BERLIN Dienstag 12. Februar 1929 10 Pf. Nr. 72 B 36 46. Jahrgang. trfch eint tiglieballkerSenntaz«. Zugleich Abendausgabe des.Verwirt«'. Bejllg<»reiz beide Ausgaben et Pf. m Woche, 3MM.»r« Monat. Kedaktion undErrctition: BerlmCWes.kindenstr.Z n}Jofu>wd6 C>i(i|(Bit eil: Die einsoaltlge NonoaeeMqetk « Pf« KeNamezeile t SÄ. ermäßigungea nach Tarif. Paßscheckkoat»: Dorwirts-Dcrlag B. m. b. Verlin Nr. 372«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis wr Schlafwagenzug verunglückt. v-Zug Berlin-Stuttgart./ Oer Zugführer tot./ Viele Verletzte. Ein schweres Eisenbahnunglück, das de« Schlafwage»' v»Zug Verlin— Stuttgart betraf, hat sich i« der Nacht bei tSräfenhainichen sProvinz Sachsen) er- eignet. Getötet wurde dabei der Zugführer des :iugcs, schwerverletzt vier Reisende. Tie Zahl der Leichtverletzten beträgt 14. Das Haltesignal überfahren. Infolge llebersahrens der yallesignale in der Station Gräfen- Hainichen fuhr der Schlafwagcnzug V 70 Berlin— München auf den Schnellzug l) 238 Berlin— Friedrichshasen in der Nähe der Station Burglemnitz auf. Von beiden Zügen wurden dabei die Packwagen und anherdem vom Schlaswagenzug der vorderste Schlafwagen zertrümmert. Drei Reisend« und der Zugführer von V 238 wurden schwer, 14 Reisende bzw. Zugbegleiter leicht verletzt. Beide Hauptgleise waren die Nacht über bis heute in die frühen Morgenstunden hinein gesperrt. Wir erfahren über den Zusammenstoß folgende Einzelheiten: Der Münchener S cht a f w ag e n z u g V 70 verläßt Berlin ztm 21,33 Uhr, also genau ein- halbe Stunde nach dem bis Bitter- selb vor ihm liegenden Friedrichshasener Schnellzug l) 238, der vom Anhalter Bahnhof um 2>,0Z Uhr abfährt. Im Zusammenhang mit den zurzeit durch die außerordentliche Kälte entstehenden Dorzögc- . fyfarfreacA&t ! rungen in der Zugabfcrtignng hatte der Friedrichshasener Schnellzug Verspätung, so daß hinter Wittenberg die beiden Züge ziemlich dicht hintereinander lagen. Insolgedesie» wurde für den Münchener Schlaswagenzug in der Au-sahrt aus der Station Gräfenhainichen dos Signal aus Holt gelegt, da k> 238 die solgcnde Station Burgkeinmtz, die 5 Kilometer entfernt ist, nach nicht passiert hatte. Zum Entsetzen de» Stalionspersonals von Gräfenhainichen fuhr aber der Schlaswagenzug 70 mit voller (B-schwindigkeil durch den vahnhos an dem deutlich rote» Licht zeigenden Hallsignal vorbei, und wenige Augenblicke spälcr, um ?Z.l0 Uhr war dos Unglück geschehen: D-r Münchener Zug suhr aus den in ziemlich langsamer Fahrt unmittell'ar vor der Station Burgkemnitz beiindlichen Friedrichshofener Zug auf. Wenn auch der Anprall dadurch vermindert wurde, daß beide Züge in Fahrt waren und daß der Lokomotivführer des D 70 im letzten Moment, als«r die roten Schlußlichter des vor ihm liegenden Zuges erkonnte, die Bremsen zog, so war der Zusamineiistoß doch noch folgenschwer genug. Die Maschine des Münchener Zügcs drückteden am S ch luß laufenden Packwagen von V 238 zusammen, während sich bei T 70 der hinter der Moschine laufende Packwagen mit dem folgenden ersten Schlafwagen ineinanderschoben. Aug den Wagentrümmern schallen gellende Hilferufe, als das Per- sanol der beiden Züge zu Hille eilte. Auf den Alarm der Staiion Burgkeinnitz setzten dann auch in türzestcr Zeit die Rettungcinaß- zahmen ein. Von dem in der Nähe befindlichen Werk Zschorne, w l tz kamen binnen 11 Minuten Eanitätsautos mll Aerzten und Personal sowie die Wertfeuerwehr zur Un- glücksstell«, von Bitterfeld und Wittenberg ferner Hilfszüg« mit Arzt und Gcrötewogen, so daß den Verunglückten, die aus den Trümmern der Pack- und Schlafwagen geborgen wurden, schnelle Hilfe zuteil werden tonnte. Die Llrfache des Unglücks liegt zweifelsfrei in der Nichtbeachtung des Haltesignals bei Gräfenhainichen durch den Lokomotivführer des Münchener Schlafwagenzuges, der ebenso wie der Heizer unverletzt blieb. Es handelt sich nach Mitteilung der Reichsbahn um einen als sehr zuverlässig bekannten Beamten, der eine zehn- bis zwälfstündig« Ruhepmise hinter sich hatte. Nach seiner Darstellung will er infolge vollständiger Vereisung der Scheiben am Lotomotiv- führerstand dos Haltesignal nicht erkannt hoben. Seit heute früh Z Uhr ist der Betrieb auf dieser Strecke vorläufig eingleisig wieder ausgenommen worden. Oer Zugführer gestorben Wie wir auf Anfrage vom Krankenhaus Korlsfeld mähren, ist der Zugführer August Kotz aus Berlin, der bei dem Zu- sommeirftoh im Packwagen des Friedrichshasener Zuge» schwer verletzt wurde, wenige Minuten nach seiner Einlieserung in dos Krankenhau» an den Folgen einer schweren GeHirnverletzung ge- starben. Die schwerverletzten Fahrgäste befinden sich dagegen nicht in Lebensgefahr. Automatische Zugbremse notwendig. ' Das Zugunglück, das nur durch Ueberfahren eines Haltesignales verursacht worden ist, beweist aufs neue die Notwendigkeit der automatischen Zugbeeinflussung zur Sicherung des Eisenbahnverkehrs. Bisher sind von dem 63 000 Kilometer um- fassenden Sireckemtetz der Reichsbahn 2900 Kilometer mit dieser Zugsicheruin; ausgerüstet, die dos Ueberfahren von Haltesignalen sosort auf der Lokomotive anzeig! und den Führer auf seinen Irr- tum aufmerksam macht. Nach der Statistik der Reichsbahn werden im Jahr auf den deutschen Bahnen insgesamt(500 Millionen Zng- kilometer zurückgelegt und dabei, da durchschnittlich alle 3 ö 0 Meter ein Signal steht, insgesamt rund 1,1 Milliarden Sig- nalbeobachtungen von Lokomotivführern vorgenommen. Die Zahl der falschen Beobachtungen beträgt nach den letzten Feststellungen im Jahre durchschnittlich 20, während sie vor dem Kriege rund 40 betrug. Die Schwerverletzien. Drei Insassen des Schlafwagens und der Zugführer de« v 238, der sich im Packwagen aufhielt, waren so schwer verletzt, daß sie in den Krankenautas sofort in das Krankenhaus Karlsfcld übergeführt werden mußten. Es handelt sich dabei um saigende Personen: Dr. Fritz Bölcke, München(Unterschenkelbmch und Kopf- Verletzung): Direktor Max Pohl, Berlin-Friedenau(Rippenbrüchc): ein Amerikaner Albert Zöllner aus Chikago(beide Beine gebrochen): Zugführer kah(beide Beine gebrochen und innere Vcr- lctzungcn. Die Namen der 44 Leichtverletzten, die nach Anlegung van Notoerbänden größtenteils die Reise fort- setzen konnten, sind: Postasfistent Max Kuhlmey, Berlin: Kaufmann Jakob L chfsg arten, Berlin: Kaufmann Jgnaz G o t>- Helf, Berlin: Frau Bach, Berlin- Sieglitz: Dr. Riehl, Berlin- Grunewald: Fabrikdirektor Richard Möbius, Trieft; Kaufmann Hopp, Berlin-Steglitz: Kaufmann Max Krenzler, Berlin: Hutmacher Willy H o s m a n n, Ulm: Fabrikbesitzer Gustav Glo- der, Berlin: Frau Andrea Rosa Salva, Berlin; Schlafwagen- schassner Hans Klingert, Berlin; Packmeister Bachs. Berlin- Neukölln: Oberschaffner Hermann Hain, Berlin-Schöneberg. Beide Hauptgleise waren bis heute früh gesperrt, so daß in beiden Richtungen Zugumleitungen vorgenommen werden mußten, was erhebliche Verspätungen im Verkehr zur Folge hatte. Katholizismus als Gtaaisreligion. Rom als Ooppelhaupistadi. R»«, 12. Februar. Nach privaten Informationen besteht der Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien aus einem Vorwort und 27 Artikeln. Diese Artikel bestimmen, daß die katholische Religion gemäß der Nersasjung S t a a t s r e l i g i o n ist. Der Heilige Stuhl erhält die volle und absolute Souveränität Im Vatikan in seinem jetzigen Umfang. Der neue vatikanische Staat wird ausschließlich vom.Helligen Stuhl ohne Einmischung der italienischen Regierung verwaltet. Dir italienische Regierung richtet in der vatikanischen Stadt alle ö s s e n t l i ch e n Verkehrsmittel ein, darunter eine Eisenbahnftatton, sowie direkte Verbindungen mit der übrigen Welt durch Telegraph, Radia, Telephon und Post. Ein besonderes 2lb- kommen wird abgeschlosien über die vatikanischen Verkehrsmittel zu Lande und in der Luft über italienisches Gebiet. Ueber die in der vatikanischen Stadt wohnenden Personen übt der Heilige Stuhl die vollen Haheitsrechte aus. Besondere Vorrechte werde» allen kirchlichen Würdenträgern gewährt, auch wenn sie nicht in der voti- kanischen Stadt mahnen, ebenso den Mitgliedern des päpstlichen Hofes und denjenigen Beamten, die der Heilige Stuhl für unob- kömmlich erklärt. Die Exterritorialität wird den patriarchalischen Basiliken verliehen sowie einigen Gebäuden und Palästen außerhalb der vottkanischen Stadt, in denen der Heilige Stuhl die päpstlichen Aemter und erforderlichen Bureaus für sein« Verwaltung unterhält. Italien anerkennt das Recht Gesandtschafte» zu schicken und zu erhalten. Zkalien errichkei beim Heiligen Stuhl eine Botschaft, und der Heilige Stuhl bei« Ualieiiischen hose eine Ztunllakur. Dieser Nuntius wird der Doyen(Aelteste) des diplomatischen Korps beim Quirinal sein. Die Sehenswürdigkeiten und Kunst- denkmöler im Vatikan und im Lateran werden weiter dem Publikum zugänglich sein. Die Verbrechen, die in der vatikanischen Stadt begangen werden, werden voe den Ualienijcheo Behörden auf Grund einer Delegatton(Bevollmächtigung) des Heiligen Stuhls abgeurteilt. Diese Delegation kann von Fall zu Fall erteilt wenden oder ein für allemal. Die vatikanische Autorität wird diejenigen Flüchtlinge, die sich Vergehen schuldig gemacht haben, die noch der Gesetzgebung beider Staaten verfolgt werden, au?- liefern. Der Heilige Stuhl erklärt, daß er nicht beabsichtigt und daß er nicht teilnehmen wird an inlernationalen Konserenzen. die zu solchen Zwecken»inbernfen werden, es sei denn, daß seine Vermittlung von den interessierten Mächten angerufen wird. Aber der Heilige Stuhl behält sich vor, seine moralische und g e i st i g e Macht in die Wagschaie zu werfen in allen solchen Fragen. Die vatikanische Stadt wird infolgedessen stets und ewig als Neutrales und unverletzbares Gebiet zu betrachlen sein. Der Vertrag schließt mit den Worten: Der Heilige Stuhl er- klärt, daß mit diesem heuttgcn Vertrag alles gegeben worden ist, um tn vollkommener Unabhängigkeit und Freiheit der freien See! sorge von Rain und der Weltkirchc zu geniigen. Deswegen erklärt der Heilige Stuhl endgültig die römische Frage sür erledigt und anerkennl den: italienischen Staat unter der Regierung des Hanfes Sovoyen mit Rom als Hauptstadt. Italien seinerseits anerkennt den Staat der vatikanischen Stadt unter der Souveränität des Heiligen Voters und anerkennt, dost. Die Kälicwclie blelDI. Sabolierle Sowielindmlrle, Berichte 2, und J. Seite bas Sarantiegesetz abgeschafft fft, ebenso wt« alle Se. setzesbestimwungen, die diesem Vertrage widersprechen. Das Konkordat besteht aus 45 Artikeln. Es wird darin bestimmt, daß alles, was mit dem heiligen Charakter Roms im Widerspruch steht, vom ita- lienischen Staat vermieden und nicht erlaubt werden wird. Der Staat anerkennt olle von der Kirche eingesetzten Feiertage als Staatsfeiertage. Die Seelsorgefreiheit wird garantiert. Der geist» llche Zuspruch bei den militärischen Körperschaften wird zu- gesichert. Die Wahl der Bischöfe und Erzbischöfe erfolgt nach dem für Polen jüngst festgesetzten Konkordat. Es folgt fadann die Rege- lung der kirchlichen Gesetzgebung und der Anerkennung der reli. g i ö s e n Orden als juristische Personen. Bezüglich des Eherechts wird die Wirkung der rein kirchlichen Ehe anerkannt, und die italienische Regierung erklärt, daß sie alle gerichtlichen Urteile der geistlichen Gerichte anerkennen wird, sowohl was die Nichtig- teitserklärungen der geistlichen Gerichte betrifft wie die Dispense. Der Religionsunterricht wird nicht nur in den Volksschulen, sondern auch in den Mittelschulen erteilt werden. Das Programm hierfür wird allgemein vereinbart werden. Die katholische Aktion wird anerkannt. Die finanzielle Regelung besteht in der direkten Ueberweisung von 750 Millionen Line und einer Milliarde in Staatsrenten (Konsols). Verhandlungen seit zwei Iahren. Rom. 12. Februar.(Agenzia Stefani.) Die ersten Unterredungen über die Lösung der römischen Frage wurden vom Staatsrat Professor Barone und dem päpstlichen Rat Professor Pacelli zwischen dem 6. August 1926 und dem Oktober des- iclben Jahres geführt. Am 4. Oktober 1926 hat Mussolini Professor Barone ermächtigt, die Unterredungen privater Natur fortzusetzen, desgleichen tat Kardinal Gaspari mit Professor Pacelli. Diese Unterredungen dauerten bis November 1928. Durch Briefe des Königs von Italien vom 22. November 1928 und des Papstes vom 25. November 1928 wurden die amtlichen Derhand. lungen eröffnet und die Abkommen näher bezeichnet. Der Tod Barones unterbrach die offiziellen Unterredungen, die dann zwischen Mussolini selbst und Pacelli fortgesetzt wurden. Di- acht letzten Sitzungen fanden in der Wohnung Mussolinis statt, mit Beteiligung des Iustizministers Rocco und eines Beamten der Kultus- direktion für den endgültigen Wortlaut der Abkommen sowie des Vorsitzenden des Obersten Rates für die öffentlichen Arbeiten für die Zeichnung der beigegebenen Pläne. „Zum Erfolg verurieilt." Paris reparationsfreudig. SPD. Paris, 12. Februar. fEigeuberichl.) Die pariser presse legt schon nach der ersten Sitzung der Re- parationskommission einen Optimismus an den Tag. für den sie nur gefühlsmäßige Gründe beizubringen weiß. Der Führer der Sozialistischen Partei. Leon Blum, erklärt im„Populaire-, daß die Sachverständigen zum Erfolg verurteilt seien. Sie dürften nicht eher aushören zu arbeilen, bis sie die erwartete Eini- gung erzielt hätten. Die optimistische Haltung der französischen kreise stützt sich riamentlich daraus, daß Morgan am Montag in der Erösfnungs- sihung der Konferenz erklärt haben soll, nach amerikanischer Ansicht fei das Reparalionsproblem wie eine große internationale Finanztransaktion anzufassen und ohne Rücksicht auf die polltik zu regeln. Auch die Ausführung des Relchsbankpräsidenten Dr. Schacht, der als wesentliche Vorbedingung für die künftige Regelung verlangt haben soll, daß Deutschland nicht über seine Kraft belastet werde, hat den pariser Optimismus verstärkt. Man weist auch darauf hin. daß die Teilnehmer der Konferenz beschlossen lmbeu, keinerlei Protokolle über ihre Sitzungen anzu- fertigen, sondern nur die Resultate schriftlich zu fixieren. Diese Methode gestatte eine freiere Aussprache. Keine Kohlennot in Berlin. Räch eingehenden Informationen kana keine Rede davon sein. daß Berlin im Augenblick schon an Kohlennot leidet. Sohlen für den Hausbrand sind genügend vorhanden. Wie di? v- r l i n e r Brennstoff. Gesellschaft uns mitteilt, hat diese allein noch 100 000 Zentner Braunkohlenbriketts auf Lager zu liegen. Ebenso find andere Großhandclsfirmen noch genügend Ungedeckt. Die Ltatamitalen In der Belieferung stellen sich meist mur beiden kleinen Kohlenhändlern ein, deren Lagerräume i � 5�, 9.eVU9 um Vorräte zu fassen. Selbstverständlich meldet bei diesen die Zufuhr eine Stockung, wenn die Loren der Güterzüge nicht rechtzeitig anrollen, eine Tatsache, die bei den Frost- störungen häusig zu verzeichnen ist. wenn die Produktion der Gruben in der Kälte auch nicht sehr umfangreich ist, so besteht doch keine Befürchtung, daß die Kohlenoorräte nicht ausreichen. Mexiko in Erregung. Neuer Bürgerkrieg befürchtet. _ Mexiko, 12. Februar. Seit der Ermordung Obregons hat sich die Bevölkerung nicht mehr in einem solchen Zustand der Erregung befunden wie jetzt. .»:folge des Bombenanschlags auf den Eisenbahnzug des Präsidenten sind die Polizeiposten allenthalben verdoppelt worden. Präsi- dent Portels Gil traf um 1 Uhr morgens mit einem Sonderzug hier ein, erklärte jedoch auf die Fragen der Pressevertreter, die sich am Bahnhof eingefunden hatten, daß er ihnen nichts mitzuteilen habe. Er lehnte es auch ab, sich von den anwesenden Pressephotographen aufnehmen zu lassen. Der Bruder des Heizers, der bei dem Dyndmit- attentat auf den Zug getötet wurde, erklärte, daß der Präsident durch das schnelle handeln des Lokomotivführers vor dem Tode be- wahrt worden sei. Der Zug Hobe sich etwa 70 Kilometer südlich von Ricon befunden, als etwa 100 Meter vor der Lokomotive die Ex- plosion erfolgte, durch die die Bahnbrücke zerstört wurde. Der Lokomotivführer bremste sofort und konnte den Zug zum Stehen bringen. Der Präsident und seine Begleiter schliefen zur Zeit der Explosion. An der Station San Felipe wurde dem Kondukteur des Zuges mitgeteilt, daß man etwa drei Stunden vor dem An- schlag eine Gruppe von 15 bewaffneten Männern bemerkt hatte, dir in der Richtung, aus der der Zug kommen sollt«, die Gleise ent- lang ritten. Unter den 34 Personen, die in Verbindung mit den Kund- gedungen bei dem Begräbnis Torals verhaftet wurden, befinden sich 20 Frauen. Zahlreiche Leidtragende verweilten noch lange nach Anbruch der Nacht betend auf dem Friedhof. Andere sammelten sich auf dem Heimwege vor dem Haus des Oberaufsehers an, in dem die Hinrichtung Torals erfolgt war, und bewarfen das Haus mit Steine», ohne jedoch großen Sachschaden anzurichten. Oer Nachwuchs. Auf die Mensur jetzt?- Ins Auswärtige Amt kommt unsereins noch immer früh genug! Sabotierte Sowjetindustrie. Die Klage eines deutschen Zngenieurs in(Sowjetdiensten. In einer Beilage der„Prawda" vom 6. Februar, die der Arbeiter- und Bauerninspektion gewidmet isl, liest man einen Brief des deutschen Ingenieurs Dr. Poppclmann an de» Volkskommissar der Arbeiter- und Bauerninspektwn und Borsitzenden der zentralen Kontrollkommission Ordschonikidse. Er beklagt sich bitter über die unglaublichen Arbeitsmethoden der sowjetrussischen Handelsinstitutionen innerhalb und außerhalb Ruß- lands. Er erzählt ungefähr folgendes: Anfang Juni 1928 wurde ich beauftragt, die Umorga- nifation der Fabrik von Lubcrzy in die Wege zu leiten. Ich machte zur Bedingung, daß der Briefwechsel zwischen meinem Bureau und den ausländischen Firmen direkt vor sich gehe» unabhängig von den Handelsvertretungen in Berlin und in New Jork, daß jedoch die Bestellungen selbst durch die Handelsvertretung erfolgen folllen. Im Laufe von drei Monaten hatte ich zu einer Anzahl von Firmen in Deutschland, Amerika und Schweden Beziehungen angeknüpft. Plötzlich beschwerte sich die Handelsvertretung in Berlin bei dem Trust JDi« tand wirtschaftliche Maschine" über diese Verletzung des Außenhandelsmonopols und drohte, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Ich habe daraufhin dem Voltskommissar Ordschonikidse den Vorschlag gemacht, daß Abschriften von sämtlichen Briesen den in Frage kommenden Handelsvertretungen zugeleitet werden sollen. Eine Antwort blieb aus. Am 3. Dezember vorigen Jahres führte ich in Berlin Derhand- lungen mit den Vertretern der Firmen Stotz-Stuttgart und Stehr- Offenbach. Bei dieser Gelegenheit erklärten mir beide Firmen, daß sie meine ausführlichen Briefe mit Zeichnungen und Ta- b« l l e n. die bereits am 16. Oktober vorigen Jahres an die Handels- Vertretung für die Firmen abgegangen waren, nicht erhalte» hätten! Meine Nachforschungen in der Handelsvertretung ergaben, daß kein einziger von diesen Briefen weilergcsandl worden war. Sie lagen noch in vollkommener Unordnung in der Handelsvertretung her- um. Der Leiter der Abteilung machte dem Beamten die schwersten Borwürfe, worauf dieser erklärt«, nicht gewußt zu hoben, daß die Brief« eilig seien. Das war am 4. Dezember. Am 15. Dezember wurde mir von der Firma Demog in Duisburg mitgeteilt, daß sie einen Brief, datiert von, 16. Oktober, erst am 14. Dezember erhalten hätte. Dr. Poppelmann beklagt sich weiter darüber, daß gewisse M a- terialmufter, nämlich Sand zum Gießen von Formen, der schon im Oktober an die Firmen Stehr und Stolz abgesandt werden sollte, damit sie eine Slnalqfe vornehmen, i m Dezember noch nicht bei den Firmen eingetroffen war, weil— die Aussuhrerlaubnis nicht zu erlangen war. Also zur Ausfuhr von 5 Kilogramm Sand brauchte man zwei Monate. sagt der deutsche Ingenieur Dr. Heinrich Poppelmann.— Dieser Brief hatte eine Verfügung des Volkskommissars für Innen- und Außenhandel Mikojan vom 18. Januar 1929 zur Folge. Es wird darin zugegeben» daß einerseits die ocrfchiedencn Sowjettrusts wie „Metallimport",„Landwirtschaftliche Maschinen",„Metalldirekiorat" und die Außenabteilung des obersten Wirtschaftsrots einen u n- glaublichen Bureautratismus bei der Erteilung der Aussuhrerlaubnis an den Tag gelegt hätten. In Wirklichkeit hätte ein Tag genügt, um beim VolkskommissoHal des Außen- und Innenhandels die Erlaubnis zu erwirken. Als schließlich die 5 Kilogramm Sand abgeschickt worden waren, blieben sie In der Berliner handelsveriretnng liegen, da der Empfänger an- geblich nicht bekannt war. Ferner stellt die Verfügung des Volkskommissars fest. Laß be- reits am 1. Juni 1928 der Rat der Volkskommissare eine Verfügung erlassen habe, nach der der direkte Briefwechsel zwischen den russischen Unternehmungen und den ausländischen Firmen in Fragen der technischen Beratung gestattet sein solle. Der Volk-- kommissar ordnet nun an, daß die Ausführungsbestünmungen end- güllig festgelegt werden und die Sowjeiinstitutionen sich an sie halten sollen. Ferner wurde angeordnet» daß der Handelsvertreter in Berlin eine strenge Untersuchung wegen der verzögerten Uobersendung der Briefe einleite. Die„Prawdo" gibt diesen Mitteilungen die Ueberschrift„An den Pranger" und fügt zur Einleitung hinzu, daß es sich hier nicht un, einen Einzelfall handelt. Man müsse dem deutschen In genieur Poppelmann dankbar sein, daß er den M u t gefunden habe, sich zu beschweren. Daß die Handelsbezielungen Sowjet rußlands unter solchen M i ß st ä n d c n leiden mühten, siege aui der Hand. Todesopfer eines Dillenbrandes. Or. Laskers Sommerwohnung eingeäschert. Ein schweres Braudunglück, das bedauerlicherweise ein Menschenleben forderle, suchte gestern vormittag die Sommerwohnung des bekannten Schachwettmeisters Dr. Emannel Lasker heim. Dr. Lasker besitzt in Thyrow bei Trebbin(Kreis Tellow) ein villeuähnliches, massives Häuschen, dos von feiner greisen Tante, einer Frau Israels on, bewohnt wurde. Am Sonntag waren Angehörige des Schachmeisters in Thyrow. Entgegen dem Wunsch der Angehörigen blieb die alle Frau in der Sommerwechnung. Gestern morgen beizte Fnni Israelson de» Ofen, wobei sie ver- mutlich durch ausströmende Kohlenoxydga?« einen Ohnmachtsansall erlitt. Die alte Frau wurde in dem völlig verqualmten Häuschen tot ausgesunden. Der Tod war durch Ersticken eingetreten. Die Entstehungsursoche des Feuers konnte zwar noch nicht einwand- frei festgestellt werden, ist aber wahrscheinlich auf Funken, die aus dem Ofen sprangen oder auf eine Explosion durch Ueiberheizung des Ofens zurückzuführen. Der Brand tonnte infolge des durch den Frost verursachten Wasjermangels von der Feuerwehr nicht gelöscht werden. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Oachstuhlvrand in Niederschönhaufen. Im Dachstuhl des Eckhauses Ziethen- und Treskow- straß« in Niederschönhausen entstand heute mittag Feuer, das bald großen Umfang annahm. Beim Anrücken der Wehren brannte der etwa 20 Meter lange Dachstuhl m seiner ganzen Ausdehnung berells lichterloh. Dos Flammenmeer wurde mit vier Schlauchleitimgen angegriffen, und nach zwesstündiger Lösch- tätigkell war der Brand niedergekämpft. Der Dachstuhl ist völlig zerstör«, mehrere Wohnungen haben schweren Wasser- schaden erlitten. Bei Schluß des Blattes sind die Wehren noch mit den Aufräumungsarbetten an der Brandstelle beschäftigt. Opfer der Kälie. Auf dem Bahnsteig B in Stralau-Rummelsbarg ereignete sich in der vergangenen Nacht ein tödlicher Unfall, der abermals auf die streng« Kalle.zurückzuführen ist. Der 46jährige Kaufmann Erich Jungk aus Baumschulenweg, Cäcilienstraße 2, befand sich aus dem Nachhauseweg und wartet« aus den Vorortzug nach Grünau. Infolge der Kälte erlitt I. plötzlich einen S'chwächeanfall und stürzte vom Bahnsteig aus die Schienen. Gerade in diesem Augen- blick fuhr der Zug ein. Jungk wurde von der Lokomotive zur Sei!« geschleudert und zwischen der Maschine und dem Perron eingequetscht. Als der Unglückliche aus seiner furchtbaren Loge befreit werden konnte, war der Tod bereits eingetreten.— Ein anderer schwerer Unfall ereignet« sich gestern nacht auf dem Görlitzer Bahnhof. Dort war der Wagenaufseher Ewald Haufe aus der Graber- straße in Grünau mit dem Auftauen des heizungspuffrohrs an einem D-Zug beschöftiat, Haufe glitt auf dem vereisten Wogen aus und stürzte so unglücklich, daß er lebensgefährliche Der- l e tz u n g e n erlitt. Der Verunglückte wurde ins Krankenhaus am Urban übergeführt. Auf den Städtischen Rettungsstellen wurden im Laufe des Vormittages wieder 80 Personen behandelt, die>n- folge des Frostes Verletzungen erlitten hatten, Severins im Ruhrgebiet. Die Anwesenheit des Reichsinnenministers Sevenng im Ruhr- gebiet hatte als Ursache, daß der durch Schiedsspruch sestgefegi: Tarifvertrag Auslegung einiger Bestimmungen einem p a r i t ä. tischen Ausschuß überlasten hat, dessen unparteiischer Dar- sitzender Scoering ist. Dieser Aussckiuß hatte am 15. Ja- nuar eine Reihe Meinungsoerschiedenhellen beigelegt. Ueber eine Anzahl weiterer Fragen, darunter auch A r- beiterschutzbe st immun gen in den Walzwerken, ist gestern entschieden worden, teils durch Mehrheitsbeschlüsse, teils durch den Spruch des Vorsitzenden Severmg. Die Kälte dauert an. Berlin 20 Grad unter Null. Zloch den neuesten Wettermeldungen besteht für die nächsten Tage noch immer keine Aussicht auf ein nachlassen der starken Kalle, lieber Südsrankreich hat sich zwar ein ziemlich verbreitetes Ties herausgebildet, das aber ganz ohne Einfluß auf den wltteruugscharakter Mitteleuropas sein wird, da dieses Tief nach dem Millelmeergebiet abzieht. Die Depression hat ein niederschlagsgebiel geschaffen, das von der Rhone aufwärts bis zur Bretagne reicht. Zn der Bretagne fällt bei minus Z Grad reichlich Schnee. Tour» meldet bei minus 11 Grad gleichfalls starken Schneefall. In Pari» herrschten heut« früh minus 12 Grad. wie der Amtliche Wetterdienst mitteilt, werden die Kaltlustmafsen auf der Rückseite de» Tiefs noch weiter nach Süden vorstoßen. Roch allen diesen Anzeichen ist mit einer Aenderung de» Wetter» und einer wesentlichen Milderung zunächst gar nicht zu rechnen. Am kältesten war es in der vergangenen Rächt in M ü n ch e n, wo minus ZI Grad gemessen wurden. Zu Ostdeutschland schwankten die Tempe- ralureu zwischen minus 27 und 2S Grad. Berlin hatte in der vergangene« Rächt minus 2Z. morgens 8 Uhr noch immer minus 21 Grad. Mittags 12 Ahr betrug die Temperatur minus 18 Grad. Westdeutsche Nüsse zugefroren. Dos Treibeis der Mosel, dos 6—8 Zentimeter stark ge- worden ist. hatte sich im Laufe der letzten Nacht von der alten Moselbrück« in Trier bis nach Calzen an der Obermosel festgesetzt, bald darauf auch a n der Saar Unter großen Schwierigkeiten gelang es im Laufs des Vormittags, di« Brückenpfeiler bei Trier wieder freizubekommen uib) das Eis in Bewegung zu bringen, doch hat das Eis im Laufe des Tages eine stärker« Decke erhalten. Es besteht die Gefahr, daß es sich in der kommenden Mcht endgültig festsetzt und dieMoseldannzufriert. Die Kalte hat hier 1 8 G r a d erreicht. In der Eifel wurden 26 Grad gemessen. Im rheinisch- westfälischen In dust r i e g eb i e r herrscht seit Sonnabend grimmige Kälte. Wie amtlich festgestellt wurde, war die Nacht auf Montag die kälteste seit langer Zeit. Zwischen Blankenstein und Hattingen ist die Ruhr in ihrer ganzen Breite zugefroren, was feit 3S Iahren nicht inehr der Fall war. Infolge der Einstellung der Schiffahrt hat das Rheinisch-Westfalische K o h l e n s y n d i k a t wegen Auszehrung seiner Kohlenvorräte die Kohlenaussuhr über Rotterdam einstellen müssen. Die Rotterdamer Vertretung des Syndikats sieht sich sogar gezwungen, englische Kohlen einzuführe», um ihren laufenden kontraktlichen Verpflichtungen nachkonnnen zu lonnen. Kartoffelvorräte vor dem Erfrieren? Man schreibt uns: Der anhaltende stark« Frost Hot neben Verkehrsstörungen schon mancherlei andere Schaden verursacht. Es ist leider zu befürchten, taß aus dieser Kälteperiode auch ein großerSchadenfür die Volksernährung erwächst. Auf dem Lande mußte schon jetzt verschiedentlich festgestellt werden, daß die Kartoffeln selbst in den Mieten— in denen sie zum Ueberwintern aufbewahrt werden— erfroren sind. Die starke Erd- und Schneedecke bietet gegen den in diesem Jahre sehr tief eindringenden Frost nicht an allen Stellen genügenden Schutz. Mit wachsender Sorge sieht man darum der kommenden Zett entgegen. Erst der Eintritt wärmerer Witterung »nd die Möglichkeil, die Kartoffelmieten zu öffnen, wird Gewißheit darüber bringen, wie groß der durch Erfrieren von Kartoffeln verursachte Schaden ist. Die Vernichtung eines Teiles der Kartoffel- ernte würde die arbeitende Bevölkerung am empfindlichsten treffen. Wie sich die Wiener helfen. Infolg« der strengen Kälte wird das Bmideshecr nach einer zwischen den Ministerien für sozial« Verwaltung mid für Heerwesen mit der Polizei der Gemeinde Wien ge- führten Besprechungen in den Wiener Straßen Teeküchen errichten, die unentgeltlich Tee verabreichen. Wir haben für Berlin darauf hingewiesen, daß es unbedingt notwendig ist. daß dem Personal der Straßenbahn und der Autobusse an den Endhaltestellen warm« Getränke verabreicht werden. Die Betriebsleilung der Straßenbahn und der A b o a g könnte von den Wienern lernen. Oder sollen die Betriebe durch Massenerkrankungen des Personals erst zun. Erliegen tommen? Den Schaden hätte das Publikum. Durch Erkrank« n- gen, Erkältungen oder Erfrierungen sind in Prag ein Viertel der Eisenbahnbeamten und mehr dienstuntaug- I j ch. Ein« weitere Folge des strengen Frostes ist die Verspätung der Züge, die zur allgemeinen Erscheinung geworden ist. Ein treuer Wächter seines toten Herrn. <• Duisburg, 12. Februar. Heute früh wurde in der Nähe der Ackcrfähre ein etwa övjähriger Mann erfroren aufgefunden. Nach den polizei- liehen Feststellungen handelt es sich um einen Kriegsblinden. Sein Führerhund hielt bei der Leiche Wache und ver- suchte jeden anzufallen, der sich der Leiche nähern wollte. Erst noch Alarmierung der Schnellhilfe gelang es. den Hund, der seinem Herrn die Treue bis zum Tode hielt, zu entfernen. Dann erst konnte man die Leiche zur Friedhosshalle bringen. Schienenbrüche durch Frost. Am Montag nachmittag wurde festgestellt, daß die vier St ra ß e nba hn s chi e n« n auf der Fohrbahn vor dem Hause Invaliden st raßc 6 infolge des starken Frost«, d u r ch g e- brachen sind. Die B r u ch st e l l e ist etwa 2,5 Zentimeter breit. Der Verkehr geht vorläufig weiter. Wie die Reichsbahndirektion Stuttgart mitteilt, find am 11. Februar früh bei einer Kälte von minus B Grad auf der Strecke Bicringen— Eyach Schien enbrüche aufgetreten, die rechtzeitig entdeckt wurden. Die Züge mußten während der Dauer des Einsetzens der Erfatzschienen von 7 Uhr srüh bis 4 Uhr nachmittags die Strecke langsam befahren; sie erlitten hierbei Verspä- tungen bis zu 20 Minuten. Theaterbrand in Quedlinburg. Quedlinburg. 12. Februar. Im Schilllngtheater. dem größten Kino Quedlinburgs. in dem auch di«Borstellungen des städtischen Thealers statfinden, brach heut« früh ein Großfeuer aus. durch das da, Kino vollständig zerstört wurde. Di« benachbarte kathv- lisch« Kirche mußte dauernd durch Zwei Schlauchleitiingkn geschützt werdet» Die europäische Kältekatastwphe. Warum ist gerade dieser Winier so streng? Obwohl wir stets geneigt sind, Witterungserscheinungen etwas zu übertreiben und beispielsweise schon von sibirischer Külte sprechen, wenn das Quecksilber einmal IS bis 20 Grad unter Null anzeigt, so darf man doch angesichts der wirklich völlig abnormen Strenge des Frostes während der letzten acht Tage von einer Kata- strophc für Mitteleuropa, ja felbst für einen Teil der Mittelmeer- lnnder sprechen. Denn Temperaturen von 2S bis 30 und 35, ja selbst bis nahe an 40 Grad unter Null, wie sie dieser Februar gebracht Hai, stellen eine ganz außerordentliche meteorologische Erscheinung dar und sind vielfach völlig beispiellos in d«r mitteleuropäischen Wiitc- rungsgcschichte. Ist es doch in weiten Teilen Nord- und Ostdeutsch- lands, auch in der Tschechoslowakei nie zuvor, seit es Temperatur- aufzcichnungen gibt, so furchtbar kalt gewesen wie jetzt. Wo Fröste von gleicher Strenge schon früher einmal vorgekommen sind, da handelte es sich doch um die äußersten Extreme der Winterkalt?, wie sie die jetzt lebend« Generation noch nie mitgemacht hat. So ist es zum Beispiel in Berlin im Stadtinnern s«it 74 Iahren nicht mehr so kalt gewesen wie am 10. und 11. Februar, und die am 11. in einigen Berliner Außenbezirken festgestellten 27 bis 20 Grad unter Null hat man in der preußischen Hauptstadt sogar seit dem Jahre 1788 nicht mehr erlebt. Dabei gehen di« Berliner Temperaturauf- Zeichnungen lückenlos bis zum Jahre 1719 zurück; sie gehören zu den ältesten der Welt, und nur Paris hat noch wesentlich weiter zurückreichende Beobachtungen. Man übertreibt also nicht mit der Feststellung, daß es seit hundert bis zweihundert Iahren in unserem Klimagebiet nicht mehr so kalt gewesen ist wie gegenwärtig. Wenn man aber berücksichtigt, wie sehr sich das Leben im zwanzigsten Jahrhundert von dem so weit zurückliegender Zeiten unter- scheidet, welche Rolle in unseren Tagen namentlich der Berkehr, der Handel und der Güteraustausch spielen, so läßt sich nicht leugnen. daß die Folgen einer solchen Kälte vielfach katasirophal sein müssen. Denn unsere höchst komplizierten verkehrstechnischen Einrichtungen vertragen einfach solche Kälteextreme nicht, zumindest nicht lange. Dort, wo so tiefe Temperaturen allwinterlich vorkommen, in Nord- und Ostrußland und namentlich in Sibirien, herrschen bis heute weit primitivere Lebensverhältnisse; der russische und der sibirische Bauer verstopft zu Beginn des Winters jede Tür- und Fensterritze dick mit Stroh, legt sich auf seinen riesigen Ösen und wartet in träger Lethargie, einer Art menschlichen Winterschlafs ab, bis die Micht des Winters gebrochen ist, eine Gepflogenheit, bei der der Mitteleuropäer verhungern würde. Zum Glück braucht man nicht zu befürchten, daß sich Kälte-Paroxysmen. wie wir sie zurzeit zu ertragen haben, häufiger wiederholen, selbst wenn wir, wie es den Anschein hat und nicht unwahrscheinlich ist, am Anfang einer Klimaperiod« mit vor- wiegend strengen Wintern stehen. Da schon seit Jahrhunderten diese abnorm niedrigen Temperaturen immer große Seltenheiten waren, so werden sie sicherlich auch in Zukunft ganz vereinzelte abnorme Ausnahmen bleiben. Aber gewiß fragt sich heute jeder, warum nun gerade in diesem Winter die Kälte so streng und so anhaltend ist. Zur Beantwortung der Frage können allgemeine klimatische Erwägungen außer Betracht bleiben, denn auch ausgesprochen strenge Winter steigern sich keines- wegs immer bis zu derartigen exorbitanten Kältegraden. Diese bilden vielmehr Ausnahmen von geradezu säkularer Seltenheit. Eben deshalb muß man aber annehmen, daß nur ganz besonder« Umstände in unseren Breiten das Quecksilber so ungewöhnlich tief sinken lassen. Umstöndc, deren Häufung vermutlich sehr erheblich Zufallscrschcinungen darstellen. So ist einer der wichtigsten Faktoren für die Ausbildung strenger Kälte eine starke, weite Gebiete einhüllende Schneedecke. Denn der Schnee begünstigt ungemein die Ausstrahlung bei Hochdruckwetter, ohne das schärferer Frost in Mitteleuropa nicht zustande kommt. Eine geschlossene, an die winterlichen Schneefelder Osteuropas sich anschließende Schneedecke liegt aber seit den letzten De.zembertagen über fast ganz Mittelourapa, und auch diejenigen Gebiete im Bereich der Nordseeküste, die anfangs noch schneefrei waren, verschneiten in der ersten Ianuarhälfte oder erneuerten in der letzten Monotswochc ihre weiße Decke, als tagelang über ganz Mitteleuropa unaufhörlich die weißen Flocken niederrieselten, wobei besonders Süd-, Mittel- und Ostdeutschland, die Tschechoslowakei und die gesamten Oftalpen von gewaltigen Schneemossen überschüttet wurden. In diesem letzten großen Schneefall darf man den unmittelbaren Anlaß der seither herrschenden strengen Kälte suchen. Er wurde durch nordwärts über die Alpen fließende warme Mittelmeerlust ausgelöst, die beim Austressen aus die mitteleuropäische Kaltlust in dieser Form ihren großen Dampsgehalt ausschied, und wäre jener große, dreitägige Schneesall der. letzten Januarwoche nicht enolgt, so hätte uns— das darf mit allergrößter Wahrscheinlichkeit angc- nommen werden— der Februarbeginn mildes Tauwetter und damit vermutlich den Ansang eines grundlegenden Wiiterungsumschmungs gebracht. Sa ober steigerte die Ausstrahlung der Schneedecke die Kalte bei uns so sehr, daß sich über ganz Mitteleuropa ein schwerer, träger Kaltluftblock bildet«, dessen Auflockerung und Beseitigung der am Monatsschluß gegen die westeuropäischen Küsten vordringenden atlantischen Warmluft unmöglich war. Ueber die link« Rheinseite und die Nordseeküstc hinaus gelangte sie nicht: noch mehrtägigem vergeblichem Ansturm war ihr Wärmeoorrat erschöpft, und was von ihr übrig blieb, floß längs des Golfstroms über die britischen Inseln hinweg über das Nordmeer bis in die Gewässer uni Spitzbergen, wo infolgedessen das Thermometer bis über Null stieg, während gleich- zeitig auf dem Kontinent strengste Kalte herrschte. Ein Teil der atlantischen Subtropikluft floß sogar wiederholt senkrecht zur Richtung des Golfstroms nach Nordwesten und erwärmte die Westküfte Mittel- grönlands bis zu 10 Grod über Null. Gerade die für die gegenwärtige Jahreszeit ungewöhnliche Bah» der ozeanischen Warmluft führt aber seit dem Februarbeginn zu der außerordentlichen Bcrschärsung der Kälte in Mitteleuropa. Denn sie gab der russisch-sibirischen Kaltluft nur de» Wog zu uns frei; sie drängte diese ungemein tiefe temperierten Lufimassen geradezu in der Richtung zu uns ab, während sie, wenn die warme Westlust über Nord- und Ostsee nach Finnland fließt, durch diesen breiten Warmluftftrom von unserem Gebiet abgeriegelt wird. Hinzu kommt die Beharrungstendenz der großen Luftströmungen, die nüt Bor- liebe immer wieder einer einmal eingeschlagenen Bahn folgen So ist es zu erklären, daß seit dem Februarbeginn schon dreimal die russifch-stbirische Kaltluft südwestwarts nach Mitteleuropa abgeflossen ist, ebenso wie die ozeanische Warmlust dauernd westlich der nur-■ wegischcn Küste nach Spitzbergen fließt, auf einer Bahn, die sie sonst nur im Herbst einschlägt. Man sieht, wie aus mctcarologischeii Zufälligkeiten abnorme Er- scheinungen von weitester Auswirkung entstehen. Die für die extreme Kälte nun einmal gegebenen Vorbedingungen bestehen auch jetzt noch fort: n'ach wie vor fließt die allantisch« Warmluft noch Spitzbergen, und infolgedessen ist Mitteleuropa ungeschützt jedem einzelnen Bor- stoß der Kaltluft aus der russisch-sibirischen Winter-Antizyklone aus- gesetzt. Daß jeder dieser Kälteeinbrüche die Temperaturen bei uns weiter erniedrigt, liegt auf der 5?and; sollte gar wieder ein Zufluß von Mittelniecrlust neue Schneefälle bei uns auslösen, so würde vor- übergehender Linderung des Frostes vermutlich eine Wiederholung der Witterungsvorgänge folgen, die wir seit Ende Januar gehabt habe». hloritr Loeb. „'Der Adjutant des Zaren." Llniversum. Iwan Mosjukin, dieser intelligente Darsteller, ist ein ganzer Mensch unter all den vielen Modepuppen vdn Filmschauspielern und-schauspielerinncn. Die Gestalten, die er verkörpert, haften in der Erinnerung. Doch kann selbst dieser große Russe nicht einen ganzen Film retten, wenn das Manuskript gar zu schlecht ist. Wir wissen, das Gewaltregiment des Zaren zwang alle politisch Interessierten zu illegaler Tätigkeit, lind die Revolutionäre, die sich der unterirdi- schen Arbeit Hingaben, hatten oft mehr Talent zum Märtyrer alz zum Sieger. Im Filmmanuskript serviert man uns aber«in bißchen zu krasse Tatsachenbestände, um einen politisch angehauchten Spiel- film ohne Tendenz zu schassen. Eine Revolutionärin pirscht sich an den Adjutanten des Zaren. Er gewinnt sie lieb und heiratet sie. Nim drängen ihre Freunde auf einen politischen Mord, aber sie liebt ihren Mann und kann nicht mehr gegen seine Klasse handeln. Nach vielem Hin und Her opfert er sich, indem er ihr zur Flucht vcrhilft. Dabei ist dieser von Edelmut triefende Offizier so gewollt energisch, daß er bald etwas komisch wirkt. Lenkt er doch, nachdem er einen Kopfschuß erhalten hat. eine Troika im vollen Salopp und betätigt sich obendrein noch als Kunstschütze. Der Regisseur Wladimir Etrichewski, der zugleich der Manuskriptschreiber ist, sorgt auf jeden Fall für Abwechselung. Er unterbricht lebhaste Massenszene» durch eine ganz innig gespielte Idylle, er stellt Bilder kalter höfischer Pracht neben solch« trauter Häuslichkeit. Gut schildert, er. prächtig unterstützt durch Eugen Burg, Georg Serow und Fritz Alberti, die höfischen Gestalten. während er bei der Schilderung der Revolutionäre versagt. Bei ihm sind sie alle geistig kranke Menschen. Carmen B o n i gefällt als liebende Frau ungemein, doch reicht ihr Können nicht an das ihres Partners heran. Den Iwan Mosjukin aber, der durch sein wunderbares Spiel der großen Menge etwas ist, entkleide man endlich des zaristischen Mummenschanzes. Als im Film ein Hoffest gezeigt wurde und der Zar höchst persönlich erschien, entstand im Publikum der Versuch einer zarensreundlichen Demonstration, der im Augen- blick die Gegenkundgebung folgte. c d. Eine neue enalljche Sonuenftn slernis-Expsditioa. Ein« neu« Ex- pedition zur Nachprüfung der Einsteirtschen Rsianvitatstheosi« ist ftgt von England abgegangen, um die total« Sonnenfinsternis am 9. Mai auf der Malaiischen Halbinsel zu beobachten. Bier hervor- ragende englische Ästronomen sind die Leiter des Uiüernshmene, das in mehr als 100 großen Kisten die modernsten Apparate mit sich führt. Die totale«Sonnenfinsternis dauert in diesem Jahr nicht ganz fünf Mimiken. S»ieIpl»vSnden>vna..Znfolqe d«S vlitzlichen Todes von Albert Steinrück mutz die Vresntere von Ebm Welk»..K r e u z a b n a b m c" in der Volts- bübne»erschoben werden. Der neue Termin wird noch nährr bekannt g« gebe«, die Karten behalte» GQUigteit „Karneval des Lebens." Mozartsaal. Der Karneval muß für alles mögliche herhalten: all« Tollheiten und Verrücktheiten sind in ihm erlaubt. Dieser italienische Film macht von diesem Maskenrccht, auf das ihm sein Titel Anspruch zu geben scheint, reichlichen Gebrauch. Sein Manuskript ist durchaus karneoalistisch. Ein amerikanischer Weltraisender, der mit seiner Jugend und seinen Millionen nichts anzufangen weiß, kauft so ganz nebenher einem verarmten venezianischen Fürsten seinen Palost zum doppelten Taxwerte zurück. Dann setzt er sich in den Kop'. «ine Frau wiederzufinden, di«— welch Wunder— seine Geldhilie annehmen wollte. Sie ist inzwischen— ohne daß er's weiß— seine Sekretärin geworden und reicht ihm nach allerlei Zwischen- fällen mit einem obligaten schlechte» Mann zum Schluß di« Hand — in dem gleichen Palast. Denn sie ist die verwitwete Schwieger- tachtcr des Fürsten. Mario A l m i r o n t e sucht uns als Regisseur durch schöne Biider aus dem venezianischen Karneval(Nachtbeleuchtung und Wasserfeste mit Feuerwerk) sowie aus dem mondänen Leben ini Luxusbade zu entschädigen. Für die Unterhaltung Hot auch der ab«nteuemde Sekretär des etwas tristen Amerikaners zu sorgen. Maria Iacobint schreitet mit hoheit-voller Schönheit, die nur im Alltagsleben manchmal starr und scharfzügig wird, durch den Film. In den Szenen großer Spiele ist sie prächtig. Um so finste- rer schaut der junge Amerikaner drein, der doch im Grunde ein so braver Junge ist, was man Malcolm T o d d ohne weiteres glaubt. So ist nun einmal das Leben im Film und im Karneval. Aber leider folgt für beide der Aschermittwoch. r. Ein Gesamlkolalog d«r preußischen Bibliotheken. Der Staats- Haushalt für 1929 fetzt zum ersten Male«inen Betrag für den Druck des 1. Bandes d«s Gefamtkataloges der preußischen Bibliotheken ein und zwar 10000 Mark. Damit ericheint dieser von der ganzen wissenschostlichen Welt lange lebhaft gewünschte Druck endgültig ge- sichert. Und in spätestens einer Generation werden die preußischen — leider kann man nicht sagen: die deutschen— Bibliotheken«in Hilfsmittel besitzen, das die großartigen, rielbewunderten gedruckten Kataloge des Britische» Museums und der Nationalbibliochek in Paris nicht nur erreicht, sondern noch übertrifft, indem es den Le- sitz von 11 großen Bibliothekn vereimgt. Viscator 1. b Somische» O->er. Die Verträge zur Pachtung der Komiichen Oper durch Erwin Viscator für die nächste Saison sind jesst unterzelchnel worden. Die geschäslliche Leitung der neuen Piscakor-Bubne liegt in de» Händen von Ludwig Klopfer, dem bisberigen Leiter des Berliner Tauentzien- PalofteS. Die Piscator-Bübne soll beabsichtigen, mit dem Theater am Schiff- bauerdamm eine Jnteressengemeinschast einzugehen. Ceo Blech dirigiert daSBerlinerPblibannonische Kon, erinicht wieirrtümlich angegeben am 12., sondern am 18. Februar in der Berliner Pkllh-nnonI«. Ein« Ausstelluug allrusstschcr Malerei veranstaltet die Deutsch« Gesell- fchast zum Studium Osteuropns vom 18. Februar bis l0. März im L'chlbok deS ehemaliecn Kunstgewerbemuseums Prin-Albrecht-Ztratzc. Die ÄuZ. stellung enthält eine Samrniung von 130 russischen Ikonen ans der Zeil vom 12. biS 18. Jahrhundert. Oer Kabrikdirettor als Hausherr. Die Hausangestellte in die Ttacht hinausgeworfen. DireHiU' 2l l d c n h o f f, der dem Betrieb der AEG. in e n nigsdof vorsteht, hott« eines Abends einige Gäste im Hanse. Er klingelte dem Mädchen, das die Gäste bedienen sollte, aber die Hausangestellte war nicht da. Sie halte schon ain Vormittag der Frau Aldcnhosf mitgeteilt, daß sie am Abend ins Theater gehen niöchte, weil si« von einein Bekannten eine Eintrittskarte erhalten hatte. Da der Angestellten ein Ausgang iil der Wache zusteht und da Frau Aldenhoff die Mitteilung von dem beabsichiigtc» Thsalcr- bestich schweigend cntgcgcnnahin, dann ausging und um 7 Uhr abends noch nicht zurückgekehrt war, nahm das Modchen an, daß ihrem?liis- gang nichts im Wege stände. Sie wußte nicht, daß am Abend Gäste lommen würden, sonst hätte sie die Theaterkarte versallen lassen und wäre zu Hause geblieben. Hatte sie doch während ihrer zwei- jährigen Tätigkeit im Hause des Direktors ihre eigenen Wünsche immer zurückgestellt, wenn die Herrschaft ihrer bedurfte. Aber jeßt hatte die Angestellte dos volle Bewußtsei», den Abend frei bekommen zu haben. Sie ging also um 7 Uhr fort, als weder Herr und Frau Aldenhoff noch irgendein Gast im Haus« war. Nach Theatcrschluß kani die Angestellte zurück. Die Hintertür, zu der sie einen Schlüssel hatte, ließ sich nicht öffnen, weil man das„ Schlüsselloch von innen oerstopft hatte. Sie ging die Dordertreppe hinauf und klopfte an die Wohnungstür, weil die Klingel abgestellt war. Der Direktor rief, ohne die Tür zu öffnön:„Was wollen Sie!" Das Mädchen flehte:„Bitte, Herr Direktor, lassen Sie mich doch hinein." Doch der Direktor rief zurück:„Sie sind ohne Cr- laubnis ausgegangen, Sie komme» nicht hinein." Damit cntfernte er sich. Das Mädchen klopfte nochmals. Da öffnete Direktor Aldenhoff die Tür, stieß dos Mädchen mit einem Faust» schlage zurück und rief:„Sie bleiben draußen." Der so brutal Ausgesperrten blieb nichts anderes übrig, als die kalte Winternacht— es war am 16. Sanuar— frierend auf der Treppe zuzubringen. Erst am Morgen konnte sie sich in der Wohnung des Hausmeisters aufwärmen. Dann ging sie zur Polizei und fragte, was sie in ihrer Lage tun könne. Man bedauerte, ihr nicht helfen zu können, es handele sich um einen private» Rechtsstreit, in den sich die Polizei nicht einmischen dürfe, zuständig sei hierfür das Arbeitsgericht. Auf ihre Bitte ging ein Beamter mit, damit sie ihre Sachen ungestört abholen konnte. Bei dieser Gelegenheit verlangte Frau Aldenhoff, das Mädchen solle ein Hauskleid heraus- geben, dessen Stoff die Angestellte Weich nachten 1927 als Geschenk erhalten, aber auf ihre eigenen Kosten hatte machen lassen. Das Mädchen erklärte sich zur Herausgabe bereit, falls ihr der Schncidcrlohn erstattet werde. Davon wollte aber die Dome nichts missen, also blieb das Kleid in den Händen der Angestellten. Beim'Arbeitsgericht forderte die Hinausgeworfene Be- z a h l u n g d c r K ü n d i g u n g s z e i t. Der Vertreter des Direktors Aldenhoff fragte hochfahrend: „W i e s o d e n n? Sie hotten keinen Gnmd, den Dienst zu verlassen, denn Herr Aldenhoff hat sie nicht mit der F a u st g e st a ß e n, sondern nur«ine seine Worte bekräfti- acnde Handbewegung gemacht. Säe ist a u ch vi ch t e n t- lassen, sondern Herr Aldenhoff hat sie nur als Strafe für ihr Ausgehen an einem Abend, wo er Gäste hatte, für eine Nacht ausgesperrt. Sie hätte doch am folgenden Tage wieder ihre Arbeit verrichten können, l!) Weiter machte der Vertreter des Beklagten ein« Gegenrech- Ii u n g auf. öv Mark verlangte er für Geschirr, das im Laufe der Zeit unter den Händen der Klägerin zerbrochen sei. Diese F>rde- rung wurde natürlich vom Gericht als unzulässig erklärt. Schließlich wurde auf'Anraten des Vorsitzenden ein Per- gleich forniuliert, wonach die Klägerin bll Mark erhalten soll. Der Vertreter des Beklagten behielt sich aber vor, den Vergleich zu wider- rufen. Will sich Direktor Aldenhoff vielleicht in aller Form verurteilen lassen? Moralischverurteilt ist er bereits, denn vom Richter- tisch, besonders von der Arbeitgeberbeisitzerin, ist dem Vertreter des Beklagten mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß man ein Mädchen, das sich zwei Jahre im Haushalt bewährt hat, nicht so behandeln darf, wie es Direktor Aldenhoff getan bat. Ausnühung der Arbeiislosennot. Wie ein portierverbani» Mitglieder— wirbt Der Hirsch-Dunckersche Portierverband, Hall- »i a n n st r. IS, gibt ein kleines Inserat auf: „Portierverband, Hollmannstr. 13, verlangt: • 16 Portiers, 40 Geschirrmädchen usw. Einige hundert Erwerbslose melden sich, geben die letzten 20 Pf. Fahrgeld her, nur um schnell die langersehnte Arbeit zu erlangen. Die Not ist groß. Die Arbeitslosenunterstützung reicht nicht aus, um die Familie itiit dem Notwendigsten zu versorgen, reicht kaum zum Leben. Also auf zur Hollmonnstroßc! Der Herr„Syndikus" des Verbandes empfängt die Erwerbslosen in seiner ganzen Würde. Er kann auch stol.; aus feine Organisation sein, umsaßt diese doch einige Dutzend Mitglieder. Doch nun kommt der Pferdefuß. Die erste Borbedingung zur Erlangung der Arbeit ist die Zl u f n o h m e in diesen Portierverband, denn er braucht Mitglieder. Zu zahlen sind: 30 Pf. Einschreibcgebühr. 2 M. Aufnahmegebühr und dann die Wochcrcheiträgc. Das Geschäft geht, der Herr Syndikus strahlt. Der Herr Syndikus ist aber auch ein vorsichtiger Herr. Seine Organisation ist dem Gewerkschaftsring(Hirsch-Dunckersche Richtung) angeschlossen. Einen eigenen Arbeitsnachweis hat er nicht und darf er auch nicht haben. Also überweist er die Erwerbs- losen nach vollzogener Aufnahme nach dem Arbeitsnachweis der Hirsche, Grcisswalder Straße. Hier stellt sich her- aus, daß die Firma Karstadt vom Gewerkjchaitsring 2000 Erwerbslose aller Berufe angefordert hat. Der Gewertschaftsring hat den Auftrag van Karstadt an seine Unterorganisationen weiter- gegeben und diese glauben nun auf diese Weise aus den Mitglieder- fang ausgehen zu können, wie der Fall Portierverband Hollmann- stratze beweist. Oder sollte der Gcwerkfchaftsring dies nicht billigen? Dem Vernehmen nach haben auch die christlichen, wie die freien Gcwerkschaiten den Auftrag von der Firma Karstadt erhalten, j e 20 0 0 Mann zu stellen. Auch das Landesarbeitsamt hat angeblich den Auftrag von Karstadt erhallen, 1000 Erwerbslose aller Berufe zu stellen. Feststeht, daß insgesamt nur etwa 3000 Erwerbslose Lohn und Brot in dem neu erbauten Waren- haus am Hennannplatz finden können. Was bedeutet dies olles? 7000 Arbeitslose fordert Karstadt von den Gewerkschaften und dem Landesarbeitsamt. 3000 Kräfte werden nur benötigt. Dabei ist das Einstellungsbureau der Firma Karstadt von Gesuchstcllern, die nicht durch den Zlrbcits- Nachweis gehen, dauernd überfüllt Und was sagt das Landesarbeitsamt zu der un- berechtigten Stellenvermittlung dieses schwindsüchtigen Portierverbandes? Wird man gegen den Herrn Syndikus gehörig vergehen?_ In der sächsischen Hüttenindustrie kam zwischen den Parteien eine Vereinbarung zustinde, wodurch die vom Schiedsspruch vorgesehenen Verschlechterungen vermied.!» werden. Durch den Schieds- sprilch sollte eine Verlängerung der Sonnt.igsarbeit in den Hütten- werken festgelegt werden; auch an Sonntagen sollte» regelrechte Schichten geleistet werden. Noch der Vereinbarung darf die Sonn- tagsarbeit jedoch erst nach 3 Uhr nachmittags beginnen. Vie Itache des Gesetzesverächiers. Oer verurteilte Aleifchenneisier. Im Haufe Bninnenstraß« 161 betreibt ein Herr WodzinsM das„ehrsame" Fleischerhondwerk und beschäftigt seine Gesellen uit� Verkäuferin»«» von 6 Uhr früh bis abends 8 Uhr. Füv Ruhepausen hat der Meister vom Hackklotz kein Verständnis, we'k diese ihm nichts einbringen. Frühstück und Mittagessen wird, wie man so so-gt, im Vorbeigehen eingenommen. Sonst aber ist der Meister eine„Seele von Kerl". Der zustäns digcn Gcwcrkschait und dem Gewerbeaussichtsamt verspricht er dos Blaue voni Himmel, verpflichtet sich schriftlich, die tarifliche und gesetzlich höchstzulässige Arbeitszeit einzuhalten und schmeißt am anderen Tag« gleich ein paar Gesellen raus, wenn sie sich wei- gern. 70 bis 80 Stunden pro Woche zu arbeiten. Sein Betrieb gleicht einem Taubenschlog. Am liebste» beschäftigt er junge, uner. fohrene, frisch von auswärts zugereiste Gesellen. Die sind abgc- bronnt und willige Ausbeutungsobjekte Ustd dabei kommt man auch nicht in die Gefahr, eine Betriebsvertretung in seinen, Betrieb dulden zu müssen. Aber der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht! Dem zu- ständigen Gcwcrbeoussichtsamt wurde die Geschichte doch zu bunt. Es stellte gegen den beharrlichen Gesetzesverächter Strafantrag mit dem Erfolg, daß der Staatsanwalt 3 Monate Gefängnis beon. tragte und dos Urteil auf 20 0 0 M. Geldstrafe oder drei Wochen Gefängnis lautet. Die Roche des„ehrsonien" Fleischen» eisters war, daß er zwei von seinen Gesellen, die vor Gericht wahrheitsgetreu ausgesagt hat» tcn, fristlos entließ. Wie wir hören, hat Wodzinfki gegen das Urteil Berufung»ingelegt. Inwieweit es ihm gelingen wird, durch die weiten Maschen des Gesetzes hindurchzuschlüpscn, muß abgewartet werden. Es braucht aber nicht abgewartet zu werden, daß dieser Fall der konsumierenden Bevölkerung zur Kenntnis kommt. Für die Mitglieder des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter ist dieser Betrieb gesperrt. Aach dem Werstarbeiterstrei?. Im Hamburger Hafen. � Die Hamburger Kommunisten, die bekanntlich im Oktober v. den wilden Streik im Hamburger Hafen anzettelten, haben jetzt bei der organisierten Arbeiterschait eine schwere Niederlag» erlitten. In einer Versammlung der organisierten Schauer. l e u t c mußte die Neuwahl der Branchenleitung vor- genommen werden, die seinerzeit von dem Deutschen Verkchrsbund cuifgelöst werden mußte, weil sie auf Befehl der Kommmnstifchen Partei den wilden Streik anzettelte. Die jetzige Neuwahl ergab, daß die Kandidaten de? Änistcrdamer Richtung init 298 gegen 178 k o m m u» nistische Stiinnien in die Branche nlcitung gewählt wurden. Bei der vorherigen Wahl erhiellen die Kommunisten 236 Sliir». inen und die Kandidaten der Amsterdamer Richtung nur 116 Stinn mcn. Das Kräfteverhältnis zwischen Kommunisten und der Amstcr. damer Richtung hat sich also umgekehrt. Das ist ein erfreuliche« Zeichen gewerkschaftlicher Gesundung bei der Hamburger Hasen. arbeiterscfcift. Llnd in Bremerhaven? Bei der Ortsverwaltungswahl des Deutschen M eta IIa rb eiter-V er b a nde s in Bremerhaven er. litten die Kommunisten eine vernichtende Niederlage. Nach Entgegen. nähme des Geschäftsberichts wurde fast cinstimnüg beschlossen, dia Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken, weil die Kommunisten in früheren VersanOilungen stundenlang ihre agitatorischen Phrasen verzapften. Die Ortsverwaltungswahl wurde ohne Widerspruch per Akklamation vorgenommen und bei zirka 300 Anwesenden die alte Verwaltung(Amsterdamer Richtung) gegen 18 Stimmen wiedergewählt. An» Freitag, dem 3. 2., verstarb unsere Genossin Helene Luck II» AlNr von 68 Iahrin Ehre ihrem Andeute». Die tkinSschrrung findet ani MiUw»6>. dcni i:i. Febninr. nachm o'/, Uhr. Krematorium Derichistr ilait S P. D. Zloscnthal.«l. Abtlg. (> Theater, Lichtspiele usw. nicnsti!.,d. 12. S!aals-Oper Unter a. Unsen A.-V. 39 19 Uhr Boris Godunoff Dienstag, d. 12 2. Stödt. Oper Bi-rnarckstr. Turnus I 19'/, Uhr Tristan u. Isoide Staats-Oper Arn l'l.d.Repuhl. A.-V. 7 19',- Uhr WM»! Staat). Sdusipl). ia Cintarotraini A.-V. 37 2U Uhr Ein besserer Herr Stastl.Sehitler-Ttieater.CM 20 Uhr GAS PtAZA VoiKsbUhne rirnttramSilov�ltti 8 Uhr Das Maut aas der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Tltsltr an SdiltnaatniamB 8 Uhr Die Drti-Grosdier Cper Thalia- Thealer 8 Uhr Oeiransch Staat). WHir-Tii. 8 Uhr GAS Tk. in Stttfftmrtun raglich 8 Uhr Sie Brei-önndteü- Paulsen.Valelti, Ander. Gerron, SchauluB, Kühl. Uvovzkl. rtaalla-Tbeater (resdener Str. 72.73 8 Uhr „ Oeiransch Otsck. kRnttt*r.Th. 87. Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace drati» liw»imiu Preise l— 10 Mark Beotsdi» Mir Norden 12 310 8 Uhr, Ende 10"/« Ij* Letzte TorsleHest DieVerbredier Schauspiel von FerdinandBrucknei Regie: HcinzHilpert Mittw. u Donnerst geschlossen Freitag, d. 13. Febr. abends 7'- Uhr Zum 1. Male Dia lurtip Weiber vm Wiedser Kammerspiele Norden 12310 S.Ende nach IO'/j U. „Soehee ersdiieneo" Komödie von Edouard ßourdek Regie; Forster Larinaea. Die Komödie Bismarck 2414,7316 8>'« Uhr, Ende i0',< „Olympia" von Franz Molnar Regie; Förster Lannaga. Belli»« Tsutir Di rekU-feinz Herald CharletteastraOe 90 A. 7. Dönhoff 170 Täglich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abüi's irish Rose) iiiER-n S", Uhr: fk. Ii» UninlsiHlut Sfliön n. sdiidt StA 11 H lihp 8 3. Barbarossa 6356 4 Bronetts Con Colleane und«sitere Varitt« Ittriidimaa. Winter Qarren 1 S Uhr Raadhea erlaubt| 8 In Berlin noch nicht) gezeigte varietG- Neuheiten ■M wahap» SMMÜMM. lentral. Theeter Uli JaMih. tte Orraimlr Täglich S'/. Uhr Somitag auch 4 Uhr ich hussa ihre Hsnd.madame Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem ßleichnam. Schlager Ru nd f u nkhörc r Preise Losisplelbans Friedrichstr.236 Bergmann 2922/23 Täglich 8';. Uhr Gaidaniieisdier in Veeknd im Paradies R ue-Theater jr.frntftrli»S.13J 8>.. Uhr Di« Fledtnun Samowsky-BüIidm ThMter in d.r KamaarBUsr StraB. 8V. Uhr Bevolle in EniehHogsboos Schauspiel von P. M. Lumpet. KemBdlanhaus S1'. Uhr Das Deid aut der straee Uraicitrv. Bernauer o. Oesterreicher Trianon-Th. Täglich S1'. Uhr Das Haus der Laster (Yoshiwara) Lessing-Theater 8 Uhr RsUiarioa Knie. KieiBei Theater Tätlich 8ri Uhr: Lady Windar- msrss F Schon von Oskar Wilde Sandrock. Hechj, Minder, Hardt, Msmeiock u. Möller Höhr »«ks Wjr.-Pregr.l Zum SehluB; Deraos Minen Mt 10 Eisblrsn Renaissance- Theater Htrdenkergst. 6. Tel.: Mdnpl. 901» 7583»4 »'.Uhr. Zum 54 Male:»'/.Uhr Oi« WeKerfolgskomSdie „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg: Eaat. Hartang. la PremiarinöetUo. ».uhr CASroO-THEATEH Lotbrlnger Straße 37. Neu! Neu! Kilometerileöchen Dam ein erstklassiger bunter Teil. FOrnnsereLeserQutscheinfflrl— 4 Pers Fameuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M, Sonstige Preise; Parke» u. Bang 0.80 M. Relchshallen-Theater Abends| 8 I Sonnlar nachm. I 3 I Das lasllgt am Fakr.-Prasr. d«r Sieltiner Sfinger Nachm. halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Drrattl; Konzert/ Tanz/ Variete 10»Wils VOBBiam. Mater des Mm TlgUch«'. Uhr \'ötr sensationelle Srfolg!] Käthe Dorsch ieöenki StuRf oob Jtenj gebar Kammers. Karl Zofen (ictdirtiopec Berlin) SoucTfauf wumterbrnche». > St«6« bca ga« jen Tag geäffeei I Xtltpn- Steinplatz»Zl b. 7108 1 Theater a.KottbusserTor KonbusserStr.ö Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr. auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäS. Preise) Elite-Sänger Faschlnss-Pregramm 1 Emil Stein, der beliebte Komiker und Tanzhumorist als Gast 1.mnaf ms Arnold Scholz Hasenheide 108/14 eroBes BocMbiertest und Fastnachtsball Brale Strwatntzraitriil. PramlltriuiD»«s BrflStm atbaran Berllndr PtaaRkaeens i GeldpreUr: 75, 50 a. 15 Mark. 7 Kapellen � 50 bayr. Mad'. Einla» 6 Uhr. -rlrksansinddl« oesonacr» Kleinen Anzeiget in der aesamt- Aaflage|a:f|}0.f des Vorwärts und troudem ara«a«j�4 isdiias Berliner|Jlk-TrlO NauköMn. R» lahiiitr.747fii *<3141- B kiiit. nr för utod FTU Ihititii!«ordts h H ftCB. G sSI «'s Btio, RS"» Stil, f fjot-llt. h 15 Tatjcn iiad ünanlislbin Heilifoi«. BdtS.iQSi» uid R?ffr?nr?n. IrztfiCTl etnplohion. I.valifcutrlOe. 9*11, 1*4. Sc9Dla|10-12. i-tsby. GG. SEHAUSPIELHADS 8 Uhr Nur noch 18 Tage! PlaMnriBB an In CASANOVA / viiaf. Jradtiasthziit Sinh Noll, 1578 16 Uhr Oer Sterohimmei im Winter 18 Uhr Mars und seine ftstsei 50 Uhr werden u.Ver- sefien d. Sterne | ALFRED 1 ERGER| Anai Frind, Trada Liaaka, Anny Ahlars, Em» Jslas, La Jana Wlakalata: n, Strda Kupfar, Arno Morgan, Blankanlorn, Pleha Regia CHARELL nesamtausstattj. M. In») Stent| Sonata» 3 Ihr»iatti-h.-Vorztellmig.I Kltlae Prallt. Nau auf Elaktrola 1 Täglieb 8 Thr Heule zum 50. Mal 50 X£usüqe WiUae 50*THeteopo£ ausaetkauft! FßlTZI MASSARY Max Hansan Welter Janhahn. Csehi Elleot. Hana Jon h ermann. Willi Sehäflera, Ebel*. baehcr, Krüger, Ueppner, Harquita- Slttera, Krise«, Beauty Gtrla, Jaehaon• Boya Gosamtansstatning: Prof. Ernat Stern REGIE: ERIK CHARELL »Seil auf Klebtrole I neater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr: Jettehen Gebert Singspiel von Walier Kollo Pttiliiarmonie ö Uhr Wagner-AM. 'es Philharm. Orcli. Blrlp. Prot. I. Prower unier geh. Mitwirk. von Wi h Gu tmann Anlagen]eil. Art Zimmer 10.— M. I Wenn S-ciccleilurg | fehlt, fordern Sia | Gra'isprospekt EleKkre-Bnlon kiseitf«;!.«ji-ün.« dBefVoge Dienstag, 12. Februar 1929 ferAtonft Sfin/rtrri(fsiifa fibü}i2S& Was willst Du werden? Vier Instanzen sollen bei der Berufsberatung mitentscheiden. Die Eltern, der Lehrer, der Arzt un») der Beruisospirant selbst. Wer vor der Berufswahl steht, muh das erste Wort Hoden. Und in diesem Wort soll er seinen Wunsch ausdrücken. Er möge sogen, was er werden will. Dabei muh er aber gleich hinzusetzen, w c S- halb er zu diesen» bestimmten Berus eure besondere Neigung zeigt. Es ist dabei zu unterscheiden, ob ihn die sachliche Arbeit anzieht oder das Bewuhtiein einer Befähigung zu ouhcrordcmlichen Leiftun- gen oder etwa die Aussicht auf guten Verdienst. Meistens werden Neigung, Bcgabungsglaube und Gewiniivorstcllung zusammen die Berufswahl beeinflussen. Dann sehe inan zu, welches Motiv den Willen ain stärksten leitet. sehr oft ist der Aspirant schwankend. Dann möge er ruhig sage»», welch« Berufe in Frag« koimnen. Auch in diesem Falle forsche man nach, ob äußere oder iimere Anlässe für ihn mohgebend sind. Die Eltern sollten möglichst von eigenen Wünschen absehe». Bei ihnen spielt oft die Eii»gewöh>u»ng eine große Rolle. Seit längerer Zeit hoben sie sich mit dem Gedanken vertraut gemach», das Kind müsse diesen oder jenen Beruf ergreiien und nun sind sie unglücklich u»»d fassen«s gar als Akt der Rebellion auf, wem» des Kindes Wille in Berufsfragen ein« andere Richtung nimmt. Für viele Eltern spielt auch die Tradition eine Rolle. Sie weisen mit Stolz darauf hin, üah in ihrer Familie der Beruf des Schneiders. Schinicdes, des Lehrers oder Beamten seit Generationen vertreten � war und haben sich in die Idee verrannt, daß ihr Sprößling die Fainilientradition fortzusetzen habe. Kommt bei ihnen noch die monchfhal zutreffende, aber nicht immer richtige Airsicht hinzu, daß traditionelle Pflege einer Berufstätigkeit Begabung urch Leistungen garantiere, so ist, falls der Beruffuchende eigene Wege zu gehen wünscht, das für sie ein Grund mehr zur Verstiimnung. Es aus derartigen Erwägungen heraus zu«iirem Krach kommen zu lassen, wäre unverantwortlicher Egoismus. Die Eltern sollten sich nicht von eigenen Wünsche»», d. h. von ihrer Vorliebe für bestimnrte Berufe, solchen» von dem Gesichtspunkt leiten lassen, zu welchem Beruf nach ihrer Meinung sich Sohn oder Tochter eignen. Dies« Berücksichtigung der Anlagen und Fähigkeiten eines K indes kann nicht pedantisch gei»ug sein. Anlagen zum Zeichne»», zun» Sport, zur Kurzschrift, zum„Führer" bei Spiel und Sport geben einem fachmänirifchen Berufsberater wichtige Hinweis«. Die dritte Instanz, die mit zu entscheiden hat, ist der Lehrer. Besser noch, wenn es inehrere sind. Man begnüge sich jedenfalls nicht mit der Auskunft des üblichen Schulzeugnisses. Der Lehrer soll hier keine Zensuren erteilen, sondern angeben, ob sein Schüler in irgendeinem oder mehreren Fächern das Durchschnittsmaß der Leistuirgen überschreitet und ob er im Schüler über das Berufsmäßige hinaus Neigungen und Fähigkeiten entdeckt hat, die für das prak- tische Leben wertvoll si»»d. Vergessen wird bei der Berufsberatuirg meistens der Arzt. Es ist ganz falsch, zu denken, der ins Leben Hinaustretende mag werden, was er will, wenn er uicht mit einem ständig oder wiederholt auf- Irctende» Leiden behaftet ist. Für den Berussberater sind Angaben über die körperliche Entwicklung des Aspiranten so wichtig wie 'eii»st bei der militärischen Aushebung. Vor allem spielt die Frage der nervösen Beschaffenheit«ine bedeutende Rolle. Aufgabe des Arztes ist es� festzustellen, ob sein Kandidat für gewerbliche Tätig- keit»nit Staubentwickclung, grellen Lichterscheiimngen, Gefahren usw. geeignet ist. Ist der Arzt zugleich Pstichvloge, so können Angaben über das Teinperament des in der Berufswahl Stehenden, über sein« Ncigamg oder Abneigung zu Risiko und Chance eine belangreiche Ergänzung bilden. Jedem Vater oder Pflegebefohlenen ist dringend zu raten, Fach- männer zu Rate zu ziehen. Man wird in 93 von 100 Fällen ein abmahnendes Urteil hören. Wahl des Berufes, das ist ein« ver- »euselt ernste Sache. Der Befragte fühlt oder weih das und nun werden alle Nachteile, die so im Berufsleben üblich sind oder ein- »rcicii können, im Geiste des zu Rate gezogenen Fachmannes über- wertig. Resultat: nur nicht»»»«inen Beruf! Wenn man sich durch einen derartigen Bcrufspessiinisinus auch nicht allzusehr niederdrücken soll, so werden die Auseinandersetzungen des Fachmannes doch wertvolle Aufschlüsse geben. Es ist zu unterscheiden zwischen Berufsberatung uird Berufs e ig n u n g. Handelt es sich uin jene, so spielen viele äußeren Moincnte»vie Wunsch, Ehrgeiz usw. eiire bedeutsame Rolle. Bei der Entscheidung über die Berufscignung kommt nur die lintec- suchung des vorhandenen oder mangelirdcn Bcföhiguiigsnochivcises in Frage. Di« Eigimngsprüfung kann mir der dafür vorocb'ldetc Sachverständige nar>»«hmen und es ist oft ein»irnständliches Ver- fahren notwendig um zu einem zutresienden Urteil zu gelangen. Dr. B. A. Praktische Aufklärungsarbeit Berufsberatung in den Schulen Die.Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker" versucht die Berufsberatung in den Schulen zu verankerr», indem sie ihre Merkblätter den höheren Lehranstaltungen, den Kreis- und Stadt- schulinspektioirei», den Hochschulen, den Schulabteilungen der Re- gierungen, den Prooinzialschulkollegicn nnd den Kultusministerien übermittelt. 3500 Schulen und amtliche Stellen lverden bei dieser Aktion berücksichtigt, so daß ekne Erfassung aller Schulen Deutsch- lands direkt oder indirekt gewährleistet ist. Die Merkblätter, die auch Hairdarbeit und Frauenarbeit berück- sichtigen, gehen zum Teil über eine rein beschreibend« Schilderung hinaus, indem sie sich bemühen, die psychologischen Voraussetzungen des einzelnen Berufes klarzulegen. So ist es bemerkenswert, wenn es in dem Merkblatt über den Sozialbcamten heißt: „Der Beruf des männlichen Sozialbeomten verdankt also seine Entstehung in erster Linie der in der Sozialgesetzgebung des neuen Reiches sich durchsetzenden grundlegenden Erkenntnis, daß die Hilfeleistung an den gleichwie welcher Art hilssbedürf- tigen Menschen Angelegenheitdergesellschaftlichen Gesamtheit ist. Von dieser Forderung einer alle Not- leidenden umfassenden Wohlsohrtspflege her»var es �unumgäng- lich. daß zu der Frau, die auf diesem Gebiet der Sozialarbeit bereits seit geraumer Zeit berufstätig war, nun ebenfalls der Mann als beruslicher Sozialarbeiter und— da es sich hauptsäch- lich um Tätigkeit bei kommunalen und staatlichen Behörden haiideli— eben als Sozialbeamter hinzukam.... Es steht außer Frage, daß in Anbetracht der Bedeutung der �ozialbeamtcnarbei»— es geht oft um Wohl und Webe einer ganzen Familie oder Gruppe— die Varausjegnngen für die Wahl des Berufes nicht ernst geimg genommen werden können. E« erübrigt sich wohl der Himoeis, daß es ttiBesfalX« Arbeitsregelung in Finnland Gesetzmäßig dauert der Arbeitstag in Finnlaird acht Stunden. Eine vertragsmäßige Berlängenmg des gesetzlichen Arbeitstages ist nicht zulässig. Es liegt aber in- der Natur der Sache, daß jeder Arbeitszweig sei»»« eigei»e Regelung erfährt. DarunG»vollen wir die Berufe im einzelnen durchgehen. In der Industrie. Falls die technische Art der Arbeit oder sonstige dringende Umstände es nötig machen, ist der Arbeitgeber be- rcchtigt, den Arbeiter mehr als acht Stundeil pro Tag zu beschäftigen, aber nur unter der Bediirgung, daß die Ge- sanrtzahl von 9t> Arbeitsstunden in zwei Wochen in cht überschritten wird. In den Handels-, B u r e a u- und L a g e r g e s ch ä s t e n ist die Arbeitszeit ebenfalls mit acht Stun- den festgesetzt: doch werden 47 Stunden die Woche zugelassen. In der Landwirtschaft gibt es keine gesetzliche Regelung. Iliftia SUlaupoa Allgemein ist vorgesehen, daß dem bis 28. Dezember 28 Sozialminister Arbeiter bei durchgehendem Acht- stuirdenarbeitstag eine Pause von einer Stunde gewährt wird. Falls die Art der Arbeit es zuläßt, kann «r den Arbeitsplatz verlassen. Wenn aber die Arbeit in zwei bis drei Schichten eingeteilt ist, soll ihm entweder Ys Stunde Freizeit oder die Gelegenheit während der Arbeit zu essen gegeben werden. Die Freistunde wird nicht in die Arbeitszeit»nit einbegriffen. Man hat die Erfahrung gcinacht, daß immer, je»»ach der Art der Arbeit, in» Anfang und an» Schluß derselben ctivas Zeit verloren geht, so daß, abgesehen von der Freizeit, die zur Arbeit berechneten acht Stunden nie voll ausgenutzt werden, doch darüber gibt es»veder Statistik noch irgendwelche Entscheidungen. Was nun die Feiertage anbetrifft, so werdeil in Industrie und Handel neben den Wochensonntagen zehn kirchliche Feiertage gerechnet. In der Industrie wird der 1. M a t nur teilweise ge- jeiert, wohingegen er iin Handel gesetzmäßig freigegeben»st. Wieden»»» ist für die Landwirtschaft in» Arbeiterschntzgesetz keine Regelung vorgesehen. Das Versicherungswesen muß noch weiter ausgebaut lverden. Bis jetzt ist die Sozioloer- sicherung nur auf dem Gebiete der Unfallversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Auf denjenigen der Krankenkassen ist ein Gesetzentrvurf wegen Zlvangsverstcherung in Vorbereitung. Die Arbeitslosenversicherung wird von Privatkassen vorgesehen, die Staatsiinterstützung genießen: die Arbeitgeber dagegen entrichteil keine Gebühr an diese Kassen. Die Arbeitslosig- kcit wechselt mit der Saison. Im vergangenen Jahr« bewilligte der Reichstag wie die Kommunen 23 Millionen Finnemnark(2,3 Mil- lioncn Mark) für die Arbeitslosenunterstützung. Alle gegenwärtig täligen Arbeitslosenkasien sind von den Berufsgcnossenschaften ge- gründet und beziehen sich ausschließlich aus die industriellen Arbeiter. Der Zivangsn n fallver sicherung sind, insofern es sich um die dort angestellten Handarbeiter handelt, seit Anfang 1926 olle Unternehmungen und Anlagen auf dein Gebiete der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft und der Seefahrt unterworfen. Alle Versicherungsgebühren werden vom Arbeitgeber entrichtet. Allein für die landlvirtschaftlichen Unternehmungen, die Milchwirtschaften mit einberechnet, sind drei Versicherungsanstalten tätig. . Die Urlaubsfrage. In der Industrie bekommen die Arbeiter iiach einjähriger Tätig- kcit mindestens sieben Werktage frei mit vollem Gehalt. In den Handels-, Bureau- und Lagergeschäften wird ein ziveiwöchiger Urlaub unter sonst denselben Bedingungen bewilligt. Diesmal geht die Landwirtschaft mit der Industrie konform. Bevor wir einen kurzen Ueberblick über die Frauen und ihre Arbeitsbedingungen geben, stellen wir die Frage:„Ist der sin»»- läirdische Arbeiter zufrieden?" Bctresss des Ächtstundentages ja, gewiß— obgleich wir nicht unterlassen dürfen', hier einzuftigen, daß außerhalb der oben aufgezählten Arbeitsgruppen noch höhere Stundenzahl verlangt wird— so bei der Eisenbahn, der Post, wie im Forstsach. Auf der anderen Seite möchten manche Arbeiter die Gesetze übergehen, um durch Ueberstunden den Verdienst zu erhöhen, Die Frauenarbeit wird durchschnittlich b« derselben Arbeitszeit um ein Drittel geringer beivertet. In manchen Geiverben, z. B. dem graphischen, stehen sich jedoch Mann und Frau heut« schon gleich: Man rechnet bereits mit 15 000 beruflich organisierten Fraueir. Trotzdem wird van den Männern noch nicht(wie in Aincrika und auch schon in Deutsch» land) die Frau als Konkurrentin empfunden. Der größte Prozent, satz arbeitet in der Papier-, Textil- u»rd Schuhindustrie, daneben in Ernährung und Landwirtschaft wie as Hausangestellte. Das Versicherungsivesen ist im Werden. Die Gewerkschaften verfügen über kleine Kassen. Der Antrag über Kranken- und In» volidengeld wie Altersversicherung läuft gegennKirtig im Reichstag. Auch das Problem der Nachtarbeit wird weiter aufgerollt und Untersuchungen angestellt. Man geht hier Hand in Hand mit dein Jnteniationalen Arbeitsamt. Die Schutzgesetze für schwanger« und nährend« Frauen bestimmen, daß der Arbeitgeber die Arbeiterin vier Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt von der Arbeit zit dispensieren hat, ohne Gehaltsauszahlung. Die Regierung gibt Kinderkrippen nnd Erholungsheime» pekuniäre Unterstntzungen. Der Verdienst ist natürlich stark unterschiedlich. Eine Fabrikarbeiterin steht sich auf 300 bis 600 Finnenmark— da die Lebensverhältnisse billiger sind als bei uns, kann»na» es nicht kursmäßig mit 50 bis 60 Mark unircchiien. Die Löhne der Landwirtschaft sind durchgehend sehr niedrig. Eine Waschfrau verdient 1200 Finnenmark monatlich, Näherinnen etwas mehr: eine Kellnerin etwa 1000 Finnenmark. Die sozialdemokratische Zeitschrift„Die Ge, nofsin" erscheint zweimal monatlich und behandelt alle Slrbcits- wie Lebensfragen. Die Frauen wirken in der Partei wie in den Einzel- verbände» eng mit' den Männern zusammen. Daneben haben sie sich in ein«»n Verband(mit 80 Unterabteilung«»), der frei für sich arbeitet, zusammengeschlossen. Für Qualität und Auftage der Zeitschrift spricht die Tatsache, daß nicht weniger als drei amtliche Rc- dakteurinnen angestellt sind. Auch im Parlament stchen die Frauen auf ihrem Posten. Neben 51 Männern betätigen sich neun Frauen in der sozialistischen Fraktion. Das sunge Fimlland— es feiert« 1928 sein zehnjähriges Frei- heitsjubiläum— geht fchrittmachend voran. Außer Dänemark war es das einzige Land, das eine Frau, und zwar eine sozial- demokratische Abgeordnete, als Minister in das neugegründcte Sozialmini st eriui» einziehen ließ.' Louise Diel. angeht, den Sozialbcamtenberuf zu ergreifen, weil er als Bcomtenbcruf auch Versorgungsrechte und darum Lebenssicherung in sich einschließen kann. Wenn das Sozial- beamtentum diesen Tiip des Versorgungsbeamten irgendwie in den eigenen Reihen duldete, könnte man von einer ernstlich drohenden Gefährdung der pädagogische» Sozialarbeit reden. Das gesamte öffentliche Beivuhrsein ivürde es nicht ertragen, wenn die beruflichen Träger der öffentlichen Erzichungshilfe ihren Dienst nur um der eigenen Lebenssicherung willen versehen »vallten. Die Bevölkerung wird sich an den Sozialbeamten viel- mehr»mr dann freiwillig wenden, wenn er persönlich(in seiner U n e i g« n n ü tz i g k e i t und D i c n st w i l l i g t c i t) unbedingt vertrauenswürdig ist." Aehnlich ist die Tendenz, wenn in dem Merkblatt über den Gewerkschostsbeamten gesagt wird: „Grundbedingung und erste Voraussetzung für die Stellung des Gewerkschaftsbeamte» ist, daß er innerlich die Inter- essen des Slrbeiters oertritt und sich der Verlretung und wirtschaftspolitischen Durchsetzung aus Uebcrzeugung verpflichtet sllhlt. Das ist eine Frage innerer Gesinnung. Zu Gesinnungen wird man iiiemand zwingen können. Man n>ird aber auch niemand vertreten können, dessen Gesinnung man nicht teilt oder nicht achtet. Ohne solches inneres Interesse an den Ausgaben der Gewerkschaft wird niemand ihr Beamter sein können, nieniond auch ernstl>after Berater. j Eine roeitere Grundbedingung ist die Kenntms der Lebens- situation des Arbeiters, seines Berufszweiges, um zu wissen, rvelche Forderungen wirtschofts- und sozialpolitisch zu ver- treten siird. Auch sie können nicht von außen angelernt werden. Wer den Bergorbeiter vertreten will, muß den Beruf des Berg- arbeiters aus praktischer Erfahrung kennen. Wer die Forderungen eine? kaufmännischen Angestellten durchsetzen will. wer in orbeitsrechtlichen Streitfällen eines Angestellten mit- enischeiden will, muß die Arbcitssituation im Bureau, im Geschäft kennen." Bisher sind etwa 83 Darstellungen erschienen. Sie sollen die mündlich« Beratung nicht ersetzen, sondern ein« ernst« Anregung geben und zirr Beschäftigung mit den Benrfsproblemen anregen. Berufsbildung für Ungelernte In Nr. 5 der„Gewerkschoftszeitung" tritt Otto Heßler für «inen Ausbau der Berufsschule für Ungelernte ein. Er weist darauf hin, daß die Typisicrung. Norinolisierung und Ra- tionalisicrung in der Wirtschaft die Grundlage vieler Berufe vcr- schoben und den bisher üblichen Begriff des Berufs gewandelt habe: „Wir kennen neben dem lehrlingsmäßig Ausgebildeten den in dchzer Zeit A n z c l e r n. t e». der vorher kwgelrr«e Arbeft nu- richtet«. Der Angelernte rückte in gelernte Berufslötigkeit ein, manchem Gelernten sehen wir angelernte Tätigkeit verrichten. Die offenbare Wandlung der Dinge bestätigt auch die letzte Berufs- Zählung, deren Ergebnisse erkennen lassen, daß die größere Zahl gerverblicher Arbeiter nicht mehr lehrlingsmäßig ausgebildet ist." Manch« Tätigkeit An- tind Ungelernter habe heute bereits dunhans eine Berufsprägung(Kutscher, Schifscr, Zigarren- mackzer), andere stellten nur einen Durchgang dar(Pagen, Fahr- stuhlführer). Aus dieser Wandlung ergebe sich die Notwendigkeit, den An- und Ungelernten durch die Berufsschule in seiner Arbeit innerlich zu verbinden. Die Annahme, daß die ungelernten Jugendlichen moralisch oder geistig minder zu beiverten seien, weist Hehler zurück, indem er darauf hinweist, daß noch einer Durchprüfung von 1600 ungelernten Jugendlichen in Hamburg 35 Proz. auf der 1. Klasse entlassen waren, und daß 34 Proz. die zweithöchste Volksschulklasse besucht haben.- Eine zu anderer Zeit vorgenominene Durchprüfung, die 7717 Schüler umfaßte, ergab dasselbe Resultat. Das gleiche kann van Berlin uud einigen Städten Westdeutschlands be- richtet werden. Schwierigkeiten bereiten nach den Darlegungen Heßlers die zeitliche Lage des Unterrichtes»nd der L o h n n u s f a l l für die Schulzeit. In. welchem Maß« die Schüler einen Lohnausfall erleiden, zeigt«in« vom 13. bis 18. Äugust 1928 in Berlin unter den an- wesenden Schülern in der Berufsschule veranstaltete Erhebung. Danach erlitten von den Lehrliirgen 0,1 bis 8,9 Proz. Lohnabzug. Bei den weiblichen Lehrlingen 0,4 bis 12,5 Proz. Diese Zahlen steigen bei den Ungelernten ausfallend: 17,7 bis 23 Proz: der ungelernten Jugendliche», und 25,2 Proz. der weiblichen Ungc- lernten wurde für den Schulbesuch der Lohn abgezogen. Die Be- Zahlung der Schulzeit müsse deshalb durchaus gefordert werden. ' Die best« Lösung für den Unterricht in den Schulen für Ungelernte ficht Heßler in einer Anknüpfung an den Arbeitsvorgang. Fachliche Klassengliederung(z. B. Verkehrsgewerbe, Metall-, Textil-, Nahrungsmittelindustrie), wie sie auch in den Schulen für gelernte Beruf« eingeführt werde, sei am erstrebenswertesten: „In der fachlich gegliederten Klasse wird es an lebensnahem Lehrstoff nicht fehlen. Di« Arbeitsart bleibt nicht ohne Einfluß auf die geistige Regsamkeit. Gleich dem Berus ist hier die Arbeits- tötigkeii der Anknüpfungspunkt, das technische Bildungsgut die Verbindung zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterrichts- stofs." Voraussetzung für den Erfolg der Berufsschulen für Ungelernte ist nach Heßlers Ansicht die Ausbild ung besonderer Lehrkräfte für diese Schrllgattung, wie es in Preußen schon «ejch-chl. von Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten&. Loening, Frankfurt a. M. (20. Fortsetzung.) ..Ich hört«, daß Ihre Firma pleite gegangen ist." Herrgott, ja, dos ist es! „Ja." entgegnet« er.„Sie ist bankrott. Heute wurde der Ticker abmontiert." „Sie haben Pech," sagte jemand,„verdanientes Pech. Was werden Sie setzt tun?" „Es der Frau sagen," erwidert« Eddie. Natürlich ist die Frau da. Die Frau. Die Frau ist da, dagegen läßt sich nichts tun. Die Frau, früher oder später wird er es chr sagen müssen. Es wäre ratsam, hcinyugeh-en. �heimzugehen... oder... Heim. Er oerließ den Keller, sprach oben zum Kellner:„Aus Wieder- sehen." Der Kellner entgegnete:„Auf Wiedersehen." Dann trat Eddie auf die Straße. Es war Abend. Di« Laternen brannten. Hoch oben donnerte von Zeit zu Zeit ein Zug der Hoch- bahn. Eddie verharrt« einen Augenblick, in Gedanken versunken. Schließlich ging er zur �.-Station. 12. Fräulein Jam«s. „Die armen Narren." dachte Fräulein James.„Wie die an- rufen:.ist doch Glymmer, Read u. Co.?', ist doch Glymmer, Read u. Co.?' Besorgt, ängstlich.Ist doch Glymmer, Read u. Co.' .Ist Herr Read da?' ,Jst Herr Kranz zu sprechen?' Halbtot vor Sorgen." „Ja. Hollo. Ja, hier Glymmer, Read u. Co. Nein, Herr Read ist nicht da. Ist verreist. Nach dem Westen, oder nach Europa, oder wohin Sie wallen. Nein, er ist nicht da. Herrgott!" Sie saß vor dem Schaltbrett, zog mit geschickten Fingern die Stöpsel heraus, steckte sie hinein. Vor ihr flammten kleine Lichter auf und erloschen wieder. Ein Summen:„.Hallo, hier Glymmer, Read u. Co. Nein, er ist nicht da." Read war in ihre Zelle ge- kommen und hatte gesagt: „Fräulein Iomes, von jetzt an ist niemand da." Sie gehorchte nur seinen Befehlen, wenn sie immer wieder er- klärte: „Nein, er ist nicht da. Nein, er ist nicht da. Verstehen Sie denn nicht, was ich sage? Er ist nicht da." Van ihrer alten Höflichkeit war keine Spur zurückgeblieben. Diese Stimme klang nicht nach einem Lächeln. Die Menschen, die anriefen, waren nicht länger Kunden, gegen die man aufmerksam sein mußte. Nein, sie waren nur lästig. Und alle riefen an, aus der Stadt, vom Land. Ein« Firma hat Bankrott gemacht, und alle sind besorgt. Ihr« Finger flogen mechanisch über dos Schaltbrett dahin. Auch ihr« Stimme klang mechanisch: sie wußte die meiste Zeit gar nicht, was sie sagte. Die Jahre am Schaltbrett hatten ihren ganzen Körper in einen Automaten verwandelt. Ihr Leib war beschäftigt, aber ihr Geist war frei. Weshalb zum Teufel soll sie diese Leute eigentlich anlügen?» Was hat sie davon? Was profitiert sie daran? Meine Liebe, du bast deine Stolle verloren, such dir«ine andere. Warum soll sie lügen? Read hatte sich in seinem Bureau eingeschlossen. Er wollte niemanden sehen. Freilich, zuerst stiehlt er den Leuten das Geld und dann will er niemanden sehen. Er stellt Leute an, läßt sie ihr« Stelle verlieren, und dann will er niemanden sehen. Aber Fräulein James wußte genau, daß sie trotzdem immer wieder sagen wird: „Nein, Herr Read ist nicht ha. Nein, er ist nicht da. Nein. Ich weiß nicht, wann er zurück sein wird." Sie mar ärgerlich, wußte genau, daß sie eigentlich diese» Menschen antworten müßte: „Ja, Read ist da. Ja, er ist da. Kommen Sie her. Sprechen Sie mit ihm." Tratzdeni sagte sie nur dos, was ihr zu sage» besohlen worden war. Sie kannte ihre Arbeit. Sie war Telephonistln: all«s andere ging sie nichts an. Bon ollen Angestellten in» Bureau mußte sie am genauesten, was sich ereignete, aber niemand interessierte sich weniger dafür als sie. Bisweilen war eine große Transaktion im Gong, das ganze Bureau beobachtete mit verhaltenem Atem, wie Read die Sache am Telephon zu erledigen versuchte, wie er erklärte, beschlvor, debattierte. Alle anderen Angestellten interessierten sich für das Ergebnis d«s Telephongesprächs! nur Fräulein James nicht. Ihr lag gar nichts daran. Sie war gelassen und flink wie immer, stellte sofort für Read die Verbindung her, doch arbeitete sie nicht um ein Haar rascher, als wenn sie für einen jüngeren Angestellten die Freundin anrief, niit der er für den Abend ein« Verabredung treffen wollte. Fräul«in James war die inenschgeword«ne Verbindung, war ein Teil des von der Fernsprechgesellschaft montierten Telephons, ein nienfchlicher Teil, weil das Telephon eben auch eines menschlichen Teiles bedurfte. Das war ober auch alles. Wenn Zuckor an die Angestellten dachte, fiel ihm nie Fräulein James ein. Es gab An? gestellte, die Fräulein James so selten sahen, daß sie sie gar nicht als zu ihnen gehörend betrachteten. Kam sie ins Bureau d«r Ange- stellten, so fragte häusig der eine oder der ander«, wer sie sei. Sic saß den ganzen Tag in der Zelle vor dem Schaltbrett, ltellte die Verbindungen h«r, brach sie ob, läutete, rief an. All« kannten ihre Stimme, kannt«» jeden Ton, wußten, ob sie gut oder ichlecht gelaunt, zufrieden oder unzufrieden war. Sie kannte sie durch ihre Stimme. Aber ihre Bestall kannten sie nicht. Und auch sie hüll« die meisten Angestellten auf der Straß« begegnen können, ohne zu grüßen. Sie wüßt« wohl, wie si« aussahen. Ihre Stimmen freilich kannte sie, wußte, wer wer wer, wußte sofort, wenn«in neuer Angestellter im Bureau arbeitete, erkannte sofort sein« Po- sllion an der Sicherheit seiner Stimm-, der Gewandtheit seiner Worte. Ein Blinder vermag den Charakter ein«? Menschen«r. mittAs der feinen Nüancierungsn seiner Stimme zu erraten: so kannte auch Fräulein James einzig und ollein durch di« Stimme einen ganzen Menschen konstruieren. Im Bureau»vor sie doppelt blind: sie sah nicht und wurde nicht gesehen. Alle Dinge waren Mir sie nur eine Stimme, und auch si« roor für all« nur ein« Stimine. Si« saß in ihrer Zelle vor dem Schallbrett, beantwortet« An- rufe, verteidigt« in diesem gefährlichen Augenblick die Firma vor da Außenroell, verscheuchte Menschen, die die Leute im Bureau, denen etwas Schreckliches'geschehen war und die ihr« Fassung wiederzuge- Winnen versuchten, hätten belästigen können. Di« Chefs wollten nicht die jämmerlichen Klagen der Menschen hören, die ihr Geld ver- loren hatten, wollten sich nicht durch deren Jammern beeinflussen lassen. Fräulein James tat all dos, ivcil es ihr besohlen worden war, nicht weil sie es gern« tat Si« Hölle am liebsten das Bureau ver- lassen, wäre ins Freie gegangen, irgendwohin, wo sie niemanden mehr zu verteidigen brauchte.. Aber sie blieb in ihrer Zell«, well sie Telcphonistin war. Sie Halle gelernt, in der Zelle zu bleiben, die anrufenden Stimmen zu hören, was auch immer geschah. Und sie tot es. Si« erkannte die Stimmen der verschiedenen Kunden. Einige waren einflußreiche vermögende Menschen, die ihre Sorgen unter einer gelassenen Redeweise verbergen wallten. Sie aber ließ sich nicht täuschen. Hatte sie doch in den Jahren am Scholtbrell gelernt, dos leiseste Beben einer Stimm«, die ruhig klingen wallt«, aber dennoch aufgeregt war, zu fühlen. Später riefen noch andere Künden an, kleine Händler, unbedeutende Menschen, di« von dem Bankrott tatsächlich schwer betroffen worden waren, die ihre ganzen Erspar- nisse verloren hotten, oder ihre Zukunft ernstlich gefährdet sahen. Diese Männer dachten nicht daran, vor irgendjemandem verbergen zu wollen, daß der Bankrott sür sie olles bedeutete. Sie schrien ihr hastige Worte ins Ohr, die bisweilen völlig unverständlich waren, deren Sinn sie am Tonfall erriet. Es wurde Nachmittag. Sie mußte immer mehr und mehr Anrufe beantworten, immer häufiger erklären, daß Read nicht da wäre, daß sie nicht wisse, wo er sich befinde, daß sie für nichts oerant- wortlich sei.(Einige begannen in ihrer Aufregung i h r Vorwürfe zu machen) Allmählich zerrte die Arbeit an ihren Nerven, sie wurde ihrer überdrüssig, hätte am liebsten abgehängt, nicht mehr den verrückten schreienden Stimmen gelauscht. Auch sie wurde immer aufgeregter, brüllt« die Leute an. beschimpfte sie. Sie lieh ihren ganzen Ekel vor Read an den Menschen aus, die antelephonierten und die durch ihn geschädigt worden waren. Die Zelle war gepolstert, damit die Telcphonistin nicht durch den Lärm des Bureaus gestört wcrde. In den wenigen stillen Augen- blicken, da niemand anrief, hörte sie nichts. Aber sie nahin an, daß einige der Kunden, ihrer Versicherung, Read wäre nicht da. keinen Glauben geschenkt hatten und ins Bureau gekomnien ivoren. Sie stellte sich die Szenen vor, die sich hier abspiellen. Hoffte insgeheim, einer der Kunden werde den Mut finden, Kroch zu schlagen, vielleicht sogar Glymmer oder Read ein« Maulschelle zu versetzen. Das ge- schähe diesen Schweinen recht, die Menschen berauben und anderen die Stellen zu nehmen. Sie malte sich Read mit einer geschwollenen Back« aus, oder Glymmer, den stark«« L«kb verprügelt, Glymmer, der wie ein Heiliger aussah. Und dann schrien abermals aufgeregte Stimmen:„Ist dort Glymmer, Read u. Co.? Ist dort Glymmer, Read u. Co.? Ist Herr Read da? Ist Herr Glyinmer da? Hören Sie. ich muß mit ihm sprechen. Unbedingt" Sie gehorchte von neuein den Befehlen, antwortete:„Nein, er ist nicht da. Ich sagen Ihnen doch, daß er nicht da ist. Verstehen Sie kein Englisch? Hören Si«, benehmen Sie sich anständig. Ich verbiete mir Ihr« Frechheit." So oft einer der Kunden allzu grob wurde, flüsterte sie vor sich hin:„Das freut mich. So ein Kerl soll nur sein ganzes Geld ver- lieren." Ununterbrochen stellte sie Verbindungen her, brach sie ab, läutete, rief an. notierte. Sie rastete keinen Augenblick. Ihre Finger flogen nach allen Richtungen. Im Bureau herrschte ein wildes Durcheinander, der ganze Apparat stand auf dem Kops, nichts funktionierte wie sonst. Einzig und allein Fräulein James arbeitete, aber jetzt wat sie nicht die Ver- bindung zwischen Käufern und Verkäufern, sondern eitle tote Mauer zwischen der Firma und der Außenwelt. Sie nahm Anrufe entgegen, aber die Firma rief niemanden mehr an. Dann jedoch verlangte Read«ine Verbindung. Fräulein James empfand den Wunsch, sie nicht herzustellen. Einmol wollte si« ihr« Unabhängigkeit beweisen und die Verbindung nicht herstellen. Er soll nur in ihre Zelle kommen, sie wird-ihm schon ihre Meinung sagen. Ihm die Hölle heiß machen. Wie wagt der Kcrk, sie anzu- schreien? Sie wird's ihm schon zeigen. Aber noch während sie vor sich hinsprach: Rein, ich tu es nicht, stellten auch schon ihre Finger die Verbindung mit der Zentrale her. Sie hals Read die ganze Zeit, tot alles, was er wollte. In ihrem Innern jedoch haßte sie ihn, war mit jedem Atemzug sein Feind. Aber si« darf ja gor nickt Atem schöpfen. Trotzdem sie nichts zu ver- lieren hat, wenn sie sich auflehnt. Sie hat ihre Stelle verloren. Margen muß sie eine neue suchen. Diese Arbeit ist erledigt. Sie kann sofort ouistehen und gehen. Niemand darf si« daran hindern. Aber sie tot es nicht. Sie blieb vor dem Schaltbrett sitzen und steck:« die Stöpsel hinein./ 13. H e r r R e a d. Eine Hotelhalle, eine hohe, ungeheure, prächtige Halle. Palmen. Ein Orchester spielt. Weiches Licht überflutet alles. Sessel stehen kreisförmig geordnet. Behagliche Sessel. Sie sind so weich, daß man, in ihnen sitzend, das Gefühl hat, völlig zu oersinken. Schöne bequeme Sessel. Klein« Tische. Aschenbecher aus Messing. Weiche dicke Tcppiche. Ihm gegenüber saß ein« Frau in einem Lchnstuhl. Sie trug ein schwarzes Seidenkleid, das den Himmel vcrsprach, zeigte hoch- gekreuzte Beine. Wunderschöne Bein«. Die Frau machte einen sanften, aber dennoch zurückhaltenden Eindruck. Ich köimtc ivohl axigen, sie anzusprechen, dachte Read, aber ich weiß nicht, wie sie reagieren wird. Bielleicht wird sie mich beschimpfen. Den Hotel- direktor rufen, Geschichten machen. Dielleicht aber auch nicht. Niel- leicht blicke ich sie nur an und sage mit den Augen: setzen sie sich zu mir. Für solche Frauen»»erden Königreich« zerstört. Ein«»vunder- volle Frau. Herrgott, ist dos«ine Frau! Bon so einer erzählt man nachher schmatzend den Freunden. Read saß in einem Lehnstuhl, betrachtete die schöne Frau und »»artete auf zwei Männer. Auf ein« Besprechung. Ein« äußerst »»ichtige Besprechung. Es l>o adelte sich darum, eine neu« Moller- firma zu gründen. Ja, ein« neu« Maklerfirma. Reads»Ate Firma hat Bankrott gemacht. Er hat nichts zu tun, muß eine neue Firma gründe»».(Schluß folgt.) �AS DBR TAG BRINGT. atiiuinnn!iiiniiuniHiimi!iii(uniiioar, schmückte sie eine Besen- oder sonstige Rumpelkammer,»»eil„kein Gast die 13 nehnieii würde". Gegen diesen soft unglaublichen Aberglauben kann nur die Schule helfen. Die derselben EnlwochselKn scheinen inkurabel zu sein, was ja iiicht wundernehmen kann, wenn selbst von Behörden — siehe Virchow-Krankenhaus— dieser Aberglaube unterstützt wird. Mehr Licht rvär« dringend notwendig. Nur nicht Konsum! Mit Speck sängt man Mäuse. So dachte ossenbar ein kleiner Fabrikant in dem frommen Oertchcn H e r r n h u t, dem Sitz der Brüdergemeinde gleichen Namens, als er sein ziveihundert Jahre altes Häuschen loswerden wollte. Er bot das Grundstück dein Kon- sumoerein Vorwärts. Lübau zum Kauf an»nd sorgte dafür, daß dieses Angebot nicht unbekannt blieb. Der schlaue Fuchs kannte feine Herrnhuter! Weil dos Wort„Konsuniverein" aus den größten Teil der biederen Herrnhuter ungefähr dieselbe Wirkung auslöst wie das rote Tuch auf ein bekanntes, aber immerhin nütz- lichcs Tier, beschlossen sämtliche Geschäftsinhaber in einer gemein- samen Besprechung, di« Gemeinde dos Haus kaufen zu lassen. Sie selbst erklärten sich bereit, die Verzinsung des Kaufpreises zu tragen. Der kluge Grundstücksbesitzer erhielt sür sein Häuschen— guf dos der Konsumverein übrigens gor nicht reflektiert«, weil es für ihn völlig»»ertlos war— einen Betrag von 23 000 Mk. Ein immerhin lukratives Geschäft! Die Kosten der Verzinsung werden die schlauen Biedermänner nun auf di« Preis« ihrer Waren aufzuschlagen versuchen. Doch das tut nichts! Die frommen Herrnhuter sind vor der Invasion durch den„roten Konsumverein" verschont geblieben. Aber auf wie lange? Ein seltsames Herz. Kürzlich ist in einer Entbindiengsanstalt in Birmingham (England) ein gesundes Kind zur Weit gekommen, dessen Herz außerhalb des Brustkorbes schlägt. Das Organ ist nur von einer Haut bedeckt, di« es ermöglicht, die einzelnen Schläge genau zu besbachten. Man wird eine Operation oersuchen, um das Organ mit irgendeiner dichtere» IlmMwng zuzudecken und Hm mehr Schutz zu gebe», Tiertragödie im Eise. Am Meerezufer bei Lordingborg spielte sich eine settsame Tiertragödie in den letzten Togen ab. Ein Reh, dos sich auf das Eis hinausgermrgt hatte, ivar schneeblind geworden und irrte stunden- lang auf dem Eise umher. Einige Aalsischer, die vom Strand aus zusahen, konnten kein« Hilf« bringen, da das Eis sie nicht trug. Plötzlich schoß ein möchtiger Seeadler aus der Höh« herab, ging auf das Tier nieder und bearbeitet« es mit Klauen und Schnabel. Ein wenig später kam ein zweiter Seeadler, der gleichsolls auf das Reh einhieb, hinzu und das Reh stürzte sich in seiner Verzweiflung in eine offene Buhne. Selbst ist der— Hund! Auf dem Steueramt von Broolhaven(New Park) erscheint«in riesiger Hund mit einem Briefuinschlag im Maul. Die Beamten, di« den Brief abnahmen, fanden darin einen Scheck über die sür den Hund zu zahlende Steuer. Li« quittierten, toten die Quittung wieder in den Umschlag und gaben sie dein Hund ins Maul, der stolz damit loszog. Ein Hund, der feine Steuern selbst bezahlt! Sollte da der alte Ben Akiba nicht doch Unrecht hoben, daß alles schon da- gewesen sei? Geburtenrückgang in Japan. Auch die Japaner, deren gewaltige Geburtenzahl bis vor kurzem noch die Veroninderung der Welt hervorrief, erliegen jetzt den» Schicksal, dein kein hochkultiviertes Volk entgeht: die Zahl der Ge- bnrten geht zurück. Während die Geburtenziffer seit der Reform- bewegung ungeheuer anstieg und sich von 37 000 Im Jahre 1372 auf eine Million im Jahre 1883 und zwei Millionen 1920 hob, ist in» Jahre 1927 zun» ersten Male ein« Rückgang um 30 000 Geburten z» verzeichnen gewesen: gleichzeitig iwhn» die Zahl der Todessäll« im srühesten Kinde saltcr noch weiter zu. Auf Grund genauer Messungen von Rekruten Hot man festgestellt, daß die Japaner »»achsen, denn die Durchschnittsgröße hat in den letzten 34 Iaftre» um 3,3 Zentimeter zugenommen. 27 097 Erdbeben in S Jahren! El. Benque-Tokio veröffentlicht in»„Kosmos" an Hand amtlicher Zahlen des.zentralmeteorologischen Bureaus in Tokio recht interessante Zahlen über di« Erdbebcnhäusigkeit in Japan. Seit der Erdbebenkatastrophe vom 1. September 1S?3 hat Japan nicht w:- niger als 27 097 Erdbeben erlebt. Viele davon waren allerdings nur für di« Seisnwgrophen feststellbar, immerhin bleiben von den rund 15 Erdbeben täglich noch genug übrig, di�auchnian der Devölkerunz festgestellt werden tonnten. Er verpumpte seine Frau. Nor dein Ehescheidungsgericht in Leioest« in England hatte eine Frau die Scheidung von ihrem Manne beantragt, weil dieser mit einem anderen Manne einen Vertrag abgeschlossen Halle, wonach der Ehemann dem anderen die Ehestau leihweise überließ. Dos Ge- recht gab der Scheidungsklage sofort statt, �JhortiM�dfiLel Reichstag und Hochsdiulc. Dr. Lewald sudit Anschluß! In der Atzung des Reichstagsausschusses zur Förderung der Leibesübungen, die dieser Tage stattfand, hielt der erste Vorsitzende des Deutschen Reichsausschusses, Dr. Lemald, einen Bortrag über die tünstig« Gestaltung der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, für die im Grunewald dos Sportforum errichtet wurde. Der Bau, die Ausgestaltung und Unterhaltung der Schule kostet Geld, das der Deutsche Reichsausschuß nur mit Hiise staatlicher und kommunaler Mittel und durch sonstige Förderbeitrögc aufbringen kann. Die Schul« soll ein Lehr- und Forschungsinstitut sein, dos auf dem Gebiet« der Physiologie. Psychologie und Psychotechnik Anw«»- dung finden soll, vor allem aber soll der tünsnge Sportlehrer heran- gebildet und alles, was mit der Sportwissenschaft zusammenhängt. gründlich bearbeitet werden. Ganz besonders kommt es dem Deut- schen Reichsausschuß auf die staatliche Anerkennung der Zeugnisse der Hochschul« an. Deshalb soll dem Reich und Preußen ein sehr starker Einfluß auf die künftig« Gestaltung der Schul« ein. geräumt werden. Ein Kuratorium müsse gebildet werden, in dem das Reich, die Länder, der Städtetag. Städtebund und ander« ner- treten sind. Dr. Lewald zeigt« die Schwierigkeiten auf, jedoch glaubt« er. auf dem Verhandlungsweg mit den staatlichen Stellen ein« be- friedigend« Lösung zu finden. Aus der anschließenden Diskussion sind die Ausführungen des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten L ö w e n st e i n be- sonders hervorzuheben: Nach dem Umfang, den die Schule ange- nommcn hat, kann das Reich nicht mehr Mittel zahlen ohne ent- scheidenden Einfluß auf die Schule zu haben. Soll ein Forschungs- und L«hrinstitut geschaffen werden, dann muß der Staat Einfluß auf die Verwaltung und Gestaltung der Hochschule haben und eine Kontroll« über Lehr st off und Prüfungen besitzen. Die verwaltungsrechtlichen Unterlagen müssen hierfür geschossen werden. Auch dürfe der Eintritt in die Schul« nicht vom Abiturium abhängig gemacht werden, da die Voraussetzung ist, daß für den Sport ein« aus breitester Grundlage ruhende Ausbildungsstätte ge- schafft wird. Unmöglichist.daßinPreußenzweiHoch- schulen bestehen können. Vom Reichsministerium des Innern gab Regierungsrat Becker über die bisher geführten Verhand- lungen Auskunft, Mimsterialrut Dr. Richter vom Preußischen Wohl- fahrtsministerium betonte dos starke Interesse seines Ministeriums für die Neugestaltung der Schul«. Von einer Beschlußfassung wurde Abstand genommen, die Verhandlungen sollen mit den Regierung». stellen weitergeführt werden. Sdvwimmfcsi in Magdeburg. Berliner Vereine siegreich! Der Frei« Wassersportverein Groß-Magde- bürg, Abteilung Altstadt, hatte am Sanntag zu einem bundes- oisenen S ch w i m m s e st eingeladen, zu dem 22 Vereine, unter ihnen vom 1.. Äreis Charlottenburg. Mariendorf und W e i h e n s e e, mit zirka 400 Startenden,«rschienen waren. Bei fast sämtlichen Konkurrenzen waren die Berliner den Vertretern aus dem Reiche überlegen. Mit einer S X 50 Meter Freistilstafette wurde das Fest er- öffnet. Mariendorf ging mit der Führung ob, wurde aber van Fermersleben verdrängt: jedoch konnte der Schlußmann von Mariendorf mit Handschlag in 3: 18,5 Min. vor Fermersleben in Z: 18,8 Min. siegen. Im Männer-Seiteschwimmen der.�-Klasse wurde Miethe-Weißense« in 1: 22,8 knapper Zweiter. Eine 4'X 100 Meter Bruststafette sah Leipzig in 8: 07,1 Min. vor Weißensee in 6: 12 Min. und Eharlottenburg siegreich. Bei der Männer-Logenstasette wie bei der Schwellstafette war Mariendors allen Pereinen überlegen und siegte in 5: 24,5 resp. 6: 14,0 Min., bei der letzten Stafette sogar mit einem Vorsprung van 50 Metern. In der Jugendklasse konnte Kutschkau-Charlotienburg das lOll-Meter- Rückenschwimmen in l! 22 unangefochten beenden. In sehr guten Zellen siegten die Berliner noch im lOO-Meter-Brustschwimmen und im lOO-Meter.Fjreistiljfchwimmen der A-Kfasfe. Die Zeiten bierbei waren(Brustschwimmen) 1. Gruhn-Charlottenburg 1: 25.4: 2. Bölke-Weißensee 1: 25,6; 3. Strouch-Mariendors 1: 26,2 Min. Freistil: 1. Dietschke-Mariendorf 1: 09; 2. Gruhn-Charlottenburg 1:10,3; 3. Howe-Mari endors 1:10,4 Min. Bei den Wasser- b a l l s p i e l e n siegten bei der Jugend Eharlottenburg über Han» nover 4: 1: bei den Männern Leipzig über Weißensee 8:3. IIS. Diener-Gipsy Daniels perfekt. Die Verhandlungen des Berliner Boxveranstalters Paul Damski mit dem englischen Holbschwergewlchtsmeister Gipsy Daniels sind jetzt abgeschlossen worden. Der Engländer hat am Montag in London den Vertrag für einen Kamps mit Franz Diener am 8. März im Berliner Sportpalast unlerzeichnet. Gipsy Daniels ist in Deutschland kein Unbekannter, konnte er doch am 25. Februar v. I. in Fmnkfurt a. M. den damals frischgebackenen Europameister Max Schnieling in der ersten Runde entscheidend besiegen. Der llalienische Boxries« Primo C a r n e r a war kürlich von seinem Verband mit Startverbot aus bie Dauer eines halben Jahres belegt worden, weil er einmal einen nicht dem Verband angehören- den Interessenoertreter hat, zum anderen ohne offizielle Genehmi- gung im Ausland kämpfte. Diese Bestrafung ist jetzt nach Erlegung einer Geldbuß« von 1000 Lire aufgehoben worden. Im Kleinflugzeug nach Singapore. Der deutsche Sportflieger Freiherr n König-Wart- Hausen hat mll sewam Flug nach Indien d«n Beweis erbracht. daß sich auch ein Kleinflugzeug zur Ueberwindung großer Strecken verwenden läßt. Sein Flug von Berlin noch Kalkutta über«ine Entfernung von 10 400 Kilometer wurde mit einem nur 20 PS. starken Klemm- Daimler-Flugzeug in 62 Flugstunden bewältigt. Bor einigen Tagen hat der Pilot im Beisein des deutschen und des omeri« konischen Konsuls van Kalkutta aus seinen Wellerslug nach Bangkok angetreten. Der Flug nach Langkot führt« in zwei Etappen zu- luichst nach Hangerun und oerlies trotz der Entfernung von mehr als 1000 Kilometern ohne Zwischenfälle. Dabei waren bei einer Tem- peratur von 40 Grad Celsius Urwälder und Gebirge zu überqueren. Als Ziel feines Fluges hat Frhr. v. König-Warthauseu Smgapore |b Aussicht genommen, Die Moskauer Filiale! Em kommunistischer Sportverband. Di« ausgeschlossenen, bundesfeindlichen Bereine des Arbeiter- Tum- und Sportbundes in Berlin und Halle scheinen sich jetzt doch, trotz ihres anfänglichen Ableugnen?, mit der Gründung eines kommunistischen Sportverbandes zu befassen. Dafür sprechen nicht nur die jüngst bekanntgewordenen Tatsachen und Reisen des Herrn Tennis-Friedmonn, dafür spricht auch ein Vorfall, der sich dieser Tag« in Halle abgespielt hat. Dort hat sich eine �Interessengemeinschaft" gebildet, der die kommunistischen Vereine beitreten sollen. Um diesen verschleierten Verband.zu finanzieren, soll jeder beitretende Verein«inen Veitrag zum Grundfonds leisten. „Außerdem", so heißt es in dem Beschluß weiter,„sind alle Vereine verpilichtet, für jedes Mitglied(auch Jugendliche) und Quartvl 25 Pfennig als ständigen Beitrag zu entrichten." Di« Leute find schließlich nur konsequent: Nachdem ihnen die Tore des Arbeller-Turn- und Sportbundes endgültig versperrt sind, müssen sie irgendwie organisiert sein, wolle» sie nickst van jedem auf- geklärten Arbeiter als„wild" bezeichnet werden. Es fragt sich nur, ob man diesen kommunistischen Sportverband nicht auch in die Reihe der arbeiter schädigenden Organisationen einreihen muß. Orden für den ADAC.! Der König Ver Serben. Kroaten und Slonenen hat das Präsidium des ADAC., im«iizzelneir Dipl.- Ing. Fritz. Dr. Krüger und Kroch in Anerkennung der Verdienste des ADAC, und die autonrobil-touristische Erschließung Jugoslawiens uich die Fürsorge des ADAC, beim Besuch jugoslawischer Automobi- listen in Bayern durch Verleihung des„Sava-Ordens ausgezeichnet. Der Republikanisch« Isiotor-gacht-Club von Deutschland, der i» diesem Monat sein einjichriges Bestehen feiert, setzt Ist« Reih« seiner Vortragsabende fort. Donnerstag, 14. d. M., spricht im Saal des Pschorr-.Houses am Potsdamer Platz um 20'A Ichr Gerhard Kemnitz über„Märkische Wanderziele im Wassersport". Anschließend Frage- beantwortung und Austausch von Crsahmngen. Gäste herzlich will- kommen. Eintritt frei.(Geschäftsstelle: W. 35. Potsdamer Str. 116, Fernsprecher: Lützow 4017.)__ Uhr. Kartell für Arbeitersport und Körperpjlegc Lichtenberg. Dien-- tag. 12. Februar. 20 Uhr. bei Wegner, Frankfurter Allee 236, Vor- ftandssitzung. All« Dorstondsmllqliedcr und Vertreter von Vereinen, die einen Sportplatz benötigen, müssen erscheinen. spielt jetwn Di-nstaz, Z» i, Arbkit?rs. IZebruar. 20 Ubr. Elsensir. 3;»esong- obcnd.— Abt. Pankow: Dienstag, I'2. Februar, 20 Uhr, GZrlchsir. I<, Licht bildcrvortrag:„Die Sächsische Schweiz" lSchupva).— Abt. P»e»zl»»«r Berg: Donnerstag, lt. Februar, 20 Uhr. Danziger Str. 02, Altersheim, Parncke II: Liederabend.— Abt. ch»s»»dbru»»en: Donnerstag, 14. Iebrrmr, 20 Ubr, Pont. Ecke Wiesen strasie:„Eine Amcrikasahri" sLieserenz). Iugendgruppe: Dienstag. "......."M_'-----' lstr. 1; C 1■ ppe:! 12. Februar, 20 Uhr, Ledigenheim Schönst odtsir. 1: Sewerkschoflliche Fragen. Abt. Tiergortcn: Donnerstag, 14. Februar, 20 Uhr, Lehrter Str. 18—1*: Lese abend.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 14. Februar, 20 Uhr. Wenter Str. 4-1: „Körperkultur— Sport".— Abt. Stibweft: Donncrsing, 14. Februar. 20 Mir, Porcksir. U:„Die Kunst im OZitorrespiel" l Genosse Tucholski).— N»i»r»tfseu lchastliche Abt.: Donnerstag, 14. ffedruar, 20 Uhr, Iohannisstr. t5: Au» Peng. Bergs Tierbllchern.— Abt. Zriebrichshoi»: Donnerstag, 14. Februar,» Uhr. Brommtiftr, 1:„Die Kortellfrage" sBarthelmonn). Arbeiter-Schiitzeubunb Deutschland», e. B., Ortsgruppe Berlin, SetSxifls- sielle: Berlin N. 24.«lein- Hamburger Str. 24—»I, Schäfer. B-ziek«itt»: Jeden Dienstag, 20 Uhr, Sport- und Uebungsobend im Lokal Knnzrock, Kio»,- tirchplatz 5.— Bezirk Schineberq: Jeden Dienstag, 20 Uhr, Sport» and Uebungs- abend im Lokal Jürgens, Darbarossaftr. Ba. „Segler" Lange als Lebensretter! Was er erzählt und was wahr ist. In unserem Bericht über den Lerbandstagdes„Freien Seglerverbandes" mußten wir uns auch mit dem k o m m u- nistifchen Stadtverordneten Fritz Lange-Neu- k ö l l n beschäftigen. Wir machten ihm zum Vorwurf, daß er aus dem Verbandstog als Wortführer der„Opposition" aufgetreten wäre, obwohl er erst recht kurze Zeit dem Freien Seglerverband angehört und von der edlen Wasserfahrkunst recht wenig Ahnung hat. Herr Lange hat daraufhin in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln und auch in der „Welt am Abend" seine sportliche Besähigung dadurch nachzuweisen versucht, daß er allerlei Märchen von einer„Rettung eines SPD.- Redakteurs erzählte. Wir sind in der Lage, Langes Erzählungen etwas zu ergänzen. Seine Rettungsaktion, ausgeführt in der Roten Frontkämpfer-Bluse(wie er selbst angibt), hat so aus- gesehen: Ein Mtglied des Freien Seglerverbandes, der Angestellter beim ADGB. ist, aber noch nie Redakteur war, fuhr im vergangenen Jahre mit seiner 20.Quadrameter-Jolle bei 8 Sekundenmeter Wind an der Rahnsdorfer Mündung des Müggelsees seinen Besuch spazieren. Bei dem Versuch, den ins Wasser gefallenen Hut eines Mitfahrers aufzu- fischen, kenterte die Jolle, obwohl der Besitzer der Jolle seine Gäste mehrfach ordnungsgemäß zum Stillsitzen ermahnt hatte. Das Wasser war nur 1,50 Meter tief, Lebensgefahr bestand nicht. Herr Lange kam mit seinem klassenbewußten Motorboot von der Müggel her und fuhr nach seinem Dcreinsgrundstück, ohne sich um die Gekenterten zu kümmern, wie es Menschenpflicht gewesen wäre. Aus dem Vereinsgrundstück angekommen, war Herr Lange wenigstens so menschenfreundlich, seine Wahrnehmungen von dem Bootsunsall mitzuteilen, wobei er sogar berichtet«, daß das gekentertc Segelboot den Stander des Freien Seglerverbandcs führte. Einig« seiner Sportgenojs«n, ist« uns auch namentlich bekannt sind, veranlaßten Herrn Lange sofort, wieder zur Unfallstelle zu fahren und sie als Rettungsmannschaft mitzunehmen. An der Unfallstelle angekommen, manöverierte er so nngefchickt, daß sich die Schraube seines Motorbootes in dem Großsegel der ge- kenterten Jolle versing, und es ist nur als ein Glück zu bezeichnen, daß der„Lebensretter" Lange nicht noch Materialschaden angerichtet hat. Jedenfalls war er ratlos, und nur der umsichtigen Arbeit seiner Eportgenossen, die ins Wasser gingen, ist es zu danken, daß die ge- kenterte Jolle ohne Schaden zum Vereinsgrundstück gebracht werden konnte. Uns wird sogar mitgeteilt, daß das Boot eines bürgerliche» Rudervereins die Jolle abschleppte. Der Gekentert« wurde auf dem Vcrcinsgrundstück mit trockenen Kleidern versehen. Erst nach!'/• Stunden hatte Herr Lange sein INoloboot wied-r so weil klar. daß er zurückkehren konnte. Unsere Gewährsmänner bezeichnen die so großmäulig in die Welt posaunte„Rettungsaktüni" des Herrn Lange als glatten Schwindel: jedenfalls hat er sich einer außer. gewöhnlichen Fahrlässigkeit ollein schon dadurch schuldig ge- macht, daß er zuerst, ohne Hilfe zu leisten, an einem gekenterten Boot vorübersuhr. Wenn jemand ein Verdienst an der RettuNgs- resp, Bergungsaktion hat, so seine Sportgenossen. Die haben sich aber dessen nie gerühmt, sondern haben es als die erste Menschenpflicht— noch dazu unter Sportgenossen eines Ber- bandes!— betrachtet, zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Allerdings ge- hören sie nicht der Kommunistischen Partei und dem Roten Front- kämpserbund an, sind dafür aber Wassersportler, die etwas vom Fach verstehen. In der Opposition sind sie aber auch nicht! Hot Herr Lange sonst nach Verdienste nm den freien Segelsport? Wir könnten noch mehr erzählen! Potsdamer Ballgeflüster. Oer sittenlose Kn'egeweremsvorfihende. «eltsum« Lorgang« im Verein ehemaliger Pionier- im!» Acrlehr Struppen für Potsdam und Umgegend murei, gcstcrn Gegenstand einer Verhandlung vor dein Potsdamer Amtsgericht. SUs Kläger trat der Architekt Franz Genf icke, ehemaliger 1. Vorfixender des Vereins, auf. Beklagt ist die(fljefrmi eines Ver- einsinitgliedes, Frau O. aus Potsdam. Die gute Frau soll über den Privotkläger bcl)aii>ziet haben, daß er sie und andere weibliche Vor- einsmitglieder iinjitrlich berührt habe. Der Kläger ist jetzt Vorsitzender von, Poisdctmcr K a m e r n d f ch a s I s v c r e i n che- maliger Pionier- und Verkehrstruppeu, ein G c g e u v e r e i n, der aus zorniger Wut von dem Kläger gegründet worden ist. Zu der Verhandlung sind zahlreiche Damen des Vereins als Z e u g i n n e n geladen. Die Beklagte tritt de» W a h r h e i t s- beweis für ihre Behauptung an. Unier Cid jagen die Zeuginnen, meilt Damen im Alter von iü bis KU Jahren, aus, daß sie vvn dem Kläger bei einer Fahnennagelung und einer Fahnenweilze b e i m Tanz n n d E i S b e i n e s s e ii»iisiitlich berührt roorden sind. Beim Tanz sei Vi. äußerst zudringlich geworden, und wenn sich die Partiierinneii dies verbaten, meinte D.:„Mädchen, koimn doch näher'ran und sträub' dich nicht!" So sprach er zu den Chefraiien der Vereinsmitglieder, und sehr leicht wurde er auch Ißnidgreiilich. Ciue Kihährige Vereinsdame bekundete unter Cid, daß der Kläger ihr unter die Röcke gefaßt und dabei eine sehr häßliche, nicht wieder- zugebende Redeuscu! gebraucht habe. Schließlich wurde der Kläger feine? Postens als Vorsitzender enthoben und gründete dann den Gegenvereiil. Zeilweise mußte bei der Verhandlung die Oeffcntlichkeit ausge- schlössen werden, denn es kamen Dinge über das Verhalten des Klägers zur Sprache, die auch nicht andeutungsweise wiedergegeben werden können. Der Vorsitzende, Assessor Dr. Kein- pas, hielt denn auch den angetreteneii Wahrheitsbeweis für erbracht, der Kläger wurde mit seiner Klage abge- wiesen und die Beklagte freigesprochen. Sämtliche Kosten wurden dem Kläger auferlegt. Im Bett verbtannt. Di« Potsdamer Feuerwehr wurde nachts iu das Haus Norekstraße 2 gerufen. Hier stand in der ersten Etage die Wohnstube der Witwe Rosalie Reckling vollständig in Flammen. Die Wehr unter Leitung von Brandinspeltor S e n st löschte mit mehreren Schläuchen das Feuer, als plötzlich eine Nachbarin rief: „Frau Reckling muß noch in der Wohnung liegen." Tatsächlich fand man die SSjährige Frau vollständig verkohlt in ihrem Bett auf. Frau R. Halle sich in letzter Zeit dem Trunk ergeben und Hot an- scheinend in der Nacht ans einem Spirituskocher sich den Kaffee wärmen molleni dabei ist wahrscheinlich das Feuer enistanden. Eine Lohnstreittösung bei der�eichsbahn Eine Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts. Nach 8 9 Nr. 4 des Lohntarifvertrags für die Arbeiter der R e i ch s b a h n erhalten Arbeiter, die für einen anderen Dienst ausgebildet werden und während ihrer Ausbildung nicht selbständig Dienst verrichten, während der Ausbildungszeit den Lohn istrer bisherigen ständigen Beschäftigung. Diese Bestimmung linder insbesondere Aiiweiidiiug auf die zahlreichen Fälle, in denen Arbeiter zu B e a m t c n ausgebilder und schließlich als solche ange- stellt meiden. Es ist streitig geworden, was unter„bisheriger ständiger Beschäftigung" zu verstehen ist. Dem E i n h e i t s v e r b a n d der Eisenbahner ist es nun gelungen, eine für die Arbeiter günstige Lösung dieser Streit- fache herbeizuführen. Die Reichshahnfachkaminer beim Arbeitsge- richt Stettin hatte in einem Streitfalle grundsätzlicher Art zwi- sehen einem als Reichsbahnbetriebsassistenten ausgebildeten Bahn- ardeiter und der Deutschen Reichsbahngesellschait der Klage des durch den Einheitsverbond vertretenen Arbeiters stattgegeben. Das Landesarbeitsgericht Stettin hatte diese Entscheidung a u f g e- hoben und die Klage abgewiesen. Das Reichsarbeitsgericht hat nunmehr wiederum das Urteil des Landesarbeitsgerichts Stettin ausgehoben und die Be- rufung �der Reichsbahngesellschaft gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Stettin zurückgewiesen. Aus seiner für die gesamte Kollegenschasr im Reich grundlegenden Entscheidung ist hervorzu- heben: Das Berufungsgericht deutet„bisherige ständige Be- i ch ä s t i g u n g" im Gegensatz zu einer„vorübergehenden A u s h i l f s b e s ch ä i t i g u n g", möge durch solche die regelmäßige Beschäftigung noch so 4ange und noch so oft unterbrochen sein. Die hierbei von ihm vorgenommene Scheidung zwischen den verschie- denen Beschäftigungsarten des Klägers ist zwar eine an sich richtige Scheidung z w i s che n Ausnahme und Regel. Sie legt aber eine» zu großen Wert auf die ursprüngliche Einstellung und den abstrakten Dienstcharakter, wie er bei der Beurteilung von Staatsbeamtenverhältnissen von Bedeutung sein kann, und zu geringen Wert auf die t a t s ä ch l i ch e n Umstände, die nach der Lebensersahrung für das lleberwiegen dieser oder jener Dienstverweiidung bestimmend sind, und beachtet nicht binreichend den Zweck, der für die Ordnung des§ 9 Nr. 4 des Lohntarifvertrags maßgebend ist. Zwar erbringt der Einberufene, da er während dieser Zeit nicht selbständig Dienst verrichtet, seinem Arbeitgeber kein gegen war- t i g e s Aequivalent des Lohnes und vo.i diesem Jntereisenstand- Punkt aus wäre eine Regelung verständlich, die den zu seinein Bor- teil und aus Kosten der Reichsbahn Auszubildenden für die?lus- bildungszeit auf die geringste Besoldungsstuie der bisherigen Verwendui�z setzt. Das ist aber nicht der Standpunkt des L o h n t r i f v e r t r n g s, der zur Heran.ziebuiig geeigne- t e n Beamten Materials und im Hinblick aus k ü n s t i g e Leistung des Anwärters den Lohn der Ausbildungszeit nicht im Anschauen jener Zeit, sondern nach dem kenn zeich neu den Die n st wert in der Bergan getiheit bestimmt. 3)euen(ul die JiälU' nidtls! 3m alten Sludentenbad in der Xaliborstraße badeten am .Soniilag der Unenlireglr. Meli Eisbein! iw Sivae Ist lse HinzufSguns des Voi�e«„stSir« dig" zu verstehen, und damit in sachlicher Uebereinstimmung mir denr Sinn, den die Niederlegung der Ergebnisse von Besprechungen über Lohntarif- und andere Angelegenheiten in Goslar in der Zeit vom 31. Mai bis 3. Juni 1921 dem Begriff« der ständigen Beschäs» tigung mit der Fassung beilegt:„Als ständige Beschäfti» g u n g ist in der Regel die Tätigkeit anzusehen, in die ein Arbeiter auf vorläufig nicht absehbare Zeit eingestellt wird." Bon dem nicht zu billigenden Ausgangspunkte der Boranftel- lung der Eingruppierung vor die l a i s ä ch l i ch c Gestaitui.z Hot das Berufungsgericht ober auch unierlaisen. die L e b e n s u m st ä n d e zu w« r t e n die iür die Dauer dislcr oder jener Verwendung mitbestimmend sein müßten, so daß insolge der Vorbildung und anerkannten Eignung des Klägers zum Bc- amtendienst diese Art der Beschäftigung je länger je mehr in den Vordergrund getreten ist und zuletzt die Deutsche Reichsbadngcsell- schaft den Kläger nur deshalb aus diesem Dienst abberief, um ihn nach abgelegter Prüfung darin u n b e g r e n z t zu erhalten.(RAG. 158.1928.)___ Reichsbahnwerkstätten geschlossen! In Frankfurt a. i>. O. und Glogau. Durch eine Verfügung hat nunmehr Generaldirektor Dr. D o r p- müller endgültig die Schließung der Reichsbahnwerkstätlen Frank- furt a. d. O. und Glogau verfügt. Die Fahrzeugausbefserungeir sollen bis zum 31. Dezember dieses Jahres eingestellt und die Betriebe zu Anfang des nächsten Jahres endgültig aufgelöst werden. Die etwa vierhundertköpfige Belegschaft der Frankfurter Werkstätte wird größtenteils auf die benachbarten Werkstattbetriebe der Reichsbahn verteilt. Ein kleiner Stamm wird beim Bahn- belricbswcrk Frankfurt a. d. O. Aufnahme finde» können. Wetterbericht der össcotlichen Wetterdienstsfelle Berlin und Um« gegcnd.(Nachdr. verb.) Weiterhin sehr last und heiter mit östlichen Winden.— Für Deutschland: Fortdauer der strengen Käste. Dienst»«. 12. Februar. Berlin. llj.tlO Stunde uiil Büchern. Arn Mikrüplion: Dr. Scljuster, stcUverlretendc« Direktor der Berliner Stadtbiblioibek. 16.30 Ilujo Ball(Vortrag und Leseproben von Qad M. Lipp nanu). 17.00 Unterhaltungsmusik. Capitol-Orchestcr Schmidb-Boclcke. IS. 30 Prot. Dr. Oskar fiscbel: Matthias Grunewald.(AnläElich der QedddrtaisJ Ausstellung in den Staatlichen Museen.) 19.00 Ministerialdirektor i. R. Dt.-lrg. P. Craemer: Die kontinentalen Fcrirf sprechneue der alten und neuen Welt, 19.30 Dr. Wolfgang Pohl: Sozialpolitische Umschau. 30.00— 0.30„Pi-Pa-Po". fastnachtsbal! in einem Beriiner AtcBer. AI» Q#st« erscheinen unter anderen: Trude Hesterberg. Trude Lieske, Htnny Porten, Karl Huszar(Puiii), L. M. Lammes. Paul Nikolaus. Ernst Pröcki. Oü» Wallburg. 2um Tanz spielen; Kapeile Dajos Bcla und Frcd-Bird-Ttanz- Orchester. Königswasterhansen. 16,00 Prof. Dr. Tumiirz: Jugendpsychologie and Bildungsarbeit. 16.30 Nachniittazskonzert von Leipzig. 17.30 Prof. Dr. Eckstein: Die wichtigsten Hausschädlinge und ihre Bckämilfung. 18.00 Dr. Richard Stein: Neuere Hausmusik iür Klavier. 18.30 Franzftsisch für Anfänger. 19.00 Min.-Dir. a.D. Dr-Ing. Paul Craemer; Der Fernsprecher bis zam Wel». kriege. v" 19.35 Prof J. Dr. Hajishofer: Bayern. Setcmlniottl. für hie Rrdoüiont«elfqang Schwär,, Berlin: Anjeioen:«.(Mode, Berlin Berlni,: Berwäris Bering(». m. b. i>.. Berlin. Bruck: Sorroatts»udw irrtfer« und Berlnzsanstolt Paul Singer