00 Lieder. I. Richard Trunk, geb. IG. Februar 1S70: a) die Stadt; b) Mondschein; c) Sochmcrfadeu.— 2. Volksweisen.(Ursula van Diemen, Sopran; am Flügel: Brtnio Scidler-Wiakler.) 21.30 Wie wir schaffen, und wozu wir schaffen. HF. Der Schriftsteller."Strcit- und Zwiegespräch zwischen Dr. Hans J. Rchfisch und Dr. Alfred Kerr. Anschließend: Wetter, Tagesnachricbtcn, Zeit. Sport. Anschließend bis 0.30; Tanzmusik(Kapelle Dajos Bdla). Königswusterhaasen. 16.00 Dr. R. Stein: Nationalhymnen der Völker(III). 18.30 Prof. Dr. Wagemann: Die Beziehung zwischen Löhnen, Preisen und Kon- jonktur. 19.00 Dr. Hermann Stehr: Schlesien und die Schlcsier. 19.30 Dr. Mario Krammer: Ernst Bertram. 20.00 Uebertragung der Unterhaltungsmusik aus dem Höfel Esplanadc(Kapelle Barnabas v. Gccsy). Scroutmortl, für die Redaktion: Wolfgaug Schwarz. Berlin: Anzeigen: Zh. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 6: Co., Berlin SD 68, Linden ftraße 3. Hierzu 1 Beilage. Die liomSdie Slsmsrck 2414/7516 8>/. Ustr, Lncle 10-/. „ohfmpis" von Franz Molnar Rc�te: Forster Larinaga. HÄLLER-REVIIE «>/. Uhr: Th. im Sdniiralsjäiasl Söiöd n. sdiid< J Sonntag l Vorstel hingen JOkr a, J'.'Jlir. Hai- aütijj iis„«!, Ifnr- slalls- m halksa Prrisec Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr leltmen fieDeri Singspiel von Walter Kollo Beriiser meater DirekLHeinz Herald Charlottenstraüc 90 A. 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Lessing- Theater 8 Uhr Rattarua Knie. KleiD« Theater Fielich 8Va Üh. Lady windermeres Fächer von Oskar Wilde >androck Htchy, Kllrder. Hardt, Mamclock u. Möller R ose-Theater it.frntlortarSl.IJ! 4 Uhr b'/. Uhr Die Fledennaos METROPOLTHEATER 8: Lustige Witwe mit ERITZI MASSARY Max Hansen, Elleot, Jankuhn, Junkermann, Sehaetfers GR. SCHAUSPIELHAUS 8: JTnr noeh 3 Woeiien! CASANOVA in der Prossen StarbcaetzuDg Z W E I C H A R ELI. INSZENIERUNGEN SonntajET naetim. 8 Uhr unprU. Vor«telIunE: hleln© Preise ■ffMiffW lilill liAl l'l' IWlii"IWIIi BPH l IhlHI Ii II— l—H Bamowsky-BShneo Thaater in dar KBniggritrar Straße S'.'i Uhr Revolte im Erziebungshaus Schauspiel von P. M. Lampel. KomOdienhaus 8V) Uhr Das Geld auf der Straoe JlwteoT. Bernauer u. Oesterreicher Trianon-Th. Täglich a' t Uhr Das Haus der Laster (Y oshiwara) uustsplelbaos Föcdrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8V« Uhi GoidoThleisdier m Weekend Im Paradies Dtsch. KOnatlar-Th. S1'» Uhr Der Zinker v.Edgar Wallaca deuhtb Rita Matthias Preise 1— 10 Mark Pentral- Theater 4lte JataiKtr. Edte-rjciiwfr- Täglich b1* Uhr Sonntag auch 4 Uhr ich süsse ihre Hand.madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem gleichnam.Schlagcr Rund tu nkhörcr Halbe Preise PlastiariDni an Zoo 'viliis. JudiiinttiiiR Itnf Noll. 157' 16 Uhr Jer Sternbimraei im Winter H Uhr Mars und seine Rdtsei '0 Uhr werden u. vergehen d. Sterne Reichshallen-Theater Xoend-i|~81 oonnta nichm. HTI Das lastlos D6U8 rmr-Pragr. der Sleoiner sanier Nachm. halbe Preise, volles Programm. Donhoff- Brettl: Konzert /Tanx,- Variete 10 irat« liimnern. IMerDesWensl Tliglich«1/4 Ahr | Oer sensationelle Erfolg! J Käthe Dorsch _ in FrieöerikeZ Musik von Franz Lehar Kammers. 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Februar 1929 torAtonD SfuZ/auAfatfe-dei Reparationen Was man vor der Pariser Konferenz wissen muß Am Montag tritt in Paris«He Reparationskonfercnz zusammen. Da ist es sicherlich nicht üderslüsstg, sich dorcni zu erinnern, was Reparationen eigentlich sind. Ursprünglich sollten die Reparationen einen etwas anderen Sinn haben— auf deutsch heißt„Reparation" bekanntlich„Wiedergut- machung". Als Präsident W. Wilson am 8. Januar 1918 in Washington vor dem Kongreß seine berühmte Rede mit den 14 Punkten hielt, sprach er in Punkt VII davon, daß Belgien geräumt und„wiederhergestellt" werden müßte. Am 5. Ro- rember, knapp eine Woche vor den Waffcnstillstandsvcichondlungen, erklärte der amerikanische Staatssekretär Lansing in Wilsons Aus- trog, die Alliierten verlangten, daß„Deutschland für ollen durch seine Angrisse zu Land, zu Wosier und in der Lust der Zivil- beoälkeruug der Alliierten und ihrem Eigentum zugefüg- ten Schaden Ersatz leisten soll". Und schließlich heißt es in dem gewichtigem Artikel 231 des Bersailler B e r t ra g s. jenem Artikel, der die Grundlage der ganzen deutschen Reparations- belastung bildet:„Die verbündeten und assoziierten Regierungen er- klären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Ber- bündeten als Urheber aller Verluste und aller Schäden verantwort- lich sind, welche die verbündeten und asioziierten Regierungen und ihre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben". Im folgenden Zlrtikel werden zwar auch die deutschen Leistungen aus die Wiedergutmachung der Schäden der Zivilbevölke- r u n g beschränkt, doch gingen von Airfang an bei ollen Beteiligten die Airsichten über den Umfang der„Wiedergutmachung" weit aus- einander. Praktisch lagen von Anfang an die Dinge, wie jeder weiß, anders: denn wenn mit chilse deutscher Sachlieferungen chäfen und andere Anlagen modernisiert, wenn im Interesse der französischen Schwer- und chemischen Industrie Deutschland Kohle und Teerfarben- Produkte liefern mußte, wenn insbesondere mit einem Teil der Reparationsgelder die militärische Besetzung des linken Rheingebiets finanziert wird, so hoben solche Dinge mit einer„Wiedergutmachung der Schäden der Zivilbevölkerung" nichts zu tun. Oer Kampf um die Endsumme. .hiermit hängt es auch zusammen, daß man sich bisher über die Endsumme, d. h. über die Gesamtbelastung Deutschlands, zehn Jahre, lang nicht hat einig werden können. Der Bersailler Vertrag nennt wohl(Artikel 23Z) eine erste Rate von 20 Milliarden Gold- mark und dann einige weitere Raten, aber keine Endsumme. Die d«imols von Frankreich vorgeschlagene, aber nicht angenommene Zahl betrug 4M Milliarden Mark. Zum erstenmal wurde eine solche Endsumme im Juni 1920 offiziell genaxiit, wo die Alliierten verlangten, Deutschland solle ab 1921 jährlich zunächst 3 Milliarden, später 7 Milliarden Galdmamrk zahlen, 42 Jahre lang, bis 269 Mil- liarden Goldmark als Gesamtsumme erreicht seien. Diese phan- tostischc Ziffer wurde jedoch von keiner Seite lange ernst genommen. Sie hätte nämlich im Durchschnitt eine Schuldenlast von rund 4309 Goldmork pro Kops der deutschen Bevölkerung bedeutet, mehr als 20 990 Goldmark also sür eine fünsköpsige Familie. Am 27. April 1921 wurde denn auch offiziell von der Reparationskom- Mission, d. h. demjenigen mit gewaltigen Vollmachten aus- gestatteten Ausschuß der Alliierten, der die deutschen Leistungen fest- zusetzen und die Zahlungsfristen zu bestimmen hat. mitgeteilt, die Endsumme bclouse sich aus 132 Milliarden Goldmark. eine Ziffer, die jedoch ebenfalls nicht nur von deutscher, sondern auch von anderer, insbesondere amerikanischer Seite als phantastisch ausgesaßt wurde. Wenn jetzt auf der Poriser Konferenz eine andere Gesamt- Ziffer festgestellt werden sollte, so muß die Reparationskommisjion ihre damalige märchenhafte Zahl für falsch erklären, denn den recht- lichcn Bestimmungen, d. h. den Artikeln des Bersailler Vertrags noch, liegt auch heute noch die Entscheidung bei dieser Kommission. Die..Sachverständigen", d. h. die hinzugezogenen Geschäftsleute aus ollen beteiligten Großstoaten(Frankreich, Eng- lond, Belgien, Italien, Vereinigte Staaten, Japan) sind formell nur „Berater", wenn sie auch tatsächlich als Repräsentanten des inter- nationalen Finanzkapitals die größte Macht des Erdballs vertreten. Was bis 1924 geleistet wurde. Auch vor dem Dawes-Vertrag. der die deutschen Lei- stungen 1924 festlegte, wurden bereits hohe Lieferungen und Zah- hingen vollzogen: 1. Teils Lieferungen von Bahnmaterilll(5000 Lokomotiven, 150 000 Bahnwagcn, 5000 Lastkraftwagen usw.). Such, Holz, Kohle usw.. Ablieserung der gesamten Handels- und Kriegs- flotte, Abgabe des Kriegsmaterials, Abtretung der Kolonien, West- Preußens, Ostabcrjchlesiens usw., Verzicht aus den größten Teil der deutschen Auslandsänlagen, Ueberlassung der Saargruben, Liefe- rungen von Kohlen. Koks, Ammoniak usw. 2. Teils Barzahlung— bis 1923 etwa 2 Milliarden Goldmark. Was die erste Art der Leistung anlangt, so gingen die Mei- nungen über ihren Geldwert weit auseinander. Was die zweite Art betrifft, so mußt« Deutschland die Zv«!sungen ohne Gefährdung der deutschen Währung nicht möglich seien. Auch die Amerikaner werden, falls eine neue große Reparationsanleihe zustande kommt, diese Befürchtung haben, und ihre Zinsen für un- sicher halten. Ob andererseits Dcust'chland auf diesen Schutz ver- zichtel, hängt wahrscheinlich davon ab, ob eine erhebliche Herab- setzung der deutschen Jahresleistung erfolgt oder nicht. Aber auch die Sachleistungen schaffen Konflikte. Wie der Dawcs-Vertrog ausdrücklich sagt, können die deutschen Leistungen, die Sachlieferungen wie die Barzahlungen, nur erfolgen durch ge- steigerten deutschen Warenexport ins Ausland. Eine solche Ausfuhr- steigcrung bedeutet eine verschärfte Welimarktkonkurrenz und ist verbunden mit der Schaffung internationaler Gegensätze vieler Art. Sie Annuitäten. Was die Hohe der deutschen Jahresleistungen(Annuitäten) be- trifft, so ergibt sich aus der folgenden Ueberficht(Millionen Mark): Aufdringung der Leistungen l. Reichshausholt.. 2. Reichsbahn-Obligation. 3. Berkehrssteuer. 4. Reichsbahn-Vorzugs- aktien..... 5. Industrie-Obligation. 6. Ausländsanleihe.. Gesamtjahresleistung. 1924,25 1925/26 200 8Ü0_ '1000 595 250 250 125 1926/27 110 550 290 1927/28 500 660 290 250 300 „Slotmaliofit" ad 1928/29 1250 660 290 300 1220 1200 1750 2500 Hierzu ist zu sagen: 1. Die Leistungen des Reichshaushalts werden durch Steuern und Zölle aufgebracht: und die Zölle sowie die indirekten Steuern(Zucker-, Bier-, Branntwein-, Tabaksteuer usw.) werden als Sicherheit sür diese Zahlungen Monat für Monat dem General- agenten verpfändet. Die großen Schwierigkeiten des jetzt zur Be- ratung stehenden Reichshaushalts erklären sich aus dem Anwachsen dieser Leistungen gerade im lausenden Jahr. Pro Kops der Be- völkerung bedeuten allein diese 1250 Millionen Mark eine Steuer- belastung von 20 Mark jährlich. 2. Die Reichsbahn wurde 1924 in eine halb-internationoke Gesellschaft umgewandelt, die Schuldverschreibungen(Obligationen) in Höhe von 11 Milliarden Mark ausnehmen muhte, sür die sie jährlich 6 Proz.(5 Proz. Zinsen und 1 Proz. Tilgung) an den Generalagenten abführt. Diese Zahlungen bedeuten, da die Reichs- bahn-Gssellschast sie auf den Verkehr in Form hoher Fracht- und Personentarife abwälzt, eine indirekte Verteuerung der gesamten Lebenshaltung. 3. Das gleiche gilt von der auf den Bahnverkhr noch besonders gelegten Berkehrssteuer. 4. Der Verkauf von Reichsbahn-Vorzugsaktien wor sine einmalige Einnahme, die dem Reparationsagenten zugeführt werden mußte. 5. Die industriellen, landwirtschaftlichen und Handelsbetriebe werden, sofern sie ein Vermögen von 50 000 Mark haben, mit einer Schuld von insgesamt 5 Milliarden Mark belastet, die— wie bei der Reichsbahn— mit 6 Pro,;, verzinst und getilgt werden muh. Das Industriekapital ist bestrebt, diese Lost in Form höherer Preise oder niedrigerer Löhne aus ander« Klassen abzuwälzen. Soweit das Schema des Dawes-Plons. Die Durchführung sah ähnlich aus, aber nicht genau so. Ins- besondere hat Deutschland mehr, als hier vorgesehen ist, gcleistci. Warum? Es findet sich im Dawes-Vertrag folgende Bestimmung: die deutschen Leistungen erhöhen sich, wenn die Erträge aus den verpfändeten Einnahmen des Reichs(indirekte Steuern und Zölle) eine gewisse Summe(1,25 Milliarden Mark) übersteigen. Infolge der Häherschraubung der Z u ck e r st e u c r, vor allem infolge der hohen Zölle von 1925 überschreiten diese Einnahmen tatsächlich die genannte Summe sehr bedeutend, so daß nach dem Dawes- Vertrag eine jährliche Zusatzleiftung von 250 Mil- lionen Mark hinzukommt, ein freiwilliges Geschenk Deutschlands an feine Gläubiger, das wegfiele, wenn z. B. die Zollschranken radikal abgebaut werden könnten. Oer Kontrollapparat. Der Dawes-Vertrag. ein 150 Druckseiten starkes Dokument, setzt noch andere Dinge fest, insbesondere die Schaffung eines großen Kontrollapparates, die Einsetzung von Kontroll- kommissaren für die Reichsbant, die Reichsbahn, die verpfändeten Steuern usw. Ferner enthält er noch Bestimmungen über den berühmten„W o h l st a n d s i n d c x". Wozu soll dieser„Grad- messcr des deutschen Wohlstands" dienen? Er hat mit einer Eiche- rung eines Wohlstands für die Bevölkerung nichts zu hin, vielmehr besagen die betreffenden Dowes-Bestimmungen, daß die Repara- tionsleistungen Deutschlands im selben Maße wachsen sollen, wie seine wirtschaftliche Entwicklung sich bessert. Je größer der Haushalt des Reichs und der Länder, je höher die Bevölkerungszahl, je größer der Verbrauch von Kohlen, ebenso von Zucker, Alkohol und Tabak, je stärker der Eisenbahnverkehr: um so höher sollen die Jahresleiswngen geschraubt werden. Bereits im nächsten Repara- tionsjahr(1929/30) soll dieser weitere Zuschlag erstmalig berechnet und erhoben werden. Ob aus der Pariser Konferenz diese Bestimmungen geändert, ob die deutschen Leistungen etwas erleichtert werden, hängt von einer ganzen Reihe von Kräften ab, deren Interessen sich oft wider- sprechen, in erster Linie von den Geschäftsobsichten der amerikani- scheu Hochfinanz, deren stärkster Vertreter, der Bankier I. P. Morgan, ja persönlich als amerikanischer Delegierter an der Sachverständigenkoiifcrenz teilnehmen wird. „Kommerzialisierung" der Reparationen. Es ist die Absicht des amerikanischen Finanzkapitals, die deut- scheu Reparationsschulden zu„kommerzialisiere n", d. h. sie geschästsmäßig zu gestalten. Das soll z. B geschehen, indem Deutschland eine neue große Anleihe— größer als die von 1924— aufnimmt, deren Erlös zu Reparationsleistungen aller Zlrt ver- wendet wird. Diese Anleihe muß natürlich Deutschland den Ameri- kaner» nicht nur verzinsen, sondern auch einmal zurückzahlen. Eine solche Umwandlung würde zwar an sich für Deutschland finanziell noch keine Erleichterung bedeuten, wohl aber sür die amerikanische Finanzweli und ebenso für die zu beteiligenden Finanzgruppen anderer Länder, ein großes, einzigartiges Geschäft. Amerika würde dadurch an Deutschland, an seinem Haushalt, seiner Wirtschasts- entwicklung viel stärker als bisher interessiert werden, und diese noch engere Bindung kann— wie ein großer Teil der deutschen Bourgeoisie meint— für Deutschland von Vorteil sein, vielleicht auch politisch. Aber Amerika ist sicherlich kein besserer Gläubiger als andere Länder, es wird auch von Deutschland sein geliehenes Geld und seine Zinsen zu den festzusetzenben Fristen pünktlich verlangen. Die alliierten tSchulvcn. Wohl ist es möglich, daß das amerikanische Finanzkapital die Ueberzeugung gewinnt, daß ihm seine in Deutschland gemachten Kapitalanlagen, auch seine vorbereitete neue Reparationsanleihe und seine Zinsen sicherer sind, wenn die deutschen Leistungen nicht zu hoch geschraubt werden und wenn durch eine zu große Ausbeutung der deutschen Bevölkerung nicht nachmals die Grundlage für eine faziale Gärung wie 1923 geschnsfen wird. Man kann aber heule »noch nicht prophezeien, ob die Amerikaner wirklich diese Ueber- zeugung hoben und ob sie dann auch eine solche Ül�inuiig durchsetzen können: diese Frage ist ja aufs engste mit der künftigen Gestaltung der alliierten Schulden an Amerika verknüpft, d. h. jener rund 12 Milliarden Dollar betragenden Summe, die eine Reihe europäischer Länder, insbesondere Frankreich und England, aus der Zeit des Kriegs und der ersten Nachkriegs- jähre an die Bereinigten Staaten schulden und die sie i» großen Jahresraten zurückzuzahlen haben. Bisher haben die Bercinigten Staaten eine Verbindung der Reparationssrage init diesen alliierten Schulden abgelehnt, vor allem wohl deshalb, weil sie als Gläubigermachi aller europäischer Groß- staaten ein politisches Druckmittel ersten Ranges in Händen haben. Würde die Gesamtsumme der alliierten Schulden auf Deutschland übertragen werden, so wäre Deutschland Hauptschuldncr der USA. Oie Endsumme. Eine„Kommerzialisierung" der Reparationen ist vor ollem von einem Ergebnis abhängig: der endgültigen Festsetzung einer Endsumme. Der Fall wird nicht so bald wieder zu finden sein, daß ein Schuldner zehn Jahre lang seinem Gläubiger Zinsen zahlt, ohne zu wissen, wieviel er eigentlich schuldig ist. Auch die Amerikaner werden unter solchen Umständen nicht geneigt sei», ein« Reparationsanleihe zu geben, denn jeder Geschäftsmann, der Geld anlegt, will die Sicherheit haben, es wiederzubekommen. Wenn aber eine solche Festsetzung der Endsumme und eine Kommerzialisierung zustande kommen, wenn also aus den Repara- tionsleistungen ein sinanzkapitalistisches Geschäft gemacht wird, so wird wohl deutscherseits verlangt werden, daß dementsprechend so ungeschäftsmäßige Einrichtungen wie die Besetzung dos linksrheini- scheu Gebiets und der im Dawes-Vertrag vorgeschriebene Koniroll- opparat mit all seinen Kommissaren, Agenten und Komitees beseitigt werden. A. Friedrich. von Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by RUtten& Loening, Frankfurt a. M. (18. Fortsetzung.) Die Menschen lanven von der Arbeit, strebten heim: die meisten beeilten sich, als glaubten sie, daß sie zu Hause von einer angenehmen lleberraschung erwartet werden, von etwas, auf das sie sich den ganzen Tag gefreut haben, zu dem sie schleunigst lzeim- kehren wollen. Nur einige schritten zögernd dahin, lungerten auf der Straße umher, betrachteten die Schaufenster. Die hatten be- stimmt kein wahres Heim, wollten noch die Güte der Straße, der offenen Welt genießen, bevor sie sich von ihr in ihren Zellen ab- schloffen. Das waren einsame Menschen, die von niemandem erwartet wurden. Für die hatte dos Leben keine Ueberraschungen, keine neuen Komplikationen. Die wußten, was sie erwartete, wußten, wie ihre Kammer aussah und was ihnen der Abend bringen würde. Und fürchteten sich vor der Gewißheit. Auch deshalb braucht er Gertruds Dorawan. Er will nicht ganz allein sein. Will jemanden haben, der alles mit ihm teilt, Freuden und Leiden; der ihn ermutigt, ihm Teilnohn rc bezeugt, mit ihm leibt,«in Teil seiner selbst ist. Er weiß, was er tun wird. Morgen wird er Gcrtrude Donovans Adresse ausfindig machen, sie aufsuchei», mit sich nehmen. Er war überzeugt, daß sie ihn, folgen würde. Er braucht nur' die Hand auszustrecken, ihr sagen: „Komm", und sie wird kommen. Das weiß er. Und dann werden sie zusammen ins Leben treten, ins wirkliche lebenswerte Leben. Bei diesen Gedanken wurde ihm seltsam zumute; er hatte sich noch nie so gefühlt. Nun ist das Leben nicht mehr«ine Reihen» folge von Diners und Gabelfrühstücken, von Flirts und langweiligen Boxkämpfen. Nein, es ist etwas Warmes, Glühendes, voller Leiden und Freuden, wirklicher ehrlicher verdienter Freuden, ehrlich verdienter Leiden, ein Leben, bestehend aus Arbeit und Liebe,. ibirklicher Arbeit und wirklicher Lieb«. Er fühlte sich glücklich. Der bekümmerte Ausdruck verschwel ttd von feinem Gesicht, Friede breitet« sich über feine Züge. Er ist ein Mann, weiß, was er tun wird, weiß, was das Leben bedeutet. Er wird«s zu meistern wissen. Unbewußt hatte er sein Heim erreicht und osfmtc die Tür mit dem Schlüssel.. Und jetzt, inmitten der vertrauten Umgebung, in der allen .Halle mit den wohlbekannten Forben, begrüßt vom Kainmerdiener, den er seit seiner Kindheit kannte, jetzt, da er den Diener fragte, ob der Vater zu Hause sei, da er nach dem Arbeitsziinmer des Vaters schritt, um ihm den Bankrott der Firma mitzuteilen,— jetzt wußte er auf elirmal nicht mehr so gewiß, was er morgen tun würde. 10. Die Herren Zuckor und Goodman. Herr.Zuckor und Goodmann kamen zusammen noch Hause. Zuckor begab sich sofort in sein Zimmer, Goodmann hingegen betrat dos Wohnzimmer, wo fein« Frau und deren Mutter saßen. Er sagte: „Belle, die Firma ist heute pleite gegangen. Dein Vater Hill keinen Cent mehr!" Bums! Belle Goodman und ihre Mutter schrien entsetzt: „Oh!" „Eine schöne Sache." fuhr Goodman fort,„Bankrott machen. Eine schöne Sache. Ausgerechnet jetzt." Ein schöner Mann, zuckte es durch Frau Zuckors Kopf. Ein schöner Itann. Da nimmt man ihn auf. macht etwas au» ihm, gibt ihm die«igen« Tochter, und dann, wenn alles schief geht... Ein schöner Mann. „Wo ist Zuckor?" fragte sie. «Er ist in sein Zimmer gegangen," antwortete Goodman. „Belle, es ist entsetzlich. Mein Gott, ich akmte ja nichts, als ich in die Firma kam. Ein Konkurs. Guter Gott. Was werden wir tun?" Frau Zuckor verließ eilends das Zimmer, Belle Goodman blickte ihren Mann an und sagte: „Er muß dich herausreißen. Vtuß es, muß es." Belle Goodman lag auf der Chaiselongue. Sie atmete schwer; da» ungeborene Kind, das ihr Kleid spannt«, beschwert« sie. Ihr ungeborencs Kind. Sie liebte es innig. Der erste Sohn. Jetzt aber fühlt« sie plötzlich, daß es sie beschwerte. Ja, es hinderte sie sogar am Denken. Sie wußte genau, daß sie, wäre nicht das ungeboren« Kind, anders handeln würde; sie würde nicht für ihren Mann Partei ergreifen. Wäre nicht das ungeborene Kind, sie hielte zum Bater, der für sie und die Mutter alles getan hat. Goodman stand vor ihr und blickte auf sie nieder. Er fühlte sich äußerst unbehaglich. Wußte nicht recht, was er denken solle. Stand nur ganz still und sah die Frau an. Die Ftau aber, die ihn so stehen sah, verachtete ihn. Sie ver- achtete ihn, weil er hilflos war, nicht wußte, was mit sich onzu- fangen, nicht wußte, wohin sich zu wenden. Verachtete ihn, weil sie immer geahnt hatte, daß ihr Mann sie in einem solchen Fall im Stich lassen würde. Vor ollem aber verachtete sie chn, weil er sie, die häßlich und daher schwer an den Mann zu bringen war, ge- heiratet hatte. Sie wußte nur zu gill, weshalb ihx Vater gerade Goodman aus dem ganzen Bureau gewählt hatte: er hatte einen Mann gebraucht, an den er die Tochter verlieiraten konnte. Belle wußte, daß sie nicht hübsch und daher schwer zu ver- heiraten gewesen war. Trotzdem fühlt« sie sich ihrem Manne über- legen, diesem Menschen, der nichts befaß, der nie und nimmer aus- gewähli und auf die Füße gestellt worden wäre, hätte Zuckor nicht eine häßliche, im Heiratsalter stehend« Tochter gehabt, für die er einen Mann braucht«. Belle Goodman starrt« ihren Mann an und spann dies« Gedanken weücr Goodman erriet ihre Gefühle und empfand den Wunsch, auf sie Eindruck zu machen. Er ballt« die Hände zur Faust und schrie si« an: „Was werden wir tun? Ich frage dich: was werden wir tun?" Frau Zuckor fand ihren Mann in seinem Zimmer. Er saß auf einen Sessel und betrachtete die Photographie seines Vaters. Die Photographie hing gerahmt, unter doppeltem Glos, an der Wand; das Gesicht von Zuckors Vater war nicht genau zu unterscheiden. Zuckor starrte das Bild an. Er wandte sich nicht um als seine Frau eintrat. „Aleck," fragte sie,„ist es wahr? Ist die Firma bankrott?" „Ja," erwiderte er, ohne sie anzusehen. Frau Zuckor erschrak. Als Goodman die Nachricht vom Bankrott verkündet hatte, war ihr erster Gedanke Goodman und dessen Un- dankbarkeit gewesen. Dann hatte sie nur an den Gatten gedacht. Erst jetzt begriff sie, was geschehen war, erfaßte es in seiner vollen Bedeutung. Di« Firma ist bankrott, und sie haben keinen Cent. Sie sind zwei olle Leute, die keinen Cent haben. „Aleck," fragte sie,„was werden wir tun?" Herr Zuckor gab keine Antwort. Er starrt« noch immer auf die Photographie. Das heißt, er betrachtete nicht dos Bild, sondern blickte nur in dessen Richtung. Sein Hals war gestrafst, seine Stirn starr: er oersuchte aus allen Kräften, nicht zu denken. Blickte noch der Photographie. Frau Zuckor empfand tödliche Angst. Was ist geschehen? Si« versteht es nicht. Was ist das? Ein Bankrott? Was ist ein Bankrott? Wie war es möglich, daß sie Bankrott gemacht haben? Wie... „Aleck," rief sie,„was bedeutet das? Was ist geschehen? Aleck?" Herr Zuckor gab keine Slntwort. Goodman stand im Speisezimmer, den Rücken gegen die Wand gelehnt, und beobachtete das Mädchen, das den Tisch deckte. Er beobachtete es genau: zuerst legte es eine Filzdecke auf den Tisch, dann das Tischtuch. Nachher kam das Besteck, die Gabeln links, die Messer rechts. Er folgte jeder Bewegung des Mädchens. „Na gut," sprach er zu sich selbst.„Na gut, sie haben Bankrott gemacht. Was geht dos mich an? Wie? Hab ich den Bankrott verschuldet, oder hat Read es getan? Habe ich daran prosittert?" Er fühlte sich unbehaglich, besangen, als gehörte er nicht in dieses Haus, in dos er eingeheiratet hatte. Er kam sich wie ein Fremder vor. Solange alles gut ging, hat er hergehört, jetzt aber, da die Dinge schief gehen, ist er ein Außenseiter, einer, der nicht hergehört. Er bedauerte sich selbst. Bedauerte, weil sein Traum zu Ende mar, das Leben, das«r nie zu erhoffen gewagt, das ihm dann als köstliche Ueberroschung in den Schoß gefallen war, ein verwirklichter Traum; jetzt war es damit vorbei. Es ist aus mit der Bequemlich- feit, mit den Freuden eines behaglichen Heims; er sah sich von neuem, wie er gewesen war, als Zuckor ihn kennen galeritt hatte. Wieder ist er ein Angestellter,«in kleiner Angestellter und nicht mehr der Schwiegersohn eines der Kompagnons. Ist nicht mehr ein Mensch, der sein« Arbeit vernachlässigen kann, ohne fürchten zu müssen, daß er seine Stelle verliert und der Ungewißheit preis- gegeben wird. Nein, von jetzt an wird er arbeiten müssen, doppelt fleißig arbeiten müsicn. Er hat eine Frau zu erhallen, und die Frau erwartet ein Kind. Ihm schien, als habe Zuckor ihm geschadet, statt zu helfen. Zuckor hat für ihn ein Narrenparodies geschaffen, einen Ort, wo er nicht denken brauÄ, weil andere für ihn denken, nicht arbeiten braucht, weit anders für chn arbeiten. Einen Ort, von wo ans er die Mühen und Kämpfe des Lebens bettachten kann, selbst in Sicherheit, blind gegen alles Ungemach. Er empfand ein immer stärkeres Mitleid mit sich selbst. Weshalb? Weshalb ist all das gescheiten? Weshalb? Ohne die geringste Warimng ist chm der Ziegelstein auf den Kopf gefallen. Wodurch hat er dies« Sttafe verdient? Warum muß er es ertragen? Auch Zuckor und dessen Frau wird er erhallen müssen Man kann sie doch nicht aus der Straße liegen lassen. Er wird sie ernähre», für ihre Kleidung, für ein Dach über ihrem Haupt sorgen müssen. Hat vier Menschen aus dem Nacken. Bier Menschen! Mit einenrmai. Und während er so das tischdcckende Mädchen bettachtete und seinen Gedanken nachging, wußte er, daß er die vier Menschen erhalten würde. Er würde es tun, weil er es tun mußte. Es gab keinen anderen Ausweg. Er sprach nicht bewußt zu sich selbst: „Ich werde es tun, weil ich es tun muß." Bei diesem Gedanken erfüllt« ihn plötzlich der Stolz. Ja, er wird arbetten» lytrd kämpfen müssen, aber er wird das Haupt der Familie sein. Er wird die Befehle erteilen, nicht Zuckor. Cr wird nicht mehr unter dem Gefühl leiden, daß er nur aus Höslichkeit geduldet wird, aus Zweckmäßigkellsgrüirdcit. Nein, er wird not- wendig sein, unentbehrlich, die Hauptsache. Die anderen werden tun müssen, was er will, leben müssen, wi« es ihm paßt. So grübelle er, während er, an die Wand gelehnt, im Speise- zimrner stand, das Mädchen beim Tischdecken beobachtete und auf die anderen wartete. Si« kamen einzeln ins Zimmer. Zuerst Frau Zuckor, die, mit dem Abendessen beschäftigt, einigemal aus und ein ging. Dann erschien Belle. Sie sprach kein Wort mit ihrem Manne, setzte sich schwerfällig aus einen Stuhl, der vom Tisch obgerückt war. Sie machte einen trübsellgen und zugleich fast lächerlichen Eindruck, wi« sie so da saß, den ungeheueren Bauch vorgestreckt, das Gesicht aufgedunsen und fettig glänzend, die Augen gesenkt. Erst nachdem sich auch Goodman und die Schwiegermutter gesetzt hatten und das Mädchen mit dem ersten Gang kam, ttot Zuckor ins Zimmer. Er sah alt und müde aus. Die Furchen m feinem Gesicht waren tieser als am vorhergegangenen Abend. Ja. er sah sehr alt und sehr müde aus. Hielt den Rücken gebeugt, da er zum Tisch trat und seinen Sessel vorzog.(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". iniiniimufiuiiRiiHNinnmiinniitiuiiiiiiiiiinHTtiniimHiTunntnfomiiiii Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Etwas vollbrachtes: 2 Gefäß: 3. Wasser; 4. Raubvogel; 5 Marokkanische Küstenlandschaft: 6. Legitimation: 7. Ort in der Schweiz: 8. Erdart; 9. Kopf- bedeckung: 19. englische An- rede; 11. Gutschein. Wagerecht: 2. Tierleich«; l. Blume: 5 Wajserlauf: 6. Gefrorenes; 7. Gefäß; 8. Haus- tier; 19. französische Münze: 1 1.Edelstein; 12 Hauseingang. (ch und ß----- ein Buchstabe) b». Oefizitaufgabe. Aus den Silben de de di don c eis juch kin lar tat l« le li li li ma nient mir ne phar sau sei si sie sta stil stu tot tcm ten ti tik tur tur um zei sind 18 dreisilbige Wörter mit gleicher zu ergänzender Anfangssilbe zu bilden. Wie heißen die Wörter und wi« heißt die Silbe? bU Zahlenrätsel. 6 7 8 9 19 2 11 12 Problem der inneren deutschen Politik Kleines von Wasser umgebenes Land Stadt in Brandenburg' Filchereigerät Bekannter französischer Kprort Handwerkszeug Berbrennungsprodukt Kinogesellschaft Gortengerät Alte Bezeichnung für Frankreich Hülsenfrucht Gebirgspflanze Handwerksgcnossenschast Stadt in Hannover Deutscher Dichter Die erste senkrechte Zeile lautet wie die erste wagerechte—ab Medaillonrätsel. Die Punkte in nebenstehender Fiaur sind...... durch Buchstaben zu ersetzen und zwar so. daß jedes Wort aus den Buchstaben des vorher-... gehenden unter Hinzufügen oder Stteichen se•• eines Buchstabens und llmfiellen der anderen.", gebildet wird. Die Wörter bedeuten: 1. No-... madenvolk; 2. deutscher Schriftsteller; 3. Vogel:.... 4. Trinkraum: b. Flächenmaß: 6. Bokal:...... 7. französischer'Artikel: 8 biblischer Name:..... 9. Stand: 19. Flußmündung; 1t Südfrucht;.... 12. Mißbilligung: 13. Behälter: 14. Abschieds-.". wart; 13. Hmweis; 16. Konsonant. hl.. Geographisches. 1.— Spree: 2P— ölst: 3.— Saale: 4.— Lngeropp: 5.— Oder: 6.— Elbe: 7.— Regnitz: 8.— Neckar; 9.— Tauber; 19.— Neiße. An Stelle des Striches vor jedem Fluß ist der Name einer Stadt ,zu setzen, die an dem betreffenden Flusse liegt. Die Anfangsbuchstaben der Städtcnamen, von oben nach unten gelesen, nennen den Geburtsort eines großen Philosophen.—ab. Wandlung. Mit H Stadt im Westtaleirland, Mit K zirr Körperpfleq' verwandt, Da» L gibt einen feinen Braten. Nun. wer kann ditffes Rätsel roten? — ah.—. Rösselsprung. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabe>»d.) Auflösungen der Mtsel aus voriger Nummer.' Rösselsprung: Ein liebeleeres Menschenleben Ist wie ein Quell, versiegt im Sand, Weil er den Weg zum Meer nicht fand, Wohin die Quellen oll« streben. B e r s r ä t s« l: Verstand. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Kuh; 2. Mab; 8. Made: 9. Ulli; 19. Hortensie; 11 Severus: 15. Wasa: 16. Emir; 17. Tau: 18. Dos«: 29. Satz; 22. Straß«: 26. Reitpferd: 29. Hals: 39. Ried: 31. bis: 32. nom— Senkrecht: 1. Kahl: 2 Udo; 8. Hermes; 4. Irene; 3. Museum: 6. Ali; 7. Blei; 11. Samo»; 12. Bater: 13. Reuß; 14. Sitte: 19. Steiß: 21. Asperu; 23. Ampel; 24. Grab; 25. Eden; 27. Eli; 28, Rio. Nr. 68 46. Jahrgang Sonnabend 9. Februar 1929 Was das Gleise erzählt Die Deutsche Reichsbahn halte im vergangenen Jahre zu einer Besichtigungsfahrt eingeladen, über die in der ..Technik" bereits kurz berichtet wurde. Wir schildern heut« das Hauptftück der Besichtigungsfahrt, den glänzend durch- konstruierten Oberbau-Megwagen. Die Redaktion. Die Eisenbahn hat längst ihr IMjähriges Jubiläum gefeiert. Man sollte annehmen, daß sie in all«n ihren Teilen nun so vollendet wäre, daß es nichts mehr zu verbessern gäbe. Aber gerade die Eisenbahn zeigt, daß es in der Technik keinen Stillstand'gibt. Erst dann wäre dieses Verkehrsmittel vollkommen, wenn man die Mag- lichkeit hätte, jede Gefahrenquelle auszuschalten und Eisenbahn- Inneres des Oberbiu- Meßwagens. Unfälle unbedingt zu verhüte». Eine der chauptgefohrenqucllen ist seit der Geburtsfturrde der Eisenbahn der Oberbau, d. h. die Gleis- anlag«. Unter dem Einfluß der fahrenden Züge und der Witterung erleiden die Gleise ständige Veränderungen, die, wenn sie nicht beachtet werden, zu schweren Eisenbahnkatastrophen Veranlassung geben können. Man kann geradezu sagen, daß das Gleise lebt! Daher müssen alle Eisenbahnverwaltungcn ihre Gleisanlagen ständig beaufsichtigen und auftretende Fehler sofort beseitigen. Nun wird sich jeder Laie vorstellen könne», daß es nicht leicht ist, ohne weiteres die bei einem Hundert« oder lausende von Kilometern langen Gleise auftretenden Fehler zu erkennen. Seit einem Jahrhundert hat man sicki bisher meistens damit begnügt, die Strecken durch geübte Auffichisbeomle begehen zu lassen. Die Unzulänglichkeit der menschlichen Beobachtung hat dann dazu gesührt, daß man leichte Gleisemcßwogen konstruierte, die die auftretenden Fehler aufzeich- neten, indem man sie über die Gleise rollen ließ. Aber diese Methode hatte einen erheblichen Nachteil: Man konnte niit ihrer Hilfe nicht erkennen, welche Veränderungen das Gleise erlitt, wenn es von schweren Zügen belastet wurde. Daher hat die Deutsche Reichsbahn versucht, einen Oberbau-Msßwagen zu bauen, der es gestattet, das Gleite unter der vollen Belastung des darüber hinweg- fahrenden Zuges einwandfrei zu messen. In jahrelanger, mühevoller Arbeit ist es nun gelungen, einen solchen für die Sicherheit der Reisenden wichtigen Meßwogen zu vollenden. Es gibt augenblicklich in ganz Europa nur diesen einen Oberbau-Meßwagcn, durch den die Fehler, die das Gleise im praktischen Betriebe erleidet, aufgezeichnet werden können. Nur Amerika besitzt einen ähnlichen Wagen, dem gegenüber die deutsche Konstruktion jedoch erhebliche Vorzüge aufweist. Eines der Bilder zeigt das Inner« des Meßwagcns. Auf dem in der Mitte befind- lichen Tisch ist ein breites Papierband aufgespannt, das durch ein starkes Uhrwerk bewegt wird. Durch sinnreiche Einrichtungen zeich- nen kleine Federn alle Abweichungen der Gleise mit einer Gc- nauigkeit auf. die den Bruchteil eines Millimeters berücksichtigen. Das Gleise erzählt gleichsam seine Geschichte. Eines der Bilder zeigt einen Ausschnitt aus der mit dem Oberbau-Meßwagcn auf- genommenen Kurventasel. Ganz unten finden wir die Aufzeich- nung der S t r e ck e n k i l o m« t e r. Die stark verkleinerte Wieder- gäbe läßt hier mcht deutlich erkennen, daß sich je lOÜ Meter immer klar abheben. Diese„Streckenkilometrierung" ist notwendig, damit man die jeweils aufgezeichneten Fehler auch im Gelände finden kann. Die nächste Kurve zeigt die Richtung des Gleises an. Wir sehen, wie gerade Glcisstrcckcn durch Kurven unterbrochen werden. Eine weitere Kurve läßt die Fnhrgeschwindig- keit erkennen. Die normale Spurweite, die alsdann aufgezeichnet wird, beträgt in den meisten Ländern 1438 Millimeter. In den Kurven muß die Spurweite vergrößert werden, damit die Radkränz« der Eisenbahnräder noch genügend Spielraum haben, um nicht festzuklemmen und zu entgleisen. Die bei der Spurweiten- kurve auftretenden Abweichungen stimmen, wie ein Blick auf die Kurventasel z«igt, mit den Richtungsändcrungen des Gleises über- ein. Eines der schwierigsten Probleme des Gleisebaues ist die Ueberwindung des Schienenstoßes. Immer dort, wo die Enden zweier Schienen zusammenstoßen, spricht man van einem „Schienenstoß". Die Last des Eisenbahnwagens drückt an jedem Schienenstoß zunächst das eine Ende nieder und prallt dann gegen den Ansang der nächsten Schiene, so daß der Reisende diese Er- schütterungen deutlich empfindet und die Möglichkeit hat, mit der Uhr in der Hand die Schienenstöße zu zählen und daraus die Ge- schwindigkeit des Zuges zu errechnen. Je härter diese Stöße sind, um so größer ist die Abnutzung des Eisenbahnmaterialo, um so mehr leidet die Wirtschaftlichkeit des Betriebes, ganz abgesehen da- von, daß auch für die Reisenden solche groben, sich ständig wieder- holenden Stöße eine Marter sind. Daher ist ee wichtig, zu wissen, wo schlechte Gleisverbindungcn bestehen. Das läßt die Kurve der Stoßscnkungen, die im Oberbau-Meßwagen aufgezeichnet wird, er- kennen. Endlich ist es notwendig, die äußere Schiene in einer Gleiskurve zu überhöhen. Der fahrende Zug will zunächst in ge- rader Richtung weiterfahren, wehrt sich gleichsam gegen das Ein- biegen in die Kurve. Daher wird ihm durch das Üeberhöhen des äußeren Gleises ein Widerstand«ntgegengcsetzt, der ihn zwingt, gehorsam die vorgezeichnete Straße zu fahren. Ein Blick auf die Kurventasel zeigt nun, daß immer da, wo eine Gleiskurve aufgezeichnet wurde, auch eine entsprechende Erhöhung des Gleises zu finden ist. Alle hier«rwähnten Maße sind genau festgelegt und dürfen eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Diese Kurven werden durch eine Anzahl von Meßgeräten und Vorrichtungen aufgezeichnet. Zur Feststellung der Spurweite sind Rollen vorgesehen, die an den Innenkanten der Schienen entlang laufen. Diese Rollen, die an dem nicht federnden Wagengestcll be- festigt sind, übertragen jede Abweichung der Spurweite auf die zu ihnen gehörende Schreibfedcr. Zur Feststellung der Abweichung von den Stoßverbindungen dient der Anschützsche Kreiselkompaß. Dieser Kompaß, der auch zur automatischen Steuerung van großen Ozeandampfern Vorwendung findet, ist dadurch ausgezeichnet, daß seine Achse stets die gleiche Raumlage behält. Durch dos Nieder- drücken eines Schienenstoßes verändert die Wagenachse natürlich ihre Loge. Diese Lageänderung wird durch den Kreiselkampaß so- fort registriert und auf die Zeichenfeder übertragen. Eine ähnliche Abweichung erleidet die Achse des Eisenbahnwagens auch in den Kurven. Auch das wird durch den Kreiselkompaß registriert. Du' Uebertrggung ersolgt elektrisch und ist absolut zuverlässig. Die Kreisel rotieren mit 20 000 Umdrehungen in der Minute. Ihre Schwungkraft ist so groß, daß sie einer Richtungsänderung ihrer Achse, die noch dem Aushören des Antriebs eintreten mutz, mindestens noch sieben, unter Umständen zehn Minuten lang Widerstand leisten. Da das Durchfahren von Kurven diese Zeiten nicht über- schreitet, müssen die Angaben des Kreiselkompasies unbedingt zuverlässig sein. Die Kurvcnblätter des Oberbau-Meßwagens geben dann den Streckenbaumeistcrn Aufschluß über die notwendigen Reparatur- Ohrfdhvnf Fnhrmtojq t*9istnkuHgm — v PeW'ftlNMWch»« kuHintt«fr In l* tun SfrfdwiHilomtl'ttrtjfif mnd ttttfiae OH smarten Ifas die Schiene erzählt: Aussdinitt jus dem Kmvenblatt des Oberbau* Meßwagens. arbeiten. Im Interesse der Sicherheit der Reiseirden wäre zu wünschen, daß alle Eisenbahnverwaltungen solche wirklich einwand- frei arbeitenden Meßwagen in ihre Dienste stellten. Willy M ö b u s. Gedenktage der Technik. 11. Februar 1816. Zu Berlin wird der Buchdrucker Amandus Ernst Theodor Litfaß geboren, der 1855 noch Pariser Muster die nach ihm benannten Anschlagsäulen in Berlin ausstellte. 14. Februar 182g. Vor 100 Jahren erhäll Bertin in Paris das erste Patent aus die Verwendung der Kette als Uebertragungsmittel an Dampfmaschinen. 20. Februar 1818. Vor zehn Jahren stirbt im Eisendahnzug zwischen Donaueschingen und Freiburg i. B. Dr. Karl Mertens, der Erfinder des Rotationstiefdruckes. 26. Februar 1854. Zu München stirbt Alois Senefeider. der im Jahre 170g die Litliogrophie erfand. Man setzt« ihm zu München, der Stätte seines Wirkens, zu Berlin und Solnhofen Denkmäler. RncliiiisgZgi'bklt deutcoiier Ingenieure Neues aus dem Vdl.-Verlal} Der Ausschuß für W ä r m e f o r s ch u n g im V dI. sah in seiner letzten Sitzung namhafte Wärmesorscher aus dem Reich, aus Oesterreich und der Schweiz unter sich. Intensive Arbeit über Wärmeströmungen bei den verschiedensten Kolbenmaschincn und auch über das wichtige Thema:„Kühlung be! Fahr- und Flugzeugen" spricht aus den Vorträgen, die in Nr. ZOO der„Forschungsheile" wiedergegeben sind. Prof. Dr.-Jng. Jakob, Berlin, erörterte dl? Frage des Wärmeüber- und Durchganges in Maschinen. Erwähnung fanden hierbei die Versuche, die man neuerdings in Amerika gemacht hat, Wasserstoff als Lliihlmittel zu verwenden, wobei der ganze Turbogenerator in eine Atmosphäre von Wasserstoff gesetzt wird. Der dadurch erzielt« Effekt soll ganz außerordentlich sei». Die Verwendung von Wasserstoff als Kühlmittel hat dreierlei Vorteile. Erstens verringert sich die Reibung der Maschine auf ein Zehntel. Zweitens ist die Wärmeleitzahl siebenmal größer als die der Luft. Sollte es gelingen, die Wicklung mit Wasserstoff zu imprägnieren, würde diese Wicklung die Wärme wie die übrige» Isolierstoffe leiten. Als drittes kommt hinzu, daß bei Verwendung von Wasserstoff als Kühlmittel die Wicklungen nicht mehr zerstört werden, da durch das Fehlen von Sauerstoff sich die zerstörenden Ocon- und Salpetersäuremengen nicht mehr bilden können. Der wichtigen Frage der Kühlung von elektrischen Maschinen sind durch die Versuche der Amerikaner wieder neue Wege gewiesen. Die übrigen Vorträge, die den Wärmeübergang bei kondensierendem Dampf und bei Dampfmaschinen, wie auch bei Dieselmotoren zum Gegenstand hatten, behandeln dieses Thema in tiefgründiger Weise, aus Bekanntem aufbauend und neue Wege gehend. Erwähnen möchten wir noch die Ausführungen von L. Richter, Wien, der in übersichtlicher Weise die verschiedensten.Kühlungen für Kraft- und Flugzeuge gegenüberstellt. Er kommt zu der, Schlußsolgerungen, daß in der Kühlerfrage noch vieles ungelöst sei, daß bisher im Kraft- wagenbau die Kühlerfrage nur empirisch gelöst worden wäre und hie sichere Lösung dieser Ausgaben die planmäßige Bearbeitung der physikalischen Grundlagen erfordere.— Verwandtes Gebiet betrifft auch die Arbeit von Dr.-Jng. R c q u a in Nr. 30l. Beitrag zur Beurteilung von Teniperot Urfeld und Wärme- fpa n nungen in mechanisch abgebremsten Scheiben. Zahlreich sind die Fälle der Praxis, bei denen zum schnellen Still- setzen einer Scheibe eine mechanische Bremsvorrichtung dient, deren Bremsklotz direkt auf den Scheibenumfang wirkt. Durch das Ab- bremsen entstehen ein Temperaturfeld und Wärme- spannungen, dessen Ermittelung sich der Verfasser zur Aufgabe gemacht hat. Die hierfür bisher zur Verfügung flehenden Grund- lagen sind ziemlich gering und müssen durch Annahmen ergänzt werden. Es wird an Hund eines Beispieles gezeigt, wie die bei mechanisch abgebremste» Bremsscheiben auslrelenden ganz erheb- lichen Wärmespannungen ermiiiell werden können.— Versuche mit frei aufliegende n rechteckigen Platten unter E i n z e l k r a f t b e l a st u n g betitelt sich der Aussatz von Dr. phil. M. Bergsträßer in Nr. 302. Die Versuche wurden in der Universität Götsingen durchgeführt und bezogen sich auf Elektrizi- täts- und Blegungsversuche mit rechteckigen Glosplatten unter Zu- grundelegung der aus der Plattenstatik bekannten Navierschen Grenzbedingungen und hatten den Zweck, zu prüfen, bis zu welchem Grad« die früheren Versuchen zugrunde gelegten Randbedingungen erfüllt sind. Die angestellten lehrreichen Versuche werden mit zahl- reichen Zahlentafeln und Schichtenplönen erläutert. In Heft Nr. 303 berichtet Dr. phil. Watter Laote über den Einfluß der mittleren Hauptspannung aus dos Fließen der Metalle. Untersucht wird in der vorliegenden Arbeit das rein bildsame Verhalten der Metalle: darunter ist da« Verholten in solchen Spannungsdehnungszuständen zu verstehen, in denen von einer vorausgegangenen Entlastung und Wisderbelostung kein« Nachwirkung mehr zu spüren ist. in denen also das Material unter denselben Spannungen sich verformt, als wenn jene Entlastung gar nicht stattgefunden hätte. Dieser Vorgang des rein bildsamen Versormens wird..Fließ« n" genannt und die dazu erforderlichen Spannungen„Fließspannungen". Der Verfasser versteht es, auch diesen Teil der Festigkeitslehre durch ausgeführte Versuch« mit Eisen», Kupfer- und Rickekrohren interessant zu ge- stalten.— Von � Verformungen sprechen auch E. Becker nv* O. Jöppl, Braunschmeig, in Heft Nr. 304: Dauerversuche und Bestimmung der Festigkeitseigensch oft, Be- Ziehungen zwischen B a u st o s s d ä m p s u n g und V e r- s o r in ii n g o g e f ch w i n d i g k e i t. Die umsangreiche Arbeit be- spricht die Versuche, die an einem Eisen- und Kupserstab vorge- nommen wurden und geht davon aus, daß Baustoffe auch be! Beanspruchungen, die unterhalb der auf die übliche Weise festgestellten Eiastizitiils- oder Proportionalitätsgrenze liegen, plastische Berfor- mungen ausführen. Trotz ihrer Kleinheit gegenüber den elastischen Verformungen haben diese plastischen Verformungen wesentlichen Einfluß auf die Bewährung der Baustoffe im Dauerbetrieb. Die Festigkeitslehre im allgeineiiien befaßt sich nicht mit den Nachwir- kungen von Beanspruchungen, deshalb ist es ein Verdienst der Ver- fasser, daß sie sich das Verhalten der Baustosse bei kleinen Bean- spnichuiigen zur Aufgabe gestellt haben.— Einen ebenfalls wichiigen Beitrag zur Festigkeitslehre liefert Dr.-Jng. Hermann Tellers in Nr. 304: Die Festigkeit einwandfreier tegeliger Kolben. Die Arbeit soll es ermöglichen, in einem kegeligen Kolben mit linear veränderlicher Wandstärke, die durch gieichinäßi- gen Ueberdruck und achsiaie Massenkraft belastet ist, in jedem Punkt die Beanspruchung zu ermitteln. Er stellt ein Differeuzversahreii zur Berechnung auf und prüft die Ergebnisse an Hand der ge- machten Versuche. Wichtig ist für den Konstrukleur ein Verfahren, das ihm ermöglicht, sich in Kürze ein Bild von der Anstrengung «ine» Kolben an der am stärksten beanspruchten Stelle zu machen. Mit seiner Arbeit füllt der Verfasser eine Lücke, da bisher zuver- lässige Berechnungen über SpanNuugsermittelung in kegeligen Kolben gefehlt haben.— Diese Lücke in der Festigkeitslehre hat auch Dr..Ing. Joseph Mather den Anstoß zu seiner Arbeit in Heft Nr. 300 gegeben: Ueber die Spannungsverteilung in S t a n- genköpfcn. Em« bisher ungelöste Frage hat sich der Verfasser zur Aufgabe gestellt und durch versuchemäßige Sponnungsermitte- lung zu lösen versucht. Uebcr die sorgfältig angestellten Versuch« sind Skizzen beigefügt, die die Spannungsoerteilung genau erkennen lassen, wie auch an Hand van Lichtbildern das Verhalten von Forin- Veränderungen onschaukch vor Augen geführt wird. Jng. E— f. es Vierzigers getragen sein. Man gehe daher nach einigen Wochen zu Gemeinschastsübungen in Form leichter rhythmischer Gymnastik über. Die Ausführung der Uebungen nach dem Rhythmus der Musik oder des Gongschlags belebt ungemein, schützt aber auch besonders den Nervösen vor zu hastiger Ausführung und damit vor lieber- anstrengung: da,;u komnit, daß das Gesellschaftliche Freude an der Fortsetzung weckt und durch Scherz und Unterhaltung mannigfach anregt. Ucbcrhanpt.muß der Vierziger noch viel mehr als der Jugend- liche darauf.sehen, daß fein Sport ihm ein gerüttelt Maß Lebens- freude eintrögt, ihn irmerlich erhebt und feelisch erneuert. Das braucht er vmi Jahrzehnt zu Jahrzehnt in immer höherem Maße. Sein Sport soll also den Körper entspannen, soll Stunden körper- iichen und seelischen Ausnchens bringen, die wieder froh machen zu neuer Tätigkeit und ein Gegengewicht zur nervösen Reizbarkeit und zur Uebcrarbeitung bilden. Starke geistige Arbeit ermüdet ja nicht nur das Gehirn, sondern lähmt auch die Muskeln, und uinge- kehrt beeinflußt jede körperliche Anstrengung ungünstig die Energie des Gehirns und des Denkens. Besonders der Geistesarbeiter ver- meide deshalb, seinen Sport bis.zu Ermüdungserscheinungen fortzusetzen, damit würde er sich nur schaden. Bon dem Moment an, wo die beginnende Ernuidung mit Energie bekämpft wird, hat die sportliche Betätigung für den Vierziger ihren Sinn cherloren. Daß daher der Kurzstreckenlauf, anstrengende Muskelübungen, jede auf Rekordleistung hinzielende Betätigung, ferner alle Uebungen, die starke geistige Konzentration erfordern— z. B. schwieriges Geräte- turnen, die Arten des modernen Tanzes, das Fechten—, oerfehlt sind, bedarf keines Wortes. Ueberhaupt bedenk« der Vierziger, daß er in erster Linie dem Herzen, der Lunge und der Hautpflege dienen muß, erst in zweiter Linie Knochen und Muskeln! Versagt das Herz, so ist auch ein kräftiger Körper wertlos, und die lebenswichtige Funktion der Hantdrüsen erhellt schon daraus, daß die Haut über zwei Millionen Schweißdrüsen besitzt, die durch ihre Tätigkeit den Körper entgiften und die Nieren entlasten. Golf und Tennis, niaß- volles Bergsteigen und maßvolles Schwimmen sind daher besonders zu empfehlen: letzteres vereinigt Gymnastik, Hautpflege durch Wasser, Lust und Sonne, Förderung des Blutkreislaufs und des Stoff- Wechsels in glücklichster Weife. Das bekannte Wort „Der Mensch ist so oll wie seine Arterien" sollte manchem Vierziger zu denken geben! Will er nicht vorzeitig altern oder früh als„Schlaga niall-Kandida t" enden, fo ist es im vierten Jahrzehnt seines Lebens �höchste Zeit, den Alterserscheimingen durch einen inaßvoll betriebenen Sport zu begegnen. * Das morgen. Sonnlag. um tZ.ZO Uhr in der Berliner Zentral- turnhalle, sZ"»zenslrahe 70, stattfindende Zusammenturnen aller Altersturneriuuen und. turner des ersten Kreises bietet gute Gelegenhell, da, Gesundheitelurnen der Aeltereu und Allen kennen zu lernen. Partei- und Gewertschastssreunde, und vor allem deren Frauen, sind herzlichst eingeladen. ver Sportpalast hat Pech! Die Eröffnung der Eisarena verschoben. An der Hauptmoschin« der riesigen Kältcerzeuger für die Eis- stäche des Berliner Sportpalastes ereignete sich am Freitagabend eine Explosion, die sofort die ganze Anlage außer Betrieb setzt«. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden zwar noch in der Nacht begonnen, werden aber doch einige Tage in Anspruch nehmen, so daß die für heute geplante Eröffnung der Eisarcna verschoben werden mußte. Die Eishockeywettspiele Berlin- Prag erfuhren eine Verlegung um acht Tage auf den 16. und 17. Februar. Berliner Boxkämpfe. Guter Besuch und guter Sport zeichneten die Verussboxkäinpse des„S t ä n d i g e n Boxring" in den Spichernsälcn gestern abend auM Im einleitenden Oualisikationskamps der Fliegengewichtler siegte Aust- Berlin über seinen Landsmann Thrienes, der schon in der ersten Runde die Waffen streckte. I a s p« r s- Stettin konnte den Berliner Schwergewichtler Karl Walter nach Punkten schlagen, trotzdem er i» der letzten Runde hatte den Boden aufsuchen müssen. Durch die gleiche Entscheidung behielt auch Simon- Berlin über Bloemecke-Berlin die Oberhand. Dr. Bach- Heidelberg kam gegen Henry Fröhner-Elsaß dadurch zu einem billigen Erfolge, daß letzterer wegen Regelwidrigkeiten in der sechsten Runde disqualifiziert wurde. Unentschieden trennten sich P i e t s ch- Leipzig und P r a w i t- Köln. Waldlauf der Freien Ruderer. Wie alljährlich, so veranstalten die Freien Ruderer und Kanu- sahrer im Arbeitcr-Tuni- und Sportbund auch in diesem Winter ihren Waldlauf. Haben sich früher die Wassersahrer weniger mit Ergänzungssport besaßt, so hat er sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Am Sonntag, 10. Februar, 11 Uhr, wird sich diese Spart« des 1. Kreises im Votkspark Jungiernheide zusaminenfinden. Es wer- den folgende Läufe ausgetragen: 1. 1000-Meter-Laus für Frauen. 2. ZOtkO-Meter-Laus für Jugendliche. 3. ZODZ-Meter-Laus für Männer. Ueber 60 Teilnehmer werden starte», 3 Mann bilden immer eine Mannschaft. Im dritten Laus stehen sich gleichwertige Mannschaften gegenüber. Um 15 Uhr kommen noch zwei Handballspiele zum Anstrag und zwar werden spielen: Ruderoerein„Borwärts" gegen Kanu-Union und Freie Schwimmer Charlottenburg gegen Wassersportbezirk FTGB. Die Leranstaltung verspricht recht interessant zu werden. Fahrverbindungen nach dem Volkspark Jungfern- Heide: Stadtbahn, Stroßenibah» 12, 55 und 61. PaHhaUsport in der„SASJ"! Berichte auf internationaler Tagung. Der Fachausschuß für Fußball der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jnternationale tagte in Leipzig. Der Tagung kommt gerode deshalb eine so große Bedeutung zu, weil der Arbeilerfuß- ballsport das größte internationale Betätigungsfeld hat. Den unisangrcichcn Bericht erstattet« der Vorsitzende Riedel- Deutschland. Der internationale Spielbctrieb nimnit einen ständigen Aufschwung. Zwischen Deutschland und O: st e r r e i ch send der größte Spielverkehr statt. Oesterreichische Mannschaften trugen im Jehre 1928 in'Deutschland 137 Spiele aus. Ueber 180 000 Zuschauer wohnten ihnen bei. Für Belgien wurde gewünscht, daß bei internationalen Spielen die Anteilnahme der Arbeiterschaft größer sein möchte. Die Arbeitersuhballbewegung in Frankreich bedarf einer zuverlässigen Führung. Polens junge Arbeiterfußball- bewegung nimmt unaufhörlich zu. 5000 aktive Fußballspieler zählt man dort schon. In der Schweiz und in Finnland ist ein Stillstand eingetreten, der sicher bald behoben wird. In Nord- a m e r i k a bemühen sich deutsche Arbeitersportler um die Ver- breitung des Arbeiterfnßballspons. Di« Loge in England ist zunächst noch ungeklärt. In den Niederlanden geht es mh Unterstützung der Gewerkschatten rüstig vorwärts. In Lettland sind erfreuliche Bestrebungen vorl)aiii>en, sich auch international zu betätigen. Im Aussiger Verband der Tschechoslowakei ist eine ständige Mitgliedcrzunahme zu verzeichnen. Mit Mannschaften des sächsischen Grcnzlandes besteht starker Grenzspielverkehr. Der Spielverkehr mit Ungarn und Italien ist durch die politische Lage erschwert. Wo Spiele dieser Mannschaften in Deutschland stattsonden, gab es sportliche Höhepunkt«. Der Vertreter Belgiens berichtete»Über eine polnische Arbcitersportbewegung in Nord- frankreich. Es soll Fühlung genommen werden, um die Bewegung auch organisatorisch dem Arbeitersport zuzuführen. Der Vertreter Oesterreichs nannte einen Bestand von 450 Vereinen mit 12 000 aktiven Fußballspielern bei einer Einwohnerzahl von 6 Millionen. Dem deutschen Bund müsi« ftir seine Unterstützung der Dank der österreichischen Fußballspieler erstattet werden. In der Aussprache war man sich einig, daß zur besseren Bearbeitung der Länder eine Arbeitsteilung eintreten soll. Künftig werden die Baltanländer durch Oesterreich, die nordischen Länder durch Deutschland und die romanischen Länder durch Belgien bearbeitet. Die Behandlung der Arbeiterfußballfrage im tschechilcheu Teil der Tschechoslowakei durch de» tschechoslorvakischen Arbeiter- Turnoerband Sitz Prag wurde für nicht haltbar betrachtet. Es muß dort zur Gründung von Arbsiterfußballvereinen kommen. Der inter- nationale tschechische Ausschuß der SASI. und das Internationale Bureau sollen zu der Frage Stellung nehmen. Berichtet wurde, daß die Gründung einer Arbeitersußballbewegung in Preßburg(Bratislava) bevorsteht und daß auch in Brünn und Lundenburg Ansätze vorhanden sind. Zusammenbruch des belgischen Berufs fufjballs! Die Propagierung desSportsalsBeruf erleidet durch die geringe Anteilnahme der Massen an den Kämpfen der Berufssportler allenthalben Schiffbruch. Der mit mächtigem Tamtam ausgezogene Uebertritt einer großen Anzahl belgischer Vereine zum Profitum steht vor dem Zusammenbruch. Wie wir einer belgischen Sport- zeitung entnehmen, stehen bis auf drei Vereine die Professionellen vor dem finanziellen Bankrott, da die Gegenpropaganda der Ama- teure bewirkt hatte, daß fast keine Zuschauer mehr erschienen. Weh- mutig und ein bißchen neidisch schreibt dos Blatt am Schluß, wie sorgenlos in dieser Hinsicht doch der Arbeitersport sei.„Warum geht es dort ohne Profitum?" Ja— warum! 2. Arbeiter-Olympia. Was Oesterreich für 1931 alles vorschlägt. Der Arbeiterbund für Sport- und Körperkultur Oesters reich?(Askö) mit seinen Sportoerbändeu wurde von der Soziali- stischcn Arbeitersportinternationole beaustragt, die Durchführung der 2. Arbeiter-Olympiode zu übernehmen und für die Bor- arbeiten Sorge zu trogen. Dank der reichen Erfahrungen, die vor drei Jahren beim 1. Ocsterreichischcn Arbeitcr-Turn- und Sportfest gesammelt wurden, bereitete die bisher geleistete Arbeit keine bc- sonderen Schwierigkeiten. Als äußerst günstig kommt hinzu, dos; 1931 die überwiegend große Zahl der Woitkämpfe und Vorftihnin- gen in dem zentral gelegenen Wiener Stadion wird durchgesührr werden können. Da im Februar der Technische Haupiausschuß der Internationale zum ersten Mate in Wien zusammentreten wird, haben die Verbände ihre Prograrmnvorschläge ausgearbeitet, die im allgemeinen wohl die Billigung des Ausschusses finden werden. Die wichtigsten Vorschläge sind: Olympiameisterschaft der Sozialistischen Arbeitersportinternotio- »ale ini Fußball. Einzel- und Ntannschaftskämpfe in der Leicht- athletik, Laufen Oucr durch Wien, Masfemlillauf. Im Radsahrc» alle Arten des Saalradsportes, Bahn- und Straßenrennen. Reu ist der Vorschlag für eine Fernfahrt, das Rennen Rund um Wien, das Kobenzl-Bergreimen und die Bahnrennen für Motorrad'ohrer. Im Rudern sind nicht weniger als elf Rennfahrten, Kampft'piele und Lampionreigen vorgesehen. Die Schwerachleten beantragen alle üblichen Wettbewerbe, mit Ausnahme des Faustkampfes. Auch die Schwimmer stellten ähnliche Anträge. Bei der zu erwartenden Anzahl von über hunderttausend aktiven Sportlern sollen die Massenfreiübungen im Turnen getrennt nach Geschlechtern durchgeführt werden. Außerdem sind noch Län- derkämpse im Mannsä)aftsturnen. ein Zehnkampf für Turner und ein Achtkampf für Turnerinnen beantragt. In ollen drei Arten der Turnspiele(Handballspiele) soll von Männern und Frauen um die Olympiameisterschaft gekämpft werden. In Tennis sollen für jedes Land fünf Spieler starten können. Diese Zahl dürft« toohl nur aus technischen Gründen so gering sein. Wetter wird auch eine Reihe von Bewerben im Wehrsport und im Schießsport vorgeschla- gen. Unter den vielen Wettkämpfern werden natürlich die Schach- spieler nicht fehlen, die unter anderen auch Spiele mit lebenden Figuren austragen werden. Der Wintersport wird im Februar l931 in Mürzzuschlao, auf dem Semmering und in Wien zu seinem Rechte kommen. Für die Cysläuser sind Schnell und Kunstlaufen und Hockeyspiele, für die Skifahrer und Rodler Wettfahrten und Springen auszuschreiben. Die Sommer-Olympiad« soll mit einem österreichischen Landes- kindertreffen beginnen. Die Veranstaltung eines Massen- festspiels nach dem Muster der 1. Arbeiker-Olympiade 1925 in Frank- furt wird mit Rücksicht auf seine hohe kulturelle Bedeutung gc- wünscht. Die 2. Olympiade soll nach dem Borschlag des„Askö" eine Woche dauern. Eine wiederkehrende Beronstallung wie die Ottimpiod« muß auch in ihrem gon.zcn Aufbau gewiss« feste Richi-. linien hdben. Der Technische Hauptausschuh wird daher wohl kaum von der in Frankfurt einmal festgesetzten Norm abgehen. Guie Arbeit für Nürnberg. Die gesamte Einwahnerschost der Fcstdoppelstadt Nürnberg- Fürth erhielt dieser Tage vom Hauptfestausschuß in Form eines Flugblattes die Aufforderung, sich für dos 2. Bundesfest der Arbeitersportler schon jetzt vorzubereiten, den Ausschüssen in der Arbeit entgegenzukommen und Ueln:rnachtuiigsgelegcnhcit für 100 000 Festgäste zur Verfügung zu stellen. An der Berteilung der Flugzettel beteiligten sich die Arbeiter- sportler Nürnbergs in ganz hervorragender Weise, wie auch die Funktionare der Sozialdemokratischen Partei ihre Kraft an diesem Tag voll in den Dienst der Vorarbeit für dieses gewaltige Fest stellten. Die harmonische Zusammenarbeit und das große Interesse für dos 2. Bundessest in Nürnberg lassen die Hossnung aus ein gutes Gelingen zur Gewißheit werden. T urnprüfungen an den Schulen? Der Deutsche Turnlehrcroerein hat die offizielle Forderung an die Regierungen gerichtet, sportliche L e i st u n g S p rü f u n- gen an den deutschen Bolksschulen einzuführen.. Der Sächsische Lehrerverein hat bei der sächsischen Regierung gegen dieses Bor- hoben aus schultechnischen und erzieherischen Gründen schärfsten Protest erhoben. Diesem Protest müssen sich alle Lehrer und Erzieher anschließen. Wichtiger als solche Examina ist die Einsüh- rung der t ä g l i ch e n T n r n st u n d e, für die sich die Lehrcrvereine einsetzen sollten._ Besteigung des Matterhorns. Ein« um diese Jahreszeit ganz außergewöhnliche olpinistisäje Leistung vollbrachte Dr. Felder-Luzern, der mit den einheimischen Führern Iulen und Taugwald nm Freitag das M a t t« r h o r n. einen der schwierigsten Alpengipsel, bezwang. Es war dies gleich- zeitig die erst« Besteigung in diesem Jahr«. Für den Aufstieg bc- nöttgte die Partie IVi Stunden, der Abstieg wurde in V.i Stunden bewältigt. „wie dekoriere ich mich?" Zu diesem Aufsatz im„Abend" vom Donnerstag teilt das Kleinkaliber-schießsport-Kartell„Republik" mit: Die dem KKS. R e i ch s k a r t e l l„Republik" angeschlos- senen Organisationen, denen liouptsächlich Reichsbannerkameraden und Sozialdemokraten angehören, machen Auszeichnungs-Hnmbug nicht mit, sondern treiben nur Sport. Eisschnelläufen bei RülL Aus der Röttarena-Eisbuh» gelangt morgen, Sonntag, die Meisterschaft des Vereins deuftcber Eisschnell- läu-fer zum Austrag. Es starten u. a. die Berliner Meister Bariva, Lötz und Richter. Im Rahmen des abwechslungsreichen Programms ist auch ein halbstündiges Mannschaftslaufen vorgesehen. Beginn 13 Vi Uhr. Alle Arbeiter-Skiläufer des 1. Kreises treffen sich Sonnlaa, 10. Februar, g Uhr. vahnhos wilhelmshagen. Fortsetzung der Kurse: Langlauftraining— Grenzberge, Kranichzberge. Der kreiswinlersportwarL Bebaitersport- unb ftnlhitlattcll, 5. Jtraia lictflartfa. Mentag, IL JZcSt'.iot, 20 Uhr, SisluiiB bei fltügrt, PuttlSftr. 10. Cijmtliche angefd)Io(|encii Organisationen miltfen Seetcelct entfeufren. Befreundete Bereine als Gaste will- kaminen. gteie Turnerl-tust«Stnfi. Berlin,'um Werbetest ntOfTcn alle Iunamcidchc» und grauen pfln.rtilb 1« uin in der Turnhalle Prinzenstraße zur Stelle sem! Obleute. Ordner und Letter ld'. Uhr Turnhall:, gähnen, Zlaagen, Dekorattons- m-teri-l beizeiten jui Turnhalle brtngin. zr-nen-uaillniä. Freie Sckiwcminer Tharlnttenburg 01 e. L. Dienstag, 12. Februar. 20 Uhr, tRonatssersomnllung bei Zlhlert. Berliner Str. HS. Vortrag GeuolTe Oehlsckiläger. FT»», u-'tzuna aller Bezirlssportworte und Sportrirzennrhrrr itüameiJv tS. Fcbrnnr, 20 Uhr, j» der Geschäftastclle. /