BERLIN Sonnabend 16. Februar 1929 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntaga Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenftr. 3 Spälausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 80 B 40 46. Jahrgang. Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Leberarbeit im Kohlenbergbau. Forderung des Handelsministers im Hinblick auf die Kohlennot. Dortmund, 16. Februar. Der preußische Handelsminister hat dem Oberbergamt in Dortmund nachstehende Drahtung übermittelt: ,, Empfehle bei der lang andauernden ungewöhnlich strengen Kälteperiode zur Sicherstellung der Kohlenversorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft Ieberarbeit und namentlich für die Verladung am 17. Februar Sonntagsarbeit zu genehmigen, die Revierbeamten entsprechend zu benach richtigen sowie mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberver. tretungen in Verbindung zu treten. Unterschrift: Handelsminister. Das Oberbergamt hat sich dieserhalb sogleich mit den Organisationen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite in Verbindung gesezt sowie durch seine Bergreviere sämtliche Revierzechen entsprechend benachrichtigt. Wie wir hierzu vom Bergbauindustriearbeiterverband erfahren, hat der Vorstand den Bezirksleitungen nahegelegt, zunächst für den morgigen Sonntag dort keinen Widerstand gegen die Sonntags: arbeit zu leisten, wo die Verladung in Anbetracht der allgemeinen Notlage dringend erscheint. Ueber die weiteren Wünsche des Handlesministers wird am Montag in einer Konferenz mit den Bertretern der Bergbehörden verhandelt werden. Infame Hetze gegen die Erwerbslosen. Wo ist das Riesenheer der Erwerbslosen?" fragte die Deutsche Bergwerfs- Zeitung" am Donnerstag in der Ueberschrift einer Notiz, um in der Unterzeile die Behauptung aufzustellen: ,, Reine Arbeiter für Stapelverladungen im Brauntohlenbergbau." In dieser Notiz wurde ausgeführt, daß zwar gewisse Behinderungen in der Kohlengewinnung, in der Förderung und auch in der Brikettfabrik unverkennbar seien. Störungen in der Hausbrandlieferung würden sich jedoch voraussichtlich vermeiden lassen ,,, lagen doch im mitteldeutschen Syndikatsbezirk Ende Dezember nicht weniger als 300 000 Briketts auf Stapel". Nun kommt der Trumpf. ,, Leider werden von den Werken mit Stapelvorräten übereinstimmend Klagen darüber erhoben, daß es unmöglich ist, Arbeiter zum Berladen der Stapel zu bekommen. Es ist demnach der be= Nur noch 6 Grad Kälte. Rund 10 000 forgen heute in Berlin für Schneeabfuhr. In Berlin wurden um Mitternacht von gestern auf heute 7,5 Grad gemessen. Gegen Morgen hat die Temperatur weiter nachgelassen. Um 6 Uhr wurden 6 Gradim Zentrum und 8 Grad in den Außenbezirken gemeffen. Damit ist die Gefahr, daß der Frost innerhalb der hochbebauten Stadtteile 1,40 Meter Tiefe erreichen und damit in die Nähe der von den Straßenröhren in den Häusern hineinführenden Hausleitungen kommen würde, behoben. flagenswerte Zustand festzustellen, daß es bei einem Riefenheer von Arbeitslosen nicht möglich ist, Arbeiter zu bekommen für die unter den heutigen Frostverhältnissen so eminent wichtige Tätigkeit des Berladens von Brifetts vom Stapel in die Eisenbahnwagen. Diese Erfahrung befeuchtet mit aller Deutlichkeit die häufig gerügten Mißstände auf dem Gebiet der Arbeitslosenfürsorge." Aus dem Senftenberger Braunkohlenrevier wird uns zu dieser durch und durch verlogenen Darstellung mitgeteilt, daß bisher weder beim Arbeitsamt in Senftenberg noch in Torgau Arbeitslose zur Stapelverladung angefordert worden sind. Dabei sind infolge der Stillegung der Abraumbetriebe von den Werken Tausende von Arbeitern entlassen worden. Senftenberg allein sind etwa 3000 Erwerbslose, zur Stapelverladung also genügend Arbeiter bereit. In In der Verläumbung der Arbeitslosen scheint System zu liegen, wobei dahingestellt sein mag, ob es sich nur um die Heze gegen die Sozialversicherung, speziell gegen die Arbeitslojenversicherung dreht. Sowjetunion als Wirtschaftsgebiet Auslaffungen eines Industrieführers. Das Präsidialmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Direktor Hans Kraemer, hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des RuslandAusschusses der deutschen Wirtschaft bei der letzten, der Verschmelzung mit dem Rußland- Ausschuß ge= widmeten Tagung des Deutsch- Russischen Vereins programmatische Ausführungen gemacht, die von der als Organ des Rußland- Ausschusses erscheinenden Zeitschrift Die Ostwirtschaft" veröffentlicht werden. In den Mittel punkt seines Vortrages stellte Kraemer den Gedanken. daß wir unsere wirtschaftliche Wiedergesundung nicht von dem Westen, sondern von dem gesamten Osten im weite sten Sinne erwarten und daß der Osten zur Domäne der deutschen Wirtschaftsausbreitung werden solle und fönne. Deutschland allein könne allerdings das russische Problem nicht lösen. Im Gegenteil werde das stärkere Eindringen nichtdeutschen Auslands: kapitals in Rußland für Deutschland kein Nachteil, sondern ein Vorteil sein, schon deswegen, weil solche For: derungen hinter unsere Forderungen treten und sie nicht schlechter, sondern besser machen würden. Es sei unrichtig, daß die Gründung des Rußland- Ausschusses dem 3wed gelte, das Außenhandelsmonopol zu bekämpfen, denn dieses mache es unter den gegenwärtigen Verhältnissen er st möglich, mit Rußland Geschäfte zu tätigen. Es sei allerdings der Glaube berechtigt, daß die wirtschaftliche Vernunft siegen werde über die Form der starren Staatswirtschaft und der rein staatlichen Regelung der Güterverteilung, wie sie heute in Rußland betrieben wird. Auf die Genossenschaften dürfe man wahrscheinlich die Hoffnungen für die zukünftige Neugestaltung der agrarisch en Produktion in Rußland feßen. Deutschland sei der gebende Teil gewesen in einer Zeit, in der Rußland von allen verlassen war, und es sei begreiflich, an eine Gegenleistung dafür zu denken. Die positive Aufgabe des Rußland- Ausschusses bestehe darin, die Gesamtheit der deutschen Wirtschaft in Sinne praktischer Arbeit mit einer 25 000 Unfallfote jährlich einheitlichen Auffassung von der Bedeutung des Geschäftsverkehrs zwischen Deutschland und Rußland zu erfüllen. Der Rußland- Aus** Diese Ausführungen des Vorsitzenden des Rußland- Ausschusses der deutschen Industrie sind gerade in diesem Augenblick auch politisch interessant. Sie wenden sich indirett, aber deswegen doch scharf gegen einige Auslassungen in der ,, Bergarbeiterzeitung" und ,, Börsenzeitung", die, durch die ständige Lektüre der Roten Fahne" nervös und wild gemacht, eine politische Verständigung gegen die Sowjetunion vorschlugen, um den innerdeutschen Kommunismus niederzuschlagen. Die Auslaffung Kraemers hingegen geht von einer richtigen Einschätzung der deutschen, sich fortgesetzt selbst zersetzenden Kommunistischen Partei cus und wertet die von ihr drohenden politischen Gefahren mit Recht sehr gering. Gegenüber den wohl von ehemaligen Militärs in den genannten Zeitungen herrührenden militärischen Ansichten geht aus Kraemers Ausführungen hervor, daß es der Industrie selbstverständlich auf das kapitalistische Verdienen in der Sowjetunion ankommt. Weißgardistisch robust wird die Bourgeoisie dann, wenn es ihr ans Leben geht. Hat sie einmal die antibolschewistische Angst überwunden, dann findet sie sich mit jedem Bolschewismus ab, nur vorausgesetzt, daß er sie am Verdienen nicht allzu sehr stört: Daß es der „ Wirtschaft" in erster Linie immer auf den Profit ankommt, das können nur die Dickschädel der ehemaligen Offiziere im KarlLiebknecht- Haus in Berlin und im Stahlhof in Essen nicht begreifen. Amerifa baut Elektrowerke in der Sowjetunion. Moskau, 16. Februar. Die Der staatliche Trust ,,, Energo stroj" führt gegenwärtig Verhandlungen mit den Vertretern der General Elektric Co. in Moskau, Direktor Pragtst und Ingenieur Trone, sowie mit dem Direktor Galjuscha von der amerikanischen Baufirma Dwight Robinson u. Co. über technische Hilfeleistung für den russischen Kraftwerkbau. amerikanischen Firmen wollen in der Sowjetunion ein Großfraftwerk bauen, das mit modernen amerikanischen Anlagen ausgerüstet werden soll. Dieses Kraftwerk soll den russischen Ingenieuren die Vorzüge der Baumethoden zeigen, die in Amerika beim Kraftwerkbau angewendet werden. Die technische Hilfe beim Bau dieses Kraftwerks soll darin bestehen, daß die Skizzen und technischen Moskauer Gewerkschaffen vor Gericht Bauprojekte des Kraftwerks in Moskau unter Teilnahme ameri Berichte 2. Seite tanischer Ingenieure ausgearbeitet werden, die Montagezeich= nungen in Amerika unter Mitwirkung russischer technischer Kräfte. Brand im Hafen von Buenos Aires * In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag brach im Hafen von Buenos Aires in der Nähe der Oeldepots der Regierung ein Riesenfeuer aus. Das Feuer griff auf die Lagerhäuser über und brannte sie restlos nieder. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Unser Bild zeigt einen Blick auf den Hafen von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien. Die Kohlennot. (Fortsetzung von der 1. Seite.) ..c„Senftenberger Anzeiger" teilte am 15. Februar seinen zäunten Lesern mit. a m Schwarzen Brett der Berliner Universität' würden Wertstudenten gesucht zur Stapelverladung ins Senftenberger Revier mit 3« M. Wochenlohn!! Dem Schwindel sei die Tatsache gegenübergestellt, daß im nütteldeutschen Braunkohlenrevier genügend erwerbslose und arbeitsbereite Arbeiter ouf Arbeil warten. Cs ist ew Skandal, diese Arbeitslosen in ihrer Not noch zu verhöhnen und die Ssfent- liche Meinung irr« zu führen! Vayern-Krieg gegen Preußen. Nach den Reden der bayrischen Minister. Em« Berliner Firma, die Weltverkehr pflegt, hat ihre Werbe- schreiben auch nach Bayern verschickt. Darauf hat sie aus einem bayerischen Kurort eine Antwort erhalten, die wert ist, als neu- deutsches Kulwvdokmnent auch der Oeffentlichkeit unterbreitet zu werden. Hier ist der Wortlaut der offenen Postkarte: Ludwig Landes mnta-....... Kunttyartog..... Der bayerische Ministerpräsident aus Hessen uich sein Fmans- minister Schmelz!« würden über diese Wirkung ihrer„vertraulichen" Reden gegen das„schamlose" Preußen ihre Freude haben. Aber sie sollen sich nicht allein freuen dürfen. Unsere Leser wollen ihren Anteil daran hoben. Deshalb geben wir ihnen den Handelskrieg gegen Verlin" zur Kenntnis. Die preise ziehen an. Aber die Armen dürfen nicht leiden. Das vom Polizeipräsidenten angekündigte verschärfte vorgehen gegen Wucher im Lebensmillelhandel ist. wie wir erfahren, auf einen besonders krassen Fall zu- rückzusühren, in dem ein Gemüsehändler ohne jede Berechll- guag einen unerhört hohen Preis für Sarloffeln verlangt Halle. Im übrigen jedoch ist bisher die Zahl der Wucher- anzeigen, die jetzt von der Kriminalpolizei zentral behandelt werden, durchaus nicht in den letzten 24 Stunden angewachsen. Es kann darauf hingewiesen werden, daß die Polizei keineswegs gegen berechtigte Preiserhöhungen, die sich aus der Marktlage ergeben, vorgehen wird und daß bei jeder Wucheranzeige eine genaue Nachprüfung unter Heranziehung von Sachverständigen erfolgt. Auf der anderen Seite müssen die V e r- braucher vor einer Wucherpsychose gewarnt und darauf aufmerksam gemacht werden, daß gewisse Preissteigerungen für Gemüse und Kartoffeln infolge des abnormen Frostwetters der letzten Wochen ganz unvermeidlich fein werden. Vom Reichsverband der Obst- und Gemüse- Händler, der im übrigen auch energisch vor der Tätigung von Angstkäufen im Interesse der Sicherstellung der allgemeinen Ver- sorgung warnt, wird darauf hingewiesen, daß in den letzten Tagen sowohl für einheimische wie für ausländische Gemüseorten die Preise von den Züchtern um 50 bis 100 Prozent herausgesetzt worden sind. Der Kleinhandel habe seit Mitte Dezember die Kleinverkaufspreise «ms der modrigsten Stufe gehalten, doch werde bei fortdauernder Frostwitterung infolge der höher werdenden Forde- rungen der Lieseranten ein Anziehen der Preise im Kleinverkauf nicht zu vermeiden sein. Aehnlich liegen die Dinge im K a r t o f f e l h a n d el. Die Landwirtschaft beziffert nach einer Mitteilung des Deutschen Land- wirtschaftsrats zurzeit einen Verlust von 40 Proz. der in Mieten gelagerten Karioffelvorräte infolge des Frostes. Schon aus diesem Grunde sehen sich die Landwirte zu höheren Preisforderungen genötigt. Bei der Preisbildung im Kleinhandel sind dazu noch die beim Transport durch weiteren Frost eingetretenen Verluste zu berückstch- tigen, für die sich der Groß- und Kleinhandel schadlos halten müssen. Diese Umstände und noch vielfach hinzukommende höhere Trans- porttosten haben dazu beigetragen, daß die Preise für Kartoffeln in den letzten Tagen um mehrere Mark angezogen haben. Demgegenüber muß aber auch mit aller Entschiedenheit betont werden, daß die Armen und die Aermsten unter diesen abnormen Verhältnissen nicht leiden dürfen. Die ltniernehmer kündigen. Tarifkündigung der Metallindustriellen Hessen-Nassaus. Frankfurt a. IS. Februar.(Eigenbericht.) Der verband der wekallinduslriellen für Hesien und Hesfen- vassau hat an den Deutschen Mexallarbeilerverband einen Pries gerichkel. in dem er das bestehende Lohn- und Akkordabkommen für den 15. April kündigt. Gleichzeitig wird der Metallarbeiter. verband zu neuen Verhandlungen über ein neues Lohnobkommen eingeladen. Chemnitz, IS. Februar. Die Bereinigung der Verbände sächsischer Metallindustrieller hatte den sächsischen Schlichter angerufen mit der Bitte, baldigst einen Verhandlungsternün anzusetzen und einen Spruch zu fällen, der eine Verlängerung des am 31. März Mausenden Lohntarifs zu den bisherigen Lohnsätzen vorsieht. Wie von Arbeitgeberseite mitgeteilt wird, ist dieser Schritt er- salgt, nachdem der Metallarbeiterverband erklärt hat, daß ihm der von den Metollindustriellen für die neuen Torisverhandlungen vor- , �'schlagen« Termin(14. Februar) angesichts des gegenwärtig um übersichtlichen Standes der Wirtschaft zu frühzeitig erscheine. 25 000 Llnfalttote im Lahr. Austakt zur Reichs-Ltnfatlverhütungs-Woche. Als Auftakt zu der in der Zeil vom 23. Februar bis 3. März stallflndenden Reichs- llnsallverhütungs- Woche(RAWo) veranstalteten die lechnisch-wlssenschafllichen vereine in Berlin eine große Kundgebung im Herrenhaus. In«inleitender Ansprache kennzeichnete Geheimrat o. B o r s i g die Bedeutung der Reichs-Unfallverhütungs-Woche als einen Appell an die Gesamtheit des Volkes, durch stetige Mitarbeit die tag- lichen ungefähr 9 00 0 Unfälle ouf den Eisenbahnen und Straßen, in den Fabriken und Wohnstätten verringern zu helfen. Die 2 Millionen Toten und 1 Million Unterstützungsbedürftigen und nicht mehr voll leistungsfähigen Kriegsverlegten, die der Welt- krieg als Opfer forderte, die gewaltige Einbuße an öffentlichen Werten und Privatbesitz lasten ein weiteres jährliches Opfer im Aus- maß von mehr als 1 Million Unfallverletzten und 25 000 Talen nicht mehr tragbar erscheinen. Als Hauptredner des Abends sprach der Leiter der Zentralstelle für Unfallverhütung beim Verbände der deutschen Berufsgemssfen- schaften, Herr Gewerbeastestor a. D. Michels„Ueber die Notwem digkeit einer allgemeinen, das ganze Bolk umfassenden Aufklärung über Unfallverhütung". Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Forderung, ein« planmäßige Unfallbekämpfung, die bisher in Deutschland nur auf das Gebiet der Betriebsunfälle beschränkt gewesen und in die Hand der Gewerbeaufsicht und der Berufsgenostenschaften gelegt�worden sei, nunmehr auch auf die Un- fälle im Haus und auf der Straße auszudehnen, nachdem die Sto- tistik einwandfrei gezeigt hat, daß unter 64 durch Unfall ums Leben gekommenen Personen nur etwa ein Drittel auf berufsgenossenschoft- liche Versicherte entfallen, und die Unglücksfälle im Straßenverkehr hierbei den größten Anteil ausmachen. Die Erhebungen des Statistischen Reichsamtes besagen, daß auf 64 Unfolltodes- sälle nur 1,3 Todesfälle an Moschinen kommen, und auch die berufsgenvssenschafllichen Erfahrungen lassen eindeutig erkennen, daß nur euva ein Drittel aller Unfälle bei der Arbeit an Maschinen eintreten, während zwei Drittel durch ander« in den persönlichen Eigenschaften der Betroffenen begründete Anlaste verursacht werden. Der Umstand, daß trotz allem instinktiven Streben des Menschen. sich vor Schädigungen zu bewahren, und trotz unbewußt gesteigerter Borsicht gegenüber besonderen Unfallgefohren doch in vielen Fällen der natürliche Einfluß von Aufmerksamkeil und Geschicklichkeil durch besondere Einslüfle wie Aerger. Freude und dergl. vermindert und dadurch oft der Anlaß für folgenschwere Unfälle gegeben wird, be- weist, daß den vielen Möglichkeiten menschlichen Versagens nur durch dauernde Einwirkung auf den Menschen selbst im Wege ständiger Selb st Überwachung der Betriebe entgegengearbeitet werden kann. Während die amerikanische Sicherheitsbewegung da- durch, daß sie von den an der Unfallverhütung im ganzen Bolk« interessierten privaten Versicherungsgesellschaften getragen wird, von vornherein die Gesamtheit der Staatsbürger erfaßt, wird in Deutsch- land die planmäßige Erziehung zur Unfallverhütung bisher nur von den Berusgenossenschaften und einzelnen Verkehrsanstallen betrieben, und somit nur die bereits im Leben stehend« Bevölkerung, nicht aber die Jugend, mit den Gedankengängen der Unfallverhütung vertraut gemacht. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebsingemeure im Verein deutscher Ingenieure, die bei den Borarbeiten zur Reichs- Unfalloerhütungs-Woch« totkräftig mitwirkt, hat sich, wie ihr Vor- sitzender, Direktor L u d w i g, in den Schlußworten der Kundgebung zum Ausdruck brachte, feit ihrer Gründung Immer wieder mit dem Thema„Der Mensch im Arbeitsprozeß" befaßt und naturgemäß der Unfallverhütung die größte Beachtung geschenkt. Selbstverständliche Aufgab« oller Betriebsingenieure in den industriellen Unterneh- mungen muß es sein, zur Bekämpfung von Unfällen durch geeignete Maßnahmen, wie sie von den veranstaltenden Stellen auch für die RUWo vorgeschlagen sind, das ihrige beizutragen. Reben der Auf- stellung einiger grundsätzlicher im einzelnen näher ausgeführter Forderungen für die Ausgestaltung der Unfallverhütung erscheint ein besonderer Hinweis ouf die Notwendigkeit am Platze, auch auf das Unterbewußtsein des Arbeiters zu wirken, da gerade solche Mittel den besten Erfolg oersprechen, die im Unterbewußtsein ein Gegengift gegen die Gefahr des Unfallteufels bilden. Gkandalprozeß in Moskau. Gegen kommunistische Gewerkschastsführer. In Moskau tagt soeben ein außerordentlicher Kongreß der Bau- arb efteri zur Derhandlung stehen zwei Fragen: die Vorbereitung zur Bausaison und die skandalösen Zustände innerhalb der Moskauer Gouoernementsabteilung des 2er- b a n d e s. Von den 600 Kongreßmitgliedern hatten sich zur zweften Frage mehr als 250 Redner zum Wort gemeldet. So aktull war sie. Und zur selben Zeft, da die Tagung ihren Anfang nahm, fand in dem Zentralheim des Bauarbefteroerbandes der Prozeß gegen 11 führende Gewerkschaftler sstatt. Mftglieder der Kommunistischen Partei, deren skandalöses und ver- brecherisches Treiben mit Anlaß zur Einberufung des außerordent- lichen Kongrestes war. Der geräumige Saal des Zentralheims war überfüllt. Kino- operateure fünften das Gericht und die Angeklagten, die vor einem Mikrophon ihre Aussagen machten! Besondere Wandzeitungen brachten ausführliche Berichte über die Verhandlung. Der Prozeß der.Labukisten" war sechs Tage lang die Sensation Moskaus. „Kabukisten"— so nannten sich die AngeNagten und ihre Ge- nassen, die zwar nicht angeklagt, jedoch auf dem Disziplinarwege bestraft und aus der Kommunistischen Partei ausgeschlosten wurden. „Kabukisten"— nach dem japanischen Theater Kabuki, mit dem sie allerdings nichts gemein hatten. 25 leitende Gewerkschaftler des Bauarbeiteroerbandes, sämtlich Mitglieder der Kommunistischen Partei, haften einen Verein mit eigenen Statuten gegründet, ihm den Namen„Kabuki" gegeben und sich zur Aufgab« gemacht,„alle geeigneten Mitarbefter und Funktionäre der Maskauer Gouvernementsabteilung des Bauarbeiterverbandes" für ihren Verein anzu- werben und auch Beziehungen mit anderen Verbänden und dem Zentralkomitee der Gewerkschaften anzubahnen. So war es in den Statuten zu lesen., Auch über den Zweck des Vereins erfuhr man aus ihnen Näheres.„Der Berein", besagte ein Paragraph,„steht auf der Plattform des ollgemeinen Suffs und der allgemeine» Hurerei."„Er hat die Aufgabe," las man an anderer Stelle,„den Mitgliedern in Saufen und Laster die größtmögliche Unterstützung zu gewähren: die Mitglieder des Vereins verpflichten sich, einander bei der Befriedigung ihrer physischen Bedürfnisse zu unterstützen und bei allen Ueberraschungen schwierigen Situationen einander zu helfen. Im Falle der Verhaftung eines der Mitglieder des Vereins verpflichten sich die anderen, ihn aus der Patsch« zu helfen. Die Frauen gehen von Hand zu Hand. Mitglied kann nur der werden, der in all den Dingen genügende Erfahrungen hat." Die Kabukisten entwickelten eine rege Tätigkeit. Sie waren nicht nur Männer des Wortes, sondern auch solch« der Tat. Sie versammelten sich in verschiedenen Lokalen und privatim, tranken hier bis zur Bewußtlosigkeft und veranstalteten in den Räumen des Bauarbeiteroerbandes regelrechte Orgien. Die Boten mußten Glüh- wein bereiten, die Aufwartefrauen und Stenotypistinnen backen und kochen. Ganze Tonnen Bier und Körbe mit Wein wurden herbei- geschleppt. Das Geld dazu entnahm man der Kasse desBauoerbondes. Ja, den ausführlichen Beschluß über die Organisation eines solchen„Familienabends" faßte man in einer Sitzung des Präsidiums. Zu gleicher Zeit mit einem anderen Beschluß über den— Arbeitsschutz l Ein solcher „Familienabend" wurde übrigens auch zu Ehren des zehnjährigen Bestehens des kommunistst hen Iugendverbandes veranstaltet. Das Gericht oerurte. te drei der Hauptangeklagten— die übrigens bereits eine krin. nclle Bergangenheit hatten— zu drei Iahren Gefängnis und zur dreijährigen Verbannung nach Narym und acht weftere Angeklagte zu Gefängnisstrafen von ein bis drei Iahren. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende unter anderem aus, daß die Organisation Ve�rbandsgclder unter- schlagen und in den Räumen der Gouvernementsabteilung und des zentralen Verbandsheimes unter Begünstigung der leitenden Personen Orgien veranstaltet habe. Der Vorsitzende des Verbandes wird sich übrigens wegen der Duldung dieser skandalösen Zustände zu verantworten haben. Die Kongreß- redner erklärten aber, daß ähnliche Erscheinungen wie im Moskauer Zentralverband sich auch in einer großen Anzahl lokaler Verbände bemerkbar machten. Vier bedenkliche Gasunfätle. Zehn Personen durch ausströmendes Gas betäubt. In der vergangenen Nacht und am gestrigen Tage haben sich nicht weniger als vier Unfälle zugetragen, bei denen im ganzen zehn Personen, in einem Falle eine Fa- mitte von drei köpfen, durch ausströmende Gase be- täubt worden sind. In schwere Lebensgefahr gerieten in der vergangenen Nacht der 3s Jahr« alte Schneidermeister Reinhold Hausmann, feine 33 Jahre alte Frau Marie und die zehnjährige Tochter Hedwig in ihrer Wohnung in der K a i f« r- W i l h e l m- Straße 3 9. Gegen 10 Uhr abends, als alles bereits dunkel. war. wurden Hausgenosten durch Gasgeruch auf diese Wohnung aufmert- sam. Weil man auf Klingeln keine Antwort erhiell, so lieh man öffnen und fand nun die ganze Familie betäubt auf. Hausmann hafte abends den eingefrorenen Gasmester aufgetaut und dabei vergessen, die Wasserfüllschroubc wieder ge- hörig anzudrehen. So war Gas allmählich in solcher Menge entwichen, daß die Familie im Laufe der Nacht sicher ums Leben gekommen wäre, wenn sie nicht rechtzeitig noch Hilfe erhallen hafte. Man öffnete ein Fenster, so daß das Gas abziehen tonnte. Ein Arft der Rettungswache, der herbeigerufen wurde, stellte fest, daß alle drei noch gut davongekommen waren. Sie hgften noch nicht schwer gelitten, waren vielmehr erst leicht betäubt. Ein zweiter Fall von Gasvergiftung trug sich in der Müller st r. 118 zu. Dort wurde heute morgen gegen VA Uhr die 66 Jahre olle Berta Weiß und ihre 37 Jahre alte Tochter Lotte bewußtlos aufgefunden.. Auch sie wo�en durch aus- strömendes Gas betäubt worden, das aus einer schadhaften Leitung kam. Die Samariter der Feuerwehr brachten beide wieder zur Besinnung. Ein dritter Fall betrifft eine 14 Jahre alte Schülerin Edith Pasch ke. Kleine Rosenthaler Slr. 12, die von ihrer Mutter in der vergangenen Nacht, im Bette liegend, be- wußftos aufgefunden wurde. Auch hier ist der Unfall auf eine Un- Vorsichtigkeit zurückzuführen. Die Schülerin mußte in das Kranken- Haus am Friedrichshain gebracht werden. Der vierte Fall trug sich heute morgen gegen 6A Uhr in der Wohnung der Familie Hoos in der Potsdamer Str. 84 zu. Dort wurde der Untermieter, der 34 Jahre alte Schlosser Franz Wolfram, die 18 Jahre alte Pflegetochter der Familie Hoos, Marie Krüger, und die beiden Kinder der Familie Hoos, die 7 Jahre alte Eva und der 6 Jahre alle Arnim, durch Gas betäubt aufgefunden. Sie konnten wieder ins Leben zurückgerufen werden. Die Gase entstammen einem Gasofen, der in der nebenan liegenden Sattlerei steht, von wo aus sie in die Wohnung drangen. Ltngarische Kommunisten in Berlin. Derhastung von 20 Personen. Eine Lokalkorrespoirdenz meldet: Beamte der Abteilung Is stießen gestern abend bei einer Frem- denkontrolle auf ein« Versammlung von 20 Personen, die in einem Lokal in der Nähe des Alexanderplatzes tagte. Die Verfammlungs- teilnehmer waren in der Hauptzahl ungarische Emigranten, die unter dem Vorgeben zusammengekommen waren, sich mft Wirt- schastsfragen zu beschäftigen. Bei näherer Prüfung ergab sich jedoch. daß es sich in Wirtlichteft um Anhänger der kommunisti- schen Bewegung hondell, die sich nicht nur mit der politischen Lage in Ungarn sondern auch mit der in Deutschland befaßten. Alle Per- sonen mußten den Weg zum Polizeipräsidium antreten, wo man fest- stellte, daß neun Personen ohne gültig« Ausweispapiere waren. Dies« lverden dem Schnellrichter wegen Paßvergehenz vor- geführt. Gegen alle Beteiligten werden fremdenpolizeiliche Maß- nahmen eingeleitet werden. Der Tod um eine Krawattenflammer. Es wäre nicht geschehen, wenn man nicht getrunken hätte. Wenn je nichtige Ursachen unter Einwirkung des Alkohols zu tragischen Folgen geführt haben, so in diesem Falle. Wegen einer Krawattenflammer begann der Streit und in feinem Berfolg starb ein Mensch von einem Faustschlag. Das Ganze spielte fidh am 29. September 1928 neben und auf dem Untergrundbahnhof Seestraße ab. Der Täter war der 26jährige Arbeiter und ehemalige Pofthelfer H. Er hatte sich jetzt vor dem Landgericht III wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu verantworten, 5. mar am verhängnisvollen Tage frank geschrieben; also hatte er Zeit zum Trinken. Er spazierte durch die Müllerstraße und traf einen alten Bekannten. Das freudige Wiedersehen nach langer Zeit wurde, wie es leider nicht anders üblich, in einer Kneipe begossen, Aus einem Glase Bier wurden es ihrer sechs, der Nachmittag zum Abend, und als man das Lotal verließ, war man, wie nicht anders zu erwarten, beschwipst. Vor dem Eingang der Untergrundbahn Seestraße traf man noch einen Bekannten, und man betrat noch einmal eine Kneipe. Einige Minuten später aber verließ H. das Lofal wieder, stand einen Augenblick nor der Tür und spielte mit seiner Kravattentlammer. Das war teine ein fache Krawattenklammer, sondern ein Geschenk der Freundin, somit ein besonders wertvolles Stüd. Auf den in offenbar freundlichen Gedanken versunkenen und beschwipsten H. tamen plöglich vier Männer zu. Auch die hatten in einem Lokal dem Altohol reichlich zugesprochen. Einer von ihnen riß dem H. die Krawatten flammer aus der Hand und alle vier liefen trotz der Rufe Halt" unter Schimpfwot.cn die Treppe zur Untergrundbahn hinunter. H. holte seinen Freund aus der Kneipe und beide stürzten die Treppe zum Untergrundbahnhof hinunter, liefen trotz der Bor haltungen des Beamten durch die Sperre und erblickten auf dem Bahnsteig noch zwei von den vier Männern. H. sprang auf den Krawattenflammerräuber zu und versette ihm einen Fauftschlag, daß er blutüberströmt zu Boden fiel. Der Schläger, offenbar be stürzt über den Erfolg feines Schlages, half nun den Geschlagenen Dom Blut reinigen, besprengte ihm noch das Geficht mit Wasser und begab sich nach Hause. Der Geschlagene, der Bahnschaffner G., suchte zuerst das Polizeirevier auf und fam dann gleichfalls wohl. V Orchester und Dirigenten. Kurzer Konzertbericht/ Bon Klaus Pringsheim. ant Ein Sonntagskonzert im Bachsaal unter Dr. Kunwalds Leitung zeigt im Vortrag der ersten Sinfonie von Beet hoven und der großen Leonore Ouvertüre das Berliner Sinfonie orchester auf durchaus erfreulicher Höhe. Der Klang hat Fülle, Differenziertheit, Kultur, es wird gut mufiziert, man spürt ernste, gewissenhafte Arbeit. Das Bild wäre noch befriedigender, wenn das Birken des Erziehers, die Strenge feines Waltens sich weniger fühlbar machte. Und das erreichte Niveau würde nicht, so oft fremde Dirigenten manchmal von zweifelhaftem Rang Bulte stehen, so peinlich sinken, wäre es meniger durch Drill, mehr durch Hebung des freien Musikerwillens gewonnen. An sich schon wird es durch den fortwährenden Dirigentenwechsel in seiner Beständigkeit unnüz bedroht. Aber es müßten ja meniger Gäfte gerufen werden, wenn der ständige" erste Kapellmeister nicht selbst nur als seltener Ehrengast seines Orchesters erschiene. Das ist kein guter Zustand; der verantwortliche Führer sollte sich nicht zu schade fein für den Alltag seiner Truppe. Um aber die Leistungsfähigkeit dieses Instrumentalförpers, der der Musikstadt Berlin unentbehrlich ist, sich entfalten zu lassen, wie wir's ihr und ihm wünschten, dazu freilich müßte man vor allem nun die Frage feiner wirtschaftlichen Basis energisch in die Hand nehmen; in die öffentliche Hand selbst verständlich. Daß heute ein Konzertorchester nur auf sich gestellt, nicht zu eriftieren vermag, zeigt ja das Beispiel der in allem glücklicheren Philharmonifer. Mehr ausverkauft als gelegentlich ihres Pensionskonzertes der große Saal der Philharmonie war, mittags und abends, fann er nicht noch fönnte er es mit stärkerem Grund sein. Das außerordentliche Ereignis ist wiederholt worden, das vor einem Jahr die erste Aufführung der Matthäuspassion und Furtwängler bedeutete; aber die Wiederholung ist Erneuerung und noch Steigerung. Wieder mit der prachtvollen Leistung des Bruno Kittelschen Chores; und mit der Bolttommenheit des Evangelisten Karl Erb. Neu für Berlin der Chriftus Heinrich Rehkämpers; jünger an Jahren, als man gewohnt ist, nicht jünger als in Wahrheit der Held der Passionsgeschichte, edel verflärt im Ausdruck, von tiefer Schönheit und Reinheit des Singens. Acht Tage zuvor im fiebenten Philharmonischen: Gustav Mahlers erste Sinfonie. Furtwängler gibt sie nicht wie Walter; nicht, wie Mahler sie gab. Dessen Physionomie erscheint ein wenig idealisiert, die Schärfe der Kontraste ist gemildert. Mit explosiver Kraft geladen, voll dämonischer Leidenschaft der letzte Satz; doch wieder wie eigenwillige, allzu temperamentstrogende Gestaltung des Schlusses ist nicht mahlerisch. Aber Mahler ist nun soweit, daß es nicht mehr auf„ authentische" Interpretation ankommt. Sein Werk geht als Gemeingut in den Besißstand der Zeit ein; und der große Musiker, der es auf seine Art überzeugend verwirklicht, löft Begeisterung seltenen Grades aus. Im übrigen: Gaftdirigenten in bunter Reihe auch beim Philharmonischen Orchester. Unter ihnen aber Leo Blech. Von seinen Berehrern, die den Saal füllen, herzlich begrüßt. Bo dieser Meister wirft, was er schafft, wir wissen, daß vorbildliche Arbeit getan ist; Borodins H- Moll- Sinfonie, ein wenig verblaßt als Mufit, erklingt in allem fubtilen Reiz ihrer feinen Orchesterkunst. Und Hermann Abendroth, der Kölner Musikgewaltige, hier noch nicht vergessen von feiner Tätigkeit her als Leiter der Opernhauskonzerte, bestätigt seine Macht über Bublikum und Orchester in der Siebenten von Bruckner. Zu einer Bruckner- Sinfonie, der„ romantischen", hat auch Kleiber, nun also doch, sich entschlossen. Mittelmäßig und ungefähr läßt er fie heruntermusizieren, persönlich uninteressiert, wie es scheint, unerfüllt, ja kaum, daß ihm die Materie ganz geläufig geworden. Eigent lich follte das im Rahmen der Berliner Staatsoperntonzerte nicht möglich sein. behalten zu Hause an. Die Sache schien gut verlaufen zu sein. Karl und Anna" von Leonhard Frank.| Shakespeare: lf im Deutschen Theater. Zwei Tage später, am 1. Oftober, fühlte sich G. plötzlich unpäßlich; er wurde in das Diatonissenhaus Bethanien gebracht, wo er nach einigen Stunden verstarb. Bald darauf wurde gegen H. Anklage wegen Körperverlegung mit Todeserfolg erhoben. Der Angeklagte meinte, die ganze Sache sei ihm ein Rätsel. Die Sachverständigen Professor Straßmann und Dr. Stör mer erklärten, daß der Tod durch eine Schädelverlegung und Hirnblutung verursacht worden sei, eine Folge des Aufschlagens auf den Bahn steig. Der Angeklagte habe selbstverständlich nicht voraussehen können, daß sein Faustschlag der= artige Folgen haben würde. Rechtsanwalt Dr. Reiwald setzte sich dafür ein, daß der Todeserfolg überhaupt nicht dem Angeklagten angerechnet werden soll. Das Urteil ist am Nachmittag zu er= warten. Der Komödiant auf der Straße. Und dann in Daft. Frankfurt a. M., 16. Februar.( Eigenbericht.) Das erweiterte Schöffengericht in Frankfurt verurteilte den Schauspieler Walter Hofmeister vom Metropol- Theater in Berlin, wegen Bergehen gegen das Republitschutzgesetz und Beleidigung des Innenministers Grzesinsfi zu zwei Monaten Ge= fängnis. Hofmeister hatte im vergangenen Jahr auf offener Straße den preußischen Innenminister schamlos beschimpft. Einige Arbeiter, die die Schimpfworte hörten, stellten Hofmeister und ver anlaßten seine Berhaftung. Bor Gericht bestritt der Angeklagte, anlaßten seine Verhaftung. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, eine derartige Beleidigung ausgesprochen zu haben. Es wurde ihm jedoch die Täterschaft unzweifelhaft nachgewiesen. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende: Wer solche Vorwürfe gegen die Ehre seines Nächsten erhebe, müffe es an der eigenen Ehre büßen." Deshalb wurde auch die Erfeßung der Gefängnisstrafe durch eine Geldbuße von dem Gericht ausdrücklich abgelehnt. Theater der Woche. Bom 17. bis 25. Februar. Bolfsbühne. Theater am Bülowplag: Bis 21. Das Mädl aus der Vorstadt. Ab 22, Kreuzabnahme. Theater am Schiffbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia- Theater: Delrausch. Staatstheater. Staatsoper Unter ben ginden: 17. Aegyptische Helena. 18. Fortunios Lied. Die fünf Wünsche. 19. Fra Dianolo, 20. Cavalleria rusticana, Bajazzi. 21. Fosca. 22. Meistersinger. 23. Mona Lisa. 24. Aida. 25. Sosenkavalier. Staatsoper am Plaz der Republik. 17., 22. Fledermaus. 18., 25. Carmen. 19., 23. Soffmanns Erzählungen. 20., 24. Fliegende Holländer. 21. Symphonietongert. Städtische Oper Charlottenburg: 17. Eugen Onegin. 18. Madame Butterfly. 19., 21, Othello. 20., 24. Boheme. 22. Manon. 23. Tannhäuser, 25. Cosi fan tutte. Schauspielhaus am Gerbarmenmarkt: 17. bis 25. Rarl und Anna. Rachmittagsvorstellungen der Staatstheater, Schauspielhaus am Gendarmen markt: 17. Ein besserer Herr. 24. Faust I. Schiller- Theater Charlottenburg: 17. bis 25. Othello. Theater mit feftem Spielplan: 11 Rammerspiele: Staatliches Schauspielhaus. Leonhard Frant hat seinen Schweizer Kriegsurlaub nicht nur benutzt, um gegen die Ludendorffsche Kohlrübendiät zu fündigen. Er hat dort auch rechtzeitig und tapfer dichterischen Anstoß an dem vichischen Blutvergießen der Völker genommen. Der Mensch ist gut", das war der Schlagerrefrain, der damals die noch franken Hurraschreier teilweise turierte. Heute sind wir Deutschen wieder auf den Schlager vom rheinischen Mädchen eingestimmt und haben die Franksche Warnung beinahe vergessen. Solche einfache und doch großartige Sendung fonnte aber nur ein Dichter von startem Mut und gesundem Talent erfinden. Später ging Leonhard Frank ins ältere Literatenfach über und erzählte leichtere Lebensepisoden. Eine dieser Geschichten ist seine Nachkriegsanekdote von Karl und Anna. Das Mädel blieb zu Hause als Richards Kriegerfrau. Draußen in der russischen Gefangenschaft füllt Richard die Herzensöde aus, indem er bei Karl, dem Kameraden, alles ablädt, seine Erinnerung an die Freuden mit der Liebsten im jezt hungernden Berlin, und die ganze Sehnsucht, das Mädel bald wieder zu streicheln. Karl aber ist der Glücklichere, da er aus dem Baradenlager entfommt und sich nun mit dieser besonderen Kenntnis von der Liebesfähigkeit und Hausfrauentugend bei Anna einfindet. Es entsteht eine rührende Verwirrung der Gemüter. Karl und Anna wachsen zusammen, Richard, der später wiederkehrt, tommt zu spät. Richard will die Hand zum Totschlag aufheben, doch er zieht sie zurüd. Die beiden, die ihn betrogen, erhielten wohl vom Schicksal, das pfiffiger ist als der muskulöse Richard, den Auftrag, das Leben so teuflisch und doch wieder so menschlich einzurichten. Die Dinge werden nicht in Honig getaucht. Die Wahrheit des Lebens foll an den Tag tommen. Leonhard Frank schließt seine Geschichte mit diesem tragischen Scherz. Das Theaterſtüd, das Frank nach dieser Geschichte in vier Akten aufbaute, fam aber nur mühselig zustande. Als Dramatiter besigt Frank noch keine Technit, die ihn von allerhand naturaliſti schen Epigonen unterscheidet. Doch die Schauspieler vertuschen das oft vorzüglich. Vor allem Räthe Dorich, die aus dem Friederiken- Kitsch erlöft ist. Die beiden Männer um Frau Dorsch, George und Homolta, find bemunderungswürdig durch Schlichtheit und Disziplin. Gerade das gar nicht Berschmißte Homollas, der ein Gewinner des großen Schicksalsloses fein foll, wirft außerordentlich. Theatralische Weich heit wurde in foftbarer Entfaltung spürbar. Erich Engel, der Regisseur, leitet das alles durch einen verfeinerten Naturalismus, dem auch Lucie Mannheim beslissen und erfolgreich dient. Das Spiel von der proletarischen Nachkriegsintrige wurde von der Geduld eines Schriftstellers geformt, der noch immer seinen eigentlichen Charakter abschwören muß, wenn er Charattere und Bühnenereigniffe dramaturgisch berechnet. Troßdem freut man sich, daß wieder einmal nach den moralischen und militärischen Vergasern des Völkerglücks ein Mann von unserem Schlag und unserer Meinung reden durfte. m. h. ,, Abenteurer G. m. b. H." Artrium. Beba- Palast: Deutsches Theater: Die Tuftigen Welber von Windsor. Goeben erschienen. Die Romöbie: Olympia. Theater am Rollendorfplag: Jettchen Gebert. Theater in ber Röniggräger Straße. 24. vorm. 11 Uhr, Gedenkfeier fülr Hermann Sudermann. Revolte im Erziehungshaus. Komödienhans: Das Geld auf der Straße. Großes Schauspielhaus: Was ist die Straßenschlacht am Schlesischen Bahnhof, was ist Casanova. Metropol- Theater: Die lustige Bitwe, Theater bes Westens: der Verbrecherkrieg in Chicago gegen einen regelrechten Abenteurer Friederike. Romische Oper: Paradies der füßen Frauen! Deutsches Künstlertheater: Der Rinker. Sustspielhaus: Weekend im Paradies. film? Nichts, rein gar nichts. Hier fönnen alle interessierten Kreise Leffingtheater: Ab 19. Bourgeois bleibt Bourgeois. Trianon- Theater: Das noch lernen. Dieses Filmgenre hat eine treue Gemeinde, die entHaus der Laster. Resibenz- Theater: Der reizende Adrian, Zentral- Theater: Die Tribüne: Herr und Frau Go und Go. zückt und befriedigt ist, wenn die Abenteurerfilme voller Leben Ich tüsse Ihre Hand, Madame. Berliner Theater: 3X Hochzeit. Renaissance Theater: Das große ABC. steden, den Eindrud der Tollkühnheit erweden und in rein filmischer Casino- Theater: Rilometerliebchen. Schloßpart- Theater Steglig: Der Hinsicht untadelig gemacht sind. Und da das Leben felbst so wirtungsSigeunerbaron. Wintergarten und Stala: Internationales Barieté. Reinshallen Theater: Stettiner Gänger. Theater am Rottbusser Zor: volle Stoffe birgt, sollte man geeignete Borlagen finden tönnen. Elite- Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Doch diesmal ist die Jagd nach dem Geheimdokument zu plump Ab 25. Der Obersteiger. gemacht. Fred Sauer, der mit Jane Beß zusammen das ManuRose- Theater: Bis 24. Die Fledermaus. Theater in der Lügowftraße: 17. Trilly. 18. geschlossen. Ab 19. Bimmerfreu und stript schrieb und allein die Regie führte, machte einen Mißgriff Immermann. nach dem anderen Er prunkt jeden Augenblid mit den Muskeln feines Helden Carlo Aldini. Aber er hat nur Muskelfraft herausgestellt. Die Verwidelungen sind derartig, daß die Beteiligten offenbar selbst nicht mehr ein noch aus missen. Im Berlaufe der Afte werden nur drei Tote serviert. Das ist in Anbetracht eines Schiffsunterganges und der folennen Keilereien unbedingt zu wenig. Das fenfationshungrige Bublifum darf bestimmt mehr für sein Geld fordern. Nachmittagsvorstellungen. Boltsbühne. Theater am Bülowplak: 17. Die Bergbahn. Theater am balta. Schiffbauerbamm: 17. Der Selb des Westerlandes. 24 Helden. Theater: 17., 24. Delrausch. Theater in ber Röniggräger Straße: 17., 24. Revolte im Erziehungshaus. Romabienhaus: 17., 24. Der Raub der Eabinerinnen. Metropol Theater: 17., 24 Die lustige Bitme. Bentral Die Tribüne: 17., 24. Theater: 17., 24. Sch tüffe Shre Hand, Madame. £. 9. 8. Reraiffance Theater: 17., 24. Rrankheit der Jugend, Rofe Theater: 23. 16 Uhr, 24 14 Uhr. Die fieben aben. 24. 17 Uhr. Die Fledermaus. Schloßpart Theater Steglih: 17. Die Fledermaus. Theater in ber 2ühowftrake: 17. Aschenbrödel. Wintergarten und Stala: 17., 23., 24. Internationales Bariets, Reichshallen Theater: 17., 24. Stettinger Gänger. Theater am Rottbuffer Tor: 17., 24. Elite- Sänger. Erstaufführungen der Woche. Dienstag effing- heater: Bourgeois bleibt Bourgeois" Theater in ber tugomstraße:" immertreu und Immermann". Freitag. BoIsbahne: Rrenzabnahme. Carlo Aldini ist nur Kraftmeier, fein Schauspieler. Eve Gray bringt ab und zu durch ihr nettes Spiel ein paar tröstliche Momente in den Film. e. b. Marcell Salzer wird Sonnabend und Sonntag noch zwei Lustige Abende im Schillersaal geben. Die lustigen Weiber von Windsor." In diesem Theaterwinter hat es eine Hochkonjunktur für Shakespeare gegeben. Bielleicht ist es pietätlos, aber es muß schließlich ausgesprochen werden: unsere Aufnahmefähigkeit für die Werke auch dieses Bühnengenies hat ihre Grenzen. Oft genug stehen wir seinen Figuren fremd und falt gegenüber, und zaghaft erhebt sich ab und zu die Frage: Was geht das uns eigentlich noch an? Ein solches Museumsstüd sind auch„ Die lustigen Weiber von Windsor". Frau Fluth und Frau Page machen sich ihren Spaß mit dem alten Falstaff, steden ihn in einen Baschkorb und werfen ihn in eine Bfüße, und der Trottel fällt auf jeden neuen, noch so plumpen Scherz hinein. Gewiß, wir lachen; aber größer ist unsere Ehrfurcht vor der Tatsache, daß solche Bühnenlebendigkeit schon vor 300 Jahren geschaffen ist, und wir bestaunen den Aufwand. Der Regiffeur Heinz Hilpert reserviert das Lustspiel in der Bearbeitung des Deutschen Theaters", die erhebliche Mühe gemacht hat. Zunächst hat man das klassische, aber seien wir ehrlichvorsintflutliche Deutsch der Schlegel Tiedschen Uebersetzung der Schlegel- Tiedschen Gegenwart angepaßt, sehr zum Nutzen des Lustspiels. Einige Szenen sind ausgemerzt, einige Dialogfezen in Ertempore- Art eingefügt, so geschicht eingefügt, daß man nicht weiß, ob es sich um Augenblickseinfälle der Darsteller handelt. Auch die Handlung ist in Kleinigkeiten verändert. Man freut sich, wenn Falstaff beim Hineinfriechen in den Wäscheforb nicht umpurzelt, wie es die Bühnenanweisung verlangt. Aber man hat sich zu früh gefreut: nachher fippt der eifersüchtige Ehegatte um, was nicht in der Regiebemerkung steht. Weiterhin ist in der Bearbeitung des Deutschen Theaters die Kleiderfrage generell geregelt. Falstaff spielt im modermen Abendanzug, die übrigen in einem Biedermeiermischmasc). Werner Krauß ist ein prächtiger Falstaff, ein vor Grandezza plazender Didwanst. Gespreizt setzt er seine Worte, ebenso wie feine Füße. Jede Miene ist ein Big, und bei alledem bleibt er tod ernst. Herrlich. Und doch erwartet man mehr als eine solche Chargenleistung. Dieser Widerspruch ist begründet in der leeren Rolle, die einfach nicht mehr hergibt. Dasselbe trifft für die Frau Page der Lucie Höflich und die Frau Fluth der Leopoldine Ronstantin zu. Eine springlebendige Frau Hurtig ist da üft. Sie bringt mit ihrem unbezwinglichen Geschnatter die Lacher auf ihre Seite. Auch Leonhard Stetel schafft als eiferfüchtiger Herr Fluth in seiner wütenden Geschäftigkeit gute Laune. Eine Ueberraschung bietet Heinz Rühmann als Schmächtig. Seine Auffassung ist originell; als murstiger Berliner steht er mittent in der Gegenwart. Erwin Fabers Doftor ist dagegen unmöglicher Hokuspokus. Der Beifall am Premierenabend war herzlich. dgr. aber ehrfürchtig fühl. Unter falschem Namen." Ufa- Theater Kurfürstendamm. Etwas stockend und umständlich fängt der Film an. Ein fleimer Angestellter der New- Yorker Untergrundbahn, der seit einem Jahr aus irgendeinem kleinen Nest in die Riesenstadt übergesiedelt ist, aber sie noch gar nicht fennt, bekommt endlich am Silvesterabend Urlaub. Er will einen ordentlichen Nachtbummel unternehmen ( und man bekommt einigermaßen Angst, was dabei herauskommen wird). Aber schon nach einigen Minuten ist er überfahren. Was sich dann begibt, ist eine seltsame Mischung von Realistik und Bhantestif. Der nachdentliche Zuschauer tommt schließlich dahinter, daß alles nur eine Fieberphantasie des Verletzten sein tann. Und so ist es! Ron del Ruth nutzt diese Situation gründlich aus. Die Erlebnisse des Traumes, die die ganze Spielweite dieses Zustandes umfassen und doch die besondere Logit des Traumes bewahren, find natürlich ganz im Geifte diefes fleinen Angestellten fonzipiert. Bie er sich das große, reiche, vornehme New York denkt und wie seine von schlechten Filmen und Räubergestalten genährte Phantafie fich Abenteuer erfinnt, das wird mit oft groteskem Wig und toller Phan taftik dargestellt. Ganz ultig wirft die Liebesgeschichte: dieses Mädchen aus der obersten Schicht, das mit unserem Helden ein Abenteuer fucht, ist zum Kugeln. Für spannende Sensationen ist auch gesorgt: ein gefährlicher Berrückter, der mit dem Helden dauernd verwechselt wird, ist losgelaffen. Silvestersput. Schlaftrunt. Entführung durch Erpreffer. Mordverdacht. Endlich Trauung auf einem Schiff. Und dann die rasende Fahrt in der Untergrund, mit dem Verrückten als Führer! Das Erwachen bringt endlich die Befreiung nom Alpdruck. Monte Blue fann seine nette, sympathische Art entfalten; wir lachen und fürchten uns mit ihm. Ruth Miller ist das Mädchen aus der Oberschicht, das aber glücklicherweise all die Naturhaftigkeit der Unterschicht aufs glücklichste besitzt. I. Bei 20 Grad unter Null. Kältebilder aus Berlin. Beim Gemüsehändler. Eine Kundin verlangt 10 Bfund Kartoffeln. ,, Bedauere sehr, ich fann Ihnen mur 5 Pfund geben. Wir betommen erst übermorgen wieder welche herein." ,, Ach, was soll ich mir mit 5 Pfund Kartoffeln anfangen, die reichen bei uns einen Tag." Mittlerweile kommt der Kutscher des Kartoffellieferanten mit einigen Sad Kartoffeln durch den Laden. Sind sie auch frostfrei?" fragt die Händlerin. " Was heißt bei dieser Kälte frostfrei? Es werden schon welche dabei sin, die„ füß" schmecken. Aber das schadet nich, der Berliner merft sonst gar nich, daß es Winter is." Da verzichtet die Kundin auch auf ihre 5 Pfund„ frostfreien". Schule. Lieber Herr Lehrer! Mein Sohn Hermann fonnte die letzten Lrei Tage nicht die Schule besuchen, was ich zu entschuldigen bitte. Er hat keinen Mantel und da hatte er Mandelentzündung und lag ins Bett. Wenn Sie so freundlich sein wollen, setzen sie ihn doch näher an die Heizung, aber nicht ans Fenster, wo's zieht! Frau N. N. Im Autobus.. „ Na, rüden mer noch een bißchen zusamm, Frauchen. Bir zwee Schlanken, wir wer'n noch zurecht tomm uff de Kleenfinnerbant. Wissen se, id such mer immer sone fleene Dide aus, wie Sie fin, da kuschelt sich's so scheene. Die Schlanken von heite, die ham ja teene Hize nich." Boll Empörung über die Komplimente ihres Nachbarn steht Der weibliche Gast auf und sucht sich einen anderen Platz. Befriedigt rückt der Dicke zum Fenster und nimmt die ganze Bant ein. Bis ein neuer Gast tommt. Dieser wird mit den folgenden Worten begrüßt: Komm se man nur ran, mei Lieber. Bei uns is es gemütlich. Wie im Schafstall derheeme. Da ham die Hammel och wie die Heringe im Faß sich zusammengedrängt und feener hat gefrorn. Nich wahr, nu friern se nich?" In Hosen. In einer Berliner Zeitung, die für die vielen Meinen und oft reichlich naiven und provinziellen ehelichen und unehelichen Sorgen ihrer Leser und vorzugsweise ihrer Leserinnen eine besondere Ecke eingerichtet hat, flagte jüngst ein Mädel unter Tränen ihr Leid. Sie Unbrauchbare Flugzeugschiffe. New York, 16. Februar. Die beiden großen amerikanischen Flugzeugmutterschiffe Lerington“ und„ Saratoga" sollen 15 Monate, nachdem fie unter Aufwand von fast 36 Millionen Mart in Dienst gestellt wurden, ausrangiert werden, da sie nach Ansicht der Flottenbehörden ungeeignet für ihre Aufgabe sind und der Regierung jährlich eine ungeheure Summe fosten. " In Pelz gehüllt“ für 24 Stunden! Den ewig unerfüllten Träumen der fleinen und fleinsten Modebeglückten wirkliche Gestalt zu verleihen, sie eine farg bemessene Spanne Zeit im Glücksgefühl eleganter winterlicher Aufmachung schwelgen zu lassen, dies ist der edle Vorsatz eines Kürschner meisters im Osten Berlins. Er verfügt über ein wohlgeordnetes Lager winterlichen Belzschmuckes, das er den verehrten Damen, die einen Abend lang elegant" sein wollen, gegen entsprechende Leihgebühr und hinterlegung einer beträchtlichen Raution gerne zur Verfügung stellt. Karnickelfelle in schwarz und anderen Farbtönen gibt's schon für 12 Mark Leihgebühr und 150 Mark Kaution; dann kommen, mit ansteigender Preiserhöhung, Slinks, Gazette, Maulwurf usw. Für jede Beschädigung des entliehenen Stüds haftet natürlich, wie üblich, der Kunde. Woher diese glorreiche Idee stammt? ,, Aus Amerika" meint der Meister. Vielleicht. Vielleicht aber auch aus seinem eigenen spefulativ arbeitenden Gehirn. Ware, die sonst als Ladenhüter ein still verschwiegenes Dasein führt und keinerlei Gewinn abwirft, soll hier als vielfaches Miet- und späteres Verkaufsobjekt allerlei Vorteil bringen. Ob das Geschäft sich aber auch lukrativ gestalten wird? Die Leihgebühr, die läßt sich wohl aufbringen, aber die große Raution? Der tüchtige Belzfachmann hat da wohl was läuten hören von Film- und Theaterleuten, die sich derartige Dekorationsobjekte leihen. Hier Theaterleuten, die sich derartige Dekorationsobjekte leihen. Hier liegt der Fall aber ganz anders. Hier handelt es sich um eine beruflich notwendige Anschaffung, bei der sich die Zahlung der Leihgebühr immerhin realisiert und auch die Aufbringung der Kaution im Bereich des Möglichen ist. Lediglich aber auf die Buzzsucht der= jenigen zu spekulieren, denen die Mittel die Anschaffung eines Belzmantels nicht gestatten, die aber durch dieses verlockende Angebot in schwerste finanzielle Bedrängnis gebracht werden können, das sollte sich ein reell denkender Geschäftsmann vorher wohl überlegen. Auch ist es gerade fein allzu sauberes Geschäftsprinzip, einen Mantel, der vorher durch soundsoviel Hände ging, späterhin als neu" zu verkaufen. mollte mit ihren Stiern auf der Untergrundbahn nach dem Besten Wilhelm Schäfer- Rudolf G. Binding in den Grunewald, wurde aber durch das Verhalten der männlichen und weiblichen Fahrgäste derart verwirrt und verängstigt, daß sie am Halleschen Tor ausstieg, sich ein Auto nahm und verzweifelt wieder heimfuhr. And das alles nicht etwa wegen der Stier, sondern wegen der Hosen, der langen dunkelblauen bis zu den Knöcheln gehenden Stihosen, deren, wie sie meinte, die Leute in Neukölln, woher sie tam, so ungewohnt seien, daß sie sich vor spießenden, tränkenden Blicken und höhnischen, menn nicht gar gemeinen Redensarten nicht habe lassen können. Nun mag es mohl wahr sein, daß man in Neukölln der Damen in Stihosen nicht so gewohnt ist, wie das vom Wittenbergplatz ab westlich der Fall ist. Aber das würde bestimmt kein Grund sein dürfen, eine junge Dame mit hämischer und kränkender Aufmertſamkeit zu bedenken. Es sei denn, daß man damit befunden möchte, daß man sich immer noch mehr rigdörflich als städtisch fühlt. Wem nun aber die Mädchen- und Frauenwelt in Hosen wirklich etwas Neues ist, der sei ergebenst eingeladen, am Sonntag einmal etwa bis zum U- Bahnhof Thielplatz zu fahren. Dort und in der weiteren westlichen Umgebung wird er viel Damen, teils jung und teils reifer, mit sehr viel Sicherheit und Selbstbewußtsein und Unbefangenheit, die der kleinen Rigdorferin doch offenbar gefehlt haben, sich auf den langen Hölzern und in den langen dunkelblauen Hosen ergehen sehen. Ist es denn nicht zehnmal besser, Mädchen und Frauen schlüpfen bei der unsinnigen Kälte in die doch bestimmt nicht undezente Sportkleidung, als daß sie bei 15 Grad Kälte mit Schuhchen und Strümpfchen und Kleidchen, die 30 Grad Hize würdig wären, herumzittern, der Männerwelt zum Spott und zur Empörung, fich selber aber zum sicheren Verderben? Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., d. 16.2. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 42 20 Uhr Sonnab., d. 16.2. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus I 192 Uhr Mona Lisa Die Jüdin Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.-S. 31 1912 Uhr Hoffmanns Erzählungen am Gendarmenmarkt A.-V. 41 20 Uhr Karl u.Anna Staatl. Schiller- Theater, Charith. Z 20 Uhr Gespenster entralTheater Barnowsky- Buhnen Theater in der 81 Uhr Revolte im Erziehungshaus Alte Jakobstr. Edke uranienstr. Königgrätzer Straße Täglich 814 Uhr Sonntag auch 4 Uhr Ich küsse Ihre Hand, Madame Schauspiel Ein Spiel von Liebe und Lenz mit dem von P. M. Lampel. gleichnam.Schlager Rundfunkhörer Komödienhaus halbe Preise Lessing- Theater 8 Uhr Ratharina Knie. Dienstag, 19. Febr. 714 Uhr Premiere Bourgeois bleibt Bourgeois 814 Uhr Das Geld auf der Straße Abenteuer v. Bernauer u. Oesterreicher R Volks bühne Deutsches Theater Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Das Mädl aus der Vorstadt Regie: Jürgen Fehling Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Norden 12310 8 U, Ende geg. 101/2 Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Die Komödie Bismarck 2414/7516 814 Uhr, Ende 10% Die Drei- Groschen- Olympia' Oper Thalia- Theater 8 Uhr Oelrausch Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Gespenster 66 von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. Kammerspiele Norden 12310 8 Uhr, Ende 10%/ 2Uhr Zum 30. Male „ Soeben erschienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Th. am Schiffbauerdamm Forster Larinaga. Täglich 8 Uhr Die Drei- Groschen- Berliner Theater Oper Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 Paulsen, Valetti, A. 7. Dönhoff 170 Ander, Gerron, Täglich Schaufuß, Kühl, Lvovski. 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit Kleines Theater( Abie's Irish Rose) Heute 8 Uhr Premiere Kurt Goetz, Walerie v.Martens Paul Otto in " Trio" Lustsp. v. Leo Lenz. Regie: FriedmannFrederich. Lustspielhaus Friedrichstr.236 ose- Theater Bergmann 2922/23 ir.Frankfurter St.132 Täglich 814 Uhi 4 Uhr Die siebenRaben 814 Uhr Die Fledermaus Trianon- Th. Täglich 8 Uhr Das Haus der Laster ( Yoshiwara) Planetarium am Zoo Veriäng. Joachimsthaler Straf Noll. 1578 16 Uhr Jer Sternhimmel im Winter 18 Uhr GuideThielscher Mars und seine in Weekend Rätsel Vorlesung im Verband Deutscher Erzähler. Feststellen muß man, daß früher bedeutendere Prosaisten im ,, Verband Deutscher Erzähler" lajen als augenblicklich, d. h. Erzähler von Weltbedeutung, Erzähler, die allgemein interessierten, während heute mehr Spezialisten auf dem Programm stehen, Schriftsteller, die nur bestimmten Kreisen etwas geben. Wilhelm Schäfer und auch Rudolf G. Binding, die Donnerstag im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses sprachen, stehen allerdings in breiterer Deffentlichkeit. Schäfer, der Meister der Anekdote, liest zwei in ihrem Aufbau vollendet geformte Anekdoten und eine kurze Novelle„ BelleAlliance". Seine Sprache ist flar, präzis und allen verständlich, um= reißt Menschen und Dinge mit holzschnittartiger Größe. Sie vibriert nicht wie bei Binding. Schäfer bleibt im Grunde Chroniſt, Binding ist.Aesthet. ,, Der Wingult" ist die Geschichte eines riesenhaften Mannes mit primitivem Denken und Erleben, in den Krieg zieht. Aber dieser naturhafte Mensch wird in einer kultivierten, gepflegt nervösen Sprache porträtiert, als ob es sich um einen Hamlet handelt. Er wird von einem ganz anders gearteten Menschen wie ein kostbares Kuriosum geschildert. Binding steht daneben, lebt nicht in seiner Gestalt. Diesen Eindruck empfängt man auch von Schäfer, aber die Standpunkte der beiden sind verschieden. Schäfer will Naturhaftes, Verwurzeltes, Bolthaftes und gibt ihm herben, bestimmten sprachlichen Ausdruck; Binding dagegen stellt sich in diesem Fall nicht auf die Basis seiner Gestalten, sondern sieht sie von oben mit den Augen des geistigen Gesellschaftsmenschen. SCALA 8 Uhr B.5. Barbarossa 9256 4 Bronetts Con Colleano und weitere Varieté Attraktionen, Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 330 und 8 Uhr- 380 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm PLAZA Varieté a. 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Sonntag, 10 Uhr, sprechen im Neuen Museum Herr Zippert über Das Aegyptife Relief, im Kaiser- FriedrichMuseum Dr. Bange über Konrad Wiz und Hans Multscher", im Museum für Völkerkunde I Dr. Waldschmidt über„ Die neuaufgestellten Zurjan Funde". Für die heutige Frauenfeierstunde in der Stadthalle, Klosterftraße, sind noch an der Kasse Karten zu haben. mit nur noch unbedeutenden Schneefällen, östliche Winde. Für Wetterbericht. Für Berlin: Meist bemölft, bei mäßigem Frost Deutschland: Im Südwesten Fortdauer des heiteren Wetters mit ziemlich strenger Kälte, im übrigen Deutschland meist trübe mit mäßigen Frösten, allgemeines Nachlassen der Schneefälle. RUNDFUNK AM ABEND Sonnabend, 16. Februar. Berlin. Vortrag und Leseproben: Franz 16.00 San.- Rat Dr. Paul Frank: Medizinisch- hygienische Plauderei. 16.30 Hermann Stehr( zum 65. Geburtstag. Köppen. 17.00 Unterhaltungsmusik.( Dransmanns Titania- Orchester.) 18.30 Paul Neubecker, Deutscher Werkmeister- Verband: Die Existenzerhaltung der ausgesteuerten Arbeitslosen, Krisenunterstützung und Wohlfahrtspflege. 19.00 Dr. Hans Strobel: Musik im heutigen Weltbild. 19.30 In der Werkstatt der Lebenden. Am Mikrophon: Prof. Max Pechstein 20.00 Mit dem Mikro durch Berlin". Am Mikrophon: Fred Hildebrandt und und Helmut Jaro Jaretzki. Alfred Braun. 22.00 Uebertragung der Internationalen Schwimmwettkämpfe aus dem Wellenbad im Lunapark. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik( Fred- Bird- Tanzorchester). Königswusterhausen. 16.00 Fritz Westermann: Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Dr. Völter: Die Zukunft der Wartestandsbeamten. 18.00 Dr. Adolf Reichwein: Studienreise junger Arbeiter ins Ausland, 18.55 Hauptmann Rohde: Algier und Tunis. 19.20 Prof. Dr. Kestenberg: Die musikalische Grundlage im Leben unserer Zeit.( I.) 20.00 Sonderveranstaltung für den Deutschlandsender. Die Stunde des Landes. 21.00 Sonderveranstaltung für den Deutschlandsender. Orchesterkonzert. Dirigent: Professor Nicolai Malko. 1. Skrjabin: La poème de l'Extase. 2. Rimsky- Korsakow: Suite. ,, Zar, Saltan". 3. Mussorgsky: Eine Nacht auf dem kahlen Berge. 4. Prokofieff: Klassische Sinfonie.( Berliner Funk- Orchester.) Sonntag, 17. Februar. Berlin. 8.55 Stundenglockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. 9.00 Morgenfeier, Glockengeläut des Berliner Doms. 11.30 Aus dem Großen Schauspielhaus: Vormittagskonzert der Kapelle Marek Weber. 13.15 E. Nebermann: Die moderne Schachpartie. 14.30-15.25 Für den Landwirt. 15.30 Märchen.( Gelesen von Johanna Meyer.) 16.00 Werbevortrag. 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. 18.30, 18.55 Deutsche Welle: Gedanken zur Zeit. 19.30 Dr. Georg Zehden: Nehmt das Leben nicht zu ernst ein wichtiges Kapitel der Hygiene. 20.00 Populäres, Orchesterkonzert. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 21.30 Der Journalist spricht. Anschließend: Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30 Hotel Adlon( Kapelle Dajos Béla). Königswusterhausen. 13.45-14.15 Bildfunkversuche. 16.00 Dr. R. H. Stein: Nationalhymnen der Völker. 18.00 Gedanken zur Zeit. Prof. Dr. Sagawe, Kiel: Einkommen, Kaufkraft und Wirtschaftsentwicklung in der Landwirtschaft.( II.) 18.30 Dr. Lemmer: Löhne und Wirtschaftskonjunktur vom Gesichtspunkt der Arbeitgeberschaft. 18.55 Fritz Tarnow: Löhne und Kaufkraft der Arbeiterschaft. 19.30 Dr. Knauth und Wolfgang Bardach- Benning: Aus der Praxis der Für sorgeerziehung. Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Borwärts Verlag G. m. b. H., Berlin, Drud: Borwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Winter Garten 8 Uhr 8 * Rauchen erlaubt in Berlin noch nicht gezeigte Varieté- Neuheiten und weitere Sensationen. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 330 und 8 Uhr. 3 kleine Preise. Theat.d. Westens Täglich 8 Uhr: Der größte Erfolg Berlins Friederike Musik von Franz Lehar Erika v. Thellmann Kammers. Carl Ziegler Staatsoper Wien) Arnstedt, Limburg, Dora, Eysler Bespermann, Neg, Schönemann Borverkauf ununterbrochen. Raffe den ganzen Tag geöffnet Teleph. Steinplas 931 u. 7108 EMIL LUDWIG WILHELM II. JIlustriert. Ungekürzte Volksausgabe. Ganzleinen jetzt 2,85 Die Originalausgabe kostet 14 M. Das Aufsehen erregende Buch steht weit über dem engen Gesichtsfeld des Parteikampfes oder der kleinlichen Porträtmalerei.- Das Buch ist auf bestem, holzfreiem Papier in sauberstem Druck hergestellt. Mit wichtigen Bildern aus dem Leben Wilhelms II. Mit schönem, farbig. Schutzumschlag. Das interessanteste Dokument! Bestellungen sind zu richten an Buchhandig. J. H.W. Dietz, Nachf. Berlin SW. 68, Lindenstrasse 2 Telephon Dönhoff 7653 Kleinen Anzeigen Besonders wirksam sind die in der Gesamt. Auflage billig! des Vorwärts und trotzdem NEUE WELT Arnold Scholz Hasenheide 108/14 Großes Bockblerfest und Großer Alpenball in allen Sälen. 7 Kapellen 50 bayr. Madl. Einlaẞ 6 Uhr. Mittwoch, den 20. Februar 1929 Letztes Gastspiel Joh. Straußa. Wien METROPOL- THEATER 8 U. GR. SCHAUSPIELHAUS 8 U. Lustige Witwe mit FRITZI MASSARY Max Hansen, Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers. Sonntag nchm, 3 Uhr ungekürzte Vorstellung zu kleinen Preisen. Nur noch 13 Tage! CASANOVA Kammersänger Alfred Jerger und die große Starbesetzung. ZWEI CHARELLINSZENIERUNGEN Bellage Sonnabend, 16. Februar 1929 Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Frauenarbeit in den Staaten Wieviel Frauen arbeiten?- Der umkämpfte Achtstundentag.- Nachtarbeitsgesetze. 97 Schutzbestimmungen." Make money. 8 Stunden 8% Stunden 9 Stunden 10ª 10%" 11 St. Ohne 10 ½" Begrenzung Die gesetzliche tägliche Arbeitszeit für Frauen. Geschwächte oder früh gealterie Menschen haben drüben den schwersten Stand. Man wirft sie zum alten Eisen, fie finden teine Arbeit. Es ist nicht nur eine Eitelkeitsfrage der Frau und auch des Mannes, sich durch Sport und Körperpflege jung zu erhalten Altaussehen( das wirkliche Alter spricht primär nicht so mit) bedeutet das Ende der guten Position, vielleicht sogar der Arbeit überhaupt. Jahre 1928 30 000 bis 40 000 Millionäre und gleichzeitig über 2½ Millionen Arbeitsloje zeit Spezialgesetze machen( mie das Wtoholverbot), menn die Mehr heit dafür ist, aber der Schwerpunkt der Gesetzgebung liegt heute noch in jedem einzelnen Staate. Da jeder für sich( und anders) disponiert, wird die Gesamtübersicht ungemein erschwert. Hinzu kommt, daß die einzelnen In- Im Land der Gegensäge stellt man diese gern nebeneinander. duftrien in jedem Staate oftmals| So meldete eine New- Yorker Tageszeitung, daß Amerita im Sonderbestimmungen treffen. Hier führt die Damenkonfettion die 5- TageWoche ein und zwar sowohl für männliche wie weibliche Arbeiter ( feit Juni 1928), dort stellt Henry Ford in Detroit seinen Betrieb auf die 5- Tage- Arbeitsmoche für den einzelnen Arbeiter bei 6- Tage- Betrieb des Wertes um. Auch Stellen wie das Frauen- und Kinderbureau, das mit dem Arbeitsministerium in Washington zusammen arbeitet, merden durch diese Vielgestalt in ihrer Arbeit beschränkt. Es ist zu bewundern, wie diese Stellen gleichwohl immer weiter durchdringen und mit Eitschriften, Plakaten, Büchern, Brie( Frauen Bureau Us) fen, Borträgen, Filmen, Bildern usw. bis zur Arbeiterin selbst vordringen. Da sind die Nachtgesete, um die es noch recht dunkel steht. noch teinerlei Gesetz für FrauenAb für Arbeit Nachtarbeit vorgenommen. Wir bringen hiermit einen ersten Artikel non Luise| 29 Staaten haben überhaupt Diel über die Frauenarbeit in den Vereinigten Staaten. Weitere Artikel merden einmal möchentlich folgen. Die Berfafferin mar mehrere Male in Amerika. Sie hat dort KätheKollwitz- Ausstellungen und Vorträge veranstaltet und Arbeiterfragen studiert. Seit 1918 flingt uns in Deutschland überall das Wort entgegen freie Bahn dem Tüchtigen". In Amerika hat man diesen Begriff roch erweitert und ruft stolz- freiheitlich freie Bahn jedermann!" Natürlich auch den Frauen! Es bedurfte zwar kaum noch dieser Aufmunterung, sie hatten sich längst in fast allen Erwerbszweigen heimisch gemacht. Man will insgesamt 572 Berufstätigkeifen zählen fönnen, von denen sich die Frauen bereits alle bis auf 35 erobert haben. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, allen Berufszweigen in Folgenden Abhandlungen unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Vielmehr interessiert es, an Hand authentischer Tabellen und Statistiken den Stand der Dinge zu prüfen, ob wirklich drüben, im Wunderland, die Arbeiterin, gleichpiel ob in Industrie oder Handel, als Maschinenoder Handarbeiterin, Bureau- ader Geschäftsangestellte eine so viele beffere Position genießt als bei uns. Der große 3u strom der Frauen in alle Arbeits gebiete fällt in die Jahre 1901 bis 1910. In diesem Jahrzehnt stieg die Zahl = von 4 Millionen auf 8 Millionen berufstätiger Frauen. Bon 1910 bis 1920 ist überraschenderweise nicht die entfernteste gleich hohe Steigerung wahrzunehmen. Die Statistik meldet mur einen Zuwachs non 500 000 Frauen. Um so bedeutender fällt statt dessen die Verschiebung der Berufe ins Auge, Frauen treten in Männerberufe ein und Männer nehmen die von den Frauen verlassenen Tätigkeiten auf- doch dies wird uns das nächstemal eingehend beschäftigen. Bon den 8% Millionen arbeitenden Frauen sind rund 2 Mil. lionen als Angestellte der Industrie und ebenso viel als ge= lernte und ungelernte Fabritarbeiterinnen tätig. Die Nachfrage auf landwirtschaftlichem Gebiet ist nicht so groß. Nur eine Million wählt Berufe mit wissenschaftlicher Vorbildung( einen großen Prozentsatz stellen davon die Lehrerinnen dar, Rechtsanwältinnen und Aerztinnen sind in sehr beschränkter Zahl vertreten). Diese sprechenden Allgemeinzahlen möge eine Uebersicht, die die Brooklyner Handelskammer veröffentlicht, ergänzen ( Brooklyn gehört zur Stadt New York). Aus dieser ergibt sich, daß von 10 Frauen oder Mädchen 3 berufstätig und insgesamt jeder 4. Lohnarbeiter eine Frau ist. Borurteilslos find sie auch als Stredenarbeiter, Straßenreiniger, Martose, Tapezierer, Löldarbeiter am Dod, Anstreicher, Glaser usw. tätig. In Amerita spielt es eine gewisse Rolle, ob es sich um dort geborene oder eingewanderte Weiße oder um Farbige handelt. Die Brooklyner Statistik meldet 31,3 Pro3. arbeitende dort geborene, 18,9 Proz. eingewanderte Frauen neben 52 Proz. Farbigen. Es ist alfo irrig anzunehmen, daß die Eingewanderten mehr arbeiten als die Eingeborenen, dagegen ist die Berufstätigteit meist schon eine andere. Der Kampf um den 8- Stunden- Tag mird feit langem geführt, trotzdem ist er erst in 10 der 48( Bereinigten) Staaten gefeßlich durchgedrungen. Wie zähe und hart der Rampf war, beweist die Tatsache, daß es 14 Jahre brauchte, um in New York den 8- Stunden Tag durchzu bekommen. Nur zwei Staaten haben den 8½- Stunden- Tag eingeführt. in 13 Staaten ist der 9 Stunden- Tag B 14 1215 10. • 10 10% 10% OP 11unbegrenzt. 3 Schon aus dieser Liste sehen wir, was wir immer und überall wiederfinden werden: daß jeder Einzelstaat, trotz der Union, seine eigene Gefeßgebung pflegt. Die Bundesregierung( Washington) befaßt ich mit auswärtiger Politit, Zolltarifen ufw.; sie kann auch jederNur 10 haben Verbot für mehr als 1 Tätigkeit Fabrikarbeit Handelsbetriebe einige andere " " " " und nur zwei Schreiben Stundenbeschränkung vor. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten, sie kann und wird auch bewältigt werden. Schwieriger steht es dagegen um die Heimarbeit, die so wenig Anhaltspunkte und Kontrollmöglichkeiten bietet, wie sich aus der Natur der Sache leicht erklären läßt. Bisher ist in Amerika wezig geschehen, um gute Arbeits- und Lohnverhältnisse nach dieser Richtung zu schaffen. Gerade die Lohnfrage ist noch genau wie vor. 50 Jahren fast ausschließlich dem freien Ermessen des Arbeitgebers überlassen. Aber langjam wird sich auch dies ändern, nachdem der Anfang auf dem benachbarten Gebiete gemacht, denn bereits ein Biertel aller Staaten reguliert bzw. verbietet Heimarbeit bestimmter Produktionsartikel z. B. in der Textilindustrie und im Tabafgewerbe. Wo derartige Vorschriften bestehen, befassen sie sich hauptsächlich mit den sanitären Zuständen des Heimes, vor allem mit der Frage anstecender Krankheiten. In der Arbeitszeitfrage fann natürlich faum eine Kontrolle geübt werden, es liegen darum auch keine statistischen Aufzeichnungen vor. Wir werden das nächste Mal die Art der Heimarbeit und ihre Möglichkeiten noch von anderer Seite zu beleuchten haben. Soviel wollen wir jedoch schon heute sagen: die Frau steht in der modernen Arbeitswelt im Zentrum. Die Tatsache, daß ein startes Drittel der Menschenfräfte, die die moderne Arbeitswelt braucht, Frauenfräfte sind, beweist es deutlich. Die Erkenntnis dieses Zustandes legt aber allen, die Frauen in ihren Betrieben beschäftigen, Pflichten auf nicht nur gegen die jeweiligen Frauen, sondern gegen ihre Gesamtheit als Frauen, Hausfrauen und Mütter, die noch lange nicht zum nötigen Bewußtsein vorgedrungen. Es steht um die Schutzgesetze noch feineswegs zufriedenstellend. Allerdings gibt es heute nur noch vier Staaten, in denen teinerlei Schuggefeße für weibliche Industriearbeiter bestehen. Aber die vorhandenen Gesetze genügen noch nicht den gegen wärtigen Anforderungen. So bestehen in vier Staaten lediglich Beschränkungen betreffend der zulässigen Arbeitszeit, in anderen nur Beschränkungen der Arbeitsstunden im Textilgewerbe. In weiteren Staaten ist weibliche Produktionsarbeit auf eng begrenzte Stunden festgelegt. Ueberstunden werden durch erhöhte Ueberzeitsätze erichwert, eingeschränkt oder vielfach ganz verboten. . 62 920 群 0 125 440 • " 35 328 • Vor Jahresfrist etwa berief das Frauenbureau des Arbeitsministeriums in Washington eine Frauenkonferenz ein. Man nahm fünf Industrien in Staaten, die in erweiterter Frauenschutzgesetze Form zur Durchführung gebracht haben, unter die Lupe. Zu diesem Werke wurden über 1600 Fabriken besucht und 1200 Arbeiter persönlich verhört. Folgende Industrien wurden überprüft. Schuhindustrie mit. Konfektion mit Strickwaren industrie mit Papierschachtelindustrie mit Es stellte sich heraus, daß von den 8% Millionen Arbeiterinnen in den Bereinigten Staaten weniger als 3 Millionen durch spezifisch weibliche Schutzgesetze gesichert waren. Stellt man hier das Wort daneben: ,, Amerika will so fraftvoll sein wie seine Frauen", so bleibt die Hoffnung, daß baldigst alles unternommen wird, um dies ideale Motto durch alltägliche realte Maßnahmen für die arbeitenden Frauen die ja den Kernpunkt des Boltes darstellen in die Wirklichkeit umzusetzen. Kein Gesetz ( wahrscheinlich sind es etwa 5 Millionen) zählte. Jeder Staat und auch jede Stadt, natürlich auch jede Gewerkschaft, führt ihre eigene Arbeitslosenliste. Cleveland, Detroit meldeten 1928 46 Pro3. Arbeitslose, Milwaukee dagegen nur 10 Proz. und im Sommer 1928 sogar mur 7 Broz. Es hat die wenigsten Arbeitslosen; der städtische Arbeitsnachweis vermittelte dort 60000 Stellen fostenlos. Obgleich die Sozialdemo tratische Partei erst seit 1881 besteht, stellt sie den Bürger meister von Milwaukee, Herrn Hoan, der seit vielen Jahren sein Amt mustergültig führt. Viktor Berger, der bisherige Sozialdemofrat im Kongreßhaus in Washington, ist der Chefredakteur der englischsprachigen Zeitung ,, The Milwaukee Leader". Berdienst und Arbeitsmöglichkeiten der Frau, wie Versiche rungen und Streif wollen wir das nächste Mal durchgehen. Es sei mir jeßt gestattet, zwischen obige ernst- fachliche Darlegungen und die noch folgenden eine flüchtige Allgemeinjfizze der amerikanischen Frau und ihrer psychologischen Einstellung zu Punkt ,, live, business and Leben, Geschäft und Geld einzuschieben. money" So harmlos- heiter das Naturell der Amerikanerin auch sein. mag, im Berufsleben ist sie fühl und sachlich wie jeder Mann. Mit der ihr in allem gegebenen Selbstverständlichkeit dominiert und übersieht sie das Feld, ist sie doch viel länger als die europäische Frau gemohnt, frei und anerkannt selbständig neben dem Manne( nicht nur unter ihm) zu arbeiten. Das hat mit Emanzipation nichts zu tun natürlich. So tameradschaftlich wie man sich bei der Co- Education der Gemeinschaftserziehung und auf dem Sportplatz gegenübertritt, geht man zusammen an die Arbeit. Im allgemeinen tennt die Amerikanerin keinen Neid und wenig Klatsch. Es gibt immerhin genügend Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, daß jede ohne zu harten Rampf( por allem, wenn fie nett, jung und durchschnittsflug ist) einen Posten findet. Außerdem ist es feine Schande zu arbeiten. Manches ehemals wohlhabende Mädchen arbeitet und verdient mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der sie in guten Tagen das Geld hinauswarf. Naturgemäß gibt es auch keine Beſtimmungen, die Ehefrauen irgendwie oder irgendwelche Berufstätigkeit untersagt. Make money"! Mit diesem Stichwort geht sie auf die Arbeitssuche. Nicht was sie arbeitet, sondern ob damit Geld zu verdienen ist, entscheidet primär. Die Amerikanerin hat das große Talent, sich leicht anzupassen und einzufügen. Auch die Art, wie sie arbeitet, unterscheidet sich von der unsrigen. Ohne allzuviel Kraftaufwand erledigt sie ihre Pflichten. Ihre förperliche Zartheit perlangt wohl eine gewisse, unbeirrbare Ruhe als Selbstschutz. Manche Aerzte behaupten, die Amerikanerinnen seien dünnblütig, das hänge mit dem Klima zusammen und bestimme das ruhigere Temperament. Trotzdem nimmt sie an allem regen Anteil. Längst bevor mir zur städtischen Berufsarbeit zugelassen, hatte sich die Amerikanerin dort ihren festen Platz erobert. Viel früher als in jedem anderen Lande wurden ihr gleiche Entwicklungsmöglichkeiten für Bildung und Beja, es wurde ihr rufsleben gegeben wie dem männlichen Geschlechtnoch mehr Zeit zugewendet. Schnell zu heiraten, ist feineswegs ihr Hauptwunsch, ihre Unabhängigkeit gibt sie nicht gern auf. Die seltene Kombination, ideales Vorstellungs- und Wunschvermögen realer und praktischer Wirklichkeitserkenntnis zu pereinen, bestimmt ihre Doppelstellung als vermöhnte Frau und selbständig Berdienende. Es würde feiner politischen oder anderen Gruppe gelingen, gegen die Organisation der Frauen irgendeine gesetzliche Vorlage durchzubringen. at man die Frauen, so hat man den größten Teil der öffentlichen Meinung. Begrenzung nach Stunden Verbot in einem Beruf für Minderjährige Nachtarbeitsgesetze für Frauen Louise Diel. Verbot für Kaufmann. Berufe Verbot in der Fabriksarbeit Verbot in mehr als einem Beruf ( Era Craven Boreau U.S Abtig für Arbeit) OW? mUmMm von ctzr Hunfi Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. von cUrHuolson-'Bou Zzic/znunget-L- i/on Aclo/f Lehnert (2. Fnnsetzung.) Noterk sagte nichts. Ihr Mund murmelte ein wenig, und sie starrte nach dem Horizont. In weiter Ferne sah sie die kahlen Berge, wo der große Berggeist Renntiere durch seine Nasenlöcher lng. wenn er atmete. Hier hotte sie gelebt, so lange sie denken konnte. „Gib mir meinen Stock," sagte sie.„Man geht voraus." Mala eilte zu dem Topf, trank Wasser daraus und spritzte es über die Schlittenkufen. Keiner durfte sehen, wie bewegt er war. Sein Gesicht war ganz schwarz von Ruß. denn jedesmal, wenn er trank, machte der Lampenruß einen Rand in seinem Gesicht. Naterk wankte dahin, so gut sie konnte, und es dauerte lange. bis die andern sie erreichten, denn sie hatten viele Hindernisse zu überwinden. Mitten am Tage wurde sie wieder müde: aber Mala war Reise- führer und verlangte, daß sie sich auf den Schlitten setzen sollte, und da saß sie und fror, während die anderen sie schleppten und Iva allein an der Spitze ging. Nachts klagte Naterk sehr, der alte Rücken tat weh. und die Schinerzen in den Gliedern waren heftig. Sie merkte nicht, daß Iva Licht machte. Der Schweiß rann ihr über dos Gesicht, sie hatte merkwürdige Gedanken und sprach merkwürdige Worte, und keiner verstand ihre Rede. Iva zog sich an, setzte sich hin und rief sie, aber Naterk ant- wartete nicht. Da faßte sie ihr 5)aar mitten über der Stirn und riß es in ganz kleinen Büscheln aus. Die Haare wurden ins Feuer gesteckt, damit der Geruch die bösen Geister vertreibe und der Sitz der Krankheit verbrannt würde. Das half auch, Naterk konnte wieder denken. Sie nahm ein paar Stücke getrocknetes Renntier- fleisch vom vorigen Jahre. Es war ganz verschimmelt. Aber sie kratzte es mit den Nägeln ob und reichte es den Kindern. Am nächsten Morgen schien die Sonne, und sie reisten weiter, aber mitten am Tage zog Naterk sich ihre Pelzkapuzc hoch und ging zu Mala. „Mein Sohn, ich habe Worte, die fest sind und denen du dich nicht widersetzen darfst. Meiner Jahre sind viel«, und meine Beine sind müde. Baue mir eine Schneehütte. Als ich dich darum bat, wolltest du nicht. Laß es nicht erst dahin kommen, daß ich meinem Sohn einen Befehl geben muß, um meinen Willen zu erhalten." Sie ordnete etwas an der Ladung und klopfte Upik, der beim Spielen gefallen war, den Schnee ab. Mola sagte nichts, nahm aber seinen Schneestock, bohrte in dem Schnee und begann ein Haus zu bauen. � „Machen wir schon halt?" fragten die Kinder. „Ja," sagte Iva.„Dein Bater hat es bestimmt." lind Mala baute ein Haus. Di« zwei Frauen banden wie gewöhnlich die Ladung los. dichteten das Haus und schütteten Schnee darüber. Die Knaben nahmen ein Robbensell, befestigten einen Riemen ha ran und machten einen Schlitten daraus. Aber Puolu war groß, er wollte beim Bauen helfen, so daß Upik allein blieb. Er brauchte einen Hund und rief daher die Großmutter. „Komm und zieh mich, ich will fahren." Die Alte kam. „Du mußt schnell laufen." Aber die Beine waren schwach. Plötzlich blieb sie mit zitternden Lippen stehen, und die Tränen rollten chr über die Wangen. „Großmutter weint. Es ist kein Vergnügen, mit ihr zu spielen." Upik konnte es besser allein. Als sie hereinkamen, mochte Naterk sich daran, ein Paar Faust- l�andschuhc für den Kleinen zu nähen. Er verlor so viele. Mala ging hinaus und baute ein neues Haus. Keiner half ihm, er rief keinen, und Orsokidok war mit seinem Bogen gegongen, um sich nach Tieren umzusehen. Als Mola fertig war, kam er wieder herein, nahm den Schneeklopfer und bürstete sich das Zeug. „Ist etwas geschehen?" fragte Iva. „Nichts ist geschehen. Man baute ein Haus." Schnell ging er auf die Anhöhe, um nach Orsokidok Ausschau zu halten. Die alt« Frau nahm ihre Sachen. Ein Fell nach dem andern nahm sie, besah es, legte es dann wieder beiseite und nahm schließlich ein altes, verschlissenes, fast haarloses Fell, rollte es zusammen und wollte hinausgehen. In der Tür blieb sie stehen und sah sich um. Die Bewegung wollte sie übermannen. Die Kinder lagen da und schliefen, und sie trat zu ihnen, faßte ihre Köpfe, setzte den Mund an ihre Nasen und saugte sie aus. Es gab ein schlürfendes Geräusch, und der große Pualu erwachte. Was sollte das, er konnte seine Nase selber schnauben, er war kein kleiner Jung« mehr. Aber Großmutier war heute so merkwürdig und derb, sie streifte ihnen die Kappe beiseite, daß ihre linken Schultern entblößt wurden. Dort setzte sie dann die Zähne an und biß zu. denn der Biß aller Frauen bringt Kindern"Glück. Es tat nicht weh, denn die alten Zähne waren stumpf vom vieljährigen Fellkauen, aber die Knaben wurden ganz wach und weinten unbeherrscht. Großmutter war heute so seltsam, und es lagen ein Paar neue Fausthandschuhe und ein Paar neue Hosen auf ihrem Platz: aber sie sagte nichts darüber. „Der Fall ist eingetreten, daß man geht," sagte sie, nahm ihr altes Fell und ging. „Willst du ausgehen?" antwortete Iva und nähte weiter Die Knaben legten sich wieder nieder und schliefen weiter, und das Leben in der Hütte war wie zuvor. Die Alle sah sich zuerst nach allen Seiten um. Die Welt war so herrlich, aber ihr Rücken sehnte sich danach, ausgestreckt zu liegen, und so kroch sie in das neue Haus, das für sie erbaut war, und legte sich still auf das alle Fell. Kurz darauf kam Mala. Er hotte sie hineingehen sehen. Er nahm sein Messer, schnitt einen Block aus dem Schnee, setzte ihn vor die Eingangstür und vermauerte sie. Kein Wort war zu sagen, und das Hans wurde geschlosien. Da lag die Alle nun und wartete auf den Tod. Sie mußte lange liegen, und ihre Gedanken waren nicht müde. Sie hörte die Kinder herauskommen und nach dem Hause fragen. Ihr Vater sagte, daß sie nicht hineingehen dürften. Orsokidok kam heim. Er hatte ein Renntier erlegt, ein kleines, vorjähriges Kalb. Naterk pflegte stets einen Teil der Zunge zu bekommen. Das war für einen älteren Menschen gut zu kauen, aber warum sollte sie daran denken. Jetzt zogen die Knaben ihre Fellschlitten herum, sie kamen so nahe an ihre Hütte, daß sie die Schritte im Schnee hörte. Upik fiel und schlug sich, er brüllte unbeherrscht. „Es blutet, es tut weh. Mutter, Großmutter!" W Es war schwer, liegen zu bleiben. Aber sie war nicht mehr am Leben. Sic war fort. Iva kam heraus und rief:„Kommt zuni Essen herein, hier ist gekochtes Fleisch." „Wo ist Großmutter?" rief Pualu.„Kommt Großmutter nicht zum Essen?" Die Tränen stiegen in ihr auf, und der Speichel lief chr aus dem Munde. Jetzt log sie hier, müde, und das Leben war müh- seliger als der Tod, aber der Uebcrgang war schwer. Als es hell wurde, wachte sie noch. Sie hörte sie draußen auf- brechen, hörte sie den Schlitten mstand setzen und folgte ihnen in Gedanken. Jetzt stürzten die Hunde in dos vsrlosienc Haus, um die zurückgelassenen Reste zu fressen. Jetzt banden sie die Last auf dem Schlitten fest, uyd die Kinder riefen, ob Großmutter vor- ausgegangen sei. Der Schlitten entfernte sich, alles wurde still. Ach, sie fuhren also fort, sie verließen sie. Hätte Mala es ihr nicht verbieten sollen? Er, der immer so gut war. Lieh er sie wirklich zurück? Sie erhob sich und wollte aus dem Hause, aber die allen Glieder waren schwach. Sie wallte den andern nach und wollte auch wieder liegen bleche». Und die Dunkelheit kam, die Nacht ging über sie hin. Die alt« Naterk war geboren, hotte gelebt und war nicht mehr. Am Abend war es still!ni Hause bei Mala. Ihr Frohsinn war fort, und Upik fragte, warum sie ein Haus bauten,«he sie Groß- mutier eingeholt hatten. Iva sagte, er soll« s6)wcigen, und keiner sprach mehr als notwendig. Weinend schlief Upik ein. Am nächsten Tage blieben sie still liegen. Mala ging auf die Jagd, streifte ober nur ein wenig in der Nähe umher, auch an den folgenden Tagen jagte er, und die Kraben wurden ungeduldig und fragten, ob sie nicht bald zu den Schiffen kämen. Endlich ging Mola zurück zu der Stelle, wo seine alte Mutter in ihr Haus gegangen war. Schneegestöber hatte sich über das Land gelegt, und das Haus war völlig von feinem Schnee über- weht. Kein Tier war dagewesen, und es war ganz still. Er nahm vorsichtig sein Messer und schnitt ein Loch in das Dach des Hauses, so daß die Seele der Alten herauskonnte. Als er zu Iva zurückkam, brachte er keine Beute mit Aber er sagte, daß er an einer Stelle gewesen sei, wohin zu kommen ihn schmerzte. „Ich öffnete das Doch," und still setzte er sich auf die Pritsche, ohne zu essen. Die Kinder durften nickst spielen, und sie durften nickst reden. Iva schnitt Schnee zum Trinken aus der Seftenpritsche, und sie war es auch, die das Fleisch für den Topf zerschnitt, als wäre sie ein Mann. Mala regt« sich nicht. Er faß mit hochgezogener Kapuze im Hause, lag die ganze Nacht angekleidet da, und die Knaben wurden aach nicht ausgezogen. Es war so merkwürdig. „Die Läuse fressen mich, die Läuse fressen mich," riefen sie nachts und kratzten sich den Körper. Aber sie durften doch nicht die Pelze ausziehen. Als fünf Tage vergangen waren, wurden die Kinder allein zurückgelassen. Die andern gingen noch Naterks Schneehütte. Voran Mala, die andern in seiner Fußspur. Er schnttt ein Loch in die Rückseite des Hauses. Und sie gingen zu der Allen hinein. Si' lag steif und krumm da, die Kapuze über dos Gesicht und mit hochgezogenen Knien. Mala erinnerte sich ihrer, als sie eine ganz junge Frau und er selbst ein Knabe gewesen. Sie mußte vieles zu erzählen von fremden Männern, die um sie kämpften, sie aber nie bekamen. Eine tüchtige Mutter, ein« prächtige Mutter, und jetzt lag sie da. Sie zogen sie hinaus zu einer Stelle, wo loje Steine aui einem Felsen lagen. Hier errichteten sie ein Grab, und die alle Naterk war aus der Welt. Sie hatte gelebt, war begraben worden, und ihr Name durste nicht mehr genannt werden. Nur die, die attnen, sind Menschen, und nur mit ihnen darf man sich besästiftigen. Sie hatten«ine Leiche angerührt, nahmen dah:r ihre Fäustlinge ab und stopften sie zwischen die Steine. Als sie heimgingen, schritten sie in denselben Fußspuren und hiellen die Hände dicht am Körper, damit ihnen die Finger nicktt froren, aber hin und wieder wandte Mala sich um und verlöscht« die Spur mtt seinem Messer, damit der Tod ihnen nicht folgte. Es war Abendd als sie heimkamen. Iva nahm sogleich zwei Säcke mit neuem Zeug, und sie zogen es an. Aber Orsokidok hotte nicht zwei Anzüge, so daß er sich damit begnügte, seinen Außen- pelz zu wechseln. Alles alte Zeug wurde in«in Bündel getan, das Mala am nächsten Morgen auf seinen Rücken lud und zum Grabe trug. Er blieb lange sart, und als er zurückging, wandt« er sich immer wieder um und verlöschte die Spur hinter sich. Endlich reisten sie weiter. Jeden Tag verlöschten sie die Spur mehrmals hinter sich. Zuletzt aber vergaßen sie es. Immer mehr packte sie der Eifer, vorwärtszukommen. Die Schiffe und die weißen Männer lockten, und der Frühling wollte durchbrechen. Die Eidergänse zogen das Land hinauf, die Secschwalbcn kamen schon, und Scharen von Gänsen sangen über ihren Köpfen durch die Luft, auf dem Weg« gm Norden. II. Eines Tages sahen sie zwei schwarze Flecke vor sich. Mala«nt- deckt« sie zuerst, obwohl Ivo voranging: ober er war der Mann, gewohnt, seine Augen zu gebrauchen. Und er tellte seiner Frau mit, daß sie Menschen treffen würden. Der Schlitten hiell an. Iva holte schnell ihren Zeugsack hervor. zog sich einen neuen Pelz, das Stirnband und die hübschen Fäust- linge an, wechselte jedoch die Hosenstiefel nicht. Sie wollrc ihre neue Kleidung nur nach und nach zeigen. Mala wollte etwas sagen, bedachte sich aber. Laß die Weiber sich putzen, der Wert eines Mannes liegt in anderin. Es ging wieder vorwärts, Ina immer voran: als man die Fremden uiüerfcheiden komtte, wartet« sie auf den Schlitten. Sie fuhren auf einen offenen Platz, wo kein Schraubeis war. Hier hielten sie die Hund« an und setzten sich. Sie, die mit dem Tode als Gast kamen, tonnten niemand entgegen gehen. (Fortsetzung folgt.) RätsehEcke des„Abend". MmiinuiiiiuiiiiiiKiainiimiuiiniinuHiinumiiiiiiiuiiuiiifliiiiuHiiHiiiiHiiiuniMtiiiniiiiiuiHiniiiHiiuniiuHnimmiiiiiiiiiiiiiioiuiiuiiinniiiiimiiiniiuimiiuniiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Kreuzworträtsel. Wage recht: 2. Tochter Labans: 3. Luftkurort bei Danzig: 9. Bürde: 19. Schweizer Sagenheld: II. Gebirge in Syrien: 12. Me- sopotamten: 1-:� hülsenförmiges Mittelstück von Rädern: 14. Spallc; 15. Leid.— Senkrecht: 1. Fest: 3. Verfertiger von Augengläsern: 4. weiblicher Vorname: ö. männlicher Vorname: 6. eine Religion: 7- österreichischer Dichter: 8. Nebenfluß der Weser. Rösselsprung. Silbenrätsel. Aus den Silben o a al as az by�cho co da dar di dos e ei ei er en fei fen ge gies go he i im ir kla lcrnd lapp l« le len li ma ma na ne nel ni on pen pis pri ra r« re rei ri rie ro ron se se se sen sech sechs si ta ta ten ti trop tum tur tyjch und wo zi zig, zow sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach uitten und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, einen Wahlspruch der Sozialdemokratie ergeben,(ch— ein Buchstabe.) Die Wörter bedeuten: 1. Vteerenge. 2. Blum«, 3. Karten- spiel, 4. Südfrucht, 3. Oper von Richard Wagner, 6. Prophet. 7 Druckerlaubnis, 8. Industrie.zweig, 9. Vesiegcr Schamylo, 19. giftige Pflanze, ll. weibl. Vorname, 12 nordisches Land, 13. Zu rückforderung, 14. Tierprodukt, 15. Arznei, Ib. teppichartige Stickerei, 17. Nebenfluß des Ob, 18. Halbinsel, 19. indischer Dichter, 29. mexikanischer Staatsmann, 21. antike vtadt in Kleinasicn.— ek. Einsetzrätsel. Zwischen die Wörter Ruß— Mann, Kern— Baum, Raub— Arzt, Brust— Sieb, Kunst— Bahn, Drei— Fahrt, Fuchs— Hund, Treu— Schwur ist st«in einsilbiges Wort einzusetzen, das dem ersten als «chluß, dem zweiten als Anfangssilbc dient. Dte ersten Buchstaben der neu gefundenen Wörter neniren ein Glücksspiel(j— i). Irl. Die fehlende Mittelsilbe. Au» den Silben a bu e fer gou ger go i in kar ton ker ly nie me na nol nand o ot po pre ra son tor um um um bilde man 14 dreisilbige Wörter mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbc.— Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter?— ab. Verwandlung. Im holden, warmen Frühlingssonnenschcin, Zieht er mtt Blumengrüßen bei uns ein. Sein Blütenflor bietet ein herrliches Bild, De Luft er rings mit Wohlgeruch erfüllt. Streich' seinen Kopf, dann hörst du ihren Klang Im Spiel der Saiten oder im Gesang.— ab. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Rummer. K r e uz w ar t rg t s e l. Wogerecht: 5. Moral: 7. Aorta: 8. Loens: 9. Amerika: 11. Grab: 12. Oese: 14. Rat: 15. Edu: 17. Kid: 18. Leu: 19. Sam: 29. Ilm: 21. Boa: 23. Lei: 24. Eile: 26. Thor: 28. Sol-mon: 30. Ulmcr: 32. Pavia: 33. Nudel.— Senkrecht: 1. Kot: 2. Halma: 3. Nosk«: 4. ltte: 6. Loebc: 7. Anjou: 9. Artemis: 19. Askalon: 11. Galle: 13. Eimer: 16. Duo: 21. Bella: 22. atmen: 25. Louis: 27. Harun: 29. Pon: 31. Heu. Zahlenrätsel: Staubsauger, Taube, Asbest, Ute, Barbara. S«rge, Abt, Usus, Gerste, Esau, Raub. Defizitaufgabe: Heiterkeit, Langsamkeit, Lässigkeit, Lustig- keit, Magerkeit, Munterkeit, Sauberkeit, Schnelligkeit, Tätigkeit, Zierlichkeit(-keit). Was ist's? Gräte, Grete. Silbenrätsel: 1. Ulrika, 2. Nauen, 3. Darwin. 4. Sirius, 5. Eberesche, 6. Tradition, 7. Zehen, 8. Eunuchen. 9. Trichter, 19. Isidor, 11. Herakles, 12. Riesen, 13. Tlelli, 14. Zlsenburg, 15 Eerberus, 16. Hobel, 17. Trinitatis, 18. vroguen, 19. Ahnen, 20. Schwefel, 21. Lioorno, 22. Ebenholz. 23 Brenner, 24 Ephesus, 25. Neunauge, 26. Erbsen, 27. Znselsberg, 28: Zlttriv«, 29. Notnagel. — Und setzet ihr nicht das Leben ein,/ Nie wird euch das Leben gewonnen fein! Kapselrätsel: Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten. Zeitgemäß: Gerippe, Grippe. Nr. 80 46. Jahrgang Technik Sonnabend 16. Februar 1929 Das größte Schiffshebewerk der Welt. Schiffshebewertes mind etwa 100 Meter lang sein und eine Höhe von 60 Meter haben. Das ganze Wert wird ebenfalls als Eisentonstruf tion ausgeführt werden und zu seinem Bau 6000 Tonnen Stahl verschlingen. Die Fundamente des eigentlichen Werkes müffen faft " Marter!" aus dem 5. Schuljahr und ganz entzückende Klassen= leistungen eines achten Schuljahres ,,, Christbäume in Buntpapierschnitt", die eine geschulte Hand und einen geradezu fünfilerischen Formen- und Farbenfinn verraten. Sehr interessant ist eine DarSchiffshebewerk Niederfinow! Links die 165 Meter lange Kanalbrücke, rechts das eigentliche Schiffshebewerk. stellung der Primel in wedyjelnder Technik, nämlich in Buntpapierschnitt und Bapierriß, in Papierschablonenbrud, als Gemälde und als plastische Arbeit. Das Büchlein behandelt ferner Darstellungen des menschlichen Körpers, Brojil arbeiten, Wiedergaben der menschlichen Hand und endlich eine Anzahl bei den Schülern sicherlich sehr beliebter Motive, die das freie Schaffen und das begreifliche Zeichnen gleichzeitig beanspruchen. Köstliche Darstellungen von Nikolo und Krampus zur Adventzeit, Heren und Zwerge, Hänsel und Gretel, Osterhase und Osterhanne vervollständigen den Hauptteil des inhaltsreichen Heftes. Sehr zu begrüßen ist es, daß sich der Verfasser auch mit einem Stieftind des Zeichenunterrichts, mit der Schriftpflege, beschäftigt. Er bietet eine methodische Entwicklungsreihe der ornamentalen Schrift, die zu Schmuck- und zu Reklamezwecken, im tünstlerisch gestalteten Plakat, Berwendung findet. Ein umstrittenes Gebiet ist das Formen und Kneten mit Ton, mit Sand und Plastilina, das Georg in Stiehler jeinem Sjeft Das größte Schijfshebewert der Welt wird am Großschiffahrts:| Last ertragen konnten, ohne zerstört zu werden. Das Gerüst des deren sehr geschmackvoll gestaltete. Beschneite Bäume mit meg Berlin- Stettin gebaut. Es handelt sich hier um eine Wasser: straße, die bereits vor dem Weltkriege vollendet wurde, und die nun durch den Ausbau des sogenannten Mittellandfanals, der dem Vertehr aus dem industriellen Westen Deutschlands nach dem Often dienen fall, eine große Berkehrsfteigerung ermarten läßt. 3mischen Berlin und Stettin ist ein Höhenunterschied im Ge lände von 36 meter zu überwinden. Zu diesem Zwecke hatte man vier gemaltige Schleusen eingebaut, die bei dem ständig steigenden Schiffsverkehr immer mehr als ein großes Hindernis empfunden wurden. Daher soll nun nördlich Don Berlin, in der Nähe von Eberswalde, bei Nieder. finom, ein Schiffsmert errichtet merden, das die erwähnten Schleujen überflüssig macht und den Geländeunterschied mit einem Male überwindet. Jahrelange lleberlegungen find von zahlreichen begabten Ingenieuren angestellt morden, bevor man sich entschloß, einen der vielen Pläne auszuführen. Die Wafferbautechnik stand hier Dor einer ganz neuen Frage, vor einer Aufgabe, die in solchem Umjange noch niemals vollendet wurde. Ins besondere maren die bei dem Schiffshebewert einzubauenden Konstruktionsteile und die auftretenden Belastungen fo groß, daß es jahrelanger Borversuche bedurfte, bevor an die praktische Ausführung des Berkes herangegangen werden konnte. Man hat sogar ein großes Modellhebewert gebaut, das über den praktischen Betrieb und die hierbei auftretenden Gefahren den notwendigen Aufschluß geben sollte. Für zahlreiche Bersuche mußten neue Prüfmaschinen und neue Borrichtungen gebaut werden. Ihre Durchführung allein ist bereits als eine technische Großtat zu bezeichnen. Am Abhange des Dderbruches bei Riederfinom hat man min riesige Betonfundamente in den Boden gesenkt. Man wird zunächst eine Brüde bauen, die das Wasser des Kanals aufnehmen und an das Schiffshebemert heranführen soll. Diese Brücke wird 156 Meter lang und 28 Meter breit fein. Sie wird einen Trog tragen, den das Wasser bis zu einer Höhe von etwa drei Meter ausfüllen kann. Die Wassermenge, die diese Brüde tragen muß, wird 17 Millionen Kilogramin wiegen. 3600 Tonnen Stahl werden das Fundament diefer Brücke belasten, das 18 Meter unter den Grundwasserspiegel hinabgesenkt werden mußte und 20 000 kubikmeter Beton erforderte. Von der ersten Schleuse wurde ein Kanal abgezweigt, der neben dem alten Schiffahrtsweg verläuft und das Wasser zur Brücke leitet. Die Brüde selbst tann, falls Ausbefferungsarbeiten vorgenommen werden sollen, durch ein gewaltiges Tor gegen den Kanal abgesperrt werden. Interessant ist es, daß bei der Konstruktion des Schiffshebewertes das atwa 100 Jahre alte Wert im Grand Western Kanal in England als Vorbild gewählt wurde. Grundsäßlich ist es nichts weiter als ein Trog, der mit Wasser gefüllt ist und die Schiffe aufnehmen fann. Dieser Trog wird durch Seile, an denen entsprechende Gegengewichte hängen, wie ein Fahrstuhl über Seilcheiben hinweg emporgehoben. Die Schwierigkeiten liegen nun in den großen Ausmaßen und in der Konstruktion solcher Vorrichtungen, die bei einem Betriebsunfall eine Katastrophe verhindern können. Der Trog wird, wenn er mit Wasser gefüllt ist, 4200 Tonnen wiegen. Er soll an 256 Drahtseilen aufgehängt werden. Die Seilscheiben werden einen Durchmesser von dreieinhalb Meter erhalten. Da jede Seilscheibe doppelreihig ist und so zwei Seile aufnehmen kann, wird man 128 Scheiben einbauen. Besonders schwierig war es, Lager zu finden, die den ungeheuren Drud dieser Seilscheiben und ihre | 22 Meter unter die Erdoberfläche gelegt werden. 40 000 Rubit meter Beton werden das eigentliche Schiffshebewert tragen. Für den Laien wird das größte Bunder die Tatsache sein, daß man troß der riesigen Ausmaße dieses neuesten Ingenieurbauwertes mit einer verhältnismäßig fleinen Betriebstraft arbeiten fann. 300 Pferde stärken, die von vier Elektromotoren zu je 75 Pferdestärten erzeugt werden, genügen, um die Schiffe 36 Meter zu heben oder zu fenten. Das Geheimnis liegt eben darin, daß die Last des Trages durch die Gegengewichte aufgehoben wird. Die Motoren, die an den vier Ecken des Troges aufgestellt werden, werden mit Hilfe von Zahnrädern miteinander verbunden. Bei dem Bersagen eines Motors genügen noch die übrigen drei, um das Werk in Gang zu halten. Gogenannte„ Drehriegel" sorgen dafür, daß der Trog nicht herabstürzen kann, falls die Seile reißen sollten. Zum Heben und Senten dienen vier von den Elektromotoren angetriebene Zahnräder, die in vier gewaltige an den Ecken montierte Zahnstangen eingreifen und die jo gelagert sind, daß sie bei einer Ueberlastung des Troges federn und aus den Zahnstangen herausspringen. In diesem Augenblick greifen die Drehriegel ein und fangen ganz allmählich den Trog auf, der sonst in die Tiefe stürzen müßte. Im Falle einer Ratastrophe werden außerdem noch die Antriebsmotoren selbständig ausgeschaltet. Besondere Maßnahmen wurden getroffen, um den Trog dicht mit der oberen und der unteren Kanalhaltung zu verbinden und auch ein Auslaufen des Wassers dann zu verhindern, stören würde. Das Werk soll 1931 pollendet sein: Während die Schleufungen der Schijfe bisher etwa zwei Stunden in Anspruch nahmen, wird der Höhenunterschied im Großschiffahrtsweg BerlinStettin innerhalb zwanzig Minuten bewältigt sein. Dabei wird das eigentliche Heben und Senken der Schiffe nur fünf Minuten dauern, während das Ein- und Ausfahren sowie das Schließen der Tore fünfzehn Minuten erfordern. Die Vollendung dieses riesigen Ingenieurbaumertes wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Technik sein. Es wird den Namen des fleinen Dönfchens Niederfinow in der ganzen Welt. berühmt machen. Willy Möbus. menn einer der schweren 1000- Zonnen- Rähne eines der Tore zerWegbereiter der Technik. Führer durch den Werkunterricht. Die moderne Erziehung legt mit Recht immer stärkeren Nach soll jedoch keineswegs eine Nachahmung der Meisterlehre sein. Das druck auf den Ausbau und die Vertiefung der Gestaltungsfächer, d. h. der im Wertunterricht zusammengefaßten handarbeitlichen Wissensgebiete. Sind sie doch ein unentbehrliches Gegengewicht zu Der Uebermittlung rein theoretischer Kenntnisse, wie sie früher und zum großen Teil leider auch heute noch die Schule dem heranwachsenden jungen Menschen vermittelt. Jeder reformfreudige, fort schrittlich gesinnte Lehrer muß deshalb zu diesen neuzeitlichen Broblemen Stellung nehmen, er muß sie studieren und feine Erfahrungen und Einsichten immer wieder zu vertiefen und zu erweitern versuchen. Bei diesem Streben wird ihm eine Rethe wertvoller Schriften Führer fein fönnen, nämlich die von Prof. Scheibner, dem Borkämpfer der Arbeitsschulidee, herausgegebene Sammlung Werffreude, Wegweiser für die werunterrichtlichen Gebiete". Die geschmackvollen, reich illustrierten Bändchen, in denen durchweg tüchtige und erfahrene Bädagogen zu Bort tommen, sind im Berlag Quelle und Meyer, Leipzig, erschienen. Die Metallarbeit im Werkunferricht" behandeln E. Hilde brand und Oberlehrer Walther. Sie geben einen erschöpfenden leberblid über die technische und methodische Gestaltung intereffanter und wertvoller Metallarbeiten. Die Verfasser betonen zwar die mertgerechte Ausführung der in ihrem Unterricht ausgeführten Ar. beiten, aber nur aus der sehr richtigen Ueberzeugung heraus, daß fich die Schule nicht in Widerspruch zum Handmart segen darf. Ihre Ausgestaltung und Bertiefung diefes Zweiges des Bertunterrichts -| Plastisches Gestalten" behandelt. Das mit 18 Tafeln und 76 Abbildungen reichillustrierte Wert setzt sich in längeren, tiefgründigen Ausführungen mit der theoretischen Ausgestaltung des Werfunterrichts auseinander und beweist die Notwendigkeit der plastischen Gestaltung durch den heranwachsenden Menschen. Er widerlegi die Einwände der Gegner und stellt ihnen den Wert der plastischen Geste flar vor Augen. Das Büchlein bietet aber auch eine ausgezeichnete Einführung in die praktische Ausgestaltung des plastischen Unterrichts. Material und Werkzeug werden eingehend durchgesprochen und es wird gezeigt, wie sich kleine Nachteile, die sich bei der Beschäftigung mit Ton oder Plastilina durch die Schüler erwiesen haben, Beschmutzung der Kleider, der Plätze u. a. leicht vermieden werden können. Sehr interessante Beispiele werden angeführt, um die„ primitive, die naiv- findliche Form näher zu erläutern. De sind der„ Plastilina- Kater", der„ runde Mops", der Schornsteinfeger, die Giraffen und Phantasiegebilde aller Art. Die Grundform für die meisten Uebungen vollplastischer Gestaltung ist die Kugel. Stiehler zeigt sie in verschiedenen Entwicklungsreihen als Ausgangspunkt technischer und verstandesmäßiger llebungen bei Berfeinerung des Handgefühls. Den Streit, ob Ton oder Plastilina im Unterricht verwendet werden soll, entscheidet der Verfasser dahin, daß bei allen freien, phantasiemäßigen und vorstellungsgemäßen Darstellungen Ton verwendet wird, während bei dem illustrierenden Gestalten der Unterstufe, bei Modellen in der Naturgeschichte, Heimatkunde und anderen Fächern, also in allen Fällen, in denen es sich um reine Zweckarbeiten handelt, Plastilina gebraucht wird. Abschließend behandelt Stiehler den Besuch einer Kunsttöpferei als Durch wundervolle AbBeispiel eines Unterrichtsausganges. bildungen wird die Arbeit des Töpfers an der Drehscheibe, an der Tonfnetmaschine, beim Ausgießen der Matrize gezeigt. Mit Bergnügen liest man, daß der Verfasser selbst als 52jähriger Lehrjunge" in eine Kunsttöpferei eintrat, um selbst die hohe Kunst der Keramit zu erlernen. Ein Hauch dieser jugendlichen Lernfreude, die weitab liegt von Schulmeisterei und Selbstgenügsamkeit durchweht auch troy aller Wissenschaftlichkeit das Werkchen Stiehlers und macht seine Lektüre zu einem fünstlerischen Genuß. Das Hest, das auch eine ausgezeichnete Auswahl von Schriften zum plastischer Gestalten" enthielt, gehört in die Hand jedes Freundes der plastischen Kunst. Die Faltschneidetechnik im Unterricht behandelt Richard Parthum in seinem Hejt ,, Der Faltschnitt". Der Ver fasser denkt sich diese Technik nicht als selbständiges Unterrichtsfach im Kreise der Fächer des Werkunterrichts, sondern als eine dem Papparbeit und Zeichenunterricht, sowie dem Nadelarbeitsunterricht eingegliederte Technik. Sie soll Darstellungsmittel zur Bildung der Ausdrucksfähigkeit bei Beobachtungen und Schmuckmittel der im Zeichenunterricht und Papparbeitsunterricht angefertigten Arbeiten fein. Diese Anregung und Befriedigung des findlichen Verzierungssticles darf jedoch nicht in Verzierungssucht und Buhsucht ausarten. Barthum hält den Schüler deshalb ständig zu Ueberlegungen an, marum gerade an dieser Stelle Schmud angewendet werden soll, warum jedoch nicht jeder Gegenstand verziert werden darf. Das Büchlein ist aus der Praxis entstanden und für die Praxis geschrieben. Es bringt zunächst wertvolle Richtlinien zur praktischen Durchführung der Faltschnittechnik, die zur sparsamen Materialvermendung, zur Sauberhaltung der Blähe erziehen und Anregungen für die Aufstellung eines planmäßig geordneten Lehrganges enthalten. Der Wertstoff des Faltschnittes sind Schreibpapier, Badpapier, farbiges Glanz- und Mattpapier und ganz durchgefärbte Mattpapiere. Das Heftchen bespricht jede der hauptsächlichsten Papierforten eingehend und vermittelt dadurch die für die praktische Arbeit Die Harmonita- Faltung, die Diagonal- und die Schräg oder widergleiche Diagonalfaltung find die Grundlagen der hier behandelten Schmudformen, die den Schülern Anregungen bieten, finngemäß gestaltete Formen selbständig zu finden. Sehr hübsch sind die Rosetten und rosettenähnlichen Gebilde, die durch zentralen Fal: Dr. E. M. schnitt genommen werden. Büchlein führt von den einfachsten Verrichtungen, die gleichzeitig eine sachgemäße Pflege des Werkzeugs in sich schließen, zum Biegen und Löten und zu hübschen Drahtarbeiten. Da werden Ringösen und fleine Hafen, Gestelle und Ständer für Photos, Heber für photographische Blatten, und Untersetzer für Töpfe und Gläser hergestellt. Lampenschirmgestelle, Tellerträger, Elettroskope werden auf finn gemäße, leicht verständliche Art ausgeführt. Schöne Blecharbeiten Brieföffner, Bapiermesser, Ausstechformen für Gebäd, elektrische Schalter wechseln ab mit getriebenen Metallschöpfungen und ge hämmerten, gefchmadvollen Schalen, Leuchtern, Broschen und Schmudſtüden aller Art. Die Schüler fernen spielend das Färben der Metalle, das Bohren und Nieten, Schmieden und Härten, sie merden eingeführt in das Gewindeschneiden und die Arbeit an der Drehbant. Das feffelnd geschriebene Büchlein bietet nicht nur dem Schüler des Berfunterrichts, sondern auch der Hausfrau, die Freude an der Technik empfindet, den mit ihren Kindern bastelnden und arbeitenden Eltern und Erziehern piele neue Anregungen. Aus der Braris entstanden ist auch das interessante Büchlein Lehrstundenbilder aus dem neuzeitlichen Seiden- unentbehrlichen Kenntnisse vom Wertstoff, der hier in Frage fommt. unterricht von Josef Ettel. Der Verfasser unterscheidet zwei Zeichenarten, das freie Schaffen", d. h. Empfindungs und Gefühlsdarstellungen und das Zeichnen", das Naturmiedergabe bezweckt. Das reich ilustrierte, mit interessanten Schülerzeichnungen gefchmüdte Sjeft bietet einen Einblick in beide Zeichenarten, die sich auf die verschiedenen Klaffen verteilen. Es enthält unter vielem an ~ Sportund Spiel~ Sonntags- Wintersport. Werbelauf in Eberswalde.- Ski in Freienwalde. Eishockey in Berlin. Die immer noch glänzende Schneelage in der Umgebung Berlins gibt den Wintersportlern aller Couleurs auch am morgigen Sonn tag Gelegenheit, ihren Sport auszuüben. So fahren die Arbeitermintersportler des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund mit ihren Stiern nach Eberswalde, um dort zu werben. Abfahrt 7,30 Uhr früh vom Stettiner Bahnhof mit Rückfahrkarten. Der Norddeutsche Stiverband ruft zu einem Treffen nach dem märkischen Wintersportidyll Bad Freienwalde auf. Am Bormittag tommt ein Stilanglauf für sämtliche Klassen zum Austrag, nachmittags findet auf der Papengrundschanze ein Berbandsspringen statt, das alle namhaften Springer des NSV. am Start versammelt sieht, so u. a. Leipold, Niels Abel, Müller, Kaßler und Boreth. Die EishodeyDerbandsspiele der ersten Maffe werden am heutigen Sonnabend durch die Treffen Berliner Hadenflub gegen Stegliger Tennisklub und Berliner Eislaufklub gegen Tennisklub Schwarzgrün um 16 Uhr fortgesetzt. Außerdem spielen die Junioren des SC. Charlottenburg und des Tegeler Eislaufvereins um 16 Uhr auf dem Avusplay. Am Sonntag spielt der Berliner Schlittschuhklub gegen den Tegeler Eislaufverein um 11 Uhr am Reichskanzlerplag; die Berbandsspiele werden fortgesetzt mit den Begegnungen: Berfiner Hockeyklub gegen Berliner Eislaufklub um 11 Uhr in Dahlem und Stegliger Tennisklub gegen Berliner Sportklub um 11 Uhr in Steglit. Brandenburg folgt einer Einladung zum Leipziger Sportklub. Der Boxabend im Westen. Sieben nationale Paarungen. megen hrer Gegnerfchaft ger monarchistischen Herrichaft wicht gen bie Titel ft a atsfeinbliche und politifge Turner an hängen tonnten und die Staatsorgane bei der Berfolgung der„ Roten" unterstützten. Die Deutsche Turnerschaft hat feine Berechtigung, politische Neutralität für sich in Anspruch zu nehmen, weil in ihren Reihen das Gegenteil vorhanden ist. In Sachen Linart. Der Bund Deutscher Radfahrer teilt mit: Ueber die Requal die Leitung der Bersammlung an sich reißen. Dabei wurde Buchfitation des belgischen Dauerfahrers Linart sind nach dem UCI.ler von der Bühne gerissen und durch Spaten schläge am Ropf verlegt. Die Heimwehr war mit Stahlhelm, Spaten und Gummifnüppeln ausgerüstet. Die Arbeiterschaft tat ihr Schulbiges und brachte die Heimwehr hinaus. Verletzte gab es hüben und rüben. Bemerkenswert ist, daß unter den Heimwehrleuten auch mitglieder des Deutschen Turnerbundes( 1919) waren, der auch in Deutschland Vereine besitzt. Im Niederösterreichischen Landtag ließ der Kreisobmann dieses Bundes, Prof. Zippe, bei Behandlung dieses Falles den Hauptmann Pabst, den Führer der österreichischen faschistischen Heimwehren und Kapp- Butschist, hochleben. Haymann- Wagener in Berlin. Um die Schwergewichts- Meisterschaft. Der Endlampf um die Deutsche Bogmeisterschaft im Schwergewicht zwischen dem Titelhalter Ludwig Haymann und dem anerkannten Herausforderer Rudi Wagener steht bevor. Es lagen verschiedene Bewerbungen aus dem Reiche vor, so u. a. von Frankfurt a. M. für den 9. März, doch erhielt Berlin den Zuschlag, da für die Reichshauptstadt das höchste Angebot abgegeben wurde. Das Treffen soll Anfang April zum Austrag kommen. Startverbot für Schönrath. Der Krefelder Schwergewichtsboger Schönrath hatte die Absicht, Anfang nächsten Monats in London gegen den Engländer Bobby Shields zu kämpfen. Da seine letzten Leistungen je: doch wenig befriedigten, hat die Borsportbehörde wie erst fürzlich im Falle Jaspers Auslands- Startverbot über Schönrath verhängt. Ein Stück Idee aus der D.T. Der Ständige Boring" tonnte gestern abend seinen Das haßerfüllte Ausnahmegesetz gegen„ IHN! 32. Kampfabend in den Spichernjälen zu einem schönen Erfolge gestalten. Dem gutbesuchten Hause waren nicht weniger als fieben verschiedene nationale Paarungen versprochen worden, die auch alle programmäßig zur Abwicklung gelangten und durchweg zu gefallen mußten. Mit einem Qualifikationskampf wurde der Abend eingeleitet. Helmut Schulz Il- Berlin( 65 Kilo) trat gegen Hans Ahrens- Berlin ( 67 kilo) an. Ahrens, der ständig im Vorteil war, brachte seinen Gegner in der dritten Runde über die Zeit auf die Bretter. Den zweiten Qualifikationskampf bestritten Helmut Luckstadt- Berlin ( 72,6 Kilo) und Reinhard Franz- Berlin( 70 Kilo). Franz siegte einwandfrei nach Punkten. Ein schnelles Ende nahm die Begegnung Frizz Knorr- Braunschweig( 60,2 Kilo) und Erwin Zinndorf- Frankfurt a. M.( 60,4 Kilo). Zinndorf ging wie ein wütender Stier auf seinen Gegner los, wirbelte nur so durch den Ring und schlug Knorr schon in der ersten Runde so zusammen, daß er aufgeben mußte. Dem größten Interesse begegnete der Kampf des nach Berlin zurückgekehrten jungen Fortmann- Berlin, der in England mit Erfolg im Ring gestanden hatte. Dem Berliner wurde der Mannheimer Mittelgewichtler Scherle vorgesetzt. Fortmann zeigte einen guten linken Geraden, borte aber nicht systematisch genug und mußte trol geringer Vorteile mit dem wieder recht planlos kämpfenden Scherle den Sieg teilen. In guter Form zeigte sich der Hamburger Kruse, er punktete den Berliner Frizz Kühn klar aus. Dem Berliner Bolz fiel die Aufgabe gegen den guten Dresdner Richter doch zu schwer. Er verteidigte sich zuerst recht geschickt, allmählich fonnte Richter aber aufkommen und schließlich einen glatten Punktjieg landen. Einen schönen Kampf lieferten sich die Leichtgewichte Heinisch( Mühlhausen) und Arlt( Danzig). Heinisch siegte nach Buntten, nachdem Arlt in der jünften Runde für kurze Zeit den Boden hatte aufsuchen müssen. Der DAC. als Eisbrecher! Gestern nachmittag veranstaltete der Deutsche Auto- Club feine seit langem geplante Eisfahrt nach dem Müggelsee. Kurz nach 2 Uhr setzte sich von der Jannowizbrücke der gutbesetzte neue Salondampfer Vaterland" der Wintermärchentlasse von der Abfahrtstelle der Nobiling- Reederei in Bewegung. Zunächst ging die Fahrt noch recht reibungslos", aber bald polterten auch schon die ersten Eisschollen, die zuweilen eine immense Dide aufwiesen, frachend gegen die Bordwände des Dampfers. In einiger Ent" fernung folgte im Rielwasser die unbesetzte Mark Brandenburg" greifen sollte. Schon in Oberschöneweide waren die Eisverhältnisse in der Fahrrinne denkbar schlecht und die" Mark Brandenburg" mußte den großen Bruder schieben" helfen. Nun gab es tein Hindernis mehr und nach zweistündiger Fahrt, die an verschneiten der Nobiling- Reederei, die im Notfalle bei zu starker Vereijung einnjerlandschaften, die in märchenhafter Schönheit dalagen, vorbeiführte, landeten die„ Eisfahrer" wohlbehalten am Müggelsee. Um 29 Uhr wurde die Rückfahrt angetreten. Arbeiterschachspieler von Neukölln. Am Dienstag, 19. Februar, 20 Uhr, erfolgt die Gründung der neuen Abteilung bei Balewski, Boddinſtr. 57 Ecke Isarstraße. Partei genossen, Arbeiterschachspieler und solche, die es werden wollen, tommt zu uns und spielt unter Gleichgesinnten Schach. Die beiden Abteilungen, die zurzeit in Neukölln tagen, find nicht Mitglied des Bundes. Anfragen in allen Vereinsangelegenheiten an G. Berwinski, Berlin S. 59, Planufer 91. Abteilung Lichtenberg: Bühlischstr. 36 bei Schüler. Jeden Sonntag ab 10 Uhr freier Schachverkehr. Abteilung Treptow: Elsen- Ecke Beermannstraße bei Rolf. Jeden Sonntag ab 10 Uhr freier Schachverkehr. Abteilung Weißensee: Berliner Allee Ecke Lehderstraße bei Gallas. Dienstag, 19. Februar, Vortrag über ,, Eröffnungs Iehre". Gäste willkommen. Oesterreichische Gewaltpolitiker. Das Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Arbeiter- Turn- und Sportbundes, Büchler, der Bizebürgermeister von Wiener Neustabt, war fürzlich Referent in einer öffentlichen Versammlung, die von der Sozialdemokratischen Partei Desterreichs einberufen war. Die faschistischen Heimwehren hatten mitgeteilt, daß sie einer solchen Versammlung mit Redefreiheit und Gastrecht beiwohnen möchten, aber an dem Tage nicht erscheinen könnten. Das war ein Täuschungsmanöver. 200 Heimwehrleute hatten den Saal belegt, die Führer waren ebenfalls da und beim Beginn wollte man Nachdem der fozialdemokratische Reichtagsabgeordnete So11. mann der Deutschen Turnerschaft" anläßlich ihres Turnfestes in Köln abgesprochen hat, von einer fortschrittlichen Idee beseelt zu sein, bemühen sich hohe und höchste Führer der Deutschen Turner fchaft, den gegenteiligen Nachweis zu erbringen. Wir wollen sie in der Kennzeichnung der Deutschen Turnerschaftsidee unterstützen und einem Bericht der bringen nachstehend einen Abschnitt aus Jugendwartetagung thüringischer DT.- Vereine in Pößned, entnommen der Sportrundschau des Neustädter Kreisboten", Thüringen. Der Jugendwart des Turnvereins 1885 Pößned" jezte den Anwesenden Zweck und Ziel der neuzeitlichen Jugendbewegung in der Deutschen Turnerschaft auseinander. Im Bericht heißt es dann: Kongreß irreführende Nachrichten in der Presse verbreitet worden. Es ist wohl auf dem Kongreß die Bitte an den Sportausschußvorfizenden des BDR, gerichtet worden, die Verweisung Linarts von allen deutschen Bahnen aufzuheben, jedoch hat der Sportausschußvorsitzende erklärt, daß er allein eine Requalifikation nicht vornehmen fönne, sondern der Sportausschuß zu entscheiden habe. Der Sportausschuß hat in der Sache Linart noch nicht neu verhandelt, und es Bahnen vor der Hand noch keine Rede sein. Das gleiche trifft auf fann daher von einer Wiederzulassung des Belgiers auf deutschen den gleichfalls von allen deutschen Bahnen verwiesenen französischen Schrittmacher Didier und den italienischen Pfleger Billa zu. Deutsch- holländischer Kampftag im Spichernring. Am Freis tag, 22. Februar, veranstaltet der Ständige Borring" in den Spichernfälen einen deutsch- holländischen Kampftag. Die diesmal verpflichteten Holländer sind von weit erheblicherer Klasse als ihre fürzlich gesehenen Landsleute, denn es fämpfen der Mittelgewichtsmeister von Holland Piet van Dam gegen Walter Cunow und Len Sanders gegen Fris Kracht. Zu den nationalen Paarungen begegnen sich Hans Schemmann mit Karl Walter und Hans Schönrath und Harry Such. Schließung der Turnhallen in Berlin. Die vom Magistrat ber Stadt Berlin zwecks Ersparnis von Heizmaterial beschlossene Schließung der Berliner Schulen macht es notwendig, daß auch die Turnhallen für das Vereinsturnen für die gleiche Zeit, also bis einschließlich 23. Februar, geschlossen werden müssen. Absage der Ruhlebener Trabrennen. Die starken Schneefälle der letzten Tage haben auch das Geläuf in Ruhleben unbrauchbar gemacht, und das schlechte Geschäft mag das seinige dazu beigetragen haben, daß der Ruhlebener Trabrennverein anderen Beispielen folgt und die geplanten Sonntagsrennen absagt. Ein Werbeabend FFB. Aus Anlaß des einjährigen Bestehens treten bie Freien Faltbootfahrer Berlin mit einer Werbeveranstaltung an die Deffentlichkeit.„ An heimischen Ufern mit dem FFB. auf deutschen Flüssen" ist der Titel des Lichtbildervortrages, der Donnerstag, 21. Februar, in den Sophienfälen, Sophienstraße 21, alle noch fernstehenden Faltbootfahrer für die junge, fidh träftig entwideinde Organisation erfaffen soll. Saalsammensein. Unfostenbeitrag 25 Pfennig. eröffnung 19% Uhr; Anfang 20 Uhr. Anschließend geselliges BeiArbeiter- Tennisspieler! Die Tennisabteilung der Freien Turner: schaft Groß- Berlin bietet ihren Mitgliedern auch während der Wintermonate regelmäßig Gelegenheit zur Ausübung des Tennissports. Alle Mitglieder und Interessenten sind eingeladen, am Uebungsbetrieb teilzunehmen und zwar jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr in der Turnhalle des Leffing- Gymnasiums, Panfstraße 18/19 sammenkünfte und Tischtennis jeden 1. und 3. Montag im Monat Für den Sommer stehen im Jugendheim, Gerichtstraße 12/13. Anfragen ,, Hierauf gedachte man des 27. Januar als des 70. Gellebungspläge in genügender Anzahl zur Verfügung. und Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle der FTGB., NO. 18, burtstages des ehemaligen, zurzeit in Holland lebenden deutLichtenberger Straße 3( Fernruf Königstadt 3656), entgegen. schen Kaisers Wilhelms II. Der Redner stellte Vergleiche an vom Wegen Vaterland einst vor dem Kriege und heute und bezeichnete es als Arbeitersportschule, Schwimmer, Frauenlehrklasse! eine große Unmoral, einen deutschen Staatsbürger durch ein haß Schließung der Turnhallen sind die Uebungsstunden nach Frankerfülltes Ausnahmegesetz den Aufenthalt in der Heimat noch nach furter Allee 236, bei Wegener, verlegt worden. Die gymnastischen zehn Jahren zu verbieten. Man denke nur an die Tausende von Uebungen zum Kreisfest am 17. März, finden Dienstag, 19. Februar Ausländern, denen man seit 1. August 1914 trog größter Bolts- und Donnerstag, 21. Februar, 20 Uhr, statt. Wegen der kurzen und Wohnungsnot Gastrecht gewährt, und man bedente, was Zeit, die bis zum Kreisfest zur Verfügung steht, ist es Pflicht aller für eine für das gesamte deutsche Bolkstum gefährliche Sorte von Reigenschwimmer der Frauenlehrklasse, daran teilzunehmen. Die LeiMenschen sich darunter befindet, wie uns die großen Gerichtsver- tung führt Gradtke- Weißenfee. Wegen des 20. Reigens, der zum handlungen während und nach der schandhaften Inflationszeit Kreisfest geschwommen wird, findet Dienstag nach der Uebungsstunde bewiesen haben. In dieser schweren Notzeit des Volkes hat man eine turze Besprechung statt. Turnzeug ist mitzubringen. Der Saal übersehen, viele Schwerverbrecher am Boltsförper unschädlich zu ist gut geheizt. machen. Eine bessere Moral im Volte wieder die Oberhand gewinnen zu lassen, dazu soll die in Jugenderziehungsarbeit der Deutschen Turnerschaft mithelfen." Zurück zu IHM", unter, dessen Herrschaft es der Deutschen Turnerschaft so gut ging; damit ist die auf der Pößnecker Jugendwartetagung vertretene DT.- Idee am besten gekennzeichnet. Daß dieses Bestreben ein politisches ist, weil es sich gegen die geltenden Staatsvorschriften wendet, will man in der Deutschen Turnerschaft nicht wahr haben. Gerade Mitglieder der Deutschen Turnerschaft waren es aber vor dem Kriege, die den Arbeiterturnern Bundestreue Vereine teilen mit: Rartell für Arbeitersport und Körperpflege, 20. Berwaltungsbezirt. Mon. tag, 18. Februar, 19% Uhr, im Boltshaus Reinidendorf- Weft, Scharnweber. ftraße 114-115, Kartelligung. Wichtige Tagesordnung. FEGB. Da zurzeit die Turnhallen geschlossen sind, üben die Mitwirkenden beim Buchdruckerfest heute, 19 Uhr, im Ideal- Casino, Beichfelfte. 8. Reichenberger Str. 66, Brettspielabend. Bringt genügend Spiele mit. FTGB. Südosten- Treptow. Heute, Sonnabend, 20 Uhr, im Jugendheim, Freie Turnerschaft Wilmersdorf. Montag, 18. Februar, 20 Uhr, brei Kroig, lung. Kartellvereine schicken Vertreter mit Ausweis. Zutritt nur mit Mitgliedsbuch. Gasteiner Ede Holsteinische Straße, außerordentlich wichtige MitgliederversammVergebliche Mohrenwäsche. Mitgliederfang der Hirsch Dunderschen. = Was wir in Nr. 66 des ,, Abend" auf Grund einer arbeitsgerichtlichen Berhandlung über die untertarifliche Entlohnung eines Angestellten der kommunistischen ,, ll ni verfum Bücherei für Alle" mitteilten, wird von der„ Roten Fahne" nach alter Gewohnheit als" freche Verleumdung" bezeichnet. Demgegenüber bleiben wir dabei, daß unsere Darstellung in allen wesentlichen Punkten den Tatsachen entspricht, Nicht nur der Hirsch- Dundersche Portierverband geht auf Mitgliederfang aus, noch toller treibt es der Gewerkverein der Bäcker und Konditoren. Er läßt unter den Arbeitslosen die Mär verbreiten, er habe 40 Stellen bei Karstadt zu besetzen. Melden sich nun Arbeitslose, so müssen sie zunächst eine Einschreibegebühr, Eintrittsgeld und fünf Wochenbeiträge entrichten. Dabei kann der Gewerkverein feinerlei Gewähr dafür bieten, irgend= eine Stelle zu besetzen. Aber nicht nur in diesem Fall zieht der Was wir mitgeteilt haben, hat der Vertreter des Klägers vor Gewerkverein den Arbeitslosen das Geld aus der Tasche, sondern er dem Arbeitsgericht dargelegt, und Herr Hotopp, der das bringt es fertig, sogar den gewerbsmäßigen Stellen. beklagte Münzenbergsche Unternehmen vertrat, hat diesen Dara vermittlern, die nach den gesetzlichen Bestimmungen 1931 verlegungen nicht widersprochen. Sie können auch nicht abgeschwinden müssen, weiter die Möglichkeit zu geben, von den Arbeits. stritten werden. Die Tatsache steht fest, daß T. als Angestellter losen zu leben. in einem von Kommunisten geleiteten und der Kommunistischen Partei dienenden Unternehmen ein ganzes Jahr einen erheblich niedrigeren Lohn erhielt, als ihm nach dem Tarif zustand. Selbst wenn T., wie die ,, Rote Fahne" behauptet, unter dem Tarif arbeiten wollte, war eine unter tarifliche Entloh nung nicht zulässig, denn der Unternehmer ist was auch die Rofe Fahne" wissen müßte verpflichtet, den Tariflohn zu zahlen. Aber T. war mit dem niedrigen Lohn gar nicht ein verstanden. Er hat sich wiederholt mit der Forderung des Tariflohnes an den Geschäftsführer Kaz und den Prokuristen und Propagandaches Hotopp gewandt und ist dann, als diese Herren ihn von einem Monat zum anderen verirösteten, zu Mün zenberg gegangen, was ihm die Herren Katz und Hotopp sehr verübelten. = Erst seit dem 1. Oktober 1928, nachdem er ein volles Jahr unter tariflich entlohnt war, hat T. den Tariflohn als Bader erhalten, hat aber gleichzeitig durch Unterschrift auf Nach zahlung des Tariflohnes für die zurückliegende Zeit verzichten müssen und, nachdem er das getan hatte, seine Kündigung erhalten. Diese Tatsachen, auf die es allein antommt, kann auch die Rote Fahne" nicht bestreiten. Sie macht nur ein langes Gerede über unbedeutende Nebensächlichkeiten. Richtig ist auch, daß T., nach dem er wegen seiner Lohnforderung gegen das kommunistische Unternehmen vorgegangen war, auf Antrag des Herrn Hotopp aus der Sommunistischen Partei ausgeschlossen worden ist. So vermittelt jetzt die gewerbsmäßige Stellenvermittlerin Frau Richter, Charlottenburg, Grünftr. 28, im Auftrage des Gewerkvereins der Bäcker und Konditoren, der außerdem die Praxis des gewerbsmäßigen Stellenvermittlers Lebrecht, Berlin, Bergstr. 12, übernommen hat. Wobei zu beachten ist, daß dieser Gewerkverein, um als Tarifkontrahent zu gelten, die Tarife des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter nachträglich als eigene Tarifabschlüsse publiziert, nachdem ihm von den Arbeitgebern gnädigst gestattet wurde, die Tarife mit zu unterschreiben. Nach diesen Tarifen find sämtliche Arbeitskräfte von dem paritätischen Facharbeits nach weis zu beziehen. Diesem Gewerkverein geht jedoch der Mitgliederfang über die Tariftreue, Warum nicht Musifer? Unter diesem Stichwort wendet sich der Deutsche Musikerverband in einem Flugblatt gegen die leichtfertige Ergreifung des Musikerberufes. Die Zukunftsaussichten des Musikerberufs sind im Hinblick auf die fortschreitende Mechanifierung der Musit nicht besonders günstig. Voraussichtlich werden zufünftig weit mehr noch als jetzt schon nur außerordentlich befähigte und allerbestens ausgebildete, also auch den höchsten künstlerischen Eristenz finden können. Deshalb sollten Eltern, Vormünder, Lehrer, Anforderungen gewachsene Kräfte im Mufiterberuf eine erträgliche Berufsberater, aber auch die vor der Schulentlassung stehende Jugend selbst sich nicht so ohne weiteres für die Erwählung des Musikerberufes entscheiden, zumal leider wirklich empfehlenswerte Aus bildungsstätten für Berufsmusiker nur wenig porhanden find.