BERLIN Mittwoch 13. Februar 1929 10 Pf. Nr. 74 B 37 46. Jahrgang Crfchefsi tSzNch«»kerSesutag«. Pudleich Abendausgabe de«„Vorwärt«'. B«iugjpreis beide Ausgaben LS Pf. pro Woche. S,60M. pro Monat. Redaktion undErpeditioo: BerliuSWes.Lindcnßr.S SficUcuityaße xlei � idgenprei«: Die einspaltig« Nonpareitleieil» Pf.. Aeklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Kscheckkonro: VorwärUi-Verlag«. m. b. Berlin Nr. S7üSS. Fernsprecher: Dönhoff«L bu W Sonnenburg vor dem Landta Kür den modernen Strafvollzug. Der Hauptausschuß des preußische« Laudtog« sehte feine Beratungen zu» Zufiizhaushalt mit einer Aussprache über den moderneu Strafvollzug fort. Justizministcr Dr. Schmidt ergriff sogleich das Wort, um zu t>?n Sonnen bürg er Vorkommnissen Stellung zu nehmen. Der Minister führt« aus. die Vorkommnisse in Sonnenburg feien zwar außerordentlich bedauerlich, aber mit den modernen Strafvollzug cls solchen haben sie nicht das miirdestc zu tun. Das Ministe riuni wird sich auch durch allerhand falsche Darstellungen und Verzerrungen des Sachverhaltes in der Oeffentlichkeit nicht davon abschrecken losten, rvaiter den Strosoallzug im Sinne des Erziehungs- und Vesterungsgedankens auszugestalten. Besonderen Wert legt der Minister auf die Ausgestaltung des Gesundheitswesens in den Strafanstalten. Schon der diessährige Etat sieht eine Acnnehnxng der Arztstellen vor, in den nächsten Jahren solle,: stuuptamtliche Aerzte in olle großen Strafanstalten als Beamte die gesundheitliche Leitung übernehmen. Der Minister bodauart den Widerstand des Finanzrnl uisteriums gegen die Errichtung einer Schule für Strafanstaltsbeamte, in der diese auf die besonderen Aufgaben des neuzeitlichen Strafvollzuges vorbereitet werden folleu. Als Zlotbehelf sind einstweilen vierwöchige Ausbiidungskurse eingerichtet worden. Abg. G e h r m a u n- Harburg(Soz.) stimmt« den Ausfichrun- gl ii des Ministers über den Sonnenburgcr Prozeß zu. Di« Zu- stand« in Sovnenburg seien nur möglich geworden, weil der da- inalige Direktor den modernen Strafvollzug mit einer Lotterwirt- schait m- rwe chse.lt hat. Daß Strafgefangene, wie im Prozeß berichtot wurde, beim Rundgang in der einen Hand die brennende Tobaks- pieife, in der anderen das Messer haben, Hot mit dem niodernen Strafvollzug nichts zu tun. Leider Hot das Justizministerium zu lange mit seinem Eingreifen gewartet. Es hätte durch die eingehenden Berich:« schon im April oder Mai vorigen Jahres gewarnt sein müssen. Der Redner fordert, daß die Herstellung von Sache» für Beamte in den Strafanstalten überhaupt verboten werde, da hieraus immer eine Quelle für Versuchungen und Schiebungen entsteht Roch Möglichkeit sollten die Anstalten in eigener Regie arbeiten. Es ist auch unsinnig, daß die einen AnstaUen aus ihren landwirtschoft- lichen Betrieben überflüssige Lebensmittel auf dem Markt verkaufen, während andere Anstalten auf dein Markt Lebensmittel teuer ein» laufen, hier ist ein nmerer Ausgleich möglich und noiwendig. In Sonncnburg muß, soweit dos erforderlich ist, mit Versetzungen durch- gegriffen werden, aber im übrigen ist der Gedanke des erzieherische» Strafvollzuges ouirechtzuorholten. Abg. Deerberg(Dnat.f führte den ,.Jmmertreu"-Prozeß als Beweis dafür an, daß auf gewisse Verbrecherkotego rien der Strafvollzug ohne Einfluß bleib«.< 3)äs Unglück des SchlafwagensBuges . R Xv;.ivBr Uuter Mild zeig! den völlig xerglörien 3>oslivagen des Schlaficagenxugeg Merlin— Vlünchen. Jn dienern Wagen fand der Zugführer seinen%od, als der n&dUlMie Schnellzug bei MurgkemnHx auf einen hallenden 3)Zug mit rasender QeschnindigheH auffuhr. Gefährdete Lebensmittelversorgung Gemüse und Karioffeln erfrieren. Die„Krenz-Zeiiung" baut ab. „Mit Gott für König" im Schrumpfen. Das Blatt der Altkonservativen, die„Zkreuz-Zeitung"„mit Gott für König und Vaterland", Hot eine lang», wenn auch wenig rühm- liche 0« schichte. Sie stammt bereits aus dem Jahre 1818. Damals wurde sie gegründet, um dem preußischen Junkertum einen publi- zistischen Sprecher gegen Liberale und gar revolutionäre Tendenzen zu schassen. heute muß das Blatt des Grafen Westarp und des Deutsch- konservativen Vereins mittcUen, daß es genötigt ist, fein bisheriges täglich zweitnoliges Erscheinen in einmaliges umzuwandeln, angeblich auf Wunsch seiner Leser auf dem Lande. Aus'Leser in der Stadt Hot es schon lang« nicht mehr gerechnet. Die Konigstreieen sind aus dem Aussterbeetat. Der Abbau der „Äreuz-Zeitung" ist nur ein Zeichen mehr dafür.„In den, Kampf gegen Oberflächlichkeit, auch auf dem Gebiet des Zeitungs- Wesens," schreibt sie,„sehen wir ein« konservative Aufgabe." Di«„flreuz-Zeitung" stirbt mit einem Fluchgegenhugen- b e r g auf den Lippen. 1000 Opfer in Bombay. MuKerbrfele über Wilhelm. Berichte 2. Seite Der anhaltende starke Frost schafft für die Lebensmittel. Versorgung eine Situation, die zwar im Augenblick noch nicht als gefahrdrohend bezeichnet werden kann, die ober bei längerem AnHollen dieser abnormen Wittmings- Verhältnisse beängstigend zu werden droh«. Di« Schwierigkeiten liegen weniger in der durch das Stilliegen der Schiffahrt entstandenen Verringerung der Transportmöglichkeiten als in dein Verderben der Borräte durch den Frost. Was das hauptnahrungsmitlel, die Kartoffel, betrifft, so sind zurzeit sowohl im Groß- wie im Kleinhandel noch ausreichende Vorräte vorhanden, die aber größtenteils nicht mehr als einwandfreie Ware bezeichnet werden können, weil die Kartoffel, soweit dies nicht schon aus dem Transport der Fall ist, auch in den Keller- und Lager- räumen der Handelsbetriebe und schließlich selbst in den kleinhandelsgeschäflen trotz aller Vorsichls- maßnahmen erfrieren. Wenn in einzelnen Stadtteilen bei verschiedenen Händlern ein gc- wisser Kortosselmangel in Erscheinung getreten ist, so liegt dos daran, daß die Kleinhändler aus Angst vor den: Erfrieren der Kartoffeln aus dem Transport durch die Straßen vielfach ihre Bestellungen beim Großhandel wieder rückgängig gemacht hoben. Auf der anderen Seite zögern die Großhändler mit dem Abruf der aus dem Lande getätigten Bestellungen, um die Äartoiscltransporte ebenfalls nicht dem Frost auszusetzen. Die Reichsbahn hat insofern außer- »ordentliches Entgegenkommen gezeigt, als sie in vielen Fällen die mit Kartoffeln belodenen Waggons nicht an Güterzüge, sondern an Personenzüge angehängt hat, um sie schneller nach Berlin zu bringen und so möglichst vor dem Erfrieren zu bewahren. Alle Borstchts- maßnahmen des Handels werden ober in Kürze auch nichts mehr mitzen, denn wenn die jetzt in den Städten lagernden Vorräte auf- gefüllt werden müssen, dann werden vom Lande fast nur noch er- froren« Kartoffeln hcreinkoinmen. Denn der Frost ist nach den bis- herigen Fcjtftcllungen stellenweise fast bis zu zwei Meter tief in den Boden gegangen, hat also die Kartosselvorräte der Mieten längst ersaßt und verdorben. Im Handel befürchtet man vorläufig eine gewisse Kartoffelknoppheit erst für den Fall, daß der Frost in gleicher Stärke noch acht bis zehn Tage anhalten würde. Mit höheren Preisen, besonders später in: Frühjahr, wird man schon jetzt rechnen müssen.— Ganz ungeheuerliche Schäden lzat das Frostwettcr im O b st- und G e in ü s e h a n d e l angerichtet. Obst und Gemüse erskieren. soweit sie nicht schon aus dem Transport verdorben find, in den Lagerräumen und Gefchäslen. Apfelsinen sind, was man bisher noch nie beobachtet hatte, infolge der Kälte zerplatzt. Aepfel werden infolge Zersetzung des Frucht- fleisches hohl. Das Gemüse, insbesondere der Blumenkohl, verdirbt durch»Siißwerdcn. Jn Kleinhandelsgeschäften zerplatzen die Eier, zerspringen Selter- und Bierflaschen. Auch das Eintrete» von Tauwetter kann dem Obst- und Geinüschnndel im Augenblick nicht Helsen, denn wenn es warm wird, verdirb: das jetzt gefrorene Obst und Gemüse erst recht. Billigeres Wintergefrierfleifch. Die Berliner Gefrierfleisch G. m. b. H., die»iitcr Aufsicht der Stadt Berlin etwa 5!Xl Klcinoerkaufsstcllen mit zoll- frciclu Gcfriersleisch beliefert, ist infolge günstiger Einkäufe in der Lage, ihre Großhandelspreise z» senken, trotzdem der Weltmarktpreis für Wintergefrierfleisch seit Ansang Dezemer 1928 eine steigende Tendenz aufweist. Die Deputation für das Markt- hallen- und Marktwcscn hat daher mit Wirkung vom 18l Februar 1929 für einzelne Fleischforten den Kleinhandelspreis wie folgt er mäßigt: Schmorfleisch ohne Knochen 9,95, bisher 1 M.: Gulasch 0,80, bisher 0,85 M.: Fehlrippc 0,70, bisher 0,75 M.; Querrippe 0,60, bisher 0,65 M.: Knochen 0,10, bisher 0,20 M. Diese Preisherabsetzung ist um so mehr zu begrüßen, als gerade in der Zeit der großen Ar- tvitslosigkeit der minderbemittelten Berliner Bevölkerung die Mög- lichkeit zum Einkauf billigen und guten argentinischen Rindergefrier- fleisches gegeben werden kann. l Strafvollzug und Beamte. Aachklänge zum Sonnenburger Prozeß. Die Strasansiallsbeamlen Deutschlands haben mit größter Aufmerksamkeit den Sonnenburger Prozeß verfolgt. Als Niederschlag dieses Zntcrefles fand. in den Sophiensälen eine vom Sunde der Gefängnis.. Straf, und Er- ziehungsanslaltsbeamten und veamliuuea Deutschlands einberufene Kundgebung statt. Der Vor- sitzende des Sundes. Sitz Verlin. hornig, sprach zum Thema:„Steht der Sonnenburger Prozeß in Widerspruch mit dem heutigen Strafvollzug?" Der Referent führte un- gesähr folgendes aus: Immer wieder wird die entscheidende Bedeutung der Personal- frage für die Reform des Strafvollzuges hervorgehoben. Der Sonnenburger Prozeß hat das Berhältms der Beamten zum mo- deinen Strafvollzug aufs neue aufgerollt. 6r Hot gezeigt, welch schweren Dienst die Beamten haben und welchen Gefahren sie aus- gesetzt sind, wenn Ordnung und Disziplin fehlen. Das Zuchthaus erfordert eben ein« straffere Disziplin als das Gefängnis. Der Sonnenburger Prozeß hat gezeigt, daß Zusammenhalten politischer und krimineller Gefangenen stets zu einer Lockerung der Disziplin führen muß. da die Kriminellen selbstverständlich für sich die Begünstigungen beanspruchen, auf die die Politischen ein Anrecht haben. Die gleichc Disziplinlosigkeit wie in Sonnenburg, die gleich« Resignation der Beamten ist auch in einer ganzen Reihe preußischer Anstalten zu verzeichnen. Daß ober 24 Beamte aus die Anklagebank gesetzt werden konnten, ist nur so zu erklären, daß die Organe der Rechts- pfleg« die Tätigkeit der Strafanstaltsbeamten nicht kennen. Es kann kein« Rede davon sein, Versehlungen von Beamten in Schutz zu nehmen. Aber es ist unverständlich, wie man den Gefangenen ohne weiteres Glauben schenken konnte. Es geht nicht an, daß der Beamte zum Freiwild für den Gefangenen wird. Sein Be- fchwerderecht soll nicht gekürzt und sein« Beschweoden sollen ge- prüft werden, aber Gesangen«, die sich nur beschweren, um den Beamten eins auszuwischen, sollten incht ungestraft bleiben. Nur unter diesen Bedingungen wird der Beamte sich in seiner Tätigkeit sicher fühlen tonnen. Die Einführung des neuen Strafvollzuges be- lastet den Beamten mit neuen Aufgaben, die weit über dos Dienstmaß hinausgehen. Der Gefangene soll sittlich gefestigt wer- den; der Beamte soll sich mit ihm eingehend beschäftigen, soll .Kontra llblättcr ausfüllen und Abschlußgutachte» abgeben. Dazu reicht nicht die Zeit. Auch die Anstaltsleiter und Inspektoren, die ganz und gar am Schreibtisch gefesselt sind, haben nur wenig Zeil für die Gefangenen: der Anstaltsbeamte ist derjenige, der sich in täglicher Berührung mit dem Gefangenen befindet. Hat er keine Zeit, au? dessen Wünsche einzugehen, so enrsteht Verbitterung, die schließlich zu Beschwerden führt. Die Zahl der Wachtmeister müßte erhöht werden. Sollen die Beamten den Forderungen, die an sie gestellt werden, gerecht werden, so muß ihre Zahl erhöht werden. Dieser Mangel an Beamten führt auch dazu, daß nur ungenügend für die Sicherheit ge- sorgt werden kann. Erschwert wird die Tätigkeit des Beamten durch die baulichm Verhältnisie und durch die wenig erzieherische Arbeit und die unbefriedigende Ausbildung. Die viermonatlichen Ausbildungsturfe genügen in keiner Weif«. Sie müssen wenigstens ein Jahr lang dauern und sollten durch Cr- örterung sozialer Probleme und wirtschaftlicher Fragen ergänzt werde». Ein Hindernis bei dar Auswahl der Gefängmsanwärrcr sind die niedrigen Gehälter. Ein Aushelfer bekommt 28 bis 30 M. Wochenlohn, der Anwärter 108 M. monatlich und der planmäßig angestellt« Justizwachtmeister 142,33 W. Der Reserent kam zu dem Schluß, daß die Beamtenschaft trotz der scharfen Kritik, die an ihrer Tätigkeit geübt wurde, trotz der Anwürfe, die m Verbindung mit dem Sonnenburger Prozeh gegen den modernen Strafvollzug laut wurden, sich voll und ganz für diesen Strafvollzug einsetze. Es müßten ober di« Voraussetzungen für seine Durchführung geschaffen werden: e» müssen Beamte angestellt werden, die ein Herz haben für d!« Menschen, die ihnen anvertraut werden, bannt sie gebessert dem Leben zurück- gegeben werden können. Rechtsanwalt Dr. Thema l, der Verteidiger im Sonnen- buryer Prozeß, teilte u. a. mit, daß er nach dem Prozeß Dutzende von Briefen aus allen Enden Deutschlands von Anftaltsbeamtsn erhalten habe, in denen sie sich über den vollkommenen Niedergang ihrer Autorität den Gefangenen gegenüber beklagen. Rechtsanwalt Dr. Themal äußerte u. a. den sehr interessanten Gedanken, daß die Anstaltsleiter wenigstens ein Jahr lang den Dienst eines Wacht- Meisters ausüben sollten, damit sie auf diese Weife sowohl die Psychologie des Gefangenen als auch die Tätigkeit des Wacht- Meisters kennenlernten. Eins unterliegt keinem Zweifel: der modern« Strafvollzug er- fordert neben den alten Beamten den neuen Fürsorger. Die Ausschußberatungen über den Strafvollzug im preußischen Landtag werden Gelegenheit bieten, die Frage des Fürsorgers zu erörtern. Es geht nicht an, daß der Finanzmimster erklärt, Fürsorge gehör« in das Ressort des Wohlfahrtsmministers: für die Gefangenen- fülforge gebe es kein Geld. Unter solchen Umständen bleibt der moderne Strafvollzug eben eine Fiktion. Heute 16 Grad Kälte. Seil gestern abend macht sich ein leichtes Nachlassen der strengen kälte bemerkbar. Die tiessle Temperatur in der vergangenen Nacht betrug minus IS Grad. Auch morgens ö Ahr worden noch minus IS Grad gemesten. Im Lause des vormittags flieg die Quecksilbersäule etwas, und um 12 Ahr herrschten minus IS Grad bei wolkenlosem Himmel. Wenn die Prophezeiungen de» Amtlichen Wetterdlenstes eintreffen sollten, ist für morgen mit Schneefällen zu rechnen. Aus dem Süden schiebt sich ein weilverbreUetes W olkeugebiel heran, in dessen Vereich ganz Deutschland wahrscheinlich ab Donnerstag gelangen wird. Auf di« zurzeit herrschenden Temperaturen wird diese Depression trotz ver- schiedentlicher Niederschläge aber wenig Einfluß hoben. * In Stockholm werden 40 Dampfer erwartet, denen jedoch«in Durchkommen in der südlichen Ostsee und im Oeresund unmöglich gemacht wird. In P a r i s wurden am Dienstag 14 Grad gemessen,«ine Temperatur, die in der französischen Hauptstadt seit 33 Iahren nur dreimal erreicht wurde. An allen Orten und besonders auf den Märkten wurden Holzkohleöfen aufgestellt. Selbst im fron- zösischen Süden hat die frühlingshaftc Witterung winterlichen Tem- peraturen Platz gewicht. Fast in ganz Frankreich mußten die Larneoalum.zügc ausfallen. In Südosteuropa macht sich die Kälte besonders wegen des großen Kohlenmangels un- angenehm bemerkbar. In der Bukowina wurden Temperaturen bis zu 43 Grad unter Null gemesten. Der Zugverkehr wurde eingestellt. In Ungarn sank die Temperatur auf 12 Grad. Der Volkswohl- fahrtsminister oerfügte die kostenlose Verteilung von 50 Waggons Kohlen an Minderbemittelte. In den Volksküchen werden unent- gelüich warme Speisen verabreicht. In der Tschechoslowakei sind besonders die Eisenbahnen von der Kälte schwer betroffen. Prag und Umgebung ist mit Güterwagen, die nicht vorwärts kommen, überfüllt. Nur der Kohlenzufuhr wird volle Aufmerksamkeit gewidmet. 24 P r o z. aller Eisenbahner sind durch Er- frieren arbeitsunfähig geworden. Die Sterblichkeit ist um 50 Proz. gestiegen und die Leichenhallen sind überfüllt. 36 Personen in Rumänien erfroren. Di« Kälte dauert an. In B u k a r e st hat ein den Verkehr behin- derndes starkes Schneetreiben eingesetzt. In einem Zigeuner-- d o r f in der Nähe von Eampina sind zehn Lewohnex. zwei Frauen. zwei Männer und sechs Kinder, erfroren ausgesunden worden. Sei Sischinew ist eine ganze Sauernsamilie, die aus 14 Personen bestand. erfroren. Bei Buzeu sind 12 Einwohner dem Frost zum Opfer ge- fallen. Die Bukowina ist von jedem Verkehr abgeschnitten. Die Kälte soll aus 43 Grad gestiegen sein. Das Eis auf der Donau yl zwei Meter dick. f Neue Wärmehalle im Norden. Zu der Acker st raße 3 wurde gestern vom Sezirksamt Mitte eiae zweite wärmehalle erösfuet, nachdem sich die Räume in der DIrcksenstraße bei dieser grimmigen kälte als ungenügend erwiesen. Di« neue Wärmehalle ist ein früheres Straßenbahn- d e p o t, später hat es als Arbeitsnachweis gedient. Es ist ein großer, langgestreckter Raum mit Glasdach, im rückwärtigen Teil befinden sich«ine Reihe von Bänken. Als die Wärmehalle um 8 Ahr morgens eröffnet wurde, hatte sich bereits eine große Zahl durchfrorener Gestalten eingefunden, die sehnsüchtigst auf ein bißchen Wärme warteten. Einige von ihnen mußten gleich nach der nächsten Rettungswoche, da sie sich die Ohren erfroren hatten und starte Schmerzen litten. Nun stehen sie allesamt um die beiden Wärme- spender, die natürlich am ersten Tage noch nicht allzu viel Wärme verbreiteten. Die Halle isttäglichoon8bis3Uhrgeöffnet. Warum eigentlich nicht länger? Wo sollen die Menschen, Haupt- sächlich die Bewohner der Obdachlosenasyle, in dieser grimmigen Kälte die vielen Stunden bis zur Asylöffnung oerbringen? In der Wärmehalle befindet sich ein großer Nebenraum, der sich sehr gut als Küche einrichten ließe. Wie wohl wäre all den Menschen, wenn sie hier für ein geringes Entgelt ein« Taste heißen Kaffee oder«inen Teller Suppe erhalten könnten. Schließlich frieren sie ja doppelt, weil sie alle hungrig und unterernährt sind. Räumung als Reparaiionsfolge. Oie Forderung der Hochfinanz. Paris, IS. Februar.(Eigenbericht.) Mit einer etwas gezwungenen Höflichkeit gibt die Pariser Presse zu, daß es dem Reichsbankpräsideaten ge- lungen ist, in einem einstüadigen Referat über die allge- meiae Konjunktur, die Tteuerbelastnng, die Lohn- Verhältnisse und den Lebensstandard in Deutschland Zweifel an der Erwartung des Eintritts einer starken Hausseperiode für die deutsche Wirtschast zu erwecken. Der stellvertretende Delegierte Kastle habe die Anssüh- rungen Dr. Schachts durch zahlreiches statistisches Ma- terial unterstützt und sich dann insbesondere über die Lage der Landwirtschaft ausgelasien. Der deutsche Vor- stoß habe das Problem der Revision des Dawes-Planes nicht von der Front, sondern von der Flanke angegriffen. Er sollte dazu dienen, das Derraia vorzubereiten für einen im weitereu Verlauf der Debatte zu stellenden An- trag, daß die deutschen Annuitäten künftig nicht nur nicht erhöht, sonder» sogar vermindert werden sollten. Der sozialistische Parteiführer Leon Blum wieder- holt hente im„Populaire" die schon mehrfach anfge- tauchte Voraussage, daß die Sachverständigen gleichzeitig mit dem Resultat ihrer Arbeiten einen Antrag auf sofortige Räumung des Rheinlandes vorlegen würde».„Die amerikanische» Bankiers", schreibt Leo« Blum,„haben eine ähnliche Sprache schon im August 1824 geführt, als sie die Ausgabe der ersten Dawes» Anleihe von der Ränmung des Rnhrgebietes abhängig machten. Selbstverständlich," fährt Leon Blum fort. „würde es de« beteiligten Regiernnge» zur größere« Ehre gereichen, wenn sie nicht daraus warteten, von der Hochfinanz gestoßen z« werden." itOOO Opfer der Bombay-Ltnruhen. Telegrammsperre- Rohe soll wieder hergestellt sein. London, 13. Februar. Während des Dienstags hat die Ruhe in Bombay an- gehalten. Die Behörden in Bombay geben die Gesamt- zahl der Tote« nunmehr mit 137, die der Verletzten mst 783 an. Hunderte von Personen mit kleinen Verletzungen sind in diesen Zahlen nicht einbegriffen. Trotz der Beruhigung hält die Abwanderung ans der Stadt an. Bereits 20 000 Personen haben Bombay ver- lasien, und die Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften müssen noch immer Sonderzüge und Dampfer zur Ber- fugnng stellen. In Lastwage» werden Nahrnngs» mittel in die von den Unruhen am schwersten betroffe» neu Gebiete gebracht und unter militärischem Schutz ver- kauft. Alle Telegramme unterliegen der Zensnr. Litauen nicht an einem Tisch mit polen. Warum eö sich vom Litwinow- Protokoll ausschloß. kowno, 13. Februar. Der offiziös«„Lietuvvs Aidvs" nimmt jetzt zu einer Erklärung da» Wort, um die Gründe darzulegen, die Litauen von einer Mit- Unterzeichnung des Moskauer Protokolls abgehalten haben. Das Rogierungsorgan fährt dazu aus: Litauen habe Mar den Bor- schlag der Sowjetregierung begrüßt, jedoch von Ansang an ein« Unterzeichnung nur in der Weis« mr Auge gehobt, daß Moskau mit jedem der Randstaaten ein besonderes Protokoll unter- zeichne. Andernfalls hätte Litauen sich mit Polen an einen Per- haniüungstisch setzen müssen und es wäre zu einer gemeinsamen Unterzeichnung mit Polen gekommen, was gar nicht in Frage käme. Es könne nur bedauert werden, daß die beiden baltischen Staaten Esttand und Lettland sich dazu hätten bestimmen lassen, ein ge- meinsames Protokoll zu unterzeichnen, denn Polen habe be' dieser Angelegenheit doch mehr oder weniger die Führung gehabt und eine Stärkung seines Presttges könne nicht geleugnet werden. Ob Litauen späterhin ein besonderes Protokoll mit Moskau unterzeichnen wird, läßt der Artikel des Regierungsblattes ungesagt Die Oppo- sitionsprejse benutzt dies« Gelegenheit, um gegen die Regierung vor- .zustoßen. Sie wirft ihr jetzt vor, daß sie zuerst mit übermäßigem Eifer sich für das Moskauer Protokoll ausgesprochen hätte, um dann schließlich durch ihre Ungeschicklichkeit isoliert zu bleiben und Polen zu einem Erfolg« zu verhelfen. Eingezogene Gchmähschrist. Völkische Fälschersudelei. Unter Porsitz des Landgerichtsrats Schäfer kam vor dem Schöffengericht Neukölln das objektive Einziehungsverfahren gegen die Druckschrift„Herr Ministerpräsident Braun, wer ist Oppen- hormer?" zur Durchführung. Die Broschüre enthält schwer« Angriffe gegen den Minffterpräsidenten und hatte vor längerer Zeit bereits zu einem Beleidigungsversahren gegen ihren Herausgeber Kopfch geführt: Kopsch wurde in Meiter Instanz zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, die Amnestt« machte aber die Vollstreckung und die gleichfalls erkannte Vernichtung der Broschüre unmöglich. So wurde jetzt das zulässig«„objektive Einziehungsverfahren" eingeleitet. Rechtsanwalt Otto Landsberg wies als Vertreter des Ministerpräsidenten aus den Inhalt der Druckschrift hin, die nichts als schwere Beleidigungen gegen den höchsten preußischen Beamten enthalte.„Aus Gründen der Landagitation", so heiß« es, habe der Ministerpräsident die Verbindung mir der jüdischen Hochfinanz ge- sucht und somit Staatsgeschäfte mit parteipolitischen Geschäften ver- mengt. Dem internationalen Judentum werde die Absicht unter- geschoben, den Ministerpräsidenten durch Millionenspenden zu binden, um ihre gemeinschädlichen Spekulationen durchführen zu können. In Wahrheit liegen die Dinge so: Der bekannte Professor Oppen- heimer von der Frankfurter Unioersität hatte, um seine national- ökonomische Theorie in die Tat umzusetzen, gegen angemessenes Entgelt eine preußische Domäne erworben. Die Finanzierung der Siedlungsgenossenschaft, die aus der Domäne errichtet wurde, übernahm nicht, wie die völkischen Fälscher behaupten, die jüdische Hochfinanz, sondern die Obstbaugesellschaft Eden und ein holländischer Bekannter des Professors Oppenheimer. Auf Antrag erkannte das Große Schöffengericht auf Einziehung und Unbrauchbarmachung der Broschüre mit der Be- gründung, daß in ihr Tatsachen behauptet werden, die geeignet sind, den Mnisterpräsidenten aufs schwerste herabzusetzen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um gegend.(Nachdr. verb.) Wolkiges Wetter mit geringer Milderung des Frostes und Neigung zu leichten Schneefüllen.— Für Deulsch- lond: Allgemein wolkiges Wetter mit Fortdauer der Kälte, strich- weis« leichte Riederjchtäge. O-Zug-Llnglück bei Wien. Ein Schwerverletzter, 20 Leichtverletzte. Der verspätet um 8,30 Uhr vom Wiener West- b a h u h o f abgefahrene D-Zug 35 ist bei dem Bahnhof Tilluerbach-Preßbaum um 10,10 Uhr auf den vor ihm verkehrenden Arlberg-Expreßzug 120 aus bisher unbekannter Ursache aufgefahren. Durch diesen Znsammenstoß wurden einige Waggons des Expreßzuges beschädigt. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind ein Fahrgast schwer und 20 leicht verletzt worden. Ein Hilfszug mit Acrzten und Hilfsmaterial ist um 10,30 Uhr von Hütteldorf an die Unfallstelle ab- gegangea. Auch die Wiener Rettung hat Ambulanzen an die Unfallstelle entsandt. Keffelexplosion im Wohnhaus. Im Hause Nürnberger Platz 6 ereignete sich heut« mittag eine schwere Kesielexplosion. Gegen 12 Uhr wurden die Bewohner durch eine hefttge Detonation in Aufregung versetzt. Zahlreich« Fensterscheiben des Vorderhauses wurden zertrümmert und zersprangen klirrend aus dem Bürgersteig. In dem Delikateßwaren- geschäst von Weinert wurden durch einen gewalligen Lustdruck die Regale und Verkaufstische umgeworfen und die Wareiz zum Teil auf die Straße geschleudert. Zunächst wußte überhaupt niemarch, was geschehen war. Erst als die Feuerwehr an der Unglücksstelle eintraf, die auf den Alarm„Explosion im Wohnhaus— Besonderes" mit vier Zügen anrückte, konnte die Ursach« mit ihrer ziemlich verheerenden Wirkung festgestellt werden. Im Por- terre war ein Heizkessel geplatzt, und durch den Lustdruck wurden mehrere Wände zum Einstürzen gebracht, sowie in die Deck« zu einer darüberliegenden Wohnung ein großes Loch gerissen. Ein A n g e st e l l t e r des Delikatessenwarengeschästs hatte erhebliche Verletzungen und wurde durch die Feuerwehr zur nächsten Rettungsstelle gebracht. Abgeordneier Lll tz verhafiei. Nach Auflösung tsts Schlefischen Sejm. Saktowih. 13. Februar. Der Geschäftsführer des Deutschen volksbimde» In kattswih. Abgeordneter 21 Ii tz, ist am Mittwoch mittag von der Polizei ver- hastet worden. Die Gründe, die zu seiner Verhaftung führten, sind bereits aus der Erkläruag, die der Wojewode der»Polska Zachid- nia" anläßlich der Auflösung des Schlefischen Sejm gegeben hat. ersichtlich. Setaoutltch hatte der Schlefifche Sejm seinerzeit den Antrag des Staatranwalt» aus Anslieserung des Abgeordneten Illitz. der beschuldigt wird. Milltärdteustpslichtigeu zur Flucht verholseu zu haben, abgelehnt. Nachdem nun der Schle- fische Sejm ausgelöst und das Mandat erloschen ist. hat man dem Staatsanwalt die sofortige Verhaftung des Abgeordneten ttlitz auf- getragen, die auch nach kaum 24 Stuuden nach Schluß des Schleft. scheu Sejms durchgeführt worden ist. Mutter und Sohn. Dir deutsche Auoqabe der Briefe der Kaiserin Friedrich.— Ein Vorwort des Exkaisers. Bor einigen Monaten sind in England Briese der Kaiserin Friedrich, der Mutter Wilhelms II., in englischer Sprache erschienen. Sie waren, wie wir schon damals berichteten, unter abenteuerlichen Umständen nach England gebracht worden und enthielten die schärf st en Urteil« der Mutter über den Sahn. Seine närrischen Reden, seine Eitelkeit und Unreife wurden darin beim rechten Namen genannt! ein Borlegeschloß für seinen Mund wnrdc dringend empfohlen. Jetzt ist— nach vergeblichen Versuchen, sie zu unterdrücken— die Briessainmlung im Verlag für Kulturpolitik in deutscher Sprache erschienen. Sie bringt neben schon Bekanntem eine sensationelle Ueberraschung: nämlich ein Vorwort, das von dem Exkaiser selbst unterzeichnet ist. Wer den Stil des Exkaisers kennt. merkt jedoch sofort, daß es nicht von ihm selber geschrieben ist. Der Sohn nimmt mit diesem Vorwort an seiner Mutter sozusagen edle Rache, indem er von ihr, die über ihn nur mit Verachtung spricht. Töne höchster Verehrung anschlägt. Dadurch soll das Buch gewissermaßen entgiftet und der Exkaiser selbst in ein günstigeres Licht gestellt werden als dies in der Darstellung seiner Mutter ge- schieht. Freilich ist es nicht möglich, durch diesen geschickten Schach- zug das Bild des Exkaisers zu ändern, das durch sein« eigenen Reden Aschermittwoch. Ehrenmalreich oder Reichs„ehren"mal? Bon Johann Meinicke. Sie haben Karneval gefeiert— das Aasten überlassen sie oen anderen! und Taten geformt worden ist und das dem bitteren Urteil de: Mutter durchaus entspricht. Das Buch eröfsnet wertvoll« Einblick« in eine vergangen« Zeit, in der das Schicksal des deutschen Volkes von einigen chochgeborenen bestimmt wurde. Selbst Potentaten und Potentatinnen von einst werden durch ihre nachgelassenen Schriften zu Agitatoren gegen die Monarchie. >» Im Jahre 1887 schreibt die Mutter aus San Rems: „Du fragst mich, wi« Willy stch benahm, als er hier war. Er war soroh, unangenehm und frech wie nurmö glich, als er ankam..„Wilhelms Telegramm ist zu verrückt! Er erzählt« mir. daß er es abgeschickt Hab«, und ich sagte:„Wie konntest du das mn!!" Es ist zu u n v e r s ch ä m t! Gaeiz wie er selbst! Er überlegt niemals. Bon Bismarck zitiert sie 1888 folgendes Wort über Wilhelm II.: Heber Wilhelm sagt« er:„Der Kaiser ist wie ein Ballon: wenn man ihn nicht fest am Strick Hielte, ging« er, man weiß nicht wohin." Sie selbst schreibt dann wieder 1890: Wilhelm ist so unreif, daß er Fehler macht, die einem den Atem benehmen. Mit sich selbst ist«r oollkommen zu- frieden, und die Schmeichelei, mit der er permanent überhäuft wird, läßt ihn sich vollends als«in Genie fühlen!! Und nach dem Sturze Bismarcks: Wilhelm bildet sich ein. daß er alles selbst tun kann— Du weißt, daß er«» nicht kann;— ein wenig Bescheidenheit und Selbsterkenntnis würden ihm zeigen, daß er nicht das Genie oder der Friedrich der Groß« ist, der er zu sein sich einbildet— s o wird er wohl leider in schwierige Lagen kommen. Diese Prophezeiung ist eingetrossen. Die„schwierigen Lagen" sind gekommen, leider mehr für ander« als für ihn felbst. Aufforderung und Antwort. Zwei lleberschristen aus der„Koten Fahne". Um die Aufmerksamkeit von den eigenen Spoltungen und Massenhinauswürfen abzulenken, suchen die Kommunisten ähnliches in der Sozialdemokratie anzuzetteln. Di«„Rote Föhne" zeigt für alle Meinungsauseinandersetzungen, die in der Sozialdemokratie bekanntlich— im Gegensatz zur KPD.— in vollster Freiheit und ohne Hinauswürfe vor sich gehen, die„liebevollste" Teilnahme Es ist der„Roten Fahne" sogar nicht entgangen, daß am heutigen Slbend die Abteilungsversammlungen der SPD. stattfinden, wes- wegen das Moskaublatt den sozialdemokratischen Mitgliedern über zwei volle Seiten„wohlgemeinte" Ratschläge erteilt. Die„Rote Fahne" gebärdet sich sogar außerordentlich demokrotisch— für die Sozialdemokratie! Was in der Äommunisti» schen Partei streng verboten ist, das wird für jene in großen Ueberfchristm gefordert: „Di- Mitgliedschaft muß sprechen! Sozial. demokratische Arbeiter nehmt Stellung I" Aber der Keitungskabow hat den kommumstischen Wölfen im Schafspelz«inen bös«, Streich gespielt- Neben diesem Aufruf prangt dar Leitartikel der„Roten Fahne", dessen U e d e r s ch r i f t bereits die Antwort der sozialdemokratischen Arbeiter auf die freundlichen Aufforderungen vorwegnimmt: „Legt den Spaltern das Handwerk!" Kriegerdenk- und Ehrenmäler gehörten bisher stets zu den fpe- zisischen Folgeerfchei nungen der Krieg«— auch der verlorenen. Der weite, unablässig mit Blut getränkte Weg von den Triumphbogen und Ehrensäulen römischer Imperatoren bis heraus zu den mehr oder weniger verunglückten Imitationen, mit welchen hohenzollern- sehe, wittelsbnchschc und andere Machthaber gleich jenen um die Gunst der Nachwelt gebuhlt haben, bis herauf(oder bester: herunter) zur Siegesallee, zum Aolkerschlachtdenkmal und den unzähligen Siegescngeln mit Lorbeerkränzen, den sterbenden oder betenden Soldaten und in den in der letzten Zeit üblich gewordenen, über- cinandergetürrnten Blöcken mit Stahlhelm und Adler— dieser Blut- weg ist so erfolgreich mit derartigen konventionellen Geschmack- losigkeiten überpslastert worden, daß m?n allen beteiligten Nationen verzweifelt zurufen möchte: Haltet«in! E« ist genug! Und das vor allen anderen besonders laut unserer deutschen Nation. Das Deutsche Reich ist draus und dran, ein Ehrenmalreich zu werden. Welche Stadt, welches Städtchen und welche kleinst« Ort- schast hat nicht mehrer« oder mindestens einen der oben aufge- führten Steinbauten„zum ewigen Ruhm und Gedenken"? Ge- nügen etwa die Massengräber und Sriegerfriedhäfe in Belgien und Frankreich nicht? Oder glaubt man, die deutliche und sittliche Mahnung jener zahllosen, schlichten Holzkreuze dort, die man ge- wissen deutschen Landstrichen unbedingt verordnen müßte, bei uns durch Engel», Lorbeer- und Stohlhelmkitfch ersetzen zu können? Wie weit man von dieser Absicht entscrM war und ist, beweisen die Inschriften gerade jener Denk- und Ehrenmäler, denen alldeutsche Kreise besondere Bedeutung zumesten. Das„Wehe dem Besiegten!" am Sockel des erst kürzlich eingeweihten U-Boot-Ehrerntiales in der Kieler Fährde ist zum Beispiel seiner versteckten Teridenz wegen noch raffiniert zu nennen, wenn nran es mit den nur zu deutlich zweideutigen„Wir werden auferstehenl" am Münchener Krieger- denkmal vor dem Armeemuseum vergleicht. Wir werden auf- erstehen... Und im Hintergrunde des im Stile neuzeitlicher Un- tergrund-Bedürfnisanstalten erbauten Denkmals verdolmetschen rudimentäre, an neuesten amerikanischen Langrohrgeschützen ge- messen ungemein lächerlich«, verzierte Kanonenrohr« das Bibelwort auf Bajuvarisch! Bor solchen Hühnengräbern äüa-mode. und ä-cc>nto-Arbeiten mittelmäßiger, ersmdungsarmer und moralisch unbeschwerter Kunst- Handwerker und Akademieprafessoren dürfen heut« noch ehemalige hohe 5>errschasten jenen Ungeist abreagieren, der»' ihren oder ihrer Väter Weltkriegsprvklamationen längst ein für die den.'ende Nachwelt ausreichendes Denkmal gesunde« hat! Konnten die Toten zu uns sprechen, die vielen, die nach Quälerei und schwerem Leiden den„süßen Tod sürs Voterlond" starben, sie hätten bestimmt nur eine Antwort: Wir pfeifen auf Denkmäler! Wollt ihr aber wirk- lich etwas für uns hin, dann sorgt für unsere alten, hilflosen Mütter, für unsere Frauen und Kinder! Davon wollen die Herren mit dem venkmalssimmcl sreälich nichts hören. Und man muß es schon(trotz LZ 127!) als erste deutsche Großtat jüngster Zeit anerkennen, daß vor wenigen Monaten in einem kleineren Orte Reichsbanner und Stahlhelm(!) übereinkamen, auf eine Anregung des Reichsbanners hin natür- lich, statt eines Kriegerdenkmales«in Hintelbkebenenheim zu er- richten— mit einem kleinen Denkmal davor freilich... Immer- hin: die Venumft marschiert. Und nun noch etwas für. Optimisten. Di« deutschen Frontkämpierverbände hoben einmütig beschlosten, in Berka bei Weimar, in einem dazu zur Verfügung gestellten Hain ein Reichs«Hrenmol zu bauen. Vielleicht kann uns dieser unio- nistische Beschluß vor dem Ehremnalreich bewahren, indem er einen gründlichen Punkt hinter die Denkmalsseuch« setzt. Etwa so: Man stelle sich vor, einen Hain im schonen Thüringer Land, einen ganzen Hain! Dort könnt« nian auf einen Hügel ein beschei- dcnes Holzkreuz stellen— wie auf den Gräbern drüben in Belgien und Frankreich— und würde, wenn es schon«in Bibelspruch sei» muß, hineinbrenne»: Herr vergib uns unsere Schuld! Oder auch: Du sollst nicht täten! Und dahinter würde sich ein großes, helles Gebäude mit geräumigen Fenstern erhebe». Dort würden Kinder zu Haus« sein, die während der kurzen Spann« eines Feldurlaubs van zermürbten und ausgehungerten Männern und Frauen gezeugt sind. Man würde sie ernähren und kleiden und ihnen Männer und Frauen zu Lehrern geben, die das Erlebnis des Weltkrieges i» seiner schamlosen Abgründigkeit begriffen haben und sie zu einem verantwortungsvollen Leben erziehen könnten. Es würde ein wirk- liches Reichs„ehrcn"mal sein, ein wirklicher Ehrenhain! Etwas für Optimisten, sagte ich... Skeptiker und Pessimisten werden zu der beträchtlichen Summe, die«ine Addition der zwischen Tannenbcrg und Köln, zwischen Kiel und München verpufften Denkniolsgelder ergeben muh, einen weiteren Posten, den non Berka, schon jetzt hinzuzählen. „Hoffmanns Erzählungen." Kepoblik-Oper. Offenbachs romantisch- phantastische Meisteroper hat gestern ihre unzerstörbare Vitalität von neuem erwiesen: für uns also chre Fähigkeit, aus der typischen Einstellung von heute ersaßt und ver- rmrklicht ifu werden. In einer neuen Inszenierung freilich, die mehr zeitgemäß ols romantisch-phantastisch ist. Die Republik-Oper hat nun schon ihre Art. an solche Aufgaben zu gehen: es ist ihr Pro- gramm, und sie hält den Kur? mit klarer Konsequenz: Erneuerung der alten Oper durch die geistigen Kräfte der Gegenwart. Ein Programm der modernen Aktivität. Daß man aus grundsätzlich gutem Wege ist, beweist die unentwegte Opposition der künstlerisch (und politisch) Reaktionären; der wachsend« Anteil, den die vor- urteilslose Oeffentlichkeit an der Arbeit des Hauses und ihrem Fort- schritt nimmt, der immer innigere Kontakt zwischen Theater und Publikum bestätigt ee. Nun also: �ioffmam�s Erzählungen" Das Letzte, Eni- scheidend« hat diesmal beider gefehlt. Die Phantastik der Szene, mit ungewohnten Mitteln erzeugt, bleibt- im Stadium der Gewollt- heit. Doch oor allem, von der Dämonie Hofsmanns und Offen- bachs ist nichts zu spüren. Nicht im Orchester, nicht aus der Bühne. Wich in der wechselnden Gestalt nicht, in der Karl Hammes, Sänger und Schauspieler von bedeutenden Qualitäten, die berühmte Rolle des vielfältigen Bösewichts verkörpert. Und dem jungen Arthur C a v a r a, der eine helle, hübsche, noch etwas unfertige Tenorstimme hören läßt, fch'i sür den Hosfmann die Persönlichkeit. Fast nur Isa G o l l a n d als Zaubermechaniker, sachlich straff mit einem Schuh Irrationalität, trifft den Ton des Bildes, das alles in allem mehr gedacht als überzeugend erfüllt ist. Sehr gut die drei Frauengestallen: Valentine Wi s ch n e v s k a.j a(ein neuer Name und ein Koloratursopran von Zukunft), Mose F» r b a ch, Käthe Heidersbach: und im einzelnen ist viel künstlerisch wertvoll« Arbeit geleistet unter Legats szenischer und unter der mustka'ischen Leitung A. v. Zemlinskys, durch den aller Klang feinste Differenzierung erhält. K. P. Deutsche Grönland-Expedition. Im Kreise der deutschen Wissenschaft wird nach Mitteilung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft eine Expedition nach Grönland zwecks Forschungen über das Inlandeis und sein Klima geplant. Es sollen drei Winterstationen eingerichtet werden. An diesen Stationen, wo eine größere Zahl von Gelehrten überwintern soll, werden einerseits die höheren Luftschichten durch Drachen- und Ballonaufstiege und andererseits das Innere des Inlandeises durch Schacht- und Bohranlagen erforscht werden. Die Expedition kann erst 1880/31 stattfinden, da im Sommer 1828 zunächst durch eine kleinere Vorexpedition die günstigste Ausstiegsstelle auf das Inlandeis gefunden und die Durchführbarkeit des Unternehmens erprobt werden muß Für dies« hat pie Not- gemeinschoft der Deutschen Wissenschaft Mittel zur Verfügung ge- stellt. Leiter der Expedition ist der Grazer Universitätsprosessor Alfred Wegener, der 1806/08 an Lylius-Erichsens„Donmark Expedition" nach Nordost-Grönlaiid und 1912 bis 1813 qn I. P. Kochs Durchquerung Grönlands teilgenommen hat. Die dänische Regie- rung. mit der Prof. Wegener soeben verhandelt hat, zeigt rege» Interesse sür den Plan und hat der Expedition ihr« Unterstützung zugesichert._ wo bleibt da, zeitgenössische Drama? Die„Bühne der Jugend" hatte«in Preisausschreiben, das wir für Werke der jungen zeit» genüssisch« Dramatik erlösten haben. Von den 161 eingereichten Stücken waren nach übereinstimmender Ansicht her Preisrichter als die«in- zigen, die für«ins Ausführung in Berrachl kommen, nur einig« Dramen Peter Martin Lamvel, befunden worden. Diesem kann aber au« formalen Gründen der Preis nicht zuerkannt werden, weil die vor» geschriebene Bedingung der Awonymität mittlerweile nicht mehr einzuhalten war. Jedoch soll eine» seiner Stücke, und zwar„Putsch", ein Drama der Männer um Schill, als Veranstaltung der„Bühne d-r Jugend" noch in dieser Spielzeit im Deutschen Theater zur Ausführung gelangen. -100 Lahre Archäologisches Lnffiiui. Gelehrte von Weltruf aus ollen Ländern werden sich im April in Berlin versammeln, um das hundertjährige Bestehen des Archäo- logischen Instituts des Deutschen Reiches zu feiern. Sechzig führende Gelehrt« der ganzen West werden bei der sich n»schließenden internationalen Tagung über die bedeutendsten Ausgrabungen der letzten Jahre berichten und Einzelheiten mitteilen, die der breiten Oefsent- lichkeit bisher noch nicht bekannt gewesen sind. Das Berliner Per- gamon-Mufeum, dessen Eröffnung erst in einem Jahre erfolgen soll, wird den Festteilnehmern für einige Tage zugänglich gemacht werden, um ihnen ein Bild von der Arbeit zu geben, die dort in langen Jahren geleistet worden ist. Endlich wird die Gesellschaft für antike Kultur' zum erstenmal an die Oeffentlichkeit treten. Wohl keiner der Männer, die im Februar 1828 in Rom das Manifest zur Gründung eines„Jnstituta di Correfpondenza Ar- cheologica" unterzeichneten, hat damals geahnt, daß diese Neu- griindung eine solche Entwicklung nehmen würde. Besonders tat- kräftig fetzte sich damals der preußische Gesandte beim Vatikan, Bunsen, für das neue Projekt ein: die Seele des neuen Unter- nehmens aber wurde der deutsche Archäologe Eduard Gerhard. Am 21. April, dem traditionellen Geburtstag Roms, wurde das neue Institut in einem Saal des Palazzo Caffarelli eingeweiht. Man hatte Wilhelm von Humboldt die Präsidenffchast angetragen, aber er konnte sich dem neuen Unternehmen nicht widmen. Zu den ersten Mitgliedern des Instituts gehörten Schinkel und Rauch. Obwohl sich Angehörige aller Nationen an der Arbeit beteiligten, nannte man das Institut in Italien stet?„Instituto prussiano". Drei Jahre nach der Gründung siedelte der dein icke Archäologe Gerhard nach Berlin über und verlegte damit den Schwerpunkt des In- stituts nach Berlin. Die wistenschasilichen Arbeiten wurden aber auch weiterhin in Rom vorgenommen. Im März 1871 wurde das Institut in eins Anstalt des preußischen Staates, im Mai 1874 in ein« solche des Deutschen Reiches umgewandelt. Im Dezember 1874 gründete die Reichsregierung eine Schwesteranstalt in Athen, im Jahre 1818 wurde dann ein neues Institut in Frankfurt q. M. ins Leben gerufen. Fast unermeßlich ist das Maierial, das dem Archäologischen In- s itut zuströmt. Nicht nur die Erforschung des klassischen Altertums, sondern auch die Verwertung der Forschungsergebnisse aus Aegyp- ten, dem Orient und den nordischen Ländern gehört zu seinem Auf- gabengebiet. Die internationale Zusammenarbeit mit den Insti- tuten aller Nationen hat sich immer mehr verffeft: sie kommt besonders dem Nachwuchs zugute, der durch das Institut ausgebildet wird. Wenn bei der Internationalen Tagung über die Kulturen der verschiedenen Länder von den ältesten Anfängen bis in« Mittelalter gesprochen werden wird, wenn man die inner« Verbundenheit der Kulturgeschichte Europas, Afrikas und Asiens bis zum fernsten Osten klarlegen wird, dann wird auch der Außenstehende einen un- gefahren Begriff von der Arbeit bekommen, di« das Archäologische Institut während der hundert Jahre seines Bestehens bewältigt hat. Ver OHoliilt vr o. S&mf-JtMtig ilt im Aller von S« Jabren an de» Folgen einer Operation in München gestorben. Seine Forschungen auf dem paradlvchologilchen Sebiete und auch seine.Entdeckung" zablrelcher Medien, mit denen er in der Regel böien Hereiniall erledle, brachten idm desiig« Angriffe»nd Anle>ndungen. Im ollaemeinen wurde Schrenck-Notzing als da» autgläubige Opfer seiner otkiiltiflischen Leidenschaften beirachte!. Rur wenige jaden in ihm einen ernsten Forscher und Wissenichastler. vi« Zukunft der Ihiiriagischea Idealer. Da» Gutachten de» Reichtlpar» kammislar» über die ihüringiichen Theaterverhältnisse wurde den Adgeard- neten de» thüringischen Landtage» zuqestelll. Da« Ergedni« der Unter- suckningen sind zwei außerordentlich einschneidende Vorschläge, und zwar: Schliestuna aller Landestbealer di» auf da» Nationgltheoler In Weimar, und Errichtung einer nichistaatlichen Wanderbühne. vi« Galerie Jerd uond ZNSller. Tchöneberger Ufer SS, veranstaltet an- läßlich de« Ivjidi igen? odettage« Wilhelm Lebmbruck» eine Ausstellung, die Pialilken. au»qewShlte Zeichnungen und da» nahezu vollständige gra- phische Wert in Probedrucken zeigt. Eröffnung Donner»tag., 20 ZN llioue« wr ei« Kdlsau-ZNuieum. Wie au« New Aark gem-Idrt wird, hat Henri, Ford al» einer der ältesten Freunde Edison» anlän i» dessen ST Gedurlstage» die Zusicherung gegeben, sür den Bau ei»- Edison-Ruseuure 20 Millionen Mark zu sirjUn. Venedig im Schnee SOie abnorme tKälle dieses Winlers hol auch den südlichen XXmtern Europas Vemparaluren gebrarhl, die«fori xu den gröplen Sellen hellen gehören. Sogar die alle Xu gunenstadl Venedig hat starke Schneefälle und billere Wälle über sich ergehen lassen müssen und in dem schönen Jldriahafen Ist es xurxeil recht ungemütlich. i'!, I.'I "T Sklavenwirtschast ein gutes GeschSst. Bilder aus dem französischen Kolonialministen'um. (Von unserem Korrespondenten.) Paris, 12. Februar. In Frankreich ist die Uuffoffung verbreitet, dag der Franzose allein der wahre Kolonisator sei, weil er mir das Wohl und die Erziehung der Eingeboreiicn im Auge habe. Auch die Kalo- n i a l p o l i t i k wird hier, ebenso wie viele andere Elemente des Imperialismus, mit den Prinzipien der Menschenrecht« verteidigt. Es ist richtig, daß Angehörige anderer Rassen von der französischen Bevölkerung ohne Mißachtung und Zurücksetzung behandelt werden. Andererseits aber find die Ausbeotungsmethoden der französischen konzessionsfirmcn an chärt« und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Eingeborenen schlimmer als in den Kolonien anderer Länder. Bisher gibt es in den französischen Kolonien noch keinerlei Schutz für die Arbeit der Eingeborenen. Ihrer Rekrutierung und Miß- Handlung, wen» sie die verlangte Arbeit nicht leisten, steht nichts im Wege. Die Sozialistische Partei hat sich bisher vergebens für eine gerechtere Behandlung der Eingeborenen eingesetzt, und es ist noch nicht abzusehen, ob die vom Internationalen Arbeitsamt im Jahre 1927 an Ort und Stelle vorgenommenen Untersuchungen irgendwie praktisch zur Besserung des Loses der Eingeborenen beilragen können. Das Arbeitsamt konnnt zu dem Ergebnis, daß Zwangsarbeiten grundsatzlich zu untersagen seien. Erweisen sie sich im eigensten Interesse der Kolonie als unerläßlich, so sollen die schwarzen Arbeiter nach, den geltenden Sätzen entlohnt werden. Es wird sich zeigen, was die Regierungen zu diesen elemen- tarstcn Forderungen der„Menschenrechte" zu sagen haben. In- zwischen schalten die sranzösischen konzessionärsirme,, unumschränkt. Ein Bild von ihrer Tätigkeit gibt bereits die Lektüre harmloser Reiseberichte, die in bürgerlichen Blättern erscheinen. Man erfährt daraus, um nur ein Beispiel zu nehmen, über die Methoden Eingeborene dazu verurteilt wurden, unter der glühenden Sonn« schwere Balken um das Gebäude der Sangha-Oubonghi herumzutragen, und zwar den ganzen Tag. Fiel einer, so wurde er mit Peitschenhiebe» wieder ausgetrieben. Es tonnte auch geschehen, daß ein Eingeborener tot liegen blieb.„Was geht's mich einer französischen Kautschukgesellschost, der Compagnie Forestiere Sangha-Oubanghi, Dinge, die man im 29. Jahrhundert nicht inehr möglich halten sollte. All« Dörfer, im Umkreise der Konzession sind der Gesellschaft gegenüber, die das Kautschukmonopol besitzt, zur Ablieferung von Kautschuk verpflichtet. Das Kilo, wird mit einem Franken bezahlt. Ein Eingeborener muß jedoch einen Monat im Walde verbringe», wenn er etwa 19 Kilo ernten will. Mitunter ist der Wald fünf bis sechs Tagereisen vom Dorfe entfernt. Die Eingeborenen sind dabei froh, wenn sie für die Gesellschaft nicht rekrutiert werden, sondern in der Nähe ihres Dorfes Kokosnüsse ernten können. Hierfür erhalten sie wenig- stens bis zu sechs Franken das Kilo, da kein Monopol besteht. Es ist unter diesen Umständen verständlich, daß die Zwangs- weise für die Kautschukablieserung Rekrutierten keinen besondereil 'Arbeitseifer an den Tag legen. Die Beaniten der Gesellschaft wissen das, schinipfen übgx die„Faulheit" der Eingeborenen und behandeln sie, wie es in jedem zivilisierten Land« untersagt wäre, Ver- b reche r zu behandeln. Das Leben der Eingeborenen spielt keine große Rolle, es wird sticht geirogt, ob sie Mc ihnen übertragene Arbeit'auch leisten können, und wehe einem Reger, wenn er die erwartete Menge Kautschuk nicht zu rechter Zeit bcigeschasst hat. Bon den grausamen Strafen, die für solche Fäll« vor- geiehen sind, weiß der Schriftsteller AndrS SÄ« in sttner„Kongo- reise"«in anschauliches Beispiel zu berichten. Er sah, wie„faule" an!" rief in einem solchen Falle der weiße Auffehcr. Bei solcher Sklavenwirtschaft ist es nicht schwer, gute Geschäfte zu machen. So hatte die erwähnte Sangha-Oubanghi, die über ein Tcrri-- torium von fünf Millionen Hektar mit 129 999 Eingeborenen un- umschränkt herrscht, allein im Jahre 1926 einen Reingewinn von 8 Millionen zu oerzeichnen. 3 Millionen tonnte sie außerdem zu Amortijierungen verwenden. Es gibt Gesellschaften— sie alle herrschen über mehr oder weniger ausgedehnte Gebiete—, die im Laufe von 29 Jahren ihr Kapital um 29 Millionen erhöhen konnten. Die Leiden der Eingeborenen wurden schon mehrfach zum An-- laß von Revolten, die jedesmal blutig niedergeschlagen wurden. Erst kürzlich wieder gelangten Nachrichten in die Presse, noch denen im November Unruhen an her Grenze des französischen und des belgischen Kongo ausgebrochen sein sollten. Das französische Kalo- nialministerium ließ Erkundigungen einziehen und teilte der aus- merksam gewordenen Oeffentlichkeit schließlich mit, es habe sich nur um einige kleine Lokalrevolten gehandelt. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß. wie die komnmnistisch«„5z u m a n i t e" berichtet, der Aufstand eine viel größer« Ausdehnung nahm. Er sei alsdann mit aller Gewalt unterdrückt worden, wobei Tausende von Negern ermordet und ganze Dörfer von Kolonial- truppen geplündert und angezündet worden seien. Ein„Prophet" namens Korma führte die Ausstündischen, die ihren Widerstand, so gut sie konnten, zu organisieren suchten, Straßen und Brücken besetzten. Gefangene machten. Der Generalgouverneur habe selber die Operationen im Aufftandsgebiet geleitet. Bon alledem weiß freilich das Koloinalministerium nichts zu berichten. Mögen diese Nachrichten übertrieben sein oder nickst: soviel scheint gewiß, daß die französischen Konzessionsfirmen in Afrika— und nicht nur in Afrika— unumschränkt wie Satrapen herrschen und sie diese Herrschaft vielfach auf das schlimmste mißbrauchen. Mittvocb, 13. Februar. Berlin. JO.OO Masisiraisrat Dr. WaltUer Krotoschiner; NeuzeiOiche Staats- mit Gesell: ■flchaitsthcorien. 16.30 Dr. Luts Heck: GroBticrfanj. 17.00 Untcrhaltangsmusik der Kapelle Gebrflder Steiner. 18.10 Dr. med. A. Bramcr: Das Geheimnis der Drösen, 18.35 Landgerichtsdirektor Dr. Pracht; Volk und Recht. 19.00 Walter Stölting: Eldorado— die Heimat der Dcotscheo ia Argentinien. 19.30 Hans-Bredow-Schulc. Werner Sombart: Die Rationalisienmj; den Wirt: schaltslcbens. 20.00 Dr. Kurt Singer: Einführung zu dem anscbließendeo Chorwerk.„FausU Szenen", für Solostimmen, Chor und Orchester von Robert Schurnanu. Dirigent: Prof. Hugo Rüde!. Anschließend: Presseumschau des Drahtlosen Dienstes. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmana). Königswusterhauscn. 16.00 Stud.-Rat Sdfwedtkc: Lektüre einer englischen Zeitung'« üntersekunda, 16,30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Dr. Rüstrow: Das Verhältnis von Sozial- und Wirtschaftspolitik. IßwUO Dr. Paul Fechter; Hermann Burtc zum 50. Geburtstag.- •18.30 PranzösisLli für FoYtgeschrittenc. 18.55 Diph*fnt. F. Gotke: Werkmeixterlchrgang für Facharbeiter: Bctficbsver- hältnisse und Antriebsmittel bei Werkzeugmaschinen. 19J20 Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung in das Verständnis von Musik. VerotUwortl. für die Redoktion: Äolsgang Schwor,. Berlin: Anzeigen: Th. Slocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. dreckeret und Verlagsonstalt Paul Singer S: Co.. Berlin SD 68, Lindenstraßö 3. Hierzu 1 Beiloge. IheaUr, LtJtisptele usw. Winter Qarren 18 Uhr» Rauchen erlaubt| in Berlin noch nicht| gezeigte Variete- Neuheiten uiul weitere senMtionen. Reichshallen-Theater Abends| 8 I Senotar nachm.| 3| Das lastige neue Febr.-Progr. der Slefflner Sänger Nachm. halbe Preise, Tolles Programm. Dönhoff. Brettl; Konxert � Tanz �Variete 10 grolK! Nummern. Barnowsky- Bahnen Theater In der Klniggrützer Strafte SVr Uhr Revolte Im Erziehunosbaos Schauspiel von P. M.Lampel. Komödienhaus 8-/4 Uhr Das Geld aut der strade ttntn»v. Bernauer u. Oesterreicher Kleines Tlieater Täglich SVr Uhr: Lady Winder- meres Fächer von Oskar Wilde Sandrock. liechy, Klindcr, Hardt. Mamelock u. Möller Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr ietlchen Gebert Singspiel von Walter Kollo Käihe Oorsch ieöerikeZ Musik von Franz Lehor Kammers. Karl Zöken (Siaatsoper BerUli) ! Boraerfavk ununterbrochen. Stasie hen ganzen Tag geöffnet I | Teleph. Strinplatz«81 u. 7108 1 PtAZA An» Kttntrtner Pla,� 1 Das Varlefi im Ostbahnhofl 1 Alex. 8017/« 1 TJgl. 5 und 8" IMTERNATIONÄLES VARIETE Ksrtaii 7 Tum Iw Voran« scam 8 ühp B 5. Barbarossa 9256 4 Bronetts Con Celleano und weitere Variete Attraktionen. »'■' CÄSINO-THEATER Lothringer StralSc 37. Neu! Neu! KilometerlieDcheF Daztt ein erstklassiger banter Teil. FürunsercUeserGutschein fiiri—< Pcrs Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. ionstice Preise- Parkett u. Rann 0.80 M. Renaissance- Theater Hardenberpst. 8. Tal.: Staiapl. 901 u. 9583 84 i'/jUhr. Zum 55. Male:«'.»Uhr Die Welterfelgskomödie „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg: Eos). HartnnB.>8 Pmnlamlisttig. Thealer a.Koltbusser Tor Kottbusser Str. 6 Tel. Mpl. 16077 Tätlich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäfl. Preise) Eilte-Sänger Faschinss-Programm I Emu Eieln. der beliebte Komiker und Tanzhumorist als Gast TFTTIT�TW ■...................... i w 1 1 Arnold Scholl Hasenheido 1 CS/1 4 2. Cfoxlxpirl Johann Sirnuf* aus irirn u. Großes iBorkblerfesh fMaS« Uhr. I« bayr. MadL lleklrlsdie Anladen H�'r.", I Zinntr 51-. 2 ZioiDR 85.-. 3 ll-inu 13.-. 4 Zimmer HO- M einschl. Küche, Korr.,Bad od Toilelt.sow.Zählcrtaiel u. Zähler- aniagc. Für Steigclcitunjcch billigste Berechnung. Kostenanschläge und Vertreterbesuch unverbindlich. «epr. Elektromeister Uitnfesthift; leukölln Birtn nO Wirkstitf: Sehineberg Neok&lln 4003 Nogatstr. 39 Stephin 8Z70 MaxstraSe 6 Gas., Wasser», sanitäre Anlasen.— Klempnerei. G.|Oh.RCind(Cd;Co.i Anlagen]8lArt Zimmer 10.— M. Wenn Steigeleitung kehlt, fordern Sic Gralisprospekt EleKtro-Cnion Loiwufo 17/ Irl. SKI 22 SIeflincrHelsdi- und[a.F. 66 Wurslzcnfrale InvalidanslraB« 130 «MM»«MM BernnerUU�lMO Baumschulcnwcst Baumschulenstr. 89 Ecke KiefholzstraSe 184 Tel.: Oberspree(F 3) 1527 Bitte auf die Edte m aditenl Zum Feuermelder Restaurant:: In In Bruno Wulff leokilln,Iaiser-Friedrleb-Str.l7ii Tnhknlakil ler Pirtii nd Irbtittrsportltr lüreiDiziimiier M 10 vergeben Berliner Bürgerbrau Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal Wild.Geftiigel Fische iB 3. nur von Erich Kropp NeukSIIn, Berliner Strafte 42 gegenüber vom Ratha js. Groß- Destillation „Rittereck" BUlenlr.AS Ecke Brandenburgs tr. inh.: Paul Mflnnling gm«epiieote Blore Baue* nno warme« BOfett METBOPOl-THEATER SU. Lustige Witwe mit FRITZI MASSABV Max Hansen, Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers. SR. SCHAUSPIELHAUS SU. Nur noch«S Tngal CASANOVA Kammersanger Alfred lerger und die groBe Starbesetzung. ZWEI CHARELUNSZENIERUNGEN »onatag nectun, 3 Uhr ungekllTle Vorstellung telaina Prois*. Grob-Destillation Paul Gruhl[B 7 RitlerstraB« 126 Im Hanse derVoIkstürsorge! OaW- ! knA. in iir Kbans Filh knit'il«ndn Isdiias Ii Biftti, G UI nt bis, v5: tili, f upstdll. Is Ii Tign tili Onrinttirf 8 ,11!,»„ ged Erfirmn. tTZUICh empIMIBB. InHliteti 106. 6-11. 1-4. Smtii 16-12. i.cur. EMIL LU D Wl G WILHELM II. JlluetritrL Ungekürzte Volksausgebe. Banzleinen Jetzt 2,85 Die Mglnilausgsbe kesW 14 M. Das Aufsehen erregende Buch steht«mit Bber dem sngsn aesichtsfeld des Psrtsikampfcs oder der kldnüchsn Pertrltmslersi.— Da* Buch ist auf bostam, holxfrsl am Papier In sauberstem Druck hergestellt.— Mit wichtigen eildsra aus dem Leben Wilhelms II Mit schönem, farbig, tcbutrumschlag. Das intsrassantests Dokumentl Bestellungen sind zu richten an Buchhandlg. J. H.W. Oietz, Hsehf. Berlin SW. 68, Linden Strasse 2 Telephon Dönhoff 7653 (Beilage Mittwoch, 13. Februar 1929 3prftöp«g SfteUauLpa&e xfcs l&t'uhLS& Tragödie der Neger Spaziergang durch die Zivilisation in Afrika Aus»er iptyc vo» Dakar, cn der Westküste Afrikas, erhielten wir den Airnif eines Norwegers: „Nehmt Kranken im nächsten Hosen!" Nadiorücksroge:„Ist Krankheit amteckend?" Einige Sekunden, und wir haben die Antwort:„Unsall!" Kurswechsc!. Und einig« Stunden halten wir den verunglückten Heizer, dem ein medersausender cis«rner Kohlen- korb den Oberschenkel zennalmt hatte, an Bord. Fortschritt der Technik als Lebensretter. Aber wie wäre es gewesen, wenn kein Schiff in der Nähe gewesen wäre? Die Seesahrtsgesetzc gestatten, daß Frachtschisse bis jU 44 Mann ohne Schiffsarzt sahren, und selbst unser Passagierschiss, das SU Inder von Loando noch grce- town bringt, ist ohne ärztliche Hils«. Zivilisation, Kultur, Hy- gienc? Schon auf den Meeren beginnt es zu hapern, wenn der Geldbeutel zu Ningcln aufhört. Und Afrika! Hier im dunklen Weltteil fleht es traurig aus. Wir wollen nach Accra: der 5)asen von Accra ist wegen„drei Stun- den Fieber" gesperrt.„Drei Stunden Fieber?" Der Ar.zt des Mlitärhospitals erzählt: Ursache dieser alles dahinrassertden Seuche die allgemeine Unsauberkeit der Eingeborenen, die Nähe der Sümpfe.... Aber, mein Gott, wie steht es mit dem Kampf gegen die Krankheit, wo ihr Herd, was tut der Europäer, um sie einzuschränken? Der Arzt zuckt die Achseln. Mon dieu, der Europäer leidet wenig unter diesem Fieber, ist fast immun, und wo nicht gerade ein schwarzer Diener diese Krankheit einschleppt— aber die hält mon sich ja in Afrika im allgemeinen zehn Schritt vom Leibe. Weshalb also die Aufregung? Man kann es nun einmal nicht än- der», daß der Schwarze so anfällig ist. Ja sa. der Schwarze! Was schiert es den Bringcr der Zivili- sation, wenn eine Fieberepidcmie 18 WO Neger dahinrasft. Ein Chefarzt in Dakar gab nur Gelegenheit, das staatliche Krankenhaus zu besuchen, das unter militärischer Oberleitung steht. Der Generaloberstabsarzt erging sich gerade in dem herrlichen Palmem' garten, der das Krankenhaus umkränzt. Die Krankenzimmer— für je eine Person— peinlich sauber, mit Linoleum ausgeschlagen, sließendes Wasser, große breite Fenster. Operationssäle, Konzert- saal, Lesesaal, Riesenküche, Wäscherei und Desinfektion, Hühner- form, Ställe für Kleintier. Gemüsegarten.... Wenn ich das olles gehabt hätte, als ich im Kriege mit Lungenschuß in die Heinmt kam! Ich blickte um mich und staunte. Doch plötzlich: „Lieber Herr Doktor, wo sind denn eigenttich die Patienten?" „Haben momentan nicht viel zu tun." „Aber ich bitte Sie, was man in der Stadt so sieht...." „Was ich Ihnen gezeigt habe, ist nur für Offiziere, Regierungs- lieamte und deren Frauen." „lind dos Krankenhaus für die Eingeborenen?" Ein Räuspern, ein Ruck: „Ja, wenn Sie wünschen, können Sie sich auch dos ansehen." Marsch durch glühende Sonne. Der Palmengarten verschwindet. Drei große Zelte. Stop. „Dies Zelt da ist für unsere braven Soldaten, das da für die Farbigen und das für die eingeborene Bevölkerung." Ich schob den Vorhang zum dritten Zell beiseite. Ein Pesthauch trieb mich zurück. Auf der Erde, auf Matten ausgestreckt, logen die Kranken. Eine junge Negerin, den bloßen Oberkörper mit Ge- schwüren übersät. Um sie versammelt Verwandte, um mit Fächern die Fliegenschwärme von den offenen Wunden zu vertreiben. Neger mit offener Tuberkulose, Syphilitiker und zwischendurch hopst ein Junge in einem Giz�erband. Klosett, Bad? Unbekannte Ein- richtungen. Na ja, das ist überall so im afrikanischen Koloniolgebiet. Wie oft habe ich das in den kleineren Städten gesehen: ein struppiger Vergabhang, der Frauen und Männern als Latrine dient. Und bitte, auch dos ist kaum vereinzelt, nicht weit davon die Markthalle, in der man vor Fliegengewimmel die Lebensmittel nicht sieht, mag auch ein Bäckerdutzend rotznäsiger, verlmister Negerkinder mit Fächern auf die Fliegen losschlagen, daß sie auf den Früchten und Fleifchbatzen den Heldentod sterben. Nein, wirtlich, man sage nichts, es gibt in Dakar sogar einen höheren Offizier, der die Stelle des Gesundheitskomnrissars vertritt. Wer sollte sich auch besser dazu eignen! Da man ihm gesagt hat, im großen und ganzen sei alles gesund— bis zur nächsten Epidemie natürlich— glaubt er seine Pflicht getan zu haben.... Und dann— großartige Errungenschaft des Zivilisation!— an der Westküste findet man eine Leprainsel. Die Bevölkerung: Lepra- kranke. Obwohl man ihnen bei Todesstrafe verboten hat. Boote oder Flöße zu bauen, kommt es oft genug vor. daß plötzlich diese fürchterliche Krankheit bei den Fischern an der Küste austritt. Packt so einen schwarzen Küstenfischer die Lepra— 100 5iände betasten ihn, bis er den Weg zum Arzt findet. Taufende atmen seinen tod- bringenden Odem ein. Und dann dieses ewige Spucken, das der Neger so liebt wie der Europäer das Zigarettenrauchen! Da ist dcmi die erschreckende Zahl der Tuberkulosen an der Westküste Afrikas kein Wunder. Ich glaube wirklich, gesund« Neger findet man nur noch in der Wildnis, weitab von den Gefahren der Stadt, von dem Zusammengepferchtsein verschiedener Rassen, fern von der Technik, die nirgends so viele Opfer fordert wie in den Hauptstädten Afrikas. Wer kümmert sich hier um Schutzvorrichtun- gen, die Gesundheit und Leben bewahren! Kann der Europäer dafür, daß die verspielte Art des Negers mit den Maschinen nicht ferüg wird? Instruktionen und Schutzvorrichtungen— pah. was kostet ein Nigger! Invaliditäts- und Krankenversicherungen gibt es nicht. „Und was machl der Neger, wenn er arbeitsunfähig wird?" „Zurück in den Busch. Da mag sein Stamm für ihn sorgen, wenn er es nicht vorzieht, zu krepieren!" Aber da sind doch die Missionen? O sa, sie unterhatten in Kapstadt, Johannesburg und Durban kleine Stationen für kranke Eingeborene— der Genesende ist eine vorzügliche Arbeitskraft.... „Warimi helft ihr dem Schwarzen nicht besser?" In Beira war es, daß ich diese Frage dem Oberarzt und seinem Persona! stellte. Achselzucken. Kein Geld da und der Neger miß- traut uns und unserer Medizin, hat Angst vor Quälerei und vor Mißbrauch zu Studienzwecken. So sprechen die Engländer. So sprechen die Portugiesen. Nur die Ambulatorien werden in Anspruch genommen und das in solch einem Umfange, daß man manchmal glaubt, die ganze Stadt sei verwundet. Kommt da«ine Frau: ihr Mann hat ihr ein Ohr abgeschnitten, weil sie ihm untreu war. Vor einigen Nächten heulte es gotterbärmlich vor meinem Haus. Als wir gegen Morgen in den Garten sehen, liegt da ein junger Mann, halb verblutet: irgend- eine religiöse Sekte hat ihn kastriert. Täglich gibt es Dutzende von leichten Verwundungen. Nirgends sieht man so viele Krüppel, Hinkemänner und Einarmige. Unter den arbeiteirden Siegern fand ich wenige, denen nicht eine Zehe oder ein Finger fehlte. Sie spielen, die Neger, sie spielen bei der Arbeit und können sich nicht auf die Maschine umstellen. Deswegen haben sie auch Abscheu vor der Maschine. Loureneo Marques. Als ich mich einige Wochen in der Nähe der Stadt bei einer deutschen Fannlie erholte, schnitt ich einem kleinen Negermädchen einen tiessitzenden Splitter aus dem Bein, desinfizierte die Wunde mit Jod und verband sie. Seitdem war mein Ruf als großer Arzt gemacht. Frühmorgens schon begannen mein« Patienten auf der offenen Veranda herumzuschleichen. Später wagten sie es. mit ihren Gebrechen näherzukommen. Ich heille Malaria mit den aufgesparten Vorräten aus der Schiffsapotheke, gab Abführmittel und Aspirin, zwei Dinge, die in den Trope» unentbehrlich sind. Geld nahm ich nicht. So etwas war den guten Leuten noch nicht vorgekommen: denn Arzt fein, ist das beste Geschäft in Afrika. Da ich also kein Geld nahm, erhielt ich von meinen Patienten andere Dinge: Geschenke, Perlschnüre, Museheln, Felle. Decken, Hüte, und einer wollte mir sogar ein junges Krokodil anbieten. Mein Zimmer sah sehr bald wie ein Trödelladen aus.' So ging es beinahe 14 Tage, bis ich ein Schreiben vom Gou- verneur erhielt:„Dem deutschen Arzt! Das Praktizieren ist nur den an der portugiesischen Universität approbierten Aerzten er- laubt." Wahrscheinlich hatte die Konkurrenz in der Stadt die Ber- waltung aufmerksam gemacht. Ich wurde aufgefordert, binnen 48 Stunden abzureisen oder meine Bescheinigung im Sekretariat vorzuweisen.... Tragödie der Neger. Tragödie der Krankheit. Nein, der Euro- päer, der Zivilifator sorgt nicht für den Neger, niag es auch einige Persönlichkeiten geben, die leuchtendes Vorbild und'Ausnahmen sind. Der Neger ist Arbeitstier, nicht mehr. Ist Sklave, auch heute noch. Die Pestsche— auch sie spielt heute noch eine Rolle. Ein trauriges Kapitel. Man kann es nicht schließen, ohne an die Schlafkrankheit zu denken, dieser fürchterlichsten der Seuchen. die die Stämme der Neger dezimieren. Nicht lange»ach dem Stich der Ueberträgerin der Krankheit, der sogenannten Glossinensliege, machen sich, sosern das Insekt mit den Erregern der Schlafkrankheit behastet war, die ersten Krankheitserscheinungen bemerkbar. Winzige Keime sind es, die durch den Säugrüssel mit einem Tröpslein Speichel in die Blutbahn des > Menschen geimpft werden und die Keime, Trypanosomen, be- ginnen sich gewaltig zu ver- mehren. Etwa 14 Tage nach dem Stich tritt Fieber auf. Schüttet- frost, Kopfschmerzen. Plötzlich wieder eine Fieberpause. Man glaubt sich beinahe gesund, aber in gleichmäßigen Abständen überfällt einen dos Fieber immer von neuem. Einige Woche» und die Drüsen schwellen. Die Parasiten«robern Gehirn und Rückenmark. Nervös« Erschei- nungen treten jetzt zutage, und dag charakteristische Symptom der Krankheit, das der Seuche den Kamen gegeben hat, die unaufhör- liche, unstillbare Schlossucht. So kann die Krankheit imter zunehmendem Verfall monatelang, ja jahrelang sich hinschleppen. Hau- siger pflegt die Schlafkrankheit in kürzerer Zeit zum Tode zu führen. Dem Europäer ist di« Krankheit be- sonders gefährlich. Man beachtet zu wenig, daß sie auch Europa bedroht. Berichtete doch vor noch nicht langer Zeit der englische Gesundheits, minister im Unterhaus von 12 400 eingeschleppten Fällen, von denen in den letzten süns Jahren 6000 tödlich verliefen! Grausam ist diese Krankheit. Sie verändert in den»leisten Fällen den Charakter des Opfers vollkommen und führt zu schwersten moralischen Defekten. In Afrika wütet diese Geißel der Menschheit beispiellos. wi« verheert ganze Teile des Landes. Deutsche waren es, die ein beson- der«» Mittel gegen die Schlafkrank- hell fanden:„Bayer 203" oder„Germanin" genannt. Es wurde von der deutschen Wissenschaft in jenen Tagen der Oeffentlichkell übergeben, als Deutschland den afrikanischen Kolomalbesitz verlor. Möge es dem afrikanischen Erdteil Segen bringen. Möge es nicht nur die Krankheit hellen, sondern den Kolonisatoren ein Mahn- zeichen dafür fein, daß Kolonisieren Arbeit für das Menschentum bedeutet, sei es nun weiß oder schwarz. Megerle v. Mühh'cid. Diamanten, Diamanien! Kurz vor Neujahr tobte aus den Diamantenfeldern Afrikas in der Alexanderbucht, an der Mündung des Oranjeflusses, eine reget- rechte Schlacht. Tauseiide von Abenteurern und Schmugglem aus aller Herren Länder, unter ihnen auch Farmer, die ihre Ländereien im Stich gelassen hatten, und Arbeiter aus den Fabriken waren hier zusaininengeströmt, herangelockt von den Diamantenfelder». Die englische Regierung ließ ste jedoch nicht heran. So lagen die Men- schen hier wochenlang, bestahlen und mordeten einander, litten Not und Hunger, ohne.Hoffnung, von de» Reichtümern der Diamanten- felder etwas abzubekommea. Dann wurden sie rebellisch, zerstörten die Hindernisse um die Felder, ramiten die Polizei nieder und«r- griffen von den Diamantenfeldern Besitz. In leidenschaftlicher Ar- beit suchten sie Diamanten, um noch vor Eintreffen des Militärs mit ihrer Beute zu verschwinden. Infanterie und Artillerie stellten die „Ordnung" wieder her. Interessant ist die Geschichte dieser Diamantenfelder. Die Farmer, die in der Gegend lebten, hatten ebensowenig'Ahnung von den Reichtümern unter ihren Füßen, wie die einheimischen Hotten- totten. Ganz zufällig stieß im Jahre 1020 der Engländer E o rnel auf die glänzenden Steine im Sande. Er nahm einige Dutzend davon zum'Andenken nach England mit. Erst hier erfuhr er. daß es sieh um Diamanten handele. Bald darauf starb er und nahm sein Ge- Heimiiis mit ins Grob. Einige Jahre spoter kam der Biologe Pro- fessor Marenski in die Gegend. Auch er fand Diamanten. Er macht« von seiner Entdeckung der englischen Regierung Mitteilung, und diese gestattete ihm, ein PnoatumeriieHmen zur Ausbeutung der Felder zu gründen. Den Arbeitern, etwa 70 an der Zahl, war strengste Schweigepflicht auferlegt. In drei Monate» wurden Diamanten im Werte von 13 Millionen Atark abgeliefen. Vom September bis Dezember 1028 betrug die Ausbeute 120 Millionen Mark. Nür der Ministerpräsident, der Minister der Minen und der Finanzininister kannten das Geheimnis dieser Dioiiiaiitcnfclder. Man fürchtete, daß Tausende von Menschen dahinslrünieii würden, sobald es bekannt würde. Als aber ein Abgeordneter im Parlament Erktörungen über einen im Etat angegebenen Betrag von 30 000 Mark forderte, ivar der Finanzminister gezwungen, reinen Wein einzuschenken. Bettler im Auto In Nordamerika rollen über die Landstraßen nicht nur die Autos der Reichen, des Mittelstandes und vieler Arbeiter, sondern auch die der Bettler. Woher sie ihre alten Kästen IMen, ist dunkel: vielleicht kaufen sie sie aus vierter Hand oder ziehen sie aus den Haufen stehengelassener Automobile hervor, die sich ini Weichbild jeder anierika in schen Stadt finden. Sie sahren von Stadt zu Siadt. erbetteln Nahrung und Geld, um leben und ein paar Gallonen „Gasolin" kaufen zu können. Diese Autobettler sind so zahlreich geworden, daß sie ein ernsthaftes, soziales Problem bilden. Iitteresianter noch als der Zug der Bettler ist die schier endlose Prozession der„E r h o l u n g s r e i se n d e n". Biel Geld ist nicht dazu nötig— mancher Farmer, der weniger als 4000 Mark Ein- kommen im Jahr Hot. begebt sich kurz noch der Aussaat und vor der Ernte auf die Reise. Klein« Lodenbesitzer lassen ihre Geschäfte in der.Hand der Gehilsen und begeben sich auf«in« Tausendmeilcn- tour. Geschäftsleute und Angehörige der freien Berufe fahren mit Weib, Kind und Golfschläger an die Sommerplätze. Altere Männer, die«inst Befriedigung und Geltung in ihren Geschäften fanden, suchen sie jetzt im schnellen und airdouerndcn Lenken ihres Wogens. Damen, deren Gatten auf langen Geschäftsreisen sind, tun sich zu- sanrmen, um ein wenig von der„Well" zu sehen. Biete verachten dos feste Dach über ihrem Haupt. Sie leben in Zelten, die sie«ntwAer mitschleppen, oder in einem so- genamtten„Automobrllager"(Camp) mieten. In diesen Camps kann man auch Bäder, einen Kochherd. Wäschereien bekommen— alles für einen Dollar, was noch amerikanischen Begriffe n nicht» teuer ist. Die größten dieser Camps können tausend Wagen pro Nacht beherbergen. Nathan Asch Uebertragung aus dem Amerikanischen von Hermynia Zur Mühlen. Copyright by Rütten&, Loening, Frankfurt a. M. (Schluß.) Read war snjch rasiert, er hotte sich die Stiesel putzen lassen, ja er hatte sogar«inen neuen weichen Kragen gekauft und in der Toilette angezogen. Er war bereit, mit den beiden Männern zu- sammenzukommen und über die neue Firma zu reden. Wir brauchen eine neu« Firma. Die alte Firma ist in Konkurs gegangen..Leb wohl, alte Firma. Wir brauchen«ine neue. Die Firma ist tot. es lebe die Firma." Read war niit. sich selbst zufrieden. Hier saß er in der Hotel- hall« und blickt« die schöne Frau an. Di« rätselhafte Frau, von der er nicht wußte, wie sie sich benehmen würde, wenn er sie an- sprach. Vielleicht wird sie empört sein, vielleicht auch nicht. Viel- leicht wird sie sagen:„Ja. Sie dürfen mit mir reden." Und dann... Wäre das nicht herrlich? Heute abend muß er sehr überzeugend, sehr eindrucksvoll wirken. Muß den beiden Männern beweisen, wie notwendig eine neue Firma ist, einfach unentbehrlich. Eine neue Firma fft die Haupt- fach«. Und sie müssen auch erkennen, daß er der richtige Mann�für die Leitung der Firma ist, daß es in den ganzen Vereinigten Staaten keinen Menschen gibt, der eine Firma besser zu leiten versteht, als er, R«ad. Das muß er ihnen beweisen. Er wird vorsichtig sein müssen. Keine banalen Gebärden, keine Theatrolik. Alles ganz ruhig, ganz vorsichtig. Wie ein Leichen- bestatter, der ins Trauerhaus kommt. Bitte, wollen sie mir zeigen, wo er liegt? Wie köstlich, in sich die Kraft zum Weitergehen zu fühlen. Die Fähigkeit, weiter aufzubauen. Eine Firma hat Bankrott gemacht. Was liegt daran? Wir gründen eine neue. Die eine bricht zu- fammen, die andere ersteht. Eine Finna hat Bankrott gemacht. Leitet man eine Finna, sa darf man nickst alles hineinstecken, die ganze Kraft, die ganze Macht, olle Aussichten. Man muß. n vi cht sie bankrott, an ollen Ecken und Enden neu« Aussichten, neue Hoffnungen aufklauben können. Muß imstande sein, in einer Hotelhalle auf zwei Männer zu warten, die einem helfen werden, eine neue Firma zu gründen. Ein Pag« rief durch die Halle: ,Lerr Deed! Herr Deed! Herr Deed!" Vielleicht sind sie schon da. Vielleicht sind sie schon gekommen. Read trocknet« sich hastig in der Tasche die Hand am Taschentuch, damit er den beiden die Hand schütteln könne. „Hier!" Nein, diesmal gilt der Ruf nicht ihm. Da ist der Herr Deed. Er wird noch eine Weile warten müssen. Er setzte sich, zündete eine Zigarette an und betrachtete die Frau. Wundervoll. Hat die neue Firma Erfolg, so muß er sich eine solche Frau zulegen. Sie dürft« sehr teuer kommen. Einerlei, er muß eine solche Frau haben. Wundervoll. Sie wartet auf einen Mann. Bestimmt auf einen großen starken Mann, einen erfolgreichen Menschen. Einen, der nicht mehr in Hotelhallen auf andere warten muß. Nein, die andern suchen ihn auf. Kommen in sein Bureau, sagen:„Bitte, ich möchte gerne." Aber auch er wird eines Tages so sein. Auch zu ihm werden Menschen kommen und sogen:„Bitte, ich möchte gerne..." Er wird Erfolg haben, wie der Mann, auf den die wunder- schöne Frau wartet. Die Verabredung war für Neun festgesetzt. Er sah auf seine Uhr..Halb Neun. Noch eine halbe Stunde. Er muß noch eine halbe Stunde auf die zwei Männer warten, mit denen er über die Gründung einer neuen Firma sprechen will. Eine halbe Stunde. In diesen dreißig Minuten muß«r seinen ganzen Verstand zu- sammennehmen. Beschließen, wie er reden, wie er die beiden über- .zeugen wird, dermaßen überzeugen, daß sie ausstehen, ihm die Hand hinstrecken und sagen werden: .„Herr Read, wir lzalten zu Ihnen. Halten zu Ihnen bis ans Ende." Ja, das müssen sie sagen. Sie müssen begeistert sein, keinen an- deren Wunsch kennen, als eine neu« Firma zu gründen..„Herr Read, wir gründen ein« neue Firma und Sic müssen Leiter werden." Es muß den Eindruck erwecken, als erwies« er ihnen eine Gnade, indem er für sie eine Firma gründet. Als hätte er Mi!- lionen anderer Vorhaben; da sie ihn aber darum bitten, bringt er es nicht übers 5)«rz, ihre Bitte abzuschlagen. Er will ja gar keine neue Firma gründen, tut es einzig und allein den beiden zulieb«. Sie müssen ihn auffordern, nicht aber er sie. Er war der Szenen und Geschichten überdrüssig. Wollte nicht noch einmal er- leben, ivas sich an diesem Nachmittag ereignet hatte.„Bedenken Sie doch, was Sie getan haben: Sie haben mich ruiniert, zum Bettler gemacht." Nein, dos will er nicht noch einmal hören. Cr will eine neue Firma,«in neues Geschäft gründen. Ein Geschäft, das unabhängig von ihm ist. Geht es pleite, so dürfen die Leute nicht wieder zu ihm kommen und jammern:„Bedenken Sie doch, was Sie getan haben. Alles ist Ihre Schuld. Sie haben uns zugrundegerichtet. Alles ist Ihre Schuld." Er will mit Menschen arbeiten, die, gleich ihm, bereit sind, alles aufs Spiel zu setzen. Ringsum redeten die Leute gedämpft, leise: „Das allerbeste Band. Das allerbeste. Ich weiß, was ich sage, Bin seit dreißig Iahren in der Branche. Das allerbeste. Und billig!" „Sie müssen doch an Ihre Frau und Ihre Kinder denken. Mensch. Das müssen Sie. Stellen Sie sich vor: ein Auto überfährt Sie. Sie liegen im Spital. Und die Frau und die Kinder? Die hungern. Liegen auf der Straße. Mensch, bedenken Sie doch! Eine Lebensversicherung. Das Aergst« kann Ihnen zustoßen und Sie kümmern sich gar nicht darum." Alle diese Menschen ringsum wollen vorwärtskommen. Wenden ihren Verstand, ihre Fähigkesten an. Bauen, bauen. Schaffen neue Dinge. Verkaufen. Käufern Taufchen. Wer aaiä) er ist jo. Aach er will bauen. Luch er arbeitet. Und wenn es mißlingt? So vieles mißlingt. Ein Mann kann bankroll gehen, aber er braucht deshalb noch lange nicht ruiniert zu sein. Er ist nicht ruiniert. Wartet er denn nicht auf die beiden Männer? Wird er nicht eine neue Firma gründen? Von neuem beginnen? Der Teufel hol Glymmer und auch Zuckor. Zwei alte Männer. Die müssen Platz machen. Sind.zu alt. Frischen, Blut Platz machen. Frischem Blut. Junger Energie. Weshalb sind sie nicht wie er? Warum schütteln sie nicht die Dinge von sich ab? Weshalb schützen sie sich nicht gegen den Mißerfolg? Eine Lebensversicherung. Das Aergst« kann ihnen zustoßen und sie kümmern sich gar nicht darum. Mein Gott, wenn er seistimental sein, an die Zukunft denken wollte, sobald er einen Schritt tat, er würde nicht wagen, sich zu rühren. Das dürfen wir nicht. Wir müssen vorwärtsstrcben, vorwärts- kommen. Die neue Finna wird größer sei», mehr Angestellte haben. Mehr Arbest geben. Mehr Menschen beschäftigen. Für mehr Men- schen sorgen. Eigentlich tut er ja Gutes. Er vergrößert, erweitert. Er rodet das düree Holz aus und wählt frisches, junges. Er blickte abermals auf die Uhr. Ein Viertel vor Neun. Noch fünfzehn Minuten. In fünfzehn Minuten beginnt er alles von neuen,. Baut von neuem auf. Ein Mann wie er kann gar nicht zugrundegehcn. Kann nicht hungern und leiden. Energie, Kraft, Entschlossenheit. Handeln oder sterben. Wenn man so die Bettler auf der Straße betrachtet. Keine Energie. Keine Entschlossenheit. Sie lassen sich treiben..Vegetieren dahin. Man muß planen, arbeiten, kämpfen. Nichts geschieht von selbst. Man muß um alles ringen. Alles erkämpfen. Tut man das, kämpft man hart genug, so kann man gar keinen Mißerfolg haben. Dann muß sich für' einen alles zum Guten wenden. In der allen Firma hatten ganz taugliche Leute gearbeitet. Er wird die Streber, die Borwärtsdränger auswählen, jene, die zu kämpfen oerstehen, die vor nichts zurückschrecken. Er erkennt sie auf den ersten Blick. Die andern sind belanglos. Treibholz. Die treiben von einer Finna zur andern, von einer Arbeit zur andern. Buchhalter. Stenotypisten. Angestellte. Einmal ein Angestellter, immer ein Angestellter. Das ist ihr Motto. Wenn sie sich nicht selbst Helsen, nicht für sich selbst kämpfen wollen, weshalb sollte dann ein anderer für sie kämpfen? Wer soll für sie ihre Schlachten schlagen? Er zündete noch eine Zigarette an und blickte aus die Frau. Versuchte, ihren Augen zu begegne». Es gelang ihm nicht. Dann betrachtete er die Halle, die Leute, die dosaßen, die Pagen, die um- herliefen und Namen riefen. Es ist ja doch angenehm. Hier, in diesem Kreis, sitzen zu können, in einem bequemen Lehnstuhl, unter erfolgreichen geach- teten Menschen. Ja, es ist angenehm, das läßt sich nicht leugnen. Den Kopf gegen die Lehne zu stützen, durch den Zigarettenrauch die verschleierten Lampen zu betrachten. Den Kopf voller Zahlen, voller Pläne, voller Kombinationen. Die Brieftasche zum Platzen voll. Da fällt es leicht, dreinzusehen, als wäre einem alles einerlei. Oder hinabzublicken, die eigenen Bügelfallen, die glänzenden Stiefel im weichen Teppich vergraben zu sehen. Und bisweilen ein wenig Asche auf den Teppich fallen zu lassen. Mochte man keinen erfolgreichen Eindruck, benahm man sich nicht, wie«in Mensch, der vorwärtskommt, so würde man ersucht werden, sofort das Hotel zu verlassen. So aber wagen die Leute es nicht. Wagen nicht, einem ge- wichtig aussehenden Manne etwas zu sagen. Ein gewichtig aus- sehender Mann darf getrost die Asche aus den Hotelteppich fallen lassen. Keiner wagt, ihm ein Wort zu sagen. Gleich ,reun Uhr. Natürlich wird es Unannehmlichkesten geben. Konkurserklärung. Rechtsanwälte. Richter. Aber das muß man eben in Kauf nehmen. Man kann nicht weiterkommen, wenn man nur angenehme Dinge erleben will. Und nachher wird er frei sein. Ein Bankrotteur. Was de- deutet das? Er wüßte gerne, wie viele erfolgreiche Männer zu- mindest einmal während ihrer Laufbahn in Konturs gegangen waren. Man könnte fast sagen, daß es von ihnen erwartet wurde. Und nachher gründeten sie eine neue Firma, zahllen ihre neue» Schulden und waren allgemein geachtet und angesehen. So macht man es. Der Mann, der jetzt zu der schönen Frau trat, enttäuschte Read. Er war klein und gedrungen und sah gar nicht erfolgreich aus. Read staunte, daß eine so schöne Frau mit einem derorngen Manne ging. Sie sah so wohlhabend und vornehm aus. Der Mann hingegen machte entschieden einen abgenützten Eindruck. Als die Frau aufstand, versuchte er abermals, chrem Blick zu begegnen. Er sah chr gerade ins Gesicht. Vor einem derartigen Manne braucht er sich nicht zu fürchten. Der kann ihm den Buckel hinunterrutschen. Mein Gatt, wie schön ist die Frau! Für eine solche Fron würde er alles tun. Alles auf der Well. Damit eine solche Frau ihn anblickt, ihm zulächelt, ihm gehört, würde er... „Herr Read! Ein Herr Read wird gesucht! Herr Read!" Er suhr zusammen, vergaß die Frau, stand auf. „Hier." Dann schritt er auf den rufenden Pagen zu. Eine neu« Firma war im Entstehen begriffen. f�ät seh Ecke des„Abend". nnmimimiiiunminiimnimnmiiiimiiiinuniimiiimiiiiMnnmmmiiraMmminmimiimimmimiiiiHmimniiimuwnnnmmmmminmnituimiiuuuMHiuiuuiiiniiini Kreuzroorirätsel. W a g c r e ch t: 3. Nutzanwendung: 7. Korperschlagader: 8. Heide- dichter: g. Erdteil: 11. Gruft: 1?. Eiichakvorrichtung: 14. Titel; 13. männlicher Vorimme in Kurzform; 17. Ziegenledcr; 18. wildes Tier; Ig. Scherzname für Amerikaner; 20. Fluß in Thüringen; 21. Schlange: 23. rumänische Münze; 24. Schnelligkeit: 26. Ger- manengott; 28. Sultan in„Nathan der Weise"; 36. Bewohner einer Stadt an der Donau: 32. italienische Stadt; 33. Suppeneinlage aus geformtem Teig.— Senkrecht: 1. Schmutz: 2. Brettspiel: 3. be. kannter Volksbeauftragter: 4. weiblicher Vorname: 6. Reichstags- Präsident; 7. ehemalige sronzösifche Provinz(Herzog von.. g. Iagdgöttin: lt>. Hauptstadt der Philister(in Studentenlied ver- ewigt): 11. Verdaunngssäurei 13. Wasserbehälter: 16. Tonstück; 21. weiblicher Vorname: 22. Luft schöpfen; 23. männlicher Vorname: 27. berühmter Kalif; 29. griechischer Waldgott: 31. getrocknetes Gras. Zahsenrä�fel. 12343134678 Elektrisches Gerät für den Haushalt 2 3 4 3 7 Vogel 3 13 7 12 Feuerfestes Material 4 2 7 Altdeutscher Frauenname. 3 3 8 3 3 8 3 Mädchenname. 1 7 8 6 7 Gewebe. 3 3 2 Kirchlicher Würdenträger. 4 14 1 Brauch. Sitte. 6 7 8 1 2 7 Getreide. 8 3 4 3 Verbreche». Die Anfangsbuchstaben aller Wörter ergeben wieder das elektrische Hausgerät hl. Oefiz'iaufgabe. Aus den Silben der ger hei lang las lich lig lu mo mun sam sau schnel sig stig tä ter ter tig zier sind 10 dreisilbige Wörter mit gleicher zu ergänzender Endsilbe zu bilden. Wie heißen die Wörter und wie heißt dis Silbe? hl. Was ists? Vitt ä verursacht's manchmal Pein, Mit» jedoch ist's Mägdelein. --ad.» Silbenrätsel. Aus den Silben ah au b« del den der berg brcn knrrg cer chcn, dar di dor dro o e e e en en er eu fel ge gel gu he hen ho holz i il in kc kles li li na imu nel ncn ncr neun m m in no not nu on phe ra ri ri rie rus sche schwc sen sen scn sels si si sus ta ter ti tis tra tri trich ul us ve vor min ze sind 29 Wörter zu bilden, deren erster und vicrlcv Buchstabe von oben nach unten gelesen ein Zituat aus Wallensteins Lager ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Weiblicher Vorname, 2. Stadt in Branden- bürg. 3. berühmter englischer Gelehrter, 4. Fixstern, 3. Baum, 6. Ueberlieferung, 7. Fußtcile, 8. Haremswächter, 9. Kirchengerät: 10. jüdischer Vorname, 11. griechischer So geicheld, 12. sagenhafte Gestalten, 13. weiblicher Vorname, 14. Stadt im Harz, 13. Wächter der Unterwell, 16. Handwerkzeug, 17. Dreieinigkeit, 18. Apotheker- waren, 19. Varfohren, 20. Ehemikallen, 21. italienische Stadt. 22. Holzart, 23. Berg in Tirol, 24. Handelsstadt in Aleinasieu. 23. Neiner Fisch. 26. Hülsenfrucht. 27. Berg im Thüringer Wald, 28. Stadt im allen Assnrien, 29. Bolksausdruck für Helfer m der Not.(Bei Nr. 9 ist ch ein Buchstabe.)— ab. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Wowluse, Aufwcrt�g, Redlichkeit, Eben holz, Singvogel, Stranddistel, Reisefieber, Bettina, Becher, Zugtier. Gernegroß, Entente. Krater, Bürsten sind je drei, aus den letzte» beiden je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht ein Zitat aus Goethes Iphigenie ergeben,—ad. Zeitgemäß. Mit e gibt es fast allem Halt, Ohn' e packt es fast jung und alt. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) » ab.— Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Senkrecht: l. Tat: 2. Slsch; 3. See; 4. Aar: 5. Nif; 6. Paß: 7. Ehur: 8. Ton: 9. Hut; 10. Sir; 11. Bon— Wagerecht: 2. Aas; 4. After; 5. Bach: 6. Eis: 7. Faß; 8. Kuh; 10. Svu; 11. Rubin; 12. Tor. Defizitaufgabe: Podejuch, Podium, Poesie, Polareis, Polemik. Politik, Politur, Polizei, Pomade, Posaune, Poseidon, Positur, Postament, Postille, Postulat, Potemkin, Potentat, Potiphor (Po-). Zahlenrätsel: Finanzausgleich. Insel, Nauen, Angel, Nizza. Zange, Zische, Ufa, Sichel, Gallien, Linse, Enzian, Innung, Celle, Heine. Medaillonrötsel: 1. Araber; 2. Roabe: 3. Rabe: 4. Bar: 3. Ar: 6. a; 7. la: 8. Lea: 9. Adel; 10. Della; 11. Dattel. 12. Tadel: 13. Lade; 14. Ade 13. da; 16. d. Geographisches: 1. Kottbus: 2. öls; 3. Tlaumburg: 4. Znsterburg: 3. Glogau; 6. Schandau; 7. Bamberg; 8. Eßlingen: 9. Rothenburg; 10. Glatz.— Königsberg, Geburtsort von Iinmonucl Kant. Wandlung: Hamm. Kamm, Lamm. Rösselsprung: Ein rechter Mann hell zwei Gesichter, die er hält, Das eine auf sein Haus, das andere auf die Well. Das freundliche Gesicht, das wendet er ins Haus, Das ernste aber kehrt er in die Well hinaus. Rückert. tJfV�uriol4 Wannen, S9b Broirfen und 8 Einrichtungen für medizinische Bäder, über 20 Kaltbadeanstalten und 206 Schulbrauseböder. Aus einen Emwohner kommen danach nur 0,7 Schwimmbäder und 0,7 Reinigungsbäder im Jahr. Nach einer Wohnungsausi'ohme vom Mai 1SZS lebten 2 908 000 Personen in Wohnungen ohne Bad: unter Berücksichtigung der nicht in festen Wohnungen lebenden Bevölksrung erhöht sich diese Ziffer auf etwa rund •1,1 Millionen Einwohner. Im Jahre 1927 nahmen aber nur -090 OSO Berliner Einwohner ein Wannen- bzw. Brausebad, das sind 0,7 Reinigungsbäder pro Kopf und Jahr. Die Denkschrift nennt als einigermatzcn hygienisch befriedigende Ziffer 3,0. In DeutMand ertrinken jährlich 0000 Personen, ein Drittel davon find Kinder unter 13 Iahren: in Berlin ertranken 19Z7: 85 männliche und 13 weibliche Personen. Ais wichtigste Ausgabe der challenschwunmbäder wird deshalb mit Recht in der Dr.rfschriit die Ermöglichung des Schwimmunterrichts für die Kind« bezeichnet. Hier türmen sich aber kaum zu überwindende Schwierigkeiten auf. Bon den rund 380 000 Schülern der Volks- und höheren Schulen kommen jährlich etwa 75 000 für Schwimmunterricht in Frage: im Schuljahr 1927/28 sind aber nur 2 7 000 Schüler Im Schwimmen ausgebildet worden! Neun Zehntel aller Nolksschüler sind noch immer des Schwimmenz unkundig! Sie müssen es, weil alle Stätten, an denen sie schwimmen lernen können, überbelegt sind. Xhe Zahlen stellen ein« furchtbare Anklage gegen die alte man- archistifche Gesellschaft dar, die im Stadtinnern Kasernen auf Ka- lernen errichtete, aber für die Gefundung der breiten Volksschichten nichts übrig hatte. Die Kommunen können heute aus Grund ihrer finanziellen Schwierigkeiten die Sünden der Vergangenheit nur zu einem geringen Teil wieder gittmochen. „Czfimmier Eröffnung." Kein Sdiadiproblem, sondern Sdu&chexpcdiüont Mit einer gcrobezu unheimlichen Pünktlichkeit und einer an- fehnlichen Stärke trafen die Mitglieder der„Freien Arbeiter- Schachoereinigung Grotz-Berlin" om Sonntag in Grünau ein, um sich an dem Werbetag zu beteiligen. Wohl mag mancher aus dem Weg festgestellt haben, daß es ein Wahnsinn sei, in dieser Kälte zu fahren. Aber der Solidaritötsgedanke, das Kennzeichen der bundestrcuen Schachspieler, brachte sie doch an den Bestimmungsort. Und— keiner hat es bereut. Im schönen Saal des Gemeinfchaftshaufes der Gartenstadt Faltenberg, von den Grünauer Genossen„wärmstens" be- grüstr, taute man bald auf. Und Punkt 3 Uhr nahm die Veran- staltung ihren Anfang. Nach einer kurzen Begrüßungsrede rief der Spielführer die Mannschaften zum Kampf auf. Der Gruppe A: ,. Kreuzberg",„Schöneberg",„Treptow",„Grünau",„Prenzlauer Berg" und ein Teil von„Westend" stand die Gruppe U:„Mitte", „Lichtenberg",'„Weißenfee" und der andere Teil von..Westend" gegenüber. Durch einen tückischen„Zufall" trafen sich die beiden Borsitzendcn als Gegner. Heiß war der Kampf, der auf den 25 Brettern ausgetragen wurde. Kein Punkt wurde verschenkt Die v-Gruppe führte bis über die Hälfte der Spielzeit hinaus. Und dann— dann kam's eben anders. Resultat: A-Gruppe 14 Punkte. B-Gruppc 11 Punkte. Zu gleicher Zeit trugen die Gäste ein Turnier aus, in dem nicht minder scharf um den Punkt gekämpft wurde. Hier siegten die„Roten" mit 6!� über die„Blauen" mit 21?. Sicher als gutes Zeichen zu werten. Im Anschluß fand ein Blitzturnier statt, an dem sich 22 Genosien beteiligten und aus dem Wolff(„Mitte") gegen Vogt(„Treptow") ols Sieger hervorging. Der Schachfreund Engler(„Mitte") spielte zur selben Zeit an 10 Brettern simultan und tonnte 8 gewonnene Partien für sich buchen, gegen 2 ver- lorene. Die«ine dieser beiden Partien hatte ein 11 jähriger Jung« gejährt. Noch Beendigung des fchachlichcn Teils trat die Haus- tapclle der Abteilung„Mitte" an»nd verführte noch manch' alten Genossen zu einem Tänzchen. So endete diese, von echtem BundesKeist und Zusaininen- gehörigkeitsgefühl getrogene Veranstaltung genau so harmonisch. wie sie angefangen hatte. Nun mögen die Grünauer durch das Mittelspiel beweisen, daß sie die Eröffnung gut auszunutzen verstehen, damit di« 4 Neuauf- nahmen vom Sonntag nicht die einzigen bleiben. Zu dieser Arbeit „Frei Schach!" Achtung, Abteilungs-Spielführer! Notiert die Adresse des neuen Spielleiters: Hans Groß, Charlottenburg, Rofinenftr. 0. Die handels-hochjchulc Berlin lädt zu einem Sport-Werbeabend, heut« Mittwoch. 20 Uhr, in der Aula der Hochschule, Spandau«? Straße l. Ecke Neue Fricdrichstraße, ein. Aus dem Programm: Aujmarjch der Turn- und Sportgruppen: Partnerübungen: Bodenturnen: Hebungen mit der Zehn-Pfund-Kugel: Florett fechten: Federball-Tennis: Ausschnitt aus dem Uebungs betrieb der Studentinnen: Akademie im Degen und leichten Säbel: Barrenriege. Leibesübungen an amerikanische» Hochschule». Film von Pros. R. Tait McKenzie. Direktor des Departments oi Phyjical Education, Univcrfity oj Pennsylvania, Philadelphia.— Eintritt frei. Dampferfahrt bei 25 Grad wärme! Am Freitag, 15. Februar, veranstaltet der Deutsche A u t o- C I u b mit dem gefchlolfenen und gut geheizten Saloudampscr„Vaterland" der Reederei Noviling für seine' Mitglieder eine Fahrt durch die vereiste Spree bis nach dein Müggelsee. Die Abfahrt erfolgt in» 14 Uhr von der Jonnowitz- brücke. Nachzügler werden im Restaurant Müggclschloß erwartet. Karten werden unentgeltlich an die Mitglieder und deren Angehörige und an Gäste in der Reichsgeschästsstelle des DAE.. N?"e IN'"'«!' fcldtstr. 20(Barbarossa 8937) ausgegeben. „JfMie j>»»» U»l»,»«ß-Berli»." Sontursiaa. 14. Februar, ÄI Uhr. Sihung de» Grschäitsführendrn Slustckiutsr» bei Eachse, Livboircr Ltr..'S. Te»»i»R»I. Abteil»»« Wabbiiig-Rebbeiae. Donnerstag. 14. Februar. •JD Uhr. Rrtglirberuersammlung. Cef« Ehrkc. Eregrahr. Wichtige Zagcsorbnung: FTNB. oder Tennis. Rot? Spielstunbrurraclung.— Abteilu», Friedrich»h<>!a. Donnerstag. 14. Februar, 20 Uhr, Slonaiswersamnilung Im allen Pohenhoier. Landsberger Alle« lös. Touristen- Berel».Di« Ziotursrcunbe", Äb»«il»ng R«»töl>«. Freiiag, tö. Fe bruar, im Heim, Flughafenstr. SS. Luftiger Abend. Portragender: iSenossc Hvseman». Säfte willtominen. Eintritt srei. AST..H»««,. Cihnng MiUnntch. 13. Februar, 30 Uhr, bei Wrgner. Fron!. furter Allee 280. Frei« Foltbootiah», Berlin. Freilag, 1ö. Februar, Funktionärsihung bei chriinberg. All-Moabit 40. Conntag. IT. Februar, 9 Uhr. v-enrralver lamm Inno der Sparte in ftlitms Festsälen. Sosenhkidc. Fiele Bch»>I>ume,»roh-Beeli» e. B. Sauplaiissäiussihnng Donnerstag. lt. Februar. 20 Uhr. lOewerischaftshaiis. stonserknz,rinimrr. Reden de» Srupiien leitern erscheinen die bisherigen S.-A.-Mitglieder n»d Feugwartr. Kinder. ieiter, Iugendteitrr. Veignügungsausichüß-Oblenlc. Rcitungsi'änr'imnrer. Ddlenle der Sruppen. Partei,»der Scwcrkschaflsauswcis ist miiznbringcn. �iOctunals: Die Fischereientschädigung Rechte und Privilegien aus dem Jahre 1483. Pharisäer! „Sittenreine Geller tleute* und«Fidite-Immerireu* „So etwas konnte nicht vorkommen, als nach die Opposition die Leitung im Berliner Arbeitersußball hatte" so schreibt die kommu- nistische Presic über die Bargänge, die sich bei dem Länderfußballspiel „Oesterreich— Deuischlond" im Dezember ereigneten. lieber die Diebstahlsasfäre berichtet sie unter anderem folgendes: ,.... Während Künstler und Deutsch versuchten, die Anwesenden für ein Großdeutschland zu erwärmen, benutzten einige„fittenreine Gellert-Leute" die günstige Gelegenheit, um ihre deutschen Genossen gründlich auszuplündern.... Sa etwas konnte unter der Leitung der Oppofilion nicht vorkommen." Daß man sich gegen Berbrechergejindel nicht unbedingt wehren tonn, weiß die kommunistisch« Press« genau. Wie hätte es sonst vorkommen können, daß bei dem„F i ch t e- S p o r t f e st 1 928", ebenfalls im Poftftadion, die Leipziger Fußballer auch ausgeplündert wurden. Hier hotte doch die Opposition die Leitung! Oder wollen die Kommunisten etwa behaupten, daß die Leitung von Fichte in den Händen von„sitlenreinen Gellcrt-Leuten" lag? Ein anderer Fall war ähnlich. Bei einem Fußballspiel der. Mannschaften von„Fichte-Sudost" gegen die„Schweissterne" aus dem Fichtesportplatz in Treptow ereignet« es sich, daß man sich des am Tarpfosten hängenden Schlüssels zum Umkleideraum der„Schweif- ftern«" bemächtigt«. In aller Ruhe wurden die Kleider noch Wertsachen durchsucht. Wo nicht» gesunden wurde, nahm man eben die Schuhe oder Mäntel mit. Di« bestohlcnen Mitglieder der„Schweissterne" wurden hoch und heilig beschworen. Still- schweigen zu bewahren. Entschädigt wurden weder die Leipziger noch die„Schweissterne". So geschehen unter der Leitung der Opposition. Erinnert sei die Opposition serner an den Fall„M c r t n e r". der es sich als Kreiskaffierer nicht nehmen ließ, dem Sporthaus „Fichte" einige nächtliche Besuche abzustatten. Mertner wurde dann — die Vorgänge spielten im Jahie 1925— ousgeschlosien und Ende 1928, nach dem Bundestag, mit vollen Rechten und offenen Armen wieder aufgenommen. Sucht man bei der Opposition Fachleute'? Strandgut! In der„D a ch i". der bekannten Zeitschrist für den Segel- und Motorbootsport, lesen wir: Just vor einem Jahre wurde aii dieser Stelle von einem alten Hamburger Segler berichtet, der 1803 aus der Terschelling-Bank durch- stieß und sank und nach genau 05 Jahren durch die Wintersturme in seiner Ruhe gestört und an den Strand geworfen wurde. Auch in der Elbmündung liegt solch ein alter Herr, der Dampfer„Bede", der vor etwa 30 Jahren aus dem Mittelgrund blieb. Er hatte Schweineschmalz geladen. In der letzten Zeit vor Weihnachten hatte es wieder erheblich gestürmt, so daß der alte Herr sich wohl mal aus die andere Seile gelegt hat. Dabei haben sich vermutlich die Luken geöffnet und Fässer mit etwas reichlich stark gesalzenem Schweineschmalz trieben masienhoft an den Strand zwischen Kugel- baake und Duhnen, von den Strandamoohnern als köstlich« Neujahrs- gab« schleunigst geborgen. Wenn man es auch nicht mehr als Brot- ausstrich verwenden kann, so eignet ei sich doch gut zur Seifen- Herstellung. Der Wert dieses Strandgute» soll noch 30 Mark je Faß betragen. In der Sportbeilage des„Abend" vom 2. Joimar hat sich i Rechtsanwalt Dr. Martin Löwinfon schützend vor die Fischer gestellt, j denen nach seiner Meinung in einem vorher erschienenen Aussatz :„Warum die Fischer nicht fischen" bitteres Unrecht geschehen ist. Zu- gegeben, daß in dieser Abhandlung etwas tradiert wurde, so muß man sich als Wassersportler doch fragen, woher ein kleiner Teil der Bevölkerung— die Fischer— das Recht herleitet, von allen User- anliegen!, die durch Steganlagen den Fischsang angeblich behindern oder durch die Entfernung von Schilf die Laichroviere zerstören, Abgaben zu erheben. Es dürft« interesiant fein, etwas Über di« Her- tunft der sogenannten„Privilegien" der Fischer zu erfahren. In den fließenden Gewässern waren noch dem römischen wie auch noch dem germanischen Recht die darin besindlichen Fische herrenlos: d. h: sie konnten von jedermann gesangen werden. Bis die Könige und danach auch die mit der Verwaltung der kaiserlichen Haheitsrechte betrauten Vasallen aus den Gedanken kamen, diesen von der Natur gespendeten Reichtum für sich nutzbar zu machen. Es ist natürlich, daß diese hohen Herrschaften nichi selber zum Fischsang ausfuhren, sondern es sich viel bequemer machten, indem sie gegen ein angemessenes Entgelt das Fischrecht an Grundherren oder auch Private verliehen. Als ältestes Privileg kami das der K ä p e- nickcr Fischer angesehen werden, da» aus dem Tohre 1483 stammt. Nach einer Unterbrechung durch den Dreißigjährigen Krieg wurde dieses Privileg 1049 durch den Großen Knriursten erneut. Als letzte kämgliche Bestätigung gilt die Friedrich Wilhelms I. im Jahre 1713. Wer Köpenick-Kietz kennt, dem werden auch de alten „F i f ch e r e i g r ii n d st ü ck e" bekannt sein, die-früher auch als solche ausdrücklich im Gruichlnich eingetragen waren und es mahl auch heut« noch sind. Dos von den Fischern zu zahlend« Entgelt für das Privileg, das ursprünglich in Reallasten bestand, wurde später in eine „Rente von fünf Talern" umgewandelt, um Mitte der 00er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch Kapitalabiiirdung des Staates ein- zuschlajen. Unsummen werde» sicherlich nicht iiir die Fischerngrnnd- stucke gezahlt worden sein. Nun sitzen die Fischer als Fischereigerechtsame aus ihren Grund- stucken und versuchen— gestützt aus diese alten Ueberlieserungen— von den Useranliegern für den ihnen entstandenen„Schaden" Fischereiabgaden zu erlangen. Diese Forderungen muten doch etwas befremdend an, wen» man die ungeheure Entwicklung der Stadt Berlin und die außerordentliche Ausbreitung der Industrie in Be- lracht zieht, die doch die Be-rhältnisie der„Waffernutzitteßer" ganz anders gelagert haben. Leider find durch ein Kaminergerichtsurteil die Forderungen der Fischer als zu Recht bestehend onerkannt werden. Daraus berufen sich die Fischer auch letzthin in ihren Zohlungsbesehlen, die den Wassersportvereinen und wohl auch den anderen Useronlicgern zugegangen sind. Also einen rechtlichen Anhall zur Verweigerung der Zahlung haben die Wasiersportler nicht. Es wird jedoch vom Wasserfpartbeirat verflicht werden, ein Reichsgeruht surteil herbei, zusichren, was aber schwierig sein durste, da vor dem Reichsgericht nur Klagen von 2000 M. ob zur Entscheidung kommen. Dem Vernehmen noch soll diese Grenze noch aus 5000 M. erhöht werden. Im vergangenen Jahre haben Verlzandlungen über Verhandlungen stattgefunden zwischen Fischern und Uferonliegern. die jedoch zu keinem Ergebnis geführt haben. Von den Fischern wurde eine Entschädigung Wa zu 20 ps. pro Quadratmeter benutzter Wossersläche verlangt, während die Gegenpartei nur höchstens 4 Pf. zahlen wollt«. Es bedarf keiner großen Sachkenntnis, um zu ersehen, daß z. B- für die Köpemcker Fischer, wohl etwa 40. ein ganz erkleckliches Sümmchen aus der Erfüllung dieser Forde- rung herauskommen würde, denn bekanntlich sind ja hauptsächlich di« User der Berliner Gewässer in der näheren Umgebung van Useranliegern besetzt, die durch ihre Anlagen(Steganlagen. Boots- hdfeu. Dampseranlegestellen. Abwässer usw.) die Fischer„schädigen" Vekonnt dürste«ach stich daß die mmigstr« Fischer— vielleicht stimmt e-, daß die Fischerei nicht ertragreich genug ist— in Köpenick ihren Berus ausschließlich oder überhaupt noch ausüben, sondern als Geschäftsleute oder Handwerker ein beschauliches Dasein führen- Aber trotzdem wollen sie natürlich von ihren Forderungen aui Zischereientschädigung nicht abgehen. Sie haben ja ein gutes Recht dazu— schon aus dem 15. Jahrhundert! Es leuchtet ein, daß die Berliner Wasserstraßen in der Haupt- fache eben als-Wasser st r a ß e n da sind und auch den industriellen Anlagen dicnsibor gemacht werden. Als Fischereigelände können sie heute kaum in Betracht kommen, nicht aus Böswilligkeit gegen die Fischer, sondeni ans der perän-dertcn Sachlage. Die Fischer klammern sich nun an ihre alten Rechte! Hätten sie nicht im Laufe der Jahrhunderte umsatteln können, als sie merkten, daß der Fischfang nicht mehr ertragreich genug mor? Wie viele andere Beriüe sind eingegangen, wieviel Handwerker mußten umlernen, wieviel ehemals blühende Gewerbe liegen heute im Sterbe»: nach ihnen fragt kein Mensch. Auch bekommen sie von denen, die sie zum Tode zwingen, keine» Schadenersatz. Die Zett geht eben vorwärts. Ist da nicht ein wenig Egoismus bei den Fischern am Platze, wenn sie derartig holze Forderungen stellen? Wie die ganze Sache eirden wird, ist noch ungewiß. Für den Wassersport s i n d d i e s c Abgaben eine enorme L c- l a st u n g. Es wird von den Wassersportoerbänden alles getan werden, um eine Aenderung herbeizuführen. Gegebenenfalls muß auf die gesetzgebenden Körperschaften eingewirkt werden, um eine Gesetzesäi'derung herbeizufuhren. Hiervon hängt - einfach die Lebensfähigkeit des Wassersports ab. Im Zeitalter des ! Sports darf Nicht das Interesse einer kleinen Gruppe als Hemm- I schuh hindernd im Wege stehen. Schließfich sind es nicht allein die Fischereiabgaben, mit denen die W-assersporitreibenden belastet werden: es kommt noch der Wasserzins hinzu, der sich pro Qiwdratuieter bemitzter Wasserfläche aui 30 Pf. beläuft. Hier haben allerdings die Jugenidpslege treibenden Vereine ein Entgegenkommen, indem sie nur die Hälfte bezahle». Sosern die Vereine einen liier- streifen non der Stadt gepachtet baben. müssen sie auch-dafür eine angemessene Pacht bezahlen, die sich aus durchschnittlich 40 Ps. pro Quadrattncter belauft. Es hat tatsächlich den Anschein, daß die Wassersportler als zahlungsfähige Leute belrachlel werden, das ist heute nicht mehr in dem Maße der Falle wie früher. Auch die untere» Schichten der Be-völkerun-q haben die Schönheiten des Wassersports kennengelernt. Sollen sie durch die heche» Abgaben daran gehindert werden? Es muß unbedingt gesordert werden, daß auch den Wassersportvereiiien zur Ausübung ihres Sport-'s Pläa.e zu ganz niedrigen Sätzen zur Versiig-un-g gestellt weiden, die ein.« Ausbreitung dieses gesunden Sportes ernwgliche"- In der A r beitsgemeinschast deutscher Wassersportverbände ist eine Organ-isai-ion geschassen worden die die Geschicke der Wassersportler-in die Hand genominen hat und sich siir die Durchführung dieser Forderung an den maßgeb e-nden Stellen ein- setzen wird und es auch schon getan hat— leider mit wenig Erioig! Was die A r b e i t c r w o f f e r f p o r t( c r anbetrilst, so sind sie wohl am schlimmsten dran: denn sie haben keine Protektoren, Ganner aber Geldleuje, die helfend unter die Arme greisen. Aber schließlich walle» sie auch keine Almosen, sondern wollen ihren schonen und gesunden Sport aus eigener Kraft erhalten. Aber vom Staat sind gerechtes Entgegenkommen und Anerkennung der oolks gesundheitlichen Ziele zu fordern. Schließlich ist es doch Ä«r Staat wieder, dem die Wassersportler Helsen, dos Volk und hauptsächlich di« Jugend gesund zu erhalten, und dem sie dienen, indem sie die Jugend von solchen Stätte» fernhalten, die nicht der Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit, angetan sind. Die Vertreter der Arbetterschast in den Parlainenlen sollten dahin wirken,-daß auch die Interessen des Wassersports bei der Zu teilung von Freiflächen sowie bei der Bemessung und Verteilung der vom Staat für den Sport und für die Jugendpflege ausgewor jenen Stemmen gebührend Oeriickfichtigt werden. Wifizr RoAkttrnni. �(Belchäfa'Jtnsriger �=> (Qezirfc füden~Weften. Nach draimanatigsr Mitgliedschaft unbedingten RaehUanapruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchanaustritt erforderlich [G. F. 54 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch VORMALS MALEREIOENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1312 N018,LANDSBERGERALLEE38-39 FERNSPR. 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