BERLIN. Montag 11. Zebrnar 1929 10 Pf. Nr. 70 B35 46. Jahrgang. CrfAetat tSglich außarSoAstaz«. �vHleich Abendauigabt de«.Donvörtt". Bexugjrreis beide Zluszadeu 8ö Pf.»r» Woche. SFnM.rr»Monac. Nedaitioo uvd�rpetniou: BerlwSW6S,tivdroSr.s ''»er 1 8t(f«(8>r({» Pf.. Keklameieil« S M. Ermäßigungen nach Tarit. tfchecf fonto: Vonvätto-Verlag S. m. d. Derlm Nr. S7SSK. zenifrrecher: Diudoß«« bi«»7 « Die Kältekatastrophe. Die tiefsten Temperaturen feit Jahrzehnten— Todesopfer in Verlin Die Sachverständigen beginnen. Diskretion zugesichert.— Bildung zweier Ausschüsse. Ter große Salteelobroch hol sich innerhalb der beul- sehen Grenze» geradezu kataftraphal ausgewirkt. Aus alle« Gegenden des Reiches treffe» Rachrichte« ei« über die verhäugnisvolle« Folge» des starke» Frostes, der stellenweise das Ther»»oweter bis auf 3S— sogar auf 40 Grad unter Rull wird behauptet— sinken ließ. Während»och an» Tonnabend mittag in Berlin sechs Grad vuter Rnll gemesieu wurde», stand das Thermometer am Tonntag mittag tu der Jnneusiadt beharrlich auf 20 bis 2 3 Grad unter Rull, selbst auf der Tonnenseite der Ztraßen. Äurz nach Sonnenuntergang konnte mau in der Iunenstadt 26 Grad, in der Umgebung Berlins 3 0 G r a d S ä 1 t e feststellen. Für eine rasche Äenderuug der Wetterlage fehle» vorlaufig noch alle Anzeichen. Ein sibirischer Sonntag. Ein eisiger!>stonnd pfiff am öonntaa durch die Straßen und niachte die Kalle fast unerträglich. Die Zahl der sonntäglichen Spa- ziergänger mar denn auch ouf.ein Dtiniinum lierabgodrück». man kann fast sagen, daß nur" Leute dir Straße passierten, die irgend- wohin rnußten. Der Bahnhof Zoo. der sonntägliche Treffpunkt, der.Kirrfurstendannn, der beliebte Bummelgang, alles gähnend leer. Auch die wind- und wellerharten Wintersportler hallen nur ihre ganz unetschrockenen Vertreter entsandt und die Eis- und Rodel- bahijen vor den Toren Berlins waren, im Vergleich zu den vorher- gehenden Sonntagen, nicht allzu dicht bevölkert. Der nachmillögliche Ausflugsvcrkehr war überhaupt sehr schwach, in den Vormittags- Mittags- 20 Grad Kälte. heute nrillag um 1 Uhr worden tu der sinnen st adt minus ?0 Grad gemessen, silacht» betrug die kiefstc Temperatur minus 25 bzw. mint» 26 Grad fiäifc. Um 8 Uhr früh herrschten minus 24 Grad. stunden, solange N« Sonne noch schien, gab es noch allerlei Sport- lustig« mll chölzern,. Schlittschuhen und Rodelschlitten behängen, die ms Freie fuhren. Am stärksten war die Wannseestrecke frequen- tiert, Grunewald, Zehlandorf und Wonnsce? die Havclgegend war ziemlich leer und die große Rodelbahn hei Pichelsberg«, die außer. dem in einem allzu stark ausgefahrenen Zustande sein soll, sah fast gar keine Besucher. Was trotzdem noch den Weg nach draußen fand, Holl»: sich mll allem greisbaren wärmenden Zeug ocrsehen, viele glichen Rordpolsahrern, allerdings in etmos willkürlich-bunter Koftümierung. Ohrlloppen, dicke Halstücher, verschieden« hatten so. gar ein Tuch unter der Mütze, das den Hinterkopf und die anschließende Halspartie zu schützen hatte. Auch der Sport scheint bei dieser Temperatur keine rein« Freude gewesen zu sein. Besonders ungemüllich ist«s auch in den Berliner Verkehrs- milleln, wie Straßenbahn und Autobus. Die wenigen Heizkörper reichen nicht aus, mn den Auscntholt in den Wagen auch nur einigermoßen erträglich zu tnochen. Die Spree und die durch Berlin führenden Kanäle bildeten während de« Sonn- tags infolge des großen Unterschiedes zwischen der Luft, und Wasser- t-mperatur ein einziges wallendes Rebelmeer. Kurz nachdem die Sonne untergegangen war. setzte hier starte Eisbildung ein. In zahlreichen Berliner Häusern herrscht große Wassernot, da die Wasserleitungen eingefroren sind. Die Bewohner müssen sich das Wasser mühsam mit Eimern aus der Nachbarschaft her- anholen.. Hilferufe aus allen G�adtteilen. Während des Sonntages und der Rocht zum Montag hatte ins- besondere die Bertiner Feuerwehr wieder viel zu tun. Unoufhorlich liefen auf her Hauptwach« in der Lmdenstraße Hilferufe aus ollen Stadtteile»«n Allein in etwa 150 Fällen wußte» die Wehren b« Ueberfchwemmungen singreifen, die durch Wafferrohrhrüche verursacht worden waren. Besonders die älteren Häuser mit Ofenheizung haben unter der ganz ungewöhn- lichen Frosteinwlrkung zu leiden: der Schaden in dem Wasser- lellungsnetz dieser Wohnhäuser ist in vielen Fällen sehr erheblich. Gerade in de» Außenbezirken gibt es ganze Straßenzügc. wo die Wasser- und teilweise auch die Gasleitungen eingefroren sind. Di« Vereisung der Leitungen ist in manchen Häusern sowell vor- geschrillen, daß auch die Auftauarbeiten ohne Erfolg bleiben.— Vor dem Hause Leipziger Str. 15, in dem sich das Reichs- (Fortsetzung aus der 2. Seile.) Paris. 11. Februar.(Eigenbericht.) Die inoffizielle Besprechung, in dar am Sonnabend die Sachverständigen zum erstenmal Fühlung miteinander genommen haben, hat in allen Tclegationskreisen den denkbar besten Eindruck hinterlassen. Die Atmosphäre war freundlich und der Wille zu vertranensvsillcr Zusammenarbeit offenkundig. Es wurde vereinbart, auf alle theoretischen Erörterungen sowie ans de» Vortrag von Denkschriften und Exposes zu verzichten und so rasch wie möglich in die p r ä k t i s ch c Diskussion der zu lösenden Frage» einzutreten. Mau hat ferner darüber diskutiert, ob die Ersah- delegierten an alle» Jiimngen teilnehmen sollen. Die Entscheidung darüber wird am Montag fallen. Die Frage wird voraussichtlich in der Weise gelöst werden. daß entweder die Ersahdekegierten auf die verschiedenen Kommissionen verteilt werden, denen das Studium der Eiuzelfragen vorbehalten bleibt, oder die Konferenz sich in zwei Komitees teilt, von denen das eine die Höhe der deutschen Gesamtverpftichtungeu und die Zahlungs- Modalitäten festzusehe«, das andere dir Frage der Mobiii- sierung und Kommerzialisierung zu beraten haben würde. Auch die Frage des Borsitzeudeu wird erst am Moutag ihre ewdgültigc Entscheidung finden. Man hofft. daß Owen Poung sich durch das Träugcu seiner Kol- lege» zur Aufgabe seines bisherigen Widerstandes be- stimmen lasten und den Vorsitz annehmen wird. Zu Vizepräsidenten werde» in diesem Falle Morrow und Schacht, die Präfideuten der Bank von Frankreich und der Reichsbauk, ernannt werden. Sämtliche Konferenzmitglieder haben pch gegenseitig zu striktester Diskretion verpflichtet. Immerhin wird die Konferenz als solche dauernde Verbindung mit der Presse aufrechterhalten und die öffentliche Meinung durch amtliche Mitteilungen regelmäßig über de» Stand der Dinge ans dem laufenden halten. Ein sozialistischer Rückblick. Leon Blum benutzt die Gelegenheit de? Zirsammentrittz der Sachverständigeullumuisiwll. um den gmyen Irrsinn Woxi»? der ersten Nachkriegszeit„Deutschland werde alles bezahlen" nach- zuweisen. Er erinnert dabei zunächst an die schweren Angriffe auf die s oz i a l i st i sch«.I nt e r na t i o n a l e, die schon auf den Kongressen in Amsterdam und Frankfurt die sofortige Liqui- dierung der Kriegsschulden und die Räumung des Rheinlandes vcr- langt haben. In der Zwischenzeit habe Frankreich das Ruhrgebiet besetzt und wieder räumen müssen. Heute werde es das Rhein- land auch in wenigen Wochen aufgeben müssen, und dabei werde es von der Vertagung dieser Räumung keinen Nutzen haben. Die Annullierung aller Kriegsschulden, die vor der Ruhrvesetzung noch möglich gewesen sei, sei zu Wasser geworden. Die deutschen Zahlungen, die ursprünglich dem Wiederaufbau dienen sollten. würden heute durch ungeheuerliche Nebenkosten vermindert. Niemand mage zu hoffen, daß die Sachverständigenkommission z» einem Resultat kommen werde, daß Frankreich neben seinen Schulden auch noch den vollen Ersatz für seine Wiederaufboukosten bringe» werde. Htorffflluiig des Obregon-NÖrdcis Präsldcnlenattenfal in NolHo. Berichte 2. Seite S)ns Malis unseres Schicksals, Omen Voung, der DoreHasende. 3m Moiel.(Ixloria in Paris ist dos SlandquarÜer der Sachverslättdigen, die über die endgültige Regelung der deulschen Stcparationsrerpflidiiungen heraien sollen. 3>er amerihanischr Jkuxkier Omen young ist«um VorsHatenden der Steparationshonferens gemähll morden, Die Kältekatastrophe. (Fortsetzung von der l. Seite.)• polwnnisterium befindet, wurde heute früh um 7 llhr plötzlich der Burgersteig aufgerissen und eine WasserfoutSue schaß an die Oberfläche. Die Straße wurde überschwemmt und ein Teil der ausströmenden Wassermengen nahm seinen Weg in die Portierloge des Reichspostministeriums. Di« Feuerwehr war dr«° oiertel Stunde an der Unfallstelle beschäftigt. Arbeiter der zu Hilfe gerufenen Wasserwerke stellten das schadhaste Wasserrohr ab. Am Sonnabend abend unternahmen mehrere Dampfer der Reederei Kieck und der S t e r n- Da m p s« r» G« s e ll scha s t eine Mondscheinfahrt nach den Restaurants Reu-Heringsdorf und Strandschloß am Müggelsee. Der starke Frost der Nacht — das Thermometer zeigte 30 Grad unter Null— hatte zur Folge. daß die Fahrrinne zufror und das Ei» der Oberspree noch an Stärke zunahm. Als heut« früh die Dampfer nach der Stodt zurückkehren wollten, wurde ihnen bei Oberschöneweide der Weg durch ungeheure Eisschollen, die sich zum Teil übereinandergetürmt hatten, oersperrt. Die Fahrgäste, insgesamt etwa 1000 Per- sonen. die sich übrigens in den wohldurchwärmten Dampfern 'ehr behaglich gefühlt hatten, und die die durch höhere Gewalt her- beigeführte Situation mit Humor aufnahmen, setzten ihren Weg non Oberschöneweide nach Berlin in der Eisenbahn fort. Die Reederei Kieck ließ dann die leeren Dampfer durch die beiden Schlepper„Jrmchun* und„Hannchch* wieder flottmachen und in den sicheren Hafen � bringen. Sine Mahnung an die Derkehrs-Zl.-O. Wohl mit am meisten haben unter der scharfen Kälte die An- gestellten der öffentlichen Verkehrsmittel, die Fahrer imto Schaffner der Straßenbahn und der A b o a g. zu leidem Bis m die späten Nachtstunden hinein sind sie dem schneidenden Wind und allen Einwirkungen des bitteren Frostes ausgesetzt und »ersehen einen Dienst, der iwmentfich bei so außerordentlichen Mtterungsumständen wie den gegenwärtigen an Körper und Nerven die allergrößten Anforderungen stellt. Da wäre es unbedingt not- wendig, daß die Berk«hrs.A.-G. dafür sorgt, daß an sämtlichen End- stationen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, in denen sich die Angestellten richtig wieder aufwärmen können. Ungeheizte Warte- räume genügen da keineswegs. Weiterhin wäre es angebracht, daß die Lerkehrs-A.-G. ihren Angestellten die Möglichkeit verschasst, an den Endstationen wärmende Getränt« zu sich zu nehmon. Hier ist aber schnelles Handeln notwendig! Wird eine salchs Maßnahme erst Wirklichkeit, wenn die Kälteperiode vorüber ist. hat sie keinen Zweck mehr. Auch der Dienst der Schutzpolizei ist in diesen Tagen de- wnders schwer. So klagte ein Schupobeamter sein Leid.»Drei Stunden ununterbrochen an einer so zugigen Ecke stehen in der dünnen Pelerine, das hüll man bei Gott nicht aus!" Wo bleiben die nemmgeschafften Pelzmäntel der Schupo? Sie sind doch nicht nur für einige Auserkorene bestimmt?- Lteberall schärfster Frost. Die Meldungen aus großen Teilen Deutschland» lassen erkennen, daß sich die neu« Kältewelle noch weit stärker auswirkt als die vorhergegangenen. Die tiefsten Demperaturev werden von den schlessischen Dergen gemeldet. Dort wurden an vielen Stellen 35 bis 38 Grad unter Rull gemessen. Ganz ähnlich lauten die Berichte aus den östlichen Grenzgebieten. Schönlanks meldet 33 Grad unter Rull. Der Schaden, den der ungewöhnlich starke Frost an- richtet, ist sehr groß. In Schncidemühl waren ganze Strahenzüge infolge von Wasserrohrbrüchen lange Zeit ohne Wasser. Ueberall führt die Vereisung der Straßen zu Unfällen. In vielen Orten des ösllichen Grenzgebietes mußten die Schulen bereits am Sonnabend g« s ch l o s s en werden, da die Heizung einfach nicht mehr ausreicht. die Räume durchzuwärmen. Das Lieh erfriert in den Ställen, das Wild kommt in deb tief verschneiten Wäldern durch Frost und Hunger um. Einem Radfahrer, der sich picht genügend geschützt hatte, er- sroren beide Hände, so daß sie ihm abgenommen werden mußten. Aus Ost Preußen werden Temperaturen bis zu 34 Grad unter Null gemeldet.— Im. Eisenbahn» und Fernsprechver- kehr verursacht« die strenge Kälte erhebliche Störungen. Be- sonders die Züge aus dem Norden und Süden hatten Lerspätungen aufzuweisen. Der Drahtoertehr Paris-Berlin mußte umgeleitet werden. Auch auf den Linien noch Südosteuropa waren Umleitungen notwendig, da viel« Drähte infolge des Frostes zerrissen. Auch aus Mitteldeutschland werden sehr tiefe Temperaturen gemeldet. In Leipzig wurden am Sonntag früh 25 Grad, am Sonntag abend 26 Grad unter Null gemessen. Infolge der Kalle mußten die meisten für Sonntag angesetzten Sportwettkämpfe abgesagt werden. In Thüringen ging das Thermometer auch in den Mittagsstunden nicht unter 20 Grad zurück. Wie aus Wien gemeldet wird, herrscht auch in ganz Oesterreich ungewöhnlich strenger Frost. Bei der Wiener Reichsbrücke ist der Wasserstand infolg« Eisstauungen um zwei Meter gestiegen. Ein plötzliches Eintreten von Tauwetter würde schwere Gefahren in sich bergen. Meldungen aus Belgrad zufolg« wurden am Sonnsag in vielen Orten Südslawiens 30 Grad Kälte gemessen. Auf An- ordnung des Unterrichtsminifters sind alle Schulen geschlossen worden. Auch hier sind groß« Störungen im Eisenbahnverkehr zu verzeichnen. Der Agramer Schnellzug hatte fünf Stunden Berspätung, der Wien- Budopester Schnellzug drei Stunden Verspätung. Schließlich sei noch ein« Meldung aus Brüssel erwähnt, die besagt, daß auch in Belgien sehr strenger Frost herrscht. Bei Dinont ist die Maas zugefroren,«in seltenes Ereignis.>- Viele Schulen geschloffen. In oeischiedenen Stadtgegenden mußte» die Schulen geschlossen uxrden, da die Zentralste»zu ngsaniogen nicht die erforderlichen Min- dssttemperawren ausbringen konnten. In besonder« ungünstig ge- legenen Ktassenräumen sind nur 4 bis 5 Grad Wärme erreicht worden. Die Simplonexpreß.Reifenden geborgen. vi« Züge von Europa nach der Türkei find noch immer in der -Uchhe der türkifch-bulg-rlschen Grenze durch Schnee aufgehalten. Die bisherigen versuche, die im Simplouexpreß feil elf Tagen ela- gefchlofseneu»eisende« zu befreien, find mittlerweile von «erfolg gewesen. Gestern trafen die meisten der Zosafsen de» Slmploncxpreffe» in Sonfianliuopel ein. Am Goldenen Horn hall der furchtbare 5rost an. und das Meer ist z« einem großen Teil zugefroeeu.___________ Oachstühle und Lauben brennen. Auch Folgen des Frostes. Ein größeres Feuer rief die Spandauer Wehre» am Soiuuag- anend«ach»Daldjtedlnng� bei Spandau. Dort war infolge Zwei Todesopfer der Kälte. 'tso Krostverlehie auf den VetiungssteNen behandelt. Die furchtbare Kälte in Berlin hat leider zwei Todesopser gefordert. An der Ecke Zona». und Luchhagener Straß« nmrde der sojährige Kellner Otto Franke an, der Lübecker Straße mit leichten Gesicht sverlehuvgea von einem Polizeibeamten in erstarrtem Zustande ausgesunden. Franke wurde ins Moabiter Krankenhau» gebracht, wo er bald nach feiner Aufnahme gestorben ist. Gleichfalls ein Opfer des Frostes scheint der SZjöhrige Schuhmacher Anton Zandowskl aus der Pestalozzistraße Z geworden zu sein. Zn der Nähe seiner Mahnung wurde Zandowski von einer Schupostreise leblos auf dem Bürger steig vorgefunden. Die Beamten brachten Z. zor naheliegenden Rettungsstelle 33. wo der Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. Die genaue Todesursache konnte noch nicht ermittelt»»erden, wahrscheinlich ist Zandowski gestürzt und längere Zeit in der furchtbaren Kälte hilflos liegen gellebeu. Außerdem erlitten zahlreiche Passanten und Aus- flügler Frostschäden. Allein auf den Städtischen Rettungsstellen wurden im Laufe des Sonntags rund IZyPersonen eingeliefert. Während die weitaus größte Zahl der Verletzten»ach ärztlicher Be- Handlung mit den notwendigen Verhaltungsmaßregeln in ihre Wohnungen entlassen werden konnten, mußten mehrere Berunglückte in bedenklichem Zustande ins Krankenstaus gebracht«erden. In der Albionstrahe in Tempelhos wurde der Mjährige Arbeiter Luedtke aus der Berliner Straße lüg zu Tempelhos erfroren aufgefunden. Der Mann wurde durch einen Wagen des Ucberfallkommandos zur nächsten Rettungsstelle und spoter ins Buckower Krankenhaus ge- bracht. Sein Zustand ist sehr ernst. In der Invalidenstraße fanden Passanten die 30jährige Schneiderin Margarete Fleischer aus der Friedrichstrahe 2 bwußtlvs daliegen. Dl« Frau wurde rn das Dirchow-Krankenhaus gebracht, wo die Aerzts feststellten, daß beide Beine und Hände der Unglücklichen erfroren waren. In einer Haustornische in der Andreasstraße entdeckten Mieter einen bewußtlosen etwa 30- bis ZSjährigen Mann. Er wurde ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Außer schweren Fuß- Verletzungen hatte der Unbekannte vermutlich durch einen Sturz einen schweren Schädelbruch erlitten. In der Marttn-Luther-Straße brach der 65jährige Schuhmacher G u st a v W. aus der Gleditfch stroße infolg« der Kalle bewußtlos zu-sammen. Der Mann fand im Augusta-Biktoria-Kronkenhaus Aufnahme. In der Eishöhle erstarrt! Ein halberfrorener Höhlenbewohner, der auf erschütternde Weise das Wohnungselend der Weltstadt illuftriart. wurde gestern von der Potsdamer Kriminalpolizei in einem Waldhügel zwischen dem Forsthaus Templin und dem Kissel, abseits von der Kaputh— Potsdamer Chaussee entdeckt. Eiu Eisenbast nbeamter. der sein« Strecke abging, sah aus dem Hügel, der wohl vom Bahndamm aus, nicht aber von der Chaussee sichtbar ist, einen Mann sich be- wegen. Plötzlich war er von der Schneefiäche verschwunden. Dem Beamten kam das rälselhast und unheimlich vor und er benachrichtigte deshalb die Kriminalpolizei. Man fand Spuren, die nach einem etwa 50 Meter von der Chaussee absells gelegenen Hügel führten und oben an einem Häufchen von Lumpen und einem ob- gerissenen Paletot endeten. Als man diese Sachen beseitigte, stand man vor einem erweiterten kanluchenloä� und darin entdeckte man iu ziemlich großer Tiefe einen Manu in fast ansrechler Stellung. Da» Loch war gerade nur so weit, daß er sich mit dem ganzen Körper halte hineinzwängen können. Der Höhlenbewohner wurde vorsichtig herausgehall, er war schon halb erstarrt und so mitge nommen, daß er nicht mehr sprechen konnte. Mit einem Auto wurde er nach dem Potsdamer Krankenhaus gebracht. Hier kmwt««r noch nicht vernommen werden und man weiß deshalb»och nicht, wie lange er schon m dem Loch gehaust hat und wovon er sich ernährte. Festgestellt wurde er nach Papieren, die man in seinen Taschen fand. als ein 38 Jahre alter Arbeiter FritzKehm.derbiszum April v. I. in Schöneberg wohnte und sich dami abmeldete, angeblich, um auf Wanderschaft zu gehen. Kehm hat sich wahrscheinlich sedesmql oersteckt, wenn er Streckenwärter kommen sah und wurde gestern nur durch einen Zufall entdeckt. Lange hätte er es bei der grimmigen Kälte sicher nicht mehr ausgehallen. Wahrscheinlich hätte ihm schon die letzte Nacht den Tod gebracht. Gsenbahnföhrverkehr eingesteltt. Wie die Reichsbahndirektilm mitteilt, ist wegen de» starken Frostes die llcberführung von Personen, und Schlafwagen non Warnemünde nach Gjedser«ingestellt worden. Die Fährsohrten jedoch finden— wenn auch unregelmäßig— noch stoti. Brückenbruch durch Frost. In Breslau wurde heute in den frühe» Morgenstunden eine Detonation am Wilhelmufer wahrgenommen. Insolge der großen Kall«— etwa 30 Grad— ist die Lrevlauer wilhelmbrücke in ihrer vollen Breite gesprungen. Unmittelbar am Ufer ist ein«iwa dreiZentimeterbreiterRiß wahrzunehmen, der von dem einen Geländer bis zum anderen führt. Der Fährverkehr ist für die Brücke gesperrt worden, da erst Feststellungen getroffen werden müssen, ob auch die Konstruktion gelitten hat, was vorläufig an- genommen wird. Für den Fußgängerverkehr wird di« Brücke noch offengehalten. Uebersteizens eines Ofens derDach stuhl des einstöckigen Familien- Hauses Fichteweg 60 in Brand geraten. Das Feuer dehnte sich sehr schnell aus und sprang auf die Dachstühle der angrenzenden Wohn- Häuser Ficksteweg 59 und 61 über.- Die Feuerwehr wurde bei den Löscharbellen durch den Frost stark behindert. Die Hydranten'waren eingefroren, und ats es endlich gelungen war. Wasser jursöichern, platzten mehrere Schläuche. Erst nach mehrstündiger Arbeit konnte das Feuer niedergekämpft werden.— Auf dem Boden des Hauses Thumer st r. 8 waren gestern in später'Abendstunde noch Hand- werker mit Austauarbellen an einem Wasserbehälter beschäftigt. Durch eine Unvorsichtigkeit geriet hierbei das Gebälk in Brand. Sofortige Löschverjuche blieben ohne Erfolg, und als die Feuerwehr auf den Alarm an der Brandstätte eintraf, stand ein Teil des Dach- stuhls bereits in Flammen. Die Lösch- und Aufräumungsarbeiten datierten mehrere Stunden: der Schaden ist sehr beträchttich.— In Treptow gingen durch Ueberhitzung mehrere Wohnlauben in Flammen auf. Einige Personen erlitten dabei leicht« Brand- wunden. In der Galvanofabrik von Kutsch in der Gneisenau- straß« 3 explodiert« heut« vormittag unter heftiger Detonation der Dampfkessel. Der siebzehnjährig« Lehrling Willi Ezer- w i n S k i, der in dem Raum weilte, wurde durch ausströmende Dampfmassen am ganzen Körper schwer verbrüht. Der jung« Mensch wurde durch di« Feuerwehr ins Urbankrankenhous gebracht.~ Im Keller des Hauses Dorotheenstr. 64 explodiert« heut« morgen um 7 Uhr ebenfalls ein großer Heizkessel. Durch den Lustdruck wurden mehrere Türen und Wände zertrümmert. Eingefrorene Röhren und Ueberheizung der Kessel waren auch hier die Ursach«. Heute vormittag war die Feuerwehr in der Reuen Kant- straß« 25 in Charlottenburg und in der Neuen Promenade 9 in Pankow abermals mit der Bekämpfung zweier größerer Dachstuhlbrändc beschäftigt. Bei Redaktionsschluß sind die Löscharbellen, di« sich infolge der unge- Heuren Kalle«cht schwierig gestallen, in vollem Gange. Die Eni- stehungsursach« ist in beiden Fällen noch unbekannt. Oynstmitbombe gegen den Präsidenten. Sin mißglückter Anschlag in Mexiko. New Bork. 41. Februar. Auf den Präsidenten von Mexiko wurde ei« Anschlag verübt. Eine Dynamitbombe explodierte nad riß gegen 7 Uhr morgend die Lokomotive und die ersten beiden Salonwagen des Präsidentenzuges um. Der Anschlag geschah zwischen Cammonfort und Rinconcello im Staate Euajanato. 150 Meilen von Mexiko entfernt. Die Bombe explodierte auf den Schienen kurz vor einer Eisen- bahnbrücke. Im umgerissenen Wage« befanden sich ver- schiedene hohe amtliche Persöalichkeitea., Truppen suchen die gesamte Umgebung ab. Prästdeut Dil wird sofort Weiterreisen. Der Anschlag wird mit der Hinrichtung Torals in Verbindung gebracht. Präsident Eil hatte erst am Sonnabend einen anonymen Drohbrief erhalten. Ja der Stadt Mexiko gab es anläßlich der Beerdigung ToralS groß« Kundgebungen, wobei drei Leute getötet «ab dreißig verwundet wurden. Diele Teilnehmer wur» den verhaftet. Obregon» Mörder hingerichtet. Mexiko. 11. Februar. Anläßlich der Hinrichtung des Mörder, Obregvns hatte sich eine niellansRtccköpsig« Menge in der Röhe des Zuchthauses, in dem die Hinrichtung vor sich gehen sollte, eingefunden. Das Zuchthaus wurde jedoch im Umkreis der nächstliegeirden Häuser viertel von der Mililärpolizei abgesperrt. Mehrere hundert Personen, die Einlaß i« das Zuchthaus fanden, wurden in einem anderen Hofe der Anstalt untergebracht. Der Hinrichtimg wohnten etwa 30 Personen, meist Pressevertreter, bei. Toral ging mit festen Schritten zur Richtstätte. Kaum war er vor di« aus acht Mann dar Militär- Polizei bestehend« Abteilung getreten, die zur Vollstreckung des-Ur- teils kommandiert war, als auch schon die Schüsse trachten iind Toral tot zusammenbrach._ Krieg bei den Pazifisten. fost das ganze Präsidium zurückgetreten. In der.Deutschen Fricdensgesellschast", der ältesten und um- fossendsten Vereinigung bürgerlicher Friedensfreund«, ist e» am Sonntag zum offenen Bruch gekonnnen. Das Organ H. v. Grr- lachs, die„Welt am MoiUag" berichtet darüber: Di« außerordentliche Generalversammlung der Deutschen Frie densgesellschaft am Sonntag war von etwa 100 Delegierten besuchi, die zusammen 200 Stimmen führten. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde der Antrag v. Gerlach behandelt, der di« Abschcr jung des Erfurter Beschlusses forderte. Bon der Generalversamrn lung in Erfurt war nämlich 1927 ein Zwangsabonnemenl für all« Mitglieder der Fnedensgesellschaft eingeführt war den. Zur Auswahl für das Pflichtabomrement standen„Pas A"- der« Deutschland oder„Die Menschhell' oder„Die Fridenpwoxt?" oder«Die deutsche Zukunft'. Der Antrag Gerlach wunde mit 67 gegen 130 Stimmen abgelehill. Daraus verlaß Professor O u i d d e «in« schriftlich« Erklärung, wonach außer ihm folgende Mitgl i e> der aus dem Präsidium austraten: Direktor Schü- m« r- Magdeburg, Graf Harry Keßler. Pastor Franst«. Oberst Lang«. Reichstagsabgeordneter Falkenberg, Gerhart Seger, Erwin Köhler, Dr. Herzberg- Erfurt. Fr«: Dr. Helen« S t ö ck e r und Reichstagsabgeordnete Frau Dr. S i em s e n. Im Präsidium blieben danach noch Freiherr v. Schyeno'ch. Reichstagsabgeordneter Ströbel und Dr. Littnng-Braunschweig. Bei der Neuwahl wurden mit 148 Stimmen gewähll als Borsitzendr Freiherr v. Schoenaich, Dr. Lüning und Küster-Hag«" Di« weiteren Wahlen sollen im Ausschuß vorguumunen werden, jedoch nur auf Persönlichkeiten der Richtung Küster fallen. Im Anschluß an das Ergebnis der Generaloer- sammiung legte auch der Vorsitz des Landesverbandes Baden, Dr. Rosenberg- Freiburg, sein Amt nieder. i Lohnbewegungen. Gchiedssprvch für dos Vergisch« Land. Sannen. U. Februar. Um« dem Borfttj de« Beigeordneten Dr. Srogard-Aonnen sollte der staatliche Schlichtungsausschust sur dos Bergiiche Land für die M e r o l l i n d u st r i« im öderen Kreis« Loliugen einen Schiedsspruch, madurch der Manteltoris bis zum l. Norxmber tÖ30 inwer Abänderung der Ueber stunden» und Ilrlaubsrege- l u n g nerläitgert wird. Die Erklärungsfrist läuft bis zum II Februar. Christliche Textilarbeiter streikbereit. Elberfeld. 11. Februar. ftii zwei Varsammtungen des.Zentralverbandes der ch r i st- lichen Te;tllarb«st«r wurde mn Sonntag«ine Enftchließung angenommen. in der es heißt: ..Die Mitglieder des Zentroloerbondes christlicher Textilarbeiter Deutschlands teilcn noll und ganz den Standpunkt der Fünfzehner- konnnission, sowie der Betriebsräte- und der Mitorkeiterkanserenz. Bon einer Lohnsenkung auch der Bonner Artikel kann keine Ned« lein. Bon der Arbeiterschast aller Betriebe, in denen ein, Lohnsenkung qngekimdigl nt. wird am Dienstag, mo di« Lohnsenkung b? Krost tritt, die Arbeit niedergelegt. In letzter Stunde richtet � die Versammlung an z�n Arbeitgeberverband die dringende Mahnung, sich in einer freien Bereinbarung über eine Lohnsenkung nnt den Gewerkschosten zu verstand igen. Sollte diese Mahwtng kein Tchör finden, so kann die gesamte Arbeiter- schaft des Rechtsrheines mit Ruh« dem Sampfc entgegensehen." Bergarbeiterkomps in Polnisch-Oberschlesien. stoltowih, 11. Februar. Am Sonntag fand in Kattowitz ein« Tagung der Betriebs- rät« der K oh len gruben statt, der über den Beginn des Streikes am 11. Februar entscheiden sollte. Trotz zahlreicher Stimmen für den Streik wurde mit Stimmeimiehrhest beschlossen, da» Ergebnis der von der Regierung«ingeleiteten D« r h a n d° lungen abzuwarten und den Streik bis dahin zu vertagen. Unter dem Druck d« Gewerkschaiten sah sich die Regierung trotz der offiziellen Erklärung des Ministerrotes neranlaßt,«ine Bar- mittlungsoktion einzuleiten und den Gewerkschaften die weitestgehenden Zusicherungen in der Lohnsrage zu machen. Die Zu- stcherungen beziehen sich außerdem auf die höhere Entlohnung der Facharbeiter, di« Pausenregelung, die Garantie für den Tariflohn, Kohle für die Invaliden und größer« Beachtung des Betriebsräte» geleyes. Die Bersammlung verwahrte sich gegen die Einmischung des Aufständische nverbandes in rein wirtschaftliche Fragen und erhob gegen die Stellungnahme der Regisrungspresie und der von der Regierung neu gebildeten Arbeitergewerkschoften Stellung die immer noch bemüht sind, die Lahnbewegung als«ine politische darzustellen. Auch die in einem Aufruf des Aufftändtschen- oerbandes aufgestellten Behauptungen, daß sich s«it der Amtstätigkeit des Wojewodea die Arbeitslosenziffer um 50 000 vermindert Hab«, wurde dahingehend richtiggestellt, daß di« Verminderung kein Verdienst des Wosewoden sei, sondern daß ein groß« Tett d« Arbettswsen m Deutsch-Oberschlesien Arbeit gesunden Hobe, ein weiterer Teil noch Frankreich imd sogar noch Marokko au»- gewandert sex. Einigung in der ostböhmischen Textilindustrie. Prag. 11. Februar. In den Verhandlungen d« Vertreter der Arbeiterschaft der ostböhmischen Textilindustrie mit den Vertretern der Arbeitgeber wurde auf Grund erhöhter Teuerungszulagen em A b- kommen«zielt', durch diese Abmachungen tritt d« neu« Kall et- ti overtrag in Kraft, d«r nur für Mitglieder der Ver- irogsorganisation verbindlich ist. Durch dos erzielte Abkommen wurde der Ausbruch eines Lohnkampfes in»er Tsrtil- Industrie des ostböhwischen Reviers verhindert. «rbeitslämpfe in Australien. Melbourne, ll. Februar. Der Rat der australischen Gewerkschaften hat beschlossen, allr Veabände aufzufordern, den Bundesschiedsgerichtshos zu boykottieren. Dieser Beschluß betrifft annähernd»10000 australische Arbeiter._ Beichsseinde In Ostpreußen lieber unsere Mitteilung über die polenjreundliche Stimmung ostpreußischer Großgrundbesitzer schweigt di« Rechtepresse äußerst betreten. Nur die.Lreuz-Zeitung" widmet ihr einige Zeilen, m denen sie sie als.demagogisch« Verleumdung' rnrückweist, oio„m schmutzig sei. um sie auch nur mehr als mit den äußersten Fingerspitzen anzufassen". Was wir aber wirklich mit- geteilt haben, davon dürfen auch ihre Leser nichts erfahren! 30 Grad Kälte. Pförtner Petrus hat die Zentralheizung einfrieren lagen! Mufik«i ,/Oie Büchse der paudora." Gloria«Palast. Wedekind hat über zwanzig Jahr« damit gerungen, das Lulu- Motiv zu gestallen. Ihm schwebte ein« grandiose Verkörperung des Sexuoltriebes vor— in seiner verlockenden Schönheit wie in seiner zerstörenden Allgewalt—,«Ine schön« Bestie, ganz kindhaft, jenseits oon gut und böse. Der Zusammenstoß eines solchen Triebwesens mit einer angefaulten, nerderbten Gesellschaft— das war ihm das Problem des„Erdgeistes" und seiner Fortsetzung der„Büchse der 'vandoro". Nachdem er die künstlerisch« Form gesunden, begann dann der Kamps mit der Zensur, die bis zu ihrer Aufhebung die ösientliche Ausführung der Lulu-Trogödie verbot. Diesen Stoft zu verfilmen, Hot seine großen Schwierigkeiten, ja Gefahren. Wedekind ist ein Problematiker. einer, der um Einsichten. Zusammenhänge ringt, und ein eminenter Künstler des Worte«. Was wird von seinem Geist« in den Film hinüberzuretten sein? Am.Erdgeist" hat sich bereit» Ießner mit einer höchst inter« «ssanten Verfilmung(mit der Nielsen) versucht. Das ganze Lulu- drmna umfannt G. W. P a b st(im Anschluß an Lajdo» Drehbuch). Zunächst Respekt vor der Regie, Respekt vor der Kameraarbeit von Günther K r o m p s k In allem Technischen und Artistischen ist der Flm eine �Höchstleistung. Diese Bildersolge sind ein Entzücken fürs Auge. Di« breit ausgesponnenen Episoden, di« das Zuständlich« malen— etwa den Hintergrund einer Bühne mit ihrem Durch- einander oder eine sensationell« Gerichtsverhandlung— zeigen den Regisseur als großen Könner. Das Milieu ist überoll glänzend gekennzeichnet: dos düsterste London mit seinem Nebel ist ganz ge- spensterisch und bereitet die Schlußkatastroph« vor. Wedekind war mit jeder halbwegs begabten und hübschen Schaufpielerin als Lulu zusrioden. Aber im Film, im wortlosen Film, ist die Wahl der Lulu-Darftellerin entschefiieni. Man hatte sich Louise Brooks aus Amerika oerschrieben. Sie bringt glänzende Gaben mit: einen prachtvollen Körper,«in schönes Gesicht, ausdrucksvolles Spiel und nor allem das Kind- oder Tierhofte, das Wedekind voraussetzt«. Sie wirkt in einigen Szenen faszinierend, aber dos letzt«, das die Figur zum Symbol steigern könnte, die Dämonie geht ihr ob. Trotzdem eine sesielnde Leistung. Fritz K o r t n« r als Dr. Schön ist im Zusammenspiel der überlegene Portner: er verkörpert die Tragödie des oon seinem Sinnentaumel Versklavten, der Schön- heitskult mit brutalem Zynismus vereinigt. Dos seltsame Geschöpf des Schigolch umgibt Karl G a e tz mit dem Schimmer des Unwirk- lichen. Franz Lederer, als Dr. Schön. Gustav Diesch als Jack(vermenschlicht zum Opfer eines blinden Triebes), Alice R o- b« r t e als Gräfin Geschwitz— alles gute Leistungen. Aber auch hier fehlt letzt« Besessenheit. Im ganzen: ein interessanter, spannender Film, aber Wede- kinds Problem ist nicht ausgeschöpft. E>. „Eugen Ouegm." Aeoeinstodienmg ia der Städtische« Oper. Biete Einwände sind gegen Tschatkowskys„Eugen Onegin" möglich. Seine Stärke: daß«r trotzd«m besteht: noch besteht nach fünfzig Iahren und in ein« künstlerischen und gesellschaftlichen Ge- somtsituation unseres Opsrntheaters, die ihm so ungünstig wie mög- lich ist..Lyrische Szenen" nennt sich die Oper, die mit herkömm- liche» Opcrnzutaten doch Im herkömmlichen Sinn keine ist. Soweit sich da zwischen zwei Menschen, On«gin und Tatjana, etwas wie Handlung begibt: nur durch die unüberwindliche Passivität ihrer Träg« wird sie vorwärts getrieben, in«inen Konflikt endlich, der nicht ausgetragen, sondern schicksalhaft stobitisiert wird. Tragik der ewigen EMschlußlosigkeit. Resignation als beinah« einziges drama- tische? Motiv— es wird uns wirklich nicht ganz leicht, uns zufrieden zu geben. Und von den g«fellschafUich«n Begriffen, Bindungen. 5)emmungen, di« wirksam werden, nicht nur von diefem dummen, lache, rtich überflüssigen Duell, bei dem einer totgeschossen wird. trennt uns ein« Welt und«in Jahrhundert. Und all die» ist bei Puschkin so novellistisch, daß sich'» nicht aus di« Bühne— und so russisch, daß e» sich nicht ins Westeuropäische übersetzen läßt. Aber in keinem Werk ist Tschaikowsky, dcsien zlvllisiertes Europäertmn ihn heut« der europäischen Mustkwelt ein bißchen verdachtigt, ja verächt- lich macht— die einseitige Ueberschätzung des spät zu Ehren ge- langten Musjorgsky ist daran nicht ohne Schuld—, in keinem Werk ist er vieUeicht so echt, naturhaft, überzeugend urrusfisch wi« in diesem. Dies Rnsientum der musikalischen und dichterischen'Atmosphäre in der ganzen Tiefe seiner leidenschaftlichen Melancholie verwirklicht zu hoben, so wie es wohl noch nie auf einer deutschen Opern- bühn« gelingen konnte, ist das Besondere der neuen Ausführung in der Städtischen Oper, ist die persönlichste Leistung Bruno Walters. Außerordentliche.siilfe findet er in der«insühksarnen Gestaltung des Bildes durch Leo P a s« t t i. Doch» vor ollem: Maria I v o g ü n. die allzu lange ihrem Beruf und unserer Bühne ferngehalten war, ist eine Tatjana, völlig losgelöst von oller guten und schlechten Opernkonvention, eine Figur, in der Puschkin und Tschaikowsky bis ins Jnnerste lebendig geworden: erschütternd, durchaus ohne den Vorsag, es zu sein. Sic macht den Abend zu seltenem Erlebnis. Hans R e i n m a r als Onegin, und neben ihm Jose R i a v« z und Ludwig Hos mann in gräßeren Rollen sollen darum nicht vergessen werden. X.?. Mäanerstol, vor voktortileln. Bei der Universität von Dublin istcher Antrag gestellt worden...Georg« Bernord Shaw wegen seiner Verdienst« um die dramatische Literatur ein« besondere Ehrung und Auszeichnung zuteil werden zu lassen". Shaw sieht dieser Erteilung eines Univerjitätsgrades mit seiner bekannten Skepsis entgegen. „Ich kann nichts Besonderes darin finden," sagte er.„Schon mehr- mals sind mir solch« Auszeichnungen angetrogen worden, aber ich habe noch kj-ine angenommen. Ich denke nicht, daß so etwas zu mir paßt. Natürlich würde ich einen Grad der theologischen oher medi- zinischen Fakultät verdienen, denn dies« Gebiete haben mir manche» flu danken. Ich weiß nicht, ob ich der Universität viel verdank«, aber wenn man«in« Dankesschuld der Unwersitätcn an mich ablraa': will, so«nögsn sie das ruhig tun. Kommt«s sow«ft. dann wert« ich wein« Entscheiduna treffen."_ Ihealerchrsnik Im Theater i>«t»eile«? ftitlfai li. fteiruar allabendlich Srtta»an K. h« l l m a n n die Roll« der Iri-derik« in dem Siaaspi«! bon Krgnz Lehar. per?»»»a»s,««».shar gibt beut« sei» populäre»«onjert 3n fecr fiidNMn Oper wird Leod Ulm. Albert Gieiurück gestorben. I» feiilee Vobnung in tz�Iendorf ift in bet»«cht«irf Meni-ig der groh, günstler«» b«n siolaeu«ine»»lottiurze» geslordc». Nun ist der stärkste Mann unter den deutschen Charakterscholt- spielern gestorben. Letztens sahen wir ihn noch im Stoatstheater, als er den Dater eines verlumpten und verlorenen Sohnes dar- stellt«. Der Riese, besten Muskeln die Nähte des bürgerlichen Kleides sprengte, hätte einen winzigen, verbummelten Sprößling mit einem Handschlag züchtigen können. Er tat es nicht. Er unterdrückt« oll sein« Kraft. Nur das Lächeln der Güte wurde auf seinem Gestcht bemerkbar. Er bezwang sich, um allein die Quellen der Zartheit strömen zu lasten. Diese Art des Spieles gehörte zu den merkwürdigsten Eig«»- schalten des großen und mächtig disziplinierten Menschendarstellers Steinrück. Er war von Natur ungeschickt und wi« ein Stier geschossen. Alles an ihm schien gewölbter Fleischwvlst und aus- geschwollene Muskulatur, aber Steinrück gab den Muskeln Seele. In dieser Kunst zeichnete er sich vor ollem aus. Steinrücks Stimme klang von Natur wie ein Knurren und Gurgeln. Es schien, als könnte der Mann nur hart und gewöhnlich reden. Aber wenn er etwa in einem holzschntttartigen Drama von Barlach einen Mut- rünstigen Urmenschen mit Tierinstinkten darstellte, dann vollzog sich in ihm das große Rätsel der Komödiantenverwandlung. Seine Stimme konnte erschütternd weich Ningen, sie konnte Schüchternheit und Verzweiflung, sogar Zärtlichkeit zum Leben wecken. Als noch ruhigere Theaterzeiten waren, konnte Stcinrück die großen Schufte oder Schweine oder Märtyrer der klastischen Dra- mattt spielen, den Mephisto, den Folstasf, den König Lear. Da war er auf dem besten Weg, ein Virtuos für die Masse zu werden. Dann kam er von München nach Berlin, und man gab ihm die knurrenden Väter zu spielen, die Löwen mit dem Lammherztn, die geknickten Helden, die zergrübelten Denker. Man erinnerte sich. wie er einen Rollondschen Legftimisten spielt«, einen Mann, der mit dem revolutionären Zeltgeist nicht mehr mitgehen kann und sich nun an die Vergangenheit mit trogischer Energie klammert. In solchen Rollen wirkte Stetnrück wie ein Fostil aus längst verschütteten Jahr- lausenden. Er stand groß und urweltlich und seindlich gegen olles, was Gegenwart und Zukunft ist, auf der Bühne. Dieser Schauspieler, der ein Maler hatte werden wollen, und der mit allen Gedanken zu den modernsten Künstlern und Kunst- suchern gehörte, verkörperte eben am nallkvmmensten die tragischen Gestalten der Gegenwartoemeiner. Und so mar er auf der Bühne meist die Verkörperung des Gedankens, daß die Menschheit unsäglich langsam und schmerzlich nur vorwärts schreitet, wenn sie sich be- reichern will an neuen Ideen und an neuem Glück. Konzeri des Volkschors Harmonie. Kochschule. Der Männcrchor..Harmonie' mit seinem angegliederten Frauen- und K'inderchor wartete Sonntag mit ausschließllch moder. neu Chören in der Hochschul« auf, die in ihrer Gesamtheit aus einem würdigen, keineswegs liedertoflerischen Niveau standen Einige unbekanntere seien kurz besprochen. Das Spinnli'ed der Mädchen aus dem.Fliegenden Holländer" ist von Franz B o t h t sehr kunstvoll bearbeitet. Aber er überschreitet die ihm gesteckte Grenze doch ziemlich stark. Die Einsachheft des Volksliedes leidet darunter. Die Bearbeitung des.Wie ist dach die Erde" na» Karl Thießen ist dagegen sehr natürlich. Biel Originalität, eine famos« Beweglichkeit in der poetischen Anschauung, bringt Willi Zürn in der.Sehnsucht noch Stille". Rahrbachs .5ieldenh«imsahrt" hält nicht gon� was der Heraische Ansang verspricht, ist aber ein tapferer Chor mit«inigen schönen, intimev Wendungen. Arthur Stubbes.Erntelied" ist vortrefflich durchkomponiert, nur das.Mahle, Mühle, mahle" hält sich nicht auf der Höhe. Felix Maldens.Arbeitsmonn", das in Hon- nover von den Sängern des 0. Bezirks gesungen wunde, konnte mich gestern so wenig begeistern, wie damals in der Varprnbe.m der Brauerei Friedrichshoin. Trotz des großen Beifalls. Die Kon- zentriertheit und dramatische Schlagkraft des Dehmeisch«» Textes ist allzusehr in W«'tsch«eifigreit und phantastische Modulatorik aus geartet, dazu von einer unglaublichen Schwierigkeit, so daß der Auswand in den Mitteln in keinem Verhältnis zu der Wirkung steht. Wie ganz oiftlers wirkt sein.Sei stark". Lstcr lannte man mit vollem Herzen der Schöpfung des unvergeßlichen Toten seinen Beifall zollen. Ein« Goldgrube aber waren die drei Lieder von Paul Kurz. Hier strömt«in Singen und Klingen,«ine Lust und Liebe aus ollem heraus, daß man danach brennt, von diesem begnadeten Komponisten recht bald mehr zu hären. Die Ausführung dieser und aller übrigen Chöre war mit Ausnahme einiger Eingangsstellen, die unter der infamen Kälte litten, hervorragend. Unter Max Schaarschmidts subtiler, feiner Leitung erlebten die.Sehnsucht', der.Arbeitsinann'(mit einigen sehr erklärlichen Tübungen), die Heinz Thicßenschen„Linden- bäum' und.Wenn ich ein Vöglein war',.Die Heldenheim- fahrt', das.Erntelied', das herrliche»Wach aus' aus den Meister- singern, und das.Sei stark' eine prachtvolle Auferstehung. Der tüchtige Leiter des Jugend- und Fvauenchors, Rudolf Pesch, übernimmt sich etwas in den schwierigen Liedern, wie im.Spinn- lied' oder.Schneewittchen' von A. Stubbe, erklimmt aber aus- gezeichnete Natürlichkeit und Singfreudigkeit in dem Kahseschen .Lied vom Dackelhund' mit seinem Schubert-Anklang und vor allem in dem Glanzpunkt des Abends, den drei Kurzschen Chören. H, Mr. Mussolini al» Zeitung»resormer. Auf einer Pressekonferenz, zu der 70 Leiter italienischer Tageszeitungen einberufen waren, woiftft« sich Mussolini gegen die Praxis der Tagesprest«, große Uobersckrist- Zeilen mit mehreren Untertiteln zu veröffentlichen. Di« italienischen Zeitungen hätten nicht nötig, in dieser Weis« das Publikum onzu- reizen. Was in der übrigen Welt jetzt üblich geworden sei, darauf könne Italien verzichten. Da» 6. tiusouietalzeet her Staat,»per unter Leitung»on Erich Kleider findet ausnahmtiveil« am Mittwoch statt. Dg« Programm enthält.Faytt, Ouvertüre' vou R. Kagner,«i ch'iAirt» 5. Einsauie und die romantische Sstniauie von Bruckner. y» der Moderne» Valrri« Btocheim(Zugang Sofiftr. 34, Zivtschchiftockl wird Dieustlag«we AuSstellimg.B« r l i n e r H« m o r' mit Serken von Trter, Sinirael und Zille eröffnet. Sudels«, Slnhia und Wilhelm Schüfet lesen aus Einladung de».Ver» bände» Deutscher Erzähler' am Donnerstag.'/.S Uhr, im Herrenhause au» ihren Serken. vi« Studenlenschast der hoch schul« für Alu« veranstaltet ihr Vits- jährt««» Koilumie«! wieder unter der Devise Bobemeball äm Sonnabend I«.Rheingold'. «tat 5 ovoteg, hoch schale ist in Lenmarad eröffnet worden, in welcher dw Ard-fterschast über Zraaeu der Kunst und Kunstgeschichte utfterm■ Werde» wird.«-< ist dw-t»e Hochschule dichw Set te der Sowsttnuion Crinnerungsiag der �Republik. Mouie ror sehn Jahren, am it. Februar 1919, vntröe der e.rate deutsche JtetchsprlUtdeni Srledrich f.berl durch den mehrUeilsnriUen der im tCel ntarer Theater lagenden deul sehen llalionalrersammbtng gewählt. Eberl war damals HS Jahre all, seil sieben Jahreti .Hbgeordneler und seil TTorcm her 19 18 T'orsiUtender deaXals der Tolksbeauftragten."Unser Mld seigt das UalionsUhealer in Weimar, den Sita der Ter fassungsner Sammlung, und im Oral ein CRlld Sriedrlth Eberls rem Jahre 1919. Das Abenteuer im Ballsaal. Katzenjammer und Arbeiisgericht. Herr und Fron S'. amüsierten sich einfach großartig aus dem F a s ch i n g s b a l l des Lotterie» und Sporvereins„Sorglos", in dem Vater K. Vorstandsmitglied war. Man faß vergnügt an dem für die Vorstandsmitglieder reservierten Tisch', von dem aus man das lustige Treiben der Masken beobachtete. Eine Batterie leere: Weinflaschen zeugt« davon, daß man schon nachdrücklichst um die Hebung der Stimmung bemüht war. Herr St., der als Borstandsmitglied gewisse Verpflichtungen hotte, schäkerte mit jeder der vorbei- Huschenden weiblichen Masken. Selbstverständlich nur, soweit es Anstand und Sitte zuließen, denn erstens hatte er den Derein zu repräsentieren und zweitens befand er sich, wie bereits erwähnt, in Oesellschaft sainer„besseren Hälfte". Plötzlich erschien ein niedlicher kleiner Schiffsjunge auf der Bild- fläche, pflanzt« sich vor dem Dorstandstisch auf und ließ sich zu einem Glase Wein einladen. Aus dem einen Glos wurden bald mehrere, wodurch sich die Stimmung steigerte. Allerdings nicht bei Frau St., die mit wütenden Blicken das klein« Techtelmechtel ihres Ehegespanstes beobachtete. Die Mast« dagegen lachte, setzte sich zu Hern? K. auf den Schoß und kraut« ihm sein Haar. Dabei spiAte die Maske auf verschiedene klein« Schwächen von Frau K. an, die nur ein Einge- weihter kennen konnte. Frau St. wurde nüchterner und wütender, vor allen Dingen aber darüber, daß dies«„Anzapfungen" zutrafen, .und-der., Erfolg war., daß.der. sy. vergnügt.begonnene Abend mit einem vorzeitigen Aufbruch der Eheleute endete. Der kleine, irigi- kierte Schiffsjunge blieb als lachender Sieger zurück. Der Mummen- schanz fand am nächsten Morgen um 7 Uhr früh sein Ende. Frau K. war, noch reichlich verärgert, in ihre Äüchs gekommen, um nach dem Morgenkaffee zu sehen. Gerode in diesen, Augenblick kam Liesbeth. ihre tüchtige.Hausgehilfin, zur Tür herein. Sie hatte sich am Abend zuvor Urlaub geben lassen, angeblich, um eine kranke Tonte zu be- suchen. Der Zustand ober, in dem sich Liesbeth befand, ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß sie die Nacht in einem Ballsaal vcr- -lebt hatte, und obendrein mußte Frau K. die Feststellung machen, daß Liesbeth— jener freche Schiffsjunge war, der ihr so viele Bosheiten in der Nacht gesagt hatte. Noch che Liesbeth in ihr Zimmer verschwinden konnte, gab es einen Krach. Frau K. besaß nicht Humor genug, um bei ihrer Angestellten Masken- freiheit gelten zu lassen. Liesbeth hatte kaum noch Zeit, ihr Masken- kostüm mit einem Strahenkleid zu vertauschen, dann stand sie in Gesellschaft eines riesigen Katzenjammers mit Sack und Pack auf der Straße. Liesbeth, die mit ihrer fristlosen Entlassung nicht einverstanden war, lief aufs Arbeitsgericht. Hier mußte der. Richter, der sich sichtlich amüsierte, sein« ganze lleberredungskunst aufwenden, um die schimpfenden Parteion zu«inigen. Erst nach langer„Berlind- lung" konnte ein Vergleich protokolliert werden, wonach Frau K. an Liesbeth noch 50 M. zahlt. Minderjähriger, Betrug und Unterschlagung. In der Diskussion sprachen einige der angegriffenen Führer der NSDAP, und behanp- teten ihrerseits, gegen den Referenten des RFB. laufe eine Anzeige wegen Diebstahl und Verführung Minderjähriger. Nach diesen«r- heiternden Ergüsten sprach noch der Gauleiter des RFB. und redete den Nazis zu, dock, ihren Antisemitismus aufzugeben und dafür wieder schärfer gegen den preußischen Innen mini st er zu kämpfen, dann, ja dann könnte man über die gemeinsam« K a in p s s r o n t reden. Kommunisten Arm in Arm mit den Naiio- natsozialisten und als Hauptparole Kampf dem sozialdemokratischen Innenminister, das ist der»letzte Schrei", das macht den Kommu- nisten niemand noch. Kirchenausiriti. Aazis bei Roifroni. Verführung, Unterschlagung, Betrug. Die Kommunisten und ihr Ableger, der R o i- F r o n t- Kämpferbund, können mit ihrem gewöhnlichen Geschrei keine Versammlung mehr füllen. Sie müssen schon etwas Besonderes bieten. Eine Versammlung mit ehemaligen Ratio»also- zialisten als Redner, das zieht noch. Mit schreierischcn Plakaten wurde deshalb eine Versammlung einberufen, in der der ehemalige Musikleiter der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Hillebrand referieren sollte. Der Saal von Ktiems Festsälcn war daher non Kummunisten und Nationalsozialisten besetzt. Als erste Ueberraschung wurde mitgeteilt, daß Herr H i l l e b ro n d Berlin verlassen habe, weil er die Feme der Nationalsozialisten fürchtet Dafür sprach ein Herr H e i m b e r g. der die Führer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei als Diebe, Ver-leumder hinstellte und weiter mitteilte, daß gegen einen großen Teil der Führercliqu« Strafverfahren laufen wegen Verführung Der Verband für Freidenkertum und Feuer- b e st a t t u n g icllt folgendes mit: Alle dieicnigcn, die nach vor dem ZI. März ihren Kirchenaustritt vollziehen, brauchen nur nach ein Rierteljahr nach ihrem Austritt Kirchensteuern zu zahlen. Der Kirchenaustritt muß persönlich dem Amtsgericht des Wohnbezirks erklärt werden. Dies kann dort in den Vormittagsstunden mündlich kostenlo- geschehen. Erfahrungsgemäß häufen sich deshalb in den letzten Wachin des Pierteljahres!>ie Kircyenoustrille, so daß bei den Gerichten daiin oft ein stuirdenlaiiges Waiteu die Folg« ist. Die Aus- trütr-erklärung kann aber auch schriftlich dem Amtsgericht eingereicht werden, muß jedoch m diesem Fall« von einem Notar beglaubigt sein. Um allen denen, die In den Vor. Mittagsstunden nicht abkommen können, den K irchenan stritt zu ermöglichen, stehen an den folgenden Stellen in den Abend- stunden Notare zur Verfügung, die gegen die Mindestgebühr von 2 Mark die Airchenaustrittserklärupgen entgegennehmen und es empfiehlt sich, den Austritt nicht bis zum Ende des Vierteljahres hinauszuschieben sondern ihn jetzt schon.zu vollziehen: SW. 20, Gncisenoustr. 41(Freidenkerhousi. Nur noch Montag und Donnerstag von 7 bis h Uhr abends(nicht mehr Dienstags und Freitags).— N 65, Reinickendorfer«tr. IIS v. II. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von S bis 7 Uhr abends. O. 17, Große Frankjurter Str. 141, v. II r. Dienstag und Freitag von 7 bis S Uhr abends.— Charlotienhuvg, Rosinenftr. 4 I(Jugendheim). Sonnabend von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Jugend genossen, die das 14. L e h« n» j a h r n o I l e u» d e t haben, brauchen keine besondere Erlauhrns der Eltern, sondern müssen ihr« Kirchenanstrittserkläning selbständig abgeben. Weitere Auskunst erteilt das K u l t U r s e k r« t a r i a t der Freidenker, SW. 29, Gneiscnaustr. 41(Fernsprecher: Bärwald 5311). Jugendweihe koulsdorf und Umgegend. Sonntag, 24. März, in der Schule, Ulmenstroße. Anmeldungen nehmen an: Wenzek, Koulsdorf-Süd, Eichenstraße 9, gegenüber der Schule.— Hunisch, Georgstraße 4 in Koulsdorf. NnrbereiMngsunterricht jeden Don» nerstag von 16 bis 18 Uhr in der Schule.— Die Jugendweihen de? Bezirks Lichtenberg jinden am Sonntag, dem 17. und 24. März um 19 und 1 Uhr statt, und zwar im Feftsaol des Rejorm» reolgymnajiums an der Parkauc. Der Vorbereitungsunterricht de- ginnt am Dienstag, dem 29. Januar, nachmittags 4 Uhr, in folgen» den Schulen: 34. Schule, Schornweberstr. 19: Lehrer: Genosse Rektor Lenz. 35. Schule, Pfarrstroße: Lehrer: Genosse Rektor Schlicker. 36. Schule. Friedrichstrahe: Lehrer: Genosse Rektor Sänger. 37. Schule, Marktstr. 12: Lehrer: Genosse Rektor Prieb«. Zeugen gesucht! Am 2. Januar wurden die Frau des Stadt- infpektors Knaut, Berlin-Reukälln, Werrastr. 1. Fräulein Elfe Mühlenbeck und das Kind Erika R o tz o> l in der Berliner Straße, Ecke Anzen-gruberstrob--. durch einen Aiüobus überfahren. Während Fräulein Mühlenbeck sofort tödlich verletzt wurde, ist Frau Stadtinspektor Knaut vor kurzem ibren Verletzungen erlegen. so daß der Ircraisch« Unfall zwei Tot« fordert«. Dos Kind liegt ebenfalls noch schwer krank danieder. Zeugen werden gebeten, sich bei dem Verband.Unfallhilfe", Interessen-Verband E. V., Deiiin, RW. 49, Rathenow«? Str. 4, II, Telephon Hansa 5209, zu melden. Ball der Republikaner! Einer langjährigen Uebung ent- sprechend veranstallet der Gauvorstand des Reichsbanners Schwarz- Roi-Go» auch ht H�em Wobt 8*6« dm«vK» gddSSat grf«, In diesem Jahre rvird der»Lall de? Repuhfi faner" am 23. Februar in der..Philharmonie" stattfinden. Als Ballorchester ist die Kapelle Gerhard Hofstnann gewonnen. Im Oberlichtsaol wirb ein Mitternachtskabareit die Gäste durck» politische Satiren erheitern und im großen Saale werden besonder« Tanzauffühmngen statt- finden. Eintrittskorren find bei den Ortsvereincn des Reichs- banners und beim Gauvorftand Berlin- Brandenburg, Sebastian- straße 37/38, erhältlich Falscher wohuuugsvermilller verbaflel. Bei einem guten Früh« stück wurde am Freitag ein Wohnungsfchwindler festgenommen» den die Kriminalpolizei schon länger suchte. Ja der Nähe der Wohnungsämter trieb sich feit einiger Zeit ein Mann umher, der mit sicherem Blick die Leute herausfand, die auf der Suche nach einer Wohnung waren. Wer sich mit ihm einließ, bekam auch bald einen Vertrag, aber wir gegen den kleinen Vorschuß von 259 bis 399 M. Dann hörten und sahen die Bewerber nichts mehr von ihrem Vermittler. Bisher waren ihm, soweit sie bekanntgeworden sind, schon mehr als acht solcher Streiche gelungen. Dos sind ober sicher noch nicht alle. Der Verhaftete ist ein Mann, den man wohl leicht wiedererkennt. Er ist etwa 1,68 Meter groß, hat rotblondes Haar, blonde Augenbraunen und im Oberkiefer zwei Gold- Hähne. Wer weiter mit ihm zu tun gehabt hat. wird gsbeter� sich bei der Dienststell« v. ö zu melden. Ein Schwindler nersucht Mitglieder d«» Arbeiter» Sängerbundes zu neppen. Der ehrenwert« Herr hat sich Adreflen von Wstgliedern des Männerchores Fichte-Georgima zu ver- schaffen gewußt und wiederholt versucht» unter dem Borwand, Geld und Wochenkart« verloren zu haben, Geldbeträge zu erlangen. Der Betreffend« ist zirka 1,79 Meter groß, schlank, dunkles Haar, gebogen« Rase: Alter 26 bis 28 Jahre. Heinrich Bteßf«, unser aller Mitstreiter, feierte gestern seinen siebzigsten Geburtstag. 1884 kam er nach Berlin, und non kw ab begann feine unermüdliche Arbeit. Anfang der neunziger Jahr« zum Vorsitzenden der„Freien Vereinigung der Maurer Berlins" gewähll, fetzt« er sich 1997 für die Der- fchmelzung mit dem Zentralnerband der Maurer, dem heiuigen Deutschen Baugewerksbund.«in, die dann im Jahre 1998 auch voll» zogen wurde. Er war danach als Gewerkschaftsangestellter im Bau- arbecterverband tätig und war zweiter Vorsitzender der Berliner Zahlstelle. Nach löjähriger Bureoutötigkeit mußte vuser Jubilar noch als 6?jähriger durch die wechsewollen Derhöllnisse den Bureau- kittel mit der Maurerkelle eintauschen. In der S o z i a l d e m o-, kro tischen Partei hat der Jubilar seit 1884 immer seinen Mann gestanden. Longe Jahr- Bezirkssührer. wurde er 1999 zum Stadtverordneten gewählt. Dieses Mandat behiell«r bis zur Eingemeindung Groß-Berllns(1929). Don 1929 ob ist er Be- zirksverordneter im Dezirk Prenzlauer Berg. Bleflerbericht der SffenkNchen Wetterdienststelle Berlin und Um» gegend: Noch sehr kall, nur vorübergehend Lewöllungszunohwe. östliche Winde.— Für Denkfchland: Ueberall Fortdauer des strengen Frostes. Atantae. II. Februar. '. i B er 1 i o. 16.00 Otto Specht:„Die« ihrer Beriehunf nj Tior- und NatorAchut� 16.*) Serie Bewtkieukr, KlavierkompoMtione-o(der Komponist am Flöcel). Anschließend: Sor.atejj von Uaydn and Mozart(Nicolas Lambinon, Violine, und Bruno Seidler-.Winkler. Flöiel). 17.30 Novellen.„Afrika in Sicht" von Richard Hoelsenbeck. Bruchatöcke, zti lesen vOro Verfasser. 15.10 Sprachliche Plaudcrclea. 18.30 Enslisch 18r Anfänger. tO-OO Oberrcsricronjsrat Fritz Tclessy:„Neue Beamtenausschflssc hs def Schutzpolizei•1... 1$..30 Prof. Dr. Franz Eolenburj::„Die St-Uune der deutsches Industrie au! dem Wcltmarict4', 30.00 Sendespiele: Rosen montan" vnn Ot�o fr ich Hartlehee- Anschlleßcrd: TaJizmusik(Kapell Marek Weber). 33.15 Uebertrasuns einer Münchener Francaisc von der Redoute Im LA'venbrlu� VeTler. Anschließend: Tanzmusik(Kapelle Marek Weber)i 0.30: Nachtmusik, Kdslcs'srusterhauses. 16.00 Französisch(knUorkundlich-liteTariscjw Stunde). 17.30 Dr. Fritz Klatt: Rationelle Freizeitgestaltung:. 18.00 Prof. Lud wiz Majitler, Thcophil Demitricscu:„Humor im Ued1. 18.30 fngüsch für Anfanger. 18.55 fr, K ersten: Henry Ford und die Land vir Uchaft. 19.30 Stud-Rat Dr.-tng.' Wettstädt: Werkmcisterlebrganj fUr Facharbcifer; Dampfmaschinen und Brennkraftoaschincn. �«rontmorfT. Hir Mt Sieboffton:«alfqaug Sckwerz. Verlw: Änselaen: TH. SlsSe. Berlin. iUerlqo; Dorwart» Verlag G. m. h.$>.. Berlin. Druck:«ormäufe Buch. dreckeret und Berlagsanstalt Beul Singer � So.. Berlin SV 68, Lind�nstratze 2» Hiezzit 1 BeUege. Gegen rote Hände «nb unfckiw« Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig-weiß«, settfreie Oreene I�aelai-, welche den Händen und dem Gesicht jene mau« Weihe verltihi, die der vvrnrhmen Dame erwünscht ist. Em besvnderer Vorteil liegt auch darin, bah diese ma.1« Crem- wunder- voll fühlend bei Iuckrei» der Haut wirst und aleichzeiiig eine vor- zügliche llmerlagi für Puder ist. Der nachhaltige Dust dieser Crem« \j\j 4�1.. v, i wfzt.tun i hjll.— �iiuticn Chlorod nt>Verkau!»stellen zu haben.— Bei direkier Einsendung diese« Inserates als Truckiachc mst genauer und deutlich gejchriedenei Ab- senderadreste auf dem Umschlan erdnlten St« eine Nein« Probesendung wstenlo, übersandl durch Leo-Werle A. D.. Dre-den-Z!. S gr. 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Die Geschichte einer Entlassung Cs handelt sich um die Entlassung des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt. Hermann v o n T h i l e. am 5. September 1872, der durch 10 Jahre seit dem 0. Dezember 18S2 der höchste Beanüe des Auswärtigen Amtes nach dem Minister oder Reichskanzler war. Bismarck entließ ihn urplötzlich, eigenmächtig, weil Thile«inen Be- fehl des Kaisers ausgeführt hatte, und dem Kaiser blieb nichts anderes übrig, ols in der Erkenntnis, daß sein Konzler mächtiger sei als er, sich gegen seinen Willen deT Kanzler zu sügen. Bon Beginn seiner parlamentarischen Tätigkeit im Jahre 1847 b s zum Ende seiner Reichskanzlcrschoft im Jahre 1890 ist Fürst Bismarck in mehr ols hundert Parlamentsredsn für das Recht und die Macht des preußischen Königtums eingetreten, und schließlich, nachdem er nom König von Preußen zum Fürsten erhoben und mit dem Sachsenwold beschenkt worden mar, hat er dem Deutschen Kaiser klargemacht, daß ein dlrekter Befehl des Kaisers ohne jede Wirkung und Bedeutung ist, wenn er nicht dem Wunsche des Konzlers cnt- spricht. Ohne daß damals die Oeffentlichkeit ein Wort davon erfuhr. hat er, wie nur je ein Revolutionär, das Recht und die Macht des Kaisers und Königs in persönlicher Umerhaltung mit dem Monarchen seinem Willen unterworfen. SM. wünscht Orden, Bismarck opponiert Unmittelbar vor dem Besuch des Kaisers Franz Josef und chcs Kaisers Alexanders IL in Berlin am 4. September 1872 hatten Kaiser Wichelm I. und Fürst Bismarck sich über die Liste der Orden unterhalten, die an dos Gefolge der beiden Herrscher erteilt werden, sollten. Wilhelm I. wollte dem österreichischen Botschoster Gros von K a r o l y i und den: russischen Botschoster von O u b r i l den Schwarzen Adlerorden geben, während sie Bismork nur durch Ueberreichung von Basen abiinden wollte. Am Morgen des 4. September 1872 traf bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Ami? der schriftliche Befehl des Kaisers«in, daß nach seiner deiinitiven Entschließung beide Botschafter den Schwarzen Adlerorden erhalten sollten, und daß die Orden sofort in das Schoß geschickt würden, weil der Kaiser beabsichtige, den beiden Batschoftern in Gegcimtart ihrer Monarchen die Orden vor dem Festmahl zu über- reichen. Der Staatssekretär von Thile begab sich sofort zu dem Fügten B i s cha r ck, um demselben von dem Jcch�-hcr Kabiperts- ..«ch«-. Mitteilung zu machen, erhielt aber f�n. dem Diener den Bs. scheid, daß her Fürst befohlen habe, ihn nicht zu wecken. Auf seine dringende Borstellüng, ihm ein«' Tagesstunde zu bestimmen, in welcher er Bortrag holten könne, da es sich um eine wichtige Per- sanalsache handle, erfolgte der weitere Bescheid, daß die Zeit des Fürsten Bor. und Nächmittag besetzt sei, und er keinen Bortrag wünsche. Ein Staatssekretär in Verlegenheit In der peinlichen Lage, in welchcr sich der Staatssekretär be- fand, erbot er sich den Rot der erfahrensten Diplomaten des Auswärtigen Amtes, der übereinstimmcich dahin ging, daß bei der be- ftinunten Fassung der Kabinettsorder die Orden sofort ausgehändigt werden müßten. Da Fürst Bismarck wiederholt seinem Staats- sekretär erklärt hotte, er solle ihn in Ordensangelegenheiten nicht erst befragen, und da l§:r Staatssekretär dazu berufen ist, im Behinde- rungsfalle den Reichskanzler zu vertreten, so entschloß sich Staats- sekretär von Thile. den Befehl des Kaisers auszuführen und sandte die Orden dem Kaiser zu. Das Hoffest fand am Abend statt. Die beiden ausländischen Bot- schafter trugen die ihnen überreichten Jnsignien des Schwarzen Adler- orhens, ohne daß der gleichfalls anwesende Fürst Bismarck davon Notiz nahm. Nach Beendjgung der Festlichkeit am späten Abend suchte der Geheimrat von Keudell noch den ihm freundschaftlich nahestehenden Fürsten Bismarck auf und fand ihn in sehr guter Stimmung. „Was? Wer hat das getan?!" Bei dem Schlüsse der Unterhaltung sagt« Keudell, daß der öfter- reichische und russische Botschafter nun ja' dock, schließlich den Schwarzen Adlerorden erholten und aus dem Fest bereits getragen hätten. Der Fürst bezweifelte diese Behauptung, fragte dann aber, als es nochmals bestätigt wurde, in größter Entrüstung:„Was? Wer hatdasgctan?!" Als ihm dann der Hergang und insbesondere mitgeteilt wurde, daß in einer Kobinettsorder der bestimmte Befehl des Kaisers ein- getroffen sei,' die Orden sogleich auszuhändigen, und der Herr Staats- sekretär, nachdem er wiederholt vergeblich versucht habe, hierüber Bortrag zu halten, geglaubt habe, dem Befehl des Kaisers Folge leisten zu müssen, erteilte Fürst Bismarck dem Gehsimrat von Keudell den Zluftrag:„Gehen Sie morgen früh zu dem Staatssekretär und bestellen Sie ihm: Zwischen uns Beiden ist es aus! Cr braucht gar nicht mehr auf das Auswärtig« Amt zu k o m m e n Am 5. September 9 Uhr früh erschien Keudell bei dem Staatssekretär von Thile und sogt«, er komm« in ernster Angelegenheit und wiederholte ihm wörtlich den Auftrag des Kanzlers. Der empfange- n«n Weisung gemäß reicht« der Staatssekretär sein Abschieds- g e s u ch bei dem Kaiser«in. Der Kaiser Keß den Staatssekretär njfen, der ihm auf sein Der langen ganz genau den Hergang»zählen mußte. »Oer Kanzler behandelt mich zu grausam* Der Kaiser erklärte dem Staatssekretär, daß er ihm aus dem angeführten Grunde den erbetenen Abschied nicht bewilligen werde und stellte weitere Nachricht in Aussicht, nachdem Fürst Bis- marck üb» den Bnrfoll gehört worden sei. Der Staatssekretär bot um möglichste Beschleunigung dieser- Nachricht, da ihm von dem Fürsten Bismarck»»boten war, in dos Auswärtige Amt zu kommen. Nach einiger Zeit wurde Staatssekretär von Thile wieder zum Kaiser befohlen, von ihm mit Tränen in den Augen empfangen und mit den Worten umarmt:„Der Kanzler behandelt mich zu grausam." Obgleich der Staatssekretär dem Minister in den Kriegen von 1866 und 1870/71 und bei seinen vielen Abwesenheiten in Darzin und Friedrichsruh in der Hauptstadt vertreten hotte, wogte Wil- Helm I. nicht, ihm bei der Versetzung in den einstweiligen Ruhestand einen Orden oder sonst eine Anerkennung zu geben. Am 17. Januar 1873 übersandte der Kaiser dem Staatssekretär dos Kreuz der Groß- Komtur« des Hohenzollern-Ordens und schrieb dazu, die Verspätung liege darin begründet, daß er Rücksichten so vieler Art zu nehmen habe, um reizbare Nerven nicht zu überspannen und versicherte noch einmal, d aß er sich der Dienste Thiles nur Anno 1S39 Als die„Schwarzkünstler" streikten In engem Zusammenhang mit der Bedeutung, die heute in der ganzen Well der Buchöruckerkunst zukommt, steht dos stark« Gefüge der Buchidruckerorgonifotioncn. Wir wisien, welche Opfer die Arbeitnehmer aller Land» aus sich zu nehmen hatten, um Schritt für Schritt vorwärts zu konnnen. Der Allgemeinheit bester bekannt, weil näher liegend, ist die Kampfzeit der zweiten Hälfte des neun- zehnten Jahrhunderts, aber nicht minder interessant ist die erste Entwicklungszeit der„schwarzen Kunst", die allenthalben, vor allem aber in Frankreich, idcn Kampf zwischen den Druckherren und den Gesellen entbrennen ließ. In Lyon, wo Mb nach Erfindung der Buchdruckerkunst«ine bedeutende Anzahl von Ofsizinen eingerichtet worden war, kam es im Frühling 1339 unter den Buchdruckergesellen zu einem Ausbruch der Evlpörung, weil sie von den Druckherren als rechtlose Werkzeug« behandelt wurden. Sämtliche Arbeitnehmer legten gleich- zeitig die Arbeit nieder, durchgogei, bcwassnet die Stadt und stellten Streikposten nor den Druckereien aus. Sie hielten tadellose Disziplin. verpflichteten einander, kein« Arbeit ohne die Austimmimg der Ge- samtheit anzunehmen und auch sonst die von der„Organisation" (wenn man diese Bezeichnung anmenden kann) erlassenen Vorschriften streng einzuhalten. Ms Betreiben der Dnickherren wurden zwar einig« der Streikenden vom Bürgermeister ins Gefängnis ge- fetzt, aber an die Masse, die sehr zahlreich war. traut« man sich nicht heran. Die Beschwerden der Druckergesellen bezogen sich hauptsächlich auf schlecht« und ungenügende Verpflegung(wie in jedem Handwerk standen auch die Buchdruckergesellen bei den Meistern in Wohnung und Berpflegung), Lohnkürzungen und den Miß- brauch der von den Druckh»ren ausgezwungenen arbeits- freien Tag«, für die selbstverständlich auch kein Lohn bezahlt wurde. Dieser Beschwerdegrund wird durchaus verständlich, wenn man i» Betracht zieht, daß damals das Nomensfest isdes Heiligen gefeiert wurde und somit nur 249 Arbeitstage Librig blieben. Es wurden zwei Komitees gebildet, eines aus Gesellen, das ander« aus Druckherren bestehend! beide legten ihr« Beschlüsse dem S« n e f ch a l l von Lyon vor, der vom König ermächtigt worden war. als Schlichter zu fungieren.(In Frankreich unterstand das Biichdruckgamerb« sowie dos Verl-gertum von Anbeginn an un- mittelbar der Krone.) Di« Entscheidung, die der Schlicht» fällte. war vor ollem— wi« damals nicht verwunderlich— gegen die Arbeitnehmer gerichtet. Er untersagte ihnen, einander irgendwelche bindende Verpflichtungen aufzuerlegen, sich außerhalb d» Arbeits- statte tn größeren Gruppen zu versammeln oder im Arbeitsraum mit Kummer e n t sch la g en habe. Die Veröffentlichung der Ordensverleihung erfolgte aber absichtlich nicht. Don Thile starb erst im Jahre 1889, also 8 Jahre vor Bismarck. Niemals wieder hat Bismarck irgendwelche Notiz von diesem Staats- sekretär genommen, den er sich ausgesucht hätte, und mit dem er 10 Jahre mit großem Ersolge zusammen georbeftet hotte. Erst heute weiß man, warum er ihn am 4. September 1872 entließ, als wenn es fein junger Privotongestellter wäre. Gerade in jenen Tagen be- gann Bismarck feinen publizistischen Feldzug gegen den Grafen Arnim und gegen die Kaiserin Augusto. Thile besuchte ober regclmäßig di« Teeabende der Kaiserin Aug» st a und war seit Jahrzehnten mit Arnim befreundet. Kuäoll dlartin. Waffen oder Stöcke zu tragen.- Ferner mußten sie an den Vor- ab« irden von Feiertagen ebensolange wie an anderen Togen arbeiten und durften die Arbeit nur unterbrechen, wenn sie einer Taufe oder einem Begräbnis in der Familie des Druckherrn beiwohnen wollten.(I) Den Druckherren wurde die Verpflichtung auf»legt, die üblichen Löhn« zu zahlen und anständige Wohnung und Ver- pftegung zu gewähren. Ein besonderes Komitee sollte die Richtlinien bezüglich Wohnung und Verpflegung festlegen. Hatten die Arbeit- nehmer in den einzelnen Punkten auch eine Niederlage erlitten. so war ihr Erfolg in einem Punkte doch sehr bedeutend. Sie waren als Körperschaft aufgetretrn, und der Vertreter der königlichen Gewost hott« mit ihnen verhandelt. Damit war der Grundstein zur Organisation gelegt. Der im gleichen Jahre in Paris ausgebrochene Stroit der Biichdnlckergefelle» war von den Druckherren direkt herausgefordert worden. Unter dem Eindruck des Lyoner Streiks unterbreiteten die Pariser Druckherren der Krone eine Reihe von Vorschlägen, die Ver- hältnisse in der Buchdruckerzpnft betreffend. Zu diesen Vorschlägen, die durch Bestöiigpng der Krone Gesetzeskraft erlangten, wurde den Arbeitnehmern untersagt, eine Vereinigung zu bilden oder auch nur «ine Vertretung zu wählen. Außerhalb der Häuser ihrer Meister dursten sie keine Zusammenkünfte oeransialten, keine Sammluirg für gemeinsame Zwecke einleiten. Weiter wurde ihnen verbaten, das Wort„Trie", das damals als Signal zur Niederlegung der?lrbeit gast, anzuwenden. Di« Arbeitszeit dauerte van 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends und wurde auch an'den Vorabenden von Feiertagen nicht verkürzt. Im Gegensatz zu dieser voll- ständigen Knebelung der Arbeitnehmer waren, die Verpflichtungen, die den Druckherren auferlegt wurden, sehr gering. Sie waren ge- hallen, den Gesellen anständige Verpflegung zu geben und die Löhn« monatlich zu bezahlen. Entlassungen tonnten sofort vorgenommen werden, während der Geselle ein« Woche vorher kündigen mußte. Daß der kapitalistisch« Geist es schon damals verstand, das Unter- nehm»tum durch gegenseftig« Bindung zu schützen, beweist ein Punkt der Pariser Abrnaehung, wonach«« den Druckherren untersagt war, einander die Gesellen durch Anbietung höher» Löhn« wegzunehmen. Um Arbeitikompf, den dies« Derskkanunosverordmmg d» Krone zur Folge hatte, dauerte(mit Unterbrechungen) nicht weniger als dreiunddreißig Jahre. Erst im Jahre 1572 fanden die Pariser Kämpfe durch eine neu« Verordnung der Regierung, die weder Arbeit- nehm» noch Arbeitgeber befriedigt«, ihr Ende. In Lyon, wo die Druckherren von der dort vorgenommenen Schlichtung wenig befriedigt waren und eine„Regelung"'"«ch Poriser Muster«rstrebien, kam es zu wiederholten, erbitterten Kämpfen, die schließlich damit endeten, daß die Druckherren ihr« Work- statten in Lyon aufgaben und nach Dienne in der Dau- phine übersiedelten. Heiaiich Rosner. Der Gefanger Das Konkordat, das soeben zwischen der italienischen Regierung von Mussolinis Gnaden und dem Papst abgeschlosien wurde, bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der katholischen Kirch«: die Epoche der selbstgewähsten vatikanischen Gesongenschoft ist vorüber. Es dauerte sieben Jahrhunderte, bis sich der Begriff des Papstes als des höchsten Würdenträgers innerhalb der katholischen Kirche herauskristallisiert hatte. Dies« Epoche endet mit Papst Gregor L, der für den Papst das Recht tn Anspruch nahm, als Nachfolger Pe tri keinen Richter über sich zu haben. Es folgen zwei Jahrhunderte, in denen sich der Begriff von einer(durchaus nicht immer sehr geist- lich verstandenen) geistlichen Varherrschajt des Papstes auch unter den germanischen Völkern durchsetzt. Ein sräntischer König, Pippin, ist es gewesen, der dem Papst dann auch zur weltlichen Macht verHals. Der Papst hatte ihm Beistand geleistet, als er die Merowingcr vom Thron stieß. Der Dank war die Schenkung des Kirchenstaates. Als- Karl der Große die Schenkung bestätigt, wird er in Anerkenntnis dafür vom Papst zum römischen Kaiser gekrönt. Eine Hand wäscht die andere. Seit- her beherrscht dos Mittelalter die Vorstellung vom Nebeneinanderbestehen einer westlichen und einer geistlichen Macht. Ein Jahrhundert tiessten Zerfalls(Frauen erheben ihre Lieb- Hab», Söhne und Enkel zu Päpsten, mehrere Päpste regieren oft gegeneinander) und das Papsttum erhebt sich, van Heinrich III. und dem von ihm als Papst eingesetzten deutschen Klemens IL gereinigt, zu neuer Macht, um in jahrhundertelangem Kämpf das Borrecht vor der weltlichen Macht zu erstreben. Hauptträger dieser Idee war Gregor VIL, der von einer Universalmonarchi« der Kirche träumte, von einem olles umfassenden Gastcsstaot mit dem Papst als sichtbarer einziger Spitze. Er erzwang das Zölibat(die Ehelosigkeit) des Klerus. Hauptgegenspieler in diesem Kamps waren die römi- schon Kaiser deutscher Nation. Auch Päpste schrieben in diesen . Jahrhunderten Ihre Geschichte mit Blut und Eisen, und das Reich Gastes schwebte ihnen vor als eine sehr reale Summe weltlicher Wacht/..;/..- Dos Kaisertum unterlag, hin- und hergetrieden im Ringen um. die Befestigung seiner Bormächt unter den Herzögen Deutschlands und um die Errichtung der Weltmacht unter dem strahlenden Zeichen der italienischen Sonn«. Innozenz III. kannte die Genugtuung erleben, den legten Staufen auf italienischem Baden wi« einen Ban- diten zugrunde gehen zu sehen. Halb Europa lag ihm zu Füßen. Bormund, Schiedsmann, Richter und Lehnsherr von Fürsten und Königen war Innozenz III. Aber es schien, als habe sich die streitbor« Kirch« in ihrem ehr- geizigen Machtkampf übernommen. Mochte es schon damals heißen, die Kirche hat einen guten Magen, sie hat ihn sich an ihrer Macht und an ihrem Reichtum gründlich verdorben. Niederer und höherer \e im Vatikan Klerus und mit ihnen die Stattholter Pefti— es war die Zeit der italienischen Renaissance ausgangs des 13. bis zu Begim, des 16. Jahrhunderts— verkamen in Völlerei und Ausschweisungen aller Art. Als Frankreichs König— die Macht des deutschen lag noch am Boden—, Philipp der Schöne, den Glaubenssatz Bonifoz' von der Unterordnung der weltlichen Macht unter die geistliche entgegentrat, zeigte es sich, daß das Papsttum den Realbeweis nicht mehr erbringen konnte. Die Päpste wurden Gefangene der franzö- fischen Krone in Avignan(babylonische» Exil 1309— 1377). Da hals nicht die Ausstellung von Gcgenpäpsten und kein Protest. Der Wirrwarr vergrößerte sich nur, das Ansehen der Kirche sank immer mehr, ein Schisma(Kirchenspastung) warf erste Schatten, die Unznsrioden- hcit mit der Verkommenheit und der Unersättlichkeit anspruchsvoller Klerisei nahmen zu, Refonnversuche einzelner, denen Religion Herzenssache geblieben war, hatten nur Teilerfolge— noch hielt der Bau der Kirche ein Jahrhundert, ober dann brach der Sturm los, der seinen sichtbarsten Ausdruck in der Refornrationsbewegung um Luther fand. Zeiten blutigster Wirren, soziale Bewegung vorausahnend. Der dreißigjährige, jener Krieg der Religionen auf deutschem Boden, der Jammer und Elend und neben der katholischen die protestantische Kirche als gleichberechtigt zurückließ. Die katholische Kirche besann sich wieder auf ihre geisstich-geisstge Mission und auf ihre Vergangenheit. Ihr Ansehen, ihre Bedeutung als geistliche Macht wurde wieder hergestellt, und ihr Einfluß auf die kusturelle Gestaltung war auch in den folgenden Jahrhunderten bedeutend, ober ihr Traum von der Universolmonarchie unter Führung des Papstes blieb ausgeträumt. Die neue Zeit pochte bereits an die Tore. Zeiten der Aufklärung, Zeiten der Revo- lutian: Selbstbesinnung der Nationen und Klassen. Wirtschaft mehr noch als Politik wurde dos Schicksal der Völker. Der katholische Klerikolismu» mochte innenpolitisch allenthalben«in Machtfoktor bleiben, außenpolitisch war die Rolle des Papsttums ausgespiest. Die verändert« Stellung des /Papstes fand ihr Symbol, als am ' 20. Sepitmber'1870 dos geeinigle Königreich Italien»klarte, daß ein Kirchenstaat keinen Platz mehr in dem neuen Staatswesen habe. Die Unabhängigkeit der geistlichen Gewalt, die Rechte eines Souve- räns, der Vatikan und der Lateran.wurden dem Papst zwar garan- tiert, aber mit seiner weltlichen Macht war es seither vorbei. Der Papst zog eine bittere Konsequenz: Kein Papst überschritt seither die Grenzen des ihm belassenen Territoriums, die Päpste lebten bis auf den heutigen Tag in einer freiwilligen, der sogenannten vatika- nifchen Getangenschaft, und man könnt« es fast als eine Ironie der Weltgeschichte bezeichnen, daß der Diktatar Mussolini, der die Rechte -der italienischen Kran« airs das Empfindlichst« beschnitten hat, dem Papst den Weg ins Freie weist. ÄWS y&M fß-s ��XSTa/, _ von Nathan Asch Uebartragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by. Rütten 4k Loening, Frankfurt a. M. (19. Fortsetzung.) Atze mcotrtcn chre ganze Ausmertsmnt-it dem Cssen zu. Keiner »«gte. den anderen anzublicken! jeder fürchtete, daß die anderen von seinem Gesicht seine Gedanken ablesen könnten� und jeder schämte sich seiner Gedanken, wollte sie vor den anderen oerbergen. So ver- steckte« sie ihr« Gesichter hinter einer Maske, senkten die Augen und aßen«friA. Vi« aßen mA atzen. Je mehr sich ihre Bäuche füllten, desto mAder wurden ihre Gedanken. Gutgekochte Speisen essend, vermochten sie einander nicht mehr zu hassen, konnten nicht mehr an der Zukunft verzweifeln. Die Zukunft erschien ferner, weniger bedrohlich, weniger aussichtslos. Den Bauch voller Speisen, konnten sie nicht umhin, sich wohler und weniger verbittert zu fühlen. Allmählich wurde ihnen klar, daß sie an einem gen, einsamen Tisch saßen, schon»st zusammen an diesem Tische gesessen und sich darüber gefreut hatten. Sie empfanden den Wunsch, auch fürderhin zusammen an diesem Tisch zu sitzen. Zusammen zu bleiben, zu, sommen zu leben. Der gemeinsinne Tisch, die gemeinsam verzehrten Speisen brachten sie einander näher, erfüllten sie mit milderen Ge- fühlen gegeneinander. Zuckor fühlte sich nicht mehr als verlorener Mensch der. nichts imi kann, für den das Leben stehen geblieben ist. Nein,«x ißt, ißt gut und die Dinge können gar nicht so arg sein, wie er geglaubt Hot. Frau Zuckor war mit dem Tranchieren und Austeilen der Speisen beschäftigt! sie achtete baroirf, daß olle genug bekamen. Sie hatte nicht ihren Beruf verloren: anderen das Leben angenehm zu machen. Sie arbeitete auch jetzt. Islle Goodman dachte an ihr Kind, dachte daran, wie un- behaglich sie sich jetzt fühlt, wie herrlich es sein wird,.venn sie dos Kind geboren hat. wieder leicht ist, sich selbst gehört. Und Goodman... am Tische sitzend, stellte er sich vor. wie es sein winde, wenn er arbeitet, wenn er die Familie erhält. Er sah sich als das Haupt der Familie und irgendwie... ja. irgendwie freute er sich darüber, daß die Firma Bankrost gemacht und ihm dadurch die Möglichkeit gegeben hatte, sich selbst zu behaupten. Dies« Gedanken kamen ganz langsam- kamen allmählich, daß die Bier sie gar nicht bemerkten. Als dos Essen beendet war, da» Mädchen die letzten Teller abgetragen hatte und nur noch Brot- krumen auf dem Tischtuch logen, wußten sie noch immer nicht, daß sie sich verändert hatten, sich einander nahe fühttcn, eng verbunden, unentbehrlich einer für den anderen. Sie wußten auch nicht, daß sie all« Kräfte anspanne» würden, ihn beisammenbleiben zu können. Wußten es nicht, weil dies« Ge- danken ganz allmählich gekommen, zusammen mit den Speisen in sie eingedrungen waren, in ihnen«in angenehmes Gefühl erweckt hatten. Als sie oom Tisch ausstanden, sahen sie aus wie zuvor: ihre Gesichter, ja sogar der Ausdruck in ihren Zügen, waren die gleichen; «einer fand den Mut, dem anderen zu zeigen, daß die Sache erledigt, die Tragödie vorüber sei. das Leben von neuem beginne. Goodman wagte noch nicht, den anderen zu verkünden, daß von morgen an er das Haupt der Familie sein, daß er arbeiten wird, alles verdienen, was für den Haushalt nottverdig ist. Er wußte es, ade? er tonnt« es noch nicht aussprechen. Vielleicht wird er es an diosem Abend überhaupt nicht sogen. Wahrscheinlich wird er nur morgen in die Stadt gehen und eine neue Stelle suchen. Zuckor wußte noch nicht, wie er aus dem Ruin etwas retten konnte. Aber er wußte, daß er es tun würde, zweifelte kernen Augenblick daran. Wußte es ganz bestimmt, wußte nur noch nicht, wie. Deshalb wagte er auch nicht, darüber zu sprechen oder den anderen seine Gefühl« zu zeigen. Frau Zuckor fehlte die nötige Phantasie, um sich etwas ganz arges vorstellen zu tönneie. Ms sie den Mann in seinem Zimmer »or der Photographie seines Vaters sitzend gesehen hatte, war sie täbstch erschrocken, weil ihr Mann noch nie zuvor etwas Derartiges getan hast«. Jetzt jedoch benahm er sich wie immer. Gebärden waren die altoertrauten, und sie beruhigt« sich. Sie dachte an nichts, hörte einfach auf, geistig zu existieren. Und Belle Goodman... sie wird bald Muster sein. Sie hatte nur zwei Gedanken: ihr Kind, und wie sie es aufziehen wird, und wie herrlich«s fein wird, wenn sie es nicht mehr tragen muß, wenn sie »ieder frei ist. Dieses Heim glich einer Million ander«? Heim«, die vor Jahren ganz klein angefangen hatten. Zwei Menschen waren zusammen in» Leben getreten, hasten nicht lange überlegt, hatten sich kein« Sorg« gemacht, weil sie nicht nachdachten. Waren ins Leben ge- treten mit dem festen Vertrauen, daß das Leben zu ihnen gut fein würde. Sie wollten ein Heim haben, einen Ort, wo sie leben, rasten können, der ein Teil ihrer selbst ist. Zuckor hatte gearbeitet, Geld für den Haushalt verdient: fein« Frau war daheim geblieben, hatte alles behaglich und schön gemocht. Allerlei hatte sich ereignet. Ein Sohn wurde ihnen geboren, eine Tochter. Zuckor kam oorwärtz, verbesserte sich; das Heim wurde größer. Und wieder ereignete sich allerlei. Der Sohn starb. Dos war ein schwerer Schlag, aber das Heim blieb bestehen. Es war der Mittelpunkt, um den sich alles drehte, der Gedanke, für den sie lebten: immer das Heim. Alle Ding«, gut oder böse, wurden im Hinblick aus das Heim beurteilt. Zuckor verbesserte sich, das Heim konnte vergrößert werden. Zuckor verlor seine Stelle und muhte eine neu« suchen: das Heim mußte eingeschränkt werden. Ein großer Kummer traf die Familie: das Heim trauerte. Eine große Freude kam: dos Heim feierte. So ging es weiter. Zuckor und seine grau wurden älter, die ? achter war erwachsen, heiratete, erwartet« selbst ein Kind. Zuckvr hafte Erfolg. Das Heim war geräumig und behaglich. Run be- deutet» es für sie nicht mehr eine Sorge, etwas, um dessentwillen sie litten, sondern eine Freude. Hier lebten und rasteten sie. Es war ihr» SchSpstmg. Jetzt, in ihren alten Tagen, haben sie einen Ort. den sie selbst geschossen, wo sie in Frieden ihr Leben beschließen können. Und jetzt ist es geschehen, jetzt ist der Bankrott gekommen. Hat ihnen den Boden unter den Füßen fortgerissen. In einem Augenblick alles genommen: da. Heim, die Zukunjh, das Behagen. Sie sahen aar sich das Nichts. Weder etwas Gute«, noch etwas Arges, nur das Nichts. Darum hatten sie all« fast den Verstand verloren, hatten ein- ander angeschrien: „Was sollen wir tun?" Und keiner hatte eine Antwort gegeben» keiner hatte denken wollen: jeder hatte versucht, wie tot zu sein. Deshalb sind sie all« an diesem einen Nachmittag um Jahre gealtert. � Ader das Leben bleibt nicht stehen. Eine Firma verkracht und läßt Menschen mittellos, ohne Hoffnung zurück. Doch da» Leben bleibt nicht stehen. Es muß ein Morgen geben. Und dieses Morgen muß aus allerlei Dingen zusammengesetzt sein. Di« Menschen können nicht sagen: „Alles ist schief gegangen, dos Leben ist für uns stehen ge- blieben, wir wollen nicht länger leben.' Menschen sterben nicht, weil ein« Firma in Konkurs gegangen ist. Menschen verschwinden nicht, weil sie«in harter Schlag ge- troffen hat. Menschen müssen weiterleben, C» gibt immer ein Morgen. Und auch ein Uebermorgen. Und das Morgen muß aus etwas bestehen, muß etwas sein. Die Vier mußten einen Ausweg aus dem Geleise finden, in dem sie so lange getrottet hatten. Heute nachmittag ist die Firma in Konkurs gegangen: sie müssen etwas finden, das ihnen ein Morgen ermöglicht,«in Morgen voller Leben, voller Hoffnung, voller kleiner Freuden und Neiner Leiden. Es gibt keine andere Möglichkeit. Sie müssen es tun. Dürfen ssch nicht mit gefalteten Händen ihrer Ver- zweislung überlassen. Aus ihnen heraus muh etwas geschaffen werden: eine neue Verbindung, die für sie das Leben bedeutet, das Leben in ollen seinen. Formen, mit seinen Hoffnungen. Erwartungen, Enttäuschungen. Ja, dos muß getan werden. Es g-schaS. V« Qäam gknq sm&*. Gbeg febn» Sang, y? ist unwichtig, daß da» besonder« Prvblem Weser Familie auf eine besondere Art gelöst wurde. Wäre die Familie anders, wäre da» Problem anders gewesen, es hätte dennoch auf die sine oder andere Art gelöst werden müssen. Das Leben muß weitergehen. 10, Edward Fol«? Vielleicht würde ihm wohl«?, wenn er etwas tränke. Vielleicht würde er dann wissen, was er tun soll. Trinkt er alier ein Glas, sp Wird er auch«in zweite» trinken und dann noch eins, und noch eins. Und dann ist de? Teufel los. Er wird betrunken sein, betrunken... und steltorlas. Er stand i» der Greennnch-Ltreet unter den Pfosten der Hochbahn, hört« über sich die Züge dahindonnern. betrachtete versonnen die Konditorei, in deren Keller, das mußt« er— man Mahol bekam. Außerdem saßen dort unten bestimmt Freunde, die ihm raten tonnten, was er tun soll. Vor allem trinken. Ja, trinken. Die Frau... er verscheucht« sie aus feinen Gedanken, warf sie fort und betrat die Konditorei. „Hallo I' sagte ex zum Kellner. Und der Kellner erwidert«: „Hallo!* „Ist jemand unten?* fragte Faley. .La, ein« ganze Bande.' Foley stieg in den Keller. ..Hallo. Eddie* rief ihm jemand zu.„wollen See etwas makeift' Er wollt« es und tat e, auch. De? Whisky brannte, er goß ih" hinunter. Diesmal blieb er tlM nicht, wie fo häufig, im Hall« stecken und reizte ihn zum Husten, Nein, er floß glatt und leicht durch die Kehle. Nun fühlt« er sich bereit» wohler- Er vergaß, weshalb et her- gekommen war und beslelste noch«inen Whisky. Henry trat zu ihm und fragte: „Hallo, Eddie, was gibt's Neu«»?* Es gab etwas Reue», da» wußte er. Aber er könnt« sich nichl daran erinnern. Was zum Teufel«or«» nur? Etwa», bo» mit seiner grau zusammenhing. „Trinken©i« nach ein Glas?* fragte Henry. Er hatte nicht» dagegen. Es war das dritte Gla». und er begann sich äußerst wohl.zu fühlen. War voller Mut, suhlte sich wohl, teifflisch wohl Jehl mühte er«igenttich gehen. Nach Hause. Nach Haus«. Er war bereit, heimzugehen. Zahlt« und erhob sich (Fortsetzung solgt.) WAS DER TAG BRINGT. Bei der Kälte! „Ober, ein Halbgefrorenes!' „Bedaure, gibt jetzt nur Gefrorene». Di« wo rn, e Küche hat um lt> Uhr geschlossen!' Ein Robinson-Eiland in der Ostsee. Man schreibt uns von der Insel Greifswalder Oie: Mit Interesse habe ich Ihren Bericht in Ihrer Zeitung vom 1. Januar d. I.,„Am Nordseestrand blühen die Rosen!' gelesen, und ich kann Ihnen berichten, daß wir hier auf unserer einsamen Ostsee- insel im vorigen Jahr« zu Weihnachten große Sträuße wohlricchen- der Veilchen, die hier im Freien wachsen, hatten. Diese Mitteilung kann ich Ihnen erst jetzt machen, da Ihre Ausgabe vom 1. Januar erst am Ib. v. M. hier anlangte, da wir an diesem Tag« die erste Post seit dem dritten Weihnachtstage hatten, also gute drei Wochen ohne Postverbindung waren. Und das im zwanzigsten Jahrhundert, 15 bis 20 Kilometer van den Inseln Rügen und Usedom entfernt. Wann dieser Bericht abgehen kann, ist auch noch vollkommen ungewiß, da ich die Post, solange Eis ist. nur mit dem gelegentlich alle zwei bis drei Wochen nach hier kommenden Latsendampfer mit- geben kann, der uns auch am 16. die Post bracht«. In der eisfreien Zeit kommt ein Postboot(Segelboot) von Fresst an der Peene- mündung nach hier, im Sommer zweimal, im Winter einmal in der Woche.' Dies Boot bringt uns auch Lebensmittel mit. Für die Wintermonate müssen wir unseren Bedarf im Herbst eindecken, auch Mehl zum eigenen Brotbacken. Dabei wird die Insel von 23 Per- sonen bewohnt, und zwar drei Leuchtturmwärter mtt ihren Familien. eine Familie des Verwalters des Seemannsheims und wir mit meiner Familie und meinen Angestellten. Aale für die Ostsee. Ein« der seltsamsten Schifsssrachlen ist kürzlich aus einen, Passa- gierdampfer von New Port abgefahren. Sie besteht in SO 000 le- benden Aalen, die vom St. Lorenz ström stammen und für die Ostsee bestimmt sind. Die Fische befinden sich in großen zylindrischen Gefäßen, die mit Pumpen in Verbindung stehen: während der ganzen Reise wird durch diese Pumpen das Seewasser in einer be- ständigen Strömung erhalten, um den Fischen günstig« Lebens- bedingungen zu geben. Di« Aal« sollen an der deutschen Ostseetüst« eingesetzt werden, um hier die Aalzücht zu fördern. Mit der Pfleg« der Fische während der ganzen Reise sind vier erfahrene Aalzüchter beauftragt. Einbauen aus der Steinzeit. Masurisch« Fischer machten in den letzten Tagefl einen sehr seltsamen Fund. Sie beförderten mit einem Tiesnetz«in vier Meter langes altertümliches Fahrzeug zutage, das sich, wie später an- gestellte wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, als ein Einbaum aus der Steinzeit erwies, der vortresfllch erhalten ist. Der Fund wurde dem Königsberger Prufsia-Museum überwiesen. Napoleon als Novellist. Kürzlich wurden, so liest man in der„Literarischen Well', in der Bibliothek eines polnischen Schlosses mehrere unveröffentlichte Manuskripte Napoleon» gesunden. Diese Manuskript«, ungefähr fünfzehn, sind in eine», reichgeschmückten Band zusammengebunden. Unter ihnen befindet sich ein« nicht vollendet« Novelle„Qüson«t Eujränie' betitelt, bk eine Art autobiographisches Fragment ist: sie behandelt die flüchtig» Leidenschaft Napoleon» für die Gattin Bcrnadottes. Unter anderem befinden sich bei diesen Manuskripten militärisch geschichtliche Aufzeichnungen au» dem italienischen Feld- zug. Der polnisch« Professor Simon Aftenazy wird dies« Dokument« demnächst veröffentlichen und sie mit Anmerkungen In fränzösischer und polnischer Sprach« versehen. Das ist nicht Napoleon!, Einc Filmgesellschaft wollte einen Film drehe», in dem auch! Napoleon auf der Szene zu erscheinen hatte. In Ermangelung eines t Namen hat! geeigneten Filmstars ließ man ein Jnserot erscheinen. Ein Komparse machte sich«inen Scherz: er ließ einig« Rapaleonbillier photo- graphieren. zeichnete sie mit seinem Namen und schickt« si« der Film- gesellschaft zu. Wenig- Tage später erhielt er die Bilder zurück mil dem Bemerken: Die Maske sei nicht lebensecht! Nummer IS. In K o t t b u s wurde die nrerkwürdig- Tatsache öffentlich festgestellt, daß bei den dreißig Nummern der vorhandenen öffentlichen Autodroschken keine Numme? 13 vorhanden ist, sondern als Ersatz eine Nummer Ha Der Arund hierzu ist, daß niemand mit der bösen Nummer 13 fahren will.— Ein merk würdiger Aberglaube in unserer Zeit. Heiratsschwindel im großen. In Budapest besteht«in Heiratsvenmtttungsduveou„Grand Institut', das über deutsch« Annonrenexpeditionen in den Tages zeitungen verlockende Heiratsgesuche veröffentticht. Auf Meldungen werben umgehend Prospekt« zugesandt und die größten Per- sprechungen gemocht. Für die Vermittlung wird angeblich ein Vor- schuß nicht erhaben, dafür verlangt man ab«r»nicht wenig er als 5 M. f ü r P o r t o. gerner werden für Namhaftmachung und Ver- anlassung einer persönlichen Bokonntschast zwischen den Heirate � lustigen 20 M. Gebühren berechnet. Der Inhaber batreilü in Budapest gleichzeitig ein Annoncenbureau. Dieser Bennittfcr spc. kullert natürlich aus die Dummheit derjenigen, die um sedr» Preis heiraten wollen. Die streikenden Kartenspieler. Im porigen Jahre ist in der T s ch« ch o s l o w a k e i eine Karten- und sogar eine Kiebitz st euer eingeführt. Di» Kartenspieler von Türmitz bei Aussig fanden die Steuer aber zu hoch. Der Bürger- meister mußte deshalb nach Prag fahren. Da«r nichts ausrichten könnt«, I)aben dic Spieler den Krieg erklärt. Sie rühren mm keine Karten mehr an. Es fanden zahlreich« Kontrollen durch staatliche Organe statt, aber die braven Schafskopsdrescher haben bis jetzt stand- gehalten. Wie lange noch? Gegenseitiger Mord. Ein eigenartiger Kriminalfall geschah neulich in der Stadt Leschitz. Zwei Schwestern, die ein- 20, die andere 17 Jahre alt, liebten beide einen Ingenieur. Dieser«nvies(eint Gunst zuerst der einen, dann der anderen. Er hatte beide gleich gern und überließ den Schwestern die Entscheidung, welch« von beiden er heiraten solle. So kam e» zum blutig«» Drama. In gegenseitiger Eis-rsuchi griffen beide Schwestern zu Aexten. Di- Jüngere versetzte der älteren den ersten Hieb. Diese fand jedoch noch im letzten Augenblick genug Kraft, um ihre Axt aus den«chädel der Schwester nisdersausen zu lassen. Man fand beide tot aus. Das Ende Sing-Sings. Das berühmte amerikanische Gefängnis Sing-Sing mit seinem elektrischen Stuhl wird geschlossen. Zsm User de» Hudson-Flusses erheben sich bereit» die Mauern eines neuen Gefängnisses. Hundert Jahre stand Sing-Sing.(700 Gefangen« fanden in seinen Zellen Plgtz. Das neu« Defängnis ist für 2000 Mann berechnet. Es soll allen Anforderungen der Hygiene genüggtu Di« Zellenfenster sind nicht mehr klein und hoch, sondern von normaler Größe. Fließendes — kaltes und«armes— Wasser ist in de» Zellen eingebaut. Das elektrische Licht kann van den Gefangenen an. und ausgeknipst«er- den: der moderne Strafvollzug soll hier in vollem Umfange 55«- wirkllchung finden. Mus Stahlhelmkreisen. -.Liebst du Bernstein, Arminiu»?' „Gewiß. Teutonia. Nur schade, daß dos Zaug so'» lüdtschcn (Au- de« �Vahren Jacobs Frauen werben für Turnen und Sportl 500 Teilnehmerinnen beim Hallenfest der FTCcB./ Uebcr 1000 Zuschauer, Em» immer groß-r- Roll« aus dem Gebiet« der Gesundheit»- pslege spielt die Gymnastik. In wie verschiedenen Variationen sie besonders für Frauen angewandt werden kann, da- bewies so recht das gestrige 7. Arauen-Werbe-Iurn- und Sportfest der Freien Turnerschaft Grost-Berlin. Wie bereit, bei den letzten Veranstaltungen, vermochte auch diesmal die geräumige Turnhalle in der Prmzenstrahe die groß« Zahl der Teilnehmerinnen und der Gäste kaum zu fassen. Viele Behörden und die Parlamente hatten Vertreter entsandt, auch die Sozialdemokratisch« Partei und di« be- freundeten Organisationen liehen sich vertreten. Der 17. Krei, de, Bunde» hatte Bundesmstglied Dr. B ö g e l w o l d« Wien entsandt. Die Im Jahre 18SZ erbaute Turnhalle mag für die„gute, alt« Zeit" eine towssale Anlag« gewesen sein, m der heutigen Zeit jedoch erweist sie sich als vollkomm«» unzulänglich für derartige ftall«nf«ste. zumal gestern 500 Teilnehmerinnen ausmarschierten. Schon der Einmarsch, der unter d«n Klängen von 20 Musikern de, Musik» tarp» der FTGB. erfolgte, hinterlieh«inen äußerst günstigen Eindruck. Auch der von allen Teilnehmerinnen ausgeführt« Sprech» und Bowegungschor fand lebhaften Beifall. Weit über 100 Frau« führten neozeitliche gymnastische Hebungen vor. die man vielen Teilnehmerinnen tatsächlich gar nicht zugetraut hotte. Denn hier zeigten gerade di« Aelteren, Bejahrten und di« .Kompletten", was bei planmäßiger Pflege der Leibesübungen er reicht werden kann. Dies« Gymnastik sinngemäß betrieben, erhalten den Körper sicher gesund und gelenkig. Bon derselben Bedeutung waren die auch von allen gezeigten Werbefreiübungen, die unter Be- gleitung des FTGB�Musiktorps ihre Wirkung nicht verfehlten. Das Publikum folgte begeistert allen Darbietungen, auch den in Achter- reihen gezeigten Schrittarten nach Musik, den sehr gut zu- sommeng�tellten Stabübungen und besonders den Fe st frei» Übungen zum 2. Bundessest in Nürnberg. Die Ausführung der Hebungen bewiesen, daß hier gut durchgebildet« Techniker das Fest in umsichtiger Weise vorbereitet hatten. Aber nicht nur bei den. dem weibliche» Körper besonders liegenden gymnastischen Uebungen, auch beim Geräteturnen entsalteten die Frauen und Jungmädchen rührige Tätigkeit. Anerkennenswert ist, daß eine so große Anzahl von Frauen sich am Aeräleturnen beteiligten. Das sportliche Moment wurde berücksichtigt durch di« Stafetten, die wie immer allgemeinen Beifall aus- lösten, sobald eine Läuferin einen Vorsprung erreicht«. Bei den humoristischen Slasetten. wo der Weg bald unter und dann wieder über das Hindernis führt«, war des Lachens kein End«. Die lebhosten Singspiel« ließen Lust nnd Freude durchNingen und gefielen allgemein-.„Tanzen, och Tanzen" mußt« wiederholt werden. Die k) a n d b a ll m a nn- i ch a f t e n Wedding und Neukölln lieserten ein flott«», gleichwertig«» Vmndballspiel. das 1:1(1:0) endete. Die ollgemeinen lustigen Spiel« bildeten den Abschluß aller Darbietungen. Die Schluß- ansprach« einer Turnerin beton!« nochmals den hier gezeigten W-ri der regelmäßig betriebenen Leibesübungen. Wenn im Schlußlied 500 Teilnehmerinnen fröhlichen Gerzen« sangen:„Mein ist di« Welt.,.". dann sei allen Iungmädchen, besonders alxr den Frauen gesagt: Auch ihr könnt euch dieser fröhlichen Gemeinschaft anschließen. Niemol» ist es zu spül, kommt zu un» in We JIGB. und macht milk »»l»lt»te Sc««tafctlmlättf«. Frau«»: 10«iftl«inc fcft««IuwV. J.«tufäOn lÄM.; 2- Öütif.n 3 u'n g in« b A c n i 1» mal«ine Suttö«. l jauf: Weddinz-Turner 2,13%; 2. Narben m 3.86%. z. Laut! l. Lichten, ! er» i JJW.i; 3. ßbeifpt«« 2,37%. 3. Sauf: J. Sübcft-teeplm» 2,34%;%.»m. kelln 2,3«%. 4. Sauf; J. Webbing 2.22%: 2. Silben 3.27. » An alle Iungmädchen und Frauen in Partei, und(Bcncrf- schastskreisen! Jede gewünschte Auskunst über Ausübungemöglichkeiten für jeden Sportzweig erteilt die Geschäftsstelle der Freien Turnerschoft Groß-Berlln, Berlin NO. 18, Lichtenberger Straße Z. Thunberg bleibt WclhncUtcr. £i«»chneUauf-WcUineUtertchoft in Oslo. Bt» auf die Weltmeisterschaft im Kunstlaus für Herren, die am 4. und 5. März Im Londoner Eispalast zum Austrag gelangt, sind nunmehr alle bedeutenden eissportlich«» Veranstaltungen unter Dach und Jach gebrocht. Am ersten Tag« der Eisschnellauf- Weltmeisterschaft in Oslo kamen die Rennen über 500 und fOOO Meter zur Entscheidung. Erfreulicherweise waren die Disse- renzen zwischen dem norwegischen Verband und Ballqngrud noch bei- gelegt worden, und so kam es zu einer Neuauflage der Europa- nleifterschaft in Davvs. I>t« Aussichten des Finnen Thunderg, seine» Tüei mit Er- ioka zu verteidigen, sind nach den Ergebnissen de» ersten Tages nicht allzu rosig. Wahl holte der Yon« in der kurzen Strecke mit 434 Sekunden ein« ganz iabelhaite Zeit heraus, ober schon über 5000 Meter geriet et gegen Ballangrud. der hier mit 9:08,2 die schnellste Zeit herauslief, nach Punlien weit ins Hintertr«!!«». Da auch über 10 000 Meter mst einem Siege Ballangrud» zu rechsten ist. dürfte dem Norweger auch der Weltmeistertitel zufallen. Am zweiten Tag« verteidigt« Thunberg seinen Titel mit Erfolg und«er- wie, di, Norweger Ballangrud und Staxrud«m Gesamtergebnis auf di« Plätze. All-rdina- war der Steg Thunbergs überaus knapp, ihm kam aber zustatten, daß Ballangrud im Laus über 10 000 Meter nur de» Zwesten Platz Hütt« Staxrud dejetze» tomtte. Die « r g b n i s s e des zweiten Tages waren: ISOOMeter: 1. Thunberg 2:21,9; 2. Ballangrud 2:25; 3. Staxrud 2:25,3. 10 0 0 0 Meter: 1. Staxrud 17:57; 2. Ballangrud 17:59,2; 3. Larsen 18:11,1. Skiläufen im Grunewald. Von Leelitzhof über di« 5iavelberge und zurück brachte der Norddeutsche Stiverband«inen Langlauf zum Aus- trag, der etwa 100 Teilnehmer in Wettbewerb sah. Die Strecke führte für Herren über 12~,1Z Kilometer, für Iimgmanncn über 8 Kilometer, für Domen und Jugendliche über 4 Kilometer. Unter den Teilnehmern sah man so bekannte Leichtathleten wie Bücher (wegen Skibruch ausgeschieden). Rätze. Kummetz, Wernick« und die beiden Norweger Abel und Thrane. Den Sieg in der Klasie l trug Throne in 54:51 vor v. Schlebrügge(BSC.) in 58:19, Frech (Rauhreis) in 59:00 und Lohner(BSC.) in 59:46 davon. In der Klasse II siegt« Dr. Tansky(BSC.) in 1:00,11, i» der Altersklasse Wernick«(BSC.) in der zweitbesten Zeit des Tages von S3:4l. An den Skispringen bei Vnkel-Ton»s-Dütte waren 33 Teilnehmer in Wettbewerb. Sieger wurde Kahler(BSC.) mit Note 16,68 m,d zwei gestandenen Sprüngen von 16 und 18 Meter. Zweiter wurde der Norweger Seeland mit Not« 11,5 und einem gestandenen Sprung von 19,5 Meter. Bei den Jungmannen war Godstein(Zehlendorf), in der Altersklasse Wernicke(BSC.) erfolgreich. WinfernacfaHahrf bei Schnee und Eis. Es war eine wirkliche Winternachtsahrt, di» der Motor- sport-Elub Berlin am Sonnabend abend am Bahnhos Heerstraße starten ließ. Schnee und Ei» bedeckten Straßen und Wage,»in scharfer Nordostwind brachte sibirisch« Temperatur, di« in der Nacht bt» auf 25 Grad unter Null sank. Ilm so bewundern»- werter war es. daß sich trotzdem 31 Bewerber am Start einfanden. davon 15 Maschinen mit Seitenwagen. Der 140 Kilometer lange Weg führte zumeist auf Nebenstraßen über Wustermark— Brandenburg— Rhensmühle— Frlesack noch Neuruppin. Der gefordert« Durchschnitt war für normale Verhältnisse nicht zu hoch, unter diesen„anderen" Ilmständen aber so, daß kein Fahrzeug die Fahrt ohne Strafpunkte beenden konnte. Die goldene Plakette erhielten süns Beiwogenfahrer, die unter 10 Strafpunkte erhalten hotten. Bier Seitenwagenfahrer mit weniger als 30 Strafpunkten erhielten di« silbern«, die anderen, die die Fahrt beendeten, die bronzene Plakette. Sieben Solomaschinen sielen ganz aus. Bei der Be- leuchtungsprüiung machte sich die große Kälte ebenfalls ftSreich bemerkbar. in Berlin- Trotz der strengen Kälte fanden einig» Eishockeyspisle statt, die sehoch nur von untergeordneter Bedeutung waren. Hebe» raschenid fertigt« Zehlendorf den BFC. Preußen mit 2:0 ab, die Junioren des Berliner Schlittschuh-Clubs waren über die des SE. CharloUenburg mit 14:1 erfolgreich. Die Senioren des SCC. trugen mst dem Neuköllner Cislaufverein auf dem Müggelsee ein Propogandospiel aus. das sie mit 13:0 Taren gewannen.— Der Sportverein 9Z weilte in Damburg und schlug dort am Bor- millag den Hamburger Eislaufverein mit 11:0 und nachmittag» den Uhlenhorster Hockeyklub mit 5: 0. Die.Alten turnen! Eine Zwedkgynjnastikstunde. Di« gemeinsame Uebmigsstunde. vi« gestern ein« ansehnlich« Zahl von Aelteren und Alten de? t. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund in der Turnhalle Prinzenstrahe zusammenführte, bot «in lslchaftes Bild körperlicher Betätigung. Di« Bezeichming w e ck g y mnost i k der Aitersturner" trifft wohl da» Richtig«. Zu beachten ist jedoch, daß an diesen Uebungsstimden nickst nur Turner, sondern auch die älteren Mitglieder der anderen Sparten teilnahmen. Auch dos weibliche Element war gut ver- treten. Der Kreisturnwart Stanislaus lestet« neuzeitliche gymnastische Uebungen, die naturgemäß dem Turnen und ..Sport de, vierziger," X »ittjprecheii. Bei der„molligen" Temperatur waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auch aus den Bruderoereinen der Provinz angetreten waren, eifrig bei der Sache. Besonderes Interesse erweckten die gezeigten Festfrei Übungen zum 2. Bund»«- fest in Nürnberg. Dach heißt«s hier noch fleißig üben, um nachher gut abzuschneiden. Das Geräteturnen beschäftigt« alle an den verschiedenen Geräten. So mancher..Alt«rs"turn«r zeigte korrekt ausgeführte Uebungen, die auch den Jüngeren als Beispiel dienen könnten- Dt« männlichen Ailersturner bewiesen bei den Schritt- arten, daß st« noch im flotten Takt der Musik mitmachen können. Di« gemeinsamen lustigen Spiel« lösten allgemeine cheitev- kelt aus. Di« gemeinsam« Turnstunde imhm einen harmonischen Verlauf. Zu wünschen wäre, daß die nächsten BeranstaUungen(vor ollem zu günstigerem Termin festgesetzt!) pon als«» Sparten b«ss«r unter- stützt werden. Auch di« Provinzvemtn, müßt,» dies« zentralen Sreisveronstoltungen noch zahlreicher besuchen. Anregung«» lassen sich später stn eigenen Verein immer wieder verwerten. Davon ganz abgesehen, trerien sich alte Bekannte, pflege,, Freundschnit und Geselllgkest b-i Frohsinn mst» Scherz. Und auch da» Ist„Zweck- t gymnosttk" für das Gemütsieben im reifer«, Alter. Trabrennen mit(zro<*l Rennen in Ruhlebcn. Ein Novum in der Geschichte des Nennsports bildete die Ab- Haltung der Sonntagsrcnnen in Ruhleben. Bei minus 20 bis 2 5 G r a d in der Sonne und scharfem Ostwind war der Aufenthalt im Freien alle» andere denn ein Vergnüge». Das beste Geschäft machte natürlich der Gastwirt. Fahrer und Pserde waren wirtlich nicht zu beneiden. Irgeffdwelche sportlichen Ansprüche dursten natürlich nicht gestellt werden. Der Faschings-Preig. ein« Intttnder-Fliegerpriifung fiel an die von Hestert gesteuerte Ingrid Halle In 1: 30.6. Flamingo und der favorisierte Michael müßten sich mit uifdankbaren Plätzen begnügen. Im Ausgleich der Internationalen siegt« nach vielen erfolglosen Versuchen der Oesterreicher Trotteur mit Th. Reiter im Sulky vor Peter Har- vesten. Der Sieger trabte 1: 29,6. Preis«an ZNrberZchöahaafra: l. Zirrb«af. Eitelfrieb, Lu, Harfenmabchcn. Preis»orn Puch- 1. C»?al lPef.). 2. Lansemann. 3. Pinsicht. Sota: 27:10. Platz: 14. 12. 35:10. Ferner liefen: Interessent, Rolnla, Tirana. Hauptmann, Freibeuter, Abdullah Silner. Falchimss-Prrisi I. Ingrid Hai«imm des Ständigen Boxringes am F r« I t a g, 1 ö. F« b r u a r. in den Spichernfälen. Sieben Kämpf« stehen a»f der Karte. Es treffen sich im Ring Walter Mcinisch und Martin Arlt, Hermann Scherl« und Christian Fortmann, Hans Kruse und Friß Kühn, Erwin Zinndorf und Friß Knarr, Paul Richter und Willi Bol.z, und in zwei Oualifikatianskämpfen Helmut Schulz II mit Hans Ähren« und Helmut Lfickstadt mit Reinhard Franz. 70 Meter Skisprung. Aus der Bernina-Schaiize in Poa« ! r e s i n a fand ein gut besetztes Skispringen statt, bei dem der Schweizer Adolf Badrutt mit 7 0 Metern die größte Weite herawsholtc. Im Auslaus mochte der kühne Springer leider mit dem Boden unliebsam« Bekanntschost. Den ersten Platz in der Konkurrenz belegte T h o m o- St. Moritz mit Sprungweiten von 54, 53,5 u»d 58 Metern. Arbeiter- Schachspieler. Morgen. Dienstag. 12. Februar, hält der bekannte Probiemkomponist und Redakteur Buchmann in der Freien Arbeiter-Schachvereinigung Groß-Bertin, Abteilung Weißen- f», bei Gallas, Lehdcr- Eck« Grcifswalder Straße, einen Werbe- v o r t r o g, in dem er den Broblemfremden aus seiner veichhalligen Materialmapp» viel Neue» und Schönes zeigen wird, Auch die Parttenspieler finden an diesem Abend reichlich« Betätigung. Inter- essenten sind herzlich eingeladen. Teanis-Xot, Abteilung tichlenberg. Die Zwischenrunden he* Abteilungs-Ping-Pong- Turniers finden Mittwoch und Sonnabend im Jugendheim Güntherftr. 44 statt, die Endkämpfe Sonntag. 17 Uhr. Eintritt frei. Anschließend Nachseter in den Gesamträumen von Tempel, Lichtenberg, Gudrun- Ecke Wagner- straß«. Um zahlreichen Besuch der sozialistischen Arbeiterschaft zum ersten Berliner bundestreuen Tisch- Tenniv-Tfirnier wird gebeten. JlffiB., Bezirk Stralau. Morgen, Ditnstag, 2l Uhr. bei Hoff niann. Markgrasendamm Eck« Stralauer VlUee; Monatsversanun- lung. Auch vi» Mitglieder der Reichs bannersportabtellung und d»r Sozialistischen Arbeiterjugend sind eingeladen. Di» Fuß- und Hand baller treffen sich um 20V», Uhr im gleichen Lokal. XaftawmU SaUegia.«.». epöcttnt»aH>wttT «aste» »Übt. SwrHi». rn Üben com-, Dienstao, 12. nmlux».' Vichtia, Taa«»orbmu>a. R 'laut Palt�vari Iunefennfiewe. tl» tl. nmluna Äliem» Festfälz, Aalenheid«. anriw wn 20— 22 utze. Jeden SWtlmod)«a«nafti>i->-->»-. r«n 17-18 übe Schwlimnen. Baerwalbsteatze.«b 34. Frttuat f«9fnit-n bte Ardeitssonntas«. Wer feine drei Pflichttasr nicht erleb,«t. erhiilt lsatzeten »och wirb naoientliÄ keknnntoewacht. Gärtnerei und Arbeitsschutz. Die Llniernehmer möchien als Landwirie gelten« dem Rcgicrungsentwurf des Arbeitsschutzgesetzes ist die Einbeziehung d er Gärtnerei vorgesehen. Mit allem Nach- druck sind di« Arbeitnehmer dafür eingetreten, während die Unter- nehmerorganisationen die Zugehörigkeit des Gartenbaus, wie die Bezeichnung von dieser Seite neuerdings lautet, zur Landwirt- ichoft propagieren. Der Streit über die Rechtszugehörigkeit der Gärtnerei zum Gewerbe oder zur Landwirtschaft beschäftigt die beteiligten Kreise schon länger als drei Jahrzehnte. In der Nach- Iriegszcit hat das Reichsarbeitsministcrium zweimal den Versuch unternommen, eine Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmcrn zur Lösung der Rechtsfrage herbeizuführen. Die bei den .Konferenzen zutage tretenden Gegensätze konnten jedoch nicht über- brückt werden. Seitdem tobt der Kampf mit besonderer Heftigkeit. Keine Partei will ihren Standpunkt ausgeben. Die zuständigen Behörden haben endlich eingesehen, daß dieser Streit nur durch die Gesetzgebung beendet werden kann. Der Reichsverband des Deutschen Gartenbaues als größte Unter- nehmerorganisation veranstaltete am 28. Januar d. I. in den Räu- men des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats eine Kundgebung. Man hatte sich zwei Universitätsprofessoren verschrieben, die auftragsgemäß die Zugehörigkeit des„Gartenbaues" zur Landwirtschaft zu beweisen hatten. Professor Dr. W i l m a n n s, Jena, behandelte das Thema:„Die Grundlagen der Produktion, Technik und Betriebs- wirtschast des Gartenbaues." Nach seiner Ansicht hat sich der Garten- bau erst in der jüngsten Zeit, und zwar fast unbemerkt, zu einem bedeutungsvollen Erwerbszwsig entwickelt. Aeußerlich betrachtet unterschieden sich Betriebsweise und Technik der neu entwickelten Farm in mancherlei Hinsicht von dem bisher Bekannten und Gebräuchlichen. Aus diesen Gründen wäre auch der entstandene Streit über die Zugehörigkeitsfrage zu erklären. Der Vortragende gab zu, daß eine gesteigerte Produktion vorliegt, und daß die bc- winschafteten Flächen auf das Aeußerste ausgenutzt werden. Die gesteigerte Produktion beruht schließlich darauf, daß ungünstige k l i- malische Einflüsse abgeschwächt und das Wachskum mit Hilfe lechnifcher Hilfsmittel ganz oder teil- weife vor die eigentliche Saison verlegt wird. Trotzdem beständen nach seiner Ansicht keineswegs Gegensätzlichkeiten zirr Ackerwirtschajt. Professor Dr. Lutz Richte� sprach über den „Arbeitsschutzgesetzentwurf und das Recht des Gartenbaues". Die Ansichten dieses Herrn waren bereits bekannt, da er vor einigen Monaten in einer Streitsache über die Rechtszugehörigteit der Gärt- nerei, die wegen der grundsätzlichen Bedeutung beim Reichs- arbcitsgcricht ausgetragen wurde, ein Rechtsgutachten er- stattet hatte. Danach sollte auf den„Gartenbau" weder die Ge- Werbeordnung noch die Arbeitszeitverordnung Anwendung finden. Das Rcichsarbeitsgcricht ist den Gedankengängen dieses Gutachtens nicht gefolgt. Vielmehr wurde sinngemäß entschieden, daß die meisten Gärtnereien dem Gewerbe zuzurechnen seien. Diese Niederlage gab dem Vortragenven wohl in erster Linie Veranlassung, hie Urteilsgründe des Rcichsarbeitsgerichts in höhnischer Weise zu glossieren und in Grund und Boden zu kritisieren. Es ist bedauerlich, daß Herr Reichsgerichtsrat Bewer, der Schwiegervater des Refe- reuten, sich diese derbe Kritik der Rechtsprechung des Reichsarbeiks- gerichts nicht mit angehört hat. Mit Entsetzen hätte er nämlich fest- müssen, daß die schuldige Achtung vor der Rechtsprechung des höchsten Gerichts nicht nur nicht bei linksgerichteten Schriftstellern, sondern nicht einmal bei einem prominenten llniversi- iätsprofessor zu finden ist. Obwohl Herr Professor Richter die Schutzbedürftigkeit der Arbeiter des„Gartenbaues" theoretisch an- erkannte, kam er doch nach einigen Seitenhieben auf den Gesetz- geber zu dem Ergebnis, daß die Unterstellung unter das Arbeits- schutzgcsetz für diesen Berusszweig wirkschofksich nicht tragbar sei. Demgegenüber ist wohl die Frage gestattet: Woher ninnnt der Herr Professor als Jurist das Recht für sich in Anspruch, über die Auswirkungen der kommenden arbeitsrechtlichen Gesetzgebung auf wirtschaftlichem Gebiet zu urteilen? Die zuständige Arbeitnehmerorganisation, der Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, hat bereits auf mehreren Kundgebungen seine Stellungnahme klargelegt. Diese hat zunächst den Aarzug, daß sie sich mit der Rechtsprechung der höheren Gerichte, insbesondere des Kammergerichts und neuerdings des Reichsarbeitsgerichts, im Einklang befindet. Außerdem wird nicht bestritten, daß der feldmätzig betriebene Gartenbau — nicht aber die Gärtnerei— der Landwirtschaft zuzurechnen ist. Es handelt sich also um die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen. Um eine Abgrenzung innerhalb dieser Gruppen wird auch der Gesetzgeber nicht herumkommen, wenn endlich klare Recht?» Verhältnisse geschaffen werden sollen. Die Arbeitnehmer fordern eine Abgrenzung nach folgenden Gesichtspunkten: Gartenbau— Schreber- und Kleingärten, Siedler- und sonstige Privat-, Haus- und Küchengärten von Laien, Gartenfreunden und -liebhabern unterhalten: coodwirtfchafl— feldmäßig betriebener Gemüse- und Plantogen- obstbau: Gärtneret=- jede andere Erzeugung und berufsmäßige Ver- Wertung von Pflanzen und Blumen, einerlei ob sie als Freilandkultur oder unter Glas betrieben wird. Diese Abgrenzung ist für die Zukunft um so berechtigter, zumal das Arbeitsschutzgesctz. einen größeren und anders gestalteten Geltungsbereich als die Gewerbeordnung vorsieht. Eine Einbeziehung der Privat- oder Herrschaftsgärtnerei(Villen-, Schloßgärtncrei), so- weit Arbeitnehmer beschäftigt werden, in das Arbeitsschutzgesetz ist durchaus angängig, da das Gesetz nicht nur auf gewerbliche Betriebe, sondern auf Bcschästigungsverhältnisse aller Art Anwendung finden soll. Gegenüber den Darstellungen der Herren Professoren sei auf folgendes verwiesen: Bereits im Jahre l90l hat das Kammergerlcht entschieden, daß sich die Kunst- und Handelsgärtnerei derart vom üblichen Gartenbau abgeschieden hat, daß beide Zweige nicht mehr darunter gehören, sondern als selbständige G e- werbe der Gewerbeordnung zuzuzählen sind. Durch die Novell« zur Gewerbeordnung vom Jahre 19t>8- erfolgte die Unterstellung der gewerblichen Gärtnerei allgemein unter die Gewerbeordnung. Die Untcrnchmeroerbänd« haben dagegen niemals prinzipielle Einwen- düngen erhoben. Vielmehr wurde lllll in einer Eingabe an den Reichstag eine Abgrenzung der Betriebsarten im Rohmen der Ge- werbeordnung gefordert. In dieser Eingabe wurde auch eine Trennung der Begriffe Gärtnerei und Gartenbau gefordert. Dies soll heute alles nicht mehr zutreffend sein. � Die Unternehmerorganisationen möchten heute jedoch ihren. Zick- zockkurs mit allen erdenklichen Mitteln verschleiern. Dies ist bis heute glücklicherweise nicht gelungen. Ter Reichsvcrbond hat infolge seiner jetzigen Einstellung eine Reihe von Niederlogen davongetragen. Es ist. ein offenes Geheimnis, daß es den heftigsten Angriffen der Opposition innerhalb seines Verbandes ausgeictz! ist. Von dieser Seite wird eine Abkehr von der bisher verfehlten Taktik ver- langr. Die Kundgebung sollte in erster Linie beruhigend auf die eigenen Mitglieder wirken. Nur so sind auch die schiefen Dar- legungen und die übertriebenen Forderungen erklärlich. Es ist kaum anzun-chmeir, baß diese Art her Aundgeblmy auf BehZrd«, vertrsler einen größeren Eindruck gemacht hat. Die Verwirklichung der gestellten Forderungen würde bedeuten, das gärtnerische Arbeits- recht um Jahrzehnte ziirückzuwerjen. Dagegen werden sich die Arbeitnehmer einig und geschlossen zu wehren wissen. Aus sozialen, rechtlichen und beruslichen Gründen muß von dem Gesetz-. geber verlangt werden: die Fortentwicklung des bisherigen Rechts- zustandes und die rechtliche Gleichstellung mit den gewerblichen und gelernten Berufen. BernoUt. Trauer in der KpO. Betriebsunfälle beim DRuhrtampf. Die wirtschaftsich-freigewerkschastlich. politisch aber kommunistifch organisierten Arbeiter geraten durch die Befehle der KPD. in eine zwiespältige Situation. Entweder sie betreiben ihr« prinzipielle „Opposition" in den gewerkschaftlich � gegebenen Grenzen oder aber sie sind in der Befolgung der gewertschostsseindLchen Moskauer Parolen derart eitrig und iihereisrig. daß sie den„Gewerkschafts- legalismus" mißachten, gewerkschostsschädigend handeln und ihre« Ausschluß aus der Gewerkschaft heraussordern. Wenn in einem so schweren AbweHrkampfe, wie er dem Deutschen Metallorbeiterverbond durch die Generalaussperrung in den Betrieben der„Nordwestlichen" an der Ruhr aufgezwungen wurde, Gewerkschaftsmitglieder ihrem Verbände in einer so unverantwortlichen Welse in den Rücken fallen, wie dies bei der Bildung der kammuntstischen „Kampsleitungen" geschehen ist, dann hört die Freund- s ch o f t auf. Wollen die Gewerkschaften vor der Kommunistischen Partei nicht glatt di« Segel streichen, dann sind sie einfach gezwungen, sich ihrer Haur zu wehren, die bewußten Gewerkschastsfchädkinge aus ihren Reihen auszumerzen. Die Ortsverwaltungen des Metollarbeiterverbandes im Ruhr- gebiet sind fetzt dazu übergegangen, aus dem Verhalten der„revo- lutionären" Gewerkfchaitsverräter die notwendigen Konlequen.zen zu ziehen.„Rache der DMB. Bureoukrotie"— schreibt- deshalb di- KPD.-Presse—.„Ausfchlußoerfahren gegen 70 oppositionelle DMB.-Funktionäre allein im Ruhrgebiei". Es sind also Berbandsfunktionäre gewesen, die ihre Aemter im Verbände mißbrauchten, um sich als kommunistilchc Parteifunktionäre im Ruhrkompfe zu betätigen, gegen ihren Vor- band zu arbeiten. Dieselbe Partei, die von ihren Mitgliedern eiserne Disziplin fordert, zwingt ihre Mitglieder: zu j e d- in Disziplinbruch gegen ihre Gewerkschaft» den sie im Interesse ihrer Partei für zweckmäßig hält. Sie macht dann in gutgespielter„spießbürgerlicher" sittlicher Entrüstung, wenn di- Gewerkschaften sich die kommunistischen Disziplinbrüche nicht gefallen lassen, weil sie es nicht können. Ein Beispiel nur, um zu zeigen, wie toll es die kommunistischen Parteiscndlinge treiben können, bis sie ausgeschlossen werden. In Gelsenkirchen wurde der Stadtverordnete«chmitz aus dem Metallarbeiterverband ausgeschlossen. Wir folgen nun wörtlich der schlichten Darstellung der„Roten Fahne": ..Der Grund zum Ausschluß ist. weil er von dee vpkx'sttwn während des«uhrkampses einberufene Belegschoflsoersammlunge« geleitel und aus dies-a gesprochen hak. Außerdem hat er in Gelsen- kirchea Kampsleitungen wählen' lassen. Darum ist er ausgeschlossen worden." ..Terror maßnahmen der Reformisten,"- schreit die „Rote Fahne", S chreien lasse nT., 16. Srels— Köpenick. Achtung? Die für henke angefeßle Veranstaltung der„wanderrokken" sollt wegen der großen Kalke ans. .... { Thcalcc, Ltcltlspiele usw.] Moniae.d. u.Z. Staats-Opor Unier 0. Luiden A.-V. 3S » Uhr Montag, d. 11.2. StödL Oper BUmarchstr. Turnus I 19'/? Uhr Enoen Oneflin Staat). Sdiansph. am Gladarmromaut R.-S. 13 20 Uhr 1» SlMlLSeltiller-Ihealep.Clisrltb. 20 Uhr Ein besserer Herr. Winker Garren ft Uhr Randhcn crlauibll 8 In Berlin noch nicht| gezeigte Variete- Neuheiten um»»Nene SansiiJonen. 3® und 8 Uhr. i" kleine Preise. 8 Uhr B 5. 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